Nr. 5 Erstes Blatt Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gies;euer Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Bezugspreir: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewatt Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: granffurt am Main 11686 185. Jahrgang Montag, I.Zanuar 1935 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Sriihl'sche Univerfiläts-Vuch- und Steinbruderei R. Lange in Siehe». Schristleltung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe r Annahme von Anzeigen für die Miltagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70 m m Brette 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/rt mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Deutschland steht in Treue zur Saar. „Ihr kehrt heim in ein Reich, das Euch würdig empfängt und demIhr wieder mit Stolz angehören dürst!" Rudolf Heß aus einer großen Berliner Saarkundgebung. Berlin, 6. Jan. (DNB.) Das ganze deutsche Volk richtete am Sonntag den Blick nach der Saar. Der Rundfunk hatte sein Unterhaltungsprogramm fast ausschließlich auf diesen „Tag der Saar" eingestellt. Daneben übermittelte er wiederholt den Hörern in allen Teilen des Reiches die Nachrichten über den Riesenaufmarsch der Deutschen Front auf dem Wackenberg bei Saarbrücken und brachte schließlich am Abend als Reichssendung die „Saar-Cantate" zu Gehör, mit der Melodie des Saarliedes, das an diesem Tage in allen deutschen Städten und Dörfern gesungen wurde. In Berlin fand, nachdem am Vormittag Reichsminister Dr. Goebbels bereits die Saaraus- st e l l u n g im Reichstag eröffnet hatte, abends eine gewaltige Saa r k u n d g e b u n g im Sportpalast statt, die sich ebenfalls zu einem erhebenden Bekenntnis zur deutschen Saar gestaltete. Um 19 Uhr war der Riesenraum bereits überfüllt. 20 000 Menschen drängten sich Kopf an Kopf in einer unerhörten Begeisterung. Immer aufs neue erhoben sich die Menschenmassen und grüßten mit freudigen Zurufen die mehr als 2000 ab- stimmungsberechtigten Saarländer, Die der Kundgebung beiwohnten. Der Begeisterungssturm erreichte seinen Höhepunkt, als um 20 Uhr, von Fanfaren angekündigt, der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß und Reichsminister Dr. Goebbels den Saal betraten. Nach einer Begrüßungsansprache des stellvertretenden Berliner Gauleiters, Staatsrat Görlitz er, erklärte u. a. der Stellvertreter des Führers: Ausgehend von dem persönlichen Erlebnis eines Aufenthaltes in Saarbrücken während des H e i m - fluges von der Front nach Kriegsende betonte Rudolf Heß, daß damals weder er noch die Volksgenossen der Saar, noch Deutschland insgesamt hätte glauben können, daß dieses deutsche Land fünfzehn Jahre unter fremder Herrschaft stehen könne. „Für die Ruhe der politischen Entwicklung", so stellte der Stellvertreter des Führers fest, „wäre es ein Glück gewesen, wenn Frankreich den Vorschlag des Führers angenommen hätte, die Saar solle ohne Abstimmung Deutschland angegliedert werden durch freundschaftliche Verhandlungen zwischen den beteiligten Staaten. Vielleicht ist es aber gut, wenn der Welt noch einmal in einer so in die Augen springenden Weise wie durch die Abstimmung gezeigt wird, welchem Volkstum die Deutschen des Saargebietes angehören und angehören wollen. Und vielleicht ist es gut für Deutschland und für die ganze Welt, es wird dieser noch einmal sinnfällig gezeigt, wie widernatürlich manche Teile des Vertrages sind, der nach dem Glauben vieler der gequälten Menschheit Frieden bringen sollte und, weiß der Himmel, doch keinen wirklichen Frieden brachte. Wir wollen dankbar anerkennen, daß d 1 e heutige französische Regierung — nachdem sie schon auf der Abstimmung bestehen zu müssen glaubte — sich ehrlich und mit Erfolg bemühte, aus dem Wege z u räumen, was Schwierigkeiten erzeugen und die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich hätte ungünstig beeinflussen können. Wir glauben, daß die französische Regierung dem Ariedensbedürfnis und dem Rechtsempfinden des französischen Volkes auch in der nächsten Zeit dadurch Rechnung tragen wird, daß sie alles tut, ummitDeutschlandgemein- fam nach der Abstimmung die noch abzuwickelnden technischen Einzelheiten der Wiederangliederung rasch und einwandfrei zu lösen." Den Volksgenossen der Saar rief Rudolf Heß zu: „Ihr kehrt heim in ein Reich, das E u ch würdig empfängt, in ein Reich, dem Ihr w i eder m i t Stolz angehören dürft!" Dieses Reich habe Millionen seiner Kinder zu Arbeit und Brot zurück- geführt, es sorge für seine Schaffenden, und es nehme sich in Liebe seiner Aermsten an Es sei em Reich, in dem nach dem Wort des alten Fritz i e d e r nach seiner Fasson selig werden könne. Jedem stehe es frei, was er glauben will und zu welcher Kirche er gehen will. Der Nationalsozialismus, der der Gottlosenbewegung den schärfsten und erfolgreichsten Kampf angesagt hat, ist gewillt, die beiden christlichen Konfessionen t n ihrem religiösen Betätigungsfeld zu schützen. Wir sind bereit, den Kirchen zu geben, was der Kirche ist, wenn sie dem Staate geben, was des Staates ist. Rudolf Heß gab dann ein Bild dieses neuen Staates, feiner wirtschaftlichen Wißnahmen und Erfolge und der Sorge um das Wohl der Volksgenoffen. Zu der letzten Lügenflul, die die Emigranten über Deutschland geleitet haben, führte der Stellvertreter des Führers aus, ihm täten die Propheten rechts und links Zwar beinahe leid, aber er könne ihnen versichern, daß sichauch nach dem 13. Januarnichts, aberauchgarnichts vonallden mystischen Dingen ereignen wird, die sie prophezeien und daß es in Deutschland gerade so ruhig sein wird wie vor dem 13. Januar. Alle seine Volksgenossen vor ihm müßten ja wohl bezeugen, daß Berlin tatsächlich nicht von den Kämpfen des Bürgerkrieges widerhalle, keine politischen Gegner an den Laternenpfählen hingen und die Reichswehr die Straße nicht verbarrikadiert habe, wie dies die Emigranten behaupten. Und die Volksgenossen vor ihm würden ja auch wohl bezeugen können, daß er leibhaftig und gesund vor ihnen stehe. Nach den Berichten der internationalen Brunnenvergifter läge auch er schon erschossen unter dem Rasen wie die meisten anderen Führer in Deutschland, die samt und sonders nichts Besseres zu tun hätten, als sich gegenseitig Löcher in den Leib zu schießen. Die Huldigung der deutschen Führerschaft für Adolf Hitler war der Ausdruck der Treue und des freudigen Gehorsams zu ihm, dem Führer in das neue Deutschland der Ehre und Größe. Das deutsche Volk von heute ist eine geschlossene Nation, die hinter einem Führer marschiert und in deren Reihen in einer Woche die Saardeutschen an der Stelle mitmarschieren, wohin Gott sie haben will. „Saardeutsche aus dem Blut und Boden ur- und erzdeutscher Heimat, Ihr werdet an diesem Tage Mann für Mann, Frau um Frau Eure Pflicht tun. Der Führer will es, die Welt erwartet es, Deutschland weiß es. Deutsch i ft d i e Saar!" Amerikanische Saardeulsche in DeMschlani). ■ v L f ' tz <<: . MM > ■ 11 Mit dem Hapag-Dampfer „Deutschland" traf in Cuxhaven die größte Gruppe abstimmungsberechtigter Saardeutscher aus den Vereinigten Staaten ein. 358 Saarländer, die ihrem alten Vaterlande die Treue gehalten haben, hielten unter den Fahnen Deutschlands, Amerikas und der ihres Verems ihren Einzug in die Stadt, wo sie mit Jubel begrüßt wurden. Volk will zu Volk. 350 000 Saarländer fordern Der letzte Appell. Die Demonstration des Deutschtums auf dem Wackenberg bei Saarbrücken. Saarbrücken, 6. Jan. (DNB.) Heute gaben 350 000 Saarländer ihrem unbedingten Willen zu Deutschland Ausdruck. Weit über 150 000 Menschen standen auf dem Platz auf dem Wackenberge, 50 000 auf einem kleineren Platz, 100 000 standen in kilometerlangen Marschkolonnen, ohne bis in die Mittagsstunden auf den Kundgebungsplatz gelangen zu können. Auf allen Bahnhöfen des Saargebietes muß- fen viele Taufende Zurückbleiben, weil an Stelle der 81 angeforderten Sonder- züge die Saarbahnen nur 32 Züge stellen konnten und trotz stärkster Ueberfüllung der Züge ein großer Teil der Demonstranten nicht nach Saarbrücken befördert zu werden vermochte. Aber alteindurchihrenwitlen, nach Saarbrücken zu fahren, haben auch diese Saarländer ihrem willen zu Deutschland in eindrucksvoller Weise Ausdruck gegeben. Der Morgen ist grau und diesig, Auf dem nassen Asphalt spiegeln sich die letzten Lichter der Nacht, und dünn und stetig rinnt der Regen. Da: Mar sch - tritt von fern. Dunkle Kolonnen mit schwarzen Mützen und weißen Armbinden: Der Ordner- dienst der Deutschen Front, dem die Polizei Organisation und Leitung der Menschen- ströme überlassen hat, rückt an. Langsam wird es hell. Dann ist der Morgen da. Aus dem Bahn- Hof quellen riesige Menschenmassen. Die ersten von den 32 Sonderzügen sind eingetroffen. In allen Straßen sammeln sich trotz des Regens die einzelnen Ortsgruppen der Deutschen Front zum Marsch zum Kundgebungsplatz, der weit über der Stadt auf dem Wackenbergs liegt. Und die Rückkehr ittü deutsche Vaterhaus. Zehntausende treffen in breiten Kolonnen zu zehn und zwölf Mann aus den umliegenden Orten ein. Die Brücken über b i e Saar nach dem linken Saarufer, auf dem die Kundgebungsplätze liegen, find gesperrt. Nur in Zügen oder mit Ausweis darf man passieren. So will die Polizei Störungsversuchen durch die Separatisten Vorbeugen, eigentlich ein überflüssiges Unterfangen; denn wer von diesen Verrätern in diese breiten, nicht mehr aufzuhaltenden Menschenströme gerät, wird m i t g e r i ff e n. Die Flut geht über ihn hinweg und spült ihn fort. Jetzt treffen zu Hunderten Autos und Autoomnibusse ein, alle überfüllt mit begeisterten Menschenmassen. Nun strömt es in der ganzen Breite über alle Saarbrücken, und unabsehbar sieht man die ganzen Anmarschstraßen nur gefüllt mit wogenden Menschenströmen. Nun hallen all' die Lieder durch die Straßen, die von Deutschland künden, von Heimatland, vom Vaterland. Gesungene Schwüre sind es, festlich und feierlich. Schon lange vor 10 Ahr ist der große, weil mehr als 100 000 Menschen fassende Platz zum größten Teil gefüllt, und noch längst ist nicht. die hälfte der Sonderzüge in Saarbrücken eingelaufen. Fast eine Stunde aber dauert der Marsch vom Bahnhof zum wackenberg. Der Platz ist aufgeweicht, in blanken Pfützen stehen die Massen und geh en nicht von der Stelle. Sie wissen, was es gilt! Frauen und Greise sollen heimgeschickt werden. Doch sie wollen nicht gehen. Gesang schallt die Straße herauf: „Ich hab' mich ergeben Mit Herz und mit Hand Dir Land voll Lieb und Leben Du heil'ges Heimatland! Eine neue Kolonne schwenkt ein: „Schwarzbraunes Mädel, du bleibst zu Haus ..." Aber die Mädel sind nicht zu Hause geblieben; denn da biegt in langen Kolonnen der Bd M. um die Ecke, in braunen Kletterwesten, die Baskenmütze keck auf dem Ohr. Schnee stiebt ihnen naß ins Gesicht, doch froh hallt ihr Lied: „Regen, Wind, wir lachen darüber, wir sind jung, uyd das ist schön!" Gaben morgens im Regengrau die Türme Saarbrückens einen silhouettenhaften Hintergrund, so hat jetzt das Schneetreiben einen Schleier darüber gezogen. Auf dem nun fast ganz gefüllten Riesenplatz haben 'sich etwa 140 000 Menschen eingefunden, und immer neue Ströme quellen herauf. kurz nach 11 Uhr erklingt der Badenweiler Marsch. Der Fahneneinmarsch beginnt. Karl Brück, der Landesorganisationsleiter der Deutschen Front, gedenkt der 20 000 toten Saarländer, die für Deutschland gefallen sind. Die Fahnen senken sich, und, ergreifend in dieser Stimmung und in dieser Stunde, verhallt getragen das Lied „Ich halt' einen Kameraden". Dann spricht Karl Brück kämpferische Worte, die mit Jubelbrausen ausgenommen werden. Es ist eine harte Abrechnung mit jenen bezahlten Elementen, die versuchen, für 30 Silberlinge ihr Vaterland zu verkaufen. Inzwischen hat es aufgehört zu schneien, und langsam wird es lichter um den Berg. Jetzt spricht der Führer der Deutschen Gewerkschaftsfront und Oer Saarbevollmächtigte spricht am Mittwoch. Neustadt a. d. h., 5. Jan. Der Saarbevollmächtigte des Reichskanzlers, Gauleiter Bürd el, spricht nicht, wie ursprünglich gemeldet, am 11. Januar, sondern am Mittwoch, 9. Januar, 20 Uhr, in einer öffentlichen Kundgebung in der Fruchthalle zu Kaiserslautern vor den Vertretern der in- und ausländischen Presse über das Thema: „Am 13. Januar: Den Weg frei zur Verständigung!" Die Rede wird in der Zeit von 20 bis 22 Uhr über alte deutschen Sender übertragen. Landespropagandaleiter der Deutschen Front, Peter Kiefer. Er hat sofort die Herzen der Bevölkerung gewonnen und den Weg zu ihnen gefunden. Auch er wird immer wieder vom Jubel unterbrochen, insbesondere wenn er mit den sogenannten Arbeiterparteien und den Freien Gewerkschaften abrechnet, die den Saarbergarbeiter, den Saarkumpel, verraten und verkauft haben. Hunderttausende fingen b'a s ©aarlieb, nehmen es auf und tragen es weiter, so daß es wie ein einziger Schwur wirkt. Dann spricht der stellvertretende Landesleiter der Deutschen Front, N i e t m a n n , der dem seit Wochen schwer erkrankten Landesleiter P i r r o dankt, daß er trotz seiner schweren Krankheit zu dieser Saarkundgebung e r • schienen ist. Deutschlandlied und Horst-Wessel- Lied, mit erhobenen Armen gesungen, schließen die Kundgebung. Und als die Fahnen in den Wind gehoben werden, bricht an einer Stelle für eine Minute d i e Sonne durch die Wolken, überhellt den ganzen Berg und schafft ein Gemälde, das wie ein lichtes Vorfühlungsbild wirkt. Bis zwei Uhr sind die Saarbrücken gesperrt, da auf dem rechten Saarufer die sogenannte Status- quo - Front aufzumarschieren versucht. Wer vergleicht, wie am Morgen diese breiten Menschenströme durch die Straßen quollen, und nun diesen kümmerlichen Aufmarschversuch mit roten Fahnen sieht, der hat die feste und unumstößliche Gewißheit, daß das Schicksal des Saargebietes heute entschieden ist, und daß diese Entscheidung die ist, die das Saarvolk will und wünscht: Für Deutschland! Verunglückte Demonstration der Separatisten. Kommunisten und Sozialdemokraten aus Lothringen müssen die Versammlung füllen helfen. Saarbrücken, 6. Jan. (DNB.) Die Separatisten, die sogenannte Status-quo-Front, hatten für Sonntag um 14 Uhr eine sogenannte „Riesendemonstration" einberufen, die das Größte werden sollte, was bisher auf diesem Gebiete da war. Man kann gleich eines vorausnehmen: auf dem etwa 15 000 Quadratmeter umfassenden Platz, der etwa 45 000 Menschen faßt, hatten sich nicht mehr als 2 0 0 0 0 eingefunden, während der davor liegende Fußballplatz überhaupt leer blieb. Don den Anwesenden waren viele tausende lothringische Kommunisten und Sozialdemokraten aus Forbacy, Metz,' Diedenhofen, Saar- gemünb usw., die zum Teil sogar in französischen Trachten erschienen waren. Die französischen Kraftwagen hatte man schamhaft versteckt und hinter dem Platz parken lassen. Entgegen der noch am Sonntag gegebenen Zusage, die lothringische Grenze am Sonntag ebenso zu sperren wie die deutsche Grenze, war diedeutsche Grenz« dicht besetzt, während alle Landjäger von der lothringischen Grenze in Saarbrücken zusammengezogen waren. Die lothringische Grenze war vollkommen frei, und es fand keine Paßkontrolle statt. Die Stimmung auf dem Platz war außerordentlich matt. Ganze acht Sonderzüge waren nach Saarbrücken gekommen, diese zum Teil nur halb besetzt. Füllten die Züge der Deutschen Front überall die ganze Straßenbreite, so marschierten die kläglichen Häuflein der Separatisten in Dreierreihen mit großen Abständen. Man wartete und wartete auf die Massen, die erscheinen sollten. Um den Anmarsch immer neuer Massen vorzutäuschen, wurde schließlich eine Musikkapelle von etwa 30 Mann zusammengestellt, die alle zehn Minuten erneut in den Platz ein- marfchierte, einmal herumzog und den Platz dann an einer anderen Stelle wieder verließ. Jedesmal wurden die „neueintreffenden Genossen" mit Beifall begrüßt, während draußen vor dem Platz die Zuschauer in ein mit Verlegenheit aufgenommenes brausendes Gelächter ausbrachen. Der sogenannte Marsch durch die Stadt war ein einziges Spießrutenlaufen, denn überall befanden sich noch tausende Angehörige der Deutschen Front, die zu der Kundgebung auf dem Wackenberg nicht mehr zurecht gekommen waren, und die nun die Züge der Separatisten mit dem Saar-Lied mit erhobenem Arm, mit Heil Hitler und dem Ruf: Deutschland erwache! begrüßten. Schließlich wurden Truppen auf Lastautos eingesetzt, um die etwas in Angst geratenen Separatisten zu schützen. Die musterhafte Disziplin der Deutschen Front machte jedoch ein Eingreifen überflüssig. Mehrere hundert enttäuschte Saarländer haben noch am Sonntagabend ihren Uebertritt von der sogenannten Einheitsfront zur Deutschen Front angemeldet. Starker Eindruck in Frankreich. Paris, 6. Jan. (DRB.) Die Abendblätter bringen nicht nur ausführliche Berichte über die Kundgebung der Deutschen Front in Saarbrücken, sondern zum Teil auch bereits Lichtbilder. Alle Blätter heben hervor, daß sich die Kundgebung in d o II ft e r Ordnung vollzogen hat. Der Vertreter des „Paris Soir" hebt die mustergültige Organisation hervor, von der er sich überall habe überzeugen können. Zwischen den Zeilen der ausführlichen Berichte der Pariser Blätter ist deutlich der st arte Eindruck sichtbar, den die trotz des schlechten Wetters abgehaltene Kundgebung hinterlassen hat. Eine Mahnung an der falschen Stelle. Ein überflüssiger Brief der Abstimmungskommission an deutsche Bischöfe. Saarbrücken, 6. Jan. (DRB.) Der Präsident derAbstimmungskommission hat am 5. Januar folgenden Brief an die Bischöfe von Trier und Speyer gerichtet: Ew. Exzellenz beehre ich mich von Folgendem in Kenntnis zu setzen: In einer Erklärung, die am 3. Januar in hiesigen Zeitungen erschien und hier beigefügt ist, haben d i e Dechanten des Saargebietes, wie Ew. Exzellenz ersehen werden, unter Hinweis auf einen Erlaß Ew. Exzellenz und des Bischofs von Trier (Speyer) Stel- luna genommen bezüglich der Frage, wie die Abstimmungsberechtigten bei der Volksabstimmung zu stimmen haben, und zwar in einer Weise, die als eine klare Stellungnahme zu Gunsten der Rückgliederung an Deutschland anzusehen ist. Die Abstimmungskommission, in vollem Bewußtsein ihrer Pflicht dafür Sorge zu tragen, daß die bevorstehende Volksabstimmung dem freien und unbeeinflußten Willen der Stimmberechtigten entspreche, kann und darf diese Tatsache nicht aus den Augen lassen, daß diese Stellungnahme der Geistlichen im Abstimmungskampf eine Beeinflussung mit sich bringen kann der Art, die Freiheit d e r A b st i m m u n g zu gefährden. Als eine derartige Beeinflussung muß die Kommission auch den Erlaß der Bischöfe der Kölner K ir ch e n p r o v i n z vom 26. Dezember 1934 betrachten, betr. das Gebet in allen Kirchen anläßlich der Volksabstimmung am 13. Januar, wenn dieser Erlaß so zu verstehen ist, daß er sich auch auf die Kirchen im Saargebiet bezieht. Die Kommission glaubt, annehmen zu »können, daß Ew. Exzellenz gegen die Veröffentlichung dieses Schreibens, das den Standpunkt der Kommission zum Ausdruck bringt, in der Presse des Saargebietes nichts einzuwenden haben dürften. Ew. Exzellenz wollen den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung entgegegennehmen. Der Präsident der Abstimmungs-Komission gez.: A. E. Rohde. * Die Haltung der deutschen Bischöfe von Trier und Speyer, von denen übrigens der letztere Bischof Dr. Ludwig S e b a st i a n bereits in brr pfälzischen Separatistenzeit vorbildliche Beweise seines Mutes und seiner Vaterlandsliebe gegeben hatte, war nicht zuletzt dadurch bedingt, daß die Separatisten systematisch versucht hatten, Kirche und Christentum gegen das neue Deutschland auszuspielen, um es dem Katholiken als solchem als Pflicht hinzustellen, aus religiösen Gründen seine Stimme für den Status quo, also gegen Deutschland abzugeben. Von den Abstimmungsbehörden waren gegen solche geradezu als blasphemisch zu bezeichnende Versuche, das religiöse Moment in ihre Propaganda hineinzubeziehen, keinerlei Einwände erhoben worden, die die beiden Bischöfe der Aufgabe enthoben haben würden, festzustellen, daß das moralische Gesetz auf Erden, die Vaterlands liebe, niemals mit dem religiösen in Gegensatz gebracht werden kann. Die deutschen Bischöfe wissen ebenso wie die saarländischen Katholiken, was sie mit ihrem katholischen Glauben und ihrem deutschen Gewissen vereinen können, ohne daß dazu die Abstimmungskommission ihnen hierfür theoretische Ratschläge und Belehrungen zu erteilen braucht. Die Sorge der Abstimmungskommission sollte sich intensiver auf andere Stellen richten, die sich unbefugt in d en Abstimmungs- kampf einmisch en. Bisher ist noch nicht bekannt geworden, daß die Abstimmungskommission etwas gegen die französische Grubenverwaltung, die mit materiellenMacht- Mitteln und ausgeklügeltem Spitzelsystem einen un e r Ia ub t en Druck auf die saarländischen Bergleute und darüber hinaus eine poli tische Herrschaft über die abstim - mungsberechtigte Bevölkerung auszuüben versuchte, unternommen hat. Gerade die in den letzten Tagen erbrachten Beweise hierfür hätten es erwarten lasten können, daß gegen solche Mißbräuche, nicht aber gegen von Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber dem deutschen Katholizismus diktierte Erlasse und Kundgebungen der deutschen Bischöfe von der Abstimmungskommission eingeschritten würde. Zurülkgenommene Ausweisung. Prinz Löwenstein darf weiter hetzen. DRB. Saarbrücken, 5.Jan. Der berüchtigte Emigrant Prinz Hubertus Löwenstein, der kürzlich ausgebürgert wurde, war durch ein persönlich vom Präsidenten Knox unterzeichnetes Schreiben angewiesen worden, d a s Saarge b i e t binnen 48 Stunden z u verlassen, da er eine unsta11hafte politische Tätigkeit ausübe. Die Regierungskommssion hat jedoch die Ausweisung des Prinzen Löwenstein, der Verwahrung eingelegt hatte, unter der Bedingung zurückgezogen, daß ersichnichtweiter politisch im Saargebiet betätigen werde. Endlich einmal hatte man zu hoffen gewagt, daß Präsident Knox zur Einsicht über seine unhaltbare Emigrantenpolitik kommen werde. Diese Hoffnung hat sich jedoch sofort als trügerisch erwiesen. Die Anwandlung, einem besonders üblen Emigranten im Saargebiet Asyl und politischen Tummelplatz zu versagen, wurde jedoch sofort aus- gegeben, als Prinz Löwenstein glaubhaft zu machen wußte, sich fernerhin im Saargebiet nicht mehr politisch zu betätigen. Dies muß zum mindesten bedeuten, daß das von ihm herausgegebene Geisteserzeugnis, die Zeitschrift „Das Reich", sofort verboten wird, womit allerdings von einer Aufgabe feiner politischen Tätigkeit im Saargebiet noch nicht gesprochen werden kann. Es ist erwiesene Tatsache, daß Prinz Löwenstein im Saargebiet nicht als Journalist, sondern als Förderer des Status - quo auftritt. Daß er sich nebenbei feit einigen Tagen als Vertreter tschechoslowakischer Zeitungen ausgibt, ist nur darauf zurückzuführen, daß er zum Besuch politischer Kundgebungen einen Presse ausweis der Regierungskommission benötigte. Treue um Treue! Das deutsche Volk trägt die Saarplakette. Die Reich spropagandaleilung der RS DAP. teilt mit: In den Tagen vom 6. bis einschließlich 12. Januar wird im gesamten Reichsgebiet die Saarabstimmungspla- kette zumpreise von 20 Pf. ausge - geben. Die Verteilung erfolgt im Einvernehmen des Reichspropagandaleiters pg. Dr. Goebbels mit dem Reichsschahmeister pg. Schwarz, dem Reichsinnenminister pg. Dr. 5 ri cf, dem Beauftragten des Führers für das Saargebiet pg. B ü r cf e L Es wurde bestimmt, daß der gesamte Betrag ausschließlich zugunsten unserer Brüder an der Saar verwandt wird. Die Plakette selbst stellt die unverbrüchliche Verbundenheit der Saaardeutschen mit den Volksgenossen des Reiches dar, die im Kranze deutschen Eichenlaubes unter dem Motto „Treue um Treue" Hand in Hand zusammenstehen. Das gesamte deutsche Volk verleiht seiner Teilnahme am Kampf der Brüder an der Saar dadurch Ausdruck, daß es zum 13. Januar die Deutsche-Saar-Absiimmungs-plakette trägt. Äas Saarland ist die Vrvcke zur deuisch-franzöffchen Verständigung. Reichspropagandaminister ör. Goebbels eröffnet die Berliner Gaarausstellung in Anwesenheit von 500 Saardeutschen aus ilebersee. Berlin, 6. Jan. (DRB.) Reicher Fahnenschmuck weht über Berlin. Es grüßt die aus dem europäischen und dem überseeischen Ausland gekommenen, zur Zeit in Berlin weilenden Saar- deutschen und ist ein erneuter sichtbarer Ausdruck dafür, daß die ganze deutsche Ration den siegreichen Ausgang des Kampfes, den das Saarvolk um feine Rückkehr zum Reich führt, mit heißem Herzen erfleht. Am Sonntaavormittag wurde in Berlin die große Saarausstellung eröffnet, die in der Wandelhalle des Reichstagsgebäudes untergebracht ist. Der Festakt fand im festlich geschmückten Sitzungssaal der Krolloper statt. Den Saal füllten zum größten Teil die in Berlin weilenden Saardeutschen. Der Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf Heß und der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels wurden mit lebhaften Kundgebungen begrüßt. Der gemeinschaftliche Gesang des Saarliedes leitete die festliche Stunde ein. Prof. Dr. Reinhardt, der Leiter des Museums für Länderkunde in Leipzig, gab einen kurzen Umriß über den Inhalt und die Bedeutung der Ausstellung, die ein absolut zuverlässiges Bild von Land und Volk an der Saar, von den geschichtlichen und wirtschaftlichen Ereignissen dort gibt. Deutsch ist das Bild des Landes, das uns anspricht, aus Berg und Tal, Wald und Flur, Dorf