ltr.252 Gtftes Blati .65. jatirgaiis mittag, 4-Giwoer,155 Sonntags und Feiertags W j^T A A. ▲ 1 ÄA Us8-/^d-sD°rmitt°gs Gietz?ner' Famittenblätter W Grundpreise mm hohe ää UlIViwlltl ZI11'iIlIIIII 1 SLAL"' :S HL/ IVIIVIIVw W11IV |H|V> MWWS Auch bei Nichterscheinen 1 ■ » Ermätzigte Srundpreife: -an emzelnen Nummern IVF Steilen- Vereins-, gemein- MW General-Anzeiger für Oberhessen ZWM richten: Anzeiger Stehen v W I w behördliche Anzeigen 6Rpf. 8ran&rtfÄnll686 Druck und Verlag: vrühl'iche Uuioerfitst-.vtich- und Steindruckerei R. Lange In Sietz-U. Schriftleitung und Ge,ch°ft5ftell°- Schulftrahe 7 MengenabschWe Staffel« Adua gab es während lichen Angaben 1700. London, escha sirw gleichfalls zur Unter- Kronprinzen aufgeboten worden. Der * - — - - > * fl am ta aUam Xaw ST) a - wehrgeschütze aufgestellt worden. Vier weitere Flugabwehrgeschütze wurden an der Bahnstation und auf anderen Plätzen postiert. Das Betreten der Bahnstation ist zur Zeit verboten, da das Eintreffen von Gebirgsartillerie erwartet wird. Aus Amerika sollen in kürzester Zeit 80 Maschinengewehre in Berbern eintreffen. Der abessinische Kriegs schätz, der nach den Gesetzen erst bei Kriegsausbruch angegriffen werden darf, wurde freigegeben. Den Grundstock dieses Schatzes bildete die italienische Kriegsentschädigung nach der Schlacht von Adua in Höhe von 11 Millionen Lire. Hierzu kamen das von Kaiser Menelik hinterlassene Vermögen sowie Teile des Vermögens der Kaiserin Saiditu und des jetzigen Kaisers, so daß die Gesamtsumme des Kriegsschatzes auf 20 bis 25 Millionen Maria- therefientaler (etwa 40 bis 50 Millionen Mark) geschätzt wird. General d e B o n o, der Oberbefehlshaber der Halte- Nischen Expeditionsarmee gegen Abessinien und zugleich Gouverneur von Eritrea. Unter seinem Kommando werden die ersten Kämpfe durchgeführt. (Scherl-Bilderdienst-M.) rung in Addis Abeba und die Grenzverletzungen und Plünderungen erklärte, die italienischen Soldaten und die Schwarzhemden seien gekommen und andere würden noch kommen, um die Bevölkerung gegen die Provokateure zu verteidigen. Er habe den Truppen befohlen den Mares zu überschreiten, um die Gebiete und Untertanen Italiens vor den Schäden des Krieges zu bewahren, und um der Bevölkerung von Tigre und anderer Gebiete, die das Eingreifen Italiens verlangt hätten, H i l f e zu bringen. 3n Erwartung schwerer Kamvse. Werden die Abessinier Adna verteidigen. London, 4. Ott. (DNB. Funkspruch.) Der Sonderberichterstatter der „Daily Mail" meldet aus As- mara: Am Donnerstag bei Tagesanbruch gab der italienische General de Bono den Befehl zum Bormarfch. Eine Stunde später, um 6.30 Ahr, liegen etwa zwanzig riesige Bombenlug zeuge auf, um Ansammlungen abessinischer Truppen zu überfliegen. Man glaubt nicht, daß Adua ohne harten Kampf fallen wird. Aach den letzten Nachrichten stehen 40 000 b i s 50000 abesfinische Soldaten in der Stadt und ihrer Umgebung. Zwanzig Kilometer von Adua befinden sich die Ruinen der Stadt Aksum mit den Gräbern der frühesten abessinischen Herrscher. Die Abessinier betrachten sie als heilig und werden sie nicht ohne schweren Kampf preis- geben. Jenseits des Mares-Flusses gibt es k e i n e Wege im europäischen Sinne, und die italienischen Truppen werden 16 Kilometer lang auf G e- birgspfaden bis zu einer höhe von tausend Meter marschieren müssen. Die Italiener haben zahlreiche Maultiere und reichliche Munition und sonstige Borräte. Jeder Division sind große Kolonnen Gebirgskraftwagen zugeteilt. Der Sonderberichterstatter der Agentur havas meldet aus Addis Abeba, es fei das Gerücht im Umlauf, daß die Abessinier die Italiener in der Provinz Agame zwischen Adua und Adigrat zurückgefchlagen hätten. Das schlechte Wetter soll die italienischen Flugzeuge behindert haben. Flugzeuge, die auf Addis Abeba steuerten, hätten deshalb umkehren müssen. Aach den letzten Reutermeldungen aus Addis Abeba sollen die Italiener über die Ebene in der Aähe des Berges Mufsa Ali weiter vorgehen, ohne ernsthaften Widerstand zu finden. Der abessinische Widerstand werde erst in den niedrigen Teilen der Bello-Berge erwartet. Die Agentur Radio meldet, daß italienische Truppen auch nach Ogaden vorgerückt seien. Eine Borhut von 800 Abessiniern habe sich nördlich von Ual-Ual dem Bormarsch widersetzt und starke Berluste erlitten. Der Sonderberichterstatter des „Journal" telegraphiert seinem Blatt aus Asmara, daß das 14. und 15. Bombengeschwader, die Donnerstagfrüh nach Adua ’ gestartet waren, nicht Bomben hätten abwerfen ’ sollen, sondern Aufrufe an die Zivllbevülke- ; rung. Abessiniens Mobilmachung. Die Verteilung der Streitkräfte.—Oer Kriegsschah freigegeben. ger auf bewohnte Gegenden mit Opfern an Frauen und Kindern. Es handelt sich um eine alte, abgenutzte Lüge deren Tendenz und Böswilligkeit zu offensichtlich smd. De Bono an die Bevölkerung von Tigre. Rom, 4. Okt. (DNB. Funkspruch.) Wie die Agentur Stephani aus Asmara meldet, hat der Oberkommandierende der italienischen Truppen in Ostafrika, General de Bono, einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, in dem er nach einem Rückblick auf die „Provokationen" der Regie- London 3 Okt (DNB.) Reuter meldet aus i von h a r r a r legen. Auf dem Ras-Makonnen-Platz Addis Abeba: Der Kaiser von Abessinien hat am im Innern der Hauptstadt sind z w e-ijf l u g a b - Der Krieg in Abessinien Hai begonnen. Italienische Truppen haben die Grenze überschritten. —Fliegerangriffe auf Adua Die allgemeine Mobilmachung der abessinischen Streitkräfte ist in vollem Gange. Provisorische Truppenformationen durchziehen die Stadt. Die politische Organisation „M a h e l S e f a r i wurde am Donnerstag nach der Front tn Marsch gesetzt. Diese Spezialtruppe des Kaisers ist eine auserlesene Abteilung mit eigenen politischen, streng kaisertreuen Grundsätzen. Eine weitere Abteilung von Anhängern dieser Kerntruppe in der Starke von angeblich 100 000 Mann soll tn Aufstellung begriffen sein. Die Zahl der durch die allgemeine Mobilmachung aufgebotenen Streitkräfte soll 1 100 000 Mann betragen. Zum Führer der Nord arme e mit dem Hauptquartier m Gondar wurde Ras Kassa ernannt, ihm unterstehen 250 000 Mann. Munition und Verpflegung sollen, so wird behauptet, für zwei Sahre sichergestellt fern. Lesttch des Takase-Flusfes hat Ras Seyoum das Kommando über 200 000 Mann übernommen. 3m anschließenden Abschnitt führt der Gouverneur npnfale Dedjas haile Selasfie Gugsa, 150 000 Mann. Ras Seyoum ist der Oberstkommandierende im Abschnitt Adua Makale. Der K^easminister Ras Moulougeta wurde dem Kronprinzen, der der Gouverneur der Pro- n/nr Wallo ist, beigegeben. Die Provinz Wallo ttt hur» den gemeldeten italienischen Vormarsch < n H h er 5 gefährdet. 100 000 Mann unter hXnbefehl des Provinzgouverneurs Ras Keb- b7de Menges cha sind gleichfalls zur Unter- stützung des Kronprinzen aufgeboten worden. Der Kronprinz und der Knegsimmster haben den. Be- febl erhalten, die Sicherung der Verteidigungslinie von Auffa und der Danakil- Provinzen zu übernehmen. D-r fiat er rmrd wahrcheinlich jein Hauptquartier in die Umgebung Abessinien macht dem Völkerbund Mitteilung. Genf, 3. Okt. (DNB.) Der abessinische Außenminister hat an den Generalsekretär des Völkerbundes ein Telegramm gesandt, in dem er ihn bittet, folgendes zur Kenntnis des Rates zu bringen: Ein heute morgen eingetroffenes Telegramm des Ras Seymoun teilte der kaiserlichen Regierung mit, daß italienische Militärflugzeuge heute vormittag Adua und Adigrat bombardiert haben und dabei zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung zu beklagen find, wobei auch Kinder und Frauen betroffen und zahlreiche Häuser zerstört wurden. In der Provinz Agamen ist augenblicklich eine Schlacht imgange. Dieser auf abessinischem (gebiet vorgenommene italienische Angriff stellt eine Verletzung der Grenzen des abessinischen Kaiserreiches und einen Paktbruch dar. Ein zweites Telegramm lautet: „Vier italienische Militärflugzeuge bombardierten heute n^or- aen die offene Stadt Adua. Die ersten Bomben wurden auf das Spital geworfen, das das Zeichen des Roten Kreuzes tragt. Eine zweite Bombardierung durch zwei Flugzeuge hat um 10 Uhr ftattgefunben. Bis jetzt find 78 ab geworfene Bomben gezählt worden. 7iom dementiert Rom, 3. Okt. (DNB.) Sn Rom wurde folgendes amtliche Dementi bekanntgemacht: Ein Tele- qramm des Negus an den Völkerbund spricht von Bombenabwürfen italienischer Flie- Der Beseht zum Borrücken. Die 10» amtliche italienische Mobilmachungserklärung. Rom, 3. Okt. (DNB.) Sn den heutigen Mittagsstunden wird die 10. Mobilmachungsverlautbarung der italienischen Regierung bekannt, die den tatsächlichen Ausbruch der Feindseligkeiten in Ostafrika ankündigt. Die Verlautbarung hat folgenden Wortlaut: Unter dem Druck des kriegerischen Angriffsgeistes in Abessinien, der von den Führern und den Völkerhorden verstärkt wird, die schon feit längerer Zeit mit Bestimmtheit den Krieg gegen Stalien verlangen und ihn jüngst vorbereitet haben, bildet die allgemeine Mobilmachungin Abessinien eine direkte und unmittelbare Bedrohung für die Truppen in unferen beiden Kolonien. Diese Bedrohung wird erhöht durch die Tatsache, daß die Bildung einer neutralen Zone nach angeblichen Behauptungen aus Addis Abeba in Wirklichkeit nur eine strategische Maßnahme darstellt, die darauf hinausläuft, die abefsinischen Truppen besser zu Angriffszwecken vorzubereiten. Die fortdauernde und blutige A n - griff stuft, die Stalien feit 40 Sahren ertragen mußte, nimmt immer größere Ausmaße und eine weitere Tragweite an und offenbart die schweren und unmittelbar bevorstehenden Gefahren, auf die unverzüglich zu reagieren die elementarsten Grundsätze der Sicherheit erheischen. Die oberste HeeresleilungvonLri- trea hat daher Beseht erhalten, sich dementsprechend zu verhalten. Die italienischen Truppen sind demzufolge im Begriff, einige vorgerückte Stellungen jenseits unserer bisherigen Linie einzunehmen. Zu dieser Mobilmachungsverlautbarung wird er- klärt, daß das erwähnte Vorrücken vo n T r u p- p e n und die Grenzüberschreitungen nichts bedeuteten. Die italienischen Truppen feien lediglich in dem fog. Niemandsland vormarschiert Auf die Frage, ob nunmehr die Feindseligkeiten in Abessinien ausgebrochen feien, wurde erwidert, daß die Feindseligkeiten in Ostaftika praktisch durch die Mobilmachung in A b e s - Knien ihren Anfang genommen hatten. Von kriegerischen Zwischenfällen will man in Rom nichts wissen; von Todesopfern fei auch nichts bekannt Ebenso wird der Bombenabwurf über Adua in Abrede gestellt. Die 10. Mobilmachungsverlautbarung bedürfe keiner weiteren Erläuterung, da sie alles besage. Die ersten Knegshandlungen. Ueberschreitung der Grenze. Bombardement Aduas. London, 3.Okt. DNB. Der bei den italienischen Streitkräften in Eritrea befindliche ©onberberidjt- erftatter ber British Uniteb Preß berichtet am Donnerstagmittag, baß der ltalienifche Vormarsch in abessinisches Gebiet h e u t e begonnen hat. Die Staliener hatten an verschiedenen, weit _ auseinanbergelegenen Stellen Die @renze überschritten und strebten k m aentri d? auf Abua zu. Um 6.30 Uhr hatten KS’ä« St ui den Flugzeugführern, die die Grenze ubersto^ . SM SS. &S?Äs-'Xb von bem Schwiegersohn Mussolinis Graf geführt. Von einem Flugzeughafen allem Jtartewn 15 große Caproni - Bombenflugzeuge. Die erfte Truppen überschritten kurz nach Anbruch ber Morgendämmerung den Fluß M a r e s. _ „ Nachdem ursprünglich von italienischer die abessinischen Darstellungen über einen Bombenangriff italienischer Flugzeuge auf Adua als unrichtig bezeichnet worden waren, besagt ein In den frühen Morgenstunden des Freitag eingetroffenes Reuter-Telegramm aus Rom, es werde amtlich zugegeben, daß Adua von italienischen Flugzeugen mit Bomben belegt worden ist. Das von dem Schwiegersohn Mussolinis Graf L i a n o geführte Luftgeschwader ist nach dieser Darstellung bei einem Erkundungsflug über Adua von Geschützen unter Feuer genommen worden und hat „Bomben auf die Geschütze geworfen". Ras Seyoum, der Gouverneur der abessinischen Provinz Tiare bat dem Kaiser berichtet, daß italienische Flugzeuge Adua und Adigrat bombardiert hätten, und daß „zahlreiche Manner Frauen und Kinder" getötet worden seien. Italienische Infanterie, die gegen die Landschaft Agame vorrückte, sei zurückgeschlagen worben. In Addis Abeba erwartet man, daß die Italiener am Freitag auf allen Konten angreifen und eine Luftattacke auf die Hauptstadt durchführen werden Donnerstag 11 Uhr die allgemeine Mobilmachung proklamiert. Der Ausruf zur Mobilmachung faßt die Geschichte des Konfliktes mit wenigen Worten zusammen. Dann heißt es wörtlich: „Stalien hat ein zweites Mal unter Gebiet verletzt. Die Stunde ist schwer. Ein jeder erhebe sich, nehme seine Waffen und halte sich bereit, das Vaterland zu verteidigen. Soldaten! Schart euch um eure Führer! Gehorcht ihnen em- mütig und weist die Eindringlinge zurück. Diejenigen, die auf Grund ihrer Schwache ober aus anderen Gründen des Behindertfems nicht in der Lage find, für die heilige Sache zu kämpfen, mögen innerhalb des Roten Kreuzes sich der Pslege der Verwundeten hingeben. Die Welt- meinung steht hinter unserer Sache und gegen einen Angriff auf unser Land. Gott sei mit uns! Alles für den Kaiser, alles fürs Vaterland! Die Vormarfchlinien der italienischen Truppen von Eritrea und Somaliland aus Man sieht imi korben deutlich den konzentrierten Angriff auf Adua, das bereits am Donnerstag mit schweren Bomben belegt wurde. — (Scherl-M.) Ein Reuter-Bericht aus Addis Abeba meldet: Sn niedrig. Flugzeugabwehrgefchsttze traten nicht in mbua gab es während des ßuftbombarbements Tätigkeit. Wie die Nachrichtenagentur Central und auch später herzzerreißende Szenen. News aus Addis Abeba meldet, betrage b\e Zahl Frauen und Kinder vieler Soldaten ber Toten unb Verwunbeten m Abua nach amt» würben getötet, währenb ihre Männer außer- 17nn halb ber Stabt lagerten. Die Flugzeuge flogen üben« fcsäb: jibuti 3680, tlbSistibebCL UalUnl '3686 A8AI * Q L «) O = 2 (farrar^g Italien marschiert. Helix Dahn widmet tn seiner Trilogie „Kamps um Rom" das letzte Kapitel der Entscheidungsschlacht am Vesuv; dem letzten Ansturm der vereinten Kriegsmacht des oströmischen und weströmischen Reiches mit seinen germanischen Bundesgenossen gegen die Reste des tapferen Gotenvolkes, das im Bewußtsein der bevorstehenden Vernichtung beschlossen hatte, lieber zu sterben als Sklave zu wer- den. Wir erinnern uns der eiskalten Berechnung des oströmischen Feldherrn N a r s e s, des verzweifelten Entschlusses, der den Römer C e t h e g u s im Bewußtsein des sicheren Todes gegen den Gotenkönig T e j a führte. Wir sahen Teja fallen; Cethe- gus untergehen und Narses schließlich siegen, obwohl die Reste der Goten schließlich von Harald, dem Wiking, zurückgeleitet wurden ins Nordland, gegen Thule. Hat Mussolini am Mittwoch vor seinen Schwarzhemden als Cethegus gesprochen, der edle Römer, der um seiner großen Idee willen den Tod erlitt, oder war er der Narses des faschistischen Reiches, der unbeirrbar einen Weg ging, der zwar ins Unrecht, aber zum sicheren Siege führte? Während in Genf noch hinter den Kulissen verhandelt wurde, der Telegraph zwischen Paris und London eifrig spielte, für die Diplomaten eine Fülle von Arbeit vorhanden war, fielen nach Meldung aus Abessinien schon d i e er st en Bomben aus A d u a. Was nach der Rede Mussolinis zu erwarten war, ist prompt am nächsten Tage eingetreten. Ohne Kriegserklärung, ohne jede Formalitäten, hat Italiens Heer die abessinischen Grenzen überschritten, haben die italienischen ßufftreitfräfte den ersten Angriff unternommen. Eine ungeheure Walze kommt jetzt an Abessiniens Grenzen von Erythräa und Jta- lienisch-Somaliland her ins Rollen. Italien hat die Hauptoffensive im Norden Abessiniens in Richtung auf den Tana-See und Addis Abeba vorwärts getrieben; der westliche Vormarsch führt an der Grenze von Französisch-Somaliland auf die einzige Eisenbahnlinie zu, die die abessinische Hauptstadt mit der Küste des Golfes von Aden verbindet; und im Süden des Landes schließlich winkt den italienischen Truppen die Einnahme riesiger Wüsten- aebiete, die bis an den Fuß des abessinischen Hochlandes reichen. Heber allem steht Adua, die Rache für Adua! Will Italien der Volksstimmung nachgebend vor allem einen weithin sichtbaren Anfangserfolg erzwingen, so kann es nur durch die Eroberung Aduas geschehen, das schon fünfzig Kilometer jenseits der Grenze liegt und bis wohin den moder- nenn Kriegsmitteln der Heeresgruppe des Generals de Bono kaum ernste Widerstände entgegenstehen dürften. Seit Anfang dieses Jahres hat Mussolini einen Truppentransport nach dem anderen nach den italienischen Kolonien geschickt. 