Hr.129 Erster Blatt 185. Jahrgang Mittwoch, 5.Zuni 1955 Erfchelnl täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat tm Bild • Die Scholle Monatr-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe Bittet Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Krankfurt am Main 11688 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vruck und Verlag: vrühl'sche Unwerfitatsvuch- und Steindruckeret R. Lange in Giehen. 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Die letzte Ratstagung ist ziemlich unbeachtet geblieben, weil sie in die Zeit einer Wendung der europäischen Politik fiel, die nach allgemeiner Auffassung durch die Reichstagsrede des Führers und Kanzlers eingeleitet wurde. Nachdem der Rat die brennende abessinische Frage unter der sanften und vorsichtigen Leitung des englischen Lordsiegelbewahrers Eden bis Hum August unschädlich gemacht hatte, fanden die übrigen Gegenstände seiner Tagesordnung kaum mehr Beachtung. Dennoch ist es am Platze, die Behandlung der Danziger Fragen, die dem Völkerbundsrat unterbreitet waren, dem Gedächtnis zu bewahren, weil die internationale Stellung Danzigs ein fortlaufend sich entwickelndes Problem ist, das man in allen seinen Veränderungen verfolgen muß. bis die Geschichte einmal ein Machtwort sprechen wird. Die letzten Danziger Wahlen haben der nationalsozialistischen Regierung mit erheblichem Stimmenzuwachs die Ermächtigung gegeben, die bisherige Politik weiterzuführen. Die unterlegenen Parteien haben sich bei dieser demokratischen Entscheidung nicht beruhigen wollen, sondern versucht, durch nicht weniger als sieben Beschwerden beim Völkerbund die Wahl anzufechten und der Regierung durch Machtsprucb von außen eine Aen- derung des politischen Kurses aufzuzwingen. Es hat wenig Interesse, diese Beschwerden, von denen sich zum Beispiel eine über die von der Danziger SA. getragene Dolche erregte, während eine andere dem Völkerbund die wichtige Frage der Entlassung zweier Feuerwehrleute vortrug, im einzelnen zu erörtern. Der Völkerbundsrat ist klug genug gewesen, sich nicht durch ein Eingehen auf diese Schildbürgerstreiche des Danziger Parteizankes einzulassen, sondern hat sich darauf beschränkt, diejenigen Fragen zu behandeln, in denen der Völkerbund die ihm zu- gew^esene Aufgabe, Hüter der Danziger Verfassung und der völkerrechtlichen Stellung Danzigs zu sein, wahrnehmen muß. Danach wurden in oollsm Einvernehmen mit der Danziger Regierung die Befugnisse des Völkerbundskommissars in Danzig, über die in den Wirren des Wahlkampfes einige Unstimmigkeiten entstanden waren, neu fest gelegt, wobei es wichtig war, daß der Vertreter Polens im Rat, also des Staates, der neben Deutschland an der Danziger Frage am meisten interessiert ist, der nationalsozia- listischen Regierung die loyale Beachtung ihrer völkerrechtlichen Verpflichtungen bescheinigte. Es ist also der Danziger Parteien-Opposition nicht gelungen, die Stellung der Danziger Regierung vor dem Völkerbund moralisch zu erschüttern und so eine Aenderung des Regimes vorzubereiten, die sie mit dem Stimmzettel nicht erreichen konnte. Andere Petitionen über angeblich verfassungswidrige Maßnahmen hat der Völkerbundsrat einem Juristenausschuß überwiesen, der im August ein Gutachten über diese Rechtsbeschwerde abgeben soll. Es bleibt also in Danzig alles so, wie die Wahlen entschieden haben. Die nationalsozialistische Regierung wird, gestützt auf die Mehrheit des Volkes, nach ihrem Programm weiter regieren und weiter arbeiten. Wenn in dem Bericht des Iuristen- ausschufses im August festgestellt werden sollte, daß etwa einzelne Maßnahmen gegen die Minderheitsparteien zurückzunehmen seien, so würde dies nur ein sinnfälliger Beweis für die Unhaltbarkeit der internationalen Stellung Danzigs sein. Die beiden großen Staaten, um deren Rivalität willen man Danzig zum selbständigen Staatskörper unter der Aufsicht des Völkerbunds machte, Deutschland und Polen, sind mit der Handhabung der Danziger Regierungsgewalt durch die dortige national- foziglistische Regierung durchaus zufrieden. Aber die Verfassung Danzigs gibt einzelnen unzufriedenen Elementen der Bevölkerung, die sich in jedem noch so demokratisch regierten Lande immer finden werden, das Recht, gegen ihre Regierung und gegen den Staat, dem sie angehoren, an den Völkerbund zu appellieren, -eine Instanz, m der die Vertreter von gänzlich uninteressierten Staaten sitzen. Diese Konstruktion widerspricht nicht nur dem gesunden Menschenverstand, sondern sie wirkt auf die Dauer entsittlichend auf das Burger- und Staatsgefühl der Angehörigen eines Volkes, indem sie die Grenzen zwischen Landesverrat um) berechtigter Wahrnehmung staatsbürgerlicher Psnch- ten verwischt. Niemand weiß, ob der Völkerbund von Dauer sein wird; gewiß aber ist, daß er sich selbst von solchen untragbaren Lasten befreien mutz, wenn er sich das Vertrauen aller zuruckgewinnen Während die Danziger Frage durch die deutsch- polnische Annäherung ihre aktuelle Gefährlichkeit verloren hat und in den Bereich geschichtlicher Entwicklung gerückt wurde, ist die Behandlung des Memellandes durch die litauische Regierung nach wie vor in der verzweifelten Nähe europäischer Brandstiftung, die bisher nur durch die vernünftige Haltung der memelländischen Bevölkerung und der Politik des Deutschen Reiches unschädlich gemacht wurde. Die Signatarmachte des Memelstatuts, England, Frankreich, Italien und Japan haben, wie neulich im englischen Unterhaus amtlich mitgeteilt wurde die litauischen Erklärungen über die Nichtachtung der memellandrschen Autonomie für unbefriedigend erklärt und einen neuen Schritt in Kowno angekündlgt. Die Rede die der litauische Außenminister Lozorat- Erneute Regierungskrisis in Frankreich. Das Kabinett Bouisson bei der Abstimmung in der Kammer mit 262 gegen 264 Stimmen in der Minderheit geblieben und zurückgetreten. — Große Erregung in Paris.—Laval wird voraussichtlich heute noch das neue Kabinett bilden. Die Regierungserklärung. Paris, 4. Juni (DNB.) In der Kammer verlas Ministerpräsident B o u i s s o n die Regierungserklärung, in der es u. a. hieß: Die Regierung, die sich dem Parlament vorstellt, stellt die größte Einigung dar, die man seit dem Kriege verwirklicht hat. Männer, die sich gestern gegenüberstanden, haben sich heute im Hinblick auf ein bestimmtes Ziel eng zusammengefunden, u m die nationale Währung aufrecht- zuerhalten, die Finanzen und die Wirtschaft des Landes wieder herzu st ellen. Angesichts einer außergewöhnlichen Lage sind außergewöhnliche Maßnahmen notwendig. Damit diese Maßnahmen wirksam sind, müssen sie unverzüglich getroffen werden. Wenige Tage genügten den Spekulanten, um ihre Angriffe in die Wege zu leiten. Die Antwort des Staates wird brutal und entschieden sein. Wenn wir vom Parlament verlangen, daß es uns vorläufig einen Teil seiner gesetzgeberischen Befugnisse überträgt, so deshalb, um das Wesentliche zu wahren, um besser zu dienen und um jene demokratischen Einrichtungen hochzuhalten, denen wir ergeben bleiben. Die erweiterten Befugnisse, die aber zeitlich und sachlich begrenzt sind, werden uns in den Stand setzen, sofort die Spekulation zu brechen und den Franken vor jeder Beeinträchtigung zu schützen. Sie werden uns ferner ermöglichen, unsere Finanzen und unsere durch die Wirkungen einer sich seit 5 Jahren hinziehenden Krise mitgenommen und gestörte Wirtschaft wieder herzustellen und zu sanieren. Die Männer, auf denen die schwere Verantwortung der Regierung liegt, wissen, daß das zu vollbringende Werk ihren ganzen Mut und ihren ganzen Willen in Anspruch nehmen wird. Sie weroen nur ein Ziel haben: nämlich handeln. Auf allen Gebieten handeln und rasch h a n d e l n. Die ausgedehnten Vollmachten, die wir von dem Vertrauen des Parlaments verlangen, werden niemals von diesem Zweck abgelenkt werden. Sobald das Parlament wieder zusammentreten wird, werden wir Rechenschaft ablegen. Das souveräne Parlament wird dann sagen, ob wir die getreuen Beauftragten und die guten Diener des Landes gewesen sind. Eine kurze Aussprache. Nachdem der Abgeordnete Bonnefous in der Kammer erklärt hatte, die Ermächtigungsgesetze könnten nur vorübergehend Luft schaffen, man müsse zur Staatsreform schreiten, fragte der Abgeordnete de Lasteyrie, unter welchen Bedingungen die Regierung die Möglichkeit sehe, internationale Verhandlungen über die Stabilisierung der Währung einzuleiten. Kürzlich habe C a i l l a u x erklärt, daß sich Frankreich seine Währung derjenigen der anderen Länder, die die ihrige entwertet haben, anpassen müssen. Diese Anpassung, die nur eine Anpassung nach unten sein könne, wäre aber nichts anderes als die Entwertung, damit würde man einen sehr gefährlichen Weg beschreiten. Finanzminister C a i l l a u x antwortete, daß niemals, so lange er Finanzminister sei, eine Entwertung des Franks vorgenommen oder niemals ein Goldausfuhrverbot erlassen werden würde. Er fasse die ^Stabilisierung aller Währungen ins Auge, ohne daß er dabei die Stellung des Franks im Verhältnis zum Gold aufgeben würde. (Lebhafter Beifall.) Vouiffons Sturz. Ein letzter Appell bleibt erfolglos. Vor der Abstimmung erklärte der Ministerpräsident, daß er sich zur Uebernahme der Regierung bereitgefunden habe, erst nachdem ihm von allen Parteien mit Ausnahme der Sozialisten und der Kommunisten Unterstützung versprochen worden sei. Inzwischen schienen sich jedoch gewisse R a d i k a l s o z i a l i st e n eines anderen besonnen zu haben; auch wurden Gerüchte verbreitet über die Absichten der Regierung, über die Frontkämpferpensionen. Die Regierung sei entschlossen, die Frontkämpfer möglichst zu schonen und nur, wenn nötig und in allerletzter tis am letzten Samstag vor dem Offiziersverband hielt, zeigt jedoch, daß die litauische Regierung, dckrch die Nachlässigkeit der Signatarmächte ermutigt, nach wie vor entschlossen ist, an ihrer Vertragsbrüchigen Politik festzuhalten. Auf seine erneuten Versuche, den volklichen Charakter der memellandischen Bevölkerung umzufälschen und die litauischen Maßnahmen als Abwehr staatsfeindlicher Bestrebungen der deutschen Minderheit hinzustellen, erübrigt es sich, einzugehen. In der internationalen Beurteilung der Vorgänge herrscht wohl darüber keine Unklarheit. Was bisher fehlte und auch heute noch zu fehlen scheint, ist der feste politische Wille der Signatarmächte, ihren Pflichten nachzukommen, weil diese verlangen wurden, dem Standpunkt Deutschlands und der unter der moralischen Hut des Reichs stehenden deutschen Bevölkerung des Memellandes gerecht zu werden. Die Bedeutung, welche diese Frage für die Politik des Reiches und für den von den Westmachten Linie zu den Opfern hetanzuziehen. Aber sie werde unerbittlich gegen gewisse Mißbräuche vorgehen, die dahin geführt hätten, daß Leute, die niemals an der Front gewesen seien, eine 100prozentige Unter st ützung bezögen. Marschall P 6 t a i n habe auf diese Mißbräuche aufmerksam gemacht. Zum Schluß richtete der Ministerpräsident den dringenden Appell an die verschiedenen Parteien, das ihm gegebene Wort zu halten. Trotz dieses seines Aufrufes hat die Kammer dann mit 2 6 4 gegen 262 Stimmen bei der Abstimmung über die Ermächtigungsvorlage der Regierung die Gefolgschaft verweigert. Das Kabinett Bouisson mußte demzufolge zurück» treten. paris, 5. Juni. (DNB.) Derpräsidentder Republik scheint entschlossen zu sein, die durch den Sturz des Kabinetts Bouisson ausgebrochene neue Krise so schnell wie möglich zu lösen, weil man anderenfalls äußer st ungünstige Auswirkungen auf die politische und wirtschaftliche Lage und namentlich auf die Haltung des Franken befürchtet. Laval wurde als die geeignete Persönlichkeit für die Bildung einer einigermaßen dauerhaften Regierung bezeichnet. Tatsächlich hat der Präsident den Außenminister empfangen und ihm gegenüber anscheinend auch den Wunsch, die Regierungsbildung zu übernehmen, geäußert. Laval soll jedoch dem Präsidenten vorgeschlagen haben, es noch einmal mit Bouisson zu versuchen, der jedoch auf Grund einer weiteren Besprechung mit dem Staatschef erklärte: „3 ch nehme nicht an!“ Bouisson hat die Betrauung des Senatspräsiden- len Ieanneney vorgeschlagen. Wan ist sich jedoch darüber ftar, daß der 71jährige 3eanneney, dessen Gesundheit keineswegs die beste ist, sich kaum zur Uebernahme einer so schweren Aufgabe bereit finden dürfte und rechnet deshalb mit feiner Ablehnung. Lebrun wird dann vermutlich erneut an Pierre Laval herantreten mit dem dringenden Ersuchen, sich diesmal nicht mit seinem außenpolitischen Aufgabenkreis zu entschuldigen. Die Erklärung, die Laval nach seiner ersten Unterredung mit Lebrun am Dienstagabend der presse abgegeben hat, zeigt in der Tat, daß Laval Bouisson vorgeschlagen hat, um vollkommen freie Hand für die sich anbahnenden Verhandlungen zu behalten. Man glaubt nicht, daß er den dringenden Appell des Präsidenten der Republik in den Wind schlagen werde, ist vielmehr überzeugt, daß er sein Möglichstes tun wird, um noch am Mittwoch sein Kabinett zu bilden, um dann am Donnerstag vor das Parlament treten zu können. Selbstverständlich sind Zwischenfälle und Ueberraschungen «icht ausgeschlossen. Es gibt Kreise, die unter den heutigen Umständen einen weiteren Versuch der parlamentarischen Regierungsbildung sür vollkommen zwecklos hallen und die einzige Möglichkeit in der Auflösung der Kammer und einer Volksbefragung erblicken. Faschistische Protestkundgebungen aus den pariser Boulevards. Die Folgen der Regierungskrise haben sich im Laufe des Abends deutlich gemacht. Rechtsstehende Gruppen, vor allem Mitglieder der royalistischen Action Frangaise sind ä u f die Straße gezogen, um ihrem Unwillen über die Lage Ausdruck zu geben. Im Quartier Latin und auf den Boulevards herrscht ziemliche Erregung. Am Opernplatz ist es zu bedauerlichen Zwischenfällen gekommen in dem Augenblick, als die Besucher der unter Furtwänglers Leitung stehenden Walküre-Aufführung das Operngebäude betraten. Junge Burschen, die den faschistischen Verbänden angehören, versuchten die Gäste am Betreten der Oper zu hindern, und führten einen Höllenlärm auf. Ein starkes Polizeiaufgebot eilte auf zwei Lastwagen herbei, um Weiterungen zu verhindern. Mehrere der Ruhestörer wurden verhaftet. Ansammlungen von rechtsstehenden Studenten und Angehörigen der Jeunesse patriote wurden aus dem Luxemburg- Viertel gemeldet. Die Kundgebungen auf den großen Boulevards, die am Opernplatz zu Zusammenstößen mit der Polizei führten, sind, wie der „Ami du peuple", das Organ der faschistisch eingestellten „S o l i d a- rite Fran^aise, mitteilt, von diesem Verband organisiert worden, als Protest gegen die Beschlagnahme der Bundesflagge urtb die Bildung des Kabinetts Bouisson-Caillaux. „Ami du peuple" berichtet, daß etwa 1000 Mitglieder der Solidarite Franxaise die Boulevards entlang gezogen seien mit dem Rufe „Nieder Bouisson!, „Nieder Caillaux!". Mehrere hundert Polizisten feieft rücksichtslos gegen die Demonstranten vorgegangen. Bei dem Handgemenge hätten einige Bundesmitglieder ernstliche Verletzungen davongetragen. Nur dem Dazwischentreten der Bundesleitung sei es zu verdanken, daß ernstere Zwischenfälle vermieden worden seien. Alarmms der Frontkämpfer. P a r i s, 5. Juni (DNB. Funkspruch). Der Spitzenverband der Frontkämpfer hat an alle Parlamentarier eine Entschließung gesandt, in der es heißt: „Niemand mehr in Frankreich begreift, daß Ministerien, die wiederholt gestürzt wurden, immer wieder durch andere ersetzt, werden, die dieselben Persönlichkeiten umfassen. Die dauernde Beibehaltung derselben Regierungsleute läuft darauf hinaus, die Sanierung der Finanzen und die Verteidigung der Währung denselben Männern au übertragen, die wegen ihrer Saumseligkeit oder Ohnmacht als die verantwortlichen erscheinen. Der Spitzenverband der Frontkämpfer, der Anhänger aus allen Kreisen umfaßt, darf feststellen, daß die Jugend und die von der Krise am härtesten betroffenen Dolks- klassen über wä lügende Verzeiflung beherrscht, die jedes Vertrauen in die Geschicke des Landes untergräbt, in einer Stunde, in der der Glaube notwendiger ist denn je. Die ehemaligen Frontkämpfer haben die verschiedenen Versuche lange Zeit gewähren lassen. Angesichts der jetzigen Umstände aber ist es ihre Pflicht, d i e Deffent« lichkeit zu alarmieren und die volle Verantwortung zu übernehmen. Der Verwaltungsrat des Verbandes hat den Vorstand beauftragt, den Präsidenten der Republik von dieser Einstellung in Kenntnis zu setzen." Krisis und Außenpolitik. Eine Warnung Lavals an das Parlament. Paris, 5. Juni. (DNB.) Außenminister Laval erklärte nach einer Unterredung mit dem Präsidenten der Republik der Presse u. a.: „Ich bedauere die Abstimmung der Kammer. Ich bleibe den demokratischen Einrichtun- immer wieder so dringlich geforderten Anschluß Deutschlands an ein europäisches Kollektivsystem in sich schließt, ist den englischen Regierungsmitgliedern bei ihrem letzten Besuche sehr eindringlich klargemacht worden; fei doch gerade die Bekanntgabe des Kownoer Bluturteils in die Stunden der deutschenglischen Aussprache. Ader ein englischer Sozialist tat im Unterhaus die zynische Aeußerung, man möge sich über die Deutschen im Memellande nicht weiter aufregen; sie würden sich schon selbst helfen. Der Führer und Kanzler hat es in seiner Rede deutlich und für immer ausgesprochen, daß das Reich m i t Litauen keinen Vertrag schließen werde, solange der deutsche Charakter Memels nicht geachtet und geschützt werde. Die französische Presse — und auch englische Stimmen lassen sich dahin vernehmen — rügen an den deutschen Vorschlägen zur Befriedung Europas, daß sie zwar für den Westen beachtenswert und annehmbar seien, daß sie aber den europäischen Ostraum außer Betracht liehen. Die Frage des Memellandes ist aber für Deutschland einesderHaup't Hindernisse, sich an einem Vertragssystem zu beteiligen, in das so unklare und mehr noch, so rechtlose Zu st ändeund Verhältnisse einzuschließen wären. Die Signatarmächte, die ja mit Ausnahme des gänzlich uninteressierten Japan auch die Mächte von Stresa sind, haben es also in der Hand, dieses Hindernis zu beseitigen. Die Lostrennung des Memellandes vom Reiche und die Errichtung des Memelstatuts, das Litauen stets nur als ein liebergang zur völligen Annexion betrachtet hat, fiel in die Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands. Daß diese vorbei ist, fängt der widerstrebenden Welt an, klarzuwerden. Die mindeste Folgerung, die man daraus zu ziehen hat, ist die, im Memelland wenigstens jene Garantien für das Deutschtum wieder herzustellen, die man einst in einem Rest vom Schamgefühl auch gegenüber dem am Boden liegenden Gegner nicht zu ver- weigern wagte. gen und der öffentlichen Freiheit zugetan, ober, um sie hochzuhalten, darf man den öffentlichen Kredit und die Autorität des Staates nicht in Gefahr bringen. Ich Labe die Ehre, feit mehreren Monaten die auswärtige Politik Frankreichs zu leiten. Auf diesem Gebiet mehr als auf irgendeinem anderen muß Frankreich stark bleioen. Die Leiter der Außenpolitik werden die notwendige Autorität haben nur in dem Maße, als der öffentliche Kredit des Landes nicht beeinträchtigt wird. Europa ist unruhig. Der Friede ist ungewiß, und meine ganzen Bestrebungen sind darauf gerichtet, ihm eine feste Grundlage zu geben. Die politische Krise m unserem Lande schwächt die Autorität Frankreichs. Ich verstehe das Zögern des Paria- mente, auf seine Vorrechte zu verzichten, aber das Parlament muß einsehen, daß nach dieser doppelten Krise es sich nicht länger seinen Pflichten entziehen kann. Die Radikalsozialisten als Kabinettsstürzer. Noch keine Einigung der Linksgruppen. In den Wandelgängen der Kammer ging es nach der Verkündung des Abstimmungsergebnisses wie in einem Bienenhaus zu. Ueberall bilbeftn sich eifrig diskutierende Gruppen. Die Radikalsozialisten traten sofort zur Beratung zusammen. Sie wollen vor jeder endgültigen Beschlußfassung sich mit dem Parteioorsitzenden H e r r i o t m Verbindung setzen, dermitderNiederlegungdesVor- sitzes gedroht hatte, falls feine Gruppe der Re- aierung die Gefolgschaft versagen würde. Aber es steht fest, daß die Niederlage Bouissons auf die gegnerische Haltung eines großen Teiles der Radikalsozialisten zurückgeht. Ob Herriot angesichts der Desavouierung, der er persönlich ausgesetzt worden ist, seine Drohung wahrmachen wird, bleibt abzuwarten. Ein Teil der Radikalsozialisten hat sich jedenfalls zu der gemeinsamen Sitzung begeben, die verschiedene Linksgruppen abgehalten haben und die mit der Annahme einer Entschließung endete, in der die Bildung einer auf breiter demokratischer Grundlage ruhenden Regierung gefordert wird, der die genau um- rissene Aufgabe gestellt werden soll: Verteidigung des Regimes, Schutz des Franken, Kampf gegen die Spekulation und die Wirtschaftskrise. Diese Entschließung ist den Altsozialisten und anderen Gruppen, die an der Beratung nicht teiltzenommen haben, übermittelt worden. Die Altsozialisten ihrerseits haben beschlossen, in einer neuen gemeinsamen Abendsitzung der Linksgruppen folgenden Antrag einzubringen: Bildung einer provisorischen Regierung, die beauftragt ist, den Kampf gegen die Spekulation zu führen und die Auflösung der Kammer in die Wege zu leiten, damit alsbald ein Programm finanzieller und wirtschaftlicher Sanierung unterbreitet werden kann. Die bis in den frühen Morgen sich hinziehende gemeinsame Sitzung der verschiedenen Linkstzruppen der Kammer hat zu keinem Ergebnis geführt. Die beiden vorwiegenden Vorschläge, von denen einer die Bildung einer demokratischen Regierung mit beschränktem Programm, der andere die Bildung einer vorläufigen Regierung im Hinblick auf die Auflösung der Kammer vorsah, konnten nicht zu einer einheitlichen Entschließung verschmolzen werden. Da überdies bekannt wurde, daß der Präsident der Republik erst am heutigen Mittwochvormittag die Verhandlungen zur Lösung der Krise fortsetzen wird, trennen sich die Versammelten mit dem Versprechen, im Laufe des Tages erneut zusammenzukommen. Die Meinung der preffe. Auflösung der Kammer und. Diktatur Marschall Petains wird erörtert. Einmütig sind die Blätter in dem Urteil, daß die Lage ernst ist. Aber positive Vorschläge, wie man aus dem Wirrwarr herauskommen könnte, werden nicht gemacht. Die Linkspresse ist insofern mit dem Ausgang des 4. Juni zufrieden, als sie den Versuch vereitelt glaubt, eine mit diktatorischen Vollmachten ausgerüstete Regierung zu schaffen. Die kommunistische „Huma n i t 6" und der marristische „P o p u l a i r e" fordern Auflösung der Kammer und Neuwahlen nach dem Listensystem. Die radikalsozialistische „R e p u b l i q u e" schreibt: „Alle Bemühungen werden vergeblich .sein, wenn der neue Ministerpräsident nicht binnen 24 Stunden sein Kabinett bildet, wenn er nicht sofort die Vollmachten verlangt, die das Parlament diesmal aus Angst vor dem Dolksurteil kaum verweigern dürfte. Zunächst das Land, erst dann das Parlament. In die Ferien mit der Kammer! Nur so kann man den Franken und mit ihm das Regime retten!" „Excelsior" und weitere Blätter machen die Radikalsozialisten für den Zustand der Unsicherheit und für die Beunruhigung verantwortlich. „Ittatin“ schreibt: Das Land hat o o h der Kammer genug. Sie hat Unheil genug angerichtet. Sie ist unfähig, nützliche Arbeit zu leisten. Die Verfassung gibt dem Staatspräsidenten das Recht, vom Senat die Auflösung der Kammer zu fordern. Niemals würde man einen besseren Gebrauch von diesem Recht machen können, niemals der Senat eine bessere Gelegenheit haben, der Republik und Frankreich zu dienen. „Echo de Paris", das seine Betrachtungen zum Teil auf die außenpolitischen Rückwir- tungen der andauernden Krisen Frankreichs ab- stellt, erklärt: Die parlamentarische Republik, die einst mit einer Stimme Mehrheit aus- gerufen worden ist, hat gestern an s i ch selbst mit zwei Stimmen Mehrheit einen Selbstmordversuch begangen, der ihr Leben gefährdet. Wie soll man jetzt noch das Parlament für fähig halten, irgendetwas gutes, vernünftiges, nützliches zu leisten? Welches Ansehen genießt es noch, um sich bei der Nation Geltung zu verschaffen und zu versuchen, sie der Katastrophe zu entreißen? Das Kabinett Bouisson kann nur durch ein Ministerium mit gleicher Zusammensetzung abgelöst werden, mit dem gleichen Programm und entschlossen, die gleichen Mitteln anzuwenden. Aber wenn man den öffentlichen Frieden retten will, ist keine Minute zu verlieren. 