Nr.M Erster Blatt 185. Jahrgang Dienstag, H.Iunl 1935 Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Giegener Familienblätter Heimat tm Bild - Die Scholle monats-Besugsprets: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsprechanfchlüffe «nter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7 Annahme von Anzeigen für die Miltagsnummer bis 8*/.Uhr des Vormittags Grundpreise für i mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Npf., für Text- anzeigen von 70mm Breite 60Npf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr (Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts» u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Deutschlands feepolitische Lage. Von Major a. O. von Keiser. London, 4. Juni. (DNB.) Der Führer der deutschen Flottenabordnuntz, Botschafter von Ribbentrop, wurde im Unterhaus von Außenminister Sir John Simon begrüßt. Anschließend stattete der Botschafter dem Ministerpräsidenten Macdonald einen Besuch ab und hatte bei der Admiralität eine Begegnung mit dem Marineminister. Die heute beginnenden Flottenbesprechungen werden durch den Außenminister formal eröffnet werden, doch nimmt Sir John Simon an den Besprechungen der Flottensachoerständigen nicht teil. Der Führer und Reichskanzler hat in seiner großen außenpolitischen Rede vor dem Deutschen Reichstag bindend erklärt, daß Deutschland unter keinen Umständen beabsichtige, in eine neue Flottenrivalität einzutreten, und daß es sich mit einer Flotte in Stärke von 35 v. $). der englischen begnügen wolle. Damit ist klar zum Ausdruck gebracht, daß Deutschland zur See keine anderen Ziele verfolgt als den unmittelbaren Schutz seiner Küsten gegen etwaige feindliche Angriffe. Gleichzeitig aber bedeutet die Erklärung des Führers, daß Deutschland auch in seiner Flottenpolitik nicht auf Gleichberechtigung und Sicherheit verzichtet, wenn es in Beherzigung der Lehren des Weltkrieges die Grenzen erkennt, die ihm durch feine seepolitische Lage nun einmal gezogen sind. Denn Deutschlands Lage zum Weltmeer ist eine außerordentlich u n g ü n st i g e. Seine Seefronten, sind äußerst schmal und liegen nicht direkt am Ozean, sondern an zwei Nebenmeeren: ein wirklich freier Zugang zum Weltmeer fehlt, weil der Weg dahin durch Meeresstraßen führt, die durch eine überlegene Flottenmacht leicht g e - sperrt werden können. Diese Tatsache im Verein mit der Einkreisungsmöglichkeit zu Lande, die durch Deutschlands Lage mitten zwischen den stärksten Mächten des Erdteils gegeben sein wird, hat bekanntlich im Weltkriege die Abschnürung Deutschlands von jeder Zufuhr von Lebensmitteln und Rohstoffen ermöglicht und damit zu dem unglücklichen Ausgang des Krieges beigetragen. Wir können heute die Politik der deutschen Vorkriegsregierungen kaum noch begreifen, die trotz der offenkundigen Blockadegefahr Deutschland in scharfen Gegensatz sowohl zu dem meerbeherrschenden England wie zu dem getreidereichen Rußland brachte und damit einerseits die Sicherheit der Zufuhr von Uebersee, andererseits die Einfuhr von Lebensmitteln auf dem Landwege in Frage stellte. Und um das Unglück voll zu machen, wurde gleichzeitig die deutsche Landwirtschaft, auf deren Stärke und Produktionsfähigkeit nun allein die Ernährung des deutschen Volkes im Kriege ruhte, durch eine Wirtschaftspolitik, die einseitig auf eine übersteigerte Ausfuhr unserer industriellen Erzeugnisse abgestellt war, immer weiter geschwächt. Dieser kurze Rückblick war nötig, um die Abhängigkeit der Daseinsgrundlagen des deutschen Volkes von Deutschlands seepolitischer Lage deutlich oufzuzeigen. Diese Abhängigkeit wurde von den Siegerstaaten in Versailles bewußt dadurch erhöht, daß sie dem deutschen Volke seine besten Aqrarprovinzen nahmen bzw. vom Reiche ob chnitten und damit die Ernährung des deutschen Volkes weiter erschwerten. In diesem Bestreben wurden sie von den sozialdemokratischen Machthabern, die nichts aus den Lehren des Krieges gelernt hatten, durch fast völlige Zugrunderichtung der deutschen Landwirtschaft wirksam unterstützt. Erst die heutige nationalsozialistische deutsche Regierung ging mit aller Kraft daran, durch eine weitschauende Agrar- und Siedlunaspolitik die Produktionsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft so weit zu heben, daß sie das deutsche Volk im Falle einer erneuten Blockade aus eigener Kraft ernähren kann. Auch in der Frage der Rohstoffe geschieht alles, um mit Hilfe deutschen Erfindungsgeistes unsere militärische Verteidigung nach Möglichkeit von ausländischer Einfuhr unabhängig zu machen, was bei dem Mangel an gewissen für die Kriegsversorgung lebenswichtigen Stoffen freilich mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. Am wichtigsten aber für das Wohl des deutschen Volkes ist es, eine außenpolitische Lage zu schaffen, die eine derartige Absperrung Deutschlands vom Weltmarkt wie im letzten Kriege unmöglich macht. Dazu gehört vor allem ein freundschaftliches Verhältnis zu der stärksten europäischen Seemacht, dem Britischen Reiche. Darum die weise Beschränkung der Stärke unserer Flotte auch im Zeichen der Gleichberechtigung und die für unsere Außen- und Flottenpolitik grundlegenden Worte des Führers: „Die deutsche Regierung hat die aufrichtige Absicht, alles zu tun, um zum britischen Volk und Staat ein Verhältnis zu finden und zu erhalten, das eine Wiederholung des bisher einzigen Kampfes zwischen beiden Nationen für immer verhindern wird." Eine deutsche Flotte, die der englischen um das Dreifache unterlegen und auch schwächer als die französische ist, kann selbstverständlich weder für England noch für sonst einen Staat jemals eine Drohung bedeuten. Sie stellt nur das Mintz e st m a ß dar, das zur Aufrechterhaltung unserer Sicherheit zur See dringend erforderlich ist. Denn Deutschland bedarf für fast jeden Fall einer kriegerischen Verwicklung in Europa einer leistungsfähigen Flotte, um seine Küsten zu schützen und d-n Seeweg nach dem vom Reiche abgeschnittenen O st p r e u h e n aufrecht zu erhalten. Frankreich und das Lustlocarno. Außenminister Laval nimmt die Fühlung auf. — Deutschlands Einwendungen gegen die französisch-sowjetrufsische Militärallianz. Paris, 4. Juni (DNB. Funkspruch). Nach zehn Tagen innerpolitischer Krise, die das Interesse der Öffentlichkeit von der Außenpolitik auf die brennenden Fragen der Währung und der finanziellen Schwierigkeiten abgelenkt hatten, beginnt man im Quai d'Orsay wieder aktiv zu werden. Außenminister Laval hatte am Montag Besprechungen mit den Botschaftern von Deutschland und Sowjetrußland. Man wertet diese Unterhaltungen als Auftakt von Bemühungen, Frankreich wieder in die diplomatischen Verhandlungen einzuschalten. Das Regierungsblatt „Petit Parisien" greift auf die aroße Führerrede zu» rück. Es erklärt, Hitlers Anregungen feien in Varis dahin beurteilt worden, daß sie gewisse Ausblicke eröffneten. Sie dürften nicht in Bausch und Bogen und nicht ungeprüft abgelehnt werden. Diese Tendenz, die „Annäherungsversuche" Deutschlands nicht abzuweisen, tue sich bereits kund. In London hätten die deutsch-englischen Flottenbesprechungen begonnen, und in Paris habe sich Laval mit dem deutschen und dem sowjetrussischen Botschafter unterhalten. Man dürfe annehmen, daß diese Besprechungen sich auf die deutsche Auffassung von den Auswirkungen des französifch-sowjetrufsifchen Paktes auf den Locarno vertrag bezogen hätten. Die Juristen des Quai d'Orsay legten die letzte Hand an die französische Antwort. Weiter habe man sich wahrscheinlich über die Frage des D ft - pattes unterhalten. Die Betrachtungen der sehr gut über die Vorgänge im französischen Außenministerium unterrichteten Blätter „Echo de Paris" und „Oeuvre" befassen sich eingehend mit dem Plan eines Luft- l o c a r n o , dem sie alle möglichen Bedenken entgegensetzen. Pertinax unterstreicht, daß es sich bei dem Vorschlag eines Luftpaktes im Westen, wie er in der Erklärung vom 3. Februar enthalten sei, nur um einen Teil einer Regelung zur Festigung des europäischen Friedens handele. Die anderen Kapitel beträfen Abkommen über die Landstreitkräfte, den Nordostbeistandspakt, das Donauabkommen und die Rückkehr Deutschlands nach Genf. Während London und Rom bereit seien, den Westluftpakt gesondert zu behandeln, sei Laval der Auffassung, daß nicht unterzeichnet werde und in Kraft trete, wenn nicht über alle aufgeworfenen Fragen eine Einigung mit Berlin zustande komme. Dafür habe d e r s o w j e t - russische Botschafter am Montag die Zu- Sicherung erhalten. Oer rote Gürtel um Paris verstärkt sich. Paris, 3. Juni. (DNB.) Die Stichwahlen zum Generalrat des Seine-Departements am Sonntag haben der fozialiftisch-kom- munistischen Einheitsfront einen glatten Sieg eingetragen. Es galt, in den Landgemeinden 50 Generalräte zu wählen, die sich zu den 90 Pariser Stadträten gesellen. Die Kommuni st en allein haben 29 Sitze für sich erobern können, das sind 19 mehr, als sie bisher besaßen. Die Landgemeinden stellten früher nur 40 Generalräte. Die neuen zehn Sitze haben die Kommunisten allein für sich gewonnen und außerdem noch neun. Die S o z i a l i st e n , die in einer Front mit den Kommunisten in die Stichwahl gezogen sind, haben nur zwei Sitze hinzugewinnen können. Mit sieben Sitzen sind sie um eine Stimme schwächer als im alten Generalrat. Die unabhängigen Sozialisten verloren zwei Sitze, und die Radikalsozialisten ihre sämtlichen drei Sitze. Die übrigen Parteien haben ihre Sitze im Generalrat behaupten können, aber bei der erhöhten Zahl der Sitze ist dies praktisch ein Verlust. Französische jniiiatioc in derü Hrungssrage? Paris, 3. Juni. (DNB.) Finanzminister Caillaux hat einen Ausschuß zur Reform des Finanzmarktes eingesetzt, der aus vier Mitgliedern, darunter dem Syndikus der Wechselmakler und dem Vorsitzenden des Verbandes der zur Wertpapierbörse zugelassenen Bankiers besteht. Der Ausschuß soll die Bedingungen für die Gründung einer Art Bankierkammer ausarbeiten, die die Oberaufsicht über sämtliche zum Börsenhandel zugelassenen und zuzulassenden Wertpapiere ausüben soll. Wer außerhalb der Bankierkammer irgendwelche Wertpapiere auszugeben versucht, soll 'strenge Strafen zu gewärtigen haben. Ferner ist die Einsetzung eines Kammerausschusses beabsichtigt, der Ausgabebeschränkungen und Einsparungen am Haus- halt Vorschlägen soll. Finanzminister Caillaux hatte am Montag eine Unterredung mit Ministerpräsident Bouisson über den finanziellen Teil der Regierungserklärung, in dem die Notwendigkeit der restlosen Aufrechterhaltung des Währungsstandes und der schleunigen Herstellung des Gleichgewichtes zwischen Ausgaben und Einnahmen betont werden soll. Caillaux will den Franc verteidigen und die Finanzlage Frankreichs bessern, auch im Hinblick auf die internationale Währungslage. Er will sich bemühen, durch einen Versuch der allgemeinen Eingliederung (alignement) der Währungen eine größere finanzielle Stabilität zu verwirklichen. Man bezeichnet Caillaux als den geeigneten Mann, der in diesem Sinne die Initiative zu einer internationalen Währungskonferenz ergreifen könnte. Caillaux hat allerdings betont, daß dies nicht seine Aufgabe sei, jedoch bleibe anzuerkennen, daß d t c Ankurbelung der Weltwirtschaft weit- gehend gefördert werden würde, sobald dis übrigen Nationen unter Anerkennung der Vorteile, die die Erhaltung der französischen Währung mit sich bringt, gemeinsam beschließen würden, sich zwecks internationaler Stabilisierung der Währungen zusammenzutun. Während Caillaux erklärt hat, er werde sich bemühen, eine allgemeine Angleichung der Währungen zu erzielen — eine Bemerkung, die in Parlamentskreisen wegen ihrer Unklarheit eine gewisse Beunruhigung ausgelöst hat —, erklärte der frühere Inspektor der Finanzen, Giscarde d'Eft dinge, in Marseille vor Kaufleuten und Industriellen, die Währungsexperimente, die Belgien sowie vorher Großbritannien und die Vereinigten Staaten gemacht hätten, könnten den Anschein erwecken, daß die Abwertung ein wirksames Mittel gegen wirtschaftliche Schwierigkeiten sei. Diese Währungsabenteuer hätten im allgemeinen die Lage jedoch nur verschlimmert. Die neueste Form der Währungsideologie erscheine nun unter der Bezeichnung einer künftigen Währungsangleichung. Sie sei aber ebenso gefährlich wie die vorausgegangene Ideologie, die den heutigen Zustand herbeigefübrt hätte. Wenn die Vereinigten Staaten und Großbritannien ihre Währungen u m etwa 40 v. H. abgewertet hätten, so dürfe man nicht vergessen, daß Frankreich als Folge des Krieges eine Kürzung seines Währungsgehaltes um 80 v. H. vorgenommen habe. Man dürfe derartige Währungsopfer nicht zur Regel machen, da sich das Tempo der Abwertung nur steigern würde, ohne tatsächlich Abhilfe zu bringen. Allein in der Ostsee gibt es im ganzen zehn Anlieger st aalen mit einer Fülle von wider- streitenden Interessen, die einen kriegerischen Konflikt jeder Zeit möglich machen, in den Deutschland auch wider seinen Willen hineingerissen werden könnte. Hier in der Ostsee würden daher voraussichtlich in einem künftigen Seekriege — und jeder denkbare europäische Konflikt würde ja nicht nur zu Lande, sondern auch zur See ausgefochten werden — die Hauptaufgaben unserer Flotte liegen. Um so mehr wird das der Fall fein, als an der 900 Kilometer langen Ostseeküste die See fast durchweg bis an die Küste befahrbar ist und mit Ausnahme von Königsberg, Stettin und Flensburg alle Küstenstädte von den weittragenden neuzeitlichen Schiffsgeschützen beschossen werden können, während an der verhältnismäßia kurzen Nordseeküste die Verteidigung durch die vorliegenden Inseln und Watten sehr erleichtert wird und die wichtigsten Küstenstädte, Hamburg und Bremen, über 100 Kilometer von dem offenen Meere entfernt liegen. Die Ziele unserer heutigen Flotte sind also erheblich e n g e r gesteckt als die der deutschen Weltkriegsflotte, die damals die zweitstärkste von allen Flotten war. Sie hat bis auf weiteres keine Kolonien zu schützen und kann auch nicht mehr daran denken, eine etwaige Blockade einer Großflotte mit Gewalt zu brechen, was ja auch der deutschen Flotte des Weltkrieges nicht gelungen ist. Sie wird aber, befreit von den schmählichen Ausnahmebestimmungen von Versailles, die ihr neben anderen schwersten Beschränkungen U-Boote und Flugzeuge völlig untersagte, imstande sein, die ihr verbliebenen Aufgaben des Küstenschutzes und der Sicherung der Verbindung O st preußens mit dem Reiche zu erfüllen. Eine kampfkräftige Flotte wird immer von höchster Bedeutung für unser Schicksal fein, denn sie ist ein wirksames Mittel, um fremde Seemächte von einem Angriff auf Deutschlands verwundbare Küsten abzuschrecken und so die Neutralität und den Frieden des Reiches zu schützen. Der 20. Geburtstag König Georgs. Große Parade.