Nr.80 Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 4. April 1955 Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat tm Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Such- und Steindruckerei «.Lange in Giehen. 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Die sprichwörtliche U n e i n i g k e i t der Deutschen, oft genug in der Vergangenheit bespöttelt und bewitzelt, hat durch Adolf Hitler, durch sein Werk und sein Beispiel ein Ende gefunden, nachdem sie sich lange genug immer wieder und wieder zum Schaden des Deutschtums und jedes einzelnen deutschen Volksgenossen ausgewirkt hatte. Das lebendig st e Zeugnis aber für diese Einigung, für die Aufhebung aller verderblichen trennenden Schranken ist die Tatsache, daß alle Deutschen gelernt haben, sich einander, insbesondere in Not und Elend, beizustehen. Wenn wir den zahlenmäßigen Erfolg betrachten, der sich im Abschluß des zweiten Winterhilfswerkes offenbart, so können wir, das ist in keiner Weise eine Ueberheblichkeit, vor der ganzen Welt stolz sein auf dieses einzigartige Zeugnis herrlichsten Gemeinschaftssinnes eines ganzen Volkes! Denken wir einmal ein wenig zurück! Was ist nicht alles in der Welt schon geschrieben und geredet worden über „Solidarität", nationale und internationale, was ist an Arbeit und Mühe und Kosten vergeudet worden an „Hilfskomitees" und „Aktionsausschüssen" und anderen ähnlichen blutleeren Einrichtungen, die, mit viel Geschrei begonnen, meistens 'hoffnungslos kapitulieren mußten, ohne auch nur den Bruchteil ihres Vorhabens je erfüllt zu haben! Wie oft hieß es, ja, die Not ist eben zu groß, wir können es nicht schaffen. Gewiß, der gute Wille war hier und da sehr wohl vorhanden, auch die nötige Opferfreudigkeit, aber hier zeigt' sich an einem lebendigen Beispiel, daß der einzelne machtlos ist: in der Gemeinschaft, in der Geschlossenheit und Einigkeit liegt die Stärke! Das deutsche Winterhilfswerk ist ein unvergängliches Denkmal für die Tatsache, daß ein Volk, das einig und eines Sinnes innerer Gemeinschaft ist, eine Macht darstellt, die Berge versetzen kann. Wir wollen das nicht vergessen! Deutschland ist durch Versailles arm geworden. Nach einem halben Menschalter der Ausplünderung baut es sich sein Haus aufs neue. Arbeitsbeschaffung und Landesverteidigung nehmen seine schwachen geldlichen Kräfte gewaltig in Anspruch. Aber trotzdem ging man nicht, wie man das früher selbst in reichen Zeiten, nur zu leicht tat, über die Not der Armen und Aermsten mit einem Achselzucken hinweg, sondern das deutsche Volk hat, dem Rufe feines Führers folgend, bewiesen, daß es ihn und feinen Willen verstanden hat: es hat seinen Führer nicht enttäuscht! So ist der Erfolg des zweiten deutschen Winterhilfswerkes ein unauslöschlicher Beweis dafür, daß das deutsche Völk nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich eine Schicksalsgemeinschaft geworden ist, die auch in der Zukunft durch nichts mehr zu zerstören sein wird! Das zweite Winterhilfswerk hat nur fünf Monate umfaßt, während für das erste Winterhilfswerk sechs zur Verfügung standen. Und trotzdem ist fein Erfolg bedeutend größer als der des ersten. Die Zahl der zu Betreuenden ist dank der Verbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage gesunken, so konnte dem einzelnen mehr zugewendet werden als im vergangen Fahre. Das find Dinge, die naturgemäß als besonders beachtenswert ins Gewicht fallen. Wir wissen es ganz genau und brauchen kein Hehl daraus zu machen, es hat genug Leute gegeben, die haben bei den Sammlungen gemault die haben dieses oder jenes auszusetzen gehabt und sind mit diesem oder jenem unzufrieden gewesen.. Wer aber bas große Werk unb feine Bedeutung betrachtet, muß zugeben, baß alle Kleinigkeiten gegen bas Ganze verblassen! Ja, mir können besten sicher sein, daß angesickts dieses Holges so mancher von denen, die sich aus irgend welchen Gründen abseits gestellt haben, nunmehr im Innern schämt. So ist das Winterhilfswerk gleichzeitig ein Erziehungswerk... Weil es ein Werk des ganzen deutschen -Volkes war, ein Werk, bei dem jeder nach dem Ivlllen des Führers nicht geben, sondern opfern sollte, hält es schwer, das am Winterhilfswerk augu’ zählen ober hervorzuheben, was besonderes Lob verdient. Seine Verwaltung hat mit wenigen Hilfskräften und kleinen Verwaltungskosten gearbeitet, sie hat es verstanden, ahne Bürokratismus den Strom der Opfer den Bedürftigen rasch und ohne Hemmung zuzuleiten. Das Milllonen- heer der freiwilligen Helfer hat immer und immer wieder feine Pflicht getan, bei Wind und Wetter, bei guter oder bei schlechter Laune. Es hat sich nicht einschüchtern lassen durch Menschen, denen das Verständnis für die Sache erst aufgehen mußte, es hat immer wieder den Aufruf des Führers vor Augen gehalten und stumm oder mit warmen Worten um die Opfer gebeten. Wir erinnern uns an den Tag der nationalen Solidarität und die prächtige Stimmung auf den Straßen, als sich die Opferwilligen zu den Sammelbüchsen drängten, wir erinnern uns ebensogern an den Tag der P o l i z e i, der das gleiche Bild brachte. Wir erinnern uns an das große Volksweihnachten des letzten Jahres, an welchem jedem Volksgenossen Freude bereitet wurde. Wir erinnern uns daran, daß zahllose Veranstaltungen der Künstler und Sportler sich in den Dienst der guten Sache stellten und an i)em großen Werk mithalfen. Es ist unmöglich, im einzelnen aufzuzählen, was und wie geholfen wurde. Wie viele haben gegeben und immer wie- de r gegeben, denen es selbst schwer fiel, die aber immer eingedenk waren dessen, daß Hunger und Kälte weh tun! Alle haben eben damit bewiesen, daß sie von wahrem Gemeinschaftsgeist erfüllt sind, der die stärkste und wichtigste Kraftquelle einer Nation ist. Wenn sich das deutsche Volk von einigen unvorsichtigen Schreibern im Auslande vorhalten lassen muß, daß es kein reiches Volk mehr sei, so. bedeutet zunächst nicht Reichtum das, was in Gold und Goldeswert vorhanden ist. Der Reichtum eines Volkes bemißt sich auch danach, was es leisten kann und will, was es bereit ist zu opfern, wenn es um Sein oder Nichtsein geht. Der Reichtum eines Volkes offenbart sich aber auch darin, daß es nicht Stätten des Elends und des Grauens gibt, daß nicht große Teile des Volkes dumpf dahinleben, sondern in allen Teilen lebendig fühlen, denken und handeln. Nur ein solches Volk kann eine soziale Tat leisten, wie es das Winterhilfswerk ist, denn dieses Hilfswerk hat irgendwie alle Volksgenossen erfaßt, sei es als Spender oder Sammler, sei es schließlich als Volksgenosse, den das ganze Volk mit sorgender Hilfe umgab. Wir sind heute wirklich ein einig Volk von Brüdern, das sich in keiner Not und Gefahr trennen will Es wäre gut für die Menschheit, wenn der soziale Geist des deutschen Winterhilfswerkes alle Völker erfüllte, denn dann würde es mit der Not und dem Elend, dann würde es mit der Arbeitslosigkeit, dann würde es aber auch mit dem Krieg und Kriegsgefchrei ein Ende haben. Der Rechenschaftsbericht des Winterhilsswerks. Oer Führer empfängt Heichswaiter und Gauamtsleiter der NSV. Da; zweite Winterhilfswerk des deutschen Volkes ist mit dem 31. März 1935 abgeschlossen. Damit hat' wiederum eine Aktion ihr Ende gefunden, deren Ausmaß so ungeheuer ist, daß es kein Beispiel für sie in der Geschichte des deut- s ch e n Volkes gibt. 13,5 Millionen Menschen konnten im Winter 1934/35 yon der NS.° Dolkswohlsahrt betreut und vor Hunger ünd Kälte geschützt werden, und Sach- und Geldspenden in Höhe von 362 Millionen Mark wurden nach der vorläufigen Berechnung in dieser Zeit aufgebracht und an die Bedürftigen verteilt. Die Hauptträger der ungeheuren Arbeitslast des Winterhilfswerkes waren die Gauamtsleiter der NS. - Volkswohl f a h r t in den Gauen der NSDAP. Sie haben mit außerordentlicher Hingabe und in vorbildlicher Arbeitskameradschaft mit ihren vielen Tausenden von Mitarbeitern auch das Winterhilfswerk 1934/35 möglich gemacht. Der Führer hat daher nach Abschluß des Winterhilfswerkes 1934/35 Gelegenheit genommen, am Mittwoch 13.30 Uhr in der Reichskanzlei den Reichswalter der NSV., Hauptamtsleiter Hil- g e n f e l d t, und feine Gauamtsleiter zu empfangen und ihnen seinen Dank und seine Anerkennung für die geleistete Arbeit auszusprechen. Reichsminister Dr. Goebbels, unter dessen Gesamtleitung und Oberaufsicht das Winterhilfswerk stand, stellte bei diesem Empfang die Gauamtsleiter dem Führer vor und gab dann in einer Ansprache die Leistungen des Winterhilfswerkes 1934/35 bekannt. Die Männer des Winterhilfswerkes, so betonte der Reichsminister in seiner Ansprache, sind wie im vergangenen Jahre auch heute bei Beendigung dieses großen sozialen Hilfwerkes vor Ihnen erschienen, um Rechenschaft abzulegen. Diese Männer haben im vergangenen Winter nicht nur mit großer Freude, sondern auch mit großem Stolz die Sorge getragen, die Sie, mein Führer, ihnen aufgebürdet haben. Ich habe nun die Freude, Ihnen die vorläufigen Zahlen des diesjährigen Winterhilfswerkes vortragen zu dürfen und ich kann dabei mit Stolz und Befriedigung feststellen, daß das Winterhilfswerk des ersten Jahres durch die Ergebnisse des zweiten Winterhilfswerkes, obbwohl nur ein Monat zur Vorbereitung zur Verfügung stand, noch weitaus übertroffen worden ist. Das Winterhilfswerk 1933/34 hatte ein Gesamtaufkommen von 358 Millionen Mark nachgewiesen, während das Winterhilsswerk von 1934/35 nach der vorläufigen Berechnung, die noch bedeutend überschritten werden wird, bereits ein Gesamtaufkommen von 362 Millionen Mark ergeben hat, obwohl es einen Monat später einfehle als das Winterhilfswerk 1933/34. Das deutsche Volk hat sich abermals übertroffen und im zweiten Jahre des Winterhilfswerkes eine noch größere Opferbereitfchafl bewiesen als Jahre vorher. Von dem errechneten Aufkommen entfallen auf Sachspenden 96 882 000 Mark, auf Geldspenden 265 136 000 Mark. Diese Summen werden sich voraussichtlich sogar noch um Millionen Mark erhöhen. Neber die verausgabten Werte liegen bisher endgültige Zahlen erst bis zum 31. Januar 1935 vor. Es fehlen also noch zwei sehr wichtige Monate. Bis zum 31. Januar sind ausgegeben worden für: rund 56 Millionen Mk. Brennmaterialien, rund 59 Millionen Mk. Kartoffeln, fast 17 Millionen Mk. Brot und Mehl, 11 Millionen Mk. Fleisch und Fleischkonserven, 21 Millionen Mk. Lebensmittelgutscheine, 35 Millionen Mk. Kleidungsstücke, 6 Millionen Mk. Fische. Ein neuer Beweis für die Wirtschaftsbelebung im neuen Deutschland und das Absinken der Arbeitslosigkeit ist die Tatsache, daß im Winter 1933 noch 16 617 681 Menschen betreut werden mußten, Scherl-Bildmaterndienst "'N M LM >;: W W WO t| Ä $ Unter Bild zeigt den Führer mit Reichsminister Dr. G o e b b e l s und den Leitern und Mitarbeitern des WHW. im Hofe der Reichskanzlei. — Hinter dem Führer steht der Reichsleiter der RSD. Erich Hilgen f eldt. während im Jahre 1934/35 durchschnittlich nur 13486000 Menschen z u unterstützen waren. Neben der unmittelbaren Wirkung des Winterhilfswerkes sind weiterhin die indirekten Auswirkungen nicht zu unterschätzen. So wurde z. B. u. a. der Absatzmarkt der Fischereihäfen -Städte günstig beeinflußt; allein in einem Monat wurden über 31 v. H. der gesamten Anlandungen an Seefischen vom Winterhilsswerk ausgenommen. 