Nr. 4 Erstes Matt Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/n mehr (Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf.,Familienanzei. gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Stehen 1851 Jahrgang Samstag, 5. Januar 1935 -Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Postscheckkonto: " V 1 4 II gtanifmt am m°m 1168« vnlck UN- Verlag: vrühl'sche UniverfitSK-Such- und Steindruck««! R. Lange in Sietzen. Schrift,«ttung und s-schäftrst-lle: Schulstratze 7 Auftakt Der Beginn des römischen Gesprächs Ser Empfang Lavals in Rom Lavals Besuch im Vatikan ß^eimniffe der Götter eingeweiht. Auch die englische Stellungnahme sei >Zch bin jedoch überzeugt, daß die Zusammenkunft I noch nicht festgelegt worden. Die englische Regierung men, so möge es dafür sorgen, daß die beiderseitigen Bemühungen um ein besseres Verständnis der beiden Nationen nicht länger belastet wird mit dem peinlichen Eindruck, daß auf der Hintertreppe immer noch berufsmäßige Brunnenvergifter ihre schmierigen Aufträge erhalten. Daß Frankreich selber nicht im entferntesten am 13. Januar mit einer anderen Entscheidung rechnet, als mit der Rückgliederung des Saargebiets ins Reich, dafür ist der beste Beweis zweifellos die Eile, mit der man in Paris Lavals italie- n i f ch e Reise betrieben hat. Die Franzosen möchten offenbar das durch den Erfolg der Saarabstimmung in seinem Selbstvertrauen gestärkte Deutschland vor die Tatsache einer politischen Einigung mit den Westmächten Italien und England und Rom 4. Jan. (DNB.) Der französische Außenminister Laval ist in Begleitung seiner Tochter und einer Abordnung leitender Beamter des Quai d'Orsay Freitag um 19 Uhr mit dem Pariser Luxuszug i n Rom eingetroffen. In seiner Be- gleitung befand sich noch eine große Anzahl französischer Sonderberichterstatter und Filmoperateure. Zur Begrüßung hatten sich auf dem festlich geschmückten Bahnhof zahlreiche hohe Beamte des italienischen Außenministeriums, an der Spitze der Chef der italienischen Regierung und Außenminister Mussolini, der Staatssekretär des Auswärti- Paris, 5. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der „Ex- celsior" veröffentlicht eine Erklärung des Erzbischofs von Paris, Kardinal Verdi er,'zum Besuch des französischen Außenministers beim Papst. Einleitend wird darauf hingewiesen, daß seit 18 7 1 zum erstenmal ein französischer Minister im Vati kan empfangen werde. Kardinal Verdier selbst erklärte: „Die Geste Pierre Lavals ist eine Tat der Höflichkeit, die angebracht war. Ich glaube nicht, daß sein Besuch seinen besonderen politischen Zweck hat. Aber ich bin auch den italienischen Einwanderern noch vom Bey von Tunis verliehene Vorrechte entgegen, die Frankreich in einem Abkommen 1896 zwar anerkannt hat, aber durch Kündigung dieses Abkommens 1919 Zu beseitigen gesucht hat. Es ist indessen bisher immer wieder verlängert worden und nun soll Frankreich den Söhnen 'in Tunis geborener Italiener das Recht zugestehen wollen, bei Volljährigkeit die französische Saatsbürgerschaft abzulehnen. Rein territorial hat Frankreich bislang nichts getan, um seine Versprechungen einzulösen, die 1915 Italien von der Seite seiner Verbündeten in die Arme der Entente lockte. Italienische Wünsche nach einer Grenzberichtigung im Süden Libyens in Richtung auf Borkn und Tibesti haben in Paris bisher taube Ohren gefunden. Frankreichs Interesse zielt vielmehr darauf ab, die Italiener nicht in die Nahe des Tschadsees zu lassen, um damit nicht die Verbindung von Nord- und Zentralafrika zu gefährden. Der italienische Vorstoß auf die Oase Kufra wurde also in Paris mit wenig freundlichen Gefühlen betrachtet. Vielleicht deutet der Grenz- zwischenfall in Abessinien an, wo Frankreich Kompensationen für das landhungrige Italien sucht, um es von dem empfindlichen Nerv des eigenen Kolonialreichs fernzuhalten. Noch weniger als von den kolonialen Fragen wurde in der Oeffentlichkeit von der Meinungsverschiedenheit über die Flotte n p a r i t ä t gesprochen, die Italien für sich fordert, Frankreich aber nicht zugestehen will. Sie ist im Grunde genommen das schwerste Hindernis eines französisch-italienischen Ausgleichs neben der unlösbar zwischen Italien und Südstawien stehen- den Adria frage, weil beide die Fundamente der Macht berühren und es für diese Gegensätze schwerlich einen Ausgleich gibt. Man wird also gespannt sein dürfen, wie weit es Laval in Rom gelingen wird, die Fäden zu einem Netz zu knüpfen, an denen schon so viele seiner Vorgänger gesponnen haben. , eines Ausgleichs der widerstreitenden Kräfte im • Donauraum stellen, ohne zu bedenken, daß auch i nach der Rückgliederung des Saargebiets, in der ■ Deutschland nur eine Wiedergutmachung alten Un- । rechts sieht, die deutsche Politik die gleiche verständigungsbereite Politik des Friedens zwischen gleichberechtigten Nationen bleibt. Im übrigen sieht Deutschland mit der Ruhe des Unbeteiligten den Bemühungen uni einen französisch-italienischen Ausgleich zu, dem es fein Wohlwollen nicht versagen wird, soweit er der Stabilisierung des europäischen Friedens zu dienen vermag. Der Ausgleich stößt, abgesehen von den historischen Gegensätzen, die in der Rivalität um die Vorherrschaft im Mittelmeer liegen, auf einige sehr erhebliche Schwierigkeiten. Da ist einmal das Kräfteverhältnis im Donauraum, das Frankreich durch ein Garantieprotokoll für die staatliche Unabhängigkeit Oesterreichs so ordnen möchte, daß Italien als alleinige „Schutzmacht" Oesterreichs ausgerenkt wird durch die Uebernahme dieses Schutzes auf eine Mehrzahl von Staaten (neben Öen Nachbarn auch Frankreich, England, Rumänien und womöglich noch Polen). Wien will sich nun Zwar seine Unabhängigkeit gerne garantieren lassen, wünscht aber nicht unter den „Schutz" der Nachfolgestaaten zu geraten. Frankreich erstrebt ferner durch einen Sicherheitspakt für den Südosten eine gegenseitige Garantierung der Grenzen aller beteiligten Staaten, wodurch es auf indirektem Wege wenigstens die Differenz zwischen Italien und Süd- slawien zu bereinigen und dem ungarischen Revisionismus einen Pflock vorzustecken hofft. In der Presse weit weniger besprochen, aber darum doch keineswegs minder bedeutsam sind die Bemühungen um einen kolonialen Ausgleich. Es handelt sich einmal um die Rechte der in Tunis ansässigen Italiener. Nach dem französischen Nationalisierungsgesetz würden die Enkel fremder Einwanderer zwangsläufig französische Bürger und damit militärpflichtig. Dem stehen alte. London, 5. Jan. (DNB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" ist der Ansicht, daß die römischen Besprechungen zwischen Mussolini und Außenminister Laval voraussichtlich einen noch weiteren Umfang annehmen werden, als man zu.'rst erwartet habe. Außer dem geplanten G a r a n t i e p r o t o k o l l f ü.r d i e Unabhängigkeit Oesterreichs sei mit einem Vorschlag Mussolinis zu rcchnen, daß Laval erneut an die Frage eines östlichen Sicherheitspaktes, der Sowjet- i^ßland, Deutschland, Polen und die Tschechoslowakei umfassen würde, Herangehen möge. Man schreibe Mussolini die Absicht zu, daß der Grundsatz der gegenseitigen Nichteinmischung, der im Falle Oesterreichs vorgesehen sei, auch nützlicherweise an anderer Stelle zur Anwendung gebracht werden könnte. Ee habe daher dem französischen Außenminister nahegelegt, einen ergänzenden Vertragsentwurf aufzu- setzen, England, Sowjetrußland und Polen sollten zur Beteiligung daran eingeladen werden. Außer Laval würden auch die Außenminister der anderen Länder während der Völkerbundsrats- sitzung in Genf in der nächsten Woche darüber befragt werden. Es fei noch unbekannt, wie weit Laval diesen neuen Gedanken unterstütze, aber er werde anerkennen, daß es leichter für Mussolini sei, sich zu einer neuen Donaupolitik bereit zu erklären, wenn er gleichzeitig a l s Urheber eines noch größeren europäischen Friedensplanes erscheinen könne. In Warschau habe man bereits a n g e = fragt, und in Moskau seien ebenfalls Sondierungen angeftellt worden. Mit endgütigen Antworten sei aber vor der Rückkehr des polnischen und des sowjetrussischen Außenministers nach Genf nicht zu rechnen. Strebt Mussolini eine Erweiterung des Garantiepaktes an? liche Empfang, den die italienische Regierung Außenminister Laval bereitet hat, enthält ein Höchstmaß von Höflichkeitsrücksichten, über die der fran- zösische Außenminister sehr gerührt ist und die für Frankreich eine prachtvolle Ehrung darstellt. Nichts ist gespart worden, damit sich der Abgesandte Frankreichs als Gast eines wieder ganz Zum Freunde Frankreichs gewordenen Landes fühlt, das den Wunsch hat, daß diese Tatsache nicht nur in Frankreich, sondern auch in der Welt bekannt wird." Der Außenpolitiker des der Rüstungsindustrie nahestehenden „Echo de P a r i s ", der ebenfalls nach Rom mitgereist ist, ist, im Gegensatz zu seinem Kollegen, von dem Empfang nicht sonderlich begeistert, der nach seinen Beobachtungen ziemlich zurückhaltend gewesen sei. Die Vivat-Rufe hätten schwach geklungen, wenn man auch behaupte, daß Laval besser empfangen worden sei als Macdonald. Mussolini und Laval, die beide den Pakten nicht allzu große Bedeutung beilegten, hätten ziemlich große Bewegungsfreiheit, aber die Grenze der Zugeständnisse, die Frankreich machen könne, würde durch militärische Erfordernisse und durch die Freundschaften Frankreichs gezogen. sei sich wohl bewußt, daß die Sicherheitsfrage bei dem bevorstehenden Londoner Besuch von Laval und Flandin eine große Rolle spielen werde. Paris habe klar zu verstehen gegeben, daß Frankreich zusätzlich Garantien für seine Sicherheit verlange, wenn es die deutsche Wieder- aufrüstung in urkundlicher Form zu einem für Deutschland annehmbaren Stande anerkennen solle. Der Zeitabschnitt nach der Saarabstimmung werde voraussichtlich von französischer Seite dazu benutzt werden, die ganze Frage der Rüstungsbegrenzung mit England durchzugehen. Unter diesen Umständen sei nicht beabsichtigt, die Abrüstungs- bejprechungen in Genf vor Ende der ersten Februarwoche wieder aufzunehmen. Der AichieilimWlmgspakt. Die österreichische Auffassung. Wien, 4. Jan. (DNB.) Auf einer Prefsekonfe- renz erklärte Außenminister Berger-Walden- egg u. a.: Mitteleuropa ist nicht allein ein Konglomerat geographischer Staatsbegriffe, es ist ein Sammelpunkt politischer Traditio- n en und Aspirationen. Wir Oesterreicher befinden uns im Herzen dieses Mitteleuropas und haben jedes Interesse daran, daß der wirtschaftliche Aufbau und die friedliche Entwicklung aller gewährleistet wird. In diesem Sinne haben wir die Aussprache zwischen Rom und Paris mit besonderer Genugtuung begrüßt, dies um so mehr, als es sich hier um Vereinbarungen zwischen einem treuen, auch im Unglück erprobten Freunde und einer Macht handelt, mit der uns stets wachsende gegen- •fettige Sympathien verbinden. Der Pakt gegenseitiger Nichteinmischung, der in Rom geboren werden soll, wird a u f st r'i k t e r G e g e n - seitigkeit beruhen und wird die gegenseitige Verpflichtung der Teilnehmerstaaten zum Inhalt Biegung, im Staate und in der Wehrmacht um sich Z" einer gewaltigen Kundgebung der Einigkeit und Geschlossenheit im nationalsozialistischen deutschen Führerstaat. Der Führer und Reichskanzler riß den Verleumdern, die heute im Auslande ihr schmutziges Gewerbe politischer und moralischer Brunnenvergiftung treiben, persönlich die Maske vom Gesicht und stellte den von den Emigranten und ihren -Drahtziehern mit Vorbedacht heimtückisch ausge- Itreuten Gerüchten von Zwistigkeiten innerhalb der deutschen Führerschaft mit zündenden Worten die unlösbare Schicksalsverbundenheit aller entgegen, hie durch gemeinsame Arbeit am Aufbau des nationalsozialistischen Deutschlands in grenzenlosem der beiden Männer, die jeder in seiner Art große Realisten sind, wohltuende Ergebnisse haben wird. Wenn Frankreich innerpolitisch aus der Krise herauskommen will, muß man außer den politischen und wirtschaftlichen Heilmitteln auch die moralischen Kräfte heranziehen. Außenpolitisch weist eine sich immer deutlicher abzeichnende Strömung die Völker Gott sei Dank auf den Frie - d e n. Papst Pius XI. hat oftmals gezeigt, daß er der Papst des Friedens ist. Deshalb können sich alle Franzosen über die Begegnung nur freuen." Befriedigung in Paris. Paris, 5. Jan. (DNB. Funkspruch). In der französischen Presse wird die feierliche und freund- schaslliche Aufnahme Lavals in Rom hervorgehoben. Man macht darauf aufmerksam, daß Mussolini als Regierungschef nach den Vorschriften des Protokolls nicht selbst hätte auf den Bahnhof zu kommen brauchen, um Pierre Laval, der dem Rang nach nur Minister sei, zu empfangen. Daß er es dennoch getan habe, sei eine besondere Höflichkeit zu Ehren Frankreichs. Zufrieden ist man in Paris auch über die Leitartikel der italienischen Presse. Für die Stimmung sind die Sätze des „Petit P a r i s i e n " bezeichnend, der schreibt: „Der amt-1 Feindschaft zwischen den beiden großen Völkern ®lc römische Presse veröffentlicht sehr herzlich ge= iies europäischen Kontinents angehäuft hat Dieses ^aItene Begrüßungsartikel, die vor allem d e r gefühlsmäßigen Auftauens des Eises in feinem pßerfon Lavals gelten. Laval fei, so sagt Volke bedurfte die verstandesmäßige Bereitschaft des "Giornale d'Jtalia" aus bem Volke her - leitenden Staatsmannes, auf Grund nüchtern-kühler o r g e g a n g e n. Mit der Mentalität und den Ueberlegungen auch in der Welt politischer Reali- Bedürfnissen der Masse sei er vollkommen vertraut, täten dem neuen Geist das Haus zu richten. Wir ®r betrachte deshalb die großen europäischen Fragen sind schon zu oft bitter genug enttäuscht worden, uicht unter den doktrinären juristischen Formeln, son- haben schon zu oft getrogene Hoffnungen zu Grabe bern mit den Augen des Realpolitikers. Die bevor- tragen müssen, um nicht selber am schärfsten ,u spenden Besprechungen sollten in den verschiedenen sehen, wie zart und hegebedürftig das Pflänzchen italienisch-französischen Fragen eine sachliche und der deutsch-französischen Verständigung noch ist. Wir dauerhafte Verständigung bringen. Die wissen es selber am besten, daß eine Schwalbe noch Begegnung Mussolini-Laval bedeute zugleich, daß keinen Sommer macht und Frankreichs Einlenken italienisch-französischen Beziehungen sich in der in der Saarfrage wohl unter Ausnutzung der von Richtung einer entschlossenen Zusammen- den Frontkämpfern beieder Länder Dorbereiteten 9r b e i t auj bem Boden einer europä- Derftänöigungsbereiten Stimmung erfolgte, aber 'scheu Politik entwickeln sollen. Die Begeg- doch von dem sehr nüchternen Gedanken beherrscht "ung habe daher den Wert einer Friedens- mar, daß es zweckmäßiger sei, eine ohnehin schon fahrt, wie ja auch Mussolini die französisch-italie- verlorene Stellung rechtzeitig und mit Anstand zu Nischen Beziehungen immer im Lichte der großen räumen, als mit Sicherheit durch eine schwere europäischen Fragen gesehen habe. Die zwischen außenpolitische Niederlage das Prestige der politi- fallen und Frankreich sich anbahnende Wieder- schen Führung im eigenen Volke und bei den ver- annäherung könne nicht die Aufgabe von bereits bünöeten Nationen aufs Spiel zu setzen. erworbenen Positionen bedeuten, sondern könne Wir kennen also die Bedingtheit alles dessen roas nur ein ^"erer wichtiger Abschnitt auf dem Wege heute als Anzeichen einer deutsch-französischen' Ver- realpolitischen europäischen Zusammenarbeit ständigungsbereitschaft gewertet wird aber aus ber r?1«”* öer Gerechtigkeit und des Gleichgewichtes verstärkten Aktivität der S c g e n JbarftcUen' t r ä f t e glauben mir auch schließen zu dürfen, daß öttsächlich die Aussichten auf eine wahrhafte Befriedung Europas in greifbare Nähe gerückt sind. Die erbittertsten Feinde eines segenspendenden europäischen Friedens sind der unversöhnliche Chauvinismus kleiner, aber mächtiger, die große Boulevardpresie beherrschender Zirkel in Paris und Prag, die Rüstungsindustrie diesseits und jenseits des Ozeans, britische Ultra- konservative vom Schlage Churchills, Hail- shams und anderer, die in einer deutsch-französischen Verständigung den Verlust der englischen Stellung als Schiedsrichter auf dem Kontinent sehen! und deshalb Frankreich in der Furcht vor einem wiedererstandenen Deutschland und damit an der englischen Strippe halten möchten, schließlich Mos- k a u, das in einem miteinander verfeindeten, wirt- schaftlich barniederliegenden Europa den besten Vertrauen zusammenstehen in einer Gemeinschaft m roi 5,1 c , Propaganda der bolschewistischen, die durch nichts erschüttert werden kann. Nichts' Volkstum, Kultur und Wirtschaft vernichtenden kann besser die Hohlheit der Emigrantenmärchen Revolution sieht, oie alle spüren, daß mit der Aus- demonstrieren als die Ergebenheitsadresse, die der raumung der Saarfrage das letzte reale Hindernis preußische Ministerpräsident General Göring im tur bse Befriedung Europas durch eine deutsch- Auftrag der versammelten Inhaber höchster Rcichs- franzosische Verständigung beseitigt wird. Ihnen Staats- und Parteiämter, der Generale und Offi- steht als willfährige Hilfstruppe das Heer der ziere von Wehrmacht und Landespolizei, der Füh- Emigranten zur Verfügung, die mit der Rück- rer von SA., SS. und aller anderen großen Or- kehr des Saargebietes zum Deutschen Reich den letz- ganisationen der B?wegung dem Führer und ien Schlupfwinkel für ihr volkerverhetzendes Trei- Reichskanzler als Zeichen unerschütterlichen Berben, das letzte Asyl einer schrankenlosen Herrschaft trauens und blind , Gehorsams überreichte polttycher Großmannssucht verlieren. Unsere deutschen Volksgenossen an der Saar auf So ist es zu erklären, daß das Nahen der Volks- deren Leichtgläubigkeit die politischen Brandstifter abftimmung im Saargebiet die Lügenflut, die jene unb gesinnungslosen Hetzer spekulieren, werben mit dunklen, von Haß und Rachsucht geschwollenen ihrer (Stimmabgabe am 13. Januar bekunden daß Emigrantenexistenzen durch alle möglichen düsteren sie nicht einfältig genug waren, um Erzä^mgen Kanäle gegen das von ihnen tödlich gehaßte, von Glauben zu schenken, denen die Lüge an der Stirn ihren Brotgebern beneidete und gefürchtete neue geschrieben steht. Den Drahtziehern dieser infamen nationalsozialistische Deutschland leiten, zu einem Sßerleumbungsfampagne sei indessen gesagt, daß es Strom schmutzigster Verleumdungen anschwellen an der Zeit ist, die Verbindung mit "politischen liefe; Deutschland ist die Antwort auf diesen aus Marodeuren und Strauchrittern,'die ihr bezahltes kleinlicher Rachsucht begonnenen unb mit den er- Gewerbe nur im Dunkeln ausüben können end- barmlichsten Mitteln geführten Feldzug der Sa- gültig zu lösen. Wünscht das offizielle Frankreich, boteure des Friedens nicht lange schuldig geblieben, daß wir seine Verständigungsbereitschaft ernst neh- Mit schnellem Entschluß scharte der Führer der---- r- —r" ' ‘ -......... deutschen Nation seine ersten Paladine in der Be- Das alte Jahr hat uns den Abschied nicht schwer gemacht. Nach gefährlichen außenpolitischen Spannungen unb bedrohlichen Zuspitzungen sahen wir kurz vor Jahresschluß eine breite Welle gläubiger Hoffnungsfreudigkeit, die uns feinübergetragen hat Dom alten zum neuen Jahr unb es uns nun nach der Reihe ber Festtage erleichtert, die praktische Arbeit an ber Verwirklichung einer glücklicheren Zukunft zu beginnen. Der Geist ber Dersöhnungs- bereitschaft scheint nach der deutsch-polnischen Verständigung nun endlich auch den Beziehungen Deutschlands zu seinem großen westlichen Nachbarn durch offene und ehrliche Aussprache eine wahrhaftige und darum auch standfeste Grundlage zu bereiten. Wie zwischen Polen und Deutschland Soldaten durch mutigen Entschluß die Brücke schlugen, so blieb es auch deutschen und französischen . --------,------- ... Frontkämpfern Vorbehalten, ihren Nationen durch Suvich und der Kabinettschef im Außenamt bas Gestrüpp von Mißtrauen, Neid, kleinlichem Baron A l o i f i eingefunden. Ferner waren er- Chauvinismus und eigensüchtigem Geschäftsgeist schienen der Gouverneur von Rom, der römische den Weg zu bahnen zu einem besseren gegenseitigen Platzkommandant, die Präsidenten der Kammer Verständnis als Vorstufe einer politischen General- und des Senats sowie zahlreiche hohe Würdenvereinigung alles dessen, was jahrhundertealte Träger der Partei. Außerdem war eine starke Ver- miumimijLXJu ■___________ __________I Erdung der französischen Kolonie von Rom unter Führung der französischen Botschafter beim Quiri- ual und Vatikan erschienen. Den Sicherheitsdienst gebung aus Berlin am 6. Januar 1935 beginnt um Bahnhof bis zum Hotel war von Polizei streng ab- z gesperrt. Vor dem Hotel Lavals war wie am Bahn- des Beamter AmlA.Fanuar beginnt ein neues Kapitel an -erGaar Was wird mit den Anhängern des Status guo? — Eine Aufgabe für den Völkerbund, Msvem-aitung geeigneten F°kuitä?zuweist. ö 1 Diese veranstaltet zunächst eine dreistündige, auf der ge- Fü r b i tt e n g e b e t für die Volksgenos sen an der Saar angeordnet. Kunst und Wissenschaft. Line Liliencron-Gedenktafel in Frankfurt. haben, sich feder Einmischung in die inneren Verhältnisse der anderen vertragschließenden Staaten zu enthalten. Wir hoffen, daß dieser Pakt noch weitergehen und den vertragschließenden Teilen auch verbieten wird, umstürzlerische Bewegung e n, die sich gegen die anderen Vertragsstaaten richten, irgendwie zu fördern, zu begünstigen oder überhaupt zu dulden. Wir können nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß alle unsere Nachbarn, die guten Willens sind, ebenso freudig wie wir einem solchen Pakt beitreten werden. drei Angaben befindet sich ein Kreis, der in üblichen Weise bei der Wahl durch ein Kreuz kennzeichnet wird. Vier memelländische Abgeordnete verhaftet. Mit Polizeigewalt der memelländische Landtag beschlußunfähig gemacht. Saarbrücken, 4. Jan. (DNB.) Die Abstimmungskommission hat eine Bekanntmachung erlassen, durch die die Durchführung der Abstimmung im einzelnen geregelt wird. Danach sind die Wahlbüros am 13. Januar von 8 Uhr 30 bi- 20 Uhr geöffnet. Um die Geheimhaltung der Wahl zu gewährleisten, ist es dem Abstimmungsberechtigten nach Erhalt des Stimmzettels strengstens untersagt, mit irgendwelchen Personen zu sprechen. Nach erfolgter Stimmabgabe muß der Abstimmungsberechtigte das Wahllokal sofort verlassen. Es ist ihm bei schwerer Strafe untersagt, im Abstimmungslokal auf irgendeine Weise die Wahl, die er treffen wird, oder bereits getroffen hat, bekannt zu geben. Wenn er noch nicht gestimmt hat, wird er in diesem Falle nicht mehr zur Abstimmung zugelassen. Wer den erhaltenen Umschlag und Stimmzettel dem Vorsitzenden nicht zurückgibt, macht sich ebenfalls strafbar und kann sofort verhaftet werden. Der Stimmzettel, der in der Bekanntmachung abgebildet wird, trägt als Kopf die französische und englische Bezeichnung „Society des Nations" und ,Ligue of Nations", darunter auch deutsch: Abstimmungskommission des Völkerbundes. Es folgen die Bezeichnungen der drei Abstimmungsmöglichkeiten: Beibehaltung der gegenwärtigen Rechtsordnung (Status quo), Vereinigung mit Frankreich und Vereinigung mit Deutschland, in der angegebenen Reihenfolge. Rechts neben jeder der Kowno, 5. Jan. (DNB.) Im Memelländer. Prozeß wurden die Angeklagten der Jugend- gruppen befragt, die in der Anklage als militärische Organisationen hingestellt werden. Alle Angeklagten verneinen entschieden, daß ihre Ju- gendvereinigungen auch nur im geringsten ein mi- litärahnliches Gebilde gewesen seien. Sodann erschien vor dem Gericht ein Schwerkriegs, beschädigter auf Krücken, ein Lehrer, dem der rechte Fuß abgenommen und der linke ver- wundet worden ist, der ferner einen Lungenschuß erhalten und später einen Rippenbruch erlitten Hamburg, 4. Jan. (DNB.) Mit dem Hapag- dampfer „Deutschland" sind am Freitagmittag 358 Saarländer in Cuxhaven eingetroffen. Nach der ersten Begrüßung auf deutschem Boden m Cuxhaven fuhren sie mit dem Sonderzug der Hamburg-Amerika-Linie weiter nach Hamburg, wo sich auf dem Bahnsteig Vertreter des Staats und der Partei, sowie Verwandte, Freunde und Bekannte der Heimgekehrten zum Empfange eingefunden hatten. Außerdem füllten Tausende von Volksgenossen die weite Halle. Als der Zug in die Halle rollte, spielte die Polizeikapelle das Saarlied, in das die Menge spontan einstimmte, während tausend Arme sich zum deutschen Gruß erhoben. Nachdem die Ueberseedeutschen das erste Wiedersehen mit den Daheimgebliebenen gefeiert hatten, wurden sie unter den Klängen flotter Marfchweisen durch ein Spalier politischer Leiter nach dem vor dem Gewerbemuseum als Winterhilfsmal aufgebauten Stein- t o r geleitet, von dem die Fahnen des neuen Reiches, das amerikanische Sternenbanner und das Banner des Saaroereins grüßten. Im Namen des Nelchsstatthalters hieß Gauinspektor Staatsrat St an i k dort die Saardeutschen mit herzlichen Worten willkommen. * Zu Beginn des neuen Jahres trafen in Frei- b u r g drei katholische Missionare aus Yokohama, Manila und den Philippinen, so- vergeblich versuchte, die Worte mit der Glocke des Präsidententisches zu übertönen. Man verstand von dem Protest, daß sich sämtliche Abgeordnete der Parteien bis auf die Litauer gegen d i e Maßnahme des Gouverneurs wandten, die verhinderte, daß der Landtag zu der Regierung Bruvelaitis Stellung nehmen und damit seinen Pflichten nachkommen könnte. Dann stellte der Alterspräsident des Landtages fest, daß mit dem Abgeordneten und Direktoriumsmitglied Buttgereit, der sich diesmal mit dem gesamten Direktorium Bruvelaitis zur liegt. Der Alterspräsident stellte fest, daß m i t d e n vier nicht zugelassenen Abgeordneten die zur Beschlußfähigkeit notwendige Zahl von 20 Abgeordneten vorhanden gewesen wäre. Er forderte nochmals die Zulassung dieser Abge. ordneten und vertagte die Sitzung um zehn Minuten. Der Gouverneur erklärte, daß er keine weitere Sitzung zulassen werde. Trotzdem be- stand der Alterspräsident auf der Vertagung von zehn Minuten. Nach Ablauf dieser Frist wollten die Abgeordneten sich wieder in den Sitzungssaal begeben, fanden ihn aber wie am 29. Dezember ver- schlossen. Sämtliche Abgeordnete begaben sich darauf in das Landtagsbüro. Bald darauf erschien der Leiter der litauischen politischen Po l i z e i und verlangte die Herausgabe der vier Abgeordneten, die aufgrund der Bestimmungen des Wahlgesetzes für ausgeschiedene Abgeordnete nachgerückt waren. Der amtierende Schriftführer wies dieses Ansinnen unter Hinweis auf die Immunität der Abgeordneten zurück, worauf der Polizeibeamte drohte, Gewalt a n- wenden zu müssen. Unter Protest mußte der Schriftführer der Gewalt weichen, und es wurden die vier Abgeordneten durch die Polizei abgeführt. Die zurückgebliebenen Abgeordneten haben daraufhin einen scharfen Protest gegen die Vergewaltigung des Landtages unter Anwendung von Polizeigewalt an den Gouverneur gerichtet. Vor dem Kownoer Gericht. EinSchwerkrieqsbeschädigtcrderTeilnahme an militärischen Uebungen bezichtigt. Querschnitt durch die gesamte Juristenschaft des Reiches wird. Das soll sich in erster Linie in der landsmannschaftlichen Zusammensetzung offenbaren. Aus der Uebernahme der Landesjustizverwaltung auf das Reich darf und wird keinerlei Nachteil für die Beamtenschaft der jetzigen Zentralbehörde der bayerischen Justizverwaltung entstehen. Auch die Übrigen Beamten der Justiz haben keinerlei Grund zu irgend einer Beunruhigung. Die Befürchtung, es könnte zu Massenverschiebungen von Beamten im Reich kommen, ist völlig unbegründet; wohl aber denke ich daran, den Nachwuchs der Juristen so zu wechseln, wie es früher im Handwerk der Zünfte geschehen ist, wo einer, der den Meistertitel haben wollte, eine Anzahl von Wandersah r e n durchmachen mußte. In Bayern hat man jetzt schon die Möglichkeit, die jungen Juristen außerhalb der engsten Heimat zu verwenden. Hat ein Beamter später den Wunsch, wieder in die Heimat zurückzukehren, so soll dieser Wunsch, wenn irgend möglich, erfüllt werden. Das Zusammenfassen des deutschen Volkes zu einer Einheit kann gerade dadurch wesentlich gefördert werden, daß wir alle Deutschland zu kennen lernen versuchen. Oie heutige Iührertagung der westdeutschen HZ. in Mainz. Auf der Führertagung des Gebietes Hessen-Nassau heute in Mainz spricht der Stellvertreter des Reichsjugendführers und Stabsführer der RIF., Hartmann Lauterbacher, zu über 6000 Führern und Führerinnen. Am Nachmittag vereint eine Sondertagung alle Führer im Stadtheater, auf der Gebietsführer Kramer und der Schulungsleiter des Gebietes, Bannführer Handwerk, über „Neugestaltung des Lebens" sprechen werden. Die eigentliche Führertagung — eine Feierstunde — beginnt um 19 Uhr' in' der ein Aufständischer er sein konnte. Die Anklage beschuldigte ihn, an mi- Berlin, 4. Jan. (DNB.) Im Saargebiet wird das Gerücht verbreitet, daß nach der Rückgliederung die Eisenbahnverwaltung des Saargebietes der Reichsbahndirektion Trier übertragen und die Beamtenschaft von Saarbrücken nach Trier versetzt werden solle. Dies trifft nicht zu. Vielmehr ist beabsichtigt, nach der Rückgliederung des Saargebietes d i e Reichsbahndirektion von Trier nach Saarbrücken zu verlegen, wo auch früher bis zum Jahre 1920 die für den größten Teil des Saargebietes und des jetzigen Bezirks Trier zuständige preußische Eisenbahndirektion ihren Sitz hatte. Die Reichsbahn wird durch Zuweisung anderer Geschäftsstellen dafür sorgen, daß die Stadt Trier für den Verlust der Reichsbahndirektton nach Möglichkeit entschädigt wird. Fürbitte der Evangelischen Kirche für die Gaardeutschen. Berlin, 4. Jan. (DNB.) Der R e i ch s b i s ch o f hat für den kommenden Sonntag, 6. Januar, e i n lens Saarkantate wird am Sonntag, 6. Januar, 19.15 Uhr, vorn Reichssender Hamburg für alle deutschen Sender aufgeführt. Das Saar- l i e d von Hanns Maria L u x bildet den Kern des Werkes, das ein Bekenntnis zur deutschen Saar darstellt. Der Hamburger Arbeiter Alfred Thieme schuf den Text zur Saarkantate in schlichten gebundenen Versen. Die Musik Erdlens verliert niemals den Zusammenhang mit der eindringlichen, volk- baften Melodie des Saarliedes. Der Inhalt jeder Liedstrophe wurde zu einem Kantatensatz erweitert, dessen Gipfel jedesmal der gemeinsame Volksgesang ist. In diesen Volksgesang stimmen alleHörer im ganzen Deutschen Reich mit ein, so daß hierdurch erstmalig in einem größeren Chor- und Orchesterwerk „Die singende Gemeinschaft des deutschen Volkes" zur Wirklichkeit geworden ist. Die bisher Hörer und Ausführende trennende Rampe wird dadurch überbrückt, daß die Hörer mitwirkend in das Werk eingeschlossen werden. Mutter und Kinder, Schwestern und Brüder, Bergarbeiter und Werkleute finden sich immer wieder in dem Bekenntnis: Deutsch ist die S a a r". Durch diese neue Form der Kantate bringt das ganze Deutschland dem deutschen Saarland singend seinen Gruß. Um unseren Lesern die Möglichkeit zu geben, sich an diesem gemeinsamen Gesang zu beteiligen, geben wir im folgenden den Wortlaut des Saarliedes: Deutsch ist die Saar, deutsch immerdar, und deutsch ist unsres Flusses Strand, und ewig deutsch mein Heimatland, mein Heimatland. :,: Deutsch schlägt das Herz stets fonnenwärts, deutsch schlugs, als uns das Glück gelacht. Deutsch schlägt es auch in Leid und Nacht, in Leid und Nacht. :,: Deutsch bis zum Grab, Mägdlein und Knab'! Deutsch ist das Lied und deutsch das Wort, deutsch ist der Berge schwarzer Hort, :,: der Berge Hort! Reicht euch die Hand, schlinget ein Band um junges Volk, das deutsch sich nennt, in dem die deutsche Sehnsucht brennt, :,: Mutter, nach dir! :,: Der Himmel hört's! Jung Saarvolk schwört's! Laßt uns es in den Himmel schrein. Wir wollen niemals Knechte sein! Nie Knechte sein! :,: Saardeutsche aus Lebersee eilen zur Abstimmung. Mainzer Stadthalle, der die 6000 Führer und Führerinnen der Hitlerjugend, des Jungvolks und des Bundes deutscher Mädel beiwohnen. Ein Vorspiel „Kolonnen marschiert" von W. M. Mund, umrahmt den Fahneneinmarsch und leitet über zum Schicksalsspiel deutschen Führertums, „Der Orden der Zucht", das vom gleichen Verfasser für die Tagung geschrieben und von Hans Knab, Mainz, mit Kompositionen ausgestattet wurde. Anschließend spricht Stabsführer Hartmann Lauterbacher, um den Weg des Jahres 1935 aufzuzeigen, den die Hitlerjugend in gleicher Geschlossenheit und mit derselben unerbittlichen und kompromißlosen Energie wie im vergangenen Jahr als Bannerträger ’ erwachenden Deutschland gehen wird. Eine Reichhabilitationsordnung. Ser l in, 4. Jan. (DNB.) Der Reichsminister ■ für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat eine Habilitationsordnung ausgearbeitet, die für das ganze Reich einheitlich und maßgeblich ist und bereits am 13. Dezember m Kraft getreten ist. Das Wesentliche an dieser neuen Verordnung ist die Beseitigung der freien Privatdozentur. Dafür'wird'jedoch ein neuer akademischer Grad geschaffen, der jedem Doktor und jedem Lizentiaten 'offensteht, aber mit keiner Lehrberechtigung verbunden ist. Außerdem wird ein geschlossener Kreis von Lehramtsträgern geschaffen, die nicht Beamte sind, die vom Minister nach Maßgabe des Bedürfnisses ernannt, versetzt und abgesetzt werden können, und die „Dozenten" nicht mehr „P r i o a t d o z e n t e n" heißen. Die Reichshabilitationsordnung zerfällt in zwei Teile: der erste handelt von der Habilitation, der zweite von der „Dozentur". „Habilitation" setzt den Doktor- oder Lizentiatengrad voraus und findet frühestens im dritten Jahr nach Studienabschluß statt. Sie erfolgt ohne Rücksicht auf den Bedarf an Lehrkräften. Sie erfordert eine Habilitationsschrift (von dxr ausnahmsweise bei besonderen wissenschaftlichen Leistungen anderer Art dispensiert werden kann) und eine wissenschaftliche Aussprache vor der Fakultät (Colloquium). Die Habilitationsschrift muß binnen Jahresfrist gedruckt werden. Zum Colloquium ist der Rektor zu laden; stimmt er mit der Fakultät überein, daß „der Bewerber sich über Fragen seines Fachs befriedigend auszusprechen vermag", so berichtet er an die Unter« richtsverwaltung, und wenn diese dem Urteil von Rektor und Fakultät zustimmt, so ermächtigt sie die Fakultät, die Habilitation auszusprechen. Der Bewerber erhält damit den Grad eines habilitierten Doktors, des „Dr. habil". Dozent kann nur werden, wer......... werden kann, d. h., wer alle die persönlichen Anforderungen des heutigen Staates erfüllt. Er muß habilitiert fein. Die Bewerber melden sich beim Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung Unterredung mit dem Saarbevollmächtigten. London, 4. Jan. (DNB.) Der Saarbevollrnäch- tlgte des Reichskanzlers, Gauleiter B ü r ck e l, erklärte einem Korrespondenten von Reuter zu der das Ausland besonders interessierenden Frage, was mit den Verteidigern d e s Status quo lm. Saargebiet nach dem 13. Januar geschehen wurde, daß das in Nom abgeschlossene Abkom - men selbstverständlich strikt befolgt würde, und daß die Vertreter des Status quo, die in den vergangenen drei Jahren im Saargebiet gelebt hatten, ob abstimmungsberechtigt oder nicht, d e n versprochenen staatlichen Schutz erhalten würden. „Wir haben auf jeden Fall", erklärte Bürckel, „nicht die leiseste Absicht, internationale Komplikationen um eines Matz Brauns willen heraufzubeschwören" Bürckel betonte anderseits, daß Leute wie der frühere Reichstagsabgeordnete »Jmbusch, die weder seit drei Jahren tm Saargebiet gelebt hätten, noch abstimmungsberechtigt seien, aber trotzdem gegen Deutschland gehetzt hätten, erwarten müßten, wegen Landesverrat a n g e f I a g t zu werden, wenn sie es nicht verzogen, nach dem 13. Januar dem Saargebiet den Rücken zu kehren. „Es war nicht unser Fehler, daß das Saargebiet eine Arena für politische Desperados wurde. Unglücklicherweise hatte der Völkerbund nichts dagegen, daß Leute sich in die Abstimmung einmischten, die gar ^/chts mit i h r zu tun hatten. Es ist nun auch Aufgabe des Völkerbundes, für diese Leute, die nach dem 13. Januar das Saargebiet zu verlassen wünschen, ein Unterkommen zu finden. Die deutsche Regierung lege Wert darauf, ein neues Kapitel an der Saar zu beginnen und Die Vergangenheit als abgeschlossen zu betrachten. Deutschlands Gesetze würden stufenweise im Saar- gebiet eingeführt werden und zwar als erstes die sozialen Ar beitsge setze. Scharf wandte sich Bürckel gegen die Unterstellung, als erfüllte em Teil der saarländischen Polizei nicht neutral ihre Pflichten. Als ordentliche Deutsche fühlten sie natürlich deutsch, ebenso wie ein englischer Polizist englisch fühlt. Aber die Tatsache, daß als Poli- Zei Offiziere im Saargebiet Emigranten tätig seien, fei eine gefährliche Herausforderung der Einwohnerschaft. Die Propaganda der Separatistenfront sei unehrlich- denn sie verschweige die Tatsache, daß, abgesehen von der vagen Möglichkeit einer wer weiß wann stattfindenden zweiten Abstimmung, ganz andere Lösungen vorbereitet werden könnten, welche die Gefahren für den Frieden erhöhen müßten. „Wie das ganze deutsche Volk, so wollen auch die Saarländer nach so vielen Jahren endlich Frieden, und zwar einen dauerhaften Frieden. Die Durchführung der Saarabstimmung. Der Eindruck der Treuekundgebung. Britische Pressestimmen. London, 5. Ian. (DNB.