und Stadt, Kirche und Denkmal. Sie alle reden immer wieder von deutscher Vergangenheit. Wenn die Menschen weichen müßten, würden die Steine reden und rufen: D i e Saar i st deutsch! Reichsminister Dr. Goebbels führte dann in längerer Rede u. a. aus: Saarland und Saarvolk sind immer deutsch gewesen und es bis auf den heutigen Tag geblieben. Es gibt deshalb kein Saarproblem in dem Sinne, wohin dieses Gebiet aufgrund der Abstimmung staats- und grenzpolitisch kommen soll. Die Abstimmung selbst wird nur die gesetz - und vertragsmäßige Fixierung eines an sich auch durch das Versailler Diktat nicht unterbrochenen Tatsachenzustandes fein. Das Saarvolk will heim zum Reich, und es hat feit Jahren den Tag herbeigesehnt, an dem es dies auch vor aller Welt durch ein feierliches und umstößliches allgemeines Votum dokumentieren kann. Allen wirklichen Friedensfreunden bereitete es eine besondere Genugtuung, als vor einigen Wochen die Saarfrage durch die römischen Oma» djungen aus der Atmosphäre gefährlicher politi- cher Ueberhitztheiten herausgenommen und nieder auf die Basis einer vernünftigen und leiden- chaftslofen Betrachtung gestellt wurde. Das Problem selbst erfuhr damit eine Entspannung, die uns auch für feine endgültige Lösung die besten Hoffnungen gibt, vor allem im Hinblick darauf, daß der Führer des öfteren betont hat, daß es nach Regelung dieses Problems zwi- chen Deutschland und Frankreich keine territorialen Streitfragen mehr geben soll (lebhafter Beifall). Wunsch und Wirklichkeit stimmen hier also in einem seltenen Maße überein. Es liegt jetzt beim Saarvolke selbst, durch die Abstimmung am kommenden Sonntag eine feste, unverrückbare und unabänderliche lat» ache zu schaffen, die endgültig diesen heiklen und gefährlichen Diskussionsstoff aus der weltpolitischen Debatte verweist. Roch eine Woche trennt uns von dem geschichtlichen Augenblick, an dem 550 000 saardeutsche Menschen an die Wahlurne treten müssen, um für Volkstum und Heimat Zeugnis abzulegen. Eine Völkerwanderung im kleinen ist vom Saarvolk selbst vorbereitet worden, um das vor 15 Jahren geschehene Unrecht dem Vertrag entsprechend durch den Stimmzettel wiedergutzumachen. Aus Japan und China, Afrika und Australien und Amerika, aus 40 Staaten der Welt und aus allen Gauen des Deutschen Reiches wandern über 50 000 Saarländer in ihre Heimat, die dort im Verein mit ihren 500 000 Landsleuten ihre Stimme abgeben wollen. (Starker Beifall.) Ich habe die besondere Freude, hier unter uns neben 1000 in Berlin wohnenden Saarländern über 5 0 0 Saarländer aus Ueberfee begrüßen zu können. Ueber Meere hinweg sind sie der Stimme ihres Blutes gefolgt und wollen ihr durch Abgabe ihres Dahlzettels vor aller Wett Ausdruck verleihen. Manche von ihnen haben drüben ihre Arbeitsstätten aufgeben müssen, andere wieder haben nur unter schwierigsten Umständen die weite Reise ermöglichen können. Alle aber trieb das Gebot ihres nationalen Gewissens, das uns Deutsche in Stunden der Rot immer wieder vereint- hat. „Treue um Treue" lautet die Aufschrift auf der Plakette, die von heute bis zum Abstimmungstag jeder Deutsche tragen wird. Das deutsche Volk hat die Treue, die das Saarvolk immer bewahrte, zu erwidern und zu vergelten gesucht. Gerade in den letzten Wochen gingen, nachdem bas Abkommen bezüglich des Saargrubenrückkaufes abgeschlossen war, Tausende von Angebote auf Zeichnen von Geldbeträgen, Stiftungen von Goldwerten, von In- und Ausländsdeutschen bei der Regierung ein. Selbst Schulkinder schickten ihre Patengoldstücke, um zu helfen. Keiner wollte fehlen beim nationalen Befreiungswerk der Saar. Vom einfachsten Arbeiter bis zum Führer des Volkes gibt es nur einen Willen und eine Entschlossenheit: Die Saar ist deutsch und jeder trägt das ©einige dazu bei, daß sie deutsch bleibt. (Rauschender Beifall.) Es darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt gelassen werden, daß die Kirche in der Saarfrage eine positive deutsche Haltung eingenommen hat. Der frühere Bischof von Trier trat schon in den Jahren 1919 bis 1920 in eindringlichster Form für die ausgewiesenen Saar- länder ein. Ihm und anderen ist es auch zuzuschreiben, daß das Saargebiet kirchenrechtlich nicht von Deutschland getrennt wurde. Es bedarf dabei keiner Betonung, daß Volksverrat auch Verrat gegen eine von Gott auferlegte Pflicht ift 3n den letzten Tagen haben fast alle katholi chen Bischöfe des Deutschen Reiches Aufrufe zur Saar- abftimmung erlassen, in denen festgestellt wird, daß der für die Zukunft unseres Vaterlandes so folgenschweren Entscheidung, die in einigen Tagen an der Saar fallen wird, kein wahrhaft Deutscher gleichgültig gegenüberstehen kann, und daß die deutschen Katholiken verpflichtet sind, sich für die Größe, die Wohlfahrt und den Frieden ihres deutschen Vaterlandes einzusetzen. Deshalb auch verordneten die Bischöfe, daß am 13. Januar in allen Kirchen nach dem allgemeinen Gebet noch besonders mit den Gläubigen gebetet werde, um einen für unser deutsches Volk segensreichen Ausgang der Saarabstim- mung zu erflehen. (Erneuter Beifall.) Die Rückkehr des Saargebietes in die unlösbare Gemeinschaft des Deutschen Reiches und der übrigen Teile des deutschen Volkes ist eine national- politische Aufgabe. Wirtschaftliche Erwägungen stehen demgegenüber im Hintergründe. Wenn aber wurzellose Literaten und marxistische Emigranten versuchen, die nationalpolitische Dis- kussion in wirtschaftliche Bahnen abzudrängen, so können wir ihnen auch hier mit wirksamen Argumenten entgegentreten. Denn auch wirtschaftlich kann das Land an der Saar nur bestehen, wenn es wieder in die große deutsche Volkswirtschaft zurückgegliedert wird. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben eindringlich genug dargetan, daß die saarländische Wirtschaft auf Gedeih und Verderb mit der reichsdeutschen verbunden ist. So eng ist die wirtschaftliche Verflechtung des Saargebietes mit dem Reich, daß selbst die drakonischen Bestimmungen des Versailler Diktats den natürlichen Austausch von Daren und Dienstleistungen nicht unterbinden konnten. Trotz Zollschranken und Frank-Währung ist das 65-Millionen-Volk im Reich die stärkste Stühe der Saarwirtschaft in der Vergangenheit gewesen. Vom nationalsozialistischen Wirtfchaftsneubau im Reich seit 1933 hat auch das Land an der Saar stärkste Impulse erhalten. Exakte statistische Forschungen beweisen das aufs eindeutigste. Rach der Volksabstimmung und der Rückgliederung des Saar- gebietes werden unsere Volksgenossen an der Saar in stärkstem Maße am deutschen Dirtfchaftsaufstieg teilnehmen, ganz abgesehen davon, daß das Saargebiet selbst eine ganze Reihe neuer Arbeitsmöglichkeiten bietet, die von uns erschlossen werden müssen. Doch hieße es, die Bevölkerung des Saargebiets und ihre unbedingte Treue zu Volk und Reich herabwürdigen und in Mißkredit bringen, wollte man unterstellen, daß ihre Entjchlosiercheit zur Rück« glieberung allein ober auch nur ausschlaggebend von dem Ausmaß sozialer Vorteile abhängig fei, die das Dritte Reich ihnen entgegenbringen kann. Diese Entschlossenheit ist nicht käuflich, denn sie ist gewachsen aus dem Urgrund der Gemeinschaft von Blut und Seele, aus den geheimnisvollen Zusammenhängen, die gleiches Volk mit gleichem Volk und gleiche Rasse mit gleicher Rasse verbindet. Kurz vor der Rückkehr des Saarlandes ins Reich zeigen die letzten Verzweiflungsaktionen der Roten Front im Saarland noch einmal mit erschreckender Deutlichkeit, was der Status quo für das Sargebiet und für ganz Europa bedeuten würde. Aller Unrat, den das nationalsozialistische Deutschland mit eisernen Besen ausgekehrt hat, würde sich in einem Saargebiet des Status quo festsetzen können. Eine solche Lösung würde für die internationale Anarchie eine neue Plattform bilden, von der aus die Chaotisierung der Länder Westeuropas wirksam betrieben werden könnte. Wenn das Saarvolk also feinen ihm vom Schicksal gewiesenen Weg zum Gesamtvolk zurückgeht, dann kämpft es neben seinem nationalpolitischen auch einen weltanschaulichen Kampf: für die Beseitiaung der anarchistischen Gefahr, des zerstörenden Atheismus und der alles vernichtenden Weltrevolution. Am 13. Januar kann die Epoche vieler Jahrhunderte liquidiert werden, die ihren Ausdruck fand im haß und Krieg zweier großer Rationen, die das Schicksal Seite an Seite in den Kernraum Europas gestellt hat. Das ist der wahre und tiefe Sinn dieser Volksabstimmung. So kann das Saargebiet, das ursprünglich als Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich gedacht war, in Wirklichkeit zur Brücke werden, auf der endlich die beiden Völker zueinander gelangen mögen, um sich stolz und voll Achtung gegenseitig die Hand zu reichen. Roch einmal ist jetzt die Möglichkeit, in die Hände dieser beiden Rationen und die ihrer Staatsmänner gelegt, im Zeichen einer gemeinsamen Mission zur Begründung eines neuen geordneten Europas eine Epoche der positiven Zusammenarbeit in die Wege zu leiten. (Anhaltender Beifall.) Wenn das gelingt, dann hat der Weltkrieg seinen eigentlichen historischen Sinn erhalten. Was an uns liegt, so sind wir gewillt und entschlossen, uns der historischen Stunde, vor der wir stehen, würdig zu erweisen und endgültig die Vergangenheit zu begraben, um eine neue friedliche Zukunftzu beginnen. Man vermag keinen vernünftigen und einleuchtenden Grund zu jehen, der die Verständigung beider Volker unmöglich machen könnte. Diese Verständigung aber wird nur von Dauer sein und Bestand haben, wenn sie auf der Grundlage gleicher nativ« naler ßebens» unb Ehrgesetze erfolgt und zwei Partner zusammenführt, von denen jeder im anderen den gleichberechtigten Träger eines national gesicherten Lebens und einer national gewählten Ehre sieht. (Stürmischer Beifall.) An der Saar fällt eine schicksalhafte Entscheidung. Wir sind gewiß, daß sie für Deutschland fällt und daß sich in ihr die ewige deutsche Seele wiederum emporringt aus Haß, Zwietracht, geistiger und moralischer Verkommenheit. So wie es tausendfach in den vergangenen schweres Jahren im Saarland erklungen ist, so wird es wie ein einziger Schrei am 13. Januar durch das ganze deutsche Saargebiet und darüber hinaus, über eine Grenze der Willkür durch das ewige Deutschland laut und mächtig ertönen: „Reicht euch die Hand, schlinget ein Band um junges Volk, das deutsch sich nennt, in dem die heiße Sehnsucht brennt nach dir, o Mutter, nach dir, nach Dir! Ihr Himmel hört, ganz Saarvolk schwört, laßt uns es in den Himmel schreien, wir wollen niemals Knechte, wir wollen ewig Deutsche sein!" In diesem Sinne erkläre ich die Saarausstellung in Berlin für eröffnet. — Die Ausführungen des Ministers riefen immer erneute Zustimmungskundgebungen der Versammlung hervor. Besonders stark und andauernd wurden seine Worte über die unverbrüchliche Treue der Saarbeoölferung zum deutschen Mutterlande durch Beifall unterstrichen, ebenso stark auch die Erklärungen des Ministers über die Bereitschaft Deutschlands, zu einer ehrlichen Verständigung mit Frankreich zu gelangen. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied schlossen sich an. Ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer beendete die Feierstunde, auf die eine Besichtigung der Ausstellung folgte. Wegen volksschädigenden Verhaltens in Gchnhhast genommen. München, 5. Jan. (DRB.) Durch die Politische Polizei wurden die Inhaber der Firma K o p e tz k i, chemisch-technische und chemisch-pharma- zeutische Artikel, München, Hohenzollernstraße 77, Jttner, Mayr und Kopetzky, sowie der Vertreter Weiß wegen volksschädigenden Verhaltens in Schutz, haftgenommen und z. T. dem Konzentratwns- lager Dachau zugeführt, um weiteren Schaden zu vermeiden. Sie vertrieben angebliche Heilmittel, die in Wirklichkeit keinerlei praktischen Wert hatten und machten auf dem flachen Lande für ihre Artikel in Vorträgen Reklame, wobei sie sich der nationalsozialistischen Gedankengänge über Volks- gefunkelt usw. und auch der Namen einiger Reichsmini st er in weitestgehendem Maße bedienten, um dadurch die Bevölkerung zu beeinflussen und zum Kauf der angebotenen Mittel zu bewegen. Durch chemische Untersuchung wurde festgestellt, daß ein u. a. vertriebenes Bademit - t e l „Diana-Badekur" fast ausschließlich aus Terpentinöl und Schmierseife bestand. Für dieses Mittel, das lediglich als Körpereiniaungs- mittel einigen Wert hatte, verlangte die Firma 22 Mark für die Packung bei einem Herstellungspreis von 2,20 Mark. Besonders verwerflich ist, daß durch die Machenschaften der Firma ausschließlich kranke und minderbemittelte Volksgenossen geschädigt wurden, die von den angebotenen Heilmitteln Linderung und Heilung erwarteten. Es ist bekannt, daß gerade auf dem Gebiete des Heilmittelvertriebes noch schwere Mißstände herrschen, die nur durch rücksichtsloses Durchgreifen mit schwersten Strafen abgestellt werden können. Auf keinen Fall kann geduldet werden, daß sich einige Wenige auf Kosten armer und kranker Volksgenoffen finan, ziell gefrmd wachen. ( Aus aller Welt. Neue Mitglieder -es Volksgerichtshofes Berlin, 5. Ian. (DNB.) Wie wir erfahren, find der Gendarmeriegeneral Schoettlenberg und der Oberstleutnant der Landespolizei Rath vom Führer und Reichskanzler auf Vorschlag des Reichsund preußischen Iustizministers auf Grund des Gesetzes zur Äenderung von Vorschriften des Strafrechts und des Strafverfahrens vom 24. April 1934 für die Dauer von fünf Jahren zuMitgliedern des Volksgerichtshofes ernannt worden. Führertagung derNEBO., NG.-Hago und OAF. Berlin, 5. Jan. (DRB.) In der „Bank der Deutschen Arbeit" fand eine Tagung statt, an der die Politischen Leiter der RSBO. und NS.-Hago, DAF.-Walter, KdF.-Warte und die Treuhänder der Arbeit teilnahmen. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley bezeichnete es als vordringlichste Aufgabe, alles das wegzuräumen, was noch an Resten des Vergangenen vorhanden sei. Gegenüber der in manchen Kreisen verbreiteten Meinung, d i e RSBO. und N S. - H a g o seien überflüssig, weil wir ja die alles umfassende Deutsche Arbeitsfront haben, erklärte der Reichsorganisationsleiter, daß ein Verzicht auf diese beiden wichtigen Parteigliederunaen Selbstaufgabe wäre. Es wird immer Aufgaben geben, die nur innerhalb der Partei gelöst werden können. Wenn wir erklären würden, ein Teil der Partei sei überflüssig, so würden wir damit das Primat der Partei selb st treffen. Auch kann keines der beiden Aemter die Aufgaben des anderen übernehmen. Wir haben eine jahrzehntelange Mittelstandsbewegung in Deutschland, die wir nicht übersehen können. Auch Handel und Handwerk müssen ihre Führung haben. An der Einheit der Arbeitsfront darf nicht gerüttelt werden. Die Reichsbetriebsgemeinschaften haben eine ganz neue Aufgabe den früheren Verbänden gegenüber. Sie haben weder die Organisation noch das Denken der früheren gewerkschaftlichen Verbände fortzuführen. Die 'Betriebsgemeinschaften sind mit einem Nervensystem zu vergleichen, das draußen in den breiten Massen das Volk betreut. Raubmord im Sassenraum des Breslauer Domkapitels. Hinter den Schaltergittern der Kaffe des Breslauer Domkapitels wurde der Rendant Richard Malich erschossen aufgefunden. Der 57jährige Mann hat einen Herzschuß aus einer kleinkalibrigen Waffe erhalten. Die Telephonleitung war durchgeschnitten. Wie hoch der geraubte Geldbetrag ist, muß die Untersuchung ergeben. Der Tat dringend verdächtig sind drei junge Leute Mitte der zwanziger Jahre, die gesehen worden sind, als sie die Kasse verließen. Die Mutter eines kommunistischen Mörders verleumdet SA.Führer. Vor dem Berliner Schöffengericht fand in diesen Tagen die Ermordung des Hitlerjungen Schmitzberg ein gerichtliches Nachspiel. Schmitzberg wurde im März 1933 im Grünewald hinterrücks erschossen. Als Mörder wurden die jugendlichen Kommunisten R o ch o w und Otto Woithe ermittelt, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Nach der Hinrichtung ihres Sohnes verbreitete die 51jährige Frau Woithe die Behauptung, der Obersturmbannführer A. habe den Hitlerjungen und auch ihren Sohn auf dem Gewissen. Er habe Rochow zu der Tat angestiftet und er habe bei der Schwurgerichtsverhandlung falsch geschworen. Frau Woithe hatte sich deswegen jetzt vor dem Schöffengericht wegen verleumderischer Beleidigung zu verantworten. Sie konnte für ihre Behauptungen keinerlei Beweis erbringen und wurde wegen verleumderischer Beleidigung zu sieben Monaten G e - f ä n g n i s verurteilt. Furchtbare Bluttat eines Betrunkenen. — Drei Tote, drei Schwerverletzte. Eine grausige Bluttat spielte sich bei Lorient in Frankreich ab. Ein im Ruhestand lebender Gemeindebeamter hatte Freunde zu Gast geladen. Als Gastgeber und Gäste gemütlich beisammen saßen, drang plötzlich ein Betrunkener mit einem Revolver in die Wohnung ein und gab blindlings Schüsse auf die Anwesenden ab. Fünf Personen stürzten getroffen zu Boden. Als die Nachbarn herbeieilten, konnten sie nur noch den Tod des Gastgebers und seines betagten Vaters feststellen. Seine Frau und drei Gäste mußten schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Der Täter, der inzwischen seine Wohnung ausgesucht hatte, jagte sich eine Kugel in den Kopf. Es sollen sich bei ihm in letzter Zeit wiederholt Zeichen von geistiger Umnachtung geäußert haben. Das Lawlnenunglück in der Marmolata. Zu dem bereits gemeldeten schweren Lawinenunglück in den Dolomiten, das vier Menschenleben forderte, werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Das Unglück ereignete sich knapp unterhalb der Fedaja-Scharte in der Marmolata. Der Münchener Skilehrer Luder, der dort einen Skikursus abhielt, hatte mit den Teilnehmern eine Uebungsfahrt unternommen. Die Neuschneelawine, die mit ungeheurer Wucht niederstürzte, hatte eine Breite von etwa 200 Metern. Einer der Verschütteten konnte sich selbst aus den Schneemassen herausarbeiten, zwei weitere konnten noch lebend herausgeschaufelt werden. Von ihnen soll der eine leichtere Verletzungen erlitten haben. Die Leichen der auf so traurige Weise Perunglückten werden in die Heimat übergeführt werden. — Im Gebiet der Dolomiten waren in den letzten Tagen ergiebige Schneefälle eingetreten. Müde Witterung steigerte die Lawinengefahr erheblich. Italienische und englische Skiläufer im Gebirge verschüttet. — Bisher drei Tote geborgen. Vier Italiener aus Mailand, zwei Damen und zwei Herren, die im Siloaplana-Gebiet eine Skiwanderung unternommen hatten, verfehlten bei der Abfahrt ins Rosegtal den Weg. Sie fuhren auf ein Schneebrett, das niederbrach und die vier Skiläufer unter sich begrub. Zwei von ihnen konnten kurze Zeit darauf von anderen Skiläufern aus den Schneemassen geborgen werden. Jedoch blieben sofort unternommene Wiederbelebungsversuche e r f o l g - l o s. Eine Rettungskolonne aus Pentresina suchte lange vergeblich nach den anderen beiden Verunglückten. Zwei Londoner Skiläufer, John Howard und Franklin Armstrong, wurden bei einer Besteigung der Hochjochspitze in den Oetztaler Alpen von einer Lawine verschüttet. Die Leiche Howards wurde mit Hilfe der Lawinenschnur, die aus Paris meldet vollständige Einigung zwischen Laval undMffolini Paris, 7. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Nach Mitternacht traf in Paris die Nachtricht ein, daß z w i- schen Mussolini und Laval eine voll- ständige Einigung erzielt worden sei. Diese Nachricht wird von der französischen Presse mit größter Genugtuung ausgenommen, man möchte annehmen, daß jetzt die Freundschaft Frankreichs und Italiens, von jeder peinlichen Erinnerung befreit, feierlich besiegelt worden sei. Der 6. Januar 1935 wird deshalb von der Presse als ein für die Befriedung der Völker geschichtlicher Tag gefeiert. Nichtsdestoweniger bleibt der Außenpolitiker des „Echo de Paris vorsichtig abwartend. Auch er hält die französisch-italienische Annäherung für wünschenswert und solcher Opfer wert, die nicht Frankreichs Hauptbelange schädigen. Denn immerhin, so meint er, stünden gefahrlicheJahre bevor, für die man sich die Möglichkeit eines gemeinsamen Vorgehens mit Italien sichern sollte. Aber eine allgemeine dauernde Entente liege wohl außerhalb des Bereiches der Möglichkeit, und Frankreich würde falsch handeln, ihr nachzulaufen. Denn der dafür zu zahlende Preis dürfte den möglichen Nutzen weit übersteigen. Solange Italien nicht seinen Anteil an der Welt zu haben glaube, werde es stets mit Forderungen kommen. Damit müsse man sich ab- fmden, und deshalb vorsichtig bleiben. Für bedenklich hält das Blatt u. a., daß Laval sich auf eine Erörterung der Abrüstungsfrage eingelassen habe und vielleicht vom Standpunkt der französischen Note vom 17. April abgerückt sei. So habe man womöglich der englischen Diplomatie Gelegenheit gegeben, die in der englischen Denkschrift vom 29. Januar niedergelegten Grundsätze wieder aufzurollen. Die einzigen positiven Unterlagen über die Abkommen, die am heutigen Montag in Rom unterzeichnet werden sollen, liefert vorläufig nur der römische Sonderberichterstatter der H a v a s - Agentur. Danach seien folgende diplomatische Schriftstücke zu erwarten: 1. Ein Protokoll, das die Gleichhelk der Ansichten beider Regierungen über die Hauptfragen der allgemeinen Poll- t i k feststellt; dieses Protokoll soll zur Veröffentlichung durch die Presse freigegeben werden. 2. Eine Empfehlung Frankreichs und Italiens an die Rachbar- und Rachfolgestaaten Oesterreichs (Deutschland, Oesterreich, Ungarn, die Tschechoslowakei, Süb- slawien, Polen, Rumänien) u. a. ein Abkommen abzuschließen, durch das die gegenseitige Achtung ihrer Grenzen und die Richt- einmischung in ihre inneren Angelegenheiten gewährleisten soll. 3. Ein konfultativpakk, durch den Frankreich und Italien sich verpflichten, sich bei Ereignissen, die Oesterreichs Unabhängigkeit bedrohen, ins Benehmen zu sehen. Deutschland, Ungarn, die Tschechoslowakei, Südflawien, Polen und Rumänien sollen zur Teilnahme an diesem Pakt elngeladen werden. 4. Ein Abkommen zur Regelung der französisch- italienischen kolonialfragen in Rord- a f r l k a. Die Einigung über die afrikanischen Fragen scheint nach Havas auf folgender Grundlage erzielt zu fein: Italien verzichtet in einer noch näher zu bestimmenden Frist aus die den italienischen Staatsangehörigen in Tunis im Abkommen von 1896 gewährten Vorrechte (Rationalitätenfrage). Frankreich hält sich nicht mehr an das Abkommen von 1916, durch das Italien lediglich die libyschen Grenzbezirke zwischen den Oasen Lhadames, Rhat und Tümmo überlassen wurden, sondern tritt an Italien ein großes südlich von Libyen gelegenes Gebiet in Richtung Tibestl ab, ohne jedoch den Italienern einen Zugang zum Tschad-See zu gewähren. In Somali-Land willigt Frankreich in eine Grenzberichti- gung zugun st en Italiens durch die Verlängerung der Grenze von Erythräa ein und begünstigt die Beteiligung Italiens am Betrieb der für die abessinische Ausfuhr wichtigen Eisenbahnlinie Addis — Abeba — Djibuti. Die Dokumente Nr. 2—4 sollen erst später veröffentlicht werden. Sie können mit Zusatzprotokollen versehen werden, die die Haltung beider Regie- rungen in gewissen, besonders außenpolitischen, Fragen in Einklang bringen würden. England zufrieden. London, 7. Jan. (DNB.