ttr.269 Erster Blatt 185. Jahrgang Mittwoch, 6. November 1955 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern Infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11688 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Vuch- und Steindruckerel R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Plahvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/g mehr. Ermähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Npf. Mengenabschlüsse Staffel B politisches Spiel im Osten. Von Dr. Paul Rohrbach. Die Verwicklung unter den großen Westmächten wegen Abessinien sollte den Blick nicht ablenken von den wichtigen und merkwürdigen Wechselwirkungen, die auf dem ganzen weiten Ostraum zwischen dem Donaubecken und den Gestaden des Stillen Ozeans vor sich gehen. Japan, die Sowjetunion, Rumänien, Polen und die Tschechoslowakei sind die Spieler, deren politische Schachzüge sich bedingen, und in Prag, Moskau und Tokio sitzen die Kräfte, die das Feld am meisten in Bewegung bringen. Besonders intensiv arbeitet Japan. Da die Amerikaner durch ihre inneren Zustände und die Engländer durch die abessinische Frage beschäftigt sind, so wird die Durchdringung Nordchi- n a s durch Japan jetzt energisch in Angriff genommen. Am 13. Oktober hat in Dairen, dem früheren russischen Dalnij dicht bei Port Arthur, eine geheime Militärkonferenz japanischer Generalstabs- und Marineoffiziere stattgefunden. Die Besprechung galt, wie der Vorsitzende, ein Generalstäbler namens Okamura, der Presse mitteilte, der Errichtung eines „unabhängigen Staates" Nord-China! Diese Tendenzen sind bekannt: Außerdem aber richtet sich die japanische Ausdehnungspolitik jetzt immer entschiedener gegen die innere Mongolei. Moskau hat dieses große Gebiet von Anfang an unter feine besondere Aufsicht genommen, weil die sibirische Bahn auf einer Strecke von etwa 1000 Kilometern, vom Baikalsee bis zum Chingan-Gebirge, nahe an der mongolischen Grenze hinläuft und von dort aus unterbrochen werden farm. Die Mongolei ist als eine Sowjetrepublik unter starkem russischen Einfluß organisiert, und die Hauptstadt U r g a ist politisch- militärisch eine Moskauer Filiale. Gerade darum aber wollen die Japaner hier Fuß fassen, und ße fordern für sich das Recht, eine Residentur in rga einzurichten. Auch die Angliederung der nordchinesischen Provinzen an den Staat Mandschukuo würde das Vordringen in die Mongolei erleichtern, denn von Peking aus führt die uralte Karawanenstraße (die frühere Tee-Straße) über Urga nach Kjachta an der sibirisch-mongolischen Grenze. Sie ist für Kraftwagen-Transporte in großem Stil ohne weiteres fahrbar. Gelingt den Japanern das Eindringen in die Innere Mongolei, so können sie die sibirische Bahn schon dicht am Baikalsee durchschneiden. Damit wäre die russische Streitmacht in Ostasien ihrer Verbindung mit allem Nachschub aus dem europäischen Rußland beraubt. Das heiße Bemühen Moskaus um Deckung nach der europäischen Seite hin ist also begreiflich. Moskaus Sorgen im Fernen Osten begegneten sich mit dem Verlangen Frankreichs nach immer neuen Bundesgenossen in Europa. So kam es zur Aufnahme der Sowjetunion in den Völkerbund und zum russisch-französischen Militärbündnis. Seine Erweiterung zum Ostpakt ist durch die starke Verschiebung der Lage im Westen ins Stocken geraten, vielleicht überhaupt fraglich geworden, aber auf alle Fälle streben die Rufsen nach einem engen Verhältnis zur Tschechoslowakei und zu Rumänien. Rußland und die Tschechoslowakei haben keine gemeinsame Grenze, da Polen und Rumänien dazwischen liegen. Ein russisches Durchmarschrecht durch Polen käme unter keinen Umständen in Frage, und darum richten sich die Bemühungen der Sowjetpolitik intensiv auf eine Militärkonven- tlon mit 'Rumänien, oder der französische Se- gen selbstverständlich sicher wäre. Die treibende Kraft in Prag ist Herr Benesch, der gerne Nachfolger des greisen und fast erblindeten Masaryk in der Präsidentschaft werden möchte. Bei den tschechoslowakischen Rechtsparteien hat er wenig Aussicht: es hat sich sogar unter dem Vertrauensmann der einstigen zarischen Regierung, Kr a marsch, und dem Führer der sogenannten tschechischen Faschisten, Gajda, eine 'Bereinigung gebildet, die gleichzeitig gegen die Intimität mit Den Bolschewisten und gegen die Präsidentschasts- kandidatur Beneschs Front macht. Will Benesch die Nachfolge Masaryks haben, so muß er sich dazu auf die Linksparteien, vor allem auf die starke tschechische Sozialdemokratie stützen. Diese Erwä- Äift nicht ohne Einfluß auf seine Politik der -tschechischen Annäherung. Prag würde auf diese Weise ein starker Moskauer Sicherungsposten in Mitteleuropa werden. Ein Blick auf die Karte zeigt, welcher europäische Staat durch den Ausbau dieses Systems am meisten gefährdet ist: Polen! Das polnische Gebiet wäre dann durch Litauen, Sowietrußland, Rumänien und die Tschechoslowakei zu drei Vierteln seines Umfangs umklammert. Das Verhältnis zwischen Warschau und Prag wird ohnehin immer zugespitzter wegen der nationalen Bedrückung der etwa 100000 Polen, die im Teschener Gebiet, im früheren Oesterreichisch-Schlesien, einer scharfen Tschechisierungsvolitik ausgesetzt sind. Dazu kommen polnische Wünsche in bezug auf das sogenannte Karpatho-Rußland, die östlichste schmale Verlängerung der Tschechoslowakei (des „Blinddarms von Europa") zwischen Polen und Ungarn. Diese beiden Länder sind traditionell befreundet, und den Polen wäre es erwünscht, wenn die Karpatho-Russische Sperre gelockert werden könnte. Dies von Ukrainern bewohnte Gebiet hat in den Friedensverträgen eine weitgehende nationale Autonomie innerhalb der Grenzen der Tschechoslowakischen Fepublik zugesagt bekommen, aber Prag ignoriert dic Verpflichtung. Die Lage spitzt sich also daraufhin zu, wie sich Rumänien entscheiden wird. T i t u l e s c u , bis jetzt der leitende Geist der rumänischen Außenpolitik, betreibt den Abschluß des Militärbündnisses mit Wahlen in -en Vereinigten Staaten. Das Stimmungsbarometer gibt noch kein klares Bild. — Demokratische Wahlniederlage im Staate Neuyork, aber demokratische Wahlerfolge im Süden. N e u y o r k, 6. Nov. (DNB. Funkspruch.) In den Bundesstaaten der Vereinigten Staaten fanden Wahlen zu den Repräsentantenhäusern der Einzelstaaten und für die Gouverneursposten statt. In einzelnen Großstädten fanden auch Bürgermeisterwahlen statt. Die bisherigen Wahlergebnisse im Staate Neuyork lassen erkennen, daß die Republikaner, also die Gegner Roosevelts, die im Jahre 1932 verlorene Mehrheit im R e - präsentantenhaus im Staate wieder g e - wonnen haben. Das Stimmenverhältnis stellt sich auf 81 Republikaner zu 69 Demokraten, gegenüber dem bisherigen Verhältnis von 76 Demokraten zu 73 Republikanern. Nur aus einem Wahlkreis steht das Ergebnis noch aus. Die Republikaner sehen in ihrem Sieg eine Niederlage des'neuen Plans und eine Verurteilung der Politik Roosevelts, um so mehr, als der Generalpostmeister Farley den Wahlkampf persönlich geleitet und die Bestätigung der Politik des neuen Plans zur Kardinalfrage erhoben hatte. Der Wahltag verlief außer einigen unbedeutenden Zwischenfällen, die von radikalen Elementen verursacht wurden, infolge umfangreicher Polizeimaßnahmen ruhig. Unabhängig von der Staatswahl trug die wohl organisierte demokratische Parteimaschine in allen Wahlbezirken der Stadt Neuyork den erwarteten Lokalsieg davon. Die Wiederwahl des jetzigen Bürgermeisters Laguardia im nächsten Jahr scheint dadurch in Frage gestellt zu sein. Wenn auch die Niederlage bei der Wahl im Staate Neuyork eine Enttäuschung f ü r Roosevelt sein muß, so läßt doch das Wahlergebnis kaum Schlüsse auf die Lage im Gesamtgebiet der Vereinigten Staaten und auf die im nächsten Jahre stattfindende Präsidentschaftswahl zu, da der Staat Neuyork von jeher vorwiegend republikanisch gesinnt war. Die Wahlergebnisse aus anderen Einzel- ft a a t e n bestätigen dies. So waren die Demokraten in den landwirtschaftlich eingestellten Staaten Virginia und Mississippi, wie vorausgesehen siegreich. In Philadelphia dagegen liegt der republikanische Bürgermeister weit in Führung, während die Mehrheit im Repräsentantenhaus des Staates New Jersey noch nicht entschieden ist. Die Stimmenzählung für die Gouverneurswahl in Kentucky, wo der Wahlkampf sehr heiß war, erfolgt erst am Mittwoch. Präsident Roosevelt hat sich zur Abgabe seiner Stimme nach Hydepark begeben. Er ließ sich dort fortgesetzt über den Wahlverlauf Bericht erstatten. Kanada Mb USA. Staatsbesuch des kanadischen Ministerpräsidenten in Washington. Washington, 5. Nov. (DNB.) Das Staatsdepartement teilt mit, daß der neue kanadische Ministerpräsident Mackenzie King zu einem Staatsbesuch in Washington erwartet wird. King werde am Donnerstag in Washington eintreffen und dort von der Regierung der Vereinigten Staaten feierlich empfangen werden. Am Freitag werde er Roosevelt seine Aufwartung machen und im Weißen Haus als Gast von Präsident Roosevelt Wohnung nehmen. Am Samstag ist der Beginn der Besprechungen über die zwischen Nordamerika und Kanada schwebenden Handelsvertragsoerhandlungen. Der neue kanadische Ministerpräsident ist während des kanadischen Wahlfeldzuges für den Abschluß eines Handelsvertrages mit den Vereinigten Staaten lebhaft eingetreten. Sein Besuch in Washington muß daher als ein Bemühen gelten, sein Wahlversprechen nunmehr in die Tat umzusetzen. Allerdings sind die Schwierigkeiten nicht gering, da die Bevölkerung und die Kaufkraft der beiden Länder erheblich voneinander verschieden sind, und da die Landwirtschaft beider Staaten miteinander in Wettbewerb steht. Roosevelt will offenbar bei der Gelegenheit des kanadischen Besuchs auch feinen Lieblingsplan, die Schiffbarmachung des St. Lorenz- ftromes mit King besprechen. Ein dahin zielender Vertrag, der gleichzeitig die Schaffung großer zusätzlicher Kraftmengen und den Bau eines 8 Meter tiefen Derbindungskanals zum Oze - an vorfieht, ist bereits im Jahre 1932 unterzeichnet worden, wurde aber wegen der Opposition Neu- yorks seinerzeit bisher vom amerikanischen Bundesamt nicht ratifiziert. Neuyork sah in diesem Vertrag eine Konkurrenzgefahr für den Neu- Yorker Hafen.' Chinas Währungsrevolution. Ein letzter Versuch zur Selbstbehauptung aus eigener Krast. Die Nanking-Regierung hat mit der Einführung einer reinen Papierwährung statt der Silberwährung, die seit undenklichen Zeiten besteht, ein kühnes Experiment unternommen. Der äußere Anlaß ist die amerikanische Silberpolitik. Roosevelt hat im Interesse der amerikanischen Silbergrubenbesitzer das Silber als zweite Edelwährungsdecke angenommen und dadurch den Silberpreis von 15 d auf 30 d gesteigert. Seltsamerweise erhoffte man von diesem künstlichen Hinauftreiben des Silberpreises in amerikanischen Kreisen eine Steigerung der Ausfuhr nach China, eine geradezu laienhafte Vorstellung, die aber trotzdem das amerikanische Wirtschaftsdenken lange Zeit beherrschte, obgleich es klar war^ daß dsiese Silberpreissteigerung die Währungen der -asiatischen Länder, die auf Silber lauteten, zerrütten mußte, nicht nur die Chinas, sondern auch die Währung Indiens usw. Der Aufwertung des chinesischen Silberdollars, des Puan, suchte die chinesische Regierung zunächst durch eine Ausgleichsabgabe für Silber zu steuern, aber diese Maßnahme war vergeblich und die Silberbestände Chinas sckmolzen immer mehr ab, sie gingen den Weg ütor London nach Neuyork; denn an und für sich war das Geschäft zu verlockend, als daß die chinesischen Kaufleute darauf verzichten sollten. Hinzu kam der Rückgangdes chinesischen Außenhandels. Gegenüber den ersten drei Vierteljahren 1934 zeigt der neueste Ausweis, daß die chinesische Einfuhr um nicht weniger als rund 75 Millionen Puan im gleichen Zeitraum dieses Jahres gesunken ist, wodurch also die Zolleinnahmen zurückgingen, die zur Bezahlung von Zinsen für die chinesischen Regierungsanleihen wesentlich sind, die nicht weniger als rund 60 Millionen Pfund Sterling betragen. Daraus ergab sich, daß die chinesische Regierung gar nicht in der Lage war, die Zinsen und Tilgungsbeträge zu entrichten. Sie ist mit ungefähr 8 Millionen Pfund Sterling im Zahlungsverzug. Die Japaner hatten, da eine Währungsänderung in China aus diesen Gründen schon lange in der Luft lag, gehofft, der chinesische Silberdollar werde sich dem Kurs der entwerteten japanischen Währung, des Pen, anpassen. Und sie hatten schon alle Vorbereitungen getroffen, um das chinesische Riesenreich wirtschaftlich zu durchdringen und die Anleihen, die zumeist in englischem und amerikanischem Besitz sind, abzulösen. Deshalb war auch dem Finanzsachverständigen der britischen Regierung Leith-Roß in Tokio bedeutet worden, eine Auslands-, d. h. in erster Linie britische Anleihe, würde der Nanking-Regierung finanziell doch nicht auf die Beine helfen. Leith-Roß aber scheint diese rein negative Einstellung der' Japaner nicht geteilt zu haben, denn er hat die Nanking-Regierung beraten und auf seinen Plan ist wohl die netiefte chinesische Papierwährung zurückzuführen, die sich wohl mehr oder minder an das englische Pfund anschließen wird. Die chinesische Regierung war gezwungen, eine weitere künstliche Aufwertung der chinesischen Währung mit allen ihren für das Reich verheerenden Folgen zu verhindern, zumal in den letzten Tagen sich weitere Bankenzusammenbrüche häuften. Nach dem Zusammenbruch der Bank of Canton ist nunmehr auch die National Commercial and Savings Bank Ltd. in Honkong und in Kanton zusammengebrochen. Andere Banken klagten über große Schwierigkeiten. Trotzdem schon seit langem die chinesischen Regierung einen Teil der durch die Sil- berverluste entstandenen Fehlbeträge durch Banknoten ersetzte, wurde diese manipulierte Papierwährung zur Behebung des Deflationsdruckes doch erst durchgeführt, nachdem die Nanking-Regierung mit Leith-Roß verhandelt hatte. Die Nanking-Regierung hat gewaltige finanzielle R e f o r m p l ä n e, die sich nur verwirklichen lassen, wenn die Ordnung in China weder durch Japaner noch durch Kommunisten gestört wird. Es ist der letzte große Versuch, aus eigener Kraft und mit einer nicht von Japan abhängigen Währung sich zu behaupten. Ob dieser Versuch durchdringt, hängt eben von beiden Faktoren ab. Die Regierung beabsichtigt innerhalb von IV2 Jahren ihren Staatshaushalt in Ordnung zu bringen und sie will vor allem nach amerikanischem Rußland, einschließlich des Durchmarschrechtes, aber die konservative Partei Rumäniens, die Generalität und wie es scheint, auch der König, sind Gegner eines Schrittes, der das bestehende rumänisch-polnische Bündnis sofort sprengen und Rumänien in die Gefahr bringen würde, sobald rote Truppen bas Land betreten, von der bolschewistischen Welle überflutet zu werden. So wird Sowjetrußland durch die japanische Gefahr immer stärker in eine Politik der Sicherungsbündnisse mit mittel- und westeuropäischen Mächten hineingetrieben. Es begegnet sich dabei mit dem Hegemoniestreben Frankreichs und mit dem Ehrgeiz des führenden Mannes in der tschechischen Außenpolitik. Die politische Grenzziehung im Nachkriegseuropa bringt die vereinigten russisch-französisch-tschechische Werbung um Rumänien mit sich. Im Falle des Gelingens würde sie zu einer lebensgefährlichen Einkreisung Polens führen, und so zeigt sich mit einem Male ein wichtiger Drehpunkt der großen internationalen Politik nach Bukarest gelagert. Der Ausgang des dortigen Kräftespiels ist ungewiß, aber zur Zeit hat es mehr den Anschein, als ob Herr Titulescu in seiner Rolle als gemeinsamer Agent für Moskau, Prag und Paris gegen die konservativen Kräfte seines Landes den Kürzeren ziehen wird. Prags außenpolitische Stellung. Erklärungen Beneschs. Prag, 5. Nov. (DNB.) Außenminister Dr. Benesch machte in beiden Kammern Ausführungen zum Kampf um die Sicherheit in Europa. Die tschechoslowakische Regierung bleibe trotz der Unterbrechung der Verhandlungen Anhängerin des Donaupaktes und sei gemeinsam mit den übrigen Staaten der Kleinen Entente der Ansicht, daß kein so großes Hindernis vorhanden sei, um die Verhandlungen nicht mit Erfolg abschließen zu können. An dem abessinisch-italienischen Konflikt ist dis Tschechoslowakei weder mittelbar noch unmittelbar interessiert, die Regierung wird nur auf Grund ihrer Völkerbundsverpflichtungen eingreifen. An den freundschaftlichen Beziehungen der Tschechoslowakei zu Italien können auch die gegenwärtigen Ereignisse nichts ändern. Der Vertrag mit der Sowjetunion enthalte weder geheime noch sonstige Zusätze und sei auch nicht gegen irgendeinen Staat gerichtet. Die Politik der Freundschaft mit Sowjetrußland diene nicht nur der Sicherheit des Staates, sondern vor allem dem dauernden Gleichgewicht in Europa. Unser Verhältnis 311m nationalsozialistischen Deutschland, fuhr Benesch fort, bleibt korrekt und normal Wir hätten mit diesem Staat gern den O st p a k t oder einen Pakt, wie ihn der Reichsauhenminister zur Zelt der Konferenz von Stresa angedeutet hat, unterschrieben, und so den Ausgleich der Beziehungen sowie eine größere gegenseitige Annäherung vorbereitet, denn wir haben mit Deutschland keine direkten Differenzen und werden sie auch, wie ich hoffe, in Zukunft nicht haben. Wir könnten mit Deutschland Schwierigkeiten nur als Reflex der alleuropäischen Differenzen haben, denn die Staaten Europas hängen heute alle voneinander so stark ab, daß der allgemeine Friede Europas tatsächlich unteilbar ist. 3n dieser Beziehung ist namentlich auch die Politik der Kleinen Entente Deutschland gegenüber absolut einheitlich. Die Frage des inneren Regimes kann im Rahmen unserer Friedenspolitik kein Hindernis für wahrhafte Einigung und Zusammenarbeit sein. Wir sind Verbündete des demokratischen Frankreichs, wir haben uns mit dem Sowjetverband geeinigt, wir haben den Donaupakt mit dem faschi- stischen Italien vorbereitet, wir haben die Verhandlungen mit dem Vatikan erfolgreich beendet, und wir wünschen auch mit dem heutigen Deutschland Frieden und Zusammenarbeit. Wir wollen, daß jedermann unsere Demokratie respektiert — und darin werden wir weder innerstaatlich noch zwischenstaatlich irgendwelche Zugeständnisse machen, wogegen wir unsererseits das politische Regime der anderen voll achten müssen. England nnddasTanaerstaiut London, 5. Nov. (DNB.) In den letzten acht Wochen haben zwischen den Unterzeichnern des Tangerstatuts — England, Frankreich, Italien und Spanien — Besprechungen über die Frage einer Revision dieses Statuts stattgefunden. Der 14. November 1935 ist der letzte Termin , bis zu dem die beteiligten Mächte eine Konferenz zur Erörterung der Revisionsfrage verlangen können. Die englische Regierung hält die Einberufung einer Konferenz nicht für notwendig. Sie ist vielmehr der Auffassung, daß die geringfügigen Aenderungen, die hauptsächlich auf dem Gebiete der Finanzen und des Rechtswesens, nach englischer Ansicht erforderlich sind, aus diplomatischem Wege bewerkstelligt werden können. Das Tangerstatut sieht die ständige Neutralisierung und Entmilitarisierung der Tanger-Zone vor. Gewisse Abmachungen über die Verwaltung der Tanger-Zone haben die Unterzeichnermächte unter sich getroffen. Die in Tanger lebenden britischen Untertanen sind in der Hauptsache an einem Ausgleich des Haushaltes von Tanger interessiert. Zur Zeit wird der Haushalt im wesentlichen durch französische Anleihen ausgeglichen, ein Umstand, der englischerseits zu der Befürchtung späterer französischer Ansprüche Anlaß gibt. Außerdem ist die britische Kolonie in Tanger nicht mit der Arbeitsweise des gemischten Gerichtshofes einverstanden. Vorbild eine zentrale Dank errichten, gleichzei- tig eine Hypothekenbank, und die privaten Banken fördern. Diese Vorschläge entsprechen unzweifelhaft oen Ansichten, die von London aus über die Behebung der chinesischen Finanznöte geäußert wurden. Weiter verlautet, die Zentralbank habe erklärt, den Vuan-Kurs zu 225 Prozent im Verhältnis zu der bei der Zollberechnung zugrundeliegenden Goldeinheit, die in London bewertet wird, stabilisieren zu wollen, also zu 293/< USA.-Cent oder nach englischem Gelde 1 Schilling 2'/r Pence. Aber wieweit wird das gelingen? Die Massen Chinas sind vielleicht in Gelddingen nicht so unkultiviert wie häufig gesagt wird. Der Chinese pflegt genau zu rechnen, aber bei der überwiegend agrarischen Bevölkerung des Landes ist es sehr schwer und nur im Verlauf von Jahren, ja Jahrzehnten möglich, diese Massen an die Papierwährung zu gewöhnen. Sie wird teilweise mit außerordentlicher Zähigkeit ihre Silberdollars bewahren. Dazu kommt die ungeklärte politische Lage. Die Drohungen Japans in Nordchina sind ein Störungsmoment, das gewiß nach dem Versuch der Nanking-Regierung, ihre Währungs- und finanzielle Selbständigkeit zu behaupten, noch zunehmen wird, und die Unruhen im Übrigen China werden zudem der Auswirkung des Versuches, finanziell selbständig zu bleiben, sich entgegenstemmen. Man kann sagen, daß es der letzte Versuch der chinesischen Regierung ist, ihre Selbständigkeit zu retten. Englisch-japanische Rivalität im pazifischen Raum. Nach seinem Austritt aus dem Völkerbund ist Japan, da es nach dem Kriege das Mandat über die ehemaligen deutschen Besitzungen in der Süd- see zuerteilt erhalten hatte, in der Mandatskommission des Völkerbundes vertreten Seblieben, die über die Ausübung der Kolonial- Landate zu wachen und regelmäßig dem Völkerbund darüber Bericht zu erstatten Hot. lieber die letzten Sitzungen der Mandatskommission, die ihre Arbeit am Ende der vorigen Woche abgeschlossen hat, wird bekannt, daß es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen dem Vertreter Japans und dem Großbritanniens gekommen ist. Japan wurde einem förmlichen Verhör unterworfen. wie weit die Nachrichten über die militärische Befestigung seiner Mandatsgebiete in der Süosee zutreffend sind, die Japan seinerzeit bei Übertragung des Mandats ausdrücklich untersagt worden ist. Der englische Vertreter stützte sich bei seinen Fragen aus Mitteilungen der japa- nfichen offiziösen Presse, auf die auffällig scharfe Kontrolle, der die fremden Besucher der fraglichen Inseln unterworfen werden, auf die Vergrößerung und Vermehrung der dortigen Häfen, die sich aus wirtschaftlichen Gründen allein nicht erklären läßt, und endlich aus die Tatsache, daß die japanische Statistik eine auffällig hohe Waffeneinfuhr nach dem Mandatsgebiet aufweise. An dem „Verhör" beteiligten sich die Vertreter Belgiens und der Schweiz, während der nächste Interessent an einer militärischen Gewichtsverlagerung in der Südsee, die Vereinigten Staaten, in der Mandatskommission nicht vertreten sind. Der japanische Delegierte verweigerte auf die an ihn gestellten Fragen die Auskunft und bestritt schließlich überhaupt das Fragerecht der Kommission, da Japan dem Völkerbund nicht mehr angehöre und weil Japan das Mandat über die Südseegebiete vor Gründungdes Völkerbundes übernommen habe. Abgesehen davon, daß hierdurch eine wichtige völkerrechtliche Frage aufgeworfen wird, ist dieser englisch-japanische Zusammenstoß deswegen von Bedeutung, weil auch die Ereignisse in China zu starken Gegensätzen zwischen Japan und England geführt haben, die sich in der internationalen Politik der nächsten Zeit, z. B. in den bevorstehenden Flottenverhandlungen ausdrücken werden. Die Meldung, daß England gerade jetzt, wo die japanische Chinapolitik in ihr entscheidendes Stadium zu treten scheint, dem von der militärischen und wirtschaftlichen Expansion Japans bedrohten China eine Anleihe gewährt hat, hat in Japan starke Unruhe erregt und zu england- feindlichen Kundgebungen der japanischen Presse geführt. Sie wirft England vor, daß diese Anleihe den Abmachungen zuwiderlaufe, die der Wirtschaftsberater der englischen Regierung Leith-Roß bet seinem kürzlichen Besuche in Tokio mit der japanischen Regierung getroffen habe und in denen ein gemeinschaftliches wirtschaftliches und finanzpolitisches Vorgehen in China vereinbart worden sei. Das schärfere und aktive Eingreifen der englischen Politik in die Angelegenheiten des Fernen Ostens und die Heranziehung des Völkerbundsapparates zu dieser Politik scheint auf den Entschluß Englands zu deuten, die Einsetzung seiner ganzen Machtstellung nicht auf Europa und den abessinischen Konflikt zu beschränken, sondern im Stil seiner alten, eine Zeitlang vernachlässigten Empire-Politik aufzunehmen. Die Philippinen ein zukunftsreicher Lleverseemarkt für Den Deutschen Handel Am 15. November beginnt für die Philippinen- Inseln die zehnjährige Uebergangsperiode, die sie zu völliger Unabhängigkeit führen soll. Dieses Ereignis ist auch für den deutschen Außenhandel von einiger Bedeutung. Die deutsche Handelspolitik hat mit der großen Schwierigkeit zu kämpfen, daß die überseeischen Lander, aus denen Deutschland einen großen Teil seiner unentbehrlichen Rohstoffe beziehen muß, nicht g e - nügend deutsche Ware kaufen, um diesen Rohstoffbezug sicherzustellen. Deutschland muß deshalb den großen Einfuhrüberschuß, den der Handel mit den überseeischen Ländern ergibt, mühsam und unzureichend aus den Ausfuhrüberschüssen seines Handels mit anderen europäischen Ländern decken. Da dieser Ausgleich immer schwieriger wird, verdient ein überseeisches Land, das deutsche Waren in steigenden Mengen aufzunehmen imstande und bereit ist, besondere Beachtung. Zweifellos werden aber die Philippinen nach Herstellung ihrer staatlichen Unabhängigkeit ein gutes Absatzgebiet für deutsche Jndustrieerzeugnisse fein können. Bisher deckten die Philippinen, ein Volk von mehr als zehn Millionen Einwohnern, ihren Bedarf hauptsächlich in den Vereinigten Staaten, deren Waren zollfrei eingeführt wurden. Trotzdem haben die Philippinen in den letzten Jahren bedeutend mehr Waren (hauptsächlich Maschinen für die bedeutende Bergwerks-Industrie des Landes) aus Deutschland bezogen, als sie nach Deutschland ausführten. Im Jahre 1934 hat Deutschland z. B. für 9,3 Millionen Pesos Waren nach den Philippinen ausgeführt und nur für 2,06 Millionen Pesos Waren von dort eingeführt. Der Handel mit den Philippinen ergab also einen Aktivsaldo von 5,2 Millionen Pesos zu Deutschlands Gunsten. Ein überseeisches Land, mit dem Deutschland eine so günstige Handelsbilanz hat, bedarf an sich schon eines besonderen Augenmerks. Die deutsche Ausfuhr nach den Philippinen wird aber außerdem noch erheblich gesteigert werden können, wenn sich die Wirtschaft des Landes nach der Unabhängigkeitserklärung, wie allgemein erwartet wird, sehr viel kräftiger entwickelt. Vor allem wird ein wachsender Bedarf an Maschinen für die ertragreichen Gold- und Erzbergwerke des neuen Staats vorhanden fein. Allerdings hat die deutsche Exportindustrie auch hier mit der Konkurrenz der Vereinigten Staaten, die durch die Dollarabwertung begünstigt wird, und mit der Japans, das natürlich auch hier seine Waren zu erstaunt billigen Preisen anbietet, zu rechnen. Aber für den deutschen Maschinenexport dürften diese Hindernisse nicht unüberwindbar sein. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, daß auf den Philippinen eine steigende Nachfrage nach deutschen Waren vorhanden ist. Je geringer der Einfluß Amerikas dort künftig sein wird, desto größer wird die Nachfrage nach deutschen Maschinen für die erstarkenden Bergwerks- und Zuckerindustrien des Landes werden, namentlich wenn die deutschen Waren im Austausch gegen philippinische Erzeugnisse bezogen werden können. Dieser junge, aber zukunftsreiche Markt bedarf daher besonderer Pflege durch die deutsche Industrie wie durch die deutsche Handelspolitik. Denn hier sind zweifellos noch wertvolle wirtschaftliche Eroberungen möglich. England zu Hause. Von einem gelegentlichen Mitarbeiter. London, November 1935. Wer vom Kontinent mit den überlieferten Vorstellungen vom Engländer und der englischen Poli- tik nach dem Jnselreich kommt, hat allerhand zu lernen. Bei dem großen oft beherrschenden Einfluß, den Großbritannien seit Jahrhunderten in allen Händeln Europas und der Welt gespielt hat, haben sich im Ausland, nicht nur in Deutschland, feste schablonenhafte Begriffe gebildet, mit denen oft ganz falsch die Haltung der englischen Politik oder die des englischen Volkes gemessen wird. So ist das Wort vom „v e r f i d e n A l b i o n" in den politischen Sprachschatz der ganzen Welt übergegangen, der Glaube, daß die englische Politik mit einer diabolischen Gerissenheit gemacht werde, die ihre jeweiligen Anschläge schon lange voraus und mit mathematischer Sicherheit berechne. Eine andere wohlwollendere Vorstellung glaubt, das historische Glück und die Erfolge, die England auf feinen Degen als Staat gehabt hat, dem Umstande zu- toreiben zu müssen, daß der Herrgott den Engländer zum ganz besonders veranlagten politischen Denschen geschaffen habe. Diese Bewunderer seyen Nicht nur in Öen englischen Einrichtungen schlecht- }>in das Vorbild, das man überall nachahmen müsse, andern auch in jedem Engländer sozusagen einen geborenen Außenminister! Eine andere Irrige Vorstellung ist die von der „nationalen Disziplin" der Presse und der öffentlichen Meinung, die es der englischen Regierung leicht mache und die dem Kontinent oft als Beispiel vor Augen gehalten wird. Wenn man die breiten Ströme des öffentlichen Lebens in England, nicht nur die der großen Politik, sondern auch die des privaten und gesellschaftlichen Lebens aus der Nähe und mit offenen Augen verfolgt, so wird man bei aller Schätzung der großen und imponierenden Eigenschaften doch bald feststellen, daß diese Verallgemeinerungen weder im guten, noch im schlechten völlig z u - treffen, daß die englische Politik vielleicht weniger nach vorauskonstruierten Linien arbeitet, als die kontinentale, daß viele englische Einrichtungen verbesserungsbedürftig sind, jedenfalls nicht ohne weiteres nachgeahmt werden können, daß die englische Presse von der „Pressefreiheit" einen Gebrauch macht, der sich nicht immer mit dem nationalen Interessen vereinbaren läßt und den Regierenden schwer auf die Nerven fällt, und daß der Engländer als Einzelwesen den Fragen der Politik genau mit derselben Mischung von Urteil und Vorurteil, von Selbstsucht und nationaler Unterordnung, von engerem oder weiterem Horizont entgegentritt, wie im allgemeinen der Bewohner kontinentaler Länder. Kurz es wird auch in Eng- land mitWasser gekocht, und den politischen Kannegießer gibt es auch im Lande der größten „politischen Reife". Wenn man bedenkt, was für England aus dem abessinischen Konflikt entstehen kann, so sollte man meinen, daß diese Frage ausschließlich die öffentliche Meinung in Anspruch nimmt. Der berühmte „Mann auf der Straße" und auch ein großer Teil der populären und am meisten verbreiteten Zeitungen beschäftigen sich aber seit Monaten fast mehr mit den Greignifen im Königs- hause, wie denn überhaupt das enge Gefühlsband, das diese ganz in liberal-demokratischem Denken lebende Nation mit der politisch so gut wie einflußlosen Monarchie verbindet, ein besonders nachdenkliches Kapitel bei einer Betrachtung des modernen Englands bildet. Jedenfalls hat beim Durchschnittsengländer das Interesse an den Feierlichkeiten zum 25jährigen Regierungsjubiläum des Königspaares das an Abessinien weit übertroffen, und noch heute, wie diese Feier längst zu Ende ist, hält sie die Diskussion über die königliche Familie wach, an deren Freud und Leid die große Masse des englischen Volkes mit nicht minderem Aufwand an Gefühl teilnimmt, als wir es in Deutschland vor dem Kriege bei unseren meisten Dynastien gekannt haben. Die königlichen Prinzen und die einzige Tochter des Königspaares mit ihren refpek- tiven Kindern und Familien erfreuen sich jener aus Neugierde, Verehrung und bürgerlichem Bedürfnis nach „höheren Ausblicken" zusammengesetzten Anteilnahme genau so, wie der republikanische Eiferer sich die monarchistische Servilität auszumalen liebt. Die Prinzessin Marina von Griechenland, die vor einem Jahre den jüngsten Königsohn George, Herzog von Kent, heiratete und vor kurzem dem Hause Hannover einen Thronerben, wenn auch erst in siebenter Reihe der Erbfolge geboren hat, war eine Zeit lang für ganz England die interessanteste Persönlichkeit, und für die politischen Salons war die Beziehung dieser Heirat für die gerade aktuelle Frage der Wiedereinführung der Monarchie in Griechenland ein ernsteres Problem, als für die englische Politik. Im Vordergrund dieses für den Ausländer merkwürdigen Interesses steht gegenwärtig die bevorstehende Heirat des dritten Königsohns Heinrich, Herzog von Gloucester, der die Tochter des Herzogs von Buc- c l e u ch, aus ältestem schottischen Adel heiratet. Da der Vater kürzlich plötzlich gestorben ist, wird die Hochzeit demnächst in aller Stille und in engstem Kreise gefeiert werden. Aber die politischen Erörterungen, die an diese englisch-schottische Heirat geknüpft werden, gehen weit in die englische Geschichte zurück, als die Verbindung von England und Schottland noch ein wirkliches Problem der Politik war, und sie zeigen, daß gewisse Kreise in England politisch ebenso wirklichkeitsfremd sind, wie anderswo. Stark angeregt wird die „Dynastiepolitik" der englischen Oeffentlichkeit durch die Ehelosigkeit des Thronfolgers , des Prinzen von Wales, mit der man sich abgefunden hat, nachdem er das vierzigste Lebensjahr überschritten hat. Aber der Fortbestand der Dynastie wird dadurch nicht im geringsten in Frage gestellt, da er drei Brüder und eine Schwester mit Nachkommenschaft hat und da die englische Thronfolgeordnung, wie man aus der Geschichte weiß, die weibliche Erbfolge, allerdings nur bei Fehlen eines männlichen Thronerben in derselben Generation vorsieht. Die Möglichkeit, statt eines Königs eine Königin zu haben, hat für das Land, dessen größte und längste geschichtliche Epochen durch die Namen zweier Königinnen, Elisabeths und Viktorias, bezeichnet werden, nichts Außergewöhnliches. Die Thronfolge ist heute so, daß nach dem Prinzen von Wales, der heute übrigens erst in dem Alter steht, in dem fein Vater, der König Georg V., den Thron bestieg, fein Bruder, der Herzog von York, der nächste Anwärter ist. Nach ihm kommen feine beiden Töchter, die Prinzessinnen Elisabeth und Margaret Rose, dann Prinz Heinrich, Herzog von Gloucester, der sich jetzt verheiraten wird, und erst, wenn diese Ehe kinderlos bliebe, der Herzog von Kent und nach ihm sein eben geborener Sohn. Nur bei frühem Aussterben dieser Linien käme die Tochter des jetzigen Königs, die Prinzessin Mary, und ihre beiden Söhne als Thronanwärter in Frage. Man sieht also, daß die Sorgen und Tagesgespräche der englischen Gesellschaft in dieser Beziehung ziemlich gegenstandslos sind, was indessen nicht hindert, daß sie sehr ernst genommen werden. Es ist gut und nützlich, sich dieses England, das durch feine beispiellos erfolgreiche Geschichte jeweils den Neid und die Bewunderung anderer Nationen erregt hat, auch einmal bei seinen kleinen intimen Gewohnheiten zu beobachten. Es zeigt sich dabei, daß es auch feine Schwächen hat, daß es aus Großem und Kleinem zusammengesetzt ist und daß das Geheimnis seiner Erfolge sich wahrscheinlich anders erklärt als aus den herkömmlichen Schablonen, die man sich auf dem Kontinent zurechtgeschnitten hat. Ihm auf die richtige Spur zu kommen, ist zur Zeit eine gute Gelegenheit gegeben, denn seit langem ist der Gegensatz zwischen dem hohen Spiel der britischen Politik und den harmlosen Spielen der englischen Oeffentlichkeit nicht mehr so augenfällig gewesen wie heute! NasMemel-Direttorium zurückgeireteu Memel, 5. Nov. (DNB.) Der Rücktritt des Direktoriums B r u y e l a i t i s ist am Dienstag vormittag amtlich bekanntgegeben worden. Der Gouverneur hat den Rücktritt angenommen und Bru- oelaitis beauftragt, die Geschäfte bis zur Bildung eines neuen Direktoriums weiter zu führen. * Der Rücktritt des Direktoriums Bruvelaitis war nach der vernichtenden litauischen Niederlage bei den Memelwahlen eine Selbstverständlichkeit. Bruvelaitis wäre vom Memelländischen Landtag, der am Mittwoch zusammentritt, ohnehin gestürzt worden. Die litauische Regierung hat sich auch den Unterzeichnermächten gegenüber verpflichtet, ein Direktorium nach öem Willen d e r Mehrheit der memelländischen Bevölkerung zu bilden. Dieses Versprechen wird nunmehr e i n g e- l ö ft werden müssen. Schweden und der Ostieeraum Ein Bortrag Haushofers in Stockholm. Stockholm, 5. Nov. (DNB.) Der Präsident der Deutschen Akademie in München, General a. D. ^rof. Dr. Karl H a u s ho f e r, hielt in der Schwedisch-Deutschen Gesellschaft einen Vortrag über das Ostseeproblem. Auch Außenminister Sandler war erschienen. Professor Haushofer gedachte des großen schwedischen Geopolitikers Kj eilen und seines Hinweises, daß sich das heutige schwedische Reich zwischen zwei großartigen gestrandeten Ideen abgesetzt habe: Einem einheitlichen Ostsee- r e i ch und einer Zusammenfassung der skandinavischen Völker. Auf dem Hintergrund der gegenwärtigen abessinischen und mandschurischen Frage scheine sich eine dritte gestrandete Idee riesengroß abzuzeichnen: die Idee eines wirksamen Schutzes kleiner Völker durch den Völkerbund. Anhand von 23 Kartenbildern suchte Professor Haushofer die geographischen Tatsachen des Ostseeraumes zu veranschaulichen und zeigte die sich daraus ergebende geopolitische Erkenntnis, wonach eine wirklich abwehr- bereite Ostsee durch keinen ozeanischen oder kontinentalen Druck aufzusprengen sei. Die bisherigen Einzelläufe zu einer politischen Einheitsgestaltung des Dftfeeraumes seien vergeblich gewesen, ganz gleich von welcher Seite sie herrührten. Aus allem ergebe sich die Forderung einer gegenseitigen Versicherung in irgendeiner Form, wobei Schweden als der vom geopolitischen Schicksal bestimmte Ostsee- Schlüsselbewahrer erscheine. Ein verstärkter schwedischer Schutz der Freiheit der Wasserstraßen erhöhe gleichsam auch die Sicherheit deutscher Unabhängigkeit in diesem Lebensraum. Aus einer wehrgeopolitischen Notwendigkeit heraus drohe Schweden von Deutschland keinerlei Gefahr, und so müsse die Erneuerung des deutschen Selbstschutzes von Schweden auch als eine Sicherung feines eigenen Lebensraumes betrachtet werden. Wenn Europa nicht wieder den sich bildenden Riesenräumen erliegen wolle, dann müsse es lernen, seinen eigenen Schicksalsraum einheitlich zu erkennen, zu bewahren und als, Einheit zu verteidigen. Auf dieser Ebene gelte es auch, den Ostseeraum als eine Einheit zu betrachten, die sicherlich einen ge- roaltigen Schutz gegen das Sichverlieren Europas in kleineuropäische Gedanken bieten würde. Kleine politische Nachrichten. Pg. N i p p o l t, der stellvertretende Gauleiter des Traditionsgaues München-Oberbayern, spricht am Mittwoch, den 6. November um 19.45 Uhr im Reichssender München und Deutschlandsender über die Vorbereitungen zum 8. und 9. November. ♦ Gegenüber einer in einem Teile der Presse an schienenen Mitteilung über das Singen von Kirchenliedern im S ch u l g e s a n g s unter r i ch t wird darauf hingewiesen, daß eine neuere allgemeine Anordnung nicht ergangen und eine Aenderung gegenüber der bisherigen Regelung nicht angeordnet worden ist. ♦ Der Präfekt von Bozen hat die im Verlag Vogelweider-Bozen erschienenen Zeitschriften „Der Schiern", „Die Frau" und die Kinderzeitschrift „Der kleine Postillon" e i n g e ft e 111 und diese Maßnahme mit der Notwendigkeit der Einschränkung des Papierverbrauches begründet. Ebenso ist auch die „Industrie- und Handelszeitung" eingestellt worden. Die Halbwochenzeitungen „Die Dolomiten" und der „Volksbote" sind der letzte R e st der einst in Südtirol erschienenen sechs deutschen Tageszeitungen und 16 Zeitschriften. Der Präsident der tschechoslowakischen Republik hat den Ministerpräsidenten Jan M a l y p e t r auf dessen Ansuchen aus seinem Amt entlassen und den Landwirtschaftsminister Dr. Milan H o d z a zum Vorsitzenden der Regierung ernannt. Dr. Hodza wird das Landwirtschaftsministerium weiter betreuen. Hindenburgs ärztliche Vorfahren. Dr. Curt Schelenz teilt in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift mit: „Meine Mutter war die Tochter des damals noch in Posen lebenden Generalarztes S ch w i ck a r t. Mein Großvater mütterlicherseits starb bald nach meiner Geburt. Er hatte sich 1813 in der Schlacht bei Kulm als Militärarzt das Eiserne Kreuz am Kombattantenbande erworben, weil er ein führerlos und wankend ge» mordendes Landwehrbataillon wieder geordnet und oorgeführt hatte." So berichtet Hindenburg selbst in seinem Buch „Aus meinem Leben" über seinen Großvater. Es dürfte nur wenig bekannt sein, daß in Hindenburgs mütterlicher Ahnenreihe sich zwei Aerzte befinden, sein Großvater, der Generalarzt S ch w i ck a r t und sein Urgroßvater, der Generalchirurg M o e n n i ch. Moennich war der Schwiegervater Schwickarts, wie aus einem Auszug aus der Ahnentafel des Generalfeldmarschalls' hervorgeht. Aus verstreuten Quellen habe ich über Albert Friedrich Conrad Moennich folgendes ermitteln können. Er wurde geboren im Juli 1753 zu Nitzow an der Havel. Von elf Kindern des Pastors Arnold Christoph Moennich war er das dritte. Nichts wissen wir über feine Vorbildung, nur daß er 1794 als Regimentschirurgus zum Infanterieregiment von Crousatz in Posen übertrat, und daß er später bei dem Infanterieregiment von Zastrow Nr. 39 Dienst tat. Mit diesem Regiment geht er 1806 in den Krieg und macht die Schlacht bei Jena am 14. Oktober mit. Im Mai 1806 wird seine Dienstzeit mit 34 Jahren 2 Monaten angegeben. In der letzten Rangliste des alten Heeres vorn Juni 1806 führt er die Bezeichnung „General-Chirurgus". Arn 2. August 1799 erwarb Moennich das Bürgerrecht in Posen, wie fein dort noch vorhandener Bürgerbrief ausweist. Wie es fo oft im Leben geht, daß der Untergebene die Tochter des Vorgesetzten heiratet, war es auch bei Hindenburgs Großvater, dem späteren Generalarzt Schwickart. Geldspenden für das Winter« Hilfswerk 1935/36. Ungenannt 200 000 Mark; Allianz und Stuttgarter Verein, Berlin 100 000 Mark; Bayerische Der- cinsbanf, München 15 00Ö Mark; Deutsche Länderbank AG., Berlin 15 000 Mark; Kaffee-Handels- AG., Bremen 15 000 Mark; Zigaretten-Fabrik Mu- ratti ÄÄ., Berlin 12 000 Mark; Röchlingstahl, Stahlwerk Buderus AG-, Stahlwerk Röchling Buderus, WeFlar 12 000 Mark; Landesbank der Provinz Ostpreußen, Königsberg i. Pr. 10 000 Mark; Friedrich- Wilhelm-Derficherungs-AG., Berlin 10 000 Mark; Bayerische Notenbank, München 10 000 Mark; „Olex", Deutsche Benzin- und Petroleum-Gesellschaft mbH, Berlin 7500 Mark; Betriebsführer und Gefolgschaft Quantmeyer & Eicke, Berlin 5000 Mark; Herman C. Starck, AG., Berlin 3000 Mark; Ungenannt 2000 Mark; Fritz Koppe, Dr. jur., Rechtsanwalt, Berlin 1500 Mark; Sportausrüstung GmbH., Berlin-Halensee 500 Mark; Dr. Ernst Springer, Geh. Oberfinanzrat, Berlin 500 Mark; Dr. Hermann Rohrbeck Nachs. GmbH., Berlin 500 Mark; Dr. Rudolf Crüger, Marburg a. d. L. 500 Mark; Darlehnskasse der Angestellten der Dresdner Bank. Berlin 480 Mark; Frhr. von Ohlen, Berlin 420 Mark; Albert Fischer, Oberregierungs-und Baurat i. R, Berlin-Lichterfelde 400 Mark; Gaswerk Engelsdorf, Leipzig, GmbH., Engelsdorf 400 Mark; (f. Härtel, Baugeschäft, Breslau 350 Mar^ Bera- Verlagsanstalt, GmbH., Berlin 500 Mark; Albert Frhr. Dufour von Feronce, Berlin 300 Mark; Bank für Mittelsachsen AG., Mittweida 300 Mark; Aache- ner Maschinenfabrik Rothe & Stengel, GmbH., Aachen 300 Mark; Karl Koch, Knopffabrik., Inh. Wilh. Winkelmann, Gardelegen 300 Mark; Wirt- fchaftsgenossenschaft deutscher Tierärzte eGmbH., Hannover 300 Mark; Elisabeth Kym, Schopfheim In Baden 300 Mark; A. Kym-Krafft, Schopfheim i. BA 300 Mark; Jndustrieverlag Spaeth & Linde, Berlin weitere 300 Mark; Eisenbahn-Verein 12, Vorstand, Fahrkartenausgabe Berlin, Anhalter Bahnhof 300 Mark; Ernst Cornberg, GmbH., Berlin 30Ö Mark. Neue britisch italienische Fühlungnahme. England erläutert in Rom die Gründe für die Beibehaltung feiner Flottenstärke im Mittelmeer Rom, 5. Nov. (DNB.) Eine neue Unterredung zwischen Mussolini und dem britischen Botschafter Sir Eric Drummond, die mehr als eine Stunde dauerte, hat in politischen Kreisen einen guten Eindruck hinterlassen. Man erklärt, die Besprechung habe zwar keine Entscheidung gebracht, sie sei indessen doch bemerkenswert insofern, als die Aussprache über das im Augenblick heikelste Thema des Aufenthalts der englischen Flotte im Mittelmeer fortgesetzt werden konnte. Die italienische Zurückziehung einer Division aus der Kyrenaika hat bis jetzt auf englischer Seite keine Gegenmaßnahmen ausgelöst. Man darf annehmen, daß der englische Botschafter heute d i e Gründe dafür noch einmal dargelegt hat. Englands Vorbehalte London, 6 Nov (DNB. Funkspruch.) Reuter berichtet über die Unterredung des britischen Botschafters in Rom mit Mussolini, daß diese Besprechung kein endgültiges Ergebnis gezeitigt habe. Die Stimmung sei aber etwas hoffnungsvoller. Mussolini habe Sir Eric Drummond an die Zurückziehung einer italienischen Devi- sion aus Libyen erinnert und die Hoffnung ausgedrückt, daß diese Geste in England gewür- d i gt worden sei. Der Botschafter habe bestätigt, daß feine Regierung diese Maßnahme würdige, er habe aber darauf hingewiesen, daß es noch immer 60 000 italienische Soldaten in Libyen gebe, d h. das dreifache der britischen und ägyptischen Truppen in Aegyp- t e n. Die britische Regierung glaube noch nicht, so habe er zu verstehen gegeben, daß die Lage eine Verminderung der britischen Seestreitkräfte im Mittelmeer gestatte. Deren Anwesenheit dort sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Reuter fügt hinzu, man müsse im Auge behalten, daß der einzige praktische Weg für eine Invasion an der Küste entlang führe und daß infolgedessen die wirksamste Verteidigung Aegyptens vonder britischen Seemacht abhängen würde Das Echo in Paris. Paris, 6. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die Unterredung Mussolinis mit dem englischen Botschafter wird in Paris im Sinne einer weiteren Entspannung der italienisch-englischen Beziehungen ausgelegt. Die römischen Berichterstatter der Pariser Blätter erklären zwar übereinstimmend, daß eine greifbare Lösung noch nicht gefunden worden sei und auch vor den englischen Wahlen nicht erwartet werde, daß aber nichtsdestoweniger ein weiterer Schritt auf dem Wege zu einer Lösung getan worden sei. Man ist der Auffassung, daß der italienisch-abessinische Krieg bei den ganzen Verhandlungen nur eine nebensächliche Rolle spiele und daß es sich vielmehr darum handele, ein neues Gleichgewicht im Mitte l m e e r herzustellen. Einige Blätter glauben deshalb auch, den Besuch Sir Eric Drummonds mit den augenblicklich in London, stattfindenden vorbereitenden Besprechungen für die Flottenkonferenz in Zusammenhang bringen zu können. „Petit Parisien" schreibt u. a.: Um sich ein klares Bild der gegenwärtigen Verhandlungen machen zu können, müsse man immer wieder berücksichtigen, daß die englische Regierung ihre Flotte nicht im Mittelmeer zusammengezogen habe, weil sie irgendeine Gefahr durch die möglichen Auswirkungen des italienisch-abessinischen Krieges befürchte, sondern weil sie infolge gewisser Reden und Erklärungen, die besser unterblieben wären, ihre Stellung in Aegypten bedroht sah. Heute sei es aber klar, daß auf beiden Seiten keinerlei kriegerische Absichten beständen, England brauche wegen Aegypten nichts mehr zu befürchten. Deshalb scheine dem Rückzug einiger englischer Einheiten aus dem Mittelmeer auch nichts mehr im Wege zu stehen. Schwierigkeiten für die Sanktionskonferenz. Genf, 5. Nov. (DNB.) Im Unterausschuß der Sanktionskonferenz für Transitfragen wurde die Frage erörtert, wie verhindert werden solle, daß Erzeugnisse, deren Ausfuhr nach Italien verboten ist, durch das Gebiet von Ländern, die an den Sanktionen nicht teilnehmen, trotzdem nach Italien gelangten. Hierzu lag ein französischer Vorschlag vor, wonach die Ausfuhr nach den Ländern, die nicht Mitglieder des Völkerbundes sind, und überhaupt nach den an den Sanktionen nicht teilnehmenden Ländern auf den Umfang beschränkt werden solle, der dem Durchschnitt dieser Ausfuhr in den letzten zwei Jahren entspricht. Von englischer Seite wurde angeregt, daraus zu achten, ob eine beträchtliche Vermehrung der Ausfuhr der Staaten, die nicht Mitglieder des Völkerbundes sind, nach Italien festgestellt werde, und in diesem Falle durch den Arbeitsausschuß der Konferenz entsprechende Maßnahmen prüfen zu lassen. Ein dritter Vorschlag ging dahin, die Konferenz solle lediglich auf eine etwaige unverhältnismäßige Vermehrung der Ausfuhr aus Sanktionsländern in die nicht teilnehmenden Länder achten. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Auch Petroleum, Stahl und Kohle in die Einfuhrsperre einbezogen. Genf, 5. Nov. (DNB.) Der Unterausschuß der Sanktionskonferenz für Wirtschaftsfragen hat auf kanadischen Vorschlag die Verbotsliste für Rohstofflieferungen nach Italien auf folgende Erzeugnisse ausgedehnt: Petroleum, Eisen und Stahl und Kohle, sowie die daraus gewonnenen Brennstoffe. Wenn die Antworten der Regierungen auf diesen Vorschlag es angezeigt erscheinen lassen, wird der Arbeitsausschuß den Regierungen einen Zeitpunkt für das Jnkraftreten der Maßnahmen Vorschlägen. Aus aller Wett. Ein zweiter „Soll Tetzner"'? Vor dem Rudolstädter Schwurgericht beginnt jetzt ein Prozeß gegen den 42 Jahre alten, verheirateten Heinrich A l b e r d i n g aus Fulda wegen Mordes und Versicherungsbetrugs. Es handelt sich dabei um eine Tat, die große Aehnlichkeit mit dem Fall Tetzner hat, der seinerzeit großes Aufsehen erregte. Am 23. August 1928 fanden Beerensucher in einem dichten Unterholz bei Saalfeld den Leichnam eines Mannes, dessen Kleidung zum Teil verbrannt war. Bald wurde klar, daß dieser Unbekannte einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. In den Taschen des Toten fand man Papiere, nach denen es sich um den jetzt angeklagten Alberding handeln sollte, der in Fulda verheiratet war und drei Kinder hatte. Nachforschungen ergaben, daß Alberding in der Tat seit Januar 1928 aus Fulda spurlos verschwunden war. Jedoch glaubte man nach Lage der Dinge nicht daran, daß der Tote Alberding sein könnte und der Verdacht, daß hier ein Mord in Verbindung mit Versicherungsbetrug oorlag, als dessen Täter Alberding selbst in Frage kommen mußte, verdichtete sich mehr und mehr. Als die Kriminalpolizei Ermittlung enaufnahm, mußte man feststellen, daß der Tote ein Mann im Alter von etwa 21 bis 30 Jahren gewesen war, während Alberding zu jener Zeit im Alter von 36 Jahren stand. Eine überraschend neue Sachlage ergab sich, als man ermittelte, daß Alberding drei Wochen vor seinem Verschwinden eine Lebensversicherung abgeschlossen hatte, durch die seiner Familie im Falle seines Todes der Betrag von 25000 Mark ausgezahlt werden sollte. Die Persönlichkeit des Toten konnte trotz lebhafter Bemühungen nicht ermittelt werden. Alberding blieb verschwunden. Fast schien es, als ob die Mordtat ungeklärt bleiben sollte. Da wurde nach über sechs Jahren, am 18. Juni 1934, Alberding in Fulda plötzlich auf der Straße entdeckt, als er zu feiner Familie zurück- kehren wollte. Er wurde verhaftet und nach Rudolstadt ins Untersuchungsgefängnis gebracht. Nachdem nun die Voruntersuchungen abgeschlossen sind, wird sich der Angeklagte vor dem Schwurgericht zu verantworten haben. Vollstreckung eines Todesurteils. In Heilbronn ist der 1889 geborene Friedrich Haarer hingerichtet worden. Er war vom Schwurgericht in Heilbronn wegen Mordes zum Tode verurteilt worden. Haarer hatte am 17. April 1934 den Strafanstaltskommissar Johannes ©triff- l e r von Ludwigsburg auf einem Kartoffelacker der Markung Mundelsheim aus unbegründetem Haß ohne vorausgegangenen Streit erschossen. Neuer Gangstermord in Amerika aufgedeckt. In der Nähe von Monte Cello im Staate Neu- york ist ein neuer Gang st ermord aufgedeckt worden. Die Polizei fand dort in einer alten Scheune in einem flach ausgehobenen Grabe, das mit Kalk angefüllt war, die Leiche eines Mannes, der als ein gewisser Charles Chink Sherman identifiziert werden konnte. Der Kopf Shermans war vollkommen zerschmettert, offenbar von Abschlägen. Die bereits in Verwesung übergegangene Leiche war nur schwer als die des Sherman zu erkennen. Sherman galt allgemein als Feind des kürzlich erschossenen Groß-Gangsters Dutch- Schultz. Die Polizei bringt daher die Ermordung Shermans Mit dem Gangsterkrieg in Verbindung, der der „Laufbahn" des Dutch-Schultz und dreier feiner Anhänger kürzlich ein jähes Ende bereitete. Französisches Postflugzeug verunglückt. Die französische Luftfahrtgesellschaft Air France hat einen Funkspruch aus Buenos Aires erhalten, wonach eines ihrer Postflugzeuge mit einer um« fangreichen Postladung an Bord in der Nähe von Bahia aus unbekannter Ursache verunglückt ist. Die vierköpfige Besatzung fand den Tod. Ein anderer Flieger konnte in der Nähe der Unfallstelle landen und hat 70 Postsäcke geborgen. Zwei Frauen durch Fahrlässigkeit eines Autofahrers getötet. Bei Eschelbach (Kreis Montabaur) ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Drei Frauen aus Dernbach, die sich auf dem Nachhausewege von Montabaur befanden, wurden von einem aus Eschelbach kommenden Lastkraftwagen erfaßt, wobei die 57jährige Frau Anton Bach und die im gleichen Alter stehende Frau Lorenz Schmidt überfahren und auf der Stelle getötet wurden. Die Meder Gesechispause in Ostasrika. Der italienische Vormarsch abgestoppt. Der Nachschub soll gesichert werden. Asmara, 5. Nov. (Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB.) Am Dienstagmittag um 12 Uhr kam der Vormarsch der italienischen Truppen auf Makalle zum ©Hilft an ö. Die Unterbrechung der Operationen kann vielleicht einige Tage dauern. Diese Zeit ist aber nicht verloren, da Patrouillen und Flugzeuge das Gelände erkunden. Gerüchte wollen wissen, daß italienische Vorposten bereits in die Gegend von Makalle vorgedrungen sind. Das Gros der Armee steht jedoch immer noch bei Hausten. Die Abessinier leisten angeblich so gut wie keinen Widerstand und weichen jedem Gefecht aus, was auf italienischer ©eite einige Beunruhigung hinsichtlich der feindlichen Absichten hervor- gerufen hat. Trotz der Zwischenpause, die zur Heranschaffung weiteren Kriegsgerätes und Befestigung der erworbenen Stellungen dient, wird übereinstimmend von einer sehr regen Patrouillen- tätigfeitbis in d i e unmittelbare Nähe von Makalle berichtet. Auch diese Patrouillen, die durch Flugzeuge mit Nahrungsmitteln und Munition versehen werden, scheinen bis jetzt in keine größeren Kampfhandlungen verwickelt worden zu sein. Dagegen wird von dem rechten Flügel der italienischen Front ein überraschender abessinischer Angriff gemeldet, der jedoch zurückgeschlagen werden konnte. Von maßgebender militärischer Seite wird auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die die Anwendung der S ü h n e m a ß n a h m e n auf die Waffenversorgung der italienischen Truppen haben könnten, vor allem, da die abessinischen Truppen reichlich mit Waffen und Munition ausgerüstet werden würden. Waffen- und Munitionsmangel würden die militärischen Maßnahmen, die einen völlig neuartigen Charakter trügen, erheblich erschweren. Eine weitere große Schwierigkeit sei für die italienische Heeresleitung ferner, daß weder die Absichten noch die Stärke des abessinischen Heeres genau festzustellen seien, während die italienischen Pläne den Abessiniern sehr gut bekannt seien. Nach Frontberichten des „Messagero" ist am Montagabend ein 48 stündiger Halt angeordnet worden, um den Nachschub bis in die vordersten Stellungen ordnen und durchführen zu können. Es sei anzunehmen, daß nach Wiederaufnahme des Vormarsches bei gleichzeitigem Vorrücken von Westen (Abbi Addi, 40 Kilometer Luftlinie von Makalle), von Norden (Agula, 30 Kilometer Luftlinie) von O st e n (Dolo 20 Kilometer Luftlinie) die Stadt Makalle in weniger als zwei Tagen erreicht und besetzt werden könne, falls nicht das verwickelte Flußnetz oder neue Regengüsse den Vormarsch erschweren sollten. Die italienischen Frontberichterstatter berichten überein« stimmend, daß die Abfallbewegung unter den abessinischen Stammeshäuptlingen immer größeren Umfang annehme. Wichtige Häuptlinge hätten sich dem militärischen Befehl des Negus widersetzt und eine beträchtliche Anzahl von ihnen sei für eine Verständigung mit Italien. Der Führer dieser Bewegung sei der Beherrscher der nördlich vom Tanasee gelegenen Landschaft Gondar, Ras Dagsa Dargile. Italien erhöht erneut die Derkaufs- abgabe für Mineralöle. Mailand, 6. Nov. (DNB.) Funkspr.) Durch Gesetz ist die Verkaufsabgabe für Benzin und andere Mineralöle erneut erhöht worden. Sie beträgt für rohe Mineralöle nunmehr 185 Lire je Doppelzentner, für gewisse Transformatorenöle 190 Lire, für Petroleum 290 Lire (bisher 150 Lire) und für Benzin 361 Lire (bisher 261 Lire). Diese Erhöhung der Verkaufsabgabe, die bei Benzin 100 Lire je Doppelzentner und bei Petroleum sogar 14 0 Lire beträgt, wird eine weitere bedeutende Steigerung der Preise mit sich bringen, nachdem erst zu Beginn des Monats September die Verkaufsabgabe für Benzin um 100 Lire und für Petroleum um 57 Lire heraufgesetzt worden war. Steigende Oelansfnhr aus den Vereinigten Staaten noch Italien. Washington, 6. Nov. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Mitteilung des Handelsministeriums haben sich die Ausfuhrziffern für Oel und Oel- erzeugniffe nach Italien erhöht. Daraus geht hervor, daß die amerikanische Oelindustrie trotz der Warnung Roosevelts die Geschäftsgelegenheit wahrnimmt. Aus den Häfen am mexikanischen Golf wird eine feit Jahren nicht mehr erreichte Tätigkeit gemeldet, besonders aus New Orleans, wo auch die Ausfuhr von Baumwolle, Gasolin und Fett stark gestiegen ist. Kunst und Wissenschast. Der erste Bericht der deutschen Amazonas-Expeditlon. Beim Deutschen Nachrichtenbüro in Rio de Janeiro ist folgender drahtlicher Bericht von der deutschen Amazonas-Expedition eingetroffen: Nach einem Fluge den inneren Amazonas aufwärts zu den Stromgebieten des Jary und des Peru haben der deutsche Forschungsreisende und ©portflieger Schulz-Kampfhenkel und Gerd Kahle eine Reihe Erkundungsflüge über den Urwäldern dieser nördlichen Zuflüsse, in die sie zu zoologischen Untersuchungen mit Gepäckbooten eindringen wollen, erfolgreich durchgeführt. Eine ständige Gefährdung des kleinen Expeditionsflugzeuges bildet das zahllose Treibholz der Waldflüsse. Die Bootsexpedition wird in Kürze in dem als sehr stromschnellenreich festgestellten, bisher unerforschten Mittellauf des Jary einbringen. ie (tunk 32 macedonischer Provenienz verleiht der ALVA-Mischung ihr weiches, köstliches Aroma, das der Kenner so zu schätzen weiß! GOLD (jttcljfcujeitm I8fatt^ofcl-1ll^t. Neues für den Bücheriifch. dritte Frau kam mit leichten Verletzungen und einem Nervenschock davon. Der Unglücksfall ist auf das fahrlässige Verhalten des Fahrers des Lastkraft, wagens zurückzuführen. Er hatte vorübergehend die Steuerung einem 13jährigen Jungen anvertraut, und in diesem Augenblick fuhr der Wagen auf die des Weges gehenden Frauen zu. Ehrung eines hundertjährigen. Der Führer und Reichskanzler hat dem frühe- ren Webermeister Louis Müller in Berlin aus Anlaß der Vollendung seines 10 0. L e - bensjahres ein persönliches Glückwunschschreiben und eine Ehrengabe zugehen lassen. Das wrack der „£u|Uania“ gefunden. Ein in der vergangenen Woche von dem Ber- gungsdompfer „Orphir" an der irischen Küste ent- decktes S ch i f f s w r a ck ist nunmehr endgültig als das Wrack der während des Krieges torpedierten „L u s i t a n i a" festgestellt worden. Die „Orphir" hat den ganzen Sommer über nach diesem Dampfer gesucht und bei dieser Arbeit mehrere andere Wracks aus der Kriegszeit gefunden. Verhaftung jüdischer Provokateure in einem Warschauer Kino. In einem Warschauer Lichtspieltheater wurden drei Juden verhaftet, die Flaschen mit einer übelriechenden scharfen Flüssigkeit bei sich hatten und offenbar die Vorstellung stören wollten. Es handelte sich um eine Vorführung eines in Deutschland gedrehten Jan - K i e p u r a - Films, gegen den jüdische Kreise einen Boykott beschlossen hatten, weil er in Deutschland hergestellt ist. Der „Warschauer Illustrierte Kurier" warnt die Juden, den Film zu boykottieren und protestiert energisch gegen diese jüdische Herausforderung. Drei Tote bei einem nächtlichen Motorradunglück. Drei junge Leute aus dem Dorfe Kaltenweide im Landkreis Hannover fuhren nachts auf einem Motorrad mit Beiwagen in einer Kurve gegen einen Baum. Die auf dem Begleitsitz bzw. im Beiwagen befindlichen Mitfahrer wurden so schwer verletzt, daß sie auf der Stelle st a r b e n. Der Fahrer wurde in schwerverletztem Zustand mit einem Unfallwagen nach Hannover ins Krankenhaus gebracht, wo er nach seiner Einlieferung ebenfalls starb. Deutscher Rennfahrer in Ungarn tödlich verunglückt. Auf dem Guggerberg bei Budapest, wo jetzt die Trainingsfahrten für das internationale Budapester Motorradrennen stattfinden, ist der Münchener Hotelbesitzer Rudolf S t e i n w e g, ein bekannter Rennfahrer, mit seinem von ihm gesteuerten Wagen tödlich verunglückt. Der Wagen Steinwegs war gegen einen Kilometerstein gefahren und von der Wucht des Anpralles in die höhe geschleudert worden. Ein Passant, der nach dem Unglück von dem führerlosen Wagen überfahren wurde, erlitt schwere Verletzungen. Lin neuer Erdstoß in Montana. Die Stadt Helena im Staate Montana (USA.) wurde in den letzten Tagen erneut von einem starken Erdstoß heimgesucht, der jedoch keinen erheblichen Schaden anrichtete. Heber die Hälfte der Wohnhäuser in der Stadt sind angesichts der ständigen Erdstöße von der Bevölkerung geräumt. Die in Notquartieren untergebrachte Bevölkerung leidet weiterhin stark unter der Kälte. Die Temperaturen sanken in Helena und Umgebung auf bis zu 15 Grad Celsius unter Null. Auch verschiedene Gegenden des kanadischen Staates Ontario sowie der nördliche Teil des Staates Neuyork melden weitere leichtere Erdstöße. Umfangreicher Bergrutsch an der Wolga. In der Umgebung der Stadt Saratow hat ein Bergrutsch große Zerstörungen angerichtet. Durch zahlreiche Felsabstürze vom Ubek, die über 24 Stunden andauerten, wurde der Bahnhof und ein Teil der Stadt gleichen Namens vernichtet. Die Eisenbahngleise sind auf einer Strecke von 1500 Meter zerstört. Nach den bisherigen Meldungen konnte sich die Bevölkerung rechtzeitig in Sicherheit bringen. Der weihe Tod. Im oberen Ahrntal in Südtirol war eine Abteilung italienischer Grenzsoldaten durch die starken Schneefälle der letzten Tage vom Tal abgeschnitten worden. Eine Patrouille von sechs Zollbeamten war zur Hilfeleistung aufgestiegen und hatte schließlich die Grenzsoldaten zu Tal bringen können. Bei dieser Rettunasaktion stießen die Zollbeamten auch auf vier Almbauern, die halb im Schnee begraben lagen. Einer der Bauern war bereits erfroren. Die drei noch Lebenden konnten zu einer Schutzhütte gebracht und dort gelabt und gestärkt werden. Die Almbauern berichteten, daß sie auf dem Wege nach Oesterreich, wohin sie Vieh zu Tal führen wollten, von Schneefällen über» rascht wurden. — Gustav Schroer: Der Heiland vom B i n s e n h o f e. Roman. 387 Seiten. Volksausgabe. 2.85 Mark. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. — (330.) — Jakob Sindig, der zugewanderte Fremdling im Bergtal, dessen ungebändigte Naturkraft die Schranken der Ordnung durchbrach, geht den Weg der Sühne als „Heiland vom Binsenhofe . Schützer der Häusler gegen Unrecht und Gewalt, Kämpfer gegen Stumpfheit, haß und Aberglauben; Bezwinger des Bergmoors, Förderer und Vorbild aller rechten Arbeit, verkehrt sich ihm doch alles gute Wollen in Unfeqen. Erst das Opfer seines Lebens schließt endlich die auf den Tod verfeindeten Menschen des Bergtals zur großen Gemeinschaft zusammen. Dieser Roman ist einer der stärksten von Schröer, so daß die wohlfeile Volksausgabe berechtigt erscheint. — Friede h. Kraze: Die Freiheitdes Kolja Iwanow. Gebunden 2,85 Mark. Volksausgabe. Verlag C. Bertelsmann in Gütersloh. — (329) — Die äußere Freiheit ist der Güter höchstes nicht. Denn echte Tat und Leistung erhebt den Knecht zum Herrn, aber Pochen auf Menschensatzung erniedrigt oft den Herrn zum Knecht! Diese ewige Wahrheit durchschwingt die packende Erzählung von dem zum Arzt ausgebildeten Leibeigenen, der von seinem „Herrn" plötzlich als Eigentum zurückgefordert und öffentlich geohrfeigt wird. Wie nun der „Knecht" die Freilassung verschmäht, aber durch einsatzbereite Tat für seine Volksgenossen den wahren Adel innerer Freiheit gewinnt, gewinnt blutvolles Leben. Dazu Russisches, Allzurussisches, von der glänzenden Fassade Petersburgs bis zu den Elendskaten der weiten Pußta; Studenten, Offiziere, Gutsbesitzer, Leibeigene, Dirnen, jede Gestalt grundloser Spiegel oder asiatisches Zerrbild der russischen Volksseele! — Helene Christaller, Stephan und Claudia. Die Geschichte einer Liebe. Druck und Verlag von Friedrich Reinhardt in Basel. In Leinenband 5,60 Mark. — (367) — Stephan und Claudia, die sich als Kinder geliebt haben, bann jahrelang getrennt sind, aber bei der ersten Begegnung schon wissen, daß eines des andern „reicheres Du" ist — werden auf der Schwelle ins gemeinsame Leben wie von einem niederfahrenden Blitz zerschmettert. Claudia erkrankt an einer Kinderlähmung, die sie an den Rand des Grabes bringt. Stephan liebt die Seele dieser Frau, liebt sie in unverminderter Hingabe, auch als ihr schönes Gehäuse zerstört ist. Was die ärztliche Kunst vermag, wird angewandt, Stephan erbaut ein Haus ganz und gar auf die Bedürfnisse Claudias eingestellt. Denn nie mehr wird sie leichten Fußes über die Erde schreiten. Aber dank Stephans hingeben- der, einfühlender Liebe streift die Seele die Lähmung ab, wird wieder ihrer selbst gewiß und von der alten Fröhlichkeit und Gebefreudigkeit erfüllt. Und so wird diese Ehe dennoch Erfüllung und Stillung aller Sehnsucht. — Diedrich Speckmann: Ehl^r Witt- kopp und sein Geheimnis. 276 Seiten. Leinen 4,50 Mark. Martin Warneck, Verlagsbuchhandlung, Berlin W 9. — (357.) — Den Kern der Handlung, das Geheimnis, das der Bauer Wittkopp durch sein Leben trug, entnahm Speckmann der gesprächsweisen Erzählung eines wirklichen Vorfalls. Der schlichte Stoff verband sich ihm mit allerlei Gedanken, die er als guter Kenner niedersächsischen Bauern- und Volkstums sich über die Neuordnung des Bauernstandes gemacht hatte. So entstand ein spannungsreiches Buch, das in sorgfältiger Zeichnung bäuerlicher Welt mit all ihrer Altväterlichkeit und beharrlichem Festhalten am Alten doch modern im besten Sinne ist, insofern als Probleme der Gegenwart und bestimmte Zielsetzungen innerhalb des Nährstandes dadurch eine Illustration erfahren. — Ludwig Tügel: Pferdemusik. Roman. Leinen 5,50 Mark. Verlag Albert Langen- Georg Müller, München, 1935. — (346) — Dieses Buch ist eine Liebesgeschichte, eine Nachkriegserzählung, ein humoristischer Roman — dennoch gibt keine dieser drei Bezeichnungen den richtigen und erschöpfenden Begriff davon. Merkwürdige Menschen leben in dieser Erzählung, deren Schauplatz man in Ostfriesland suchen mag. Noch einmal greift der Dichter zurück in die Jahre nach dem Krieg mit ihrer Unordnung, Leere und Halbheit, aber er ruft die Gestalten dieser Jahre nicht deshalb zum Leben, um anzuklagen ober alte Schmerzen zu erneuern, sondern weil diese Zeit jetzt überwunden ist und wir uns heute von ihr lächelnd und heiter befreien können. Da ist der Hauptheld der Geschichte, der Major Thyllbeck, der zwar die ganze Handlung beherrscht und schließlich in glücklicher Weise entwirrt, indessen selbst gar nicht auftritt. Er gehört zu jenen pflichtbewußten und unbeirrbaren Soldaten, die nach vier Kriegsjahren einen betrügerischen Frieden nicht anerkennen wollen und für die mithin der Krieg weitergeht. An seiner Seite lebt sein prächtiger treue Bursche und Kriegskamerad Mokenesa, mit dem der Major am Rande eines kleinen Dorfes in einem selbstgebauten Unterstand haust. Dieser Mokenesa ist es, der in seiner besonderen, nur ihm und wenigen Menschen verständlichen Sprache zuerst das sinnreich mißverstandene Wort „Pferoemusik" gebraucht. Was die „Pferdemusik" eigentlich bedeutet, muß der Leser selbst entdecken. Bei allem hintergründigen Ernst ist Tügels Erzählung heiter und beschwingt. Sie ist das Erzeugnis eines überlegen grotesken Humors, der in unserer Literatur sehr feiten ist. — Roger Martin d u Gard: „Kleine Welt". Ein Roman aus der französischen Provinz. Propyläen-Verlag, Berlin. Preis broschiert 3 Mark, Ganzleinen 4 Mark. — (325) — 3oigneau der Briefträger, der die Eigenheiten, Wünsche und Geheimnisse eines jeden Bewohners kennt, geht von Haus zu Haus, er hat feinen Spaß daran. Die Leute ein bißchen auszuhorchen, kleine Vermittlungsaufträge zu übernehmen und feine Kenntnisse gewinnbringend zu verwerten. Szene fügt sich an Szene, scheinbar leicht und obenhin; aber wenn der Briefträger seinen Gang durchs Dorf und dessen Umgebung abgeschlossen hat, so sieht der Leser, daß alle diese kleinen Steinchen sich zu einem Mosaik von starker Farbkraft und geschlossener Bildwirkung zusammengefügt haben. Das Bild einer Generation. Enttäuschung, Engstirnigkeit, Mißgunst und Klatschsucht bestimmen die Handlungen dieser Dorfbewohner, sie wissen gar nicht mehr, daß man auch anders leben kann. Deshalb haben sie kein Verständnis für die Jungen, die sich gegen ihre Muffigkeit aufzulehnen beginnen, weil sie frisch, ehrlich und sauber zu leben gesonnen sind. — Gunnar Gunnarsson: Der Weiße Krist. Roman. Einzige berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von Helmut de Soor. Leinen 5,50 RM. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München, 1935. — (337) — Gunnarssons neuer Roman, der inhaltlich an sein letztes Werk „Im Zeichen Jörds" anschließt, gestaltet die Auseinandersetzung zwischen Christentum und germanischer Religion zur Zeit der Christianisierung Islands. Noch leben viele Anhänger des alten Glaubens, noch werden den Göttern vor den Tempeln Opfer dargebracht, aber schon mehren sich die den neuen Gott, den Weißen Krist verehrenden Höfe auf der Insel, schon geraten auch die jungen Menschen in den Bann seiner Lehre und unter den Einfluß seiner Bekenner und zweifeln an der Macht des alten Däter- glaubens. Vor allem aber versucht der mächtige König Olav Tryggvason von Norwegen mit grausamer Gewalt Island zur Annahme des neuen Glaubens zu zwingen. Das Thing, das über die Forderung Olavs zu beschließen hatte, zeigte deutlich, wie sehr Island bereits in zwei Parteien gespalten und die alte Einheit unmöglich wieder herzustellen war. Das schwere Schicksal der Menschen einer Zwischenzeit, die an die alten Götter nicht mehr, und an den neuen Gott noch nicht ganz glauben können, mußten diese Nordländer auf sich nehmen. Mit innerer Bewegung verfolgen wir heute das geistige Leben dieses uns stammverwandten Volkes und werden unmittelbar angerührt von Der heldischen Gestaltung, mit Der jene Menschen um eine neue Form Des Glaubens kämpften. — Verner von heiDenstam: „Karl Der Zwölfte unD feine Krieger". Volks- ausgabe. In Leinen gebunDen 4,80 Mark. Verlag Albert Langen / Georg Müller, München. — (405) — Mit Diesem Werk hat Verner von HeiDenstam „Dem großen SchweDenkönig seinem Heer unD Volk ein unvergängliches Denkmal gesetzt. In farbenprächtigen Bildern ersteht vor uns Die bunte Welt jener gewaltigen Kriegszüge Karls XII., Dessen heldische Größe im Auf und Ab Der Siege unD NieDer- lagen auf Den Schlachtfeldern Europas schließlich doch scheitert und in Elend, Not und Tod für immer erlischt. So tapfer und pflichtbewußt wie fern Heer, Das ihm auf endlosen Kriegszügen durch die Hölle der blutigen Schlachten und die Leiden der Gefangenschaft nachfolgt, ist auch sein Volk, Das, entkräftet Durch Die Menschenopfer Der Kriege, ver- ormt und zermürbt durch bitterste Hungersnot, ihm dennoch in unwandelbarer Treue verschworen ist. Denn „Das Wunderbare an diesem Könige ist, daß niemand ihn hassen kann". Mit Der schöpferischen Freiheit Des Dichters hat HeiDenstam Die tragische Größe Dieses einsamen helDen und Das Schicksal seines Durch alle höhen und Tiefen des Lebens geführten Volkes geschildert. Eine versunkene Welt, voll Tatkraft und Kühnheit wird wieder lebendig. Von männlichem Geiste durchalühf, ist dieses Werk eines der wenigen echten Volksbücher, die namentlich unsere Jugend zu großen Taten begeistern. — Robert Hohlbaum: „Getrennt marschieren". Kleine Bücherei des Verlages Albert Langen-Georg Müller, München. — (317) — In drei knappen, lebendig und klar gesehenen Bildern stellt Hohlbaum Die entscheiDenden Begegnungen Der beiten FelDherrn Moltke unD Benedek Dar: In ihrem ersten kurzen Zusammentreffen nach Der Schlacht von Solferino, an Dem entscheiDungsvollen Tag von Königgrätz und bei Dem letzten unsichtbaren Kampfe, Den Der tapfere Benedek während feiner ToDesftunDe im Geiste noch einmal mit Dem Menschen Moltke auszufechten hak. Kameraden sind beiDe, Der Preuße unD Der Oesterreicher, Der genta 6 Rechner unD Der feurige Draufgänger, obgleich sie als Werkzeug Der Geschichte im Kriege Gegner waren. Kameraden im letzten Sinne, weil auch der Krieg, in Dem sie sich feindlich gegenüberstanden, em letztes Mittel war, zwei Brudervölker nach iahr- hundertelanger Feindschaft näherzubringen und zu vereinen. Mit wahrhafter Liebe und Treue roirö zweier großer Führergestalten gedacht und an Bet- spielen ihres politischen und menschlichen Ringens der Sinn unserer Geschichte gedeutet. — O. Wagener: Von der hetmai geächtet. Mit einem Bild und elf Kartenskizzen. 2. Auflage. Verlag Ehr. Belfer, Stuttgart. Preis 2,80 Mark. — (428) — Dies Erinnerungsbuch der Freikorpskämpfe Der ehemaligen Deutschen Legion zeigt, wenn es dazu noch Des Beweises bedurfte, wie wenig unsere Baltikumkämpfer bloße Abenteurer waren, wie vielmehr hier aus heißer Liebe zum Vaterland und unerschütterlichem Mut damals schon Hand angelegt wurde zur Wiederaufrichtung Der Nation. Die Baltikumer errichteten nach dem Zusammenbruch die Schutzmauer gegen die rote Flut, die von Osten her Deutschland und Europa in ein kommunistisches Chaos zu reißen drohte. Dies Buch des ehemaligen Stabschefs der Deutschen Legion zeigt diesen Heldenkampf im BoftUum, dessen Einzelheiten, von Den Damaligen Regierungen geflissentlich unterdrückt, in der Deutschen Oes- fentlichkeit kaum so bekannt geworden sind, wie sie es verdienten. Wageners Buch, von dem jetzt die zweite Auslage erschienen ist, wird hier für Abhilfe sorgen. — Deutsches Handwerk im Mittel« alter. Bilder aus dem Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung in Nürnberg. Mit einem Geleitwort von Friedrich Bock. Im Insel-Verlag zu Leipzig. Insel-Bücherei Nr. 477. — (334) — Das kleine Buch ist ein wertvoller, dokumentarischer Beitrag zur Geschichte des deutschen Handwerks int Mittelafter, lieber die Geschichte der Mendelschen Stiftung, Die Dem Merkchen zugrunte liegt, gibt Das Geleitwort näheren Aufschluß. Zumal Die im Anhang mitgeteilten Auszüge aus Dem Stiftungsbries Der inzwischen ausgestorbenen Familie Men- Del, Die ein wohlhabenDes Kaufmannsgeschlecht itt Nürnberg war, geben wertvolle Einblicke in Die Kulturgeschichte Des alten Handwerks. Die 36 Ab- bilDungen finb nur ein sehr geringer Teil Der Originalsammlung Des Brüderbuches, das 333 Bilder enthält und bis zum Jahre 1549 reicht. Die hier wiedergebene Auswahl soll vor allem Die Vielseitigkeit Der deutschen handwerksberufe vor Augen führen; die Nachbildungen sind verkleinert und mußten aus äußeren Gründen auf Die Farbigkeit der kolorierten Originale verzichten, ebenso auf Die schlecht erhaltenen oDer von der Zeit zerstörten Beischriften. TrotzDem ist Das Gesamtbild noch bunt und reichhaltig genug, und wir finden in der Reihe der Abbildungen nicht bloß die uns heute noch geläufigen Berufe des Schneiders, Schreiners, Dachdeckers, Schlossers, Schusters und Metzgers vertreten, sondern auch ausgestorbene Gewerbe, wie sie der La- ternmacher, Plattner, Fingerhutmacher, Nagelschmied, Salwürk (Panzerhemdmacher) ober Kandel- gießer ausübten. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausnabeort Frankfurt. Der Vorstoß der milden Meeresluft hat in Deutschland weiter ostwärts an Raum gewonnen und die mit ihr verbundene Niederschlagstätigkeit bis nach Polen hin vorgetragen. Der bei Nord- englanD liegende Tiefdruckwirbel hatte mit feinem sümichen Ausläufer auch weiterhin unser Wetter beeinflußt. Doch kann angenommen werden, daß die noch zu erwartenden Niederschläge vorerst keine größere Ausdehnung mehr annehmen werden. Aussichten für Donnerstag: Vielfach dunstig, sonst veränderlich mit zeitweiliger Aufheite- rung und nur noch vereinzelten, meist kurzen Niederschlägen, bei westlichen Winden vor allem nachts wieder kälter. Aussichten für Freitag: Vielfach dunstig, sonst wolkig - bis aufheiternd, aber nicht durchaus regensicher. Lufttemperaturen am 5. November: mittags 9,6 Grad Celsius, abends 8,6 Grad; am 6. November: morgens 8 Grad. Maximum 10,1 Grad, Minimum 6,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. November: abends 8,2 Grad; am 6. Novemberr morgens 7,9 Grad Celsius. — Niederschläge 4,1 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für Den Inhalt Der Anzeigen: TheoDor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck unD Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- unD Stein- Druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit Der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einz-lverkaufspreis 10 Pf. unD Samstags 15 Pf^ mit Der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Zwei mächtige Vücher für denÄoaelfreund hatten, Mieträume bereitzustellen. Zuverlässige ISUemiwMel „“("".'Ä SdireMiile Zeugnisse, Zu beziehen durch jede Suchhandlung Sugo Vermühler Verlag Verlin-Lichierfelde deschäftskarten ZimnienennleluDis- Orüanlsallon [Verschiedenes] Suche für 260 bis 300 Schafe eine gute Eommer- weide für 1936. Vermittler erhalten Belohnung. Ev ncrb. Lvew Jügesheim, Hess. 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Bßrfiermeis erel ___Gießen____ Gesucht I 3-, 4-Zimmerw.1 auch in d. Nähe v.Gieß. Schriftl. Anaeb. u. 04782 , an d. Gieß. Anz. 1 Zu erfragen im bei Brühl, GieOen1 Gieß. Anz. 0477a Nr. 260 Zweites Matt GiestenerAnzelaer (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 6. November |955 Aus dem Reiche der Frau. Die Mitarbeit der Frau im Wmterhiltswerk. Von Erich HUgenseldt, Kaupiamtsleiier der NSv Im nationalsozialistischen Deutschland ist der erste und vornehmste Platz der Frau in der Familie als Kameradin des Mannes, als Erzieherin der Kinder und als Leiterin des Haushaltes, lieber den häuslichen Wirkungskreis hinaus aber erwachsen der Frau als Volksgenossin Ausgaben und Pflichten, durch deren Erfüllung sie mithelfen kann, der deutschen Volksgemeinschaft ein unzerstörbares Fundament aufzurichten. Zu diesem Dienst an der Volksgemeinschaft bietet vor allem das Winterhilfswerk mannigfache Gelegenheit. Sein Gelingen bedeutet für uns alle ein Bekenntnis unlöslicher Volksverbundenheit und zu dem Gelingen beizutragen, ist schönste Ehrenpflicht. Die freiwillige Mitarbeit von Tausenden von ehrenamtlichen Helferinnen, die sich opferfreudig in den Dienst des großen Werkes stellen, sichert seine Durchführung. Eine wichtige vorbereitende Arbeit haben die Helferinnen schon in den vergangenen Monaten geleistet, als es galt, die Ob st- und Gemüse- spenden aus der deutschen Ernte einzusammeln, einzuwecken und für den Winter bereitzustellen. Jetzt sind viele fleißige Hände am Werk, um in den Näh st üben wärmende Kleidung für Männer, Frauen und Kinder herzurichten. Wenn auch alle die Frauen die Menschen nicht sehen, die ihrer Hände Arbeit sättigen und kleiden hilft, das Wissen um die Bedeutung ihrer Arbeit macht sie froh. Wer an den Nähstuben vorübergeht, kann manch fröhliches Lied hören. — An Den Ausgabestellen der Kleiderkammern braucht man nicht so sehr die geschickte Hausfrau mit ihrer Erfahrung, sondern die Helferin mit guter Menschenkenntnis, die jedem das richtige Stück verpaßt. Hier kann die Frau ihr Verständnis für allerpersönlichste Betreuung des einzelnen hilfebedürftigen Menschen im Dienst der Gemeinschaft betätigen. Mit der Eröffnung des Winterhilfswerks haben auch die Küchen ihre Tore wieder geöffnet. Täglich sind viele Tausende von Portionen Essen zu kochen und zu verteilen; manche Helferin arbeitet dort, die schon in der Kampfzeit den hungernden und erwerbslosen SA.-Männern unter persönlicher Gefährdung ein Essen bereitete. Die schönste Hilfe kann die Frau der ärmeren Volksgenossin zuteil werden lassen, wenn sie Pfundspenden sammelt und dadurch der minderbemittelten Hausfrau die Möglichkeit verschafft, selbst wieder ihrer Familie ein nahrhaftes Essen zu bereiten. Möglich wird alle diese materielle Hilfe durch die Sammlungen und den Verkauf der WH W. - Abzeichen, an dem sich die Frauen in großer Zahl beteiligt haben und auch in diesem Winter wieder beteiligen werden. In ihrer Unermüdlichkeit und stets gleichbleibenden Freundlichkeit lassen sie sich auch nicht beirren durch jene Volksgenossen, die mit tauben Ohren an ihnen vorbeieilen oder gar einen großen Bogen um sie machen. Hinter den Tausenden von freiwilligen und ehrenamtlichen Helferinnen stehen die Millionen deutscher Hausfrauen, die durch ihre Gebefreudigkeit zum Gelingen des Werkes beitragen. Sie geben ihre Tüte in die Pfundsammlung und ihren Groschen in die Sammelbüchse. Sie halten zum Weihnachtsfest Kleidungsstücke, Spielzeug und Lebensmittel als Liebesgaben bereit. So wird die deutsche Frau auch in diesem Winter durch ihren opferbereiten Einsatz das Gelingen des Hilfswerkes gewährleisten. W unser Knd die Masern bekommen? Don Dr. med. et pbil. Gerhard Venzmer Da kommt ein Kind von der Schule heim und macht einen merkwürdig „hängigen" Eindruck, es hat keine Lust zum Spielen, ist weinerlich, fühlt sich auch ein wenig fieberig an. Schnupfen und em eigenartiger trockener Reizhusten stellen sich ein, die Augenbindehäute sind gerötet. Die erfahrene Mutter weiß alsbald, wieviel die Uhr geschlagen hat: das Kind kriegt die Masern. In den nächsten Tagen gibt es keinen Zweifel mehr: das schlechte Befinden des kleinen Patienten nimmt zu, das Fieber klettert in die Höhe, und der bezeichnende, aus linsen- bis fünfpfennigstück-großen dunkelroten Fleckchen bestehende Masernaus- schlag erscheint. Er beginnt in dem gedunsen an» mutenden Gesicht und verbreitet sich von dort über den Nacken, Hals, den Rumpf und die Gliedmaßen. Gleichzeitig plagt ein hartnäckiger Hustenreiz das erkrankte Kind, und die Entzündung der empfmd- lichen Augenbindehäute führt zu mehr oder minder ausgeprägter lichtscheu. Gewöhnlich am sechsten Tage der Erkrankung fällt das Fieber zumeist hi steiler Kurve ab, der Ausschlag beginnt zu verblassen, die Haut kleienförmig abzuschuppen, und unter Rückgang der katarrhalischen Beschwerden kehrt das Wohlbefinden wieder. Das ist das Bild, wie es Taufenden von Eltern bekannt ist, und wie es glücklicherweise nur verhältnismäßig selten durch hinzutretende Lungen- oder Darmerkrankungen, Mittelohrentzündungen, Vereiterung der Halsdrüsen usw. verschlimmert wird. Alles in allem darf man sagen, daß die Masern für gewöhnlich keine bösartige Krankheit darstellen. Bemerkenswert ist die ungeheure Häufigkeit der Krankheit, die man mit Recht geradezu als „Zivilifationsseuche" bezeichnet. Denn die Empfänglichkeit der Masern ist so allgemein, daß fast jeder Mensch sie als Kind durchmacht, womit dann freilich mit ganz geringen Ausnahmen eine n a - türliche Gefeitheit (Immunität) für das ganze Leben erworben wird. Diese Tatsache sollte indessen keineswegs etwa zu der in vielen Familien immer noch verbreiteten Annahme führen, jedes Kind solle nur möglichst bald „seine" Masern „abmachen", da ein Vermeiden der Ansteckung schon infolge der Berührung mit anderen Kindern beim Schulbesuch usw. ja doch so gut wie aussichtslos fei. Einer solchen kritiklosen Verallgemeinerung steht vor allem die Erfahrung entgegen, daß die Sterblichkeit an Masern in den verschiedenen Lebensaltern außerordentlich verschieden ist. So sterben von 10 000 Lebenden im ersten Lebensjahr 30, im zweiten bis fünften Jahr 22,4, im sechsten bis fünfzehnten Jahr 0,9 und vom sechzehnten Jahr ab npr noch 0,02 Menschen an Masern! Zahlen, die ganz zweifelsfrei lehren, daß unser Bestreben daraus gerichtet sein muß, das. Erkrankungsalter nach Möglichkeit hinauszu- schieben, denn rund neun Zehntel aller Todesfälle an Masern kommen auf Kinder unter sechs Jahren! Nun erfolgt erfahrungsgemäß die Ansteckung fast stets von der Schule aus; man hat daher den Vorschlag gemacht, in Großstädten solche Schulkinder, die ganz junge Geschwister haben, in besonderen Klassen zu vereinen und diese durch sorgfältige Absonderung vor der Masernansteckung zu bewahren, damit auf solche Art die Kleinkinder vor der Erkrankung geschützt werden. Stellt es sich aber heraus, daß ein Kleinkind mit einem masernkranken Kinde in Berührung war, was ja so gut wie immer zur Ansteckung führt, so kann man bei rechtzeitigem Eingreifen den Ausbruch der Krankheit noch durch Einspritzung von sog. Rekonvaleszente n s e r u m verhindern Seine Anwendung beruht auf der Erfahrung, daß sich im masernkranken Organismus wirksame Gegenstoffe gegen das Masern- gift bilden; das Rekonvalefzentenferum wird daher, wie der Name besagt, aus dem Blut von Personen gewonnen, die in der Genesung von einer Masernkrankheit begriffen sind. Rund 14 Tage nach Der Keimübertragung dauert es, bis die Erreger sich so weit im Organismus des Angesteckten vermehrt haben, daß die Krankheitserscheinungen sich einstellen — man nennt das die „Inkubationszeit" —; wird aber bis zum vierten Tage nach der Ansteckung das Rekonvaleszentenserum eingespritzt, so werden die solcherart zugeführten Schutzstoffe der Ansteckung noch Herr, und das angesteckte Kind bleibt masernfrei. Wie uns die alltäglichsten Krankheiten hinsichtlich ihres Wesens, ihrer Entstehung usw. bisweilen die größten Rätsel aufgeben — man denke nur an den Schnupfen, den Rheumatismus ufw. —, so ist es bis heute ebenfalls noch nicht gelungen, den Erreger der Masern aufzufinden; vermutlich ist er so klein, daß auch unsere stärksten Mikroskope nicht ausreichen, um ihn sichtbar zu machen. Eines aber wissen wir: daß die Ansteckung von der Nase oder dem Rachen aus stattfindet und das Maserngift zu den vergänglichsten Ansteckungsstoffen zählt, die wir überhaupt kennen. as sollen wir tragen? PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS ZUM WINTER. 