Nr. 208 Erstes Blatt 185. Jahrgang Zreitag, 6. September 1955 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.l.95 Ohne Illustrierte „ .1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Kranfturt am Main 11686 Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Steinüruckerei «.Lange in Siehen. Schristieituug und SeschSftrftelle: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8' /,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrist ober schwieriger Satz 25°/o mehr (Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf.,Familienanzei- ät)cr''' ^ntcrr^t5'u* beArdliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Zum Nürnberger Parteitag der Freiheit. Von Veichö- und preußischem Minister des Innern Dr. Wilhelm Jrick Memel-Tragödie. Von Curt Höhel. An den weißen Dünenbergen der Kurischen Nehrung hin ziehen auf dem Haff die eigenartigen Kähne der Nehrungsfischer mit ihren hohen rechteckigen braunen Segeln Scheinbar liegt tiefer Friede über dieser eigenartigen und jeden fremden Besucher bezaubernden Landschaft. Wundervoll zu schauen — diese scheinbar unendliche Reihe der Dünenwogen, die zwischen Ostsee und dem Kurischen Haff hinziehen ... Ein schmaler Streifen Land ist es, dieses Nehrungsland zwischen See und Haff, und die Menschen, die darauf wohnen, sind seit Jahrhunderten natürlich eins — in Not und Gefahr, in Sitte und Brauch, in Sprache und Bekenntnis zum deutschen Vaterland ... Und dann kommst du auf deiner Wanderung eines Tages mitten in diesem wundervoll romantischen Dünen- und Waldlande, auf deinen Wegen Über Strand, Quendelwiesen und durch den kernigen Nehrungswald an einen Grenzschlagbaum, begegnest ernsten Zollbeamten und siehst, wie die Passagiere der schönen Nehrungsschiffe angehalten und auf Zollverpflichtung geprüft werden. Drüben stehen Zollbeamte des litauischen Memellandes ... An Bord des eleganten auf deutsche Art gebauten und gehaltenen Motorschiffes „Kurisches Haff", das unter der litauischen Flagge fährt, kannst du dir durch ein litauisches Visum die Einfahrt in dein Stück Vaterland, das Memelland erkaufen, das unter litauischer Staatshoheit steht ... Man muß den Binnendeutschen ins Gedächtnis zurückrufen: Litauen entstand als Staat unter der deutschen Besatzung des Baltenlandes im Weltkriege. 1918 erreichte — vor dem Nooemberverrat — der sogenannte „Litauische Landesrat" von der deutschen Regierung die Anerkennung eines eigenen litauischen Staates, der allerdings mit dem Deutschen Reich einen Zoll- und Münzoerband eingehen sollte. Nach dem Zusammenbruch Deutschlands bildete der litauische Nationalist Professor Wolde- maras die erste nationallitauische Regierung. — Wie war dieser litauische Nationalismus zustande gekommen? — Nachdem das älteste litauische Volkstum fast ganz im Laufe der Jahrhunderte im Polentum aufgegangen war, erneuerten romantische Schwärmer und Gelehrte, vorwiegend katholische Geistliche, in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts das litauische Bewußtsein in der Sprache und der sehr geringen Dichtung. Nach den Polenaufständen gegen Rußland kommt auch diese Bewegung ins Stocken. Erst seit etwa 1883 nun entwickelt sich im Deutschen Reich, dem gastlichen Boden Ostpreußens, eine politisch-literarische Volkstumsarbeit für die nur sehr schwer noch auffindbare litauische Sprache und Dichtung; deutsche Gelehrsamkeit Hilst dabei und wird so eigentlich die Geburtshelferin des modernen Litauertums... Vor allem kämpft diese winzige Gruppe Litauer von Ostpreußen aus um die Anerkennung der römisch- katholischen Religionsausübung in litauischer Sprache durch das zaristische Rußland. Daraus wird dann nach der Niederringung des Zarenreiches durch die deutschen Heere im Weltkriege die Forderung nach einem politischen „Litauen". Ohne die deutsche Kraft des Geistes und der Waffen und ohne deutsche Großherzigkeit gäbe es also kein Litauen, gäbe es wahrscheinlich kaum mehr den Begriff davon! * Dieser Zwergstaat, geboren aus dem Chaos des Winters 1918/19, hat nun sofort mit dem inzwischen geschaffenen polnischen Nachbarstaate einen heftigen Streit. Es geht um Wilna, das ein polnischer General im Frieden roegnimmt. Heftige innere Unruhen knüpfen sich an den Namen Woldemaras. Dann kommt das Jahr 1923, der Tiefpunkt der deutschen Not. Da erhebt der von deutschen Gnaden Überhaupt existierende litauische Staat Anspruch auf das, was er Memelland nennt, auf das Gebiet um die alte deutsche Stadt Memel, auf das Umland und ein Stück, etwa die Hälfte, der Kurifchen Nehrung. Weil das von litauischem Volkstum aus- gefüllt fei und dergleichen... Das Deutsche Reich kann es nicht verhindern, daß unter dem Schutze ber Westmächte — die damals grabe Frankreichs Ruhrabenteuer dulden, bas Memelland unter litauische Hoheit gestellt wird — gemäß einem „Memelstatut", das die Westmächte garantieren. Reiner der deutschen Bebauer dieses Landes hat ein Wort mitzusprechen — alle Deutschen dort protestieren, vergebens! Es dauert nur einige Jahre — bann ist ein junger Litauer namens Merkys „Gouverneur" in Memel. Es beginnt die furchtbare Leidens- ikfchichte des Memeldeutschtums. Gleich vor den Toren von Königsberg werden deutsche Siedler uralten deutschen Volksbodens gequält und entehrt. Die Kette der Gewaltakte und Fälschungen ist nicht zu beschreiben. Sie führt schließlich zu dem unerhörten Prozeß gegen die sog. „Aufständischen" im Memelland, die Förster und Lehrer, Pfarrer und Bürger, die man wegen ihrer aufrechten deutschen Gesinnung und ihrer Führereigenschaften vernichten will. Einige werden nach Folterungen zum Tode verurteilt, man maßt es aber nicht, dieses aller abendländischen Gesittung hohnfprechende Schandurteil zu vollziehen. Einer dieser Unglücklichen stirbt Im Gefängnis. Man wollte in Kowno, der litauischen vorläufigen Hauptstadt, jetzt Kaunas genannt, die deutschen po- stlischen Gruppen treffen, die in dem nach 1923 ge- chaffenen Memelländischen Landtag gegen die Li- lauifierung wirken könnten. Man hat in diesem zwilchen einem Zwergstaat und einer Weltmacht fast unwahrscheinlichen Prozeß die Argumente erschwindelt, um das tun zu können, was nun in den letzten Tagen erfolgt ist: man hat den Deutschen im Me- meilanbe die Stimme im memelländischen Landtage Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei hat sich zu allen Zeiten als das große Werkzeug gefühlt, das.sich der Führer schuf, um ein neues Deutschland zu bauen. Alles was diese Bewegung tat, von der kleinsten Versammlung bis zu den größten Aufmärschen, von der ernsten Arbeit in den Schulungslehrgängen bis zu den großen Parteitagen, alles diente und dient immer nur dem Zweck, das Werkzeug des Führers blank und seinem Willen dienstbar zu erhalten. Hitlers Wille ist Deutschlands Wille. Die Parteitage der NSDAP waren seit jeher mehr als bloße Aufmärsche der mächtigsten Organisation, die jemals unser Volk gestaltete. Sie ind seit jenem Tag, an dem die Hakenkreuzfahne am Marsfeld zu München das erstemal einem Parteitag die Gestalt und die Prägung der neuen Bewegung gab, Aufrufe und Sinnbilder der Kämpfe gewesen, die der Führer um die Seele der Nation ührte. Die Parteitage der NSDAP, waren schon in der Systemzeit Kundgebungen, die nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt a l s große politische Manifestationen genannt verfolgt wurden. Hier marschierten d i e Kämpfer einer Bewegung auf, die keine Feste und Festtage, sondern nur D i e n st, Opfer und Unterordnung kannte. Hier marschierten nicht die Anhänger und Mitläufer, sondern die Träger des Kampfeswillen, die harten Soldaten Adolf Hitlers auf, die bereit waren, dem Führer in feinem Kampfe, bis in den Tod, zu eigen. Diese Kampftruppen der Partei haben die Organisationen der Bewegung, das Werkzeug des Führers, auch in jenen Zeiten schlagfertig erhalten, da es schien, als ob aller Kampf um Deutschlands Freiheit vergeblich fei Sie haben am Odeonsplatz Der plan eines Fünserausschuffes Genf, 5. Sept. (DNB.) Ueberrafchend wurde am Donnerstag in den Nachmittagsstunden eine neue Ratssitzung anaesetzt, um die Stellungnahme des abessinischen Vertreters zu den Erklärungen Aloisis entgegenzunehmen. Man will damit die allgemeine Aussprache abschließen und zur Einsetzung eines FÜn - ser-Ausschusses schreiten, dem die weitere Behandlung des Streitfalles übertragen werden soll. Dem Ausschuß sollen neben dem englischen und dem französischen Ratsvertreter die Delegierten von drei neutralen Ratsmächten angehören. Die überraschende Einberufung einer neuen öffentlichen Sitzung erklärt sich daraus, daß der italienische Vertreter die Forderung erhoben hat, daß Italien gleichfalls in den Ausschuß gewählt werden solle, da es ähnlich wie England und Frankreich an der abessinischen Frage interessiert sei. Werde dies nicht gewünscht, so sei vorzuziehen, einen Ausschuß von völlig uninteressierten Staaten einzufetzen. Diese italienische Forderung, die darauf hinauslief, die beiden westlichen Großmächte als befangen zu erklären, hat die bisherigen Dispositionen umgeworfen. Die öffentliche Sitzung des Völkerbundsrates begann kurz nach 19 Uhr. Der Ratspräsident erteilte sofort dem Vertreter Abeffl- nlens, Professor I e z e, das Wort. 3n diesem Augenblick erhob sich der italienische Vertreter Aloisi von seinem Platz am Ratstisch und verließ den Sitzungssaal. Lin Mitglied der italienischen Abordnung, das daraufhin seinen Platz einnahm, wurde nach einigen Minuten, während der Vertreter Abessiniens noch sprach, aus dem Saal gerufen, so daß der Platz Italiens von nun an leer blieb. genommen. Durch ein Gesetz ist allen denen das Wahlrecht entzogen worden, die angeblich mit den erdichteten Bestrebungen der als „Aufständische" verurteilten Deutschen politisch Zusammenhängen. Somit alle Memeldeutschen. So stehen die Dinge heute. Und die Westmächte, die in Genf die Unfähigkeit bewiesen haben, kollektiv auch nur das Geringste für den Frieden zu tun, diese „Signatarmächte des Memelstatuts," sehen tatenlos zu, wie das Deutschtum des Memellandes auch noch formell entrechtet wird unter Bruch des „Memelstatuts"! Quo vadis — Europa? Das Memeldeutschtum seiner Führer beraubt. Durch Entziehung der Staatsangehörigkeit von der Wahlliste gestrichen. Memel, 5. Sept. (DRV.) Der Gouverneur des Memelgebiets hat dem früheren Landespräsidenten und jetzigen Spitzenkandidaten der Memelländischen Einheitsliste zur Wahl am zu München und auf allen Straßen Deutschlands geblutet, in den Kerkern des Systems in Not und Entbehrung gelitten, und niemals zweifelnd für die Sache des Führers, die die Sache Deutschlands ist, gekämpft. Sie haben den Terror des Marxismus zerbrochen, die Feigheit der Masten überwunden und die Fahne des Führers im Siegeszug durch das Brandenburger Tor getragen. Die Parteitage von Nürnberg sind ihre Kampf- und Ehrentage. Parteitag des Sieges! Der Triumph des Willens! — So haben wir die beiden ersten Nürnberger Reichsparteitage nach der Machtergreifung, dem Willen des Führers gemäß, genannt. 1935 marschieren wir zum Parteitag der Freiheit! Was noch vor einem Jahre fast unmöglich erschien, ist zur Wirklichkeit geworden: Das deutsche Volk hat seine Wehrfreiheit wieder! Mehr als 16 Jahre find verstrichen, seit marxistische Propaganda den Wehrwillen der Nation in entscheidendsten Stunden lähmte und an jenem grauen 9. November 1918 den Frontsoldaten des Weltkrieges die Waffen zerbrach. Damals lag, aus der Hölle der Westfront nach Pasewalk gebracht, von Gasgranaten fast völlig ums Augenlicht gekommen, im Lazarett der unbekannte Soldat Adolf Hitler. Dort faßte er, von einer Nacht umhüllt, in den trübsten Tagen Deutschlands, den festen Vorsatz: „Das darf das Ende nicht fein!" Wie weltenweit ist der Weg vom Lazarett in Pasewalk über München und sein Braunes Haus, in die Reichskanzlei des 66-Millionen-Reiches! Wie weit ist der Weg von jenen trüben Novembertagen, in denen Verrat die Wehr des Reiches zerbrach, Deserteure, Marxisten und Verbrecher die Macht um Deutschland an sich rissen, bis zu jenem strahlenden Frühlingstage, an dem der Führer Der Vertreter Abessiniens sprach von einem italienischen Verblüffungsmanöver. Italien wolle Abessinien in Acht und Bann erklären, um dadurch von der Einhaltung seiner eigenen Verpflichtungen frei zu kommen. Italien handele nach dem französischen Sprichwort: „Wer seinen Hund ertränken will, sagt, er habe die Tollwut". Die Beschimpfungen, die Italien gegen Abessinien vorbringe, erinnerten daran, daß Italien in letzter Zeit alle seine europäischen Nachbarn nacheinander auf das gröblichste beschimpft habe. Gefährlich werde die Haltung Italiens diesmal nur durch die umfangreichen militärischen Vorbereitungen, die eine unmittelbare Kriegsgefahr heraufbefchworen hätten. Wenn Italien Ausdehnung und neue Absatzgebiete brauche, warum trage es dann diesen Anspruch nicht offen vor? Abessinien sei jederzeit bereit, zur Durchführung von Reformen und zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes den uneigennützigen Rat des Völkerbundes zu befolgen. Der abessinische Vertreter forderte vom Völkerbundsrat: 1. gemäß Artikel 10 der Satzung des Völkerbundes die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Unabhängigkeit und Unversehrtheit Abessiniens angesichts der italienischen Truppenzusammenziehungen zu schützen, 2. das in Artikel 15 Absatz 3 vorgesehene verfahren anzuwenden. Die Zeit der Vertagungen sei jetzt vorbei. Angesichts der aufs äußerste gestiegenen Gefahr, die ein Völkerbundsmitglied bedrohe, müsse sofort gehandelt werden. Ein Völkerbundsausschuh müsse sofort eingesetzt werden und noch während der gegenwärtigen Tagung des Rates Bericht erstatten. Abessinien fei mit jedem Vermittlungs- 29. September die Staatsangehörigkeit entzogen. 