Ur. 154 Erstes Blatt 185. Jahrgang 5reitag.5.Zuli 1935 Erlcherm tügllch, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat tm Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewatt ^ernsprechanschlüffe anter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Sieben Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drutft und Verlag: vrühl'sche UniverfilStr Such- und Stehtöniderei 8. Lange in Siehe«. 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Reichsminister Dr. Frank schreibt hierzu u. a.: Es wird in Zukunft nur ein Strafrecht geben, das die Verbrecher jeder Schattierung als einen Schädling der Volksgemeinschaft ansieht und ihn durch eine gerechte Bestrafung aus dieser Gemein» schäft ausscheidet. Am 26. Juni 1935 hat die Reichsregierung folgende Aenderungen der Strafprozeßordnung beschlossen: „In die Strafprozeßordnung werden als § 170 a und als § 167a folgende Vorschriften eingeführt: § 170 a. Ist eine Tat, die nach gesunder Volksanschauung Bestrafung verdient, i m G e - setz nicht für strafbar erklärt, so hat die Staatsanwaltschaft zu prüfen, ob auf die Tat der Grundgedanke eines Strafgesetzes zutrifft und ob durch entsprechende Anwendung dieses Strafgesetzes der Gerechtigkeit zum Siege verhalfen werden kann. (§ 2 des Strafgesetzbuches). § 167 a. Ergibt die Hauptverhandlung, daß der Angeklagte eine Tat begangen hat, die nach gesunder Volksanschauung Bestrafung verdient, die aber im Gesetz nicht für st r a f b a r erklärt ist, so hat das Gericht zu prüfen, ob auf die Tat der Grundgedanke eines Strafgesetzes zutrifft und durch entsprechende Anwendung dieses Strafgesetzes der Gerechtigkeit zum Siege verhalfen werden kann. (§ 2 des Strafgesetzbuches.) § 265. Abs. 1 gilt entsprechend. Als ein Grundgedanke des bisherigen deutschen Strafrechts galt der Satz: nullum crimen, nulla poena, sine lege. Er ist im Paragraph 2 des heute noch geltenden Strafgesetzbuches verankert und bildet den Ausgangspunkt der sogenannten „modernen Strafrechtsschule". Es war selbstverständlich, daß mit der nationalsozialistischen Revolution und dem Umbruch der Weltanschauung dieser Grundsatz als erster erkannt wurde. Bei allen Reformarbeiten seit der nationalsozialistischen Revolution auf dem Gebiete • des Strafrechts stand die Behandlung dieser Frage, die sich in der modernen Strafrechtswissenschaft zur Analogie der Strafrechtsbestimmungen verdichtet hat, an erster Stelle. Schon im Jahre 1926 habe lch in einer großen Kundgebung der nationalsozialistischen Juristen in München die Analogie, d. h.* d i e Uebertrag- barkeit oon Grundgedanken des Strafgesetzes auf andere strafwür» d i g e Taten, gefordert Ich habe die Analogie des Strafrechtes dann auch wiederholt im Reichstag als einen Wesensbestandteil der nationalsozialistischen Strafrechtsreform bezeichnet. Im Jahre 1933 wurde in der Denkschrift des preußischen Justizministers Kerrl in gleicher Weise eine Ergänzung des Paragraphen 2 Strafgesetzbuch gefordert Nunmehr ist durch die erwähnten Gesetze der Reichsregierung vom 26. Juni 1935 der entscheidende Schritt zum Durchbruch der nationalsozialistischen Rechtsre form auf diesem Gebiet getan. Die neue Bestimmung der Strafprozeßordnung bedeutet, daß in Zukunft der Richter auch dann eine Bestrafung vornehmen kann, wenn der Tatbestand nicht unter Strafe gestellt ist, wenn er aber einem anderen Tatbestand des Strafgesetzes ähnlich ist und wenn nach der Dolksanschauung die Tat eine Strafe verdient In dieser Hinsicht ist das Gesetz zur Aenderung von Vorschriften des Strafverfahrens und des Gerichtsverfassungsgesetzes vom 26. Juni 1935 ein Markstein aus dem Wege zu einem nationalsozialistischen Strafrecht. In Zukunft wird es ausgeschlossen sein, daß ein Verbrecher nur deshalb straffrei ausgehen wird, weil durch irgendwelche Lücken im Gesetz oder durch unklare und widerspruchsvolle Auslegungen des Gerichtes eine Bestrafung nach dem formalen Wortlaut des Gesetzes nicht erfolgen kann. Das bedeutet nicht, daß der Richter in Zukunft ähnlich dem Gesetzgeber für bestimmte Tatbestände neue Strafrechtsnormen schaffen kann. Grundsätzlich wird er auch in Zukunft an das Strafgesetz gebunden sein. Er hat jedoch in Zukunft die Möglichkeit, bei Vorliegen der angeführten Voraussetzungen in jedem Falle einen Schädling der Volksgemeinschaft einer Bestrafung zuzuführen. Der nationalsozialistische Staat kennt für seine Strafrechtspolitik, wie ich das nunmehr schon seit Jahren unentwegt verkünde, nur einen Gesichtspunkt: Rücksichtslosen Krieg gegenüber den Verbrechern und liebel-- t ä t e r n zum Schutz und Vorteil des anständigen, der Volksgemeinschaft ehrlich und treu dienenden Volksgenossen. Das bedeutet nicht, daß jeder, der künftig in Deutschland angeklagt wird, auch schon von Anfang an als schuldig anzusehen ist; das bedeutet also nicht, daß der Angeklagte in seinem Verteidigungsrecht irgend- wie beschränkt werden soll. Das bedeutet vor allem nicht etwa den Umstand, daß der nationalsozialistische Staat sehr wohl zwischen den Verbrechern aus übler Gesinnung mit absolut ge» Festigung der deutsch-polnischen Freundschast. Das deutsch-polnische Abkommen vom Januar 1934 hat sich als konstruktiver Beitrag zur Sicherung des europäischen Friedens bewährt. Die politische Aussprache Berlin, 4. Juli. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt: Der zweitägige Besuch des polnischen Außenministers in Berlin hat Gelegenheit zu einer eingehenden Aussprache des Führers und Reichskanzlers und der deutschen Reichsregierung mit Herrn Beck gegeben. In dieser Aussprache, die in freimütiger Weise geführt wurde, sind die speziell Deutschland und Polen interessierenden Fragen und auch die Probleme der allgemeinen europäischen Politik zur Erörterung gekommen. Es ergab sich eine weitgehende Uebereinstimmung der Anschauungen. Mit Befriedigung konnte festgestellt werden, daß die deutsch-polnische Erklärung vom 2 6. Januar 1934 sich in jeder Hinsicht voll bewährt hat, und zwar nicht nur im Verhältnis der beiden Staaten zueinander, sondern auch als konstruktives Element bei der Sicherung des Friedens In Europa. Herr Beck betonte in diesem Zusammenhang, daß die Erklärung des Führers und Reichskanzlers über Polen in feiner Rede vom 21. Mai, insbesondere fein Wunsch nach Dauerhaftigkeit des deutsch- polnischen Abkommens in Polen starken Widerhall gefunden habe, und daß auch p o l n i - scherfeils der aufrichtige Wunsch nach immer größerer Vertiefung der freundschaftlich-nachbarlichen Beziehungen zu Deutschland besteht. Die beiden Regierungen werden entsprechend der benachbarten Lage der beiden Völker fluch in Zukunft in enger Fühlung bleiben und alle ihre Kräfte dem Werke des europäischen Friedens widmen. DerletzleTagdesVerlinerVesuchs Am Ehrenmal unter den Linden. Berlin, 4. Juli. (DNB.) Das Ehrenmal Unter den Linden war Donnerstagmittag der Schauplatz einer feierlichen und eindrucksvollen Ge- fallenen-Ehrung durch den polnischen Außenminister Ober st Beck. Zu seinem Empfang hatten sich eingefunden Reichskriegsminister Generaloberst von Blomberg, der Oberbefehlshaber des Heeres General der Artillerie Freiherr oon Fritsch, der kommandierende General des 3. Armeekorps und Befehlshaber im Wehrkreis HI, Generalmajor oon Witzleben sowie der Stadtkommandant von Berlin, Generalleutnant Schaumburg. Oberst Beck schritt unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front der Ehrenkompanien ab. Inzwischen war ein prachtvoller Kranz mit weißen und roten Nelken und Schleifen in den polnischen Nationalfarben ins Innere des Ehrenmals getragen worden. Oberst Beck verweilte einige Augenblicke im stillen Gedenken an der Weihestätte des Krieges. Eine vielhundertköpfige Menge grüßte den Außenminister Polens herzlich mit erhobener Hand. Frühstück in der polnischen Botschaft in Anwesenheit des Führers. Zu Ehren des Ministers gab der polnische Botschafter L i p s k i ein Frühstück, an dem auch der Führer und Reichskanzler teilnahm. Der Führer erwiderte damit den Besuch, den ihm Oberst Beck am Mittwochvormittag abgestattet hatte. In der Botschaft erschien als einer der ersten Staatssekretär von Bülow; bald darauf der Reichs- kriegsmmister Generaloberst oon Blomberg mit Tochter; der Chef des Protokolls, Graf Basse- w i tz, Reichsernährungsminister Darrs, der deutsche Botschafter in Warschau, von M o l t k e , Staatssekretär Dr. Meißner, Botschafter von Ribbentrop und Staatssekretär Dr. Lammers. Mit besonderem Jubel werden der Reichsminister Dr. Goebbels und Ministerpräsident Göring vom zahlreich erschienenen Publikum begrüßt. Punkt 13.30 Uhr erschien mit stürmischen Heilrufen begrüßt der Führer und Reichs- k a n z l e r. Als Gast Görings in der Schorfheide. Im Anschluß an das Frühstück folgten Außenminister Beck mit Gemahlin und Tochter, Botschafter Lipski und die Begleitung des Ministers einer Einladung des Ministerpräsidenten General Göring und seiner Gattin in die Schorfheide. Unter Führung General Görings besichtigten die polnischen Gäste das Gut Hubertus st ock Nach einem Abendessen in kleinem Kreise im Jagdhaus K a r i n h a l l, an dem von deutscher Seite u. m Reichs- und Staatsminister Kerrl, Botschafter v. Ribbentrop, Botschafter Graf M o l t k e , Staatssekretär Körner und Generalforstmeister oon Keudell teilnahmen, begaben sich die Gäste zum Anhalter Bahnhof, um Berlin 22.14 Uhr mit dem Ziel Bad Reichenhall zu verlassen. Die pariser presse zu Becks Besuch in Berlin. Paris, 5. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die französische Presse beschäftigt sich ausführlich mit dem Meinungsaustausch zwischen dem Führer und dem polnischen Außenminister Beck, der als bedeutsam bezeichnet wird. Die Presse findet aber sowohl die abschließende amtliche Erklärung wie auch die Presse-Anfrage des Obersten Beck, zu absichtlich unbestimmt, als daß sie sich getraut, ein klares Urteil zu fällen. Nur eines scheine klar zu sein, meint der „Petit Parisien" nämlich die Versicherung Becks, die freundschaftlichen deutsch-polnischen Beziehungen, die sein Werk seien, re st los zu erhalten. Das Blatt glaubt die Antwort, die die Wilhelmstraße demnächst nach Paris in der Frage des- Ostpak - t e s senden werde, werde das Geheimnis der deutsch-polnischen Aussprache vermutlich etwas lüften. Der Berliner Havas-Vertreter will von polnischer Seite erfahren haben, daß Oberst Beck, sich als Testamentsvollstrecker des Marschalls P i l s u d s k i ansehe, und deshalb in Berlin zu verstehen gegeben habe, daß durch den Tod Pil- sudskis die deutsch-polnischen Beziehungen nicht betroffen würden. Was den O st p a k t anlange, erkläre man polnischerseits, daß Polen seine Haltung nicht ändere. Der Berliner Berichterstatter des „Petit Jour- Außenminister Oberst Beck schreitet mit.den Herren der deutschen Heeresleitung die Front der Ehrenkompanie des Berliner Wachregiments ab. — (Scherl-M.) ■ WWWW - v ■ '<$<■ k WM meinschädlichem Instinkt und Wirken einerseits und dem kleinen, harmlosen, mehr aus Unverstand und Schwäche als aus Schlechtigkeit mit den Ordnungs» Prinzipien der Volksgemeinschaft in Konflikt geratenen Alltagssünder unterscheiden könnte. Das deutsche Strafgesetzbuch des Nationalsozialismus wird in diesem Sinne ein modernes Strafgesetzbuch sein. Wir lehnen auch auf diesem Gebiet den Rückfall ins Mittelalter mit Folter, Richtschwert usw. ab. Zittern soll der Verbrecher vor den Folgen einer gerichtlichen Verurteilung, nicht zittern soll indes der freie Staatsbürger. Die Einführung der Analogie ist daher nicht gleichbedeutend mit einer Schuldigerklärung aller irgendwie mit dem Gericht in Berührung geratenden Personen. Sie ist auch keine Generalverurteilungsvollmacht für jeden Richter in jedem Falle, sondern sie wird gerade aus der Psychologie des nationalsozialistischen Staats — und Volksaufbau heraus dem Uebeltäter das Entweichen unmöglich machen, für den unschuldig zur Verantwortung Gezogenen aber die Bestrafung ausschließen. Darüber hinaus enthält aber diese neue ftraf- gesetzliche Aenderung das klare Bekenntnis des Nationalsozialismus zur selbständigen, freien, unabhängigen Richterpersönlichkeit. Neben den Machtapparat tritt in allen germanischen Staaten seit jeher der Rechtsappa - rat. Und so ist es ein gewaltiger Fortschritt in der Gestaltung unserer Rechtszustände, daß der deutsche Strafrichter mit einer stolzen Entscheidungskraft versehen wird, die ihm, als dem Repräsentanten btv nationalsozialistischen Weltanschauung und des gesunden deutschen Dolksempfindens, die Rolle eines Volksrichters in der schönsten Bedeutung dieses Wortes überträgt. Der Führer hat durch dieses Aenderungsaefetz die Ehre des deutschen Richters in einer Weise verankert, daß ihm dafür der gesamte deutsche Rechtsstand Dank weiß. Hierin liegt die revolutionäre Bedeutung des neuen Paragraphen 170 a der Strafprozeßordnung. Das Gesetz vom 26. Juni 1935 hat weitere Bestimmungen zur Durchführung der neuen nationalsozialistischen Rechtsauffassung geschaffen. Die Staatsanwaltschaft soll z. B. nach einer Bestimmung auch dann, wenn sie selbst Berufung eingelegt hat, und deshalb nach den Bestimmungen der Notverordnung vom 14. Juni 1932 das Recht auf Revision verwirkt hat, das Rechtsmittel der Revision haben, wenn das Gericht ein Strafgesetz z u Unrecht entsprechend angewendet oder nicht angewendet hat. Sie kann somit in diesen wichtigen Fällen stets das Revisionsgericht anrufen. Weitere wichtige Neuerungen bringt das Gesetz vom 26. Juni 1935 in der Frage der W a h l f e st- st e l l u n g. Das Gericht soll in Zukunft, wenn es eine Wahlfeststellung trifft, den Angeklagten nur der Verletzung d e s a n z u w e n d e n d e n Strafgesetzes schuldig sprechen. Es soll also in Zukunft nicht nur eine Verurteilung m der Art erfolgen können, daß der Angeklagte zweier Straftaten in alternativer Form für schuldig gesprochen wird. Bei der Beweiserhebung soll dem Gericht ein freies Ermessen insofern zustehen, als es nach der neuen Fassung der Paragraphen 244 und 245 der Strafprozeßordnung einen Beweisantrag ablehnen kann, wenn es nach seinem freien Ermessen die Erhebung des Beweises zur Erforschung der Wahrheit n i ch t s ü r e r f o r d e r l i ch hält. Auch das bedeutet eine wesentliche Verstärkung der richterlichen Autorität Als weitere Neuerung bringt das Gesetz vom 26. Juni 1935 unter anderem die Beseitigung eines Mangels, die schon seit langem von der nationalsozialistischen Strafrechtsreform gefordert wird. In Zukunft kann das Reichsgericht von einer Entscheidung abweichen, die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes ergangen ist. Es bedarf bei der Abweichung oon einer solchen Entscheidung nicht mehr der Anrufung der vereinten Zivilsenate, die sich als außerordentlich erschwerend und unpraktisch herausgestellt hat, sondern es werden beim Reichsgericht ein „(Bro feer Senat für Zivilsachen" und ein „Großer Senat für Strafsachen" gebildet, die über die Abweichung von früheren Entscheidungen befinden sollen. Damit ist eine schnellere Anpassung des höchsten deutschen Gerichtes an die veränderten Rechtsanschauungen gewährleistet. So ist das Gesetzgebungswerk am 26. Juni 1935 ein weiterer Schritt zum Ausbau des nationalsozialistischen Staates Adolf Hitlers auf dem Gebiete des Rechts. Ich appelliere hier an das ganze deutsche Volk erneut, der hohen Auffassung des Führers über den Rechtsschutz und die Würde der Rechtseinrichtungen des deutschen Volkes, wie sie im Nationalsozialismus verankert sind, sich stets eingedenk zu zeigen. Jeder deutscher Mann und jede deutsche Frau kann üerzeugt sein, dafe wir nationalsozialistischen deutschen Rechtswahrer treu und dank« bar dem Volke gegenüber, das uns mit der arofeen Aufgabe der Rechtsschaffung und der Rechtssicherung betraute, auch bei diesem neuen, revolutionär grundlegend wichtigen und weit über Deutschland hinan» bei allen Juristen Beachtung findenden Gesetzgebungswerk vom 26. Juni 1935 nur an d i e Wohlfahrt des deutschen Volkes den- f e n wollen und danach handeln werden. em Erfol d Völker tonen von Lieber welche Kampskrast verfügt Abessinien? gäbe des Eigentums und die Bewilligung Aufenthaltsrechtes nicht mit einer etwaigen Wi unangenehme Leopold Wölfling gestorben aus dem österreichischen Kaiserhaus vollzog tritt zeit Die Aufhebung der Beschlagnahme des Habsbur- und des lieber« er Frage in >es Hauses Habs- g e n mit sich bringen würde. Die Wiedererrichtung her österreichisch-ungarischen Monarchie im Donau- Rückwirkungen auszulösen. In den letzten Monaten hätten die um die Wahrung der öfter» halbamtliche „Petit Parisien" den Beschluß der österreichischen Regierung. Er werde nicht ver» fehlen, in Mittel- und Osteuropa lieber die Wider st andsfähigkeit Abessiniens gegen Italien gehen, selbst in Fach- und Kennerkreisen, die Ansichten auseinander. Während einerseits erklärt wird, daß Italiens Luftfahrzeuge, Panzerwagen, Schnellfeuergeschütze jeden Widerstand schnell brechen werden, hält man anderwärts dafür, daß der Angriff an der natürlichen Kampfkraft eines rauhen, abgehärteten Volkes einen Gegner finden dürfte, der in der Ungangbarfeit und im Klima des Landes einen Bundesgenossen besitzt. Die Niederlage Italiens bei Adua 1896, wo Kaiser Menelik II. mit 30 000 Mann die 17 000 Italiener — die sonstigen Streitkräfte kamen nicht zur Schlacht — bis zur Vernichtung schlug, galt als Beweis der Kriegstüchtigkeit eines I^albroilben Volkes, bas sich gegen europäische Taktik unb Waffen zu wehren verstanben hat. Abessinien ist eine natürliche Felsen- festung bis über 4500 Meter Höhe Fruchtbare Gebiete wechseln mit Wüsten unb Felsengeröll ab, wegelos, wasserarm, zerklüftet, kaum betretbar für europäische Truppen. Seit bem Tage von Abua hat sich Abessiniens Streitmacht gehoben. Das Land zählt zwölf, die Negerstämme im Süden mitgerechnet 14 Millionen Bewohner. Kaiser H a i I e Selassie , der jetzige Oberherr der bunt zusammengewürfelten Stämme, hat sich des Kriegswesens besonders angenommen unb um feine Haupt- ftabt Abbis Abeba eine regelmäßige, ausge- bilbete Solbtruppe in festen Verbänden die. Garde, durch schwedische, belgische und andere europäische Offiziere schulen lassen. Sie wird auf 15 000 Mann geschätzt, ist neuzeitlich bewaffnet, verfügt über Maschinengewehre, gute Artillerie, auch über einige Flugabwehrgeschütze. Um diesen Kern fügen sich d i e Aufgebote der Provinzial st atthalter, die, wenn sie zum Kaiser halten, als erste Leistung 200 000, als höchste Leistung 800 000 Mann stellen können, dahinter noch weitere Reserven. Der Knabe von 15 Jahren unb ber Greis bis zu 70 Jahren unb mehr finb geborene Solbaten. Der Kampf mit ben Unbilben ber Berge unb Wüsten, bie Jagb auf das allerdings fast ausgerottete Groß- und Raubwild hat sie zu vortrefflichen Schützen von Ausdauer und Anspruchslosigkeit erzogen. Nur bie Garbe ist soldatisch gekleidet, die genen Samstag nach Steenockerzeel, dem belgischen Asyl der Kaiserin Zita, begeben, um dort 'eit über einem Herzog Leopold von Oesterreich wurde 1868 in Salzburg geboren. Er absolvierte das dortige Gymnasium, besuchte die Marine-Akademie in Fiume, studierte am Polytechnikum in Zürich Naturwissenschaften und trieb später in Paris, München und Berlin Privatstudien, die besonders der Botanik galten. Nach seiner Ausmusterung als Seekadett machte er in den Jahren 1887 bis 1889 eine Reise nach dem Fernen Osten, kam als Seeoffizier auf die „Levante" unb machte 1892/93 bie Weltreise bes österreichischen Thronfolgers Franz Ferbinanb mit. Er biente später in Brünn, Przemysl unb Jglau. 1902 vollzog er seinen Austritt aus bem österreichischen Kaiserhaus. Er legte bie Würbe eines Erzherzogs ab unb nahm als eigenwilliger Mensch, bem bie Etikette bes Hofes zuwiber war, ben bürgerlichen Namen Wölfling an. Seine erste Ehe würbe nach vier Jahren, im Jahre 1907, geschieben, 1916 bie zweite Ehe. Im Juni 1933 heiratete er ein brittes Mal. Die Trauung mit Klara Pawlowski fanb in Nieberschöneweibe statt. Er führte in Berlin Jahre hinburch zurück» Herstellung ber Monarchie zu tun habe, nichtsdestoweniger gebe diese Maßnahme den Habsburgern die materiellen und moralischen Möglichkeiten zur Förderung der monarchistischen Propaganda und zur Wiederherstellung der Monarchie in die Hand. So werde sicher die Angelegenheit in Prag, Bukarest und Belgrad ausgelegt werden. Eine einfache Drohung mit der Wiederherstellung der Monarchie würde genügen, um bei der Kleinen Entente sofortige Mobilmachungsmaßnahmen auszulösen. Man wisse das in Wien, warum also spiele man so unüberlegt mit dem Feuer? Massen begnügen sich mit Lendenschurz, Tropenhut, Patronengürtel, Dolchmesser, dazu Gewehren, die in den letzten Jahren massenhaft aus Belgien unb ber Tschechoslowakei bezogen unb über bie französische Eisenbahn von Dschibuti, auch auf ben Karawanenstraßen vom Nil her eingeführt worben finb. Neben biefen neuzeitlichen Waffen finb alte Gewehre bis aus ber Zeit nach 1870/71, namentlich französi- sche Gras-, schweizerische Detterli-, österreichisch-ungarische Wernblgewehre mit viel Munition vorhanden. Wem das Gewehr fehlt, der greift zum Bogen, Pfeil, Wurfspeer, Schild. Abessinien gehört zum Völkerbund, europäische Gesandtschaften wohnen in der Hauptstadt. Fernsprechleitungen durchziehen das Land. Trotzdem ist es von europäischer Kultur unberührt geblieben. Die Widerstandskraft dieses heldischen Herrenvolkes gründet sich auf Nationalstolz. Die Volksbildung steht auf tiefer Stufe, ein Grundzug der Wildheit geht durch alle Stämme. Italien würde einen harten Kampf bestehen müssen, wenn es dieses Bergland erobern wollte. Luft- kampfgeschwader, selbst Giftgase, werden kaum lohnende Ziele finden, Straßenmangel und Wasserlosigkeit die Heeresbewegungen lähmen. Der operative Zugang geht von Massaua über Asmara durch die am besten kultivierten Provinzen nach bem Tanasee, weiter hin nach ber Landeshauptstabt. Auf biesem weiten Wege wirb Italien, selbst wenn es mit 100 000 unb mehr Frontkämpfern auftritt, sehr große Wiberstände in natürlicher Hinsicht wie an ber Kampfkraft eines Volkes finben, bas aller Wahrscheinlichkeit nach bereit unb befähigt ist, seine Unabhängigkeit bis aufs Aeußerfte zu oerteibi^en. Abessinien will das Rote-Krenz- Abkommen unterzeichnen. ß o n b o n , 5. Juli (DNB. Funkspruch). „Daily Telegraph" melbet aus Adbis Abeba, baß Abessinien demnächst das Genfer Rote-Kreuz-Ab- kommen von 19 2 9 unterzeichnen werde. Ein abessinischer Rote-Kreuz-Verband werde unter der Schirmherrschaft bes Kaisers unb ber Kaiserin getübet werben Die Prinzessinnen des Herrscherhauses würden sich als Krankenpflegerinnen ausbilden lassen. die Wiedereinsetzung der Habsburger in Wien das sicherste Bollwerk gegen den Anschluß sein würde, aber diese Schlußfolgerung reiche nicht aus, die Bedenken ber Kleinen Entente aufzuwiegen, bie in ber Wieberaufrichtung einer Monarchie eine Ermutigung nationaler Forderungen erblicken würbe, bie mit ber burch bie Verträge geschaffenen Gebietslage nicht zu vereinbaren sei. Eine „inoportune Maßnahme" nennt ber Gäste deutscher Familien am studentischen Leben ihrer deutschen Kameraden teilnehmen werden. Im Monat September werden zwölf deutsche Studenten als Gäste in Paris erwartet. In einem vorn Leiter der französischen Abordnung im „Oeuvre" veröffentlichten Artikel wird als Grund für den Austausch die Notwendigkeit angegeben, s i ch gegenseitig besser kennen und verstehen zu lernen. Als Söhne ehemaliger Gegner leben wir, so heißt es in dem Aufsatz, in einer krassen Unkenntnis voneinander. Wir reisen nicht nach Deutschland in ber Ueberzeugung, baß schon bie Tatsache dieser Reise alles änbern wirb. Wir wollen uns aber mit unseren Karneraben offen unb ehrlich aussprechen. Herriot hat in Lyon beim Empfang beutscher Frontkämpfer gesagt, eine Schwalbe mache noch keinen Sommer. Aber immerhin müsse ber M u t ber er ft en Schwalbe bie anberen nachziehen. Wir haben nur einen Wunsch, zu ben ersten jungen Schwalben zu gehören. Hoffentlich veranlaßt unser Beispiel viele anbere, ben Flug über Vogesen unb Rhein zu wagen. Wölfling lebte, ist am Donnerstagmorgen in seiner Berliner Wohnung gestorben. Erz- b e r Habsburger nach Oesterreich ber» unmöglich unb unerwünscht fei. Scharfe Kritik in Paris. Die Aufhebung der Habsburger Gesetze in Oesterreich. Annahme im Staatsrat.