ltr.207 Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 5. September 1955 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: $ranffurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäk-Vuch- und ZteindruSerei R. Lange in Gießen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen oonTOmm Breite 60Npf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf., Familienanzeigen, Bäder-,Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Das heiße Eisen Abessinien in Genf. Die Erklärungen der Hauptbeteiligien vor dem Völkerbundsrai. — Italien bleibt spröde. — Neue Verhandlungen hinter den Kulissen.— Pessimistische Kommentare in London.— Paris einstweilen zufrieden. Genf, 4. Sept. (DNB.) Der Völkerbundsrat ist Mittwochnachmittag zu "seiner angekündigten öffentlichen Sitzung zusammengetreten. Der Ratspräsident, der argentinische Gesandte Ruiz G u i n a z u, teilte zunächst mit, daß der Spruch des italienisch - abessinischen Schiedsgerichts über den Zwischenfall von Hai = Hal als einstimmige Entscheidung der fünf Schiedsrichter vorliege. Der Rat habe zunächst den angekündigten Bericht des englischen Ministers Eden über die inzwischen geführten Verhandlungen der drei hauptbeteiligten Mächte entgegenzunehmen. Die Erklärungen Edens. In seinem Bericht faßts Eden die englischen Vorschläge wie folgt zusammen: wir erkannten an, daß die Lage Abessiniens umfangreiche Reformen notwendig mache, es schien uns aber, daß die Reformen von Abessinien in voller Ausübung seiner Souveränität freiwillig und ohne Beeinträchtigung seiner Unabhängigkeit oder Unversehrtheit zugestanden werden sollten. Als Mitglied des Völkerbundes sollte Abessinien sich an den Bund wenden, um die Mitarbeit und den Beistand zu verlangen, die für seine wirtschaftliche Entwicklung und die Reform seiner Verwaltung erforderlich sind. Als angrenzende Mächte wären Frankreich, Großbritannien und Italien besonders berufen gewesen, diesen gemeinsamen Beistand zu leihen. Ein Auftrag zu diesem Zwecke hätte den genannten- Mächten entweder vom Völkerbundsrat mit Zustimmung Abessiniens erteilt werden können, oder der Völkerbundsrat hätte aufgefordert werden können, einem Vertrag zwischen den drei Mächten und der abessinischen Regierung seine Zustimmung zu geben. Die Reorganisationsarbeit hätte sich auf die verschiedensten Gebiete des nationalen Lebens Abessiniens erstrecken sollen, u. a. auf die Wirtschaft, die Finanzen, den Handel und bas Bauwesen, ferner die Ansiedlung von Ausländern, die Modernisierung der Verwaltung, Bekämpfung der Sklaverei und die Polizei insbesondere in den Grenzgebieten. Die freie Beteiligung der Ausländer auf wirtschaftlichem Gebiete sollte gewährleistet sein. Anderseits hätte der kollektive Charakter dieses Beistandes nicht verhindert, daß die besonderen Interessen Italiens unbeschadet der anerkannten Rechte Frankreichs und Großbritanniens besonders berücksichtigt worden wären. Schließlich sei die Möglichkeit territorialer Veränderungen unter Zustimmung Italiens und Abessiniens nicht ausgeschlossen gewesen. Dieses umfassende Programm sei von der italienischen Regierung a b g e l e h n t worden, und es habe sich als unmöglich herausge- stellt, in irgendwelchem Umfange zu einer Einigung zu kommen. Im Romen seiner eigenen Regierung erklärte Eden sodann u. a.: In den Nachkrieas- sahren haben sich die Völker angestrengt und ehrlich und mit einem gewissen Erfolg bemüht, eine neue internationale Ordnung zu schassen, die künftig der Menschheit die Schrecken eines Krieges ersparen sollte. Deshalb verpflichteten sie sich im Pakt von Paris, auf den Krieg als Werkzeug nationaler Politik zu verzichten. Aus demselben Grunde hatten die Mitglieder des Völkerbundes vorher ihren Entschluß bekundet und ihre Ueberzeugung ausgesprochen in der Satzung, die wir alle zu achten verpflichtet sind. Die Zentrale der durch den Pakt geschaffenen neuen Ordnung ist hier in Genf. Wenn der Geist auch hier ist, so können wir keinen Mißerfolg haben. Da die britische Regierung sich ihrer Verantwortlichkeit als Völkerbundsmitglied lebhaft bewußt und da sie bereit ist, ihren Anteil an dieser Verantwortlichkeit zu übernehmen, kann ich den Rat unserer bereitwilligen Mitarbeit an der vor uns liegenden schwierigen Aufgabe versichern. Ich bin sicher, daß wir alle als Völkerbunds- milglieder unserer verantworllichkeit in dieser Zeil eingedenk sein müssen. Die weltöffentlich- keil blickt auf uns. Der Völkerbund hat in den wenigen Jahren seines bisherigen Bestehens eine Reihe von Erfolgen zu verzeichnen, wir alle erinnern uns dankbar der wichtigen Rolle, die die italienische Ration durch ihre Genfer Vertreter bei der Herbeiführung dieser Erfolge gespielt hat, aber wir alle können uns der Tatsache nicht verschließen, daß der Völkerbund, wenn er in diesem Streit nach dem Urteil der Welt versagt, eine schwere Erschütterung seines Ansehens und seines Einflusses erlebt. Der Zusammenbruch des Völkerbundes und der neuen Auffassung einer internationalen Ordnung, die er darskellt, wäre ein Unglück für die ganze Welt. Ich brauche bei dieser Gelegenheit kaum zu wie- verholen, daß in diesem Streit zwischen Italien und Abessinien keine Rede von irgendeinem politischen oder wirtschaftlichen Konflikt zwischen Enaland und Italien sein kann. Die spezifischen Interessen Großbritanniens in Abessinien sind von Italien ausdrücklich anerkannt worden, und die britische Regierung hegt keine Befürchtungen, daß sie nicht weiterhin ebenso geachtet werden als bisher. Die britische Regierung ist an diesem Streitfall nur als Mitglied des Völkerbundes und als Unterzeichner des Paktes von Paris beteiligt. Wir wollen alle ans Werk gehen. Wenn wir die loyale Mitarbeit der beiden streitenden Parteien erlangen können, so werden wir die friedliche Lösung erreichen, die mir so ernstlich erstreben. Der französische Ministerpräsident Laval betonte seinerseits, daß Frankreich auf dem Boden der Völkerbundssatzung stehe. Keine Regierung habe sich in der Vergangenheit stärker für den Pakt eingesetzt, als die Frankreichs. Noch im letzten Jahr seien die Regelung der Saarfrage und die Beilegung der ungarisch-südslawischen Frage Erfolge der loyalen Zusammenarbeit der Verantwortlichen gewesen. Im Gegensatz zu Eden verwies Laval auf die Mitteilungen des italienischen Delegierten Über die Beschwerden, die Italien gegen Abessinien oorzubringen habe. Der Rat werde diese Beschwerde sicher mit der größten Aufmerksamkeit prüfen. Laval schloß mit folgenden Worten: Wir alle haben den Willen, für die Verpflichtungen des Paktes einzutreten, wir alle wollen den Frieden. Da es sich um italienische L e b e n s i n t e r- effen handelt, würde die italienische Regierung ihre elementarsten Pflichten vernachlässigen, wenn sie nicht Abessinien endgültig jedes Vertrauen entzöge, und wenn sie sich nicht ihre volle Handlungsfreiheit vorbehielte, um alle Maßnahmen zu ergreifen, die für die Sicherheit ihrer Kolonien und für die Wahrung ihrer eigenen Interessen notwendig werden sollten. Die abessinische Antwort. Nach Aloisi sprach der abessinische Vertreter Prof. Jäze. Er erinnerte den Völkerbund an die bisherigen Schritte Abessiniens, das sich nacheinander auf die Artikel 11 und 15 bezogen habe. Das Schiedsverfahren wegen des Zwischenfalles von Ual-Ual habe der italienischen Regierung immer wieder Gelegenheit gegeben, der Anwendung des Paktes auszuweichen. Gleichzeitig habe sie ihre militärischen Vorbereitungen unaufhörlich verstärkt. Der Zwischenfall von Ual-Ual sei jetzt durch den einstimmigen Beschluß der Schiedsrichter aus der Welt geschafft. Die italienische Anklage. Der italienische Vertreter Baron Aloisi wies dann auf die den Völkerbundsmitgliedern bereits zugegangene italienische Denkschrift hin. (Darüber berichten wir weiter unten. D. Red.) Sie enthalte die unwiderleglichen Beweise dafür, daß sich Abessinien in Widerspruch zu dem Vertrauen gesetzt habe, das ihm die italienische Regierung solange enlgegengebracht habe. Abessinien habe in seiner Eigenschaft als Völkerbundsmitglied und unter dem Schuh des Freundschaftsvertrages mit Italien gerade seil 1928 seine Politik der Rüstungen gegen die italienischen Besitzungen verstärkt, während sich gleichzeitig die Provokationen, die feindlichen Kundgebungen, die räuberischen Einfälle und Uebersälle und die Gewalttaten gegen die friedliche Bevölkerung der italienischen Grenzgebiete gehäuft hätten. Ein einziger dieser Angriffe hätte genügt, um einen Krieg gegen Abessinien zu rechtfertigen. Italien habe immer noch Langmut beweisen wollen. Schließlich aber habe es sich nach diesen trüben und oft blutigen Erfahrungen davon überzeugen müssen, daß Abessinien ein unversöhnlicher Feind sei. Die Ziele der abessinischen Politik würden dadurch besonders deutlich, daß die ersten Angriffsversuche von abessinischer Seite in dem Augenblitz erfolgt seien, als Italien in den lydischen Krieg und in den Weltkrieg verwickelt war. In der Erklärung A l o i s i s heißt es dann weiter: Da leider jede Möglichkeit für ein friedliches Zusammenleben und -arbeiten zwischen Italien und Abessinien geschwunden ist, kann Italien nicht mehr in einer passiven und nachgiebigen Haltung gegenüber einem barbarischen Staat verharren, der nicht fähig ist, sich selbst und die ihm unterworfenen Volksstämme zu kontrollieren, und der augenblicklich durch seine starke Bewaffnung die ilalienischen Grenzen bedroht. Die italienische Regierung kann von nun an der abessinischen Regierung keinerlei vertrauen mehr entgegenbringen. Sie kann auch nicht mehr an die geringste Möglichkeit glauben, daß Abessinien etwaige vertragliche Verpflichtungen einhalten würde, zu deren Uebernahme es sich doch bereit erklären sollte. Es kann dies um so weniger der Fall sein, wenn solche Verpflichtungen unter dem Druck der Verhältnisse übernommen würden. Der Pakt, der die Mitglieder des Völkerbundes bindet, ist nicht einfach eine Reihe von Artikeln, sondern ein harmonisches System von Grundsätzen, die eng Zusammenhängen und sich ergänzen. Die im Völkerbundspakt vorgesehenen Bürgschaften finden ihre Verankerung und ihr Gegenstück in den Verpflichtungen, die er auf= stellt. Den Rechten entsprechen Pflichten. Jede andere Auslegung kann dem Geist des Paktes nur schaden. Sie würde gegenüber solchen Staaten, die der Mitgliedschaft im Völkerbund nicht würdig sind, eine Art von Straflosigkeit zur Folge haben, oder sogar eine Art Asylrecht, das mit der Sicherheit der anderen und mit den einfachsten Grundsätzen der internationalen Gerechtigkeit unvereinbar wäre. Das Grundprinzip des Paktes besteht darin, daß ein Staat nicht in den Völkerbund ausgenommen werden und infolgedessen nicht darin verbleiben kann, wenn er nicht oder nicht mehr gewisse wesentliche Voraussetzungen erfüllt, nämlich eine stabile Regierung, eine tatsächliche politische und verwaltungsmäßige Organisation und genau festgelegte Grenzen. Es ergibt sich aus den sehr genauen Bestimmunoen des Art. 1 des Völkerbundspaktes, daß die erste Vorbedingung für einen Staat ist, diese Voraussetzungen zu erfüllen, um den Pakt selbst und die internationalen Verpflichtungen, die er übernommen hat, einhalten zu können. Die italienische Regierung ist der Meinung, daß ein Staat wie Abessinien weder Gleichheit der Rechte, noch Gleichheit der Pflichten mit den Kulturflaalea haben kann. Wenn ihm diese Gleichheit gewährt worden ist, und besonders, wenn man bei der Gewährung Abessinien für die Zukunft einen moralischen Kredit eingeräumt fyat, so liegt darin kein ausreichender Grund dafür, daß der Völkerbund in den im Jahre 1923 gutgläubig begangenen Irrtum zum Nachteil ber zauberen Mitglieder des Bundes bleibe. Die Erklärung Aloisis gibt zu, daß die italienische Regierung damals an diesem Irrtum beteiligt war. Sie schließt mit folgenden Sätzen: Wenn die italienische Regierung dem Völkerbundsrat jetzt ihre ausführliche Denkschrift vorlegt und sie ihm die Gründe für ihre Haltung auseinanderseht, so muß sie in aller Form erklären, daß sich Italien in seiner Würde als Kulturstaat tief verletzt fühlen würde, wenn es weiterhin im Völkerbund auf gleichem Fuße mit Abessinien arbeiten mühte. Italien lehnt es ab, diese Gleichheit einem Staate zuzuerkennen, der die ihm obliegenden Verpflichtungen nicht erfüllen wollte. Runmehr suche Italien einen neuen vorwand, um Zeit für die weitere Vorbereitung der Gewaltanwendung zu finden. Die italienische Denkschrift schaffe mit ihrem Versuch, die inneren Angelegenheiten eines Völkerbundsmit- gliedes zur Erörterung zu stellen, einen ernsten Präzedenzfall. Die abessinische Regierung sei bereit, darauf zu antworten. Aber der völker- bundsral dürfe nicht übersehen, daß die Zeit dränge, und daß ein Vernichtungskrieg gegen ein Vülkerbundsmitglied beschleunigt vorbereitet werde. Nach einer kurzen Erklärung des spanischen Vertreters, der die Anwendung des Paktes zur Aufrechterhaltung des Friedens forderte, schloß der Ratspräsident die Sitzung mit dem Bemerken, daß die abessinische Regierung zweifellos zu den Erklärungen des italienischen Vertreters Stellung zu nehmen wünsche. Der Rat werde deshalb erneut zusammentreten. Der Zeitpunkt werde noch bekanntgegeben werden. Die italiemsche Anklageschrift. R o m, 4. Sept. (DNB.) Die römische Presse ver- öfsentlicht auf fast drei Zeitungsseiten die umfangreiche Denkschrift, die die italienische Regierung in Genf vorlegt und die die italienischen Versuche Herausstellen soll, zu einer friedlichen Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet zu gelangen. Vier Gesichtspunkte, so heißt es in der Denkschrift, hätten in den letzten 40 Jahren die Beziehungen zwischen Abessinien und Italien stark belastet: 1. Die abessinische Weigerung, eine endgültige Grenze zwischen dem eigenen Gebiet und den italienischen Kolonien zu ziehen und die fort- gesetzte unzulässige Verletzung italienischen Gebietes durch Abessinien: 2. Die fortgesetzte Beschränkung der Immunität der diplomatischen und konsularischen Vertreter Italiens in Abessinien: 3. Die fortdauernde Mißachtung des Lebens und des Besitzes der italienischen Slaatsangehörigen in Abessinien, deren wirtschaftliche Weiterentwicklung verhindert wurde. 4. Gewalttätige Eingriffe gegen Leben und Besitz italienischer Staatsangehöriger auf eigenem italienischen Boden. Diese vier Punkte rechtfertigen die Beteuerung der italienischen Regierung, daß Abessinien offen und absichtlich Italien gegenüber alle übernommenen Dertragsverpflichtungen und besonders die zwischen Italien und Abessinien direkt abgeschlossenen Verträge verletzt habe. Diese Vertragsverletzungen seien nicht nur Einzelsälle, sondern systematisch und programmatisch. Der zweite Teil der Denkschrift befaßt sich mit der Stellung Abessiniens im Völkerbund. Es wird behauptet, daß Abessinien die als Völkerbundsmacht übernommenen Verpflichtungen in keiner Weise eingehalten habe. Schon die politische Struktur Abessiniens widerspreche der eines zivilisierten Staates. Einen breiten Raum nimmt in der Denkschrift die Behandlung der in Abessinien angeblich heute noch herrschenden Sklaverei ein. Hierzu werden als Kronzeugen zahlreiche englische Politiker und Schriftsteller angeführt, die dieselben Beobachtungen bezüglich der in Abessinien herrschenden Sklaverei gemacht haben wollen, wie sie jetzt durch diese Denkschrift festgestellt würden. So wird besonders der Gattin des früheren englischen Außenmini st ers Sir John Simon das Wort gegeben, die ein umfangreiches Werk über dis Sklaverei geschrieben Ha4, Die italienische Regierung kommt dann zu folgenden Schlußfolgerungen: Italien habe in diesem Memorandum in erster Linie den Stand der Beziehungen zwischen Italien und Abessinien erläutern wollen und habe gleichzeitig den Beweis der Nichtinnehaltung internationaler Verpflichtungen durch Abessinien gegeben. In zweiter Linie habe die italienische Negierung die Aufmerksamkeit auf die Tatsache gelenkt, daß Abessinien nicht die als Völkerbundsmitglied übernommenen Derpflich - t u n g e n eingehalten habe. Der Völkerbundsrat könnte daher nicht nach allen Gesichtspunkten hin die Beziehungen zwischen Italien und Abessimen richtig abschätzen, wenn er sich nicht ein Bild von der allgemeinen Lage in Abessinien und von seiner Stellung als Völkerbundsmitglied mache. Auf der anderen Seite sei Italien die Nation, die am direktesten durch die Nichterfüllung der von Abessinien übernommenen Verpflichtungen in den eigenen Rechten und Interessen berührt werde. Der Völkerbunds- Pakt habe zwischen den Mitgliedern des Völkerbundes ein System von Verpflichtungen und Rechten geschaffen, die im unmittelbaren Zusammenhang stehen. Kein Glied des Völkerbundes könne daher die Rechte des Völkerbundspaktes anrufen, wenn es nicht seine eigenen Pflichten erfüllt habe, und wenn es offen dargelegt habe, daß es nicht bereit fei, die Paktbestimmungen zu erfüllen, die die Hauptgrundlage seiner Mitgliedseigenschaft seien, und wenn es die allgemeinen und besonderen Verpflichtungen verletzt habe, die ihm gerade in seiner Zugehörigkeit zum Völkerbund zufielen. Auf der anderen Seite würde es jedem Grundsatz der Gerechtigkeit zuwiderlaufen, zu verlangen, daß Dölkerbundsmitglieder gezwungen seien, Paktoerpflichtungen gegenüber einem Mitgliede innezuhalten, das sich mit eigenen Verletzungen der übernommenen Verpflichtungen außerhalb dieses Paktes gestellt habe. Abessinien habe mehr als einmal bezeugt, daß es nicht die erforderlichen Eigenschaften besitze. dem Völkerbund anzugehören. Abessinien habe systematisch alle mit Italien ad- geschlossenen Verträge verletzt. Abessinien habe sich mit seinem Verhalten offen außerhalb des Dölker- bundspaktes gestellt und habe sich des ihm bei seiner Aufnahme in den Völkerbund gezeigten Vertrauens unwürdig erwiesen. Wenn sich daher Ita« lien gegen einen derartig unerträglichen Tatbestand auflehne, verteidige es dadurch seine eigene Unversehrtheit, das eigene Prestige und die eigene Würde. Es verteidige aber auch gleichzeit^ "das Prestige und den guten Namen Des Völkevvnndes« Der Verlauf der Ereignisse in den nächsten Tagen internationalen Organisa- einer Itplag einer in t e r n a r t o n » Moming Post" will wissen, daß bereits am Don- d°ch "der" Zrwä- nerLgnALag eine. Belprechung der in gung wert ,ei Viele erfahrene Beobachter hatten London anwesenden M.n.ster abgeholten werden wnachft die Ansicht ausaedrückt, daß ein solches! wird. Schroffe Sprache der römischen preffe Parteien erklam oer abgeschlossen. Der Donnerstag ist Ruhetag. und die anderen Lander seinem Beispiel keineswegs folgen würden. Es werde immer klarer, daß das Schweigen der britischen Regierung in den Anfangsstadien des Streites keineswegs bedeutet habe, sie werde unter keinen Umständen wirksam handeln, daß Frankreich einem britischen Vorgehen im Ernstfälle folgen werde, und daß die kleineren europäischen Mächte die jetzige italienische Politik einhellig Dcrurteilten. Es verlaute, daß bk Mächte der Kleinen Entente beschlossen hätten, an Sühnemahnahmen, die von Großbritannien und Frankreich vor- geschlagen würden, teilzunehmen. Britische Kreise seien der Auffassung, daß Italien die Ehr- llchkeit der Angebote für eine friedliche Lösung Wenn Mussolini allerdings den Krieg wolle, dürfe er es in Genf nicht dazu kommen lassen, daß Frankreich und England sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigten. Man müsse sich unter diesen Umständen fragen, ob das etwaige Zögern Italiens nicht auf die Annahme zurückgehe, daß England mangels gemeinsamer Sühnemaßuahmen unter Berufung auf Artikel 16 Absatz 1 der Völkerbunds- satzungen selbständig handeln würde. England sei durch seine Flotte dazu in der Lage Pertinax meldet aus Genf, es fei em offenes Geheimnis, daß Eden darauf verzichtet habe, die französischenglischen Vorschläge, die am 16. August von Mussolini verworfen worden waren, restlos bekanntzugeben, weil Laval ihn überzeugt habe, daß das Angebot, das wahrscheinlich demnächst in anderer Form erneuert werden solle, eine Signal „Das Ganze Halt!" Drei Tage und zwei Rächte sind die Truppen in schweren Kämpfen gewesen. Die aus der oft wechselnden Gefechtslage sich ergebenden Umgruppierungen hatten wenig Ruhe gelassen. Wenn sie auch in der Frühe des dritten Kampftages einen etwas übernächtigten Eindruck machten, so erweckte die verteidigende blaue Partei doch keineswegs den Eindruck einer geschlagenen Truppe. Auch bei der roten Partei, die den Erfolg auf ihrer Seite sah, war das Signal ,,Das Ganze Halt!" ersehnt, dem bald darauf der Offiziersruf zur Besprechung und das Signal „Abrücken in die Quartiere" folgten. Damit war die erste Hebung der Herbstmanö- Dort werde begriffen, daß Italien, wenn der Völkerbund vorgehen würde, nicht mehr in der Lage wäre, den Vrennerpaß zu verteidigen. Ls bestehe guter Grund anzunehmen, daß diese Anschauung jetzt in Rom anerkannt worden sei. stehe nicht. Man habe noch drei Wochen vor sich, um die verbleibende kleine Aussicht, einen Streit zu vermeiden, zu pflegen. Sollte der Streit trotz allem entbrennen, sei der Völkerbund wiederum zur Stelle, um ihn möglichst rasch zu beenden, vielleicht, nachdem Italien militärische tausend Meter Höhe. Die Jagdflugzeuge versuchen, auf die nun sich immer weiter hochschraubenden Bomber von oben herabzustoßen. Wer bei diesen Luftkämpfen „zweiter Sieger" geblieben sein mag, ist schwer zu entscheiden. Auch der Bomber ist ja gegenüber dem Jagdflieger nicht etwa wehrlos. Die Flugabwehr war vorher schon gewarnt worden. So konnten auch die Jagdflieger in Braun- unb den zunehmenden widerstand gegen seine Methoden in Großbritannien und ganz Europa gründlich unterschätzt habe. Das englisch-französische Angebot sei von Italien aus den Gründen abgelehnt worden, die in seiner heutigen Erklärung enthalten seien. Außerdem sei es Ansichtssache, ob dieses Angebot für Italien vorteilhaft fei. Man müsse sich vor allem fragen, ob die erwähnten Vorschläge einen Ausgangspunkt oder einen Abschluß dar- slellen sollen. Aus der Wiedergabe der Ralserklärungen Edens geht hervor, daß auch diese neuerliche Darlegung des englischen Standpunktes hier nicht gerade Anklang findet. halten, den Streit in feiner weife zum Aus- trag zu bringen. Das fei eine indirekte Zurückweisung der juristischen Zuständigkeit des Völkerbundes, die es schwierig mache, zu sehen, auf welcher Grundlage dk Erörterungen fort- gesetzt werden sollen. Die italienische Antwort auf die Versöhnungsangebote Edens hatte einen beklagenswerten Eindruck gemacht. Am Mittwochabend habe der Eindruck bestanden, daß die italienische Regierung die Reich- London, 6. Sept. (DNB. Funkspr.) In dem Bericht des Genfer Sonderkorrespondenten der „Time s" über die gestrige Ratssitzung wird u. a. gesagt, der Zweck der Erklärung Edens sei klar. Sie komme auf eine Wiederholung der Höchstzugeständnisse hinaus, die Italien angeboten worden seien. Dem italienischen Vertreter habe sie eine Gelegenheit gegeben, den in Paris zerrissenen Faden wieder aufzunehmen. Diese Hoffnung sei anscheinend durch seine Antwort mindestens für den gestrigen lag zerstört. (Eben sei sofort von Laval unterstützt worden durch Ausführungen, die in Richtung auf Unterstützung des Völkerbundes und auf Uebereinftim- mung mit dem britischen Standpunkt weiter gingen, als die meisten Beobachter erwartet hatten. Eden habe nichts von Dersöhnungs- willen gezeigt, und Laval habe einen entschie- denen Wink hinsichtlich der Entscheidung der französischen Regierung für den Fall gegeben, daß sie letzten Endes zwischen Völkerbund und Zusammenarbeit mit Großbritannien einerseits und der Politik andererseits wählen müßte. Laval habe sich enger als bisher an die Richtlinien der britischen Politik heranbewegt und die Versicherung der Treue Frankreichs zum Völkerbund erneuert. Baron Alolsi habe wiederum die französisch-englischen Vorschläge ver- »orjeu unb sich das Recht für Italien vorbe- London. 5. Sept. (DND. Funkspruch.) Pre- mierminifter Baldwin, der am Mittwochabend Aix-les-Bains verlassen hat, wird am Donnerstag- nachmittag in London erwartet. Macdonald ist bereits am Mittwoch auf dem Luftwege aus Schottland nach London zurückgekehrt, der Schatzkanzler Neville Chamberlain, der sich in Frankreich aufgehalten hatte, ist ebenfalls am Mittwoch in London eingetroffen. Die Flakübungen der deuischen Luftwaffe bei Braunschweig. Der „Krieg" in der Lüneburger Heide Sestern letzter Manövertag. Der Eindruck in London Ernste Worte an die Italiener. Italien zeigt die kalte Schniter. Kein Gespräch mit Abessinien.