-Funkspruch.) „Daily Mail" gibt einen längeren Auszug aus der amtlichen Verlautbarung über die Führerkundgebung in Berlin am Donnerstag wieder und schreibt, diese Versammlung sei in der Tat ein Triumph für die nationalfozialistische Partei. Der Berliner Berichterstatter der „Times" meint, im ganzen genommen dürfte die Veranstaltung eine heilsame Wirkung auf die außenpolitische Lage ausgeübk haben zu einer Zeit vor der Saarabstimmung, wo ein wirklich achtunggebietender Eindruck der Solidarität unter den Führern des neuen Deutschlands sehr wichtig sei. Der Einfluß dieser Kundgebung könne sich wohl noch lange über den 13. Januar hinaus auswirken. Die Lebernahme der bayerischen Justiz durch das Reich. München, 4. Jan. (DNB.) Mit einem feier» lichen Staatsakt wurde am Freitagmittag d i e Uebernahme der bayerischen Justiz durch das Reich vollzogen. Bei dem feierlichen Akt im festlich geschmückten Repräsentationssaal des Justizpalastes in München bat Reichsminister Dr. Frank den Reichsjustizminister in den bayerischen Juristen nicht Persönlichkeiten sehen zu wollen, die nur kraft des Zwanges eines Reichsgesetzes in den Bereich des Reiches eintreten, sondern treue Diener und Träger des Reichsgedankens und treue Repräsentanten der einheitlichen Rechtsseele des deutschen Volkes. Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r führte dann u. a. aus: Die Uebernahme bedeutet nichtdie Zentralisation der Justizverwal- tungsgeschäfte aufdie ober st e Reichsbehörde. Die Uebernahme bedeutet auch keine Lockerung der vertrauensvollen Zusammenarbeit der Landesjustizbehörden mit den politischen und parteimäßigenRe- präsentanten im Lande. Die Zusammenfassung der Länderjustizverwaltungen fall dazu führen, daß das künftige Reichsjustizministerium ein! Aeuer Rechtsbruch des litauischen Gouverneurs. M e m e l, 4. Jan. (DNB.) In eingeweihten Kreisen war man sich klar darüber, daß die Litauer auch diesmal wieder die auf den heutigen Freitag anberaumte Sitzung des Memelländischen Landtages unter allen Umständen verhindern wollten, um b i e Regierung Bruvelaitis, die sich lediglich auf die kleine Minderheit von fünf litauischen Abgeordneten stützen kann, vor dem sicheren Mißtrauensvotum zu bewahren. Der l i t a u i s ch e Gouverneur selbst eröffnete die Sitzung und griff mehrfach ein, obwohl er 'da z u nicht befugt ist. Auf die Frage des Gouverneurs, ob der Landtag beschlußfähig sei, erhob sich ein Abgeordneter der Landwirtschaftspartei und bat um das Work zur Geschäftsordnung. Während der Abgeordnete sprach, ergriff der Gouverneur die Präsidentenklingel und versuchte unter gewaltiger Anstrengung den Redner zu übertönen. Trotzdem konnte mau verstehen, daß der Abgeordnete Einspruch dagegen erhob, daß der Gouverneur mit Polizeigewalt die vier nachrückenden gA Ordneten am Betreten des Saa - les verhindert habe, obwohl nach dem Landtagswahlgesetz auf Grund der Listenverbindung der Landwirtschaftspartei diese vier, die an der vorgeschriebenen Zahl von 29 Abgeordneten fehlen, genau so gut Abgeordnete seien wie alle übrigen. Ein Abgeordneter der Volkspartei verlas bann eine Erklärung, währenb ber Gouverneur erneut 2Ius Mitteln ber Frankfurter Künstlerförberung ift am Haufe ber Frankfurter Gewerbekasse in der , । Kalbächergasse, in dem der damalige Premierleutnant Detlev von Liliencron im Jahre 1871 wohnte, eine Gedenktafel angebracht worden. I Das Werk stammt von dem Bildhauer Karl Stock. . t ,, ..., _ . . J drei Tage einer Woche verteilte Lehrprobe, der wie zwei katholische Ordensschwestern aus her Rektor und Vertreter von Dozenten- und Stu- Ostafrika em. Es handelt sich um Saarlän - dentenschast beiwohnen. Der Rektor berichtet dar» der, die die wetten Neste nicht gescheut haben, um über an die Unterrichtsverwaltung. Der Bewerber ihrer vaterländischen Pflicht zu genügen. Die drei meldet sich zum Dienst im © em e i n f d) a f t s • faires mären vier Wochen, die Ordensschwestern lager und in der Dozentenakademie. drei Wochen unterwegs. lieber seine Bewährung daselbst wird von dem 6«r®kn6«Wretiton SfcfiSSSMKNLNL« Srier nach Saarbrücken. Erteilung und Versagung ber Lehrbefähigung. Der Frage, ob ein Bedarf an Nachwuchs für Hochschullehrer besteht, kommt dabei ausschlaggebende Bedeutung zu. Die Lehrbefugnis gilt für sämtliche Hochschulen Deutschlands. Ein Wechsel der Hochschule ist aber nur mit Zustimmung des Reichsministers möglich. Er kann von diesem auch gegen den Willen des Dozenten angeordnet werden. Der Reichsminister kann die Lehrbefugnis jederzeit ent» Ziehen oder beschränken, wenn es im Universitätsinteresse geboten ist. Die neue Habilitationsordnung ist am 13. Dezember in Kraft getreten. Sie ersetzt alle älteren Vorschriften und findet auf alle schwebenden Verfahren Anwendung, jedoch nicht für Bewerber, die nach den alten Vorschriften ihre Habilitationsschrift eingereicht und Gelänbesport und Dozentenakademie absolviert haben. Auch für sie aber und ebenso für alle schon Habilitierten gilt sinngemäß die neue Ordnung. Stand eingebunden hatte, 18 Abgeordnete anwe. f)atte 6r fteUte'bem ®e anheim 3u beurteilen" send waren. Em Abgeordneter der Landwirtschaft-- w a s für - - - ------- ■ - • ' 'S“ oeurteuen, partei fehlte, da er im Krankenhause darnieder Die „Saarkantate" als Reichssendung. Hamburg, 4. Jan. (DNB.) Hermann Erd- 5 5 r ib n 5i lb in n i >r ü J Amerika- i Gemeinden betreut wurden, müssen wiederum indie Obhut ihrer Gemeinden enom - 1 Hoch- Aachen registrierte am Freitagmorgen ein IC 6818V it n ei er Die schule ?r< b' ch n, f, ie st Zuge überrannt. — Schwerverletzte. ?n n es i? )n ie er leichtes Erdbeben. Die Bewegung setzte ein um 5 Uhr 6 Minuten 21 Sekunden und dauerte insgesamt etwa 20 Sekunden. Bisher liegen private Meldungen über Erderschütterungen, die aber nach den bisherigen Feststellungen keine Schäden anrichteten, aus Aachen, Krefeld, Heinsberg, Viersen und Essen vor. Auch in verschiedenen Ortschaften der holländischen Provinz Limburg wurde das leichte Erdbeben verspürt. In der Grenzstadt Venlo wurden die Bewohner durch einen unterirdischen Stoß aufgeschreckt, dem kurz darauf ein schwerer Bauernfuhrwerk vom Eine Tote, drei er p n n >0 kr ie- )N ui er u< r- er e« he le u* ü* in 5* -m !k« uä en 'N, in tzt ie« e» An einem Bahnübergang in der Nähe von Biala im Teschener Schlesien ereignete sich ein schweres Unglück. Ein mit vier Personen besetztes Fuhrwerk eines Bauern fuhr auf der Heimfahrt vom Bialaer Markt über den offenen Bahnübergang, obwohl das Lichtwarnsignal auf „Halt" stand. Als sich der Wagen auf den Schienen befand, brauste ein Personenzug heran und fuhr in den Wagen hinein, der vollständig zertrümmert wurde. Eine Bauersfrau wurde auf der Stelle getötet, die anderen drei Personen wurden lebensgefähr- li ch verletzt. Das Pferd konnte sich losreißen und raste mit einem Teil des Wagens davon. Es blieb unverletzt. Leichtes Erdbeben in Westdeutschland und Oslholland. Erdbebenwarte bei' der Technischen und unmittelbar danach ein leichterer Erdstoß folgten. Die Fenster klirrten. Nicht gut verschlossene Türen sprangen auf. In mehreren Wohnungen fielen die Bilder von den Wänden. Da das Beben nur 5 Sekunden dauerte, beruhigten sich die Bewohner bald wieder. Großfeuer in Staßfurt. In einem Lagerschuppen des Berlepschachtes in Staßfurt brach ein Großfeuer aus, das schnell um sich griff, so daß der 38 Meter lange und 20 Meter breite Schuppen vollkommen vernichtet wurde. Der Schuppen barg 300 000 Zentner Kainit. Das Kainit hatte einen Wert von 125 000 Mark, der Schuppen einen solchen von 200 000 Mark, so daß der Schaden insgesamt 325 000 Mark beträgt. Schnelle Aufklärung einer Bluttat am Reujahrsmorgen. Am Neujahrsmorgen war der Bahnwärter Kei - tclin Klein-Schierstedt vor der Bahnwärterbude 33 an der Strecke Aschersleben—Güsten erschlagen aufgefunden worden. Der Landeskriminalpolizei Magdeburg ist es nunmehr gelungen, den Täter zu ermitteln. Unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft wurden ein gewisser Hilgenstein und dessen Ehefrau aus Klein-Schierstedt festgenommen und in das Bernburger Gerichtsgefängnis eingeliefert. Hier hat Hilgenstein nach hartnäckigem Leugnen ein Geständnis abgelegt. Nach seiner Darstellung ist es zwischen ihm und Keitel am Neujahrsmorgen um 5 Uhr zu einem Wortwechsel wegen des Oeffnens der Schranke gekommen. Der Wortwechsel sei in Handgreiflichkeiten ausgeartet, in ie» jn lie ie* p ch n n r e- p )e is cf, r 11 r ?n Er n 8 Der bekannte Schwarzwälder Skiläufer Walter Pirmelin, der erst vor kurzem als Skilehrer nach Italien verpflichtet worden war, ift tm Mar- molata-Gebiet (Südtirol) von einer Lawine verschüttet worden. Die Rettungsversuche waren vergeblich. Der erst zwanzigjährige Sportler chat den Tod in den Bergen gefunden, die ihm zu seiner zweiten Heimat geworden waren. Beim 5» n X t- 5« Aus aller Wett. Der Führer in der Filmstadt Reubabelsberg. Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler besuchte in Begleitung von Reichsminister Dr. Goebbels die Atelieranlagen der Ufa in Neubabelsberg und nahm dabei Gelegenheit, die Bauten des neuen Films „Barcarole" zu besichtigen und einigen Aufnahmen dieses Films beizuwohnen. Auch die Dekorationen zu dem Film „Amphitryon" fanden Interesse. Besondere Aufmerksamkeit fanden auch die Aufnahmen mit der Zeitrafferapparatur in der Biologischen Station der Kulturabteilung. Die Vorführung des von Generalinspektor Dr. Todt angeregten und soeben fertiggestellten Reichsautöbahn-Films der Ufa „Straßen ohne Hindernisse" beschloß den von Generaldirektor Klitzsch und Direktor Grieving geführten Besuch. Reuschnee in den bayerischen Bergen. — Sporkmöglichkeit oberhalb der 1000-m-Grenze gut. Durch die Schneefälle der letzten läge ist in den bayerischen Bergen eine Schneedecke geschaffen worden, deren Gesamthöhe 50 bis 100 Zentimeter (Zugspitze 1,70 Meter) beträgt, je nach Höhe und Himmelsrichtung. Der Neuschnee ist von pulvriger Beschaffenheit. Die Ausübung des Wintersportes ist im allgemeinen in Höhen über 1000 Meter gut möglich. Die Durchführung von Touren ist größtenteils, besonders wenn nord'seitig gelegene Hänge befahren werden, möglich. Die Abfahrten sind bis in Talnähe durchführbar, jedoch ist wegen ungenügender Unterlagen in Ziehwegen besondere Vorsicht geboten. Schußfahrten in unübersichtlichem Gelände und überall da, wo die Unebenheiten, wie Felsen und Baumstümpfe, zur Zeit noch nicht genügend mit Schnee überdeckt sind, sollten unterlassen werden. Auch die bekannten Rodelbahnen sind z. T. befahrbar. Die Temperaturen bewegen sich zwischen — 5 und 0 Grad (Zugspitze — 10 Grad). 1934 feit 150 Jahren das wärmste Jahr. Wie die Thüringer Landeswetterwarte in Jena mitteilt, ist das Jahr 1934 das w ä r m st e seit 150 Jahren gewesen. Der Wärmeüberschuß rührt aber nicht etwa davon her, daß einzelne Monate besonders heiß gewesen sind, sondern ist darauf zurückzuführen, daß die Durchschnittstemperaturen während des ganzen Jahres überschritten wurden. Acht finnländische Fischer auf einer Eisscholle ins Meer getrieben. Acht Fischer aus dem finnischen Grenzort Ino (gegenüber Kronstadt), die auf dem zugesrorenen Meere fischten, wurden von Sturm auf einer Eisscholle ins offene Meer abgetrieben. Obwohl der finnische Eisbrecher „Tarmo" und drei Flugzeuge seit zwei Tagen nach den verschwundenen Fischern suchten, konnten sie nur einen verlassenen Schlitten aus einer kleinen Eisscholle antreffen. Das Schicksal der Fischer scheint besiegelt zu sein. Skiläufer in Südtirol von Lawinen verschüttet. Fünf Todesopfer. Bei einer Skitour auf die Marmolata (Dolomiten) wurde eine Gesellschaft von sieben Skiläufern aus München unter Führung des Skilehrers Luder durch eine Lawine verschüttet. Vier Teilnehmer wurden von den ungeheuren Schneemassen begraben. Ein italienischer Skiläufer, der gerade von der Marmolata fuhr, leistete die erste Hilfe und alarmierte Bauern und die faschistische Miliz, die eine Hilfsexpedition ausrüsteten. Bei Fackelschein konnten vier Leichen, darunter der Skilehrer und zwei Damen, geborgen werden. Es handelt sich außer dem Skilehrer Luder um die Sportlehrerin Doris Gnodt aus Marienwerder, Fräulein Trude Fritz aus Ruhla und um den cand. med. Gottschalk aus München. Roosevelts soziales Programm Konstruktive Arbeit schaffen statt Almosen geben. Washington, 4. Jan. (DNB.) Präsident Roosevelt verlas vor beiden Kammern des Kongresses seine Jahresbotschaft. Sie beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem großen Programm der Sozialreformen. Regierung und Bundeskongreß haben den Auftrag erhalten, die alten Ungleichheiten wegzuräumen und den Zustand zu beseitigen, bei dem wenige Reiche in privaten und öffentlichen Dingen allein z u befehlen hatten. Wir wollen keine schematische Gleichmacherei oder Verteilung des Nationalvermögens an alle zu gleichen Teilen. Wir erkennen auch die Tatsache an, daß manche i n - folge größerer. Fähigkeiten mehr verdienen können als andere. Wir wollen niemandem das Recht auf angemessenen Gewinn für seine ehrliche Arbeit strittig machen, aber jedermann hat einen Anspruch auf soziale Sicherheit für sich und seine Familie. Daher müßten die Bodenschätze zur Sicherung des Lebensunterhalts b*e f( e r ausgenutzt werden, eine Sicherheit gegen Schicksalsschläge geschaffen werden und eine anständige B e - Hausung gewährleistet werden. Den infolge der nationalen Wirtschaftskrise gestrandeten ......... nern müssen wir Arbeit geben. Ferner ist Sorge zu tragen für eine Arbeitslosenversicherung, für Altersrenten, für die Wohlfahrt der Kinder, der Mütter und der werdenden Mütter, für Kranke und für Arbeitsunfähige. Die Bundesregierung wird mit der Unterstützung der 5 Millionen Personen, die auf den Listen der Bundeswohlfahrt stehen, Schluß machen, da diese Almosenempfänger die Achtung vor sich selbst und den Willen zur Arbeit verlieren. 1,5 Millionen, die früher von den Nationalismus und Europäertum Von Dr. Hans K. £. £. Keller, Vorsitzendem der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Nationalisten. 71 n. cf. kitarischen Heftungen auf dem Felde fciT-- genammen zu haben. Das sei vollkommen ausgeschlossen, da er sich in seinem Fahrstuhl kaum auf ebener Erde bewegen könne. Ein weiterer Angeklagter, ein Tanzlehrer, der ebenfalls der Teilnahme an militär-i scheu' Hebungen beschuldigt wird, erklärte, seine Kommandos beim Tanz glichen tatsächlich militärischen Kommandos. Er habe immer mit 1, 2, 3 den Takt des Tanzes kommandiert, aber auch d i e l i - tauische Geheimpolizei habe an so l- dj en „Hebungen" teilgenommen. Einige Angeklagte sagten aus, daß die für das in der Anklage angeführte Vergehen — es handelt sich hierbei um einen Ausflug in einen Wald, bei Dem Marfchübungen vorgenommen worden ' fein sollen — bereits vom Kommandanten des Memel- gebietes mit je drei Monaten Arrest b e - straft worden feien. Es fei ihnen unklar, weswegen sie sich nunmehr vor Gericht zu verantworten hätten. Sie wüßten auch nicht, weshalb sie elf Monate im Gefängnis gesessen hätten. Am heutigen Samstag sollen die übrigen Angeklagten verhört werden, die des Mordes an dem Gerichtswachtmeister Jesuttis beschuldigt werden. Diese Fall wird in der Anklage als Beweis für das Bestehen eines Femegerichts hingestellt. Der memelländische £andtag vom Gouverneur gesch ossen. 211 e m e l, 5. Jan. (DRV. Funkspruch.) Um einen Zusammentritt des Ulemelländischen Landtages für die nächste Zeit zu verhindern, hat der Gouverneur durch einen Akt vom 4. Januar die außerordentliche Tagung des Landtages für geschlossen erklärt. 21lit dieser Maßnahme soll das unausbleibliche Mißtrauensvotum gegen das unrechtmäßige Direktorium Bruwelaitis überhaupt verhindert und diesem eine längere Amtsdauer verschafft werden. Lesen dieser Meldung wird die Erinnerung wach an eine Bergsteigertragödie, die sich im vergangenen Jahre ereignete und deren Zeuge der jetzt verunglückte Pirmelin war. Er hatte mit einem Freunde, dem Freiburger Rümmele, eine Klettertour in der Marmolata-Südwand unternommen. Dabei ist Rümmele tödlich abgestürzt. Vermißter in einer einsamen Waldhütte entdeckt. Der feit einiger Zeit vermißte Malermeister Bender von Heidelberg ist in einer abgelegenen Waldhütte bei Gaiberg entdeckt worden. Er war sehr heruntergekommen, muß aber offenbar in der Zwischenzeit doch irgendwie Nahrungsmittel erhalten haben. Heber den Grund seines Verschwindens ist nichts bekannt. Bender erlitt bei feiner Auffindung einen Nervenzusammenbruch und wurde in eine Klinik eingeliefert. Das mittelalterliche Reich beruhte nicht auf frecher Vorherrsckaftsanmaßung einer Nation, der deutschen ebensowenig wie der französischen. Es war die über allen Völkern sich wölbende Friedensordnung, in der Europa zum ersten Male sich als Einheit erkannte: Das Erste Europa. Das Reich war überhaupt nicht auf Macht gegründet, man nenne denn die Idee eine Macht. Anders wäre es unerklärlich, daß das Zeitalter der Renaissance, das den „Willen zur Macht" entdeckte, den Niedergang des Imperiums einleitet. Widerstandslos ließ sich das Reich die Macht entwinden, um sich mit förmlichen Hoheit-- und Vortrittsrechten zu begnügen. Die Reichs-Idee ging freilich nicht unter. Der Wille zur Ganzheit und die Friedenssehnsucht, die in den Jahrhunderten der Auflösung und des Unfriedens, die dem Verfall des Reiches folgten, lebendiger waren denn je, wurden immer von neuem enttäuscht von vielversprechenden Weltoerbesse- rungsplänen, die vorgaben, wieder ein Reich künstlich zu zimmern. Gleichgültig, daß sie von staatlichem Machtwillen eingegeben waren — alle diese Versuche waren notwendig untauglich, die über» staatlich-überoölkische Ordnung wieder zu verwirklichen. Forderten sie doch Einigung, ohne sich zur Einheit zu bekennen. Das außenpolitische Weltbild des neuzeitlichen Machtstaats-Nationalismus war das Kräfteparallelogramm: Das „europäische Gleichgewicht" war die Formel des Zweiten Europa. Der Versuch der Romantik im beginnenden neunzehnten Jahrhundert, Europa hierarchisch- reichisch zu ordnen, mußte mißlingen. Erst der Weltkrieg, gewonnen im Namen des Selbstbestimmungsrechts der Völker, schuf, mit der Widerlegung des amerikanischen Kriegsziels, wieder die Voraussetzungen solcher Ordnung. Kaum „reif für die Demokratie", erwiesen sich die Völker reif genug, die Vormundschaft westlicher Demokratie zugunsten eigenständiger politischer Lebensformen wieder abzuschütteln. Noch vermögen die Völker sich nicht wirklich selbst zu „bestimmen". Im geschlossenen Siedlungsraume, wo sie es am ehesten könnten, gehorchen sie volksfremder „Führung", die ihnen, im Dienste unverstandener Gewalten und Ziele, Staatsgrenzen, Staatsverfaffung und Politik vorfchreibt. Erst recht versagt der Grundsatz der Staatlichkeit angesichts der Verworrenheit östlicher Mischsiedlung. Don der Entscheidung, wer als stärker sich erweisen wird, das staatliche Machtgebot auf Unterwerfung des Volkstums ober das Recht des Volkstums auf Sicherung in einer übervölkifch-überstaat- lichen Friedensordnung, wird es abhängen, ob die Welt ein Drittes Europa, ein „Reich" des zwanzigsten Jahrhunderts, kennen soll, oder ob das Zweite Europa des Gleichgewichts aufeinander eifersüchtiger Staatsallmachten das letzte gewesen. „Es ist die Leistung des Nationalsozialismus, die innerstaatliche Ordnung in Deutschland herbeigeführt zu haben, von der aus- strahlend in die Völkerrechtsgemeinschaft neue O r d n u n g s p r i n z i p i e n und Gedanken sich durchsetzen ... Wir stellen uns nicht auf den Boden eines toten Positivismus ... Wir flüchten uns weder hinein in ein abstraktes Naturrecht noch in die chaotische Verzweiflung eines bolschewistischen Systems der Kampfansage an die Gegenwart. Wir stehen auf dem Boden eines einfachen und guten Rechts, das jeder, dessen Rechtsdenken durch positivistische und formalistische Konstruktionen noch nicht zerstört ist, in einer fruchtbaren Weife mitdenken kann." Carl Schmitt. Fortschritt in der Meisterung des irdischen Daseins, in der lleberroinbung bes Raumes unb ber Zeit, in ber Beseitigung bie Persönlichkeit beengender Schranken, verführt allzu leicht, als „mittelalterlich" ein Zeitalter zu branömarfen, bas sich dieser Errungenschaften nicht erfreut. Der geistige Hochmut ber Fortschrittlichkeit hüllt bie Wurzeln bes eigenen wie bes völkischen Seins in Vergessenheit. Wurzellose, volkssrembe Gewalten haben ben Begriff der „Mittelalterlichkeit" geschaffen. Ilm bas „Licht", bas sie bringen wollten, heller erstrahlen zu lassen, breiteten sie über alles, was vor ihnen gewesen, künstliche Finsternis. Eigentlich „groß" würbe bie französische Revolution' erst, seit bie Logen unb bie geistreichen Zirkel bes achtzehnten Jahrhunberts ihr bie rocltbeglücfenbe Sendung ber Freiheit unb Gleichheit angedichtet. Mächte, bie aus biesen Schlagworten Vorteil zogen, haben bie, Erinnerung an bie wirkliche Größe bes alten vorrevolutionären Frankreich ausgelöscht. Wer von ben Heutigen kennt überhaupt bas französische Mittelalter? Wer vermutet in ben Liedern ber prooencalischen Trouveres Denkmäler hoher Völkerrechtsgesinnung, wer erinnert sich bes Anteils, ben bie französischen Könige an ben Kreuzzügen, ben größten „internationalen" Unternehmungen aller Zeiten, genommen? Wie viele Jahrhunderte banach hatten Frankreichs führende Geister ben Gebauten einer übervöl - k i s ch e n Friebensorbnung hochgehalten, wie tief war bie Reichsibee im Volksbewußtsein verwurzelt! Wie oft hat bas große internationale Ansehen, bas die französischen Könige des Mittelalters genossen, in ihre Hände das Welt- Schiedsrichteramt gelegt! Alle Herrscher Frankreich, die je die Geschicke Europas gelenkt, leiteten die Berufung dazu aus dem Reichsauftrags her. Erst die „große" Revolution setzte Imperium und Imperialismus gleich, mußte sie gleichsetzen, da sie sich im National ft aat erschöpfte. Tieren Verlauf er In sinnloser Wut ben Hammer ' geholt und Keitel niedergeschlagen habe. Der Mörder ist in Klein-Schierstedt als roher und gewalttätiger Mensch bekannt. Hohe norwegische Auszeichnung für bie Retter der „Siffo“- Besatzung. 3n einem Staatsrat beim König beschloß bie norwegische Regierung, ber gesamten, elf Mann starken Besatzung bes Rettungsbootes bes Hapag- Dampfers „ Neuyork ", bas bie Schiffbrüchigen des norwegischen Dampfers „ S i st o " aus Hau- gefunb kurz vor Weihnachten aus Seenot barg, die höchste Auszeichnung hierfür, die „Medaille für edle Tat" in Gold zu verleihen. Diese Aus- Zeichnung ist selten und in den letzten 30 Jahren nur acht Norwegern und keinem Ausländer zuteil geworden. Den Kapitänen der vier anderen am Rettungswerk beteiligten Schiffe „Europa", „Gerolstein", „Mobil Oil" und „Aurania" sollen silberne Erinnerungsstücke überreicht werden. Außerdem hat der norwegische König den Kapitän der „Neuyork", Kommodore Kruse, zum Kommandeur zweiter Klasse des St. Olav-Ordens ernannt. Deutscher Seemann erhält bie französische Rellungs- mebaille. Dem Neuwieder Einwohner Rudolf Fuchs ist vom Präsidenten der Republik Frankreich die französische Rettungsmedaille verliehen worden. Die Verleihung stellt den Dank der französischen Regierung für die tatkräftige Hilfeleistung dar, die Fuchs als Schlagmann im Rettungsboot des Hapagdampfers „Ruhr" bei dem furchtbaren Brande des französischen Pas- jagierbampferus. „L'Atlantique" ber bedrohten Schiffsb§satzung brachte. Von der „Ruhr" wurden damals 89 Fahrgäste und Schiffsangehörige aus Seenot gerettet. Der ehemalige französische Ministerpräsident Marsal erhält eineinhalb Jahre Gefängnis. Das Pariser Strafgericht verurteilte ben ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Francois Marsal wegen Vertrauensmißbrauchs zu 18 Monaten Gefängnis und 20 000 Franken Geldstrafe. Marsal hatte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Westafrikanischen Handelsgesellschaft die ihm anvertrauten Gelder dazu benutzt, eine andere Gesellschaft zu unterstützen, um aus deren Gewinnen an der Börse Nutzen zu ziehen. Der ehemalige französische Mini- sterpräsident wurde zwar vom Gericht nicht als der Hauptschuldige betrachtet, man warf ihm aber vor, als Vorsitzender bes Aufsichtsrates nicht die ge- nügenbe Ueberwachung des Geschäftsganges der Gesellschaft durchgeführt zu haben. Arbeitslager für unerwünschte Ausländer in Frankreich? Im Zusammenhang mit ber schwierigen Durch- führung ber Ausweisungsbefehle, bie gegen unerwünschte Elemente in Frankreich erlassen werben, wirb im „Matin" unb im „Jour- nal" ber Ruf nach ber Errichtung von Arbeits - lagern laut. Ausgewiesene Äuslänber könnten oft einfach beshalb nicht abgeschoben werben, weil kein Nachbarlanb sie zu sich hereinließe. Die Ausgewiesenen blieben bann notwendigerweise in Frankreich. Würden sie auf französischem Boden alsdann wieder verhaftet, dann würden sie verurteilt, kämen ins Gefängnis und fielen dem französischen Staat zur Last. Um solche Elemente loswerden zu können, regt man die Schaffung von Arbeitslagern, etwa in gewissen französischen Kolonien an, wo die unerwünschten Elemente, die auch fein Nach- barland aufnehmen will, ein neues Leben beginnen könnten. men werden, soweit sie arbeitsunfähig sind. Für die übrigen 3,5 Millionen muß die Bundesregierung Arbeit schaffen, und zwar Arbeit konstruktiver Natur, die möglich st viel Handarbeiter beschäftigt und möglichst wenig mit privaten Unternehmungen im Wettbewerb steht. Die Entlohnung muß höher sein als die bisherigen Almosen, sie muh aber unter den von Privatbetrieben gezahlten Löhnen liegen, damit nicht Leute private Stellen aufgeben, um auf Kosten des Bundes eine höhere Bezahlung zu erhalten. Wettervoraussage. Der Kern des nordischen Sturmwirbels hat sich zur deutschen Ostsee verlagert. Hierdurch wurde das Vordringen kälterer Luftmassen nach Deutschland begünstigt, so daß allgemein Abkühlung und im Gebirge Schneefälle aufgetreten sind, lieber Osteuropa hat sich gleichzeitig die Kälte weiter verschärft, unb sie bringt von bort aus über Finnlanb unb die Ostsee nach Skandinavien ein. Eine rasche und starke Abkühlung ist für uns jedoch noch nicht zu erwarten. Aussichten für Sonntag: Veränderliche Bewölkung, immer noch einzelne Schauer, im Gebirge meist Schnee, bei westlichen bis nördlichen Winden, die Temperaturen meist noch etwas über Null. Aussichten für Montag: Unbeständiges Wetter, die Temperaturen bei Null Grad. Lufttemperaturen am 4. Januar: mittags 7,2 Grab Celsius, abenbs 3,9 Grab; am 5. Januar: morgens 3,5 Grad. Maximum 7,7 Grad, Minimum 2,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. Januar: abends 4 Grad; am 5. Januar: morgens 3,3 Grab Celsius. — Niederschläge 0,4 mm. — Sonnenscheindauer 0,8 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. XII. 34: 12 047. Druck und Verlag: Brühl'jche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. Klaviere, n Einzelmöbel CARLNowÄrK 051 GIESSEN SELTERSWEG 81 18 A iir 19iähriges Sl Anfang abends 8 Uhr! 86 D Zeit ab 20 Uhr 85 D Mitarbeiter» [ 87 D Neustadt 24, Vereine Kein Laden! 079 [058 gen. 'er Vorstand. Es von die 064 A. JNHABER: CARL HEINZ SCHLÜTER den und Fr. Möller, . d. Kaserne 2. in unerreicht großer Auswahl, preiswert wie immer Jluto- Sara&e zu vermiet. [052 LicherStr. 19 H. 