—Verhandlungen mit Otto von Habsburg. reichifchen Unabhängigkeit besorgten Mächte sich bemüht, ein kollektives Sicherheitssystem zum Schutze ber kleinen Donaurepublik zu schaffen. Gerabe in bem Augenblick, in bem zu biesem Zweck zwischen Italien unb ber Kleinen Entente Der« yanblungen im Gange seien, gebe bie österreichische Regierung einem bis in ihre eigenen Reihen sich geltenb machenben politischen rrutf nach, um bie Habsburger Frage anzuschneiben. Man könne taufenbmal behaupten, baß bie Zurück- Keine Entscheidung vor der August-Tagung des Völkerbundsrats. ßonbon, 5. Juli. (DNB. Funkspruch.) „Mor- ntng Post" hört, baß bei ben Pariser Verhanblun- gen zwischen Großbritannien unb Frankreich keine enbgültigen Vorschläge gemacht worben seien unb baß vor ber Tagung bes Dölkerbunbsrats im 21 u guft auch keine Entfcheibung erfolgen bürfte. Die Politik ber englischen Regierung gehe von bem Grunbsatz aus, baß Großbritannien als Völkerbunbsmitglieb nur jemeinfame unb keine inbiviouellen Verpflichtungen habe unb nichts tun werbe, wozu nicht auch anbere Nationen bereit wären. „Daily Telegraph- meint, ein Haupthindernis französischer Zusammenarbeit mit Großbritannien bei ber Durchsetzung ber Autorität des Völkerbundes fei ein Protokoll, das unb andrerseits wegen bes Verhältnisses Frankreichs zum Völkerbunb. Die Diplomatie müsse eine Lösung erstreben, bie mit den Grundsätzen der Völkerbundssatzung vereinbar sei. Das Argument, daß Großbritannien sich hinsichtlich Oesterreichs nicht habe binden wollen, und daß es daher verfehlt wäre, anzunehmen, daß es wegen eines verhältnismäßig so unwichtigen Teiles der Welt im Hamen des Völkerbundes vorgehen würde, beantwortet „Times- mit einem Hinweis auf Großbritanniens kolonialen Interessen und auf die Tatsache, daß Abessinien seit 1923 Vollmitglied des Völkerbundes fei, und zwar, wie das Blatt hervorhebt, auf Grund des dringenden Ersuchens der italienischen und der französischen Regierung und trotz des Widerspruches des britischen Vertreters. „Times" schließt mit der Feststellung, daß das Programm vom 3, Februar zwar noch aufrechterhalten bleibe, daß aber die Schwierigkeit feiner Durchführung infolge der Bedrohung Abeffiniens durch Italien verzehnfacht worden fei. der deutsch-polnischen Beziehungen in ben letzten beiben Jahren sei. Das beutsch-polnische Abkommen vom Januar 1934 habe seine Probe alsBei- spiel konstruktiver Politik bestanden. Die Methode der Beruhigung der Beziehungen vor allem dort, wo sie mit Recht oder Unrecht als besonders gespannt angesehen worden seien, die Methode, sich über reale Fragen unmittelbar zwischen den interessierten Staaten zu verständigen, diene dem Frieden besser als das System allgemeiner Aussprachen, das mehr laut als erfolgreich und in seinen letzten Zielen nicht immer klar sei. „Expreß Poranny" schreibt, die amtliche Mitteilung über den Verlauf des Ministerbesuches zeuge dafür, daß das Ziel des Besuches erreicht worden sei, und daß der Besuch gegeben, was man in Polen erwartet habe. Um sich klar zu machen, in welchem Umfange das deutsch-polnische Abkommen seine Lebenskraft erwiesen habe, müsse man sich daran erinnern, daß noch vor zwei Jahren nicht daran zu denken gewesen wäre, daß ein polnischer Außenminister f o herzlich in Berlin empfangen worden wäre, und daß die Unterredungen eine so weitgehende Übereinstimmung der Ansichten hätte zeigen können, wie das jetzt der Fall gewesen sei. Es gehöre viel schlechter Wille dazu, um den deutsch-polnischen Vertrag vom Standpunkt der Interessen des europäischen Friedens einer abfälligen Kritik zu unterziehen. Diejenigen, die bei seinem Abschluß, an bem Vertrag Kritik geübt hätten, müßten heute ihren Irrtum zugeben. Das Militärblatt „Polska Zbrojna" schreibt, ber Becksche Besuch in Berlin habe seinen Zweck voll unb ganz erreicht. Er sei ein Beweis für bie guten nachbarlichen Beziehungen zwischen Polen unb bem Reich. Beibe Regierungen hielten auch ben gegenwärtigen Zustanb keineswegs für vorübergehenb, fonbern für bauerhaft In Europa müsse man heute Polen unb Deutschlanb bankbar sein, für ben Beitrag, ben sie zum europäischen Frieben liefern. „Kurjer Polski" stellt fest, baß bas beutsch-pol- msche Abkommen seine Lebensfähigkeit bewiesen unb bie besten Ergebnisse gebracht habe. „Kurjer Poranny" sagt, ber Ausbruck bes amtlichen Kommunique von ber „weitgehenben Uebereinftimmung ber Ansichten" sei bas wesentliche ber Erklärung. Deutsch-französischer Studentenaustausch. Marburg erwartet 12 französischeStudenten Paris, 5. Juli. (DNB. Funkspruch.) Zwöl französische Stubenten begeben sich am Samstag nach Marburg, wo sie drei Wochen als Will Frankreich den Abessinienstreil als Handelsobjekl benutzen? Roch keine Antwort Lavals auf die englische Bitte um die Mitwirkung Frankreichs an einer Vermittlungsaktion. Wien, 4. Juli (DNB.) Der S t a a t s r a t hat I raum würbe auch Italien nicht unberührt bas zustirnmenbe Gutachten zu bem Gesetzentwurf lassen. Man könne zwar mit Recht annehmen, baß ber Regierung über bie Aufhebung ber sog. Habs-....... burger Gesetze genehmigt. Unmittelbar nach (Scherl-M.) seitdem unter dem Namen Leopold Paris, 5.Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Be- mühungen Englands, Frankreich für die Beilegung des italienisch-abessinischen Streitfalles zu gewinnen, bilden weiter das Gesprächsthema der diplomatischen Kreise, vor allem, nachdem der eng» lische Botschafter am Donnerstag erneut beim Quai d'Orsay vorgesprochen hat. Frankreich scheint sich vorläufig weiter auf eine eher ablehnende Haltung versteifen zu wollen, in der mehr ober weniger deutlich zu erkennenden Absicht, von England positive Vor- chläge für die Behandlung der europäischen Fragen zu erhalten. naP l'.'.oint, daß Deutschland unb Polen in den europäischen Hauptfragen eine g e - meinf ame Politik fortsetzen bürsten. Das werbe sich vor allem bei bem Dorschlaa eines allgemeinen östlichen Nichtangriffspa k t e s zeigen, ber überbies bie Klausel bes Nicht- beiftanbes für den Angreifer enthalte. Der Berliner Berichterstatter des „Journal" will die Bedeutung der Verhandlungen weder über- noch unterschätzen. Beck wisse schon, warum er es abgelehnt habe, die französischen Pressevertreter zu empfangen. Deshalb sei auch seine Erklärung absichtlich ungenau gehalten gewesen. Der Berliner Berichterstatter des „Excelsior" schreibt, in den diplomatischen Kreisen habe man den Eindruck, daß kein Komplott gegen Fran k - reich geschmiedet worden fei, da Deutschland und Polen die gleichen, wenn auch auf verschiedene Erwägungen zurückgehenden Gründe hätten, den Faden mit Paris nicht abreißen zu lassen. Im Grunde genommen hätten Die deutsch-polnischen Besprechungen wohl keine seyr positiven Ergebnisse gezeitigt, doch hätten sie -■‘me Gegenüberstellung der Ansichten ovr allem über den Ostpakt ermöglicht, wahrscheinlich zu Dem Zweck, um zu positiven Ergebnissen mit den anderen Mächten zu gelangen. Das Echo in Warschau. Warschau, 4. Juli. (DNB.) „Gazeta Polska" sagt, während der mehrstündigen Unterredung zwischen dem Führer unb Minister Beck habe ber Führer unb Kanzler seinem tiefen Bebauern Ausdruck gegeben, baß ber Tob bes Marschalls Pilsubski bas geplante Zusammentreffen zwischen ihm unb bem Führer bes polnischen Volkes unmöglich gemacht habe. Die Reichsregierung halte es für bie beste Hulbigung bes Anben- kcns bes großen Toten, in ben beutsch-polnischen Beziehungen auf bem von i h m bescbritte- nen Wege f o r t z u s ch r e i t e n , ber für beibe Völker vorteilhaft sei. Minister Beck habe erklärt, bie polnische Regierung sei entschlossen, bas politische Testament Pilsubskis auf allen Gebieten burchzu führen unb sehe keinen Anlaß, baß bie jetzigen beutsch-polnischen Beziehungen irgenbeiner Aenberung unterliegen sollten. Hauptziel ber polnischen auswärtigen Politik sei bie Sorge um nachbarliche Beziehungen, die sich auf gegenseitige Kenntnis unb gegenseitiges Vertrauen stützten. Die polnische Regierung begrüße mit Befriedigung bie Entwicklung ber Beziehungen zwischen bem Reich unb Polen, seit in Deutschlanb ber Führer unb Reichskanzler Hitler diese Beziehungen normalisiert habe Die polnische Regierung wünsche aufrichtig, daß bie Beziehungen mit Deutschlanb sich weiter ausbauen unb festigen. Das Blatt weist ferner auf ben nicht nur freunb- lichen unb liebenswürdigen, sondern herzlichen Ton hin, mit dem die Berliner Presse Minister Beck begrüßt habe. In maßgeblichen deutschen Kreisen unterstreiche man, daß der Besuch Becks in Berlin ein deutlicher Ausdruck der Entwicklung dem französisch-italienischen Abkommen vomJannar angefügt worben sei, unb in dem es heiße, daß Frankreich außerhalb der E i senbahnzone Dschibuti — Addis-Abeba keine Interessen in Abessinien habe. Mussolini habe daraus den Schluß gezogen, daß Frankreich ihm freie Hand gebe, feine Einflußsphäre in Abessinien unbegrenzt auszudeh- nen. Großbritannien sei trotz seiner dortigen Interessen nicht zu Rate gezogen worden. „Times" sucht das bedingte Angebot einer Gebietsabtretung durch Großbritannien zu rechtfertigen, mit dem Hinweis, daß es sich um Frieden oder Krieg und um die ganze Zukunft des Völkerbundes handele. Die britische Regierung vernachlässige die Möglichkeit einer diplomatischen Lösung nicht, habe aber zu erwägen, welches Verfahren der Völkerbund einschlagen solle. Gens könne sich um die Frage, die ihm die abessinische Regierung formell zur Kentnis gebracht habe, nicht Herumdrücken. Ein weiterer großer Mißerfolg des Völkerbundes bei der Durchsetzung seiner Autorität würde den Wert dieser politischen Einrichtung größten Teils zerstören. Laval befinde sich in einer Zwickmühle einerseits wegen seiner Vereinbarungen mit Italien, mit Füßen getreten (!). Laval erwarte eine Note der englischen Regierung. England werde in dieser Note nach einer Verständigung mit Frankreich über Abessicken suchen, wofür es seine Unter« tützung in den Frankreich besonders angehenden Fragen garantieren würde. Laval werde sich aber auf keinen Fall von der Mussolini gegenüber eingenommenen Haltung abbringen lassen, die darin bestehe, Italien nicht zu behindern. „Echo de Paris" meint, daß Frankreich sich nicht von der durch Barthou vorgezeichneten außenpolitischen Richtlinie abbringen lassen dürfe. Das noch in der Kette der Beistandspakte fehlende Glied be» tehe in einem Zusammenschluß zwischen Italien und der Kleinen Entente. Laval habe erklärt, falls ihm eine Anregung für eine angemessene Lösung des italienisch-abessinischen Streitfalles vorgelegt würde, so würde er nicht zögern, sich zum freundschaftlichen Vermittler in Rom zu machen, unter der Bedingung, daß ein derartiger Schritt auf keinen Fall bie engen und vertrauten B e - Ziehungen beeinträchtigen, die jetzt zwi« chen Frankreich und Italien beständen. bürg und der österreichischen Regierung geführt wurden, mit Otto von Habsburg, dem ältesten Sohn Kaiser Karls und der Kaiserin Zita zu beenden. Wie es heißt, will Oesterreich den Habsburgern das gesamte im Jahre 1919 beschlagnahmte Vermögen bis auf Schönbrunn, die Hofburg, und den Teil des Vermögens, der dem Jnvalidenfonds zugewiesen wurde, ^urücker statten. Gleichzeitig habe Kar« winsky oie Aufgabe, mitzuteilen, daß eine Rückkehr ' " ' ' ' ’' ‘ die Verhandlungen, die j Jahr in der Habsvurg Wien zwischen den Vertretern Di Wenn England bei seinem Vorgehen vor allem aus die s chw e r e n Rückschläge hinweist, die der Völkerbund durch einen italienisch-abes» inischen Krieg erleiden würde, erklärt man demgegenüber in maßgebenden französischen Kreisen, daß Frankreich den Fall Abessinien nicht mit ~ r f o I g oder dem Mißerfolg der ______bundspolitik gleichsetzen könne. Frankreich könne sich mit Recht darüber wundern, daß England so eifrig die Genfer Einrichtung, den Völkerbundspakt und die Sanktionen verteidige, obwohl gerade England seit 1919 Frankreich stets den Weg verlegt habe, wenn es die Anwendung von Sanktionen gegen Deutschlanb wegen Verletzung des Zersailler Vertrages gefordert habe. Und England elbst habe unlängst Durch die Unterzeichnung des deutsch-englischen Flottenabkommens den Versailler Vertrag dem Staatsrat wird sich der Bunbeskultur- rat mit dem Gesetzentwurf befassen, so daß das Gesetz bereits am Dienstag nächster Woche im Bundestag endgültig angenommen werden dürfte. Staatssekretär K a r w i n s k y und der Legitimistenführer Baron Wiesner haben sich am vergan- ger Vermögens veranlaßt den „Temps", die politischen Rückwirkungen zu untersuchen. Der Leitartikel stellt eine sanfte Mahnung an Wien dar, nicht zu weit zu gehen. Es sei ein Irrtum, wenn man in dem Beschluß des österreichischen Kabinetts eine erste Etappe auf dem Wege zur Wiederaufrichtung der Monarchie in Oesterreich erblicken wolle. Die Frage der Restauration der Habsburger könne nur im Einverständnis mit allen am Frieden in Mitteleuropa interessierten Mächten gelöst werden. Man wisse in Wien, daß eine Restauration schwere internationale Verwicklun- Berlin, 4. Juli. (DNB.) Der vormalige Erzherzog Leopold von Oe st erreich, Erb- großherzog von Toscana, der 1902 seinen Aus- 1 I 8 C ü I h l ! i ! i c 3 sc ki li r ll ifl bi Id Ä e 3 e b b 8 d> 21 Pi 1 Ö( tot DO ÄL au 1e° mi sei Uli vi “I hie 2e all Th Ch mi Der übe ZU beit 2?eri Kirc des beit toiiri seine den der unb der öi r« atni unb Lesern Her em rer Der mif an ( über Pers lQhge: hnbf Bre leid) e r Wie sieht es in der Wirtschast aus? werbs- und Rentabilitätslage der Ruhrkohle in Aus aller Welt Zehnmal Lebensretter in 14 Tagen. ia, wobei Landwirt Brandunglück bet Lille. des Eine besitzet ein den 3n° er« e tJ e auch für das Nationalsozialist l sch e Kraftfahrkorps zur Durchführung. Für den siegenden Motorsturm jeder Motorgruppe oder -brigade stifte ich einen Ehrenpreis. Nähere Ausfuhrungsbestimmungen, insbesondere über eine Ergänzung der Bedingungen vom 22. Juni durch A^ÄPortliche Prüfungen, erläßt der Führer des Vom Starkstrom getötet. Auf der Blei- und Silberhütte in Braubach am Rhein ereignete sich ein Unglücks fall. Ein Arbeiter kam mit der elektrischen Leitung in Berührung und wurde auf der Stelle getötet. Vootsungtück auf der Donau. — Drei Tote. Autoschlauch umgelegt und konnte etwa 50 Meter unterhalb das Ufer gewinnen. Beim Heuabladen tödlich verunglückt. In Volkenrath bei Simmern (Hunsrück) geriet ein junger verheirateter Landwirt beim Abladen Bei Lille geriet durch eine Fehlzündung ... Motors ein Lastkraftwagen in Brand, der etwa 20 Fässer Benzin geladen hatte. Der Wagenführer erlitt schwere Branüverletzungen. Ein an der Straße gelegenes Wohnhaus, Bauernhof und ein Eafshaus wurden von Flammen ergriffen und stark beschcÜngt. Linsturzunglück in Italien. — Blutter mit zwei Kindern erschlagen. In Castellamare am Golf von Neapel st ü r z t e plötzlich ein schon lange baufälliges Gebäude ein. gationen im Vordergrund, durch das den Aktionären in der Form der Anleihezinsen wenigstens ein gewisses Mindesterträgnis ihrer Kapitalanlage gewährleistet werden soll. Die Har- pener Bergbau A.-G. betonte, daß die völlig veränderte Lage am Weltkohlenmarkt die Wettbe- einem Ausmaß in Mitleidenschaft gezogen habe, daß die angemessene und stetige Verzinsung des früheren Aktienkapitals von SO Mill. RM. nicht gestattet. Andererseits ist aber das in seiner Substanz und in seinen bergmännischen und industriellen Anlagen unter und über Tage ausgezeichnete Unternehmen durchaus in der Lage, eine bescheidene Mindestverzinsung zu gewährleisten, wie sie in der Garantie von 4,5 v. H. für die Obligationen mit eventuellen Zuschlägen, die von der Aktien- dividende abhängig gemacht werden, gegeben ist. Das Angebot der Harpener Bergbau AG., das den Aktionären am 13. August in einer außerordentlichen Generalversammlung unterbreitet werden soll, ist weit über den Kreis der unmittelbar Betroffenen hinaus von großem Interesse für das deutsche Aktienwesen überhaupt, denn Ueberlegun- gen, wie sie hier von der Harpener-Derwaltung angestellt werden, könnten für eine ganze Reihe von deutschen Unternehmungen gelten, und vielleicht wird dieser Fall zu einem Präzedenzfall werden. Damit ist nicht gesagt, daß jede Einzelheit nachgeahmt werden wird und soll — sicher wird dies immer nur vom konkreten Einzelfall aus zu ent« scheiden sein — aber der Grundgedanke, die Aktie mit ihrer Ungewißheit über die Verzinsung durch die Obligation mit festem Zinsanspruch zu ersetzen, verdient als etwas grundsätzlich Neues und in vieler Hinsicht Begrüßenswertes Beachtung. von Heu in eine elektrische Abladevorrichtung. Plötzlich riß das Seil an der Vorrichtung ' ' das Kabel zurückschlua und dem jungen 1_________ in die Brust drang. Kurze Zeit daraus erlag er seinen schweren Verletzungen. macht und hofft, in ihm ein Instrument positiver Kulturbetreuung zu gewinnen. Unter Führung von Baurat Dr. Gretsch- Stuttgart wird der Deutsche Werkbund seine Devise, die Veredelung aller wertmäßigen Arbeit, wahrzumachen versuchen. So wie der Nationalsozialismus die Arbeit adelt und die Gleichberechtigung aller Arbeiter anerkennt, will der Werkbund alles Schaffen erfassen in der Absicht, auch die kleinste Leistung zu einer wirtlichen Kul- turleistung zu machen. Sein Kampf gilt der Minderwertigkeit des Wirkens und Gestaltens und für Wie- dergewinnung jenes gesunden Werkgeistes, der gro- ßen Kulturperioden den eigentlichen Nährboden gegeben hat. Professor Heger keilender Slaalskapellmelster in Kassel. Staatskapellmeister Professor Heger von der Berliner Staatsoper wurde beauftragt, an dem Neubau des Staatstheaters in Kassel mitzuwir« ken. Er wird auf die Dauer eines Jahres neben seiner Tätigkeit an der Berliner Staatsoper das Amt eines leitenden Staatskapellmeisters in Kassel wahrnehmen. Die letzten Junitage pflegen in jedem Jahre eine Hochflut von Generalversammlungen zu bringen, weil zahlreiche Gesellschaften aus mancherlei sachlichen oder auch nur rein arbeitstechnischen Gründen den Termin für die Berichterstattung über das abaelaufene Geschäftsjahr und für die anschließende Versammlung der Aktionäre kurz vor den Ablauf der gesetzlichen Frist verlegen. In das gewohnte Bild der Aktionär-Tagungen kam diesmal ein besonderer Zug durch die an vielen Stellen etwas lebhafter als sonst auftretende Opposition. Unter diesem aktienrechtlichen Begriff treten nun allerdings die verschiedensten Fälle auf, verschieden vor allem in der Beurteilung vom gemeinwirtschaftlichen Standpunkt aus. Soweit es sich um Opposition handelt, die sozusagen als Selbstzweck betrieben wird, wird das.Interesse der Allgemeinheit an den sich daraus ergebenden Diskussionen zwischen Verwaltung und opponierendem Aktionär nicht besonders groß sein. Andererseits gibt es aber Verwaltungen, die durch ihre übergroße Schweigsamkeit oder die Eigenmächtigkeit ihrer Geschäftspolitik eine Kritik der Aktionäre bis zu einem gewissen Grade herausfordern, und wenn in solchen Fällen durch Anfragen in der Generalversammlung die Mitteilsamkeit der Verwaltung etwas angeregt bzw. die Handlungsfreiheit ein wenig einzuschränken versucht wird, so kann das die Allge-* meinheit eigentlich nur begrüßen — vorausgesetzt, daß nicht hinter der opponierenden Gruppe in Wirklichkeit ein Konkurrenzinteresse steht, das diesen Weg gewählt hat, um hinter Betriebsgeheimnisse usw. zu kommen. Aber für derartige Fälle gewährt ja das Gesetz der Verwaltung die Möglichkeit, im Interesse der Gesellschaft die Auskunft zu verweigern. In der Mehrzahl der in den vergangenen Tagen beobachteten Fälle von Opposition, die teilweise später in Protestanmeldungen Ausdruck fand, drehte es sich um die Dividendenfrage. Hier und da war der Wunsch der Aktionäre, eine höhere Ausschüttung zu erhalten, von Erfolg: in anderen Fällen wurde die Dioidendenlosigkeit dem Antrag der Verwaltung entsprechend beschlossen. tnebsfuhrers zu Protestkundgebungen der Gsfolg- schast, an denen sich Einwohner aus der näheren Umgebung des Betriebes beteiligten. Man warf dem Betriebsführer vor, die Gefolgschaft durch sehr niedrig gehaltene Löhne und durch unangebrachte Ueber stunden auszubeu- ten. Wegen Gefährdung seiner eigenen Person mußte Hayungs sen. in Schutzhaft genom» m e n werden. Hayungs jun. und feine Mutter hatten Bremen bereits verlassen. Kunst und Wissenschaft. Wiederaufnahme der Werkbundarbeit. Der Präsident der Reichskammer der bildenden Künste teilt mit: Der Deutsche Werkbund, dessen Wirken von großen Erfolgen innerhalb und außerhalb unserer Landesgrenzen begleitet war, hat in den Zeiten allgemeiner Verwirrung und des Ueberanfpruchs blutleerer Intellektueller zum Schluß eine lebhaft umstrittene Stellung im deutschen Kunstschaffen eingenommen. Nunmehr hat die Reichskammer der Bildenden Künste den neuen Werkbund zum direkten Mitglied der Kämmer ge- Reichsbifchof Müller in Kassel. Lpd. Kassel, 4. Juli. Reichsbischof Müller wohnte einer Andacht in der Martinskirche bei, wo er zu der Gemeinde sprach. In einer Kirchenvorstehertagung der 'Evangelischen Landeskirche von Kurhessen und Waldeck führte Reichsbischof Müller aus, daß es nötig sei, eine äußere Form des Gottesdienstes zu finden, die alle befriedige. Einmal müsse es in Deutschland dahin kommen, daß in unseren Kirchen die gleichen Lieder gesungen werden und der Gottesdienst die gleiche Form habe. Notwendig sei es, daß etwas von der wirklichen Kameradschaft wieder in die Gotteshäuser komme. An die Stelle des Morschen müsse das Gesunde treten. Der vvlksfremde Geist müsse bekämpft werden. Wir alle müßten für das Deutsche kämpfen und für das Christentum: denn deutsch wollten wir alle sein und Christen auch. Den Grund, auf dem wir leben, müßten wir mit neuen Augen sehen. Wir alle seien verpflichtet, für das Neue zu arbeiten. Wir müßten aber dazu kommen, das wahre Christentum sehen zu lernen. Es müsse wieder geben eine wahre Arbeitsgemeinde, eine wahre Arbeitsgemeinschaft. Vertrauen müsse wieder herrschen. Wir müßten eine Kirche aufbauen zu Gottes Ehre und zum Wohle des Vaterlandes. Je treuer wir feien in der Arbeit an diesen Aufgaben, um so treuere Bürger würden wir sein im Reiche Adolf Hitlers. Er schloß seine Ansprache mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer. Abends fand in der Martinskirche, in der Lutherkirche, in der Alten Lutherischen Kirche und in der Brüderkirche eine Feierstunde statt, an der auch der Reichsbischof teilnahm. Oie Geburtstagsspende der deutschen Beamtenschaft dem Führer übergeben. Berlin, 4. Juli (DNB.) Der Leiter des Hauptamtes für Beamte der Reichsleitung dek NSDAP, und Reichswalter des Reichsbundes der deutschen Beamten, Hermann Neef, wurde in Begleitung feines persönlichen Referenten, Vogel, am Donnerstag vom Führer und Reichskanzler empfangen. Hermann Neef übergab dem Führer die Geburtstagsspende der deutschen Beamtenschaft im Betrage von 1 Million R M. Der Führer und Reichskanzler nahm die Spende mit dem Ausdruck herzlich ft en Dankes an die Beamtenschaft entgegen. Die Bestimmung über die Verwendung wird der Führer persönlich treffen. In der sich anschließenden längeren Aussprache wurden noch beamtenpolitische und beamtenorganisatorische Fragen erörtert. Bremer Betriebsführer in Schuhhast genommen. Bremen, 4. Juli. (DNB.) Die Geheime Staatspolizei teilt mit: Am Mittwoch kam es bei der Großwäs cherei Hayungs in Bremen wegen des asozialen Verhaltens des Be- Berlin, 5. Juli. (DNB.) Der „Völkische Beob« achter" meldet: Korpsführer Hühnlein hat fol- genden Tagesbefehl an das NSKK. er« lassen: Der Führer hat am 4. Juli 1935 folgenden Be« fehl erlassen: „Der von mir mit Befehl vom 22.Juni 1935 für die SA. angeordnete Reichswettkampf gelangt in Weise auch für bas nationa 103jähriger Messerstecher. In der argentinischen Stadt Tucuman e r st a ch ein gewisser Gonzalez Boris im Verlaufe eines Streites in der Trunkenheit den 62jährigen Diklor Plitor. Der Täter steht nach dem Polizeibericht :n dem erstaunlichen Alter von 103 Jahren. Die Angaben über das Alter des Messerstechers werden in Buenos Aires als durchaus glaubwürdig ange« ^hen, da der ganze Norden Argentiniens durch die Langlebigkeit seiner Bewohner bekannt ist. Wegen Raubmordes zum Tode verurteilt. Dor dem Altonaer Schwurgericht hatte sich der 19jährige Günther Bull zu verantworten, der beschuldigt wurde, am 12. Juni d. I. den 63jährigen Gastwirt August E ck h o f f in seinem Wirtschaftslokal ermordet und beraubt zu haben. Nach mehrstündiger Beratung verurteilte das Schwurgericht den Angeklagten wegen Mordes in Tateinheit mit schwerem Raub zum Tode. Außer« dem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit aberkannt. Steigerung im Rordallanlikverkehr. Die Steigerung des Verkehrs von Nordamerika nach Deutschland hält weiter an. Allein die Lloyd-Schnelldampfer „Europa ' und „Columbus" bringen gegenwärtig nahezu 3500 Passagiere nach Europa. Die Gesamtzahl der durch die Schiffe des Norddeutschen Lloyd im ersten Halbjahr 1935 in beiden Richtungen über den Nordatlantik beförderten Passagiere beträgt 31370 gegenüber 28 580 in der gleichen Zeit des Vorjahres. Infolge der Verminderung der Ab- ährten von 26 auf 22 bedeutet das eine Steigerung des Verkehrs um 29,31 v. H. Besonders gün- tig liegen die Verhältnisse in der Fahrtrichtung von Neuyork nach Europa. Hier beträgt die prozentuale Steigerung im ersten Halbjahr 1935 gegenüber 1934 sogar 43,04 v. H., da trotz der Be- chrankuna der Abfahrten von 26 auf 22 die Zahl der beförderten Passagiere von 16 259 (1934) auf 19 685 (1935) gestiegen ist. brave Tat vollbrachte der Badeanstalts- Ferdinand Böllert aus Ehrenbreitstein. Als dieser Tage ein Paddler zwischen den Pontons der Koblenzer Schiffsbrücke durchfahren wollte, wurde er durch die Gewalt der Strömung gegen die Ankerketten geworfen und mit dem umschla- aenden Boot in die Fluten gerissen. Böllert, der Zeuge des Vorfalls war, eilte dem Ertrinkenden Mit gewohnter Pünktlichkeit legt auch diesmal wieder die Reichs-Kredit- Gesellschaft AG. unmittelbar nach Semesterfchluß ihren Bericht über Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung im ersten Halbjahre vor. Sein Inhalt beschäftigt sich diesmal besonders ausführlich mit dem Exportproblem, und zwar im Hinblick darauf, daß die Erweiterung der Exportmöglicheiten eine wich- tige Voraussetzung für einen weiteren zweckmäßigen Arbeitseinsatz bildet wie für eine bessere Versorgung der Nationalwirtschaft mit notwendigen auslän« dlschen Rohstoffen und Konsumgütern. In diesem Zusammenhänge drängt sich auch die Erinnerung an die in diesen Tagen vor einem großen Kreise sudwestfalischer Wirtschaftler gehaltenen Rede des Direktors der Deutschen Gold-Diskontbank, Dr. Brinkmann, auf, der über die Notwendigkeit sprach, nunmehr aus der gewerblichen Wirtschaft heraus geeignete und ausreichende Mittel für Zwecke der Exportsteigerung aufzu« bringen, nachdem der Einsatz von Mitteln zur Exporthilfe, wie sie bisher durch Rückkauf von Auslandschuldtiteln gewonnen werben konnten, infolge der geringer gewordenen Bardevisenbestände nicht mehr in dem bisherigen Umfange möglich ist. In- zwischen ist diese Frage auch bereits durch das im Reichsgesetzblatt vom 29. Juni veröffentlichte „Gesetz über Erhebung von Umlagen in der gewerblichen Wirtschaft" in ein akutes Stadium gerückt, wonach die Reichswirt« chaftskammer Anordnungen treffen kann über die Erhebung und Verwendung von Umlagen der Gruppen oder Vereinigungen von Unternehmern und Unternehmungen der gewerblichen Wirtschaft als Organen der Selbstverwaltung. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die Großwetterlage hat heute einen kräftigen Wirbel über Nordosteuropa und ein Hochdruckgebiet im Südwesten entwickelt. Deutschland ist dabei in eine kräftige Westströmung einbezogen, die auch bei uns wechselhaftes Wetter bedingt, wenn sich auch die Niederschlagstätigkeit auf ganz vereinzelt auf- tretende Schauer beschränkt. Eine durchgreifende Verschlechterung des Wetters ist zunächst noch nicht zu erwarten, boch bleibt die ausgekommene Unbeständigkeit erhalten. Aussichten für Samstag: Veränderlich mit zeitweiliger Aufheiterung, aber auch vereinzelter kurzer Niederschlagstätigkeit, Temperaturen um 20 Grad, westliche Winde. Aussichten für Sonntag: Bei Luftzufuhr aus Westen wechselnd bewölkt, Niederschlagsneigung voraussichtlich zunehmend. Lufttemperaturen am 4. Juli: mittags 21,7 Grad Celsius, abends 17,2 Grad: am 5. Juli: morgens 19 Grad. Maximum 22,2 Grad, Minimum 16,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. Juli: abends 21,8 Grad: am 5. Juli: morgens 19,8 Grad. — Sonnenscheindauer 3,4 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil i. 23.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 35: 10150. Druck und Verlag: Brühl'sche Univerlitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. Zezogen das Leben eines Privatgelehrten. Krieg, Inflation und Rentenverlust haben ihn verarmen lassen. Er schrieb u. a.: „Erinnerungen" (1920) und „Habsburger unter sich — freimütige Aufzeich- ttungen eines ehemaligen Erzherzogs" (1921). Reichswettkampf desRGKK. Eine Frau und ihre beiden Kinder, die sich in der Nähe aufhielten, wurden unter den Trümmern begraben. Sie konnten nur als Leichen geborgen werden. Booksunglück auf dem 7Nl. — 22 lote. Eine Barke mit etwa 50 Personen, die bei Luxor ben Nil überqueren wollte, schlug mitten auf dem Strom um. 22 Personen ertranken. Das Explosionsunglück bei Paris. — Delm versuchten Versicherungsbetrug ums Leben gekommen? Das Dunkel über die Ursache der bereüs gemeldeten Explosion in einem Einfamilienhaus in Le Vösinet bei Paris ist bisher noch nicht erhellt. Die geborgene, schwerverletzte Person, die aus den Trümmern des Hauses heroorgezogen wurde, ist die Besitzerin des Hauses. Sie ist inzwischen geworben. Allem Anschein nach hat sie die Explosion selbst verursacht. Man hat nämlich an der Stelle, wo sie lag, eine Streichholzschachtel gefunden und außerdem festgestellt, daß vier Koffer mit Wäsche und Bekleidungsstücke mit Benzin getränkt waren. Wahrscheinlich wollte die Frau ihr Haus anzünden, um in den Besitz der Versicherungssumme von 1,3 Millionen Franken zu kommen. Bemerkungen, die sie vor ihrem Tode über Mörder gemacht hat, scheinen frei erfunden gewesen zu sein. Nachbarn geben an, daß die Frau ihnen Drohbriefe gezeigt habe. Man glaubt jedoch, daß sie diese selbst verfaßt hat. Eine graphologische Untersuchung der Briefe wird noch durchgeführt werden. Auffällig ist noch, daß die Hausbe- sitzerin ihre Hausangestellte kurz vor der Explosion mit einem Auftrag fortgeschickt hatte. Schwere Unfälle bei der nordamerikanischen Unabhängigkeilsfeier. —, 54 Todesopfer, Hunderte von Verletzten. Am amerikanischen Unabhängigkeitsfeiertag haben sich auck in diesem Jahre wieder im ganzen Lande zahlreiche schwere V e r k e h r s u n f ä l l e ereignet Bis jetzt wurden 54 Todesopfer gemeldet. In Pennsylvanien fanden u. a. drei Autorennfahrer Öen Tod. Hunderte von Männern, Frauen und Kindern sind verletzt worden. Drei Schmuggler beim Feuergefecht mit der Polizei erschossen. Beim Ueberschreiten der sächsisch-böhmischen Grenze aus Richtung der Tschechoslowakei wurde Je‘ ®itenberg eine Schmugglerbande von sächsischen Grenzbeamten angerufen. Die Schmuggler flüchteten weiter auf deutsches Gebiet und eröffneten auf die sie verfolgenden Grenzbeamten das Feuer. Bei dem Feuergefecht wurden drei der Schmggler erschossen. Zwei sächsische Grenz- beamte wurden verletzt. Aus der Donau sank beim berüchtigten Strudel von Grein (Oesterreich) während eines heftigen Gewitters ein Schleppkahn. Bald darauf fuhr ein Boot gegen einen Teil des Wracks an. Seine drei ~ fassen stürzten in den hochgehenden Strom und tranken. Der Oberste SA.-Führer. Gez.: Adolf Hitler." Das nationalsozialistische Kraftfahrkorps ist stolz und dankbar für die ihm gestellte Aufgabe und wird ferne Ehre darein setzen, sie mit ganzer Kraft 3U erfüllen. Nähere Ausführungsbestimmungen über die zusätzlichen m o t o r s p o r t l i ch e n Prüfungen folgen in den nächsten Tagen. Der Führer des NSKK. (gez.) Hühnlein, Korpsführer. Die Reichsjugendführung ruft znm Landdienst. -Berlin, 4. Juli. (DNB.) Das Soziale ?fm\öeL Reichsjugendführung erläßt folgenden Aufruf: „Wir rufen Dich, deutsche Ju- mit am Aufbau eines unabhängigen Deutschland. Einen Jeden von Euch Jungen brauchen wir. Die Erzeugungsschlacht muß geschlagen werden. Däzu brauchen wir aber Euren Willen,, Euren Fleiß, Eure Kraft! Vom Juli bis Dezember konntJhrhelfen. Diese Zeit wird, trotzdem Ihr fern der Heimat seid, die schönste Eures Lebens fein! Niemals darf wieder ein Ausländer den deutschen Boden bearbeiten. Euer Ginsatz erfolgt auf Gütern in Gruppengemeinschaften von 10 bis 30 Mann. Das Leben in diesen Gruppen ist soldatisch. Einfachheit, Sauberkeit, frohe Zufriedenheit sollen Euch leiten. Euer Körper wird durch die Landarbeit gestählt. Durch die Pflege des bäuer- lichen Brauchtums gewinnt Ihr Einblick in das _ schöne Dorfleben. Durch Euch soll die Brücke geschlagen werden zwischen Stadt und Land. Die Landteile, in denen Euer Einsatz erfolgt, sind Nord-, Ost- uni) Mitteldeutschland. Die Unterkunft ist ein schlichtes, nettes Heim. Die Verpflegung ist kräftig und reichlich. Die Entlohnung ist volltariflich nach dem Landesarbeitertarif. Der monatliche Verdienst ist 20—40 RM. Er richtet sich nach Alter und Leistung. Anmelden kann sich jeder deutsche Junge zwischen 18 und 25 Jahren. Für jeden Jungen, der bewiesen hat, daß er ein ganzer Kerl ist, besteht die Möglichkeit, im Winter eine La n d - dienstführerschule oder eine Landwirtschaftliche Schule zu besuchen, um im nächsten Dahr als Unterführer oder als Führer eingesetzt zu werden. Weiter könnt Ihr Bauernschulen besuchen oder im Winter mit einer Spielschar durch das Land ziehen, um das bäuerliche Brauchtum zu fördern. Nach 6 Monaten bekommt Ihr den Landhelferbrief. Anmeldungen sind zu richten an den Deutschen Landdienst der HI., Reichsjugendführung, Soziales Amt, Agrarpolitisches Referat, Berlin NW 40, Kronprinzenufer 10. * Die weltwirtschaftliche Lage stellt sich nach dem chon erwähnten Bericht der Reichs-Kredit-Gesell- chaft in großen Zügen so dar, daß zwar die in- dustrielle Weltproduktion bei einer Addition überwiegend binnenwirtschaftlicher Konjunkturreihen einen kräftigen und ziemlich stetigen Antje g seit 1932 erkennen läßt, daß dieser Auf- chwung jedoä) ausnahmslos bedingt ist durch die Jndustrieentwicklung in Deutschland, im Bereich der Sterling-Gruppe, in den Vereinigten Staaten und in Japan, während die unverändert im Zustande der Depression befindlichen Gebiete der westeuropäischen Goldblockländer bislang nichts zur Belebung der Weltproduktion beigetragen haben. Weltverkehr und internationaler Warenaustausch verharren jedoch nach wie vor auf einem krisenartigen Tiefstand. Abschließend kommt daher der Bericht zu dem Ergebnis, daß das vordringlichste Problem die Beendigung des Währungs-Chaos ist, da der Welthandel und der auch für die Nationalwirt- chaften notwendige und unentbehrliche Waren- und Leistungsaustausch auf die Dauer nicht mit tändig schwankenden Maßstäben spekulattv disponieren kann, sondern sicherer Kalkulationsgrundlage bedarf. * In der Erörterung der Fachpresse stand das Angebot der Harpener Bergbau - A.-G. auf Umtausch eines Drittels der Aktien in Obli - sofort unter Einsatz seines Lebens zu Hilfe und konnte ihn nach hartem Kampf mit den Wellen in letzter Minute retten. Die Tat verdient um so mehr Anerkennung, als dies bereits das zehnte Menschenleben ist, das er in den letzten 14 lagen rettete. Schon mit elf Jahren erhielt Böllert eine öffentliche Belobigung, als er unter Lebensgefahr ein Kinb vor dem Tobe des Ertrinkens rettete. Der Tod in den Bergen. Dieser Tage entdeckten Kletterer in der Watz« mann-Ostwand eine stark verweste Leiche. Der Tote konnte zu Tal gebracht und erkannt werden. Es handelt sich um den 20 Jahre alten Wilhelm Junghans aus Gaschwitz bei Leipzig, der sich im Oktober v. I. in Jlsank eingemietet und von dort aus allein eine Bergtour unternommen hatte. Vermutlich stürzte er an der Watzmann-Mittelspitze ab, im Laufe des Winters und Frühjahrs dürfte er bann durch Lawinen zur Fundstelle getragen worden fein. Zwei Kinder ertrunken. In Eurasburg (Oberbayern) tummelten sich in dem nicht allzutiefen Wasser drei Mädchen in der Loisach. Plötzlich gerieten sie in reißende Strömung und wurden fartgerissen. Zwei der Mädchen, beide im Alter von acht Jahren, ertranken. Das dritte Kind hatte sich glücklicherweise einen aufgepumpten Kessen und Hessen-Nassau im Spiegel der Statistik. Frankfurt a. M, 3. Juli. (LPD.) Die vom Statistischen Reichsamt herausgegebene Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" bringt in ihrer Ausgabe Nr. 12 eine Uebersicht über die verschiedenen Zweige der Wirtschaft sowie aus anderen Gebieten. So zeigt sie u. a. die Bevölkerungsentwicklung der deutschen Städte im Jahre 1934. Für Hessen und Hessen- Nassau ergeben sich dabei folgende interessante Zah- len: In Frankfurt a. M. kamen auf 1000 Einwohner 13,3 Eheschließungen (1933 = 10,1, 1932 = 8,8). Lebendgeboren wurden im Jahre 1934 = 12,3 Kinder (1933 = 8,8 und 1932 = 9,4). Der Geburtenüberschuß betrug also im Jahre 1934 für Frankfurt 3,2 gegen einen Sterbeüberschuß von 1,0 im Jahre 1933 und einem Geburtenüberschuß von 0,1 im Jahre 1932. Aehnlich liegen die Zahlen in den Städten Kassel, Wiesbaden und Mainz. Sie lauten für M a i n z : Eheschließungen 12,5 (10,9 und 10,5), lebend Geborene 15,9 (12,4 und 12,9), Geburtenüberschuß 5,9 (2,5 und 2,5), für W i e s b a d e n: Eheschließungen 12,3 (11,4 und 9,6), lebend Geborene 14,0 (10,4 und 11,2), Geburtenüberschuß im Jahre 1934 3,4, dagegen Sterbeüberschuß im Jahre 1933 0,6 und 1932 0,2, für Kassel: Eheschließungen 11,8 (11,1 und 8,6), lebend Geborene 14,6 (11,7 und 11,2), Geburtenüberschuß 5,4 (1,7 und 2,1). Die bevölkerungspolitischen Maßnahmen der Regierung zeigen also hier deutlich nicht nur in bezug auf Eheschließungen, sondern auch hinsichtlich der lebend geborenen Kinder ihre günstigen Auswirkungen. , , r, Auf dem Gebiete der Landwirtschaft gibt das Statistische Reichsamt die Betriebsergeb- nisse der Berichtsmolkereien im April 1935 bekannt. So betrug die Milchanlieferung (Zahlen in 1000 Liter im Tagesdurchschnitt) in Hessen 190, in Hessen-Nassau 277. Der Frischmilchabsatz belief sich in Hessen auf 60 (in Flaschen 2), in Hessen-Nassau 131 (14). An Butter wurden hergestellt (Zahlen bedeuten Doppelzentner im Tagesdurchschnitt) in Hessen 47, in Hessen-Nassau 44. Während in Hessen-Nassau kein Hartkäse erzeugt wurde, betrug die Herstellung in Hessen 1 Doppelzentner. An Weichkäse stellten die Berichtsmolkereien in Hessen 7 und in Hessen-Nassau 36 Doppelzentner her. Interessant ist dabei übrigens — was auch wenig bekannt ist —, daß an der Gesamtherstellung von Hartkäse mit 339 Doppelzentner täglich Ostpreußen allein mit 253 Doppelzentner beteiligt ist. In Weichkäse ist Württemberg mit 56 Doppelzentner von 140 führend, erst an 5. Stelle folgt Hessen-Nassau mit 36 Dopppelzentner. Hohe Zuchthausstrafen für Volksverräter. Im Dienste staatsfeindlicher Emigranten. LPS. Frankfurt a. M., 3. Juli. Ein Schulbeispiel für die schweren Folgen, die Verräter an Volk.und Vaterland trifft, liefert, wie uns aus Berlin berichtet wird, eine Entscheidung des Volksgerichtshofs gegen vier kommunistische Funk- tionäre,, die im Solde roter Staatsfeinde im Aus- lande gearbeitet haben. Der 33jährige Nikolaus Thielen und der 41jährige Georg Handke er- hielten wegen Vorbereitung zum Hochverrat je 15 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust, und der 54jährige Georg Kretschmer und die 32jährige geschiedene Frau Emma Thoma wurden zu je 6 Jahren Zuchthaus und 6 Jahren Ehrverlust verurteilt. Außerdem wurde gegen sämtliche Angeklagten auf Zulässigkeit der Polizeiaufsicht erkannt. — Thielen, der früher dem Reichstag als kommunistischer Abgeordneter angehört hat, flüchtete nach dem Reichstagsbrand in das Saargebiet. Später kehrte er auf Veranlassung maßgebender kommunistischer Stellen im Auslande als „Oberberater für Südwestdeutschland" nach Frankfurt a. M. zurück, um von hier aus mehrere Bezirke der illegalen KPD. zu überwachen und nach Möglichkeit wieder aufzubauen. Handke war für die Internationale Arbeiterhilfe tätig und hat für diese mehrere Reisen nach Prag und eine nach Holland unternommen. Bei diesen Reisen hat er jeweils den kommunistischen Emigranten im Auslande Berichte über die Verhältnisse in Deutschland erstattet und aus dem Auslande Hetzschriften und namhafte Geldbeträge zur Finanzierung des Kampfes gegen den Staat mitgebracht. Kretschmer war Verbindungsmann zwischen der Berliner Zentralleitung und den von Thielen geleiteten Bezirken in Westdeutschland. Er fuhr mehrfach nach Frankfurt a. M. und brachte auch Geld dorthin. Als besonders fanatisch ist die Mitangeklagte Frau Th o'ma anzusprechen. Selbst der Umstand, daß ihr geschiedener Ehemann und ihr jetziger Verlobter bereits wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu Gefängnisstrafen bzw. Zuchthausstrafen verurteilt worden sind, hat sie nicht abgeschreckt, weiter für die verbotene Partei zu arbeiten und persönlich die Verbindung zwischen allen möglichen Funktionären aus Berlin und dem Reiche herzustellen. Kleine politische Nachrichten. Der Führer und Reichskanzler hat anläßlich des Unabhängig-keitstages der Vereinigten Staaten von Amerika dem Präsidenten Roosevelt telegraphisch seine Glückwünsche übermittelt. Der österreichische Vizekanzler F ü r st Star- Hemberg traf mit einem Verkehrsflugzeug in Venedig ein, um einen Teil seiner Ferien, ähnlich wie im vergangenen Jahr, am Lido zu verbringen. Eine neue Begegnung mit Mussolini ist nicht ausgeschlossen. Die Demarkationslinie im ehemaligen Kampfgebiet des C h a c o ist nunmehr endgültig fest gelegt worden. Hinter den Fronten der beiden Heere wurden Truppensammel- plätze errichtet. Die Demobilmachung hat bereits begonnen. Büchertisch. — Friedrich Bülow : Volkswirtschaftslehre. Ein Lehrbuch. 3., neubearbeitete Auflage. Mit den Anhängen: „Schrifttum zum weiteren Studium", „Wie studiert man Volkswirtschaftslehre?" und einer Zeittafel. (Kröners Taschenausgabe Band 81.) Leinen 4,00 Mk. Alfred Kröner, Verlag, Leipzig. —(71)— Das bekannte Lehrbuch geigt auch in seiner Neubearbeitung wissenschaftliche Gründlichkeit und Vollständigkeit, selbständiges Urteil, Knappheit und Klarheit der Darstellung. Das Werk zeigte von Anfang an die Volkswirtschaftslehre in ihren geschichtlichen, sozialen und politischen Verflechtungen und stellte außer den ewigen Gesetzen alles Wirtschaftens die Bedeutung der Wirtschaft für Volk und Staat dar. Die Neubearbeitung ist ein ausreichender, zuverlässiger Führer durch die sozialen und wirtschaftlichen Probleme unserer Zeit. In der geschichtlichen Darstellung und in besonderen Tabellen wird gezeigt, wie die Karlsruher in ihrem ersten Jahrhundert ihre Aufgaben erfüllt hat. Insgesamt hat sie an ihre Versicherten in hundert Jahren über 600 Millionen geleistet; hiervon entfallen 261 Millionen auf Sterbefälle, 108 Millionen auf Erlebensfälle, 152 Millionen auf Gewinnanteile der Versicherten. Das Vermögen, das von 1864 bis 1914 in der Kapitalversicherung auf 314 Millionen gestiegen war, ist in den zehn Jahren des Neuaufbaues feit 1924 auf 172,7 Millionen angewachsen. An Jahresüberschüssen wurden von 1864 bis 1934 insgesamt 244 Millionen ausgewiesen. Daß die Jubilarin zugleich einer der betriebswirtschaftlich bestens eingerichteten Lebensversicherungsunternehmungen ist, geht aus der Arbeit von Direktor Dr. Schmitz hervor. Die zweckmäßig - schönen Arbeitsräume, die mustergültigen Einrichtungen für die Gefolgschaft werden in Bildern gezeigt. Bevölkerungspolitisch interessant ist eine Arbeit des Revisionsarztes der Gesellschaft, Dr. Hermann Doll: „Die Sterbefälle und Todesursachen bei der Karlsruher Lebensversicherungsbank AG. in den Jahren 1925 bis 1934". — Das neue Testament. Verdeutscht und erläutert von Wilhelm Michaelis. Erster Band: Die Evangelien. (Kröners Taschenausgabe Band 120) 434 Seiten. Leinen 3,75 Mark. Alfred Kröner Verlag, Leipzig. — (64) — Zum ersten Male wird hier in einer schönen, knappen, dabei wohlfeilen Ausgabe eine neue Übersetzung mit einem in Fußnoten gebotenen fortlaufenden Kommentar verbunden. Die Erkenntnisse der modernen neutestamentlichen Wissenschaft firrb in ihm und den Einführungen zu jeder Schrift gemeinverständlich zusammengefaßt. Diese Ausgabe wendet sich an Suchende alle Kreise. Sie kann für sich und sie kann neben dem griechischen Text als Uebersetzung und Erläuterung benutzt werden. Sie wendet sich an alle religiös empfindenden Menschen, an alle Geistlichen, Religionslehrek und Theologiestudierenden. Prof D. Michaelis übersetzt aufs genaueste und treffendste, so daß ein ganz neuer Ton und Hauch: der des Urtextes, im Deutschen wiedersteht, ein unvergeßlicher Ton, der den Leser sofort in seinen Bann ziehen muß. Sein Kommentar ist von erstaunlichem Reichtum der Aufschlüsse. Er dient getreulich dem Text, ohne ihn zu überwuchern. Die Einleitungen zu jeder Schrift sind meisterhafte Zusammenfassungen des heutigen Standes neutesta- mentlicher Wissenschaft. — Ein die vortreffliche Ausgabe abschließender zweiter Band soll in kurzem folgen. — Prof. Dr. Rieke: Die Bedeutung der Hautfürdie Gesundheitdes Menschen. 288 Seiten. In Halbleder 2,90 Mark. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2. — (170) — Der Göttinger Universitätslehrer gibt in diesem leichtverständlich geschriebenen Werk einen umfassenden Einblick in die Zusammenhänge von Haut und Organismus. Seine interessanten Ausführungen zeigen die Bedeutung der Haut für den gesamten Organismus des menschlichen Körpers: als lebenerhaltendes Schutzorgan, als lebensspendendes Atmungsorgan, als Leiter des Stoffwechsels, aber auch als Träger und ansteckender Verbreiter vieler oft unheilbarer Krankheiten. Dank der eingehenden Behandlung der wesentlichen Fragen auf dem Gebiet der Haut- und Schönheitspflege wird auch die Frauenwelt diesem Buch ein berechtigtes Interesse entgegenbringen, um so mehr, als es vorwiegend an Hand von Beispielen aus der Praxis heraus den gesamten Fragenkomplex darstellt. — Paul Ernst: Verfall und Neuordnung. Brosch. 2,50, Seinen 3,50 Mark. Albert Längen/Georg Müller, Verlag, München, 1935. — (143) — Paul Ernst geht aus von den ewigen Ausgaben des Menschen und den naturgegebenen Bindungen, denen alles menschliche Leben unterliegt. Sein tiefdringender Blick erkennt die zerstörenden Wirkungen, die die rationalistische Betrachtung des Lebens haben muß, wie die auflösenden Folgen des sittlichen, wirtschaftlichen und politischen Individualismus. Heber den Einzelnen stellt er die Gemeinschaft. Er setzt ein mit einer Neubegründung von Arbeitsrecht und Arbeitsehre, wendet sich im Politischen gegen Parlamentarismus und Demokratie mit ihrer Anonymität der Verantwortung und Bürokratisierung der innerstaatlichen Beziehungen. Dagegen soll das staatliche Leben auf dem Prinzip der Gefolgschaftstreue auf- gebaut werden. Er sucht nach einer „Ordnung, in welcher Mann dem Mann die Treue halten kann. Im Sittlichen weiß er, daß eine Ueberroinbung des bürgerlich pflichigetreuen Lebensgefühls und eine neue heroische Erziehung, die wohl gehorchen, aber auch befehlen und entscheiden lehrt, nötig ist. Paul Ernst weiß aber vor allem, daß die innere und äußere Neuordnung zutiefst auf einen Wandel im Glauben beruhen muß. Hier sah er die Auseinandersetzungen, in denen wir heute stehen, schon vor Jahren voraus. Ab- lieben Bundesbruders leben Gießen. ie Turner schäft Kenntnis zu geben. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. ir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, 393a D Unterfertigte erfüllt hiermit die traurige Pflicht, von dem in Gießen erfolgten Ableben i. 1. L a. B. Karl Frank (aktiv 1924-1926) (W. S. 25/26 XX; S. S. 26 XX ) geziemend Kenntnis zu geben. Die Beerdigung findet in Grünberg am 6 Juli 1935, 15 Uhr statt. Die Landsmannschaft „Chattia* I. A. d. C. Pfeil XXX a. i. Der Naturforscher vereint mit Natur und Technik Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften und ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Herausgeber: Dr. Richard Rein „Der Naturforscher“ ist die allgemeinverständliche, hochwertige naturwissenschaftliche Monatszeitschrift für geistig Anspruchsvolle, die bei hervorragender Ausstattung nicht auf oberflächlichen Aufputz, sondern auf Gehalt eingestellt ist. „Der Naturforscher“ bietet Beiträge in Bild und Wort von angesehenen u.bedeutenden Mitarbeitern aus allenGebieten d. Naturwissenschaft en. Preis: vierteljährlich nur RM. 2.50. — Probehefte und Werbeblätter kostenlos. Zu beziehen durch jede Buchhandlung Hugo Bermühler Verlag • Berlin-Lichterfelde Wohnungswechsel Umzug. Wegzug, Zuzug Personenstands-Veränderungen Haushaliungsgründungen, Todesfälle sowie alle übrigen Aenderungen, die gegenüber den eingeboren Angaben für das Adreßbuch 1935 entstanden sind, bitten wir uns sofort mitzuteilen Oberhessischer Adreßbuchverlag Brühssche Universitats-Buch- und Steindruckerei, Zft. &mge, Gießen, Schulstraße 7/9 — Ruf 2251 Bekanntmachung. Nach der Polizeiverordnung vorn 6. 4.1934, betr. Schädlingsbekämpfung im Obstbau vom 26. 2.1934, sind die Besitzer von Obstbäumen verpflichtet, alle pflanzlichen und tierischen Schädlinge des Obstbaues rechtzeitig mit allen erforderlichen Mitteln zu bekämpfen. Die Blutlaus tritt infolge des heißen Wetters wieder sehr stark auf, es werden die Obst- baumbesitzer hierauf aufmerksam gemacht, ihre Bäume nachzusehen und die Blutlaus mit den bekannten Mitteln zu beseitigen. Die nach der oben- angeführten Polizeioerordnung -gebildete Kommission wird demnächst die Obstbäume daraufhin nachsehen. Der Kommission unter Führung des Stadtobergärtners Lange sind die notwendigen Auskünfte bereitwilligst zu erteilen und das Betreten der Gärten zu gestatten. . Gießen, den 4. Juli 1935. 3933C Bürgermeisterei Gießen: Ritter, Oberbürgermeister. ■■MHH Zauberfürst mmmb BEUACHTN1 der einzig echte Schweizer Ballachini kommt nach Gießen und wird im Caf£ Leib das größte Aufsehen erregen. 02344 Zum ersten Male in Gießen! Vorverk.: Zigarreng. W. Moeser, Seltersw. 38. In neuer Auflage erscheint soeben Kerieniage aus Sylt von Margarete Boie Mit 20 Abbildungen nach Zeichnungen von Helene Darges 62 Seiten. Kartoniert RM. -,90 Ein frohes Ferienbüchlein für alle, die auf der wunderreichen Insel Sylt Er- holung und Freude suchen. Es erzählt von den Schönheiten dieser Insel mit ihren Dünen, ihrem Wattenmeer und ihrer reichen Tier- und Pflanzenwelt. Für die Jugend, die ihre Ferien am Strande der Nordsee verlebt, ist dieses Büchlein ein reizendes Geschenk, ein Führer für alle, die die Naturschuhbestrebungen auf den Nordseeinseln kennenlernen wollen. Durch jede Buchhandlung zu beziehen Hugo Bennühler Verlag Berlin-Lichterselde Bekanntmachung. In den beiden General-Versammlungen vom 26. April 1934 hat die Genossenschaft ihre Auslösung beschlossen. Sämtliche Aktiven und Passiven gehen auf die Bauerl. Bezugs- und Absatzgenossen- schaft über. Die Gläubiger der Unterzeichneten wollen sich während der gesetzlichen Sperrzeit melden. Leihgestern, den 15. Mai 1934. Landw. Konsumverein 2 e. G. m. u. H. in Liauid. Die Liauidatoren: Hetz. Binz. Dern. Krick. Liquidationsbilanz vom 12. Mai 1934 Aktiva. Kassenbestand.. 34.30 Warenbestand.. 857.11 Rückstände.....1164.33 Bankguthaben . 48.00 Darlehn...... 