-Kellogg-pakt ausgeschlossen. Genf, 4. Sept. (DRB.) Baron A l o i s i empfing Mittwochabend die internationale P ress e, um sie auf die Bedeutung feiner vor dem Volker- bunbsrat abgegebenen Erklärung Hinzuwelsen. Er unterstrich, daß es sich um eine Erklärung feiner Regierung handelt, die er als u n - widerrufliche Entscheidung bezeichnete. Aus seinen Antworten auf verschiedene an ihn gerichtete Fragen ergibt sich, daß Italien weiterhin an den Arbeiten des Völkerbundes teil- nimmt und Im Augenblick einen Austritt nicht in Erwägung zieht. Anderseits lehnt es die italienische Regierung auf das entschiedenste ab, VA mit Abessinien vor dem Völkerbundsrat auseinanderzusehen. Der italienische Vertreter wird sich also gegenüber den zu erwartenden abessinischen Gegenerklärungen völlig passiv verhalten und den Meinungsaustausch nur mit den anderen Ratsmitgliedern fortsetzen. Großen Wert legt Aloisi auf hie Feststellung, daß in der heutigen Ratssitzung Einigkeit zwischen England Frankreich und Italien bestanden hat. Daß diese Einigkeit sich aber nicht auf sachliche Fragen bezieht, geht aus weiteren Aeußerungen hervor. weite des Problems und die Geistesverfassung der \ m • x Völker und Regierungen, mit denen sie zu tun Braunschweig, 4 Sept. (AND.) Bei den habe, ganz falsch beurteile. Mussolini Flakmanövern der Luftwaffe um Braun|a)roeig ist halte anscheinend noch an dem Gedanken fest, daß am Dienstagnachmittag der erwartete Gr o tz a n- Großbritannien bluffe und daß Frankreich griff von Bombern und Jagd f 1 u g ä e u- * * • ‘ 1 g e n auf bas im Brennpunkt der Hebungen stehende Peiner Walzwerk erfolgt. Die giatbatterien hatten z. T. über Nacht ihre Stellung gewechselt, weil sie tagszuvor von der feindlichen Luftaufklärung erkannt worden waren. In der weiteren Umgebung Stadium erst erreicht werden könne, wenn der ita- Itenifdie Feldzug begonnen und bereits Erfolge -rMt habe Am Mittwockabend habe sich sedoch biefö U$pS=L Mitarbeiter de- New, Chronicle" sagt. 1-m» Meinung nach werde der Opitimismus nicht enttäuscht ^Der^ Völkerbundsrat werde Mussolinii nicht et- lauben, seinen Krieg zu gewinnen. Aloisi haba sich offenbar in der Defensive befunden. Dtt Berichlerslaller glaubt ebenfalls zu wissni, daß die Kleine Entente und die Balkan-Entente beschlossen hätten, alle Maßnahmen zur Verhinderung eines Krieges durchzufuhren, über die sich England und Frankreich einigten. Heute Wnisterbefprechmig in London? schweig noch rechtzeitig aufsteigen, um gerade einzutreffen, wie die Bomber das Walzwerk belegen wollten. Das ist der Zusammenarbeit mit dem zivilen Luftschutz zu danken. Die Manöverarbeit der Zivilbevölkerung beschränkt sich nicht auf die abendliche Btrbuntelung. Auch die Flug» wachen sind Tag und Nacht besetzt und arbeiten kriegsmäßig. Solche Flugwachen sind nach dem Organisationsplan über das ganze Reich derart vertellt, daß man theoretisch den Weg jedes Flug- P a r i s , ö. Sept. (DNB. Funkspr.) Die Pariser Morgenpresse behandelt die Entwicklung der Abessinien-Aussprache in Genf sehr vorsichtig, tote stellt mit einer gewissen Befriedigung fest, daß der Mittwoch trotz der scharfen Anklagerede des italienischen Vertreters zu keinen Zusammenstößen geführt habe, und lobt das Verhalten des französischen Außenministers. Allerdings gehen nur vereinzelt einige Blätter soweit, eine friedliche Lösung des Streitfalles für wahrscheinlich zu halten. Der „Mat in" schreibt, am Mittwochabend sei die Lage nicht bedenklicher gewesen als vorher, sie werde in den nächsten Tagen bedenklicher werden. Eine unmittelbare Gefahr be- Abessinien gegen Kompromisse. Addis Abeba, 5. Sept. (DRB. Funkspruch.) Heute Vormittag erhielt der Vertreter Abes- Hnlens in Genf neue Instruktionen, darunter, wies bisher bekannt wurde, die strikte Anweisung, den bisherigen abessinischen Standpunkt nicht zu verlassen und keine Kompromisse einzugehen. Die Aufastung über die Lage ist in Addis Abeba sehr optimistisch. Der abesfinifche Kaiser sandte in der Rächt zum Donnerstag dem P a p st in Rom ein Telegramm, in dem er ihm für feine Friedenskundgebungen dankte. Diplomatischer Kamps in Addis Abeba. London, 4. Sept. (DNB.) Wie Reuter berichtet, habe die Rede des abessinischen Gesandten in London vorn Dienstag zu einem Protest der Italiener in Addis Abeba geführt. Die Italiener fühlen sich nach dem Reuterbericht durch die „ungewöhnliche Sprache" dieses Diplomaten gekränkt und besonders dadurch, daß Dr. Martin in seinem Vortrag u. a. erklärt hat, daß das bedauernswerte italienische Volk sehr viel eher eine S k l a v e n b e fr ei un g brauche, als die Haussklaven in Abessinien. Dies sei nach italienischer Ansicht eine ganz beispiellose Art, sich über ein Land zu äußern, mit dem man sich zur Zeit noch im Friedenszustand befinde. Der Sonderberichterstatter der Agentur Havas m Addis Abeba berichtet über ein Kommunique der abessinischen Regierung, in welchem die abessinische Regierung gegen die Behauptung Einspruch erhebt, daß sie die im Jahre 1931 in Anwesenheit des italienischen Gesandten unterzeichnete Petroleum -Konzession des Italieners Dr. gungen bei Blau zu gewinnen versuchte, blieb der Rückzug zunächst verborgen. Bei Tagesanbruch iedoch griff Rot auf der ganzen Linie an und stellte dabei fest, daß mit Ausnahme eines dünnen Schleiers von Nachtruppen Blau die Stellung geräumt hatte. Durch motorisierte Kräfte unb schnelle Vorstöße versuchte Rot möglichst viele der zurückgehenden blauen Kräfte zu fassen und den Rückzug zu stören. Die zahlreich und meisterhaft angelegten Sperren der blauen Division erschwerten die Aufgabe aber außerordentlich. Mitten in dieser großen Bewegung der beiden feindlichen ~ *' tg gegen 8 Uhr in der Frühe das Ganze Halt!" Rom, 5. Sept. (DNB. Funkspruch.) Im Hin- blick auf die Ausführungen Baron A1 o i s i s auf der Ratssitzung vom Mittwoch wird in hiesigen politischen Kreisen besonderer Rachdruck auf die Feststellung gelegt, daß Italien sich seine völlige Handlungsfreiheit vorbehalten hat. Eine weitere Beteiligung Italiens an den Genfer Verhandlungen würde unmöglich gemacht, wenn man bei der weiteren Behandlung des Osiafrika-Konfliktes Italien und Abessinien mit gleichem Maße messen würde. Diese Gesichtspunkte werden in den Heberschriften und Schlagzeilen der Genfer Berichte der hiesigen Blätter ganz besonders hervorgehoben, wie man auch dem Satz Baron A 1 o i s i s besonderen Nachdruck verleiht, daß die italienische Regierung ihre elementarsten Pflichten versäumen würde, wenn sie jetzt nicht endgültig Abessinien jedes Vertrauen ent- ziehe und ihre Handlungsfreiheit zum Schutze ihrer Kolonien und zur Wahrung ihrer Interessen erkläre. Man erblickt hier in dem Verlauf der gelingen Sitzung eine klare Wendung der Lage zugunsten Italiens. bessere Aussicht auf wohlwollende Erwägung haben würde, wenn der Welt die Einzelheiten nicht bereits bekannt feien. Als Gegenleistung habe Laval Eden die Ermächtigung erteilt, öffentlich bekanntzugeben, daß er, Laval, den englischen Bericht über die Pariser Verhandlungen billige. Bei feinem ständigen Meinungsaustausch mit Rom während der letzten Tage scheine der französische Ministerpräsident eine Art Versprechen erhalten zu haben, daß Italien bis auf weiteres keine kriegerischen Operationen beginnen werde, falls es nicht herausgefordert, oder zum Schuhe feiner eigenen Truppen dazu gezwungen würde. Ein anderer wichtiger Punkt sei, daß Baron Aloisi keinen Einwand gegen die Ernennung eines Ausschusses von Berichterstattern zu erneuter Prüfung der Möglichkeit einer friedlichen Regelung und zur Festsetzung der allgemeinen Richtlinien einer solchen Vereinbarung erheben werde. energisch nach. Nachdem es noch einmal zu einem Aufhalten der nachdrängenden roten Kräfte an den Ausläufern der großen Forsten bei Münster gekommen war, fand die Hebung ihren Abschluß. Der roten Partei, die durch starke Späh-, trupps und Luftaufklärung Einblick in die Bewe-1 Doulio über das Gebiet von Danakil verletzt haben soll. Die abessinische Regierung weise viel- mehr darauf hin, daß sie niemals einens o l- ch e n Vertrag unterzeichnet habe, da sie i Daily Telegraph" heißt es, trotz der im Juli 1932 in einer Mitteilung an 2)r. Touho e (0 i f i s habe es gestern Zeichen gege- enbgültig auf die weiteren Verhandlungen über die Erklärung A l o ' U/. ^e. es^ge, .^Haltung Konzesswnssrage ° " z i ch t e t und sich chre H a n d- bb & nner Linderung der ituli-nisch-n lungsfr eil)eit wiebergenommen 'Politik führen werde. Die Kleine Entente ßrttllöCfintlOn und öie Balkan-Entente hätten sich auf yiC ÄVltjCl JlvlWIL Unterstützung Englands und Fr an k- Addis Abeba, 4. Sept. (DNB.) Zu der reich s geeinigt, und zwar ohne Rücksicht auf me MMhunn mnnnrfi die Standard Vacuum etwaige Haltung anderer Lander. Der diplomatische Oil Comvan^e auf Veranlassung von Staats- Mitarbeiter des Blattes hat den Eindruck daß kkretärHuNsichvon der Konzession z u r Ü ck g e - M u s s o l i n i die Möglichkeit einer ßofung L a c n habe verlautet, daß man in abessinischen nicht aussch ließe, die einen An grtf f auf Krisen die Lage nach wie vor für unverändert an- Abessinien ü b e r f I uJ f i g madjen rourbe. Die Be- kbe ba die Rechte Ricketts weiter b e - megungen der brtti chen Kriegsflotte wahrend der leben bleiben letzten Wochen hätten offenbar m Rom eine nach- Der Neuyorker Makler Chertok erklärte, daß deutliche Stimmung verursacht. er trotz der Rückgängigmachung der Konzession in > - < ----- —- Abessinien durch die Standard Oil weiterhin s e i n Konzessionsrecht in Abessinien aus- recht erhalten werde. Er habe noch 40 Taae 3eit, um die im Optionsvertrag mit Abessinien est- gefefete Optionssumme in Höhe von einer Millwn Dollar bei der Regierung von Abessinien zu hinter- SOCIIUU| uct -----„ legen. Im übrigen habe das Staatsdepartement fid) nicht deutlich Voraussagen. Rom werde bisher hinsichtlich seiner Option mit ihm nicht Fuh- Q^er vielleicht noch überzeugt werden, daß der Vor- lung genommen. Nach dieser Erklärung Chertoks ,<< ei„o, ; ' -----f * ist anscheinend seine Konzession unabhängig oon H^» der Konzession der Standard Oil. b * Chertok erklärte weiter, er werde innerhalb men Fi. , der nächsten zwei Wochen in London eintreffen, zunächst die Ansicht ausgedrückt, daß em solchesjwiro. um seine Option auszuüben. Chertok fügte hinzu, er habe das Staatsdepartement über dessen *** Ansicht in der Frage der abessinischen Konzession JlpfriPhlfllitlfl 111 DdHSL nicht befragt. Eine Auskunft über seine Jinan- V11 lv VlyMHy <11 ‘fr Hellen Hintermänner lehnte Chertok ab. c^*»**1» Er erklärte lediglich, daß es sich um amerifad Ein italienisches Versprechen Ott 10V01 f n is ch e Geschäftsleute handele. Für das Verfahren, so meinte Aloisi, standen verschiedene Möglichkeiten offen, beispielsweise die Ernennung eines Ausschusses oder eines Berichterstatters. Jedenfalls habe sich die italienische Regierung heute ihre volle Handlungsfreiheit vorbehalten. Aus feinen Ant- warten auf weitere Fragen war zu entnehmen, daß Genugtuung erlangt haben werde. SW - Italien auch hier keine anderen Möglichkeiten aus- Genf überhaupt nicht gefallen. schließe. Die Lage sei im Augenblick nicht unmittel- „Excelsior" drückt seine Freude darüber aus, bar bedrohlich. daß sich die Besorgnisse, die der Streit der letzten Die Bezugnahme auf den kellogg-Pakt fei Zeit hervorgerufen habe, nicht bewahrheitet hätten, jedenfalls unzulässig, da England dessen An- Das „Oeuvre" erklärt man konnte beinahe den Pakt mit den gleichen Vorbehalten unter- hinter den Kulissen beginne in Genf jetzt eine zeichnet habe. neue Dreier-Besprechung, in deren Verlauf England und Frankreich die Vorschläge Edens empfehlen würden. Das „Echo de Paris" will aus der Tatsache, daß der Mittwoch glimpflich verlaufen sei, keine Schlußfolgerung auf ein Nachgeben Italiens ziehen. Der Genfer Bericht des „Messager o" zieht aus den englischen Erklärungen die Schlußfolgerung, daß man in Puris Italien ein Nichts, Celle, 4. Sept. (DND.) Die Hebungsleitung angeboten habe unb daß dieses ^Aur L Herbftmanöver d e s VI. Armeekorps noch von der Suftimmu^ if)t über ben Verlauf des 4. September folgenden Völkerbundes abhängig gemacht wurde. Die Erna- & ... rungen Lavals bezeichnet das gleiche Statt als eine W ' Beendigung der Gefechtspause nahm die Darlegung der internationalen Beziehungen von ^buna am 3 September ihren Fortgang. Die höherer Warte aus, die wett von vRacfjt bradjtc bei sternklarem Himmel r^eg/beider- Wahnvorstellung entfernt sei, von Genf aus irgend (-rkundunastätiakeit Um Mitternacht einen Zwang auf den Willen der Regierungen aus- entscheidende Wendung der Lage 3""ben, ein. Während Rot an die Fortsetzung sei - sich Grenzen und törichte Kontrollen auszuer- I n e 5 Angriffes am nächsten Morgen glaubte, legen, wenn diese mit den eigenen Rotwendig- mußte Blau mit Rücksicht auf grundlegende Verkeilen und Erfordernissen nicht in Einklang zu änberungen der Lage bei angenommenen Nachbringen feien. I schubtruppen noch in der Nacht seine Stellun- D-n fiauptmert des r ü tf g Vs"roa” intercfti be°b°chte"n, maxn barm; bnajLnf morden iei h wie diese schwierige Operation im Schutze von endgültig an den Pranger gestellt worden sei. Sicherungen sich trotz der Dunkelheit in völliger Ordnung und mit größter Sicherheit vollzog. Erst in der Frühe des 4. September gewann Rot über die inzwischen veränderte Lage bei Blau Klarheit und stieß nun dem Gegner hatten die Scheinwerferbatterien ihre Stellung verbessert. Plötzlich ruft der Flugmeldeposten einer Flakbatterie „F l i e g e r a I a r m". Hoch in den Wolken sind die ersten roten Bomber aufgetaucht, während unten noch der lief angriff der Jagdflieger vor sich gegangen war. Aber die Luftspäher der Batterien waren auf dem Posten gewesen. Die giatbatterien, die eine Gruppensaloe nach der anderen zwischen die Bomber gelegt hat- --------- ------ --------- - ten, stellen ihr Feuer ein, und nun entwickelt sich Zeuges genau verfolgen kann Voraussetzung dazu -eine Serie von tiufttämp. fen in vier- bis fünf- * ift natürlich eine sehr jorgj altLgL 41 u 3 b ti» düng und laufende Schulung des aus allen Kreisen der Bevölkeruna gestellten Personals. Die technischen Arbeiten sind dabei ebenso modern wie verblüffend einfach. Man kann die Leiter der Fluawachkommandos um ihr Personal beneiden. Auch im Ernstfall würden ja im allgemeinen waffenfähige Männer für diesen Warndienst nicht ver- fügbar sein; auch dann müßten es Frauen, Jnoa- liden und Jugendliche erledigen. Das sind die „W a r n z e n". Das ist die Abkürzung für „Warn- zentrale". Wie man sieht, wird die Arbeit mit Humor erledigt. Am Dienstagabend ist der Versuch gemacht worden, den Schutz eines lebenswichtigen Industrie- wertes gegen Fliegerangriff bei Nacht dadurch zu erhöhen, daß in der Nähe dieses Werkes eine Täuschungsanlage errichtet worden ist. Der Zweck einer solchen Anlage ist, den in der Dunkelheit anflieaenden feindlichen Fliegern die oer- schiebenen Arbeitsvorgänge des au schützenden Werkes an einer Stelle vorzutäuschen, bei der der Bombenabwurf ohne nachhaltige Wirkung auf das Werk bleiben muß. In diesem Falle war es auf Grund eingehender Vorbereitungen geglückt,, diese Forderung weitgehend zu erfüllen. Es liegt in der Natur der Sache, daß auch nach den Manövern ein eindeutiges Urteil über den Erfolg oder Mißerfolg eines Angreifers oder der abwehrenden Partei nicht gegeben werden kann. Der Verlauf der Uebungen hat aber gezeigt, daß unsere junge Flakartillerie durchaus in der Lage ist, einen Angreifer abzuwehren. Die Zusammenarbeit der Bodenkräfte und der abwehrenden Jagdflieger war ausgezeichnet und zeitigte auch greifbare Erfolge. So wurde von den beiden Bombenangriffen am Montag einer bereits sehr frühzeitig den Abwehrkräften durch den gut funktionierenden Flugwachtdienst bekannt. Außerdem konnten die Flaks bei dem ersten Angriff von den sechs angreifenden Maschinen drei nach schiedsrichterlichem Urteil a b s ch i e ß e n. Bei dem zweiten Angriff war ein eindeutiges Ergebnis der Abwehrarbeit nicht zu erzielen, da die Kampfflieger in sehr großer Höhe ihr Ziel überflogen. 100 Flugzeuge über München. München, 4. Sept. (DNB.) Trotz schlechten Wetters überflogen am Mittwoch ungefähr hundert Flugzeuge in mehreren Staffeln und Geschwadern unter Führung des Obersten C h r i - stiansen die Haupt st adt der Bewegung. Nachdem es am Dienstag bei dem Uebungsflug von Nord- nach Süddeutschland im Zusammenwirken mit den Uebungen des Heeres über der Donau zu „Luft- kämpfen" gekommen war, versammelten sich Mittwoch morgen die Verbände nördlich Münchens. Nach ihrem Geschwaderflug über der Stadt sind sie wieder in ihre Flughäfen zurückgekehrt. Den Uebungen wohne General Weyer bei, der in seinem Einsitzer die Luftkämpfer, die Landungen, die Versammlungen in der Luft und den Geschwaderslug über der Stadt begleitete. Ernennungen im Auswärtigen Dienst. Berlin, 4. Sept. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat folgende Ernennungen im Auswärtigen Dienst oorgenommen: Den Gesandten zur besonderen Verwendung von Keller zum Botschafter in Ankara, den Gesandten in Kairo, von Stohrer, zum Gesandten in Bukarest, den Vortragenden Legationsrat Bode zum Generalkonsul in Marseille, den Vortragenden Legationsrat Voigt zum Generalkonsul in Zürich und den Ge- fandtschaftsrat bei der Botschaft in Paris Döhle zum Generalkonsul in Jerusalem. Or. Goeobels auf dem Bückeberg. Hannover, 4. Sept. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels traf Mittwoch mittag im Flugzeug in Hannover ein und fuhr dann in Begleitung des Gauleiter-Stellvertreters Schwarz nach dem Bückeberg, um sich persönlich vom Stand der Vorarbeiten für das Erntedankfest zu überzeugen. Die Sacharbeiter der Organisationsleitung berichteten dem Minister über das, was bereits geleistet worden war, und über die Maßnahmen, die noch im Gange sind. Welttreffen der HI. dankt Reichsminister Dr. Frick. Berlin, 4. Sept. (DNB.) Dom Welttreffen der HI. ist Reichsminister Dr. Frick folgendes Danktelegramm zugegangen: „Die große, über 5000 Kilometer führende Deutschlandfahrt des Welttreffens der HI. ist beendet, und wir wissen es als einen Erfolg der nationalsoiza- ltstischen Bewegung, daß hier Deutschtum des Reiches erfuhr und erlebte, die Größe der völkischen Bewegung durch den Nationalsozialismus und wiederum das Auslandsdeutschtum spürte, daß Volk Heimat ist. Das ist der schönste Dank, den wir Ihnen für Ihren Besuch und Ihre verständnisvolle Unterstützung sagen können. Heil Hitler! Unterschrift." Generaloberst von Blomberg an Dr. Ley. Berlin, 4. Sept. (DNB.) Der Reichskriegsminister Generaloberst von Blomberg hat an Reichsleiter Dr. Ley folgendes Danktelegramm gerichtet: „Für Ihre und der Deutschen Arbeitsfront Glückwünsche zu meinem Geburtstag danke ich herzlich. Der deutsche Soldat wird es nie vergessen, daß er die Grundlage seiner Kraft in der Einigkeit und Schicksalsverbundenheit wiedergefunden hat, die das deutsche Volk seinem Führer verdankt. v. Blomberg." ,MemelerOampfboot- beschlagnahmt. Memel, 4. Sept. (DNB.) Die Ausgabe des „M e m e l e r D a m p f b o o t s" vom 4. September wurde wegen der nochmaligen Veröffentlichung einer Anzeige, in der die Wähler aufgefordert werden, zur Deckung der Wahlunkosten für die E i n h e i t s l i st e Spenden zu stiften, vom Kriegskommandanten b e - s ch l a g n a h m t. Die Anzeige hatte folgenden Wortlaut: „Wähler! Die Wahl kostet Geld. Pflicht aller Wähler ist es, zu den Unkosten beizutragen!" Diese Maßnahme zeigt erneut, daß auch die harmloseste Wahlpropaganda für die memelländische Ein- heitsliste in Memel unterbunden werden soll. Während die litauischen Zeitungen und das in deutscher Sprache erscheinende Litauer Blatt „Memeler Beobachter" schon jetzt zu Beginn der Wahlvorbereitungen gegen die Memelländer hetzten, ist es diesen verboten und nicht möglich, auch nur den Versuch zu unternehmen, für ihre Liste Propaganda zu machen. Oer gemeinsame Weg der deutschen Arbeiter. Eine programmatische Rede Or. Leys an die Beiriebsführer und Betriebsgefolgfchasten. Kaiserslautern, 4. Sept. (DNB.) Die Bezirksgruppe Saarland-Pfalz der Reichsgruppe Industrie veranstaltete am Dienstagabend hier eine Arbeitstagung, die von dem bekannten Saarindustriellen Röchling geleitet wurde. Dr. Ley hielt dabei eine fast zweistündige Rede, die sich an die gesamten Betriebsführer und Unternehmer Deutschlands wandte und damit auch für die Gefolgschaften aller deutschen Betriebe eine Kundgebung programmatischer Bedeutung wurde. Dr. Ley führte u. a. aus: Es galt früher als allgemein üblich, daß man mit dem Arbeiter nicht so reden könne, wie mit dem Unternehmer, und es galt als ausgemacht, daß vor dem Betriebsführer anders gesprochen werden müßte, als vor der Belegschaft. Schon allein darin lag peinlichste Unwahrhaftigkeit. Wenn ich das, was ich vor einem Teil der Nation sagte, nicht ebenso gut vor dem anderen Teil sagen kann, dann muß etwas falsch sein, oder ich muß irgend etwas anderes wollen. Hier allein lag schon die Unwahrhaftigkeit des Systems. Hier wurden systematisch beide Teile belogen und betrogen. Deshalb als erstes und vor allem: Dahr- haftigkeik! Nur dann kann man wirklich etwas leisten, wenn man eine Gemeinschaft hat, wenn man erkennt, daß das Leben hart ist, ein ewiger Kampf. Für diesen Kampf muß die Gemeinschaft eingesetzt werden. Die Menschen müssen begreifen, daß bei aller Unterschiedlichkeit in der Ansicht über irgend- eine Sache ein Glaubenssatz alle beherrschen muß. wir bilden eine Gemeinschaft! Der Betrieb ist eine Einheit! Wer sich dagegen sträubt, den muß man belehren, zunächst in Gutem. Wenn er dann noch nicht will, muß man ihn hart anfassen. Und wenn er schließ, lich und endlich überhaupt nicht will, muß man ihn vernichten. Wir werden eifersüchtig darüber wachen, daß diese Einheit von keiner Seite angetastet oder zerstört wird. Wir sind eine unzertrennbare Kameradschaft von treuen Kämpfern. Wir haben uns getagt: Wollen wir den Klassenkampf über- winden, dann müssen wir dort unten beginnen, wo die Menschen schicksalhaft beisammen sind, wo sich keiner dieser Gemeinschaft entziehen kann, selbst wenn er wollte. Dort müssen wir beginnen: i m Betrieb! Drei Zellen sind es, in denen sich das menschliche Leben entfaltet und abspielt: der B e - i r i e b, die F a m i l i e und die G e m e i n d e ! Diese drei Urzellen sind eine Einheit und man darf sie nicht zerstören. Und einem zweiten Gesetz muß man Zur Geltung verhelfen: Alles, was die Menschen innerhalb dieser Gemeinschaften ordnen wollen, müs- sen sie untereinander ordnen. Man darf sich nicht einmischen. 3m Betrieb darf man nicht nötig haben, den Treuhänder, die Arbeitsfront, die Partei ober sogar den Staat damit zu belasten, weil dort im Betrieb Hemmungen und Schwierigkeiten auftreten. Der ist mir ein netter Betriebsführer, der damit nicht fertig wird, oder ein netter Betriebswalter, der. die Schwierigkeiten nicht meistert. Gewiß, es gibt Dinge, die außerhalb des Betriebes liegen, bann muß es auch hier Stellen geben, die es ordnen. Aber an sich muß der Schwerpunkt der sozialen Ordnung nicht an der Spitze, oder in Berlin oder in der Provinz liegen, sondern im Betrieb. Immer wieder muß ich sagen: Ihr müßt Euer Schicksal selb st ordnen. Lieber Freund, schwimmen muß du selbst. D i e Verantwortung t r ä g ft d u selbst. Du willst Herr im Hause sein, schön. Herr sein heißt aber, Verantwortung haben! Infolge- dessen verlangen wir: Ordne deine Verhältnisse selber! Unternehmer und Arbeitnehmer werden solange mit ihren Dingen beschäftigt, bis sie sie s e l b st g e l ö st haben. Und wenn sie sagen, es geht nicht, wir werden nicht einig, dann antworten wir: Ins Zimmer, schließt ab! Ordnet Eure Sachen! 