— Glückwunsch des Führers. London, 3. Juni. Am heutigen Montag wurde in allen Teilen des britischen Weltreichs der 7 0. Geburtstag Königs Georgs gefeiert. Der König hatte sich von feiner Krankheit soweit erholt, daß er an der großen Parade teilnehmen konnte. Es war dies feit 3 Jahren das er st e- m a l, daß der König einer Parade beiwohnte. Bei herrlichstem Wetter bewegte sich der Zug des Königs durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt, die von einer vieltausendköpfigen Menge umsäumt waren, um dem einzigartigen militärischen Schauspiel beizuwohnen. Unbeschreiblicher Jubel begleitete den König auf seinem Wege vom Schloß zum Paradeplatz. Die Königin nahm in ihrem Wagen in Begleitung ihrer Schwiegertöchter und ihrer beiden kleinen Enkelinnen an dem Aufzug teil. Der König trug Uniform und ritt in Begleitung einer vier Söhne, weiterhin sah man ver- chiedene indische Fürsten in ihren herrlichen Umarmen sowie die ausländischen Militärattaches. Auf dem Paradefeld hatten etwa 2 0 0 0 Mann d e r Garden mit sechs Musikzügen Aufstellung genommen. Nachdem die Truppen am König vorbeimarschiert waren und der Salut gefeuert worden war, setzte sich der König selber an die Spitze der Truppen und begab sich zum Buckingham- Palast zurück. Der Führer und Reichskanzler hat S.M. dem König von Großbritannien anläßlich seines Geburtstages folgendes Telegramm übermittelt: „Ew. Majestät bitte ich zum Geburtstag meine aufrichtig st en Glückwünsche entgegenzunehmen. Zugleich erneuere ich meine besten Wünsche für das persönliche Wohlergehen Ew. Majestät und das weitere Gedeihen des britischen Reichs. Bankferertage m Danzig. Danzlg, 4. Juni. (DNB.) Die Pressestelle des Danziger Senats gibt bekannt: „Veranlaßt durch tendenziöse Gerüchte hat sich in den letzten Tagen ein Teil der Danziger Bevölkerung beunruhigen lassen. Infolgedessen fanden gestern (Montags ungewöhnliche Devisenabzüge statt. Um einen geordneten Zahlungsverkehr weiter zu gewährleisten und Beruhigung einlreten zu lassen, hat der Senat beschlossen, einige Vankfeiertage gesetzlich sestzulegen. hierzu wird Dienstag um 18 Uhr der Präsident des Senats eine erläuternde Erklärung abgeben." Oie Unabhängigkeit der Rechtswahrung. Reichsminister Or. Frank spricht in Königsberg. Königsberg, 2. Juni. Auf der Gautagung des Gaues Königsberg-Marienwerder des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen erklärte der Reichsjuriftensührer, Reichsminister Dr. Frank, u. a.: Ich möchte mit aller Klarheit betonen, daß der Führer sowie die Reichsregierung und auch die Reichsleitung der NSDAP, sich eins weiß mit dem deutschen Volk in der Erkenntnis der Notwendigkeit, die richterliche Unabhängigkeit mit allen Machtmitteln des Gesetzes und des staatlichen Aufbaues zu schützen. Denn wir sehen in dieser richterlichen Unabhängigkeit ein Fundament des Glaubens an den Staat unseres Führers. Diese Unabhängigkeit des Richters soll aber auch gerade ein Kennzeichen dafür sein, daß der Staat Adolf Hitlers ein reines Gewissen besitzt. Denn ein Staat, der ethisch stark ist, kann den unabhängigen Richter ertragen. Wir beobachten in diesen Tagen außerhalb unserer Grenzen Ereignisse, die zeigen, daß man die Unabhängigkeit eines Richters dann beseitigt, wenn man im eigenen Lande Dolksstümme vernichten oder ausrotten will, deren kulturelle Ueberlegenheit eine Gefahr bedeutet. Wir haben im Deutschen Reich dem deutschen Richter die Unabhängigkeit gewährleistet gerade deshalb, weil wir an seine Mission glauben, Führer im sozialen Aufbau, Führer in den Spannungen, die zwischen den einzelnen Volksgenossen bestehen, zu sein, ja auch Ausgleichsfaktor zwischen dem Staat und dem Bürger zu sein. Dieser Unabhängigkeit des Richters entspricht die Unabhängigkeit des freien Rechtsanwalts. Auch hier muß mit aller Deutlichkeit erklärt werden, daß jeder Angriff auf diese Freiheit der Anwaltschaft abgeschlagen wird und diese Freiheit von einem starken Staate, wie dem Adolf Hitlers, ebenso als ein Bestandteil der Gemcinschaststultur dieser Zeit geschützt wird. Wir haben diese große Ausgabe der Herausschälung eines stolzen Rechtswahreritan- des allerdings immer der einen ganz großen Voraussetzung zu unterstellen, daß die Rechtswahrer des Dritten Reiches selbst Repräsentanten der nationalsozialistischen Weltanschauungin ihrer Verpflichtung dem Schicksal des Volkes gegenüber sind. So kann es auch in der deutschen Justiz nur eine Linie, nämlich die der NSDAP, geben. Es ist nicht möglich, daß man hier einerseits von Repräsentanten der Partei und anderseits von Repräsentanten des Staates spricht. Auch hier ist die Einheit gegeben, die der Nationalsozialismus in feinem Primat, die Rechtspolitik zu bestimmen, sichert. Der Redner kam bann auf bas Nasse- recht zu sprechen und erklärte, daß Konzessionen auf diesem Gebiete schon um deswillen nicht zu erwarten sind, weil ja von der Lösung der Rassenfrage die Zukunft unseres Volkes abhängt. Noch heute sind in Berlin über 40 v. H. der Anwälte Juden. Man kann also nicht jagen, daß wir brutal oder grausam vorgegangen wären. Wir haben also unermüdlich dafür zu sorgen, daß keine weitere Verschlechterung der Lage des deutjchstämmigen Rechts- Wahrernachwuchses eintritt. Das deutsche Recht hat der deutschen studierenden Jugend vorbehalten zu bleiben. Hitlerjugend und Religiosität. Deutsche Morgenfeier im Rundfunk. Berlin, 2 Juni. (DNB.) Der Deutschlandsender veranstaltete am Sonntagvormittag eine Deutsche Morgenfeier der Hitler-Jugend, mit der die Reihe der sonntäglichen Weihe stunden, die die HI. im Rundfunk gestaltet, eröffnet wurde. Der Reichsjugeno- f ü h r e r sprach über „Hitler-Jugend und Religiosität". Baldur von Schirach wandte sich gegen die Kreise, die die HI. als gottlose Bilderstürmer und Ketzer verleumdet hätten. „Wir haben zu tiefen Anteil am wahren religiösen Erlevnis dieser Zeit als daß wir von Menschen beleidigt werden könnten, die trotz allen Vorgebens außerhalb dieses Erlebnisses stehen. Wir alle glauben an einen allmächtigen Gott. Denn wir alle, auch die Jüngsten von uns, sind Zeugen der wunderbaren Wandlung von der Ohnmacht und Zerrissenheit zur Kraft und Eintracht. Die HI. will nichts anderes, als diese Kraft und Eintracht für alle Zukunft sicherzustellen. Indem sie an der Einigung der Jugend arbeitet und alles Trennende vereint, in ihrer Gemeinschaft überwindet, wird auch der kleinste Angehörige ein Werkzeug des göttlichen Willens. Das Erlebnis der Kameradschaft und der Einigkeit ist für uns nicht nur ein politisches, sondern auch ein religiöses. Niemand hat das Recht, ein solches Erlebnis mit niedrigen Anwürfen zu beschmutzen, am wenigsten derjenige, der selbst mit religiösen Dingen politische Geschäfte macht. Wir meinen dem Allmächtigen zu dienen, wenn wir mit unseren jungen Kräften versuchen, Deutschland wieder einig und groß zu machen. Uns erscheint dieser Dienst am ewigen Deutschland als ein wahrer treuer Gottesdienst." Baldur von Schirach schloß mit dem Gelöbnis, daß die HI. gottverbunden sei wie keine zweite Jugend, daß sie ihre religiöse Haltung von niemand anzweifeln lasse, und daß sie in ihrer Treue zu Gott, zum Führer und zu Deutschland sich von niemanden beschämen lassen werde. Abgrenzung der Menteikslasten. Die Rechtsprechungsbeilage der „Deutschen Richter - Zeitung" enthält bemerkenswerte Entscheidungen. So entspricht es den Grundgedanken des Erbhofgesetzes zweifellos, wenn das Reichsgericht dahin erkannt hat, daß die Alten- teilslaften auf einem Erbhof nur fo hoch fein dürfen, daßderHoffelbstlebens- fähig bleibt. In dem Prozeß verlangt der Altenteilsberechtigte die ihm aus einem 1925 geschlossenen Vertrag zustehenden Ansprüche, obgleich die Verhältnisse des Erbhofes durch den Zusammenbruch der Landwirtschaft, wie er sich mehrere Jahre unaufhaltsam vollzogen hat, gegenüber 1925 sich völlig geändert hatten. Die erstinstanzlichen Gerichte hatten dem Anspruch stattgegeben, weil eine so katastrophale Wirtschaftsänderung, wie sie etwa die Inflation gebracht habe, seit 1925 nicht eingetreten fei. Das-Reichsgericht hat indessen auf Herabsetzung der Altenteilsansprüche er« kann t, weil die Billigkeit die verlangte Aenderung erfordere. Dazu bedürfe es nicht erst einer so grundstürzenden Veränderung, wie sie die Geldentwertung des Jahres 1923 war, denn sonst würde eine Herabsetzung von Altenteilsforderungen auf die nach dieser Zeit vereinbarten Leistungen ganz oder nahezu völlig ausgeschlossen sein. Der Niedergang der Landwirtschaft sei ferner nicht einer Konjunkturschwankung gleichzusetzen, vielmehr in seinen Grundlagen uno seinem Ausmaße von solch allgemeiner Bedeutung, daß eine umfangreiche Gesetzgebung zum Schutze der Landwirtschaft notwendig geworden fei. Wie im Vorspruch des Reichserbyofgesetzes besonders heroorqehoben werde, wolle die neue Gesetzgebung das Bauerntum erhalten und die Bauernhöfe vor Ueberfchuldung schützen, weil man die außerordentliche Bedeutung des Bauerntums für das Bestehen des Volkes und des bäuerlichen Besitzes für die Volkswirtschaft erkannt habe. Da es sich hier um einen Erbhof handele, so könne bei der Entscheidung nach Billigkeit nur der Richtpunkt gegeben sein, daß unter billiger Berücksichtigung der Verhältnisse der Beteiligten stets so zu entscheiden sei, daß der Hof bei Kräften bleibt. Dieser das Reichserhofgesetz beherrschende Gedanke müsse auch gegenüber Altenteilsansprüchen durchgreifen. Das Altenteilsrecht in der früheren Höhe ließe sich daher nur bann redjfertigen, wenn die damals vereinbarte Leistung den Hof nicht gefährde. Kleine politische Nachrichten. Im Kreise der Ehrengäste beim Gautag in Darmstadt weilten am Sonntag als Vertreter der Wehrmacht auch Generalmajor Lüdke und eine Anzahl Stabsoffiziere des Reichsheeres. In unserem gestrigen Bericht war die Zeile mit dieser Angabe infolge eines Setzfehlers fortgeblieben. * Zur Beisetzung des SS.-Standartenführers Ostberg in München war der Führer selbst gekommen, um dem verdienten Kämpfer die letzte Ehre zu erweisen. Nach der kirchlichen Einsegnung würdigte Gauleiter Wagner das opfervolle Leben Ostbergs als Kämpfer der Bewegung. Dann legte der Führer persönlich einen Kranz nieder und sprach den Hinterbliebenen seine innigste Teilnahme aus. * Wie das Reichs- und preußische Ministerium des Innern mitteilt, sind bis Ende März 1935 a n Ehrenkreuzen des Weltkrieges verliehen worden: Für Frontkämpfer 3 648 763, für Kriegsteilnehmer 530 035, für Witwen 176 973, für Eltern 193 085. Die Gesamtzahl beträgt hiernach 4 548 856. * Der persönliche Konflikt zwischen dem Führer der Kleinlandwirtepartei, Tibor Eckhardt, und Ministerpräsident G ö m b ö s ist beigelegt worden. Tibor Eckhardt hatte dem Ministerpräsidenten auf Grund bestimmter Mitteilungen des Grafen Bethlen eine Forderung zugehen lassen. Die Sekundanten der beiden Parteien traten zu einer Unterredung zusammen, es gelang, eine freundschaftliche Erledigung des Zwischenfalles zu erreichen. Oie Ablehnung der Kriseninitiative in der Schweiz. Keine W»rtschastsexperimente. - Verteidigung des Kranken. Das Ergebnis des Volksbegehrens. Basel, 3. Juni. (DNB.) Die Krisen- initiative, welche außergewöhnliche Maßnahmen zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Krise und Not vom Bundesrat forderte, ist am Sonntag, w i e bereits kurz gemeldet, vom Schweizer Volk mit 564 858 Neinstimmen gegenüber 425 349 Jastimmen, also mit einer Mehrheit von rund 139 000 Stimmen, verworfen worden. Die Beteiligung an der Abstimmung war noch höher als bei der" Abstimmung über die Wehrvorlage. Auch das notwendige Ständemehr, das sich aus dem Unterschied der annehmenden und ablehnenden Kantone ergibt und das für Verfassungsartikel vorhanden fein muß, liegt für die Ablehnung vor, indem 18 Kantone die Kriseninitlative verwarfen und nur vier sie annehmen. Letzteres taten, mit allerdings nur schwacher Mehrheit, die Kantone Schaffhausen und Solothurn sowie die Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Land, ferner mit einer Mehrheit von 12 000 Stimmen der Kanton Bern, nämlich 90 634 Jastimmen gegen 78 443 Neinstimmen. Hier hat teilweise die sozialistische Mehrheit, teilweise die starke Anhängerschaft der Freigeldbewegung den Ausschlag gegeben. Auch die Bundesstadt selbst hat die Initiative gutgeheißen, ebenso die Stadt Biel, ein Zentrum der Uhrenindustrie, infolge ihrer sozialistischen Mehrheit. Genf hat dagegen genug an sozialistischen Experimenten. Hier sind den 13648 Jastimmen 20 237 Neinsager gegenübergetreten. In Zürich, das kürzlich bei den Regierungsratswahlen die Marxisten zurückdrängte, stehen 82 820 Neinsager 79 974 Jastimmen gegenüber Von der Ostschweiz seien erwähnt der Kanton Thurgau (Frauenfeld), trotz der Notlage der Stickereiindustrie, mit 20 803 Nein- gegenüber 12 392 Jastimmen und St. ©allen mit 41 634 Nein- und 24 726 Jastimmen. Der stark katholische Kanton Luzern ist ebenfalls der Neinparole stark gefolgt mit 32 715 Nein- gegenüber 13 525 Jastimmen. Die m e i st e n Neinsager hat der bäuerliche Kanton Waadt (Lausanne) aufgebracht, nämlich 61982 bei nur 29 920 Jasagern. Auch Graubünden (Chur) hat, obwohl sein Vertreter im Parlament zu den Anhängern der Initiative und ihren starken Befürwortern gehört, diese mit 15 lo9 Nein-Stimmen gegenüber 13 464 Jastimmen verworfen. Daß der Kanton Tessin (Bellinzona) von solchen Experimenten, wie sie die Initiative vorschlägt, nichts wissen will, geht aus seinen 20159 Nein- gegenüber 10 997 Jastimmen deutlich hervor. Die bäuerlichen Kantone der Jnnenschweiz sind auch diesmal ihrem traditionellen Nein treu geblieben, allerdings war es diesmal zugunsten der Regierung. Der Vundesrat setzt seinen Kurs fort. In der Montagssitzung des Bundesrates erstattete Bundespräsident M i n g e r Bericht über das Abstimmungsergebnis für die Kriseninitiative. Die Zahl der Verwerfenden sei größer, als die Regierung erwartet hatte. Von besonderer Bedeutung sei das starke Mehr der ablehnenden Kantone, also der Ständestimmen. Die bisherigen Angriffe auf den Schweizer Franken hätten durch die Nationalbank abgeschlagen werden können, vorläufig bestehe keine Veranlassung zu besonderen Maßnahmen. Bundesrat und Nationalbank beobachteten aber genau, was in Frankreich vorgehe, um sofort einzugreifen, wenn es notwendig fein sollte. Durch die Verwerfung der Kriseninitiative habe das Schweizer Volk die Wirtschaftspolitik des Bundesrates gutgeheißen, die u. a. vorfehe: Förderung des Jnlandmarktes und Förderung der Ausfuhr durch außenpolitische Maßnahmen. Weiterführung der bisherigen Maßnahmen Aur Ausfuhrförderung durch produktive Erwerbs- lofenfürforge und staatliche Risikogarantien. Fortführung der Hilfsaktionen für verschiedene Gewerbe und Industrien. Hilfe für die Arbeitslosen durch das Mittel der Arbeitslosenversicherung und Krisenunterstützung. Förderung der Einführung neuer Industrien, soweit sie für die Schweiz in Betracht kommen. Ausbau des Arbeitsdienstes für jugendliche Arbeitslose. Erweiterung der Kompetenzen der Preiskontroll- und Preisbildungskommissionen, um ungerechtfertigte Preise zu verhindern. SiegderwiNschastlichenVernuust lieber die Grenzen der Schweiz hinaus wurde das Volksbegehren am Sonntag, die sog. Krisen- Jnitiative, mit Aufmerksamkeit verfolgt, da es sich darum handelte, ob nach dem Willen der Marrilten und eines Teiles der eidgenössischen Bauernschaft die Schweiz zum Tummelplatz von allerlei Wirtschaftsexperimenten gemacht und gleichzeitig der Schweizer Franken in den Abgrund geworfen werden sollte. Das Schweizer Volk hat die Krisen- Initiative verworfen. Der Wirklichkeitssinn der Schweizer hat gesiegt, und die Freunde des Volksbegehrens haben eine Niederlage erlitten. Damit ist für absehbare Zeit das Land vor Wirtschaftsexperimenten bewahrt worden, gleichzeitig dürften alle Angriffe der Spekulation, die die Schweizer Notenbank feit Anfang April nur unter großen Goldverlusten abwehrte, zusammengebrochen sein, denn diese grundsätzliche Entscheidung sichert auch den Franken. Das Volksbegehren hatte den Zweck, unter mar- xistischen Phrasen eine grundlegende wirtschaftliche und politische Aenderung der Methoden der Schweiz zu erzielen. Neben der Sicherung einer ausreichenden Existenz für die Schweizer Bürger wurde ein Lohn- und Preisschutz, eine zweckmäßige Arbeitsbeschaffung, eine ausreichende Arbeitslosenversicherung, eine Kontrolle des Kapitalmarktes und eine Stützung der verschuldeten Bauern erstrebt. Das Geld für diese Pläne sollte der Bund in Form zusätzlicher Kredite Aur Verfügung stellen, indem er das Geld durch Ausgabe von Prämien-Obligationen, Aufnahme von Anleihen neben den laufenden Einnahmen verschaffen sollte. Die Gewerbefreiheit sollte, wenn notwendig, aufgehoben werden. Kurzum, jedem wurde etwas versprochen, und es ist klar, daß die Annahme dieser Postulate das Land in eine Inflation gestürzt hätte. Nachdem die Marxisten bereits mit ihrer Bekämpfung der Wehrvorlage ein Fiasko erlebten, versuchten sie, durch die Agitation gegen den wirtschaftlichen Notstand das Wasser auf ihre Mühlen zu leiten. Aber die Schweizer haben den Kopf nicht verloren. Die Propaganda gegen das Volksbegehren ist hauptsächlich mit reinen Dernunftgründen geführt worden. Abgesehen davon, daß man das Unklare der Postulate bemängelte — was heißt ausreichende Existenz, was aenügendes Einkommen, was ausreichende Arbeitslosenhilfe? —, ging die Kritik vor allem vom Fehlen jeder Rechnungslegung aus. An und für fick) lebt die Schweiz jetzt auf einer „Preisinse I". Infolge der weit über dem Weltmarktpreis sich befindenden Preise der Exportindustrie und der schlechten Lage der Schweizer Fremden-Jndustrie wäre eine Hilfe allerdings angebracht. Aber die im Volksbegehren Dorgefd)Iagenen Maßnahmen hätten die Lage noch verschlimmert. Die Bundesregierung und die nationalen Schweizer Parteien wiesen darauf hin, daß bereits 150 Millionen Franken zur Bekämpfung der Notlage für das laufende Jahr zur Verfügung stehen und noch weitere 100 Millionen Franken für das laufende Jahr bestimmt sind. Das ist viel, wenn man bedenkt, daß die Schweiz nur 6 Millionen Einwohner hat. Neue Mittel für diese Krisen-Jnitiative standen nicht zur Verfügung, da bereits jetzt das Defizit zusammen mit den Bundesbahnen rund 200 Millionen beträgt. Hinzu kommen die Fehlbeträge der Kantone und Gemeinden mit der gleichen Summe, so daß der Gesamtfehlbetrag sich auf 100 Millionen Schweizer Franken beläuft. Die gesamte öffentliche Verschuldung der Schweiz beträgt gegenwärtig schon etwa 8 Milliarden Franken, wovon 2 Milliarden auf den Bund, 3 Milliarden auf die Bundesbahnen und 3 Milliarden auf die Gemeinden und Kantone entfallen. Bei einer jährlichen Einnahme des Bundes von höchstens 7 Millionen Schweizer Franken wäre daher der Schultenturm bis ins Unendliche gebaut worden. Die Möglichkeit, durch Prämien- 'bligation neues Geld zu beschaffen, wie es das