-Funkspruch.) „Times" begrüßt die Nachricht von der Einigung. Die beiden Unterhändler wüßten, so sagt das Blatt, daß der Erfolg der neuen Pakte nur ein Teilerfolg sein könne, wenn Deutschland nicht teil- nehme. Sie seien daher so klug, die deutsche Regierung über ihre Absichten auf dem Laufenden zu galten. Mussolini habe außerdem am Samstag in seinem Trinkspruch unterstrichen, daß die Vereinbarungen nicht so ausgelegt werden könnten und dürften, als richteten sie sich gegen andere Mächte. „Daily Telegraph" meint, die Bildung der neuen Entente zwischen Frankreich und Italien werde sich jedesmal, wenn Europas Nöte in Genf besprochen würden, wohltuend bemerkbar machen. Europa könne sich über die französisch-italienische Freundschaft freuen. Deutschland sei während der ganzen Dauer der Verhandlungen durch Mussolini auf dem Laufenden ge- halten worden. Es sei noch nicht sicher, wel- che Rolle Großbritannien in dem Pakt zugedacht werde. Die britische Regierung werde bis zum 20. Januar Zeit zum Nachdenken haben, falls Flandin und Laval bei ihrem Besuch in London weitgehende Wünsche haben sollten. „Daily Mail" warnt vor einer Beteiligung Großbritanniens an einer Garantie fürdie Zukunft Oesterreichs. Das Blatt glaubt, Großbritannien habe bereits genug eigene Schwierigkeiten und könne daher keine neuen großen Verpflichtungen überneh- men. Großbritannien habe vielmehr die Pflicht, sich aus dem europäischen Sturmgebiet f e r n zu- halten. ÄA ^4 -ä- ; 4 ... ' 1 I , 1 Ein Bildtelegramm von der Ankunft des französischen Außenministers Laval (mit Spazierstock) auf dem Bahnhof in Rom, wo er von Mussolini (rechts neben ihm), Baron Aloifi (rechts) und dem französischen Botschafter in Rom, Graf Chambrun (ganz links), empfangen wurde. Medens-Trinkspriiche in Rom. Rom, 5. Jan. (DNB.) Der König von Italien empfing am Samstag den französischen Außenminister Laval. Im Anschluß an den Empfang gab der König zu Ehren seines Gastes e i n frühstück, an dem auch die Königin, Prinzessin Maria, Mussolini, der französische Botschafter in Rom und der italienische Botschafter in Paris teilnahmen. Am Abend nahm Laval an einem von Mussolini veranstalteten Essen im Palazzo Venezia teil, an das sich noch ein großer Empfang anschloß, zu dem das diplomatische Korps geladen war. Am Schluß des Banketts sind zwischen Mussolini und Laval T r i n k s p r ü ch e gewechselt worden. Mussolini gab der Freude Italien und der italienischen Regierung darüber Ausdruck, nach mehreren Jahrzehnten in Rom den Außenminister Frankreichs begrüßen zu können. Es handele sich nicht darum, daß Frankreich und Italien in Mitteleuropa auf ihre gegenseitigen Freundschaften verzichten, sondern darum, im Donauraum die Interessen und Lebensnotwendigkeiten jedes Staates mit den Ergebnissen allgemeinen Charakters mit dem Ziel der Befriedung Europas in Uebereinftimmung zu bringen. „Unter diesem weiteren Gesichtspunkt gesehen, glaube ich", so wandte sich Mussolini an Laval, „daß Sie mit mir darin übereinstimmen, daß unsere Abmachungen im Hinblick auf andere Mächte, die ihre Mitarbeit an dem Werk, das wir beginnen wollen, beizutragen wünschen, nicht als gegensätzlich oder auch nur störend ausgelegt werden können oder dürfen." Laval entbot Mussolini den Gruß Frankreichs. Niemand kann den wahren Sinn der Aktion, die wir entschlossen unternommen haben, falsch verstehen. Ich spreche im Namen Frankreichs, das kein selbstsüchtiges Ziel verfolgt. Frankreich ist mit Recht um seine Sicherheit besorgt. Es hat aber auch die Absicht, sein Teil an dem zur Versöhnung der Völker notwendigen Werk auf sich zu nehmen." „Jeder von uns", so sagte Laval weiter, „hat die Pflicht, zuerst sein Vaterland zu verteidigen, es stärker und schöner zu machen. Aber die Liebe zum Vaterland verbietet nicht seinen Anteil an der internationalen Solidarität zu übernehmen. Ich weiß, daß diese Pflicht zuweilen schwer zu erfüllen ist; aber der Mut muß von jedem aufgebracht werden, von allen, die die Verantwortung für das Schicksal der Völker haben." Die große Hoffnung der Völker dürfe nicht enttäuscht, der Friede müsse erhalten und gefestigt werden. Man müsse aus der Vergangenheit lernen, daß immer im Kriege die Zivilisation zusammengebrochen sei. Im Anblick der Bauten des antiken Roms wollen wir gemeinsam den Schwur leisten, die Menschheit nicht in das Dunkel früherer Jahrhunderte zurückfallen zu lassen. Laval und Mussolini sind vom König von Italien bzw. vom Dräsidenten der französischen Republik hohe Ordensauszeichnungen verliehen worden. Laval hat das Großkreuz des Mauritius- und Lazarus-Ordens, Mussolini das Großkreuz der Ehrenlegion erhalten. dem Schnee heraushing, gefunden. Die Leiche feines Gefährten konnte bisher noch nicht geborgen werden. Die beiden Engländer hatten die Tour gegen den Rat erfahrener Bergführer unternommen. Schweres Explosionsunglück in Belgrad. — vier Tote, fünf Schwerverletzte. Am 5. Januar, dem Vortage der griechisch-katholischen Weihnachtsfeiertaae, ereignete sich in Belgrad in einem kleinen Geschäft für Weihnachtsartikel eine folgenschwere Explosion, die vier Todesopfer forderte. Infolge eines unglücklichen Zufalls entzündete sich bei der Vorführung von Kork-Patronen der ganze Bestand an Feuerwerkskörpern, der im Geschäft vorhanden war. Durch die Explosion wurde die Tür derart versperrt, daß die im Raum befindlichen Menschen nicht flüchten konnten. Der Geschäftsinhaber und seine Frau sowie zwei Kunden verbrannten, während fünf andere Kunden mit schweren Verletzungen gerettet werden konnten. Bergwerksunglück in Südferbien. — Fünf Tote, mehrere Schwerverletzte. Im Erzbergwerk von Treptfcha in Südserbien ereignete sich ein schweres Unglück. Durch einen Erdrutsch wurde eine Arbeitergruppe verschüttet, die in einem Stollen beschäftigt war. Bisher konnten fünf Personen als Leichen geborgen werden. Außerdem sind mehrere Personen schwer verletzt worden. Schlagwetterexplosion in einer bayerischen Grube. — Ein Toter, vier Schwerverletzte. In der oberbayrischen Grube Hausham ereignete ich eine Schlagwetterexplosion. Ein Steiger wurde getötet, vier weitere Bergleute wurden schwer und 14 leicht verletzt. Die Berginspektion ist mit der Untersuchung der Unfallursache an Ort und Stelle beschäftigt, lieber die Zündungsquelle der Schlagwetter kann noch nichts Genaues gesagt werden. Irgendeine Gefahr für Die Grube oder die Gefolgschaft besteht nicht. Falsche Geständnisse durch schwere Mißhandlungen erpreßt. Oie Memelländer vor dem Kownoer Militärgericht. K o w n o, 5. Jan. Am Samstag, dem 16. Verhandlungstage im großen Memelländerprozeß wurde mit dem Verhör der in diesem Prozeß am schwersten beschuldigten Angeklagten, des Bankprokuristen Priest und des Gutsbesitzers Horn begonnen. Diese Gruppe der Angeklagten wird des Mordes an dem Justizoberwachtmeister Jenuttis beschuldigt. Dieser wird in der Anklageschrift als Fememord bezeichnet. Priest wies die Beschuldigung entschieden zurück; er sei in der Lage, ein lückenloses Alibi beizubrin- bringen. Der Angeklagte Horn erklärte daß er einen Protest gegen die unfäre Art der Voruntersuchung durch den Untersuchungsrichter einlegen müsse. Obwohl er ein ärztliches Attest über fein Nervenleiden vorgelegt habe, sei er mit Standgericht und Erschießen bedroht worden, um aus ihm Aussagen zu erzwingen. Er habe einen völligen seelischen und körperlichen Zusammenbruch erlitten, zumal er noch von der gräßlichen Ermordung des Reichsdeutschen Rimkus im litauischen Gefängnis erfahren habe. Durch falsche Beschuldigungen sei nicht nur er selbst zusammengebrochen, sondern das Herzeleid und die seelische Depression habe seinen Vater zum Freitod getrieben, er selbst sei wirtschaftlich ruiniert worden. Weitere neun Angeklagte widerriefen ebenfalls die in der Voruntersuchung,gemachten Aussagen. Sie erklärten, mit dem Fall Jenuttis nichts zu tun zu haben. Die Geständnisse vor dem Untersuchungsrichter seien ihnen durch schwere Mißhand l u n g e n u n d durch Androhung mit Erschießen und Standgericht abgepreßt worden. Der Angeklagte Boll erklärte, nicht nur von der Polizei, sondern auch vom Dolmetscher und sogar vom Untersuchungsrichter selbst geschlagen worden zu sein. Der Angeklagte W a n a g a t sagte aus, daß noch einem längeren Verhör der Untersuchungsrichter sich entfernt habe. Der Angeklagte sei dann Polizeibeamten überlassen worden, die ihn auf das schwerste mißhandelt hätten. Die Polizei habe ihm unter Mißhandlung vorgeschrieben, was er vor dem Untersuchungsrichter aussagen solle. Es sei ihm eine Landkarte vorgelegt und ihm genau gezeigt worden, auf welchen Stellen und auf w e l ch e n W e g e n er mit seiner Hand Vermerke einzuzeichnen hätte. Falls er das nicht tue, werde er weiter geprügelt. Er habe schließlich, um weiteren Mißhandlungen aus dem Wege zu gehen, alles gesagt und in die Landkarte einaezeichnet, was man von i h m verlangt habe. Der Angeklagte Johann Wallat erklärte, daß er das Opfer einer Provokation geworden sei. Der Angeklagte M o l i n n u s habe ihm gesagt, man habe vor, die Staatssicherheitspolizei zu sprengen und habe ihm auch gezeigt, wie man mit einer Handgranate umzugehen habe. Ferner habe Molinnus einen Lageplan von dem Gefängnis in Bajohren entworfen und erklärt, man sollte die politischen Gefangenen befreien. Um in die Gefängnisse hineinzukommen, so habe Molinnus gemeint', müßte man die Uniform eines Polizeibeamten beschaffen. Oberheffen in 2xie Landmann und Vogelschutz Don Forstmeister Or. Haenel, (Vogelwarte Garmisch). schweren inneren Verletzungen mußte die glückte nach erster ärztlicher Hilfeleistung Klinik zu Gießen überführt werden. Je größer unsere Anstrengungen sind, unsere landwirtschaftliche Erzeugung zu erhöhen, desto mehr müssen wir mit allen Mitteln darnach trachten, jede Schädigung von unseren Feld- und Baumfrüchten unter dem geringsten Aufwand von Kosten so gut als möglich fernzuhalten. Nun gibt es allerdings eine große Zahl der verschiedenen chemischen Spritz-, Bestäubungs- und Anstreichmittel, die im Falle einer bereits vorhandenen Schädlingsplage, oder auch als Vorbeugungsmittel mit mehr oder weniger Erfolg angewendet werden, leider haben sie alle das Eine gemeinsam, daß sie allerlei Geld kosten und manchmal recht umständlich in der Anwendung sind. Da ist es schließlich naheliegend, daß sich der Landmann nach anderen Hilfsmitteln umsieht, die billiger und einfacher sind, nämlich nach den natürlichen Feinden der gefräßigen Käfer, Raupen, Schnecken, Mäuse, usw. Solche sind neben einigen Raubtieren und Schmarotzerkerfen vor allem die Vögel. Sie sind eigentlich überall vorhanden, wo sie der Mensch nicht durch falsches Vorgehen selbst fast ausgerottet hat. Ist letzteres aber geschehen, so ist es höchste Zeit, durch geeignete Vorkehrungen ihre Wiederansiedlung und Vermehrung zu betreiben. Es sind in den letzten Jahren zahlreiche Fälle festgestellt worden, in denen bei planmäßiger Vogelschutzarbeit eine sichtbare Steigerung des Ertrages der Wirtschaft sich ergab. Die ersten augenfälligen Erfolge zeigten sich im Obstbau. Deshalb setzte in fast allen deutschen Ländern die sachgemäße und großzügige Vogelschutzarbeit ein und heute sind die fortschrittlichen Obst- züchter davon überzeugt, daß vernünftiger Obstbau ohne Singvögel nicht mehr denkbar ist. Von den zahlreichen Beispielen, in denen einwandfrei nachgewiesen wurde, daß die Vermehrung vor allem der Meisen und Rotschwänzchen schon nach kurzer Zeit eine bedeutende Mehrung des Obstertrages und namentlich auch die Verbesserung der viel weniger vom Wurm befallenen Früchte im Gefolge hatte, sei nur eines der auffallendsten hier erwähnt. Auf einem großen Gut in Unterfranken litten die Zwetschgenbäume jahrelang bis zur Er- traglosigkeit unter dem Befall von Schildläusen; nach dem .Aufhängen einer Anzahl Nisthöhlen räumten die dort brütenden Blaumeisen innerhalb eines einzigen Sommers mit den Schädlingen vollkommen auf. Die nächsten überraschenden Ergebnisse zeigten sich bei der Weidewirtschaft. Schon 1911 wurden in Musterbetrieben auf ausgedehnten Weideflächen Fliegenschnäpper, Schwalben und Segler nach Kräften vermehrt. Dies geschah durch Aufhängen geeigneter Nisthöhlen an den zwischen den einzelnen Koppeln gepflanzten Bäumen und durch entsprechende Einrichtung und Bedachung der Schattenhallen. Bereits nach zwei Jahren machte sich die günstige Wirkung bemerkbar, indem die sich rasch vermehrenden Vögel den ganzen Tag hindurch das Weidevieh umkreisen und begleiten und die in dem und stürzte in die Scheune hinab. Mit Verun- „Bodenbearbeitung und Düngung" sprach. Nach reger Aussprache wurde die Versammlung, die vom Ortsbauernführer A r ch einberufen war, mit dreimaligem „Sieg-Heil!" auf den Führer geschlossen. — Im Saale des Gastwirts Sames wurde der Tonfilm „Douaumont" gezeigt, der das lebhafte Interesse aller Besucher fand. cxd Eberstadt, 6. Ian. Im Rahmen des Winterhilfswerks wurden in unserem Orte 4 4 Zentner Brotgetreide gespendet. Das Getreide (40 Zentner Roggen und 4 Zentner Weizen) wurde von Mühlenbesitzer D e b u s (Ober-Hörgern), gemahlen, das Mehl soll im Laufe dieses Monats den bedürftigen Volksgenossen in den Großstädten zugeführt werden. — Im verflossenen Jahre wurden in das hiesige Standesamtsregister 4 Geburten, 7 Trauungen und 8 Sterbefälle eingetragen. Konfirmiert wurden hier 5 Kinder. Hungen, 6. Ian. Die Stadt hat im Waldteil Heckenwald einen Abtrieb von Buchen vor- aenommen. Dieses Gelände wird nun von der Grube „ A b e n d st e r n " auf Eifenstein ausgebeutet. Ein Bagger ist bereits in Betrieb. In unmittelbarer Nähe hat die Grube einen neuen Untertagstollen auf Langder Waldgebiet in Betrieb, der Tage- und Untertagebau im „Schwarzen Mann" ist ebenfalls in Betrieb. Don all diesen Förderstellen geht der erzhaltige Grund über Förderbahnen zur Wäsche und von da über die Seilbahn zur Verladestelle an der Hungen—Laubacher Bahn. Auf der Grube „K o n st a n z e" wird ein neuer Schlammteich zwischen den Bahnstrecken nach Nidda und Friedberg in Betrieb genommen. Die Grube fördert von Untertag vom Feldheimer Wald, neuerdings auch wieder von Uebertag und Gemarkung Hungen und Hof Graß. Kreis Büdingen. 21 u s dem Niddatal, 5. Ian. Aus den Kreisen derer, die im Herbst-Apfelwein einlegten, hört man vielerorts oie Klage, daß der „Hohenastheimer" nicht das halte, was er nach der Süße der Aepfel zu versprechen schien: „ein ausgezeichnetes Stöffchen". Bei der Kostprobe mußte jetzt mancher die trübe Erfahrung machen, daß sein Wein fade schmeckt, oder ganz geschmack- l o 5 ist, so daß die Besitzer es schon vorzogen, ihn der Gosse anzuvertrauen. Die Behandlung oder die Beschaffenheit der Fässer können nicht für das Verderben des Weines verantwortlich gemacht werden. Es ist anzunehmen, daß die fehlende Säure den Wein ungünstig beeinflußt und geschmacklos macht. Ehrung durch den Führer. + Grünberg, 5. Jan. Unser Mitbürger Karl Jockel VI., Vorstandsmitglied der Freiwillige n Feuerwehr, erhielt am Neujahrstage ein Schreiben des Führers und Reichskanzlers, das folgenden Wortlaut hat: „Aus Anlaß Ihrer am heutigen Tage vollendeten 51jährigen Zugehörigkeit zur Frei- willigen Feuerwehr Grünberg (Hessen) spreche ich Ihnen meine herzlich st en Glückwünsche und zugleich meine besondere Anerkennung für die treuen Dienste aus, die Sie in opferfreudiger Pflichterfüllung für das Gemeinwohl geleistet haben." Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 5. Jan. Im verflossenen Jahre wurden in unserer Gemeinde mit 2085 Seelen 30 Kinder (1933: 22) geboren; außerdem erblickten noch einige Kinder in den Gießener Kliniken und Krankenhäusern das Licht der Welt. Die Zahl der Sterbefälle betrug 15 (17); die Zahl der Eheschließunge beläuft sich auf 18 (20). — In seiner Mitgliederversammlung beschloß der hiesige Geflügelzuchtverein, seine örtliche Werbe- aeflügelschau am 26. und 27. Januar im Saal der Wirtschaft ,^ur Burg" zu veranstalten. Zum Ausstellungsleiter wurde das Vorstandsmitglied August Lenz ernannt. Preisrichter Otto May (Lang- Göns) wird die Bewertung der Tiere vornehmen. 8 Alten - Bufeck, 6. Jan. Bei der am Samstag hier abgehaltenen Treibjagd wurden insgesamt 113 Hasen und einige Fasanenhähne erlegt. wg. Großen-Buseck, 6. Jan. Der Verkauf der Spitzenrosetten erbrachte in unserer Ortsgruppe folgende Beträge: Burkhardsfelden 14,40 Mark, Oppenrod 11,20 Mark, Großen-Buseck 66,95 Mark. £ Ettingshausen, 6. Jan. Im Rahmen des Winterhilfswerkes wurden in den Orten der Ortsgruppe Ettingshausen folgende Menge Brotgetreide abgeliefert: Ettingshausen 343/< Zentner, Queckborn 40 Zentner und Münster 16 Zentner. Das aus dieser Getreidespende hergestellte Mehl wird im Laufe des Monats Januar zur Versorgung der vom WHW. in den Großstädten betreuten Familien versandt werden. + Grünberg, 5. Jan. Das hiesige Standesamt hatte im Jahre 1934 folgende Eintragungen: 33 Geburten, 16 Sterbefälle und 17 Eheschließungen. Die Einwohnerzahl betrug am Ende des Jahres 2463. (D ©rüningen, 6. Jan. Auf Veranlassung der hiesigen Ortsgruppe der NSDAP, fand gestern abend im Saale der Wirtschaft Bender eine Tonfilm-Dorführung der Gaufilmstelle statt. Im Mittelpunkt des Abends stand die Vorführung des Films „Douaumont", der einen Einblick in das schwere Ringen vor Verdun gab. Im Beiprogramm wurden Bilder vom deutschen Sport und von besonderen Ereignissen des letzten Jahres gezeigt. Der Abend war stark besucht. > Holzheim, 5. Jan. Der hiesige Turnverein hielt seine Generalversammlung im Der- einslokal Sames unter Leitung des Vereinsführers Heinrich Grieb III. ab. Zunächst wurde der im verflossenen Jahre verstorbenen Mitglieder gedacht. Den Kassenbericht, der einen kleinen Ueberschuß auswies, erstattete der Rechner Karl Reitz. Es folgten dann der Jahresbericht des Schriftführers E. Z e i ß und der Spielbericht des Spielwarts O. Ohly. Dem Rechner und dem Gesamtoorftand wurde Entlastung erteilt. Hierauf wurde die neue Beitragsregelung, die vom Vorstand beschlossen war, bekanntgegeben. Neu ernannt wurden: zum Werbewart E. Z e i ß , Stellvertreter E. Jung, Oberturnwart Karl Müll I., Turnwart Heinrich Reitz, Schülerturnwarte K. Baumei st er und Hch. Pfannkuchen. Die Turnstunden werden künftig an jedem Samstag stattfinden. Mit dreimaligem „Sieg-Heil!" auf den Führer, das deutsche Vaterland und die Deutsche Turnerschaft sowie mit dem Gesang des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes wurde die Versammlung geschlossen. — Bei dem Neujahrs- Verkauf der Spitzen-Rosetten wurden hier 45 RM. und 10 RM. vom Tellerverkauf für das Winterhilfswerk gegeben. — Im hiesigen Rathaus fand eine gut besuchte Bauernversammlung statt, in der Landwirtschaftsrat Nau von der Bäuerlichen Werkschule in Gießen über das Thema -s- Hirzenhain, 6. Jan. Einen schweren Unfall erlitt der Schmied Heinrich Bocher aus Schwickartshausen auf der Provinzialstraße in der Nähe des Ortseingangs von Lißberg. Als er auf der Heimfahrt vom hiesigen Eisenwerke in der Höhe des Lißberger Elektrizitätswerkes von einem Motorradfahrer bereits überholt war, scheute das junge Pferd des Einspänner- fuhrwerks, bäumte sich im Durchgehen auf und riß den leichten Wagen in den Straßengraben, wo er umstürzte, während das an der Böschung im Geschirr zu Fall kommende Pferd den vom Fuhrwerk herabgeschleuderten Fahrer teilweise unter sich begrub. Die Insassen eines vorüberkommenden Autos und Lißberger Einwohner konnten den bedauernswerten, 65 Jahre alten Mann aus seiner gefährlichen Lage befreien und schafften ihn zunächst in seine Wohnung nach Schwickartshausen, von wo er auf Anordnung eines Niddaer Arztes mit mehreren Rippenbrü- chen und einem Bruch des linken Handgelenks sofort in eine Gießener Klinik transportiert werden mußte < Deckenbach, 5. Jan. Heute morgen ereignete sich in unserem Orte ein schwerer Un- gl ü ck s f a l l. Das bei unserem Bürgermeister beschäftigte Dienstmädchen Elisabeth G r ö b von hier war in der Scheune in beträchtlicher Höhe mit dem Herunterwerfen von Stroh beschäftigt. Dabei bekam das bedauernswerte Mädchen das Uebergewicht Preußen. Kreis Wetzlar. * W e tz l a r , 6. Jan. Der Landrat hat den Führer der Freiwilligen Feuerwehr in Burgsolms, Heinrich Dietz in Burgsolms, zum Kreis-Feuerwehrführer ernannt. Oer Rentmeister von Krofdorf verhastet. LPD. Wetzlar, 5. Jan. Der in den 40er Jahren stehende Rentmeister Wilhelm Gäbler in Krofdorf wurde unter dem Verdacht der A m t s - Unterschlagung in Haft genommen. Er war seit dem 18. Dezember v. I. von seinem Amt beurlaubt, da sich bei einer unvermuteten Prüfung herausstellte, daß er Gemeindegefälle in Höhe von 2000 Mark wohl den Einzahlern quittiert, aber nicht als Einnahmen aufgeführt hatte. dortigen feuchten, vom Wald umschlossenen Gelände früher besonders stark schwärmenden Blutsauger abfangen. Infolgedessen kann das Vieh mit Ruhe sich der Verdauung und dem Wiederkäuen hingeben, was selbstverständlich eine sehr fühlbare Steigerung des Milchertrages im Gefolge hat. Dieselben günstigen Erfahrungen wurden auch auf anderen Gütern gemacht, wo die Schwalben in den Ställen und an den Gebäuden in unglaublicher Menge angesiedelt wurden. Die zeit- und gegendweise empfindlich schädliche Ackerschnecke wird vom Fasan mit wahrer Gier gesammelt, auch Storch, Reiher und Kiebitz beteiligen sich nicht selten an ihrer Vernichtung. Auf dem vorgenannten unterfränkischen Landgut werden die Getreidefelder regelmäßig durch Starenschwärme vor Schneckenfraß verhütet. Der Star muß überhaupt als einer unserer wertvollsten Vögel bezeichnet werden, wenn er auch gelegentlich in Kirschen- oder Weingegenden vorübergehend lästig werden kann. In solchen Fällen kann es wohl manchmal notwendig werden, mit behördlicher Ausnahmebewilligung die bedrohliche Ueberzahl etwas abzumindern. Im übrigen aber kann die Ansiedlung des Staren mittels geeigneter Brutkästen nicht warm genug empfohlen werden. Daß der Star sogar den unterirdisch lebenden Kerbtierlarven erfolgreich zu Leibe rückt, kann man alljährlich im Frühjahr sehen, wenn er, manchmal in Gesellschaft von Krähen und sogar M ö v e n , hinter dem Pflug die Engerlinge aufliest. Und durch planmäßig durchgeführte Versuche und Beobach- tungen an der neuen Vogelwarte Garmisch ist deutlich festgestellt worden, daß der Star auch ohne menschliche Nachhilfe es sehr gut versteht, die ge- fährlichen Drahtwürmer bis fünf Zentimeter tief aus der Erde und unter der Grasnarbe herauszuholen. Neben dem Heeer der Käfer sind es die gefräßigen Nager, die den Landwirt nicht selten um die Früchte seines Fleißes bringen. Da ist es auffallend, daß die verheerendsten Mäuseplagen stets in Gegenden mit ausgedehnter Feldwirtschaft auftrs- ten, wo ungeheure kahle Flächen ohne Wald, Gebüsch oder Einzelbäume das Landschaftsbild beherrschen, oder wo früher übereifrige „Säger" den letzten Raubvogel mit Schrot, Falle oder Gift ausgetilgt haben. Denn auch die von unwissenden und gedankenlosen Menschen mit dem Sammelnamen „Geier" bezeichneten edlen Raubvögel sind als unermüdliche Mäusefänger für die Landwirtschaft unentbehrlich. Habe ich doch im Laufe von ungefähr 40 Jahren durch Tausende von Untersuchungen feststellen können, daß die Nahrung z. B. des Mäusebussards zu 83 v. H., des Turmfalken zu 87 v. H^ der Ohreule zu über 90 v. H. aus Mäusen besteht. Wettervoraussage. Mit der weiteren Verstärkung des osteuropäischen Hochdruckgebietes dringen kältere Luftmassen rasch über Deutschland westwärts vor. Sie werden auch uns rasch Frostzunahme und die Entwicklung einer kälteren Periode bringen. Aussichten für Dienstag: Zunächst noch meist bewölkt und auch einzelne Schneefälle, später zeitweilig aufheiternd, bei lebhaften westlichen Winden Frostzunahme. Aussichten für Mittwoch: Bei östlichen Winden Fortdauer des Frostwetters. Lufttemperaturen am 6. Januar: mittags 2,8 Grad Celsius, abends 1,8 Grad; am 7. Januar: morgens 1,5 Grad. Maximum 3,6 Grad, Minimum 0,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Januar: abends 3,2 Grad; am 7. Januar: morgens 2,7 Grad Celsius. — Niederschläge 1,6 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. XII. 34: 12 047. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch, und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. MeVWWMAlW ürüosNiMW im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße am Sonntag, dem 13. Januar 1935. Beginn 11 Uhr. Das Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, hat anerkennenswerterweise die Gesamteinnahmen der Vorstellung dem WHW. zur Verfügung gestellt. Wir erwarten von der Gießener Bevölkerung eine entsprechende Teilnahme. Kartenvorverkauf: Durch die Kreisleitung Gießen. Sämtliche Gliederungen der Bewegung, sämtliche Vorsteher aller Behörden u. Aemter, sämtliche Schulleiter, die Leiter der Banken, die Gießener Geschäfte lassen bis spätestens Donnerstag, 10. Januar, um 12 Uhr die entsprechende Anzahl von Karten auf der Kreisleitung (Abteilung Kasse) abholen. Geschäftsstunden täglich von 10-12 und von 15-18 Uhr. Programm: 1. Luana, Geheimnisse der Südsee. Phantastisch schöne Bilder aus dem Paradies der Südsee. Ein Film in deutscher Sprache. An der Hauptrolle: Dolores del Rio. 101d 2- Im Beiprogramm: Ein lebendes Spielzeug - Ufa-Wochenschau. Preise der Plätze: 0.50 bis 1.50 RM. ______________Heil Hitler!______Schmelz, Kreisvrovayandaleiter. tAm 8. Januar (Dienstag), abends 8 Uhr, im Gast- haus zum Bayerischen Hof — Bahnhofstraße 45: Vortrag mit praktischen Vorführungen von Herrn K* Oehl, Hachenburgt Wickel und Packungen Aus dem Inhalt: Der Wickel u. sein richtiger Gebrauch - Technik - Zeitdauer - Zweck - Erfolg - Warum Mißerfolg - Die Kneipp -Anwendung für jedermann - Der Heublumensack und seine vielseitige Verwendung - Der darmregulierende Fieber- und Entgiftungswickel. Eintritt frei! 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Januar 1955 re eine lokale Die Farmer-Labor-Partei ist Demokraten Republikaner Farmer Labor Progressive Neues Haus 321 104 3 7 Neuer Senat 69 25 1 1 Alter Senat 60 35 1 Bisheriges Haus 309 113 5 Jahrzehnte hindurch hat die konservative, kapitalistische Partei der R e p u b l i k a n e r fast alle Bundesposten vom Weißen Haus abwärts im Besitz gehabt, während sich die Demokratische Partei mit den lokaleren Stellungen in den Einzelstaaten begnügen mußte. Nur im Jahre 1912 verschaffte die Spaltung im republikanischen Laaer (Teddy Roosevelt gegen Taft) den Demokraten die Möglichkeit, ans Ruder zu kommen und es infolge der Weltkriegs-Psychose bis 1920 zu behalten. Dann aber wurden sie von den sieggewohnten Republikanern vernichtend geschlagen, und noch im Jahre 1928 befand sich die Demokratische Partei in einem Zustand völliger Desorganisation und Schwäche. Der große Wirtschaftskrach im Jahre 1929/30 half nicht den Demokraten, sondern schadete Herbert Hoover und damit seiner Republikanischen Partei. Die Wahlen im November 1932, die Franklin Roosevelt in das Weiße Haus brachten, bedeuteten daher weniger eine Begeisterung für dessen Programm, als tiefen Unwillen über Hoovers un- Das innerpMsche Mstederhällms in WA. Von unserem K.G.S.-Berichierstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Washington, Ende Dezember 1934. Präsident Roosevelt fyat das zweite Kalenderjahr seiner Präsidentschaft so gut wie vollendet. In Gestalt einer „Botschaft" an den Bundeskongreß hat er soeben über seine bisherige Tätigkeit Bericht erstattet und seine Pläne für das Jahr 1935 dargelegt. Da diese Botschaft selbstverständlich keine erschöpfende Darstellung der Verhältnisse vermitteln kann, haben wir unseren Berichterstatter in Washington gebeten, uns eine Uebersicht über alle wichtigeren amerikanischen Probleme zu geben. Organisation des Agrarstaates Minnesota, die Progressiven sind unter der Führung von La Follette in Wisconsin begründet worden. Erstere ist eine rein ländliche Interessengemeinschaft, letztere der Versuch, aus den Links-Republikanern eine neue Partei zu bilden. Weder Sozialisten noch Kommuni st en haben auch nur einen einzigen Sitz im Bundeskongreß erlangen können! Aehnlich fielen die gleichzeitigen Wahlen für die 48 Einzel st aaten aus: Vom 1. Januar 1935 tätiges Zusehen, während das große und einstmals so reiche Land immer mehr verarmte und verzweifelte. In einer Atmosphäre beispielloser Panik und während einer Periode völligen Versagens aller Banken mußte Franklin Roosevelt die Führung der Vereinigten Staaten übernehmen. Er griff mutig zu, diktierte ein Notgesetz nach dem andern, scheute sogar vor Manipulation mit dem „allmächtigen Dollar" nicht zurück, und am 6. November 1934 ging das Volk abermals an die Wahlurne, um sich zu der Frage zu äußern, ob es den neuen Kurs (New Deal) gutheiße. Es hat den neuen Kurs in einem Umfang gebilligt, den selbst die Demokraten nicht erwartet hatten! Seit dem Bürgerkrieg war es das erstemal, daß die regierende Partei in den „Zwischenwahlen" (das Abgeordnetenhaus und ein Drittel des Senats werden alle zwei Jahre, der Präsident aber nur alle vier Jahre gewählt) nicht nur keine Sitze verlor, sondern in beiden Häusern des Bundeskongresses eine reichliche Zweidrittel-Mehrheit erlangte, also mehr als im Jahre 1932. Der neue Kurs hat seine Feuerprobe glänzend bestanden. Der neue Kongreß, der am 3. Januar 1935 Zusammentritt, t)at folgendes Bild: an sind die höchsten Posten (Gouverneur) der Staaten überwiegend in demokratischen Händen: 40 Demokraten, 6 Republikaner, 1 Farmer-Labor, 1 Progressiver. Die Zahlen sprechen für sich selbst. Die Republikanische Partei, die von individualistischen Geldjägern geführt wurde, ist so gut wie zerschlagen, wenigstens in ihrem bisherigen Aufbau. Was davon an rührigen Persönlichkeiten noch übrig geblieben ist, steht dem Neuen Kurs ziemlich nahe. Eine Erneuerung auf konservativer Grundlage erscheint ausgeschlossen. Der ganze Bundeskongreß hat ein viel radikaleres Gesicht bekommen als je zuvor, die Opposition gegen Roosevelt wird sich daber nicht nach der Parteischablone richten, sondern aus den beiden extremen Gruppen seiner eigenen Partei kommen: dem Bourgeois-Demokraten einerseits, den Links-Radikalen andererseits. Die große Mehrheit aber wird ihm durch Dick und Dünn folgen, und im Senat ist (da die Senatoren jeweils auf sechs Jahre gewählt werden) eine demokratische Mehrheit bis 19 4 0 gesichert. Unter diesen Umständen erscheint Roosevelts Wiederwahl im Jahre 1936 fast als selbstverständlich. Der gewaltige Wahlsieg im November 1934 war weniger ein Sieg der Demokratischen Partei als ein Volksentscheid für Roose- v e l t. Die Mehrheit der Wähler stimmte nämlich für diejenigen Kandidaten, die den Präsidenten unterstützt hatten oder für dessen Programm eintraten. Das Programm Roosevelts, das er im kommenden Jahre weiter verfolgen und ausbauen wird, ist bekannt: gerechtere Verteilung der Lebensgüter, Schutz der wirtschaftlich Schwachen, Erholung aus der Krise und Reform zur möglichsten Vermeidung weiterer Krisen. Naturgemäß wird jetzt, wo die Panik und der gröbste Notstand vorbei sind, das Tempo etwas langsamer sein und mit reiflicher Ueberlegung sowie nach Abwägung allen Für und Widers regiert werden. Unverändert jedoch bleiben Roosevelts obige Richtlinien. Geplant sind daher vor allem soziale Maßnahmen: Versicherungen gegen Arbeitslosigkeit oder Krankheit, Alters- und Hinterbliebenen-Renten, Kinderfürsorge, Arbeitsvermittlung, Kontrolle der Anlagewerte für die kleinen Sparer, Arbeitsbeschaffung durch bundesamtliche Unternehmungen großen Stils, Schaf- fung von Siedlungen für die großen Massen, deren Rückwanderung von den Großstädten zum.eigenen Boden man eifrig betreibt, bessere Lebensbedingungen für die Bauern und schließlich Unterstützung der noch nicht untergebrachten oder nicht unterbringbaren arbeitslosen Städter. Daneben gehen Reformbestrebungen für das öffentliche Wohl im allgemeinen. Roosevelt will den Alkoholschmuggel, der trotz einjähriger Frist seit Abschaffung der Prohibition immer noch floriert, möglichst beseitigen; er will das Verbrechertum energisch bekämpfen, das infolge der Aufteilung der Rechtspflege in 48 Einzelstaaten sich immer wieder der Festnahme und insbesondere der Bestrafung entziehen kann Jnnerpolitisch wird nur ein Problem dem Präsidenten besonders Sorge bereiten: bid Forderung der Kriegsteilnehmer nach Auszahlung des „bonus". Bekanntlich erhielten alle amerikanischen Kriegsteilnehmer, ob sie nun Frontkämpfer waren oder nicht, eine Entschädigung oder Vergütung (bonus) in Form einer Lebensversicherung, die später in eine Art Geldgeschenk umgeändert wurde, auf deren künftige Auszahlung hin die Veteranen Anleihen aufnehmen konnten. Diese Anleihen wurden von der Bundesregierung gewährt und sind zum großen Teil von den Empfängern verjubelt worden. Deswegen verlangen die Kriegervereine, die u. a. in der „American Legion" zusammengeschlossen sind und in ihren Wahlbezirken sehr starken Druck auf die Parlamentarier ausüben, Streichung der Anleihen und sofortige volle Auszahlung des „bonus". Rosevelt hält diese Forderung für ungerechtfertigt und die Ausschüttung von etwa zwei Milliarden Dollar für finanztechnisch unmöglich. Seiner Ansicht nach haben nur kranke Veteranen Anspruch auf Unterstützung; Zahlung an arbeitsfähige Bürger, die zum I Teil nicht arbeitswillig sind, hält er für unvernünftige Klaffengefetzgebung und hat daher in der vorigen Kongreßtagung ein solches Gesetz a b g e l e h n t. Der Bundeskongreß kann ein Veto des Präsidenten nur durch nochmalige Annahme des betreffenden Gesetzes mit Zweidrittelmehrheit in beiden Häusern umstoßen, und es ist sehr zweifelhaft, ob der Bundessenat dies gegen den eigenen Präsidenten tun wird. Neben den Reformplänen Roosevelts gehen ähnliche Bestrebungen in den E i n z e l st a a t e n. So gibt es bereits in 28 Staaten Arbeitslosenversicherung und Altersrenten, wenn auch in sehr begrenztem Umfang. Die Bestrebungen von U p t o n S i n- clair, in Kalifornien ein Paradies für Arbeitslose einzurichten und zu diesem Zweck alle größeren Vermögen wegzusteuern, sind daran gescheitert, daß Sinclair bei der Wahl zum Gouverneurposten durchfiel. In Louisland dagegen gewinnt Huey Long immer mehr an Macht. Er kontrolliert die dortige staatliche Regierung und das dortige Parlament vollkommen; er hat soeben ein zweijähriges Moratorium für alle Schuldner eingeführt, und er spricht von 5000 Dollar für jeden Bürger und ähnlichen phantastischen Versprechungen. Man wird jedoch gut tun, über seine Agitation, die sich bereits auf anliegende Staaten des Südens ausdehnt, nicht mit einem Achselzucken hinwegzugehen. Roosevelt jedenfalls wünscht weder Sozialisierung aller Betriebe noch Unterdrückung der p ri« Daten Betätigung oder des privaten Gewinns, wenn er auch gegen Übermäßigen Zinsfuß und gewissenlose Ausbeutung sehr scharf vorgehen wird. Der Führer im Atelier der Ufa. M ' i ML . M Der Führer besichtigte in Begleitung des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels (rechts) di« Ateliers der Ufa in Berlin-Neubabelsberg, wo ihm der Produktionsleiter Günther Stapenhorst (links) die technischen Einzelheiten des Werdegangs eines Films erklärte. Der Bezwinger des Aermelkanals. Am 7. Januar 1785 — vor 150 Zähren — überflog Blanchard zum erstenmal mit einem Lustballon den Aermelkanal. In einer Nummer der Zeitschrift für Luftschifffahrt vom Jahre 1889 erschien ein sehr interessanter Aufsatz, der einen Ballonaufstieg des berühmten französischen Luftschiffers Blanchard schildert. Es heißt in diesem spannenden Bericht: „Auf dem großen Exerzierplatz vor dem Brandenburger Tor (es war am 27. September 1788) erhob sich ein Riesensaal, in dem der Ballon war; ringsum waren Plätze für 4000 Zuschauer abgegrenzt. Für den Hof war eine besondere Loge vorhanden. Diese Schaubühne war von ungeheuer großen Jagdnetzen umspannt, welche von einem großen Aufgebot Soldaten Tag und Nacht bewacht wurden. Die Polizei hatte besonders strenge Vorsichtsmaßregeln getroffen. Obwohl der Aufstieg Blanchards erst für drei Uhr angefetzt war, erschien schon um 27» Uhr der König auf dem Platz, bald darauf die Königin, die Prinzen und der gesamte Hofstaat. Zur festgesetzten Stunde machte Blanchard mit Hilfe einet Maschine an der einen Seite des Saales eine Oeff- nung von 36 Fuß und der Ballon schwebte ins Freie, bejubelt von der vieltausendköpfigen Menschenmenge. Gleich darauf fuhr das Luftschiff wohlgemut in die Luft empor. Als sich Blanchard etwa 3000 Fuß erhoben hatte, ließ er einen Fallschirm herunter, woran ein Korb mit zwei kleinen Hunden befestigt war. Dieser senkte sich langsam und kam, ohne daß die Hunde eine Beschädigung erlitten hatten, in der Gegend des Gesundbrunnens zur Erde. Blanchard stieg hieraus bis zu einer Höhe von 5764 Fuß empor und kam in der Gegend des Dorfes Buchholz wieder zur Erde. Unzählige Personen waren ihm dorthin nachgeeilt. Eine mit sechs Pferden bespannte königliche Chais- war auch bald zur Stelle und brachte den Luftschiffer in einem wahren Triumphzug nach dem Der weinende Schornsteinfeger. Eine romantische Geschichte. Bon Paul Ernst. Man sieht Schornsteinfeger nicht oft meinen, aber gewiß können sich die Leser trotzdem sehr gut vorstellen, wie ein weinender Schornsteinfeger aussieht; die Tränen waschen in dem schwarzen Gesicht eine weiße Straße, bis zum Mundwinkel; hier verbreitert sich die Straße und erzeugt ein unbestimmtes Grau; wenn der Schornsteinfeger sie sich nicht abwischt, so sammelt sich an dieser Stelle wieder genug Naß, durch welches sich meistens eine weiße Rinne vom Mundwinkel bis zum Kinn bildet. Arturo ist Schornsteinfeger und ist erst fünfundzwanzig Jahre alt. Der Theaterdirektor hat ihm eine Eintrittskarte gegeben, damit er einmal den Schornstein — er wird nicht sehr viel gebraucht — in seinem Hause reinigt. Er hat zum ersten Male eine Aufführung gesehen und ist von der Schönheit und dem guten Charakter Jsabellens begeistert. Er besitzt ein kostbares goldenes Armband mit einem großen spanischen Rauchtopas, das er in feinem Koffer aufhebt unter dem Bett in dem Keller, wo er mit den anderen Gesellen schlaft. Arturo ist ein ehrlicher Mann; er kommt in manches Haus, aber vor ihm können Millionen auf den Tische im Zimmer herumliegen, wenn er allein im Zimmer ist und den Kamin fegt. Er ist arm, aber ehrlich, und das ist sein Stolz. Das Armband hat ihm eine vornehme Dame geschenkt; vornehme Damen haben zuweilen sonderbare Einfälle; sie hatte sich in Arturo verliebt, als er aus dem Kamin hervorkam, an welchem sie saß, indem sie in einem Buche las. Arturo ist ein anständiger Mensch und versteht zu schweigen, obwohl er manches erzählen könnte, was die Leute in Erstaunen versetzen wurde, denn man erlebt merkwürdige Dinge in der Welt; aber er erzählt nichts, er ist verschwiegen wie das Grab, und das Armband also hat ihm eine vornehme Dame geschenkt. Dieses Armband holt er aus dem Koffer vor, in welchem fein Sonntagsanzug, das zweite Hemd, ein ßiebesbrieffteUer und ein Taschentuch mit abwaschbaren Pergamentblättern liegen; er borgt sich von der Meisterin das Stück Kreide, von dem sie abzuschaben pflegte, wenn sie sich die Zähne bürstet, geht zum Kaufmann und holt sich ein Gläschen Branntwein uno putzt das Armband bis es funkelt. Dann wi^elt er es sauber in einige Blätter, die er aus bem‘ßiebesbrieffteUer herausreißt und geht zu Isabellen. Er geht in feiner Schornsteinfegertracht, denn er will ihr das Armband bringen, als fei er ein Bote, der von einem vornehmen und reichen Herrn geschickt ist. Ich erstrebe nichts für mich, sagt er sich; meine Belohnung wird fein, wenn ich ein Lächeln auf den Lippen meiner Göttin sehen darf. So klopft er an, und als sie ruft, tritt er ein. Sie tut einen leisen Aufschrei, dann aber faßt sie sich schnell. Er tritt auf sie zu und reicht ihr das Päckchen, indem er sagt, daß ihre Sippen zwei Kirschen gleichen, welche zu pflücken ein allzu kühner Wunsch wäre. Er hat noch einige andere Sätze in Vorbereitung, aber als er von den Lippen zu dem vornehmen Herrn überleiten will, versagt ihm das Gedächtnis, denn die Fortsetzung ist eigentlich nicht ganz organisch mit der Einleitung verbunden gewesen, weil diese aus dem Liebesbriefsteller genommen war. Deshalb reicht er ihr stumm bas Päckchen. Isabelle weiß nicht recht, was sie tun soll unb zögert etwas, deshalb sagt ber Schornsteinfeger, baß er ein ehrlicher Mann ist, unb vor ihm können Millionen auf bem Tisch liegen, wenn er in einem Zimmer ben Kamin fegt, unb weil er ihr bas Päckchen bei biefen Worten noch immer noch reicht, so nimmt sie es schließlich. Als sie es aufwickelt, sieht sie bas wunberschöne Armbanb unb sagt in ber ersten Verwunberung unb Freube: „Ah!" Arturo murmelt jetzt seine Sätze von bem vornehmen unb reichen Herrn, Isabelle aber hört gar nicht auf ihn, fonbern streift sich bas Armbanb über ihr zierliches Hänbchen an ihren reizenben runben Arm, hält es sich vor bas Gesicht, halb näher, halb weiter, haucht auf ben Topas unb be- rounbert, wie er anläuft, zieht ein Taschentuch vor unb putzt an ihm, streift bas Armbanb ab unb nimmt es an ben anberen Arm, schiebt ben Aermel höher unb niebriger, um bie Wirkung zu beobachten, läuft ans Fenster, hält es in ben Sonnenschein, um bas Blitzen bes Steines zu sehen, unb bricht zuletzt in ein glückseliges Lachen aus. Nachbem sie eine Weile gelacht hat, hüpft sie auf einem Bein burch bie ganze Stube, inbem sie babei immer mit bem Arm, an welchem bas Armbanb ist, vor ihrem Gesicht herumfuchtelt. Der Schornsteinfeger tritt von einem Fuß auf ben anberen unb lächelt glücklich, stolz unb bescheiben. Zuletzt kommen ihm Tränen, unb bies war nun bie Gelegenheit, wo er meinte. Die Tränen aber sammeln sich bei ihm zuletzt nicht so wie bei anbern im Munbwinkel, fonbern an ber Nasenspitze, unb weil er so gerührt ist über Jsabelles Freube unb feine eigene Großmut, so wischt er sie mit ber Hanb ab, und man kann sich vorstellen, wie sein Gesicht nun aussieht. Endlich bleibt Isabelle auf einem Bein stehen, sieht Arturo prüfend an, sieht dann auf das Armband, sieht wieder Arturo an, macht sich die Worte klar, die sie vorhin mechanisch ausgenommen, aber nicht verstanden hatte, und zuletzt blitzt ein Lächeln des Verständnisses über ihr hübsches Gesicht. Es wäre doch auch merkwürdig, wenn ein Mädchen nicht merkte, daß ein Mann sie liebt, ber vor ihr steht. Wir wissen ja nicht, wie es sich mit ber Dame verhalten haben kann, bie ihm bamals bas Armbanb geschenkt hatte; bamals hatte er wahrscheinlich nicht gemeint; jebenfalls sieht er jetzt nicht so aus, daß ihn ein Mädchen, sollte man meinen, hätte küssen mögen. Aber ist es das Armband oder ist es seine Liebe, was Isabellen bewegt: sie eilt auf ben Fußspitzen zu ihm, legt vorsichtig bie Arme um seinen Hals unb küßt ihn mit spitzem Münbchen. „Das bin ich nicht wert, bas bin ich nicht wert", ruft schluchzenb ber Schornsteinfeger unb stürzt aus bem Zimmer. Er eilt burch bie Straßen, ber Leute nicht achtend, welche er anftreift, durch das Tor, auf die Landstraße hinaus, welche sich endlos dehnt. ,Lch hätte das Armband für hundert Skudi verkaufen können, aber der Kuß ist mehr!" ruft er aus. „Was ist einem Gold, wenn man liebt!" Oismarck im Gachsenwaid Als durch ben Sachsenwalb eine Bahnstrecke gelegt wurde, war dies dem Fürsten Bismarck schmerzlich. Auf seinem täglichen Mvrgenspazier- gange besichtigte er den Fortschritt ber Bah narb eiten und stellte mit Betrübnis fest, daß sein geliebter Wald auf immer größerem Gelände abgeholzt wurde. Jeder Axthieb, der seinen Eichen galt, fügte ihm einen Schmerz zu, doch Bismarck erkannte die Notwendigkeit an, der Technik dieses Stück Natur zu opfern. Aber als er einmal gerade hinzu kam, als eine seiner mächtigen Eichen gefällt wurde, deren ehrwürdiges Alter und gewaltige Höhe und Breite ihn immer besonders erfreut hatten, konnte er feinen geheimen Grimm nicht mehr bezwingen. Er gab den Arbeitern den Auftrag, den verantwortlichen Ingenieur der Bahnbaubehörde, der den Auftrag zur Fällung dieses Baumes gegeben hatte, zu ihm aufs Schloß zu schicken, damit er ihm seine Meinung über ein solch frevelhaftes Tun mitteilen könne. Wütend erwartete er, mit großen Schritten auf- und abgehend, den Ingenieur unb trat ihm in heftigster Bewegung entgegen. Aber als er ihm von Angesicht zu Angesicht gegen» überstand, da vermochte er fein einziges zorniges Wort hervorzubringen. Seine finster zusammen- gezogenen Brauen glätteten sich, unb verlegen bot er bem baumlangen Ingenieur eine Zigarre an. Dieser nahm sie freunblich an unb fragte* ruhig unb gelassen, was benn Fürst Bismarck von ihm wünsche. Statt einer Antwort fragte Bismarck ihn über seine Herkunft unb feinen Namen und ließ sich von ihm vieles über feine Berufstätigkeit erzählen. Der gut neun Schuh hohe, breitschultrige Mecklenburger war über biefe Teilnahme bes Fürsten an seinem Tagwerk sehr erfreut unb über eine Stunbe lang unterhielten sich bie beiben Männer in aller Ruhe miteinanber, ohne ein einziges Wort über bie Eiche, bie ben eigentlichen Anlaß zu bieser Begegnung gegeben hatte. Als man später beim Familientisch auf biefen Vorgang zu sprechen kam unb man Bismarck fragte, warum er bem Ingenieur nicht seine Meinung gesagt habe, schüttelte er ben Kopf unb sagte bebächtig: „Ich konnte einfach nicht ben Ton nach ,oben‘ finben. Der Mensch war ja einen Kopf größer als ich!" Zeitschriften. — „Das Innere R e i ch." Zeischrift für Dichtung, Kunst unb beutfches Leben. Herausgeber Paul A l v e r b e s unb K. B. v. Mechow. Verlag Albert Langen / Georg Müller, München. — Die Zeitschrift legt das erste Heft des neuen Jahres vor. Es enthält u. a. einen ergreifenden Gedichtzyklus „Die Briefe der Gefallenen" von Eberhard W. Möller. Versucht in diesen Gedichten einer ber Jungen bas große Geschehen jener Jahre bichte- risch zu bewältigen, stellt Rubolf Kreutzers Bericht „Aus ber Sommeschlacht" ein Zeugnis ber Generation bar, bie vom Grauen unb Tob in ben Granattrichtern ber Front geprägt, heute auf ben Hohen ihres fchaffenben Lebens steht. Dichterische Beiträge in Prosa liefern bie Deutsch-Oesterreicher Julius Zerzer unb Richarb Billinger: bieser ein Hörspiel „Nebel überm See", jener eine besinnliche Erzählung vom jagbfrohen unb bemütig-from- men Kaiser Maximilian „Maria in ber Zuidersee". Johann Pfeiffer spricht über bie Erneuerung der deutschen Dichtung im Zeitalter Herders. Fritz von Engdlbrechten versteht in seinem Aufsatz „Wille unb Weg", mit bem eine neue Rubrik „Stimme ber Jugenb" beginnt, Jugenb als „bas Aufgebot geistig-sittlicher Wehrhaftigkeit" unb zeichnet bi« Aufgabe ber Jugenb als geistig-sittliche Auslese. Gebichte von R. Kreutzer unb Georg v. b. Bring unb eine Folge von Wiebergaben schöner Lanb» schaftsbarstellungen unb Porträts Albrecht Birkle« runben das erfreulich reichhaltige Heft ab. Nakional-Theater, wo auf des Königs Befehl neben der königlichen Loge eine solche für Blanchard reserviert war. Dieser wurde bei seinem Erscheinen vom Publikum mit jubelndem Beifall begrüßt." Dieser Blanchard, der in allen Ländern Europas die sensationellsten Ballonaufstiege unternahm und mit Geschenken und Auszeichnungen geradezu überschüttet wurde, war viele Jahre hindurch der gefeiertste Luftschiffer seiner Zeit. Ueberall, wo er mit seinem liebenswürdigen Lächeln zu einem neuen Flug in seinen Ballon stieg, gerieten die Menschen vor Begeisterung aus dem Häuschen. Unübersehbare Zuschauermassen füllten den Platz, wenn der berühmte Johann Peter Blanchard seine waghalsigen Flüge vorführte. Der Flug jedoch, der seinen Namen mit einem Schlag über die ganze Welt trug, war die erste Ueberquerung des Aermelkanals von England nach Frankreich. Blanchard, ursprünglich ein kleiner, unbekannter Mechaniker, der eine schmächtige Gestalt besaß und nur hundertzehn Pfund wog, hatte schon lange diesen kühnen Gedanken mit sich herumgetragen. Am 7. Januar 1785 war endlich der l-ngersehnte, große Augenblick gekommen: Blanchard war entschlossen, in Begleitung des Engländers Dr. Jeffries den sensationellen Versuch zu wagen. Alle Vorbereitungen waren schon getroffen. Der Aufstiegsort war der Rand des schroffen Felsens bei Dover. In dem Bericht eines Augenzeugen heißt es: „Um ein Uhr war alles zum Aufstieg bereit. Blanchard und sein Begleiter Dr. Jeffries hatten ihre Sitze eingenommen. Mit größter Kaltblütigkeit und weithin schallender Stimme befahl nun Blanchard, die letzten Stränge zu lösen. Unmittelbar vor der Auffahrt herrschte unter den Zuschauern die größte Stille, aber kaum erhob sich der Ballon in die Luft, da ertönte ein ungeheures Freudengeschrei und man überließ sich den törichtesten Ausbrüchen eines unbeschreibliche» Jubels. Es war ein großartiger und überwältigender Anblick, den stolzen Luftballon majestätisch über die unermeßliche Meeresfläche dahinschweben zu sehen. Blanchard blickte nun auf die frohlockenden Zuschauer zurück und grüßte mit einer Fahne. Wir verloren den Ballon schon fast aus dem Gesicht, als wir ihn plötzlich sinken sahen. Uns schauderte vor dem Gedanken an das bevorstehende Unglück, aber alsbald erhob sich der Ballon wieder in die Lüfte und trieb mit größter Schnelligkeit fort." Dlanchards Unternehmen war von außerordentlichem Glück begünstigt. Drei Stunden lang wehte der Wind in der Richtung von England nach Frankreich, aber es war trotzdem ein h ö ch st gefahrvoller Flug, der beinahe einen tragischen Ausgang genommen hätte: immer wieder drohte der Ballon von den Meeresfluten verschlungen zu werden. Blanchard war gezwungen, alles, was nicht niet- und nagelfest war, schleunigst über Bord zu werfen. Instrumente, Proviante, ja selbst die überflüssigen Kleidungsstücke flogen ins Meer. Von Zeit zu Zeit hob sich der Ballon ruckweise wieder in die Luft, aber bald begann er rasch und ausaufhörlich zu sinken. Schon erblickten die beiden mutigen Luftschiffer durch ihr Fernrohr die französische Küste. Die Gondel berührte schon die Oberfläche des Meeres. Blanchard unternahm noch einen letzten Versuch, um den Ballon hochzubekommen: Steuer, Ruder, Anker und Seile wurden über Bord geschleudert. Als auch dies nichts half, erbot sich der Engländer Jeffries, selbst ins Meer zu springen, um auf diese Weise den Ballon zu entlasten. Blanchard lehnte jedoch dieses heroische Angebot ab und entschloß sich, die Gondel abzuschnei- d e n. So hingen sie, erschöpft und hilflos, vom Wind immer näher an die französische Küste getrieben, in den Stricken des Ballonnetzes; sie mußten alle Kraft aufbieten, um nicht ins Meer geschleudert zu werden. Gegen drei Uhr schwebten sie wohlbehalten über Calais und der Ballon landete in einem Wald auf den Baumkronen. Beispielloser Jubel, ungeheure Begeisterung. Der Name Blanchard war von dieser Zeit an in aller Munde. ♦ Blanchard hat in feinem späteren Leben noch eine Reihe sensationeller Flüge mit größtem Erfolg ausgeführt, Er ist, wie wir bereits erwähnt haben, in allen Ländern Europas mit seinem Ballon aufgestiegen, mehr als einmal auch in den verschiedensten deutschen Städten. Ost schwebte er selbst in hochsterLebensgefahr, aber der Fallschirm, den er bei seinen Flügen immer bei sich hatte, bewahrte ihn vor ernstlichen Unfällen. Während einer feiner Veranstaltungen kam es einmal zu einem tragikomischen Zwischenfall. Als der Ballon aus irgendeinem Grunde nicht aufsteigen wollte, mußte Blanchard unter polizeilicher Bedeckung flüchten, da er sonst von der sensationshungrigen Menge gelyncht worden märe. Die Ueberfliegung des Aermelkanals hat feinen Namen aber in aller Welt berühmt gemacht. Franz Dietrich. Mrestagung der Gießener Stenografen. Die Deutsche St e n og r a f e n sch a f t, Ortsgruppe Gießen, hielt am Samstagabend im Cafe Ebel unter dem Vorsitz ihres stellvertretenden Ortsgruppenleiters Diplom-Handelslehrer Paul D e t) m e r ihre diesjährige Jahreshauptversammlung ab. Vereinsleiter Dehmer übermittelte der Versammlung die Grüße des Gaubezirksleiters und begrüßte den Kreisbezirksleiter K. H. Kuhl, die langjährigen verdienten Vorsitzenden der früheren beiden Gießener Vereine, Franz Haustein und A. K a r n b a ch, sowie die übrigen Besucher. Auf höhere Anordnung brachte er dann die auf dem Bundesvertretertag in Halle im Vorjahre beschlossenen Satzungen nochmals vor, die in ihrem § 1 bestimmen, daß der Deutsche Stenografenbund nach Eingliederung der übrigen stenografischen Gemeinschaften Deutschlands nunmehr den Namen „Deutsche Stenografenschaft" führt, deren Zweck die Verbreitung und Forderung der „Deutschen Kurzschrift" führt, deren Zweck die Verbreitung und Förderung der „Deutschen Kurzschrift" im Rahmen des nationalsozialistischen Bildungszieles ist. Der Sitz des Vereins ist Kulmbach. Der Verein ist körperschaftliches Mitglied des NS.?Lehrerbundes. Dem bisherigen 1. Vorsitzenden Georg Wahl, der nach Worms versetzt wurde, widmete er besonderen Dank und Anerkennung. Hierauf erstattete der Schriftführer Heinz Graf den Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Jahr. Der Bericht erinnerte nochmals an dey Zusammenschluß der beiden Gießener Vereine, die auf eine reiche Tradition und ebenso reiche Erfolge zurückblicken konnten. Das letzte Jahr brachte sehr viel neue Arbeit, die sich durch das tatkräftige Einsetzen der führenden Männer erfolgreich für die Ortsgruppe auswirkte und eine Ausdehnung ihrer Aufgaben herbeiführte. Der Reichsinnenminister hat klar und eindeutig zum Ausdruck gebracht, daß die jetzige Form der Einheitskurzschrift sich durchaus bewährt hat und den höchsten Anforderungen in der Praxis entspricht. Der Reichsinnenminister hat aber auch zum Ausdruck gebracht, daß er gleichen Wert wie auf die Kurzschrift, auch auf das Maschinenschreiben legt. Die Gießener Ortsgruppe hat diese Notwendigkeit gleichfalls erkannt und erteilt auch Unterricht im Maschinenschreiben. Die Pflege der Kurzschrift in der Deutschen Stenografenschaft erfolgt nach den Anweisungen des NS.