Mittwoch, 4-Dezember 1955 185. Jahrgang Ur. 285 Erster Blatt SB: Ä*A&A**A** ^Znah^u^pfeb:116 I DH ■ Ä< U l< I I B / IBS li I P l Brette^7 Rpf7für^ isss™: :s I'VIIVII'V#' V»H SVtHvv ssss.5 VJ V ÄK W.W* infolge höherer Gewalt < < ** Stellen», iBeteins., gemein- -WM General-Anzeiger für Oberhessen WW- $ behördlicheAnzeigen6Rpf. 5ranWam mai« 11688 Druck und Verlag: vrühl'sche llniverfitäts vuch- und Ztemdruckerei H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel ö Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen HaiZialien seine Ölversorgung sicherstellen können? Gerüchte von einem Monopolvertrag mit der Standard Oil Company os IlewIersey, der bei Ausdehnung der Sanktionen in Krast freien sott. Olympische Reise. Die modernen Staaten haben wenigstens i n sportlicherBeziehu na dem zerrissenen Volke der Hellenen nachgestrebt. Wie sich in den olympischen Spielen die Griechen aller Stämme versammelten, um fern der Politik dem friedlichen Kampf der Ringer und Springer, der Schnelläufer und der Pferde zuzusehen, wie der Olympione, der Sieger in diesem Wettstreit, in ganz Griechenland gefeiert wurde, und für diese Zeit die Waffen ruhten, obgleich sonst der Kampf aller gegen alle herrschte, so sind die modernen Völker seit der Wiedererweckung der olympischen Spiele übereingekommen, alle nationalen Gehässigkeiten dem Sport fernzuhalten. Es soll nicht vergessen werden, daß gerade Deutsche wie Prof. D ö r p f e l d das alte Olympia ausgruben und sich hervorragend um die Wiedererweckung der olympischen Spiele bemüht haben. Wenn wir auch nicht unsere Zeitrechnung nach Olympiaden gestalten wie die alten Griechen, die die Wiederkehr der Spiele, die alle vier Jahre erfolgte, ihrer Zeitrechnung zugrunde legten, so ist doch in allen Ländern das Jahr der olympischen Spiele ein Jahr großer Vorbereitungen. Ueberall werden die Ausscheidungskämpfe vorgenommen und nur die Vesten nehmen an diesem Kampf teil. Zum erstenmal finden die olympischen Spiele i n Berlin statt. Unter dem Willen, das Volk ohne Unterschied des Standes und des Geldbeutels sportlich zu ertüchtigen, ist ganz Deutschland eine Sportnation geworden. Die Turner und Sportler, die jetzt zu einer Gruppe vereinigt sind und die Sportbewegung der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" haben in uns das Gefühl geweckt, daß nur eine körperlich durchtrainierte Nation sich siegreich im Kampf um die Arbeit und ihre Selbstbehauptung zu erweisen vermag. Wenn die Olmypiker der ganzen Welt im nächsten Jahre nach Berlin kommen, werden sie staunen über die großzügigen Vorbereitungen, die des Reiches Hauptstadt zur Olympiade machte. Ein ganzes olympisches Dorf ist entstanden, in dem die Kämpfer umgeben von Grün und Wasser sind. Gewaltige Anstrengungen wurden gemacht, um ihre Ernährung je nach den Lebensgewohnheiten der verschiedenen Länder zu sichern. Und die Hunderttausende, die die Kämpfer begleiten, werden sehen, daß in Deutschland nicht nur Zucht und Ordnung herrscht, sondern auch der Wille, das gesamte Bild freundlich zu gestalten, und daß alle Teilnehmer an den olympischen Spielen mit reiner Herzlichkeit ausgenommen werden. Der Haß und das Mißtrauen, diese häßlichen und vergiftenden Gefühle, durch die oft die Völker voneinander getrennt sind, schweigen im Sport. Der Reichssportführer v. Tschammer und Osten hat sich nicht nur bemüht, die deutsche Nation in sportlicher Beziehung zu einigen und kräftig zu halten, sondern er hat den olympischen Gedanken der Versöhnung weitergetragen. Er ist n a ch G r lechen l a n d gereift und hat die Stätte des alten Olympia besucht, er fuhr nach Paris, um die deutschen und französischen Sportler aufzurufen, sich auch über ihre sportliche Betätigung hinaus zu verständigen und er weilt gegenwärtig in London, um in diesem Geiste weiterzuwirken. Daß die Der- ständigungsbewegung zwischen den großen Nationen Europas erstarkt, dafür sind Beweise die Gründung des Comite France-Allemagne und der Anglo- German Fellowship. Diese deutsch-französischen und deutsch-englischen Gemeinschaften umfassen Persönlichkeiten, deren Namen einen guten Klang haben und die sich bemühen, den Ausgleich der verschiedenen Auffassungen zu pflegen und das gegenseitige Mißtrauen zu beseitigen. Der französische Botschafter in Berlin, Francois Poncet, sagte kürzlich, es unterliege keinem Zweifel, daß ein Deutschland, das keine intellektuellen Beziehungen mehr zu Frankreich hätte, und ein Frankreich, das sich nicht mehr kümmert um das, was in Deutschland gedacht, geträumt, geschrieben und gedichtet werde, vermindert und verarmt dastehen würden. Eine geistige Autarkie eines Landes ist unmöglich. Wir stehen, aufnahmefähig für alle Aeußerungen fremden Geisteslebens, der Literatur und Kultur in aller Welt seit jeher besonders offen und haben geradezu den oft falsch verstandenen Begriff „Weltliteratur" erfunden. Diefe geistigen Bestrebungen, so umfangreich sie auch sein mögen, finden jedoch ihre beste Ergänzung durch jene Männer, die auch in anderen Regionen als denen des Geistes den friedlichen Wettbewerb der Völker aufnehmen. Das sind die Scharen, die sich zu den olympischen Spielen versammeln. Zu der geistigen Verständigung tritt dann die sportliche. Dieser Krieg um die höchstmögliche Vollkommenheit bringt die Nationen einander näher. So sind die olympischen Spiele des Jahres 1936, zu deren Vorbereitung sich auch die neugegründeten deutsch-englischen und deutsch-französischen Gesellschaften zur Verfügung gestellt haben, ein Ausdruck für den Verständigungswillen der Nationen. Der Reichssportführer hat im Gegensatz zu den marxistischen Bestrebungen, den Sport zu politisieren, betont, daß in Deutschland der sportliche Gedanke alle vereint habe und daß der Zweck dieser Leibesübungen darin bestehe, die Gesundheit, die Schönheit, den Kampfesmut und den Gemeinschaftsgeist der Deutschen zu stärken. Aehnliches meinte der Präsident des Comite France- Allemagne, Kommandant L'Hopital, als er sagte, die Vaterlandsliebe habe nicht ein Mißverstehen anderer Länder zur Folge, sondern das Gegenteil. Die Reifen des Reichssportführers haben bei allen denen Beifall gefunden, die auch jenseits unserer Grenzen die Beseitigung des Dölkerhasses und die Herstellung eines echten Friedens erstreben. Das ist der schönste Lohn und Erfolg dieser olym- pischen Reise. N e u y o r k, 4. Dez. (DNB. Funkspruch.) Der „Universal Service" meldet aus angeblich völlig zuverlässiger römischer Quelle, daß sich die Standard Oil Company of New Jersey von der italienischen Regierung ein Monopol für Italiens Oeloersorgung während der nächsten 30 Jahre gesichert habe. Das Abkommen solle in Kraft treten, sobald der Völkerbund gegen Italien das Oelausfuhrverbot beschließt. Das Monopol fei von Mussolini persönlich gutgeheißen worden. Die Verhandlungen seien von W. B. H a w k i n s aus Genf, dem amerikanischen Vertreter der italienischen Tochtergesellschaft der Standard Oil geführt worden. In dem Abkommen verpflichte sich die Standard Oil, die Oelbedürsnisse Italiens über d i e beschränkten Mengen hinaus zu befriedigen, die aus Amerika unter Berücksichtigung der von Roosevelt verfolgten Oelpolitik, die Ausfuhr auf der Höhe von 19 3 4 z u halten, eingeführt werden können. Der Vertrag sehe ferner einen Kredit in Höhe von 300 Millionen Dollar an die Jtalo-American Oil Company, die Tochtergesellschaft der Standard Oil, und an die von der italienischen Regierung kontrollierten Oel- gesellschaft „Agip" vor. Der Vertrag sei ohne Wissen der amerikanischen Regierung abgeschlossen worden, und schließe nicht nur fremde sondern auch amerikanische Firmen vom italienischen Markte aus. Die Verhandlungen über die Form der italienischen Entschädigung für die Kreditgewährung seien angeblich noch in der Schwebe. Die Neutralitätspolitik der Vereinigten Staaten werde durch dcn neuen Vertrag n i ch t v e r l e tz t, da die „Agip" die von Amerika zugestandene Oelmenge nicht überschreiten, sondern die zusätzlichen Oelmengen aus anderen Quellen beziehen will (Standard Oil- Konzessionen in Öftesten). * Der Präsident der Standard Oil Company of New Jersey, Walter Teagle, bezeichnete obige Meldung als „widersinniges Propa- gandaslück" und erklärte, die Konzession wäre für seine Gesellschaft unannehmbar, selbst wenn die angeblichen Bedingungen erfüllbar seien. Hoares pariser Besuch. London, 4. Dez. (DNB. Funkspruch.) Ueber die n Paris im Gange befindlichen Friedensbemühungen agt der Pariser Berichterstatter der „Times", vieles )eute darauf hin, daß Laval Mussolini gegenüber feine Hoffnung aufirgend einen französischen Schritt gemacht habe, der die O e l- perre verhindern würde, falls nicht eine zlenberung der italienischen Haltung eintrete. Es sei noch nicht sicher, ob Laval und Hoare bei ihren Zu- ammentreffen in Paris eine von ihren Sachver- tänbigen, St. Quentin und Peterson, vereinbarte Verhandlungsgrundlage vorfinden würden. Man dürfe annehmen, daß England keine Vorschläge unterstützen werde, die Italien größere Vorrechte bieten, als der Kompromißplan der Pariser Dreimächte-Konferenz. Die britische Regierung begünstigte eine Regelung, die einen Gebietsaustausch zwischen Italien und Abessinien vorsehe. Italien würde einige nicht- amharische Gebiete vermutlich im N o r d o st e n erhalten und Abessinien einen Zugang zum Meer. Eine Abtretung abessinischen Gebietes, die eine Verbindung zwischen Eritrea und Jtalienisch-Somaliland Herstellen würde, habe keine Aussicht auf britische Zustimmung. „Daily Telegraph" erklärt, Pariser Meldungen, wonach zwischen dem britischen und dem französischen Sachverständigen eine Vereinbarung über die Grundlage eines Friedensplanes für Abessinien erreicht worden fei, der jetzt Mussolini unterbreitet werden solle, werden in London als verfrüht bezeichnet. Es heiße, daß die Sachverständigen mindestens noch eine Zusammenkunft haben müßten. Man hoffe jedoch, sie Erörterungen vor dem Eintreffen des britischen Außenministers beendet zu haben. Bisher sei britischerseits nicht beschlossen worden, sich an französischen Vorschlägen für Mussolini zu beteiligen. Dies bedeute aber noch nicht, daß es nicht im Laufe der nächsten Woche zu getrennten ober gemeinsamen Bemühungen der beiden Regierungen um die Beendigung der Feindseligkeiten kommen werde. Abessinien meldet Erfolge bei Makalle. Italienische Abteilung zum Rückzug gezwungen. Addis Abeba, 4. Dez. (DNB. Funkspr.) Wie von abessinischer Seite erst jetzt bekanntgegeben wird hat sich am 30. November in der Provinz lembien bei Salama, nordwestlich von Makalle, ein erbitterter Kampf Zwischen etwa 500 italienischen Soldaten und starken abessinischen Einheiten abgespielt. Die Italiener befanden sich auf dem Marsch in Richtung Carnae, als sie unvermutet von den in den Gebirgsschluchten versteckten Abessiniern unter Feuer genommen wurden. Es entwickele sich ein stundenlanges Gefecht, bei dem etwa 50 Italiener gefallen sein sollen. Die Italiener sollen bann schließlich zum Rückzug gezwungen worben sein. Auf abessinischer Seite will man nur 15 Tote festgestellt haben. An ben Fronten im Narben unb Süben hat eine regere G e f e ch t s t ä t i g k e i t begonnen. Am Dienstagabend tarn es bereits zu einigen kleineren Vorpostengefechten vor Makalle. Die Abessinier zogen sich schnell zurück. Es kann mit ziemlicher Sicherheit behauptet werden, daß die Abessinier nicht nur a u f Makalle anrücken, sondern auch einen geeigneten Weg für einen Vorstoß überben Takazze-Fluß suchen. ßonbon, 4. Dez. (DNB. Funkspr.) Die beutsche unb bie englische Fußballmannschaft wohnte am Dienstagabend einer V a r i e t e - V o r st e l - l u n g im Pallabium-Theater bei. Die erste Gruppe beutscher Fußballgäste traf heute früh um 5.30 Uhr auf ber Victoria-Station ein. Trotz ber frühen Morgenstunbe hatte sich eine Anzahl Personen zur Begrüßung eingefunben. Um 4 Uhr morgens kam m Folkestone ein Dampfer mit ZOO Personen aus Köln, Düsseldorf und Krefeld an. Ein anderer Dampfer, der eine Gruppe aus dem Saargebiet brachte, traf aus Dünkirchen mit einftünoiger Verspätung um 6.30 Uhr in Folkestone ein. Er brachte auch zahlreiche französische Besucher mit. Eine weitere Gruppe der insgesamt zehntausend Sportfreunde, die dem heutigen Fußballkampf beiwohnen wollen, traf um 3 Uhr früh an Bord des Dampfers „Prinz Charles" aus Ostende ein. Fünf weitere Dampfer mit über 7000 Fahrgästen werden noch in Dover erwartet. Die Londoner Polizei hat umfassende Maßregeln für die Zusammenziehung der 350 Autobusse getroffen, die die deutschen Besucher nach der Ankunft aufnehmen werden, um ihnen vor dem Spiel eine kurze Besichtigung Londons zu ermöglichen. Noch vor Tagesanbruch legte der Dampfer „C o - lumbus" mit 1600 deutschen Fußballgästen an Bord am K a i von Southampton an. Das erste, was die Besucher erblickten, war ein 9 Meter langes Flaggentuch, das, mit einem Scheinwerfer beleuchtet, die Inschrift zeigte: „Die Fußballfreunde Southamptons heißen die deutschen Fußballfreunde willkommen." Die englische Musikkapelle an Land spielte das Deutschland-Lied und die englische Nationalhymne. Eine Gruppe von eng- Englischer Flottenstützpunkt auf Lemnos? Kairo, 3. Dez. (DNB.) Gerüchtweise verlautet, daß England den Hafen Mudros auf der griechischen Insel Lemnos im Aegäischen Meer a l s Flotten st ützpunkt übernommen habe. Damit hätte England nach Gibraltar und dem Suezkanal auch den dritten Ausgang aus dem Mittelmeer an den Dardanellen unter Kontrolle, was für die sowjetrussische und rumänische Petroleumausfuhr durch die Dardanellen besonders bedeutsam wäre. lischen Sportfreunden und Vertretern von Fußballverbänden begab sich an Bord, um die Gäste zu begrüßen. Die Gäste, unter denen sich 150 Frauen befinden, traten dann in drei Sonderzügen die Fahrt nach London an. Während in London der Länderkampf ausgefochten wird, soll in Southampton ein „internationales Seemannswettfpiel" veranstaltet werden. An ihm wird die Besatzung des „Columbus" teilnehmen, der mehr als 1600 Besucher gebracht hat. Die andere Seite wird aus Seeleuten von Southampton gebildet. Die Fußballmannschaft des „Columbus" ist bisher noch niemals geschlagen worden. Das Interesse in der Hafenstadt ist außerordentlich groß, der Bürgermeister selbst wird den Ball ins Feld stoßen. In der „Daily Mail" wird ein neuerlicher Protest bes Gewerkschaftskongresses mit Schärfe verurteilt. Das Blatt sagt: „Die britische Oeffentlichkeit begrüßt die deutsche Fußballmannschaft von Herzen und wünscht ihr ein ausgezeichnetes Spiel. Dieser Kamps erhält ein besonderes Interesse wegen des plumpen Versuches des Gewerkschaftskongresses, sein Zustandekommen zu verhindern. Wer sind die Gewerk- schaftsleiter, bie sich so dumm und geschmack- l o s aufführen? Sie haben immer von ihrem großzügigen Kameradschaftsgefühl und ihrer internationalen Stimmung geschwätzt. Aber wenn es sich um einen internationalen Fußballkampf handelt, wollen sie anscheinend nur Marxisten erlauben, auf britischen Sportplätzen zu spielen. Ihr Versuch, Sport und Politik miteinander zu vermengen, ist überall verurteilt worden." Der Beamte im nationalsozialistischen Staat. Eine Astede des Gauleiters in Frankfurt. Frankfurt a. M., 3. Dez. (DNB.) In einer großen Kundgebung des Amtes für Beamte fetzte sich Reichsftatthalter Gauleiter Sprenger mit dem Verhältnis der Beamten zu Partei und Staat auseinander. Der Beamte sei der Vertrauensmann des Führers ebenfowohlwieder des Volkes. Jeder Beamte habe die Gelegenheit, in die nationalsozialistische Gegenwart hineinzuwachsen. Er dürfe sich niemals ausschliehen und müsse auch dafür sorgen, daß feine Kinder in der Hitlerjugend zum Nationalfozialismus erzogen würden. Beamter könne in Zukunft nur werden, der die Hitlerjugend vorbildlich durchlaufen habe. Die Partei behalte sich das Zustimmungsrecht bei Beamtenernennungen vor. Dies fei bei der Justizverwaltung bereits durchgeführt, andere Ressorts würden folgen. Damit fei sichergestellt, daß künftig nur der Beamter werden könne, der willens fei, Nationalsozialist zu sein. Der Marsch der Partei und der Marsch der Staatsverwaltung seien eins. Alle Volksgenossen sollen Nationalsozialisten sein, also denen nachstreben, die als Kämpfer bewiesen haben, daß sie für das Volk sind. Die B eft e n der Volksgenossen sollen, so will es der Führer, Parteigenossen werden. Das kann immer nur eine Minderheit fein. Die Besten dieser Minderheit aber sollen zur Führung des Staates in feinen Aemtern berufen fein. Anschließend behandelte er die Frage der Ernährung des deutschen Volkes. Es fei kein Gedanke daran, daß wir etwa einer Hungersnot entgegengingen. Mehl für schwarzes und weißes Brot und ebenso Kartoffeln feien im Ueber« flufj vorhanden, und das feien die Hauptnährmittel, auf die es ankomme. Was fehle, fei nur ein gewisser Prozentsatz Fett. Aber hier sei die Frage zu stellen, ob wir lieber einen Ueber- f [u6 an Fett haben wollten oder die Sicher- stellung der Arbeitsmöglichkeiten durch Beschaffung der Rohstoffe, die für die Devisen gekauft würden, die man für das Fett nicht opfere. Jrn übrigen sei genügend Fett im Lande, daß die deutsche Hausfrau sich so einrichten könne, daß die ausreichende Ernährung der Familie gesichert fei. In einem Rückblick auf die Entwicklung Deutschlands und seine Neuordnung wies der Gauleiter auf die geniale Hand des Führers hin, die in alle dem Geschehen zu spüren und zu erblicken sei. Erste Tagung des Landeskirchen- ausschuffes Kurheffen-Waldeck. LPD. Kassel, 3. Dez. Montag oormittaa trat der vom Reichsminister K e r r I ernannte Landeskirchenausschuß für die Landeskirche Kurheffen-Waldeck zu seiner ersten Tagung im Sitzungssaal des Landeskirchenamts zusammen. Nach einleitenden Worten des Oberlandeskirchenrats Dr. Mahrenholz, des stellvertretenden Vorsitzenden des Reichskirchenausschuffes, hat der Landeskirchenausschuß zum Vorsitzenden Pfarrer D. Happich bestellt. Stellvertretender Vorsitzender ist Landgerichtsrat Dr. Fricke, Schriftführer Pfarrer Haupt. Sv wie Gauleiter Sprenger am kommenden Samstag, 7. Dezember, 16.00 bis 19.30 llhr, an der Sauptwache in Frankfurt a. Al. für unverschuldet darbende Volksgenoffen sammelt, sind im ganzen Gau zur selben Zeit führende persSnltchkeiten der AEDAP. und all ihrer Gliederungen, Beamte des Staates und der Gemeinden, die Vertreter der AeichSkultur- kammer (fiünflkr des Theaters, Sauptschrtfi- leiter, Musiker, Sänger usw.) als Sammler tätig und bekunden ihren Willen, das unselige Srbe der früheren Politik überwinden zu helfen StarkesInteresse für den Fußballkampf Deutschland-England. Tausende von Zuschauern vom Kontinent eingetroffen.-Internattonales See- mannswettspiel in Southampton. - Marxistischer Protest scharf zurückgewiesen. Das Kabinett Laval im Endkampf mii der Kammer. Stürmischer Auftakt in -er parlamentarischen Aussprache über -ie Kampfbün-e. Paris, 3. Dez. (DNB.) Die langerwartete Aussprache über die Kampfbünde begann vor spärlich besetzten Bänken. Der kommunistische Abgeordnete Ramette brachte Schriftstücke und Zeitungsausschnitte vor, die die Gefährlichkeit der „Feuerkreuz- ler" und der übrigen „faschistischen Bünde" und die „sträfliche Duldsamkeit" der Regierung beweisen soll. Der radikalsozialistische Abgeordnete Rucart warf der Regierung vor, die Bünde trotz wiederholter Herausforderungen ermutigt zu haben. Die Regierung habe Aufforderungen zum Mord und zu Gewalttaten und Generalproben zum Bürgerkrieg zugelassen. Als der Sprecher einige Fälle aufzählte, in denen angeblich Angreifer gegen politische Persönlichkeiten nicht zur Verantwortung gezogen worden seien, und als er besonders an die Verletzungen des Abgeordneten Elbel erinnerte, der bei einem solchen Zusammenstoß ein Auge verloren habe, bemächtigte sich der Kammer steigende Unruhe. Von der linken Seite des Hauses wurde wiederholt der Rücktritt des I u st i z m i n i st e r s gefordert. Ministerpräsident Laval erwiderte, daß eine Untersuchung eingeleitet worden sei. Die Worte des Ministerpräsidenten gingen in dem Lärm unter, der von der linken Seite des Hauses kam. Die Unruhe dauerte fort, als der Justizminister anschließend seine Haltung in den erwähnten Fällen rechtfertigen wollte. Der Kammerpräsident hob schließlich die Sitzung auf. Nach der Sitzungspause setzte Rucart seine Kritik an der Haltung der Regierung fort. Die Verordnung zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung hätte auf Seiten der Bünde nur Lachen hervorgerufen, sie enthalte kein Wort von der privaten Miliz, deren Auflösung schon der Ausschuß vom 6. Februar verlangt habe. „Die Menge vom 14. Juli" (damit ist die Kundgebung der Volksfront an der Bastille gemeint) habe kein Vertrauen mehr zur Regierung. * In Frankreich hat der politische Winterfeldzug begonnen. Der Bauernsohn aus der Auvergne, der gegenwärtig die französische Politik als Ministerpräsident führt, Pierre Laval, hat es vermöge seiner Leihen Verhandlungstaktik erreicht, daß die ersten Angriffe der gegnerischen Vorhut zurückgeschlagen wurden. Der Kammersieg, den er in der vergangenen Woche in der Haushaltsfrage über die Linksparteien davontrug, ist noch in Erinnerung. Aber Laval ist nicht nur ein defensiv eingestellter Mensch, sondern er geht, wenn ihn die Verhältnisse dazu zwingen, auch mutig zur Offensive über. Das zeigt sich jetzt in der zweiten Woche der französischen Parlamentssession, wo die Kommunisten und die Sozialisten das schärfere Geschütz gegen die von ihnen so genannten „faschistischen Verbände" auffahren. Etwa ein Dutzend Interpellationen hpt die Linke in dieser Frage eingebracht. Aber die Regierung hat ihrerseits dieses heikle Thema — heikel deshalb, weil auch die Radikalsozialisten Herriots am liebsten ein Verbot der Rechtsverbände sehen würden — bei den Hörnern gepackt, indem sie auf die taktischen Vorteile verzichtete, die ihr die parlamentarische Geschäftsordnung durch die gleichzeitige Beratung der Verbände und des Haushalts bot. Laval hat schon vor einer Woche in der Kammer erklärt, daß die Regierung nicht eine bloße Bewährungsfrist zu erhalten wünsche, sondern daß sie eine klare Entscheidung herbeiführen wolle. Man darf also gespannt sein, ob die kommende Abstimmung das energische Vorgehen der Regierung rechtfertigen wird. Einstweilen jedenfalls ist Laval der marxistischen Opposition dadurch zuvorgekommen, daß er sich mit der ununterbrochenen Beratung der Kampfbundfrage einverstanden erklärte. Wenn man überhaupt über bevorstehende Entscheidungen eines so unzuverlässigen, schwankenden Gremiums, wie es ein Parlament darstellt, im Voraus ein Urteil abgeben will, so muß man nach vorsichtiger Abwägung aller Umstände wohl zu dem Schluß kommen, daß Laval sich auch dieses Mal gegenüber der Meute seiner Widersacher behaupten wird. Auch in Frankreich glaubt wohl niemand ernstlich an einen Kabinettsturz. Denn wer sollte die Nachfolge Lavals übernehmen? Rein zahlenmäßig hat die „Volksfront" die Mehrheit im Parlament. Aber so einig dieses Linkskonglomerat im Negativen ist, so uneinig ist es im Positiven. Die „Front commun“ — Kommunisten, Marxisten und Radikalsozialisten — hat kein gemeinsames, f e st umrissenes politisches Programm. Sie ist daher auch nicht fähig, die Verantwortung für eine neue Staatsführung zu übernehmen. Der von den Kommunisten eifrig geschürte Haß gegen die nationalen Frontkämpferverbände mag daher zu einigen rednerischen Explosionen in der Kammer führen. Doch ist es unwahrscheinlich, daß sich Laval das Gesetz des Handelns entreißen läßt, indem er der Forderung nach Auflösung der Rechtsverbände entspricht. Denn für sehr viele und nicht die schlechtesten Franzosen sind heute die Frontkämpferbünde — an ihrer Spitze das „Feuerkreuz"! — das Gewissen der Nation. Günstige Prognose für Laval. Die pariser presse spürt eine wachsende Entspannung. Paris, 4. Dez. (DNB. Funkspruch.) Der Beginn der Aussprache über die Kampfbünde hat nach Ansicht der Pariser Presse nicht das gebracht, was die in der Öffentlichkeit seit sechs Monaten stark behandelte Frage versprochen habe. Die Stimmung in der Kammer sei nicht übermäßig nervös geworden. Wenn die Abkühlung der Leidenschaften zugunsten der Regierung Laval spreche, so seien doch unvorhergesehene parlamentarische Zwischenfälle eine Gefahr. — Nach Ansicht des „Echo de Paris" liegen die großen Erfolgsaussichten für Laval in der Tatsache, daß man für ihn keinen Ersatzmann wisse. In der „Republique" äußert sich der Innenminister des 6. Februar 1934, der Abg. F r o t, verhältnismäßig beschwichtigend. Er ist erstaunt darüber, daß die Führer der Kampfbünde ihrerseits beruhigende Versicherungen gegeben hätten, und möchte nun wissen, ob diese ernst gemeint seien, und Entspannung bringen könnten oder nur unehrlich gemeint seien. Frot benutzt diese Gelegenheit, um seinerseits zu