3n der „Victoire" schreibt Gustave hervö: Die einzige Aussicht, den Bürgerkrieg zu vermelden ist, die Nation, die sich am Rande des Abgrundes befindet, ohne es zu wissen, wach zu rütteln, sofort die Zusammenfas- „Adolf Hitler aus der Nahe". Oer englische Zeitungsmagnat Lord Rothermere über die Person des Führers. London, 4. Juni. (DNB.) „Daily Mail" veröffentlicht einen Artikel von Lord Rother - m e r e „Adolf Hitler aus der Nähe". Darin heißt es u. a: „Die hervorragendste Gestalt in der heutigen Welt ist Adolf Hitler. Sein überragender Geist magnetisiert das ganze Gebiet der Außenpolitik!" Lord Rothermere bezeichnet Hitler als „praktischen Mystiker" und fährt fort: „Hitler steht in der direkten Reihe jener großen Menfchheitsführer, die selten mehr als einmal in zwei oder drei Jahrhunderten auftauchen. Er ist die Verkörperung des Geistes der deutschen Rasse, Hitlers tiefer Glaube an seine eigene Sendung ist eine Kraft, die sich fühlbar macht, sobald man mit ihm in Berührung kommt. Ihre Intensität macht die oft erörterte Frage, ob er es ehrlich meine oder nicht, unwichtig. Ein Mann, der so vollständig von einem großen Ziele besessen ist, hat keine Verwendung für Spitzfindigkeiten und Heucheleien. Hitlers Ziel ist es, die«olle Souveränität Deutschlands in innerpolitischen Angelegenheiten wie- derherzustllen und in der Außenpolitik Deutschland wieder auf den Stand einer Weltmacht erster Klasse zu erheben. Hitler macht es klar, daß es in diesem Ziel kein Nachlassen gibt. Der erste Eindruck, den man in Hitlers Gegenwart empfängt, ist der seines außerordentliche nt Ern st es. Seine Gespräche sind niemals unbestimmt, seine Haltung läßt nie nach. Wie ruhig und unbeweglich sein Verhalten auch sein mag, so fühlt man doch instinktiv, daß unter der Oberfläche jenes glühende Ziel vorhanden ist, das feine ganze Existenz beherrscht." Lord Rothermere fährt bann fort, Hitler, werde niemals ein stereotyper Staatsmann werden. Bürokratie und Amtsschimmel entsprächen seiner Natur nicht. „Die öffentlichen Erklärungen, mit denen er Geschichte macht, sind nicht das Ergebnis langer Besprechungen und stellen nicht ein Kompromiß zwischen den auseinandergehenden Ansichten verschiedener Geister dar. Ihre Kraft und ihre Klarheit sind auf die Tatsache zurückzuführen, daß sie Hitlers eigenem Kopf entspringen, wobei nur ein oder zwei intime Mitarbeiter mit ihrem Rat mitwirken." Der Verfasser spricht bann von der elnsachen Lebensweise Hitlers und sagt, daß seine Liebe für Kinder und Hunde ein weiterer Beweis für seine starke Gefühlswelt sei, die seiner beherrschenden lleberzeugung zugrundeliege, daß er eine göttliche Sendung zu erfüllen habe. Hitler habe sein volles Teil an Verrat und Enttäuschung erfahren. Solche Erfahrungen seien u n - vermeidlich in einer politischen Laufbahn, aber Hillers empfindsame Natur fühle sie sehr stark, um so mehr, als er selbst instinktiv treu gegenüber seinen Freunden sei. „Die wenigen Männer, die in enger und ständiger Fühlung mit ihm stehen, sind beinahe alle seine Mitarbeiter von Anfang an. Durch ihre Ergebenheit und Bewunderung für ihren Führer, die durch ein Dutzend Jahre der Entmutigung und des Triumphes erprobt sind, sind sie der überzeugendste Beweis für Hitlers edlen und loyalen Charakter." Die Zukunft E n a I a n b s als ber größten Weltmacht ist auf Gedeih unb Verb erb mit b e n Hanblunaen bieses Mannes verbun- b e n, ber Der unbestrittene Herrscher ber stärksten Kontinentalmacht ist. Die gegenwärtige Tenbenz unserer öffentlichen Meinung geht dahin, übereilte Ansichten über Hitler zu bilben auf Grund einer Einzelhandlung oder eines einzelnen Gesichtspunktes feines ungeheuren Felbzuges für bie Wieberherstellung von Deutsch- lanb. Aus solchen Urteilen, bie sich a u f u n genüg e n b e ober irreführende Beweise stützen, können sich leicht katastrophale internationale Mißverständnisse ergeben. Es ist erfreulich zu sehen, daß Hitlers Rebe seine Volkstümlichkeit in England stark erhöht hat. Ich bin aufs tiefste überzeugt, baß, je besser er der Masse des englischen Volkes bekannt wird, um so höher seine Wurdiguna sein wird und um so enger die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sein werden. Roosevelt verzichtet aus das 7!ira-Gystem. Oie amerikanische Privatwirtschaft ohne Bindungen. Washington, 5. Juni (DNB. Funkspruch). Das N i r a - S y st e m der Richtlinien für etwa 600 Industriezweige, deren Beachtung die Bundesregierung eineinhalb Jahre lang zu erzwingen sich bemüht hatte, wurde am Freitagabend vom Präsidenten Roosevelt endgültig zu den Akten gelegt. Er kündigte in einer besonderen Pressekonferenz an, daß die Regierung den Apparat zur Durch- ührung von Mindestlöhnen, Arbeitshöchstzeil und anständigen Arbeitsbedingungen sowie des Verbotes von unlauterem Wettbewerb und von Kinderarbeit a b s ch a f f e n werde. Bleiben solle lediglich e i n Gerippe der Nira-Verwaltung, das zwei Arten Büroarbeiten auszuführen haben werde: 1. Zu- ammenstellung und Untersuchung der Wirkungen, die die Nira-Lodes bis zur Entscheidung des obersten Vundesgerichts auf die Arbeitslosigkeit, die Löhne und die Preise ausgeübt haben; 2. Sammlung von Mitteilungen über die jetzige Lage. Die Dauer dieser stark verkleinerten Nira - Verwaltung solle am 1. April nächsten Jahres ablaufen. Nur in einem Punkt blieb Roosevelt seinem Ideal treu, indem er nämlich ein Gesetz vorschlug, des Inhalts, daß bei allen Vundesverträgen über Warenlieferungen oder Dienstleistungen oder über Anleihen an Städte und Gemeinden zu bestimmten Notstandszwecken die Bundesregierung nur diejenigen Angebote zu berücksichtigen brauche, bei denen Kinderarbeit ausgeschlossen sei und Minde st löhne gezahlt sowie die Arbeits- h ö ch st z e i t in den Betrieben beachtet würden. Dies alles hat folgende praktische Wirkungen: die Privatwirtschaft ist frei von jeder Bindung; eine Ausnahme bildet nur der Fall, daß sie sich um Regierungsaufträge bemüht. Das Koalitionsrecht der Arbeiter kann von der Regierung nicht mehr erzwungen werden. Die Nira-Vehörde, die 5400 Köpfe zählte, wird stark abgebaut und der Rest nur bis zum 1.April weiterbeschäftigt. Peeks Amts als Berater in Handelssachen, das gleichfalls ein Teil des Nira-Gefehes war, ist beendet, aber er bleibt Präsident der Bundesbank für Außenhandel. Zuspitzung im Abessinien-Konflikt. Scharfe Sprache der italienischen preffe au« Anlaß der letzten Grenzzwischenfälle. Rom, 4. Juni. (DNB.) Die neuen Zwischenfälle an den Grenzen von Italienisch- Eritrea unb Somali werben von ber gesamten italienischen Presse in bem Sinne besprochen, baß es sich nicht mehr um episobische Einzelfälle han- belt, fonbern um Zwischenfälle, bie nur als B e - weis für bie b a u e r n b feindselige (Sin- Stellung Abessiniens gegen Italien betrachtet werben müßten. Dieser Umftanb sei um so eigenartiger in einem Augenblick, ba bie italienisch-abessinische Schlichtungskommission ihre Arbeiten beginnen soll. Vor allem seien sie ein Beweis für ben bewaffnet en Druck, ben Abessinien auf bas ganze Grenzgebiet von Jta- lienisch-Ostafrika ausübe. Die Kette blutiger Ereignisse scheine kein Ende nehmen zu wollen unb man könne bereits voraussehen, baß zur Abhilfe frieb- liche Mittel unb Wege nicht mehr ausreich e n b seien. Das halbamtliche „<9tornale b'Jtalia" meint, Abessinien liefere mit ben neuen Zwischenfällen ber zivilisierten Welt nur einen Beweis für bie Richtigkeit ber Stellungnahme Italiens. „Lavoro Fascista" svricht von einer unerträglich geworbenen Lage. Es sei nur logisch, wenn man sich frage, ob Italien nicht seine Hanblungsfreiheit zurücknehmen unb ben von Abessinien mit Füßen getretenen Vertrag auffünbigen soll. „Tribuna" betont, baß Italien entschlossen sei, auch nicht ben kleinsten Teil seiner Rechte zu opfern. Das italienische Volk sei sich bewußt, baß es bamit nicht nur seine eigenen Interessen, fonbern bie In- teressen Europas unb ber Zivilisation oerteibige. Entweber müsse ber Angriffswille Abessiniens vollkommen gebrochen unb bamit bas Recht Italiens auf feine zivilisatorische Arbeit in Afrika in vollem Umfange anerkannt werben, ober aber Italien müsse auf jebe politische Aufgabe in Afrika vollkommen verzichten. Der Wille zum Krieg sei nicht bei Italien entstauben, fonbern zuerst bei Abessinien mit bem vorbebachten Angriff auf bie italienischen Kolonien in Ostafrika. Kein englisches Protektorat über Abessinien geplant. ß o n b o n , 4. Juni (DNB.) An mafjgebenber englischer Stelle werben am Dienstag Die von Gayba in einer italienischen Zeitung wiebergegebe- nen Aeußerungen bes Obersten Clifforb von ber englisch-abessinischen Grenzfestsetzungskommission entfliehen bementiert. Er soll erklärt haben, baß Abessinien Großbritannien gebeten haben soll, für einen Zeitraum von 25 Jahren e.in Protektorat über bas R ei ch bes Negus -auszuüben. — In Lonbon wirb ferner nachbrücklich erklärt, baß keine britischen Panzerwagen in bem Grenzbezirk zwischen Kenya unb Abessinien konzentriert seien. Ebenso unwahr sei bie Behauptung, baß dort irreguläre Truppen eingezogen würben. Was bas Bebauern Gaybas über ben Zustrom von britischen Materialien unb Agenten nach Kenya angehe, so sei keinerlei Zunahme ber Einfuhr zu verzeichnen. Dementiert wirb schließlich bie Unterstellung, baß unverantwortliche britische Lokalbehör- ben unb Agenten Abessinien moralisch unterstützten. jung der nationalen Kräfte um Marschall petain in die Wege zu leiten und den Gedanken einer republikanischen Diktatur des öffentlichen Wohles den weg zu ebnen. Diese Diktatur mühte Marschall p e t a i n übertragen werden. Scharfe Kritik her englischen preffe. London, 5. Juni. (DNB. - Funkspruch.) Die englische Presse verfolgt die Regierungskrise in Frankreich mit großer Spannung. „Daily Telegraph" schreibt: „Der Sturz von drei französischen Regierungen innerhalb von neun Monaten beleuchtet den Geist der Uneinigkeit unb ber Zersetzung, ber unglücklicherweise unter ben politischen Parteien in Frankreich herrscht. „Daily Mail" sagt, baß Frankreich zur Zeit die größte politische Krise seit ber ©rünbung ber Dritten Republik burchmache, bie sich möglicherweise sogar als eine europäische Krise auswirken könne. „News Chronicle" erklärt, bie französische Kammer müsse ben mobernen Anforbe - rungcn angepaßt werben, unb in etwas besseres als ein unverantwortliches Sprachrohr reiner Interessengruppen verwanbelt werben. Beginn der deutsch-englischen Flottenbefprechungen. Lonbon, 4. Juni. (DNB.) Die deutsch-englischen Flottenbesprechungen wurden am Dienstag- vormittag im Foreian Office eröffnet. Auf deutscher Seite nahmen teil Botschafter v. Ribbentrop, Admiral S ch u ft e r, Korvettenkapitän KiberIen unb ber deutsche Marineattachs in Lonbon, Kapitän Waßner. Die englischen Vertreter sind der stellv. Unterstaatssekretär im Foreign Office Erat* gie, der stellv. Chef bes Marinestabes, Vizeabmiral ß i 111 e unb Kapitän Danckwerts. Zu Beginn ber Besprechungen begrüßte ber englische Außen* minifter Sir John Simon bie Flottensachverstän- bigen im Namen ber britischen Regierung; unmittelbar barauf würbe in bie sachlichen Bespre» chungen eingetreten, sie währten länger als brei Stunben. Währenb bes Nachmittags bauerten sie fast anberthalb Stunben. Im Royal Automobil Club veranstaltete die Gattin des deutschen Marineattachös in ßon- bon, Frau Waßner, am Dienstagnachmittag einen Empfang für bie deutsche Flottenabordnung, zu bem Vertreter bes englischen Auswärtigen Amtes, ber Abmiralität, ber beutsche Botschafter sowie Vertreter ber Presse erschienen waren. Am Dienstagabenb waren bie Mitglieber ber beutschen Aborbnung Gäste im Hause bes fteHoer* tretenden Unter st aatssekretärsCrai* gie. Die Verhanblungen, bie am Dienstag im Foreign Office begannen, werben am Mittwoch in ber Admiralität fortgesetzt. Ueber die Besprechungen am Dienstag ist eine amtliche Mitteilung nicht ausgegeben worden. Die Abordnung wirb am Mittwoch bas Mittagessen bei Ministerpräsibent Macbonald einnehmen. Der deutsche Gesandte in Druffel gestorben. Berlin, 4. Juni (DNB.) Der deutsche Gesandte in Brüssel, Graf Slbelmann von Abel* mannsfelden, ist an den Folgen eines schweren F '• r ' Der deutsche Gesandte in Brüssel, Graf Adel* mann von Adelmannsfelden. (Scherl-M.) Nierenleidens gestorben. Der Gesandte beabsichtigte, vor etwa vier Wochen zur Kur nach Bad Wildunaen zu fahren, erkrankte aber in Köln so schwer, daß er seine Reise unterbrechen mußte. Graf Abelmann war 1877 in Hohenstadt bei Aalen in Württemberg geboren. Er entstammt einer alten schwäbischen Abeisfamilie. Nach dem Besuch bes Gymnasiums in Sigmaringen ftubierte er Jura in Paris, Greifswalb, Berlin unb ßeipzig. 1899 machte er Stubienreisen nach ben Vereinigten Staaten, Englanb, Italien unb Spanien. 1905 trat er zur preußischen inneren Verwaltung über. Von 1908 bis 1919 war er oortragenber Rat unb später Ministerialbirigent im Reichsministerium des Innern. Von 1925 bis 1930 war er Stellvertreter bes Reichskommissars für bie besetzten Gebiete. 1930 erfolgte sein Uebertritt in bas Auswärtige Amt. 1931 würbe er Generalkonsul in Kattowitz und 1934 Gesandter in Brüssel. Das Auswärtige Amt beklagt in dem Dahingeschiebenen einen befonbers begabten Beamten von hervorragenber Pflichttreue unb bewährtem Charakter. Es wirb ihm stets ein ehrenvolles Anbeuten bewahren. Die Nachricht von bem Tobe bes Gesanbten hat in Brüssel größte Bestür* ehervorgerufen. Der Vertreter Des Deutschen jes hatte sich trotz seiner kurzen Wirksamkeit in ber belgischen Hauptstabt bie wärmsten Sympathien erworben. Auf bem Oebäube ber beutschen Gesanbtschaft wehen bie Fahnen bes Reiches auf Halbmast. Der beutsche Geschäftsträger hat bem Doyen bes Diplomatischen Korps, Nuntius Micara, unb bem Hofmarschall bes Königs bie Nachricht von bem Ableben persönlich übermittelt. Ministerpräsibent van Zeelanb übermittelte bem Geschäftsträger bas Beileib ber belgischen Regierung. Die Bankfeiertage in Danzig. Eine Erklärung des Senatspräsidenten Greiser. Danzig, 4. Juni. (DNB.) Zu bem Entschluß ber Danziger Regierung, zur Abwehr ber in ben letzten Tagen in Danzig betriebenen Spekulation einige Bankfeiertage einzulegen, erklärte Se- natspräfibent Greiser am Dienstagabenb im Runbfunk u. a., baß bas Danziger Wirtschaftsleben sich bis zum vergangenen Samstag in geregelten Bahnen bewegt habe bis zur planmäßigen Verbreitung von Gerüchten über eine angeblich bevorstehende neue Abwertung bes Danziger (Bulben, bie am Samstag zu einem organisierten A n- st u r m auf bie für ben Reiseverkehr vffengehaltenen Wechselkassen geführt unb telegraphische Ueberroeifungen großer Summen in auslänbischer Währung von Danzig nach bem Auslände zur Folge gehabt habe. Dieser Ankauf frember Valuten sei planmäßig vorbereitet und am Montag bei ben einzelnen Banken roieberum fortgesetzt worben. Die Folge seien Deoisenabzüge in ganz enormem Umfange bei dem Danziger Noteninstitut gewesen. Die Regierung hat daher sofort Bankfeiertage eingelegt, nicht um die Zahlungsfähigkeit der Banken unb Sparkassen in Danziger (Bulben zu reoibieren, sondern, um der Bevölkerung zu zeigen, daß die Regierung nicht gewillt ist, weiterhin Devisen in einem den normalen Bedarf überschreitenden Umfange verkauf en z u lassen. Der Senat will damit der willkürlichen Spekulation in ausländischen Valuten das Handwerk legen. Im übrigen wird durch eine neue Verordnung dafür Sorge getragen werden, daß den Notwendigkeiten des wirtschaftlichen ßebens in Bezug auf Lohnzahlungen und Aufrechterhaltung des Hafenverkehrs Rechnung getragen wird. Die vor einem Monat erfolgte Abwertung des Danziger Guldens fei notwendig gewesen, um in dem gemeinsamen Wirtschaftsraum Polen-Danzig die ungleiche Bewertung zweier Währungen aufzuheben. Diese Maßnahme sei einmalig gewesen und es wäre sinnlos, wenn man nun durch die niedrigere Neubewertung des Danzi- fier Guldens gegenüber der polnischen Währung n umgekehrter Form einen Zustand herbeiführen würde, der ja durch die Guldenabwertung gerade beseitigt werden sollte. Die Danziger Regierung werde durch ein Sparsamkeitsprogramm von bisher noch nie gekannten Ausmaßen den Beweis erbringen, daß sie willens sei, von den Opfern, die sie von der Danziger Bevölkerung zur Deutscherhaltung ihrer Heimat verlange, die Haupt- last auf ihre eigenen Schultern zu nehmen. Die Einlegung der Bankfeiertage sei auch deshalb notwendig gewesen, um das notwendige Pro- gramm für eine derart umfassende Aktion aufzustellen. Die Organisation der Lustfahrt. Berlin, 4. Juni. (DNB.) In Ergänzung der über die Auswirkungen des Wehrgesetzes gemachten Veröffentlichungen wird über die Organisation auf dem Gebiete der Luftfahrt folgendes bekanntgegeben: O b e r st e Reichsbehörde für die Luftfahrt ist das Reichsluftfahrtmini st erium. An seiner Spitze steht der Reichsmini st er der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe General der Flieger Hermann G ö ■ ring. Seine Befugnisse als Reichsminister der Luftfahrt werden durch seine Zugehörigkeit zur Wehrmacht als Oberbefehlshaber der Luftwaffe nicht berührt. Wie das Heer das Reich in Wehr- Ireise teilt, so hat die Luftwaffe sechs L u f t - kreiskommandos in Königsberg, Berlin, Dresden, M ü n st e r, München und Kiel gebildet, die die militärische Befehlsgewalt ausüben und an deren Spitze ein Befehlshaber im Generalsrang steht. Die Luftfahrtverwaltung liegt in Händen von 15 Luftämtern in Königsberg, Stettin, Kiel, Berlin, Magdeburg, Hannover, Breslau, Dresden, Weimar, Frankfurt a. M., Münster, Köln, Nürnberg, München und Stuttgart. Neue Leiter der Schulungsämter in der jR3$. Im Auftrage des Reichsjugendführers beauftragte Stabsführer Lauterbacher den bisherigen stellvertretenden Leiter der Abteilung E der Reichs- jugendführung, Oberbannführer Schlünder, mit der kommissarischen Leitung des neugeschaffenen Amtes für körperliche Schulung in der Reichsjugendführung. Mit der Leitung des neugeschaffenen Amtes für weltanschauliche Schulung in der Reichsjugendführung wurde der bisherige Stabsleiter der Gebietsführung Pfalz- Saar, Oberbannführer Brennecke, beauftragt. Nur eine deutsche Leibesübung! LPD. Darmstadt, 4. Juni. Das katholische Jugendamt der Diözese Mainz hat sich an den Leiter des Staatlichen Turn- und Sportamts in Hessen, Verwaltungsdirektor Löwer, gewandt mit der Bitte, bei dem Geheimen Staatspolizeiamt darauf hinzuwirken, daß die Verordnung über das Betätigungsverbot der Deutschen Jugendkraft-Vereine (katholische Sportbewegung) aufgehoben wird, weil es sonst der katholischen Jugend unmöglich sei, sich sportlich zu betätigen und sich auf den Deutschen Jugendtag am 23. Juni d. I. entsprechend vorzubereiten. Verwaltungsdirektor Löwer hat darauf dem katholischen Jugendamt folgendes geantwortet: „Auf Ihr Schreiben vom... teilen wir Ihnen mit, daß die gesamte katholische Jugend Gelegenheit hat, i n den zugelassenen Vereinen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübun- §e n Sport zu treiben. Ihr Vorwurf, die katholische ugend könnte in Hessen an keinerlei sportlichen Hebungen teilnehmen, wird deshalb mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen. Es gibt in Deutschland keinen katholischen Sport, sondern nur eine deutsche Leibesübung." Oer Führer an die Kriegsblinden. Der Führer und Reichskanzler richtete anläßlich des deutschen Kriegsblindentreffens und der Kriegsblinden-Ausstellung i n Stuttgart an den Bundesobmann der deutschen Kriegsblinden, Dr. Plein, folgendes Schreiben: t _ . . „Für das treue G e d e n k e n der in der Stadthalle zu Stuttgart versammelt gewesenen Kriegsblinden sage ich Ihnen und allen Beteiligten meinen aufrichtigen Dank. In tiefer Dankbarkeit gedenke ich des dauernden großen Opfers, das gerade die Kriegsblinden dem Vaterlands dargebracht haben und täglich erneuern. Ich bitte Sie, diesen besonders hart geprüften Kriegskameraden und ihren in gleicher Lage befindlichen Gästen aus Frankreich und Italien meine aufrichtigsten Grüße und die Versicherung meiner treuesten kameradschaftlichsten Verbundenheit zu übermitteln. Mit deutschem^ Sruf^ Kleine politische Nachrichten. Der Führer und Reichskanzler hat den Präsidenten der Republik Uruguay zu seiner Errettung von dem Attentat beglückwünscht und ihm dabei seine besten Wünsche für baldige Wiederherstellung übermittelt. Der deutsche Botschafter in Washington und Staatssekretär Hüll unterzeichneten em Abkommen, wodurch der gegenwärtige Handelsvertrag, der am 14. Oktober abgelaufen wäre, verlängert wird. Das neue Abkommen enthalt n l ch t die Meistbegünstigungsklausel des gegenwärtig geltenden Vertrages, der von Deutschland gekündigt worden war, weil der deutsch-amerikanische Güteraustausch im Hinblick auf die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse neu geordnet werden mußte. Insbesondere war Artikel 7 (Meistbegünstigung) durch die Veränderungen der wirtschaftlichen Verhältnisse überholt. Durch die Verlängerung des alten Handelsvertrages unter Ausschluß der Meistbegünstigungsklausel ist dem deutschen Verlangen entsprochen worden. * Dr. Hans Hartmeyer, Vertreter der „Hamburger Nachrichten", der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung", des „Fränkischen Kuriers" der „Schlesischen 'Zeitung" und Obmann der Vereinigung der Berichterstatter der reichsdeutschen Presse in Wien, der von der Staatspolizei festgenommen worden war, wurde aus Oesterreich a u s g e w i e s e n. Die Jahresrechnung 1934 der S t a d t g e - meinde München schließt mit einem Heber« schuß von über einer halben Million Mark ab, der dem Tilgungsfonds zur Tilgung kurzfristiger Schulden zugeführt wird. Außerdem ist es in den Haushaltsjahren 1933 und 1934 gelungen, einen aus dem Haushaltsjahr 1931 stammenden Re st fehlbetrag von 4,5 Millionen Mark abzudecken. * Der schweizerische Gesandte in Warschau, Minister Dr. Hans Albrecht von S e g e s - je r, ist an einem Herzleiden im Alter von 58 Jahren in Bad-Nauheim gestorben. Dr. von Segesser, der aus einer hochangesehenen Luzer- ner Familie stammt, war während des Krieges im Politischen Departement in Bern tätig, wo ihm hauptsächlich die Fragen der Internierung der Kriegsgefangenen anvertraut waren. Während der Ruhrbesetzung war er schweizerischer Generalkonsul in Köln. * Durch Beschluß des Direktoriums Bruvelaitis vom 3. Juni 1935 ist der großlitauische Stadtverordnete und ehemalige Gouvernementsrat Victor Gailius an Stelle von Simo- naitis zum kommissarischen Oberbürgermeister der Stadt Memel mit den Befugnissen des ersten Bürgermeisters bis zur Neuwahl und Bestätigung des ersten Bürgermeisters ernannt worden. Einem Herzschlag erlag einer der hervorragendsten Vorkämpfer für das Deutschtum, der aus Pennsylvania gebürtige Professor Wilhelm Notz, Dekan des Instituts für Außen- Politik an der Washingtoner Georgetown-Universi- tät. Anläßlich seines 25. Professorenjubiläums war der Verstorbene vom Weltwirtschaftlichen Institut in Kiel zum Ehrenmitglied ernannt worden. Die Die Devisenverbrechen katholischer Ordensangehöriger. Eine Erklärung des Reichsjustizministeriums zu einer Veröffentlichung des erzbischöflichen Ordinariats in Breslau. Berlin, 4. Juni (DNB.) Die Pressestelle des Reichsjustizministeriums teilt mit: Die „Germania" und die „Märkische Volkszeitung" haben eine Erklärung des erzbischöflichen Ordinariats in Breslau zu den Verfahren gegen katholische Geistliche und Angehörige von Klütern wegen Devisenverbrechen veröffentlicht. Diese Erklärung ist geeignet, die Öffentlichkeit über die Schwere der Anschuldigungen gegen die Beteiligten irrezuführen. Im einzelnen ist festzustellen: 1. Das erzbischöfliche Ordinariat besitzt nicht die Unterlagen, die es instandsetzen würden, zu dem sachlichen Inhalt der Verfahren Stellung zu nehmen. 