3hr habk Luch jahrelang bekämpft, zum Schaden des Volkes. Jetzt müht Ihr Luch einigen. Richt des Linzelnen wegen oder der Tttaffe wegen, ober eines Berufes ober einer Klasse wegen, sonderen der Ration wegen. Wir wollen Euch helfen, wenn Ihr nicht einig werdet. Wir werden der ehrliche Makler sein. Ihr Arbeiter sollt geistig die gleichen Waffen erhalten wie die Unternehmer, aber einigt Euch! Wenn man das einmal durchgeführt hat, wenn das jeder weiß, was glauben Sie wohl, wie harmonisch unser soziales Leben wird. Der Betrieb ist unsere Burg. Sie geht uns gemeinsam an, weil wir innerhalb dieser Burg eine gemeinsame Ehre verteidigen werden. Dann haben wir den Klassenkampf überwunden. Der Klassenkampf tobte ja nicht nur zwischen Unternehmern und Arbeitern. Ich möchte sogar sagen, das war der kleinste Klassenkampf. Der Klassenkampf war manchmal in einem Werk zwischen Werkmeister und Arbeiter viel größer; viel schärfer noch zwischen Vorarbeiter und Arbeiter. Nur gab das der Marxist nicht zu, weil er damit offenbart hätte, daß sein Klassenkampf falsch war, Damit wäre sofort klar geworden, daß der Klassenkampf, weil er nichts Hohes und Edles war, sondern etwas Niederträchtiges und Häßliches, auf einem geeigneten Wege Überwunden werden konnte, daß bestimmte Möglichkeiten da waren, ihn zu überwinden. Das ist unsere Lehre. Wir sagen, man kann es überwinden, w i r haben es überwunden. Wenn Sie heute mit dem Arbeiter reden, bann können Sie ihm ruhig bie Schwere seines Berufes, bie Härte seiner Ärbeit vor Augen führen. Aber Sie müssen dem Arbeiter eine Gewißheit verschaffen: daß man i h n un- ter keinen Umständen betrügt und i h n nicht untergehen läßt. wenn der Arbeiter weih, bah ber Unternehmer ber Kamerad ist, bann können Sie vom brutschen Arbeiter alles verlangen. Rarren Sie ihn aber nicht mit Mätzchen unb nicht mit hu- manitälsbufelel. Der beutsche schaftenbe Mensch hat ein feines Gefühl bafür, baß Sozialismus kein Geschenk unb keine Wohlfahrt unb kein Mitleid ist. Kein Milleib, fonbern Gerechtigkeit. Sie sind wirklich Offiziere des Volkes. Es gibt fein Volk, das lieber Soldat wäre und befere Soldaten birgt als das deutsche Volk. Aber es ist notwendig, daß es wahre Führer und Offiziere hat. Die Kompanie ist immer so, wie der Hauptmann ist und nicht anders. Wenn Sie ein richtiger deutscher Offizier sind, nicht nur laut Patent, sondern laut Führertum, bann können Sie von Ihren Solbaten alles verlangen. Das wahre Führertum offenbart sich in der Gefolgschaft. Eine Mahnung scheint mir angebracht. Lassen Sie Ihre Kameradschaftsabende nicht ausklingen, wie es früher bei Kaiser- geburtstagsfetern üblich war. Mit der dicken Trommel unb mit bem Absingen vaterlänbischer Lieber allein ist es nicht getan. Führertum heißt vernünftig sein. Vernunft aber ist bas Produkt aus Instinkt unb Verstaub. Wissen ohne Instinkt unb Charakter ist schäblich für ein Volk. Ich frage Euch: Für wen sch a f f t Ihr? Für bie Maschinen, ober für bie Bankguthaben, ober für die Menschen? Das ist das ro e r t d o 11 ft e Kapital, das unser Volk besitzt. Alles andere kann man ersetzen. Alles andere können auch andere Völker machen. Den deutschen Betriebsführer, den deutschen Arbeiter, den deutschen Menschen gibt es nur einmal. Darum soll man ihn erhalten und pflegen und gesundhelllich nicht ermüden lassen. Stellen Sie sich vor, wie man sich über die Frage des Urlaubs erhitzt und gestritten hat. Kann der Arbeiter, wenn er mübe ist, so viel schassen, als wenn er noch nicht mübe ist? Ganz unmöglich! Die „Wanderer-Werke" in Dresden schlossen ihren Betrieb, ließen lediglich 100 Mann für die wichtigsten lausenden Arbeiten zurück und fuhren gemeinsam zehn Tage weg. Ein leuchtendes Beispiel, dessen Durchführung den klugen Betriebsführern ein beträchtliches Plus verschafft. Zur erfolgreichen Auswirkung des Urlaubs muß yinzukommen, daß der Arbeiter ihn nicht daheim verbringt, sondern daß „Kraft durch Freude" ihm wirklich zehn tage unbeeinträchtigte Erholung verschafft. Lassen Sie sich auch einiges über das Thema „Lohnerhöhungen" sagen. Sie haben nur da Sinn und Zweck, wenn unb wo in ber Vergangenheit etwas versäumt worben ist, etwa bei den Heimarbeitern. Dort mußte man eingreifen. Wir sind keine Gewerkschaften, die die Debatte über Lohnerhöhungen immer wieder in Fluß bringen, um ihre Daseinsberechtigung zu erweisen. Richt höberes Lohnniveau, sondern höheres Lebensniveau muß das Ziel sein. Verbessern Sie Ihre Werke, Ihre hygienischen Einrichtungen! Eröffnen Sie Sport- und Spielplätze und Badeanstalten! Es kommt Ihnen letzten Endes wieder zugute. Sie dienen damit der Gesamtheit des Volkes. Als ich zum erstenmal den Betriebsappell proklamierte und auf das Soldatische innerhalb des Betriebes hinwies, hat man mir die verschie- benften Vorwürfe gemacht. In einer Wirtschafts, zeitung wurde besonders moniert, daß man von Offizieren der Wirtschaft rede. Das fei unerhört. Der Soldat müsse sich bas verbitten. Ich habe mir gedacht und habe es auch ausgesprochen: Was sind das für erbärmliche Menschen! Es verlangt kein Mensch, daß in einem Riesenwerk die Uhr abgeschafft wird. Ich verlange nur, daß man wieder eine Gelegenheit findet, bie Menschen zusam- menzuführen. Vor allen Dingen verlange ich, daß ber weltanschauliche Begriff von Offizier und Berlin, 4. Sept. (DNB.) Am 4. September trat der Beirat der Reichswirtschaftskam- m e r in Gegenwart des kommissarischen Reichswirt- schaftsministers Präsident Dr. Schacht unb anderer Beamter des Reichswirtschastsministeriums zu seiner ersten Sitzung zusammen. Der Beirat ber Reichswirtschaftskammern setzt sich aus den Leitern der Reichsgruppen und der Hauptgruppen der gewerblichen Wirtschaft, den Leitern der Wirtschaftskammern und dem Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskam- mern in der Reickswirtschaftskammer zusammen. Um eine enge Zusammenarbeit zwischen gewerblicher Wirtschaft und Reichsnährstand und Gemeinden herzustellen, gehören bem Beirat ferner an ber Reichsbauernführer (Reichsminister Darrs) unb sein Vertreter (Staatsrat Meinberg), sowie ber Leiter des Deutschen Gemeindetages (Oberbürgermeister Fiehler) als Vertreter ber Gemeinden. Der Leiter ber Reichswirtschaftskammer Präsident Hecker- Hannover gab den Mitgliedern des Beirates zunächst einen kurzen Ueberblick über den Stand der gewerblichen Wirtschaftsorganisation, deren Aufbau nunmehr im wesentlichen als abge- schlossen gelten kann. Dann führte Präsident Dr. Schacht u. a. folgendes aus: Die Tatsache, daß mir in diesem Gremium eine große Anzahl von Mitgliedern ber Partei in biesen Apparat eingefügt sehen, gibt mir die Zuversicht, daß alle Beratungen des Beirates stehen werben unter bem einen großen Gedanken der Durchführung ber nationalsozialistischen Aufgaben, wie sie uns ber Führer vorgezeichnet hat. Die Reichswirtschaftskammer als solche ist eine selbstänbige Organisation. Die Organisation ber gewerblichen Wirtschaft ist korporatives Mitglied der Arbeitsfront, aber sie regelt ihre Angelegenheiten selbst, unb ber Verkehr ber Arbeitsfront mit uns vollzieht sich über die Leitung unserer Organisation. Ich kann versichern, daß zwischen ber Leitung ber Arbeitsfront und mir ein absolut vertrauensvolles Verhältnis herrscht. Das ungeheuer Große, was uns Adolf Hit- l e r und seine Bewegung gebracht hat, ist, daß der frühere Gegensatz zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern aus ber Welt geschafft ist. Wer etwa noch in den allen Gedankengängen befangen Ist, bem kann ich nur dringend raten, sich einmal vorzuslellen, was werden sollte, wenn der alte Gegensatz zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder auflebte, wenn wir nicht alle versuchen müßten, an dem einen großen Ziel zu arbeiten: — daß wir auch in dieser Beziehung in einem Boot sitzen und daß der eine ohne den anderen nicht leben kann. Wenn die Organisation ber Wirtschaft auf ber einen Seite steht, unb auf der anderen Seite vorn Soldaten hineingetragen wird, daß nicht mehr erklärt wird: „Weil ich ein Unternehmer bin, weil ich Aktien habe, ober weil ich Betriebsführer bin, bin ich etwas Besseres mit einer anberen, ja vielleicht sogar mit einer höheren Ehre." Ich verlange, baß jeber erkennt: Ich stehe auf einem Kvmmanbvpvften, habe also eine bestimmte Befehlsgewalt. Alle zusammen, ob General ober Musketier, haben wir eine gemeinsame Ehre. Unsere Bille an Sie lautet: helfen Sie uns mit! Wir sind selbstverständlich auf Sie milangewiesen, eine für mich keineswegs neue Lr- kennlnis. Ich habe das von Anfang an gesagt, als man mir einreden wollte, ich sollte lediglich die Gewerkschaften zusammensafsen zu einem Berband und sonst nichts tun. Rein, habe ich diesen falschen Ratgebern zugerufen, das wäre an sich das Alte, nur in einer anderen Form, dann hätten wir erst recht den Klassenkampf. Ich muh auch den Unternehmer erfassen und mithineinhaben. Die Deutsche Arbeitsfront wäre nicht nur halb, sie wäre überhaupt gar nicht, wenn mir die Unternehmer nicht hätten. Wenn Sie noch nicht die unsrigen sind, werben wir nicht nachlassen. Sie zu gewinnen. Wir bestehen auf unseren Forderungen nicht aus Leichtsinn ober Wol- lust am Diktieren, aber wir denken voll Grauen an bie Ereignisse zurück, an bie Tage, an benen wir erleben mußten, baß ber eine Volksgenosse ben anderen erschlagen hat. Brubermorb im eigenen Volk! Äergessen Sie bas nie! Denkt Ihr an jene Silber zurück, dann werbet Ihr merken, baß bas, was wir von Euch verlangen, wahrhaftig keine Opfer sind. Alles bas, was einst ber Ar- beiter gefordert hat, soll unb muß die gleiche Forderung von Euch fein. Wir predigen die Vernunft. Was vernünftig ist, nützt auch Euch, weil es allen nützt. Ihr tragt die Verantwortung für Tausende von Menschen. Letzten Endes hängt nicht nur das Glück ber Menschen, bie Ihr zu betreuen habt, von Eurem Tun ab, sondern bas Glück Deutschlanbs. Ich derlange nichts Unmögliches, und ich habe eine letzte Bitte an Sie: hämmern Sie sich ein, Sie alle, die Sie hier sind, und auch die anderen, die Arbeiter, die Bauern, die Handwerker: „Mag kommen was will, wir kapitulieren niemals!" Das muh der Dahlspruch jedes Deutschen sein. Das Paradies können wir Ihnen nicht bringen. Wir haben es nicht. Versprechungen sind billig. Ich verspreche Ihnen nichts, aber ich sage Ihnen eines zu, bas, was ich auch heute ben Arbeitern in den Betrieben sagte: Er wird uns, seinen Gauleiter, seinen Kreisleiter, den Führer niemals hinter der Front finden, sondern immer vor der Front! Eure Sorge soll unsere Sorge sein. Es soll keiner mehr in Deutschland untergehen, der wertvoll ist. Nicht wegen des einzelnen, sondern weil er ein Kapital darstellt in der Gesamtheit, auf bas wir nicht verzichten können, wenn wir wieder hoch kommen wollen. Wir sind alle Solbaten. Höchste Opfer und Einsatz des Lebens verlangt das Schicksal von allen Kämpfern. Wenn wir fallen, dann fallen wir für Deutschland. Heil unserem Führer Adolf Hitler! die Deutsche Arbeitsfront, der zwar der Unternehmer als Einzelperson angehört, so wird, wenn hier nicht eine organische Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Organisationen geschaffen wird, tm Lause der Zeit die Gefahr immer größer, daß sich die Arbeitsfront zu einer Gewerk- schaftsorganisatwn und die Unternehmerfront zu einer Arbeitgeber-, d. h. auch zu einer klassenkämpferischen Organisation entwickelt. Daher gab es hier nur eine Möglichkeit: Dem anderen Teil d i e Hand zur gemeinsam en Arbeit hin- ft r e d e n, ihm ganz genau sagen, was man will, ihm sagen: Wir haben Verständnis für deine Aufgaben; diese Aufgaben sind gemeinsame, wir können sie nicht gegeneinander lösen, wir können und müssen sie nur miteinander lösen. Bei den zahlreichen Unterhaltungen habe ich in Dr. Ley einen Mann gefunden, der nicht nur für diese Dinge das vollste Verständnis hat, sondern an diese Dinge mit etwas vorangeht, was ich als das Unerläßliche für jede politische und soziale Arbeit halte, einen Mann, der mit dem Herzen d a - b e i ist, der ganz offen ausspricht und nach dem handelt, was er fühlt, und was in der Richtung biefer Verstänbigung liegt, bie auf bem mensch- licben, als bem sozialen Gebiet zu beginnen hat. Ich muß auch an biefer Stelle roieber einmal aussprechen: Ich habe vor dem deulschen Arbeiter und vor feinem Verhallen in den letzten Jahren eine unerhörte Hochachtung. Als Menschen haben sich die deutschen Arbeiter in dieser Zeit gezeigt, wie ich es früher vielleicht nie für möglich gehalten hätte. Diese Stimmung unb diesen Willen der Arbeiter- schäft werden Sie nur feschalten können, wenn Sie Ihrerseits dasselbe Gefühl unb blefelbe Stimmung bem Arbeiter gegenüber haben unb burch- setzen. Dazu soll die Leipziger Vereinbarung das Mittel sein. Daß sich dabei noch manche Schwierigkeiten untergeordneter organisatorischer unb personeller Art zeigen werden, ist selbstverständlich, aber in bem Grundsatz unb in bem Grunbgefühl sind sich die Führenden einig. Es hindert nicht, daß wir neben der Zusammenarbeit in der Arbeits- und Wirtschaftskammer unsere eigenen Aufgaben in der Reichs» Wirtschaftskammer haben. Einrichtungen, die sich bei der Beratung und der Betreuung der Unternehmen bilden, diesen als Selbstverwaltungs- organ in ihren wirtschaftspolitischen Sorgen und Fragen beistehen, werden immer notwendig fein und wird es immer geben müssen. Allerdings mit Aufgaben, wie sie die alten Arbeitgeberverbände sich gestellt hatten, hat die Organisation ber gewerblichen Wirtschaft in keiner Weise etwas zu tun. Ich habe als Minister die BorausfehMgen der Zusammenarbeit geschaffen, seht ist es Ihre Aufgabe, mit derselben Loyalität, aber auch Wirtschaft und Arbeitsfront. Präsident Or. Schacht spricht vor der Reichswirtschastskammer über die Leipziger Vereinbarung. mit derselben Festlgkett im Kreise Ihrer Wirksamkeit die Zusammenarbeit mit der Arbeitsfront zu praktischen und fruchtbaren Ergebnissen vorwärtszubringen. Dem Typ des Unternehmers, der sofort zusammenbricht, wenn Anforderungen charakterreicher Art an ihn herantreten, steht auf der anderen Seite ein Typ gegenüber, der rücksichtslos seinen Herrenstandpunkt wahrt und in dogmatischer Starre und Enge alles ablehnt, was von einer anderen Seite an ihn herantritt. Beide Typen lehne ich entschieden ab. Der Typ aber, der in vollem Verständnis für die großen Aufgaben in verständiger und loyaler Weise den Weg gemeinsamer Arbeit sucht und trotzdem Haltung bewahrt, selbst wenn ihm einmal einige Schwierigkeiten entstehen sollten — dieser Typ wird bei mir jederzeit rückhaltlos Unterstützung finden. Zum Schluß seiner Rede verpflichtete der Reichswirtschaftsminister die Beiratsmitglieder mit folgendes Gelöbnis: „Ich verpflichte mich zu unbewegter Treue und Gefolgschaft gegenüber dem Führer und Reichskanzler. Ich werde in Erfüllung des nationalsozialistischen Wirtschaftswillens alle meine Kraft dem Aufbau des Dritten Reiches widmen, und all mein Denken und Handeln darauf obstellen, daß in meinem eigenen Wirken und in dem Wirken meiner Mitarbeiter und aller mir anvertrauten Organe und Belange nur das eine hohe Ziel verfolgt wird, das Werk des Führers zu fördern und eine dauernde wahre Volksgemeinschaft zu sichern." Neuer Gewaltakt der Litauer. Memel, 5.Sept. (DNB.) Die Bekanntgabe der memeldeutschen Einheitsliste, an deren Spitze der frühere Landespräsident Dr. Schreiber steht, ist l i t a u i s ch e r s e i t s mit einer neuen schweren Rechtsverletzung beantwortet worden. Zn der ersten Bekanntgabe des „M e m e- ler Dampfboots" stand der Name Dr. Schreibers noch an der Spitze des Wahlvorschlages. Bei der Veröffentlichung weiterer Namensunterschriften zu der Einheitsliste wurde das Blatt auf Anordnung des litauischen Kriegskommandanten beschlagnahmt, wie verlautet, weil Schreiber wiederum als Spitzenkandidat genannt war. Wie es heißt, sollen die Litauer dre Absicht haben, die Kandidatur Dr. Schreibers mit der Begründung zu verhindern, es bestanden Zweifel an seiner Staatsangehörigkeit. Don memelländischer Seite wird demgegenüber darauf hingewiesen, daß es sich bei dem Versuch der Ausschaltung Dr. Schreibers um einen neuen unerhörten litauischen Willkür- a k t handelt. Dr. Schreiber ist seit 13 Jahren M e m e l l ä n d e r, er ist auch 1932 in den Landtag gewählt worden, und der damalige litauische Gouverneur hat ihn in Auswirkung dieser Wahl zum Landtagspräsidenten ernannt, ohne daß Zweifel an der Staatsangehörigkeit geäußert wurden. Wenn ausgerechnet jetzt diese Begründung herhalten muß, dann ist die Absicht unverkennbar, maßgebliche Deutscbtumsführer zum Nachteil der Memelländer kaltzustellen, während auf der anderen Seite Tausenden von Nichtmemelländern aus Groß-Litauen das Wahlrecht widerrechtlich erteilt wird. Die Wahlkreiskommission, deren Entscheidung noch aussteht, würde sich durch die Bestätigung der Streichung Schreibers einer schweren Rechtsverletzung schuldig machen, da Schreiber 1922 als auf Lebenszeit angestellter Beamter einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft, nämlich der Memelländischen Industrie- und Handelskammer auf Grund des deutsch-litauischen Options-Vertrages für Litauen optiert hat. Aus aller Welt. Noch eine 3000-Mark-prämie für die Muskelkrast-Jlieger. Reichsluftsportführer Oberst Loerzer hat in Berlin den Piloten D ü n n e b e i l und die beiden Konstrukteure des in Frankfurt a. M. vorgeführten Muskelkraftslugzeuges, die Dessauer Ingenieure Haeßler und Dillinger, zur technischen Berichterstattung empfangen und ihnen bei dieser Gelegenheit auch im Namen des Reichsministers für Luftfahrt den Dank für ihre Leistung ausgesprochen. Auch hat er ihnen im Einvernehmen mit dem Reichsluftfahrtminister in Anerkennung ihrer Leistungen und zur Förderung der weiteren Arbeiten den Betrag von 3000 Mark übergeben, den gleichen Betrag also, den sie bereits von der Polytechnischen Gesellschaft in Frankfurt a. M. als Anerkennungsprämie erhalten haben. Die jungen Flieger wurden dann der Berliner Presse vorgestellt: jeder von ihnen ist der Typ des bescheidenen, nur der Sache dienenden, aufopferungsbereiten Segelfliegers. Sie wissen, daß es sich bei ihren Versuchen nur um einen ersten Anfang ?gehandelt hat. Was sie mit Freude und Stolz er- üllt, das ist die Tatsache, daß es ihnen als ersten geglückt ist, den einwandfreien Beweis der Möglichkeit des Menschenfluges praktisch zu erbringen. „Rhönvater" U r s i n u s erzählte von den denkwürdigen Tagen in Frankfurt. „Man muß sich einmal klarmachen", so sagte er, „was es bedeutet, eine Maschine im Gewicht von mindestens einem Zentner ohne jede motorische Kraft eine Zeitlang überhaupt in der Luft zu halten. Es gehören dazu Konstruktionselemente, für die wir ein Vorbild in der Natur nicht haben. Von Dünne- b e i l erfuhr man, daß die Bedienung des Apparates, der ohne die Einbauten 35, mit den Einbauten 50 Kilogramm wiegt, deshalb besonders schwierig ist, weil der Pilot alle Steuer mit den Händen zu bedienen hat und gleichzeitig mit den Füßen unablässig treten muß. Das wußten auch seine Kameraden genau, als sie ihn bei den Starts mit den andauernden Zurufen „Treten, treten, treten" zu äußerster Kraftanspannung anfeuerten. „Für mich hieß es: Trainieren und nochmals trainieren. Aber es geht alles, wenn man will. Wir wollen von alledem nicht viel reden und um fo mehr arbeiten." ZOO Todesopfer bei der Orkankatastrophe in Florida? Die furchtbare Orkankatastrophe, die, wie bereits gemeldet, hauptsächlich die „Floridakeys" genannte Inselkette an der Südspihe von Florida heimsuchte, hat nach den letzten Berichten vermut- lich 7 0 0 Todesopfer gefordert. Ein küsten- wachflugzeug, welches die betroffene Gegend überflog, berichtet, daß zwei Arbeitslager ehemaliger Kriegsteilnehmer vollständig zerstört worden seien. Ein Hilfszug, der die Veteranen in Sicherheit bringen sollte, e n t g l e i st e. Sämtliche Wagen stürzten um, und man befürchtet, daß das Zugpersonal und die Passagiere den Tod fanden. Gewaltige Wassermassen ergossen sich unaufhörlich über das Land. Zahlreiche Gebäude wurden wie Pappschachteln zerdrückt und Menschen von den Fluten in den Ozean gespült. Wan rechnet auf der Insel Watecumbe allein mit 80 Toten. 3n der Ortschaft Tavornier auf der Insel Plantation sollen nach den Berichten des Roten Kreuzes gegen 100 Menschen getötet worden sein. 3n Rockharbor schätzt man die Zahl der Opfer auf mindestens 75. Die Beschaffung genauer Berichte über die Zahl der Toten und Verwundeten und die Höhe des Sachschadens ist ungemein erschwert, da sämtliche Verbindungslinien unterbrochen sind. Die Armee, Marine, American Legion und das Rote Kreuz sind zur Hilfeleistung eingesehL Die letzten Meldungen aus Miami berichten grauenhafte Einzelheiten. Die Eisenbahnschienen sind meilenweit aufgerissen, die Landstraßen überflutet oder durch Haustrümmer und entwurzelte Bäume unbefahrbar. Augenzeugen berichten, wie ganze Gebäude und Häuserblocks durch die Luft getragen und auf die Erde geschmettert wurden. Echte Volksgemeinschaft. Um der engen Verbundenheit zwischen Hand- und Kopfarbeitern Ausdruck zu geben, hat der Berufsstand der deutschen Komponisten anläßlich des furchtbaren Einsturz-Unglücks in Berlin dem Führer der DAF. Dr. Ley für zwei Schwer- verletzte einen vierwöchigen Erholungsurlaub auf dem Humperding-Schlößchen in Boppard am Rhein zugesagt. Dieser Beweis nationalsozialistischer Gesinnung ist von der Gauleitung der NSDAP. Halle-Merseburg dankend entgegengenommen worden. Die beiden schwerverletzten Dolks- genosien trafen bereits in Boppard ein. „Graf Zeppelin" in Friedrichshafen gelandet. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist heute um 5 Uhr von seiner 11. diesjährigen Südamerikasahrt unter Führung von Kapitän K r u ß über Friedrichshafen eingetroffen. Um 6.32 Uhr erfolgte auf dem Werftgelände die glatte Landung. Der Ausländerbesuch auf der Leipziger Herbstmesse. Nach den amtlichen Feststellungen war die L e i p° ziger Herb st messe von 5107 ausländischen Einkäufern besucht, von denen 4516 ihren Wohnsitz in europäischen, 591 im außereuropäischen Ausland haben. Don diesen Uebersee-Einkäufern kommen 59 aus Afrika, 132 aus Asien, 51 aus Australien, 153 aus den Vereinigten Staaten und Kanada und 196 aus Süd- und Mittelamerika. Zur Herbstmesse 1934 waren insgesamt 4116 Ausländer, darunter 506 aus überseeischen Ländern gekommen. Seine Schuld der Kapitäne beim Zusammenstoß mit der „Eisenach". In Portsmouth fand die gerichtliche Totenschau für die drei deutschen Seeleute statt, die bei oem Zusammenstoß zwischen dem englischen Schlachtschiff „Ramillies" und dem deutschen Dampfer „E i s e n a ch" ums Leben gekommen sind. Das Gericht stellte fest, daß die drei Seeleute durch einen Unglücksfall umgekommen sind. Es hat damit also ausgesprochen, daß keinen der beteiligten Kapitäne an dem Unglück eine Schuld trifft. Pfälzische Wühle eingeäfcherL — 2000 Zentner Getreide vernichtet. In der Daubhausmühle in Alsenz (Pfalz) entstand ein Großseuer. das durch die Bauweise der Mühle und die bedeutenden Getreidevorräte reichlich Nahrung fand. Der Brand dehnte sich so schnell aus, daß die Feuerwehr sich auf den Schutz des Wohngebäudes und der landwirtschaftlichen Nebengebäude beschränken mußte. Die Mühle ist vollständig ausgebrannt. Der Schaden wird auf rund 200 000 Mark geschätzt. Es sind allein 2000 Zentner Getreide vernichtet worden, denn auch die angebaute und mit den Erntevorraten gefüllte Scheune wurde ein Raub der Flammen, lieber die Entstehungsursache ist noch nichts bekannt. Ordensbruder vergeht sich an schwachsinnigen Zöglingen. Dor der auswärtigen Großen Strafkammer in Neuwied hatte sich der bisherige Ordensbruder Ivo von der Franziskanergenossenschaft in Waldbreitbach zu verantworten, der in Linz unter dem dringenden Verdacht verhaftet worden war, sich an den ihm unterstellten schwachsinnigen Pfleglingen des St. Antoniüshauses in Linz sittlicher Ver- fehlungen schuldig gemacht zu haben. Auf Grund der eingehenden Beweisaufnahme wurde der Angeklagte, der im 43. Lebensjahre steht, sein bürgerlicher Name ist Gustav Hartmann, wegen Verbrechens nach Paragraph 174 Ziffer 1 in einem Falle und wegen Vergehens gegen Paragraph 175 in zwei Fällen zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Außerdem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Der Angeklagte, der nach feiner Verhaftung aus der Fran- ziskanergenofsenschaft ausgestoßen wurde, war vom Mutterhaus in Waldbreitenbach nach dem St. An- toniushaus in Linz versetzt worden, in dem vorwiegend Schwachsinnige und Epileptiker gepflegt werden. kein Wasser auf rohes Obff. — Wieder ein Todesfall. Die Unsitte, auf rohes Obst Wasser zu trinken, fordert leider immer wieder Todesopfer. So büßte jetzt ein 35jähriger Mann aus Vallendar a. Rh. fein Leichtsinn mit dem Leben. Kurz nach dem Genuß von Z w e t s ch e n trank er Wasser. Es stellten sich alsbald heftige Leibschmerzen em. Schon nach wenigen Stunden war der Mann tot. Slavisky-Prozeh im November. Am 4. November beginnt vor dem Pariser Schwurgericht der Stavisky-Prozeß, der wahrscheinlich mehrere Wochen, wenn nicht Monate dauern wird. Zum Stavisky-Fall sind nicht weniger als 5 0 0 0 0 Schriftstücke zusammengetragen worden, von denen einige über 400 Schreibmaschinenseiten stark sind. Um sich ein ungefähres Bild von dem Umfang dieser Akten zu machen, sei darauf hingewiesen, daß sie nicht weniger als 12 Tonnen wiegen, das heißt drei schwere Lastkraftwagen füllen würden. Starkes Erdbeben ausgezeichnet. Die Erdbebenwarte von Faenza in Oberitalien verzeichnete in der vergangenen Nacht ein außerordentlich starkes Erdbeben in ostwestlicher Richtung. Der Herd des Bebens, das insgesamt eine Dauer von zwei Stunden hatte, dürfte in eine« Entfernung von 8200 Kilometern zu suchen sein. Wetterbericht des Reichswelterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die Wirbeltätigkeit hat sich über Skandinavien verstärkt, so daß wir unter den Einfluß etwas kühlerer aus nördlichen Breiten stammenden Luftmassen gelangen. Bei der Veränderung der vorgelagerten Warmluft kam es am Mittwoch zum Auftreten einzelner, vielfach geroittriger Niederschläge. Bei Irland kündet sich die Entwicklung eines Wirbels durch Druckfall an, doch wird der zur Zeit in West- und Südwestdeutschland beginnende Druckanstieg zunächst noch eine Abschwächung des Diefdruckeinflusses bringen. Aussichten für Frei ta g r Veränderlich mit häufiger Aufheiterung und nur noch ganz vereinzelten Schauern, bei abflauenden westlichen Winden Tagestemperaturen bei 15 bis 20 Grad. Aussichten für Samstag: Zunächst viel» fach aufheiternd und tagsüber wieder wärmer, bann! voraussichtlich zunehmende Unbeständigkeit. Lufttemperaturen am 4. September: mittags 17,5 Grad Celsius, abends 14,4 Grad, am 5. September: morgens 13,7 Grad. Maximum 19,3 Grad, Minimum 12 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. September: abends 17,9 Grad; am 5. September? morgens 15,9 Grad Celsius. — Niederschläge 1,6 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Fr. W. Lange; stellvertretender Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck; verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor KümmeL DA. VII. 35: 9945. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr- Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. (Statt Starten Birklar 5016 D UUlKlMlMMch-u-dB'-is Eintritt 5009D Uniformierte 30 Pf., Zivil 50 Pf. 03729 aebeiit R Naturaufnahme StSML* ^sbemCebenbernie- 10 Hilfe Schlecht zu Fuß? Dr. Wilhelm Klein verreist bis 3. Oktober Oie glückliche Geburt des zweiten gesunden Zungen zeigen in dankbarer Freude an Else Brückmann, geb. Schudt Ernst Brückmann Fischhaus Cuxhaven Marktstraße 23 6owA Tel. 2417 Vertreter: Dr. Beyer, Dr. Mehl Dr. Meumann-Spengel, Dr. Ploch Sanitätsrat Schliephake für Auto- Elektrik, Servo- bremsen, Einsprj fr pumpen z.Z. Gießen, Katholisches Schwesternhaus 3. September 1935 Mische lind Ms Rotzungen * Limandes ♦ Schollen erstklass. Marke, fast neu, dunkel Eiche gebeizt, 8 Fett-Bückinge, neue Mattes und neue Voll-Heringe in nur prima Qualität empfiehlt Jjosm DIENST Register, schöner öou.£on,3Jahre alle lästig. Haare, Leberflecken, Pickel, Sommer- spross, usw. entf. u. Gar. 1. Immer Frau B. Gulden Sprechst.Freitag Hießen, Alicen- Straße 40 p. 9—7 Uhr durchgehend. Kundgebung der Arbeitsdienstabtei ung Gießen am 6. September 1935, 29 Uhr im Saale der Abteilung (Philosophenwald) Anschließend Tanz! Lebensmittelgroßh. sucht jüngere Stenotypistin die schon in ähnlichen Betrieben tätig war. Handschriftl. Angebote mit Lebenslauf u. Zeugnisabschr. an Postfach 103, Gießen. 03735 Fleischer-Innung für Stadt und Kreis Gießen ____5020 D Ruhl Ä Fpf7Pr Gießen (Lahn) ix U Bll Qt iw ■ Schanzenstr. 