-Lehrerbundes. Heute beherrschen 90 v. H. der Handelsschüler die Kurzschrift, und auch der Beamte muß ihre Beherrschung nachweisen. Die Ortsgruppe Gießen beteiligte sich an dem mit der Feier des 70jährigen Bestehens der Ortsgruppe Worms verbundenen Gautag mit 28 Wettschreibern, die einen guten Erfolg erzielen konnten. Gelegentlich eines Besuches in Gießen sprach sich der Gaugebietsleiter, Landtagsdirektor Werner (Darmstadt), anerkennend über die Leistungen der Gießener Ortsgruppe aus, hob ihre Kameradschaft und das Gemeinschaftsgefühl hervor und sagte seinen Dank für die vorbildliche Arbeit. Auch auf dem Kreisgebietstag in Bad-Nauheim wurden 32 Preise errungen, darunter zahlreiche Ehrenpreise, u. a. die Ehrenpreise aller Abteilungen über 140 Silben. Zum Obmann für das Maschinenschreiben wurde Der- einsmitglied Balken ernannt. Das letzte Jahr brachte eine starke Mitgliederbewegung. Die Abgänge konnten durch Neuwerbungen ausgeglichen werden, so daß die Ortsgruppe einen Bestand von rund 600 Mitgliedern aufweisen kann. Für den nach Worms verzogenen Vereinsleiter Gg. Wahl führte dessen Stellvertreter, Dipl.-Handelslehrer Paul D e h m e r, die Ortsgruppe, der sich besonders die Ausgestaltung des Unterrichtes und der Veranstaltungen angelegen sein ließ. Die neue Bearbeitung der Unterrichtspläne hat sich erfolgreich erwiesen, 250 Mitglieder haben sich am Unterricht beteiligt. Es ist das weitere Bestreben, die Kurzschreiber zu höherer Geschwindigkeit heranzubilden. Neben der Plege und Verbreitung der Kurzschrift wurde auch die Geselligkeit gepflegt, als deren Obmann Mitglied L e i p o l d sich erfolgreich betätigte. Das abgelaufene Jahr war ein voller Erfolg, zu dessen Gelingen auch die Unterstützung durch die Tagespresse beigetragen hat. So konnten an vier Wettschreiben von der Ortsgruppe Gießen insgesamt 208 Preise, darunter 31 Ehrenpreise, errungen, ferner 68 erste und herooragende und 71 sehr gute Arbeiten geliefert werden. Die Handelskammerprüfung über 240 Silben wurde von einem und über 180 sowie über 150 Silben wurde von je drei Vereinsmitgliedern abgelegt. Die staatliche Kurzschriftlehrerprüfung bestanden Schriftführer H. Graf in Darmstadt und Handelsstudienrat Rück in Kulmbach. In 20 Kursen wurden 530 Teilnehmer in Kurzschrift unterwiesen. Außerdem fanden Vorbereitungskurse für Beamte unter Leitung von Dipl.-Handelslehrer D e h m e r statt. Auch für die Zukunft ist eifrige Mitarbeit jedes einzelnen und rege Werbung nötig. Kasfenführer Heß erstattete hierauf den Kassenbericht, der ein schuldenfreies Dastehen des Vereins und gesunde Finanzverhältnisse auswies. Auch im abgelaufenen Jahre wurden für die Pflege der Kurzschrift große Opfer gebracht, außerdem konnten größere Schuldbeträge abgetragen und die erste Schreibmaschine für den Verein angeschafft werden. Anschließend gab der Kassenwart den Voranschlag für das neue Jahr bekannt. Da sich keine Anstände ergaben, wurde dem Schriftführer und dem Kassenwart Entlastung erteilt. Der Vorsitzende dankte ihnen für ihre hingebende Arbeit. Da durch den Fortgang des ersten Vorsitzenden eine Neuwahl des Vereinsführers notwendig geworden war, wurde der stellvertretende Vereinsführer Dipl.-Handelslehrer Paul D e h m e r in Vorschlag gebracht. Da dieser aus gesundheitlichen Rücksichten das Amt nicht weiterfuhren konnte, wurde einstimmig der bisherige erste Schriftführer Heinz Graf zum neuen Vereinsführer gewählt, dem der Kreisgebietsführer K. H. K u h l sogleich mit anerkennenden Worten die Bestätigung zusicherte. Die weiteren Vorstandsmitglieder werden später bekanntgegeben werden. Einen schonen Abschluß fand die Jahreshauptversammlung durch ein von einem der ältesten Mitglieder, Herr Haustein, verfaßtes und vorgetragenes Gedicht, das eine Aufforderung an die Kurzschriftler zu neuer Arbeit im neuen Reiche dar- stellte und beifällig ausgenommen wurde. Ein geselliges Beisammensein beschloß die Veranstaltung. Daten für Dienstag, 8. Januar. 1642: der Physiker und Astronom Galileo Galilei in Arcetri bei Florenz gestorben (geboren 1564); — 1830: der Musiker Hans von Bülow in Dresden geboren (gestorben 1894); — 1867: der Begründer der Kurzschrift Wilhelm Stolze in Berlin gestorben (geboren 1798). Wirtschaft. Oer 41/2%ige Pfandbrieftyp. In ihrer neuesten Börsenrundschau geht die Commerz- und Privatbank auch auf die Plane ein, durch neue 4,5prozentige Pfandbriefemifsionen geringeren Umfanges den Markt abzutasten und auf feine Aufnahmefähigkeit zu untersuchen. Allerdings würden, so wirb in dem Bericht ausgeführt, derartige Neuausgaben dem bisher vertretenen Grundsätze, das umlaufende Wertpapiermaterial nicht zu vergrößern, nicht ganz entsprechen. Diese Folge glaubt man indessen im Interesse des angebeuteten Zwecks in Kauf nehmen zu können. Ein Ausgabekurs von etwa 94 v. H. für bie neuen 4,5prozentigen Pfanb- briefe würbe anberfeits für bie bafür zu gewähren- ben Hypotheken Bebingungen nötig machen, bie bie hypothekenfuchenben Kreise auch unter ben heutigen Verhältnissen nicht immer bewilligen werben. Es ist aUerbings zu berücksichtigen, baß bas sonstige Angebot an Hypothekengelbern, bas von ben Sparkassen, Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen usw. ausgeht und dem günstigere Bedingungen zu Grunde liegen, nur recht gering ist und einer Ergänzung durch Pfandbriefhypotheken bedarf. Ein Zinsfuß der neuen Pfandbriefe von 4,5 v. H. würbe einem Hypothekenzinsfuß von nom. 5 o. H. voraussetzen, währenb unter ber Annahme, baß bie Pfanbbriefe zu 94 v. H. verkauft werben können, nach Abzug ber Unkosten, bes Wertpapierstempels usw. für bie abzuschließenben Hypotheken ein Auszahlungskurs von nur 91 bis 92 v. H. zugestanben werben konnte. Das würbe, je nachbem man bas Datum auf eine Zeitspanne von 5 ober von 10 Jahren verteilen mürbe, einer Effektivverzinsung von etwa 6,5 bis 7 v. H. gleichkvmmen. Aber über bie Ausgabemvbalitäten ist noch nicht bas letzte Wort gesprochen, unb es sollte, falls sich bie Steigerung ber Pfanbbriefkurfe fortsetzt, auch möglich sein, höhere als die erwähnten Verkaufspreise von ca. 94 v. H. für bie neu zu begebenben Pfanbbriefe zu erzielen. Es wäre auch möglich, baß man ben ge- schilberten Emifsionsversuch als eine Art Dorpostengefecht für bie fommenbe Konversion benutzt unb bisher mit 6 v. Sy verzinsliche Pfandbriefe gegen 4,5prozentige auswechselt. ♦ * Brasilianischer Lokomotivauftrag für Henschel & Sohn, Kassel. Die Firma Theodor Wille, Hamburg, erhielt soeben von Brasilien einen Auftrag auf vier große, schwere Lokomotiven für Henschel & Sohn AG., Kassel. Rhein-Mainische Mittagsbörse. Tendenz fest. Frankfurt a. M., 5. Jan. Die Börse setzte auch zum. Wochenschluß ihre Aufwärtsbewegung fort. Die Stimmung war allgemein zuversichtlich. An ben Aktienmärkten sinb bie Umsätze allerdings kleiner geworben, ba sich bas Interesse bes Publikums weiterhin auf ben Markt ber festverzinslichen Werte konzentriert. Hierfür lagen auch heute mieber zahlreiche Orbers vor, sowohl aus Kreisen ber Kundschaft, als auch von ben Sparkassen. Die Umsätze in ben einschlägigen Spezialwerten blieben ziemlich lebhaft. Vor allem Kom- munal-Umschulbung blieben gesucht unb erzielten gegenüber ber Abendbörse einen weiteren Gewinn von 0,40 v. H. Ferner zogen Zinsvergütungsscheine 0,25 v. H., Altbesitzanleihe 0,50 v. H., Stahlverein- Bonds unb späte Reichsschulbbuchfvrberungen je 0,13 v. H. an, auch Reichsmark-Anleihen lagen bis 0,50 v. H. hoher, baneben gewannen Reichsbahn- VA. 0,40 v. H. Stäbte-Altbesitz erhöhten sich auf 100,75 (100,25). Am Aktienmarkt war die Kursgestaltung etwas uneinheitlich, boch überwogen noch Besserungen von durchschnittlich 0,50 v. H. Etwas lebhafter waren IG. Farben mit 135,25 bis 135,50 (134,90 v. H.). Von anderen chemischen Werten bröckelten Deutsche Erdöl 0,75 v. Sy, Rütgerswerke 0,25 v. H. ab. Montanaktien waren nach zumeist unverändertem Beginn nach den ersten Kursen fester, so Rheinstahl um 1 v. Sy, Phönix um 0,40 v. Sy unb Stahl- verein um 0,25 v. Sy Elektropapiere wiesen über- wiegenb Besserungen von 0,25 bis 0,50 v. Sy auf. Im einzelnen eröffneten u. a.: Reichsbankanteile, Deutsche Linoleum, Hanfwerke Füssen, Westbeutsche Kaufhof, (Sehr. Junghans unb Zement Heibelberg bis 0,50 v. Sy niebriger, anbererfeits zogen Moenus Maschinen 0,50 v. Sy unb Kunstseibe AKU. 0,75 v. Sy an. Im Verlaufe blieb bie Haltung fest. Indessen trat ber Aktienmarkt mehr hervor, ba. von der Kunbschaft zahlreiche Aufträge für ben Kassamarkt, ber zumeist in fester Haltung verkehrte, eingetroffen waren, woburch auch bie Großwerte günstig beeinflußt wurden. Lebhafter waren Reichsbank (4-1,25 v. H.), Montan- unb Elektroaktien bei Erhöhungen von 0,50 bis 1 v. Sy Die anfangs etwas schwächeren Kurse konnten sich in den meisten Fällen gut erholen. Schwächer lagen Braunkohlenwerte, wie Ilse Genuß (—1,75 v. H.) Am Rentenmarkt würbe das Geschäft ruhiger. Die festen Anfanqskurse blieben aber gut behauptet, Reichsbahn-DA. unb Stahlverein-Bonbs zogen noch je 0,25 d. Sy an. Golbpfandbriefe lagen zumeist noch von 0,25 bis 0,50 v. Sy fester, Korn- munal-Obligationen blieben gut behauptet, währenb ßiquibationspfanbbriefe teilweise etwas abbröckelten. Stabtanleihen lagen ebenfalls etwas ruhiger, boch konnten sich bie erhöhten Kurse zumeist behaupten. Vereinzelt setzten sich noch Erhöhungen durch. Staatsanleihen tendierten ruhig. Industrie-Obligationen waren teilweise weiter gesucht und fest. Fremde Werte lagen still und wenig verändert. — Tagesgeld blieb zu 3,25 v. Sy unverändert. Frankfurter Schlachtviehrnarkl. . Frankfurt a. M., 7. Jan. (Vvrbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftrieb: 1128 Rinder (362 Ochsen, 81 Bullen, 372 Kühe, 313 Für- sen), 734 Kälber, 139 Schafe, 3470 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 20 bis 39 Mark, Bullen 24 bis 36, Kühe 11 bis 34, Färsen (Kalbinnen) 22 bis 40, Kälber 22 bis 52, Hümmel 32 bis 39, Schafe 15 bis 32, Schweine 36 bis 53 Mark. — Marktverkauf: Rinder und Schweine ruhig, Kälber, Hümmel und Schafe mittelmäßig. Holzversteigerungen Nidda, 9. Januar, 10 Uhr, im „Gambrinus": Brennholzversteigerung: Scheiter rm: Buche 1. Kl. 406, 2. Kl. 234, Eiche 108; Knüppel rm: Buche 187, Eiche 4, Birke 2, Weymouthskiefer 14; Reiser 1. Kl. (Knüppelreiser) rm: Eiche 58, Aspe 2, Fichte 6, Weymouthskiefer 69; Reiser 2. Kl. (Stammreiser) rm: Buche 140; Stöcke rm: Buche 1. Kl. 83, 2. Kl. 33, Eiche 15. Wallernhausen, 10. Januar, 10 Uhr, in der Gastwirtschaft Walther: Brennholzversteigerung: Scheiter: Buche 1. Kl. 264 rm, 2. Kl. 266 rm, Eiche 1. Kl. 80 rm, 2. Kl. 77 rm, Ahorn (rund) 0,6 rm; Knüppel: Buche 163 rm, Eiche 56 rm, Lärche 2 rm; Bruchholz: Buche 4 rm; Reisig 3. Kl.: Buche 650 rm; Stöcke: Buche 234 rm. Selters, 11. Januar, 10 Uhr, in der Gastwirtschaft von Lenz: Brennholzversteigerung: Scheiter: Buche l.Kl. 106 rm, 2. Kl. 179 rm, Eiche 1. Kl. 73 rm, 2.Kl. 27 rm, Kiefer (rund) 5 rm; Knüppel: Buche 124 rm, Eiche 38 rm, Kiefer 2 rm; Reisig 1. Kl.: Buche 1. unb 2. Durchforstung 22 rm, Reisig Buche 1.Kl. 42 rm; Reisig Buche 3. Kl.: 431 rm; Stocke: Buche, gepfannt 4 rm, gerobet 81 rm, Eiche, gepfannt 1 rm. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Srannun a. -UL tid)lu6r. dürfe dürfe' 5.1. 5-1. 97,25 97,5 98 98,25 98,75 98,75 99 105,75 106,25 105,65 106 24 24,25 98,25 98,5 98,25 98,5 96 96,25 96,25 96 95,5 96,25 134,65 136,13 108 105,65 107 105,4 106,75 96 96,5 96 80,25 96 96,5 96,5 96,75 Schultheis Patzenhofer o Banknoten. 97 96,9 97 97 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 49,13 97 97,5 97,5 104,4 104,4 104,4 104,4 0 141 Grttzner....................01 Mainkraftwerke Höchst a.M—« 41 Süddeutsch« Zuck« 8| 120 28 I 84,75 r,6 MannesmauEöhrenöj 75,75 16 Divibenbe an. — Reichsbankbiskont 4 v. H, Lornbarbzinsfuß 5 v. H. Die hinter Den Papieren Die besch Der 118,25 79,13 76,5 29 81,5 95,5 74,25 80 107 125 90,75 97-75 84,75 o 6 0 6 6 77,5 78,5 150,5 28,9 80,75 95,5 74,25 23,9 23 3 7 f 0 0 G 33,75 179,5 89,75 97,75 83,5 77,5 78.5 150,75 0 0 0 , 7 , 0 , 0 , 0 0 10 0 0 29,13 81,25 96 74,5 43,75 69 87,5 100,5 63 101 87,25 100,5 62.65 100,75 81,75 150,5 120 78 75,75 28,5 135,4 103,25 114 79,65 110,5 104,5 95,5 139 114,5 24 23,13 7,25 7 6,95 11.75 27,5 135,25 102,25 113,5 78,5 110 104 94,25 138,25 112 77,75 79 149,5 I. G. Farben.Jndustrie Scheideanstalt........ Goldschmidt ......... Rütgerswerke........ Metallgeiellschaft...... 136,25 197 90 97,75 85 49 64,75 102 48,75 116,75 49,25 68,75 122,75 48.25 65 88,4 33,13 179,5 150 141 87,13 100,75 62,75 100,25 27,75 135,75 103,5 114,25 79 110 104 95.5 139,5 114 88 102 63,75 100,75 82,25 149 118,13 79 T6,9 33,9 178,5 148 140 102,5 49,65 115 49,5 68,5 123,75 48,9 64,5 88,5 33,9 180 150 139,5 27,5 135 102 113,25 80 110 104 94,65 138 112,25 48-5 65 24,5 1,05 6,5 25 1,05 6,65 6,4 6,4 11,5 6,5 11,5 6,75 6.4 6,4 11,4 28,9 80,75 96 74,25 134,9 197 90 98 84 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 77,5 79 149,5 48,5 117,25 49,75 69 8l.<8.0......................o Betula.....................o Elektr.Lieferungsgesellschaft... 6 Licht und Kraft ............. 6 Selten & Guilleaume......... O Äesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........ 5 Schuckert L Co...............6 Siemens L Halske............7 Lahmeyer L Lo.............10 Philipp Holzmann .... Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt.. Buderus ................. Deutsche Erdöl............ Gelsenkirchener............ Harpener................. Hoesch Eisen—Köln-Neuessen Ilse Bergbau ............. Ilse Bergbau Genüsse...... Klöcknerwerke............. 28,75 I 28 I W5i 169 1 80 1 80,13 1 106,5 - 1241 -I «K* Abend! 4% Oesterretchische Goldrente.... 4,20% Österreichische SUberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische StaatSrente v. 1910 *ya% be5gLöon 1913 ......... b% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 L^Mrktsche Bagdadbcchn-Anleihe Bemberg........... Zellstoff Waldhof .... Zellstoff Aschaffenburg Dessauer Gas....... Daimler Motoren.... Deutsche Linoleum... Orenstetn L Koppel.. Leonhard Tietz...... Chade .............. Aau mulatoren-Fabrü Eontt-Gumml....... Datum 6% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 6% ehe m.7% Dt. Reichsanl. v. 1929 6ya% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.«Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. Desgl. ohne Auslos.-Rechte...... 6% ehem.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12.................. tVi% Hess. LandeS-Hypotheken- bank Darmstadt Liqui......... Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Eammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 6Vi% ehem. 4%% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriefe....... 6%% ehem. 4*4% Rheinische Hyp.-Bank-Ltäu.-Goldpfe..... 6% ehem. 8% Pr. Landespfand. briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. LandeLpfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 10 Steuergutsch. Verrechnungskurs.. Hamburg-Amerika-Paket .....o Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hansa-Dampsschiff...........O Norddeutscher Lloyd .........O A.G. für Verkehrswesen Akt. .. O Berliner Handelsgesellschaft ... 4 Commerz- und Privat-Bank ... O Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................0 Dresdner Bank..............O Retchsbank ................ 12 4-1. 97,75 jrannun u. -Ul. äerlm Schluß- kurü Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag- börse Datum 4-1- ! 5-’- 4-1- 5-1- 4% Desgl. Serie 11............. 7,9 7,9 — 7,75 5% Rumän. veretnh. Rente v. 1903 4 4,25 4.25 4,5 4^%Rumän.vereinh.Rentev.l913 6,5 6,5 6,4 6,4 4% Rumänische vereinh. Rente .. 3,95 4 4 4 2 %% Anatolier ............... 30,75 31,75 30,9 31,75 Frankfurt a.2)L Berlin Schluß- kurS Schlußk. Abend« börie Schluß« kurS Schlußk. Mittag- bürte Datum 4-1. 5-1. 4-1- 5-1. Mansselver Bergbau .. .......O 83 83,75 83,5 84,75 Kokswerke ........... .......0 —— — 97 97 Phönix Bergbau...... .......0 49,65 50,5 49,65 50,75 Rheinstche Braunkohlen ..... 10 213 210 212,65 212 Rheinstahl........... .......0 99 90,25 89,25 91 Vereinigte Stahlwerke. .......0 41,75 42 41,75 42,25 Otavi Minen ........ .......o 12,5 12,25 12 5 12,5 Kaliwerke Aschersleben. .......5 109.5 108 Kaliwerke Westeregeln. .......6 110 — — 110,5 Kaliwerke Salzdetfurth .....IVi 145 — 145 145 4.3anuar 5-Januar Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld | Dricf Geld Dries Buenos Aire. 0,628 0,632 0,628 0,632 Brüssel----- 58-17 58,29 58,26 58,38 Rio de Jan. 0,194 0,196 0,194 0,196 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,29 54,39 54,52 54,63 Danzig..... 81,24 81,40 81,24 81,40 London ..... 12,16 12,19 12,21 12,24 HelsingforS.. 5,365 5,375 5,39 5,40 Paris ...... 16,41 16,45 16,42 16 46 Holland .... 168’26 168,60 168,36 168,70 Italien..... 21,30 21,34 21,30 21,34 Japan ...... n 707 0,709 0,710 Jugoslawien 5,649 5^661 5,649 5,661 Oslo..... : 61,11 61,23 61,36 61,48 Wien....... 4fi 95 19, OS 48 95 Lissabon.... 11,035 11,055 11,08 1L10 Stockholm... 62,70 62,82 62,96 63,08 Schweiz .... 80,72 80,88 80,72 80,88 Spanten.... 34,02 34,08 34,07 34,13 Prag....... 10,39 10,41 10,39 10,41 Budapest ... — —— Neuyork... 2,476 2,480 2,483 8,487 Berlins.Januar Geld 25 ri ei Amentannwe Vivien.............. 2,435 2,455 Belgische Noten.................. 58,05 58,29 Dänische Noten ................. 54,31 54,53 12,175 12,215 Französische Noten............... 16,38 16,44 Holländische Noten............... 167,94 168,62 Italienische Noten................ 21,11 21,19 Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, i 1OO Schilling 61,20 61,44 Rumänische Noten............... _ _ Schwedische Noten............... 62,74 63,00 Schweizer Noten................. Spanische Noten................. 80,44 33,83 80,76 33,97 Ungarische Rote» . Nr.5 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag, 7. Zanuar 1935 Die große Erziehungsausgabe der Hiiler-Zugend Gtabsführer Hartmann Lauterbacher vor 6000 HZ.-Führem und Führerinnen in der Mainzer Stadthaile. LPD. Mainz, 5. Jan. 6000 Führer und Führerinnen der Hitler-Jugend des Gebietes 13 Hessen-Nassau versammelten sich am Samstag in Mainz, um in mehreren Svndertagun- gen die großen Aufgaben zu beraten, die ihnen das Jahr 1935 bei der Erziehung der deutschen Jugend im Geiste des Führers stellt. Die F ü h - rertagung in der Stadthalle am Abend erhielt ihre besondere Note durch die Anwesenheit des Vertreters des Reichsjugendführers, Stabsführer der RIF. Hartmann Lauterbacher, der im Kurfürstlichen Schloß von Oberbürgermeister, Kreisleiter Dr. Barth in Anwesenheit von Vertretern der Partei und ihrer Gliederungen, insbesondere der HI., sowie von Behördenvertretern feierlich empfangen wurde. Dem Empfang wohnten auch Regierungspräsident Z i n t s ch (Wiesbaden) und Provinzialdirektor Wehner (Mainz) bei. Oberbürgermeister Dr. Barth hieß Stabsführer Lauterbacher und seine Mitarbeiter im Namen der Stadt und des Kreises Mainz der NSDAP, herzlich willkommen und betonte das Interesse aller für die großen Aufgaben, die der HI. gestellt seien. Don der Art, wie die HI. ihre Erziehung auffasse und anpacke, hänge das weitere Schicksal der Nation für die andere Generation ab. Am Schluß seiner Ansprache bot Oberbürgermeister Dr. Barth dem Gast einen Willkommenstrunk. Mit herzlichen Worten des Dankes erwiderte Stabsführer Lauterbacher. Er sehe in dem herzlichen Empfang ein Bekenntnis der engen Verbundenheit der Stadt Mainz mit der Hitler-Jugend. Die Führer der Hitler-Jugend seien sich ihrer hohen Aufgabe und Verantwortung bewußt und wüßten, daß der Erfolg nur durch Lei st ungen und nie erlahmende Arbeitskraft zu erringen sei. Zum Schluß übermittelt er die Grüße des Reichsjugendführers und die besten Wünsche der HI. Nachdem sich Stabsführer Lauterbacher in das Goldene Buch der Stadt Mainz eingetragen hatte, besichtigte er die angrenzenden historischen Räume. Dann schritt er unter den Klängen von Märschen der HI. mit seiner Begleitung durch ein Spalier von Fahnenabordnungen der Hitler- Jugend zur Stadthalle, wo die große Führerkundgebung begann. In Anwesenheit von Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, des stellvertretenden Gauleiters Regierungsrat Reiner, des Ministerialrats Ringshausen und des Oberbürgermeisters Dr. Barth sprach der Stellvertreter des / Reichsjugendführers Stabsführer Hartmann Lauterbacher in der Mainzer Stadthalle vor über 5000 Führern und Führerinnen der HI. Nach einem Rückblick über die geleistete Arbeit der beiden letzten Jahre unterstrich er, daß im neuen Jahr der S ch u l u n g s - arbeit in den Zeltlagern erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werde. Jedem Jungen und jedem Mädchen sei in der Hitlerjugend die Möglichkeit gegeben, feinem Glauben zu leben und seinen kirchlichen Pflichten nachzukommen. Die HI. werde jeden Versuch, die deutsche Jugend wieder zu zersplittern, mit allen Mitteln bekämpfen. Die Ausführungen des Redners fanden mehrfach stürmischen Beifall. Unter Mitwirkung von 700 Jungen fand dann das weihevolle Spiel „Der Orden der Zucht" von Wilhelm Maria Mund statt, das in dem Mahnwort der Gestalt Adolf Hitlers ausklang: „Ich habe nicht versagt, jetzt versage du nicht, junger Orden der Zucha, dann wird unser Reich für alle Zeiten bestehen!" Die Arbeitstagung der HJ.-Führerschaft des Gebiets Hessen-Nassau fand ihren Auftakt in einer Sondertagung der Abteilungsleiter Rundfunk im Sitzungssaal des Kurfürstlichen Valais. 70 Rundfunkreferenten und Referentinnen Der Banne und Jungbanne sowie des BdM. konnte der Abteilungsleiter R des Gebiets, Mund, dem Gebietsführer C e r f f, dem Abteilungsleiter R der Reichsjugendführung, melden. Die BdM.-Referen- tin, Gauführerin Hilde Freitag, berichtete über die bisherige Arbeit des Mädelfunks und der Aus dem Schicksalsspiel vom deutschen Führertum „Der Orden der Zucht" von Wilhelm Maria Mund. Schwierigkeiten auf technischem, organisatorischem und schulischem Gebiet, die nach und nach überwunden werden müßten. Dann ergriff Gebietsführer Cer ff das Wort. Er sprach zunächst über Emzelfragen der Sendung, die technische Durchführung usw. Der Rundfunk habe objektiv über der gesamten HJ.-Arbeit zu stehen und sich i n d e n Dien st aller Arbeitsgebiete der HI. zu stellen. Für diese verantwortungsvolle Arbeit seien alle jungen Kräfte, die der deutschen Nation etwas zu sagen hätten, zu gewinnen, um ihr Werk und ihr Können der Allgemeinheit dienstbar zu machen. Zum Schluß behandelte er die Aufgabengebiete des Rundfunks. Anschließend machte der Musikreferent W. Stumm die Abteilungsleiter mit den Liederblättern und den Musikblättern der Reichsjugendführung bekannt. Der technische Mitarbeiter P a n n e ck machte auf die in Göttingen errichtete Reichsfunkschule der HI. aufmerksam. Auch vom Gebiet Hessen-Nassau erwarte er eine starke Beschickung dieser Schule. Im Rahmen der Führertagung fand ferner eine Morgenfeier des BdM. statt. Eine Bach- kantate leitete über zum chorischen Spiel „Wir Mädel und die Zeit", das verfaßt von der Schulungsreferentin des Obergaues, Käthe Türk, von über 200 BdM.