185. Jahrgang Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen M. 155 Erster SM I«5. Zahrgang Samstag, 6.3uli 1955 Sonnt'ag? uni>*feiertags JKff d Jb 1dT Ä Annahme oon Anzeigen Beilagen: Die illustriert« i I W . Y , fiir die OTittagsnummer Gien-n-r FamilienblStter ■ 4» jA AA jA A A A AA bis8l/,Ui)röes$otmittag5 (mPRriiri zlitiPtrt^r ss SMLZ VIVIlvHvl 44II1vImvI' ssb infolge höherer Gewalt Ermähtgte Grundpreise: MM General-Anzeiger für Oberhesfen ZZW Poftschecktonto: 1 III gen, Bäder- Unterrichts, u. 8k°"Nurt am Main 116% Prüft und Verlag: vrühl'sche UniverfilStsvuch- und Steindruckerei «.Lange in Sietzen. Schristieitung und SeschSftsftelle: Schulstratze r Mengenabschlüsse Staffel B Abessinien berust sich auf den Kettoggpaki. Eine Rote an Amerika, aber Hinweis auf den Völkerbund als Anlwori Roosevelts. hoffen müsse, es werde dieser OrganifaHon gelingen, eine für beide Teile befriedigende Entscheidung zu treffen. Die amerikanische Regierung könne nicht glauben, dah entweder Italien oder Abessinien, die beide den Kellogg- pakt unterzeichnet hätten, zu Mitteln greifen werden, die mit ihren vertraglichen Verpflichtungen im Widerspruch stehen würden. 3fl eine Schließung des Suez-Kanals möglich? London, 6. Juli. (DRV. Funkspruch.) Die rechtlichen Gesichtspunkte einer möglichen Schließung des Suez-Kanals als Kriegsmittel gegen Italien sind durch internationale Juristen in Genf geprüft worden, hierbei ist nach einem Reuter-Bericht die Ansicht vertreten worden, dah die Statuten der Suez-Kanal-Gesellschafk eine Schliehung des Kanals gegen irgendeinen kriegführenden Staat nicht gestatten, jedoch hätten die Völkerbundsmitglieder auf Grund von Artikel 20 der Völkerbundsfahung einzeln zugestimmt, dah der Völkerbundsrat, falls er die Waffenausfuhr nach Somaliland und Erylhräa verbieten würde, die Befugnis hätte, eine Untersuchung aller durch den Suez-Kanal fahrenden Schiffe und die Beschlagnahme aller durch das Verbot betroffenen Ladungen anzuordnen. Der Generalsekretär des Völkerbundes Avenol werde anfangs nächster Woche nach London kommen und es fei möglich, dah er u. a. diese Frage mit den britischen Behörden besprechen werde. Selbstverständlich sei es sehr fraglich, ob der Völkerbundsral für ein solches verbot stimmen würde. Die französisch-italienische Zreundschast. Was wurde in Rom besprochen? Ostafrika zwischen den Rächten. Der A b e s s i n i e n k o n f l i k t hat sich in der letzten Woche ganz in den Mittelpunkt der Welt- politik geschoben. Wir hatten hier schon ausführlich dargelegt, daß Regierung und öffentliche Meinung Englands den Völkerbund als Kern eines künftigen kollektiven Sicherheitssystems unter allen Umständen vor der in jedem Falle einem Selbstmorde gleichkommenden Entscheidung bewahren möchten, entweder durch einen Spruch zugunsten der Rechte Abessiniens das faschistische Italien als dritte Großmacht nach Japan und Deutschland aus Gens zu vertreiben, oder durch ein Gewährenlassen des italienischen Kolonialimperialismus erneut offen seine Ohnmacht einzugestehen, schwachen und seine Hilfe anrufenden Mitgliedsstaaten gegen die Aspirationen einer Großmacht zu schützen. Auf der Frühjahrstagung des Völkerbundsrats war es England, damals noch mit französischer Hilfe, gelungen, den Völkerbund aus der gefährlichen Zwickmühle herauszulotsen. Der unmittelbare Anlaß des abessinisch-italienischen Konflikts, die Grenzzwischenfälle bei Ual-Ual, wurden dem in den Verträgen vorgesehenen gemischten Schiedsgericht überwiesen, das nun mit der in solchen Fällen üblichen Gründlichkeit in den Hotelpalästen des schönen holländischen Seebades Scheveningen tagt und soeben beschlossen hat, zur weiteren Klärung der Angelegenheit seine fruchtbare Tätigkeit an einen vermutlich nicht minder komfortablen Ort Südeuropas zu verlegen, um Zeugen leichter zur Stelle zu haben. Von dieser Seite ist also vorerst nichts zu befürchten, was den Konflikt verschärfen könnte und das war auch wohl Englands Hoffnung, Zeit zu gewinnen, um inzwischen auf eine Entspannung hinarbeiten zu können. Indessen scheint dies bisher keineswegs gelungen zu fein. Schon im Frühjahr hatte Italien sich nur äußerst widerwillig an der Aussprache in Genf beteiligt und keinen Zweifel darüber gelassen, daß es die Folgerungen ziehen werde, wenn man etwa daran denken wolle, ihm Zumutungen zu stellen, die es mit seinen kolonialpolitischen Interessen oder auch nur mit seinem Prestige als Großmacht unvereinbar halte. Bei seinem Besuch in Rom hat nun der britische Völkerbundsminister Eden das Ausmaß der italienischen Verärgerung erfahren, aber auch die Entschlossenheit Mussolinis, sich unter keinen Umständen vom Völkerbund in den Arm fallen zu lassen bei der Durchsetzung seiner Ansprüche gegen Abessinien. Die Augustsitzung des Völkerbundsrats würde also die im Frühjahr mühsam vermiedene Zwickmühle für den Völkerbund erneut öffnen, wenn nicht bis dahin sich ein Weg gesunden hat, der Italien befriedigt, ohne Abessinien als Mitglied des Völkerbundes in seinen primitivsten Souveränitätsrechten zu vergewaltigen. Eden hat in Rom das großzügige A n - gebot eines Gebietstausches gemacht, dessen Kosten England aus der eigenen Tasche bezahlen würde. Mussolini hat diesen Vorschlag, dessen materielle Bedeutung wir noch beleuchten werden, rundweg abgeleynt. Er läßt sich nicht mit Brocken abspeisen, die Italien nicht satt machen können. Die Radikaloperation, die ihm unvermeidlich erscheint, wünscht er nicht durch einen unbefriedigenden Kompromiß bis zu einem Zeitpunkt zu vertagen, der für Italien vielleicht nicht mehr so günstig ist, wie der Augenblick. England sieht sich also genötigt, in seinen Bemühungen um Erhaltung des Friedens in Ostafrika, die in britischen Augen identisch ist mit der Rettung des Völkerbundes, sich nach Hilfe umzuschauen. Wo anders könnte es, wenn es sich um die Idee des Völkerbundes handelt, auf größeres Verständnis und tatkräftigere Unterstützung stoßen, als i n Paris? Französische Staatsmänner wie Herriot und Briand waren es ja, die berauscht oon der Größe der Idee des ewigen Friedens, den Völkerbund als Ausdruck der internationalen Solidarität der Völker und Schrittmacher des ewigen Friedens in den überschwänglichsten Tönen gefeiert haben. Und französische Staatsmänner wie Poincare und Barthou waren es auch, die in kalter Berechnung der politischen Möglichkeiten den Völkerbund als Instrument der französischen Hegemonie in Europa mißbraucht haben. Man hätte also meinen sollen, daß Englands Wunsch nach Erhaltung des Völkerbundes sich auch mit Frankreichs Interesse decke. Jrn Grunde ist es auch tatsächlich so, trotzdem hat Laval Herrn Eden die kühle Schulter gezeigt und die französische Presse ironisiert Englands Sorgen. Man will die junge italienische Freundschaft nicht so bald schon einer Belastungsprobe aussetzen, der sie vielleicht nicht gewachsen sein könnte und sieht zudem noch die Möglichkeit, England, dessen Flottenabkommen mit Deutschland die Franzosen beträchtlich verschnupft hat, in seiner augenblicklichen prekären Lage eine Gegenrechnung zu präsentieren. Vielleicht hofft man in Paris, die britische Regierung durch kühle Zurückhaltung in ihrer Verlegenheit so unter Druck setzen zu können, daß sich in den europäischen Fragen, Luftlocarno, Ost- und Donaupakt, ein britisches Zugeständnis herausschlagen läßt. Der Abessinienkonflikt hat nicht nur den Völkerbund in die eben erläuterte heikle Lage gebracht, sondern berührt auch Englands eigene weltpolitische Interessen an einer äußerst empfindlichen Stelle. Rur daraus ist es verständlich, daß die seit der Einigung Italiens traditionelle englisch-italienische Freundschaft jetzt eine so heftige Krisis durchmacht. Diese Freundschaft ist allerdings oon Italien gesucht worden, denn Englands Mittel- meerflotte zielte wie eine tödliche Dolchspitze auf die lang gestreckte offene Küste Italiens, dessen große Städte mit wenig Ausnahmen unter den Geschützen der britischen Flotte lagen. Das wegen Savoyen und Tunis leicht gereizte Verhältnis zu Frankreich machte die enge Freundschaft mit England notwendig, wie auch London diese Freundschaft pflegte, um Frankreichs Machtträumen im Mittelmeer einen Addis Abeba, 5. Juli. (DRV.) Die abessinische Regierung hat dem hiesigen amerikanischen Geschäftsträger George eine Rote überreicht, in der der italienifch-abessinische Streitfall genau dargelegt wird. Ls wird auf die andauernden italienischen Truppenverschiffungen hingewiesen und eine Aufklärung des blutigen Zwischenfalls von Ual-Ual gegeben, dessen friedliche Beilegung von Italien abgelehnt worden sei. Seit dem 16. März 1935 unternehme Italien ständig Provokationen. Die Rote nimmt sodann auf den Völkerbund und den Kellogg p a k t Bezug und teilt mit, dah die abessinische Regierung nunmehr gezwungen sei, den Kellogg- pakt anzurufen, um in letzter Stunde mit g e s e h - mähigen Mitteln die Unabhängigkeit und Unversehrtheit des Landes zu verteidigen, nachdem Italien durch Zurückweisung des letzten englischen Vermittlungsvorschlages einen neuen Beweis feiner kriegerischen Absichten gegeben habe. * Der Kelloggpakt, der einer der kürzesten internationalen Verträge ist, wurde am 27. August 1928 in Paris durch folgende Mächte unterzeichnet: USA., Frankreich, Belgien, Tschechoslowakei, England, Deutschland, Italien, Japan und Polen. Der K r i e g s - A e ch t u n g s p a k t, der in der internationalen Diskussion meistens nach seinem Urheber, dem damaligen amerikanischen Staatssekretär für Auswärtiges, Kellogg, benannt wird, enthält nur drei Artikel. Im ersten Artikel erklären die vertragschließenden Mächte feierlich im Namen ihrer Völker, daß sie den Krieg als Mittel für die Lösung internationaler Stieitfölle verurteilen und auf ihn als Werkzeug nationaler Politik in ihren gegenseitigen Beziehungen verzichten. Im zweiten Artikel vereinbaren sie, daß die Regelung und Entscheidung aller Streitigkeiten oder Konflikte, die zwischen ihnen entstehen könnten, niemals anders als durch friedliche Mittel angestrebt werden soll. Der dritte Artikel enthält Bestimmungen über die Ratifizierung des Paktes und erklärt, daß er so lange als notwendig für den Beitritt aller anderen Mächte der Welt offen stehen soll. Washingtons Antwort. Hinweis auf die Vermittlung des Völkerbundes. Washington, 6. Juli (DRV. Funkspruch). Die amerikanische Regierung hat ihren Geschäftsträger in Addis Abeba angewiesen, das Ersuchen des Kaisers von Abessinien um Anwendung des Kellogg- paktes im Streitfall mit Italien dahingehend zu beantworten, daß der Völkerbund sich bemühe, in dem Streit zu vermitteln, und daß man Dämpfer auszusetzen. Die Abhängigkeit von England war es auch, die Italien in erster Linie dem Dreibund entfremdete, nachdem die Bemühungen um ein deutsch-englisches Bündnis gescheitert waren. Italiens kolonialpolitische Ansprüche sanden in England allerdings nur einen äußerst zurückhaltenden Fürsprecher, denn sie waren, nachdem Frankreich auf Tunis die Hand gelegt hatte, nur auf Kosten der Türkei zu erfüllen, deren Erhaltung England mit Rücksicht auf die Gefahr eines Erscheinens Rußlands im Mittelmeer wünschen mußte. So konnte Italien den Türken wohl Tripolis abnehmen, aber das weit wertvollere Aegypten blieb auch als unabhängiger Staat fest unter ausschließlich englischem Einfluß, die Absichten auf Anatolien schlugen mit dem Erstarken der nationalen Türkei endgültig fehl und in Arabien war es wiederum England, das der italienischen Politik energisch entgegentrat. Die bei Lavals Besuch in Rom besiegelte italienisch-französische Freundschaft ollte Italiens Kolonialpolitik aus dieser Abhängigkeit befreien, die man um so schmerzlicher empfunden hatte, als die Versprechungen, mit denen einst Italiens Eintritt in den Weltkrieg erkauft worden war, in einer Weise erfüllt worden waren, die weder dem italienischen Nationalstolz genügten, noch dem Bedürfnis eines rohstoffarmen, aber übervölkerten Landes nach Siedlungsraum entsprachen. Die Besprechung des französischen Gneralstabschefs mit einem italienischen Kollegen sollte gewiß nicht zuletzt auch England gegenüber die Bedeutung der neuen Freundschaft zwischen den beiden Mittelmeermächten unterstreichen. Ueberhaupt spielen militärische Gesichtspunkte in der äußerst gereizten Polemik der italienischen Presse gegen die als unbequem empfundene Vermittlungspolitik Englands eine be- onöere Rolle. Man erklärt, daß die moderne, äußerst leistungsfähige italienische Luftflotte den britischen Flottenstützpunkt Malta wertlos mache, vergißt nur dabei, daß England im Kriegsfälle unbesorgt Malta opfern kann, wenn es vorher als Ausgangspunkt der britischen Flotte bei der Zerstörung der großen italienischen Hafenstädte seine Schuldigkeit getan hat. Schwieriger liegt schon das Problem am Suez- kanal, denn der Seeweg nach Indien ist auch im Zeitalter des Lusschisss von kaum veränderter Bedeutung für die Verteidigung des britischen Weltreichs. Wie England einst durch das Dazwischen- London, 5. Juli. (DNB.) Reuter erklärt, es gebe keinen Geheimvertrag zwischen Frankreich und Italien hinsichtlich Abessiniens. Jedoch sei es Tatsache, daß Laval im letzten Januar in Rom Mussolini mitgeteilt habe, Frankreich werde sich in Zukunst wirtschaftlich an Abessinien desinteressieren mit Ausnahme der Eisenbahn Dji- buti — Addis Abeba und der dazugehörigen Zone. Dies fei der britischen Regierung mitgeteilt worden. In Rom sei jedoch nichts über d i e territorialen und politischen Probleme Abessiniens gesagt worden. Zu den Berichten über die fieberhafte Befestigung b eT Insel Dumeira im Roten Meer durch die Italiener, wird erklärt, daß diese Insel vor den Besprechungen in Rom Niemandsland gewesen sei. Die Insel liege unmittelbar vor der französisch-italienischen Grenze zwischen Eritrea und Französisch - Somalilanb. Nachdem man im Januar diese Grenze 15 Meilen südlich verlegt habe, sei Dumeira ipso facto italienisch geworden, da es sich nunmehr in italienischen Hoheitsgewässern befinde. In Paris halte man es für völlig ausgeschlossen, daß die Italiener diese Insel befestigen. Ferner seien Behauptungen über ein französisch-italienisches Wtilitärab» kommen aufgetaucht. Es fei einleuchtend, daß angesichts der zunehmenden Wärme der französisch- italienischen Beziehungen seit dem Besuche Lavals Iin Rom Frankreich und Italien ihre gemeinsame Grenze nicht mehr mit starken treten Kitcheners bei Faschoda 1898 die Franzosen an eine Ausdehnung ihres afrikanischen Kolonialreiches bis an die Küsten des Roten Meeres hinderte, so muß England auch aus Gründen der Selbsterhaltung der Gegner eines großen italienischen Kolonialreiches in Ostafrika sein, das dann womöglich auch im gegenüberliegenden Arabien die alte, der englischen entgegengesetzte Politik Italiens aufnehmen würde. Trotzdem hat England, um Schlimmeres zu verhüten, in Rom den Vorschlag gemacht, aus seinem eigenen Besitz an der Somaliküste den Hafen Z e i l a mit einem schmalen Korridor zum Meer an Abessinien abzutreten als Entschädigung für die Landschaft Ogaden, mit der Abessinien die italienischen Wünsche nach Grenzregulierung zwischen Abessinien und Italienisch-Somali befriedigen soll. Zeila liegt am Golf von Aden, in nächster Nachbarschaft des französischen Hafens Dschibuti, der als Endpunkt der mit französischem Kapital erbauten einzigen Eisenbahn Abessiniens die wichtigste Verkehrsstraße für den Außenhandel Abessiniens darstellt, diese Bedeutung aber mit Zeila zumindest teilen müßte, sobald dieser Hafen in abessinischem Besitz wäre und mit Addis Abeba durch eine Bahn verbunden wäre. Wenn also die Franzosen ebenfalls so wenig entzückt sind über den britischen Vorschlag, so hat dies neben den politischen auch sehr handgreifliche wirtschaftliche Gründe. Italien hat den Vorschlag, wie schon gesagt, abgelehnt, weil es den Augenblick für außerordentlich günstig hält, seine Rechnung mit Abessinien zu begleichen. Und Englands Kopfschmerzen zeigen ja, dah tatsächlich die diplomatische Situation — über die militärische gehen die Meinungen auseinander, sie wird immer erst im Ernstfall geklärt — Italien ungewöhnlich große Vorteile bietet, so lange Frankreich sich zumindest passiv verhält. Wenn nun allerdings Englands Angebot mit der Begründung abgelehnt wird, die Landschaft Ogaden sei wertlose Wüste, mit der Italien nichts anfangen könnte, so mag man dem die Möglichkeit entgegenhalten, durch Bewässerung mit Hilfe der vom abessinischen Hochland kommenden Flüsse hier Baumwollkulturen anzulegen. Das Problem der Bewässerung macht ja Abessinien auch für Englands eigenen Besitz im Sudan so wertvoll. Der Blaue Nil entspringt aus dem Tana-See auf abessinischem Gebiet. Der so lange Jahre schon geplante und vielerörterte Staudamm würde auch Garnisonen zu belegen brauchten. Französische Truppen seien daher auch von der italienischen Front an die Ost grenze verlegt worden. Der französische General G a m e l i n sei in Rom gewesen, und zwar zweifellos nicht, um archäologische Forschungen anzustel- l e n. Man könne sicher annehmen, daß er mit General Badoglio die Frage der G r enz - garnisonen besprochen habe, und zwar im Lichte der erneuten französisch-italienischen Freundschaft und angesichts der italienischen Truppenoerschiffungen nach den italienischen Kolonien am Roten Meer. Im übrigen berichtet Reuter aus Paris, daß die diplomatischen Besprechungen Englands mit den Franzosen noch keinen greifbaren Vorschlag der Franzosen ergeben hätten. Die Franzosen seien bemüht, Mussolini möglichst nicht zu verletzen, da dies ihn sonst zu der Aktion treiben könnte, die man vermeiden wolle. Daher sei die französische Regierung für eine Lösung auf diplomatischem Wege und nicht für eine Anrufung des Völkerbundes. Keiner der Vorschläge Edens komme jedoch in Frage, da sie nicht nur nicht den italienischen,- sondern auch nicht den französischen Belang en entsprächen. Im übrigen behandelten Großbritannien und Frankreich die abessinische Frage als eine Frage für sich. Es sei nicht beabsichtigt, mit ihr über etwas auszuhandeln oder eine Unterstützung in der abessinischen Ftage für die Unterstützung in europäischen Fragen einzutauschen. während der Trockenmonate den unvermindert starken Zufluß aus dem Tana-See für die Baumwollkulturen im Sudan und in Oberägypten sichern können. Für die Genehmigung dieses Projektes wäre der Verlust des Hafens Zeila gewiß kein zu hoher Kaufpreis. Aber Italien fürchtet mit Recht davon eine Erstarkung Abessiniens, die dann eine spätere Auseinandersetzung mit Abessinien, die man in Rom für unvermeidlich hält, noch schwie- riger mache als heute. Zudem laufen die italienischen Wünsche, die ursprünglich sich nur auf eine Bahn von Massaua, dem Haupthafen des italienischen Eritrea, quer durch Abessinien nach Moga- discio, der Hauptstadt Italienisch-Somalis, erstreckten, jetzt auf die Abtretung eines breiten Korridors hinaus, der die Landschaften, Ogaden, Harrar und Danakil umfassen und damit im Rücken oon Britisch- und Französisch-Somali einen großen zusammenhängenden italienischen Besitz schaffen würde. lieber den Rest Abessiniens erstrebt bann Italien noch eine Art Protektorat, um sich ungestört seines ostafrikanischen Kolonialreiches erfreuen zu können. Es kann nicht wundernehmen, daß der Kaiser oon Abessinien die italienischen Ansprüche entschieden zurückgewiesen hat. Wenn Abessinien eines Tages unter Mandat kommen sollte, so werde nicht Italien die Mandatarmacht sein. Sollte das bedeuten, daß man in Abessinien überlegt, vor einem italienischen Angriff gegebenenfalls in die schützenden Arme einer andern Kolonialmacht flüchten will? Das könnte nur England sein. Wenn Italien die Vorbereitung eines Protektorates oder eines Mandats über Abessinien erstrebt, dessen knl- turelles Niveau es für unvereinbar mit einer Mitgliedschaft im Völkerbund hält, so weist man in London darauf hin, daß es seinerzeit gerade Italien und Frankreich gewesen waren, die trotz der starken Bedenken Englands Abessiniens Aufnahme in den Völkerbund durchgesetzt haben, man könne das nicht einfach ignorieren, sobald es einem unbequem zu werden drohe. Die Jnteressenoerquickung der drei Kolonialmächte England, Italien und Frankreich und das Engagement des Völkerbundes zeigen, daß der Abessinienkonflikt keine Frage von isolierter Bedeutung mehr ist, sondern in de« großen weltpolitischen Zusammenhang gehört, in dem er auch auf die nur träge Doranfommenben europäischen Probleme Einfluß nimmt. Frankreich und die Kleine Entente gegen eineWieder- herstellung derHabsburger-Monarchie in Oesterreich. Erschwerung der Verhandlungen über den Oonaupakt. Paris, 5. Juli. (DNB.) Außenminister Laval hatte eine Unterredung mit dem südslawischen Gesandten in Paris, S p a l a i k o w i t s ch. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß die Aufhebung der Habsburger Gesetze in Oesterreich Gegenstand der Unterredung gewesen sei. „Petit Parisien" schreibt, daß der österreichische Schritt Aufregung und Wirkungen hervorgerufen habe, die besser vermieden worden wären. Sofort hätten sich die österreichischen Legitimisten in ihren Plänen ermutigt gefühlt, und zweifellos würden sie fortan sich noch eifriger ans Werk machen. Wenn diese Propaganda breite Schichten des österreichischen Volkes erfassen sollte, würde schließlich in Mitteleuropa eine gefahrschwere Atmosphäre des Argwohns entstehen. Die Länder der Kleinen Entente hätten bisher mit ruhiger Würde reaaiert, behielten sich aber alle zweckdienlichen Maßnahmen vor, für den Fall, daß die moralische und materielle Rehabilitierung der Habsburger auf einen Versuch zur Wiederher st ellung der Monarchie hinauslaufen sollte. Unter Hinweis auf den bevorstehenden Besuch des österreichischen Vizekanzlers Starhembera in Rom spricht das Blatt die Erwartung aus, daß der Duce dem Fürsten Star- Hemberg zur Vorsicht raten werde, da die Kleine Entente als Bedingung für den Abschluß des Donaupaktes die feierliche Verpflichtung Oesterreichs gestellt habe, nicht die Habsburger auf den Thron zurückzurufen. Frankreichs Standpunkt in dieser heiklen Frage decke sich vollkommen mit dem der Kleinen Entente. Um die Festigung des Friedens im Donauraum besorgt, müsse Frankreich alles mißbilligen, was geeignet wäre, ernste Störungen in dieser Gegend heroorzurufen. Bundeskanzler Schuschnigg und der österreichische Außenminister Beraer - Waldenega hatten bei ihrem Pariser Besuch im Februar nach einer Aussprache mit Flandin und Laval erklärt, daß die Frage der Habsburger nicht aktuell sei. Sie sei auch heute nicht aktuell und könne es auch morgen nicht sein. ♦ Schon die vor einiger Zeit erfolgte Rückkehr des Erzherzogs Eugen nach Wien, des Hoch- und Deutschmeisters unter der früheren Herrschaft der Habsburger, konnte kaum anders gewertet werden denn als Vorbereitung einer endgültigen Rückkehr auch der übrigen Mitglieder des Hauses Habsburg. Diese Vermutung konnte zur Gewißheit werden, nachdem Bundeskanzler Schuschnigg die Regierung in Oesterreich übernommen hatte, der ebenso wie seine Mitarbeiter nicht nur als Monarchist schlechthin, sondern auch gerade als Anhänger des Gedankens einer Wiederherstellung der Habsburger Monarchie bekannt ist. Der greise Erzherzog Eugen spielt zwar politisch keine Rolle, sondern lebt zurückgezogen in einem Ordensschloß der Deutschmeister in der Umgebung von Wien. Aber er ist wenigstens da, wird gelegentlich der Oeffentlichkeit bei irgendwelchen Verbandsund sonstigen Festlichkeiten präsentiert und gerade diese Zurückhaltung von der eigentlichen politischen Bühne ist offenbar dazu geeignet gewesen, in der Bevölkerung erst einmal die Stimmung zu sondieren und dann weiter die Rückkehr der ehrgeizigen Kaiserin Zita und ihres ältesten Sohnes, des Erzherzogs Otto, vorzubereiten. Dennoch stehen im Augenblick wenigstens der Rückberufung Zitas und Ottos noch immer unüberwindliche Hindernisse im Wege, die allerdings vorwiegend außenpolitisch bestimmt sind. Vor allen Dingen sind es die österreichischen Nachfolgestaaten innerhalb der Kleinen Entente, deren Gegnerschaft gegen eine Rückkehr der Habsburger sich bei jeder Aufrollung dieser Frage bis zur Kriegsdrohung steigert, während die Einstellung Mussolinis noch nicht ganz klar erkennbar ist. Um so mehr geht jedoch Bundeskanzler Schuschnigg einstweilen immer weiter an die Wegbereitung für die Habsburger im Innern heran. Nach der Rückberufung Eugens bedeutet der Regierungsbeschluß, den Mitgliedern des Hauses Habsburg zunächst wesentliche Teile ihres Eigentums zurückzugeben und grundsätzlich auch ihre Rückkehr m i t Ausnahme Zitas und Ottos zu gestatten, den zweiten größeren Schritt auf diesem Wege. Die weitere Ausschließung der Gemahlin des letzten Habsburger Kaisers Karl, der auf Madeira seine letzte Ruhestätte gefunden hat, und des Thronfolgers Otto von diesem Rückkehrrecht ist offensichtlich daraus zu erklären, daß die Regierung fürchtet, die Legitimisten könnten vielleicht den weiteren Schritt Ottos auf den Thron nicht erst abwarten wollen und in blinder aber zweifellos von der Mehrheit der deutschgesinnten Bevölkerung nicht geteilter Begeisterung außenpolitische Komplikationen von unübersehbarer Tragweite heraufbeschwören. In Paris ist man sich zwar darüber klar, daß die Restauration der Habsburger einen besonders wirksamen Schutz gegen den Anschluß darstellen würde. Aber man weiß auch, daß dieses Argument in den Hauptstädten der Kleinen Entente nicht zieht. Nachdem sich Polen vor mehr als Jahresfrist aus dem Abhängigkeitsverhältnis gegenüber Frankreichs befreit hat, möchte man es heute noch nicht riskieren, die Regierungen in Bukarest, Belgrad und in Prag so zu verschnupfen, daß sie sich auch, weil sie von Frankreich sich nicht mehr genügend unterstützt fühlen, noch weiter selbständig machen, als das bereits durch die engere Zusammenfassung und das gemeinsame außenpolitische Auftreten der Kleinen Entente der Fall ist. Laval hat sich darum dem Drängen der Kleinen Entente nicht entziehen können. Das findet seinen Niederschlag in den Pariser Pressekommentaren, die zum Teil sich als unzweideutige Rüffel an die Adresse der Wiener Regierung darstellen. Zwischen den Zeilen der scharfen Pariser Betrachtungen kann man etwa herauslesen: „Um Gottes willen, warum denn gerade jetzt?" Die Wiedereinsetzung der Habsburger auf den Thron würde- zu katastrophalen Folgen im Donauraum, wenn nicht gar augenblicklich zu krie- aerischen Verwicklungen führen. Das hat man am Quai d'Orsay auch gleich erkannt, daß die faulen Ausreden aus Wien nirgendwo in der Welt geglaubt werden und daß das, was jetzt bereits geschehen ist, daß Zustandekommen des Donaupaktes ernsthaft in Frage stellen kann. Kommt Zita nach Oesterreich? Wien, 5. Juli. (DNB.) Das Organ des Wiener Heimatschutzes, die „Oesterreichische Abendzeitung", veröffentlicht unter dem Titel „Die Kaiserin- witwe kommt nach Oesterreich", in großer Aufmachung die Meldung, daß Zita von Habsburg und ihre Kinder mit Ausnahme Ottos noch im Laufe dieses Sommers zu einem F e - rienaufenthalt nach Oesterreich kommen und im Schloß Reichenau am Fuße des Raxgebirges in Niederösterreich wohnen werden. Don zuständiger Seite wurde dazu erklärt, es sei amtlich von derartigen Plänen nichts bekannt. Vor einer Maßregelung eines Wiener Llniversitätsprofessors. Wien, 5. Juli. (DNB.) Wie die christlich- soziale „Reichspost" mitteilt, steht ein Disziplinarverfahren und die Amtsenthebung des Vorstandes der Frauenklinik in Wien, Professor Dr. Wilhelm Weibel, bevor. Das Blatt behauptet^ daß Professor Weibel zahlreiche A n • griffe auf Staat und Regierung gerich- tat Habe, die feine Maßregelung notwendig gemacht hätten. Professor Weibel, der früher Ordinarius in Prag war, gilt als einer der besten Frauenärzte Oesterreichs, fein Name ist weit über die Grenzen seines engeren Heimatlandes bekannt. Er ist der dritte Universitätsprofessor, der innerhalb kurzer Zeit gemaßregelt wird. Die Reuausrichiung des deutschen Strafrechts. Oie neuen Strafrechtsnovetten als Auftakt des Reformwerks. Berlin, 5. Juli. (DNB.) Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r und Staatssekretär Dr. Freis- l e r erläuterten der Presse die Gesichtspunkte, die zur Einbringung der vom Reichskabinett in seiner letzten Sitzung verabschiedeten zwei Straf- rechtsnooellen führten. Die beiden Gesetzesvorlagen, die der Initiative des Reichsjustizministers entsprungen und im Reichsjustizministerum ausgearbeitet worden sind, verwirklichen in einer Reihe grundsätzlicher Fragen nationaljozialistische Forderungen. Unter den Erschienenen sah man u. a. auch Staatsrat Universitätsprofessor Dr. Carl Schmitt, den Präsidenten der Reichsrechtsanwaltskammer N e u b e r t und die Mitglieder der amtlichen Strafrechtskommission Universitätsprofessor Dr. Graf Gl-eispach, Senatspräsident Professor Dr. Klee, Universitätsprofessor Dr. Koh l- r a u,s ch, Oberstaatsanwalt Reimer. Re chs ustizminister Dr. Gürtner ging zunächst auf das Gesetz zur Aenderung des Strafgesetzbuches vom 28. Juni 1935 ein und führte hierbei u. a. folgendes aus: Das neue Gesetz gibt dem Richter die Möglichkeit, bei der Aburteilung einer Tat über die Grenzen der gesetzlichen Tatbestände hinauszuaehen. Entscheidend für die Anwendung dieser Möglichkeit darf aber nicht die Willkür des Richters fein, sondern d i e völkische Rechts- und Friedensordnung, die aus den in dem geschriebenen Strafgesetz nieoergelegten Rechtsgedanken und aus dem gesunden Volks- empf inben erkennbar ist. Diese zweite Rechtsquelle stellt das neue Gesetz dem Richter als Grundlage für die Bestrafung neben den einzelnen Strafgesetzen zur Verfügung.' Natürlich dürfen die m den geschriebenen Gesetzen enthaltenen Rechts- aedanken nur insoweit als Unterlage für die Bestrafung dienen, als sie nicht eine vorn Gesetzgeber gewollte Begrenzung enthalten. An der grundsätzlichen Nichtrückwirkung der Strafgesetze ist fest- gehalten, aber die bisher zwingend vorgeschriebene Rückwirkung des milderen Strafgesetzes ist künftig in das pflichtgemäße Ermessen des Richters gestellt. Die zweite grundsähliche Neuerung erstrebt die Verhütung ungerechter Freisprechungen durch Zulassung der wahlfeskstellung. Bisher konnte ein Täter nur dann bestraft werden, wenn alle gesetzlichen Merkmale einer bestimmten S t r a f v o r f ch r i f t nachge - wiesen waren. Bisweilen läßt sich aber der Sachverhalt nicht vollkommen aufklären. Es läßt sich beispielsweise wohl feststellen, daß der Täter ein Eigentumsvergehen begangen hat. Dagegen bleibt es unaufgeklärt, ob dieses Vergehen ein Diebstahl oder eine Hehlerei war. Auch in solchen Fällen muß um der materiellen Gerechtigkeit willen Bestrafung eintreten. Das neue Gesetz läßt deshalb Verurtei- hing auf Grund der sog. W a h l f e st st e l l u n g ausdrücklich zu. Der Täter soll künftig nach den mildesten der in Betracht kommenden Strafgesetze verurteilt werden. Die Strafprozeßnooelle wird die von früheren Gedankengängen grundverschiedenen Auffassungen des neuen Staates im Strafprozeß verwirklichen. Neue Vorschriften der Strafpro- zeßordnung weisen Gerichte und Staatsanwaltschaften darauf hin, daß L ü ck e n d e s G e s e tz e s , die der Gesetzgeber nicht geschlossen hat, durch Anwen- düng und Erweiterung der von ihm ausgesprochenen Rechtsgedanken zu schließen sind. Neben tne unmittelbare Gesetzesanwendung tritt damit die Rechtsschöpfung durch den Richter. Die Staatsführung hat sich dadurch den notwendigen Einfluß auf die Entwicklung der Rechtsprechung gesichert, daß die Staatsanwaltschaft zur Prüfung der Frage, ob der Richter ein Strafgesetz zu Recht entsprechend angewendet oder nicht angewendet hat, in weiterem Umfange als gewöhnlich Revision einlegen und in jedem Falle das Reichsgericht anrufen kann. Die weiteren Neuerungen betreffen die B e - Handlung von Beweisanträgen, die Beseitigung der einseitigen Bindung des Rechts- Mittelgerichtes, die Befreiung des Reichsgerichtes von der Bindung an frühere Urteile, die freiere Stellung der Staatsanwaltschaft und die Zulassung der Hauptverhandlung gegen einen Flüchtigen. Gemeinsam ist allen diesen Vorschriften, daß sie dem Richter und Staatsanwält die Möglichkeit geben sollen, besser als bisher der inneren G e - red)ti gteit zum Siege zu verhelfen. Das Rechtsmittelgericht konnte bisher, falls nur der Verurteilte ein Rechtsmittel eingelegt hatte, das angefochtene Urteil nicht zu Ungunsten des Beschwerdeführers ändern. War nach der neuen Verhandlung eine schwerere Verurteilung des Ange- klagten nötig, so durfte das Rechtsmittelgericht gleichwohl keine höhere Strafe verhängen. Diese Regelung schwächt die Bedeutung des richterlichen Urteils, da sie den Richter zwingt, seine lieber« zeugung vor der einseitig zum Schutze des Verurteilten gegebenen Bestimmung zu beugen. Der Richter des höheren Gerichts kann in Zukunft die Entscheidung so fällen, wie es dem Ergebnis der neuen Verhandlung und feiner Ueberzeugung entspricht. Auch dem Ziel einer Beschleunigung der Strafverfahren kommt die Novelle einen großen Schritt näher. Die Voruntersuchung findet in Zukunft nur noch auf Antrag der Staatsanwaltschaft statt, wenn besondere Umstände es gebieten. In allen gewöhnlichen Strafsachen soll die Staatsanwaltschaft allein die Ermittlungen führen. Eine wichtige Neuerung bringt das Gesetz im Kamps gegen das Erpresserin m. Häufig haben die Erpreßten nicht den Mut zur Anzeige des Erpressers, weil sie sich dadurch selbst der Strafverfolgung ausliefern. Gerade die gefährlichsten Erpresser entgingen so ihrer verdienten Strafe. In Zukunft kann die Staatsanwaltschaft von der Verfolgung der Tat, deren Offenbarung der Erpresser androht, absehen. Dem Opfer des Erpressers wird dadurch der Entschluß zur Anzeige erleichtert. Grundlegend sind ferner die Vorschriften über das Verfahren gegen Abwesende geändert worden. Begünstigt durch die Entwicklung der Verkehrsmittel konnten bisher die Verbrecher häufig die Durchführung des Strafverfahrens verhindern. Das Gesetz läßt nunmehr unUr bestimmten Voraussetzungen die Hauptverhandlung auch gegen einen Flüchtigen zu. Zur Wahrung der Einheit der Rechtsprechung ist das Reichsgericht berufen, das durch Gesetz an die früheren Entscheidungen sei- n e r Senate gebunden ist. Wollte ein Senat von einem älteren Urteil abweichen, so war ein schwerfälliges Verfahren nötig. Die Wahrung der Einheit der Rechtsprechung ist jetzt Großen Senaten übertragen worden, die eine schnelle Entscheidung gewährleisten. Ihnen können auch durch die erkennenden Senate und durch den Oberreichsanwalt Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung zur Entscheidung vorgelegt werden. Gleichzeitig ist das Reichsgericht von der gef"tzlichen Bindung an frühere, unter ganz anderen Voraussetzungen gefällte Urteile befreit worden. Staatssekretär Dr. Freister berichtete über die im Reichsjustizmmisterium geleisteten Vorarbeiten zu den Gesetzen und leitete dann auf die weltanschaulichen Grundlagen der neuen Strafrechtsnovellen über. Er führte hierzu u. a. aus: Für den Nationalsozialismus ist Volk, Dolksführung und Staat nicht weltanschaulich neutral, sondern wird von ein und der- felben, dem Volke und seinen Gliedern arteigenen Grundanschauung beherrscht. Daher ist auch das natlonalsozialistische Recht weltanschauungs- geb und en also kämpferisch und nicht neutral. solche Auftastung muß das Recht als durch die volkl che Sittenordnung bedingt und bestimmt betrachten. Für solche Anschauung handelt unrecht, wer den Pflichten z u w i d e r h a n d e l t, die das gesunde Volksempfinden von ihm verlangen: und wer so handelt, ist strafwürdig wenn der Grad seines Verstoßes dem gesunden Do ksempflnden so schwer erscheint, daß es eine ÄafuntflK forb^ Diese Anschauung sieht das Recht auf dem Boden des Dolksgewistens wachsen und erkennt dieses Recht einmal an Hand der vom Führer erlassenen (einschließlich der übernommenen) Gesetze, daneben aber auch unmittelbar aus der Erforschung des gefunden Volksemp- findens. Das deutsche Volk als sittlich empfin- dendes und sittlich strebendes Wesen hat ein dau- erndes Reinigungs- und Sühnebedürfnis und emp- findet den Selbsterhaltungstrieb jedes kraftvollen Lebewesens als eine Lebenspflicht. Sühne und Sicherung des Volkes sind ihm Zweck des Strafrechtes. Die Strafrechtnovelle führt diesen Gedanken in das Strafrecht ein und läßt die Rechtsfindung nach dem gefunden Volksempfinden zu. Wenn der nationalsozialistische Gesetzgeber durch die neuen Strafnovellen den Richter großzügig von den Fesseln der Formalgesetzlichkeit befreit hat, so lag es nahe, daß er zugleich ihn aus der verfahrensrechtlichen Bindung an Vorentscheidungen löste. Die Novellen haben für die Zukunft einen schneller, einfacher und darum sicherer arbeitenden Apparat geschaffen, der in der Weiterentwickelung des Rechtes die Nechtseinheit im ganzen Reiche sichert: die beiden für Straf- bzw. Zivilsachen errichteten Großen Senate des Reichsgerichtes, die bei Meinungsverschiedenheiten untereinander zusammentreten und gemeinschaftlich entscheiden. Die Novellen wollen nicht bereits die Vollendung des neuen Strafrechtes barftetlen. Sie wollen aber bereits d i e Richtung aufzeigen, in der sich die Entwickelung vollziehen wird, und sie wollen einige bekenntnishafte Grundsätze des werdenden Strafrechtes bereits in das Rechtsleben hineinstellen, um so der Rechtsprechung dazu zu verhelfen, sich in steter Arbeit organisch auf die Neuaufrichtung des deutschen Straftechtes einzustellen. Daß eine solche bekenntnishafte, grundlegende Teilerneuerung schon jetzt überhaupt möglich war, bas verdankt das Volk und feine Strafrechtspflege dem Mann, der im Ringen um die Seele des Volkes diesem Haltung und Einheit gab: dem Führer. Denn Einheit, Haltung, Charakter des Volkes sind die Voraus- setzungen jeder über äußere Verbesserungen sich erhebenden wahren Rechtserneuerungsarbeit. Kür eine direkte Aussprache mit Deutschland. Paris, 5. Juli. (DNB.) Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Kammer, Bastid, erklärte: Ich bin der Ansicht, daß Besprechungen mit Hitler, der die überwältigende Mehrheit Deutschlands vertritt, fruchtbar fein können. Diese Besprechungen hätten zweifellos unter günstigeren Umständen erfolgen können, wenn wir schon vor langer Zeit die Initiative dazu ergriffen hättten. Aber ich glaube, daß, je länger mir warten würden, diese Besprechungen um so mehr Schwierigkeiten mit sich bringen könnten. Es handelt sich vor allen Dingen nicht darum, eine grenzenlose Verbrüderung ins Auge zu fassen, die zu einer sofortigen Abrüstung fuhren könnte. Ich glaube, daß die tatsächliche Abrüstung sich nur aus einer sehr langen Erfahrung der deutsch-französischen Annäherung ergeben kann. Das jjt ein Grund mehr dafür, sich schnell an das Werk der Entspannung zu machen. Das Vorteilhafteste wäre mit j) i 11 e r selbst zu sprechen. Hitler ist für Nichtangriffspakte und lehnt Verträge gegenseitigen Beistandes ab. Wir können ihm keine Verträge auferlegen, die er nicht billigt, aber es ist immerhin notwendig, daß Deutschland versteht, daß Frankreich diesen Verträgen zuneigt und nicht auf die Elemente feiner Sicherheit ver- zichtet. Der französisch-sowjetrussische Vertrag berührt nicht das Locarnoabkommen, und man kann uns nicht hindern, uns mit allen Völkern gut zu stellen. Zwischen Deutschland und Sowjetrußland besteht ein sozialer und doktrinärer Streit. Er geht uns nichts an. Ich für meinen Teil bin für eine deutsch-französische Annäherung aus Gründen des allgemeinen Interesses am Frieden und aus rein französischen Gründen, denn ich glaube, daß diese Einigung unseren beiden Ländern dienen könnte. Ein Pressezwischenfall in Gchangbai. Schanghai, 6. Juli. (DNB.) Die Veröffentlichung eines beleidigenden Artikels über den Kaiser von Japan in einer hiesigen Zeitschrift hat den Japanern die Veranlassung zu einem diplomatischem Vorgehen gegeben. Nachdem der Bürgermeister von Schanghai die Ausgabe der Zeitschrift beschlagnahmen ließ und die Angelegenheit den Gerichten übergeben hat, hat der japanische Konsul in Nanking nunmehr die Enthebung des Pressechefs der Kuomintang von seinem Posten gefordert, weil die Zensurstelle der Partei den Artikel nicht beanstandet hat. Die Kuomintang hat die Entlassung der Direktoren und Mitarbeiter der Zeitschrift und der Zensurstelle in Schanghai beschlossen. Die Kuomintang lehnt aber jede Verantwortung für den Artikel und für die Zeitschrift ab, da es sich bei der Zeitschrift um ein rein privates Unternehmen ohne jede Verbindung zur Kuomintang und zur Regierung handele. Oie Ehescheidung des ehemaligen Königs von Griechenland. Bukarest, 5. Juli. (DNB.) Am Samstag findet vor dem Bukarester Appellationsgericht der Ehescheidungsprozeß des früheren Königs von Griechenland, Georg, von feiner Frau, Elisabeth, der Schwester des Königs Carol von Rumänien, statt. Der König wird bei der Verhandlung weder anwesend noch vertreten sein. Es ist auch alles schon so weit geregelt, daß das Scheidungsurteil nach Erfüllung der notwendigen Förmlichkeiten verkündet wird. Die Scheidung wird wegen Verlassens des ehelichen Heimes durch den König ausgesprochen. Die Scheidung selbst wurde schon vor einiger Zeit in einem Kronrat beschlossen. Die Derrnögensteilung fand berits vor sechs Monaten statt. Die Scheidung ist keine außenpolitische Bedeutung beizumessen. Sie beweist nur, daß der frühere Plan, die drei Herrscherhäuser Süd-Osteuropas durch Verschwägerung der Könige von Südslawien, Rumänien und Grie- chenland einander näher zu bringen, nunmehr endgültig gescheitert ist, da nach der Scheidung der Schwester Königs Georg, der Prinzessin Helene vom König Carol, nunmehr auch die Scheidung der Schwester Königs Carol vom König Georg erfolgt. Die ganze Scheidungsfrage wurde im Einvernehmen der beiden Königshäuser gelöst. OaS Korps Eaxo-Borussia Heidelberg suspendiert. Heidelberg, 5. Juli Wetzlar. Ausführliche schriftliche Angebote unt. 3914V an den Gießener Anzeiger la-Kl. 1b- „ 2a= „ Werbe-Drucksachen bei Brühl, Schulstr.7 il. ab- \u er« Großmühle mit eingeführten Fabr laten sucht rührigen, bei der Bäcker- und Händlerlund chaft bestens eingeführten Gießen, den 5. Juli 1935. Bürgermeisterei Gießen: Ritter, Oberbürgermeister. Oberhessischer Adreßbuchverlag Ärühl'sche UniversitätS'Buch. und Steindruckerei, Zfi. Lange, Gießen, Schulstraße 7/9 — zftuf 2251 Beamtenwitwe sucht sobald als möglich eine Mu-Mi. evtl. a. Vorort. Angeb. erb. an 02869 Frl. Haas, Bleichstr. 9 p. Sofort Geld! innerh. kürzester Frist. Kein Zwecksparen.DurchBerg- mann, Breslau, Oderstr. 12 B 357 Tanzen lehrt in Kinzel- stund. u. Kursen Tanzschule Bäulke Wolfstraße 31 Ruf 383o. 3915D Bestimmt zu haben bei: Drogerie Noll, Bahnhofstraße 53. mit Brut vernichtet rest- losRelchels WanzenUuKL Nicht fleckend» überall anwendbar. 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Juli 1935. Ur. 155 Zweites Blatt Siebener Anzeiger lGeneral-Ameiaer ffir (Dherheifoni ^nutAn k *init 1025 Wehr und Waffen. E»n großartiges militärisches Gchausviel der Wehrmacht als Auftakt zum 5. ^eichskriegertag in Kasie». e - - *t Ks r ■■ *: nag 1 Ein Blick über den Festplatz während der Freiübungen Lmks: Das künstlich aufgebaute Dorf Klein-Kassel wurde heftig umkämpft. — Rechts: Geschütz in Feuerstellung. — (Aufnahmen [5j: Photo-Pfaff, Gießen.) der Wehrmacht in der gleichen Form den Teilneh- des Reichskriegertages gezeigt. mern Reiter Leistungen, die den aufmerksamen Zuschauer immer wieder zu Rufen der Bewunderung und des Staunens hinrissen. Die Schulquadrille wurde in einer Form geritten, in der sie auch bei der. Olympiade 1936 verlangt werden wird. Die Tiere zeigten komplizierte Figuren, in genau bemessenen, gezählten Schritten, vorwärts und rückwärts, seitlich vorwärts und rückwärts in Wendungen und Schrittwechseln immer anderer Takte. Die Erklärungen, die dem Publikum zu dieser Vorführung durch den Lautsprecher gegeben wurden, förderten i)as Verständnis für diese hohe Schule der Reiterei und vertieften damit den Wert dieser Darbietung auch für den Laien. Gleichzeitig mag allgemein klar geworden sein, wieviel Liebe und Geduld den Tieren zugewandt werden muß, wenn solche Leistungen erzielt werden sollen. Im weiteren Verlauf der Vorführungen hatte man dann Gelegenheit, einen Hindernislauf für MG.-Gruppen zu verfolgen, an dem sich eine Mannschaft des Zägerbataillons I, eine Kraftfahrabteilung, eine Gruppe des II. Infanterie- Bataillons und eine Gruppe von Pionieren beteiligten. Von den Teilnehmern waren einige schwierige Hindernisse in voller Ausrüstung zu überwinden. In exakter Auffahrt kam dann eine motorisierte Panzer-Abwehr- Kompanie auf den Wiesenplan. Die Kompanie zeigte zunächst in einigen Fahrübungen ihre Wendigkeit und rasche Beweglichkeit im Gelände, um dann plötzlich und überraschend für die Zuschauer — in Bruchteilen von Sekunden — in Feuerstellung zu gehen, zu feuern, dann ebenso rasch die Geschütze herumzuwerfen und gegen einen neuauftauchenden angenommenen Gegner das Feuer zu eröffnen. Der Rauch aus der Uebungsmunition war noch nicht verflogen, da faßen die Mannschaften schon wieder auf und in den nächsten Sekunden war der Platz geräumt, der noch vor kaum einer Minute als der Schauplatz eines heftigen Kampfes erschien. Die Kommandos für diese motorisierte Panzer-Abwehr- Kompanie wurden durch Zeichen gegeben. Im Reigen der Schaubilder durfte auch die Luftwaffe nicht fehlen. Kaum hatte die Panzergen wurden durch die Erklärungen eines Fach, mannes wirkungsvoll unterstützt. Nach einem M a s s e n k u n st t u r n e n amReck sah man 16 Unteroffiziere, die gegenwärtig zur Ausbildung als Reitlehrer für die Truppe an der Kavallerieschule Hannover weilen. In einer Spring- quaöriUe wurde ein Ausschnitt der täglichen Uebungsarbeit gezeigt und dabei Leistungen vor» geführt, wie sie von jedem Pferde im Militärdienst verlangt werden. Hier wurden 6jährige Remonten vorgeführt, die die in dieser Quadrille verlangten rund 80 Sprünge ohne Ermüdung oder auch nur Erregung hinter sich brachten. In einer sehr interessanten und vielen Zuschauern sicherlich neuen Hebung zeigte sich bann eine motorisierte P i 0 n i e r b a t t e r i e im Sperrdienst. In Lastkraftwagen und kleinen geländegängigen Autos fuhren die Pioniere auf, legten blitzschnell auf breiter Front Minenketten, die durch Leitungskabel untereinander verbunden waren und verließen rasch wieder den Platz. Im Vorstoß einer „feindlichen^ Kraftfahrabteilung, die wenige Minuten nach dem Abrücken der Pioniere in Sicht kam, wurde dann die Wirkung der Arbeit der Pioniere im Sperrdienst klar ersichtlich. Die Berührung der feindlichen Kraftwagen mit den Kabeln löste die Explosion der Minengruppen aus und veranschaulichte eindrucksvoll die im Ernstfall zu erzielende Wirkung. Zum Schluß der militärischen Vorführungen sah man eine groß angelegte Gefechtsübung der verbundenen Waffen, und zwar den An- griff .auf ein vom Feind im Zurückgehen aufgesuch- tes Dorf. Die Stellung, die von Schützengruppen, von leichten und schweren MG's, von Feldartillerie und Minenwerfern angegriffen wurde, nahmen die Truppen in einem dramatischen Kampf. Die Vorführung gab einen Einblick in die Technik des Be. wegungskrieges. Mit einem grandiosen Aufmarsch aller Teilnehmer an dieser Großvorführung der Wehrmacht, mit den gemeinsam gesungenen Nationalhymnen, fand die eindrucksvolle Kundgebung deutschen Wehr- willens ihren Abschluß. Am morgigen Sonntag werden die Vorführungen gann dann mit den Fahrübungen einer pferdebespannten Batterie der Feldartillerie, der dem Aufmarsch des Trompeterkorps der Feldartillerie vorausging Die Abendsonne, die um diese Zeit die dichte Wolkenwand für Augenblicke durchbrach, übergoß das reizvolle Bild, welches das im Schritt anreitende Trompeterkorps bot, mit ihren goldenen Strahlen. Die Batterie folgte in rascher Auffahrt und zeigte dann überaus exakte Fahrübungen geschloffen in Zügen und mit dem einzelnen Geschütz. Es war eine große Freude, zu sehen, wie die Pferde in den ver- Die Geduld der Zuschauer wurde aus keine Probe gestellt. Mit einer nicht zu überbietenden Pünktlichkeit nahm die große Veranstaltung ihren Anfang. Zunächst hörte man ein Konzert, das von sechs zu einem großen Klangkörper zusammengefaßten Musikkorps unter der Leitung des Heeres- Musikinspizienten Professor Schmidt ausgeführt wurde. Diszipliniert, in jeder Bewegung, wie aus einem Guß, trat die stattliche Kapelle auf. So geordnet wie das Auftreten, so exakt war die Wiedergabe der schneidigen Märsche und der Konzertmusik. Der große Klangkörper bildete eine Einheit und ließ erkennen, welche Möglichkeiten sich für die Musikpflege in Verbindung mit militärischer Disziplin ergeben. Die Reihe der Vorführungen der Wehrmacht be- schiedenen Gangarten vorgesührt wurden und, sichtlich ohne jegliche Ermüdung, zum Schluß in einem herrlichen Furioso vorn Platze jagten Das sehr abwechslungsreich gestaltete Programm brachte bann Massenfreiübungen Der Soldaten. Viele Hunderte von Teilnehmern marschierten in mehreren Säulen auf, turnten nach den Takten bei Musik bie Freiübungen des Stuttgarter Turnfestes und bereiteten damit den Zuschauern einen hohen ästhetischen Genuß. Die Freiübungen fanden ihren Abschluß in dem gemeinsam von allen Teilnehmern gesungenen Worten aus dem Deutschlandlied („Deutschland, Deutschland, über alles") und in dem Schlußruf des Niederländischen Dankgebets „Herr mach' uns frei!" Niemand wird es vermocht haben, sich dieser eindrucksvollen Kundgebung des Willens zu nationaler Ehre und Freiheit zu entziehen. In der Reihe der außerordentlichen Darbietungen, die der Abend brachte, verdiente die Schul- Quadrille, von drei Offizieren der Hannoverschen Kavallerie - Schule geritten, besondere Beachtung. Auf edelsten Tieren aus ostpreußischen Dollblutzuchten zeigten hervorragende abwehr-Kompame das Feld verlassen, so erschienen auch schon drei schnittige Eindecker aus den Fieseler- Werkstätten über dem Festplatz, die, obwohl sie nur mit 75 = PS = Motoren ausgerüstet sind, in etwa 200-lcm-Tempo angebraust kamen. Das Kommando über diese aus drei Flugzeugen bestehende „Kette" hatte Flugzeug-Schwarmführer Mayer (Darmstadt), der ja der Gießener Bevölkerung fein Unbekannter ist. Die Flieger flogen in verschiedener wechselvoller Formation und zeigten gemeinsam Turns, Rollen sowie Loopings. Die Kühnheit der Vorführungen und die Sicherheit, mit der sich die Flieger selbst in schwierigen Figuren bewegten, riefen allgemeine Bewunderung hervor. Flugzeug- Schwarmführer Mayer, der sich in den vergangenen beiden Jahren einen großen Namen als Kunstflieger gemacht hatte und auch bei den Stuttgarter Meisterschaften vierter Sieger werden konnte, zeigte dann noch eine Reihe weiterer Kunstflugbarbietungen, unter anberem auch ben Looping nach vorn (aus ber Normal-, wie auch aus ber Rückenlage), ber bekanntlich in Anbetracht der hohen körperlichen Beanspruchung des Fliegers zu ben schwierigsten Hebungen zählt. Auch diese VorführunKassel im Zeichen des 5. Reichskriegertages. Kassel stand schon am Freitag ganz im Zeichen des großen Treffens der alten Soldaten. Ueberatt sieht man die Kyffhäuser-Tracht. Die Ankunft des Bundesführers, Oberst a. D. Reinhardt, erfolgte Freitagnachmittag. Auf dem Bahnhofsplatz hatte eine Ehrenkompanie der Kreisverbände Kassel mit Fahnen und Musik Aufstellung genommen. Der Bundesführer schritt in Begleitung des Landesführers General a. D. Fett und des Generals a. D. Kuhlmann bie Front ab. Mit einer kurzen Ansprache gab er feiner großen Freube über die Ehrung Ausdruck und erinnerte an die Jahre gemeinsamen Kampfes und treuer Kameradschaft. Anschließend formierte sich die Kompanie zu einem Vorbeimarsch. Das Schauspiel hatte eine riesige Menschenmenge angelockt, bie mit größter Anteilnahme bem Geschehen folgte. Die alte kurhessische Resibenz Kassel ist eine Stadt ruhmreicher soldatischer Tradition. Der Reichskriegerbund „Kyffhäuser", der die Pflege der soldatischen Tradition aus seine Fahne geschrieben hat, traf somit eine glückliche Wahl, als er Kassel Zum Festort bestimmte. Das Fest fand bereits am Donnerstag einen Auftakt, wie er selten einer Veranstaltung zuteil wird: die jungen Soldaten gaben mit ihren Vorführungen dem Ehrentag der alten Soldaten ein einzigartiges Vorspiel. Unter dem Titel „Großvorführungen ber Wehrmacht" erlebten etwa 35 000 Zuschauer aus ben Kreisen ber Bürgerschaft ber Stabt Kassel eine Fülle hochinteressanter Darbietungen, in denen sich gleichzeitig in einprägsamer Form ber wiedererwachte Wehrwille unseres beut- schen Volkes bofumentierte. Die Veranstaltung war aleichzeitig ber Ausbruck ber herzlichen gegenseitigen Verbundenheit von Wehrmacht und Völk. Die Einbrücke, bie man bereits am Donnerstag empfangen konnte, waren begeifternb unb nachhaltig. Man hatte in Kassel keine Mühe gescheut, um alle Voraussetzungen für bas Gelingen ber großen Schau ber Wehrmacht zu schaffen. Unmittelbar vor ber Orangerie, an ber Karlswiese (unterhalb des Staatstheaters), waren riesige Tribünen errichtet worben, auf benen Zehntausenbe von Zuschauern Platz fanden und bie Vorgänge auf ber Wiese in jeher Einzelheit genau verfolgen konnten Die Tribünen säumte ein Wald von Fahnenmasten, an benen bie Flaggen bes Reiches, ber Wehrmacht sowie Fahnen in ben Farben Preußens unb ber Stabt Kassel im abenblidjen Winde luftig flatterten. Bereits geraume Zeit vor bem Beginn ber Veranstaltung waren bie Tribünen bis auf ben letzten Platz besetzt Die vielen sommerlich gekleideten Menschen, die leuchtenden Farben der Flaggen klangen mit dem architektonisch so reizvollen Hintergrund, wie ihn die Kasseler Orangerie bildet, zu einem großartigen Bilde zusammen. Die Kasseler Hitlerjugend, bas Jungvolk und der BdM schlossen auf der der Orangerie gegenüberliegenden Seite das weite Rund. Die alten Baumbestände bes Parkes an den Karlswiesen mit ihren tiefen, wasserdurch- floffenen Durchblicken bildeten einen schönen natürlichen Hintergrund Das Trompeterkorps der Feldartillerie. ■ D Eine Batterie der Feldartillerie fährt auf ... - ■ Ä Von der soldatischen Zucht. 23on K. L P. Oerhen, Ode, st a O. Der frühere Pressereferent im Reichswehr- ministerium hat in der Hanseatischen Der- lagsanstalt, Hamburg, unter dem Tttel „Grundzüge der Wehrpolltik (Seinen 7,— RM.) ein grundlegendes Werk veröffentlicht, aus dem wir nachstehenden Auszug abdrucken. Es gibt geborene Führer, die von dem ersten Tage an, wo sie vor der Front stehen, das Vertrauen ihrer Untergebenen wie von selbst gewinnen. Die meisten anderen müssen lernen, Untergebene zu behandeln. Unerfahrenheit richtet bei allem guten Willen Unheil an. Das haben wir im Kriege erlebt, wo die Heeresverwaltung gezwungen war, die Kommandogewalt blutjungen Männern zu überantworten, denen die dazu notige Urteilsfähigkeit noch abging. Das Zusammenwirken aller, der Vorgesetzten, Gleichgestellten und Untergebenen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen, wirb erleichtert, eigent- iich erst möglich gemacht durch die Kamerao- chaft. Das Gefühl, miteinander verbunden, dem- elben Schicksal verhaftet Zu sein, laßt den Borge. etzten den richtigen Ton treffen den Untergebenen reshalb gern gehorchen. Wer dieselbe Uniform tragt, muß sich dadurch verpflichtet fühlen, der Farbe des Regiments und der Nummer der Kompanie Ehre zu machen. Sonst fehlt dem Verbände das wichtigste Bindemittel, die beste Unterlage für die Manneszucht. Das Gesetz verpflichtet daher den Soldaten, jedem anderen Soldaten unbedingt beizustehen, in welcher Lage er sich selbst und der Bedrohte auch befinde. Die K a m e r a d s ch a f t d e s L> f f l z l erkor p s muß verpflichtender fein als jede andere Bindung, welcher Art sie auch immer sei. Daraus beruhte insonderheit die Stärke des preußischen Offizierkorps. Wem der König die schwarz-silberne Schärpe umknüpfte, den machte er damit zum Mitglieds einer Genossenschaft, in der die Eigenschaft als Offizier stärker band als alle anderen Beziehungen. Sie ließ dagegen zurücktreten alle Unterschiede des Ranges, der sozialen Herkunft oder der Laufbahn. Der Feldmarschall und der Leutnant, der Sohn des Prinzen und des Subalternbeamten, der Generalstabsoffizier und der Trouppier — ste waren zunächst einmal Offiziere, die den gleichen Rock, dasselbe Portepee und dieselbe Schärpe trugen wie der König selbst. Gewiß bestanden die anderen Gegensätze weiter, mehr oder weniger scharf. Sie trennten aber auch dort, wo sie zu starker Spannung führten, nicht endgültig. Kein Offizier konnte einer Vereinigung angehören, die einen anderen ausgeschlossen hätte, den das Offizierkorps in feinen Reihen duldete. Die gleichmachenden Ideen, die lange Zeit vorherrschten und deren. Anhänger die Welt dadurch glücklich zu machen glaubten, daß man alle Menschen über einen Leisten schlug, legten dem Offizierkorps diese kameradschaftliche Solidarität als Ueberheblichkeit aus, die bekämpft werden müsse. Man wies auf andere Länder hin, wo die sozialen Unterschiede usw. auch im Offizierskorps unübersteigbare Trennungswände errichteten. Dadurch verliert der Begriff des Offizierkorps feine Bedeutung, sobald der Dienst endet. In Deutschland, wo man die Schmerzen, die sich aus der gesellschaftlichen Unterschiedlichkeit ergeben, mit Leidenschaft bis zur Neige auskostet, kann man den damit verbundenen Gefahren nur dadurch entgehen, daß man an der unbedingten kameradschaftlichen Solidarität des Offizierkorps festhält. Sie von außen anzutasten oder zu zerstören, setzt seine Leistungsfähigkeit herab; vielleicht nicht in anderen Ländern, sicher in Deutschland. Der einzelne kann selbstverständlich auch bei dieser Ordnung in Gewissensstreit geraten. Das ist, welche Auffassungen auch immer herrschen, nie zu vermeiden. Das für das Offizierkorps und das gemeine Wohl wesentliche ist aber, baß kein Zweifel darüber bestehen kann, nach welcher traditionellen Hebung man sich in dem Gewissensstreit zu entscheiden hat, wenn man sich nicht außerhalb der Gemeinschaft stellen und die damit verbundenen Folgen in Kauf nehmen will. Was hier geschrieben wurde, gilt für den Frieden, für die Erziehungsarbeit. Es gilt aber auch für den Krieg in verstärktem Maße. Der Krieg entschleiert; reißt die Decke der Konvention herunter, unter der der Soldat im Frieden feinen wahren Wert zu verhüllen in der Lage ist. Fehler in der Beurteilung werden rasch aufgedeckt und müssen schnell, ohne Ansehen der Person, gutgemach werden. Der Krieg erschüttert die Manneszucht jedes Heeres. Der Zwang, Gewalt aegen den Gegner anzuwenden, die Erschütterung des Eigentums- begriffes, die mit den kriegerischen Notwendigkeiten ebenso unabwendbar verbunden ist wie mit einer Revolution, bedarf, soll daraus nicht eine Gefahr für die Manneszucht entstehen, eines Gegengewichtes, das nur in einem Anziehen der Zugel bestehen kann. Dieser Zwang hart zu sein, stellt an das Herz des Vorgesetzten hohe Anforderungen. Er fall das Gesetz unerbittlich walten lassen gegen die Männer, die soeben willig Leib und Leben für das Vaterland in die Schanze schlugen. Das bedeutet einen schweren Entschluß, dem man gern aus dem Wege geht. ... , . Solcher Weichherzigkeit hat man wahrend des Großen Krieges in Deutschland nicht genügend entgegengearbeitet. Man fühlte sich der Hingabe der Wehrmacht zu Dank verpflichtet und glaubte ihn dadurch abstatten zu können, daß man die im Militär-Strafgesetzbuch angedrohten Strafen herabsetzte, die vom Arm der Gerechtigkeit Erfaßten amnestierte usw. Man mag hier und da dadurch Unrecht verhütet oder wieder gut gemacht haben. Die Weichheit gegen die, die sich gegen die Ordnungen der Manneszucht vergangen hatten, schädigte gerade die Besten und Tapfersten, setzte den Wert ihrer Leistung herab, erschütterte — was die schlimmsten Folgen hatte — die Ueberzeugung, daß Disziplm- brüche, wie Feigheit, Unzuverlässigkeit, Ungehorsam, Marodieren, Plündern und Fahnenflucht schwere, unsühnbare Vergehen gegen das gemeine Wohl seien. Die unausbleibliche Folge war, daß sich die liebel vermehrten. „Wir gebieten das Unrecht, wenn wir der Uebeltat den Freipaß geben anstatt der Strafe". (Shakespeare, Maß für Maß.) Bei drei Pionieren europäischer Kolonialgelinng. Eine beschanliche Reise zu den glücklichen Inseln. Don unserem H. 6r..Sonderberichterstatters Das Ziel? (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Las Palmas, Mitte Juni 1935. Die Fahrt von Marokko nach den Kanarischen Inseln enthüllt schon einen Teil des Reizes der Seefahrt in südlichen Meeren. Wie ein breites silbernes Band liegt abends der Mond über den Wellen. Am Bug des Schiffes spielen Tümmler, zum Teil Burschen weit über mannsgroß, und ab und zu sausen fliegende Fische über die Wogen. In der langen Dünung des Atlantik wiegt das Schiff auf und nieder, und über allem wölbt sich ein Sternenhimmel von märchenhafter Pracht. Hier ist aber auch der Räuber der Meere schon beheimatet, der Hai, und die Einwohner der Kanarischen Inseln haben mehr als ein Menschenleben zu beklagen, das diesem Raubtier zum Opfer gefallen ist. Darum darf man auf den Inseln auch nur an besonderen Stellen baden, die einen natürlichen oder künstlichen Schutz gegen das offene Meer haben. „Glückliche Inseln"! So nannten sie schon die Römer, denen sie genau bekannt waren. Es gibt kaum etwas Schöneres, als das Auftauchen von Gran Canaria, — neben Teneriffa die Hauptinsel, — in den frühen Morgenstunden. Riesenhoch recken sich die bizarren