3n der Begründung heißt es, daß Dr. Schreiber die litauische Staatsangehörigkeit als Bürger des Memelgebietes durch unrichtige Bescheinigung erhalten habe. Er und seine Familie werden von nun an als Ausländer behandelt. Da Dr. Schreiber Präsident der Memelländischen Handelskammer ist und in verschiedenen sonstigen wirtschaftlichen Organisationen Stellungen bekleidet, deren er mit dem Verlust der Staatsangehörigkeit verloren geht, steht er nach diesem Willkürakt vor dem Ruin. Dr. Schreiber ist seit 13 3ahren Memelländer, also längst vor der Ratifizierung des Memelabkommens im Gebiet ansässig gewesen. Bisher sind niemals Zweifel an seiner Staatsangehörigkeit laut geworden, im Gegenteil wurde er vom litauischen Gouverneur seinerzeit sogar zum Landespräsidenten ernannt. Als Beamter einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft hat er vorschriftsmäßig für Litauen optiert. Auch dem Oberbürgermeister Dr. Vrindlin- g e r, der an vierter Stelle auf der Memelländischen dem deutschen Volke die Wehrfreiheit wieder zurückgeben konnte. Ein Triumph des Willens hat dies vollbracht, und er ist es, der uns den Parteitag der Freiheit schenkt. Zum ersten Mal wird an diesem Tage in Nürnberg die Deutsche Wehrmacht frei von allen Fesseln der Gewaltdiktate an ihrem Obersten Befehlshaber, dem Führer und Reichskanzler, vorüberziehen. Die Wehr ohne Zwang, in alter Ehre und neuer Freiheit, — ein starker Schutz des Reiches und des Friedens. Ehre, Freiheit und Frieden sind die Hoch« ziele des Führers, die Hochziele des ganzen deutschen Volkes. Alles wollen mir diesen höchsten Gütern der Nation unterordnen und mit allen Kräften an der Seite des Führers als feine alte Garde, die durch Not und Tod, durch Nacht zum Sieg zusammenstand, kämpfen für Deutschland! Führerbesprechung im Braunen Hans. München, 6. Sept. Der Führer hielt am Donnerstagnachmittag, wie die NSK. meldet, im Braunen Haus in München eine Besprechung ab, die den Vorbereitungen zur Ausgestaltung des bevorstehenden Reichsparteitages gewidmet war und an der neben dem Stellvertreter des Führers Rudolf Heß eine Reihe führender Persönlichkeiten der Partei teilnahmen. Es waren u. a. anwesend: Die Reichsleiter Dr. Goebbels, Dr. Frank, Darrö, Amann, Rosenberg, Dr. Dietrich, Dr. Ley und Bormann; die Gauleiter Adolf Wagner und Julius Streicher, ferner Reichsar - beitsführer Hierl, Staatssekretär Reinhard, Generalinspekteur für das Straßenbauwesen Dr. Todt und Beauftragter für Siedlungsfragen Dr. Ludovici. verfahren einverstanden, das den Ausbruch des Krieges aufhalken könnte. Es verlange lediglich eine gerechte Lösung und eine vollständige Regelung der ganzen Angelegenheit. Es sei gegen jede Vertagung. Es handele sich jetzt darum, zu wissen, ob ein Staat bei der Bedrohung durch einen mächtigen Rachbarn unter Berufung auf Artikel 10 und 15 des Völkerbundsvertrages mit einem wirksamen Schuh rechnen könne. Scharfe tirifit Litwinows an der italienischen Denkschrift. Keine Diskriminierung von Völkerbundsmitgliedern. Der russische Volkskommissar Litwinow äußerte sein Bedauern über den Mißerfolg der Pariser Verhandlungen. Er sei außerstande, der Haltung zuzustimmen, die Italien dem Völkerbund vorgeschlagen habe. Italien wolle, daß sich der Rat an dem italienisch-abessinischen Konflikt desinteressiere. Es handele sich um die Drohung mit einem Angriff, die nicht bestritten, sondern vom italienischen Vertreter selbst bestätigt werde. Ein derartiger Angriff würde eine flagrante Verletzung, ja eine vollständige Zerreißung der Völkerbundssatzung darstellen und für die Zukunft einen gefährlichen Präzedenzfall bilden. Jeder Krieg fei die Frucht eines oorausgegangenen Krieges und e r • zeuge neue Kriege in der Zukunft. Der Grundsatz von der Unteilbarkeit des Friedens setze sich erfreulicherweise immer mehr durch. Es sei auch nicht angängig, eine militärische Operation mit den inneren Zuständen eines Landes zu begründen. Gewiß werde niemand für die Zustände in Abessinien, so, wie sie die italienische Denkschrift darstelle, Sympathien haben, aber Einheitsliste steht, hat man durch rechtswidrige Entziehung der Staatsbürgerschaft das aktive und passive Wahlrecht entzogen. Dr. Brind- tinger ist ebenso wie Dr. Schreiber 1922 ins Memelgebiet gekommen und hat sich dort als Rechtsanwalt und Rotar niedergelassen. Als Rotar hat er Be- amteneigenschaft. Lr hat deshalb für Litauen optiert. Er gehörte dem dritten Memelländischen Landtag als Abgeordneter an und wurde im Mai 1931 mit großer Mehrheit von der Stadtverordnetenversammlung zum Oberbürgermeister der Stadt Memel gewählt und von dem rechtmäßigen Direktorium Schreiber b e ff ä H g L Das statutwidrige litauische Direktorium RelsgyS hat ihn dann am 8.3uli 1934 widerrechtlich seines Amtes enthoben. Gegen feine Amtsenthebung hatte er bei den ordentlichen Gerichten des Memelgebietes Klage erhoben. Der Magistrat der Stadtgemeinde wurde verurteilt, ihm das Gehalt zu zahlen. Man will ihn für das Memelgebiet jetzt vollkommen beseitigen und hat ihm deshalb die Staatsbürgerschaft entzogen. Ratssitzung ohne Italien. Abefsiniens Erwiderung auf die italienische Denkschrift. - Professor Leze fordert sofortigen Bericht eines Dölkerbundsausschuffes. Französische VMerlaufenStumgegenpwf.Aze. nichts berechtige zu einer Diskriminierung an Dol- kerbundsmitgliedern nach ihren innerpolitischen Verhältnissen, nach ihrer Rasse oder Hautfarbe oder nach ihrer Kulturstufe. Alle hätten ein unveräußerliches Recht auf Unabhängigkeit und Unversehrtheit. Es gebe für militärische Vorgehen keine andere Rechtfertigung als Notwehr. Litwinow forderte den Völkerbund auf, keine Bemühungen oder Entschließungen zu unterlassen, um einen bewaffneten Konflikt zu vermeiden. Der Ratspräsident schloß die Sitzung mit der Ankündigung, daß er in der nächsten Sitzung, deren Zeitpunkt offengelassen wurde, dem Rat Vorschläge über das weitere Verfahren machen werde. Der Suez-Kanal. Aegypten läßt die Zulässigkeibeiner Sperrung prüfen. Kairo, 6. Sept. (DRV. Funkspruch.) Die ägyptische Regierung hat drei Zuristen, unter ihnen einen bekannten Genfer I u- rist en, beauftragt, die einschlägigen Verträge auf die Möglichkeit einer Sperrung des Suez- Kanals hin zu prüfen. Man glaubt, daß nach den Statuten der Kanal-Gesellschaft eine Sperrung ausgeschlossen wäre, daß dagegen der Völkerbund das Recht hätte, eine Sperrung zu beschließen, da die Satzungen der Kanal-Gesellschaft beim Völkerbund registriert seien. Die Veröffentlichung des Ergebnisses der juristischen Untersuchung wird für die nächsten Tage erwartet. Das arabische Blatt „Ahram" meldet, in amtlichen englischen Kreisen würden die Berichte über eine Zusammenfassung der ägyptischen und der englischen Armee unter englischem Kommando als unzutreffend erklärt. Ebenso sei es unrichtig, daß England in einer Note Aegypten aufgefordert habe, alle Verkehrswege, Häfen und Flughäfen den britischen Militärbehörden zur Verfügung zu stellen. „G a z z e t t a del Popolo" berichtet aus Alexandria, daß mit dem englischen Schiff „Ceci- lian Prince" 70 Militärflugzeuge für die englische Luftflotte in Aegypten angekommen seien, die sofort nach dem Flugplatz in Abukir befördert und dort von 2 0 0 Ingenieuren zugleich zusammengestellt worden seien. Mit dem gleichen Dampfer sollen auch zahlreiche Militärkraftwagen zur Beförderung von Waffen, Soldaten und Munition ange- kommen seien, die ebenso für asphaltierte Straßen als auch für die Wüste geignet seien. Zwischen den englischen Militärbehörden und den Zollbehörden von Alexandria seien Verhandlungen im Gange, die die Ueberlassung von Magazinen für englische Munitions- und Waffenlager zum Ziele haben sollen. Der Tana-See. Die Vereinbarung zwischen Aegypten und dem Sudan. London, 5. Sept. (DNB.) In London wurde die Nachricht über den Abschluß einer Vereinbarung zwischen Aegypten und dem Sudan bestätigt, die die Wasserverteilung aus den Zuflüssen des Nils nach der Verwirklichung des Tana-See-Planes regelt. Der Sudan wird das Verfügungsrecht über den zehnten Teil des Wassers erhalten und dafür alljährlich eine nicht näher genannte Summe an Aegypten zahlen. Gleichzeitig erhält der Sudan das Recht, den Wasserverbrauch später bis auf 50 v. H. zu vermehren. Man betont, daß dieses Abkommen Aegypten nicht verpflichte, den Abschluß des Tana-Damm- Sertrages mit Abessinien zu beschleunigen. Ein solches Abkommen bedürfe vielmehr der Zustimmung von vier Parteien, nämlich Großbritanniens, Abessiniens, des Sudans und Aegyptens. In London wird auf den neuerdings immer wieder betonten Grundsatz der britischen Politik hingewiesen, daß alles vermieden werden soll, was als ein Bestreben Englands ausgelegt werden könnte, von Abessinien besondere Vorteile zu erlangen. Kür bessere Verteilung der Kolonialgebiete. Neuyork, 5. Sept. (DNB.) Oberst Edward M. House, der frühere außenpolitische Berater Wilsons, vertritt den Gedanken, daß der Weltfrieden nur durch eine bessere Verteilung des Landbesitzes der großen Kolonialländer zu Gun st en Deutschlands, Japans und Italiens erhalten bleiben könne. England, Frankreich, Sowjetrußland und die Vereinigten Staaten, die vier Mächte, die „die Welt besitzen", müßten den anderen drei Ländern Ausdehnungsmöglichkeiten gewähren, die den gegenwärtigen Verhältnissen angemessen seien. Jeder Staatsmann werde in privater Unterhaltung zugeben, daß Deutschland, Italien und Japan G e - biete benötigten, wohin sie ihren Bevölkerungsüberschuß schicken und woher sie die Rohstoffe beziehen könnten, die ihnen das eigene Land nicht gewähren kann. Aber die großen besitzenden Nationen seien nicht willens, ihren weniger glücklichen Genossen mehr als „Brotkrume n" zu gewähren, die „vom kolonialen Tisch fallen". Laßt bättigeMnner um mich sein! Die alten Römer liebten das glattrasierte Kinn. Einer ihrer Nachfahren aber, der ganz bestimmt Tag und Nacht von der Wiederaufrichtung des römischen Imperiums träumt, hat jedoch plötzlich entdeckt, daß das glattrasierte Gesicht eine englische Erfindung sei. Darum fort mit der glatten Rasur, so ruft der Futurist Marinetti seinen Landsleuten zu, denen er kürzlich eine Hymne auf den Krieg als Sportersatz bescherte. Marinetti. der mit gezücktem Bleistift gegen die Briten Sturm läuft, möchte künftig nicht nur bärtige Männer um sich sehen, um nicht dauernd an die ihm verhaßten Engländer erinnert zu werden, fordert seine Landsleute auf, auch keinen Tee zu trinken, den Frack als die Uniform der Sklaven der kretinisierten Mon- dänität abzulegen, den Snobismus zu fliehen und das Golfspiel zu meiden, das glattrasierte Gesicht als Ersatz für Persönlichkeit, die kleine Pfeife als Surrogat für Gedanken, den Puritanismus und die Indifferenz gegenüber den Frauen, die einen Freibrief für sexuelle Anormalität bedeute, schließlich auch das Bridgespiel und das übertrieben konservative Festhalten an überlebten Gepflogenheiten und Traditionen, das die Engländer mitsamt London zu Fossilien mache, ebenfalls abzulegen. Der Aufruf schließt mit der Aufforderung, die Italiener mögen die kräftige, lebendige, fruchtbare italienisch- afrikanische Sonne mit mussolinischem Schwung den Engländern aufprägen. Das ist ja nun alles ganz gut und schön. Nur scheint Marinetti bisher mit Scheuklappen durch Rom. gelaufen zu sein. Denn P a r i s , 6. Sept. (DNB. Funkspruch.) Das „Echo de Paris" schreibt, der italienisch-abessinische Streit, der allmählich in einen italienischenglischen Streit übergegangen sei, drohe jetzt zu einem Streit z w i s ch e n I t a l i e n u n d dem Völkerbundsrat zu werden. Frankreich müsse natürlich das internationale Gesetz und die bestehenden Verträge verteidigen, aber w i e weit könne es dabei gehen? London wünsche gemeinsame Sühnemaßnahmen; aber solche seien unmöglich, da die erforderliche Einstimmigkeit hierfür nicht zu erreichen sei. Man müsse sich fragen, ob die englische Regierung nicht deshalb so nachdrücklich von gemeinsamen Sühnemaßnahmen spreche, weil sie allein n i ch t h a n d e l n, sich aber vor der öffentlichen Meinung Englands trotzdem den Schein des Handelns geben wolle. Mehrere Blätter wenden sich vor allem gegen die Tatsache, daß einfranzösischerProfessor imNamenAbessiniens gegen Italien sprach. — „Journal" schreibt, ein französischer Professor der Rechte habe die Italiener in wahrhaft unmöglichen Ausdrucken angegriffen. Das mindeste, was man er» London, 6. Sept. (DNB. - Funkspruch.) Der Genfer Sonderberichterstatter der „Times" bezeichnet das Verlassen des Sitzungssaales durch die italienischen Delegierten als eine Demonstration, die einige Minuten lang Verblüffung hervorgerufen habe. Für den Freitag hoffe man auf eine neue Sitzung des Völkerbundsrates. Der Ernst der Lage fei nicht zu leugnen. Bis zum Abend hätten die Bemühungen gedauert, einen Versöhnungsausschuß jju ernennen. Die Italiener hätten sich einer Teilnahme Englands und Frankreichs widersetzt; bis zum Abend habe nur ein Ratsmitglied, nämlich der Spanier, sich bereit erklärt, in dem Ausschuß Platz zu nehmen. Aber selbst, wenn der Ausschuß zustande komme, werde er, falls ihm jede Bezugnahme auf Artikel 15 der Satzung verwehrt sei, kaum i m - st a n d e (ein, mehr zu tun, als die bisherigen zwecklosen Erörterungen fortzusetzen und somit eine weitere Verzögerung ohne deutliche Aussicht auf eine Vereinbarung zu verursachen. Vielleicht sei dies überhaupt als Zweck des Ausschusses gemeint gewesen. Das Beste, was sich von der gegenwärtigen Tagung sagen lasse, sei, daß der Völkerbundsrat bisher den von den Italienern verursachten Stürmen standgehalten habe. Die Neigung der Italiener, ihre Donnerkeile unverzüglich und ohne Ueberlegung zu schleudern, werde sich vielleicht weniger ergiebig zeigen als die langsameren und weniger dramatischen Verhandlungen der Mächte. Am Mittwoch sei bereits der Widerstand gegen die italienische Politik stärker und allgemeiner gewesen, als man erwartet hatte. Am Donnerstag habe er, veranlaßt durch die italienische Halsstarrigkeit, ein gewaltiges Ausmaß erreicht. Die Italiener hätten das ausgespielt, was sie für ihre Trumpfkarten hielten. Italiens Weigerung, die Erörterung mit Abessinien auf dem Boden des Völkerbundes fortzusehen, nennt „Times" „neuartig, arrogant und unzulässig". Der größte Teil des Inhaltes der italienischen Denkschrift sei zweifellos wahr, er sei aber schon wahr gewesen, als Italien vor 12 Jahren die Aufnahme des zugegebenermaßen rückständigen Landes Abessinien in den Völkerbund befürwortete. Selbstlose europäische Hilfe für ein rückständiges Land könne ohne Schmälerung seiner Unabhängigkeit gewährt onft hätte er merken müssen, daß nicht alle, auch richt alle maßgebenden Italiener mit Balbobärten pazieren gehen und daß von diesen wieder mehr als einer gelegentlich auch den Frank anzieht, ohne deswegen in den Verpacht zu geraten, ein mondäner Kretin zu sein. Aber Spaß muß sein, auch in ernsten Zeiten. Oie französisch-italienische Waffenbrüderschaft. P a r i s , 5. Sept. (DNB.) Auf dem Kriegssriedhof von Bligny fand am Donnerstag bei den großen Manövern der motorisierten Einheiten in der Champagne eine französisch-italienische Feier statt, in )eren Verlauf der französische Generalissimus G a - m eI i n dem italienischen Marschall B ado glio das Großkreuz der