76 Millionen Plaketten und Abzeichen mit einem Gesamtherstellungspreis von fast vier Millionen Mark wurden in deutschen Notstandsgebieten hergestellt und sind hilfsbedürftigen Heimarbeitern zugute gekommen. Neben diesem statistisch erfaßbaren materiellen Opfer des deutschen Volkes ist auch die innere Anteilnahme aller Bevölkerungskreise an dem hohen Gedanken dieses sozialen Hilfswerkes bei weitem größer als im Vorjahr gewesen. Aus der Fülle der vielfältigen Mühen unb Arbeiten, die ganze Berufskreise, Verbände und Organisationen zugunsten des Winterhilfswerkes auf sich genommen haben, fei nur der „lag der nationalen Solidarität" erwähnt, der alle führenden Persönlichkeiten des politischen und kulturellen Lebens Deutschlands mit der Sammelbüchse auf der Straße sah und einen Rekorderfolg darstellte. Es sei ferner an das „Volksweihnach- t e n" auf den Straßen und Plätzen der Städte erinnert, das im ganzen deutschen Volke begeisterten Widerhall gefunden hat. Schließlich sei auch die Patenschaftsarbeit nicht vergessen, die mit ihrer persönlichen Liebestätigkeit von Mensch zu Mensch einer Verinnerlichung und einer wahrhaft nationalsozialistischen Durchdringung des Winter- hilfsgedankens die Wege bahnt. Das deutsche Volk hat mit dem diesjährigen Winterhilfswerk, das trotz der immer noch nicht überwundenen Wirtfchaflsnol, trotz der Belastung Deutschlands mit gewaltigen und kostspieligen Aufgaben abermals einen überwältigenden Erfolg gegeben hat, der Welt wieder ein Beispiel von innerer Geschlossenheit und politischer Willenskraft gegeben, auf das es stolz fein kann. Wein Führer, die Wänner, die hier vor ihnen stehen, vertreten und repräsentieren Willionen von unbekannten Helfern, die sich fünf Wonate lang meistens die ganzen Sonntage und bis in die späten Nachtstunden hinein für das Winterhilfs- werk zur Verfügung gestellt haben. Sie möchten im Namen dieser vielen Willionen Ihnen, mein Führer, den Dank aussprechen, daß Sie ihnen eine so schöne und so stolze Aufgabe anvertraut haben. Sie sind aber auch stolz darauf, zu gleicher Zeit das ganze deutsche Volk repräsentieren zu können, das sich in diesem sozialen Hilfswerk selb st ein Denkmal gesetzt hat, das härter und dauernder sein wird als Stein und Erz. Der Dank des Führers. In einer Ansprache dankte bann ber Führer allen für bie große Arbeit, bie sie geleistet haben, unb bat sie, auch ben Dank auszubrücken all ben Millionen, bie mitgeholfen haben, unb barüber hinaus bem ganzen beutfcfjen Volke, bas durch feine Opferwilligkeit dieses Werk gelingen ließ. So groß die soziale Leistung gewesen sei, so groß sei auch praktisch damit die politische Leistung. Diese Arbeit des Winterhilfswerkes habe dem nationalsozialistischen Deutschland vor der ganzen Welt zur Ehre gereicht. Es sei eine s o - zialistische Demonstration des heutigen Regimes und es wirke als soziale Demonstration weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Mit dem Ausdruck des Dankes verband ber Führer bie Bitte an die Amtswalter des WHW., s i ch auch im nächsten Herbst mieber mit ihrer ganzen Kraft zur Verfügung zu stellen. Denn das Winterhilfswerk werbe auch in Zukunft die große Aufgabe haben, die deutsche Volksgemeinschaft zu vertiefen. Es- wäre auch möglich gewesen, einfach auf dem Wege der Steuergesetzgebung einen Betrag von 300 ober 400 Millionen Mark einzuziehen unb biesen Betrag dann irgendwie zu verteilen. Aber ber m o - ralische, seelische und'geistige Erfolg würde nicht ein Zehntel von dem jetzigen sein. Es sei ein Untevschied, ob man 350 Millionen Mark als Steuer einbringe ober ob man biesen Betrag einbringen lasse durch das soziale Gewissen ber Nation, durch das Gefühl und das Herz des Volkes. Aber gerade diese Haltung sei charakteristisch für das nationalsozialistische Deutschland. Das Winterhilfswerk fei das sicherste Zeichen dafür, daß die nationalfozialistifche Revolution schon jetzt auch zu einer inneren geistigen Revolutionierung unseres Volkes geführt habe. Das fei mit ein Grund dafür, daß wir in alle Zukunft auf das Winterhilfswerk nicht verzichten dürfen. Der Führer sprach die Hoffnung aus, bah das Ergebnis des Winterhilfswerkes sich immer mehr steigere. Willionen von Wenschen würden erkennen, daß es nicht nur ein Glück sei, beschenkt zu werden, sondern ein viel größeres Glück, selb st zu schenken. Schon heute werde es im Gegensatz zur Zeit vor wenigen Jahren immer mehr als eine Ehre angesehen, für die notleidenden Volksgenossen sammeln zu dürfen. Das lvinterhilfswerk, fo betonte der Führer nachdrücklich, fei für uns ein Beweis, dah wir mehr find als eine bunt zusammengewürfelte Mensch e n m a s s e. sondern dah wir uns alle miteinander verbunden fühlen in guten und in schlechten Tagen. Der Führer schloß mit dem nochmaligen Ausdruck herzlichsten Dankes an die Gauamts- leiter der NSV. für die geleistete Arbeit, an die unzähli-gen Mitarbeiter des Winterhilfswerkes und an das ganze deutfche Volk. Dem für die Durchführung des Wmterhilfswerkes verantwortlichen Reichsminister für Dolksausklärung und Propaganda, Reichsleiter Dr. Goebbels, sprach er in herzlichen Worten seinen Dank aus. Im Anschluß an den Empfang waren die Gauamtsleiter des Winterhllfswerkes Gäste des Führers beim Mittagessen in seiner Wohnung und hatten die große Freude, noch einige Zeit in angeregter Unterhaltung bei ihm verbleiben zu dürfen. Gauleiter Sprenger über die Vertrauensratswahlen. Der Propagandafeldzug im Gau Hessen-Nassau eröffnet. F r a n k f u r t a. M., 3. April. (LPD.) Am Mittwoch wurde in Mainz-Amöneburg der Propagandafeldzug für die Vertrauensratswahlen im Gau Hessen-Nassau durch Gauleiter Sprenger mit einer Kundgebung in der Firma Dy ckerhoff & Wicking eröffnet. Der Gauleiter erklärte u. a.: Die Vertrauensratswahlen würden klar zum Ausdruck bringen, wie der deutsche Arbeiter zum Nationalsozialismus und zum Führer stehe. Hierin liege ihre außerordentliche Bedeutung. Der deutsche Arbeiter sei in der Vergangenheit zum Objekt der Wirtschaft herabgesunken. Der Klasien- kampf sei am stärksten in der industriellen Wirtschaft in Erscheinung getreten. Demgegenüber habe der Nationalsozialismus das Bekenntnis zur Dolksgemei n f ch a f t gestellt. Zu diesem Zweck sei schon in der Kampfzeit die NSBO. geschaffen worden. Die NSDAP, wollte keine neuen Gewerkschaften gründen, sondern erst mußte die politische Grundlage geschaffen werden, dann konnten auch die wirtschaftlichen Fragen geordnet werden. Zwei Jahre schon seien wir ein werdendes Volk. Heute gebe es wohl niemand mehr, der die positiven Leistungen der Deutschen Arbeitsfront bezweifeln wolle. Die Ganzheit der deutschen Wirtschaft spiegele sich am stärksten in der DAF. wider. Das Vertrauen sei die Grundlage jedes wirtschaftlichen Erfolges. Die Vertrauensmänner müßten charakterlich und nach ihrer Leistung die Besten im Betriebe sein. Höchster Einsatz werde von jedem verlangt. Keinen Klassenkämpfer und keinen Jnteressenvertreter dürfe es mehr geben. Wenn irgendwo Kritik notwendig sei, so solle sie jeder als freier deutscher Mann bei der z u - ständigen Stelle offen anbringen. Arbeitgeber wie Arbeitnehmer müßten Sachwalter der ganzen Volksgemeinschaft sein. Der Gauleiter schloß seine eindrucksvolle Ansprache mit den Worten: Durch diese Wahl wollen wir ehren den ersten Arbeiter des deutschen Volkes, Adolf Hitlerl Der Betriebsführer Dr. D y ck e r h o f f dankte dem Gauleiter für feine Worte. Mit dem Gesang des Horst-Weffel- Liedes fand die Kundgebung ihr Ende. Vereinheitlichung der Hochschulverwattung. Berlin, 3. April. (DNB.) Reichswifsenschafts- minister R u st hat Richtlinien zur Vereinheitlichung der Hochschulverwattung herausgegeben. Nach diesen Richtlinien treten an die Stelle der bisherigen Vorschriften folgende Bestimmungen: 1. Die Hochschule gliedert sich in Dozentenschaft und Studentenschaft. 2. Die Dozentenschaft wird gebildet von den an der Hochschule tätigen Lehrkräften und Assistenten. 3. Die Studentenschaft wird gebildet von den an der Hochschule voll eingeschriebenen Studenten deutscher Abstammung und Muttersprache unbeschadet ihrer Staatsangehörigkeit. 4. Führer der Hochschule ist der Rektor. Er untersteht dem Reichswissenschasts- m i n i |'t e r unmittelbar und ist ihm allein verantwortlich. 5. Der Leiter der Dozentenschaft wird nach Anhören des Rektors und des Gauführers des NS.-Dozentenbunües vom Reichswif- fenschaftsminister ernannt. Er u n - ter steht dem Rektor. 6. Der Leiter der Studentenschaft wird nach Anhören des Rektors und des Gauführers des NS.-Studentenbundes vom Reichs- wiffenschaftsminister ernannt. Er untersteht d e m Rektor. 7. Der Prorektor und die Dekane werden auf Vorschlag des Rektors vom Reichs- wissenschaftsminister ernannt. 8. Der Senat steht dem Rektor beratend zur Seite. Ihm gehören an die Leiter der Dozentenschaft und der Studentenschaft, der Prorektor, die Dekane und zwei weitere vom Rektor zu berufende Mitglieder der Dozentenschaft, von denen eines dem NS.-Dozenten b u n d zu entnehmen ist; Stellvertretung ist unzulässig. 9. Die Fakultäten sind Träger der fach- wissenschaftlichen Arbeit. 10. Der Dekan führt die Fakultät. Er ernennt feinen Stellvertreter. 11. Der Fakultät sausschuß steht dem Dekan beratend zur Seite. Ihm gehören an die beamteten ordentlichen und außerordentlichen Professoren der Fakultät sowie zwei vom Leiter der Dozentenschaft zu benennende nichtbeamtete Hochschullehrer. 