478.00 Inventar...... 35.00 2 616.74 Passiva. lJUt Warenschulden.1323.67 Geschäftsguth. . 265.00 Reservefond ... 900.00 Betriebsrücklage 152.04 Rü ckvergütung . 105.00 2745.71 Verlust........ 128.97 GeschäftSerträgnisse Bruttogewinn.. .647.48 Emballagen......25.40 672.88 Verlust.........128.97 Mitgliederstand 35. Leihgestern, den 15. Mai 1934. Landw. Konsumverein 2 e.G. m. u. H. in Liauid. Hetz. Binz. Dern. Krick. ssrrv Geschäftslasten. Gehälter.......277.50 Sachl. Kosten... .387.67 Emballagen..... 26.68 Rückvergütung . .105.00 Ab schreib ./Jnv... 5.00 801.85 Kodak. Noch etwas mehr als der „S.-G" leistet sein panchromatischer Bruder, der auch für Rot empfindliche „Panatomic": der liefert selbst nachts bei elektrischer Beleuchtung brillante Moment-Aufnahmen. Trotzdem kostet die 6x9-Spule nur 20 Pfennig mehr. Nun, das hängt von Ihrem Film ab: je empfindlicher er ist, umso weniger brauchen Sie sich um die Sonne zu sorgen. Die Photographie kommt ja mehr und mehr dahin, Si^ von der Sonne unabhängig zu machen; deshalb ist für Sie immer gutes Photowetter, wenn Sie einen modernen Film in Ihrer Kamera habenl „S.-G.", der neue hochempfindliche Ortho-Film der „Kodak", enthebt Sie aller Sorgen um Sonne und „Gut Licht": zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter liefert er Ihnen gute Aufnahmen. Manchmal dürfen Sie sogar noch mehr von ihm erwarten: wenn Sie z. B. eine Landschaft oder einen Garten knipsen. Da ist viel Grün vorhanden, und darauf reagiert der „S.-G."-Film besonders stark. Deshalb kommt er in solchen Fällen auch bei ungünstiger Beleuchtung mit sehr kurzen Belichtungszeiten aus. Daneben besitzt der„S.-G."-Film unübertroffen feines Korn, großen Belichtungsspielraum und Schutz gegen Lichthöfe und Schrammen - Dinge, die ihn zusammen mit seinen vielen sonstigen Vorzügen zu einer Spitzenleistung deutscher Photo-Chemie stempeln Und trotzdem kostet die 6x9 - Spule nur eine Mark. ''M K O D AK A. G., B E R LIN SW 68 Nr. <54 Zweites Blatt_______________Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)_______________Freitag, 5.Wi 1935 W . ■ ■. 3um Ausbruch -es Vesuvs. Wie wir gestern „Aus aller Welt" berichten konnten, hat der Vesuv, der schon seit einiger Zeit in Tätigkeit war, in der Nacht zum Mittwoch wieder einen nicht unerheblichen A u s b r u ch gemacht. Durch einen Zufall können wir heute eine aktuelle Ausnahme zu dem interessanten Naturereignis bringen. Amtsgerichtsrat Jockel (Gießen) stellt uns aus einer Serie von Ausnahmen, die er selbst vor kurzem vom Vesuv gemacht hat, das nebenstehende Bild zur Verfügung, das einen plastischen Eindruck vom rauchenden Berggipfel und dem davor liegenden Lavafeld vermittelt. Europas Kampf gegen SasVerbrechertum Unterredungen mit den Polizeiführern Deutschlands und Dänemarks. Von unserem B.-Berichterstatter Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Kopenhagen, im Sommer 1935. Die dänische Hauptstadt ist nicht nur die „Stadt der Radfahrer und des Smörebröd", wie sie im Gedächtnis vieler Touristen lebt. Sie ist vielmehr häufig genug der Treffpunkt europäischer Fachleute auf allen Gebieten des Forschens und Wissens, und daß nach der Kongreßarbeit dann die Schönheit der Umgebung und die Heiterkeit der Bewohner den ausländischen Gästen angenehme Unterhaltung und Entspannung bietet, berührt nicht die Ernsthaftigkeit des eigentlichen Zwecks der Zusammenkunft. Im letzten Monat waren es sogar sehr ernste Männer, die aus aller Herren Länder im lustigen Kopenhagen zusammentrafen: die Meister des Fingerabdrucks, des Kreuzverhörs und der geheimen Recherche. Der Internationale Kriminalpolizeiliche Kongreß war von 22 Ländern beschickt, alle großen Polizeistationen Europas hatten ihre hervorragendsten Vertreter entsandt, und es war anzunehmen, daß sich bei den Besprechungen im schönen „Polizeihof" Kopenhagens ein Material anhäufen würde, von dem alle Kriminalschriftsteller und Kriminalreporler der Welt jahrelang hätten zehren können. Der liebenswürdige Polizeichef Dänemarks, Thune Jacobsen, empfing denn auch die in- und ausländische Presse, um einen Ueber- blick über das Programm zu geben. Thune Jacobsen schilderte in den'verlockendsten Farben alle Genüsse, die den fremden Polizeileuten zugänglich gemacht würden: ein Mittagessen auf diesem und ein Abendessen in jenem Restaurant, eine Autofahrt nach Nordseeland, ein Frühstück im Klampenborg, ein Empfang beim König und dann zur Abwechselung ein kleines Essen beim Justizminister — ehemaliger Journalist, der er ist, wußte er, was die dänische Presse interessiert,' aber schließlich wurde doch gefragt, wie es denn eigentlich mit der Arbeit sei. Die Arbeit? fragte der Polizeichef erstaunt. Ach, das ist nicht weiter interessant, und außerdem sind die Beratungen vertraulich. — So schmackhaft und nett können Absagen serviert werden! Tatsächlich sind über das Ergebnis des außerordentlich wichtigen Kongresses kaum Mitteilungen in die Öffentlichkeit gedrungen. Dagegen hatte der Befehlshaber der deutschen Polizei, Generalleutnant D a l u e g e, der an der Spitze der deutschen Abordnung stand, die Freundlichkeit, Ihrem Berichterstatter grundsätzliche Ausführungen über die internationale Zusammenarbeit der Polizei zu machen. Diese täglich wirksame Zusammenarbeit findet ihren Höhepunkt in den Kongressen der Kriminalpolizeilichen Kommission, in der nur die führenden und sachverständigsten Polizisten jedes Landes vertreten sind. Generalleutnant D a - l u e g e betonte, daß Deutschland ein Förderer des Zieles ist, die Zusammenarbeit der Kriminalpolizei aller Länder Europas zum Segen und Nutzen ihrer Völker nach besten Kräften zu unterstützen. Hier sei eine Möglichkeit gegeben, ein völkerverbindendes Werk zu schaffen, Mittel und Wege zur Bekämpfung des internationalen untMes „nationalgebundenen" Verbrechertums gemeinsam zu finden. Mit Nachdruck wies der Führer der deutschen Polizei darauf hin, daß die Arbeit der internationalen Kommission selbstverständlich völlig unpolitisch sei. Der leiseste Anschlag einer politischen Richtung würde die mühselige Arbeit von Jahren zunichte und die zukünftige Tätigkeit unmöglich machen. Die Bekämpfung der politischen Verbrecher ist Angelegenheit der einzelnen Nationen, da die politischen Verhältnisse in jedem Lande andere Voraussetzungen und Grundlagen haben. Bei der Arbeit der Kommission sind bisher keine Schwierigkeiten durch kriminelle Fälle politischer Art entstanden, schon deswegen nicht, weil die Beratungen sich nicht auf einzelne Fälle beschränken, sich vielmehr in den großen Richtlinien der Verbrecherbekämpfung überhaupt bewegen. Auf eine Frage nach dem Grund für den starken Rückgang der Kriminalität seit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus erklärte Generalleutnant D a l u e g e, daß die Maßnahmen zur Bekämpfung des gewerbsmäßigen Verbrechertums zum Teil deshalb so erfolgreich sein konnten, weil das gesamte deutsche Volk durch die Erziehung des Nationalsozialismus willens war, die Polizei in ihrem Kampf zu unterstützen. Dazu komme, daß mit ganz neuen Mitteln, vor allem auf dem Gebiet der Dorbeugungshaft, dem Verbrechertum ein vernichtender Schlag zuaefügt worden' sei. Durch den persönlichen Meinungsaustausch auf solchen Tagungen und den anknüpfenden Schrift-1 verkehr werden internationale Verbindungen von Dauer hergestellt, die einen erfolgversprechenden Kampf gegen das Verbrechertum sichern. So wie das berufsmäßige Verbrechertum „international lernt", so will die Polizei international die Mittel und Wege finden, den Kampf gegen das Verbrechertum zu führen. Durch neuartige Angriff s m e t h o d e n, die in einem Land erstmalig versucht und oft durch die Zeitungen bekannt werden, lassen sich auch die Verbrecher anderer Länder warnen. Gegen solche Methoden schafft die Polizei bald neuartige Abwehrmittel, die dann durch per- önlichen Meinungsaustausch oder über die Internationale Kriminalpolizeiliche Kommission in Wien so schnell als möglich den anderen Ländern übermittelt werden. Generalleutnant D a l u e g e betonte zum Schluß, daß er mit besonderer Freude nach Dänemark gekommen sei. Der Besuch führender dänischer Polizeibeamter in Deutschland habe zu angenehmen persönlichen Verbindungen geführt, so daß der Wunsch rege wurde, bei einem Gegenbesuch das Land und die mustergültigen Arbeitsstätten der dänischen Polizei kennenzulernen. Nach Abschluß des Kongresses trafen sich die dänischen und deutschen Teilnehmer bei einem Festabend auf der Deutschen Gesandtschaft, der, vom deutschen Gesandten Freiherrn von Richthofen verständnisvoll und zwanglos arrangiert, weiter Gelegenheit zu allgemeinem Gedankenaustausch bot. Der Chef der dänischen Staatspolizei und Polizeidirektor von Kopenhagen, Thune Jacobsen, empfing ihren Berichterstatter zu einer Unterredung, in der er seine Eindrücke über den Verlauf des Polizeikongresses schilderte. Aus dem täglichen Zusammensein mit Vertretern von 22 Nationen ergab sich eine Fülle von Anregungen, und es war interessant zu beobachten, wie sich die Polizeifachleute der verschiedensten Länder und mit den verschiedensten Interessen auf einem gemeinsamen „Kampfplatz" trafen. Der erste und stärkste Eindruck von dem Zusammentreffen der europäischen Polizei* führer war die gute Verträglichkeit der Teilnehmer, die alle den ehrlichen Willen mitbrachten, ohne Rücksicht auf ihre politischen Anschauungen reibungslos zusammenzuarbeiten. Wie die Verhältnisse heute nun einmal in Europa liegen, existieren ja genug Möglichkeiten, die eine Störung der internationalen Polizeiarbeit bringen könnten. Solche Hemmungen waren jedoch nirgends zu spüren, und von allen Seiten bemühte man sich, die vorliegenden Fragen in objektiver Einstellung zu betrachten. Selbstverständlich machten sich auch dabei die speziellen Auffassungen geltend, aber das konnte nur den wertvollen gegenseitigen Austausch von Erfahrungen und Anregungen fördern. Das Zusammenwirken der Polizeibehörden in den nordischen Ländern charakterisierte Polizeidirektor I a c o b s e n mit der Feststellung, daß bei der Verfolgung eines Kriminalfalles automatisch alle Landesgrenzen fallen. Das enge Freundschaftsverhältnis zwischen den nordischen Ländern garantiert jedem ausländischen Verbrecher, daß er genau so „herzlich" und mit offenen Armen von der Polizei empfangen und behandelt wird, als geschähe das im eigenen Lande. Die Einbeziehung des Flugzeuges in die Arbeitsmittel der modernen Polizei haben den Meinungs-, aber auch den Derbre- cheraustausch zwischen Kopenhagen — Stockholm — Oslo noch inniger gestaltet. Bei dieser Situation hat der oberste Befehlshaber der dänischen Polizei, die übrigens seit langer Zeit sehr enge Beziehungen zu der Berliner Polizeizentrale unterhält, mit besonderer Freude auch im großen Kreise der europäischen Polizeileute den Wunsch zur Verwirklichung des Zieles gespürt: internationaler Kampf gegen internationales Verbrechertum. Die Führung des Wareneingangshuches Am 1. Oktober 1935 tritt die im Reichsgesetzblatt veröffentlichte Verordnung vom 20. Juni über die Führung eines Wareneingangsbuchs in Kraft. Diese Verordnung bestimmt in ihrem § 1: Gewerbliche Unternehmer (selbständige Handeloder Gewerbetreibende einschl. der selbständigen Handwerker jeder Art) sind verpflichtet, für steuerliche Zwecke ein Wareneingangsbuch zu führen. Don der Verpflichtung zur Führung eines Waren- eingangsbuchs find befreit: 1. diejenigen gewerblichen Unternehmer, die zur Führung von Handelsbüchern (§ 38, Absatz 1 des Handelsgesetzbuches) verpflichtet sind und solche ordnungsgemäß führen; v 2. diejenigen gewerblichen Unternehmer, die durch eine andere gesetzliche Vorschrift zur Führung von gleichwertigen (dem Wareneinaangsbuch im wesentlichen entsprechenden) Büchern verpflichtet sind und solche ordnungsgemäß führen. In das Wareneingangsbuch sind diejenigen Waren (einschl. der Rohstoffe, Halberzeugnisse, Hilfsstoffe und Zutaten) einzutragen, die der gewerbliche Unternehmer zur gewerblichen Weiterveräußerung oh^r zur gewerblichen Vermittlung erwirbt. Waren, die nach der Art des Betriebs üblicherweise für den Betrieb, und zwar zur gewerblichen Weiterveräußerung, erworben werden, sind auch dann einzutragen, wenn sie für betriebsfremde Zwecke verwendet werden. Die Eintragung in das Wareneingangsbuch ist vorzunehmen, einerlei ob 1. der Lieferer der Waren ein Unternehmer oder ein Nichtunternehmer ist; 2. die Waren unverändert oder nach Bearbeitung oder Verarbeitung weiterveräußert werden; 3. der gewerbliche Unternehmer die Waren entgeltlich ober unentgeltlich auf Ziel, gegen Kaffe, bui'4 Tausch ober auf Gegenrechnung erwirbt; 4. ber gewerbliche Unternehmer Eigentümer ober unmittelbarer Besitzer der Waren wird ober ob er an ben Waren weder Eigentum noch unmittelbaren Besitz erlangt; _____________ 5. der gewerbliche Unternehmer die Waren auf eigene oder auf fremde Rechnung erwirbt. Das Wareneingangsbuch muß über jeden Posten Waren die folgenden Angaben enthalten: 1. fortlaufende Nummer der Eintragung; 2. Tag, an dem der gewerbliche Unternehmer den Warenposten erwirbt (das Eigentum, den unmittelbaren Besitz ober die Derfügungsmacht erlangt); 3. Name (Firma) und Anschrift des Lieferers; 4. Art des Warenpostens (handelsübliche Bezeichnung). Sammelbezeichnung (zum Beispiel: Kolonialwaren, Kurzwaren, Eisenwaren) genügt; 5. Preis des Warenpostens; 6. wenn ein Beleg (z. B. eine Rechnung, eine Quittung, ein Kassenzettel, ein Frachtbrief, ein Lieferschein oder eine Nachnahmekarte) erteilt worden ist: Angabe, wo (zum Beispiel unter welcher Nummer ber Belegsammlung) der Beleg aufbewahrt wird. Die Eintragungen in das Wareneingangsbuch sind laufend, und zwar noch an dem Tage zu machen, an dem der gewerbliche Unternehmer den Warenposten erwirbt (das Eigentum, den unmittelbaren Besitz ober bie Derfügungsmacht erlangt). Gleichzeitig ist auf dem Beleg (wenn ein solcher erteilt worden ist) die fortlaufende Nummer des Wareneingangsbuchs, unter der der Warenposten eingetragen ist, zu vermerken. Der gewerbliche Unternehmer hat die Beträge monatlich und jährlich zusammenzurechnen. Das Wareneingangsbuch und die dazugehörigen Belege müssen zehn Jahre aufbewahrt werden. Das Finanzamt kann für einzelne Fälle Erleichterungen bewilligen. Eine solche Bewilligung kann jederzeit zurückgenommen werden, auch wenn das bei der Bewilligung nicht vorbehalten worden ist. Zuwiderhandlungen gegen die Verordnung sind nach § 413 der Reichsabgabenordnung strafbar, wenn nicht nach anderen Vorschriften (zum Bei- 3tu Grase liegend ... Von Wilhelm Luetjens Sonnenglut und Regenfluten sind über die Gärten hingegangen und haben den Fleiß der Menschenhände mit verschwenderischer Fülle an Blüten und reifenden Früchten gelohnt. Unser kleiner Garten hintsrm Haus, am Rande der Wiesen, steht im dichten Laub der Bäume und Büsche, das alle Wege überhängt und jeden freien Raum gebieterisch für sich beansprucht. Die Erbsen sind an ihren Reiser- spalieren mit heftigem Wachstum zu grünen Wanden emporgerankt und werden bald übervoll hängen von prallen Schoten. Bohnen und Salat prangen mit rauhem und glänzendem Grün in dichten Reihen. Dolle, dunkelrote Erdbeeren leuchten versteckt im Laub, und die Kirschen sind reif. Die Blumen am Haus: lilafarbene Levkojen und bunte Stiefmütterchen, die gelben Blütensterne der Arnika, die stolzen Kelche der Feuerlilien, der wuchernde rote Mohn im barock gezackten Dickicht seiner Blätter, Fingerhut, Zinnien, duftende Heckenrosen und erste Marguen- ten — sie alle überbieten einander in der gesteigerten Entfaltung ihrer farbigen Pracht. Für unsere Hände bleibt nicht mehr viel zu tun. Die Arbeit ist Ernte und frohes Genießen, der Garten ein Paradies im kleinen, in dem es sich heiter leben und träumen läßt. Und doch bin ich ihm heute untreu geworden. Seltsam: durch all die Tage und Wochen vorher, während der es unserer täglichen Mühe bedurft hatte, die Beete zu bestellen und zu pflegen, hatten wir mit keinem Gefallen hinauverlangt aus dem engbegrenzten Bereich. Wohl hatten die Wiesen ringsherum den Blick erfreut, ber flüchtig von der Arbeit sich aufhob. Den grasenden Kühen, die rupfend vor dem Gartenzaun weideten oder träge in der schweren Sonne lagen, den braunen, glänzenden Pferden, die lustig vorübersprangen und für eine Weile mit großen Augen hineinlugten in das umhegte Reich unseres Gartens, waren wir nachbarlich zugetan. Aber kaum jemals hatten wir selber den Fuß in die Weite der blühenden Gräser gesetzt, obwohl doch eine kleine, immer verriegelte Pforte seitlich hinausführt in diese andere Welt. Nur die Kinder, die ja aller Freiheit soviel selbstverständlicher sich zuwenden, hatten hin und wieder ihre selbstvergessenen Spiele, jenseits der Grenze der wohl- aeordneten Beete und Wege getrieben. Nur zwei- oder dreimal, in den duftüberströmten Tagen des Mai, hatten auch wir Großen den Weg durch die Wiesen genommen, um die Pracht der blühenden Weihdornhecken an den Knickrändern näher zu betrachten .. Heute nun, ganz ohne alle vorgefaßte Absicht, liege ich schon den geschlagenen Nachmittag lang hier draußen im Grase, jenseits des (9artens. Wirklich, ich liege im Grase, auf der Wiese, außen vor dem Gartenzaun, in Wind und Sonne und empfinde diesen plötzlichen Wechsel des Domizils wie einen köstlichen Genuß. Ich weiß nicht, wie es kam. War ich des Gartens überdrüssig und seiner gepflegten Ordnung, der Beete in Reih und Glied, der allzu bunten Blumenfülle, überdrüssig des täglichen, gebundenen Gleichmaßes der gewohnten Dinge? Genug, ich weiß es nicht. Ich liege mit einemmal hier draußen und fühle mich unsagbar wohl. Ich erlebe meinen wohlabgegrenzten, engen und täglichen Bereich aus einer anderen Perspektive. Das Haus ist hinter grünen Vorhängen fast verschwunden. Die weiß gekalkte Wand schimmert nur eben zwischen den Stämmen hindurch. Hinter dem dichten Himbeerspalier hantiert meine Frau, mir unsichtbar,, bei den Stachelbeerbüschen und wirft ab und zu ein paar Worte zu mir herüber, zu dem Landstreicher hinter dem Zaun, wie sie mich spöttisch benennt. Aber das kümmert mich nicht. Mir ist alles verzaubert. Das Buch, das ich mir geholt habe, liegt ungelesen neben mir. Ich habe mich lang ausgestreckt und sehe den Wolkenzügen zu, die über den blauen Sommerhimmel gehen. Einige kriechen, geballt und niedrig hängend, mit dunkler Stirn, kaum spürbar vorwärts. Andere, leichtere, gleiten über sie hin und zwischen ihnen hindurch — phantastische Urwelttiere, — ein Dromedar, mit riesigem Halse ins Blaue schnuppernd, langbeinige Flamingos, vom Abendlichte rosig angehaucht —und zerflattern wie Rauch. Alles ist anders. Die bekannte Welt ist mir fremd und neu geworden. Ich habe eine seltsame Reise getan und liege beglückt an verzauberter Küste. Der stammende Mohn am Gartengitter, drei Schritte vor mir entfernt, umsäumt ein fremdes, unbekanntes Paradies, das zu betreten kein Cherub mir ver- wehrt. Aber mich verlangt nicht nach ihm. Ich will hier bleiben. Die hohen Halme umschmeicheln mich und streifen meine Stirn, wenn ein Windstoß sie bewegt. Die Millionen von Halmen sind wie ein Wald um mich her, und die zwei kleinen, spielenden Mädchen, die nun durch ihn auf mich zukommen, sind wie zwei Riesinnen groß. „Du liegst |a hier draußen", sagt die eine, ganx und gar verwundert. Ich nicke nur, und während ich schon wieder entrückt und der Betrachtung hinge- geben, in den Himmel hinaufsehe, kommt sie heimlich von hinten her und kitzelt mir mit einem Grashalm verstohlen die Nase, daß ich hochfahre Lachend trollen die beiden sich davon ... Es ist Abend geworden, und die Sonne ist untergegangen. Der westliche Himmel ist wie ein grüngoldenes Meer, in dem die schattenblauen Aoend- wolken gleich fernen, wunderbaren Inseln mit dunklen Bergwänden und riesigen Urwaldbäumen ins Unendliche verschwimmen. Der Wind streicht kühl durch die Gräser. Ich habe mich ein wenig auf gerichtet und betrachte sie einzeln, bestaune die unendliche Mannigfaltigkeit ihrer Formen. Einige sind feinverzweigt, zarte, gefieberte Bäumchen mit weitausgreifenden Spitzen, in denen es flimmert vom Widerschein des Lichtes. Andere, weniger reich gegliedert, wiegen an ihren Enden runde, walzenförmige Gebilde aus hunderten blühender Staubgefäße; noch andere wieder haben schmiegsame Schäfte, von kurzen Blattansätzen an jedem Knoten rhythmisch gezackt, wie feine Sägenblätter. Und alle schwanken sie hin und her und gegeneinander in ewiger Bewegung, deren verhaltenes Rauschen meine Sinne wie leise Musik umfängt. Die dunklen Gruppen der hohen Distelstauden, etwas weiterhin, starren fremd ins ungewisse, verblassende Licht. ,z Großreinemachen z Dies ist ein Ondra - Lustspiel der Bavaria, eine recht sommerliche Angelegenheit, harmlose Unterhaltung für zwei Stunden, aber ganz luftig ausgedacht und nicht so gewaltsam und überspannt wie mehrere der letzten Filme mit Anny O n d r a. Sie spielt hier die Anführerin einer Reinigungskolonne der Firma „Blitzblank" und findet im Fasching in einer der ihr anvertrauten Wohnungen ein verdächtiges Subjekt, das offenbar soeben eingebrochen hat; sie kann nicht wissen, daß dies ein seriöser und gutbür- gerlicher Herr ist, der von der Dame des Hauses aufgefordert wurde, sie zu einem Lumpenball zu begleiten. Was sich daraus an Mißverständnissen und Überraschungen entwickelt, muß sich jeder selbst ansehen; eine Beschreibung würde zu weit führen. Die kleine O n d r a spielt diesmal recht gemäßigt und beinah mit Gefühl. A 1 bach - Re11y ist ihr ein munterer und eleganter Partner. Unter Karl Lamacs Regie tun sich ferner Ernst D u m ck e, Friedl H a e r I i n, Fritz Dbemar, Heinz S a l f- n e r und Hans Richter hervor. — Dazu bringt das Lichtspielhaus einen Kulturfilm mit Bll- dem aus Birma, zwei Mickymaus-Scherze und die Wochenschau. Zeitschriften. — Das neue „Inselschif f" (16. Jahrgang, 3. Heft, Sommer 1935) wird eingeleitet mit der sommerlich - schwärmerischen „Studentenfahrt" von Eichendorff. Reinhold Schneider entwirft eine Schilderung der guten alten Stadt Quedlinburg, ein Bild deutscher Vergangenheit. Aus einem kommenden Roman von Karl Heinrich Waggerl lesen wir das Kapitel „Heimkehr", von Friedrich Schnack ein .Meines Tropenbild" aus dem Geleitwort zu einem neuen farbigen Insel-Band. Ungemein interessant sind die Aufzeichnungen Goethes aus der Zeit seiner Theaterleitung, wovon hier einige Proben aus dem letzten Bande der Sammlung Kippenberg mitgeteilt werden: Was Goethe da zu einzelnen Inszenierungen bemerkt und notiert hat, ist nicht nur für Theaterleute und Literarhistoriker aufschlußreich und lesenswert. Wir nennen noch eine „Trorede" aus den ergötzlichen plattdeutschen Predigten des Jobst Sackmann, Gedichte von Binding, Otto Freiherrn von Taube und Hans Jochen Kehrl, und etliche schmückende Bildbeigaben. — Ein aufsehenerregendes Selbstzeugnis des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich veröffentlicht Dr. Egon Cäsar (Tonte (Torti in einem mit bisher ebenfalls unbekannten Bildern geschmückten Aufsatz über die Kaiserin Elisabeth und ihren Sohn. Der Beitrag, der geschichtlich wie menschlich gleich wertvoll ist, eröffnet das soeben erschienene Juli- Heft von Delhagen & Älafings Monatsheften. Mit prachtvollen farbigen Bildern geschmückt sind die Beiträge von Prof. Dr. Max Geis- berg über die Wiedertäufer von Münster vor 400 Jahren und von Dr. Franz Dülberg über das Genrebild unserer Zeit. Die deutsche Jagd unter dem neuen Reichsjagdqesetz behandelt ein mit herrlichen und seltenen Naturaufnahmen geschmückter Aufsatz von Hans Stephainsky. Aus der den wenigsten bekannten Geschichte berühmter Sportpreise er- zählt Dr. Max Ostrop allerlei fesselnde Einzelheiten. Höchst unterhaltend und dennoch von wissenschaftlichem Geist erfüllt ist Dr. Heinrich Riedels Betrachtung über Roulette und Roulette-Systeme. Damen wie Herren wird der Kleine Schokoladenführer von Walter Berg Vergnügen machen. Ernste und heitere Novellen von Jakob Schaffner, Karla Höcker und Henner Frisch, der Roman von Florian Seidl und viele anekdotische Beiträge über Familiengeschichten, Aberglauben, indische Frauen, Rundschauen über Bücher, Kunstgewerbe, Theater, Kunstblätter tn vollendeter Wiedergabe machen dieses fröhliche Sommerheft zu einer wahren Augen- und Herzensfreude. spiel nach § 396 oder nach § 402 der Reichsabgabenordnung) eine schwerere Strafe verwirkt ist. Außerdem findet, wenn der Verordnung zumider- aehandelt worden ist, eine Schätzung nach § 217 Der Reichsabgabenordnung statt. Staatssekretär Reinhardt führte auf einer sächwissenschaftlichen Tagung in Dresden hierzu aus: Diese Verordnung enthält nicht eine Soll- Vorschrift, sondern eine Muß-Vorschrift, sie enthält eine Verpflichtung, deren Nicht-Erfüllung unter die Strafvorschrift des § 413 fällt. Wer der in dieser Verordnung vorgeschriebenen Pflicht zur Führung des Wareneinyangsbuchs nicht genügt, wird § 413 gemäß mit einer Ordnung s st rafe bis z u 1 0 000 Mark bestraft. Die Führung des Wareneingangsbuchs in der vorgeschriebenen Weise erfordert keinerlei Buchfüh- rungskenntniffe: denn es wird lediglich verlangt, die Wareneingänge fortlaufend in ein Buch einzutragen. Es werden nicht auch irgendwelche b u ch - technische Dinge, sondern es wird lediglich eine fortlaufende Aufzeichnung der Wareneingänge verlangt. Wirtschaft. Oie Lndustrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 947: Verrechnungszertifikate für die gesamte niederländische Ausfuhr nach Deutschland vorgeschrieben. 