vulkanischen Gebirge in die Wolken hinein. Es gibt kein Gebirgsbild/ das mit ihm vergleichbar wäre. Kantig und zerrissen in Schluchten fallen die völlig kahlen Berge steil ins Meer ab. Ihre Oberfläche: Sand, Gestein und Lava, leuchtet in der Sonne in den verschiedensten Farben. Don Las Palmas aus geht es auf guten Straßen bft hinauf in die Berge. Unmittelbar an schroff abfallenden Hängen windet sich die Straße hinauf, ab und zu einen Blick freigebend auf die unendliche Weite des azurblauen Ozeans. Breite Lavaströme, in denen Riesenkakteen verschwenderisch blühen, zeigen den Ursprung des Landes an. Ganz selten Orte oder Wohnungen. Denn die Glücklichen Inseln sind heute nicht mehr glücklich ohne jegliche Einschränkung. Menschliche Unvernunft hat sie eines großen Teils natürlichen Reichtums beraubt. Alexander von Humboldt wußte noch von ausgedehnten Waldungen zu berichten. Sie sind verschwunden; das Land ist kahl und nackt und infolgedessen trocken. Aus den Wäldern wurde Holzkohle. Nur da, wo eine künstliche Bewässerung die natürliche ersetzt, wie etwa bei Orotawa, zeigt es sich, weich' einen Reichtum die Inseln hervorzubringen vermögen. Die Bewohner haben aus der Not eine Tugend zu machen gewußt: mit den raffinier * Vergl. Nr. 149 des Gießener Anzeigers vom 29. Juni 1935. testen Mitteln wird jeder Tropfen Regenwaffer auf- gefangen und in Staubecken und Zisternen abgeleitet. Und da, wo dieses Wasser zur Verfügung steht, wo die wenigen Quellen vorhanden sind, gedeiht das, dem die Kanarischen Inseln Ruf und Einkommen zu danken haben. Bananen und Tomaten sind an erster Stelle zu nennen. Aber auch Wein, Zwiebeln und Frühkartoffeln erschließen der anspruchslosen Bevölkerung eine ergiebige Einnahmequelle. Die Häfen, vor allem Las Palmas und Santa Cruz, liegen ständig vpller Schiffe aus aller Herren Länder, die die Ernte des Landes in alle Welt tragen. Daß d i e deutsche Flagge besonders stark vertreten ist, ist ein Beweis dafür, daß Deutschland zu seinem Teil an der Behebung der Weltwirtschaftskrise mitarbeiten könnte, wenn man sich endlich von der kriegsmäßigen Handelspolitik abwenden wollte. Hoch oben in den Bergen Gran Canarias liegt das Dorf Atalaya. Die Einwohner hausen heute noch, wie einst die Guanchen, in Felshöhlen in denkbar primitiven Wohnungen. Ebenso wie ihre Vorfahren stellen sie — als Handwerkszeug dient nur ein Stein — Töpferwaren her. Damit sind wir bei dem interessantesten Kapitel der Kanarischen Inseln. Was sind sie? Woher stammen diese eigenartigen vulkanischen Gebirge mitten im Atlantischen Ozean? Ist hier ein Rest des sagenhaften Atlantis? Ist es ein lleberbleibfel der Landbrücke, die einst Amerika und Afrika verbunden haben soll, ehe die große Flut, von der die Sagen aller alten Völker sprechen, über die Menschheit kam? Bis heute weiß man es nicht, nicht zum geringsten Teil deswegen, weil die Spanier nach Eroberung der Inseln Ende des 15.Jahrhunderts d i e erste Urbevölkerung mit Feuer und Schwert a u s - rotteten. Das eine aber steht fest: die Bevölkerung war groß, blauäugig und langschädelig, und die vielen Funde auf den Inseln beweisen, daß man es mit einem auf hoher Kulturstufe stehenden Volke zu tun hatte. Die wenigen Guanchen, die die Konquistadorenzeit Überstanden, haben sich mit dem spanischen Eroberervolk gemischt, und noch heute trifft man hie und da einen blauäugigen und blonden Spanier als Nachfahren jener Guanchen, über deren Herkunft man sonst nichts Genaues weiß. Nach der einen Theorie sollen es Vandalen gewesen sein, die — von Nordafrika kommend — die Inseln besetzten. Andere wiederum vertraten die Ansicht, daß man die Guanchen der Cro-Maqnon-Rasse zuzählen muß, jener vor-arischen Rasse, die in der Quartärzeit gelebt haben soll. Daneben wird heute besonders stark die Atlantistheorie verfochten, während manche in den Guanchen aber auch Nachkommen von Wikingern sehen wollten. Unbekümmert um alles aber reckt der Pic de leibe auf Teneriffa sein Haupt mit seinen beinahe 4000 Meter in die Wolken. Er weiß um die Vergangenheit und es scheint, als wollte der Bergriese alle Versuche des kleinen Menschengeschlechts verspotten, in seine Geheimnisse einzudringen. Er ist es auch, der in seiner majestätischen Größe die letzten Grüße winkt von den glücklichen Inseln, als das Schiff schon wieder, viel zu früh, Kurs in die Heimat nimmt. Zührergedanke und Selbstverwaltung. Von Staatssekretär Dr. Lammers, Lhes der Reichskanzlei. Wir entnehmen diese Ausführungen einem Aufsatz aus dem Iuliheft der „Europäischen Revue". Die Selbstverwaltung ist die Form der Vermattung, die im besonderen Maße geeignet ist, den innigen Konnex zwischen der Verwaltung und dem Volksleben - herzustellen. Durch diese Form der Verwaltung wird einmal die Verwaltung selbst durch die Kraftströme des praktischen Lebens immer von neuem befruchtet und ihre Abkapselung verhindert. Auf der anderen Seite ist sie ein hervorragendes Mittel, um im Volke den Gemeinsinn zu wecken, lebendig zu erhalten und zu vertiefen. Es war der verhängnisvolle Irrtum des Liberalismus, daß Selbstverwaltung nur in her Form des Parlamentarismus möglich sei, sie also nur dann zur Entfaltung zu kommen vermöge, wenn die Masse der Regierten die Entscheidungen der Regierung s e I b ft zu treffen habe. Daraus ergab sich die Teilung der Verantwortung bis zu ihrer völligen Befestigung überhaupt mit all den zerfetzenden Folgeerscheinungen, die der Parlamentarismus der Nachkriegszeit uns so eindrucksvoll vor Augen geführt hat, so daß aus dem Volk ein Interessenten- Haufen und aus dem gemeinsamen Kampf aller Volksgenossen für Volk und Vaterland e i n Kampf aller gegen alle wurde. Der Irrtum, daß Selbstverwaltung und Parlamentarismus ein und dasselbe sei, war schließlich so weit gediehen, daß viele, als mit dem Nationalsozialismus der Führergedanke in Regierung und Verwaltung zum Durchbruch kam, das Ende der Selbstverwaltung überhaupt gekommen sahen. Auch der Nationalsozialismus ist tief durchdrungen von der Richtigkeit und der Bedeutung der Selbstverwaltung. Er erstrebt nicht, wie in mißverständlicher Auffassung des Begriffs der Totalität der nationalsozialistischen Bewegung manchmal angenommen wird, eine Totalität des Staates, die einer Selbstverwaltung keinen Raum läßt. Der Führer und Reichskanzler hat als der Schöpfer des neuen Staates bei verschiedenen Gelegenheiten d i e Notwendigkeit der Erhaltung der Selb st Verwaltung betont; denn in ihr wirke sich die initiative Kraft des Volkes in der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten aus; allein die Selbstverwaltung dürfe unter keinen Umständen so wie früher dem zersplitterten Willen des Volkes und den streitenden Parteien ausgeliefert werden. Hieraus ergibt sich als eine der besonders wichtigen Aufgaben des Nationalsozialismus d i e Synthese zwischen F ü h r e r g e d a n k e und Selbstverwaltung, die Verwirklichung des germanischen Prinzips des Eigenlebens einer Gefolgschaft unter einem aus ihr hervorgewachsenen Führer. Die Deutsche Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935, ein Grundgesetz des nationalsozialistischen Staates, hat diese Synthese auf der Ebene der Gemeindeverwaltung in besonders glücklicher Weise zustandegebracht. Sie hat den Gemeinden die eigenverantwortliche Wahrnehmung freiwillig übernommener oder gesetzlich übertragener Aufgaben belassen und die Universalität des gemeindlichen Wirkungskreises, der grundsätzlich nur durch die Gesetze und die Staatsaufsicht beschränkt ist, erhalten. Die Willensbildung innerhalb dieser Selbstverwaltung mutzte eine Regelung finden, die eines der wesentlichsten Merkmale des nationalsozialistischen Staates, den Führergedanken, verwirklicht. Die Entscheidungen in der Verwaltung der Ge- anderen Wegen versucht Harald B r a 11, der norddeutsche Dichter, dem großen deutschen Drama neue Richtung zu geben. Seine Stücke sind Kritik der Zeit und der Gesellschaft. Scharfe dramatifche Spannung verbinden sich bei ihm mit einer klugen, geistigen Sprache und einer glänzenden Menschen- darstelluna. Sein Hauptwerk „Die Insel" wird hier zur Auführung kommen. Er folgt in seinem Stil den Gesellschaftsstücken von Oscar Wilde, von dem in der kommenden Spielzeit „Eine Frau ohne Bedeutung" in der Neubearbeitung von Karl L e r b s mit Leopoldine Konstantin als Gast vorgesehen ist. Etwas älter und reifer als Bratt ist Hans Kyser, dessen Stücke sich aber durch ein besonders jugendliches Temperament auszeichnen und von hinreißender sprachlicher Kraft sind. Sein neuestes Werk, „Der große Kapitän" beyandelt in mächtigen Bildern die Geschichte des Christoph Columbus. Neben ihm steht der Flame Egmont C o l e r u s , dessen Lustspiel „Zweikampf" ein echtes Theaterstück mit brillantem Dialog einen Stoff aus der französischen Geschichte behandelt und in dessen Mittelpunkt die Figur des Kardinals Richelieu steht. Ein Schicksal unserer Zeit behandelt Curt Goetz in seinem Schauspiel „Towärisch" nach Deval, das der berühmte Berliner Schauspieler und Dichter in Gießen selbst zur Aufführung bringen wird. Auch zwei junge Begabungen, die im Volksstück den Versuch machen, zu einer neuen deutschen Komödie vorzustoßen, werden zu Wort kommen, und zwar der Hesse H. A. Weber mit der Bauernkomödie „Holzappel", die die Leitung des Stadttheaters zur alleinigen Uraufführung erworben hat, und der Niedersachse Friedrich Lindemann mit seinem Seemannsund Schmvgglerlustspiel „In Luv und Lee die Liebe". Der Spielplan des Sladtthealers für die Spielzeit 1935/36. Aus dem Dramaturgischen Büro des Gießener Stadttheaters geht uns die folgende Vorschau auf den neuen Spielplan zu: Vor zwei Tagen erst hat die Abonnementswer- bung für die Spielzeit 1935/36 begonnen, und schon heute haben sich weit über 100 Abonnenten eingetragen. Das außerordentliche Interesse für die bedeutsamen Ereignisse der neuen Spielzeit bezieht sich gleichermaßen auf die neue Leitung, die vielen neu- verpflichteten Kräfte, die günftige Neugestaltung der Abonnementspreise und auf den Spielplan. Jeder spürt, es weht ein neuer Wind. Jeder erkennt, die neue Spielzeit wird ein bedeutsamer Fortschritt zur Aufwärtsentwicklung des Gießener Theaters bringen. Keiner will sich ausschließen. Auch die bisherigen Abonnenten, die in treuer Verbundenheit in den vergangenen schwierigen Jahren zu ihrem Theater hielten, sehen mit freudiger Erwartung dem kommenden Winter entgegen, lieber die neuoerpflichteten Mitglieder wurde bereits berichtet. Wir werden in den nächsten Tagen Bilder und Mitteilungen über den bisherigen Weg der fünfzehn neuen Künstler bringen. Heute soll von dem Spielplan die Rede sein. Es ist dem neuen Intendanten gelungen, durch feine guten Beziehungen zur jungen Generation Der Dramatiker einige besonders wertvolle Werke für Gießen zu gewinnen. Von jungen deutschen Äutoren werden in der kommenden Spielzeit die folgenden Werke zur Aufführung gelangen: Theo- DOf Haerten, „Die Hochzeit von Dobeski". Haerten, der vom Niederrhein stammt, wurde im vorigen Jahre in Darmstadt mit der Uraufführung „Der tolle Christian" zum ersten Mal der deutschen Oeffentlichkeit vorgestellt. Man erkannte, daß hier eine große dichterische Begabung im Werden ist, die mit unerhörtem Temperament und sprachlicher Kraft große menschliche Stoffe anpackt. Dies sind auch die Vorzüge seines neuen Werkes „Die Hochzeit von Dobeski", das auf ein eigenes Kriegserlebnis in Rumänien zurückgeht, aber fern von Krieg und Zeitgeschichte ein zeitloses Problem behandelt. Auch Joses Wenter, ein junger süddeutscher Dichter, tritt immer mehr in den Vordergrund. Er bemüht sich um eine Neugestaltung großer historischer Stoffe und hat in feinem „Kanzler von Tirol" ein Stück Geschichte aus der Umwelt des Neben diese jungen schöpferischen Begabungen treten zwei ältere Dichter, die für bas neue Deutschland wegweisend waren: Paul Ernst und Dietrich Eckart. Paul Ernst wird mit seiner Renaissancekomödie „Pantalon und seine Söhne" zu Wort kommen, die sprachliche Schönheit und klassische Form mit einer luftigen Derwechselungskomödie verbindet. Dietrich Eckart hat eine Neudichtung von Absens „Peer Gynt geschaffen, die uns das verwandte nordische Wesen dieser großen Dichtung besonders nahe zu bringen vermag, sie wird mit der berühmten Musik von Grieg aufgeführt werden. Don Gerhart Hauptmann ist ein selten gespieltes Werk feiner Spätzeit in Aussicht genom- , , , _________ men, und zwar „Der Bogen des Odysseus" oder sein 30jährigen Krieges angepackt und mit dramatischer letztes romantisches Schauspiel „Die goldene Harfe" Wucht und spannender Kraft gestaltet. Auf ganz!Auch Wildenbruch, der in den letzten Jahren fast vergessen wurde, soll wieder im Spielplan erscheinen, und zwar mit einem verblüffend zeitnahen Werk „Die Tochter des Erasmus", einem glänzenden Theaterstück aus der Zeit der deutschen Reformation. Im Mittelpunkt des Spielplans werden einige große Klassiker-Aufführungen stehen. Allen voran Shakespeaere, dessen Lebensnähe und dichterische Kraft richtungweisend für den ganzen Spiel- plan wurde. Zwei seiner Werke, die in Gießen bisher noch nicht aufgeführt wurden, sind vorgesehen, und zwar „Die Komödie der Irrungen" in der Neubearbeitung von Hans Rothe und das großartige Alterswerk „Der Sturm". Daneben tritt Schiller mit einer Neuaufführung der „M a r i a Stuart" und Goethes „Jphi- ge n i e", die beide im Stil der Aufführung neue Wege einschlagen und ihre ewige Jugend beweisen werden. Hier wird besonderer Wert auf die sprachliche Gestaltung gelegt, eine Aufgabe, die in noch höherem Maße bei Kleist zu erfüllen ist. Sein „Prinz von Homburg" wird die Spielzeit eröffnen, und die Aufführung dieser heroischen Dichtung soll gleich zu Anfang den neuen Stil und die künstlerischen Absichten des Stadttheaters beweisen. Es ist der Intendanz gelungen, zur alleinigen Ur- aufführuna das bedeutendste Werk des großen spanischen Klassikers Lope de Vega, „Der Stern von Sevilla" in der Uebersetzuna von Hans Schlegel, zu erwerben. Das Stück wird zur 300. Wiederkehr des Todestages Lope de Degas seine festliche Aufführung und Auferstehung erleben. Auch zwei klassische Komödien sind vorgesehen, des deutschen Romantikers Grabbe „Scherz, Ironie und tiefere Bedeutung" und das reizende spanische Lustspiel „Donna Diana" von Moreto. Auch an eine Aufführung des Eichendorfs- Lustspiels „Die Freier" ist gedacht. — Eine Reihe von niveauvollen heiteren Werken und Dolksstücken beschließt den Spielplan des Schauspiels. Wir finden hier Shaw, „Pygmalion"; Schurek, „Straßenmusik"; Lenz, „Der Mann mit den grauen Schläfen"; Nicodemi, „Tageszeiten der Liebe"; Böttcher, „Krach im Hinterhaus"; Fraser, „Die elf Teufel"; Selin ick, „Hilde und 4 PS", und Roberts, „Hau-ruck!". Ganz besonderes Interesse findet bei dem Gießener Publikum die neueingeführte Oper mit eigenen Kräften. Das Repertoire wurde so zusammengestellt, daß nun jedes Werk in verantwortungsvoller Probenarbeit zu einer Aufführung gelangen kann, die hohes Niveau und wirklichen Enfemblegeist hat. Die Oper wird mtt einem Werk Mozarts eröffnet, wahrscheinlich mit „Die Gärtnerin aus Liebe". Es folgt bann als besonderes festliches Ereignis Beethovens „Fibelio" und zu Weihnachten eine volkstümliche Oper von Lo r t» z i n g, „Der Waffenschmied" ober „Der Wildschütz". In der zweiten Hälfte der Spielzeit wird das bedeutendste musikalische Ereignis die Erstaufführung der Oper „Der Günstling" sein von Dem jungen deutschen hochbegabten Komponisten Wag- ner-R6geny. Es folgen dann noch Verdi, „Der Maskenball", und A u b e r, „Fra Diavolo". Bei der Operette soll im kommenden Winter besonderer Wert auf eine geschmackvolle und beschwingte Form der Darstellung gelegt werden. Neben den klassischen Werken „D e r V o g e l h ä n d- l e r" von Zeller, In einer Neubearbeitung „D i e Fledermaus" von Strauß, „Der Bettel» ft u b e n t" von Millöcker und „Die große Unbekannte" von SuppL stehen zunächst zwei mo> moberne Operetten „D i e Vielgeliebte" von Dostal und „W enn öle kleinen Veilchen blühen" von Stolz. Zu Beginn der Spielzeit ist außerdem eine Neuaufführung „Der Zarewitsch" von LehLr geplant. Neben der großen Zahl der Aufführungen in Schauspiel, Oper und Operette treten wieder vier Symphonie-Konzerte mit bedeutenden Solisten und einem ausgewählten Programm von klassischen und modernen Werken. Dies sind die vielversprechenden Pläne, die das Stadttheater in der neuen Spielzeit verwirklichen will. Wir rufen alle Theaterfreunde in Gießen und Umgebung auf, an den großen Ereignissen des kommenden Winters teilzunehmen und die Bemühung der neuen Leitung um den Ausbau des Stadttheaters Gießen zu einem kulturellen Mittelpunkt Oberhessens tatkräftig zu unterstützen. Die günstigen Abonnementsbedingungen erlauben es heute fast jedem, ständiger Besucher des Theaters zu werden und damit einen unverlierbaren Schatz an Freude, Begeisterung und großen Erlebnissen zu gewinnen. Sochschulnachrichten. Professor Dr. Hauberisser, Ordinarius für Zahnheilkunde und Direktor der Klinik für Mund-, Zahn- und Kieferkrankheiten an der Universität Bonn, hat einen Ruf als Leiter der Universitäts- Zahnklinik in Erlangen und als Nachfolger von Professor Reinmöller erhalten; er wird dem Ruf Folge leisten. Oberst Zeck als Gast Görings in der Schorfheide ........ WWMW 1/ ! k 1 - <4 e «I i o ? MDDW? < ?»; UWWLÄ fe..: Der polnische Außenminister Oberst Beck, der als Gast zu einem Staatsbesuch in Berlin weilte, folgte einer Einladung des preußischen Ministerpräsidenten Göring zu einem Besuch von Karinhall in der Schorsheide. — Unser Bild zeigt die polnischen Gäste nach der Besichtigung des Wisentgeheaes. Don links: Oberst Beck, Frau B e c und Tochter, Ministerpräsident Göring. — (H. Hoffmann-M.) Geschichten aus aller Well. meinde werden entsprechend dem Führerprinzip einzig und allein durch den Bürgermeister getroffen. Er ist der Führer der Gemeinde. Soweit bisher Gemeindevertretungen, Ausschüsse usw. zu Beschlüssen, Entscheidungen oder Wahlen zuständig waren, tritt an ihre Stelle der Bürgermeister. Er vereinigt Entschließung und Ausführung der Ent- schließung in seiner Hand. Diese Führerstellung des Bürgermeisters wird nicht dadurch beeinträchtigt, daß die Deutsche Gemeindeordnung bestimmte, einzeln aufgezählte Entschließungen zur Wahrung ihres Einklangs mit der Partei und mit den Zielen der Staatsführung an die Zustimmung des Be- auftragten der NSDAP, oder an die Genehmigung der Aufsichtsbehörde knüpft und für wichtige Entschließungen zur Wahrung der Verbundenheit der' Gemeindeverwaltung mit der Bürgerschaft eine vorherige Beratung des Bürgermeisters mit den Gemeinderäten vorschreibt. Die Regelung der Bestellung des Bürgermeisters bietet die Gewähr, daß Führer der Gemeinde nur eine Persönlichkeit wird, die dem praktischen Leben nicht fremd gegenüber ft eht, aus dem Volk herauskommt und das nationalsozialistische Gedankengut in der gesamten Gemeindeverwaltung verwirklicht. Der Bürgermeister ist nicht etwa ein über die Gemeinde gesetzter Staatsbeamter, sondern steht als Spitze der Gemeinde innerhalb der Gemeinde. Dem Beauftragten der Partei steht das Vorschlagsrecht für den zu ernennenden Bürgermeister zu. Die NSDAP., die an die Stelle der früheren Vielzahl der Parteien getreten ist, stellt heute den alleinigen politischen W i l l e n s t r ä g e r des Volkes dar. Durch sie wird der politische Wille des Volkes, wie es früher durch die Parteien geschehen sollte, zum Ausdruck gebracht, jetzt allerdings nicht mehr in der chaotischen Zersplitterung der Meinungen, sondern ausgeglichen, gesichert und geordnet durch die eine Partei und ihren Beauftragten. Der Bürgermeister wird — in der Regel nach erfolgter Ausschreibung der Stelle — vom Beauftragten der NSDAP, nach Beratung mir den Sa- meinderäten je nach der Größe der Gemeinde dem Reichsminister des Innern, dem Reichsstatthalter oder der Aufsichtsbehörde vorgeschlagen und, wenn sich diese Behörde mit dem Vorschlag einverstanden erklärt, von der Gemeinde ernannt. Das genossenschaftliche Element der Steinschen Selbstverwaltung, die Mitwirkung der in der Gemeinde lebenden Bürger, wurde nach dem Vorbild des preußischen Staatsrats in der Deutschen Gemeindeordnung verankert. Diese Mitwirkung besteht in der Beratung des Bürgermeisters durch die Gemeinderäte, Beiräte und die zu ehrenamtlicher Tätigkeit bestellten Bürger. Durch sie kommen die Wünsche, Auffassungen und Interessen der verschiedenen wirtschaftlichen, kulturellen und berufsmäßigen Gruppen zum Ausdruck. Andererseits haben sie den Maßnahmen des Bürgermeisters Verständnis in der Bevölkerung zu verschaffen, um dadurch eine ihrer Verbundenheit bewußte und vertrauensvolle Gemeinschaft zwischen Führung und Gefolgschaft zu sichern. Der Bürger rb tätig und nicht diskutierend eingegliedert. Die Gemeinderäte werden nicht wie bisher von den Bürgern gewählt, sondern vom Beauftragten der NSDAP, im Benehmen mit dem Bürgermeister aus dem Kreis der Bürger nach nationaler Zuverlässigkeit, Verdienst und Sachkunde auserlesen. Die als Berater in Aussicht genommenen Bürger müssen nicht Parteigenossen sein, in der Praxis wird es ihre Mehrzahl in der Regel sein. Durch die Tatsache, daß die Gemeinderäte nicht durch den Bürgermeister, sondern durch den Beauftragten der Partei ausgewählt werden, ist wie bei der Berufung des Bürgermeisters der Konnex mit dem Kraftstrom des praktischen Lebens gegeben. Sie sind nicht wie früher eine geschlossene Vertretungskörperschaft mit dem Recht der Beschlußfassung und Kontrollbefugnis über die gemeindliche Selbstverwaltung, sondern sie sind als Einzelpersönlichkeiten zur eigenverantwortlichen Beratung des Bürgermeisters berufen. Motto ihres Handelns soll das vom Reichsfreiherrn vom Stein geprägte Wort sein: „Ihre Ueberzeugung vom gemeinen Besten ist ihre Instruktion." Ein weiteres charakteristisches Merkmal jeder Selbstverwaltung ist das ehrenamtliche Element. Im Gegensatz zur liberalistisch-mate- rialistischen Vergangenheit, in welcher Ehrenämter vielfach unter dem ausschließlichen Gesichtspunkt der Erlangung von Bezügen gewertet wurden, faßt die Deutsche Gemeindeordnung die ehrenamtliche Tätigkeit als uneigennützigen Dienst an der Gemeinschaft auf und baut diese Tätigkeit im Rahmen des Möglichen aus. Der Nationalsozialismus wird unter dem Führer des Deutschen Reichs und Volkes Adolf Hitler den Aufbau des rechten deutschen Staates Schritt für Schritt weiterführen und vollenden, des Staates, von dem E. M. Arndt sagte: Der Gerechte wird führen und der Freie wird gehorchen._________ (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Der Mann mit den beiden Grabsteinen. (th) Chikago. Eine Nachtstreise der Polizei stolperte kürzlich über einen Leichenstein, der in der inneren Stadt quer über den Gehsteig gelegt worden war. Zweifellos ein seltsamer Platz für einen Leichenstein. „Joseph Stowell — 1820 bis 1891" stand darauf. Also schlug man die Register nach und ermittelte auch, auf welchem Friedhof dieser Mr. Stowell ruhen mußte. Mit vieler Mühe brachte man das Denkmal auf den Friedhof zurück. Und dort entdeckte man, daß auf dem Grabe genau der gleiche Stein schon einmal vorhanden war. Nun zerbricht sich die Polizei von Chikago den Kopf, wie ein gewisser Mr. Stowell, der schon fast 45 Jahre tot ist, zu zwei gleichen Leichensteinen und wie der eine von ihnen auf das Straßenpflaster kam. To bat es angefangen! (th) B o st o n. Jüngst hat in Boston die bekannte Romanschriftstellerin Laura E. Richards ihren 85. Geburtstag gefeiert. Sie gab an diesem Tag übrigens ihre 76. Roman heraus. Bei der Gelegenheit verriet sie auch zum ersten Mal, wie sie eigentlich zu ihrem Beruf gekommen sei: Sie lebte damals in Neuyork, wo es ihr sehr schlecht ging. Eines Tages bewarb sie sich um den Posten einer Sekretärin bei einem großen Geschäftsunternehmen. Sie mußte im Vorzimmer lange warten. Der Chef ließ ihr aber sagen, sie möge inzwischen etwas schreiben, irgendetwas, was ihr einfiele, damit er sehe, ob sie einen guten Stil habe. Sie schrieb um der Langeweile zu entgehen, eine ganze Novelle. Der Chef las sie später. Er engagierte Laura Richards sofort, und zwar unter der Bedingung, daß sie noch vor Ablauf eines Jahres einen Roman vollendet habe. Die ersten Derlags- kosten zahlte er. Die ..Woche des Kamels^ (h) Kairo. Ausgerechnet jetzt, wo die Automobile das „Schiff der Wüste", das Kamel, energisch zu verdrängen beginnen, entschließt man sich in Aegypten, ein wenig Propaganda für den treuen Wüstengenossen langer Jahrhunderte zu machen. Man veranstaltet nämlich eine „Woche des Kamels". Dabei wird in einer Ausstellung gezeigt, daß das Kamel immer noch das nützlichste Tier ist und daß vom Kamelhaar bis zur Kamelmilch alles, aber auch alles von ihm großartige Verwendung finden kann. Das wird man immerhin vom Auto nur in sehr beschränktem Maße behaupten können. Spät, allzu spät besinnt man sich darauf, was man dem „Schiff der Wüste" schuldig ist. Westminster Abbeb sucht einen Papagei. (—) London. Man bietet gute Kost und ein vorzügliches Logis. Die Arbeit besteht nur darin, daß der „Betreffende" deutlich und klar „danke schön" sagen kann und ein großes Geldstück von einem kleinen zu unterscheiden versteht. Freilich ist noch eine Bedingung an die Einstellung des Betreffenden geknüpft: er muß ein Papagei sein. Am Eingang der Westminster-Abbey wird nämlich seit Jahr und Tag für das Westminster-Hospital gesammelt. Die Sammelbüchse wird bewacht von einem Papageien. Der letzte Wächter ist kürzlich gestorben. Und aus diesem Grunde sucht die Westminster-Abbey einen neuen Papageien, der die gleichen Talente aufweist wie der verstorbene. Der Polizeidirektor macht Stichproben (ha) Stockholm. Bisher galt Schweden als eines der ehrlichsten und sozusagen diebessicheren Länder dieser Erde. Aber in jüngster Zeit erwiesen sich doch mancherlei Schutzmaßnahmen als notwendig, die man bislang verschmähte. So vertrat der Polizeichef von Gotenburg die Ansicht, daß jeder Bürger seiner Stadt ein wenig sorgfältiger auf die Sicherung seiner irdischen Güter schauen möge. Leichtfertig, wie die Menschen nun einmal sind, dachten sie nicht daran. Infolgedessen hat sich der Polizeichef zu einer etwas seltsamen, aber wirksamen und beweiskräftigen Handlungsweise entschlossen: zu einer beliebigen Tages- oder Nachtzeit bringt er plötzlich in eine Wohnung ein. Tritt ihm dann der Hausherr mit Revolver oder Eichenknüppel entgegen, dann weist der Polizeichef feine Dienstmarke vor und ermahnt den Hausherrn, in Zukunft feine Türen besser zu sichern, denn er habe sie mit einem alten rostigen Nagel öffnen können. Stichwahl zwischen Zwillingen. (im) Amsterdam. Ein parlamentarisches Kuriosum wird aus dem kleinen holländischen Städtchen Kerkrade gemeldet. Dort war durch Todesfall ein Sitz im Gemeinderat freigegeben worden, der durch eine Gemeinbewahl roieber besetzt werden sollte. Zwei Parteien beroar- ben sich um den Posten, die beide ihre Listen einreichten, auf denen merkwürdigerweise ein und derselbe Name stand. Nur die Vornamen dieser beiden einzigen Kandidaten lauteten verschieden. Es war hier der eigenartige Fall eingetreten, daß Zwillinge sich bei zwei verschiedenen Parteien um die Gunst ihrer Mitbürger bewarben. Die scheinen sie jedoch beide in gleichem Maße zu genießen, denn aus der Wahl gingen beide mit genau je 744 Stimmen hervor. Diese Zahlengleichheit ist um so verblüffender, als tatsächlich keine einzige zersplitterte oder ungültige Stimme gezählt wurde! Es blieb demnach nichts anderes übria, als eine Stichwahl vorzunehmen. Aber auch diese, am nächsten Sonntag vorgenommen, ergab dasselbe Resultat! Nunmehr muß das Los zwischen den Zwillingen entscheiden, die beide trotz ihrer verschiedenen politischen Einstellung einander sehr zugetan sind und auch in einem Hause beisammen wohnen. Eine Offensive für guten Tabak. (z) Paris. In Frankreich haben sich soeben die Freunde eines guten Knasters zu einer „Nationalen Liga zum Schutze der Raucher" zusammengeschlossen und in Paris ihre erste Tagung abgehalten. Der Hauptzweck dieses Vereins gilt der Ueberwachung des von der französischen Regie zum Verkauf gelangenden Tabaks, dessen Qualität in der letzten Zeit nach übereinstimmender Ansicht des Kongresses viel zu wünschen übrig gelassen habe. Außerdem wurde eine scharfe Protestentschließung gegen gewisse Aerzte angenommen, die durch ihre „unwissenschaftlichen Verleumdungen" der Menschheit „die lebensstärkende Freude des Rauchens" verderben wolltem Einstimmig und unter gewaltiger Tabaksqualmproduktion wurde festgestellt, daß sich die Zahl jener dauernd steigere, die durch den Genuß des Glimmstengels ihren Humor und ihre Menschenliebe roie- derfanden. Man beschloß eine Eingabe an die zuständigen Ministerien, um allen Soldaten und Matrosen die Erlaubnis zu erwirken, außerhalb des Dienstes auch in den Kasernen und an Deck Pfeife zu rauchen, was ihnen bislang noch verboten ist. Die Sache mit den Ohren. (ku) Wien. Die erste Auflage neuer Briefmarken, ein ganz niedriger Wert mit einem österreichischen Bauern darauf, ist vollkommen vergriffen, 200 000 Stück wurden in wenigen Stunden abgefetzt. Das hat nämlich feinen besonderen Grund: Bei der Zeichnung der Marke muß dem Künstler wohl ein Irrtum unterlaufen fein — oder aber er hat seine Zeichnung sehr undeutlich ausgeführt. Jedenfalls wird behauptet, daß auf dieser Briefmarke der Bauer die Ohren verkehrt herum am Kopfe trage. Das entdeckte zuerst ein Briefmarkensammler, der nach alter Gewohnheit mit der Lupe den Marken zu Leibe ging. Als er die neuen Marken im großen zu kaufen begann, witterte man sofort etwas Besonderes, und untersuchte nun in ganz Wien diese neuen bunten Stückchen Papier .’ Die Briefmarke ist sofort außer Kurs gesetzt. Aber sie hat ja inzwischen ihren Dienst getan. Man sollte sich gar nicht wundern, wenn hier oder da in der Welt ein Staat ab und zu einmal einen kleinen „Fehldruck" riskiert, um eine unbedingt notwendige Summe im Handumdrehen hereinzubekommen. Die Briefmarkensammler werden nicht versagen! Ein goldenes Gemüt. (1) Sofia. Die Richtigkeit des Sprichwortes „Freundschaft verpflichtet" beweist ein Vorfall, der sich kürzlich zwischen zwei armenischen Freunden in Sofia abgespielt hat. Der Kaffeehausbesitzer Bedros, der kein besonderes Zutrauen zu den Banken zu haben scheint, versteckte die hübschen Beträge, die sein Lokal abwarf, in einem in der Matratze seines Schlafdivans versteckt gehaltenen Strumpf. Bei aller Aengftlichkeit, mit der er feinen Schatz von nahezu 200 000 Lewa hütete, ließ es sich der mitteilsame Bedros nicht nehmen, feinem Freunde Onikian Kenntnis von feinem „Tresor" zu geben, was sich dieser hinter die Ohren schrieb. Denn Onikian war ewig in Geldverlegenheit, da er wohl ein eifriger Kaffeehausbesucher, aber ein schlechter Arbeiter war. So drang er eines Tages in die Wohnung seines „Freundes" ein, um aus dessen Goldstrumpf 97 000 Lewa in seine Taschen verschwinden zu lassen. Zu seinem Pech erwischte ihn jedoch sehr bald die Polizei, die den größten Teil des Geldes sicherstellen konnte. Auf die verwunderte Frage des Polizeirichters, weshalb er denn nur knapp die Hälfte des Geldes gestohlen habe, erklärte Onikian entrüstet: er fei doch Bedros bester Freund und als solcher habe er auf feine Freundschaftsgefühle Rücksicht nehmen müssen... Sprcmaunven der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samsfagnadp mittag geschlossen. Groftwa^pn-Vortiige, uiviysvagen-Leistungen Olympia^ P R O B E F H R T N 1 als Cabriolet - Limousine ab Werk Rüsselsheim am Main T u N E ERB aus geräumig und erstaunlich bequem • »Opel Synchron-Federung«, zugfreie Entlüftung, großer Kofferraum • Besonders breite Sitze • Zuverlässige, kräftige mechanische Bremsen mit Servowirkung. vielen bedeutenden Vorzüge! 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Sie begann bei der mit Hilfe der Nassauischen Landesbank besonders erfreulich fortgeschrittenen Jakob-Sprenger-Siedlung in Bad Vilbel und führte von dort nach Mühlheim, Klein-Krotzenburg und Neu- Isenburg, wobei der Gauleiter überall eine eingehende Besichtigung der Arbeiten vornahm. Auch die zum Schluß des ersten Teils der Besichtigungsfahrt besuchten Siedlungen Groß-Gerau und Rüsselsheim offenbarten eine besonders erfolgreiche Entwicklung. Der Vertreter des Reichsheimstättenamts sprach unter dem Eindruck der Besichtigungen seine uneingeschränkte Hochachtung über den Stand der Arbeiten aus und betonte, daß das Siedlungswerk im Gau Hessen-Nassau ganz offensichtlich an der Spitze im Reich stehe. Am Nachmittag besichtigte Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger dann den Stand der Arbeiten aus dem Bürstädter Bruch. Er gewann dabei von neuem einen aufschlußreichen Einblick in dieses großartige Meliorationsarbeits- und Siedlungswerk, dessen Durchführung Hessen-Nassau zu einem Vorbild für ganz Deutschland gemacht hat. Die Besichtigung erstreckte sich auf den Siedlungszug II im Lorcher Wald des Bürstädter Bruchs, wo im November des vorigen Jahres mit dem Schlag begonnen war und am 1. März die Abfuhr eingesetzt hatte. Nunmehr konnte der Gauleiter sich davon überzeugen, daß in diesen Schlägen Hafer, Wick- futter, Roggen, Dickrüben, Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln und Spargel mit großem Erfolg angesetzt sind. Ein ähnliches Bild bietet sich auch in Griesheim und Lampertheim, die von dem Reichsstatt- yalter Gauleiter Sprenger am Donnerstag nicht besichtigt werden konnten. Alle diese Arbeiten stehen, wie sich auch der Gauleiter eindringlich überzeugen konnte, im Dienste der Erzeugungsschlacht. Man rechnet bei den drei genannten Gebieten mit einem Brutto-Ernteertrag von etwa 200 000 Mark. Zum Schluß der Besichtigungsfahrt traf Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger auf dem zur Zeit mit etwa 120 Arbeitsdienstmädels besetzten Lager des Deutschen Frauen-Arbeitsdienstes Bürstadt, das am Rande des von dem Gauleiter besichtigten Planungsgeländes liegt, ein. Die Mädchen des Lagers hatten feierlich Aufstellung genommen und begrüßten den Gauleiter durch zwei schöne Lieder. Dann hieß ihn die Lagerleiterin herzlich willkommen. Gauleiter Sprenger knüpfte in seinen Ausführungen an den erhebenden Gang durch die Fluren dieses Geländes an, den er soeben hinter sich habe. Er erinnerte an den Dezember des Jahres 1934, in dem damals noch der Pflug diese Schollen durchfurcht habe und mancher vielleicht noch Zweifel über das Gelingen dieses Werks hegen konnte. Heute stünden nun, so betonte der Gauleiter, die Früchte in voller Reife auf den Feldern, und daß dieses geschaffen worden sei, das sei auch mit ein Verdienst dieses weiblichen Arbeitsdienstlagers. Er dankte allen denen, die an diesem Werk mitgeschafft haben, vor allem dem Pg. Kulturrat Reich, in dessen Kopf dieser Plan schon im Jahre 1930 entstanden sei. Eine starke Unterstützung habe er dabei in dem Landesbauernführer Dr. Wagner gefunden, der diesen Plan aufgegriffen und sich mit aller Energie dafür eingesetzt Hobe. Auch ihm sprach der Gauleiter seinen Dank aus. Weiter wandte sich Gauleiter Sprenger dann dem Arbeitsdienstlager Bürstadt zu und erklärte, daß dieses Heixn allezeit eine Stätte bleiben solle, in der die jungen Mädchen erfüllt würden vom nationalsozialistischen deutschen Frauengeist. So weihe ich denn, so führte er aus, dieses Haus dem Kampfgeist Adolf Hitlers und damit der nationalsozialistischen Weltanschauung. Die Landesstellenleiterin des weiblichen Arbeitsdienstes dankte dem Gauleiter für feine Worte. Ein gemeinsames Lied, ein „Sieg-Heil!" auf den Führer und das Horst-Wessel-Lied schloffen diese schlichte Einweihungsseier des Lagers ab. Gittlichkeitsoerbrechen eines Inden. Lpd. Darmstadt, 5. Juli. Die Iustiz- p r e s s e st e l l e für den Bezirk des O b e r l a n - desgerichts Darmstadt teilt mit: Heute fand ein von einem Juden an einem neunjährigen deutschen Mädchen begangenes Sittlichkeitsverbrechen vor dem Jugendgericht Groß-Gerau feine gerichtliche Sühne. Die Hauptoerhandlung führte zu folgenden Feststellungen: Der 15l/2 Jahre alte, in Kesselbach bei Gießen geborene jüdische Lehrling Manfred Eckstein befand sich bis zu seiner Verhaftung zur Ausbildung bei dem Metzger Meier Wachenheimer in Biebesheim bei Groß-Gerau. Am 29. Mai d. I. trug er Fleisch aus, fand jedoch die Haustür eines Kunden verschlossen. In der verschlossenen Wohnung befand sich allein sein neunjähriges Töchterchen, welches ihm erklärte, es sei niemand zu Hause, er möge später wiederkommen: seine Mutter habe ihm geraten, niemandem zu öffnen.- Eckstein lehnte dies jedoch ab und verschaffte sich mit dem auf einem kleinen Fensterchen gelegenen Schlüssel Eingang in die Wohnung. Nachdem er das Fleisch abgeliefert und das Geld von dem Kind in Empfang genommen hatte, verging er sich an diesem in unsittlicher Weise, warf es zu Boden und versuchte es zu vergewaltigen. Auf das Schreien und Abwehren des Kindes wollte er es beschwichtigen und versprach ihm zehn Pfennige, wenn es ruhig sei und stillhalte. Das Kind wies jedoch das Geld zurück, und schließlich gelang es seinen Abwehrbemühung-n, sich dem Angreifer zu entwinden. Eckstein, in der Hauptverhandlung nach den Gründen seiner Handlungsweise befragt, führte diese auf jugendlichen Leichtsinn zurück. Bei seiner ersten richterlichen Vernehmung im Vorverfahren hatte Eckstein jedoch auf eine Frage des Richters erklärt, er wisse, daß man eine derartige Handlung an einem jüdischen Mädchen nicht vornehmen dürfe. Auf die weitere Frage, ob er glaube, er dürfe sich an einem deutschen Mädchen vergehen, gab er eine aus« weichende Antwort. In der heute stattgefundenen Verhandlung vor dem Jugendgericht mußte Eckstein nach anfänglichen Ausflüchten wiederum einräumen, bei seiner ersten Vernehmung sich in dieser Weise geäußert zu haben. Das Jugendgericht verurteilte Manfred Eckstein wegen eines Verbrechens der versuchten Notzucht in Tateinheit mit einem vollendeten Verbrechen der Kindesschändung im Sinne der Paragraphen 177, 176, Absatz 1, Ziffer 3, Paragraphen 43, 73 StGB, zu einer Gefängnis- strafe von drei Jahren. Die Zubilligung mildernder Umstände wurde abgelehnt. Ebenso wurde von allen Vergünstigungen, die jugendliche Rechtsbrecher in der Regel genießen (bedingter Strafaufschub usw.), abgesehen. Der Angeklagte blieb auch in Untersuchungshaft. Maßgeblich hierfür war neben der schamlosen Ausführung des Verbrechens in der elterlichen Wohnung des Kindes einmal, daß Eckstein als Angehöriger der jüdischen Nasse ein deutsches Mädchen zu vergewaltigen versucht hat, obwohl ihm der heute vom deutschen Volk eingenommene Rasse st and- punkt bekannt war, und zum andern, daß er feine nur teilweise ausgesprochene Einstellung, er dürfe sich zwar nicht an jüdischen, wohl aber an deutschen Kindern vergehen, durch die Tat klar bewiesen hat. Vater schießt auf ben Sohn und erschießt sich selbst. In Iggelheim (Pfalz) schoß nach einem Meinungsaustausch der 51jährige Johannes G e t t m a n n auf feinen 23jährigen Sohn und verletzte die Schlagader des linken Oberarmes. Der Verletzte sank schwer blutend zusammen, kam aber zu sich und lief zum Arzt, der seine Ueberführung in das Krankenhaus anordnete. Inzwischen hatte sich der Vater eingeschlossen und die Waffe gegen sich selbst gerichtet. ‘Jür Sieise ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ und J’p ort Dam.’Sommerkleider aparte Neuheiten 6.50 9.50 12.75 17.75 und höher Sommer-Mäntel schöne, sportliche Formen 19.75 22.- 28 - 32.- Gummi-Batist-Mäntel 9.75 13.50 Gummi-Satin-Mäntel 10.90 16.50 Biusen sehr moderne Macharten 4.95 5.50 6.25 9.75 Moderne Pullover in schöner Auswahl 4.75 5.25 6.95 9.50 RfiPlfP in Leinen u. llublxü leicht.Wolle fesche Formen Polo-Blusen f. Damen u.Kinder Stroh-Bille, Angora- Hille und Mälzen in modernen Formen Herren-Anzüge aus Kammgarn- u. Fresco Stoffen 42.- 44.- 52.- 58.- Sport-Anzüge mit langer Hose od. Knickerbock. 38.- 42.- 48.- 54.- Sport-Janker z. Komplettieren der Sommerhose 6.957.959.7514.9018.9!) KnickerbOGkerliosen moderne, weite Formen 5.95 8.25 9.50 12.50 LangeSommerliosen a. 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Juli, 16 Uhr; ,,Teilspiel der Schweizer Bauern“ V? l k s l i e d e r und Volkstänze aus der v. Tschammer u. Osten Kampfbahn; veranstaltet v.d. NS.-Gemeinschaft„Kraft durch Freude", durchgeführt von der Laienspielgruppe, dem Tanzkreis in derSingschar der Hochschule f. Lehrerbildung Friedberg. Eintrittspreise: Mittwoch 50Pf., Samstag 30 Pf, Sonntag 30 Pf., Sitzplätze 20 Pf. Aufschlag. Tanz an allen Tagen frei! 3986d Schiffenberg Schönster Ausflugsort Gießens Vorzügliche Verpflegung 3b92D bei mäßigen Preisen. Der Omnibus fährt täglich ab Bahnhof Gießen 15.25 Uhr ab Ludwigsplatz . . 15 30 Uhr Sonntag ab 4 Uhr WsllllMMl Eintritt frei! Oi8ia bringe ich, was an zweckmäßiger Kleidung getragen wird. - Meine große Auswahl zeigt Ihnen, daß ich auf praktische Formen, richtige Verarbeitung und Preiswürdigkeit ganz besonderen Wert lege. ----- 3947 A zeigen ihre Verlobung an 3936 D Samstag, 6., und Sonntag, 7. 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Bellachini läßt sogar 12 Personen aus dem Publikum verschwinden. 02646 Parole: „Auf zum lustigen Zauberer!“ Die Schweizer Bellachinischau ist zum erstenmal in Dieben. Vorverk.: Zigarreng. W. Moeser, Seltersw. 38. Nur die beste Drucksache neben der Zeitungsanzeige kann Ihre Werbung wirksam unterstützen. Geringwertige Drucksachen schaden mehr ale sie nutzen. Deshalb sparen Sie bei Herausgabe der beeten Drucksache i sie M-MlWn WMWWWll llllllllllllll.....Illlllllllllllllf........................ Boni 8.3nli DIS 31. MM 1935: WAnlons Billige zerleumlke in bett Fahrten 8.30 u. 15.30 Uhr ab Mainz. - Rück' fahrt am gleichen Tag mit allen Personendampfern milfrooiDs Befonöets Billige llüsfiugsfoDtt 9.30 Uhr ab und 20.15 Uhr an Mainz. 3977 V 30f)th?ll ll!5 BlflöE nach Sonderankündtgungen. Ferienfahrpläne und Fahrscheine durch die Mamzer Vertretung G. L. Katzser, Fernspr.31959. Samstag, den 6., und Sonntag, den 7. Juli lOjähriges Stiftungsfest bei Gastwirt Heinrich Hormann Festprogramm: 3829D Samstag, den 6. Juli, abends 8 Uhr: Umzug der Festtellnehmer. Anschließend Gesangsvorträge und Konzert Sonntag, den 7. Juli, nachmittags l‘/2 Uhr- Festzug. - Anschließend Begrttßnnas- ansprache, Konzert und Tanz Zu zahlt. Besuch ladet ein: Der Festausschuß llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Kirchweihfest in Beuern 3963d am 7. Juli 1935 iiiiiimiiin ii niniiiiiiiiiiiiiiniiiuniiii A"/'Er Jugend, motz und klein, auf, der Mönchwiese wird es fein, -oei.dem Beuerner Kirchweihfest amüsiert man sich auss best. Dorthin mützt ihr alle gehn, wollt ihr's machen euch recht schön. Drum erscheint in grotzer Zahl, ihr seid willkommen allzumal. Gastwirt Dietrich. „Gasthaus zur Deutschen Eiche" Morge^Sonntag, den 7. Juli 3581 d Es ladet freundlichst ein St$au$ Rathenow Gießen (Grabenstraße 9), den 6. Juli 1935. 0 888 Allen denen, die mir anläßlich meines 25jährigen Geschästsjudiläums ihre Aufmerksamkeit erw esen haben, sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank. Heinrich Blum Spengiermeister Geschäfts Übernahme! Meinen verehrten Gästen in Gießen und Umgegend zur Kenntnis, daß ich ab heute das altbekannte Lokal Zur Stadt Kassel I Gießen, Kaplaneigaase 2, von Herrn Heinrich König übernommen habe la Gießener Brauhaus-Biere, Export und Pils Gutgepflegte Weine Gießen, 6. Juli 1935 Fr.Weinhardt Das Zeichen für Deutsche WK-Möbel, die beste deutsche Wohnkultur verkörpern und trotzdem sehr wohlfeil sind, bietet Ihnen sichere Gewähr für restlose Zufriedenheit. Interessenten lassen wir auf Verlangen gern den Katalog kostenlos zugehen R *7- GtosäiJtiLedßeAgekdruofcy Frankfurt am Main Nr. 155 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen) §amstag,b.Zuli (935 Aus Der provinzialhauptstaDt. Das ZohanniSkäferchen. Ein Meisterstück und Wunderwerk der Natur ist das lebendige Licht, und wenn auch die Forschung manchte Punkte im Leuchten der Pflanzen und Tiere aufgehellt hat, so ruht doch noch vieles im Dunkel. Für uns Menschen wird ja das lebendige Licht; das Licht der leuchtenden Pflanzen und Tiere, wohl niemals von praktischer Bedeutung werden, weil es nicht so hell ist, wie es für unsere Arbeiten notwendig wäre. Aber über alle Zonen und Länder sind die leuchtenden Pflanzen und Tiere verbreitet, bald sind es winzige, mikroskopisch kleine Wesen, bald größere, mit eigenen Leuchtorganen ausgerüstete Tiere, bald sind sie beweglich, bald wieder an Ort und Stelle wachsend. Ähr Licht aber ist im wesentlichen dasselbe, es ist kalt und an Farbe meistens grünlich. Am leichtesten zu beachten sind nun die Johanniskäferchen. Wenn in der Mitte des Sommers nach einem heißen Tage am Abend die Luft etwas kühler, so recht würzig und erquickend ist, wenn die Rosen blühen und die Linden ihren süßen Duft verbreiten, wenn wir in der Dämmerung dem Abendliede der Amsel oder später den herrlichen Melodien der Nachtigall lauschen, da flimmern und weben um Busch und Strauch die Johanniskäferchen und leuchten wie lebendige Sternlein im Grase und in der lauen Luft. Wer einmal dies Schauspiel der nächtlichen, stillen Tänze der Lampyris in den Parkanlagen beobachtet hat, wird das feenhafte Blitzen und Leuchten, das Aufleuchten im Grafe und im Fluge der lebendigen Fünkchen immer gerne wieder einmal sehen. Johanniskäferchen heißen diese Tierchen wohl deshalb, weil sie um Johanni fliegen, schwärmen und leuchten. Obwohl sich das Tierchen wie ein Wurm anfühlt und deshalb oft auch Glüh- oder Feuerwürmchen genannt wird, gehört es doch zu den Käfern, und zwar zu den Weichkäfern. Bei genauer Betrachtung finden wir den Kopf versteckt unter dem verhältnismäßig großen Halsschild. Er trägt zwei Fühler, die fadenförmig zusammengedrückt sind und aus elf Gliedern bestehen; die großen Augen nehmen den größten Teil des Kopfes ein. An der Brust entspringen drei Paar Beine, wie auch sonst bei den Insekten; der Hinterleib weist sieben Ringe auf. Einige der Käfer- chen sind geflügelt, andere ungeflügelt, wie bei den Ameisen. Flügel besitzen nur die Männchen, während die im Grase sich bewegenden Weibchen flügellos sind. Es gibt mehrere Arten von Leucht- käferchen, von denen Lampyris splendidula in Deutschland am häufigsten ist. Wie die Käfer und überhaupt die meisten Insekten eine Metamorphose durchmachen, eine Verwandlung, so entsteht auch hier aus dem Ei die wurm- oder raupenförmige Larve, die in ihrer Gestalt einer Kellerassel gleicht, aber viel träger in ihren Bewegungen ist, bann die in eine feste Hülle eingepackte Puppe und zum Schlüsse der fertige Käfer. Die Hauptnahrung der Larven besteht in kleinen Nacktschnecken, die sie in den stillen Nächten im Grase an den Ufern der Bäche reichlich finden. Die Johanniskäferchen sind wohl recht unscheinbar, aber in einer Hinsicht überstrahlen sie alle ihre Genossen, mögen sie noch so geziert oder stark sein, wie der Hirschkäfer, der Goldschmied oder der Prachtkäfer. Es ist das zauberhafte Licht, der grüngoldene Schein, womit sie unsere Augen auf sich ziehen und laute Bewunderung erregen. Man fragt, was das wohl für ein Feuer fei, das diese Tierchen an sich tragen. Darüber ist schon viel geforscht worden, man ist aber noch immer „so klug als wie zuvor". Fängt man die Johanniskäferchen und betrachtet sie nachts, so findet man, daß nur einzelne Stellen auf der Unterseite des Hinterleibes glänzen, und diese lebendigen Lämpchen, diese Leuchtorgane des Tieres sind auch bei Tage als gelblich-weiße Flecken zu erkennen. Da diese Stellen etwas versteckt an den Seiten der Ringe liegen, so können sie nur bann ihr volles Licht entfalten, wenn ber Körper gestreckt wirb. Beim Fliegen Richtseisr—schöner alter Brauch. Ein herrlicher Anblick bot sich gestern mittag bem Spaziergänger am Trieb. Solbaten unb Arbeiter marschierten unter ben schneiDigen Klängen einer Militärkapelle im großen Zug zu gemeinsamen Feiern. Alte zünftige Bräuche unb alte Jnnungs- irachten würben roieber neu im nationalsozialistischen Staat. Grunbbegriffe bes Nationalsozialismus Volksgemeinschaft unb Kamerabschaft sinb Wirklichkeit geworben. Arbeiter ber Stirn unb ber Faust arbeiten nach bem Willen bes Führers, vollenben ein Werk unb treffen sich bann zur freubigen Dan- kesfeier. Felbgraue Uniformen, bas braune Ehren- kleib ber NSDAP., Hamburger Zimmermannstracht unb Maurerkittel geben schon äußerlich bem Festsaal das bunte Bild der Gemeinschaft. Kopf- und Handarbeiter rühmen in ihren Ansprachen die durch den Nationalsozialismus neu geschaffene Volksverbundenheit. Man hat wieder Arbeit und Lebensideale gefunden. Märsche und Lieder erklingen, jeder singt begeistert mit. Man prostet sich freundig zu, ber Bauherr seinen Unternehmern, ber Solbat bem Arbeiter. Frohe Gespräche unb launige Darbietungen verkürzen bie Zeit Schließlich verläßt man die Feierstunde in dankbarem Gedenken an unseren Führer Adolf Hitler, der es in kurzer Zeit fertig brachte, was man vordem noch für unmöglich hielt: Kameradschaft und Volksgemeinschaft, gemeinsames Werk und gemeinsames Feiern. Der Zimmermeister trägt die Richtsprüche vor. Mit dem Richtbaum unterwegs zum Festlokal. — (Aufnahmen |2]: Photo-Pfaff, Gießen.) 4 ■A <*' --- E' ■ ■ M biegen die Tierchen ihren Leib bald ein, bald strecken sie ihn gerade, auch die kriechenden Weibchen halten ihn nicht ruhig, drehen und wenden die Unterseite nach oben. Die Folge davon ist, daß das Licht nicht ruhig brennt, „sondern bald aufleuchtet und dann wieder verschwindet". Dadurch kommt es, daß furchtsame, abergläubische Menschen durch Johanniskäferchen gar manchmal schon in heillose Angst versetzt worben sinb unb vor ihnen bie Flucht ergriffen haben als vor „leuchtenden Jrrgeistern". Unzweifelhaft sind aber auch schon viele Menschen durch die Beobachtung der Johanniskäferchen zur Bewunderung von Gottes schöner Natur und zum Lob und Dank gegen Gott, den Urquell alles Lichtes unb aller Freude, angeregt worden. Wie schön und lieblich ist die bekannte Geschichte des Jugendschriftstellers Ehr. v. Schmid mit dem Titel „Das Johanniskäferchen". Die Träger des Lichtes sind kleine Säckchen, die mit der Nadel abgenommen werden können und doch noch fortleuchten. Unter bem Mikroskop erkennen wir eine teigartige Masse, bie in einer feinen Haut eingeschlossen ist, an ber bas Licht haftet. Der Inhalt ber Säckchen ist weich, fettartig unb läßt sich leicht ausbrücfen, wobei er einen schwachen Geruch nach Zwiebeln ober Knoblauch verbreitet. Man hat schon alle möglichen Versuche angestellt, um ben Tierchen bas Geheimnis ihres Lebens zu entlocken, aber ohne besonderen Erfolg. Es ist aber festgestellt, daß bas Leuchten bes Johanniskäferchen nicht von Phosphor herrührt, benn vor allem fehlt der Rauch, ber phosphorische Geruch, der sich schon bei sehr geringen Mengen von Phosphor für bie Nase bemerkbar macht. Auch verbrennt und leuchtet der Phosphor nur an ber Luft, weshalb man ihn unter Wasser aufbewahrt. Die Leuchtkäferchen aber leuchten ähnlich bem faulen Holz unter Wasser gerabe so gut wie an der Luft, ohne im eigentlichen Sinne dabei zu brennen ober Wärme zu erzeugen. Ihr Licht ist kalt wie bas Monblicht, es ist aber boch roieber nicht wie bas Mondlicht, von der Sonne geliefert, denn die Tierchen glänzen auch, roenn sie viele Tage im Dunkeln gehalten wurden. — Rätselhaft ist es ferner, zu welchem Zwecke die Tierchen bas Licht ausstrahlen. Viele Forscher halten bas starke Licht ber ungeflügelten Weibchen für geeignet, bie geflügelten Männchen anzulocken, andere halten dafür, daß das Leuchten ein Schutz- und Trutzmittel der schwachen Tierchen sei, besonders gegen Fledermäuse, Ziegenmelker und sonst allerlei Raubgesindel. Man möchte aber eher glauben, daß das Johanniskäferchen mit seinem Glanze die Feinde mehr anlockt als abschreckt. Sehr schön drückt das Pfeffel aus in der Fabel: Ein Johanniswürmchen saß. Seines Demantscheins Unbewußt, im weichen Gras Eines Bardenhains. Leise schlich aus faulem Moos Sich ein Ungetüm, - Eine Kröte her und schoß All ihr Gift nach ihm. „Ach, was hab' ich dir getan?" Rief der Wurm ihr zu. „Ei", fuhr ihn das Untier an: „Warum glänzest du?" Gr. Provinzialausschutz Oberheffen Der Provinzialausschuß für die Provinz Oberhessen unter dem Vorsitz von Kreisdirektor Klostermann befaßte sich in seiner letzten öffentlichen Sitzung am Freitag zunächst mit der Klage des Heinrich W i ß m a n n in Gießen gegen den Bescheid des Kreisamtes Gießen wegen Versagung des Hausiererlaubnisscheines mit Speiseeis. Da seine Frau einen solchen schon besitzt, wurde die Bedürftigkeitsfrage verneint und die Klage kostenpflichtig abgewiesen. Ebenfalls abgewiesen wurde die Klage des Peter Ebender in Gießen gegen den Bescheid des Kreisamtes Gießen wegen Versagung des Wandergewerbescheines für das Kalenderjahr 1935 wegen nationaler Unzuverlässigkeit des Klägers Der Klage des 60jährigen Händlers Nikolaus Ries in Gießen in gleicher Angelegenheit wurde stattgegeben unter besonderer Berücksichtigung der Unbescholtenheit und des hohen Alters des Klägers. Der BezirksfürforgeverbanD Kreisgemeindeoerband Holzminden hatte Entscheidung wegen Erstattung von Fürsorgekosten für Wilhelm Schünemann aus Kirchbrak durch den Bezirksfürsorgeverband Kreis Alsfeld mit der Begründung beantragt, daß die Fürsorgebedürftigkeit schon während des Aufenthaltes Schünemanns in Alsfeld begonnen habe. Der Bezirksfürsorgeverband Kreis Alsfeld wurde zur Erstattung der entstandenen Kosten verurteilt, die Klage im weiteren aber abgewiesen. In den zwei weiteren Fällen des Sally Wertheim in Angenrod und des Berthold S p e i e r in Alsfeld wegen Versagung der Legitimationskarte zum Handel mit Vieh wurden die Klagen abgewiesen und der jeweilige Bescheid des Kreisamtes Alsfeld bestätigt. Jttl gleichen Sinne wurde mit der Klage des Leopold Levi aus Rülfenrod, jetzt T j RASIERCREME ( | ä macht das Rasieren zum Genuß. VvUAV Große, langreichende Tube 5r Pf. Kleines Erlebnis Von Wilhelm Scharrelmann Vor kurzem ging ich an dem Laden eines Alt- händlers vorüber und sah zwischen Tassen und Krügen aus Großmutters Zeiten, porzellanenen Pfeifen und Puppenköpfen, getragenen Taschenuhren und Fernstechern ein Kaleidoskop im Fenster liegen, ein heute beinahe vergessenes Spielzeug, das in meiner Kindheit einmal der Inbegriff aller Wunder für mich war, als daß ich es hätte vergessen können, und alle Einzelheiten stehen noch heute so klar vor meinem Auge, als wären statt der Jahrzehnte erst Tage darüber hin. Immer lag es wohlverwahrt auf dem höchsten Bord im Leinenschrank unserer Mutter. Es war sein angestammter Platz sozusagen, und ich kann mich nicht erinnern, daß ich mich je darüber gewundert hätte, es gerade an dieser Stelle aufbewahrt zu sehen. In Hinsicht auf unsere begierigen und vorwitzigen Bubenhände lag es dort ausgezeichnet. Wurde es aber wirklich einmal von feinem Platz herabgenommen .und uns für eine kurze Zeit überlassen, wachte unsere Mutter mit Argusaugen darüber, daß es hinterher sofort wieder an feinen Platz zurückgelegt wurde, wo es denn von neuem schweigend und geheimnisvoll über den Stößen und Hemden und Bettbezügen wie über Wolken thronte — und das von Rechts wegen, denn es galt uns Kindern als der kostbarste Besitz, den wir aufzuweisen hatten. Hinter seinem kleinen Guckloch warteten die Wunder und Zeichen einer geheimnisvollen Welt, aufgebaut aus farbigen Glasstücken, Perlen und Stäbchen, von denen einige sogar hohl waren und eine gelbe, goldklare Flüssigkeit in sich bargen, die beim Drehen des Rohrs langsam wie ein rinnender Tropfen Blut darin herabfloß und so etwas wie Bewegung in den strahlenden Stern brachte, der am Ende der Schwarzen Pappröhre zu erblicken war und bei der leisesten Drehung sich sofort und unermüdlich verwandelte. Niemals, daß eine feiner Formen der voraufgegangenen glich, und eine war von ebenso großer Schönheit und Harmonie wie die andere. Es gab einfach keine Möglichkeit, das Ebenmaß dieser kristallenen Bilder zu zerstören, man mochte die Röhre schütteln und drehen, so oft und soviel man nur wollte. Kaum, daß die Glasstückchen hinter ihrer Mattglasscheibe durcheinanderstürzten, war schon der Wirrwarr, den man unter ihnen angerichtet hatte, zu einem neuen Stern gefügt und stand ebenso schimmernd wie der vorige und mit neugebauten Strahlen vor dem entzückten Kinderauge. Ich habe oft ganze Stunden vor dieser Wunderröhre zugebracht, roenn ich einmal das Glück genoß, sie ganz für mich allein zu haben. Natürlich wußte ich längst, daß die beiden Spiegel drinnen das ganze Wunder schafften, es hat mich aber nie gestört und ich bin nie schonsamer und oerehrungsvoller mit einem Spielzeug umgegangen. Selbst das Dromedar aus Papiermachee, das mit dem Kopfe nicken konnte und einen Mohrenknaben mit weißem Turban als Führer hatte und mir alle Zauber des Morgenlandes in die Stube trug, konnte ich darüber vergessen. Aber eines Tages geschah das Unglaubliche. Vielleicht hatte ich es beim Drehen allzu achtlos in den Händen gehalten, als es mir entglitt und klirrend auf den Fußboden fiel. Zitternd vor Schreck hob ich es auf, doch Furcht und Sorge wurden zum Entsetzen, als durch die Mattglasscheibe die gläsernen Stäbchen und Perlen, die es enthalten hatte, auf die Dielen rollten. Kopflos und hastig begann ich sie aufzusammeln, aber hin war hin, zerbrochen war zerbrochen, und von der Mattglasscheibe standen nur ein paar Reste mit spitzen Zacken noch in der Messingfassuna — ein bitterer Hohn, daß die Spiegel drinnen selbst die ausgezackten Reste noch zu einem neuen Stern fügten. Wie mit feinem Stift gezeichnet stand er Da, doch starr und wie gefroren. War's Glück oder Unglück, daß ich allem im Zimmer war? Ich nahm's als Glück, — erstieg den nächsten Stuhl und legte das zerbrochene Spielzeug bedrückt und still an seinen Platz zurück, verschloß den Schrank, in dem zum Glück der Schlüssel steckte, und ging mit matten Knien zum Spielen auf die Straße. Ich wußte, es konnte Tage Dauern, vielleicht Wochen, bis man entdeckte, was ich angerichtet hatte und täglich neu verschwieg. Aber aufgeschoben war nicht aufgehoben, und einmal kam die Wahrheit doch ans Licht... — Lügen hatten kurze Beine? und nichts war so fein gesponnen, es kam endlich an die Sonnen ... Es war in einer Abendstunde. Das Abendbrot war eben abgetragen und die Hängelampe brannte schon überm Tisch, als einer meiner Brüder das Kaleidoskop erbat.. Die Posaunen des jüngsten Gerichts können einem Schwerverbrecher nicht furchtbarer in die Ohren dröhnen, als mir an diesem Abend das eine Wort: Kaleidoskop! „Ist dir etwas?" fragte meine Mutter, als sie vom Stuhl aufstand, > um das Spielzeug aus dem Schrank zu nehmen, und sah verwundert und be- forqt zu mir herüber O ja, mir war schon etwas, und ich log nicht, als ich sagte, daß mir erbärmlich schlecht und schwindlig sei. Das Unerwartete geschah. Noch einmal ging die Nemesis an mir vorüber, — denn schon im nächsten Augenblick war das Kaleidoskop vergessen und alle überboten sich an Sorge um mein Wohlbefinden .. Beschämter bin ich nie zu Bett gegangen, als an diesem Abend. Auf meiner schuldbewußten Seele lag eine wahre Zentnerlast, — denn wenn das Unglück diesmal auch vorbeigegangen war —, einmal mußte es sich erfüllen, und fest nahm ich mir vor, das zweitemal nicht mehr zu kneifen. Von neuem gingen Tage, gingen Wochen hin, — eine wahre Ewigkeit, erfüllt von Furcht und Scham. Es war nicht Furcht vor Strafe — ich scheute nur die Trauer in den Augen meiner Mutter, wenn das zerbrochene Glas ihr in die Hände fiel, — wußten wir doch alle, wie sie an diesem Stück aus ihren eigenen Kindertagen hing. Da, eines Tages — es war ein stiller Sonntagnachmittag — erbat mein Bruder sich von neuem das Kaleidoskop. Ich glaube, ich bin so bleich geworden wie der Tod, als mein Vater ruhig nickte, von seiner Zeitung aufstand, zum Leinenschrank ging, das Verlangte von seinem Platz herabnahm und meinem Bruder in die Hände legte. Strahlend vor Freude hob es der vors Auge. Wie? — kein Schrei des Schreckens, kein Verwundern? Nicht mal ein Wort? Waren denn alle blind und keiner merkte den Schaden, den ich angerichtet hatte? Und nun, als ich hinüberspähte, die Daumen krampfhaft in die Hand gekniffen und Zahn auf Zahn gepreßt, sah ich das Kaleidoskop so heil und unversehrt, als hätte ich es nie berührt... War es denn möglich? Nicht eine Perle fiel heraus, und die zerbrochene Mattglasscheibe saß wieder heil und unversehrt in ihrer Fassung. Ich hätte jubeln können — aber Bestürzung, Glück und Scham zugleich erstickten jedes Wort in mir. Unfähig nur ein Glied zu rühren, stand ich und starrte auf das Glas. Gesprochen wurde nichts. Ich hörte nur Den Pendelschlag der Uhr, als ginge sie plötzlich dreimal so hart als sonst und fühlte nur den Blick meines Vaters auf mir ruhen, ernst und doch voll sttller Güte. Zu gestehen brauchte ich nichts mehr. Mein tränenüberströmtes Gesicht sagte ihm mehr als Worte. Selbst meine Mutter hatte nicht geahnt, mas ich verschwiegen hatte und verstand darum nicht, was mich nur so plötzlich in Tränen bringen konnte. Mein Vater hatte viel zu gut gewußt, wieviel sie von Dem Glücke hielt, und als er's eines Tages zerbrochen fand, es still und unbemerkt zur Reparatur getragen. Nur er begriff deswegen auch, warum ich wie ein armer Sünder weinte. Und um das Maß der Güte vollzumachen und meine Tränen harmlos umzudeuten, sagte er gelassen: „Was heulst du denn? Du kannst es doch nachher noch kriegen?" Einer gegen Zweihundert. Wer jahrzehntelang auf einsamem Posten in den Kolonien lebt, der kennt sich in den Sitten und Gewohnheiten der Eingeborenen zur Genüge aus, um nicht auf eine falsche Alarmnachricht hin den Kopf zu verlieren. Es muß also schon ein triftiger Grund vorliegen, wenn sich ein Weißer dort in einen Kampf mit zweihundert bewaffneten Kriegern einläßt, wie es der Distriktsbeamte von Narok im Kenia-Gebiet Major C. E. V. Buxton kürzlich getan hat. Er hatte schon geraume Zeit Kunde davon, daß die kriegerischen Massai-Stärnrne für eines ihrer uralten Feste, Die „Blut-Zeremonie", rüsteten unD er hatte mit wachsamen Augen Die Entwicklung verfolgt. Dennoch rourDe er von Der Nachricht überrascht. Daß zweihundert bewaffnete Krieger im Banne Der blutgierigen Zeremonien sich unweit seines Hauses sammelten, um es im Sturm zu nehmen. Vorsorglich schickte er seine Frau, sein KinD unD eine bei ihm roohnenDe 23er« wanDte mit Den ihm ergebenen Dienern in einen Schlupfwinkel in Der Nähe Der Farm unD oer- barritaDierte sich alsDann in seinem Haus. Noch hoffte er, Daß Die Krieger sich in letzter Stunde eines Besseren besinnen würden, aber als er sie mit Kriegsrufen gegen das Haus anrennen sah, blieb ihm nichts anderes übrig, als sie mit Schüssen zu empfangen. Dann entspann sich zwischen dem eingeschlossenen Hauptmann und den zweihundert Kriegern ein richtiges Gefecht, in dem er sich solange behaupten konnte, bis eine zur Hilfe Derbeigerufene kleine Polizeitruppe von zwölf Mann eintraf. Unter seiner Führung gelang es den wenigen Leuten die Massai-Krieger von dem Besitztum des Hauptmanns zu verjagen. Offenbar haben sie ihre feindseligen Absichten gegen den Hauptmann noch nicht eingestellt und sammeln sich irgendwo im Busch zu einem neuen Angriff. Es ist aber inzwischen Vorsorge getroffen worden, daß Der Haupte mann nicht noch einmal gezwungen ist, Den ungleichen Kampf auf eigene Faust, einer gegen zwei- hundert, zu führen^ Durch Den er seine Familie vor einem araufiqen Schicksal bewahrt hat. in Gießen, wegen Versagung der Legitimations- karte für das Kalenderjahr 1935 zum Handel mit Tabakwaren verfahren. Deutsche Arbeitsfront, kreiswattung Gießen. In der Zeit von 8 bis 11 Uhr vormittags blei- ben die Dienstzimmer der Kreiswaltung der DAF. für jeglichen Personenverkehr geschlossen. Ausnahmen können in keinem Falle zugelasfen werden. Diese Regelung betrifft nicht die Derwaltungs- stelle 19. Sprechstunden sind en täglich statt von 11 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr. Unsere DAF.