Volksbegehren wollte, bestand nicht, da schon die letzte Bundesdahnen-Anleihe nicht in ihrer Gesamtheit unterzubringen war. Wenn auch der Kampf um den Schweizer Franken nicht von den Marxisten betont wurde, so war es doch offensichtlich, daß sie, überall die Väter der Inflation, auch für die Schweiz eine solche wollten. Dieser Zusammenhang des Volksbegehrens mit der Frage, ob der Schweizer Franken jtabil bleiben könnte, hat dem Volksbegehren das Genick gebrochen. Denn schon die Möglichkeit, daß das Volksbegehren durchgehen konnte, ermunterte in und vor allem außerhalb der Schweiz die (Spekulation gegen den Schweizer Franken. Das Schweizer Volk hat sich gegen die spekulativen Manöver ausgesprochen und Damit wesentlich zur Beruhigung im Währungswirrwarr beigetragen. Kampf um den Wirtschastskurs auch in Holland. Minister Steenberghe, ein Freund der Guldenabwertung, zurückgetreten. Haag, 3. Juni. (DNB.) Wirtschaftsminister Dr. Steenberghe ist überraschend zurückgetre- t e n. Steenberghe begründete seine Demission damit, daß. seiner Auffassung nach allein eine Devalvation, eine Abwertung des Gulden, die Wirtschaftslage der Niederlande grundlegend v e r b e f • fern könne. Da er jedoch mit dieser Auffassung innerhalb des Kabinetts fast allein gestanden habe, habe er sich zum Rücktritt entschlossen. Das Rücktrittsgesuch ist von der Königin bereits genehmigt worden. Als Nachfolger Steenberghes soll der Direktor der halbstaatlichen Elektrizitätsgesellschaft in Limburg und Dozent der katholischen Universität zu Tilburg, Prof. G e I i f f e n, in Aussicht genommen sein. Ob der Rücktritt Prof. Steen- berghes, der der Katholischen Staatspartei angehört, für die bevorstehende Stellungnahme der Zweiten Kammer zur Sparoorlage der Regierung Folgen haben wird, ist noch nicht zu übersehen. Innerhalb der Kammerfraktion der Katholischen Staatspartei, der größten Regierungspartei, sollen starke Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Krisenpolitik der Regierung bestehen. Äon der Haltung der katholischen Kammerfraktion hängt für den Fortbestand der Regierung Colyns viel ab. Die meisten Blätter äußern große Befriedigung Darüber, daß Dr. Steenberghe mit seinen Devalvgtionsbestrebungen bei den übrigen Mitgliedern der Regierung Colyn keinen Anklang gefunden hat und daß sein Rücktritt die Wieder- Herstellung der Homogenität des Kabinetts und damit auch die völlige Beseitigung aller Zweifel bezüglich der Beibehaltung des holländischen Goldstandards ermögliche. Unter dem Titel „Der Kurs bleibt unverändert" spricht der „T e 1 e g r a a f" sein Befremden Darüber aus, daß Steenberghe erst das Krisenprogramm der Regierung mit unterschrieben und später versucht habe, in einer für das Land außerordentlich wichtigen Frage Zwietracht und Beunruhigung zu stiften. Die rasche Lösung werde sicherlich viel dazu beitragen, Die kürzlich Durch die Vorgänge in Frankreich auch in Holland verursachte Nervosität zu beschwichtigen, jo daß Die Regierung in aller Ruhe i h r Spar- jamkeits- und A n p a s s u n g s p r o g r am m zur Durchführung bringen könne. Das Blatt schließt: „Kein Mensch denkt ernstlich daran, daß wir durch Entwertung unseres Guldens im jetzigen Zeitpunkt noch neue Absatzmärkte erobern könnten. Dagegen würde in unserem Lande mit seinem großen Einfuhrüberschuß an ausländischen Erzeugnissen der Lebensstandard viel schneller steigen als dies z. B. in Belgien geschehen ist. Nirgends sind die Vorbedingungen für eine Inflation so ungünstig wie in Holland, und kein Volk muh hiervor so besorgt sein wie das unsrige. Deshalb haben wir Verständnis, wenn wir solange wie möglich an dem gegenwärtigen Regierungsprogramm festhalten." Im Gegensatz zur Haltung Der meisten übrigen Blätter widmet die katholische Presse dem zurückgetretenen Wirtschaftsminister warme Nachrufe. So schreibt z. B. das Hauptorgan Der Katholischen Partei, Der Rotterdamer „M aasbod e": Die Frage, die jetzt aus dem Ministerrat mit solcher Scharfe in Die Oeffentlichkeit hineingetragen wurde, wird nunmehr auch außerhalb des Kabinetts intensiv behandelt und wird eine praktische Lösung fordern. Unvermeidlich erscheint es uns, daß Die wichtigsten politischen Parteien und daß vor allem auch Das Parlament so entschieden wie möglich eine Wahl in Dem Dilemma treffen, Dem sich auch bas Kabinett durch Dr. Steenberghes forsche Haltung gegenübergestellt sah: Devalvation oder konsequente Deflation. Die Erdbebenkatastrophe von Quetta. Tausend Europäer unter den Opfern. — Neue Schreckensmeldungen. > ‘41 5n den letzten Tagen haben sich die Erdbeben in Belutschistan (Indien) wiederholt. — Unser Bild zeigt den Basar Der Stadt, Der nach Dem ErDbeben einer BranDkatastrophe zum Opfer fiel. — (Scherl-M.) Nach Der ersten amtlichen Schätzung roürDen Die Todesopfer des Erdbebens allein in der Stadt Quetta 26 000 betragen. In nichtbehörd- lid)en Kreisen rechnet man Damit, Daß etwa 1000 Europäer sich unter Den Todesopfern befinDen Die Wasserversorgung ist, wenn auch nur mit halben Druck, roieber in Gang gesetzt worden. In Quetta treffen Tausende von Verwundeten aus der ganzen Umgegend ein. Sämtliche Lebensmittel außer den Militärrationen sind vernichtet. Die Bevölkerung lebt also ausschließlich von diesen militärischen Lebensmittelbeständen. Da Die Vorräte dieser Rationen sehr beschränkt sind, werden bereits Maßnahmen zur Fernhaltung der Einwohner Quettas getroffen, wozu selbst Tanks ein- gesetzt wurden. Jetzt wurde auch wegen des Andranges der Quetta-Bevölkerung aus dem Hinter- lande in der Stadt Sibi der Belagerungszu- stand verhängt. Dauernd werden neue Erdbeben st öße verzeichnet, wobei ungeheure Felsmassen von den Steilhängen herunterstürzen. Die Bevölkerung befindet sich in furchtbarer Aufregung. Die Bergungsarbeiten unter den Trümmern der eingestürzten Häuser werden weiter fortgesetzt, und es gelingt noch jetzt Ueberlebenbe zu retten. Ein kleines Mädchen wurde aus einem großen Trümmerhaufen hervorgeholt, in dessen Mitte sich ein Hohlraum befand, dem die Rettung zu verdanken ist. Die Bahnlinie Quetta-Sibi ist in der Nacht zum Montag durch erneute Erdst 6 ße vorübergehend zerstört worben. Sie konnte zwar in sechs- ftünbiger Arbeit wieberhergestellt werden, aber Die andauernden leichteren Erdstöße lassen befürchten, daß sie schließlich doch betriebsunfähig wird, vor allem im Hinblick auf Die zahlreichen Brücken, über die die Bahn führt und deren Wiederherstellung sehr zeitraubend sein würde. TW1'*”•/*'^y-1 W ?:# '••'M V*< *W rB -r-WW^ •W MAHM Zz fcc /K-'.M 'E -Wf'■ --.x < i I ;lll /J ; EE ', 'Z '> -■• . y Vz-h?/Ay <•- „ f X NWWLW :^W e'-Q .^M>>-,-»' . Die Zahl der Flüchtlingszuge, die durch Sibi kommen, hält immer noch an. Bisher haben etwa 5000 Gibt durchfahren. Da in den Zügen zum Teil auch Verwundete, Sterbende und Tote sich befinden, weil die Flüchtlinge in ihrer Panik ihre Angehörigen lieber unterwegs sterben lassen wollen, als noch einen Augenblick länger in dem gefürchteten Quetta zu bleiben, ist der Geruch in den Zügen entsetzlich. Hinzu kommt noch, daß von Sibi ab die Schattentemperaturen nirgends unter 45 Grad Celsius sind und die Bahnstrecke durch eine völlig schattenlose Wüste führt. Von den Behörden wird größter Wert darauf gelegt, die Berichte über Cholera und andere Epidemien in Quetta als glatte Erfindungen zu brandmarken. Ebenso werden auch die Behauptungen von einer lieber« flutung der Stadt und von zahlreichen Erschießungen als unwahr bezeichnet. Deutschlands Beileid. Der Führer und Reichskanzler hat S.M. dem König von Großbritannien anläßlich des schweren Erdbebenunglücks in Britifch-Belutschistan seine und des deutschen Volkes aufrichtige Anteilnahme übermittelt. Der König von England hat für die wohltuende Bekundung der Anteilnahme an dem fürchterlichen Unglück telegraphisch gedankt. Das neue tschechoslowakische Kabinett. Prag, 3.Juni (DNB.) Nach privaten Infor- mationen werden dem neuen Kabinett angehören: Als Minister für nationale Landesverteidigung der agrarische Abgeordnete Direktor M a ck n i k, als Minister für soziale Fürsorge der tschechische sozialdemokratische Abgeordnete N e c a s , als Minister für Handel und Gewerbe der Vorsitzende der tschechischen Gewerbepartei, Abgeordneter Naiman, und als Minister für öffentliche Arbeiten Der Abgeordnete der Volkspartei Ingenieur Dostalek, der bisher Handelsminister war. Das Ministerium für Gesundheitswesen übernimmt der deutsche Sozialdemokrat Abaeordneter Dr. C e ch, der bisher die öffentliche Arbeiten inne hatte. Der bisherige Minister für Gesundheitswesen, Abgeordneter Dr. Spina vom Bund der Landwirte, wird Minister ohne Portefeuille. Im übrigen bleibt das bisherige Kabinett unverändert. Neue italienisch-abessinische Grenz- zwischenfälle. Rom, 3. Juni. (DNV.) Heber zwei. neue italienisch-abessinische Grenzzwischenfälle wird folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: Eine Gruppe abessinischer Bewaffneter hat am 31. Mai im Gebiet der Dankali einen (Eingeborenen» Vorposten angegriffen, der von den Italienern zum Schutz von den an der Grenze Eriträas abgewanderten Eingeborenen errichtet worden war. Bei Dem Angriff fanden 30 Eingeborene den Tod. Etwa 2000 Stück Vieh wurden als Beute abgetrieben. Das Militärkommando des Abschnittes hat die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen zum Schutze der Zone getroffen. Am gleichen Tage haben bei Mustahil (am Ujbi Schebeli) in Somaliland etwa 20 abessinische Bewaffnete versucht, in der Nähe von Gublei die italienischen Linien zu überschreiten. Auf die Warnung der italienischen Eingeborenentruppe vor Heberschreiten der Linie haben die abessinischen Bewaffneten das Feuer eröffnet, das von italienischer Seite erwidert wurde. Die Angreifer haben D e r I u ft e erlitten. Eine Reichshandwerksmeisterlade Auf demReichshandwerkertag in Frankfurt a. M. wird dem Reichshandwerksmeister und Reichsbetriebsgemeinschaftsleiter W. G. Schmidt von 1000 wandernden Handwerksgesellen eine „Reichshandwerksmeisterlade" über« geben werden. Diese Lade wird von besten Handwerksmeistern aus Kirschbaumholz hergestellt. Mit drei verschiedenen Schlüsseln, die auf den Dreiklang Meister, Geselle, Lehrling hindeuten, können die zwei Flügeltüren der Lade geöffnet werden. Man steht dann das mit Intarsien geschmückte Innere. Die Reichshandwerksmeisterlade birgt verschiedene Sinnbilder des deutschen Handwerks, die bei bedeutsamen Anlässen in Gebrauch genommen werden Aus bester deutscher Silberschmiedearbeit bestehen die Tischglocke, der Ehrenpokal und drei Leuchter. In Zukunft kündet der herrliche Klang der Glocke feierliche Handlungen an, die der Reichs- Handwerksmeister vornimmt. Vor der geöffneten Lade werden die Leuchter, deren Sockel mit großen deutschen Buchstaben die Bezeichnung „Meister, Geselle, Lehrling" tragen, ausgestellt. Den Rand der Glocke schmückt der Satz: „Deine Hand dem Handwerk". Der Ehrenpokal ist ebenfalls ganz aus Silber. Drei großlinig entworfene Ornamente, wieder auf den Dreiklang hinweisend, bestehen aus fe sieben Blättern. Diese Zahl sieben symbolisiert bie deutsche Meisterwürde. Heber dem Blattschmuck trägt der Pokal den Spruch aus Richard Wagners Meistersinger: „Was deutsch und echt, mußt keiner mehr, lebt's nicht in deutscher Meister Ehr Bei der Ernennung von Reichs- und Landesmeistern und hohen Ehrenmeistern wird der Pokal in'Gebrauch genommen. Ein Sonderfach der Reichshandwerksmeisterlade dient als Aufbewahrungsort der goldenen Reichshandwerksmeisterkette, die vom verstorbenen Reichspräsidenten von Hindenbura kurz vor seinem Ableben verliehen worden ist. ®eiter dient die Reichshandwerksmeisterlade zur Aufbewahrung des großen goldenen Buches des deutschen Handwerks Alle Amtshandl.ingen vor offener Reichshandwerksmeisterlade sind in Zukunft für das deutsche Handwerk bindend und verpflichtend. Vor ihr erfolgen auch z. B. die hauptsächlichsten Ernennungen und Vereidigungen. Kunst und Wistenschast. ReichsBach-Fest. Das Reichs-Bach-Fe st, verbunden -mit dem 22. deutschen Fach-Fest der Neuen Bachgesellschaft, in dem die deutsche „Bach-Händel-Schütz«Feier 1935" ausmündet und ihren Höhepunkt erreichen soll, wird vom 16. bis 24. Juni 1935 in Leipzig stattfinden. Die Programmübersicht bringt die beiden Passionsmusiken nach Matthäus und Johan- Gruß an die Wehrmacht Bon Franz Seldie. Der Bundesführer des NSDFB. (Stahl* Helm), Reichsarbeitsmintster Franz Seldts, richtet in Der Bundeszeitung „Der Stahl* Helm" einen „Gruß an die Wehrmacht", dem wir nachstehende Ausführungen entnehmen. „Wer heute von uns alten Frontsoldaten durch die frühlingsfrohe deutsche Landschaft zieht, der erlebt ein erhebendes Bild, das fein Herz mit Zuversicht und Stolz erfüllt. Auf den gleichen Landstraßen, die wir rund fünfzehn Jahre und darunter an so manchem trüboerhangenen und hoffnungsarmen Tag marschiert sind, ziehen jetzt Bataillone und Batterien unserer Wehrmacht. Es ist die junge Mannschaft der wiedergeborenen Nation, es ist das ewige deutsche Soldatentum in seiner zeitbedingten Form, dem unser freudiger soldatischer Gruß gilt. Damals, als die sieghafte und doch nicht siegreiche Armee der vier grauen Jahre in die Heimat zurückkehrte, die uns schon seit dem blutigen Sommejabr 1916 nicht mehr verstanden hatte, da bäumte sich unser Herz auf in Zorn und Empörung. Aber in allem Ekel und In aller Empörung über Verrat und Schande, über Dienstverweigerung und nationale Selbstbesudelung schwang mit das Gefühl einer unsagbaren Trauer, einer furchtbaren Enttäuschung. Wir verzweifelten nicht am deutschen Volk, sondern wir untersuchten In ruhigem und sehr sorgfältigem Nachdenken die Hrsachen und die Gründe, warum das Volk des August 1914 zum Volk vom November 1918 werden konnte. Hier half nur volle Ehrlichkeit, auch wenn sie schmerzte. Hier aber liegt der Beginn unseres Weges und unseres Kampfes. Unfern, des Damaligen Stahlhelm, Bund Der Frontsolbaten, Kampfes im Norden, und' Adolf Hitlers, des heutigen Führers und Kanzlers, Kampf im Süden. Wir brauchten, um dieses zerredete, auseinandergehetzte, mit Mißtrauen angefüllte, von Parteien gegängelte Volk wieder zusammenzubringen, ein verbindendes Element, das allen echten Deutschen gemeinsam ist, und das die Bestandteile sozialer Verpflichtung ebenso in sich enthalten mußte wie die Anerkennung Der unverrückbaren und geheiligten staatlichen Ehre und Hoheitsrechte. Dieses Element war für uns das Soldatische. Das Soldatische im deutschen Wesen und in der deutschen Seele hatte an der Weltkriegsfront seine bisher noch von keinem Jahrhundert erreichte äußerste Härteausprägung erfahren. Es kam zuerst auf die Zahl überhaupt nicht an. Es kam darauf an, daß sich ein Block von Männern fand, der im gleichen Augenblick, da ein mißleitetes Volk bie Fahne feiner nationalen Ehre und damit feine Zukunft selbst streichen wollte, diese Fahne wieder a u f 3 o g und alles um sich sammelte, was im Soldatentum nicht nur eine Angelegenheit der (Erinnerung, sondern eine neueAufgabe sah. Kameraden der jungen Wehrmacht: An den frühlingsfrohen Straßen, bie ihr heute fingenb zieht, liegen 2 21 Kameraben bes Stahlhelm, die dafür gefallen sind, damit Deutschlands Wehr wieder marschieren kann. Das Blut von 3000 Kameraden von uns floß, damit das Heer der allgemeinen Wehrpflicht auferstehen konnte. Unb fo wie wir, so ließen auch bie Kämpfer Aböls Hitlers viele Hunberte ihrer Vesten liegen, um die Zukunft zu gewinnen. Zehntausend gingen iw die Gefängnisse ober nahmen schwerste Unter- brückungen auf sich. „21 u f den Opfern und b e n Waffen beruht ber Sieg!" fo bekannten wir unb hanbelten banach. Immer aber ftanb vor uns als mahnenbe Verpflichtung bas Erbe der z w ei Millionen Kameraben, bie fern im Westen unb Osten eine heimliche Grenze mit ihren Gräbern bilden. Fünfzehn Jahre lang kämpften wir gegen einen unbeutfchen Staat, für bie deutschen Hoheitsrechte unb für ein neues beut« fches Volk, gegen alle Zerstörungsverfuche von innen unb außen für eine starke deutsche Wehr. Mit uns hielt die Reichswehr die Wacht, sie, die immer die alleinige Waffenträgerin ber Nation war. Aber neben ihr, wir bürfen das heute mit Stolz bekennen, standen damals die wehrhaften Formationen bes Stahlhelm, mehr als nur wehrhaft in Wehrsport unb Gelänbebienst, sondern wehrhaft erst recht im Geiste. Heute marschiert nun ihr, meine jungen Kameraden der neuen Wehrmacht! Zwischen Versailles unb neuer Wehrmacht aber waren auch bie alten Feldgrauen auf dem Posten. Unb das ist unser Stolz angesichts euerer Bataillone unb Batterien. Ihr selbst aber seid voller Zuversicht gegrüßt als die junge Mannschaft der neuen N a ° t i o n. Dem (Elementaren des Soldatischen habt ihr die Form zu geben. Des deutschen Volkes Jugend habt ihr zur Mannschaft zu erziehen. Ihr tragt die Waffe unb kostet bas ganze Glück aus, freier Träger