948: Bestimmungen über den Transithandel. 949: Bewirtschaftung des deutschen von Frankreich festgesetzten Einfuhrkontingents für genähte Wäschestücke durch deutsche Aus- ftihrstelle. 53630 Genossenschaften in Deutschland. Die Bestandsentwicklung der deutschen Genossenschaften hat eine weitere Zunahme erfahren. Durch einen Reinzuwachs von 46 Genossenschaften steigerte sich der Gesamtbestand aller deutschen Genossenschaften am 1. Juni 1935 auf 53 630. Erwähnenswert ist die stärkere Entwicklung der Lieserungs- genossenschaften. Auch im Mai wurden wieder 26 Genossenschaften, meist Landeslieferungsgenossenschaften der verschiedenen Handwerksarten, errichtet. Insgesamt stellt sich die Zahl der meist landesbezirklichen Lieferungsgenossenschaften in Deutschland am 1. Juni 1935 auf 188. Neue Aufträge für die Gteinindustrie in Gicht. Der Generalinspekteur für das deutsche Straßen- wesen, Dr. Todt, teilte auf einer Tagung der Reichsbetriebsaemeinschaft „Stein und Erde" mit, daß die Abrufe an Pflastersteinen für Reichs- und Landstraßen 1. Ordnung im laufenden Jahre bis Ende Mai 660 000 Tonnen gegenüber einem Gesamtabruf im ganzen Vorjahre von 890 000 Tonnen betrugen. Aus diesem Grunde sei auch in diesem Jahre eine Vermehrung des Auftrages gegenüber dem Vorjahre zu erwarten. Die Auftragserhöhung 1934 gegen 1933 betrug 65 v. H. Außer den z. Z. laufenden Arbeiten ist den Bauverwaltungen ein Betrag von 15 Millionen RM. für zusätzliche Arbeiten zur Verfügung gestellt worden. Die Aufträge hierfür werden in den nächsten Tagen ausgeschrieben werden. * * Die Neue Hessische Beamten-Sterbe- kaffe zu Darmstadt hielt ihre XL Mitgliederversammlung im Bürgerhof zu Mainz ab. Die Versammlung nahm einen würdigen Verlauf, der Geschäftsbericht mit Jahresbericht für das abgelaufene Jahr, Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung würbe einstimmig genehmigt. Aus dem Jahresbericht und Bilanz geht hauptsächlich hervor, daß die Kasse 1456 Mitglieder mit einem Dersicherungskapital von 1 467 777 Mark zählt, die Prämienreserve 460 974 Mark, die Sicheryeitsreserve 100 000 Mark und die Gewinnrücklage, die in 1935 übergeht, 74 918 Mark beträgt. Die für das Jahr 1934 auszuschüt- tende Dividende wurde wie im Vorjahre auf 40 v. H. der Jahresprämie festgesetzt. Der seitherige Vorstand wurde von der Versammlung einstimmig wiedergewählt. * Vorgriffe in der Wollwirtschaft. Durch eine im Reichsanzeiger vom 3. Juli veröffentlichte Anordnung — W 15 — der Ueber- wachungsstelle für Wolle und andere Tierhaare vom 1. Juli 1935 wird der Paragraph 15 der Anordnung — W 14 — vom 15. März 1935 wie folgt geändert: Vorgriffe auf spätere Zeiträume sind ohne besondere Genehmigung nicht gestattet. Ausgenommen hiervon ist der Einkauf deutscher Schurwolle. Bei dieser ist ein Vorgriff auf die für die Zeit vom 1. Oktober 1935 bis 31. März 1936 zu erteilenden Einkaufsgenehmigungen bis aum dreifachen Betrag derjenigen Menge gestattet, die vom Käufer in der Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1934 verarbeitet worden ist. Diese Anordnung tritt am 4. Juli in Kraft. Gleichzeitig tritt Paragraph 15 der Anordnung — W 14 — vom 14. März 1935 außer Kraft. * Neue Preisfestsetzung für Hühnereier. Nachdem die Eierpeise vier Monate hindurch unverändert den niedrigsten Stand des Jahres gehalten haben, setzt nunmehr nach Beendigung der Eierschwemme die alljährlich saisonbedingte Angleichung an die Winterpreise ein. Demgemäß sind bei den soeben erfolgten Preisfestsetzungen die Erzeugermindestpreise sowie die Großhandels- Uebernahmepreise für Hühnereier mit Wirkung vom 4. Juli 1935 an um durchschnittlich einen halben Pfennig je Stück höher notiert worden. Nach Räumung seiner Bestände dürfte auch der Kleinhandel dieser Angleichung folgen. * Chinaauftrag für Henschel & Sohn AG., Kassel. Wie der Fwd. erfährt, hat die Stadtverwaltung Peiping in diesen Tagen der Henschel & Sohn AG., Kassel, einen Auftrag auf vier Dampfstraßenwalzen erteilt. Nhein-Mainische Börse. Alitlagsbörse: Tendenz uneinhelllich. Frankfurt a. M., 4. Juli. Die Börse war bei sehr kleinen Umsätzen Zunächst uneinheitlich und nach den ersten Kursen bröckelte das Niveau allgemein etwas ab. Der Auftragseingang aus der Kundschaft hielt sich in engen Grenzen, wodurch auch die Kulisse in ihrer Unternehmungslust gehemmt wurde. Die Veränderungen hielten sich am Aktienmarkt meist innerhalb eines Prozentes. Am Montanmarkt waren Harpener Bergbau in größeren Beträgen angeboten, so daß der Kurs auf 113,13 (115) nachgab. Die nunmehr veröffentliche Umtauschtransaktion hat in Börsenkreisen etwas verstimmt. Von anderen Bergwerkswerten verloren Klöckner 1 v. H., Rhein. Braunkohlen 0,50 v. H., während im übrigen die ersten Kurse bis 0,65 v. H. höher lagen. Der Chemiemarkt lag geschäftslos, zunächst kamen nur IG.-Farben mit 151,75 (151,65) zur Notiz. Von Elektroaktien lagen Schuckert mit 123,40 (122,25) bemerkenswert fest, auch Mainkraftwerke zogen um 0,75 v. H. an, dagegen waren AEG. angeboten und 0,50 v. H. schwächer, ferner ließen Lahmeyer 0,50 v. H. nach. Zellstoffpapiere kamen gut behauptet zur Notiz. Von Schiffahrtswerten fetzten Hapag 0,40 v. H. und Nordd. Lloyd 0,65 v. H. freundlicher ein, AG. für Verkehrswesen lagen mit 90 v. H. unverändert. Sonst eröffneten Aku 0,75 v. H., Daimler Motoren 0,50 v. H. fester, Reichsbank und Westdeutsche Kaufhof sowie Löwenbräu München lagen behauptet. Der Rentenmarkt war im ganzen still. Weiter lebhaftes Geschäft hatten im Anschluß an die Abendbörse nur zertifizierte Preußen-Bonds, die auf wieder auftretende Umtauschgerüchte auf 66 (65,25) anzogen. Die Altbefitzanleihe ließ auf 112,70 (112,90) nach, im Übrigen lagen die Kurse für Schuldbuchforderungen, Zinsvergütungsfcheine und Kommunal-Umfchuldung unverändert. Erneut fester tendierten Reichsbahn-VA. mit 123,65 (123,50), ferner zogen von Industrie-Obligationen Mittelstahl und Hoesch je 0 50 v. H. an, 6proz. Stahlverein blieben zu 101,75 behauptet. Im Verlaufe war das Geschäft auf allen Marktgebieten sehr klein. Die Kursentwicklung war bei freundlicher Grundstimmung weiterhin uneinheitlich, wobei aber doch meist leichte Befestigungen, insbesondere für Elektro-, Motoren- und Mafchinen- aktien, überwogen. Fest waren Conti Gummi mit 160 (158,50), Metallgesellschaft mit 112,50 (111,75). Montanwerte bröckelten etwas ab, Harpener konnten sich aber leicht erholen auf etwa 114 (113,13). Feinmechanik Setter kamen nach Pause mit 83,25 (l. K. 78,50) zur Notiz. Schwach lagen weiterhin Deutsche Linoleum mit 165 (166,75). Am Rentenmarkt ergaben sich keine Veränderungen von Belang. 6proz. Preußen blieben lebhaft und zogen auf 66,50 an, später gingen sie auf 66,25 zurück. Pfandbriefe waren bei kleiner Nachfrage gut behauptet, dagegen notierten Stadtanleihen bei Veränderungen bis zu 0,50 v. H. uneinheitlich. Der Auslandrentenmarkt lag still. Ungarn Gold notierten geringfügig höher mit 11,55 (11.25). Tagesgeld blieb zu 3 v. H. unverändert. Abendbörse fester. Frankfurt a. M., 4. Juli. Die Abendborse zeigte im Anschluß an den Mittagsschlußverkehr eine weiter befestigte Tendenz. Das Geschäft war etwas lebhafter in Montanwerten, wobei die Aus- fuhrfteigerung und die erhöhte Jnlandbefchäftigung in der Röhrenindustrie etwas Anregung bot. Stahlverein mit 85,75, Mannesmann mit 90.75 und Klöcknerwerke mit 102 bis 102,25 lagen bis zu 1 v. H. hoher, Hoefch Eisen mit 107,25 gewannen 0,40 v. H., dagegen gingen Harpener auf 113,50 (114) zurück. Auf höhere Amsterdamer Meldungen waren außerdem Kunstseide AKU. ziemlich lebhaft mit 66,75 bis 66,50 bis 66,40 bis 66,50 (66,13). Daneben zeigte sich etwas Nachfrage nach JG.-Farben zu 151,75 bis 152 (151,65) und für einige Elektrowerte wie Rheag mit 139 (138,25), RWE. mit 133,25 (133), Lahmeyer mit 133 (132,50) und Siemens mit 180 (179,50). Höher lagen ferner Moenus Maschinen mit 85,75 (85). Auf den übrigen Marktgebieten war das Geschäft bei gut behaupteten Kursen klein. Reichsbank gaben auf 190 (190,50) nach und Conti Gummi waren zu 160 (160) angeboten. Am Einheitsmarkt kamen Der. Ultramarin mit 144 (141,50) und Commerzbank mit 92 (91,75) zur Notiz. Der Rentenmarkt lag sehr still und kursmäßig unverändert. Etwas Interesse erhielt sich für zertif. Preußen zu unv. 66,75 v. H. U. a. notierten: Altbefitz 112,90, Reichsbahn-VA. 123,50, 4proz. Defterr. Gold 33, 4proz. Ungat. Gold 11,50, Commerzbank 92, DD-Bank 93, Reichsbank 190, Buderus 107,75, Harpener 113,50, Klöckner 102 bis 102,25, Mannesmann 90,75, Hoesch 107,25, Rheinstahl 113,50, Stahlver- ein 85,75, AKU. 66,75 bis 66,50 bis 66,40 bis 66,50, BMW. 126,50, Bekula 140,65, Deutsche Erdöl 111,90, Deutsche Linoleum 165 Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 4. Juli. Auftrieb: 39 Rinder (gegen 29 am letzten Donnerstagmarkt), darunter 5 Ochsen, 6 Kühe und 28 Färsen. Zum Schlachthof direkt 2 Ochsen und 1 Kuh. Kälber 786 (769), Schafe 9 (39), Schweine 325 (313). Notiert wurde pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mark: KSl- ber a) 57 bis 60 (am 27. Juni 57 bis 60), b) 50 bis 56 (49 bis 56), c) 40 bis 49 (40 bis 48), d) 30 bis 39 (28 bis 39). Hämmel und Schafe wurden wegen des geringen Auftriebs nicht notiert. Schweine al) 48 bis 50, a2) 48 bis 50, b) 48 bis 51 (47 bis 51), c) 47 bis 51 (47 bis 51), d 44 bis 50 (44 bis 50). Marktverlauf: Kälber, Hämmel und Schafe ruhig, ausverkauft. Schweine rege, ausverkauft. Ueberftanb: 8 Rinder, darunter 2 Kühe und 6 Färsen. Rundfunkprogramm. Samstag, 6. Juli. 6 Uhr: Choral — Morgenspruch. Gymnastik. 6.15: mtlingfs zur Morgenstunde. Nachrichten, ymnastik. 9: Nachrichten. 9.15: Konzert. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Buntes Wochenende. Unterhaltungskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert II. Buntes Wachende. 14: Nachrichten. 14.30: Musikalische Unterhaltung. Zwischen Zwei und Drei. 15: Nachrichten. 15.15: Jugendfunk. 16: Der frohe Samstagnachmittag. 18: Der Stadtschreiber von Burgheim. 18.20: Stegreifsendung. 18.30: Wir schalten ein! Das Mikrophon unterwegs. 18.40: Saar- dienst. 19: Präsentier- und Parademärsche ehemals in Metz garnifonierter deutscher Regimenter. 19.45: Wochenscyau des Zeitfunks. 20: Nachrichten. 20.15: Aus der Stadt der Lieder. Wiener Musik. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk, Sportbericht. 22.30: Tanzmusik zum Wochenende. 24 bis 2: Nachtkonzert. 3m Ried ersteht das erste deutsche Erbhosdorf. Bereits im September Einzug der Hiedbauern. — Mehrere hundert Erbhöfe tverden gebildet. LPD. Bürstadt, 4. Juli. In der Nähe von Bürstadt, nicht weitab von der Straße, die nach der Siegfriedsstadt Lorsch führt, entsteht ein neues Dorf, das erste Erbhofdorf des Dritten Reiches im hessischen Ried auf gewonnenem Neuland. Gewaltig ist das Gesamtarbeitsvorhaben der hessischen Regierung. Das gesamte rNellorations- und Siedlungs- Programm umfaßt 110 000 Hektar. In neun Arbeitsgebiete ist das Land Hessen eingeteilt, in sieben Arbeitsgebieten ist die Bodenverbesserungsarbeit ausgenommen, die rasch vorangeht. Vom ersten Arbeitsgebiet, das den Süden des hessischen Landes umfaßt und etwa begrenzt wird von einer Linie, die von Bensheim über Biblis, den Rhein hinauf bis Lampertheim, dann die Landesgrenze im Süden entlang an die Bergstraße führt und über Heppenheim wieder nach Bensheim, kann berichtet werden, daß die Meliorationsarbeit in diesem Herbst noch vollendet sein wird. Die Durchführung des Programms erfolgt im Rahmen der Feldbereinigung gegen eine siebeneinhalbprozentige Landabgabe seitens der Grundeigentümer. Das aus dem Landabzug sowie aus der Neu- kultivierung gewonnene Land wird auf dem Siedlungswege gegen eyie tragbare Rente in Bauernhand gegeben. Aber auch das bisher unwirtschaftlich genutzte Almenland geht zu etwa 80 v. H. gegen eine Rente in Bauernhand über. Rund 16 000 morgen stehen nunmehr im ersten Arbeitsgebiet zur Reubesiedlung zur Verfügung. Im Jahre 1934 wurde mit den Arbeiten begonnen. Aus dem Lorscher Wald wurden 41 Hektar abgeholzt, gerodet und anschließend bestellt. Schon im Herbst des gleichen Jahres konnten weitere 100 Hektar abgeholzt werden. Dieses Waldgebiet wurde dann im Frühjahr 1935 gerodet, gepflügt und' bestellt. Insgesamt mußten 30 000 Festmeter Holz auf dieser Fläche aufgearbeitet werden. Der Frauenarbeitsdienst — Lager Bürstadt — wurde für diese große Aufgabe mit eingesetzt. Die Mädel halfen zum Teil bei den Rodungsarbeiten, 3um Teil bepflanzten sie die neugewonnene Ackerfläche mit Kartoffeln. Die neugewonnene Fläche aus Waldabtrieb und neugewonnenem Neuland durch Meliorationen gestatten es der hessischen Regierung, auf diesem Boden in der Nähe des Waldrandes ein neues Dorf zu errichten, ohne die im ersten Arbeitsgebiet ansässigen Bauern in ihrer Ackernahrung zu schmälern. Der Planung des neuen Dorfes ging die Siedlungserhebung voraus, die den Zweck hatte, die Aufnahmefähigkeit der alteingesessenen Dauern an landwirtschaftlichem Gelände festzustellen. Dabei wurde ermittelt, daß über die Ausscheidung des Geländes für die neue Ortschaft hinaus genügend Referveland vorhanden ist, um einen möglichen späteren Landbedarf zu befriedigen. 25 neue vauernskellen werden das neue Dorf bilden, jede Stelle zu 30 morgen. Dazu wird das Dorf vier bäuerliche Handwerkerstellen besitzen mit einer Landzulage von je 15 Morgen. Die Wege auf Feld sind auf das Notwendigste beschränkt. Schon sind auf der neuen Dorfgemarfung rund 2000 Ob ft bäume gepflanzt worden. Auch ist für jeden Jungbauern ein Spargel stück von 2900 Quadratmeter Größe angelegt. So wird alles vorbereitet, um dem neuen Erbhofbauern möglichst rasch einen Ertrag aus seinem Hof zu sichern. 350 000 Notstandarbeitertagewerke wurden in den beiden ersten Arbeitsgebieten seit Herbst 1933 geleistet. Hand in Hand aber mit diesen Meliorationsarbeiten ging die Feldbereinigung. So werden in diesem Gebiet außer dem neuen Dorf durch Landzuteitung mehrere hundert Erbhöfe gebildet werden. Darüber hinaus sollen zahlreiche halbbauern durch Landzuleilung die Ackernahrung finden. Außerdem wird es gelingen, den Arbeiter dieses Gebiets wieder restlos bodenständig zu machen, denn allein im ersten Arbeitsgebiet wurden über tausend dort ansässigen Arbeitern bis zu zwei morgen Land zugewiesen, aus denen sie eine zusätzliche Verbesserung ihrer Lebenshaltung ziehen können. Das neue Dorf ist die Krönung einer zweijährigen Arbeit der hessischen Landesregierung. Mit dem Bauen ist symbolhaft am 1. Mai 1935 begonnen worden. Schon im September d. -I. werden die neuen Niedbauern ihren Einzug halten können. Ihnen stellt die hessische Regierung für das laufende Jahr bis zur Ernte 1936, den Erntebedarf zur Verfügung, und zwar aus der Ernte der zwischen- bewirtschafteten Neulandfläche, die die Regierung in eigener Regie durchführt. Der neue Erbhof besteht aus einem freistehenden Wohnhaus, aus Viehstall, Schweinestall und Scheune unter einem Dach. Jeder Bauernhof wird einen Kartoffel- und Getreidesilo mit genügendem Rauminhalt erhalten. Bereits im Herbst des vergangenen Jahres waren 2400 Morgen bereinigt und melioriert worden. Sie konnten schon damals einer Zwischenbewirtschaftung zugeführt werden. Die hessische Landesregierung hat diese gesamte Fläche mit Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, Futterpflanzen, Mais, Speisekartoffeln, Zuckerrüben, Dickwurz, Hanf und Oelfrüchten bestellt. Neben dieser Bestellung führte sie noch großzügige Versuche im Anbau von Gemüse durch. Mit dem Beginn der Zwischenbewirtschaftung erhielt der Frauenarbeitsdienst — Lager Bürstadt — eine weitere wichtige Aufgabe. Ihm oblag die Saatenpflege, die Bewirtschaftung der gartenmäßißg angebauten Gemüse, die Unkrautbekämpfung, die Ernte der Gemüse und Kartoffeln. Sie schufen mit ihrer Arbeit die letzte Voraussetzung dazu, daß der hessischen Landesregierung das große Werk gelingen konnte und daß nun bereits in kurzer Zeit die neuen Erb- Hofbauern einziehen können in ihre neue Riedheimat. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Sronffurt a.M. Berlin Jranffurt a. M. Berlin Devi 3. jun 4. Juli 3.7 47 3 7 117 8’/, 113,13 0 84,4 o 35 35 A.E.G. 0 33 33,25 36,25 °l 41 I 4 91,25 •1 1901 12,75 Die hinter den Papieren die enen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H.. Lombardzinsfuß 5 v. H. 7 7 107,75 111,9 93 93 190 93,5 93,5 190,5 11,4 11,4 11,5 13 32,75 1,75 11,5 11,4 11,5 12,65 0 , 0 12 93,5 93,5 190,13 106 । 111,5 107,75 111,9 175,5 158,5 65,5 119 120 88,75 33 1,75 11,5 11,4 11,5 12,75 11,5 11,4 11,5 12,75 114,5 106,75 161,5 130,5 100,75 89,13 114 106,9 162 131 101,4 90,4 O 0 5 O 106,25 111,5 35,25 33,75 38,4 89,25 115,9 92 47,5 140,5 118,5 133,75 107,13 130 138,25 133 123 179,5 132,9 93 93 190,5 47,75 140,25 118 134 105,5 129,75 132,5 122,25 180 132,5 47,25 140,65 118,5 134,5 106,25 130 139 133,25 123 180 133 113,5 107,25 160 131,5 102,25 90,75 Schluß- furd 47,5 140,13 118,5 134,25 105,75 129,9 135 132,75 122,75 180 132,25 35,13 33 38,25 89,5 115,75 91,75 96 166,75 38,13 90 115,75 91,5 38,25 89,5 115,75 92 115 107 159 131 101,75 89 Gritzner Mainkraftwerke Höchst a.8JL. Süddeutscher Zucker ...... Schlußk. Mittag- börse 4.7- Bekula io Elektt. Lieferungsgesellschaft... - Licht und Kraft .........ey. Felten & Guilleaume o Gesellsch.f.Elcktr. Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Eleltr ß Schuckert LCo. Siemens L Halske. LahmeyerLLo. ., t®. Farben-Jndustrte rfieibeanftalt........ Goldschmidt Rulgerswerke Metallgesellschafi . o . 0 . 0 . 0 ,. 7 . O . 6 , 0 . 0 . 0 19 . 8 4% Oesterretchtsche Golbrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Golbrente ....... 4% Ungarische Slaatsrente v. 1910 4K%> desgl. von 1913 ....... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 N^dadbahn-Anlethe Philipp Holzmann .... Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt.. enmarfl Berlin — Frankfurt a. Al. Hamburg-Amerika-Paket o Hamburg-Slldam. Dampfschiff. o Norddeutscher Lloyd ......... A.G. für Verkehrswesen Akt. .. Berliner Handelsgesellschaft ... Commerz, und Privat-Bank ... Deutsche Bank und Disconto- Datum ....... 8 .......6 O 12 0 94 B! 119,25 41 135 I Marisfelder Bergbau .. Kokswerke ........... Phönix Bergbau...... Rheinitche Braunkohlen Rheinstahl ........... Bereinigte Stahlwerke. Otavi Minen ........ Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln . Kaliwerke Salzdetfurth Schultheis Patzonhoser Aku (Allgemeine Kunstseide) Bemberg Zellstoff Maldhof Zellstoff Aschaffenburg ..... Dessauer GaS Daimler Motoren Deutsche Linoleum......... Orenstein & Koppel Westdeutsche Kaufhof....... Chade Accum ulaioren-Fabrik Conti-Gummi ............ 71 151,65 9 236 0, 106 4 122 4j 111,75 Gesellschaft.. Dresdner Bank Reichsbank ... Buderus o Deutsche SrdlU ........... < Gelsenkirchener o Harpener...................o Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. O Ilse Bergbau ............... g Ilse Bergbau Genüsse 6 Klöcknerwerke ............. Mannesmann-Röhrea ....... O .. O, 17,75 >. 6 127 • 6 124,5 7y3| 186 | Frankfurt a. M Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß- kurs Schlußk. Mittag- börfe Datum 3 7 47 37- 4 7 4% desgl. Serie H ............ 8,3 10,25 6,25 39,9 8,3 10,5 6,1 39,4 12,1 7,9 10,5 6,3 40 12,75 8,2 10,5 6,15 39,4 5% Numan, vereinh. Rente V.1903 4^%Rumän.vereinh.Nentev.i913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 214% Anatolier .............. Schlußkurs Schlußk. Abend- börsc Schlußkurs Schluß!. Mittag- börse Oafum 3 7 47 37 4-7. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 100,65 100,5 100,25 100,25 4% Deutsche Reichsanl. von 1984 97,5 97,5 97,25 97,4 6Yi% Doung-Anleihe von 1980 .. 104 104 103,9 Deutsche Anl.-Ablös..Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 4x/i% Deutsche Retchspostschatzan- 112,9 112,9 112,9 113 Weisungen von 1934, 1....... S% ehem.8% Hess. Bolksstaat 1929 100,15 100,25 100,3 100,3 (rückzahlb. 102%) ........... 97,75 97,75 97,5 97,5 4Vi% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 96,25 96,25 _ 6Vi% ehem. Hess. Landes-Hypo- thekenbank Darmstadt Liaut ... 100,5 100,5 _ 4y«% ehem. 8% Darmst. Komm. LandeSb.Goldschuldverschr. R.6 92,5 92,5 _ Oberhessen Provmz.Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- 127 127 — — leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 115,9 116,25 116,5 116,25 4'/,% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 96,25 96,25 6Vi% ehem. 4>/2% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriese....... 6y,% ehem. 4'/,% Rheinische 100,8 101 — — Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpfe..... 101,5 101,4 101,5 101 4ty% ehem. 8% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 96,75 96,75 96,75 96,75 *¥>% ehem. 7% Pr. LandeSpfand- bnefanst., Gold Komm. Lbl.VI _ Steuergutsch.BerrechnungSk. 35-39 107 107 107 107 Amtliche Geld Dotierung »fiel Amtliche Geld Notierung 2 rief Buenos attei 0,658 0,662 0,658 0,662 Brüssel..... 41,885 41,965 41,885 41,965 Rio de Jan. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3^053 Kopenhagen. 54,50 54,60 54,75 54,85 Danzig..... 46,89 46,99 46,905 47,005 London ..... 12,205 12,235 12,26 12,29 HeliingforS.. 5,38 5,39 5,405 5,415 Paris ...... 16,40 16,44 16,405 16,445 Holland .... 168,76 169,10 168,71 169,05 Italien..... 20,42 20,46 20,42 20,46 Japan ...... 0,717 0,719 0,719 0,721 Jugoslawien 5,649 5,661 5,649 5,661 Oslo..... : 61,35 61,47 61,62 61,74 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49^5 11,15 Lissabon.... 11,075 11,095 11,13 Stockholm... 62,94 63,06 63,22 63,34 81,28 34,10 10,36 Schweiz .... Spanien.... 81,11 34,00 81,27 34,06 81,12 34,04 Prag....... Budapest ... 10,345 10,365 10,34 Neuyork ... 2,472 2,476 Banknoten. 2,480 2,484 117,5 117 126,4 117,75 127,25 229 230 229 113,5 113 113,65 85,75 84,13 85,13 18,4 17,9 18,4 127,5 127,5 127,4 124,25 124,75 124,5 187 186 187 152 151,65 151,65 236 —— —• 106,75 106,25 107 122,75 122 122,5 112,75 111,75 113,25 93,5 93,75 93,9 119,5 135 — 114,75 114,75 66,5 65,4 66,13 120 119,5 119,5 119,75 120,75 120,4 88,4 89,5 88,75 — 142,25 143 96,25. 95,9 96 165 166,5 165 —— 91,4 91,25 36,25 36,5 36,65 —— 295 294,5 176 175 176 160 158,5 160 42 42 92 - 191 191 192 SerilM Jüil Geld ■"23rk( " Amerikanische Roten.............. 2,432 2,452 Belgische Noten.................. 41,72 41,88 Dänische Noten ................. 54,54 54,76 Englische Noten ................. 12,225 12,265 Französische Noten............... 16,355 16,415 Holländische Noten ............... 168,29 168,97 Italienische Noten................ Norwegifche Noten .............. 19,86 19,94 61,41 61,65 Deutsch Oesterreich, i 1OO Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... 63,00 63,26 Schweizer Noten................. 80,89 81,21 Spanische Notes................. Ungarische Hott* •••••••• •••••••• 33^68 33,82 Nr. >54 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Freitag, 5. )uli (9Z5 Vor 20Lahren: Das Ende Oes „8. L. 5". Gießener Erinnerung aus der Kriegszeil.