300 000 italienische Soldaten dürften wohl heute auf ostafrikanischem Boden stehen, um gegen Abessinien Krieg zu führen. Alle Mittel moderner Kriegstechnik sind eingesetzt, Flugzeuge, Tanks, alles was die jüngste Vergangenheit an technischen Errungenschaften zu verzeichnen hat, wird gegen das Reich des Negus mobilgemacht. Dazu kommt ein Heer von" Arbeitern zur Anlage von Sttaßen, Errichtung von Kasernen und Proviantlagern, Wassertanks, Lazaretten usw. Die Italiener gehen also nicht unvorbereitet in diesen Krieg. Sie haben sich monatelang Zeit genommen, alles auf das genaueste vorzubereiten. An der Spitze der italienischen Armeen steht der Gouverneur von Erithrea, General de Bono, während die Truppen im Somaliland unter General Gra - ziani zusammengefaßt sind. Beide haben sowohl als Soldaten wie als Kenner Afrikas ihren Ruf. Wenn man das alles bedenkt, so hat Abessinien demgegenüber rein militärisch wenig in die Waagschale zu werfen. Insgesamt wird es vielleicht ein stehendes Heer von 100 000 Mann haben. Das sind die einzigen Truppen Abessiniens, die man als vollwertig und ausgebildet ansprechen kann. Sie sind auch voll bewaffnet. Was allerdings moderne Kriegswaffen anlangt, fo ist Abessinien beinahe schutzlos. Was spielen wirklich einige Hunderte von Maschinengewehren und ein paar leichte Geschütze nebst ganz wenigen Flugzeugen für eine Rolle gegenüber der technischen Stärke der italienischen Armee? Es ist so gut wie nichts. Wenn man also rein zahlenmäßig und der Ausrüstung nach die Chancen abwägt, die Italien Abessinien gegenüber hat, so muß dieser Krieg anmuten wie ein Kampf Goliaths gegen den kleinen David. Aber ganz fo geht die Rechnung nicht auf. Mit der Mobilmachung kann der Negus den Italienern natürlich e i n weit größeres Heer gegenüberstellen. Der Begriff Heer ist allerdings insofern etwas kühn, als für einen großen Teil dieser Hunderttausende von Eingeborenen überhaupt kaum die notwendigen Waffen vorhanden sind. Sie sind aber da, sie kommen, wenn nicht anders mit ihren Speeren und werden trotz allem bei der letzten Entscheidung ein Wort mitzureden haben. Denn der Negus hat zwei große Verbündete, das ist einmal das Klima Abessiniens, das die Italiener nicht gewöhnt sind, und zum anderen der Charakter des Landes mit seinen wegelosen Gebirgen und Schluchten. Wenn zu Anfang der Feldzug für die Italiener auch ein Spaziergang sein mag, wenn sie verhältnismäßig leicht die Schlappe von Adua werden auswetzen können, und auch der Vormarsch von Somaliland über Üal-Hual im Anfangs leicht sein wird, so kommen doch sofort die Schwierigkeiten, sobald die italienischen Heeressäulen an den Abhängen des äthiopischen Hochlandes angekommen sind, denn dann beginnt der eigentliche Krieg, wie ihn Kaiser Halle Selassie vorbereitet hat und führen wird. Hier nutzen Tanks nichts mehr, auch keine schwere Artillerie, selbst Flugzeuge haben nur noch einen bedingten Wert, well es für sie keine geeigneten Angriffsobjekte mehr gibt. Hier aber kann der Negus mit feinen Truppen kämpfen, die das Ge° läiwe genau kennen, die außerdem an den Kleinkrieg, Der sich in diesen Schluchten von Mann zu Mann entwickeln muß, gewöhnt sind. Gelingt es also Italien, die wasserlosen Wüsten des Südens und die unzugänglichen Gebirgsschluchten im Norden glücklich zu überwinden, dann wird der Kleinkrieg um jeden einzelnen der himmelhohen Berge, die fast bis zu 5000 Meter Höhe ansteigen, beginnen; dann wird ein Vormarsch nur noch möglich fein, wenn man die Gefahr mit in Kauf nimmt, auf alle rückwärtigen Verbindungen und auf alle modernen Kampfmittel zu verzichten. Der Nachschub muß über lange unwegsame Strecken gesichert werden und in Wüsten, wo er ständig von der eingeborenen Bevölkerung bedroht ist. Und wenn man auch von vornherein den Italienern zu- gestehen will, daß das faschistische System sie zu vollwertigen Soldaten erzogen hat, so wird man doch damit rechnen müssen, daß der Kampf um das Hochland Abessiniens Jahre dauern kann. Und darin liegt für Italien eine gewisse Gefahr. Nicht allein auf militärischem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiet, selbst bann, wenn man Sanktionen ganz außer Acht läßt. Ein so langwähren- der Krieg muß an die wirtschaftliche und finanzielle Kraft des Landes ungeheure Ansprüche stellen, denn Italien wird sich über das Eine klar sein müssen, baß es keinen Spaziergang nach Addis Abeba geben wird. Das Ringen in Abessinien wird die ganze Welt in Atem halten. Hier steht ein riesiges Heer modern ausgerüsteter italienischer Truppen mit einer riesigen Luftflotte, mit zahllosen Tanks, dem schlecht ausgerüsteten Aufgebot der zahlenmäßig überlegenen Abessinier gegenüber, die tapfere Soldaten sind, aber nur im zähen Kleinkrieg des Gebirges Aussicht haben, die Kriegshandlungen hinzuziehen und dem großen Gegner ungeheure Opfer an Blut, Zeit und Geld aufzuerlegen. So ist der Kampf um das Herz Abessiniens ein gefährliches Unternehmen, das sich jahrelang hinziehen kann, und das vor allem Italien während feiner langen Dauer in unvorstellbare Verwicklungen zu bringen imstande ist. Aber es muß selber wissen, ob dieser Kolonialkrieg das Risiko lohnt, das der faschistische Staat und Mussolini eingegangen sind. Italiens ivirlschastliche Röstung. Als Mussolini am Mittwochabend sein Volk zum Kriege gegen Abessinien aufrief, wandte er sich gegen den Völkerbund und sagte: „Auf Sanktionen wirtschaftlichen Charakters werden wir mit Disziplin, Gleichmut und Opferbereitschaft antworten. Auf Sanktionen militärischen Charakters antworten wir mit militärischen Maßnahmen, auf Kriegshandlungen mit Kriegshandlungen". Die Frage der Sühnemaßnahmen gegen den angreifenden Feind, und das ist trotz aller sehr verständlichen Entschuldigungen Italien, wird vom Völkerbund eindeutig beantwortet. Und zwar tritt A r - tikel 16 Aos. 1 der Bundessatzung sofort in Kraft, wenn der Völkerbund Italien als den angreifenden Teil erklärt, damit wird auch offiziell die Finanz- und Rohstoffsperre über Italien verhängt. Ob Italien diese wirtschaftliche Verfemung ertragen kann, hängt von der Rigorosität ab, mit der die wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen durchgeführt werden. Die moderne Kriegsmaschinerie bedarf nicht nur der silbernen Kugeln, sondern verschlingt auch ungeheure Rohstoffmengen an Oel, Kupfer, Eisen, Baumwolle usw., die das rohstoffarme Italien, das nicht einmal feinen Kohlenbedarf in Friedenszeiten decken kann, nicht hat. Hinzu kommen die finanziellen Schwierigkeiten des Landes, so daß also sich die drosselnde Schnur vielleicht sehr bald trotz des Widerstandes der gesamten Bevölkerung bemerkbar macht. Finanziell ist Italien schon heute von jeder Hilfe abgeschnitten. Sogar Frankreich, das bisher Italien half und dessen Großbanken während des Iähres 1935 Italien 4 Milliarden Franken zur Verfügung stellten, hat feine Hand abgezogen. Das faschistische System hatte bereits seit Jahren infolge der Anstrengungen für den wirtschaftlichen Aufbau des Landes gewaltige Fehlbeträge im Staatshaushalt, die sich am Ende des Etatsjahres 1934/35 auf 105,39 Milliarden Lire insgesamt beliefen. Diese gewalttge öffentliche Schuld zwang trotz aller Devisen- und sonstigen Vorschriften die Lira ohne ausländische Spekulation zu einem gewaltigen Absturz. Und der Rückgang der Sparkasseneinlagen zeigte, daß die wirtschaftliche Kraft des italienischen Volkes bereits zu erlahmen anfing, ehe ein Gewehr in Abessinien abgefeuert wurde, wozu kam, daß die Ausfuhrindustrien hauptsächlich auf Kriegsarbeit umgestellt wurden, also keine Devisen mehr ins Land kamen, während der Verbrauch ausländischer Rohstoffe, Oele usw. gewaltig wuchs. Alle Maßnahmen der italienischen Regierung haben diese Tatsache nicht wettmachen können. Hinzu kam die gewaltige Steigerung der Heeresausgaben, die bereits für 1934/35 über 10 v. H. des gesamten Volkseinkommens verschlangen. Wirtschaftlich geht also Italien mit unzureichender Rüstung in den Krieg. Die gelegentliche Aeußerung Mussolinis, es bedürfe eines Zeitraumes von vier Jahren, um Abessinien zu erobern, berücksichtigt anscheinend doch nicht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit feines Landes. Au jeden Fall wäre es selbst nach Bezwingung Abessiniens auf Jahre hinaus außerordentlich erschöpft. Auf den internationalen Warenmärkten find die Rohstoffpreise, ebenso die Preise für Oel und Lebensrnittel zunächst gestiegen, weil Italien zur Deckung seines Bedarfes fast jeden Preis zahlte, und es ist bezeichnend, daß sogar in den USA. die Italiener gewaltige Schrott-Ankäufe Vornahmen, die von 35 000 Tonnen pro Jahr sich im ersten Halbjahr 1935 auf über 145 000 Tonnen steigerten, wobei selbstverständlich der Preis um 69 Cents pro Tonne stieg. Aber diese Bewegung ist bereits zum Stillstand gekommen, einmal, weil Italien nicht genügend Devisen hat, um die Ankäufe bar zu bezahlen — und Kredit erhält Italien nirgends! — und bann, weil die Wirtschaftsfanktivnen bereits ihre Schatten vorauswarfen. Der erste italienische Kriegsbericht. Die italienischen Truppen 20 Kilometer vor Adua. Hom, 4.Oft (DHB. Funkspruch). Nach hier aus Eritrea vorliegenden Meldungen haben die italienischen Truppen in den frühen Morgenstunden des Donnerstags den Mares überschritten, der vor 40 Jahren die Grenze zwischen der italienischen Kolonie Eritrea und Abessinien bildete. Eingeborene Kavallerie eröffnete den Vormarsch, gefolgt von Infanterie mit Tanks und Artillerie. Zahlreiche Flugzeuge erkundeten wahrend des Vormarsches das Gelände. In vorderster Linie bemerkte man das Geschwader des Propagandaministers, Fliegerhauptmann Graf Ciano.in dessen Begleitung sich die beiden Söhne Mussolinis in selbflgesleuerlen Maschinen befanden. Die Truppen sind am Donnerstag bis z u den Höhen von Sato Tacle, also etwa 20 Kilometer, vorgerückt; weitere 20 Kilometer trennen sie noch von Adua. Die Straßen sollen sich im relativ guten Zustande befinden. Die Truppen gehen meist einen gut passierbaren Maultierpfad. In den Berichten der römischen Presse wird b i e Geschichte bes Krieges mit Abessinien von 1895/96 in bas Gedächtnis zurückgerufen unb an bis Orte gemahnt, in benen viele Italiener in blutigen Schlachten ihr Leben lassen mußten, bie jetzt von italienischen Truppen neu besetzt werben sollen. Die Fehler, die damals gemacht worden seien, weil Italien zu dieser Zeit noch keine Durchschlagskraft auch für bie ibeen- mäßige Durchsetzung seiner ßebensnotroenbigfeiten getroffen habe, sollen jetzt nicht wieberholt werben. So wirb heute desonbers gerügt, baß bas bamalige italienische Oberkommanbo nicht ben Befehl gab, ben Marsch bis Adbis Abeba fsrtzusetzen, fonbern ben Rückzug antrat. Man erklärt, baß die Toten der Schlachtorte von damals, von Abba Carima, von Macalle unb die Märtyrer von Dancalia „jubelnd auf e r ste h en unb ber unwiberstehlichen Vorhut bes italienischen Heeres in Ostafrika oorangehen werben". Dem italienischen Gesandten die Pässe zugestellt. Addis Abeba, 3. Off. (DKB.) Die obeffi- nische Regierung stellte am Donnerstag um 15 Uhr dem italienischen Gesandten in Abessinien Graf Vinci die Pässe zu. Der Gesandte und das Ge- sandtfchaftspersonal werden Freitag früh mit einem Sonderzug Addis Abeba verlassen. Der Zug wird von einer starken Jnfan- teriewache, die mit Maschinengewehren ausgerüstet ist, begleitet werden. 5000 Mann Polizei übernahmen bereits den Schuh des AuslSnder- Viertels. Was wird der Völkerbund tun? Vorsichtige Ingangsetzung des Sanktionsapparates.— Paris empfiehlt dem Völkerbund eine maßvolle Haltung. Eden spricht mit Laval. Paris, 3. DEL (DNB.) Eden hatte am Donnerstagabend eine fast anderthalbstünbige Unter- rebung mit ß a d a I. lieber ben Inhalt ber Unter- rebung wirb folgenbe amtliche Mitteilung ausgegeben: „Wir haben uns über bie Tagesordnung ber bevorstehenben Völker- bunbsratsfitzung unterhalten unb bie Der» fdjiebenen Möglichkeiten ins Auge gefaßt, bie verfolgt werben könnten. Wir werben unsere Zusammenarbeit in Genf fortfetze n." Nach ber Unterrebung ßaoals mit Eben verlautet in französischen Kreisen, baß man bie weitere Be- hanblung bes italienisch-abessinischen Streitfalles burch ben Völkerbunb burchgesprochen habe. Sobald der Völkerbundsrat nach Artikel 16 den Angreifer fe st zu st eilen habe, werde als Folge dieser Feststellung die Frage ber Sühne- maßnahrnen bamit automatisch bejaht, beim sie seien satzungsgemäß vorgeschrieben. Immerhin bleibe bann noch ber Umfang festzulegen. Hierzu fei eine Vollversammlung bes Völkerbunbes geplant, ßaoal unb Eben seien ber Ansicht, baß bie wirtschaftlichen unb finanziellen Sühnemaßnahmen zeitlich unb fachlich g e ft a f « feit werden müssen. Innerhalb des Völkerbundsrates dürften sich zwei Richtungen geltend machen. Die eine werde b e - fehleunigte und strenge Sühnemaßnahmen fordern, die andere langsame und milde. Die ersten Sühnemaßnahmen würden, so glaubt man in Paris, wahrscheinlich nicht über die Grenzen hinausgehen, bie bie Erklärungen Mussolinis ihnen gezogen hätten, ba kein Staat bie de- stehenbe internationale Spannung verschärfen und eine heftige Reaktion Italiens heraufbeschwören möchte. Die römische Regierung habe wissen lassen, daß sie ohne Einspruch wirtschaftliche und finanzielle Sühnemaßnahmen hinnehmen würde, die in den inneren Bereich eines jeden Staates gehören, und ber internationalen Kontrolle nicht unterstehen; mit anderen Worten: Italien würde aber gegen jede Blockade - Maßnahme Front machen. Unter diesen Umständen scheine man zunächst an bie Kreditverweigerung gegenüber dem Angreifer unb an bie Aufhebung bes Waffen Ausfuhrverbotes für ben angegriffenen Staat zu benfen. Vielleicht werbe man in einem späteren Stabiurn das De r - bot ber Ausfuhr von Rohstoffen nach b e m Angreifer - Staat befürworten. Man habe auch baran gebacht, auslänbifche Kontos in bem betreffenben ßanbe zu verbieten, um ihm ba» burch bie burch ben Hanbel eingehenben Devisen zu sperren. Aber biese Maßnahme bürste b i e äufjerfte Grenze ber geplanten Steigerung ber Sühnemaßnahmen fein, weil sie wegen ihres Ernstes binnen kurzem zurBlockabemit allen ihren internationalen Folgen führen könnte. Deshalb bürfte wohl in Genf maßvolle Haltung beobachtet werben, unb es werbe ziemlich lange Zeit verstreichen, bevor Verwicklungen eintreten könnten. Der Bericht des Dreizehner- ansschuffes. Samstag Sitzung des Bölkerbundsrats. Genf, 3. Oft. DNB. Der Dreizehner- Ausschuß bes Völkerbunbsrates hielt Donnerstagnachmittag eine Sitzung ab, die über zweieinhalb Stunden dauerte. <£r hat sich offiziell nur mit der Ausarbeitung des Berichtes an den Rat beschäftigt. Der historische Teil wurde bereits gebilligt und für die D a r st e l l u n g des Sachverhaltes — die „Umstände des Konfliktes" im Sinne der Völkerbundssatzung — wurde ein Redaktionsausschuß eingesetzt. Bezüglich des dritten unb wichtigsten Teiles des vorzulegenden Berichtes, der E m p f e h l u n g e n, soll Die nächste Sitzung des Rates abgewartet werden. Der Rat soll darüber entscheiden, ob angesichts der neuen ßage Anlaß zu Empfehlungen der ur« sprünglich beabsichtigten Art bestehe. Auf Grund der heutigen Telegramme des Negus und der italienischen Regierung wurde ferner beschlossen, von der Entsendung neutraler Beobachter a b z u s e h e n, da sich der Ausschuß von ihrer Tätigkeit in diesem Stadium nichts mehr verspricht. Der V ö l k e r b u n b s r a t ist für Samstag, 10.30 Uhr, einberufen worben. Die Stimmung in Paris. Der frühere französische Botschafter in Rom, Henri b e Iouvenel, erklärt tm „Petit Journal", wirtschaftliche Sühnemaßnahmen dürften sich als unwirksam Herausstellen, militärische wären gefährlich. Wenn man gegen Italien militärische Sühnemaßnahmen anwenden würde, würde man es Deutschland in d i e Arme treiben. Was würde im Falle eines Krieges, bei dem dann in Mitteleuropa 100 Millionen Menschen eine bedrohliche Haltung einnehmen würden, vom Völkerbund übrig bleiben? Das 20. Jahrhundert habe sich nicht durch Intelligenz ausgezeichnet. Wenn es ihm nicht gelinge, einen neuen Weltkrieg zu verhindern, ber burch einen rein kolonialen Streit hervorgerufen werben würbe, bann wäre bas 20. Jahr- hunbert bas bümmfte aller Iahrhunberte. Das „Echo be Paris" schreibt, Italiens Vorgehen sei bedauerlich. Wenn die Abessinier sich aber nicht durch den Völkerbund und durch England unterstützt gefühlt hätten, bann würbe bei der kolonialen Operation gar nichts ober beinahe gar nichts passiert fein. Das Blatt wendet sich gegen jedes Auftreten Frankreichs gegen Italien unb bemerkt im übrigen, baß Postmini- fter Manbel zu benen gehöre, die innerhalb des Kabinetts ßaoal am meisten für ein Zusammengehen Frankreichs mit England im Falle eines englisch-italienischen Gegensatzes eintreten. Das „Jour« nal" entscheidet sich für Italien, das Frankreich eine vorbehaltlose Freundschaft entgegenbringe, während England mit Deutschland ein Flottenabkommen abgeschlossen habe. „Journal" empfiehlt, man möge dafür sorgen, daß die Angriffshandlungen überhaupt nicht festgestellt werden, denn dann gäbe es, „amtlich gesproch e n" keinen Krieg und alle gefährlichen Folgen wären damit abgeschnitten. Das „D e u d r e" bezeichnet die italienische Note und den darin enthaltenen Hinweis, daß Abessinien den Krieg entfessele, als ein „Monument" unb erklärt, es stehe Mussolini natürlich frei, bie Dinge feinem Volke fo barzustellen, aber er mache sich wohl über bie Welt absichtlich luftig, wenn er bem Völkerbunb solche Flausen aufbinben wolle. „Das ßamm hat bie ßöroin angegriffen", bemerkt bas Blatt. Italien gegen Kriegsgreuelpropaganda. Späte Erkenntnis. Rom, 4. Oft. (DNB. Funksvruch.) In seinem „Abgeschnittene Hänbe" überschriebenen ßeitartifel verwahrt sich ber „Messaggero" mit aller Entschiebenheit gegen bie Greuelrnärchen, bie jetzt durch die anti-italienische und anti-faschi- stische Presse in Umlauf gesetzt werden unb bie typisch englischer Prägung feien. Das 'Blatt erinnert an die Greuelrnärchen bei Weltkriegsbeginn, besonders an die abgeschnittenen Hände belgischer Kinder und nimmt hierbei die Kriegsgreuelpropaganda, der sich auch Italien anschloß, in aller Form zurück, wenn es schreibt: Wir kennen jetzt diese Lügenmiltel, die vor zwanzig Jahren die ganze Well, Italien nicht ausgeschlossen, zu täuschen suchten, die sich heute aber als das offenbart haben, was sie wirklich sind, nämlich als unwürdige Anschläge gegen die Wahrhaftigkeit. Vor 20 Jahren sprach man von den abgeschlagenen Händen der belgischen Kinder, die barbarisch von Deutschen verstümmelt wurden, heute spricht man von Frauen und Kindern, die von Italienern getötet wurden. Nieman- vor und nach dem Kriege hat jedoch ein einziges Opfer dieser Barbareien gefunden, um derentwegen die Gefühle der ganzen Well tnobili- siert wurden. Heute versucht man bas gleiche Spiel mit Italien beim ersten Anzeichen ber Feindseligkeiten zu treiben. Es ist jedoch nicht glaubhaft, baß die Weltmeinung noch einmal auf diese Täuschungen hineinfällt. Das Blatt verwahrt sich besonders gegen die Falschmelbung, baß ein abessinisches Rote-Kreuz-ßazarett in Abua von italienischen Flugzeugen bombardiert worden sei und verweist darauf, baß es in ganz Abessinien überhaupt keine derartigen Hospitäler gibt. Die britische presse fordert den Völkerbund zum Handeln auf. ßonbon, 4. Oft. (DNB. Funkspruch.) Da der Ausbruch des italienisch-abessinischen Krieges seit der großen Probemobilmachung Italiens jeden Augenblick erwartet wurde, zeigt bie Morgenpresse keinerlei Ueberraschung, sondern begnügt sich damit, wenn auch in etwas schärferem Tone, ihren schon seit vielen Wochen eingenommenen Standpunkt zu vertreten. Die Verschärfung bes Tones ist in ber „Times" am auffälligsten. Das Blatt schreibt: Das gestrige Datum wirb in gutem ober schlimmem Sinne benfroürbig sein. Am 3. Oktober 1935, so werbe aufgezeichnet werben, habe eine ber Großmächte Westeuropas, ein führendes Mitglied des Völkerbunbsrates, ein Bürge des europäischen Friedens und ein Unterzeichner des Kellogg-Paktes, ein Jahr militärischer Vorbereitungen unb diplomatischer Ausflüchte abge- chlossen und eine große Armee zum Zwecke ber Eroberung unb Beraubung eines anberen Mitgliedes des Völkerbun- d e s in Bewegung gesetzt. Wenn die Mitglieder bes Völkerbundes bereit seien, untätig eine tatsächliche unb unzweideutige nicht herausgeforderte A n - griffshandlung zu dulden, dann sind bie Völkerbunbssatzung und der Kellogg-Pakt tot. Wenn ie tot seien, dann verzichte die Welt ausbrücklich auf ihre größte Bemühung um die Behinderung eines Krieges. Die britische öffentliche Meinung habe diese Wahrheit deutlich erfaßt. Sie schlage weder flärm, noch sei sie bestürzt, und dementsprechend gebe es in ber britischen Politik kein Schwanken unb keine Verwirrung. Die Verpflichtung ber britischen Regierung sei äußerst einfach. Die Völker bundsfanktionen Eönn* ten das Kriegsaebiet einschränken und bie Hinbernisse für Den Krieg aufrechterhalten. Solange alle zur Völkerbunbssatzung stehen, werde die britische Regierung ihren Anteil an allen ein- Der Führer besucht die Schichauwerst e und ter« Abessinisches Trupvenlager bei Addis Abeba Wie sieht es in der Wirtschafi aus? EM orderungen zustim- * v , <■/ x ' v .'