5 jT-4 L— Unter dem Motto: Zum Winter — für i h n zeigen wir heute ein paar praktische Strick- fachen, die teils leichter, teils schwerer selbst anzufertigen sind. Das erste Modell ist eine einfache, rechtsgestrickte, sandfarbene Strickbluse, deren Kragen, Stulpen und unterer Rand (zwei rechts, zwei links) in dunkelbrauner Wolle angestrickt sind. Die aufgesetzten Brusttaschen werden wie die Bluse selbst durch Reißverschluß geschlossen. | In einem aparten Diagonalmuster ist i der ärmellose, hoch am Halse schließende Pullover (Abb. 2) in silbergrauer, weicher Wolle gestrickt. Der ausgesprochen sportliche Sweater (Abb. 3) mit Rollkragen ist im Zopfmuster aus sehr schwerem, braun-beige meliertem Material gearbeitet. Die dazu passenden Sport st rümpfe (Abb. 5) haben am oberen Rand einen Gummizug eingelegt. Die praktische zweireihige Wollweste (Abb. 4) kann gut zu jedem Anzug getragen werden. Sie ist in grün-graumeliert in einem Quer» streifenmuster gestrickt, ihre Ränder sind mit dunkelgrünen, ebenfalls feingestrickten Streifen eingefaßt. Sechs mittelgroße Knöpfe schließen die Weste. Die besonders warmen Handschuhe sind aus dunkelgrauer Krimmerwolle. H. SchuhPslege im November Nasse Füße, das ist das Schreckgespenst in den feuchten Nooembertagen. Man zieht die Schuhe aus: die Strümpfe sind naß! Don oben und unten ist Das Wasser in Den Schuh eingedrungen, das Leder scheint nicht mehr dicht zu sein. So, die nassen Schuhe hat man ausgezogen — nun aber schnell, Damit auf Die Leisten! Halt! Das ist falsch! Einen nassen Schuh Darf man nie gleich auf Die Leisten ziehen. Das bekommt Dem Leder nicht. Noch viel weniger Darf man einen nassen Schuh so herumliegen lasien, Denn Dann kommt er nie roieDer in feine richtige Fasson, und wenn mir ihn das nächste Mal anziehen, Dann Drückt er uns ganz bestimmt! Wir nehmen also altes, weiches unD saugfähiges Zeitungspapier unD stopfen Damit Die nassen Schuhe gut aus. Selbstverständlich müssen wir ' Darauf achten, Daß sich im LeDer nicht Beulen bil- Den, auch Darf man Das Zeitungspapier nicht mit aller Gewalt in Den Schuh hineinzwängen, fonDern man muß Darauf achten, Daß Der Schuh Die richtige Form behält. Nun nicht etwa auf die Heizung stellen, oder an den heißen Ofen legen. Langsam müssen die Schuhe trocknen, das ist Vorbedingung, wenn man den Schuhen ein langes Leben gönnen will. Erst wenn der Schuh ganz trocken ist, wird er auf die Leisten gezogen, mit einem guten farblosen Fe11creme eingerieben j unD blank poliert. Es ist sehr gut, wenn man bei j feuchtem Wetter die Schuhsohlen mindestens zwei- j mal in Der Woche mit einfachem Oel bestreicht. Man kann dazu auch ruhig Leinöl nehmen, es braucht kein Lederöl zu fein. Nur zu Wintersportschuhen, Ski- und Schlittschuhstiefeln, nimmt man ein Spezialöl für Die Sohlen, Das man aber auch gleichzeitig als Oberlederöl verwendet. Die Winter- fportftiefel müssen schon jetzt ab und zu geölt werden, Damit Das LeDer weich unD geschmeidig bleibt, unD Damit es völlig wasserdicht ist. Wildlederschuhe werden bei Feuchtigkeit immer hart und sollen deshalb bei nassem Wetter nicht getragen werden. Ist Der Wildlederschuh aber Doch einmal naß geworden, so stopft man ihn mit Holzwolle aus. Nach Dem Trocknen -bürstet man ihn mit einer Gummibürste und puDert ihn Dann gut ein. Es gibt heutzutage PuDer Der nicht mehr auf I Den Kleidern und Strümpfen abfärbt. BesonDers empfindlich sind bei feuchtem Wetter die Lackschuhe! Sie müssen immer mit einer hauchdünnen Fettschicht versehen werden. Es ist falsch, die Fett- creme dick aufzutragen, denn dann wird der Schuh nie blank. Ein gutes Hausmittel ist zur Schuhpflege die Zwiebel. Man reibt blindgewordene Lackschuhe mit einer Zwiebel ein und wird sich wundern, wie schnell der Schuh blank wird. Lackleder darf nie dem heißen Ofen nahe gebracht werden, weil der Lack Dann unweigerlich a b p l a tz t. Jeden Monat einmal sollen Lackschuhe — aber auch alle anderen Lederschuhe — mit Benzin abgerieben werden, um Fettflecke und Cremereste zu entfernen! Auch Das Innere der Schuhe muß bei der feuchten Witterung gut gepflegt werden. Man sollte im Winter Einlegesohlen tragen. Leidet man an kalten Füßen, so schneide man sich aus Zeitungspapier eine dicke Einlegesohle, das hält den Fuß warm und trocken. Rauhe Stellen im Innen-: futter überklebt man am besten mit einem Stückchen Flanell oder Samt. Man schont damit die Strümpfe, die sich so leicht durchscheuern. Immer müssen die Schuhe an luftigem Ort aufbewahrt werden. Das ist in den Wintermonaten besonders wichtig, damit sie keinen muffigen Geruch annehmen und das Leder weich bleibt. LX K. Vlumen auf den Tisch - auch im Winter! Eine Blume auf dem Tisch, und sei sie auch noch so bescheiden, gibt uns die Behaglichkeit der Räume, die Freundlichkeit der Speisetafel, zeigt uns die Herzlichkeit der Menschen. Ein ganz geringer Aufwand, eine mühelose Aufmerksamkeit zaubert eins wunderhafte Wirkung. Der Garten bietet noch bis spät in den Herbst Blumen, so daß keine Sorge um Den Tischschmuck ist. Zwischen Dem bunten Jrden- werk auf Der bunten Decke Die bunten Blumen, Daraus roirD in Der blassen Herbstsonne ein Farbenspiel, Das gastlich einlaDet, sich hinzusetzen unD zuzugreifen. Mit ganz kleinen Mitteln hat Die geschickte Hand Der Hausfrau all ihren Hausgenossen das täglich« Mahl so zu einer täglichen kleinen Freude gemacht. Auch Die bescheidene Tafel, auch ein Tisch, der in sorgfältiger Auswägung des Möglichen den Lebens- Verhältnissen der Hausgemeinschaft angepaßt ist, kann durch Pflege der Aufmachung selbst dann festlich locken, wenn diese Verhältnisse an enge Grenzen gebunden sind. Und im Winter? Dann gibt es keine Blumen. Also wollen wir auf die Häuslichkeit verzichten? — Wer sagt denn, es gäbe im Winter keine Blumen? Im Garten schneiden kann man sie freilich nicht. Aber es gibt Topfblumen, die gerade im Winter blühen. Das Alpenveilchen zum Beispiel gibt uns rote, weiße, violette Blumen im Winter; Primeln und Tops rosen blühen im Winter; es können hier wirklich nicht all die Blumen aufgewühlt werden, die winters blühen. Ist es auch reine blühende Blume, die wir gerade zum Tischschmuck bereit haben, ein grünes Zweiglein tut es auch. Draußen wächst soviel Grünes, das auch im strengsten Winter für uns bereit ist. Mit roten Beeren besetzte, stachelige Hülsen, Eibenzweiglein, Tannenreiser mit kleinen Zapfen, solches und anderes Grün findet sich überall. Auch im Winter braucht man nicht auf die kleine, aber wirkungsvolle Zierde zu verzichten. Wer aber im Winter blühende Topfblurnen haben will, der muß sich rechtzeitig darum bemühen. Der muß in diesen Herbsttagen zusehen, daß er aus eigener Züchtung oder von seinem Gärtner seine knospenden Blümchen erhält. Es sollen auch dort feine großen Gelder angelegt werden. Denn es kommt, das sei wiederholt, nicht auf große Aufmachung an. Die eine GelDauslage ausweist. Man soll überhaupt beDenken, Daß Tischblumen nicht Das aufgetragene Gericht in Den Hintergrund Drängen, sie sind immer nur die liebliche, empfehlende Begleitung. Zu große Blumen, über die man nicht hinwegblicken kann, die uns die Sicht auf den Nachbarn versperren, fordern nicht, sondern verderben die Geselligkeit. Man sollte sich die kleine Mühe des Blumenschmuckes nicht nur machen, wenn man Gäste erwartet. Die liebsten Gäste sind doch der Hausfrau ihre täglichen Hausgenossen. Mit ihnen muß sie am meisten leben, ihnen soll sie zuerst das Leben schön machen, damit von der Lebensbejahung aller auch alle ihren Nutzen haben. Ein paar Blümchen auf dem Tische und gerade im Winter, wenn die Natur mit ihren Farben kargt, sind wie ein leuchtender Sonnenstrahl in einem dunklen Alltag. Das interessiert die Hausfrau. Unser Kind lernt gehen. Ehrgeizige Mütter begehen den Fehler, ihr Kind zu frühzeitig das Gehen zu lehren Man darf einem Kinde überhaupt keinen sogenannten Geh- unterricht geben, auch wenn es das erste Lebensjahr Überschritten hat. Der Zeitpunkt des Gehenkönnens bei einem Kinde ist außerordentlich verschieden. Man möchte sagen, baj| es beinahe Temperamentssache ist. Ein lebhaftes, sehr bewegliches Kind verspürt frühzeitiger einen Drang in sich, feine Beinchen zu bewegen und zu gehen, als ein dickes, molliges und phlegmatisches Kind. Man soll ein Kind gewähren lassen, wenn es kriecht und sich an einem Gegenstand, sei es am Stuhl, am Tisch oder am Bettchen aufrichtet. Auch wenn ein Kind einmal fällt, soll man es nicht etwa allzu ängstlich beaufsichtigen. Gerade aus seiner Tolpatschigkeit heraus lernt es am ehesten das Gehen. Man kann es dann durch Zurufe ermuntern, man soll ihm ein Lob erteilen, für das ein Kleinkind schon empfänglich ist. Man darf aber keineswegs ein Kind überanstrengen; denn sonst kann es vorkommen, daß eine Mißgestaltung der Hals- und Wirbelsäule eintritt. Beim Kriechen des Kindes ist darauf zu achten, daß das Kind wirklich mit Händen und Füßen gleichmäßig wechselnd kriecht. Legt es sich immer nur auf einen Arm und schiebt nur mit dem anderen vorwärts ober zieht es nur ein Bein nach, so werden die Glieder ungleich ausgebildet. Diele Kinder werden in einen sogenannten Gitterstall gesetzt, ein Gitterviereck, etwa eineinhalb Meter im Quadrat. Für kurze Zeit ist so ein Gitterstall ganz angebracht. Es kann sich da wenig Schaden zufügen, wenn die Mutter das Kind einmal vorübergehend allein lassen muß. Aber ein solcher Gitterstall bedeutet ein Einengen. Das gesunde Streben eines Kindes nach größerer Beweglichkeit wird dadurch behindert, und man soll den Gitterstall nur als Notbehelf verwenden. Rote Hände. Mehr und mehr verspürt man die Herbstkühle, am ersten wohl an Den Händen, denen man jetzt wieder größere Aufmerksamkeit schenken muß. Viele Frauen leiden daran, daß sie bei der geringsten Kälteeinwirkung sofort blaurote Hände bekommen. Alles Einreiben und Fetten hilft dann nichts. Dieser Schönheitsfehler hängt mit einer fehlerhaften Blutzirkulation zusammen. Man sollte es einmal mit einer geeigneten Gymnastik ober einem leichten Sport versuchen. Daburch wirb eine schlechte Zirku- lation sehr angeregt. Voraussetzung ist hierfür aller- bings, baß bas Herz organisch gesunb ist. Außer- bem kann man bie Heilung bieses liebele mit ber Anwendung von Wechselbädern unterstützen. Zehn Minuten lang hält man bie Hänbe abwechselnd je zwei Minuten in möglichst warmes, bann in kaltes Wasser. -Fensterputzen. Das Fensterputzen ist für manche Hausfrauen immer noch ein Problem, bas nicht zufriebenstel- lenb gelöst ist Fensterputzen ist auch nicht jeber- manns Sache, unD Leute, Die leicht schwinDlig wer» den, sollten in höheren Stockwerken lieber keine Fenster putzen. Auf jeden Fall steige man auf eine sicher stehende Leiter und turne nicht auf dem Fensterbrett bei offen stehenden Fensterflügeln herum. Die Fenster werden mit einem weichen Leder geputzt, das fest ausgewrungen wird. Dem Wasser setzt man etwas Salz zu, damit das Leder weich bleibt. Nach Gebrauch wäscht man das schmutzige Leder in Seifenwasser klar und spült es in sauberem Wasser, dem etwas Glyzerin beigemischt wird. Ist das Leder hart geworden, dann läßt man es eine Zeitlang darin liegen. Fensterleder wird niemals in der Sonne getrocknet, man rollt es noch etwas feucht zusammen und verschließt es in einem dazu bestimmten Behälter. Ehe man das Leder beim Putzen auf die Scheiben bringt, kann man das Fenster mit einem feuchten Zeitungsballen abreiben, das ist ein altbewährtes und praktisches Mittel, um sich die Reinigung zu erleichtern. Sind die Scheiben schon blind geworden und wollen sie beim Putzen nicht klar werden, dann füge man dem Wasser etwas Salzsäure zu, wobei man aber große Vorsicht walten lassen muß, da Salzsäure giftig ist und auf offenen Stellen in der Haut Unheil anrichten kann. Vor Veginn der zweiten Erzeugungsschlacht. Paroleausgabe auf dem Reichsbauerntag in Goslar. Von Landesbauernführer Or. Wagner, MDR. Richteten sich zu Beginn dieser Woche die Blicke der deutschen Öffentlichkeit auf München, die Hauptstadt der Bewegung, wo die Baudenkmale des neuen Reiches als monumentale Sinnbilder deutschen Kulturschaffens in den Abschnitt der Vollendung treten, so steht zu Anfang der kommenden, in den Tagen vom 10. bis 17. November, ein anderer deutscher Kulturmittelpunkt vor allen Augen: Goslar, die Reichsbauernstadt. Jene Woche bringt mit dem 3. Reichsbauerntag die alljährlich umfassende Führertagung des Reichsnährstandes und die Paroleausgabe für die große Linie der kommenden Bauernarbeit in ganz Deutschland, die jedesmal auch die lebhafte Anteilnahme aller nicht- bäuerlichen Dolkskreise hervorruft; denn die innere Schicksalsverbundenheit von Stadt und Land ist heute keine Phrase mehr, sondern hat das Bewußtsein des Gesamtvolkes immer ernsthafter erfaßt. Die Goslarer Parole des Vorjahres rief den deutschen Bauern zur Erzeugungsschlacht auf, zu dem friedlichen aber vollsten Einsatz fordernden Kampfe um die deutsche Nahrungsfreiheit. Die weltpolitischen Ereignisse und die außenpolitischen Spannungen früherer Zeiten wie der letzten Monate haben jeden gelehrt, was es bedeutet, wenn ein Volk sich aus eigener Scholle ernähren kann. Die Ernährungsgrundlage innerhalb der eigenen Grenzpfähle kann über Sein und Nichtsein einer Nation entscheiden. Wenn daher dem Bauer zugerufen wird: „Erzeuge mehr aus deinem Boden, verwerte das Erzeugnis sparsam und richtig, dann dienst du deinem Volk!", so ist das ein Kampfbefehl, der sich wohl praktisch in erster Linie an den Bearbeiter des deutschen Bodens wendet, der aber die Stadtbevölkerung ebenso angeht, denn sie ist das Hinterland, das in der Idee den Kampf mit auszutragen hat. Der Reichsbauerntag in Goslar wird denzwei- t e n Abschnitt der Erzeugungsschlacht eröffnen und dabei die Erzeugungsschlacht des nächsten Wirtschaftsjahres auf eine noch breitere Grundlage stellen, in noch fester umrifjenen Einzelmaßnahmen die Wege zur Weiterführung des friedlichen Kampfes zeigen. Denn trotz aller bereits erzielten Erfolge bleibt noch Arbeit zu tun. Wir konnten im letzten Jahr die Einfuhr ausländischer Lebensmittel von 4 Milliarden Mark (1928/29) auf 1,1 Milliarden Mark herabdrücken und den Wert unserer landwirtschaftlichen Gesamterzeugung um 2,4 Milliarden oder 27 v. H. gegenüber 193*2/33 vermehren. Die deutsche Brotversorgung war damit zum erstenmal frei von der Notwendigkeit der Getreideeinfuhr gestaltet. Auf dem Gebiet der Futtermittel- und Fettversorgung, in der Bereitstellung von Rohstoffen landwirtschaftlichen Ursprungs (Wolle, Flachs, Hanf) aber wird der Angriff erneut vorgetragen werden. Die Devisenersparnis, die hiermit erreicht ist und wird, kommt der sonstigen Rohstoffbeschaffung für unsere Industrie zugute und dient damit der Arbeitsschlacht, der anderen gewaltigen Aufgabe, die der Führer gestellt hat. So kämpft das Bauerntum für Deutschland a l s Garde nationalsozialistischer Wirtschaft, als Garde im ursprünglichsten Wortsinn, als Hüter und Verfechter des Wirtschaftsgrundsatzes „Gemeinnutz geht vor Eigennutz"; und so ist die Erzeugungsschlacht, zu der der Reichs- bauerntag in Goslar jetzt erneut aufgerufen wird, ein Werkzeug nationalsozialistischer Friedens- und Freiheitspolitik. Oer deutsch-polnische Wirtschaftsvertrag. Das am 4. November in Warschau zwischen Deutschland und Polen abgeschlossene Wirtschaftsabkommen beendet nun endlich auch auf wirtschaftlichem Gebiete das, was das Verständigungsabkommen vom 26. Januar 1934 in politischer Hinsicht beseitigte, den unfruchtbaren und aufreibenden Kriegszustand, der fast ununterbrochen seit Beendigung des Weltkrieges die Beziehungen zu unserem größten östlichen Nachbarn vergiftete. Es war der jetzige polnische Wirtschaftsminister Kwiat- kowsky, der schon vor 6 Jahren, also zu einer Zeit, da der deutsch-polnische Wirtschaftskrieg recht eigentlich begann, im Haushaltsausschuß des Sejms das Wort prägte: „Ein deutsch-polnischer Handelsvertrag ist eine psychologische Notwendigkeit". Polens neuer Ministerpräsident hat des öfteren betont, daß die Ausgabe seiner Regierung in erster Linie eine wirtschaftliche sei. Wie das polnische Kabinett diese Aufgabe anzufassen gedenkt, das hat es nicht nur mit den Sparmaßnahmen im eigenen Lande, sondern auch mit dem Abschluß des deutsch-polnischen Wirtschaftsvertrages gezeigt. Das neue Vertragswert besteht aus drei verschiedenen Teilen. Es gliedert sich in den eigentlichen Wirtschaftsvertrag, in ein Warenabkommen und in ein Derrechnungsabkommen. In dem Wirt- fchaftsvertrag sagen sich beide Staaten die gegenseitige Meistbegünstigung in vollem Umfange zu. Das bedeutet für Deutschland, daß es an allen Zollermäßigungen teilnehmen kann, die Polen seinen anderen Handelsvertragspartnern gewährt ober gewährt hat. Daneben gewähren sich die beiden Staaten die Ermäßigung gewisser Zölle und Einfuhrabgaben auf bestimmte Warenkategorien. Das Warenabkommen umfaßt die lange Liste der Kontingente, welche Polen uns gewährt, und die Lieferverträge für polnische Ausfuhrwaren, die mit dem Deutschen Reich getätigt worden sind. Das Derrechnungsabkommen schließlich bestimmt, daß der gesamte gegenseitige Warenverkehr nur unter gegenseitiger Verrechnung vorzunehmen ist. Um die Schwierigkeiten der Devisenwirtschaft au umgehen, werden nur die Spitzen der in Warschau und Berlin * geführten Verrechnungskonten durch ein Clearingverfahren ausgeglichen. Man darf annehmen, daß der neue Vertrag sehr bald zu einer erheblichen Ausweitung des deutsch- polnischen Warenaustausches führen wird. Denn in beiden Ländern ist die B i n n e n w i r t s ch a f t er« starkt und damit das Bedürfnis einer Ergänzung durch eine Einfuhr, die nicht mit einem Devisenverlust verbunden ist, im Wachsen. Was insbesondere Polen anbetrifft, so ist die neue Regierung offenbar entschlossen, den Weg der Deflation mehr und mehr zu verlassen und nach deutschem Muster aktive Konjunkturpolitik zu betreiben. Polens Wirtschaft leidet vor allem unter der Preisschere zwischen den landwirtschaftlichen Erzeugnissen, auf die die Weltmarktdepression ständig drückt, und dem industriellen Bedarf, der meist noch immer nur zu hohen Preisen befriedigt werden kann. Dieses Mißverhältnis der Preise kann wesentlich gemildert werden, wenn auf dem Wege des Austausches deutsche Jndustriewaren mit den Überschüssen der landwirtschaftlichen und namentlich der viehwirtschaftlichen Erzeuguna Polens bezahlt werden können Ist ein derartiger organisierter Austausch gewährleistet, so braucht die deutsche Landwirtschaft ihrerseits die Preisunterbietung, die früher von der Konkurrenz der billigen polnischen Agrareinfuhr ausging, nicht mehr zu fürchten. Denn selbstverständlich werden nur solche polnischen Land^virtschafts- erzeugnisse eingeführt werden, die in Deutschland selb st nicht in genügendem Maße zur Verfügung stehen. Außerdem aber wird natürlich Vorsorge getroffen werden, daß diese Einfuhr nicht etwa einen Preisdruck auf den deutschen Markt ausüben kann. Es kommt noch hinzu, daß die polnische Regierung selbst bemüht ist, die Jnlandpreise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse von den Weltmarktpreisen abzusetzen und soweit zu erhöhen, daß für die landwirtschaftlichen Erzeuger wieder eine Existenzmöglichkeit vorhanden ist. Die Ausfuhr nach Deutschland muß also für Polen besonders wertvoll fein, da sie borl zu auskömmlichen Preisen ausgenommen werden kann. Die Voraussetzung hierfür ist freilich, daß Polen unter allen Umständen entsprechende Mengen deutscher Jndustrie- maren kauft. Das Verrechnungssystem wirkt automatisch auf eine solche Gleichheit von Leistung und Gegenleistung hin. Es ist dann nur noch nötig, d i e Mengen der auf beiden Seiten angeforderten und ausgetauschten Waren nach Möglichkeit zu st e i g e r n. Die Stärkung der Kaufkraft der polnischen Bevölkerung, die das Hauptziel der Finanzpolitik der gegenwärtigen polnischen Regierung ist, bietet auch für die Einfuhr deutscher Waren und damit ebenso für die Ausfuhr polnischer Erzeugnisse nach Deutschland bessere Aussichten. Die Vorbedingung für eine Zunahme des Warenaustausches zwischen beiden Ländern ist die fortschreitende wirtschaftliche Gesundung hüben und drüben. Der Austausch selbst aber zwischen den beiden sich wirtschaftlich ergänzenden Ländern wird diesen Gesundungsprozeß fordern. So wird hoffentlich der neue Wirtschaftsvertrag zu einer engen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen auf der Grundlage gegenseitigen Verständnisses für die wirtschaftlichen Bedürfnisse des 93erfraa9partners führen. Ein auf diesem Boden sich vollzieyender Handelsaustausch ist immer f ü r beide Teile nützlich und darum auch dauerhaft. Nachweis bet Deutschblütigkeit im Erbhof Zulassungsverfahren Berlin, 5. Nov. (DNB.) Mitglieder der Deutschen Adelsgenossenschaft berufen sich im Erbhof-Zulassungsverfahren (§ 5 REG.) zum Nachweis ihrer Deutschblütigkeit im Sinne des § 13 des Reichserbhofgesetzes vielfach darauf, daß sie in das Eiserne Buch deutschen Adels, deutscher Art (EDDA.) eingetragen sind. Sie bringen eine Bescheinigung über die Eintragung bei und sehen von einer Vorlage der Personen st ands- urkunden zum Nachweis ihrer arischen Abstammung ab Das Reichs- und Preußische Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat daher die Voraussetzungen und Erfordernisse, die für die Ein tragung in bas EDDA, gelten, einer Prüfung au ihre Beweiskraft für bie Deutschblütigkeit unterzogen Diese Prüfung hat ergeben, daß die Tatsache der Eintragung in das EDDA, nicht die Gewähr für den Nachweis der Deutschblütigkeit im Sinne des § 13 REG. bildet. Der Reichsund Preußische Minister für Ernährung und Landwirtschaft hat demgemäß bestimmt, baß auch bie« jenigen Antragsteller, bie im Eisernen Buch beut» schen Abels, deutscher Art (EDDA.) eingetragen finb, roie alle übrigen Antragsteller im Erbhof-Zulassungsverfahren bie Personenstands urfunben bis zurück zum 1. Januar 1 8 0 0 einzureichen haben. Devisenprozesie gegen Angehörige katholischer Orden. Zehn Jahre Zuchthaus für die Generalprokuratorin Schroers. Berlin, 5. Nov. (DNB.) Die Generalproku- ratorin Anna Schroers von ber Genossenschaft „Unserer Sieben Frau" in Mühlhausen bei Kempen a. Rh. würbe wegen fortgesetzten Devisenver- brechens zu zehn Jahren Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust unb 250 000 RM. Gelbstrafe verurteilt. Die beschlagnahmten Obligationen in Höhe von 96 000 Gulben sowie 625 000 RM. werben eingezogen. Für bie Gelbstrafe, bie Kosten unb ben eingezogenen Betrag haftet ber ßiebfrauenorben in Mühlhausen mit, bei ber Ersatzeinziehung jeboch nur in Höhe von 425 000RM. Das Gericht sieht als erwiesen an, baß bie Angeklagte 322 000 RM. an Gelbem ihres eigenen Drbens, teils persönlich, über bie Grenze geschafft hat. Dazu kommen vier Päckchen mit Banknoten im Gesamtbeträge von 200 000 RM., die von ihr unter Mißbrauch ihrer Ordenskleidung für andere Kloster ins Auslanh geschmuggelt wurden, um dort zum Rückkauf von Ordensobligationen verwendet zu werden. * In dem Prozeß gegen zwei Angehörige des „D o- m i n i k a n e r - O r d e n s", den Provinzial Siern e r - Köln und den Generalprokurator der „Rosenkranzmission", Dr. Horten-Vechta verurteilte das Landesschöffengericht Oldenburg Siemer wegen zweier Deoisenoergehen und eines versuchten Devisenoerbrechens zu 1 Jahr 3 Monate Gefängnis und 37 000 RM. Geldstrafe unb wegen fahrlässigen Devisenvergehens zu 16 000 RM. Geldstrafe, Dr. Horten wegen Devisenvergehens in zwei Fällen und eines versuchten D^oisenverbrechens zu 2 Jahren Gefängnis und 70000 RM. Geldstrafe. Die Untersuchungshaft wird angerechnet. 55 000 RM. gelangen zur Einziehung, wobei die Ordensprovinz mithaftet. Siemer hat in den Jahren 1932/33 ausländische Konten ber Orbensprooinz ber beutschen Devisenstelle verheimlicht. Dr. Horten hat sich unter Benutzung übertriebener unb unrichtiger Angaben bie Genehmigung zur Überweisung von Summen ins Auslanb geben lassen. Beibe haben schließlich Anfang 1935 ben Versuch gemacht, burch eine Bescheinigung falschen Inhalts, die Siemer ausstellte, ein Genehmigung zur Überweisung von 20 000 RM. zu erschleichen. W Reichsjägermeister Hermann Göring nahm an ber Tagung ber Lanbesjägermeister in Braun- schweig teil unb unternahm bann mit bem braunschweigischen Staatsminister Halpert eine Fahrt zur Jagb. — (Weltbilb-M.) Vereinheitlichung der Gemeindepolizei. Ein vrganisationserlah des Reichs- innenministers. Berlin, 6.Nov. (DRV.) 3m Ministerialblatt ür bie preußische innere Verwaltung veröffentlicht ber Reichs, unb preußische 2111 n i ff e r des Innern einen Erlaß, ber sich eingefjenb mit ber beutschen Gemeindepolizei besaht. Der Erlaß regelt zunächst bas Verhältnis ber Zahl ber polizeibeamten zur Einwohnerzahl ber Od- chaften nach einheitlichen Gesichtspunkten. Es wirb estgelegt, bah Polizeiverwaltungen unter 2000 Einwohnern künftig keinen Gemeinbepolizeibeamten mehr haben sollen, ber polizeiliche Dienst auf bem Canbe vielmehr von Genbarmeriebeamten versehen werben soll, Während in Ortschaften von 2000 bis 4000 Einwohnern noch ein Polizeivollzugsbeamter als ausrelchenb erkannt worben ist, steigert sich bas Verhältnis mit ber zunehmenden Gröhe ber Orte so, bah schliehlich (in Ortschaften über 50 000 Einwohner) c u f je 6 00, in besonderen Fällen auf je 500 Einwohner ein Polizei- vollzugsbeamter für notwenbig erachtet wirb. Die Dien st aufficht über bie Gemeindepolizei durch staatliche Aufsichksorgane ist einheitlich geregelt worden. 