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Vorbereitungen zur Gaarabsiimmung Ich will die Antwort vorweg nehmen: Die Saar kehrt heim ins Vaterland! Sie । will nichts wissen von den simpelhaften Phrasen i der mit fremdem (Selbe bestochenen Subjekte, die , „Deutschland, Deutschland über alles" singen und i im selben Atem erklären, sie wollten nicht zu Deutschland zurück; sie will nichts zu schaffen haben mit denen, die „Freiheit" brüllen und sich für jeden Schrei, den sie ausstohen, von Frankreich bar in Franken bezahlen lassen, oder mit denen, deren „Rot - Front" - Geschrei von Moskau dirigiert wird; auch nicht mit dem Emigrantengesindel, dem es in seiner Minderwertigkeit nur darum geht, hier im Saargebiet einen Naturschutzpark aller im neuen Deutschland wertlos gewordenen Bonzen und Asphaltpolitiker zu haben. Das Saaroolk, das dem ungeheuerlichsten Versuch, ein Volk mit allen Mitteln zu korrumpieren, widerstanden hat, das eine beispiellos schmutzige Papierflut mit Abscheu beiseite geschoben hat, das auf einmal in den Brennpunkt des Weltgeschehens gerückt ist, dem Reporter aus allen Ländern immer wieder die beleidigende Frage vorgelegt haben, ob es denn wirklich nach Deutschland zurück wolle, wird am 13. Januar 1935 genau wie in der Vergangenheit seine Väter am 11. Juli 1815 der Welt sagen, daß es zum Vaterlande zurück will. Für uns gilt, was bei Ankunft des Staatskanzlers Hardenberg anläßlich des Ueber- ganges des Gebietes an Preußen am 26. November 1815 an einem Saarbrücker Hause stand: Man hat mich spottweise teutsch genannt, Deutsch sein ist Ehr und keine Schänd. Ihr welschen Bastards seht und hört: Ein deutscher Mann ist ehrenwert! Sind wir stolz auf unser braves Saarvolk, so sind wir es nicht weniger auf unser deutsches Volk und Vaterland. Es hat alles Fremde abgeschüttelt, das für uns nicht paßte und notwendig unser Volkstum vernichten mußte. Der sinnwidrige Parlamentarismus, gegen den das Vorkriegs- Deutschland immer wieder kämpfte, hat restlos den Beweis erbracht, daß er unfähig ist, unserem Volke zu helfen. Die Eigenbrötelei der Länder mit ihren Schwatz- und Korruptionsparlamenten ist uns zum Ekel geworden. Die sinnlose Revolte des November 1918 beseitigte zwar die Fürsten mit ihren Prioatfürstentümern, war aber unfähig, die staatspolitische Erneuerung des deutschen Volkes durchzuführen, die allein ihr eine geschichtliche Berechtigung gegeben hätte. Alles das hat die nationale Revolution Adolf Hitlers wegewifcht; sie ist vom Gerede um die Erneuerung des Reiches zur Tat übergegangen. Alle Macht ist auf das Reich übertragen; das Reichshaus, voller Unrat und Spinnweben, wurde sauber gefegt und was an lebendem und totem Inventar morsch war, wurde hinausgeworfen. Neues wurde an die Stelle gesetzt z. T. behelfsmäßig wie die drängende Zeit es ermöglichte, z. T. noch unvollkommen. Eine neue Ordnung wurde eingeführt, bei der das Wort und das Beispiel des Haushaltungsvorstandes maßgebend ist. Den Bewohnern wurde klar gemacht, daß ein Zusammenleben auf dem engen Raume nur möglich ist, wenn jeder einzelne Hausgenosse für den anderen, den Schwächeren und Äermeren sorgt; daß keiner in dem Hause wohlleben kann, wenn der andere hungert, daß keiner in prächtige Pelze gehüllt gehen kann, wenn der andere friert, daß keiner die Gemeinschaft dadurch stören kann, daß er alles, was den übrigen Hausgenossen hoch und heilig ist, die Ehre und das Ansehen des ganzen Hauses, fortdauernd in den Kot zieht. Auch des Heranwachsenden Geschlechts hat man sich angenommen, hier und da einmal vielleicht mit allzu heftiger Liebe. Wenn der deutsche Fanatismus auch auf dem Erziehungsgebiete mehr noch als bisher christliche Nächstenliebe ubt, Auf dem Boden des Rathauses von Saarbrücken bekamen jetzt die Wahlurnen ihren vorgeschriebenen Anstrich. Auf dem Gebiet der Siedlung fing man nur eine vernünftige Sache an: die Stadtrandsiedlung, bei der die Arbeitslosen gemeinsam ihre Siedlungen erstellten, jedem sein eigenes Haus mit einem möglichst großen Garten. Sie erfaßte wenigstens die einzige wirkliche Möglichkeit einer sozialen und wirtschaftlichen Neugestaltung unseres Volkes in großem Stile: Die Versorgung des besitzlosen Arbeiters und insbesondere des ärmsten unter ihnen, des Arbeitslosen, m i t Grund und Boden. Sie versetzte ihn in die Lage, sich zusätzlichen Erwerb zu schaffen durch Halten von Kleinvieh und durch Gartenbau. Das aufgewendete Geld ist nicht verloren, auch wenn es niemals Zinsen, sondern höchstens Tilgung der investierten Mittel erbringen sollte. Hier wird auch der Weg gewiesen, den wir auch in den letzten zwei Jahren in etwas anderer Form mit dankenswerter Großzügigkeit beschritten haben. Die Erfahrungen, die mit den wildesten Kommunisten gemacht wurden, als man ihnen eine neue Möglichkeit zu einer Existenz zeigte und sie vor neue Aufgaben stellte, sind fast , durchweg ausgezeichnet gewesen. Fast alle sind sie zu ordentlichen soliden Staatsbürgern geworden. Dieser Weg ist m. E. neben der Pflege des Bauerntums auch der einzige, der auf die' Dauer zur Konsolidierung eines modernen Jndustrievol- k e s führen kann. Jndustriebauern hat man vielfach unsere Hütten- und Bergarbeiter an der Saar genannt, bei denen von altersher dieser Eigenbesitz an Haus, Stall und Land als das höchste Ziel jedes Einzelnen angesehen wurde. Die außergewöhnliche Wandlung der Geistesrichtung unseres ganzen Volkes, wie sie sich durch die nationalsozialistische Revolution in großartigem Anlauf vollzogen hat, muß aber in noch viel stärkerem Maße 'benutzt werden, um das ganz große Ziel dieser Neusiedlung unseres Volkes zu erreichen. Die Bauernsöhne müssen mit allen Mitteln der Landbebauung erhalte n b l e i b e n. Ob es bei der starken Vermehrung unseres Volkes möglich sein wird, einen größeren Prozentsatz an reinen Ackerbauern zu erzielen, als wir heute haben, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Es ist dringend zu wünschen, daß es gelingt, Die Saar, eine Schicksalsfrage Europas Von Kommerzienrat Or. Hermann Röchling, Völklingen (Saar). wird auch die besonders schwere Aufgabe, die Vielgestaltigkeit unserer Natur in dem einen zu einen: dem Gefühl, Glieder einer Gemeinschaft zu fein und die Verantwortung für die Erhaltung dieser Gemeinschaft zu tragen, gelöst werden. Die größte Aufgabe, die uns gestellt wird, ist die Konsolidierung dieser unserer Hausordnung auf wirtschaftlichem Gebiete. Das liberale Zeitalter hat große Leistungen vollbracht. In ihm entwickelte sich Eue deutsche Industrie zu ungeheuren Ausmaßen. Ihr Verdienst war, daß es gelang, den Menschenexport Deutschlands auf ein Minimum herabzudrücken. Freilich absorbierte das gewaltige Wachstum unserer Industrie die geistigen und körperlichen Kräfte unseres Volkes übermäßig. Das Land verödete, die Großstädte und Industriezentren wuchsen ins un- gemessene. Die Kehrseite offenbarte der Krieg, der uns von der Belieferung unserer Kundschaft im Auslands abschnitt und durch seinen unglücklichen Ausgang uns ungeheuerliche Lasten zu der eigenen Kriegsverarmung auferlegte. Die Wirkungen waren die denkbar verheerendsten. Zwar gelang es mit großer Mühe, ein Ausfuhrgeschäft wieder aufzubauen. Aber die innere Fehlkonstruktion unseres Volkskörpers machte sich immer stärker bemerkbar. Zwar redete man direkt nach dem Kriege viel davon, daß die deutschen Menschen wieder aus das Land zurückgeführt werden müßten, gleichzeitig aber wurden den Massen, die in der Stadt und' in den Industriezentren wohnten, durch vielerlei Lockmittel aller Art der Aufenthalt in der Stadt verschönt und auf dem Lande verekelt. Große Mietskasernen in Riesenumfange entstanden in allen Großstädten, in denen die Frauen nichts zu tun hatten, als ihre paar Zimmer in Ordnung zu halten. Die großen Summen, die auf diesem Wege investiert wurden und die auch noch vom Ausland entliehen wurden, veranlaßten eine Scheinblüte, die restlos verging, als die Weltkrise der Jahre 1930/31 hereinbrach. dieses hoch gesteckte Ziel zu erreichen. Viel leichter aber ist duurchzusühren, daß praktisch fast jeder industriell Tätige sein eigenes Häuschen hat. Die Wohnräume sollten denkbar bescheiden sein. Ein geräumiger Stall für Schweine, Ziegen oder Schafe, Hühner oder Enten und minbe- ftens 1000 Quadratmeter Land gehören dazu. Das gibt Arbeit für den Mann in der freien Zeit, sowie für Frau und Kinder und damit ein voll ausgefüll- tes Leben und Freude an der eigenen Arbeit, ohne Kino und ohne Wirtshaus. Etwa zehn Millionen derartige Häuschen müßten erstellt werden, — ein großes Problem, aber wert, es in ganz großem Stile anzupacken! Unsere großen modernen Industrieländer sind an sich gefährliche Gebilde. Sie beruhen auf der Herrschaft der weißen Raffe über die Erde, — einer Herrschaft, die durch den Weltkrieg und die unsinnigen Friedensschlüsse auf das Der Soorbevollmächtigte spricht in Kaiserslautern. Neustadl a. H.» 3. 3an. (DNB.) Der Saar- bevollmächtigte des Reichskanzlers, Gauleiter Bürdet, spricht am 11. Januar 1935, 20 Uhr. in einer öffentlichen Kundgebung in der Fruchthalle zu Kaiserslautern vor den Vertretern der in- und ausländischen Presse über das Thema „Am 13. Januar: Den Weg frei zur Verständigung!" Die Rede wird über alle deutschen Sender übertragen. Die Rundfunkübertragung der großen Saarkundgebung aus Berlin am 6. Januar 1935 beginnt um 20 Uhr. schwerste bedroht wurde. Die Erschütterungen, die hinter uns liegen, können leicht wieder kommen, sorgen wir nicht dafür, daß die breite Masse unseres Volkes, die heute willig unserem Führer folgt, neben der industriellen Arbeit, die ja den Menschen doch immer nur zum Teil erfaßt, ein weiteres Lebensziel hat. Auch die Verbindung zwischen der industriellen Bevölkerung und dem Landvolk wird durch diese Betätigung neugestaltet und das Verständnis für die schwere Arbeit des Bauern, aber auch für seine Sorgen und Nöte erleichtert. Die Zusammenfassung aller politischen und wirtschaftlichen Kräfte unseres Volkes, wie sie unter unserer neuen Führung erfolgt ist, ermöglicht aber auch allein die Inangriffnahme solch großer Pläne, die naturgemäß zu ihrer Ausführung eine gewisse Zeit bean- sprachen. Es gilt die Sünden von mehreren Generationen, auch derjenigen der Vorkriegszeit, zu beteiligen. Auf dem engen Raume unseres Vaterlandes unseren Volksgenossen auch in schwierigsten Zeiten ein auskömmliches Dasein zu sichern und die Familie als Grundlage des ganzen Volkes gesund zu erhalten, ist und bleibt die Lebensfrage unseres Volkes. Wenn wir im Saargebiet auf diese Notwendigkeiten Hinweisen, so geschieht dies, weil wir in unserem schwierigsten Grenzlandkampfe die überragende Bedeutung der Seßhaftigkeit inbu» strieller Bevölkerung in einer Zeit schwerster Bebrängnis, als mehr als 80 Prozent bes industriellen Kapitals unseres Gebietes in fremder Hand waren und noch sind, erkennen gelernt haben und weil wir immer wieder gesehen haben, daß nur ein ftarfes innerliches gesundes Deutschland seine Grenze schützen kann. Die innere Gesundheit aber beruht darauf, daß die breite Masse unseres Volkes ein gesichertes Dasein hat auf Grund eigener Arbeit und eigenen Besitzes. Das dieses Ziel unserer Reichsregierung erreicht werden möge, ist unser heißester Wunsch! Die Saar aber kehrt mit der Abstimmung vom 13. Januar 1935 nach langjähriger Verbannung zurück ins deutsche Vaterhaus voll Vertrauen zum deutschen Volke und seiner Führung! Gießener Giadiiheaier. Alfred Möller und Hans Lorenz: „Christa, ich erwarte Dich!" Christa Erkens ist ein modernes junges Mädchen, das vor eine zwiefache und doppelt schwierige Entscheidung gestellt wird, vor die Wahl zwischen zwei Männern und zwischen zwei Lebensaufgaben. Eigentlich sollte sie Landwirtin werden und den väterlichen Hof übernehmen. Aber der Vater ist ein alter Griesgram, der die Freude an feiner Landwirtschaft schon halb und halb verloren und am Ende die einzige Tochter zum Haus hinausgegrault hat. Als sie nach langer Abwesenheit wieder heim kommt, muß der Vater einsehen, daß sich das Mädchen mittlerweile auf die eigenen Füße gestellt und sich selbständig gemacht hat. Wider den Willen des Alten hat sie Medizin studiert und den Doktor gebaut, und ihren künftigen Gemahl hat sie sich auch gleich mitgebracht. Der Alte ist wenig davon erbaut, und daß der minbiqe junge Herr Peter, nicht gerade eme Zierde geistiger Arbeiterjchaft, kaum der Richtige ist, kann man schon zu Anfang non weitem sehen. Der Rich- tige taucht bald in Gestalt eines lungen Gutsnachbarn namens Klaus Tettenborn auf der aus (einer Zuneigung zu Christa kein Hehl macht und ziemlich unverblümt auf sein Ziel losgeht. Aber Christa meint vorläufig nicht den jungen, sondern den alten Tettenborn: das ist ein berühmter Mediziner, bei dem sie gern P^vatassistentm werden möchte, wozu sie die notigen Empfehlungen schon in der Tasche hat. Klaus ist gegen die Medizin und für die Landwirtschaft, wofür die entschieden tüchtige Christa ebenfalls und nicht minder begabt ist, wie sich bald herausstellt. Sie bringt gleich vorn ersten Tag an, wie Klaus sieht, wieder Schwung in den väterlichen Gutsbetrieb: aber die Geburtstagsemladung bei Klaus hat sie nur angenommen, um mit dessen Vater, Der zum Geburtstag- abends zu Besuch kommt die Sache mit dem Assistentenposten ms Reine zu bringen. * Der Abend verläuft in mehr als einer Hinsicht ereignisreich. Der Abschluß mit dem Professor wird perfekt und Klaus daraufhin einigermaßen abgekühlt, obwohl er feine Sache keineswegs verloren gibt. Peter andererseits, der auch mit eingeladen ist, entdeckt sehr schnell eine Schwäche für die Sekretärin des Professors, Lore, die ebenfalls mltgekom- men ist. Nicht perfekt wird dagegen an diesem Abend ein anderer Abschluß, den Christas Vater dem jungen Tettenborn vorschlägt: der lehnt ^es glatt ab, den Hof des Alten zu kaufen, um Christa nicht des Bodens zu berauben, in dem sie wurzelt und auf den sie gehört. * Mißverständnis über Mißverständnis und eine erwas schwierige Psychologie, die sich die beiden Autoren ausgedacht haben; um so erstaunlicher die dramaturgische Technik, mit der die Figuren auf dem Schachbrett hin und hergeschoben, Auftritte und Abgänge bewerkstelligt und motiviert werden. Einigermaßen beängstigend ist die innere Unsicherheit Christas, ihr unentschlossenes Schwanken zwischen den beiden Möglichkeiten und vor der einen großen Chance ihres Lebens. Zum Glück ist wenigstens Klaus seiner Sache überaus sicher und kann warten, zumal sich Peter und Lore mittlerweile völlig einig geworden sind. Und wenn schon Christa die Männerstimme nicht hört oder hören will, die sie zu sich ruft, fo hat sie doch die Stimme des Heimatbodens, der angestammten Scholle in diesen Tagen vor der Entscheidung vernommen: — ich erwarte dich. Und als dann schließlich auf einen 808-Ruf Christas der gute Professor noch einmal kommt und ihr über den geplanten Gutsverkauf an jenem Geburtstagabend reinen Wein einschenkt, da ist es so weit, und Klaus und Christa können sich gegenseitig eine Vorlesung über weibliche und männliche Psyche halten, was die beste Vorbereitung für eine dauerhafte Verlobung ist. * Die drei Akte, jeder nicht besonders umfänglich, rollten in der flüssigen und angenehm temperierten Aufführung, die vom Spielleiter Lüpke in Szene gesetzt war, reibungslos ab und bereiteten dem Publikum, das sich über die mancherlei Verwicklungen freute, sichtlich einen unterhaltsamen Abend. Herr Löffler hatte drei freundliche, sommerlich- ländliche Schauplätze mit hübschen Ausblicken geschaffen. * Elisabeth Wielander hatte die Titelrolle der Christa und daisi't eine Aufgabe gefunden, für die sie sich immer mehr zu spezialisieren scheint: sie wandelte anscheinend mühelos und mit treffsicher wechselndem Temperament auf den verschlungenen Pfaden des Lustspiel-Irrgartens durch alle drei Akte zum glücklichen Ende. Eine sehr hübsche und lebendige Leistung sah man von Herrn Dieten, der den Klaus spielte, und zwar mit einem erfrischend gesunden Optimismus, mit überlegener Ruhe, sicherem Gefühl und trockenem Humor: eine rechte Lust- fpielfigur. Herr 23 o I cf machte aus dem alten Erkens mit Laune das Beste, was daraus zu machen war; Herr Schorn spielte den Peter munter und beweglich, sollte sich aber hüten, die ohnehin nicht robuste Rolle in die Nähe der Karikatur zu steuern; Herr Neuhaus gab mit freundlicher und aufgeräumter Bonhommie den berühmten Professor; die Damen Pflug und Rauschenberg (a. G.) wirkten als Lore und Babette, jede an ihrem Platz, recht angemessen. Den kräftigen Schlußbeifall konnte mit den Darstellern auch der Spielleiter entgegennehmen. hth. „Ich tanze nur für Dich." Ein amerikanischer Ausstattungsfilm großen Stils, tyvisch für die Broduktion von Hollnmood, mit einem erstaunlichen Aufwand an Statisterie, Kostüm, Architektur, Kulijsenzauber, Betrieb, Tanz und Musik. Das Ganze vom Regisseur C. Leonard mit unbestreitbarem Geschick, technischer Sicherheit und Sinn für optische und rhythmische Wirkungen in Szene gesetzt. Auch die Handlung, die in diese verwirrende Ausstattung eingebaut ist, scheint uns in erster Linie auf den Geschmack von Hollywood und Neuyork zugeschnitten zu sein. Der Aufstieg eines begabten und ehrgeizigen Tanzgirls aus den Niederungen eines obskuren Nachtlokals zum erfolgreichen Star würde uns kaum bis zuletzt interessieren, wenn diese Rolle nicht von einer der bekanntesten amerikanisch"!! Dar(MIerinn"n gespielt würde: Joan Crawford, die nicht nur die erforderliche körperliche Durchbildung und revue- tänzerische Eignung besitzt, sondern auch für die schauspielerische Formung ihrer Rolle soviel Temperament und ursprüngliche Begabung mitbringt, daß man sie gern einmal in einer ernftbafteren, ertragreicheren und minder amerikanischen Aufgabe sehen würde. Ihr Partner ist Clark Gable, den wir früher gelegentlich hier spielen sahen, und der auch in dieser Umgebung der richtiae Mann ist. Der Film ist übrigens in deutscher Sprache nach- snnchronisiert, so daß dem Verständnis nichts im Wege steht. — Im Beiprogramm: ein Kulturfilm „Winter am Nebelhorn"; ein erstaunliches Micky- Maus-Abenteuer über und unter Wasser; ein Vorspann zur „Englischen Heirat"; die neue Wochenschau. 2Reiferfampffpiele auf dem Daikon. Auf der Balkanhalbinsel wird bei besonderen Festlichkeiten heute noch das Dscheridspiel aufgeführt, das in feinen wesentlichen Figuren und Regeln an unsre mittelalterlichen Ritterturniere erinnert. Seinen Namen hat es von dem Dscherid, einem etwa ein Meter langen stumpfen Rundholze, das den Speer vertritt. Die am Spiel beteiligten Reiter stellen sich, durch das Los bestimmt, in zwei, von einem Ritteroberst geführte, gleich starke Abteilungen einander gegenüber auf. Wer von Kampflust getrieben ist, spornt fein Pferd an und sprengt, den Stab schwingend, im Halbkreis vor die Gegenpartei. Ihm stellt sich drüben bald ein Gegner entgegen, der auf den Herausforderer stürmt und versucht, ihn mit dem Dscherid zu treffen. Man weicht sich gegenseitig aus, sucht mit aller Geschicklichkeit den Wurf abzuwehren, den Stab im Fluge zu erhaschen, oder den Gegner durch den schmerzhaften Stoß aus dem Sattel zu heben. Von beiden Seiten eilen ein, zwei oder mehrere Reiter herbei, um den ihrigen beizustehen, bald ist das Getümmel allgemein und die sich bäumenden und ausgreifenden Rosse, die Reiter in ihren reichen, malerischen Klei- hmn, die Eleganz der Bewegungen, die Hebung, Geschicklichkeit und Gewandtheit, die das Spiel fordert, gewähren ein schönes Schauspiel. Mitten in dieses Gedränge stürzen sich die Gehilfen, Diener und Schildknappen der Ritter, um die fallenden Speere wieder aufzulesen, wobei sie häufig über den Haufen gerannt werden. Das laute Aufschlagen der Hufe, das Wiehern der Rosse, die Rufe her Reiter verursachen einen ohrenbetäubenden Lärm. Mehrere Male löst sich dieser Knäuel, alles kehrt an seinen Plaü zurück, Pferde und Reiter schnauseü aus, in gemächlichem Schritte, das Tempo nur zeitweise beschleunigend, reiten die Parteien in zwei Reihen um einander herum, versuchend, sich gegenseitig 3U umzingeln. Gelingt dies nicht, so beginnt der Einzelkamps, der wieder in ein allaemei- nes Getümmel ausartet, bis endlich eine Partei unterlegen ist. Offenbar hat das Sviel seinen Namen vom türkischen Worte Ticheri, das so viel wie Truppe bedeutet, erhalten. Als Re'terspiel dieser Art bat es sich von Persien über Kleinasien nach dem Balkan verbreitet, wo es sich dann in Epirus und Albanien besonderer Beliebtheit erfreute. Die Türken und Albanesen brachten es nach Griechen- land, wo es noch zu Beginn Des vorigen Jahrhunderts üblich war. Immer seltener sind indes diese Vorführungen geworden, aber bei festlichen (Bele- aenheiten kann man das Dscheridlniel zum"ilen noch in abgelegenen Orten der Berglandschaften sehen. DM B w< Von derVerliner Treuekundgebung für den Führer den Ermordeten nicht und wisse nicht das mindeste von ihm.. Dadurch ward der Verdacht, er habe ihn erstochen, noch verstärkt, und da sich im Laufe des Tages Zeugen fanden, die den Toten gekannt hatten, wurde auch erzählt, der Jüngling habe mit dem Schmied vor Zeiten eine Freundschaft gepflegt, sich aber eines Mädchen wegen im Streit von ihm getrennt. Daran war nur wenig Wahres, aber doch ein kleiner Kern, den auch der Unschuldige furchtlos zugab, feine Unschuld beteuernd und nicht um Gnade, sondern nur um Gerechtigkeit bittend. Der Richter zweifelte nicht, daß er' der Mörder fet, und dachte bald Beweisgründe genug zu finden, um ihn abzuurteilen und dem Henker zu übergeben. Je mehr der Gefangene leugnete und von allem nichts wissen-wollte, um so mehr wurde er für schuldig gesprochen. Mittlerweile hatte der eine seiner Brüder — de älteste war seit gestern in Geschäften über Feld —, 314 Hause vergebens auf den Jüngsten gewartet und ihn gesucht. Als er zu hören bekam, sein Bruder liege gefangen und sei des Totschlags angeklagt, den er hartnäckig leugne, ging er sofort zum Richter. nun eine Schar bezaubernd schöner einheimischer Frauen zusammengetrommelt hatte und mit den Aufnahmen beginnen wollte, da fand es sich, daß die Damen nicht eitel genug waren, um vor der Kamera das ständige Betelkauen zu unterlassen. Davon bekamen sie nämlich dunkelrote Zähne, und wenn man sie bei den Frauen selbst vielleicht ganz apart finden konnte, so verschwanden die Zähne auf der Photographie überhaupt, und das störte den Gesamteindruck doch ganz erheblich. Als die Filmleute es mit einem strengen Verbot versuchten, zogen die Schönen schmollend wieder ab, unablässig Betel kauend. Dann verzichteten sie eben darauf, berühmte Filmstars zu werden, und leider mußte dieser Versuch der Filmexpedition als mißlungen bezeichnet werden. „Kormoran" macht Weihnachtsurlaub. (th) Neuy 0 rk. Euch, lasset sie laufen und nehmet mich, der ich bereit bin, mein Verbrechen mit meinem Leben zu büßen. Sein Nachdenken kam zu keinem Ende, und er sah ein, daß hier mit gewöhnlichen Menschengedanken kein Ziel zu finden sei. Darum ließ er am anderen Tage die Gefangenen in guter Obhut und begab sich zu dem Kurfürsten, dem er diesen merkwürdigen Handel in aller Deutlichkeit erzählte. Der Kurfürst hörte mit der größten Verwunderung zu und sagte am Ende: „Das ist eine sonderbare und seltene Sache! Ich glaube in meinem Herzen, daß keiner von den Dreien den Totschlag begangen hat, auch nicht der, den Eure Wächter festgenommen haben, sondern daß alles wahr ist, was er anfänglich sagte. Doch, da es sich um Verbrechen an Leib und Leben handelt, können wir den Verdächtigen nicht kurzer Hand laufen lassen. Darum will ich Gott selbst zum Richter über diese drei getreuen Brüder anrufen und sie unter sein Urteil stellen." So wurde es denn gehalten. Es war in der Frühlingszeit, und an einem hellen, warmen Tage' und dank meiner reichen Erfahrungen auf diesem Gebiete weiß, was zu einer dauerhaften und glücklichen Ehe gehört, tue ich den schon so lange geplanten Schritt und werde mit meiner Frau in meinem kleinen Landhäuschen in Norfolk einen ungetrübten Lebensabend genießen." Was aus einem Mastbaum alles werden kann (0. sfh.) R i 0 de Janeiro. In den schon längst der Geschichte angehörenden Zeiten der Vizekönige von Brasilien kam einer derselben auf den Gedanken, die Mastbäume einer abgetakelten Fregatte zum Bau des „Theatro Lyrico" in Rio de Janeiro zu verwenden. Wegen Baufälligkeit mußte dieses alte Baudenkmal der Spitzhacke geopfert werden, wobei man, zum nicht geringen Staunen der Bautechniker, eben jene Masten bloßlegte, die im Mauerwerk die Hauptstützpfosten des Theaters bildeten. Die frühere Benutzung des runden „Pfostens" als Schiffsmasten wurde durch eingehende Untersuchung festgestellt. Die sorgfältige Auswahl des Holzes, die durch den ersten Verwendungszweck bedingt war, und der gute Zustand, in dem sich das alte, trockene Material noch befand, bewogen einen Jnstrumentenfabrikanten, die Masten zu erwerben und sie zur Fabrikation von — Violinen zu verwenden. Die erste aus diesem gewiß seltenen Rohmaterial hergestellte Geige wurde einer Zeitung geschenkt, die einen Wettbewerb für jugendliche Violinisten veranstaltet, in dem besagte Geige den ersten Preis bilden wird. Claas wünscht sich eine Tochter. D. Haag. Die Familie des Arbeiters Claas P. zog von Rotterdam nach Vlifsingen. Die Frau, als faktisches Oberhaupt der Familie, erschien bei der Polizei, um die Abmeldung vorzunehmen. Der Beamte blätterte in dicken Büchern, stellte einen Schein aus und legte ihn der Frau zur Unterschrift vor. Frau P. zuckte im letzten Augenblick zurück, als wäre sie von der Tarantel gestochen. Da wurden mit ihr und ihrem Manne klar und deutlich sechs Kinder abgemeldet, und sie konnte sich Leim besten Willen nicht daran erinnern, jemals mehr als vieren das Leben geschenkt zu haben. Es kam zu einem heftigen Disput, in dessen Verlauf der Be- amte behauptete, daß ihm Derartiges noch nicht vorgekommen sei. Womit es seine Richtigkeit haben dürste. Es wurde also eine Nachprüfung vorgenommen. Die beiden überzähligen Kinder, zwei Mädchen im Alter von anderthalb Jahren und drei Monaten erschienen zum ersten Male in den Registern des Standesamtes in Rotterdam, und dort stand auch der Vermerk, daß Claas P. als der leibliche Vater selbiger Kinder an Ort und Stelle erschienen sei, um die Anmeldung vorzunehmen. Claas P. wurde vernommen. Er gestand unter dem Druck der Anwesenheit seiner stattlichen Ehehälfte, daß es die Sehnsucht nach einem Mädchen gewesen sei, die ihn zweimal dazu veranlaßt habe, auf dem Standesamt diesbezügliche Aussagen zu machen. Der Beamte hätte ihm dann jedesmal gratuliert, und dann habe sich Claas jedesmal wenigstens für eine Sekunde als glücklicher Vater eines Töchterchens gefühlt, was ihm der Himmel in Wahrheit immer versagt hätte. Der Standesbeamte war ordentlich gerührt und hätte die Sache wohl auf sich beruhen lassen. Aber Madame P. durchschaute mit kriminalistischem Blick die Situation, eilte zur Krankenkasse und stellte dort fest, daß Claas bei jedem Mädchen unter Vorlegung der standesamtlichen Bescheinigung acht Gulden behoben habe. Und nun wußte sie, wie es kam, daß Claas so häufig verdächtig nach Schnaps gerochen hatte, obgleich sie ihn doch wabrlich kurz aenua aehall-n hatte, um derartige Exzesse zu vermeiden. Also nicht die Sehnsucht nach einem Mädchen — die Sehnsucht nach dem Schnaps war es, die Claas zu einer kleinen Schiebung verleitet hatte. . ''Herr Richter", sagte er, „Ihr habt einen Unschuldigen gefangen genommen, gebet ihn frei. Sehet, ich bin der Mörder, und ich will nicht, daß em Schuldloser für mich leiden soll. Ich war mit dem Schmied verfeindet und habe ihm nachgestellt, und gestern am Abend tr-af ich ihn, wie er eines geheimen Bedürfnisses wegen in jenen Winkel eintrat, da ging ich ihm nach und habe ihn mit meinem Messer ins Herz gestochen." Verwundert hörte der Richter diese Beichte an und ließ den Bruder fesseln und sicher bewahren, bis Klarheit in den Handel käme. So lagen die Brüder beide im selben Hause in Ketten, doch wußte der Jüngste nichts davon, was sein Bruder für ihn getan hatte und bestand eifrig auf der Beteuerung seiner Unschuld. Zwei Tage gingen dahin, ohne daß Richter und Scharwächter neues hätten entdecken können, und schon war der Richter geneigt, dem angeblichen Mörder, der sich selber anklagte, Glauben zu schenken. Da kehrte der älteste Bruder von seinen Geschäften zurück, fand niemand im Hause und erfuhr von den Nachbarn, wie es um seinen jüngsten Bruder stehe und wie der zweite sich für ihn dem Richter gestellt habe. Da ging er noch in der Nacht hin, ließ den Richter wecken und kniete vor ihm nieder mit den Worten: „Edler Herr Richter, Ihr habet zwei Unschuldige in Ketten liegen, die um meiner Schuld willen leiden. Den Schmied hat weder mein jüngster Bruder umgebracht noch der andere, der sich aus Mitleid angegeben hat, sondern ich selber habe den Mord begangen. Ich kann nicht länger ertragen, daß andere' für mich gefangen sitzen, die keinerlei Schuld haben, und ich bitte Nun war der Richter noch mehr erstaunt und wußte keinen Rat, als daß er auch den dritten Bruder gefangen setzte. , Am frühen Morgen aber, als der Wärter dem jüngsten Bruder sein Gefangenenbrot durch die Tur hineinreichte, sagte er zu ihm: „Jetzt möchte ich doch wissen, wer von Euch dreien eigentlich der Unhold ist." Soviel er bat und fragte, der Wärter wollte ihm nichts weiter erzählen,'aber er schloß aus seinen Worten, daß seine Brüder gekommen seien, um ihr Leben statt des seinen herzugeben. Da weinte er und schrie laut und begehrte, zum Richter gebracht zu werden, und als er in Ketten "or dem Richter stand, weinte er von neuem und ,agte: „O Herr, verzeihet, daß ich Euch so lange hingehalten habe! Aber ich dachte, niemand habe meine Tat gesehen und niemand könne meine Schuld beweisen. Nun aber sehe ich wohl, daß alles seinen gerechten Gang gehen muß, ich kann mich nicht langer sträuben und will in aller Ehrlichkeit bekennen, daß freilich ich es war, der den Schmied aus Eifersucht getötet hat, und daß ich es bin, der mit seinem armen Leben dafür bezahlen muß." Da riß der Richter die Augen weit auf und glaubte zu träumen, seine Verwunderung war unbeschreiblich, und es begann ihm vor dieser seltsamen Angelegenheit im Herzen zu grauen. Er ließ den Gefangenen von neuem einschließen und bewachen, wie auch die beiden Brüder, und saß lange in Nachdenken versunken, denn er sah wohl, daß nur einer von den Brüdern der Mörder sein konnte und daß die anderen nur aus Edelmut und seltener Bruderliebe sich selbst dem Henker dargeboten hatten. müssen sie auswandern. Auf dem großen Friedhof ruhen viele Generationen der 42 Familien. Jede Familie hat ein gleich großes Stück Feld zum Bebauen. Dinge, die auf der Insel nicht erhältlich sind, werden auf den benachbarten Inseln gegen Lebensmittel eingetauscht. Geld, wofür auf der Insel feine Verwendung ist, wird in einer offenen Truhe im Tempel deponiert. Streit ist sehr selten und wird schnell beigelegt. Man meint, auf der Insel der glücklichsten Menschen zu sein, aber die Menschen machen einen sehr ernsten Eindruck und sprechen wenig. Die gescheiterte Filmaufnahme. R. D. Bombay. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Iweiundvierzig Familien auf einer kleinen Insel. DZD. Tokio. Die kleine Insel Hatsushima liegt zwischen den beiden großen Schiffsrouten Japan — Honolulu und Japan —San Franzisko. Es ist schwierig, dorthin zu kommen, da kein Schiff bei ihr anlegt. Will man sie erreichen, muß man schon ein Motorboot zu der Fahrt chartern. Es lohnt sich wohl, einen Abstecher nach dieser seltsamen und glücklichen Insel zu machen. Anfangs fährt das Motorboot durch ein ©eroirr kleiner Inseln, die wie grüne Flecke aus dem blauen Meer hervorragen, dann werden die Inseln seltener und auch die schneebedeckte Kuppe des heiligen Berges, des Fujijama, ist kaum noch erkennbar. Ein schmaler gelber Streifen leuchtet am Horizont auf. Es ist die Insel Hatsushima mit ihrem sandigen Strand. Das Boot fährt in eine verträumte Bucht, die von Kiefern einqerahmt ist. Von einem Hügel blickt man auf die 'Ansiedlung, eine weiß leuchtende Straße mit kleinen hübschen Holzhauschen: 21 links und 21 rechts der Straße. Hinter den Häuschen find Hirse- und Reisfelder erkennbar. Am Ende der Straße befinden sich zwei größere Gebäude: der Tempel und das Badehaus, dahinter ein großer Friedhof. Es gibt auf der Insel kerne Verkaufsläden und keine Vergnügungsstätten für die zweihundert Bewohner. Seit Generationen haben dort 42 Familien gelebt und fo soll es bleiben. Nu< der ätteste Sohn hat das Recht, wenn er heiratet, auf der Insel zu bleiben. Er wohnt dann im Hause des Vaters bis dieser stirbt und der Sohn den Haushalt übernimmt und das Amt des Hausvorstehers. Die anderen Kinder können auf der Insel bleiben — solange sie nicht heiraten, dann Drei Linden. Erzählung von Hermann Hesse. Vor mehr als hundert Jahren standen auf dem grünen Friedhof des Hospitals zum heiligen Geist ln Berlin drei herrliche alte Linden, die waren so groß, daß sie den ganzen Friedhof wie ein aewal- nges Dach mit den ineinandergewachfenen Aesten und Zweigen ihrer riesigen Kronen überwölbten. Die Herkunft dieser schönen Lindenbäume ober, die wiederum Jahrhunderte weiter zurücklieqt, wird so berichtet: Es lebten in Berlin drei Brüder, die hielten eine fo innige Freundschaft und Vertraulichkeit miteinander wie man sie selten sieht. Nun geschah es eines Tages, daß der Jüngste von ihnen am Abend allem ausging und feinen Brüdern nichts davon sagte, weil er in einer entfernten Gasse ein Mädchen treffen und mit ihr spazieren gehen wollte. Noch ehe er aber jenen Ort erreicht hatte, wie er fo in angenehmen Träumen dahinschritt, hörte er aus einem Winkel zwischen zwei Häusern, wo es dunkel und einsam war, ein leises Klagen und Röcheln, dem er alsbald nachging; denn er meinte, es liege da irgend ein Tier oder vielleicht ein Kind, e der Jüngling als einen Schmiedegefellen, mit dem I er in früherer Zeit gelegentlic Kameradschaft ge- 1 habt hatte. Zuvor aber hatte er ausgesagt, er kenne j Auf der ersten Seite des „Kormoran", einer Zeitung für Neger in dem 2000 Einwohner zählenden Städtchen Bracqueville im Gebiet der Mississippi- Mündung, stand jüngst in fetten Lettern eine Ankündigung, in der es u. a. hieß: „Liebe Jüngerschaft des „Kormoran"! Der Mensch ist von der Vorsehung deshalb auf die Erde versetzt worden, um sich seine Feste im Schweiße seines Angesichts zu erarbeiten. Aber in der Arbeit braucht der Mensch zwischendurch einmal seine Erholung, und uns vom ^Kormoran" geht das nicht viel anders. Ich als Verleger werde nun zum Weihnachtsfeste ausspan- nen, um eine Schwester in Neuyork zu besuchen. Für die genannte Zeit habe ich auch mein gesamtes kaufmännisches und technisches Personal beurlaubt. Der" „Kormoran" wird daher erst heute in drei Wochen, reichhaltig, interessant, anregend und aufklärend wie immer — Dauerinserenten haben den üblichen Rabatt! — erscheinen. Für Leser, die während dieser Zeit auf seine erstklassigen Informationen nicht verzichten zu können glauben, steht bei meiner hier zurückbleibenden Haushälterin Freitags abends von 5 bis 8 Uhr der gesamte Depeschen- und Nachrichteneingang der Woche zu unentgeltlicher Einsicht zur Verfügung. Im übrigen wünsche ich (rud) allen ein gutes Weihnachtsgeschäft und frohe Festtage. Jenkins, Verleger des „Kormoran"." Zur Erläuterung: Jenkins verkörpert in feiner P^mn als Verleger -und Chefredakteur gleichzeitig auch das gesamte kaufmännische und technische Personal", dem er auch so großzügig Urlaub erteilt bat. Ein Idyll aus der guten alten Zeit, mitten im Amerika Roosevelts und Fords! „Drum prüfe, wer sich ewig bindet.. (—) Manchester. Unlängst ist einer der bekanntesten englischen Scheidungsrichter, Dr. W., von seinem Amt zurückgetreten, um vierzehn Tage später seine Braut an den Altar zu führen, die seit dreiundzwanzig Jahren treu und beharrlich auf diesen Augenblick gewartet hatte. Am Hochzeitstage fragte man den Bräutigam, weshalb er fö lange mit feiner Eheschließung gewartet, gleichzeitig sein Amt aufgegeben und welche Ansichten er überhaupt über die Ehe habe. Sehr viel Fragen auf einmal, aber Dr. W. beantwortete sie erschöpfend wie folgt: „Im Einverständnis mit meiner Braut habe ich meine Eheschließung bis zu dem Zeitpunkt verschoben, an dem mich die Bürden meines Amtes nicht mehr drücken. Ich habe fünfundzwanzig Jahre lang nichts anderes getan, als kraft meines Amtes untereinander erzürnte und gegenseitig enttäuschte Ehegatten entweder zu versöhnen oder von ihren Partnern zu befreien. Ich habe dabei die tiefsten und aufschlußreichsten Blicke in das Zusammenleben der Geschlechter getan und betrachtete mit Recht diese ganze Zeit als eine Art Prüfungszeit für mich selbst und meine Ehefähigkeit. Und diese Beobachtungen ließen mich selbst Einblicke auch in das Seelenleben meiner eigenen unmaßgeblichen Persönlichkeit und das meiner Verlobten tun, mit der ich, soweit das Amtsgeheimnis es zuließ, alle Fälle eingehend besprach. Ich befand mich während dieser ganzen langen Zeit gewissermaßen in einer Art — Im Januarheft der bekannten Zeitschrift „D i e K u n st" (Verlag F. Bruckmgnn AG., München) wird über die künstlerische Entwicklung des Malers und Zeichners Julius Diez und die Sonderheiten seines vielseitigen Schaffens berichtet. Ein vorzügliches farbiges Kunstblatt feines Bildes „Tote Stadt" ist dem Heft beigegeben. Die Abhandlung „Ton und Licht in der Malerei" von Dr. Ulrich Chriftoffel bringt aufschlußreiche Vergleiche über malerische Ton- und Lichteffekte. Dem Maler Christian Rohlfs ist ein Artikel von Hans Pels-Leusden zum 85. Geburtstag gewidmet, der eine Reihe schöner Bildwiedergaben des Künstlers enthält. Eine weitere Veröffentlichung befaßt sich mit dem Maler Gustav Hagemann und feinen Erfahrungen über die Aeußerungen des Kunstgefühls der Naturvölker in den skandinavischen Ländern. Auch hier ergänzen vortreffliche Bildwiedergaben die intereffanten Ausführungen. Von hohem Reiz sind die Wiedergaben von Plastiken des Bildhauers Hermann Hahn. Eine Beschreibung moderner Kirchenbauten des Saargebiets mit schönen Abbildungen wendet sich an das Interesse das dieses deutsche Land gerade jetzt vor der Wiederangliederung an das Reich beansprucht. Die Wohnungskunst ist durch Besprechung zweier Landhäuser vertreten, deren äußere und innere Gestaltung allen'modernen Anforderungen entspricht, während Aufnahmen von Inneneinrichtungen des Architekten Professor Paul Grießer, Bielefeld, schöne Möbel und sonstige Ein- richtungsgegenstande behandeln. Eine wohntechnische Betrachtung „Von den Stockwerken des Hauses" mit Musterbeispielen, Bilder von Gartenanlagen des Gartenarchitekten Theodor Ott, ferner bilderreiche Artikel über keramische Gefäßformen und Das Opelbad in Wiesbaden", Abbildungen von Erzeug- nisten der Deutschen Werkstätten, München, und der Staatlichen Porzellanmanufaktur, Berlin, vervollständigen das reichhaltige und geschmackvolle Hest. Die meisten Filme, die wir aus Hollywood zu sehen bekommen, sind im Atelier gedreht worden. In diesen Riesenhallen gibt sich die ganze Welt ein Stelldichein, alle Landschaften sind dort aufgebaut, vom Urwald und von der Wüste an bis zum Nordpol. Auch die verschiedenen Völkerstämme werden, wenn sie nicht von maskierten Weißen dargestellt wurden, eigens aus ihrer Heimat nach der Filmmetropole transportiert. Angeregt von einigen guten Kulturfilmen europäischer Herkunft, durchbrachen Hollywooder Filmleute einmal die Sitte und zogen mit ihren Kameras nach Indien, um die Sitten Indiens in natura festzuhalten. Besonders sollte die Schönheit der indischen Frauen gezeigt werden, vielleicht hoffte man, ein neues Schönheitsideal ausfindig zu machen. Welche Freude daher, als die indischen Damep keinerlei Schwierigkeiten verursachten, sondern sich willig vor den Aufnahmeapparat stellten. So viel Entgegegkommen hatte man gar nicht erwartet, im Gegenteil. Nun, man mußte eben seine Vorstellung wenig revidieren. Als man > ।sästä'OSTS* wurden die drei Brüder hinaus auf einen grünen Platz geführt, und es wurde einem jeden ein junger kräftiger Lindenbaum gegeben, den mußte er pflanzen. Sie mußten ihre Linden aber nicht mit öen Wurzeln, sondern mit den grünen Kronen in öie Erde tun, so daß die Wurzeln gen Himmel standen, und wessen Bäumlein zuerst eingehen und abborren würde, der sollte als der Mörder ange- sehen und gerichtet werden. So taten die Brüder, und jeder grub mit Sorg- falt seinen kleinen Baum mit den Zweigen in die Erde. Es verging aber wenig Zeit, da begannen die Bäume alle drei auszuschlagen und neue Kronen anzusetzen, zum Zeichen, daß alle drei Brüder unschuldig seien, und die Linden wuchsen fort und wurden groß und standen manche hundert Jahre auf dem Friedhof des Heiligengeistspitals zu Berlin. Zeitschriften. Blick in die Ehrenloge wahrend einer Pause der Festaufführungdes„Tannhäuse r". In der vordersten Reihe (von links): SS.-Reichsführer Himmler und Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg, der Führer, Ministerpräsident Göring und Chef des Stabes der SA. Lutze. In der zweiten Reihe (von links): Staatssekretär Lammers, Reichsinnenminister Dr. Frick und Relchsflnanzminister Graf Schwerin von Krosigk, der Chef der Heeresleitung General Frhr. von pritsch und der Chef der Marineleitung Admiral Dr. h. c. Raeder, die Reichsminister Dr. ^5 r a n k und K e r r l. Hinter Adolf Hitler der Stellvertreter des Führers, Rudolf H e ß. Geschichten ans aller Welt. Urheberre Ein y Schon lässig wi Pflaster nehmen, das Sch fohlen e burd)brir schäbigen lmde Sä während 20er 'End-Ä i*frJ ftit I>"d Iw-d-m rund 00, die Elp n)ie aus hende U nicht / qen SöÖ1 sen, % seinen v betank Äersetze stellen m Vorn Ees oder W übriggebl ein Uebei liche W Recht, die stand 9 wirtschast lange nil Iahresgb sich öen Dchkneg' wir darai mehr de Tendenzen daß ein ( ein für 0 wollen di kommende hier im ein Gebiet bisher nh fchastliche angeht: A Alle Gr aller Güt' des vor der vor tige Beve ner tropi eine genc 100 und wenn üb' Wachse heilen un geborene: ungeheue noch erh Schlaf haken des fchwc je fron. lenen Gel für Kinde Mit der nur ein 2 Pflug, un gründ fü Die qn fchastsiör Sänie' fachter M nach der • Seite ai &it schie °ann bliel Ser. Und J* sich öil °ben'M, . Endlich durch bas des unb einer ber 9 Mnb( Utralhei Aw; boi Wte ltU1 „Die U l°,pfe»ben ?Eer 00 l^ten Hellen. ötenotr ^druckte 1t. Dan tten. x ?Ugen et b°bei, wo Ein tie send sie St» Nr. 4 Drittes Blatt GießenerAnzeiger(General-Anzelger für Oberhessen) Samstag. 5. Januar 1955 Eine Zukunstsrejerve -er Welirvirischast. Von Or Paul Rohrbach. Wieder ist ein Krisenjahr der Wirtschaft zu 'Ende gegangen, und mir fragen uns: Soll das nun immer so bleiben? Nach einer amerikanischen Statistik sind von dem letzten günstigen Wirtschaftsjahr vor dem Einsetzen der Weltkrise, 1929, bis 1933 d i e Importe aller Staaten der Welt von rund 35,6 Milliarden Golddollars a u f rund 12, die Exporte von rund 33 auf rund 11 Milliarden gefallen. Das macht auf der Ausfuhr- wie auf der Einfuhrseite eine Verringerung um zwei Drittel. Für 1934 gibt es noch keine abschließende Uebersicht, aber im Ganzen wird der Stand nicht sehr verschieden von dem zu Ende des vorigen Jahres sein. Deutschland hat, wie wir alle wissen, an dem allgemeinen Rückgang der Wirtschaft feinen Teil zu tragen, und auch die Umstände, die uns besonders drücken (aber nicht entmutigen!), sind bekannt genug. Versetzen wir uns in das Jahre 1929 zurück und stellen uns vor, damals hätte einer prophezeit: Vom Gesamtwert des Welthandels wird nach fünf oder sechs Jahren nur noch der dritte Teil übriggeblieben sein! Hätte man nicht gesagt: Solch ein Uebermaß von Schwarzseherei ist eine unmögliche Sache!? Angenommen selbst, diejenigen haben Recht, die da feststellen, die Krise sei zum Stillstand gekommen, ja die Kurve steige, weltwirtschaftliche gesehen, schon wieder leise an. — Wie lange mag es dann noch dauern, bis wir einen Jahresabschluß mit Ziffern machen können, die sich den besseren Jahren der Vor- oder Nachkriegszeit wieder nähern? Nicht selten hören wir darauf die Antwort: Das wird überhaupt n i e mehr der Fall sein, denn die eigenwirtschaftlichen Tendenzen der Völker haben sich so verstärkt, daß ein Güteraustausch im Umfang früherer Jahre ein für alle Mal der Vergangenheit angehört. Wir wollen dieser Frage, die nur durch die Erfahrung kommender Jahre ihre Beantwortung finden kann, hier im Ganzen nicht weiter nachgehen, sondern ein Gebiet herausnehmen, auf dem noch eine große, bisher nicht zur Entwicklung gebrachte weltwirtschaftliche Reserve vorhanden ist, die auch uns nahe angeht: Afrika! Alle Gütererzeugung, und dem entsprechend auch aller Güterverbrauch, ist abhängig von der M e n g e des vorhandenen Bodens und der Zahl der vorhandenen Menschen. Für die heutige Bevölkerung Afrikas — Afrika im Sinn seiner tropischen Teile verstanden —, ist es schwer, eine genaue Zahl anzugeben. Sie mag zwischen 100 und 120 Millionen Seelen betragen und ist, wenn überhaupt, so nur sehr langsam im Wachsen, weil die Schädigungen durch Krankheiten und die gesundheitliche Unwissenheit der Eingeborenen zu groß sind. Die Kindersterblichkeit ist ungeheuer, und das durchschnittliche Lebensalter noch erheblich niedriger, als früher in Europa. Die Schlafkrankheit, die Malaria und der Hakenwurm find die hauptsächlichsten Würger des schwarzen Afrikaners. Dazu kommt die Tsetsekrankheit des Viehs, die in allen befallenen Gebieten Pflugkultur unmöglich und Milch für Kinder zu einer unbekannten Nahrung macht. Mit der Hacke kann eine menschliche Arbeitskraft nur ein Viertel des Landes bestellen, wie mit dem Pflug, und das Fehlen der Milch ist mit ein Hauptgrund für die hohe Sterblichkeit der Negerkinder. Die große, zugleich humane und machtvoll wirtschaftsfördernde Parole gegen diese Hebel heißt: Sanierung Afrikas. Ein Afrika mit vervierfachter Menschenzahl, vervierfachter Kulturfläche wird nach der erzeugenden, wie nach der verbrauchenden Seite auch viermal so viel für die Weltwirtschaft bedeuten, wie das Afrika von heute. Niemand hat ein größeres Recht, auf einen Anteil an dieser großen weltwirtschaftlichen Reserve zu bestehen, als Deutschland, denn die deutsche Wissenschaft hat zwei große Heilmittel für die den Erdteil verwüstenden Krankheiten gefunden: das Germanin gegen die Schlafkrankheit und, ganz neuerdings das dem Chinin noch überlegene Atebrin gegen die Malaria. 1921 wurde an einem schwer schlafkrank ins Hamburger Tropenhygienische Institut eingelieferten Engländer zum ersten Male die Wirkung des Germanins als Heilmittel am Menschen erprobt, und seitdem ist dies Unheil, das sonst durch nichts in seinem fortschreitenden Verwüstungszuge durch den schwarzen Erdteil aufzuhalten wäre, in feiner Wurzel getroffen. Mit Germanin und Atebrin kann die schwarze afrikanische Menschheit durchgreifend saniert, kann ihrer Vermehrung freie Bahn geöffnet werden. Ihr Wachstums-Spielraum ist mit Rücksicht auf die durchschnittlich sehr geringe Bevölkerungsdichte in Afrika noch auf lange hinaus praktisch unbegrenzt. Auch der Sieg über die Tsetse ist nicht mehr fern. Wie schnell unter gesundheitlich normalen Verhältnissen die Menschenvermehrung in dünn bevölkerten Ueberfeelänbern vor sich geht, beweist die Siedlungsgeschichte Nord- und Südamerikas: Verdoppelung im Laus eines halben Menschenalters. Der Boden Afrikas kann f a ft alle industriellen Rohstoffe und die meisten der zum Lebensbedarf der Weißen gewordenen G e n u ß m i 11 e l (Tabak, Kaffee) hervorbringen. Die physische Arbeitsleistung für die Produktion sind die Schwarzen zu liefern im Stand, sei es in Lohnarbeit, sei es in selbständiger Ein- fieborenentultur, und in beiden Fällen entwickeln ie sich auch zunehmend als Verbraucher- ch a f t für die europäischen Industrien. Unkundige werden vielleicht einwenden, es könne eines Tages auch, in Afrika, wie jetzt in Dftafien, heißen: Fort mit den Weißen! Diese Vorstellung hegen aber nur Nichtkenner der afrikanischen Eingeborenen. Der Schwarze ist ohne Frage intellektuell und bis zu einem gewissen Grade auch moralisch entwicklungsfähig; aber er ist von Natur technisch unbegabt, ihm fehlt nicht nur alle Organisationskraft, sondern auch die Fähigkeit ordnenden Dorausbiicks. Niemals wird er imstande sein, sich von der geistigen und technischen Überlegenheit des Weißen zu emanzipieren, und noch viel weniger wird er sich je mit Erfolg gegen den Weißen bewaffnen. Hier handelt es sich um einen tiefen und unausgleichbaren Rassenunterschied. Um ein paar grobe Biespiel zu nennen: Wenn nur die 15 Millionen Eingeborene in unfern alten Schutzgebieten dahin gebracht werden, jährlich eine Hose, ein Hemd, einen Kittel, einen Kochkessel, einen Eimer zu kaufen, dazu Pflug, Spaten und sonstiges Werkzeug für jede Wirtschaft — welch einen Nutzen gäbe das schon für unsere Wirtschaft! Und nun denke man sich die Volkszahl in ganz Afrika durch Sanierung wachsend und wachsend, sich verdoppelnd, vervierfachend, den vorhandenen kulturfähigen Boden in immer größerem Umfana in Arbeit nehmend, unsere rohstoffhungrige Industrie immer besser versorgend, unfern wirtschaftlichen Absatzraum erweiternd. Dann wird man eine Idee davon bekommen, was das heißt: W i r t s ch a f t s r e s e r v e Afrika! Achtung Gasrabstimmungsberechtigte! Der Sonderzug Nr. 15, der von Gießens am Samstag, 12. Januar, abfährt, die Ab-1 stimmungsberechtigten aus dem Lahntat aufnimmt [ und Montag, 14. Januar, zurückgeleitet wird, hat folgenden Fahrplan: Hinfahrt Rückfahrt aml2. Januar: am 14. Januar: 8.47 ab Gießen an 23.30 9.04 „ Wehlar ab 23.15 9.16 „ Braunfels „ 23.00 9.22 „ Stockhausen „ 22.53 9.34 „ Weilburg „ 22.43 10.05 „ Limburg usw. „ 22.04 11.19 „ Koblenz (Hbf.) usw. „ 20.33 13.42 „ Trier (Hbf.) ,, 18.26 14.54 ,, Mettlach „ 17.12 15.06 Merzig „ 17.01 15.16 „ Beckingen „ 16.50 15.25 „ Dillingen „ 16.41 15.33 „ Saarlouis „ 16.33 15.43 ,, Vous .„ 16.22 15.53 „ Völklingen „ 16.14 16.09 „ Saarbr.-Vurb. „ 16.02 16.14 an Saarbrücken (Hbf.) „ 15.56 16.21 ab Saarbrücken (Hbf.) an 15.49 16.31 „ Dudweiler ab 15.42 16.41 „ Sulzbach ,, 15.36 16.54 „ Friedrichstal „ 15.30 17.07 an Neunkirchen ab 15.13 Die Aussteigebahnhöfe im Saargebiet sind gesperrt gefetzt. Die Fahrkarten werden jedem Abstimmungsberechtigten rechtzeitig bereits in die Wohnung zugestellt werden. Vor allem sei auch an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, daß keiner ohne seinen Abstimmungsausweis und gültigen Paß zur Abstimmung zugelassen wird! Es darf keiner auch nur eine dieser unerläßlichen Urkunden vergessen, da sonst seine Stimme verloren ist! Große Saarkundgebung am Sonntag/ 6. Januar. Am Sonntag, 6. Januar, findet im Berliner Sportpalast eine große Saarkundgebung statt, voraussichtlich werden Reichsminister Pg. Heß und Gauleter B ü r ck e l sprechen. Die Kundgebung wird über alle deutschen Sender übertragen. Der Gemeinschaftsempfang findet für die Gießener Ortsgruppe n im Saale des (Safe Leib statt. Alle Volksgenossen sind zu diesem Gemeinschafls- empfang eingeladen! Beginn 20 Uhr! heil Hitler! Schmelz, Kreispropagandaleiter. Ortsgruppe Gießen des Bundes der Gaarvereine. Leiter: Polizeihauptwachtmeister Thum, Neuen Bäue 4, II. Sämtliche Anfragen von Abstimmungsberechtigten sind an die Saarobleute zu richten, die zu jeder Auskunft und Unterstützung gerne bereitstehen. Saarobleute sind: 1. Oberarzt Dr. Rau h, Gießen, Universitäts- Augenklinik, 2. Verwaltungs-Oberinspektor Hentschel, Gießen, Welckerstrahe-12, 3. Gerichtsreferendar Koch, Gießen, hitlerwall 51. Anfragen wegen des Transportes zur Abstimmung sind an den Transportleiter ThuNi oder den stellvertretenden Transportleiter K o ch zu richten (Anschriften siehe oben). Aus der Provmzialhcmpistadi. OreikönigStag. „Drei Könige wandern aus Margenland, ein Sternlein führt sie zum Jordanstrand ..." Das ist die romantische Legende, die neben der schlichten Bibelerzählung van der Geburt des Chri- stuskindes steht. Es genügt nicht, daß die Hirten dem göttlichen Kinde ihre Verehrung darbrachten, nein, von weither, aus fernen Landen, finden die drei Weisen den Weg nach Bethlehem, um den neugeborenen König zu grüßen. Sie beugen ihre Knie vor ihm und beschenken ihn mit fürstlichen Gaben. Viele Maler haben sich an diesem Stoff versucht, zahllose Legenden haben sich um den romantischen Bericht gesponnen. Regt er nicht eigenartig bi* Phantasie an in der Gegensätzlichkeit des armseligen Stalles zu dem reichen Gepränge der fremden Herrscher? Der Tag der Heiligen drei Könige am 6. Januar, der zuerst als rein kirchliches Fest gedacht war, wurde bald ins Volk hineingetragen. Umzüge, bei denen die Könige selber dargestellt werden, Spiele und andere Veranstaltungen wurden in deutschen Gauen zur festen Sitte. Da der 6. Januar aber mit dem Ende der zwölf heiligen Nächte zusammenfällt, die im germanischen Mythos eine Rolle spielten, so ist es nicht verwunderlich, wenn auch heute noch Reste der alten Ueberlieferung vorhanden sind, die sich neben dem christlichen Fest behaupten konnten. Frau Berchta oder Frau Holle geht an diesem Tage um und prüft die Spinnrocken der Mädchen. Faulen Spinnerinnen wird das Gespinst zerzaust. So glaubten unsere Väter, und in Thüringen wird noch hier und da am 6. Januar Frau Holle verbrannt, damit sie feinen Schaden anrichten kann, denn in christlicher Zeit wurde Frau Holda zur Unholdin... Die besten Freunde. Jedes gute Buch kann uns etwas sagen und sagt es uns auch. Man muß nur lesen können. Es erschließt uns Ausblicke, macht zufrieden ober regt an. Viele unserer großen Männer haben befunbet, daß einst ein gutes Buch ihrem Lebensweg eine andere Wendung gab. Winterabende sind nie langweilig, wenn wir zu einem Buche greifen. Es hilft uns treulich wie ein guter Freund. Mit ihm können wir sprechen, unser Herz ausschütten. So wie uns der Freund beichtet, so spricht das Buch zu uns. Die Bücher sind immer da. Sie warten, bis wir zu ihnen kommen. Und daß wir eines Tages kommen, das ist gewiß. Geduldig und stumm stehen sie im Bücherschrank. Du bist unter Menschen, du kennst nur wenige, du unterhältst dich, du lächelst und fühlst dich doch so furchtbar einsam. Und siehe! Auf einmal siehst du die Reihe deiner Lieblingsbücher im Geiste vor dir stehen und denkst: Jetzt möchte ich heim, möchte mich in den beguemen Stuhl setzen und ein schönes Buch lesen! Solche Augenblicke kommen bestimmt. Auch bei der Arbeit. Und du beißest die Zähne zusammen und sagst leise: Heute abend! Und die Bücher, sie warten. Was für Wunderwelten, welch unerschöpfliche Schätze breiten sie dann aus! Wir brauchen nur zuzugreifen. Und wenn wir noch so arm sind, so lange wir lesen, sind wir reich. Wir finden keine besseren und treueren Freunde. Noch aus der Jugendzeit grüßen uns die Märchenbücher, Robinson und Siegfried, die herrlichen Volksbücher mit all ihren schönen Sagen. Dann kamen die Abenteurerbücher, Karl May und viele andere. Die Romantiker schlossen sich an. Es waren doch unsäglich schöne Stunden, die wir mit unfern Büchern verbringen durften. Als ich noch Schüler war und mir die Zeit zum Lesen der Bücher zwischen den einzelnen Arbeits- Was soll ich denn mit einem Auto? ROMAN VON KÄTHE METZNER. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türrne-Verlag, Halle (S.). Nachdruck verboten. 1. Kapitel. Ein grauer November. Schon seit Tagen ist trostloses Wetter. Unablässig wehen vom Himmel Regen und Schnee. Das Pflaster ist schlüpfrig, und man muß sich in acht nehmen, um nicht auszugleiten. Doch das ist nicht das Schlimmste. Schlimmer ist, wenn die Schuhsohlen entzwei sind und überall das Schneewasser durchdringt. Oder wenn man nur einen dünnen, schäbigen Mantel hat. • „Ich friere nicht. Nicht ein bißchen", sagte Gerlinde Steinbrück immer wieder leise vor sich hin, während sie fünfen Schritts die belebten Großstadtstraßen durchguerte. Und wirflich, eine ganze Zeit schien diese Autosuggestion zu helfen. Aber dann blieb der tückische, naßkalte Wind doch Sieger Und Gerlinde konnte es nicht verhindern, daß sie sich wie im Fieber schüttelte, als der Wind ihr eben wieder grimmig entgegenblies. Endlich schien sie am Ziel zu sein. Sie schlupfte durch das hohe Portal eines riesenhaften Gebäudes und befand sich kurz darauf im Leseraum einer der großen Berliner Tageszeitungen. Gerlinde spürte, wie die trocken-warme Luft der Zentralheizung ihr für Augenblicke die Luft wegnahm; doch dann hatte sie sich daran gewohnt und fühlte nur Licht und wohlige Warme. • Die Menschen um sie beachtete sie md)t. klopfendem Herzen nahm sie einen der Zeitungshalter vom Haken und blätterte hastig m der letzten Nummer. Stellenanaebote. , x. t Stenotypistin. Ein-, zwei-, drei-, viermal di: fettgedruckte Überschrift, stellte Gerlinde im fest. Dann las sie mit schnellen Augen die Anzeigen. Doch der hoffnungsvolle Glanz m ih Augen erlosch sehr bald. Da war wieder nichts dabei, wo sich eine Bewerbung gelohnt haue. Ein tiefer Seufzer entglitt ihren Lippen, wahrend sie doch noch einmal langsam und sorgsaulg jede einzelne Anzeige studierte. Aber sie hatte sich nicht getäuscht. Das erstemal war Bedingung perfekte Kenntnisse in Französisch und Italienisch, m der zweiten Anzeige wurde „eine äußerst erfahrene Kraft" verlangt — nicht unter fünfundzwanzig Jahren —, dann „Damen, die bereits in der Cisen- branche gearbeitet haben, erhalten den Vorzug, und in der vierten hieß es: Bewerbungen von Anfängerinnen Papierforb. War es plötzlich nicht mehr so hell und warm in dem großen menschengefüllten Leseraum? Drang der naßkalte Nov^mberwind doch etwa bis hier- herein? Gerlinde Steinbrück fühlte plötzlich wieder, wie sie innerlich fröstelte, und fühlte auch gleichzeitig, daß ihre Strümpfe in den sommerlichen, abgelaufenen Halbschuhen feucht waren. Zum ersten Male hob sie den Blick. Mutlos und müde starrte sie auf die Menschen, die um sie her saßen und standen. Aber ihre jungen, leidgewohnten Augen sahen mit einem Male in den vielen fremden Gesichtern den eigenen Schmerz, die eigene Enttäuschung. Da überkam sie eine seltsame Ruhe. „Nun — es war also für heute nichts!" sagte sie sich innerlich, und das leise Lächeln um ihren Mund zeigte, daß Gerklnde versuchte, ihre Lage weniger tragisch zu nehmen als noch kurz zuvor. Sie würde also morgen wiederkommen und übermorgen und alle Tage... Einmal mußte es doch klappen. Unwillkürlich steifte das junge Mädchen den Nacken. Sieghafter, unerschütterlicher Glaube der Jugend. Beinah mechanisch, fast nur, um etwas zu tun, blätterte sie die Seite des Zeitungsblattes um. Es schien, als wolle sie den Aufenthalt hier noch ein wenig hinauszögern, ehe sie sich wieder draußen dem 'trostlosen Novembergrau überließ. Da sprangen ihr große, fette Buchstaben in die Augen und 'weckten unwillkürlich ihr Interesse. !! Eilt !! Junge Dame, tadellose Figur, hübsches Gesicht, Blondine, zirka 1,65—1,70 Meter groß, als Mannequin zur Aushilfe für große Modenschau gesucht!! Vorzustellen heute!? Modehaus Merkur. Gerlinde Steinbrücks Puls ging plötzlich rascher. Wenn das etwas für sie wäre... Wenn sie doch nicht umsonst gekommen fein sollte... Eine Aushilfe! Mein (Bott, und wenn sie fünf Mark verdienen konnte, das waren Holz und Kohlen ... das waren foundfoviele Mittagbrote ... das war ... Die Gedanken, denen sie erst zaghaft nachgegeben hatte, wurden plötzlich überraschend stark in ihr. Modehaus Merkur. Welche junge Berlinerin kannte es nicht! Welches junge Mädchen hatte noch nicht mit sehnsüchtigen Augen vor den hohen, eleganten Schaufenstern gestanden und die kostbaren Auslagen bewundert?! Gerlinde erinnerte sich genau, wie sie vor wenigen Wochen einmal mit ihrer Schwester Gisela dort gestanden hatte. Und sie erinnerte sich dann weiter, wie in Giselas Augen plötzlich ein ganz eigenartiges, süchtiges Brennen kam, während sie überstürzt herausgesprudell hatte; . _ „Diese Kleider werde ich auch einmal tragen. Ich werde hier auch einmal im eigenen Auto vorfahren. Es gibt häßlichere Mädchen als wir sind, die ihr Glück gemacht haben, Linde! Ja — glaubst du denn, ich sähe nicht, wie sich die Männer auf der Straße nach uns umsehen, wie ihre Blicke unsere Gestalten fast verschlingen? Deine auch, Küken! Mach' nicht immer so dumme Augen, als ob du das nicht wüßtest! Der Spiegel sagt dir wie mir, daß wir bildhübsch sind und blond dazu. Sie war damals tief erschrocken über Giselas Worte und über den Ausdruck im Gesicht der Schwester. So fremd schien sie ihr mit einem Male. Doch die andere hatte schnell das Thema gewechselt, als habe sie zuviel von ihren innersten Gedanken verraten. Gerlindes Gesicht überzog flammende Röte. Warum kam ihr das alles jetzt gerade in den Sinn? Doch dann wußte sie auch schon. „Daß wir bildhübsch sind", hatte Gisela gesagt, „und blond dazu." Aber ... wie konnte Gisela das nur so frei heraussagen? Gerlinde hatte nie darüber nachgedacht, ob sie hübsch sei oder nicht, und wenn schon einmal, dann war sie immer zu dem Schluß gekommen, daß andere Mädchen viel, viel hübscher waren als sie. . Und auch in diesem Augenblick ging es ihr nicht um diese Frage, sondern nur um die Aussicht auf eine kleine, wenn auch nur vorübergehende Verdienstmöglichkeit. Wie viel freier wäre ihr Herz gewesen, wenn man statt eines hübschen Mannequins eine junge Stenotypistin, Anfängerin, gesucht hätte! Doch dann dachte sie an das blasse, versorgte Gesicht der Mutter, und da war sie sich klar darüber, daß sie selber gar nicht zu entscheiden hatte, sondern einfach jede Möglichkeit aufgreifen mußte, wenn Aussicht bestand, zu verdienen. Schnell hängte Gerlinde den Zeitungshalter an den Haken und eilte davon. Doch merkwürdig, jetzt brauchte sie sich nicht gewaltsam stark zu machen gegen den peitschenden, naßkalten Wind. In ihrem ganzen Körper prickelte eine Wärme der Erregung und zauberte einen rosigen Schimmer auf die blütenweichen Wangen. Doch viele Straßen hatte sie zu durcheilen, bis sie endlich vor dem Modebause Merkur stand. Als sie wenige Augenblicke später in dem hocheleganten Geschäft stand, war plötzlich aller Mut wie weggefegt, und sie begriff nicht, wie sie es hatte wagen können. Die ausgesucht vornehm gekleidete, ältliche Empfangsdame musterte das junge, verwirrte Mädchen mit einem maßlos erstaunten Blick auf die schlechten Schuhe und den dünnen, unmodernen Mantel, fragte dann aber doch höflich: „Was steht zu Diensten, meine Dame?" „Ach, Verzeihung..." Gerlindes Atem ging schwer, doch bann wurde ihr banges Herz etwas mutiger. Mehr als eine Ablehnung konnte ihr ja nicht geschehen: „Ich komme auf die Anzeige hin. Ich möchte mir erlauben, mich vorzustellen ... zur Aushilfe ... als Mannequin ..." In der Empfangsdame aber schien inzwischen eine Veränderung vor sich gegangen zu sein. Ihr geübter Blick hatte in dem ärmlich gekleideten Mädchen schnell eine ausgesucht schöne Figur erkannt, und das Gesicht ... ein ganz bezaubernd süßes Kindergesicht, dem nur die traurigen, großen Augen und der leichte Schmerzenszug um den feinen Mund Zeichen innerer Reife und Klarheit gaben. So war ihre Stimme wesentlich freundlicher, ja, .fast teilnahmsvoll, als sie einem der herumstehenden Boys winkte. „Der Boy wird Sie hinaufführen in die Vorführräume, Fräulein!" Gerlindes Augen dankten der Empfangsdame mehr als ihr Mund, der nur schüchtern „Herzlichen Dank!" stammelte. Das junge Mädchen hatte wohl gehört, wie die fremde Stimme jetzt anders geklungen hatte. Lautlos ging sie hinter dem Boy über schwere Läufer und Teppiche. Vor einer breiten Milchglastür hielt der Boy feine Schritte an. Einen Augenblick zögerte er, dann nahm er beinah militärisch exakte Haltung an und öffnete behutsam. „Bitte, warten Sie hier, Fräulein! Es sind noch mehr Damen da, die auch warten!" Gerlinde schritt durch die Tür, die der Boy hinter ihr einklinkte, und sah sich im nächsten Augenblick mehr als einem Dutzend staunender Augenpaare gegenüber. Verwirrt grüßte sie. Doch nur ein Murmeln kam als Antwort. Das waren alles Bewerberinnen? Diese hübschen, feingekleideten Mädchen ... Neben denen sollte sie bestehen können? Gerlinde sah Pelzmäntel, schicke, kurze Pelzjäckchen, tadellose Ueberschuhe. Jetzt erst bedachte sie, daß sie sich wohl gar keinen rechten Begriff von ihrem Vorhaben gemacht hatte. Das war ja völlig sinnlos und töricht von ihr gewesen. Hier schied sie als Bewerberin selbstverständlich vollkommen aus. Ach, wäre ich doch erst wieder draußen!, dachte sie beklommen und hatte das Gefühl, als wenn die spöttisch prüfenden Blicke der anderen bis auf die Haut brannten. Minute auf Minute verging. Endlich öffnete sich wieder die Milchglastür, und wie auf Kommando wandten alle sich um. Hinter einer lebhaft gestikulierenden Dame trat ein Herr in den Raum, und an der Art, wie fein Blick durch dicke Brillengläser hindurch die Wartenden überflog, schien jedes der Mädchen sofort zu empfinden, daß er hier ein ausschlaggebendes Wort zu reden hatte. (Fortsetzung folgt!) Urlaubswg Dresden (Sfabtbefud)) vom 25. bis 29. Januar. Als zweiter Stadtbesuch bietet die NSG. „Kraft durch Freude", Gau Hessen-Nassau, die Möglichkeit zum Besuche von Dresden in der Zeit vom 25. bis 29. Januar. Die Fahrt beginnt am 25. Januar, vormittags. -Die Unterbringung erfolgt in Einzelquartieren. Die Verpflegung beginnt am 25. Januar mit dem Abendbrot und endigt mit einem gemeinsame^ Mittagessen der Teilnehmer in Leipzig am 29. Januar. In dem Gesamtpreis sind enthalten: Führungen und Besuch der Sehenswürdigkeiten Dresdens (Zwinger usw.), Besuch einer Opernvorstellung in der Dresdner Oper und ein sächsischer Heimatabend. Am 29. Januar, früh, wird die Heimfahrt angetreten, wobei ein mehrstündiger Aufenthalt in Leipzig vorgesehen ist. Auchhier ist eine Stadtrundfahrt mit Omnibussen im Preise bereits eingeschlossen. Die Rückfahrt erfolgt am Nachmittag nach dem gemeinsamen Mittagessen. Die Fahrtkosten betragen 38,— RM. Endtermin für die endgültige Anmel- .dung ist am Dienstag, 15. Januar. Anmeldungen zu den Fahrten werden auf unserer Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, Zimmer 10, entgegengenommen. Wir machen darauf aufmerksam, daß es in diesem Jahre unmöglich ist, alle Urlauber nur in den Mo- Die Deutsche Arbeitsfront. NS.-Gemeinschast »Kraft durch Freude". naten Mai bis August wegzubringen. Es muß die Verteilung aus das gesamte Jahr erreicht werden. Urlaubszug Berlin (Stadtbesuch) vom 25. bis 29. Januar. Wahrend im kommenden Sommer vorwiegend Aufenthalte in den schönsten Gebieten Deutschlands vorgesehen sind, bietet die NSG. „Kraft durch Freude", Gau Hessen-Nassau, während der Wintermonate besondere Gelegenheiten zum Stadtbesuch. Die erste dieser Fahrten führt vom 25. bis 29. Januar nach Berlin. Die Teilnehmer werden in Einzelquartieren untergebracht. Die Verpflegung in Berlin beginnt am 25. Januar mit dem Abendbrot und schließt am 29. Januar früh mit dem Frühstück. Für die Heimfahrt wird den Urlaubern an Stelle des ausfallenden Mittagessens für die Bahnfahrt ein Reisefrühstück mitgegeben. Für Berlin sind vorgesehen und im Preise eingeschlossen: Eine Stadtrundfahrt in Omnibussen, Führung und Museumsbesichtigung, Besuch des Berliner Zoo, eine Fahrt nach Potsdam mit Besichtigung des Schlosses Sanssouci. An einem Abend sind außerdem die sämtlichen Fahrtteilnehmer zum Besuche des Theaters des Volkes der Bühne der NSG. „Kraft durch Freude" zusammengezogen. Die gesamten Kosten betragen 38 Mark. Die Anmeldefrist ist bis zum Dienstag, 15. Januar, Rückkehr am 29. Januar, abends. Das schaffende Gießen. Von 35913 Einwohnern sind 15039 erwerbstätig. Die Berufszählung des Jahres 1933 fiel in eine Zeit der schwersten wirtschaftlichen Krise. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, deren Höhepunkt mit Machtübernahme durch die nationalsozialistische Regierung zusammenfiel, hatte eine Arbeitslosigkeit von rund 18 Prozent aller Erwerbstätigen zur Folge. Nur durch das energische Eingreifen des Führers wurde eine Wirtschaftskatastrophe größten Ausmaßes verhindert. In kürzester Frist konnten Millionen arbeitsloser Volksgenossen wieder in ein Arbeitsverhältnis zurückgeführt werden. Es konnten zwar nicht alle Volksgenossen wieder in ihren eigentlichen Beruf untergebracht werden, aber das große Ziel, die Arbeitslosigkeit zu verringern und neue Arbeitsmöglichkeiten, ganz gleich welcher Art, zu beschaffen, wurde erreicht. Es konnte allerdings nicht ausbleiben, daß sich in den einzelnen Berufsgruppen im Vergleich zu 1925 Verschiebungen ergaben, die durch die langjährige Arbeitslosigkeit bedingt wurden. Zum ersten- male seit einem halben Jahrhundert hat sich die Zahl der industriellen Arbeitskräfte verringert. Die Rückführung tausender Volksgenossen aus der Industrie in die Landwirtschaft machte sich in der letzten Berufszählung allerdings noch nicht bemerkbar, weil das große nationalsozialistische Siedlungswerk Mitte 1933 erst im Entstehen begriffen war. Wenn also hier und da durch die beruflichen Umschichtungen sich Verschiebungen ergaben, so hleibt die soeben veröffentlichte Erhebung über die Berufsgliederung des deutschen Volkes trotzdem sehr interessant und aufschlußreich. Saardeuischer Abend des Sparerbundes. Die Berufsgliederung in der Stadl Gießen An erster Stelle in der Berufsgliederung steht nach wie vor die Gruppe „Industrie und Handwerk" mit 4 0,4 v. H. aller Schaffenden überhaupt, während mit 28,9 v. H. die Landwirtschaft und mit 18,4 v. H. die Gruppe Handel und Verkehr folgen. Die Gruppen „Öffentlicher Dienst und private Dienstleistungen", sowie „Häusliche Dienste" nehmen nur mit 8,4 bzw. 3,9 v. H. der Erwerbstätigen ein. In der Stadt Gießen sind also die meisten Einwohner in der Gruppe „Industrie und Handwerk" beschäftigt. Die Berufsgliederung nach den fünf Berufsgruppen ergab für .Gießen folgendes Bild. Es waren 1933 erwerbstätig in der Gruppe Land- und Forstwirtschaft 413 Industrie und Handwerk 4899 Handel und Verkehr 4506 Oeffentl. Dienst und private Dienstleistungen (Beamte) 3878 Häusliche Dienste 1343 Von den 35913 Einwohnern der Sladl Gießen waren 1933 demnach insgesamt 15 039 erwerbstätig. Unter den Berufstätigen befanden sich 4792 Frauen und Mädchen. Am Stichtag der Berufszählung wurden 2324 Erwerbstätige als „erwerbslos" gezählt: das waren 15,5 Prozent aller Schaffenden in unserer Stadt. Erfreulicherweise hat sich die Zahl der Erwerbslosen seit Mitte 1933 aber ganz erheblich verringert. Von Monat zu Monat konnten immer mehr Arbeitslose wieder in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden. stunden geradezu stehlen mußte, dachte ich öfters: Wenn ich einmal „fertig" bin, dann soll gelesen werden! Dazu ist es freilich nicht gekommen. Denn cs ist merkwürdig, je mehr Zeit man hat, desto weniger kommt man zum Lesen. Es ist wie bei einem kostbaren Geschenk. Je seltener wir es erhalten, desto mehr Freude bereitet es uns. Und wenn wir uns tagsüber redlich gemüht haben, dann erst können wir ein Buch mit dem rechten Genuß lesen. Die ersten Bücher kaufte ich mir von meinem Taschengeld. Es waren meistens billige Heftchen, aber sie waren mir mehr wert, als alle schön gebundenen Werke in der Schülerbücherei; denn sie waren mein Eigentum. Andere sammelten Briefmarken und Münzen oder rauchten Zigaretten. Ich dachte nur immer: Wenn ich einmal viel Geld habe, dann kaufe ich mir viele, viele Bücher. Ein Bekannter sagte mir einmal beim Anblick meiner langen Bücherreihen: „Das ist doch eine tote Kapitalanlage." Wie sehr irrte er sich! Ich lächelte nur, denn ich wußte, daß kein Geld so gut angelegt ist als das, das wir für gute Bücher ausgeben. Wir feiern Feste, wir gehen ins Theater, wir besuchen Konzerte und Unterhaltungsabende, wir find in den Bergen und an der See. Das kann immer nur kurze Zeit fein. Von allem bleibt uns nur die Erinnerung. Die Bücher aber find immer da und laden uns ein. Ein kleines Gedichtbändchen hilft uns über manches Schwere, oder es macht uns auch recht froh. Wie wunderbar zart und bilderreich unsere deutsche Sprache ist, merkt man beim Lesen eines Gedichtes von Goethe, Mörike oder Storm. Das find Stunden, in denen die Gegenwart versinkt. Ich kenne ein deutsches Gedicht, das nur zum ersten Male die Schönheit und den Wohllaut unserer Muttersprache vermittelt hat, daß ich fast körperlich fühlte: Wie schön, wie unendlich schon sind diese Verse! Und noch etwas erschloß nur dieses eine Gedicht: die Liebe zur deutschen Lyrik überhaupt! Ich war damals vielleicht 18 Jahre alt. Ich werde nie den Frühlingstag vergessen, an dem ich dieses Gedicht fand und las und immer wieder las, bis ich es auswendig konnte. Kein Geschenk ist so wertvoll wie ein schönes Buch. Schokolade wird gegessen, Blumen welken, Ringe können zerbrechen, aber ein Buch bleibt und erinnert immer wieder an den Geber. Bücher können beruhigen wie die Trostworte einer besorgten Mutter, aber sie können auch aufwühlen und begeistern. Aber niemals werden sie uns im Stiche lassen. Sie sind die treuesten Freunde des Menschen. Mr- Unser neuer Roman. Nachdem wir den Abdruck des Romans „Das Geheimnis um Eva" von Rainer Feld en in der gestrigen Ausgabe des Gießener Anzeigers zum Abschluß gebracht haben, beginnen wir in der heutigen Nummer unseres Blattes mit einem neuen großen Romanwerk. Wir glauben, das Jahr 1935 in unserem Romanteil nicht besser beginnen zu können, als mit dem erst vor kurzem beendeten jüngsten Werk einer Autorin, die im vergangenen Jahr von Erfolg zu Erfolg eilte und bald zum erklärten Liebling eines großen Lesepublikums wurde. Unser neuer Roman heißt: „Was soll ich Denn mit einem Anio?" Von Käthe Metzner. Die Verfasserin hat mit ihren früher bei uns erschienenen Romanen „Und nun, Ellen?" und „Rosemarie, Rosemarie", deren sich unsere Leserinnen und Leser sicher mit dem größten Vergnügen erinnern werden, schlagend bewiesen, daß sie ihr Publikum zu fesseln und bis zur letzten Zeile in Atem zu halten versteht. Käthe Metzner.weiß genau, worauf es gerade bei einem Zeitungsroman in täglichen Fortsetzungen ankommt, das zeigt ihr neuester Roman „Was soll ich denn mit einem Auto?" besonders eindringlich und überzeugend. Hier wird der schwere Lebensweg eines armen jungen Mädchens durch viele Enttäuschungen und Schicksalsschläge zu einem reinen großen Glück ergreifend und mit außerordentlicher Spannung geschildert. Das ist ein Roman nach dem Herzen unserer Leserinnen, ein Roman, der ein großer Erfolg werden und überall in Stadt und Land begeisterte Aufnahme finden wird. Deutsche Arbeitsfront. Rechtsberatungsstelle. Die Sprechstunden der Rechtsberatungsstelle der DAF. Gießen in allen sozial- und arbeitsrechtlichen Sachen finden in Nidda und in Büdingen ab Montag, 7. Januar, wieder regelmäßig statt. Sprechstunde in N i d d a : 10 bis 12 Uhr Rathaus, Sprechstunde in Büdingen: 15 bis 17 Uhr Braunes Haus. Berufsgruppe der Werkmeister. Am Samstag, 5. Januar, nachmittags 4 Uhr, monatliche Zusammenkunft im Kaufm. Vereinshaus, Gießen, Wernerwall. Es spricht der Bezirksschulungsleiter des Luftfchutzbundes Schuch a rd t über „Ist die Bevölkerung Deutschlands gegen Luftangriffe gesichert?" Reichsbund Volkstum und Heimat. Ortsring Gießen. Der Vortrag von Stadtbaurat Gravert über „Die Entwicklung der hessischen Stadt", zu dem die DAF. unsere Mitglieder eingelaben hat, findet nicht im „Hindenburg", sondern im Kunstwissen- ischaftlichen Institut, Ludwigstraße 34, heute um 20.30 Uhr statt. Eintritt frei! Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Sießen-Sud. Die P f u n ö f a m m l ung in der Ortsgruppe Gießen-Süd wird am Dienstag, 8. Januar, von der NS.-Frauenfchaft durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pakete bereitzustellen und auf den Umhüllungen Gewicht und Inhalt zu verzeichnen, da für jede Spende eine Quittung erteilt wirb. Vornotizen. — Tageskalender für Samtstag, Deutsche Arbeitsfront, Deutsche Angestelltenschaft, Reichsbund Volkstum und Heimat, NS.-Bund Deutscher Techniker und Reichsbund Deutscher Baumeister: 20.30 Uhr, im Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwigstraße 34, Vortrag von Stadtbaurat Gravert über „Die Entwicklung der hessischen Stadt". — Stadttheater, 16 bis 18.45 Uhr: „Peter- chens Mondfahrt". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ich tanze nur für Dich". — Aftoria-Licht- fpiele, Seltersweg: „F. P. 1 antwortet nicht". — Deutsche Stenographenschaft, Ortsgruppe Gießen, 20.30 Uhr, Jahreshauptversammlung im Cafe Ebel. — Artillerie-Verein, 20.30 Uhr, ,Monatsversamm- lung im „Heffifchen Hof". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater, 15 bis 18 Uhr: „Der Freischütz". 19.15 bis Die Ortsgruppe Gießen des Sparerbund e^s vereinigte am gestrigen Freitag zahlreiche Mitglieder, sowie Gäste im Hotel Hindenburg zu einem Saardeutschen Abend. Der Leiter der Sparerbunds-Ortsgruppe, Herr Lorenz, betonte nach seinen Begrüßungsworten, daß die Saarfrage nicht die Sache irgend eines bestimmten Volksteiles, oder irgend einer Berufsgruppe fei, sondern Sache des deutschen Volkes in allen feinen Gliederungen. Der Sparerbund wolle deshalb nicht an dem Schicksal unserer deutschen Brüder und Schwestern an der Saar vorübergehen. Das Saargebiet dürfe uns aber auch als Rohstofflieferant nicht verloren gehen. Der Sparerbund halte es aus diesen Gründen für angebracht, auch seinerseits auf die große Bedeutung der unmittelbar bevorstehenden Saarabstimmung aufmerksam zu machen. Sodann ging der Vereinsleiter zu dem Vortrag des Abends über, der durch Lichtbilder recht anregend gestaltet war. Der Vortragende umriß zunächst die Geschichte des Saargebietes, betonte, daß es immer nur Deutschlands Schwäche und innere Zerrissenheit gewesen sei, die in Frankreich die Wünsche nach dem Saargebiet wachgerufen hätten, er wies darauf hin, daß Frankreichs Politik durch Jahrhunderte Öen Rhein als Grenze erstrebe und infolgedessen auch das Saargebiet einbeziehen wolle. Das Saargebiet sei bisher nur zweimal für verhältnismäßig kurze Zeit und unrechtmäßiger Weife französisch gewesen. Nach kurzer Schilderung der geographischen Lage ging Herr Lorenz dann auf die landschaftlichen Schönheiten des Saargebietes ein, sprach von den reizvollen Flußtälern, dem glücklichen Zusammenklang von Industrie und Landschaft, von den Schönheiten des Warndts, von den bodenständigen Arbeitern der Hütten und den ebenso bodenständigen Bergleuten usw. 60 v. H. des Landes feien landwirtschaftlich genutzt Das deutsche Volkslied fei lebendig erhalten, niemand spreche französisch, da die eigentliche Sprachgrenze 40 Kilometer westlich des 21.30 Uhr: „Das Spiel von den Heiligen Drei Königen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ich tanze nur für Dich". — Aftoria-Lichtfpiele, Seltersweg: „F. P. 1 antwortet nicht". — Gießener Konzert-Verein, 17 Uhr, 2. Solistenkonzert. — VHC.: Wanderung. — Stadttheater Gießen: Heute, 16 Uhr, das Weihnachtsmärchen: „Peterchens Mondfahrt", von Baffewitz. — Sonntag, 6. Januar, 15 Uhr, Sondervorstellung für „Kraft durch Freude" mit der letzten Aufführung der romantischen Oper: „Der Freischütz" von Weber in der Besetzung der Erstaufführung und mit Generalmusikdirektor Stöver, Bad-Nauheim, als Dirigenten; für diese Sonderveranstaltung findet nur ein beschränkter Kartenverkauf statt. 19.15 Uhr letzte Aufführung von Timmermans Weihnachtslegenden- Spiel: „Das Spiel von den heiligen drei Königen", Spielleitung Intendant Hanns König. — Dienstag, 8. Januar, „Christa, ich erwarte dich" von Möller und Lorenz; Spielleitung Kurt Lüpke. — Saargebiets liege. Viele deutsche Sitten und Gebräuche seien an der Saar unverändert deutsch erhalten. Viele Bauwerke zeugten von deutschem Kunstschaffen, und in den Gassen liege eine Stimmung, wie sie nur in deutschen Gassen sein könne. Nach einer kurzen Pause, die durch einige geschäftliche Mitteilungen ausgefüllt wurde, beschäftigte sich der Redner noch mit der Industrie des Saargebiets. Das Saarland mit seinen Gruben und mit den vielen Eisenhütten könne als das drittgrößte deutsche Industriegebiet betrachtet werden. Die endgültige Rückgliederung in das Reich werde dem Saargebiet einen wirtschaftlichen Aufschwung verschaffen, der die Mißwirtschaft der französischen Machthaber im günstigsten Sinne für das Saargebiet ablösen werde. Mit einem eindrucksvollen Hinweis auf die Abstimmung am 13. Januar und auf die glückhafte Bedeutung der Rückkehr des Saargebietes in das Reich beschloß der Vortragende feine beifällig aufgenommenen Ausführungen. Als Führer der Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine sprach dann Herr Thum. Er freue sich, so führte er u. a. aud, daß man sich auch in den Kreisen der Sparer herzlich der Sache der Saardeutschen verbunden fühle. Das Volk an der Saar sei immer deutsch gewesen und werde es immer bleiben. Arn 13. Januar werde die Sonne der Freiheit über dem Saargebiet leuchten. Das Volk an der Saar wolle endlich heim zum Reich. Es werbe ein großes Erlebnis sein, wenn dann der Führer mit seinen Getreuen in Saarbrücken einziehen werde. Gie Jugend und alle deutschen Volksgenossen würden mit ihm durch die Straßen ziehen. Zum Abschluß des Abends betonte Herr Lorenz, daß die hiesigen Saardeutschen von den besten Wünschen für ihre Reife zur Abstimmung in das Saargebiet begleitet würden. Mit Erinnerungen an den verewigten Reichspräsidenten, mit dreifachem „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler, auf Volk und Reich, sowie mit dem gemeinsam gesungenen Saarlied fand der Abend seinen Abschluß. Mittwoch, 9. Januar, 19.30 Uhr, letzte Aufführung der Walzeroperette: „Alt Wien" von Lanner. — Freitag, 11. Januar, bleibt das Theater wegen der Vorbereitungen zu Boettichers „Der König" geschloffen. — Sonntag, 13. Januar, findet aus Anlaß der Saar-Abstimmung, um der Würde des Tages auch im Spielplan des Theaters zu entsprechen, die Erstaufführung des Dramas: „Der König" von Max von Boetticher statt. — Vom Konzertverein wird uns geschrieben: Für den Liederabend des Konzertvereins am kommenden Sonntag, 6. Januar, wurde die Konzertsängerin Adelheid Arnhold aus Berlin gewonnen. Die Künstlerin, die zu den gefeiertsten Liedersängerinnen des In- und Auslandes gehört, wird neben zwei Arien von Sarti und Händel Lieder von Schubert, Schumann, Wolf und Brahms fingen. Eine Kritik über das Brcchmsfest in Wien 1933 schreibt: „Ich suche eine Frauenstimme, die mit der der Arnhold zu vergleichen wäre; vergeblich; die scheinbare Reizlosigkeit dieses hellen und hohen Soprans ist gerabe sein eminentester Reiz." Die Klavierbegleitung von Fräulein Arnhold liegt in den Händen des Pianisten Albert Hofmann aus Wiesbaden, der zwischen den Liedern die Beecho- vensche Klaoievsonate op. 31,3 in Es=£>ur, ein Werk heiterster und ausgelassenster Launen vortragen wird. SA.-Oienst und Kirchenbesuch. ELP. Der Reichsinnenminister hat auf Grund einer kirchlichen Anfrage betr. SA.-Dienst am Sonntag den folgenden Bescheid erteilt: „Der Chef des Stabes der SA. hat mir nunmehr mitgeteilt, daß es zwar unmöglich fei, die Sonntage völlig dienstfrei zu machen, daß aber jetzt feftgelegt wird, daß für die jüngeren SA.-Männer mindestens ein Sonntag, für die älteren SA.-Männer zwei bis drei Sonntage im Monat dienstfrei bleiben. Die Einheiten sind angewiesen worden, den Sonntagsdienst so zu legen, daß Störungen von Gottesdiensten verhindert werden." Verfehlungen bei der Handwerkskammernebenstelle Gießen. Von der Justizpressestelle Gießen wird uns mitgeteilt: Eine vor einiger Zeit bei der Handwerkskammer- Nebenstelle Gießen vorgenommene Revision der Kassen- und Buchführung hatte erhebliche Anstände und den Verdacht größerer Unterschlagungen ergeben. Nach Bekanntwerden wurde von der Staatsanwaltschaft unverzüglich ein Verfahren eingeleitet, über das jedoch aus verschiedenen Gründen mit Rücksicht auf den Untersuchungszweck bis heute in der Presse keine Mitteilung erfolgen konnte. Der Hauptbeschuldigte Otto M a f f e n g e i l in Gießen ist in das Ausland geflüchtet und konnte bisher noch nicht feftgenommen werden. Die Ermittlungen werden fortgesetzt, insbesondere in der Richtung, ob noch weitere Personen an den Verfehlungen beteiligt sind. Daten für Sonntag, 6. Januar. 1412: geb. die Jungfrau von Orleans, Jeanne d'Arc, in Domremy (geft. 1431); — 1776: geb. der preußische Major und Freiheitskämpfer Ferdinand von Schill in Wilmsdorf bei Dresden (gefallen 1809); — 1827: geft. Charlotte von Stein, Goethes Vertraute in Weimar (geb. 1742). Daten für Montag, 7. Januar. 1308: Bund «der drei Schweizer Urtantone: Uri, Schwyz und Unterwalden; — 1529: der Erzbildner Peter Vischer in Nürnberg gestorben (geboren um 1460); — 1831: Reichspostminister Heinr. Stephan, Gründer des Weltpostvereins geboren (gestorben 1897). Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 5. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (frische) 12 bis 13, (ausländische) 10 bis 13, (inländische Kühlhauseier) 10 bis 13, Wirsing (grün), das Pfund 8 bis 10, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 12, Gelbe Rüben 8 bis 9, Rote Rüben 8 bis 9, Spinat 12, Unterkohlrabi 8 bis 9, Grünkohl 10 bis 12, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 70, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 20 bis 40, Schwarzwurzeln 22 bis 25, Kartoffeln, das Pfund 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Aepfel, das Pfund 10 bis 15 Pf., Birnen 10, Nüsse 40 bis 50, Honig 45 bis 50, junge Hähne 90 bis 100, Suppenhühner 75 bis 85, Gänse 75 bis 85, Enten 80 bis 90, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 20 bis 50, Salat 20, Endivien 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30 Pf. ** Neue Ferienordnung der Universitäten. In diesem Jahr wird an Deutschlands Hochschulen erstmalig eine neue Ferienordnung eingeführt. Das am 14. Januar wieder beginnende Wintersemester wird am 15. Februar bereits schließen. Das Sommersemester nimmt am 1. April bereits seinen Anfang und dauert bis zum 29. Juni, schließt also einen Monat früher als in den vergangenen Jahren. Oster- und Pfingstferien fallen in diesem Jahre aus. ** Die Lieferung von Blumen für die städtischen Anlagen betrifft eine Bekanntmachung des Hoch- und Tiefbauamtes in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. ** Fällige Strom- und Gasgelder bezahlen! Die Direktion der städtischen Werke erinnert in einer Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil an die umgehende Bezahlung der Strom- und Gasgelder für den Monat November 1934. Wer jetzt immer noch nicht bezahlt, hat mit unangenehmen Folgen zu rechnen. Auf die Bekanntmachung fei besonders hingewiesen. ** Viehmarkt in Gießen. Am kommenden Dienstag findet in Gießen Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt. Der nächste Schweinemarkt wird am Mittwoch, 23. Januar, abgehalten. ** D i e Anmeldung zu den Gesellenprüfungen betrifft «eine Anzeige der Handwerkerinnung der Maler usw. in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die besonders hingewiesen sei. ** 2)1 e Führung der Ortsgruppe Gießen im Reichsoerband für deutsche Jugendherbergen ist an Studienrat Dr. Duseberg, Kaiserallee 83, den seitherigen Geschäftsführer der Ortsgruppe, übergegangen. Der bisherige Ortsgruppenführer Dr. Flörke ist zum Gauobmann für Oberheffen und den Kreis Wetzlar bestellt worden. Die Geschäftsführung der Ortsgruppe übernimmt Studienreferendar Bausch, Liebigstraße 78. Ausweise werden nach wie vor ausgestellt auf dem städtischen Jugendamt, Garten- straße 2, auf dem Amt für Leibesübungen der Universität für Studenten und in den Schulen für Schüler. ** Sterbefälle in Gießen. Es verstürben in Gießen in der Zeit vom 16. Dezember bis 31. Dezember 1934: 16.: Marie Kirschbaum, geb. Feyh, Witwe, 55 Jahre all, Wolkengasse 23. 17.: Johann Georg Müller, Fuhrmann, 67 Jahre alt, Steinstraße 38; Valentin Gonter, Regiments-Schneider i. R., 77 Jahre alt, Kaiserallee 54. 19.: Susanne Paul, geb. Petry, Witwe, 78 Jahre alt, Bahnhofstraße -64. 20.: Berta Johanna Vogt, geb. Jost, Witwe, 84 Jahre alt, Wilhelmstraße 53; Elisabeth Karnbach, geb. Börmer, 80 Jahre alt, Am Kugelberg 23; Karl Johannes Henrich, ohne Beruf, 17 Jahre alt, Mittelweg 14. 21.: Georg Müssing, Metzger, 72 Jahre alt, Schiffenberger Weg 41. 24.: Richard Tarnogrocki, Rechnungsrat i. R., 79 Jahre alt, Am Nahrungsberg 12; Katharine Simon, geb. Zecher, 72 Jahre alt, Walltorftraße 39. 25.: Jakob Konrad, Mechanikermeifter, 68 Jahre alt, Hamm- straße 16; Adolf Strack, Landgerichtsrat i. R., 63 Jahre alt, Ludwigsplatz 11; Minna Schlierbach, geb. Jung, 65 Jahre alt, Licher Straße 74. 27.: Philipp Wild, ohne Beruf, 72 Jahre alt, Bahnhof- straße 33. 29.: Anna Böhm, aeb. Reineck, Witwe, 62 Jahre alt, Wetzsteinstraße 12; Heinz Schneider, 3 Jahre alt, Bleichstraße 5; Karl Germann, Bäckermeister, 83 Jahre alt, Wolkengasse le; Kätchen Menz, Näherin, 35 Jahre alt, Ludwigstraße 57; Frieda Eugenie Rinderknecht, ohne Beruf, 27 Jahre alt, Neustadt 57. 30.: Luise Wirth, geb. Gebhard, Witwe, 65 Jahre alt, Ludwigstraße 57. ** Kurzschrift und Schreibmaschine. Man schreibt uns: In dem gewaltigen Ringen um Deutschlands Wiedererstarkung darf kein Mittel ungenützt bleiben, die Leistungsfähigkeit unseres Volkes zu erhöhen. Ein derartiges Mittel ist auch die Kurzschrift, die es ermöglicht, mit der Arbeitskraft haushälterisch umzugehen. Der neue Staat hat sich ihrer darum angenommen und fördert sie auf jede nur mögliche Weise. Die Kurzschrift soll ein unentbehrliches Hilfsmittel für alle schreibenden Menschen werden. Nicht weniger wichtig, ja vielleicht noch wichtiger, ist in den Büros die Schreibmaschine. Die sachgemäße, die Arbeitskraft am meisten schonende und flotteste Schreibweise ist das Zehnfinger-Blindschreiben. Leider ist noch vielfach das sog. „Tippen" gang und gäbe. Jeder Tipper muß sich umstellen und übergehen zum kultivierten Schreiben des modernen Stenotypisten. Beides, Kurzschrift und sachgemäßes Maschinenschreiben, muß Gemeingut aller Gebildeten werden. Wer sie nicht erlernt, schadet sich selbst und unserem Volke. Man beachte die heutigen Anzeigen. ** Oeffentliche Vücherhalle. Im Dezember wurden 1748 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Literaturgeschichte 9, Zeitschriften 21, Gedichte und Dramen 5, Erzählende Literatur 1097, Jugendschriften 257, Länder- und Völkerkunde 117, Kulturgeschichte 5, Geschichte und Biographien 131, Kunstgeschichte 4, Naturwissenschaft und Technologie 44, Heer- und Seewesen 7, Haus- und Landwirtschaft 3, Gesundheitslehre 3, Religion und Philosophie 11, Staatswissenschaft 26, Sprachwissenschaft 1, Sport 3, Fremdsprachliches 4 Bände. Nach auswärts kamen 6 Bände. Amtsgericht Gießen. Wegen übler Nachrede wurde ein Mann von Heuchelheim zu einer Gefängnisstrafe von 2 Wochen verurteilt. Der Angeklagte beleidigte in einer Wirtschaft in Heuchelheim in Anwesenheit anderer Personen den dortigen Ortsgruppenleiter und dessen Stellvertreter. Der Angeklagte leugnete zunächst, die beleidigenden Aeuße- ruygen getan zu haben, er wurde jedoch durch die beeidigten Zeugenaussagen überführt. Den Beleidigten wurde Publikationsbefugnis zugesprochen. Ein Bäckermeister aus Gießen wurde durch Strafbefehl mit einer Geldstrafe von 5 Mark belegt, weil er nach 19 Uhr Backwaren verkaufte. Dagegen verfolgte er Einspruch. Das Gericht hielt ihn jedoch für schuldig und erkannte aus die im Strafbefehl festgefetzte Strafe. Der Arbeitseinsatz der Angestellten im Dezember Die Stellenvermittlung für Angestellte der Deutschen Arbeitsfront, Berufsgruppenamt, berichtet von einer günstigen Entwicklung des Arbeitseinsatzes für Angestellte im Dezember. Durch die infolge des Weihnachtsfestes verkürzte Berichtszeit ist ein leichter Rückgang der Besetzungsaufträge und Vermittlungen gegenüber dem Vormonat bedingt. Ebenso ist die Zahl der Bewerber zurückgegangen. Dabei stecken im Zugang zahlreiche Bewerber in ungekündigter Stellung. Die gesamte Besserung wird am sichtbarsten dadurch gekennzeichnet, daß die Bewerbung um eine neue Stelle nicht mehr allein den Ersatz eines verlorenen Arbeitsplatzes bezweckt, sondern daß Stellenwechsel wieder Weg zur Erweiterung beruflichen Wissens und damit zum Aufstieg wird. Das Weihnachtsgeschäft wirkte im Dezember in erster Linie belebend auf den Einzelhandel. Neue Einstellungen sind vor allem im Lebensmittelhandel erfolgt, während die Angestellten in Geschäftszweigen für Waren, die länger lagern können, schon früher eingesetzt wurden. Die Lehrstellenvermittlung ist bereits in voller Tätigkeit. Erfreulicherweise liegt heute schon eine große Anzahl Aufträge zur Besetzung von Lehrstellen für den 1. April 1935 vor. Daß auch unabhängig vom Weihnachtsgeschäft die günstige Entwicklung andauert, beweisen die Anforderungen für Kaufmannsgehilfen aller Art. Eine gute Beschäftigung weisen Metall- und Elektroindustrie, sowie infolge des offenen Wetters das Baugewerbe auf. In der Nahrungsmittel- und Genußmittelindustrie herrschte im Berichtsmonat sehr starke Nachfrage zum größten Teil nach guten Verkäufern und Dekorateuren. Die Maschinenindustrie und die chemische Industrie, teilweise Spedition, Banken, Versicherungen, haben gut zu tun. Für die Jahresabschluß-Arbeiten konnte eine große Anzahl Kaufmannsgehilfen in Aushilfestellungen vermittelt werden. Verlangt werden insbesondere gute Kurzschriftler und Maschinenschreiber, gute Verkäufer und Dekorateure mit guten Kenntnissen in Lack- und Plakatschrift, Buchhalter, Korrespondenten und Kontoristen mit vielseitigen Kenntnissen. In der Techniker - Vermittlung bestanden gute Einsatzmöglichkeiten für praktisch ausgebildete Kräfte für den feinmechanischen Apparatbau, Vorrichtungs- und Werkzeugbau, sowie Tiefbau- und Hochbautechniker, Mangel besteht an Kalkulatoren, die das „Refa-System" beherrschen und über mehrjährige praktische und theoretische Ausbildung verfügen. Fühlbarer Mangel ist unvermindert an Kataster- und Vermessungs-Technikern festzustellen. Gesucht wurden auch Diplom-Ingenieure in der Maschinenindustrie und Regierungsbaumeister im Hoch- und Tiefbau. Verlangt wurden auch Konstrukteure für Verbrennungskraftmaschinen und Spezial-Konstrukteure in der Aufbereitungsindustrie. In der Werkmeister - Vermittlung bestand gesteigerte Nachfrage in der Textilindustrie, z. B. für Flachsspinnereien, in der Bauindustrie, z. B. nach Beton-, Maurerpolieren und Schachtmeistern, sowie in der Maschinen-Jndustrie bzw. Werkzeugbranche, in der Dreher und Fräsermeister für den Vorrichtungsbau angefordert wurden. An Ramm- und Baggerführern bestand teilweise Mangel. Die Stellenvermittlung für Büro- und B e - hördenangestellte hatte Aufträge von Reichsverwaltungen, öffentlich-rechtlichen Körperschaften, Provinzialbehokden, der Reichsbahn, sowie landwirtschaftlichen Buchstellen und Parteidienststellen, vorliegen. Gesucht wurden Maschinenschreiber, Buchhalter, Sparkassenangestellte, sowie Kassen- und Verwaltungsgehilfen. Bei den weiblichen Angestellten besteht weiterhin fühlbarer Mangel an tüchtigen Stenotypistinnen. Aber auch erste Verkäuferinnen, sowie Einkäuferinnen fehlen. Berlin meldet erfreulicherweise Unterbringung älterer Kräfte, auch solcher über 40 und 45 Jahre in feste Stellungen, sowie langfristige Aushilfsstellen. Große Schwierigkeiten macht die Unterbringung älterer Angestellter in der Hauswirtschaft, wahrend jüngere, besonders auf dem Lande, gesucht sind. In der Wohlfahrtspflege ist der Ausgleich zwischen ehrenamtlicher, sowie berufsamtlicher und bezahlter Arbeit noch nicht gefunden. Das Verständnis für soziale Arbeit als Berufsarbeit wächst nur langsam. Vereinzelt wurden junge Kräfte für die Betreuung der Landhelferinnen angefordert. Rundfunkprogramm. Sonntag, 6. Januar: Tag der Saar. — Reichssendungen. 6.35' Uhr: Aus Hamburg: Morgenruf von der Saar, ein Saarlied, Choral, Saar-Glocken. — Anschließend: Hafenkonzert. Dazwischen: Hörbericht vom Eintreffen der Ueberseedeutschen zur Saarabstimmung. 8.15: Nachrichten. 8.25: Ländliche Musik. 9: Aus 'der St. Martinskirche in Trier: Katholische Morgenfeier. 9.45: Feierstunde der Schaffenden. 10.15: Evangelische Morgenfeier. 11: Saarländische Volksmusik. 11.30: Bach-Kantate. 12: Mit- tagskonzert des SS.-Musikzuges Ellwangen. 13: Kleines Kapitel der Zeit.. 13.15: Orchesterkonzert Das große Orchester des Reichssenders Berlin und der Berliner Funk-Chor. 14.30: „Puppenspiele von der Saar". 15: Musik der deutschen Landschaften. Ringsendung. 17: Sozialismus der Tat. Hörspiel. 17.30: Märsche ehemaliger Regimenter des Saargebietes. 18.30: Konzert des Sinfonie-Orchesters für Pfalz und Saar. 19.15: Die Saar-Kantate. Musik von Hermann Erdlen. 20: Uebertragung einer Kundgebung aus dem Berliner Sportpalast. TUonfag, 7. Januar. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik IT. 6.45: Frühmeldungen. 6.55: Morgen- spruch. — Choral. 7: Frühkonzert. 8.15 bis 8.30: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst. Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert II. Tempo — Tempo! 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15.15: Kinderfunk. Jetzt basteln wir! (Faltlampenschirm). 15.30: „Dreikönigstag". 15.45: Bücherfunk. 16: Nachmittaaskonzert 18: Jugendfunk. 18.15: Neue deutsche Dichtung. Rainer Schlösser. 18.25: „Neuer Geist in Frankreich?" Dichter als Wegbereiter für eine Verständigung 18.50: Lieblinge' von der Leinwand. 19.45: Das Leben spricht! 20: Nachrichten. 20.10: Volk und Wirtschaft an der Saar. Berichte und Gespräche. 20.30: Heitere Musik am Abend. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. Briefkasten der Mdaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 5). 13., Verjährung der Zinsen. Da Zinsforderungen, auch Hypothekzinsforderungen, in vier Jahren verjähren, besteht für Sie keine Verpflichtung zur Zahlung. Obecheffen. Ein Kindesmörder in Butzbach hingerichtet. D a r m ft a d t, 4. Jan. (LPD.) Wie die Justizpressestelle mitteilt, wurde am Freitag in der Zellenstrafanstalt Butzbach der Kindesmörder Karl D e h m e r aus Pfungstadt, zuletzt wohnhaft in Darmstadt, hingerichtet, nachdem der Herr Reichsstatthalter in Hessen von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht hat. D e h m e r war durch Urteil des Schwurgerichts der Provinz Starkenburg vom 30. Juni 1934 wegen begangener Sittlichkeitsverbrechen und wegen Mordes zum Tode verurteilt worden. Er hatte seine beiden Stieftöchter in fast noch kindlichem Alter geschwängert und das von der einen Tochter neugeborene Kind in einem Bett erstickt. An der Tötung des Kinders waren die Stieftochter und die Ehefrau Dehmers mitbeteiligt. Die Ehefrau wurde zu Zuchthaus, die Stieftochter zu Gefängnis verurteilt. Landkreis Gießen. wg. Großen-Bufeck, 4. Jan. Gestern wurde im Gemeindewald, im Distrikt Dörselsberg, die schwer st e Buche unseres Waldes gefällt. Der Stamm hat an der Erde einen Durchmesser von 1,10 Meter und einen Umfang von 3,45 Meter. Die Buche lieferte 3,85 Festmeter Stammholz, 13 Raummeter Reisig und etwa 10 Raummeter Brennholz. * Steinh eim, 4. Jan. Der Schäfer Otto Hofmann I. von hier konnte ein nicht alltägliches Jubiläum begehen. Er steht als Schäfer seit nunmehr 40 Jahren im Dien sie der Gemeinde. Unter seiner verantwortungsbewußten Arbeit hat die Schafzucht in unserer Gemeinde stets gute Förderung erfahren. Der Jubliar, der einer alten Schäferfamilie entstammt, erfreut sich allgemeiner Wertschätzung. Kreis Friedberg. * Münzenberg, 4. Jan. Seit langer Zeit ist es in unserer Gemeinde Sitte, daß der Schafhirt zu Weihnachten die Herde heimtreibt. Der Schafhirt Otto Kullmer hielt es in diesem Jahre aber anders. Er wollte den Bauern das Futter strecken helfen und behielt deshalb die Herde draußen. Die Bauern und Bäuerinnen waren ihm dafür sehr dankbar und brachten ihm als Anerkennung für fein Opfer einen g e - schmückten Weihnachtsbaum an den Schäferwagen auf das.Feld. Gemeinsam wurde ein Weihnachtslied gesungen, ein Bauer hielt eine Ansprache; der Schafhirt dankte in herzlichen Worten. Mit einem weiteren Weihachtslied klang die seltene und erhebende Feier aus. Kreis Büdingen. * Bingenheim, 4. Jan. Der beim Holzfällen beschäftigte Maurer Albert Helfrich von hier erlitt einen schweren Unfall. Der bedauernswerte Mann konnte sich beim Umlegen eines Baumes nicht schnell genug entfernen, so daß er getroffen wurde und mit Brustquetschun- gen sowie mit schweren Verletzungen am linken Arm in das Friedberger Krankenhaus gebracht werden mußte. Kreis Schollen. -r- Ober-Schmitten, 4. Jan. Unter zahlreicher Beteiligung einheimischer und auswärtiger Trauergäste wurde heute die sterbliche Hülle des langjährigen Gemeinderechners und Schmiedemeisters Wilhelm Völker zu Grabe getragen. 