—Oer 1. Offizier des verunglückten Luftschiffs erzählt. Bon Oberstleutnant Friedrich Stahl, Schwerin i.M. Die Führergondel, die mehrmals auf den Boden aufstieß, wurde schwer beschädigt S. L. 5 nach der Katastrophe. (Aufnahmen [51: Stahl.) Bor 20 Jahren, am 5. Juli 1915, erschien das Heeresluftschifi S. L. 5 in den frühen Morgenstun- den über Gießen und gab durch eine abgeworfene Meldung zu erkennen, daß es auf dem Exerzierplatz — dem Trieb — landen müsse. Was war geschehen? S. L. 5, der Anfang Juni 1915 auf der Zweigwerft des Luftschiffbaus Schütte-Lanz in Darmstadt fertiggestellt war, befand sich auf seiner letzten Probefahrt, um dann endgültig in die Front eingestellt zu werden. Das Schiff, das mit 19 Personen, Betriebsstoff für 14 Stunden und 500 Kilogramm Abwurfmunition (durch Wasfer dargestellt) am 4."Juli gegen 23 Uhr in Darmstadt aufgestiegen war, erreichte in langsamem Steigen über Frankfurt a. M., Friedberg, Gießen, Marburg, Kassel am 5. Juli gegen 2 Uhr die Gegend von Carlshafen an der Weser. Hier setzte bei Erreichen einer Höhe von 1700 Meter einer der vier Motoren aus, dessen Schaden jedoch während der Fahrt nicht behoben werden konnte. Da auch ein zweiter Motor von Anfang an ziemlich unregelmäßig lief und die beiden restlichen wegen starker Verölung ihre eigentliche Umdrehungszahl nicht ererichten, entschloß sich der Kommandant zur Umkehr. Es war somit bei dieser Fahrt erwiesen, daß bei den nicht ganz zuverlässigen Maschinen das Schiff zwar mit verminderter Geschwindigkeit fahren konnte, aber durch Ausfall des einen oder anderen Motors soviel an dynamischer Hubkraft einbüßte, daß ein Erreichen einer kriegsmäßigen Höhe von mindestens 2400 Meter Höhe ausgeschlossen war. Es herrschte ein Gegenwind von geringer Starke, der aber stellenweise dem Schiff soviel zu schaffen machte, daß es mit zwei Motoren nur mit 25 Kilometer in der Stunde vorwärts kam. Gegen 5.30 Uhr wurde die Gegend von Kirchhain erreicht und hierauf 400 Meter herunter gegangen, um die in geringerer Höhe vorhandene Windstille zu schnllerem Vorwärtskommen auszunutzen. Nach der in den Morgenstunden durch die Sonne erfolgten Gaserwärmung war das Schiff im Ganzen ausgewogen, hinten aber zu leicht. Der Kommandant — Hauptmann Pochhammer — befahl daher die zum Trimmen mitgenommenen Benzinkanister nach hinten zu bringen. Gleich darauf nahm das Schiff beim Abwärtssteuern plötzlich eine sehr große Schräglage an, die durch Ruderlegen nicht ausgeglichen werden konnte. Durch Abwurf des letzten vorn befindlichen Wasserballastes und Beorderung aller entbehrlichen Personen nach dem Heck wurde diesem Uebelstand begegnet. Gegen 6.30 Uhr wurde in langsamer Fahrt Gießen erreicht, wo das Schiff durch die weiter zunehmende Gastemperatur nicht mehr in geringer Höhe zu halten war, sondern auf seine Prallhöhe von 1600 Meter stieg und von hier aus Gas durch die Ueberdruckoentile abließ. Ich selbst befand mich zu dieser Zeit in meiner Eigenschaft als 1. Offizier auf einem Gang durch das Schiff, als ich hörte, wie hinten und oben es im Schiffsgerippe krachte. Ich meldete dies aus einer seitlichen Maschinengondel dem Kommandanten durch Fernsprecher Gleich darauf waren in der Führergondel starke Rucke zu spüren, wobei sich die vordere Maschinengondel um etwa 20 Meter senkte. Um den großen Druck m den Zellen, der ja schließlich weitere Teile des Schiffsgerippes zu zerbrechen drohte, zu vermeiden, wurde sofort abwärts gesteuert und in langsamer Fahrt mit nur einem Motor der Gießener Exerzierplatz erreicht, wo mit Hilfe der dort übenden zwei Kompanien des Ersatz-Bataillons 116 die Landung erfolgte. Das Wetter war noch günstig, das Schiff lag im Windschatten eines Waldes und wurde dort von einer Kompanie gehalten. Gleichzeitig wurde damit begonnen, die erkannten Bruchstellen des Holzgerippes zu laschen. In den Nachmittagsstunden frischte der Wind auf. Ein Gewitter zog auf. Obwohl die Instandsetzungen am Schiffsgerüst noch nicht beendet waren, wurde S. L. 5 fahrbereit gemacht, um mit verminderter Besatzung jede Zeit aufsteigen zu können, falls die Windverhältnisse ein Halten des Schiffes am Boden nicht mehr zuließen. Es sollte dann m i t dem Wind fahrend Leipzig oder Hannover erreicht werden. Durch die immer häufiger und wilder auftretenden Böen setzte die Führergondel mehrmals hart auf und wurde stark beschädigt. Der nun einsetzende starke Regen belastete das Schiff so rasch, daß es keinen Auftrieb mehr hatte. Ein Aufsteigen war somit unmöglich geworden, so daß die Besatzung das Schiff verließ. Trotzdem die Haltemannschaften vielfach elektrische Schläge erhielten, war die Lage noch keinesfalls kritisch Denn nach Besserung des Wetters hätte das trocken gewordene Schiff mit notdürftig ausgebesserter Führergondel wieder starten können. Da faßte eine von Backbordseite kommende orkanartige Bö^das Schiff breitseits und hob es in die Höhe. Das Schiff riß sich dabei los und trieb über ein Waldstück, um dahinter in einem Wiesengrund wieder aufzusetzen und dabei in drei Aus Oer Provinzialhauptstadt. Der erste Zahn. Weltgeschehn und Menschenwahn kümmert junge Mütter nicht, wenn des Kindes erster Zahn aus der rosa Hülle bricht. Freudig steht der Tanten Schar um das Wunder still vereint. Tiefstes Glück wird offenbar, wenn der erste Zahn erscheint. Was die Zeit auch schafft und bringt, was an Werken neu ersteht, ob ein Land zum Licht sich ringt, ob ein Volk im Kampf vergeht, alles scheint bedeutungslos, wenn das Kindchen strampelnd weint, — Schmerz und Glück sind übergroß, wenn der erste Zahn erscheint. Was vor längst versunknem Jahr schon die Höhlenfrau empfand, wiederholt sich immerdar ewig über Meer und Land. Wenn, der heut'gen Welt entrückt, neu die Menschheit hofft und weint, stehen Mütter still beglückt, wenn der erste Zahn erscheint. Puck. Landschastsbund Volkstum und Heimat. Gau-Singtreffen in Kloster Arnsburg. Am kommenden Sonntag, 7. Juli, findet in unserem Kreis, und zwar in Kloster Arnsburg, das diesjährige Singtreffen der in unserem Bund organisierten Singkreise der Landschaft Rheinfranken- Nassau-Hessen unter Leitung des Gaufachamts- leiters für Volksmusik statt. Das Treffen beginnt am Samstagabend um 20 Uhr mit einer Abend- musik im Kapitelsaal der Klosterruine. Im Mittelpunkt des sonntäglichen Singens und Musizierens steht die entzückende „Serenata im Walde zu singen" von Joh. Abr. P. Schulz für Flöten, Streicher und Chor. Außerdem werden alte deutsche Volkslieder in mehrstimmigem Satz erarbeitet. Alles in Allem wertvollstes deutsches Kulturgut! Für uns in Gießen besteht hiermit also durch die örtliche Nähe des Treffens besondere Gelegenheit, die Volksmusikarbeit, wie sie in den Singkreisen unseres Landschaftsbundes gepflegt wird, kennen zu lernen. Wir wenden uns vor allem an Gießens jüngere Generation, an junge Männer und Frauen, die ein inneres Verhältnis zu unserem echten, unverfälschten deutschen Liedgut haben, und bitten sie, am Gausingtreffen des kommenden Sonntags in Kloster Arnsburg teilzunehmen. Anschließend an das Treffen besteht ja auch die Möglichkeit, durch Mitarbeit im Gießener Singkreis, der hier ja bereits ein Jahr besteht und wöchentlich einmal singt, die begonnene Arbeit fortzusetzen. Wir laden aber auch alle Mitglieder unseres Gießener Kreisrings, vor allem die, die sich dem Gießener Sinqkreis durch den Besuch seines Bachabends besonders verbunden gezeigt haben, recht herzlich ein, am Sonntag nach Arnsburg zu kommen. Das Treffen schließt um 18 Uhr mit einem Schlußsingen im Kapitelsaal. Nähere Auskunft gibt die Ortsringleitung, Weserstraße 4. Kreis-AundfunkberatungSstelleGießen Die öffentliche Rundfunkberatungsstelle der RDR. — Kreisgruppe Gießen — befindet sich ab heute in der Marktlaubenstraße 2. Die Geschäftsstunden sind wie folgt festgelegt: vormittags von 10 bis 11 Uhr, nachmittags von 17 bis 19 Uhr, der technische Leiter ist von 19 bis 20 Uhr zu sprechen Die Sprechstunden des Kreisfunkwartes und des Geschäftsführers sind Dienstags und Freitags von 17 bis 19 Uhr. (Samstags geschloffen.) In der Rundfunkberatungsstelle werden alle den Rundfunk betreffenden Auskünfte kostenlos erteilt. Kostenlose Röhren- und Geräteprüfung. Juden ist das Betreten der Beratungsstelle nicht, erlaubt. Wir weisen nochmals auf die Sonderzüge zur Funkausstellung nach Berlin hin, die am 17. und 18 August gefahren werden. Der Aufenthalt in Berlin dauert 3 bzw. 7 Tage. Fahrtkosten etwa 11 Mark für Hin- und Rückfahrt. Anmeldungen und Auskunft nur beim RDR., Gießen, Marktlaubenstraße 2 (Rundfunkberatungsstelle). Meldungen bis 15. Juli. politische Betätigung und Wehrmacht. Im „Reichsverwaltungsblatt" schreibt der Ministerialrat in der Reichskanzlei von Stutter- heim u. a.: Was die Pflichten und Rechte der Wehrmachtsangehörigen anlangt, so ist zunächst das Verbot politischer Betätigung, das für die Reichswehr im Parteienstaat von Weimar von so ungeheurer Bedeutung gewesen ist, bestehen geblieben. Heute hat es nicht im entferntesten die Wichtigkeit wie früher, ist aber zur Vermeidung politischer Zwistigkeiten, die das kameradschaftliche Verhältnis unter den Wehrmachtsangehörigen trüben könnten, auch jetzt noch am Platze, ebenso wie das Ruhen des Rechtes zum Wählen und zur Teilnahme an Abstimmungen im Reiche Daß fernerhin die Zugehörigkeit zur NSDAP., ihren Gliederungen und angeschlossenen Verbänden für die Dauer des aktiven Wehrdienstes ruht, verhindert, daß ein Wehrmachtsangehöriger einer doppelten Befehls- und Strafgewalt untersteht. Für Wehrmachtsbeamte und Zivilangestellte der Wehrmacht gelten diese Vorschriften nicht, doch kann ihnen der Reichskriegsminister auch diese Per- sonen unterwerfen, wenn militärische Notwendigkeit es erfordert. Gründung einer Ortsgruppe des Aeichsbundes der Körperbehinderten in Giehen. Der Reichsbund der Körperbehinderten (RBK.) e. V. sucht alle Körperbehinderten zu vereinigen, die im Sinne der Krüppelfürsoraegesetzgebung, also von Geburt an oder in jugendlichem Alter durch Krankheit oder Unfall zu einer Behinderung gekommen sind, desgleichen auch solche Erwachsene, die durch einen außerberuflichen Unfall Schaden an ihrem Körper erlitten haben Das Hauptamt für Volkswohlfahrt bei der Reichsleitung der NSDAP, hat den RBK. als allein zuständige Organisation für alle Körperbehinderten erklärt, soweit sie nicht Kriegs- oder Arbeitsopfer find. Es gilt, auch die Kräfte der in dem RBK. Zufammengefchloffenen nutzbringend in die Aufbauarbeit des neuen Staates einzuschalten und somit diesen Kreis in die deutsche Volksgemeinschaft einzubauen. Das völlig zerstörte Heck des Luftschiffes F - ■ < Eine der schwerbeschädigten Motorengondeln. Das Holzgerüst des abgewrackten Luftschiffs EL Teilen zu Bruch zu gehen. Die Führergon- del wurde dabei vollständig zerstört. Damit war das Schiff verloren. Nur einige Teile wie Gondeln, Zellen sowie die Motoren und Instrumente waren wieder zu verwenden. Verletzt wurde niemand. Wenn auch der Totalverlust des Schiffes letzten Endes durch das Unwetter verursacht war, so hatte doch die Fahrt bewiesen, daß Fahrten gegen den Feind von diesem Schiff nicht ausgeführt werden konnten und daß derartige Vorkommnisse in Feindesland den sicheren Verlust des Schiffes einschließlich seiner Besatzung zur Folge gehabt hätten. Den später an die Front kommenden Schütte-Lanz- Luftschiffen waren derartige Fehlschläge nicht beschieden. Sie haben sich über dem Feind genau so bewährt, wie die Luftschiffe der Zeppelinschen Bauart. Amtsgericht Gießen Wegen Kameradendiebstahls wurde der Ehr. L. aus Lich zü einem Monat Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte in schamloser und raffinierter Weise einem Kameraden die Geldbörse gestohlen. Der R. R. aus Eisenach verstand es, sich durch Vorspiegelung seiner Zahlungsfähigkeit hier in Gießen einzumieten und schädigte die Wirtin um einen Betrag in Höhe von 35 Mark. Durch Strafbefehl wurde er zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Dagegen legte der Angeklagte Einspruch ein. In der gestrigen Hauptoerhandlung wurde er unter Einbeziehung weiterer Strafen zu einer Gesamtgefängnisstrafe von elf Monaten verurteilt. Der O. S. aus Watzenborn-Steinberg sprang an der Station Schiffenberg auf einen fahrenden Zug, obwohl ihn die Fahrbeamten gewarnt hatten. Durch Strafbefehl wurde er zu 25 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Einspruch dagegen war ohne Erfolg. Zu drei Wochen Gefängnis wurde der R. aus Gießen wegen Körperverletzung verurteilt. In der gestrigen Hauptverhandlung blieb es bei der erkannten Strafe. Der Angeklagte verkehrte mit der Frau eines anderen. Darüber geriet er mit diesem in Streit und zerschlug ihm das Nasenbein. Kleine Strafkammer Gießen. Der Hermann E u l a u aus Rohrbach sollte sich einem christlichen Landwirt gegenüber des Betrugs schuldig gemacht haben, wurde jedoch vom Amtsgericht Örtenberg freigesprochen. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein In der gestrigen Sitzung mußte die Sache vertagt werden. ■ sReiG l6~ ig ■ W * MU * WWDWHWMG' pK > iSÄ U gestellt. Sportkurse in Lollar. fängerkurse werden Schläger und Bälle vom Sportamt gestellt, für Fortgeschrittene werden Balle und Keating floh voller Angst, ohne jemals zurück- zukehren. Das Gerücht von den Schätzen breitete sich dann immer weiter aus, und große Unternehmungen wurden eingeleitet. Ein Schiffskapitän ging mit einer Bemannung von dreihundert Leuten an Land und suchte mehrere Wochen lang. Ein Deutschen hat etwa dreißig Jahre auf der Insel gelebt, um das Feld systematisch abzusuchen, und wenn er nicht gestorben ist, so sucht er noch heute. 1904 waren zwei große Schatzexpeditionen zur selben Zeit auf der Insel tätig, beide arbeiteten mit großen Dynamitsprengungen, verursachten mächtige Erdrutsche, gerieten miteinander in Streit und segelten schließlich mit leeren Händen ab. Seitdem sind die Schwierigkeiten, die Schätze aufzufinden, nur noch größer geworden. Denn das beständige Durchwühlen des Bodens und die großen Sprengungen haben das Aussehen der ganzen Jnsellandschaft verändert, und selbst mit den besten „Tips" kann man heute nicht mehr die Stelle finden, die auf den alten Karten verzeichnet sind. Nun versucht wieder eins mit allen technischen Neuerungen ausgerüstete englische Expedition ihr Glück. Ein Andenken an Beethoven. Als der berühmte Komponist Liszt einmal beim Fürsten Esterhazy zu Gast geladen war, sagte dieser scherzend zu ihm: „Sie suchen doch immer nach Andenken von Beethoven. Sehen Sie sich mal diesen Lakaien dort an. Der hat ein Andenken von dem großen Meister." Liszt wollte nun um jeden Preis das Andenken sehen. Aber der Fürst sagte, daß dies leider nicht möglich sei und vor allem nicht jetzt, da Damen an der Tafel weilten. Aber damit gab sich Liszt nicht zufrieden, immer wieder drängte er den Fürsten,ihm doch zu verraten, was es mit jenem Andenken des Lakaien für eine Bewandtnis habe Da nahm ihn Fürst Esterhazy beiseite und erzählte ihm folgendes Geschichtchen: Beethoven weilte einmal als Gast beim Vater des Fürsten in Eisenstadt, und dieser lud den Komponisten ein, eine Treibjagd mitzumachen. Bei dieser Gelegenheit habe Beethoven, der ein sehr schlechter Schütze war, einem Treiber eine ganze Ladung Schrotkörner in den rückwärtigen Teil geschossen; dieser Treiber sei der alte Lakei, der also ein unvergeßliches Andenken an den Meister mit sich trage ... Hochscbulnachrichten. Der ao. Professor Dr. Wiethold in Kiel ist zum Ordinarius und zum Direktor des Instituts für gerichtliche und soziale Medizin an der Universität Kiel ernannt worden. Wie schon oben angegeben, laufen in Lollar vorerst folgende Kurse: Ab 5. Juli Fröhliche Gymnastik und Spiele, Freitags von 20.30 bis 21.30 Uhr, Gasthaus zur Linde. Ab 6. Juli Schwimmen, von 16 bis 17.30 Uhr, im Lahnbad. Boxen. Für einen Boxkursus liegen schon Anmeldungen vor, so daß in der nächsten Woche begonnen werden kann. Wer noch teilnehmen will, melde sich baldigst beim Sportamt! Kurse in Großen-Vuseck. Meseck, Heuchelheim und Grohen-Linden. In den vorgenannten Orten werden in nächster Zeit KdF.-Spvrtkurse verschiedener Art eingerichtet. Interessenten erhalten Auskunft bei den zuständigen Orts- oder Betriebswarten „Kraft durch Freude' ober beim Spvrtamt Gießen, Schanzenstraße 18. Vornotizen. — Tageskalender für Freitag: Amt für Valkswohlfahrt, Kreisleitung Gießen, 20.15 Uhr im Cafö Leib Amtswalterappell. — NS.-G. „Kraft durch Freude", 20 bis 21.15 Allgemeine Körperschule im Lyzeum, Dammstraße. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Großreinemachen". — Ga st spiel Otto Gebühr. Am Samstag, 6. Juli, abends 20 Uhr, einmaliges Gastspiel des bekannten und beliebten Bühnen- und Filmkünstlers Otto Gebühr mit seinem Berliner Ensemble in dem Schauspiel „Zwischen Abend und Morgen" von Zdenko von Kraft. Otto Gebühr in der Rolle als Friedrich der Große. Ende 22.15 Uhr. m t — B e l l a ch i n i - G a st s p i e l t n Gießen. Der schweizerische Zauberkünstler Bellachini gibt demnächst im Cafö Leib ein Gastspiel. Der Künstler weilt zum ersten Male in unserer Stadt. Wie aus der heutigen Anzeige hervorgeht, sind Karten bereits im Vorverkauf zu haben.* ** Sterbe fälle vom 16. bis 3 0. Juni: In' der Zeit vom 16. bis 30. Juni verstarben in unserer Stadt: 16. Wilhelm Semmler, Kaufmann, 78 Jahre, Seltersweg 21; 18. Katharine Stroh, geb. Klos, Wwe., 75 Jahre, Schulstr. 4; 20. Louis Löb, Rentner, 78 Jahre, Steinstrahe 53; 21. Hein- lOOSoüre deutsche Eisenbahn auf neuen Briefmarken. Die Reichspost hat vier Gedenkmarken zur 100 ° Jahrfeier der deutschen Eisenbahnen, die am 17. Juli in Nürnberg beginnt, aufgelegt. Die Schaubiloer der neuen Postwertzeichen zeigen die Entwicklung der Eisenbahntechnik in vier markanten Etappen, von der ersten Lokomotive „Der Adler" bis zur neuesten Stromlinienlokomotive. (Scherl-M) A r b e i t s - ten zeiten an Für Frauen und Männer gemeinsam. Für Anfänger, Eintritt nur bei Kursusbeginn möglich. Ab 1. Juli Montags, von 18 bis 19 Uhr; ab 1. Juli Montags, von 19 bis 20 Uhr; ab 2 Juli Dienstags, von 6.30 bis 7.30 Uhr (Tennisplätze am Schützenhaus). Für Fortgeschrittene (Uebungsstunde ohne Lehrer) Eintritt jederzeit möglich Nach Vereinbarung. Städtische Tennisplätze am Schützenhaus. Zu den Tenniskursen ist ebenfalls baldige schriftliche Anmeldung mit Angabe der gewünschten Uebungs- das Sportamt erforderlich Für die An- Arbeitsgemeinschaft Gießen des Reichsbundes der Körperbehinderten. Versammlung des Sparerbundes Gießen. Gchahinseln Die Suche nach Schätzen auf verlaßenen Inseln, aus denen in vergangenen Zeiten Seeräuber aehaust haben, will noch immer nicht aufhören, und erst in letzter Zeit sind wieder einige Expeditionen au - gebrochen. Die Galapagos-Jnseln, die Tortugas, die Drake-Insel, die Insel Hispaniola sind einige solcher Eilande, mit denen die Schatzromantik eng verknüpft ist; die berühmteste unter allen aber ist die Kokos- Jnsel, die in den letzten Jahrzehnten von den Schatzsuchern um und um gewühlt worden ist. Fast jedes Jahr zieht eine Expedition Lahin aus, mit Karten und Schaufeln und Dynamit bewaffnet, und hofft, den ungezählten Millionen auf die Spur zu kommen, die hier vergraben sein sollen. Aber noch keiner hat etwas zurückgebracht, und der Glückspilz muß noch geboren werden, dem die Hebung dieser Reichtümer gelingen soll. Vielleicht zieht die Kokos-Jnsel deshalb die Gemüter so zauberhaft an, weil die Ueberliefe- rung von vergrabenen Schätzen verhältnismäßig jung ist und noch kaum hundert Jahre zurückliegt. Man weiß, daß hier der berühmte Seeräuber Edward Davis seinen Ankerplatz hatte und seine Schätze anhäufte. Das erste Mal kam er nach der Kokos-Jnsel, nachdem er die Stadt Guayaquil überfallen und Gold und Juwelen im Werte von dreißig Millionen auf seine Schiffe geladen hatte. Als er die Insel bann ließ, waren die Fahrzeuge leer. Auch noch später hat Davis hier Schätze aufgespeichert. Es ist aber sehr zweifelhaft, ob diese Reichtümer auf der Insel geblieben sind, denn Davis hat später ein geruhiges ßeben als großer Landbesitzer geführt und sich wahrscheinlich seine Schätze abgeholt. Um 1818 hauste aber auf der Insel ein anderer erfolgreicher Seeräuber, Benito Bonito. Die Ueberlieferung berichtet, daß er auf der Kokos-Jnsel alle seine Kostbarkeiten vergrub, darunter vierzig Millionen in Edelsteinen und Goldbarren, die seinem Helfershelfer, dem Kapitän Thompson, von dem Magistrat von Lima anvertraut worden waren, als die Stadt durch einen Ueberfall Bonitos bedroht war. Thompson aber vereinigte sich mit dem Seeräuber, und bald danach erlitt dieser Schiffbruch, wobei er und seine ganze Mannschaft mit Ausnahme Thorn psons zugrunde gingen. Als dieser sechsundzwanzig Jahre später auf dem Totenbette lag, vertraute er einem Mann namens Keating sein Geheimnis an und gab ihm eine Karte, auf der die drei Stellen angegeben waren, an denen Bonitos Schätze vergraben waren. Don dieser Zeit an beginnt die Schatzjagd auf der Kokos-Jnsel. Keating segelte sofort hin und soll einen Schatz gefunden haben, aber seine Mannschaft meuterte, setzte sich in den Besitz der Reichtümer, In d-r biefer Tag- im .,H-sftIch-n M °bg-' haltenen Monatsversammlung sprach nach irross- nungsworten des Versammlungsleiters H. Lorenz der Ortsgruppenleiter des Sparerbundev, Ortsgruppe Wetzlar, M. Witt, über das Thema. „Elf Jahre erfolgreiche Sparerbundsarbeit und unsere Aufgaben der Zukunft". Der ,*^^nerererin: crte zunächst daran, daß sich in den nächsten Tarn zum zehnten Male der Tag jähre, an bem bi Deutsche Reichstag in Verblendung und Eifersucht feiner Jnteressentengruppen durch Annahme der log. Aufwertungsgesetze das Verbrechen der Inflation gesetzlich sanktionierte und dem deutschen Recht, der wirtschaftlichen und öffentlichen Moral sowie der deutschen Volkswirtschaft einen Schaden zufügte, den erst lange Jahrzehnte wieder gutzumachen imstande sein würden. Der Grundsatz der Sparer fei von jeher „Treu und Glauben" gewesen. Der Redner gedachte besonders der Verdienste des verewigten Ehrenvorsitzenden Grafen P o f a b o ro | E p sowie des Oberlandsgerichtspräsidenten Dr. B e ft und behandelte eingehend den ununterbrochenen Lauf der Arbeit des Sparerbundes während der elf letzten Jahre. Die vielen von dem Redner auf- gezählten Einzelerfolge bewiesen, daß die Arbeit des Sparerbundes nicht erfolglos gewesen sei. In Unterstützung der Absichten der Regierung, für Recht und Gerechtigkeit einzutreten, werde man weiter für den Schutz und die Rechte der deutschen Sparer kämpfen und damit für das ganze deutsche Volk. Den beifällig aufgenommenen Ausführungen schloß sich eine Aussprache an, wobei u. a. die Notwendigkeit der Wiedererlangung der früheren deutschen Kolonien zur völligen Wiedergesundung der deutschen Wirtschaft zum Ausdruck kam. Der'Sparerbund, bei** im Laufe des letzten Jahres durch Besuch verschiedener kolonialer Veranstaltun- gen und Abhaltung eigener kolonialer Abende der Kolonialfrage weitgehendstes Verständnis zeigte, werde in naher Zukunft durch engere Zusammen- arbeit mit der Vereinigung für Koloniale Wieder- geroinnung den kolonialen Gedanken zu fördern versuchen. Nachdem der Ortsgruppenführer H. Lorenz noch einen eingehenden Bericht über die eindrucksvolle öffentliche Sparerkundgebung am vergangenen Samstag in Frankfurt a. M. erstattet hatte, wurde die Versammlung in der üblichen Weise geschlossen. Sonntagsrückfahrkarten zum Reichskriegertag in Kassel. Zum Reichskriegertag in Kassel, der am morgigen Samstag und am Sonntag in Kassel stattfindet, gibt die Reichsbahn von allen Bahnhöfen in einem Umkreis von 250 km um Kassel Sonntagsrückfahrkarten aus. Die Karten gelten zur Hinfahrt vorn 5. Juli, 0 Uhr, bis 7. Juli, 24 Uhr, zur Rückfahrt vorn 6. Juli, 12 Uhr, bis 9. Juli, 24 Uhr. Bis zu letzterem Zett- punkt muß die Rückfahrt beendet fein. Schädlingsbekämpfung im Obstbau In einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil weift die Bürgermeisterei Gießen darauf hin, In Zusammenarbeit mit dem Rassenpolitischen Amt der NSDAP, wird klar herausgestellt, daß Körperbehinderte nicht minderwertige, sondern vom Schicksal zwar Betroffene, aber trotzdem wertvolle Volksgenossen sind Die Aufgabe der örtlichen Gliederungen des Bundes ist es, allbrengste Zusammenarbeit mit den Parteidienst- und Behörden- stellen herbeizuführen, um nach besten Kräften Die sozialen und wirtschaftlichen Belange des einzelnen Körperbehinderten zu vertreten. Nachdem vor einiger Zeit eine A r v etts- gemeinschast des RBK. in-.Gießen ins Leben gerufen worden ist, haben sich tiefer inzwischen so viele Körperbehinderte angeschlosfen, daß jetzt zur Gründung einer Ortsgruppe geschritten werben kann. Alle Körperbehinderten, einerlei ob sie dem Bund schon angehören oder nicht werden zu der am Samstag im Hotel Hopfeld stattfindenden Gründungsoersammlung der Ortsgruppe Gießen des RBK. eingeladen. Kleine Geschichten aus Holland. Das Kindermädchen mit der guten Aussprache. Eines unerwarteten Glücks kann sich ein holländisches Kindermädchen rühmen, das stellungslos war und sich durch ein Haager Stellenvermittlungsamt um Arbeit beworben hatte. Sie wurde durch diese Vermittlungsstelle mit einigen anderen stellungsuchenden Mädchen eines Tages zu einer Dame aus Belgien geschickt, die vor allem auf eine gute Aussprache des Holländischen Wert legte. Das stellungslose Mädchen genügte dieser Bedingung, und so wurde sie veranlaßt, nach Brüssel zu kommen, wo über die Bewerbung entschieden werden sollte. In Brüssel wurde das Mädchen mit einer andern Dame bekannt gemacht, die sie denn auch für die Wartung ihrer beiden Kinder in Dienst nahm. Diese Dame, die der Bewerberin vollkommen unbekannt war, entpuppte sich zur Ueberraschung der jungen Hol- länberin als Königin Astrid von Belgien, deren Kinder diesen Sommer in dem holländischen Badeort Noordwijk aan Zee verbringen werden, um bei dieser Gelegenheit einwandfrei holländisch zu lernen. Wo bleibt die Anschovis? Es ist jetzt die Zeit, wo sich früher in der riesigen Meeresbucht der Zuidersee die Anschovis melden. Die Anschovis kam aus den Tiefen des Atlantischen Ozeans, um in den holländischen Küsteneinschnitten nach Laichplätzen zu suchen. Bei dieser Gelegenheit wurde sie dann gefangen, in solchen Unmengen gefangen, daß die Bevölkerung der kleinen holländischen Schifferorte von dem Erlös ein ganzes Jahr leben konnte. Seit fünf Jahren ist vor die Zuidersee gegen die Nordsee hin der Abschluhdeich gelegt, so daß die Fische nicht mehr in die Bucht hinein können. Sie sind infolgedessen zwar nickt ausgeblieben, doch seit fünf Jahren in lange nicht so großen Mengen mehr erschienen wie früher. Die Laichplätze liegen jetzt in der Waddensee der Friesischen Inseln. Die Fischer sind über den geringer werdenden Zuzug nicht einmal unglücklich. Denn seit fünf Jahren hat sich ja auch wirtschaftlich das Blatt gewendet. Die Anschovis ist unverkäuflich geworden, die ausländischen Abnehmer haben sich von der Ware zurückgezogen. Dom Fang der vorigen Jahre sind in Amsterdam noch immer ungeheure Mengen unverkaufter Ware aufgestapelt. Erst wenn die Vorräte verbraucht sind, kann wieder von einer gebührlichen Preisfestsetzung die Rede sein. Gesetzt also, die Anschovis würde vor der holländischen Küste so massen» daß nach der Polizeiverordnung vom 6. April 1934 die Besitzer von Obstbäumen zur Schädlingsbekämpfung im Obstbau verpflichtet sind. Alle pflanzlichen und tierischen Schädlinge des Obstbaues sind rechtzeitig mit allen erforderlichen Mitteln zu bekämpfen. Auf die Bekanntmachung sei besonders aufmerksam gemacht. Fröhliche Gymnastik und Spiele. Nur für Frauen. Eintritt jederzeit möglich. Ab 4. 