2HH Wirkung vom 1. Januar 1936 sind für alle Gemeindepolizeibeamten des Reiches einheitliche Amtsbezeichnungen eingeführt worden. Es wird unterschieden zwischen Beamten, die den eigentlichen Polizei- d i e n st versehen und Beamten und Angestellten, die Vollziehungsgeschäfte, Zustellungen und sonstige Arbeiten auszuführen haben. Dabei ist davon ausgegangen worden, dah Polizeidiensk nur von ordentlichen hauptamtlich angestellten Polizeibeamten verrichtet werden soll. Ferner ist die Einführung der Versehbarke i t der Gemeindepolizeivollzugsbeamten in dem Rnndedaß bereits angefünbiat worden. Einheitliche Bestimmungen über die Uniformierung ber Gemeindepolizei sind ebenfalls angekündigt worben. Die Bestätigung der Offiziere und oberen Kriminalbeamten der Gemeindepolizei Hal sich ber Reichs- unb Preuhifche Minister bes Innern Vorbehalten. Mit biefem Organifationserlah hat ber Reichsund Preuhifche Minister des Innern im Zuge der Reichsreform auch mit der Vereinheitlichung der deutschen Gemeindepolizei begonnen. Kleine politische Nachrichten Reichsminister Dr. Goebbels stattete der Auslandsorganisation der NSDAP, einen Besuch ab. Gauleiter Bohle berichtete ihm über das umfangreiche Arbeitsgebiet. Bei der Führung durch die Aemter der AO. zeigte Dr. Goebbels besonderes Interesse für die Presse, - und Filmarbeit im Ausland. Er überzeugte sich von der opferfreudigen Mitarbeit der Ausländsdeutschen beim Winterhilfswerk der AO. und den Leistungen auf dem Gebiete der Kulturarbeit und der Betreuung der deutschen Seeleute. Zum Abschluß seines Besuches trug sich Dr. Goebbels in bas Ehrenbuch der AO. ein. JerSiiui derLandesplanung Von Arthur Zmarzly-Vofrei. Der Gedanke, eine deutsche Raumordnung zu schaffen, beginnt nunmehr festere Gestalt anzu- nehmen. Es liegen zwar schon viele einzelne Ar- beiten vor, bisher fehlte aber eine übergeordnete Stelle, die für die zusammenfassende Planung und Ordnung des deutschen Raumes zuständig war. Auf Grund des Gesetzes vom 29. März 1935 und des Erlasse« des Führers und Reichskanzlers vom 26. Juni 1935 ist jetzt eine Reichs st eile für Raumordnung gebildet, die Reichsmmister Kerrl unterstellt wurde. Zum ausführenden Or- gan der Reichsstelle ist die Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsplanung und Raumordnung bestimmt. Ihre erste Aufgabe wird sein, die vorhandenen Ergebnisse der Landesplanung festzustellen und weiterhin festzulegen, welche Gesamtausgaben der Reichsplanung obliegen. Die neue Gesellschaft ist völlig unabhängig von ber „Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobah- nen", die ihre Arbeiten bis Ende d. I. in Zusammenarbeit mit der neuen Reichsstelle abschließen wird. Die Reichs- und Landesplanung beschränk* sich nicht auf das Verkehrswesen, auf die Verteilung des Wohnraums und der Siedlung, wie noch vielfach angenommen wird, sondern der raumpolitische Wille greift weiter darüber hinaus. Er umfaßt und durchdringt die Bevolkerungspolitik, die Volkswirtschaft und auch die Wehrpolitik. In der Bevolkerungspoli- tik stehen, von der Raumgestaltung aus gesehen, selbstverständlich die Siedlungen im Vordergründe. Sie sollen nicht irgendwo in den Raum gestellt werden, sondern dorthin, wo sie die beste Verteilung und den günstigsten Einsatz der deutschen Arbeitskraft gewährleisten. Hier durchdringen sich bevölkerungspolitische und volkswirtschaftliche Ausgaben, denn für den Aufbau einer neuen Volkswirtschaft bildet der richtige Einsatz der deutschen Arbeitskraft, die unser größter Reichtum ist, die feste Grundlage. Die Volkswirtschaft regelt und sichert die Existenz der Gesamtheit, unb es hieße Verschwendung treiben, Arbeit und Wirtschaft so regellos im deutschen Raum verteilt zu lassen, wie es in einer überstürzten Entwicklung geschah. Es war eine Folge falscher geistiger Einstellung zu der dem deutschen Volke schon seit Jahrzehnten gestellten Aufgabe, wenn Wirtschaftspläne ausgestellt wurden, ohne vorher auf Grund bevölkerungspolitischer, volkswirtschaftlicher und wehr- politischer Bestandsaufnahmen das soziale und wirtschaftliche Gefüge der Landschaft ermittelt zu haben. Die Erforschung geht der Planung voraus, denn sie muß auf alle in der Landschaft wirkenden Kräfte Einfluß nehmen und die Bedürfnisse und Erfordernisse zueinander ordnen, gegebenenfalls für einen Ausgleich im Hinblick auf das große Ganze sorgen. Dem Gesetz eines derartigen Raumwirtschaftsplans müssen deshalb Dinge wie Wohnung und Siedlung, Technik und Verkehr, kulturelle wie zivilisatorische Bedürfnisie überhaupt untergeordnet werden. Auf die Reichs- und Landesplanung ist heute ferner bie Wehrpolitik von bestimmendem Einfluß. Wer die wehrpolitische Aufgabe als rein militärische betrachtet, bewegt sich in viel zu engen Vorstellungen. Der deutsche Raum hat wehrpolitisch nicht mehr die große Ausdehnung wie früher. Bezeichnend ist der Ausspruch eines Fliegers, der vor kurzem ein Schnellflugzeug über Deutschland ausprobierte; er sagte, er fei sich bei diesem Fluge vorgekommen wie eine Fliege zwischen einem Doppelfenster. Wehrpolitische Gesichtspunkte sind auch für die Landesplanung an der Grenze maßgebend. Gerade das deutsche Volk ist gezwungen, auch im Frieden feine Grenzen zu verteidigen. Diese friedliche Landesverteidigung erfordert den planmäßigen Einsatz bevölkerungspolitischer, wirtschaftlicher und nicht zuletzt kultureller Kräfte, um die Grenzmarken volklich gesund zu erhalten. Raumpolitik ist für Deutschland nicht eine Arbeit, die aus der Freude am Planen kommt, sondern eine notwendige Arbeit, der sich das deutsche Volk nicht mehr entziehen kann. Umfaßt der raumpolitische Wille alle Lebensgebiete, so bleibt die Landesplanung doch an bestimmte Räume gebunden, die, wie ein Blick auf die Landkarten lehrt, verschiedenartigen Charakter aufweisen. Dementsprechend läßt sich die Landesplanung nicht in ein Schema pressen oder nach Maßstäben durchführen, die für alle Räume gelten. Raumordnung von unten her, aus den Raumbedingungen heraus, ist das Gegebene und führt zu einer praktischen Losung. Die Reichsstelle für Raumordnung nimmt deshalb den Gauplanungsstellen ihre Aufgaben nicht ab, sondern gibt ihnen die großen Gesichtspunkte und entscheidet notfalls über Streitpunkte, die sich in kleineren Räumen, wo sich viele Dinge stoßen, ergeben können. Eine übergeordnete Stelle, die planmäßig die Raumwirtschaft über das ganze Reich hin leitet, ist unentbehrlich, denn die Landesplanung soll eine echte Selbstverwaltungsaufgabe bleiben, trotzdessen müssen aber die einzelnen Landräume organisch miteinander verbunden sein. Was das heißt, geht aus dem umfangreichen sachlichen Aufgabenkrfs hervor, der sich aus vielen Kreisen, wie Verkehrswesen, Ernährungswirtschaft, Wohnungs- und Siedlungswesen, Wehrpolitik und Kulturpolitik zusammensetzt. Ge- rabe weil in der Raumwirtschaft nur umfassend gerecht werden darf, werden auch die Landespla- nungsoerbände unter einheitliche Leitung zu stellen fein. Die Hauptaufgabe der deutschen Raumwirtschaft ist wohl darin zu erblicken, einen vernünftigen Dauerzustand herbeizuführen. Die Zuständigkeit der einzelnen Ressorts muß deshalb im Interesse der Gesamtplanung abgewogen werden, was sich nur durch eine Verbindungsstelle, wie sie die Reichsstelle für Raumordnung dörstellt, herbeiführen läßt. Die Reichsstelle wird aber nach den Erklärungen ihres Leiters gegen Planungen der einzelnen zuständigen Stellen nur insoweit Einspruch erheben, als es die Erfordernisse und höheren Gesichtspunkte der Gesamtplanung bedingen. Jeder Vorschlag, ben beispielsweise das Reichsernährungsministerium ober bas Reichskriegsministerium ober das Reichsverkehrsministerium vorzubringen hat, wird künftig von der Reichsstelle aus dahin geprüft werden, ob der vorgelegte Plan nach jeder Richtung hin als bie beste Lösung angesprochen werben kann. Die deutsche Raumwirtschaft ist nun in geordnete Bahnen gelenkt. Die Lenkung erfolgt durch die Reichsstelle, die Planung und praktische Durchführung durch unabhängige bewegliche Verbände, die in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und den Gemeinden und Gemeindeverbänden in Forschung und Planung auf lange Sicht schöpferisch wirken können. nr.26O Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffenj Mittwoch, 6. November (935 Aus der Provinzialhauptstadt. Generalleutnant Lüdke. Das Bild zeigt General L ü d k e bei der diesfährtgen Feier des 1. Mai auf Oswaldsgarten. (Ausnahme: Moto-Pfaff, Gießen.) Durch Erlaß des Führers und Reichskanzlers wurde der Kommandeur der 9. Division, Generalmajor Lüdke, mit Wirkung vom 1. November 1935 ab zum Generalleutnant befördert. * Generalleutnant Lüdke trat am 19. Sept. 1900 beim J.-R. 71 als Fahnenjunker ein. Am 27. Jan. 1902 wurde er zum Leutnant befördert, dann war er u. a. als Bataillons- und Regimentsadjutant tätig. Am 1. April 1914 wurde er zur Dienstleistung in den Großen Generalstab kommandiert. Im August 1914 wurde er Kompanie-Führer im Jnf.- Regiment71. Das Jahr 1915 brachte seine endgültige Versetzung in den Generalstab, hierauf war er im Generalstab des I. Res.-Korps und der 36. Res.- Division tätig. Ende 1917 erfolgte seine Versetzung in die Mobilmachungsabteilung des Kriegsministeriums. Nach dem Kriegsende blieb er im Reichswehrministerium kommandiert. Am 1. April 1923 erfolgte seine Beförderung zum Major. Am 1. Februar 1927 wurde er Kommandeur des II. Bataillons des Jnf.-Regts. 11. Am 1. März 1929 erhielt er seine Versetzung zum Gruppenkommando II in Kassel. Vom 1. März 1930 ab war er Chef des Stabes der III. Kavallerie-Division in Weimar, vom 1. Februar 1932 ab Kommandeur des Infanterie- Regiments 12 in Halberstadt. Am 1. Oktober 1934 kam er als Infanterie-Führer V nach Gießen. Kein Der Lln v^rsität Ziehen Don der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Dem Rektor ist amtlich von der Regierung mitgeteilt worden, daß weder an den Abbau der Gesamtuniversität noch an den einzelner Fakultäten gedacht ist. Qebihdau Von der Bürgermeisterei Gießen wird uns mit« geteilt: Das städtische Gebäude Liebigstraße 16, früher Alte Klinik, wird ab 1. November 1935 als „Liebigbau" bezeichnet. Tanzstunde. „Zwei — drei! kurz — kurz — lang .. Mitten zwischen zwei Dutzend Paaren Jugendlicher steht der Tanzlehrer oder die Tanzlehrerin und gibt mit leisem Händeklatschen den Takt an. Die Musik spielt, vorerst absichtlich etwas langsam, betont nachhelfend. Ein Schurren, mitunter ein Stampfen, setzt ein. Hier und da leises Kichern, ein verlegenes Lächeln, aber es geht schon ganz gut! Tanzstunde! Allüberall in Deutschland ertönt jetzt wieder dieses „zwei — drei — kurz — kurz — lang!" Ein neuer Jahrgang lernt tanzen-, ein neuer Jahrgang versucht, hinter die Geheimnisse der rhythmischen Tanzschritte, hinter das Rätsel der vielgestaltigen Figuren und Drehungen zu kommen, schwingt sich im Kreise und müht sich redlich ab. Denn auch hier in der Tanzstunde gilt das Wort „Kein Meister fällt vom Himmel!" Der eine lernt und begreift es schnell, der andere langsamer, gar mancher lernt's nimmer! Neidisch blickt so mancher, der sich bislang als Herr der Schöpfung und der Welt dünkte, auf die Vertreterinnen des „schwachen" Geschlechts, die — es war immer so! — am ehesten den „Dreh" heraus haben. Paßt die Tanzstunde noch in unsere Zeit? Ist sie nicht vielleicht etwas Ueberholtes, etwas lieber« flüssiges, etwas Aeußerliches? Wer nur etwas Aeußerliches im Tanze sieht, nur oberflächlich über die mancherlei „Anstandsregeln" urteilt, der mag vielleicht den Wert der Tanzstunde verneinen und in ihr nur spielerisches Getändel sehen. Forschungsarbeiten in In der Naturwissenschaftlichen Abteilung der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde hielt der Zoologe unserer Universität Professor Merker am gestrigen Dienstagabend in einer Sitzung im Zoologischen Institut einen interessanten Vortrag über „Die Lebensbedingungen in Öen oberhessischen Fischteichen und die Fischzucht." Einleitend bemerkte der Vortragende, daß seine Forschungen in engem Zusammenhang mit der biologisch-klimatologischen Arbeit zur Erforschung des Vogelsberges stehen. Er hob weiter hervor, daß nicht das Klima im Vogelsberg eigentlich die landwirtschaftlichen Schwierigkeiten so sehr bedingt, wie man bisher glaubte, sondern daß schlechte Bodenbearbeitung — der Boden ist vielfach sauer und deshalb schlecht im Ertrag — die Ursache dieser landwirtschaftlichen Schwierigkeiten ist. Wenn dieser Zustand — was nach der Ansicht des Redners leicht möglich ist — aeändert wird, könnten auch im Vogelsberg für die Landwirtschaft bessere Ergebnisse erwartet werden. Beweis dafür feien die Erträge bei der Bearbeitung gut gepflegter Gärten und solcher Aecker unter dem Pflug, die ebenfalls eine gute Bearbeitung erfahren. Nach diesen bemerkenswerten allgemeinen Hinweisen auf dringende Notwendigkeiten des Vogelsberges wandte sich der Redner feinem eigentlichen Vortragsthema zu. Er berichtete dabei, daß er für feine Forschungsarbeit die Teiche auserwählt habe, weil sie gewissermaßen „Töpfe der Natur" darstellen und auch für seine Versuche „Töpfe" sind. In diesen Teichen sind die Forschungen des Vortre^enden durchgeführt worden bzw. noch im Gange. Es handelt sich dabei um den großen Albacher Teich, den oberhalb davon gelegenen fog. oberen oder neuen Albacher Teich, die Mengelshäu- f e r Teiche, den Erlesberger Teich an der Straße von Lich nach Laubach, um den Gederner Teich, den Obermoofer und den N i e- derrnoofer Teich, schließlich noch um den Rodebacher Teich. In der Hauptsache hat Professor Merker den Großen Albacher Teich, den Erlesberger Teich (den er als fog. „Himmelsteich" bezeichnete, weil er feine Wasfermenge nur aus Re- genniederfchlägen empfängt), den Obermoofer und den Rodebacher Teich für feine Forschungen benutzt. Eingehend machte der Vortragende mit den Der» Aber so ist es in Wirklichkeit nicht! Auch die „Anstandsregeln", das Verbeugen, das Verneigen, das „Auffordern" und der Tanz selbst, alles hat wohl seinen Zweck und seinen tieferen Sinn. Den Sinn nämlich: zunächst einmal dem Körper Haltung zu geben! Es ist durchaus nicht gleichgültig, wie wir uns im Leben „halten", wie wir uns benehmen und bewegen; denn zuletzt ist auch unsere äußere Haltung Spiegelbild unserer inneren Haltung! Gewiß gibt es Menschen, die einer solchen Schulung nicht bedürfen; gibt es Menschen, die das Tanzen nicht zu erlernen brauchen; wie es auch sonst im Leben Seldstlehrer (Autodidakten) gibt. Das alles spricht aber nicht gegen den Tanzunter- richt und eine gute geleitete Tanzstunde. Zumal die Tanzstunde über das rein Formale des Tanzunterrichtes hinaus heute noch eine besondere Aufgabe hat! Wir haben alle die Abarten, Verzerrungen und Verirrungen des Tanzes mit- erlebt, die sich in einer Zeit äußerer und innerer Verwahrlosung in den Ballsaal, auf die Tanzstättesi, ja bis in den Kreis der Familienfestlichkeiten hinein- gedrängt Haden. Wir brauchen hier nur das Wort „Niggertanz" auszusprechen, um verstanden zu werden. Wenn dieser Ausartung des Begriffes Tanzen heute durch die deutschen Tanzlehrer und Tanzlehrerinnen bewußt entgegengearbeitet, wenn in der Tanzstunde auf den künstlerischen Wert des Rundtanzes, des Reigentanzes, des Figurentanzes, des deutschen Tanzes hingearbeitet, wenn alles „Wackeln", alles „Schieben" mit Recht gebrand- oberhessischen Teichen, schiedenen Lebewesen in diesen Teichen bekannt. Eine große Anzahl Lichtbilder veranschaulichte dabei das gesprochene Wort in bester Weise. Er ordnete die Tierwelt dieser Teiche in drei Gruppen ein: die Tiere, die am Ufer leben, die Tiere, die im freien Wasser existieren, und die Tiere, die am Grunde der Teiche ihr Dasein führen. Man hörte dann vielerlei, interessante Einzelheiten aus dem Leben der Daphnien, der Hüpferlinge, der Rädertiere usw., die wohl in großer Zahl, aber nur in wenigen Arten in den Teichen leben, ferner lernte man interessante Beobachtungen über die in den erforschten Teichen hauptsächlich vorkommenden Fische (Karpfen, Schleien), die Wildfische, $. B. Stichling, Steinbeißer, Schmerle, Schlammbeitzger, Gründling, sowie über die Lebensbeziehungen der Fischarten zu den Lebewesen der sog. Schwebewelt, d. h. der Daphnien usw., kennen. Für die Praxis der Fischzüchter war der Hinweis wichtig, daß der in unseren heimischen Teichen vorkommenoe Flohkrebs besonders geeignet ist zur Beurteilung der praktt- schen Brauchbarkeit der mit Fischen besetzten Gewässer, weil man an der Beschaffenheit der Kiemen des Flohkrebses den Sauerstoffgehalt der Gewässer erkennen kann. Am Schlüsse seines Vortrages machte Professor Merker noch mit zahlreichen Einzelheiten der bisherigen vergleichenden Studien in den oben erwähnten Teichen bekannt, wobei er insbesondere auch auf die Lebensverhältnisse der Daphnien, ihr zeitweiliges Verschwinden unter dem Einfluß besonders starker Lichtwirkung, Sauerstoffmangel nach schwülen Nächten mit nur geringer Abkühlung der Wasseroberfläche usw. berichtete. Er betonte in diesem Zusammenhänge, daß im Rahmen seines Forschungsprogramms gegenwärtig noch Versuche im Gange sind, über deren Ergebnis heute noch keine abschließenden Mitteilungen gemacht werden können, von denen er aber manche lehrreiche Aufschlüsse erwartet. Im Anschluß an den mit starkem Interesse verfolgten Vortrag fand eine kurze Aussprache statt, an der sich berufene Fachwissenschaftler beteiligten. Eine Ausstellung von mancherlei Stücken der bisherigen Forschungsarbeiten innerhalb der Tierwelt dieser Teiche trug in hohem Maße zum Verständnis der Erkenntnisse dieser interessanten Forschungsarbeit bei. markt und unterbunden wird, bann hat die Tanzstunde nicht nur ihre große Bedeutung, dann ist sie im Hinblick auf den Stil unseres Gemeinschaft-- lebens im deutschen Sinne sogar eine Notwendigkeit! Bejahen wir also die Tanzstunde! Und denken wir dabei getrost ein wenig an d i e Zeit, als wir selbst noch, mühsam und unbeholfen zwar, aber dennoch glücklich und selig, das Tanzen lernten nach dem Takt „Zwei — drei — kurz — kurz — lang ..." H. Dy. Dornoinen Tageskalender für Mittwoch. NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.30 Uhr Allgemeine Körperschule im Lyzeum, Dammstraße; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — NSLB., Kreis Gießen: 15.30 Uhr in der Neuen Pestalozzischule Kreisversammlung; es spricht Ministerialrat Rings Hausen. — Stadttheater: 19.30 bis 21.30 Uhr „Komödie der Irrungen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Werft zum Grauen Hecht". — Goethe- bund Gießen, Kaufmännischer Verein Gießen: 20 Uhr in der Neuen Aula Dichter-Abend, Heinrich L e r s ch lieft aus eigenen Werken. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: Ausstellung friesischer Maler der Gegenwart, Kleintierplastik von Lily König. Sladtthectter Gießen. Heute, 19.30 Uhr, als 6. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement Wiederholung des großen Shakespeare- Erfolges „Komödie der Irrungen" in der deutschen Bearbeitung von Hans Rothe. Spielleitung: der Intendant. Ende 21.30 Uhr. Hitler-Lugend Anterbann 1/116. Der Unterbann 1/116 einschließlich Marine-Hitler- Jugend tritt am Samstag, 9. November, pünktlich um 19.55 Uhr am Heim der Gefolgschaft 2/116 an. Der Unterbann 1/116 nimmt geschlossen an der Feierstunde der für das neue Deutschland am 9. November 1923 in München gefallenen Helden der Bewegung teil. Die Gefolgschaften führen sämtliche Fahnen mit. Uniform: Großer Dienstanzug. f/X Die deutsche Rrbcitsfront ;, n.9.=6emeinf(haft ;firan durch freute" Dlchlerabend Heinrich Lersch. Am Mittwoch, 6. November, veranstaltet der Goethe-Bund Gießen in der Neuen Aula einen Dichterabend. Der Dichter und Arbeiter Heinrich Lersch liest aus eigenen Werken. Zu diesem Abend hat uns der Goethe-Bund verbilligte Eintrittskarten zum Preise von 40 Pf. zur Verfügung gestellt. Die Karten sind auf der Kreisdienststelle „KdF.", Schanzenstraße 18, erhältlich. Vortrag über Abessinien. Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in Gießen hat uns für den Vortrag über Abessinien verbilligte Eintrittskarten zum Preise von 40 Pf. zur fügung gestellt. Die Karten sind auf der Kreisdienst, stelle „KdF.", Schanzenstraße 18, erhältlich. Ausführung von „Holzappel" am 10. November im Gießener Sladtthcaler. Um vielfachen Wünschen gerecht zu werden, bringen wir am Sonntag, 10. November, 15 Uhr, eine Wiederholung des lustigen Volksstückes „Holzappel" von H. A. Weber. Wir haben die Vorstellung auf Uniformen für Forstbeamte Hund Deutsche Jägerschaft in feinster Maßarbeit. Erste Spezialkräfte, Garantie iür tadellosen Sitz. Herren - Bekleidungshaus Gießen, G.m.b.H., Marktplatz. 5»2oA Klemes Menschenkind. Von E. £. Stoltenberg, Gießen. Brigitte ist ein kleines Mädchen, das, helläuaig und mit wehenden blonden Haaren, fröhlich ins Leben stapft. Was gibt es da alles zu sehen und zu erproben! Morgens steht sie nackt am Waschtisch und will sich mit Mutters großem Schwamm waschen. Zuerst stößt sie kleine Schreie aus, weil das Wasser so kalt ist, dann aber erklärt sie lachend: „Ich bin ja aanz oerfeiat!" Als dann das Abtrocknen etwas unsanft geschieht, sagt sie entrüstet: „Mutti, du bist aber eine olle Wehtu-Dame!" Nachdem nun die Reinigung beendet, bindet ihr Mutti eine neue rote Schleife ins Haar. Da niemand sonst im Zimmer ist, guckt sie plötzlich zum Fenster hinaus und sagt stolz: „Sieh mal, Leute!" Spazierengehen mit der Mama ist herrlich, mit dem Papi tobt sie am liebsten. „Du bist doch so n schrecklich feiner Kerl!" schmeichelt sie, und dann wird geritten, geschaukelt oder geturnt. Wenn der Papi nicht gerade seinen besten Anzug anhat, muß er auch mal auf allen Vieren um den Tisch krabbeln, Brigittch stolz auf seinem Rücken, wobei helle Schreie des Entzückens oder der Angst ertönen, denn das böse Reittier stößt auch manchmal ober sucht sie abzuschütteln. Dann wird mit den Puppen gespielt: „Das Baby ist doch einfach eine Wonne! Gelt, Mutti?" Aber es kann auch ein Stück Papier oder das Gieß- kännchen fein, das in den Schubkarren gelegt und herumgefahren oder zärtlich in den Arm genommen wird. Oder sie spielt „Weihnachten": die größte Puppe bekommt ein Kopftuch um, sie ist die Maria und das kleine nackte Badepüppchen das Jesuskind Der Teddybär sitzt ernst als Josef dabei. Wie schön läßt es sich auch in der Sandkiste im Garten spielen! Dort sitzt sie mit ihren kleinen Freundinnen stundenlang. Einmal haben sie, trotz des mütterlichen Verbotes, Wasser geholt und hineingeschüttet und auch einander Sand auf die Köpfchen gestreut. Nach einer ernsten Vermahnung meint Brigitte treuherzig: „Weiß du, Mutti, wenn es der liebe Gott sieht, das schadet ja nix, aber d u kannst hauen!" Oft ziehen sie morgens mit dem Opa aufs „Feld , angetan mit ihrem blauen Dirndlkleid, ihre große Schüppe über die Schulter gelegt und das Gieß- Sännchen in der Hand. Dort ist es herrlich still die Lerchen tirilieren, und, oh Wonne, es gibt Erdbeeren oder Himbeeren zu naschen. Irgendein Unheil stellt sie dann meistens an, oder ist das nur die verkehrte Ansicht der Erwachsenen? Brigitte bat doch so eifrig „gearbeitet", und mit roten Bäckchen und einem Riesenhunger kehrt sie heim. Viel Freude spendet auch der Tonkasten, es wird dann getanzt und gehüpft, und man kann schrecklich luftig fein. Da singt eine „Tante" so wunderschön das „Ave Maria" — Brigitte kennt alle Platten sofort — aber eine andere, nein, wie ist die komisch! „Weißt du, Mutti, die hat sicher gelbe Haare und ein rotes Kleid und einen grünen Mantel!" „Schnucki", das Meerschweinchen, wird heiß geliebt. Es wohnt auf dem Balkon in einem hübschen Ställchen, und Brigitte holt jeden Tag Futter neben dem Haus auf der Wiese. Morgens piepst es so laut und fordernd und sucht mit seinem rosa Mäulchen am Gitter, bis es feine Rübe bekommen hat. Brigitte spricht dann in den zärtlichsten Tönen mit ihm und läßt sich ein Pfötchen geben, d. h. sie nimmt es einfach. Im Zoo, in den sie mal mit der Mutti gehen darf, hat sie auch große Freude an allen Tieren, nur — der Rüssel des Elefanten ist zum Fürchten, und das Stück Zucker fällt daneben. Die Affen sind doch das Netteste, und mit großer Anteilnahme wird ihnen zugesehen. Noch abends im Bett hat es der Fragen kein Ende: „Mutti, wo wischt das Aeffchen seine Hände ab, wenn es seine Banane gegessen hat?" „Mutti, macht der rote Papagei auch rote Geschäfte?" „Mutti, gelt, Kakadu ist aber ein komischer Name?" Endlich aber steht doch das Mäulchen still, nachdem sie noch „Gute Nacht, Welt!" zum Fenster hinausgerufen hat, und sie ist eingeschlafen, um am anderen Morgen fröhlich zu einem neuen Tagewerk zu erwachen. Oie junge Oame im Schlafwagen. In Jeurnont, an der französischen Grenze, ist Zollkontrolle. Der Nachtexpreß Lütttch—Paris wird hier von Beamten durchsucht. Höflich klopfen sie an die Abteile des Schlafwagens und lassen den Reisenden genügend Zeit, sich anzukleiden. An einem Abteil aber pocht der junge Zollbeamte mehrmals vergebens. Der Zugführer erklärt, daß der Wagen besetzt ist, und der Zollbeamte versucht noch einmal sein Glück. Jetzt vernimmt er ein schlaftrunkenes herein'" Doch als er die Tür öffnet, blickt er schnell gefaßt zu Boden. Das untere Bett ist unbesetzt, im oberen aber befindet sich eine entzückende junge Dame, die offenbar durch das Klopfen aus tiefem Schlaf geschreckt wurde. „Haben Sie irgendetwas zu verzollen, mein Fräulein?" fragt der Beamte höflich und wagt nicht die Augen zu erheben. „Verzollen, wieso verzollen? O nein, natürlich nicht! Verzeihen Sie, ich wußte im Augenblick gar nicht, wo ich mich befand." Als der Zollbeamte jetzt zu der jungen Dame aufschaut, sieht er ein so bezauberndes Lächeln, daß er auf eine Durchsuchung des Wagens verzichtet. Er legt die Hand an die Mütze und sagt höflich: „Danke sehr!" Und die junge Dame kann wieder in Morpheus Arme sinken. Der Zollbeamte verrät nichts von dieser Begegnung, bei der er so viel Mühe hatte, seine Amtsmiene zu wahren. Aber einer seiner Kollegen ist weniger zurückhaltend und erzählt ein paar Tage später, daß er bei der Schlafwagenkontrolle eine entzückende Dame aus dem Schlaf geschreckt habe. Sie sei so verwirrt gewesen, daß sie seine Frage nach zollpflichtiger Ware zunächst gar nicht begriffen habe. Da macht unser junger Zollbeamter verwunderte Augen, aber auch ein dritter Kollege ist bestürzt; denn auch er traf mit der hübschen jungen Dame im Schlafwagen zusammen. In der Nacht, die nun folgte, wiederholte sich die schon dreimal gespielte Szene zum viertenmal: Bei der Zollkontrolle in Jeurnont wird ein Schlafwagenabteil nicht geöffnet, erst nach längerem Anklopfen ertönt ein schlaftrunkenes „Herein!" Aber heute ist der Zollbeamte kein Kavalier, der sich mit einem bezaubernden Lächeln begnügt und sich mit geflüstertem „Danke sehr!" sofort wieder zurückzieht. Es hilft der jungen Dame nichts, daß sie lebhaft bekundet, wie sehr sie noch vom Schlaf befangen ist und wie ruhebedürf- tig. Sie muß sich ankleiden und ihre Ausweispapiere zeigen. Man stellt fachlich fest, daß es sich um die fünfundzwanzigjährige Rense-Jeanne Bar- dia handelt, die, wie sich bei der Durchsuchung des Abteils zeigt, über zwölfhundert Päckchen Zigaretten und mehrere Flaschen Parfüm geschmuggelt hat. Vergeblich beteuert die Schlafwagen-Schönheit: ihre Unschuld. „Ich habe nicht gewußt, daß sich Kontrebande in meinem Abteil befindet", erklärte sie unter Tränen, „ein fremder Mann hat mich gebeten, ein wenig auf die Pakete acht zu haben, und so habe ich sie mit in mein Abteil genommen." Man schenkt der Geschichte von dem unbekannten Mann keimn Glauben und bringt die junge Dame ins Gefängnis, wo sie wohl eine Zeitlang bleiben muß. Es ist anzunehmen, daß die Zollbeamten in nächster Zeit weniger liebenswürdig gegenüber jungen Damen sind, die es sich zur Gewohnheit machen, bei der Zollkontrolle aus so tiefem Schlaf zu erwachen Die zärtlichen Tauben. In Nr. 243 des Gießener Anzeigers vom 17. Oktober d. I. erschien ein Aufsatz „Xanthippe war gar nicht so übel!" von Dr. H. Schäfer, in welchem von „Irrtümern, die die Wissenschaft berichtigte", die Rede war. Der Artikel begann mit einer kleinen Betrachtung über das fog. Schnäbeln der Tauben, als dessen Ursache der Verfasser — entgegen der landläufigen Meinung — nicht die Liebe der Taube zum Tauber, sondern den Hunger der Taube bezeichnete. Dagegen erhebt nun (leider erst heute) Herr H. Schmidt, Gießen, auf Grund feiner Beobachtungen während einer mehr als vierzigjährigen Züchtertätigkeit als alter Taubenliebhaber Einspruch. Wir entnehmen seinen Ausführungen, die übrigens auch von zwei andern Fachleuten, Herrn Apotheker S ch w i e d e r, dem Vorsitzenden der hiesigen Brieftauben- Reisevereinigung, und von Herrn Dr. Lang vom Tierzuchtamt als zutreffend bestätigt wurden, das Folgende: Jeder aufmerksam beobachtende Taubenzüchter wird bestätigen, daß das Schnäbeln tatsächlich das Liebesspiel der Tauben schlechthin ist. Das Schnäbeln findet nämlich nur, wie der Züchter sagt, während der Heck- und Paarzeit statt, wo also das Geschlechts- und Liebesleben der Tauben am stärksten ist. Das Schnäbeln ist eben der Ausdruck der stärksten physischen Liebe. Denn nach dem Schnäbeln findet regelmäßig, wie der Fachausdruck heißt, das „Treten" der Tauben durch den Tauber statt. Wohl hat das Schnäbeln der alten Tauben eine gewisse Ähnlichkeit mit der Atzung, der Fütterung der jungen Tauben durch die (Elterntiere, wobei das Jungtier seinen Schnabel gerade und tief in den Schnabel der Eltern steckt und so durch Würgen der Alten die im Kropf erweichten Körner aufnimmt. Wer genau beobachtet, wird mir bestätigen, daß beim Schnäbeln der alten Tiere der Tauber den geschlossenen Schnabel der Täubin seitlich erfaßt, so daß schon aus diesem Grunde keine Nahrungsaufnahme stattfinden kann. Das Schnäbeln findet nur in der Zeit statt, wenn die Tauben zu einer neuen Brut schreiten und ist für den Züchter immer das Zeichen, daß ein neues Gelege in nächster Zeit erfolgt. Während der Bebrütung der Eier, der Aufzucht der Jungen, ja monatelang während der Herbst- und Winterzeit, wo das Brutgeschäft ruht, findet das Schnäbeln überhaupt nicht statt. Äuf welche Weise bekommt denn da die Täubin ihr Futter? den Nachmittag gelegt, um auch den auswärtigen Volksgenossen Gelegenheit zu geben, diese Aufführung zu besuchen. Die Preise der Plätze sind sehr niedrig gehalten und kosten 30 Pf., 70 Pf., 1 Mark, 1,30 Mark und 1,50 Mark. Karten sind im Vorverkauf erhältlich: Schokoladenhaus Huntemann, Seltersweg, Musikhaus Challier, Neuenweg, Kreisdienststelle „KdF.", Schanzenstrahe 18. Sportamt „Kraft durch Freude". heule folgende Kurse: Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer. Von 20.30 bis 21.30 Uhr Lyzeum, Dammstraße 26 (Teilnahme jederzeit möglich). Reiten. Von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Anmeldungen für Hallentennis (Samstagnachmittag und Sonntagvormittag) und Ski- Trocken (Freitagabend) werden noch auf dem Sportamt entgegengenommen. liege Bautätigkeit im Schwarzlachgebiet. Im Laufe dieses Sommers find an der Ecke Ederstraße und Asterweg drei Baublöcke im Rohbau erstellt worden, die jetzt im Innern ausgebaut werden. Nunmehr hat man, um den Baublock Ecke Asterweg und Schottstraße gegen den Schwarzlachweg zu schließen, mit drei weiteren Baugruppen begonnen; es kommen hier zirka 25 Kleinwohnungen, meistens Zweizimmerwohnungen zur Ausführung, die durch die Baufirma Frese zu Schwelm erbaut werden. Ferner werden auf der Nordseite des Schwarzlachweges mehrere Blöcke Kleinstwohnungen zur Ausführung gebracht. Mit diesen Bauvorhaben ist man fast bis zur Einmündung der Marburger Straße gekommen, so daß bald mit dem Durchgangsverkehr zwischen Marburger Straße und Weserstraße gerechnet werden kann. StelltmöblierteZimmerzurVerfügung! Wie das Studentenwerk Gießen uns mitteilt, steht der starken Nachfrage von Studierenden nach möblierten Zimmern gegenwärtig ein durchaus unzureichendes Angebot an Zimmern gegenüber. Durch die zahlenmäßige Abgrenzung der großen Hochschulen ist ein starker Zuzug von Studenten nach Gießen zu erwarten. Im Hinblick auf diese Sachlage hat die Stadtverwaltung die für ihre Beamten, Angestellten und Mieter seinerzeit verfügten Beschränkungen, die zur Sicherung der Lebenshaltung bedürftiger Vermieter das Vermieten von Zimmern untersagte, vorübergehend aufgehoben. Man beachte die heutige Anzeige des Studentenwerks. Kriegerkameradschast Gießen. Die Kriegerkameradschaft von 1874 Gießen hielt gestern im Cafö Ebel einen Kameradschaftsabend ab, in dessen Mistelpunkt die Herausgabe der Parole für neue Werbung aller alten Soldaten nach den letzten Weisungen durch den Kameradschaftsführer, Landgerichtsrat T r ü m p e r t, stand. Zur Freude aller konnte man auch den neuen Kreisverbands- führer, Oberst a. D. K o e 11 s ch a u (Bad-Nauheim), mit seinem Adjutanten Major a. D. Kindel, begrüßen. Nachdem des verstorbenen Kameraden, Metzger- meisters Klein in ehrender Weise gedacht worden war, sprach der Kameradschaftsführer Trümpert die Freude darüber aus, daß der Führer und Reickskanzler dem Kyffhäuser-Bund neue Wege gewiesen und zum Zeichen der Verbundenheit der alten Soldaten mit dem Dritten Reich die Führung des Hakenkreuzes in der Bundesfahne gestattet hat. Gleichzeitig hat der Führer dem Oberst a. D. Rein- hard für Sie Führung des Bundes feine Anerkennung ausgesprochen. Hierauf kam die neue Satzung zur Verlesung, die die Richtlinien für eine in engster Verbindung mit der nationalsozialistischen Weltanschauung stehende Mitarbeit gibt und ab 1. Januar 1936 in Kraft tritt. Ein vorgesehener Vortrag „Hessenfriedyöfe in Belgien" wurde auf den Dezember verschoben. Oberst a. D. Koe11schau gab in seiner Eigenschaft als Bezirksverbandsführer einige wichtige Erklärrungen, z. B. über die Weihe der neuen Fahne. Die SAL.