Ehrenlegion überreichte. Schweizerische und französischeOsfiziere in Addis Abeba London, 6. Sept. (DNB. Funkspruch.) Reuter meldet, daß die abessinische Regierung 10 schweizer Offiziere, meist Artillerie-Sachverständige, in ihre Dien st e genommen habe. Außerdem seien vier französissche Offiziere in Addis Abeba angefommen, aber der Zweck ihrer Sendung sei unbekannt. Die Agentur Havas berichtet, die abessinische Regierung habe der i t a ■ lienischen Gesandtschaft nicht erlaubt, eine Verstärkung der Gesandtschaftswache durch eine Askari-Kvmpanie ovrzunehmen. Der Negus habe allen Ausländern empfohlen, sich in einem bestimmten Bezirk zu sammeln. Einige Planzer hätten sich jedoch geweigert, die Stätte ihrer Arbeit zu verlassen. Den Missionsstationen hat der Ne- gus weitgehenden polizeilichen Schutz zugesagt. Der Herausgeber der Amharischen Zeitung „Stimme Äthiopiens" wurde auf Befehl des Kaisers verhaftet, da er. Mussolini und Italien in beleidigender Form angegriffen habe. Gleich- Zeitig ordnete der Kaiser an, daß die gesamte abessinische Presse in keiner Weise Italien angreifen und beschimpfen oder unwahre Meldungen veröffentlichen dürfe. Greuelpropagandazentraie aufgedeckt. Dortmund, 5. Sept. (DNB.) Dor dem Dort- murtber Sondergericht hatten sich der 53jährige Eberhard Wiese, seine 50jährige Schwester Doro- tdea Wiese aus Essen-Werden und die 38jährige Jüdin Silva Oppenheimer aus Köln w e g e n D e r- breitung falscher Behauptungen ins Auslands verantworten. Die Angeklagten hat- ten sich aus dem Auslande Hetzschriften gegen warten könne, sei, daß Italien es ablehne, weiter an der Aussprache teilzunehmen, solange Abessinien von Professor Jeze vertreten werde. — „Iournee Industrielle" schreibt: Jede Sache sei gut zu vertreten, und die abessinische Sache sei wahrlich rechtlich wie tatsächlich gut, es wäre aber doch zu wünschen, daß Professor Jeze sich seiner Eigenschaft als französischer Beamter erinnere und sein möglichstes tue, um nicht durch dramatische Umstände, die Aufgaben seines eigenen Landes noch verwickelter zu gestalten. — In der „Action Fran- gaife" heißt es, alle Franzosen fragen sich, wie dieser Verrat des Professor Jöze möglich war. Wenn wir in Frankreich eine energische Regierung hätten, würde Professor Jöze noch am selben Abend nahegelegt worden sein, sein Amt als falscher Vertreter Äbessiniens niederzulegen. Daß Abessinien Lust hat, Italien sehr unangenehme Dinge zu fagen, ist wahr, daß diese Dinge aber von einem französischen Professor gesagt werden sollen, ift ein« s a ch unzulässig. Professor Jöze hat gestern nicht nur dreißig Silberlinge verdient, sondern viel mehr. werden. 3m Gegensatz zu der Behauptung Aloisis, daß Abessinien seit 1923 nichts getan habe, um die Aufnahmebedingungen zu erfüllen, müsse man sagen, daß der abessinische Kaiser ein energischer Reformator sei, dessen Neuerungen bereits merklichen Eindruck auf eine primitive Bevölkerung gemacht hätten. „News C h r o n i c I e" (liberal) berichtet aus Genf, man fei der Ansicht, daß die Pariser Vorschläge die abessinische Unabhängigkeit so stark einschränkten, daß ihre Annahme durch Abessinien erstaunlich sei. Jetzt bestehe Sorge, daß das Italien gebotene „Bestechungsgeld" in unvernünftiger Weise erhöht roeroe. Eine internationale Polizei oder ein internationaler Beamtenkörper könnten leicht binnen weniger Jahre italienisch werden und der Völkerbund würde in solchem Falle ganz einfach einen Krieg durch Zu- ftanbebringen einer gesetzlichen Annexion vermieden haben. Es sei anzunehmen, daß Eden nicht in die Falle gehen werde, aber das gleiche könne nicht von Laval gesagt werden, dessen Benehmen häufiger Vertrauen zerstöre, als einflöße. Das Arbeiterblatt „Daily H e r a l d" meint, der Antrag des abessinischen Vertreters, der Völkerbundsrat solle sofort Schritte zur Verhinderung des drohenden Krieges tun, und die Rede Litwinows dürften die Dinge zu einem entscheidenden Punkt gebracht haben. Mussolini habe geradezu gedroht, der Welt den Krieg zu erklären, wenn Sühne- maßnahmen auferlegt würden. Der Völkerbund habe sich jedoch nicht einschüchtern lassen. Wenn es Sühnemaßnahmen gebe, so würden sie kollektiv von 56 Völkerbundsmitgliedern auferlegt werden. Sühnemaßnahmen bedeuteten Frieden. — Der Genfer Berichterstatter der konservativen „M o r n i n g P o st" hat den Eindruck, daß die Rede Litwinows die kleineren Mächte verein i g en werde. Die Kleine Entente, die Staaten des Balkan-Paktes und die skandinavischen Länder würden sicher dem russischen Vorgehen folgen. — „Financial News" ist der Ansicht, daß die Dinge plötzlich eine Wendung zum Schlimmeren genommen haben. Litwinows Rede deute an, daß zum mindesten die Sowjetunion für die streng- sten Maßnahmen sei. Es bestehe auch einiger Grund für die Annahme, daß die kleineren Nationen, besonders die, die 1919 entstanden seien, bereit sein würden, ihre Rolle zu spielen. Die Entscheidung hänge jetzt tatsächlich von der Haltung Englands und Frankreichs ab. Deutschland besorgt und sie in Deutschland verbreitet. Außerdem hatten sie selbst Fälschungen von Briefen und Broschüren vorgenommen und sie nach Holland, die Schweiz und Kanada geschickt. Das Sondergericht verurteilte Eberhard Wiese zu 1 Jahr 8 Monaten, DoroU,ea Wiese zu 2 Jahren Gefängnis, Silva Oppenheimer zu 3 Monaten Gefängnis. Oer Führer im Manöver. Lelle. 6. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht A do lf Hitler traf am Freitagfrüh zur Teilnahme an den Herbstübungen des 6.Armeekorps mit seinem Stabe in Munsterlag e r ein und begab sich sogleich zur Truppe in das Manövergelände. Ebenso wohnen den Hebungen der R e i ch s k r l e g s m i n i st e r und Oberbefehlshaber der Wehrmacht Generaloberst von Blomberg und der Oberbefehlshaber des Heeres General der Artillerie Freiherr v o n F r i t s ch in Begleitung anderer höherer Offiziere bei. 1OOOO .Industriearbeiter als Gäste der Deutschen Arbeitsfront auf dem R-ichsparteitag. Berlin, 4. Sept. (DNB.) Der Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, hat das Amt für Reifen, Wandern und Urlaub in der NS.-G. „Kraft durch Freude" beauftragt, 10 000 deutsche Arbeiter aus Industrie - und Grenzgauen zum Reichsparteitag nach Nürnberg zu bringen. Die Teilnehmer erhalten die Reise als besondere Ehrung der Deutschen Arbeitsfront. Sie werden folgende Ereignisse erleben: Appell der Arbeitsdienstmänner, Appell der politischen Leiter, Volksfest der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Appell der SA., Wehrmachtsvorführunaen. Zum ersten Male wird somit eine große Anzahl Industriearbeiter als Vertreter der Organisation aller Schaffenden am Parteitag teilnehmen. Reichsminister Dr. Frick in Reinsdorf. Der Führer und Reichskanzler hat einer Anzahl Volksgenossen, die sich bei dem Explosionsunglück am 13. Juni d. I. in Reinsdorf um die Errettung von Menschen aus Lebensgefahr oerbient gemacht haben. Aus- Zeichnungen verliehen. Reichsminister Dr. Frick überreichte bei einer schlichten Werksfeier den Tapferen von Reinsdorf 12 Rettungs. und 46 Erinne- rungsmedaillen und sprach 10 weiteren Volksgenossen eine öffentliche Belobigung uus. Dieprobe aussExempel Son unterem Or. K.-Senchterstotter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Warschau, 4. September 1935. Am Sonntag finden in Polen Wahlen zum Sejm und am darauffolgenden Sonntag bis Wahlenzum Senat statt. Sie sind von außergewöhnlicher Bedeutung deshalb, weil sie zum erstenmal unter der neuen Verfassung und nach der neuen Wahlordnung durchgeführt werden. Die Wahlen sind allgemein, geheim, direkt und gleich. Wahlberechtigt sind alle Personen int Alter von über 24 Jahren. Parlamentsmitglied kann dagegen nur ein mindestens Dreißigjähriger werden. Das neue Abgeordnetenhaus, der Sejm, wird nicht mehr wie sein Vorgänger 444, sondern nur noch 208 Mitglieder zählen. Sie gehen aus 104 Wahlkreisen hervor. In jedem Wahlkreis ift aus Vertretern der kommunalen und der wirtschaftlichen Selbstverwaltung sowie aus Mitgliedern der Berufsverbände ein Wahlausschuß gebildet, der vier Kandidaten pro Wahlkreis aufstellt. Als gewählt gelten die beiden Kandidaten, die die meisten Stimmen erhalten. Es geht schon aus diesen letzteren Vorschriften hervor, daß auch Polen als autoritär regierter Staat d i e Parteien bei der Parlamentsbildung ausgeschaltet hat. Noch der letzte, im Jahre 1930 gewählte Sejm, wurde nach dem alten S y st e m zusammengestellt. Es war die Autorität des Marschalls Pilsudski, der es verstand, sich gleichwohl im alten Sejm eine parlamentarische Mehrheit zu schaffen. Dieser erhielt dann allerdings die Aufgabe, Verfassung und Wahlordnung grundlegend zu reformieren und das Regierungs- fystem, das im Mai 1926 geschaffen war, ein fiir allemal festzulegen. Diese beiden Ausgaben haben Sejm und Senat nach mehrjährigen schweren Kämpfen um die Gestaltung der Verfassung in diesem Frühjahr beendet. Sie wurden darauf durch einen souveränen Akt des Staatspräsidenten auf Grund des Artikels 13 der neuen Verfassung noch vor Ablauf ihrer natürlichen Lebensdauer (9. Dez.) am 10. Juli au f ge I ö ft, da sie die ihnen gestellten Ausgaben nunmehr erfüllt hatten. Das wesentlichste Unterscheidungsmerkmal der bevorstehenden Wahlen von den bisherigen besteht darin, daß durch die großen inneren Reformmaßnahmen den poltischen Parteien und sonstigen In» tcrejfentengruppen das schrankenlos ausgenutzte Recyt über die Zusammensetzung des Parlamentes genommen ist. Die neue Verfassung sowohl die neue Wahlordnung stellen ihre Maßnahmen in erster Linie auf den Grundsatz der Stärkung und Stabilisierung der S t a a t s a u t o r i t ä t ab. Der Sejm fyat nach der neuen Verfassung d i e Gesetzgebung sowie die Kontrolle der Regierung wahrzunehmen. Er kann den Staatshaushaltsplan beschließen und kann fteilich auch nach der neuen Verfassung der Regierung fein Mißtrauen aussprechen. Jedoch braucht der Staatsprä- sindent nicht mehr daraufhin die Regierung zu entlassen. Ja der Rücktritt der Regierung braucht nach der neuen Verfassung noch nicht einmal dann zu erfolgen, wenn der Senat einem Mißtrauensantrag des Sejm zustimmt. Dann bleibt nämlich dem Staatspräsidenten immer noch die Möglichkeit, den Beschluß der beiden Kammern abzulehnen, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben. Im übrigen sichert die neue Wahlordnung der Regierung auf jeden Fall die unbestrittene Mehrheit in beiden Kammern; beispielsweise ernennt der Staatspräsident schon allein ein volles Drittel der Mitglieder des am 15. September zu wählenden Senates, der von 111 auf 96 Mitglieder verringert ist. Nun wird also am Sonntag in Polen zum ersten Mal nach dieser neuen Verfassung gewählt werden. Von W a h l k a m p f aber ist fast gar nichts zu verspüren. Es liegt so etwas wie Entsagung und Müdigkeit in dem bißchen Propaganda, die noch von der Regierungspresse gemacht wird, um wenigstens das Bewußtsein unter den Bürgern aufrecht zu erhalten, daß dieser kommende fein „gewöhnlicher" Sonntag sein wird, sondern ein Tag staatspolitischer Pflichterfüllung. Wenn Ministerpräsident S l a w e k kürzlich in einer Unterredung der Meinung Ausdruck gab, feine Propaganda sei die beste Wahlpropaganda, so hieß das schon aus der Not eine Tugend machen, denn gerade diese Wahlen sollen ja die Probe aufs Exempel sein, ob die Der- f assungänderung mit allen ihren Folgen, zu denen auch das neue Wahlgesetz gehört, i m Volke den nötigen Rückhalt gefunden fjat, ob das letzte und abschließende Werf des Marschalls Pilsudsfi verstanden und Gemeingut der Nattvn geworden ist. Die neue polnische Verfassung hat das Führer prinzip ftarf in den Vordergrund gestellt, indem sie die Macht des Staatspräsidenten in entscheidender Weise stärkte. Aber gerade eine ftarfe autoritäre Staatsführung bedingt, daß das Volf mitgeht, daß es in einmütigen Abstimmungen sein Vertrauen zugleich mit feinem Willen zur Mitarbeit befandet. Die O p p o fi ti an in Polen weiß recht gut, daß die Regierung eine mangelhafte Wahlbeteiligung als eine Art Mißtrauensvotum betrachten müßte. Deshalb hat sie eine Wahlboyfottparole herausgegeben, aber alle Zeitungen, die dazu öffentlich auffordern, werden beschlagnahmt. Nicht, wer in diesen Sejm fommt, ist das Ausschlaggebende, denn die neue Wahlordnung fyat dafür gesorgt, daß die Regierung mit einer sicheren Mehrheit in dieses faum noch bedeutsame Gremium einzieht sondern wer überhaupt zur Wahlurne' tritt! Die Oppositionsparteien sind von einer affinen Beteiligung an der Wahl ausgeschlossen, aber J,Ie l'nd noch ba und nutzen den letzten Rest ihrer Macht gefährlich aus. Es fällt ihnen oft nicht Ower, voller Hohn auf die seltsame Weise von Wahlpropaganda Regierungsfandidaten hinzuwei- sen, die anstatt auf ihren Versammlungen ein Pro- gramm zu entwickeln, trockene Vorträge über die neue Verfassung und die Wahlordnung halten Da der eigentlichen Wahl eine Vorwahl der « ?te"- v°r°nging, die unter Ausschluß ber Öffentlichkeit stattfand und im wesentlichen in ben Amtsstuben ausgehandelt wurde, war hierbei Gelegenheit gegeben, Spaltungsfeime in die Oppo» uk 5" tragen, um wenigstens noch Teile davon wahlfreudig zu stimmen. Schon sprach man von einer T eil bekehrung der Bauern, 16 ehemalige Abgeordnete der bäuerlichen Volkspartei standen im Begriff, zur Regierung überzugehen. -über nur drei von ihnen wurden zu Kandidaten oestimmt, und ob sie gewählt werden, ist schleier- ■•l'i i't ^on vor dem Wahltermin die Ernüchterung eingetreten: die Mehrzahl der Bauern ourste kaum an die Wahlurne treten. Den Deut» ' »v-n ,er5 Sanz ähnlich gegangen. Sie hatten erklären lassen, daß sie sich an den Wahlen beteiligen wollten, wenn ihnen 'Kandidaten zugesichert wurden. Die Zusicherung wurde zwar in besctnMk» tem Umfange erteilt, aber in keinem BezixH Ser Widerstand gegen Aasten wächst. Englische Zeitungen berichten ihre Eindrücke in Genf. Essolub STANDARD STANDARD 2. Reichsbahnrat Wilhelm Weyher. 