versichern, daß die Volksfront keinerlei Angriffe vorbereite, sondern nur von dem Willen beseelt sei, die persönliche und die öffentliche Freiheit in dem Maße zu verteidigen, wie sie mit Gewalt bedroht werden würde. Wenn die Feuerkreuzler genau so dächten, dann möge man es deutlich sagen, und auf eine allgemeine Entspannung hinarbeiten. Man möge unverzüglich für die Entwaffnung der politischen Verbände sorgen und die moralische Sicherheit wieder .herstellen. Im „Populaire" bläst dagegen der Marxistenführer Leon Blum zum Kampf. Nach seiner Ansicht sei bereits erwiesen, daß die militärähnlichen Einheiten der Faschisten nicht nur bewaffnet seien, sondern auch, daß sie von ihren Waffen Gebrauch machen und einen militärischen Gewalt st reich planten. Ihre Führer bereiteten einen Anschlag auf die republikanische Staatsform vor. Sie wollten sie mit Gewalt stürzen. Es sei erwiesen, daß der Regierungschef gegen alle von ihm gegenüber der republikanischen Mehrheit übernommenen Verpflichtungen verstoßen habe, und daß seine absichtliche Blindheit oder seine beharrliche Gefälligkeit nichts anderes als mit der Bezeichnung Beihilfe belegt werden könne. Der Führer der vaterländischen Jugend, Abgeordneter T a i t t i n g e r, schreibt dagegen: Wann haben denn die Kampfbünde jemals die republikanische Staatsform bedroht? Wann haben sie die Wirtschaftsform angegriffen? Wann haben sie das Heer und die Fahne geschmäht? Die Kampfbünde wollen eine saubere Republik und ein sauberes Parlament, sie wollen ein starkes, geachtetes Frankreich. An die Fabel von der Notwendigkeit einer Verteidigung der Republik glauht niemand. Die Kampfbünde verhindern die Revolution und insofern verteidigen sie die Republik. Eröffnung -es neuen britischen Parlaments. Die Thronre-e verspricht Behauptung -es alten Kurses. — Die Meinung -er Opposition. London, 3. Dez. Das neue Parlament ist am Dienstagmittag eröffnet worden. Die Thronrede des Königs wurde vom Lordkanzler im Oberhaus verlesen. Sie beginnt mit der Feststellung, daß d i e Beziehungen zu den fremden Mächten nach wie vor freundschaftlich seien. Die. Außenpolitik gründe sich auf eine unzweideutige Unterstützung des Völkerbundes. Die Regierung bleibe gewillt, in Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern des Völkerbundes die Verpflichtungen der Genfer Satzung zu erfüllen. Insbesondere sei sie entschlossen, zu jeder Zeit ihren Einfluß für die Erhaltung des Friedens geltend zu machen. In Verfolg dieser Politik habe sich die Regierung verpflichtet gesehen, in Zusammenarbeit mit fünfzig Völkerbundsstaaten gewisse Maßnahmen wirtschaftlicher und finanzieller Natur gegen Italien anzuwenden. Weiterhin werde sie auch künftig ihren Einfluß zugunsten eines Friedens ausüben, der für alle drei Par - t e i e n, Italien, Abessinien und den Völkerbund annehmbar sei. Die Thronrede erwähnt hierauf kurz die demnächst in London beginnende Flottenkonferenz. Der König vertraue darauf, daß die Arbeiten der Konferenz von Erfolg gekrönt sein würden. Die Erfüllung der internationalen Verpflichtungen aus den Völkerbundssatzungen ebenso wie der angemessene Schutz des Britischen Reiches machten es zu einer zwingenden Notwendigkeit, die Mängel in der Landesverteidigung zu beseitigen. Die Thronrede kündigt dann die Fortsetzung der Bemühungen zur Förderung der wirtschaftlichen Erholung. Besondere Aufmerksamkeit werde man den Gebieten schenken, wo die Arbeitslosigkeit am größten sei. Die Vereinheitlichung der Verkaufseinrichtungen des Bergbaues sei ins Auge gefaßt, Gefälle und Schürfgerechtsame sollten unter staatliche Kontrolle gestellt und die Sicherheitsverhältnisse unter Tage verbessert werden. Die Modernisierung des Eisenbahnwesens soll durch eine Anleihe unter Staatsgarantie eingeleitet werden. Beginn der Aussprache im Unterhaus. Wegen der Hoftrauer sind die üblichen prunkvollen Zeremonien bei der Parlamentseröffnung unterblieben. Bei dem Eröffnungsakt wurde der König durch die königliche Kommission vertreten, deren Führer der Lordkanzler ist. Im Unterhaus wurde dann die Dankadresse an den König von dem neugewählten Abgeordneten Wakefield verlesen. Er ist Fliegerleutnant und bekannter internationaler Rugby-Spieler. Nachdem Wakefield das Beileid der Abgeordneten zum Tode der Schwester des Königs ausgedrückt hatte, erklärte er u. a., die bisher verfolgte Sühnepolitik werde von der überwältigenden Mehrheit des englischen Volkes unterstützt. Der Führer der Arbeiteropposition Attlee erklärte, die Opposition lehne die Thronrede des Königs ab. Sie berücksichtige die dringenden außenpolitischen Angelegenheiten nur in sehr geringem Maße. Die englische Regierung habe Italien zu gelinde behandelt und in den letzten vier Jahren dauernd zwischen den Völkerbundsgrundsätzen und imperialistischen Gesichtspunkten geschwankt. Die Auffassung, daß ein Plan zur Beilegung des italienisch-abessinischen Streitfalles auch für Italien annehmbar sein müsse, sei gesetzwidrig. Der Hauptpunkt in der Thronrede sei natürlich die Aufrüstung. Auch hinter dem geplanten Ausbau der Luftverbindungen stecke die Absicht einer Verstärkung der Luftaufrüstung. Ministerpräsident Baldwin erklärte, in Artikel 8 der Genfer Satzung heiße es, daß die Erhaltung des Friedens die Verminderung der nationalen Rüstungen auf den niedrigsten Stand gebiete, der mit der n a t i o n a l en Sicherheit und der Erhaltung internationaler Verpflichtungen durch gemeinsames Vorgehen vereinbar sei. Hier stehe nichts davon, daß die Sicherheit eines Landes ausschließlich aus dem internationalen Schutz beruhen solle. Aber als derjenige, der die Verantwortung für das englische Staatsschiff in höchst schwierigen Gewässern trage, werde er keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um den Frieden anstatt den Krieg zu sichern. Wenn der Völkerbund auf Grund der oft erwähnten Bedingungen dem augenblicklichen schrecklichen Streitfall ein Ende bereiten könne, dann werde jeder in Europa, der den Frieden liebe, hierfür dankbar sein. Baldwin erwähnte eine Bemerkung eines Vorredners über einseitige Aufkündigung von Verträgen und erklärte: „Es ist durchaus wahr, daß die Heiligkeit der Verträge geachtet werden muß. Das bedeutet aber nicht, daß irgenein gegebener Vertrag nicht abgeändert werden kann, oder daß er für alle Zeiten die Gestalt behalten muß, die er heute hat. Aber die Modifizierung eines Vertrages ist etwas anderes als eine Aufkündigung' (repuckwtivn). (Beifall.) Die einseitige Aufkündigung bedeutet die Herrschaft der Gewalt. Das Zerreißen eines Vertrages will dcks moderne Europa verhindern. Alle Ereignisse dieses Jahres haben dies klar zum Ausdruck gebracht, weil zum Angreiferstaat ein Land erklärt worden ist, mit dem alle Länder Europas auf freundschaftlichem Fuße stehen. England werde jedoch festzustellen versuchen, ob es einen ehrenhaften Weg gebe, um diesen Streitfall nach Maßgabe der Bedingungen zu beenden, die sich den beiden Parteien und dem Völkerbund nach Prüfung selbst empfehlen Ser Vorsitzende der Oppositionsliberalen (Sir Archibald Sinclair nannte den Wahlsieg der Regierung eine Der - trauens? unbgebung für Baldwin. Die Negierung müsse vor einer Rückkehr zur früheren Art des Lavierens gewarnt werden. Von der heute in Regierungskreisen vertretenen Ansicht, man müsse im afrikanischen Krieg eine für d i e drei Parteien (Italien, Abessinien und Völkerbunds annehmbare Regelung erstreben, wollte Sinclair nichts wissen. Ein solches Ergebnis würde keinen der drei Beteiligten befriedigen. Sollte es keinen klaren Sieg der Gerechtigkeit über den Rechtsbrecher geben, dann werde das Ende des abessinischen Krieges die Saat zu neuen Kriegen sein. Ferner erwähnte der Redner noch die Notwendigkeit, die wirtschaftlichen Ursachen von Kriegen auszumerzen, zu denen er besonders die Frage der kolonialen R o h st o f f e rechnet. Er bestritt, daß das Land sich bei den Wahlen zu den Fragen der Aufrüstung geäußert habe, die Regierung habe nichts bestimmtes über ihre Pläne mitgeteilt. Der Abänderungsantrag der Arbel- teroppofition zur Antwortadresse auf die Thronrede ist am Dienstagabend von dem neugewählten Vollzugsausschuß der Partei erwogen worden. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß der Abänderungsantrag der Regierung vorwirft, sie habe vor Ausbruch der abessinischen Krise dem Völkerbund keine tatkräfti g e Unter st ützung zuteil werden lassen. Der Antrag wird voraussichtlich auch Kritik daran üben, daß die Thronrede keine umfassend en Pläne für die notleidenden Jndustriebezirke und keine deutlichen Vorschläge zur Umänderung der Bedingungen für den Bedürftigkeitsnachweis der Arbeitslosen enthalte. Dr. Hanfstaengis Veleidigungs- klage gegen den „Daily Expreß" London, 3. Dez. (DNB.) Die feit Dezember 1934 schwebende Ehrenbeleidigungsklage des Ausland s p r e f s e ch e f s der NSDAP. Dr.Ernst Hanfstaengl gegen den bekannten Londo - ner Expreß-Zeitungskonzern Lord Beaverbrooks kam am Freitag, 29. November, vor dem englischen Gerichtshof zur Verhandlung. Schon der erste Verhandlungstag brachte für Dr. Hanfstaengl und seine Privatsekretärin Frau Agathe Hausberger ein mehrstündiges Kreuzverhör, in dessen Verlauf trotz der Versuche von - feiten des gegnerischen Anwalts Sir Patrick Hastings die Stellung des Dr. Hanfstaengl vollständig unerschüttert blieb. Eine Reihe unvorhergesehener Wendungen, die die Folge der durchaus sachlichen Einstellung Dr. Hanfstaengis waren, führten bereits am Montagmorgen zum Angebot einer gütlichen Einigung durch den Gegner. Trotz der ausgesprochen günstigen Prozeßlage entschloß sich Dr. Hanfstaengl im allgemeinen Interesse zu einem Abbruch des Verfahrens, nachdem die Gegenseite erstens lm offenen Gerichtssaal ihre Beleidigungen zu rückgenommen und ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht und zweitens die lieber» nabme öer gesamten Dr. Hanfstaengl entstandenen Kosten zugefichert hatte. Es ei hinzugesügt, daß von.Dr. Hanfftaengl der Gerichtsweg gegen den „Daily Erpreß" erst 'dann beschritten worden ist, als sämtliche Bemühungen, die Angelegenheit auf friedlichem Wege beizulegen, felilgeschlagen waren. Die Verteidigung des Dr. Hanniaengls lag in den Händen der berühmten Londoner Anwaltsfirma Kenneth, Brown Baker und des bekannten Kings Council Sergeant ^o n. Wie wir hören, hat seinerzeit' der (5lpre^t ■ bie Meldung eines amerikanischen Blattes über ferne angebliche abfällige Aeußerung des Auslandspressechefs der NSDAP. Dr. Hanf- staengl über eine englische Universität, und zwar n gehässiger Form, wiedergegeben. Durch den Ausgang des Prozesses ist nustmehr klar erwiesen daß solche Aeußerungen von Dr. Hanf- sta-NKl n t Cf) t g e m a Cf) t wurden, sondern daß der »Daily Expreß zumindest das Opfer einer Täuschung geworden war. „Sicherheit für Japan." Von unserem N W.-Berichierstatier. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! , Tokio, November 1935. Die große F l o 11 e n p a r a d e in Tokio nach Beendigung der diesjährigen Manöver vermittelte ein anschauliches Bild von der beträchtlichen Stärke dieser Streitmacht, die der Stolz Japans ist. In der Tat kann man sich dem Eindruck nicht» entziehen, daß sich in den Großkampfschiffen, den schnellen Kreuzern, den modernen U-Booten, den Torpedobootsund Zerstörerflottillen und endlich in den Flugzeugträgern und Flugzeugmutterschiffen eine Kraft zusammenballt, die „stark genug ist, der Lebens- l i n i e des Kaiserreichs Schutz und Rückhalt zu verleihen". Mit dem Begriff „Lebenslinie" verbindet der Japaner schlechthin die „von der Geschichte Übertragene Aufgabe, den Frieden im Fernen O st e n sicherzustellen." Die zu sichernde Friedenszone ist zunächst ein rein strategisch-militärischer Begriff, d. h. innerhalb dieser Zone sollen alle Ängriffsmöglichkeiten auf Japan beseitigt werden. Sie ist ferner ein strategisch-wirtschaftlicher Begriff, d. h. Japans Absatzgebiete und umgekehrt die Versorgung mit Rohstoffen sollen feindlichem Eingriff entzogen werden. Innerhalb dieser Friedenszone find wieder zwei Fronten zu unterscheiden: die kontinentale Front im Norden und Osten und die pazifische maritime Front im Südosten (Formosa), Süden (äquatoriale Südseemandate), Osten (180. Grad) und im Nordwesten die Aleuten. Die Friedenszone zeigt gleichzeitig die Stärke der von Japan geforderten Vormachtstellung auf, die sich mehr und 'mehr zu dem Begriff des „j apa= nischen Imperiums" verdichtet hat. Japans Gegner sind infolgedessen alle diejenigen Staaten, die den Anspruch Japans als „stabilisierenden Faktor in Fernost" (so bezeichnet Japan seine imperialistischen Ansprüche) nicht gelten lassen wollen. Das sind also Rußland, England und die Vereinigten Staaten, während China notgedrungen in die Rolle des „neutralen Zuschauers gedrängt ist". Die Holländer werden als „aufmerksame, nach den sichersten Gelegenheiten zur Verteidigung ihres Kolonialbesitzes spähende Beobachter" bezeichnet, ebenso wie die Philippinen, deren Zukunft nach Erreichung der „Unabhängigkeit" vorwiegend von wirtschaftlichen Erwägungen bestimmt wird. Ueber den Ausgang eines Krieges gegen die vereinigte Front Sowjetrußlands, Englands und Amerikas ist kein Zweifel möglich. Darüber werden sich auch diejenigen japanischen Kreise im klaren sein, die von einer unerhörten Reihe siegreicher Kriege sprechen, die allerdings nur gegen Korea, China, gegen ein Teilgebiet des kaiserlichen Rußlands, oder gegen einen nicht vorhandenen Gegner im Weltkrieg geführt wurden. Freilich sorgte die politische Kräfteverteilung im Westen und Osten dafür, daß Japan nach menschlicher Voraussicht einen Krieg gegen seine geeinten Gegner nicht zu befürchten braucht. Es sind bisher auch keine Voraussetzungen für einen vollen Einsatz der militärischen Kräfte Amerikas und Englands gegen Japan gegeben, wie überhaupt das japanische Jnselreich durch politische und geographische Gegebenheiten vom Glück begünstigt ist. Was nun den so oft angekündigten Ausbruch von Verwicklungen zwischen Japan und Sowjetrußland anbelangt, so muß man in Rechnung stellen, daß gegenwärtig beide Teile mehr auf Verteidigung und Sicherung, als auf Angriff und Eroberung bedacht sind. Das lassen schon die Verhandlungen über die Einrichtung von Grenzkommissionen erkennen, die den Zustand eines „latenten Waffenstillstandes" andeuten. Aber auf die Dauer verträgt eine Waffenruhe weder den ständig wachsenden Ausbau des sowjetrussischen, das nördliche Mandschukuo umklammernden Sicherungssystems (das bei gegebener Gelegenheit automatisch offensive Kräfte'auslöst), noch den beiderseitigen stärkeren Einsatz mobiler diplomatischer Kräfte in Gebieten, die sich bislang als politisches Niemandsland behaupteten. Es handelt sich hier um den unverkennbar anwachsenden Druck Japans und Mandschukuos auf die Innere und Aeußere Mongolei, der eines Tages dem sowjetrussischen Gegendruck nicht mehr ausweichen kann. In China, der Front des geringsten militärischen Widerstandes, arbeitet Japans Diplomatie und Wehrmacht mit Hochdruck an der Ausgestaltung der FontmenFaTen Sicherungszone. Freilich läßt sich heute noch nicht sagen, ob die zum Einsatz gebrachten Mittel zum erwünschten Ziele führen, d. h. zu einer geschlossenen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Einheit beider Länder. Aus dem Wege zu diesem Ziel sind noch viele Hindernisse zu beseitigen, die durch die Abtrennung der nordwestlichen Provinzen (Mandschukuo) und durch den immer stärkeren Druck auf Nordchina (die japanische Presse spricht von der Bildung eines selbständigen, von Nanking unabhängigen Fünfprovinzenblocks) äußerlich gekennzeichnet find. Schwerer wiegt noch der Kampf gegen den vermeintlichen inneren Feind in China, gegen die sog. antljapanische Bewegung, zu deren Beseitigung, wie die diplomatischen und militärischen Konferenzen noch jüngst lehrten, alle verfügbaren Kräfte geschlossen eingesetzt werden. Es handelt sich hier nicht nur um die Träger der nationalistischen Bewegung in China, also um die Kuomintang und ihre <5onu^?organijationen, sondern auch um die „w e st l e r i s ch e n" Einflüsse (in erster Linie England und Amerika), in denen Japan eine Bedrohung seines fernöstlichen Friedens zu erkennen behauptet. Und endlich wird der Nanking-Regierung vorgeworfen, daß sie sich auch in Moskau nach Bundesgenossen umsähe, mit deren Hilfe „dem Vordringen Japans in Nordchina entgegengetreten werden solle" Die japanische Presse'beschäftigt sich unausgesetzt in langen Berichten ihrer Vertreter. in China mit diesen nicht immer richtig geschilderten Vorgängen und verlangt entschiedene Abkehr der Nankinger Zentralregierung von ihrer „doppelzüngigen und unaufrichtigen Politik". Es bleibt also eine offene Frage, ob die japanische Sicherungspolitik sich in China durchsetzen kann, ob es gelingt, den vorsichtig zurückhaltenden Chinesen als aktiven Bundesgenossen in den fernöstlichen Block einzugl'edern. Mit diesen Ueberlegungen geht Japan auf die Flottenkonferenz nach London. Hier wird der Kampf um die Sicher st ellung der maritimen Front weitergeführt, nachdem er mit der Kündigung der Washingtoner Formel im letzten Jahr eingeleitet wurde. Das Ziel Japans ist bekannt: England und Amerika sollen dem Sicherheitsverlangen Japans Rechnung tragen und Japan als den maßgebenden und verantwortlichen Faktor in Dftafien anerkennen. Japan will den Frieden in Oftafien garantieren, aber dieser Friede ist angeblich bedroht, wenn sich nicht die großen Seemächte zu einer gemeinsamen Abrüstung verstehen, die 1. jede Möglichkeit eines Angriffs oder einer Bedrohung beseitigt und 2. jedem Staat genügende Sicherheit gibt. Japan schlägt also vor, sich über eine F l o t t e n -- Höch st stärke (Globaltonnage) zu verständigen und gleichzeitig die schweren Angriffswaffen abzubauen. Hierzu rechnet Japan die Streitkräfte mit großem Aktionsradius, wozu in erster Linie Großkampfschiffe und Flugzeugträger gehören, soweit sie Luftangriffe über große Entfernungen möglich machen. Innerhalb der Globaltonnage soll es dagegen jedem Vertragsstaat erlaubt sein, die Kampfmittel zu bauen, die den besonderen Verhältnissen des Landes anaepaßt sind. Faßt man die Erörterungen über tue Flottenfrage in der japanischen Öffentlichkeit im letzten Jahr zusammen, so will Japan folgendes erreichen: a) eine Verminderung der Rüstungs- ausgaben, die den japanischen Haushalt mit fast 50 v.H. belasten; b) Ausschaltung der Eingriffsmöglichkeiten Englands und Amerikas in die fernöstliche Politik Japans; c) ausdrückliche Anerkennung der von Japan geforderten Vormacht st ellung mit allen Auswirkungen auf die weitere Entwicklung in China und im Südseeraum. Es scheint, daß die japanische Flottenleitung, die den Ausschlag bei der Kündigung des Washingtoner Vertrages gab, auch diesmal das entscheidende Wort sprechen wird. Alle Meldungen, die von der Möglichkeit eines Kompromisses über den Weg von Kompensationen sprechen, sind daher mit Vorsicht zu behandeln. Das starke Machtgefühl der Träger der japanischen Wehrmacht wird keine Lösung zulassen, die auch nur den Anschein einer Beeinträchtigung der japanischen Großmachtstellung erwecken könnte. Wahrscheinlich einigt man sich in London in nebensächlichen Fragen, verschiebt aber den Versuch einer Gesamtlösung auf bessere Zeiten. politische Brunnenvergifiunq. Arzttum und Soldatentum. Ein Vortrag Sauerbruchs am 140. Akademie Die Militärärztliche Akademie in Berlin beging in Anwesenheit des Reichskriegsministers und Oberbefehlshabers der Wehrmacht die Feier ihres 14 0. Stiftungstages. Zu dem Festakt in der Aula des Akademiegebäudes, dem neben dem militärärztlichen Nachwuchs hohe Offiziere und Aerzte der Wehrmacht beiwohnten, war u. a. auch der Oberbefehlshaber des Heeres General der Artillerie Frhr. von Fritsch erschienen. Nach der Begrüßungsansprache des Heeres- Sanitätsinspekteurs Generalstabsarzt Professor Dr. Waldmann sprach Geheimrat Professor Dr. Sauerbruch über das Thema „Arzttum und Soldatentum". Professor Sauerbruch ging aus von den unverkennbaren Gegensätzen in Eigenart und Aufgaben ärztlichen und soldatischen Handelns; stellte ihnen aber dann Uebereinstimmungen beider Berufe in ihrer Bindung an Grundgesetze des Lebens gegenüber. Diese ergeben sich zunächst für die Ursprünge des Arzttums und des Soldatentums. Abwehr und Angriff, Schutz und Hilfe feien triebmäßige Reaktionen. Arzt und Krieger seien darum keine Einrichtungen erst der Gesellschaft, sie seien ein aus dem Urzustand gerettetes Erbe und in ihren letzten Quellen so ursprünglich wie das Kreaturgefühl gegenüber einer göttlichen Macht. Geheimrat Sauerbruch wies ferner darauf hin, daß unser nationalsozialistischer Staat die Stellung des praktischen Arztes festigen wolle. Aus weltanschaulicher Bindung an biologische Gedanken vom Wert der Rasse, der Bedeutung der Vererbung für die Gesundheit der Nation entspringen neue Ziele und Aufgaben. Die eigenartige Beziehung vom Kranken zum Arzt, die bis zur Ueberantwortung des Lebens gehe, bleibe für alle Zeiten das reinste und tiefste Bekenntnis menschlicher Gemeinschaft. Hier in dieser Einzelbe- Stiftungstage der Militärärztlichen in Berlin. ziehung von einem Menschen zum andern liege der unwandelbare Kern echten Arzttums, der die Voraussetzung des Besten und Größten des Aerzteberufes sei. Aber auch das Soldatentum habe eine besondere, seinem Wesen entsprechende menschliche Bindung, die Kameradschaft, die Gemeinschaft von Männern, die sich von derselben Welle des Schicksals getragen wissen, derselben Not und Freude gegenüberstehen. Sie erlöse in der Stunde der Gefahr aus Vereinsamung und spanne die Kräfte. Menschliche Größe im Beruf des Arztes und des Soldaten hängt nicht von Stellung und Aufgabe des Einzelnen ab, sondern von seiner Gesinnung, die sich in Opferbereitschaft offenbare. Der unbekannte Soldat des Weltkrieges und der unbekannte Arzt seien des gleichen Lorbeers würdig. In den entscheidenden Stunden ihres Wirkens stehen der große Feldherr und der schöpferische Arzt vor den gleichen Aufgaben, menschliches Schicksal in Not und Tod zu leiten und zu wenden. Beide tragen für sich selbst und für die anderen die Verantwortung letzter Entscheidung, eine Verantwortung, die sich auf Kräfte des Willens, klare Erfassung der Lage, vor allem aber auf Wissen und Können stützen müsse. Auch für den Arzt der Wehrmacht sei oberstes Gesetz, die unveränderliche, von keiner Zeitströmung und keiner Standesauffassung beeinflußte Pflicht, zu helfen. Sein Soldatentum sei Hingabe und Opferbereitschaft, freilich mit der gleichen Disziplin und Einsatzfähigkeit, die den Soldaten der Waffe beseelen. Arzttum und Soldatentum seien beide gekennzeichnet durch Hingabe bis zum Aeußersten, Hingabe an die Idee des Berufes, Hingabe an die Idee des Staates und Hingabe an das Vaterland, an Deutschland. 