-Ausweise sind nur noch bis Dezember gültig. Mit dem neuen Jahre erhalten die Kyff- häuser-Kameraden, die der SAL. angehören, einen neuen Ausweis, zugleich mit dem neuen Mitgliedsbuch. Kameraden, die nicht dem Bunde angehören, bekommen einen besonderen Ausweis über den Kyff- Häuser-Bund. Im Dezember wird auch in Gießen der Tonfilm vom Kyffhäusertag „Im Gleichschritt und Tritt" aufgeführt, der eine Werbung für die neuen, dem Bunde auferlegten Aufgaben fein soll. Als eine der wichtigsten Aufgaben ist das Schießen anzusehen. Der Kreisverband Gießen hat zwei Wanderpreise für die beste Schießgruppe und den besten Einzelschüßen gestiftet, die durch Oberst a. D. K o e 11 s ch a u zum ersten Male an die Gruppe Gießen (Hch. Appel 153 Ringe, Willi Georg 145, Georg Schilling 144, Willi Heinbach 133, insgesamt 575 Ringe) und an den besten Einzelschützen Willi Schilling mit 159 Ringen, der eine Hitler-Plakette erhielt, überreichen konnte, wobei der Kreisverbandsführer die Freude darüber aussprach, daß es gerade die Gruppe Gießen ist, die diese Wanderpreise zum ersten Male errang. Vereinsschießleiter Wagner dankte dem Kreisverbandsführer für die Ehrung und nahm bann wei- tere Auszeichnungen vor. Er überreichte die silberne Ehrennadel an Hch. Appel, Willi Schilling und Hch. Fleck, die bronzene an Rud. Reiber jr., Kreisschießleiter Albin Klein warb dann für die Schießübungen aller Kameraden bis zum 65. Lebensjahr. Er hob hervor, daß von den 78 Kameradschaften des Kreises mit 5000 Mitgliedern nur 960 den muß, ist bei wechselnder Beschäftigungszahl nicht der Jahresdurchschnitt zu Grunde zu legen, sondern die Beschäftigungszahl während des regelmäßigen Betriebsftandes. Für Saisonbetriebe gilt die gleiche gesetzliche Regelung. In Saisonbetrieben ist dann ein Dertrauensrat zu bilden, wenn während des größten Teiles des Jahres 20 Gefolgschaftsmänner beschäftigt werden. Der Bestand des Vertrauensrates hängt während seiner Amtsdauer nicht von der wechselnden Zahl der Belegschaft ab. Nur wenn die Belegschaft des Betriebes dauernd die Grundzahl von 20 Beschäftigten unterschreitet, also der Betrieb zum Kleinbetrieb umgestellt wird, ist für den Vertrauensrat als Mittler zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft kein Platz mehr (RAG. 105/35 — sw. 72/20. 9. 35). Gemeindeabend der petrusgemeinde. Man berichtet uns: Zum Gedenken an die große Glaubenstat des Reformators Martin Luther veranstaltete die Männervereinigung der Petrusgemeinde am 31. Oktober einen sehr gut besuchten Gemeindeabend. Der Redner des Abends, Studienrat Pfarrer Reinhardt, stellte unter ZugrundeFeierstunde zum 9. November am Samstag, dem 9. November, 20!thr, auf dem Oswaldsgarten Es nehmen teil: sämtliche Politischen Leiter aus Gießen, die vier Gießener Ortsgruppen, sämtliche Gliederungen und angeschlossenen Verbände der NSDAP. Alle Volksgenossen unserer Stadt werden aufgesordert, an dieser Feierstunde teilzunehmen und werden hiermit dazu eingeladen. Die Mitglieder der Wehrmacht, die Reichs- und Staatsbehörden, der Arbeitsdienst werden hiermit ebenfalls eingeladen. Fe ie r f o l g e: 1. Fahneneinmarsch. Begleitung dazu Landsknechttrommeln des Jungvolks. 2. Iahnenspruch, gesprochen von einem hitlerjungen. 3. Feiermusik, gespielt von dem Musikzug der SA.-Standarte 116: „Feiermusik zum 9. November von Erich Lauer". 4. Totenehrung. Sprecher Obersturmbannführer Parteigenosse 2N ü n k e r. 5. Feieransprache. Ls spricht der Kreisleiter. 6. Iahnenspruch. Sprechchor der Hitler-Zugend. 7. Aebersührung der Hitler-Jugend, hierzu spricht der llnkerbannführer Schneider. 8. Sieg-Heil auf den Führer und Horst-Wessel-Lied. 9. Großer Zapfenstreich, gespielt von dem Musikzug der SA.-Standarte 116. Sonderveranstaltungen einzelner Ortsgruppen oder Gliederungen müssen während dieser Feier ausfallen. Ende gegen 21.30 Ahr. heil Hitler! Gez.: Schmelz, Kreispropagandaleiter. teilgenommen haben, die insgesamt etwa 72 000 Ringe schossen, von denen die 130 Gießener Mann allein 8000 erzielten. Den Kameraden Georg, Heinbach, Schilling und Appel sagte er besonderen Dank für ihre Einsatzbereitschaft. Der Kreisverbandsführer stiftete für die besten Einzelschützen über 50 Jahre einen neuen Wanderpreis. Nachdem Kamerad Trümpert noch auf das Winterhilfswerk und besonders auf den Briefmarkenverkauf der Gießener NS.-Volkswohlfahrt, sowie auf das 62. Stiftungsfest im Januar 1936 aufmerksam gemacht hatte, schloß er den Abend mit dem Treuebekenntnis zu Führer und Volk. Wann ist ein Betrieb vertrauensratspflichtig? Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit bestimmt, daß in einem Betrieb mit in der Regel mindestens 20 Beschäftigten ein Vertrauensrat zu bilden ist. Zu dieser Gesetzesbestimmung liegt jetzt eine Stellungnahme des Rvichsarbeitsgerichts vor, in der es heißt: Für die Frage, ob nach der Zahl der Beschäftigten ein Vertrauensrat geoilöet Verlegung des 2. Timotheus-Briefes, Kapitel II, Vers 9, und der 62. These Luther und fein Werk ins rechte Licht. Luther hat zunächst im Auftrag Gottes gehandelt all die anderen Taten, wie die Befreiung aus fremder Knechtschaft und die Schaffung der deutschen Schriftsprache, sind erst aus seinem Gotteshandeln als Zugaben entstanden. Er war in erster Linie ein Gottesstreiter, und als solcher muß er beurteilt werden. Drei Abschnitte sind in seinem Leben und Wirken zu unterscheiden: fein persönlicher Kampf, sein Kampf in der Oeffentlichkeit und fein Aufbauwerk. Schon in frühester Jugend brannte ihm der Stachel in der Seele: „Wie komme ich mit meinem Gott — und damit meinte er den ernsten richtenden Gott — in ein reines Verhältnis?" Nach tiefem Dunkel und Zusammenbruch ist ihm der gnädige und gütige Gott im Evangelium aufgegangen. Nun fühlte er sich berufen zum Kampf in der Oeffentlichkeit. Denn Christenleben bedeutete für Luther eine Lebenshaltung! Er war bei feinem Kämpfen gebunden nur an Gott. So konnte er seinem deutschen Volke die deutsche Muttersprache schenken, die er schuf in dem gewaltigen Werk der Bibelübersetzung, er schenkte uns deutsch? Volks- Arbeiter der Stirn vereinigt euch im Reichsberufswettkampf mit den Arbeitern der Faust. Hitler-Jugend, Arbeitsfront und Fachschulschaft gingen voran; ihnen folgt jetzt die Studentenschaft mit dem Reichsleistungskampf der deutschen Studenten. Student! Beweise durch wortlose Leistung uäne Berechtigung in der Volksgemeinschaft. Das ist Sozialismus der Tat! Auf zum Kampf gegen dich selbst. An die Arbeit. Melde dich sofort bei der Studentenschaftsleitung (Studentenhaus). Für den Durchführungs- und Dettkampfausschuß: Der Leiter des Reichsleistungskampfes: gez. Kissel. Der komm. Studentenschaftsleiter und Hochschulgruppenführer des RSDStV.: gez. Friedrich. Der Rektor der Landesuniversität: gez. Pfähler. Der Führer des Bannes 116 der Hitler-Jugend: gez. Schreiber. Der Kreiswalter der Deutschen Arbeitsfront: gez. Wagner. lieber, den deutschen Gemeindegesang zum herzhaften Mitsingen im deutschen Gemeindegottesdienst, damit wir mit Gott eins würden, und nicht zuletzt den deutschen Katechismus für die deutsche Jugend. Luther hat erfahren müssen, daß, als die Bauern, die Humanisten, die Ritter und Fürsten ihre Ziele bei ihm nicht verwirklicht sahen, sie ihn deshalb verlassen haben. Doch er ging seinen Weg geradlinig, wie er ihm durch das Evangelium oorgeschrieben war. Für uns kann es sich heute, wie bei Luther, auch nur um die Frage handeln: Was hat Gott, der ungebunden ist, an uns für Forderungen? Trotz aller Auseinandersetzungen lieben wir unsere Kirche als die Kirche des Glaubens^ des göttlichen Wortes, des Kampfes, des Friedens und als die Kirche des deutschen Volkes. Wir tragen sie auf betendem Herzen, damit Einhalt und Einigkeit in ihr werde. Nach einem Liede des Frauenchors zeigte Gemeindepfarrer Trapp Lichtbilder von der praktischen Arbeit des Gustav-Adolf-Vereins für Kirche und Volk. Sie vermittelten einen Eindruck von dem Schaffen und Wirken dieses volkstümlichen Vereins auf den weitverzweigten Gebieten der Diaspora. Die wohlgelungene Veranstaltung fand mit Lied und Segen ihr Ende. ** Straßensperrung. Wegen Ausführung von Wohnungsbauten in der Schwarzlach ist der Schwarzlachweg zwischen Schottstraße und Asterweg von Montag, 4. November, ab bis auf weiteres für den gesamten Fahrzeugoerkehr polizeilich gesperrt worden. Die aufgestellten Sperr« und Umleitungsschilder sind zu beachten. ** Arbeitsvergebung. Der katholische Kirchenvorstand schreibt in unserem heutigen Anzeigenteil die Vergebung von Arbeiten zum Ausbau der katholischen Kirche in Gießen aus. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. Amtsgericht Gietzen. Mittels Strafbefehls wurde der W. O. aus Gießen roegen Sachbeschädigung und groben Unfugs mit 2 Wochen Gefängnis und 3 Tagen Haft belegt. Der Angeklagte wollte am 4. 7. d. I. Möbel, die bei feinem Sohn untergestellt waren, abholen. Dabei kam es zu Streitigkeiten, bei denen der Angeklagte eine Türfüllung eintrat und fick mit Familienangehörigen herumschlug. Da der Angeklagte in der gestrigen Sitzung wissentlich die Unwahrheit sagte, wurde die Gefängnis st rafe auf 3 Wochen erhöht, während es bei der Haftstrafe verblieb. • Photo 4630 D Seltersweg 67 Telephon 3170 uh! MMVMIWU Vornan von Frank I. Braun. 4 Fortsetzung. Nachdruck oerboten! Lena Bassenberg hatt das Anklopfen überhört. „Was gibt es?" rief sie erschrocken, neues Unglück erwartend. Kam ein Brief, meldete sich Basilius schon wieder? Die Zofe sah sie verwundert an. „Nichts, gnädige Frau, ich wollte nur erinnern, daß gnädige Frau um elf Uhr beim Schneider verabredet find." „Ja", sagte sie, „es ist gut, Sofie. Sie brauchen mir nicht zu helfen, lassen Sie nur." Das Mädchen ging wieder hinaus. Lena Bassenberg blieb sitzen, wo sie saß. Sie sah sich nicht im Spiegel; sie vergaß, was sie sich oorgenommen hatte. Nicht zum Schneider würde sie heute vormittag gehen. Ihr Entschluß war gefaßt. Allein konnte man das nicht tragen. Ihrem Mann wollte und durfte sie sich doch nicht anoertrauen. Nicht an sich, an ihn dachte sie dabei, ihm wollte sie solche Erschütterung ersparen. Wenn überhaupt hier jemand Rat wußte, wenn es einen Menschen gab, dem sie sich mitteilen durfte ohne Fucht, war das nur Franz Farrenkorn, ihr alter Freund, Freund auch ihrem Manne. War er nicht Rechtsanwalt? Sie würde ihm alles sagen und dann — mußte er einen Rat wissen, wie man dieses Basilius Herr wurde. Sie stand auf. Wie eine Erlösung war der Entschluß gekommen. Nie war sie jemals so rasch mit Ankleiden fertig geworden wie an diesem Tage. Ueberflüffig, bei Farrenkorn anzurufen und sich anzumelden. Sie wußte, daß er in seinem Büro fein würde. Kaum nahm sie zum Kaffee einen kleinen Imbiß zu sich, dann trieb es sie schon auf die Straße. Sie wollte die kurze Strecke zu Fuß gehen. Ihr fiel nicht auf, daß auf der anderen Straßenseite ein Herr ihr folgte. Aber der lange Jabusch, er, der als erster Lena Bassenberg entdeckt hatte, erkannte sie auch jetzt sofort. Auftragsgemäß folgte er ihr, und erst als er sah, wie sie vor dem Hause des Rechtsanwalts abbog, bereit war, einzutreten, rief er sie an und tief hinüber. „Guten Morgen, gnädige Frau", sagte er und lüftete höflich den Hut. „Sie erkennen mich wohl nicht mehr? Alwin Jabusch, ich war und bin der Freund Ihres Gatten Basilius. Wie die Zeit hingeht, nicht wahr?" Das war ja nun eigentlich eine mehr dumme, als drohende Rede; aber Lena Bassenberg erschrak doch zutiefst. Jabusch stellte die Wirkung seiner Worte mit Befriedigung fest. Er wies mit der Hand auf das Emaittefchild an der Hausmauer. Rechtsanwalt und Notar Dr. Farrenkorn stand da schwarz auf weiß, es leuchtete förmlich. „Sie wollen doch nicht etwa zum Anwalt? Das wäre das Ungeschickteste, was Sie tun könnten, gnädige Frau." Sie erholte sich. „Wie kommen Sie hierher, was bedeuten Ihre Worte?" „Ich habe auf Sie gewartet", gestand er schlicht und wahrheitsgemäß. „Basilius wünscht es. Er sagte zu mir: halte die Frau von unbedachten Schritten ab, Alwin, sage ihr, sobald sie etwas gegen mich unternimmt, schlage ich zu." Lena Bassenberg war ganz ruhig. „Das heißt?" Er wiegte den Kopf auf dem langen Hals. „Das heißt", wiederholte er, „ich hielt es für einen unbedachten Schritt, als ich feftftellte, Sie wollten zum Rechtsanwalt hier hinein. Oder wollen Sie wissen, was Basilius meint, wenn er vom Zuschlägen spricht? Auch das kann ich Ihnen andeuten. Er hat ein paar Artikel für die Presse bereit, in denen neben mancher Aufklärung davon die Rede ist, daß Sie sein Schweigen mit einer Perlenkette zu erkaufen versucht haben." Lena Bassenberg spürte, wie alles Blut aus ihrem Gesicht wich. Ihre ganze Kraft mußte sie aufbieten, diesem Mithelfer Basilius nicht ihre Schwäche zu verraten. Sie begriff, jetzt konnte sie nicht zu yranj Farrenkorn gehen. Man durfte Basilius nicht reizen. Es hieß wohl oder übel abwarten, was er unternehmen würde. I Sie drehte sich auf der Stelle um, ohne Jabusch noch eines einzigen Blickes zu würdigen, und schritt den Weg zurück, den sie eben gekommen war. Sie hatte die Zähne in die Lippen gebissen vor Zorn, Haß und Ohnmacht. Jabuschs freundlicher Gruß tönte ihr höhnend in die Ohren: „Guten Tag, gnädige Frau/ Lena sah sich nicht um. Was tun? Nach Hause, warten in Untätigkeit, daß die Lawine ins Rollen komme? Ich bin ihm ausgeliefert, er wird Kübel voll Schmach und Schande über mich ausgießen, über meinen armen Mann, wenn ich ihm nicht zu Willen bin. Was ist fein Wille? Qualvolles Abwarten. Blieb ihr wirklich sonst keine Möglichkeit? Sie schritt den nicht langen Weg wie eine Betrunkene. Ein Herr sah ihr erstaunt nach. Aus ihren weitoffenen Augen rannen die Tränen. Sie wischte sie nicht ab. 3. Kapitel. Der Jungfernstieg war wieder einmal aufgerissen. Man verlängerte den Schacht der Untergrundbahn. Jolly turnte gerade über einen Sandhaufen, eine Notbrücke vermeidend, als ihm ein Mann entgegen» kam, ihm sozusagen über den Weg lief, dessen Auftauchen ihm einen beklemmenden Schreck einjagte. Der großgewachsene Mann mit dem blonden Bürstenschnurrbart war Kriminalinspektor Reußing. Jolly sah zu Boden. Das konnte nicht auffallen. Die Erde war hier uneben. Aber er starrte wohl ZU angelegentlich zur Erde. Oder hatte Oberinspektor Reußing ihn schon vorher bemerkt? Ein Ausweichen war nicht mehr möglich. Als sie dicht nebeneinander vorbei mußten, hüstelte Reußing auf eine fo bestimmte Art, daß Jolly verstand, es war unsinnig, das Gesicht zu verstecken. Er schaute auf, grüßte mit gutgespielter Überraschung und nahm den Hut ab. Der Oberinspektor blieb stehen. Er faßte ebenfalls an seinen Hut. „Sieh an, der Herr Jean Jolly in Hamburg." Seine blauen Augen lachten und zwinkerten den anderen an. „Darf man wissen: bleiben Sie länger hier, sind Sie gemeldet?" Jolly schüttelte den Kopf. „Ich befinde mich noch aus der Zimmersuche, Herr Oberinspektor, bin gerade gekommen. Sie sind der erste Bekannte, den ich hier treffe." Reußing gab das Lächeln nicht auf. „Natürlich", fagte er heiter, „Glück muß der Mensch haben. Werden wir miteinander zu tun haben, Jolly?" Der vormalige Schauspieler wehrte ab. „Bestimmt nicht. Herr Oberinspektor: diesmal nicht." „Sie sind allein? Oder ist Herr Basilius auch hier in der Stadt?" ,.3ch bin allein", log Jolly. „Basilius ist in nun ja, in Budapest geblieben.* Oberinspektor Reußing nickte. „Ich suche Ihren Freund nicht", sagte er. „Sie hätten mir getrost die Wahrheit sagen dürfen." Er tippte zum Abschied an seinen Hut. Jolly grüßte höflich. „Auf Wiedersehen, Herr Oberinspektor", sagte er gedankenlos, und erst als die Worte heraus waren, fiel chm ein, daß er nichts mehr hoffte, als daß dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen möchte. Er blieb vor einem Zigarrenladen stehen, tat, als betrachte er die Auslagen und äugte dem Kriminalbeamten nach, bis er ganz sicher war, daß Reußing am andern Ende des Jungfernstieges verschwand. Dann erst bestieg er den Autobus und fuhr nach Barmbeck, wo sie — noch weit hinter dem Bahnhof — in einem Neubaublock wohnten. Sie — das waren Basilius, Jabusch und er. Jabusch hatte die Wohnung im vierten Stock unter der Hand gemietet; für acht Wochen nur. Offiziell wußte rein Mensch etwas davon. Denn das Haus war noch gar nicht fertig. Im Erdgeschoß arbeiteten noch die Maurer. Am Tage, wo der Bauherr es abnehmen würde, mußten sie hinaus. Aber so lange wollten sie gar nicht warten. Basilius und Jabusch saßen auf Stühlen um den runden Tisch. Die Luft im Zimmer war blau von Tabakrauch. Jolly mußte husten, als er eintrat. Sie hatten ihn in dem stillen Haus, die Arbeiter hatten schon Feierabend gemacht, längst gehört und waren nicht überrascht. Aber Jolly brachte sie beide sehr rasch aus ihrem Gleichmut. Gr trat an den Tisch, selber noch unter dem Eindruck seiner Begegnung und stieß hastig hervor: „Wißt ihr, wer in der Stadt ist?" und als Basilius und Jabusch ihn verdutzt ansahen, rief er den Namen „Reußing!". Jabusch zuckte zusammen, als habe er sich an feiner Zigarre verbrannt. Basilius blinzelte Jolly an, als erkenne er ihn nicht gut. „Woher weißt du das?" wollte' er wissen. Soth) setzte sich; er fächelte sich Kühlung zu. „Ick bin ihm begegnet", erzählte er; „leider konnte ich nicht mehr ausweichen. Wir wechselten einige Worte miteinander. Reußing, hat ja diese verflixte biedere Art. Er fragte übrigens nach dir, Basil. Er wollte wissen, ob du auch in Hamburg seiest. Ich verneinte das natürlich. Scheinbar gab er sich damit zufrieden.* (Fortsetzung folgt!) iffenschast im Dienst am deutschen Volk." 1 Edgar Gießen Neustadt 5 Ihre Geschäftsdrucksachen in? besonderer Berücksichtigung der von dem streckungsrichter zu beachtenden Richtlinien. Boll- Dem <1 rr Montag, 11. November, Prof. Dr. Klute: Wirtschaftswert afrikanischer Landschaften (mit Lichtbildern). Montag, 25. November, Prof. Dr. Hoffmann: Leistungssteigerung und Nervensystem. Montag, 16. Dezember, Prof. Dr. Glöckner: Die Ethik des Alltags und die Ethik des Philosophen. Montag, 6. Januar, Dr. Tempel: Kartoffelkäfer und Kartoffelkrebs, zwei gefährliche Feinde für die Ernährung des deutschen Volkes (mit Lichtbildern). Montag, 20. Januar, Prof. Dr. S ch u ch h a r d t : Neue Forschungen über die alten Tempel der Burg von Athen (mit Lichtbildern). Montag, 3. . Februar, Prof Dr. Dietz: Deutsches und Römisches Recht. Montag, 17. Februar, Prof. Dr. Schultze: Die Bedeutung der Geschlechtskrankheiten für Volk und Staat. Wie im Sommer, so veranstaltet die Universität Gießen auch im Wintersemester in Zusammenarbeit mit der NSG. „Kraft durch Freude", Deutsches Volksbildungswerk, eine Vortragsreihe unter dem Gesamtnamen „Wissenschaft im Dienst am deutschen Volke." Wieder haben sich die Vorträge das Ziel gesetzt, allen Volksgenossen Einblick in das Schaffen und Streben deutscher Wissenschaft zu gewähren. Sie wollen zu ihrem Teil beitragen, daß, wie die deutsche Forschung und Wissenschaft Dienst am deutschen Volke ist, auch ihre Ergebnisse Gesamtgut der Volksgemeinschaft werden. Zu den Vorträgen sind alle Volksgenossen eingeladen. Sie sind unentgeltlich und finben jeweils um 20 Uhr im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Ludwigstraße 34 (Ecke Goethestraße), statt. Folgende Vorzüge sind vorgesehen: Unverb. Vorführunjl aller Originalfabrikate der Quarzlampen-Gesellschaft m. b H , Hanau. Einer für alle, alle für einen! Das ist der Sinn des Einlopffonnlags am 10. November. Verl Sie die iüustr Drucks 8*3 m. Preisen Karl Egner • Gießen, Frankl. Str. 8 Medizinisches Fachgeschäft, Telefon 4191. Borrmann« Oberhessen. Auszeichnung für Reifung aus Gefahr. Der Führer und Reichskanzler hat mit Erlaß vom 10. Oktober 1935 dem Dreher Wilhelm Schuldt in Klein-Karben (Kreis Friedberg) die Erinnerungsmedaille für Rettung aus Gefahr verliehen. Jüdische Bäckerei wegen Unsauberkeit geschlossen. LPD. Büdingen, 4. Nov. Die Bäckerei des Juden Levi in der Obergasse befand sich von jeher in einem sehr unsauberen Zustand. Unmittelbar an die an und für sich schon schmutzige B a ck - st u b e grenzte die A b o r t a n l a g e, so daß die Ja, so ein Vollbad Wie neu geboren fühlt man sich hinterher, gesund und frisch. Verzichten Sie nicht darauf. Auch bei Ihnen läßt sich eine Badewanne aufstellen. Diese, wie auch Sitz- und Kinderwannen, stabil und schön, sind billig bei J. B. Häuser Am Oswaldsgarten 5936 a Gießen - Ruf Nr. 2145/2146 fANKA JKAFFEE ein besonders guter Bremer Kaffee Pfund RM 2.50 Pakete /k 50 Pfg. Z A und RM 1- Jp (AL jüdische Weltherrschaft. Der Arbeiter dachte nicht international, denn er war ja aus dem Bauernstand heroorgegangen und dadurch noch mit dem Boden verbunden. Daß er nicht international dachte, zeigte sich im Jahr 1914 beim Ausbruch des Weltkrieges und am 2. Mai 1933 bei der Auflösung seiner Standes- organisationen, der Gewerkschaften. Die einzelnen Verbände wurden zusammengeschlossen zur Deutschen Arbeitsfront. Die Arbeiter liefen nicht weg, sondern es kamen noch andere hinzu, so daß die Deutsche Arbeitsfront heute 23 Millionen schaffender Deutscher umfaßt. Die hierdurch bedingte Vereinfachung der Verwaltung ermöglichte außerordentliche Ersparnisse und dadurch erhöhte Leistungen bei herabgesetzten Beiträgen. Das Wesentliche an der Deutschen Arbeitsfront ist, daß sie nicht Nachfolgerin der Gewerkschaften und auch nicht der Arbeitgeberverbände ist. Es gibt also kein Gegeneinanderarbeiten mehr, sondern nur noch ein Miteinanderarbeiten. Die hauptsächliche Aufgabe der Deutschen Arbeitsfront ist die soziale Betreuung aller schaffenden Volksgenossen. Sie ist die Treuhänderin des schaffenden Volkes. Der Arbeiter soll nur das von der Volksgemeinschaft fordern, was er selbst bereit ist, ihr zu geben. Dies ist die Volks- und Leistungsgemeinschaft. Hierzu muß der Arbeiter erzogen werden. Die Richtlinien hierzu wurden in dem Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit gegeben. Es müssen der Führer des Betriebes und seine Gefolgschaft gemeinsam am Wohle des Volkes arbeiten. Zwischen Führer und Gefolgschaft muß eine Treuegemeinschaft bestehen. Dies ist die Hauptaufgabe der Schulungsarbeit der Deutschen Arbeitsfront. Den Arbeitern muß ein Hochziel vorschweben, und das heißt Deutschland. Das Programm des Nationalsozialismus ist deshalb: „dem Volke zu dienen, ihm Arbeit und Brot zu geben." Dies wird erreicht, indem man jedem Arbeiter den Arbeitsplatz gibt, für den er sich eignet und an dem er Hochleistungen erarbeiten kann. Der junge Mensch muß deshalb schon in den ersten Jahren mit der Arbeit in Verbindung gebracht werden. Es muß erkannt werden, zu welchem Beruf er sich hingezogen fühlt. Es soll deshalb das Bestreben der Erziehung sein, Fähigkeit und Veranlagung des Menschen festzustellen. Wird der junge Mensch an den Arbeitsplatz gestellt, zu dem er sich berufen fühlt, dann wird er Höchstleistungen schaffen und damit auch die Leistungen des ganzen Volkes steigern. Es ist deshalb erforderlich, daß der junge Mensch durch eine Berufs- und Charakterschule geht. Gelingt es dem Nationalsozialismus, hieraus den Leistungsaristokraten zu schaffen, dann hat er sich in diesen jungen Menschen die zukünftigen Führer der Partei und des Staates erzogen. Dann wird der Nationalsozialismus ewig zeitlos sein. Er hat sich , Oer nationalsozialistische Mensch und seine Arbeitsstätte. Dorträge im Zungjuristen-Schulungslager auf dem Gleiberg. Jauche unter einem Brotschrank hindurchlief. Direkt neben dem Backhaus betreibt der Schwiegersohn Levis, der Jude Adler, eine Fell- und Darmhandlung. Uebelriechende Darmfässer und Unrat liegen neben der Backstube. Da die Unsauberkeit dieses Bäckereibetriebes derart unglaubliche Formen annahm, mußte die Polizei einschreiten und die Bäckerei schließen. Landkreis Gießen * Wieseck, 5. Nov. Der Radfahrer-Verein 1900 Wieseck hatte seine Mitglieder zur Jahreshauptversammlung eingeladen, die gut besucht war. Vereinsführer Adolf Schäfer begrüßte die Kameraden und gedachte zunächst des im letzten Jahr verstorbenen Geschäftsführers Fritz Weiß. Alsdann erstattete er ausführlichen Bericht über das abgelaufene Dereinsjahr. Dem Bericht war zu entnehmen, daß der Verein eine stetige Sportbetätigung entfaltet hat. Den einzelnen Mannschaften war es vergönnt, einige Siege zu erringen. Die Kasse, die von Otto Lotz und Gustav Schneider geprüft worden war, ergab einen befriedigenden Abschluß. Dem seitherigen Vorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Anschließend wurde der Vorstand wie folgt neugebildet: 1. Vereinsführer Adolf Schäfer, Stellvertreter und Zeugwart Otto Kaiser, Geschäftsführer und Straßenfahrwart Ludwig Jung, Schriftführer Otto Lotz, Presse- und Werbewart Fritz Kling, 1. Saalsahrwart Otto Schnabel, 2. Saalsahrwart Rud. Wacker, Aeltestenrat: G. Schneider, L. Deibel, H. Kreiling und H. S ch n e p p. Die Vereinssatzungen (Einheitssatzungen), die im Verein eingeführt und anerkannt sind, kamen durch den Vereinssührer nochmals zur Verlesung. Im Anschluß hieran referierte Werbewart Fritz Kling über die Olympiade, die Bedeutung des Sportgroschens, sowie über den RsL. Unter Punkt Verschiedenes wurden noch einige interne Vereinsangelegenheiten behandelt und die Abhaltung eines Werbeabends am 30. November beschlossen. Mit dem Gruß an den Reichskanzler Adolf Hitler und an den Reichssportführer von Tschammer und Osten fand die harmonisch verlaufene Versammlung ihr Ende. K Alten-Buseck, 5. Nov. Hier fand im Amtszimmer der Bürgermeisterei die feierliche Ueberrei- chung der Ernennungs- und Anstellungsurkunden für die neuen Gemeinderäte statt. Nach einer kurzen Ansprache des Bürgermeisters Kahl wurden die Gemeinderäte in feierlicher Form vereidigt. Das Ehrenamt als Gemeinderat bekleiden Pg. Otto Kahl, Wilh. Muhly, Pg. Wilhelm Schäfer, Ludwig Schwalb, Pg. Friedrich Wagenbach und Heinrich W a g e n b a ch. Als zweiter Beigeordneter wurde Pg. Heinrich Wilhelm Freund verpflichtet. Hierauf wurden verschiedene Punkte der Tagesordnung erledigt. Die Verbindungsstraße Alten-Buseck — Trohe soll ausgebaut werden. — Die Friedhof- und Schanzenstraße sollen neu eingedeckt werden. Im Mittelpunkt der Beratung stand die Frage über die Schulden-Tilgung bei der Gemeindekasse. Die Außenstände der Gemeinde verteilen sich auf vier verschiedene Arten von Schuldnern. Zu Gruppe 1 gehören Schuldner, die auf Grund ihrer Einkommen in der Lage sind, in Raten ihrer Zahlungsfrist nach einem vereinbarten Tilgungsplan nachzukommen. Die zweite Gruppe setzt sich aus Schuldnern zusammen, deren Einkommensoerhält- nisse es nicht ermöglichen, ihren Zahlungsverpflichtungen in Raten nachzukommen. Diese Schuldner sollen für die Gemeinde eine Sicherungshypothek eintragen lassen. Mit Wirkung vom 1. Januar 1936 sollen von dieser Hypothek drei v. H. Zinsen bezahlt werden. Die Schuldner der dritten Gruppe sind in Gauschulungstagung der Akbeitsgememschast heff. Gerichtsvollzieher in Gießen. Am. Samstag und Sonntag fand die Sau« schulungstagung der Arbeitsgemeinschaft Hess. Gerichtsvollzieher in den Räumen des Hotel-Restaurant Hindenburg zu Gießen statt. Der gute Besuch dieser Gauschulung gibt den besten Beweis für das vorhandene Interesse der Berufskameraden Gaufachberater, Gerichtsvollzieher Stang in Worms, der die erschienenen Ehrengäste und Berufskameraden begrüßte und des verstorbenen Kameraden i. R. Berlinghof in Oppenheim gedachte, sprach am Samstagnachmittag in mehrstündigem Vortrag u. a. ausführlich über den Verlauf der „fachwissenschaftlichen Woche für Justizbeamte in Berlin", an der er als Gaufachberater und Rechtswahrer persönlich teilgenommen hatte. Der Abend vereinigte die Berufskameraden mit Angehörigen zu einigen vergnügten Stunden. Ärn Sonntag früh nahm die Tagung ihren Fortgang. Als Gäste konnten begrüßt werden: Landge- richtsprüsident T h ü r e, Amtsgerichtsdirektor Dr. Mickel, Gerichtsassessor H o f m e y e r und Rechtsanwalt Krüger in Gießen, letzterer als Vertreter der Fachgruppe Deutscher Rechtsanwälte. Gerichtsassessor Hofmeyer in Gießen nahm dann das Wort zu einem umfang- und lehrreichen, fesselnden Vortrag über den Vollstreckungsschutz aus dem Gebiete der Mobiliarzwangsvollstreckung unter Erzeugnissen. Man stellt sich die Beschaffenheit Ihrer Waren so vor. wie man Briefbogen. Briefumschläge. Postkarten, Rechnungen. Geschäfte karten Ihres Hauses beurteilt. Legen Sie deshalb Wert auf gepflegte Drucksachen I Wir bieten eie Ihnen Brühl’sche Druckerei, Schulstr. 