2. In der Erklärung wird die Frage aufgeworfen, ob dieBeteiligten nicht aus Unkenntnis oder infolge Irreführung seitens dritter Personen gehandelt haben. Tatsächlich waren von den bis jetzt verurteilten Ordensangehörigen die drei Haupttäter in vollem Umfange g e st ä n d i g. Sie haben zugegeben, g e w u ß t zu haben, daß die unbefugte Verbringung von Reichsmarkbeträgen ins Ausland st r a f b a r ist. Außer diesen Personen haben in den noch schwebenden zur Zeit 60 Verfahren bisher 25 beschuldigte Geistliche und Ordens- angehöriae eingeräumt, bewußt gegen die Devisenbestimmungen verstoßen zu haben. Die Gesamthöhe der Summen, die zugegebenermaßen bewußt verbotswidrig ins Ausland verbracht wurden, oder über die im Ausland verfügt wurde, geht in die Millionen. Soweit Geständnisse nicht vorliegen, ergibt sich in einer ganzen Reihe von Fällen neben anderen aus der Art der Begehung der Zuwiderhandlungen, aus dem Verbergen der Beträge in der Ordens» kleidung, aus der Vernichtung oder anderweitigen Beiseiteschaffung der Bücher, aus der falschen Buchführung und aus fingier- tem Schriftwechsel, daß die Beschuldigten sich der Strafbarkeit ihres Handelns bewußt waren. 3. Das erzbischöfliche Ordinariat behauptet, daß die bischöflichen Ordinariate bei den vorgekommenen Handlungen von Ordensleuten nicht beteiligt seien. Tatsächlich sind im Laufe der Ermittlungen auf Grund richterlichen Haft- befehls einige leitende Ordinariatsbeamte fe st genommen worden. Gegen einen G e n e r a l v i k a r hat der Generalstaatsanwalt in Berlin Anklage erhoben. Die Erklärung des erzbischöflichen Ordinariats enthält Anschuldigungen gegen die deutsche Rechtspflege. Das Ordinariat glaubt, „einer späteren Zeit müsse es vorbehalten bleiben, unbeschadet der Achtung vor den schwebenden gerichtlichen Verhandlungen ein ruhiges, alle Momente abwägendes Urteil .über die genannten Vergehen in ihrer Gesamtheit zu treffen . Darin kommt zum Ausdruck, daß die deutschen Gerichte jetzt nicht in der Lage seien, ein ruhiges, alle Momente abwägendes, also gerechtes Urteil zu fällen. Namens der deutschere Rechtspflege wird diese Auffassung entschieden zurückgewiesen. Berufung im Oevisenschiebungs-prozeß des Franziskaner-Paters Goertier. Der vom Berliner Schnellschöffengericht wegen fortgesetzten Devisenverbrechens zu zehn Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und 350000 Mark Geldstrafe verurteilte Franziskanerpater Otto Goertler aus Wald- breitbad), Kreis Neuwied, hat gegen das Urteil B e - rufung eingelegt. Der Fall wird noch einmal vor der 4. Großen Strafkammer aufgerollt werden. Bis zur Berufungsverhandlung dürften noch einige Wochen verstreichen. Der „Tag der deutschen Technik" in Breslau. Eingehende Erörterung aktueller Probleme. Der „Tag der deutschen Technik", das große Treffen der deutschen Ingenieure in Breslau, hat mit einer Arbeitstagung begonnen, lieber 2500 Fachleute aus allen Teilen Deutschlands nehmen an der Fachtagung teil. In engster ©e- meinschaft mit dem „Tag der deutschen Technik hält der Verein deutscher Ingenieure seine 73. Hauptversammlung ab, die Technische Hochschule Breslau verbindet mit ihm die Feier ihres 25jährigen Bestehens. Da die Tagung eine Veranstaltung der gesamten deutschen Technik sein soll, umfaßt ihr Rahmen ein außerordentlich vielgestaltiges Gebiet technischen Fachwissens. In acht Fachgruppen sind die Fachvortrage gegliedert, die alle die technischen Fragen erörtern, die im Mit- telpunkt des Gegenwartsinteresses stehen. Unter dem Titel: Nahrung und Kleidung aus deutscher Erde, deutsche R o h st o f fe aus beut; schein Boden, Energiewirtschaft aus heimischen Kraftquellen, Wohnen auf deutscher Scholle, geben sie Einblick in die große Zahl von technischen Arbeiten, die der Vermehrung der Erzeugung von Stoff und Kraft aus eigenen Mitteln und der Förderung der Siedlung dienen. Die öffentliche Vortragsveranstaltung fand entsprechend ihrer Bedeutung weitestes Interesse. Hier wurden Aufgaben aus der Ingenieur- arb eit behandelt, die über den Kreis der Fach- leute hinaus die Allgemeinheit beschäftigen. Im Konzerthause sprach nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden Dr.-Jng. Schult (Berlin), Prof. Dr.« Jng. Dr.phil.h.c. Goerens (Essen) über „Grund- ätzliche Fragen der Rohstoffbewirtschaftung . Er teilte hierzu u. a. fest, daß die staatliche Bewirt- chaftung derjenigen R o h st o s f e , für deren Bezug wir ganz oder zum Teil vom Auslande abhängig sind, solange eine Notwendigkeit bleiben wird, als eine unbeschränkte Versorgungsmöglichkeit durch die Wirtschaft selbst nicht besteht. Die im Zusammenhang mit der Rohstoffbewirtschaftung er. grif enen Maßnahmen werden sich nur dann als wirksam und für die deutsche Wirtschaft als segensreich erweisen, wenn es gelingt, jedes einzelne Wirtschaftsglied zur Gemeinschaftsarbeit in der Bekämpfung der Rohstoffnot zu veranlassen. In seinem Vortraa „Gedanken über die zukünftige Energiewirtschaft Deutschlands" betonte Generaldirektor Dr.-Jng. Rübling (Stuttgart), daß im Vordergrund allen Fühlens, Denkens und Handelns in der Energiewirtschaft der deutsche Mensch tehen muß. Das Einzige, was wir haben unb auf )as wir uns verlassen können, ist das deutsche Volk elbst. — Danach sprach Dr.-Jng. L u d o v i c i (Berlin) über „Technische Aufgaben im Rahmen der Reichsplanung". Unter den Aufgaben der Reichsplanung feien hauptsächlich drei grundsätzlich entscheidende herauszustellen: 1. die Beoölkerungs- politik, 2. die Volkswirtschaft und 3. die Wehrpolitik. Die Reihe der Vorträge schloß Direktor Dr.-Jng. h. c. Fritz Rosdeck (Düsseldorf), der sich über „Aufgaben und Pflichten der Werkführung" verbreitete. Während bei den Aufgaben, so führte der Vortragende u. a. aus, Verstand und Können den Ausschlag geben, müssen bei den Pflichten Herz und Seele bestimmend fein. Ausstellung „Volk und Wirtschafte in Breslau. In der Breslauer Jahrhunderthalle fand die Eröffnung der mit der Tagung des Vereins Deutscher Ingenieure verbundene Lehrschau „V o l k u n d Wirtschaft" statt. Der Vorsitzende des Vereins Deutscher Ingenieure, Dr. Jng. Schult, wies darauf hin, daß die Ausstellung jedem Volksgenossen richtige Vorstellungen über die lebenswichtigen Zusammenhänge zwischen dem Volk und seiner Wirtschaft vermitteln wolle. Die Ausstellung wolle durch einfache Tatsachen zum Nachdenken über die wichtigsten Zusammenhänge zwischen Volk und Wirtschaft anregen. Der Ausstellung sei noch eine Schau angeschlossen, die von Kultur und Technik handele und vor allem Zeugnis von der großen Ge- chichte der Technik ablegen wolle. Es sei bereits eine ganze Anzahl von Kulturdenkmälern technischer Art geschützt worden, um für die kommenden Geschlechter den einen oder anderen technischen Arbeitspionier in geeigneter Form zu erhalten. Ehrenurkunde sollte ihm in diesen Tagen überreicht werden. Mit Professor Notz verliert Washington einen hochsinnigen und überall geschätzten Amerikaner deutschen Stammes. Aus aller Wett. Unwetterkatastrophe in Mexiko, lieber hundert Todesopfer. Eine furchtbare Naturkatastrophe oerroü- stete die in der Nähe von Mexiko-Stadt gelegenen Dörfer San Pedro, Actopan und San Gregorio. Die Zahl der Toten wird auf 150 bis 200 ge- schaht. An den hangen des Ajusco-Bergmassivs setzte ein Wolkenbruch von ungewöhnlicher Heftigkeit ein. Riesige Wassermassen stürzten von den hängen in die Ortschaften, alles mit sich reihend. Die Einwohner von San Pedro und Acto- pan waren, als das Unglück hereinbrach, in der Kirche versammelt. 3n wenigen Sekunden stieg das Wasser zwei Meter hoch. Alle Kirchenbesucher ertranken. Die Flutwelle setzte mit auherordent- licher Geschwindigkeit ihren weg fort und erreichte bald darauf das Dorf San Gregorio, wo bisher 2 2 Tote gezählt werden. Die sofort eingeleiteten Rettungsmahnahmen der aus der Hauptstadt her- beigeeilten Feuerwehren wurden dadurch erschwert, daß die Einwohnerschaft wider st and leistete und forderte, man solle ihr ihre Toten belassen. Augenzeugen berichten erschütternde Einzelheiten der Katastrophe. Präsident Cardenas besuchte das Unwetter- gebiet. Das Ausmaß der Verwüstungen ist dort nicht so groß, wie man anfänglich befurchtet hatte. Trotzdem schätzt man die Zahl der T o t e n zwischen 100 und 150. Bis zum Mittag waren 29 Leichen geborgen. Wie sich herausstellte, haben die Häuser der verwüsteten drei Dörfer den Wassermassen verhältnismäßig gut standgehalten. Der Leiter des Bundesdistrikts weilte ebenfalls im Unwettergebiet. Er ordnete die sofortige Absendung von genügend Lebensmitteln und Rettungsmannschaften an. 56000 Todesopfer der Erdbebenkatastrophe in Belutschistan. wie aus Quella berichlel wird, beträgt die Zahl der bei dem Erdbeben in Quetta und Umgegend ums Leben gekommenen Personen nach amtlichen Schätzungen '56 000. Ohne die unaufhörlichen Bemühungen der Rettungsmannschaften, die sich hauptsächlich aus Militär zusammensehen, würde die Katastrophe noch erheblich größer sein. Innerhalb von zwei Stunden nach dem Einsturz der Stadt hat das Militär nicht weniger als 10 500 Personen lebend aus den Trümmern geborgen. Todesurteil im Mordprozeh Titze. Das Schwurgericht Glogau verurteilte den 20- jährigen Otto Titze aus Primkenau wegen M o r - d e s an der gleichaltrigen Hausangestellten Emma Ernst aus Glogau zum Tode. Titze hatte mit der Ernst ein Verhältnis, das nicht ohne Folgen geblieben war. Am 9. Dezember 1934 stieß er das Mädchen bei einem Spaziergang in die Oder. Als das Mädchen in dem flachen Ufer ans Land zurück- gehen wollte, ging er ihm nach und tauchte es solange unter, bis es kein Lebenszeichen mehr gab. In nassen Kleidern fuhr er bann mit dem Rade nach Primkenau zurück und vertraute sich einem Freunde an. Am 9. März 1935 erstattete dieser Anzeige bei der Polizei. Selbstmord einer Berlinerin In einem buddhistischen Tempel. In dem in der Nähe des chinesischen Sommerkurorts Hangtschu in der Tschokiang-Provinz liegenden Hwating-Tempels verübte die Berlinerin Herta Henschel Selb st mord durch Erhängen. Herta Henschel war vor zwei Jahren gemeinsam mit anderen Berlinerinnen dem internationalen Abenteurer und jetzigen buddhistischen Mönch Trebitsch- Lincoln nach China gefolgt, wo sie ganz dem buddhistischen Glauben lebte. Seit ihrer Ankunft in China bis zu ihrem Tode weilte das Mädchen täglich im Hwating-Tempel, wo sie um ihr Seelenheil betete. Trebitsch-Lincoln hat für die Tote ein feierliches buddhistisches Begräbnis angeordnet. Ehefrau unter Mordverdacht verhaftet. In der Wohnung eines erst dieser Tage nach Süchteln (Rheinprovinz) neu zugezogenen Ehepaares wurde der Ehemann erschossen aufgefunden. Nach Angaben der Ehefrau habe dieser sich im Verlause eines häuslichen Streites leibst erschossen. Da diesen Angaben jedoch kein Glaube geschenkt wird, wurde die Ehefrau unter Mordverdacht verhaftet. Geschwisterpaar mit dem Motorrad tödlich verunglückt. . Ein schweres Motorradunglück ereignete sich auf der Berlin—Hamburger Chaussee in der Nähe von Grabow. Der 18 Jabre alte Kellner Rolf Brauer unternahm mit seiner 17 Jahre alten Schwester Charlotte eine Motorradfahrt. Auf der Rückfahrt streifte das Motorrad einen entgegenkommenden Kraftwagen und stürzte so schwer, daß das Mädchen auf der Stelle getötet wurde. Brauer erlag bald darauf feinen schweren Verletzungen. Das Motorrad wurde vollständig zertrümmert. Rlesenunterschlagungsprozeß gegen sechzig Sowjeldeamte. Im ukrainischen Landwirtschaftskommissariat ist eine Riefenunterschlagung aufgedeckt morgen, an der nicht weniger als 60 Beamte, darunter sogar der ehemalige Gehilfe des Volkskommissars für Landwirtschaft Ogi ja beteiligt find. Der Schaden, der dem Staat zugefügt wurde, beläuft sich auf mehrere hunderttausend Rubel. Die Voruntersuchung durch das ukrainische Jnnenkommissariat, die frühere GPU., ist beendet. Die unter Anklage stehenden 60 Sowjetbeamten werden sich in diesen Tagen vor dem Obersten Gericht der Ukrainischen Repu- blick zu verantworten haben. Die Unterschlagungen wurden in der Pferde- beschaffungszentrale des Landwirtschaftskommissariats sowie in ihren sämtlichen Zweigstellen in der Ukraine mit vorgetäuschten Dokumenten und Rechnungen verübt. Alle Rechnungsbelege wiesen ein Mehrgeld gegenüber der tatsächlichen Kaufsumme für die Pferde auf, das 300 bis 1000 Rubel je Pferd ausmachte und in die Taschen Was eine Tänzerin zum Frühstück ißt nn- trinkt. Ein gebratenes Täubchen und ein Gläschen Ungarroein und ein Scheibchen Ananas? „Hahaha!" lacht Hildegard — die Hildegard Werlina vom Ballett der Frankfurter Oper: „Ich trinr schon mal ein Schöppchen, ein Schöppchen Appel- woi. Aber zum Frühstück trink' ich Kathreiner! Jawohl'— Malzkaffee!" Wenn sie weiter erzählt, wie anstrengend und wie aufreibend die Arbeit der Tänzerinnen ist, dann versteht man: diese Mädels müssen vernünftig leben, genau wie die Sportsleute. Dis trinken ja wohl auch viel Kathreiner. Weil der das Herz schont und die Nerven stärkt! Und die braucht eine Tänzerin genau so nötig wie ein hübsches Gesicht und gut gewachsene Beine. $ ■ 'M ’i N < ■ :r^A M Ä x. IMMÄ UßSs ■ i 1 - Am Montag feierte König Georg V. von England seinen 70. Geburtstag. — Unser Bild zeigt den Vorbeimarsch der Leibgarde am Buckinghampalast vor dem König (X). — (Scherl-M.) der an dem „Geschäft" beteiligten Beamten floß. Die Leiter, ihre Stellvertreter und die Buchhalter bestätigten die wissentlich gefälschten Kaufpapiere und verrechneten prozentual den erlösten Gewinn. Die Leitung des ukrainischen Landwirtschaftskommissariats in der Person des ehemaligen stellvertretenden Volkskommissars O g i j a , des Chefs der Gestütsverwaltung Dudnik und zwei weitere höhere Beamte, die sich selbst an der Vergeudung staatlicher Geldmittel beteiligten und die Machenschaften der korrupten Beamtenschaft deckten, wurden, abgesehen von der gerichtlichen Verfolgung, aus der Partei ausgeschlossen. Ungarisch-tschechoslowakischer Briefmarkenkrieg. Die tschechoslowakische Postverwaltung hat der ungarischen Postverwaltung mitgeteilt, daß sie die 20 und 40 Hellermarken der ungarischen Luftpost, die den Aufdruck „Gerechtigkeit für Ungarn" tragen, in Zukunft nicht mehr anerkennen werde. Der ungarische Handelsminister hat daraufhin als Gegenmaßnahme verfügt, daß auf Grund des internationalen Postübereinkommens von Kairo mit Wirkung vom 15. Juni 1935 die tschechoslowakischen 25- und 30-Heller-Briefmarken in Ungarn gleichfalls nicht mehr anerkannt werden, da die tschechoslowakische Regierung auf die Verwahrung von ungarischer Seite wegen des Verbotes der ungarischen Flugmarken nicht geantwortet habe. Der Minister weist in einer Verfügung die Postämter an, ab 15. Juni sämtliche aus der Tschechoslowakei stammenden Postsendungen jeglicher Art, die mit tschechoslowakischen 25- und 30-Heller-Marken frankiert sind, mit der Bezeichnung „unzulässig" an die Aufgabeorte zurückgehen zu lassen. Dammbruch und lleberschwemmung bei Arosa. Bei Arosa brach der Damm des kleinen Pretscb- sees. Die Wasser ergossen sich über die ganze Gegend. Besonders betroffen wurde der Weiler Litzrüti, wo ein Haus und zwei Ställe fortgeriffen wurden. Ein Teil der Bahn Chur—Arosa wurde von den Fluten überschwemmt. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Reichsarbeitsgemeinfchaft für Arznei- und heilmittelwesen. Durch Erlaß des Reichsministers des Inneren ist die Reichsarbeitsgemeinschaft für Arznei- und Heilmittelwesen gegründet und als Leiter derselben Professor Dr. von K a p f f - Kolbermoor (Oberbayern) ernannt worden. Die Arbeitsgemeinschaft hat sämtliche Fragen des Arznei- und Heilmittelwesens vom v o l k s g e s u n d h e i t li che n, nicht jedoch vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus zu behandeln. Es gehören ihr deshalb alle an der Herstellung, dem Handel und Vertrieb von Arznei- und Heilmitteln beteiligten Fachverbände an (Fachgruppe pharmazeutischer Erzeugnisse). Außerdem sind als Mitglieder Vertreter der Aerzte und der Hei l- Praktiker in die Reichsarbeitsgemeinschaft berufen worden. Die Gründung fand am 22. Mai in Anwesenheit des Ministerialdirektors Dr. Frey als Vertreter des Reichs- und preußischen Ministers des Inneren statt. Mandschurischer Militärzug zur Entgleisung gebracht. — 37 Tote, zahlreiche Verletzte. In einer der letzten Nächte haben Banditen bei Tungliao (früher genannt Paiyinteilai) einen mandschurischen Militärzug zur Entgleisung gebracht. Die Lokomotive und neun Wagen wurden zertrümmert. Dabei fanden drei mandschurische Offiziere und 34 mandschurische Soldaten den Tod, eine große Anzahl wurde verletzt. Die Banditen sind in Richtung Kailu geflüchtet. Mandschurische und japanische Kavallerie hat ihre Verfolgung ausgenommen. Generaloberst von Linsingen ernstlich erkrankt. Generaloberst v. Linsingen ist in Hannover seit andersthalb Wochen ernstlich an einer Bronchitis erkrankt. Angesichts seines hohen Alters besteht zwar Anlaß zu einiger Besorgnis, es ist aber zu hoffen, daß die bisher stets bewährte Konstitution des Generalobersten sich doch wieder durchsetzen wird. Unwetter an der Bergstraße. Schwere Unwetter gingen an der Bergstraße nieder. In Weinheim war ein wolkenbruchartiger Regen, so daß in einzelnen Straßen sich das Wasser staute und in Keller eindrang. Am schlimmsten war das Unwetter im Hirschkopfgebiet. Auch Laudennach wurde stark von dem Unwetter betroffen. Die Fel- der haben schwer gelitten und viele Aecker müssen neu bepflanzt werden. Zwei Personen nach dem Genuß von giftigem Kuchen gestorben. Nach dem Genuß von sogenanntem Sudankuchen sind in Kiel zwei Personen g e st o r b e n, acht weitere Personen sind erkrankt. Die Bäckerei, die den Kuchen hergestellt hatte, wurde sofort geschlossen. Die Untersuchungen, die im Hygiene-Museum stattfanden, haben bisher noch kein Ergebnis gehabt. Das Nahrungsmittelamt ist ebenfalls mit der Untersuchung der Angelegenheit beschäftigt. Die noch vorhandenen Su.dan-Schnitten wurden in der Bäckerei und den belieferten Geschäften beschlagnahmt. Bei den Toten handelt es sich um eine Frau aus Neumünster, die in einer Gaststätte mit ihrem Manne zusammen Kaffee getrunken und Kuchen gegessen hatte. Der zweite Tote ist ein Matrose vom Panzerschiff „Admiral Scheer", der vor einigen Tagen bei seiner Familie eingetroffen war. Er starb im Marinelazarett, in das er eingeliefert worden war. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die Nacht zum Mittwoch brachte den Durchzug eines neuen ausgedehnten Reaengebietes, das vornehmlich den Süden und Süoweften Deutschlands mit ergiebigen Mengen Regen versah. Infolge weiterer Zufuhr feucht-ozeanischer .Luft bleibt die unbeständige, aber nicht durchweg unfreundliche Witterung vorerst noch erhalten. Aussichten für Donnerstag: Gelegentliche Aufheiterung, doch überwiegend bewölkt und zeitweilig Regen. Bei lebhaften südwestlichen Winden mäßig warm, Aussichten für Freitag: Bei Luftzufuhr aus Süden bis Südwesten Fortdauer der unbeständigen, zu Niederschlägen neigenden Witterung. Lufttemperaturen am 3. Juni: mittags 19,5 Grad Celsius, abends 14,6 Grad; am 4. Juni: morgens 15,1 Grad. Maximum 20,1 Grad, Minimum 9,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Juni: abends 17,7 Grad; am 4. Juni: morgens 15,1 Grad Celsius. — Niederschläge 1,2 mm. — Son» nenscheindauer 5,2 Stunden._______________________ Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 35: 10688. Druck und Verlag: Drühl'fche Universitäts-Buch' und Steindruckerel R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pst Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr« Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. Statt Karten' Ihre Vermählung geben bekannt Albrecht Hebermehl Irma Hebermehl, geb. Volk Gießen Opladen, Äez. Düsseldorf Wilhelmstraße 52 Bielertstraße 28 5. 3um 1935 _________________________________________ud8L> Für die überaus zahlreichen Glückwünsche zu unserer silbernen Hochzeit sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus Äalihaser Will und Frau Mariha Mainzlar, Kr.Gießen, 5. Juni 1935 < 57 D WueAllMt, MW Besitzer H. Thiele, Televhon 257s empfiehlt den Besuch seiner Lokalitäten. 336rD Herrliche Fernsicht, schöner Garten An den beiden Pfingstseiertagen ab 4 Uhr Konzert anschliest. Tanz. Küche und Keller nut u. preiswert. A-rcmben.uitimcr - 1'en an en 2-Zimm.-WohnuDg mit Küche und Keller (auch auswärts) von ruh. Ehepaar gesucht. Schr.Angeb.unt. 02410 and.G.A. 2-Zinioierwohnuiig von ruh. pünktl. Mietzahler ges. Schr.Angeb.unt. 02413 and.G.A. Stellengesuche Stenotypistin (25) beste Schulbildung, perfekt Schreibmaschine, Stenographie, sucht Beschäftig, eventl. halbtags. Schr.Angeb.unt. 02404 an d.G.A. Das zuverlässige kostet weniger! Joh. 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Gießen Vereine DiefürMittwoch den 5. 6. 35 und Samstag,8.6.35 angesetzt. Kameradschaftsabende fallen aus. Nächster Kameradschaftsabend im Untffz.