3 Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die gleiche Dauer. Die Angeklagte legte vor den Geschworenen ein Teilgeständnis ab. Sie gab zu, ab August 1930 durch Eitereinreibungen in die Haut und durch Eitereinspritzungen einen großen Teil der Abszesse (es handelte sich um große Ge» schwüre, die alle — oft in einer Woche mehrere — ausgeschnitten werden mußten) selbst erzeugt zu haben. Die zum Strafverfahren zugezogenett chirurgischen Sachverständigen, Prof. Dr. Schmieden (Frankfurt) und Dr. Konrad Mitteldorps von der Berliner Charitö, erklärten einstimmig, daß die in Fulda entfernten Gazetupfer zweifellos nicht aus der Mannheimer Operation herrühren konnten, sondern später in die Wunde hinein gebt a ch t worden sind Die Angeklagte habe die Wunde absichtlich nicht heilen lassen, und ohne Zweifel habe sie auch die vor ihrem Geständnis liegenden Abszesse selber erzeugt. lieber die Frage der Verantwortlichkeit der Angeklagten äußerten sich drei Psychiater. Prof. Dr. G r u h l e (Stuttgart) sah in der hysterischen Konstitution ein Moment, das für die Täuschungshandlungen die Annahme verminderter Zurechnungsfähigkeit nahelege, während für den Meineid die Verantwortlichkeit sogar zu verneinen sei, da die Angeklagte nicht fähig gewesen sei, über ihr Gedächtnis zu verfügen. Prof. Dr. Schneider (Heidelberg) und Obermedizinalrat Dr. Mathes (als Obergutachter) waren anderer Auffassung und hielten die leicht hysterische Angeklagte für voll verantwortlich. Das Schwurgericht schloß sich der letzteren Auffassung an. Die Angeklagte hat nach der lieber» zeugung der Geschworenen die Gesamtheit ihrer schon 1925 in Mannheim begonnenen Täuschungs- Handlungen konsequent durchgeführt mit dem einen Ziel, die Schadenersatzprozesse (insbesondere das Schmerzensgeld) zu gewinnen. Straferschwerend wurde unter anderem berücksichtigt, daß die Angeklagte den Ruf eines bekannten Operateurs skrupellos schmälerte und auch der Rechtssicherheit und Rechtspflege einen bedeutenden Schaden bedenkenlos zufügte. Berlin, 3. Dez. (DNB.) Die „Basler Nachri ch t e n" verbreiten eine üble und höchst gefährliche Lügenmeldung, die angeblich von einem soeben aus Belgrad zurückgekehrten Gewährsmann flammen soll. Danach sollen Beauftragte der deutschen Reichsregierung gegenwärtig mit der jugoslawischen Regierung für den Fall eines britisch-italienischen Krieges bestimmte Abmachungen getroffen haben. Jugoslawien soll, jo heißt es in dieser Schwindelmeldung weiter, angeooten worden sein, „feine Gebiete", vor allem Istrien, zurückzuerobern. Der erste Zusammenstoß solle auf österreichischem Boden erfolgen und dem Reich dadurch ein Vorwand zum Eingreifen gegeben werden. Ungarn werde sich gegenüber Jugoslawien neutral verhalten. Dies sei in Berlin mit Gömbös abgemacht worden. Deutschland habe sich damit einverstanden erklärt, daß Jugoslawien dann den südlichen Teil von Kärnten, Ungarn das Burgenland erhalten werde. Von zuständiger Seite der Reichsregierung wird hierzu erklärt, daß alle diese Meldungen und Kombinationen von A bis Z f r e i erfunden sind und nichts anderes als eine üblepolitifche Brunnenvergiftung darstellen, die mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen und verurteilt wird Die neue „Reichskostenordnung" Berlin, 3. Dez. (DNB.) Die „Reichskostenordnung", die am 1 April 1936 in Kraft treten wird, regelt die Erhebung der Kosten auf dem Gebiet der freiwilligen Gerichtsbarkeit und der Zwangsvoll st reckung für das unbewegliche Vermögen. Sie bedeutet, wie Staatssekretär Schlegelberger vor der Presse ausführte, einen bedeutsamen Fortschritt auf dem Wege zur Rechtseinheit. Während für Zivilprozesfe und für Strafsachen die Kosten der Gerichte und Rechtsanwälte seit mehr als einem halben Jahrhundert durch Reichsgesetze einheitlich geregelt sind, war die Kostengesetzgebung in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit bisher stets Sache der Länder. Nicht weniger als 28 Landeskostengesetze und zahllose Sonder- und Nebenbestimmungen verschwinden. Gerichte und Notare erheben ihre Kosten von nun ab nach dem gleichen Gesetz. Daß die „Reichskostenordnung" nationalsozialistischen Grundsätzen gemäß gestaltet ist, versteht sich von selbst. Wo irgend angängig, ist eine Ent- lastung der wirtschaftlich Schwachen durchgeführt. Vormundschaften über Minderjährige, Geisteskranke und Gebrechliche werden fortab gebührenfrei geführt, wenn das Reinvermqgen des Fürforgebedürftigen 500 0 Reichsmark nicht übersteigt. Die Bestätigung der Annahme an Kindes statt ist unter der gleichen Voraussetzung (Kindervermögen bis 5000RM.) gebührenfrei. In 'Grundbuchsachen werden Geschäfte begünstigt, die d e r E r h a l - tung b e s Grundbesitzes in der Familie dienen. Auch sonst sind Härten, die sich aus den bisherigen Landeskostengesetzen ergaben, beseitigt worben. Allgemeine Befriedigung wirb es auslösen, baß bie Gebühren f ü r bi e Einsicht bes Grundbuches, bes Handelsregisters unb sonstiger öffentlicher Register beseitigt finb, ba sie als besonbers lästig empfunben würben. Acht lahre lang Aerzle und Gerichte getäuscht. Durch vorsätzliche Verhinderung des Heilungsprozeffes sich eine Schadens- ersatzsumme von 66000 Mark erschlichen. Wir berichteten schon kurz über ben auf» sehenerregenben Betrugs- unb Mein- eibsprozeß vor bem Mannheimer Schwurgericht, in bem bie Angeklagte zu brei Jahren Zuchthaus verurteilt würbe. Da bie Aufklärung bes Falles in ber Gießener Medizinischen Universitäts-Kli- n i k gelungen ist, veröffentlichen wir im fol- genben ben ausführlichen Verhanblungsbericht unseres Mannheimer Dr.-W. -Th.- Korresponbenten. Mannheim, 30. November 1935. Es klingt fast unglaubhaft, aber bas Ergebnis einer peinlich gewissenhaft geführten dreitägigen Schwurgerichtsverhandlung läßt keine Zweifel mehr übrig, daß eine jetzt 34jährige Frau sich von ihrem 25. Lebensjahre an schwere Selbstbeschädigungen zufügte, ein achtjähriges sehr schmerzhaftes Krankenlager freiwillig auf sich nahm, Aerzte und Juristen über ben wahren Sachverhalt jahrelang täuschte unb bas alles mit bem Ziel, auf diese Weise sich einen geldlichen Vorteil zu verschaffen. Dieser Fall steht wohl in der deutschen Rechtsprechung einzig da. Die Angeklagte Luise Barthelmes wurde im November 1925 in den Mannheimer Städtischen Krankenanstalten von bem bekannten, inzwischen verstorbenen Chirurgen Prof. Dr. R o st am Blinb- barm operiert Die Operation ging ohne jebe Be- sonberheit vorbei; noch während ber Krankenhausbehandlung bildete sich ein eitriger Bluterguß, wie er öfter im Anschluß an eine Operation vorkommt. Er wurde sachgemäß beseitigt, aber dennoch wollte bie Operationswunde nicht heilen. Die Patientin würbe mit einem kleinen Wundrest (einer Fistel von ber Größe bes Durchmessers einer Stricknabel) entlassen. Sie kehrte nach Fulda zu ihren Angehörigen zurück. Dort stellte sich eine neue Vereiterung ein. Der Hausarzt entfernte aus ber Fistel ein Gazestückchen, bas sich offenbar schon längere Zeit in ber Wunde befunden hatte, und veranlaßte die Einlieferung der Patientin in das Landeskrankenhaus Fulba. In btefer Anstalt blieb bas Mädchen bis Enbe 1926. Der Leiter bes Krankenhauses Dr. Gunkel mußte währenb bieser Zeit mehrere kleinere Operationen vornehmen unb förberte babei im Verlause von sieben Monaten nicht weniger als acht weitere, offenbar verschieden alte Gazestücke zutage. Die Patientin behauptete, es handle sich um einen in Teile zerfallenen Gazetupfer, der bei ber Mannheimer Blinbbarmoperation in ber Bauchhöhle ober in ber äußeren Wunbe versehentlich liegen g e - blieben sei. Sie beschulbigte also ben Operateur eines Kunstfehlers unb verlangte von ihm Schabe n e r s a tz Es kam zu einem Zivilprozeß, ber vom Pflegevater ber Patientin, an ben sie ihre Forderung abgetreten hatte, geführt würbe, bis ans Reichsgericht ging unb mit ber Verurteilung bes Mannheimer Arztes enbete. Der Prozeß würbe verfchiebentlich erweitert, inbem bie Patientin ben Operateur auch für bie weiteren Folgen bes Kunstfehlers in Anspruch nahm. Unter diesen weiteren Folgen finb eine als Venen- entzündung betrachtete Erkrankung unb zahlreiche Abszeßbilbungen (es waren insgesamt fast 300) zu verstehen. Die Kranke förberte auch ein befonberes Schmerzensgelb, bas ihr in Höhe von 10 000 Mark in einem Vergleich zuge- ftanben würbe. Die Haftpflichtversicherungen bes verurteilten Arztes zahlten an Arzt- unb Krankenhauskosten, Verbienstausfall unb Schmerzensgelb zusammen 66 279 Mark. Die gerichtlichen Entscheidungen stützten sich auf ärztliche Gutachten unb einen am 28. Oktober 1930 von ber Patientin geleisteten Zeugeneib. Die da- mals gehörten Sachverständigen hatten zu prüfen, ob ber Behauptung, ber Mannheimer Chirurg habe bei ber Blinbbarmoperation im November einen Gazetupfer in ber Wunbe zurückgelassen, Bedeutung zuzumessen sei. Die Gutachter räumten die Möglichkeit ein; zwar handle es sich um einen Fall, ber nur ganz selten vorkomme, aber die Fachliteratur kenne solche Ausnahmefälle. Immerhin wurden schon in jenen Gutachten mancherlei Bedenken laut, aber die Vermutung einer Selbstbe- schädigung ber Patientin konnte nicht einwandfrei belegt werben. Die Revisionsinstanz entschloß sich daraufhin zu einer eidlichen Vernehmung ber Patientin, und biefe sagte bann unter Eid aus, sie habe an ber Operationswunde keinerlei Manipulationen Dorgenommen. Diese Aussage bildete im Zusammenhang mit ben Gutachten bie Grunblage für bie Verurteilung bes Chirurgen. Aus Anlaß bes schon erwähnten Schmerzens- gelb-Vergleiches einigten sich die Prozeßparteien auf eine Verbringung in bie Medizini - s ch e Universitätsklinik Gießen. Dort traten bie Abszesse in gehäufter Anzahl weiter auf, aber bann kam man boch zur Lösung bes „mebizinischen Rätsels". Prof. Dr. Bohnenkamp stellte fest, baß es sich sicher nicht um eine allgemeine Blutvergiftung hanbeln könne, gewann weiter bie Ueberzeugung, baß es ba nicht mit rechten Dingen zugehe, unb fanb bei einer Revision bes Krankenzimmers eine ber Patientin ge- hörenbe Spritze, mehrere Kanülen unb ein Fläschchen mit Eitervorrat. In ber Folge würbe bie Kranke burch Aerzte unb Krankenschwestern geheim überwacht unb babei entberfte man allerlei verbächtige Vorkehrungen, wie stunbenlanges Klopsen einzelner Körperteile unb Aehnliches. Pros. Bohnenkamp ließ nunmehr bie Patientin keinen Augenblick mehr allein, so baß sie ft ä n b i g u n - ter strenger Aufsicht ftanb, unb ber Erfolg war, baß bie Kranke innerhalb kurzer Zeit vollstänbig gesunb würbe. Im April 1934 würbe Luise Barthelmes in Haft genommen. Dies Strafverfahren verzögerte sich, weil immer neue Sachverstänbige zugezogen werben mußten, unb enbete nunmehr vor bem Mannheimer Schwurgericht mit ber Verurteilung ber A n- geklagten wegen Betrugs unb Meineibs z u Der Reichsjugendführer zum Tag der nationalen Solidarität. Der Reichsjugendführer richtet an die Führer und Führerinnen der nationalsozialistischen Jugend zum Tag der nationalen Solidarität folgenden Befehl: Jugend Adolf Hitlers! Am 7. Dezember 1935 feiert das deutsche Volk den Tag der nationalen Solidarität. Die Führerschaft aller Gliederungen der Partei unb bes Staates wirb an biefem Tage persönlich für bas Winterhilfswerk bes deutschen Volkes sammeln. Es ist auch für bie Führer und Führerinnen ber nationalsozialistischen Jugendbewegung Ehrensache, an biefem Tage burch persönlichen Einsatz ber großen beutschen Kamerabschaft Aus- bruck zu geben. Ich orbne beshalb für alle Führer vom Unterbannführer bzw. Stammführer aufwärts unb für alle Führerin- n e n von Untergauführerin bzw. Jungmädelunter- gauführerin aufwärts an, baß sie sich für ben Tag ber nationalen Solibarität ben Beauftragten bes Reichspropagandaleiters zur Verfügung stellen. Ich verlange von ben Führern unb Führerinnen ber beutschen Jugend, daß sie bem ganzen beutschen Volk in ihrer Sammelsreubigkeit unb Einsatzbereit- schäft ein Beispiel geben. Sammel dien st i ft Ehrenbien st! Gchulungstagung der NAF.-Walier. DNB. Leipzig, 3. Dez. Die 5. Reichsarbeits- unb Schulungstagung ber Amtswalter ber DAF. würbe burch Hauptamtsleiter Claus ©eigner eröffnet. Die Schulungsoorträge hat Reichsorganisationsleiter Dr. Ley selbst übernommen. Er ging von bem Ringen ber Welt bes Nationalen mit ber Welt bes Internationalen aus, zwischen benen es keinen Ausgleich geben könne. Es gelte aber auch, bie falsche Welt in ihren äußeren Erscheinungsformen zu bekämpfen unb zu besiegen. Dieser Kampf sei nur zu gewinnen, wenn alles eingeorbnet werbe in die Welt bes Nationalsozialismus, wenn ein jeber Disziplin predige unb selber Disziplin halte. Auf vier Erkenntnissen bauen sich unsere politische Einsicht und unsere Weltanschauung auf, den Erkenntnissen bes Raumes, ber Rasse, ber Energie, ber Disziplin. Aus ber Erkenntnis bes Raumes komme ber klare Begriff Vaterlanb als bas Volk Deutschlanbs auf beutschem Boden. Aus bem Wissen um bie Rasse komme bie Persönlichkeit als sichtbarer Ausdruck. Aus ber Energie unb bem Licht ber Sonne bes Hakenkreuzes komme bie Lebensbejahung unb bie ßebensfreube, aus ber Disziplin, aus ber Gesetzmäßigkeit unb bem Wissen um biefe Gesetzmäßigkeit ber Gehorsam. Der Nationalsozialismus unb feine Revolution fei bie Revolution ber Vernunft, ber Sieg ber Vernunft über die Unvernunft. Anhaltender Goldstrom nach Amerika. Neuyork, 4. Dez. (DNB. Funkfpruch.) Die riesige Goldeinfuhr nach Amerika hält unvermindert an. Am Dienstag trafen mit dem Dampfer „Pennland" 20,4 Millionen Dollar Gold ein, und am heutigen Mittwoch werden von den Kaloderma Rasier. Was ser Erfrischt und belebt die Haut. Desinfiziert und entspannt: Eine Wohltat nach dem Rasieren« Flasche RM 1.50. F - WOLFF & SOHN • KARLSRUHE W 7167 Dampfern „Majestic" und „Alaunia" Goldbarren im Werte von 21 bzw. 20 Millionen Dollar aus- geladen werden. Dieser ständige Goldstrom bereitet erhebliche Sorgen, da die überschüssigen Bankreserven, die bereits 3 Milliarden Dol- lar überschritten haben, eine große Versuchung für die inflationistischen spekulativen G e- l ü st e gewisser Kreise darstellen. König Georg und die Deniselisten. Athen, 3. Dez. (DNB.) Eine Unterredung zwischen dem König und dem Führer der Denise- los-Partei S o p h o u l i s dauerte zwei Stunden und war sehr herzlich. Auf Kreta, der Heimat von Deniselos, kam es bei der Freilassung der wegen ihrer ^Beteiligung an der Revolution im März verurteilten Offiziere zu großen Kundgebungen für den König. In Gonen, der Hauptstadt der Insel, beteiligten sich schätzungsweise 40 000 Personen an einer solchen Kundgebung, bei der b e g e i« sterte Hochrufe a u f den König und die befreiten Offiziere ausgebracht wurden. Oynamitanschläge in Athen. A t h e n , 4. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Polizeidirektion teilt mit, daß an drei Stellen der Stadt Dynamitpatronen zur Explosion gebracht worden sind. Die erste Explosion ereignete sich vor dem Hause des Generals i. N. Hadfis- s a r a n t o s , die zweite vor der Druckerei, in der die venizelistische Zeitung „Neos Kosmos" und die venizelistenfeindliche „Hellinicon Mellon" hergestellt werden, während die dritte Ladung vor dem Hause des Fliegerobersten O i c o - nomu explodierte. Es ist nur geringfügiger Sachschaden angerichtet worden. Kleine politische Nachrichten. Der Führer und Reichskanzler hat dem König von England sowie dem Königs- paar von Norwegen telegraphisch feine Anteilnahme an dem Tode der englischen Prinzessin Victoria zum Ausdruck gebracht. * Der" Oberste Gerichtshof in Wien verwarf die Nichtigkeitsbeschwerde des Pastors Fischer aus Thening (Oberösterreich), der wegen der Broschüre „Meine Bedenken gegen den Eintritt in die Vaterländische Front" wegen Vergehens der Aufreizung zu vier Monaten Arrest verurteilt worden war. Pastor Fischer befindet sich noch immer in Haft. * Dienstagmittag überflog ein sowjetrussisches Aufklärungsflugzeug zehn Minuten lang in geringer Höhe finnländisches Gebiet bei der Eisenbahnhaltestelle Rajajoki in Karelien. Das Flugzeug wurde mit Maschinengewehren beschossen und, wie man annimmt, auch getroffen, da es auf sowjetrussischem Gebiet notlandete. * Auf Veranlassung der Nationalbank ist die Ausfuhr sämtlicher tschechoslowakischer Banknoten ins Ausland verboten worden. Das Verbot umfaßt alle Banknoten, die auf 50 Kronen und mehr lauten. Die Ausfuhr von Kleingeld (10 und 20 Kronenfcheine sowie Münzen) wird auf den Reiseverkehr beschränkt und ist sonst gleichfalls verboten. An der Freigrenze von 1000 Kronen, bis zu der für Reisende die Mitnahme von Geld ins Ausland gestattet ist, wird nichts geändert. Kunst und Wissenschaft. „Theater im Kampf." Im Frankfurter Volksbildungsheim sprach der Gaupropaganleiter und Landeskulturwalter Pg. Müller-Scheib zu dem Thema „Theater im Kampf" und führte u. a. aus: Daß dieses Thema durchaus aktuell sei, beweise der außerordentlich kleine Kreis der Anwesenden. Auf keinem anderen Gebiete sei daher die Propaganda und die Aufklärungsarbeit notwendiger als gerade auf dem Gebiete der Kunst. Darum wende sich die Propaganda für das Theater auch in erster Linie an die schaffenden Volksschichten. Kultur sei nicht mehr em Gegenstand des Luxus, sondern die Stätte, von der mit die Gesinnung' in das Volk getragen werden soll. Es sei höchst bedauerlich, daß ein großer Teil der wohlhabenden Bevölkerung nur für Freikarten Interesse habe, während sich viele kleine Angestellten und Arbeiter gerne die Groschen absparten, um einmal den Genuß einer Theatervorstellung genießen zu können. Hier müsse ein Wandel eintreten. In jede deutsche Familie gehöre eine Platzkarte für Opern- ober Schauspielhaus oder die anderen Kunstinstitute. Schließlich gab der Gaupropagandaleiter der Ueberzeugung Ausdruck, daß dem Theater der Zukunft noch eine große Rolle zu spielen beschieden sein werde. Dann könne vielleicht auch die Zeit kommen, wo man diejenigen, die sich heute am Theater interessierten, einfach nicht mehr zulassen werde. Ehrung für Geheimrat Losch. Der Verein der Eisenhüttenfachleute hat Geheimrat Karl Bosch- Heidelberg auf einstimmigen Beschluß seines Vorstandes seine höchste Auszeichnung, die Carl-Lueg-Denkmünze, verliehen zur dankbaren Anerkennung der wertvollen Arbeit, durch die der Chemiker Bosch auch der Eisenindustrie durch einen neuen Werkstoff neue Wege gezeigt hat. Die Carl-Lueg-Gedenkmünze ist aus Nirosta-Stahl hergestellt, der, wie Dr. V ö g l e r bei der lieber« reichung bemerkte, in Essen nicht entstanden wäre, wenn nicht Geheimrat Bosch ständig die Forderung nach korrosionsfestem und dauerhaftem Stahl gestellt hätte. Generatmusikdirektor knappertsbusch nicht zurückgetreten. In der Auslandpresse findet sich vereinzelt die Nachricht, daß der Münchener Operndirektor Generalmusikdirektor Knappertsbusch zurückgetreten sei. Diese Nachricht ist, wie von amtlicher Seite mitgeteilt wird, falsch. Richtig ist, daß Generalmusikdirektor Knappertsbusch in den letzten Tagen des November sich unter Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses krank gemeldet und zur Wiederherstellung seiner Gesundheit einen längeren Erholungsurlaub angetreten hat. Aus aller Wett. Polizeibeamter im Dienst niedergeschoffen. In Berlin wurde ein pflichtgetreuer Polizeibeamter in Ausübung feines verantwortungsvollen Dienstes niedergeschoffen. Der Beamte, der 46- jährige Hauptwachtmeister Otto Heyne, starb eine Stunde nach Einlieferung in das Staatskrankenhaus. Der Täter, der 35jährige Anton K., brachte sich, als er vom Ueberfallkommando umstellt war, einen tödlichen Kopfschuß bei. Der Vorfall hatte sich folgendermaßen abgespielt: Die Ehefrau des K. hatte den Hauptwachtmeister Heyne gebeten, sie zu ihrem früheren Mann zu begleiten, da sie ihr zehnjähriges Töchterchen, das ihr im Ehescheidungsprozeß zugesprochen worden war, abholen wollte. Der Beamte kam der Bitte der Frau nach. Beide wurden von K. in die Wohnung eingelassen. Als K. aber von dem Verlangen der Frau auf Herausgabe des Kindes hörte, riß er plötzlich eine Pistole aus der Tasche und legte auf den Beamten an. Es entspann sich ein Handgemenge, in dem K. den Hauptwachtmeister mit drei Schüssen verletzte. Als das Ueberfallkommando, das von Hausbewohnern gerufen worden war, in die Wohnung des K. einbringen wollte, eröffnete biefer auf bas Ueberfallfommanbo ein wilbes Feuer. Um nicht weitere Menschenleben zu aefährben, gingen bie Beamten in Deckung unb schossen nunmehr vom Hinterhaus über ben Hof hinweg mit Gaspistolen in bie Wohnung bes K. Inzwischen hatte ein Hausbewohner, obgleich K. fortgesetzt weiterfeuerte, mit einer Axt bie Korribortür eingeschlagen. Die Beamten brangen schließlich in bie Wohnung ein. Als ber Mörber sich umstellt sah, jagte er sich bie löbliche Kugel in ben Kopf. Die Frau war wäh- renb bes Hanbgemenges zwischen bem K. unb bem Hauptwachtmeister mit ihrem Töchterchen auf bie Straße geflüchtet. Nächtliches Großfeuer im Westerwald. In bem zum Steinbruchbetrieb ber Eiserfelber Steinwerke in Langenbach (Westerwalb) gehörigen Werkwohnhaus brach nachts ein Branb aus. Da bas Feuer sich sehr schnell ausbreitete, entstaub für bie beiben bas Haus bewohnenben Familien, die ahnungslos im tiefsten Schlaf lagen, eine recht bedrohliche Situation. Von herbeieilenden Ortsbewohnern mußten die Schlafenden in ihren Betten wach- gerüttelt werden. Der Feuerwehr gelang es im Verein mit einer Abteilung des Arbeitsdienstes, dem Brand Einhalt zu gebieten. Das Wohnhaus und ein Teil des Bürogebäudes fielen den Flammen zum Opfer, während ein Teil bes Mobiliars in Sicherheit gebracht werben konnte. Die Ent- stehungsursache ist noch nicht bekannt. Auf der Wasferjagd ertrunken. Zwei Lübecker Jäger sind auf ber Wasserjagb in ber Lübecker Zucht löblich verunglückt. Auf ber Höhe von Brobten bei Travemünbe würbe ihr Boot von einer Bö umgeschlagen, unb beibe Insassen fanben ben T o b in ben Wellen. Die Amtsausübung untersagt. In Jena würbe in einer Kunbgebung der mebizinischen Fachschaft unb ber Betriebszelle der Kliniken von Universitätsprofessor Dr. Meyer- Erlach mitgeteilt, baß bem orbentlichen Universitätsprofessor für innere Mebizin Dr. Wolfgang Veil vom Reichserziehungsminister im Einvernehmen mit ber Reichsleitung ber Partei gemäß § 32 bes thüringischen Staatsbeamtengesetzes bie Ausübung f e i ne r sämtlichen Amtsverrichtungen unter Jagt worben ist. Der ungestörte Fortgang bes klinischen Betriebes ist gewährleistet. Als Vertreter für Professor Veil würbe Professor Dr. L o m m e l bestellt. Professor Veil war Anfang November in einem Beleidigungspro- zeß wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 3000 Reichsmark verurteilt worden, weil er ktk einer Sitzung ber akabemischen Konzertkommission einem Sturmbannführer zu Unrecht nachgesagt hatte, daß biefer nicht arischer Abstammung sei. Der Fluch des Tutankhamen. Der Chikagoer Archäologe Dr. I. H. B r e a ft e b, ber an ben Ausgrabungen bes Grabgewölbes Tutankhame ns teilgenommen hatte, ist an einer Blutvergiftung gestorben. Offenbar in bem Bestreben, bem geheimnisvollen Gerebe von bem Grabmal-Fluch bes Tutankhamen zu begegnen, wonach jeber, ber an ben Ausgrabungen Beteiligten eines vorzeitigen Tobes sterbe, gaben bie brei behanbelnben Aerzte bie gemeinsame Erklärung ab, baß Breasted an einer ber medizinischen Wissenschaft wohlbekannten Streptokokken-Infektion gestorben jei, bie er sich auf seiner kürzlich erfolgten Rückreise aus bem nahen Osten zugezogen habe. Breasteb selbst hatte sich immer über ben angeblichen Fluch luftig gemacht. Die Presse weist im Zusammenhang mit bem Tobe Breastebs barauf hin, baß von ben 22 Personen, bie bas Grabgewölbe Tutankhamens im Jahre 1923 betreten hatten, bereits sieben gestorben seien. Wetterbericht des Leichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Ein in ber Biskaya zur Entwicklung gekommener Teilwirbel ist in ber Hauptsache ins Mittelmeer gezogen, hoch brachte er auch vornehmlich Sübwest- unb Sübbeutschlanb am Dienstagabenb verstärkte Nieberschlagstätigkeit. Infolge der in ber Höhe herrschenben sehr tiefen Temperaturen (in 5000 Meter Höhe —30 Grab Celsius) bestauben die Nieberschläge aus Schnee, so baß auch in unseren Nachbargebirgen Schneesportmöglichkeiten aufgekommen sinb. Die Gesamtlage bleibt jeboch weiter- hin recht unbeständig. Aussichten für Donnerstag: Veränder- lich unb zeitweilig aufheiternb, aber auch wieber- holte, meist schauerartige Nieberschläge, nachts stellenweise leichter Frost, lebhafte westliche Winbe. Lufttemperaturen am 3. Dezember: mittags 5,5 Grab Celsius, abenbs 1,6 Grab; am 4. Dezember: morgens 1,1 Grab. Maximum 5,9 Grab, Minimum 0,4 Grab. — Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Dezember: abenbs 3,0 Grab; am 4. Dezember: morgens 2,5 Grab Celsius. — Sonnenscheinbauer 2,4 Stunben. — Nieberschläge 2,6 mm. Wintersportnachrichten. Vogelsberg, Hoherobskopf: Nebel, — 3 Grad, 10 bis 15 Zentimeter Schneehöhe, Pulverschnee, Ski unb Rodel möglich. Rothaargebirge, Astenberg: bedeckt, —3 Grad, 12 bis 13 Zentimeter Schneehöhe, Pulverschnee, Ski Und Rodel möglich. Rhön, Wasserkuppe: Nebel, —5 Grad, 11 bis 14 cm Schneehöhe, verweht, Ski unb Robe! mäßig. Taunus, Kleiner Felbberg: bewölkt, 0 Grad, 8 bis 12 cm Schneehöhe, verharscht", Ski unb Nobel mäßig. Schwarzwalb, Felbberg: Nebel, —2 Grab, 15 bis 18 cm Schneehöhe, Neuschnee, Ski unb Nobel gut._________________________________________________________ Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- unb Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in -Gießen. Monatsbezugspreis NM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Ill Zurückgesetzte Herde u. Oefen preiswert zu verkaufen Edgar Borrmann S: Neustadt 5 / Gießen / Ruf 4165 Täglicher Ansatz für du Anderen seidir ein Deifviel MW WMlW Kostenlose Beratung und Begutachtung in allen »tragen der Erbgesundheilspflege, ärztliche Untersuchung auf Ebetauglichkeit(Ehetauglichkeitszeugnisse) ufw., entsprechend d.reichSgesetzlichen Bestimmungen, bei der 6603D Abteilung für Erb- und Rassenpflege des Staat!. Gesundheitsamtes Gießen, Friedrichstraße 18 (neben der Augenklinik). Sprechstunden für Eheberatung: Dienstags von 16 bis 18 Uhr. Dringende Fälle auch zu anderer Zeit, nach vorheriger Anmeldung (Telephon 3173). kieXlHhc etvfäb Hausfrau. Schenken Sie Das sind alles praktische Sachen, mit denen Sie viel Tellerwaage.......... 2.65 Mopbesen m. Dose u. Stiel 2.M Bohnerbesen mit Stiel.... 4.— Freude machen werden. 