7, Ruf 2251 Front, so müsse auch im Betriebe Kameradschaft herrschen. Gleiche Opfer müßten von allen gebracht werden. Dabei brauche man keine Angst zu haben, daß die Autorität des Betriebsführers dadurch geschwächt werde. Im Gegenteil könne er sich anders durchsetzen, wenn es ihm gelänge, das Vertrauen seiner Gefolgschaft zu erwerben und ein wirklicher Führer zu sein. Der Redner ging schließlich noch auf die Bedeut- tung des Gedankens „Schönheit der Arbeit" ein. Er betonte, wie sehr dadurch die Arbeitsfreudigkeit und damit auch die Wirtschaftlichkeit des Betriebs gefördert werden könne, und wie oft mit kleinen Mitteln ein großer Erfolg zu verzeichnen wäre. Dieser Aufgabenbereich erstrecke sich auch auf das hygienische Gebiet. Es gelang dem Redner durch den Hinweis auf diese neuen großen Aufgaben der Arbeitsfront, den Lagerteilnehmern ein Bild davon zu geben, welche Möglichkeiten bestehen, um den Kameraden in den Betrieben weiterzuhelfen und die soziale Frage einer weiteren Lösung entgegenzuführen. Kreiswaiter 0er DAF. Hermann Wagner sprach über „die Aufgaben der DAF.". Der Redner ging von der Entwicklung des deutschen Arbeiterstandes aus, deren Anfang im 19. Jahrhundert mit der Erfindung der Dampfmaschine und der Raumnot des deutschen Bauern beginnt. Durch die Erfindung der Dampfmaschine entstanden Fabriken und damit Bedarf an Arbeitern. Die Arbeiter rekrutierten sich aus dem Bauernstand. Die Zweit- und Spätergeborenen fanden auf dem Bauernhof keinen Platz und keine Ernährungsmöglichkeit mehr und gingen deshalb in die Stadt, in die Fabriken. Es ist die Tragik des deutschen Bauern, daß er sich zur Stadt hingezogen fühlte, wo er bessere Lebensbedingungen zu finden glaubte, aber stark enttäuscht wurde. Es gab keine Schönheit der Arbeit, keine Volksgesundheit. Er wurde nur als Arbeitstier betrachtet und sehnte sich deshalb danach, etwas mehr zu sein. Der Arbeiter befand sich in großer materieller und seelischer Not. Er wurde nicht verstanden, und daß ist die große Schuld unserer Vorväter. Sie trieben damit den Arbeiter in die Arme des Judentums, das die Nöte des Arbeiters erkannt hatte und die internationale Solidarität aller Arbeiter und deren Weltherrschaft predigte (Karl Marx), was dann nichts anderes war als die "äSÄ'Ääl . Original Hanau • An seiner gesunden Farbe der Fröhlichkeit und den größeren Leistungen zeigt sich schon die Höhensonne^ -Original Hanau W Kompl Apparate vOn RM l RM 2*1.20beiHaüsir^)eu««M die guten Helfer der Hausfrau! Weil häufig Gebrauch (k,u.' Qualität Jachten! Vfo Z' Sie diese Iqu- en, natürlich ba- fi38?A Landgerichtspräsident Thüre und Rechtsanwalt Krüger, Gießen, zu einzelnen Ausführungen genommen. Die Tagung, die die Berufskameraden noch bis zum späten Nachmittag in reger Unterhaltung über Berussfragen zusammenhielt, wurde geschlossen mit dem Grundsatz, daß der unbedingt erforderlichen Fortschulung der Berufskameraden größte Bedeutung beizumessen sei. Es wird künftig Aufgabe der Bezirksfachberater sein, regere und umfangreiche Schulungstätigkeit zum Besten der Berufsgruppe und damit auch zum Besten des Dolksganzen zu üben. Mit einem Sieg-Heil auf Führer und Vaterland nahm die Tagung ihr Ende. L L Der Montag war arbeitsrechtlichen Fragen gewidmet. Er stand im Zeichen der Verwurzelung des nationalsozialistischen Menschen mit seiner Arbeitsstätte, seinem Betrieb. Am Vormittag hielt Professor Dietz einen Vortrag über Betriebsgemeinschaft, am Nachmittag sprach zuerst der Gau- schulungsleiter der Deutschen Arbeitsfront Pg. Demmer über Betrieb und Menschenführung, dann der Kreiswaiter der Deutschen Arbeitsfront Pg. Wagner über Aufgaben der Deutschen Arbeitsfront. Professor Dietz machte einleitend darauf aufmerksam, daß das AOG. das Gesetz ist, das am meisten der nationalsozialistischen Weltanschauung entspricht. Es sei das Grundgesetz unserer Arbeit überhaupt, das - die nationalsozialistische Auffassung von der Arbeit gesetzlich verankert habe. Damit stehe es im Gegensatz zu dem ftüheren Betriebsrätegesetz. Das AOG. habe drei große Gestaltungsmomente. An der Spitze stehe der Gedanke der Gemeinschaft. Das bedeute, auf den Betrieb angewandt, die gegenseitige Verbundenheit zwischen dem Führer des Beiriedes und der Gefolgschaft. Beide arbeiten zusammen zum gemeinen Wohl von Volk und Staat. Das zweite Moment sei, daß der Betrieb einen Führer habe, der aber nichts anderes sei als der Mitgenosse der Gemeinschaft. Das dritte Moment sei, daß die Arbeit geadelt werde, indem sie sozialer Ehrendienst sei. Sie sei sowohl an der Gemeinschaft im Betrieb, als auch darüber hinaus Dienst am gesamten Volke. Damit sei mit der üblen Erscheinung aus der Systemzeit gebrochen, wo der sogenannte „Prolet" seine Arbeitskraft möglichst teuer verkauft habe. Zur Betriebsverfassung sei als entscheidendes Moment festgestellt, daß der Betrieb den Kern und den Schwerpunkt bilde. Dieser sei nicht der Betrieb des Unternehmers schlechthin. Zwar der Unternehmer und Führer des Betriebes spreche von seinem Betrieb, aber auch die Gefolgschaft spreche von ihrem Betrieb. Deshalb könne der Unternehmer und Führer mit seinem Betrieb auch nicht machen, was er wolle. Nach seiner Auffassung habe der Unternehmer an feinem Betrieb kein Eigentum im Sinne des § 903 BGB., sondern er sei Diener seines eigenen Betriebes. Aus der gegenseitigen Derbundenheit ergebe sich naturnotwendig, daß der Arbeitsvertrag kein Austauschoertrag im Sinne der §§ 323 fft BGB. sein könne, er sei vielmehr ein dem gemeinrechtlichen Denken entsprechender Treuevertrag. Bezüglich der Auffassung der Arbeit als sozialer Ehrendienst machte der Redner folgende Ausführungen: Ehrendienst bedeute, auf die Betriebsgemeinschaft angewandt, für den Führer und Unternehmer, daß er sich bei seinen Entscheidungen von pflichtgemäßem Ermessen leiten lassen müsse. Er habe kein absolutes Recht, sondern ein ausgesprochenes Pflichtrecht. Für ihn bedeute soziale Ehrenpflicht, kraft seiner Führeraufgabe für die Gefolgschaft zu sorgen. Auf den „Herr-im-Hause-Stand- punkt" könne er sich nicht stellen. Für die Gefolgschaft bedeute sozialer Ehrendienst, in Treue zu ihrem Führer und Unternehmer zu stehen, nicht allein wegen des Broterwerbes zu arbeiten, sondern zum Wohle der Gemeinschaft im Betriebe und damit zum Wohle von Volk und Staat. Oer Gauschulungsleiter der DAF. pg. Demmer führte in seinem Vortrag über „Betrieb und Menschenführung" einleitend aus, daß die Arbeitsfront die Organisation zur Erziehung der Betriebsangehörigen sei. Sie müsse für die Leistungsfähigkeit der Betriebe im besonderen dadurch wirken, daß sie den Grundsatz „den rechten Mann auf den rechten Platz" in die Tat umsetze. Sie müsse daher für eine neue personelle Ordnung in den Betrieben sorgen. Der Mensch müsse wieder im Mittelpunkt stehen, seinen besonderen Veranlagungen müsse Rechnung getragen werden. Dabei komme es darauf an, den speziellen Charakter und die Leistungsfähigkeit des einzelnen richtig zu beurteilen. Leistungsvermögen, Leistungsbereitschaft, Begabung, Fähigkeit der sinnlichen Wahrnehmung und körperliche Fähigkeit seien die zu berücksichtigenden Hauptelemente. Schon in der Jugend müsse durch Lehrer und Arzt eine Beobachtung in der Richtung erfolgen, wo später im Berufsleben zweckmäßigerweise der einzelne eingesetzt werden könne. Diese Aufgabe habe später das Berufsberatungsamt. In der Lehre dürfe noch keine Spezialisierung einsetzen, als Geselle müßten erst die notwendigen weiteren Erfahrungen gesammelt werden. Dann sei es Aufgabe des Betriebsführers, feinen Gefolgsmann an den Arbeitsplatz zu stellen, auf dem der einzelne die größtmöglichsten Arbeitserfolge erzielen könne. Wesentlich fei weiter die Leistungslage, d. h. der Arbeitsplatz. Hier dürfe es nicht wieder dazu kommen, daß durch den Einsatz von Maschinen die Arbeitsmöglichkeiten verringert würden. Diese hätten lediglich den Zweck, die Arbeit zu erleichtern. Stets müsse im Mittelpunkt der Mensch als Regler und Ordner stehen. Einen neuen Inhalt habe die Arbeit im nationalsozialistischen Staat erhalten. Sie fei nicht mehr dazu da, um materielle Bedürfnisse zu befriedigen; sie fei vielmehr Dienst am Volk. Wie einst an der Vortrag wurden zu Grunde gelegt: die Entwicklung des Vollstreckungsschutzes, die Voraussetzungen desselben, wie Grundgedanke, Würdigung des Schuldners (Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse, Person des Schuldners, Aufwand und Tüchtigkeit desselben), Schutz des Gläubigerinteresses und Mitwirkung des Gerichtsvollziehers. Nicht unerwähnt blieb die lex Koeppen und die in diesem Zusammenhang von dem Gerichtsvollzieher zu beachtenden Gesichtspunkte. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß ein unbedingter Anspruch auf Schuldnerschutz nicht besteht, daß aber anderseits ein zu radikales Vorgehen der Gläubiger mit Rücksicht auf die dem Gericht durch das Vollstreckungsschutzgesetz nunmehr gegebenen Möglichkeiten, auch im Interesse einer wirklich echten Volksgemeinschaft, doch in erheblichem Maße unterbunden werden kann. Dem Vortrag, der die praktische Seite des Gerichtsvollzieherdienstes, auch die bei feiner Ausübung sich leider so oft in die Wege stellenden Schwierigkeiten, gut beleuchtete, wurde von allen Zuhörern aufmerksam gefolgt. Reicher Beifall der Teilnehmer zollte dem Vortragenden gebührende Anerkennung. Im Anschluß fand eine rege Aussprache statt. — Weiter wurde das Wort noch von den Herren Fahrrad-Bornemann letzt: Neuen Bäue 22 52öoA im Hause der Stadtpost IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHI Ala Anzeigen-Aktiengesellschast Annahme von Anzeigen für alle Kettungen u. Bettidiinten Gießen / Gchulstraße 2 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimi Sofort 200 Mk. monatlich ohne Kapitalien verdient fleißiger Herr oder Dame durch vornehme Vertretung für alte ehern. Fabrik Mitteldeutschi. Nur ausführl. Bewerbungen mit Angabe der bisherigen Tätigkeit können berücksichtigt werden. Angebote unter G. A. 471 an Sachaen- land-Anzeigenmittler, Leipzig, eaasv der Lage, ihre Zahlungen zu leisten, haben aber trotzdem ihren Verpflichtungen nicht genügt. Sie werden aber auf dem Wege der Beitreibung hierzu gezwungen. Bei der vierten Gruppe handelt es sich um solche Schuldner, bei denen weder Zahlungsfähigkeit noch Deckung vorhanden ist. Hier wird den Betrag niedergeschlagen (ungefähr 500 Mark). Der Vorschlag wurde von dem Gemeinderat angenommen. wg. Großen-Buseck, 5. Nov. Der hiesige Geflügelzuchtverein veranstaltete am Sonntag im Saale des Gastwirts Gans eine Lokal- Geflügelausstellung, mit der eine Der» losuna verbunden war. Äusstellungsleiter war Schlossermeister Heinrich Zecher II. von hier, Preisrichter war der bekannte Geflügelzüchter Otto S ö d l e r (Nieder-Gemünden). Die Prämiierung hatte folgendes Ergebnis: Schwarze Italiener: Sehr gut und Ehrenpreis sowie 1. Preis Heinrich Münch; Rebhuhnfarbige Italiener: Sehr gut (Ehrenpreis) Alfred Hahn, ebenso den 1. Preis; Gestreifte Italiener: Sehr gut und Ehrenpreis sowie 1. Preis Ludwig Nicolai; Rheinländer: Sehr gut (Ehrenpreis) und 1. Preis Gg. Damm, Sehr gut (Ehrenpreis) Heinrich Jost; Plymouth: Sehr gut (Ehrenpreis) und 1. Preis Heinrich Pfeiffer; Rhodeländer: Sehr gut (Ehrenpreis) Ludwig Nicolai, Sehr gut (1. Preis) Wilhelm Melior; Goldfasanen: Sehr gut (Ehrenpreis) Karl Hillebrecht. △ Lollar, 5. Nov. Die Sängervereinigung L o l l a r veranstaltete am Sonntagabend im Saalbau „Zur Linde" ein K o n z e r t, bei dem der Musikzug der SA.-Standarte 116 Gießen unter Leitung von Musikzugführer Herrmann mitwirkte. Der Verein, der unter Leitung von Chorleiter H. Meyer (Wieseck) steht, brachte in guter Weise einige Kunstchöre zu Gehör, u. a. auch einen Marsch und einen Walzer mit Orchesterbegleitung. Die Chöre fanden, ebenso wie die Musikstücke der SA.-Kapelle, reichen Beifall. Das Konzert wies einen guten Besuch auf. )—( Ruttershausen, 5. Nov. Am Sonntag fand in der evangelischen Kirche zu Kirchberg ein Frauentreffen der fünf Frauenhilfen des Kirchspiels statt, das dank des guten Wetters und der Vorbereitung glänzend besucht war. Ungefähr 500 Frauen füllten die Kirche. An Stelle der verhinderten Kreisleiterm, Frau K r e u - der- Gießen, war ihre Stellvertreterin, Frau Rau- Klein-Linden, gekommen, die in der Nachversammlung die Frauen begrüßte und den Jahresbericht erstattete. Der Nachversammlung ging ein Gottesdienst voraus, in der Propst Knodt- Gießen über Psalm 90, Vers 1, predigte und die Gemeinde auf die Höhe führte. Je ein dreistimmiger Chor der Frauenhilfen Lollar und Staufenberg (Dirigent: Rektor a. D. D a a b - Lollar) verschönten die Feier. In der Nachversammlung um 16 Uhr hielt den Hauptvortrag die Geschäftsführerin des Verbandes, Fräulein Wahrendorf - Alsbach, über „Unsere Winterarbeit". Alle Fragen, die evangelische Frauen bewegen, wurden in taktvoller Weise erläutert. Es war fast dunkel, als Pfarrer G u ß - mann nach Verständigung einiger Einladungen der Frauenschaften von Daubringen und Lollar, sowie nach Mitteilung der beginnenden Winterarbeitsabende mit Gebet die bis zum Schluß andächtige Versammlung schloß. Besonderer Dank gebührt der Evangelischen Frauenhilfe von Ruttershausen, die es sich nicht nehmen ließ, die vielen Gäste gastlich zu bewirten und enttäuscht war, daß es — nicht mehr waren. * Lang-Göns, 6. Nov. Hier vollendete gestern der Landwirt Philipp Keßler sein 70. Lebensjahr. Herr Keßler war langjähriges Vorstandsmitglied im Landwirtschaftlichen Lokalverein Gießen und ist durch seine Demtschinski-Versuche bekannt geworden. Er war der erste in Lang-Göns, der seine Saaten auf 20 Zentimeter drillte und das Hackverfahren mit gutem Erfolg durchführte. Sein ganzer Wirtschaftsbetrieb war überhaupt als mustergültig anzusehen. Dies hat auch nachstehendes Ergebnis klar bewiesen: die Hessische Landwirtschaftskammer veranstaltete im Jahre 1913 eine Prämiierung landwirtschaftlicher Betriebe unter 150 Morgen, bei der sie große Anforderungen stellte. Zu dieser Prämiierung hatte eine Anzahl Landwirte aus allen drei Provinzen ihre Betriebe anaemeldet. Bei der Prüfung ging Keßler unter sämtlichen Bewerbern mit der besten Leistung in Feld und Hof aus dem Wettbewerb hervor. Es wurde ihm von der Landwirtschaftskammcr ein schöner Preis zugestellt. Bedauerlicher Weise leidet der betagte Mann schon seit Jahren an einer unheilbaren Krankheit seiner Glieder und kann sich mit Hilfe zweier Stützen kaum noch fortbemegen. # Queckborn, 5. Nov. Nach der neuen Gemeindeordnung hat unser Ort jetzt neben dem B ü r- germeister noch zwei Beigeordnete und vier Gemeinderäte, die von Bürgermeister Horst in ihr Amt einqeführt und verpflichtet wurden. Es sind nachstehend genannte Einwohner: Johann Heinrich Albert, erster Beigeordneter. Otto Albert, zweiter Beigeordneter; Ludwig Gör- n e r t XV., Wilhelm Schompert, Karl Schäfer I. und Franz Paul Gemeinderäte. — Die Grünberger Straße von der Neumühle bis £3 und NGKK. Don Kraftsahrinspekieur West, Gruppenführer Seydel. Wenn am 9. November 1935, dem Tage, an dem sich das Münchener Blutopfer zum zwölften Male jährt, eine stattliche Zahl von Hitler-Jungen in das National-Sozialistische Kraftfahrer-Korps übertritt, so vollzieht sich damit ein Akt tiefer Symbolik, zeigt sich darin jene nie versiegende Lebenskraft und Jugendfrische der nationalsozialistischen Bewegung, die diesem machtvollen Bau völkischen Denkens Ewig- keitsbestano sichert. Gleichzeitig wirkt sich mit diesem Uebertritt zum ersten Male eine Vereinbarung zwischen dem Korpsführer Hühnlein und dem Reichsjugendführer Baldur v. S ch i r a ch praktisch aus, wonach das NSKK. zukünftig feinen Jugend-Nachwuchs ausschließlich den Reihen der HI. entnimmt. Beide ZHomente legen uns verantwortungs- reiche, aber ehrenvolle Verpflichtung auf. Dir wollen und werden den motorsportbegeisterten Jungen treue Kameraden sein. 3n unseren Einheiten, auf unseren Motorsportschulen und bei unseren motorsporklichen Veranstaltungen werden wir sie zu tauglichen Gliedern eines gesunden, starken und ehrliebenden Geschlechtes erziehen. Ernste und vielgestaltige Arbeit werden diese Jungmannen bei uns finden; Arbeit im Dienste für Führer und Volk. Sie werden diese Arbeit erfüllen und die ihrer harrenden Aufgaben lösen können in einer Gemeinschaft von gleichgesinnten, dem Führer verschworenen Kameraden. So wie schon viele Hunderte Hitlerjungen mit großer Liebe und Begeisterung ihre motorsportliche Ausbildung in unseren Schulen suchten und fanden, so wie wir in vollstem Verantwortungsbewußtsein die uns vom Reichsjugendführer übertragene planmäßige Ausbildung der Motorsportscharen der HI. mit ganzer Hingabe übernommen haben, so werden auch die am 9. November zu uns kommenden Hitlerjungen bei uns herzliche Aufnahme finden: In jenem Geiste, der die SA. in der schweren Kampfzeit Verfolgungen und Terror siegreich überstehen ließ, in jener Kameradschaft, die uns zusammenschweißt über den Tod hinaus, und in jener Vaterlandsliebe, die nur den einen Gedanken kennt: Deutschland! So heißen wir Euch denn als Kameraden in unseren Reihen willkommen! Seid gewiß, daß wir uns der hohen Verantwortung, die Euer Kommen für uns bedeutet, voll bewußt sind, daß wir Euch als uns anvertrautes Gut der Nation gut zu betreuen wissen, daß wir die große Aufgabe, Euch zu vollwertigen Motorsportmännern heranzubilden, mit ganzer Kraft meistern werden. Wir grüßen Euch, Kameraden der Hitler-Jugend und verlangen von Euch nur Eins: Daß Ihr bereit seid mitzumarschieren i m Geiste unseres Führers Adolf Hitler, auf daß Ihr Wegbereiter seid dem einen großen Ziel: dem im Nationalsozia- lismus geeinten freien Deutschland! zu unserem Orte, die schon lange in schlechtem Zustand war, ist nunmehr neu hergerichtet und dadurch wieder in einen annehmbaren Stand gebracht worden. (D Bellersheim, 4. Nov. Auf dem Güter- bahnhof Obbornhofen-Bellersheim herrscht zur Zeit starker Betrieb. Durch die hiesige Bäuerliche Genossenschaft und die von Obbornhofen kommen eine größere Anzahl Bahnwagenladungen Speisekartoffeln zum Versand, auch wurden die ersten Verladungen von Weizen getätigt. Der Grundpreis ist in diesem Monat 20,20 Mark. Dazu kommt noch ein Zuschlag von 15 Pfennigen für je eine Einheit des Hektolitergewichts über 77 Kilogramm. Der Zentner gelbfleischige Eßkartoffeln wird frei Bahnhof mit 2,78 Mark bezahlt, woran später noch der Frachtanteil zum Abzug gebracht wird. Auch der S t ü ck g u t o e r k e h r hat in den letzten Wochen stark zuqenommen. )—( Obbornhofen, 4. Nov. Entgegen der Mitteilung, daß die durch Ruhestandsversetzung freigewordene Pfarrstelle vom benachbarten Bellersheim bis Ostern mitversehen werden sollte, hat der Landesbischof von Hessen-Nassau den Pfarrer Schäfer von Bischoffen im Taunus mit der Verwaltung der Stelle betraut. Der neue Geistliche hielt gestern im vollbesetzten Gotteshaus seine Antrittspredigt. Er stammt aus Annerod und war mehrere Jahre als Missionar tätig. Da das Pfarrhaus innen neu hergerichtet wird, kann der Umzug nach hier erst mit dem 1. Julmond erfolgen. — Nachdem die Gemeindeverwaltung die Orts- atzung über die S ch ä d l ingsbekämp- ung im Obstbau eingeführt hat, wurden die Be- itzer zum Fällen abgängiger Obstbäume aufgeordert. Gleichzeitig wurde ihnen das Anlegen von Klebgürteln zur Pflicht gemacht. Hier ging die Gemeinde mit gutem Beispiel voran, indem sie den gesamten gemeindlichen Baumbestand mit Leimringen versehen ließ. Im Laufe des Winters soll nach planmäßiger Stamm- und Kronenpflege etwa ein Drittel aller Baumstücke der Karbolineum- spritzung unterworfen werden. — Da im hiesigen Gemeindewald die Buchen Überreichen Fruchtansatz zeigen, wurden acht Hektar Wald mit einem der Forstbehörde gehörigen schweren Grubber bearbeitet und geeggt, um so ein Saatbett für eine natürliche Verjüngung zu schaffen. Merkwürdigerweise fruchten die Eichen heuer gar nicht, da die Blüte unter den Frühjahrsfrösten gelitten hat.. Kreis Schotten. □ Laubach, 5. Nov. Am Sonntagabend fand im Saale des „Solmser Hofes" ein Turn- und Werbeabend der hiesigen Turngemeinde statt, der sich eines guten Besuches erfreute. Für den ersten Teil des Abends war eine „Völkische Feierstunde" vorgesehen. Nach dem Einmarsch der Turnerinnen und Turner begrüßte der Vereinsführer Karl V o n - E i f f II. die Volksgenossen. Reallehrer Haas sprach sodann über den hohen Wert des Turnens und die Geschichte der Deutschen Turnerschaft. Anschließend verteilte er zahlreiche Ehrendiplome an die Sieger der Turngemeinde, die an den letztjährigen Turnfesten unseres Gaubezirks teilgenommen hatten. Nach dreifachem Sieg-Heil auf Führer und Vaterland wurden das Deutschlandlied und das Horst-Wefsel-Lied gesungen. Der zweite Teil der Veranstaltung wurde mit fröhlichem Turnen mit und ohne Gerät ausgefüllt. Die exakt ausgeführten Hebungen an Barren und Pferd sowie die Freiübungen, Ballspiele und Reigen der Turnerinnen wurden beifällig aufgenommen. Zum Schluß wurden noch Pyramiden gestellt und lebende Bilder gezeigt. Anschließender Tanz bei guter Musik beschloß die in allen Teilen gelungene Veranstaltung. -T- Groß-Eichen, 5. Nov. Gestern scheuten hier beim Anspannen die Pferde des Landwirts Heinrich Krebs dadurch, daß Dachdecker bei ihren Arbeiten auf dem Dache Ziegelsteine herabwarfen, durch deren Aufschlagen die Pferde erschreckt wurden. Die Tiere rasten mit einem M i l ch w a g e n und einem Pflug davon, wurden aber im Dorfe durch das mutige Verhalten der Schmiedefrau Fischer, die ihnen geistesgegenwärtig mit einem Spaten in der Hand entgegentrat, aufgehalten und gegriffen, bevor Unheil entstand. Nur der Pflug und der Milchwagen wurden beschädigt. Kreis Bübingen. ch Nidda, 5. Nov. Bürgermeister Philippi, der am 18. Dezember v. I. zum kommissarischen Bürgermeister unserer Stadt bestimmt und seit dem 10. Januar d. I. die Amtsgeschäfte führt, wurde vor einigen Tagen durch einen Vertreter des Kreisamtes Büdingen vereidigt. Gleichzeitig wurde auch der zweite Beigeordnete, Kaufmann Karl Singel, vereidigt. Unser Stadtvorstand besteht nun aus dem Bürgermeister, zwei Beigeordneten und acht Ratsmitgliedern. Kreis Alsfeld. = er. Homberg, 4. Nov. In der hiesigen Stadthalle fand gestern eine Kundgebung des B e - zirksverbanoes Alsfeld des Reichs- Krieg e r b u n d e s Kyffhäuser und der S A L. zur Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland statt. Nach einem Marsch durch die Stadt unter flotter Marschmusik der SA.-Kapelle begrüßte in der Stadthalle der Bezirksoerbandsführer R e u f ch e r - Alsfeld die Vertreter der Partei, der Wehrmacht und die übrigen zahlreichen Volksgenossen, sodann wies er auf das Einrücken der ersten Rekruten auf Grund des Wehrpflicht- Gesetzes hin und brachte in diesem Zusammenhang den herzlichen Dank aller alten ©ofbaten und der übrigen deutschen Männer und Frauen an den Führer und Reichskanzler für seine bisherige Großtaten des deutschen Ausbaues, insbesondere für die Wiederherstellung der deutschen Wehrfreiheit, zum Ausdruck. Anschließend sprach Major a. D. Rietz sch, Hanau, über nas Thema: „Das Wesen des nationalsozialistischen Wehrgesetzes". Der Redner stellte dabei die hohen Ziele dieses Gesetzes für das Wohl des ganzen deutschen Volkes klar und überzeugend heraus, gab einen Ueberblick über die wichtigsten Bestimmungen, wobei zer besonders hervorhob, daß das neue Wehrpflicht- Gesetz keinerlei Vorrechte gewährt, sondern in Wirklichkeit die gleiche Wehrpflicht feststellt. In eindrucksvollen Worten brachte er, ebenso wie der Vorredner, den Dank an den Führer für diese große geschichtliche Tat zum Ausdruck und schloß mit dreimaligem soldatischem Hurra auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, den Obersten Befehlshaber der deutschen Wehrmacht. Mit einem Schlußwort des Bezirksverbandsführers und drei* maligem Sieg-Heil auf den Führer, sowie dem gemeinsamen Gesang des Deutschland- und Horst- Wessel-Liedes fand die Kundgebung ihren Abschluß. n. Flensungen, 5. Nov. Oberforstmeister i. R. Eckstein aus Grünberg konnte dieser Tage im Forstrevier „Sinnes" einen jungen Keiler im Gewicht von 90 Pfund erlegen. st. Kirtorf, 5. Nov. In einer Sitzung des Stadtrates wurde zunächst der Waldwirt» s ch a f t s p l a n für das nächste Jahr, der eine Holz- fäUung von 2893 Festmeter vorsieht, genehmigt. Der Bürgermeister gab sodann einen Ueberblick über die im Wege der 21 r beitsbeschaffung durch- Dein Magen darf dir am 10. November keine Schwierigkeiten machen. Es ist Eintopfsonntag! ^usührende Neugestaltung einer Straße am Friedhof, bei der für eine Anzahl Volksgenossen Arbeit während des Winters geschaffen werden weit die erwerbslosen Volksgenossen bei diesem Vorhaben nicht beschäftigt werden können, soll ihnen bei der Holzhauerei Arbeit erschlossen werden. Die Ratsherren stimmten der Durchführung dieser Maßnahmen zu. Der Bürgermeister teilte sodann mit, daß der Rathaussaal für die ländliche Berufsschule zur Verfügung gestellt werde und der Unterricht das ganze Jahr hindurch jeden Dienstag stattfinden wird. Zum Schluß betonte er noch die Wichtigkeit der Seidenraupenzucht und ermahnte zur regen Mitarbeit auf diesem Gebiete der deutschen Dersorgungswirtschaft. Sodann wurde die Sitzung in üblicher Weise geschlossen. Aus aller Wett. Den morphinlsiischen Ehemann erschossen. Das Magdeburger Schwurgericht verurteilte die 33jährige Frau Ruth Menshausen wegen Totschlags des Ehemannes zu 6 Monaten Gefängnis. Die Frau hatte ihren 44jährigen Ehemann mit vier Schüssen niedergestreckt. Die Verhandlung entrollte ein erschütterndes Bild von einer durch Morphinismus zerrütteten Ehe. Die Frau hatte zehn Jahre lang versucht, ihren Mann noch zu heilen. Er hatte eine ganze Reihe von Entziehungskuren gemacht, ist aber immer wieder in sein altes Laster zurückgefallen. 