12. Dien st licke Eingaben sind in wissenschaftlichen oder Studienfragen an den Deka n, in Dozentenschaftsfragen an den Leiter d e r Dozentenschaft zu richten. Der weitere Dienstweg geht in jedem Falle an den Rektor zur Entscheidung oder Weitergabe. Die Strafordnung für Studenten Berlin, 2. April. (DNB.) Die Strafordnung des Herrn Reichswissenschaftsministers vom 1. April 1935 ist durch folgende Gesichtspunkte gekennzeichnet: 1. Mit ihr wird vereinheitlicht das akademische Strafrecht von etwa 70 deutschen Universitäten und Hochschulen aller Art. Es ist das modernste Strafrecht in Deutschland. Es kennt nur zwei 3 n ft a n 5 e n, die sich, bedingt durch die Auswahl der Richter, als schlagkräftig erweisen werden. 2. Bei der Umgrenzung des Pflichten- k r e i s e s ist von der Aufzählung vieler Einzeltatbestände abgesehen und statt dessen eine allgemeine Grundvorschrift geschaffen, die den Strafbehörden selbst bei der Bewertung akademischer Verstöße weitgehend freie Hand läßt. Trotzdem handelt es sich um einen inhaltlich klar bestimmten Tatbestand, der neben der selbstverständlichen Gehorsamspflicht gegenüber den akademischen Behörden die durch ) i e Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Hochschule selbst bestimmten Pflichten und diejenigen gegen Volk und Staat einander gegenüber stellt. Zn der Hand verantwortungsbewußter Rektoren und Strafausschüsse wird die Neuregelung ihr Teil zur Erneuerung des deutschen Hochschulwesens beitragen. 3. Es ist eine Strafordnung, wie sie der autoritäre Staat erfordert. Der Rektor, der chon in der Verwaltung weitgehende Befugnisse hat, erhält auch alsRichter wieder eine überragende Macht st ellung, die ihm beigegebenen Richter bilden einen so kleinen Kreis, daß jederzeit eine rasche Entscheidung gewährleistet sein wird. Oberste und letzte I n - tanz bleibt selbstverständlich der Wissen- chaftsminister, der, das ist auch eine Neuerung, das jederzeitige Eingriffsrecht in allen Fällen hat. 4. Die Strafordnung sieht die Vergehen der Studenten und Hörer vom Ehren st andpunkt. Es kommen daher die bisherigen Geldstrafen und Karzer strafen in Fortfall. Anderseits findet eine verfchärfteVeröffent- lichung (das Anschlägen jeber Strafe am Schwarten Brett) statt. Außerdem werden alle Strafen in d i e Papiere des Studenten eingetragen, so daß dessen Verfehlungen während seiner akademischen Lausbahn jederzeit ersichtlich sind. 5. Die Strafordnung sieht lediglich Strafen gegen Verfehlungen vor, die im Rahmen des Ho ch - s ch u l l e b e n s begangen werden. Unberührt bleiben also das allgemeine Strafrecht sowie die SA.- und P a r t e i g e r i ch t s b ar k e i t. Auch die Verfahren, die unter Berücksichtigung von wasfen studentischen Anschauungen bestimmt werden, bleiben unberührt. Vereinigt werden aber durch die Strafandrohung die bisherigen Strafbefugnisse der akademischen Behörden und die Strafbefugnisse der Führer der deutschen Studentenschaft. 6. Das Verfahren der Strafordnung paßt sich im wesentlichen der geltenden deutschenStraf- prozeßordnung an, wobei davon abgesehen wurde, eine allzu eingehende Regelung für alle Fälle vorzunehmen. Die Rolle des Staatsanwalts und des Untersuchungsrichters ist in der Hand des Universitätsrates vereinigt. Damit wird aber auch insofern etwas Neues geschaffen, als der Universitätsrat nunmehr nicht mehr in den Kreis gehört, der über d i e Bestrafung der Studenten zu entscheiden hat, wie das bisher noch Hochschulsatzungen vorsahen. Von Warschau nach Prag. Eden seht seine Informationsreise fort. - Wenig Aussichten für einen Ostpakt. Warschau, 3. April. (DNB.) Lordsiegelbewahrer Eden hat Mittwoch Warschau mit dem Schnellzug nach Prag verlassen. Minister Beck begleitete Eden an den Zug. Ein amtliches Kommunique über den Besuch Edens besagt u. a.: Im Laufe der Unterredungen mit Eden, die in einer offenen und freundschaftlichen Atmosphäre geführt wurden, hat Beck Eden über d i e Ansichten der polnischen Re g i e r u n g über die in dem Kommunique vom 3. Februar berührten Fragen und über die allgemeine internationale Sage unterrichtet. Die beiden Minister waren sich einig in der Erkenntnis, daß ihr Meinungsaustausch, der einen informativen Charakter hatte, seinen Zweck erfüllt hat. Sie unterstrichen die Zweckmäßigkeit der Aufrechterhaltung eines engen Kontaktes in bezug auf die weitere Entwicklung der politischen Lage in Europa. * „Time s" meldet aus Warschau, Polen habe zwar teilweise den Ostpakt abgelehnt. Aber nach glaubwürdigen Nachrichten seien doch noch schwache Anzeichen für die Hoffnung vorhanden, daß ein Weg gefunden werden könne, der Polen die Mitarbeit ermögliche, ohne es in Gegensatz zu Deutschland zu bringen. Eden zweifle wahrscheinlich nicht daran, daß Polen eine große Abneigung gegen Vereinbarungen habe, die seine Grenzen deutschen und russischen Soldaten öffnen würden, aber sein Widerstand gegen den Ostpakt sei letzten Endes von der Furcht bestimmt, Deutschland entgegentreten zu müssen, mit dem es nach vielen Jahren bitteren Haders jetzt in guten B e - Ziehungen lebe. Wenn die Großmächte, die den Ostpakt vorgeschlagen hätten, den Bestand der GrenzenPolensverbürgen würden, dann würde Polen natürlich den Pakt unterzeichnen. Aber ohne eine solche Bürgschaft seien die Aussichten auf Abschluß des Paktes gering. Verstimmung in Paris. „Ist Po len noch Frankreichs Verbündeter?" Paris, 3. April. (DNB.) „Ist Polen noch Frankreichs Verbündeter?" fragen die Pariser Zeitungen. Das Journal des Debats ist der Ansicht, daß Polen durch den ohneVorwissenFrank- r e i ch s mit Deutschland im Januar 1934 abgeschlossenen Pakt seinen Bündnisvertrag mit Frankreich zu einem Papierfetzen gemacht habe. Denn er habe gar keinen Wert mehr, wenn Polen sich nur zur Neutralität gegenüber Deutschland außer im Falle eines unmittelbaren Angriffs gegen Polen selbst verpflichte. Laval habe recht getan, die Einladung nach Warschau anzunehmen, aber er müsse dort offen sprechen. Die Information erklärt, niemand verwehre es Polen, seine eigenen Belange zu verfolgen, aber das dürfe nicht dahin führen, daß es den Anschein habe, als ob Polen auf vielen Gebieten nahezu offen den mit ihm verbündeten Frankreich entgegenarbeite. Vor der Ostpaktfrage müsse zwischen Frankreich und Polen zunächst erst einmal die Frage der Anwendung des französisch-polnischen Bündnisses gelöst werden. Der „Matin" zieht aus den bisherigen Besprechungen Edens die Schlußfolgerung, daß man sich von der ursprünglich aufge ft eilten Sicherheitsformel entfernt habe, um eine andere Lösung im Rahmen eines umfassenden Abkommens zu finden, dessen Grundlage die Erklärung des Artikels 16, § 3, des Völkerbundspaktes (Gegenseitiger Beistand gegen Vertragsbrüchige Staaten) darstellen würde. Die letzte Entscheidung liege in Stresa, wo die verschiedenen Ansichten der drei beteiligten Regierungen sich kristallisieren würden. Der „Petit Parisien" stellt fest, daß die Warschauer Besprechungen keinerlei Verständigungsgrundlage ergeben hätten. Das einzige Ergebnis des Warschauer Besuches Edens sei die erneute Weigerung Polens, einem Ostpakt beizutreten, so wie er in der Londoner Erklärung vom 3. Februar gedacht gewesen sei. „Echo de Paris" fordert trotz allem den Abschluß des Ostpaktes, so wie er ursprünglich gedacht war, auch ohne Polen und Deutschland. Man müsse berücksichtigen, daß selbst England seinen im Februar eingenommenen Standpunkt geändert habe. Die englische Regierung fühle sich unfähig, eine aktive Rolle zu spielen, und man dürfe von ihr nicht erwarten, daß sie irgendwelche Verpflichtungen übernehme. Das Luftabkommen stehe augenblicklich nicht zur Sprache. Ohne die Unterredungen mit London abzubrechen, müsse Frankreich lernen, eigene Entschlüsse zu fassen, ohne vorher die Genehmigung des Foreign Office einzuholen. Die regionalen Pakte des gegenseitigen Beistandes seien in der Erklärung vom 3. Februar vorgesehen. Diese Pakte müßten, so gut es gehe, verwirklicht werden. Der Bericht Sir John Simons, der bereits seit mehreren Tagen dem Quai d'O r.s a y v o r l i e g e, habe auf die französische Regierung einen tiefen Eindruck gemacht. Man könnte mit Sicherheit annehmen, daß die letzten militärischen Maßnahmen der französischen Regierung auf den Bericht Sir John Simons zurückzuführen seien. Hoffnung auf Stresa. Wird Mussolini neue Vorschläge machen? London, 4. April. (DNV.-Funkspruch.) „Daily Telegraph" meldet aus Warschau, es sei in unterrichteten Kreisen eine Nachricht eingetroffen, daß Mussolini in Stresa vielleicht einen eige - nen europäischen Friedensplan vorigen werde. Sein Ziel sei, in Europa ein allgemeineres Gefühl d e s Vertrauens zu schaffen, bevor ein Versuch mit dem Abschluß von Ost Pakten gemacht werde. Wahrscheinlich werde er eine Wiederaufnahme von politischen und wirtschaftlichen Verhandlungen nach dem Vorbild der zwischen Italien, Oesterreich und Ungarn im März vorigen Jahres unterzeichneten Vereinbarung Vorschlägen. In dieser Vereinbarung sei bekanntlich eine Beratung in allen politischen F r a- aen von allgemeinem Interessen vorgesehen. Die Ueberzeugung, daß Italien einen solchen Plan habe, um Englands künftige Haltung festzu- stellen, fei teilweise verantwortlich für Polens augenblickliche Abneigung gegen Aenderung seiner Außenpolitik. Die Haltung Polens in der Frage eines östlichen Sicherheitspaktes sei vö11ig negativ gewesen. Stresa werde darüber entscheiden, ob es Zweck habe, die Bemühungen um die Sicherheit durch regionale Pakte fortzusetzen, oder ob eine ganze neue Politik beginnen solle. Frankreichs militärische Absprachen. Enthüllungen aus vertraulichen Sitzungen des Heeresausschuffes der Kammer Paris, 4. April. (DNB. Funkspruch.) Der Unterausschuß für die Landesverteidigung hat Ausführungen des üriegsminifters und des Luft- fahrtminisiers über den gegenwärtigen Stand der französischen Landesverteidigung angehürt. Obwohl Vertraulichkeit über den Verlauf der Sitzung gefordert worden war,, hat der rechtsgerichtete Abgeordnete Taittinger geäußert, die beiden Minister hätten sich sehr pessimistisch gezeigt. Denain fei zwar mit der beschleunigten Herstellung von neuen modernen Flugzeugen zufrieden, halte aber den augenblicklichen Vorrat an Brandbomben für vollkommen unzureichend. Zwischen den Generalftäben Frankreichs, Sowjetrußlands, ferner der Tschechoslowakei und Italiens beständen Abkommen. Mit Belgien sei vereinbart, dah im Falle eines deutsch-französischen Krieges die französischen Truppen freien Durchmarsch hätten. Außerdem werde im Kriegsfall die Fliegerei Sowjetruhlands Frankreich sofort Hilfe l e i st e n. Denain soll sich ferner noch über umfangreiche französische Flugzeugbe- stellungen im Ausland geäußert haben. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Archimbauld und der Vorsitzende des Finanzausschusses, Malvy, haben die Presse gebeten, sich an die amtliche Verlautbarung zu hallen. Sie haben auch auf den ganzen Ernst der Folgen hingewiesen, den unter den augenblicklichen Umständen eine Veröffentlichung der Erklärungen der Minister haben würde. Scharfe Kritik an Laval. Bertrand fordert deutsch-französische Verständigung. Paris, 3. April. (DNB.) Das Mitglied der französischen Akademie Louis Bertrand tritt in „La Presse" der „internationalistischen und anti- französischen Politik der Regierung" entgegen; er bezeichnet die Reise des französischen Außenministers nach Moskau als Tollheit, ja sogar als Verbrechen am Vaterland. Frankreich tue nichts, sich mit Deutschland auszusprechen, zumal es doch nicht auf Durchführung eines Vertrages rechnen dürfe, den es dem Gegner mit dem Messer an der Kehle aufgezwungen habe. Frankreichs Streitkräfte feien unversehrt und seine Finanzen gesund. Jetzt noch könnte Frankreich sich mit Deutschland aussprechen, ohne einen Fußbreit seines Gebietes zu verlieren und ohne auf feine Vorteile zu verzichten. Die In Frankreich regierenden Männer führten das Land dagegen in eine Sackgasse. Hypnotisiert durch die Furcht vor Deutschland, sehe Frankreich die Gefahr des Bolschewismus nicht. Die Liebedienerei Frankreichs gegenüber England sei geradezu ekelyaft, gerade als ob man nicht 1914 erlebt hätte, welchen Wert die militärische Hilfe Englands habe. In Frankreich wolle man nicht begreifen, daß Frankreich, wenn es Verbündete suche, alles Interesse habe, sich an das in Europa militärisch stärkste Volk zu wenden, und zwar ohne irgendwelche Gefühlsduselei und ohne von diesem Volk etwa sein Herz oder Treue zu fordern, sondern nur aus beiderseitigem Interesse heraus. Davon wollten die Freimaurer und die Linksfront in Frankreich aber nichts wissen. Sie dächten nur daran, Hitler niederzuwerfen, vergäßen aber, daß sie zu diesem Zweck erst ganz Deutschland niederschlagen müßten. Das Deutschland von heute lasse sich aber nicht mehr wie 1914 einkreisen. Es sei Unsinn, Deutschland in einen Pakt mit Rußland zwingen zu wollen, das Deutschland mit Recht als seinen schlimmsten Feind ansehe und das auch unser aller Feind sei. Wie könne man sich in Frankreich unter diesen Umständen darüber wundern, wenn Deutschland sich gegen Frankreich wende, da Frankreich es doch durch alle seine Handlungen davon überzeuge, daß es mit den schlimmsten Feinden Deutschlands gemeinsame Sache mache. Dämmert es auch in Frankreich? Paris, 4. April. (DNB.-Funkspruch.) Die politisch-satirische Wochenzeitung „Le Canard enchainä“ stellt fest, daß der berüchtigte Artikel über die Schuld am Kriege im Versailler Vertrag e i n durch Gewalt erpreßtes Zuge st and- nis Deutschlands darstelle und schon deshalb nichtig sei. Wenn die siegreichen Staaten nach Verringerung des deutschen Heeres auf den Stand einer gewöhnlichen inneren Polizeimacht ihren vertraglichen Verpflichtungen auf Abrüstung nachgekvmmen wären, hätte man eine allgemeine Befriedung erhoffen können. Die Doktrin von der „S i ch e r h e i t", die der französische Generalstab erfunden hat, und die alle Politiker von Tardieu bis Herriot predigten, ist in der Tat ausschließlich auf der Ungleichheit und nicht auf der Stärke begründet. Der gesunde Menschenverstand hätte voraussehen müssen, daß ein Volk von 68 Millionen Menschen es auf d i e Dauer nicht zulassen würde, in der Stellung des Besiegten zu verharren. Geflissentlich habe man ferner dem französischen Volk verschwiegen, was die unbeeinflußte historische Forschung außerhalb Frank-, reichs über hie Ursprünge des Krieges einwandfrei festgestellt habe. Dabei aber fei durch diese Forschungsergebnisse die Grundlage des Versailler Vertrages erschüttert worden, der dummerweise auf der Alleinschuld Deutschlands aufgebaut fei. Es mußte daher notgedrungen ein Mann auftauchen, in dem die Hoffnungen und der Groll eines Volkes kristallisiert sind, oas jahrelang durch Hunger, Elend und Entwürdigung verfolgt war, und der ihm nun feinen Platz wieder inmitte/n der anderen Staaten einräumte. Deutschlands Luftflotte. Debatte in der englischen Deffentlichken. L o n d o n , 3. April. (DNB.) Der Abg. Sir Charles C a y s e r fragte im Unterhaus den englischen Außenminister Sir John Simon, ob ihm Reichskanzler Hitler in Berlin eine Andeutung über d i e Stärke der deutschen Luftwaffe gegeben habe. Sir John Simon erwiderte: „Jawohl, im Verlaufe dieser Besprechungen teilte der deutsche Reichskanzler in allgemeinen Ausdrücken mit, daß Deutschland b i e Gleichheit mit England in der Luft erreicht hat." Churchill machte den Premierminister daraus aufmerksam, daß Simons Antwort in bezug auf die Stärke der Luftstreitkräfte der beiden Länder in unmittelbarem Gegensatz z u den Erklärungen stehe, die von der britischen Regierung bisher abgegeben worden seien. Infolgedessen müßten besondere Vorkehrungen getroffen werden, damit das Unterhaus die Lage besprechen könne. Der Führer der Arbeiteropposition, Lansbury, regte an, eine (Erörterung im Rahmen gewisser Finanzaussprachen stattfinden zu lassen, ohne daß ein besonderer Tag für diesen Zweck bereitgestellt werde. M a c d o n a l d bat um vorherige Ankündigung dieses Vorschlages, fügte jedoch hinzu, daß seine Antwort nicht als eine Annahme des Vorschlages hingenommen werden dürfe. * Der Unterftaatsfetretär für das Flugwesen, Sir Philipp S a s s o o n, hat auf einer Versammlung der Völkerbundsunion eine Rede gehalten, in der er erklärte, er glaube ehrlich, daß man i n dem geplanten Luftpakt ein durchführbares Mittel besitze, um Unsicherheit durch Sicherheit zu ersetzen und auf diese Weise die Hauptursache übertriebener Rüstungen und des Krieges zu beseitigen. Sowohl in I a p a n als auch in den Vereinigten Staaten haben sich Bestrebungen gezeigt, die Luftstreitkräfte zu verstärken, während Rußland außer der Schaffung eines Heeres von 900 000 Mann jetzt beanspruche, die größte Luftstreitkraft der Welt zu besitzen. Es gebe europäische Nationen, deren Gebiete an die der USSR. grenzen, die äußerst interessiert an dem „unheilvollen Anwachsen der militärischen Macht Rußlands" sein müssen. Das Wiederaufrüsten Deutschlands ist seit langem der Gegenstand großen Interesses, um nicht zu sagen großer Besorgnis für das englische Volk gewesen. Es besteht Grund zur Annahme, daß das Tempo des Wiederaufrüstens in Deutschland beschleunigt worden ist. Ich hoffe, daß die Besprechungen zwischen dem Staatssekretär des Aeuße- ren und dem Führer zu einer besseren Kennt- n i s auf beiden Seiten der Ziele und Absichten unserer beiden Länder führen werden. Wenn sich dies fo verhält, so wird es ein großer Gewinn jein. Ein volles Verständnis der Lage der anderen Seite ist eine notwendige Vorbe- dingung für eine bauernbe Vereinbarung. Auf bie Schwierigkeiten ein- qefjcnb, benen bie britische Regierung bei bem Versuch begegne, anbere Nationen zu Überreben, ihre Luftrüstungspolitik zu änbern, bemerkte Sassoonr Wir haben bie Hoffnung nicht auf gegeben; wir werden unsere Versuche nicht aufgeben. Aber wir müssen Europa so nehmen, wie es ist. Wir stehen weiterhin an fünfter Stelle unter den Weltluftmächten, unb wenn wir uns begnügen, da stehen zu bleiben, wo wir äugen« bkicklich sind, „so würden wir nicht lange vor Deutschland bleibe n". Der von Großbritannien und Frankreich in Aussicht genommene Luftpakt ist auf gegenseitige Bürgschaften der Locarno- Nationen gegen Angriffe aus der Luft begründet. Wenn Großbritannien ein nützlicher Teilnehmer an einem solchen Pakt sein soll, so muß es st a r k genug sein, um angemessenen Beistand zu leisten, wenn es dazu aufgefordert wird. England und der Lustpakt. London, 4. April. (DNB. Fundspruch.) „Daily Telegraph" schreibt zu der Mitteilung Simons über die Stärke der deutschen Luftstreitmacht, hoffentlich werde die britische Oeffentlichkeit dieser Nachricht mit Entschlossenheit und Einigkeit gegenübertreten. Die Nachricht sei anscheinend eine lieber- raschung für die britische Regierung gewesen. Man dürfe glauben, daß Deutschland bei seinem Ausrüsten in Lust nicht in erster und vielleicht nicht in zweiter Linie an England denke. Aber Großbritannien müsse Deutschland in seine Rechnung stellen. Unterstaatssekretär Sassoon habe erklärt, der westliche Lustpakt würde Großbritannien die Verpflichtung auserlegen, in der Lust stark genug zu sein, um anderen Beistand leisten zu können. Einer ehrenhalber eingegangenen Verpflichtung könne man sich nicht entziehen. Dies sei eine völlig überzeugende Rechtfertigung der Erhöhung des britischen Luft- s a hr t v o r a n s ch l a g e s. Eine „vereinbarte Verminderung" sei dadurch nicht ausgeschlossen, aber wenn die §onferenzoerhand- lungen erfolglos blieben, dann müsse entsprechend der Erkläruna Baldwins gehandelt werden, wonach Großbritannien in der Luft die gleiche Stärke mit der in „Schlagweite" befindlichen st ä r k st e n L u f t m a ch t haben müsse. Das englische Rüstungsgeschäft. London, 2. April. (DNB.) Auf der Generalversammlung der englischen Rüstungsfirma Vickers erklärte der Präsident, Sir Herbert Lawrence, daß die vor dem amerikanischen Waffenuntersuchungsausschuß vorgebrachten Anschuldigungen gegen Vickers und andere Rüstungsfirmen u n - fair und ungerecht seien. Das Geschäft der englischen Waffenfirmen seivollkommenlegi- t i m und unterstehe einer strengen Regierungskontrolle. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde mitgeteilt, daß die Dickers-Armstrong- Gesellschaft dieses Jahr mehr Aufträge erhalten habe als zur selben Zeit des Vorjahres, und daß die Firma zur Zeit über 30 000 Menschen beschäftigt gegenüber 24 500 im Vorjahr. Ein Aktionär verlangte eine Versicherung, daß keine englischenWaffen an etwaige zukünftige Feinde Englands verkauft werden. Der Präsident erklärte, daß keine ausländischen Verkäufe vorgenommen würden, die nicht vorher von der englischen Regierung genau geprüft worden seien. Die Dickers-Aviation-Gesellschaft wird dieses Jahr mindestens vier neue Typen von Land- Flugzeugen herausbringen, darunter ein sehr schnelles neues Kampfflugzeug und einen ftark verbesserten Bombertyp. Deutschland und die Klottenkonferenz. Washington, 3. April. (DNB.) Der amerikanische Marinesekretär S w a n f o n erklärte auf einer Pressekonferenz, daß er für den Einschluß Deutsch l a n d s in die Flottenkonferenz sei. Er bemerkte, daß er keinen Vorschlag von Deutschland erhalten habe. Die amerikanische Regierung sei der Ansicht, daß eine deutsche Forderung nach einer Kriegsflottenstärke von insgesamt 4 5 0 0 0 0 Tonnen das amerikanisch-englisch-japanische Flottenoer- hältnis von 5:5:3 keineswegs beeinflussen könne. Oesterreich fordert Gleichberechtigung. IBien, 3.April. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt: heute nachmittag fand unter Vorsitz des Bundeskanzler Dr. Schuschnigg ein kurzer Blinist e r r a t statt, der sich neben der Erledigung laufender Angelegenheiten mit der Frage des Ausbaues der österreichischen Wehrmacht befaßte. Der Ministerrat gab der übereinstimmen, den Auffassung Ausdruck, daß die Zubilligung voller Gleichberechtigung für Oester- r e l ch eine selbstverständliche Voraussetzung bleibe. Die notwendigen vorbereitenden Schritte würden eingeleitet. Abfchlußübung der Landespolizei vor General Göring. Berlin, 3. April. (DNB.) Am Mittwochvormittag fand auf dem Truppenübungsplatz D ö b e r i tz eine . große Hebung von Einheiten der Landespolizei statt, der auch Ministerpräsident Göring beiwohnte. Anschließend an die Hebung schritt General Göring die Front ab. E r dankte in kernigen Worten den Formationen für ihre Treue und ihre Arbeit beim Aufstellen der Landespolizei. Er verabschiedete bei dieser Gelegenheit d i e zur Wehrmacht übertretenden Einheiten und wandte sich noch besonders an die gleichfalls beteiligte Landespolizeigruppe „General Göring", welcher er stete Verbundenheit mit seiner Person versprach. Ein Parademarsch beschloß den Tag. Die Beisetzung des Bischofs Dr.Hugo. Schon in den frühen Morgenstunden hatte sich eine große Menschenmenge vor dem Bischöflichen Palais in Mainz versammelt, die Zeuge der Ueberführung und Beisetzung des verewigten Bischofs Dr. Ludwig Maria Hugo sem wollte. Um 9 Uhr setzte sich der Trauerzug in Bewegung. In langen Reihen zogen die katholischen Vereine, die Schüler der Volks- und höheren Schulen, die Studentenverbindungen, dcr Diözesanklerus nach dem Dom zu. Dann erschien als erster Protonotar Domdekan Dr. May im vollen Ornat im Portal des Bischöflichen Palais. Ihm folgten die hohen kirchlichen Würdenträger, zuerst d i e Aebte Zölestin von Schweiklberg und Eberhardt von Marien st ad t, dann Bischof Dr. Sebastian von Speyer, Bischof Dr. H i l f- rich von Limburg, Bischof Dr. Borne- wasser von Trier, Bischof Dr. Ehren- fried von Würzburg, Bischof Dr. Sproll von Rottenburg und als letzter der Metropolitan der oberrheinischen Kirchenprovinz Erzbischof Dr. Gröber von Freiburg. Dann folgte der Leichenwagen mit dem Sarg, oem sich die Familienangehörigen des Bischofs und die Vertreter der Behörden anfchlossen. Unter diesen sah man den Vertreter des Reichs st att- halters in Hessen, Provinzialdirektor Dr. Wehner, Oberbürgermeister Dr. Barth und Rechtsrat Dr. Falk. In tiefem Schweigen bewegte sich langsam der Zug durch die Straßen, von der dichtgedrängten Volksmenge ehrfurchtsvoll begrüßt. Im Dom angelangt, wurde der Sarg vor dem Hochaltar niedergesetzt. Dann hielt Erzbischof Dr. Gröber das feierliche Requiem, das der Domchor mit ergreifenden Gesängen begleitete. Gewaltig erklang das fünfstimmige Miserere von Orlando di Lasso. Nach dem Requiem hielt Bischof Dr. Sproll von Rottenburg die Trauerrede, in der er ein Lebensbild des dahingeschiedenen Oberhirten gab und feine Verdienste um Kirche und Vaterland feierte. Dann wurde der Sarg nach der Absolutio ad tumbam wieder aufgehoben und in feierlichem Zuge nach der Bischofsgruft gebracht und beigesetzt. Die öffentlichen Gebäude der Stadt hatten während der Trauerfeier die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Oer Reichsjugendführer an die amerikanische Oeffentlichkeit. Eine Unterredung Baldur von Gchirachs mit dem Vertreter der Associated preß B e r l i n, 3. April. (Reichsjugendpressedienst.) Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach gewährte dem Berliner Vertreter des amerikanischen Nachrichtenbüros „The Associated Preß", Chefredakteur Louis P. L o ch n e r, eine Unterredung. Auf die Frage: Wohin st euertdieJug end imreligiösen Sinne? antwortete der Reichsjugendführer u. a.: Zunächst möchte ich bemerken, daß ich an konfessionellen Fragen desinteressiert bin. Aus diesem Grunde habe ich mich auch bisher mit der Frage einer „Staatskirche, die weder protestantisch noch katholisch ist", nicht beschäftigt. Ich sehe in beiden christlichen Bekenntnissen zwei gegebene Größen, mt denen ich zu rechnen habe. Wenn die Hitlerjugend nicht so oft zur Kirche geht, wie es vielleicht vom Standpunkt einer religiösen Erziehung aus wünschenswert wäre, liegt das nicht zuletzt an dieser Tatsache, weil die Jugend, je länger der Streit zwischen konfessionellem Jugendbund und Hiller-Jugend andauert, um so mehr die Kirche selbst für die Haltung der konfessionellen Jugend verantwortlich zu machen beginnt. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß in demselben Augenblick, in dem die Frage konfessionelle Jugend — Hitler-Jugend ihre Erledigung gefunden hat, die gesamte deutsche Jugend auch der Kirche gegenüber einen ganz anderen Standpunkt einnimmt. Frage: Wie ich immer wieder seststellen kann, interessiert man sich im Auslande sehr für die Frage, ob die wehrsportliche Jugender- z i e h u n tz nicht zu einer Militarisierung der Jugend führen muß, etwa in dem Sinne, daß der Junge und das Mädchen in dem Kriege die beste Möglichkeit zum Beweis ihres Heldentums sehen. Antwort: Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten, die ihre Jugend schon im 14. Lebensjahr an Kriegswaffen ausbilden, wird in Deutschland die Jugend vor ihrem Eintritt in die Armee überhaupt nicht mit Waffen geschult. Wir wollen nichts anderes als unsere Jugend gesund und glücklich machen. Zur Verwirklichung dieses Zieles bedürfen wir der körperlichen Erziehung. Unsere soldatische Haltung hat nichts Militaristisches an sich. Wir verstehen unter dieser Haltung die Ausrichtung der jungen Generation auf die großen menschlichen Ideale: Disziplin, Treue und Kameradschaft. Frage: Sie sprachen in Ihrer Rede im Saar- gebiet von einer „verschworenen Gemeinschaf t". Was ist damit gemeint? Soll es innerhalb einer Volksgemeinschaft noch eine besondere Elite geben, die miteinander verschworen ist und deren geheimste Ziele der Rest der Volksgemeinschaft nicht wissen soll? Wenn ja, so frage ich weiter, ob das Vorhandensein einer solchen „verschworenen Gesellschaft" nicht große Gefahren für den Bestand des Staates bringen kann? Antwort: Unter einer „verschworenen Gemeinschaft" verstehe ich keinen Geheimbund, sondern eine sich verschworene junge Mannschaft, die auf Gedeih und Verderb zusammenhält. Die in der Hitler-Jugend geeinte deutsche Jugend hat sich nicht gegen, sondern für den Staat „verschworen". Sie will die junge Garde dieses ihres Staates sein. Es ist dies der Grund, warum ihr der Führer den Ehrentitel verliehen hat, der sie stolz und glücklich macht: Staatsjugend. Patriae inserviendo con- sumor (Ich verbrauche mich im Dienste des Vaterlandes) war der Wahlspruch Bis- m a r ck s. Die Jugend Adolf h i l l e r s lebt nach demselben Gesetz. Reichsschulungstagung des Amtes „Schönheit der Arbeit". Nürnberg, 3. April. (DNB.) Die erste Reichsschulungstagung des Amtes „Schönheit der Arbeit" innerhalb der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" wurde im Goldenen Saal des Kulturvereins eröffnet. Amtsleiter Speer führte in feiner Eröffnungsrede u. a. aus: In diesem ersten Jahr der praktischen Arbeit wurden in Deutschland für die Verschönerung von Betrieben, für Neuanlagen von Wasch-, Umkleide- und Kantinenräumen, für Feierabendheime, für Anlage von Gärten zur Erholung der Arbeiter durch die Arbeit des Amtes „Schönheit der Arbeit" 100 Millionen Mark von den Betriebsführern freiwillig aufgewendet. Durchschnittlich 80 v.H. der Betriebsbesichtigungen führten zu den beabsichtigten, oft zu einem noch größeren Erfolg. Es muß zu Ehren der Betriebsführer betont werden, daß die Idee der Schönheit der Arbeit im allgemeinen gut und verständnisvoll, oft be geistert ausgenommen wurde. Es muß unser weiteres Bestreben sein, die gute Achtung der Betriebsführer vor Schönheit der Arbeit nicht durch voreilige und ungeschulte Arbeit Unberufener in Mißkredit bringen zu lassen. Eine neue Abteilung wird sich mit allen Gestaltungsfragen innerhalb des Amtes zu befassen haben. Eine weitere Abteilung wird die Frage der Hygiene in den Betrieben bearbeiten. Unsere Arbeit baut sich auf freiwillige Leistung des Betriebsführers auf. Bei den jetzigen, allgemein noch schlechten Zustand der Betriebe ist es unmöglich, zu versuchen, die Forderungen, die wir freiwillig von den Betriebsführern verlangen, durch ein oder mehrere Gesetze zu sichern. Nach den.bisherigen Erfahrungen muß es uns aber gelingen, 60 bis 70 v. H. aller Betriebe Deutschlands auf den von uns gewünschten Stand zu bringen. Reichsorganisationsleiter und Leiter der OAF. Or. Ley führte dann u. a. aus: „Als mir vor einem Jahr dieses Amt Schönheit der Arbeit schufen, hat man sich von den verschiedensten Seiten gefragt, was dieses Amt eigentlich bezwecken solle. Etwas ganz Neues liegt in diesem Werk. Wir wosien die gesamte Stellung des werktätigen Menschen ausrichten und ihm alles Häßliche beseitigen und seinen Blick für die Schönheiten und Freuden des Lebens klarmachen. Es ist wie die Pstege und wie die Hütung einer Pflanze. Wir wollen alle Voraussetzungen schaffen, die zum Wachsen und zum Gedeihen notwendig sind. Es ist notwendig, ein Existenzminimum zu erforschen, aber ein Existenzminimum, das sich nicht nur mit Kalorien beschäftigt, sondern das alle Le- bensbedingungen kulturell formt. Aus dem Wort des F u