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Wenn Eva schon im Paradies den Apfel der Erkenntnis als erste nahm, so muß es Adam aber doch ziemlich eilig gehabt haben, denn sonst wäre ihm — nach einer alten Sage — der Apfelbutzen nicht im Halse stecken geblieben und hätte dort jene organische Verzierung hervorgerufen, die den Mann zu ewiger Marter verdammte: Denn dem mehr als bürgerlichen Adamsapfel setzte der Herrenmensch den steifen Leinenkragen entgegen! Mit einem Fol- terwerkzeug bedeckte er eine unästhetische Unebenheit und zog den Vorhang der Würde über einen kleinen Schönheitsfehler der Natur. Wenn wir Frauen den Mann zum erstenmal ohne Kragen sehen, so haben wir den erschreckenden Eindruck eines entthronten Halbgottes. Die Romantik schwindet. Wir denken voller Wehmut zurück an die Backfischzeit, in der der hohe Kragen als hehres Symbol edler Männlichkeit unsere Herzen in schnellere Wallung setzte. Hätte man sich einen solchen Helden ohne Kragen vorstellen können? Man sagt immer, daß die Liebe in unferm Zeitalter an Wert und Inhalt verloren Hobe. Sollten hier vielleicht geheimnisvolle Beziehungen zu dem weichen niederen Kragen der heutigen Herrenmode cm Wirken sein? Ragt nicht der Hass eines Mannes aus diesem niebern Kragen heraus wie ein einsamer Blumenstengel aus einer viel zu großen Vase? Und reizt nicht der sichtbare Adamsapfel, der beim Sprechen und Schlucken sich in rhythmischen Figuren bewegt, zu Widerspruch? Man kann einen Mann lieben wegen seines kindlichen Gemüts, seiner Güte, die an Leichtsinn grenzt, feiner Selbstsucht, seiner Fehler, ja, wegen seiner Brutalität: aber man muß ihn lieben trog seines nun einmal vorhandenen Adamsapfels. Wenn wir rückblickend auf die Entwicklung der Mode schauen, sehen wir, daß die halsfreie Kleidung des Mannes immer nur von kurzer Dauer war. Die meisten Volkstrachten zeigen den Mann in der Würde eines umkleideten Halses. Denn wenn der Kehlkopf so fröhlich auf- und abspaziert beim Sprechen und Schlucken, werden die meisten Menschen wie hypnotisiert auf diesen Knoten schauen und werden zuletzt gar nicht mehr hören, welche Weisheiten der Besitzer des Adamsapfels zu verkünden hat. Sollten die Anhänger des weichen, weiten Kragens, die sich bemühen, wie Schiller auszusehen, jemals mit ihren Forderungen durchdringen, dann müßten vermutlich Heiratszwangsgesetze eingeführt werden, um die notwendige Neigung und Begeisterung beim schwachen Geschlecht zu erzielen. Daher wird der steife hohe Kragen unerschütterlich wie ein Fels im Meer der Ansichten und Meinungen ragen. M. A. Vornoinen Tageskalender für Mittwoch. NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.30 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum; 16 bis 17 Uhr und 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. Deutsche Studentenschaft: 20.15 Uhr im Cafe Leib der Reichsführer der Deutschen Studentenschaft Pg. Fe icke r t. — Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr „Straßenmusik". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Ein Teufelskerl". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „G'schichten aus dem Wiener Wald". — Gießener Hochschulgesellschaft: 20 Uhr im Saale des Studentenwerks, Leihgefterner Weg, Vortrag von Kapitän K i r ch e i ß. Sladttheater Gießen. Heute von 19.30 bis 21.45 Uhr das Volksstück mit Musik „Straßenmusik" von Paul Schüret. Mu- Heuer Schmuck für den Gießener Ehrenfriedhos. Winterhilfswerk 1935/36 Ortsgruppe Gießen-Süd. Am Dienstag, 3., Mittwoch, 4. und Donnerstag, 5. Dezember findet im Bereich der Ortsgruppe Gie- ßen-Süd durch die NS.-Frauenschaft die Pfund- sammlung für den Monat Dezember 1935 statt. Es wird gebeten, die Pfundpakete zur Abholung bereitzuhalten. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine am Mittwoch, 4. Dezember, von 19 bis 20 Uhr auf unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine können nicht mehr angenommen werden Auf Veranlassung des städtischen Hoch- und Tiefbauamtes schufen die Friedhofsgärtner auf dem Ehrenfriedhof (Neuer Friedhof am Rodtberg) als äußeres Zeichen der Ehrung der Gefallenen des Weltkrieges ein prächtiges Schmuckbeet von stattlichen Ausmaßen. Der Platz vor dem steinernen Rednerpodest, der bisher wenig belebt erschien, hat nun eine Ausgestaltung erfahren, wie man sie sinnvoller und schöner sich kaum denken kann. Aus verschiedenen Pflanzen hat man auf einem Raum von etwa 5X5 Meter ein Eisernes Kreuz nachgebildet, das in feiner geschickten und geschmackvollen Ausführung eine schöne Bereicherung des Ehrenfriedhofes darstellt. Eine Tujagirlande umschließt das ganze Schmuckfeld, wie auch die Form des Kreuzes. Der Raum zwischen der Umfassungsfläche und dem Kreuz ist mit Schmuckreisig ausgelegt. Das Kreuz selbst ist aus Buschgrün und Blautanne geschaffen worden und bietet sich in feinen, dezenten _ tönen dar. Die Winkelflächen des Kreuzes wurden mit weißem Sand ausgestreut, so daß die Form des Kreuzes völlig klar in Erscheinung tritt. Wer den Friedhof am Rodtberg besucht, sollte nicht versäumen, auch dem Ehrenfriedhof einen Besuch ab- zustatten. Eine sehr schöne Gestaltung hat auch der Vorhof der Kapelle erfahren. In ähnlicher Weise wurden dort die beiden langen Wiesenbeete ausgeschmückt. Aus Sandalinen, Taxus, Jslandmoos und Blau- tannen wurden in schöner dekorativer Gestaltung zwei schlanke Kreuze geschaffen, die eine Zierde dar- stellen, wie man sie wohl selten auf Friedhöfen sieht. Durch die Verwendung der zartfarbigen Pflanzen ist auch hier eine sehr feine Wirkung erreicht worden. (Aufnahme: Neuner. Gießener Anzeiger) sik von Will Meisel. Spielleitung Kurt Lüpke. 10. Mittwoch-Abonnement. Deutsche Arbeitsfront. Kreiswallung Gießen. Am Sonntag, 8. Dezember, vormittags 10 Uhr, findet im Lichtspielhaus, Gießen, Bahnhofstraße 34, die Eröffnung der Verufserziehungsarbeit des Winterhalbjahres 1935/36 und des Reichsberufswettkampfes der £)J. und der DAF. statt. Diplom-Ingenieur König, Wetzlar, spricht in einem Lichtbildervortrag über „Das Eisenhüttenwesen". Anschließend wird der Werkfilm der Buderus'schen Eisenwerke „Das Hohelied der Arbeit" zur Vorführung gebracht. Karten, für die ein Unkostenbeitrag von 0,10 RM. erhoben wird, sind erhältlich in der DAF., Schanzenstraße 18, Zimmer 7. NSA., L>t6arupve Giesten-Nord. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine bis zum Mittwoch, 4. Dezember, auf unserer Geschäfts- | stelle, Walltorstraße 16, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine können nicht mehr angenommen werden. Am Donnerstag, 5. Dezember, werden die Spenden (Pfundsammlung) von den NSV.-Blockwaltern und -Helfern eingesammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und dieselben bereitzuhalten. Die Pfundsammlung erstreckt sich während der Dauer des WHW. auf alle Volksgenossen. NSA., Ortsgruppe Mitte. Die Kohlenhändler werden ersucht, die für den Monat November gültigen Kohlengutscheine der Serie B am Donnerstag, 5. Dezember, abends 8.30 Uhr, bei der NSV.-Geschäftsstelle, Kaplansgasse, mit Firmenstempel versehen, nebst den entsprechenden Rechnungen einzureichen. Der Termin ist unter allen Umständen einzuhalten, da eine Ablieferung nach dem 5. Dezember strengstens untersagt ist und die Scheine ihre Gültigkeit verlieren. NSA., Ortsgruppe Gieheu-Ost. Die Kohlenhändler werden ersucht, die Kohlengutscheine bis zum Donnerstag, 5. Dezember, in der Zeit von 14.30 bis 19 Uhr auf der NSV.-Geschäftsstelle, Kaiferallee 52, mit den entsprechenden Rechnungen einzureichen. Spätere Einreichung ist * zwecklos. Paul-Eipper-Abend am 6. Dezember. Zu dem Schmalfilmvortrag des bekannten Tierfreundes und Tierfchriftftellers Paul Kipper „Freude kommt vom Tier" hat uns der Goethe- bund Gießen verbilligte Eintrittskarten zum Preise von 40 Pf. zur Verfügung gestellt. Die Karten sind auf der Kreisdienststelle „Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18, erhältlich. Oeuische Iäqersckast. Jagdkreis Gießen. Am Sonntag, 8. Dezember, findet um 15.30 Uhr pünktlich im „Cafe Leib" in Gießen (Walltorstraße) ein Jägerappell der Kreisjäger- schäft statt. Damit ist die diesjährige Pflicht- trophäe'n schau verbunden. Alle Mitglieder der Jägerschaft sind zum Erscheinen verpflichtet, die Jagdvorsteher des Kreises sind willkommen. Für Mitglieder der Jägerschaft ist der Zutritt zur Schau ab 13.30 Uhr gestattet. Der Kreisjägermeister. Kyffhöuserbund und Wmterh'lfswerk. Vom Deutschen Reichskriegerbund „Kyffhäuser", Landesverband Hessen, Kreisverband Gießen, wird uns geschrieben: Auch dieses Jahr stellt sich der Deutsche Reichskriegerbund „Kyffhäuser" in den Dienst des Winterhilfswerks. Er hält zu diesem Zwecke im ganzen Deutschen Reich ein Opferschießen ab, an dem sich auch der Landesverband Hessen beteiligen wird. Es wird dadurch dem Kyfshäuserbund möglich werden, seinen Teil an dem Winterhilfswerk des deutschen Volkes beizutragen und seiner Verbundenheit mit den Zielen der Partei durch die Tat Ausdruck zu verleihen. Die Beteiligung der Kyffhäuser-Kame- raden wird recht groß sein, so daß mit einem namhaften Beitrag zur Unterstützung des Winterhilfswerkes zu rechnen ist. Oie drei (?i '(opfgerichte für den 8. Dezember. Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe teilt seinen Mitgliedern mit, daß für den dritten Eintopfsonntag am 8. Dezember folgende drei Eintopfgerichte für die Gaststätten vorgeschrieben sind: 1. Weiße Bohnen mit Wurst- oder Speckeinlage, 2. Brühkartoffeln mit Rindfleisch, 3. Gemüsetopf mit Knödel. Die Festlegung dieser Eintopfgerichte gilt allerdings nur für <3 a ft ft ä 11 e n. Den Hausfrauen bleibt die Wahl ihrer Eintopfgerichte selbst überlassen. Verbilligte Weihnachts- undTleujahrs- glückwunschtelegramme. Auch zum bevorstehenden Fest läßt die Reichs- post wieder verbilligte Glückwunschtelegramme nach dem Ausland zu. Die Telegramme werden vom 14. Dezember bis 6. Januar bei allen Telegrammannahmestellen angenommen und frühestens zum Die deutsche Arbeitsfront d / n.9.-6emkinschakt „Kraft bunh frcuöc" Regen fällt von einer Dachtraufe aus einen Rinnstein Aon Anton Schnack Wer ihn vernimmt, hat Zeit. Wer ihn vernimmt, sieht gedankenlos oder mit unausführbaren Plänen beschäftigt, dem trägen Fluge einer Fliege zu. Wer ihn vernimmt, wohnt still und im Halbdunkel, den altjüngferlichen Blick auf die wetterschwarzen Ziegel eines Nachbarhauses gerichtet, Zankplatz von Sperlingen, die unter dem gierigen Satz einer Katze flatternd auseinanderjagen. Wer ihn vernimmt, vernimmt noch mancherlei: die Knistergeräusche alter Häuser, die langsam aus den Fugen geraten, das blecherne Drehen eines Turmhauses, das dumpfe Kartenklopfen aus einem Wirtshaus, das peinigende' Widerschlagen eines Fensterladens, knisterndes Fichtenholzfeuer: Geräusche, die nur das abseitige Leben bietet. * Für die Vertiefung der Nachdenklichkeit, für die Entzündung von Wachträumen, für das Entstehen von abgründigem Haß oder abgründiger Liebe, für die Weisheit und für die Langeweile ist er gut, gut für die stillen Landschaftsdichter und für die Büchergrübler. Ein Regen fällt von einer Dachtraufe auf einen Rinnstein — ein Satz, nicht häufig mehr zu gebrauchen, so wenig wie die anderen, „ein Kerzenleuchter wird von einer Hand über einen Spiegel gehalten", „ein Posthorn tönt von der Waldstraße her", „ein Wind fährt nachts durch die Wipfel eines Kastanienbaumes", „ein Nachtwächter singt die Stunden an". Lauter Gedichte, die nicht mehr geschrieben werden. Merkwürdiger, eintöniger, quälender oder beruhigender Klang, der langsam ausstirbt. Im Reich der Kindheit war er ein gewöhnlicher Laut; da schoß das Regenwetter, unaufgefangen durch Röhren, hoch von den Dächern, auf den harten, ausgehöhlten Stein. An solchen Nachmittagen waren die Klüfte und Verstecke der Heuböden, die halbdunklen Gänge der Speicher wunderbar. Sogar die Lehrbücher der Mathematik und der Chemie hatten Anziehungskraft, wenn die Dachtraufe ihr nasses Lied in die Kleinstadtstraße sang. * Merkwürdig, wenn er zur Nachtzeit in die Schlaflosigkeit fällt. Ganz breit, ganz beherrschend, qaiu trostlos, als wäre die Welt, Himmel und Erde, . naß überschwemmt und finster. Kann der hastige und schnelle Schritt, der über das harte Stern- Pflaster klappert, dagegen auskommen? Nein: er aedt darin unter. Auch der Wmd, der sich manchmal erhebt und den Trausensall weit und dünn ausem- anderweht. Dann ist das Wassergeräusch wieder ganz allein da, seufzend, eintönig, klatschend und alles beherrschend. Wer sind die, die ihn Horen? Viele junge Frauen, nach Leben hungernde, an Säufer verheiratete und in zwei kleinen Zimmern wohnende Frauen, von Träumen, Vorstellungen und Wünschen versengte Frauenantlitze haben es oft gehört und still dabei gemeint. Die bayerischen Gendarmen, wenn sie auf ihren Nachtstreifen im Regen durch die Rhöndorfer marschierten, haben es oft gehört. Da mußten sie inmitten der stockdunklen Dorfstraßen gehen, weil die Dachtraufen weite Wasserbogen warfen. Es vernimmt ihn der gebückte Bahnpensionift, der jeden Freitag abend zum Schafkopfspielen schleicht. Es vernimmt ihn der kerngesunde Landkrämer, der unter der offenen Ladentüre steht, aber er denkt nicht an ihn, er denkt an sein volles Faß Gurken, an den neuen Sack Kaffee und an die dralle Magd vom Wirt. Es hört ihn das ängstliche Fräulein, das Sonntags noch Kapotthüte trägt, die einmal teuer und elegant waren. Es schließt den grünen Laden schon vor Einbruch der Dämmerung und hort die Dachtraufe während einer schlaflosen Nacht, die nach Baldriantropfen und Pfefferminztee riecht. Ich habe es oft selbst gehört, halb froh, daß ich nicht wie der Nachtwächter im Regen an den Häuserwänden entlanggehen mußte: halb traurig, weil nicht Sommer war und Mundharmonikamusik ober sonst ein luftiger Lärm der Burschen unter dem Fenster. Wenn der Regen am Morgen von der Dachtraufe in den Rinnstein fällt, spähen mißmutige Gesichter, Gesichter voll Schlaf und von wirren Haaren umflattert, durch die Fensterscheiben. Wenn er am Nachmittag fällt, sitzen ergraute Männerköpfe hinter den grüngebuckelten Fenstern und schieben, über ein Buch gebeugt, die Brille auf und ab Wer ihn vernimmt, hat Zeit. Es werden Bücher vom verstaubten Brett genommen, Bücher voll Räubergeschichten und glühenden Liebesgeständnissen; es wird ein wenig geträumt, ein wenig Klavier gespielt, ein wenig gestrickt und viel hinausgestarrt auf die Gasse, ob nicht doch ein Wunder oder ein Märchen vorbei- ^Er^ ist der eintönige Gesang der Kleinstädte und Dörfer die an den Krümmungen der Fulda, der fränkischen Saale, an der Isar oder am grünen Spiegel der Unstrut liegen, still und unbemerkt, von kleinen Bahnen gestreift, unkanalisierte, altertümliche Orte, wo die Wasserspeier, die Drachenmäuler, die Fischleiber und die bärtigen Wassermänner noch an den Dachfirsten hängen und wenn der Regen rinnt, sprudeln sie, gießen und tropfen, daß es hoch und breit auf dem Rinnstein aufklatscht. ' Jedermann. Aon Dans Niebau Die Wettfahrt. Federmann und Mücke fahren Auto. Federmann sitzt am Steuer. Hinter ihnen hupt ein großer Sechszylinder. Federmann tritt auf den Gashebel. „Laß ihn doch vorbei", sagt Mücke. „Ausgeschlossen", schüttelt Federmann den Kopf und gibt noch mehr Gas, „ich lasse nie jemanden vorbei." Der Wagen rast die Straße hinunter der große Wagen hinterher. Federmann biegt nach rechts ab. Der große Wagen biegt auch nach rechts ab. Federmann macht einen Bogen um den Dorfplatz und fährt — mit 100 Kilometer — dieselbe Straße zurück, die er gekommen ist. Der große Wagen bleibt hinter ihnen. Federmann fährt — mit 110 Kilometer — nach Hannover — dann zurück nach Hildesheim — dann wieder nach Hannover. Der große Wagen verfolgt sie. „Nein", ruft schließlich Mücke, und nimmt die Zündung weg, „diesen Wahnsinn mache ich nicht länger mehr mit!" Der Wagen steht. Der große Wagen steht auch. Federmann knirscht mit den Zähnen, dann reißt er die Tür auf. „Na?" sagt er, „ haben Sie es endlich aufgegeben, mich zu überholen?" Der Herr, der in dem großen Wagen sitzt, reißt auch die Tür auf. „Hatte gar nicht die Absicht", lächelte er und schiebt eine große schwarze Kiste aus der Tür, „ich wollte nur den Musterkoffer wiederbringen, der Ihnen hinten vom Wagen gefallen ist." Radrennen. Federmann und Mücke sind beim Radrennen. Die Fahrer treten die Pedale, die Zuschauer schreien und toben, die Motoren der Schrittmacher knattern. „Ein sehr interessantes Rennen", ruft Mücke, „ich wette, Numero 9 wird es schaffen, und Numero 4 wird zweiter." Federmann guckt Numero 9 und dann Numero 4 an. „Aber erlaube mal", sagt er bann, „ich wette baß bie Motorräber es schaffen werben!" Begleitung. Die berühmte Sängerin hat gesungen. Das Publikum hat geklatscht. Dann sitzt man noch ein bißchen im Künstlerzimmer zusammen. Die Sängerin kennt bie ganze Welt. Sie ist in Amerika gewesen, in Afrika, in Australien. „Sehr interessant war es im Frühjahr in Manbschukuo," erzählte sie. „Vierzehn Tage war ich in Charbin, unb währenb ber Zeit würbe ich ftänbig von einem japanischen Polizeigeneral begleitet." „Donnerwetter", sagt ba Febermann, „auf dem Klavier?" Die Aufnahme. Febermann unb Mücke machen eine Heidewan- berung. Mitten in ber Heibe liegt ein kleiner Find- ling. Mücke nimmt, inbes Febermann sich auf ben Finbling stellt, ben Photoapparat. Die Nachmittagssonne scheint schräg in bas Objektiv. „Nein", sagt er, „so geht es nicht. Ich muß bich von ber andern Seite aufnehmen." „Meinetwegen", nickt Febermann, unb bleibt auf feinem Finbling stehen, „aber meinst bu, baß man mich von hinten erkennt?" Neid. Federmann ist in Bremerhaven. Die „Europa" ist angekommen, und die ersten Passagiere verlassen das Schiff. „Kennen Sie den da?" fragt jemand Federmann und zeigt auf einen unscheinbaren alten Herrn in zerknittertem Regenmantel, „das ist William Kersey. Sieht man ihm nicht an, wie? Dabei nennt er runde 500 Millionen Dollar sein eigen!" • „Donnerwetter", flüstert Federmann, „und s o kurz vor dem Ersten?" Das arme, blasse Mädchen. -Federmann und Mücke sind seit acht Uhr abends unterwegs. Ab zwölf Uhr hat Jedermann kein Geld mehr. Um eins trinken sie noch ein kleines Glas Bier. „Komm", sagt Mücke bann, „jetzt gehen wir nach Haus." „Gut", nickt Febermann, „aber gib mir mal eben schnell bm Mark für ein armes, blasses Mäbchen!" „Drei Mark?" überlegt Mücke unb guckt sich um, „wo ist benn bas arme, blasse Mäbchen?" „Es sitzt bort brüben an ber B ar", flüstert Febermann, „unb verkauft Whisky-Soba." Dochschulnachnchten. Der Reichs- unb Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung unö Volksbildung hat ben orbent« lichen Professor Dr. Erich Jung'in Marburg beauftragt, in der Rechts- und Staatswissenschaftiichen Fakultät der Universität Marburg die Vertretung der durch das Ausscheiden des Professors d e Boor freigewordenen Professur für Prozeßrecht und bürgerliches Recht wahrzunehmen. Professor Dr. Heinrich Weber, Ordinarius für wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Unioet» fität Münster, wurde vom Reichs- und Preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung an die Universität Breslau berufen Fest zugestellt. Der Absender kann den Text der Glückwunschtelegramme entweder beliebig fassen, oder im Verkehr mit einigen Ueberseeländern und mit Schiffen in See über die Küstenfunkstellen oder Vereinigten Staaten von Amerika den gewünschten Text unter einer größeren Zahl von feststehenden Textfassungen auswählen und dabei bestimmen, in welcher der zugelassenen Sprachen (deutsch, englisch, spanisch usw.) das Telegramm für den Empfänger ausgefertigt werden soll. Schmuckblattausfertigung ist möglich, soweit das Bestimmungsland Schmuckblattausfertigung eingeführt hat. Die Gebühren betragen etwa die Hälfte bis ein Drittel der vollen Sätze. Nach Nordamerika und Mexiko sind in diesem Jahre zum ersten Male auch verbilligte Glückwunschtelegramme mit beliebig abgefaßtem Text zugelassen. Ueber Einzelheiten geben die Telegrammannahmestellen Auskunft. Vermittlung landwirtschaftlicher Wanderarbeiter für das Jahr 1936. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsver- inittlung und Arbeitslosenversicherung teilt im Einvernehmen mit dem Reichsnährstand folgendes mit: Die Vermittlung landwirtschaftlicher Wanderarbeiter wird in diesem Jahre durch die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung planmäßig vorbereitet, um Bedarf und Angebot an Arbeitskräften der Arbeitslage und den örtlichen Verhältnissen anzupassen. Eine eigene Werbung von Wanderarbeitern durch Beauftragte der Betriebe oder sonstige Personen ist nicht gestattet. Auch diejenigen Bauern und Landwirte, welche dieselben Wanderarbeiter, die sie in diesem Jahre beschäftigt haben, für die nächste Saison wieder einstellen wollen, haben dem zuständigen Arbeitsamt einen entsprechenden Auftrag zu erteilen. In den Aufträgen sind diese Arbeitskräfte namentlich zu benennen. Da das Angebot an landwirtschaftlichen Wanderarbeitern 1936 geringer als in diesem Jahre sein wird, ist es unbedingt notwendig, daß alle Bauern und Landwirte ihre Aufträge auf auswärtige Wanderarbeiter auf das äußerste Maß beschränken. Zunächst muß unter allen Umständen versucht werden, den Bedarf an Arbeitskräften unter Inanspruchnahme der Arbeitsämter aus der näheren Umgebung der Betriebe zu decken. Jeder Auftrag an das Arbeitsamt wird hinsichtlich der arbeitseinsatzmäßigen Notwendigkeit durch die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung und den Reichsnährstand vor- geprüft. Bei der Auftragserteilung ist zu beachten, daß Gruppen, die nur aus Mädchen bestehen, keinesfalls gestellt werden können. Den einzelnen Gruppen werden notgedrungen in größerer Zahl Burschen, zum Teil auch verheiratete Landarbeiter beigegeben werden müssen. Der unbedingt notwendige Bedarf an auswärtigen Wanderarbeitskräften ist bis zum 10. Dezember 1935 beim zuständigen Arbeitsamt unter Verwendung der dort erhältlichen Vordrucke zu beantragen. Spätere Anforderungen können nicht berücksichtigt werden. Hierzu teilt der Präsident des Landesarbeitsamts Hessen mit: Auf Grund einer Neueinteilung der Anwerbegebiete können vom Frühjahr 1936 ab den Betriebsführern im Landesarbeitsamtsbezirk Hessen weder Hultschiner Mädchen, noch Wanderarbeiter aus Schlesien oder aus dem Bayerischen Wald zugewiesen werden. Es wird deshalb den Betriebsführern dringend empfohlen, ihren Bedarf an landwirtschaftlichen Arbeitskräften soweit als möglich durch Einstellung von Landarbeiterfamilien oder durch Beschäftigung von Landhelfergruppen zu decken. Ueber alle Einzelheiten gibt das zuständige Arbeitsamt Auskunft. Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Realgymnasiums Gießen. Man berichtet uns: Wenn die „Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Realgymnasiums Gießen" nur auf ein gemütliches Beisammensein 'und einen mehr oder weniger sentimentalen Austausch von Jugenderinnerungen hinausliefe, hätte sie heute keine Berechtigung mehr. Aber sie hat Berechtigung; denn im Hintergrund steht ein sehr ernster Aufbauwille und eine verwirklichte Aufbauarbeit. In froher Erwartung waren ehemalige Angehörige des Realgymnasiums, die Jugendwalter, Lehrer und Schüler der zwei oberen Klassen am Abend des 30. November zur Hauptversammlung der Vereinigung erschienen. In der Begrüßungsansprache hob der zweite Vorsitzende der Vereinigung, Rechtsanwalt Dr. Möller, Wesen und Wirken der Der- Hessensriedhöfe in Südbelgien. Kameradschastsabend der Kriegerkameradschast von 1814. Im Mittelpunkt des Dezember-Kameradschaftsabends der Kriegerkameraschaft von 1874, der am gestrigen Dienstag im Caf6 Ebel abgehalten wurde, stand ein Vortrag über „Die Hessen- sriedhöfe in Südbelgien". Eingangs des Abends gedachte der Kameradschaftsführer, Landgerichtsrat Trümpert, der in der letzten Zeit verstorbenen Kameraden Metzgermeister Klein, Oberforstmeister Schneider und Geheimrat G i s e v i u s, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Mit besonderer Freude sprach er dann dem Kameraden Sanitätsrat Dr. Schliephake zu seinem 75. Geburtstag die herzlichsten Glückwünsche aus und widmete dem edlen Menschenfreund und treuen Kameraden warme Dankesworte. Eine vorgelesene Verfügung des Chefs des Stabes der Obersten SA.