-Mädels'des Untergaues Mainz aufgeführt wurde. Zu den Führerinnen des BdM. sprach dann die Obergauführerin Therese Walcher. Sie stellte den harten Weg des Volkes, das sich selbst und sein Vaterland dank der Idee des Nationalsozialismus wiedergefunden habe, dar und sprach von der neuen Jugend, die bewußt ihren eigenen Dom Führer vorgelebten Weg gehe. Ihre Eigenart gewinnt Ausdruck in einer neuen Fest- und Feiergestaltung, die Zeugnis eines neuen Kunstschaffens ablege, gespeist aus der Quelle des Volkstums und der völkischen Gesinnung. Aus der Provinzialhauptstadt. Ballast über Bord! Niemals wird soviel Ballast über Bord geworfen, als in den ersten Tagen eines neuen Jahres. Jungen Leuten soll man nicht zuviel Lasten aufbürden. Also fort mit dem Krimskrams, der uns im vorigen Jahr begleitete und mit der Zeit wertlos geworden ist! Der alte Taschenkalender mit seinen vielen Notizen und den eingelegten Zetteln und Zettelchen hat ausgedient. Säuberlich schreiben wir in seinen Nachfolger hinein, was wir ins neue Jahr übernehmen wollen: Adressen, Telephonnummern, Geburtstage. Aber die Weihnachtsbesorgungen für deine Familie und die Verabredung von ehemals ist nicht mehr aktuell. Papierkorb! Was hängt da an der Wand? Wahrhaftig, der 31. Dezember 1934. Hartnäckig hat er sich bis jetzt da behauptet. Her mit dem neuen Kalender! Wir wollen nicht mehr so rückständig sein. Liebevoll ist jedem Blatt ein weisheitstriefender Spruch und darunter ein Vorschlag für das Mittagessen beigegeben. Das kennen wir vom alten Jahr, und das wird sich wohl niemals ändern. Eigentlich sollte man jetzt auch in seiner Schreibtischschublade Ordnung machen. Die Feriengrüße deiner Freunde dürften ebenfalls für den Papierkorb reif sein, und es findet sich gewiß noch so manches Geschreibsel, das einer sorgfältigen Prüfung nicht standhält. Einmal im Jahr darf man alle Tradition und Pietät beiseiteschieben, einmal sich die allzutreuen „lieben" Dinge vom Herzen reißen, die eigentlich schon längst alles Leben ausgehaucht haben und zerknittert, verschmiert und durch und durch „erledigt" sind. Wir werden sehen, wie leicht uns danach zumute ist! Gemeinschaft und Einsamkeit. Daß die Gemeinschaft viel Wertvolles in sich birgt, wird gerade heute, da wir uns vom Jch- Menschen zum Wir-Menschen hinwenden, wieder stark betont. Kulturelle Veranstaltungen, nicht dem Einzelnen, sondern einer Gemeinschaft, einer Gemeinde kunsthungriger Volksgenossen geschenkt, bereichern doppelt durch das Zusammenschlagen begeisterter ober bewegter Herzen, durch das allen gemeinsame starke Erlebnis. Oder denken wir an Arbeitsgemeinschaften, an Ausspracheabende, bei denen jeder seinen Mund auftun und feine eigenen Gedanken in die große Jdeenkette einfügen darf, die gemeinschaftlich geschmiedet wird. Ein Hin und Her, ein Nehmen und Geben, ein Sichbeschenken, ein Miteinandertragen und ein Miteinanderschaffen — das ist der Sinn der Gemeinschaft. Ueber allem diesen wollen wir aber den Wert der einsamen Stunden nicht verschmähen. Was sich im Gespräch angesponnen hat, kann in der Stille ausreifen, kann sich bewähren am Leben und sich bereichern durch eigene Erlebnisse. Denn viele Vorgänge des Lebens und der Natur verschließen sich den Vielen und bringen sich nur dem Einzelnen dar, der, aufnahmebereit, ganz Auge, ganz Ohr dem Geschehen keinen Eigenwillen entgegenbringt, sondern es einfach auf sich wirken lassen kann. Eine Gemeinschaft, und wären es auch nur wenige Menschen, beeinflußt sich gegenseitig zu stark, sie tritt nicht mehr ganz vorurteilslos dem Leben gegenüber. Was man in diesen stillen, einsamen Stunden erlebt, ober was man in sich Entwickelt, soll man nicht in sich einkapseln. Es muß wieder für die Gemeinschaft bestimmt fein. Es kann ein neues Licht auf den Gesprächsstoff werfen, es kann eine Unterhaltuncpberoegter und reicher machen, es kann, da es schon etwas geschlossener, fertiger ist als die Gedanken, die das Gespräch erst weckt, den aderen wesentlich mehr geben und sie anregen, ihrerseits — jeder für sich in der Stille und in seinem eigenen Tagesablauf — der Sache nachzugehen. Gemeinschaft und Einsamkeit — eines soll mit dem anderen Hand in Hand gehen! Fortbildung nach Feierabend. Achtet auf die Vorträge des Deutschen Volksbildungswerkes. So wie in der Natur — noch kaum bemerkbar — neues Leben wird, so regen sich auch in unserem Volke neue Kräfte, die impulsiv nach außen drängen und Altes und Morsches abstoßen, um die ein» engenden Grenzen einer überlebten Anschauung zu sprengen und den Weg frei zu machen für eine neue Weltanschauung. Neues will werden. Der schaffende deutsche Mensch sucht auf allen Gebieten Bereicherung und Vertiefung seiner Kenntnisse. Er will das, was er täglich erlebt, auch verstehen lernen und sucht mit faustischem Drängen m die Tiefen der Erkenntnis hinabzusteigen. Hier will das Volksbildungswerk Wegbereiter fein und den suchenden Menschen an die Quellen heranführen, die ihm die reine Erkenntnis und das Wissen um die inneren Zusammenhänge vermitteln, durch die Einführung in die weltanschaulichen Grundlagen unserer Zeit und in die lebenswichtigen Fragen unseres Volkstums. Es läßt ihn besinnen auf die kulturellen Leistungen und führt ein in die reiche Welt unserer Kunst, führt ihn zurück an den ewigen Jungborn — die Natur. Durch eigenes Singen und Musizieren wird Gelegenheit gegeben, die große Kunst unserer deutschen Meister verstehen und lieben zu lernen. In Vorträgen, die eine praktische Auswertung zulassen, hat der Hörer die Möglichkeit, die erworbenen Kenntnisse sofort weiter zu verwenden. Wer also nach vorwärts strebt und nicht stehen bleiben will, sondern das köstliche Gut des schaffenden Menschen, die Freizeit, richtig verwerten will, der Gießener Konzertverein. Zweites Solistenkonzert: AdelheidArmhold. Der Eindruck des hiesigen Liederabends von Adelheid A r m h o l d zeigte offensichtlich, daß die Künstlerin, bei aller Anerkennung ihrer bedeutenden Werte, nicht gänzlich frei ist von einem Rest der Erdenschwere technischer Probleme. Zweifellos liegt bei Adelheid Armhold eine sehr große stimmliche Begabung vor. Wenn es der Künstlerin gelingen würde, diese beneidenswerten Mittel völlig zur Entfaltung zu bringen, dann könnte sie eine unserer Allerersten [ein. Der augenblickliche Stand ihrer Entwicklung läßt einwandfrei erkennen, daß Körperlichkeit und Gesangsapparat noch nicht zum idealen Ausgleich geführt worben finb. Wer die Sängerin vor Beginn eines Liedes auf dem Podium beobachtet hat, der wurde durch eine harmonisch ausgeglichene Erscheinung, die sich zumal in den Gesichtszügen ausprägte, gefesselt. Sobald sie aber zum Darstellen kam, da schien es, als legten sich dem Ausdruckswillen gewisse Hemmnisse :n den Weg. Man hatte jedenfalls den Eindruck,- daß die Stimme noch nicht ihren höchsten resonanz- lichen Sitz erreicht hat. Zu dieser Annahme berechtigt der etwas schroffe Uebergang zu den äußeren Stimmgrenzen. Was bei der Sängerin den Hörer aber von vornherein gefangen inmmt und bestrickt, bas ist ihr schwebendes Piano, das sich seidenweich ausspinnt und bei der überaus geschickten und angemessenen Anwendung, die ihm die Künstlerin zuteil werden läßt, immer wieder seine Reize ausübt. Denn Adelheid Armhold ist eine hochmusikalische Vortragsgestalterin, die durch die natürliche, warm empfundene Ausdrucksgebung Bewunderung hervorruft. Und dieses Moment war ausschlaggebend, den hiesigen Liederabend zu einem außerordentlichen Erfolg werden zu lassen. Das Schlichte, innig Angegebene gewinnt gerade durch seine Unverfälschtheit an Unmittelbarkeit. (Minnelied und „In stiller Nacht" von Brahms.) Wo sie neckische Töne anschlägt, da ist sie voll Charme („Storchenbotschaft" von Hugo Wolf). Ebenso aber fängt sie intime Stimmungen mit Zartheit ein wie in Schumanns „Mondnacht" und Schuberts „Im Freien". Es ist aber auch ebenso ihrem Gestaltungswillen ermöglicht, den weiten Bogen einer Arie zu spannen wie in Händels Arie der Kleopatra aus „Julius Cäsar", mit der Gegensätzlichkeit des Mittelsatzes. Impulsiver Lyrik gibt sie überzeugenden Ausdruck (Schubert: „Gretchen am Spinnrade" und Schumanns „Frühlingsnacht", die bei den Hörern das Verlangen nach Wiederholung ausläfte). Von ganz besonderer Note zeigte fie sich in dem zugegebenen norwegischen Volkslied durch die Naturnähe des Echospiels. Immer wieder mußte die Sängerin auf dem Podium erscheinen, und stets gewann man ihr neue Zugaben ab. (Richard Strauß: „Freundliche Vision", Brahms: „Wiegenlied".) Albert Hofmann (Wiesbaden) unterstützte die Sängerin am Flügel, sich dabei im Laufe des Abends immer mehr musikälifch erschließend. Mit Beethovens Ls-Dur-Sonate op. 31 Nr. 3 schaltete er sich zwischen die Gesangsvorträge. Er ließ hier eine gesunde, durchgebildete Technik erkennen, die den Anforderungen des Werkes zweifellos gewachsen war. Anderseits aber stellt diese Sonate, so verhältnismäßig durchsichtig fie in ihrem Aufbau zunächst erscheinen mag, die musikalischen Gestaltungskräfte vor Aufgaben, die manchem unserer Klavierspieler nicht restlos erreichbar sind. Im Großen und Ganzen konnte man der Auffassung Albert Hofmanns wohl zustimmen. Dr. H. Oie Sache von Malabar Hill. Don Lindy. Colonel Rutherton beugte sich über den Tisch und goß den Whisky persönlich ein. Es machte ihm anscheinend Spaß, seinen Gästen zu beweisen, daß sie hier, in der entlegenen Garnison an der Grenze von Sikkim durchaus nicht auf die kleinen Annehmlichkeiten zu verzichten brauchten, die das Leben für einen echten Engländer erst lebenswert machen. Seine Cocktails z. B. standen denen in der Bar im May Fair-Hotel in nichts nach, und dafür, daß bet Drink hier seine Portion Eis hatte, war auch gesorgt worden, trotz der Gluthitze. „Fällt Ihnen das nun eigentlich schwer, Oberst, von Indien Abschied zu nehmen?" Rutherton lachte und wandte sein tiefbraunes Gesicht, zu dem die ergrauten Haare einen eigenartigen Kontrast bildeten, der Sprecherin zu. „Noch bin ich nicht fort, Mrs. Pale..." Die kleine Frau protestierte. „Aber doch schon halb! Soll es nicht morgen losgehen? Hat sich etwas geändert?" Der Oberst schüttelte den Kopf. „Nein — es bleibt schon dabei — ich gehe morgen früh mit den Trägern nach unten, aber Sie kennen Indien nicht..." — er war ernst geworden — „man soll in diesem Lande keine Pläne machen..." Mrs. Pale verzog den Mund zu einem reizenden Lächeln. „Abergläubisch etwa? — Lassen Sie sich nicht auslachen, Oberst! Ich bin noch nicht lange hier, das stimmt wohl, aber was ich bisher von diesem Lande sah, hatte leider wenig Romantisches an sich. D-Züge und Radio, Tennis und Golf, Bridge und Flirt — wenn Sie also nicht gerade die alten Zeiten meinen, in denen das Land erst erobert werden mußte, und die Sie ja noch erlebt haben..." Der Dritte am Tisch, Captain Bells, der sich bis dahin schweigend mit seinem Glase beschäftigt hatte, fand es nun an der Zeit einzugreifen. Wenn er etwas haßte, dann waren es jene alten Erzählungen von Nena Sahib, Malabar Hill und wie die anderen Marksteine anglo-indischer Geschichte noch heißen mochten — und das Gespräch schien ihm jetzt gefährlich nahe darauf zuzusteuern. „Laß die die Anspielung auf dein Alter nicht gefallen, Eddie," warf er dazwischen, worauf Mrs. Pale einen roten Kopf bekam, was ihr sehr gut stand, und lebhaft versicherte, daß sie das auf keinen Fall so gemeint hätte. Alles mußte lachen, und Bells stellte mit Befriedigung fest, daß die Klippe glücklich umschifft sei. In diesem Moment kam der braune Boy und flüsterte dem Obersten etwas ins Ohr. „Einen Moment..." er bedeutete dem Diener, zu warten, „Ladies und ©entfernen — haben Sie Lust, einen Schlangenbeschwörer zu sehen?" Mrs. Pale war sofort Feuer und Flamme, während der Hauptmann geringschätzig den Mund verzog. „Also dann schicke den Mann hierher auf die Veranda!" Die kleine Frau konnte sich einer gewissen Spannung nicht erwehren. Sie batte schon so viel von indischen Gauklern und Schlangenbändigern gehört und bisher doch noch keine Gelegenheit gehabt, einen Vertreter dieser Gilde aus der Nähe zu sehen, obwohl sie nun schon vier Wochen im Lande war. Voller Interesse betrachtete sie also die hagere Gestalt des Inders, der jetzt die Veranda des Bungalows betrat und sich auf einen kleinen Teppich fetzte, den er mitgebracht hatte. Das schmale, ausgemergelte Gesicht unter dem großen Turban ausdruckslos zu Boden gesenkt, stellte er einen Korb aus Rohrgeflecht vor sich hin und zog aus feinem Gürtel eine einfache Flöte hervor, der er eine langsame, seltsam einschläfernde Melodie entlockte. Ein Schauer überlief die Frau — gebannt starrte sie auf den Deckel des Korbes, der sich plötzlich, wie von Geisterhänden bewegt, zu heben begann. Der flache, häßliche Kopf einer Schlange wurde sichtbar, dem gleich darauf in raschen Windungen der schlanke Körper folgte. Rutherton beugte sich Herüber. „Eine Kobra ... Mrs. Pale..." flüsterte er, „ihr Biß tötet in wenigen Minuten!" Die Engländerin zuckte zusammen, „Um Gotteswillen — ist das wahr?" Der Oberst lächelte. „Nur keine Angst haben — allen diesen Tieren sind die Giftzähne ausgebrochen, man kann fie getrost anfassen. Wollen Sie es nicht einmal versuchen?" Die Frau schüttelte sich vor Ekel. „Nicht um alles in der Welt! — Aber was tun Sie da —" Der Oberst war aufgestanden und trat auf den Schlangenbeschwörer zu. Irgendwas, worüber er sich selbst nicht klar war, zwang ihn zu dieser ganz lächerlichen Handlung. ,Wer hat es denn von mir verlangt, meinen Mut zu beweisen* — sagte er zu sich selbst und setzte dennoch einen Schritt vor den anderen, immer näher auf das Tier zu, das sich aufgerichtet hatte und seinen aufgeblähten Hals langsam im Takte der Melodie hin und her wiegte. Diese Melodie — diese verdammte Melodie —- warum hörte denn der Kerl da nicht auf! Wie schnell diese dreckigen Finger über die Löcher der Flöte glitten — als ob es nicht zehn, sondern hundert Finger wären!! .Zehn Finger ... hundert Finger .. .* murmelte er, ,tausend Finger .. .* — aber der Kerl hatte doch nur sieben Finger...! Colonel Rutherton wurde plötzlich hell wach — wo hatte er denn diese verstümmelte Hand, der drei Finger fehlten, schon einmal gesehen... Die alten Tage von Malabar Hill tauchten vor seinen Augen auf... was hatte doch damals jener Spion mit der verstümmelten Hand zu feinem Zelt herübergerufen, bevor er, kurz vor der Hinrichtung, in das Dschungel entfloh... ,Shiwa wird dich holen, bevor du dieses Land verlassen kannst...* Und dieses tückische Glitzern in den Augen des Gauklers... plötzlich wußte er es: das bedeutet« Tod! Er sprang einen Schritt zurück und riß die Pistols aus der Tasche... schon bäumte sich das Reptil zum tödlichen Biß... deutlich waren die beiden langen Giftzähne in dem aufgerissenen Rachen zu erkennen... da krachte der Schuß! Mrs. Pale schrie auf und preßte die Hände vor die Augen — Bells fuhr hoch. „Um Gotteswillen — was ist los?!" Die Schlange krümmte sich mit zerschmettertem Kopf am Baden. Rutherton keuchte und versuchte, die Gestalt des Schlangenbändigers aufs Korn zu nehmen, der iw weiten Sprüngen auf das schützende Dschungel zurannte ... aber der Schuß war ungenau — nur ein höhnisches Lachen schallte herüber, dann schloß sich die grüne Wildnis hinter dem Entflohenen. Erschöpft ließ sich der Oberst in den Sessel fallen und stürzte seinen Whisky hinunter. „Sagte ichs nicht vorhin", lächelte er, und ein grimmiger Humor klang aus feinen Worten, „man soll in diesem Lande feine Pläne machen?" Und es wurde zu Captain Bells Unbehagen doch noch eine Story erzählt an diesem Nachmittag: die Geschichte des Spions von Malabar Hill. besuche die Lehrgänge des Volksbildungswerks, die jedem das geben, wofür Interesse vorhanden ist. Der letzte Arbeitsabschnitt des Winterhalbjahres der Volksbildungsstätte beginnt in diesen Tagen. Anmeldungen zu den Lehrgängen werden an den örtlichen Stellen des Volksbildungswerkes entgegengenommen. Ortsgruppe Gießen-Mitte. Pfundsammlung. Am Mittwoch, 9. Januar, wird im Bereich der Ortsgruppe Mitte die nächste Pfundsammlung durchgeführt. Wir bitten die Hausfrauen, die Spenden ab 9 Uhr bereitzuhalten und den Inhalt durch Aufschrift kenntlich zu machen. Für jede Spende wird durch die Sammlerin eine Quittung erteilt. Heil Hitler! Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Mttte. Amt für Dolkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Süd. Die Pfundsammlung in der Ortsgruppe Gießen-Süd wird am Dienstag, 8. Januar, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pakete bereitzustellen und auf den Umhüllungen Gewicht und Inhalt zu verzeichnen, da für jede Spende eine Quittung erteilt wird. Jl(5£8v Kreis Gießen. Fachschaft körperliche Erziehung. Bezirk Gießen. Am Mittwoch, 9. Januar, Pflichtarbeitsgemein, schäft in der Turnhalle der Neuen Pestalozzi- schule in den Eichgärten. 15.30 bis 16.15 Uhr: Knabenturnen. 16.15 bis 17.15 Uhr: Leistungsturnen. 17.15 bis 18.15: Mädchenturnen. Die nächste Zusammenkunft der Geländesportarbeitsgemeinschaft ist am 26. Januar 1935. Mietänderungsanreigen für die Einheitsbewegung 1935. Das Reichsfinanzministerium teilt mit: Für die Zwecke der Einheitsbewertung 1935 hatten die Hausbesitzer im Oktober 1934 eine Hausliste bzw. eine Mietnachweisung auszufüllen, in der die einzelnen Mieter ihres Hauses und die Jahres-Rohmiete anzugeben waren. Da der Stichtag für die Bewertung der 1. Januar 1935 ist, müssen alle Aenderungen in den Bewertungsgrundlagen (z.B. in der Jahres-Roh- miete, in der Größe des Grundstückes infolge Teilverkaufs ober Zukaufs im Eigentum am Grundstück), die bis zum 1. Januar 1935 eingetreten sind, dem Finanzamt unverzüglich mitgeteilt werden. Diese Anzeigen sind an das Finanzamt zu richten, in dessen Bezirk der Grundbesitz gelegen ist. Soweit die Mitteielungen noch nicht gemacht sind, müssen sie unverzüglich nachgeholt werden. Die Abgabe der Erklärungen kann durch Ordnungsstrafen erzwungen werden. Die Umsatzsteuer-Voranmeldungen. Der Vorsteher des Finanzamts Gießen teilt uns mit: Durch das neue Umsatzsteuergesetz ist die seither zur Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldungen und zur Zahlung der Umsatzsteuervorauszahlungen bestehende Schonfrist von 7 Tagen in Wegfall gekommen. Dementsprechend haben sämtliche Umsatzsteuerpflichtigen bis spätestens 10. Januar 19 3 5 ihre Umsatzsteuervoranmeldung für den Monat Dezember 1934 bzw. die Vierteljahrszahler für das 4. Kalendervierteljahr 1934 abzugeben und gleichzeitig die entsprechende Umsatzsteueroorauszahlung zu leisten. Bei Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldungen nach dem 10. Januar 1935 kann ein Zuschlag zur Steuer (bis zu 10 v. H.) festgesetzt werden. Erfolgt die Zahlung der Steuer nach dem 10. Januar 1935, so ist nach § 1 des Steuersäumnisgesetzes ein Säumniszuschlag in Höhe von 2 v. H. der Steuer verwirkt. Außerdem werden die säumigen Steuerzahler, die es im Jahre 1935 hinsichtlich einer Zahlung oder Vorauszahlung zu einer zweitmaligen Mahnung kommen lassen, in die im Frühjahr 1936 zu jedermanns Einsicht offengelegten Listen der säumigen Steuerzahler eingetragen. Die bereits durchgeführte bzw. noch beabsichtigte Milderung der Steuerlast verpflichtet auch jeden Volksgenossen. Der nationalsozialistische Staat fordert von jedem einzelnen, daß er restlos seine staats- bürgerliche Pflicht erfüllt und so alles daran setzt, den großen Gedanken der Volksgemeinschaft in die Tat. umzusetzen. Hierzu zählt vor allen Dingen Ehrlichkeit bei Abgabe von Steuererklärungen und Pünktlichkeit in der Erfüllung der steuerlichen Verpflichtung. Das höchste Recht ist, als dienendes Glied der Gesamtheit seine Pflichten zu erfüllen zum Wohle des Staates. vornokizen. — Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die beiden Seehunde". — Der Kneipp-Bund e. V., Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am Dienstag, 8. Januar, im „Bayerischen Hof" einen Vortrag mit praktischen Vorführungen. (Siehe heutige Anzeige!) * ** Der Präsident des Oberlandesgerichts Darmstadt tritt in den Ruhe- st a nd. Mit Wirkung vom 1. Februar ab tritt der Präsident des Oberlandesgerichts zu Darmstadt, Adolf Müller, auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten in den Ruhestand. Durch Urkunde des Herrn Reichsstatthalters in Hessen wurde ihm die vollste Anerkennung seiner dem Staat geleisteten langjährigen treuen Dienste ausgesprochen. ORunbfunfprogramm Dienstag, 8. Januar: 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II. 6.45: Frühmeldungen. 6.55: Morgenspruch — Choral. Frühkonzert. 8.15 bis 8.30: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst, Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau. 16: Doppel-Konzert. In der Pause: Kunstbericht der Woche. 18: Italienischer Sprachunterricht. 18.15? Aus Wirtschaft und Arbeit. Kurzbericht aus dem Reich und von der Saar. 18.30: Vom Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen: Das neue Zivilprozeßrecht. Ein Gericht. 18.50: Der Bettelstudent. Kurzoperette 19.40: „Glocken klingen über der Saar". Hörspiel. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der Nation. „Volk will zu Volk". Ein Spiel von deutscher Gemeinschaft. 21: Konzert. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Unterhaltungskonzert des Kleinen Funkorchesters. Achtung Gaarabstimmungsberechtigte aus Gießen und Umgebung! Sehr wichtig! Erscheinen unbedingt erforderlich! Der Saaroerein, Ortsgruppe Gießen, hält am Mittwoch, 9. Januar 1935, 20 Uhr, im Restaurant und Laf6 „V ü rgerh o f“, Gießen, Plockftrahe 5, seine letzte Mitgliederversammlung vor der Abstimmung ab, bei der sämtliche Fragen des Transports und des Abstimmungsvorganges ausführlich besprochen werden. Insbesondere findet auch die Ausgabe der Fahrkarten statt. Erscheinen sämtlicher Abstimmungsberechtigten aus Gießen und möglich st auch der Umgebung ist unerläßlich! Saar-Sonderzüge passieren den Gießener Bahnhof. Zur Beförderung der Saar-Abstimmungsberechtigten aus dem Reiche nach dem Saargebiet passieren folgende Sonderzüge den Bahnhof Gießen auf der Hinfahrt: In der kommenden Nacht zum Dienstag der Sonderzug mit den Saardeutschen aus lieber« fee von Berlin über Kassel, Gießen, Frankfurt, Kaiserslautern nach dem Saargebiet. An Gießen 3.19 Uhr, ab Gießen 3.22 Uhr. In der Nacht zum 11. Januar Sonderzug von Magdeburg über Gießen, Wetzlar, Koblenz nach Neunkirchen, an Gießen 3.45 Uhr, ab Tietz e n 3.56 Uhr. In der Nacht zum 12. Januar Sonderzug von Berlin über Gießen, Wetzlar, Koblenz nach Saarlouis, an Gießen 3.04 Uhr, ab Gießen 3.16 Uhr; ein weiterer Sonderzug von Berlin über Gießen, Frankfurt nach Saarbrücken, an Gießen 3.19 Uhr, ab Gießen 3.22 Uhr; ein dritter Sonderzug von Berlin über Gießen Frankfurt nach Saarbrücken, an Gießen 3.33 Uhr, ab Gießen 3.35 Uhr; außerdem fährt von Gießen aus der Sonderzug Nr. 15 am 12. Januar ab Gießen 8.47 Uhr, ab Wetzlar 9.04 Uhr usw., an Neunkirchen 17.07 Uhr. Die Rückfahrt: Der Gießener Sonderzug fährt am 14. Januar 15.13 Uhr in Neunkirchen ab, kommt um 23.15 Uhr in Wetzlar an und trifft um 23.30 Uhr in Gießen ein. Am 15. Januar passieren den Bahnhof Gießen folgende Züge: Auf der Fahrt von Saarbrücken über Frankfurt, Gießen n^ch Berlin, an Gießen 3.19 Uhr, ab Gießen 3.22 Uhr, an Gießen 3.44 Uhr, ab Gießen 3.46 Uhr; von Saarlouis über Koblenz, Gießen nach Berlin an Gießen 2.22 Uhr, ab Gießen 2.32 Uhr; von Neunkirchen über Koblenz, Gießen nach Magdeburg, an Gießen 2.33 Uhr, ab Gießen 2.43 Uhr. Eaar-Abstimmungsausweis nicht aus -er Hand geben! Zur Warnung für die Saar-Abstimmungsberechtigten im Reiche teilt die Geschäftsstelle „Saar-Verein" Berlin folgendes mit: In der Wohnung eines Transportleiters für die Saarabstimmungs- fonderzüge erschien eine unbekannte, angeblich abstimmungsberechtigte Person, die, während der Transportleiter abwesend war, von dessen Ehefrau die Herausgabe aller Abstimmungs- unterlagen verlangte unter Berufung auf bett Ortsgruppenleiter, der die Herausgabe angeordnet habe. Als die Aushändigung verweigert wurde, erging sich die Person nach Vorzeigung eines Passes in allerlei Drohungen. Offenbar sind Kräfte am Werk, die Organe, die mit der^ Vorbereitung für die Saarabstimmungssonderzüge aus dem Reich betraut sind, lahmzulegen. Es ist daher größte V o r s l ch t geboten. Alle abstimmungsberechtigten Personen werden immer wieder ersucht, ihren A b • stimmungsausweis unter keinen Umständen aus der Hand zu geben. Oer Fahrplan des Gießener Gonderznges. Der Sonderzug Nr. 15, der von Gießen am Samstag, 12. Januar, abfährt, die Abstimmungsberechtigten aus dem Lahntal aufnimmt und 2N o n t a g, 1 4. I a n u a r, z u r ü ck g e l e i t e l wird, hat folgenden Fahrplan: Hinfahrt Rückfahrt am!2. Januar: am 14. Januar: 8.47 ab Gießen an 23.30 9.04 ff Wetzlar ab 23.15 9.16 ff Braunfels ff 23.00 9.22 ff Stockhausen ff 22.53 9.34 ff Weilburg ff 22.43 10.05 ff Limburg usw. M 22.04 11.19 ff Koblenz (Hbf.) ufw. M 20.33 13.42 ff Trier (Hbf.) et 18.26 14.54 ff Mettlach ff 17.12 15.06 ff Merzig ff 17.01 15.16 ff Bedingen ff 16.50 15.25 ff Dillingen ff 16.41 15.33 ff $ larlouis ff 16.33 15.43 ff B o u s ff 16.22 15.53 ff Völklingen ff 16.14 16.09 ff Saarbr.-Burb. ff 16.02 16.14 an Saarbrücken (Hbf.) ff 15.56 16.21 ab Saarbrücken (Hbf.) an 15.49 16.31 ff Dudweiler ab 15.42 16.41 ee Sulzbach ff 15.36 16.54 ff Friedrichstal ff 15.30 17.07 an Neunkirchen ab 15.13 DieAussteigebahnhöfe im Saargebiet sind gesperrt gesetzt. Die Fahrkarten werden jedem Abstimmungsberechtigten rechtzeitig bereits in die Wohnung zu- gestellt werden. Dor allem sei auch an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, daß keiner ohne seinen Abstimmungsausweis und gültigen Paß zur Abstimmung zugelassen wird! Es darf keiner auch nur eine dieser unerläßlichen Urkunden vergessen, da sonst seine Stimme verloren ist! Gießener Bekenntnis zur deutschen Gaar. Die große Saarkundgebung im Berliner Sport». Palast am gestrigen Sonntagabend, bei der der Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf Heß sprach, wurde in unserer Stadt in einem Ge- meinschaftsempfang im vollbesetzten Saale bes Caf6 Leib mit großer Aufmerksamkeit angehört. Die Rede des Stellvertreters des Führers, die oft von starken Beifallsstürmen unterbrochen wurde, machte auch auf die Gießener Zuhörer unverkennbar «inen starken Eindruck. Am Schluffe der Rede stimmte die große Gießener Versammlung freudig in die Berliner Huldigung für den Führer und Reichskanzler und für die deutsche Saar ein. Gemeinsam wurde als Bekenntnis zur «deutschen Saar das Saarlied gesungen. Kreispropagandaleiter Schmelz sprach dann ein kurzes Schlußwort. Er betonte, daß der jetzige Was soll ich denn mit einem Auto? ROMAN VON KÄTHE METZNER. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.). 