hrers : „Sorgen Sie mir dafür, daß das Volk starke Nerven hat!" ist das Werk „Kraft durch Freude" erstanden. Der Führer ist also der Schöpfer dieses herrlichen Werkes, von dem das Amt „Schönheit der Arbeit" ein wesentlicher Teil ist. „Kraft durch Freude" ist keineswegs nur ein Feierabendwerk, sondern es greift in den Alltag und es gestaltet den Alltag. (Starker, langanhaltender Beifall.) Es ist unser soziales Wollen, ein Wollen, das niemals vor uns dagewesen ist. Für uns ist Arbeit keine käufliche Ware. Sie müssen das Arbeitsleben des werktätigen Menschen, seinen Arbeitsplatz so harmonisch wie möglich gestalten, den Platz, an dem der Arbeiter den größten Teil seines Tages verbringt. Wenn es uns gelingt, den werktätigen Menschen überall gute und schöne Arbeitsstätten zu schaffen, werden mir des Dankes aller deutschen Menschen sicher fein. Das Streben nach Großem und Schönen gehört zum deutschen Menschen. Darum haben mir eine große Aufgabe. Mit herzlichen Worten des Dankes für die geleistete Arbeit und mit einem Siegheil auf den Führer schloß Dr. Ley seine mit großem Beifall aufgenommenen Darlegungen. Oie ersten Referate. Der stellv. Reichsamtsleiter, Pg. Kretschmer, sprach dann über die Ausgaben des Amtes „Schönheit der Arbeit". Hygiene der Betriebe ist das Haupterfordernis. Dabei muß darauf gesehen rnerden, daß mit der Herstellung von Sauberkeit und Ordnung in den. Betrieben auch stets das Gebot der Schönheit miterfüllt rnird. Bei der Propaganda für künstlerische Gestaltung der Arbeitsstätten darf nicht hemmungslos vorgegangen rnerden, da sonst bei dem überkommenen künstlerischen Tiefstand der breiten Massen die Gefahr der ungemoüten Förderung des Kitsches ermachsen könnte. Die Bestrebungen unseres Amtes sind kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, denn ihre Verwirklichung macht uns erst zu deutschen Menschen. Pg. Steinwarz sprach über den Feldzug gegen den Lärm. Dieser Kampf ist aus gesundheitlichen Gründen ein dringendes Gebot. Starker Lärm in den Betrieben störe den Fortgang der Arbeit, führe vielfach zu Taubheit und ermüde die Arbeiter vorzeitig. Deshalb müsse die Erkenntnis und der Entschluß Platz greifen, daß jedes überflüssige Geräusch unbedingt zu unterlassen sei. Als dritter Redner sprach Pg. M a l i tz über rednerische Propaganda. Den Schluhvortrag hielt der Leiter des Amtes „Kraft durch Freude", Pg. Dreß- ler-Andres. Am Abend fand im Rathauskeller eine Begrüßung der Teilnehmer durch die Stadtverwaltung statt. Kleine politische Nachrichten. Reichsmehrminister Generaloberst von Blomberg hat an den Stellvertreter des Führers, Reichsminister Heß, folgendes Telegramm gerichtet: „Für Ihre großartige Rede vor den Münchener Reichsbahnarbeitern mit der verständnisvollen Würdigung der Wehrmacht aufrichtigen Dank. In kameradschaftlicher Verbundenheit. ♦ Der aus dem Kampf um die nationalsozialistische Erhebung bekannte Pg. Oberregierungsrat L o s s a u feierte am 2. April 1935 seinen 50. Geburts- t a g. Der Führer und Reichskanzler, Minister Dr. Frick, Ministerpräsident Goring sornie der stellv. Gauleiter, Staatsrat Gorlitzer, und viele andere haben ihm aus diesem Anlaß Glückmünsche zugehen lassen. * „Gazetta del Popolo " behauptet in ihrer Ausgabe vom 28. v. M., Deutschland habe nicht nur seine Aspirationen gegenüber Litauen, Rußland und Oesterreich nicht aufgegeben, sondern beabsichtige sogar in Irland eine Operationsbasis gegenüber England zu errichten. Wegen dieses Versuches bäsrnilliger Brunnenoergiftung mürbe die „Gazetta del Popolo" für das deutsche Reichsgebiet verboten. Das Parlament in Dublin hat das irische Nationalität- und B ü r g e r r e ch t g e s e tz angenommen. Ministerpräsident de Valera sagte, am besten mürbe eine Volksabstimmung abgehalten merben, um zu entscheiben, ob die Mehrheit des Volkes die völlige Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien, zum Beispiel in Form einer Republik, rnünsche. Mit der Annahme des Gesetzes hören die Irländer auf, britische Bürger zu sein. Der Führer der Radikalen Parket, Üerroux, hat eine neue spanische R e g i er u n g gebildet. Es handelt sich um ein Minderheitskabinett. Außer dem Marine-, Unterrichts- und Finanzministerium liegt die Verwaltung sämtlicher Ministerien bei den Radikalen. Die Regierung wird auf starken Widerstand stoßen, vor allem bei den im letzten Kabinett vertretenen Rechtsparteien. Um die Arbeit zunächst für einen Monat zu sichern, wurden die Sitzungen des Landtages für einen Monat unterbrochen. Aus aller Wett. Die „Karlsruhe"-Besatzung tn Mexiko-Stadt. Anläßlich des Besuckes eines großen Teiles der Besatzung der Karlsruhe" in Mexiko-Stadt veröffentlicht das Regierungsblatt „Nacional" eine Sonderbeilage, die den deutschen Gästen gewidmet ist. Die Bevölkerung der Stadt hat den Deutschen einen herzlichen Empfang bereitet. Der Kommandant der „Karlsruhe" stattete dem Außenminister und dem Kriegsminister einen Besuch ab und legte an der Mexikanischen Unabhängigkeitssäule einen Kranz nieder. Auch fand auf dem deutschen Friedhof eine Heldengedenkfeier statt, wobei der Kommandant ebenfalls einen Kranz niederlegte. Der Kriegsminister gab darauf ein Essen für die Offiziere des Kreuzers. Die Kadetten und die übrige Mannschaft waren Gäste des deutschen Rudervereins. Raubmord an einer Frau in Garmifch. Am 1. April abends wurde in einer Garmischer Pension eine Frau tot aufgefunden. Es liegt Raubmord vor. Bei der Toten handelt es sich um die 52 Jahre alte Oberschwester Katharina Peters aus Berlin, der eine Reihe von Schmucksachen geraubt wurden. Als Mörder wird ein angeblicher Jesko von Szpingier, ein 18jähriger Bursche polnischer Staatsangehörigkeit, gesucht. Es besteht die Möglichkeit, daß der Mörder falsche Personalien führt. Einen der geraubten Ringe hat er am Tage des Mordes in München verkauft. An diesem Tage hatte er sich in einer Kraftdroschke von Garmisch nach München fahren lassen und dabei den Fahrer um den Lohn geprellt. Die Regierung von Oberbayern und die Gemeinde Garmisch- Partenkirchen haben für Mitteilungen, die zur Festnahme des Täters führen, eine Belohnung von 300 Mark festgesetzt. Dreifacher Raubmord im Bayerischen Wald. In Daberg, unweit von Furth im Wald (Bayer. Oberpfalz) entdeckte man im Anwesen der Frau Weber, das einsam auf Wiesen steht, ein gräßliches Verbrechen. Die etwa 80jährige Frau, ihre 44jährige Tochter und der 18jährige Sohn der Tochter wurden ermordet aufgefunden. Das Haus selbst mar ausgeraubt und das Vieh fortgetrieben. — Das furchtbare Verbrechen hat bereits feine volle Aufklärung gefunden. Der Täter, der 26 Jahre alte Ludwig Weder, mürbe in Mering bei Augsburg verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis nach Augsburg eingeliefert. Er hat dort bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt. Auch die Braut des Täters mürbe festgenommen. Die geraubten Kühe hatte der Verbrecher in Furch i. W. verkauft. 25 Todesopfer des Uzheroder Brandunglücks geborgen. Bei den meiteren Aufräumungsarbeiten an der Brandstätte in Uzherod (Karpathenrußland) mürben auf dem Grunde der niedergebrannten Strohschober noch mehrere Leichen gefunden, die so stark verkohlt maren, daß sie an der Luft in Asche zerfielen. Mehrere Leichenreste mürben dicht nebeneinander gefunden, und ihre Lage läßt darauf schließen, daß die Opfer nebeneinander liegend, im Schlaf von den Flammen überrascht mürben. Bisher mürben 25 Leichen geborgen. Die Bemühungen ber Polizei, bie Personalien ber Opfer festzustellen, stoßen auf große Schmierigkeiten. Schwerer Grubenunfall in Osioberschlefien. Auf ber Sodisski-Grube im Dombrowaer In- dustrierevier (Ostobevschlesien) ereignete, sich ein Grubenunglück. Der Damm einer Wasser- aber brach. Ein Teil des Schachtausbaues mürbe unterspült. Dabei begruben größere Kahlenmengen sechs Bergleute. Die sofort aufgenommenen Rettungsarbeiten führten erst nach mehreren Stunden zur Bergung von drei Arbeitern. Sie hatten nur leichtere Verletzungen erlitten. Später mürben zwei weitere Verschüttete freigelegt. Einer von ihnen war bereits tot; der andere wurde mit schweren Verletzungen am ganzen Körper ins Krankenhaus geschafft. Ein Bergknappe konnte bisher noch nicht geborgen werden. 54 000 Todesopfer der Malaria-Epidemie auf Ceylon. Die Malaria-Epidemie auf Ceylon hat bisher 54000 Todesopfer gefordert. Im Februar allein starben 16 000 Menschen. Wetterbericht des Reichswekterdienstes Ausgabeort Frankfurt. Durch die Entwicklung eines mächtigen, mit seinem zentralen Teil im Nordseegebiet liegen Tiefdruck- mirbels werden zunächst wieder feuchte ozeanische Luftmassen nach Deutschland verfrachtet. Sie werden an ber vorgelagerten Kaltluft zum Aufgleiten kommen und Anlaß zu verbreiteten Niederschlägen geben. Anschließend wird sich jedoch rasch mieoer das sehr unbeständige und wechselhafte Aprilwetter Herstellen. Aussichten für Freitag: Zunächst Der« breitete und länger anhaltende Niederschläge, dann wieder wechselnd bewölkt und Schauer, bei lebhaften südwestlichen, später nordwestlichen Winden nach anfänglicher Milderung neue Abkühlung. Aussichten für Samstag: Wechselnd bewölktes Wetter mit Niederschlagsschauern, bei westlichen bis nördlichen Winden für die Jahreszeit zu kalt. Lufttemperaturen am 3. April: mittags 5,5 Grad Celsius, abends 0,8 Grad; am 4. April: morgens 0,2 Grad. Maximum 7,2 Grad, Minimum — 1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. April: abends 5,8 Grad; am 4. April: morgens 3,8 Grad.