3, TeL 2534 Heute Donnere tag v. 5V2 Uhr nachm» ZwiebeUeo Bäckerei Lange Neustadt 87. (Ein Quell d. Freude für den Naturfreund Belauschtes Leben Alein e tireatur in Wasser, Busch und Halm von Karl Otto Bartels. Drogerie Kreuzplatz Hühneraugen, Hornhaut, Schwielen, Sehweißfuß ? Als erfahrener Fachdrogist kann ich Sie gewissenhaft beraten, wie Sie solche unangenehme Leiden wegbringen. Meine Hühneraugen-Kur, bestehend aus „Drowe-Flüssig“ und „Drowe-Fußbadepulver“, zu 95Pf. bringt Hühneraugen und Hornhaut ohne Schmerzen zum Verschwinden. Full-Cremes, Fuß-Puder, alles, was Sie zur Pflege der Füße gebrauchen, kaufen Sie richtig bei 5006 a deren Tierwelt mit er» läuternden Bildunterschriften, Namensan» gab. u. ausführlichem Text (62 Seiten). Mit einem Geleitwort von Profess. Dr. ©tegenox Universität Berlin, Dieses Werk bringt er< staunlich vielseitige undtrefflich gelungene Einzelbilder und Bild« folgen aus dem reichen Leben der zahllosen kleineren Lebewesen. Aus der Fr euüe am Beobachten ist ein wert» volles naturgeschicht» liches Urkundenbuch geworden, das hervorragend geeignet ist, die Liebe auch »untz kleinsten Naturgeschehen zu erwecken. Kartoniert 3,90, geb. 4,80. Bitte verlangen St* kostenlos unser- bebild. Wer beblättert Das Buch ist durch jede Buchhandlung zu beziehen! Hugo Vermahle* Verlag Berlin • Llchterfeldch 1II1IIIIIIIIUIIIIIIIUIIII» der 12 Schaufenster, Stapel- und Spezialfenster, zugkräftig dekorieren kann und auch im Verkauf, besonders von Herren-Konfektion und Gardinen, gewandt ist, ver 1. Oktober gesucht. Schriftl. An- 66bote mrt Lebenslauf, Zeugnissen und Bild, unter Angabe der Ge- haltsansvrüche unter 5015 D cm den Gießener Anzeiger erbeten. SS1 Srutt und Betlag der hochaktuell.DeutschenNeform- Buchs, lorganisationstechn.verbess. amerik.), Einheits-Buchf. f. Kfm., Handw., Lebensmittelgesch.,Werk- stattbetriebe, Industrie usw.,- Dezimal-Organis.- Pläne f. systemat. Schriftgut-,Buchf.-Beleg-,Schreibtisch-,Geschäfts-, Famil.-Archiv-usw. Ordng.r Formularverlag. Schriftl. Angeb, u. 03734 an den Gieß.Anz. Schweinefleisch im eigenen Saft ab heute in den der Fleischer-Innung angeschlossenen Metzgereien erhältlich I Preis für 1-Pfund-Dose Mk. 0 80 Preis für 2-Pfund-Dose Mk. 1.6Q Nachlässe von 3 bis 20 v. s. erhalten Sie bei wiederholten Auf« nahmen einer Ameise | Vermietungen | 8eff.5-3lm.-Mhn. 1. Et., fof. beziehbar, für 100 Mk. zu vermieten. Schr.Angeb.unt. 03732 a.d.G.A. Garantie, sehr preiswert zu verkau!en.5014D E. Zollinger Gießen Seltersweg 89 H. Telefon 3119. Führerschein- freies D KW.- Motorrad zu verkauf, oavse Hammstrafie 1. fEmpfehlungen" Sl.^ochLi«hfolsev Mäusburg 15 bohD Televh.3612 Wissenschaftliche Werke Sondergebiet der Brühl'schen Druckerei Mietgesuchej UWota. von mittlerem Beamten zum 1.11. 35 gesucht. Schr.Angeb.unt. 4982V a.d.G.A. Mitglied des Stadttheaters suchtver!4.o.l5. September ein bis zwei gemütl. möOminet ev.kl.möbl.abge- schloss. Wohnung mit Klavier. Eilangeb. u. 5019V an d. Gieß. An;. [Stellenangebote] Keine Ursprungszeugnisse, sondern nur Zeugnisabschriften dem Be- werbungSschretben beilegen! — Lichtbilder undBewerbungSuntev lagen müssen »ur Ver- meidung von Verlusten aus der Rückseite Namen und Anschrift des Bewerbers tragen i C,e\te«s | Verkäufe" Klavier sehrgut erhalten, kreuzsait.-Elfenb. 5Jahre Garant., f. 365 Mk.z.verk. od.zuverm. ornn Georg Ebert Ludwigstraße 5. Harmonium Erstklassige Großstttck- Schneider mit langjähriger Erfahrung, wirk- licheKönner-stellt f. Dauerbeschäftigung ein [5013D KÜHLER Herrenbekleidungshaus Gießen Arbeitsamts- Ausweis ist mite zubringen. Tücht., in Küche und Haus erfahr. Wä zum 1. Oktober gesucht. 03781 Moltkeftr. 32 v. filnöetgfirtneito für halbe Tage, die auch im Haushalt mit anfatzt, für alsbald gesucht. Schr. Angebote u.5012V an d. Gieß. Anz. [Stellengesuche] Mädchen 23 Jahre, sucht Stellung i.Haus- halt ver sofort oder 1. Oktober. Schr.Angeb.unt. 03736 a.d.G.A. Nr. 207 Zweites Blatt______________Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 5. September 1935 Wir wollen eine gesunde Lugend! Oie NS.-Volkswohlfahrt bittet um 200000 Zreiplähe auf dem Lande. mer die gleiche Sorge drückte sie: was machen unsere Kinder, wer kümmert sich um sie? Da hat die NS.-Volkswohlfahrt helfend eingegriffen. Auch die Kinder wurden verschickt. Das bedeutet keine finanzielle Belastung für die Eltern. Der Beitrag, den sie zahlen müssen, ist sehr gering. Und Sorge um das Wohlergehen der Kinder in den Ferien ist nicht nötig. Die Pflegeeltern haben allenthalben mit Liebe und Sorgfalt ihre Ferienkinder behandelt. Und zudem sind die Kinder für die' Dauer ihrer Reise und ihres Aufenthaltes — der über vier lange Wochen sich erstreckt — gegen Unfall und Krankheit versichert. Fast unbemerkt von der großen Oeffentlichkeit arbeitet die NS.-Dolkswohlfahrt für die Kinderlandverschickung. Welche Arbeit und Mühe aber dahinter stehen, wird erst klar, wenn man sich überlegt, was für ein großer Apparat in Szene gesetzt werden muß, bis wieder ein Zug mit erwartungsvollen Kindern hinausfahren kann in die Ferien. Masurenkinder kommen nach Breslau, Ostpreußens Kinder nach Berlin — was übrigens ein Erlebnis ganz besonderer Art für diese Kinder war. Manche von ihnen sind noch nie gereist, und wenn man sie fragte, auf was sie sich sehr freuen, so kam fast immer die Antwort: „daß ich unfern Führer sehen kann". Ein kleiner Junge wußte nichts zu antworten als: „Ich freu mich — auf alles?" Kreuz und quer durch ganz Deutschland reisen Kindertransporte. Aus dem Ruhrgebiet in die bayrischen Berge und an die See, von Süddeutschlano nach Norddeutschland. Unsere Jugend lernt ihr Vaterland kennen! Uralter Traum vom fliegenden Menschen Oie Vorläufer der deutschen Muskelkraft-Flieger. Seit Jahrtausenden haben die erfinderischen Köpfe aller Völker darüber gegrübelt, wie sich der alte Märchentraum erfüllen und der Mensch vermöge feiner Muskelkraft fliegen könne. Däda- lus und Ikarus gaben ebenso wie Wieland der Schmied die Vorbilder, und immer wieder versuchte man Apparate zu bauen, die jenen mythischen Flügelkonstruktionen ähnlich waren. Der Meister der Scholastik Roger Baco beschrieb in seinem Traktat über die „Wunderbare Macht der Kunst und Natur" schon im 13. Jahrhundert einen solchen Flugapparat. Die Renaissance lenkte dann die Aufmerksamkeit auf Beschreibungen solch künstlicher Flügel, wie sie die Antike gegeben hatte. Ein Mathematiker aus Pöronne stellte sich ein Paar künstliche Flügel her und versuchte sich in die Luft zu erheben, aber er fiel herunter und brach sich beide Schenkel. Aehnlich erging es einem gelehrten englischen Benediktinermönch, Oliver von Malmesbury, dem die Schilderungen, die Ovid in den Metamorphosen vom Fluge des Dä- dalus gibt, als Vorbild dienten; er lieh sich Flügel anfertigen genau nach den Vorschriften, die er dort fand, und im festen Glauben an diese alten Erzählungen ließ er sich von einem Turm in die Lust nieder. Natürlich stürzte er sogleich zu Boden, brach beide Beine und blieb für sein ganzes Leben gelähmt. Doch sein Glaube an die Möglichkeit des Fliegens war nicht erschüttert und sein einziges Bedauern war nur, daß er nicht noch einmal den Versuch wagen könne; er würde sich nämlich daun, so versicherte er, noch eines Instrumentes in der Form eines Vogelschwanzes bedient haben und damit sicher geflogen sein. Die Vorstellungskreise, auf denen solch unerschütterlicher mittelaltetlicher Glaube geboren wurde, sind zum letztenmal in dem Werke des frommen „Ein Staat verjüngt sich ewig in seiner Jugend, deshalb muß die Sorge um die Gesunderhaltung der Jugend unsere vornehmste und edelste Tat sein." Adolf Hitler. Wer jetzt in den Sommermonaten durch Deutschland reist, der wundert sich immer wieder über manchen singenden, klingenden Zug voller Kinder, der uns begegnet. Schmale, blasse, müde Kinder verlassen die Sädte, fahren hinaus aufs Land — wohlbehütet und betreut von Helfern und Helferinnen. Gebräunt, munter und frisch und nicht zuletzt wohlgenährt und mit dicken Backen kehren sie zurück, bringen Freude und Glück in manche trübe und arme Elternwohnung, stecken voll von Erlebnissen und können plaudern und berichten mit strahlenden, glückseligen Augen. Ein kleiner Junge z. B. ist ganz beglückt über all die großen und kleinen lebenden Wesen, denen er auf dem Lande begegnet- ist. Besonders ein Fohlen hat es ihm angetan, das zwar — so erzählte er in seinem Brief an die Eltern — ausgeschlagen hat, als er mit ihm spielte, aber „süß ist es doch", schloß er seinen Bericht. Em anderer Junge schreibt nach Haus: „Wenn Ihr sehen könntet, was ich hier esse, das ist nicht mehr zum Aushalten. Onkel sagt immer, ich esse wie ein Scheunendrescher. Aber dabei lacht er immer und legt mir noch 'ne Wucht auf den Teller." Und zum Schluß schreibt er: „Wecken ist hier nicht. Ich bin schon immer wach um halb fünf, wenn die anderen aufstehen. Dann gehen wir Männer aufs Feld raus, und die Frauen machen erst mal das Haus in Ord- "una." So schreiben die Kinder, die im Rahmen der Kinderlandoerschickung der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt hinausgeschickt werden aus den Städten auf das Land. 200 000 deutsche Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren haben auf diese Art Freude und Erholung genießen dürfen. 200 000 deutsche Kinder aber warten noch darauf, ihre Ferien auf dem Land verleben zu können, warten darauf, Freude zu erleben an irgendeinem schönen Platz ihres Vaterlandes, bei gastlichen Bauern. Erneut hat die N^s. - Volkswohlfahrt begonnen, für die Kinderlandverschickung zu werben. Jeder deutsche Bauer sollte mithelfen an diesem Werk der NS.-Dolkswohlfahrt. 200 000 deutsche Kinder warten noch! In einzelnen ländlichen Orten haben sich sogar die tapferen Hitler-Jungen und Mädchen in engster Zusammenarbeit mit der zuständigen Stelle der NS.-Volkswohlfahrt an die Arbeit gemacht. Sie werben in ihrem Ort und auf ihre Art für die Aufnahme von Ferienkindern und Bereitstellung von Freiplätzen. Wer aufmerksam die Zeitungen des Reiches gelesen hat, fand in den letzten Monaten immer wieder begeisterte Briefe von Ferienkindern und Pflegeeltern und manches vergrämte, freudlose Elternpäar hat in bewegten Worten der NS.-Volkswohlfahrt Dank gesagt, für das Glück, das ihren Kindern und damit auch ihnen zuteil wurde. Manchem Vater ist es geschehen, daß er seinen Jungen gar nicht wiedererkannte, als er ihn am Bahnhof aus den Ferien zurückerwartete. Alle diese Tatsachen und manche andere Beweise noch haben klar und eindeutig gezeigt: die NS.-Dolkswohlfahrt ist mit ihrem Erholungswerk auf dem richtigen Weg. Das Erholungswerk der NS. - Volkswohlfahrt! In diesen Rahmen gehört außer der Kinderlcmdver- schickung auch die Erwachsenenverschickung, die Hitler-Freiplatzspende, die Tuberkulosen-Verschickung und die Mütter-Erholungssürsorge. Die Mütterverschickung ist wohl letzten Endes der sachliche Ausgangspunkt der Kinderlandoerschickung geworden. Gewiß, die Mütter waren froh und dankbar, daß die NS.-Dolkswohlfahrt ihnen die Möglichkeit bot, in Heimen der NS.-Volkswohlfahrt und an anderen Plätzen Erholung finden zu können. Aber im- Wie geht die Kinderlandverschickung nun praktisch vor sich? Der tätige Faktor dieser Arbeit ist die je- wellige Ortsgruppe der NS.-Volkswohlfahrt, deren Reichsleitung in Berlin ist, von wo aus die großen Richtlinien an die Untergliederungen im Reich gegeben werden. Die Helfer und Helferinnen der Ortsgruppen der NS.-Volkswohlfahrt besuchen die Familien ihres Gebietes, sie wissen, wo Kinder sind, die Erholung dringend nötig haben. Sie werden auch unterstützt von Hinweisen der Lehrer auf einzelne Kinder. Die Vorschläge werden der Ortsgruppe unterbreitet. Die letzte Auswahl wird nach strengen gesundheitlichen Gesichtspunkten getroffen. Sämtliche in Frage kommenden Kinder werden von Aerzten untersucht. Keins der Kinder, die verschickt werden sollen, darf eine übertragbare Krankheit haben. Aus klar ersichtlichen Gründen! Die Ortsgruppe und die übergeordneten Stellen — Kreisleitung und Gauleitung, bearbeiten gemeinsam die zur Verfügung stehenden Freiplätze, die von Stadt und Land angeboten werden. Unendlich viel Kleinarbeit! Aber jede nur irgendwie in Betracht kommende Behörde hilft mit. Besonders hervorzuheben sind die Vergünstigungen, die die Reichsbahn für die Beförderung der Kinder gewährt. Alles geschieht, damit unsere deutsche Jugend gesund bleibt. An Stelle der vielfach übertriebenen Jugendfürsorge vergangener Zeiten ist die Jugend h i l f e getreten. In den Aufgabenkreis der planmäßigen vorbeugenden erzieherischen Arbeit des Nationalsozialismus an der deutschen Jugend ist die Kinderlandoerschickung ein ganz erheblicher und wesentlicher Faktor geworden. Der Nationalsozialismus konnte diesen Weg beschreiten, geleitet von der Idee: das Gesunde gesund zu erhalten und stark zu machen für den Kampf mit dem lebendigen Leben und für Erhaltung der Nation. Bischofs von Chester, John Wilkins, „Abhandlung von mechanischen Bewegungen" (1682), zusammengefaßt. In diesem wird das Flugproblem aus folgende vier Arten gelöst: einmal ist es möglich zu fliegen mit der Hilfe Gottes oder auch des Teufels, indem Engel oder böse Geister den schwachen sündigen Menschen darin unterstützen; dann kann man sich in die Lüfte erheben, wenn man sich durch große Vögel tragen läßt, wie dies denn auch in der alten Geschichte und in neueren Erzählungen vorgekommen; das dritte Mittel besteht in Flügeln, die unmittelbar am Körper befestigt werden müssen, und viertens spricht der Bischof von „fliegenden Wagen", für die er eine recht merkwürdige Bauweise anaibt. Lange bevor diese Phantasien erschienen, hatte bereits die genialste Persönlichkeit der Renaissance, Leonardo da Vinci, die Probleme des V o g e l f l u g s und der Flugmaschine in wissenschaftlicher Form erörtert. Geeigneter als die Flügel des Vogels erschienen ihm die der Fledermaus als Vorbild für den Bau eines Flugapparates. „Erinnere dich", fo schreibt er, „daß dein Luftschiff nichts anderes nach- ahmen darf, als die Fledermaus, denn sie hat die Hilfe der Flughaut, und dies Gewebe macht eine Armatur oder besser eine Verbindung der Armatur, d. h. das Hauptsegel der Flügel aus." Allerdings fanden sich immer wieder kühne Wagehälse, die ohne jede wissenschaftliche Gewähr an Die menschliche Flugkraft glaubten. So kündete unter Ludwig XIV. ein französischer Seiltänzer Allard an, er werde vor den Augen des Sonnenkönigs von der Terrasse von St. Germain über den Wald von Vesinet fliegen; er stürzte aber sogleich auf der Terrasse nieder und zog sich schwere Verletzungen zu. Größere Erfolge hatte ein junger Schlosser, Besnier, der sich ein Paar aus höl- zernen Stäben bestehende bewegliche Flügel baute, die mit Tuch bespannt waren und auseinander« gefaltet und zusammengeklappt werden konnten. Sie mürben an den Schultern gedreht, und zwar öffneten sie sich beim Zurückdrehen der Holzstäbe und falteten sich beim Heraufdrehen zusammen. Diese Stofflügel waren mit Füßen und Händen so verbunden, daß,« wenn die rechte Hand den rechten Flügel herabdrückte, das linke Bein den ' linken Flügel herunterzog und umgekehrt, so daß man auf diese Weise die Bewegungen beim Gehen nach- ahmte. Besnier stieg mit Diesen Flügeln zunächst auf einen Stuhl und sprang von diesem herab, um sich in der Luft zu halten. Als ihm dies glückte, stieg er auf einen Tisch, bann würbe er kühner und ließ sich von dem ersten und zweiten Stock eines Hauses in die Lust fallen. Es gelang ihm so, glücklich über das Dach eines benachbarten Gebäudes zu segeln, später soll er sogar über einen breiten Fluß geflogen fein. Im Jahre 1742 erregte der Marquis von Becqueville ein ungeheures Aufsehen durch die Ankündigung, er werde von feiner Pariser Wohnung aus über die Seine fliegen. Eine zahllose Menschenmenge hatte sich versammelt und begrüßte den Marquis, der mit großen Flügeln an Händen und Füßen auf dem Dache feines Hauses erschien und sich in den weiten Raum erhob. Eine kurze Zeit ging es vorwärts, dann taumelte er und fiel gerade überXder Seine auf das Deck eines Bootes herab, wobei er sich ein Bein brach. Er hat sich nie mehr dem unsicheren Element, der Luft anvertraut, und ebenso sank der Kanonikus Des- f o r g e s , der von dem Turm Guitet in Estampes ausflog, schnell zur Erde, obwohl er mit rasender Geschwindigkeit feine Flügel bewegte. Die Erfindung des Ballons in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts benutzte der Wiener Uhrmacher Jakob Degen für feinen Flugapparat. An einem kleinen Ballon, der ihn gerade in der Luft halten konnte, hängte er sich an, um den Leib einen Ledergürtel, der auch die Schenkel umschloß. An den Händen und Füßen, die er frei hatte, befestigte er sich große Flügel, die ihm die Fortbewegung und besonders die Lenkbarkeit ermöglichen sollten. Er wußte weite Kreise für feine Versuche zu interessieren, aber sie glückten nicht recht, und ein entscheidender Flug auf dem Mars- selde mißlang; die wütende und enttäuschte Menge mißhandelt ihn und zerbrach ihm seinen Apparat. Aber andere folgten ihm auf der Märtyrerbahn. Erwähnt fei der tollkühne Versuch von C o ck i n g, der sich aus einer Höhe von 1800 Metern mit einem von ihm konstruierten Fallschirm in die Luft wagte, um zu fliegen, zur Erde stürzte und als formlose Masse liegen blieb. Das gleiche Schicksal erlitt L e - t u r r, der fein Glück in der Kombination eines Fallschirms mit zwei großen Flügeln versuchte. Auch er wurde unter seiner Maschine begraben, und nicht anders ging es dem Holländer de G r o o f, der mit einem interessanten Apparat einige Erfolge erzielte. Er bestand in einem rechteckigen Holzrahmen, an dessen oberen Teil zwei Flügel von je zehn Meter Länge befestigt waren, die auf und ab bewegt werden konnten. Mit dieser Maschine, die einem phantastischen Vogel glich, vermochte de Groof von größeren Höhen langsam abwärts zu schweben; als er aber den Flug von einem Ballon aus wagte, stürzte er und starb bald darauf an den Verletzungen, die er erlitten hatte. Einen gewissen Abschluß erreichten all diese Versuche in der Methode des deutschen Ingenieurs Otto L i l i e n t h a l. Er ging davon aus, daß sich das Flugproblem durch das Studium des Vogelfluges und die Nachahmung des Segelfluges der großen Vögel lösen lasse. Auch nachdem der Segelflug zum Sieg gelangt war, ruhten die Versuche mit durch Menschenkraft beweglichen Flügeln nicht. Aber erst in unseren Tagen sollten durch die Erfindungskraft deutscher Ingenieure und die Kunst und den Wagemut eines deutschen Flugzeugführers die ersten Flüge durch Menschenkraft in der Welt vollbracht werden. „Petterson und Bendel." Lichtspielhaus. Heber diesen schwedischen Film, der nach einem preisgekrönten Roman von Waldemar Hammen- h ö g gedreht wurde, ist hier früher bereits mehrfach berichtet worden: anläßlich der Uraufführung in Berlin, wobei es am Kurfürstendamm zu schnell beseitigten Zwischenfällen kam, und anläßlich der Erklärung des Staatskommissars Hinkel, die sich scharf gegen die in einer Reihe von Berliner Lichtspieltheatern festgestellten Fälschungen der schwedischen Originalfassung wandte. Der Film, der als erste ausländische Produktion in Deutschland mit dem Prädikat „st a a t s p o l i t i s ch wertvoll" ausgezeichnet worden ist und auch auf der Internationalen Filmausstelluna in Venedig gezeigt wird, hat bei seiner Uraufführung einen ungewöhnlichen Publikumserfola erzielt, der sich auf der anschließenden Reise Durch die deutsche Provinz ebenfalls bewähren dürfte. „Petterson und Bendel" ist ein Lustspielfilm, dessen Handlung allerdings jederzeit und besonders gegen Ende hin einen ernsthaften und ernstzunehmenden Kern aufweist und infolge der darin berührten Probleme gerade heute und gerade in Deutschland von brennender Aktualität ist: ein galizischer Jude namens Bendel — fo beginnt es — hat sich als blinder Passagier auf einem Revaler Frachtdampfer nach Kopenhagen eingeschmuggelt, obwohl er bereits siebenmal unter verschiedenen Namen in Schweden war und dort ebensooft wieder ausgewiesen wurde. Im Hafen trifft er zufällig einen arbeitslosen schwedischen Matrosen namens Petterson; er macht sich an ihn heran und macht sich dessen Gutmütigkeit zunutze, um mit ihm eine „Firma" aufzutun und zweifelhafte Geschäfte zu tätigen. Petterson sträubt sich zunächst, aber Bendel läßt nicht locker; er wird das Ding schon drehen, und der große, blonde Schwede braucht vorerst bloß nach außen hin die Firma zu repräsentieren. Nun geht das Geschäftemachen munter los. Es beginnt mit einem Veilchensträußchen, fuhrt alsbald zum gerissenen An- ur.d Berkaus eines ge- brauchten Sofas, und es fehlt nur das erforderliche Betriebskapital, um die Firma auf ähnlicher Basis schnell zu vergrößern. Zum ©lücf leiht Mia, Pet- rersons Freundin, ihm hundert Kronen, und mit diesem Grundstock beginnt die Firma, immer unter Bendels raffinierter Führung, einen schwunghaften Und betrügerischen Handel mit „Cleopatras Schönheitskrem", der aus altem Rindertalg besteht, und ähnlichen minderwertigen Ramschartikeln. Das Geschäft blüht; Petterson als Direktor bekommt einen schicken Anzug, und es gelingt ihm alsbald, unter einem Decknamen, die Generalvertretung von Agda Alvins Handschuhgeschäft an sich zu bringen. Da diese Agda aber auch persönlich an dem stattlichen und gut aussehenden Vertreter nicht uninteressiert ist, bringt Bendel Petterson schließlich dazu, bei Agda einen großen Pump aufzunehmen. „Petterson und Bendel" machen mit dem Selbe ein neues großes Geschäft in „Ouietsch-Ballons mit Gratis-Lutschstange", aber Agda hat die Gelegenheit benutzt, sich mit Petterson öffentlich zu verloben. Die arme Mia, der Bendel mit einem geschickten Manöver den Sachverhalt beigebracht hat, will ins Wasser gehen und ist tatsächlich verschwunden, als Petterson, der Agda inzwischen alles gebeichtet und mit ihr gebrochen hat, mit einem Versöhnungsblumenstrauß bei ihr antreten will. Als Bendel merkt, daß aus dem Riesengefchäft (mit Agdas Geld) nichts geworden ist, zumal die Gesundheitspolizei die Ballons aus hygienischen Gründen beschlagnahmt hat, beschließt er zu verschwinden, — nicht ohne seinen Kompagnon zuvor nochmals kräftig übers Ohr gehauen zu haben. Schon gedenkt er mit dem gesamten Bargeld der Firma, das er dem gutgläubigen Petterson mit Hilfe eines famosen „Vertrages" abgejagt hat, auf einem Dampfer nach Reval zu verreisen, da entdeckt Petterson, der inzwischen seine Mia wiedergefunden hat, den geplanten Betrug; er nimmt dem jammernden Bendel (der auch noch Pettersons Paß gestohlen hat) fünf Minuten vor Abgang des Schiffes das Geld wieder ab und kehrt zu Mia zurück, die am Ufer auf ihn wartet und ihm, zum glücklichen Ende, ein süßes Geheimnis ins Ohr flüstert... So läuft, in großen Zügen, die Handlung, die der Regisseur Per-Axel Brauner mit einfachen Mitteln, aber wirkungsvoll und lebendig gestaltet hat: er arbeitet die grundlegenden charakterlichen und rassischen Gegensätze der beiden Hauptgestalten mit nachdrücklicher Schärfe heraus, so daß — über den Einzelfall der Lustspiel-Fabel hinweg — das aktuelle Problem in seiner ganzen Spannweite erfaßt und beleuchtet wird. In Petterson und Bendel stehen sich die Vertreter zweier im tiefsten We- fensgrunbe verschobenen Rassen gegenüber, unb so ist ber Film weit mehr als ein simples Lustspiel ober bie alltägliche Geschichte einer Firma; rein filmisch ist übrigens ber Charakter der von „Petterson und Bendel" getätigten Geschäfte gerade in der Darstellung der dick aufgeblasenen und schnell zerplatzenden Luftballons sehr geschickt und sinnfällig gekennzeichnet. Brauner hat diesen Film mit unbekannten Schauspielern gedreht, die sich ihrer Aufgabe mit viel Verständnis unterzogen haben: Adolf Jahr spielt den Petterson; groß, blond, gutmütig, ehrlich und ahnungslos. Semmy Friedmann gibt den Bendel als einen schmierigen, verschlagenen und gerissenen Ostjudeu, der hemmungslos und skrupellos auf feine dunklen Geschäfte ausgeht und ge- schickt den andern vorzuschieben und für sich aus- zunutzen versteht. — Recht gut und lebendig sind auch die unterschiedlich angelegten Frauengestalten mit Birgit ©ergelius (Mia), Elsa Carlson (Agda) und Isa Q u e u s e l (Elsa) besetzt. Der Film läuft .n der Originalfassung; die deutschen Dialog-Titel sind ins Bild komponiert, leider nicht immer sehr deutlich lesbar; aber die Zusammenhänge werden auch so hinreichend klar. — Der Film läuft feit gestern im Lichtspielhaus und dürfte auch bei uns ein großes und interessiertes Publikum finden. Im Beiprogramm sieht man die Wochenschau unb einen lehrreichen Naturfilm „Vampyre". — r — Kunst und Wissenschaft. Naturärzte-Tagung in Wiesbaden. In Wiesbaden fand eine gut besuchte Tagung des Gaues Hessen-Nassau des Reichsoer dandes der Naturärzte statt. Es war auch eine größere Anzahl anderer Aerzte erschienen, was als sehr erfreuliches Zeichen zu werten ist für das zunehmende Verständnis, das die Bestrebungen der Naturheillehre jetzt auch in Aerztekreisen genießen. In seinen Begrüßungsworten wies der Gaubeauftragte, Dr. M a l e ch, Gießen, auf den vor einigen Monaten erfolgten Zusammenschluß aller biologischen Aerzteverbände zu einer Arbeitsgemeinschaft hin, sowie auf die ernsten Bemühungen des Reichsärzte- führers, Dr. Wagner in München, das wertvolle Gut der Naturheillehre und anderer biologischer Heilrichtungen der Allgemeinmedizin nutzbar zu machen. Dr. Malech betonte weiter, daß bei der Naturheillehre eine besondere Lehre vom Krankheitsgeschehen und der Krankheitsbehandlung vor- liege, der durchaus Allgemeingeltung zukomme. Deshalb müsse sich jeder Arzt damit befassen, insbefon« dere müßten unsere jungen angehenden Aerzte darüber unterrichtet werden. Dr. M o r k r a m e r, Facharzt für Lungenkrank- heiten in Frankfurt, hielt darauf einen bedeutungsvollen Vortrag über die Entstehung und die naturärztliche Behandlung der Tuberkulose. Er halte die operative Behandlung mancher schwerer Tuberku- losen durchaus nicht für einen Fehler wider die Natur, legt im übrigen besonderen Wert auf die Liegekur, gegebenenfalls in Verbindung mit Mas- fagebehandlung. Don höchster Bedeutung sei die Behandlung der Haut, da der Lungenkranke hautkrank ist. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache an, die sich vorwiegend um die Ernährungsfrage und die Frage des Pneumothorax drehte. Dr. Jockel, Darmstadt, sprach über „die Bedeutung der Mandeln in gefunden und kranken Tagen". Er wies u. a. besonders darauf hin, daß die Mandeln keineswegs überflüssig sind, sondern ein wichtiges Ausscheidungsorgan für im Stoffwechsel entstandene Gifte seien. Auch an diesen Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache. Ferner berichteten Dr. Römer, Reichenbach i. O., über gute Erfahrungen mit Eigenblutbehandlung und Dr. Malech, Gießen, über günstige Erfahrungen mit der Darreichung frischer Gurken bei Darmkatarrhen, die den Erfolgen mit rohen geriebenen Aepfeln mindestens gleichkommen. Deutscher llebersee-Preis. Schriftleitung und Verlag von Westermanns Monatsheften nehmen den mit der September-Ausgabe 1935 beginnenden achtzigsten Jahrgang der Zeitschrift zum Anlaß, einen Preis von dreitausend Reichsmark auszusetzen für eine im Druck noch nicht veröffentlichte Niederschrift, die als Roman, Erzählung oder Tatsachenbericht ein deutsches Schicksal, Erlebnis oder Lebensbild in Hebersee gestaltet. Die Arbeit soll mit innerer Wahrhaftigkeit Leistung und Einsatz deutscher Kraft jenseits der europäischen Meere schildern und dazu angetan sein, bei uns und bei den andern Nationen Verständnis und Anerkennung für Wesen, Art und Lebensrecht des deutschen Volkstums in fremden Erdteilen zu wecken und zu fördern. Der deutsche Hebersee-Preis wird zugeteilt durch gemeinsamen Beschluß von Dr. Richard C s a k i, Leiter des Deutschen Ausland-Jnstituts, Stuttgart; Dr. Karl Kl in gen fuß, Kulturamt der Auslands- Organisation der NSDAP., Berlin; Professor Dr. Dr. Werner Jansen, Hochschulabteilung des Reichserziehungsministeriums, Berlin; Otto August Ehlers, Hauptschriftletter von Westermanns Monatsheften, Berlin. Sochschulnachflchiett. Geh. Rat Professor Dr. Friedrich Panzer, der namhafte Heidelberger Germanist, beging seinen 65. Geburtstag. Geh. Rat Panzer, der früher in Frankfurt und Freiburg lehrte — einen Ruf auf den Lehrstuhl Gustav R o e t h e s in Berlin hat er 1927 abgelehnt —, hat sich in zahlreichen Arbeiten vor allem mit der deutschen Heldensage und mit Märchenforschungen beschäftigt. Der ao. Professor Dr. Otto Kuhn ist durch den Führer und Reichskanzler zum ordentlichen Professor für Zoologie in der Philosophischen Fakultät der Universität Köln und zum Direktor des Zoologischen Instituts in Köln ernannt worden. Professor Dr. Fr. Jager, Extraordinarius für Sinologie an der Universität Hamburg, ist zum ordentlichen Professor in Hamburg ernannt worden und wird dort den chinakundlichen Lehrstuhl von Professor Forke übernehmen. Gießener Wohnhausneubauten aus breiter Front < < IWI ..... r* 1.1 hnt Nachdruck verboten! 12. Fortsetzung. hier noch die Maurer Stein auf Stein setzen, dort die Zimmerleute den Dachstuhl aufrichten und das bändergeschmückte Bäumchen aufsetzen, schlagen wieder an anderer Stelle die Weißbinder ihr Gerüst auf und bewerfen die Mauerwand mit dem zurtfarbigem Verputz. Dort wird soeben eine Gartenmauer hergerichtet und hier erhalten die Fensterläden ihren Oelanftrich. Diele Hände find an der Aus der Provinzialhauptstadt. Glanz der Septembertage. wird. Die Bescheinigungen für dieses Fallobstsammelwerk -um Besten des WHW. können auch an Kinder erteilt werben, die sich auf diese Weise in den Dienst des Hilfswerkes stellen wollen. Die zum Einkochen des ge ammelten Fallobstes erforderlichen Geld- mittel (Zucker, Feuerung ufw.), werden von der seiner Brille. „ v . „Aber nicht jetzt, nicht hier. Und dann nur, wenn auch Sie mir versprechen, daß Sie nur von sich erzählen werden." Aber sie wartete seine Antwort nicht ab. Für setzt war genug getan: Shirley Preston hatte einen feinen Instinkt, und sie wartete chre Chance Die sollte sich chr schneller bieten, als sie selbst erwartet hatte. — , .. ... Als sie die Bar verließen und in die schone, besternte Herbstnacht hinaustraten, beschlossen sie, den Heimweg zu Fuß zu machen. Es ging sich ia so wunderschön, sie beschlossen sogar einen Um- weg durch den Englischen Garten. Als sie den Park betraten, flüsterte Shirley: „Lassen wir doch die beiden voraus." Johnie begriff sofort. Er verlangsamte seinen Schritt. Gerling und Monika, die einander immer so viel zu erzählen hatten, merkten es gar nicht, daß die beiden zurückblieben. Plötzlich fühlte Johnie, wie sich der Arm Shirley Preston; unter den feinen schob. * v- Die öcntfdic Arbeitsfront ® n.9.--Gcmeinfdiaft „firaft Ourdi frcuöc" «kUmoß im&hc6 ^vwyvw^A: A/wv Qjlwß! I S&tJfugusf Oetker (ßielefeld. Klinke, wo stecken Sie denn? Wir dach, ten schon daran, daß Sie vielleicht vom Hauptwege abgekommen sind..." _ . . „ Shirley richtete sich schnell auf, und Johnie ruckte verlegen, aber doch erleichtert an seiner Brille. Zu einer größten Erleichterung kamen Gerling und Monika nicht bis zu ihnen zurück, sondern sie setz, ten ihren Weg wieder fort. Shirley sah ein, daß sie nicht noch einmal beginnen konnte, und so sagte sie nur seufzend: „Ich habe mich zu sehr gehen lassen — verzeihen sie! Aber es tut so gut. Ich bin so schrecklich einsam und habe auch gar keinen Lebenszweck." „Sie müßten etwas finden, das Sie interessiert, Frau Preston. Haben Sie gar keine künsllerischen Talente? Lieben Sie Bilder?" „Ach, ich verstehe so wenig davon. Ich mutzte emanden finden, der sie mir erklärt." „Gut, Frau Preston — wenn Sie wollen, gehen wir gleich morgen in die Pinakothek. Sie werden ehen, im Anblick der herrlichen Meisterwerke ver- sißt 'man am ehesten, was einem das Herz be- br<5ie waren etwas schneller gegangen und hatten jetzt die beiden andern erreicht, mit denen sie den Rest des Weges beisammenblieben. 8. Kapitel. Zimmer 9. Deutsche Arbeitsfront. Abteilung für Arbeitsführung und Verufserziehung. Er st es Leistungsschreiben in Kurzschrift und Maschinenschreiben. Die Arbeitsschule der Abteilung für Arbeltsfüh- rung und Berufserziehung in der Kreiswaltung Gießen hält am kommenden Sonntag, 8. September 9 Uhr, im Hause der Deutschen Arbeitsfront, Gießen, Lonystraße 18, ihr erstes Leistungsschrel- den in Kurzschrift und Maschinenschreiben ab. Wir rufen alle Kurzschriftler und Maschinenschreiber zu dürfen, daß Sie es mir erzählen, aber ich habe gar nicht geahnt, daß Sie noch so leiden. Ach, bitte, beruhigen Sie sich doch! Sie werden sehen, auch für Sie werden wieder glückliche Tage kommen... „Ia, glauben Sie...?" Und Shirley lehnte sich noch fester an Johnie. Aber in diesem Augenblick hörte man Gerlmgs Zu jedem kommt einmal das GM. Vornan von Glien Kulm Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme - Verlag, Halle (S.) Die RS.-Dolkswohlfahrt Hal durch einen Antrag, den die Kreisamtsleitung Gießen der ^SD. an die Provinzialdirektion Oberhessen und an die ober- hessischen Forstämter richtete, zwei neue anerken nenswerte Hilfsmaßnahmen für bedürftige Volks genossen zustande gebracht. Es handelt sich dabei um die Nutzbarmachung des Fallobstes an den obe?hessischen .Provinzialstraßen und um die kostenlose teilweise Versorgung mit Brennholz für [>1^56^1)^^96 50^1160 Während in früheren Jahren bas Fallobst an den Landstraßen zum Teil unbenutzt blieb oder von Liebhabern wahllos mitgenommen wurde, ist jetzt dieser Teil des Fallobstertrages planmäßig in den Rahmen der Dersorgungsmaßnahmen des Win- terhilfswerkes eingegliedert worden. Auf Antrag bet kreisamlsleitung Gießen der NS.-Volkswohlfahrl hat sich die Provinzial- direktion Oberhessen damit einverstanden erklärt, daß an den Provinzialstraßen in unserer Provinz das Fallobst von Sammlern, die durch Ausweise der örtlichen RSV.-Verwaltungs- stellen legitimiert sind, aufgelefen und den örtlichen Frauenschaften zur Verarbeitung als Marmelade, Gelee oder Obstschnihel zugeführt ausgezahlt bekam." Shirley zog den Arm aus dem Johnies, griff nach seiner Hand und hielt sie fest. „Können Sie fühlen, was ich erlitten habe? Ja, ich weiß es, Sie verstehen mich. Vielleicht haben auch Sie Aehnliches erlebt. Vielleicht haben auch Sie einmal ein Mädchen gekannt, dem Sie Ihr Herz schenken wollten, bis Sie erkennen mußten, daß es ein herzloses Wesen war, das nicht das Herz eines Mannes suchte, sondern nur sein Geld." Johnie, der ganz ahnungslos war und niemals auf den Gedanken kommen konnte, daß Shirley etwas von seiner Geschichte wußte, war so überrascht, daß er seine sonstige Zurückhaltung vergaß. „Ja, Frau Preston", sagte er, „ich fühle, was Sie durchgemacht haben. Auch ich habe etwas Aehnliches erleben müssen." Das Aufblitzen des Triumphs in Shirleys Augen konnte Johnie nicht sehen. Auch hatte sie sich schnell wieder in der Gewalt. „Oh, ich habe es geahnt. Aber denken Sie nicht mehr daran. Wie immer es auch gewesen sein mag, Sie haben diese Frau ja doch nicht geheiratet, Sie sind vor den Qualen einer Ehe mit einem Wesen, das Ihre warme Liebe mit Kälte lohnt, verschont worden. Sie werden eine andere Frau finden, die Sie lieben wird, die Sie entschädigen wird, während ich ..." Aufschluchzend blieb sie stehen und lehnte den Kopf an seine Schulter. Hilflos strich ihr Johnie übers Haar. „Nicht meinen, Frau Preston — bitte, regen Sie sich doch nicht auf! Ich hätte Ihnen gar nicht erlauben Arbeit. Die Nachfrage nach dem Baugelände in diesem neuen Stadtteil ist nach wie vor sehr stark, so daß damit zu rechnen ist, daß die rege Bautätigkeit auch weiterhin anhalten wird. Baubeginn an der Lessingstraße. Gestern wurde an der Ecke Lessingstraße mit dem Bau eines großen Wohnhausblockes begonnen der nicht weniger denn 42 Wohnungen verschiedener Größen bergen soll. Die gemeinnützige Aktiengesell- schäft für Angestellten-Heimstätten ist der Trager des Bauvorhabens. Die Erd-, Maurer und Betonarbeiten werden durch die Firma Aber m a n n ausgeführt. Mit der örtlichen Bauleitung ist der Gießener Architekt Seibert betraut worden. Eine Woche «pater schrieb Monika an Lotte: „Erinnerst Du Dich noch an diese Amerikane- rin mit den gefärbten Haaren, von der ich Dir im letzten Brief schrieb? Damals flirtete sie nut Herrn von Gerling und Johnie Klinke. Aber denke Dir, nun scheint sie sich plötzlich für 9ol>me Klink« entschieden zu haben. Sie war schon einige Male mit ihm im Museum und auch m seiner Vorlesung, und sie hat sich sogar ein Hest angeschafft, in das sie sich Notizen macht. Sie spricht sehr gut deutsch, da sie eine deutsche Mutter hatte. Sie schminkt sich nicht mehr so viel und sieht Herrn von Gerling gar nicht an. Aber ich traue ihr doch nicht. Ich habe so ein mert= würdiges Gefühl, als ob sie nicht echt wäre. Ich weiß nicht, ob sie ihm gefällt. Ich glaube, er hat Mitleid mit ihr. Aber warum nur? Es geht ihr doch gut. Und außerdem ist Mitleid bei ihm bestimmt gefährlich. Du weißt doch von seiner Liebe zu dieser kleinen Sängerin, das fina auch mit Mitleid an. Ich habe mir eigentlich immer gedacht, daß dieses Mädchen sehr nett gewesen sein muß, ich weiß nicht, warum: vielleicht nur deswegen, weil sie mir ähnlich sein soll. Aber jetzt, da ich mit ansehe, wie diese Amerikanerin Shirley nickte. _ „Hoffentlich wird sie glücklich. — Wenn man wie ich so viel durchgemacht hat, so kann man an bas Glück nicht mehr glauben. Unb„ für mich wird es wohl auch keines mehr geben." „So dürfen Sie nicht sprechen. Ist es denn wirklich so schlimm, was Sie erlebt haben? „Ach, Sie fragen so gut. Es tut direkt wohl, mit einem Menschen zu sprechen, der Teilnahme für das Schicksal einer Fremden empfindet. Ich möchte Ihnen gern einmal mein Herz ausschutten, wenn es sie nicht langweilt." „Bitte, gern..." Johnie Klinke rückte hilflos an 6. September, Montag, 9. September und Dienstag, 10. September, jeweils in der Zeit von 20 bis 22 Uhr im Saal der Restauration „Germania , Kaiserallee 141, entrichtet werden müssen. Die Beitrage müssen unbedingt an diesen Tagen entrichtet werden, da sonst die Abmeldung erfolgen muß Die Ortsgruppe Wies eck erhebt die Hilfs» kassenbeiträge für die Monate Oktober, November und Dezember am morgigen Freitag, 6. September und am Dienstag, 10. September, jeweils in der Zeit von 20 bis 22 Uhr bei Gastwirt Heinrich ! Braun. _______ Er wunderte sich selbst, daß sich seiner eine dumpfe Traurigkeit bemächtigte. So lange war doch Monika noch nicht bei ihnen, daß er sich schon so sehr an sie gewöhnt hatte. Aber sie war eben ein lieber, kleiner Sonnenschein. Und auch seine Mutter hatte er nun immer gut aufgehoben ge- mußt, wenn er seinen Studien nachging. Ja, aber da war nun nichts dagegen zu tun. Wahrscheinlich würde sie also Oerling nach Ablauf seines Urlaubs in die Fremde folgen. Unwillkürlich wandte er sich seiner Nachbarin zu. „Sie scheinen recht zu hoben!" sagte er. ä* s äs K SS SS des Kreises Wetzlar einen fronen Tag oerlebien. Die Fahrt geht von Wetzlar über Gießen nach Mainz, von dort mit dem Schiff nach Büdesheim (längerer Aufenthalt), und dann weiter nach Koblenz, wo sich alles noch einmal iw Weindorf zusammenfindet. Don Koblenz geht die 8^6 der Bahn über Wetzlar nach Gießen. Der Gesamt preis mit Mittagessen betragt 5^ Mark. Noch 20 Anmeldungen werden auf der Geschäftsstelle, Scha zenstraße 18, entgegengenommen. Am Sonntag, 8. September, findet eine Limeswanderung statt unter Führung des Assistenten des Oberhessischen Museums, S z c z e ch. Wir fahren morgens mit dem Frühzug nach Garbenteich, wandern von Garbenteich den alten Pfahlgraben entlang, wo Herr Szczech aus feiner reichen Erfahrung heraus allerlei Interessantes über den Limes berichten wird. Im Verlauf der Wanderung berühren wir auch Kloster Arnsburg und fahren dann später von Lich wieder zurück. Es ist für diesen Tag eme Sonn- iagskarte nach Lich zu lösen. Die Fahrkarte kostet 90 Pf. OAF.-Aermel-Abzeichen. Die Gaupressewaltung der DAF. teilt folgende Anordnung des Reichsorganisationsleiters mit: DAF.-Walter tragen, sofern sie keine politischen Leiter sind, am linken Oberarm (5 cm über dem Ellenbogen) ihres DAF.-Anzuges eine schwarze Aermel- raute mit metallenem DAF.-Abzeichen. Dasselbe gilt für den laut Anordnung Nr. 2/35 vom 19. Januar 1935 festgelegten Anzug der NSBO. In diesem Falle wird die Aermelraute 1 cm über der Armbinde ge- tragen. Die Aermelraute besteht aus schwarzem Tuch Oie Bautätigkeit im Ostmarken-Viertel Die rege Bautätigkeit, die schon seit geraumer Seit an der Sicher Straße auf dem Gelände zwi- chen der Provinzial-Pflegeanstalt und der Promn- zial-Herl- und Pflegeanstalt zu beobachten ist. halt unvermindert an. Nachdem die Posener Straße ihren endgülttgen Ausbau erfahren hatte, wurde mit großer Energie die Arbeit an der neuen Schlesiener Straße in Angriff genommen. In rascher Folge entstand ein Wohnhaus nach dem anderen und eine ganze Anzahl dieser neuen Hauser konnte bereits bezogen werden. Wieder andere Häuser befinden sich vor der Fertigstellung des Innenausbaues, einige weitere Häuser wurden dieser Tage im Rohbau vollendet. Während soeben für einen Neubau die ersten Mauern ausgefuhrt werden, sind berufene Kräfte damit beschäftig, den Boden schon für eine Anzahl weiterer Wohnhäuser zu vermessen. Entlang des Alten Steinbacher Weges gehen ebenfalls einige Wohnhäuser ihrer Fertigstellung entgegen. Es ist interessant zu sehen, wie auf dem umfangreichen Baugelände die Erstellung eines Hauses in allen Stadien beobachtet werden kann. Wahrend Zu Unrecht scheint der September den Namen < Herbstmonat zu führen, denn noch ist die Welt in \ den Sonnenglanz des Sommers getaucht, und Bäume und Büsche schwelgen in saftigem Grün. Aber liegt in dem Wort Herbst nicht ein ganz an- 1 derer Sinn, als der vom Welken und Verfärben i des Laubes und nicht nur jene Stimmung des | Weltschmerzes, die wir mit dem Herbst verbinden ■ wie die Liebe mit dem Monat Mai. Wenn wir das Wort Herbst auf seinen Ursprung zurückoerfol- gen, so stoßen wir auf eine Sprachwurzel, die auch in dem griechischen Wort karpos = Frucht und in dem lateinischen Zeitwort carpare = pflücken enthalten ist. Der September verdankt also seinen Namen als Herbstmonat, den Karl der Große ihm zulegte, seiner Eigenschaft als Früchtebringer, als Erntemonat für Obst und Wein. So wird das Wort Herbst ja auch vielfach zur Bezeichnung der Weinernte und der Obsternte gebraucht, und zwar nennt man sowohl das Einsammeln der Feuchte wie den Ertrag so, den die Obstbäume und Rebengelände erbringen. Man spricht von einem guten Herbst und nennt das Lesen der Trauben em „Herbsten". So tritt der Monat uns tn ganz anderer Gestalt als Herbstmonat entgegen, als em Bringer reicher Gaben, der gleichsam auf der Hohe des Jahres steht und feine Früchte emfammelt. Bei den Kindern steht der September denn auch in hoher Gunst. In ihm werden Aepfel und Birnen von den Bäumen gepflüfrt, und so niana)er Junge, der es auf eigene Faust unternimmt, diese Ernte einzubringen und unversehens ein paar rot- bockige Aepfel in seinen Taschen verschwinden zu lassen, zerreißt sich dabei die zum Schulbeginn neu erworbene Hose, die man gerade mit bewegten Worten seiner Sorgfalt anempfohlen hatte. Auch die Stoppelfelder find nun sein Bereich, wo der Septemberwind die Drachen bis in schwindelnde Höhen hinaufführt. Schließlich ladet jebe blanke Wasserfläche noch zum Bade ein, und auch 0er Septembersonne wohnt noch eine bräunende Krasi inne, Verklärung und Reife liegt in diesen Tagen, was vielleicht dazu beigetragen hat, daß man den Monat auch Heiligenmonat genannt hat. Doch kann man in dieser Bezeichnung auch noch den Nachklang alter Sagen und Mythen vernehmen, die sich mit diesem Monat, der zwischen Sommer und Herbst steht, verbinden. Die Erinnerung an alt- germanische Herbstfeste schwingt noch nach, deren Brauchtum sich in Resten bis zum heutigen Tag da und dort erhalten hat. Der eigentliche Weinherbst findet in deutschen Landen allerdings zumeist viel später statt, und die Feste, die mit der Lese verbunden sind, werden erst im Oktober, ja zuweilen noch in den ersten Tagen des Novembers gefeiert, wenn der süße Wein aus der Kelter rinnt. Wenn so auch der neue Wein die Lobsänger des Septembers, des Herbstmondes, noch nicht beschwingen kann, so nimmt sie doch der Glanz seiner Tage, der leuchtend den Morgennebel durchdringt, gefangen. Gerade der frühe Morgen birgt in die- fen Tagen einen besonderen Zauber, und es lohnt sich wohl, ein Frühaufsteher zu sein. Beim Weg über die Fluren wird uns dann Eduard Monkes Preislied eines Septembermorgens in den Sinn kommen, das am schönsten den Zauber dieser Jahreszeit und Morgenstunde besingt: werk bereitgestellt werden. Die Erlaubnis zum Sammeln von Fallobst rann von den örtlichen NSV.»Verwaltungsstellen aber auch an solche Volksgenossen erteilt werden, die bas Obff zur Selbstversorgung sammeln wollen, um sich auf diese Weise einen gewissen Obst- ober Marmeladevorrat für den Winter selbst herzustellen. Sammelerlaubnisscheine an diese Volksgenossen werden ebenfalls von den örtlichen NSV.-Stellen aus- gegeben. Eine weitere Hilfsmaßnahme der NSV. erstreckt sich auf eine gewisse Versorgung hilfebedürftiger Volksgenossen mit Brennholz, das sich diese Familien in den Waldungen kostenlos sammeln können. Die kreisamlsleiiung Gießen der TtS*ß. hat mit den oberhefsischen Forskömlern verhande« und deren Erlaubnis zu dem Holzsammelwerk für hilfsbedürftige Volksgenossen herbeigeführt. Die Leseholzscheine zu dieser kostenlosen Holzbeschaffung können die Familien bei den zuständigen uorlIa ämtern erhalten. „ m Es ist zu begrüßen, daß die NS.-Dolkswohlsahü wiederum in vorausschauender Arbeit auch ourcy diese neuen Maßnahmen dazu beittägt, den fdjmeren Daseinskampf unserer hilfsbedürftigen Volksgenossen nach bester Möglichkeit zu erleichtern. Sie stützen?" , , . Natürlich, Frau Preston", antwortete Johme höflich. Er hatte eigentlich für Frau Preston gar nichts übrig. Aber als er so auf sie herabblickte, ühlte er plötzlich eine seltsam welche Regung. „Sie wollten mir doch von sich erzählen, Frau Preston..." . Und Shirley, die eine Meisterin war, wenn es galt, sich in das richtige Licht zu rücken, erfand sofort eine traurige Ehegeschichte, in deren Mittelpunkt sie stand. _ _ Und war es in Wahrheit sie gewesen, die Harry Preston, nachdem er ihr Luxusbedürfnis nicht mehr erfüllen konnte, schikaniert und hintergangen hatte, so war es in ihrer Geschichte der von ihr innig geliebte Mann gewesen, der sie vernachlässigt, mißhandelt und betrogen hatte. Wie seltsam berührte es Johnie, als Shirley ausrief: „Und eines Tages sagte er mir, daß er mich nie geheiratet hätte, wenn er nicht gewußt hätte, daß ich einen so reichen Onkel habe. Nie — niemals, und dabei war er ganz arm gewesen uno ich hatte ihm schon alles gegeben, was ick hatte, lieber den Tod hinaus hat er mich verfolgt und gequält. In feinem Testament hatte er dafür gesorgt, daß alles seinen Verwandten zufiel und daß ich nur eine winzige Rente von der Bande „Im Nebel ruhet noch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen: Bald siehst Du, wenn der Schleier fällt. Den blauen Himmel unverstellt, Herbstkräftig die gedämpfte Welt In warmem Gvlde fließen." Aus parteiamtlicheuDekanntmachungen Die Ortsgruppe Gießen-Ost weist darauf hin, daß die Hilfskassenbeiträge von den Angehörigen der SA, SS, NSKK und Marine-SA für das letzte Vierteljahr 1935 in den Tagen Freitag, ihn für sich in Beschlag nimmt, glaube ich fast, daß es doch nur schlechte Frauen sind, auf die er hereinfällt. Du wirst Dich vielleicht wundern, daß es mich so beschäftigt. Eigentlich geht cs mich ja auch wirklich nichts an. Und zuerst wäre es mir auch ganz gleichgültig gewesen, aber jetzt, wo ich ihn so gut kenne und weiß, was für ein vornehmer Mensch er ist, tut es mir leid um ihn, und bann ist es natürlich auch Dankbarkeit. Nein, eine solche Schwiegertochter wie diese Frau Preston möchte ich Frau Klinke nicht wünschen. , . Nun aber genug davon. Ich fann’s ja wohl nicht ändern. Und mir selbst geht es weiter herrlich. Herr von Gerling begleitet mich jetzt täglich zum Reitunterricht. Er sagt, ich habe großes Talent. Ich muß es wohl tm Blut haben. Ich erzählte ihm von meinem Vater. Er hörte mit großer Andacht zu. Ich hatte das Gefühl, ich könnte gar nicht genug erzählen. Zuletzt sagte er, daß er lange in demselben Frontabschnitt war wie Vater. Ich hatte das Gefühl, daß er noch mehr sagen wollte. Aber ich muß mich wohl getäuscht haben. Denn was könnte das sein? ..." Monika steckte den Brief in ihre Handtasche und entschloß sich, ihn sogleich zum Postkasten zu tragen. Frau Klinke beantwortete einige dringende geschäftliche Briefe des Direktors ihrer Fabrik. Monika hatte ihr wohl Hilfe angetragen, aber Frau Klinke hatte abgelehnt. Sie machte das am liebsten allein. Als Monika die Straße betrat, begann cs zu dämmern. Die ersten Lichter blitzten auf, und die eleganten Geschäfte beleuchteten schon ihre Auslagen. Der Postkasten war nur wenige Schritte entfernt Nachdem Monika den Brief eingeworfen hatte, stand sie einen Moment unschlüssig, um dann langsam die Sttaße hinunterzuschlendern. Sie liebte es noch immer sehr, Auslagen zu betrachten. Auch heute blieb sie wohl stehen, aber es geschah in Gedanken, und sie merkte kaum, was sie sah. Sie befand sich schon seit acht Tagen nicht recht im Gleichgewicht, ohne sich darüber Rechenschaft zu geben. In ihrem Innern wußte sie ganz gut, daß es die stete Gesellschaft Frau Prestons war, die sie verstimmte. Aber warum das so war, konnte sie sich nicht erklären. Schließlich war Johnie Klinke kein Kind mehr und konnte wohl auf sich achtgeben. Aergerlich war er nur, daß sie der Amerikanerin sein Geheimnis verraten hatte. Das hatte sie niemals tun dürfen. . t Monika war langsam weitergegangen unv blteD jetzt vor einem breiten Marmorportal stehen. Ein großer Schaukasten mit verschiedenen Photogra- phien hing dort, und Monika begann sie zu 6» trachten. Es waren Tänzerpaare in verschiedener» Kostümen. Sie stand vor dem Eingang eines Kabaretts. (Fortsetzung folgt!) Aeue Hilfsmaßnahmen der ASD. Fallobst an den provinzialstraßen für die Winterhilfe und zur Selbstve^orgung vonhilfsbedürfitigenDolksgenoffen.-KostenIoserLeseholzbezugausdenWäldern. Äreisamtsleitung der NSD. zur Verfügung gestellt. Mit dieser Aktion soll aus heimischem Obst ein möglichst weitreichender Vorrat von Marmelade und Gelee zur Verteilung durch das Winterhilfs- imb hat eine Hllye von 8 cm und eine Breite von 6 cm. Das DAF.-Zahnrad hat einen Gesamtdurch- Messer von 3 cm. Der Bezug der DAF.-Aermelraute hat nur durch die Reichszeugmeisterei oder deren zugelassenen Verkaufsstellen gegen Vorzeigen des persönlichen Ausweises zu erfolgen. Eportkurse «.Kraft durch Freude". Heute finden folgende Kurse statt: Don 16 bis 18 Uhr: Allgemeine Körperschule auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg; von 18.15 bis 20 Uhr: Reichssportabzeichen auf dem Universi- tätssportplatz am Kugelberg; von 20 bis 21 Uhr: Fröhliche Gymnastik und Spiele, Lyzeum, Darnrn- stratze; von 21 bis 22 Uhr: Fröhliche Gymnastik und Spiele, Lyzeum, Dammstraße. Achtung! Heue Sdjroimmfurfe! Am kommenden Freitag, 6. September, beginnen im Volksbad zwei neue Schwimmkurse für Anfänger und Fortgeschrittene: Von 20.30 bis 21.30 Uhr für Frauen und Männer gemeinsam; von 21.30 bis 22.15 Uhr nur für Frauen! Kundgebung der Arbeitsdienstabteilung Gießen. Die Arbeitsdienstabteilung 5/222 Gießen veranstaltet am morgigen Freitag in Verbindung mit dem Arbeitsdank eine Kundgebung im Saal des Lagers der Abteilung. Die Veranstaltung bringt neben Ansprachen die Aufführung eines von einem Arbeitsdienstführer selbst verfaßten Theaterstückes sowie musikalische und rezitatorische Darbietungen. Kameradschaftliche Unterhaltung und Tanz werden den Abend beschließen. Auf die heutige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht. Schweinefleisch im eigenen Gast. Die Fleischer-Innung macht im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß es nunmehr auch das Schweinefleisch im eigenen Saft in jeder Metzerei unserer Stadt zu kaufen gibt. Das Schweinefleisch wird in Dosen von 1 und 2 Pfund Gewicht abgegeben. Auf die Anzeige sei besonders hingewiesen. Folgenschwerer Zusammenstoß. Heute gegen 8 Uhr ereignete sich in der Frankfurter Straße ein Verkehrsunfall. Ein Motorradfahrer, Heinrich Haas, Gießen, Löwengasse 20, stieß mit einem Lastkraftwagen zusammen, kam zu Als Laienhelferin im zivilen Luftschutz sindFrauen und Mädchen unentbehrlich! Fall und erlitt sehr schwere Verletzungen. Mit einem schweren Schädelbruch und Rippenbrüchen wurde er durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik gebracht. Der Zustand des Verunglückten ist sehr ernst. Die Schuldfrage ist noch nicht völlig geklärt, Fuhrwerksbesitzer, achtet auf die Eibe! Immer wieder kommt es vor, daß Zugtiere plötzlich eingehen, ohne daß man sich über die Todesursache im klaren ist. Erst bei späterer Untersuchung stellt sich heraus, daß die Tiere den Vergiftungstod durch die Eibe, auch Taxus genannt, gefunden haben. Die Eibe ist als Schmuckstrauch in Gärten und Parkanlagen anzutreffen und wegen ihres immergrünen Nadelwerkes sehr beliebt. Am meisten findet sie zu Umzäunungen Verwendung, da sie jeden Schnitt leicht verträgt. Als Baum ist die Eibe fast völlig ausgerottet, weil sie sehr langsam wächst und mehrhundertjährige Stämme nur einen Durchmesser von einem Viertelmeter erreichen. Viel zu wenig ist leider bekannt, daß das Grün der Nadeln ein gefährliches Gift für unsere Haustiere enthält, das schon in geringen Mengen den Tod herbeiführt. Auch die Samen, nicht aber die sie umschließenden roten Fruchthüllen sind stark gifthaltig. Jeder Fuhrmann sollte des- halb achtgeben, seine Zugtiere niemals unbewacht in der Nähe solcher Ta'xusheckeN oder -sträucher stehen zu lassen. Dem Menschen kann eigentlich nur die Frucht zum Verderben gereichen. Das darin enthaltene betäubende Gift greift die inneren Organe an, lähmt Herz und Lunge und führt den Tod durch Ersticken herbei. (Siebener Dochenmarktprelse. * Gießen, 5. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 11 bis 12, Wirsing, das Pfund 12 bis 15, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben 8 bis 15, Rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 20, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 25 bis 35, Tomaten 10 bis 18, Zwiebeln 10, Kürbis 6 bis 8, Pilze 30 bis 40, Kartoffeln 4 bis 4^ Pf-, der Zentner 3,70 bis 4 Mark, Frühäpfel 10 bis 45 Pf., Falläpfel 5 bis 8, Pfirsiche 45 bis 50, Brombeeren 40 bis 50, Preiselbeeren 45, Birnen 10 bis 35, Zwetschen 12 bis 18, Mirabellen 25 bis 30, Renekloden 19 bis 25, junge Hähne 80 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 70 bis 75 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 5 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 5 bis 25, Einmachgurken 1 bis 2, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 20, Sellerie 15 bis 25, Radieschen, das Bund 10 bis 12 Pf. Vornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr für jüngere und 21 bis 22 Uhr für ältere Frauen: Fröhliche Gymnastik im Lyzeum, Dammstraße; 16 bis 18 Uhr allgemeine Körperschule auf dem Universitätssportplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Petterson & Bendel". — Reichstreubund, Ortsgruppe Gießen: 20.30 Uhr außerordentlicher Kameradschaftsabend im „Aquarium", Walltorstraße. ** Verkehrsunfall. Gestern ereignete sich an der Ecke Ludwigstraße und Goethestraße ein Verkehrsunfall. Ein mit Baumaterial beladener Lastkraftwagen aus Wetzlar stieß mit einem Privatkraft- wagen aus Braunfels zusammen. Der Anprall war sehr heftig. Beide Fahrzeuge wurden auf den Bür- gcrfteig geschleudert. Der Personenkraftwagen wurde schwer beschädigt, der Führer aber glücklicherweise lur leicht verletzt. Der Führer des Lastkraftwagens kam ohne Schaden davon. Du, deutsche Frau! Mit der täglichen Sorge um das allgemeine Wohl der Familie ist deine Pflicht noch nicht erschöpft. Du mußt auch wissen, was du in Stunden der Gefahr zu tun hast, um deine Angehörigen zu schützen. Eine ständige schwere Gefahr ist die Luftwaffe der Militärstaaten um uns. Du muht deshalb lernen, durch Selbstschutz im Luftschutz dein und deiner Jamilie Leben und Eigentum vor Schaden zu bewahren. Luftgefahr kann schnell eintreten. Nur zu leicht können dann feindliche Flugzeuge unsere Grenzen überfliegen, um Bomben auf unsere friedlichen Behausungen abzuwerfen. Zerstörungen, Brände und chemische Kampfstoffe sollen Panik und Verzweiflung Hervorrufen, um unser Land dem gegnerischen Willen gefügig zu machen. Verhängnisvoll sind aber nur die Gefahren, die man nicht kennt und für die man keine Schutzmaßnahmen und Gegenmittel weiß. Man kann sich aber nicht erst umschauen, wenn die erste Bombe fällt, sondern man muß sich schon jetzt — und zwar je rascher, um so besser — diese wichtige, dem Schutze jedes Einzelnen dienenden Kenntnisse aneignen und sich auf den Luftangriff einrichten. Luftschutz ist Selbstschutz. Und da man nicht damit rechnen kann, daß im Augenblick der Gefahr die Männer im Hause sind, so mußt du, deutsche Frau, die Trägerin des Luftschutzes [ein. Du darfst deshalb auch bei der Vorbereitung der Schutzmaßnahmen nicht zurückstehen. Nicht Außendienst wird von dir verlangt, sondern I n - nendienst, Dienst am eigenen Heim und Haus, Dienst an ElternundKindern. Das ist ureigenstes, persönliches Interesse, aber auch Pflicht und beste deutsche Tradition, denn schon oft nahmen deutsche Frauen teil an der Verteidigung der Heimat. Jede deutsche Frau muh wissen, was im Falle eines Bombenangriffes passieren kann, wie man sich dagegen schützt und wie man die Schäden beseitigt. Zentralstelle für all diese Kenntnisse und Erfahrungen in den Fragen des Selbstschutzes, um den es sich hier handelt, ist der Reichsluftschutzbund. Hunderttausende von deutschen Männern und Frauen haben sich dort schon belehren lassen. Aber das genügt noch längst nicht. Jeder Mensch, und erst recht die Frau als Hüterin des Hauses, muh Bescheid wissen. Unkenntnis vergrößert jedes Unheil. Erfahrung aber bedeutet: Verhütung von Schäden und Rettung aus Gefahr. Frage nur, damit du selbst urteilen kannst, einen der Männer oder Frauen vom Luftschutz nach „Lost", diesem harmlos anmutenden und doch so gefährlichen und heimtückischen chemischen Kampfstoff. Luftschutz bedeutet für jede Frau, sich und dem Wanne das heim, Eltern und Kinder erhalten, und sich damit bas höchste und Beste auf Erden zu sichern! Deshalb ergeht heute an dich der Ruf: Lasse dich belehren und aufklären, schließe dich dem Reichsluftschuhbund an! Dein persönliches Interesse verlangt es, und deine Kinder werden es dir danken! Ängmädels Vekenntnis zu Volk und Führer. Jungmädel sind etwas ganz Besonderes, etwas ganz Neues! Immer schon hat es Kinder gegeben, aber Jungmädel noch nie! Jungmädel sind wir erst durch den Führer geworden! Kinder gehen Sonntags in schönen Kleidern an der Hand der Eltern spazieren, Kinder sind ungezogen ober sehr brav, Kinder denken nur an ihr Spielzeug, an den Kuchen, Kinder sind unselbständige Wesen, denen man nichts zutraut. Jungmädel sind ganz anders, Jungmädel haben eine Aufgabe, haben ein Ziel, und Jungmädel wissen, was sie wollen, darum sind sie so anders. Jungmädel sehen nicht ihren Stolz darein, besonders brav zu sein; Jungmädel sind frisch und gesund und lebendig und übermütig, aber Jungmädel wissen, was Disziplin ist. Nicht die wird Führerin, die die Bravste ist, sondern die, die am wildesten toben und tollen kann und doch dabei die meiste Disziplin besitzt, das Jungmädel, das die hellsten und frohesten Augen hat. Man hat uns oft erzählt: „Ihr armen jungen Menschen seid in eine so schwere Zeit hineingeboren! Euer Vater war arbeitslos, ihr habt viel Not und Elend mit ansehen müssen, viel Parteihader und Parteigezänk miterlebt! Früher konnte ich die Jugend viel ungestörter ihres Daseins reuen." — Sv bedauert uns mancher. Wir aber ind dankbar, daß wir in dieser Zeit in unser Volk bineingeboren sind, die schon an den kleinsten Pimpf und an das kleinste Jungmädel ihre Forderung stellt: Du mußt bewußt mitten drinstehen in deinem Volk und darfst nicht glauben, daß dein Bekenntnis zu Volk und Führer überflüssig wäre. Jedes kleine Jungmädel trägt seine Kluft mit Stolz als Bekenntnis, daß es in unserem Bund keine Klassen- und Standesunterschiede, keine Konfessionsunterschiede gibt, sondern nur eins: Gefolgschaft des Führers, junge Menschen, die nationalsozialistisch sein wollen, die alle denselben Glauben und dasselbe Wollen haben: Deutschland! Als Zeichen dafür, daß auch wir verantwortlich sind für Deutschland, hat uns der Führer unsere Wimpel mit dem Hakenkreuz gegeben, so als ob er sagte: Seht, ich vertraue darauf, daß ihr mal später mein Werk weiter führt, daß ihr alles Trennende im deutschen Volke überwindet und in euch den Glauben an Deutschland tragt. Deshalb dürft ihr das Hakenkreuz tragen. Und unser Ja, unser Bekenntnis zu deutschem Land und zum deutschen Volk, das kann jeder in unseren Augen lesen. Wir erwandern uns die Heimat und immer und immer wieder sagen wir uns: Wir deutsche Menschen müssen mit dem deutschen Boden verwurzelt sein und dürfen uns nicht zerspalten, denn dann gehen wir zu Grunde. So sehen wir unser Ziel nicht darin, Spietjugend zu sein, sondern in unserer jungen Art Kameradinnen zu sein und tief in uns eine ganz große und heiße Liebe zu unserem Volke zu tragen. Unser Führer hat uns zu Jungmädeln gemacht und unser Führer will, daß alle deutsche Mädel Jungmädel und BDM.-Mädel sind. Auch du mußt zu uns gehören, dn Mädel, das jetzt noch abseits steht. Komm, Jungmädel rufen dich! Tag des deutschen Volkstums— Fest der deutschen Schule. In ganz Hessen, auch in unserer Stadt, wird am 22. September der Tag des deutschen Volkstums (Fest der deutschen Schule) gefeiert. Aus diesem Anlaß dürsten die folgenden grundsätzlichen Ausführungen über den Zweck dieser Kundgebung angebracht sein. Die deutsche Schule im Ausland als Bollwerk deutschen Kulturlebens ist die Stätte, der seit mehr als fünfzig Jahren die unermüdliche Arbeit des VDA. in besonderem Maße gilt. In dem Hilfswerk des VDA. begegnen sich die reichs- und auslanddeutsche Jugend zum gemeinsamen Werk der Erhaltung der deutschen Kultur und Sprache. Deutsche Jugend diesseits der Grenze, wie sie in den Schulgemeinschaften des VDA. tätig ist, schasst für die deutsche Jugend jenseits der Grenze. Einmal im Jahr tritt an die Stelle der Arbeit das Fest — das Fest der deutschen Schule — als Ausdruck des Willens zu unerschütterlicher Treue und unentwegter Bejahung des gemeinsamen Schicksals. Das Fest der deutschen Schule (nicht „reichsdeutsch" zu verstehen, sondern „für die deutsche Schule in aller Welt"), seit einigen Jahren auf Anregung des VDA. gefeiert, hat schnell beim deutschen Volk und vor allem im neuen Reiche Eingang gefunden, ein Zeichen dafür, wie das Bewußtsein der Volksverbundenheit, das keine Staatsgrenzen kennt, im nationalsozialistischen Reiche gewachsen ist. Ganz von selbst entwickelte sich aus dieser der Jugend gewidmeten Feier der Gedanke, den Rahmen weiter zu spannen, entsprechend dem Arbeitsfeld des DDA., das sich auf das bodenständige deutsche Volkstum jenseits der Grenzen in seiner Ganzheit und Mannigfaltigkeit erstreckt. Ein weiterer Gedanke war für die Abhaltung eines „Tages des deutschen Volkstums" bestimmend. Wie die ibero - amerikanischen Staaten ihr „Fest der Rasse" feiern, so soll die Blutsverbundenheit allen deutschen Volkstums in dem „lag des deutschen Volkstums" zum Ausdruck kommen. Das also ist der Sinn dieses Festes, bei dem jeder einzelne Volksgenosse durch seine Teilnahme ein Bekenntnis zum Deutschtum jenseits der Grenzen und damit zur völkischen Einheit des ganzen Deutschtums oblegen soll. Die Volksgenossen im Reich werden sich am „lag des deutschen Volkstums" der ausgeroan- derten Brüder in bev Fremde erinnern, wie umgekehrt die Volksgenosien in der Fremde ihrer Heimat gedenken werden. Gleichzeitig soll bekundet werden, daß alle deutschen Volksgenossen nicht nur gleichwertig sind der sozialen Stellung nach, sie sind auch gleichwertig hinsichtlich ihrer landschaftlichen Herkunft und vor allem auch ihrer verschiedenartigen Staatsangehörigkeit nach. Alle sind Volksgenossen! Der Reichsdeutsche ist nicht bevorrechtet, sondern nur in seinem gesicherten Bereiche höher verpflichtet. Der Volksgenosse aus Rußland, aus Ungarn, der brasildeutsche Staatsbürger, alle sind Volksgenossen und gleichberechtigte Träger der deutschen Kultur. Aus der Blutsgemeinschaft, die alle Menschen deutscher Herkunft auf der Welt miteinander verbindet, kommen alle jene sichtbaren und unsichtbaren Bande, die dieses deutsche Volk umschließen. Wie sich diese Gemeinschaft äußert im Blut, in der Sprache, in der Kultur, in Sitte und Brauchtum, das alles in seinem großen und schwerwiegenden Gehalt allen Deutschen bewußt zu machen, ist die Aufgabe, die uns gestellt ist. Was an überliefertem Kulturgut bei uns im Reiche sich erhalten hat und dem deutschen Wesen fein eigenes Gepräge gibt, finden wir vielfach ebensogut bei den deutschen Volksgruppen im Ausland wieder. Ja, oft ist es in einer fremden und feindlichen Umwelt lebendiger geblieben als bei uns im Reich. Es gibt einzelne deutsche Volksgruppen jenseits der Reichsgrenzen, die zäher als wir festgehalten haben an den Überlieferungen der engeren Heimat, aus der sie einst ausgezogen sind. Was wir, um an das unverfälschte Wesen deutschen Volkstums wieder anzuknüpfen, bei uns nach dem Wiedererwachen unseres Volkes zu neuem Leben wecken müssen, ist bei ihnen vielfach selbstverständlicher, gegenwärtiger Besitz aeblieben. Das zeigt sich in ihren Trachten, ihren Liedern und Tänzen, das zeigt sich darin, daß sie aus ihren eigenen Reihen Männer hervor- gebracht haben, die aus einem nie getrübten völkischen Verantwortungsbewußtsein oas besondere Schicksal ihrer Volksgruppe in Vergangenheit und Gegenwart dichterisch gestaltet haben. Erst wenn wir ihre Leistungen als vollwertig anerkennen, haben wir ein abgerundetes Bild der gesamtdeutschen Kulturleistung. Das ist das Erbe, das wir, jeder einzelne als Glied der Gemeinschaft, zu wah- ren und an die kommenden Geschlechter weiterzugeben haben. Dieses Wesensgut unseres Volkes soll auch am Tag des Volkstums festlich fühlbar gemacht werden. In dem Bewußtsein unserer blutsgebundenen, artbestimmten Verpflichtung feiern wir diesen „Tag des deutschen Volkstums" als den Tag der großen gottgewollten Gemeinschaft, zu der wir uns als Volk der Hundertmillionen auf dem Erdenrund bekennen. Oberhessisches Schwurgericht. In der gestrigen Sitzung hatte sich bas Gericht mit einem Mann und einer Frau aus Grunberg zu befassen, denen die Anklage Verleitung zum Meineid bzw. Meineid zur Last legte. In dem Ehe- [cheidungsprozeß des männlichen Angeklagten doc Dem Landgericht in Gießen erklärte die Angeklagte unter ihrem Eid, keinerlei ehewidrige ober ehebrecherische Beziehungen zu bem Angeklagten unter* halten zu haben. Tatsächlich stand jedoch die An- ee mit dem Mitangeklagten in einem intimen tnis. Als die Angeklagte den Mitangeklagten von ihrer Ladung zum Ehescheidungstermin in Kenntnis setzte, sagte dieser zu ihr, sie solle bei ihrer Vernehmung in Gießen sagen, sie hätten nichts miteinander gehabt, die Leute wüßten ja doch nicht, wie es mit ihnen stünde usw. Daraufhin machte die Angeklagte unter Eid die obenerwähnte falsche Aussage. Während sie in vollem Umfana geständig war und auch Reue zeigte, verlegte sich der Mitangeklagte darauf, die ihm gemachten Vorwürfe zu leugnen. Das Gericht verurteilte die Frau unter Annahme mildernder Umstände zu 9 Monaten Gefängnis unter Anrechnung 4 Monate erlittener Untersuchungshaft, den Mitangeklagten zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 4 Jahren. Außerdem wurde er für dauernd unfähig erklärt, als Zeuge oder Sachverständiger eidlich vernommen zu werden. Oberhesien. Landkreis Gießen. ch Lollar, 4. Sept. Am 2. September wurde hier, wie bereits kurz angekündigt, die zweite Briefzustellung wieder eingeführt. Diese Verbesserung wird allgemein lebhaft begrüßt, wurde doch die seitherige einmalige Zustellung den Bedürfnissen von Lollar in keiner Weise gerecht. — An den meisten Geschäften prangt seit einigen Tagen ein Schild „Juden unerwünscht!". Damit beweisen die Inhaber, daß sie die Wichtigkeit der Judenfrage erkannt haben. Heuchelheim, 5. Sept. Am heutigen Donnerstag feiert in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit der Schuhmachermeister Wilhelm Ruppert feinen 8 0. Geburtstag. Der Jubilar versah lange Jahre in unserer Gemeinde das Amt des Kirchendieners. Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Heuchelheim ist er ein altes verdienstvolles Mitglied. - Steinbach, 4. Sept. Dieser Tage hatte ein hiesiger junger Mann ein unangenehmes Badeerlebnis. Während er in einem der A l - dacher Teiche badete, bemerkte er, daß ein Mann sich an seiner Kleidung zu schaffen machte. Als er aus dem Wasser eilte, war der Dieb verschwunden. Bis sich der Bestohlene angekleidet hatte, konnte er von dem Diebe keine Spur mehr entdecken. Nach Steinbach zurückgekehrt, nahm er mittels Motorrad die Verfolgung des Diebes auf. Glücklicherweise war die Jagd auf den Dieb erfolgreich, er wurde fe ft genommen und wird feine Strafe erhalten. Die gestohlenen Sachen, darunter die Papiere des jungen Mannes, tarnen wieder in dessen Besitz. — Zu dem von Lich gemeldeten Motorradunfall, bei dem der Motorradfahrer auf ein hiesiges Fuhrwerk von hinten her auffuhr und den Fuhrmann herunterschleuderte, wobei auch das Fuhrwerk stark beschädigt wurde, ist zu bemerken, daß nach Angaben der Fuhrleute d i e Steinbacher Fuhrwerke beleuchtet und mit dem vorgeschriebenen Rücklicht versehen waren. Erfreulicherweise ist der hiesige Fuhrmann mit dem Schrecken und dem Sachschaden davongekommen. Großen-Linden, 4. Sept. Der hiesige Gesangverein „Harmonie" leistete am vergangenen Samstag einer Einladung des Gesangvereins „Eintracht^ in Frankfurt a. M.-Fechenheim Folge. Zwischen beiden Vereinen bestehen schon seit längeren Jahren freundschaftliche Beziehungen, die von einem Gesangswettstreit in Großen-Linden her- rühren. Der Gesangverein „Eintracht" veranstaltete einen Konzertabend und gab sich viel Mühe, seinen Gästen einen schönen Abend zu bereiten. < Lang-Göns, 4. Sept. Heute ging hier ein schweres Gewitter nieder, das von starken Niederschlägen begleitet war. Die Wassermengen sammelten sich in den tiefer gelegenen Straßen, die vollständig unter Wasser standen. Durch das schnelle Eingreifen einiger Einwohner, die die verschlammten Sinkkasten und Einläufe während des schweren, wolkenbruchartigen Regens säuberten, ist ein Eindringen des Wassers in die Keller der anliegenden Häuser verhindert worden. Der Kanalabfluß konnte kaum die abfließenden Wassermengen aufnehmen. £ Hungen, 4. Sept. Der umfangreiche Betrieb der hiesigen Dampfmolkerei machte einen Anbau an das Hauptgebäude erforderlich, der gegenwärtig aufgeführt wird und dem leider auch die auf dem zum Bau benötigten Gemeindeaelände befindliche Friedenseiche zum Opfer fallen mußte. Dieselbe wurde einige Jahre nach dem Kriege von 1870/71 gepflanzt und stand als Naturdenkmal unter Schutz, so daß ihre Beseitigung erst nach Erteilung der Genehmigung des Denkmalpflegers für Oberhessen möglich war. > Hungen, 4. Sept. Die hiesigen Landwirts- efyeleute Wilhelm Kuhn konnten dieser Tage das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Am Abend wurde dem Jubelpaare vom Gesangverein Liederkranz, zu dessen wenigen noch lebenden Gründern der Jubilar zählt, ein Ständchen gebracht. So groß die Zahl der Glückwünsche und die sonstigen Aufmerksamkeiten waren, so bedeuteten für das Jubelpaar doch die größte Freude die Glückwunschschreiben des Führers und Reichskanzlers, des Reichsstatthalters und des Kreisdirektors des Kreises Gießen. Beide Ehegatten erfreuen sich trotz ihres Alters noch größter Rüstigkeit und sind noch in den Landwirtschaftsbetrieben ihrer Kinder mit tätig. VomFrankfurterKrafidroschkengewerbe Frankfurt a. M., 3. Sept. (LPD.) Bis zum 31. August d. I. hatten die Frankfurter Kraftdroschkenbesitzer zu erklären, wer gegen eine Entschädigungssumme von 3000 Mark aus dem Gewerbe ausscheiden wollte. Daraufhin haben sich 5 5 Kraftdroschken- Unternehmer entschlossen, gegen Zahlung des genannten Betrages auszuscheiden, so daß noch etwa 50 Kraftdroschken zwangsweise außer Betrieb gestellt werden müssen, um gesunde Verhältnisse auj diesem Gebiete zu erzielen. Den zwangsweise ausscheidenden Kraftdroschkenunterneymern kann be- sttmmungsgemäß aus Antrag eine Entschädigungssumme in Höhe von 1500 Mart gezahlt werden. 1 SJl-fport Zlligzeug-Mdell-Wetlbewerb in Nürnberg Gin Aufruf des Reichslustsportführers. vom als den Jede Hausfrau und Mutter muß wissen was der Reichslustschutzbund will! GA.-Gternritt nach Saarbrücken 1935 hatten, nach Biedesheim. Dort mußten sie umkehren. Für uns wurde es nun ziemlich anstrengend, wir hatten die größte Tagesleistung, 63 Kilometer, und mußten meist auf der Landstraße reiten Dafür ging es am nächsten Tag wieder leichter. Die letzte Strecke von 53 Kilometer nach Saarbrücken stand bevor. Wir sahen überall schon dis Spuren der anderen Sternreiter, manchmal auch die Reiter selbst. Auf halbem Wege trafen wir ein« Gruppe von 4 Darmstädtern, denen ein Bauer ge. rade einen guten Waldweg zeigte. Wir schlossen uns den Darmstädtern an und ritten mit ihnen den Weg durch das wunderschöne Grumbachtal, der uns bis kurz vor die Stadt brachte. Zwischen 15 und 18 Uhr sollten alle Sternritt- Teilnehmer auf dem Turnierplatz in Saarbrücken eintreffen. Kurz vor 16 Uhr kamen wir an. Sofort nach der Ankunft wurden die Pferde auf Mit deutschen Siegen begann das internationale Tennisturnier am Lido. Im Doppel siegten von Gramm-H. Henkel 6:1, 6:3, 7:5 über Balbi-del Bono, im Einzel schalteten von Gramm mit 6:1, 6:3 Bella Vida und Henkel mit 6:1, 6:2 del Bono aus. Bei den Frauen siegten Cilly Äußern 6:0, 6:1 über Frl. Stefanelli und Frl. Hammer 9:7, 6:4 über Frau Lenos. Fahrzett und Strecke ergab für Hin- und Rück- fahrt eine Durchschnittszahl von 11,955 Sekunden, die umgerechnet 484,621 Stundenkilometer bzw. 301,129 Meilenstunden ergibt. empfänglich dafür waren. Am Nachmittag schon waren wir in Nieder-Eschbach. Von hier ritten wir' am Montag weiter nach Mainz. Zum Glück waren das nur 41 Kilometer auf den schnurgeraden Wegen, denn es war reichlich warm und schwül. Wir wünschten uns oft den Wald von den Taunushöhen, die wir zur Rechten liegen sahen, näher heroei. Der dritte Tag führte uns durch Rheinhessen. Es war ein feuchtfröhlicher Ritt durch eine feuchtfröhliche Gegend. Man kann sich das gut denken. Sturmführer S ch ö m b s , der aus Rheinhessen stammt, hatte an vielen Orten Bekannte, die uns den auten rheinhessischen Wein versuchen ließen (und nicht* zu knavn!). Als unser Tagesziel winkte die Damenreitschule in Monsheim — kurz, statt müde wurden wir immer munterer. Wir galoppierten über die Stoppelfelder, daß der Dreck nur fo spritzte. Trotzdem wurde es ein wenig spät, bis wir nach Monsheim kamen. Von Monsheim ging es weiter nach L a n d st u h l. Die Leiterin der Reitschule, Fräulein Knaufs, und Adler-Trumpf siegt im Norwegen-Rennen. Nachdem zu Pfingsten dieses Jahres auf der Wasserkuppe der Reichsmodellwettbewerb für Modelle ohne Antrieb stattgefunden hat, ruft der Reichsluftsportführer die deutsche Modellbau treibende Jugend zum 28. und 29. September nach der Stadt der Reichsparteitage, dem alten Nürnberg, um hier den Reichsmodellwettbewerb für Modelle mit Antrieb starten zu lassen. Die Aufgabe des Wettbewerbs soll den gegenwärtigen Stand der Ausbildung im Modellbau sowie die Entwicklung neuer Modelle fördern und weiter der Werbung für den Luftfahrk- gedanken im allgemeinen und den Modellflugsport im besonderen dienen. Die Durchführung des Wettbewerbs obliegt der Gruppe B I beim Reichsluftsportführer, ab 25. September befindet sich die Wettbewerbsleitung in Nürnberg. Bewerber sind die Luftsportlandesgruppen. Die Teilnehmer müssen den Ortsgruppen des Deutschen Luftsportverbandes, den Fliegerscharen der Hitler- Jugend oder den Modellbauarbeitsgemeinschaften des Jungvolkes angehören. Weiter find zugelassen die Schüler aller deutschen Volks- und höheren Schulen, Berufs- und Fachschulen. Sämtliche Teil- Von den fünf SA. -Reitern aus Gießen, die an diesem denkwürdigen Ereignis teilnahmen, wird uns berichtet: Am Sonntag (25. 