- Walter im Kreisgebiet wollen diese Anordnung unter den Mitgliedern sofort bekanntgeben. Ortsgruppe Giehen-Ost, Licher Straße 17. Ausschneiden und aufheben! Nachstehend veröffentlichen wir die Namen der Zellen- Walter, die für die einzelnen Straßenzüge zuständig sind. Ebenso geben wir die Namen der Blockwalter bekannt. Wir bitten unsere Mitglieder, soweit sie nicht pünktlich kassiert werden oder sonstige Differenzen bestehen, sich an die genannten DAF.-Walter zu wenden, wo sie die nötige Aufklärung erhalten und auch die Beiträge bezahlen können. Wir bitten weiterhin dringend, diesen Weg einzuhalten, da der Verkehr auf der Geschäftsstelle mit sonstigen Angelegenheiten sehr stark ist und dort Beitrage nicht mehr entgegengenommen werden. Die Mitglieder wollen dafür sorgen, daß alle Rückstände beglichen werden, da in aller Kürze die alten Mitgliedsbücher eingezogen und neue Bücher nur ausgehändigt werden, wenn keinerlei Rückstände bestehen. Auch machen wir ausdrücklich darauf aufmerksam, daß immer die richtigen Beitragssätze, die nach den Einkommen gestaffelt sind, geklebt werden müssen, da sonst alle Unterstützungen usw. bei Antragstellung abgelehnt werden müssen. Die DAF.-Walter werden hierüber bereitwilligst Auskunft erteilen. Z e l l e 1: Zellenwarter: Richard Herrnbrodt, Gießen, Friedensstraße 14. Die Zelle umfaßt folgende Straßenzüge: Licher Straße 45 bis 106, Anneröder Weg, Doeringstraße, Memeler Straße, Posener Straße, Schlesierstraße, Danziger Straße, Alter Steinbacher Weg, Georg-Philipp-Gail-Straße. — Blockwalter: Ludwig Häuser, Friedensstraße 19, Karl Balser, Friedensstraße 10, Friedrich Heusinger, Licher Straße 57. Zelle 2: Zellenwalter: Albert Mandler, Friedensstr. 13. Die Zelle umfaßt folgende Straßen- züge: Am Kugelberg, An der Kaserne, Friedens- straße. Blockwalter: Gotthold Scheffler, Am Kugelberg 20, Friedrich Henn, Am Kugelberg 48, Wilhelm Rentmeister, Friedensstraße 29. Zelle 3: Zellenwalter: Walter Lotz, Rod- gener Straße 4. Die Zelle umfaßt folgende Straßen- züge: Rödgener Straße, Grünberger Straße, Heyer- weg, Alter Rödger Weg, Kaiserallee 28 bis Ende, Wolfstraße 1 bis 18, Eichgärten, Schlageterstraße. Blockwalter: Ernst Martin, Kaiserallee 67. Zelle 4: Zellenwalter: Ernst. Martin, Kaiserallee 67. Die Zelle umfaßt folgende Straßenzüge: Karl-Dogt-Straße, Landmannstraße, Licher Straße 1 bis 43, Wolfftrahe 19 bis Ende, Kaiserallee 1 bis 27. Blockwalter: Rudolf Geller, Wolfstraße 27, Hermann Schmidt, Kaiserallee 6 H., Walter I r l e, Kaiserallee 38. Zelle 5 : Zellenwalter: Heinrich Mack, Roon- straße 31. Die Zelle umfaßt folgende Straßenzüge: Moltkestraße, Roonstraße, Großer Steinweg, Eichweg. Blockwalter: Hans F e g b e i t e l, Moltkestraße 28. Derselbe vertritt auch zur Zeit den Zellenwalter Mack. Zelle 6: Zellenwalter: Albert Euler, Ludwigsplatz 3. Die Zelle umfaßt folgende Straßen- züge: Ludwigsplatz, Gartenstraße, Gutenbergstraße, Nahrungsberg, Bergstraße, Hessenstraße, Keplerstraße, Stephanstraße 1 bis 14. Blockwalter: Georg G u t j a h r, Stephanstraße 43, Julius Reitz, Am Nahrungsberg 10. Zelle 7 : Zellenwalter: Balthasar Schmidt, Stephanstraße 18. Die Zelle umfaßt folgende Straßenzüge: Stephanstraße 15 bis Ende, Henselstraße, Lefsingstraße und Gnauthstraße. Blockwalterin: Martha Katzenmayer, Lefsingstraße 18. Die Geschäftsstelle ist geöffnet: Donnerstags von 19 bis 21 Uhr. Nur für Markenempfang der DAF.-Walter. Anwesend: Ortsgruppen- kassenwvlter Martin Römer. Für Unterstützungen und sonstige Angelegenheiten: Freitags von 19 bis 21 Uhr. Anwesend: Ortsgruppenwalter Fritz Reitz. Sämtliche Gießener SOer-Vereinigungen feiern ein Waldfest. Der Arbeitseinsatz der Angestellten im 3imi Mangel an Fachkräften. Nachfrage bestand nach Schiffbau-Technikern sowie Schiffmaschinen-Technikern. In der Maschinenindustrie wurden außer Konstrukteuren für Kran- und Aufzugbau, weiterhin Konstrukteure im Vorrich- tungs- und Getriebebau sowie feinmechanische Apparatebau gesucht. An tüchtigen Konstrukteuren für den Dieselmotorenbau trat Mangel ein. Angefordert wurden Abnahmeingenieure von Dampfkessel- überwachungsvereinen. Im Hoch- und Tiefbau war die Einsatzlage unverändert gut. In der Elektrotechnik machte sich erfreulicherweise ein stärkerer Bedarf an guten Fachkräften bemerkbar. Die Einsatzmöglichkeiten in der Textil- und chemischen Industrie blieben unverändert gering. In der W e r k m e i st e r - Stellenvermittlung lagen im Werkzeug- und Maschinenbau sowie in der Feinmechanik die meisten Anforderungen vor. Spezialkräfte wurden angefordert aus der Fahrzeug-, Stein- und Transportanlagenindustrie. An erfahrenen Kalkulatoren aus dem Waggon- und Maschinenbau bestand stärkerer Bedarf. Im Baufach ist die Einsatzlage besonders für Eisenbetonpoliere und Schachtmeister, sowie Poliere im Hoch- und Industriebau unverändert günstig gewesen. Mangel an geeigneten Kräften bestand im chemischen Apparatebau und teilweise an Färbermeistern, Steinmetzmeistern und Seifesiedemeistern. Aus dem Wasserinstallationsfach lagen größere Anforderungen vor. Auch im graphischen Gewerbe sowie in der Holzindustrie konnten Fachkräfte untergebracht werden. In der Stellenvermittlung für seemännische Angestellte blieb die Einsatzmöglichkeit unverändert gut, insbesondere für den Nachwuchs des Deck- und Maschinendienstes. Die Einsatzlage für umgeschulte Schisssoffiziere und -inge- nieure war zufriedenstellend. In der Behörden - Stellenvermittlung ist starker Bedarf an geprüften Sparkassenangestellten. In der Land-, F o r st - und Milchwirtschaft hält die Nachstage nach ledigen Angestellten an. Der Bedarf an ledigen Rechnungsführern, Jäger-, Gärtner- und Molkereigehilfen konnte nicht mehr gedeckt werden. • beeren 15 bis 20, Johannisbeeren 20 bis 25, Erd« beeren 35 bis 45, junge Hahnen, das Pfund 90 bis 100, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 45 bis 60, Nüsse 45, Eier, inländische 10, Blumen« kohl 10 bis 45, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 50, Einmachgurken, das Stück 6, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 5 bis 15, Suppengrün 5 Pf- Vornotizen. — Tageskalender für Samstag: NSG. „Kraft durch Freude": 17 bis 19 Uhr, Leichtathletik auf dem Unioersitätssportplatz am Kugel- berg. — Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr, „Zwischen Nacht und Morgen", Gastspiel mit Otto Gebühr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Großreinemachen". — Gießener Rudergesellschaft 1877 e. 93.: Ruder- Regatta. — Turnverein 1846, Steinstraße (Oswalds- garten): 20.15 Uhr, Olympia-Werbung in der Turnhalle. — Sängeroereinigung 1925, Wiefeck: 20 Uhr, lOjähriges Stiftungsfest. — Reichsbund der Körperbehinderten: 20 Uhr im Hotel Hopfeld, Versammlung. — Artillerie-Verein, Gießen: 20.30 Uhr,' Kameradschaftsabend im „Hessischen Hof". — Tageskalender für Sonntag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Großreinemachen", — Gießener Rudergesellschaft 1877 e. 93.: Ruder- Regatta, Beginn 15.15 Uhr. — Sängervereinigung 1925, Wiefeck: lOjähriges Stiftungsfest bei Gastwirt Hormann. — Waldeslust am Flughafen: Konzert und Tanz. — Dergschenke: 16 Uhr Künstlerkonzert. ** Polizeipersonalien. Der Hauptwachtmeister der Schutzpolizei auf Probe, Josef Schmidt in Gießen, wurde unter Berufung in das Beamten- oerhältnis zum Hauptwachtmeister der Schutzpolizei ernannt. ** Fundsachen im Monat Juni. Das Verzeichnis über die im Monat Juni gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagstafel im Flur der Polizeidirektion, Landgraf- Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangs« berechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbüro während der Dienststunden geltend zu machen. ** Nutzholzverkauf der Stadt Gießen. Das restliche Nutzholz aus der Winterfällung 1934/35 bzw. aus Windfällen im März d. I. soll auf dem Wege des schriftlichen Angebotes verkauft werden. Schriftliche Angebote sind bis zum Donnerstag, dem 18. Juli, bei der Bürgermeisterei Gießen, Stadthaus, Bergstraße, Zimmer 6, einzureichen. Auf die heutige Bekanntmachung fei aufmerksam gemacht. ** Der nächste Rindvieh-(Nutzvieh-) Markt findet am Dienstag, 9. Juli, der nächste Schweinemarkt am Mittwoch, 24. Juli, statt. Aus die heutige Bekanntmachung sei besonders hingewiesen. ** Sonntagsrückfahrkarten zum Kreisturnfest in Sinn. Für das am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag in Sinn stattfindende Kreisturnfest des Kreises Lahn- Dill werden von den Strecken: Alsfeld—Gießen, Lich^Gießen, Lang-Göns—Gießen, Lollar—Londorf, Braunfels—Wetzlar, Gießen—Haiger, Straß- ebersbach—Dillenburg, Herborn—Hartenrod und Herborn—Driedorf Sonntagsrückfahrkarten ausgegeben. Die Karten gelten zur Hinfahrt vom 6. Juli, 0 Uhr, bis zum 7. Juli, 24 Uhr, zur Rückfahrt vom 6. Juli, 12 Uhr, bis 8. Juli, 24 Uhr. ** Sonntagsrückfahrkarten zum 93 r ä- miierun gs-Markt in Alsfeld. Zur Fahrt zu dem Montag, den 8. Juli, in Alsfeld ftattiin- denden Prämiierungs-Markt in Alsfeld werden Sonntagsrückfahrkarten auf den Bahnhöfen der nachstehenden Strecken ausgegeben: Gießen—Fulda, Hungen—Mücke, Grünberg—Lollar, Nieder-Ofleiden — Burg- und Nieder-Gemünden, Nieder-Aula—Alsfeld, Nieder-Joffa — Bad Salzschlirf, Gedern— Lauterbach. Die Karten gelten zur Hin- und zur Rückfahrt von 0 bis 24 Uhr. ** Bellachini-Ga st spiele im Caf 6 Leib. Am Mittwoch und am Donnerstag der kommenden Woche gibt der Zaubermeister Bellachini im Saale des Caf6 Leib Gastspiele. Aus die heutige Anzeige sei aufmerksam gemacht. Von der Deutschen Arbeitsfront, Amt ür Berufserziehung, Kreisdienststelle Gießen, wird ^^DieOL?ge^des Arbeitseinsatzes für Angestellte war auch im Juni, insgesamt für das Reichsgebiet ge- sehen nach den Berichten der Stellenvermittlung der Deutschen Arbeitsfront, günstig. Der Bewerber- zugang sowohl als auch der Bewerberbestand ist gegenüber dem Vormonat gesunken. Die Zahl der ungekündigten Bewerber hat wiederum zugenommen. Leider war die Zahl der Aufträge für Urlaubsvertretungen sehr gering. Die Lehrstellenver- mittlung ist, zeitlich bedingt, etwas ruhiger geworden In sämtlichen Verufsgruppen herrscht Mangel an Fachkräften. Die Besetzung derartiger Posten bietet oft große Schwierigkeiten. Nur durch den gut ausgebauten Reichsausgleich ist es möglich, diese zu besehen. Die Vermittlungen von über 25 Iahre allen Bewerbern haben beachtlich zugenommen. In der Kaufmannsgehilfen-Vermitt- lung herrscht lebhafte Nachfrage nach guten Ste- notypisten und Maschinenschreiben!. Weiterhin wurden gute Kontoristen mit vielseitigen Kenntnissen, Buchhalter, Korrespondenten und Reisende angefordert. Einstellungen nahmen besonders die Metallindustrie, Autoindustrie, chemische Industrie vor. Auch der Großhandel, sowie Speditions- und Schifffahrts-Betriebe zeigten eine Belebung. Der Lebensrnittel- und Eisenwarenhandel hatte starken Bedarf an tüchtigen Verkäufern und Dekorateuren. Bei den weiblichen k a u f m ä n n i s ch e n Ange ft e l l t e n ist der Bedarf an Stenotypistinnen sehr groß. Dadurch, daß die jungen Kräfte fehlen, ist es gelungen, ältere Bewerberinnen unterzubringen. Einheitlich im Reich ist die Nachfrage nach guten Verkäuferinnen, besonders für Kleiderstoffe, Handarbeiten, Gardinen- und Haushaltsartikeln. In der Techniker-Stellenvermittlung wurden in den meisten Fachgebieten insbesondere erste Fachkräfte gesucht, so daß teilweise Mangel an geeigneten Bewerbern eintrat. Laufende Form zu geben. So wird sich jeder deutsche Soldat zu seinen gefallenen Kameraden und zur Pflicht der Heldenehrung bekennen. Bei Neuville-St. 93aaft wird ein Denkmal erwachsen, das symbolhafter Ausdruck der Treue des ganzen deutschen Volkes gegenüber feinen Helden fit. Daten für den 8. Juli. 1838: Ferdinand Graf von Zeppelin in Konstanz geboren (gestorben 1917); — 1839: der amerikanische Großindustrielle John Davison Rockefeller geboren; — 1855: der Polarforscher Sir William Edward Parry in Ems gestorben (geboren 1790); — 1865: der Historiker Hans Ferdinand Helmolt in Dresden geboren (gestorben 1929); — 1927: der preußische General Max Hoffmann in Bad Reichenhall gestorben (geboren 1869). Gießener Wochenmarktpreise. ♦ Gießen, 6. Juli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1.42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käfe, das Stück 5 bis 10, Wirsing (grün) 12 bis 15, Weißkraut 15, Gelbe Rüben, das Bündel 8 bis 10, das Pfund 15, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün), deutsche, 40 bis 45, Puffbohnen, das Pfund 15 bis 18, Erbsen, das Pfund 15, Zuckerschoten 35, Mischgemüse 8 bis 10, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln, das Bündel 10 bis 12, das Pfund 15 bis 18, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 35 bis 40, Kartoffeln, alte, das Pfund 47-x, der Zentner 3,50 bis 4 Mark, neue, das Pfund 12 bis 22, Pfirsiche 50 bis 55, Himbeeren 35 bis 40, Kirschen 35 bis 45, Heidelbeeren 35 bis 40, Stachel- Unterstütze auch du die NS. Gemeinschaft „Kraft durch Freude", und du hilfst mit am Aufbauwerk des Führers. Geschäftsstelle der NS. Gemeinschaft „Kraft durch Freude- Gießen. Schanzenstraße 18. Rheinfahrt am 14. Juli. Der für den 23. Juni geplante Sonderzug an den Rhein ist, wie schon bekannt, auf den 14. Juli verlegt worden. Die Fahrt mit dem Schiff geht nun, wie ursprünglich vorgesehen, nach Bingen. Es können sich noch einige Volksgenossen melden. Sonderzug an den Nürburgring. Am 28. Juli findet auf dem Nürburgring das Entscheidungsrennen um den großen Preis von Deutschland statt. Die NS. - Gemeinschaft „Kraft durch Freude" beabsichtigt, einen Sonderzug laufen zu lassen. Die Fahrtkösten einschl. Eintrittspreis betragen nur 5 Mark. Wir bitten die Kameraden, sich umgehend bei den KdF.-Warten zu melden, damit wir einen Ueberblick bekommen. Arbeitslose herhören! DAF. Das Arbeitsamt Gießen weist in einer Mitteilung an die Rechtsberatungsstelle Gießen der DAF. darauf hin, daß in letzter Zeit häufig Einsprüche auftauchen, die den Arbeitslosen von bestimmten Personen geschrieben werden, die scheinbar das Aufsetzen von Beschwerden und dgl. gewerbsmäßig betreiben und schließlich noch dafür eine Gebühr erheben. So sollen z. B. verschiedene Beschwerden von einem früheren Kampfbundleiter der Eisernen Front verfaßt fein. Die Schreiben enden meistens mit der Drohung, daß die Angelegenheit der Reichsregierung bzw. einer vorgesetzten Dienststelle des Arbeitsamtes vorgetragen werden. Es liegt die Gefahr nahe, daß derartige Personen, die sich als Rechtsvertreter aufspielen, i$re frühere zerfetzende Tätigkeit auch jetzt noch zum Die teutfthe Rrbcitofront V*^^n.9.=6emcinf(haft „Kraft öurm freute" Gastspiel des Schumann-Theaters im Stadttheater. Am Donnerstag, 11. Juli, gastiert das von seiner letzten Tournee in bester Erinnerung stehende Schumanntheater aus Frankfurt a. M. mit voll- kommen neuem und großem Darietöprogramm im Gießener Stadttheater. Die Preise der Plätze sind sehr niedrig gehalten, so daß es jedem Volksgenossen möglich sein wird, diese Vorstellung zu besuchen. Preise der Plätze sind: 0,60, 1,— 1,30 und 1,50 Reichsmark. Karten sind u. a. zu haben im Vorverkauf im Musikhaus ©ballier, Schokoladenhaus Huntemann, auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, bei Ortswart Pg. Fritz Richter, Feuerbachstratze 10, und bei sämtlichen Betriebswarten der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". kdF.-Sonderzüge aus Kassel 3um Gauturnsest in Gießen. Die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gau Kurhesfen, hat die Absicht, zu dem vom 2. bis 4. August stattfindenden Gauturnfest einen ober Zwei Sonderzüge mit je 800 Teilnehmern nach Gießen zu fahren. Da diese 800 bis 1600 Teilnehmer nicht alle in Gasthäusern untergebracht werden können, rechnet man stark mit der Gastfreundlichkeit unserer Gießener Mitbürger, besonders derer, die schon an KdF.-Fahrten teilgenommen haben. Wir bitten deshalb darum, die in nächsten Tagen wegen der Quartiere vorsprechenden Volksgenossen nicht abzuweisen und für das große Sportfest das gastliche Haus zu öffnen. Sendet Bilder und Berichte von „krast-durch-Freude-Fahrten". Alle Volksgenossen, die schon an einer Fahrt „Kraft durch Freude" teilgenommen haben und bei dieser Gelegenheit die Schönheit der Landschaft mit ihrem Photoapparat festhielten, bitten wir, solche Bilder für uns zur Verfügug zu stellen. Wir wollen aus dem besten Bildmaterial Diapositive Herstellen, um im Winter allen, die noch keine Gelegenheit hatten, an einer „Krast-durch-Freude"-Fahrt teilzunehmen, zu zeigen, daß diese Fahrten eine wirklich gute und billige Erholung bedeuten. Es werden auch Stimmungsberichte und Berichte über fröhliche Ereignisse entgegengenommen. Nachteil der Volksgemeinschaft fortfetzen. Es besteht kein Anlaß für Arbeitslose, sich derartiger unerwünschter Elemente zu bedienen. Denn von der Deutschen Arbeitsfront werden feit 1. Mai 1934 Rechtsberatungsstellen unterhalten, die u. a. speziell auch für Unterstützungsfragen der Arbeitslosen zuständig sind. Die Rechtsberatungsstellen der DAF. ierteilen Rat und Auskünfte in allen Fragen des Arbeitsund Sozialrechts, in allen Zweigen der Sozialversicherung sowohl für die Versicherten selbst, als auch im Todesfall für die Hinterbliebenen von Versicherten. Ferner übernehmen die Rechtsberatungsstellen die Vertretung vor den Arbeitsgerichten und den Spruchinstanzen der Sozialversicherung. Beratungen und Vertretungen erfolgen kostenlos. Beraten und vertreten werden sämtliche Mitglieder der Arbeitsfront, Arbeitslose im gleichen Maße, wie die in Arbeit und Brot stehenden. Auch Arbeitslose, die bisher der DAF. nicht angehörten, werden betreut, wenn sie die Versicherung abgeben, daß sie der Arbeitsfront beitreten wollen. Es besteht somit für jeden Arbeitslosen die Möglichkeit, sich des Rates und der Unterstützung der Rechtsberatungsstellen der DAF. zu bedienen. Glaubt ein Arbeitsloser Anlaß zu Beschwerden zu haben, dann gehe er zur nächsten Rechtsberatungsstelle der DAF. Hier wird seine Beschwerde von rechts- und sachkundigen Beamten aufgesetzt und vor den Spruchinstanzen der Sozialversicherung dann vertreten. Wehrmacht und Kriegsgräberfürsorge. Vom Dolksbund Deutsche Kriegs- gräberfürforge, Kreisgruppe Gießen, wird uns geschrieben: Am 16. März, am Vorabend des Heldengedenktages dieses Jahres, hat das deutsche Volk seine Wehrhoheit wiedererhalten. Unter dem 26. März hat sich der Reichskriegsminister bereiterklärt, für die Wehrmacht die Patenschaft über die größte deutsche Ehrenstätte, Neuville-St. Daast, „La Mai- son Blanche", in Frankreich, auf der über 40 000 deutsche Soldaten ruhen, und über das zu errichtende Ehrenmal in Saloniki zu übernehmen. Damit bekundet die junge Wehrmacht ihre tiefe Verpflichtung gegenüber den Leistungen der alten Armee. In jährlichen freiwilligen Sammlungen am Heldengedenktag will sie die Mittel zusammentra- gen, die es dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ermöglichen sollen, auch „La Maison Blanche", „dem Weißen Hause", die versöhnende Treue, Freundschaft und gegenseitige Hilfsbereitschaft sind die hervorragendsten Tugenden der deutschen Nation. Diese Eigenschaften bilden die Grundidee, die vor jetzt 43 Jahren 45 Gießener Bürger, die damals, im Jahre 1892, die 50er-93ereinigungen ins Leben riefen, leitete. Die Sache war im Anfang so gedacht, daß nur solche Leute sich zusammenschließen möchten, die jeweils alle Jahre ihr 50. Lebensjahr vollendeten, die in Gießen geboren und zu gleicher Zeit in die Schule gegangen waren. Es sollten damals Jugend- und Schulerinnerungen ausgefrischt werden, und außerdem wollte man die Menschen wieder einmal zusammenführen, die durch Berus, Herkunft, Bildungsgang usw. sich gegenseitig fremd geworden waren. — Der Schreiber dieses, dessen Vater bei der ersten 5Oer-Vereinigung im Vorstände besonders eifrig tätig war, erinnert sich noch sehr genau der damaligen gemeinsamen Feier des 50. Geburtstages dieses verhältnismäßig kleinen Kreises. Die Feier fand im Saale des alten „Hotel Einhorn" statt. Seinerzeit beschränkte man sich auch nur immer auf diese eine Veranstaltung in jedem Jahr. Die Leute, die, der seinerzeitigen Mode entsprechend, durchweg Vollbärte trugen, und deshalb schon mit 50 Jahren wie richtige Großväter aussahen, waren überaus vergnügt und mancher hatte seine Last, in sehr vorgerückter Stunde den heimatlichen Hafen zu erreichen. Es waren auch damals, wie hsute noch, alle Stände und Berufe vertreten, und es faß alles so, wie es sich gerade ergab, kunterbunt durcheinander. Menschen, die sich seit der Schulzeit nicht wieder gesehen und seitdem kein Wort mehr miteinander gewechselt hatten, kamen sich wieder näher und tauschten ihre Erinnerungen aus. Diese Einrichtung, die sich natürlich in der ganzen Stadt herumgespro- chen hatte, fand überall ungeteilten Beifall, und so kam es, daß sich alle Jahre seitdem die Gleichaltrigen zum Zwecke der Erneuerung alter Bekanntschaften und Freundschaften zusammenschlossen. Mit der Zeit erweiterte sich der Kreis derjenigen, die sich Jahr für Jahr zusammentaten, und so kommt es, daß die Vereinigungen heute alle Männer umfassen, die jeweils 50 Jahre alt werden und die in Gießen leben, auch ohne daß sie in unserer Vaterstadt geboren sind. Wer das Wesen dieser Altersvereinigungen kennt, weiß, wie ungeheuer segensreich dieselben ganz im Stillen wirken. Ich kenne rührende Beispiele von Opferbereitschaft und gegenseitiger Hilfeleistung bei unverschuldet eintretendem Unglück. So hat sich aus diesem Gedanken heraus mit der Zeit von Jahr zu Jahr eine Gruppe von Menschen herausgebildet, die vom wahren Geist echter Brüderlichkeit, Kameradschaft und Volksverbundenheit beseelt und durchdrungen ist. Kein Wunder, daß schließlich der Gedanke austauchte, sämtliche Altersvereinigungen hin und wieder zu einer gemeinsamen Feier zu versammeln. Don diesem Gedanken ausgehend, hatten sich, dessen wird sich die Bevölkerung Gießens noch erinnern, im Herbst 1933 sämtliche Altersvereinigungen im Cas6 Leib zu einem recht würdig und schön verlaufenen Abend zusammengefunden. Die Veranstaltung verlief so, daß damals der Entschluß gefaßt wurde, diese alles umfassenden Zusammenkünfte alle zwei Jahre zu wiederholen. In diesem Jahr wollen die 50er nun einmal ein Daldsest abhatten, und zwar am Lud- wigsbrunnen am Fuße des Schiffenbergs, der sich wie kein anderer Platz in unserem schönen Gießener Wald für eine solche Veranstaltung eignet Dieses Waldfest soll am Sonntag, 14. Juli, vor sich gehen. Es hat sich ein engerer Ausschuß gebildet, in wel- chem Schreiber dieser Zeilen den Vorsitz führt, der sich seit etwa 14 Tagen tatkräftig um die Vorbereitungen dieser Veranstaltung bemüht. Die Begeisterung, die alle Mitglieder des Ausschusses beseelt, läßt einen glänzenden Verlauf der Feier erwarten. Damit auch die alten 50er, deren es noch eine stattliche Anzahl gibt, und solche, denen man einen langen Fußmarsch nicht zumuten kann, teilnehmen können, sind Postautobusse bestellt, die diese Leute zum Ludwigsbrunnen und abends wieder zurück zur Stadt befördern sollen. Die jüngeren 50er, ebenso die Frauen und Kinder, soweit sie marschsähig sind, marschieren in geschlossenem Zug vom Fuldaer Bahnübergang am Schiffenberger 9Seg mit Musik und unter Voraustragung der vorhandenen beiden 50er Fahnen zum Festplatz, der selbstverständlich für die Zwecke dieser großen Veranstaltung besonders hergerichtet und mit genügend Sitzplätzen speziell für die älteren Leute, versehen wird. Der Abmarsch ist auf 14.30 Uhr festgesetzt. Nach einer Begrüßung aller Festteilnehmer im Walde werden die Versammelten durch Konzert, Gesang, und mundartliche Vorträge (Georg H e ß), die auf unsere engere Heimat und auf unsere Vater- stadt Gießen Bezug haben, unterhalten. Ferner sind Kinderspiele mit Brezeloerteilung und dergleichen mehr geplant. Daß auch für das leibliche Wohl unserer 50er mit ihren Familienangehörigen durch das Vorhandensein einer richtiggehenden Waldwirtschaft gesorgt wird, versteht sich von selbst. Etwas zum Essen muß natürlich jeder mitbringen. Bedürftige, namentlich arbeitslose Alterskameraden erhalten aus der Kasse ihrer Vereinigung Biermarken, denn der Ausschuß legt Wert darauf, jedem 50er durch diese Feier die Möglichkeit zu bieten, einmal einen schönen, genußreichen und frohen Nachmittag in Gottes herrlicher Natur und im großen Kreis Gleichgesinnter zu verleben. So soll auch dieses Waldfest der Ausdruck echter, wahrer Volksgemeinschaft, Kameradschaft und Verbundenheit werden, und jeder Festteilneh- mer soll sich noch in späteren Jahren gerne dieser gemeinsamen Feier erinnern. Es haben übrigens bis jetzt nahezu sämtliche noch bestehenden Altersvereinigungen bis zu den ältesten Jahrgängen hinauf ihre Teilnahme bereits zugesagt, so daß mit einem gewaltigen Betrieb am schönen Ludwigsbrunnen gerechnet werden kann. Die Gesamtkosten des Waldfestes sind auf rund 300 Mark veranschlagt, die von zusammen etwa 30 Altersvereinigunaen nach Maßgabe ihrer Mitgliederzahl gemeinschaftlich aufgebracht werden. Aeltere Jahrgänge, die nur noch einzelne Mitglie- der haben, sind selbstverständlich von diesem Festbeitrag ganz befreit. Der Beitrag für die anderen Vereinigungen, der aus der gemeinschaftlichen Kasse mobil gemacht wird, bewegt sich zwischen 5 Mark und 25 Mark. Der letztere Betrag kommt natürlich nur für die jüngsten Jahrgänge in Betracht, die noch über die fast volle Mitgliederzahl verfügen. Der Ausschuß hat mit Absicht darauf gesehen, daß alle unnützen Unkosten vermieden werden. Trotzdem soll die Feier aber, wie schon bemerkt, in durchaus würdiger, allen berechtigten Wünschen entsprechender Form zur Durchführung gelangen. Der Ausschuß rechnet bestimmt damit, daß diese Idee in allen Kreisen der Bevölkerung freudigen Widerhall findet, und daß sich niemand, ob reich oder arm, ob Arbeiter der Stirn oder der Faust, ausschließt. Hoffentlich gibt auch der Himmel seinen Segen zum guten Gelingen und beschert uns schönes Festwetter. ß. Oberheffen. Landkreis Gießen. * W i e s e ck , 5. Juli. Die Sängervereinigung von 1925 Wieseck feiert am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag das Fest ihres zehnjährigen Bestehens. Für die Der- anstaltung ist am Samstag ein Umzug der Festteilnehmer vorgesehen, anschließend finden Gesangsvorträge und Konzert statt. Der Sonntag wird die Teilnehmer um die Mittagsstunde der einem Festzug vereinigen. Begrüßungsansprachen, Konzert und Tanz werden den Nachmittag füllen. Großen-Linden, 5. Juli. Dieser Tage wurden hier die Kriegsehrenkreuze an die Mitglieder des Kriegervereins für die Frontkämpfer und Kriegsteilnehmer durch den Führer des Krie- gervereins, Wilh. P o st, zur Verteilung gebracht. Zu diesem Zweck versammelten sich die Mitglieder des Kriegervereins in der Wirtschaft „Zur Sonne". Der Führer des Kriegervereins hielt eine kurze Ansprache, in der er betonte, daß die Verleihung der Ehrenkreuze eine Ehrung des verstorbenen Reichspräsidenten von Hindenburg für die alten Soldaten darstelle, die unser Führer Adolf Hitler mit Freuden in die Wirklichkeit umgesetzt habe. = Lang-Göns, 5. Juli. Am Donnerstag fand im evangelischen Gemeindehaus ein Frauenabend zu Ehren der hieAzur Erholung weilenden Frauen aus Offenbach a. M. statt. Der Ortspfarrer begrüßte die Erschienenen, auch aus Großen-Linden und Kirch-Göns waren Mitglieder der evangelischen Frauenhilfe erschienen, und wies darauf hin, daß man immer mehr bestrebt sein müsse, das Band zwischen Stadt und Land zu festigen. Dasselbe betonte auch die Führerin der Frauen aus Offenbach, Frau Dr. Ohl y. In ihren weiteren Ausführungen erwähnte sie das bevorstehende 50. Jubiläum unserer Hebamme, Frau Elisabeth Wenzel Wwe., und sprach ihr die herzlichsten Glückwünsche aus. (Das eigentliche Jubiläum findet Sonntag, den 7. Juli, in der Turnhalle statt.) Der Ortsgeistliche sprach dann im Namen der evangelischen Frauenhilfe die besten Glückwünsche aus und überreichte der Jubilarin als Ehrengbe einen herrlichen Strauß Rosen und ein bebildertes Testament. Frau Wenzel dankte gerührt für diese Ehrung. Anschließend wurde ein