— Niederschläge 1,4 mm. — Sonnenscheindauer 5,1 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. ßang^ für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck« verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. II. 35: 11790. Druck und Verlag; Brübl'sche Unioersitäts°Buch° and Steindruckerek R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf« Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr« Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Iur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig« 9JL-$poit Tag des Rudersports - »Deutsches Anrudern" Der „Tag des Rudersports" ist seit dem vergangenen Jahr ein fester Begriff nicht nur für den Ruderer, sondern für den ganzen deutschen Sport geworden. Jeder, der am Sportleben interessiert ist weiß, daß an diesem Tage die deutschen Ruderer den Auftakt eines neuen Ruderjahres feiern. Das Boot löst nunmehr das Ruderbassin oder den Schneeschuh ab. Am Sonntag, 7. April, dem „Tag des deutschen Rudersports", finden sich alle deutschen Ruderer und Ruderinnen zu gemeinsamer Tat zusammen. Don Saarbrücken aus, vom Ufer der Saar, hört man über alle deutschen Sender das Kommando des Verbandsführers Pauli zum Hissen der Rational-- und der Ruderflaggen auf den Bootshäu- fern. Mit dem Gruß an Volk und Vaterland verbinden sich in diesem Augenblick im besonderen unsere Gedanken an Land und Volk von der Saar, jenem Volk, das in einem harten Kampf durch fünfzehn Jahre hindurch seine Freiheit und sein Volkstum behauptet hat. Dann steigen die Ruderer in biß Boote. Das Kommando gibt der Reichssportführer. Es ist das e r st e m a l i n d e r Geschichte des deutschen Sports, daß sein Führer allen Ruderern unmittelbar das Startkommando gibt. In der gleichen Stunde werden Zehntausende von Ruderern und Ruderinnen in ganz Deutschland mit einem Dauerrudern ein Bekenntnis zu ihrem Sport ablegen. Sie werden zeigen, daß Rudern nicht nur ein Sport der Jungen ist, sondern den 16jährigen mit dem 60jährigen verbindet. Der Ruf mitzutun ergeht an alle deutschen Ruderer: „Alle Mann ins Boot", keiner darf abseitsstehen. * Auch die beiden Gießener Rudervereine: Gießener Rudergesellschaft 1877 e. V. und Gießener Ruderklub Hassia 1906, führen diesen Tag gemeinsam durch und folgt Näheres morgen in dieser Zeitung. Tv. Krofdorf beim Gerätewettkampf in Wehlar-Aiedergirmes. Bei dem Gerätewettkampf des Turnkreises Wetzlar in Wetzlar-Niedergirmes errang der Turnverein Krofdorf e. V. folgende Erfolge: Turner (16 Teilnehmer, 13 Sieger): 3. Sieg Otto Röhrsheim. 8. Sieg Karl Ekarius. Jugend-Oberstufe (7 Teilnehmer, 6 Sieger): 3. Sieg Karl Schmidt. Jugend-Unterstufe (22 Teilnehmer, 17 Sieger): 1. Sieg Adolf Hahn. 2. Sieg Christian Schmidt. ,3. Sieg Helmut Kirch. Schüler (70 Teilnehmer, 51 Sieger): 4. Sieg Kurt Röhrsheim. 5. Sieg Hermann Leicht. 10. Sieg Karl Wagner. 14. Sieg Erich Weil. 15. Sieg Willi Leib. 18. Sieg Ferdinand Mandler. Bezirksklaffe, Gruppe Gießen-Dill. Pokalspiele am 7. April: FC. Teutonia Watzenborn-Steinberg — 1900 Gießen (Deis, Nauborn)-, Spiel- und Sportverein Naunheim — Rb.-Tufpo Dillenburg (Post, Wiefeck); Oranten 1914 Frohnhausen — Tuspo Bissenberg (Schäfer, Dillenburg). Watzenborn-Steinberg — 19 00: Bei diesem Spiel steht der Sieger noch nicht fest. Wenn auch 1900 den SV. 05 Wetzlar auf eigenem Platze mit 5:0 schlagen konnte, so ist doch zu berücksichtigen, daß 1900 in Büdingen gegen den dortigen SV. am vorigen Sonntag 4:0 verlor, damit also keine beständige Form bewies. Watzenborn-Steinberg tritt Am vergangenen Sonntag wurden (wir berichteten bereits kurz darüber) die Saalmeifterfchaften der Radfahrer des Bezirks Gießen in Niedergirmes ausgetragen. Die Meldungen waren besonders im Zweier-Radball zahlreich eingegangen. In der A- und Jugendklasse waren je 7, in der B-Klasse 5 Mannschaften am Start. Da die Spiele im Punktsystem ausgetragen werden mußten, d. h. gegen jede Mannschaft einer Klasse spielen mußte, waren nicht weniger als 36 Spiele erforderlich. Deshalb begannen die Vorspiele bereits am Vormittag. Die Gegner lieferten sich durchweg schöne Kämpfe und gerade in der Meisterklasse sah man gute Leistungen. In der Jugendklasse kämpften sich die beiden Mannschaten des R. V. Niedergirmes in die Endrunde durch, und im Entscheidungsspiel siegte die Mannschaft Lotz-Freitag mit 6:2 Toren über die Mannschaft Grau-Berghäuser. An dritter Stelle stehen mit Punktgleichheit die Mannschaften von 1885 Gießen, Krofdorf und Aßlar. In der B-Klasse waren am Schluß der Serienspiele die Mannschaften O. Von-Eiff-Haas (1885 Gießen) und Herchenhahn-Schneider (Limburg) punktgleich. Im Entscheidungsspiel siegten die Gießener mit 4:2 Toren. Den dritten Platz belegte die Mannschaft Becker-Valentin (1885 Gießen) vor Gemmer-Hofmann und Höbel-Hagener (beide Niedergirmes). Waren die Spiele in der Jugend- und B-Klasse weniger schnell und hart, so wurde in der M ei- sterklasse erbittert um die Führung gekämpft. In 2 Gruppen wurden zunächst die vier besten Mannschaften ermittelt, und zwar 1885 Gießen 1. und 2. Mannschaft sowie Niedergirmes' 1. und Krofdorfs 2. Mannschaft. Im ersten Spiel fertigten die Krofdorfer Burk-Bender die 85er Deibel- Wißner mit 12:5 Toren ab. W. Von-Eiff-Baum (1885 Gießen) schlugen die Niedergirmeser Göbel- Nolte nach schönem Kampf mit 8:6 Toren. Die Krofdorfer siegten dann mit 10:5 Toren über Niedergirmes, während 1885 Gießens 2. Mannschaft gegen Niedergirmes mit 7:15 Toren unterlag. Das entscheidende Spiel 1885 Gießen 1. Mannschaft gegen Krofdorf gewannen die Gießener dank ihrer besseren Technik und Ausdauer mit 13:5 Toren und wurden damit Bezirksmeister. Zwischen den einzelnen Radballspielen wurden die Meister im auch nicht komplett an, hat aber den Vorteil des eigenen Platzes. Naunheim — Dillenburg: Beim Meisterschaftsspiel Naunheim — Dillenburg ging Dillenburg mit 7:2 als Sieger hervor. Beide Mannschaften müssen Ersatz einstellen. Der Spielausgang ist nicht vorauszusagen. Frohnhausen — Bissenberg: Hier wird wohl Frohnhausen knapper Sieger bleiben, da die Mannschaft auf eigenem Platze gefährlich ist, Bissenberg tritt mit Ersatz an. Nach diesen Treffen werden die Sieger mit den Siegern aus anderen Kreisen gepaart werden. Kunstfahren ermittelt. Im Sechser-Kunstreigen siegte die Mannschaft des R. V. 1885 Gießen (Gebr. Keßler, Deibel, Heß, Von-Eiff, Wißner) mit 258,6 Punkten. Mit diesem Siege errang der G. R. V. v. 1885 zum 15. Male die Gau- bzw. Bezirksmeisterschaft. — Bezirksmeister im Achter- Kunstreigen wurde der R. V. Anspach- Taunus mit 237,9 Punkten. Im Einer-Kun st fahren verteidigte Walter Göbel (Niedergirmes) mit 212,2 Punkten erfolgreich seinen Meistertitel. Er zeigte schwierige Uebungen, doch war die Ausführung, sicher durch Ueberanftrengung beim Radball, nicht so exakt wie früher. E. Haas vom R. V. v. 1885 Gießen zeigte sich heute von seiner besten Seite und konnte mit nur 10 Punkten Rückstand dicht an den Meister herankommen. Wäre ihm der Steuerrohraufsprung gelungen, hätte die Meisterschaft für Göbel gefährdet sein können. Jedenfalls wird der junge Fahrer im nächsten Jahre ein gewichtiges Wort mitsprechen. Im Verlauf der Veranstaltung zeigten noch die Jüngsten von Niedergirmes im Reigen sowie im Kunstfahren beachtliche Leistungen und trugen zur Ausschmückung des reichhaltigen Programms bei. Singstunde und Konzert. Die Presse-Korrespondenz des Deutschen Sängerbundes schreibt: In letzter Zeit ist viel von Neugestaltung der Tätigkeit der Gesangvereine die Rede gewesen. Der Deutsche Sängerbund hat als Fachverband für das deutsche Männerchorwesen wiederholt in Wort und Schrift auseinandergesetzt, wie die Gesangvereine ben Forderungen der Zeit gerecht werden können. Leider find die Ausführungen der Bundesleitung vielerorts mißverstanden worden. Da redet z. B. einer feinen Sangesbrüdern vor: „Unsere Uebunas- abende haben künftig gar keinen Zweck mehr. Wir sollen keine Konzerte mehr geben, sodern nur noch alte, mittelalterliche Landsknechtslieder fingen und Marschlieder, und zwar zackig. Dazu brauchen wir doch keine Uebungsstunden, keinen teuren Chor- meister und auch keine Noten." Die so reden, sind eben Unwissende und täten besser, zu schweigen. Man könnte sie in gewissem Sinne als „Greuelpro- pagandisten" bezeichnen. Weder soll das bisher Gepflogene ganz über den Haufen geworfen, noch in gleicher Weise aufrechterhalten werden. Der goldene Die Saalmeisterschasten der Radfahrer des Bezirks Gießen. Wilhelm ».Humboldts 100. Todestag. Scherl-Bildmaterndipnc* Vor 100 Jahren, am 8. April 1835, starb Deutschlands berühmter Staatsmann und Gelehrter, Freiherr Wilhelm von Humboldt, der Bruder des großen deutschen Forschers Alexander von Humboldt. Mittelweg ist das Gewollte und, wie fast in allen Dingen, das Richtige. Und das ist einerseits: Einschränkung einer allerdings oft übertriebenen Konzerttätigkeit. Es war ja in manchen Vereinen bisher tatsächlich so, daß jahraus, jahrein von einem Konzert bzw. öffentlichen Auftreten zum andern Abend für Abend nur geübt (d. h. gepaukt, gebimst) wurde, oft bis zum Ueberdruß für die regelmäßig anwesenden, pflichtgetreuen Sangesbrüder. Und das Richtige anderseits ist: Verwendung eines angemessenen Teils des Uebungsadends zu frischem, fröhlichem Singen, insbesondere von Volksliedern und volkstümlichen Liedern. Das brauchen durchaus nicht immer vierstimmige zu sein. Auch drei- und zweistimmige Männerchöre, die neuerdings von führenden Tonsetzern in schönen Vertonungen geschaffen worden sind, auch in den vom DSB. herausgegebenen Liedblättern und im „Aufrecht Fähnlein" dargeboten werden, können sehr wirkungsvoll sein und im Sänger selbst Lust und Freude erwecken. Besonders bedauerlich ist es natürlich, wenn sogar von feiten einzelner Chorführer eine ablehnende Haltung gegenüber den Forderungen der Gegenwart eingenommen wird. Sie gerade sollten doch vor allem erst einmal vorurteilsfrei prüfen und sich den Inhalt der ihrem Verein und damit ihnen ' gestellten neuen Aufgabe zu eigen machen und alsdann ihren Sängern durch sachgemäße Aufklärung das Neue nahezubringen versuchen, anstatt es mit einer abwehrenden oder gar mißachtenden - Handbewegung von sich zu weisen. Wer mit Unlust ans Neue herangeht, wird sich schwerlich damit befreunden können. Der Chormeister muß sich seiner 23er«, antwortung sowohl gegenüber den seiner Führung anoertrauten Sängern, als auch gegenüber dem DSB. bewußt sein. Dann wird er es als seine unbedingte Pflicht erachten, den wiederholten Anregungen der Bundesleitung nachzugehen und sich mit dem neuen Liedgute und den gestellten Aufgaben bekannt und vertraut zu machen. Schwester Äarnabas. Flieder 01460 1961 D resVT llllllllllllllllllllllllllllll Werke wert 01461 Kosten bezahlt werden. 1947V unsaia, ReJcäcuttt 1/4 Pfd. Asteria-Uchtsplele Gießen 1/4 Pfd. 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Ferner wirken mit: Sassi Lanner, H.J nnkermann, Hilde Hildebrandt Sie sehen Tierdressur- und Menagerie- Sensationen allergrößten Formats im Rah- Verwandten und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Katharine Haupt, geb. Groß heute früh nach kurzem Krankenlager im Alter von 78jah- ren sanft entschlafen ist Die trauernden Hinterbliebenen: Karl Haupt, Rottenmeister i. R. Familie Karl Haupt Familie Wilhelm Wehrmann. Bekanntmachung. Die bereits fälligen Strom- und Gasgelder im Stadt- und Ueberlgndgebiet für den Monat Februar 1935 können noch bis zum 15. April 1935 ohne [Stellenangebote] Tüchtige Herren m.Wandergew.