8.) früh um 7 Uhr ritten wir in Gießen vom Brandplatz ab. Am ersten Tag wollten wir bis nach Nieder-Eschbach bei Frankfurt, 62 Kilometer weit, kommen. Wir ritten zuerst den Ein phantastischer Schwimmwelt- r e k o r d wird aus London gemeldet. Dort soll George 23 o o t er die 100 Yards Kraul in 49,9 Sekunden geschwommen haben. Er hätte damit den seit 1927 bestehenden Weltrekord von Johnny Weismüller von 51 Sekunden beträchtlich verbessert. bindung mit einer sehr hohen vorgeschriebenen Durchschnittsgeschwindigkeit wurden Prüfungen absolviert, die auf Kurvensicherheit und Bergsteigefähigkeit abgestellt waren, bei denen ebenfalls die Zeit entscheidend war, die gefahren werden mußte. Deutsche Kuusttum-Meisterschasten in Frankfurt. Der Männerturnwart der Deutschen Turnerschaft, Martin Schneider-Leipzig, weilte am Mittwoch in Frankfurt am Main, um hier die große Festhalle zu besichtigen und die Mög- 373 Japaner wurden jetzt für die Olympischen Spiele 1936 gemeldet. Don dieser stattlichen Expedition entfallen nur 40 Meldungen auf die Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen. Die übrigen Teilnehmer und Offiziellen wurden sämtlich für Berlin gemeldet. nehmer müssen der betreffenden Ortsgruppe Modellbauer bekannt sein. Meldungen sind auf bei den Luftsportlandesgruppen erhältlichen Vordrucken über die Ortsgruppen an die zuständige Luftsportlandesgruppe einzureichen. Letzter Termin für das Eintreffen der Meldungen bei den Luftsportlandesgruppen ist der 7. September. Spandow auf Adler-Trumpf siegte in dem 31. August bis 1. September stattfindenden Norwegen-Rennen, einer Zuverlässigkeitsveranstaltung mit Start in Oslo und Ziel in einem Ort in der Nähe von Oslo. Die Rennstrecke betrug etwa 900 Kilometer und war in Etappen eingeteilt. In 23er» lichkeiten der Durchführung der Deutschen Gerate- Turnmeisterschasten 1935 zu prüfen. Auf Grund der ausgezeichneten Eignung der Frankfurter Festhalle, die 1922 schon einmal Schauplatz der Deutschen Meisterschaften war, hat Direktor Schneider die Meisterschaften nach Frankfurt vergeben. Die Titelkämpfe finden am 3 0. November und 1. Dezember statt. Die letzten deutschen Meisterschaften fanden am 4. November in der Dortmunder Westfalenhalle statt. Sieger und Meister wurde Alfred Schwarzmann- Fürth vor Ernst Winter- Frankfurt. Kurze Sportnotizen. Toni Merkens, der Weltmeister der Amateurflieger, mußte bei den Radrennen in Kopenhagen eine knappe Niederlage durch seinen ewigen Rivalen, den Holländer van Vliet, einstecken. Sir Malcolm Campbell hat, wie jetzt die Nachmessungen ergaben, bei seiner Rekordfahrt in Utah doch das gesteckte Ziel, die 300-Meilen-Grenze zu überschreiten, erreicht. Die Nachprüfung der Jeder Bewerber darf höchstens zwei Modelle melden. Er muß die Versicherung abgeben, daß er die Modelle in den wesentlichsten Teilen selbst gebaut hat. Die Gesamtzahl der zum Wettbewerb zu- gelassenen Modelle wird auf 300 beschränkt. Voraussetzung für die Zulassung zum Wettbewerb ist die Herstellung der Modelle aus deutschen Werkstoffen. Bambus, Tonkinrohr, Japanpapier usw. dürfen nicht benutzt werden. Für den Sieger des Wettbewerbs steht der Wanderpreis des Reichsluftsportführers für die beste Gesamtleistung, sowie ein Barpreis von 150 Mark zur Verfügung. Die zweitbeste Gesamtleistung wird mit 100 Mark, die drittbeste mit 75 Mark belohnt. Für die besten Leistungen innerhalb der einzelnen Klassen sind Barpreise ausgesetzt. Weiterhin kann das Preisgericht bei Einhaltung der Mindestflugbedingungen Ehrenpreise zusprechen. ein Mädel aus Freiburg brachten uns auf den Weg. Sie begleiteten uns über den „kahlen Berg", von dem wir einen herrlichen Blick auf die Hardt, das Pfälzer Bergland mit dem Donnersberg und hinter I uns auf die Rheinebene bis nach Ludwigshafen Pfahlgraben entlang. Unser Weg bis Mainz führte fast durchweg über alte, von den Römern erbaute Straßen. Heute nur noch als Feldwege oder Waldschneisen erhalten, lassen sie noch durch ihre großzügige, gerade Linienführung erkennen, zu welcher Höhe es die Römer in der Kunst des Straßenbaues gebracht hatten. Neben der alten „Weinstraße" — sie ist, ebenso wie die „Elisabethenstraße" und die „Steinerne Straße" zwischen Mainz und Heddernheim, in der Römerzeit angelegt — verläuft ein Stück der im Bau befindlichen Reichsautobahn Frankfurt- Kassel. Dies nahe Beieinander zweier Spitzenleistungen der Straßenbautechnik gab uns ein eindrucksvolles Bild ihrer 1700jährigen Entwicklung. Für uns waren diese Wege geradezu ideal und wir kamen gut darauf vorwärts. Ab und zu legten wir eine Pause ein, um den Pferden auf einem Gutshof oder dgl. Heu und Wasser zu geben. Wir selbst wurden dabei meistens mit Aeppelwein „getränkt". Es , „ v v war auch immer mordswarm, so daß wir nicht un-1 uns auf die Rheinebene bis nach Ludwigshafen ihren Zustand geprüft. Unsere Gießener Pferde waren ausnahmslos in mustergültiger Verfassung. Wir hatten die 2 7 0 Kilometer in knapp 5 Tagen zurückgelegt; ohne Zwischenfall, nicht einmal ein Eisen ^war unterwegs abgegangen. Zum Andenken an den Ritt bekam jeder einen schönen, verchromten Notizblock mit Aufschrift und für das Pferd eine Stallplakette. Nach der Meldung konnten wir gleich in unsere Quartiere abrücken. Der Schlachthof, in dem unsere Pferde stehen sollten, lag leider ganz am entgegengesetzten Ende der Stadt als Turnierplatz und Futterausgabe. Wir mußten eine Stunde über das Straßenpflaster reiten und uns nachher noch eine Taxe nehmen, um uns Hafer und Häcksel zu besorgen. Am Tage nach unserer Ankunft fand auf dem Turnierplatz ein großer Aufmarsch der Sternreiter statt. Den Abschluß bildete ein „Reiterabend". Man saß mit den Saarbrückenern und den Reiterkameraden aus allen Teilen Deutschlands zusammen und erzählte von seinen Erlebnissen! Im Laufe des Abends wurden auch die Preise für die größten zurückgelegten Entfernungen und eine Anzahl Sonderpreise verteilt. Um 1 Uhr mußten wir aufbrechen, um unsere Pferde für den Rücktransport fertig zu machen. Um 3.30 Uhr sollten sie verladen fein. Ein wenig später ging der Sonder-Güterzug, der unseren Gießener Wagen bis Hanau mitnahm. Wir fuhren natürlich selbst im Viehwagen mit, wie sich bas für rechte Kavalleristen gehört. Zwischen den Pferden machten wir uns ein Strohlager zurecht, schliefen erst mal ordentlich, nachher schauten wir zur offenen Wagen- türe hinaus und betrachteten uns die Gegend. Am Samstag gegen 4.30 Uhr waren wir wieder in Gießen. Bis man uns an die Rampe rangierte, dauerte es allerdings noch drei halbe Stunden, dann aber konnten wir die Pferde wohlbehalten in den Stall bringen. Bevor wir auseinander gingen, tranken wir noch ein Glas Bier zusammen, wobei es für die staunende Mitwelt allerlei zu erzählen gab, und damit fand der schöne Ritt fein Ende! Preußen. Kreis Biedenkopf m. Gladenbach, 3. Sept. Am vergangenen Sonntag fanden sich, nach einem gemeinsamen Marsch vom Sportplatz durch die Straßen des Ortes, sämtliche Ortsgruppen der NSDAP, und ihre Gliederungen aus dem südlichen Teil des Kreises Biedenkopf zu einer Großkundgebung in Gladenbach auf dem Hindenburg-Platz ein. Dort hielt der Gauinspekteur Pg. David Müller, Frankfurt a. M., eine große Ansprache, in der er gründlich gegen Miesmacher, Nörgler und Staatsfeinde zu Felde zog. Die Ausführungen des Redners wurden mit großem Beifall ausgenommen. Der Ortsgruppenleiter Pg. Humbert beschloß die Kundgebung mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer. Gemeinsam wurden sodann die ersten Verse des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes gesungen. — Im Anschluß an die Kundgebung wurde in der unteren Marktstraße der „Stürmer"-Kasten der SA.-R. 3/176 seiner Bestimmung übergeben. Ortsgruppenleiter Humbert hielt eine kurze Ansprache. Sturmführer Valentin sprach über die Judenfrage. Ausgezeichnetes Meldeergebnis zum »Großen Zubiläumspreis von Gießen" Das Jubiläumsrennen des Gießener Radfahrervereins von 1885 hat ein ausgezeichnetes Meldeergebnis festzustellen. Namhafte Fahrer aus Bielefeld, Dortmund, Köln, Breslau, Frankfurt a. M., Schweinfurt usw. nehmen daran teil. Beste Fahrer aus dem Reich sind am Start. Das Rennen dürfte einen spannenden Verlauf nehmen, denn die Fahrer der B-Klasse erhalten einen Vorsprung von sechs Minuten vor der Klasse der A-Fahrer. Die Fahrer der B-Klasse werden naturgemäß diesen Vorsprung recht lange halten wollen, andererseits dürsten sich die A-Klassefahrer sehr darum bemühen, die Führung zu übernehmen. Das Rennen fordert die A» und B-Klasse über eine Gesamt st recke von 210 km heran s. Die Rennstrecke führt vorn Gießener Schützenhaus über Kaiserallee, Moltkestraße, Hitler-Wall, Marburger Sttaße, Lollar, Staufenberg, Daubringen, Saubringer Paß, Alten-Buseck, Großen-Buseck und Ganseburg, Gießen und ist von diesen beiden Klassen siebenmal zurückzulegen. Die S-Klasse hat die Sttecke sechsmal hinter sich zu bringen, also etwa 180 Kilometer zu fahren. Die S-Klasse sieht Fahrer am Start, die sich in größeren Rennen bisher nicht placieren konnten. Wir kommen auf die Veranstaltung noch zurück. Neumann (1885 Gießen) in Saarbrücken erfolgreich. Das Mitglied des Gießener Radfahrervereins von 1885, Neumann, nahm am vergangenen Sonntag an dem Rennen um den „Großen Sttecken- preis von Saarbrücken" teil. An dem Rennen waren 80 Mann beteiligt. 21 Mann befanden sich allein in der Spitzengruppe, die geschlossen das Ziel passierte. Neumann vermochte sich auf dem 6. Platz zu behaupten und lag nur eine Radlänge hinter dem Sieger Genßler (Frankfurt). Neumann legte die 156-km-Strecke in 4:26 Stunden zurück. Fußball in der Gruppe Marburg. Der VfB. Kurhessen, der sich in der letzten Serie den Aufstieg erkämpft hat, erwartet im ersten Gau- ligaspiel den Svieloerein Kassel, die zur Zeit stärkste Kasseler Mannschaft. Die Mannschaft der Marburger hat lediglich eine kleine Umstellung erfahren, sie tritt mit ihren alten Leuten an, und zwar mit Weyand; Schmitz, Schuppert: Dietrich, Rueff, Eckardt; Schmidt, Fischer, Böttner, Schaub und Schäfer. Späterhin foll die Mannschaft durch einige Studenten verstärt werden, und zwar in der Verteidigung und in der Läuferreihe. Die Bezirksklasse Marburg sieht folgende Spiele vor: Gemünden — Germania 08 Marburg. Biedenkopf — Kirchhain. Breidenstein — Ockershausen. Sarnau — Breidenbach. Spielfrei sind die Mannschaften Bottenhorn und Wallau. Man wirö nicht fehl gehen, wenn man schon jetzt erwartet, daß die beiden Marburger Vereine sich durchsetzen und die Spitzenplätze belegen worden. Wir werden über die Bezirksklasse dauernd berichten. Kaufmann Carl Eduard Koch Gießen (Großer Steinweg 10 I), den 4. September 1935 Die Beerdigung findet am Samstag, dem 7. September, vormittags 11 y2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt 5011 D Frau Lina Bock, geb. Thomas. Gießen (Stephanstraße 38), den 4. September 1935. 0373! o Für die vielen Beweise wohltuender Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen sage ich auf diesem Wege, auch im Namen meiner Kinder, herz« liebsten Dank. In tiefer Trauer: Anna Koch, geb. Müller Familie Paul Koch, Hof Strupbach Familie Hans Koch, Bad-Nauheim Familie Willi Wagner, Gießen Carlo und Else Koch Am 4. September entschlief mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Darlehen Hypotheken usw. gibt Deutsche Volks- notwende.Allgem. ZwBcksparges.ni. b.H.,Stuttgart,Ag. Gießen, Bahnhof- str. 50II. Tel. 3192 Weitere Damen, auch Ehepaare finben liebevolle Aufnahme bei einer Krank.- Schwest.i. Auerbach a.d.Bergstr. in klimat.sehrbe- vorz. Lage. Zen- tralheizg., Bad, kl. Park. Möbel können gebracht werden.Schristl. Angeb. u. 5018V an o. Gieß. Anz. Für den Jäger und Dogeifreund! UnsereRaubviqel an der Jagd Anleitung zum richtigen Ansprechei' der heimischen ‘Raubvogel mit 35 Abbildungen von Dr.C.Demandt. Herauegegeben von der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen. Preis kart. RM.-,60 Das Heftchen bringt mit vielen Umritzzeich- nungen die äußere Er- scheinungunfererwich- tigsten Raubvögel im ftluge und im Sitzen. Neben den wichtigsten Form- und Größenan' gaben sind auch die Flugart und der Ruf kurz gekennzeichnet. Zu beziehen durch jede Buchhandlung Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde Gewinnauszug 5. Klasse 45. Preußisch-Süddeutsche (27L Preuß.) Klassen-Lotterie Ohne Gewahr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lofe gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und H 24. Ziehungstag 4. September 1935 3n der heutigen Bormitta^ziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu lOOOO M. 303686 16 Gewinne ju 3000 M. 71442 74794 85401 96262 153764 172448 241102 363170 20 Gewinne zu 2000 M. 25759 29624 51380 142343 169265 221918 260459 280147 308098 388713 66 Gewinne zu 1000 M. 10331 20170 22851 160504 166437 178076 179507 187086 26345 188315 205316 209859 219833 219926 222413 259295 271288 276486 280473 290035 302048 313717 314978 347043 358056 362033 378030 382116 80 Gewinne zu 500 M. 2966 6215 23017 30185 42444 71679 77666 82226 88798 97226 104196 107829 114334 137280 141538 161263 188412 190765 195371 201796 205255 214621 217007 225557 233986 237913 261391 285673 293172 300838 303331 304956 313406 315462 329444 334843 345861 386082 390198 323020 374 Gewinne zu 300 M. 1563 3841 6648 I 9312 12556 15767 17348 17904 19894 24571 24612 32000 32130 32631 34960 35726 39559 39943 40335 40667 43012 46725 49654 53747 56744 61291 61329 66324 67833 70905 71251 72447 74215 75074 76773 78870 79840 84540 89613 89800 90008 96112 102327 106654 109734 109750 112411 115842 116229 120480 120745 122107 122249 122414 123411 124262 124311 125011 125200 129966 131466 131680 134691 139657 141979 143070 146256 146286 148573 152642 153139 153645 155163 158765 159658 160953 161509 162036 163365 165353 167248 170610 173248 179740 182901 184656 188365 191036 195942 197077 198621 204444 207549 211046 212321 212544 213889 215674 216526 219558 222588 223545 225176 226456 226720 227166 234122 234681 237990 240123 247821 248705 253866 254406 255651 256098 256677 260504 260767 262548 263299 265047 265373 265499 265974 266792 267877 272229 272236 276574 277184 281417 282018 283847 284570 285809 286610 290596 291507 294281 298605 298881 301983 302217 303156 308126 314220 321362 322797 323403 327282 329073 330371 330936 334760 334781 336661 339093 341276 345402 345416 345560 346049 346288 348626 356572 358049 358765 359390 359652 366606 368715 371065 372207 372924 375170 376600 384687 384912 385038 386044 392076 393545 895516 395837 399004 399802 ön der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinne zu 10000 M. 28394 179535 4 Gewinne zu 5000 M. 36294 100662 4 Gewinne zu 3000 M. 286798 315540 14 Gewinne au 2000 M. 86587 155694 156687 192138 284803 295173 339867 36 Gewinne zu 1000 M. 12182 16392 41915 86308 89552 104304 114152 179366 200132 232150 257122 279999 321310 354498 379409 390794 392823 398407 80 Gewinne zu 500 M. 13135 14691 23978 31538 43178 43456 52894 66029 71317 77653 97626 102768 169964 172293 182011 201061 208627 217729 219568 225482 227986 259888 262692 266103 269385 279458 280728 290877 296945 299398 299736 311241 311346 327503 331296 352367 376932 383377 387006 397881 330 Gewinne zu 300 M. 2973 5037 6750 8276 10346 11801 14857 15276 15896 16368 17232 18733 18802 21194 22877 25679 26961 29096 29649 31247 32350 35963 36938 37267 37542 37636 42420 43237 44956 47417 48272 48605 53021 53580 71182 75651 81761 82553 82917 89419 94987 95963 96653 98370 99863 105329 106876 108401 111066 112341 114752 118091 118417 118422 120255 121206 121845 122148 122270 124292 127398 130893 132636 133485 139892 142417 142583 142696 146468 148815 149540 149941 154125 162173 167457 167952 168312 169749 174220 174332 175887 179485 179620 180194 181918 189701 192240 195024 195275 196222 199255 203682 205215 206300 207651! 210968 214608 218148 218502 222054 224398 225546 232305 237831 241279 246832 247565 249201 251044 252349 254560 256234 258898 258908 266675 268263 268621 269084 272441 272646 274539 274892 277060 279549 282458 287715 288775 291498 291528 294461 295488 295970 298203 301032 302848 303105 305387 305631 308097 311231 315666 315933 326067 329223 329753 333318 336248 337635 340006 342197 343740 345439 351786 354593 ' 358912 370627 370949 371383 379063 380395 381547 385563 386178 387047 396948 Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu je 1000000, 2 zu je 80000, 18 zu je 10000, 84 zu je 6000, 70 zu je 3000, 172 zu je 2000, 536 zu je 1000, 772 au ie 500, 3214 zu je 800 M5. Äla Anzeigen-Aktiengesellschaft Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen und Zeitschristen Gletzen/Schulttvatze 8 Nr. 207 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 5. September 1955 Der Kreislauf der Dinge. 13 on Or. Franz Kittler. Auf dem großen Gebiet der Technik gibt es eine besondere Technik, die man vielleicht am zutreffendsten als die des ewigen Kreislaufs bezeichnen könnte. Ihre Aufgabe besteht darin, nichts verloren gehen zu lassen, jeden einmal verwendeten Stoff wieder zu gewinnen und von neuem zu verwenden. Was überhaupt jemals in diesen Kreislauf gekommen ist, soll dem für das ganze maßgebenden Gedanken zufolge niemals mehr aus ihm heraus gelangen. Äst es für den einen Zweck verbraucht, so wird es für einen anderen benutzt. Es ergibt sich eine ständige Umwälzung, die oft mit einer Umformung, mit einem Einschmelzen oder einer sonstigen Behandlung verbunden ist. An sich ist dieses Bestreben durchaus nichts Neues. Die heutige Technik ist aber in höherem Maße als früher bemüht, die Verfahren mehr und mehr zu verbessern und darauf hin zu wirken, daß sie möglich st wirtschaftlich arbeiten und daß möglichst wenig verloren geht. Ganz hat sich das Ideal des vollkommen verlustlosen Arbeitens bis jetzt noch nicht erreichen lassen, und es ist zweifelhaft, ob es jemals erreicht werden wird, denn die Ursachen, durch die die Stoffe zugrunde gehen, sind sehr mannigfacher Art. Besonders beim Holz hält es häufig schwer, neue Derwendungsarten zu finden, unterliegt es doch der Austrocknung, dem Schwund, der Fäulnis, dem Angriff von Infekten und mancherlei sonstigen zerstörenden Einflüssen. Deshalb ist, wenn es eine Zeit lang gedient hat, oft nicht mehr viel mit ihm anzufangen. Versuche, es in den Kreislauf zurückzugeben, werden in einer ganzen Anzahl von Fällen fruchtlos bleiben müssen. Dor allem auch dann, wenn die K o st e n f r a g e mit in Berücksichtigung gezogen werden muß. Das ist insbesondere bei manchen alten Holzschiffen der Fall. Bei eisernen Schiffen werden, nachdem sie für die Seefahrt unbrauchbar geworden sind, alle Eisenteile irgendwie wieder nutzbar gemacht. Sie bleiben im Kreislauf. Die Holzplanken und anderen Holzteile jedoch können ihm unter Umständen schon deshalb nicht zurückgegeben werden, weil sich die Vorarbeiten hierzu viel zu teuer stellen würden. Selbst die im Holz sitzenden Metallteile können wertlos werden, wenn es zu viel Mühe und Arbeit machen würde, sie herauszunehmen. Wegen dieser Metallteile und der Notwendigkeit, sie zu entfernen, stößt manchmal sogar die Benutzung des Holzes als Brennholz auf gewisse im Preis begründete Schwierigkeiten, ganz abgesehen davon, daß beim Verbrennen eine Zurückführung der Holzteile in den Kreislauf unmöglich geworden ist. Die Frage der Verwertung alter Holzschiffe stellt also die Technik vor gewisse Schwierigkeiten. Sie hat diese bis jetzt noch nicht vollständig und vor allem nicht im Sinne des ewigen Kreislaufs, also nicht in der Werse zu lösen vermocht, daß in jedem Fall, wie er auch liegen möge, sowohl Holz- wie Metallteile eine erneute Verwenduna finden. Trotzdem hat sich in neuerer Zeit eine Technik herausgebildet, die wenigstens eine billige Gewinnung des Metalls ermöglicht. Diese Technik besteht darin, daß man das ganze Schiff anzündet und verbrennt. Das Hol^ brennt weg, das Metall bleibt übrig. Das klingt sehr einfach, aber auch hier ergeben sich Schwierigkeiten, auf dem Wasser brennt nur der nicht eintauchende Teil. Außerdem fallen zahlreiche Metallstücke auf den Grund und gehen verloren oder müssen durch Taucher heraufgeholt werden. Wenn man aber das Schiff aufs Land heraufzieht, sind dazu besondere Vorrichtungen nötig, und es entstehen häufig erhebliche K o st e n. Die Technik gibt sich nicht geschlagen. Sie fand ein Verfahren, das allen Ansprüchen genügt und auf der Ausnützung von Ebbe und Flut beruht. An der Küste des Stillen Ozeans, wo man es durchbildete und ausübt, geht man in der Weife vor, daß man zunächst alles bewegliche Metall vom Schiff herunterschafft, so daß nur der Schiffsrumps sowie Masten und Rahen samt den in ihnen steckenden Metallteilen übrig bleiben. Das Schiff wird ein Stück weit ins Meer hinausgefahren und mit Hilfe leicht entzündlicher Stoffe für die Verbrennung vorbereitet. Zwei Stunden vor Eintritt der Ebbe wird es in Brand gesetzt. Durch dis Ebbe kommt es auf den Meeresgrund zu liegen, der durch die Hitze des Brandes bis zu einem gewissen Grad und in einem gewissen Umkreis ausgetrocknet wird. Ebenso werden durch diese Hitze die Teile genügend trocken, um zu brennen, die vorher ins Wasser eintauchten. Alles Holz wird also vollständig verbrannt. Die Metallteile fallen auf den Grund. Von hier werden sie im Laufe der folgenden Ebbezeiten ausgesammelt, aufgeladen, abgefahren und dem ewigen Kreislauf zugeführt. Än Kennzeichen der neueren Metalltechnik besteht darin, daß ständig neue Metallverbindun- Aus Natur und Technik. Einsiedler in der Tierwelt. Von Or. Th. Zett. Die meisten Menschen lieben Gesellschaft; Sonderlinge, die als Einsiedler leben, gibt es nur wenige. Den Hang zur Einsamkeit treffen wir namentlich bei Personen an, die sich im Gefühl ihrer Kraft bewußt sind, daß sie der Hilfe anderer nicht bedürfen. Bei den Tieren finden wir ganz ähnliche Erscheinungen. Bei einzelnen ist das Herdenleben merkwürdig stark entwickelt. Von den Pferden ist z. B. bekannt, daß sie die für den Reiter so lästige Eigenschaft des Klebens haben, d. h. daß sie sich von andern Pferden nur ungern trennen. Im Zweigespann erdulden sie manches, weil sie schon zufrieden sind, nicht allein zu sein. Wie die Pferde, so leben auch Rinder, Schafe, Ziegen, Gemsen, viele Antilopen, Elefanten, Biber und Ratten in Herden, insbesondere auch Affen. Fast allen Affenarten ist es ein schreckliches Gefühl, allein sein zu müssen. Der Mohammedaner, der sich aus religiösen Gründen schwer zum Töten eines Tieres entschließt, benutzt diese Furcht vor der Absonderung in folgender Weise: Affenherden sind eine furchtbare Plage für den Landwirt, da sie zehnmal mehr verwüsten, als verzehren. Hat man einen solchen Plagegeist gefangen, so schnallt man ihm ein Schurzfell oder ein anderes Kleidungsstück möglichst fest um und läßt ihn laufen. Der Affe eilt sofort zu seiner Herde; die entsetzt sich jedoch vor ihm und will nichts von ihm wissen. Da sie flieht, und er beständig hinter ihr her ist, so ist der Landmann so lange, wie das Kleidungsstück hält, vor einem Besuch dieser Affenherde sicher. Umgekehrt gibt es auch Tiere, die ausgesprochene Einsiedler sind. In unserer Heimat sind am bekanntesten hierfür Maulwurf und Dachs. Aber es gibt nicht nur Einsiedler in der Tierwelt in dem Sinn, daß gewisse Tierarten stets einzeln leben, sondern es kommen auch wunderbarerweise unter den Tieren, die sonst in Herden leben, Einsiedler vor. Besonders häufig ist diese Erscheinung bei den Rindern beobachtet worden. Die wilden Rinderarten trifft man ausnahmslos nur in Herden an, trotzdem findet man auch Einsiedler, gewöhnlich ältere Stiere, die sehr bösartig sind. Alte, unverträgliche Stiere werden nämlich von dem jungen Nachwuchs gemeinschaftlich vertrieben und pflegen dann grollende und mürrische Einsiedler zu werden. Von den beiden Vettern, Wisent und Bison, ist dieselbe Erscheinung bekannt. Die einsiedlerisch lebenden Tiere können zu einer wahren Geißel für die Gegend werden und scheinen ein besonderes Vergnügen daran zu finden, mit dem Menschen anzubinden. Allgemein find auch die Einsiedler unter den Kafferbüffeln gefürchtet. Auch unter den Nilpferden, die sonst gesellig leben, findet man alte Bullen als Einsiedler. Ganz besonders ist diese Erscheinung bei den Elefanten bekannt. Ein ausgezeichneter Kenner der indischen Elefanten schreibt hierüber: „Ein wirklich einsamer Elefant, der nicht mehr mit seinesgleichen zusammengeht, tritt recht selten auf und ist auch dann noch keineswegs immer ein bösartiger Bursche, ein Rogue, wie ihn die Engländer nennen. Dagegen bildet er sich oftmals zu einem tüchtigen Plünderer der Pflanzungen aus, der, mit den harmlosen Künsten der Wächter vertraut, sich nicht so leicht durch die Üblichen Mittel verscheuchen läßt. Fragen wir nach den Gründen, weshalb es Einsiedler unter Tieren gibt, die sonst gesellig leben, so ist folgendes darauf zu erwidern: Alle Tiere leben gesellschaftlich, die einzeln von ihren Feinden zerrissen würden. Alle Affen Afrikas sind schwächer als der Leopard, deshalb leben sie alle in Herden, nur der Gorilla ist stärker als diese gefährliche Katze, deshalb lebt er allein. Auf Borneo, wo es keine Tiger gibt, lebt der Orang-Utang allein, auf Sumatra, wo Tiger vorkommen, lebt der Orang-Utang in Herden. Ausschluß aus der Herde heißt also so viel, wie Auslieferung an die Feinde. Nun versteht man auch, warum der vorhin erwähnte Affe durchaus zur Herde zurückkehren will. Um ihrer Existenz willen muß nun die Herde alle kranken Mitglieder ausschließen, denn diese lähmen die Bewegungsfreiheit der Gesamtheit. Sie werden in kurzer Zeit von den Feinden zerrissen. Die alten Männchen, die als Einsiedler leben, scheinen dagegen regelmäßig freiwillig aus der Herde auszuscheiden. Wahrscheinlich sind sie früher Haupt der Gemeinschaft gewesen, lind dann von jüngeren Mitbewerbern besiegt worden und haben sich auf ihre alten Tage nicht mehr auf das Gehorchen verstehen wollen. Nun begreift man auch ihre gereizte Stimmung. Daß sie nicht ebenfalls den Feinden erliegen, erklärt sich daraus, daß sie das stärkste Glied der Herde waren und diese gegen Angriffe verteidigten. Der grollende Alte, der sich mit dem Gefühl: Undank ist der Welt Lohn! in die Einsamkeit zurückzieht, findet sich also auch in der Tierwelt. Das Volk sucht allerdinas andere Erklärungen. Die Indianer haben beispielsweise von den einzeln lebenden Bibern die Meinung, daß diese deshalb von der Gemeinschaft ausgeschlossen wären, weil sie zu faul wären, bei den Bauten mitzuarbeiten. Was gibt es Neues in der Technik? Wie bekämpft man einen Autobrand? Wohl zu den schrecklichsten Todesarten gehört der Verbrennungstod im Auto. Trotzdem immer wieder über solche Katastrophen berichtet wird, erlebt man sie stets von neuem, weil das Uebel nicht in der Ursache erkannt und nicht von Grund aus bekämpft wird. Besonders gefürchtet find die Vergaser- brände. Die Zylinderexplosionsflamme schlägt dabei in das mit zündfähigem Gasgemisch gefüllte Ansaugrohr zurück, wobei der in der Schwimmerkammer des Vergasers enthaltene Benzinvorrat angesteckt wird. Greifen nun die Flammen erst auf das ölbekrustete Motorgehäuse über, dann kommt die Rettung fast immer zu spät. Man baut also am besten einen automatischen Feuerlöscher ein, der aus einer über dem Vergaser mit der Oeffnung nach unten angebrachten Glocke besteht, die nach unten durch eine dünne Membrane zugeschlossen ist. In der Glocke befindet sich ein Löschpuloer von besonderer chemischer Zusammensetzung. Ein Zündkabel führt von der Glocke bis an den Vergaser. Bricht nun ein Brand aus, dann explodiert, über die Zündschnur bewirkt, in der Glocke eine Sprengkapsel, das Pulver ergießt sich mit großer Wucht durch die zerreißende Membrane über den Vergaser und schließt dadurch die Flammen augenblicklich von der Sauerstoffzufuhr ab. An Stelle des Feuerlöschers