bes wehrhaften Eisens zu sein. Ihr wacht vor bem Frieben ber Heimat unb gebt ber Friebenspoli- tik bes Führers Nachbruck. Euch ist bas hohe Erbe ber Front anvertraut. Ihr seib bas jüngste Glied in ber stählernen Kette bes beutfchen Soldatentums. Kein Glied ist entbehrlich, weber bie Toten noch bie Lebenben. Der Toten Geist beseelt uns alle, und ber Lebenben Erfahrung, ber Frontsolbaten Können unb Erfahrung finb nicht zu entbehren. Wir können euch, ihr jungen Waffenträger, kein besseres Wort sagen, als bas tiefste unb verpflichtenbste Wort ber Front, bas Wort: „Kamerad!" Wir sind und bleiben Kameraden, heute, morgen und überall Dort, wo bas Vaterlanb uns hinstellt. Frontheil Hitler, ihr Kameraben ber Wehrmacht!". Was muß der Wehrpflichtige wissen? Am 17 März 1813 ist in Preußen mit bem Befehl zur Errichtung ber Lcmbwehr zum erstenmal bie Bad-Nauheim Sanssouci, Cafe u. Konditorei Sehenswürdig und preiswert Neu eröffn et, gegenüber Trinkkuranlage | '330 V nes, die b-Moll-Messe, eine Kantatenaufführung mit vier Hauptwerken, die Trauerode, drei Karn- mermusikoeranstaltungen, drei Orchesterkonzerte, zwei Orgelkonzerte, die beiden kontrapunktischen Hauptwerke „Kunst der Fuge" unb „Musikalisches Opfer", sowie bas „Wohltemperierte Klavier" auf bem Clavichord, Choralsingen von eineinhalbhun- dert Chören des Lanbeskirchenchorverbandes Sachsen, Vorträge über Bach unb fein Wirken, Theateraufführung (Scherings „Thomaskantor"), Bach- Gemälde- und 'Handschriften-Ausstellung und Führungen. Bachfreunde aus aller Welt werden sich bei'diesen Veranstaltungen treffen Die Spielfolge der Bayreuther Festspiele. Die Leitung der Bayreuther Festspiele gibt nunmehr bie genaue Spielfolge 1936 bekannt. Es gelangen zur Aufführung: 19. Juli Lohengrin, 20. Par- fifal, 21. Lohengrin, 23. Rheingold, 24. Walküre, 25. Siegfried, 27. Götterdämmerung, 29. Parsifal, 30. Juli Lohengrin, 18. August Parsifal, 19. Lohen« grin, 21. Rheingold, 22. Walküre, 23. Siegfried, 25. Götterdämmerung, 27. Parsisal, 28. Lohengrin, 30. Parsifal, 31. August Lohengrin. Wegen ber Olympiade werden die Festspiele vom 31. Juli bis 17. August unterbrochen. Starker Eindruck deutscher Schauspielkunst in Buenos Aires. Die in Südamerika weilende Gruppe deutscher Schauspieler führte in Buenos Aires erstmalig das bekannte deutsche Frontsoldatenstück „Die endlose Straße" von Graff auf. Der Vorstellung woynte auch der argentinische Kriegsminister General Rodriguez und mit dem deutschen Gesandten an ber Spitze ein großer Teil ber beutschen Kolonie bei. Die Aufführung hinterließ einen tiefen Einbruck, ber sowohl von bem Stück wie burch bas gute Spiel hervorgerufen wurde. Die erste Wrerschule der Deutschen Aerzleschast. In Alt-Rehse bei Neubrandenburg in Mecklenburg wurde, wie bereits ausführlich gemeldet, in Anwesenheit des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß, die erste Führerschule der Deutschen Aerzte- schäft eingeweiht. Man sieht hier eines ber strohgebeckten Oebäube der Reichsärzteschaft. Im Vorber- gründ die Teilnehmer der Kurse. — (Scherl-M.) Aus aller Welt. 5. Waffentag der Deutschen Kavallerie. In allen Gauen bes beutschen Reiches rüsten sich bie ehemaligen Reiter ber alten Armee zum 5. Wafsentag ber Deutschen Kavallerie, ber als Auftakt ber beutschen Derbywoche am 22. unb 23. Juni in Hamburg ftattflnben wirb Der Schutzherr bes Waffenringes ber Deutschen Kavallerie, Gene- ralfelbmarschall v. Mackensen, wirb ben großen Vorbeimarsch ber alten unb jungen Reiter abnehmen. Gruppen ber ehemaligen 110 beutschen Kavallerie-Regimenter nehmen am Festzuge in ihren alten Uniformen teil. (Eine Schwabron eines Reiter- Regiment sowie bie Kavallerieschule Hannover wiro bei ben Veranstaltungen mitroirfen. Für bie Sonberzüge nach Hamburg gilt eine Fahrpreisermäßigung von 70 v. H. 28. Deutscher Mietertag in Berlin. Der Bunb Deutscher Mietervereine e. V., hat zum 14. Juni ben 28. Deutschen Mietertag nach Berlin einberufen. In der Öffentlichen Tagung am 15. Juni in der „Krolloper" sprechen: Bunbesführer Pg. Herrmann: (Bauamtsleiter ber NSV., Pg. Spiewock - Berlin, M. b. R., über „Volk unb Wohnung"; Stadtrat Pg. Schmidt- Altona, Geschäftsführer des Reichsheimstättenamtes Der NSDAP, unb DAF., über „Wohnung unb Sieblung": Rechtsanwalt Dr. Scherer, über „Das Mietrecht ber Zukunft": Generalleutnant a. D. Grimme, Präsibent bes Reichsluftschutzbundes, über „Reichsluftschutz — vaterländische Pflicht" Bunbesfagung des Deutschen kolonialkriegerBunbes. Im Rahmen ber großen Äolomaitapiing des Reichskolonialbunbes in Freiburg i. Br. vorn 13. bis 16. Juni 1935 finbet bie Bunoestagung des Deutschen Kolonialkrieger-Bunbes unter Leitung seines Bunbesführers, des Reichsstatthalters in Bayern General Ritter von Epp statt. Die 10jährige Tätigkeit bes Generals von Epp als Bunbesführer bes Deutschen Kolonialkrieger-Bun- bes unb sein stetes (Eintreten für Deutschlands koloniale Forberungen wirb Veranlassung zu einer besonberen Feier geben Die Türkei begeht zum erstenmal den Sonntag als Feiertag. Am letzten Samstag trat bas neue türkiscbe Gese'tz über bie Feiertage in Kraft. Am Sonntag wurde zum ersten Male in ber Türkei ber Sonntag als Wochenfeiertag begangen. Damit ist ber bisherige religiöse Wochenfeiertag des Islam, der Freitag, endgültig abge- schafst und damit mit einem Jahrhunderte alten Brauch gebrochen worben. Gleichzeitig ist für alle Behörben unb öffentlichen Betriebe bie 36stünbige Arbeitsruhe am Wochenende eingeführt worden, bie am Samstag um 13 Hhr ihren Anfang nahm. Zur gleichen Stunde stellten sich die Bahn- und Schiffahrtslinien auf ben Feiertagsbetrieb um, was bisher immer am Freitag geschah. Mit biefem Sonntagsgesetz, bas nur auf wirtschaft- llche Erwägungen zurückgeht, hat bie Türkei einen weiteren wichtigen Schritt zur Annäherung an bie westlichen Gebräuche unternommen. Rekorbfahrt ber .Jlotmanbie“. Der neue französische Personenbampfer „ Norma n b i e " hat auf feiner Jungfernreise nach Neu- york eine Rekorbfahrt gemacht. Für bie Heber- fahrt von Süb-Englanb bis zur Hubson-Bucht wurden 4 Tage, 2 Stunden, 14 Minuten benötigt, während der von der „Bremen" gehaltene Rekord 4 Tage, 17 Stunden, 27 Minuten betrug. Die „Normandie" hat eine Durchschnlttsgeschwindigkeit von 55,522 Stundenkilometern erreicht. Explosion auf einem sowjetrussischen Tankbampfer.— 38 Tote. Auf dem Tankdampfer „Sowjet-Aserbeidschan", der aus Krasnowodsk mit Eedöl ins Kaspische Meer ausgelaufen war, ereignete sich infolge eines Zusammenstoßes mit dem Dampfer „Sowjet" eine Explosion, bei ber 27 Mann ber Besatzung bes Tankbampfers ums Leben tarnen. Die beiben Dampfer gerieten in Branb. Auf bem Dampfer „Sowjet" fielen ebenfalls sechs Mann ber Besatzung ben Flammen zum Opfer. Unter ben Toten befinden sich auch drei Kinder, da ein Teil der Besatzung ihre Familien an Bord hatte. Es werden noch fünf Mann vermißt, die sich während des Brandes Ins Meer stürzten. Da auch diese fünf umgekommen fein dürften, würde sich bie Zahl Der Opfer auf 38 erhöhen Ein Mitglied der Entführerdanbe in Ehikago verhaftet. Der Leiter Der amerikanischen Bunbesgeheim- polizei gab die Verhaftung eines gewissen Vol- ney Davis in Chlkago im Zusammenhang mit der Entführung bes neunjährigen George Weyerhauser bekannt. Davis würbe schwergefesselt unter stärkster Bewachung nach St. Paul gebracht. Es wird angenommen, baß Davis zwar nicht ber Haupttäter, aber ein Mitglieb ber (Ent- führerbanbe ist. Davis hat geftanben, baß er im vergangenen Jahr an der Entführung bes Brauereibesitzers Bremer beteiligt war. Die Einzelheiten über seine Beteiligung an ber Entführung Des George Weyershäuser finb bisher noch unbekannt. Die Polizeibehörben finb fieberhaft auf ber Suche nach ben übrigen Entführern. Das Bunbesjustizamt in Tacoma versammelte etwa 200 Beamte, bie zu blefer Aktion eingesetzt werden. Die Polizei vermutet, daß sich bie Entführer in ber gebirgigen Umgebung von Seattle verborgen halten. Man nimmt an, baß die Täter keinem bekannten 23er- brecherverbanbe angehören, fonbern ben Knabenraub von Tacoma unter sorgfältiger Nachahmung anberer bekannter Entführungen begingen. Die Polizei von Tacoma erhielt bereits viele hunberte von Mitteilungen, über ben Empfang von Gelbscheinen, bie angeblich bie Nummern ber Lösegelbnoten tragen sollen, bisher ist aber noch in keinem Falle die Richtigkeit tiefer Mitteilungen festgestellt worben. hören - schwören Wehrpflicht etngeführt worden. Die Grundlage zum Aufstieg Preußen-Deutschlands ward damit gegeben. Fast aus den Jahrestag genau, am 16. März 1935, hat das Reich durch die Verkündung des Gesetzes über den Aufbau der Wehrmacht die Wehrhoheit .wiedergewonnen. Jeder junge waffenfähige Deutsche steht erneut im Ehrendienst der Nation. In diesem geschichtlichen Augenblick tritt die „W ehrpflicht- Fibel (1 RM.) aus dem Verlag „Offene Worte", Berlin W 35, in die breite deutsche Öffentlichkeit. Major Foertsch (Abteilungsleiter im Reichskriegsministerium), der in neuerer Zeit mit verschiedenen wichtigen Veröffentlichungen über unsere Wehrmacht auch im „Gießener Anzeiger" heroorge- treten ist, hat diese Fibel verfaßt. Sie will dem jungen waffenfähigen Deutschen, bevor er in den Pflichtenbereich der Wehrmacht eintritt, alles erforderliche geistige und notwendige materielle Rü st zeug geben. Es ist also ein sehr praktisches und gegenwartsnahes Buch, für Hunderttausende geschrieben und diesen allen verständlich. Hervorzuheben ist die reichhaltige Bebilderung der Wehrpflichtfibel, die die Abbildungen des Führers und Obersten Befehlshabers und der Oberbefehlshaber, sowie in Mehrfarbendruck Uniformtafeln bringt. Erstmalig begegnen wir den kleidsamen Uniformen unserer jungen Luftwaffe. Aus aller Wett. Das Todesurteil gegen die Kindesmörderin Jünemann rechtskräftig. Das Schwurgericht beim Landgericht II in Berlin hatte am 30. März d. I. die Charlotte Jünemann nach mehrtägiger aufsehenerregender Verhandlung wegen Mordes zum Tode verurteilt. Die Angeklagte Jünemann hatte ihre drei Kinder verhungern und verdursten lassen. Der 3. Strafsenat des Reichsgerichtes hat nunmehr die gegen dieses Urteil eingelegte Revision der Angeklagten verworfen. Damit ist das Todesurteil gegen die Mörderin Jünemann rechtskräftig geworden. Seine Großmutter mit der hacke erschlagen. In einem Walde bei Gonzerath in der Nähe von Trier hat der erst 18jährige Josef Breuer seine 74jährige Großmutter umgebracht. Die Staatsanwaltschaft in Trier konnte die Bluttat sehr schnell aufklären. Der jugendliche Täter hatte mit seiner Großmutter, als diese auf einer Waldlichtung Gras mähte, eine Auseinandersetzung, in deren Verlauf er wahrscheinlich versuchte, von ihr 10 Mark zu erhalten. Möglicherweise ging es hierbei auch um irgendwelche Familienangelegenheiten. Der Bursche hat die alte Frau mit einer Hacke erschlagen und die Leiche dann in ein Tannendickicht geschleppt. Knabenmörder Seefeldl teilweise geständig. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen im Falle des Knabenmörders Seefeldt haben dazu geführt, daß Seefeldt einen großen Teil der ihm zur Last gelegten Sittlichkeitsverbrechen zugegeben hat. Trotz aller seiner Schuld beweisenden Tatsachen leugnet Seefeldt jedoch noch immer mit größter Hartnäckigkeit insbesondere in den Mordfällen. Da er sicher nur dann zu Geständnissen zu bewegen sein wird, wenn er gar keinen Ausweg niehr sieht, muß erneut an das Publikum die Forderung gestellt werden, alles das der Polizei mitzuteilen, was nur im geringsten auf Seefeldt bezug hat. In den ersten Jahren nach Verbüßung seiner zehnjährigen Zuchthausstrafe, also von 1926 ob, ist 'Seefeldt in Westdeutschland bis in die Gegend von Aachen gekommen und hat auch mehrfach Süddeutschland und Schlesien durchwandert. Die lieber* Prüfung nicht aufgeklärter Sittlichkeitsverbrechen und der ihm zur Last gelegten M o r d f ä l l e hat den dringenden Verdacht ergeben, daß Seefeldt auch für diese weiter zurückliegenden Straftaten sehr wohl als Täter in Frage kommen kann. Die Besichtigung der nunmehr aufgefundenen Leiche des seit dem 23. Februar d. I. vermißten Schülers Heinz Zimmermann aus Schwerin i. M. hat ergeben, daß eine äußere Gewaltanwendung nicht zu erkennen war. Charakteristisch war aber die Haltung, in Der Sternhimmel im Juni. Nachdruck verboten! Sonnenaufgang zwischen 3.45 und 3.35 Uhr; Sonnenuntergang zwischen 20.10 und 20.25 Uhr. Lichtgestalten des Mondes: 1. Viertel am 9. um 7 Uhr, Vollmond am 16. um 21 Uhr, letztes Viertel am 23. um 15 Uhr. Wenn auch die hellen Sommernächte den Sternhimmel nicht so heroortreten lassen wie die Nächte in dunkleren Monaten, so lenken doch Helle Wandler sowohl als auch Fixsterne die Aufmerksamkeit auf sich; von den Wandlern ist die Venus noch imund für sich zu den hellsten Sternen des Himmels gehört; die sehr große Entfernung schwächt das Licht, aber trotzdem ist die Spica ein Stern erster Größe. Hinter der überragenden Bedeutung der Spica treten die andern Sterne der Jungfrau etwas zurück; immerhin können wir auch einen Blick auf sie werfen, zumal einige von ihnen willkommene Per- gleichspunkte für die Bewegung des in diesem Sternbild stehenden Mars abgeben. Etwas über den andern und rechts vom Arctur steht die Dindemiatrix, die wegen ihres Namens merkwürdig ist. Sie ist wohl der einzige Stern dritter Größe, der einen Der die 24 Stundenzahlen von Mittel* nacht bis Mitternacht eines Tages ent» hallende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind fest» stehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zei* ger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sichtbaren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Monatsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für je 5 Tage vor der Monatsmitte ist der gerade Pfeil Vs Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monats- mitte ’/s Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die angedeutet» Licht- gestalt zeigt. Sterne: Kleine Buch- jo. staben STABDI 119’ laneten: Mars (fy Jupiter <^>Saturn 3 Sonne Mond: D1. Viertel @ Vollmond d letztes Viertel V1 Cü 5 § mer recht eindrucksvoll, der Jupiter und der 'Mars lassen zwar merklich nach, sind aber beide immer noch recht helle Sterne. Die hellsten Fixsterne sind der Arctur in der Verlängerung des Bogens des Himmelswagens oder Großen Bären, ferner die links von diesem stehende Wega und schließlich die Spica in der Jungfrau in der Weiterführung des eben erwähnten Bogens über den Arctur hinaus. Diese Spica war immer ein beliebter Fixstern, vor allem, weil sie schon als heller Stern in der Tierkreisgegend eine große Bedeutung hat, dann auch, weil ihr in früheren Zeiten der Herbstpunkt recht nahe lag. Auch die neuere Himmelskunde hat manches Merkwürdige über die Spica zu Tag gefördert. Sie gehört zu den Doppelsternen, die man als solche auch im stärksten Fernrohr nicht erkennen kann; nur die Eigentümlichkeiten der Bewegung, die wir aus der Linienoerschiebung im zerlegten Sternlicht erkennen, verraten uns, daß sich hier in dem kurzen Zeitraum von etwa vier Tagen eine mächtige Sonne um eine andere bewegt. Den Hauptstern dieses Sternpaars müssen wir uns als gewaltigen Leuchtriesen vorstellen, nicht allzu ausgedehnt, aber immerhin zwei, drei ober viermal so groß wie unsere Sonne, aber jedenfalls sehr viel heißer und infolgedessen heller strahlend als sie, so daß er an lateinischen, also schon aus dem Altertum stammenden Namen hat, ein Vorzug, dessen sich sonst nur wesentlich hellere Sterne rühmen können. Das Wort bedeutet „Winzerin" und hat also ebenso wie „Spica, was „Aehre" bedeutet (nämlich die von der als Schnitterin gedachten „Jungfrau" in der Hand gehaltene Aehre), einen gewissen herbstlichen Anstrich. Denn die Sonne weilt im Herbst in diesem Sternbild, und eben aus diesem Grunde können wir es im Sommer am besten sehen. Wie die Jungfrau durch den Mars, so ist das dann folgende Tierkreissternbild der Waage durch den in ihm stehenden Jupiter hervorgehoben, und es folgt dann der Skorpion, dessen hellster Stern Antares neben der Spica der hellste Stern her Tierkreisgegend ist. Der äußerste Wandelstern, der Saturn, geht erst in später Nacht auf, zunächst nach Mitternacht, gegen Ende des Monats etwas vorher. Man wird also nicht viel von ihm zu sehen bekommen, wenn man nicht gerade eine schöne Juninacht zu einer Sommernachtswanderung benutzt. Auch die Sonnen- finsternis am 30. fei nur Vollständigkeit halber er- wähnt, da wir in Deutschland nicht viel mehr als nichts von ihr abbekommen. Den „Sommerpunkt" erreicht die Sonne am 22. um 9.38 Uhr. der die Leiche aufgefunden wurde. Wie in allen anderen Fällen, für die Seefeldt als Täter in Frage kommt, war der Eindruck der, als wenn das Kind im Schlaf vom Tode überrascht worden wäre. Aus dem zusammengetragenen Material hat sich ergeben, daß Seefeldt in fast allen Gegenden, die er auf seinen Wanderungen berührt hat, die Bekanntschaft mit Knaben gesucht hat. Furchtbare Tat eines Epileptikers. Im Kanton VÄines (französische Schweiz) hat ein Landmann, der an epileptischen Zuständen litt, seine Frau durch 40 Stiche mit der Heugabel getötet und seinen Schwiegervater schwer verletzt. Der Mörder hat sich dann in einem Teich ertränkt. Explosion in einem japanischen Bergwerk. — Zehn Bergleute getötet, vierzig verschüttet. In einem japanischen Bergwerk hat sich eine furchtbare Explosion, anscheinend durch Entzündung von Gasen, ereignet. Bei dem Unglück wurden zehn Bergleute auf der Stelle getötet, vierzig Arbeiter wurden verschüttet. Es besteht wenig Hoffnung, sie retten zu können. Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 840: Die Einfuhr italienischer Waren ab 1. 6.1935 nur möglich, wenn bei der zollamtlichen Abfertigung eine Devisenbescheinigung oder eine dieser gleichgestellte Bescheinigung vorgelegt wird. 841: Devisenüberwachung bei der Einfuhr in den Freihafen Hamburg und den Zollausfchluß Bremen. 842: Durchführungsbestimmungen zum Gesetz über Devisenverkehr und Außenhandel Lettlands. Rundfmtkprogramm. Mittwoch, 5. Juni. 6 Uhr: Gymnastik. 6.15: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 10.15: Schulfunk. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert I. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Bunte Pfälzer Stunde. 16: Kleines Konzert auf zwei Klavieren. 16.30: Geschichte und Landschaft am Wege: Neuwieder Becken. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Alter und neuer Baustil der Bauern. Der Landarchitekt erzählt. 18.45: Das Leben spricht! 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Bauernfunk. 20.15: Reichssendung: Stunde der jungen Nation. Gorch-Fock und seine Seefahrt. 20.45: „Der Bajazzo." 22.30: „Großes Funkoperet- ten-Potpourri." 24 bis 2: Konzert des NS.-Reichs- fymphonieorchesters. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) I. G. TI. in Tt. Sie können Ihren Nachbarn auf Unterlassung der Beeinträchtigung durch die auslaufenden Hühner verklagen und außerdem Ersatz des durch die Hühner angerichteten Schadens verlangen. Auch für die Beschädigung des Zaunes können Sie Ihren Nachbarn ersatzpflichtig machen. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Der Durchzug eines ausgedehnten Schlechtwettergebietes brachte auch uns am Montag verbreitete, meist sehr ergiebige Regentätigkeit, die zum Schluß gewittrige Formen annahm. In einem flachen Zwischenhoch kam dann Aufheiterung, lieber Frank- - reich macht sich jedoch eine neue, bereits kräftig entwickelte Störung bemerkbar, die rafch auch auf unser Wetter Einfluß nehmen wird. Aussichten für Mittwoch: Teilweise Gewitterregen, wechselnd bewölkt und immer noch einzelne Schauer bei lebhaften, von Süden nach Westen drehenden Winden, etwas kühler. Aussichten für Donnerstag: Fortdauer der unbeständigen Witterung, aber nicht durchweg unfreundlich. Lufttemperaturen am 3. Juni: mittags 16,5 Grad Celsius, abends 12,9 Grad; am 4. Juni: morgens 9,7 Grad. Maximum 17,6 Grad, Minimum 5,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Juni: abends 16 Grad; am 4. Juni: morgens 12,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 1,7 Stunden. — Niederschläge 4,2 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Han» Thvriot für Oen übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 35: 10688. Druck und Verlag: Drühl'sche Unioersttäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich In Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr« Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 6 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. •PREISE:'- 1.80'0:3^35 I/2 Liter 5.40 Haarausfall Schuppen verhütet SEBALDS HAARTINKTUR sie sorgt für volles Haar REISE: :80 ü/.3'.3,5 2 Liter 5.40 entrümpelt die Küchen. - Besichtigen Sie die Gasgeräte-Ausstellung Bahnhofstr. 29. Beratung und Vorführung unverbindlich. Gas-Gemeinschaft / Giefeen 3344 A Bis Pfingsten 20 und 50 cbm Gas-Gutschrift bei Rückgabe von alten Gaskochern und Gasherden. — Erleichterte Zahlungsweise Hausfrauen Älla Anzeigen-Aktiengesellschaft Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen und Zeitschriften Gießen/Schulstraße 7 Restaurant Zum Andres Die historische Gaststätte Gießens in der Sonnenstraße bietet durch ihre bekannt gute Küche und ihren Auerhahnbräu-Ausschank .-msA jedem Gast das Beste! Vereinszimmer u. Kollegs für jede Veranstaltung llllllllllllllllllllllllllllll 3wecksBek"ch1lg besun s prach- mi ««en !I8ein m Zeniten «""ter $rSi *»■ Arik! d“net» „t auf ? der c S?nnetfJSri W^1 °htze Brotgeireideang'ebok gehl fnflne? noch über die Nach« frage hinaus, besonders Roggen aus Norddeutschland wird stark offeriert. Hiesiger Weizen war nur knapp vorhanden, dagegen standen aus Norddeutsch» land und Bayern genügend zur Verfügung. Futter- aerste und Hafer waren nicht angeboten, auch ölhaltige Artikel und Kleie fehlten, die Nachfrage blieb stark. Nachmehle lagen vernachlässiat. Der Mehlmarkt verzeichnete weiterhin nur kleine Umsätze. Es notierten in RM.: Weizen W IX 210, W XIII 214, W XV 218, Roggen R IX 170, R XIII 174, R XV 178. Großhandelspreise der Mühlen des ae- nannten Preisgebiets. Futtergerste G IX 172, G XI 175, G XII 177, Hafer H XIII 170, H XIV 172 (Großhandelspreise ab Station). Bei Wasserverladung über 100 Tonnen RM. 3,00 mehr. Weizenmehl W XIII 27,70, W XVI 28,15. Roggenmehl Type 997 R XIII 23,80, Type 815 R XIII 24,30, Type 997 R XV 24,20, Type 815 R XV 24,70 plus 0,50 RM. Fracht-Ausgleich. Weizennachmehl 17,25, Weizenfuttermehl 13,50. Weizenkleie w XIII 10,92, W XVI 11,13, Roggenkleie R XIII 10,20, R XV 10,44 (Mühlenfestpreis ab Mühlenstation). Soya- schrot 13,00, Palmkuchen 13,30, Erdnußkucken 14,50 (Fabrikpreise ab süddeutscher Fabrikstation). Treber 17,50 bis 17,75, Trockenschnitzel 9,70 bis 10,20, Heu 9,75, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt oder gebündelt 5,10. Kartoffeln: gelbfleischige hiesiger Gegend RM. 3,10 (unv.) per 50 kg bei Waggon- bezug. Tendenz: fast geschäftslos, da Angebot fehlt. 3n v-u« S!S peelen *' ssj d>e verein und Rheinstahl bis 0,40 v. H. Schwach waren dagegen Daimler mit 90,75 nach 92, auch Gesfürel gingen um 1 v. H. zurück. Am Kassamarkt war die Kursbildung uneinheitlich. Gesucht blieben u. a. Andreae-Noris Zahn, dagegen kamen Stempel mit 65 (68) zur Notiz. Am Rentenmarkt bröckelten Altbesitz auf 113,40 vom Hundert ab, sonst ergaben sich keine Veränderungen. Niedriger lagen auch zertifizierte Dollar- Bonds. Pfandbriefe bröckelten teilweise bis 0,25 vom Hundert ab, auch Stadtanleihen gingen meist leicht zurück. Von fremden Werten ließen Ungarn Gold auf 12,50 nach. Tagesgeld war zu 2,75 (3) v. H. etwas leichter. Abendbörse: gut behauptet. Die Abendbörse lag nach den Abschwächungen im Mittagsoerkehr gut behauptet. Nennenswertes Angebot'lag nicht mehr vor. Die Kulisse schritt verschiedentlich jju kleinen Rückkäufen, doch entwickelte sich kein größeres Geschäft, da man noch ziemlich Zurückhaltung bekundete. Gegen den Berliner Schluß war die Kursentwicklung nickt ganz einheitlich, die Veränderungen hielten sich aber mit 0,25 bis 0,50 v. H. nach beiden Richtungen in engen Grenzen. Fest lagen Scheideanstalt mit 227,50 (226) und Gebr. Junghans mit 91,25 (90,25). Mannesmann bröckelten noch etwas ab auf 88,25 bis 88 (88,25). Am Einheitsmarkt kamen IG. Chemie- Basel volleinbez. mit 181,25. (178) zur Notiz, Gritz- ner Maschinen ließen auf 44,50 (45) nach. Das Rentengeschäft war unbedeutend und auch kursmäßig traten kaum Aenderungen ein. Die Altbesitzanleihe war mit 113 (112,90) etwas höher, ferner zogen zertifizierte Dollar-Bonds geringfügig an. Von fremden Werten lagen 4 v. H. und 3,5Öpro- zentige Schweizer Bundesbahn mit 187 bzw. 177 noch je 1 o. H. fester, dagegen bröckelten Ungarn und Rumänen leicht ab. U: a. notierten: Altbesitzanleihe 113, IG. Farben- Bonds 131, 6 o. H. Stahloerein-Bonds 101,50, Reichsbahn Vorzugsaktien 119,90, 4.5 v. H. Franks. Hyp. Gold R 144,96, 4,5 v. H. Rhein. Hyp. Gold R 35 bis 39 96, 4,5 v. H. 1913er Ungarn 13,13, 1914er 13,13, 4 o. H. Goldrente, 13,20, 4 v. H. Einheitsrumänen 5,90, 5 o. H. innere Mexikaner 6,50, 3 v. H. innere Mexikaner 5,90, Bayr. Hyp. Bank 88,25, Commersbank 93, DD-Bank 95, Franks. Hyp. Dank 95,50, Pfälz. Hyp. Bank 87, Reichsbank 179, Buderus 106, Harpener 111,50, Mannesmann 88,25, bas 88, Mansfeld 115,25, Rheinstahl 113,50, Laura- hütte 25, Stahlverein 84,75, AKU. 56,65, AEG. 41, BMW. 133,50, Bekula 138,25, Berger 119, Conti Gummi 157, Deutsche Erdöl 113, Scheideanstalt 227,50, Deutsche Linoleum 167,25, Durlacher Hof 85, Licht & Kraft 133, IG. Farben 152, Feinmechanik Setter 78,50, Gesfürel 127,75, Goldschmidt 108,50, Gritzner 44,50, Holzmann 96,75, Junghans 91,25, Metallgesellschaft 107, RWE. 127,75, Schuckert 119,50, Südd. Zucker 181, AG. für Verkehr 90,50, Hapag 33,25. Frankfurter Schlochtviebmarkt. Frankfurt a. M., 3. Juni. Auftrieb: Rinder 951 (gegen 891 am letzten Montagsmarkt), darunter Norwegische Noten Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Note».......... Schwedische Noten Schweizer Noten... ......... . Spanische Noten...... Ungarische Rota Datum Man-selder Bergbau.........| Kokswerle.............. g Phönix Bergbau g Rheinische Braunkohlen 12 Rheinstahl................81/, Bereinigte Stahlwerke ol Otavi Minen ...............o Kaliwerke Aschersleben 5 Kaliwerke Westeregeln 5 Kaliwerke Salzdetfurth 7% Rhein-Mainische Mittagsbörse, lleberwiegend schwächer. Frankfurt a. M., 3. Juni. Was man bereits seit einigen Tagen- erwartet hatte, ist nunmehr eingetreten: die anhaltende Steigerung an den A k - tienmärkten wurde abgeftoppt. Die Beruhigung an den internationalen Devisenmärkten, die durch die Ablehnung der schweizerischen Krisen- Jnitiatioe noch verstärkt wurde, veranlaßte zu abwartender Haltung. Die Kulisse schritt in stärkerem Umfange zu Realisationen, dagegen lagen von der Kundschaft immer noch Kaufaufträge vor, die aber durch die vorerwähnten Verkäufe überschattet wurden, so daß die Tendenz überwiegend schwächer war. Auch die Hinweise über die allzu starke Steigerung der Aktienkurse blieb auf die Dispositionen der berufsmäßigen Kreise nicht ohne Einfluß. Im Durchschnitt ergaben sich Abschwächungen von 1 bis 2 0. H. Einige Papiere vermochten sich noch weiter zu befestigen, so waren u. a. Lechwerke Augsburg 1,40 0. H., AEG. bei wieder größeren Umsätzen 0,25 v. H., RWE. und Gesfürel je 0,50 v. H., ferner Holzmann, Eßlingen Maschinen und Rhein. Braunkohlen bis 0,75 d. H. fester. Stärker unter Druck standen Montanaktien, insbesondere Rheinstahl mit minus 2,65 und Stahlverein mit minus 1,75 und Mansfelder Bergbau mit 115,25 (119,50) v. H. Von Kaliaktien büßten Salzdetfurth 2,50 v. H. ein. Stärkere Rückschläge erfuhren auch Elektroaktien, wobei Akkumulatoren, Licht und Kraft, Felten und Lah- meyer bis 2,75 v. H. nachgaben. Siemens lagen noch 0,75 v. H. höher, allerdings lag der Berliner Schlußkurs am Samstag 2,50 v. H. über dem von Frankfurt. Matt lagen ferner Maschinenwerte, Moenus minus 2,50, Mulag minus 2 v. H. Motorenaktien gaben bis 0,75 0. H. nach. Don Zellstoffwerten verloren Waldhof 2,25 v. H. Am Chemiemarkt gingen JG.-Farben 0,50, Deutsche Erdöl 0,75, Goldschmidt 2 v. H. zurück, während Scheide- anstalt und Rütgerswerke voll behauptet blieben. Von Verkehrswerten ließen AG. für Verkehr 1 und Allg. Lokal und Kraft 1,25 v. H. nach. Matt lagen außerdem Kunstseide AKU. mit etwa 57 Brief (58,65). Der Rentenmarkt blieb trotz der neueren Entwicklung des Aktienmarktes vernachlässigt, und die Kurse lagen sogar schwächer. Man nimmt an, daß teilweise Verkäufe zur Finanzierung der letzten Aktienkäufe vorgenommen wurden. Pfandbriefe waren ebenfalls angeboten. Altbesitz gaben exkl. Ziehung etwa 0,40, späte Schuldbuchforderungen 0,25, Zinsoergütungsfcheine 0,13 v. H. nach. Kom- munal-Umschuldung blieben mit 89,50 gut gehalten. Don fremden Werten verloren Goldmexikaner 1 v. H., auch andere mexikanische sowie ungarische und rumänische Anleihen lagen bis 0,40 v. H. niedriger. Im Verlaufe war das Geschäft sehr klein und die Kursentwicklung nicht ganz einheitlich, es überwogen aber noch leichte Abschwächungen von etwa 0,25 bis 0,75 v. H. Befestigt waren Bekula mit 137,25 bis 138 (136,65), ferner gewannen Stahlver- schen Wolloerbrauch und Wollerzeugung Hal In den letzten Jahren ganz erschreckende Formen angenommen. Während Deutschland in der Mitte des vorigen Jahrhunderts noch ein Ausfuhrland für Wolle war und sogar die besten Qualitäten auf den Markt brachte, werden heute nur 7 bis 8 o. H. des Wollbedarfs aus eigener Scholle gedeckt. Noch zu Beginn der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zählte man mehr als 28 Millionen Schafe gegen heute fnapp 3,5 Millionen Stück. Dieser Rückgang ist Wirtschaftsmethoden zu verdanken, die unsere Schafzucht der Konkurrenz der überseeischen Länder auslieferte, welche die Wolle unter viel günstigeren Bedingungen und viel billiger erzeugen konnten, als es bei uns im Jnlande möglich war. Für die deutsche Textilwirtschaft bedeutete diese Tatsache die völlige Abhängigkeit von den Ausfuhrländern. Unsere Handelsbilanz ist in den letzten Jahrzehnten durch die hohe Wolleinfuhr naturgemäß besonders schwer belastet. Noch im Jahre 1933 mußten wir für 365 Millionen Reichsmark Wolle einführen, um unseren Bedarf zu decken. Der durchschnittliche Wert der Wolleinfuhr in den Jahren 1925 bis 1933 betrug jährlich rund 400 Millionen Reichsmark. Diese Zahlen sprechen für sich! Es ist daher eine volkswirtschaftliche Pflicht, alle Kräfte zu mobilisieren, um nicht nur der weiteren Vernichtung der deutschen Schafzucht Einhalt zu gebieten, sondern darüber hinaus mit dem Wiederaufbau der Schafzucht zu beginnen. Wenn wir unseren Wollbedarf einigermaßen aus eigener Erzeugung decken wollen, so müssen wir ungefähr einen Bestand von 32—35 Millionen Schafen haben. Brief 2,443 41,98 54,29 12,16 16,325 167,70 20,00 61,12 langjährigen treuen Dienste geschaffen. Diesen Arbeitern der Stadt wird nach lOjähriger Tätigkeit in städtischen Diensten eine Lohnzulage von fünf Pfennigen pro Stunde, für jede weiteren fünf Jahre eine weitere Lohnzulage von je drei Pfennig pro Stunde gewährt. Auf diese Weise sollen diese treuen Diener der Allgemeinheit in verdienter Weise mit ihrem Einkommen bessergestellt werden. Diese beispielhafte Neuerung verdient alle Anerkennung. Landkreis Gietzen. § Mainzlar, 3. Juni. In unserer Gemeinde wurden in der letzten Woche durch den BdM. an Pfundspenden (Lebensmittelopferring) 22 Pfd. Mehl, 24 Pfd. Reis, 5 Pfd. Bohnen, 3 Pfd. Zucker, 2 Pfd. Linsen, 2 Pfd. Erbsen, 1 Pfd. Graupen, 1 Pfd. Gries, 1 Pfd. Gerste, 1 Pfd. Schweineschmalz und 2 Pfd. Nudeln, insgesamt 64 Pfund, gesammelt. = Steinbach, 3. Juni. Daß die hier seit Monaten herrschenden an st eckenden Kinderkrankheiten noch nicht zu Ende sind, zeigte die vergangene Woche. Fünf neue Scharlach- fälle traten in dieser Woche auf. "Y~ Watzenborn-Steinberg, 3. Juni. Die Jagd in der Gemarkung Watzenborn-Steinberg und der Feldgemarkung Ober-Steinberg wurde neu verpachtet. Es wurden folgende Preise erzielt: Die Jagd in der Feldgemarkung Ober-Steinberg mit 304 Hektar wurde dem Georg W a l d s ch m i d t (Leihgestern) mit 330 Mark genehmigt, dagegen die der Gemarkung Watzenborn-Steinberg mit 650 Hektar für 400 Mark nicht genehmigt. * Großen-Linden, 4. Juni. Gestern wurde hier bei einem Einwohner von der Gendarmerie ein Ledermantel s i ch e r g e st e l l t, der am 1. Mai in Dorlar (Kreis Wetzlar) während der damaligen Feierlichkeiten aus einem Auto gestohlen worden war. Der Mann will den Ledermantel angeblich in einiger Entfernung von dem Auto gefunden haben. 8Lang-Göns,3. Juni. Der Evangelische Frauenverein von hier unternahm gestern einen Ausflug nach Bad Ems. Eie Sonoerzug brachte die Teilnehmer — es waren über 120 — nach dem Reiseziel. Unterwegs konnten die Schönheiten des Lahntals bewundert werden. Nach Besichtigung der Anlagen und der Stadt Ems fuhr ein großer Teil auf einem Schiff bis zur Burg Stolzenfels. Der Tag wird für alle Teilnehmer eine schöne Erinnerung fein. Kreis Bübingen. * Berstadt, 4. Juni. Ein schwerer Un- gl ü ck s f a l l ereignete sich gestern in unserem Orte. Hier stürzte der 18 Jahre alte Karl Rudel bei Arbeiten in der Scheune des Maurermeisters Rudolf Storck so unglücklich ab, daß der bedauernswerte junge Mensch mit schweren inneren Verletzungen, u. a. wahrscheinlich Verletzungen des Beckens, nach Gießen in die Klinik überführt werden mußte. Kreis Dehlar. T Waldgirmes, 3. Juni. Die ©enbarmerie» Hauptwachtmeister Kroll von hier, Fischer in Rodheim und Hoener in Hohensolms wurden mit dem Schlageter-Schild ausgezeichnet. Sie find an den Freikorpskämpfen im Westen und Osten beteiligt gewesen. Feldbereinigungen zumBau derNeichS- autobahn in Oberheffen. In den Gemarkungen Garbenteich, Steinbach, Albach, Oppenrod, Burkhardsfelden und Reiskirchen soll nunmehr die Durchführung von Feldbereinigunaen zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung bei der Ausführung der Reichsautobahn in Oberhessen erfolgen. Die Wahl der zur Vollzugskommission zu berufenden zwei einheimischen Sachverständigen und zwei Stellvertreter, sowie der von den beteiligten Grundeigtn- tümern zu bestimmenden zwei Schiedsrichter und zwei Stellvertreter ist wie folgt anberaumt worden: Für die Gemarkung Reiskirchen am Donnerstag, 6. Juni, vormittags 9.30 bis 10.30 Uhr im Saale der Wirtschaft Fritzel, Reiskirchen. Für die Gemarkung Burkhardsfelden am Donnerstag. 