25 Jahre verwaltete der Entschlafene mit vorbildlicher Pflichttreue und peinlichster Sorgfalt sein Amt in der Gemeinde, bis ihm nach mehrtägigem Kranksein der Tod die Feder aus der Hand nahm. Er erreichte ein Alter von 66 Jahren. An seinem Grabe legten Bürgermeister Mantel für die Gemeinde und Schmiedemeister Hofmann für die Schmiedeinnung des Kreises Kränze nieder. Ein ehrendes Gedenken wird die Gemeinde dem Heimgegangenen allzeit bewahren. Kreis Alsfeld. I Alsfeld, 4. Jan. Vom Heimatmuseum des hiesigen Gefchichts- und Altertumsvereins wurde kürzlich eine Sammlung alter Bücher und Schriften ins Leben gerufen, die in den früheren Räumen des Alsfelder Stadtarchivs untergebracht wird. Die Sammlung weist schon einen stattlichen Bestand von zum Teil recht wertvollen und interessanten Stücken auf. Durch Schenkungen und Stiftungen soll die begrüßenswerte Sammlung weiter ausgebaut werden. CO Alsfeld, 4. Januar. Am Neujahrstage gastierte — wie schon seit vielen Jahren — wieder die Gießener Militärkapelle unter Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e im großen Saale des „Deutschen Hauses" Die Vortragsfolge, die sehr abwechslungsreich gestaltet war, brachte im ersten Teil Streichmusik, während der zweite Teil der Blasmusik gewidmet war. Der ausgezeichnete Ruf, den die Kapelle auch hier genießt, hatte eine außerordentlich starke Zuhörermenge vereinigt, die begeistert den frischen Klängen der Reichswehrkapelle lauschte und mit herzlichem Beifall dankte, der zahlreiche Zugaben nötig machte. Besonderen Widerhall fanden die beliebten Fanfarenmärsche und eine Reihe von Solovorträgen, die hohes künstlerisches Können verrieten. * Angenrod, 4. Jan. In den Dömbergschen Waldungen erlitt der Holzhauer Heinrich Löb einen Unfall. Beim Fällen einer Eiche zog er sich einen Beinbruch zu, so daß er sofort in ärztliche Behandlung gebracht werden mußte. st. Kirtorf, 4. Jan. Um die Mitternachtsstunde derSilvester n a ch t fand hier auf dem Marktplatz in althergebrachter Weise eine Feier statt. Nach dem Glockengeläute hielt Bürgermeister L a - ther eine Ansprache, die der Bedeutung der Stunde Ausdruck g-ab. Ein Choral leitete über zu der Ansprache des Ortsgeistlichen Pfarrer M o n n a r d. Sodann wurde gemeinsam, unter Begleitung des hiesigen Bläserchores, das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott" gesungen. Zum Schluß brachte Bürgermeister Lather ein dreifaches „Sieg-Heil" auf den Führer aus. Gemeinsam wurden das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied gesungen. — Die NS. -Gemeinschaft „Kraft durch Freude" hielt im Saale von Schaaf einen Bunten Abend ab. Humoristische Gesangs- und Gedichtvorträge sowie artistische Darbietungen füllten den Abend aus. Preußen. Kreis Wetzlar. )( Fellingshausen, 4. Jan. Der hiesige Stützpunkt der NSDAP, veranstaltete in dem bis auf den letzten Platz besetzten Saale des Gastwirts Hch. Haus einen Deutschen Abend. Stützpunktleiter Pg. Krauskopf eröffnete die Veranstaltung mit einer Ansprache, in der er besonders auf die Bedeutung des Abends hinwies und dankte für den zahlreichen Besuch, mit dem gleichzeitig das größte soziale Hilfswerk aller Zeiten, das WHW., unterstützt werde. Den Mittelpunkt des Abends bildete die Vorführung von zwei Theaterstücken. Als erstes wurde ein Südseekolonialstück, „Der Mann ohne Heimat", gegeben, das in spannender Spiel- Handlung das Schicksal der ehemaligen deutschen Kolonien in der Südfee vor Augen führte. Das Stück arbeitet bewußt darauf hin, daß Deutschland wieder in den Besitz seiner Mandatsgebiete gelangt, wenn der Verwirklichung dieser Gleichberechtigung auch noch vieles im Wege steht. Unser Führer Adolf Hitler geht seinen iWeg zielklar und ohne Haft, und er wird das deutsche Recht auf Kolonien dann amtlich geltend machen, wenn er es verwirklichen kann. Dieses Stück sowie ein darauffolgender Einakter wurden mit größtem Beifall ausgenommen. Zur Verschönerung des Abends trugen Gustav Wagner und der hiesige Gesangverein durch Gesangesdarbietungen bei. Außerdem gab die Feuerwehr durch die Darstellung eines lebenden Bildes einen Ausschnitt aus ihrer segensreichen Tätigkeit. Den Abschluß der Veranstaltung bildete eine Verlosung. Dem Winterhilfswerk konnte ein recht ansehnlicher Betrag zugeführt werden. Da allgemein der Wunsch zu einer nochmaligen Aufführung geäußert wurde, wird voraussichtlich an einem der kommenden Sonntage eine Wiederholung stattfinden. Zuchthaus für einen rückfälligen Abonnementsbetrüger. ][ Marburg, 4. Jan. Der 29jährige Georg B ö ß e r aus Zimmersrode bei Treysa stand vor dem Schöffengericht unter der Anklage, in der Marburger Gegend einen Frankfurter Zeitungsverlag dadurch geschädigt zu haben, daß er, ohne im Besitz der notwendigen Vollmacht zu sein, die fälligen Abonnementsgelder kassierte und für sich verbrauchte. Er wollte aus Notlage gehandelt haben. Angesichts der Feststellung, daß Bößer wegen ähnlicher Betrügereien bereits achtmal vorbestraft ist, erkannte das Gericht wegen fortgesetzten Betruges im Rückfall auf 1 Jahr 6 M o - nate Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust und 300 Mark Geldstrafe, ersatzweise weitere 30 Tage Zuchthaus. Scharfer Schuß in der Neujahrsnacht. LPD. Dillenburg, 4. Jan. In der Neujahrsnacht wurde auf das Wohnhaus von Dr. C. Dönges aus einem Karabiner ein scharfer Schuß abgegeben, der das Fenster der im ersten Stock gelegenen Wohnung des Kreisarztes Dr. Ganz durchschlug und in die Rückwand des Zimmers drang. Glücklicherweise befand sich in diesem Augenblick niemand im Zimmer. Dem leichtsinnigen Schützen — ein anderer Beweggrund als Leichtsinn kommt wohl nicht in Frage — ist man auf der Bekanntmachung. Die bereits fälligen Strom- und Gasgelder im Stadt- und Ueberlanbgebiet für den ^onat Lovern, ber 1934 können noch bis zum tS-^nuar1935. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis z diesem Termin erfolgt Beitreibung und Sperre auf Kosten des Abnehmers. Gießen, den 2. Januar 1935. Direktion der Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke. Bekanntmachung Dienstag, den 8. Januar 1935, findet in Gießen Rindvieh- (Ruhvieh-) INarkt statt. Auftriebszeit von 8 bis 9 Uhr vormittags. Sämtliches Vieh wird gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. 60C Nächster Schweinemarkt: Ulittrood), den 23. Januar 1935. Gießen, den 5. Januar 1935. sRiirnprmpifte£ci Gießen. Ritter, Oberbürgermeister. Bekanntmachung. Die Lieferung von Blumen für die Bepflanzung der Beete in den öffentlichen Anlagen soll vergeben Angebote auf Vordruck, die bei uns erhältlich, sind Donnerstag, dem 10. Januar 1935, norm. 10 Uhr, hier einzureichen. Gießen, den 5. Januar 1935. Städtisches Hoch- und Tiefbauamt. G r a d e r t. _____________ für daö \y/HMauf jeder Bahufahrtl L Geschäfts-Drucksachen bei Brühl. Schulstraße 7 Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarteo besseres ifcficn läßt sich sehr wohl mit gutem Aussehen vereinen! Fachoptiker beraten und bedienen Sie und passen Ihnen neuzeitliche Präzisions-Brillen sachgemäß an bei: Seiler Der Optik er am Bahnhof Lieferant aller Krankenkassen 7049 D Staff Karten! Hilde Speier Albert Meyer Verlobte Gießen, Neustadt 7 Frankfurt a. M. / Köln 6. Januar 1935 04? FONiit „Höhensonne" ffri&nafj&uuiu SONNE... die beste Arznei! Das natürlichste, aber zugleich wirksamste Vorbeugungsmittel gegen Rachitis, Skrofulose und Keuchhusten sind regelmäßige Bestrahlungen mit der „Hanauer Höhensonne“ die nur Jeweils 3—5 Minuten dauern. Die ultravioletten Hellstrahlen der „Höhensonne“ fördern das Wachstum und die Bildung gesunder Zähne, sind nicht nur für das Kind, sondern für die ganze Familie von unschätzbarem Nutzen. NeuI Bei Schnupfen, Lichtverbrennungen und Brandwunden hilft die „Uviol • Heilsalbe“ sofort. Bitte verlangen Sie die neue Illustrierte Broschüre 843 mit Preisen KARL EGNER, Gießen, Bahnhof Kolonnade. Med. Fachgeschäft, Tel. 4191. — Unverb.Vorführung all. Originalfabrikate der Quarzlampengesellschaft m.b.H., Hanau. " Spur. Man hat bereits die Waffe, aus der vermutlich der Schuß abgegeben worden ist, gefunden. Oas Derkehrsunglück in Frankfurt. LPD. Frankfurt a. M., 4. Jan. Die Untersuchung über die Ursache des schweren Verkehrsunglücks in der Schloßstraße in Bocken- heim, bei dem ein Fernlastzug aus Osnabrück gegen eine Straßenbahn raste und den Motorwagen zertrümmerte, wobei eine Frau getötet und eine weitere schwer verletzt wurde, hat ergeben, daß der Kraftwaaenführer Ochsenreiter das Unglück verschuldet hat Er wurde in Haft genommen. Die schwerverletzte Frau dürfte mit dem Leben davonkommen.' Wegen Mindergewicht von Brot verurteilt. LPD. Frankfurt a. M., 4. Jan. Ein Bäckermeister hatte sich im Schnellverfahren vor dem Einzelrichter wegen Vergehens gegen das Lebens- __ SpendenfürdasMnterhilfswerk Sämtliche Zahlungen für den kreis Gießen, die das Dinterhilfswerk 1 9 3 4/35 betreffen (Spenden, Straßensammlungen, Haussammlungen, Eintopfgerichte ufro.), sind nur auf Konto der V e z i r k s s p a r k a s s e Gießen. 31 r. 4600 oder auf Postscheckkonto Frankfurt a. 2IL Jtr. 5979 einzuzahlen bzw. zu überweisen. Mittelgesetz zu verantworten. Bei einer Kontrolle wurden bei ihm mehrere Brote gefunden mit Mindergewichten von durchschnittlich hundert Gramm. Der Angeklagte wurde antragsgemäß zu 2 0 0 Mark G e l d st r a f e verurteilt. Wegen Untreue und Unterschlagung ins Gefängnis. LPD. D a r m st a d t, 4. Jan. Der 29jährige Karl Adam Roßmann aus Obertshausen, der seit .1928 Rechner der Spar- und Darlehenskasse in Obertshausen war, hatte sich heute vor der Großen Strafkammer wegen U n - treue und Unterschlagung zu verantworten. Der Angeklagte schaltete mit fremden Geldern, wie es ihm beliebte. Seine Mutter hatte, als er eintrat, eine Kaution stellen müssen. Als die Kasse in Schwierigkeiten geriet und er seine Kaution gefährdet sah, buchte er den Betrag von einem fremden Konto auf das Konto seiner Braut. Mit fremden Geldern bezahlte er auch seine eigenen Schulden. Die Strafkammer verurteilte ihn zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis, wobei die Untersuchungshaft nicht angerechnet wurde, da der Angeklagte bis zuletzt leugnete. Scheuendes Pferd rennt ln eine Kindergruppe. Zweijähriges TNädchen getötet. LPD. Bingen, 4. Jan. Am Donnerstagnachmittag ereignete sich hier in der Badergasse ein schweres Unglück. Ein vor einen Karren gespanntes Pferd wurde plötzlich scheu und rannte in eine Schar von spielenden Kindern hinein. Das zweijährige Töchterchen des Schiffers Fleck erhielt von dem Pferd einen Huftritt gegen den Kopf. Das Kind erlag nach wenigen Minuten den dabei erlittenen Verletzungen. Ein zweites Kind kam mit Hautabschürfungen davon, während die übrigen Kinder sich rechtzeitig retten konnten. Aus aller Wett. Die Goelhe-INedaille für den Durgenforscher Professor Bodo Ebhardt. Der Führer und Reichskanzler hat dem Geheimen Hofbaurat Professor Bodo Ebhardt auf der Marksburg bei Braubach am Rhein zu seinem 70. Geburtstag in Anerkennung seiner Verdienste um die Erforschung, Erhaltung und Wiederher- stellung deutscher Burgen, die von dem Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg gestiftete Goethe-Medaille für Wissenschaft und Kunst verliehen. Wertvolle Handschriften aus der fridericianischen Zeit für Deutschland gerettet. Ein schlesischer Sammler wollte kürzlich seine wertvolle Sammlung von Handschriften aus der fridericianischen Zeit veräußern. Es handelt sich vor allem um Briefe Friedrichs des Großen, Maria Theresias, des Marschalls Daun, des Generals Ziethen und anderer Heerfübrer ans dem Siebenjährigen Kriege. Als der amerikanische Autokönig Ford davon hörte, versuchte er, hie Sammlung durch Mittelmännner aufzukaufen. Der Leuthener Schlachtfeld-Verein kam ihm jedoch zuvor und erwarb die geschichtlich wertvollen Dokumente für 10 000 RM. Die Hälfte dieser Summe war dem Verein durch den Landrat des Kreises Neumarkt vorgestreckt worden, damit die Sammlung Deutschland erhalten bleibt. Das Schachturnier in Hastings. Die siebente Runde im Schachturnier von Hastings hatte folgendes Ergebnis: 1. Mil- ner - Barry gegen Thomas: Thomas gewinnt. 2. Lilienthal gegen Euwe: Unentschieden. 3. Michel! gegen Botwinnik: Unentschieden. 4. Norman gegen Capablanca: Capablanca gewinnt. 5. Frl. Menschik gegen Flohr: Flohr gewinnt. — Der bisherige Stand des Turniers ist: Thomas 5,5, Euwe und Flohr je 5, Capablanca und Lilienthal je 4,5 Punkte. Gefährlicher Dasserrohrbruch in Tleuyork. Im Neuyorker Stadtteil Hartem zwischen der 125. und der 135. Straße brachen zwei 120 Zentimeter-Hauptwasserrohre. Riesige Wasserfluten ergossen sich zehn Häuserblocks weit auf die Straßen. Zahllose Keller wurden überflutet. Auch die Heizanlagen und die Lichtkabel wurden unter Wasser gesetzt. Das Knickerbocker-Krankenhaus war schließlich völlig in Dunkelheit gehüllt. Polizei und Feuerwehr hatten alle Hände voll zu tun, um die vielen Kellerbewohner in Sicherheit zu bringen und Heizkesselexplosionen zu verhindern. Die Bemühungen wurden durch die st a r k e Kälte und die Eisbildung sehr erschwert. Aushebung einer Falschmünzerwerkstatt. Der württembergischen Landeskriminalpolizei ist es gelungen, in Baltmannsweiler (Oberamt Schorndorf) eine Falschmünzerwerk st ätte auszuheben und den Hersteller des Falschgeldes, den aus der Schweiz gebürtigen 31 Jahre alten verheirateten H. Sauter, sowie seinen Gehilfen, den 23jährigen Gustav Kotzel, festzunehmen. Die Falschmünzer hattem aus Zink und Blei auf ganz primitive Weise falsche 50-Pfennig-, 1- und 2-Mk.- Stücke hergestellt und sie vor allem in der Vorweihnachtszeit mit ihrem lebhaften Geschäftsgang in den Verkehr gebracht. Ein neues Farbenfilm-Verfahren.. Vor etwa sechzig Jahren gab ein Rennstallbesitzer in Kalifornien, der gewettet hatte, daß ein Pferd in vollem Galopp alle vier Füße auf einmal vom Boden aufhebe, den äußerlichen Anstoß für die Filmphotographie. Damals wurde nämlich ein Photograph veranlaßt, durch Momentaufnahmen die Unterlagen für eine einwandfreie Entscheidung herbeizuführen. Eine englische Kistenfabrik hat aus ähnlichem zufälligen Anlaß eine neue Farbenfilm- Erfindung gefördert, von der man annimmt, daß sie eine Revolutionierung des Films Hervorrufen wird. Die Fabrikanten betrieben feit mehr als 20 Jahren den Export von Früchten in Kisten, auf denen ein aufgeklebtes buntes Bild den Inhalt anzeigte. Aber diese Papierbilder waren sehr unpraktisch, da sie leicht abgerissen oder vom Regen abgewaschen wurden, und so begrüßte man ein Angebot, das die bunten Bilder der Aepfel oder Apfelsinen direkt auf das Holz drucken wollte. Der Erfinder dieser Art des Farbendrucks, H i l l m a n, erzielte so vorzügliche Ergebnisse mit der Wiedergabe auf den Holzkisten, daß man ihm die Mittel zur Verfügung stellte, sich mit der Farbensilm- Photographie zu beschäftigen. Dieses Problem ist eines der schwierigsten und umstrittensten in der modernen Filmtechnik. Zahlreiche Verfahren sind bereits ausgearbeitet worden, ohne daß sich eins von ihnen einbürgerte, denn entweder waren sie zu teuer oder zu umständlich, oder sie begnügten nicht den Wünschen des Publikums. Das neue Hillman - Colourgravure - Verfahren soll nun nach dem Bericht eines Londoner Sonntagsblattes allen Anforderungen entsprechen. Die Aufnahmen können mit einem leicht am Apparat anzubringenden Linsensystem in jedem gewöhnlichen Atelier ohne besondere Vorkehrungen gemacht werden. Der Erfinder behauptet, sein Verfahren sei das praktischste und billigste, das bisher auf den Markt gebracht worden sei. Es kostet nur wenig mehr als die gewöhnliche Schwarz-Weiß-Photographie; es bedarf keiner besonderen Beleuchtung und keiner besonderen Arbeiten bei der Entwicklung und Herstellung des Films. Derselbe Film kann farbig oder in Schwarz-Weiß vorgeführt werden; die Linsenvorrichtung wird mit einem geringen Aufwand an den Aufnahme-Apparat angebracht, kann beliebig ein- und ausgeschaltet werden, und mit einem einzigen Fingerdruck kann man von der farbigen zur monochromen Aufnahme und umgekehrt übergehen. Ob die weitgehenden Hoffnungen) die englische Filmfabriken an die Hillmansche Erfindung knüpfen, in Erfüllung gehen werden, muß abgewartet werden. Jedenfalls steht fest, daß eine Farbenfilm- Photographie, die die hier angegebene Vorzüge besitzt, in der Film-Industrie eine ähnliche Umwälzung Hervorrufen würde wie die Einführung des Tonfilms. Oer Sperling zwischen den Weltmeeren Eine Anschauung von der Ewigkeit zu geben, hat schon so mancher versucht; aber originell ist der Vergleich eines schwarzen Predigers, der seiner farbigen Gemeinde, den Begriff, über den sich die Philosophen so oft den Kops zerbrochen haben, mit folgendem Bilde darstellte: „Wenn ein Sperling, lieben Brüdern, einen Tropfen Wasser aus dem Atlantischen Ozean bei Coney Island nehmen würde, und mit diesem Tropfen Wasser im Schnabel forthüpfen würde, bis er den Stillen Ozean bei San Franzisko erreichte, und wenn er hier den Tropfen in den Stillen Ozean fallen ließe, und wiederum, lieben Brüder, wenn er zurückkehrte und hüpfte den ganzen Weg bis Coney Island, und nähme wieder einen Tropfen und täte dasselbe, und so fort, bis er den ganzen Atlantischen Ozean ausgeschöpft und in den Stillen Ozean gebracht hätte, dann wäre es doch immer noch früh am Morgen in der Ewigkeit." Oie Einfälle des Grafen von Pembroke Ein eigentümlicher Herr war der achte Graf von Pembroke, Lord Thomas, der im 18. Jahrhundert lebte und eine berühmte Sammlung von Kunstwerken auf seinem prächtigen Landsitz Wilton zusammengebracht hatte. Dieser Lord führte konsequent den Entschluß durch, alles, was ihm mißfiel, als nicht geschehen zu betrachten. Kam z. B. seine Gattin, die stets um 22 Uhr zum Abendessen zu Hause sein mußte, zu spät und wollte sich entschuldigen, dann sagte er mit unerschütterlicher Ruhe: „Wie ich sehe, geht Ihre Uhr vor, meine Teure, und die meine auch. Es ist gerade zehn und wir wollen zu Tische gehen." Von dieser Eigenheit des Lords gibt Horace Walpole eine besonders lustige Probe. Jeder Bediente, der sich auch nur einmal betrank, hatte die sofortige Entlassung zu gewärtigen. Einst fand der Lord im Vorsaal einen alten Diener John, dessen Aussehen ihm auf den ersten Blick zeigte, daß John nicht nur leicht angesäuselt, sondern total betrunken war. Sein Herr näherte sich ihm und sagte mit liebreicher Stimme: „Armer Bursche, was fehlt dir? Du scheinst sehr krank zu sein. Laß mich deinen Puls fühlen —. Er hat hohes Fieber. Man bringe ihn sofort zu Bett und hole den Arzt!" Der Arzt mußte nun dem Patienten reichlich zur Ader lassen, ihm ein gewaltiges Senfpflaster auf den Rücken kleben und ein tüchtiges Abführmittel eingeben. Als dann der alte Diener nach dieser Behandlung bleich und mager wieder zum Vorschein kam, rief ihm Lord Pembroke zu: „Ach, mein guter John, wie freue ich mich, daß du mit dem Leben davongekommen bist! Du mußt mir dafür sehr dankbar sein. Denn hätte ich nicht so rasch deinen Zustand erkannt,, so wärst du jetzt schon tot. Aber John, John!" fügte er mit dem Finger drohend hinzu, „bitte, kein solches Fieber mehr!" Winter-Trikolagen Winter-Strümpfe Winter-Handschuhe Liselotte Aubel. 71 D Gießen (Keplerstraße 11), Jägerei Hustedt bei Celle, den 5. Januar 1935. in großer Auswahl und zu äußerst günstigen Preisen im Gießen, Marktstraße 4-8 35A Zum Feldzug gegen Verschandelung der Heimatnatur1 078 Mit 24 Bildtafeln preis: Gebunden Reichsmark 3.60 Schäfer, Direktor. 51D für die, die nach uns fein werden. Zu beziehen durch jede Buchhandlung! Hugo Bermühler Verlag • Berlin-Lichterfelde 0801 und zum Bauen Gießen, den 4. Januar 1935 76D die Geschäftsstelle. Abfinnanna Westf. Rinderstammbuch der Rotbuntzüchter, Münster i. Westf. Engelstraße 281 tov Fernruf 24101 Fernruf Ar. 2034. eio 2326 A TEXTILHAUSi HAUS DER GUTEN. QUALITÄTEN X Naturschutz ist Dollssache geworden! Wegweisend gingen die führenden Männer des neuen Reiches voran, sicherten dem deutschen Wald und Wild wirksamen gesetzlichen Schuh und zeigten planvoller Dolkstumsarbeit große, edle Ziele auf. — Dieses grundlegende Zud) über den Naturschutz aus der Feder des Leiters der deutschen Naturschuhbewegung geht jeden einzelnen Volksgenossen an. Es gilt, die natürliche Schönheit unserer Heimat in liebevoller Sorge und naturverbundener Gemeinschafisarbeit zu erhalten für uns und Zuchtvieh-Versteigerung in Münster in Westfalen (Halle Mänsterlandl) Dienstag, den 15. Januar 1935 vormittags 11 Uhr, Zur Versteigerung gelangen: 85 Bullen und 105 Zucht- und Gebrauchsrinder des rotbunten Tieflandschlages. Weitere Auskünfte und Verzeichnisse durch Danksagung Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Heim gange unseres lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank Im Namen der Hinterbliebenen: Marie Wild, geb. Schmidt Gießen, den 5. Januar 1935 Danksagung Für alle wohltuende Teilnahme an unserem schmerzlichen Verlust sagen wir herzlichen Dank Friedrich Menz und Angehörige W Naturschutz im Dritten Reich Einführung in Wesen und Grundlagen zeitgemäßer Naturschutzarbeit von Prof. Or. Walther Schoenichen Direktor der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen und Leiter der Fachstelle Naturschutz im Reichsbund Volkstum und Heimat Alle Volksgenossen über ZS Jahre die sich im Ernstfälle der Technischen Nothilfe zur Verfügung stellen wollen, geben ihre Anschrift der hiesigen Ortsgruppe, Stephanstraße 11 pari. bekannt. Am 4. Januar nachmittags 7 Uhr entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden unsere liebe Großmutter Frau Elisabethe Atzbach Wwe. geb. Hofmann im 87. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Schwarz Hausen, den 4. Januar 1935. Die Beerdigung findet am Montag, dem 7. Januar, nachmittags 2% Uhr statt. MM liefert frei Haus MMtze Geflügelfarm An der Hardt Tel. 3476. [eeD Marktstand: Lindenplatz. Allen lieben Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die schmerzliche Mitteilung, daß unser lieber Vater Heinrich Aubel am 1. Januar entschlafen ist Gestern folgte ihm seine treue Lebensgefährtin, unsere gute Mutter Käte Aubel, geb. Schwarz Der sanfte Tod erfolgte bei beiden unerwartet infolge Herzschlages. Die Beisetzung findet in der Stille statt. In tiefer Trauer: Dr. med. Hermann Aubel und Frau Marianne, geb. Rau Mercedes Mk. 182.- monatlich Mk. 7.90 FranzVogl&Co., Gießen Seltersweg 44 4 76ca Werger Me - VerMeruW - verein zu Grlinlmg (Hessen). Die Besichtigung und Neuaufnahme der Pferde findet statt: Für die Orte der Rabenau: Mittwoch, den 9. Januar, in Londorf, 2 Uhr nachmittags. Für die Orte des Buseckertals: Freitag, den 11. Jan., in Reiskirchen, 9 Uhr vormittags. Für Gießen und Umgegend: Freitag, den 11. Januar, in Gießen, 12'/2 Uhr mittags (Am Rheinischen Hof). Für Schiffenberg und Umgegend: Freitag, den 11. Jan., in Garbenleich, 2 Uhr nachm. Die Pferde sind ausgespannt und ohne Geschirr vorzusühren. Die nicht vorgefübrten Tiere werden auf Kosten der Besitzer besichtigt. Grünberg (Hessen), den 5. Januar 1935. Asbest- Platten 1,2.3.4 u. 5 mm, wieder am Lager. 204D CarlSchunck Wer es kennt ^schwört auf ttr.4 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)8amrtag,5.Zamiar 1955 Der Gießener Gchlachthof ein moderner Versorgungsbetrieb. Das humane Tötungsgerät: Der Schermersche Bolzenschüß-Apparat. Der Gießener Schlachthof besteht seit nahezu 50 Jahren. Er setzt sich aus einer Reihe von Gebäuden zusammen, von denen ein Teil im Jahre 1886 erbaut wurde. Eine bedeutsame Erweiterung hat der Schlachthof durch den Bau der modernen Schweineschlachthalle im Jahre 1910 erfahren. Bor etwa einem Jahre wurde eine auf das modernste eingerichtete R i n d e r k u t t e l e i in Betrieb genommen, so daß der Schlachthof Gießen heute eine moderne Einrichtung dieser Art darstellt. Lediglich das Verwaltungsgebäude und die Rinderschlachthalle sind noch Schmerzenskinder. Neubauten scheiterten bisher aber an der Finanzierungs-, frage. Der Gießener Schlachthof ist, ganz grundsätzlich betrachtet, wie jeder moderne Schlachthof, eine große hygienische Anstalt, die dem Zwecke dient, unter dem Gesichtswinkel des Gemeinwohls, die Bevölkerung mit völlig einwandfreiem Fleisch zu versorgen. Durch die Konzentration der Schlachtungen in den Schlachthöfen ist Gewähr dafür geboten, daß die auf den Menschen übertragbaren Krankheiten der Haustiere von den im Schlachthof angestellten Tierärzten rechtzeitig erkannt, die infektiösen Tiere beseitigt werden und das minderwertige, im Nahrungs- und Genußwert herabgesetzte Fleisch dem allgemeinen Verkauf entzogen und der Freibank zugeführt wird. Das Fleisch, das auf der Freibank verkauft wird, ist für Mensch und Tier durchaus unschädlich, wenn es auch nur gekocht oder gebraten Verwendung finden soll. Zu den Erkrankungen, die von Tieren auf den Menschen durch pflanzliche Keime („Infektionserreger") übertragen werden können, gehören u. a ben wären. Die Veterinärpolizei kann, den Anregungen der Tierärzte des Schlachthofs folgend, jeweils ihre Schutzmaßnahmen anordnen. Aber auch die Landwirtschaft erfährt durch den Schlachthof eine wesentliche Förderung. Wie mancher Bauer kann auf Krankheiten' seiner Schlachttiere und deren Ursachen aufmerksam gemacht werden. So kann ihm z. B. nach der Einlieferung eines Kalbes, das sich als tuberkulös er- ’ weist, gesagt werden, daß er sehr wahrscheinlich ; eine an Tuberkulose erkrankte Kuh im Stalle stehen hat. Der Bauer kann dann durch die Beseitigung des kranken Tieres seinen Viehbestand sanieren. Eine wichtige Aufgabe hat der Schlachthof in der । bakteriologischen Untersuchung von paratyphusverdächtigen Tieren Paratyphus ist am Schlachtbefund selbst nicht zu erkennen. Auch hier kann mancher Seuchenherd festgestellt werden, von dem viel Unheil für den Menschen ausgehen kann. Jeder moderne Schlachthof muß deshalb auch für zahl der in unserem Schlachthof getöteten, ausgeschlachteten und untersuchten Tiere zu erfahren. Im vergangenen Jahre 1934 wurden 261 Ochsen, 66 Butten, 955 Kühe, 1905 Rinder, 39 Pferde, 11525 Schweine, 6813 Kälber, 357 Schafe, 35 Ziegen, 2 Ziegenlämmer und 4 Spanferkel in unferm Schlachthof geschlachtet. Das Töten der Tiere geschieht auf denkbar humanste Weise. Der Hammer, mit. dem früher das zu schlachtende Tier mehr oder weniger stark, geschickt oder ungeschickt auf den Kopf geschlagen wurde (wodurch es betäubt werden sollte) wird im Schlachthof längst nicht mehr geschwungen. An Stelle des Hammers ist der Schermersche Bolzenschuß - Apparat getreten, durch den das Tier im winzigen Bruchteil einer Sekunde dem Bewußtsein seiner selbst entrissen wird. Der Apparat ist sehr sinnreich konstruiert. Durch Auslösen einer Feder wird in einem festen Sahlmantel eine Pulverladung zur Explosion gebracht, durch die mit großer Kraft und Schnelligkeit ein Bolzen bewegt - Das Tier ahnt nichts von seinem Tode in der nächsten Sekunde. Im Kühlraum: Jeder Metzger Hut eine Zelle für sein Schlachtgut. Brühbottiche stehen den Metzgern zur Verfügung, Tische für die Bearbeitung von Mägen, Därmen, Klauen und Köpfen stehen den Notwendigkeiten entsprechend bereit. Entnebelungsanlagen halten die Luft stets klar. Große Fenster und Oberlichte machen die Arbeitsräume hell. Glasierte Wandplatten bedecken bis zur Höhe von zwei Meter die Wände, so daß allen Forderungen der Hygiene Rechnung getragen ist. Neuartig ist die moderne Düngerpresse, durch die der Panseninhalt gedrückt wird, dabei 70 v. H. seines Feuchtigkeitsgehaltes sowie verschiedene unangenehme Eigenschaften (Geruch, Klebrigkeit) verliert und in der sich ergebenden Form als Dünger Verwendung finden kann. Die Düngerpresse in der Rinderkuttelei des Gießener Schlachthofes ist die zweite derartige Maschine, die bisher in Deutschland aufgestellt wurde. Die Gesamteinrichtung der neuen Kuttelei ist auf Einfachheit und Zweckmäßig, feit abgestellt und hat bis jetzt allen Erwartungen entsprochen. Eine sehr wesentliche Station des Gießener Schlachthofes ist die Kühlanlage. Die Kühlhäuser der deutschen Schlachthöfe sind für die Volks- wirtschaft von ungeheurer Bedeutung. Mindestens IIIIIIH11 bi i ■ i Schlachtgut (Schweine) auf dem Weg in den Vorkühlraum. Die neue Rinderkuttelei. und vor allem die Tuberkulose, der Milzbrand, der Rotz (eine Pferdekrankheit), die Tollwut und die Maul- und Klauenseuche. An parasitären Erkrankungen, die auf den Menschen übertragbar sind, find zu nennen: die Rinderfinne, aus der der gemästete Bandwurm (Taenia saginata) entsteht (das Rind ist lediglich der Zwischenträger); ferner die Schweinefinne, aus der sich im Menschen der Einsiedler-Bandwurm entwickeln kann. Schließlich ist die Trichine besonders zu erwähnen, die, wenn sie in den menschlichen Körper gelangt, Erkrankungen und den Tod herbeiführen kann. Der Schlachthof steht aber nicht nur im Dienste der Allgemeinheit, soweit es den Fleischgenuß anbetrifft, sondern er ist auch ein wichtiger Helfer der V e t e r i n ä r p o l i z e i. Bei der Schlachtung im Schlachthof können durch die wissenschaftliche Untersuchung Seuchenherde aufgedeckt werden, die sonst vielleicht noch lange Zeit unbeobachtet geblie- bakteriologische Untersuchungen eingerichtet sein. — Die zielbewußt und ebenso verantwortungsbewußt geleistete Arbeit in den Laboratorien der Schlachthöfe hat im Gefolge, daß Fleischvergiftungen immer seltener werden. Aus alledem ist zu erkennen, wie unbedingt notwendig die Einbeziehung der Hausschlach- t u n g e n in den Untersuchungszwang wäre. Viele Krankheiten der Tiere bleiben bei Hausschlachtungen unbeobachtet. Leider fehlt bis heute das generelle Gesetz dafür, das für jede Schlachtung die Fleischbeschau verlangt. Nebenbei sei noch bemerkt, daß der Schlachthof Gießen jährlich etwa 150 000 Mark an Schlachtsteuern an den Staat abführt. Für das Kalb müssen 4 Mark, für die Kuh 7, für Rinder 10 bis 22 und für Schweine über 40 Kilogramm 9 Mark Schlachtsteuer erhoben werden. Von besonderem Interesse dürfte es sein, die Anwird, der in das Gehirn der Tiere dringt und das zu schlachtende Tier im gleichen Augenblick bewußtlos zu Boden stürzen läßt. Sofort tritt der Metzger in Funktion; Rinder werden sofort ausgeschlachtet. Schweine werden in der vorbildlich eingerichteten Schweineschlachthalle aus der Tötebucht heraus in heißes Wasser gestürzt, dann entborstet und schließlich ebenfalls ausgeschlachtet. Baucheinaeweide gehen in der unmittelbar angeschlossenen Kuttelei ihrer Verarbeitung entgegen. Die Einrichtung der Halle gestattet die Verarbeitung fast ohne Berührung des Fleisches mit Menschenhand. Fahrbare Spreizen ermöglichen einen raschen Transport. Die Rinder-Kuttelei, die jetzt dem Schlachthof dient, ist eine der modernsten Einrichtungen, die es auf diesem Gebiete gibt. Die Kuttelei ist ein in sich mehrfach unterteiltes neues Gebäude, das mit Einrichtungen ausgestattet ist, die ein ebenso schnelles, als sauberes Arbeiten gestatten. Große 10 v. H. aller Lebensmittel wären der Verderbnis ausgesetzt. Man sieht in den Kühlräumen des hiesigen Schlachthofes zu Zeiten große Mengen Fleisch aufbewahrt. Das Schlachtgut erfährt, sobald es aus den Schlachthallen kommt, zunächst eine Vorkühlung auf plus 5 bis 6 Grad Celsius, und im eigentlichen Kühlraum eine Kühlung auf 0 Grad Celsius. Fleisch kann bei dieser Temperatur verhältnismäßig lange aufbewahrt werden. Der Kühlraum ist in lauter durch Eisengitter voneinander getrennte Zellen unterteilt, die sich die hiesigen Metzger mieten konnten. Außerdem besitzt der Schlachthof seit 1933 einen gut funktionierenden Gefrierraum. lieber die Arbeit im Untersuchungslaboratorium des Schlachthofes braucht im Hinblick auf die vorausgegangenen Ausführungen kaum etwas gesagt zu werden. Das Untersuchungslaboratorium ist im Schlacht.hof die Zelle der Verantwortung vor der Volksgemeinschaft. MMg — K. w H. . ' Blick in die neuzeitliche Schweineschlächthalle. (Beim Entborsten der Schweine.) Am Brutschrank im Untersuchungslaboratorium. SJl.-tfpOTt Spielverein Kassel bei der Spielvereinigung 4900. Die vielen Feiertage an Weihnachten und Neujahr brachten insofern für die Gießener Anhänger des runden Leders eine große Enttäuschung, da es keinem Verein gelang einen Wettspielabschluß nach hier zu tätigen. Alle Vereine der näheren und weiteren Umgebung waren wegen vieler Meisterschaftsspiele nicht zu einem Gesellschaftsspielabschluß zu bewegen. Endlich bot das Pokalspiel Nordhessen gegen Brandenburg in Fulda die Gelegenheit für 1900 einen namhaften Gegner zu verpflichten: Spieloerein Kassel. Spielverein Kassel stellt zur Zeit Kassels beste Fußballelf Im Gau XII (Nordhessen) steht die Elf nach Verlustpunkten gerechnet mit der berühmten „Borussia Fulda" hinter „Hanau 93" auf dem zweiten Tabellenplatz. Bekanntlich bezwangen die Kasselaner vor einigen Wochen ihren Hauptwidersacher Borussia Fulda mit 3:2 Toren. Die Kasseler Gäste treten am kommenden Sonntag in kompletter und stärkster Aufstellung auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe an. Die markantesten Erscheinungen in dieser Elf sind: Kassels bester Torhüter Ocklenburg, der Verteidiger Pape, der sehr gute Mittelläufer Heuckenroth und im Sturm das Jnnen- trio Brüssel, Jstel und Müller. Man könnte geneigt sein, zu behaupten, daß die Chancen für die Spielvereinigung 1900 gleich Null sind, wenn man nicht wüßte, daß die Leistungen der Gießener Blauweißen an denen des Gegners wachsen. Ein Handicap haben die Hiesigen: der Verteidiger Lippert ist nicht dabei, da er in der Gauelf in Fulda mitwirkt. Für ihn tritt Kaps-VfB.-Aßlar ein, dem man nachsagt, daß er zu den besten zählte. Sonst beabsichtigt man im Gießener Lager in der seither gewohnten Aufstellung anzutreten. Daß das Spiel in sportlichem Rahmen bleibt, dafür sorgt Schiedsrichter D e i ß - Nauborn. 1900 II gegen Grünberg I. • Die Einleitung zu dem Ligaspiel machen die Reserven in einem Meisterschaftskampf gegen Grünbergs I. Dabei sollten die Gießener erneut die Gelegenheit wahrnehmen, einen Sieg zu landen. Die erste Jugend und die Schüler bestreiten in Marburg beim VsB. Kurhessen Gesellschaftsspiele. Der jeweilige Ausgang ist nicht vorauszusagen. Die zweite Jugend, wird auch im Rückspiel in Nie- der-Ohmen nicht um eine Niederlage herumkommen. Die Spiele d/r Bezirksklasse, Gruppe Gießen-Dill. Bissenberg — Watzenborn-Steinberg (0. Rüspe- ler, Gleiberg); Frohnhausen — VfB.-Reichsbahn Gießen (Horn, Bad-Nauheim); BC. Sinn — Dillenburg (Krug, Friedberg). DfB.