- Führung Lutze vom 22. November dieses Jahres regelt die Frage der SAL. Nach weiteren geschäftlichen Mitteilungen widmete Kameradschaftssiihrer Trümpert durch einen Vortrag Über „H e s s e n f r i e d h ö f e in S ü d b e l g i e n" den Gefallenen der hessischen Regimenter vom 22. August 1914 Worte ernsten Gedenkens, um dadurch das Verständnis für die Notwendigkeit der Pflege und Unterhaltung ihrer Gräber erneut zu wecken. Zwei Millionen Deutsche find während des Weltkrieges gefallen, mehr als eine Million schlafen in Frankreich. und Belgien den letzten Schlaf. Derjenige, der sein Leben für die Erhaltung des Vaterlandes gab, hat ein Anrecht auf eine treue und gute Pflege feiner letzten Heimstatt. Für ein Volk ist das eine Frage der Ehre. Zu den Friedhöfen, die seit Kriegsende von deutscher Pflege unberührt geblieben sind, gehören jene, auf denen die 1100 Toten der hessischen Division ruhen, die am 22. August 1914 bei Anloy- Maissin gefallen sind. Mit wenig Ausnahmen sind die Gefallenen des 22. August 1914 auf den Friedhöfen bei Anloy-Maissin beigesetzt, nämlich 175 vom Leibgarde-Regiment, 348 vom Infanterie- Regiment Nr. 116, 113 vom Infanterie-Regiment Nr. 117 und 316 vom Infanterie-Regiment Nr. 118. Die Kämpfer wurden meist da zur Ruhe gebettet, wo sie gefallen waren. So entstanden zahlreiche Einzelgräber, die weithin über das ganze Kampfgelände verstreut waren. Lediglich in der Nähe von Maissin und an dem Weg nach Redu wurden kleine Friedhöfe geschaffen. Später entstand die Vereinigung in größere Friedhöfe, die in Südbelgien den Charakter von gemischten Friedhöfen erhielten, da deutsche und französische Soldaten zusammenliegen. Am 16. und 17. Juni 1918 wurden die Friedhöfe in Anwesenheit von Abgeordneten der Truppenteile der 25. Infanterie-Division eingeweiht. Lange Jahre hindurch war das Schicksal der Friedhöfe ungewiß, bis vor kurzer Zeit die endgültige Entscheidung folgte. Die in ganz Südbelgien in der Kriegszeit entstandenen Friedhofsanlagen legten Zeugnis ab von bester deutscher Friedhofskunst, die durch ihre innere Geschlossenheit und ihre einfache, aber doch wuchtige Monumentalität eindringlich auf den Besucher wirkten, so daß selbst die Franzosen ihre Anerkennung rückhaltlos zugeben. Die Ehrenstätten von A n l o y und Maissin hinterlassen in ihrer herben und schlichten Schönheit einen guten und reinen Zusammenklang mit der Natur. Ihr Anblick weckt neben dem Gefühl der besonderen Ehrfurcht vor der Größe des Opfers die Erkenntnis, daß gerade diese Gräber der besonderen Pflege würdig und bedürftig sind. Denn es sind Ehrenstätten, die von den Angehörigen der hessischen Regimenter zu erhalten und zu pflegen sein werden, solange der Tag von Anloy und Maissin seine außerordentliche Bedeutung behält. Es muh alles getan werden, um gerade diese Friedhöfe in Patenschaft zu nehmen. Die vier Friedhöfe bei Anloy und Maissin, auf denen die Helden der 25. Hessischen Division» ruhen, sind der Waldsriedhos und der Heidefriedhof bei Anloy, der Terrassenfriedhof und der Rundbaufriedhof bei Maissin. Der Waldfriedhof weist heute die Gräber von 111 Deutschen und 147 Franzosen auf. Mehr als die Hälfte der Gräber trägt die Regimentsnummer J.-R. 116 (1. Batl. 116), andere die der R.-J.-R. 28 und 68 und des Pionier-Batls. 21. Auf dem Heidefriedhof ruhen jetzt 842 deutsche und 411 französische Soldaten. 277 der deutschen stammen vornehmlich vom II. und III. Bataillon I. - R. 116, 102 Kameraden vom Leibgarde-J.-R. Nr. 115. Aus dem Terrassenfriedhof Maissin-Tran- sine, der viele Kameradengräber mit sechs und acht Kameraden aufweist, überwiegt die Zahl der deutschen Toten (329). Es ruhen hier sieben Kameraden vom Leibgarde-J.-R. 115, unter ihnen der Regiments - Kommandeur, Oberstleutnant v. Oven; 41 Kameraden vom J.-R. 117 und 121 vom J.-R. 118, außerdem Angehörige der R.-J.-R. 17 und 30 Auf dem Rundbaufriedhof Maissin-National sind 3281 Franzosen und 429 Deutsche zur letzten Ruhe gebettet. Es sind dies 65 Kameraden vom J.-R. 115, drei vom J.-R. 116, 63 vom J.-R. 117 und 182 vom J.R 118. Angesichts feiner besonderen Bedeutung (3281 Gefallene) ist er von den Franzosen zum Nationalfriedhof erklärt und feit der Errichtung eines alten bretonischen Steinkreuzes im Jahre 1932 auch Wallfahrtsort der Franzosen. Für diese Gräber zu sorgen sollte Aerzenspslicht jedes Deutschen fein. In den Patenschaften im Volksbund findet er die Möglichkeit dazu, damit das Wort wahr bleibe: Wer für fein Vaterland gefallen ist, der ist nicht tot, nur fern; tot ist, wer vergessen! Kreisschießwart Albin Klein übergab sodann der Schießgruppe eine Auszeichnung des Landesschießmeisters Oberst a. D. F e st für den 5. Platz im Kleinkaliberverbandsschießen der Landesgruppe und den Einzelschüßen Willi Schilling jr. mit 152 Ringen an 4. Stelle, Heinrich A p p e l mit 152 Ringen an 5., Willi Georg mit 137 an 57., Georg Schilling sen. mit 135 an 65. und H e i n b a ch mit 134 Ringen an 70. Stelle im Einzelwettschie- ßen der Landesliste je eine Sonderurkunde. Dabei verwies er auf die besondere Pflege, die dem Schießsport in Zukunft zugewendet werden soll. Am Donnerstag, 12. Dez., findet im Schützenhaus das Zimmerstutzenschießen für das Winterhilfswerk statt, bei dem Urkunde und Preise ausgeschossen werden. Reger Besuch, auch der Frauen, ist notwendig um einen besonderen Betrag für das WHW. zu erzielen. Anfang Januar läuft der für alle Gießener zugängliche Film „Im gleichen Schritt und Tritt", zu dem auch die Landbevölkerung aufgefordert wird. Am 11. Januar feiert die Kameradschaft das 62 Stiftungsfest durch ein Festkonzert des SA.-Musikzuges unter Leitung von Musikzugführer Herrmann. einigung hervor und gedachte in ehrenden Worten der Jugendwalter, des Direktors und der Lehrerschaft der Anstalt und ihrer ersprießlichen Zusammenarbeit zum Segen für Volk und Vaterland. Den Geschäftsbericht der 413 Mitglieder zählenden Vereinigung erstattete Oberstudienrat Seiler. Nach der Ehrung der im letzten Jahre verstorbenen acht Mitglieder dankte er im Namen der Schule mit herzlichen Worten für die altbewährte, treue und tatkräftige Hilfe der Vereinigung. Die alten Freunde hatten, wie seither, die Anschaffung wichtiger und wertvoller Werke für die Schülerbücherei, namentlich solcher Bücher, die den Geist des neuen Deutschlands atmen, ermöglicht, und neben dieser geistigsittlichen und weltanschaulichen Betreuung der Schüler hatten die alten Freunde, beseelt von dem Ganzheitsgedanken der neudeutschen Erziehung, der leiblichen und soldatischen Ertüchtigung der Jugend gedient dadurch, daß sie für die allwöchentlichen Schießübungen der Oberklassen ein Sportgewehr stifteten. Der Kassenbericht, den Oberstudienrat Seiler für den verhinderten verdienten Schatzmeister der Vereinigung, Studienrat Scharmann, verlas, und den Kaufmann Fuhr und Fabrikant K r e u« der für richtig befanden, zeigte ein sehr günstiges Ergebnis. Auf einhelligen Beschluß der Versammlung wurde von der Vereinigung ein den Kassenverhältnissen entsprechender Betrag dem Winterhilfswerk überwiesen. Im Mittelpunkt des Abends stand der Lichtbildervortrag eines Inders, des Herrn Pratap K a m b a a aus Bombay, der ein guter Freund Deutschlands und ein Verehrer unseres Führers ist, über Indien, feine Stellung zu England und seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland. Die Ausführungen dieses im schwersten Kampfe um sein Volkstum stehenden, bis ins Innerste aufgewühlten Menschen wirkten ungemein stark und nachhaltig. Dabei vermittelte er der gespannt lauschenden Zuhörerschaft eine Fülle von Kenntnissen und befonbers auch geschichtlichen und geistigen Erkenntnissen über das so wenig als „Märchenland" zu bezeichnende Indien, — ob er nun einleitend von der Jahrtausende alten Kultur seines Landes sprach, oder von der Politik der Engländer, oder von dem Kampf Indiens um die Freiheit des Landes, nachdem es so schmählich in Versailles betrogen worden war. Er ließ aus seinen Darlegungen die schicksalschweren Folgen er- stehen, die ein hochentwickeltes arisches Volk erleidet, das tiefsinnig, aber tatenlos den Erscheinungen des Daseins gegenüber steht, dabei über der immer mehr vertieften Beschäftigung mit Dingen feingeistiger Art die naturgegebenen Gesetze von Blut und Rasse übersieht, der Rassenmischung unterliegt und ewige Knechtschaft oder schwerste Kämpfe um feinen Bestand als furchtbares Verhängnis herabbeschwört. In eindrucksvollen Bildern zeigte er die Methode der Engländer und legte zum Schluß dar, daß Deutschland nur deshalb mit dem an Rohstoffen so reichen und mit seinen 350 Millionen so aufnahme- bereiten Indien nicht in nähere wirtschaftliche Beziehungen treten kann, weil in dem von Juden beeinflußten England eine verleumderische Hetz- und Lügenpropaganda betrieben wird. Dr. Möller dankte dem Redner für seine lichtvollen, von stärkstem Beifall aufgenommenen Ausführungen, verglich den Freiheitskclmpf Gandhis für Indien mit dem Freiheitskampf Adolf Hitlers für Deutschland und schloß mit einem Sieg-Heil auf den Führer. Das Schülerorchester des Realgymnasiums mit feinen Darbietungen, verschiedene Gedicht- und Gesangsvorträge der Schüler Schmulbach la, Woelke 2a und Niebsch 3a trugen sehr dazu bei, den schönen Abend abwechslungsreich, genußreich und erinnerungsreich zu gestalten. Mitgliederversammlung der oberhessischen evangelischen Frauenhilfe. Im Cafe Leib zu Gießen fand am gestrigen Dienstag die Hauptversammlung der oberhessischen evangelischen Frauenhilfe, gut besucht aus allen Teilen der Propstei, statt. Nach dem Lied „Macht hoch die Tür" begrüßte die Vorsitzende, Frau Heraeus die Versammlung und stellte mit Freude und Dank fest, daß der Bestand der Frauenhilfe in Nassau-Hessen im letzten Jahre unversehrt geblieben ist. Fräulein Wahrendorf gab als Geschäftsführerin den Jahresbericht. Im Reichsmütterdienst konnte der Mütterdienst der Evangelischen Frauenhilfe ungestört in seiner Art sich betätigen. Der Landesverband Nassau-Hessen ist im Austausch der beiderseitigen Kräfte sich nähergekommen. Alle Versammlungen waren sehr gut besucht, z. T. überfüllt. Die verschiedenen Arbeitstagungen und Freizeiten hatten guten Zuspruch. Der Hirschpark mußte als Erholungsheim aufgegeben werden. Die Zahl der Frauenhilfen beträgt jetzt 279 mit 40 000 Mitgliedern, die Arbeit geht allenthalben mehr aus der Oberfläche in die Tiefe (Bibelarbeit). Die Verbindung mit den befreundeten evangelischen Organisationen blieb aufrechterhalten. Das Bedürfnis nach Liederbuch und Abzeichen blieb rege. Die ordentliche Einnahme betrug 24 975 RM., die ordentliche Ausgabe 23 006 RM. Das Vermögen von 5414 RM. bildet einen guten Baustein für die Erweiterung des Verbandsheims in Nieder-Ramsiadt. Für Müttererholung konnte der Verband einen ansehnlichen Betrag zur Verfügung stellen. Die Vorsitzende erinnerte an die ausgegebenen Wunschzettel für die Erweiterung des Erholungsheimes. Sodann hielt Pfarrer Weinberger (Darmstadt) einen Vortrag über: „Luther, was er war und was er wollte". Der Redner führte etwa aus: Die Frage nach Luther ist heute nicht nur in der Kirchs wieder lebendig geworden. Luther war mehr als Vorkämpfer der Gewissensfreiheit, als Schöpfer deutscher Sprache, als der nationale Held nordischen Geistes (Rosenberg). Am Lutherbaum wollen auch die tragenden Wurzeln gesehen fein Wir brauchen heute eine radikale Lutherschau, die zum Wesentlichen hinabstößt. Der Allerweltsluther ist schuld an der Verwirrung im geistigen Ringen. Wer den Luther des Rechtfertigungsglaubens der Bibel nicht will, verfälscht ihn. Luther war einer der wenigen, die den heiligen Gott und den sündigen Menschen ganz ernst nenommen. Sein Versuch, vom Menschen aus die Brücke zu schlagen, scheiterte, da Gott sie in Christus gebaut durch die Balken seines Kreuzes. Glauben heißt, es wagen, über diese Brücke zu schreiten. „Zurück zu Luther" heißt heute „vorwärts mit Luther". Unsere Sorge muß sein, daß heute keine Begriffsverwässerung eintritt bei dem, was AEG Elektro- M30v Staubsauger ..Vampyr 38" RM. 83.- Bezuor d.d. Fachhandel Nicht müde werden, Annelies! Vornan von Bernhard Lonzer. Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin. 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Um Gottes willen! Daß Günter die nicht mag, ist wahrhaftig kein Wunder." „Erlaube mal! Wieso denn?", fuhr Frau Eugenie jetzt aus ihrer stummen Zurückhaltung auf. „Wenn du schon zugibst, in solchen Fragen nicht zuständig zu sein, so sage wenigstens, was du gegen das Mädchen einzuwenden hast!" „Diese steife, hölzerne Puppe! Die hat ja das reine Fischblut in den Adern. Das ist bestimntt nichts für einen Menschen wie Günter." „Da bin ich allerdings anderer Ansicht. Dor allen Dingen aber hat Irmgard Geld, schweres Geld, und das dürfte jedenfalls nicht zu verachten fein." „Stimmt! Aber das macht den Braten auch nicht verlockender, wenn man nun einmal keinen Appetit hat. Ich kann es dem Jungen jedenfalls nicht verdenken, daß er darauf verzichtet, ein ganzes Leben an der Seite einer solchen Frau zu oer- br Ingen und dabei schließlich selber zu Eis zu ge- fri^ren. In wen hat er sich denn übrigens ver- Frau Eugenie schwieg wieder. „In Annelies!" antwortete der Senator an ihrer Stelle. Ueber des Onkels Gesicht zog bei diesen Worten ein vergnügtes Schmunzeln. „Das habe ich mir gedacht!" erklärte er mit offenkundiger Genugtuung und Befriedigung. „So? Uns kam es ziemlich überraschend. Annelies ist zweifellos ein liebes Mädel. Die beiden sind zusammen ausgewachsen und haben sich immer gut verstanden, aber an die Möglichkeit einer Heirat haben wir natürlich nie gedacht." „Tja? Es kommt eben manchmal anders, als man gedacht hat. Ich gönne dem Jungen das Mädel jedenfalls von ganzem Herzen." „Aber sie hat doch nichts!" warf Frau Eugenie wieder ein „Rein gar nichts. Nicht mal eine standesgemäße Ausstattung. Das bißchen altes Gerümpel von der Mutter her kommt gar nicht in Frage." Korbinian Sartorius ließ die Hand durch die Luft gleiten und sah aus halb geschlossenen Augen auf seine Zigarre herab. „Was das anbetrifft ...", sagte er langsam. „Es wäre ja nicht der erste Fall, daß ein wohlhabender junger Mann ein armes Mädchen freit. Man hat ja Beispiele ..." Frau Eugenie fuhr mit einem Ruck herum. Ihr Gesicht hatte sich mit einer dunklen Röte übergossen. „Soll das vielleicht eine Anspielung fein?" erregte sie sich heftig. Diese Vermutung war nicht ganz unbegründet, denn Eugenie Sartorius hatte in der Tat auch kein Vermögen eingebracht. Als Tochter eines hochstehenden, aber vermögenslosen Regierungsbeamten hatte sie, da noch mehr Kinder vorhanden gewesen waren, nur eine bescheidene Aussteuer bekommen können. Aber Onkel Korbinian schien ganz harmlos. Er sah sie erstaunt an. „Wie denn? Ach so ...! Daran habe ich natürlich wirklich nicht gedacht. Aber da wir nun einmal davon sprechen: Sieh mal, es hat dir doch niemand jemals einen Vorwurf gemacht, daß du kein Vermögen gehabt hast — nicht wahr? Es wäre ja auch ebenso geschmacklos wie ungerecht gewesen, wenn man es hätte tun wollen. Und die Firma ist deswegen nicht pleite gegangen. Sie wird auch weiterbestehen, ohne daß Günter gezwungen ist, sich einen Goldfisch zu angeln. So eine kleine Frau wird schon noch mit satt. Und Annelies ist doch in jeder Beziehung anspruchslos und bescheiden. Was die Aussteuer anbetrifft, fo braucht ihr euch wirklich keine Gedanken zu machen — die stiftet der alte Korbinian als Hochzeitsgeschenk. Bei der Gelegenheit will ich auch verraten, daß Annelies sowieso einen Teil meines Vermögens erben wird. Es bleibt also alles hübsch in der Familie, wenn sie Günters Frau wird. Findet euch also ruhig mit der Sachlage ab, auch wenn sie euren Plänen zuwiderläuft. Die Hauptsache ist doch, daß das junge Volk zu seinem Lebensrecht kommt. Und für euch beide wird bestimmt auch ein bißchen Sonnenschein dabei abfallen. Für mich übrigens auch, wie ich stark hoffe." Der Senator stimmte ihm sichtlich erleichtert bei. Ihm persönlich war die in der Tat erkältend steife und temperamentlose Irmgard Brunner keineswegs sympathisch. Da war Annelies schon ein anderer Mensch. Man war ja auch an sie gewöhnt, und man mußte das liebe, bescheidene Mädelchen einfach gern haben. Auch Frau Eugenie war wieder besänftigt. Sie war Annelies, der Tochter ihrer verstorbenen Schwester, im Grunde genommen sehr zugetan. An die Möglichkeit einer Heirat zwischen den beiden jungen Leuten hatte sie allerdings wirklich nicht gedacht, und es war ihr einfach gegen den Strich gegangen, daß ihr Plan durchkreuzt werden sollte. Man hatte sich das so schön gedacht. Aber man konnte die Entwicklung natürlich nicht aufhalten. Es war keine angenehme Aufgabe für sie, Irmgard Brunners Mutter die Aussichtslosigkeit des gemeinsam gehegten Wunsches beizubringen, aber es half nun alles nichts, man mußte sich schon mit den Tatsachen abfinden. Die hell erleuchtete elektrische Uhr über dem Por- tal der Gewerbeakademie zeigte gerade die neunte Abendstunde an, als Günter Sartorius mit eiligen schritten vorüberkam und dem elterlichen Hause zustrebte. Er sah mit einiger Verwunderung, daß öie beiden mittleren Fenster des ersten Stockwerks erleuchtet waren. Anscheinend hatte man Besuch bekommen. Hoffentlich war es nicht schon wieder diese unausstehliche Frau Brunner mit ihrer noch unausstehlicheren Tochter, liebel konnte es einem m dieser Gesellschaft werden! Er warf ejnen Blick nach der linken Wohnung iw 8®eiten Stockwerk hinauf. Da war alles dun- keh Annelies war sicher mit unten, und wahrfchein- lid) ließ sich die eingebildete Irmgard Brunner wleoer von ihr bedienen. Es empörte ihn jedesmal aufs neue wenn er sah, wie bas hochmütige Ge- Jopf es daraus anlegte, Annelies wie einen Men- 'chen Zweiten Grades zu behandeln. Er schloß die Haustür auf. Die Falte über feiner ui enroü5deI verschwand wieder, als er die Diele betrat. Von der Treppe herab kam ein Duft, der feine augenblickliche Mißstimmung mit einem Male wieder verschwinden ließ. Kartoffelpuffer! Die alte Kathrin hatte also Wort gehalten. Immer ein paar Stufen auf einmal nehmend, sprang er die Treppe hinauf. Er stellte sich im Geiste das Gesicht vor, das Irmgard Brunner machen würde, wenn er ihr sagte: „Gnädiges Fräulein! Soeben habe ich eine Riesenportion Kartoffelpuffer vertilgt! Das ist nämlich mein Leibfutter!" Wie sie die Nase rümpfen würde! Um Gotteswillen — Kartoffelpuffer! Wie gewöhnlich! Als er die Küche betrat, nahm die alte Kathrin gerade die letzten Puffer vom Herd. „Na, Kathrin, bin ich nicht auf die Minute pünktlich?" lächelte er. „Recht fo, junger Herr!" strahlte sie ihn an. „Ich bin eben fertig. Sie sind gerade noch schön knusperig." „Du bist ein Engel, Kathrin. Und einen Hunger habe ich — wie ein Wolf. Oder wie ein Löwe, wenn du willst!" Er ließ sich am Küchentisch nieder, auf dem bereits eine Ecke für ihn gedeckt war, und langte zu. Er war zu einer Sitzung gewesen, und da es von vornherein festgestanden hatte, daß er allein würde zu Abend essen müssen, hatte er die Gelegenheit benutzt und sich nach langer Zeit wieder einmal die auch im Hause Sartorius etwas verpönten Kartoffelpuffer bei Kathrin bestellt. „Was ist denn eigentlich los?" forschte er während des Essens. „Ist Besuch da?" „Nein — aber .. " „Was denn — aber?" Kathrin tat sehr geheimnisvoll. „Ich habe Herrn Korbinian herunterbitten müssen. Zu einer Besprechung." „Nanu! So feierlich? Hast du eine Ahnung, was für Staatsgeschäfte da beraten werden sollen?" Kathrin hob die Schultern, schien aber darauf zu warten, daß er weitersprechen sollte. Doch Günters Gedanken waren schon einen Schritt weitergegangen. „Ist Annelies mit unten?" forschte er. „N—nein!" „Nicht? Oben ist doch alles dunkel." „3a! — Sie wird wohl noch im Garten sein." Günter spülte den letzten Bissen mit einem Schluck Kaffee hinunter. „Im Garten?" zweffelte er. „Um diese Zeit noch?" (Fortsetzung folgt 1) Obecheffen. Glaube, Christentum ist. Was evangeliumsgemaß ist, ist auch immer zeitgemäß. Lom radikalen Luther her radikal geworden, können wir unfenn Volk und unserm Führer den besten Dienst tun. Don Jesus geführt, möge die Frauenhilfe ihren Weg gehen. Nach dem Vortrag sang die Versammlung den Vers: „Das Wort sie sollen lassen stahn". ♦* D i e Straßenbahn st recke in der Grünberger Straße in Richtung nach dem Professoren-Eck wird seit etlichen Tagen von den Straßenbahnwagen nicht nur bis zur Volkshalle, sondern bis zum Endpunkt des Schienengleises in der Nähe der Artilleriekaserne befahren. Durch diese Verbesserung des Fahrdienstes wird unseren Ar- tilleristen und auch den Anwohnern am Professoren- Eck die Benutzung der Straßenbahn wesentlich erleichtert. Auch für die übrige Bevölkerung bedeutet diese Verbesserung die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches. *♦ Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke Selters — Stockheim ist wieder aufgehoben. ** Oeffentliche Bücherhalle. Im November wurden 1959 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Zeitschriften 36, Gedichte und Dramen 7, Erzählende Literatur 1239, Jugendzeitschriften 256, Länder- und Völkerkunde 122, Kulturgeschichte 2, Geschichte und Biographien 192, Kunstgeschichte 1, Naturwissenschaft und Technologie 70, Heer- und Seewesen 16, Haus- und Landwirtschaft 1, Gesundheitslehre 1, Religion und Philosophie 3, Staatswissenschaft 13 Bände. ** „D i e Leica erlebt den Alltag". Die Leih-Werke hatten für den gestrigen Dienstoa zu einem Lichtbilder-Vortrags-Abend in die Neue Aula der Universität eingeladen, um den Freunden der Kleinbildkamera die Möglichkeiten, die ihr gegeben sind, vor Augen zu führen. Der Vortragende Walter B e n s e r erinnerte zunächst an das Jubiläum der Leica, die in diesem Jahre 10 Jahre alt wurde, und schilderte dann in kurzen Zügen die Entwicklung der Kamera, die auf dem Gebiete der Photographie eine Revolution bedeutete, weiter, die Widerstände, auf die die Kleinbildkamera stieß, stellte ihnen aber auch den zähen Willen gegenüber, der sie überwinden half. Interessant war es zu hören, daß in Wetzlar zur Zeit, da die Kamera entstand, eigentlich niemand etwas von der Photographie verstand, sondern lediglich auf den optischen und mechanischen Erfahrungen vom Mikroskop her aufgebaut wurde. Die Präzision des Mikroskops sei auf die Kamera übertragen worden. Besondere Aufmerksamkeit fanden die Ausführungen des Redners über neue Objekte zur Leica. Schließlich gab der Redner noch einige technische Winke über zweckmäßiges Negativmaterial, über feinkörnige Entwicklung, über das Perssonfche Tontrennungsverfahren und über ein erleichtertes Vergrößerungsverfahren. Der weitere Verlauf des Vortragsabends brachte eine Fülle von aufschlußreichen Lichtbildern, an Hand derer der Redner wertvolle und beherzigenswerte Anregungen gab und durch die Angabe von technischen Daten (Filmmaterial, Blenden, Belichtungszeiten, Entwicklung usw.) das Verständnis vertiefte. Eine Ausstelluna von Lichtbildwerken (meist von Dr. Paul Wolff) machte den Besuchern des Vortrags- abends noch besondere Freude. Oberhefsisches Schwmgmcht. Wie wir gestern bereits berichteten, hatte sich das Schwurgericht am Montag und Dienstag unter Ausschluß der Oeffentlichkeit mit dem Adam G o n - dolf und der Anna Waltz aus Friedberg wegen Meineids zu beschäftigen. Das Gericht verkündete gestern um 20 Uhr das Urteil, nach dem G o n - dolf wegen Verbrechen nach §§ 154, 157 StGB, zu einem Jahr und die Waltz zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Amtsgericht Gießen. In der gestrigen Sitzung stand der A. W. aus Heuchelheim vor den Schranken des Gerichts. Der Angeklagte wurde durch Strafbefehl wegen Körperverletzung mit drei Wochen Gefängnis belegt. Anläßlich eines Tanzvergnügens äußerte der Angeklagte in angetrunkenem Zustand, er gehe nicht nach Haufe, bevor er nicht einem den Kopf aufgeschlagen habe. Etwa um 4 Uhr ging ein junger Mann von Heuchelheim nach Hause und wurde von dem Angeklagten unterwegs mit einem harten Gegenstand auf den Kopf geschlagen, wodurch er erhebliche Verletzungen davontrug. Das Gericht setzte die Verkündung 6er Entscheidung auf eine Woche aus. Nundsunkprogramm Donnerstag, 5. Dezember. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.15: Gymnastik. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13- Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Zeitangabe, Nachrichten, Wetterbericht der Reichswetterdienststellen Frankfurt a. M. und Aachen. 14.10: Allerlei zwischen Zwei und Drei. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Kinderfunk. 16: Konzert. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Launiger Leitfaden für Sprachfreunde. 18.40: Deutsche Gespräche: „Künstler und Kunstwerk". 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Mozart-Zyklus (5). Italienische Reisen. 21: Ans Ende der Welt. Hörspiel. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Mandolinen spielt auf. 23: Musik zum Tagesausklang. 