4. irischast aus? Wie sieht es in der ge- ge- haben. Mit dem abschließenden Sachverständigengutachten dürfte in etwa einer Woche zu rechnen sein. 24 Millionen Mark höher als im entsprechenden Monat des Vorjahrs. Auch die Abhebungen waren um fast 20 Millionen Mark niedriger als im Juli 1934. Diese lebhafte Spartätigkeit lst um so bemerkenswerter, als der Juli bekanntlich der Reise- und Urlaubsmonat ist, in dem in den Großstädten viele Sparer Geld abzuheben pflegen oder zum mindesten keine Neueinzahlungen oor* nehmen. Daß für die Sparkassen die hohen Einlagenzuflüsse einen Anreiz bedeuten, einen möglichst großen Teil ihrer flüssigen Gelder in Wertpapieren anaulegen, ist sehr verständlich. Namentlich die Sckatzanweisungen des Reiches sind sehr liquide uno ganz sichere Anlagen für Sparkassengelder. Schon im ersten Halbjahr 1935 haben die Sparkassen ihren Besitz an Wertpapieren um 507 Millionen Mark erhöht. In dieser Summe sind übrigens die 500 Millionen Mark Reichsschatzanweijun- gen, die im Mai d. I. an die Sparkassen begeben worden sind, erst zu etwa zwei Dritteln enthalten. Das schnellere Tempo der Einlagensteigerung wird es den Sparkassen leicht machen, in der zweiten Jahreshälfte einen noch wesentlich größeren Betrag von Reichsanleihen als in der ersten zu übernehmen. Ingenieur Joseph Karl Rath, technischer Sachbearbeiter der Berlinischen Baugesellschaft Den Festgenommenen wird fahrlässige Tötung zur Last gelegt, die darin erblickt wird, daß bei der Ausführung des Baues grobe Verstöße gegen anerkannte Regeln der Baukunst vorgenommen sind und daß die Genannten dafür in erster Linie die Verantwortung zu tragen Das Einsturzunglück an der Berliner NG.-Bahn „Frankreichs Ostbefefiigungen unangreifbar." Feststellungen des sowjetrussischen Generalstabschefs. Oie Bregenzer Alpenvereinstagung. Der großartige Verlauf der 61. Tagung des Deutschen und Oe st erreich ischen Alpenvereins in Bregenz und die programmatischen Ausführungen des ersten Vorsitzenden Professor von Klebelsberg haben gezeigt, welches Echo selbst in schwierigen Zeiten eine Alpenvereinstagung erweckt. Der Vorstand der Sektion Vorarlberg Siegfried Fussenegger gedachte in seiner Festrede dankbar der Riesenarbeit, die zahlreiche Alpen- vereinssettionen irrt Reich seit sechs Jahrzehnten im Lande vor dem Arlberg durch die Erstellung von 30 Schutzhäusern geleistet haben. Das Wegnetz, das der Alpenverein durch das ganze Land legte, umspannt viele 100 Kilometer; 162 Vorarlberger Berg- allermächtigsten Kriegsmittel /beobachten können, die Die größtmöglichen Ergebnisse zeitt- aen müssen, nicht nur bei der Verteidigung dieses iebietes, sondern auch bei ihrer Umwandlung in eine Anyriffsbasis, einen Stützpunkt für Gegenanarlffe als Repressivmaßnahmen gegen einen evtl. Angreifer." Der Sowjetgeneral meint, daß die Bedeutung dieser gewaltigen künstlichen Befestigungsanlagen noch größer sei in Verbindung mit dem eindrucksvollen Straßennetz, das eine bedeutende Elastizität und Mannigfaltigkeit der Bewegung innerhalb der Befestigungszone ermögliche. General Ssedjakin schloß auf Grund eingehenden Studiums der französischen Ostbefestigun- gen seine militärfachmännischen Betrachtungen mit der Schlußfolgerung: „Ein Befestigungssystem dieser Art macht bei dem gegenwärtigen Stand der Kriegstechnik dieses Gebiet unangreifbar." Schöpfung und in der Gegenwart der stärkste politische Faktor in Polen, verachtet den Sejm und die wichtigtuerische Geschäftigkeit der „Volksvertreter". Schon einmal waren Offiziere in drohender Haltung im Sejmgebäude erschienen, als die „Sejmokratie", wie der parlamentarische Uebermut in Polen genannt wurde, sich gegen vernünftige Pläne des Marschalls auflehnte. Der Oberstenkreis würde wahrscheinlich nicht zögern, das Parlament zum Teufel zu jagen, wenn alte liberalistische Unarten sich wieder durch die Hintertür einzuschleichen vermöchten. Dieser stille Wahlkampf hat aber immerhin eine erfreuliche Seite: es wird keine schmutzige Wäsche gewaschen. Man liest diesmal in den Blättern z. B. nicht, daß der Nationaldemokrat Dmowski sich bei der Neuerrichtung Polens mit einem Minimalpro- oramm — Polen unter russischer Oberhoheit — hegnügen wollte, daß Pilsudski seinerzeit Oberschlesien gar nicht gewollt habe, liest nichts von neuen schmutzigen Geschäften Korfantys oder der moralischen Minderwertigkeit anderer Parteiheroen. Es gibt überhaupt keinen Stoff zu Beleidigungsklagen oder Duellen, die in den polnischen Wahlkämpfen der Vergangenheit eine nicht geringe Rolle spielten. Ein Warschauer Blatt machte kürzlich die Anmerkung, der Erfinder der neuen Wahlordnung müsse den Friedensnobelpreis erhalten. Am 8. September werden also nicht mehr die Vertrauensleute und Abgesandten der Parteien in den Warschauer Sejm einziehen, sondern die Vertrauensleute der Regierung. Ob sie diesmal auch die Vertrauensleute des Volkes sein werden, kann sich aus der Wahlbeteiligungsziffer ergeben. Es ist — wie gesagt — eine Probe aufs Exempel. Fünf deutsche Schulen in polen geschloffen. Bromberg, 5. Sept. (DNB.) Die zuständigen polnischen Kreisschulinspektionen in Bromberg und Hohensalza haben mit dem gestrigen ersten Schultage die deutschen Minderheitsschulen in Spital, Kakulin, Strelno, Dombie und Krossen g e - schlossen und aufgelöst. In jeder dieser Schulen wurden rund vierzig deutsche Kinder unterrichtet, die nunmehr polnischen Schulen überwiesen worden sind. Die in Frage kommenden deutschen Schulen waren nach der Zahl ihrer Schüler durchaus lebensfähig, so daß die deutsche Minderheit den Maßnahmen der polnischen Schulbehörden verständ- n t 5 I o s gegenübersteht, zumal die deutsche Volksgruppe Joeben erst ihre positive Einstellung zu den vevorsteyenDen polnischen Wahlen verkündet hat. Mit den betroffenen Eltern hofft die ganze deutsche Volksgemeinschaft in Polen, daß die sofort beim polnischen Unterrichtsminister eingereichte B e - schwerde im Geiste der guten Beziehungen zwischen beiden Nationalitäten berücksichtigt wird. fahren durch das ganze Ländle statt und eine stattliche Reiye Bergtouren brachte die Teilnehmer in Die bekannten Gebirgsgruppen Vorarlbergs, vorzüglich in Die Silvretta, Den Rhätrkon und Den Bregenzer Wald. Die größte Anziehungskraft übte Die feierliche Schlüsselübergabe der neuen «Stuttgarter Hütte aus. Das Haus wurde von der «Sektion Schwaden neu erstellt und kann bequem 50 Personen beherbergen; es ist beabsichtigt, Die Hütte auch im Winter zu bewirtschaften. Auch die Rund- flüac und Schiffsrundfahrten über den Bodensee fanben begeisterten Zuspruch. sammelt, hat Zeugen vernommen, hat Untersuchungen angestellt und auch eine Sachverständigenkom, misston eingesetzt, um ein möglichst klares Bild von Dem Hergang Der Katastrophe und ihren etwaigen Gründen zu erhalten. Der Staatsanwalt hat nun offenbar Den Eindruck gewonnen, als ob der Verdacht Der fahrlässigen Tötung nicht so ohne weiteres beiseite geschoben werden könne. Aus diesem Grunde hat er pflichtgemäß einen Haftbefehl erlassen. Damit hat er aber keineswegs ein Urteil gefällt. Das ist Sache des Gerichts, das vor unerhört jchwie- rige Aufgaben gestellt wird. Denn es hat genau ab- zuwägen, wie weit menschliche Schuld in Frage kommen kann und wieweit natürliche Ursachen mit- gewirkt haben oder gar Materialfehler die Katastrophe heraufbeschworen. Selbstverständlich wird mit der gebotenen Schärfe und Sachlichkeit versucht werden, etwaige Fahrlässigkeiten aufzudecken. Sollte eine menschliche Schuld oorliegen, dann wird der Richter nicht zögern, für gerechte Sühne einzutreten. Doch bis dahin wird man mit seinem eigenen Urteil zurückzuhalten haben. Denn schließlich sind von Der Reichsbahngesellschast nicht irgenDwelche Personen leichtferttg auf Diese verantwortungsrei- chen Posten gesetzt worden, sondern Männer, Die sich bewährt haben und Denen man nach sorgfältiger Prüfung ihrer Eignung und Leistungsfähigkeit " tröst das schwere Amt übertragen zu können glaubt hat. m. b. H., 3. Bauleiter Diplomingenieur Fritz Noth, Moskau, 5. Sept. (DNB.) Eine sowjet- russische Militärabordnung hat auf Einladung Des französischen Generalstabschefs das b e - feftigte Gebiet im Nordosten Frankreichs besichtigt. In der „Jfwestija" äußert sich der stellvertretende Generalstabschef der Roten Armee, Ssedjakin, sehr befriedigt Darüber, Daß Die sowjetrussischen Offiziere Das erst kürzlich geschaffene System Der Befestigungsanlagen in allen Einzelheiten hätten stuDieren können, Diese Befestigungswerke hätten auf ihn einen g e - wattigen Eindruck gemacht. Der rote General sagte u. a., Daß Die „Verteidigung des Rheins" insbesondere im Abschnitt zwischen den nördlichen Vogesen und dem Strom außerordentlich gut organisiert und sehr solide angelegt sei. „In diesem ganzen Gebiet", so betonte General Ssedjakin, „haben wir die Anwendung der neuzeitlich st en und der Vier Verhaftungen. Berlin, 5. Sept. (DNB.) Die Justiz- Pressestelle Berlin teilt mit: Wie seinerzeit bereits bekannt geworden ist, hat die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Berlin unmittelbar nach dem Einsturzunglück bei dem Bau der Nord-Süd-Ost-Bahn in der Hermann-Göring- Straße, das insgesamt 19 Todesopfer gefordert hat, die Ermittlungen über eine etwaige Schuldfrage eingeleitet. Die Bearbeitung dieses die Öffentlichkeit in besonders hohem Maße interessierenden Verfahrens wurde Dem Oberstaatsanwalt Dr. Reimer übertragen, zu Dessen Unterstützung nach wie vor Gerichtsassejsor Riel, Der seinerzeit als erster Vertreter Der Staatsanwaltschaft bei Den Aufräumungsarbeiten zugegen war, tätig ist. Zur eingehenDen Aufklärung hat Die Staatsanwaltschaft ein SachverstänDigen-Gremium hinzu- gezogen, Das unter Leitung Des Geheimrats Prof. Dr. H e r t w i g von der Technischen Hochschule Berlin steht und Dem als MitglieDer folgenDe Herren angehören: Professor Dr. D i s ch i n g e r von der Technischen Hochschule Berlin, Prof. Dr. Halter von Der Technischen Hochschule in München, Reichs- fachgruppenwalter H u p f a u e r (Deutsche Arbeitsfront), Regierungsbaurat im RuhestanD B o u f f c t, Regierungs- unD Baurat Schuppan vom Poli- zeipräsiDium Berlin. Die Untersuchung, über Die Ursachen des Einsturzunglücks ist inzwischen soweit gediehen, daß auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft heute Haftbefehle gegen folgende Personen erlassen und vollstreckt worden sind: 1. Direktor Hugo Hoffmann von der Berlinischen Baugesellschaft m. b. H., Die Belebung der deutschen Wirtschaft geht ununterbrochen fort. Der Absatz des Einzelhandels weist im Monat Juli eine weitere Steigerung auf. Das Umsatzniveau dieses Monats liegt um 3 Prozent höher als das des entsprechenden Zeitabschnitts des Jahres 1934. Ueberdurch- schnittlich groß war die Zunahme der Umsätze des Lebensmittelhandels, was aber wohl teilweise auf das Anziehen der Preise zurückzu- führen ist. Aber auch in den Textil- und Bekleidungs-Fachgeschäften sind die Umsätze beträchtlich gestiegen, ebenso im Einzelhandel mit Hausrat, mit Drogen und bei den Uhrmachern. Der Landmaschinenhandel erzielte sogar um 35 Prozent höhere Umsätze als im Vorjahr. Die Produkttonsleistung der Siegerländer Walzwerke war im Juli mit 44865 Tonnen um fast 5 Prozent höher als im vorangegangenen Monat. Auch der Monat August hat nach den vorliegenden Ermittlungen wieder ein sehr günstiges Ergebnis gebracht. Die Drahtseilindustriü berichtet, daß ihr Jnlandabsatz infolge der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsreaierung weiter zugenommen hat. Das Auslandsgeschäft hat sich ebenfalls gebessert. Dabei wird besonders hervorgehoben, daß auch die im Export erzielten Preise erheblich geftiegen sind, obwohl die Konkurrenz auf den ausländischen Märkten sehr scharf ist. — Um die Arbeitsbeschaffungsaktion der Reichsregierung in unverminderter Stärke fortzuführen, hat die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten neue Kreditefür bestimmte Arbeiten bereitgestellt. Zu diesen Arbeiten gehört u. a. der Bau einer weiteren Teilstrecke der deutschen Alpenstraße, eine Talsperre im Gebiet der Weißen Elster, eine Gruppen-Wasserversorgung Im Maintal sowie neuer Straßen im Bayerischen Wald. ' Einzelheiten über die neue Anleihe finden unsere Leser im Wirtschaftsteil. * Neben den 500 Millionen Mark, die zur öffentlichen Zeichnung angeboten werden, haben die Sparkassen auch diesmal wieder 500 Millionen Mark Reichsschatzanweisungen fest übernommen. Bekanntlich sind schon einmal im Frühjahr d. I. für 500 Millionen Mark Reichsschatzanweisungen unmittelbar an die Sparkassen begeben worden. Das starke Anwachsen ihrer Einlagenbestände gestattet ihnen; an der Konsolidierung der Reichsschulden in besonders umfangreicher Weise teilzunehmen. Im ersten Halbjahr 1935 haben sich Die Einlagen Der Sparer um mehr als 813 Millionen Mark vermehrt. Die Zunahme war noch bettächtlich stärker als in Der ersten Hälfte Des Vorjahres. Jetzt liegen auch bereits die Juli- beridjte Der Sparkassen vor. In diesem Monat haben sich die Einlagenbestände abermals um fast 4 0 Millionen Mark auf insgesamt 132 Milliarden Mart erhöht. Die Einzahlungen der Sparer betrugen in diesem Monat allein mehr als 490 Millionen Mark und waren damit noch um Mit der Auflegung der neuen Reichsanleihe hat Die KonfolDierung Der KreDite begonnen, mit Denen Die nationalsozialistische Reichsregierung in Der Uebergangszeit ihr großes Arbeitsbeschaffungswerk finanziert hat. Um Den Deutschen Geld- und Kapitalmarkt für Dieje KonsoliDierungs- anleihe aufnahmefähig zu machen, mußten umfangreiche Vorarbeiten geleistet werden. Jetzt ist die Schonzeit, in der die Regierung eine Belastung des Kapitalmarkts bewußt vermied, um ihn zunächst einmal genügend erstarken zu lassen, vorüber. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß der deutsche Kapitalmarkt heute stark genug ist, die 500 Millionen Mark, die das Reich jetzt beansprucht, ohne jede Schwierigkeit aufzubringen. Die bisherigen Zeichnungsergebnisse beweisen bereits, daß sich Sparer und Kapitalbesitzer auch in diesem Falle ihrer Pflicht gegen Staat und Volk voll bewußt sind. Da die Zeichnungsfrist noch bis $um 16. September läuft, ist es sicher, daß die Anleihe stark überzeichnet werden wird. Es empfiehlt sich daher für alle Diejenigen, Die sich Diese erstklassige Anlagemöglichkeit für ihre Ersparnisse zunutze machen wollen, ihre Zeichnungen so bald wie möglich vorzunehmen. und Skiführer danken dem Verein ihre Ausbildung; das Rettungswesen ist in ebenso vorbildlicher Weise wie in den übrigen Bundesländern organisiert. Der Festredner bewies schlagwortartig, in welchem Ausmaß der Alpenverein als Wegbereiter Vorarlbergs tätig war und ist. Im Zusammenhang mit Der Tagung rourDen Beratungen Des „Vereins zum Schutze Der Alpenpflanzen", des „Vereins Der Freunde Des Alpenmuseums" und des „Vereines Der Freunde der Alpenvereinsbücherei" abgehalten. Die genannten Organisationen müssen als wichttge, ja unentbehrliche Helfer der Vereinsarbeit bezeichnet werden. Nach der Tagung fanden Gefellfchasts- Dier Personen, die am Reichsbahntunnelbau in Berlin maßgebend beteiligt sind und die dort die Hauptverantwortung trugen, wo Der Schacht zusammenstürzte und viele Arbeiter unter sich begrub, sind auf Veranlassung Des Staatsanwaltes in Haft genommen roorDen. Es wäre ungerecht, wollte man Daraus sofort Den Schluß ziehen, daß für das Unglück diese vier Männer verantwortlich zu machen seien, wie es überhaupt töricht ist, bei irgendeinem Unfall von vornherein mit einem fertigen Urteil über Die Schulb frage aufzutreten, bevor überhaupt der gesamte Fragenkomplex nach allen Richtungen hin genau untersucht und geklärt worden ist. Auch bei Dem Baugrubenunglück in Berlin hat der Staatsanwalt erst einmal das gesamte Material gekonnten sich die polnischen Wahlmänner entschließen, für einen Deutschen zu stimmen, so daß diese sämtlich durchgefallen sind. Die deutschen Organisationen unterstreichen zwar ihre ftaats- hejahende Haltung und stellen es ihren Mitgliedern frei, zur Wahl zu gehen oder empfehlen es ihnen Such ausdrücklich, aber mancher deutsche Wähler wird sich gewiß die Frage vorlegen, was er nun eigentlich an der Wahlurne zu suchen habe, wenn keine Kandidaten da sind. Die Ukrainer sind in sich gespalten, die linksgerichteten Gruppen werden es machen wie die polnischen Marxi- ften, sie werden zu Hause bleiben, aber auch der rechten Gruppe hat man ihre kämpferischen Kandidaten nicht gelassen, sondern hat den Kompromißlern den Vorzug gegeben, so daß auch hier die Enttäuschung sich in den Beteiligungszahlen bemerkbar machen wird. Was sonst noch wahlfreudig blieb, wird sich nicht nach Parteien, sondern nach Berufs ständen orientieren müssen, und da macht sich das Fehlen einer starken willensmäßig gebundenen und weltanschaulich geschlossenen Organisation bemerkbar, auf die sich Die Regierung eindeutig stützen könnte. Konservative und Syndikalisten, Militaristen und alte Demokraten sind in dem Regierungsblock locker vereinigt und jeder hält an den weltanschaulichen Grundformen seines Standes und seiner Klasse fest. Wenn es auch bei dieser Wahl noch nicht so kraß zum Ausdruck kommt, weil der autoritäre Wille des jüngst verstorbenen Marschalls auch über das Grab hinaus noch nachwirkt und seinen abschwächenden Einfluß geltend macht, wird unzweifelhaft die Entwicklung es dahin bringen, daß d i e künftigen Wahlen wieder neue Kämpfe auslösen, die dann innerhalb des Regierungsblockes selbst ausgetragen werden, und zwar nach berufs ständischen Gesichtspunkten. Dann wird der Arbeiter um den Arbeiter, der Bauer um den Bauern werben, wie ja heute schon die Blätter in spaltenlangen Lebensbeschreibungen die berufliche Zugehörigkeit der Kandidaten möglichst fett unterstreichen. Aber auch solche Voraussagen gelten nur für den Fall, daß die tatsächlichen Machthaber Polens die innere Neugestaltung des Staates bereits für abgeschlossen halten, und daß nicht nach einer Pause Der Eingewöhnung weitere Schritte zur endgültigen Ueberroinbung des Parlamentarismus getan werden. Die Armee, Pilsudskis stolze Die Preisverordnungen für Lebensmittel, die in diesen Tagen erlassen wurden, führen die Lebensmittelpreise wieder auf den Stand vom 31. März 1935 zurück. Das ist im Interesse Der Aufrechterhaltung der Mengenkonjunktur unbedingt notwendig, und die Landwirtschaft hat sich dieser nationalen Aufgabe in anerkennenswerter Welse zur Verfügung gestellt. Dabei ist die Ernährung des Volkes durchaus gesichert. Dank der starken Vorratspolitik verfügt die Reichsstelle für Getreide heute über Getreldevvrräte, dis es ermöglichen, die bei der Ernte eventuell fehlenden Spitzenbeträge zu decken. Bei der K a r t o f • felnerforgung liegen die Dinge so, daß sie auf jeden Fall gesichert ist, da nur ein Drittel der Kartoffelernte für die menschliche Ernährung benötigt wird. Die Butterversorgung ist durch Eigenerzeugung und Einfuhr sichergestellt. Der Butterverbrauch hat in Deutschland gegenüber der Vorkriegszeit fast um 50 v. H. zugenommen. Dieser Mehrverbrauch erklärt sich durch die veränderten Lebensbedingungen. Infolge der durchgehenden Arbeitszeit in den Großstädten ist der Butterbrotoer- zehr stark gestiegen. Da der Fleischverbrauch f,u 99 v. H. aus heimischer Erzeugung gedeckt wird, inb irgendwelche Besorgnisse wegen ber Fleischoer- orgung nicht angebracht. Die im Sommer festgestellten Spannungen am Rinbermarkt waren saison- mäßiger Natur unb zum Teil ble Folge einer Psychose. Das Angebot ist heute burchaus aus- relchenb, unb in ber Bevölkerung wirb in immer stärkerem Maße auf bas „Fleisch im eigenen Saft" zurückgegriffen. Gegenwärtig wirb wöchentlich eine Million Kilogramm Dosen abgesetzt. Auf bem Schweinefleischmarkt wirb bie bestehenbe unb saisonbedingte «Spannung bis zum Spätherbst behoben sein. Ersttebt wirb bie Herstellung von Kühlsleisch anstatt von Konserven. Die Obsternte liegt durch Witterungseinflüsss in diesem Jahr drei Wochen später als im vorigen Jahr. Beim Spätgemüse wird zweifellos eine vollkommene Entlastung eintreten, die Preise werden auf der Grundlage des Vorjahres liegen. Für den Bezug von Kartoffeln im direkten Verkehr zwischen Erzeuger und Verbraucher wirb kein Schluß-Schein-Zwang bestehen. Auch der Schluß-Schein-Zwang für den Bezug von Obst im Verkehr zwischen Erzeuger und Verbraucher wirb zugunsten des Verbrauchers aufgegeben. Dis Milcherzeugung steht gut: sie ist um 10 v. H. gestiegen. In der kommenden Zeit wird, wie Staatssekretär Backe kürzlich ausfuhrte, die beabsichtigte Auflockerung einzelner allzu starrer Bestimmungen der Marktordnung Erleichterung bringen. Der Grundsatz, daß der Weg der Ware vom Erzeuger zum Verbraucher möglichst tun fein soll, wird weitgehende Berücksichtigung finoen. Der Verbraucher wird in Zukunft in der Lage sein, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Geflügel und Eier wieder unmittelbar beim Erzeuger einkaufen zu können. Auch der Bauer wird wieder selbst Kartoffeln auf Den Markt bringen unb sie an ben Verbraucher abgeben können. I Oberhessen. Schwerer BerkehrSunfall. * Romrod (Kreis Alsfeld), 5. Sept. Gestern nachmittag ereignete sich kurz vor unserem Orte ein schwerer Autounfall. Ein aus der Richtung Grimberg kommender Kraftwagen geriet plötzlich ins Schleudern und rannte mit voller Wucht gegen einen Baum. Dabei erlitt der Lenker des Kraftwagens, der Buchdruckereibesitzer Karl Schneider aus Kaiserslautern, schwere Beinbrüche an beiden Beinen und einen Bruch des rechten Armes, während die übrigen drei Insassen des Autos leichtere Verletzungen davontrugen. Der Autolenker Schneider wurde von der Gießener Sanitätskolonne nach Gießen in die Klinik gebracht, die übrigen drei Verletzten wurden dem Krankenhaus in Alsfeld zuge- führt. Der Vorderteil des Autos wurde bei dem heftigen Anprall vollständig zerstört. Landkreis Gießen. Heuchelheim, 6. Sept. Schon vor einigen Jahren hat man sich in unserem Orte mit der Anlegung eines Schwimmbades befaßt. Der Plan scheiterte damals aus verschiedenen Gründen. Jetzt hat der Gemeinderat die Schwimmbad- fr age wieder aufgerollt und ist bei der Frage des geeignetsten Platzes auch schon zu einem befriedigenden Ergebnis gekommen. Unterhalb der Heuchelheimer Mühle, hinter der Brauhaus- und Mühlstraße, hat man einen schönen Platz gefunden, der sich zur Anlegung eines Schwimmbades gut eignet. Wenn die technischen Schwierigkeiten wegen des natürlichen Wasserzuflusses aus dem Bieberbach noch gelöst werden, wird der Plan als aussichtsreich betrachtet. Es wäre zu wünschen, daß die Errichtung eines Schwimmbades, das von einem großen Teil der Einwohner mit Sehnsucht erwartet wird, bald Wirklichkeit würde. /Staufenberg, 6. Sept. Die H e i m a t v e r- einigung Staufenberg veranstaltet am kommenden Sonntag hier ein H e i m a t f e st, auf das die Freunde der Heimat und des heimatlichen Volkstums besonders hingewiesen seien. Die umfangreichen Vorbereitungen versprechen den Besuchern einen genußreichen Tag. Auf die heutige Anzeige sei besonders hingewiesen. § Kesselbach, 5. Sept. Bei guter Witterung würde die Grummeternte in unserer Gemarkung eingebracht; die Quantität des Futters ist infolge des sehr trockenen Sommers gering, dagegen ist die Qualität gut. Die nach der langen Trockenheit seit einigen Tagen eingetretenen Niederschläge kommen den K a r t o f f e l n und den H a ck p f l a n - 3 e n sehr zugute, so daß man hier auf eine zufriedenstellende Ernte hofft. ■ Garbenteich, 4. Sept. Der Neubau des Heinrich Lotz, Gastwirtschaft und Metzgerei, geht langsam seiner Vollendung entgegen. Der alte Bau war baufällig und in der Raumgestaltung unzulänglich. Das alte Haus wurde abgerissen, nur em Teil des alten Saales blieb stehen und wurde in den Neubau einbezogen. Das neue Haus mit ferner nach der Straße, gegenüber dem neuen Rathaus, zu liegenden breit ausladenden Straßenfront, ist ein stattlicher Bau geworden. Der Bau wurde soweit wie möglich von einheimischen Handwerkern ausgeführt, die hierbei das ganze Jahr über Beschäftigung fanden. Besonders wird es m der Gemeinde begrüßt, daß Garbenteich nun endlich einen Saal erhält, der für Veranstaltungen der Größe des Ortes entspricht. ck Lauter, 6.Sept. Am heutigen Freitag kann in körperlicher und geistiger Frische Frau Charlotte W i e ß n e r ihren 7 7. Geburtstag feiern. Der Ehemann steht im 76. Lebensjahr. An Weihnachten vergangenen Jahres konnte das Ehepaar im Kreise seiner 4 Kinder, 15 Enkel und 14 Urenkel das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Kreis Büdingen. * Nidda, 5. Sept. Der 23 Jahre alte Erwin Jäger in Glauberg verunglückte bei der Arbeit so erheblich, daß er mit schweren Kopfverletzungen in die Klinik nach Gießen überführt werden mußte. Kreis Schotten. LPD. S ch o t t e n , 5. Sept. Nach einer Mitteilung in der Lokalpresse hat der Gemeind erat der Stadt Schotten folgenden Beschluß gefaßt: 1. Jeder Zuzug von Juden ist für die Folge g e - sperrt. 2. Jeder Verkauf von Grund und Boden, sowie Häusern an Juden ist verboten. 3. Alle öffentlichen städtischen Einrichtungen, Krankenhaus, Dieh- waage usw., sind für Juden gesperrt. 4. Von allen städtischen Versteigerungen, Gras, Holz, Obst usw., sind Juden auszuschließen. 5. Alle Volksgenossen, die mit Juden in Geschäftsverkehr stehen oder freundschaftliches Verhältnis unterhalten, find von städtischen Lieferungen, Unterstützungen, einschließlich Fuhren, auszuschließen. * Ulrich stein, 5. Sept. Die Witwe Frau Elisabeth Behrmann, geb. Göbel, konnte heute in guter körperlicher Rüstigkeit ihren 9 0. Geburtstag begehen. * U l f a , 5. Sept. Der Steinbrucharbeiter Heinrich Graf von hier erlitt einen Unfall bei der Arbeit und mußte mit einer schweren Sch 8 - delverletzung nach Gießen in die Klinik ge- bracht werden. Kreis Alsfeld. * A l s f e l d , 5. Sept. Der Arbeiter Ludwig Hofmann in Arnshain wurde, als er in dem Basaltwerk von Planz den Motor in Betrieb setzten wollte, von einer vlötzlich aus dem Motor herausschlagenden Stichflamme getroffen. Im Nu standen die Kleider des Mannes in hellen Flammen, die erst durch hinzueilende Arbeits- kameraden erstickt werden konnten. Der bedauernswerte Mann hatte schwere Brandwunden am Oberkörper und am rechten Arm davongetragen und mußte dem hiesigen Krankenhaus zugeführt werden. Lieber 200000 Besucher auf der großen Ausstellung „Die Rhein-Walnlsche Wirtschaft-. LPD. Frankfurt a. M., 5. Sept. Der Besuch der großen Ausstellung „Die Rhein-Mainische Wirtschaft" war in den letzten Tagen wieder sehr stark, so daß bis Donnerstagabend weit über 200000 Besucher auf der Ausstellung gewesen sind. Insbesondere hat der Besuch seitens der Schulen sehr stark zugenommen, außerdem wächst zusehends der Besuch aus dem Rhein-Main- Gebiet. So werden täglich etwa 2000 Sonntagsrückfahrkarten von der Ausstellungsleitung abgestempelt, und etwa 50 bis 70 Omnibusse bringen täglich Gäste aus dem Rhein-Main-Gebiet zur Ausstellung. Aus aller Welt. Windhose über Hamborn und Bochum. Bei einem heftigen Unwetter trat in Harnborn- Marxloh plötzlich eine Windhose auf, die an zahlreichen Stellen des dicht bewohnten Viertels schweren Schaden anrichtete; viele Häuser wurden abgedeckt, Bäume um) Zäune umgerissen, Fensterscheiben eingedrückt. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Auch über Bochum ging eine Windhose hinweg. Sie richtete beträchtlichen Schaden an. Auch hier wurden Dächer abgedeckt, Bäume entwurzelt, Stühle und sogar Tische meterweit fortgeschleudert. Drei holländische Arbeiter vom Vlih erschlagen. Bei einem kurzen aber heftigen Gewitter schlug der Blitz in der Nähe des Dorfes Meden (Südholland) in einen hölzernen Schuppen ein. Acht Arbeiter, die in dem Schuppen Zuflucht vor dem Unwetter gesucht hatten, wurden vom Blitz getroffen. Drei von ihnen waren auf der Stelle t o t. Die übrigen fünf Arbeiter erlitten schwere Brandverletzungen. Der deutsche und der britische Wettflieger in Sibirien gelandet. Wie seinerzeit berichtet, waren am 26. August der in Mexiko anfäffige deutsche Kriegsflieger Fritz Biehler und der erste Sekretär der britischen Gesandt,chaft in Mexiko, Farquhart zu -m-m Weltrundslug geartet Am I September haben sie Port Sasety, 30 Kilometer südöstlich von Nome sAlaska) verlassen. Am Donnerstag fing die amerikanische Nachrichtenabteilung m Seattle einen Funk,peuch aus U-len in Sibirien auf, wonach die beiden Flieger dort glatt gelandet seien. Wetterbendn des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die Nacht zum Freitag brachte einen überraschend schnellen Vorstoß feucht-warmer subtropl- scher Luftmassen. Sie kamen an der vorgelagerten Kaltlust zum Ausgleich und brachten unter heftigem Druckfall ergiebige Niederschlagsmengen, die vielfach mehr als 20 Liter pro Quadratmeter erreichten. Nachstoßende kältere polarmaritime Luft hat zum Aufbau eines Zwischenhochs geführt, das seinen Einfluß auf unser Wetter noch verstärkt, voraussichtlich aber keinen Abschluß der unbeständigen Witterung bringen wird. Aussichten für Samstag: Vielfach aufheiternd und nachts recht frisch, zunächst westliche, dann südwestliche Winde, späterhin wieder aufkommende Unbeständigkeit. Aussichten für Sonntag: Voraussichtlich wieder unbeständiges und zu Niederschlägen neigendes Wetter. Lufttemperaturen am 5. September: mittags 18,3 Grad Celsius, abends 13,2 Grad; am 6. September: morgens 12,8 Grad. Maximum 19,7 Grad, Minimum 12,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. September: abends 17,2 Grad; am 6. September: morgens 15,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 6,6 Stunden. — Niederschläge 27,9 mm.__ Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich, für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VIII. 35: 9838. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Herr Ottomar Weberling Tüchtig., erfahr. Mäfldien Die trauernden Hinterbliebenen. u.5039I)a.d.G.A. Gießen, den 5. September 1935. Die Einäscherung hat in Hamburg auf dem Ohls- Dator dorfer Friedhof stattgefunden. WenWfl Flügel 5022 D iiiegerkameradsdialll874 Gießen 5041va.d.G.A. Carl Eduard Koch, Kaufmann (Großer Steinweg 10) 9ngoBermühier ligung bittet Verlag Beriin-Ciiöterfeiöe Gewinnauszug Altersvereinigung 1870-1920 Nachdruck verboten Ohne Gewähr Unser lieber Altersbruder 03747 Carl Eduard Koch 5. September 1935 25. Ziehungstag In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 88629 91189 111346 83446 139099 278182 394176 | Vermietungen"] Landiiaus 300 M. 353 5945 7627 8551 8771 342 Gewinne zu (Anteuerliolz ) «»zv gibt laufend ab Dampfsägewerk Abendstern 91091 94677 98966 Tel. 3580 Ludwig Kröck WWWMH Mietgesuche | Zimmer Geübte 6042D Angeb. u. 03741 an o. Gieß. Anz. gesucht. 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Darauf ließ der General das Kloster besetzen, sämtliche Insassen gefangen nehmen und sich den Prior vor- führen. „Ihr habt vier meiner Grenadiere getötet!", brüllte er ihn an. „Dafür sollt Ihr und alle Eure Konfratres erschossen werden!" Der Prior bat um Gnade. Die Tat der Mönche, die von den Soldaten in schlimmster Weise behandelt worden seien, wäre ein Akt der Verzweiflung gewesen. Man wolle Entschädigung leisten. General ToUrgot hatte in Erfahrung gebracht, daß sich in jenem Kloster vier Meisterwerke des berühmten Malers Murillo befanden. Da er ein leidenschaftlicher Sammler war, sagte er: „Sie sind mir vier Grenadiere schuldig, fierr Prior — geben Sie mir die gleiche Anzahl Murillos dafür, und wir sind quitt." Da dem Prior keine andere Wahl olieb, wanderten die vier Bilder in die Plivatgalerie des Generals nach Paris. Nach Beendigung des spanischen Feldzuges winkte eines Tages Napoleon bei der Parade Tourgot zu sich heran: „Mein General! Wie ich erfahre, besitzen Sie vier wundervolle Murillos. Wollen Sie mir diese nicht abtreten? Ihr Schaden soll es nicht sein." Wohl oder übel erklärte sich Tourgot hierzu bereit, und bereits am Tage darauf hingen die vier Gemälde im Louvre. Wochenlang wartete er auf die versprochene Entschädigung. Endlich redete ihn der Kaiser eines Tages wieder an: „Ich habe Ihre Murillos gesehen, General, es sind herrliche Kunstwerke, und Sie sollen nun auch den Gegenwert erhalten." Tourgot verbeugte sich tief, denn schon sah er sich im Geiste als Vizeköniq eines eroberten Staates, mindestens aber als Feldmarschall. „Berthier!" rief Napoleon. „Such mal gleich vier stattliche Grenadiere aus meiner Garde aus und laß sie in die Division des Generals Tourgot eintreten." Dann wandte sich der Korse mit boshaftem Lächeln an den aus allen Himmeln Gestürzten: „Sie sehen, General, ich erstatte Ihnen den vollen Kaufpreis zurück." OieIagd im September der die keck, in* „Rieche wohl?" dennoch alles!" Maxe roch daran, Fritz roch daran, auch Laufbursche Karlchen roch daran. „Donnerwetter!" meinten sie einstimmig. Kulicke steckte die Zigarre ein und rollte auf Toreinfahrt zu. Stand Pietje, der Pförtner, vor der Toreinfahrt und schmauchte sein Pfeifchen. der drei Elefanten trägt das übliche Arbeitsgeschirr mit einem langen, aus Ledersträhnen gefertigten, armdicken Tau versehen. Er bleibt ein wenig zurück, während die beiden anderen sich in die Herde hineinschieben. Zwischen ihnen schleicht ein Singhalese, das zu einer Schlinge geformte Ende des Taus in der Hand. Die wilden Elefanten drängten sich weiter zusammen. Kaum hat das ausgewählte Tier einen Schritt gemacht, so sitzt ihm unfehlbar beim Aufheben des Fußes die Schlinge um das eine Hinterbein. In demselben Augenblick zieht der Arbeitselefant an, die beiden anderen Elefanten nehmen den Häftling in die Mitte und versuchen ihn umzudrehen, so daß er mit dem Kopf nach vorn den Kral verläßt. Wo dieses Manöver mißlingt, wird der Widerspenstige am Bein hinausgezogen, wie man bei uns ein Schwein zu greifen pflegt. Jeder Versuch des wilden Elefanten, nach den Führern zu langen, um sie zu zerstampfen, wird von dem zahmen Elefanten im Keim erstickt. Geschickt legt sich ihr schwerer Rüssel auf den des Wildlings, in ihrer Sprache: „Sei brav, alter Freund!" Dann wird das Tier außerhalb des Krals an einen dicken Baum gefesselt, bis Hunger und Durst es an den Menschen gewöhnen. Mit Vorliebe werden nun die jungen Tiere zurückbehalten, weil diese sich besser zähmen lassen. Die alten Elefanten erhalten die goldene Freiheit wieder — wenn sie es nicht vorziehen, sich selbst zu befreien. Am fünften Tage war dies auch hier der Fall. Ein riesiger bösartiger Einzelgänger gab das Signal. Prasselnd stürzten die schweren Stämme zusammen, und hinweg über die schreienden Träger und Arbeiter stürmte der Rest der Herde in das Dunkel des Urwalds zurück. Nicht immer geht übrigens dieser Elefantenfang so unblutig ab. Es kann Vorkommen und kommt sogar häufig vor, daß die zahmen Elefanten sich von der Wildheit ihrer Brüder anstecken lassen und nach ihren Führern greifen, von denen dann nichts weiter übrig bleibt als eine formlos blutige Masse. „Wer hat, hat", griente Kulicke im Weiterschieben. Dor der Treppe hielt er an. Folgte das Abladen der Ballen und das Hinaufrollen, eine halbe Treppe hoch. Er mußte stets mit beiden Schultern schieben. Noch rechtzeitig entsann er sich der Zigarre, holte sie aus der lockeren Rocktasche und legte sie behutsam auf die untere Verzierung des Treppengeländers. Da konnte er von oben sehen, daß sie keiner „fand", wie er sie gefunden. Und jetzt ran! Er spuckte in die Hände. Der runde Ballen rollte, von Kulicke getrieben, die Stufen hinauf. Auf der siebenten Stufe etwa geschah es, daß Kulicke ausglitt, zum ersten Mal ausglitt, während all der Jahre. Der Papierballen knallte gegen das Geländer und Kulicke sauste auf seiner hinteren Plattform die sechs Stufen hinab. Der Ballen hinter ihm her. Unten angelangt, stemmte er sich mit dem Rücken gegen den Ballen und sing ihn auf. Gottseidank, dachte er, das ging gerade noch. Nicht weiter schlimm! Er stand auf. Als er aufstand, knisterte irgend etwas unter feinem Schuh. Er zog den Fuß weg. Ein goldenes Ding glänzte dort. Er hob es auf. O Gott! — er schlug sich an die Stirn — die Zigarre! Zehn Minuten lang saß Kulicke reglos auf der unteren Treppenstufe. Kamen ein paar vorbei von den Arbeitern, riefen ihn an. Er antwortete nicht. In der hohlen Hand hielt er die zerquetschte Zigarre Er roch daran. Noch immer war es der Dust ferner Länder, der ihn anwehte. Dann holte er fein Pfeifchen heraus und stopfte die halbe Zigarre hinein, fein zerkrümelt. Und jetzt begann er wieder zu lächeln. Jetzt war alles wieder gut. Oberhessisches Schwurgericht. Der Peter Angermund aus Neuß (zuletzt in Büdesheim) wurde gestern wegen Verbrechens der schweren Körperverletzung mit Todesfolge und eines Vergehens der Körperverletzung zufechsIahren und zwei Monat e.n Zuchthaus und in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Die Mutter des jetzt 24jährigen Angeklagten starb bereits im Jahre 1915, und er fand in einem Waisenhaus Unterkunft. Nachdem der Vater zum zweitenmal geheiratet hatte, gestaltete sich die Erziehung des Angeklagten durch seine Stiefmutter infolge seiner Verstocktheit außerordentlich schwierig. Bereits im Jahre 1921 kam er in Fürsorgeerziehung, in der er bis zu seiner Volljährigkeit verblieb. Nachdem er wiederholt als Arbeiter in der Landwirtschaft tätig gewesen war, kam er in die Erziehungsanstalt zurück. Vom 11. April 1933 bis 17. April 1934 war der Angeklagte im Freiwilligen Arbeitsdienst, wo seine Führung auch sehr zu wünschen übrig ließ. Danach kam er auf das Schloßgut in Büdesheim in Arbeit. Die Anstellung erfolgte durch den Adolf Rothen. Letzterer war feit etwa fünf Jahren bei dem Gutspächter tätig. Für feine Arbeit benötigte er laufend zwei Hilfsmänner, die er selbständig anstellte und entlohnte; lediglich die Anmeldung zur Krankenkasse erfolgte durch den Gutspächter. Äußer Angermund war Rothen damals noch sein 17jähriger Sohn Hans als Hilfsmann unterstellt. Rothen wird allgemein als sehr fleißiger, zuverlässiger und besonnener Mensch geschildert. Am Tage vor der Tat war Angermund über Rothen sehr verärgert, weil er noch nicht zur Krankenkasse angemeldet war. Diese Unterlassung war jedoch auf die Vergeßlichkeit der Tochter des Gutspächters zurückzuführen, die diese Anmeldungen vornahm. Am Morgen des 11. April 1935 waren der Sohn Kulicke steckte die wertvolle Zigarre, behutsam mit spitzen Fingern, in die äußere Rocktasche, und zwar recht locker, damit sie nicht zerbrach: Immer Vorsicht, denn wußte man, wann man wieder mal zu so was kam? Als er um die Ecke bog, tarnen ein paar Arbeiter vorbei aus der Setzerei, die er gut kannte. „Hallo, Maxe" rief er, „gucke mal, hier, so ’ne Zigarre! Glück muß man haben, Mensch, das ist „Du mit deinem Misttobak!" rief Kulicke folge des soeben genossenen Triumphes mal!" „Nana" grunzte Pietje, „dir haben sie Aber seine Nasenflügel weiteten sich wohlgefällig, als er das Fundobjekt beroch. Clefantenfang auf Ceylon. Oie ganze Bevölkerung nimmt teil. — Eine Jagd, die das Leben kosten kann. Von Kurt Zreytag. Septemberjagd — Herbstjagd! Vom wolkenlosen, blauen Himmel sendet die Sonne ihre Strahlen hernieder, die weißen Fäden des „Ältweibersom* mers" treiben im Herbstwind über die Stoppeln dahin. Die rechte Zeit der Jagd auf das Rebhuhn ist da. Die Ketten sind schußreif, der Besatz scheint mindestens normal zu fein, nun noch ein guter Hund und eine saubere Flinte dazu, das ist ein Weidwerk, das manchem Jäger als das schönste gilt in des Jagdjahres Lauf. Bei keiner Jagdart verwachsen der Weidmann und sein vierläufiger Weidgeselle so miteinander wie bei der Hühnersuche. Gerade die Hochschätzung des Huhnes und seiner Jagd läßt es immer wieder merkwürdig erscheinen, wie wenig eifrige Hühnerjäger oft für die Hege dieses Wildes tun. Diese muß schon bei dem Beschuß beginnen. Grundfalsch ist es, einzelne Ketten ganz zu jchonen, etwa weil sie im Herzen der Jagd liegen, und andere, an den Grenzen, bis zum letzten Stück abzuschießen. Eine unbeschossene Kette neigt sehr stark zum Wandern und verschwindet oft ganz. Man beschießt jede Kette, und zwar etwa bis auf einen Rest von sechs Stück. Davon gerät noch ein Teil im Winter in Verlust, der Rest aber stellt den nächst* jährigen Besatz sicher. Früher wurde mit dem Huhn vielfach die Wachtel zusammen gejagt. Heute ist sie kein jagdbares Wild mehr, so sehr ist ihre Zahl zurückgegangen. Der dritte Hühnervögel unserer Felder, der Fa- fan, hat noch bis Monatsende Schonzeit. Auf den Dörfern lief oder läuft noch die Dreschmaschine. Wer es gut meint mit der Hege seiner Hühner und Fasanen, sichert sich die nötige Menge Kass, das meist doch verbrannt wird, und beschickt Oie Zigarre. Von Karl von Element. Der Herr war groß und breit und schritt gewichsig den Bürgersteig entlang. Einmal senkte er seine Hand in die innere Rocktasche, zog ein schweins* ledernes Etui hervor und griff eine Zigarre daraus. Dabei entglitt eine zweite Zigarre der schmalen Lederöffnung und fiel zu Boden. Der Herr merkte nichts davon. Kulicke kam vorbei mit feinem Karren. Er schob eine Ladung Papier, große runde Ballen, in die Druckerei. Kulicke stapfte schwitzend am Rand des Bürgersteiges entlang und warf den Kopf nach links, weil der Kragen ihn drückte. Da eben erglänzte die goldene Bauchbinde der Zigarre im Sonnenlicht. Der Karren stand sttll, und Kulicke hob die Zigarre auf, noch ehe sie von unachtsamen Pas* santen zertteten werden konnte. Er roch daran. Hm, machte er denn ein Dust wie von fernen Ländern stieg ihm in die Nase. Das war ja — dachte Kulicke — eine Importe war das, oder sowas. Mensch — dachte er — was so'n Ding bloß Geld kostet! Ne Kostbarkeit ist das. Die rauch ich nach Feierabend. Oas Brot der Heimat. Von Willi Steinborn. Ich bin der zweite Sohn eines Bauern, einer der überzähligen also, die Abschied nehmen mußten von den fruchtbaren Feldern des Lebens; mit vierzehn Jahren bin ich aus der Heimat fortgegangen, in die Gefilde des Geistes 3".wandern und sie waren dürr, wüst und tot, wiemele Distrikte! selbst auch die leis grünenden waren ganz ohne. Drost, damals, während der ersten schlimmen Jahre doch seien sie vergessen, solange ich sie nicht segnen ^Unterroegs, immer bin ich seitdem unterwegs in fterne und Fremde, in fernere Ferne und fremdere Fremde, und die immer andere Welt, immer veränderte sie mich von mir fort und zu sich hm. Aus meiner einfachen Sprache ist seltsames Lautgewirr geworden; in Bayern h^.mich s einen Ostpreußen und an der Nordsee fur einen Schlesier. Ueberall bin ich nur der Gast der Zugereiste, der bald wieder feine Koffer packen wird, morgen vielleicht ist er schon nicht mehr bei uns und so lebe er denn wohl; nirgends, oder ist irgend wo ein einziger, in dessen Herzen der Ruf wohnt, der mich anrufen will: Hier, bei uns bist du zu Hause? Meine Tracht ist auch die von memanö und allen: der städtische Anzug; es blieb mir teine andre Wahl übrig. Aber seht mich an: wir haben uns bis heute nicht aneinander gewohnt; seinesgleichen steht meiner Gestalt nicht an, und tüchtige Schneidermeister sind daran gescheitert, uns zu versöhnen. Die Städter sagen, wandle ich m ihren Straßen: Dort geht ein Bauer. Die Bauern weisen mit dem Finger nach mir, pilgre ich durch ihre Dörfer- Da — ein Städter. Darüber bin ich anfangs traurig gewesen, dann verzagt, dann hoch- mutig und zuletzt gleichgültig - doch ist auch das alles jetzt vorüber, vorbei und sei hmfort nicht mehr bedacht. , . , .. ... Denn eftie Gewißheit ist mir geblieben, die ist sehr licht und mehr denn alle Finsternisse mitsammen- ich bin kein staatenloser Landstreicher, dem der Paß abhanden gekommen ist, fein Weltenbummler der einen Hieb auf den Schädel gekriegt und seit dieser Stunde seinen Geburtsort vergessen hat fein Friedloser, der im Zorn von seiner Hei* mat geschieden ist und nie mehr ein Zeichen von ihr vernommen hat, nein, ich hm kein Unseliger in solcher Weise; ich bin, trotz allem sonst auch gluck* lich daran. Wo ich auch weile, etwa in jeder dritten Macke erreicht mich ein Gruß von „meinem Hof, Ach wortereicher freilich, wie ihr vielleicht benfen mögt, vier oder acht Seiten Bericht, Besorgnis und Zuspruch, verliere den Mut