-Reichsbahn Gießen. Sportverein Oranien Frohnhausen gegen VfB.-Reichsbahn (Liga). Die Gießener werden in Frohnhausen einen sehr schweren Stand haben. Die augenblicklichen Platz- und Witterungsverhältnisse kommen dem Gastgeber sehr zu statten, da seine Mannschaft durch ihre wuchtige Spielweise und Bevorzugung des Steilspieles gegenüber den flacher spielenden Gästen im Vorteil sein wird. Aber trotzdem gehen die Hiesigen nicht aussichtslos in dieses Spiel. Allerdings muß die Mannschaft in stärkster Besetzung zu dem Spiele antreten. VfB.-Reichsbahn II — Sportverein Lollar L Bei Berücksichtigung des hohen Sieges der Lol- larer Mannschaft über den derzeitigen Tabellenführer könnte man den Gießenern keinerlei Erfolgaussichten zusprechen, ckber Resultate täuschen manchmal. Die Hiesigen können, wenn man den Jnnensturm körperlich verstärkt und die Mannschaft einen anderen Geist aufbringt, auch gegen die Lol- larer ein ansprechendes Spiel liefern. „FE. Teutonia" Watzenborn-Steinberg Wahenborn-Sleinberg — Visienberg. Am kommenden Sonntag kämpfen wieder drei Mannschaften der Teutonen um Sieg und Punkte. Sämtliche Spiele werden auswärts ausgetragen. Die erste Mannschaft tritt die Reise nach Bissenberg an und müßte der Papierform nach schon vornherein mit einer Niederlage rechnen. Die Teutonen geben aber den Mut auch diesmal nicht auf. Wohl hat ihnen das abgelaufene Jahr 1934 manch bittere Enttäuschung gebracht, oft wurden ihnen fast sichere Siege in den letzten Spielminuten noch entrissen, nirgends waren sie auch nur einmal von dem nun einmal beim Fußballsport notwendigen Glück begünstigt. Die Resultate und der Verlauf der Spiele bezeugen dies. Eine Mannschaft, die sieggewohnt in wenigen Jahren die unteren Klassen, oft den Meister stellend, durchgekämpft, auch im ersten Jahre in der Bezirksklasse einen beachtlichen Mittelplatz inne hatte, wird jetzt auf eine sehr schwere Nervenprobe gestellt. Die Mannschaft wird nun in den noch 5 auszutragenden Spielen dieser Serie versuchen, das Mißgeschick, das bisher nicht von ihr wich, zu bezwingen. Unter Voraussetzung einer weiteren ritterlichen Kampfesweise auf dem Spielfeld (keinen der elf Spieler traf jemals ein Platzverweis) ist der Mannschaft und ganz besonders der Stürmerreihe mehr Körpereinsatz zu empfehlen. Die zweite Mannschaft hat gegen die zweite Mannschaft von Wieseck auf deren Platz zum Verbandsspiel anzutreten. Die Jugendmannschaft ist Gast bei der ersten Jugendmannschaft des VfB.- Reichsbahn in Gießen. Man sieht hier, gemessen an den bisher gezeigten Leistungen, einem günstigen Abschneiden entgegen. Die Spiele der Kreisklassen. Pokalspiele: Heuchelheim — Sportfreunde Wetzlar (Küster, Berghausen); Albshausen — Wer- dorf (H. Rüspeler, Gießen). * Krofdorf — Leihgestern (Niersbach, Wetzlar); 1900 II — Grünberg (Drescher, Wetzlar); VfB. II — Lollar (Keller, Naunheim); Burgsolms — Wetzlar II (Post, Wieseck); Bissenberg II — Stockhausen (Kaletsch, Wetzlar); Leihgestern II — Lollar II (Seitz, Heuchelheim); Wieseck II — Steinberg II (Ko ob, Garbenheim); Steinbach — Garbenteich (Grote, Mainzlar); Wißmar — Treis (Schäfer, Heuchelheim); Bonbaden — Leun II (Dietzel, Wetzlar); Oberbiel — Berghausen (Lind, Wetzlar); Oberndorf — Bechlingen (Kreiling, Gießen); Aßlar II — Burgsolms II (Hunger, Wetzlar); Spfr. Wetzlar II — Waldgirmes (Steuernagel, Nauborn); Wetzlar III — Ehringshausen (Schäfer, Ulm); Kinzenbach — Frankenbach (Schnabel, Wieseck); -Launsbach — Krofdorf II (Sack, Heuchelheim); Rodheim — Erda (Gerhardt, Steinbach); Alten-Buseck — 1900 III (Offenbacher, Gießen) fällt aus. * Im Kreis Gießen werden am Sonntag zwei Spiele um den DFB.-Pokal ausgetragen. Heuchelheim empfängt Sportfreunde Wetzlar. Das andere Pokalspiel findet in Albshausen statt, wo Werdorf antritt. Krofdorf erwartet Leihgestern. Ein knapper Sieg der Leihgesterner sollte zu erwarten sein. Grünberg tritt hier gegen 1900 II an. Man erwartet 1900 als sicheren Sieger. VfB. II hat Lollar zu Gast. Nach dem hohen Sieg Lollars am vergangenen Sonntag sollte der Sieger Lollar heißen. Leihgestern II erwartet Lollar II. Lollar sollte den Sieger stellen. Wieseck II spielt auf eignem Platz gegen Steinberg II und wird Gelegenheit haben, die im Vorspiel erlittene Niederlage wettzumachen. Steinbach — Gflrbenteich, ein Lokalkampf, den Steinbach gewinnen sollte! Treis fährt nach Wißmar und hat keine Chance auf Sieg. In Kinzenbach tritt Frankenbach an. Gegen den Tabellenführer wird Frankenbach wenig zu bestellen haben. Krofdorf II fährt nach Launsbach, wo der Platz- verein sicherer Sieger werden sollte. Rodheim wird seine guten Tabellenstand gegen Erda zu verteidigen wissen. Sportverein 4920 Heuchelheim. Erstes Pokalspiel gegen Sportfreunde Wehlar. Zum 1. Pokalspiel erwartet man in Heuchelheim am morgigen Sonntag die 1. Mannschaft von Sportfreunde Wetzlar. Da im Kreis Gießen Heuchelheim als einziger Kreisklassen-Derein gemeldet hat, stoßen die Einheimischen bereits beim 1. Tressen auf eine Elf der Gruppe Wetzlar. Heuchelheim muß bei diesem Spiel unter Beweis stellen, daß die Niederlage vom Vor-Sonntage nicht auf einen Form- Rückgang 'zurückzusühren ist, sondern, daß die überaus schlechten Platzoerhältnisse den gewohnten Spielaufbau nicht zuließen. Die morgigen Gäste sind auf eigenem Platze schwer zu schlagen und werden in Heuchelheim sicherlich keine schlechte Partie liefern. Gpielvereinigung 4926 Leihgestern. Am morgigen Sonntag fährt die erste Mannschaft von Leihgestern nach Krofdorf, um dort das Verbandsrückspiel auszutragen. Das Vorspiel gewannen die Blau-Weißen verhältnismäßig hoch mit 6:1. Da die Leihgesterner in der letzten Zeit wieder in beachtliche Form gekommen sind, so dürfte man der Mannschaft einen Sieg zutrauen. Die zweite Mannschaft trägt ein Verbandsspiel auf eigenem Platz aus. Gegner ist die zweite Mannschaft des SV. Lollar. Wer als Sieger aus dem Kampfe heroorgeht, ist nicht vorherzusagen. Die Jugend bestreitet ihr letztes Verbandsspiel in Nieder-Ohrnen. Im Vorspiel konterten die Leihgesterner Jungens die Jugend von Nieder- Ohmen mit 5:0 nieder. Ein Unentschieden liegt im Bereich der Möglichkeit. Fußballabteilung des Turnvereins Wieseck. Am kommenden Sonntag erwartet die 2. Mannschaft des Turnvereins Wieseck die 2. Mannschaft der Teutonen von Watzenborn-Steinberg zum fälligen Rückspiel. Im Vorspiel konnte Steinberg die Gäste mit 6:1 Toren schlagen. Das kommende Spiel wird nun beweisen, ob Steinberg abermals als hoher Sieger das Feld verlassen kann.. Sportverein 4928 Garbenteich. Am morgigen Sonntag trägt die erste Mannschaft des Sportvereins Garbenteich ein Verbandsrückspiel gegen Steinbach aus. Beide Mannschaften lieferten sich schon des öfteren heftige Kämpfe. Das Vorspiel in Garbenteich endete mit 1:2 Toren für Steinbach. Da Garbenteich au diesem Rückspiel mit viel Ersatz antreten muß (einige Spieler wurden am Vorsonntag verletzt), so ist der Ausgang des Lokalkampfes nicht vorauszusagen. Man hofft auf einen ritterlichen Kampf. Ober-Widdersheim — Geih-Ridda 8:2 (4:2). Der vergangene Sonntag sah beide Mannschaften im Verbandsspiel einander gegenüber. Im Vorspiel unterlag Geiß-Nidda auf eigenem Platze mit 4:1. Ober-Widdersheim galt also als Favorit. Die Gäste aus Geiß-Nidda erwiesen sich aber zunächst als sehr gefährliche Gegner, denn sie lagen schon nach 10 Minuten mit 2:0 Toren in Führung. Die Platzmannschaft fand sich dann aber und holte Terrain auf, glich aus und konnte bis zur Halbzeit zwei weitere Tore vorlegen. In der zweiten Halbzeit hatten die Gäste nicht mehr viel zu bestellen und Ober-Widdersheim konnte mit 8:2 Toren als verdienter Sieger den Platz verlassen. Die Platzbesitzer konnten sich durch diesen Sieg mit 11:5 Punkten an die Spitze der Tabelle setzen. Um die Lugendgruppenmeisterschast des DFB., Gruppe Gießen. VfB.-Reichsbahn Gießen — Watzenborn-Steinberg; Nieder-Ohrnen — Leihgestern; Daubringen — Großen-Buseck; Heuchelheim — Lollar. VfB.-Reichsbahn 1. Jugend tritt zum letzten Pslichtspiel gegen Watzenborn-Steinberg an. Es wird hier hart auf hart gehen; denn beide Mannschaften kämpfen um Sieg und Punkte. Die Gäste werdet in Gießen auf einen Gegner stoßen, der sich wieder gefunden hat und der sich den Sieg nicht streitig machen lassen will. Den Vorteil haben die „Teutonen" aus Watzenborn-Steinberg in ihrer durchschlagskräftigen Hintermannschaft. In Nieder-Ohrnen dürfte es das schönste Spiel geben. Die Elf des Gestgebers spielt für ländliche Verhältnisse einen ganz vorzüglichen Fußball. Das angesetzte Treffen Daubringen — Großen-Buseck kommt nicht zum Austrag. Heuchelheim sollte gegen Lollar sicherer Sieger bleiben. Lollar ist im Ausbau begriffen, Heuchelheim spielerfahrener. Voraussichtlich steigt im Februar das große Freundschaftstreffen Gießen-Stadt- und Landjugend kombiniert, gegen Friedberg-Stadt- und Landjugend kombiniert. Kurze Sportnotizen. In den Französischen Alpen gewann Reindl (Tirol) das Springen in Mögeve mit 40 und 52 Meter. Die beiden Deutschen Oster - meier und Neuner wurden Vierter bzw. Sechster. * B e i einem Olympia-Vorbereitungskurs in Kongsberg gewann der einzige teilnehmende Ausländer, der Deutsche Willi Bogner (Traunstein), zur größten Ueberraschung der Norweger den Abfahrtslauf vor der gesamten norwegischen Elite. Bogner benötigte 1:05 Minuten für die etwa 900 Meter. * 2 5 0 0 Meldungen sind zu dem am 13. Januar im Berliner Sportpalast stattfindenden Hallensportfest abgegeben worden. * Jahresversammlung des Fachamtes für Handball Kreis 8, Lahn-Dill, in Gießen. Am morgigen Sonntag hält der Kreis Lahn-Dill im Fachamt für Handball seine Hauptversammlung in Gießen ab. Auf der Tagesordnung stehen als Wichtigstes die einzelnen Berichte des Kreisfpielwartes, Schiedsrichterobmannes ufw. Hans N ü ß l e i n, der deutsche Weltmeister der Berufs-Tennisspleler, ist wieder nach Amerika abgereist. Er hat eine Stellung in Palm Beach (Florida) angenommen und wird dort einige Monate als Tennislehrer tätig sein. * Fünfzehn Nationen haben nach einer Schweizer Meldung ihre Tellnahwe an den Weltmeisterschaften im Eishockey zugesagt, die vom 19. bis 27. Januar in Davos ausgetragen werden. D i e Holland-Becher-Regatta, eine von deutschen Ruderern gern besuchte Veranstaltung, wird am 21. September ausgetragen. Handball im Gau XII Lahn-Dillkreis. Das Ergebnis der Handball- Winterhilfsspiele in Tlordhessen. Die am 2. Dezember in ganz Deutschland durchgeführten Winterhilfs-Spiele der Handballer haben im Gau Nordhesfen einen Ertrag von 1364,37 Mark gebracht. Da der Gau XII dem Handballsport noch nicht so erschlossen ist, wie viele andere Gaue in Deutschland, ist das Ergebnis der wenigen Spiele recht gut. Handball: 4900 fährt nach Efchwege. Zum letzten Spiel in der Vorrunde muß die erste Handballmannschaft der Spielvereinigung 1900 in Efchwege dem dortigen Turnverein gegenübertreten. Der dortige Boden ist als heiß bekannt, und den 1900ern, die in etwas veränderter, jedenfalls nicht vollständiger Aufstellung spielen müssen, wird es sehr schwer fallen, sich durchzusetzen. Es darf dabei auch nicht übersehen werden, daß die Platzmannschaft in den letzten Wochen wesentlich an Spielstärke gewonnen hat. Für die Spielvereinigungsleute ist das Treffen insofern von erhöhter Bedeutung, als es die Entscheidung bringt, ob die Mannschaft in der Spitzengruppe verbleibt oder nicht. Angesichts dieser Tatsache sollte von allen Beteiligten restloser Einsatz erwartet werden. Die zweite Handballmannschaft der 1900er macht ebenfalls die Reise mit, um der zweiten Garnitur des Tv. Eschwege ein Freundschaftsspiel zu liefern. Handball im Kreis Lahn-Dill. Vezirksklasse: Tuspo. Marburg — Tv. Roth: Die Marburger Mannschaft sollte dem Gast ein ziemlich gleichwertiges Spiel liefern. Ob es jedoch zu einem Sieg reicht, erscheint fraglich. Kurhessen Marburg — Tv. Lützellinden: Das zweite Marburger Spiel hat auf die Entscheidung der Meisterschaftsfrage in dieser Klasse große Bedeutung. Bei dem technisch guten Rüstzeug beider Mannschaften ist mit einem wechselvollen Spiel zu rechnen, dessen Ausgang ein knapper für Marburg fein sollte. Ein Sieg der Gästemannschaft würde aber ebensowenig überraschen. Tv. Kirchgöns — Tv. Goßfelden: Die Gäste werden wohl um eine Niederlage nicht her- umkommen. Kreisklasse I: Tv. Krofdorf — Tv. A tz d a ch : Ein Spiel, dessen Ausgang im voraus schwer zu bestimmen ist. Beide Mannschaften waren bisher abwechselnd erfolgreich. Tv. Dornholzhausen — Tv. Hochelheim: So gut die kämpferischen Qualitäten der Platzbesitzer auch sein mögen, so werden sie sicher nicht ausreichen, um den Gästen ernstlich gefährlich zu werden. Sp. 05 Wetzlar — Tv. Hörnsheim: Auch hier haben die Gäste die größeren Siegesaussichten. Tv. Albach — Tv. Langgöns: Auf eigenem Platz steht ein Sieg für Albach außer Frage. Trotzdem dürfen die Gäste nicht unterschätzt werden. Tv. Holzheim — Tv. Heuchelheim: Die wichtigste Angelegenheit der Staffel II steigt in Holzheim, wo der Tabellenführer auf seinen harten Widersacher Holzheim trifft. Die Gäste befinden sich z. Zt. in einer recht guten Form und haben Aussicht auf einen, wenn auch knappen Erfolg. Preisklasse II: Tv. Lollar — Tv. Launsbach: Die Gäste stehen hier vor einer schweren Aufgabe, die aber nicht unlösbar erscheint, wenn die Mannschaft auf dem Damm ist. Die Platzmannschaft hat erst am vergangenen Sonntag ihre aufsteigende Form unter Beweis gestellt und wird sicher versuchen, auch diesmal einen Sieg herauszuholen. Tv. Erda — Tv. Dutenhofen: Die Gäste werden zu kämpfen haben. Mit einem knappen Erfolg kann gerechnet werden. Tv. Staufenberg — Tv. Dorlar: Eine sichere Sache für die Gäste. Das Resultat dürfte aber trotzdem nicht so sehr hoch ausfallen, da Staufenberg auf eignem Platz immerhin starken Widerstand leisten wird. Preisklasse III: Tv. Holzheim II — Tv. Heuchelheim II. Tv. Münchholzhausen II. — Tv. Lützellinden II.: Beide Begegnungen sollten nur knappe Entscheidungen bringen. Eine Gaargedenkmünze. W r I Io F f ‘ V- ' ....:.....‘,1/1 «j iil D £ 'jho! 1.............. F.M Zur Saarabstimung hat die Bayerische Staatsmünze nach dem Entwurf des saarländischen Bildhauers Fritz Koelle eine besondere Gedenkmedaille geschaffen, die im Einvernehmen mit dem Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers und mit Genehmigung des Reichsinnenministers zugunsten des Saarhilfswerkes verkauft wird. Aus aller Wett. Der Hauptmann-Prozeß. Oberst Lindbergh im Kreuzverhör. Wie Hauptmanns Anwalt Reilly bekanntgibt, beabsichtigt die Verteidigung im H a u p t- mannprozeß, den Beweis zu führen, daß an der Entführung des Kindes von Lindbergh fünf Personen beteiligt gewesen seien; deren Namen konnten aber erst in dem weiteren Verlauf der Verhandlungen bekanntgegeben werden. Ferner solle der Beweis erbracht werden, daß das Kind aus feinem Schlafzimmer über eine Treppe hinab und durch eine Tür hinausgebracht worden fei und nicht durch das Fenster vermittels einer Leiter, wie in der Anklage behauptet wird. Lindbergh machte Bekundungen über die Spuren, dje er in der Nähe des Finsterfimfes des Kinderzimmers gefunden hatte. Lindbergh erklärte, Hauptmanns Stimme fei dieselbe, die er bei der Zahlung des Lofegeldes auf dem Friedhof in Bronx gehört habe. Dann begann Hauptmanns Anwalt, Reilly, mit feinem Verhör. Er fragte Lindbergh nach der Herkunft und den Verwandten feiner Hausangestellten, besonders des Diener-Ehepaares W h e a t l e y und des Kinderfräuleins Betty G o w. Lindbergh mußte zugeben, daß er nicht gewußt habe, daß das Kinderfräulein einen Bruder in Kanada habe, und ihr zweiter Bruder mit den Behörden von New Jersey Schwierigkeiten gehabt habe. Die Vernehmung Lindberghs durch den Anwalt ging schließlich in ein Kreuzverhör über. Man merkte deutlich die Absicht der Verteidigung, nachzuweisen, daß die Entführung des Kindes im Hause Lindbergh, jedoch nicht von irgendeinem Mitglied des Haushaltes geplant worden sei. Im übrigen meinte Lindbergh, es sei unmöglich gewesen, das Kind die Haupttreppe hinunter und aus der Vordertür hinauszutragen, ohne daß die Aufmerksamkeit seiner Frau oder seiner selbst erregt worden wäre, da sie sich zu der fraglichen Zeit im Eßzimmer aufgehalten hätten. Der Rechtsanwalt richtete an Lindbergh die Frage: Halten Sie es nicht für eigenartig, daß das Kind, das an einer Erkältung litt, um 7 Uhr abends zu Bett gelegt wurde, und daß bis 10 Uhr niemand nach ihm fah? Der Staatsanwalt legte gegen diese Frage erfolgreich Verwahrung ein, wie auch gegen die Frage, ob Lindbergh im Verlaufe der Untersuchung gehört habe, daß er s e l b st entführt werden sollte. Des weiteren sagte Lindbergh aus, daß die Lösegeldbriefe keine Fingerabdrücke aufroiefen. Es treffe nicht zu, daß er die Polizei ersucht habe, von einer Untersuchung abzusehen, da er allein die Untersuchung habe führen wollen. Dann beantragte der Verteidiger Lindbergh eingehend über seine Verhandlungen mit Dr. London, der die Verhandlungen wegen des Lösegeldes an der Kirchhofsmauer mit dem angeblichen Entführer gepflogen hatte. Lindbergh sagte, er sei zuerst der Ansicht gewesen, daß mehrere Personen an der Entführung beteiligt gewesen seien. Jetzt sei er aber der Meinung, daß nur eine Person in Frage komme, und zwar Hauptmann. Darauf wurden die Verhandlungen vertagt. Ein großer Velrugsprozeh in Wiesbaden. Vor der Großen Strafkammer begann ein Prozeß gegen den früheren Rechtsanwalt B o e k e r und den Detektiv Haas. Beide waren in der Sepa- r a t i ft e n 3 e i t engste Mitarbeiter des berüchtigten Dr. Dorten. Beiden wird Betrug und Wucher, Boeker außerdem gewohnheitsmäßige Hehlerei und Anstiftung zur Unterschlagung zur Last gelegt. Sie empfahlen sich gegenseitig gegenüber den Klienten. Sie suchten sich als Opfer stets Personen aus, die sich in starker Gemütsdepression befanden, oder geschäftlich unerfahren waren, und veranlaßten sie für wertlose Leistungen unverhältnismäßig hohe Honorare zu zahlen. In einem Ehescheidungsprozeß ließen sie sich ein Honorar von 28 165 RM. zahlen. Don einem Münchener Kaffeehausbesitzer, dessen Tochter geschieden werden sollte verlangten Boeker und Haas einen Kredit von 50 000 RM. Sie erhielten Wechsel in Hohe von 107 000 RM., die der kreditgebenden Bank als Sicherheit gegeben werden sollten. Die Versuche Boekers, Kredit zu erhalten, blieben aber erfolglos. Die Verhandlung mußte abgebrochen werden, da der Angeklagte Boeker ihr nicht mehr folgen zu können glaubte. Nr. 4 MM Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)Samstag, 5. Januar (935 Aus der Wett des Ulms. Berliner Kilmbrief. „Die Männer von Aran." Das fei vorausgeschickt: dieser Film ist ein wundervolles Zeugnis für die Gewalt der Natur und den tragischen Kampf des Menschen mit den Elementen! Er ist herrlich! In monatelanger, mühseliger Arbeit hat man das Leben, das Werden und Vergehen der Bewohner der kleinen Meeresinseln Aran, festgehalten. Man hat nichts hinzugesetzt, nichts verschönert, nichts wesentlicher und wichtiger gemacht, als es die Natur dort erfordert, und gerade darin liegt fein herber, packender Reiz. Nach einem ziemlich schwachen Anfang setzt das Erlebnis ein. Wohl noch nie sahen Menschenaugen unseres gemäßigten Klimas Derart gigantisch bewegtes Meer. Himmelstürmend, elementar losbrechend, tobend, rasend, sich überschlagend, stürzt es auf die steilen Felsen zu und ringt mit ihnen um die Vorherrschaft. Man kann es nicht fassen, daß in diesem tobenden Hexenkessel ein paar Männer in einer Nußschale um ihr Leben kämpfen: jede Sekunde ist vom Tode bedroht, steht unter der Anspannung aller Kräfte, aller Muskeln und Sinne. Ein winziger Fehler und das Meer schlägt erbarmungslos über ihnen zusammen. Wundervoll, erregend und schauerlich die tagelangen Kämpfe mit den Haifischen. Nackte Notwendigkeit zwingt dazu: man braucht Fett und Tran, um existieren zu können. Interessant ist die Verschiedenartigkeit der Bewohner. Zum Teil vertreten sie den italienischen Typ, andere könnte man wohl für ostpreußische Bauern halten und ein Junge hat ein keckes Stupsnäschen und blonde Ringellöckchen, wie wir sie bei uns auf den Halligen finden. Trostlos mutet uns oft dieses Dasein an, wenn die Frauen die Erde mit den Händen zusammenkratzen, damit nur ein wenig Frucbt ihnen zuwächst. Doch dieses Dasein ist stark und frei und groß, denn es ist immerwährender männlicher Kampf und Sieg. — Der stürmische Beifall war ehrlich verdient. „Prinzessin Turandot." ...Turandot, bezaubernde Turandot... so singt und klingt es durch diesen Film, der den Mut aufbringt, ins Märchenland zu wandern. Aus der Tatsache, daß er trotzdem Erfolg hat, erkennen wir, daß der Mensch von heute gar nicht so verschlossen gegen die Welt der Phantasie ist, wie man im allgemeinen annimmt. Die chinesische Landschaft und die chinesische Atmosphäre sind ausgezeichnet getroffen. Die Darsteller sprechen inmitten vieler östlicher Herrlichkeiten eine ganz unbekümmerte, herzhafte Sprache, sind komisch und lebendig, verspielt und grausam und albern zugleich. Es gibt Helden und Bösewichte, eine wunderschöne Prinzessin und einen kecken klugen Liebhaber, ganz so, wie wir sie in unseren Kindertagen liebten. Gerhard Lamprecht ist der verantwortliche Leiter, der mit diesem Werk wieder den Beweis erbringt, daß er was kann, und daß er saubere, Arbeit liebt und pflegt. Die Hauptgestalten werden durch Willy Fritsch, der herber und männlicher geworden ist, und durch Käthe von Nagy verkörpert. Sie sieht reizend aus und bewegt sich mit der ihr eigenen weichen Anmut. Willy Schäffers ist in der Rolle des Kaisers in seinem Element. Hier erkennt man seine starke Begabung für die Parodie. Kemp: heiter wie immer, doch mittlerweile in der Schablone erstarrt, die kleine Inge List munter, doch nicht so gut wie zuletzt. Heidemann, Aribert Wäscher, Leopoldine Konstantin und viele andere helfen mit, diesen Film erfolgreich zu gestalten. Das Publikum unterhielt sich außerordentlich gut, belachte die parodistischen Stellen und würde doch lieber sehen, wenn man die Märchenidee rein durchgeführt hätte. Aber wir wollen nicht undankbar sein und dieses Filmwerk als einen Vorstoß in ein Neuland der Leinwand betrachten. Das Manuskript stammt von Thea von H a r b o u, die Musik schrien Franz D o e l l e. Liebesgeschichten im Film. Bon Jörg Alert. Es gibt Romane, die einer ganzen Epoche ihren Stempel aufgedrückt haben, deren Ideen und Weisheiten man sich aneignete, deren Gestalten man sich zum Vorbild nahm, deren Tendenzen Hunderte von Zeitgenossen von ihrem bisherigen Lebensweg abdrängten. Es gibt Dramen, die jahrzehntelang in Schulen und Salons von sich reden machten, die die Meinungen und sozialen Verhältnisse eines Zeitalters hinwegfegten, um sie durch neue, Geschichte machende zu ersetzen. Gibt es auch Filme, die irgendwelche Spuren auf dieser alten Erde hinterließen, die von einer Generation als Banner einer neuen Gesinnung aufgepflanzt wurden? Nein. Gewiß, der Film ist noch lange nicht — der Film. Zugegeben, er steckt noch immer in den immer kürzer werdenden Kinderkleidern, ohne daß es ihm bisher gelungen wäre, sich das Gewand Erwachse- ner zu verschaffen. Wie kommt es aber, daß ernst- hafte Leute, die sich Gedanken über die Zeit und ihre Erscheinungen machen, auf die Frage nach ihrer Meinung über den Film immer abfällig mit den Achseln zucken und ein nachsichtiges Lächeln aufsetzen? Wie kommt es, daß sie sich auf ernsthafte Erörterungen über dieses Thema nur ungern em- lassen und heftig protestieren, wenn man von einer Film f u n ft redet? . . ri . Weil die Filmgilde sich selbst gi minbuftrie nennt — hat man je einen Bühnenmenschen von Theaterindustrie reden hören? — und weil der Alm sich bis jetzt von dem Makel des bösen Wortes „kitschig wie im Film" noch nicht zu befreien vermochte. Noch heute ist der Kitsch ein häufig benutzter Roh- ftoff der Filmindustrie. Er präsentiert sich — abge- sehen von alberner Regie und Darstellung hauptsächlich in den Filmstoffen. Der Kitsch ist ein Bazillus, dessen Wirken man nur empfinden kann, der sich aber meistens nicht mit Händen greifen läßt. Sein deutlichstes Merkmal ist: Unechtheit, Verlogenheit. Will em Stoff der Ansteckung durch den Kitsch entgehen, so mutz er ein wirkliches, natürliches und enges Verhältnis zu den Menschen und ihrer Eigenart und zu Der Zeit und ihrem Geist anstreben. Wenn der Film immer ein echtes und wahryeits- getreues Abbild des menschlichen Lebens wäre, fo bliebe er immer frei von jedem Kitschvorwurf. Unterzieht man nun einmal die Filmstoffe einer ge= „Lockvogel." „Wie hat Ihnen der .Lockvogel' gefallen?" „Danke, es war ein netter, unterhaltender Film, voller Drolligkeiten, sehr natürlich, mir manchmal ein bißchen zu burschikos", wird wohl die Antwort heißen. Jedenfalls, man amüsiert sich prächtig, gähnt nicht ein einziges Mal, erst wenn man nach Hause geht, fängt man so ein bißchen zu nörgeln an: dies hätte anders fein können und das hat man übersteigert, es wäre besser gewesen, wenn... na ja. Aber der Mensch soll nicht undankbar fein und sich die Tatsache genügen lassen, daß ihm ein unterhaltsamer Abend beschert wurde. Viktor de K o w a und Jesfie Vihrog übertreffen sich selbst an Komik und bleiben trotz all der Verrücktheiten, die sie zu begehen haben, auf einer menschlich-angenehmen Linie. Die Handlung führt von Istanbul nach Mar- seille, sie bringt wunderschöne Bilder aus fernen Landen, heitere und groteske Szenen, ein Maskenfest auf hoher See, Explosion, Panik, Rettung und Untergang. Das Ganze ist ein Kriminalfilm. Man stelle sich diese Mischung vor! Sie ist neu und witzig, doch den Inhalt zu erzählen, wäre Verrat. Hilde Meißner, der Lockvogel, wird leiber zum Schemen. Sie braucht eine liebevollere Führung, wenn sie Wirkungen erzielen soll. Auch photo- Film-Abenteuer am Kraterrand. Amerikanische Kameraleute erzählen ... Der Bromo ist einer der gefährlichsten Vulkane Javas, ein würdiger Bruder des furchtbaren Krakatau. Ausgerechnet im Krater dieses Berges sollte sich nach dem Willen einer englischen Filmgesellschaft der letzte Akt eines Abenteuerfilms abfpielen. Das stellte die Kameraleute und die Schauspieler vor wesentlich andere Aufgaben als das Filmen im Atelier; ihr Bericht von ihrer dortigen Tätigkeit jedenfalls kann es getrost mit der Handlung des Sensationsfilmes selbst aufnehmen. Die Filmhandlung war folgende: Ein Schurke war im Flugzeug mit wichtigen gestohlenen Dokumenten entkommen. Die Verfolger machten auf das Flugzug Jagd und brachten es auch wirklich zur Strecke. Dem Schurken gelang es aber, trotz unsanfter Landung, mit dem Leben baoonAukommen, indem er den Gipfel eines Vulkans, eben des Bromo, erklimmt. Die Filmleute, die den Abschluß des Dramas darstellen sollten, hatten zunächst eine Kletterpartie in einer Höhe von etwa 3000 Meter zu unternehmen. Sie gelangten auf einen schmalen Grat von etwa vier Meter Breite. Wenn sie rückwärts fielen, so hatten sie die angenehme Aussicht, durch spitzige Lavabrocken in Stücke gerissen zu werden, wenn sie aber vorwärts fielen, so landeten sie im Kraterkessel, dessen Kochen und Brodeln ihnen ins Ohr klang. Die Handlung schrieb vor, daß der flüchtende Verbrecher an diesem Kraterrand eingeholt und in die Enge getrieben werden sollte. Ein Kampf auf Leben und Tod am Abgrund, verzweifelte Notwehr des Schurken, schließlich Sturz des Schurken in die brodelnde Tiefe — diese Szenen mußten nun gespielt und ausgenommen werden. „Noch vor einem Augenblick", so schilderte C. Le- stock Reid, einer der Hauptdarsteller, seine Erlebnisse, „wären wir froh gewesen, wenn wir wieder hätten umkehren können. Jetzt packte uns die Handlung, die wir spielten, so, daß wir in einem sonderbaren Verwandlungsprozeß kaum mehr zwischen Spiel und Wirklichkeit unterschieden. Wir hatten alles um uns vergessen außer der Notwendigkeit, die Szene lebenswahr darzustellen. Aus unserer schauspielerischen Entzückung rief uns ein schriller Warnungsruf unseres indischen Führers zurück. Wir fuhren zusammen und bemerkten, daß der Krater buchstäblich unter unseren Füßen lag, die schon halb über den abbröckelnden Rand hinausragten. „Um Gottes willen, aufpassen!", schrie ich. „Wir stürzen!" Wir ließen einander instinktiv los und riefen uns gegenseitig zurück. In dem hastigen Streben, dem Kraterrand zu entfliehen, vergaß ich, daß es auf der anderen Seite herunterging. Ich fiel über den Rand, und nur ein Wunder konnte mich vor dem Hinunterrollen bewahren. Das Wunder blieb zum Glück nicht aus. Nachdem ich etwa sechs Meter gerutscht war und die schlimmsten Sekunden meines Lebens durchgemacht hatte schlug ich auf, und konnte mich wie ein Ertrinkender noch an einem von den Holländern angelegten Geländer halten. Wenn es nicht dagewesen wäre — bann wäre dieser Bericht nicht abgefaßt worden. Nach einem Augenblick der Verwunderung, daß ich noch lebte, machte ich mich daran, wieder nach oben zu klettern. Als ich den Berggrat erreicht hatte, trat ich dafür ein, daß wir die eben gedrehte Kampfszene nicht wiederholten. Aber der eigentliche Entscheidungskampf stand uns noch bevor. Ich selbst war an dessen letzten Momenten nicht beteiligt. Aber mein Kollege M. hatte die Aufgabe, sich mit dem Verbrecher, dargestellt durch K., direkt am Kraterrand zu balgen. Der gefährlichste Augenblick war jener, wo K. endgültig bezwungen, seine Arme nach rückwärts werfen mußte, um in die kochende Lavamasse zu stürzen. Alles ging gut. Den eigentlichen Sturz sollte natürlich eine Puppe ausführen, die einen gerade menschlichen Eigensinn zeigte, sich ihrer Aufgabe zu entziehen. Nachdem sie nämlich unter den Augen der Kamera zehn Meter hinuntergerollt war, blieb sie endgüttig an einem kleinen Vorsprung hängen. Noch ein wenig weiter, und sie wäre aus dem Bild gewesen. Kein Filmschurke aber, der sich selbst respektierte, konnte kurz vor seinem Untergang in einer solchen Lage verharren. Mit anderen Worten: wir mußten die Puppe, die einzige, die wir hatten, wieder heraufholen, wenn unsere Arbeit nicht schließlich doch vergeblich sein sollte. Darüber waren wir uns einig. Weniger einig waren wir uns darüber, w e r die Puppe holen sollte. Einer unserer Kulis bot sich schließlich an. Er wollte sogar ohne jede Unterstützung das Wagnis ausführen, aber wir bestanden doch darauf, daß er sich anseilen ließ. Aber es ist doch etwas anderes, mit freien Armen und Beinen am Kraterrand zu klettern, als eine mannshohe Puppe dabei zu tragen. Wenn er auch nur einmal das Gleichgewicht verlor! Aber auch das ging gut, es ging sogar mehr als gut, denn die Puppe wollte auch ein zweites und drittes Mal nicht in die Tiefe fallen. Als schließlich aber doch alles ordnungsgemäß auf dem Filmstreifen war, da machte sich der Kuli noch einmal auf, um sich die Kleider der Puppe für seinen Privatgebrauch zu holen! Er hatte sie wahrhaftig verdient! Alle gefährlichen Szenen waren nun erledigt. Wir mußten für diesen Tag abbrechen. Da aber einige kleinere Aufnahmen noch fehlten, schien es notwendig, am nächsten Tag noch einmal den Aufstieg zu unternehmen. Da stellte sich heraus, daß die Schwierigkeiten, in Java zu filmen, in erster Linie gar nicht vulkanischer Natur sind. Denn als mir an diesem zweiten Tage gerade den Bromo erreicht hatten, da trat uns ein höflicher kleiner Mann in der Uniform der javanischen Polizei entgegen und erklärte uns, daß das Filmen hier überhaupt nicht erlaubt sei. Inzwischen mar nämlich das unsinnige Gerücht aufgekommen, daß wir Spione sein könnten. Widerspruch war wirkungslos. Wir konnten den Gipfel des Bromo kein zweites Mal betreten. Daß wir am Tage vorher schon Aufnahmen gemacht haben könnten, auf diese Idee ist die javanische Polizei zum Glück nicht gekommen ... Ha. naueren Untersuchung, so stellt sich heraus, daß neunzig Prozent sich mit der kurzen Spanne im Leben eines Menschen beschäftigen, die mit dem bewußten „ersten Blick" anhebt und mit dem „ersten Kuß" — zuweilen auch mit dem Standesamt — schließt. Wenn alles seine Richtigkeit hätte, so müßte diese Spanne neunzig Prozent des menschlichen Lebens ausmachen. Das tut sie aber nicht. Denn vor und nach dieser Spanne ist ein normales, menschliches Leben mit soviel seltsamen, spannenden und erzählenswerten Momenten ausgestattet, daß diese kurze Spanne dagegen leicht einmal in Vergessenheit gerät. Wenn der Film wirklich das Originelle, Erregende und Interessanteste des Lebens gestalten wollte, fo wäre nicht einzusehen, warum er sich nun ausgerechnet auf diese bewußte Spanne kapriziert. Denn in der Zeit — mein Gott, wie oft ist das schon gesagt und gesungen worden! — benehmen sich alle Menschen gleich, völlig unoriginell, und unvernünftig. Der Film zwingt einen, es anders zu machen. Im Film läuft man einem solchen Pärchen 2500 bis 3000 Meter weit nach. Warum tut man das? Weshalb schreit niemand Protest — aus gutem Geschmack ober Langeweile? Weil man ja gar nicht nachläuft, sondern weil man binnen kurzem selbst die eine Hälfte von diesem Pärchen darstellt. Weil man sich übertölpeln läßt. Man erlebt seine Liebesabenteuer gewissermaßen genormt, vor irgendeiner Firma mit allem Komfort ausgestattet, man bekommt es für einen bescheidenen Obolus serviert, wie in einem mittleren Restaurant das Menü zu einszwanzig. Man sieht, wie recht die