6. Juni, nachmittags 2.30 bis 3.30 Uhr, in der Wirtschaft Wilhelm Hinter Wwe., Burkhardsfelden. Für die Gemarkung Oppenrod am Donnerstag, 6. Juni, nachmittags 5 bis 6 Uhr, im Saale der Wirtschaft Weller, Oppenrod. Für die Gemarkung Garbenteich am Donnerstag, 13. Juni, vormittags 7.30 bis 8.30 Uhr, im Saale der Wirtschaft Karl Steug, Garbenteich. Für die Gemarkung Steinbach am Donnerstag, 13. Juni, vormittags 10.30 bis 11.30 Uhr, im Saale der Wirtschaft „Zum Ritter", Steinbach. Für die Gemeinde Albach am Donnerstag, 13. Juni, nachmittags 2 bis 3 Uhr, im Saale der Wirtschaft Lauer, Albach. Die Wahl ist geheim und geschieht durch Abgabe von Stimmzetteln während der Wahlzeit, sofern nicht Einigung auf einen Wahlvorschlag erfolgt. Jeder beteiligte Grundeigentümer, der Grundeigentum im Bereinigungsbezirk hat, hat eine Stimme, auch wenn er mehrfach bevollmächtigt ist. Beteiligte können sich durch Bevollmächtigte, die mit einer von einer Behörde beglaubigten oder ausgestellten Vollmacht versehen sind, vertreten lassen. Gewählt ist, wer die Mehrbeit der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. Kommt eine gültige Wahl nicht zustande, so hat die Landeskommission die Sachverständigen und die Schiedsrichter zu bestellen. Der Umfang des Teilbereinigungsbezirks in den Gemarkungen Oppenrod, Garbenteich und Stein- bad), die nur teilweise bereinigt werden, ist aus den auf der Bürgermeisterei Oppenrod ab 29. Mai, auf den Bürgermeistereien Garben- t e i ch und Steinbach ab 5. Juni offenliegenden Karten ersichtlich. Die außerhalb der Gemarkungen wohnenden beteiligten Grundeigentümer (Ausmärker) werden aufgefordert, zur Wahrung ihrer Jnterell-n eine in der jeweiligen Bereinigungsgemarkuno wohnhafte Persönlichkeit zu bestellen, die ihrem Auftraggeber insbesondere von örtlichen Bekanntmachungen und Terminen Nachricht geben soll. Eine weitere besondere Zuschrift an die Ausmärker im Laufe des Bereinigungsverfahrens erfolgt nicht. praktischer Dank der Allgemeinheit. * Butzbach, 4. Juni. Unsere Stadtverwaltung hat bei einer Neuordnung der Arbeitslöhne für solche städtische Arbeiter, die lange JahreimDienst der Stadt tätig sind, eine praktische Art des Dankes der Allgemeinheit für die Belgische Roten... Dänische Noten .. Englische Noten .. Französische Noten Holländische Noten Italienische Noten. Daimler Motoren .... Deutsche Linoleum ... Orenstein & Koppel .. Westdeutsche Kaufhof. Chade .............. Becumulatoren-Fabrik Tonti-Gummt....... Hamburg-Amerika-Paket o Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 Norddeutscher Lloyd .........o A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz, und Privat-Bank... 0 Deutsche Bank und Diskonto- Gesellschaft................0 Dresdner Bank Reichsbank ................ 12 Goldschmidt .... Rütgerswerke ... Metallgesellschafl. 41,4 I 41 134 I 138,25 Buderus ...... Deutsche Erdöl Gelsenkirchener Harpener................. Hoesch Eisen-Köln-Neuesseu Ilse Bergbau ............. Ilse Bergbau Genüsse Klücknerwerke Mannesmann-Röhre» ..... Mu (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg................... Zellstoff Waldhof ............0 Zellstoff Aschaffenburg 0 Dessauer Gas ............... 7 . 0 . 6 , 0 . 0 . 0 12 e 4 122,25 4| 108,75 Datum 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 6'/i% Poung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Mlös.-Schuld mit AuSlos.-Rechten ............. 4‘/»% Deutsche ReichSpostschatzan. Weisungen von 1934, I....... 6% el)em.8% Hess. Bolköstaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 4H% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ t>Vi% ehem. Hess. Landes-Hypo- thekenbank Darmstadt Lioui ... 4%% ehem. 8% Darmst. Komm. LaiideSb.Goldschuldvcrschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mü AuSlos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Eammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten *%% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar 618 1935 6%% ehem. 4%% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriefe....... 5%% ehern. 4tz% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe 4kj% ehem. 8% Pr. Landespfand. vriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4%% ehem. 7% Pr. Landespfand- bciefanst., Gold Komm. £61.VI Eteuergutkch.BerrechnungSk. 35-39 • 6 133,5 i IHl 100 >. O| 89,25 I Frankfurt a. M Scrlin Schluß- kurs Schluß!. Abmdbörse Schluß- rurri Schluß!. Mittag- börse Datum 1.6. 3-6 1.6. 3-6. 4% desgl. Serie II ............ 19,5 5% Rumän. vereint;. Rente v. 1903 7,5 7,25 7,13 4^%Rumün.vereinh.Rentev.l913 10,4 __ 10,25 10,25 4% Rumänische vereinh. Rente .. 6,3 5,9 6,13 6 2V4% Anatolier ............... 39,75 38,9 39,9 39,25 Frankfurt a.M. Berlin Schluß- !urd Schluß!. Abendbörse Schluß- turd Schloßt. Mittag- börse 16 3 6. 1.6. 3.6 100,13 100,13 100,13 100,13 97 97 97 97 103,4 103,5 103 103,75 — 113 — 112,9 100,65 100,6 100,5 100,4 98,75 98,75 — 98,75 96,5 96,5 v- — 100,6 100,75 — — 92,25 92,25 — — 124 124 — — 115,4 115,25 115,75 116 96,13 96 — — 100,55 100,5 — — 101 100,9 101,13 100,9 96,75 96,75 96,75 96,75 96,75 96,75 96,75 96,75 106,25 106,25 106,25 106,25 — — 33,75 34,5 1,6 1,65 1,5 1,65 13 13,2 13,13 13,3 13,25 12,5 13 13,2 13 13,13 13 13,4 14,5 13,65 14,5 13,9 12,5 — 12,75 — Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börse Echluß- kurs Schluß!. Mittag« börse 1.6. 36- 1 6. 3-6 — 115,25 118 115,5 —— — 125,4 125,25 —— — — ——- 229 229,75 228,25 229,25 115,75 113,5 115,5 113,25 86 84,75 85,4 84,5 18,65 18 18,25 17,65 127,5 126,5 127,75 125 127 124 127,65 124,9 179 175 177,75 176 I.Zunl 3 Funl Amtliche Notierung Geld | Brief Amtliche Notierung Geld | Brief 0,658 0,662 0,658 41,98 42,06 41,98 0,149 0,151 0,149 3,047 3,053 3,047 54,41 ' 54,51 54,28 46,71 46,81 46,72 12,185 12,215 12,155 5,375 5,385 5,36 16,325 16,365 16,325 166,98 167,32 167,15 20,51 20,55 20,51 0,717 0,719 0,715 5,649 5,661 5,649 61,25 61,37 61,09 48,95 49,05 48,95 11,06 11,08 11,035 62,84 62,96 62,68 80,12 80,28 80,32 33,83 33,89 33,86 10,34 10,36 10,335 2,475 2,479 2,471 Banknoten. Berlin,Z.Funi Geld Nr.128 Drittes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 4-Zuni 1955 Aus der Provinzialhauptstadt. „Maien/' In Deutschland ist es vielfach Brauch, zur Aus- Schmückung von Straßen, Häusern und Wegen mit ungen Blättern bedeckte Birken aufzustellen. Bei 'en früher alljährlich auf Pfingsten stattfindenden Konfirmationen, die heute auf einen früheren Zeitpunkt verlegt sind, war es auch bei uns in Hessen Sitte, Birken oder „Maien" als Festbaum zu benützen. Mit ihren weißen Stämmchen, ihren schlanken Zweigen und ihrem hellgrünen Laub verkörperten die zierlichen Birken so recht den Frühling, mochten sie in zwei Reihen vor dem Eingang der altehrwürdigen Dorfkirche aufgestellt sein, oder einzeln die Häuser kennzeichnen, in denen ein Konfir- ML 1 • • * in Birken im Wald. — (Aufnahme: Vogt, Gießen.) mand mit seinen Angehören wohnt. Dieser Brauch, an Festen Birkenbäumchen zum Schmucke der Straßen und Eingänge aufzustellen, hat seinen Ursprung in der Feier des in diese Zeit fallenden altgermanischen Frühlingsfestes. In Deutschland sind zwei Arten zu Bäumen Heranwachsender Birken zu unterscheiden. Die warzige Birke, auch Weiß- oder Mai-Birke (Betula verrucosa) genannt, ist ein 3 bis 25 Meter hoher Baum mit glänzend weißer Rinde, die nach unten von einer dicken, hartrissigen Steinborke bedeckt ist. Diese Birke hat dreieckig-rhombische, in eine etwas verlängerte Spitze auslaufende Blätter. Die jungen Zweige find mit warzigen Harzdrüsen bedeckt. Aehnlich der Kiefer braucht die Weißbirke viel Licht und nimmt mit dem ärmsten Boden vorlieb. Sie ist der Charakterbaum sandiger Landstriche, und wer Brandenburg und die norddeutschen Heide- gebiete je durchwandert hat, wird die herbe Schönheit dieser Gegenden und die Abwechselung, welche die weißstämmigen Birken in die etwas düsteren Farben der Landschaft bringen, stets wohltuend empfunden haben. Die eigenartige Schönheit der durch die einsame Heide ziehenden leuchtenden Bir- kenwege bildet immer wieder das Entzücken des Wanderers. Manchmal, besonders gegen den Ror- den hin, bildet unsere Birke zusammen mit Weiß- erle und Esche ausgedehnte Wälder. Die weichhaarige oder Moor-Birke (Betula pubescens) unterscheidet sich von der vorigen Art durch in der Jugend behaarte nicht zugespitzte Blätter und das Fehlen der Harzdrüsen an den jungen Zweigen. Auch bildet sich auf der Rinde erst viel später eine rissige schwarze Borke. Die Moorbirke Aufruf -es Gauleiters. Ehemalige Arbeitsdienstler dürfen nicht in Not kommen. LpD. Reichsstatthatter Gauleiter Sprenger erließ kürzlich folgenden Aufruf! Der Arbeitsdank, dem die Betreuung von ehemaligen Arbeitsmännern obliegt, wird von mir auf das wärmste unterstützt. Da die Betreuung nicht nur die Ueberführung der ausscheidenden Arbeitsdienstmänner ins Erwerbsleben umfaßt, sondern auch die gesamten fürsorglichen Maßnahmen auf jedem Gebiete, ist eine Förderung des Arbeits- dankes, der die Fürsorgeorganisation des Arbeitsdienstes darstellt, tatsächlich ein Gebot unserer Tage. Die erneute Erwerbslosigkeit von Arbeitsdienstmännern muh durch die Mithilfe aller unmöglich kommt, wie schon ihr Name verrät meist auf Moor- brüchen und sumpfige torfigen Stellen des Waldes vor. Sie ist es, welche die norddeutschen Moorlandschaften ziert. Auf dem Hochmoor im Oberwald unseres Vogelsberges ist sie ebenfalls in einigen Exemplaren vertreten. Beide Birkenarten sind weit nach Norden oer- brellet, und die Moorbirke, deren Verbreitungsbezirk etwas weiter nördlich reicht, als derjenige der Warzenbirke, ist der nördlichste Baum Europas. Auf Grünland, wo ein letzter Arm des Golfstromes die Südküste umspült und ein noch Pflanzenwuchs aufkommen lassendes Klima bewirkt, bilden Birken die äußersten Vorposten der Baumflora gegenüber der unwirtlichen, lebensfeindlichen Zone ewigen Eises. Sie treten hier nur noch in lichten Gehölzen auf und sind durch den steten Kampf mit dem rauhen Klima verkrüppelt Das Holz unserer beiden Birkenarten ist weich und kann daher nur zu bestimmten Zwecken, wie zur Herstellung von Mulden, Löffeln, Holzschuhen, Tabaksdosen usw. verwandt werden. Stücke mit schönen Maserungen werden allerdings auch in der Möbelindustrie verarbeitet. In nordischen Gegenden wird die Rinde als Gerbmaterial benützt und in der Dachdeckerei verwertet. Der Lappe fertigt aus ihr Schuhe, Körbchen und ähnliche Gegenstände. Durch Destillation der Rinde erhält man besonders in Rußland den Birkenteer, auch Juchtenöl genannt, der dem Juchtenleder seinen eigentümlichen Geruch verleiht. Durch Anbohren der Stämme wird im Frühjahr der Birkensaft gewonnen, welcher etwa 2 Prozent Traubenzucker enthält. Er bildet in manchen Gegenden ein beliebtes, wohlschmeckendes Getränk. Die schlanken Birkenzweige werden zu Besen verarbeitet. Die Birken bilden, wo sie auftreten, ob im gepflegten Park, oder in der urwüchsigen Heide, oder im dunklen Nadelwald stets eine Zierde der Landschaft. Gleich einem losen Gewand hängen die Zweige mit ihrem Blätterschleier um sie herum. Das silberne Weiß der weithin leuchtenden Stämme verbindet sich mit ihrer Umgebung zu einem einzig schonen Farbenakkord. Dem einsamen Moor, wie der weiten unfruchtbaren Heide verleiht die Birke Stim- mung und Charakter. Durch die Weichheit ihrer Form und den Glanz ihrer Farben mildert sie die düstere Schwermut des Nadelwaldes. Es ist kein Wunder, daß die Birken immer wieder das Auge des Malers auf sich lenken und dem Menschen die Heimat lieblicher gestalten. Wegen ihrer zarten Schönheit ist die Birke mit Recht das Symbol des Frühlings unh h;- Mai-" h»« beuHdien Volkes geroorhr'r v dornotiien tagestalenber für Dienstag: NSG. ,Kraft durch Freude": 19 bis 21 Uhr Sport- und Spielbetrieb auf dem Universitätssportplatz: 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Aufforderung zum Tanz". — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandgemacht werden. Wenn Städte und Gemeinden, Beamte des Staates und der Kommunen, Arbeiter und Angestellte, Industrie, handel und Handwerk aufgefordert werden, dem Arbeitsdank als ZUit- gtted beizutreten, so entspricht es meinem Wunsche, daß der Arbeitsdank in sämtlichen Kreisen der Stadt- und Landbevölkerung herzlichsten Widerhall finden möge. Ich erwarte die Mitarbeit aller, denn wir müssen uns immer eingedenk sein, daß nicht die Kot die Wurzel der Hoffnungslosigkeit ist, sondern das Gefühl, in der Jlot verlassen zu sein: und dazu dürfen unsere ehemaligen Arbeitsmänner in unserem Gaugebiet nicht kommen. heil Hitler! Sprenger. platz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung Christian Rohlfs- Hagen. — 16 und 20 Uhr im Katholischen Vereins- Haus Koch-, Brat- und Back-Vorführungen. Einführung des neuen kommissarischen polüeiöirektors in Gießen. Gestern nachmittag wurde der Oberstleutnant a. D. der Landespolizei Karl Meusel aus Essen, der vom Reichs- und Preußischen Minister des Innern auf Vorschlag des Reichsstatthalters in Hessen, Gauleiter Sprenger, zum kommissarischen Polizeidirektor in Gießen ernannt worden ist, von dem Leiter der Polizeiabteilung der Hessischen Landesregierung, Regierungsrat Dr. Schultze, in Anwesenheit des Leiters der Zentralabteilung der Landesregierung und Vertreter des Gau-Personalamtes des Reichsstatthalters, Verwaltungsdirektor Löwer, in sein Amt eingeführt Nachdem Regierungsrat Dr. Schultze seine einführenden Worte beendet hatte, wurde der neue Polizeidirektor von Verwaltungsdirektor Löwer im Namen des Reichsstatthalters in Hessen auf sein Amt verpflichtet mit der Aufforderung, die Polizei in Gießen in straffer Disziplin zu führen. Anschließend wurden dem neuen Leiter der Polizeidirektion die Abteilungsvorsteher der einzelnen Polizeidienststellen vorgestellt. ^ott der Universität. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der Herr Reichs- und preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat dem Professeor in der Medizinischen Fakultät unserer Universität Dr. Eberhard Koch einen Lehrauftrag über Luftfahrtmedizin für das Sommerfemester 1935 erteilt Privatunterricht und Halten von Pensionären durch Lehrkräfte. Die Landesregierung — Abteilung II — hat den Direktionen der höheren Schulen, der gewerblichen Unterrichtsanstalten und den Kreis- und Stadtschulämtern folgende Verfügung zugehen lassen: Um eine einheitliche Bearbeitung der Anträge von Lehrpersonen auf Erteilung der Genehmigung zur Uebernahme von Privatunterricht und zum Halten von Pensionären herbeizuführen, ordne ich im Einverständnis mit dem Herrn Reichs- und preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung an: Festbesoldete Leiter und Leiterinnen und Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen höheren, mittleren und Volksschulen dürfen grundsätzlich keinerlei Privatunterricht erteilen. Ausnahmen können nur dann gemacht werden, wo, wie es vor allem in Dörfern und kleinen Städten oft der Fall ist, Eltern von Schulkindern eine besondere Ausbildung ihrer Kinder wünschen und andere Lehrkräfte nicht zur Verfügung stehen. Nicht fest angestellten Lehrkräften kann die Er» laubnis zur Erteilung von Privatunterricht von dem Schulleiter (Kreisschulrat usw.) auf Antrag von Fall au Fall erteilt werden, jedoch mit der Maßgabe, daß der öffentliche Dienst darunter nicht leidet. Ein gewisses Höchstmaß der Stundenzahl soll auch hier nicht überschritten werden. An Schüler und Schülerinnen der eigenen Klassen dürfen auch nicht fest angestellte Lehrkräfte keinen Privatunterricht erteilen. Das Halten von Pensionären ist den fest angestellten Leitern und Leiterinnen und Lehrern und Lehrerinnen an öffentlichen Schulen sowohl in der eigenen Wohnung als auch in den Räumen der im Hause wohnenden Verwandten oder Untermieter untersagt. Ausnahmen sind nur in ganz besonders gelagerten Fällen mit meiner Genehmigung zugelassen. Gtaatsjugeniftaa und Schulen. Die Landesregierung — Abteilung II — weist in einer Verfügung an die Direktionen der höheren Schulen und an die Kreis- und Stadtschulämter darauf hin, daß nach einer Entscheidung des Reichsund preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 30. März 1935 d i e Schüler bzw. Schülerinnen, die am Staatsjugendtag vorn Dienst im Jungvolk bzw. BdM. beurlaubt sind, am Schulunterricht teilnehmen müssen. Die Schulleitungen sind angewiesen, das zur Durchführung dieser Anordnung Erforderliche zu veranlassen. Die Mannschaftskämpfe und -spiele in den hessischen Schulen. Den Direktionen der höheren Schulen und den Kreis- und Stadtschulämtern ist folgende Verfügung der Landesregierung — Abteilung II — zugegangen: Um die Vorbereitungen für das am 22./23. Juni stattfindende Deutsche Jugendfest 1935, dessen Inhalt und Gestaltungsrahmen jetzt zur Vorlage kommen, genügend treffen zu können, wird hiermit angeordnet, daß die Durchführung der bereits ausgeschriebenen Mannschaftskämpfe und -spiele in den hessischen Schulen für das Jahr 1935 hinausgeschoben wird. Wettspiele und -kämpfe der Schulen untereinander dürfen erst nach den Sommerferien beginnen. Die restlose Durchführung muh dann beschleunigt vorgenommen werden. NS. Bund Deutscher Technik (früher KOAI ). Bezirk 6 (Gießen — Alsfeld — Lauterbach —» Scholten). 