Film gezeigt über „Die großen Tage im Leben der Mutter", den Frau Dr. Ohly mit entsprechenden Erläuterungen vorführte. = Leihgestern, 6. Juli. Am morgigen Sonntag und am Montag findet die hiesige Kirmes auf dem im Wiesengrunde an der Gießener Straße gelegenen Festplatz statt. — Am 5. Reichskriegertag in Kassel beteiligen sich von der hiesigen Kriegerkameradschaft 20 Kameraden. y Watzenborn-Steinberg, 6. Juli. Am gestrigen Freitag fand die Musterung der Gestellungspflichtigen der hiesigen Rekruten in Gießen statt. Auf Vorschlag des Bürgermeisters Schäfer wurde die alte Sitte, die früher bei der Musterung üblich war, auch diesmal wieder eingeführt. Mit frischem Grün geschmücktem Wagen ging die Fahrt nach Gießen. Nach gemeinsamen Mittagessen in Gießen trafen sie dann gegen Abend wieder in ihrem Heimatdorf ein, wo sie von der Einwohnerschaft erwartet wurden. Nach einem Umzug durch die Gemeinde, wo mancher mit einem Rekruten- Weck beschenkt wurde, sammelte man sich noch zum Tanz, das den Musterungstag beschloß. CO Nonnenroth, 3. Juli. Die Heuernte ist beendet. In der knappen Zeit von nur einer Woche konnte die ganze Ernte dank des vorzüglichen Wetters geborgen werden. Schon morgens um drei Uhr ratterten die Mähmaschinen durch die Dorfstraßen. Wagen auf Wagen rollte den ganzen Tag in die weit geöffneten Scheunen. Alles war in diesen arbeitsreichen Tagen, wo die Familien sich erst um 10 Uhr und später um den Tisch zum Abendessen sammeln konnten, auf den Beinen. Trotz Mühe und viel Schweiß waren überall frohe Gesichter und hilfsbereite Hände, wenn es galt, neben der eigenen schweren Arbeit im Geiste echter Volksverbundenheit den anderen zu helfen. Güte und Menge der diesjährigen Heuernte wird als gleich gut bezeichnet. — Am vorigen Samstag haben uns unsere Bottroper Ferienkinder wieder verlassen. Aus ihren- begeisterten Briefen und Karten an ihre Pflegeeltern und andere Bekannte ist zu schließen, daß der für ihre körperliche Entwicklung und seelische Haltung ^so wertvolle Landaufenthalt noch lange als frohe Ferienerinnerung in ihnen nachklingen wird. * Inheiden, 6. Juli. Am kommenden Montag, 8. Juli, begeht unser ältester Einwohner, Herr Heinrich Frank, ehemaliger Straßenwart und Landwirt, seinen 91. Geburtstag. Derselbe erfreut sich noch einer guten Gesundheit und ziemlicher Frische. Er macht noch bei schönem Wetter seinen Spaziergang ums Dorf und hilft auch noch ein wenig bei häuslichen Arbeiten. Lebhaft und mit gutem Humor nimmt er noch an allem Anteil. So genießt er im Kreise seiner Kinder und Enkel einen friedlichen und schönen Lebensabend. kreis Friedberg. * Bad -Nauheim, 5. Juli. Herr Professor K i o n k a von der Universität Jena besuchte mit 30 Medizinern Bad-Nauheim. Nach einer Besichtigung der beiden wissenschaftlichen Institute und Vorträ- gen der Instituts-Direktoren, Professor Weber und Koch, fand eine Besichtigung der Kur- und Badeanlagen statt. Kreis Büdingen. tt Mittleres Niddatal, 5. Juli. Infolge des heißen Wetters ist die Heuernte in der Hauptsache als beendet anzusehen. Mit dem Ertrag ist man durchaus zufrieden, da die ergiebigen Regen unmittelbar vor Beginn der Heuernte und dadurch verzögertem Schnitt zum Wachstum des sogenannten Untergrases wesentlich beigetragen haben. Man spricht im allgemeinen von einer guten Ernte. Leider haben aber die Unkräuter, namentlich die Disteln, zwischen den prächtig entwickelten Kartoffeln nicht selten derart überhand genommen, daß deren Stauden mitunter kaum erkennbar sind. Wenn man auch hier und da vereinzelt Lagerfrucht antrifft, so berechtigt das Getreide doch zu den größten Hoffnungen. Die Bienenzüchter führen allseitig Klagen über den äußerst geringen Honigertrag, eine Folge des sehr langen kühlen Wetters zur Zeit der Obstbaumblüten. z. Nidda, 5. Juli. In hiesiger Turnhalle fand eine Kreislehrerversammlung statt, in der Gaufachberater für Werkunterricht für Hessen- Nassau, Lehrer Mussel in Worms, einen interessanten Vortrag über W e r k a r b e i t in der Schule hielt, dem man bekanntlich von feiten der Schulbehörde lebhafte Aufmerksamkeit entgegenbringt. Der Redner entwickelte in großen Strichen einiges aus der Theorie und Praxis für die verschiedenen Schullehrgänge. Zur Ausgestaltung dieses Unterrichtszweiges wurde eine Fachgruppe gebildet, zu der sich sofort eine größere Zahl Mitglieder meldete. — Einen üblen Scherz gestattete sich in diesen Tagen eine Gesellschaft von mehreren jungen Burschen eines Nachbarortes bei einem Wirte am Bahnhof Geiß-Nidda, der nun ein unerwünschtes Nachspiel haben wird. In jugendlichem Uebermute überstrichen sie den größten Teil des Körpers einer Kuh, die im Stalle stand, mit blauer und weißer Oelsa r b e, die aber infolge des trockenen Wetters bald verkrustete und dadurch bei dem Tiere gesundheitliche Störungen verursachte. Die erkannten Uebeltäter müssen für den Schaden aufkommen. Preußen. Kreis Wetzlar. * Wetzlar, 6. Juli. Unter Führung von Landrat G r i l l o fand gestern in drei Postomnibussen eine Rundreise der Bürgermeister durch den Kreis statt, um verschiedene Einrichtungen, vor allem auch die Viehzucht des Kreises zu besichtigen. Nachdem in Breitenbach und Kölschhausen die Gemeindebullen und in Dreisbach eine Schafherde besichtigt waren, ging die Fahrt nach Greifental. Hier wurde eine Meliorationsanlage von 50 Morgen, hergerichtet in einer Notstandsmaßnahme, in Augenschein genommen. In Greifenstein hielt Oberregierungsrat Pferdekämpfer im Saalbau Simon einen Vortrag über das Umlegunas- verfahren. Nach einem gemeinsamen Mittagessen besichtigten die Fahrtteilnehmer unter der ortskundigen Führung von Pfarrer Henn die alte, sehenswerte Burgruine Greifenstein. Anschließend wurde die Fahrt nach Waldgirmes und Atzbach fortgesetzt. Im ersten Orte standen die besten Bullen des Kreises; im letzteren sprach Vermessungsrat B ö ß e bei der Besichtigung der jetzt beendeten Umlegung über deren praktische Durchführung. Die Schafherde in Niederkleen, eine Musterherde, fand viele Beachtung. Tierzuchtdirektor Dr. Tornede (Biedenkopf) sprach hier über die Notwendigkeit der Schafzucht und die Staatskredite, die zur Zeit für die Anschaffung von Schafen gegeben werden. In Hörnsheim endete die Rundfahrt. Hier hatten die Hörnsheimer noch einmal ihre Zuchten aufgestellt: Erstklassige Bullen, Kühe, Rinder, Ziegen. Geschäftsführer Sauer von der Viehzentrale Frankfurt machte noch Ausführungen über die genossenschaftliche Viehoerwertung, die von Kreisobmann Langsdorf ergänzt wurden. Mit einem Gruß an den Führer wurde die anregende und sehr lehrreiche Rundfahrt beschlossen. * Wetzlar, 6. Juli. Für das Schuljahr 1935/36 hat der Landrat die Sommer- und Herbstferien der Volksschulen in den Landgemeinden des Kreises Wetzlar wie folgt festgesetzt: Sommerferien 22 Tage. Schulfchluß am 27. Juli 1935; Wiederbeginn am 19. August 1935. Herbstferien: 27 Tage. Schulfchluß am 20. Sept. 1935; Wiederbeginn am 17. Oktober 1935. DNB. Wetzlar, 5. Juli. Einem Unglücks- f a l l fiel auf dem Platz des Wetzlarer Reiteroereins der 29jährige Erich Sarges zum Opfer. Er trainierte für das bevorstehende Herborner Reiter- Turnier. Dabei bockte das Pferd vor einer Hürde, rannte aber im letzten Augenblick los und riß die Hürde mit sich. Sarges, der als vorzüglicher Reiter bekannt war, stürzte über den Hals des Pferdes herunter. Das Pferd kam ebenfalls zu Boden und stürzte auf den Reiter. Sarges trug einen schweren Schädelbruch und eine tiefe Halswunde davon und war sofort tot. 00 Rodheim a. d. Bieber, 6. Juli. Unser Dorf stand in diesen Tagen ganz im Zeichen der 1. Musterung für unsere neuerstandene Wehrmacht. War schon die Freude darüber groß, daß Rodheim wieder wie ehedem als Musterungsplatz bestimmt wurde, so ist die Freude um so größer, als schon die ersten Musterungspflichtigen erkennen ließen, daß die heutige Jugend gewillt ist, die von alters- her geübten Bräuche wieder aufleben zu lassen. Und so kamen sie denn in geschmückten Leiterwagen von Odenhausen, Wißmar, Salzböden und Launs- bad), dazu die einheimischen Gestellungspflichtigen, ferner die von Krofdorf-Gleiberg, Vetzberg, Fellingshausen, Crumbach und Frankenbach, sie kamen von Erda, Ahrat, Mudersbach, Hohensolms, Königsberg, Dorlar, Atzbach und Kinzenbach. Im Gemeindehause (Kleinkinderschule u. Schwestern- station) entwickelt sich bald ein geschäftiges Treiben. In den Mittagsstunden sah man überall in den Straßen und Speisewirtschaften die angehenden Soldaten wie einst zu Großvaters Zeit reich mit Blumensträußchen und Bändern geschmückt. Singende Gruppen durchzogen den Ort. * Dutenhofen, 4. Juli. Der 62 Jahre alte Landwirt Karl A g e l von hier stürzte vom Heuwagen und erlitt eine Schulterverletzung. Der Verunglückte mußte nach Gießen in ärztliche Behandlung gebracht werden. kreis Biedenkopf m. Gladenbach, 6. Juli. Der traditionelle Gladenbacher Kirschenmarkt hatte wieder viele Fremde angelockt. Auf dem Schweinemarkt waren 470 Tiere aufgetrieben, und kosteten Ferkel 19 bis 24 Mark, während für Läüferschweine 30 bis 40 Mark und für stärkere Läufer bis zu 58 Mark gezahlt wurden. Der Krammarkt hatte eine besonders starke Beschickung wieder nachzuweisen. Die Kirschen kosteten 40 bis 45 Pfennig. — Die in der hiesigen Ortsgruppe der NSV. durchgeführte Mit- gliederwerbung brachte bis jetzt 35 Neuaufnahmen. Ein neuer Schritt im Zuchtviehhandel in Heffen-Naffau. LPD. Frankfurt a. M., 5. Juli. Die von den Landesgruppen der Züchterverbände in Hessen- Nassau durchgeführten Mannviehversteigerungen haben besten Erfolg gezeitigt. Nachdem nunmehr der Handel mit Bullen und Ebern einwandfrei geregelt und durch die Abhaltung der Mannviehversteigerungen Züchtern wie Käufern bestmdglichst Rech- nung getragen ist, muß ein weiterer Schritt in der Unabhängigmachung unserer Bauern und Landwirte vom nichtarischen Handel getan werden. Die Diehoerwertungsgenossenschaften bemühen sich bereits seit längerem, die Versorgung J)er Diehhalter mit Nutzvieh sicher zu stellen. Der Erfolg ist in den Abmelkgebieten befriedigend, in den Gebieten der Landestierzucht jedoch sehr bescheiden geblieben. Insbesondere muß eine Verbesserung in der Versor- gung mit hochwertigen Zuchttieren in den anerkannten Rassen erreicht und dabei die Nachzucht der hei- mischen Züchter auf zweckmäßige Weise den Viehhaltern der Landesbauernschaft nahe gebracht werden. Die Tierzuchtämter werden deshalb in nächster Zeit versuchen, im Anschluß an die Mannviehversteigerungen der Landesgruppen auch weibliche Zucht- und Nutztiere zur Versteigerung zu bringen. Der Anfang mit dieser Einrichtung wird mit einigen Tieren der Fleckvieh- und der Lahnrasse im Anschluß an die Bullenversteigerung in Limburg gemacht werden. Es liegt nunmehr an den Interessenten, sich die Kaufgelegenheit nutzbar zu machen, zumal für die wertvollen Tiere Ankaufsbeihilfen des Fleckviehzucht- vereins „Lahn" gegeben werden. Zeigt sich, daß auf diesem Wege der direkte Handel zwischen den Bauern angebahnt werden kann, dann kann schon heute für die am 12. September 1935 vorgesehene Mannviehversteigerung die Beschickung mit einer größeren Zahl weiblicher Tiere in Aussicht gestellt werden. Da es sich durchweg um in Nassau gezogene Tiere handelt, roirb jeder Käufer bestimmt hinsichtlich der Bodenständigkeit und Anpassung an unsere Verhältnisse zufrieden gestellt werden. Die Versteige» rungsbedingungen bieten außerdem die Möglichkeit, etwaige Meinungsverschiedenheiten wegen Trächtig- keit usw. in einwandfreier, beiden Teilen Rechnung tragender Weise zu regeln. G.JL-'Svovt Der Reichssportführer zum Reichswettkampf der GA. Berlin, 5. Juli. (DNB.) Der Reichssportführer von Tschammer und Osten hat folgende Er. klärung an die NSK. gegeben: „Der Führer hat mit der Anordnung des Reichs- Wettkampfes der SA. eine große Aufgabe für d i e Sommermonate gegeben. In dem Reichswettkampf, den die Stürme nun in den näch- ften Monaten ausfechten, nehmen die Prüfungen für die Leibesübungen einen breiten Raum ein. Als Sportreferent der Obersten SA.- Führung habe ich mich stets dafür eingesetzt, daß die Leibesübungen als eines der hauptsächlichsten Erziehungsmittel der beut, schen jungen Generation zur Heranbildung des neuen Kämpfertyps der Nation an und durch die SA. weiteste Verbreitung finden. Dieser Reichs- wettkampf ist auf dem Gebiet der Leibesübungen ein Prüfstein dafür, daß die SA. in zäher stiller Arbeit eine wertvolle Durchschnittslei- ft u n g bereits e rfe i ch t hat und in zielbewußter Arbeit diese weiter entwickeln wird. Ale Reichssportführer und Führer des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen freue ich mich besonders, daß die SA. in fo vorbildlicher und systematischer Weise die Leibesübungen pflegt. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß die unter meiner Führung stehenden deutschen Turn - und Sportvereine es als ihre Ehrenpflicht ansehen werden, in weitestgehendem Maße der SA. ihre Anlagen und Geräte zur Durchführung dieses Reichswettkampfes zur Verfügung stellen. Die SA. ist es gewesen, die durch ihren kämpferischen Einsatz das neue Deutschland geschaffen hat, unter dessen kraftvollem Schutz die Leibesübungen einen so wunderbaren Aufschwung genommen haben. Die kameradschaftliche Hilfeleistung der deutschen Turn- und Sportgemeinde in der Durchführuna dieses Reichswettkampfes der SA. ist die beste Gelegenheit, die Verbundenheit aller Truppen und Sportler mit der SA. praktisch zu bekunden. Dieser Reichswettkampf selbst aber ist eine letzte großartige Steigerung der olympischen Vorbereitung des ganzen deutschen Volkes, die erst dann ihren besten Auftrieb erhalten wird, wenn sich der kämpferische Wille der SA. für den Erfolg der deutschen Farben einsetzt." v. 6/amm ver irrt gegen Perry .. . Unsere wohlbegründeten Hoffnungen auf einen deutschen Sieg im Männereinzel in Wimbledon sind zunichte geworden, und wir müssen uns damit bescheiden, daß es nach 21 Jahren endlich wieder einem Deutschen gelungen ist, überhaupt so weit zu kommen und in die Endrunde vorzubringen. Es bleibt uns der Trost, um den uns — das darf keineswegs vergessen werden — viele Tennisnationen beneiden: von Cramm ist der zweitbeste Tennisspieler der Welt! In einem mörderischen Kampf, den das 6:2, 6:4, 6:4 Fred Perrys gar nicht richtig widerspiegelt, hat der Engländer eindeutig bewiesen, daß er Nummer Eins im Welttennis ist. Den Weg hierzu konnte von Cramm ihm nicht verlegen, wohl aber so wenig leicht wie möglich machen, wenngleich es ihm nicht vergönnt war, dem Engländer einen Satz abzunehmen. Die 18 000 Zuschauer sahen in einem interessanten Kampf von Gramms Untergang, jubelten ihrem „Mann" zu, aber verfehlten auch nicht dem Deutschen Beifall zu spenden, wenn ihm ein guter Schlag gelang. Man spricht schon kein Geheimnis mehr aus, wenn man behauptet, daß von Cramm gerade gegen Perry nie feine wahre Form findet. So war es schon in Paris, und das Gleiche konnte man am Freitag auf dem Hauptplatz in Wimbledon feststellen. Im Gemischten Doppel kämpften sich Sperling-Mathieu (Dänemark-Frankreich) durch einen 6:4-, 8:6-Erfolg über das belgisch-englische Paar Meulemeester-Howard ins Endspiel, wo sie auf die Engländer Stammers-James treffen. Olympisches Feuer mit flü sigem Sas. Das Feuer, das gemäß den internationalen olympischen Regeln während der Zeit der Olympischen Spiele über dem Stadion brennen muß, wird bei der Berliner Olympiade durch ein Gas gespeist werden, das flüssig in Stahlllaschen komprimiert bereitgestellt wird. Die Amerikaner hatten in Los Angeles zur Speisung der Flamme ein sehr billiges Naturgas zur Verfügung. Für Berlin ist durch eine Reihe von Proben und Berechnungen das Propan- Gas, das von der Gewerkschaft Elwerath-Deurag in Hannover im Rahmen ihrer Erdölvroduktion gewonnen wird, als der beste und wirtschaftlichste Brennstoff erwiesen. Die genannte Gewerkschaft hat sich in dankenswerter Weise bereiterklärt, die für Oie Verfeuerung voraussichtlich erforderlichen mehreren hundert Flaschen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das Gas liefert eine helleuchtende, rotgelbe Flamme mit leichtem Rauch, ohne aber Ruß zu erzeugen. Das Feuer wird auf einem Kandelaber über dem Osteingang des Olympia-Stadions auf einer Höhe von fast 30 Meter über dem Erdboden brennen und auf eine Brennhöhe von drei bis sieben Meter bei einer Breite von zwei Meter einreguliert werden können. Es soll am Eröffnungstage durch einen Brand entzündet werden, der 12 Tage vorher an der Geburtsstätte der Olympischen Spiele, nämlich im Heiligen Hain von Olympia in Griechenland entfacht und dann durch eine großartige Stafsettenorganisation von 3000 einander ablösenden Käufern mittels Fackeln durch sieben Länder hindurch den 3000 Kilometer langen Weg nach Berlin herangetragen worden ist. Da das Olympia-Stadion auf einer Anhöhe liegt, die sich etwa 30 Meter über die durch schnitt- liche Höhe von Berlin erhebt, unö. zu der man noch die 30 Meter der Stadiontribüne und des Kandelabers hinzurechnen muß, wird die Flamme weithin über die ganze Umgegend sichtbar sein. Deutschlands erster Olympia-Neubau eingeweiht. Zu Beginn der diesjährigen, vom 16. bis 22. Juni abgehaltenen Kieler Woche, Deutschlands S:ößter segelsportlicher Veranstaltung, wurde das lympia-Heim der Segler eröffnet. Es ist der erste von den mehreren im Hinblick auf die Olympischen Spiele des nächsten Jahres in Angriff genommenen Neubauten, der bereits fertig geworden ist. Die Bauzeit betrug nur etwa acht Wochen. Das Heim wird im nächsten Jahr wenn nicht alle, so doch die Mehrzahl der Segler beherbergen, die zu den Olympia-Regatten vom 4. bis 14. August mit ihren Booten nach Kiel kommen. Der Haupttag dieser Regatten wird Dienstag, der 11. August, fein. Hierzu kommen die Mitglieder des Jnter- nationalen Olympischen Komitees, des deutschen Olympischen Ausschusses und des Organisationskomitees sowie sonstige offizielle Persönlichkeiten in einem Schlafwagen-Sonderzug von Berlin nach Kiel herüber. Nach Abschluß der Regatten am Samstag, dem 15. August, wird den Seglern Gelegenheit geboten, mit einem Sonderzug nach Berlin zu fahren, um an der Siegerfeier im Olympia- Stadion teilzunehmen. Moderner Fünfkampf in Budapest. Bei den Europameisterschaften im Modernen Fünfkampf in Budapest wurde am Donnerstag das Degenfechten abgewickelt. Dabei belegte den ersten Platz der Ungar Oblt. Petnehazy mit 30 Punkten vor Oblt. Orgera (Italien) mit 28 und Oblt. H a n d r i ck (Deutschland) mit 23 Punkten. Im Gesamtergebnis führt Oblt.. Petnehazy vor Oblt. Handrick und Oblt. Gillenstierna (Schweden). „Sour de France": 2. Etappe Die zweite Etappe der „Tour" von Lille nach Charleville über 192 Kilometer gewann im Spurt der Franzose Charles P e l i s s i e r nach 5:32:18 Stunden Fahrzeit vor seinem Landsmann Speicher und dem Italiener Bergamaschi. Bester Deutscher war Hodey als 24. in 5:34:23 Std. vor Roth, der als 27. in gleicher Zeit einkam. Stöpel wurde in 5:39:37 Std. 35., Weckerlin in 5:42:15 Std. 38. und Kijewski in gleicher Zeit 40. — Im Länderklassement führt nach wie vor Belgien vor Frankreich, während Deutschland hinter Italien auf den vierten Platz zurückgefallen ist. Kurze Sportnotizen. Die Diamond-Sculls, das Einer-Rennen der Henley-Regatta, wird auch in diesem Jahre wieder ein Nicht-Engländer gewinnen. In den beiden Vorschlußläufen am Freitag siegten Zavrel-Tschechei in 8:41 Min. mit l8/< Längen vor dem Engländer Winstone und Rusli-Schweiz über seinen Landsmann Studach in 8:49 Min. Die beiden Sieger werden am Samstag den Endlaus bestreiten. Leichtathletik der Sp.-Vg. 190P. Start bei den nordhessifchen Gaumeisterschaften. Die sechzehn deutschen Gaue führen am morgigen Sonntag ihre leichtathletischen Meisterschaften durch. Sie stellende Dorprobe für die deutschen Meister- schaften (5. und 4. August in Berlin) dar Der Gau Nordhessen versammelt morgen seme Besten auf der Kasseler Hessenkampsbahn. Bon der Spiel- vereinigung 1900 werden dorthin entsandt: Kilo im Diskuswerfen, Jung im Stabhochsprung und 400-Meter-Hürdenlauf, Peters im 800-Meter- Lauf und Lieselotte Diehl im 100-Meter-Lauf für Frauen. Die besten Aussichten dürfte Kilo haben. Jung ist zwar auch gut in Form, durch eine Beinverletzung jedoch eventuell behindert. Das Können von Peters müßte eigentlich ausreichen, um in der 800-Meter-Entscheidung ein Wort mitzureden. Frl. Diehl hat einen sehr schweren Stand. Unbestrittene 100-Meter-Favoritin ist die Deutsche Studentenmeisterin Fellner (Univ. Marburg). DfB.-Reichsbahn-Leichtathletik. Stad bei den Gaubahnmeisterschaften in Kassel. Am kommenden Sonntag hält der Gau XII Nordhessen seine diesjährigen Gaumeisterschasten in Kassel ab. Den Kämpfen kommt diesmal erhöhte Bedeutung zu, da ein erfolgreiches Abschneiden, besonders der Junioren, diesen der Weg zur Teilnahme an den Deutschen Junioremneisterschaften am 21. Juli ebenfalls in Kassel geebnet wird. Der DfB.-Reichsbahn nimmt in diesem Jahre mit einer gegenüber den früheren Jahren nur kleinen Expedition teil. Während die BsB.-R. im vorigen Jahre auch in der Gesamtleistung der Vereine einen sehr guten vierten Platz belegen konnten, starten diesmal nur Luh, Mohl, Langenohl und Jakob. , , Luh dürfte die meisten Aussichten haben, das Kugelstoßen zu gewinnen. Ein großer Vorteil für seinen weiteren Aufstieg wäre es, wenn er die 15= Meter-Grenze überbieten könnte. Besonders gespannt darf man auf sein Abschneiden im Diskuswerfen sein. Der Spezialsportlehrer H o k e riet ihm zu einer Stiländerung. Es ist also abzuwarten, ob sich diese Stiländerung aus die technische Forderung beim Diskurswerfen vorteilhaft auswirkt. Mohl hat im Hammerwerfen sehr starke Konkurrenz in dem Marburger Gary, der vergangene Woche sogar 43 Meter werfen konnte. Aber auch Mohl kann einmal ein solcher Wurf gelingen. Jakob muß unbedingt weit über 50 Meter Speer werfen, wenn er im Endkampf dabei fein will. Langenohl sollte im Hochsprung und Weitsprung, sowie Dreisprung unter den ersten drei zu finden sein. Vielleicht glückt es ihm, auf den gepflegten Absprungbahnen in Kassel seine Bestleistungen zu überbieten. (Siebener Schachspieler erfolgreich. Der Mittelrheinische Schachbund veranstaltete dieser Tage in Wiesbaden ein großes Schachturnier. Der Gießener Schachklub entsandte zu diesem Wettbewerb sein Mitglied Wolfgang Wagner, der in der 3. Klasse den 4. Preis mit 4V2 Punkten aus 7 Partien erringen konnte. Turn- und Sportgemeinde Hodheim o. d. Bieber. Rodheim I — Großen-Linden 1 4:2 (2:2). Zum Abschluß der diesjährigen Sommerspiele war Großen-Linden in Rodheim zu Gast. Trotz des heißen Sommerwetters zeigten beide Mannschaften Die 30. Gießener Ruderregatta. Die Kämpfe des Sonntags. Die 30. Gießener Ruder-Regatta der Gießener Rudergesellschaft, die, wie wir bereits berichteten, am heutigen Nachmittag eine Reihe von Wettkämpfen bringen wird, wird am morgigen Sonntag fortgeführt. Die Gießener Rudergesellschaft hat für diese Regatta eine Neuerung getroffen insofern, als die Zielrichter-Tribüne unmittelbar auf das Wasser verlegt worden ist, so daß dieses Mal eine engere Verbindung zwischen den Booten und den Zielrichtern gegeben sein wird. Auf diesen neuen Tribünen werden auch die Zeitnehmer Platz nehmen, die bisher getrennt von den Zielrichtern im Haus amtierten. Das Publikum wird auch in diesem Jahr wieder über den Verlauf der Rennen unterrichtet werden. Für den morgigen Sonntag sind folgende Rennen vorgesehen: Erster Junior-Einer: In diesem Rennen dürfte der Kochemer Piro als aussichtsreicher Bewerber gelten. Erster Vierer (Wanderpreis der Stadt Gießen): Hier stellen sich drei Boote dem Starter, der Sieger des 2. Seniorvierers, Limburger Ruderklub 07 und Gießen. Die Gießener Mannschaft mit Fritz Meister am Schlag wird alles daransetzen, die am Vorsonntage auf dem Außenbogen in Limburg erlittene Scharte wieder auszuwetzen. Gelingt der Mannschaft ein guter Start, ist der Ausgang des Rennens, das äußerst hart sein wird, ungewiß. Vierter Seniorvierer: Sieben gleichwertige Gegner haben gemeldet. Der Sieger ist schwer oorauszusagen. Erster Junior-Vierer: Wiesbaden-Biebrich trifft auf den Sieger des 2. Juniorvierers und dürfte nach Kampf gewinnen können. Lahnjungmann-Vierer (Adolf-Fifcher- Gedächtnisrennen): Zwei Vertreter aus Limburg starten. Der Sieger dürfte Limburger Ruderklub heißen. Erster Einer (Lahnpokal): Zu Friedel Jödt von der GRG. 1877 gesellen sich noch zwei Mitbewerber. Man erwartet Jödt, der von Regatta zu Regatta sein Form ständig verbessert, als sicheren Sieger. Dri-tter Seniorvierer: In einem Feld von fünf Booten, Wetzlar, Mainzer Fortuna und Kitzingen, sind die Aussichten auf Erfolg gleich verteilt. Vierter Seniorvierer: Die gleichen Gegner wie im vorhergehenden Rennen mit gleichen Aussichten. Erster Seniorvierer (Prinz-Eitel-Fried- rich-Dierer): Die zwei Gegner vom Dorsonntag, Limburger Ruderklub 07 und die Timpe-Mann- schaft der GRG. 77 treffen in der gleichen Bootsgattung, in der die Gießener Mannschaft knapp gewann, aufeinander. Dieses Rennen dürfte das spannendste und erbittertste der Regatta werden. Die Tagesform beider Mannschaften wird den Ausschlag geben. Dritter Senior-Achter: Aus einem Feld von vier Booten wird Hellas Offenbach und Kitzingen das Ende unter sich ausmachen. Dritter Junior-Vierer: Hier müssen sich aus einem Feld von neun Booten die drei Besten herausschälen, die den Endlauf bestreiten. Der Sieger ist schwer oorauszusagen. Großer Achter: Als letztes Rennen steigt der erste Achter. Hier hat die Derbandsmannschaft Gießen den Beweis zu erbringen, daß sie mit Längenunterschieden gegen den Sieger des 2. Achters erste Klasse ist. ein flottes Spiel. Radheim lag zu Beginn des Spieles etwas im Vorteil und konnte durch zwei Tore die Führung übernehmen. Die Gäste kamen nun mehr auf und konnten ebenfalls durch zwei Treffer gleichziehen. Da ein Hay-elfmeter von Rodheim verschossen wurde, änderte sich an dem Resultat bis zur Halbzeit nichts mehr. In der zweiten Spielhälfte lag Rodheim meist im Angriff und konnte von zahlreichen Torgelegenheiten nur zwei verwerten. Gerade hier wurden die sichersten Sachen ausgelassen. Beide Mannschaften zeigten ein wahres Freundschaftstreffen und erleichterten dem gut leitenden Unparteiischen sein Amt. Rodheim gewann auf Grund der einheitlicheren Leistung, die man bei den in letzter Zeit ausgetragenen Spielen sehr vermißte. Rodheim 1.3gb. — Launsbach 1.3gb 4:0 (0:0). Am Sonntagvormittag war die Jugendmannschaft von Launsbach in Rodheim zu Gast. Trotzdem die Gäste den Einheimischen körperlich überlegen waren, zeigten die Gastgeber das bessere Spiel. Nachdem die Seiten torlos gewechselt waren, erzielte Rodheim in der zweiten Spielhälte vier Tore, denen die Gäste nichts entgegensetzen konnten. Kurze Sportnotizen. Amerikas Leichtathletik - Meister- schäften begannen jetzt in Lincoln. Erwartungs- gemäß gab es ganz ausgezeichnete Leistungen. Die Ueberraschung des Tages war aber, daß der vielgerühmte Rekordmann Jesse Owens nicht eine einzige seiner vier Spezialdisziplinen gewinnen konnte, lieber 100 Meter wurde er von Peacock in 10,2 Sek. (Rückenwind!) geschlagen, den Weitsprung verlor er mit nur einem Zentimeter Unterschied gegen den gleichen Athleten, der 7,99 Meter übersprang und über 200 Meter siegte Ralf Metcalfe in 21,0 Sekunden. Die 200 Meter Hürden gewann Dale Schofteld in 23,2 Sekunden. Weitere Glanzleistungen: 800 Meter: Robinson in 1:51,1 Minuten; 400 Meter: O'Brien in 47,6 Sekunden; 110 Meter Hürden: Beard in 14,2 (Weltrekord eingestellt); Diskus: Dreyer mit 51,41 Meter, Hochsprung: Johnson 2,00 Meter; Dreisprung: Romero 15,36 Meter. Sportkurse des Sportamts Gießen „Krast durch Freude". Mit dem 1. Juli setzt das neue Vierteljahres- Programm des Sportamts „Kraft durch Freude" ein. Kurse aller Art geben allen Volksgenossen die Möglichkeit, billig und bequem unter Anleitung von geprüften Lehrkräften Leibesübung zu treiben Niemand ist zu alt oder zu ungelenk zu den KdF.-Sportkursen! Die Gebühren für die Kurse sind so niedrig gehalten, daß ein Jeder daran teilnehmen kann. Auskunft aller Art erteilt das Sportamt Gießen, Schanzenftrahe 18, Tel. 2919. Sprechstunden täglich von 8—13 Hf)t. Bisher hat das Sportamt Gießen folgende Kurse aufgestellt: Allgemeine Körperschule. Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt jederzeit möglich. Ab 2. 7. Dienstags von 19—21 Uhr, Universitätssportplatz (Kugelberg); ab 4. 7. Donnerstags von 16—18 Uhr, Universitätssport« platz (Kugelberg); ab 5. 7. Freitags, von 20—21,15 Uhr, Lyzeum, Dammstraße. . Fröhliche Gymnastik und Spiele. Nur für Frauen. Eintritt jederzeit mögüd). Ab 4. 7. Donnerstags, von 20—21 Uhr, für Jüngere, Lyzeum, Dammstraße; ab 4. 7. Donnerstags, von Das Heim der H3. ist die Stätte gemeinsamer Arbeit. Das Werkzeug der Schulung ist das Rundfunkgerät. Schafft Rundfunkgeräte für die Hitlerjugend! 21—22 Uhr, für Aeltere, Lyzeum, Dammstraße-, ab 5. 7. Freitags, von 20,30—21,30 Uhr, Lollar, Gasthaus zur Linde. Reichssportabzeichen. Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt nur bei Kursusbeginn möglich. Ab 4. 7. Donnerstags, von 18.30—20.30 Uhr, Universitätssportplatz (Kugelberg). Reiten. Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt nur bei Kursusbeginn möglich. Ab 8. 7. Montags, von 21—22 Uhr jeweils Reitschule Schömbs, Brandplatz: ab 2. 7. Dienstags, von 21—22 Uhr; ab 10. 7. Mittwochs, von 20—21 Uhr; ab 5. 7. Freitags, von 20—21 Uhr. Zu diesen Kursen werden noch Anmeldungen, schriftlich mit' Angabe der gewünschten Uebungs- zeiten, entgegengenommen. Weitere Kurse für Reiten können nach Bedarf als Frühkurfe von 6.30 bis 7.30 Uhr und als Abendkurse von 21—22 Uhr eingerichtet werden. Auch hierzu ist baldige schriftliche Anmeldung an das Sportamt erforderlich. Leichtathletik. Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt jederzeit möglich. Ab 6. 