.v v» -.-.‘xy Oer deutsche Bauer beteiligt sich am 6. Oktober am Gmtedanktag auf dem Bückeberg bei Hameln. Was dem einen feine Uhl, ist dem andern seine Nachtigall." Während die Effektenmärkte unter dem Druck der Kriegsgefahren stehen, haben diese den internationalen Warenmärkten eine Befestigung gebracht. Nicht nur die Metall- märkte, sondern auch die meisten anderen Rohstoffmärkte zeigen plötzlich eine 'völlig veränderte Tendenz. Die internationalen Preise von Hans und Sisal haben bereits Steigerungen von 40 bis 50 v.H. erfahren. Weizen,Roggen und Roh- s e i d e sind um 10 v. H. teurer geworden, und auch die Baumwoll-, Tee-, Zucker-, Kakao- und andere Märkte zeigen wieder eine feste Haltung. Auf fast allen Gebieten des Nahrungsmittel- und Rohstoffhandels macht sich infolge der Kriegsvorbereitungen jetzt lebhafte Nachfrage geltend. Selbst die Kaffeeverbrennungen in Brasilien haben aufgehört, da die Kaffeepreise nicht mehr gefallen mb. Blei, Zink, Kupfer und Zinn werden lebhaft gehandelt, da plötzlich ein großes Em- deckungsbedürsnis vorhanden ist. Man verstärkt bereits vielfach die Erzeugung, um dem erwarteten Mehrbedarf für Rüstungszwecke gewachsen zu sein. So hat der Z i n n p o o l eine Erhöhung der Pro- duktionsquoten angekündigt, und die amerikanischen Kupferbergwerke treffen Vorbereitungen für eine Steigerung ihrer Erzgewinnung. Umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen in Aegypten. London, 4. Oktober. (DNB. Funkspruch.) In Alexandrien wurde nach einem Reuterbericht beim Eintreffen der Nachricht von der Eröffnung der Feindseligkeiten in Abessinien am Donnerstagnachmittag die Polizei alarmiert und an den wichtigsten Plätzen der Stadt zusammengezogen. Die Stelle, wo das Kabel der Eastern Telegraph Company die Meeresküste erreicht, wird von einer besonderen Wache geschützt. Den italienischen Mitgliedern der Polizei sind ihre Revolver, die vor einigen Wochen zum Reinigen abgegeben werden mußten, nicht zurückerstattet worden Schritt für Schritt, das mit der mildesten Form wirtschaftlichen Boykotts beginne und nur allmählich gesteigert werden würde, bestehen zwei ernste Bedenken: 1. würde dadurch die Ab« schlachtung von Taufenden von Abesfiniern nicht verhindert werden und 2. bestehe die Gefahr, daß zaudernde Völkerbundsmitglieder nach Annahme einer vielleicht unwirksamen Aktion geneigt fein könnten, zu erklären, sie hätten das ihrige getan. Der Völkerbund werde die Unterstützung der Engländer nur solange haben, wie er tatsächlich in jedem Falle arbeitet, wo eine Einwirkung auf den Angreifer möglich fei. Wenn Frankreich nicht wünsche, daß die öffentliche Meinung Englands sich in Der- zweiflung vom Völkerbund wegwende, und sich von jeder innerhalb des Rahmens der Völkerbunds- fatzung eingegangenen Verpflichtung zurückziehe, dann müsse die französische Regierung erkennen, daß es jetzt keine Möglichkeit für einen Aufschub gäbe, sondern daß s o f o r t"i g e Maßnahmen getroffen werden müßten, um dem Kriege ein Ende zu machen, den Mussolini begonnen habe. , , . nzen Mit- unb nmer UL ober: mum e am mor- n. geheim ben :iter: An- Örui -lein- n. >Pf. nehr. Pf, ilfig. imer - der ntel, hne“ I VOr- ährten, sein Vaterland zu verlassen und Fremde sein Glück zu versuchen. Er wählte fru Kinern Aufenthalt Paris, wo er Rechtswissenschaften Wie aus Amsterdam gemeldet wird, soll in einem Amsterdamer Hotel zwischen den bei- 1 ben berühmten Schachmeistern Euwe und Aljechin ein Kampf um die Weltmeisterschaft ausgetragen werden. Alexander Aljechin, der ungekrönte König des Schachspiels und weltberühmte Nachfolger jenes Gapablanca, ber eine Zeitlang als unschlagbar gegolten hatte, war schon als zaristischer Offizier ein leibenschaftlicher Schachspieler. In Mannheim, wo sich Aljechin aufhielt, um sich an einem <5d)acf)tur= nier zu beteiligen, würbe er vom plötzlichen Kriegsausbruch überrascht. Ehe es ihm noch gelingen konnte, in feine russische Heimat zuruckzukehren, um sich dort als Offizier zur Verfügung zu stellen, wurde er interniert. Aljechin hatte damals zum Schachspielen keine Zeit. Die lodernden Flammen des großen Krieges erstickten jegliches private Interesse. Der zaristische Offizier hatte nur den einen Gedanken: Wie komme ich wieder in meine Heimat, auf welchem Wege erreiche ich mein Regiment ? Und eines Tages machte man die überraschende Entdeckung, daß er entflohen war. Aljechin war auf dem Wege nach Rußland. In der allgemeinen Un- ruhe der' ersten Kriegszeit hatte er,©lud: es gelang ihm, zu seinem Regiment zu stcchen. Der spatere geniale Schachweltmeister kämpfte Schulter an Schulter mit seinen russischen Kameraden und erlebte den Zusammenbruch jenes zaristischen Rußland das seine Heimat war. Als Angehöriger eines Standes der durch die russische Revolution beinahe seines gesamten Vermögens beraubt worben war, ent schloß er sich mit vielen anderen seiner Leidensge- von einem Sieg zum anderen eilte. Im Jahre 1922 war Aljechin schon so weit, baß er hinter Capa- blanca ben zweiten Platz belegen konnte. Sensationell war sein aufregenber Kampf in Pans, als er im Blinbspiel vierundzwanzig ber hervor- ragenbften französischen Schachspieler besiegte. Wieder kam es in Reuyork im Jahre 1924 zu einem Zusammentreffen mit Capablanca, aber so sehr Aljechin sein Gehirn anstrengte, er konnte nur ben brüten Platz hinter bem Schachweltmeister erobern. Der Gebaute, Capablanca zu schlagen, Uetz ihm keine Ruhe: er Kubierte alle Finessen unb Geheimnisse seiner Spielweise unb klügelte sich em System aus, mit bm er ben überlegenen Rivalen endlich zu schlagen hoffte. Run hatte er Capablanca unb seine Persönlichkeit genau tennengelernt. Er brannte auf bie Gelegenheit, bas unerreichte Schach- munber Capablanca aus bem Sattel zu sieden Als sich bie beiben großen Rivalen im Sommer 1927 m L- ' <-.». ■ .. Goll töM AO: hatte: es gelang Aljechin, Capablanca nach 34 Spielen einwandfrei zu schlagen. Durch biesen Groß- kampf, ber in allen Schachkreisen ungeheures Aufsehen erregte, hatte Capablanca ben glorreichen Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren. Nun war Aljechin zum erstenmal Schach- Weltmeister geworden! Das Gesamthonorar für beide Spieler betrug neben freier Ueberfahrt mb freiem Aufenthalt 10 000 Dollar. Aljechin hat nach biefem Kampf noch an zahlreichen Turnieren teilgenommen. Obwohl oft Der Versuch gemacht worben ist, ihm bie Siegespalme zu entreißen, hat er bisher seinen Platz an ber Sonne siegreich behauptet. Da Capablanca noch nichts unternommen hat, um seinen Titel zuruckzu- erobern, sinb jetzt aller Augen auf ben Hollander |(f uwe gerichtet, der gegen Aljechin eine ^reelle schachtel vorkäme. Es mar ein Gefährt ber Münchner Straßenbahn, bie man bamals, wie auch heute noch, Trambahn nannte. Das Wort ging darauf zurück, daß °>n englischer Unternehmer zuerst di- „Tram" (englisches Wort für Schienen) in München eingeführt hatte. Die Linie, bie an ber Lubwiy- traße, bicht vor meinem Haufe, enbtgte, tpar bte pätere Ringlinie und führte zu lener Zeit über wenn ich ihn mir heute zurückrufe. Damals kam er < mir nicht wenig großstädtisch vor ' Jenes München der achtziger Jahre mar freilich , noch eine sehr friedliche und geruhsame Großstadt, i wenn es überhaupt schon eine war. Semen äußern < Umfang nach hatte es natürlich berechtigten An- । pruch auf diesen Titel. Seine Einwohnerzahl be- 1 rüg damals 225 000, etwa ein Drittel von heute. Aber selbst heute hat ja München noch manches von einem Dorf ober von einem lebhaften Marktflecken des Oberlandes, während es zugleich bereits sehr wesentliche internationale und weltstädtische Zuge aufweist Man könnte von einem weltstädtischen Dorf oder Marktflecken sprechen, wenn diese Synthese nicht doch wieder ein falsches Bild gäbe, ba es ihm an ben oermittelnben Uebergängen unb Zwt- chenschattierungen fehlt. Um wieviel m^r mußte natürlich vor beinahe fünfzig Jahren ber borst,che unb löbliche Orunbriß hervortreten, wahrenb an- berfelts bie großstäbtische, bie internationale Seite ich erst in anbeutenben, boch schon sichtbaren Limen zeigte! An manchen heutigen Verkehrsmittelpunkten der Stabt, bte es auch schon bamals waren, sah man noch im wörtlichen Sinne Gras wachsen; man konnte es mlT seinen Fingern gemächlich aus bem Boben zupfen, wenn man Lust bazu hatte, unb märe gewiß nicht überfahren worben. München befanb sich gerabe im ersten Abschnitt jenes Entwicklungsweges, ber es aus bem Zustanbe einer stillen, behaglichen Refibenzstabt von äußerlich großstäbtischem Anstrich in ben Kreis ber bereits in Deutschlanb vorhanbenen wirklichen Groß- ftäbte hinüberführen sollte. Noch herrschlen Hof Beamte unb Militär. Das Bürgertum, bis auf bas nicht sehr zahlreiche Patriziat, ftanb zuruck; nicht weil man bies von oben verfügte, fonbern weil es selbst es so wollte. Man baute seine Hauser, möblierte seine Wohnungen im Feststil ber beutschen Renaissance, bie gerabe in Mobe kam, unb war im übrigen für Einfachheit, Schlichtheit, Unauffälligkeit, nicht zuletzt auch ln polittscher Hinsicht. Für politische Geltung nach außen sorgte Bis- marcT hie Zeit war vorbei, wo man bei ihm statt beim Teufel schwor, wenn auch Dr. Sigl un Bayerischen Vaterlanb noch immer bie alten Register zog: es war schon zum Witzblatt geworben In her inneren Politik war natürlich Haber unb Fehde genug, bie ,,bayerischen Belange bestauben schon bamals zu Recht, nur ohne bas Wort dafür aber von heute gesehen war bas boch alles nur Kleinkram Das Leben ber Zeit mar unpolitisch, war privat bis in die Zehenspitzen hinein Eine eigene Note brachte die Kunsilerschaft in die w^iß-blaue Palette der Stabt. Sie verlieh ihr Die tubierte Er bezwang Capablanca! Obwohl Aljechins bedeutende Schachbegabung schon vor dem Kriege aufgefallen war, als er auf einem internationalen Schachturnier in Petersburg hinter seinem großen Vorbild Capablanca den dritten Platz errang, erreichte er erst in den Jahren nach dem Ende des Weltkrieges jene einsame Höhe als bester Schachspieler ber Welt. Er hat an zahllosen intemationa- en Schachturnieren teilgenommen unb als Globetrotter des Schachspiels, ber in ben vornehmsten Hotels eine bekannte Erscheinung war, viele glanzende Triumphe errungen. Seme ersten Preise, welche di-: Schachwelt überrascht aufhorchen ließen, gewann er in Triberg, Budapest, im Haag unb m fiaftinfls. Sm Sahr- 1923 begann die große Serie feiner ununterbrochenen Erfolge: er schlug rnnter- einanber bie gefürchtetsten Spieler ber Welt, er erhielt in Karlsbab ben ersten bis brüten, in Pysttan ben zweiten unb brüten urtb in Wien im gleichen Jahr den brüten bis sechsten Preis. Immer gefährlicher unb brohenber rückte ber auf- ftrebenbe ehrgeizige Aljechin in bie olympische Nahe Capablancas. Er war auf ber Jagb nach bem Ruhm er wollte Capablancas Unfehlbarkeitswahn ben Tobesstoß versetzen. Aber Capablanca, ber burch seine unheimlich raffinierte unb habet intuitive 3urürf^ctüiefenc Hastbesckwerde. LPD. Darmstabt, 3. Okt. Die Justizpressestelle Darmstadt teilt mit: Aus Anlaß des am 23. Sept, in der Nähe von Z w i n g e n b e r g erfolgten Z u • jammen ft o^es zwischen einem Autobahn» Omnibus der Reichsbahn und einem P e r \ o • nenfraftwagen, bei welchem die Eheleute Kern getötet wurden, hat das Amtsgericht Darmstadt Haftbefehl gegen den Führer des Reichsbahnomnibusses Fritz Schümm aus Köppern tm Taunus erlassen. Die gegen den Haftbefehl eingelegte Haftbeschwerde wurde durch Beschluß der Sttafkammer II des Landgerichts Darmstadt als unbegründet zurückgewiesen. den Bahnhof nur bis zum Jfartorplatz. Außerdem gab es noch die Dampftrambahn nach Nymphen- bura und soweit ich mich entsinne, schon die grüne Lime vom Bahnhof bis zur Universität. Alle zehn Minuten tauchte so ein weih-blaues Wägelchen vor meinem Fenster auf, bremste geräuschvoll, hielt knirschend an, worauf der geduldige Braune umge- svannt wurde. Nach einer ausgiebigen Pause, wahrend welcher Maßkrug und Brotzeit keine geringe Rolle spielen, trollte sich das Gesährt wteber von u ... s.-—. SRnhnhnf iinh hem noch fer- Bekanntmachung des Präsidenten der ^eichs- schristtumskammer. Die Anmeldepslicht der Wert- und Bereinsbüchereien. Ich bringe meine Bekanntmachung vom 27. August 1935 in Erinnerung, berzufolge alle Werk- unb Vereinsbüchereien ber Reichsarbeitsgemeinschaft ber Betreuer beutscher Werkbüchereien in ber Reichsschrifttumskammer, Berlin W 8, Leipziger Straße 19, zu melben haben: 1. Namen unb Anschrift ber Werke bzw. Vereine, bie Büchereien unterhalten. 2. Namen unb Anschrift ber Betreuer ber Buche» reien unb Angabe, ob ber einzelne Betreuer Haupt- ober nebenamtlich tätig ist. 3. Den Buchbestanb (Anzahl ber Bänbe). 4. Anzahl ber leseberechtigten Werk- bzw. 93er» einsangehörigen. Mit ber Anmelbung sinb bie Listen ber einzelnen Büchereien zur Durchsicht einzureichen. Die Reichs- arbeüsgemeinschaft ist ermächtigt, für biese Durc^ sicht einen Unkostenbeitrag zu erheben, ber sich nach ber Große ber Büchereien staffelt. Zunächst wirb eine Grunbgebühr von 5 Mark festgesetzt, bie mit ber Anmelbung auf das Postscheckkonto der Betreuer Deutscher Werkbüchereien (Berlin NW 7, Kt. Nr. 161215) einzuzahlen ist. Da noch nicht alle Büchereien ihrer Anmelbe» pflicht nachgekommen sinb, verlängere ich bie Melbe- pflicht bis zum 10. Oktober 193 5. Ich mache nochmals herauf aufmerksam, baß bie Werke unb Vereine auf Grunb ber §§ 4 unb 6 ber 1. Durch- führungsverorbnung bes Reichskulturkammergesetzes vom 1. November 1933 (RGBl. I, Seite 797) zur Anmelbung verpflichtet sinb, unb baß sonst! bie- jenigen, bie ihre Melbung nicht fristgemäß em- reichen, gegen eine reichsgesetzliche Bestimmung ver» Mak Halbes Anzug in Mwchm 3um 70. Geburtstage des Dichters. Max Halbe, der Dichter der .Äugend", Mitglied der Deutschen Dichterakademie, wird am 4. Oktober 70 Jahre alt. Er ist m Kutt- land an der Weichsel geboren und entstammt einem alten niedersächsischen Bauerngelchlechü Dieses Erbe der Vergangenheit stellt Halbe in den Hintergrund seiner bei Knorr LH'rth in München erschienenen Lebensgeschichte .Scholle und Schicksal"; wir entnehmen daraus die solgenden Alstchmtte. die da, München der 80er Jahre anschaulich schildert. Als ich in jenen regenseuchten Frühlingswochen Anno Domini 1884 meinen gänzlich unsewrllchen studentischen Einzug in die 2!°rst°^anete' taaelana, rade der Maibock angegangen. Es regnete tagelang was oom Himmel herunter wollte. Es regnet^ Scbnürln ober Spagat, wie ber Münchener 311 1 0 vsiegt Auf ben bamals noch matabamifierten frhaufüerten) Straßen — Steinpflajter war noch wenig vorhanden - spritzte wenn einWagen vor- beifunr, was ja vorkam, Schlamm unb Kot lPruJ$ gueUartig gen Himmel; man t Knöchel im Wasser. Hier war selbst für ben mif- fensburstigen Frernben, ber hinter feber ^raße ecke bas Wunber erwartete, fein langes Bleiben. Wohin trieb es ihn also wie burch Naturgesetz Zum Bockfrühschoppen ins Platzl unb, wenn ber Abenb kam, in ben „Affenkasten beim Augustiner, Spaten ober Pschorr. Im Platzl beim Mmbock er- -lang aus Hunberten von Kehlen bas Lieb vom Sllten Peter", von ber grürten Isar unb non ber Gemütlichkeit, bie in ber Münchner Stabt nicht aus- stirbt. Es war schon bamals uralt, ber älteste Bier- tiefer hatte es bereits in seiner Jugenb gesungen, unb so singt man es noch heute, nach aber fuu^g ofuch ich sang es bamals mit, aus begei- üerttm Herzln wenn auch nicht gerabe mit be on- LrJr^onreinbeit, benn Singen war niemals meine ■ftnrfp Seite gewesen. Aber keiner achtete auf meine mlch°°^meine Monenburg ^er- ‘Ä. °us dem Fenster ,» BahnU unddem noch ser- L'>lch^ d°s'mu"h.ut'. Mi. au. Mer Spielzeug, neren Jsartorplatz entgegen. Ein idyllischer Anblick, SJ.Jpor/ Sport am Erntedanktag Die Pressestelle des Reichssportführers teilt mit: „Auf Veranlassung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda untersage ich im Hinblick auf den Erntedanktag, der am 6. Oktober im ganzen Reich begangen wird, am Sonntag sämtliche Sportveranstaltungen in der Zeit von 10 bis 16 Ahr. 3. V.: B r e i t m e y e r." Olympiamannschaft der Kunstturner. Nach Abschluß Der Gruppen-Ausscheidungskämpfe im Kunstturnen hat der Männerturnwart der DT. Martin Schneider (Leipzig) die Kernmannschaft der Kunstturner aufgesteltt. Sie umfaßt zunächst 36 Turner, von denen 30 in Frankfurt a. M. den deutschen Meister unter sicb ermitteln werden. Zur- Zeit sind die Olympiakanoidaten bei einem Lehrgang in Berlin versammelt, der dazu dient, die Turner auf die kommenden großen Aufgaben vor- zubereiten, insbesondere sie mit den olympischen Pflichtübungen völlig vertraut zu machen. Die 36 auserwählten deutschen Kunstturner verteilen sich auf 14 Gaue wie folgt: Ostpreußen: Kanis (Zoppot); Brandenburg: Domsche, Pluda (Forst); Sachsen: Haustein, Kleine (Leipzig), Müller (Falkenstein), Weiher (Mylau); Mitte: Bauer, Limburg (Ruhla), Popp (Schleiz), Rödel (Greiz); Nordmark: Streicher (Kiel).; Niedersachsen: Lorenz, Rüger (Hannover), Steffes, Peters (Bremen); Westfalen: Klinger (Schwerte), Schneider (Remscheid); Nie- d e r r h e i n : Sandrock (Immigrath), Seligmann, Sich (DüsseDorf); Mittelrhein: Brandfaß, Schlösser (Köln); Hessen: Fink (Marburg); Süd west: Frey (Kreuznach), Winter (Frankfurt am Main); Baden: Beckert (Neustadt-Schw.); Württemberg: Bezler (Göggingen); Bayern: Friedrich, Kindermann, Schmelzer, Stanal (München), Rabenstein, Schwarzmann (Fürth), Münder (Augsburg), Bolz (Schwabach). Olympia-Dorbereitungen der Eishockeyspieler. Kanadier als Trainer verpflichtet. Die Vorbereitungen der deutschen Eishockeyspieler für die Olympischen Winterspiele in Garmisch- Partenkirchen nehmen am 13. Oktober im Berliner Sportpalast ihren Anfang. Nach einer Sichtung des Materials beginnen dann die Sonderlehrgänge für die Olympiakandidaten. Neben den beiden Deutsch- Kanadiern Schropp und Brant wurden auch die Kanadier Hoffinger und Robert Bell als Trainer verpflichtet. Bell wird vor allem im Münchener Prinzregenten-Eisstadion und in dem neuen Nürnberger Linde-Stadion seine Tätigkeit ausüben. 