7. Donnerstags, von 20—21 Uhr, für Jüngere, Lyzeum, Dammstraße; ab 4. 7. Donnerstags, von 21—22 Uhr, für Aeltere, Lyzeum, Dammstraße; ab 5. 7. Freitags, von 20,30—21,30 Uhr, Lollar, Gast- Haus zur Linde. Reichssporlabzeichen. Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt nur bei Kursusbeginn möglich. Ab 4. 7. Donnerstags, von 18.30—20.30 Uhr, Universitätssportplatz (Kugelberg). Helten. Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt nur bei Kursusbeginn möglich. Ab 8. 7. Montags, von 21—22 Uhr jeweils Reitschule Schömbs, Brandplatz; ab 2. 7 Dienstags, von 21—22 Uhr; ab 10. 7. Mittwochs, von 20—21 Uhr; ab 5. 7. Freitags, von 20—21 Uhr. Zu diesen Kursen werden noch Anmeldungen, schriftlich mit Angabe der gewünschten Uebungs- zeiten, entgegengenommen. Weitere Kurse für Reiten können nach Bedarf als Frühkurse von 6.30 bis 7.30 Uhr und als Abendkurse von 21—22 Uhr eingerichtet werden. Auch hierzu ist baldige schriftliche Anmeldung an das Sportamt erforderlich. Leichtathletik. Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt jederzeit möglich. Ab 6. 7. Samstags, von 17—19 Uhr, Universitätssportplatz (Kugelberg). Schwimmen. Für Frauen und Männer gemeinsam. Ab 3. Juli Mittwochs, von 20 bis 21 Uhr, im Volksbad; ab 3. Juli Mittwochs, von 21 bis 22 Uhr. im Volksbad; ab 1. Juli Montags, von 18 bis 19.30 Uhr, Badeanstalt des Männerbadevereins; ab 6. Juli Samstags, von 16 bis 17.30 Uhr, Lollar, Lahnbadeanstalt. Tennis. Gastspiel des Schumann-Theaters im Stadttheater. Am Donnerstag, 11. Juli, gastiert das von (einer letzten Tournee in bester Erinnerung stehende Schumanntheater aus Frankfurt a. M. mit voll- kommen neuem und großem Varietöprogramm im Gießener Stadttheater. Die Preise der Plätze sind ehr niedrig gehalten, so daß es jedem Volksgenos- en möglich fein wird, diese Vorstellung zu besuchen. Preise der Plätze sind: 0,60, 1,— 1,30 und 1,50 Reichsmark Karten sind u. a. zu haben im Vor- verkauf im Mufikhaus C Haiti er, Schokoladen- Haus H u n t e m a n n , auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, bei Ortswart Pg. Fritz Richter, Feuerbachstraße 10, und bei sämtlichen Be- triebsroarten der NS -Gemeinschaft ..Kraft durch Freude" Sendet Bilder und Berichte von „kraft-durch-Frende-Fahrten". Alle Volksgenossen, die schon an einer Fahrt „Kraft durch Freude" teilgenommen haben und bet dieser Gelegenheit die Schönheit der Landschaft mit ihrem Photoapparat festhielten, bitten wir, solche Bilder für uns zur Verfügug zu stellen. Wir wollen aus dem besten Bildmaterial Diapositive Herstellen, um im Winter allen, die noch keine Gelegenheit hatten, an einer „Kraft-durch-Freude"°Fahrt teilzunehmen, zu zeigen, daß diese Fahrten eine wirklich gute und billige Erholung bedeuten. Es werden auch Stimmungsberichte und Berichte über fröhliche Ereignisse entgegengenommen Unterstütze auch du die NS. Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und du hilfst mit am Aufbauwerk des Führers Geschäftsstelle der NS. Gemeinschaft „Kraft durch Freude- Gießen. Schanzenstraße 18. Hheinfahrt am 14. 3ulL Der für den 23. Juni geplante Sonderzug an den Rhein ist, wie schon bekannt, auf den 14. Juli verlegt worden. Die Fahrt mit bem Schiff geht nun, wie ursprünglich vorgesehen, nach Bingen. Es können sich noch einige Volksgenossen melden Sonderzug an den Mrburgring. Am 28. Juli findet auf dem Nürburgring das Entscheidungsrennen um den großen Preis von Deutschland statt. Die NS. - Gemeinschaft „Kraft durch Freude" beabsichtigt, einen Sonderzug taufen zu lassen. Die Fahrtkosten einschl. Eintrittspreis betragen nur 5 Mark. Wir bitten die Kameraden, sich umgehend bei den KdF.-Warten zu melden, da- mit wir einen Ueberblicf bekommen. Sportkurse des Sportamts Gießen „Kraft durch Freude". Mit dem 1. Juli fetzt das neue Vierteljahres- Programm des Sportamts „Kraft durch Freude'^ ein. Kurse aller Art geben allen Volksgenossen die Möglichkeit, billig und bequem unter Anlei- hing von geprüften Lehrkräften Leibesübung zu treiben Niemand ist zu alt oder zu ungelenk zu den KdF.-Sportkursen! Die Gebühren für die Kurse sind so niedrig gehalten, daß ein Jeder daran teilnehmen kann. Auskunft aller Art erteilt das Sportamt Gießen, Schanzenstraße 18, Tel. 2919. Sprechstunden täglich von 8—13 Uhr. Bisher hat das Sportamt Gießen folgende Kurse aufgestellt: Allgemeine Körperschule. Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt jederzeit möglich. Ab 2. 7. Dienstags von 19—21 Uhr, Universitätssportplatz (Kugelberg); ab 4. 7. Donnerstags von 16—18 Uhr, Universitätssport, platz (Kugelberg); ab 5. 7. Freitags, von 20—21,15 Uhr, Lyzeum, Dammstraße.. haft wie früher erscheinen: die Fischer werden, um die Unkosten zu sparen, sich dieses Jahr nur ver- einzelt der Mühe unterziehen, zum Fang auszufahren. Fliegende Holländer. Viele Holländer der wohlhabenden Kreise haben begonnen, eine nomadenhafte Existenz zu führen. Dies hat feinen Anfang vor einigen Jahren genommen, als die geldbedürftige Staatskasse zu einer allgemeinen Erhöhung der Vermögenssteuer überging. Es war das Zeichen für viele, ihren Wohnsitz in Holland aufzugeben und nach Belgien, Frankreich, Italien zu verziehen. Auch hier freilich läßt man sich nicht dauernd nieder. Man bleibt immer so lange im Lande, als dies, ohne Steuern ent- richten zu müssen, gestattet ist. Dann zieht man weiter, und es befindet sich gegenwärtig eine recht erhebliche Anzahl begüterter Holländer dauernd unterwegs. Wie es heißt, sucht Frankreich, das die fliegenden Holländer mit Vorliebe aufsuchen, nach Mitteln, um diese zeitweilig im Lande an- ässigen Fremden auch steuerlich zu erfassen. Der ranzösische Finanzminister hat vorm Finanzaus- chuß der Kammer unlängst dahingehende Vorschläge gemacht und zugleich mitgeteilt, daß Frankreich in der Sache Hand in Hand mit Italien arbeiten wolle. Vermutlich werden die vor der Steuer fliehenden Holländer nunmehr die Länder des nahen Orients bevorzugen. Das Pech der Schönheitskönigin. In Holland ist auch in diesem Jahre wieder eine Schönheitskönigin gewählt worden, die das Land auf einer Zusammenkunft internationaler Schönheiten in Paris vertreten fall. Der auswählenden Jury und der von ihr erwählten jungen Dame ist jedoch bas Pech zugeftoßen, daß die Wahl im Lande keineswegs gebilligt wird. Man findet die Ausgewählte alles andere denn vorbildlich, und die Zeitungen scheuen sich nicht, das abweisende Urteil unter Beigabe einer Photographie der Dame zu begründen. Die Wahl sei offenkundiger Fehlgriff, und dies giebt nun den Zeitungen Veranlassung, aegen den Unfug der Schönheitskonkurrenzen überhaupt Einspruch zu erheben. Holland kommt damit zwar ein wenig spät, denn in anderen Ländern hat man sich ja vom Rummel dieser Wettbewerbe längst ab- gewandt. Immerhin verdient es Beachtung, daß es bei den Holländern die Furcht ist, in Paris durch eine zweifelhafte Frauenschönheit vertreten zu werden, was sie veranlaßt, von diesen Konkurrenzen in Zukunft lieber überhaupt Abstand nehmen zu wollen. H. Die deutsche Rrbcitöfront n.9.=Gemeinf(haft „Kraft durch kreudc wird. Eier bleiben jedoch auch bei der schlechtesten Behandlung äußerlich unverändert. Noch schlimmer ist es, wenn man die genauestens auf Frische sortierten und auf schnellstem Wege in die Stadt gebrachten Eier in offenen Kisten in praller Sonne wie Kartoffeln vor dem Laden stehen sieht. Vielfach liegen sie im Schaufenster, der Wärme und Sonne ausgesetzt. Aus dem Aufbau des Schaufensters kann man ersehen, daß die Eier nur in Abständen von mehreren Wochen ausgewechselt werden, wenn das Schaufenster neu eingeräumt wird. Die Hausfrau, die Wert auf frische Eier legt, wird daher gerade jetzt im Hochsommer nur in solchen Geschäften kaufen, in denen die Eier pfleglich behandelt und kühl aufbewahrt werden. Große Strafkammer Gießen. Vor der Kammer hatte sich gestern der im Jahre 1902 au Kassel geborene E. R. und die 1902 zu Frankfurt a. M. geborene A. Kl. wegen B e - trugs und Unterschlagung zu verantworten. R., der nicht weniger als 21mal, darunter mehrfach wegen Betrugs vorbestraft ist, befand sich in Preungesheim zur Strafverbüßung. Während eines ihm gewährten Urlaubs lernte er die Kl. kennen, beide verlobten sich und R. faßte den Entschluß, nicht wieder in die Strafhaft zurückzukehren. R., der als Orthopäde tätig war, reiste nun mit seiner Braut umher, fertigte Schuheinlagen an und hielt für Fußkranke Sprechstunden ab. Inzwischen kam er nach Friedberg und fand in einer Schuheinlagenfabrik Stellung. Beide Angeklagten wohnten iedoch in Nauheim. Ende November 1933 entschloß er sich, sich selbständig zu machen. Zu diesem Zweck ging er seinen Wirt wegen eines höheren Darlehens an, verschwieg ihm jedoch, daß ein Steckbrief wegen seiner Flucht aus der Strafhaft gegen ihn läuft. Der Zeuge, der in das neugegründete Geschäft „Diktator Fußpflege" als Teilhaber ausgenommen werden sollte, erklärte sich auch zu wiederholter Hingabe von Darlehen bereit. Auf dieselbe Weise brachten es die Angeklagten fertig, sich einen größeren Geldbetrag von einem Gutsverwalter zu erschwindeln. Zur Einrichtung des Geschäfts kauften sie außerdem einen Schreibtisch, eine Schreibmaschine, Bretter und Stäbe, Wäsche, Gelenkstützen, ließen Flugblätter anfertigen, indem sie tetlroei|e nichts ober nur einen geringen Betrag anzahlten. Als ihnen in Bad-Nauheim der Boden zu heiß wurde, flohen sie, ohne ihre Schulden zu begleichen unter Mitnahme verschiedener Gegenstände nach Hamburg. Von dort begaben sich die Angeklagten wieder nach Mitteldeutschland, schädigten in Kirchheim (Teck), Hof (Saale), Dresden, Erfurt und Pforzheim eine ganze Anzahl Firmen auf ähnliche Weise. In einem Fall wurde R. als Reisender angestellt, ließ sich von der Firma eine Netzkarte beschaffen und benutzte diese jedoch nie zu geschäftlichen Zwecken. In zwei weiteren Fällen versetzten die Angeklagten die ihnen zur Verfügung gestellten Musterkoffer oder verkauften dieselben. In der gestrigen Hauptverhandlung bestritten die Angeklagten im wesentlichen, sich strafbar gemacht zu haben, konnten jedoch durch die ausgedehnte Beweisaufnahme überführt werden. Nach einstündiger Beratung verurteilte das Gericht den Angeklagten R. wegen Betrugs im Rückfall zu einer Zuchthausstrafe von 3 Jahren und einem Monat, 600 RM. Geldstrafe und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Anordnung der Sicherungsverwahrung wurde abgelehnt. Die Angeklagte Kl. kam in Anbetracht ihrer Unbestraftheit und Jugend mit 6 Monaten Gefängnis davon unter Anrechnung dreier Monate erlittener Untersuchungshaft. Der Haftbefehl gegen sie wurde aufgehoben. Dem Angeklagten R. wollte das Gericht noch einmal Gelegenheit geben, auf andere Bahnen zu kommen und sah deshalb von Sicherungsverwahrung ab. Oberheffen. Landkreis Gießen. £ Wies eck, ö. Juli. Der Gesangverein Sängervereinigung 1925 Wieseck feiert am Samstag, 6., und Sonntag, 7. Juli, das Fest seines 10jährigen Bestehens. In der Sängervereinigung fanden sich vor zehn Jahren Sänger aus den Gesangvereinen „Concordia", „Jugendgrund" und „Eintracht" zusammen in dem Bestreben, dem Gesang besser zu dienen. <5 Allendors a. d. Lumda, 4. Juli. Gestern kam das Heugras von den hiesigen städtischen Wiesen zur Versteigerung. Es kamen etwa 25 bis 30 Morgen zum Ausgebot. Trotz des überraus reichen Bestandes der Wiesen waren die Preise verhältnismäßig gering. Der Morgen kostete durchschnittlich 25 Mark. — Einem langgehegten Wunsche der hiesigen Einwohnerschaft ist unsere Stadtverwaltung nunmehr dadurch nachgekommen, daß sie einen Leichenwagen angeschafft hat. Ein beträchtlicher Teil der Anschaffungskosten wurde durch freiwillige Spenden aufgebracht. cZ A l l e n d o r f (Lumda), 4. Juli. Heute vormittag ereignete sich in unserer Gemarkung ein schwerer Verkehrsunfall. Der jüdische Händler Oppenheimer (Gießen) benutzte auf der Fahrt mit seinem Auto nach Allendorf wahrscheinlich infolge des Erweiterungsbaues der Provinzialstraße zwischen Treis und Allendorf einen Feldweg. Als er hinter der Kleinmühle, einer unübersichtlichen Stelle, einen Bahnübergang überqueren wollte, wurde der Wagen von dem kurz vor 9 Uhr von Bahnhof Allendorf abfahrenden Personenzug erfaßt, zur Seite geschleudert und fast zertrümmert. Durch den starken Anprall war die eine Wagentür auf und Oppenheimer aus dem Wagen herausgeflogen. Dadurch kam er mit einer Anzahl äußerer Verletzungen noch verhältnismäßig glimpflich davon. Ein Knabe von etwa 10 Jahren, der mit im Wagen faß, und unter dem Auto herausgezogen werden mußte, erlitt einen Schlüsselbeinbruch. Das Zugpersonal nahm sich der beiden Verletzten an und brachte sie mit dem Zuge nach Gießen zurück. Das Auto ging später in Flammen auf. Odenhausen a. d. Lumda, 5. Juli. Dieser Tage wurden hier die Kriegsehrenkreuze für die Frontkämpfer und Kriegsteilnehmer durch Bürgermeister und Stützpunktleiter Konrad zur Verteilung gebracht. Zu diesem Zweck versammelten sich die alten Soldaten in der Wirtschaft „Belling". Bürgermeister Konrad hielt eine kurze Ansprache und betonte, daß die Ehrenkreuze Sinnbilder großer unübertroffener Taten und neuen Glaubens seien. Ein jeder, der das Kreuz trage, soll sich bewußt sein, welchen unvergänglichen Wert es darstelle. Kommenden Zeiten sei es ein Mahnmal zu Opfermut und soldatischer Größe. Ortsgruppenleiter Seipp gedachte in kurzen Worten der großen Taten und Erfolgen der alten Soldaten im großen Weltkriege, vom Niederbruch des ehemaligen großen soldatischen Deutschlands im Jahre 1918, dann endlich von der Läuterung des deutschen Menschen und seinem Aufstieg durch unseren von Gott gesandten Führer Adolf Hitler. Kriegerkameradschaftsleiter Weber sprach seine besondere Freude über die Ehrung aus. Mit dem Gesang der ersten Strophen des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes und einem „Sieg-Heil!" auf Führer und Vaterland klang die Feier aus. Es kamen 26 Kreuze für Frontkämpfer und 7 Kreuze für Kriegsteilnehmer zur Ausgabe. rich Lehrmund, Schlosser, 66 Jahre, Kaiserallee 52; 21. Dr. Alexander Büchner, prakt. Arzt, 67 Jahre, Frankfurter Straße 12; Theresia Kobel, geb. Schäfer, 56 Jahre, Liebigstraße 9; 25. Christine Wißner, fieb. Bambey, 46 Jahre, Plockstraße 5; 26. Ludwig Schwalm, Ausläufer, 66 Jahre, Steinstraße 31; 28. Albert Wiskow, Invalide, 80 Jahre, Land- «ttaße 7; 29. Karl Meixner, Zuschneider, re, Marktplatz 6. ** Unfall bei der Arbeit. Die hiesige 20jährige Hausangestellte Sophie G ö r n e r t, Wil- yelmstraße 5, zog sich bei der Arbeit schwere Schnittwunden am linken Unterarm zu und mußte in die Klinik gebracht werden. ** Sperrung der Bootshaus st raße. Anläßlich der 30. Ruderregatta der Gießener Rudergesellschaft 1877 e. D. am 6. und 7. Juli 1935 wird die Bootshausstraße zwischen Bootshaus und der Unterführung an der Ederstraße für den Durchgangsverkehr in der Zeit von 14 bis 19 Uhr gesperrt. ** Wegen Rohrverlegungsarbeiten gesperrt. Wegen Vornahme von Rohrver- legungsarbeiten wird, wie die hessische Polizeidirektion Gießen mitteilt, der Erdkauterweg zwischen dem Umspannwerk und den Gailschen Tonwerken auf die Dauer von 14 Tagen für den gesamten Fahrzeugverkehr polizeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten. ** Die Begleichung der Fernsprechrechnungen. Abwesenheit (Reise usw.) befreit, wie die Reichspost mitteilt, . Fernsprechteilnehmer nicht von der rechtzeitigen Zahlung der Fernsprechgebühren. Es wird empfohlen, entweder einen Angehörigen, Angestellten usw. mit der Bezahlung der Fernsprechrechnung zu beauftragen oder bei dem rechnungsführenden Amt oder beim Zustellpostamt die Nachsendung schriftlich zu beantragen oder auf das Postscheckkonto für Fernsprechgebühren des zuständigen Amtes (unter Angabe der Vermittlungsstelle und der Rufnummer des Anschlusses für den die Zahlung bestimmt ist), einen ausreichenden Betrag einzuzahlen. Nach dem Ausland werden Fern- fprechrechnungen nicht nachgesandt. ** Luft- und Seepostbeförderung nach und von Amerika. Zur Beschleunigung des Postverkehrs mit Amerika (Neuyork) finden in der nächsten Zett folgende Flüge statt: Reichs- p o st f l ü g e von Köln nach Cherbourg, die den Dampfern „Bremen" und „Europa" Spätlingspost für Amerika nachbringen, am 10. Juli, 20. Juli und 27. Juli; ferner Vorausflüge (Schleuderflüge) von den beiden Dampfern nach Neuyork am 14./15. Juli, 24./25. Juli und 31. Juli/1. August, in Richtuna nach Southampton am 21. Juli, 31. Juli und 7. August. Mit den Nachbringe- und Vorausflügen werden gewöhnliche und eingeschriebene Briefsendungen und kleinere Pakete befördert. Alle Sendungen erhalten einen Sonderstempel. Bei Benutzung der Flüge wird gegenüber der gewöhnlichen Beförderung nach Amerika ein Zeitgewinn bis zu vier Tagen erzielt. Die Luftpostzuschläge betragen, je nachdem die Beförderung auf einem Nachbringeflug, einem Vorausflug ober auf beiden Flügen gewünscht wird, nur 15, 25 und 40 Pfennig für je 20 Gramm Briefsendungen. Nähere Auskunft erteilen die Postanstalten. ** Eier im Hochsommer. Durch eine sehr umfangreiche Kontrolle, Strafgebühren und Prämien sowie durch die Mitarbeit aller beteiligten Kreise ist erreicht worden, daß mit dem Deutsch- stempel versehene Handelsklasseneier heute durchweg von ausgezeichneter Beschaffenheit sind. Es muß jedoch gerade jetzt in der heißen Jahreszeit darauf hingewiesen werden, daß Eier mit dem Deutschstempel selbstverständlich auch nachträglich verderben können, wenn sie unsachgemäß behandelt werden. Sehr viele Ladengeschäfte bewahren die Eier auch bei hohen Außentemperaturen im warmen Verkaufsraum auf. Das Gleiche würde man mit Milch oder Butter nie tun, weil hier die Qualitätsverschlechterung schon äußerlich erkennbar Mmm verkennst dumich, Barbara? Vornan von Liane Sanden. Urheberrechtschutz: Funf-Türme-Verlag, Halle (S.) 27 Fortsetzung Nachdruck verboten! Bald erschien Schwester Mechthildis. Mit ihrer fünften Stimme sagte sie: „Ich bebaute unenblid), Herr Graf, daß ich Sie nicht zu der gnädigen Frau lassen darf! Herr Doktor hat tzs eben streng abgelehnt. Die gnädige Frau hat soeben Besuch gehabt und muß sich jetzt ausruhen. Wenn Herr Graf ein andermal wiederkommen wollen!" Ein Gedanke durchzuckte Joses Bannoschs ®e= Hirn: „Ach, das ist schade!" meinte er liebenswürdig. „Da ist mir wohl Herr von Mackenroth zuvorgekommen?" „Ganz recht, Herr Graf! Und mehr als einen Besuch am Nachmittag dürfen wir unserer Patientin noch nicht zumuten!" Mit freundlichen Worten und besten Wünschen für Barbara empfahl sich Graf Bannosch. Aber in seinem Herzen kochte es vor Wut. Das war zuviel. Versuchte es dieser Mackenroth immer noch? Nun, er würde Barbara schon die Augen öffnen! Das ging ja nun doch nicht, daß Macken- roti) mit diesem blonden Gänschen eine Liebelei hatte und sich gleichzeitig um Barbara bewarb. Der Mann schien größenwahnsinnig zu fein, sonst würde er wissen, daß in bezug auf Barbara nichts für ihn zu hoffen sein konnte. „Bitte, ich möchte gern einmal zu Herrn Oberinspektor Rockesch 'rübertelephonieren!" sagte Josef Bannosch zu Franz, der ehrerbietig an der Treppe auf ihn wartete. „Bitte, hier Eure Gräfliche Gnaden!" sagte der beflissen und öffnete die Tür zum Herrenzimmer. „Hier Graf Bannosch!" hörte Franz den jungen Grasen sprechen. „Ach bitte, Herr Oberinspektor, ich hätte gern etwas wegen der neuen Kleesaaten mit Ihnen beredet. Hätten Sie wohl Zeit, mir entgegenzukommen? Ich fahre eben von Schloß Schedlowitz fort und will einen Augenblick bei Ihnen vor dem Gutshof halten!" Er hing an und ging. Am Tor des Gutshofes stand bereits Rockesch, als Graf Josef Bannosch vom Schloß her vorgefahren kam. „Hören Sie, Rockesch", sagte Bannosch nach kurzer Begrüßung, „die Geschichte mit der Kleesaat war nur ein Vorwand. Ich wollte Sie bitten, aufzupassen. Dieser Inspektor Mackenroth scheint .sich tatsächlich an die Gutsherrin hier heranpirschen zu wollen. Seien Sie vorsichtig! Wenn unsere Pläne mißlingen, ist es auch mit Ihrer Stellung als Generaldirektor auf den Schedlowitzschen Gütern aus!" Rockeschs blasses Gesicht blieb unbewegt: „Mein Plan mißlingt nicht, Herr Graf!" 31. Kapitel. Magdalena saß inzwischen in ihrem hübschen Gastzimmer, das Barbara ihr zur Verfügung gestellt hatte. Es war ein großer, lichter Raum mit bunt bezogenen Möbeln und einem wunderbaren Blick auf den Park, der jetzt schon in den ersten lila Schatten des Abends träumte. Vor fidj hatte Magdalena einen Brief von zu Hause, den sie soeben auf ihrem Zimmer vorgefunden hatte und den die Mutter geschrieben: „Wir alle haben sehr große Sehnsucht nach Dir, mein Kind! Aber wir sehen ein, daß Du Deine kranke Freundin jetzt nicht verlassen kannst. Trotzdem fehlst Du uns sehr. Und ich glaube: noch einem fehlst Du sehr, unserem jungen Vikar. Er fragt, ob er während seines Urlaubs, den er im Glatzer Gebirge verbringen will, einmal einen kurzen Tagesbesuch auf Schloß Schedlowitz machen dürfte. Frage, bitte, Barbara, ob sie es erlaubt. Ich glaube, dem guten Jungen liegt sehr viel daran. Er ist in der Zeit Deiner langen Abwesenheit ordentlich schmal und blaß geworden." Verträumt lächelnd, sah Magdalena vor sich hin. Günter Baumert — sie sah ihn vor sich —, das schmale, seine Gesicht, das etwas Schwärmerisches hatte, die scheuen Augen, die so glücklich aufleuchten konnten, wenn sie die ihren trafen. Gott fei Dank, daß sie mit Mackenroth in warmer und herzlicher Freundschaft verbunden war. Einmal an jenem ersten Festabend hatte ihr Herz heiß und bang geschlagen bei Mackenroths Anblick. Er war ein Mann, der Frauen gefährlich werden konnte. Aber ein Mann wie er mußte auch eine andere Frau haben. Zu Mackenroth paßte Barbara, die geliebte Freundin mit ihrer großen starken Seele, die jetzt durch alle Schlacken hindurchgebrochen war. Für sie selbst würde Günter der richtige Lebensgefährte fein. Sowie Barbara gesund war, wollte sie um die Erlaubnis bitten, daß Günter einmal kommen dürfte. Barbara sollte ihn selbst sehen und ihr sagen, wie sie über Günter dächte. Es war ihr, als müßte die geliebte Freundin den Mann kennen, an den sie jetzt mit warmer Innigkeit dachte. Ihre Feder flog über das Papier, als sie der Mutter und dem Vater jetzt von allem berichtete, was sich inzwischen auf Schloß Schedlowitz zugetragen hatte. Zum Schluß schrieb sie: „Sag, bitte, Günter Baumert, daß cs schön sein wird, wenn er einen Tag seiner Reise uns hier schenkt. Barbara soll nur erst außer Bett sein. Dann soll er kommen." * Eckehard vermochte an diesem Abend nicht allein zu sein. Die Sehnsucht nach Barbara, das heiße Glücksgefühl in ihm und doch wieder der Zwei- fel, ob er Barbaras Blick nicht falsch gedeutet hätte — alles lag wie eine heiße, schwere Last auf feiner Seele. Er mußte unter Menschen sein. Er mußte den Abend hinbringen, um sich nicht wieder in dasselbe Grübeln zu verlieren. Zu tun war nichts. Es war nun dunkel. Der Gutshvf war versorgt. So rief er durch das Haustelephon den Oberinspektor Rockesch an und sagte ihm, daß er noch in die Kreisstadt fahre. „Fahren Sie nur", gab Rockesch zur Antwort, „wir haben ja heute nichts mehr zu schaffen!" In dem Lokal „Zum König von Prag" saßen am Stammtisch die Honoratioren der Kreisstadt. Unter ihnen der Polizeidirektor und der Tierarzt. Das Tarockspiel war schon in vollem Gange, als Eckehard unerwartet erschien. Ein allgemeines Hallo begrüßte ihn. Die meisten hatten den jungen Jnpektor gern und schätzten an ihm, mit welcher Haltung er sich in die veränderten Lebensumstände geschickt hatte. Nur der Polizeidirektor, ein verbitterter Mensch, hatte eine Abneigung gegen Eckehard. Dock ließ er sich das nicht merken und begrüßte ihn genau so freundlich wie die anderen Herren. Echehard setzte sich neben Doktor Wenczliczek. Er bestellte sich bei dem Kellner einen leichten Schoppen Wein und nahm dann nach bescheidener höflicher Anfrage am Spiel teil. Er freute sich jetzt wirklich, daß er den Abend nicht allein zu Hause verbracht hatte. Das Spiel lenkte ihn doch ein bißchen ab. Und bald dachte er an nichts mehr als an die Karten, die er in der Hand t)atte. lieber dem runden Tisch hing eine Lampe mit einem grünen Schirm. Die Fenster waren geöffnet, so daß der Rauch in die frische warme Sommerluft abziehen konnte. Ab und zu flog ein Falter herein und stieß mit seinem dicken Körper gegen das Licht. Plötzlich in einer Pause fragte Wenczliczek Eckehard halblaut: „Na, was ist denn bei Ihrer Untersuchung l er- ausgenommen, Herr von Mackenroth? Unser Po- lizeigewaltiger hüllt sich in SchweigcO. .Dienstgeheimnis' behauptet er. Aber es ist ja in aller Leute Mund, daß da bei dem Vieh draußen bei Ihnen auf Schedlowitz etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Außerdem habe ich ja doch die Tüte mit dem Kleesalz mit eigenen Augen gesehen." Eckehard zuckte zusammen: „Ach, lassen wir doch jetzt diese Berufssachen!" sagte er schnell. „Ich bin wirklich froh, wenn ich einmal an etwas anderes denken kann, Herr Doktor! Ich spiele aus." Aber dabei schaute er hastig zu dem Polizeidirektor