-Heim am 19. Juni 35, 20 Uhr. vezlrk vverhesien öer Deutschen tevenslettungs- Gesellschafl. Vom 17. bis 21. Juni findet ein Lehrgang zur Vorbereitung znr Prüfung f.den Grund-, Leist- n. Lehrschein statt. Die Anmeldung, sind schriftlich bis zum 15. Juni an den techn. Leiter Franz Sauer, Gießen, Großer Steinwegl4,einzureichen. - Dis Uebungs stunden sind jew. abends von 19 bis 20 Uhr i. d. Müllerfchen Bade-Anstalt in Gießen. sseoD Der LezttlsMer. Nr. 129 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 5.Zuni 1935 Die Abenteuer des Autos. Die aufregenden Erlebnisse seiner Erfinder und seiner ersten Meister. — Bon der Benzinkutsche bis zum Grand prt£1914. Don Udo Wolter. v. (Schluß.) Grand Prix 1914. Noch kein Rennen der Welt hatte bisher solche Besetzung aufzuweisen gehabt. Unübersehbare Menschenmengen waren nach Lyon gekommen, um Zeuge dieses beispiellosen Treffens zu werden. Die ganze Nacht, die dem Rennen vorausging, trafen Extra- z ü g e ein, die Tausende über Tausende ausspien. Karawanen von Autos hasteten der Stadt zu. Die Gasthöfe waren bis in die letzte Mansarde vermietet. Biele Fremde, die keine Unterkunft gefunden hatten, erwarteten den Morgen in den Kaffeehäusern. In den Hotelräumen, in denen sich die französischen Konstrukteure Peugeot und Delage aushielten, ging es unruhig zu. Immer wieder ließen sich neue Besucher, Journalisten aus der ganzen Welt, Neugierige, Frauen, Männer, halbwüchsige Buben anmelden oder versuchten mit List und Gewalt oorzudringen, um aus dem Mund der beiden Männer einige Worte über die Aussichten der französischen Wagen zu hören. Ein Taumel lag über der Stadt. Ganz Frankreich wartete fieberhaft auf Nachrichten. Noch nie hatte ein sportliches Ereignis die Menschen so in Bann geschlagen. Schon drohte über dem Kontinent das Gewitter des nahenden Krieges. Man schrieb den 3. Juli. Die Zeitungen hatten ihr übriges getan. Es ging um die Ehre Der Nation. Frankreich mußte siegen. Die besten Fahrer, die neuesten Konstruktionen wurden auf die Bahn geschickt. Es mußte geschafft werden. Es hing mehr daran, als nur ein Sieg! Delage ließ sich hinreißen. Er war seiner Sache allzu sicher. Bor den Journalisten der ganzen Welt gab er die Erklärung ab. „Ich habe 48 Pro- zent Gewinnchancen, Peugeot ebenfalls 48, für Mercedes bleiben die restlichen vier." Man glaubte es ihm. Bedingungslos. Noch die Morgenhlätter des Renntages brachten diese Worte. Sie standen in Schlagzeilen auf der ersten Seite. Sie verkündeten Triumph. Nicht ein Patriot, der ihren Erklärungen nicht glaubte! Im Lager der französischen Fahrer ging es unruhig zu. Immer wieder brachen Menschen durch die Absperrung. Hände streckten sich ihnen entgegen, die Geschenke häuften sich. Die Zahl der Amulette ging in das Endlose. Bei den Deutschen war es stiller. Zwei an den v-Zug gehängte Wagen hatten die Schlachtenbummler aus dem Reich gebracht. Hinzu kam die deutsche Kolonie aus Paris. Man sprach nicht viel. Man wußte, wie schwer diesmal der Einsatz wog. Man stand bereits in feindlichem Land. Aber wer diese deutschen Fahrer bei der Arbeit sah, wer ihren ruhigen, sachlichen Gesprächen lauschte, der ahnte bereits, daß es anders kommen würde, als der Taumel im Lande es sehen wollte. Ein strahlender Julimorgen brach an. Schwer lag die Sonne über der Bahn. Schon zwei Stunden vor Beginn waren alle Tribünen und die Plätze um die Bahn besetzt. Militärkapellen spielten. Dann verstummten sie jäh. Die Wagen kamen. Ohrenbetäubender Jubel empfing die französischen Fahrer. Blumen fielen herunter. Bor dem Rennen! Bor dem Triumph! Bor dem Siege! So sicher war man, so fest glaubte man, daß die Trikolore an den leeren Masten drüben emporgehen würde. 41 Fahrer stellten sich dem Starter. Die besten Wagen der Welt! Die besten Fahrer der Welt! Die Sieger aller großen Rennen der letzten Jahre waren darunter. Bei den Deutschen an erster Stelle Lautenschlager, der bereits den ürand Prix 1908 gewonnen hatte. Weiter fuhren Wagner, Salzer, Sailer und P i l e t t e mit deutschen Wagen für die deutschen Farben. Ein grandioser Kampf stand bevor. Ein Pistolenschuß!- Die Menge schrie auf. Knattern und Dröhnen brach in die Bahn. Die Wagen jagten davon. An der Spitze lag ein Deutscher. Die deutsche Mannschaft fuhr nach einem wohldurchdachten Plan. Ingenieur Sailer hatte die nicht sehr dankbare, aber überaus wichtige Aufgabe übernommen, die Konkurrenz zu Tode zu hetzen. In mörderischem Tempo raste er die Bahn herunter, daß das Feld kaum zu folgen mochte. Er fuhr die schnellste aller Runden. Er riß das ganze Rudel mit. Er zwang alles hinein in diesen Geschwindigkeitsrausch. Er pumpte die Motoren der anderen aus. Die Zuschauer hielten den Atem an. Der mörderische Kampf schlug sie vom ersten Augenblick an in Bann. Die Spannung steigerte sich von Runde zu Runde. Noch immer lag Sailer dem Felde voran. Seine Kameraden hielten sich zurück. Sie fuhren schnell, doch sie vermieden es, alles daranzusetzen. Dennoch sind in der dritten Runde die Mercedes-Fahrer unter den ersten sieben. Sailer führt. Mit einer Minute und zwölf Sekunden liegt er vor dem Feld. Lautenschlager,schiebt sich um zwei Plätze vor. Am Ende der vierten Runde führt Sailer mit zwei Minuten und achtundzwanzig Sekunden. Lautenschlager liegt auf dem vierten Platz. Auf den Tribünen ist es still geworden. Nach der fünften Runde geht ein Aufatmen durch die Menge. Sailers Wagen hält nicht durch. Der Benzinbehälter ist gebrochen. Der erste Deutsche scheidet aus. Man glaubt nicht, daß die anderen es viel länger machen werden. Dennoch läßt das Tempo nicht nach. Nach der zehnten Runde ist die Hälfte der Strecke, sind 376 Kilometer erledigt. Boillot führt. Führt für Frankreich. Aber immer noch sind die Deutschen im Rennen. Biele sind schon ausgeschieden. Unruhe geht durch die Zuschauer. Man ahnt, daß der Endkampf noch nicht gekommen ist. Die Sonne brütet über der Bahn. Einige der ausgeschiedenen Fahrer sind zusammengebrochen. Einer weint. Es ist zu viel. Es ist eine furchtbare Strapaze. Siebenhundertfünfzig Kilometer! Zwanzig Runden! Und zwischen Dreck und Staub, zwischen knatternden und glühend heißen Motoren brennt die Sonne auf die Fahrer dieses gewaltigen Kampfes. Die dreizehnte Runde! Immer noch Boillot an der Spitze. Aber mit atembeklemmender Eile ist der Wagen Lautenschlagers aufgerückt. Dicht hinter ihm liegt Wagner. Den Zuschauern gehen die Nerven durch. Sobald der französische Wagen heranrast, geht ein einziger Schrei des Ansporns durch die Menge, der wie eine Überschlagende Woge die ganze Bahn herunterläuft. Bei dem Heraufkommen der deutschen Wagen eisige Stille. Nur die kleine deutsche Kolonie ermuntert. Höhnische Antworten fallen dazwischen. Man steht wirklich schon in feindlichem Land. Weiter tobt das Rennen. Mehr als die Hälfte aller Fahrer ist bereits ausgeschieden. Die meisten wegen verschiedener Maschinendefekte. Ein großer Teil, weil er aussichtslos weit in das Hintertreffen geraten ist. Nach Beendigung der fünfzehnten Runde liegt der Franzose noch immer an der Spitze. Hinter ihm jagen Lautenschlager, Wagner, Coux und Salzer. Zwei Franzosen gegen drei Deutsche. Das Tempo scheint sich noch zu steigern! Die Erregung wirkt wie eine erdrosselnde Hand. Die deutschen 'Wagen rücken immer bedrohlicher vor. Die Funktionäre, Zeitnehmer, Leiter dieses Kampfes haben ihre Aufgabe' vergessen. Sie schreien mit, winken mit den Taschentüchern. Ein Ruf geht um die Bahn. Nächtliche Stadt. Don Fritz Reck-Malleczewen. Hinein führt der Weg seltsamer Weise nicht durch ein Tor, sondern durch eine Bresche in der Stadtmauer. Dieses Loch, durch das nun die Landstraße ihren Eingang findet, hat vor drei Jahrhunderten Gustav Adolfs Artillerie geschossen. Das erste Haus, auf das man stößt, ist eine jener riesigen Mietskasernen, wie sie in den eng gewordenen Städten die späte Gotik baute. Dürers Geburtshaus ähnlich: mit beklemmend enger Stiege und Fachwerkbalken, die sich eigentlich schon m Staub auflöse». Mit eisern gang engen Hof, der oben nur ein ganz kleines Stück Himmel laßt und nach fünf Jahrhunderten riecht. Mit unendlich vielen spielenden Kindern, wie sie seit Jahrhunderten hier immer gespielt haben. Und weswegen das Riesenhaus m diesem kleinen Nest zu finden ist, mag Gott wissen Die große Heeresstraße nach Wien gina hier einmal durch, und die kleine Stadt wollte ihren Mauer- gürte! sprengen. Heute sind die hohen Hauser leer und still, und Schneider und Spengler wohnen m Riesengemächern, in denen sich die Menschenstimme verliert. Siegt man um die,- Häuserburg, die sich spukhaft non dem schweselgelben Abendhimmel abhebt, dann kommt ein riesiger Marktplatz, umsäumt van ganz kleinen Häusern aus dem spateren Rokoko. Un darüber, an der Grenze der eigentlichen Altstadt, mit den beiden Turmfronten gegeneinander, und durch keine zehn Meter getrennt, zwei glgam^e Kathedralen. Ein romanischer Dom, em gotischer Dom. Und der Abend ist Nacht geworben, und draußen auf dem Friedhof haben sie einen kleinen Holzknecht begraben, dem sein Kamerad aus Eifersucht den Schädel eingeschlagen hat. Und weil noch keine Menschenmutter den Menschensohn gebar, damit von Menschenhand sein Blut wieder vergossen werde, zieht alles in die Kirchen zur Totenmesse. Alte Weiber, junge Weiber... Der Platz vor den Kirchen ist schwarz von ihnen. Die Halle des romansicyen Domes ist noch ganz dunkel, und nur die ewige Ampel scheint in die Finsternis. Aber Licht kommt nur zu Licht. Zündet eines sich am anderen an. .. wie an der Weihnachtstanne wächst der Schern, schwimmt auf dem Dunkel und kämpft mit dem Dunkel und besiegt in der Riesenhalle die Finster- nis dennoch nicht. Requiem aeternam dona eis Domine... 3m Haus gegenüber spielt ein Grammophon „Valencia", die anscheinend nicht tot zu bekommen ist in Europa. In einer Steinnische ein armes Skelett, nut roten und goldenen Füttern schreckhaft geputzt, liegt in seinem Glassarg irgendein Märtyrer. Und in der Gruft schläft der Feldherr des dreißigjährigen Krieges, Marias guter Streiter. Wer hinuntergeht, kann durch das Fenster im Sargdeckel die blonde Locke sehen, die seinem lederüberzogenen Schädel geblieben ist. Rundherum in den Kellernischen, winzig klein für ein ganzes Menschenleben, sind die übrigen Toten eingesperrt, deren Steinwappen man oben in die rissigen Steinmauern eingefügt hat. Oben beten noch immer die Lebenden. Noch immer, noch immer... Hinter den beiden Kirchen ist die eigentliche Altstadt. Eine lange Zeile jener finsteren, burgähnlichen Häuser mit Laubengängen und Blattdächern, wie sie über den Brenner ziehen, van Sterzing hinab durch das ganze österreichische und bayerische Jnntal. Schmale Stiegenhäuser und labyrinthische Gange, Treppen auf und Treppen ab ... ein weiter Dachsbau, ehe man sein Zimmer erreicht. Schroffe Mauerstürze mit spärlichen und kleinen Fenstern, dreifach übereinandergelagerte Keller wie unerforschte Katakomben, und irgendwo unten jagt der Inn an den Fundamentquadern vorbei. In Den Laubengängen klingt der Schritt merkwürdig hohl wie über unentdeckten Grüften, und über der langen engen Zeile brennt mitten über der Straße an rostiger Kette eine einzige Lampe. Kleinbürger sitzen irgendwo um ein trübseliges Licht, und in einem Untergeschoß, das einmal die Ehrenhalle eines Patrizierhauses war, hämmert ein später Schmied. Oben aus den Kämpfersteinen der Gewölbe grinsen die Gesichter der Steinmetzen, die sich so verewigten, und auf den bunten Linien des Gewälbebogens liegt Der Schmiederuß. Oben im zerbrochenen Schloß, aus dem sie ein Nonnenkloster gemacht haben, sucht sich ein Cellospieler falsche Terzengange zusammen. Im übrigen aber ist Nacht und Finsternis Das Unbekannte, in der die sagenhafte Blütezeit der Stadt versunken ist. . , , r, _ .... . Auch das Gastzimmer ist riesenhaft. Es fuhrt mit der einen Front auf den Hof mit seinen Stein- qalerien in dessen Grund ein Brunnen murmelt. Eine ewig verschlossene Tür ist da, die führt mitten in die Mauer hinein, und man weiß nicht, ob es eine Ausfallpforte nach dem Inn ist, durch die man einmal mißliebige Leute verschwinden lassen konnte. Die beiden Kerzen sind viel zu schwach, um den übergroßen Raum auch nur einigermaßen zu erhellen und die Wand drüben ertrinkt tm großen Dunkel. Eine Tafel über der Tür erzählt, daß em- „Boillot!" In der achtzehnten Runde wird es jäh still. Der Deutsche geht vor. In einem für unmöglich gehaltenen Tempo zieht er an Boillot vorüber. Noch einmal bricht das Fieber dieser Stunde in den Menschen durch. Noch einmal hetzen sie ihren Landsmann voran. Aber erst jetzt zeigen die Deutschen, was wirklich in ihren Wagen steckt. In der vorletzten Runde hat Lautenschlager seinen Abstand vor Boillot auf eine Minute und sieben Sekunden vergrößert. In einer einzigen Runde über eine ganze Minute gewonnen! Und er bleibt nicht auf der Strecke, allen geheimen Wünschen zum Trotz. Mit wundervoller Gleichmäßigkeit zieht er jetzt seine Bahn. Mit verbissenem Gesicht sehen die Tribünenzuschauer diesem Siege zu. Letzte Runde! Niemand weiß, wer die Meldung zuerst weitergegeben hat. Boillot hat auf- gegeben. In der Nähe von Givors. Niemand will es glauben. In der Ferne tauchen einige dunkle Punkte auf, brechen durch flimmernde Luft. Die kleine Schar der Deutschen reckt die Köpfe. Auch auf den Tribünen bat sich alles erhoben. Wer liegt an zweiter Stelle? Boillot? Coux ist bereits abgefallen. Drei Wagen jagen heran. Drei Deutsche. Fast geschlossen erreichen sie das Ziel. Lautenschlager, Wagner, Salzer. Drei Mercedes- Wagen. Dreimal gehen die Farben Deutschlands am Siegesmast empor. Es ist still geworden. Fast fluchtartig verlassen die Tribünenzuschauer die Bahn. Der Empfang der Sieger durch das Preisgericht ist höflich, aber kühl. Die Kapelle beginnt die deutsche Nationalhymne zu spielen. Sie kommt plötzlich nicht damit zurecht. Jäh bricht sie ab. Aber wie ein Mann steht die deutsche Kolonie zusammen. Das Deutschlandlied klingt auf. Mächtig bricht es durch die Stille ... Noch einmal sieht der Strand von Ostende die deutschen Wagen siegreich. Dann kommt der Krieg, der Niederbruch. Noch einmal muß der Kampf um die Geltung deutscher Arbeit in der Welt durchgefochten werden. Und er wird gewonnen! Gewonnen in dem gleichen Maße, wie er damals seinen Ausdruck fand. Zwanzig Jahre nach dem historischen Rennen bei Lyon beginnt der große Siegeszug der neü- geschaffenen, deutschen Rennwagen. — Von dreißig bis dreihundert Kilometer! Ein weiter weg. Mehr als ein Kampf um die Geschwindigkeit, ein Jagen nach dem Kilometer. Ein Kampf um die deutsche Geltung in der Welt! M Kreuzer „Lmdeu" um die halbe Well. IX. 3n Cartagena. Von Korvettenkapitän (3ng.) Weber.*) (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) An Bord Kreuzer „Emden", Ende Mai 1935. Spanien! Als uns in Alexandrien die zweite Hälfte unseres Reiseplanes bekannt wurde, gab es unter denjenigen, die dieses Land schon kennen, niemanden, der sich nicht darüber freute. Es ist schwer zu sagen, was uns eigentlich dorthin zieht. Ist es die Gastfreundschaft Spaniens? Ist es die Ritterlichkeit des Volkes? Ist es die alte glorreiche Geschichte, die vor allem wir Seefahrer bewundern? Oder ist es unsere Dankbarkeit dem Lande gegenüber, in dessen Häfen schon so manches Schiff unserer Marine von Anker ging? Nun, es ist ja gleichgültig, was uns nach diesem Lande treibt. Jedenfalls können die Spanier die Tatsache für sich buchen, daß wir gern zu ihnen kommen. Am 15. April laufen wir in Cartagena ein. Mehrere spanische Kriegsschiffe liegen bei unserer Ankunft in diesem wichtigsten Kriegshafen der Ostküste, der ein alter Vulkankrater ist. Drüben von der Stadtseite her grüßt die alte Cartago-Burg, die H a s d r u b a l 221 v. Chr. gründete. Man genießt von dort aus einen schönen Rundblick: Im Osten liegen die Minen der Stadt la Union, wo schon Phönizier, Griechen und Römer Blei und Silber gewannen. Die Wiesen im Norden waren vor Jahrhunderten vom Meere überschwemmt. Griechen, Römer, Araber usw. brachten dorthin ihre Ware und übernahmen die Produkte des Landes. Drüben sieht man das Fischerdorf Santa Lucia, wo Santiago, der Schutzpatron Spaniens, landete. Cartagena hat eine Geschichte, die bis zum alten Mastia 800 v. Chr. zurückreicht. Die Stadt, die einen freundlichen Eindruck macht, wird umsäumt von gelblich leuchtenden Bergen. Wie überall in Spanien, so spielt sich auch in dieser Stadt das Leben in einer Hauptstraße ab. Hier ist es die Calle M a y o r , die nur einige Meter breit ist. In dieser Straße liegen auch die Klubs und Kasinos. Ein Stier kampf, an dem der größte Teck der Besatzung teilnimmt: Mit klingendem Spiel zieht unsere etwa 400 Mann starke Abordnung durch die Straßen und mit ihr rechts und links * Siehe Gießener Anzeiger Nr. 107 vom 9. Mai. mal hier in diesem Zimmer Mallenstein übernachtet hat, man kann nicht sagen, daß es weniger spukhaft wird dadurch. Die Fenster sind offen, und von Süden fährt der Nachtwind herein, der vom Wendelstein und von der Rotwand herkommt. Unten der Inn, der in riesigen Bogen um die Stadt fährt, leuchtet matt herüber. Wäre es hell, man würde unten am Fuße Des furchtbaren Mauersturzes einen Kirschgarten sehen. Ganz hell und freundlich. Einen Garten, der blühen und Früchte tragen wird, dennoch, dennoch ... So aber ist schwarze, vorzeitige Nacht, die kein Geheimnis entschlüpfen läßt. In der Rächt verborgen für immer ruht dieses römischen Reiches größte Zeit, von der wir allenfalls eben noch die Umrisse zu ahnen vermögen. Altgermanische Schmuckformen in der deutschen Frauentracht. Zur Frauentracht gehört seit uralter Zeit ein entsprechender Schmuck. Dank der Dauerhaftigkeit des Stoffes, aus dem er verfertigt roqrben ist, kann man ihn bis in die frühesten Epochen nachweisen. Aus der älteren Bronzezeit besitzen wir Kopfringe und Diademe, Halsringe, Halskragen und große Gürtelplatten, die hohe künstlerische Formkraft verraten. Die mythologischen Zeichen, mit denen diese Schmuckstücke verziert sind, weisen, wie Anna Hurfeld in der „Deutschen Frauenkultur ausfuhrt, auf Vorstellungen vom Sonnen-Halsschmuck der Himmelsgöttin Freya und von dem Sternengeschmeide auf ihrem Kleide, so, wie auf die Jahrtausende überdauernde Ornamentik von Sonne. Mond und Sternen und ihren Symbolen von Strahlen-, Stern- und Radgebilden hin, wie sie auch heute wieder vielfach Verwendung finden. Zur Zeit der Völkerwanderung erfährt diese altgermamsche Schmuckkunst alsdann eine vielfältige Bereicherung durch das Aufkommen der sogenannten Goldzellem Technik und eine Belebung der Schmuckstücke durch eingelegte Steine und Schmelzarbeiten. Dazu gesellt sich die nordische Tier- und Flechtband-Ornamentik, deren Spuren sich über die germanischen Wande- runqsgebiete hin von Skandinavien bis Mittelitalien und von der Krim bis nach Lissabon verfolgen lassen. Ueberall zeigen Ornamentik und Runeninschrif- ten, daß eine religiöse Sinngebung in ihnen zum Ausdruck gelangt. Durch die Karolingerzeit, die nordische Wikingerzeit und die Zeitalter romanischer Kleinplastik läßt sich alsdann die Umgestaltung und Ausgestaltung dieser uralten Schmuckkunst weiter verfolgen. Unmittelbar bis in die Gegenwart reicht eine große Menschenmenge. Zu einem wahren Triumphzug gestaltet sich der Einmarsch in t) i'e Arena. Spontan brechen die Besucher in einen Beifallssturm aus, der Spanier liebt die große Aufmachung und das Gepränge. Auch wir blicken mit Stolz auf den exakten militärischen Aufmarsch, der mit dem Spielen der Nationalhymne beendet ist. Dann beginnt der Kampf, es gehört viel Mut und Entschlossenheit zur Durchführung eines Stiergefechts, das muß anerkannt werden und wir bewundern das auch. Aber nicht jede Kampfphase ist etwas für unsere Augen und unser Gefühl. Mag sein, daß man darüber anders denkt, wenn man erst in die Feinheiten der Kampfesregeln eingeDrun- gen ist. Ein befonberer Augenblick tritt ein, als ber Torero tief unten in ber Arena vor unsere Loge tritt, sich vor unserem Kommanbanten verneigt, ihm feinen Hut zuwirft unb ihm mit biefer Geste ben nächsten Stier weiht. Wir empfinben es als eine Ehrung für unseren Kreuzer unb für bie beutschen Farben, ber Spanier ist eben aufmerksam unb höflich. Es war ber beste Kampf, der ausgetragen wurde, das erkennen auch wir „Analphabeten des Stiergefechts". Auch in die Umgebung Cartagenas kommen wir. Nicht nur die deutschen Landsleute, sondern auch der schwedische und norwegische Konsul, beides Schweden, verhelfen uns hierzu. Es ist hier wohl am Platze, der sprichwörtlich gewordenen schwedischen Gastfreundschaft dankbar zu gedenken, die schon so manches deutsche Kriegsschiff genossen hat. Unmittelbar hinter den Bergen, bie ben Hafen Cartagenas umsäumen, breitet sich Flach- lanb aus, bem aber bas Blut ber Erbe, bas Wasser, fehlt. Kaum wächst auf biefer großen Fläche etwas. Dann geht es auf ber tadellos gepflegten Straße roieber über Gebirge hinweg, unb vor uns liegt bas grüne fruchtbare Tal von Murcia, besten Bewässerungsanlagen bereits bie Mauren angelegt haben. Fast jebe Sübfrucht wächst hier: Feigen, Apfelsinen, Oliven, Manbeln, Wein usw. In Cieza haben wir Gelegenheit, eine 5500 Bäume große, mustergültig angelegte Apfelsinenfarm zu besichtigen. Sie hat, wie alle anberen hier, unter ber außergewöhnlichen Kälte bes letzten Winterhalbjahres zu leiben gehabt, in bem etwa 70 v. H. ber Ernte erfror. Nach bem Besuch ber Schwefelbäder von Archena und einem Bummel durch die Straßen Murcias geht es in fröhlicher Fahrt wieder zurück. Die deutsche Kolonie in Cartagena ist sehr klein, es sind nur 15 Köpfe. Um so erstaunlicher ist, daß es dem Bemühen des deutschen Konsuls — diese Tradition im deutschen Bauernschmuck, der in ben verschiebenen beutschen Lanbschaften noch beut- liche Beziehungen zum Trachtenschmuck ber alten Stämme aufweist. Der Frauenschmuck ber Friesen, bas „Ohreisen" ist eine solche vielfach abgewanbelte Grunbform, beren Vorlage wir in bem Golbreifen ber Bronzezeit sehen können. Auch ber Stirnreif ber alten Moselfranken kann in ben glitzernben Oolbbänbern unb ben kronenförmig angeorbneten „Bockelnabeln" ber Siebenbürger Sächsin unschwer mieberertannt werben. Die Brustplatten im Schaum- burgerlanb, das Brustgehänge der Nordfrisin und der Kettenschmuck der Frauen aus den Elbmarschen haben ebenso wie die Schmuckstücke der Franken, Schwaben und Oberbayern Vorbilder in Schmuckstücken altgermanischer Schmiedekunst. Die einzelnen Zierate haben zumeist auch noch eine bestimmte Bedeutung; sie dürfen nur von verheirateten Frauen, nur von der Braut am Hochzeitstag, ober nur von ben jungen Mäbchen getragen werben. Der Schmuck gehört nach altgermanischem Recht ber Frau, ist ihr persönlicher Besitz unb wirb auf bie Tochter vererbt (z. T. auch mit ins Grab gegeben!). Wo keine Tochter ist, verbleibt ber Schmuck „am Herbe" bes Sohnes als „Familienschmuck". Reichstagung der Bibliophilen in Göttingen. Die von Febor von Zabeltitz gegrünbete, unter Führung Börries von Münchhausens stehenbe „Gesellschaft ber Bibliophilen" hielt in Göttingen ihre Jahrestagung ab. Die aus allen Teilen des Reiches erschienenen Mitglieder der Gesellschaft wurden nach einer Sitzung, in der Borries Freiherr von Münchhausen als Vorsitzender bestätigt wurde, von ber Stabtverwaltung im Rathaus empfangen. Don Vertretern bes beutschen Schrifttums waren u. a. Hans Grimm, Konrab Beste, Moritz Jahn, Georg Abolf Bartels, Schulte-Strathaus zu bemerken. Univ.