1929 mußte die Frau feststellen, daß ihr Mann ihr auch- die eheliche Treue nicht hielt. Es kam zu Auseinandersetzungen. Wiederholt hatte sie die Ehescheidung eingereicht, aber immer wieder auf Zureden ihres Mannes die Anträge zurückgezogen. Arn Tage der Tat war der Mann mit feinem Wagen nach Magdeburg gefahren, um, wie feine Frau annehmen mußte, wieder mit feiner (Beliebten zusammenzutreffen. Der Staatsanwalt beantragte anderthalb Jahre Gefängnis. Das Gericht folgte den Ausführungen des Verteidigers und erkannte auf die Mindeststrafe von sechs Monaten Gefängnis. 400 Mark in der Haarbürste versteckt. Bei einer Kontrolle in einem Trierer Hotel nahm die Kriminalpolizei dieser Tage zwei junge Leute aus Berlin fest, die vor einigen Tagen aus Frankreich über die Grenze abgeschoben worden waren. In Trier hielten sich die beiden in einem Hotel auf, wo sie dem Inhaber roegen ihres eigenartigen Benehmens verdächtig vorkamen. Bei der Durchsuchung des Hotelzimmers durch die Kriminalpolizei fand man in einer Haarbürste versteckt vierhundert Mark in Reichsbanknoten, die angeblich aus dem Verkaufserlös ihres Wagens her- rühren sollten. Telegraphische Erkundigungen in Berlin ergaben jedoch, daß die beiden wegen Unterschlagung steckbrieflich verfolgt wurden. Sie hatten sich, da sie das deutsche Geld wieder aus dem Auslande mitbrachten, auch des Vergehens gegen die Devisenbestimmungen schuldig gemacht. — Aas Amtsgericht Trier erließ Haftbefehl. Führerloses Motorrad überfährt zwei Frauen. Ein schwerer Unfall ereignete sich auf der Hauptverkehrsstraße in Boppard a. Rh. Ein aus der Richtung St Goar kommender Motorradfahrer wollte einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Personenwagen ausweichen und kam auf den Bürgersteig. Hierbei wurde er vom Motorrad geschleudert. Das führerlose Motorrad mit Beiwagen fuhr noch ein Stück auf dem Bürgersteig weiter und riß zwei Frauen zu Boden, die so schwer verletzt wurden, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) R. 5., Gießen. Eine Verleihung des Derwundeten- Abzeichens des Weltkrieges kommt heute nicht mehr in Betracht. 28 Jahren. In tiefer Trauer: Statt Karten. Gießen, den 6. November 1935 6386 D Für die wohltuenden Beweise inniger Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen, insbesondere für die ehrenvollen Nachrufe und herrlichen Kranzspenden sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. Frau Katharine Jünger Wwe und Kinder. Dienstag abend entschlief sanft und viel zu früh unsere liebe, herzensgute Maritsch Zeidler versehen mit den hl. Sterbesakramenten, im Alter von Familie Johann Zeidler. Gie en (Ludwigstraße 7), den 6. November 1935. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 7. November, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. 04775 ■ ■ ■ ■ I ■ ■ ■ ■ i ■ ■ ■ ■ ! (Ein Buch für Sommertage u. Ferienzeit MUI Die Lebensgemein, schäft des deutschen Waldes in Bildern 150 Naturaufnahmen aus dem Tier- und PNanzenIeben deshei» mailichen Waldes auf 128 Kupfertiefdruck, tafeln, mn lebendigem und aufschlußreichem Einführungstex' von K.Gerbardu.td.W^lff Preis NM. 4,80. ■#rfen. Im Alter von fast 91 Jahren starb in Marburg Der Nestor Der deutschen romanischen Philologen Geh. Reg.-Rat Dr. Edmund Max Stengel. Der Verstorbene ist aus Halle an der Saale gebürtig, hat von 1873 bis 1896 als Ordinarius der romanischen Philologie an der Universität Marburg gewirkt und war der erste Direktor des auf seine Anregung gegründeten Marburger romanischen Seminars. Der Herr Reichserziehungsminister hat den a. o. Professor "ür öffentliches Recht an Der Universität Heidelberg Dr. ReinholD Hoehn in Die Juristische Fakultät Der Universität Berlin berufen. Professor Hoehn hat Den Ruf angenommen. Von Den amtlichen Verpflichtungen wurden entbunden: auf eigenen Antrag Professor Dr. Paul Merkel, Ordinarius für praktische Pädagogik an Der Universität Greifswald; wegen Erreichung Der Altersgrenze Geh. Regierungsrat Professor Dr. Carl Brockelmann, DrDinarius für semitische unD orientalische Philologie an Der Universität Breslau; auf eigenen Antrag Professor Dr. Victor Moritz GolDschmiDt, DrDinarius für Mineralogie an Der Universität GÖ11inqen; wegen Wegfalls Des Lehrstuhles Professor Dr. Eberhard Friedrich Bruck, Ordinarius für Römisches und Bürgerliches Recht an der Universität Bonn; auf eigenen Antrag Professor Dr. Albert E ck st e i n, Ordinarius für Kinderheilkunde an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf. Wirtschaft )wirt- woroen, uronu Kraft | zu verhängen." Aus den preußischen Nachbargebieten an- 37 bis hatten zu 90,65 (90,55) kleinen Umsatz, Kommunal« Sende Umschuldung waren 0,15 v. H. über der Halbamt- musik. 32 bis bis 5. Vorbildliche Auswirkung der Woche des Buches. ferner Daimler Motoren, Eisen, Rheinstahl, Moe- Linoleum und Bank für bröckelten die Kurse eher getretenen Anordnung Nr. 8 werden die Preise für Auslandseier dem deutschen Preisstand ange« glichen. Die Preise für ungekennzeichnete Hühnereier, Kühlhauseier und deutsche Handelsklasseneier bleiben unverändert. Es gelten demnach folgende Derbraucherhöchstpreise in Pfennigen je Stück: Un- gekennzeichnete Eier: kleine im Gewicht bis zu 55 Gramm 10, große im Gewicht über 55 Gramm 11; Kühlhauseier: Größe S bis 121/«,, A tns 11/4, B bis 11, C bis 10, D bis 10; deutsche Handels- klasseneier G I vollfrisch und ausländische Frischeier: Größe S bis 13V-, A bis 12-/4, B bis 12, C bis 11, D bis 10V2, für Bulgaren, Ungarn und Jugoslawen V4 Pf. niedriger. Wenn sich beim Klemver- kauf Bruchteile von Pfennigbeträgen ergeben, so ist Aufrundung des gesamten Rechnungsbetrages (nicht des Preises für das einzelne Ei) auf volle Pfennig- beträge dann zulässig, wenn der überschießende Bruchteil mindestens V- Pfennig beträgt. Es besteht Veranlassung, letztmalig darauf hinzuweisen, daß Zuwiderhandlungen gegen diese gültigen Preisfestsetzungen unnachsichtlich bestraft werden. Die Landespreisüberwachungsstellen sind überdies bezüglich der Verbraucherhöchstpreise Mlrch Verordnung vom 4. September 1935 ermächtigt worden, Ordnungsstrafen bei Zuwiderhandlungen 0,75 d. H. niedriger lagen Bemberg, Hapag, Hoesch nus Maschinen, Deutsche Winterhilfswerk. 16: Konzert. 17: Bunte Musik am Nachmittag. 18.30: Launiger Leitfaden für Sprachfreunde. 19.40: Das aktuelle Buch: Richard Gurin« ger: „Die Fürsten fallen". 19: Heimat im Westen. 19.30: Volksmusik. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20:10: Ludwig van Beethoven (8), Klaviermusik. 20.45: Sternsendung Nr. 2: Hummel, Hummel — Ahoi! Ein Alsterbummel. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.30: Spätabendmusik. 24—2: Nacht- 40, ital. 25 bis 30, span. 30 bis 36, bulg. 35. Walnüsse 40 bis 48 ital., Zitronen 4 Große Strafkammer Gießen. Der W. St. aus Ober-Mörlen wurde seinerzeit vom hiesigen Schöffengericht wegen Veraehens gegen den § 222 II in Tateinheit mit §§ 316 II und 230II StGB, zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt. Der Angeklagte unterließ es bekanntlich, als Schrankenwärter am 6. Dezember vorigen Jahres gegen 18.30 Uhr am Bahnübergang in Butzbach rechtzeitig die Schranken zu schließen, wodurch der Personenwagen des Arbeitsamts Gießen von einem Güterzug erfaßt wurde. Während die Berufsberaterin Frl. Dr. H a u f s i g tödlich ver- unglückte, wurde ein weiterer Herr und der Chauffeur erheblich verletzt. Auf die gegen das vorinstanzliche Urteil eingelegte Berufung wurde die Strafe auf vier Monate Gefängnis ermäßigt. Strafmindernd wurde ein Kriegsleiden des Angeklagten berücksichtigt, das ihn bei dein Unfall körperlich behinderte. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit befaßte sich das Gericht sodann mit dem schon einschlägig vorvorbestraften P. M. aus Hochwaldhausen, der wegen eines Verbrechens nach § 176 Ziff. 3 StGB, zu einer Gefängnis st rafe von acht Monaten und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt wurde. Außerdem wurde die Entmannung des Angeklagten angeordnet. Auf die erkannte Strafe werden drei Monate und drei Wochen Untersuchungshaft angerechnet. Wegen Brandstiftung wurde der I. Sch. aus Zell zu zwölf Tagen Gefängnis verurteilt, die mit der Untersuchungshaft als verbüßt gelten. Der Angeklagte hatte im Frühjahr dieses Jahres ein Stück Heide angezündet. Durch das schnell um sich greifende Feuer wurden eine Menge Vogelnester und dergleichen zerstört. Wegen Sittlichkeitsverbrechens nach § 176 Z. 3 RGB. wurde der Heinrich Roth aus Alsfeld zu 1 Jahr Zuchthaus verurteilt, unter Anrechnung von 2 Monaten erlittener Untersuchungshaft. innere Mexikaner mit 4,85 (4,75), dagegen öprozen- tige äußere Gold mit 10,20 (10,40). Im Verlauf blieb das Geschäft sehr klein, die Kurse erfuhren nur wenig Veränderung, lagen aber gegen den Anfang nicht ganz behauptet. Etwas fester lagen Scheideanstalt mit 216 (215), andererseits gingen Chade A bis C auf 287 (290) zurück. Der Rentenmarkt lag still. Etwas schwächer notierten 5prozentige Stahlverein-Obligationen mit 97 (97,75). Pfandbriefe lagen ruhig und unver- ändert, auch Stadtanleihen notierten zumeist behauptet. Am Auslandsrentenmarkt bröckelten Ungarn Gold auf 9,60 (9,70) und 4prozentige Goldmexikaner von 1904 auf 6,75 (7) ab. Tagesgeld war weiter erleichtert auf 2,75 (3) v. H. Abendbörse still. Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1225: Bekanntmachung KP 54 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1226: Neuausgabe Winter 1935/36 des Werbeheftes „Schnellste Beförderung von Frachtgutladun- aen auf der Deutschen Reichsbahn von Aus- land zu Ausland". r „ ., , 1227: Umsatzsteuerumrechnungssätze auf Reichsmark für die Umsätze im Monat Oktober 1935. 1228: Neue Bestimmungen über die Bezahlung der Warenausfuhr nach außereuropäischen Lan- dem im Weae privater Verrechnungsgeschäfte und aus ASKI. Mein-Mainische Börse. rNittagsbörse uneinheitlich. Die Abendbörse war ft i U und behaupte t. An den Aktienmärkten ergaben sich gegen den Berliner Schluß nur ganz geringe Veränderungen, IG. Farben bröckelten 0,13 0. H. auf 148,25 ab, Stahlverein und Kunstseide Aku lagen mit 78,25 bzw. 53 je 0,13 v. H. höher. Am Rentenmarkt war die Haltung eher etwas freundlicher. Zinsvergütungsscheine Brauindustrie. Am Rentenmarkt --------- noch ab. Altbesitz lagen mit 112,65 behauptet, wah- rend späte Schuldbuchforderungen, Kommunal«Um« schuldung und Zinsvergütungsscheine je 0,13 v. H. verloren. Von Auslandsrenten eröffneten 5 v. H. Frankfurt a. M., 5. Nov. Der Abschluß des deutsch-polnischen Wirtschaftsvertrages gab der heutigen Börse etwas Anregung, größerer Einfluß auf die Entwicklung der Kurse vermochte er aber nicht auszuüben. Vielmehr lagen die Ersten Notierungen am Aktienmarkt uneinheitlich, wobei Abschwächungen überwogen. Bei der Geringfügigkeit der Umsätze genügte schon kleinstes Angebot, um das Kursniveau 0,50 bis 1 v. H. abzuschwächen. Nur wenige Spezialwerte lagen etwas fester. Nach den ersten Kursen trat jedoch meist eine leichte Befestigung ein, wenngleich die anfänglichen Rückgänge nicht ausgeglichen wurden. Fester und etwas leb- Hafter lagen IG. Farben mit 147,90 bis 148,25 (147,25), höher lagen ferner Siemens mit 163,50 (162), Reichsbank mit 175 (174,50), Kunstseide AKU. mit 53,25 (52,40) und Stahlverein mit 78,75 (78,40). Anderseits lagen Buderus Eisen mit 98,75 bis 99 (101,25), Klöckner unter Berücksichtigung des Divi- dendenabschlages von netto 2,7 v. H. mit 84,40 (88,50), Elektr. Lieferungen mit 108 (109,25), Felten mit 102 (103,50) noch recht matt. Von^0,50 bis Apfelsinen, Kiste 150 bis 176 Stück 25 Cap., dieselben 216 Stück 25 span., Birnen I 20 bis 25, II 15 bis 18, Diehls Butterbirnen I 20 bis 22, Mollebusch I 20 bis 24, II 15 bis 18. Haselnüsse 35 bis 45 ital., Trauben 23 bis 24 dieselben holl. Rundfunkproqramm. Donnerslag, 7. November: 6 Uhr: Choral. — Morgenspruch. — Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9: Werbekonzert. 9.15: Musik am Morgen. 10.15: Schulfunk. Volksliedersingen. 11.20: Nur Frankfurt: Nachrichten der Gauleitung. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittaqskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen Zwei und Drei. 15: Wirtschaftsbericht: Die Kältetechnik hilft dem Bauern. 15.15: Kinderfunk. Wir besuchen das Kontrolle der Höchstpreise für Eier Verwarnungen und Bestrafungen. LPD. Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt In den letzten Tagen wurden zahlreiche Kontrollen durchgeführt, die in der Hauptsache der Einhaltung der Höchstpreise für Eier galten. Hierbei wurde festgestellt, daß eine große Anzahl Geschäfte diese Preise um eine mehr oder weniger erhebliche Spanne überschritten hatte. Sämtliche Geschäfte, bei denen sich eine lieber« schreitung der Höchstpreise feststellen ließ, wurden sehr ernsthaft verwarnt und werden im Wiederholungsfälle einer strengen Bestrafung entgegensetzen. Bei einigen Geschäften wurde bereits die Beantragung der Schließung in Erwägung gezogen, während in einem Falle die Schließung be- Zwei Einbrecher festgenommen. Marburg, 5. Nov. (LPD.) Einen guten Fang machte die Marburger Polizei mit der Festnahme zweier junger Leute, die sich mit Fahrrädern auf der Wanderschaft befanden. Die beiden Bürschchen hatten, als man ihnen in einer Märburger Klinik auf ihre Bitten Essen geben wollte, die Hausangestellte in aufdringlicher Weise belästigt, so daß das Mädchen um Hilfe rief. Sie ergriffen daraufhin sofort die Flucht, ließen aber in der Eile eine Aktentasche liegen, in der man bei näherer Untersuchung neben Zigaretten und Schokolade Einbrecherwerkzeuge, Taschenlampen sowie einen Totschläger fand. Das Klinikpersonal verständigte nun sofort die Polizei, die schleunigst die Verfolgung der beiden Burschen aufnahm und sie bald darauf fe st nehmen konnte. Es handelt sich um zwei junge Leute aus Wesel bzw. Lindau, die sich ihren Lebensunterhalt durch Einbruchsdiebstähle zu verschaffen suchten. Bei ihrer Vernehmung gaben sie mehrere Einbrüche in Wirtschaften in der Umgebung von Marburg zu. Weiter wurde festgestellt, daß ihnen in Kassel bei einer Aufbewahrungsstelle am Bahnhof, wo sie einen Koffer abgestellt hatten, bei der Abholung irrtümlich ein falscher Koffer ausgehändigt worden war. Sie erbrachen diesen und eigneten sich die Wertgegenstände an. Sämtliche aus dem Koffer entwendeten Sachen konnten ihnen bei ihrer Verhaftung abgenommen und der rechtmäßigen Besitzerin wieder ausgehändigt werden. Kreis Wetzlar. O Krofdorf-Gleiberg, 4. Nov. Im Rahmen der NS. „Kraft durch Freude" fand am Samstag in der hiesigen Turnhalle ein Militärk 0 n - zert statt, das von dem Musikkorps des Marburger Jnf.-Batls. unter Leitung von Musikmeister D elfen r 0 11) ausgeführt wurde. Der große Raum vermochte die Besucher nicht alle zu falten, ein Beweis, welches Maß von Interesse man hier der Militärmusik entgegenbringt. Vom ersten bis zum letzten Stück eines fein zusammengestellten Programms wußte Musikmeister D e i s e n r 0 t h die Zuhörer zu begeistern. Starker Beifall belohnte das Korps; mehrere Zugaben wurden erforderlich. Ortsgruppenleiter Schmidt feierte in Verbindung mit den Dankesworten an die Darbietenden unseren Füh- LPD. Frankfurt a. M., 5. Nov. Die nähernd 300 Ortsgruppen des Landesverbandes Hessen-Nassau im Reichsbund der Kinderreichen werden in vorbildlicher Auswirkung der Woche des Buches je mindestens ein Stück von Adolf Hitlers „M ein Kampf" als Eigentum der Ortsgruppen erwerben. Das Buch soll als wesentliches Erziehungsmittel zu nationalsozialistischem bevölkerungspolitischen Denken bei den regelmäßigen Mitgliederappellen der Ortsgruppen Verwendung finden. Nach Erledigung der geschäftlichen Dinge soll der Ortsgruppenwart in den Monatsversammlungen je ein Kapitel aus „Mein Kampf" zur Verlesung bringen, woran sich eine Aussprache über die jeweils behandelten weltanschaulichen Fragen anschließen soll. rer, der uns das Volksheer wieder geschaffen hat, und er wies im Zusammenhang damit auf die uns verpflichtende Opserfreudigkeit für das Winterhilfswerk hm. Im Siegheil auf den Führer und dem Gesang der Nationallieder mit anschließendem Badenweiler-Marsch klang das schöne Konzert aus, dem noch ein kameradschaftlicher Teil folgte. Rodheim a. d. Bieber, 5. Nov. Am Sonntagabend fand hier im Benderschen Saale ein heiterer Abend der NS.-Gemeinschaft „K r a f t d u r ch Freude" statt, der außerordent- üch stark besucht war und den Gästen durch die Reichhaltigkeit und die Vielseitigkeit der Darbietungen einige recht schöne Stunden bereitete. Der NSG. „Kraft durch Freude" wird es von der hiesigen Ein- wohnerschast aufrichtig gedankt, daß sie unserem Orte eine derart schöne Veranstaltung brachte. * Hochelheim, 5. Nov. Der Schreiner Wil- heim Merte und Ehefrau Maria, geb. Eckhardt, in Hochelheim, können am morgigen Mittwoch, 6. November, das Fest der silbernen Hochzeit beaehen. Herr Merte ist schon seit langen Jahren Leser des Gießener Anzeigers. folg. Zu weiteren Toren kam es trotz der Bemühungen zum Ausgleich in der ersten Halbzeit noch nicht. Nach dem Seitenwechsel gingen die Teutonen zum Endspurt über und hatten das Spiel ziemlich in der Hand. Erst in den letzten Minuten der Spielzeit gelang es dem Mittelstürmer der Platzmannschaft, den schon längst verdienten Ausgleich nach schönem Zusammenspiel des Sturmes herzustellen. Svv. Fellingshausen Jugend — Kinzenbach Jugend 0:6 (0:5). Zu einem Gesellschaftsspiel trafen sich beide Mannschaften vergangenen Sonntag in Föllings- hausen. Die Mannschaft der Platzbesitzer trat un- vollständig mit nur neun Spielern an. Der hohe Sieg der Gäste war auch vollauf verdient. Steinbach! — Gröningen I 7:1. Orüningen weilte am Sonntag in Steinbach und mußte sich den in guter Form befindlichen Steinbachern mit 7:1 beugen. Die Platzmannschaft war während des ganzen Spieles glatt überlegen und siegte verdient. Durch einen Schnitzer des sonst so guten linken Verteidigers ging Grüningen über- raschend in Führung. Bald darauf war aber der Ausgleich hergestellt. Tore von Burger, Münch und ein Prachtschuß von Heckroth stellten das Halbzeit- Ergebnis her. In der zweiten Halbzeit erzielte Steinbach weitere drei Tore, denen die Gäste nichts entgegensetzen konnten, denn der Tormann der Gastgeber zeigte sich sehr sicher. Der Mannschaft von Grüningen gebührt ein Gesamtlob, da sie trotz der Niederlage bis zum Schluß unentmutigt kämpfte. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees in Berlin. Graf Baillet-Latour, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees ist am Montagabend von Brüssel kommend, in Berlin eingetrof- fen. Am Dienstag früh besichtigte er unter Führung von Staatssekretär a. D. Dr. Theodor Lewald, dem Präsidenten des Organisationskomitees jur die 11. Olympiade, und von Generalsekretär Dr. Karl Diem das Reichssportfeld und anschließend das Oympische Dorf. lichen Berliner Notiz gefragt, aber ohne Angebot. Späte Reichsschuldbuchforderungen lagen mit 97,13 und Altbesitzanleihe mit 112,50 unverändert. U. a. notierten: Altbesitzanleihe 112,50, Sproß. Stahlverein 97,13, 6prvz. Stahlverein 102,90, 4,5proz. Frankfurter Hyp. Gold R 13—15 96,25, IG. Farben-Bonds 122,65, Reichsdahn-Verwal- tungsaktien 122,25, 4proz. Rumänen 4,85, Commerzbank 84,50, Reichsbank 175, Harpener 106,50, Mannesmann 81,13, Nheinstahl 104,50, Stahlverein 78,25, Aku 53, Bekula 141,40, Bemberg 105, IG. Chemie volle 168, Conti Gummi 155, Scheideanstalt 216, Deutsche Linoleum 138, Licht & Kraft 129, IG. Farben 148,25, Felten 102,25, Gesfürel 122, Holzmann 88,75, Metallgesellschaft 103,50, Schuckert 117,25, Südd. Zucker 210, Hapag 15,25. Frankfurter Obst- und Gemüfemackt. Frankfurt a. M., 5. Nov. Gemüse: Angebot allgemein gut. Blumenkohl und Tomaten waren wegen der vorgeschrittenen Jahreszeit geringer angeboten. Zwiebeln hatten bei starker Nachfrage nur geringe Zufuhren. Zwiebeln und Tomaten zogen im Preise an, sonst blieben sie bei befriedigendem Geschäft unverändert. U. a. notierten: Blumenkohl 15 bis 40, Eskarol 3 bis 8, Feldsalat 25 bis 30, Karotten 4 bis 5, gelbe Kartoffeln 3,30 bis 3,50, Kopfsalat 4 bis 10, Lauch 2 bis 6, Meerrettich 40 bis 45, Rosenkohl 20 bis 23, Rote Rüben 5 bis 6, Rotkraut 4 bis 6, Sellerie je nach Größe 5 bis 28, Spinat 4 bis 6, Schwarzwurzel 15 bis 23, Haus-Tomaten 25, Freiland-Tomaten I 14 bis 18, II 8 bis 12, Weißkraut 3 bis 4, Filter- traut 4 bis 4V-, Wirsing 4 bis 6, Weiße Rüben 5 bis 8, Zwiebeln 6V- bis 7. Die Zufuhren an Obst blieben gut, in besten Birnen geht das Angebot zurück. Nachfrage allgemein gut, für Aepfel zogen die Preise an. Ausländisches Traubenangebot gering, bei erhöhten Preisen Geschäft belebt. Apfelsinenangebot noch gering. U. a. notierten: Aepfel! 22 bis 28, II 18 bis 20, Goldparmänen I 25 bis 28, II 20 bis 24, Baumanns Renetten 22, Jugoslawen 18 bis 25. antragt wurde. Um die einzelnen Geschäftsinhaber vor unliebsamen Folgerungen zu bewayren, bringen wir nachstehend nochmals eine Mitteilung des Eierver- wertungsverbandes Hessen in Erinnerung, aus der die zur Zeit gültigen Kleinverkaufshöchst- preise für Eier ersichtlich sind: „Auf Grund der von 'dem Vorsitzenden der Hauptvereinigung der deutschen Eierwirtschaft im Auftrage des Reichsnährstandes mit Zustimmung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft erlassenen und am 17. Oktober 1935 in . Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 0. H, Lombardzinsfuß 5 0 H Frankfurt 0.3)1. Berlin Frankfurt a. M Berlin «Schlußkurs «Schluß!. Abend- börsc Schluß- turü Schlußt. Mittag- börse «Schluß- kurü Schlußk. Abendbörse Echluß« kurS Schlußk. Mittag» börse. Oalum 4.11 - 5-11- 4-11. 5-11. Datum 4 11. 5-11- 4-11 5-11 6% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 4% Deutsche RetchSanl. von 1934 6^1% Dmuig-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit AuSIos.-Rechten ............. 4*/,% Deutsche RetchSpostschatzan- Weisungen von 1934. 1....... 6% el)em.8% Hess. Bolküstaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 4y.% cbem.8% Hessische Landes' bank Darmstadt Gold R. 12.... 6/1% ehem. 4/,% Hess. Landes- Hypothekenbank DarmstaolLtaut 4 ’/.% ehe in. 8% Darmst. Komm. LandeSb.Goldschuldvcrlchr. 81.6 Obcrhcssen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Eammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auülos.-Rechten 4yB% chem.8% Franks. Hhp.-Banl Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6Vi% eitern. 4’/,% Franks. Hyp.- Bank-Ltqu.-Psandbriese....... 6y,% ehem. 4*4% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpse..... 4 %% ehem. 8% Pr. Landeüpsand- drtesanstalt, Psandbriese R. 19 4y,% ehem. 7% Pr. LandeSpsand brtesanst., Gold Komm. Obl.VI Lteuergutsch.BerrechnungSk. 84-88 4% Oesterreichische Goldrentr.... 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrcnte....... 4% Ungarische Staatörente v. 1910 4y,% deügi. von 1918......... 6% abgest. Goldmerikaner von 9£ 4% Türkische Bagdakbahn-Anleth« Serie l.................... 100,4 97,75 102 112,65 100,25 96,5 96,25 100,5 91,65 113,4 96,25 100,65 100,9 97 97 107,75 30 9,7 9,6 9,5 10,4 100,4 97,75 102 112,5 96,75 96,25 100,5 91,65 113,25 96,25 100,65 100,9 97 97 107,75 1,25 9,6 9,45 9,4 10,2 9,13 100,5 97,75 102 112,7 96,5 96 113,3 100,75 97 97 107,75 30,25 9,7 9,65 9,6 100,5 97,75 101 112,5 100,7 96,75 96,13 113,25 100,5 97 97 107,75 30 1,25 9,65 9,6 10,5 9,6 4% vesgl. Gerte li ............ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4y»%Rumän.vereinh.Ren«ev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2 yt% Anatolier............. Hamburg-Amertka-Pakel .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... g Commerz- und Privat Bank ... 0 Deutsche Bank und DiSconto- Gesellschaft................0 Dresdner Bank..............0 Reichübank ................ 12 -21.d.®......................0 Bekula.................... 10 Ctektr. LieferungSgeseUschaft... 6 Licht und Kraft ........... Felten & Guilleaume......... 4 Gesellsch.s.Elektr.Unternehmung. ß Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert S Co...............< Siemens 8 Halske............? Lahmeyer L Eo..............7 Buderus ................... Deutsche Erdöl .............. Harpener...................< Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. Flse Bergbau ............... hlse Bergbau Genüsse........ Klöcknerwerke ............... Mannesmann-Röhren........ 5,85 4,85 39,4 17,4 78 110,25 84,75 85 85 174,5 36 141,25 108,25 129,5 103,5 >21,5 130 121 162 131 101,25 102,9 107 91 159 127 88,5 RI 9,13 5,8 4,85 38,75 15,25 17 78 110 84,5 84,5 84,5 175 36 141,4 108 129 102,25 122 129,5 121,25 117,25 | 163 1 131,5 99 102 106,5 91 152,5 125,5 84,4 RI,13 5,9 8,55 4,85 39,3 15,75 28,5 17,25 78,25 110,13 85 85 85 174 36,13 141,25 108,25 129,4 102 122,25 129,75 121 117,75 162 131 100,5 102,4 109 91,25 154 126,5 87,65 81,5 9,3 8,5 4,8 15,65 17,13 78,13 110 84,5 84,5 84,5 175,25 36,13 141,25 108,25 128,75 102,75 122,25 120,75 117,25 164 131 I 99,25 102,13 108 1 90,75 151,75 125,5 84 I RI Frankfurt a. M. | Berlin Schluß, kurs Schlußk. Abendbörse Schluß« furd Schlußk. Mittag« börse Datum 4.11. 5.11 4.11 5-11. ManSseider Bergbau........ . 5 — 118 118 118,25 Koköwerke ................. . 6 -- 113,5 113,75 Rheinische Braunkohlen ..... 12 214,5 214 214,75 214,5 Rheinslahl ................. . 4 104,5 104,5 104,75 104,75 Bereinigte Stahlwerke....... . 0 78,4 78,25 78,65 78,13 Otavt Minen .............. . 0 18,5 18,5 18,85 18,5 Kaliwerke Aschersleben....... . 5 — 128 128 127,5 Kaliwerke Westeregeln...... . 5 122 —- 122 121,75 Kaliwerke Salzdetfurth..... ?y« — — 178,75 178,5 I. G. Farben-Industrie..... . 7 147,25 148,25 147,75 148,4 Scheideanstalt............. . 9 215 216 — — Goldschmidt .............. . 5 105 104,25 105,75 105,4 RütgerSwerke ............. . 6 112,5 112,5 112 113 Metallgesellschaft........... • 4 103,5 103,5 104,13 104 Philipp Holzmann......... . 4 89,25 88,75 89 88,25 Zementwerk Heidelberg .... . 7 117 116,5 Zementwerk Karlstadt....... - 6 130 130 Schultheis Patzenhofer ..... . 4 — — 101,75 102 Aku (Allgemeine Kunstseide) Bemberg................. .. 0 .. 5 52,4 105,75 53 105 52,65 105 52,9 105,5 Zellstoff Waldhof .......... .. 6 110,5 110,5 110,75 110 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 78,5 77,75 78 77,25 Dessauer Gas ............. .. 7 —- — 125,4 125,25 Daimler Motoren.......... .. 0 92,25 91,75 92 91,75 Deutsche Linoleum......... .. 8 138,5 138 138,25 138 Orenstein & Koppel ........ .. 0 —- — 77,75 77,75 Westdeutsche Kaufhof....... .. 0 24,25 24,5 24,25 24,5 Chade.................... 7'/, 290 286,5 289 286,75 Aecumulatoren-Fabrik...... 12 — — 171,5 — Conti-Gummi............. .. 8 156 155 155,75 154,75 Grttzner.................. .. 0 I 28,75 I 28,25 I 28,13 I 28,25 Mainkraftwerke Höchst a.M.. .. 4 89 88,5 — —• Süddeutscher Zucker ....... . 10 1 210 710 I 210 I 210 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Banknoten. 4. November 5 November AmiNche Notierung Amtliche Geld Dotierung Brief «Seid Brief Buenos Atre 0,677 0,681 0,676 0,680 Brüssel .... 41,93 42,01 42,01 42,09 Rio de Jan. 0,141 0,143 0.141 0,143 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,62 54,72 54,66 54,76 Danzig..... 46,81 46,91 46,80 46,90 London ..... 12,23 12,26 12,24 12,27 HelsingsorS.. 5,395 5,405 5,395 5,405 Parts ...... 16,37 16,41 16,37 16,41 Holland .... 168,79 169,13 168,80 169,14 ,"Ualten ..... 20,20 20,24 20,20 20,24 Favan ...... 0,715 0,717 0,715 0,717 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 OSlo..... : 61,41 61,53 61,46 61,58 Wien....... 48,95 48,95 Lissabon.... 11,095 11,115 11.10 11,12 Stockholm... 63,04 63,16 63,09 63,21 Schweiz .... 80,79 80,95 80,82 80,98 Spanien.... 33,95 34,01 33,94 34,00 Prag....... 10,265 10,285 10,275 10,295 Budapest ... — — Neuyock ... 2,486 2.490 2,486 2,490 Berlin,5.November Geld »rief — Amerikanische Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,8« 42,04 Dänische Noten ................. 54,45 54,67 Englische Noten ................. 12,205 12,24$ Französische Noten............... 16,32 16,38 Holländische Noten............... 168,38 169,06 Italienische Noten................ 19,46 19,54 Norwegische Noten .............. 61,30 61,58 Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling —— — Rumänische Noten............... — — Schwedische Noten............... 62,92 63,18 80,64 80,96 33,5g 33,72 Ungarische Noten................