kennt man auch Alarmvorrichtungen, die bei Ausbruch eines Brandes automatisch ein unverkennbares Signal geben, doch bewährt sich ein Feuerlöscher wegen seiner prompten Betätigung natürlich sicherer. Will man sich auf einen Handfeuerlöscher beschränken, dann führe man ihn wenigstens in Reichweite mit sich, damit er sofort in Kraft treten kann, wenn es nötig ist. Rechtzeitig angewandt, wird sich ein Trockenfeuerlöscher, Der ein Löschpulver unter Kohlensäuredruck auf die Brandstelle schleudert, oder einer der neuen Schaumfeuerlöscher gut bewähren. Neue Erfindung in der Autotechnik. Der „Barmenia - Rohölvergaser" besteht aus folgenden Hauptteilen: dem Vergaserkörper, dem Schwimmergehäuse, dem Rundschieber in Verbindung mit dem Rundschalter und derWirbel- kammer. Der Vergaserkörper dient dazu, dem Rohöl die notwendige Vergasungstemperatur zu vermitteln. Zu diesem Zweck wird der Vergaser an das Auspuffrohr angeflanscht und die Auspuffgase werden durch den Heizraum des Vergasers geleitet. Hierbei umspielen sie den inneren Kem, also den Vergaserraum, bevor sie in die Auspuffleitung gelangen. Das Rohöl wird dem Schwimmergehäuse vom Haupttank aus, bzw. dem Unterdrück aus, zugeführt. Der frühere Benzintank kann für Rohöl ohne irgendwelche Veränderungen benutzt werden. Das Schwimmergehäuse hat die bekannte Konstruktion mit Schwimmnadel, Schwimmer nebst Belastungsflügel und reguliert lediglich die Brennstoffzufuhr. Von hier aus gelangt das Rohöl in eine Kaliberdüse, welche die notwendige Brennstoffmenge für die Maschine reguliert. Von dort aus fließt der Brennstoff weiter zu der in den Heizraum hineinragenden Spritzdüse und unter dem Einfluß der angesaugten Luft wird das Rohöl in bekannter Weise aus der Spritzdüse mitgerissen und gelangt als Oelluftgemisch in die Ueberhitzerkammer des Vergaserkörpers. Die dort vorherrschende Temperatur von zirka 350 Grad teilt sich dem Gemisch mit, wodurch erst eine nutzbare Mischung dieses als Kraftstoff für Explofionsmotore ermöglicht wird. Zur besseren Durchwirbelung und zur Erzielung eines homogenen Gemisches von absolut trockener Beschaffenheit wird das Oel bei Eintritt in die Ansaugleitung nochmals durch ein Ueberhitzersieb getrieben und in eine Wirbelkammer geleitet. Von da aus gelangt es in den Verbrennungsraum des Motors und wird dort auf gleiche Weise kam- prämiert, entzündet und ausgepufft, wie die bisher gebräuchlichen leichten Brennstoffe. Die Abgase dienen wieder zur Beheizung des Vergaserkörpers. Die Verbrennung ist r e st l o s und erzeugt keine Rauchentwicklung. Der Einbau des Barmenia-Oelvergasers ist grundsätzlich an allen Wagentypen mit Viertaktexplosionsmotoren möglich. Eine untere Grenze ist durch evtl. Platzmangel gezogen. Als Betriebsstoff können anstandslos alle Gasöle verwendet werden, deren obere Siedegrenze zwischen 2 6 5 und 280 Grad liegt. Rückstände an Kerzen und Kolbenböden treten nicht auf, und die Elastizität der mit diesem Vergaser versehenen Maschinen ist im unteren und oberen Drosselbereich gleich gut. Der Motor arbeitet weicher als bei Benzinbetrieb. Die betriebs- und volkswirtschaftliche Bedeutung der Erfindung hat das allgemeine Interesse in Auto kreisen geweckt. Soll doch die Ersparnis an Treibstoffkosten bis 60 v. H. im Durchschnitt betragen. Das Mikrophon in der Weftentasche. Der Rundfunkreporter hat es nicht leicht. Während er feinen unsichtbaren Zuhörern davon berichtet, was er beobachtet, muß er stets darauf achten, daß fein Mund möglichst in gleichbleibender Entfernung von dem Mikrophon bleibt. Muß er Bewegungen ausführen, sich fortgesetzt vom Platz bewegen oder gar Hindernisse bewältigen, dann wird die Lautstärke der Uebertragung oft empfindlich gemindert. Für solche Zwecke hat die Industrie kleine Mikrophone entwickelt, die der Sprecher unauffällig an seinem Anzug befestigt und bei sich tragen kann, ohne daß er dadurch behindert wird. Natürlich muß die Empfindlichkeit des winzigen Gerätes der normaler Mikrophone entsprechen, es muß leicht an Gewicht fein und darf trotz der durch die ständige Bewegung hervorgerufenen Erschütterung keine Nebengeräusche verursachen. Das im Handel befindliche sog. Knopflochmikro- phon hat einen Durchmesser von 30 Millimeter und eine Dicke von nur 15 Millimeter. Ein schalldurchlässiger Stoff verhüllt die Sprechöffnung und schützt auf diese Weise die inneren Teile. Mit einer Klammer, die sich an der Rückseite des Mikrophons befindet, wird das Gerät ganz einfach an dem Anzug des Sprechers befestigt. Zu dem Mikropj^M gehört ein Leibgürtel, an den das Zuleitungskabel vom Mikrophonverstärker angeschlossen ist. Eine feine Litze verbindet den Gürtel mit dem Mikrophon selber. Mit dem Freiballon auf Fahrt. Es ist ein großer Unterschied, ob man mit Hilfe eines zuverlässigen Motors sein Flugzeug einem bestimmten Ziel zusteuert oder ob man, angewiesen auf seine Geistesgegenwart und Geschicklichkeit, sich im Freiballon den Windströmungen anvertraut. Bei dem Motorflugzeug kann heute das Wetter kaum noch entscheidend mitwirken, beim Freiballon ist es der ausschlaggebende Faktor. Jede einzelne Fahrt wird auf die jeweils herrschenden meteorologischen Verhältnisse aufgebaut. Der Freiballonfahrer wird sich daher gerade auf diesem Gebiet weitgehende Kenntnisse aneianen müssen. Er ist in diesen Dingen in der Hauptsache auf seine eigene Urteilskraft angewiesen, da ihm die Wetterwarten nur Angaben machen können, die örtlich und zeitlich bedingt find. Oben in der Luft aber kann der Fahrer keine Wetterberichte empfangen. Er weiß also beim Ausstieg meistens nicht, w i e lange er in der Luft bleibt, und wo er wieder niedergehen wird. Auch der Aufstieg selbst ist durchaus vom Wetter abhängig und kann durch starke Bodenwinde, Wolkendecken oder Nebel ganz verhindert werden. In der Luft wird der Ballon von auf- ober abwärts steigenden Wellen getragen, die vom Barographen registriert werden. Ist Das Wellenspiel verhältnismäßig sanft, Dann hat Der Ballon gute Fahrt. Gerät er aber in einen jäh abwärtssteigenben Strom, in ein sog. Luftloch, Dann kann es mitunter ge- ährlich roerDen, zumal man Den Stößen gegenüber o gut wie machtlos ist. Ein geschickter unD aufmerk- amer Fahrer wirD jeDoch auch solche Stöße parieren können. Vielleicht hat er Glück unD kommt balD wie- Der in einen aufsteigenDen Strom, Der ihn nach oben beförDert. Eine Hilfe in Der Ausrichtung ist Dem Ballonfahrer Die WolkenbilDung. Die Cumuluswolken, jene geballten Wolkenmassen, zum Beispiel werben „Schönwetter-Wolken" genannt. Sie bilben sich am Enbe eines „Aufwinb-Kanals". Die Luft wirb ja von ber Erbe her erwärmt unb steigt bann auf. In solchen Aufwinb-Kanälen kann ber Ballonfahrer auch bann vorwärtskommen, wenn sonst ziemliche Winbstille herrscht. Das „Variometer" hilft bem Fahrer bei ber Bestimmung ber horizontalen Luftschichten, bie sich in ganz verschiebenen Strömungen übereinanber bewegen. Geschwinbigkeit unb Richtung ber einzelnen Strömung muß bestimmt unb banach bie Strömung ausgesucht werben, bie zum Vorwärtskommen am günstigsten ist. Besonbers bei Wettfahrten wirb ber Fahrer seine ganze Fähigkeit, schnell unb sicher zu kombinieren, beweisen müssen. Er wirb sich babei hüten, in bie sog. „ScAoimmschichten" zu geraten, bie ben Ballon fast zum Stillst anb bringen. Hier stoßen nämlich kalte unb warme Luftschichten zusammen unb können sich nicht vermischen. Alle biese Erfahrungen befähigen ben Ballonführer, ben Freiballon in horizontaler Richtung b i s z u einem gewissen Grabe lenkbar zu machen. Er sucht sich solche Höhen aus, in benen bie Strömung herrscht, bie ihn am schnellsten zu seinem gewünschten Ziel bringt. In vertikaler Richtung kann ber Ballon burch Ballast- bzw. Gasabgabe lenkbar gemacht werben. Dies ist bie einzige Steuerungsmöglichkeit. Saturn in Erdnähe. Als hellster Stern am Sübhimmel leuchtet gegenwärtig ber Saturn im Sternbilb Wasserman« mit ruhigem, weißgelblichem Licht. Er steht Anfang September in Erbnähe, übertrifft nach Atair, ben Hauptstern im Abler, etwas an Helligkeit unb ist währenb ber ganzen Nacht zu beobachten. Freilich, auch in bieser Stellung trennen uns runb 1300 Millionen Kilometer vom Saturn, bessen beträchtliche Helligkeit sich aus seiner gewaltigen Größe — ber Durchmesser beträgt bas Zehnfache bes Erb- burchmessers — unb aus ber Wolkenhülle erklärt, bie ben Planeten umgibt unb bie nicht weniger als 70 Prozent bes Sonnenlichtes zurückwirft. Dem un- gen, sogenannte Legierungen auftauchen. Währenb man in vergangenen Zeiten hauptsächlich mit reinen Metallen und einigen wenigen Legierungen arbeitete, nimmt ihre Zahl jetzt ständig zu. Viele davon zeigen äußerst wertvolle Eigenschaften, die bereits dazu geführt haben, Die reinen Metalle auf gewissen Gebieten zu verdrängen. Mit Hilfe Derartiger Legierungen ist es auch gelungen, auf Dem Gebiete Des Magnetismus früher unbekannte Erfolge zu erzielen. Lange galten nur Drei Metalle: das Eisen, das Nickel unb Das Kobalt als magnetisch. Später stellte man aus nicht magnetischen Metallen, wie z. B. aus Kupfer, Aluminium und Mangan magnetische ßeaierungen her. Außerdem erhielt man aus magnetischen Metallen Legierungen, bie nur noch sehr geringe magnetische Eigenschaften zeigen. Es glückte aber auch, durch Verbinben magnetischer Metalle in bestimmten Mischungsverhältnissen ben Magnetismus beträchtlich zu steigern. Eine Derartige Steigerung von ganz beträchtlichem Ausmaß ist neuerbings burch eine Legierung erzielt worden, die sich auch durcy bie Beständigkeit ihres Magnetismus auszeichnet. Wenn man bedenkt, welche Rolle der Magnetismus gerade in ber neueren Technik, vor allem in der Elektrotechnik spielt, wirb man erkennen, welche hohe Bedeutung dem Ausbau bes Gebiets magnetischer Legierungen zukommt. Momentaufnahmen, verwackelt. Von Walther Appell Der Begrift der Momentaufnahme ist ein sehr weiter. Die billigen Box-Apparate, deren Vorteile namentlich für bas Erlernen ber photographischen Technik, für bas Erkennen lohnenber Motive usw. nicht verkannt werben Dürfen, haben meist nur einen unbestimmten „Moment" neben Der Zeit- belief)hing. Die wenigsten Inhaber solcher Apparate wissen, wie groß ober klein ihr Moment ist. Sie rounbern sich aber oft, baß ihre Momentaufnahmen verwackelt, das heißt unscharf sind. Das liegt in solchen Fällen nicht immer am Photographen und seiner unruhigen Hand, sondern auch oft an der Bewegtheit des Objektes durch Wind oder Eigenbewegung. Der Moment billiger Apparate ist eben verhältnismäßig lang, etwa V20 Sekunde ober noch mehr, und mitunter nimmt er bei häufiger Beanspruchung noch weiter ab. Mit solchen Werten find windbewegte Zweige gar nicht zu knipsen, laufende Personen nur, wenn sie sich auf ben Apparat zu bewegen, nicht aber senkrecht zur Blickrichtung. Fahrzeuge in Bewegung scheiben ganz aus bem Bereich ber Möglichkeiten aus, es sei Denn, baß sie auf größere Entfernungen geknipst werden, was in manchen Fällen auch für laufende Personen gilt. Eine andere Art verwackelter Moment-Ausnahmen sind diejenigen, bie beim Abdrücken „verrissen" wurden. Das heißt, der Photographierende hatte ben Apparat nicht fest genug in ber Hanb unb bekommt bann, meist in Der Senkrechten, doppelte Umrißlinien. In dieser Hinsicht müssen sogar viele Erfahrene neues Lehrgeld zahlen, wenn sie von ber Platten- ober Filmkamera alter Bauart zu ben mo- bernen Kleinbilbapparaten übergehen. Da kann es ihnen passieren, baß sogar Aufnahmen mit Vso Sekunde verrissen werden, die sie bisher absolut sicher zu haben glaubten. Es ist eben eine völlige Um« stellung notwendig. Wir haben uns angewöhnt, Apparate mit heruntergeklapptem Laufboden in ber Hanbfläche ^ruhen zu lassen, was bei der Aufnahme eine gute Sicherheit gibt. Für die Kleinbildapparate, die doch noch weniger Versager liefern sollen, müssen wir diese Sicherheit auf andere Weise zu erreichen suchen. Da sie meist mit Durchsichtsuchern ausgestattet sind, lassen sie sich bei ber Aufnahme leicht an Stirn ober Wange anpressen. Der Durchsichtssucher erfüllt seinen Zweck sowieso am besten, wenn bas Auge recht nahe herangebracht wirb. Im übrigen soll Der PhotographierenDe sich alle Vorzüge' zunutze machen. Die in Der Bauart Dieser hanb- lichen Kameras liegen. Er soll sie also m i t b e i D e n 5) ä n D e n halten, wofür in erster Linie Daumen unD Zeigefinger in Frage kommen. Dann aber sollen wir uns angewöhnen, hier ohne Drahtauslöser zu arbeiten. Für Stativaufnahmen, bie ja auch bei Kleinbilbkameras in Frage kommen, hat er feine Berechtigung. Aber für freihänbige Ausnahmen nimmt er zuviel Finger, meist eine ganze Hanb, in Anspruch. Es gehört wenig llebung bazu, die aber entscheidenb für bas Gelingen vieler Bilder ist, ben Mittel- ober Ringfinger bazu auszubilden, bas Auslösen bes Verschlusses am Apparat selbst vorzi» nehmen. Doch soll nicht erst währenb oder nach dem Avisieren des Objektes das Suchen lvsgehen. Sondern die Hände müssen so geschult sein, daß aÖe Finger schon bie richtige Stellung einnehmen, wemtz ber Apparat in Schußstellung gebracht wirb. Namentlich bei raschbewegten Objekten werden mir Dann sofort im günstigsten Augenblick bereit fein, Die Aufnahme zu machen. Wirtschaft war Automobilomnibusse stellte sich auf 290 Stück ge- im Schutz von Heim und Herd kann In Zukunft nur in engster Zusammenarbeit mit dem Reichsluftschuhbund geschaffen werden! 0,25 d. H. höher. Renten lagen nach wie vor ruhig, Altbesitz 0,13 v. H. höher, gut gehalten blieben Kommunal-Um- schuldung, späte Schuldbücher. Auslandsrenten wiederum fast umsatzlos. Im weiteren Verlaufe überwogen die Kursrückgänge. IG. Farben bis 153, also nochmals 1 o. $). obgeschwächt. Hoeschwerke bei Erörterungen um die Dividendenfrage insgesamt 2,50 v. 5). niedriger. Daimler gaben von ihrem Anfangsgewinn 0,50 v. H. nach, Stahlverein schlossen unter Vortagshöhe mit 81, so daß der erste Gewinn von 1,13 v. H. verloren war. Von den später notierten Werten waren schwächer Westdeutsche Kaufhof um 0,75 v. H. Lechwerke 1,50, Maenus 2, Zement Heidelberg 0,25 v. H. Sonst Stempel um 2,50 v. H. gedrückt. Im Freiverkehr Tarifordnungen zwingend und unabdingbar. Oie Bestimmungen eines gültigen Tarifvertrages können weder ausgeschaltet, noch umgangen werden. Frankfurt a. M., 4. Sept. Die Börse nach den letzttägigen Rückgängen etwas beruhigter und vielfach leicht erholt. Vor allem machte der erfreuliche Zeichnungseingang auf die neue Reichsanleihe schon am ersten Tage einen guten Eindruck. Teilweise erfolgten Neuanlagen und Rückkäufe. Etwas störend macht sich nach wie vor die weltpolitische Lage bemerkbar, wodurch keine einheitliche Linie zu erreichen war. IG.-Farben, die bisher verhältnismäßig wenig gedrückt waren, verloren über ihrem Anfangsgewinn von 0,40 hinaus nochmals 0,13 v. H. Auch Erdöl noch 1,13 niedriger, aber Scheideanstalt 1 v.H. höher. Am Elektromarkte setzte RWE. und AEG. behauptet, Siemens 0,75, Schuckert 0,25, Lieferungen 2 o. H. niedriger ein, aber Thüringer Lieferung 1, Geffürel 0,25, Licht & Kraft 0,65 v. 5). fester. Mon- tanwerte durchweg etwas freundlicher, wobei Buderus 0,25, Harpener 0,13, Stahlverein 1, Rheinstahl 1, Mannesmann 0,40 v. H. gewannen. Auch Maschinenwerte leicht gebessert, Daimler um 0,75 v. H. Am Zellstoffmarkt Waldhof unverändert, Aschaffenburger noch 0,75 v. H. leichter. Schiffahrtswerte gehalten, sonst Linoleum um 0,50, Aku 0,13 schwächer, Reichsbank behauptet, Reichsbahn-Vorzugsaktien bewaffneten Auge bietet Saturn nichts Besonderes, erst das Fernrohr offenbart uns die wahre Gestalt des ringgeschmückten Planeten. Es ist ein wunderbarer Anblick, die stark abgeplattete Saturnkugel inmitten dreier Ringe schweben zu sehen, umgeben von mehreren Monden. Bekanntlich bestehen die Saturnringe aus zahllosen kleinen Meteoriten, die wie Monde den Hauptkörper in der Aequatorebene umkreisen. Die Ringe sind außerordentlich dünn, der innere Kreppring sogar durchscheinend. Im nächsten Jahr werden wir gerade auf die äußere Ringkante blicken, die dann nur als feiner Strich erscheint und vorübergehend ganz verschwindet. Im August 1933 erschien plötzlich zur Ueberraschung der Astronomen ein großer weißer Fleck in der Aequatorzone des Saturn, ein gewaltiger Ausbruck von Gas- und Dampfmassen, die sich in den oberen Schichten der Saturnatmosphäre als weißglanzende Wolken ausbreiteten. 90,75, DD-Bank 90,50, Dresdner Bank 90,50, Har- pener 108,50, Mannesmann 87, Rhein. Braunkohlen 212,50, Rheinstahl 110, Stahlverein ' 81,65, AEG. 38,50, Bekula 143,25, Deutsche Erdöl 108,13, Scheideanstalt 236, Deutsche Linoleum 160, Licht und Kraft 132, IG.-Farben 153,25, Gesfürel 124,25, Goldschmidt 106,75, Holzmann 93, Iunghans 84 Brief, RWE. 128, Schuckert 124,25, Südd. Zucker 202,50, Reichsbahn-VA. 124,40, Nordd. Lloyd 17,25. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 4. Sept. Das Weizenangebot war am offiziellen Markte nicht sehr dringlich, Roggen lag sehr still, desgleichen das gesamte Mehl- geschäft. Futtermittel blieben nach wie vor gesucht, besonders Kleie, Nachmehl eher vernachlässigt. . Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige fe 100 Kilogramm) in Reichsmark: Weizen W 13 199, W16 202, W 19 206, W 20 208; Roggen R 12 162, R15 165, R18 169, R19 171; Futtergerste gestrichen. Hafer ebenfalls nicht notiert. Weizenmehl w 13 27,70, W16 28,15; Roqqenmehl R12 22,45, R15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,30 und 0,50 Mk. Frachtausgleich. Weizennachmehl 17,25, Weizenfuttermehl 13,50, Weizenkleie W 13 10,92, W 16 11,13; Roggen- kleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50, Mühlenfestpreis ab Mühlenstation. Sojaschrot, Palmkuchen, Erdnußkuchen, Treber und Trockenschnitzel nicht notiert, Heu 8,—, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt oder gebündelt, 2,40 bis 2,50 Mark. — Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 5. Sept. (Dorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftneb: 728 Kälber, 149 Schafe und 321 Schweine. Es kosteten: Kälber 42 bis 69 Mark, Hämmel 38 bis 41, Schweine 54 Mark. — Marktverlauf: Kälber rege, Hämmel und Schafe ziemlich langsam, Schweine wurden zugeteilt. Erfreulicher Auftakt der Reichsanleihe-Zeichnung. Fwd. Die Zeichnungslisten für die 500 Millionen 4,5-v. H.-Schatzanweisungen des Deutschen Reiches sind am gestrigen Mittwoch erstmals aufgelegt worden. Nach einer Umfrage bei den Großbanken sind die Eingänge durchaus erfreulich, vereinzelt sind auch schon größere Zeichnungen erfolgt. Wenn sich auch am ersten Tage naturgemäß noch kein Ueberblick gewinnen läßt, so entspricht der Zeichnungseingang bei den Bankinstituten doch allgemein den gehegten Erwartungen. Die Zeichnungsfrist läuft bekanntlich erst am 16. d. M. ab. Erfahrungsgemäß werden gerade vom kleinen Sparerpublikum immer erst gegen Ende der Frist die Aufträge erteilt, doch sind auch heute schon bei den Großbanken eine ganze Reihe kleinerer Zeichnungen erfolgt. Beträchtliche Absatzbelebung der Kraflfahrzeugindustrie im Juli. Trotz der saisonmäßig ungünstigen Zeit ist im Juli, wie im neuesten Heft von „Wirtschaft und Statistik" berichtet wird, eine beträchtliche Absatz- bclebung der Kraftfahrzeugindustrie, an der lediglich der Verkauf von Kleinkrafträdern nicht beteiligt war, zu verzeichnen. Die Produktion hat sich gegenüber oem Vormonat bei sämtlichen Fahrzeuggattunaen erhöht. Der Absatz an das Ausland hat sich da- gegen ungünstig entwickelt. Die Ausfuhr von Personenwagen, auf die hauptsächlich der Auslandabsatz der Kraftfahrzeugindustrie entfällt, ist um rund 10 v. H. zurückgegangen. In den übrigen Fahrzeug- gattungen hat sich jedoch die Ausfuhr gebessert. Hervorzuheben ist vor allem die Ausfuhr der Automobilomnibusse, von denen 131 Stück an das Ausland verkauft wurden gegenüber nur sechs Stück im Juli 1934. Im 23er» aleich mit Juli 1934 hat sich der Gesamtabsatz an Liefer- und Lastkraftwagen sowie von Großkrast- rädern jeweils um mehr als die Hälfte vermehrt, der Absatz von Automobilomnibussen ist um das Dreifache g e st i e g e n. Bei den Personenkraftwagen stellt sich die Zunahme auf rund 15 v. H. Die Zahl der im Juli 1935 hergestellten Personenkraftwagen belief sich auf 20 602 Wagen gegen 17 372 im Juni und 18 716 im Juli 1934. Die Pro- duktion von Liefer- und Lastkraftwagen betrug 3248 gegenüber 3285 im Vormonat und 2479 im Juli 1934. Die Herstellung von Kleinkrafträdern hat sich gegenüber dem Vormonat von 7122 Stück auf 7386 Stück erhöht (Juli 1934 6129). Die Produktion der Großkrafträder betrug 4224 Stück gegen 3579 im Juni 1934 und 3456 im Juli 1934. Die Herstellung von dreirädrigen Fahrzeugen aller Art hat sich von 1341 im Juni auf 1489 Stück im Juli erhöht gegenüber 1287 im Juli 1934. Die Zahl der hergestellten Adlerwerke 102,50, Waltz & Freytag 90,50, Gro- roag 81. Dollarbonds 0,50 v. H. schwächer. Die Börse schloß nicht erholt. Tagesgeld wieder 3,25 v. H. Pfandbriefe unver- ändert, Liquidationspfandbriefe etwa 0,13 v. H. leichter. Abendbörse still, behauptet. Die Abendbörse war ziemlich umsatzlos und ohne besondere Gründstimmung. Man hörte zumeist auf Berliner Schluß behauptete Kurse. IG.-Farben eröffneten mit 153,25 (153,40), sonst waren Lahmeyer mit 131 bis 131,50 schwächer genannt, Hoesch mit 93 bis 94, Stahlverein 81,50 bis 82, Rheinstahl etwa 110. Auch Renten fast umsatzlos, Altbesitz 110,75, Kommunal-Umschuldungsanleihe gehalten. In Auslandrenten überwiegt leicht das Angebot, doch sind auch zu abbröckelnden Kursen die Umsätze hier recht bescheiden. Im Verlaufe verloren AEG. noch 0,25, dagegen konnten fid) AKU. um 0,50 v. H. auf 58 befestigen. Kurse: Altbesitz 110,75 Geld, Farbenbonds 127, 4proz. Rumänen 4,65, Adca 78,50, Commerzbank genüber 167 Stück im Vormonat und 81 Stück Juli 1934. Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: Juni 1935 insgesamt rund 71000 Bausparverträge über zusammen rund 364 Millionen Mark ab. geschlossen. Bisher wurden an rund 18 500 Bausparer rund 115 Millionen zugeteilt, ein ansehnlicher Betrag, den die Oeffentlichen Bausparkassen dem Bau- und Hypothekenmarkt zugefuhrt haben. * Die Neuzulassungen von Kraft- fahrzeugen im Juli. Im Juli wurden laut Wirtschaft und Statistik" insgesamt 42 338 Kraftfahrzeuge neu zugelassen. Damit wurde das bisher höchste Monatsergebnis erreicht, das um fast 7 v. H. über dem Stand des Vormonats (39 617) und um mehr als 55 v. H. Über dem Stand im Juli 1934 (27 239) liegt. Mein-Mainische Börse. ANllagsbörse teilweise befestigt. i096: Die dänischen Einfuhrbewilligungen für die Monate September bis Dezember. 1087: Neuregelung der Devisenzuteilung für Nebenkosten des Warenverkehrs in Ungarn. 1098: Bekanntmachung KP 20 der Ueberwachungs- ftelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1099: Französische Bestimmungen über Einfuhrbewilligungsanträge für Neukontingente für das 4. Vierteljahr 1935. * * 12. Baugeldzuteilung der Oeffentlichen Bausparkasse. Die zwölfte Baugeldzuteilung der Oeffentlichen Bausparkasse (Abteilung der Landeskommunalbank-Girozentrale für Hessen) in Darmstadt findet am Dienstag, 8. Oktober, in Darmstadt statt. Zuteilungsberechtigt sind sämtliche Bausparer, deren Vertrag spätestens am 1. Juli 1935 (für Tarif 18 spätestens am 1. Juni 1935 und Tarif 25 spätestens am 1. Januar 1935) begonnen hat, und die mit Einzahlungen nicht im Rückstand sind. Jeder Bausparer, der sich als solcher ausweist, kann der Zuteilungshandlung beiwohnen. Alle Oeffentlichen Bausparkassen in Deutschland haben bis Ende (LPD.) Der Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen teilt mit: Ich sehe mich im Hinblick auf meine im Frühjahr dieses Jahres erfolgte Bekanntmachung erneut veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß durch eine Betriebsordnung niemals Bestimmungen einer gültigen Tarifordnung ausgeschaltet oder umgangen werden können. Wenn die Lohnverhällnisse eines Gewerbezweiges in einer Tarifordnung einheitlich geregelt sind, so wirkt diese Tarifordnung zwingend auf die von ihr erfaßten Arbeitsverhältnisse und ist auch durch eine Vetriebsord- ordnung unabdingbar. Die Bestimmung einer Betriebsordnung, daß der Betriebsführer im Einverständnis mit den Vertrauensratsmitgliedern untertarifliche Löhne bezahlen kann, ist deshalb nichtig. Die Tarifordnung hat stets gegenüber der Betriebsordnung eine übergeordnete Bedeutung. Auch Vereinbarungen eines Einzelarbeitsvertrages, die von der Tarifordnung abweichen, sind nur insoweit wirksam, als sie über die Mindestbedingungen der Tarifordnung hinausgehen und sich dadurch zugunsten des Gefolgschaftsmitgliedes auswirken. Ebenso steht selbstverständlich dem nichts entgegen, daß in einer Betriebsordnung höhere Löhne als in der Tarifordnung enthalten sind. Tariflöhne find M i ndest lö h ne. Untertarifliche Bezahlungen, wie überhaupt Zuwiderhandlungen gegen eine Tarifordnung können nicht nur eine durch arbeitsgerichtliche Klage erzwungene Nachzahlung des Tariflohns zur Folge haben, sondern sie können sowohl nach § 22 des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit mit Geld- ober Gefängnis st rasen geahndet werden, als auch ein ehrengerichtliches Verfahren gemäß § 36 des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit nach sich ziehen. Es liegt also völlig im eigenen Interesse jedes Betriebsführers, Tarifordnungen genauestens zu beachten und die in ihnen enthaltenen Bestimmungen einzuhalten. Tier-Prämiierung in Nidda. m Nidda, 4. Sept. In Verbindung mit dem Niddaer Herbstmarkt, über dessen Verlauf wir bereits berichtet haben, fand eine Tier - P r ö • mtierung statt. Das Ergebnis ist folgendes: Fleckvieh. K l a f s e I, R i n d e r e r k e n n b a r t r a g e n d : Ehrenpreis Rudolf Rieß, Heuchelheim; 1. Preis Robert Weitz, Heuchelheim, Adolf Roos, Echzell; 2. Preis Theodor Kölsch, Heuchelheim, Alf. Lehmer, Borsdorf, Otto Deith, Heuchelheim; 3. Preis Hem- rich Schneider, Stornfels, Adolf Bausch, Reichelsheim, Otto Reinhardt, Geiß-Nidda, Robert Widdersheim, Borsdorf, P