-Professor R i e ck e begrüßte bie Versammlung namens ber heimischen Bücherfreunbe. Bei einem Festakt in ber Universitätsaula sprach Rektor Prof. Friebrich Neumann Worte ber Begrüßung. Börries Freiherr von Münchhausen führte aus, ber soziale Gebaute im Reiche bes Geistes — ferne höhere Forberung könne heute an Wissenschaft unb Kunst gestellt werben, unb bie Forberung vor bie sich bie Bibliophilen gestellt sähen, heiße: Saatfelber zu sein, beren Früchte bem ganzen Volke zugute kämen. Geheimrat Ebwarb S ch r ö b e r gab bann in seinem Festvortrag Silber aus ber ersten großen Epoche ber Universität. allerdings unter Aufbringen manchen persönlichen Opfers — gelungen ist, hier eine deutsche Schule mit spanischen und deutschen Lehrkräften zu gründen, die zur Zeit von 55 spanischen und 5 deutschen Kindern besucht wird. Ein solches Beginnen soll man sich nicht so leicht vorstellen, es gehört schon ein gewaltiges Maß an Unternehmungslust dazu. Aber es ist geschafft und die Schule, die — wie schon gesagt — in der Ueberzahl von spanischen Kindern besucht wird, trägt an ihrer Stelle und in ihrem möglichen Wirkungskreise sehr viel zur Festigung der schon immer vorhandenen kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Spanien bei. Es ist ein hübscher Augenblick, als die spanischen Schüler uns an Bord unseres Schiffes deutsche Lieder Vorsingen und deutsche Gedichte vortragen, und auf der Calle Mayor kann man sie stolz mit unserem Mützenband um die Stirn Herumlaufen sehen. Auch dieses Erlebnis bringt uns den Spaniern näher, ist es doch ein großes Vertrauen, das die Eltern den deutschen Lehrkräften entgegenbringen und damit auch uns Deutschen ganz allgemein, wenn sie einen so wick- tigen Teil der Erziehung chrer Kinder in deutsche Hände legen. Am 19. April laufen wir aus Cartagena aus; zum zweiten Male wird Kurs auf die Kanarischen Inseln genommen. Am Nachmittag des Ostersonntags gellt die Pfeife des Bootsmannsmaaten der Wache durch die Decks: „Luftschiff Graf Zeppelin achteraus". Niemand bleibt unten, alles stürzt — bewaffnet mit Ferngläsern und Photoapparaten — an Deck! Schnell kommt das Luftschiff auf. Dann geht es über uns stehend auf langsame Fahrt. Deutlich sieht man das Winken aus den Gondeln heraus, Signale werden ausgetauscht. Ein prächtiges Bild; ganz klar hebt sich der silberne Leib von dem tiefblauen Mittelmeerhimmel ab. Dann gehen die Motoren wieder auf höhere Umdrehungen, und bald ist der Bote der Heimat wieder verschwunden. Aus den Kanarischen Znseln. Schon nach vier Seetagen liegt Santa Cruz de Tenerife, die Hauptstadt der größten und volkreichsten der Kanarischen Inseln vor uns. Aus den Wolken heraus ragt die Spitze des etwa 3700 Meter hohen Pic, unsere „Alpinisten" stehen bereits überlegend und beratend in Gruppen zusammen, auch dieser Berg soll ihnen nicht entgehen. Im Hafen, der durch zwei Molen geschützt ist, herrscht lebhafter Schiffsverkehr, denn die Insel ist fruchtbar und demzufolge ist die Ausfuhr bedeutend. Besonders Tomaten und Bananen sind in den letzten Jahren verschisst worden, man hat sogar vorüberfahrende Dampfer in den Hasen rufen müssen, um den nötigen Laderaum zu gewinnen. Santa Cruz macht — kommt man vom Angeleplatz der Boote in die Stadt hinein — zunächst keinen spanischen Eindruck. Ganze Reihen gut instand gehaltener Kraftwagen warten am Ende der Pier, und die Plaza de la Republica wird von schönen größeren Geschäften und Bauten umsäumt. Natürlich fehlen die indischen Shops' auch hier nicht. Inder sitzen überall dort, wo der Fremdenverkehr blüht oder sonst irgendwie Geschäfte winken. Weiter im Innern der Stadt trifft man meist auf Straßen und Häuser mit typisch spanischem Gepräge, aber immer wieder sieyt man auch schöne, mit grünen Bäumen und mit Blumen bestandene Plätze und gut gepflegte, breite Verkehrsstraßen, ©ante Cruz hat sich in den letzten Jahren sehr entwickelt. Teneriffa ist ein Paradies für Kraftfahrer: ein Liter Benzin kostet nach deutschem Gelde hier nur neun Pfennige. Selbstverständlich nutzen wir die billigen Kraftwagenfahrten in vollem Umfange aus, um uns das Land anzusehen. Aber wir brauchen unsere Devisen nicht allzustark in Anspruch zu nehmen, denn zwei Deutsche haben je 500 Peseten gestiftet und dadurch ist es jeder Division möglich, einmal nach dem weit berühmten Oratava-Tal zu fahren. Schon der Weg dorthin ist ein Genuß. Rechts und links grüne Felder, über die, Windschutzmauern hinweg wuchern Geranien vom zarten Weiß-Rosa bis zum Purpurrot. Eukalyptusbäume säumen teilweise den Weg. Dann kommen wir über die letzten Anhöhen hinüber und vor uns liegt das weite Tal wie ein grüner Teppich. Links türmen sich die gewaltigen Felsmassen der „Canadas" das leibe auf, rechts unten sieht man die weiße Brandung des Meeres. Es ist lohnend, dieses Tal aufzusuchen! Unterdessen habe mir Immer mehr Angeho - rige der deutschen Kolonie tennengelernt. In Sante Cruz leben etwa 230, auf der gesamten Insel etwa 300 Landsleute. Meist sind es selbständige Kaufleute, kaufmännische Angestellte und Angehörige technischer Berufe, ebenso wird das Gastwirtsgewerbe von vielen betrieben. Alle nehmen uns in ihren Familien auf, wir sind bei ihnen sehr schnell zu Hause. Die deutsche Schule von Santa Cruz wird jetzt von 95 Kindern besucht, darunter auch solche spanischer, österreichischer, schwedischer, norwegischer und tchechoslowakischer Nationalität. Ein neues Schulgebäude wird zur Zeit gebaut und zwar aus Mitteln, die die Kolonie selbst aufbrachte. Das kennzeichnet den Geist der Deutschen Teneriffas, ihren Gemeinschastssinn und ihre Liebe zum Vaterlande. „ . Vom 2. bis 6. Mai liegt der französische Kreuzer „Jean d ' A r c" im Hafen. Das Schiff macht einen vorzüglichen Eindruck. Zwischen den Offizieren werden Besuche ausgetauscht, an Land sieht man hie und da deutsche und französische Matrosen oder Heizer zusammen durch die Straßen gehen oder in einem Lokal sitzen, denn zahlreiche Franzosen sprechen deutsch, es sind meist Elsässer. Wieder trat der Tod in unsere Reihen: am 4. Mai verstarb unser Kamerad, der Obermatrose Karl W Ü l k. Nur wenige Wochen liegen noch zwischen uns und der Heimat, und mancher feiner Gedanken wird wohl schon dem Wiedersehen seines Vaterhauses im Frankenlande gegolten haben. Jetzt trugen wir ihn im fremden Lande zur letzten Ruhe. Unendlich lang war der Trauerzug, der sich durch die Straßen von Santa Cruz bewegte; eine Ehrenkompanie von Bord, eine Abordnung des spanischen Kanonenbootes „Dato" und des französischen Kreuzers die Spitzen der spanischen Behörden, die deutsche Kolonie und die Besatzungsangehörigen unseres Kreuzers gaben ihm das letzte Geleit. Nicht nur einen vorbildlichen Soldaten verloren wir, sondern auch einen guten und lieben Kameraden! Am 8. Mai laufen wir aus, unser nächstes Ziel ist P o n t a Delegada auf den Azoren. SJL-tfpont Handball-Städtespiel Wehlar-Gießen 9:5 (7:1). Auf dem Universitätssportplatz hatten sich etwa hundert Zuschauer eingefunden, die eine Niederlage der Gießener Stadtelf erleben mußten. Durch Absage einiger Spieler waren die Gießener gezwungen, ihre Mannschaft umzustellen. Besonders die Verteidigung und die Läuferreihe litten unter dieser Umstellung. Wetzlar hatte eine komplette Vereinself als Städtemannschaft zur Stelle. Bis die Einheimischen sich zusammengefunden hatten, lagen sie schon mit 7:1 Toren im Hintertreffen. Gerade beim Handball kommt es darauf an, daß die Kombination klappt, daß die gesamte Mannschaft sich versteht und eingespielt ist. Das wird bei nächster Gelegenheit mit die Hauptsache bei Aufstellung einer Städtemannschaft fein, lieber einzelne Spieler bei der Gießener Mannschaft zu kritisieren, wäre verkehrt. Fest steht nur, daß der Gießener Tormann an der Niederlage schuldlos war. Den Hiesigen muß man zugute halten, daß sie trotz aller Mängel weiter kämpften. Während Wetzlar in der ersten Hälfte tonangebend war, konnten die Einheimischen in der zweiten Halbzeit das Spiel überlegen gestalten. Dem Schiedsrichter D r o l s b a ch stellten sich die Mannschaften in folgender Aufstellung: Wetzlar: Weimar; Krämer, Bärwinkel; Ulm, Pausch, Müller; Denhardt, Wagner, Rieß, Tiß- mer, Otto. Gießen: Fischer (DfBR.); Jungheim (MTV.), Cremers (1900); Knob (1900), Kissel (Universität), Schmidt (MTV.); Schüler (1900), Langenohl (VfBR.), Wlodareck (1900), Schott (1900), Acker (Universität). Spielverlauf: Vom Anstoß weg zieht Wetzlar mächtig los. Der Mittelstürmer der Gäste kann unbehindert vom Wurfkreis aus einsenden. Dieses Bild wiederholt sich innerhalb kurzer Zeit viermal. Der Angriff der Gastgeber kommt zu keiner einheitlichen Aktion. In der Folge kann Wetzlar noch dreimal erfolgreich sein, während Gießen durch Schüler auf Vorlage von Langenohl einsendet. Halbzeit 7:1. Nach Wiederanstoß klappt es bei den Einheimischen besser. Wetzlar verteidigt mit allen Mitteln, kann aber nicht verhindern, daß Gießen durch Wlodareck und Acker auf 7:4 herankommt. Ein Mißverständnis der einheimischen Verteidigung läßt, obwohl Gießen überlegen ist, den Mittelstürmer Rieß für Wetzlar auf 8:4 erhöhen. Im Endspurt bringen die Gastgeber es fertig, totsichere Chancen auszulassen. Nachdem beide Parteien noch einmal Erfolg haben, kann Wetzlar als glücklicher Sieger den Platz verlassen. Handball im DfD -Reichsbahn. Heuchelheim I — vfB. R. Ib 5:12 (3:7). Die 1. Handballmannschaft vom Tv. Heuchelheim hatte das Glück, die VfB.er in ganz bestechender Form anzutreffen. Das Jnnentrio der Platzbesitzer (Petri, Magsaam, Deuker) zeigte wahre Kabinettstückchen. Heuchelheim war besser als das Resultat vermuten läßt. Mit ihren Torwürfen hatten sie Pech. (Vier Lattenschüsse.) Spielverlauf: Mit dem Anstoß der VfB.er entwickelt sich sofort flottes Spiel. Beide Torleute müssen abwechselnd eingreifen. Der VfB.-Mittel- ftürmer kann nach zehn Minuten Spielzeit den Gästetormann das erstemal schlagen. Heuchelheim gleicht durch halblinks aus. Petri ist es, der die Führung wieder an Gießen bringt. Die Gäste ziehen abermals gleich. Eine leichte Feldüberlegenheit der Gießener kann man trotzdem feststellen. Der VfB- Mittelläufer Wulle kommt in Hochform und füttert feinen Sturm mit präzisen Vorlagen. Bei den Gast- gebern läuft die Kombinationsmaschine wie am Schnürchen. Heuchelheim verteidigt und stürmt, aber vergebens. In gleichmäßigen Abständen werden die Einheimischen noch fünf Tore, denen die Gäste nur eins entgegensetzen können. Halbzeit 7:3. Nach Beginn der zweiten Halbzeit kommt Heuchelheim etwas auf, hat aber entschieden Pech. Bis die Turner zu ihrem nächsten Erfolg kommen, führt VfB.-R. durch Petri und Magsaam 10:3. Nachdem beide Mannschaften noch zweimal einsenden können, war ein schönes, schnelles und faires Spiel zu Ende. Der Unparteiische leitete gut. Mannschaftsaufstellung des VfB.-R.: Balser; Simon, Herbert; Blum, Wulle, Schwalm; Ober, Petri, Magsaam, Deuker, Schirmeister. Kirchgöns I — VfV. R la 7:7 (7:3). Handball-Ergebnisse im Kreis W. Aufstiegspiele der II. Kreisklasse. Tv. Garben heim — Tv. Katzenfurt 12:3 (4 : 2). Es wird immer offensichtlicher, daß die Stärke der beiden Vertreter der Staffel Dill nicht an die unserer heimischen Mannschaften heranreicht. Das beweist auch dieses Ergebnis. Garbenheim gewann das Spiel wie es wollte, obwohl die Gäste in der ersten Halbzeit noch einigermaßen offen spielen konnten. Tv. Herborn — Tv. Dorlar 2:9 (1:4). Auch im Rückspiel 'mußten die Platzbesitzer die Ueberlegenheit der Gäste anerkennen. Die Dorlarer übernahmen schon gleich nach Beginn das Kommando, konnten aber in der ersten Halbzeit durch großes Pech und gegen den Wind spielend die gegnerische Hintermannschaft nur viermal schlagen. Nach der Pause wurde das zwar etwas anders. Trotzdem verhinderten schlecht gezielte Würfe einen höheren Sieg. Tv. Burg-Gemünden — Mtv. Gießen II 6:7 (1:5). In einem äußerst schnellen und interessanten Spiel konnten die verstärkt spielenden Männerturner die Platzbesitzer knapp aber verdient niederringen. Man sah auf beiden Seiten sehr schc .e Leistungen. In der ersten Hälfte waren 6te Gießener kon- angebenb, während Burg-Gemünden nach der Pause mächtig aus sich herausging und so das Ergebnis noch recht knapp gestalten konnte, lieber die beiden Punkte wird allerdings noch nicht das letzte Wort gesprochen worden sein, da die Gäste für die zweite Mannschaft nicht spielberechtigte Spieler in ihren Reihen hatten. Freundschaftsspiele. Tv. Münchholzhausen—Kreis au sw ahl- mannschaft 13:12 (7:9). Der Kreis 8 will am 16. d. M. zur Einweihung der Tschammer-Osten-Kampfbahn in Bad-Nauheim gegen den Kreis 11 zu einem Propagandaspiel antreten. Das er dazu die spielstärkste Mannschaft benötigt, ist klar. Sonntag stieg deshalb bereits das zweite Auswahlspiel mit dem Zwecke der Sichtung neuer Könner. Nach dem Ergebnis zu urteilen, kann man die erfreuliche Feststellung machen, daß der Kreis über eine große Anzahl wirklich guter Spieler verfügt und daß er ohne weiteres in der Lage ist, an einem Tage mit mehreren gleich starken Mannschaften auf den Plan zu treten. Aus dem Grunde allein schon ist die Aufstellung der Vertretung für den 16. d. M. bestimmt nicht einfach. Tv. Allendorf (Lahn) — Tv. Garbenteich 1 2: 5 (6 : 3). Die Gäste traten mit zahlreichem Ersatz an, so daß die Niederlage zu verstehen ist. Aber auch die Einheimischen hatten Spieler ersetzen müssen. Trotzdem kam ein spannendes Spiel zustande, in dem Allendorf dank der geschlosseneren Mannschaftsleistung zu einem sicheren Sieg kam. Tv. Allendorf (Lahn) Jgd. gegen Tv. Garbenteich Jgd. 10:1 (4:0). Die Einheimischen traten mit einigen neuen talentierten Spielern an und konnten den Gästen, bei denen man den gesunden Torschuß vermißte, eine hohe Niederlage beibringen. To. Holzhei m—T v. Büdesheim9:7(5:3). Die Handballer des Tv. Holzheim sind nicht nur sehr eifrig, sie spielen auch einen so guten Handball, daß sie es ruhig wagen dürfen, gegen starke Mannschaften anzutreten. Das beweist der Sieg gegen die der Bezirksklasse angehörenden Gäste, der zwar nicht hoch ausfiel, aber immerhin genügte, um zu beweisen, daß sie während des ganzen Spieles Herr der Lage waren. Tv. Holzheim Jgd. gegen Tv. Büdesheim Jgd. 3:1 (0:0). Auch dem Nachwuchs gelang es, die Gäste nach einer torlosen ersten Halbzeit sicher zu schlagen. T v. ©rüntngen — T v. L i ch 7 : 6 (4 :1). Ein sehr knappes Ergebnis erzielte Grüningen gegen Lich. Während die Einheimischen in der ersten Hälfte weitaus besser als der Gegner gefielen, kam dieser nach der Pause mächtig auf, und Grüningen hatte alle Mühe, noch die Oberhand zu behalten. Das Sviel der Jungmannschaften mußte beim Stand von 2:0 für Grüningen wegen starken Regens abgebrochen werden. Tv. Staufenberg — Tv. Dutenhofen 6:3 (2:1). Den Einheimischen gelang es nicht, für die in dem Vorspiel erlittene Niederlage Revanche zu nehmen. Sie konnten dem technischen Können der Gäste nur großen Eifer entgegensetzen, der aber zu einem besseren Ergebnis nicht ausreichte. D'fB.-R. Gießen II gegen Tv. Heuchelheim I 11:5 (6:3). Beide Mannschaften lieferten sich ein ausgezeichnetes Spiel, bei dem, wie es eigentlich immer fein sollte, kein lautes Wort zu hören war. Daß unter diesen Umständen auch der Schiri ein leichtes Amt hatte, ist nicht weiter verwunderlich. Der Sieg der Gießener ist verdient, kann aber nicht so tragisch genommen werden, weil Heuchelheim ersatzgeschwächt antrat. T v. Wißmar — T v. Roth 4:8 (1:6). Die Wißmarer haben sich gegen die Bezirksklasse spielenden Gäste recht gut gehalten. Während es anfänglich nach einer hohen Niederlage aussah, kam Wißmar zum Schluß mächtig auf und hätte bei etwas mehr Glück sogar noch ein besseres Ergebnis herausholen können. Tv. Münchholzhausen Jgd. gegen Tv. Wetzlar Jgd. 12:7 (5:5). Bis zur Halbzeit sah man ein ausgeglichenes Spiel. Nach dem Wechsel war es mit der Kunst der Gäste vorbei. Die Einheimischen siegten wie sie wollten. Spielzeug der Jugend. Aus dem Leben eines Ingenieurs. Von Alfred Gehner. Wir stellen unseren Lesern einen neuen jungen Erzähler vor, der als Ingenieur im praktischen Leben steht und seine Stoffe auf dem harten Boden der Werkplätze und Maschinenhallen findet. Georg Jäger, oder „der Oberjäger", wie er als Chefingenieur im Gesurr und Gedonner seines Ar- beitsbereiches von jedermann schlechtweg und mit Respekt genannt wurde, eilte schon feit einer vollen Stunde durch die Straßen der Innenstadt. Für das einstweilige Versuchsmodell einer wichtigen, von ihm ersonnenen und seinem Betriebe zugedachten Vorkehrung benötigte er ein besondersartiges Magnetspulen-Paar, das sich allerdings auf feinem Rundgang durch sämtliche elektrotechnischen Läden als nicht handelsüblich erwies. Schon wollte er unverrichteter Sache umkehren, als er sich an ein weiteres, etwas außerhalb gelegenes Geschäft erinnerte. Es fragte sich nur, ob dieses Geschäft überhaupt noch bestand, ob nicht jetzt an Stelle der schönen Taschenlampen, der elektrischen Türklingeln, Funkeninduktoren und noch viel mehr verwandter Dinge — ob nicht jetzt nach mehr als drei Jahrzehnten in jenem Schaufenster gänzlich andere Sachen, vielleicht Kohlköpfe ober Leihbücher ausgestellt waren. Immerhin, er machte sich auf den Weg. Schon aus einiger Entfernung sah er das Schaufensterlicht trübe durch den Nebel scheinen: das Geschäft war noch da, und Jäger stand nun wieder vor der Auslage, ähnlich wie er einstmals als Sextaner auf jedem Schulwege vor diesem Augenparadies stehen geblieben war, weil nämlich während eine Folge von Wochen ein unsäglich schöner, kleiner Elektromotor inmitten der übrigen Schätze und zugleich auch im Herzen des Knaben den weitaus ersten Rang einnahm. Täglich aufs neue und ^unehmends durch diesen Anblick behext, war es selbstverständlich, daß sich der Kleine diesen Motor zum Geburtstag wünschte. Ja, er glaubte ihn schon Halbwegs zu besitzen, in vielerlei Vorstellung hantierte er bereits mit dem wunderbaren Maschinchen, bis ihn dann eines Tages die überhandnehmende Ungeduld in den Laden trfcb, um den Kaufpreis zu erfragen. Die Auskunft, welche ihm zögernd gegeben wurde, vernichtete seine Vorfreude bis auf einen jämmerlichen Rest, und auch dieser Rest wurde zuschanden, als bald danach der Motor für immer, aus dem Schaufenster verschwand. Dann, nach langen, betrübten Tagen war der Morgen gekommen, da neun brennende Wachskerzen seinen Geburtstagskuchen umringten. Links daneben stand ein niegesehenes Glasgefäß, und zur Rechten ein kleiner hochförmiger Pappkarton, aus dem zu Georgs Erstaunen und Jubel nichts anderes zum Vorschein kam, als der Motor! Und das Glas- inftrument daneben war seine Kraftquelle, ein Akkumulator. Nein, es war nicht zu sagen, welch ein Taumel ihm in die Seele fuhr! Gewiß, die Wunder, die in Märchen und biblischen Geschichten vorkamen, mochten großartig fein; dieser sausende Motor aber war ein wirkliches, lebendiges Wunder, viel un= begreiflicher und dennoch überzeugender, als alle anoeren zusammen. Man brauchte nur seine beiden, grün-umsponnenen Zuleitungsdrähte an die Polklemmen des Akkumulators zu halten, bann brauste der Motor schon auf, so daß der Tisch, auf dem er stand, zu zittern begann, und dies Zittern drang bis in die Nervengrunde aller Hausgenossen, die mit aufgesperrten Augen atemlos und gebannt zusahen, weil er fang und surrte und auf seinem kupfernen Lamellenring ein blitzblauer Funkenkranz knisterte — ein Gebaren, mit dem der Motor sich mühelos gegen den Zugriff Unbefugter verwahrte; nur Georg, fein unerschrockener Besitzer, durfte das aufregende Maschinisten-Amt verwalten. Sein älterer Bruder besaß schon seit dem Vorjahr eine Dampfmaschine mit einer umfangreichen Maschinenanlage dazu: eine lange Transmission nebst vielen anzutreibenden Modellen, die allesamt auf einem großen Brett montiert waren. Was lag näher, als an dieser zusammengeschlossenen Maschinerie die Zugkraft und Geschwindigkeit des elektrischen neben der des Dampfantriebes zu vergleichen! Wie zu erwarten war, zeigte sich der vorgespannte Motor weit überlegen: dem Hämmerwerk, dem Springbrunnen und Schleifstein fuhr sein Temperament dermaßen in die Räder, den Handwerkern, die da fügten oder klopften, so wüst in die blechernen Gelenke, daß von ihren sonst so biederen Bewegungen nichts mehr zu erkennen b ieb; die gesamte friedliche Werkstatt geriet äugen- butflid) in Raserei und war schon der Auflösung nahe, so daß der Bruder die sofortige Abstellung verlangte, während Georg frohlockend die Arme schwang. Doch dies war nur ein kleiner Bestandteil seines motorischen Triumvhzuges, der ebenso unaufhaltbar schien, wie seine Leidenschaftlichkeit und Ausdauer, die er im Umgang mit diesem Spielzeug an den Tag legte. Somit war es bann bald ausgemacht, baß für später Ernstliches baraus werden solle. Unterdessen ging der kleine Motor den Weg aller Spielzeuge, und ©eorg Jäger hat, als die Zeit gekommen war. Tag für Tag mit Kollegheft und Füllfeder vor einem Dozenten gesessen, der die'Geheimnisse, die Schaltungen und Funktionen der elektrischen Kraftmaschinen zu verraten wußte. Vielerlei Gesetze mußte der Jünger begreifen, um endlich einen rechtschaffenen Elektromotor aufs Papier bringen zu können. Ungezählte Zeichenbögen, mit Bleistift, Zirkel und Tuschen und unter Mühen und Zweifeln verfertigt, sie waren endlich gut genug, um mitsamt ihrem rechnerischen Nebenher den ausgegangenen Stubenofen wieder anzumachen. Und wiederum später bekam Jäger, der Ingenieur, mit richtigen, wirklichen Motoren zu schaffen, mit kleinen, großen und sehr großen, die willig ober weniger willig ihre Arbeit taten und brummten unter ber Last ihrer Riemenzüge. Mit manchem kranken ober launischen, mit tapferen unb mutlosen, unentwegten ober stets fiebernben hat er einen Kampf gekämpft. Manche Verlegenheiten hat er um ihretwillen burchmachen müssen unb manchen Stromschlag eingesteckt, gebulbig ober fluchend. Aber trotz allem hat er immer feine Freube gehabt an diesem Motorenleben, heute wie gestern hat er noch feine Freude an ihren sinnvollen Ausstattungen unb Spezialitäten, an ihrem hurtigen Gesang, an ihrer Unraft unb Kraft. Doch wieviel lebenbiger, schien ihm, als er jetzt wieder vor dem Schaufenster stand, aus dem einstmals fein kleiner Geburtstagsmotor hervorgegan- gen war, wie unvergleichlich und herrlicher war doch dieser erste kleine Motor gegenüber jenen ernsten Gesellen ber Technik, bie bem Alltag verschrieben waren! Wie unberührt in feinem Glanz unb voller Wunber noch war doch er im Vergleich mit ben großen, bie kein Geheimnis mehr befaßen! Georg Jäger ging in ben Laben. Und wie ber aus einem Witz bekannte Schotte gesagt haben soll, nachbem er mehrere Jahrzehnte ein und denselben Hut getragen hatte und nun in den Laden wiederkehrte, darin er ihn einst gekauft — wie jener hätte der Eintretende nun auch wohl jagen mögen: „Da bin ich wieder". Johannes Ballhorn und die Ballhörner unserer Gegenwart Der ehrsame Meister ber hochgeschätzten Buch- bruckerkunst Johannes Ballhorn, ber fein Hand- werk recht und schlecht im 16. Jahrhundert zu Lübeck ausübte, hat eine Berühmtheit erlangt, die er gewiß selber nicht erstrebt hat. Wir führen, wenn wir von Verballhornungen sprechen, seinen Namen im Munde, ohne uns dessen bewußt zu fein. Es war zu Lebzeit des Johannes Ballhorn allgemeiner Brauch, daß bie Buchbrucker auf eigene Faust „Verbesserungen" an ben ihnen in Arbeit gegebenen Manuskripten vornahmen, wobei verstänblicherweise recht oft Ergebnisse von zweifelhafter Güte ober gar unfreiwilliger Komik entstauben. Warum man nun gerabe ben Namen bes guten Lübecker Meisters mit biefer Sitte in Verbindung gebracht hat, konnte von ber Forschung nicht ermittelt werben. Es besteht kaum Anlaß für die Annahme, daß Johannes Ballhorn in stärkerem Ausmaß und mit unglücklicherer Hand in die Arbeiten der Schriftsteller und Dichter „hineinverbessert" hat als seine anderen Zunftbrüder. Es heißt sogar, daß man ihn ganz zu Unrecht beschuldigt hat. Jedenfalls ist stin Name auf diese Weise in den deutschen Sprachschatz eingegangen, und man findet noch genügend Gelegenheit, ihn anzuwendeli, denn die Zahl ber Ballhörner will auch in unserer Gegenwart fein Ende nehmen. Ernst H e i m e r a n hat eine Sammlung solcher Verballhornungen, zumeist aus Münchener Buch- hanblungen unb Verlagen, zusammengestellt, von benen "einige Beispiele in der Zeitschrift „Das Deutsche Wort" angeführt worden sind. Darunter befinden sich folgende Büchertitel: Die Memoiren eines Obst-Okkulanten. (Obskuranten.) — Der Gehrock und der Abendstern. (Gerock, Unterm Abendstern.) — Herders Kitt. (Cid.) — Emilia von Ga- loppi. (Lessing, Emilia Galotti.) — Schillers Wendelstein. (Wallenstein.) — Der Prinz von Hamburg. (Kleist, Prinz vom Homburg.) — König Lehar. (Shakespeare, König Lear.) — Sechs Personen suchen ein Auto, (einen Autor.) — Die Heiraterei. (Otto Ludwig, Die Heiterethei.) Nietzsche, Tragödie der Geburt. (Geburt ber Tragöbie.) — Fallaba, Wer einmal in ben Fettnapf tritt. (Wer einmal aus dem Blechnapf frißt.) — Etwas von Annemarie Rilke. (Rainer Maria Rilke.) — Ein Eisenbahnkonkursbuch. (Kursbuch.) — Ein Plan von München mit sämtlichen Moscheen. (Museen.) Nr. 129 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Mittwoch, 5. Zuni 1935 Aus der Provinzialhauptstadt. Polizeidirektor Meusel. Das Bild zeigt den neuen Leiter der Polizeidirektion Gießen, Polizeidirektor Meusel, über dessen Einführung in sein Amt wir gestern berichteten. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.) Segler in den Wolken. lieber unseren Dächern fliegen die Schwalben. Sehr schnell und ohne Schwere jagen sie dahin, kleine, zierliche Kreuze vor dem Wind, und in ihrem jauchzenden Spiel schwingt hell die Heiterkeit sommerlicher Tage. In die steinerne Enge der Stadt tragen sie die sonnige Weite des Himmels, die grenzenlose Freiheit unbekannter Fernen als ein Geschenk. Wenn sie pfeilschnell aufsteilen in die schweigsamen Gebirge der silbernen Wolken, wenn sie aus dem Dunst der Straßen sich aufwärts werfen in die durchsichtige Bläue, gleichen sie schmalen, lebendigen Brücken, unvermutet ausgespannt zwischen uns und der großen Unendlichkeit. Wo die geschäftige Unrast der Städte Stein auf Stein zu kahlen Mauerzügen schichtete, wo hohe Wände die sonnige Weite der Landschaft jäh verstellten, floh das freie Getier und ließ den Stadtmenschen allein im Alltag seiner Straßen. Aber alljährlich, wenn der Frühling das schüchterne Grün der Vorgärten erweckte und sich die blassen Fliederknospen an den Gittern öffnen, steigen an den weißleuchtenden Ufern des Mittelmeeres, in den Palmengärten Nordafrikas die Schwalben auf und kommen herüber zu uns. Sie fliegen rasch über die blauschimmernde See, sie jagen eilig über die schneehäuptigen Berge und über die bunten Ebenen, und eines Tages schweben sie hoch über den grauen Firsten der Stadt, die ihnen Heimat ist um einer alten Treue willen. Vergebens winkte unterwegs den pfeilschnellen Wanderern die lockende Abenteuerlichkeit blauer Fernen, sie kamen unbeirrbar und wie selbstverständlich, um ihre kleinen Nester an unsere Simse zu bauen, unbekümmert um den Ruß der Kamine und das Gewirr der Antennen. Nun werfen sie den klingenden Schrei ihrer rastlosen Unbändigkeit stürmenden Fluges in unsere offenen Fenster, und auf ihren schmalen Schwingen bringen sie die Weite unbekannter Landschaften mit sich in den Himmel über unseren Dächern. Wenn der Feierabend den Alltag endet, wenn die müden Menschen in ihren Gärtchen sitzen, oder aus den dunklen Fenstern lehnen, dann heben sie wohl ihren Blick auf zu den kleinen Schwalben, die hoch oben im verlöschenden Licht der Sonne schimmernd kreisen im schwebenden Schwung. Dann werden leise Gedanken und zage Wünsche wach und sinnen den schnellen Vögeln nach, wie sie heiter sich wiegen vor dem glühenden Gold des glimmenden Horizonts, als gebe es keine Sorge und nie ein Traurigsein. Nichts schöneres gibt es gewiß als der Schwalben Flug über dem Abend der Städte, nichts kann freier und stolzer sein als sie, wenn sie wild und jubelnd um die steinernen Türme jagen, wenn sie jäh herabschießen in die Schluchten der Straße, wenn sie gelassen im Winde gleiten, anmutige Segler in den weißen Wolken. Viel zu kurz ist ihrer Unrast der Tag, viel zu lang ihrer Hnn- melssehnsucht das Dunkel der Nacht. Einen unbändigen Drang, einen verzehrenden Willen kennen sie nur: Fliegen! . Ein heißes, stürmisches, fernenhungnges Sofern ohnegleichen leben sie so, trunken von Luft, Welte und 'Wind, schwingend ohne Ruhe zwischen unserer Erde und dem Glanz des Himmels, der ihre unendliche Heimat ist. M. Warnung vor unbefugter Beschaffung von Maien. Wenn zum Pfingstfest wieder Häuser und Wohnungen mit frischen Maien geschmückt werden, muß dafür gesorgt werden, daß die Herbeischaffung des Schmuckgrüns überall in geordneter Weife erfolgt und jeder ungeregelte oder zerstörende Eingriff in unsere Baum- und Strauchbestände vermieden wird. Solche Eingriffe sind leider im vorigen Jahre an vielen Orten Deutschlands vorgekommen und haben zu schweren Schädigungen von Wäldern, Forsten und Baumpflanzungen geführt. Abgesehen von der Strafbarkeit solcher Handlungen stehen Uebergriffe der geschilderten Art mit dem hohen Gedanken des Pfingstfestes in grellem Widerspruch. Die Bevölkerung wird daher ermahnt, das junge Birkengrün (Maien) und sonstiges Schmuckgrün für das Pfingstfest nur von den zur Abgabe befugten Stellen, oder von den ordnungsmäßig zum Zwischenhandel berechtigten Personen zu entnehmen. Nach § 14 der preußischen Tier- und Pflanzenschutzoerordnung vom 10. März 1935 hat sich z. B. derjenige, der Schmuckreisig zu Handelszwecken an- bietet oder befördert, über den rechtmäßigen Erwerb auszuweisen. Als Schmuckreisig gelten Bäume oder Sträucher — also auch Birken (Maien) — und bereit Zweige oder Zweigspitzen, die ganz oder geteilt geeignet sind, als Zimmerschmuck oder zur Kranzbinderei verwendet zu werden. Wird das Schmuckreisig vom Nutzungsberechtigten des Grundstückes, auf dem es gewachsen ist, angeboten ober befördert, so gilt als Ausweis eine für das laufende Kalenderjahr gültige Bescheinigung der Ortspolizeibehörde, aus der hervorgeht, welche Baum- und Strauchart auf dem Grundstück genutzt werden. Für Wiederverkäufer gilt als Ausweis die vom Verkäufer ausgestellte und eigenhändig unterschriebene Rechnung, die Ausstellungstag, Namen und Wohnung des Verkäufers, und des Empfängers und Art und Zahl der Ware enthalten muß. Stammt das Schmuckreisig aus einem Forstbetrieb, gilt der amtliche Verabfolgungszettel als Ausweis. ' Eine volkswirtschaftliche Schädigung des deutschen Waldbestandes und der Baumpflanzungen muß künftig vermieden werden- Deutsche Arbeitsfront. NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude". Kabarett der Komiker zehnmal herausgerufen! Ungeahnter Erfolg des Gastspieles im Gau. Die weltberühmten Humoresk-Melodios, die Nachfolger der bekannten Comedian-Harmonists, die heute abend im Stadttheater im „Kabarett der Komiker" gastieren, hatten bei der Erstaufführung im Gau ungeahnten Erfolg. Sie wurden nach einer Nummer nicht weniger als zehnmal herausgerufen. Keiner versäume diese Gelegenheit. Karten sind noch an der Abendkasse zu haben. Rheinfahrt! Es sind noch einige Plätze zu der Rheinfahrt am 23. Juni frei. Arbeitskameraden, meldet euch möglichst umgehend zu dieser schönen Fahrt an, ehe sie ausverkauft ist. „Wissenschaft im Dienst für das deutsche Volk." Am Donnerstag, 6. Juni, abends 8 Uhr, findet der nächste Vortrag in der Vortragsreihe der Universität statt. Dr. Kranz spricht über das Thema: „Erbforschung mit besonderer Berücksichtigung der Zwillingsuntersuchung". Herr Dr. Kranz schreibt uns hierzu folgendes: Die Zwillingsforschung hat sich besonders in den vergangenen Jahren zu der idealsten und wichtiasten Forschungsmethode der menschlichen Erblichkeitslehre entwickelt. Mit ihrer Hilfe ist es bereits gelungen, die Erblichkeitsverhältnisse für eine große Anzahl von Merkmalen und Krankheiten zu bestimmen. Sie ist heute die einzige Methode auf dem Gebiet der menschlichen Erbforschung, mit dem wir die beiden großen Entwicklungskräfte „Erbanlage" und „Umwelteinflüsse" feststellen und in ihrem gegenseitigen Wirken erfolgreich beurteilen können. Die praktische Auswirkung ihrer Ergebnisse ist daher für das deutsche Volk, in das wieder rassisches und erbbiologisches Denken Eingang gefunden hat ,von ungeheurer Bedeutung und unentbehrlichem Wert. Volksgenossen, Arbeitskameraden, besucht diesen wichtigen Vortrag am Donnerstagabend in der Universität Gießen. Der Eintritt ist frei! NS. Bund Deutscher Technik (früher KD AZ ), Bezirk 6, Gießen- Alsfeld - Lauterbach - Schotten. Für Sonntag, 30. Juni, vormittags 11 Uhr, ist ein großer Tonfilm-Vortrag „Forschen und Schaffen" in Aussicht genommen, zu dem außer Partei und Behörden die technischen und wirtschaftlichen Organisationen, die Wehrmacht, Arbeitsdienst, DAF., NS.-Hago eingeladen werden. Um einen Ueberblick über die erforderlichen Plätze zu bekommen, wird gebeten, schon jetzt die Anzahl der benötigten Eintrittskarten anmelden zu wollen. Der Eintritt ist frei! Karten werden rechtzeitig zur Verfügung gestellt. Besondere Einladungen werden folgen. NS.-Bund Deutscher Technik, Gießen, Postfach 81, Ruf Nr. 2044/2045. Amt für Bolkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Güd. Am Donnerstag, 6. Juni, und Freitag, 7. Juni, findet in der Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenfchaft die Opferringsammlung (Lebensmittelsammlung) für die NS.-Volkswohl- fahrt statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelspende (Pfundpakete) zur Abholung bereitzuhalten. LandschastsbundBolkstum undHeimat. Orlsring Gießen. Heute, 19 Uhr, Führung durch die Luftfahrt- Werbe-Ausstellung im Cafe Leib. Eintritt frei. ZortbildungSkurfus für Aerzte. Die Medizinische Fakultät der Universität Gießen veranstaltet in der Woche vom 13. bis einschließlich 19. Oktober für praktische Aerzte einen allgemeinen Fortbildungskurs mit dem Hauptthema „Vorbeugendes Schaffen des Arztes". Am Mittwoch findet ein mit Vorträgen bzw. Vorweisungen verbundener Ausflug nach Bad-Nauheim statt. Zur Deckung der Unkosten wird von jedem Teilnehmer der Betrag von 10 RM. erhoben; weitere Kosten entstehen nicht. Prospekte und Anfragen durch Professor Georg Herzog, Pathologisches Institut, Gießen, Klinikstraße 32 g. Vornotizen. — Tageskalender für- Mittwoch: NSG. Kraft durch Freude" 20 Uhr im Stadttheater „Kabarett der Komiker". — NSG. „Kraft durch Kinder in der Ferienerholung. Die Kinder-Landverfchickung der NSV., die im vorigen Jahre durch die Beschaffung von Ferienaufenthalten für hilfsbedürftige Kinder bereits in sehr segensreicher Weise gewirkt hat, setzt auch in diesem Sommer ihr anerkennenswertes Werk zum Besten der deutschen Kinder in umfangreicher Weise fort. Dabei wird im Rahmen dieses Aufbauwerkes im Kreise Gießen von der Kreisamtsleitung der NSV. unter Führung des Kreisamtswalters Pg. K l ö s eine außerordentlich emsige Tätigkeit ent- Pflegeeltern, zum Teil von Volksgenossen aus dem Kreise Gießen zur Weiterfahrt nach ihren Ferienorten erwartet. Kreisamtswalter Pg. K l ö s nahm auf dem Bahnsteig die Verteilung der Kinder auf die verschiedenen Ferienorte vor, dann setzten die im Kreise untergebrachten kleinen Gäste ihre Fahrt fort, während die in der Stadt Gießen verbliebenen Buben und Mädels zum Teil mit ihren Pflegeeltern nach Hause gingen, die übrigen aber, sämtlich Buben, von einer Abteilung des Jungvolks unter sind mit Linoleum belegt, alles blitzt und blinkt nut so, daß bei jedem Besucher nur uneingeschränkte Freude über diese vorzügliche Heim - Einrichtung herrschen kann. Dazu kommen noch die beiden Spielwiesen und die übrige reiche Bewegungsmöglichkeit im Garten, um den kleinen Gästen der NSV. den »ilt in diesem Ferienheim zu einer beson- nnehmlichkeit und Freude zu machen. Man möchte wünschen, daß wir noch an vielen anderen Orten ebenso vortreffliche Kinderheime Die Verteilung der Kinder durch Pg. K l ö s am Bahnhof. V I Im Parterre dieses Gebäudes befindet sich der Tages-Aufenthaltsraum. r -■ Die Kinder im Tagesraum bei der ersten Erfrischung. Das Haus mit den Schlafräumen des Kinderheims. , ' (Sämtliche Aufnahmen: Photo-Pfaff.) 5' - ( t U - / - wickelt, die zwar nach außenhin nicht sichtbar wird, aber an dem Umfang des Ferienwerkes selbst doch ermessen werden kann, und auf die einmal in der Öffentlichkeit mit besonderer Anerkennung hingewiesen sei. Die Arbeit, die auf diesem Gebiete von den An- gehörigen der Kreisamtsleitung der NSV. geleistet wird, ist Aufbau am deutschen Volk im besten Sinne des Wortes. Darum kann man auch nur den dringenden Wunsch äußern, daß dieses Werk immer und überall eifrige Helfer und opferfreudige Förderer finden möge, denn alles, was hier geleistet wird, bringt unserem deutschen Volke tausendfältige Früchte. Am gestrigen Dienstag schickte die Kreisamtsleitung der NSV. wiederum 20 4 Kinder aus Stadt und Kreis Gießen auf vier Wochen in Erholungsferien, die von rund 150 Kindern in Wiesbaden und der näheren Umgebung, von den übrigen Kindern in Stadt und Kreis Alzey verbracht werden. Gestern nachmittag empfing die Kreisamtsleitung der NSV. für die Stadt und den Kreis Gießen 82Kinder aus den Kreisen Groß-Gerau und Erbach. Von diesen Kindern blieben etwa 30 in der Stadt Gießen, die übrigen wurden in einer Reihe von Orten des Kreises Gießen als gerngesehene Ferien- gäfte ausgenommen. Die Kinder kamen gegen 15 Uhr in Begleitung von Erwachsenen in Gießen an und wurden am Bahnhof zum Teil von ihren Vorantritt der Jungoolk-Trommler und -Bläser nach dem Kinderheim der NSV. auf dem Grundstück des Provinzial-Kinderheims in der Licher Straße geleitet wurden. Hier finden diese Buben für die kommenden vier Wochen einen vortrefflichen Ferienaufenthalt. Das Kinderheim der NSV., das wir gestern nachmittag anläßlich der Ankunft dieser Feriengäste besuchten, macht in allen Teilen einen vorzüglichen Eindruck, hier ist in ausgezeichneter Weise alles getan, was auf dem Gebiete der heimgestaltung für die Zwecke der Kinderbetreuung überhaupt nur möglich ist. Das Heim liegt an der westlichen Seite des großen Grundstückes am Alten Steinbacher Weg nach dem Nizza zu, inmitten des Gartens und am Rande zweier Spielwiesen, die mit gutem Graswuchs versehen sind. Es hat einen in lichten und warmen Farben gehaltenen, mit zweckmäßigen Modeln gut ausgestatteten Tages-Aufenthaltsraum, mit zahlreichen Fenstern, die Licht und Lust in reichlichstem Maße Einlaß gewähren. Ferner gehört zu dem Heim eine ebenso freundlich ausgeftattete Abteilung mit schneeweißen Betten und ebensolchen Schränken und Nachttischen, alles untergeteilt auf eine Reihe von Zimmern, in denen zum Teil zwei, zum Teil drei Schlafstätten eingerichtet sind. In beiden Abteilungen des Heims sind außerdem alle neuzeitlichen sanitären Einrichtungen vorhanden, die Fußböden hätten, wie es in diesem Werk der NSV. in Gießen der Fall ist. Die Buben wurden gestern nachmittag bei ihrer Ankunft in dem Kinderheim von dem Kreisamts- roalter der NSV. Pg. K l ö s mit kurzen, herzlichen Worten willkommen geheißen und ihnen die beste Pflege und liebevollste Betreuung zugefichert. Hierauf sprach ein Jungoolkführer in kameradschaftlicher Weise zu den jungen Kameraden, die er auf die Aufbauarbeit im Dritten Reich und namentlich auf die daraus für die deutsche Jugend sich für die Zukunft ergebende Verpflichtung hinwies. Dann wurde, während das Jungvolk das Lied der Jugend fang, in feierlicher Weife die Flagge der Hitler-Jugend an dem Fahnenmast gehißt, die nunmehr für die ganze Dauer der Ferienaufenthalte dieses Sommers über diesem Lager der Jugend wehen wird. Nunmehr begaben sich die Kinder in das Heim, wo sie mit strahlenden Gesichtern ihre wundervollen Schlafstätten in Augenschein nahmen und sich dann im übrigen häuslich einrichteten, während alsbald auch eine Erfrischung als willkommene Stärkung nach der Reife zur Stelle mar. Ueberatl sah man bei den Kindern ein frohes Leuchten auf den Gesichtern. Daran konnte man ihre innere Freude über die vortreffliche Unterkunft und die überaus liebevolle Aufnahme, sowohl von feiten der KreisamtsleitunA der NSV., als auch von den Heimfchwestern und den übrigen Betreuern, deutlich und eindrucksvoll erkennen. Freude", 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schombs, 20 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Mädchen Johanna". — Ausstellung „Gießen und die Lustsahrt" im (SafS Leib, bis 19 Uhr geöffnet. — Oberhesjischer Kunst- verein (Turmhaus am Brandplatz), 16 bis 17 Uhr, Ausstellung Christian Rohlfs-Hagen. — Im Katholischen Bereinshaus um 16 und um 20 Uhr Koch-, Brat- und Back-Vorführungen. Hessische Vereinigung für Volkskunde. Die Hessische Bereinigung für Volkskunde hielt in Gießen eine Borstanosfigung ab. Im Vordergrund der Besprechungen stand die künftige Arbeit der Vereinigung, an Oie man freudig Herangehen wird, zumal man im neuen Deutschland der im heimischen Volkstum wurzelnden, in’ lebendiger Beziehung zu Blut und Boden stehenden Wisfen- chaft der Volkskunde ganz besondere Beachtung chenkt. Es konnte mitgeteilt werden, daß Band 33 )er „Hessischen Blätter für Volkskunde" im Druck ast fertig oorliegt. Er wird im September den Mitgliedern der Vereinigung zugestellt werden. Auch die Herausgabe des Bandes 34 ist bereits vorbereitet. Die hessische Flurnamen-Forschung ist weiter oorangeschritten. Vom Flurnamenbuch ist neu erschienen eine Arbeit von Hermann Meyer über „Die alten Namen der Gemarkungen Waldmichelbach und Aschbach im Odenwald". Kurz vor dem Abschluß steht der Druck der Flurnamensammlung von Großen-Linden, die in Pfarrer i. R. Schulte den berufenen Bearbeiter gefunden hat. Das Erscheinen weiterer Flurnamen-Arbeiten steht in naher Aussicht. Schwerer Verkehrsunfall. In der letzten Nacht gegen 23 Uhr ereignete sich in der äußeren Frankfurter Straße, in der Nähe der Eisenbahn-Ueberführung vor Klein-Linden, em schwerer Verkehrsunfall. Dort fuhr ein Personenauto der Firma Stollwerck in Köln, die gegenwärtig in Gießen eine .Ausstellung veranstaltet, mit einem Ehepaar Seibert und einer Frau Borschütz aus Wetzlar als Insassen in Richtung Wetzlar. Zwischen dem Grundstück der Firma Kahl und der Bahnbrücke kamen dem Kraftwagen vier Radfahrer entgegen, die allesamt ihre Fahrräder neben sich herschoben. Aus bis jetzt noch nicht völlig geklärter Ursache kam es zwischen dem Auto und den marschierenden Radfahrern zum Zusammenstoß, wobei von den Radfahrern Otto L u h und Theodor Hahn erhebliche Kopfverletzungen davontrugen, während Wilhelm W e l l e r und Otto Pfeiffer Prellungen am linken Bein erlitten und von den Autoinsassen der Ehemann Seibert an den Händen verletzt wurde. Die Verletzten wurden von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Ehirur- gischen Klinik verbracht. Das Auto wurde stark beschädigt. ** Neuer Fußweg entlang der Wie- s e ck. Zwischen Bahnhofstraße, Cafe Amend und der Hammftraße, an der Eisenbahnunterführung der Main-Weser-Bahn wird ein weiterer Fußweg entlang der Wieseck angelegt. Dieser Weg stellt eine direkte Verbindung zwischen der Altstadt und dem Stadtteil jenseits der Bahn dar. Nach der Fertigstellung kann man ohne Umweg yon der Bahnhofstraße aus direkt zum Elektrizitätswerk, Güterschuppen usw. gelangen. Der Weg wird in der gleichen Weise wie an der Alicenstrahe hergestellt, mit einem hölzernen Abschlußgeländer versehen und die Böschung mit Strauchwerk angepflanzt, so daß das ganze eine wesentliche Verbesserung des seitherigen Zustandes jenes Stadtbildes bringen wird. ** Das Hoherodskopffest findet in diesem Jahre ausnahmsweise schon am 3 0. Juni statt. Der Ostgau des Vogelsberger Höhenklubs (VHC.) hat unter Führung des Zweigvereins Lauterbach die Ausgestaltung des Festes übernommen, das wieder, wie in früheren Jahren, ein echtes, rechtes Vogelsberger Volksfest werden soll. Außer Wettspielen, Kasperltheater, Volkstänzen kommt auch ein von dem VHC.-Dichter Schirr- Musterung bet Jo^rflänge 1914 und 1915 in der Stadt Gießen. Die Reichsregierung hat am 16. März 1935 eine Proklamation an das deutsche Volk erlassen. hiernach ist Wehrpflicht Ehrendienst am deutschen Volke. Jeder deutsche Mann ist wehrpflichtig. Unter Bezugnahme auf die angeführte Proklamation und das Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht vom 16. März 1935, sowie das Wehrgesetz vom 21. Mai 1935 (RGBl. 1 S. 609) und die Dienst- anweisung für die Musterung und Aushebung vom 29. Mai 1935 (RGBl. 1 S. 607) wird hiermit fol- gendes bekanntgemacht: I. Alle männlichen Reichsangehörigen, die im Jahre 1914 und 1915 geboren sind, und sich, wenn auch nur vorübergehend, in der Stadt Gießen aufhalten, müssen sich zur Musterung für den Wehrdienst (Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe) stellen. Die Einstellung zum Dienst erfolgt erst später. Die zur Zeit im Arbeitsdienst befindlichen Dienstpflichtigen werden nicht gemustert, mit Ausnahme derjenigen, welche Zurückstellungsanträge stellen. II. Als militärische Behörde ist für die Musterung das Wehrbezirkskommando Gießen zuständig. III. Die Musterung der Jahrgänge 1914 und 1915 findet in der Stadt Gießen vom 17. Juni 1935 ab jeweils in der Zeit von 8V2 Uhr vormittags im Wehrbezirkskommando Gießen, Llebig- ftrahe 16, nach folgendem Plan statt: Es melden sich die Dienstpflichtigen, deren Familiennamen beginnen: Von A bis Bi: „ Bl bis Fl: „ Fo bis He: „ Hi bis Ko: „ Kr bis O: „ P dis S: „ Sch, St und „ U bis Z: am 17. Juni am 18. Juni am 19. Juni am 21. Juni am 24. Juni am 25. Juni T: am 26. Juni am 27. Juni ‘IV. 1935; 1935; 1935; 1935; 1935; 1935; 1935; 1935. Jeder Dienstpflichtige hat zur Musterung mitzubringen: a) den Geburtsschein; b) Nachweis über Abstammung (bis einfchl. Großeltern, gegebenenfalls auch über die der • Ehefrau); c) die Schulzeugnisse und Nachweise über Berufsausbildung (Lehrlings- und Gesellenbriefe); d) Ausweise über Zugehörigkeit zu: HI. (Marine-HI.), SA. (Marine-SA.), SS., NSKK., DLV. (Deutscher Luftsport-Verband), DASD. (Deutscher Amateur - Sende- und Empfangsdienst); e) den Nachweis über Teilnahme an Wehrsport (Wasser-Wehrsport); f) den Nachweis über Landhilfe; g) den Nachweis über geleisteten Arbeitsdienst (Arbeitspaß oder Arbeitsdienftpaß); h) den Nachweis über geleisteten aktiven Dienst in der Wehrmacht oder Landespolizei oder, über die bereits erfolgte Annahme als Freiwilliger in der Wehrmacht oder Landespolizei; i) den Nachweis über den Besuch von Seefahrt- fchulen und über Seefahrtzeiten; k) den Nachweis über den Besitz des Reichssportabzeichens oder des SA.