nicht, Junge, sondern erst ein schneereicher Winter den Schwarzkitteln wirklich Abbruch tifh. Die Brunst des Rehwildes ging zu Ende. Der Bock hält wieder seinen Wechsel und erleichtert dadurch seinen Abschluß, wenn dieser noch nicht erfüllt sein sollte. Neu ist, daß am 15. September bereits der Abschuß weiblichen Rehwildes beginnt. Dieses hat somit eine Schuhzeit von 3^2 Monaten, d. h. eine Zeit, die so lang ist, daß auch größere Abschüsse mit der verlangten Ueberlegung und richtigen Äuswahl durchgeführt werden können. Es dürfte klar fein, daß man fo früh im Jahre noch keine führende Ricke abfchießen soll oder keine Kitze, die ja noch keinen wirtschaftlichen Wert haben. Aber um so besser lassen sich gerade jetzt Schmalrehe und nicht führende Ricken erkennen und zur Strecke bringen. Beim Rickenabschuß ist aber auch noch weiter zu bedenken, daß wir unser Wild aufarten wollen. Es hat dann keinen Sinn, die stärksten Stücke und besten Mütter auf die Decke zu legen. Führt dagegen eine Ricke ein nur geringes Kitz und ist selbst gering, dann sollen beide, auch wenn es ein Bockkitz ist, so rasch wie möglich abgeschossen werden. Hat in einem Revierteil ein braver Bock gebrunftet, einer von denen, wie wir sie alle in den nächsten Jahren schießen wollen und sollen, dann lasse man dort den Finger auf Ricken gerade. Denn sie tragen doch das hochwertige Erbgut in sich in ihren Kitzen. Umgekehrt ist verschärfter Abschuß dort angebracht, wo ein auffallend schlechter Bestand an Böcken vorhanden war. Revierkenntnis ist die erste Voraussetzung richtiaen Abschusses. Hingewiesen sei schließlich noch auf den Dachs. Wollen wir unsere Niederjagd heben, müssen wir uns mehr um den Meister Grimbart kümmern, als es feither geschah. Zunächst ist jetzt noch die Möglichkeit des Abschusses am Bau gegeben. Im September setzt der Raubvogelzug ein. Gar mancher stolze Räuber der Lüfte kommt dann zur Beobachtung. Außer Habicht und Sperber sind sie alle geschützt, gegen diese aber könnte in den Revieren mehr geschehen. Die vielen Ruplungen, die man draußen trifft, reden eine deutliche Sprache. Hubertus. zubrechen. Die Treiber stehen jetzt schon ganz dicht und machen einen Höllenradau. Gespenstig kreisen die Feuerbrände in ihren Händen. Gott sei Dank weichen die Elefanten immer wieder vor diesem Teufelsspuk zurück. Wehe, wenn auch nur einer von ihnen sich auf die Treiber stürzte, die ganze Herde, wäre im Handumdrehen hinter dem Leittier verschwunden. So drängen sie immer weiter in den sich verengenden Trichter. Aengstlich zusammenhaltend, betritt einer nach dem anderen den Kral. Noch einer und noch einer. Der Letzte. Eiligst werden schwere Pfähle eingerammt, die Herde ist gefangen. Todmüde werfen sich die Treiber rund um den Kral nieder. Aber ihre Aufgabe ich noch immer nicht beendet. Mit blinden Schüssen und Lärminstrumenten müssen sie verhüten, daß die Elefanten sich der Umzäumung nähern. Denn der Wucht eines gemeinsamen Ängriffs wütender Elefanten hält selbst diese starke Umzäunung nicht stand. Die ganze Nacht war erfüllt von dem Knallen der Schüsse und Lärm und Geschrei. Der Tag brachte ein nicht minder aufregendes Schauspiel, als es der letzte Abend geboten hatte. Das Herausholen der Tiere. Scheinbar ergeben in ihr Schicksal steht die ganze, ungefähr siebzig bis achtzig Kopf starke Herde zu- sammengedrängt. Ein lebensgefährliches nerven- aufpeitschendes Unterfangen, aus dieser Masse erregter Tiere ein einzelnes Stück herauszuholen. Eine Arena und ein Schauspiel würdig der Sensationsgier eines Nero. Langsam schieben sich mehrere Gruppen von je drei gezähmten Elefanten, auf denen unbewegten Gesichts ihre Führer thronen, in den Kral. Einer Der Elefant pflanzt sich bekanntlich in der Gefangenschaft nur vereinzelt fort. Einige Fälle in den Zoologischen Gärten gehören zu den Ausnahmen. Der Bedarf an Elefanten für Plantagen, Zoologischen Gärten und Zirkusunternehmen muß deshalb durch den Fang von Elefanten sichergestellt werden. Vor Jahren, auf Ceylon, erlebte ich einen jener Elefantenfänge im großen Stil. Ich hatte Glück, denn diese Elefantenfänge, die auf Veranlassung der Regierung veranstaltet werden, fanden damals wie heute nur alle paar Jahre statt. Halb Ceylon war in Aufregung. Die Kunde von der Absicht der Regierung, Elefanten fangen zu lassen, breitete sich lawinenartig aus. Solch ein Elesantenfang ist auch keineswegs einfach. Und kostspielig und langwierig dazu. Natürlich mußte ich dabei sein. Selbst der Gouverneur lieh sich das Schauspiel nicht entgehen. Wenigstens den letzten Akt dieses aufregenden Unternehmens, das schon beinahe eine Art Volksfest ist, wollte ich genießen. Denn die Vorbereitungen sind eigentlich unsichtbar. Schon Wochen vor dem Fang pirschen Jäger in den fast undurchdringlichen Urwald, um aus» Zukundschaften, wo sich größere Eelefantenherden aufhalten und wo deren Standplätze sind. Danach richtet sich die Anlage des Krals, in den die Elefanten hineingetrieben werden. Wenn es glückt. Immer tut es das nicht. Oft bricht eine Herde, angestiftet durch einen wütenden Einzelgänger, durch den Ring der Treiber durch. Wochenlange Mühe ist damit umsonst vertan. Man muh dann eben von Neuem beginnen. Die Anlage des Krals mitten im Urwald ist ebenfalls keine einfache Arbeit. Voraussetzung ist eine Wasserstelle, damit die eingefangene Herde eine Tränke hat. Um diese Wasserstelle entsteht der Kral, aus dicken gegen die Auhenseite verstrebten Stämmen gebildet. In diesen 100 bis 150 Meter im Durchmesser großen Kral führt ein trichterförmiger Einlauf, aus geschickt mit Zweigen markierten Stämmen gebildet. Dort wo der Trichter in den Kral mündet, wird die Falle nach dem Eintreiben geschlossen. Als ich eintraf, waren diese Vorbereitungen bereits abgeschlossen. Nur an einem Zugang zu einem nahen Urwaldpfad wurde noch gearbeitet. Obwohl die gemeldeten Elefantenherden nur in ungefähr drei Kilometer Entfernung von dem Kral stehen sollten, dauerte das Treiben fast eine Woche lang. Das ist kein Wunder, wenn man den Urwald auf Ceylon kennt. Riesige Farnkräuter, Dornengestrüpp, umgestürzte riesige Stämme und das dichte Unterholz machen das Vordringen in aufrechter Stellung fast unmöglich. Fast Schritt für Schritt muh erkämpft werden in einer Stickluft, die einem den Atem nimmt. So kann dieses Treiben naturgemäß nur langsam vor sich gehen. Tausende von eingeborenen Treibern waren für das Unternehmen aufgeboten, um viele Kilometer Urwald einzukreifen. Sobald die Dunkelheit hereinbricht, bleiben die Treiber an Ort und Stelle stehen, zünden Feuer an und kochen sich ihre einfache Mahlzeit von den mitgenommenen Vorräten. Die letzten Kilometer sind die aufregendsten. Das Tam-Tam, das die Treiber mit allen möglichen Instrumenten verursachen, wird immer großer. Vereinzelt bekommen sie jetzt schon die Herden zu Gesicht, und damit wächst die Gefahr, daß die Tiere auszubrechen versuchen. . Den letzten Abend verbringen wir bei den Treibern Die Elefanten stehen bereits vor dem Einlauf Stutzen, halten, wenden sich aufgeregt hm und ber. 'Immer mehr dieser riesigen Leisetreter schieben sich heran. Damit wachst die Gefahr. Tat- ächlich versuchen die Elefanten immer wieder durch- ein stummer, nicht ein Zettelchen lieat dabei, wozu?: ich weiß ja alles so, was es besagt, das goldene «Zehn-Pfund-Brot, das mir der Postbote ins Haus bringt, grüß Gott und guten Appetit. Und von diesem Brot knuspere ich drei Wochen, bis das nächste da ist. Ich habe mancher Menschen Brot gekostet, aber das aus der Heimat, ach, liebe Leute, kein Lob, nein, das schönste Lob würde sich wie eine Schmähung ausnehmen, wenn man es im Angesichte dieses Brotes ausspräche. Zuerst hat es meine Mutter gebacken, hernach die Frau meines Bruders, aber ich habe keinen Unterschied gespürt. Die Eltern sind gegangen, aber die Felder sind geblieben, der Hof steht, wo er stand, und der Trog wird noch hundert Jahre das Mehl fassen, und der Ofen wird in zweihundert Jahren nicht ausgebrannt fein. Wenn mir so die trostvolle Beständigkeit dieser Dinge in den Sinn kommt, ist mir auf einmal um mein kurzes Leben nicht mehr bange. Ist kein Fleck neuer Erbe für mich bestimmt, so mache ich mich, wenn ich müde werde, die Not ober eine große Sehnsucht mich anfällt, borthin auf, woher ich gekommen bin. Ich brauche bann nicht mehr schriftlich anzufragen: Was macht benn „unser" Garten, wie gedeiht „unser" Vieh, wie steht „unsre" Ernte; sie brauchen dann nicht mehr auf die Post zu laufen, Pakete, länglich-runde, genau zehn Pfund schwer, aufzugeben — ich löse einfach eine Fahrkarte und sage eines Tages: Da bin ich also wieder zu Hause. schon bald seine Fütterungen damit. In vielen Revieren war das seither schon eine Selbstverständlichkeit, in allen ist es heute Pflicht. Die Hegepflicht steht nicht nur auf dem Papier. Es wird jeher Revierinhaber in den nächsten Monaten Gelegenheit haben, seine Fütterungsanlagen dem Kreisjägermeister oder feinen Beauftragten draußen im Revier vorzuführen. Wer der Jägerschaft angehören will, wird zu dieser selbstverständlichen Pflicht erzogen werden, wenn er sie noch nicht kennen sollte. Von sonstigem Federwild locken die Enten auf Bächen, Flüssen und Teichen, die Ringeltauben auf dem Stoppelfeld oder an der Tränke, indes auch die PZaldschnepfe auf dem Durchzug wieder eintrifft. Neu zum Abschuß freigegeben wurden durch den Reichsjägermeister vom 1. September bis letzten November die Drosseln, da diese eine untragbare Schädigung des Garten- und Weinbaues verursacht haben. Ihr Fang dagegen, der früher so weit verbreitet war (Dohnenstieg), ist weiterhin verboten. Im Hochwildrevier steht die hohe Zeit, des edlen Hirsches bevor. An Äegide (1. September) tritt der Hirsch in die Brunft, lautet eine alte Jägerregel. Das soll nun noch nicht heißen, daß der Hirsch schon melde. Aber der Feisthirsch tritt zum Rudel, und dieses wechselt den altgewohnten Brunftplätzen zu, wo dann gegen Monatsende erst die eigentliche Brunst einsetzt. Der Damschaufler steht noch in der Feiste, seine Jagd verlangt einen ganzen Jäger. Schwarzwild tritt nachts vor allem auf die Kartoffeln aus und geht zu Schaden. Mag auch manches Stück der Kugel verfallen, so kann doch Zeichnet die Schatzanweisungen! Wirtschaft Preisfestsetzungen für Pflanzkartoffeln b) be- ientner Zentner Zentner ientner Mark Mark Mark Mark 4 19 69 99 1,50 1,25 0,75 0,50 bis bis bis bis Reine deutsche Krau, die ihr Vaterland und Ihre Angehörigen liebt, darf bei den Ausbildungskursen des Reichsluftschuhbundes fehlen! wertes nicht überschreiten. 4. Die höchstzulässigen Kleinmengenzuschläge Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Ab. Sd). Wenn ein Mieter mit Zustimmung des Hausbesitzers auf seine Kosten doppelte Schlüssel hat anfertigen lassen, so ist er verpflichtet, die Schlüssel bei seinem Auszug dem Hausbesitzer zurückzugeben. Letzterer ist aber verpflichtet, dem Mieter die baren Herstellungskosten zu ersetzen. Rothens, der zeitweise seinen Vater vertrat und auf den der Angeklagte nicht gut zu sprechen war, und der Angeklagte mit Misten beschäftigt. An diesem Morgen vermahnte Rothen, wie das öfters notwendig war, den Angeklagten zum schnelleren Arbeiten. Als Rothen auf eine ungehörige Bemerkung des Angeklagten diesen zur Rede stellen wollte, versetzte ihm der Angeklagte mit der Mistgabel einen Stich in die Brust, der das Brustbein durchdrang und den Herzbeutel traf, so daß Rothen sofort zusammenbrach. Während Rothen am Boden lag, schlug der Angeklagte ihm nochmals mit der Gabel ins Gesicht. An diesen Verletzungen verstarb Rothen bereits nach einigen Stunden. Der Sohn hatte sich um den Wortwechsel nicht gekümmert. Auf einen Schrei seines Vaters lief er sofort zu diesem, um tragen bei 1 5 20 70 6. Diese im Derkündungsblntt des Reichsnährstandes veröffentlichte Verordnung tritt am 1. September 1935 in Kraft und gilt nur für Lieferung bis zum 15. Januar 1936. Bereits au anderen Preisen und Bedingungen getätigte Abschlüsse sind innerhalb 10 Tagen den vorstehenden Bedingungen anzupassen. Wird innerhalb dieser Frist eine Verständigung zwischen Käufer und Verkäufer nicht herbeigeführt, gelten derartige Abschlüsse als rechtsunwirksam. 7. Übertretungen werden auf Grund der Verordnung über Saatgut vom 26. März 1934 mit Ordnungsstrafe bis zu 100 Mark für jeden vor- schriftswidrig gehandelten Zentner Pflanzgut geahndet. Schweinemarkt in Duhbach. * Butzbach, 5. September. Auf dem heutigen Schweinemarkt standen 498 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten bis zu 6 Wochen alte Ferkel bis zu 19 Mark, 6 bis 8 Wochen alte Tiere 19 bis 23 Mark, ältere Tiere bis zu 30 Mark. Das Handelsgeschäft verlief sehr gut, es verblieb geringer Ueberstand. Biegung erfolgte durch kühne Borwegnahme kam- menber Einnahmen au- belferen 3« en (rlfo 1>ur$ eine Verwendung höherer Steuerbetrug- die sch van selb "ergebet wenn der Wir^chaft-karper wieder normal funktioniert, und durch 'ne eben olche Vorwegnahme der Spartapitahen, die sich ganz na- turgemätz bei der fleißigen deutschen Nation bilden wenn die Wirtschaft wieder vorwartsgeht. Es war eine kühne, aber zugleich vorsichtige Finanzpolitik, die ihre Früchte bald brachte, denn mit der Vermehrung des Gesamteinkommens, der ^efferung auf allen Gebieten sind auch die ersparten Gelder derart gewachsen, daß eine erhöhte Geldflusstgkett zu beobachten ist. , Der Sparer, der absolut sichere Kapitalanlagen sucht, wird in den Reichsschatzanweisungen geradezu sein ideales Papier erblicken, das ihm bei zu» reichendem Ertrag außerdem die Gewißheit gibt, daß er seinen Teil beitrug, um die künftige Finanzpolitik des Reiches weiter zu aktivieren. Gerade daß der Sparer heute die Möglichkeit hatte, größere Beträge zurückzulegen und daß sie gesichert waren und sind, ist nur der Wirksamkeit des nationalsozialistischen Staates zu verdanken. Die schwebende Reichsschuld ist zu etwa 50 v. H. kurz- oder mittelfristig, ihre Umwandlung also in eine konsolidierte Schuld ist das Gebot der Stunde; und da sich gerade nach Reichsschatzanweisungen große Nachfrage bemerkbar macht, hat unsere Finanzpolitik mit der Ausgabe dieser Anleihe, die sich an die breite Öffentlichkeit wendet, glückhaft den Typ getroffen, den der Sparer bei seiner Kapitalsanlage bevorzugt. Vollbahnstation. 2. Als Derbraucherhöchstpreise werden festgesetzt a) für Hochzucht der Sorten Aal, Frühe Hörnchen, Frühmölle, Juli und Deutsche Erstlinge.....7,75 Mark f£r alle übrigen Sorten .... 