3. Fußball-Vereins-Pokal-Hauptrunde. Der DFB. hat nunmehr die Paarungen für die 3. Dereins-Pokal-Hauptrunde, die bekanntlich vom 13. auf den 27. Oktober verlegt wurde, vorgenom- Preissumme des Rennens 100 000 Mark. Davon erhält der Sieger 70 000, die plazierten Pferde 12 000, 8000, 4000, 2500, 2000 und 1500 Mark. Außerdem gibt es für den Besitzer, Trainer und Reiter noch eine Reihe wertvoller Ehrenpreise. Der Einsatz für dieses Rennen beträgt 1000 Mark. Als Nennungsschluh wurde der 26. November 1935 festgesetzt. Deutschlands erfolgreichster Renn- steuermann tritt ab. Mit Beendigung des Ruderjahres 1935 ist Deutschlands erfolgreichster Rennsteuermann, Hans Kalthof vom Mainzer Ruderverein, vom aktiven Sport jurütfgetreten. Schon mit 17 Jahren begann er beim Mainzer RV. feine sportliche Laufbahn. Infolge seines leichten Gewichts von nur 99 Pfund kam er als Ruderer nicht in Frage und nahm deshalb die Tätigkeit eines Rennsteuermanns auf. Sein erster Start war zugleich auch sein erster Sieg als Steuermann. Im Jahre 1911 war es Kalkhof, der den berühmten Mainzer Eismauer- Vierer in Grünau im Kaiser-Vierer zum Siege steuerte. Während des Weltkrieges stand er dann vier Jahre an vorderster Front, doch nahm er nach seiner Rückkehr in die Heimat seine alte Tätigkeit als Steuermann wieder auf und konnte im Kaiser- Vierer 1927 feinen 100. Sieg feiern. Nach einiaen Jahren erreichte er den „Steuermann-Rekord" des Mannheimer Heinrich Apfel mit 155 Siegen, und im Juni 1935 verhalf er der hoffnungsvollen jungen Mainzer Mannschaft in der Gluthitze von Pallanza auf dem Lago Maggiore zu dem großen Sieg über Italiens Meistermannschaft, der zugleich fein 170. und letzter Steuermannssieg war. Nur eines blieb dem so erfolgreichen Mainzer eigen« artigerweife versagt: unter seinen zahlreichen und kostbaren Trophäen befindet sich keine einzige Deutsche Meisterschaft. Echiedsrichteransetzungen im Kreis VIII (Lahn-Dill. Tv. Hörnsheim — Tv. Albach (Schneider, Münchholzhausen); Tv. Atzbach — Tv. Garbenheim (Bir- kenstock); Tv. Holzheim — To. Dornholzhausen (K. Müller, Gießen); Tv. Dorlar — Tv. Niedergirmes (Hellhund), Lo. Allendorf (Lahn) — To. Dutenhofen (Petry); Tv. Beuern — To. Allendorf a. d. Lumda (Becker, Gießen); Tv. Romrod — Tv. Burg- Gemünden (Michels, Gießen); To. Homberg gegen Tv. Nieder-Ohmen (Otto Engel); Tv. Straßebers, bad) — Tv. Mandeln (Hofmann); To. Ehringshausen — Tv. Katzenfurt (Wilhelm Engel); Tv. Heuchelheim — To. Erda (hörr, Launsbach). Jugend: Tv. Wetzlar — Tv. Dutenhofen (Friedr. Faber); Tv. Holzheim — Tv. Lich (Müller); Mtv. Gießen — To. Lang-Göns I (Rudolf Jung); Tv. Staufenberg — Tv. Londorf (Hermann, Wißmar); To. Straßebersbach — Tv. Herborn (Hofmann). Alle übrigen Spiele fallen aus. Auch die bereits erfolgten Ansetzungen sind damit gegenstandslos. Fußball in Oaubringen. Am Sonntag weilte die 2. Jugend von 1900 Gießen in Daudringen zum fälligen Derbandsspiel und konnte trotz dauernder Feldüberlegenheit der Daubringer ein Unentschieden 1:1 erzielen. Vormittags spielte die Erste gegen eine kombinierte Mannschaft von Lollar. Gleich zu Beginn erzielte Daubringen den Führungstreffer. Kurz danach glich Lollar aus. Zwei weitere Treffer der Daubringer sorgten für das Halbzeitergebnis von 1:3. Wäh- rend der zweiten Halbzeit nahm das Spiel an Schärfe zu, so daß der Schiedsrichter öfters eingreifen mußte. Die gebotenen Torchancen auf beiden Seiten wurden nicht ausgenützt. Kurze Sportnotizen. Deutschlands Fußballelf für den Län- berfampX gegen Lettland am 13. Oktober in Königsberg wurde wie folgt aufgestellt: Jürissen; Stürck, Ritschet; ' Ruckay, Matthies, Appel; Langenbein, Lenz, Panse, Bökle, Heidemann. Das am gleichen Tage in Hamburg angesetzte DFB.-Pokalspiel Nordmark— Ostpreußen wurde wegen des Länderspieles auf den 20. Oktober verlegt. Mit einer Ueberrafdjung begannen in London die Weltmeisterschaften der Tennislehrer, an denen zehn der besten Berufsspieler beteiligt sind. Von den „gesetzten" Spielern Nüßlein, Tilden, Dines und Ramillon schied letzterer schon in der ersten Runde aus; er wurde von dem Engländer Maskell 6:2, 7:5, 6:2 geschlagen. Den h o p p e g a r t e n e r Stuten - Preis (9000 Mark, 2400 Meter) gewann am Dienstag die im Besitze des Gestüts Schlenderhan befindliche Dornrose unter W. Printen, der es gelang, die favorisierte donteffina auf den zweiten Vlatz zu verweisen. Eine nicht alltägliche uuote gav es im Schlußrennen des Taaes, wo die Siegerin Formi- dolosa ihren wenigen Anhängern fast 40faches Geld brachte. Die Auto-Union hatte im Ausland wieder zwei schöne Erfolge zu verzeichnen. In Jugoslawien siegten zwei DKW.-Waaen bei einer schwierigen Geländefahrt, und in Oesterreich überquerte Der Wiener Motorradfahrer Hans Schneider auf einer 500-ccm-DKW. trotz eines Scyneesturmes die 2665 Meter hohe Pfandelfcharte im Großglockner- Gebiet. 21 u f einen späteren Termin verlegt wurde auf Wunsch Ungarns der für kommenden Sonntag geplant gewesene Handball-Länderkampf Deutschland gegen Ungarn. Der bekannte süddeutsche Fußballverein Alemannia-Olympia Worms hat sich aufgelöst, nachdem finanzielle Lasten einen anderen Ausweg nicht mehr zuließen. Die Mitglieder haben sich als „Rafensportabteilung Schwarz-Weiß" der Turnerschaft Jahn Worms angefchlossen. Zwei bekannte d e u t f ch e S p o r t s l e u t e werden demnächst wieder aktiv wirken können, nachdem sie lange Zeit ans Krankenlager gefesselt waren. Der Schwimmer Erwin Sietas startet bereits am 5. Oktober in Kiel und der deutsche Ex-Straßen- meifter Krückl (München) wird nächste Woche aus dem Krankenhaus entlassen. Mit der Leitung des Fußball-Kampfes Deutschland — Lettland am 13. Oktober in Königsberg wurde der Pole Rutkowski beauftragt. Wirtschaft. men. Folgende 16 Vereine spielen: Hannover 96 gegen FC. Schalke 04, Spfr. Dresden 01 — Masovia Lyck, Minerva Berlin — Eintracht Braunschweig, Spvgg. Fürth — FC. Freiburg, Polizei Chemnitz — 1. FC. Nürnberg, Fortuna Düsseldorf — SP. Waldhof, DfR. Mannheim — VfL. Benrath, Hanau 93 gegen Berolina LSC. Berlin. Warschauer Reitturnier im Regen. Der fünfte Tag der Internationalen Warschauer Reitturnier wurde leider durch anhaltenden Regen empfindlich gestört, fo daß der Preis der Pol- Nischen Armee, einer der wichtigsten Springen der Veranstaltung, vor nur schwachem Besuch entschieden wurde. Es gab in diesem Zwei-Pferde- Springen den ersten italienischen Sieg durch Oblt. B o n i o e n t o, der Serpe und Ronco fehlerlos über den Kurs brachte. Oblt. Brandt, der im Vorjahre zusammen mit Axel holst den Wettbewerb ?[ernennen hatte, war diesmal etwas vom Pech ver- olgt. Tora und Baron IV sprangen zwar fehlerlos, aber Baron IV überschritt die ziemlich knapp bemessene Mindestzeit um drei Sekunden und erhielt dafür ’A Fehlerpunkte, die Oblt. Brandt den Sieg kosteten. Mit je vier Fehlern folgten in Maj. Lequio und Oberstlt. Borsarelli zwei weitere Italiener auf den nächsten Plätzen. 1OOOOO Mark für da« »Braune Band 1936*. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1143: Einführung einer scharfen Devisenbewirtschaftung in Litauen. 1144: Bekanntmachung KP 32 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1145: Verbrauchsregelung für unedle Metalle ab 1.10.1935 (wichtig für Großverbraucher). 1146: Zur italienischen Einfuhrregelung für das 4. Vierteljahr 1935. * * Elektrizitäts-Aktien-Gesellfchaft norm. W. Lahmeyer & Cv., Frankfurt a m M a i n. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung wurde die . Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung für das am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr genehmigt. Der Ueberschuß beträgt einschließlich Vortrag aus dem Vorjahre 1 688 310 Mark, woraus wieder 7 v. h. Dividende verteilt werden. Die ordentliche Generalversammlung findet anfangs November in Frankfurt a. M. statt. Rhein-Mainische Börse. gestrigen Abendborse die Abwärtsbewegung zum Stillstand gekommen war. Zu den ersten Kursen lag zwar noch Angebot vor, das aber auf der ermäßigten Basis ausgenommen wurde. Von der Kundschaft lagen in kleinem Umfange Kaufaufträge vor, auch die Börse schritt zu einigen Deckungen und Mei- nunaskäufen. Infolge der Zuspitzung des italienisch- abessinifchen Konfliktes herrschte aber noch starke Zurückhaltung, so daß die Umsatztätigkeit kein nennenswertes Ausmaß annahm. Von chemischen Werten lagen IG. Farben mit 146,75 unverändert, während Scheideanstalt 1,50 v. h. und Rütgerswerke 1,25 v. h. gewannen. Elektroaktien erfuhren fast durchweg Erholungen von 0,50 bis 1 v. h., Siemens stiegen um 4,50 v. h. auf 166,50 und Geffürel um 1,50 v. h. auf 121. Lahmeyer erhöhten sich auf den unv. 7prozentigen Dividendenvorschlag um 1 v. h. Am Montanmarkt erwartet man mit großem Interesse das Ergebnis der heutigen Bilanzsitzung bei hoesch Eisen. Rheinstahl, Stahlverein, Mansfelder und hoesch zogen bis 0,75 v. h. an, während har- pener und Mannesmann noch leicht nachgaben. Im einzelnen eröffneten Daimler 0,75 v. h., Jul. Berger 1,50 v. h., Metallgefellfchaft 1,25 v. h., Deutsche Eisenhandel 0,75 v. h. und Deutsche Linoleum 1 v. h. freundlicher. Reichsbankanteile, Zellstoff Waldhof, Deutsche Erdöl und Kunstseide AKU. setzten unverändert ein. Am Rentenmarkt war die Haltung gut behauptet, etwas fester notierten Altbesitz mit 110,13 (110), im übrigen lagen die Kurse ziemlich unver- Den Höhepunkt der pferdesportlichen Veranstaltungen des Jahres 1936 bildet zweifellos die Aus- tragung des „Braunen Bandes von Deutschland" auf der Riemer Rennbahn im Monat Juli. Nach der soeben erschienenen Ausschreibung beträgt die Mttagsbärfe etwas erholt. Frankfurt a. M., 3. Oft. Die heutige Börse zeigte nach den starken Abschwächungen der letzten Tage auf fast allen Gebieten des Aktienmark- t e s eine leichte Erholung, nachdem bereits an der änbert, nur 6 o. h. Stahlverein und späte Reichs« fchuldbuchforderungen bröckelten leicht ab. Von Ausländern gaben Ungarn Gold auf 8,65 (8,90) nach. Im Verlaufe ergaben sich bei allerdings kleinen Umsätzen überwiegend weitere Besserungen von etwa 0,5 bis 0,75 vom hundert. Bevorzugt wurden einige Montanwerte, so hoesch mit 91,50 nach 90, Mannesmann mit 83,75 nach 82,50 und Stahlverein mit 78,50 nach 77,50. Reichsbank erhöhten sich auf 171 nach 170, IG. Farben auf 147,25 bis 147 nach 146,75, AEG. auf 37,50 nach 36,90 und Schuckert auf 116,75 bis 117,50 (116,50). Etwas niedriger lagen Moenus mit 81,50 (82) und dement Heidelberg mit 114 (114,50), ferner Mainkraft mit ca. 91 nach zuletzt 94. Renten zeigten späterhin kaum Veränderungen. Umtausch-Obligationen des Stahlvereins gaben jedoch 0,50 bis 0,75 o. h. nach. Pfandbriefe und Stadtanleihen sowie Staatsrenten zeigten unveränderte Kurse. Don fremden Werten ließen Mexikaner 0,25 bis 0,40 v. h. nach. Tagesgeld weiter leicht mit 3 nach 3,25 v. h. Abendbörse freundlich. Bei kleinen Umsätzen nahm die Abendbörse im Anschluß an den Mittagsverkehr einen freundlichen Verlauf. Die Kundschaft zeigte Interesse für Mon- tanpapiere, auch JG -Farben fanden etwas Beach- tung. Die höheren Berliner Schlußnotierungen la- Rettung des Bauernstandes heißt Rettung der deutschen Ration. Mbolf Hiller. gen gut behauptet, vereinzelt auch 0,25 bis 0,50 v. h. hoher. Am Kaffamarkt kamen Grün & Bilfinger mit 185 um 5 v. h. gegen die gestrige Notiz niedriger zum Kurs. Bankaktien lagen fester, DD-Bank 87 (86), Dresdner Bank 87 (86), Commerzbank 86,75 (86,50). Der Rentenmarkt lag ruhig, aber ebenfalls freundlich. Altbesitzanleihe notierten mit 110,13 (110), 4,5proz. Stadt Darmstadt von 1926 mit 89 (88,50), während Rheinische hypotheken-Liquidation auf 100,75 (100,90) abbröckelten. Don Auslandwerten konnten sich 4prozentige Schweizer Bundesbahn nach dem Rückgang von heute mittag leicht und zwar auf 183 (182,50) erholen. U. a. notierten: Altbesitz 110,13, 4,5proz. Darmstadt von 1926 89, 6proz. Stahlverein 101,50, 6pro- zentige Krupp 102,40, 4,5proz. Frankfurter hypo- theken-Gold, Reihe 13 bis 15, 96,25, 4,5prvz. Rhein. hypotheken-Gvld, Reihe 5 bis 9, 96, 5,5proz. dieselben Liquidation 100,75, 4proz. Rumänen 5,25, 4proz. Ungarn Gold 8,65, 4proz. SBB. 183, Commerzbank 86,75, DD-Bank 87, Dresdner Bank 87, Reichsbank 171,50, Buderus 101,25, harpener 112, Klöckner 88,75, Rheinstahl 105,50, Laurahütte 18,25, Slahloerein 78,65 bis 78,50, Aku 51,65, AEG. 37,75, Bekula 142,25, dement Heidelberg 114,50, donti Gummi 149,25, Daimler 94,50, Scheideanstalt 236, Deutsche Linoleum 145, Licht & Kraft 131,25. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 3. Oft. Auftrieb: 34 Rinder (gegen 21 am letzten Donnerstagmarkt), darunter 2 Ochsen, 7 Bullen, 23 Kühe, 2 Färsen. Zum Schlachthof direkt: 3 Ochsen, 1 Kuh, 1 Färse. Kälber 617 (691), Schafe 145 (203), Schweine 105 (233). Dotiert wurden pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mark: Kälber andere a) 66 bis 77 (am 25. September 66 bis 70), b) 60 bis 65 (59 bis 65), c) 54 bis 59 (52 bis 58), d) 45 bis 53 (42 bis 51); Lämmer und hämmel b2) 42 (41 bis 42), c) 40 bis 41 (38 bis 40), d) 38 bis 39 (32 bis 37); Schafe e) 38 bis 40 (36 bis 37), f) 34 bis 37 (33 bis 35); Schweine a2) 54 (54), b) 54 (54), c) 54 (54), d) 54 (54). — Marktverlauf: Kälber, hämmel und Schafe lebhaft, ausverkauft. Schweine wurden zugeteilt. Ueberftanb: 9 Rinder, darunter 2 Ochsen, 7 Kühe. Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung des Fleischgroßmarktes: 1237 Viertel Rindfleisch, 123 ganze Kälber, 4 ganze hämmel, 634 halbe Schweine. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch b) 76 bis 80, c) 68 bis 76; Bullenfleisch b) 74 bis 78; Kuhfleisch b) 62 bis 68, g) 52 bis 62; Färsenfleisch b) 76 bis 80, c) 68 bis 76; Kalbfleisch b) 78 bis 88, c) 70 bis 78; Hammelfleisch b) 82 bis 85; Schweinefleisch b) 74. Dettmaren: Speck aus hiesiger Schlachtung, roh unter 7 Zentimeter 77 bis 80, Flomen 76 bis 80. — Marktverkauf, mit Ausnahme von Schweinefleisch, ruhig. Schweinemarkt in Vnhbach. pb. Butzbach, 3. Oktober. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 402 Ferkel aufgetrieben. Bis zu 6 Wochen alte Ferkel kosteten bis 13 Mark, für 6 bis 8 Wochen alte Tiere wurden 13 bis 18 Mark bezahlt. Bei Beginn des Marktes war der handel schleppend, später flotter. Es verblieb geringer Ueberftanb. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Dorfe. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Rexchsbankdiskont 4 o. h., Lombardzinsfuß 5 v. h. Datum •% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 5y,% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Lust os.»Rechten ............. 4»/,% Deutsche ReichSpostschatzan- Weisungen von 1934, I....... «% ehemL% Hess. Bolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 6Vi% ehem. Hess. Landes-Hypo» thekenbank Darmstadt Ltoui ... 4%% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.GoldschuIdverschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An» leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten *Yi% ehemV% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 W/o ehem. 4y,% Franks. Hyp^ Vank-Liqu.-Pfandbriefe....... 6H% ehem. erfe 0L5 ^4).- ebhaft, rftanb: l unb chgroß« e Käl« stiert nfleisch 74 bis Värfen- I b) 78 iis 85; tt aus 77 bis 1 Aus- -utigen getrie- -n bis ourben Marktes fr oer« •rung grieL "Ä 42,08 0,143 3,053 54,51 46,91 'Ä 16,41 Ä 61,31 62,9* 81-12 lÄ 2,492 'M« 42,00 54,42 12-1? 6,38 8,19 d Aus der Provinzialhauptstadt. nach seiner erfolgreichen Sommerverpflichtung als Kurorchester in Bad Homburg. Die Spielleitung dieser Oper hat Paul Wrede. Es wirken mit: die Damen Fornallaz, Hagemann und Wacker sowie die Herren Bley, Greif und Hille. Die Aufführung dauert von 20 bis 23 Uhr. Erste Vorstellung im Freitag-Abonnement. Oie Witze deines Mannes..... Manche Männer denken, daß das einzige Mittel ewiger Jugend darin besteht, Witze zu erzählen und das Herz in ständiger Bewegung zu halten. Allzu viele Witze indessen führen stets zur Wiederholung, und allzu viel Herzklopfen führt zu Blutleere des Gefühls. So lange eine Frau die Kunst versteht, dem Manne mit ungeheuchelter Aufmerksamkeit zuzuhören, so lange ist sie seiner sicher! So lange ist man der „Sonntag des Mannes", wie Michelet von den Frauen zu einer Zeit sagte, als es noch kein Wochenende gab. Wenn man aber mit wachen Sinnen und hellen Ohren dem Manne ein paar Jahre lang zugehört hat, besteht die Gefahr, daß man zum „Montag Morgen" vorrückt, dem niemand mehr Reize abzugewinnen vermag. Wann werden die Frauen lernen, daß alle Schönheit vergänglich ist, wie das schillernde Kleid der Libelle! Daß nur der innere Gleichklang, das gegenseitige Erkennen und das liebevolle Hinweggleiten über die Schwächen des Andern dauerndes 'Glück verbürgen! Und zu den Schwächen des Mannes gehört es, daß er vor allem seiner Frau gern Witze erzählt, die er auf den rauhen Pfaden des Stammtisches, der Kegelbahn oder im Geschäft gehört hat. Und wenn du als brave Ehefrau ehrlich bist, und wenn die Witze gut sind, mußt du zugeben, daß du nicht ungern zuhörst. Aber vom zehnten Male ab wird der Witz langweilig. Wenn du einen Mann einen rosenumsäumten Weg in eine herrliche Landschaft hineinführst, wird er seine Zigarre rauchen und wird dir, nach kurzem Genießen des Bildes, einen Witz zum elften Male erzählen. Und dann mußt du zuhören! Wenn du ihn aber darauf aufmerksam machst, daß gerade dieser Witz dir erstens nicht unbekannt ist, und daß er zweitens auch gar nicht in die Landschaft und in den stillen Hauch der Stunde paßt, — dann setzt der Gefahrenpunkt ein, bei dem der Mann fühlt, daß du „ihn nicht mehr verstehst". Darum höre zu! Und wenn du nicht lachst, besteht die weitere Gefahr, daß er sich nach einer anderen Frau sehnt, die voller Andacht seinen Geist, sein Gedächtnis, und seine Kunst beftaunt, Witze erzählen zu können! Darum höre auf deinen Mann selbst dann, wenn er dir Witze erzählt, die anläßlich der Eröffnungsfeierlichkeiten der Cheops-Pyramide schon als veraltet abgelehnt worden sind, und die, wie man heutzutage sagt, einen solchen Bart haben, den man im Keller auf eine Walze wickeln muß! M. A. Bornotizen. Tageskalender für Freitag. NSG. „Kraft durch Freude": 20.45 bis 22 Uhr Allgemeine Körperschule im Lyzeum, Dammstraße; 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.15 Uhr, nur für Frauen, Schwimmen im Volksbad; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Stadttheater: 20 bis 23 Uhr „Cosi fan tutte". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Episode". Erste Opernvorstellung im Stadtthealer Gießen. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Das neuverpflichtete Opernensemble stellt sich in der heutigen Vorstellung erstmalig dem Gießener Publikum vor. Am heutigen Abend kommt Mozarts graziös beschwingte und humorvoll-galante komische Oper „Cosi fan tutte" erstmalig zur Aufführung. Gleichzeitig mit den neuen Opernkräften stellt sich der neuverpflichtete erste Kapellmeister Paul Walter als musikalischer Leiter vor, mit ihm das nunmehr städtische Orchester erstmalig wieder in Gießen Uraufführung des lustigen Volksstückes: „Holzappel" von h. A. Weber im Stadtthealer Gießen am Sonntag des Erntedankfestes, 6. Oktober. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Das ganze deutsche Volk sieht an diesem Tage voll Dankbarkeit und Stolz auf den deutschen Bauern, der heute wieder seine verdiente Chrenstellung im Volksganzen einnimmt. Als schönster Dank der Stadt an das Land kommt im Stadttheater Gießen an diesem festlichen Sonntag erstmalig ein junger Dichter zu Worte, dessen künstlerische Persönlichkeit aus der breiten und sicheren Grundlage von Volkstum und Kultur seiner engeren hessischen Heimat ruht. Der Hesse H. A. Weder, in dessen Anwesenheit sein lustiges Volksstück: „Holzappel", unter der Spielleitung von Intendant Schultze-Griesheim, uraufgeführt wird, verbindet in diesem Stücke, wie wir's uns nur immer wünschen mögen, die Kunst mit dem Volkhaften und bringt das Menschliche seiner Dichtung an der volkhaftesten Stelle des Volkes, in der Mundart, zum Ausdruck. Dieses lustige Bauernstück ist eine „Pfundssache", bei der einem das Herz aufgeht vor lauter Freude über den kräftigen und derben Humor dieser Bauerntypen, die fest mit dem Boden unserer hessischen Landschaft verbunden sind. Lachend vernehmen wir des Dichters zwingendes Bekenntnis zu deutschbewußter Kraft, die im schollenfesten Bauerntum ihre tiefsten Wurzeln hat. Dauer von 20 bis 22,50 Uhr; Preise von 0,50 bis 2,50 Mark. Wertzeichen -er wohlfahrtspoftkartr Oülttg bl« 30. Zuoi 1936 IeutscherrAcick rufen I ‘ Ui' Ieutscb cs Aeiclr |6 drulliiu Hi ! .. SLM RrutlcdesReich Ab 4. Oktober gibt die Deutsche Reichspost zugunsten der Deutschen Nothilfe neue Wohlfahrtswertzeichen heraus. Es sind zehn Wertzeichen zu 3, 4, 5, 6, 8, 12, 15, 25, 30 und 40 Rpf. vorgesehen, die mit einem Wohlfahrtszuschlag für die Deutsche Nothilfe abgegeben werden. Daneben wird je eine Postkarte zum Erntedanktag und zur Eröffnung des Museums für Deutsche Volkskunde in Berlin aus- Oie Gießener Erntedankfestbesuche auf dem Lande. Zur Erntedankfestfeier der Ortsgruppe Gießen- O st fährt der Sonoerzug nach Großen-Buseck am nächsten Sonntag in Gießen Bhf. um 12.20 Uhr, an der Haltestelle Licher Straße um 12.25 Uhr ab. Rückfahrt ab Großen-Buseck um 22.10 Uhr. Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt 40 Pf., für Kinder vom 4. bis 10. Lebensjahr 20 Pf. Die Fahrkarten werden gegen Bezahlung des Fahrpreises am heutigen Freitag von 18 bis 22 Uhr und am rnoraigen Samstag von 14 bis 20 Uhr in der Gastwirtschaft „Germania", Kaiserallee, ausgegeben. Fahrkarten für diesen Sonderzug sind an der Bahn nicht erhältlich. Die Fahrkartenausgabe für den Sonderzug der Ortsgruppe Gießen-Süd nach Lang-Göns zur dortigen Erntedankfestfeier erfolgt von heute, Frei- tagmittag, ab in dem Zigarrengeschäft M ä n n ch e, Liebigstraße 83. Die Benutzung des Sonder^uges ohne vorher gelöste Fahrkarten ist nicht möglich. Anmeldungen können nur noch in beschränktem Umfange angenommen werden, da der Zug fast ausverkauft ist. Die Fahrzeiten des Zuges werden noch bekanntgegeben. NGOAp., Gießen-Nord. Velr.: Erntedankfest am 6.10. in Grohen-Linden. Die Abfahrt des Sonderzuges zum Erntedankfest erfolgt um 12.45 Uhr ab Bahnhof Gießen, die Rückfahrt um 22.25 Uhr ab Grohen-Linden. Der Fahrpreis betragt 0,20 R2U. hin und zurück. Kinder von sechs bis zehn Jahren zahlen die Hälfte, während Kinder unter sechs Jahren kostenlos mitgenommen werden können. Die Fahrkarten werden den Teilnehmern durch die Blockleiter ausgehändigt. Rachmeldungen zur Teilnahme werden auf der Geschäftsstelle, Walltorstraße 16, entgegengenommen. gegeben, und zwar die letztere in Berlin bereits am 1. Oktober. Der Verkauf der Wohlfahrtswertzeichen durch die Postanstalten und die Deutsche Nothilfe dauert bis Ende Februar 1936, ihre Gültigkeit hört Ende Juni 1936 auf. Die neuen Marken bringen Frauenbilder mit den Trachten verschiedener deutscher Volksstämme, und zwar von Ostpreußen, Schlesien, Rheinland, Nieder- Winterhilfswerk des deutschen Volkes ^933/36 Ortsgruppe Gießen-Süd. Am Montag, 7. Oktober, Dienstag, 8. Oktober, und Mittwoch, 9. Oktober, findet in der Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenschaft die WH W. - Pfundsammlung statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelspenden (Pfundpakete) zur Abholung bereithalten zu wollen. OiepreisefürSchweinefleischundWmst In einer Bekanntmachung betreffend die Durchführung der Reichsoerordnung über Fleisch- und Wurstpreise vom 31. August 1935 bestimmt der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — mit sofortiger Wirkung folgendes: Die Kleinhandelspreise für Schweinefleisch und Schweineschmalz sind unverzüglich auf die Preise zurückzuführen, die Ende März 1935 ortsüblich waren. Als Schweinefleisch gelten sowohl die einfachen wie die besseren Stücke des Tieres, einschließlich Schweinespeck und Flomen (Liesen). Bei nachfolgenden Wurstsorten sind die derzeitig geltenden Preise ebenfalls auf den Stand der ortsüblichen Preise von Ende März 1935 unverzüglich zurückzuführen, soweit sie heute diesen Stand überschritten haben: 1. Einfache und Hausmacher-Leberwurst, 2. einfache und Hausmacher-Blutwurst, 3. Fleischwurst, 4. weißer und roter Schwartemagen, 5. landesübliche Bratwurst. Metzgereien, die diese Wurstsorten seither geführt haben, sind verpflichtet, sie weiter zu führen. Die Preisüberwachungsstelle bestimmt in Zweifelsfällen, welche Preise Ende März 1935 in den hessischen Gemeinden ortsüblich waren. Vorstehende Preisanordnungen gelten als Höchstpreisbestimmung hinsichtlich der Verhängung von Ordnungsstrafen. Für Rindfleisch ergeht demnächst eine besondere Bekanntmachung. sachsen, Kurmark, Schwarzwald, Hessen, Oberbayern, Friesland und Franken. Die beiden Postkarten tragen die Abbildung eines BDM.-Mädels, bzw. das Trachtenbild aus Niedersachsen (wie auf der Freimarke zu 6 Rpf.). Die Entwürfe stammen von dem Maler Karl Diebitsch in München, dem als Unterlagen für die Trachten Aufnahmen des Trachtenphotographen Hans R e tz l a f f in Berlin-Charlottenburg dienten. Neue Wohlfahrtsbriesmarkeu der Deutschen Reichspost. Gültig bis zum 30. Juni 1936. Ocuffchrfl Reich ReutschesÄcich IeutschcsRcich IeutschcsRrich I** '■ >__ üeutschcsstcirb üeutlrbesAeicb Merkwürdige Wett. Von $. Ioster. Die seltsamste Namensgleichheit, die je beachtet wurde, knüpft sich an eine Reihe von Schiffskatastrophen in der Menai-Straße bei Neusüdwales. Im Jahre 1664 ging dort ein Schiff mit 81 Passagiere» unter, im Jahre 1765 eins mit 60 Passagieren, und wiederum im Jahre 1820 eines mit 25 Passagieren. Bei jedem dieser Unglücksfälle wurde ein einziger Passagier gerettet, und jedesmal war der Name dieses ©erretteten Hugh Williams. * Der „K irchenwecker" war eine wichtige Gestalt in den englischen Gotteshäusern des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts. Seine Aufgabe war es, diejenigen Kirchenbesucher aufzuwecken, die im Verlaufe des Gottesdienstes eingenickt waren. Er ging beständig zwischen den Bankreihen auf und ab, bewaffnet mit einem langen Stock, der an einem Ende einen Fuchsschwanz, am anderen einen schweren Türknauf trug. War eine Frau eingeschlafen, so kitzelte der Kirchenwecker sie mit dem Fuchsschwanz an der Nase, während er die Männer mit dem Knauf auf den Kopf schlug. * In Guayaquil, der Hauptstadt von Ecuador, steht ein Denkmal Lord Byrons, das für ein Standbild des Nationakdichters Olmeda ausgegeben wird. Das Komitee, das seinerzeit das Monument des ecuadorianischen Poeten in Europa bestellen sollte, fand es nämlich billiger, eine in London vorgefundene, fix und fertige Statue Lord Byrons zu kaufen und lediglich den Sockel mit einer neuen Inschrift zu versehen. * Tausend Dramen für das Puppentheater bilden das literarische Material, aus denen ein japanischer Puppentheater-Direktor seinen Spielplan zusammenstellen kann. Seit dreihundert Jahren ist diese Art von Schauspiel das Lieblingsvergnügen des japanischen Volkes, und im Laufe dieser Zeit haben zweihundert Dichter eine gewaltige Literatur für das Puppentheater geschaffen. Die Puppen sind auf diesen Bühnen nahezu lebensgroß und werden von Männern bewegt, die in schwarzer Kleidung auf der Bühne stehen und die Puppen in ihren Händen halten. Die Figuren können Augen, Mund und Augenbrauen bewegen, rauchen und Musikinstrumente spielen. Eine Familie besitzt hundertfünfzigtau- j e n d S i ü h l ö und zwar ist dies jene Familie, die seit langem in London das Monopol auf sämtliche Sitzgelegenheiten in den öffentlichen Parks der Stadt innehat. Diese wurden gegen geringes Entgelt an die Passanten vermietet, und das Billett gilt für den ganzen Tag, so daß es seinen Inhaber dazu berechtigt, sich durch ganz London von einem Stuhl zum anderen zu bewegen und überall nach Belieben Platz zu nehmen. * Wahrsagen aus den Fußlinien ist in China ebenso beliebt und weit verbreitet wie das Handlesen und wird auch nach denselben Grundsätzen vorgenommen. Der Jäger und sein Schutzpatron. Von Or. Jürgen Schäfer. Auf einem kleinen Bahnhof im Thüringer Wald war es. Dort stieg ein alter Jäger zu uns in das Wagenabteil, in Begleitung eines großen zottigen Hundes, der sich mit viel Umsicht und Bedacht zu unseren Füßen einen Platz suchte. Mit seinen großen schwarzen Augen sah uns der vierbeinige Fährtenleser aufmerksam an, um sich alsdann, aller Sorgen und Pflichten ledig, zum Schlaf auszustrecken, während sein Herr sich behaglich eine Pfeife anzündete. Unser Blick hing voll Bewunderung an dem sonnenverbrannten offenen Gesicht des bärtigen Mannes, über das das Licht des Streichholzes hin- huschte und das dann in dicke Rauchwolken gehüllt war. Dann betrachteten wir die Jagdtasche, die seine reiche Beute nicht fassen konnte. Da waren die Rebhühner mit hängenden Köpfchen aufgereiht, und ein braunfelliger Meister Lampe war sachkundig über den Rucksack geschnallt. Unsere Blicke fragten so viel, daß wir bald mit dem alten Nimrod ins Gespräch kamen. Wie im Wind verflogen uns da einige Stunden Fahrt, bis der Jäger wieder Tasche und Flinte umhängte und uns nach herzlichen Abschiedsgrüßen mit seinem treuen Begleiter wieder verließ, um in den Abend hinein der wohlverdienten Ruhe nach langen Jagdtagen entgegenzuwandern. Was war denn besonderes an unserem Reisebegleiter gewesen, der nicht wie wir ungeduldig die Stunden gezählt, sondern bedächtig und gelassen mik- hellen Augen in die vorbeifliegende Welt gesehen und insgeheim über unser Reisefieber gelächelt hatte. Wilhelm Müllers Verse kamen uns in den Sinn, als wir dem Alten nachjannen. „Es lebe, was auf Erden, Stolziert in grüner Tracht, Die Wälder und die Felder, Der Jäger und die Jagd!" Ja, fürwahr, der alte Weidmann hatte uns wieder bewiesen, daß die richtigen Jäger eine besondere Zunft bilden, die nicht nur im Jägerlatein eine eigene, oft verspottete Sprache haben, sondern die auch vieler Geheimnisse kundig sind, die uns anderen Sterblichen meist verschlossen bleiben. So sind sie, wie wir aus den bescheidenen, gar nicht „lateinischen", sondern gut deutschen Worten des alten Weidmanns entnahmen, sogar der Vogelsprache kundig. Jeden Laut im Wald vernimmt das Ohr des Jägers, und so kennt er bald jeden Vogel und seinen Gesang, und weiß auch, ob es ein Ruf der Angst ist, mit dem er aus dem Blätterwald auffliegt oder ob ihm die Freude am Flug in dje himmelhohe Welt ein frohes Lied eingibt Aber auch Baum und Strauch kennt der Jägersmann besser als wir, die wir so stolz auf unsere Naturkunde sind. Und wenn er auf den Fährten des Wildes, die er zu lesen versteht, immer tiefer in die Waldeinsamkeit einbringt, dann wird er auch dort noch manchen Wunders der Natur teilhaftig, die in dieser Unberührtheit aus der Hand des Schöpfers hervorging. Aber nicht nur Gottes Gegenwart im tiefen Wald wird ihm spürbar, daneben weiß er auch von einem seltsamen ungreifbaren Leben und Weben geheimnisvoller Waldgeister und Holzfrauen zu berichten, und er kennt Sagen und Märchen von ihren guten und bösen Taten, wie sie einem Jäger geheime Wege in die Gefilde eines seltenen Wildes wiesen, und wie sie jenen Uebeltäter, der gegen die Gesetze weidgerechten Jagens verstieß, bestraften und irre» ftihrten, daß er, der zuvor geprahlt hatte, ohne Beute heimkehren mußte. Auch von wundersamen Tieren werden dem Weidmann zuweilen Jagdgefilde aufgetgn, die er nie zuvor gesehen hatte und die er nachdem auch nie wieder betreten durfte. Aber wenn der Jäger auch diesen Märchen und Sagen im Waldweben nachhängt, sobald ihm ein Wild vor die Flinte kommt, ist er von höchster Wachsamkeit. Dann ist der Spuk verweht, unb mit klarem Blick unb sicherer Flinte wirb bas Wilb verfolgt unb weibgerecht erlegt. Wir haben ben Alten im Zuge nach altem Jägeraberglauben befragt, unb er hat über unsere Fra- aen ein wenig gelächelt. Dann aber hat er sich zu feinem Schutzpatron bekannt. Von bem Heiligen Hubertus hat er allerbings nichts wissen wollen; ber solle burchaus nicht ein besonberer Freunb des Weibwerks gewesen jein. Um jo mehr verdiene es jener Eustachius, ber als Hauptmann Placibus im Heere Trajans gebient haben soll. Von ihm wirb erzählt — unb unser Reisebegleiter hat bie Geschichte in seiner stillen gemessenen Sprache wie- berholt —, baß er eines Tages auf bem Jagbzug auf ein ganzes Rubel Hirsche gestoßen sei. Als er es verfolgte, löste sich ein befonbers kapitaler Bock von ihm ab, bem ber Hauptmann mit erwachter Jagbleibenschaft auf ben Spuren blieb, obwohl er immer tiefer in ben ihm unbekannten Jagbgrunb verlockt würbe. Schon glaubte Placibus ben Hirsch aus ben Augen verloren zu haben, als sich ihm plötzlich ein seltsamer Anblick bot. Dicht vor seinen Augen erhob sich ein mächtiger Felsen, auf besten Höhe ber verfolgte Hirsch ftanb, unbeweglich unb ohne Furcht ben ihn versolgenben Jäger andlickenb. Unb zwischen seinem Geweih trug ber Hirsch nun ein Kruzifix, bas strahlenber als bie Sonne war! Placibus ließ vor Erstaunen feine Waffe finken unb beugte sich ehrfürchtig. Da vernahm er, wie ber Hirsch mit Menschenstimme zu ihm sprach: „Placibus, warum verfolgst bu mich? Aus Güte gegen bich erscheine ich bir auf biesem Tiere. Ich bin Christus unb mich jagtest bu, als bu biesem Hirsch folgtest". Von biesem Tage an war Placibus bekehrt, unb er würbe unter bem Namen Eustachius ein Märtyrer bes Glaubens, ber ihm burch jene wunbersame Erscheinung in ber Walbeinsamkeit geoffenbart worben war. War bie- ser Eustachius, so fragte uns ber alte Jägersmann, nicht bester zum Schutzpatron ber Jägerei geeignet als Hubertus, von bem nur berichtet werbe, baß er sich gegen bie Jagb ausgesprochen habe? Denn jener Begegnung mit bem kreuztragenben Hirsch lasse sich wohl auch noch bie anbere Deutung geben, baß sich bssm weibgerechten Jäger Wunber in ber Wal- besstille auftun, bie ihn für sein ganzes Leben zum glücklichen Menschen machen, ber an bie Allmacht bes Schöpfers glaubt. Da wir anbächtig ben Erzählungen bes alten Weibmannes lauschten, bie nichts von einem Prahlen mit großer Jagbbeute an sich hatten, berichtete er uns noch von anberen Sagen unb Geschichten, in benen ber wilbe Jäger mit seinen Gefährten einherbrauste, hoch über ben Wolken, um seine Herr- schäft über bem beutschen Walb zu erweisen. Unb uns alle — auch wenn wir es nicht aussprachen —, verrieten es doch die Blicke, mit denen wir dem Jäger folgten, als er uns verließ und vom Bahnsteig aus uns noch einmal nachwinkte —, faßte ein schwer bezwingbares Verlangen, ihn zu bitten, an feiner Seite einmal in das Waldesdunkel streifen zu dürfen, um dort all jener Wunder teilhaftig zu werden, die sich ihm dort auftaten und von denen er uns erzählt hatte. Die Deutsche Arbeitsfront n.9.=6cmcinf(haft „Kraft durch Freude" Am Sonntag, 6. Oktober, 20 Uhr, am Tag des deutschen Bauern, findet im Stadttheater in Gießen die Uraufführung des lustigen Dolksstückes von Hermann August Weber „Holzappelstatt. Die Preise der Plätze sind 0,70, 1,00, 1,30 und 1,50 Mark. An der Abendkasse reguläre Schauspielpreise. Karten - Vorverkaufsstellen: Musikhaus Challier, Frau Huntemann, Oberhessische Tageszeitung, Kreisdienststelle der NSG. .Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18. Sportamt „Rroft durch Freude^. Heute beginnen folgende Kurse: Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer: Von 20.30 bis 22 Uhr, Turnhalle Lyzeum, Dammstraße. Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen: von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lollar, Kantinengebäude der Fa. Buderus. Schwimmen: Don 20.30 bis 21.30 Uhr, für Frauen und Männer, Dolksbad; von 21.30 bis 22.30 Uhr, nur für Frauen. Reiten: Von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schömbs. kostenlose Sporlkurfe in dieser Woche! Alle Volksgenossen, die bisher noch nicht an KdF.-Sportkursen teilgenommen haben, können in dieser Woche obige Kurse, mit Ausnahme von Reiten und Schwimmen, k o st e n l o s besuchen. Auch der morgen, Samstag, 5. Oktober, beginnende Kursus Waldlauf (von 17 bis 18.30 Uhr, Universitätssportplatz) ist für Neulinge gebührenfrei. Sportprogramm. lieber weitere Kurse (Skigymnastik, Skitrocken, Hallentennis, Kleinkaliberschießen) gibt das neue Sportprogramm Auskunft. Dasselbe ist auf dem Sportamt, Schanzenstraße 18, kostenlos erhältlich. Hinein in die Sportkurse der NS. - G. „Kraft durch Freude"! ♦ An alle Sportwerbewarte der Ortsgruppen und Betriebe! Das neue Vierteljahres-Sportprogramm für Oktober-Dezember ist von allen Sportwerbewarten der Ortsgruppen und Betriebe bis spätestens 5. Oktober auf dem Sportamt abzuholen und zur Verteilung zu bringen. Landschastsbund Volkstum und Heimat Ortsring Gießen. Pilzgang. Am Samstag, 5. Oktober, findet am Nachmittag anter Führung des Herrn Universitäts-Garteninspektors i. R. R e h n e l t ein Pilzgang statt. Wir treffen uns um 14.30 Uhr an der Schneise 3 auf der Straße Gießen—Annerod (hinter dem Abzweig von der Straße Gießen—Rödgen) und wandern von dort zu einem noch zu bestimmenden Punkt (Hohe- warte oder Rödger Aussicht am Leuchtturm). Rückkunft gegen 18 Uhr. Die Frauen werden gebeten, ein kleines Sammelkörbchen mitzubringen. Gäste sind willkommen. Steuerforderungen im Entschuldungs- Verfahren. In den vom Wirtschaftsprüfer Hermann Will zu Gießen herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. 