7. Samstags, von 17—19 Uhr, Univerfitätsfportplatz (Kugelberg). Schwimmen. Für Frauen und Männer gemeinsam. Ab 3. Juli Mittwochs, von 20 bis 21 Uhr, im Volksbad; ab 3. Juli Mittwochs, von 21 bis 22 Uhr. im Dolksbad; ab 1. Juli Montags, von 18 bis 19.30 Uhr, Bade- anstatt des Männerbadevereins; ab 6. Juli Samstags, von 16 bis 17.30 Uhr, Lollar, Lahnbadeanstalt. Tennis. Für Frauen und DOnner gemeinsam. Für Anfänger, Eintritt nur bei Kursusbeginn möglich. Ab 1. Juli Montags, von 18 bis 19 Uhr; ab 1. Juli Montags, von 19 bis 20 Uhr; ab 2 Juli Dienstags, von 6.30 bis 7.30 Uhr (Tennisplätze am Schützen- haus). Für Fortgeschrittene (Uebungsstunde ohne Lehrer) Eintritt jederzeit möglich. Nach Vereinbarung. Städtische Tennisplätze am Schützenhaus. Zu den Tenniskursen ist ebenfalls baldige schriftliche Anmeldung mit Angabe der gewünschten Uebungs- zeiten an das Sportamt erforderlich Für die Anfängerkurse werden Schläger und Bälle vom Sportamt gestellt, für Fortgeschrittene werden Bälle gestellt. Statt Karten! Heute nachmittag entschlief plötzlich und unerwartet meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Katharine Wilhelmine Klein geb. Dotzert kurz vor Vollendung ihres 59. Lebensjahres. Die trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Klein, Metzgermeister und Kinder. Gießen, den 4. JuU 1935. Die Beerdigung findet Montag, den 8. Juli, nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. _________3950D llllllllllllllll Dastzeimalduch vomdeulschenWalde wlllü- weben Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern 150 eigene Naturaufnahmen aus demTier» undPflanzenlehen des heimatUchcnWaldes in herrlichem Kupfertiefdruck mit einem aufschlußreichen Einfüh- rungstext v. K Gerhard und ©. Wolff Dieses Buch führt uns mitten hinein in den Wald mit feinen groh:n und kleinen Geschöp. fen und zeigt, wie wir beobachten und mit offenenAugen durch die Natur gehen sollen. Di« Tier- u. Pflanzenwelt in ihrer natur- wahren-Vielgestaltigkeit tritt demBeschauer in bildhafterSchönheit vor Augen und wird zumLrlebnis.Preis in Leinen geb.RM.4,80 Ditte verlangen Sie kostenlos unsere debil- dertenWerbebläiter!- DasDuch ist durch jede Buchhandlung z. bez. tzugoVermühler Verlag Verlin-Lichterfelöe llllllllllllllllillllllillllll Danksagung. Für die Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Beschlafenen sagen wir allen herzlichen Dank. Ganz besonders danken wir Herrn Pfarrer Müller für die zu Herzen gehenden Trostworte, den beiden Krankenschwestern für ihre mühevolle Pflege, dem Gesangverein Germania für den letzten Gruß und Nachruf, dem Kriegerverein, der Dreschgenossenschaft und dem Posaunenchor. Im Namen der Hinterbliebenem Wilhelm Schwalb I. Witwe. Großen-Buseck, den 6. Juli 1935. 3990 D Herzlichen Dank für innige Anteilnahme beim Tode unserer lieben Entschlafenen. Ludwig Schäfer I. Wwer. und Familie. Wiesede, den 6. Juli 1935. 3937 D Ihr neuerSepptthvon Mirich I I Kochstatter > v Häm brand Sterbekasse Aufnahme bis 65 Jahre monatlich RM. 1.— keine Wartezeit, k. Aufnah- megeb. An frag. m. Altersang, unter 3976V an d. Gieß. Anz. Wagengasse / Ruf 2028 3982 A Spezial-Grofehandlung techn. Bedarfsartikel ^Maschinen! und ^CylinderökJ Traktorenöle / Autoöle / Lagerkühlöl Knochenöl / Staufferfett / Wagenfett Autofette / Vaseline u. a. m. Paul Läufer / Giefaen VornehmI Geschmackvoll! Persönlich! Diese wesentlichen Eigenschaften der guten Familien- Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Ausführungsarten und Papieren zu mÄBIgen Preisen Brühl’sche Druckerei, »chulstr. 7, Ruf 2251 Meiner werten Kundschaft gebe ich hiermit zur Kenntnis, daß ich das Geschäft meiner verstorbenen Mutter weiterführe. Wilhelm Westbrock jun. Wchslotterie lurÄvboÄsbelckMno M will Rrbeü- fdiaffen Jch will in Rrbeil- fein Och will mehienUolhsgenonen Sluttr dringen- Kanalreinigungs-Institut Gießen, Steinstrafee 27 p. Ferner empfehle ich mich für sämtliche Arbeiten in verstopften Kanälen, Erdleitungen. Klosetts, Badewannen, Gossensteinen und dergleichen. Sämtliche vorkommenden Arbeiten werden prompt und ohne Erdaufbruch ausgeführt 02864 Unsere Mitglieder werden aufgefordert vom 8. bis 31. Juli 1935 ihre Markenkarten nebst Anteilkarten bei ihren Verteilungsstellen abzuliefern. Verbrauchergenossenschaft Gießen e.G.m.b.H. Die Geschäftsleitung. <3*191 A Stta Anzeiqen-Aktlengesellschast Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen und Zeitschriften Gießen/Schulstraße 7 i n 2 h ü d § ir U ei A I if d li d. w fl1 n d n bi si gi m tä c ur se> F de ter wä, paß inn fche ten stei ges den IPri ein gen We selb (er U an Arb Wer dab Nr. 155 viertes Blatt_______________Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)________________Samstag. b.Zuli 1955 Schaffende Hände in Giraffen und Gaffen. Gassen und Straßen in unserer Stadt bedürfen der ständigen Unterhaltung und Reinigung: hier muß das Pflaster erneuert werden und dort'haben sich in der Asphaltdecke Schlaglöcher gebildet, die wieder ausgefüllt werden müssen; die Schienen- stränae der Straßenbahn müssen in viel beanspruchten Kurven von Zeit zu Zeit erneuert werden, die Kanäle, die wie ein unsichtbares Retz die Straßen durchziehen und so überaus wichtig sind für die Hygiene der menschlichen Lebenshaltung, bedürfen in verschiedenen zeitlichen Abständen der Reinigung. Und immer dann, wenn sich da und dort eine der erwähnten Notwendigkeit erweist, dann rücken die Arbeiter der Stadtverwaltung bzw. des Hoch- und Tiefbauamtes mit ihren Arbeitswagen an, laden ihre Werkzeuge ab, und stellen vor und hinter der Baustelle jene bekannten rot-weißen Sperrschranken auf, über denen in einer unmißverständlichen Sprache geschrieben steht, daß die betreffenden Straßen polizeilich gesperrt, gewissermaßen „tabu" sind. Da beginnt dann ein Hacken und Räumen, das Pflaster wird aufqerissen, Erdhaufen werden links und rechts immer höher, und es dauert geraume Zeit, bis sich alles wieder so darbietet, wie es vordem war, nur um den beabsichtigten Zweck besser. Und diese Beschäftigung ist alltäglich, so alltäglich, daß kaum jemand darüber spricht. Bestenfalls nimmt man von all diesen Arbeitsvorhaben immer nur dann etwas eingehender Kenntnis, wenn man durch sie zu einem Umweg gezwungen wird und dann glaubt: „es wird andauernd gebaut". Aber wenn man sich schon vor Augen hält, daß diese Arbeit alltäglich ist, so soll man auch nicht versäumen, daran j|u denken, wie sehr notwendig sie ist, wie viele Volksgenossen hier ihre Arbeitsmöglichkeit haben und wieviele von ihnen auch mit dieser Art Arbeit sehr innig verbunden sind. Tatsächlich bedeutet es eine stille und feine Freude, zu sehen, wie der Pflasterer einen Stein an den anderen fügt, wie der Hammer mit genau ausgewogener Kraft geführt wird, so, daß der eine - Die Straßenkehrer bei ihrer wichtigen Beschäftigung. dann fühlt man eine schöne Systematik, und das Sinnvolle im Gang der Dinge. Ganz besonders interessant und schön zu nennen ist, um noch kurz bei der Arbeit der Pflasterer zu verweilen, wenn das neu gepflasterte Stück Straße mit den schweren eisernen oder hölzernen Stempeln bearbeitet wird, um jene gleichmäßige Oberfläche zu schaffen, wie sie der Fuhrwerkslenker, der Kraftfahrer und gar der Radfahrer wünschen. Wenn so etwa drei oder vier Mann beisammen stehen und im Takte, im gebundenen Rhythmus, ihre schweren Stempel heben und fallen lassen, dann verweilt man gerne einige Minuten. Unwillkürlich wenden sich die Gedanken auch jenen Arbeiten zu, bei denen dieser Takt die gleiche — arbeitsfördernde wenn sie sagen: „es .stinkt' nach Teer!" In irgendeiner unbelebten Straßenecke stehen dann auch sicherlich jene fettigglänzenden Oefen, in denen die schwarze Masse brodelt. Jungens streichen hin und wieder darum, um einen Patzen der gefügigen Masse zu ergattern, die sich in alle möglichen Formen pressen läßt. Wenn eine Straße geteert wird, stehen aber auch die Erwachsenen gerne einmal dabei und verfolgen das Hantieren mit der heißen, flüssigen Masse, das Abfüllen in die Eimer, das Aufschütten oder Aufspritzen, das Beimengen von Sand oder Splitt, das Glätten und Kehren, kurzum den vielgestaltigen Arbeitsprozeß, der sich hier bietet. Die Verfahren sind ja heute bereits sehr vielfacher Art und je nach dem Ausmaß der Beanspruchung sehr verschieden. <4;, ' V '' £***-■» \ w s ■■ - S Mit dem Schweißgerät an der Straßenbahnschiene. Stein nicht höher zu liegen kommt wie der andere. Und ebenso schön ist es, zu sehen, wie dieser Arbeiter unter den Steinen, die neben ihm liegen, kritisch wählt, ob er zu den bereits gesetzten Steinen gut paßt. Wenn man dieses Schaffen sieht, dann erinnert man sich vielleicht auch einmal jener Menschen vor unserer Zeit, die hohe Mauern aufführten, ohne Mörtel zu Hilfe zu nehmen. Und doch stehen diese Mauern heute noch. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man auch bei dieser einfach erscheinenden Arbeit von einer Vergeistigung des Schaffens spricht. Mit nicht weniger Aufmerksamkeit behaut ein anderer Arbeiter die Basaltsteine so, daß sie genau in den Winkel passen, der sich an einer Weiche ergibt. Wer wagte es, auch nur vor sich selbst, oder gar vor anderen geringschätzig von dieser Arbeit zu denken?! Unser rascher Fag gibt uns nicht oft die Zeit, an solchen Arbeitsstellen stehen zu bleiben und den Arbeitsverlauf zu verfolgen. Immer aber dann, wenn man von Zeit zu Zeit daran vorübergeht und dabei Kenntnis nimmt vom Stand der Arbeiten, — Wirkung tut: beim Schmieden oder bei der altväterlichen Form des Dreschens mit dem Dreschflegel. Wenn der Unterbau einerStraße aufgeschüttet wird, dann läßt sich beobachten, wie bei der schweren körperlichen Arbeit, beim Sand- oder Steinschotterschippen, der ganze Körper des Menschen beteiligt ist. Die Schaufel wird kräftig angestoßen, die Hände schieben und drücken; das Knie hilft, das ganze Körpergewicht wird eingesetzt, bis dann die volle Schaufel gehoben und kraftvoll frei ausgeschwungen wird. Wenn je. einmal ein Film von dieser Arbeit gedreht werden sollte, dann dürfte die Darstellung dieses komplizierten Ablaufs schöner Bewegung in Zeitlupenaufnahmen nicht vergessen werden. * Manchmal — wenn Asphaltstraßen den Schauplatz der Straßenarbeit darstellen — liegt über einem ganzen Stadtviertel der schwere Ruch des Teers. Es gibt eine stattliche Anzahl von Menschen, die den Geruch des Teers gut leiden können, auch Ein nicht weniger interessantes Kapitel ist das Schweißen von Straßenbahnschienen, das man in letzter Zeit des öfteren in den Straßen der Stadt sehen konnte. Das Schweißen geschieht heute meist auf elektrischem Weg unter einer heftigen Lichtentwicklung. Dor dem Arbeiter, der das Schweißen durchzuführen hat, steht ein halbkreisförmiger Blechschirm, der die warnende Aufschrift trägt: „Nicht in die Flamme sehen!" Schwere Schädigungen der Augen könnten die Folge sein. So bleibt man denn in respektvoller Entfernung von diesen Strahlenbündeln, die dort willkürlich aufschießen, verlöschen und sich immer wieder ergänzen. Bestenfalls riskiert man einen Blick — tut es jedoch nur für Bruchteile von Sekunden. Der Arbeiter selbst schützt sich mit einem kräftigen Lichtfilter, das er sich während seiner Arbeit vor das Gesicht halten muß. Neben der Straßenbauarbeit spielt die Straßenreinigung eine große Rolle. Jeden Morgen ziehen die Arbeitskolonnen der Straßenkehrer aus mit ihrem Wasserwagen und ihrem Karren. Systematisch nach einem festgelegten Plan werden die Straßen zuerst gesprengt und dann gekehrt. Das vollzieht sich in bekannten und einfachen Formen. Wie wichtig diese Arbeit ist, könnten wir aber in ihrem ganzen Ausmaß vielleicht erst dann ermessen, wenn die Straßen einmal 14 Tage lang keinen Besen zu sehen bekämen. — Ebenso unvorstellbar wären wohl auch die Folgen, wenn einmal unsere Kanalisation für einen größeren Zeitraum vergessen werden würde. In die Verlegenheit, den in einem solchen Fall eintretenden Zustand kennenzulernen, kommt man in einem geordneten Gemeinwesen allerdings wohl kaum. So stehen viele Menschen im Dienst an der Straße: der eine hat die Leitungsmasten mit Rostschutzfarbe zu streichen, der andere die elektrische Beleuchtung zu kontrollieren, dieser hat die Wasserleitung und jener die Gasleitung zu beargwöhnen, hier sind elektrische Anschlüsse von der Straße aus herzustellen und dort in den Randgebieten neue Kanalrohre zu legen. Wieder andere Arbeiter dienen der Erhaltung unserer Grünanlagen, sie pflanzen Blumen im Frühling, mähen das Gras und rechen im Herbst das dürre Laub. Alle aber und immer dienen sie der Ordnung der Straße, dem guten Aussehen unseres Stadtbildes, und im letzten und tiefsten Sinne der gesamten Volksgemeinschaft. So hat all diese Arbeit Sinn und Bedeutung, so verdient der Arbeiter, der auf der Straße in aller Bescheidenheit seines Wesens hart arbeitet, unser aller Wertschätzung, unsere Anerkennung und seinen Lohn. (Aufnahmen [9]: Neuner, Gießener Anzeiger.) Fugen zwischen den Steinen werden hier sorgfältig ausgesüllt ... Flüssiger Teer wird in Eimer gefüllt. „Schipp-Schipp" für einen Straßenunterbau. X < • LMM Beim Abladen geteerter Schotter. y /•> W M Vor dem Kehren der Straße wird gesprengt. Der Pflasterer fügt Stein an Stein. • - WL Arbeit im Takt. % - auch Wirtschaft Weinbaues. Die Blüte Kirchliche Nachrichten Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Frankfurt 36,25 176 160 42 92 191 226,5 113,75 87,5 18,4 127,5 124,5 186,5 117,75 127,25 229 113,65 85,13 18,4 127,4 124,5 187 114,75 66,13 119,5 120,4 88,75 143 96 165 91,25 36,65 294,5 176 160 120 125,5 228 113,25 87,5 18,4 127,4 124,5 188 152 107 122 114,75 35 38,25 89,5 115,75 92 93 93 190 107,75 111,9 113,5 107,25 160 131,5 47,5 140,5 118,5 133,75 107,13 130 138,25 133 123 179,5 132,9 151,65 107 122,5 113,25 113,75 67 119,5 120 91,5 143,75 97,25 165,4 90,25 36,5 294,25 176,25 160,75 sehr und Die 47,5 140,25 119,25 134,25 107,25 130 140 133,9 124.5 180,5 133,5 34,9 32,75 38 88,13 116 92,25 93 93 190,25 67,25 120 120 91,75 97 165,25 36,5 176 159,75 0' 5 Schlußk. Mittaq- börse Brief nach 67. Der Auslandrentenmarkt lag späterhin still. Tagesgeld blieb zu 3 d. Sy unverändert. Abendbörse behauptet. Grttzner Mainkraftwerke Höchst a.M» Süddeutscher Buder 4% Oesterretchische Goldrente... 4,20% Oesterretchische SUberrent *% Ungarische Goldrente ...... 4% Ungarische Staatsrente v. 191 l/i% besgl. von 1913 5% abgest. Goldmexikaner von 9 <% Türkische Bagdadbahn-Anleih Serie I ................ stahl 113,75 (113,25) und für Stahlverein zu unv. 87,50. Außerdem waren Mannesmann zu 92 (91,90) und im Freiverkehr Vereinigte Deutsche Metallwerke zu 128 beachtet. IG.-Farben wurden vernachlässigt und bröckelten auf 151,75 (152) ab. Matt lagen Kali Salzdetfurth mit 186,50 (188), Südd. Zucker mit 191 (192,50) und Conti Gummi mit 159,75 (160,75). Der Rentenmarkt lag stark geschäftslos, Altbesitz gaben auf 112,75 (113) nach, außerdem bestand im Hinblick auf die zurückgewiesenen Umtauschgerüchte für Dollar-Obligationen weitere Abgabeneigung: 6proz. Preußen 65,75 (66,25). Ausländer lagen still. U. a. notierten: Altbesitz 112,75, JG -Farben-Bonds 127,75, 5proz. Stahloerein 97,75, 4,5proz. Franks. Hypotheken Gold Reihe 1 bis 4 96,25, 4,5proz. dieselben KO. II 93,50, Commerzbank 92,13, Harpener 113,25, Kali Salzdetfurth 186,50, Rheinstahl 113,75, Stahlverein 87,50, Aku 67,25, Bemberg 120, Conti Gummi 159,75, Deutsche Erdöl 112,25, Scheideanstalt 237,50, Dürrwerke 51,25, Licht & Kraft 134,13, IG.-Farben 151,75, Gesfürel 130, Holzmann 93,75, Iunghans 91,65, Mainkraft 94, Rheag 140, Schuckert 124,50, Aschaffenburger Zellstoff 91,75, Waldhof 120, Südd. Zucker 191, AG. für Verkehrswesen 88, Reichsbahn-VA. 123,50. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a, M., 5. Juli. Die vom Großhandel erwartete saisonmäßige Erhöhung der Die Abendbörse nahm angesichts des nur schmalen Ordereinganges einen sehr ruhigen kursmähig nahezu unveränderten Verlauf. Grundhaltung blieb unverändert freundlich. Etwas Nachfrage erhielt sich für einige Spezialwerte, wie Aschaffenburger Zellstoff 91,75 (91,50), Aku 67,25 (67), Rheag 140 (139,25), Scheideanstalt 237,50 (237), Mainkraft 94 (93), Iunghans 91,65 (91), Rhein- I. G. Farben-Jndustrte ScheideanstaU Goldschmidt RütgerSwerke ... Metallgeiellichafl o 0 0 0 7 0 ?! 0 0 121 8| Preisen gut gefragt, obwohl die aufgetriebenen Qualitäten gegen die Vorwoche geringer waren. Für Ochsen, Bullen und Färsen lagen die Preise in sich ebenfalls etwas höher. Das Geschäft am Kalb er markt war sehr ruhig und die alten Preise konnten sich nur langsam durchsetzen. Immerhin wurde der etwas geringere Zutrieb von 1362 (1388) Stück geräumt. Obwohl am Schweinemarkt Angebot (3812 gegen 3788) und Nachfrage wieder ausgeglichen waren, ergaben sich beim Verkauf Schwierigkeiten dadurch, daß schwere Schweine seitens der Käufer glatt zurückgewiesen wurden. Das Geschäft war schleppend und die Preise gaben etwas nach, außerdem verblieb etwas Ueberftanb. Am Schafmarkt nach ruhigem Handel Preisen geräumt. A.E.G....................... Bekula io (Seite. Lteferungsgelellschaft... s Licht und Kraft ........... gy selten L Guilleaume o l Elektr.Unlemehmung. 5 Rheinische Elektrizität 5 Rhein. Wests. (Helte Schuckert L Lo............... 4 Siemen« L Halske......... 7 Lahmever L Lo.............. 7 Oie Aussichten derLeipzigerHerbslmefse In Nr. 7/8 vom 11. Juni der Zeitschrift „Die neue Wirtschaft", die dem Exportland Sachsen gewidmet ist, macht Dr. Raimund Köhler, der Präsident des Leipziger Meßamts, grundsätzliche Ausführungen über „Die Aussichten der Leipziger Herbstmesse 1935 im Lichte der außenpolitischen Situation". Eindringlich ist, so erklärt Dr. Köhler, von oberster Stelle immer wieder darauf hingewiesen worden, daß jeder deutsche Industriebetrieb, auch der, der so gut wie nichts ins Ausland liefet, aufs sorgfältigste prüfen muß, ob er nicht doch am Ausfuhrgeschäft teilnehmen kann. Die Leipziger Messen sind Zeugen dafür, wie gerade aus den schwer notleidenden typischen deutschen Exportindustrien Unternehmer für Unternehmer in Leipzig immer wieder in diesem von der Führung geleiteten Kampf zu Stelle sind und ihre Pflicht tun. Es gibt Branchen in dem Verzeichnis der Leipziger Aussteller gruppen, zu denen neue Firmen nicht mehr stoßen können, weil es in ihrem Bereich keine Fabrikanten gibt, die noch nicht ihren Stand in Leipzig hätten. Man sollte nie vergessen, daß die wichtigste Person in Leipzig, Seine Majestät der Einkäufer, zu einem großen Teil aus fremden Staaten kommt. 22 000 ausländische Käufer hat die Leipziger Frühjahrsmesse 1935 gesehen; das sind 22 000 Menschen, die in nüchternem, rigorosem Kampf Preis und Qualität für sich herauszuholen suchen, was sie nur können. Daher muß Aufgabe derer sein, die in Leipzig an der Front stehen, sich in jeder Form diesem Kampf gewachsen zu zeigen. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Frankfurt a. M., 4. Juli. Der Frankfurter Getreidegroßmarkt nahm in der abgelaufenen Woche im Ganzen einen ruhigen Verlauf, wie dies übrigens immer bei dem bevorstehenden Ueber- gang von einem zum anderen Erntejahr der Fall war. Auf dem Brotgetreidemarkt ist die Lage ruhig geblieben. Weizen und Roggen aus hiesiger Gegend wurde kaum mehr angeboten, immerhin ist auch die Nachfrage nach beiden Sorten kleiner geworden, wenngleich die Mühlen für bessere Qualitäten in mäßigem Umfange Interesse bekundeten. In der Hauptsache ist man aber auf die Räumung der alten Bestände bedacht. Don Weizen sind nur die kleberreichen Qualitäten gesucht, für Roggen hält das Interesse der Landmühlen an und man rechnet mit weiterer Nachfrage, obwohl man schon Ende dieses Monats mit neuem Roggen rechnen kann. Futtergetreide liegt weiterhin geschäftslos. Hafer wird nur in ganz geringen Mengen angeboten, während für Futtergerste kaum noch Interesse besteht. Der Schnitt für Wintergerste hat begonnen, so daß in den nächsten Tagen mit den ersten Anlieferungen zu rechnen sein dürfte. Umsätze fanden noch nicht statt, da die Preise noch nicht bekannt sind und infolgedessen eine Abschlußbasis fehlt. Eosinweizen findet nach wie vor kein Interesse. Der Futtermittelmarkt erfuhr angesichts der günstigen Heuernte, die im hiesigen Gebiet sowohl quantitativ als auch qualitativ sehr gut sei, eine weitere Entspannung. Freilich blieben in unserem auf Viehzucht und Milchwirtschaft eingestellten Gebiet ölhaltige Futtermittel noch stark gesucht, während Angebot nicht vorlag, so daß Zuteilungen seitens der Reichsstelle dringend notwendig erscheinen. Kleie war etwas weniger stark gesucht, und für Boll- und Nachmehle, die stark an- aeboten wurden, war nur geringes Interesse vorhanden. Biertreber ermäßigten sich nochmals, und am ar auf 16,75 (17,00) RM. Trockenschnitzel wurden nicht mehr angeboten. Das M e h l g e s ch ä f t beschränkte sich nur auf die Deckung des notwendigsten Bedarfs. Weizenbrotmehl blieb gefragt, während in Roggenmehlen nur die Type 997 beamtet blieb. Roggenbrotmehle sind nur wenig begehrt. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. F r a n k f u r t a. M., 4. Juli. Das Geschäft auf dem Schlachtviehmarkt nahm auch nach dem Monatswechsel einen recht ruhigen Verlauf, wobei die anhaltend warme Witterung ihren Einfluß wiederum geltend machte. Infolgedessen reichten auch die meist etwas niedrigeren Zufuhren für die Befriedigung des Bedarfes aus, nur am Großviehmarkt hielt der Mangel unvermindert an. Insbesondere waren Ochsen viel zu wenig zugeführt, während Kühe wieder das Hauptkontingent mit 311 Stück bei einem Gesamtauftrieb von 600 (759) Tieren stellten. Das Geschäft war sehr lebhaft, auch Kühe wurden bei bis 2 RM. höheren Eierpreise um 0,5 Pfg. pro Stück für in- und ausländische Eier ist nunmehr eingetreten. In» solgedessen ist das Geschäft ewas ruhiger geworden, doch dürfte es, sobald die Angleichung im Kleinhandel durchgeführt ist, wieder lebhafter werden. Bis zur Erhöhung der Preise nahm das Geschäft einen weiter zufriedenstellenden Verlauf, so daß die etwas geringer gewordenen Zufuhren in deutschen Eiern glatt geräumt wurden und darüber hinaus in etwas größerem Umfange als bisher Auslandsware herangezogen werden mußte. Die Preise lauten nunmehr in Pfg. pro Stück frei Frankfurt a. M. wie folgt (Großhandelsverkaufspreise an den Kleinhandel): Deutsche Markeneier 8 10,5, A 10, B 9,5, C 8,75—9, D 8—8,5. Holländer, Flandern und Dänen Kl. S 10,5, Kl. A 10, Kl. B 9,5. Frankfurter Vuttermarkt. Frankfurt a. M., 5. Juli. Für Butter war die Lage allgemein wenig verändert, eine stärkere Belebung des Geschäftes war bisher nicht zu verzeichnen. Das Angebot hat sich etwas verstärkt und reichte für die Deckung des Bedarfs voll aus. Daneben stand holländische Butter genügend zur Verfügung. Es notierten in RM. pro 50 Kilogramm frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise an den Kleinhandel): Deutsche Markenbutter 143—145, feine deutsche Molkereibutter 143, deutsche Molkereibutter 140-—142. Landbutter 125—130, Kochbutter 115—120. Holl. Markenbutter 145. Mainzer Gekreidemarkt. Mainz, 5. Juli. Es notierten in RM. pro 50 Kilogramm (Großhandelspreise loko Mainz): Weizen W 16 21,80, Roggen R 15 17,80, Hafer H 14 17,50, Futtergerste G 11 17,20, plus Zuschläge, Weizenkleie W 16 11,13, Roggenkleie R 15 10,44 (Mühlenfestpreise), Sojaschrot 13,00 Fabrikpreis ab südd. Fabrikstation. Tendenz: Brotgetreideangebot kleiner, Futtermittel immer noch- knapp. <5d)ultbet« Patzenhofer Aku (Allgemeine Kunstseide) .. Bemberg................... Zellstoff Waldhof Zellstoff Aschaffenburg Dessauer GaS ............... Daimler Motoren Deutsche Linoleum........... Lrenstein & Koppel Westdeutsche Kaufhof Chade ...................... Aecumuldioren-Fabrik....... Tonti'Gumm, .............. Katholische Gemeinden. Samstag, den 6. Juli. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 7. Juli. 4. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer und Jungmänner; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14.30: Andacht. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 17.30: Vortrag und Andacht. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Christenlehre und Andacht. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. — Schotten« 10.30: Hochamt mit Predigt. Mittwoch, den 9. Juli. Hungen. 6.30 Uhr: Messe. s Neuapostolische Gemeinden. Händelstraße 1 — Ederstraße 13. Sonntag, den 7. Juli. 9.30 Uhr: Gottesdienste; 16: Gottesdienste. Mittwoch, den 10. Juli. 20.30 Uhr: Gottesdienste. Bapkistengemeinde (Gartenskrahe 13). Sonntag, den 7. Juli. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 20.30: Prediger Falk. Donnerstag, den 11. Juli. 20.30 Uhr: Bibelbesprechung. Die Heilsarmee (Grabenskrahe 11). Sonntag, den 7. Juli. 10 Uhr: Kindergottesdienst; 20.15: Evangelisationsversammlung, geleitet von Bruder Schmidt (Dillenburg). Mittwoch, den 10. Juli. 15 Uhr: Liebesbund für Kinder; 20.15: Heili- gungsversammlung. Freitag, den 12. Juli. 20.15 Uhr: Heimbund für Frauen. veffenllicher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende« Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Aerzte : Dr. W. Klein, Sanitätsrat Dr. Schliep» hake. Zahnarzt: Dr. Holzapfel. Apotheke: Hirschapotheke. ♦ Die Lage des der Reben ist seit acht Tagen im Gange und in verschiedenen guten Lagen bereits beendet. Die günftige Witterung der letzten Tage und Wochen hat wesentlich zum guten Durchkommen der Blüte beigetragen. An der Lahn ist der Ansatz der Bluten beim Riesling und einem Teil der Müller- Thurgaureben sehr gut, während er bei den roten Traubensorten nicht so stark in Erscheinung getreten ist. Arn Mittelrhein ist die Bildung der Gescheine als recht gut zu bezeichnen. Alle Voraussetzungen sind bis jetzt Gegeben, daß eine gute Ernte zu erwarten ist. Die Feuchtigkeit und die plötzlich einsetzende Wärme haben wesentlich dazu beigetragen, daß die gesamten Rebstöcke in den letzten 14 Tagen sehr schnell und stark ausgetrieben sind. * Holze in- und -ausfuhr Deutschlands im Mai 193 5. Die Gesamteinfuhr betrug im Mai 1935 378175 t (im April 277 333 Tonnen), dagegen stellte sich die Gesamtausfuhr auf 11176 Tonnen, was gegenüber dem Vormonat mit 9138 Tonnen eine kleine Steigerung bedeutet. Mein-Mainifche Börse. Mlltagsbörse: Tendenz fest. Frankfurt a. M., 5. Juli. Obwohl sich das Geschäft nur auf einige Spezialgebiete beschränkte, blieb die Börse an den Aktienmärkten weiter fest. Dom Publikum lagen wieder einige Orders vor, auch die Kulisse beteiligte sich etwas am Geschäft. Das Ergebnis der deutsch-polnischen Aussprache wurde allgemein mit Befriedigung kommentiert. In wirtschaftlicher Hinsicht regte die Besserung des Auslandgeschäftes am Eisenmarkt und die Aufnahme der Dividendenzahlung bei der Bank der Deutschen Arbeit an. Lebhafte Nachfrage erhielt sich weiterhin am Montanmarkt für Stahlverein mit 86,40 bis 87 (85.75), ferner blieben Mannesmann gesucht und lagen 0,75 v. H. höher, auch Rheinstahl, Klöckner und Buderus zogen je 0,25 v. H. an, während Harpener wieder 0,25 v. H. abbröckelten. Elektrowerte lagen ruhig, jedoch meist bis 0,50 v. H. höher, etwas leichter lagen Licht und Kraft mit minus 0,40 v. H. Lebhaftes Geschäft hatten abermals am Kundstfeidemarkt AKU. zu 67,25 (66,50), Bemberg lagen mit 120 unverändert. Fester notierten ferner Daimler Motoren (plus 0,50 v. Sy), sowie Maschinenwerte, die bis 1 v. H. anzogen. Metallgesellschaft setzten ihre Befestigung um 2 v. H. fort. IG.-Farben lagen sehr ruhig und unverändert, fester waren Goldschmidt mit plus 1,25 v. H. Sonst fetzten Reichsbank 0,50, Deutsche Linoleum 0,50, Aschaffenburger Zellstoff 0,50 v. H. freundlicher ein. Schiffahrtsaktien lagen behauptet. Schwach notierten AG. für Verkehrswesen mit 87 (89,50). Am Rentenmarkt blieb das Geschäft in deutschen Anleihen bei unveränderten Kursen sehr klein. Weiter lebhaft und fester waren wiederum zertif. Preußen-Bonds mit 67 (66,75), auch Spargiro mit 66,50 lagen 0,25 v. H. höher. Fremde Werte lagen ruhig. Im Verlaufe fetzte sich die Befestigung der Aktienkurse fort, ohne daß die Umsatztätigkeit sich stärker belebt hätte. Die Enge der Märkte führte überwiegend neue Erhöhungen von durchschnittlich 0,50 vom Hundert herbei. Etwas mehr Geschäft erhielt sich für AKU., Stahlverein, Mannesmann, Schuk- kert, Metallgesellschaft, Daimler und Muag. Lebhafter waren außerdem Aschaffenburger Zellstoff mit 88,90 bis 91,25 (plus 3 v. Sy), ferner waren AG. für Verkehr um 1 d. Sy erholt. Am Rentenmarkt waren Kommunal-Umschuldung stärker angeboten, sonst lagen deutsche Werte still und unverändert. Von Jndustrie-Obligativnen zogen 5proz. Stahlverein auf 97,75 (97,25) an. Pfandbriefe lagen ruhig und behauptet, Liquidationspfandbriefe notierten nicht ganz einheitlich. Durchweg erhöht waren Stadtanleihen, und zwar um 0,25 bis 0,75 v. H., nur Mainzer bröckelten etwas ab. Schwächer lagen zertif. Preußen mit 66,50 Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 7. Juli. 3. Sonntag nach Trinitatis. Skadlkirche. 8 Uhr: Propst Knodt; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- gemeinde; 9.30: Pfr. Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfr. Becker. — Iohanneskirche. 8.10: Militärgottesdienst; im Anschluß Christenlehre für die Neukonfirmierten der Iohannesgemeinde; 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 20: Miffions- ftunbe im Johannesfaal; Missionar Walther. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Gottesdienst; Pfr. Anthes; zugleich Christenlehre für die neukonfirmierten Mädchen der Luthergemeinde; 10.45: Kinderkirche für die Luthergememde. — Pelrusgemeinde. 9.30: bei gutem Wetter Waldgottesdienst an der Bergschenke; 10.45: Kinderkirche für die Petrus- gemeinde; Pfr. Trapp. — Meseck. 9.30: Hauptgottesdienst; 10.45: Kinderkirche. — Allen-Buseck. 9.30: Gottesdienst; anschließend Christenlehre. — Grohen- Buseck. 10.30: Gottesdienst; 11.30: Christenlehre. — Oppenrod. 13: Gottesdienst; 14: Christenlehre. — Albach. 8.30: Gottesdienst. — Steinbach. 10: Gottesdienst mit Christenlehre. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; 11: Christenlehre; 13: Kindergottesdienst (2. Abteilung). — Kirchberg. 10: Gottes- dienst; 11: Christenlehre für die weibliche konfirmierte Jugend. — Lollar. 13.30: Gottesdienst. — Treis a. d. Lda. 9.30: Beichte; 10: Hauptgottesdienst; anschließend Feier des hl. Abendmahls für die Jungverheirateten; Kollekte für die Kirchenheizung; 13: Missionsstunde. — Klein-Linden. 8.30: Hauptgottesdienst. — Garbenteich. 13: Gottesdienst. — hausen. 10: Gottesdienst; anschließend Christenlehre. — Lich. 8.15: Kindergottesdienst; 9: Beichte; 9.15: Gottesdienst; hl. Abendmahl. — Nieder-Bessingen. 9.30: Gottesdienst. — Bettenhausen. 14: Hauptgottesdienst; Pfr. Doering (Muschenheim). — Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst; Stiftsdechant Kahn (Lichf. — Watzenborn-Steinberg. 9.30 Gottesdienst; 11: Abfahrt der Frauenhilfe nach Greifenstein. Abfahrt am Pfarrhaus. — Wünzenberg. 10.30: Gottesdienst; Kandidat der Theologie Uhrhan (Lich). — Trais-TNünzenberg. 8.45: Gottesdienst; Kandidat der Theologie Uhrhan (Lich). — Hungen. 9.45: Gottesdienst; 13.30: Kinder- aottesdienst; 20.30: Frauenhilfe. — Langd. 11.15: Gottesdienst. — Wirverg. 10: Gottesdienst. — Harbach. 10.30: Gottesdienst. — Deilsberg. 10: Gottesdienst. — Ober-Gleen 8: Kindergottesdienst; 13: Hauptgottesdienst. — kirlors. 