24 bis 2: Nachtkonzert. Jleffor Erb, Lich, tritt in Ruhestand. = Lich, 3. Dez. Nach Erreichung der gesetzlich festgelegten Altersgrenze wurde Rektor Erb mit dem 1. Dezember in den Ruhestand versetzt. Die Verdienste von Rektor Erb um die Schule und das öffentliche Leben unserer Stadt haben wir anläßlich seiner 30jährigen Tätigkeit im Licher Schuldienst am 2. Oktober d. I. in Nr. 227 des Gießener Anzeigers hervorgehoben. Nur ungern sieht man den verdienten Schulmann aus seiner verantwortlichen Stellung scheiden. Aber in seiner Stellung als Ratsherr der Stadt Lich und als Kirchenvorsteher der Evangelischen Gemeinde kann er hoffentlich noch viele Jahre seine reichen Lebenserfahrungen der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Heber seinen Nachfolger im Rektorat ist noch keine Entscheidung getroffen. Oie Frühpost-Verbefferung zwischen Lich und Gießen. —/— Lich, 3. Dez. Wie bereits berichtet, ist auf Anregung des „Gießener Anzeigers" und durch das Entgegenkommen der Postverwaltung vom gestrigen Tage ab die Frühpostverbindung zwischen Lich und Gießen an Werktagen durch versuchsweise Einrichtung einer B e u t e l p o st im Zuge 515, ab Lick 5.56 Uhr, wesentlich verbessert worden. Dafür sind alle beteiligten Kreise unserer Bevölkerung dankbar. Jetzt ist es den Einwohnern unserer Stadt, besonders aber den Handel- und Gewerbetreibenden, möglich, ihre Post nach Gießen und darüber hinaus noch in den Abendstunden in Ruhe erledigen zu können in der Gewißheit, daß die Postsachen mit der ersten Morgen-Bestellung in Gießen ausgetragen, oder mit den Anschlußzügen sofort von Gießen weiterbefördert werden. Die neugeschaffene Postoerbindung hat jedoch nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn die Beutelpost so zahlreich benutzt wird, daß eine Rentabilität sicheraestellt ist. Das wird in erster Linie von der fleißigen Benutzung der neuen Einrichtung durch die Licher Bevölkerung erreicht werden können. Ganz gewiß darf auch mit Rücksicht auf „den Dienst am Kunden" von der Postverwaltung erwartet werden, daß bei der Rentabilitätsberechnung weitgehendes Entgegenkommen stattfindet. Vielleicht wäre es möglich, daß die neue Frühverbindung der Post bereits von Hungen aus eingerichtet wird. Sicher würde auch die Geschäftswelt Hungens eine solche Einrichtung freudig begrüßen. Späterhin könnte möglicherweise erreicht werden, daß sogar von Gelnhausen her, etwa mit dem Zug 501 (ab Gelnhausen 5.16 Uhr), eine durchgehende Post-Frühverbindung geschaffen wird, von der die Städte Büdingen, Nidda, Hungen und Lich in gleicher Weise großen Nutzen hätten. Wiederherstellung e ner Kircbenkapelle 2) Lick, 3. Dez. Unsere altehrwürdige Ma- rienstiftskirche aus dem 16. Jahrhundert, eine der Spätgotik zugehörige dreischiffige Hallenkirche, die um ihrer Schönheit willen schon oft von auswärtigen Vereinigungen, selbst von weither besucht wurde, befindet sich im Jynern leider in recht unwürdigem Zustande. Das für eine angemessene Herrichtung vorhanden gewesene Kapitalvermögen des Marienstifts hat die Inflation verschlungen. Deshalb wird schon seit einigen Jahren an einem E r - neuerungsfonds gesammelt. Wenn auch noch keine überwältigenden Beträge eingegangen sind, so konnte doch im verflossenen Herbst wenigstens das ganz üble Aussehen der nördlichen Seitenkapelle, der sog. Sakristei, beseitigt werden. Nachdem die darin untergebrachte Kirchenheizung vollständia unter den Boden verlegt worden war, hat Kirchenmaler Veite aus Darmstadt diese Kapelle, die eben noch als Durchgangsraum dient, nun so künstlerisch hergerichtet, daß sie nicht mehr störend wirkt, sondern stimmungsvoll auf den Eintritt in das Kirchenschiff vorbereitet. Durch eine Gitterwand ist der Durchgang vom übrigen Raum abgetrennt. In diesem steht an der Westwand neben einem alten Weihwasserbecken der ehemalige Kapellenaltar. Die Südwand ist geschmückt mit einem von der früheren Großherzogin Eleonore von Hessen gestifteten etwa 80 Zentimeter hohen Kruzifix aus Eichenholz mit edlem Gesichtsausdruck, umrahmt von dem Bibelwort: „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, feinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat", ufw. „Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten." An der Decke find in kreisrunden Umrahmungen dar- gestellt die Taufe Jesu im Jordan und die himmlische Beglaubigung der Gottessohnschaft durch den Geist Gottes m Gestalt der Taube. Ebenso die Sinnbilder der vier Evangelisten St. Markus mit dem geflügelten Löwen, St. Lucas mit dem geflügelten Stier, St. Matthäus mit dem Engel und St. Johannes mit dem Adler als Symbolum. Dazwischen findet sich eine Darstellung des gestirnten Himmels. Die Nordwand aber zeigt eine backsteinartige Musterung mit verbindenden Blumen. Alle Freunde sakraler Bauwerke und künftige Besucher unseres Gotteshauses werden ihre Freude an der würdigen Ausgeftaltung der Kapelle haben. Ob sie künftig auch gottesdienstlichen Zwecken dienen wird, ist noch ungewiß. E-n Sägewerk durch Sroßfeuer vern chfef. Schlitz, 3. Dez. (LPD.) Das hiesige Sägewerk von Mertz ist durch ein Groß feuer, das am Abend ausbrach und stundenlang anhielt, trotz eifriger Arbeit der Feuerwehr vollkommen vernichtet worden. Den Flammen fielen das Maschinen- und Kesselhaus, alle Maschinen, wie Sägegatter, Kreissägen usw., die Lagerhallen und die großen Holzbestände zum Opfer. Ferner wurden auch die Gebäude bis auf die Mauerreste vernichtet. Der Schaden ist groß. Die behördlichen Ermittlungen über die Brandursache sind tm Gange. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 3. Dez. Am Montagabend sprach m der Kirche Missionar Bl unter - Marbura von der Leipziger Mission über Selbsterlebnisse während seiner 28jährigen missionarischen Tätigkeit in Ostafrika. Prachtvolle Lichtbilder, zum Teil von dem Missionar selbst ausgenommen, ergänzten die Ausführungen des Vortragenden. < Leihgestern, 4. Dez. Am heutigen Mittwoch, 4. Dezember, begehen die Eheleute Weißbinder- und Malermeister Philipp Brück und Ehefrau Christine, geb. Velten, die Feier der Silbernen Hockzeit. * Lana-Göns, 4. Dez. Zu dem gemeldeten Diebstahl einer Kuh in unserem Orte ist mitzuteilen, daß es der Gendarmerie in G r ü n - berg gelungen ist, dort den K u h d i e b in der Person eines hiesigen Einwohners b i n g f e ft zu machen. Der Täter hat ein Geständnis abgelegt und auch zugegeben, daß er die Kuh zu dem Metzger in Wetzlar gebracht hat. Der Einbrecher befindet sich i n H a f t. * Hausen, 3. Dezember. Die Freiwillige Feuerwehr hielt dieser Tage ihre dritte Gene- ralversammlung im Lokal Dörr ab. Dem Unterführer Karl I o st wurde dabei aus Anlaß feiner Hochzeit ein Bild des Führers überreicht. Für die Winterhilfe wurde eine freiwillige Sammlung durchgeführt. Im Verlaufe des Abends wurde beschlossen, in diesem Winter einen Familienabend abzuhalten. Zum Schluß sprach der erste Brandmeister über einen Vortrag des Branddirektors Nöhl in Mainz. Die Versammlung wurde in der üblichen Weise ge- chlossen. 8 Alten-Buseck,3. Dez. Die hiesige Volks- und Jugendbibliothek umfaßt zur Zeit die ansehnliche Zahl von nahezu 600 Bänden. Mit dem Ausleihen der Bücher ist dieser Tage begonnen worden. Da in dem reichhaltigen Bücherbestand auch eine Anzahl neuzeitlicher Werke vorhanden ist, wird angenommen, daß von dem Ausleihen der Bücher reichlich Gebrauch gemacht wird. — Heute wurde eine Naturalien-Sammlung für d i e Innere Mission durchgeführt, die einen befriedigenden Erfolg hatte. § Mainzlar, 4. Dez. Die Winterhilfe- Sammlung der Beamten und Handwerker in unserem Orte erbrachte den Betrag von 24 Mark. § Staufenberg, 4. Dez. Die von den Handwerkern und Beamten am vorigen Sonntag durch- aesührte Sammlung für das WHW. erbrachte hier einen Ertrag von 33 Mark. f Treis a. d. Ld a., 3. Dez. Seit 1. Dezember ist unsere Postagentur in eine Poststelle umgewandelt worden, welche die Postsachen durch Auto über das Hauptpostamt Gießen erhält und fortliefert. Die Ortsbestellung bleibt wie seither und wird durch den seitherigen Postagenten besorgt. <> Haibach, 3. Dez. Dem aufmerksamen Beobachter und Freund alter Volkskunst fallen an verschiedenen Stallungen und Scheunen unserer Gemeinde interessante Kratzmuster auf. Sie wurden im vorigen Jahrhundert beim Verputzen als Zierformen angebracht. Die Handwerker benutzten bei ihrer Arbeit weder Schablonen noch sonstige Hilfsmittel, sondern stellten die Muster nach ihrem Gutdünken aus freier Hand dar. Kunstsinn, eine scharfe Beobachtungsgabe und rege Phantasie waren bei der Darstellung der einzelnen Objekte notwendig und ausschlaggebend. Diese Fertigkeiten müssen um so höher eingeschätzt werden, da die Kratzmuster von einfachen, zeichnerisch und künstlerisch ungeschulten Männern hergestellt wurden. Ein würdiger Vertreter dieser schlichten, alten Handwerkskunst ist der 89jährige Maurer Philipp M ö - b u s. Er erlernte in den Jahren 1860 bis 1864 bei einem Meister in Winnerod das Maurerhandwerk und war vorwiegend in der Rabenau tätig. Auch hier hat er mit großem Geschick einige Wirtschaftsgebäude und Wohnhäuser verputzt und dabei ge- schmackvolle Muster angebracht. Am besten sind diese noch an den Scheunen der Landwirte Sommer- l a d und Frey erhalten. Die Entwürfe stellen meistens Blumen, Blumengewinde, Blumenstöcke und geometrische Figuren dar. Aus beachtlicher Stufe stehen auch die Kratzmuster, die der bereits verstorbene Maurer Konrad G ö r n e r t aus Ober- Bessingen an den Scheunenwänden des Erbhofs Fritzel anfertigte. Neben gefälligen, phantasie- vollen Gebilden finden wir hier Vögel und allerlei andere Tiere. Auch symmetrische Figuren, Blumenstöcke und verschiedene Pflanzen sind vorhanden. Weitere noch verhältnismäßig gut erhaltene und interefsante Kratzmuster — deren Hersteller aber unbekannt sind — befinden sich an den Scheunen der Landwirte Wilhelm Stark, Heinrich Buchner, Wilhelm L o t h und Heinrich Münch. -A Lich, 3. Dez. Ein b r e i ft e r Diebstahl wurde in der Nacht zum Samstag in der Hofreite des Maurermeisters U h r h ä n im Garbenteicher Weg ausgeführt. Aus einem Schuppen wurde ein neues, wertvolles Fahrrad entwendet. Zwei ältere Räder lieh der Dieb unberührt stehen. Die Gendarmerie hat sofort die Suche nach Dem Täter aufgenommen. 5 Dorf-Güll, 2. Dez. Die hiesige Frauen- schäft veranstaltete gestern abend im neuerbauten Gemeindesaal eine wohlgelungene Advents- feier. Im Mittelpunkt stand eine Ansprache unseres Pfarrers Becker. Gemeinsam gesungene Lieder, Gedichte und Zwiegespräche wechselten in bunter Reihenfolge, die Besucher wurden mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Die hiesige Frauenschaftsfüh- rcrin, Frau Euler, die die Feier leitete, schloß mit einer kurzen Ansprache und stattete den Dank aller Mitwirkenben ab. — Die gestrige Straßen- s a m m l u n g, die von den hiesigen Beamten und Handwerkern durchgeführt wurde, zeitigte ein überaus glänzendes Ergebnis. Es gingen in unserem etwas über 400 Einwohner zählenden Dorfe nämlich 97,82 Mark ein. Auf diese Summe darf die Gemeinde stolz sein! Anschließend fand eine kleine! Feier im Saale statt, die der Obmann und Altmeister Konrad Messerschmied leitete. Es wurden mehrere Ansprachen gehalten. Auch der Kreisobmann der Schmiedeinnung traf ein und würdigte die Verdienste unseres Schmiedemeisters Messerschmied. Diesem ist es nämlich vergönnt, in diesem Jahre sein fünfzigjähriges Jubiläum als Schmied zu feiern. Trotz feiner 76 Jahre steht er noch von früh bis spät jeden Tag am Amboß in seiner Werkstatt. cs5 Eberstadt, 3. Dez. In unserer Gemeinde fand in der Zeit vom 24. November bis 1. Dezember eine kirchliche Woche statt, die durch einen Abendgottesdienst eingeleitet wurde. Redner der Vortragsabende waren Professor Dr. Keller (Friedberg), Pfarrer P r ä t o r i u s (Langd), Pfarrer Fischer (Nieder-Weisel), Pfarrer Schäfer (Bad-Nauheim), Pfarrer W e ck e r l i n g (Gießen) und Pfarrer Sohn (Ober-Widdersheim). Jeder Tag der kirchlichen Woche brachte außerdem je eine Morgenandacht und eine Bibelstunde am Nachmittag. — Die Feldarbeiten in unserer Gemarkung sind nunmehr beendet. Gegenwärtig werden die letzten Fuhren Grünfutter eingefahren. Roggen und Weizen sind gut aufgegangen. )-( Bellersheim, 2. Dez. Obwohl die Schädlingsbekämpfung im Obstbau hier schon feit Jahren in Zusammenarbeit von Obst- und Gartenbauverein und Gemeindeverwaltung planmäßig durchgeführt wird, wird auch noch das An- egen von Klebgürteln vorgenommen. Welche Er- olge diese Maßnahme zeitigt, kann man gegenwärtig feststellen. An einzelnen Leimringen können bis zu einem Dutzend Frostspannerweibchen beobachtet werden. Da jeder Schädling mehrere hundert Eier ablegt, läßt sich die Verhütung des Schadens durch diesen Baumfeind leicht ermessen. Mit Eintritt der ersten Fröste ist außerdem noch mit einem verstärkten Auftreten des Frostspanners zu rechnen. — Von der Gewährung eines Reichszuschusses zu Obstbaumneupflanzungen wurde auch hier reichlich Gebrauch gemacht. Neben mehreren neuen Kernobstanlagen durch private Grundbesitzer hat die Gemeinde auf dem für spätere Zeiten zur Friedhofsanlage vorgesehenen Gelände an der Straße nach Trais-Horloff eine mustergültige Zwetschenpflanzung von 68 Jungbäumen geschaffen. Insgesamt wurden hier über 300 Bäume gesetzt. Die Obstbauüberwachungskommission brauchte hier in diesem Herbst nicht in Tätigkeit zu treten, da der gesamte Baumbestand in gutem Zustande ist. — Dieser Tage fand hier eine Waldtreibjagd statt, bei der 14 Hasen zur Strecke gebracht wurden. Kreis Friedberg. pb. Butzbach, 1. Dez. Gestern Abend fand im großen Saal des „Hessischen Hofes" das Aus- zeich nun gsfest der Ortsgruppe Butzbach des Taunusbundes statt, zu dem der stellvertretende Gebietsführer R ö d d i n g (Frankfurt a. M.), Bürgermeister Dr. Mörschel (Butzbach) sowie einige Vertreter der Ortsgruppen Bad-Nauheim, Köppern, Wetzlar und des hiesigen DHC. als Ehrengäste erschienen waren. Nach einführenden Musikstücken der Feuerwehrkapelle begrüßte zunächst der Ortsgruppenführer Kaufmann F ü l l i n g die Gäste, worauf ein von Frau Erika Münz verfaßtes kleines humoristisches Stück aufgeführt wurde, an das sich die Auszeichnung der Wanderer anschloß. Die ausgezeichneten jungen Tauniden erhielten Bücher, während die alten das Abzeichen in Gold erhielten: darunter befand sich als einer der ältesten Wanderer Kaufmann Louis Braubach, der das Zeichen zum dritten Male für insgesamt 220 mitgegangene Wanderungen erhielt. Der stellvertretende Gebietsführer hielt alsdann eine Ansprache, überbrachte die Glückwünsche und Grüße des Gebietsführers Oberbürgermeister Dr. Krebs, sowie des Reichswanderführers Ministerpräsident a. D. Werner, warf einen Rückblick auf die vergangenen und einen Ausblick auf die nächsten Jahre, dabei mitteilend, daß im Frühjahr 19 3 6 in Butzbach ein großes Wandertreffen ftattfinben werde. Weiterhin sprachen als Vertreter von Wetzlar Wanderbruder Hartmann und Weber für Bad-Nauheim. Ein nett gespieltes Theaterstück setzte dann die Lachmuskeln der Zuhörer in heftige Bewegung. Weitere Musikstücke leiteten zum Tanz über. Kreis Alsfeld. * Deckenbach, 2. Dez. Dieser Tage wurde auf Dem hiesigen Friedhof der Sohn des. hiesigen Einwohners Wilhelm Dörr zu Grabe getragen, der bekanntlich an den Folgen eines Unfalles in der Schule in der Klinik zu Gießen verstorben war. Die ganze Gemeinde nahm herzlichsten Anteil an der Beerdigung des auf so tragische Weise aus dem Leben geschiedenen Knaben. Selten sah unser Dorf einen so stattlichen Trauerzug. Die fahrende natnrknndliche Monatowchrilt! und zum Bauen i chatt m. b H_ Hanau. der Querzlamj „Der Naiursorscher" "'“X“.«.- Schilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften und ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Herausgeg. von Oberstudienrat Dr. N.Neinu. prof.Dr. W. Schoenichen. „Der Naturforscher" unterrichtet fortlaufend in Äild und Wort über die Ergebnisse der neuesten Äeobachtungen und Forschungen aus allen Gebieten der Naturwissenschaften und Technik. Er ist die verständliche, aber hochwertigenaturwiffenschastlicheMonatsschristsürgeisttg Anspruchsvolle, die bei hervorragender Ausstattung nicht auf oberflächlichen Aufputz, sondern auf Gehalt eingestellt ist. Vierteljährlicher Sezugspreis: NM. 2,50. - Verlangen Sie kostenlos ein Probeheft. - Oer Sezug kann durch jede Suchhandlung erfolgen. Hugo Dermühler Verlag * Berlin-Lichterfelde Verl. 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Gibt es also ein besseres FomUien gesdienk als diese „Höhe!»- sonne", die zu ieder Jahres- ieit die heilkräftigen ultra- ® violetten Strahlen spendet) KJ i HÖHENSONNE xjjli - Original Hanau - Geschäfts-Drucksachen BHefblätter" Brief um ach läge bei Brühl, Schulstraße 7 Geschäftskarter Unentsch. Verl. 9 Jl.-Sport Unentsch. Verl. Unentsch. Verl. 1. 3gb. 2:2 (2:0). a Unentsch. Verl. Unentsch. Verl. Gruppe ausgeschieden-, die aus Spiele sind nicht gewertet. 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1 0 0 0 0 1 2 3 d g t! 2 1 1 2 3 4 4 0 0 0 2 1 1 1 1 2 3 4 0 1 2 3 3 3 Pkte. 8 8 6 4 2 2 Pkte. 7 7 4 2 0 4 4 4 4 4 der Pkte. 10 6 6 2 3 1 Pkte. 8 7 7 2 2 0 Pkte. 6 4 2 0 Gruppe A. VfB.-R. I W.-Steinberg 1900 I Leihgestern Heuchelheim Lollar Gruppe B. Großen-Buseck Wieseck Alten-Buseck Garbenteich Daubringen 1900 II ist t o n 6 Ä 0 ei D Spielvereinigung gegen Großen-Linden 0 0 0 0 1900 1. 3gb. Die Pressestelle des Reichssportführers teilt mit: „Im freien Spiel der Kräfte nach heißem, ehrlichem Ringen um Erkenntnis und nach planvoller und vorsichtiger Entwicklung steht der Reichsbund für Leibesübungen am 1. Januar 1936 als eine aus nationalsozialistischen Grundsätzen geschaffene Organisation. Den Gauführern des Reichsbundes fällt eine Verantwortung von großem Ausmaße zu, denn sie sind draußen im Land die Träger des Gedankens von der Einheit der deutschen Leibesübungen und die Gestalter eines Bundes, der eine nationalsozialistische Erziehungs- und Kulturaufgabe durchzuführen hat. Der Reichssportführer hat daher Männer in das Amt des Gauführers berufen, deren Eignung nach Persönlichkeit, Sachkenntnis und Einsatzbereitschaft feststeht." Es sind dies: Gau 1 (Ostpreußen): SA.-Sturm- bannführer Paul Sohn, Königsberg, Tragheimer Pulverstraße 31; Gau 2 (Pommern): Landrat Dr. Becker, Anklam, Demminerstraße 73/74; Gau 3 (Brandenburg): SS.-Oberführer Breit- haupt, Berlin-Charlottenburg, Hessenallee 3; Gau 4 (Schlesien): SA.-Obersturmbannführer Renneker, Breslau 5, Schweidnitzer Stadtgraben 19; Wegen des schlechten Wetters mußten die Gießener mit nur neun Mann nach Großen-Linden fahren. Auf völlig grundlosem Boden wurde das Spiel ausgetragen. Die Blauweißen hatten die erste Halbzeit etwas mehr vom Sviel. In der ersten Viertelstunde kamen die Gäste zu zwei Ueberraschungstoren, denen die Platzbesitzer nichts Gew. 4 4 3 2 1 1 Gew. 3 3 2 1 0 entgegensetzen konnten. In der zweiten Halbzeir machte sich das Fehlen der zwei Leute sehr bemerk- bar, und die Gäste mußten sich mehr auf die Ab. wehr beschränken. Gegen Spielende kamen die Platzbesitzer zum Ausgleich. Kurze Sportnotizen. Eine Gedenktafel für AxelHolst, den im Januar in Berlin tödlich verunglückten ausgezeichneten Turnierreiter, wurde am Montag auf dem Turnierplatz in Kleinflottbeck bei Hamburg enthüllt. Der Handballkampf gegen Luxem- bürg, der am Sonntag wegen der überaus schlechten Wetter- und Bodenverhältnisse nicht ausgetragen werden konnte, wird in Bälde an einem noch nicht genau feststehenden Termin in Luxemburg nachgeholt werden. Vier DKW-Weltrekorde, von Walfried Winkler und Arthur Geiß in der Vorwoche in Frankfurt aufgestellt, wurden jetzt vom internationalen Motorradweltverband anerkannt. Es handelt sich um die Höchstleistung für den stehenden Kilometer von Winkler mit 128,617 Stundenkilometer und für die stehende Meile von Geiß mit 143,229 Stundenkilometer. Beide Leistungen, auf der 250er- Maschine aufgestellt, gelten auch für die 350-ccm- Klasse. Spiele 5 5 5 5 5 5 Spiele 1 0 1 3 2 5 Gau 5 (Sachsen): Min.-Rat Dr. K u n z, Dresden, Sächs. Staatsmin. d. Innern; Gau 6 (Mitte): Min.-Rat Dr. Klipp, Weimar, Karl-Alexander-Allee 9; Gau 7 (Nordmark): SA.-Obersturmbannführer Ullrich, Hamburg 36, Klopstockstraße 12; Gau 8 (Niedersachsen): SA.-Sturmhauptführer Völl, Braunschweig, Waterloostraße 14; Gau 9 (Westfalen): SA.-Brigadeführer ß o • renz, Münster, Hoyastraße 21; Gau 10 (Niederrhein): Karl Pape, Düsseldorf, Jmmermannstraße 66; Gau 11 (Mittelrhein): stellv. Gauleiter und Bür. germeister Schalter, Köln, Rathaus; Gau 12 (Nordhessen): (Ernennung folgt noch.) Gau 13 (Südwest): Pol.-Präs. SA.-Gruppen- führer B e ck e r l e, Frankfurt a. M., Taunusan-. läge 14; Gau 14 (Baden): Min.-Rat Fliegersturmführer Herbert Kraft, Karlsruhe, Erbprinzenstraße 15; Gau 15 (Württemberg): Gau-Schulamtsleiter Dr. Klett, Stuttgart-^., Friedrichstraße 13; Gau 16 (Bayern): Dir. d. staatl. Inst. f. Leibes- Übungen, SA.-Brigadeführer Schneider, München 2, NW., Theresienstraße 39. r ü Der ReichssportMrer ernennt die neuen Gauführer des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen. mit einem flotten Marsch den Abend eingelecket hatte, begfüßte Vereinskamerad G r o t e alle Erschienenen, insbesondere die Vertreter der NSDAP., der einzelnen ortsansässigen Vereine und der Behörden. Auch Kreisführer Henkel, Gießen, nahm mit seinem Mitarbeiterstabe an der Feier teil. Er überbrachte in einer Ansprache die Grüße des Verbandes, wies ferner auf die Bedeutung des deutschen Sportes hin, und forderte die erschienene Jugend auf, den Sportvereinen beizutreten. Sodann gedachte Vereinsführer Heinze der verstorbenen Mitbegründer des Vereins und ehrte ferner die alten Mitglieder der Vereins durch Ueberreichung von Urkunden. Vereinskamerad Bruno Grote wurde zum Alterspräsidenten und der aktive Sportler Richard W i s s e m a n n wurde zum Ehrenspielführer des Vereins ernannt. Die Kameraden Schäfer und Wolf erhielten Ehrenurkunden für ihre langjährigen, dem Verein gegenüber geleisteten treuen Dienste. Es folgten dann zwei Theateraufführungen und lustige Gesangsvorträge. Die Feier selbst nahm einen harmonischen Verlauf. Der Besuch dieser Veranstaltung zeigte erneut, wie beliebt der SD. 1920, Lollar, in seinem Heimatorte ist und wie sehr das Zusammengehörigkeitsgefühl in diesem Verein zum Ausdruck kommt. Das für den Sonntag vorgesehene Jubiläum s s p i e l zwischen der ersten Elf des Jubilars und der ersten von Wetzlar-Niedergirmes mußte leider den schlechten Platz- und Wetterverhältnissen zum Opfer fallen. Fußball der Kreisklaffen. Grünberg — Großen-Buseck 3:3; 1900 II — Heuchelheim, H. nicht angetreten; Leihgestern — VfB.-R. II ausgefallen; Ulm — Ehringshausen 0:4; Hermannstein — Nauborn 0:6; Stockhausen — Spfr. Wetzlar 0:4; Allendorf — Lich 3:5; Flensungen — Londorf 1:3. Alle anderen Spiele fielen aus Oer Stand der Pflichtspiele der Iugendgruppen Gießen. Große Leistung eines Gießener Segelfliegers. Die Wetterlage der letzten Tage rief die Segelflieger der Ortsgruppe Gießen und Kirchhain gemeinsam in ihr Element. So startete Fluglehrer Dr. I a n ck e - Gießen auf „Grunau-Baby II" der Ortsgruppe Kirchhain zu abendlicher Stunde zu einem Nachtflug über der Amöneburg. Der Start ging bei eintretender Dunkelheit glatt von statten. Sofort danach wurden die Richtungslampen für den Flug und die Landung ausgesteckt. Es bedurfte großer Mühe, b ei dem herrschenden Wind die Lampen unten als Richtungspunkte im Gang zu halten. Die Stadtverwaltung und die Bevölkerung Amöneburgs hatten sich bereitwilligst in den Dienst der Sache gestellt und alle sofort greifbaren Beleuchtungskörper herbeigeschafft. Trotzdem reichte diese Beleuchtung nicht aus, es mußten noch Fackeln aus Kirchhain herbeigeschafft werden. Fluglehrer Dr. Jancke hatte der Wetterlage Rechnung getragen und sich ausreichend mit warmer Kleidung versehen. Am Pfeifen, Singen und munteren Zurufen konnte die Startmannschaft und die anwesende Bevölkerung merken, daß der Flieger trotz großer Kälte sich in seinem Element wohlfühlte. Rach einer Flugzeit von drei Stunden, sechs Minuten erfolgte glatte Landung, da der Wind inzwischen vollkommen gedreht hatte. Der in der Maschine eingebaute Scheinwerfer bewährte sich gut. Der Nachtflug hat bewiesen, daß beim Vorhandensein einer guten Beleuchtungsanlage und einigermaßen guten 'Wetterbedingungen, Nachtflüge an der Amöneburg ohne weiteres möglich sind, und daß gegen Abend begonnene Flüge ohne jede Schwierigkeit in der Nacht fortgesetzt werden können. Durch die praktische Zusammenarbeit der Ortsgruppen Gießen und Kirchhain ist bewiesen, daß durch gemeinsame Kraft und vorbildliche Kameradschaft Leistungen erzielt werden, die zu der Hoffnung berechtigen, daß die unbedingt notwendige Förderung der Luftfahrt auch in hiesiger Gegend zu ihrem Rechte kommt. 15 Jahre Sportverein Lollar. Der Sportverein 1920, Lollar, hatte zu seinem am Samstag im Saale der Gastwirtschaft Hettche stattgefundenen Stiftungsfeste eingeladen, um in würdiger Weise die Feier seines 15jährigen Bestehens zu begehen. Zahlreich waren alle Freunde und Mitglieder des Vereins dem Rufe gefolgt und bereits vor Beginn der Veranstaltung war der Saal voll besetzt. Nachdem die Kapelle Lynker Gruppe C. Spiele Gew. Rodheim 5 5 Wißmar 4 3 Kinzenbach 5 3 Launsbach 5 0 Heuchelheim 5 1 Fellingshausen 4 0 Gruppe D. Spiele Gew. Klein-Linden 5 4 Großen-Linden 4 4 Steinbach 5 3 VfB.-R. II 4 1 Krofdorf 3 1 Lich 5 0 Gruppe E. Spiele Gew. Nieder-Ohmen 3 3 Flensungen 3 2 Rüddingshausen 3 1 Londorf 3 0 geöffnet 1 6960D bis 15 Uhr geöffnet. 