10) lesen wir: Für die Geltendmachung von Steuerforderungen im landwirtschaftlichen Entschuldungsverfahren hat der Reichsfinanzminister neue Richtlinien herausgegeben. Nach diesen sollen in Zukunft im Entschuldungsverfahren Steuerbeträge von unter 100 Mark für jede Steuerart nicht mehr geltend gemacht, son- HI. an die Front! Der Gauarbeitsführer an die HI. Auf den Schultern der Heranwachsenden Generation ruht eine schwere Verantwortung, die wir mit eisernem Willen und unbestechlicher Härte uns selbst gegenüber tragen müssen, wenn Geschlechter der Zukunft leben sollen! Diese Verantwortung wird nur der in ihrer gangen Bedeutung erkennen und tragen, der durch die HI. in den Geist nationalsozialistischer Weltanschauung eingeführt und gefestigt ist, durch die Arbeit und die Härte des Arbeitsdienstes gestählt wurde und durch den Dienst als Soldat und Waffenträger der Nation den Beweis feiner jugendlichen Kraft und feines unbrechbaren Willens gegeben hat. Ich begrüße daher die Aktion der HI.! Möge ihr Ruf bet der deutschen Jugend und bei den deutschen Eltern volles Gehör und innere Aufnahmebereitschaft finden! Arbeitsdienst und HI. fühlen sich einander kampfverbunden, weil sie in der Erfüllung ihrer Aufgaben sich ergänzen und gegenseitig befruchtend, dem gleichen Ziele dienen: der körperlichen und seelisch-geistigen Ertüchtigung der deutschen Jugend, die auf ihren starken Schultern Deutschlands Zukunft tragen soll. Heil Hitler! Fautz Gauarbeitsführer XXV. Gemeinsame Sache der Schule und der HI. Der Regierungspräsident in Wiesbaden fordert im amtlichen Schulblatt die gesamte Lehrerschaft des Bezirks auf, sich mit allen Kräften bei der Propaganda-Aktion der HI. zu betätigen. Die Aktion muß eine gemeinsame Sache der Schule und der HI. sein, und es muß der Ehrgeiz einer jeden Schule sein, in diesem Werbekampf den höchsten Prozentsatz an neuen Mitgliedern der HI. zuzuführen. Abendfeier der Hitler-Jugend und des Jungvolks. Die Gefolgschaft 3/116 der Hitler-Jugend und das Fähnlein 4/116 des Jungvolks bereiteten am gestrigen Abend allen, die sich für eine Stunde frei- machten, um der Jugend zu lauschen, ein schönes feierliches Erlebnis. Der äußere Rahmen für diese Feier war denkbar glücklich gewählt. Hitler-Jugend und Jungvolk marschierten mit Fahnen, mit Trommeln und Fcmfpren vor dem mit Fahnentuch aus- geschlagenen Portal des Stadttheaters auf, entzündeten ihre Fackeln, deren flackerndes Licht über das Mauerwerk und das Grün der Bäume vor dem Portal spielte. In einem Feuerbecken wurde eine hohe Flamme entzündet, die Ausdruck des Bekenntnisses der Jugend zum Licht, zur Kraft, zur nordischen Art und zum Heldischen wurde. Die Darbietungen der feierlichen Stunde waren ganz dem Heldischen gewidmet. Der Ruf der Trommeln und Fanfaren klang zuerst auf, dann sangen die Jungens das schneidige Lied „Unter der Fahne schreiten wir", in dem die Einheit einer Jugend zum Ausdruck kam, die sich bewußt als der Träger der deutschen Zukunft fühlt und fühlen kann. Mit großer Freude lauschte man hierauf einem Sprechchor, der in der Stimme des einzelnen und dann in der Stimmenvielheit des Chores, schließlich im raschen Wechsel zum gesungenen Wort zu einer starken und großartigen, ja zu einer künstlerischen Wirkung gesteigert wurde. Die Jugend hatte sich aut vorbereitet und in gemeinsamer Arbeit zu einer Ausdrucksform gefunden, die ihresgleichen in der Vergangenheit nicht hatte. Eine große Rezitation — ein Abschnitt aus einem heldischen Buche — erinnerte an das Fronterlebnis des Weltkrieges, schilderte in eindrucksvoller Sprache und scharf ausgeprägten, auf das wesentliche ausgerichteten Gedanken, das wahrhaft Heldische in der Beziehung zum Göttlichen. Nach einer kurzen Ansprache des Gefolgschaftsführers Rabenau, in der das Wollen der heutigen Jugend umrissen wurde, in der gleichzeitig auch an die noch fernstehenden Jungen die Aufforderung erging, sich einzureihen, fand die Feier mit dem Liede „Vorwärts, vorwärts!" und mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer ihren Abschluß. dem niedergeschlagen werden. Auch schon erfolgte Anmeldungen sind zurückzuziehen. Auf die art sich mit dem 1. Januar 1935 fällig gewordenen Säumniszuschläge sollen die bisher entstandenen Verzugszinsen angerechnet werden, so daß bei den Beträgen über 100 Mark keine Doppelbelastung durch mehrfache Zuschläge entsteht. Sitzung des Kreisausschusses. Am Mittwoch, 9. Oktober, vormittags 9 Uhr, findet im Regierungsgebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Gießen statt. Auf der Tagesordnung steht die Fürsorge- fache betr. Klage der Gemeinde Hungen gegen die Gemeinde Langsdorf wegen Hilfsbedürftigkeit der Margarete Bausch aus Langsdorf. Hindenburg-Gedenkfeier des Sparerbundes. Zu einer ernsten Feierstunde anläßlich des 88. Geburtstages des verewigten Reichspräsidenten Gene- ralfeldmarfchalls von Hindenburg versammelten sich die Mitglieder des Sparerbundes am vergangenen Dienstag im „Hessischen Hof". In einer einstündigen Rede — so berichtet man uns — entwarf Vorstandsmitglied Fr. N o r t h ein Bild über das Leben des Siegers von Tannenberg. Er erinnerte an die Feldzüge 1866 und 1870/71, an denen Hindenburg teilnahm. Durch den gewaltigen Sieg bei Tannenberg ist Hindenburg zum bedeutendsten Heerführer des Weltkrieges geworden. Nach der Rettung im Osten wurde ihm und Ludendorff im Jahre 1916 die Oberste Heeresleitung im Westen und an allen Fronten übertragen, unter deren Leitung die deutschen Heere einen heldenhaften Abwehrkampf führten. Als der Krieg schließlich über die Kraft des deutschen Volkes ging, als Verhetzung und Hunger die Heimat erschütterten, als die Technik über Menschenkraft und Menschenwillen die Oberhand gewann, als der Zusammenbruch kam, da führte Hindenburg in unerschütterlichem Pflicht- bewutztsein das deutsche Heer in die Heimat zurück und stellte sich verantwortungsbewußt in den Dienst des neuen Staates zur Abwehr der bolschewistischen Gefahr. Als das deutsche Volk zum zweiten Male seine Hilfe brauchte, sagte Hindenburg, unter Zurückstellung seiner persönlichen Neigungen, aus reinstem Pflichtbewußtsein gegenüber Volk und Vaterland nach reiflichem Ueberlegen zu und wurde am 26. April 1925 zum Reichspräsidenten gewählt. Von großer geschichtlicher Bedeutung war dann der Tag, an dem Hindenburg und Adolf Hitler den Weg zueinander fanden. Wenn nun auch das deutsche Volk in aller Zukunft nach den Leitsprüchen Hindenburgs „Ora et labora" und „Nichts für uns, alles für Deutschland" in der Praxis handele, so brauche es uns um die Zukunft Deutschlands nicht bange zu sein, - zumal uns der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler die allgemeine Wehrpflicht zur Verteidigung unseres Vaterlandes wieder zurückge- geben hätte. Die fesselnden Ausführungen des Herrn North wurden durch einige Lichtbilder ergänzt, worauf dann auf Schallplatten zwei Rundfunkreden Hindenburgs übertragen wurden. Im zweiten Teil der Veranstaltung behandelte der Versammlungsleiter H. Lorenz eine Anzahl Sparerbundsangelegenheiten und geschäftliche Fragen. Werbung für den deutschen Wein. Heute morgen traf aus Oppenheim am Rhein ein schwerer Lastkraftwagenzug in unserer Stadt ein, der in riesigen Fässern nichl weniger denn 10 000 Liter 1934er Oppenheimer Wein in unsere Stadt brachte. Der Wein ist für den Verbrauch während der Wein-Werbewoche in unserer Stadt bestimmt. Der Lastkraftwagenzug, der mit frischem Grün und mit'Blumen bekränzt war, erregte allgemeine Aufmerksamkeit. Bei einem kurzen Aufenthalt der Wagen in der Schulstraße wurden die Passanten rasch zu einem Gläschen Wein eingeladen, daß sicherlich allen recht gut gemundet hat. Der Lastkraftwagenzug machte dann eine Rundfahrt durch die Stadt. Im Gemeinschaftslager der Gießener Weinhändler wird der Wein bis zu seinem Verbrauch untergebracht. Oer Weg zum Eigenheim. Der Ring der Vauwirte hatte am gestrigen Donnerstagabend Interessenten aus Stadt und Kreis Gießen zu einem Vortrag ins Hotel Schütz einge- laden. Herr Fellenberg, als Redner des Abends, behandelt das Thema: „Der Weg zum Eigenheim und zum schuldenfreien Hausbesitz". Er kam zunächst auf den Bauspargedanken überhaupt zu sprechen, der in Deutschland noch relativ unbekannt fei. Im Gegensatz zu England und Amerika gäbe es in Deutschland noch verhältnismäßig wenig Eigenheimbesitzer, die meisten Volksgenossen würden irgendwo in Miete wohnen. Dies habe seinen Grund darin, daß es früher sehr schwierig gewesen fei, ohne großen Kapitalbesitz zu bauen, da die Tilgung der in den meisten Fällen aufgenommenen Hypotheken sehr lange Zeit in Anspruch genommen hätte. Die junge deutsche Bauspärbewegung dagegen wolle jetzt auch dem Volksgenossen, der nur über geringe Mittel verfüge, zum Besitz eines Eigenheims verhelfen. Viele Einwände führe man heute noch gegen die Bausparkasse^ an, aber durch den Umstand, daß von 300 Kassen heute nur noch 48 beständen und diese durch das Reichsaufsichtsamt ständig überwacht und kontrolliert würden, seien die Hauptckefürchtungen beseitigt. Auch gäbe es heute und besonders im Gießener Bezirk keine lange Wartezeit mehr, bis der Sparer seine Zuteilung erhalte, ferner sei die Sicherheit der Gelder gewährleistet und die Auszahlung werde gerecht und genau nach dem Eintritt oorgenommen. Ohne Einwilligung des Bausparers könne auch nicht ein Pfennig von seinem eingezahlten Konto abgehoben werden. Man sei daher jetzt wieder zum Bausparen gekommen, weil ein Volksgenosse allein zu schwach sei und nur die Zusammenfassung mehrerer das Eigenheimbauprogramm ermögliche. Die Bausparer müßten zuerst Pflichten übernehmen, dann könnten sie auch Rechte fordern. An Hand zahlreicher Lichtbilder gab der Redner Beispiele über Vorteile des Bausparens. ** Straßensperrung beim Herbst- markt. Während der Dauer des Herbstmarktes (Scbaumesse) vom 5. bis einschließlich 13. Oktober wird die Kirch st raße zwischen Neustadt und Wetzsteingasse täglich von 11 Uhr ab für den gesamten Fahrzeugverkehr polizeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten. ** Ernennungen. Ernannt wurden zu Gendarmeriehauptwachtmeistern die Gendarmeriehauptwachtmeister auf Probe Alfred Bender in Friedberg mit Wirkung vom 1. September 1935 und Ernst Kühn in Butzbach mit Wirkung vom 16. Juni 1935; zum Kanzlisten unter Berufung in das Be- amtenverhältnis: der Meß- und Kanzleigehilfe beim Feldbereinigungsamt Oberhessen in Büdingen Ri- WMWMl. Vornan von Anny von panhnys Urheberrechtsschutz Aufwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin SW 68. 8 Fortsetzung. ' Nachdruck verboten! In Mainz bestieg Gerhard Diendorf einen der großen Rheindampfer und da es ein sonniger Sonntagvormittag »ar, befanden sich darauf viele Ausflügler. Gewaltsam wurde Gerhard Diendorf von seinen trüben Gedanken abgelenkt. Lautes Lachen und froher Gesang war um ihn herum. Es herrschte die Stimmung, wie sie auf einem Rheindampfer herrschen muß. Gegen Mittag war das vorläufige Ziel von Ger- Hard Diendorfs Reife erreicht, das kleine romantische Städtchen, in dem Vetter Konrad Wilderling, den er Onkel nannte, wohnte. Musiklehrer und Komponist war der alte Junggeselle, mit dem seine Mutter ein paarmal im Jahre Briefe wechselte. Dr. Diendorf nahm sich ein Zimmer in der „Krone" am Ritterplatz, wo vor dem Rathaus der riesige Ritter wachte mit dem unheimlich breiten Schwert. Er speiste im Gästezimmer und wanderte ein Stündchen am Rhein entlang, dann erst machte er sich auf, den Vetter feiner Mutter zu besuchen. Konrad Wilderling wohnte in einer der schmalen bergigen Straßen und war nicht daheim, als Dr. Diendorf nach ihm fragte. Die behäbige Frau, bei der er wohnte, schüttelte den Kopf. „Am Sonntag brauchen Sie hier niemals nach ihm zu fragen." Da sitzt er von morgens an am Rhein und in den Wirtschaften, ist sehr vergnügt, trinkt und singt. Er sagt, das brauche er, sonst wäre die ganze Welt dunkel." Sie lachte: „Er ist zwar ein komischer, aber herzensguter Mensch und seine Lieder sind beliebt am ganzen Rhein, die hören alle gern." Gerhard Diendorf war enttäuscht, weil er Konrad Wilderling nicht angetroffen. Man sah es ihm an. Die Fau riet: „Wenn Ihnen besonders viel daran liegt, ihn noch heute zu sprechen, müssen Sie sich ein bißchen nach ihm umschauen. Vielleicht treffen Sie ihn am Rheinufer, möglich ist's aber, er fitzt in der „Forelle", vielleicht auch in den „Winzerstuben" oder beim „Gockel". Wenn Sie ihn da nirgends finden, sollten Sie in der „Stadt Köln" Ihr Heil versuchen oder im „Burgfrieden" oder —" Sie brach erschrocken ab, denn der Besucher rief fast schroff: „Verehrte Frau, um alle die Wirtschaften abzuklappern, die Sie nannten, brauchte ich ja mehrere Tage." Letzt lachte dis grau laut aus. „So schlimm ist's nun doch nicht, Herr Wilder- lina schasst das in ein paar Stunden, wenn es ihm nicht gerade irgendwo besonders gut gefällt." Gerhard Diendorf versprach, morgen gegen Mittag wiederzukommen, falls er den Gesuchten heute nicht mehr fände und hinterließ eine Karte, schrieb unter seinen Namen: „Wohne im Hotel ,Krone' und würde mich sehr freuen, wenn du mich morgen gegen Mittag aufsuchen würdest." Er empfand leichte Heiterkeit bei dem Gedanken an die Liste von Wirtschaften, die Wilderlings Wirtin heruntergeschnurrt. Als er über den Ritterplatz ging, blieb er unwillkürlich vor dem Ritter stehen, betrachtete ihn, betrachtete auch den alten Platz, fand ihn besonders reizvoll m dem Dämmerlicht des heranbrechenden Abends. Da drüben, das alte Eckhaus gefiel ihm besonders. Er ging langsam näher, entzifferte die Inschrift über dem seitlichen Torbogen: Johannes Hochwald stellt Haus und ehrsam Handwerk unter des Herrn Schutz. 1730. Er erinnerte sich, er hatte vor zehn Jahren, gelegentlich seines Besuches in der kleinen Stadt, auch zu abendlicher Stunde vor dem Hause gestanden und die Inschrift gelesen. Seine Mutter war dabei gewesen. Aber es war Herbst damals und Wochentag und das Goldschmiedslädchen war hell erleuchtet gewesen. Der Mutter hatte er damals ein Andenken im Laden gekauft. Scheußlich! Er wollte morgen Vormittag hier wieder etwas für die Mutter kaufen, es würde ihr Freude bereiten. Er wanderte noch ein Weilchen durch die engen Straßen und ging dann in fein Hotel. Nachdem er noch im Gästezimmer zur Nacht gegessen, suchte er fein Zimmer auf. Er empfand Müdigkeit und begab sich früh zur Ruhe. Ein Fenster ließ er ein wenig offen, die Luft, die sanft und dock spürbar war, brachte einen frischen Hauch vom Ryeine mit. Gerhard Diendorf war müde, aber feine Gedanken weilten wieder bei seinem Unglück. Er hatte sich vorgenommen, heute abend so wenig wie möglich daran zu denken, um gut und ruhig einzuschlafen, aber er war machtlos dagegen, daß feine Gedanken sich immer wieder mit dem beschäftigten, was ihn so elend gemacht. Und schließlich schlief er doch ein, abet nicht leicht und frei, sondern mit wildem Haßbegehr. Sein letztes verworrenes Denken krampfte sich um eine hohe Männergestalt, die er zu sehen glaubte. Ein herbes stolzes Gesicht schaute ihn herausfordernd an. Endlich aber verwirrten sich die Gedanken zusammen zu einem Traum, der iym den Atem festpreßte. Mit hämmernden Schläfen und heißer Sttrn fuhr Gerhard Diendorf plötzlich aus dem Traum empor, er mußte sich erst besinnen, daß er nicht im Rhein lag, sondern in einem Bett des Hotels ^„Zur Krönet Eben schlug die Rathausuhr mit müdem blechernen Ton Die zehnte Stunde. Gerhard Diendorf trank ein Glas Wasser. Erst zehn Uhr und wie lang ist eine Nacht, wenn Kopf und Herz aufsässig sind. Von ferne klang ein Waldhorn, von ferne tönte Gesang. Ueberall saß man noch im Freien und genoß den Zauber der rheinischen Frühlingsnacht. Ein Tor war er, so früh wie ein alter Spießer ins Bett zu kriechen. Er kleidete sich wieder an und ging aufs geradewohl los. Er wollte irgendwo noch ein paar Schoppen trinken, wollte Vergessen trinken. 12. Kapitel. Das Bild des Gehaßten. Komteß Gretel betrat am Montagvormittag gegen zehn Uhr den Goldwarenladen am Ritterplatz. Bettina kam aus dem Zimmer mit den Biedermeiermöbeln und auf ihrem Gesicht zeigte sich Verlegenheit. Sie hatte Gretel nicht mehr gesehen seit dem bösen Tag und hatte ein unsicheres Gefühl, ob Gretel etwas von dem wußte, was ihr Hans Syden so grausam offenherzig bekannt. Aber nein, Gretel wußte nichts, sie lächelte ja so harmlos froh: „Bist letzthin ausgekniffen, Bet- ünalein, hast dich ohne Abschied von mir fortgeschlichen. Aber du hattest natürlich recht. Für deinen wunderhübschen Gesang wurdest du von uns behandelt wie'n gröhlender Straßensänger, vor dem man seinen Ohren zuliebe ausreißt." Sie reichten sich die Hände und Gretel ließ sich auf einem Stuhl vor dem langen Verkaufstisch nieder. „Ich bitte, verzeih, mir, Bettina, verzeih uns allen. Hans war ein bißchen durcheinander. Er ist dir ja noch begegnet, als du heimgingst. Er sagte es mir. Weißt du, er war ganz konfus, er hat nämlich etwas erlebt, für das er gar nichts kann und das ihn trotzdem sehr beschwert. Er hat mir das Erlebnis angedeutet. Er muß nämlich irgend jemand weggeschickt haben, eine Besorgung zu machen, und dabei ist dann die betreffende Person ums Leben gekommen. Deshalb fühlt er sich schuldig. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Angestellten seiner Firma." Sie zog die Schultern hoch. „Das ist natürlich eine traurige Geschichte, aber mein Bruder kann doch nichts dafür, nicht wahr?" Sie blickte die Freundin fragend an. Bettina wußte jetzt, Hans Syden hatte, um etwaigen besorgten Fragen wegen seines veränderten Benehmens zu begegnen, ein ganz winziges Staubkörnchen feines Erlebnisses aufgenommen und den Seinen gezeigt. Aber die Großchens und Gretel waren sicher froh, nun zu wissen, was den geliebten Enkel und Bruder bedrückte, sie würden 'es sich an der Erklärung genügen lassen. Gretel wiederholte: „Nicht wahr, mein Hansl- bruber kann doch nichts dafür?" Bettina antwortete, ruhig scheinend: „Natürlich Sann ec nichts dafür!" Aber sie dachte, selbstsüchtig und rücksichtslos hatte Hans Syden gehandelt, als er einem anderen Mann die Braut stahl, selbstsüchtig und rücksichtslos hatte er auch gehandelt, als er ihr das alles mitgeteilt und die Mahnung daran geknüpft, sie brauche weder Mitleid noch Liebe für ihn zu haben, er würde weder für das eine noch für das andere dankbar fein. Er hatte erkannt, daß sie ihn liebte und ihr absichtlich sehr weh getan, um sich ihrer Liebe zu er- wahren. Und sie würde ihn doch niemals damit belästigt haben. Sie hatte nichts weiter gewollt, als daß sie still und geheim ihre Gedanken um ihn auf dem Altar ihres Herzens, den sie ihm errichtet, weiter hätte heilig halten dürfen. Gretel ahnte nichts von dem, was in der Freundin vorging. Sie war mit Bettinas Antwort vollkommen zufrieden. Sie plauderte: „Hans ist auch schon wieder leidlich ruhig, der Aufenthalt im Waldschlößchen tut ihm sehr gut." Sie lächelte: „Aber ich habe jetzt nicht mehr viel Zeit, ich muß noch allerlei besorgen. Auch bei euch möchte ick etwas kaufen. Ich habe bet Hans eine neuere Fotografie von ihm entdeckt, er hatte sie in seinem Koffer und wußte es selbst nicht. Großchen Jutta hat nun in vier Tagen Geburtstag, und da schlug ich Hans vor, er soll ihr fein neues Bild in einem besonders hübschen Rahmen schenken, sie würde sich sehr darüber freuen. Sie stellt es dann sicher auf ihren Schreibtisch. Groß- chen Jutta liebt das Prunkende und ich dachte, in einem Silberrahmen von der Art, wie ihr ein paar draußen im Schaufenster ausgestellt jjabt, müßte sich das Konterfei meines Brüderchens ganz famos ausnehmen." Sie holte aus ihrer großen Handtasche einen Umschlag hervor, zog daraus eine große Fotografie, hielt sie der Freundin entgegen. „Famos getroffen, nicht wahr? Also weißt du, Bettina, wenn ich nicht feine Schwester märe, in den da auf dem Bild verliebte ich mich Hals über Kops." Sie lachte vergnügt. Was wußte denn die kleine Komtesse davon, wie weh Bettina Hochwald jedes der Worte tat, die sie so sorglos ftoh heraus- sprudelte. „Ja, dein Bruder ist ausgezeichnet getroffen", beeilte sich Bettina zu versichern, es blieb ihr nichts anderes übrig, sonst hätte Gretel weitergeschwärmt. Sie öffnete einen Schrank, entnahm ihm mehrere Silberrahmen, in die das Format des Bildes paffen mußte. Gretel wählte. Ein Rahmen gefiel ihr besonders gut und sie entschied sich dafür, wünschte aber, daß unten auf ein breites Silberblatt ein- Graviert werden sollte: Meinen lieben Großchen utta von ihrem Hans. Da^u Tag und Jahr. Bettina bedauerte: „Es könnte sofort gemacht werden, aber Vater ist fortgegangen und der Gehilfe ist feit ein paar Tagen krank. Vater wird Je- doch bald zurückkommen. Bitte, warte auf ihn." (Fortsetzung folgty chard ß o f) f i n t tn Büdingen, der Meß- und Kanzleigehilfe bei der Feldbereinigungsstelle in Lich Adolf Schuchardt in Lich und der Kanzlei- aehilfe bei dem Kulturbauamt Oberhessen in (Sie* ven Karl Niedermayer in Gießen. •* Vier Burschen wegen Sittlich- keitsverbrechen fe st genommen: Die Kriminalpolizei st elle Gießen teilt uns mit: Wegen Sittlichkeitsverbrechens, begangen an einem 13zjährigen Schulmädchen in Ruppertsburg, wurden im Laufe des 1. und 2. Oktober vier junge Burschen aus Ruppertsburg durch die Kriminalpolizeistelle Gießen vorläufig festaenommen und dem Amtsgericht zugesührt. Nach der richterlichen Vernehmung wurden drei davon wieder entlassen, da sie noch jugendlich sind, der vierte aber kam in Untersuchungshaft. ♦♦ Unfälle. Der 47jährige Arbeiter Heinrich Nikolai, Alter Rödger Weg 14, zog sich einen Bruch des rechten Unterschenkels zu und wurde zur Behandlung in die Chirurgische Klinik gebracht. — Der gegenwärtig hier weilende Heinrich Pollen aus Krefeld erlitt in einer Sportübungsstunde einen Bruch des linken Unterschenkels. Er wurde in die Chirurgische Klinik gebracht. ** Die Kneippbewegung,Ortsgruppe Gießen, veranstaltete unter dem Vorsitz von Herrn Sier am gestrigen Donnerstagabend im Cafe Leib einen Filmvortrag, bei dem der Bundeslehrer H. Pumpe aus München (Bad Wörishofen) sprach. Der Redner verstand es, unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder, eindringlich die Notwendigkeiten einer gesundheitsdienlichen Lebensführung darzulegen. Gesundheit sei dem Menschen von der Natur mit auf den Weg gegeben, seine Pflicht gegenüber seinen Angehörigen und Nachkommen, aber auch gegenüber dem Staat sei es, diese Gesundheit zu erhalten. Aus Bequemlichkeit und Gedankenlosigkeit sei das Volk nicht nur in seiner Körperbeschaffenheit und Gesundheit, sondern auch in seinem Denken verweichlicht. Gesundheitlich leben sei daher auch eine vaterländische Pflicht. Es sei aber nicht nur eine Angelegenheit der Armen, sondern auch der Reichen, der Gesunden wie der Kranken. Dazu seien nur Wasser, Luft und eine richtige Ernährung erforderlich. Wie überall, sei nur der erste Schritt das schwerste bei der ganzen Angelegenheit. So sei die Kneippsche Kur keine Kalt- wasserpantscheret, sondern sie weise auch Heißwasseranwendung auf, auf die zwar in jedem Falle eine kalte Anwendung sofort nachfolgen müsse, und sie sei weiterhin eine auf langjährige Erfahrungen aufgebaute natürliche Anwendung des kalten Wassers. Es sei ein Naturgesetz, daß Wärme nur durch Kälte erzeugt werde. Die Heilerfolge der Kneippschen Kuren bewiesen den richtigen Weg, der dahin führe, Gesundheit, Lebensfreude und damit auch Leistungsfähigkeit und Erfolge im Beruf, aber auch Familienglück zu schaffen und zu fördern. Der Redner fand reichen Beifall. Kleine Strafkammer Gießen. Der Fr. H. und der H. B., beide aus Rockenberg, wurden vom Amtsgericht Friedberg verurteilt und zwar H. wegen schweren Diebstahls zu einem Äahr Gefängnis und wegen Mundraubs zu drei Tagen Haft, B. wegen schweren Diebstahls zu neun Monaten Gefängnis, wegen unbefugten Jnaebrauchnehmens eines Motorrads zu zwei Wochen Gefängnis. Aus beiden Strafen wurde eine Gesamtgefängnisstrafe von neun Monaten und einer Woche gebildet. Die Angeklagten haben im Februar und März in Bad-Nauheim und Friedberg in verschiedenen Fällen Motorräder entwendet und an ihnen einzelne Teile abgeschraubt. Die Angeklagten schoben die Maschinen meist bis zum Ortsausgang, entfernten die fraglichen Teile, wie z. B. Karbidlampen, Scheinwerfer ufw., und ließen dann die Maschinen in der Erwartung, daß sie den Eigentümern zugeführt werden, stehen. In einem weiteren Falle entwendeten sie aus einer Ziegelei einen Scheinwerfer und einen Akkumulator. Schließlich eigneten sich die Angeklagten aus einem Auto eine Tüte mit Apfelsinen an, die sie alsbald verspeisten. Während das Vorgericht Bandendiebstahl annahm, sah die Strafkammer als Berufungsinstanz davon ab und erkannte gegen H. auf fünf M o - nute Gefängnis sowie einen Tag Haft, gegen B. auf eine Gefängnis st rafe von fünf Monaten und drei Tagen sowie ebenfalls einen Tag Haft. Auf die erkannten Strafen wird beiden Angeklagten die vom 5. März bis 4. April Erlittene Untersuchungshaft angerechnet. Die Kosten erster Instanz fallen den Angeklagten, die zweiter Instanz der Staatskasse zur Last. Venus als Morgenstern. Oer Sternhimmel im Oktober 1935. Don Or. Erwin Kossinna. Wör sein Heim bereits vor Beginn der Morgendämmerung verläßt und ins Freie tritt, wird im Oktober einen ganz besonders schönen Sternen- hstnmel beobachten können. Neben den prachtvollen Wintersternbildern Orion, Fuhrmann, Stier und Großer Hund mit Sirius glänzt am Osthimmel der Planet Venus als Morgenstern. Mitte Oktober erreicht Venus ihre größte Helligkeit und ist dann zwölfmal so hell wie Sirius. Sie geht 3 bis 4 Stunden vor der Sonne auf. Am 23. Oktober wandert die Mondsichel dicht am Morgenstern vorüber. Von den übrigen Planeten wird Merkur erst gegen Ende des Monats am Osthimmel eine Stunde vor Sonnenaufgang sichtbar. Mars bewegt sich im Steinbock nahe dem ihm sehr ähnlichen Antares und ist abends tief am Südwesthimmel zu sehen, während Jupiter in der Abenddämmerung verschwindet. Saturn strahlt als hellster Stern des Südhimmel im Wassermann. Uranus kann mit einem Feldalas im Widder, Neptun im Löwen aufgesucht roeroen. Die Phasen des Mondes fallen auf folgende Tage: erstes Viertel am 5., letztes Viertel am 19., Neumond am 27. Oktober. Der abendliche Fixsternhimmel gleicht zu Beginn der Dunkelheit noch, völlig dem im September, da die Dämmerung immer früher einsetzt. Erst gegen 22 Uhr ist eine wesentliche Aenderung Gegenüber dem Sommerhimmel eingetreten. Die glanzvollen Wintersternbilder Zwillinge, Orion, Fuhrmann und Stier mit den Plejaden, auch Siebengestirn ober „Henne mit Küchlein" genannt, nehmen den Ost- Himmel ein. Eine kleine Sternwolke der Plejaden zeigt bereits im Feldglas ein schönes und interessantes Bild. Um den hellsten Stern Alkyona gruppieren sich noch etwa 7 bis 10 Helle Sterne, sämtlich Lichtriesen im Vergleich zur Sonne, und außerdem noch 30 bis 40 schwächere Sterne, die aber auch noch unsere Sonne an Größe und Leuchtkraft übertreffen. Aus photographischen Aufnahmen der Sterngruppe aber wissen wir, daß in den Plejaden über 200 Sonnen zu gemeinsamer Wanderung durch das Weltall vereinigt sind. Die jetzige Entfernung des Sternhaufens beträgt etwa 500 Lichtjahre, und der ganze Schwarm erstreckt sich über einen Raum von 30 bis 40 Lichtjahren (etwa 350 Billionen Kilometer). lieber den Plejaden bemerken wir das Sternbild Perseus mit dem veränderlichen Doppelstern Algol, der am 18. Oktober um 1 Uhr nachts und am 22. Oktober um 22 Uhr günstig zu beobachtende Lichtrninirna zeigen wird. Ein Vergleich Algols mit den benachbarten Sternen läßt die Lichtabschwächung deutlich erkennen. Sie wird durch den um den Hauptstern kreisenden Begleiter hervorgerufen, der ungefähr Zweidrittel der Algolscheibe abblendet. An klaren Oktoberabenden erscheint die Milchstraße mit besonderer Deutlichkeit. Sie zieht von Den Zwillingen im Nordosten durch die Sternbilder Fuhrmann, Perseus, Kassiopeia, Cepheus zum Schwan, wo sie sich in aroei Arme teilt, von denen der westliche nahe der blauweiß strahlenden Weaa der hellere ist. Im östlichen Arm der Milchstraße leuchtet am Südwesthimmel Atair, der Hauptstern im Adler. Nahe dem Zenit bemerken wir die Sternreihe der Andromeda mit dem berühmten Andromedanebel, einem aus Milliarden Sonnen aus- gebauten fernen Milchstraßensystem, anschließend das Pegasussternbild, das aus einem Quadrat, dem sogenannten Großen Tisch, und einem Sechseck besteht. Die horizontnahen Gegenden des Südhimmels nehmen die Bilder Steinbock, Wassermann, Südlicher Fisch und Walfisch ein. Fomalhaut im Südlichen Fisch ist der südlichste, in Deutschland sichtbare Fixstern erster Größe. Er bleibt immer nur wenige Stunden über dem Horizont. Am Westhimmel strebt Arkturus im Bootes dem Horizont zu. Auch der Große Bär steht tief unter dem Polarstern und erscheint in dieser Stellung besonders groß, während der Kleine Bär am Polarstern hängt. Zwischen diesen beiden Bildern verfolgen wir die gewundene Sternreihe des Drachen, dessen durch ein Sternviereck bezeichneter Kops sich gegen den Herkules wendet. Iagdgau Oberhessen. Kreis Gießen. pflichlschau. Am Sonntag, 5. Januar 1936, findet in Gießen ein Kreisjägerappell statt, mit dem die Pflichtschau der Jahres strecke 1935 verbunden sein wird. Dazu ordne ich an: Auszustellen sind sämtliche im Jahre 1935 in dem Jagdkreis Gießen erbeuteten Geweihe und Gehörne sowie Keilerwaffen. Geweihe und Gehörne müssen aufgesetzt oder mit einer festen Aufhängevorrichtung verbunden sein. Jedes Stück muß folgende Angaben an sich tragen: Jagdbezirk, Tag des Erlegens, Gewicht, Nr. der Abschußliste. Ferner muß mindestens ein Unterkieferast fest mit ihm verbunden fein. Die Ablieferung der Stücke hat zusammen mit einer Abschrift Der Abschußliste, soweit sich diese auf männliches Wild bezieht, in der Zeit vom 1. bis 10. Dezember an den Hegeringleiter desjenigen Hegerings zu erfolgen, in dem der Jagdbezirk liegt (nicht des Wohnortes). Die Hegeringleiter haben an Hand der Abschußlisten zu prüfen, ob alle Stücke abgeliefert sind und ob sie den obigen Bedingungen entsprechen. Meldung hierüber und Ablieferung Der Gesamtstrecke des Hegeringes an mich hat in der Zeit vom 15. bis 20. Dezember zu erfolgen. Rücklieferung der Stücke an die Aussteller erfolgt am 5. Januar. Vorkommnisse in anderen Jagdkreisen veranlassen mich zu folgender Warnung: Es ist keine Unehre, sich bei der Durchführung des Wahlabschusses geirrt zu haben. Es ist eines deutschen Jägers aber un- würdig, Irrtümer durch Fälschungen (andere Kiefer u. ä.) verdecken zu wollen. Wer sich eines derartigen Betruges schuldig macht, kann der Deutschen Jagerschaft nicht mehr angehören. Iagdausübung. Die Ausübung der Hasenjagd gab seither in ver- schiedenen Revieren zu starken Beanstandungen Anlaß. Ich gebe daher folgende Richtlinien: Der Ab- schuß von Hasen auf dem Anstand hat möglichst zu unterbleiben. Wird er an der Waldgrenze des Nach- barrevieres ausgeübt, betrachte ich ihn als unweid- männisch und schreite gegen den betreffenden Jäger ein. In allen Revieren mit nennenswerten Hasen- strecken ist die Suchjagd möglichst einzuschränken, weil bei ihr zu viel angebleite Hasen verloren gehen. Der Hauptabschuß hat auf der Treibjagd zu erfolgen. Revierteile, in denen die Suchjagd ausgeübt wird, sind von der Treibjagd auszuschließen. Das in verschiedenen Revieren seither beliebte Verfahren, tage- und wochenlang zu suchen und dann noch eine ober gar zwei Treibjagden abzuhalten, ist durchaus zu verwerfen, und wird, wenn es in Zukunft wieder angewendet wird, Folgerungen aus § 37 ADO. Abs. 7 nach sich ziehen. — Ich erinnere Daran, daß ich bei dem letzten Jägerappell die Erwartung ausgesprochen habe, daß der Kreisjägermeister und der zuständige Hegeringleiter zu allen Treibjagden eingeladen werden. Ich muß Wert darauf legen, daß mir und meinen Hegeringleitern so die Möglichkeit gegeben wird, uns ein persön- lichesUrteil über jedes Revier, seinen Wildstand und die Art der Jagdausübung zu bilden. Wir werden versuchen, an möglichst vielen Jagden teilzunehmen. Mlbfütterung. Wildfütterung in Notzeiten ist gesetzlich verankerte Pflicht. Es ist zu spät, erst die Vorbereitungen für Fütterung zu treffen, wenn die Not schon da ist. Ein Mindestmaß von Fütterungsanlagen, vor allem auch für Hühner und Fasanen, muß in jedem Revier vorhanden sein. Unkosten erwachsen dadurch fast nicht. Die Art Der Vorbereitungen ist ein Prüfstein für Das weiDmännische EmpfinDen Des Revierinhabers. Ich werde Durch Stichproben feststellen lassen, was in den Revieren veranlaßt worden ist. Jagdaufseher. Das Reichsjagdgesetz hat die Stellung Der JagD- aufseher so grundlegend geändert, Daß eine Nachprüfung der seither als Jagdaufseher tätigen Per- fönen stattfinden muß. Diese ist auch deswegen notwendig, weil ein Jagdaufieher neben der An- erkennung Durch Das Kreisamt auch noch der Zu- ftimmung des Kreisjägermeisters zu feiner Tätia- feit bedarf. Ich fordere daher sämtliche im Kreise Jagdausübungsberechtigten auf, mir bis spätestens 20. Oktober schriftlich zu melden: Name, Beruf, Wohnort und Wohnung, Geburtstag ihrer Jagd- aufseher, ferner Dabei anzugeben, in welchem Jagdbezirk der Betreffende Jagdschutzberechtiyter sein soll und ob er im Besitze eines Jagdscheines und eines Jaaderlaubnis scheines ist. Jagdaufseher, die mir nicht gemeldet sind, werden ab 1. November von mir als nicht mehr bestätigt betrachtet und scheiden aus dem Jagdschutz aus. In der Meldung ist ferner anzugeben, wann und durch wen der Jagdaufseher auf den Jagdschutz verpflichtet worden ist. Nach Eingang der Meldung werden die Jagdausübungsberechtigten unmittelbare Nachricht von mir erhalten. Die von dem Kretsamt mit meiner Zustimmung verpflichteten Jagdaufieher unterstehen in Zukunft meiner Dienstaufsicht und werden im Laufe der nächsten Wochen durch mich in ihre Befugnisse eingeführt werden. Sollten Jagdaufseher meines Kreises die Berufsjägerprüfung abgelegt haben, so bitte ich Dies bei Meldung anzugeben. Plakettenschießen. Denjenigen Mitgliedern der Deutschen Jägerschaft, die am Plakettenschießen nicht teilgenommen haben, wird letztmals Gelegenheit geboten, dies nachzuholen. Das Schießen findet Samstag, 19. Oktober, von 13 bis 17 Uhr, auf den Schiehständen des Schützenvereins Gießen (Schützenhaus) statt. Ich mache darauf aufmerksam, daß das Plakettenschießen zu den Pflichtschießen gehört. Pistolen- und Schrotpatronen sind auf Den Ständen zu haben. Nicolaus, Kreisjägermeister. Oberheffen. Vergebliche Suche nach einem ausgebrochenen Sträfling. w Schotten, 3. Okt. Vor einigen Wochen ist aus dem Zuchthaus Rockenberg bei Butzbach ein Sträfling namens Lippert (schwerer Einbrecher) ausgebrochen, der hier in Der UmgegenD von Burkhards-Bilstein in Sträflingskleidern verschiedentlich gesichtet wurde. Gestern unternahm die Polizei in Verbindung mit dem Arbeitsdienst, der SA. und SS. eine Streife, die jedoch leider ergebnislos verlief. Bei der nun einfetzenden ungünstigen Witterung wird Der Verbrecher nicht lange mehr hier im Gebirge fein Unwesen treiben. Landkreis Gießen 4- Wieseck, 3. Okt. Aus betriebswirtschaftlichen OrünDen ist es bei Den Drei hiesigen Zigarren- fabriken üblich, zur Zeit Der Kartoffelernte einige Tage Kartoffelferien zu machen. WährenD zwei Betriebe bereits in Der vorigen Woche zwei Taae schlossen, hatte Die Rinnsche Fabrik ihrer Gefolgschaft Die Vorwoche freigegeben. VerwanDte unD befreunbete Familien haben sich in gegenseitiger Hilfe zu gemeinsamer Arbeit zusammengetan, so Daß Das Ausmachen schnell Donftatten geht. Oft wirD Das Heimfahren mit größeren HanDwagen vorgenommen. Die Kartoffelernte fällt trotz Der trockenen Sommerwitterung aut aus. Das ist mit Darauf zurückzuführen, daß fast alljährlich neues Saatgut verwendet wird. Neben der bekannten Industrie werden noch die krebsfesten Sorten Ackersegen und Ovalgelbe angebaut. Mehr als in früheren Jahren wurde heuer Winter- r ü b f e n gesät, der dank der feuchten Witterung gut aufgelaufen ist und einen guten Stand zeigt. Stoppelklee und -erbsen sind üppig gewachsen, so daß an Grünfutter kein Man- g e l herrscht. Die Dickwurz haben sich noch gut entwickelt und versprechen einen Ertrag wie in den besten Jahren. Vermehrt ist in diesem Jahre auch Wintergerste angebaut worden. Diese und auch der R o a g e n sind gut aufgegangen und stehen schon reihig. * R ö D g e n, 4. Okt. Der Rangieraufseher Heinrich Lippert von hier, der im Bahnhof Gießen beschäftigt ist, erlitt gestern bei seiner Arbeit einen Unfall. Der bedauernswerte Mann hat Brust- quetschungen erlitten und mußte in Die Chirurgische Klinik zu Gießen gebracht werben. wg. Großen-Buseck, 3. Okt. Gestern vormittag würbe bei reger Beteiligung ber (Semeinbe- mitglieber bas hiesige Gemeinbegelänbe links bes Burkharbsfelder Weges, in ber Maulborn unb in Der Unterstruth auf mehrere Jahre verpachtet. Die einzelnen Stucke waren burschnittlich 1000 unD 2500 Quadratmeter groß. Für je 1000 Quadratmeter wurden etwa 15 bis 18 Mark geboten. Die 2500 Quadratmeter großen Stücke, Die in Der Qualität sehr unterschieblich waren, rourDen mit 15 bis 40 Mark bezahlt. Sehr Geringwertiges GelänDe erbrachte nur 1 bis 5 Mark. Am Nachmittag rourDen auch Die GrunDstücke am Galgenberg unD Hessin, Die Der Gemeinde durch die Feldbereinigung zugeteilt wurden und im Laufe der nächsten Jahre aufgeforstet werden sollen, verpachtet. Hier wurden durchschnittlich für je 1000 Quadratmeter 1 bis 2 Mark erzielt. — In der jüngsten Gemeinderatssitzung verabschiedete Bürgermeister R e b h o l z Die seitherigen GemeinDeratsmitglieDer. In seiner Ansprache erinnerte er an alle Arbeit, Die im Laufe Des Jahres in uneigennütziger Weise zum Wohle Der gesamten Einwohnerschaft geleistet wurDe. Es hanDelte sich Dabei um Straßenbau, UmroanDhmg von Oeb- lanb in lanbwirtschastlich nutzbare Flächen, Kanalisa- tions- unb Wasserleitungsarbeiten, um bie Anlage eines Eisplatzes unb um bie Schmuckanlage auf bem Anger. Mancher Volksgenosse konnte baburch in seinem Beruf einen Teil feiner an bie Gemeinbe zu zahlenben Gelber aboerbienen. Trotz biefer vielen Maßnahmen ber Arbeitsbeschaffung, bie von ber Ge- meinbe bestritten würben, gelang es noch, Gemeinbe- schulben abzutragen. Der Gemeinberat könne sich, betonte Bürgermeister Rebholz weiter, mit gutem Gewissen allen benen