oben erwähnten Leute haben, wenn sie den Film eine Industrie nennen. Es soll damit natürlich nicht gesagt werden, daß die Darstellung jeder Liebesgeschichte aus dem Bezirk der Kunst verbannt sei. Es kommt eben weniger aus die Liebesgeschichte selbst, als auf ihre Darstellung an. Das Zehnpfennigheft „Dein auf Ewig" ober, um bei einem aktuellen Beispiel, zu bleiben, die Geschichte von dem jungen Grafen unb dem armen Wiener Mäbel in bem Film „Gschichten aus bem Wienerwalb" enthalten zwar einen Liebesroman, nicht aber irgenb etwas, was mit Kunst zu tun hätte. Hingegen würbe sich wohl nie- manb unterfangen, bas Liebeserlebnis in „M a s - kerabe" aus bem Lanb ber Kunst auszuweisen. Auf bie Darstellung kommt es an. Unb barauf, baß bie bange Frage „Werben sie sich krie- g e n?" nicht bas einzige bramaturgische Spannungsmoment vorstellt. In biesen neunzig Prozent, bie man häufig als Jnbustrieprobukt unb Ware bezeichnen hort, roenbet man ebenfalls ber Art ber Darstellung ein großes Interesse zu. Nur mit bem Unterschieb, baß bieses Interesse von ben Kaufleuten biftiert wirb unb einzig unb allein barauf gerichtet ist, diese Ware als Massenartikel heraus- bringen zu können. Die Frage lautet hier also: Wie schaffe ich ein Liebespaar und eine amouröse Handlung, in die jeder Zuschauer sich ohne besondere Mühe hineinversetzen kann, ohne durch irgendeine Besonderheit, durch irgendeine Unähnlichkeit mit sich selbst gestört zu werden. Man beantwortet diese Frage, indem man mit seltener Meisterschaft einen genormten Durchschnittsliebhaber und ein liebes süßes, durch keinerlei charakteristische Eigentümlichkeiten feftgelegtes Durchschnittsmädel zeichnet. So kommt es, daß man immer wieder und wieder dieselben zuckersüßen herzigen Maderln unb bie glatt- gesichtigen, hübschen Tausenbsassas, bie bezaubern- ben Schönlinge vorgesetzt bekommt. Die beide so überaus unoriginell unb charakterblaß, aber so — seien wir einmal ehrlich; wir finb ja alle bloß Menschen — na eben: soo aussehen (wie wir alle uns in schwachen Stunben schon gewünscht haben, auszusehen.) Es ist alles auf bas raffinierteste auskalkuliert unb berechnet, man bekommt es fertig, allen Wünschen ber pp. Kunbschaft weitgehenbst gerecht zu werben — nur eines gelingt nicht babei: Kunst zu machen. Wie lange bas bem Film noch zuträglich fein mag — bas ist bie einzige Kalkulation, bie in ben Büchern ber Filmkaufleute zur Zeit noch fehlt. Vorläufig „geht" ja bie Ware noch immer. Sie liegt ja bereits im Filmtitel, ber sich auf Biegen unb Brechen bemüht, immer roieber bas Wort Liebe in ein neues Kleib zu hüllen. Unb bas zieht ja be« kanntlich immer. (Warum hättest bu, verehrter Leser, sonst auch bissen bitteren Artikel gelesen?) Der 40. Geburtstag des Kinos. Das Jahr 1895 hat in ber Geschichte ber Kinematographie eine wichtige Rolle gespielt. Der Franzose Lumiöre trat bamals mit bem Apparat hervor, ber ben Anstoß bazu gab, bie neue Er- finbung als Unterhaltungsmittel zu verwenben, unb daburch wurde die Kinematographie als ein graphisch hat man sich nicht allzuviel Mühe mit ihr gemacht. Die beiden Schurken: Westermeier und R a s p, verdienen Anerkennung und Lob, da sie ein paar vorzüglich durchgearbeitete Charaktere darstellen. Die Verbrecher werden von Sima, Ralph und D a h m e n gemimt. Für die Regie zeichnet Hans S t e i n h o f f und das routiniert geschriebene Drehbuch floß aus den Federn von L. M a y r i n g und Ludwig von Wohl. „Ferien vom Ich." Nach dem Roman von Paul Keller hat man ein Lustspiel gedreht und damit bewiesen, daß Witz und Humor stärker zünden, wenn ihnen ein Gedanke zugrunde liegt, der nicht nur aus bem Augenblick geboren ist. Mit ausgezeichneten Darstellern hat Hans Deppe bie Regie geführt, man kann ihn unb anbere loben, trotzbem bleibt eine Forberung offen: Wer bie „Ferien vom Ich" kennt, muß enttäuscht barüber fein, wie man bas Manuskript zurechtgebogen hat. Es bleibt unverstänblich, warum man nicht ein wenig tiefer ging, ben Ernst nicht fanb unb sich mit einem Lustspiel, bas zeitweise sogar zur Posse wirb, begnügt. Speelmanns unb Henkels finb wie immer ausgezeichnet. Sicher in ber kleinsten Geste, Menschen wie ich unb bu, mit allen ihren Schrullen, Nerven, Leistungen unb inneren Regungen, lieber Carola Höhn verlohnt es sich, ein paar Worte zu sagen. Diese junge Schauspielerin ist zart wie selten eine; sie konnte sich bisher nicht recht burchsetzen. Das soll ein Vorwurf für bie Herren sein, bie barüber zu entscheiben haben, wer ben sogenannten Nachwuchs für bie Leinwanb barstellt. Zugegeben, baß biese Darstellerin im Anfang noch ein wenig tastet, aber wozu finb bie Regisseure ba, wenn sie sich nicht bie Mühe machen wollen, ein begabtes Geschöpf au lösen? Der Eriolg bes Filmes ist groß. Es gibt Beifall über Beifall, man lacht unb bekommt schreckliche Sehnsucht banach, auch einmal „Ferien vom Ich" zu machen. Wie entgeht ein Film? Der Weg eines Films von ber Idee bis zur Ausführung ist weit und dornig. Der Filmbichter, nicht jeder Dichter ist ein Filmbichter, hat eine Jbee, aus ber sich nach seiner Filmerfahrung ein guter Film Herstellen ließe. Der Autor fertigt zunächst ein Expose an, bas auf 20 bis 30 Schreibmaschinenseiten bie Hanblung enthält. Das Exposö wirb bem Filmbramaturgen zur Begutachtung vorgelegt; fin« bet es dessen Beifall, bann beginnt sich ber Probuk- tionsleiter für bie Sache zu interessieren. Der glückliche Dichter wirb gebeten, ein sog. „Treatment" anzufertigen. Der Dichter arbeitet baraufhin das Expose aus, bas dann schon einen Umfang von 60 bis 80 Schreibmaschinenseiten erhält unb als „Erste Fassung" wieder dem Dramaturgen zugeleitet wirb. Zusammen mit diesem, bem Produktionsleiter und dem Regisseur wird die „zweite Fassung" ausgear» beitet, die nun schon die Bildfolgen enthält. Mer babei bleibt es nicht, noch eine britte Fassung wird notwendig, an der sich auch schon ber Architekt beteiligt, unb bann ist bas Drehbuch, bas einen starken Buchdanb von mehreren hunbert Seiten barstellt, kurbelreif. Inzwischen hat man sich sebr ernsthaft mit der finanziellen Seite des zukünftigen Films beschäftigt. Die Kalkulation unterscheidet nach bem Kostenaufwand des Films, ob er zur Klaffe A, B ober C gehören soll. Nach der zur Verfügung gestellten Summe sucht sich der Produktionsleiter den Regisseur, die Schauspieler, Komparsen, ben Komponisten unb Architekten aus. Der Regisseur ist verpflichtet, den Film in einer bestimmten Anzahl von Tagen herzustellen, unb für jeben Tag ist das zu leistende Programm bis in alle Einzelheiten festgelegt. Handelt es sich um Freiaufnahmen bann kann es leicht vorkommen, daß alle am Film beteiligten Darsteller und Operateure im Gebirge, in ben Tropen ober auf bem Meer wochenlang auf Gewerbe im heutigen Sinn begrünbet. Ebenso zeigten 1895 bie Brüber Sklabanowsky zum erstenmal im Berliner Wintergarten Darstellungen mit bem von ihnen erfunbenen Bioskop. Man kann also sagen, baß bas Kino vor vier Jahrzehnten bas Licht ber Welt erblickte. Der Film war freilich schon vorher erfunben, unb auch Vorführungen in ber Form unseres Kinos hatten bereits ftattgefun« ben. Es ist feftgefteUt, baß ber amerikanische Schausteller ß e o r o i am 5. Februar 1894 in Neuyork in einem Hause ber Beckrnan-Street 16 öffentlich unb gegen Bezahlung einen Film zeigte, ber bie Hinrichtung ber Maria Stuart zum Gegenstanb hatte. E b i s o n s Erfinbung war bereits 1891 beim amerikanischen Patentamt angemelbet worben, unb auch sonst finb schon vor 1895 von Deutschen unb anberen Reihenaufnahmen nach bem Prinzip ber kinematographischen Darstellung gezeigt worben. In einem Aufsatz ber „Filmtechnik" beschäftigt sich Hans P a n b e r mit ber Bebeutung bes Jahres 1895 in ber Geschichte ber Kinematographie unb erörtert babei bie so viel umstrittene Stellung ber beutschen Erfinber Sklabanowsky. Die Skla- banowskys traten erst nach fiumiere hervor, ber seine Erfinbung am 22. März 1895 wissenschast- lichen Kreisen unterbreitete unb bann Öffentlich zur Schau stellte. Die erste Vorstellung ber Sklabanow- skys mit ihren Bioskop-Bilbern erfolgte im Wintergarten am 1. November 1895, unb sie traten bann auch anberroärts bamit auf. Ihre Erfinbung ist von ihnen burchaus felbftänbig ausgearbeitet worben, aber sie können nicht als Schöpfer ber Kinematographie angesehen werben, ba biese schon vorher erfunden war, unb ba Ebison unb Lumiöre bereits Vollkommeneres geschaffen hatten. „Wenn man bas Erfinberschicksal ber Brüber Sklabanowsky heute betrachtet", schreibt Panber, „kann man nur sagen, baß sie als Pioniere ber Kinemato- graphie zu werten finb, aber ein tragisches Schicksal wollte, baß sie von vornherein einen aussichtslosen Nebenweg einschlugen, noch bazu zu einer Zeit, wo anbere bereits weiter waren. So weiß man aus ber Biographie Thomas Alva Ebisons, bie fein Mitarbeiter Dickson 1894 veröffentlichte, baß Ebison schon 1889 bas vorgeführt hat, was unstreitig als erster Nabeltonfilm anzusehen ist unb baß er 1888/89 Filme bes heutigen, auf ihn au- rückgehenben Formats projiziert hat. Von iym Haden die Brüder Lumiöre bas Filmformat unb bie Perforation übernommen.* Wirtschaft Kirchliche Nachrichten. von e r • der von und an er» die geforderte Beleuchtung warten müssen, was bei der Kalkulation auch berücksichtigt werden muß, denn jeder verlorene Tag kostet einige Tausende. Auch das Filmband eines Films von 2200 bis 2500 Meter, die übliche Länge eines großen Films, kostet ein Vermögen, da bei den Aufnahmen hierzu 36 000 bis 40 000 Meter gedreht werden müssen, von denen noch nicht der zehnte Teil Verwendung findet. Ein Film zerfällt in eine Menge Szenen, Gesamtauftrieb von 2678 Stück ein Ueberstand 38 Stück. * E i n neues deutsches Oelfeld Rhein-Mainische Mittagsbörse. Mittagsbörse fest. Frankfurt a. M., 4. Jan. Die Festigkeit der Börse hielt auch heute an. Das Kursniveau Holzversteigerung. Langd, Dienstag, 8. Januar, 10 Uhr, im Gasthaus Romthaler: Brennholz: Scheiter rm: Buche 1. Kl. 585, 2. Kl. 139;Eiche I.Kl. 14; Kiefer 1. Kl. 11. Knüppel rm: Buche 400; Hainbuche 20; Eiche 113; Obstbaum 6; Kiefer 24; Lärche 1; Fichte 1. Reiserholz: Eiche 1. Kl. 33; Buche 3. Kl. 1030. Stock- Holz: Buche 188; Eiche 1. bohrt. Die Gewerkschaft Elwerath ist mit Reichsbohrung 44 (Wachtel 5) in der Gegend Hoheneggelsen - Mölme zwischen Hildesheim Braunschweig fündig geworden. Die Bohrung ergibt, obwohl sie den in der Gegend von Hoheneggelsen vermuteten Hauptölhorizont noch nicht erreicht hat, jetzt schon eine Tagesproduktion von etwa 30 Tonnen. von denen jede eine besondere Kamera-Einstellung erfordert, sechs- oder siebenhundert Einstellungen sind keine Seltenheit. Inzwischen hat schon die Pro- paganda für den Film begonnen, deren Kosten ebenfalls in die Tausende gehen, und dann kommt der große Moment der Uraufführung, der entscheiden soll, ob der Film wunschgemäß einschlägt und damit die sehr beträchtlichen Kosten, die er verursacht hat, rechtfertigt. letzten Wochen naturgemäß einen ruhigen Verlauf Die Beendigung der Feiertage hat den Bedarf des Konsums wieder in normale Bahnen gelenkt. Das Angebot in frischen deutschen und ausländischen Eiern ist knapper geworden, wogegen Kühlhauseier noch reichlich zur Verfügung stehen. Für holländische Eier haben die Preise leicht angezogen, im übrigen blieben sie unverändert. Es notierten in Pfennig pro Stück frei Frankfurt a. M.: Frischware: Deutsche Handels- klasseneier Klasse S 13 bis 13,5, Klasse A 12,5 bis 13, Klasse B 12 bis 12,5, Klasse C 11 bis 11,5. Holländer Klasse S 13, Klasse A 12,5, Klasse B 12, Klasse C 11,25; Dänen Klasse S 12,75 bis 13, Klas e A 12,25 bis 12,50, Klasse B 11,50 bis 11,75, Klas e C 10,75 bis 11. Jugoslawen 10,25 bis 11,25; Bulgaren und Rumänen 11 bis 11,25. Deutsche Kühlhauseier: Klasse S 10,75, Klasse A 10,25 bis 10,50, Klasse B 10, Klasse C 9,5, Klasse D 8,50 bis 8,75. Frankfurter Buttermarkt. Frankfurt a. M., 4. Jan. Das Buttergeschäft nimmt zur Zeit einen außerordentlich stillen Verlauf, so daß sich bei den hinreichenden Zufuhren an frischer Butter bereits beim Großhandel wieder Läger bilden. Die Konsumnachfrage ist erheblich geringer geworden. Holländische Butter wird dabei wegen ihrer ganz besonders guten Qualität mehr gefragt. Die Preise blieben allgemein unverändert, lediglich Kochbutter war etwas billiger. Es notierten in RM. pro 50 kg frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise): Deutsche Markenbutter 145, feine deutsche Molkereibutter 143 bis 145, deutsche Molkereibutter 140 bis 142, Landbutter 128 bis 130, Kochbutter 120. Holländische Butter 147 bis 148, dänische und österreichische Butter je 145. Mainzer Getreidemarkt. Mainz, 4. Jan. Es notierten (Großhandelspreise je 100 kg loko Mainz) in RM.: lÄeizen 21,30, Roggen 17,30, Hafer 17,00 ab Station, Braugerste 20,00 bis 20,75, Jndustriegerste 19,75 bis 20,00, Malzkeime 17,00 bis 17,25, Weizenkleie 10,87, Mühlenpreis, Roggenkleie 10,14, Mühlenpreis, Soya- schrot 13,00, Fabrikpreis ab süddeutscher Fabrikstation. Allgemeintendenz: noch unentwickeltes Geschäft. Mittwoch, den 9. Januar. Ober-Gleen. 19.15 Uhr: Bibelstunde. Donnerstag, den 10. Januar. Daubringen. 20.30 Uhr: Bibelstunde. Freitag, den 11. Januar. Mainzlar. 20.30 Uhr: Bibelstunde. Evangelische Stadtmission (Löberstratze!4). Sonntag, den 6. Januar. 13.30 Uhr: Sonntagsschule; 20.15: Evangelisations. vortrag. katholische Gemeinden. Samstag, den 5. Januar. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 6. Januar. Fest der Erscheinung des Herrn. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Vesper mit Segen. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 17.30: Vortrag und Andacht. — Lautrach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Christenlehre und Andacht. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und Andacht. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Mittwoch, den 9. Januar. Hungen. 7.30 Uhr: Messe. Vaptisten-Gemeinde (Gartenstraße 13). Sonntag, den 6. Januar. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 20.30: Prediger Lotz. Oeffentttcher Sonutagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in bringenden Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Lelo- fon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schlleßfachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 250d s Aerzte: Frl. Dr. Gürtler, Dr. Malech. Zahnarzt: Dr. Haubach. Apotheke: Pelikan-Apotheke. notierten mit 139 1 v. H. höher, während 4 v. H. mit 147 unverändert waren, wobei aber das Angebot voll abgenommen wurde. U. a. notierten: Altbesitz 105,75, 6 v. H. Stahl- verein 93,50, 6 v. H. Stadt Mainz 92,50, 6 v. H. Stadt Pirmasens 93, 6 v. H. Franks- Hyp.-Bank Gold R 8 bis 10 96, 5,50 v. H. Rhein. Hyp.-Liqm- bation 97, 5 v. H. Silbermexikaner 5,13, 5 v. H. äußere Goldmexikaner 11,50, Reichsbank 149,50, Gelsenkirchen 62,75, Harpener 100,25, Mannesmann 75,75, Rheinstahl 89, AEG. 27,50, Brauerei Klein- lein 77, Bekula 135, Ehern. Albert 81,75, Scheideanstalt 197, Durlacher Hof 60, IG. Farben 134,90, Licht & Kraft 113,25, Pfälz. Mühlenwerke 110, Odenwald Hartstein-Jndustrie 90,25, Rheag 104, Schuckert 94,65, Siemens 138, Holzmann 80, Südd. Immobilien 2, Reichsbahn-DA. 114,65, Hapag 24, Rordd. Lloyd 28,90, Bad. AG. f. Rheinschiffahrt 49. Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M., 4. Jan. Der Gemüse- mar k t hatte starke Zufuhren von ausländischem Gemüse, sowie von Feldsalat. Nachfrage nicht befriedigend. Preise für Kartoffeln unverändert, für Karotten und sonstige Wurzelgemüse weiter rückläufig, sonst unverändert. Stark angeboten waren auch ausL Eskarol und Kopfsalat, bei stark rückläufigen Preise verlief das Geschäft lebhaft. U. a. notierten: Eskarol, Steige 9 bis 18 Stück, 150 bis 200 ital., deutscher Eskarol groß 5 bis 8, klein 3 bis 4, Feldsalat groß 15 bis 25, klein 50 bis 60, Karotten 3 bis 5, Kartoffeln gelbe 50 Kilogramm 3,30 bis 3,50, Kohlrabi 3 bis 4, Kopfsalat, Steige 24 Stück, 1,50 bis 2,50 span., Meerrettich I 20 bis 25, II 15 bis 18, III 10 bis 12, Rosenkohl 12 bis 14, rote Rüben 3 bis 4, Rotkraut 5 bis 7, Sellerie je nach Größe 5 bis 30, Spinat 5 bis 7, Schwarzwurzel 12 bis 18, Weißkraut 3 bis 4, Wirsing 3 bis 4, Winterkohl 4 bis 5, Zwiebeln 6. Am Ob st markt bestand gutes Angebot in Aepfeln. Von Birnen waren nur Kochbirnen in größeren Mengen am Markt. Das Geschäft war sehr langsam, die Preise lagen kaum verändert. In Apfelsinen und Mandarinen war das Angebot gut, bei unveränderten Preisen war das Geschäft lebhaft. U. a. notierten: Aepfel I 16 bis 20, II 12 bis 14, Wirtschaftsäpfel 8 bis 12, Goldparmänen I 18 bis 20, Boskop I 16 bis 20, Schafsnasen 8 bis 12, Kochbirnen 6 bis 9, Apfelsinen blond 11 bis 15 span., kernlos 14 bis 20 span., Blut 14 span., do. ital. 20 bis 26, Feigen, lose 12,5 Kilogramm Sack 4,50, Mandarinen 14 bis 18 span., Zitronen, Kiste 300 Stück 6 bis 7. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 4. Jan. Im Frankfurter Eiergroßhandel nahm das Geschäft in den beiden Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 6. Januar. Epiphanias. Landesmisfionsfest. Gießen. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfr. Becker; 17: Pfr. Mahr. — Johanneskirche. 9.30: Propst Knodt; 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Propst Knodt; 17: Pfr. Bechtolsheimer; 20: Mif« sionsstunde im Johannesfaa^; Pfr. Groh. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Anthes; 10.45: Kinderkirche für die Luthergerneinde; Pfr. Anthes. — Pelruskapelle. 9.30: Pfr. Trapp; 10.45: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfr. Trapp. — Wiefeck. 10: Hauptgottesdienst: Missionar Walther; Kollekte; 20: Erster Evangelisationsvortrag. — Alten-Vuseck. 10: Gottesdienst; Kollekte. — Trohe. 13: Gottesdienst. — Albach. 12.30: Gottesdienst; Kollekte. — Steinbach. 10: Gottesdienst; Kollekte. — Kirchberg. 10: Gottesdienst (Landesmrssionsfest). — Lollar. 13.30: Gottesdienst (Landesmissionsfest). — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; Kollekte für die äußere Mission; 11: Kindergottesdienst (1. Abteilung). — Klein-Linden. 10: Gottesdienst; 11: Kindergottesdienst. — Treis an der Lumda. 9.30: Beichte; 10: Landesmissionsfest; Kollekte für die Heidenmission; hl. Abendmahl für die Jungverheirateten; 13: Missionsgottes- dienst. — Ivahenborn-Sleinberg. 13.45: Hauptgottesdienst; 14.45: Kinderkirche. — Garbenleich. 13: Gottesdienst. — hausen. 10: Gottesdienst. — Lich. 10: Stiftsdechant Kahn. — Nieder-Bessingen. 14: Stiftsdechant Kahn. — Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst; 17: Kindergottesdienst.— Bettenhausen. 9.30: Hauptgottesdienst. — Birklar. 13.30: Hauptgottes- dienst. — Hungen. 9.45: Gottesdienst; 10.45: Kindergottesdienst. — Langd. 13: Gottesdienst. — Wirberg. 10: Kollekte. — Beltershain. 12.30: Kollekte. — Ober- Gleen. 9.30: Kindergottesdienst; 10.20: Hauptgottes- dienst. Wiefeck. Dom 6. bis 13. Januar, täglich 20 Uhr: Evangelisation; Missionar Walther. . Montag, den 7. Januar. I Lollar. 20.30 Uhr: Bibelstunde. I fuhr eine weitere Erhöhung. Eine nennenswerte Belebung des Geschäftes, insbesondere am Aktienmarkt, ist aber immer noch nicht eingetreten. Vor allem vermißt man noch Aufträge der ehemaligen Mannheimer Börsenkundschaft; selbst für die früher dort beheimateten Papiere tritt nur ganz geringe Nachfrage auf. Indessen erhielt die Börse eine Stütze und Anregung von der gestrigen Treuekundgebung für den Führer. Vom Publikum lagen hauptsächlich Orders wieder für den Rentenmarkt vor, und da auch die Kulisse sich weiter lebhaft am Geschäft beteiligte, waren die Umsätze in einigen Spezialwerten ziemlich groß. Bevorzugt wurden erneut Kommunal-Umschul- dung und Zinsvergütungsscheine mit je plus 30 Pf. Lebhafter waren auch wieder Städte-Altbesitz zu 100 o. H. (99,75). Daneben blieben Reichsbahn- VA., Stahlverein-Bonds, Altbesitzanleihe mit je plus 0,40 v. H. und Reichsmark-Anleihen aus umgetauschten Dollar-Bonds mit zirka plus 0,25 bis 0,50 d. H. gesucht. Späte Reichsschuldbuchforderungen lagen mit 98,50 voll behauptet. Von fremden Werten waren Mexikaner bei Kurserhöhungen bis zu 0,50 v. H. stärker gefragt, auch für Serben hielt im Freiverkehr das Interesse an. An den Aktienmärkten überwogen bei nicht ganz einheitlicher Kursgestaltung Befestigungen von durchschnittlich 0,50 bis 0,75 v. H. Schwächer waren jedoch JG.-Farben auf angebliche Auslandsabgaben mit minus 1,25 v. H. auf 134,25, ferner gingen Hanfwerke Füssen um weitere 1,25 v. H. auf 58,50 und Feinmechanik Setter, Daimler-Motoren und Schiffahrtsaktien bis zu 0,50 v. H. zurück. Montanaktien zogen fast durchweg bis 0,65 v. H. an, Rheinstahl erhöhten sich bei lebhafterem Umsatz auf 88,75 bis 89,25 (87,75). Von Elektropapieren gewannen Bekula 1,25 v. H., Schuckert und Siemens je 0,50 v. H., AEG. lagen mit 28,40 bis 28,25 gut behauptet. Sonst eröffneten u. a.: Reichbank 0,50 v. H., Zellstoff Aschaffenburg 0,25 v. H.. Im Verlause wurde das Ausmaß der Umsätze allgemein geringer, auch am Rentenmarkt. Die Aktienmärkte lagen etwas uneinheitlich, zumeist bröckelten die Kurse leicht ab. So u. a. Mannesmann, Deutsche Erdöl, Zellstoff Waldhof, AEG. (—0,75 v. H.), Zellstoff Aschaffenburg, Mainkraft und Felten. Etwas fester waren nochmals Rheinstahl, Reichsbank und Moenus-Maschinen. JG.- Farben lagen bei unverändert 134,25 bis 134,50 v. H. Am Kassamarkt erhielt sich etwas Nachfrage für Bank- und einige Jndustrieaktien. Die anfangs festen Rentenkurse blieben zwar behauptet, das Geschäft wurde aber wesentlich ruhiger. Fester waren noch Städte-Altbesitz auf 100,25. Goldpfandbriefe gewannen von 0,25 bis 0,50 v. H., Kommunal-Obligationen teilweise bis zu 1 v. H. Liquidationspfandbriefe lagen im ganzen nur wenig verändert. Stadtanleihen zeigten weitere Befestigungen von 0,50 bis 0,75 v. H., auch Staatsanleihen zogen z. T. weiter an. Von fremden Werten lagen noch Ungarn bis 0,25 v. H. freundlicher. Am Geldmarkt machte die Verflüssigung Fortschritte, Tagesgeld 3,25 (3,50 v. H ). Abendbörse: Aktien behauptet, Renten fest. Angesichts des bevorstehenden Wochenschlusses und des nur kleinen Ordereinganges lag der A k - tienmarkt an der Abendbörse sehr, ruhig. Die Kursentwicklung war gegen den Berliner Schluß nicht ganz einheitlich, zumeist traten aber nur ganz geringe Veränderungen ein. Am Kassamarkt zogen Franks. Hyp.-Bank um 1 v. H. auf 90 und Pfälz. Hyp.-Bank um 0,50 v. H. auf 88,50 an. Der Rentenmarkt verkehrte in weiter fester Haltung. Bei Eröffnung lagen die Kurse zunächst kaum verändert, später entwickelte sich auf Käufe der Sparkassen und Girozentralen lebhafteres Geschäft. Kommunal-Umschuldung gewannen 0,20 v. H., Zinsvergütungsscheine 0,30 v. H., auch Altbesitzanleihe lagen 0,13 o. H. fester, während späte Reichs- schuldbuchforderungen unverändert blieben und Stahlverein-Bonds 0,25 v. H. nachgaben, Reichsbahn-DA. lagen 0,25 v. H. fester. Pfandbriefe und Stadtanleihen blieben auf der Mittagsbasis unverändert. Von Auslandsrenten blieben Mexikaner etwa behauptet, 3,50 v. H. Schweiz. Bundesbahn Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Sowohl der letzte Getreidegroßmarkt im alten Jahre, als auch Oer erste im neuen Jahre nahm einen außerordentlich stillen Verlauf. Die Zufuhren in Weizen und Roggen waren im Verhältnis zur Nachfrage mehr als ausreichend. Mit dem Inkrafttreten der um 1,50 RM. per Tonne höheren Festpreise für Januar hat das Angebot noch zuaenomrnen. Die Mühlen zeigten angesichts des fortdauernden schleppenden Mehlabsatzes keine Aufnahmeneigung, nur ganz vereinzelt wurde hier und da ein geringes Quantum zum Festpreis gekauft. Arn Roggenmarkt machte sich keine Forderung auf Gegen- und Tauschgeschäfte mehr bemerkbar. In F u 11 e r g e t r e i b e ist bis jetzt noch keine Steigerung des Angebots eingetreten. Hafer war kaum noch zu erhalten, auch Futtergerste wird nur unzureichend offeriert. Die Nachfrage nach beiden Artikeln blieb indessen sehr stark. Für diese beiden Getreidearten blieben die Gegenforderungen von oelhaltigen Futtermitteln und Kleie noch wirksam, doch wurden Abschlüsse dieser Art nicht bekannt, da einmal seitens der Oelmühlen und Fabriken keine Zuteilungen erfolgten, zum andern auch nur geringes Angebot in Kleie und anderen Mühlennach- fabritaten vorlag. Am Rauhfuttermittelmarkt blieb das Geschäft ebenfalls ruhig, die letzten Preise lagen unverändert. Am M e h l m a r k t hielt die außerordentliche Geschäftslosigkeit in vollem Umfange an. Lediglich für Februar-Lieferung sollen kleine Abschlüsse zustande gekommen sein. Auch die Abrufe aus alten Kontrakten waren nur schleppend, insbesondere ist Roggenmehl stark vernachlässigt, wogegen für Weizenbrotmehl verschiedentlich etwas Nachfrage bestand. Die Preise blieben bis jetzt noch unverändert. Wochenbericht »om Frankfurter Schlachtviebmarkt. Das Schlachtviehgeschäft zeigte nach Beendigung der Feiertage wieder das ruhige Bild der Vorwochen. Der Bedarf des Konsums ist kleiner geworden, wodurch auch die Metzger im Einkauf zurückhaltender wurden, zumal in manchen Fällen noch Vorrat von Feiertagen her vorlag. Der Auftrieb in dieser Woche hatte sich dieser Lage angepaßt, so daß das Geschäft zwar allgemein einen ruhigen Verlauf nahm, jedoch keine Ueberftänbe von Belang verblieben. Am Großviehmarkt stauben insgesamt 904 Tiere zum Verkauf. Für Ochsen war ber Auftrieb etwas stärker als die Nachfrage, so daß bei geringen Tieren eine Einbuße bis zu 3 Mark eintrat, im übrigen aber die Notierungen der letzten Woche erhalten blieben. Bullen gaben durchweg um 1 Mark nach, dagegen blieben Kühe unverändert. Bei Färsen schwächten sich die Preise für geringe Tiere um 2 Mark ab. Die Qualität in den einzelnen Viehgattungen waren im ganzen gut. Nach ruhigem Geschäft verblieb geringer Ueberstand. Das Kälbergeschäft nahm angesichts der geringen Zufuhr von nur 623 Stück einen mittelmäßigen Verlauf, die Preise konnten sich, insbesondere für geringe und mittlere Qualitäten etwas bessern. Am Schafmarkt lagen die Preise unver- änbert, der Auftrieb von 70 Tieren wurde nach mittelmäßigem Handel geräumt. Am Schweinemarkt läßt die Nachfrage für Fettschweine mehr und mehr nach, man bevorzugt immer mehr mittlere Tiere von fetter und fleischiger Beschaffenheit. Geringe Tiere werden weiterhin vernachlässigt. Die Preise ließen nach ruhigem Geschäft leicht nach, und es verblieb bei einem Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Retchsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß v o. H. Frantturc a. JJ1. Llern .vranriun u. Di. 25er im Schluß- fürs Schlußl. Abendbörse Schluß« kurs Schluß! Mittagbörse Schluß- fürs Gchlußk. Abendbörse Schluß« fürs Gchlußf. Mittag« börse ‘ Datum 3.1. 4.1. 3-1. 4-1. Datum 3.1. 41. 3-1. 4.1. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 S% ehem.7% Dt.Reichsanl.v. 1929 6Yi% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablos.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............ 97 105 98-25 95-75 95,5 106.5 104.9 95-75 95.75 96.5 96,5 97.5 104,4 23,5 1-1 6-25 6.3 6-13 11,13 97,25 98,25 105,75 98,25 96 95,5 108 105,65 96 96 96,5 97 104,4 24,5 1,05 6,5 6,5 11,5 M 97,65 98,25 105 98,25 95,75 104,65 95,75 96,75 104,4 24,7b 1,05 6,6 6,4 6,05 11,25 97,75 98,75 105,65 98,25 96 105,4 97 97,5 104,4 6,75 6-4 6,4 11,4 1,6 4% desgl. Serie II ............ 7,9 4 6,3 3,8 29,75 24,25 29,25 80,5 94,75 74 77,25 78 148,75 28,25 134,5 102,13 113 80,5 110,75 103 94,25 138 112,25 86,9 101,75 62,5 121,5 78,5 76,25 7,9 4 6,5 3,95 30,75 24 28,9 80,75 96 74,25 77,5 79 149,5 27,5 135 102 113,25 80 110 104 94,65 138 112,25 87,13 100,75 62,75 100,25 120 78,25 75,75 7,6 6,3 3,9 29,75 24 24 29,25 80,5 95,5 73,75 77 78 148,5 28,5 134,65 102,25 113 80,5 110,65 103,5 94,25 138,5 112,75 87,25 101,9 62,5 100,5 82,13 148,5 121,5 78.25 76,5 4.25 6,4 4 30,9 23,9 23 28,9 80,75 95,5 74,25 77,75 79 149,5 27,5 135,25 102,25 113,5 78,5 110 104 94,25 138,25 112 87,25 100,5 62,65 100,75 81,75 150,5 120 78 75,75 5% Rumän. vereinh. Rente 8.1903 4'/r%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. Desgl. ohne Auslos.-Rechte...... «% efiem.8% Hess. Bollsstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ Hamburg-Amertka-Paket .....o Hamburg-Südam. Dampfschiff. o Hansa-Dampfschiff...........o Norddeutscher Lloyd .........o AG. für Berkebrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 Commerz- und Pnvat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................ o Dresdner Bank........... o Reichsbank ...... 12 A.E.G....................... Bekula...................... Elektr. Lieferungsgesellschaft... 6 Licht und Kraft ...........e Fellen L Guilleaume.........o Gesellsch.f.Elektr.Untemehmung. 5 Rheinische Elektrizität.......6 Schurken L Co...............5 Siemens L Halske............7 Lahmeyer L Lo............. 10 Buderus ...................0 Deutsche Erdöl ..............4 Gelsenkirchener..............0 Harpener...................0 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 0 Ilie Bergbau ...............6 Nie Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke .............. 0 ManaeSmamt-Röhre» ........ 0 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12................. 6y$% Hess. LandeS-Hypotheken- bank Darmstadt Liqui........ Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ..... ....... Deutsche Komm. Sammelabl. An« leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 • % ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 6Yi% ehem. iya% Franks. Hyp.° Bank-Liqu.-Psandbriefe....... 6Yi% ehem. 4«/,% Rheinische Hyp.-Banr-Liqu.«Goldpfe..... 6% ehem. 8% Pr. Landespfand. briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 • % ehem. 7% Pr. Landespfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 10 Steuergutsch. Verrechnungskurs.. 4% Oesterretchttche Goldrente.... 4,20% Oesterreichtsche Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 * ya% desgl. von 1913.......... 6% abgest. Goldmextkaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 »^Türkische Bagdadbaha-Anleihe Berlin Frankfurt a.M. Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Gchluß- turs Schluß.'. Mittag, böne Datum 3-1. 1 3-1. 4-1. Mansfelder Bergbau......... 0 83 83 83 83,5 Kokswerke.................. 0 — — 96,75 97 Phönix Bergbau............. Rheinische Braunkohlen ..... 0 49,5 49.65 49,5 49,65 10 214 213 214,25 212,65 Rheinstahl .................. 0 87,75 89 87,75 89,25 Bereinigte Stahlwerke........ 0 41,75 41,75 41,5 41.75 Olavi Minen ............... 0 13 12,5 13,13 12 5 Kaliwerke Aschersleben........ 6 110,4 109-9 109.5 Kaliwerke Westeregeln........ 6 111 110 110 —— Kaliwerke Salzdetfurth.....iy2 145 145 145 3- G. Farden-Industrie....... r 135,5 134,9 135,4 134,65 Scheideanstalt............... 9 197 197 — — Goldschmidt ................ O 90 90 90,5 89,75 Rütgerswerke............... O 98 98 97,5 97,75 Metallgcsellschast............. 0 83 84 83 83,5 Philipp Holz mann........... v 80 80 80 80,13 Zementwerk Heidelberg ...... Cementwerk Karlstadt......... 0 107 107 - 0 126 125 - — Schultheis Payenhofer ....... e — 102 102 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 48,5 48,5 47,25 48,75 Bemberg................... 0 116 117,25 116 116,75 Zellstoff Waldhof ............ 0 50,5 49,75 50,13 49,25 Zellstoff Aschaffenburg ....... 0 69 69 69 68,75 Dessauer Gas ............... 7 — — 121.65 122,75 Daimler Motoren............ 0 49 48-5 49 48,25 Deutsche Linoleum........... 0 66 65 66,25 65 Orenstein & Koppel.......... 0 89,25 88,4 Leonhard Tietz.............. 0 33,75 33,9 33,4 33,13 Ehade...................... .0 175 178,5 175 179,5 Attumulatoren-Fabrü........ 0 148 148 147,25 150 Conti-Gummt............... 0 142 140 142 141 Grttzner.................... 01 26-65 28 77 28 Mainkraftwerle Hachst * 84.75 84,75 1 Süddeutscher Zuges ......... 81 163 -I 164 169 Deoilenmarfl Berlin — Frankfurt a. Al. 9. Januar 4.Januar Amtliche Notierung Amtliche Geld Notierung Brief Geld 1 »rief Buenos Aires 0 628 0,632 0,628 0,632 Brüssel----- 58,19 58,31 58-17 58,29 Rio de Jan. 0,194 0,196 0.194 0,196 Sofia...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,50 54,60 54,29 54 J 39 Danzig..... 81,27 81,43 81,24 81,40 London..... 12,205 12,235 12,16 12,19 HelsingforS.. 5,385 5,395 5,365 5,375 Pans ...... 16,41 16,45 16,41 Holland ... 168'21 168,55 168 26 168'60 Italien..... 21,30 21,34 21,30 21.34 Japan ...... 0,710 0,712 0,707 0,709 Jugoslawien 5,649 5,661 5,649 5,661 Oslo.....: 61,35 61,47 61,11 61,23 Wien....... 48 95 49,05 Lissabon... 11.08 11,10 11,035 11,055 Stockholm... 62,94 63,06 62,70 62,82 Schweiz .... 80,72 80,88 80,72 80,88 Spanien.... 34,02 34,08 34,02 34,08 Prag....... 10,39 10,41 10,39 10,41 Budapest ... — — — Neuyork... 2,476 2,480 2,476 2,480 Banknoten. Berlins.Januar GM iMmerilanucDe «toten.............. Belgische Noten.................. Dänische Roten ................. Englische Noten ................. Französische Noten............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, 4 100 Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. Spanische Note»................. Ungarische Note» ................ 2,428 57,96 54,08 12,125 16,37 167,84 21,11 60,95 62,48 80,44 33,78 2,448 58,20 54,30 12,165 16,43 168.52 21,19 61,19 62,74 80,78 33,92