9: Kindergottesdienst; 10: Hauptgottesdienst mit hl. Taufe. Evangelische Sladtmission, Löberstraße 14. Sonntag, 7. Juli. 8.30 Uhr: Morgen-Andacht; 20.30: Cvangeli- sations-Dortrag. Mittwoch, 10. Juli. 20,30 Uhr: Bibelstunde. Buderus Deutsche ErddI Gelsenkirchener Harvener .... Hamburg-Amertka-Paket O Hamburg-Südam. Dampfschiff . o Norddeutscher Lloyd .........o A-G. für Verkehrswesen Akt. .. O Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz, und Privat-Bank ... O Deutsch? Bank und DiSconto- Gesellschaft................o Dresdner Bank o ReichSbank ................ xt Schlußkurs 4J Kokswerke 6 Phönix Bergbau O Rheinische Braunkohlen 12 Rheinstahl ................8/a Bereinigte Stahlwerke O Otavt Minen ...............O Kaliwerke Aschersleben 6 Kaliwerke Westeregeln 5 Kaliwerke Salzdetfurth l/2 Hoesch Eilen—Köln-Neuesse» .. O Ilse Bergbau ........... g Ille Bergbau Genüsse Klöcknerwerke ............. |u iqö’ok Mannesmann-Röhre» oj 99'75 Odium «% Deutsche Reichsanleihe v. 1827 *% Deutsche Reichsanl. von 1984 6/i% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit AuSlos.-Rechten ............. 4l/»% Deutsche ReichSpostschatzan- Weisungen von 1934, I 6% ehern.8% Hess. BolkSstaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ ehem. Hessische Landesbank Dalmstadt Gold R. 12........ 6/i% ehem. Hess. LandcS-Hypo- thekenbank Darmstadt Ltaui ... ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R.S Oberhessen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten l/i% ehem.8% Franks. Hyp.-Banl Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6/1% ehem. l/t% Franks. Hyp.- Bonk-Llqu.-Pfandbriese....... 6/i% ehem. */,% Rheinische Hyp.-Bank-Liau.-Goldpfe l/i% ehem. 8% Pr. Landespsand- briesanstalt, Psandbriese R. IS */?% ehem. 7% Pr. LandeSpsand- brtesanst., Gold Komm. C6I.VI Steuergutlch.Berrechnungsk. 35-8S Jranffurf a. M Berlin Schlußkurs Schlugt. Abendbörse Schluß« kurS Schluß!. Mittagbörse Datum 4 7 5-7. 4-7 5 7 ■1% desgl. Serie II ............ 12,75 8,2 10,5 6,15 39,4 12,6 8 10,4 6,1 39,6 5% Rumün. verelnh. Rente v. 1903 4!4%Rumän.vereinh.Renlev.i913 4% Rumänische verciah. Rente .. 2 /*.% Anatolier ............ 8,3 10,5 6,1 39,4 8,13 10,4 6,13 Frankfurt a. M., Berlin Schluß- kurS Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittagbörse • Datum 4 7 5 7 4 7 57 Schluß- kurS Schlußk. Abendbörse 4 7 5 7 100,5 100,4 - 97,5 97,5 104 104 112,9 112,75 100,25 100,3 97,75 97,75 96,25 96,25 100,5 100,6 92,5 92,5 127 127 116,25 116 96,25 96,25 101 101 101,4 101 96,75 96,75 l — _ 107 107,2 33 32,5 ' — — . 11,5 11,5 0 11,4 11,5 11,25 f’ 12,75 12,65 — — 4.3uli S.Zuli Amtliche Jloflerung Amtliche Notierung Geld Ärles Geld 1 Brief Buenos Stre-. 0,658 0,662 0,658 0,662 Brüssel..... 41,885 41,965 41,885 41,965 Rio de Ian. . 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,75 54,85 54,83 94,93 Danzig..... 46,905 47,005 46,905 47,005 London ..... 12,26 12,29 12,275 12^305 Helsingsor».. 5,405 5,415 5,415 5,425 Paris ...... 16,405 16,445 16,405 16,445 Holland .... 168,71 169,05 168,83 169,17 Italien..... 20,42 20,46 20,50 20^54 Iaoan ...... 0,719 0,721 0,719 02721 Jugoslawien 5,649 5,661 5,649 5,661 Oslo.....: 61,62 61,74 61,71 61,83 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,13 11,15 11,14 ii'i6 Stockholm... 63,22 63,34 63,31 63 43 Schweiz .... 81,12 81,28 . 81,14 81,30 Spanien.... 34,04 34,10 34,00 3<06 Prag....... Budapest ... 10,34 10,36 10,34 10,36 Reu York ... 2,480 2,484 2,484 2,488 100,25 100,25 97,4 97,4 — — 113 113 100,3 100,4 97,5 97,5 101 101,4 96,75 — 107 107,2 32,75 32,75 1,75 1,75 11,5 11,5 11,4 11,25 11,5 11,25 12,65 12,9 12,75 Berlin,5 Iuli Geld Ärlet ” Amerikanische Note».............. 2,436 41,72 54,62 12,24 16,355 168,41 19,86 61,50 63,09 80,91 33,64 2,456 41,88 54,84 12,28 16,415 169,09 19,94 61,74 63,35 81,23 33,78 Belgische Noten............. Dänische Noten ................ Englische Noten ................. Französische Note»............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, * 1OO LchMioa Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Ungarische Note» ................ Wandern und Reisen ♦ Bäder und Sommerfrischen. Reisefieber. . Don Hermann Linden. Das ist die einzige Krankheit, nach der man sich sehnt. Ob ihr Verlauf kurz ist oder von langer Dauer, -ob sie einen einmal im Jahre überfallt oder jeden Tag, das hängt nicht ab von den Erregern dieser Krankheit, das hängt ab von der Individualität, dem Beruf und der Börse des Betroffenen. Diese Krankheit, ein süßes, prickelndes Fieber, vom Hirn bis zu den Fersen, spürbar, wird infiziert vom Rauch einer vorüberrasenden Expreßzuglokomotive, vom Geknatter eines brüllenden, schwebenden Aeroplans, von den Gesprächen einer Automobilgesellschaft, die verstaubt, aber festlich erregt neben einem im Cafs sitzt, mitten in einer Länderfahrt begriffen, einen Augenblick Eis essend, den fauchenden Wagen vor der Türe. * Reisefieber heißt diese Krankheit. Ob sie alle Menschen der Welt trifft, weis; ich nicht; denn es kann sein, daß die Nordländer, die hinter Kingsbay wohnen oder die Südländer auf der Insel Nias nichts von ihr roinvo. _nr aber, mir warten auf sie, genießen sie; sie ist die Ouvertüre zu der einmalmen Seligkeit des Jahres, dir den arbeitenden Menschen in Fabrik und Kontor ' gegeben ist. Langsam setzt es schon ein im April, steigt Tag um Tag Grad für Grad, im Juli erreicht fein Thermometer den Siedepunkt. Eine gewisse Art von Schaugegenständen hinter den Ladenfenstern, eine gewisse Art von Plakaten vermögen es in diesen Tagen Hauptanziehungspunkte zu werden. Das find die Schiffsmodelle, die Flugzeugmodelle, Reiseaerät, Koifer, Sportanzüge; das sind die großen Plakate mit ihren heftigen Farben, Plakate, auf denen die Palmen wehen, Tropenhüte blinken, Meere in Tiefblau glänzen, Städte locken mit prachtvollen Architekturen, herrlicher Höhenlage, billigen und billigsten Pensionen. ♦ Man sitzt zu Hause über dickbäuchigen Kursbüchern, über Landkarten, Familienrat wird gehalten. Wohin? Womit? Welche Klasse? Ans Meer oder in die Berge? Städte werden ausgesucht. Küsten, Berge, Züge werden bestimmt; es gibt keine Nacht mehr mit richtigem Schlaf vor der Abreise. Familien sind in Aufregung, Möbel werden mit Tüchern verkleidet, die Fensterjalousien für vier Wochen herabgelassen. * Der Bahnhof ist überschwemmt vom Hochwasser der Reiseflut; Menschen, Koffer, Dienstmänner, Karren, Räder, die Beamten hinter den Schaltern schieben flink und unaufhörlich die Fahrkarten durch die handgroßen Oeffnungen hinaus; auch der Juli wird vergehen, denken sie mit Recht. Ein unaufhörliches Hin und Her, Gedränge, Geschiebe, Geschrei auf sämtlichen Bahnsteigen vom ersten Zug bis zum letzten Zug. Väter mit sechs Kindern rudern vorbei, an jeder Hand drei Zeitungen, Keks und Obst werden ausgeschrien, Gepäckträger mit grünen Schürzen rollen einen kleinen Wolkenkratzer von Koffern und Schachteln hinter sich her. ♦ Es ist Juli, es ist Sommer; für manche dauert es noch einiae Tag*’. aber sie sehen jetzt schon alles wie eine plastische Vision: die Wiesen, in denen sie liegen werden, kletternde Falter im Gesicht, den Gischt der Wogenspitzen, in den sie sich stürzen werden, und ähnliche angenehme Bilder, die Gott der Herr zum Wohlgefallen und zur Erholung der Urlauber gestiftet hat. Wangerooge. Erholung auf einer Nordsee-Insel. Ich möchte jedem Kurgast wünschen, daß er in Wangerooge bei später Nachtzeit ankäme wie ich, als ich zum ersten Male die wundervolle Insel sah. Dann roirft nämlich der Leuchtturm fein breites Lichtbündel in die Straßen hinein und erhellt sie fast gespenstisch. Ganz unwirklich wirkt das. Geradezu zauberhaft. Ein Eindruck den man nie vergißt. Dieses Licht des Wangerooger Leuchtturms schweift über die Weite der See und zeigt den Schiffen, die auf der Fahrt sind, den rechten Kurs. Und wenn man dann in der Nacht noch an den Strand geht, dann blitzen überall die Leuchtbojen auf und der Rotesandleuchtturm schickt feine Strahlen auf das dunkle Wasser, das in rauschender Brandung unsere Füße umspült. Und wem dann das Glück so hold ist wie mir damals, der wird beglückt von dem Wunderschauspiel des Meeresleuchtens: Millionen und aber Millionen winziger Lebewesen lassen die Wasser in fluoreszierendem Llanz leuchten, als hätte man ein bengalisches Grünfeuer drin entzündet, so gleißt und glänzt es. Das ist die Poesie der Nordseenächte. Wenn man dann am anderen Tage sich urnsieht auf der Insel, dann ist man so recht überrascht von ihrer Schönheit. Wenn sie ein blauer Himmel über- svannt, bann macht [ie im Schmuck ihrer grünen Gärten, in ihrer Frische und Reinlichkeit einen so überaus glücklichen Eindruck, daß man sich gleich von vornherein wohlfühlt und sich auf die Wochen der Erholung freut, die man an ihrem weiten weißen Strand genießen will. Die Nordsee braust in wuchtigen Wellen an den Strand, leuchtendweiße Schaumkronen schmücken sie. Ganz in der Ferne, wo der rotweiß gestreifte Rotesandleuchtturm herübergrüßt, fahren große Dampfer vom Ozean kommend, in den Ozean steuernd. Die Sicht geht hinüber zu den Fahrwassern nach und von Hamburg, Bremen und Wilhelmshaven, ja, wenn sie besonders gut ist, sogar bis hin nach Helgoland. Wer solche Fernsicht liebt und sich nicht vor den vielen Wendeltreppenstufen scheut, der besteige ja den Wangerooger Leuchtturm. Ihn wird ein herrlicher Rundblick über Insel, Meer und Küste belohnen. Oder man wandere zum wiedererstandenen Westturm und erklimme den, Die Aussicht ist auch dort prachtvoll. Und nach solcher Anstrengung kommt dann die beseligende Ruhe des Strandlebens, dieses unsagbare wohlige Sich-Strecken und -Dehnen im warmen Sand, dieses köstliche Faulenzendürfen und Dösenkönnen, weil man sich selbst „Ferien vorn Ich" gewährt hat. Dieses Jn-die-Sonne-Blinzeln und dem Meeresrauschen Lauschen. Um uns her das frohe Spiel kleiner und großer Kinder, die ihre Burgen bauen und bunte Fahnen darauf hissen, die sich am Ballspiel vergnügen oder dick aufgeblähte Urwelt-Gummitiere auf den Wellen reiten lassen. Und von fernher klingt das frohe Lachen der Badenden, wenn die hohen Wellen über ihren Köpfen zusammenschlagen und sie sich stemmen gegen die Wucht der Wogen. Man ist mitten drin in diesem röhlichen Getriebe und ist doch wieder ganz allein ür sich mit seinen Gedanken und mit seinen Sehn- üchten. Die wandern mit den weißen Wolken in die Ferne oder realistischer — mit dem Flugzeug, das mit lautem Motorgeknatter über uns dahin- streicht und das den Traum der Dichter wahr machte: „Eilende Wolken, Segler der Lüfte, wer mit euch wanderte, wer mit euch schiffte ..." Ein solcher Rundflug um die Insel oder hinüber zum Festland oder auch zu den Nachbarinseln ist ein Genuß, der so recht hineinpaßt in die Sommerträume an der Nordsee. Genau so wie dazu eine Segelfahrt gehört und eine Wattwanderung unter kundiger Führung. Aber nur unter kundiger Führung darf man sie wagen. Denn das graue Watt mit seinen Prielen und lockenden Weitern ist gefährlicher Boden für den Fremden. Den darf man nur betreten, wenn ein sicherer Führer dabei ist, damit nicht die Flut den Wanderer überrascht und ihn mit sich reißt in die Unendlichkeit der tückischen See. Reunions, Strand- und Kinderfeste, Seehundjagden, Tennisturniere und andere sportliche Veranstaltungen sorgen für angenehme Abwechslung im Ferienprogramm. Es wird jedem etwas geboten. Und allen Besuchern beschert die Insel Gesundheit, Kraft und Lebensfreude. Dr. L. H. Wanderfahrten. Grünberg — Deikershain — Goldborn — Homberg — Burg- und Aleder-Gemünden. Mit dem Frühzug fahren wir nach Grünberg (Sonntagskarte) und verfolgen von hier bis Homberg die blauen Kreuze, die zunächst auf Feldwegen nach Stangenrod mit unterwegs schönen Blicken auf das Vogelsbergmassiv und besonders auf Ulrichstein führen. Nach einiger Zeit nimmt uns hinter dem Ort prächtiger.Buchenhochwald auf, und auf guter Straße wandern wir weiter über Weitershain (gute Unterkunft) und Schadenbach zum Goldborn, einer hübschen Quellenanlage mit Ruhebänken. Wir gehen nun am Waldrand entlang nach Homberg, wo wir das liebliche Ohmtal betreten. Schon von weitem grüßt uns das hoch auf einer Bergkuppe gelegene Städtchen entgegen. Homberg birgt noch viele altertümliche Sehenswürdigkeiten, so u. a. das alte 9mt- haus mit Glockenturm und die zum Teil noch wohlerhaltenen Ringmauern. Eine hervorragende Aussicht auf das Ohmtal und den hohen Vogelsberg genießt man vorn Schloßberg. Nach genügender Raft in einem her guten Gasthäuser steigen wir hinab und gehen auf der Landstraße am Hofgut Wäldershausen vorbei nach der Station Burg- und Nieder- ©emünben, von wo wir heimfahren. Die Wanderung beansprucht 4% Stunden. Kirch-Göns— Pohl-Göns — Lbers-Göns — Kleeberg — Butzbach. Da diese Wanderung nur in ihrem letzten Teil durch Wald führt, ist sie an sonnigen Tagen möglichst frühzeitig zu beginnen. Von unserem Ausgangspunkt Station Kirch-Göns durchschreiten wir die Orte Kirch-Göns, Pohl-Göns und Ebers-Göns. Erfreulicherweise hat sich in diesen Dörfern noch vielfach die schmucke Hüttenberger Tracht erhalten, auch finden wir noch zahlreiche Wetterauer Fachwerkhäuser mit ihren charakteristischen Torbauten. In Ebers-Göns treffen wir blaue Punkte, die uns nunmehr meistens durch Wald nach dem, an einem Berghang malerisch gelegenen, von einer schönen Burgruine überragten Kleeberg führen. In Kleeberg ist gute Einkehr. Schwarze Punkte leiten uns von hier zunächst durch das Kleebachtal, später durch schöne Waldbestände am gastlichen, anmutig gelegenen Forsthaus Butzbach vorüber nach Butzbach. Vor der Heimfahrt besichtigen wir noch die freundliche Stadt, die noch eine Reihe mittelalterlicher Schönheiten aufzuweisen hat. Zu der Wanderung brauchen wir etwa vier Stunden. Volksdeutsche Reiseziele. Besucht die Auslanddeutschen in euren Ferien ! Es gibt für den volksbewußten Deutschen kein schöneres Ferienerlebnis als einen Aufenthalt bei Ausländsdeutschen. Die jenseits der Grenzen lebenden Volksgenossen begrüßen den Gast aus dem Reiche als den Freund, als Bruder und Schwester aus dem Mutterlande. In ihrem Willkomm schwingt die frohe Gewißheit mit, daß man draußen, in jenen weiten Räumen, die seit Jahrhunderten deutschen Landsleuten zu einer neuen Heimat geworden sind, nicht mehr vergessen ist. Es liegt darum ein ganz besonderer Reiz über einem Erholungsurlaub bei Volksgenossen im Ausland, eine Stimmung, eine Wärme der Beziehungen, die sich so ganz unterscheidet von der kühlen Zuvorkommenheit internationaler Hotelatmosphäre. Wer einmal in die strahlenden Augen auslandsdeutscher Kinder geblickt hat, wenn der Gast sich als „Deutschländer" entpuppt hat, wer einmal im Dorf die schwielige Hand des deutschen Kolonistenbauern gedrückt hat, wird nie vergessen, meld) herrliches Bewußtsein das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Deutschen in der Welt umschließt. In schönen Ländern wohnen unsere Volksgenossen da draußen. Von den hochragenden Gipfeln der Südtiroler und Tatra-Berge bis zu den weiten Steppen des Donaulandes und am Schwarzen Meer, von den reizvollen Mittelgebirgen des S u d e t e n l a n d e s bis zur verträumten Stille des Memel ft ranbes, vom prächtigen Barock deutscher Städte des Südoftens, bis zur trotzigen Gotik der baltischen Hansehäfen finden sich Volksdeutsche Reiseziele in unendlicher Mannigfaltigkeit. „Ja, darf man, soll man denn ins Ausland reifen?" Wir müssen wissen, daß es gerade die Ausländsdeutschen sind, die reichsdeutschen Erzeugnissen bei der Einrichtung ihrer Betriebe und auch für den persönlichen Bedarf den Vorzug geben. In einer Zeit, in der gegen die Wirtschaft des neuen Reichs allenthalben im Ausland eine Boykotthetze begonnen wurde, haben die Auslandeutfchen durch ihre millionenfache Konsumkraft dafür gesorgt, daß die Ausfuhrwege vom Reich zum Ausland offen blieben. Unser Geld, das wir zu Ausländsdeutschen tragen, befruchtet die Wirtschaftsbeziehungen, zwischen ihren Wohnstaaten und uns, setzt unsere b e ft e n Auslandskunden in die Lage, deutsche Waren zu beziehen. Der VDA. (Volksbund für das Deutschtum im Ausland) als der berufene Treuhänder der Volksdeutschen Arbeit im Dritten Reiche, ist gern bereit, jedem Volksgenossen bei der Vorbereitung einer Reise zu Ausländsdeutschen beratend zur Seite zu stehen. Alle Auskünfte erteilen die Gruppen und Schulgemeinschaften des VDA. ober unmittelbar die Geschäftsstelle des Landesverbandes Hessen, Darmstadt, Landgraf-Philipp-Anlage 7, Fernruf 2208. Möchten recht viele den Ruf unserer Volksgenossen im Auslande hören und ihm folgen. Sie werden es nicht bereuen! Billige Ferienfahrten der Köln-Düsseldorfer. Während der Ferien, zunächst vom 8. Juli bis 31. August, hat die Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt in den Fahrten 8.30 Uhr und 15.30 Uhr ab Mainz wochentags ihre Fahrpreise wesentlich herabgesetzt, um preiswerte und erholende Rheinfahrten zu ermöglichen. Ganz besonders billig ist eine Ausflugsfahrt, die jeden Mittwoch um 9.30 Uhr von Mainz bis St. Goar/St. Goarshausen und zurück führt. Nach dem vorjährigen Erfolg sind auch wieder „Blaufahrten" vorgesehen, die von Fall zu Fall besonders angekündigt werden. Rundfunkprogramm. Sonntag, 7. Juli. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.05: Gymnastik. 8.25: Sendepause. 8.45: Choralblasen. 9: Katholische Morgenfeier. 9.45: Dichter im Dritten Reich: Max Halbe. 10: Deutsche Feierstunde der Hitlerjugend. 10.30: Chorgesang. 11.45: Bekenntnisse zur Zeit. 11.30: Hausmusik. 12: Mittagskonzert. 14: Kinderfunk. Kasperle zieht um! Ein Hörspiel von Heinz Eschwege. 14.45: Ein Schlosser geht auf Montage. 15: Stunde des Landes. 16: Musik am Nachmittag. Dazwischen aus dem Poststadion, Berlin: Ausschnitte aus dem Großboxkampftag. 18.30: Von Kassel: Anläßlich des Reichskrieaertages: Vorführungen der Wehrmacht auf der Karlswiese. 19: Fahrt nach Glückswinkel. Ein heiteres Hörspiel. 20.10: Festkonzert. 21: Von Kassel: Anläßlich des Reichskriegertages: Festakt in der Stadthalle. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.15; Hörbericht vom Reichskriegertag in Kassel. 22.35: Sportspiegel des Sonntags. 23: Tanzfunk. 24: Virtuose Violinmusik. 0.30 bis 2: „Undine". Montag, 8. Juli. 6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.15: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Kinderfunk. 15.30: Unser Schulkind — daheim (IV). Welche Ernährung ist richtig? 15.45: Die Ueberroinbung bes Liberalismus in USA. Roosevelts Kampf um bie Sozialversicherung. 16: Kleines Konzert. Kompositionen von Bruno Stürmer. 16.30: Bücherfunk. 16.45: Große Deutsche erleben Heimat unb Welt. Theodor Fontane: „Der Spreewald" (II). 17: Nachmittagskonzert des Landesorchesters Gau Württem- berg-Hohenzollern. 18.30: Jugendfunk. 18.45: Das Leben spricht. 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nach, richten. 20.10: „Wenn die Woche so beginnt, wird sie auch gut enden!" Bunter Abend. 22: Nachrichten. 22.20: Lothar Windsperger zum Gedenken. 22.30: Abendkonzert. 24 bis 2: Nachtkonzert. Dienstag, 9. Juli. 6 Uhr: Choral — Morgenspruch. 6.15: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 9.15: Ernste und heitere Musik. 10: Sendepause. 11: Werbekonzert. 11.30: Sozialdienst.. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtschaftsbericht. 14.45: Nachrichten. 15: Für bie Frau. 16: Kleines Konzert. 16.30: Von Automaten unb künstlichen Menschen. Ein merkwürbiges Kapitel aus 6er Geschichte ber Technik. 16.45: Technokratie — ein amerikanisches Krisenrezept. Auf seine Brauchbarkeit untersucht von Dr. V. Siebrecht, Darmstabt. 17: Nachmittagskonzert. Ruck-Zuck-Senbung zwischen Königsberg und Zoppot. 18.30: Farbig unb Weiß. Rassenproblems ber Weltpolitik. 18.45: Zeitgenossen gibt's ... 19: Opernkonzertdes Rundfunkorchesters. 19.40: „Hundstage — burcb Rundfunk angenehm temperiert." Plauderei von Paula Werckmeister (Wachswiedergabe). 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Der Zundelheiner unb ber Zundelfrieder. Die lustigen Streiche ber Zundelbrüder. 21.10 Kammermusik. Violinmusik. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Bunte Nachtmusik. 24 bis 2: Kammermusik. Daten für den 7.Jnlr. 1531: der Bildhauer Tilman Riemenschneider in Würzburg gestorben (geboren 1468); — 1815: Zweite Einnahme von Paris; — 1855: der Dichter Ludwig Ganghofer in Kaufbeuren geboren (gestorben 1920); — 1860: ber Komponist Gustav Mahler in Jglau geboren (gestorben 1911). Das nervenberuhigende Heilbad gjgsji Herz-u.Gefäßleiden - Rheüma . Erschöpfungszustände -Katarrhe . PAUSCMAL-U. VE RGÜNSTIGUNSKUREN ! AUSKÜNFTE ERTEILT: HESSISCHE BADED» REKTION BadSalihausen Besucht die Perle des Olnnlals Homberg, Ohm, Oberhessen Gute und reichliche Verpflegung, Auto-Garagen, große Terrassen, Angel- und Badegelegenheit, eigener Park, Kegelbahn. Zimmer mit fließendem Wasser Frankfurter Hof 8446d Besitzer: Heinrich Deeg I. Auf in die Vogelsberger Walder! Als Aufenthalts- u. Erholungsort emvsiehlt sich Caf6 n. Pension Drei- eichenrnh. Groß-Eichen, Inh.: M- Lina Stamm. Gig. 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Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (<5.) 28 Fortsetzung. Nachdruck verboten! 32. Kapitel. Eckehard von Mackenroth fuhr mit seinem kleinen Wagen durch die Kreisstadt Schedlowitz entgegen. An dem Eisenbahngleis, das er gerade am Bahnhof überqueren mußte, war die Schranke heruntergelassen. Der D-Zug von Prag her kam um diese Stunde durch. Hinterher rangierten ein paar Güterzüge, so daß ein längerer Aufenthalt entstand. Er mußte warten. . Plötzlich brauste hinter ihm her em Motorrad heran. Der Scheinwerfer seines Wagens beleuchtete grell den Mann auf dem Rade neben sich. „Hallo, Herr von Mackenroth!" sagte er erfreut. „Das ist ja ein glücklicher Zufall!" Es war der Ootteriekollekteur der Kreisstadt. Aufgeregt fuhr der Mann fort: „Herr von Mackenroth, ich bin gerade auf dem Wege zu Ihnen. Halten Sie sich fest, daß Sie nicht umfallen. Sie haben das Große Los gewonnen!" „Was habe ich?" .. v . Eckehard fühlte, wie das Blut ihm siedend zum Herzen schoß. Er beugte sich vor, starrte den Mann auf dem Motorrad an. War der wahnsinnig geworden? , , , „Ja, ja, Herr von Mackenroth, glauben Sie es nur. Das Große Los! Ich habe keine Ruhe gehabt. Ich dachte, fährst du heute noch heraus, es dem Herrn von Mackenroth zu sagen? Das Geld können Sie morgen früh von acht Uhr an in meinem Büro in Empfang nehmen. Funf- hunderttaufend Kronen, Herr von Mackenroth! — Aber Sie sagen ja gar nichts!" Eckehard von Mackenroth drückte die Hand des Lstteriekollekteurs mit einem geradezu wilden Druck. Er konnte nichts sagen. Er war wie betäubt. Fünfhunderttausend Kronen — damit war die Schuld, die er vom Vater übernommen hatte, vollkommen gedeckt und ihm blieb noch ein stattlicher Rest. Er fühlte, wje es ihm heiß und würgend in der Kehle aufstieg. Beinah hatte er anqefangen zu weinen wie ein Kind. Der andere schwieg. Er schien die tiefe Erschütterung Macken- roths zu spüren. Der sagte endlich in das Schweigen hinein: , ... .. . „Ich danke Ihnen, Herr Xavener, für diese Nachricht, Sie wissen gar nicht, was Sie mir da- selnem Wagen. Emil mit fernen langen Jungen« deinen holte den langsamer gehenden Oberinspektor Rockesch ein. Im Vorbeilaufen stieß er an den Pfeiler des Tores. Eckehards Brief fiel herunter, gerade vor die Füße Rockeschs. Emil wollte sich bücken. Aber Rockesch war ebenso rasch. Schnell hatte er den Brief aufgehoben, warf einen Blick darauf. „Soll ich zur Post bringen!" sagte Emil etwas ängstlich, denn er wußte nicht, ob Oberinspektor Rockesch ihm eine halbe Stunde Freizeit für den Weg zur Post geben würde. Aber Oberinspektor Rockesch sagte nur kurz: „Ist gut!" Auf Schloß Schedlowitz waren die Zimmer der oberen Etage noch verdunkelt. Unten hantierten schon die Leute. Rockesch ging durch die Halle, die in der Morgensonne lag. Dort traf er auf den Diener Franz. „Hören Sie, Franz, ich möchte ein Gespräch mit der Stadt haben. Aber ich möchte es von hier aus führen. Drüben braucht man es nicht zu hören. Es ist eine sehr wichtige geschäftliche Sache." Bald faß er am Telephon, nachdem er sich über- zeugt hatte, daß die Tür gut verschloßen war. Cr verlangte eine Nummer in der Stadt und sprach ein paar hastige Worte, Dann ging er befriedigt ab und ging wieder hinaus. Eckehrd hatte seine Besprechung mit dem Vieh- Händler erledigt. Nun ritt er hinaus auf die Fel- der. Er wollte sehen, wie weit die Leute auf der Karpener Wiese mit den Drainagearbeiten vor- wärtsgekommen waren. Er selbst fühlte eine Arbeitskraft und eine Arbeitslust in sich, wie schon lange nicht. Die furchtbare Sorge war ja von ihm genommen. Das Geld machte ihn frei; frei auch in seiner Liebe zu Barbara. Wenn sein Vermögen auch nicht im entferntesten sich mit dem Barbaras messen konnte — er stand doch nicht mit ganz leeren Händen vor ihr. Er durfte es wagen, um sie zu werben. Noch nie war ihm ein Morgen so schön erschienen wie der heutige. Blau und strahlend breitete sich der Himmel über das Land. Die Wälder waren voll belaubt. Die Berge waren wie eine duftige blaue Kette hinter den weichen Hügeln. Das Pferd unter ihm tänzelte in der Morgenfrische, als fühlte es mit ihm die Freude, das Glück. Wie schön war es, jung zu sein! Wie schön war es, wieder hoffen zu dürfen! Und wie schön war es, mit einem Herzen von Liebe an einen anderen geliebten Menschen denken zu dürfen! Heute nach Feierabend würde er Barbara sehen. Nun glaubte er, daß auch ihm das Glück wieder einmal beschie- den sein würde. (Fortsetzung folgt!) „Lieber Herr Xavener!" sagte von Mackenroth. „Tun Sie mir den Gefallen. Bewahren Sie über den Geldgewinn noch Schweigen. Ich habe meine Gründe dafür. Seien Sie so gut, heben Sie mir alles auf bis auf fünfzigtausend Kronen, die ich rnitnehrnen möchte." Tavener versprach Eckehard alles. Und Eckehard verabschiedete sich herzlich. Eckehard ließ das Auto in schärfstem Tempo gehen. Er wollte so schnell wie möglich wieder an der Arbeit sein. Zuvor aber wollte er noch einen Brief an den Gläubiger schreiben, der ihn wegen Rückzahlung der fünfzigtausend Kronen gemahnt hatte. Gleich heute mittag wollte er Emil mit dem Brief und dem Geld zur Post schicken. Dann wollte er Barbara aufsuchen. Er wußte, sie durfte heute schon ein wenig in den Park heruntergehen. Sein Herz war voll Jubel und Dankbarkeit, wie er sich die glückliche Wendung seines Schicksals vor Augen führte. Als er in den Gutshof einfuhr, wunderte er sich, daß Oberinspektor Rockesch mit eiligen Schritten aus der Rentmeisterei des Gutes herauskam und mit flüchtigem Gruß an ihm vorübereilte. Aber er kümmerte sich nicht darum. Was ging ihn die schlechte Laune des Oberinspektors an? Er war ja nicht mehr gezwungen, hierzubleiben. Er blieb nur noch, wenn Barbara wollte. Auf dem Gutshof war irgendeine eigentümliche Unruhe. Die Leute standen, statt zu arbeiten, in Gruppen zusammen. Aus den Ställen schauten die Mägde und die Knechte. Eine eigentümliche Erregung lag über dem Ganzen. Aber Eckehard, wie abgetrennt von aller Wirklichkeit durch sein Glück, sah und hörte nichts. Er eilte in sein Zimmer hinauf, schrieb den Brief an den Gläubiger, legte die fünfzigtausend Kronen hinein, versiegelte ihn und eilte hinunter. Gerade kam Emil hinten von der Pferdekoppel her. Eckehard rief ihn an: „Emil, sei Punkt acht Uhr mit diesem Einschreibebrief auf dem Postamt. Gib den Brief ab und lege mir den Zettel in mein Zimmer. Ich bin dann schon unterwegs." „Wird alles gut besorgt, Herr!" sagte Emil. „Und wie ist es denn", fügte er leiser hinzu, „mit dem Kerl, der uns das Vieh vergiftet hat? Wollen wir uns da nicht bald einmal auf die Suche begeben?" , . „Du hast recht, Junge! Komm heute nach Feierabend zu mir herauf in mein Zimmer. Da können wir unseren Kriegsplan schmieden. Und nun lauf los, damit der Brief zur Post kommt." Emil eilte davon, während Eckehard auf den Viehhändler wartete. Der stieg eben schwitzend von mit bringen. Herrgott, das wird fa ein ganz neues Leben. Damit kann ich ja ganz neu anfangen. Ich komme morgen ganz früh zu Ihnen. Geht es nicht schon zeitiger als acht Uhr? Ich muß ja um acht Uhr längst auf den Feldern fein. „Natürlich, Herr von Mackenroth! Ich bin jederzeit für Sie zu sprechen. Meinetwegen schon um sechs Uhr!" Eckehard lachte glücklich: „Sechs Uhr — das ist mir gerade richtig. Also aus Wiedersehen, Herr Xavener!" „Nein, wie schön das ist, daß ich Sie noch erwischt habe. Erstens kann man einem Menschen nicht zeitig genug eine freudige Nachricht bringen, und dann freue ich mich ja auch, daß ich beizeiten jetzt noch nach Hause komme." Er grüßte freundlich, wendete das Motorrad, dessen Knattern sich bald in der Dunkelheit verlor. Gerade ging auch die Schranke vor dem Bahngleis auf. Der letzte der Güterzüge fuhr davon. „Freie Fahrt!" sagte Eckehard halblaut zu sich selber. Es war wie ein Symbol. „Freie Fahrt auch ins neue Leben." Als er nach halbstündiger Fahrt bei Schloß Schedlowitz vorbeikam, waren alle Fenster dunkel. Sehnsüchtig und zärtlich schaute er zu Barbaras Fenster hinauf, an dem sich die weißen Vorhänge leise im Nachtwind bewegten. Schlaf nur!, dachte er bei sich. Schlaf so gut, u)ie meine Liebe es dir wünscht. Nun bin ich ein anderer Mensch. Nun kann ich dir eher gleich zu gleich gegenüberstehen. Nun werde ich dich fragen dürfen, ob das, was ich in deinen Augen gelesen habe, Täuschung gewesen war ober Wahrheit, beseligende Wahrheit. Eckehard stellte seinen Wecker auf fünf Uhr. Er hatte morgen erst um sieben Uhr eine Besprechung wegen eines größeren Viehverkaufs mit dem Viehhändler aus einer nahe gelegenen Ortschaft. Da konnte er früh schnell einmal zu dem Lvtterie- kollekteur hineinflitzen. Er schlief tief und traumlos und erwachte mit einem Ruck, als der Wecker raffelte. Schnell war er angezogen. Auf dem Hofe war noch alles still. Die Leute hatten gestern alle lange gearbeitet und hatten eine Freistunde frühmorgens bekommen. Schnell zog er den Wagen aus der Garage und fuhr davon. Pünktlich um sechs Uhr wär er vor dem Hause des Lotteriekollekteurs. Der erwartete ihn schon. Eckehard wollte sich entschuldigen, daß er ihn vor Tau und Tag aus den Federn holte. Aber Xa- vener sagte abwehrend: „Das macht gar nichts, Herr von Mackenroth. Man wird so oft wegen trauriger Dinge im Schlaf gestört. Warum nicht einmal wegen freudiger?" Bitt 0.75 per m per m per m per m per m per m CARLNOWACK beziehen bei 3946A .per m Gebr. Seelbach aparte Farben, hochwertiges Gewebe....per m GIESSEN SELTERSWEG 81 Selters weg 20. Telefon 3627. Stoff-Spezialhaus Bernards Sohn Gießen • Plockstr. 14-16 Das Geschäft für Siel 3989 A Heute ab vormittags 10 Uhr Fortsetenng der Konkurs-Versteigerung Verlust 3826 D Fuß- Verlust I JNHABER- CARL HEINZ SCHLÜTER ßochstcitter-Tcipeten 1.72 1.88 1.95 1.95 herrliche, zarte Blumendessins .. 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