zur Seite stellen, bie bas gesteckte Ziel bes Führers erkannten unb am Aufbauwerk mitarbeiteten. Mit einem Dankeswort an bie fcheibenben Gemeinberatsmitglieber unb mit einem Gebenken an ben Führer Abolf Hitler schloß ber Bürgermeister bie Versammlung. > Lollar, 3. Okt. Am Sonntag unternahm bie hiesige NS. -Frauenschaft einen Ausflug nach Dem Gleiberg. Mit bem Zuge gings zunächst nach bem Bahnhof Krofborf, von wo man sich zu Fuß nach ber Burg begab. Unter fröhlichen Liedern und anregendem Geplauder verbrachte man einige Stunden bei einer guten Tasse Kaffee, bis ber Zug die Frauen wieder heimwärts führte. — Der Turnverein Lollar entfaltet in letzter Zeit eine rege Tätigkeit. Auf dem Schießstand am Placken veranstaltet der Verein Sonntags ein Kleinkaliber - Preisschießen. Um ben Gebauten ber Körpererziehung weiteren Kreisen unserer Bevölkerung näherzubringen, würbe in ber „Germania" ein Gymnastikkursus eröffnet, ber von jebem Volksgenossen unentgeltlich besucht werben kann. öp Lich, 3. Okt. Nach bem Tobe bes Stabt- rechners ßubroig Häuserim vorigen Jahre würbe Herr Volz beauftragt, bie Kassengeschäfte bis zur befinitioen Besetzung ber Stelle zu ertebigen. In ber jüngsten Stadtratssitzung würbe nun bem Postschaffner Pg. Wilhelm Schäfer von hier burch bie Aufsichtsbehörbe nach Anhörung bes Stabtrats bie Stabtrechnerstelle kommissarisch übertragen. Da ber neue Stabtrechner sein Dienstverhältnis zur Reichspost erst lösen muß, können vor bem 1. November die Rechnergeschäfte von ihm nicht übernommen werden. Stabtrechner Schäfer wurde in ßich geboren als Sohn bes fürstlichen Gartenaufsehers Schäfer unb ist jetzt 40 Jahre alt. Er besuchte bie hiesige Volksschule unb erlernte nach seiner ^Konfirmation im Fürstlichen Mauerngarten bie Gärtnerei, später war er als Gärtner in Frankfurt a. M. tätig. Er nahm am Weltkrieg teil, trat nach Kriegsenbe in den Dienst der Reichspost und war bisher auf dem hiesigen Postamt beschäftigt. ch ß i ch , 3. Okt. Bei ber Versteigerung bes Obstes an ber Provinzialstraße nach ßangsborf würben recht hohe Preise erzielt. Es würben nur Aepfel versteigert. Für geringere Qualitäten würben 8 bis 12 Mark je Zentner bezahlt. Bessere Sorten kamen auf 12 bis 16 Mark, in manchen Fällen noch barüber. cxD Eberstabt, 3. Okt. Dieser Tage fanb hier an Der Provinzialstraße bie Obstversteige- rung statt. Die Preise lagen im Durchschnitt sehr hoch. Es kostete ber Zentner am Baum: geringe Sorten 6 bis 8 Mark: bessere, wie Golbparmäne, ßanbsberger« unb Hollanb-Renette 8 bis 12 Mark. Auch Birnen würben gut bezahlt. ♦ Bellersheim, 4. Okt. Das 12jährige Töchterchen ber Witwe Kopf von hier erlitt burch einen unglücklichen Sturz einen Bruch bes rechten Oberarmes. Das Kinb würbe zur Behandlung in bie Klinik nach Gießen gebracht. kreis Friedberg. ßPD. Friebberg, 3. Okt. In ber Gemarkung Melbach bemerkte ein junger Mann nachts auf bem Felde einen Kraftwagen unb mehrere Personen, bie sich auf bem Gemüfeacker zu schaffen machten. Er oerftänbiate sofort bie Polizei, ber es auch gelang, Die Felbbiebe zu stellen. Bei ber Durchsuchung bes Fahrzeuges würbe festgestellt, baß bie Langfinger, zwei Männer unb ein Frau aus Frankfurt a. M., schon mehrere Zentner Gemüse „geerntet" hatten. Sie würben Dem Amtsgericht FrieDberg zuaesührt. Wahrscheinlich ist auf Das Konto Dieses Kleeblattes eine ganze Reihe großer FelDDiebstähle, Die fid) in letzter Zeit in Der Wetterau ereigneten, zu buchen. kreis Schotten. < Schotten, 3. Okt. Bei Den in unserer ®e- genD abgehaltenen Ob st-Der st eigerungen machte sich Die Knappheit Des Obstes bemerkbar; es rourDen besonDers für Aepfel unb Zroetschen gute Preise geboten. * Laubach, 2. Okt. In ber Sitzung ber Ge« metnberäte, bie im Rathaussaale ftattfanb, würbe bie Verpflichtung ber sechs neu- bestimmten Ratsherren vorgenommen. Nach einleitenben Begrüßungsworten burch Bürgermeister H ö g y wies er Darauf hin, Daß nach Den Bestimmungen Der ReichsgemeinDeorDnung bie Ge- melnberäte eigenverantwortliche Berater bes Ge- meinbeleiters feien, woburch ihr Aufgaben- und Pflichtenkreis im Gegensatz zur früheren Zeit bedeutend erhöht worden fei. Der Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" müsse an erster Stelle stehen. Ein weiteres Erfordernis für eine gedeihliche Gemeindeverwaltung fei bie stete Einigkeit, bie als unbedingte Voraussetzung zwischen ben Rats- Herren unb bem Bürgermeister gegeben fein muß. Er forberte zum Schlüsse seiner Ausführungen jeberzeittges Eintreten für bas Wohl ber Stabt Lau- bach unb feiner Einwohner nach ben Grunbfätzen, wie sie unser Führer unb Dolkskanzler aufgestellt hat. Nach Leistung bes Treueibes wurden Den neuen Ratsherren Franz Gäbisch, Wilhelm Löwer, Willy M i cd e l, Karl Naumann, Heinrich Schmier und August V o n - E i f f Die AnstellungsurkunDen ausgehänDigt. Ein Sieg-Hell auf ben Führer beschloß bie Sitzung. Kreis Alsfeld. # Mücke, 2. Okt. Die durch bie Pflasterung ber Straße von hier nach Ruppertenrob bedingte Verkehrsumleitung über Groß-Eichen bzw. Wettfaassn — Merlau hat bie Umleitungsstraßen stark in Mitleibenschaft gezogen, ba ber Unterbau, wie überhaupt bie Beschaffenheit ber Fahrbahn ben Anforderungen bes heutigen Verkehrs nicht entspricht. Da ber umgeleitete Verkehr sich hauptsächlich über Groß-Eichen—Jlsborf abwickelte, würben bie Straßen zwangsläufig am meisten belastet unb abgenutzt. Nunmehr finbet eine stellenweise lieber- holung ber Fahrbahn mittels Beschotterung und Einwalzung statt. # Ober-Ohmen, 2. Okt. Jetzt würbe hier Das Obst an Der Ohm st raße öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert. Infolge stärkster Nachfrage lagen Die Preise ziemlich hoch, insbesondere waren bessere Sorten, wie Goldparmäne, besonders gefragt. Tafelobst stellte sich pro Korb (ungefähr 40 Pfund) auf 4 bis 6 Mark. Weniger wertvolle Sorten bzw. Wirfichaftsäpfel lagen im Preise niedriger, der Korb war schon von 1,50 Mark an zu haben' Tafelbirnen zeigten ebenfalls gute Preise (pro Korb bis zu 4 Mark) geringere Sorten billiger. Bei der Versteigerung des Gemeindeobstes bewegten sich Die Preise ungefähr auf Der gleichen Höhe, besonders gut behangene Bäume erbrachten auch demenfiprechende Preise von 40 bis über 60 Mark. *l* Ruppertenrod, 2. Okt. Unsere Gemeinde versteigerte jetzt ihr O b st. Bereits eine Woche vorher wurden Die Zwetschen verkauft. Obwohl man Dieses Jahr für Den Zentner beDeutenb höhere Preise als im vorigen Herbst bezahlte, rourDen Die Zroetschen erheblich billiger als voriges Jahr versteigert. Die Preise für Den Baurn lagen um Drei Mark. Ganz anDers war bie Preisgestaltung bei den Aepfeln. Man kann sagen, daß diese noch niemals so im Preise waren, rote in diesem Herbst. Durchschnittlich lagen bie Preise um brei Mark pro Korb voll. Der Behang ber Bäume war leiblich, für biefes Jahr vielleicht gut zu nennen. Ferner würbe bas Obst an den Provinzial- straßen rund um unseren Ort versteigert. Aus der weiteren Umgegend waren Leute in Menge erschienen. Dementsprechend lagen die Preise außerordentlich hoch. Leider wurden die Preise durch Händler sehr hochgetrieben, so daß manche Dorfleute leer ausgingen. — Die Straße Mücke — Alsfeld ist durch unseren Ort vollständig fertiggestellt. Da die Straße mitunter bis einen halben Meter höher zu liegen kommt, werden bedeutende Auffüllungen der Höfe und Zufahrten notwendig. Besonders die Neuanlage der Gossen wird noch geraume Zeit in Anspruch nehmen. Es fällt besonders der ausgezeichnete Ausbau der Kurven auf, die, wenn sie unter 60 Meter Radius haben, auf acht Meter verbreitert werden. Gegenwärtig wird an der Pflasterung der Strecke Ruppertenrod— Mücke gearbeitet. Bis diese Strecke fertig ist, dürften noch drei bis vier Wochen vergehen. Dann werden wir eine sehr gute Straße hoben. w Burg- u. Nieder-Ge'münden, 3. Okt. Bei den diesjährigen Ob st ver st eigerungen wurden trotz geringen Behangs nur verhältnismäßig niedrige Preise erzielt. Dies trifft besonders für die Versteigerungen an den Provinzialstraßen zu. Wirtschaftsobst konnte mit etwa 0,80 Mark je Korb voll (am Baurn gegen Barzahlung) erworben werden. Bessere Sorten wurden bis 2 Mark je Korb bezahlt. — Die Kartoffelernte ist hier schon beendets Die Erträgnisse blieben allgemein hinter den sonstigen Rekordernten zurück. Das Ergebnis kann als bestiedigend bezeichnet werden. — Mit der Aussaat des Winterroggens wurde schon bald nach Beginn der Kortoffelernte angefangen. Die junge Saat ist bereits aufgelaufen. — Zur Zeit sind die Landwirte mit der Dickwurz- ernte beschäftigt. Auch hier bleiben die Ergebnisse infolge des trockenen Sommers etwas hinter sonstigen Erntejahren zurück. — Die Aussaat von Weizen ist im Gange. —.— Homberg, 1. Okt. Am Samstag hatte der hiesige Silcherchor zu einem Konzertabend in der Stadthalle eingeladen. Anlaß hierzu war der Besuch des Männergesangvereins Münster - Sarnsheim. Mit dem Chor „Deutschland, heil'ger Name" begrüßte der Silcherchor seine Sangesbrüder von der Nahe und die übrigen Besucher. Der Präsident des Silcherchores, Herr Ihm, hieß dann die Sangesbrüder von Münster-Sarnsheim herzlich willkommen, begrüßte die Zuhörer und erwähnte, daß während der Rheinlandbesetzung Ausgewiesene des Gastoereins nach Homberg verschlagen worden seien. Seitdem beständen freundschaftliche Beziehungen zwischen beiden Vereinen. Der Abend sei dazu angetan, das freundschaftliche Band enger zu knüpfen. Der Vorsitzende des Münster-Sarnsheimer Vereins dankte für die herzliche Begrüßung und freundliche Aufnahme in Homberg. Als Geschenk überreichte er einen rebengefchmückten Korb mit deutschem Wein. Der Abend brachte dann eine Reihe von ausgezeichneten Darbietungen. Der Gastverein, wie auch der Chor des Gastgebers (Leitung: Lehrer Vieh- mann) brachten Lieder, zum Teil in schwierigem Satz, zum Vortrag und bereiteten den Zuhörern große Freude. Nach Beendigung des Konzertes begab man sich zu einem kameradschaftlichen Beisammensein jn den „Frankfurter Hof". Die Kapelle H i s s e r i ch verschönte den Abend mit guter Musik. Am anderen Vormittag wurden den Gästen die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten gezeigt. Am Nachmittag traten die Sänger die Heimreise an. Im kommenden Jahre will der Silcherchor einen Gegenbesuch im Rheinland machen. £ Groß-Felda, 3. Okt. Am vergangenen Samstag und am Sonntag fand im großen Saal des Gasthauses zur „Traube" eine Obstausstel - lung für den hiesigen Bezirk statt. Bei ausgezeichneter Beschickung wurde den Besuchern viel geboten. Am Eingang hatten die Imker ihren Stand. Neben Honig in vorschriftsmäßiger Verpackung wurden Waben in ihrer verschiedenen Entwicklung gezeigt. Einige Geschäftsleute hatten Einkochapparate, sowie Maschinen zum Verschließen von Blechbüchsen ausgestellt. Die Leistungsfähigkeit der hiesigen Obstbauzüchter zeigte sich besonders in den fertig verpackten Aepfeln in Kisten. Das Obst war nach Gruppen eingeteilt und wurde prämiiert. Auch die verschiedensten Obstweine waren zur Schau gestellt und bestanden die Prüfung der Kommission mit Erfolg. Die Gesamtleitung der Ausstellung hatte Obstbauinspektor Kurz, dem die Mitglieder des hiesigen Obstbauoereins zur Seite standen. Die Ausstellung dürfte ein Ansporn sein, sich dem Obstbau mehr als zuvor zu widmen. Die Schau war sehr gut besucht. <5 Grebenau, 2. Okt. Nachdem nun sämtliche genehmigten Tagewerke bei der Notstandsmaß- nähme der Gemeinde geleistet sind, konnten sämtliche Notstandsarbeiter in die neue, vom Arbeitsamt genehmigte Maßnahme beim Forst- amt Grebenau eintreten und dadurch ohne Unterbrechung ihre Arbeit fortsetzen. Genehmigt sind vom Landesarbeitsamt für diese neue Maßnahme 4435 Tagewerke. Der vom Arbeitsamt gezahlte tägliche Förderungssatz beträgt 2,80 Mark. Die tägliche Arbeitszeit beläuft sich auf acht Stunden, der Stundenlohn auf 0,43 Mark. Die Arbeiten erstrecken sich lediglich auf Wegebau. Zur Chaussierung kommt der Lauterbach-Lingelbacher Weg, Försterei Schwarz (öffentlicher Verbindungsweg von Lingelbach über Schwarz nach Lauterbach.) Zur Zeit werden in dieser Maßnahme 60 Mann aus 7 Gemeinden beschäftigt. Da gleichzeitig auch mit den Kulturarbeiten in den einzelnen Förstereien begonnen wird, konnte noch eine Anzahl Arbeiter eingestellt werden, die nicht in die Notstandsmaßnahmen kommen können. Während ein Teil der übrigen Arbeiter im Baugewerbe tätig ist, sind gegenwärtig keine Arbeitslosen hier vorhanden. — Bei der Obstverst e i g e r u n g an den hiesigen Provinzialstraßen kam der Zentner gutes Obst auf 8 bis 10 Mark, Wirtschaftsobst auf 6 bis 7 Mark. Kirche und Schule. IahreSfest des Oberhessischen Missions- Vereins für Basel. * Nidda, 2. Okt. Hier fand das Jahresfest des Oberhe s s ischen Mi s s ionsvereins für Bafel statt, das einen sehr anregenden Verlauf für die Gemeinde und die von auswärts erschienenen Teilnehmer nahm. Die Tagung begann mit einem Missions - gottesdienst, in dem Missionar R u f f, China, jetzt Frankfurt a. M., predigte. Daran schloß sich ein Missionskindergottesdienst. Der Gemeindeabend in der schönen erneuerten Kirche war gut besucht. Es hielten packende Ansprachen der Vorsitzende des ’Bertww, Pfarrer Gußmann (Kirchberg), Missionar Ruff und Dekan und Pfarrer S c r i b a (Nidda), der das Schluß- und Dankeswort sprach. Der Posaunenchor Wallernhausen verschönte die Feier durch seine Darbietungen. Am nächsten Morgen versammelten sich die Teilnehmer zur Jahresversammlung (auch Laien) in der Kleinkinderschule. Nach gemeinsamem Gesang und nach der stärkenden Ansprache von Pfr. Kalb Henn (Merlau) erstattete der Vorsitzende den I a h r e s b e r i ch t. Aus ihm war u. a. zu entnehmen: der Rechner des Vereins, Pfarrer S t a u b a ch , sowie der alte, treue Missionsfreund, Pfarrer Groh (Gießen), starben. Ihrer wurde in üblicher Weise dankend und ehrend gedacht. 120 oberhessische Gemeinden gehören jetzt dem Missionsverein als Mitglieder an. In Hungen fand die übliche Arbeitstagung statt, in Bad-Nauheim am 30.9. und 1.10.1934 die Jahresversammlung. An der Missionswoche in Basel nahmen zwei Kandidaten des Friedberger Predigerseminars teil, sowie Pfarrer R e u s ch (Leihgestern), der in interessanter Weise die in Basel empfangenen Eindrücke schilderte. Die Rechnungsablage des Rechners, Pfarrer K a l b h e n n (Merlau), dem für feine Mühe gedankt wurde, zeigte einen günstigen Kassenbestand. Pfarrer und Oberkirchenrat a. D. Ze ntgraf hielt dann den Hauptvortrag „Neues Licht über Luthers Bibelübersetzung aus den Erfahrungen der deutsch- evangelischen Mission". Die ganze Schwierigkeit der Fixierung und Uebersetzung einer völlig unbekannten Sprache, sowie die Genialität Luthers, der die Eindeutschung des Evangeliums schuf, wurde den Zuhörern plastisch vor Augen geführt. Der Vortrag wurde mit großem Beifall und Dank ausgenommen. Nach gemeinsamem, einfachen Mittagessen beendete eine kurze Vorstandssitzung die Tagung. — Tagung des Hessischen Sondergenchis in Mainz. Mainz, 1. Oktober. (LPD.). Das Hessische Sondergericht hielt in Mainz eine Sitzung ab, in der fünf Fälle zur Verhandlung standen. Der 45jährige Adam Kissel aus Mainz hatte am 5. August in einer Wirtschaft in Gonsenheim Äußerungen bezüglich der SA. getan, die geeignet gewesen wären, das Ansehen derselben aufs schwerste zu schädigen, wenn sie nicht in betrunkenem Zustande gefallen wären. Kissel wurde nach § 330a zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt, die durch die erlittene Untersuchungshaft verbüßt sind. — Der 26jährige Josef L e i ch n e r aus Mainz, der auf feiner Arbeitsstelle eine staatsfeindliche Bemerkung machte, wurde im Sinne des § 1 der Verordnung vom 20. Dezember 1934 zur Abwehr heimtückischer Angriffe auf die Reichsregierung zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Monat und eine Woche Untersuchungshaft tarnen in Anrechnung. Strafmildernd kam in Betracht, daß der Angeklagte im Sine des § 51,2 minderwertig ist. — Die 40jährige Ehefrau Margarete Bischoff aus Mainz hatte als Mitpatientin im Krankenhaus durch Aufstellung unwahrer Behauptungen Unruhe und Unmut hervorgerufen. Sie ist als frühere rührige Kommunistin bekannt, die auch heute noch das große Wort führen möchte. Sie wurde nach § 1 der Verordnung vom 20. Dezember 1934 unter Berücksichtigung ihres körperlichen und geistigen Zustandes zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. — Der 30jährige Heinrich Z u m b r o cf aus Westfalen hatte in Viernheim am 21. August in einer Wirt- schäft gröblich entstellte Tatsachen bezüglich des Führers und von Maßnahmen der Reichsregierung behauptet, die er von einem Manne hörte, der als ganz gefährlicher politischer Drahtzieher bereits steck- brieflich verfolgt wird. Zurnbrock hatte diese Behauptungen gedankenlos nachgeschwätzt. Er wurde zu 5 Wochen Gefängnis verurteilt, die als durch die Untersuchungshaft verbüßt angesehen wurden. — Der 32jährige Friedrich Karl L a nig II. in Gimbsheim hatte am 5. August in einer Wirtschaft eine abfällige Bemerkung bezüglich der Reichsautostraßen gemacht, die sich als grober Unfug herausstellte. Er wurde zu 3 Wochen Hast verurteilt, die als verbüßt erklärt wurden. „Billige'" Zigarrenfabrikanten erwischt. LPD. Lorsch, 3. Okt. Zwei hiesige Zigarrenfabrikanten hatten ihre Erzeugnisse unter U m - gehung der Tabakbanderolensteuer billig verkauft. Jetzt kam die Zollbehörde hinter dieses Verfahren. Wegen Hinterziehung der Banderolensteuer wurden beide fe ft genommen. Rundfunkprogramm. Samstag, 5. Oktober. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch — Gymnastik. 6.30: Buntes Morgenkonzert. In der Pause Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9: Nachrichten. 9.15: Konzert. 9.45: Prosa aus unserem Gau: „Du sollst nicht meckern!" Eine lehrreiche Begebenheit aus unseren Tagen. Von Ernst Eimer. 10.15: Schulfunk. 11.45: Bauernfunk. 12: Buntes Wochenende. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Buntes Wochenende. 14: Nachrichten. 14.15: Mitten im Werktag. 15: Eine Viertelstunde Kurzweil. 15.15: Jugendfunk. 16: Der frohe Samstagnachmittag. 18: Abend über dem Kaiserstuhl. Ein Herbstidyll. 18.20: Stegreifsendung. 18.30: Wir schalten ein! Das Mikrophon unterwegs. 19: Auftakt zum Erntedankfest 1935. Feierstunde am Fuße des Bückeberges. 19.45: Die Wochenschau des Zeitfünks. 20: Nachrichten. 20.10: Ruf der Jugend. 20.15: Aus dem Wartburgsaal Saarbrücken: Großer Bunter Abend. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.30: Tanzmusik zum Wochenende. 24 bis 2: Beliebte Weisen aus deutschen Operetten. Geschäftliches. „Bei Bernard kaust man Stoffe gut und preiswert", so lautet der Titel der Werbeschrift, welche die Firma Stoff-SpezialhauS Bernard & Sohn, Gießen, Plockstraße 14-16, der heutigen Nummer unseres Blattes beifügt. 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