-Sportabzeichens; I) den Führerschein (für Kraftfahrzeuge, Flugzeuge oder des Deutschen Seglerverbandes). Brillenträger haben außerdem das Brillenrezept vorzulegen. V. Zur Musterung hat auch ein Gestellungspflichtiger zu erscheinen, der seine Zurückstellung vom Wehrdienst beantragen will. Dieser hat das nötige Beweismaterial beizubringen, und zwar: a) bei Anträgen auf Zurückstellung aus häuslichen und wirtschaftlichen Gründen eine entsprechende Bescheinigung der Ortspolizeibehörde; b) bei Anträgen auf Zurückstellung aus Gründen beruflicher Art, Bescheinigung der Ausbildungsstelle. VI. Die Polizeidirektion kann völlig Wehruntaugliche (Geisteskranke, Krüppel usw.) auf Grund eines Zeugnisses des Amtsarztes von der Gestellung zur Musterung befreien. Ein Dienstpflichtiger, der durch Krankheit an der Gestellung zur Musterung verhindert ist, hat hierüber ein Zeugnis des Amtsarztes einzureichen. VII. Jeder Gestellungspflichtige hat gewaschen und mit sauberer Wäsche zur Musterung zu erscheinen. Sport- oder Badehose ist mitzubringen. VIII. Vor und bis zum Abschluß der Musterung ist der Genuß von alkoholischen Getränken verboten. IX. Zur Musterung ist das Mitbringen von Verpflegung erwünscht. Es empfiehlt sich, keine Wertsachen und bergt zur Musterung mi^ubringen. Wer seiner Gestellungspflicht nicht ober nicht pünktlich nachkommt ober ben vorstehenden An- orbnungen sonst zuwiberhanbelt, wirb, wenn keine höhere Strafe verwirkt ist, bis zu 150 Reichsmark ober mit Haft bestraft. Evtl, werben sofortige polizeiliche Zwangsmaßnahmen gegen ihn ergriffen. Gießen, 4. Juni 1935. Hess. Polizeibirektion. Meusel. mann verfaßtes Freilichtspiel zur Aufführung. Die Verbesserung bes Sommerfahrplans, befonbers die Einlegung von später in Schotten abgehenben Zügen mit guter Verbindung nach Frankfurt unb Gießen, ermöglicht weit mehr als seither ben Besuch bes hohen Vogelsberg. ** Dom Rettungsschwimmen. Von ber Hauptgeschäftsstelle Berlin ber Deutschen Lebens- rettungs-Gesellschast konnte Herrn Dr. Arno Schulz, Gießen, Diezstraße 6, nach erfolgreich abgelegter Prüfung ber Lehrschein mit golbener Nadel überreicht werden. Im Monat Mai konnten nachstehend genannte Personen ihre Prüfung im Rettungsschwimmen mit Erfolg ablegen: Für ben Leistungsschein: Turn-Oberlehrer Georg Reinharb, Friedberg. Für den Grundschein: Willi Keiner, Rudi Bädenbender, Reinhold Krämer, Helmut Jahn, Wilhelm Schott unb Rolf Meyer, sämtlich zu Gießen. — Der Bezirk Oberhessen ber Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft wirb in biesem Monat einen Lehrgang zur Ausbildung von Rettungsschwimmern in Gießen zur Durchführung bringen. Siehe heutige Anzeige. ** 7 5. Regiments -Jubiläum ber 6. Dragoner. An alle Kameraden in allen deut- schen Gauen ergeht bie Aufforderung zur Beteiligung am 75. Regiments-Jubiläum mit großer Wieber- fehensfeier bes ehemal. Dragoner-Regiments Nr. 6 im letzten Stanbort M a i n z, am 29. unb 30. Juni unb 1. Juli, sowie zur alsbaldigen Mitteilung ihrer genauen Postanschrift. Beabsichtigt ist, in die Jubiläums-Festschrift ein Anschristen-Verzeichnis aller Kameraden aufzunehmen unb bie Festschrift jedem einzelnen zugänglich zu machen, bamit enblich bie Möglichkeit besteht, baß befreundete Regiments- Kameraben in gegenseitigen Schriftwechsel treten können. Dazu ist natürlich erforberlich, daß auch Deutscher Volksgenosset Deine Mitgliedschaft im Deutschen Luftsport- Verband ist dein Bekenntnis zur fliegerischen Geltung deines Volkes! diejenigen Kameraden ihre Anschrift einsenden, welche der Feier voraussichtlich nicht beiwohnen können. Meldung der Postanschrift an: Wilhelm Pfeifer, Mainz, Rochusstraße 10/12. Amtsgericht Gießen. Der G. S. aus Wilnsdorf wurde durch Strafbefehl zu 3 RM. Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte hielt am 13. Dezember vorigen Jahres mit feinem Personenkraftwagen auf der linken Straßenseite an, obwohl dem auf ber rechten Seite keinerlei Umftänbe entgegenftanben. Der gegen ben Strafbefehl eingelegte Einspruch wurde gestern kosten- vslichtig verworfen, da der Angeklagte nicht erschienen war. Eine weitere Sache wegen Erpressungsversuchs wurde zwecks Anstellung weiterer Ermittlungen vertagt. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 6. Juni. 6 Uhr: Gymnastik. 7: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 10.15: Schulfunk. Volks- liebfingen. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche unb Haus. 11: Werbekonzert. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12 unb 13.15: Mittagskonzert. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten ber Gauleitung. 15.15: Kinberfunk. Das Steckenpferb. 16: Kleines Konzert. 16.30: Kunstbericht ber Woche. 16.35: Einmaleins für Gartenfreunbe. Nützliche Betrachtungen eines Dichters. Von Otto Nebeltau. 16.45: Deutsche Gespräche: „Vom deutschen Gefolgschaftsethos". Von Theodor Seibenfaden. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: „Boot-Fluß-Zelt". Ein Sommerfang mit Dichtungen von Eichenborff und Mo- rike. 19: Unterhaltungskonzert. 20.15: Schweizer Musik. 21.25: „Erziehung zur wahren Weiblichkeit". Sketsch von Hanns Geck. 22.20: Volksmusik. 23: Reichssenbung: Zeitgenössische Musik (IX). 24 bis 2: Nachtmusik. OerSturz vom Felsen—kein Verbrechen Limburg, 4. Juni. (LPD.) Vor einigen Tagen würbe gemelbet, baß zwei junge Leute unter dem Verbacht verhaftet worben feien, ein Mäd - d) en von einem Felsen auf bem Schafsberg hi n - untergestürzt zu haben. Nach ben polizeilichen Feststellungen handelt es sich jedoch um kein Verbrechen, vielmehr ist das Mädchen aus Unachtsamkeit abgestürzt. Die beiden jungen Leute wurden daraufhin wieder freigelassen. CREME: 15 Pf.-RM 1.00 / OL: 55 Pt-RM 1.20 - NIVEA Warum vslkemisi du mich, Barbara? Vornan von Liane Sanden. Urheberrechtschutz: Fünf-Türrne-Derlag, Halle (S.) 2 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Wie finster seine Brauen zusammengezogen waren! Welch bitterer Zug um seinen Mund lag! Warum hatte Barbara ihr nur diesen Mackenroth zum Tischherrn gegeben? Die Freundin wußte doch ganz genau, daß sie selbst schüchtern unb ungewandt war. Was sollte sie mit einem Menschen wie Mackenroth anfangen? Dem war sie doch offensichtlich ganz gleichgültig. Oder mehr als bas, sogar lästig. Die Unterhaltung bei Tisch hatte sich nur mühsam hingeschleppt. Magdalena begriff es ja. Was konnte sie auch einem Menschen wie Mackenroth sagen? Seitbem sie ihn zum ersten Male gesehen, hatte sie eine scheue Bewunberung für ihn. Sie kam sich neben ihm ganz klein unb winzig vor. Sie begriff es einfach nicht, baß Barbara, ihre einzige Freundin, Mackenroth so von oben hvrab behanbeln konnte. Gestern hatten sie ihn getroffen, als sie über bie Felder gefahren waren. Von weitem hatten sie ihn gesehen, wie er an der Waldlisiere auf seinem Pferd gehalten hatte. In die blaue Sommerluft war sein Gesicht schön und kühl hineingeschnitten gewesen. „Sieht er nicht aus wie der Ritter Sankt Georg?" hatte sie schwärmerisch zu Barbara gesagt. Aber Barbara hatte kurz aufgelacht. „Was du immer für romantische Ideen haft, Kleines! Dieser Ritter Sankt Georg ist in Wahrheit ein ganz gewöhnlicher Sterblicher— weiter nichts als ein kleiner Inspektor." Barbaras Gesicht hatte dabei den Ausdruck eisigen Hochmuts angenommen. Da hatte Magdalena erschrocken geschwiegen. Wenn die Freundin diese Miene aufsetzte, war es klüger, nichts zu sagen. Aber das Herz hatte ihr doch weh getan. Sie hatte Barbara seit der Pensionszeit unb ihrer Hochzeit nicht mehr gesehen. Was für eine Wand- lung war mit der Freundin vorgegangen? Das von Güte und Zärtlichkeit überströmende Herz Barbaras schien in einem blinden Hochmut erstarrt zu sein. Sie war vollkommen verändert und nur in ihrer Freundschaft zu Magdalena bie gleiche. Freilich, Magbalena hatte so einiges von Barbaras schwerem Eheschicksal gehört. Die furchtbare Tragödie, bie ber Schluß ber Gemeinschaft mit Albert von Stechow gewesen, war ja auch Magbalena bekannt. Aber wenn man auch an einem Manne eine Enttäuschung erlebte — gab bas ein Recht, gegen alle anbern so hart unb verächtlich zu sein? Magbalenas sanftes Gemüt begriff es nicht. Es war ber einzige Punkt, in bem sie mit ber vergötterten Freunbin nicht übereinstimmte. Dabei war biefer Mackenroth beinah bas Gegenstück zu Barbara. Ja, bie beiben sahen sich nach Magbalenas Meinung sogar ein wenig ähnlich. Heimlich musterte sie Mackenroths Profil. Wie er jetzt so mit zusammengezogenen Brauen dasaß, ben Mund zusammengepreßt, hatte er eine über» raschenbe Ähnlichkeit mit Barbara. Gerabe so preßte auch Barbara bie Lippen zusammen, wenn sie zornig war. Genau so ftanb ihr eine steile Falte zwischen ben Brünen. Auch bas Profil — biefes gerabe, kühne Profil —, hatte es nicht Aehnlichkeit mit bem Antlitz Barbaras, biesem norbbeutschen Gesicht? Nur baß Mackenroths Haare von friesisch-hellem Blonb waren unb glatt wie bei einem Soldaten am Kopfe lagen, währenb Barbaras Haare in einem rotgolbenen Gelock ihren Kopf umgaben. Plötzlich mußte Magbalena benfen, baß Mackenroth unb Barbara herrlich zueinanber passen müßten. Ihr Herz schlug ganz heftig, wie sie bies bachte. Welche Torheit: Diese beiben Menschen, bie in knappster, kühler Höflichkeit miteinander verkehrten — welcher Abgrund trennte die beiden! Barbara von Stechow, die Erbin des ungeheuren Besitzes, Tochter eines Millionärs, und Mackenroth, dieser kleine Inspektor — nein, sie hatte doch wirklich mitunter zu törichte Gedanken! Wie Mackenroth nur dasaß! Sein Gesicht war fast zum Fürchten. Warum starrte er so finster in den Saal? Wen suchten seine Blicke? Beinah angstvoll sah sie ihn an. 4. Kapitel. Es war, als ob ihre Gedanken Eckeharb Mackenroth erreichten. Er schrak aus seinen Sinnen auf. Er bürste nicht mehr weiterträumen. Er bürste sich nicht weiter in biefe Gebanken ver- lieren, bie so bitter schmerzlich waren. Er hatte es ja in biefen Monaten erfahren, wie Barbara von Stechow seine Stellung hier ansah. Er hatte geglaubt, als Sohn ber Familie Mackenroth, bie ben Stechows seit langem befreundet war, für Barbara etwas mehr zu bebeuten als ein gewöhnlicher Angestellter. Nicht, bah er eine Bevorzugung erwartet hätte. O nein! Er selbst beharrte ja auf bem Stanbpunkt, nur durch bie Leistung hatte man Anspruch auf eine Son- berfteflung im Leben. Aber baß bie junge Her- rin von Schloß unb Gut Scheblowitz ihm kühl unb hochmütig begegnete wie einem Fremben, bas batte er boch nicht erwartet. Nicht ein Wort, baß fie beibe sich boch schon vor seinem Arbeitsantritt hier gesellschaftlich begegnet waren. Nicht eine Frage nach feinen Eltern. Sie hatte feine Melbung äum Dienstantritt entgegengenommen mit einem kurzen Kopfnicken. Nicht einmal bie Hanb hatte sie ihm gereicht. Noch horte er ihre knappen Worte: „Herr Oberinspektor Rockesch wirb Sie in Ihre Pflichten einführen. Ich hoffe, bo* Sie biefe Pflichten gewissenhaft erfüllen werden." Das war alles gewesen. Damit hatte sie ihm seinen Platz angewiesen. Er hatte sich stumm verbeugt — keine Muskel f)ate in seinem Gesicht gezuckt. Nichts von bem, was in ihm vorging, bürste irgenbeinem Menschen bekannt werben. Am liebsten hätte er auch in sich all bas totgeschlagen, was feit Jahren fo sehnsüchtig in ihm lebte. Aber es war unmöglich. Er liebte Barbara von Stechow seit ber Zeit, ba er sie als junge Frau kennenlernte. Er hatte sie bamais allerbings nur selten gesehen. Denn er bewirtschafttete zu jener Zeit bas zweite Gut seiner Eltern, bas in einem schlesischen Kreise nahe ber Grenze lag. Seine Eltern saßen noch auf bem ehemals deutschen Besitz in bem jetzigen fremben Lanbe. Es war für ihn immer ein bitterer Schmerz, fie zu besuchen. Sah er boch, wie verzweifelt man in bem Winkel hart an ber Grenze zu kämpfen hatte. Barbara war kaum ein halbes Jahr verheiratet gewesen, ba würbe auch bas Gut ber Mackenroths enteignet. Nun hatte er keinerlei Möglichkeit mehr, Barbara zu sehen. In ber ersten Zeit, als bie Eltern von ihrer angestammten Sa)olle fort zu ihm auf bas kleine Gut in Deutschland flüchten mußten, hatte er an Barbara von Stechow nicht mehr benfen können. Der Schicksalsschlag, ber bie Eltern unb auch ihn getroffen, war zu groß gewesen. Der Boben unten gehörte ihnen ja seit Generationen. Bis in bie Zeiten bes Dreißigjährigen Krieges konnte man bie Familie ber Mackenroths bort unten feststellen. Dor bem Leib, biefes väterliche Lanb aufgeben zu müssen, versank ber eigene Kummer. Erst als Eckeharb wieber einigermaßen zur Ruhe kam, begriff er, baß mit ber Trennung von bem väterlichen Grunb unb Boben bort unten auch bie Trennung von Barbara von Stechow vollzogen war. In Stunden ber Selbsterkenntnis mußte er sich sagen, baß bies bas Allerbeste wäre. Er bürste sich nicht in ber Liebe zu Barbara, zu ber Frau Albert von Stechows, verlieren. Sie war nicht glücklich an ber Seite biefes leichtsinnigen, wenn auch nicht gerabezu schlechten Menschen. Er kannte Stechow von ber gemeinsamen Schulzeit in Niesky her. In ber großen Erziehungs- anstatt war er bort fein Zimmerkamerab gewesen. Schon bamais hatte Stechow eine Neigung, sich bas Leben sehr leicht unb angenehm zu machen. Er hatte nichts von jenem strengen Pflichtgefühl, das Eckeharb von seinem Vater her überkommen war. Schon in ber Oberprima würbe Stechow aus Niesky fortgewiesen. Er war eines Nachts nicht nach Hause gekommen. In ber Anstatt gingen bie tollsten Gerüchte über ihn umher. Eckeharb von Mackenroth hätte schon bamals voraussagen können, wie Albert von Stechows Leben werben würbe. Er hatte biefen Menschen mit bem skrupellosen-Hang zum Lebensgenuß unb Leichtsinn nie befonbers gemocht, ohne jeboch gegen ihn irgenbwelche Feindschaft zu empfinben. Zum Feinb wurde Stechow ihm erst, als er ihn wiedersah an Barbaras Seite. Er begriff es nicht, baß Barbara, biefe reine, unenblich weibliche Frau, Stechow gewählt hatte. Er wußte ja nichts baoon, baß Liebe einer Frau ben Blick für bie Wirklichkeit verwirren konnte. Er selbst hatte ja bis dahin Liebe noch nicht gespürt. Dann aber, als er Barbara kennenlernte, schlug diese Liebe über ihm zusammen in einer schmerzhaft lodernden Flamme. Er hätte Barbara fortreißen mögen von der Seite dieses Mannes, der ihr nur Unglück bringen konnte. Er- hätte sie in feine Arme nehmen mögen und forttragen in ein wunderbares Glück! Und durfte doch nicht. Nur stumm dabeistehen. Er durfte ihr nichts anderes sein als einer unter vielen. Wie er jetzt so hier saß und mit sehnsüchtigen Augen Barbara folgte, war es ihm, als ob er ihr damals ein wenig — ein klein wenig mehr bedeutet hätte. Vielleicht aber hatte er sich getäuscht in dem Glauben, ihre Augen hätten wärmer aufgeleuchtet, wenn er als (Saft auf Schloß Schedlo- witz erschienen war — ihr Mund hätte ein wärmeres Lächeln gehabt, wenn sie ihn begrüßte. Das alles mußte Täuschung gewesen sein. Sonst wäre ja unmöglich gewesen, daß sie ihn jetzt so kalt und hochmütig begegnete, nicht durch ein Wort, einen Blick eine Brücke zu schlagen vermochte zwischen damals und jetzt. Freilich, damals war er der Sohn eines Großgrundbesitzers und ein Standesgenosse Barbaras gewesen. Jetzt war er ein kleiner Inspektor. Das Gut drüben im Vaterlande hatte das Schicksal so vieler anderer Besitzungen teilen müssen. Man hatte die schwere Zeit nicht durchhalten können; das Gut war unter den Hammer gekommen. Die Ettern hatten eine kümmerliche Zuflucht bei Verwandten in der pommerschen Heimat der Mutter gefunden. Er selbst war Inspektor geworden. Er dankte seinem Geschick, daß er wenigstens durch die praktische Arbeit von Grund auf und den Besuch der Landwirtschaftlichen Hochschule in seinem Fache etwas konnte. Freunde hatten ihm die Stellung hier verschafft. Es war seinem Stolz zuerst sehr hart angekommen, nun hier als Untergebener zu erscheinen, wo er einst gesellschaftlich gleichberechtigt gewesen. Aber er hatte sich selbst ob dieses hochmütigen Gedankens gescholten. Leistung und Können mußten genau soviel gelten wie Titel und Vermögen. _ Barbara von Stechow, so hatte er gebacfyt, würde die letzte fein, die ihn wegen der Veränderung seiner jetzigen gesellschaftlichen Lage niedriger ein- schätzen würde. (Fortsetzung folgt.) große bringen möchte. A RM1J0 1354 A Alleinverkauf: Schuhhaus Edmund Darre GleOen Seltersweg 87 fangt SALAMANDER g Tri/ESALAMANDERK aä)5 Wn Weise Erfül- Volks Stellen verdient, weil sie in fruchtbarster einer Aufgabe gewidmet ist, deren rascheste lung im Interesse des ganzen deutschen liegt. chen Eugen ’ dem iäd. hin- lichen Der- cht. leute rf. en iben, )nen !>elm tut. UNg der. Aym» !olks. ftidje ienft 'zeit. Tau- . 16: Zöche. Se. ltau. folg- llach. Dom« Mo- reizer iteit". 23: >is 2: Im Rahmen der geselligen Darbietungen beim Gauparteitag in Darmstadt hatte man am vorigen Samstagabend auch Gelegenheit, einer von Georg $) e ß (Leihgestern) aus dem Gedankengut des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat zusammengestellten Trachtenveranstaltung beizuwohnen. Georg Heß hatte ^u diesem Zweck eine rechte und schöne oberhessische Dorf- kirmes ausgerichtet, lieber den Verlauf dieser Veranstaltung wird uns aus D a r m st a d t folgendes berichtet: Die Veranstaltung auf dem Schillerplatz unter der Leitung unseres oberhessischen Heimatdichters Pg. Gg. Heß (Leihgestern) trug den Charakter einer echten oberhessischen Dorfkirmes. Mitten auf dem Schillerplatz war ein kleiner Kirmesplatz her- gerichtet, der durch Absperrung für die etwa 100 Mitwirkenden freigehalten wurde. Um einen großen, mit Scheinwerfern beleuchteten Tanzboden herum standen Tische und Bänke für die - Mitwirkenden, aus der Mitte des Platzes ragte ein mächtiger Mast empor, an dem der Kirmeskranz angebracht war (de Kirmesbaam). Pünktlich um 20.30 Uhr kam aus einer Seitenstraße der Kirmeszug an. An der Spitze zwei Kirmesburschen, die Hüte mit bunten Bändern und Sträußen geschmückt, acht Dorfmusikanten in den historischen blauen Bauernkitteln, dann folgten die verschiedenen Trachtengruppen aus dem Schlitzer- land, dem Odenwald, der Marburger Gegend, eine Landsmannschaftsgruppe des Bayernvereins Darmstadt und der Darmstädter Dolkstanzkreis, alles Gruppen des Landschaftsbundes „Volkstum und Heimat". Mit dem Einzug des Kirmeszuges füllte sich auch schon der große Schillerplatz mit Zuschauern, und das Sprichwort: „Die ersten werden die letzten sein", sollte wahr werden, denjenigen, die in den vordersten Reihen standen, war es, nachdem der Ortsdiener in seiner historischen Polizeidieneruniform den Beginn der Kirmes ortsüblich bekanntgemacht hatte, nicht mehr möglich, sich durch uni tat ubii Hier dein die nts. eten auch Lahnkanalisierung - eine dringende Äoiwendigkeil Die Wissenschaftliche Akademikerhilfe berichtet über ihre Forschungsergebnisse. htigen er ihr )r be- täusch/ r auf chedlo« i wär« amalr Horos nschen h und gegen er ihn nicht. Frau, davon, lichkeit dahin - Bar« im zu« amme. Seite ringen mögen Und Er unter fein- in jetzt ch ei" n ver' ch. Jetzt Der Verlauf des Abends hat erneut die „ Bedeutung der Lahnkanalisierung für unsere engere Heimat und für das ganze deutsche Volk klargelegt. Man kann jetzt nur hoffen und wünschen, daß unter weiterer Mitwirkung der WAH. und unter Förderung aller Kräfte der deutsche Wiederaufbau auch auf diesem Teilgebiet in möglichst naher Zeit die positive Tat der Lahnkanalisierung traf. An. mit ßen- erlei ■Offener» Oberhessische Sorfkmnes beim Ganparleiiag Ein prächtiger Abend der heimatlichen Trachten. «#«■ „fW .#* joröcj idurch , den e i" onßk' .einen« < ft -rvnS . ein' schätze, die für weite Kreise unseres deutschen Wirtschaftslebens große Bedeutung haben können, wenn die Vorfrage der günstigen Abtransportmöglichkeit in befriedigender Weise gelöst ist. In diesem Zusammenhang führte der Vortragende in klarer Darstellung den Nachweis, daß die einzig und allein hohen Eisenbahnfrachten die Ursache für die bisherige und gegenwärtige beschränkte Verwendungsmöglichkeit der Bodenschätze des Lahngebietes in der deutschen Wirtschaft sind. Ziffernmäßig illustrierte er die große Tragweite dieser entscheidenden Frage. U. a. teilte er mit, daß z. B. Kalk von den belgischen Werken zu Wasser frei Ruhrhafen 4 Mk. Fracht pro Tonne kostet, mit der Eisenbahn von Weilburg aus befördert 8 Mark Fracht erfordert, auf der fertigkanalisierten Lahn dagegen nur 2,50 Mark pro Tonne kosten würde. Die Eisenbahnfracht für Ton von Limburg nach Duisburg kostet 62 Mk., sie würde auf der fertig kanalisierten Lahn in Wasserfracht nur 16 Mark kosten. Der Transport von Steinen Wetzlar—Neuwied kostet auf der Eisenbahn pro 10 Tonnenkilometer 54 Mark, auf der fertiggestellten Lahnstrecke würde der Frachtsatz sich nur auf 15 Mark belaufen, für Sand per Eisenbahn 43 Mk., auf der fertiggeftettten Lahn 15 Mk. Die Beförderung von Holz auf der Strecke Gießen— Köln kostet pro 10 Tonnenkilometer per Eisenbahn 58 Mk., auf der fertigtanalifierten Lahn würde die Fracht nur 22 Mark kosten. An Hand derartiger Beispiele erbrachte der Vortragende den überzeugenden Nachweis, daß die Fracktenfrage geradezu die Existenzfrage der Wirtschaft im Lahngebiet überhaupt ist und daß eine Besserung der Gesamtwirtschaftslage im Lahngebiet nur erwartet werden kann von der erheblichen Verbilligung der Frachtenrate, die nur durch die Lahnkanalisierung zu erreichen ist. Milliardenwerte von Volksvermögen liegen gegenwärtig in den vorhandenen Bodenschätzen des Lahngebietes unausgenützt brach, zum großen Nachteil der Industrie' und der gesamten Wirtschaft aller Zweige im Lahngebiet. Diese Lage kann eine grundlegende Wendung zum Besseren nur durch die Lahnkanalisierung erfahren, weil allein auf dem Wasserwege die erforderliche starke Senkung der Frachtsätze erreicht werden kann. Von diesen Erkenntnissen der bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen ausgehend, bezeichnete der Vortragende die Lahnkana- iifierung bis nach Gießen als eine der dringlichsten Aufgaben beim Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft, und er forderte für diesen Zweck die Bereitstellung eines Kapitals von 15 Millionen Mark, die im Verhältnis zu den großen wirtschaftlichen Vorteilen, auch hinsichtlich einer besseren Verwertungsmöglichkeit der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, nur eine geringe Kapitaleinheit darstellen. Von der Lahnkanalisierung würden alle Gebiete des Wirtschaftslebens im Lahnbecken starken Antrieb und dauernden Erfolg haben, auch der Bauer und der Arbeiter. Dringendstes Gebot der Stunde fei es jetzt, ohne weitere Verzögerung die Lahn- kanalisierung zu vollenden, aus welchem Fond» auch immer die öffentlichen Mittel zur Finanzierung genommen würden. Das Mitglied der WAH. Dr. Doelke sprach hierauf über die Bedeutung der statistischen Erhebungen für die Fragen der Wirtschaftsforschung überhaupt und für die Lösung der Ausgaben der WAH. im besonderen. Aus seinen Darlegungen war zu entnehmen, daß das bisherige Forschungsergebnis der WAH. auch in statistischer Hinsicht gut fundiert ist und diese Statistik in keiner Weise irgendein beliebiges Spiel mit Zahlen zu- läßt. In der gleichen Weise muß nach den Fest- stellunaen des Vortragenden auch die gesamte Wirtschaftsstatistik durchgeführt werden. Das Mitglied der WAH. Dr. Froese behandelte in seinem abschließenden Vortrab einige grundsätzliche Fragen der