hinüber. Hatte der gehört, was Wencz- liczek zu ihm gesagt hatte? Doch der Polizeikommissar saß mit unbewegtem Gesicht da und schien nur Interesse für die Karten in feiner Hand zu haben. Aber Eckehard war plötzlich die Lust am Spiel vergangen. Er hatte in dem unruhigen Gefühl des Glücks feit gestern an diese Nacht wahrhaftig nicht mehr gedacht. Wie pflichtvergessen er war! Da bad)te er nur an Barbara und immer an Barbara. Und hatte doch viel mehr seine Gedanken auf diese geheim^ + Obb ornh o fen, 4. Juli. Die Heuernte ist beendet. Sie ist sowohl der Güte, als auch der Menge nach gut ausgefallen. Nunmehr wird die Hackarbeit fortgesetzt. Teilweise sind die Kartoffelstauden schon sehr ins Kraut gewachsen, daß sich das Aufstreichen schwierig gestaltet. Die letzten, starken Niederschläge haben einige Kornäcker zum Lagern gebracht. Die Obstaussichten werden immer geringer. Einzelne Spätobstsorten werfen eine Menge halbentwickelter Früchte ab, da sie vom Apfelwickler angefressen sind. Die Fruchternte hat bereits begonnen. Seit vorgestern stehen die ersten Hausen Wintergerste im Feld. Ihre voll- körnige, vierzeilige Aeyre läßt einen guten Ertrag erwarten. Kreis Friedberg. + Butzbach, 4. Juli. Gestern verließ die seitherige Leiterin des städtischen Kindergartens, Frl. Würz, unsere Stadt, um eine gleiche Stelle in Kassel anzutreten. Frl. Würz hatte in den wenigen Jahren ihres Hierseins sich die Achtung und Wertschätzung der Einwohner erworben. Sie verstand es in ausgezeichneter Weise, den Kindergarten zu leiten und die Kleinen selbst, jedes nach feiner Art, zu behandeln. Ihr Weggang wird allgemein bedauert, lieber die neue Leiterin des Kindergartens ist noch keine Entscheidung getroffen worden. — In diesem Jahre ist die Bautätigkeit in unserer Stadt sehr rege. Bis jetzt wurden schon einige Wohnhäuser im Rohbau und die innere Ausgestaltung anderer Rohbauten fertiggestellt. Die Handwerker arbeiten zur Zeit an zwei Doppelhäusern für je sechs Familien und vier Ein- bis Dreifamilienhäusern. Damit ist für alle Handwerkszweige die nötige Beschäftigung vorhanden. Die Häuser der Stadtrandsiedlung haben ihren äußeren Verputz, und dadurch ein schmuckes Aussehen erhalten. Jedem Siedler konnte in unmittelbarer Nähe noch ein Stück Land zugeteilt werden, um den notwendigsten Bedarf an Gemüse und Kartoffeln selbst zu ziehen. Die Siedlungshäuser enthalten Raum für zwei Familien, die meist kinderreich sind. Unter Beihilfe der Stadt, die die Bauplätze gestellt hat, und der Nassauischen Siedlungsgesellschaft ist mit dieser Siedlung eine schöne Anlage geschaffen worden. Kreis Büdingen. K N i d d a, 4. Juli. Infolge Aenderungen im Entschuldungsverfahren ist das hiesige Amtsgericht der Sitz eines Entschuldungsamtes geworden, zu dem die Amtsgerichtsbezirke Nidda, Büdingen, Schotten, Laubach und Ortenberg gehören. Mit der Leitung des Entschuldungsamtes wurde Oberamtsrichter Dr. B r i e g l e b dahier beauftragt, dem mehrere Assessoren zugeteilt werden. Im Amtsgerichtsgebäude werden demnächst die notwendigen Räumlichkeiten dafür freigemacht. Den seither mit dem Entschuldungsverfahren betrauten Banken und Kreditanstalten bleibt u. a. die Aufgabe der Ausarbeitung der E n t s ch u l d u n g s p l ä n e , die dem Entschuldungsamt auf Verlangen jederzeit zur Einsicht vorzulegen sind. Mit Rücksicht auf die völlige Inanspruchnahme der Arbeitskraft des Amtsleiters wird zur richterlichen Aushilfe ein Gerichtsassessor an seine Stelle treten. § Nidda, 4. Juli. In einem Nachbarorte sprang ein Fohlen durch das offenstehende Tor einer Bauernhofreite und überrannte einen Schüler, der auf dem Fahrrade gerade vorüberfuhr. Der Junge erlitt Verletzungen an Kopf und Hals und mußte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. — In diesen Tagen trat eine große Anzahl vorzugsweise aus dem Ruhrgebiet stammende F e ri e n f i n b e r, die sich während ihres fünfwöchigen Aufenthaltes in verschiedenen Gemeinden der Umgebung ausgezeichnet erholt haben, die H e t m r e i f e an. Starkenburg. Lpd. Offenbach, 3. Juli. Heute vormittag wurde im Main gegenüber dem JG.°Farbenwerk ein etwa zehn Jahre altes Mädchen von einem nisvollen Vergiftungen unter dem Viehbestand von Schedlowitz lenken müssen. Es litt ihn plötzlich nicht mehr hier. „Entschuldigen Sie, meine Herren, ich .nochte wieder heim! Ich wollte ja nur wenige Augenblicke hier vorsprechen! Ich muß morgen um sechs Uhr an der Arbeit sein!" Doktor Wenczliczek murrte. Da hatte er sich nun gefreut, einmal eine gemütliche Stunde mit Herrn von Mackenroth plaudern zu können. Und nun wollte der schon wieder auf und davon. Auf einem Bein könnte man doch nicht stehen, und Mackenroth sollte wenigstens noch einen zweiten Schoppen mit ihm zusammen trinken. Aber Eckehard blieb unerbittlich. Mit freundlichem Gruß verabschiedete er sich und verschwand. „Eigentümlich unruhiger Herr, dieser Herr von Mackenroth!" meinte der Polizidirektor und sah Eckehard nach. „Wieso? Finde ich nicht — ein feiner Kerl! Und wie der sich in all den Schicksalsschlägen behauptet hat. Großartig!" widersprach Wenczliczek. „Ist doch keine Kleinigkeit. Erst Sohn eines der reichsten Besitzer hier zu sein und zukünftiger Erbe, und jetzt Inspektor auf einem Gut. Nein, nein, mir imponiert er." Dabei mischte Wenczliczek seine Karten. „Weiter, Herr Polizeidirektor!" Die Tafelrunde im ,König von Prag" löste sich erst sehr spät auf. Der Polizeidirektor verstand es, als letzter neben Doktor Wenczliczek das Lokal zu verlassen. „Ich begleite Sie noch ein paar Schritte. Ich habe noch etwas mit Ihnen zu besprechen!" Als sie durch die schweigende Stadt gingen, fragte der Polizeidirektor Wenczliczek leise: „Sagen Sie, Herr Doktor Wenczliczek — was ist das für eine Geschichte mit dem gefundenen Gift? Sie erwähnten es in dem Gespräch mit Mackenroth!" „Wissen Sie nichts davon? Sie haben doch draußen auf Schedlowitz über alle diese Sachen Protokoll aufnehmen lassen. Da muß doch Mackenroth ausgesagt haben, daß man bei der Raufe des krepierten Tieres eine Tüte mit Kleesalz gefunden hat." „Nichts hat er ausgesagt." Wenczliczek sah fassungslos den Polizeidirektor an. „Was? Er hat nichts darüber ausgesagt? Es ist doch nicht zu glauben. Das war doch das Allerwichtigste bei der ganzen Angelegenheit. Warum hat er denn bloß darüber geschwiegen?" Der Polizeidirektor lächelte dünn: „Das werde ich ihn selbst einmal fragen müssen. Im übrigen, Herr Doktor, bitte ich, über unsere Unterredung jetzt strengstens Stillschweigen zu bewahren! Betrachten Sie sie bitte als dienstlich- Vernehmung." „Gewiß, gewiß!" sagte der etwas erschrocken. Er liebte Polizei und Polizeimenschen nicht. Und der Ton, in dem der Polizeidirektor jetzt gesprochen, war ein wenig beunruhigend. (Fortsetzung folgt!) Angler als Leiche gelSndet. Da das Mädchen mit einem Badeanzug bekleidet war. ist anzunehmen, daß es beim Baden ertrunken ist. Die Personalien konnten noch nicht festgestellt werden. Preußen. Günstiges finanzielles Ergebnis der Marburger Festspiele. LPD. Marburg. 4. Juli. Die diesjährigen Marburger Festspiele haben auch sinanziell verhält« Nismätzig günstig abgeschnitten. Außer dem etats- mäßigen Zuschuß und der vom Propagandaministerium bewilligten Beihilfe werden weitere Zuschüsse nicht mehr benötigt. ____ 12jähriger Zunge vom Auto totgefahren. LPD. Biedenkopf. 4. Juli. In der benachbarten Ortschaft Schameder wurde der 12 Jahre alte Sohn Heinrich des Anstreichermeisters August Wunderlich von einem Personenkraftwagen angefahren und derart heftig zur Seite geschleudert, daß er besinnungslos liegen blieb. Alsbald nach der Einlieferung ins Krankenhaus verstarb der Junge an den Folgen eines Schädelbruchs Großer Arbeitsbeschaffungsplan für den Westerwald. vier Millionen Lohntagewerke. Lpd. Westerburg, 2. Juli. Das Gebiet der Gruppe 250 des Arbeitsdienstes umfaßt die Wefter- waldkreise Ober- und Unterwesterwald, ferner Teile des Kreises Limburg, des Oberlahn- und Dillkreises. In diesen Gebieten sollen umfangreiche Arbeiten durch den Arbeitsdienst durchgeführt werden. Es ist folgender Plan vorge- vte deutsche Jugend will teilhaben am Geschehen der Seit — Gebt ihr die Mittel dazu: Schafft Rundfunkgeräte für die Hitlerjugend! sehen- Völlige Neuregelung der Besitzverteilung auf dem Westerwald durch Zusammenlegung der kleinen zerrissenen Besitzungen zu wirtschaftlich leichter zu bearbeitenden Besitzungen. Die hierzu erforderlichen Umlegungen in den Gemeinden haben bereits begonnen. Meliorationen des besonders auf dem hohen Westerwald verwahrlost lie- Senden Oedlandes zu gutem Weideland. Ro- ung des hier weit verbreiteten Niederwaldes zu Acker- und Weideland. Hierdurch wird die Diehwirt fchaft gehoben, die einen besseren Ertrag sichert als Getreidebau. Ausbau und Regulierung der vielen versandeten und verkrauteten, in vielen Krümmungen verlaufenden Gebirgsbäche, um diese als wirksame Vorfluter auszunutzen und Ueberfchwemmun- gen oorzubeugen. Im Zusammenhang damit ist das Ausschlammen der Weiher im Gebiete der Seenplatte, sowie das Anlanden und Entwässern der Ufer zur Gewinnung guten Ackerlandes vorgesehen. Entwässerung und Dränung des wasserhaltigen Bodens, Herstellung von Wirtschaftswegen zur besseren Bestellung der Decker, ferner Verbesserung und Neuanlage von Waldwegen, sowie Aufforstung und A n - f o r st u n g . Einebnen der Tongruben und Steinbrüche, um diese Oedflächen der Bewirtschaftung wieder zuzuführen Nach Feststellung der Planungs- stellen des Arbeitsdienstes gemeinsam mit den tech- Nischen Behörden des Westerwaldgebiets sind für diese Arbeiten zunächst etwa vier Millionen Lohntagewerke zu leisten, für die bei vollem Einsatz der Erwerbslosen und der zehn Arbeitsdienst Abteilungen mindestens eine Bauzeit von zehn Jahren erforderlich ist, um eine fühlbare Abhilfe zu gewährleisten. Zu diesem Zweck wird gegenwärtig das Westerwald-Projekt organisiert, in dem die vorstehenden Arbeitspläne zusammengefaßt sind Eine neue Autostraße auf den Feldberg. LPD. Oberursel, 4. Juli. In monatelanger Arbeit ist der Waldweg vom Sandplacken über den Stockborn auf den Großen Feldberg zu einer breiten Autostraße ausgebaut und dem öffentlichen Verkehr übergeben worden Es besteht nun eine unmittelbare Verbindung zwischen dem Sandplacken und dem Roten Kreuz über den Großen Feldberg. Kreis Wetzlar. 0 Wetzlar. 4. Juli In dem Gasthaus „Goethe-Garten" fand hier gestern eine Tagung der Ortsbauernführer unseres Kreises statt, die vom Kreisbauernführer V e l t e geleitet wurde. Stabsleiter Fische hielt zuerst einen Vortrag zum Gedächtnis von Gustav Ruhland, dem Vorkämpfer für nationalsozialistische Agrarpolitik. zu dessen Ehren die Versammlung das Horst-Wessel-Lied anstimmte. Der Kreisbauern- führer gedachte der seit der letzten Versammlung verschiedenen Ortsbauernführer Knetsch (Berghausen), S t r i p p ch e n (Oberquembach) und Bender (Bonbaden), zu deren Ehren sich die Versammlung von den Plätzen erhob. Die Brotgetreidekontingentierung 1935/36. die wesentliche Neuerungen bringt, wurde von dem Kreisbauernführer und Geschäftsführer Simon (Neukirchen) behandelt. Siedlungsfachberater Fischbach berichtete eingehend über eine Siedlerreise der Landesbauernschaft mit 43 Siedlungsbewerbern auf Gut Ringswald-Bfandenburg. Stabsleiter Fische referierte Über die neue Schafzuchtkredite Kreisobmann Langsdorf sprach über die genossenschaftliche Viehverwertung. Bezirksbauernführer De sch sprach über die Sammelkörungen Weiter wurden noch behandelt Fragen der Waldrodungen, der Wildschäden, des Milchmarktes u. a. m Mit dem Gruß an den Führer wurde die reichhaltige Arbeitstagung von dem Kreisbauernführer geschlossen. * Dutenhofen, 3.Juli. Heute ereignete sich in unserem Orte ein schwerer Unfall. Das sechsjährige Söhnchen des hiesigen Landwirts Weber stürzte vom Heuwagen und erlitt einen Schübel- bruch Das Kind mußte in die Klinik nach Gießen gebracht werden Kreis Bieöenfopf. m Gladenbach. 4. Juli Die hier durch die NSV auf vier Wochen untergebrachten Ferienkin- der aus Bochum verließen aeftern dankbaren Herzens ihre Pflegestellen Ebenso kehrten die aus unterer Ortsgruppe nach Frankfurt auf vier Wochen verschickten Ferienkinder wieder in ihre Heimat zurück. SJL-tfpoit Die 36. Ruderregatta der GRG.1877. Oie kennen am Samstag. Die Gießener Ruder - Gesellschaft 187 7 veranstaltet am morgigen Samstag und am kommenden Sonntag an der Lahn ihre diesjährige, die 30. Ruderregatta, die gleichzeitig als die 25. Hauptregatta des Lahnregatta-Verbandes anzusehen ist. Wie wir bereits berichteten, haben für diese Veranstaltung 22 Vereine mit 76 Booten und 404 Ruderern Meldungen abgegeben. Die Liste der beteiligten Vereine weist Namen auf. die hoffen lassen, daß auch bei der diesjährigen Re- aatta erstklassiger Sport geboten wird. Sehr erfreulich ist es. daß auch in diesem Jahr wieder Die beiden Saarbrückener Vereine am Start sind und damit ihrer freundschaftlichen Verbundenheit mit der Gießener Rudergesellschaft Ausdruck geben. Die Regatta beginnt am morgigen Samstagvormittag mit einigen Vorrennen und wird am Nachmittag fortgesetzt. Weitere Dorrennen werden am Sonntagvormittag gestartet. Besonders spannende Wettkämpfe erwartet man für den Sonntagnach- mittag. Für die Rennen liegt der Start, so wie stets, am Felsen, das Ziel ist das Bootshaus der Gießener Rudergesellschaft. Nachstehend geben wir eine Uebersicht über das Rennen des morgigen Samstags. Auf die Wettbewerbe am Sonntag werden wir morgen in einem Vorbericht zurückkommen. Für den morgigen Samstagabend ist ein Begrüßungsabend im Bootshaus der Gießener Rudergesellschaft vorgesehen. Zweiter Einer In diesem Rennen dürfte der in diesem Jahre erfolgreichste und bisher ungeschlagene Iungmannskuller Müller von „Saar" Saarbrücken als Sieger vor Piro (Cochem) und Fahrenberg (Kassel) zu erwarten sein Erster Vierer ohne Steuermann. Dies Rennen dürfte eines der spannendsten der ganzen Regatta werden. Die Erste-Vierer-Mannschaft des Limburger Ruderklubs, die in diesem Japre eine erste Rolle auf den Reaatten spielte, wird alles daran setzen, die am Vorsonntag in Limburg durch die Vierer-Mannschaft (Timpe) der Gießener Ruder- gefellschaft 1877 erlittene Niederlage wieder gutzumachen Jugend-Gig -Vierer. Hier erwartet man eine unserer heimischen Mannschaften des Ruderklubs .^hafsia^ Gießen vor ,^Hassia" Hanau und Kassel in Front. Zweiter Senior-Vierer. „Saar" Saar* brücken wird hier schwer zu kämpfen haben, um gegen Kitzingen erfolgreich zu bestehen. Vierter Senior-Achter. „Hellas" Offenbach und Kitzingen sind die Gegner. Der Ausgang des Rennens ist offen. Jean-Kirch-Gedächtnis-Rennen (Lahn- Senior - Vierer). Man erwartet den Limburger Ruderklub als Sieger (nach Kampf) gegen Ruderklub Wetzlar 1880. Zweiter Junior-Vierer. Der starke Vierer des Mainzer Ruderklub „Fortuna" dürfte feinen Gegnern Offenbacher Ruder- und Schwimmverein und Kurhessen Kassel den Weg ins Ziel zeigen. Zweiter Jungmann-Dierer: Auch hier dürfte der Groß-Mainzer Vertreter Mainz-Kost- heim-Gustavsburg als Sieger gegen „Undine" Saarbrücken, Limburger Ruderverein 95 und Wassersportverein Offenbach-Bürgel hervorgehen. Er st er Doppel-Zweier. Das junge aufstrebende Skullerpaar der Rudergesellschaft Worms wird sich gehörig streben müssen, um gegen Ruder- gesellschaft Cochem zu siegen. Zweiter Achter. Als letztes Rennen am Samstag ist dieses Rennen eine offene Sache. Der Sieger in diesem Rennen erhält Sartberechtigung zum letzten Rennen des Sonntags, dem Großen Achter Vom Geist in der Deutschen Turnschule. Treffen der Gießener Turnschulbesucher. Bei den am Sonntag in Sinn (Dill) stattfinden- den Kreisturnfest treffen sich erstmalig die Turn- schulbesucher aus unserem Kreisgebiet Turn-, Fecht-, Spiel- und Schwimmwarte, Riegen- und Mannschaftsführer, und wie die vielen unermüdlichen, ehrenamtlichen Helfer in der großen Erziehungsgemeinschaft der Deutschen Turnerschaft heißen mögen, sind täglich am Werk Von nichts werden sie getrieben, als von dem freien Willen, ein Teil beizutragen zur körperlichen Gesunderhaltung unseres Volkes, getragen von der Freude an dem freien Spiel gesunder Jugendkraft, so tun sie jahraus jahrein ihren Dienst. Höchste Dienstauffassung allein nur kann einen Menschen veranlassen jahrzehntelang solche Arbeit zkl leisten, die höchstenfalls nur Undank bringt Sie im gemeinsamen Geist und im Sinne Deutscher Volksgemeinschaft nach den Lehren Jahns zu fördern und zu festigen, ihnen neue Kraft und Anregung zu geben, wurde draußen vor den Toren Berlins im Rahmen des nunmehr entstehenden Reichssportfeldes die „Deutsche Turnschule" errichtet Völlig aus eigenen Mitteln hat sie die Deutsche Turnerschaft vor nunmehr sieben Jahren errichtet. Unser verewigter Reichspräsident von Hindenburg selbst ließ es sich nicht nehmen, die Grundsteinlegung vorzunehmen. ein Zeichen wie sehr er die turnerische Arbeit schätzte Seine Hammerschläae begleitete er mit den Worten: ..Möge dieses Haus dereinst ein starkes, ein pflichlgetreues und ein einiges Geschlecht erziehen helfen." In diesem Sinne ist seitdem Jahr für Jahr dort gearbeitet worden Acht- und vierzehntägige Lehrgänge von durchschnittlich 70 Teilnehmern aus allen Teilen unseres Vaterlandes und aus den ausland- deutschen Turnvereinen aller Herren Länder haben bis heute rund 12 000 Menschen erfaßt. Ein Millionenvermögen hat hier, um einmal wirtschaftlich zu sprechen, die Deutsche Turnerschaft aus eigenen Mitteln für die körperliche und geistige Erziehungsarbeit unseres Volkes ausgegeben Aber reicher Segen fließt auch aus dieser Schule. Nur freudiger schaffen die vielen Tausende, die dort waren, weiter in der Halle, auf dem Sportplatz ober in der Schwimmbahn Dies ist auch ihr schönster Dank, den sie der Leitung der Schule und ihren Lehrern abstatten können, baß sie bas Gelernte weitertragen in ihren Verein, in den Kreis in den sie alltäglich gestellt sinb Man spricht heute so viel von dem Geist der Deutschen Turnerschaft, und der Reichssportführer sieht es als feine höchste Aufgabe an, diesen Geist in den neuen Reichsbund für Leibesübungen hineinzutragen. Ein Stück dieses Geistes erlebt man in der Turnfchule, ober nein, man kann auch sagen, dort herrscht dieser Geist in der reinsten Form und wird so den vielen Tausenden mitgegeben. Sind doch selbst Lehrgänge, die nicht aus den Reihen der Deutschen Turnerschaft zusammenkommen. als Träger dieses Geistes wieder aus der Schule gegangen. Diese Lehrgänge sind daher auch nicht dazu da, um Kanonsn zu züchten, sie dienen nicht dem Einzelnen zum Ausseilen seiner Technik auf irgendeinem Uebungsgebiet. Nein Gemeinschaftserleben und hierin Weiterbildung des Geistes und des Körpers. Es ist ein ganz eigenes Leben, das einem während der 14 Tage umgibt und in das man sich ungezwungen einfügt, so daß man bedauert, wenn die Tage allzuschnell verflogen find. Sonntags kommt man auf einem der Fern- bahnhöfe Berlins an und in längstens einer halben Stunde bringt einem die U-Bahn heraus aus dem Trubel der Großstadt, hinaus in die märkische Heide mit ihren Kiefernwäldern und Seen. Ein großer Klinkerbau entpuppt sich als das Haus, in dem man nun 14 Tage lang Leibesübungen als Arbeit im Gewände jugendlicher Freude erleben soll. Drei große Turnhallen zu ebener (Erbe, herüber bis Verwaltungs- und Eßräume. Im obersten Stock sind Wohn- unb Schlafräume, bie für über 70 Bewohner ausreichen. Ein Kino- und Vortragssaal und ein Schreibzimmer schließen sich an. Brause- und Trockenräume im Keller runden die Einrichtung des Hauses ab. so daß wirklich für alles gesorgt ist Früh am Morgen schon wird geweckt und nach dem Morgenkaffee beginnt in bunter Abwechslung die Arbeit. Zuerst ist da eine Viertelstunde dem Lied gewidmet, an die sofort eine Vortragsstunde anschließt. Und bann wechselt praktische Arbeit mit Theorie, so baß keine allzu große Ermüdung eintritt. Unb doch kann man am Ende der ersten Woche Gestalten sehen, bie vor lauter Muskelkater sich am Treppengeländer hochziehen. Es mag zum Teil daher kommen, baß nicht nur bie Sondergebiete des Lehrgangsfaches durchgenommen werden, sondern möglichst vielseitig alle Uebungszweige drankommen So üben beispielsweise die Spieler nicht nur Handball, sondern da geht's in der Halle an die Geräte, im Freien gibt’« Bodenturnen und Kinderspiele, da wird geschwommen und gewandert. Zu Stunden feinsten Erlebens, zu wahren Feierstunden werden meist die Vorträge. Wenn der .Herr Direktor". Hermann Ohnesorge, über Turner» schäft und Deutsche Turnfeste spricht oder Willi Wagner, der Schöpfer des prachtvollen Stuttgarter Turnfestfilms, von Jahn und seiner politischen Sendung erzählt, dann ahnt man etwas von der geschichtlich gewordenen Größe und dem Geist der Turnerschaft Tagesereignisse, rote Besuche führender Staatsmänner oder gar unseres Führers selbst, geben jedem Lehrgang noch eine besondere Note Sie kommt auch zum Ausdruck in dem Leitwort, das sich jeder Lehrgang gibt und in der Feierstunde am Schluß Auch unsere Vaterstadt Gießen hat schon großen Ruhen für die Ausbildung der in verantwortlicher Leitung stehenden Mitglieder der Gießener Turnerschaf» gehabt. 18 Teilnehmer find durch die Erziehungsarbeit der Turnschule gegangen, und w»nn man die Romen liest, so find sie alle, etweder noch hier in Gießen oder nunmehr an einem anderen Orte tätige Mitarbeiter an den Ausgabe" der Deutschen Turnerschaft zum Wohle unseres Volkes. Die Namen der Gießener Lehrgangsteilnehmer: Karl Reuter. Tv.. Karl Müller. Tv Männer« turnen), Karl Hergenröther. Tv (Fechten), Kar! S ch w i n n, Christian Weeg, Hans Geismar, Christian Ziegler, Fritz Werner, alle Tv. (Schwimmen), Elfriede M ü n n i ch, Tv., Els» B i ck e l h a u p t, Mto., Erika R ö h m t g, Mt». (Frauenturnen), Ludwig M a l t o m e f i u s, Mto^ Karl Michels, Tv. (Volksturnen), Fritz Wie» gant), Tv (Kreisvertreter), Milli Mohr, Tv^ Wilh. Loh, To.. Elfriede B o r f ch e l, Tv. (Spielen und Tennis). Otto Iüngst, To. (S^nellau^). Ein Erfolg der Gießener Paddler-Gilde Bei der 2. Gau-Kurzstrecken-Regatta auf der Fulda in Kassel, an der Frankfurt. Gießen. Hanno- oer, Kassel und Marburg im Wettbewerb standen, konnte die Gießener Paddler-Gilde im Einer-Kajak für Jugendliche (600 Meter) den dritten Platz be« legen. Zutt - Gießen hatte gegen den Frankfurter Kopf und den Kasselaner Glanz, die über größere Erfahrungen verfügten einen schweren Stande Glanz, der zunächst klar in Front lag wurde von Kopf im Endspurt knapp besiegt 1. Kopf (FKC.) Frankfurt 4.13 Sek.; 2. Glanz (PSK.) Kassel: 3. Zutt-Paddlergilde Gießen. — Jrn Einer-Kajak für Senioren (1000 Meter) sicherte sich der vorn letzten Rennen in Gießen her bekannte Kasseler Grote, gut (PSK.) die Gaumeisterschaft in 4:39,2 Minuten. Kapphingst - Marburg wurde mit 4:43,4 Minuten zweiter. Wimbledon: Hilde Sperling ausgeschieden. Eine große Ueberraschung gab es am Donnerstag im Dorschlußrundenkampf im Frauen-Einzei in Wimbledon zwischen der früheren deutschen Meisterin Hilde Sperling-Krahwinkel und der Amerikane- rin Jacobs Die frühere Essenerin war indisponiert und mußte sich überaus glatt von der Amerikanerin 6:3, 6:0 geschlagen bekennen Im zweiten Treffen der Vorschlußrunde schaltete die vielfache Wimble- bonfiegerin Helen Moody Ioan Hartigan (Australien) 6:3, 6:3 aus Die Lage in Wimbledon ist nun wie folgt: Herren-Einzel: Schlußrunde: von Cramm — Fred I. Perry. Frauen-Einzei: Schlußrunde: Helen Moody- Mills — Helen Jacobs. Herren-Doppel: Vorschlußrunde: Allisson- van Ryn — Hughes-Tuckey Mako-Bude — Craro- ford-Quist. Frauen-Doppel: Vorschlußrunde: Mathieu- Sperling — Meulemeester-Howard. Stommers« James — Haylock-Kirk. Gemischtes Doppel: Vorschlußrunde: Sieger aus der Sperling-Cramm — Turnbull-Valeria gegen Ehepaar Hoprnann; Sieger aus Heeley-Mal- froy — Round-Perry gegen Sieger aus Quist- Jedrzejowska — Hartinger-Mc. Grath. Sie Tour de France hat begonnen. Das längste und schwerste Straßenradrennen der Welt, die Tour de France, wurde am Donnerstag, um 9 Uhr, in Paris gestartet» 90 Fahrer aus Frankreich, Belaien, Italien, Spanien, der Schweiz und Deutschland nahmen das über 21 Etappen führende Rennen auf. Die erste Teilstrecke der 29. Radrundfahrt durch Frankreich führte von Paris über 262 Kilometer nach Lille. Bei kühlem Wetter und mit dem Wind im Rücken wurde gleich ein scharfes Tempo gekurbelt. Verschiedene Ausreißer konnten immer wieder eingeholt werden, doch ein Vorstoß von R. Maes hatte Erfolg. Der Belgier, durch eine geschlossene Bahnschranke von seinen Verfolgern getrennt, vergrößerte seinen Vorsprung auf über eine Minute unb traf als Erster in Lille nach einer Fahrzeit von 7:23,58 ein. Den zweiten Platz sicherte sich ebenfalls ein 'Belgier, be CaluwS, im Spurt nach 7:24,59 Stb. vor Ch Pslissier, I. Aerts unb A Magne. Etwa zwei Minuten später traf ber Franzose Lebucq allem im Ziel ein, unb nach 7:28,19 Stb kam eine größere Gruppe, in ber sich auch die Deutschen S t ö p e I unb Thierbach befanben, in Lille an. ArtericnvcrltiilKung hohen Blutdruck, Siheuma, Gicht Nagen-, Darmstörung,, 3Heren», Blasenleiden, vorzeitigeAUers- erscheinungen, Stoffwechselbe- schwerden beugen Tie vor durch: Knoblauch - Beeren „Immer Jünger" Geschmack- und geruchlos. 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