6965A Gießen, den 3. Dezember 1935. Photo-Pfaff, Löwengasse 6 Die Beeidigung findet am Freitag, dem 6. Dezember, nachmittags Wie angegossen 3 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt 6969 D 6958 A 6967 A Gießen, den 4. Dezember 1935. 6961 D sicherungsverein a.G 71 Fl. 0.75 von 6971 A «957 V 100X70 68. 65X45 29. 80X55 48. 35X26 15. Was Sie schenken sollen? Selbstverständlich nur praktische Geschenke Niersteiner Traubensaft.. süß, naturrein, alkoholfrei Traubensaft, rot ....... süß, naturrein, alkoholfrei Apfelsaft.............. naturrein, alkoholfrei Am Dienstagnachmittag gegen 4 Uhr entschlief sanft nach geduldig ertragenem Leiden mein lieber, guter Mann, unser treusorgender Vater, unser Bruder und Schwager aia Anzeigen-Akttengesellschaft Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen u. Zeitschriften Gießen / Gchulstraße 1 IflnneiH4 MlNMch abzugeb. Bestell, erb. wir v.Vostk. DamplsägewerkLollar B.Nuhn A.G..Lollar. Seelachs Pf.25Pf Kabeljau Pf.28Pf. Filet.. Pfd.42Pf. Statt Karten. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgänge unserer lieben Entschlafenen Frau Christina Luh, geb. Väth und für die Kranz-und Blumenspenden sage ich im Namen aller Hinterbliebenen aufrichtigen Dank. Philipp Luh, Obsthändler. Großen-Linden, den 30. November 1935. __________________________05165 erlin. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen und lür die vielen Kranz- und Blumenspenden sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank Frau Lina Runzheimer/Witwe Walter Runzheimer. Mercedes Mk. 186.- schonf.montl.M.8.30 FranzVoOliCo., Gießen Seltersweg 44 a Die Preise versteh, sich inkl. Gold-,Silber od. schw.Rahm. Schlafzimmer-Bilder unter Glas 1(>.— bis 25.— RM. Handgemalte Schlafzimmer-Bilder 110X50 39.— BM. Heinrich.Frankfurt M. Kaiserstr.57 (Kell.)Haltest.Weser-Elbestr. Ehestandsdarlehen 1 ■■■ J Sehr schön ist das! Ja, elektrische Geräte sind willkommene Geschenke. Man kann sie immer gebrauchen. Nette, praktische Dinge gibt es: Heißluftdusche, Heizkissen, Bügeleisen, Staubsauger. 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Preis gebunden 4,50 RM. — (486) — Deutsche Volksbücher heißen jene volkstümlichen Nacherzählungen der alten Helden- und Spielmannsdichtung, deren bunte Abenteuerwelt durch die Jahrhunderte hin immer von neuem die Leser gefesselt hat. Severin Rüttgers hat diesen stammhaftesten Teil der ganzen Literatur" von den Schlacken des Veralteten gereinigt und die Geschichten auf seine oft erprobte meisterliche Art nacherzählt. Wir finden den hörnern Siegfried, die vier Haimonskinder, Herzog Ernst von Schwaben, Wigoleis, Kaiser Barbarossa, Melusine, Griseldis, die schöne Magelona, Hirlande, Fortunat, Eulenspiegel, die Schildbürger und Doktor Faust. Sie alle, uns wohlvertraut, treten in diesem schönen Buch neugestaltet vor uns hin und werden doch den alten ewigen Zauber üben, weil die Lust am Abenteuer und der Wunderglauben nie verloren gehen werden. miteinander sind, wie Jahreszeit und Lebensvorgänge mit größter Genauigkeit ineinandergreifen, wie hier im Mikrokosmos eine Lebensgemeinschaft entstanden ist, die aufs engste aufeinander angewiesen ist und in der jedem Einzelwesen, sei es Pflanze oder Tier, eine besondere Aufgabe gestellt ist. Dies reizend ausgestattete Büchlein hat als eine solche Lebensgemeinschaft den Wiesenteich betrachtet. In einer kurzen Einleitung lernen wir die Pflanzenwelt kennen, deren einzelne Vertreter in einer späteren Auflage des Büchleins vielleicht ohne große Schwierigkeiten auf den Bildtafeln bezeichnet werden könnten. Dann stellen sich die Teichbewohner selber vor, von Spitzmaus und Wasserratte, den Vögeln, Molchen und Fröschen bis zum Schlammbeißer, den Fliegen und Käfern, Polypen, Schnecken und Muscheln ein bunter Reigen in hübschen, gut getroffenen ganzseitigen Farbbildern mit gesonderten Erläuterungen. Das schmucke Büchlein wird jeder Naturfreund besitzen wollen. Besonders aber wünschen wir es unserer Jugend, die nicht früh genug gerade auf eine solche Gesamtschau der Nach e n, aus mündlicher Ueberlieferung gesammelt und übertragen. Im Insel-Verlag zu Leipzig. Preis in Leinen gebunden 7,— RM. — (339) — Der Insel-Verlag hat das große Verdienst, in seiner großen Ausgabe der Märchen aus „Tausendundeine Nacht" das Schönste arabischer Erzählerkunst uns vermittelt zu haben. Hier ist gleichsam eine Nachlese aus späterer Zeit, die Enno Littmann, der berühmte Tübinger Orientalist, in Jerusalem nach Geschichten einer arabischen Märchenerzählerin, der Mutter seines Dieners Salim, ausgezeichnet hat. Da heute auch im Orient die Kunst des Märchenerzählens, die einst bei den Morgenländern in so hoher Blüte stand, fast im Aussterben begriffen ist und wenigstens in den größeren Städten meist durch das Lichtspieltheater verdrängt wird, sind die hier übermittelten Märchen vielleicht die letzten Zeugnisse einer echten orientalischen Volkspoesie. Sie zeigen sowohl in den behandelten Motiven wie in der anmutigen Form der Darbietung eine Mannigfaltig. berechtigte Uebertragung von r a t h. Mit 25 Tiefdruckbildern nach Aufnahmen des Verfassers. Kart. 3,50 Mark, Leinen 4,80 Mark. I. Engelhorns Nachf., Stuttgart. — (335.) — Es ist eine große Freude, einem so ausgezeichneten Tierschriftsteller wie Cherry Kearton, dem berühmten Pionier der „unbewaffneten Tierphotographie", einmal auf dem Pfade des Erzählers zu begegnen, denn der Verfasser von „Mein Hund Simba", „Im Lande des Löwen" und anderer, früher hier besprochenen Bücher, zeigt sich als vollbürtiger Erbe der alten glänzenden Erzählertradition Englands. In lebendiger Nachformung einer Mafsai-Sage berichtet er die Geschichte und den Untergang eines kleinen Negerdorfes-, ein jahrzehntelang verstummter Vulkan, in dem nach dem Glauben der Eingeborenen ein riesiger Löwe versteinert ist, bricht plötzlich wieder aus und begräbt das Dorf unter glühenden Lavafluten. Nur ein Forscher und Beobachter wie Kearton, der über dreißig Jahre lang Natur, Mensch und Tier im afrikanischen Busch studiert hat, vermochte über eine spannende Geschichte so den Zauber des Erlebten und die ungeschminkten Farben der Wirklichkeit zu breiten; der Text und die prachtvollen Bilder ergeben eine Feuerberg. Schicksal eines Negerdorfs. Einzig ** ' Ernst Münche - Deutsche Erzähler. — Karl Heinrich Waggerl: Mütter. Roman. 263 Seiten. Leinen 5,50 Mark. Im Insel- Verlag zu Leipzig, 1935. — (487) — Mit diesem neuen Roman schließt Karl Heinrich Waggerl den kleinen Kreis seiner vier Bücher aus der bäuerlichen Welt, und er kehrt damit gewissermaßen wieder zu seinem Ausgangspunkt zurück. War der erste Roman dieser Reihe, unter dem Titel „Brot", dem Schaffen, der Schuld und dem Schicksal des Mannes gewidmet so steht im Mittelpunkt dieses letzten aus dem gleichen dörflichen Umkreis und Bereich die Gestalt einer mütterlichen Frau, der alten Hebamme Gertraud, und das ist wirklich eine Gestalt, nämlich gesehen und aus der Nähe erlebt und in ihrer Lebenswirklichkeit bewahrt und weitergegeben aus den Erinnerungsgründen der Kinderzeit. Aber der Leser, der schon die früheren Bücher von Waggerl kennt und Art und Wesen dieses Dichters liebgewonnen hat, wird sich hier bei den „Müttern" zugleich auch an die unmittelbar vorhergehende, die blühendste und reichste aller seiner bisherigen Erzählungen erinnert fühlen, nämlich an „Das Jahr des Herrn", und es will uns scheinen, als ob eine der köstlichsten Gestalten daraus, der kleine David, hier wiederkehre, nicht leibhaftig zwar, aber doch in manchen Kindergestalten, welche das Buch so lebendig und erfrischend bevölkern. Und wieder- um bewährt sich, gerade in deren Schilderung, aber auch etwa in der Geschichte von der starken Müllerin, eine der schönsten und reinsten Gaben des Dichters Waggerl, nämlich jene befreiende, gesunde und gleichsam ansteckende Heiterkeit des Herzens, mit der er seine kleine bäuerliche Welt erhellt und beglänzt, von der auch die freilich durchaus nicht komischen Gestalten und Schicksale in diesem Roman einen leisen Abglanz erhalten zu haben scheinen. Diese Art der Erzählung und Menschenbetrachtung macht die beiden letzten Bücher des Kreises noch liebenswerter als die ersten, die ein wenig herb und spröd und jedenfalls nicht ohne weiteres zugänglich waren, dem Leser die Welt Waggerls zu erschließen. Das warme und heitere Buch von den Müttern aber wird den schon zahlreichen Freunden des jungen Dichters eine rechte Weihnachtsfreude — Th. Müller-Alfeld: Alex, die Geschichte eines Fuchses. Verlag C. Bertels- mann, Gütersloh. Preis 2 Mark. — (499) — Als molliges Kerlchen ist Alex der Fuchs zwischen den Beinen eines erschrockenen Oberlehrers und der johlenden Pennäler hindurch aus dem Bau geflitzt und nach Jahren als listiger Mörder und räudiger Hinkebein unter der hohen Kiefer zum letzten Male eingefahren. Ein Fuchsleben lang diese aufreibenden Abenteuer um das bißchen Sattsein, der ewige Kampf mit der gefräßigen Konkurrenz, mit Mensch und Naturgewalten — wer ergreift da nicht für Alex Partei, unfern Alex, dessen zäher Lebenswille sich jeder Situation gewachsen zeigt! Eine Fuchsgeschichte mit kurzweiligen, tier- und naturnahen Stimmungsbildern aus den Wäldern des hannoverschen Leinetales. — Johannes Heinrich Braach, Tur Dell. Die Geschichte eines Hechtes. Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg i. O./Berlin. Preis in Ganzleinen gebunden 3,80 RM. — (514) lur Dell ist ein Hecht. Wir können seine Schicksale von dem Augenblick an verfolgen, da er aus dem Ei schlüpft, bis zu dem, da er, schon zu einem Riesen von fast sagenhafter Größe geworden, einem Angler vom Spinner reißt und wieder untertaucht in die grüne, ihm heimische, in die ewig dahingleitende Flut. Das eigentümliche Liebesleben des Fisches zieht an uns vorüber, wir sehen, wie Angler und Fischräuber sich aufmachen, um den Hecht zu erlangen und mit ihm in einer Auseinandersetzung stehen, die oftmals mehr als schlimm für das ftos- sentraqende mächtige Geschöpf auszugehen scheint. Nur innigste Verbundenheit mit der Natur, nur leidenschaftliche Liebe zu Strom und Kreatur u,id nur eigene Erlebnisse und .zahlreiche Beobachtungen vermochten dieses interessante Buch zu gestalten Es ist ein Werk, das nicht nur den Jager, Angler und Wassersportler begeistern muß, sondern auch jeden Naturfreund packen wird. - Julius R. Haarhaus: „D e r W i e s e n - teick und seine Lebensgemeinschaft. Mit 32 Abbildungen von Curt Bessiger Alexander Reichert und Franz Schmidt-Kahring Weberschift- chen-Bücherei, Verlag J.J. Weber m Leipzig. Preis qn mf _ (361) — Es ist eine lohnende Aufgabe, einen beliebigen winzigen Ausschnitt der uns alltäglich umgebenden Natur auf alles das hin zu untersuchen, was da kreucht und fleucht. Wie werden erst dann erkennen, wie minutiös aufeinander abgestimmt Pflanzenwuchs und Tierwelt in sich und Historie als Dichtung. — Paul Ernst, „Das Kaiserbuch". Volksausgabe in 3 Bänden. Band I: „D i e S a ch s e n k a i s e r". Preis in Leinen gebunden 8,50 RM. — (482) — Band II: „Die Frankenkaiser" erscheint im Frühjahr 1936, Band III: „Die Schwabenkaiser" im Herbst 1936. Subskriptionspreis je Band 6,— RM. Nach Erscheinen des dritten Bandes erlischt der Subskriptionspreis. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München. Die große mittelalterliche deutsche Kaiserzeit, die Jahrhunderte m denen deutsches Wesen zuerst zu sich selber fand, jene ritterliche Kampfzeit, da der Reichsaedanke sich bildete und von den deutschen Kaisern seine tform erhielt — die dichterische Gestaltung dieser reichsten Epoche unserer Geschichte ist der Inhalt von Paul Ernsts „Kaiserbuch". Es ist in seinem farbenprächtigen Gewirr aus Geschichte, Sage. Märchen und Lebensweisheit ein Spiegelbild des deutschen Wesens Die drei Bände der Dichtung sind je einem der großen mittelalterlichen Herrschergeschlechter gewidmet, den Sachsen-, Franken- und Schwaben- kaisern. Der vorliegende erste Band setzt em tm Dämmer der mythischen Sagenwelt des alten Sachsenstammes, gestaltet als erste geschichtliche Persönlichkeit den Herzog Wittekind und erzählt von dem Aussterben der Karolinger und der Neuformung des ersten deutschen Reiches durch die Otto- nen. Dor allem ist es Otto der Große, dessen machtvolle Gestalt diesem Bande sein besonderes Gepräge gibt. Gesichert von den Angriffen von außen, geeint im Innern, getragen von der Kraft einer großen Idee wird seine Schöpfung den Nachfahren überliefert. Notzeit und innerer Zwist brechen herein, mancher spätere Herrscher vermag das erdrückende Erbe kaum zu tagen, tiefgreifende Veränderungen sozialer und religiöser Art kündigen sich an. Dem letzten Sachsen jedoch, Heinrich III., gelingt es wiederum, die Kraft des Reiches zu erneuern. Da ruft ihn in entscheidender Schicksalsstunde der Tod ab. So schließt dieser erste Band mit der bedrängenden Frage: was weiter? Der Leser aber hat sich von den klaren, klingenden Versen führen lassen auf blutige Schlachtfelder, auf prunkende Feste, in unheimlich ernste Stunden der Kaisereinsamkeit, aber auch in die bezaubernde, befreiende Welt tiefsinniger Sagen und anmutiger Märchen. Unser ganzes Volk in seinem unvergänglichen Wesen ist vor uns auf- gestanden mit seiner Innigkeit und Weltweite, seiner Zartheit und Kraft, seinem Traum und seiner Else von Hollander-Lossow: Die Gefangene von Celle, ein Roman um den Volkskanzler Struensee. Verlag E. A Seemann in Leipzig. Preis geb. 4.50 Mark. (397) Gs ist die Zeit eines schrankenlosen Absolutismus m Dänemark, damals zwar um Norwegen^und Sch eswlg- Holstein vergrößert eine nordische Großmacht, aber Macht fällt er in menschliche Schuld. Ein Liebesverhältnis mit der Königin bleibt nicht verborgen. Die Köngin-Mutter Juliane Marie sammelt Der- schwörens um sich, namentlich aus den Kreisen des Hochadels, den Struensee mit seinen auf die Wohlfahrt des niederen Volkes bedachten Reformen vor den Kopf gestoßen hat. Den Verschworenen gelingt es, von dem gänzlich vertrottelten König, den Struensee unzureichend bewachen läßt, Haftbefehle gegen den Allmächtigen und sogar gegen die Königin zu erwirken. Beiden wird der Prozeß gemacht, wie gelähmt sieht das dänische Volk der grausigen Hinrichtung seines wohlmeinenden Gönners zu, die Königin wird nach Celle verbannt, wo sie schon drei Jahre später tm Schloß ihrer welfischen Ahnen vermutlich durch Gift zugrunde ging in dem Augenblick, als die in Dänemark gegen das Willkürregiment Juliane Maries entstandene Opposition sich ihr näherte, um sie auf den Thron zurückzuführen. Der Roman Else von Hollanders folgt dieser historischen Linie genau. Die Charakteristik Struensees ist gut gelungen, auch seine segensreichen politischen Reformen sind sehr klar geschildert und auch die anderen Figuren des grausigen Dramas sind historisch getreu und sehr eindrucksvoll herausgearbeitet. Sehen wir von einigen sentimentalen Entgleisungen ab. so ist der hier gemachte Versuch zu loben, eine der interessanten Episoden des Kampfes zwischen Absolutismus und Aufklärung einem breiten Leserkreis deutlich zu machen. unter der Regierung eines unfähigen, haltlosen und verschwenderischen Königs wie Christian VII. außenpolitisch ein schwankendes Rohr zwischen Schweden und Rußland und im Innern seufzend unter der Mißwirtschaft und der Willkür eines korrupten per- önlichen Regiments Der Altonaer Arzt Johann Friedrich Struensee wird an den Hof von Kopenhagen gerufen, mehr als maitre de plaisir des Königs, dessen hemmungsloser Vergnügungssucht die Höflinge nicht mehr^ genügen können. Er gewinnt Einfluß auf den "König und unerwarteterweife auch auf die Königin Karoline Mathilde, eine Schwester Georgs III. von England, die nach den grausamen Gesetzen der Kabinettspolitik des Absolutismus mit 15 Jahren schon einem Wüstling hatte auf den Thron und in die Ehe folgen müssen und in Kopenhagen mit der regierenden Clique, voran der Stiefmutter des Königs in bitterer Feindschaft lebte. Die faszinierende Persönlichkeit Struensees reißt sie aus aller Lethargie, seine von den aufklärerischen Gedanken Friedrichs des Großen und Rousseaus getragenen Reformpläne begeistern sie für die Idee, für Dänemark ein Regiment der per» önlichen Freiheit, wirtschaftlichen Wohlfahrt und ozialer Gerechtigkeit heraufzuführen. Der Tatkraft Struensees gelingt es, den mehr und mehr in Schwachsinn verfallenden Christian ganz in seine Hand zu bekommen, die regierende Hofclique ihrer Aemter zu entsetzen und für sich selber uneingeschränkte Regierungsvollmachten als Erster Kabinettsminister zu erwirken. Auf der Höhe feiner — Friedrich Griese: Die Wagenburg, Erzählung. Preis in Seinen geb. 4,50 Mark. Verlag Albert Langen / Georg Müller, München. — (309) — Es ist „de Franzosentid" in Mecklenburg, die Gieses Landsmann Fritz Reuter mit so viel besinnlichem Humor breit und behaglich geschildert hat. Grieses Menschen dagegen tragen mythische Züge und seine Landschaft rückt aus der geschichtlichen Sehweite in legendäre Ferne. Aeußerst sparsam sind hier und da Andeutungen, die das Zeit- gebundene des Geschehens erraten lassen. Marodierende Truppen des Korsen nehmen aus einem mecklenburgischen Dorf das Gespann eines Bauern mit, der junge Knecht, der die Pferde bisher betreut hat, begleitet das Gespann seines Dienstherrn, um es wieder zurückzubringen, sobald er der Soldateska entwischen kann. Aber mehrfache Versuche zur Flucht mißlingen und immer weiter in die Ferne geht der Zug, der Heeressäule Napoleons nach durch Süddeutschland und Frankreich über die Pyrenäen nach Spanien. Auf dem düsteren, von Blut und Flammen geröteten Hintergrund des spanischen Volkskrieges zeichnet sich die Ballade eines Häufleins Soldaten ab, die selber kein anderes Band eint, als der Befehl des Imperators und die gemeinsame Not in diesem von allen Furien der Hölle durchrasten Lande, inmitten eines Volkes, besten Haß und Fanatismus sich in grenzenloser Erbitterung gegen den Eindringling wendet. Szenen in den grellen Farben eines Goya stellt der Dichter in eine Landschaft, die durch ihre Kargheit und Wildheit sich zu einer grotesken Gxöße erhebt. Und durch diese Welt des Grauens wandelt der Pferdeknecht von der Ostseeküste fast wie im Traum, nur die eine Sorge um das Wohl der ihm anvertrauten Pferde und nur das eine Ziel mit ihnen wieder heimzukommen zu feinem Bauern. Und dieses ganz auf sich Gestelltsein, an dem die Umwelt einoruckslos abgleitet, erzwingt mit aller Energie die enge Der- bundenheit mit den seelischen Kräften der Heimat. Mit seherischem Blick verfolgt die Mutter in der dörflichen Kate daheim den Leidensweg des Sohnes im fernen Spanien. Das Bewußtsein des Erwartetwerdens, der Ruf der Heimat macht den Jungen in der Ferne stark, alles zu erdulden und unbeirrbar feinen Weg zu gehen, der schließlich wieder in das heimatliche Dorf fühH. Diese Rückkehr ist vielleicht die dichterisch schönste Szene des Buches, mit dem Griese der norddeutschen Erde und der Treue seiner Menschen zu ihr ein Heldenlied gesungen hat. —e. — Anton Schnack: Kleines Lesebuch. 61 Seiten. Paul List Verlag, Leipzig. — (451) — Dieses hübsch ausgestattete und gut gedruckte Bänd- chen ist innerlich verwandt der „Kalender-Kantate" von Schnack, die wir vor kurzem an dieser Stells besprochen haben: auf sechzig Seiten kleine, zarte, empfindsame Prosa eines lyrischen Dichters, ein stilles Buch der Bilder, Erinnerungen und Träume, gut zu lesen für Leute, die Zeit haben an einem dunklen Winterabend oder an einem duftenden Sommernachmittag. Was steht darin? Lauter Kleinigkeiten, aber alle gesehen mit dem Auge des Dichters und ausgezeichnet von der Hand eines Poeten und Phantafierers. Da wird zum Beispiel beschrieben eine wein- und liebestrunkene Stunde in der alten fränkischen Stadt Würzburg; es ist die Rede von der Seligkeit des Sommers und der Schwer- mut des Herbstes, von der melancholischen Stunde eines späten Nachmittags ober von dem erregenden Duft aus einem kleinen Spezereiladen; er hört nachts einem rauschenden Wasser zu (daß man an Eichendorfs denken möchte), er nimmt ein morgendliches Bad im Rhein, er besingt die Schneegans und einen Trauermantel, und er schließt — wem würde das sonst einfallen? — mit der Widmung für einen alten, morschen, hölzernen Landbrieffasten ... Fast alle Stücke dieses kleinen Lesebuches sind vor Jahren verstreut im Feuilleton des Gieße- ner Anzeigers erschienen; viele unserer alten Leser werden sich freuen, sie nun gesammelt zu besitzen und von Zeit zu Zeit wieder darin blättern und sich festlesen zu können. Es geht eine merkwürdige Anziehungskraft von diesem kleinen Buche aus. —y— — Gottfried August Bürger: Wunderbare Reisen des Freiherrn von Münchhausen zuWasserund zu Lande. Mit den Holzschnitten von Gustav Dors. Im Insel- Verlag zu Leipzig. Preis 4,50 RM. — (338) — Münchhausens Abenteuer sind seit vielen Generationen ein echtes deutsches Volksbuch. Wer von uns, unseren Eltern und Großeltern hat nicht einen von Begeisterung heißen Kopf bekommen über diesen Lügenmärchen, die einst im Zeitalter des Rokoko ein weitgereister hannöverscher Edelmann aus reiner öust am Fabulieren ersonnen hat und — wie es auf dem alten Titelblatt so hübsch zu lesen ist — „bei der Flasche im Zirkel feiner Freunde selbst zu erzählen pflegte". Die wenigsten kennen aber die wechselvolle Geschichte dieses Buches, das erst auf dem Umweg über England zu uns gekommen ist, muuycn uui"* v...v _..o wo ein wegen Veruntreuungen aus Kassel geflohener' feit und Erfindungsgabe, die das Lesen dieser Mar- deutscher Archäologe die ihm mündlich überkomme- chensammlung zu einem erlesenen Genuß machen, nen Münchhausiaden gesammelt und, um einige selbst erfundene Seeabenteuer bereichert, in englischer Sprache herausgegeben hatte. Gottfried August Bürger, der fast vergessene Dichter der „Lenore", hatte sie auf der Suche nach Balladenstoffen entdeckt und hat ihnen dann die volkstümlich meisterhafte Form gegeben, in der wir sie kennen. Aber erst ein halbes Jahrhundert später fand Bürger in dem berühmten französischen Graphiker Gustav Dore den kongenialen Künstler, der zu den geistreichen, an Ursprünglichkeit der Erfindung unübertroffenen Aufschneidereien Münchhausens mit humorvoller Phantasie und zeichnerischem Schwung die prachtvollen Bilder schuf, die nun auch unter Benutzung der wiederaufgefundenen Holzstöcke der ersten französischen Ausgabe von 1853 dies schöne Vom deutschen Osten. — Walter Engelhardt: E i n Memelbilder buch mit einem Geleitwort von Ernst W i e ch e r t mit 111 Bildern in Kunstdruck. Preis kart. 3,60 Mark. Verlag Grenze und Ausland, Berlin W 30. — (385) — Die Not der Deutschen des Memelgebietes, seit anderthalb Jahrzehnten mit dem stillen verbissenen Trotz des ostdeutschen Menschen getragen, ohne sich litauischer Willkür zu beu- gen, ist seit dem großartigen Bekenntnis zum deutschen Volkstum bei der letzten Landtagswahl wieder in aller Munde. Aber für den West- und Süddeutschen, den sein Weg selten über Berlin hinaus weiter nach dem Osten führt, ist es schwer, sich die rechte Vorstellung zu machen von dem Land der Ebene im äußersten Nordosten des Reichs. Weite Wälder und das unendliche Meer bestimmen sein Gesicht. Hier trabt der Elch wie ein Fabeltier aus einer andern Welt durch den Bruch und die hohen Dünen, in deren Schutz trauliche Fischerdörfer und stattliche Bauernhöfe einer arbeitsamen Bevölkerung eine zäh verteidigte Heimat geben. Große Windmühlen stattliche Kuhherden auf den endlos sich dehnenden Weiden, Torfmieten in den großen Moorbrüchen, Holzschläge und Sägewerke, das Pferd, so recht ein Tier der Ebene, tummelt sich in weiten Koppeln, die Segel der Fischerboote, die aus dem Haff die glitzernde Beute bergen, und schließlich die hohen Wanderdünen der Nehrung, die sich zwischen Haff und Meer hinzieht, das alles geben uns die in diesem Buch von einem jungen thüringischen Zeichenlehrer mit schönheitsdurstigen Augen und feinstem Verständnis der engen Bindung von Natur und Mensch zusammengetragenen Photographien. Sie zeigen uns aber auch besser als manche politischen Darlegungen die landschaftliche Einheit der Memelniederung, aus der durch die widernatürliche Grenzziehung des Versailler Vertrags das sog. „Memelgebiet" herausgerissen ist. Der ostpreußische Dichter Ernst Wiechert, dessen große Romane aus dieser Landschaft geboren wurden, hat dem schönen Buch ein warmherziges Geleitwort geschrieben. —e. — Ernst Seraphim: Baltische Schicksale. Im Spiegel der Geschichte einer kurländischen Familie 1756—1919, mit 13 zum Teil mehrfarbigen Tafeln. Geheftet 6 RM, in Seinen 8 Mark. Verlag Grenze und Ausland in Berlin W 30. — (384) — Der Verfasser hat Jahrzehnte hindurch als Lehrer, Journalist und Politiker an den Schicksalen des baltischen Deutschtums Anteil gehabt und seine schwersten Zeiten bis zur