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Guten Morgen! Bitte, meine Damen, bemühen Sie sich alle einmal nebenan und legen Sie Hüte und Mäntel ab. Wir wollen gleich einmal sehen. Na — Sie wissen ja! Eine können wir leider nur gebrauchen. Aber den anderen Bewerberinnen möchte ich jetzt schon für ihre Bemühungen danken. Vielleicht ein anderes Mal wieder." Die Worte kamen flüssig und unverbindlich freundlich. Es schien, als ob der Mann gewöhnt sei, daß ihm niemals jemand widersprach und sein Urteil in allen Dingen unumstößlich sei. Mit klopfendem Herzen legte Gerlinde Steinbrück gleich den anderen Hut und Mantel ab und sah mit scheuem Blick an ihrem einfachen blauen Sportkleid herab. Doch während die anderen schnell vor dem Spiegel noch einmal mit der Puderquaste über das Gesicht fuhren oder hier an den Locken und Löckchen herumzupften, fuhr Gerlinde nur mit dem kleinen Taschenkamm einmal glättend über das weiche, dichte Blondhaar. Das war alles, was sie tat, um ihr Aussehen zu verschönen. „So — fertig?" ertönte die dunkle, befehlsgewohnte Männerstimme. „Dann wollen Sie bitte einmal der Reihe nach antreten!" Die Mädchen stellten sich nebeneinander auf. Keine sah jetzt mehr nach der anderen. Jede war mit sich beschäftigt und darauf bedacht, sich vor den Mitbewerberinnen zur Geltung zu bringen. „Bitte, treten Sie einmal vor, Fräulein, und gehen Sie ein paar Schritte dort auf dem Läufer hin und her, als ob Sie eben vorführen sollten. Aber Sie wissen ja Bescheid!" Die Dame, die während der ganzen Zeit in ihrer lebhaften Art mit dem Herrn gesprochen hatte, machte zu der ersten in der Reihe eine auffordernde Bewegung. Gerlinde blieb fast vor Schreck der Atem weg. Das sollte sie auch machen, sich eventuell ebenso geziert hin und her bewegen? Dem Mädchen wurde ein kostbarer Weißfuchs über die Schulter gelegt, und wieder schritt sie hin und her, drehte sich nach allen Seiten... Eine nach der anderen kam an die Reihe. Jetzt Gerlinde, deren Pulse wahnsinnig hämmerten vor Angst. Als sie vortrat, wechselten der Herr und die Dame einen raschen Blick. Nanu, das ist ja ganz was Apartes. Wo kommt denn die her?, sagte dieser Blick. Gerlinde aber erging es eigentümlich. Wie weggeblasen war plötzlich alle Angst. Hatte sie vorhin A gesagt, mußte sie jetzt auch B sagen. Gut, mochte sie sich denn auch ungeschickt anstellen, mochten die anderen über sie lächeln! Sie sah diese Mädchen und das alles hier ja doch niemals wieder. Dem Beispiel der anderen folgend, schritt sie auf dem weichen Läufer hin und her. Gleißend lag das helle Licht der großen elektrischen Lampen auf ihrem silberblonden Haar. Alle Schwere war aus Gerlindes Füßen gewichen. Sie dachte an nichts mehr in diesem Augenblick, da so viele staunende Augenpaare an ihrer biegsamen Gestalt hingen. Dann wurde auch um ihre Schultern der herrliche Weißfuchs gelegt. Warum lächelte keiner? Warum sah keiner mehr das dünne, billige Sportkleidchen, die ärmlichen, dünnen Schuhe? War dies Mädchen gekommen, sich als Mannequin zu bewerben? Wie sie dahinschritt ... Das waren nicht wie bei vielen ihrer Vorgängerinnen die Bewegungen einer aufgezogenen Puppe. Das waren Haltung und Geste einer jungen Dame aus der allerersten Gesellschaft. Von so natürlichem Adel war die Haltung des feinen Körpers, so selbstverständlich jede ihrer Bewegungen ... Wieder wechselte der Propagandachef mit der ersten Direktrice einen überraschten Blick. Dann hob er die Hand. „Es ist genug." Jäh hielt Gerlinde Steinbrück im Schreiten inne. Ihre lichtgrauen Augen, die von dunklen Wimpern dicht umsäumt waren, hefteten sich beinah bestürzt auf den Mann vor ihr. Ihr selber aber war es zumute, als ob sie eben aus einem hellen, freundlichen Traum erwacht fei. „In welchem Haufe waren Sie bisher tätig, Fräulein?" Wie ein Donnerfchlag traf diese Frage Gerlinde. Warum fragte der Herr gerade sie, nachdem er alle anderen stillschweigend hatte passieren lassen? Wieder bereute sie ihren voreiligen Schritt, der sie in solche Situationen getrieben hatte. „Verzeihung — ich wußte nicht... Ich dachte — ein Versuch", sagte sie endlich ziemlich hilflos. Doch zum ersten Male huschte über das Gesicht des Propagandachefs ein nachsichtiges Lächeln, und auch die Direktrice schaute Gerlinde' mit freundlichen Augen an. „Also, Sie waren noch nicht Mannequin?", half die Dame freundlich nach. Gerlinde nickte erleichtert. Inzwischen aber hatte sich der Herr schon an die anderen gewandt. „Also nochmals vielen Dank, meine Damen. Doch es ist nicht nötig, daß wir noch alle drannehmen. Meine Wahl ist bereits erfolgt." Fast schien es, als hätten die anderen das schon erwartet. Zwar streifte noch mancher neidvolle Blick das hübsche Mädchen, doch dann zeigten die Gesichter wieder Gleichgültigkeit. Das waren sie gewöhnt. Heute war es Die, morgen eine andere. Wer gerade das Glück hatte. Nur, daß es diesmal offensichtlich keine „vom Bau" war, wurmte etwas. Warum mußte eine Fremde ins Handwerk pfuschen? Sie vergaßen anscheinend, daß sie alle einmal angefangen hatten. Doch während Gerlinde noch nicht begriffen fjatte, daß sie von allen die Auserwählte war, und ebenfalls nach ihrem Mantel griff, nahm der Propagandachef ihr lächelnd den Arm herab: „Aber liebes Fräulein.., Wollen Sie etwa schon ausreißen? Ich denke, wir müssen Sie noch ein Weilchen hierbehalten, nachdem wir uns für Sie entschieden haben. Ach bitte, Fräulein Scholz, ich habe nun keine Zeit mehr. Nehmen Sie die junge Dame in Ihre Obhut! Ich glaube, wir haben diesmal einen selten glücklichen Griff gemacht." Kurz nickte er Gerlinde noch einmal zu, dann entfernte sich der vielbeschäftigte Mann mit hastigen Schritten. „Haben Sie Ihre Papiere bei sich, Fräulein?" Schon wieder eine Frage, der sich Gerlinde nicht gewachsen fühlte. „Nein... Leider habe ich keine Papiere. Ich war noch nicht in einer Stellung." „So... Dann wollen Sie mir bitte Ihren Namen sagen, Ihre Adresse und Geburtsdaten." Gerlinde kam eifrig dieser Aufforderung nach. Doch Fräulein Scholz hob beinah ruckartig den Kopf und starrte Gerlinde sekundenlang an, als ob sie eine Erscheinung aus einer anderen Welt sei. „Steinbrück--Steinbrück?" Mehr zu sich selber als zu dem jungen Mädchen sprach sie den Namen, während ihre Gedanken suchend Jahrzehnte zurückeilten. Dann aber schien sie ihrer Sache schon völlig gewiß zu sein. Noch einmal glitt ihr Blick prüfend über Gerlindes Gesicht, dann sagte sie: „Sie sind die Tochter des Bildhauers Steinbrück. Ihre Mutter ist eine geborene von Nyssen..." Mit solcher Schnelligkett und Bestimmtheit kamen die Worte, daß Gerlinde Steinbrück für den Moment fast vergaß, wo sie sich befand, sondern eher ge- glaubt hätte, einer Hellseherin gegenüberzusitzen. „Ja...", sagte sie endlich und hatte sich noch immer nicht von ihrer Verblüffung erholt. Der Ausdruck in dem Gesicht von Fräulein Scholz aber hatte sich jäh gewandelt. Beinah ehrfürchtig und doch wieder wie in aufquellendem Mitleid strich die ältliche Dame in ihrer lebhaften Art Gerlinde mehrmals über die Wange. Dann sagte sie mit fast verklärtem Gesicht: „Sie also sind die Tochter der schönen Komtesse von Nyssen. Armes, armes Kind... Ihre Mutter war vor zwei Jahrzehnten eine unserer besten Kundinnen — bis — ja, bis — ganz Berlin war ja damals voll davon. So ein Skandal in der ersten Gesellschaft... Na, er hat es ja dann auch schnell büßen müssen... Nur die arme, verwöhnte Frau! Wie hat sie sich denn in das einfache Leben gefunden? Und der Großvater? Er ist noch immer unversöhnt?" Aus Gerlindes Gesicht war jeder Blutstropfen gewichen. Halt suchend griff sie nach der Wand, während ihre Augen hilflos an Fräulein Scholz hinaen, die sich jäh unterbrach. „Ach, es ist doch wohl ein Irrtum", sagte Gerlinde endlich. „Das mit dem Namen stimmt ja. Aber das andere — davon hat meine Mutter uns nie erzählt." Jetzt begriff Fräulein Scholz und bereute bitter ihre Voreiligkeit. Frau Steinbrück, vormals Komtesse von Nysfen, hatte ihrem Kinde ihr trauriges Schicksal verschwiegen! Und sie hatte alles ausgeplauscht! Fräulein Scholz war kaum jemals wütender auf sich gewesen als in dieser Stunde. Aber nichts hals, auch nicht, daß sie sich eine alte, schwatzhafte Elster nannte. Die Worte waren gefallen, und das arme junge Mädchen würde mit einem Male anfangen zu fragen und zu grübeln. Und daran war sie schuld! Sie, die alte, Dumme Scholz. „Ach freilich, entschuldigen Sie, liebes Fräulein. Es ist gewiß ein Irrtum von mir gewesen. Ach, es geht einem ein bißchen viel durcheinander. So viel Kundinnen... Denken Sie doch, dreißig Jahre bin ich schon in diesem Hause. Vor fünf Jahren habe ich hier ein Jubiläum gefeiert. Ach, was glauben Sie, Kindchen, wie man da die alte Scholz bebadjt hat! Der Chef selber hat mir einen Extraurlaub und tausend Mark zu einer Jtalienreise gegeben... Und die Blumen, ach, die Blumen... So habe ich denn in meinen Jahren noch das Land gesehen, wo die Zitronen blühen und die Myrte und der Lorbeer, wie es in dem schönen Liede heißt." Gerlinde kam aus dem Staunen nicht heraus, und doch regte sich eine leise Freude in ihr. Die alte Dame schien wirklich sehr freundlich und gutmütig zu sein. Nur ein bißchen geschwätzig. Aber ihr mußte das auffallen, weil die Mutter daheim immer so still und bedrückt war. Fräulein Scholz aber wurde es etwas freier. Sie hatte mit Mühe das Gespräch auf ein ganz anderes Thema gelenkt und hatte alle Diplomatie aufgewendet, um die Wirkung ihrer ersten Worte zu verwischen. Und wirklich. „Ja, es muß gewiß ein Irrtum gewesen fein. Denn ich habe ja aar keinen Großvater mehr. Der ist schon lange tot , lächelte Gerlinde jetzt. Fräulein Scholz hütete sich wohlweislich, sich noch einmal auf dieses verfängliche Thema einzulassen. Aber still für sich war sie sich der Schärfe ihres Gedächtnisses vollkommen sicher. (Fortsetzung folgt!) die typische Verkehrsgründung dar. die sich an den Hauptverkehrsstraßen zwischen dem Niederrhein und Bayern, zwischen Thüringen und dem Oberrhein entwickelte. Im Stadtplan von Volkmarsen war die Planmäßigkeit in der wirtschaftlichen Ausnützung des Geländes zu erkennen. Im Plan von Helmarshausen war eine Steigerung dieses Gedanken der Wirtschaftlichkeit erkennbar, indem hier Mittelblock (zweiseitig bebaut) und Seitenblöcke (einseitig bebaut) in Erscheinung traten. Den Schlußpunkt in dieser Entwicklung, die Planmäßigkeit in klarer Konsequenz, stellten die Anlagen der Städte Lichtenau und Zierenberg dar. Der Redner betonte zusammenfassend, daß sich diese Entwicklung in einem Zeitraum von 250 Jahren vollzogen habe, daß die Art des zweiseitig bebauten Mittelblocks und des halbseitig bebauten Seitenblockes für den Osten übernommen worden sei. Der Abschluß dieser Entwicklung sei allgemein in die Mitte des 14. Jahrhunderts gefallen, in Hessen habe sich diese Entwicklung gegen Ende des 13. Jahrhunderts vollendet. Die Ausführungen des Redners fanden lebhaften und dankbaren Beifall. Dr. Eo bürg er beschloß den außerordentlich anregenden Abend mit Worten des Dankes an den Redner und mit Hinweisen auf die nächsten Veranstaltungen im Hause der Deutschen Angestelltenschaft. Frohnhausen erzwingen, und wurde aber gleich darauf wegen Tätlichkeit vom Platze gestellt. Diese Gelegenheit konnten die Gäste aber nicht ausnutzen, sie ließen sich vielmehr in die Verteidigung zurück- orängen und gaben den Gastgebern die Chancen, durch ihren Halblinken und den Mittelstürmer das Endresultat herzustellen. VfB. II — Sportverein Lollar I 1:5. Die Lollarer Mannschaft siegte verdient unb zeigte ansprechende Leistungen. Hatten die Hiesigen durch ihren Ehrgeiz die erste Halbzeit noch Wider- stand geleistet und nach einer 2:0 Führung Lollars auf 2:1 verkürzt, so mußten sie in der zweiten Halbzeit die technische und körperliche Ueberlegen- heit der Gäste anerkennen, die das Endresultat herstellten. Sportverein 1920 Heuchelheim. Pokal-Spiel: Spv. 1920 I — Spfr. Wetzlar I 4:0. Beide Mannschaften zeigten nicht das, was man von ihnen erwartet hatte. In der ersten Viertelstunde spielten beide Einheiten gleichwertig. Danach flaute das Spiel mehr und mehr ab. Die Heuchelheimer konnten vor der Pause dreimal einsenden. Nach der Halbzeit mußten sich die Gäste auf die Verteidigung beschränken. Sie taten dies oft mit 1900 - Gpielverein Kassel 1:5 (0:4). Gesellschastsspiel. - Eine ehrenvolle Niederlage. Kampf um die deutsche Saar nur ein Teil jenes Kampfes sei, der immer und ewig bleiben werde: des Kampfes um Deutschland! Dieser Kampf um Deutschland werde weitergehen, wie einst werde das nationalsozialistische deutsche Volk dabei immer gerne die Opfer bringen, die für diesen Kampf verlangt würden, zumal das deutsche Volk wisse, daß der Kampf für unser Deutschland, unser nationalsozialistisches Deutschland gehe. Wenn auch Feinde Die Deutsche Arbeitsfront hatte für den vergangenen Samstagabend die Mitglieder der Deutschen Angestelltenschaft, die Mitglieder der Ortsgruppen des Nationalsozialistischen Bundes Deutscher Technik, des Reichsbundes Deutscher Baumeister und des Reichsbundes Volkstum und Heimat zu einem Vortrag in das Kunstwissenschaftliche Institut der Universität eingeladen. Dr. Coburger hielt als Vertreter der Deutschen Arbeitsfront eine kurze Begrüßungsansprache und erteilte sofort dem Redner das Wort. Als Grundlage für die Forschungsarbeit über die Entwicklung der hessischen Städte zog Stadtbaurat Gravert die Pläne von etwa hundert Städten heran, die im Raume zwischen Weser und Main (im Norden und Süden), zwischen Kinzig, Fulda, Werra (östlich) und dem Westerwald (westlich) liegen. Er betonte dabei, daß die Erkenntnis der Grundlage für die Entwicklung der Stadt Gießen in der Hauptsache nur aus dem Vergleich mit der Entwicklung anderer hessischer Städte zu gewinnen gewesen sei. Hierbei habe man auf die ursprünglichen und möglichst ältesten Pläne zurückgreifen müssen, die sich zum großen Teil im Staatsarchiv zu Marburg befinden. Zu den Dergleichen mußten Pläne von Städten herangezogen werden, die sich nicht allzuschnell entwickelten und die außerdem ihre ursprüngliche Form beibehalten konnten. Hier galt es, insbesondere auf die kleinen und kleinsten Städte zurückzugreifen. In deutschen Reichsgebieten bestanden schon etwa 200 Städte, bevor es in Hessen überhaupt zur ersten städtischen Siedlung gekommen sei. Bis dahin habe es nur Bauerndörfer — im fränkischen Grundriß aufgebaut — gegeben. Mit zunehmendem Wohlstand der Bauern in ruhigen Zeitläuften, bei zunehmendem Kinderreichtum habe der bäuerliche Lebensraum aber bald nicht mehr ausgereicht. Es entstand eine Uebervölkerung in den Dörfern. Frischer Wind im bäuerlichen Leben entstand erst, nachdem die Friesen mit ihren Städten von sich reden machten, Städte im Norden, Osten und Westen des Reiches gründeten, durch ihre Tuchwebereien und ständigen Verbesserungen der Tuche Handelsobjekte brachten, dadurch Anregung zu Märkten gaben, und damit neue, wenn auch schwer zu erringende, Existenzmöglichkeiten schufen. Ausschlaggebend für die neue Lebensform des Bürgers sei tatsächlich der Markt geworden. So sei zum Beispiel A l s f e l d die typische Marktgründung und Verkehrssiedlung. An Flußübergängen entstanden langgestreckte Städte, weil sich an den Furten der Verkehr staute. In Hessen sei aber auch eine Reihe von Städten unter der Initiative von Einzelpersonen entstanden. Einen starken Aufschwung habe die Städtegründung erfahren durch die Christianisierung. So bildeten sich unter dem Einfluß des Mönches Vonifacius Amöneburg, Fritzlar, Hersfeld und Fulda. Reichsgründungen entstanden später. Schließlich erwiesen sich die Landes- und Territorialherren als Städtegründer. Zeitlich kamen die Kirchengründungen zuerst. Die Klöster und Abteien wurden Anziehungspunkte für zweite und dritte Bauernsöhne, die für die Klöster arbeiteten und dabei eine neue Existenz fanden. Zu kirchlichen Feierlichkeiten strömten dann viele Menschen zusammen und es bildete sich dadurch eine Markkmöglichkeit heraus, es entstanden, entsprechend den kirchlichen Festen, die Jahrmärkte. Den kirchlichen Gründungen folgten die Reichs- gründungen durch kaiserliche Höfe und Pfalzen. Ein weiterer Grund zur Schaffung von Städten war der Wunsch der Bevölkerung nach Schutz in unruhigen Zeitläuften im Schatten der Immunität der Burgen und Klöster. Das Marktrecht wurde ursprünglich nur von Kaisern und Königen verliehen. Im Laufe der Zeiten ging die Verleihung von Marktrechten aber auch an weltliche und geistliche Fürsten über, so daß eine gewisse „Ueberproduktion an Städten" hervorgerufen wurde. Eine Reihe von hessischen Städten war in ihrer Gestaltung und Anlage von den Landesherren bestimmt. Viele andere Städte „wuchsen", wenn auch bei ihnen eine bestimmte Planmäßigkeit der Anlage zu erkennen war. Der Landesherr beeinflußte in erster Linie meist die Lage des Marktplatzes, der jeweils vor die Tore der Burg zu liegen kam, da ja der Markt von der Burg her geschützt werden mußte. Dadurch ergab es sich aber auch, daß der Markt allmählich aus dem Zentrum der Stadt herausgelöst wurde und sich in einer zweiten Entwicklungsstufe die Hauptverkehrsstraßen bildeten. Nicht immer aber sind Städte aus wirtschaftlichen Gründen entstanden, sondern häufig auch auf Grund politischer Inter- essen der Landesherren. Aus dem ursprünglichen Gewirr der aus krummen Gassen bestehenden Stadt entwickelte sich, ungefähr von 1150 ab, im Laufe der nächsten 200 Jahre, insbesondere im Rorden Hessens, der eigentliche deutsche Städtetyp, der später vom deutschen Osten übernommen und zu klarster Form entwickelt wurde. Im 14. Jahrhundert hörten dann die Städtegründungen auf. Die meisten alten Städte blieben meist bis in das 19. Jahrhundert hinein in ihrer Form unberührt. Neugründungen nach 1400 erhielten, was ihre Anlage anbetrifft, eine Gestaltung nach wesentlich anderen Gesichtspunkten, als die Städte des frühen Mittelalters. Im weiteren Verlauf des Vortrags erläuterte der Redner an Hand von außerordentlich klaren, im Lichtbild gezeigten Stadtplänen die einzelnen Erscheinungsformen städtischer Anlagen. So lernten die Zuhörer zunächst Frankenau als ländliche Siedlung mit Stadtrechten seit 1247 kennen, hörten von Schweinsberg als einer politischen Siedlung zu Füßen der Burg, von H e r b st e i n , als einer Stadt mit der Kirche als Zentrum, um bas sich ringförmige Gassenzüge bilbeten. Amöneburg würbe gezeigt als typisches Beispiel, wie sich vor der Kirche Der Markt entwickelt, der den drinnen und draußen die niedrigsten Mittel anwen- beten, bas nationalsozialistische deutsche Volk werde immer nur das eine und alte Mittel einsetzen: die unwandelbare unb eisenharte Treue zum Führer unb zu seiner Bewegung! Dem Führer unb dem nationalsozialistischen Deutschland galt bas bret- malige, von der Versammlung mit Begeisterung aufgenommene Sieg ° Heil. Damit fand der ei» drucksvolle Abend seinen Abschluß. Ein Gesellschaftsspiel mit vielen Qualitäten! Viele Zuschauer hatten sich trotz des unfreundlichen Wet- ters eingefunden. Sie erlebten keine Enttäuschung, sondern, trotz der Niederlage, die die Spielvereinigung 1900 hinnehmen mußte, eine angenehme Ueberraschung. Die Elf der Spielvereinigung hielt sich ausgezeichnet gegen einen Gegner, der in verschiedener Hinsicht überlegen mar. Die Kasseler kamen nicht zur vollen Entfaltung ihres Könnens, weil die Hiesigen ihren Spielaufbau immer wieder geschickt zu stören, ihre Kombinationen zu unterbinden wußten. Daß die Niederlage zahlenmäßig etwas hoch ausfiel, wurde selbst vom Gegner anerkannt. Nicht ganz unschuldig daran war diesmal Schlarb, von dem man nach seinen bisherigen Leistungen erwarten mußte, daß er zwei der Tore hielt. Die Mannschaften. Die Spielvereinigung 1900 trat mit folgender Mannschaft an: Schlarb; Kaps, Zeiler; Hainbach, Heilmann, Mank; Dörr, Jäger, Hammer, Schmelz, Wilhelmi. Lippert fehlte, da er in Fulda in der Gaumannschaft zu spielen hatte. Die Mannschaft ließ sich sein Fehlen aber nicht anmerken, sondern spielte ebenso zuversichtlich wie sonst. Der neue Mann, Kaps, gab eine recht gute Antrittsrolle, wenn er auch nicht über Lipperts Ruhe verfügt. Er wird der Elf aber ein brauchbarer Kämpfer werden. Die Elf ber Kasseler trat mit zwei Mann Ersatz an, der sich indessen restlos einfügte. Die Mannschaft erschien sehr geschlossen und getragen von einem feinem gegenseitigen Verständnis, das ihre bisherigen Erfolge verständlich erscheinen läßt. Auffallend und bestechend war die ausgefeilte Ballbehandlung, das exakte Zuspiel, der rasche Torschuß einiger Stürmer und das elegante Flachspiel, das in der Mannschaft in Vollendung gepflegt wird. Die Mannschaft der Spielvereinigung hatte infolgedessen einen schweren Stand, behauptete sich aber, wie schon erwähnt, ausgezeichnet. Entscheidung schon in der ersten Halbzeit. Das Spiel begann sehr temperamentvoll. Der Ball wanderte rasch zwischen den Toren. Saubere Kombinationsarbeit sah man auf beiden Seiten. Die Gäste waren stets leicht überlegen, die Blauweißen hielten das Spiel aber offen. Eine Ecke für 1900 brachte nichts ein. Bald darauf mußte Schlarb zweimal eingreifen. Die Bälle kamen sehr gefährlich flach. Er meisterte sie aber geschickt. In der 15. Minute gab es wieder kritische Sekunden vor dem Tor der Spielvereinigung. Eine Ecke für Kassel brachte aber nichts ein. Ein folgender schöner Angriff der Spieloereinigung, von Heilmann energisch Die Führer und Jugendwarte der dem Deutschen Fußballbund angeschlossenen Vereine unserer engeren Heimat fanden sich am gestrigen Sonntagvormittag zu einer Versammlung zusam- men, in der alle verschiedene aktuelle Fragen der Fußballbewegung in unseren Heimatbezirken erörtert wurden. Der Kreisführer henkel leitet die Versammlung mit einer Ansprache ein, in der u. a. ausführte: „Ein ereignisreiches Jahr, auch auf dem Gebiete des Sportes liegt hinter uns. Der materielle Zeitgeist innerhalb des Sportes ist überwunden und wir treiben wieder Sport um des Ideales willen, durchdrungen von dem Gedanken, daß durch feine Ausübung wir nicht nur uns, sondern unferm Volk dienen. Die ersten Aufbausteine sind gesetzt, der Fortschritt auf allen Sportgebieten zeigt, daß unsere Marschrichtung die richtige ist. Wir haben erkannt, sehr viel Glück. Die Einheimischen zeigten mehrmals ganz erstklassige Kombinationen, jedoch fehlte meistens der Abschluß in Form eines kräftigen Torschusses. Die Schiedsrichter, K ü st e r (Berghausen), war der beste Mann auf dem Platz. Handball der Gauliga in Nordheffen. 1900 gewinnt in Eschwege mit 3:7 Toren. In Nordhesfen hat sich die Spitzengruppe dichter zusammengeschoben. Tabellenführer ist jetzt die Kasseler Turngemeinde nach einem knappen 6:5-Sieg über Tura Kassel mit 12:4 Punkten. Nicht schlechter steht, nach Verlustpunkten gerechnet, mit 10:4 Punkten Tuspo. Bettenhausen nach einem 6:4-Sieg über Tuspo 86/09 Kassel, der zusammen mit der Spv g. Gießen 1900, die in Eschwege 7:3 gewann, den dritten Platz einnimmt. Der Gaumeister Tv. Wetzlar unterlag zu Hause gegen Kurhessen Kassel 7:9. Für die Meisterschaft kommen die Lahnstädter nicht mehr in Frage, sie werden aufpassen müssen, nicht aus der Gauliga abzusteigen. Zur Zeit haben sie dazu nebst dem Tv. Eschwege und Tura Kassel die meisten „Chancen". Handball im Kreis XIII (Lahn-Dill). Schiedsrichterinsehungen für den 13. Januar. Launsbach — Ruttershausen (Krausch, Gießen); Lollar — Dorlar (Schneider, Münholzhausen); Staufenberg — Wißmar (Zörb, Großen-Linden); Heuchelheim — Langgöns (Ploch, Gießen); Holzheim II — Münchholzhausen (Weber, Garbenteich); Atzbach — Hörnsheim (Becker, Gießen); Dornholzhausen — Sp. V. 05 Wetzlar (Schäfer, Dutenhofen); Groß-Rechtenbach — Krofdorf (Luh). Caracciolas 5-Kilometer-Weltrekord bestätigt. Die O. N. S. teilt mit, daß nunmehr auch der von Rudolf Caracciola auf Mercedes-Benz am 10. Dezember 1934 auf der Berliner Avus aufgestellte Rekord über 5 km mit fliegendem Start in 57,695 = 311,985 Stdkm. als internationaler Rekord der Klasse C (3000 bis 5000 ccm) von der Association Internationale des Automobil-Clubs Reconnus anerkannt worden ist. Eine neue Rekord - Renn st recke soll, wie aus einem Vortrag von Korpsführer Hühnlein hervorging, im Zuge des Baues der Reichsautobahnen zwischen Freiburg i. Br. und Darmstadt entstehen und eine Länge von 20 Kilometer haben. * Vier deutsche Fahrer sind zu dem am 1. Februar beginnenden Brüsseler Sechstagerennen verpflichtet worden. Die Kölner Hürtgen und Jppen fahren als Mannschaft zusammen, während Schön in Slaats und Ehmer in Anhes ausländische Partner erhalten haben. Insgesamt wurden achtzehn Paare verpflichtet. gefördert, wurde durch Pech zunichte. Hammer stürzte im entscheidenden Augenblick. In der Folge kamen die 1900er mehr auf, ja sie konnten für einige Zeit die Spielhandlung mehr vor das Kasseler Tor legen. Dörr hatte einmal, freistehend, eine prächtige Schußgelegenheit. Er gab aber haushoch darüber. Im Gegenangriff konnten die Kasseler zu ihrem ersten Erfolg kommen. Es fiel ein höchst unerwartetes Tor. Der Halblinke gab den Ball rasch und flach zum Tor, Schlarb, anscheinend sehr überrascht, ließ den an sich haltbaren Ball passieren. Das war in der 35. Minute. Eine Minute später fiel das zweite Tor für die Gäste. Schlarb war herausgelaufen, verfehlte den Ball aber und ein scharfer Schrägschuß fand den Weg in das Netz. In der 40. Minute hatte sich der Gießener Tormann wiederum zu werfen, er tat es nur um den Bruchteil einer Sekunde zu spät. Der Ball glitt unter ihm hindurch. 