6,75 Mark für anerkannte Saatware der unter 2a genannten Frühsorten . . . 6,50 Mark für alle übrigen Sorten .... 5,50 Mark je Zentner. Diese Verbraucherhöchstpreise gelten je Zentner loser Ware ausschließlich Sack für Posten ab 100 Zentner aufwärts einer Sorte frei Waggon Dollbahnstation des Züchters bzw. Erzeugers. 3. Die vom Züchter für seine Hochzuchten festgesetzten Preise sind Verbraucher-Höchstpreise bei waggonweisem Bezug. Der vom Züchter gewährte Rabatt stellt die Gewinnspanne des Warenverteilers dar. Der Rabatt darf 7 o. H. des Waren- Am Mittwoch hat die Zeichnung der neuen Reichsanleihe über 500 Millionen Mark begonnen, nachdem bereits im Mai dieses Jahres eine Anleihe in gleicher Höhe von den Sparkassen übernommen worden war. Die Vorzüge dieser Anleihe sind augenscheinlich. Die mit 4,5 o. H. ausgestatteten Schatzanweisungen des Reiches, die bis zum 16. September gezeichnet werden können, werden zehn Jahre laufen und vom fünften Jahre ab ausgelost Da der Ausgabekurs 98% v. H. beträgt, ergibt sich eine Rendite von etwa 4,7 v. H., die nach Lage des Geldmarktes, der sehr flüssig ist, als hoch bezeichnet werden kann. Ferner ist eine weitgehende Sicherung gegen Kursrisiken geschaffen, so daß also keinerlei Verluste eintreten können. Bemerkenswert ist auch die Ratenzahlung. Die Schatzanweisungen gehen von 100 bis 20 000 Mark, die Verzinsung tritt bereits am 1. Oktober dieses Jahres ein. Die Zahlung kann zu 30 v. H. am 3. Oktober und 2. November, zu 20 o. H. am 27. November und 20. Dezember vorgenommen werden. Die neue Anleihe dient zur Konsolidierung eines Teiles der Reichsschuld. Unter den Wirkungen des nationalen Durchbruchs, der gegen den Bolschewismus die Sicherung des Besitzes und der Ersparnisse gewährleistete, war vor allem die Arbeitsbeschaffung notwendig. Sie hat die Arbeitslasenziffer von 6 auf weit unter 2 Millionen herabgedrückt und damit unter allen Nationen den größten Erfolg errungen. Durch die Ankurbelung der Wirtschaft von oben sind nach und nach alle Kreise des privaten Wirtschaftslebens mit neuem Blut erfüllt worden. Die Finanzierung dieser Aufwärtsbe- Rundfunkprogramm Samsfag, 7. September. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause (7): Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9: Nachrichten. 9.15: Konzert. 9.45: Lyrik aus unserem Gau: Franz Wilhelm Grothe. 11.45: Vauernfunk. 12: Buntes Wochenende. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Buntes Wachende. 14: Nachrichten. 14.10: Mitten im Werktag. 15: Jugendfunk. 16: Der frohe Samstagnachmittag mit NSG. „Kraft durch Freude". 18: Liebe und Trompetenblasen. Ein Funkboaen aus Säckingen. 18.20: Stegreifsendung. 18.30: Wir spalten ein! Das Mikropyon unterwegs. 18.40: Saardienst. Wann wird der Saar-Pfalz-Kanal gebaut? Die Westmark braucht den Wasserweg nach Süddeutschland. 19: Präsentier- und Parademärsche ehemaliger deutscher Regimenter. 19.45: Die Wochenschau des Zeitfunks. 20: Nachrichten. 20.10: Ruf der Jugend. 20.15: Großer Bunter Abend. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.30: „Gepreßte" Andenken" aus fröhlichen Veranstaltungen unseres Reichssenders. 23: Barnabas von Geczy und fein Orchester. 24 bis 2: Nachtkonzert. Weitere Absatzbelebung im Einzelhandel im Juli. Fwd. Wie die Forschungsstelle für den handel beim RKW. im Rahmen ihrer laufenden Untersuchungen feststellt, brachte der Juli dem deutschen Einzelhandel wieder eine leichte wertmäßige Absatzbelebung. Im Vergleich zu Juli 1934 konnte im Durchschnitt aller Geschäftszweige und Betriebsformen der Umsatz st and des Einzelhandels im Juli dieses Jahres um 3 v. H. erhöbt werden. Wesentlich günstiger als im Durchschnitt des gesamten Einzelhandels verlief die Umsatzentwicklung der Lebensmittelfachgeschäfte. Hier konnte der Umsatzstand im Juli dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahre um 7,5 v. H. erhöht wer- Auf Grund der Verordnung über Saatgut vom 26. März 1934 werden im Einvernehmen mit der Hauptvereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft die Preise für Pflanzkartoffeln für Lieferung bis zum 15. Januar 1936 wie folgt festgesetzt: 1. Als Züchter- und Erzeugermindestpreise für die am geringsten bewertete Sorte a) für Hochzuchten.......4,— Mark b) für anerkannte Saatware . . . 2,50 Mark je Zentner. Diese Preise sind bei Hochzuchten Mindestpreise für den Züchter, bei anerkannter Saatware für den Anbauer bei Lieferung frei Waggon muß wieder auf die von der Hauptvereinigung bekanntgegebenen Richtlinien abgestellt werden. Das an vielen Märkten zu beobachtende Anwachsen der hochwertigen Schlacytwertklassen läßt sich vielfach aus einer nur unverantwortlich schwach gehandhabten Klassifizierung erklären. Alle auf diesem Gebiet eingerissenen Mißbräuche sind vorbehaltlos abzustellen. Ich werde mich durch meine Organe von der Durchführung dieser Anordnung überzeugen. Hhein-Mainische Börje. THeiff leicht befestigt. Frankfurt a. M., 5. Sept. Die Börse hatte einen etwas festeren Grundton, die Umsätze blieben noch gering. Die legten Berichte aus Gens beruhigten bezüglich der allgemeinen Weltpolitik etwas, aus der Wirtschaft regte die günstige Halbjahresbilanz der Sparkassen und vor allem der erfreuliche Einsatz der Reichsanleihezeichnung an. Publikumsaufträge, wenn auch noch in bescheidenem Maße, lagen vor. I. G. Farben zunächst 0,5, bann nochmals 0,25 o. H. fester, angeregt durch die dreijährige Verlängerung der Stickstoff-Verträge. Die übrigen Chemiewerte, wie Erdöl, Scheideanstalt behauptet. Auch Elektrowerte zumeist gebessert, so AEG. um 0,5, Schuckert 0,40, RWE., Siemens je 0,25, Lechwerke 1 v. H. Maschinenaktien lagen etwas freundlicher, es gewannen Daimler 0,40, Moe- nus 0,13, daneben Junghans 0,5 v. H. Schifffahrts- werte kaum verändert, AG. Verkehrswesen um 2 o. H. erholt, heute wird das Bezugsrecht auf die Lenzaktien notiert. Deutsche Linoleum gewannen 1,75, Kaufhof 0,75 v. H. Reichsbankanteile zunächst 0,75 v. H. schwächer, später davon um 0,5 v. H. erholt. Auch der Rentenmartt zeigte freundlichere Entwicklung, Altbesitz 0,13 v. H. höher. Mexikaner eine Kleinigkeit gebessert. Dollarbonds behauptet. Stahloerein-Obligationen 0,13 v. H. fester. Abendbörse ruhig. Die Abendbörse verlief sehr ruhig. Gegen den Berliner Schluß war die Haltung mäßig fester, so Daimler 0,25, AEG. 0,13, Rheinstahl 0,25 v. H. höher. JG.-Farben um 0,40 v. H. gebessert. AG. Verkehrswesen mit 81,25 genannt, das Bezugsrecht wurde an der Frankfurter Mittagsbörse im Gegensatz zum Berliner Notizausfall mit 2,50 v. H. notiert. Der Verlauf brachte keine Sanderbewegungen. Don später notierten Werten lagen Aschaffenburger Zellstoff 0,50 v. H. fester, Reichsbank 0,25 v. H. schwächer. Auch Hoeschwerke 0,50 v. H. niedriger. Die Börse schloß still und unverändert. Im einzelnen: Altbesitz 110,75 Geld, Farbenbonds 127, 4prvz. Rumänen 4,65, Adca 78, Commerzbank 91, DD-Bank 91, Dresdner Bank 91, Reichsbank 182, Harpener 109,50, Mannesmann 88, Hoesch 94, Rheinstahl 111,50, Stahlverein 82,40, AEG. 39,50, Bekula 143,65, IG. Chemie volle 164,50, Daimler 99,13, Deutsche Erdöl 108,75, Scheideanstalt 235,50. Frankfurter Schlachtviehrnarkt. Frankfurt a. M., 5. Sept. Auftrieb: Kälber 740, Schafe 149, Schweine 321. Es erzielten (pro ein Zentner Lebendgewicht) in Mark: Kälber a) 66 bis 70, b) 60 bis 65, c) 53 bis 59, d) 42 bis 52. Lämmer und Hämmel b2) Weidemasthämmel 40 bis 42, c) 37 bis 39, d) 34 bis 36. Schafe e) 36 bis 38, f) 32 bis 35. Schweine al) 54, a2) 54, b) 54, c) 54, d) 54, e) 50, f), gl) und g2) nicht notiert. Marktverlauf: Kälber rege, ausverkauft. Hämmel und Schafe rege, ausverkauft. Schweine wurden wiederum zugeteilt. Großhandelspreise für Fleisch u n d Fettwaren: Beschickung: 1293 Viertel Rindfleisch, 131 ganze Kälber, 4 ganze Hämmel, 387 halbe Schweine. Preise (für 50 Kilogramm) in Mark: Ochsenfleisch b) 76 bis 80, c) 66 bis 74. Bullenfleisch b) 74 bis 78. Kuhfleisch b) 58 bis 66, c) 48 bis 58. Färsenfleisch b) 76 bis 80, c) 66 bis 74. Kalbfleisch b) 74 bis 84, c) 68 bis 72. Hammelfleisch b) 78 bis 80. Schweinefleisch b) 74. Fettwaren d) roher Speck unter 7 Zentimeter 77 bis 80, Flomen 76 bis 80. Marktverlauf: lebhaft. sich um ihn zu bemühen. Als er näherkam, holte der Angeklagte zu einem Stich mit der Mistgabel auch gegen ihn aus; der junge Mensch sprang jedoch zur Seite hinter eine Säule und versuchte die Gabel zur Seite zu schlagen. Hierbei drang ihm eine Zinke in die Innenfläche der linken Hand. Daraufhin floh der Sohn unter Hilferufen aus dem Stall, während Angermund ihn mit der Gabel verfolgte, nach dem Verlassen des Stalles die Mistgabel jedoch wegwarf. In der gestrigen Hauptverhandlung behauptete der Angeklagte, in Notwehr gehandelt zu haben. Das Ergebnis der Beweisaufnahme stand den Behauptungen des Angeklagten jedoch entgegen. Der Antrag des Vertreters der Anklage entspricht der in dem Urteil ausgesprochenen Strafe. den. Im Einzelhandel mit Bekleidung stiegen die Umsatzwerte im Juli im Vergleich zum Vorjahre bei Textilwarenfachgeschäften um 4 v. H. und im Schuhwareneinzelhandel um etwa 4,5 v. H. Im H ausrat ei nzelhandel (in der Zusammenfassung von Eisenwarensachgeschäften und Glas- und Porzellaneinzelhandel) brachte die Entwicklung eine Umfatzzunahme gegenüber Juli 1934 um 8,9 v. H. dis 10,7 v. H. Rückläufig war im Juli 1935 die Umsatzentwicklung mit 80—85 v. H. des Vorjahres im Funkeinzelhandel. Die Käuferschaft scheint sich in diesem Jahre vor der Funkaus- fteUung in besonders starkem Maße abwartend ver- halten zu haben. Don den übrigen Einzelhandelszweigen, für die die Umsatzentwicklung im Juli bisher bekannt ist, berichten sowohl die D r o g enge s ch ä f t e, als auch die Uhrmacher über recht kräftige Umsatzerhöhungen um 8 v. H. Die Umsätze des Kraftfahrzeughandels hielten sich auf der gegenüber Juli 1933 stark gesteigerten Höhe (+ 67,2 v. H.) des Vorjahres-Juli. Die stärkste Steigerung gegenüber dem Darjahre erfuhren die Derkaufsumsätze des Landmaschine n h a n d e l s , die im Juli 1935 gegenüber Juli 1934 um 35 v. H. zunahmen. Hid^prete für Lebendrinder. (LPD.) Der Schlachtviehverwertungsverband Hessen-Nassau gibt nachstehend eine Anweisung der Hauptoereinigung der Deutschen Viehwirtschaft, Berlin, bezüglich der Richtpreise für Lebendrinder bekannt: Die trotz aller Mahnungen feit letzter Zeit sich mehr und mehr häufenden Klagen wegen Ueber- schreitung der vorgeschriebenen Richtpreise für Rinder, ferner die soeben vom Reichs- und Preußischen Minister für Ernährung und Landwirtschaft durchgeführte Senkung der Rindfleischpreise, sowie der ausdrückliche Wille des Staatssekretärs, daß alle Kräfte auf die Innehaltung der uns gezogenen Preis- grenzen gerichtet werden müssen, geben mir Veranlassung, festzustellen, daß ich in Zukunft gegen Ueberschreitung der für bi» Rinderpreise geltenden Vorschriften mit strengsten Mitteln vorgehen werde. Angesichts der fortschreitenden Entspannung auf dem Rindermarkt kann ich keinen Grund für eine Verwässerung der Richtpreisvorschriften anerkennen. Zur Vermeidung von Unklarheiten wiederhole ich, daß zunächst die Zulassung von Ausstich-Oua- litäten bei Bullen und Kühen weiterhin verboten bleibt, und daß sich an den Bestimmungen betr. Ausstichqualitäten für Ochsen und Färsen, sowie für die Rinderrichtvreife überhaupt nichts geändert hat. Die Klassifizierung sämtlicher Schlachtwertklassen je Zentner. Bei direktem Versand ab Erzeugerstation bzw. ab Zwischenlager Des Erzeugers sind die höchstzulässigen Kleinmengenzuschläge um mindestens 0,25 Mark niedriger zu veranschlagen. Ein Zwang zur Berechnung der Kleinmengenzuschläge besteht in keinem Fall. Diese Kleinmengenzuschläge dürfen nur einmalig auf den Einkaufspreis zugeschlagen werden, so daß eine etwaige doppelte Erhebung der Kleinmengenzuschläge bei der gleichen Ware ausgeschlossen ist. Bei gesacktem Versand oder bei Verteilung in Säcken ist der Sackpreis gesondert zu berechnen; ebenso sind die Frachtkosten oder Frostschutzverpackungen anteilig gesondert auf den Rechnungen auszuweisen. 5. Für Handelssaatgut Der unter 2a genannten Sorten wird ein Verbraucherhöchstpreis von 5,25 Mark je 50 Kilogramm festgesetzt. Anträge auf Zulassung sind nach der Verordnung vom 23. Juli 1935 beim Ausschuß für Samen und Saaten des Reichsnährstandes, Berlin SW 11, Dessauer Straße 14, unter Angabe der Menge, der Sorte, der Herkunft und des Erzeugers einzureichen. Handelssaatgut aller übrigen Sorten wird vorläufig bis auf weiteres nicht zugelaffen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdlskoni 4 o H., Frankfurt a.M. Serltn $ranffart bote von Handwerkern nur mit Namensnennung u. unter Vorlage desSewerbeoachweties auigeaommen werde«. Verlag »«StebenerAmetgers Mäntel 36.- 48.- Allwetter-Mäntel, die Marken von Rang und Ruf, Valmeline“. „Meteor“, kein Gummi und doch wasser- Leicht zu reinigen und eine Zierde der Küche sind die schönen Wandschutz- Platten aus Fliesen. Es gibt Herdwandplatten, Herdleisten, Löffelhalter, Handtuchhalter zu vorteilhaften Preisen bei J. B. Häuser Am Oswaldsgarten 4611 a Gießen - Ruf Nr. 2145/2146 Herren - Anzüge 28.- 38.- 48.- 58.- Die Sonderklasse: 72.- 88.- 98.- Jahrzehnfen behaupte! sich Citrovenille dank seiner anerkenn, raschen und milden Wirkung. Stets bekömmlich - unschädlich für Herz und Magen. Sie sollten deshalb das bewährte Citrovanille immer zur Hand heben. Erhältlich in eilen Apotheken. 6 Pulver- oder 12 Obleten-Pckg. RM 1.10. Arbeitsvergebung. Velr.: Vergebung von Kabelgräben für die städtischen Betriebe, Abt. Elektrizitätswerk. Die Herstellung von zirka 1600 m Kabelgräben in verschiedenen Straßen und Verlegen des Kabels soll auf Grund der RVO. vergeben werden. Angebote sind, soweit vorrätig, auf Zimmer Nr. 4 des Verwaltungsgebäudes, Hammstraße 35, erhältlich. Abgabetermin: Mittwoch, den 11. September 1935, vormittags 10 Uhr, auf Zimmer Nr. 4, woselbst die Eröffnung erfolgt. 5030V Gießen, den 5. September 1935. Sädtische Betriebe Gießen. Direktion. KOHLER Gießen, Seltersweg 17 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniii Kirmes » Annerod Sonntag, den 8., und Montag, den 9. September 1935. ZWEI KAPELLEN! Es laden ein: 6oibD Burschenschaft,jEdelweiß*1 Ph. Engelhardt, Gastwirt, llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll 14 41hvr LVevbe-Sestzugr Sie Vereine des Reichsbundes für Leibesübungen unter Mtw. des Sportamts „Kraft durch Freude" Festvlaß und dnrchführender Verein: mmd Rnderltub Hassia 1906 e.V. 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