letzten Revolution unmittelbar miterlebt. Einer Bildnissammlung gleich erstehen in seinem Buch vor uns die Gestalten einer baltischen Familie aus zwei Jahrhunderten, die in all ihrem Glück und all ihrer Not das Schicksal ihrer ganzen Volksgruppe verkörpern. Wie der erste von ihnen, von guten Freunden empfangen, in das Land kam, wie er sich niederließ, wie feine Kinder und Kindeskinder es zu Ansehen und Wohlstand brachten und zu den Besten des Landes gerechnet wurden, das wird uns berichtet. Darüber hinaus aber erkennen wir das ganze Schicksal der baltischen Deutschen innerhalb der letzten zwei Jahrhunderte, erfahren, wie ihnen, die sie alt eingesessen auf eigenem Grund und Boden lebten, ein Recht nach dem andern genommen wurde, eigene Gerichtsbarkeit, eigenes Schulwesen und wie endlich die Stürme des Krieges und die Wirren der blutigen Revolution alles zerstörten. Selbst der Heimatboden wurde ihnen genommen. So ersteht vor uns ein eindringlicher Bericht baltischen Schicksals durch zwei Jahrhunderte, der uns erschüttert und ergreift. —e. Das Tier im Von der „Faulen Greie" zur „Dicken Verla" Zum Barbaratage am 4. Dezember. Von Werner Lenz. Bekanntlich haben schon die Heere der Antike eine Art Artillerie gehabt. Für die Festungsbelagerung besaßen sie recht wirksame Wurfgeschütze: „Ballisten" und „Katapulte". Aber die richtige „Artollerey" erstand erst im Mittelalter durch die Erfindung des Schießpulvers. Zwar führten die Hansa-Koggen noch um die Mitte des 14. Jahrhunderts „treibendes Werk" im alten mechanischen Stil an Bord, und ihre großen „Blyden" waren Schleudermaschinen, die man dem Seekriege angepaßt hatte, ebenso wie riesige Armbrüste, die eisenbeschlagene Balken auf die feindlichen Schiffsflanken abschossen. Aber schon im Jahre 1360 rüsteten die Lübecker ihre Flotte mit Feuergeschützen aus, weil sich diese im Landkriege bewährt hatten. Der Entwicklungsgang der Feuergroßwaffen ist lang und langsam. Hatte man noch im Jahre 1330 die Feuerrohre aus Leder und aus Hartholz hergestellt, mit Eisenblech ausgeschlagen und mit Bandeisen zusammengehalten, so ging man bald zu gußeisernen, bronzenen, schmiedeeisernen K a nonen- rohren über. Muh man es aber nicht als ein Kuriosum bezeichnen, daß noch die e r st e n s ch w e - r en Minengeschütze Deutschlands im Weltkriege hölzerne Werferrohre auswiesen, die mit Hanfschnüren und Metallringen zusammengehalten wurden? , . . . Die mittelalterliche Belagerungsartillerie bediente sich der „Morthiere", die schwere Stein kugeln von bedeutender Größe schleuderte, und des „Mauerbrechers", der schon eiserne Vollkugeln spie. Einer der berühmtesten dieser Mauerbrecher, die auch „Donnerbüchsen", „Lombarden" und „Scharfe Metzen" genannt wurden, ist die „Faule G r e t e", mit der Friedrich von Zollern 1415 die Märker davon überzeugte, daß er aus seiner fränkischen Burg nicht nur „Nürnberger Tand" mitbringe. Dieser Geschütztyp hatte ein Kaliber von 23 Z e n t i - meter und eine Rohrlänge von 3,5 Metern. Fast drei Zentner wog das Geschoß; die Aufstellung des 5000 Kilo schweren Geschützes erforderte umfangreiche Anstalten. Auch hier gibt es ein bemerkenswertes Gegenstück aus neuerer Zeit: das Gebirgsgeschütz des deutschen Alpenkorps. Es war auseinandernehmbar, wurde von sechs Maultieren transportiert und konnte in fünf Minuten zusammengesetzt werden! Eine zwölfpfündige „Feldschlange" hatte eme Länge von vier Metern und wog 1400 Kilo. La- fettk'anonen brauchten also auf den Heerstraßen eine große Bespannung. Deshalb suchte man drei Eigenschaften der „Llrtollerey" zu erhöhen: die Beweglichkeit, die Schußfolge und die Reichweite. Das war schwer gemeinsam zu erzielen, da eine schwere Ladung mit weittreibender Kraft große Geschütze vor- aussetzte. Also schuf man noch Kleintzeschütze, indem man auf die Karrenbüchsen zurückgriff. Man ordnete neben- und übereinander eine Reihe von Laufen an, die hintereinander mit der Lunte los- gebrannt wurden. Unter diesen „Totenorgeln — so genannt nach den aufgereihten Feuerrohren und nach ihrem „Gesänge" —- kennen wir einen „Drachen" mit zwanzig Schußlaufen. Noch 1809 benutzte Schill vor Stralsund ein Schnellfeuerae- schütz mit elf Läufen. Hier ist also eine Verwandtschaft zwischen Kanone und Maschinengewehr unverkennbar. , rr t . Langsam wie das Geschützwesen verbesserte sich auch das Geschoß. Die Dollkugel wurde frühzeitig durch Glühkugeln, Brandgeschosse, S t i n k t ö p f e — Vorläufer der Gasgranate — ergänzt. Dann enstanden Glasgranaten und Sprenggeschosse mit Metallmänteln; die Kartätsche wurde Vorgänger des Schrapnells. Der Große Kurfürst förderte die Artillerie, indem er die erste Dienstvorschrift herausgab und Mörser bis zur Größe von Dreihundertpfündern gießen ließ. Unter seinem Sohne begann man die bisher im Zivllan- stellungsverhältnis stehenden „Stückmeister" und „Stückknechte" in den Soldatenstand zu überführen. Der „Soldatenkönig" führte regelmäßige Schießübungen ein. Friedericus vervollkommnete die Gefechtsmethoden der reitenden und schweren Artillerie und verbesserte die Richt- und Visiereinrichtungen am Geschütz. Ungewollt bewirkte Napoleon ,einc Modernisierung der preußischen Artillerie. Er nahm uns die meisten, übrigens vielfach veralteten Kanonen fort, und so ergab sich die Beschaffung neuer Systeme, als Scharnhorst die Armee reorganisierte. Dieser geniale Offizier war Artillerist! Mit der leistungsfähiger werdenden Eisen- und Stahlindustrie schritt das Geschützwesen mächtig voran. Das gezogene Rohr und das breit und weit wirkende Sprenggeschoß führten in den modernen Kriegen zu einer Artilleriewirkung, die aus den Materialschlachten des Weltkrieges bekannt ist. Aber schon zu Beginn des Feldzuges zerbrachen die feindlichen Festungen unter dem Feuer der schweren Geschütze, von denen ein 42-Zentimeter- Haubitzentyp volkstümlich wurde: die „Dicke Bert a", eine Krieasüberraschung Krupps. Der später konstruierte „Lange Max" war ein schweres Flachfeuergeschütz, das auf einem riesigen Eisenbahnwagen stand und aus über 100 Kilometer Entfernung deutsche Grüße nach Paris sandte. Zuletzt noch ein Wort aus dem Jahre 1735: „Die, so das Artillerie-Wesen genugsam kennen, gestehen einmütig zu, daß unser Teutsch Geschütz das übrige fremde übertreffe." Wirtschaft. Angelegenheiten des Handels in amtlich nicht notierten Werten zugegangen, so daß anzunehmen ist, daß das gleiche auch für die Zulassung zum Freiverkehr gelten wird. Rhein-Mainische Börse. rNitlagsbörfe im Verlaufe etwas schwächer. Frankfurt a. M., 3. Dez. Zu Beginn der Börse lagen einige Aufträge der Kundschaft vor, so daß die Aktienkurse in Fortsetzung der gestrigen Tendenz anfangs meist weitere Erhöhungen aufwiesen, die sich allerdings in engen Grenzen hielten. Indes war die Umsatztätigkeit sehr klein, zumal der berufsmäßige Börsenhandel Zurückhaltung zeigte. Nach Festsetzung der ersten Notierun- gen kam überwiegend etwas Angebot heraus, die Kurse bröckelten zumeist etwas ab. Die Entwicklung war uneinheitlich. Ueberwiegend fest lagen Elektropapiere bei Erhöhungen von 0,50 bis 1 v. H., Siemens gewannen darüber hinaus 2 v. H., wogegen Licht & Kraft 1 o. H. verloren, auch RWE. ließen 0,50 o. H. nach. Montanaktien eröffneten schon knapp gehalten und gaben später weiter etwas nach. IG. Farben notierten bei kleinem Umsatz 150,50 bis 150 (150,25). Größeres Angebot lag aus dem bekannten Grunde in Kunstseide AKU. vor, das jedoch verhältnismäßig leichte Aufnahme fand, so daß der Kurs nur 0,25 v. H. auf 50,75 zurückging; später erholten sich AKU. auf etwa 51,13. Etwas fester lagen Junghans mit plus 1 v. H., Feinmechanik Setter mit plus 1,50 v. H., Reichsbank, Zement Heidelberg und Moenus Maschinen mit je plus 0,50 v. H. Schiffahrtsaktien, Metallgesellschaft, Südd. Zucker und Haufwerke Füssen blieben behauptet. Etwas schwächer waren Bayrische Motoren mit 116,75 bis 117 (117,90). Arn Rentenmarkt war das Geschäft klein. Etwas fester lagen Reichsaltbesitz mit 111,50 (111,25), Kommunal-Umschuldung, späte Schuld- buchforderungen und Zinsoergütungsscheine blieben unverändert. Etwas lebhafter waren zertifizierte Dollar^Bonds bei Kurserhöhungen von 0,50 bis 1 v. H. 6 v. H. Preußen 63,75 bis 64,25, 7 v. H. Spargiro 63,75 bis 64,25, 6 v. H. Spargiro 63,50, 6 v. H. Bayern Staatsanleihe 63. Don Auslandsrenten bröckelten Mexikaner zumeist etwas ab, 5 v. H. äußere Gold 13,30 (13,60), 5 v. H. innere Silber 5,65 (5,80), 4 v. H. Irrigation 7,75 (8), aber 4 v. H. Gold unverändert 8 v. H. Im Verlaufe schrumpfte das an und für sich schon kleine Geschäft auf ein Minimum zusammen. Die Haltung des Aktienmarktes war überwiegend schwächer, und zwar gingen die Kurse zumeist um 0,50 bis 0,75 v. H. zurück. So Reichsbank auf 179 nach 179,75, Rheinstahl auf 102,50 nach 103,50, RWE. auf 129,25 nach 130. IG. Farben ließen bis auf 149 nach, waren aber später auf 149,75 erholt. Von Auslandsaktien lagen Chade A bis C schwach mit 283,25 bis 282 (286). Etwas fester notierten Scheideanstalt mit 215 (214,50). Am Rentenmarkt bröckelten Kommunal-Umschuldung auf 88,65 nach 88,70 ab. Zertifizierte Dollar- Bonds blieben gefragt und waren weiter etwas höher. Pfandbriefe und Stadtanleihen lagen ziemlich unverändert, Liquidationspfandbriefe gaben z. T. etwas nach. Im Freiverkehr blieben Adlerwerke Kleyer gesucht mit 91 (90). — Tagesgeld unverändert 2,75 v. H. Abendbörse behauptet. Die Abendbörse brachte bei sehr kleinem Geschäft kaum Veränderungen. Die Haltung war nicht mehr schwächer, die Kurse lagen im Vergleich zum berliner Schluß behauptet. Etwas niedriger waren erneut Aku mit 50,50 (51,13), auch IG. Farben konnten sich mit 149,50 (149,75) nicht ganz halten. Schwächer lagen Gesfürel mit 121,50 (123, Berlin 122). Am Rentenmarkt erhöhten sich Altbesitz auf den Berliner Schlußkurs von 112,13 (111,75), das Geschäft war etwas größer. Ferner blieben zertif. Dollar-Bonds gesucht und fest, es lag aber kein Angebot vor. 6- und 6,5proz. Preußen 64,75, 6proz. Frankfurter 61—62, 7proz. Spargiro 64,65. Von fremden Werten blieben Mexikaner behauptet, das Geschäft war sehr klein. Schweiz. Bundesbahn-Obligationen gaben nach, 4proz. auf 168 (170) und 3,5proz. auf 161 (162). U. a. notierten: Altbesitz 112,13, IG. Farben- Bonds 126,25, 6proz. Krupp 103,25, 5,5proz. Franks. Hyp. Liquid. 100,85, 5,5proz. dto. Pfandbriefbank Liquid. 100,75, 3proz. Schweden v. 1886 113,25, 4proz. Schweiz. Bundesbahn 168, 3,5proz. dto. 161, 5proz. äußere Mexikaner Gold 13,25, 5proz. Silbermexikaner 5,5, Adca 68,75, Commerzbank 84, Har- pener 103, Mannesmann 78,90, Rheinftahl 102,25, Stahlverein 75,25, Aku 50,50, Betula 134,75, Bem- berg 101,50, IG. Chemie Bafel lOOprvz. 162, dto. 50proz. 141,75, Conti Gummi 159,50, Scheideanftalt 215, Dt. Linoleum 136,50, Licht & Kraft 132,50. Frankfurter Obst- und Gemüfemackt. Frankfurt a. M., 3. Dez. Gemüse: Angebot von allen Gemüsearten sehr gut. Überangebot von Feldsalat, Eskarol, Spinat und Weiße Rüden. Zwiebeln sehr knapp. Nachfrage allgemein schleppend, Preise kaum verändert. U. a. notierten: Blumenkohl Stück 15 bis 40, Eskarol 4 bis 10, Feldsalat 20 bis 35, Gewürze! g. Bdl. 25 bis 35, Karotten 3 bis 5, gelbe Kartoffeln 3,40 bis 3,60, Kohlrabi 3 bis 5, Meerrettich 35 bis 45, Rosenkohl 14 bis 18, Rotkraut 5 bis 7, Rote Rüben 4 bis 6, Sellerie je nach Größe 5 bis 30, 50 Kilogramm 8,50 bis 12, Spinat 4 bis 8, Schwarzwurzeln 15 bis 22, Haus-Tomaten 30 bis 32, Freiland-Tomaten I 15 bis 18, II 8 bis 12, Weißkraut 3% bis 5, Wirsing 3% bis 7, Winterkohl 5 bis 7, Weiße Rüben 4 bis 6, Zwiebeln 9 bis 11. Obst- und Südfrüchte: Ausreichendes Angebot von Aepfeln und Birnen, Nachfrage nur nach la-Ware gut, sonst schleppend. Preise wenig verändert, Auslesen über Notiz. Don ausländischen Erzeugnissen besonders Apfelsinen, Mandarinen, Feigen und Nüsse starkes Angebot. Geschäft bei wenig veränderten Preisen gut. U. a. notierten: Aepsel 1 25 bis 30, II 18 bis 22, Wirtschaftsäpfel 14 bis 18, Goldparmänen 20 bis 30, Boskop 20 bis 30, Suiten 20 bis 24, Graue Renetten 20 bis 25, Baumanns Renetten 20 bis 25, Schafsnase 14 bis 18, ital. Aepfel 20 bis 24, Apfelsinen 20 bis 24 span., do. Navel 30 bis 35 span., Birnen I 25 bis 30, II 18 bis 24, Kochbirnen 15 bis 18, Le Lectier 20 bis 28, Made. Verte 20 bis 30, Feigen, Kranz 25 Kilo- gramm-Sack 10,50 bis 11, Haselnüsse 28 bis 35 ital., Mandarinen 20 bis 25, Trauben, Steige etwa 20 Pfund netto 6,50 bis 7, Almeria, Walnüsse 30 bis 45, ital., 35 bis 38, bulg., 45 bis 47 rumcin., Paranüsse 38 bis 45, Zitronen 3 bis 5. Oie Krastfahrzeugindustrie im Oktober. Fwd. Im Oktober erreichten Produktion und Absatz von Lieser- und Lastkraftwagen, laut „Wirtschaft und Statistik", wieder neue Höchstzahlen, dagegen wurden Personenkraftwagen infolge der Betriebspause eines größeren Werkes in geringerem Maße als im Vormonat hergestellt und abgesetzt. Auch Absatz und Produktion von Krafträdern find saisonbedingt zurückgegangen. Der Auslandabsatz von Personenkraftwagen und Kraftomnibussen war höher, der aller anderen Kraftfahrzeuge dagegen niedriger als im Vormonat. Die Erzeugung von Personenkraftwagen ist gegenüber September um rund ein Drittel auf 12 618, der Absatz um ein Fünftel auf 13 433 zurückgegangen. Dennoch wird die Erzeugung vom Oktober des Vorjahres um 2 v. H., die Absatzmenge um 16 v. H. überschritten. Ins Ausland wurden an fabrikneuen Personenkraftwagen insgesamt ein Drittel mehr abgesetzt, als im Vormonat und fast die dreifache Zahl wie im Oktober 1934.'Der Anteil der Auslandverkäufe am Gesamtabsatz bei Personenkraftwagen belief sich im Berichtsmonat auf 15,2 v. H gegen 6,3 v. H. im Oktober vorigen Jahres. Die Fertigstellung von Liefer- und Lastkraftwagen hat sich gegenüber dem Vormonat um 7 v. H. auf 4084 Stück erhöht. Die im Inland abgesetzte Zahl ist um 18 v. H. gestiegen, dagegen gingen die Auslandverkäufe um 15 v. H. zurück. Absatz und Erzeugung im Oktober 1934 wurden um mehr als die Hälfte überschritten. Die Herstellung von Automobilomnibussen hat sich von 116 im September auf 149, der Absatz von 124 auf 156 im Berichtsmonat erhöht. 34 Kraftomnibusse gegen 30 im September wurden im Ausland abgesetzt. In der Kraftradfabrikation ist der Absatz jahreszeitlich bedingt stark zurückgegangen. Im Berichtsmonat wurden 4265 Kleinkrafträder (Vormonat 5896) und 1803 Großkrafträder (2170) abgesetzt. Die Erzeugung betrug 5554 (6227) Kleinkrafträder. Großkrafträder wurden 2359 (2265) fertiggestellt. Der Auslandabsatz hat in Kleinkrafträdern um 45 v. H. abgenommen. — Erzeugung und Absatz dreiräderiger Kraftfahrzeuge waren um 15 v. H. bzw. 9 v. H. höher als im Vormonat. Die Zndustrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1324: Merkblatt über die Art und Weise der Zahlungen für die Wareneinfuhr aus Argentinien. 1325: Umsatzsteuerumrechnungssätze im November 1935. 1326: Belgien hebt verschiedene Jndustriekontin- gente auf. 1327: Zur Festsetzung der rumänischen Einfuhrquoten für das nächste Vierteljahr. * * Umwandlung von A ktien in Obligationen. Die Zulassungsstelle an der Börse zu Frankfurt a. M. hat entsprechend dem Vorgehen der Berliner Zulassungsstelle an die Emissionsfirmen des Frankfurter Platzes ein Rundschreiben gerichtet, in welchem darauf hingewiesen wird, daß eine Zulassung von Wertpapieren solcher Gesellschaften, die ihr Aktienkapital teilweise in Schuldverschreibungen umgewandelt haben, nur in seltenen Ausnahmesällen in Aussicht gestellt werden Fann. Dieses Rundschreiben ist auch der Kommission für Aus den preußischen Nachbargebieten. 1 ^Zahre Zuchthaus fürRaffenschande. Frankfurt a. M., 3. Dez. (LPD.) Am Dienstag hatte sich ein Frankfurter Gericht erstmalig nach Verkündung, des Nürnberger Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre mit einem Verbrechen gegen dieses Rassegesetz zu befassen. Angeklagt war der 39jährige Martin W e - b e r, der vor und noch nach der Verkündung des Nürnberger Gesetzes mit einer 40 Jahre alten I ü - bin, die mit einem Arier verheiratet war, in außerehelichem Verkehr stand. Das Gericht verurteilte Weber entsprechend dem Antrag des Staatsanwalts zu 1% Jahren Zuchthaus und betonte in der Urteilsbegründung, daß auch schon aus dem Grunde Zuchthausstrafe ausgesprochen worden sei, um das Aufkommen weiterer Fälle zu verhindern. Seltene Jagdbeute. LPD. Diez, 3. Dez. In der Jagd des Unterlahn- kreis-Dorfes Ergeshausen wurde als sehr seltene Jagdbeute eine gehörnte R cke (weibliches Rehwild mit Hörnern) erlegt. Eigenartiger Autonnsatt. LPD. Laasphe, 3. Dez. Ein Berleburger Kraftwagen fuhr abends in einer Kurve bei Laasphe so dicht an den Straßenrand, daß ein 19jähriger junger Mann von dem Wagen erfaßt und die Straßenböschung hinabgeschleudert wurde. Das Auto rannte darauf I an der gegenüberliegenden Seite gegen einen Gartenzaun, drehte sich um sich selbst und stürzte schließlich um. Der Kraftwagenführer, der eine Augenverletzung erlitt, und der schwerverletzte Passant wurden der Marburger Klinik zugeführt. Wegen Kanzelmißbrauchs verurie lt. LPD. Darmstadt, 3. Dez. Der 25jährige Kaplan Benedikt R o d a ch aus Fürth i. O. stand vor dem Darmstädter Schöffengericht unter der Anklage, in seiner Predigt am 15. September 1935 während des Hochamtes staatsfeindliche Aeußerun- g e n getan zu haben. In mehr als sechsstündiger Verhandlung wurde der Tatbestand aufgerollt, wobei der Angeschuldigte in eine Ordnungsstrafe von 10 RM. genommen wurde, weil er trotz mehrmaliger Verwarnungen des Gerichtsvorsitzenden dem Staatsanwalt, dem Vorsitzenden und den Zeugen ständig ins Wort fiel. Der Angeschuldigte bestritt, politische Aeußerungen in seiner Predigt getan zu haben, wurde aber durch die Zeugenaussagen widerlegt. Der Staatsanwalt unterstrich in seinem Plädoyer, daß der Staat es sich nicht gefallen lassen könne, daß Volksteile durch Predigten wie die des Angeschuldigten erregt und in ihrem Glauben an den nationalsozialistischen Staat erschüttert werden dürften. Der Angeklagte wurde zu einer Gefängnis st rase von sechs Monaten verurteilt. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmittag geschlossen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. $rant|un a. JJl. | Berlin Frankfurt a.M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 7N. Schluß- furd Schluß!. Abend- börfe Schluß- kurü Schluß!. Mittag- börsc Schlußkurs Schluß!. Abend- börse Schluß- !urs Gchlußl. Mittag, börle Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag- börse 2.Dezember — 3.Dezember Amtliche Notierung Geld 1 Sricf Datum 2.12. 3.12. 2.12- 3 12. Datum 2-12 3-12 2-12. 3.12, Datum 2.12. 3-12 2-12. 3-12. Geld Stiel 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche 9ieirf)4anl. von 1934 B'/i% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit AuSlos.-Rechten ............. 4*/>% Deutsche ReichSpostschatzan Weisungen von 1931, 1....... 6% et)cm.8% Hess. VolkSstaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 4’/,% ehem. 8% Hessische Landesbank Darmstadt Gold N. 13.... 6y,% ehem. 1'/,% Hess. Landes- Hypothekenbank DarmstadtLiaui 4yz% ehe in. 8% Darmst. Komm. Landcöb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhcssen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Eammelabl. Aw leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten Sy,%ehcrn.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkiindbar bis 1935 6%% ehern. V/i% Franks. Hyp. Bank-Ligu.-Pfandbriese....... 6%% ehern. 4'/»% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpse..... 4,/z% ehern. 8% Pr. Landespfand. briefanstalt, Pfandbriefe R 19 4*/j% ehern. 7% Pr. Landespfand briesanst., Gold Komm. Cbl.VI Steucrgutsch.BerrechnungSk. 84-38 4% Oesterreichische Moldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4*4% deSgl. von 1913.......... 5% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1..................... 100,5 97,5 102 111,25 100,13 97,75 96,25 101 93 113,25 96,25 100,9 101 97 97 107,7 1,15 9,25 9 9 13,6 100,5 97,5 102 112,13 100,13 97,75 96,25 100,75 93 113,13 96,25 100,85 101 97 97 107,7 1,25 9 8,9 8,9 13,25 100,65 97,5 102 111,4 100,1 97,25 96 113,5 101 97 97 107,7 72 1,4 9,1 9 9,2 13,6 100,65 97,5 112,13 100,4 97,75 113,4 101 97 97 107,7 1,4 9,1 9 13,25 i — 4% deegl. Serie 11 ............ 6% Rnmän. vereinh. Rente v. 1903 4*/r%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2 yt°/o Anatolier ............. Hamburg-Amerika-Paket .....0 Hamvurg-Südam. Dampfschiff . 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 8 Commerz- und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto» Gesellschaft................0 Dresdner Bank..............0 Reichsbank ................ 12 Bekula.................... 10 Elekir. LieserungSgeiellschaft... 5 Licht und Kraft ..........6% Felten & Guilleaume......... 1 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckeri L Co............... 4 Siemens S Halske............7 Lahmeyer L Co..............7 Buderus ................... 4 Deutsche Erdöl..............4 Harpcner...................0 Hvesch Eisen—Köln-Neuessen .. 8 Ilse Bergbau ...............6 Ilse Bergbau Genüsse........( Klöcknerwerke ............... 8 ManneSmann-Röhren........0 5,75 8,25 4,8 38,9 16 17,5 86,5 84,25 83 84 179,25 36 135,25 1,1 133,75 104 123 130,5 130,5 118,5 168 120,75 93,75 103,5 103 82,5 161,5 126 80,4 79,9 5.8 8,25 4,8 38,8 15,5 17.4 85,75 113,25 84 83,5 84 179 36,13 134,75 110,75 132,5 104 121,5 129,25 118 170 121,5 93,5 103 103 81,25 160,5 126 80 78,9 5,85 8,45 4,85 39 16,13 26,4 17,75 86,65 112,75 84,25 83 84 179,5 36,25 134,9 111 133 104,25 122,75 131 130,5 118,5 168,5 12.,25 93,25 103,5 103 82,5 160,75 126 80,5 79,9 5,85 8,65 4,8 38,65 15,5 26,13 17 85,65 113,25 34 83,5 84 179 36 134,75 110 132,5 104 122 129 129,25 118,25 169,75 121 93,5 103 103,13 81,25 158 126 79,5 ! 78,75 Marisfelder Bergbau......... 6 Kvkswerke .................. 6 Rheinische Braunkohlen .....12 Rheinstahl .................. 4 Vereinigte Stahlwerke........0 Ltavi Minen ............... 0 Kaliwerke Aschersleben........5 Kaliwerke Westeregeln........5 Kaliwerke Salzdetfurth..... 7% 9- G. Farben-Jndustne.......7 Ccheideanstalt............... 9 Goldschmidt ................ 5 Rütgerswerke ............... g Metallgeiellschast............. 4 Philipp Holz mann ........... 4 Zementwerk Heidelberg ...... 7 Ceinentwerk Karlstadt......... 6 Schultheis Patzenhofer .......4 Aku lAllgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg ............. 5 Zellstoff Waldhos ............ 5 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas ............... 7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum........... g Crenftcin & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade.................... 71/ Accumulatoren-Fabrtk....... 12 Conti-Gummi...............g Grttzner..................... Mainkraftwerke Höchst a.M.... 4 Süddeutscher Zucker ........ 10 118 103,25 76,25 18,25 189 150,25 204,5 104,75 113,75 110,5 87 116 129 51 102,75 113,75 75,75 91 136,5 26,25 286 169 158 | 26,65 88 1 200 117,75 102,25 75,25 18,13 126,5 120 149,5 215 104,5 112 110 87 116,5 129 50,5 101,5 114,5 75,75 91 136,5 25,75 281 169 159,5 I 26,4 ! 87,75 I 200 118,25 114,5 212 103,25 76 18 127,5 120,25 189 150,25 105 113,5 110 87,4 101,65 52,65 102 114 76,5 126,75 91,25 77 25,9 286,5 158 I 26,9 I 200 118 113,75 210 102,5 75,13 18,13 127 120,5 192 149,75 104,5 113,5 110 87,5 101,5 51,13 101,25 113,75 76 125 90,5 136,5 76,5 25,65 278 159,75 l 201 Buenos ölte. Brüssel ....: Rio de Jan. Sofia ...... Kopenhagen. Danzig..... London ..... HeliingsorS.. Paris ...... Holland .... Italien..... Japan ...... Jugoslawien £310..... : Wien....... Lissabon... Stockholm... Schweiz .... Spanien... Prag....... Budapest ... Neuyork ... ________St Amerikanische Belgische Rot Dänische Rot Englische Not Franzöiische 9 Holländische 9 Italienische 9 Norwegische? Deutsch Lestc Rumänische 9 Schwedische 9 Schweizer Nc Spanische No Ungarische Ni 0,682 42,05 0,140 3,047 54,75 46,80 12,26 5,40 16,37 168,25 20,13 0,714 5,634 61,56 48,95 11,12 63,21 80,33 33,93 10,265 2,486 rl>n,Z.Oe;crnb Noten....... en........... n .......... en .......... toten........ toten........ oten......... loten ....... neid), ä 100 oten ........ toten........ ten.......... ten.......... ten......... 0,686 42,13 0,142 3,053 54,85 46,96 12,2° 5,41 16,41 168,5° 20,17 0,71k 5,64k 61,6k 49,05 11,14 63,3: 80,4° 33,9k 10,28. 2,49( Banfno er 1 Schilling en 0,681 42,04 0,140 3,047 54,73 46,80 12,255 5,40 16,375 168,33 20,13 0,714 5,644 61,54 48,95 11,12 63,19 80,40 33,97 10,265 2,486 Geld 2.438 41,90 54,54 12,22 16,325 167,91 19,46 61,38 63,02 80,22 33,61 0,685 42,12 0,142 3,053 54,83 46.90 12,285 5,41 16,415 163,67 20.17 0,716 5,656 61,66 49,05 11,14 63,31 80,56 34,03 10,285 2,490 ___Srie 2,458 42,06 54,76 12,26 16,385 168,59 19.54 61,62 63,28 80,54 33,75