0:3! Schlarb blieb weiterhin beschäftigt, zeigte nun aber verschiedene glänzende Paraden. In der 43. Minute fiel das vierte Tor, vom Mittelstürmer der Gäste wuchtiy geschossen. Das Spiel mußte nun schon als entschieden gelten. Gleichwertiger Kampf nach der Pause. Nach ber Pause ging der Kampf in gleicher Form weiter. 1900 setzte das Zerstörungsspiel mit bestem Erfolg fort. Hoffnungsfreudiger wurde der Kampf von 1900 geführt, als Schmelz den Ball über den Tormann heben konnte und auf 1:4 für feine Farben verkürzte. Der Kampf gestaltete sich ferner, trotz aller Anstrengungen der Gäste um Feldüberlegenheit, vollkommen ausgeglichen. Die Hiesigen kämpften mit großem Eifer, blieben unermüdlich. So konnte das bisherige Ergebnis lange gehalten werden. Erst drei Minuten vor Schluß erzielten die Gäste ein fünftes Tor durch ihren Halbrechten. Der Kampf wurde sehr ritterlich geführt. Die aus- aeglichene Mannschaft der Gäste verdient ein Gesamtlob. Die Mannschaft der Spielvereinigung machte durch ihren Eifer viel Freude. Jeder Mann war auf seinem Posten. Der Rechtsaußen lediglich erschien etwas schwächer als sonst. Der Schiedsrichter W a l b o t t(Steinberg) amtierte sehr korrekt. Die Mannschaften machten ihm sein Amt leicht. ♦ Vorher spielte die 2. Mannschaft der Spielvereinigung gegen Grünbergs Erste. Es gab einen hartnäckigen Kampf, der 3:3 endete. Jugendsplele. 1900 Jugend I — VfB. Kurhessen Marburg 0:4; 1900 I. Schüler — VfB. Kurhessen; Marburg — I. Schüler 1:0. daß Sporttreiben nicht das Vorrecht irgendeiner Gruppe, sondern Pflicht aller ist. Aus dieser Erkenntnis müssen wir nicht nur die Uebermittler unseres Sportgutes für zukünftige Generationen fein, sondern Kämpfer in unserer Zeit. Wir können dabei der Unterstützung des Staates gewiß fein. Das Jahr 1935 gibt uns neue schwerwiegende Pflichten, denn die Olympiade ist nicht mehr Angelegenheit einzelner, sondern die Aufgabe der Nation geworden. Die Ergebnisse des Jahres 1935 werden für uns Prüfsteine unseres Könnens sein und ich hoffe, daß alle, wie Sie hier als Vereins» führer einer Gemeinschaft stehen, sich dieser Pflichten bewußt sind. Wie wir auf allen Gebieten nur die Vorkämpfer für unsere Jugend sind, so gilt dies auch für unseren Sport. Wir haben mehr denn je in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen die Jugendfrage zu stellen. Es genügt nicht, Könner heranzuziehen, sondern wir müssen Sportsleute erziehen, Menschen von Oie Entwicklung -er hessischen Städte. Ein Vortrag von Gtadtbaurat Gravert. Straßen die Zielrichtung gibt Hersfeld erschien als das beste Beispiel für die Bedeutung des Marktplatzes im Grundriß der Stadt. Staden als Gründung eines Territorialherren läßt in ihrer Anlage den Rippencharakter erkennen. Nidda zeigte der Vortragende als Beispiel der Entwicklung der Stadt am Markt, der an der Verkehrs- straße entstand. Büdingen veranschaulichte als eine verhältnismäßig späte Siedlung die klare Entwicklung von der Burg zur Vorburg, zur Altstadt und zur Neustadt. Alsfeld, als Gründung der Thüringischen Landgrafen stellte der Redner als ©.jf.-lpori Endlich Wintersport aus breiter Front. Die Kleine Olympia-Sprungschanze am Gudiberg bei Partenkirchen wurde am Sonntag mit einem internationalen Springen eröffnet, an dem sich 80 Springer beteiligten. In der Klasse I siegte erwartungsgemäß der Norweger Birger Ruud mit Note 232,1 und Sprüngen von 52 und 51 Meter. Auch auf den folgenden Plätzen endeten Norweger, auf dem zweiten Eistein Raabe mit Note 208,5 (54 Meter bester Sprung des Tages, 46 Meter) und Sörensen 208,5 (54, 44 Meter). Dritter wurde Jestersen mit Note 208,4 vor dem ersten Deutschen Toni Bader (Partenkirchen) mit Note 207,6 vor Alfred Stoll (Berchtesgaden), dem Deutschen Meister 1934, mit Note 203,4. Am Sonntag wurde bei ausgezeichneten Schneeverhältnissen der Schwarzwald-Dauerlauf über 40 Kilometer durchgeführt, aus dem der 37jäh- rige Freiburger Winterhalter in 3:38:27 vor feinem Klubkameraden Brombacher mit 3:40:30 hervorging. Im Olympischen Eisstadion in Garmisch kam ein Auswahlspiel Ostpreußen — Berlin zum Austrag, das die Berliner vor 2500 Zuschauern mit 4:2 (2:1, 1:1, 1:0) gewannen. Den 5. Eulen-Sprunglauf in Schlesien gewann Bruno G o 11 s ch l i ch -Glützisch- Falkenberg mit Note 213,1 (34, 33,5 Meter) vor Heinz Krebs- Krummhübel mit Note 152,5. Als Dritter placierte sich der erst dreizehnjährige Richard H a l w i g - Glätzisch-Falkenberg mit Note 182,2 (25,5, 25,5 Meter). Der außer Wettbewerb startende Norweger L i n g s o m kam in hervorragender Haltung auf 38 Meter. Auch in Berchtesgaden fand ein Skispringen statt, aus dem in der Allgemeinen Klasse Friedel D ü u b e r - Berchtesgaden mit Note 214,8 (26, 27, 26 Meter) vor Kurz-Berchtesgaden mit Note 209,8 hervorging. In der Altersklasse siegte Kurz mit Note 195,2. Der Skiklub Reichenhall eröffnete die Wintersportsaison am Sonntag mit einem Slalom- und Sprunglauf am Predigtstuhl. Der Leiter der Olympia-Kurse Anton S e e l o s hatte eine Slalomstrecke von 950 Meter Länge bei einem Höhenunterschied von 190 Meter abgeftedt. Den Slalom der Herren gewann Pflanz- Traunstein in 2:16 vor Hinter st oißer- Reichenhall mit 2:24. Bei den Damen waren Frl. Schmelz!- Reichenhall mit 3:23 die Schnellste. Den Sprunglauf gewann Kurz- Berchtesgaden mit Note 147,2 vor Seefried - Reichenhall mit Note 128.8. In Schellerhau (Sachsen) kam der sogenannte Finnische Langlauf zum Austrag, aus dem Becker- Geising mit 1:11:15 für die 14 Kilometer lange Strecke hervorging. Ergebnisse der Bezirksklaffe, Gruppe Gießen-Oill. Frohnhausen — VfB. Gießen 4:1 (1:0) BC. Sinn — Dillenburg 4:4 (2:1) T.- u. Spv. Bissenberg — Watzenborn-Steinberg 0:2 (0:2). V f B. Gießen spielte in Frohnhausen in ganz veränderter Aufstellung und verlor wider Erwarten 4:1. Das Spiel selbst war äußerst hart, besonders von Seiten Frohnhausen. Das Spiel Sinn — Dillenburg wurde ebenfalls sehr hart durchgeführt, trotzdem wurde es fair und ohne Anstände durchgeführt. Belm Stande von 4:1 für Sinn holte Dillenburg noch drei Tore auf. Steinberg hatte sich vorgenommen, in Bisse n b e r g zu gewinnen und konnte zwei wertvolle Punkte mit nach Hause nehmen. Frohnhausen — VfB. Gießen 4:1 (1:0). Die Gießener werden 4:1 geschlagen. Die stillen Hoffnungen auf einen Erfolg auf Grund der Umstellung der Mannschaft haben sich nicht erfüllt. Der Sieg der Frohnhäuser war auch in dieser Höhe verdient, denn sie bewiesen, als sie nur mit zehn Mann kämpften, daß sie über die besseren Nerven verfügten und durch die Aufbringung einer größeren Energieleistung den fehlenden Mann ersetzten. Das Spiel der Hiesigen war zu unproduktiv, um gegen eine so schnelle und harte Mannschaft zu Erfolgen zu kommen. Dem Unparteiischen, der sicher seines schweren Amtes waltete, stellten sich die Frohnhäuser mit zwei Mann Ersatz, die Gießener komplett mit Helmert, Hauptfeld, Merz, Feuster, Knauß, Heß, Ritter, Lehrmund, Birkenbiel, Fuß und Fehling. Die Frohnhäuser hatten Platzwahl und spielten bergab. Beide Mannschaften begannen sehr nervös und spielten hoch. In der 10. Minute erzwangen die Frohnhäuser eine Ecke. Den gut hereingegebenen Ball schoß der freistehende Mittelstürmer in die äußerste Ecke, aber Helmert hält glänzend. Die Gastgeber drängen leicht. Eine zweite Ecke für Frohnhausen verlief ergebnislos. Auf der Gegenseite schoß Ritter knapp daneben. Dann rettete Feuster im Anschluß an eine mißglückte Abwehr. Nach schönem Zusammenspiel des Frohnhäuser Sturmes schoß der Halbrechte, für Helmer unhaltbar, das Führungstor. Dann war Halbzeit. Nach Wiederbeginn nahmen die Gäste Heß in den Sturm. Ein Strafstoß von Knauß, hoch zum Tor getreten, konnte der Tormann nur abklatschen! Heß war zur Stelle und schoß zum Gleichstand ein. Aber der Halbrechte konnte erneut die Führung für Vereinssiihrersitzung des Kreises Gießen imDM Gedanken um das Sportabzeichen Die Vorrunde um -en DFB.-pokal Oie Ergebnisse. I Lichtspielhaus Gießen Gießen, den 7. Januar 1935. Die Einäscherung hat auf Wunsch der Verstorbenen in der Stille stattgefunden. Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. 97 D tn in in in in in (0:0) (0:1) (0:3) (3:0) (1:2) (2:0) (0:3) 0:1 2:3 1:4 8:0 2:3 3:0 2:3 Vornehm I GeschmackvollI Persönlich I Dleee drei wesentlichen Eigenschaften der gediegenen Familien- Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Ausführungen sowie Papieren billigst die Brühl'sche Druckerei Schulstr. 7. Ruf 2251 Im Namen der Hinterbliebenen: Dr. Franz Hanau. die Liste der Sieger einschreiben, während der Baltenverbanö immer leer ausging. Oie Meisterschaftsspiele in Aordhessen. Bei den sonntäglichen Fußball«Meisterschaftsspielen im Gau Nordhessen kam der Tabellenletzte Sport Kassel zu seinem ersten Sieg. Zuhause schlugen die Kasseler die recht gute Germania Fulda verdient mit 2:1 (0:0). In Friedberg fertigte der VfB. die Spvgg. Langenselbold ganz überlegen mit 7:0 ab. Mit diesem Siege arbeitete sich der DfL. Friedberg auf den fünften Platz in der Tabelle vor, während Langenselbold auf den vorletzten Rang zu» rückfiel. Man mag es für ein unnützes Beginnen halten, über das gerade in letzter Zeit besonders aktuelle Thema „Sportabzeichen" zu sprechen. Und ohne Zweifel wird man einwerfen, daß jeder Sportler und Turner wissen müßte, was es mit dem sportlichen Leistungsabzeichen für eine Bewandtnis hat. Dem ist leider nicht so. Obwohl der deutsche Sport heute eine Millionenbewegung darstellt, und die Verwaltungsarbeit und Organisationstätigkeit in dieser starken und mächtigen Säule des deutschen Volkes als vorbildlich bezeichnet werden kann, ist immer noch ein starker Block vorhanden, der die richtige Idee des Sportes noch nicht — auch n i ch t im entfernte st en — erfaßt hat, und der sich damit auch keine Vorstellung von dem Wert einer bestandenen Sportabzeichenprüfung macht. Es ist dies eine bedauerliche Tatsache, die nicht wegzuleugnen ist. Wenn man sich aber schon einmal mit dieser Materie befaßt, dann wird man begreiflicherweise nach Argumenten suchen, die eine derartige Unkenntnis und Interesselosigkeit in einer doch so gut geleiteten und organisierten großen Gemeinschaft gedeihen ließen. Man wird zunächst die Führung verantwortlich machen. Nicht ganz unberechtigt, wenn man an gewisse Mißstände denkt, die z. B. durch falsches Einsetzen der Werbetrommel hervorgerufen wurden, und sie dann auch unter den Sportabzeichen-Aspiranten manches Unheil an- qestellt haben, was durch eine Begrenzung der Vorschriften leicht hätte vermieden werden können. Das Deutsche Turn- und Sportabzeichen soll die Krönung der Laufbahn eines Sportlers fein, sofern er sich nicht einem Spezialgebiet verschrieben hat, um durch Erreichung einer Spitzenleistung feine höchste sportliche Genugtuung zu finden. Aus dieser Definition geht schon ganz eindeutig hervor, daß dieses Symbol der Leistung und des Willens im Sport für denjenigen geschaffen ist, der eine im großen und ganzen abgeschlossene Vorbereitungszeit hinter sich hat. Selbst ein vollkommen normal geschaffener Durchschnittsmensch dürfte nicht dazu in' der Lage sei, alle geforderten Hebungen mit Erfolg zu absolvieren, roennn er nicht durch eine systematisch arbeitende Schule gegangen ist. Wie sehr erscheint es dann als eine Unsitte und als eine Verunglimpfung des Sportabzeichengedankens überhaupt, wenn ein erheblicher Teil aller Bewerber durch die Art und Weife, wie sie die Uebunqen abzulegen gedenken, erkennen lassen, daß ihr Körper nur notleibet, wenn sie sich die geforderten Hebungen abzwingen wollen. Diesen Mißstand hätte man an höchster Stelle erkennen, und durch entsprechend scharfe Begrenzung der Zulassungsbestimmungen dem falschen Ehrgeiz vieler Bewerber Einhalt bieten müssen. Zusammenfassend kann man also sagen: Das Sportabzeichen nur demjenigen, der Anspruch darauf erheben kann, als Sportler bezeichnet zu werden, und nicht dem, der durch ungehobelte und ungeschulte Kraft seinem Körper ungewohnte und damit unnatürliche Bewegungen abfordert. Einen ganz anderen Sinn und Zweck verfolgte man bei der Schaffung des SA. - Sportabzeichen s. Die Erfordernisse stehen hierbei auf einer Basis, die es jedem, der nur einigermaßen guten Willens ist. ermöglichen sollten, alle Hebungen zu meistern. Man will hier durch den Erfolg dokumentieren, daß man gewavpnet ist, allen eventuell an einem herantretenden Aufgaben mit gestähltem Körper, und was in vielen Phasen des Lebens faf£ Vermeiden Sie den „Waschtag“ Mangelwäsche Pfd 25rt Naßwäsche... Pfd.18^ (Trockengewicht) Großwäscherei Edelweiß Gießen 59d Ruf 3487 3n anderen Gauen: Gau Südwest: Union Niederrad — 1. FT- Kaiserslautern 1:0; Kickers Offenbach — Eintracht Frankfurt 3:3; FSV. Frankfurt — Wormatia Worms 4:0. Gau Bayern: Wacker München — Schwaben Augsburg 9:3. In Würzburg: Bayern — Baden Köln: Mittelrhein — Nordmark Danzig: Ostpreußen — Niedersachsen Gelsenkirchen: Westfalen—Pommern Fulda: Nordhessen — Brandenburg Chemnitz: Sachsen — Schlesien Elberfeld: Niederrh. — Württbg. Am Sonntag nahmen die Kämpfe um den Deutschen Fußball-Pokal der Gaumannschaften ihren Anfang. Sieben Treffen standen auf dem Programm, von denen zwei einen überraschenden Ausgang nahmen. Als eine Sensation kann man sogar Württembergs Sieg gegen Niederrhein bezeichnen, da die Rheinländer eine Elf ins Feld stellten, die acht Nationalspieler aufwies. 20 000 Zuschauer erlebten in Elberfeld die verblüffende 3:2-(3:0-) Niederlage ihrer heimischen Gaumannschaft. Die zweite Heberraschung gab es in Würzburg, wo Baden gegen Bayern 1:0 (0:0) siegte. Die Bayern nahmen den Kampf auf in der Absicht, beim Endspiel an ihrem vorjährigen Gegner und Pokalgewinner Südwest Revanche zu nehmen. Nun flogen sie schon in der ersten Runde aus dem Wettbewerb. In Fulda zog Nordhessen gegen Am 3. Januar ist unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Charlotte Hanau, geb. Schiff im Alter von 76 Jahren nach langem schweren Leiden sanft entschlafen. Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sitf vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damitdurch erweitertes Wissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. - Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag • Berlin-Lichterfelde Brandenburg 2:3 (1:2, 2:2) den Kürzeren. Mit dem gleichen Ergebnis und gleichfalls nach Verlängerung in Köln der Gau Nordmark gegen Mittelrhein. Einen Kantersieg errang in Gelsenkirchen der Gau Westfalen gegen Pommern mit 8:0 (3:0). In Danzig schlug Niedersachsen den Gau Ostpreußen 4:1 (3:0) unerwartet sicher. Die Zwischenrunde wird am 3. Februar ausgetragen. Man vermißt bei ihr zwei der spielstärksten deutschen Gaue, Bayern und Niederrhein. Nardheffen-Brandenburg 2:3 (1:2,2:2) N. Big. In Fulda bekamen die nur 4500 Zuschauer ein spannendes Spiel zu sehen, in dem die Berliner als die sichtlich Besseren mit etwas Glück 3:2 in der Verlängerung gewannen. Den Ausschlag gab wohl bei gleich guten Hintermannschaften die bessere Läuferreihe der Berliner. Die beiden Sturmforma- tionen hielten sich die Waage, einmal waren die Nordhessen besser, dann wieder die Brandenburger. Die Berliner gingen in der vierten Minute durch Kästner in Führung und blieben vorerst überlegen. Trotzdem fiel durch Kleim in der 22. Minute der Brennholz-Versteigerung des Graf zu Solms-Laubachschen Forstamts. Donnerstag, den 10. Januar, im Strackfchen Saale zu villingen, von 10 Uhr ab, aus verschiedenen Abteilungen der Distrikte Lenzesberg, Hubberg, Hirschrot, Silbach der Försterei Ruppertsburg: Scheiter rm: 500 Buche, 12 Eiche, Dirke; Knüppel rm: 600 Buche, 28 Bu. (dürr), 70 Eiche, 10 Birke, 4 Esche, 3 Elsbeere, 5 Aspe, Erle, 18 Kiefer, Lärche, Fichte; Stöcke rm: 130 Buche, 6 Eiche; Reiserknüppel rm: 48 Buche; Slammreiser rm: 100 Buche, teils dürr (Hirschrot, Silbach); Zopfreifer rm: 970 Buche. — Fichtenreis st angen: 85 St. IV, 60 St. V, 80 St. VII (Bohnenstangen) aus Hirschrot. 96D Es werden nicht versteigert: Buchenscheit aus Hubberg la, 2b, Glashau; Buchenknüppel aus Hubberg la; Buchenstöcke aus Hubberg la, 2b und die mit F bezeichneten Nummern. Es wird gebeten, das Holz vor der Versteigerung zu besichtigen. Auskunft erteilt Förster Becker, Friedrichshütte, Telefon Laubach 11. alles forderten, selbst aber nichts zu geben bereit seien. Das müsse anders werden. Kreisjugendführer Presber sprach sodann über die Durchführung der Jugendspiele, umriß die Aufgaben des Vereinsjugendleiters, stellte heraus, daß in der Jugendarbeit das Führerprinzip straff gehandhabt werde und erörterte den Aufbau der DFB.-Jugend in der jüngst festgelegten Form. Der Jugendgruppenleiter Philipp • referierte über den Stand der Jugendarbeit in der Gruppe Gießen und betonte, daß in seiner Gruppe recht erfreulich gearbeitet werde, wenn auch die Jugendarbeit bei einzelnen Vereinen noch zu wünschen übrig lasse. Vorbildliche Arbeit werde in der Spieloereinigung 1900, in Großen-Buseck, bei VfB.- R., Gießen, in Leihgestern und beim VfR. Lich geleistet. Der Jugendgruppenleiter von Wetzlar-Ulm Anschütz konnte aus seiner Gruppe ebenfalls viel Befriedigendes berichten und nannte die beachtliche Zahl von 480 in seiner Gruppe erfaßten Jugendlichen. Vorbildlich in dieser Gruppe sei der Sportverein Wetzlar. Nachdem noch Kreispressewart Funke über die Art der Zusammenarbeit mit der Presse gesprochen und verschiedene praktische Anregungen gegeben hatte, entwickelte sich eine Aussprache, in der die Vereinsführer zu speziellen Fragen Stellung nahmen. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil" auf den Führer wurde die Versammlung geschlossen. Charakterfestigkeit, Entschlußkraft und Kämpfer für eine neue Zukunft. Wir wollen diese Worte nicht nur Worte sein lassen, sondern sie in die Tat Umsetzern Vereine, die die Jugendpflege vernachlässigen, dienen und schaden nur sich selbst und sind eine unnötige Belastung für die anderen. Unfere Arbeit im Jahre 1935 soll unter dem Treugelöbnis an unfern Führer und Reichskanzler stehen, indem wir helfen wollen» einen gesunden, deutschen Geist in einem gesunden Körper großzuziehen." Der weitere Verlauf der Versammlung brachte sodann die Berichte der verschiedenen Fachwarte. Der kreisfuhballfachwart Ziher wies auf Hnzulänalichkeiten in der Durchführung der Spiele hin uno brachte zunächst die Voraussetzungen für die Austragung eines Spieles in Erinnerung, soweit sie die Herrichtung des Platzes betrafen. Er erörterte die Bestimmung von Linienrichtern und Platzordnern, wies darauf hin, daß der Fußballsport in jüngster Zeit verhältnismäßig harte Formen angenommen habe und in Zukunft auf das energischste durchgegriffen werden würde. Er betonte ferner, daß sich die Vereine, sofern es nicht schon geschehen fei, bemühen müßten, Schiedsrichteranwärter namhaft zu machen, da im Kreis ein erheblicher Mangel an guten Schiedsrichtern feftzustellen fei. Ein Verein, der nicht wenigstens einen Schiedsrichter zu stellen vermöge, werde damit rechnen müssen, daß für feine aktiven Mannschaften auch kein Schiedsrichter mehr gestellt werden können. Schiedsrichterbelehrungen fänden demnächst statt. Herr Henkel wies in Ergänzung dessen darauf hin, daß es immer wieder Vereine gebe, die vom Verband Ab heute Montag ein ganz tolles Lustspiel! Weiß Ferdi der beliebte Münchener Komiker in seiner neuesten Bomben-Doppelrolle: noch wichtiger ist, mit gesundem Geist entgegen» treten zu können. Was wird also von dem Bewerber verlangt? Zunächst eine bejahende Einstellung zu den SA.» mäßigen Vorschriften. Bei den leichtathletischen Grundübungen kommt es zum größten Teil auf die persönlichen Geschicklichkeiten des Bewerbers an, der in seiner Freizeit durch Betätigung in einem Sport- oder Turnverein die in mehr oder weniger starkem Maße in ihm steckenden Talente so zügelt und formt, daß er eine einigermaßen abgerundete Leistung zustande bringt. Die anderen Disziplinen haben zu zeigen, wie es mit dem Kameradschaftsgeist des Einzelnen bestellt ist. In der Tat, man kann einen hundertprozentigen Erfolg feststellen. Wie oft lautete vor einem in einer bestimmten Zeit zurückzulegenden Gepäckmarsch die Parole: „keiner fällt aus." Wer von den Teilnehmern, die mit Kräften und Ausdauer besonders gut beschlagen sind, hätte da dem Kameraden, dem die Erfüllung Schwiengkec ten bereitet hätte, feine Hnterstützung versagt? Der Beweis der Orientierungfähigkeit im freien und geschützten Gelände und des Scharfsinns schließen den Rahmen um diesen variiert ausgearbeiteten Prüfungskomvlex. Es muß eine ganz besondere Freude und Genugtuung für jeden sein, wenn er nach Absolvierung aller Hebungen sagen kann: Ich habe mit meiner Leistung und mit meiner unbeugsamen Energie dazu beigetragen, daß das Fazit dieser großen Heerschau aller jungen Deutschen ein gStes war. Wen von den bis jetzt noch Säumigen packt da nicht der Ehrgeiz, auch die Leistungsfähigkeit feines Körpers und Willens überprüfen zu lassen? Kurze Sporinvtizen. Deutschlands Rugbyspieler haben dem- nächst ihre schwerste Prüfung, den am 24. März in Paris stattfindenden Länderkampf gegen Frank- reich, auszutragen. Um für diesen Kampf bestens gerüstet zu sein, trägt die Nationalmannschaft vorher noch zwei Hebungsspiele aus. Am 2. März spielt sie in Hannover und am Tage darauf in Leipzig. Walter Rothenburg, der Veranstalter des am 10. März auf deutschem Boden, voraussichtlich in Hamburg stattfindenden Borkampfes zwischen Max S ch m e 1 i n g und Steve Hamas hat schon zwei Rahmenkämpfe festgelegt und zwar Arno K ö l b I i n (Berlin) gegen Gunnar Baerlund (Finnland) und Adolf Witt (Kiel) gegen John Andersson (Schweden). Einen großen Erfolg errang am Freitagabend der deutsche Bantamgewichtsmeister Werner Riethdorf in Zürich. Er schlug dort den ausgezeichneten Schweizer Dubois, der u. a. schon Europameister Signet besiegte, entscheidend. Mehrmals angeschlagen, gab der Schweizer in der Pause zur neunten Runde den Kampf auf. Ungarns Handballverband hat an den Oberbürgermeister von Darmstadt ein Dankschreiben für die gute Ausnahme der ungarischen Mannschaft beim Länderspiel am 9. Dezember gerichtet und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß im Laufe des Jahres 1935 in Budapest ein Rückspiel beider Nationen stattfinden werde. Deutsche Tennissiege gab es beim internationalen Turnier in St. Moritz. Gottfried von (Tramm schlug den Franzosen de Thomasson 6:2, 6:1, Heinrich Henkel gewann über den Italiener Martinelli 6:3, 6:4, und im Doppel siegten v o n Cramm / Henkel 6:2, 6:1 über Atzli / Monten. Ausgleich. Noch vor der Pause holten sich die Berliner durch Berner erneut die Führung. Nach dem Wechsel wurden die Brandenburger etwas zurück- gedrängt und Leugers konnte mit einem Kopfball den Ausgleich erzielen, der eine Verlängerung erforderlich machte. In der Verlängerung fiel im Anschluß an einen Eckball durch Berner der Siegestreffer, der den Kampf beendete. Die Nordhessen hätten eigentlich trotz ihrer technischen Hnterlegenheit in der zweiten Halbzeit das entscheidende Tor schießen können, aber einerseits war die Berliner Hintermannschaft gerade während dieser Drängeperiode der heimischen Elf in ausgezeichneter Form und andererseits ließ es der Angriff der Nordhessen doch an der nötigen Durchschlagskraft fehlen. Dem Spielverlauf nach wäre also ein knapper Sieg der Nordhessen möglich gewesen. Daß die Berliner gewannen, bedeutet kein ungerechtes Ergebnis. Wer gewann bisher den DFÄ.-pokal? Eine Siegerliste seit 1909. Der Fußballpokal des Deutschen Fußball-Bundes wurde bisher dreiundzwanzigmal vergeben. Je siebenmal haben ihn die Landesverbände von Süd- und Norddeutschland errungen, damit ihre unbedingte Vorherrschaft beweisend. Süddeutschland siegte in den Jahren 1910, 1912, 1922, 1923, 1924, 1931 und 1933. Außerdem gewann der Süden die Kampfspielpokale 1922 in Berlin und 1926 in Köln und auch beim Jubiläumsturnier anläßlich des 25jährigen Bestehens des DFB. im Jahre 1925 ging Süddeutschland als Sieger durchs Ziel. Der 1933 erstmals ausgespielte „Adolf-Hitler-Pokal" der, Gaumannschaften fiel an den Gau Bayern, der DFB.-Pokal wurde im vergangenen Jahre gelegentlich der Deutschen Kampfspiele vom Gau Südwest gewonnen, so daß also auch nach Aufhebung der Landesverbände der Pokal in süddeutschem Besitz verblieb. Norddeutschland gewann den DFB.- Pokal in den Jahren 1911, 1914, 1917, 1919, 1925, 1930, und 1932. Dreimal wurde Brandenburg Sieger und zwar 1909, 1918 und 1929, und außerdem gewannen die Berliner gelegentlich der Deutschen Kampfspiele 1930 in Breslau den Kampfspielpokal, um den allerdings nur ein Spiel ausgetragen wurde. Je zweimal konnten Mittel- und Westdeutschland den Preis erringen. Mitteldeutschland siegte 1921 und 1927, Westdeutschland gewann 1913 und 1920, und einmal, im Jahre 1928, konnte sich auch Südostdeutschland in I(Se. Hoheit der Dienstmann) | Weitere Hauptrollen: Fiter Benkhoff — Paul Westermeier — I Georgia Lind — Baby Gray. 94 A I Sie lachen Tränen! I Vorher: Gutes Beiprogramm und Ufa-Ton-Woche | Todes-Anzeige. Heute vormittag 5 Uhr entschlief sanft nach längerem schweren Leiden meine liebe gute Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Kath. Schattier, geb. Luh im Alter von 69 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Schättler, Rangiermeister i. R. Familie Heinrich Schättler Familie Wilhelm Schättler Familie Ludwig Braun Großen-Linden, Nieder-Erlenbach, den 6. Januar 1935. Die Beerdigung findet Dienstag, 8. Januar, nachmittags 21/, Uhr, statt _____________________09» flG