1. Die bisherigen Mitglieder (Mitarbeiter) des NSBDT (KDAJ) werden gebeten, soweit sie Mitglieder der NSKOV. (Nat.-Soz. Kriegsopfer-Vers.) sind', dieses dem Kreis-Amtsleiter zwecks Ergänzung der Kartei sofort (spätestens bis 7. 6. 35) mit Postkarte bekanntzugeben. Tag des Eintritts in die NSKOV. ist mitanzugeben. 2. Ab 1. 4. 35 gehören alle Parteigenossen technischer Berufe zum NS. Bund Deutscher Technik, sofern sie einem „RTA."-Verein (Reichsgemeinschaft techn. Wissenschaft!. Arbeit) angehören. Mitgliedsbeitrag zum NSBDT. wird nicht erhoben. Zwecks Eingliederung der Pg. in den NSBDT. werden diese gebeten, sich umgehend zu melden (Postkarte), damit ihnen der vorgeschriebene Aufnahmeschein Überschickt werden kann. NS. Bund Deutscher Technik Gießen Postfach 81, Ruf Nr. 2045. jumcna, wundervoll Mörike als Geisterseher. Ium 60. Todestage des Dichters am 4 Juni. Nicht des schönen Werkes des Dichters, der den Ruhm erwarb, der größte deutsche Lyriker nach Goethe gewesen zu sein, sei hier gedacht, sondern einiger schlichter Züge im Leben des Pfarrers von Cleverfulzbach. Im Herzen nach jenem gehelm- nisoollen Land Orplid verlangend, das er so sehn- üchtig besungen hat, war Mörike auch bei Begegnungen in seiner Sinnenwelt leicht geneigt, eine andere höhere Wirklichkeit in ihr zu suchen. Seine Gespräche mit Justinus Kerner, der im benachbarten Weinsberg wohnte, bestärkten ihn in diesem Glauben an eine Einwirkung fremder unbekannter Kräfte auf das Seelenleben des Menschen. Mörike und Kerner waren sich als Naturen zu verwandt, als daß sie sich nicht auch in ihrer Geistergläubigkeit und ihrer Vorliebe jur das jenseitige und die Nachtseiten der Natur getroffen hätten. Kerners „Seherin von Prevorst" hatte unter anderem auch von einem merkwürdigen lüberglauben Notiz genommen, der vor einem Jahrhundert in der Umgegend von Cleversulzbach aufgerominen war. Er besagte, daß der Pfarrer R a b a u sch nächstens umgehe, der dort einst gelebt und ,ich durch seinen bösen Lebenswandel diese Strafe der Ruhelosigkeit nach dem Tode zugezogen habe. Als Mörike bei der Lektüre auf diese Kunde fnep, erinnerte er sich sofort vieler eigener unbeeinflußter Wahrnehmungen jenes Hausgeistes und beobachtete von nun an dessen Aeußerungen mit größter Aufmerksamkeit. Nach des Dichters Meinung per übte jener wüste Amtsvorgänger nämlich tatsächlich vielen handgreiflichen Spuk; so wanderte er zur Nachtzeit nach Geistersitte durch die Räume und machte allerlei Unfug, bald die Schlafenden durch ein Läuten der Klingel aufschreckend, bald seltsame Geräusche von sich gebend und dann gar die Hausbewohner durch ein unsichtbares Berühren verwirrend, die nicht wenig über diesen friedlosen Pfarrer entsetzt waren. Wie ernsthaft sich Mörike mit dem Geist seines Amtsbruders auseincmderge- setzt hat, ist der bedeutsamen Rolle zu entnehmen, die jener Spuk in feinen Briefen und in feinem Leben spielte. „Der alte Maulwurf regt sich immer noch", schrieb der Dichter im Jahre 1840 an einen Freund und erzählte, er habe, da das Glöckchen in der Stube des Vikars sich von Zeit zu Zett auf unerklärliche Weise rege, den Boden aufqe- brachen, ohne allerdings eine Spur des Geistes zu finden. Justinus Kerner war natürlich Feuer und- Flamme für diesen Poltergeist und bestärkte Mörike in seinem Glauben daß sich hier wirklich ein Spuk betätige. Daneben hat Mörike auch zahlreiche Wundergeschichten, die ihm selbst widerfahren seien, ausgeschrieben und als Beweise für ahnungsvolle Beziehungen zwischen räumlich getrennten Menschen mitgeteilt. Auch sein Entschluß, Margarete von Speth um ihre Hand zu bitten, hing mit einer solchen Wundergeschichte eng zusammen, die er in einer Zeitschrift als Beispiel für „momentanes Fernsehen der Seele im schlafenden, völlig gefunden Zustand" veröffentlicht. Eines Nachts, so berichtete er, habe ihn das Gefühl geweckt, als wenn ihm kalte Tropfen ins Gesicht gespritzt würden, ohne daß er irgendwelche Spuren davon entdecken konnte Als er tags darauf in Gegenwart Gretchens den Vorfall erzählte, wurde sie sehr nachdenklich und gestand ihm später ein, sie habe in der Nacht, als sie bei ihrem Vater wachte, in einer ungewöhnlich erhöhten Stimmung ihr Gebet verrichtet und nächst ihren Angehörigen auch die befreundete Familie eingeschlossen Danach habe sie, was sie sonst nie tat, in der Richtung der Lagerstätte eines jeden, einige Tropfen Weihwasser gesprengt. Moritz d. Schwind, mit dem Mörike in den letzten Jahren seines Lebens befreundet war, hörte sich zwar alle diese Berichte an, steuerte aus Gutmütigkeit wohl auch eine ober die andere Geschichte bei, aber sonst erklärte er ketzerisch, es sei mit der Geisterseherei am Ende nicht anders wie mit dem Siegellack, der zwar, wenn man ihn reibe, allerlei Papierschnitzel und dergleichen anziehe, im Grunde aber doch zu nichts anderem als wm Vetschieren auf der Welt nütze sei Auch eine Zeichnung Mörikes ist em anschauliches Zeugnis für das mangelnde Verständnis Schwinds für diese Vorgänge in der Geisterwelt. Mörike hatte dem Freunde Da um er 9 „Geisterreich" zu lesen gegeben, aber der Maler schlief darüber ein und wurde erst durch eine Katze, die sich unversehens auf seinen Bauch setzte, aus dem Schlaf aufgeschreckt Mörike, der mit Kopfschütteln beobachtet hatte, daß die Geister den braven Schwind nicht beunruhigen konnten, hat jene Szene in ein$r Zeichnung festgehalten Bei all diesen Geistergeschichten aber darf man nicht etwa glauben, daß es Mörike an Wirklichkeitssinn mangelte. Er konnte für einen Dichter zu- weilen sogar sehr realistisch und unpoetisch sein, was Emanuel Oeibel einst nicht ohne Verwun- berung seststellte. Es wird nämlich erzählt, daß Mörike einmal im Wagen von Stuttgart nach Cannstatt fuhr. Dabei bedeckte sich der Sommerhimmel mit Wolkenflocken, die von der untergehenden Sonne beschienen wurden. Wahrlich ein Himmel für Poeten! „Welch ein Schauspiel, lieber Mörike!" rief denn auch (Seibel voll Entzücken aus, feinen Nachbar erregt am Arme fassend; Mörike aber sagte ganz schlicht- „Das heißt man bei uns Schäfte'" Kunst und Wissenschaft. Iubiläumstagung der Deutschen Bunsen-Gesellschaft. Die 4 0. Hauptversammlung der Deutschen Bunsen-Gesellschaft wurde im Lan- genbeck-Virchow-Haus in Berlin eröffnet. Professor Grimm (Ludwigshafen) erinnerte in seiner Eröffnungsansprache daran, daß jetzt 75 Jahre verflossen seien, seitdem Bunsen zusammen mit Kirchhoff die Spektralanalyse entdeckte und damit der Naturforschung ein epochemachendes Werkzeug geschaffen habe. Die Vorträge der gegenwärtigen Tagung, so führte er aus, gruppieren sich um das Thema: „Die Bedeutung der physikalisch-chemischen Forschung für öie deutsche Volkswirtschaft" und stellen sich damit mitten in unser großes Zeitgeschehen hinein. Die spezielle Aufgabe für die Chemiker aller Richtungen lautet: Wir müssen aus dem deutschen Boden und den deutschen Rohstoffen noch viel mehr herausholen als bisher und müssen den Bedarf in weit höherem Maße auf deutscher Basis decken. Wir müssen ferner fortfahren, aus unseren wenigen Rohstoffen hochwertige Ausfuhrgüter, wie Teerfarben, Anilinfarben, Heilmittel, Chemikalien aller Art, zu schaffen, um den Export auf diesem Gebiete nicht nur zu halten, sondern zu erweitern. Der Redner schloß mit einem Siegheil auf den Führer In der Reihe der zusammenfassenden Vorträge behandelte Professor Dr. Grimm die Bedeutung der Chemie für die deutsche Volkswirtschaft und wies u. a. nach, daß die chemische Industrie infolge des geringen Verbrauchs an ausländischen Rohstoffen einen besonders hohen Devisenüberschuß erbringe. Direktor Dr. Bütefisch sprach über die „Bedeutung der physikalischen Chemie für die chemische Großindustrie". Bei der heutigen Wirtschaftslage unseres Vaterlandes müsse unsere Aufgabe vor allem darin bestehen, vorhandene Rohstoffe in chemischen Prozessen zu volkswirtschaftlich wichtigen Produkten umzuwandeln. Professor Dr. K ö st e r vom Kaiser-Wilhelm-Jn- stitut für Metallforschung berichtete über die Bedeutung der physikalischen Chemie für die Metallindustrie. Mit einem Vortrage von Professor Dr. Eggert über die Bedeutung der physikalischen Chemie für die deutsche Photmndustrie schloß die Reihe der zusammenfassenden Vorträge des ersten Tages. profeffor Iraufroein musiziert elektrisch. — Vorführung des Irautoniums im Propaganda- Ministerium. Im Propagandaministerium in Berlin fand unter dem Vorsitz von Staatssekretär Funk vor einem geladenen Kreis von Musiksachverständigen eine Vorführung des von Professor T r a u t ro e i n konstruierten Elektromusikinstrumentes „Trauto - n i u tn" statt, die der Erprobung des in feiner Konstruktion nunmehr ausgereiften Instrumentes der elektrischen Tonerzeugung galt. Es waren u. a. erschienen: der Direktor der Hochschule für Musik, Professor Dr. Stein, der stellvertretende Direktor, Professor Dr. R ü h l m a n n, der Direktor der Akademie für Kirchen- und Schulmusik, Professor B i e» der, der Vizepräsident der Reichsmusikkammer, Generalmusikdirektor Stange, Professor (Tart Klingler, Professor Reimann und Professor Bruno Kittel. Oskar Sala erwies sich als ein Meifterschüler auf dem „Trautoniurn" und bewies mit der Vorführung einer Bach-Sonate, eines Beethooenfchen Trios sowie eines Satzes aus einer Sonate Regers mit Unterstützung des Pianisten Professor Rudolf Schmidt und des Cellisten Peter Herbert Lehmann die musikalische Anwend, barfeit des neuen Instrumentes bei der Wiedergabe klassischer Musik. In einer Aussprache wurden dis verschiedensten Fragen, die das neue Musikinstrument für Komponisten und ausübende Künstler aufgibt, lebhaft erörtert und Professor Traut« mein im einzelnen beantwortet. Mit eindrucksvol»- len Demonstrationsvorführungen wurde den Zuhörern ein interessanter Einblick in die außerordentlich große Modulationsfähigkeit und die oölliq neuartige Tonbildung und Tonmilchuna der Elektro« Musikinstrumente gewährt. Günther Ramin wird Dirigent des Berliner philharmonischen Chors. Der Philharmonische Chor in Berlin hat Pros, Günther Ramin, den Leipziger Thomas-Orga- nisten und Leiter des dortigen Gewandbaus-Chors, zu seinem Dirigenten gewählt Professor Ramin hat die Wahl angenommen und wird seine Tätig- feit mit einer Aufführung der B-Moll-Messe von I. S. B a ch im Herbst beginnen I1SD., Ortsgruppe Mitte. Lebensmillelsammlung. Im Bereich der Ortsgruppe Mitte wird am Mittwoch, 5. Juni, die Lebensmittelopferringsammlung durchgeführt. Die Sammlerinnen werden die erhaltenen Spenden in die Mitgliedskarten vom Lebensmittelopferring quittieren. Wir bitten deshalb die Hausfrauen, die Spenden sowohl als die Mitgliedskarten ab Mittwoch, vormittags 9 Uhr, bereitzuhalten. Morgen kein Militär-Platzkonzert. Das für Mittwoch jeder Woche angekündigte Platzkonzert des Musikkorps unserer Gießener Garnison muß aus dienstlichen Gründen am morgigen Mittwoch ausfallen. Kameradschastsabend des Vereins ehemaliger 116er u. derTradiüonstruppe. Der Verein ehemaliger 116er Gießen hatte zum zweiten Male zu einem Kameradschaftsabend in Gemeinschaft mit der Traditionstruppe in Gießen eingeladen, der am Samstagabend im Schützenhaus stattfand. Der Führer des Vereins ehemaliger 116er begrüßte im Namen des Führerrats die Kameraden und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Einladung so zahlreich Folge geleistet wurde. Besonderen Gruß entbot er den Kameraden des Traditions-Bataillons, an ihrer Spitze dem Kommandeur Oberstleutnant Schmidt und dem gesamten Offiziers-Korps, ferner dem letzten Ehef der Traditionskompanie 2. I. R. 15, Major Schiel, sodann den Vertretern und Abordnungen aller übrigen an der Tradition beteiligten Regimenter, und zwar Offiziersverein 116, Ländwehr- Ojsiziersverein 116, sowie Infanterie-Regimenter 186, 390 und 418, Reserve-Regimenter 116, 222 und 254 und Landwehr-Jnfanterie-Regiment 116. Der Vere.nssührer Kamerad Bill führte u. a. aus: „Wenn wir heute neben der Traditionstruppe auch Vertreter aller an der Tradition beteiligten Regi- m.nter und Vereine bzw. Kameradschaften einge- laden haben, so geschah es deshalb, weil wir gemeinsam mit der Truppe, der die Tradition des ehemaligen ruhmreichen Regiments übertragen ist, die Ueberlieferungen aller Regimenter, wie sie auf dem Denkmal benannt sind, erhalten, pflegen und fördern wollen. Besonders geeignet sind Abende, wie der heutige Kameradschaftsabend. Bis zum Jahre 1934 war es nur eine Kompanie, der die Wahrung der Tradition übertragen war, inzwischen ist es ein Bataillon geworden, hoffentlich geht auch der vielseitige Wunsch aller alten 116er noch in Erfüllung, daß es bald ein Regiment sein möge mit der Nr. 116. Am 17. März hatten. wir Gelegenheit, in Darmstadt einem feierlichen Akt beiwohnen zu können, als unsere alten Regiments-Fahnen durch den Standortältesten der Gießener Garnison mit dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer ausgezeichnet wurden. Das sind für einen alten Soldaten immer die feierlichsten und eindrucksvollsten Momente. Als nach diesem feierlichen Akt der Fahnenehrung die dekorierten Fahnen von der Museumstreppe in Darmstadt an den alten Soldaten, die einst auf diese Fahnen den Eid der Treue geschworen hatten, vorbei paradierten, war dieser Fahnenabmarsch bestimmt mit dem allseitigen Wunsch begleitet, daß auch unsere Jugend wieder auf die alten Fahnen den Treueid leisten und daß die Fahnen Ihnen, meine Kameraden im feldgrauen Ehrenkleide, wieder als Symbol der Treue voranwehen mögen. Ob dies ein Wunsch bleibt, überlassen wir der Zukunft im vollen Vertrauen auf das, was bisher zur Wiederherstellung der nationalen Ehre, Sicherheit und Wehrha-ftmachung durch unseren Führer und Kanzler Adolf Hitler bereits geschehen ist, aber auch im ganz besonderen Vertrauen auf alles das, was zur Erhaltung des Friedens und der Sicherheit unseres geliebten Vaterlandes noch notwendig ist. Wir bekennen uns gleichzeitig zur treuen Mitarbeit an dem Aufbauwerke unseres Führers und Volkstanz- Wbenen Bielefeld Die Ausstellung ist bis Donnerstag, täglich bis 19 Ahr, geöffnet t — Der Eintritt ist kostenlos! Wendigkeit einer Ausstellung ergeben, um den Volksgenossen auch alles vor Augen zu führen, was auf diesem Gebiete geleistet worden sei. Die Flieger wollten dadurch beweisen, daß sie im Rahmen dieser Luftfahrtwerbewoche nicht nur neh- *♦ Schwerer Sturz mit dem Fahrrad. Auf dem Wege nach seiner Arbeits^ötte in Gießen stürzte heute früh der Buchb-nder W. Schneider aus Annerod auf der Landstraße kurz yinter dem Walde fi) unglücklich, daß er von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Edirur- gischen Klinik verbracht werden mußte Dort liegt der bedauernswerte junge Mann mit inneren Verletzungen darnieder. men wollten, sondern auch zu geben verstünden! Daraus ergebe sich auch die Selbstverständlichkeit, daß diese Ausstellung völlig kostenlos für den Besucher sei. Nicht nur dem Volksgenossen gelte sie, der vor und nach dem Kriege diese Begebenheiten miterlebt habe, sondern vor allem der Jugend, die sehen und erleben soll, was deutsche Menschen vor ihr geschaffen haben, und die daraus lernen soll, für ihre und des Vaterlandes Zukunft! Nicht nur reine Fliegerchronik, in erster Linie sei es der reine Fliegergei st! Das Wiedererstarken der deutschen Wehrkraft und damit die Neuerstehung der deutschen Luftwaffe seien ein einziger Sehnsuchtsschrei geblieben, der sich aus dem schweren Gang des deutschen Luftfahrtwerdens in der Nachkriegszeit ergebe für jeden, der mit Leib und Seele dieser Pflegestätte wahrsten Heldentums und deutschen Mannesmutes verschrieben sei. nach Dr. Oetker^ Rezeptbuch„ Backen macht Freude” Ladenpreis 20Pfq. Ausstellung „Gießen und die Lustfahri". lers Adolf Hitler." Ein dreifaches Sieg-Heil auf Führer, Vaterland und Heer schloß die eindrucksvolle Ansprache. Oberstleutnant Schmidt dankte für die Einladung und gab der Freude darüber Ausdruck, daß diesmal die junge Wehrmacht in größerer Anzahl dem Kameradschaftsabend beiwohnen hönne. Ein Hurra auf das alte und das neue Heer, sowie auf das stolze ehemalige Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm" beschloß die Dankesworte. Die Kameraden erhoben sich zum Gedenken von den Sitzen, um die Klänge des Parademarsches des ehemaligen Regiments 116 andächtig zu vernehmen. Oberkriegsgerichtsrat Koch verschönte den Abend mit Ausführungen aus der Geschichte des ehemaligen Regimentes. Insbesondere wurde auf die ruhmreichen Taten des Regiments in den vielen Kriegen und Schlachten hingewiesen. Für die jungen Soldaten war es wissenswert und interessant zu hören, daß gerade das ehemalige 116er-Regiment das einzige der ganzen Armee war, das dazu ausersehen wurde, das neue Exerzier-Reglement zu erproben. Seinem damaligen allerhöchsten Kriegsherrn und Chef wurden am 1. Mai 1906 auf dem Trieb die neuen Formen zum ersten Male praktisch vorgeführte und damit das neue Exerzier-Reglement aus- der Taufe gehoben. Die Ausführungen wurden mit starkem Beifall ausgenommen. Schöne alte und neue Soldatenlieder, sowie die Militärmärsche der Abteilung der Militärkapelle hielten die Kameraden noch stimmungsvoll beisammen. Gießener Wochenmarktpreife. * Gießen, 4. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 9, Wirsing, das Pfund 15 bis 18, Weißkraut 18 bis 20, Rotkraut 10 bis 12, Gelbe Rüben (alte) 25, (neue) das Bündel 15 bis 20, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 15, Bohnen (grün) 45, Spargel (Suppenspargel) 30, 2. Sorte 50, 1. Sorte 60, Erbsen 30 bis 35, Mischgemüse 15, Tomaten 55 bis 65, Zwiebeln 20, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 30 bis 45, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln (alte) 4 Pf., der Zentner 3,50 bis 4 Mk., (neue) das Pfund 20 Pf., Aepfel 70, Kirschen 60, Nüsse 45 bis 60, Blumenkohl, das Stück 50 bis 70, Salat 10 bis 15, Salatgurken 40 bis 50, Oberkohlrabi 15 bis 18, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 50, Rettich, das Bündel 15 bis 20, Stück 10 bis 15, Radieschen, das Bündel 7 bis 10 Pf. ** Gin Fünfundsiebzigjähriger. Am morgigen Mittwoch, 5. Juni, kann Herr Jakob Seibert in Wieseck, Alicenstraße 1, seinen 75. Geburtstag begehen. Der alte Herr ist schon seit vielen Jahren treuer Bezieher des Gießener Anzeigers. **Kein Gras in den Mund nehmen! In den Tagen, da die Wiesen und Felder in voller Pracht stehen, ist es notwendig, auf eine Unsitte aufmerksam zu machen, die schon manchmal großes Leid im Gefolge hatte. Da wandert einer durch die prangende Natur, rupft sich einen Gras- oder Ahrenhalm ab, steckt ihn in den Mund und kaut daran voll Lust. Durch das Gras, und noch mehr durch Getreidehalme, wird jedoch der Strahlenpilz, der in den Halmen sitzt, auf den Menschen übertragen. Er äußert sich vielleicht im Anfang nur als eine harte Geschwulst am Halse und wird leicht mit einer harmlosen Krankheit verwechselt, die als Geschwür oder Furunkel nach außen in Erscheinung tritt und behandelt wird. Wird die Krankheit sofort erkannt, und zieht der Kranke auf schnellstem Wege den Arzt zu Rate, dann besteht die Möglichkeit, den Strahlenpilz auszuheilen. Wenn nicht, dann kann sich trotz zahlreicher Operationen der Pilz im Körper immer weiter ausbreiten. Die Behandlung einer solchen Erkrankung ist sehr schwierig und erfordert große Geduld von Seiten des Kranken, da Rückfälle sehr häufig sind. ** Oeffentliche Bücherhalle. Im Mai wurden 1568 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: IM 7mW-!- Ähd) Gießener" S $5 0i Literaturgeschichte 2, Zeitschriften 46, Gedichte und Dramen 5, Erzählende Literatur 987, Äugendschriften 227, Länder- und Völkerkunde 94, Kulturgeschichte 8, Geschichte und Biographien 107, Naturwissenschaft und Technologie 48, Heer- und Seewesen 2, Haus- und Landwirtschaft 4, Gesundheitslehre 4, Religion und Philosophie 9, Staatswissenschaft 20, Sport 2, Fremdsprachliches 3 Bände. Nach auswärts kamen 7 Bände. Am Sonntag wurde im Saale des Cafö Leib die Luftfahrt-Werbe-Ausstellung „Gießen und die Luftfahrt" eröffnet. Um 10.30 Uhr versammelten sich die Vertreter der Partei und der Behörden mit geladenen Angehörigen des früheren Vereins für Luftfahrt zu dem Eröffnungsakt. Schon beim Eintritt in den Saal bot sich ein eindrucksvolles Bild. Links und rechts, flankiert von Oleanderbäumen und überragt von den Hakenkreuzbannern des Dritten Reiches, stehen die Maschinen und Bilderserien, letztere in chronologischer Form aufgelegt auf lange Tischreihen, mehrere Hundert an der Zahl. Vor der Hochleistungssegelflugmaschine der Gießener Fliegerin Martha Mendel waren die beiden Gießener Fliegerstürme angetreten: der Motorfliegersturm Gießen I und der Segelflieger- sturm. Oer Ilieger-OriSgruppenführer Oberregierungsrat Or. Schönhals begrüßte die Besucher und dankte ihnen für ihr Erscheinen. Sodann gab er in markanten Worten einen Ueberblick über das Zustandekommen dieser Ausstellung und die von uns vor einigen Tagen ausführlich besprochene Gießener Fliegerchronik „Gießen und die Luftfahrt". Danach geht der Gedanke an eine solche Luftfahrtchronik zurück auf eine Schulungsaufgabe an die Stürme des DLV., die für die Monate März und April 1935 gestellt war. Mit dieser Schulungsaufgabe sollte erreicht werden, daß das wertvolle Bildmaterial, das seit Bestehen der von General Göring ins Leben gerufenen blauen Fliegerstürme auf dem Wege der Liebhaberphotographie von fliegerischen Begebenheiten in den Stürmen entstanden ist uyd sich bereits in einigen — meist in Einzelhand befindlichen — Alben angesammelt hat, der Nachwelt und der Geschichte des DLV. nicht verloren gehe. Schon beim ersten Zusammentragen des Materials ergab es sich in Gießen, daß die Vergangenheit unserer Stadt reich an Geschehnissen auf dem Gebiete der Luftfahrt ist und daß sie regsten Anteil nahm an aller fliegerischen Fortentwicklung bis zur Neuzeit. In mühevoller Kleinarbeit wurde auch die Vorkriegszeit in die Gießener Chronik einbezogen. Daß es nicht leicht war, alle Bilder, die sich auf diese historischen Begebenheiten beziehen, ans dem Privatbesitz aufzutreiben, dürfte eine selbstverständliche Erkenntnis sein. Ebenso die Tatsache, daß das Studium der Quellen, die Auffindung der Urkunden und Akten längst vergangener Zeiten — und das Schwierigste von Allem — die nachträgliche Feststellung der dem Gedächtnis der Ueberlebenden längst entrückten Daten ein schier unüberwindbares Hindernis zu sein schien. Trotzdem gelang es in monatelanger eifriger Arbeit, diese Schwierigkeiten zu meistern und das Werk au einer Vollendung von wertvollem historischem Ausmaß zu bringen. Dieser Erfolg sei das Verdienst unseres Kameraden, des Motorfliegers Dr. Fischer. Die Bewertung der von ihm verfaßten Chronik an erster Stelle durch die Landesgruppe hätte alsdann auch tien eGdanken angeregt, diese lückenlos zusammengetra- qene Kenntnis einstmaligen fliegerischen Ortsgeschehens auch der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen und sie in Buchform zu drucken. Da aber die Menge des mittlerweise zum Teil unveröffentlichten Bildmaterials viel zu groß fei, um in Buch- form veröffentlicht zu werden, habe sich die Not- Die Arbei inentsoereink fagabenb m ihres Fuhre sprechung gen sür den Lundes führe Wiedereinsuh bei die M Ausdruck, du Ehrenkleid d und nun, n Auferstehunc Diese freud I geben den I Mnn, der s und Reid Sieghell aus Nach Erle gen wurde aemeinschaft, den ungeber Sammlung । Kriegsteilneh ändern in de „Soldatei I ein entspreä | bas zum ers in Grscheinu 1 Gießen gehl , gung ehem. ! Verein ehe' | 3. N. Kahl ehem. 116er ein ehem. Reichsbund verein 1914; dragonrr; A | Verein ehen Aarde-Derei J W 1874 2er ein eftftr I Helm); Vere | Mackensen; V eine 1. Fortsetzung Nachdruck verboten! damals und heute wirklich erst 3. Kapitel. duldet, schon um seiner einflußreichen Verwandten willen, die im Ministerium und im Heer in her- Die allzu Barbara wachte lief), zwei Jahre! ben. Zwei Jahre der vier den ganz gern einmal ein paar Tage allein sein. Wochen seit ihrer Verheiratung waren in raschem Wirbel an ihr vorübergegangen. Lagen zwischen zwei Jahre? vorragenden Positionen saßen. Daß er aber nun Hamburgerin und dazu noch eine Bürgerliche Waim verkennst-» M Barbara? Roman von Liane Sanden. Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.) Aus dem südlichen Frühling, der in voller Blüte prangte, waren sie nach Schedlowitz heimge- kehrt. Hier kamen sie gerade in den Beginn des nordischen Frühlings hinein. Barbara, das Kind der norddeutschen Tiefebene, war entzückt von der Landschaft, die sich hier ihren Blicken darbot. Wie schön war dieses Land hart an der deutschen Grenze! Es war Mittelgebirge, wie sie es noch nicht kannte. Sanft ging die Ebene in Hügel über, wuchsen die Hügel empor zu Bergen. Än- geschmiegt an die Hänge lagen die grünen Felder, die die ersten Spitzen der Wintersaat heraussteckten. Die Lerchen fangen hoch über dem grünen Lande. Die Konturen der Berge zeichneten sich aus ihren Träumen auf. Wirk- Jhr war es wie ein ganzes Le- _ , des Kummers, der Tränen, der Schmerzen. Zwei Jahre der Entfremdung, des eisigen Verstummens zwischen ihr und ihrem Mann. Zwei Jahre der Einsamkeit seit jenem Tage, der ihr die furchtbare Erkenntnis gebracht, daß sie nicht um ihrer selbst willen geliebt worden war. S/Beueri Jubiläums ui Hahresses Höre des Sonntag in war zugleich deutschen Kir Fest nahm bestem Wettei nahm 2 w't frischem Deutschland i Probe begann anbrachte, verziehen die aristokratischen Großgrundbesitzer des Kreises nicht. Barbara sah sich einer eisigen Front der Abwehr gegenüber. Vielleicht wäre es einer schmiegsameren Persönlichkeit, als Barbara es war, gelungen, diese Vereisung ein wenig aufzutauen. Barbara aber dachte nicht daran, sich um die Menschen hier zu bemühen. Sie war daheim gewohnt, daß ihre Familie eine erste Rolle spielte. Der Name des Senators Heyden war mit der Entwicklung Hamburgs aufs engste verbunden. Seine Vorfahren gehörten zu den ältesten Patriziern des hamburgischen Kaufmannsadels. Barbara war aufgewachsen in einer Atmosphäre des Reichtums, der Sicherheit und der Geltung. Sollte sie nun auf einmal um diese hochmütigen Frauen der Großgrundbesitzer hier werben? Sie dachte nicht daran. Sie war mit dem besten Willen hierhergekommen. Sie wollte der neuen Heimat und den Menschen hier nur Gutes abgewinnen. Aber wollte man sie selbst nicht gelten lassen, dann konnte sie ihre ganze norddeutsche Kälte dagegensetzen. Jetzt erst kam sie dazu, über alles das nachzudenken, als sechs Wochen nach ihrem Einzug hier ihr Gatte zum ersten Male verreiste. Er hatte, wie er sagte, geschäftlich in Prag zu tun. Sie spürte gar nicht, daß seine Aufforderung an sie, mitzukommen, etwas gezwungen klang. Daß er beinah erfreut schien, als sie ablehnte. Sie wollte Noch einmal überdachte sie alles. Von Hochzeitsfeier in Hamburg waren sie dann Wochen nach dem Süden gefahren. An blauen Ufern des Gardasees hatten sie vier Wochen verlebt. Albert von Stechow war der aufmerksamste, zärtlichste Kavalier. Seine Liebkosungen und Küsse schienen immer wieder zu sagen: Ich liebe dich über alles in der Welt. Stechow war sich seiner Wirkung auf Frauen wohl bewußt. Als er um Barbara warb, war es ihm klar geworden, dies unerfahrene junge Menschenkind würde ihm besinnungslos anheimfallen. Barbara hatte auf kein warnendes Wort des Vaters gehört. Auf alle feine Einwände, daß sie doch Stechow erst so kurze Zeit kenne, daß man sich näher erkundigen müsse, daß man erst sehen müsse, was sich hinter seinem glänzenden Aeußeren verberge, hatte sie immer nur die eine Antwort gegeben: „Ich liebe ihn." Wie in einem Rausch des Glücks, wie in einem Traum, den kein Anruf des wirklichen Lebens erreichen konnte, hatte sie gelebt. An der Seite des Geliebten hatte sie die Reise vollendet. Die Länder des Orients hatten sich vor ihren entzückten Blicken aufgetan. Alles war ein vertiefter Glanz, eine erhöhte Freude, weil ihr Verlobter es mit ihr teilte. Senator Heyden hatte inzwischen durch sein Hauptbüro in Hamburg Erkundigungen über Stechow eingezogen. Was er hörte, erschreckte ihn tief. Das Stechowsche Gut war sehr verschuldet. Stechow selbst wurde als ein liebenswürdiger, aber leichtsinniger Mensch geschildert, dessen Leben nicht so war, wie Senator Heyden in seiner strengen Bürgerlichkeit es schätzte. Aber was nützte das alles? Barbara hatte erklärt, niemals von ihrem Verlobten zu lassen. Es war nichts anderes übrig» geblieben, als Vorsorge zu treffen, daß Stechows Leichtsinn nicht allzuviel gefährden konnte. Bereits ein Vierteljahr nach der Verlobung war die Hochzeit gewesen. Man feierte sie mit großem Prunk in dem alten Hause Senator Heydens tn Hamburg. Von der Stechowschen Familie war merkwürdigerweise nur ein Vetter aus einer Nebenlinie erschienen. Ein hoher Offizier in der tschechischen Armee hatte im letzten Augenblick abgesagt. Angeblich waren Vorbereitungen für die Manöver der Grund. Aber Senator Heyden hatte so eine bestimmte Ahnung, als ob die Vermählung Stechows mit einer Bürgerlichen dem tschechisch gewordenen Schwager nicht genehm wäre. Er hatte vorausgesehen, was dann auch eingetreten war. Man kam Barbara mit äußerster Reserve entgegen. Er wurde Hinrich Sie 7>bi,z WMeinri M ler (5 "°er zwei $j| 5. Mas/; ^bastian $Q. bauen. Er H PfIea0rO^en D !'6S- ÄN -- Ct5 kenne. Ty.?111 säi grünen. Die Tannen standen mit den ersten frischen Trieben. Die zahllosen Quellen und Bäche, aus der Hast des Eises befreit, riefelten über blanke Steine dahin. Barbara schmiegte sich innig uh ihren Gatten, als sie in dem offenen Wagen durchs Land fuhren. Immer wieder ließ sie ihre Blicke in die Runde schweifen, um es ganz in sich aufzunehmen, dies schöne Gebirgsland, über das der Glatzer Schneeberg groß und mächtig ragte. Ihr Herz war voll heißen Glückes und tiefer Dankbarkeit gewesen. Sie wollte es lieben, dies Land, die Heimat ihres Gatten. Seine Freude sollte die ihre sein — seine Sorgen wollte sie teilen. ' Sängerin an der Prager Oper hatte ja die ganze , Welt erfüllt. Barbara schaute noch einmal im Kreise umher. Und nun traf sie auf den gedankenverlorenen Blick Eckehards. Sie wurde ein wenig rot. Da war er wieder, dieser Blick, fragend, forschend, drängend, der sie seit Wochen schon beunruhigt hatte. Hochmütig warf sie den Kopf zurück. Was hatte dieser Mann sie so anzustarren? Sie stand so hastig auf, daß der Teller auf ihrem Platz leise aufflirrte. „Gesegnete Mahlzeit, meine Herrschaften", sagte sie mit ihrer hellen Stimme erst auf deutsch und dann auf tschechisch. Ein allgemeines Stühlerücken. Das Gespräch summte lauter auf. Die Diener rissen die großen Flügeltüren zu dem lichtblauen Salon auf. Schon ließ die Kapelle, hinter einer Gruppe von blühenden Pflanzen und grünen Bäumen verborgen, eine Tanzmelodie aufklingen. Die Gäste des Hauses verteilten sich in die angrenzenden Gesellschaftsräume. Barbara ging zwischen den einzelnen Gruppen hin und her, hatte für jeden ein liebenswürdiges Wort. Sie war ganz große Dame. Es schien alles vergejsen, was zwischen ihr und der Gesellschaft hier gestanden hatte. Wie eine Königin saß sie in der Mitte eines großen Kreises, als ob sie Audienz erteilte. Herr von Geczy saß in der Ecke des Rauchzimmers bei feiner Tasse Mokka und sah in seine Tasse. „Jetzt können sie alle kommen", sagte er halblaut zu seiner kleinen rundlichen Frau, die neben ihm saß. „Aber damals, als das arme Wurm keinen Menschen hatte, da waren sie alle scheintot. Ich kann dir sagen, diese alte Giftspinne, diese Tschew- nick, hat sich wieder einmal den Mund zerrissen. Ein gräßliches Weib! Daß man mit der überhaupt reden muß. Pfui Teufel!" Es hätte nicht viel gefehlt und Geczy hätte in weitem Bogen ausgespuckt. „Aber um Gottes willen, fei doch still!" bat Jrau von Geczy. „Du weißt, was für eine em- lußreiche Familie die Tschewnicks sind." Während die Gäste Barbaras in dem großen Gesellschaftsraum in Gruppen zusammenfaßen und die Diener mit Mokka, Likör und eisgekühlten Getränken hin- und herliefen, war der große Ritteraal bereits zum Tanz ausgeräumt worden. Als erster eröffnete Barbara mit dem jungen Grafen Auersperg den Tanz. Eckehard Mackenroth hatte an einem kleinen Tisch mit Magdalena Gerwig ziemlich wortkarg jufarm mengefeffen; kaum, daß er die notigsten Höflichkeits- loskeln aufbrachte. Das junge Mädchen sah ihn ab und zu scheu von der Seite an. (Fortsetzung folgt!) Das Stechowsche Gut war eines der wenigen deutsch gebliebenen Grundbesitze des neuen Staa-