Arbeitsmöglichkeiten bei Forschungen von der Art, wie sie von der WAH. betrieben werden. Die Ausführungen des Redners brachten eine weitere dankenswerte Bereicherung für die weitschichtigen Erkenntnisse des Vortragsabends, und boten wertvolles Material zur genaueren Beurteilung dieses wissenschaftlichen Schaffens. Eine rege Aussprache schloß sich an die grundlegenden Vorträge der Mitglieder der WAH. an. In dieser Aussprache, an der sich u. a. auch der seit vielen Jahren als unermüdlicher Vorkämpfer für die Lahnkanalisie- rung tätige Direktor Bansa-Limburg mit sehr beachtenswerten Hinweisen und Empfehlungen beteiligte, wurde allgemein hervorgehoben, daß über die Notwendigkeit und die Dringlichkeit der Lahnkanalisierung bis nach Gießen nur eine Stimme der Bejahung herrscht. Diese Einmütigkeit der Auffassung ist der umfassenden und gründlichen Vorarbeit der Forschungen der WAH. zu verdanken. Ferner kam in der Aussprache klar zum Ausdruck, daß die Arbeit der WAH. auch weiterhin die volle Unterstützung aller berufenen tausch der eigenen Kraft mit den anderen Kräften des ganzen deutschen Volkes wirken kann. Der Rektor bat die versammelten Männer, für diesen künftigen Hochschulkreis die Grundlage mit zu bereiten durch Fragen, Kritiken, Anregungen, Herausforderung von Aussprachen usw., und auf diese Weise zur Lösung einer bestimmten Aufgabe im Interesse der Universität und des ganzen Volkes beizutragen. Mit diesem Wunsche und in der Hoffnung auf Verwirklichung des zweifellos guten Gedankens hieß der Rektor die Versammlung willkommen. Der Leiter der WAH. Prof. Dr. Bechtel gab hierauf in großen Zügen einen Ueberblick über die Entstehung und das Aufgabengebiet der WAH. Er wies u. a. auf das grundsätzliche Problem der Beschäftigung von arbeitslosen Akademikern hin, betonte den hohen Wert der kameradschaftlichen Zusammenfassung zum Zwecke der Gemein- schaftsarbeit im Dienste der wissenschaftlichen Forschung, weil auf diese Weise fruchtbarer für den einzelnen und auch für die Gesamtheit gearbeitet werden könne, als wenn sich gewissermaßen ein (Ein» zelgängertum auch auf diesem Gebiete herausbilde. Von diesem Grundgedanken ausgehend hat Prof. Bechtel die in der Notarbeit 157 erstandene Gemeinschaft der WAH. in Gießen gegründet. Die bisherigen Erfolge der gemeinschaftlichen Forschung dieses Kreises junger Akademiker Ijat dem Gedanken Bechtels in bester Weise Recht gegeben. Wenn der Redner auch nur in allgemeinen Zügen über das bisherige Wirken dieses Kreises sprach, so konnten die Zuhörer, die zum Teil zum ersten Male mit dieser Gemeinschaftsarbeit in Berührung kamen, zweifellos den Eindruck gewinnen, daß hier in vielfältiger Weife positiv gearbeitet wird, in dieser Gemeinschaft aber auch ein wirksames Erziehungsmittel für den Jungakademiker zu erblicken ist, das Prof. Bechtel mit den Worten kennzeichnete: „Wir wollen den Soldaten der Wissen- schäft erziehen und den jungen Akademiker zu der wissenschaftlichen und menschlichen Geltung bringen, die es ihm ermöglicht, sich in diese Gemeinschaft stellen zu lassen/ Der Redner kam dann in grundsätzlichen Darlegungen auf die Lahntal. Forschung der WAH. im Zusammenhang mit der Lahnkanalisierung zu sprechen und hob dabei besonders hervor, daß hier nicht etwa eine sog. Landesplanung geleistet werden soll, der Gedanke einer Planung als Aufgabe der WAH. überhaupt grundsätzlich abgelehnt wird, sondern daß der Zweck der Arbeit darin besteht, unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten das Material zusammenzutragen und das Rüstzeug zu schaffen, das von den zur Planung allein berechtigten behördlichen Stellen benötigt wird. Es soll also durch die WAH. die Beschaffung der Hilfsmittel, die für die Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung auf wirtschaftlichem Gebiete im Bereiche des Lahnkanalisierungsprojekts benötigt werden, erfolgen, dabei bewußt ein grundsätzliches Heraushalten aus der Planungsarbeit ftattfinben. Für diesen Zweck erbat der Redner die weitere Unterstützung aller beruflichen Stellen, ins- besondere auch der maßgebenden Behörden, zum Gelingen des großen Werkes. Der Organisationsleiter Dr. Maull behandelte sodann in einem kurzen Vortrag einige Fragen, die sich auf die Zusammenfassung der verschiedenen notwendigen wirtschaftlichen Forschunas- arbeiten erstrecken. Er wies dabei u. a. auf Die Dringlichkeit der Schaffung einer brauchbaren Oft» West-Wasferstraßenverbindung, ferner auf die Dringlichkeit der Erschließung aller für unser deutsches Volk notwendigen, im deutschen Boden vorhandenen Stoffe hin. Mit Recht hob er dabei auch die große Selbstlosigkeit der Kameraden der WAH. hervor, die bei ihrer bisherigen Tätigkeit nur auf sehr beschränkte wirtschaftliche Grundlagen gestellt waren und die bis jetzt erreichten Erfolge ihres Wirkens nur der größten persönlichen Selbstentäußerung und Opferfreudigkeit zuschreiben können. Weiterhin stellte der Redner die Arbeit der WAH. in den großen Rahmen der gesamtdeutschen Wirtschaftsorgamsation auf allen Gebieten der deutschen Rohstoff- und Volksversorgung, damit unserem Volke nicht zum zweiten Male eine Lage erwachsen kann, wie es sie vor rund 20 Jahren schon einmal zu seinem großen Nachteil erleben mußte. Abschließend kennzeichnete der Redner den bleibenden Wert und den großen Nutzen der Gemeinschaftsarbeit, wie sie sich in der WAH. darstellt, wenn auch die Organisation der WAH. selbst nur vorübergehend fein wird. Das Mitglied der WAH. Dr. Danner behandelte anschließend in einem sehr aufschlußreichen Vortrag die Frage der Lahnkanalisierung vom praktischen Standpunkt aus, nach dem Ergeb- nis der bisherigen Forschungsarbeiten der WAH. Der Redner gab dabei einen klaren Ueberblick über die im Lahngebiet vorhandenen reichen BodenUnter der Leitung von Professor Dr. Bechtel vom Institut für Wirtschaftswissenschaft an der Universität Gießen arbeitet bekanntlich seit etwa einem Jahre eine Gemeinschaft von jungen Akademikern als Wissenschaftliche Akademikerhilfe (WAH.) an der Notarbeit 15 7, die dex wissenschaftlichen Erforschung aller wirtschaftlichen Bedingtheiten und Verhältnisse im Lahngebiet im Zusammenhang mit der schon feit langen Jahren erstrebten Lahnkanalisierung gewidmet ist. Es handelt sich dabei um eine der bedeutsamsten wissenschaftlichen Pionierarbeiten für einen außerordentlich großen Gedanken, von dessen Verwirklichung für unser Volk auf alle Zeiten unermeßbarer Vorteil erwartet werden kann. Mit diesen wissenschaftlichen Vorarbeiten erwerben sich die in der WAH. zusammengefaßten stellungslosen jungen Forscher mit ihrem Leiter, Professor Dr. Bechtel, an der Spitze ein großes und bleibendes Verdienst nicht nur um unser engeres Heimatgebiet im Lahnbecken, sondern um das deutsche Volk in feiner Gesamtheit überhaupt. Wir haben die Tätigkeit dieser wissenschaftlichen Akademikerhilfe von ihrem Anfang an aus nächster Nähe beobachten und unseren Lesern wiederholt über ein sehr ersprießliches Fortschreiten der im wahrsten ©inne des Wortes gemeinnützigen Arbeit berichten können. Es muß in diesem Zusammenhang einmal besonders hervorgehoben werden, daß es sich bei dieser Tätigkeit nicht etwa um ein Werk handelt, bei dem für die Schaffenden irgendwelche große materielle Vorteile zu erringen sind, sondern daß es hier darum geht, auf der einen Seite stellungslose junge Akademiker der in den Bereich der Problemstellung einschlagenden Fachgebiete durch diese wissenschaftliche Arbeitsbeschaffung aus der Not der Stellungslosigkeit herauszuheben und ihnen die Fortbildungsmöglichkeit in ihrem Fachgebiet zu erschließen, auf der anderen Seite aber ein Werk des vollendeten Gemeinnutzes für das deutsche Volk zu schaffen. Universitätsprofessor Dr. Bechtel, der in seinem früheren Wirkungskreise in Schlesien ein gleiches Werk nach diesen Grundsätzen mit gutem Erfolg organisierte, hat auch für diesen Gießener Zusammenschluß der jungen Akademiker der WAH. die entscheidenden Grundlinien gegeben, die ganze Sache in Gang gesetzt, und er leitet und betreut sie als Führer dieser Gemeinschaft unter dem gleichen Gesichtspunkt des selbstlosen Schaffens im Dienste einer großen Idee. Se. Magnifizenz der Rektor der Universität Prof. Dr. Pfähler und Prof. Dr. Bechtel hatten auf gestern abend einen Kreis von Männern des öffentlichen Lebens in unserer Stadt in das Studentenhaus eingeladen, um dort grundsätzlich und programmatisch über den Einbau der wissenschaftlichen Forschungsarbeiten, wie sie durch die WAH. durchgeführt werden, in die Arbeit der Hochschule und ihre Bedeutung für praktische wirtschaftliche Erhebungen zu sprechen. Bei dieser Zusammenkunft sah man neben Universitätsprofessoren der verschiedensten Fachgebiete auch zahlreiche Männer der Wirtschaft, Leiter von Behörden, Vertreter von Verbänden und anderen interessierten Dienststellen, daneben den Kreis der WAH. Es war eine sehr stattliche Gemeinschaft, die sich aus starkem Interesse an diesem Arbeitsgebiet zusammengefunden hatte. Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Pfähler wies in feiner Einführungsansprache, in der er die Arbeit der WAH. in verdienter Weise würdigte, u. a. daraufhin, daß geplant sei, für unsere Universität Gießen einen Hochschul- kreis aufzuziehen, der alle Menschen umfaßt, die Interesse an der Arbeit der Universität haben, ganz gleich welche Gebiete dabei in Betracht kommen. Dabei soll nicht derart verfahren werden, daß man erst ein Haus baut, ohne sich über den Inhalt von vornherein klar.zu fein, sondern man will so arbeiten, daß man erst den Inhalt schafft und dann den Bau errichtet. Infolgedessen kann von diesem Hochschulkreis als vollbrachte Tat erst die Rede fein, wenn eine Reihe von Dingen sich aufeinander eingespielt haben und die Dinge bereits im Gange sind. Als einen wertvollen Baustein für diesen Hochschulkreis bezeichnete der Rektor die Gemeinschaft der Wissenschaftlichen Akademikerhilfe (WAH.), denn hier werde ernste Arbeit geleistet und hier seien auch schon sehr greifbare Ergebnisse erzielt worden. Ein weiterer Baustein für diesen Hochschulkreis fei in den gemeinsam mit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstalteten Vorträgen „Wissenschaft im Dienste des deutschen Volkes" zu erblicken. Dieser Hochschulkreis müsse im Vordergrund feines Strebens den Willen haben, noch ganz anders als bisher in dcn Kreisen, die wir das Volk als Ganzes nennen, die Universität zu verwurzeln, damit die Hochschule nicht als Fremdkörper im Volke steht, sondern als strömendes Leben im lebendigsten Ausdie immer mehr zuströmende Menge nach hinten durchzubewegen. Nach der Bekanntmachung begrüßte ein Darmstädter „Hainer" als Nachkomme im 7. Glied des Schneidermeisters Dummbach aus dem „Datterich" die anwesenden Gäste, dann tanzen die beiden Kirmesburschen die Kirmes an, und schon drehen sich Burschen und Mädchen aus allen mitwirkenden Gruppen nach dem „Dreivierteltakt" der Dorfmusik, im Walzerschritt. Kaum war der erste Tanz beendet, da erklang auch schon das erste, von der an Tischen sitzenden Dorfjugend begonnen, und dann spontan von den Zuschauern mitgesungene Volkslied: „Im schönsten Wiesengrunde". Volkstänze der verschiedenen Trachtengruppen, Volkslieder der Bayern und Hessen, Mundartgedichte der verschiedenen hessischen Mundarten, wechselten einander ab, und der Ortsdiener verstand es ausgezeichnet, den ihm anvertrauten Ansagedienst prächtig zu versehen und den Zuschauern durch seine Witze und Ulkigkeiten manche Lachsalve abzuringen. Daß es auf dem Kirmesplatz an dem nötigen Bier nicht fehlte, war eine Selbstverständlichkeit, und die Bayerndirndel der Bayerngruppe sorgten für die Bedienung der Kirmesaäste. Es ist begreiflich, daß mit dem Fortfchreiten Der Uhr dem Abläufen des Programms und dem Leerläufen der Bierfässer, die Stimmung der Mitwirkenden immer mehr anwuchs. Daß aber die Zuschauer, die schon 2 Stunden lang dicht gedrängt dastehend, und weder vor- noch rückwärtskönnend, dem Biertrinken zusehen mußten und ohne selbst vom Alkohol.angeregt zu sein, bis kurz vor 23 Uhr mitfangen und mitschunkelten, war das beste Zeichen dafür, daß es auch Gg. Heß diesmal wieder verstanden hatte, mit echtem bodenständigem Volkstum, mit reinem, von allen Anstößigkeiten freien oberhessischen Humor die Herzen aller zu erobern, die als „Kirmesgäste" auf dem Schillerplatz anwesend waren. Spren.un^ucn oer Mevattion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Sanistagnach- mittag geschloffen. Das Sporlaml der ASS. „Krast durch Freude". Unter den elf Aemtern der NSG. „Kraft durch Freude" nimmt das Sportamt eine besonders wichtige Stelle ein. Es hat die schöne, zualeich aber auch außerordentlich schwierige Aufgabe, im Rahmen der Freizeitgestaltung die Aufgaben der Körpererziehung zu erfüllen. Es soll Millionen von Volksgenossen, die bisher den Leibesübungen fernstanden, davon überzeugen, daß zur Ausfüllung der Erholungspausen zwischen den sechs Werktagen auch die Kräftigung des Körpers durch Turnen, Spiel, Sport und Gymnastik gehört. Ebenso wichtig ist gleichzeitig die Gesunderhaltung durch Bewegung in frischer Luft. Kraft und Gesundheit des Leibes und der Seele sind die Fundamente, auf denen die Arbeitsleistung und das Wohlergehen des gesamten Volkes ruhen. Wir können nicht verzichten auf Turnen, Sport und Spiel, auf die Hebung und Stählung des Leibes, ohne uns der ernsten Gefahr der Erschlaffung und Verweichlichung auszusetzen. Ein schwacher Körper ist erfahrungsgemäß viel eher den vielfältigen Krankheitsgefahren ausgesetzt, als ein kraftvoller. Ein harmloser Schnupfen wird einen Schwächling um ein gut Teil seiner Arbeitskraft bringen, vielleicht sogar sehr ernsthafte Folgen nach sich ziehen, während der kraftstrotzende Mensch ihn kaum merkt und in kürzester Zeit ungefährdet überwindet. Das Krankenhaus wird teurer als der Sportplatz! Glaube nicht, daß du zu alt, zu schwächlich oder zu ungelenkig bist! Unsere Sportlehrer werden dich langsam an die Leibesübungen gewöhnen und dir deine etwa vorhandenen Minderwertigkeitskomplexe in der ersten Stunde nehmen. Je ungeeigneter du dir selbst vorkommst, um so eher solltest du an unserem fröhlichen Uebungsbetrieb teilnehmen, denn dort bist du unter deinesgleichen. Der Mensch, und besonders der Städter, ist durch die Segnungen der Zivilisation fast zwangsweise immer mehr zur Bewegungslosigkeit und damit auch zur verminderten Gelenkigkeit und Geschicklichkeit verurteilt. Und deshalb wollen die Sportämter „Kraft durch Freude" dir helfen und dich einführen in die Leibesübungen. Für dich, für alle Volksgenossen wurde dieses Werk geschaffen, für dich sind zahlreiche Kurse aller Art da. Du brauchst nur zu kommen, wir erwarten dich, wir wollen mit dir üben! Bei uns holst du dir Kraft durch Leibesübungen, im frohen Kreise gleichgesinnter und gleichem Ziel zustrebender Volksgenossen. Das Sportamt und die Lehrer in den Uebungsstätten geben dir gern Auskunft. Sprechstunde Schanzenstraße von 11 bis 13 und von 15 bis 17 Uhr. In dieser Woche laufen noch folgende Kurse: Mttwoch: Für Frauen und Männer: Von 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz; von 20 bis 21 Uhr Schwimmen, Volksbad; von 21 bis 22 Uhr Schwimmen, Volksbad. Donnerstag. Nur für Frauen: Von 20 bis 21 Uhr Fröhliche Gymnastik und Spiele, Lyzeum, Dammstraße; von 21 bis 22 Uhr Fröhliche Gymnastik und Spiele, Lyzeum, Dammstraße. Freitag. Für Frauen und Männer: Von 20 bis 21 Uhr Allgemeine Körperschule, Lyzeum, Dammstraße. Nur für Frauen: Von 20 bis 21 Uhr Fröhliche Gymnastik und Spiele. Heil- und Pflegeanstalt. Samstag. Für Frauen und Männer: Von 17 bis 19 Uhr Leichtathletik (Reichssportabzeichen), Universitätssportplatz, Am Kugelberg. Achkungt Tennis! Es sind Tenniskurse vorgesehen, zu denen schriftliche Anmeldungen an das Sportamt zu senden sind. Genauer Beginn und Kosten der Kurse werden dann bekanntgegeben. O-erheffen. Wertungssingen desSüngerkreisesOhm-Lumdatal 50jährige Jubelfeier desGesangvereins„Liederkranz",Lehnheim + Grünberg, 3. Juni. Der Sänger- kreis Ohm-Lumdatal im Gau XII (Hessen- Darmstadt) des Deutschen Sängerbundes hielt am Sonntag im benachbarten L e h n h e i m sein Wertungssingen ab. Damit verband der fe st- gebende Verein fein 50jähriges Jubiläum. An der Veranstaltung nahmen 25 Vereine mit über 800 Sängern teil. Weitere 10 Kreisvereine, die im nördlichen Teile des Kreises liegen, haben bereits vor drei Wochen ihr Wertungssingen in Homberg (Ohm) abgehalten. Um das Wertungssingen der 25 Vereine nicht zu sehr in die Länge zu ziehen, hatte man zwei Gruppen gebildet. Die an Sängerzahl stärkeren Vereine, 13 an der Zahl: Burg-Gemünden, Wei- tershain, Nordeck, Groß-Eichen, Kesselbach, Grün- berg, Ruppertenrod, Babenhausen, Queckborn, Atzenhain, Ober-Ohmen, Rüddingshausen und Londorf fangen im Saale Dickhardt, wo Musikober- lehrer Samper (Darmstadt) als Wertungsrichter wirkte. Die übrigen 12 Vereine: Lehnheim, Göbelnrod, Lauter, Flensungen, Reinhardshain, Nieder-Ohmen, Harbach, Weickartshain, Stockhausen, Saasen, Beltershain und Merlau hatten ihr Wertungssingen im Saale Hönig; hier wirkte Universitätsmusikdirektor Professor Dr. Temesvary als Wertungsrichter. Jeder Verein trug zwei Chöre vor, einen von den beiden vorgeschriebenen Pflichtchören, sowie einen selbstgewählten Chor. Pflichtchöre waren „Deutschland, heil'ger Name!" von Baußner und „Lied der Bauleute" von Schüler. Das um 9 Uhr begonnene Wertungssingen war nach 2Vrstündiger Dauer beendet. Es folgte dann durch die Wertungsrichter eine kurze kritische Besprechung der Leistungen, während eine eingehende Kritik jedem Verein noch schriftlich zu- gestellt wird. Hingewiesen wurde auf die fleißige Arbeit des Einübens, was die durchweg guten Leistungen bezeugten. Nach der Mittagspause fand ein Umzug durchs Dorf statt, dem sich eine Kundgebung am alten Schulyause anschloß. Hier sprach Berufsschullehrer Gengnagel (Grünberg), Kreiswalter des Ohm- Lumdatalkreises, zu den Sangesbrüdern. Dem Jubelverein Lehnheim überbrachte er die Glückwünsche des am Erscheinen verhinderten Gauführers des Hessischen Sängerbundes, Ministerialrat Ringshausen, und überreichte das von der Staatsregierung dem Verein gestiftete Bild des Führers, ferner Ehrenurkunden vom Deutschen und vom Hessischen Sängerbund. Nach der Gefallenenehrung ließ Herr Gengnagel feine Ansprache ausklingen im Sieg-Heil auf den Führer. Ehrenvorsitzender Becker (Kefselbach) nahm hierauf die Ehrung von drei noch lebenden Gründern des Jubelvereins vor: Heinrich Dickhardt, Ludwig Schmidt und Wilhelm Schmidt, denen er den Ehrenbrief des Deutschen Sängerbundes und die goldene Nadel des Hessischen Sängerbundes überreichte. Weiter erhielten drei Sangesbrüder des Kreises mit 40jähriger Sangestätigkeit die silberne Nadel überreicht; es sind dies: Philipp Kornmann (Nordeck), Heinrich Rohrbach (Londorf) und Johannes Appel (Lehnheim). Umrahmt wurde die Kundgebung von den beiden Massenchören „Lied der Bauleute" von Schüler und „Deutschland, heil'ger Name" von Baußner, die von Kreischormeister Lehrer Dönges (Merlau) geleitet wurden. Nach der Ankunft des Festzuges auf dem Festplatze fang zunächst der festgebende Verein unter Leitung seines Dirigenten Rud. Nicolai (Gro- ßen-Buseck) einen Chor mit Orchesterbegleitung, worauf der Vereinsführer, Bürgermeister Hahn, die Sänger und Festgäste willkommen hieß. Fräulein Marie Biedenkapp überreichte dem Ju- belverein eine von den Jungfrauen und Frauen gestiftete Fahnenschleife zum 50jährigen Jubiläum. Nach weiteren Gesangsvorträgen einzelner Vereine kam bei Tanz und frohem Lied echte Sängergeselligkeit zu ihrem Recht. Bei der Arbeit im Gteinbruch schwer verunglückt. * ßifcberg, 5. Juni. Im hiesigen Stein- bruch wurde gestern der Steinbrucharbiter Karl Wagner von plötzlich niederstürzenden Gesteinsmassen mit dem ganzen Körper, mit Ausnahme des Kopfes, verschüttet. Der bedauernswerte Mann konnte von Arbeitskameraden befreit werden, er hatte jedoch f o schwere Verletzungen erlitten, daß er von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen in die Chirurgische Klinik nach Gießen verbracht werden mußte. Der Mann liegt mit Verletzungen der Wirbelsäule, Rippenbrüchen, Bein- und Kopfverletzungen in der Klinik schwer darnieder. Landkreis Gießen. * Wieseck, 3. Juni. Im Rahmen der Reichssportwerbewoche wurde am Sonntag in unserem Orte eine große Werbeveranstaltung des Reichsbundes für Leibesübungen durchgeführt. Alle Mitwirkentzen, wie die gesamte Schuljugend, BdM., Radfahrer-Verein und Turnverein, marschierten gegen 14 Uhr ab Gießener Straße geschlossen nach dem Adolf-Hitler-Platz. Die SA.- Reserve hatte, soweit erforderlich, den Absperrdienst übernommen. Den Auftakt der Darbietungen bildeten die von der gesamten Schuljugend unter Leitung von Lehrer Heller gezeigten Massenfreiübungen (für die Zuschauer ein recht imposantes Bild). Der Vereinsführer des Turnvereins Wieseck, D a u p e r t, sprach einleitend über Zweck und Ziel der Reichssportwerbewoche. In seinen Ausführungen wies er darauf hin, daß die Wehrtüchtigkeit heute wieder eine besondere Stellung einnehme. Die Reichs-Sportwerbewoche solle vor allen Dingen auch bezwecken, daß die körperlich dazu befähigten, aber noch schlafenden Volksgenossen für die Teilnahme an den Leibesübungen, gleich welcher Art, geweckt und gewonnen würden. Nur durch regelmäßige sportliche Betätigung sei es möglich, den Körper zu Höchstleistungen zu bringen und widerstandsfähig und stark zu machen. Der Oesfentlichkeit solle aber heute gezeigt werden, welche sportlichen Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, um es vom Volkssport zu Höchstleistungen zu bringen. Unserem Führer und Volkskanzler Adolf Hitler, der die Pflege der Leibesübungen weitgehendst unterstützt, galt der Dank und das ausgebrachte Sieg-Heil. Die sportlichen Darbietungen ließen erkennen, daß das Arbeitsgebiet des Reichsbundes für Leibesübungen ein sehr vielseitiges ist und erschöpfende Möglichkeiten zur Durchbildung des Körpers bietet. Den weitaus größten Teil des sportlichen Programms belegten die vielen Abteilungen des hiesigen Turnvereins. Es wurden gezeigt: Sing- und Tanzspiele der Schülerinnen, Hindernislaufen und Spiel der Kleinsten mit dem Medizinball, Bockspringen, Sacklaufen Freiübungen der Turnerinnen nebst Tanzspielen, Springen über Pferd, das Turnen am Barren und Reck, sowie das Springen über Hoch- und Langpferd wurde von den Turnern ausgeführt. Eine Abteilung des hiesigen Radfahrer-Vereins zeigte ein Rasenradballspiel und Mitglieder des BdM. Tanzsingspiele. Es wäre zu wünschen, daß die guten Aufführungen durch weiteren Zuzug und aktive Betätigung in dem RfL. von den jetzt dem Sport noch Fernstehenden belohnt würden. * Watzenborn-Steinberg, 4. Juni Der hiesige Gesangverein „Germania" erwartet am 1. Pfingstfeiertag den in der näheren Umgebung durch frühere Gesangswettstreite bestens bekannten Männergesangverein „Treue", Eichen (Westfalen). Die Gäste warten am ersten Pfingstfeiertag abends im Gasthaus „Zum goldenen Löwen", Inh. Georg Sommer, mit einem Konzert auf. Am 2. Pfingstfeiertag morgens unternehmen Verein und Gastgeber einen Ausflug nach dem Schiffenberg. Gegen Abend werden dann die Gäste die Heimreise antreten.