- Schein geg. leite Bezüge sof. ges. Schr.Angeb.unt. 01450 Gieß. Anz. Nr. 80 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Donnerstag. 4. April (935 pferdemarkt und Reitturnier in Gießen. bewundernswerte Fahrkunst und Exerzierdisziplm, die auch bei den schwierigsten Hebungen in glänzender Weise zutage trat. Die Darbietungen wurden von der stark interessierten Menschenmenge ■ 1: r L 5 SS MW -S1 _ ** > * 4 T / Gießener Truppenteile bei ihren Vorführungen. (Sämtliche Aufnahmen: Photo-Pfaff.) hllstzwerk fo off bei bet! tevmsmMelsalnmlungen bewiesen haben. Auch bitten wir. den Inhalt der Spenden auf den Umhüllungen bekannlzugeben. Deutsche Arbeitsfront. NS.-Gemeinschaft ..Kraft durch Freude". Der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Geschäftsstelle Gießen, sind aus allen Dolkskreisen Anfragen zugegangen, ob die Rundfunkveranstaltung am vergangenen Samstag von „Kraft durch Freude" veranstaltet worden sei. Die Kreisdienststelle Gießen teilt dazu mit, daß diese Veranstaltung mit der Organisation ,Kraft durch Freude" nichts zu tun hatte. * Wie wir uns in Biedenkopf überzeugen konnten, ist das Gastspiel des Schumanntheaters am 6. April in der Volkshalle wirklich ein Erlebnis. Bei diesen billigen Preisen sollte kein Volksgenosse die Aufführung versäumen. Es sind noch Karten zu 40 Pf. zu haben. Urlaubsfahrt in die Sächsische Schweiz vom 27. April bis 5. Mai. Fahrtkosten: RM. 36,—. Schlußtermin für die Anmeldung 6. April. Wer weiß im Reich von den riesigen Waldungen des Grenzlandes Sachsen? Dieser deutsche Wald, ein schier unendlich grüner Wald, mit uralten Laub und Nadelbeständen, erfreut immer wieder die Besucher. Wie wundervoll ist hier das Wandern, wo der Wanderer tagelang kaum aus dem Wald herauskommt. Ueberall tun sich Fernblicke von überraschender und überwältigender Schönheit auf. Landschaften, in denen die deutsche Romantik sonnig leuchtet. Den schönsten Teil des Grenzlandes aber bildet das Elbsand- steingebirge, die Sächsische Schweiz. Die Elbe hat hier mit dem Durchbruch aus dem böhmischen ins sächsische Gebirgsland eine Zauberwelt aufgebaut, die alljährlich Tausende immer wieder in ihren Bann schlägt. Felsen in phantastischen und grotesken Formen von verwirrender Fülle überraschen immer wieder den Blick des Besuchers. Hier an den Ufern der Elbe, im Elbsandsteingebirge, werden die Urlauber um Königstein herum untergebracht. Eine Dampferfahrt mit den schmucken Elb- dampfern wird ihnen alle die Schönheiten des Gebirges erschließen. Die schroffen und steilen Felsen werden immer wieder wagemutige Kletterer zum Erklimmen herausfordern. Eine herrliche Fernsicht ist der Lohn für die beschwerliche und anstrengende Kletterei. An Abwechslung und Zerstreuung, an Freude und Erholung, wird es unseren Urlaubern in dieser Wunderlandschaft nie mangeln. Allzu schnell nur werden die herrlichen Urlaubstage vergehen, und mancher wird sich nur schwer am 5. Mai von dieser schönen, wildromantischen Landschaft trennen können. Anmeldungen werden auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, Zimmer 10, entgegengenommen. Dolkstag der Inneren Mission 1935. ELP. Die Innere Mission hofft, daß der vom Reichsminister des Innern genehmigte Volkstag bei der Haussammlung vom 8. bis 14. April und der Straßensammlung am 13. und 14. April wieder offene Herzen und Hände findet, lieber den Zweck der Inneren Mission möge ein Wort Joh. Heinrich Wicherns, des Begründers der organisierten christlichen Liebestätigkeit, aufklären: „Die Innere Mission ist nicht eine Lebensäußerung außer oder neben der Kirche, sie will auch weder jetzt noch einst die Kirche selbst sein, sondern sie will die durch das Evangelium geweckte Liebe offenbaren. Zn ihren Anstalten und Einrichtungen will die I. M. nicht nur die Kranken und Schwachen pflegen, sondern die Schwachen stärken, die Verwahrlosten erziehen, die Gefährdeten bewahren und den Einsamen und Alten ein Heim bieten. Auf diese Weise hilft die 'I. M. an dem Aufbau unseres Volkes in hervorragender Weise mit." Dr. Frick, Reichsminister des Innern, erklärte anläßlich des vorjährigen Volkstages: „Den Plan eines Volkstages der Inneren Mission begrüße ich als ein Zeichen der Volksverbundenheit und tätigen Nächstenliebe der deutschen evangelischen Kirche. Die Innere Mission steht vor großen Aufgaben. Möge es ihr gelingen, alle evangelischen Kreise zu einer Opfertat aufzurufen!" Achterbahn im April. Kleiner Bummel übern tummel. Die Hauptsache ist, daß Sie kräftig zu Nacht gegessen haben, mein Herr, daß Sie gut gelaunt und unternehmungslustig sind. Wenn das zutrifft, dann treten Sie zur Kasse, bezahlen Sie zwei Groschen, ziehen Sie sich den Hut in die Stirn und besteigen Sie Hugo Haases weltberühmte Achterbahn. Sie müssen Ihr Augenmerk darauf richten, daß der Wagen, in dem Sie fahren wollen, vollbesetzt ist. Womöglich mit lauter Mädchen, dann macht es am meisten Spaß. Bis der Wagen den höchsten Gipfel dieser sinnreichen Rennbahn erreicht hat, ist alles stumm und voll herzklopfender Erwartung. Aber jetzt geben Sie Acht, mein Herr, wenn der Scheitelpunkt überwunden ist und das Wägelchen im prickelnden Aprilwind in den ersten Abgrund saust, jetzt werden Sie, dieweil Sie sowohl um Ihr Abendbrot als auch um Ihr gutes Hütchen besorgt sind, jenes durchdringende Kreischen aus sechs oder acht Mädchenkehlen vernehmen, jenen wilden Naturschrei der Wonne und der Angst, der unbedingt dazu gehört, und ohne den eine Fahrt auf der Achterbahn nur ein halbes Vergnügen wäre. Dieser herrliche Diskant, bei jeder neuen Abfahrt ins Tal mit unverminderter Stärke wiederum heroorbrechend, ist ein unveräußerlicher Bestandteil der großartigen Symphonie der Messe und des Rummelplatzes: er mischt sich mit dem heiser beschwörenden Lockruf der Anpreiser an den Buden, mit der Karussellmusik, mit dem silbernen Gelächter der Kinder vor dem Kasperletheater, mit dem Büchsenknall an der Scharf- Schießhalle („Herzlich willkommen!"), mit „Lore- lorelorelore'^und mit den jauchzenden Zwischenrufen staunender Meßplatzbesucher: Guckemal, Mutti! — War's schee, Walterche? — Kerle, Kerle! * Berg und Tal, Berg und Tal, hinauf und hinunter und rundherum! Unter Euch, meine Lieben, dreht sich die bunte und vielstimmig lärmende Welt des Rummelplatzes in einem verwirrenden Wirbel: um die riesige blaue Weltkugel, wie der Sterne Chor um die Sonne sich stellt, schweben die Zeppeline (Ihr könnt Euch in die „Venus" setzen oder eine Kabine im „Uranus" belegen, ganz nach Laune und astrologischer Liebhaberei), dort drüben lockt eine atemraubende Todesfahrt, hier gibt es Thüringer Rostbratwürste, dort drei Lose — wer hat noch nicht, wer will nochmal? — hier Zigaretten, da Photographien, gleich zum Mitnehmen natürlich, und da hinten kann der kleine Mann, ohne das Glück Veirieböappell der Sladiverwaliung Gießen. Aus Anlaß der bevorstehenden Vertrauensratswahlen fand am heutigen Donnerstagmorgen vor Beginn des Dienstes vor dem Stadthaus Bergstraße der Betriebsappell der Beamten-, Angestellten- und Arbeiterschaft der Stadtverwaltung Gießen statt. An der Wand des Stadthauses boten Flaggenanordnung und Hoheitszeichen den schönen Hintergrund für das Rednerpult. Die Betriebszellen waren mit ihren Fahnen erschienen. Zu Beginn des Appells wurde die Hakenkreuzfahne am hohen Mast gehißt. Kreiswalter der DAI. Perm. Wagner hielt, nachdem gemeinsam das Lied „Brüder in Zechen und Gruben" gesungen worden war, eine Ansprache, der folgendes entnommen sei: Zur Vertrauensratswahl sollen demnächst alle ihre Stimme abgeben und bekunden, ob die in den Betrieben aufgestellten Männer das Vertrauen der Arbeitskameraden genießen. Die Vertrauensratswahl sei aber keine Angelegenheit allein des betreffenden Betriebes, sondern eine Sache des ganzen deutschen Volkes. Die Welt sehe gespannt auf den Ausgang dieser Wahl, nachdem der Führer den Weg freigemacht habe für eine friedliche Aufbauarbeit, aber auch für eine Verteidigung des Lebensrechtes des deutschen Volkes, des Arbeitsplatzes und der Scholle. Die Dahl solle zeigen, rote das deutsche Volk, insbesondere rote der Arbeiter dem Führer folge. Der Führer habe einmal gesagt, daß er keinen größeren Stolz kenne als den, den Arbeiter dem deutschen Vaterlande wieder gewonnen zu haben. Wir müßten nunmehr unter Beweis stellen, wie und ob wir dieses Wort des Führers verstanden haben, die internationale Solidarität müsse -in eine nationale Solidarität umgewandelt werden, denn im Volke dürfe keine Lücke sein. Die Welt müsse erkennen, daß sie in unserem deutschen Volk mit einem einzigen Volk und mit einem einzigen Willen zu rechnen habe. Lange Zeit habe man geglaubt, daß bas Lebensrecht des einzelnen nur in der Interessengemeinschaft verteidigt werden könne, in der man sich gegen eine andere Gruppe wandte. Aus den verschiedenen Menschengruppen seien Jnter- essentenhaufen geworden, und der Staat habe den Glauben verneint, daß man die Menschen auf ein einziges Ziel ausrichten könne. Heute fei die geistige Haltung eine ganz andere. Ulan wisse in der Gegenwart, daß das Interesse des einzelnen da aufzuhören habe, wo das Interesse der Gemeinschaft beginne. Deshalb habe die bevorstehende Vertrauensratswahl auch einen anderen Sinn als die Vetriebsralswahl einer vergangenen Zeit. Die Volksgemeinschaft, die erstrebt sei, müsse im Betrieb beginnen, in der kleinsten Zelle. Der Vertrauensrat habe in erster Linie die Aufgabe, mit dem Führer des Betriebes dafür zu sorgen, daß dem Nutzen des Volkes und des Staates gedient werde. Die Betriebsgemeinschaft müsse vertrauensvoll zu- sammenstehen. Nur wenn wir gemeinsame Arbeit verrichten, könne unser Volk leben. Vertrauen müsse Führer und Gefolgschaft zusammenführen. Das könne aber nicht der Vertrauensmann allein bewirken. Auch der Betriebsführer müsse sein Teil dazu beitragen. Der Betriebsführer dürfe nicht nur Vorgesetzter sein, er müsse vielmehr selbst das verkörpern, was er von feiner Gefolgschaft verlangt. Führer sein sei viel mehr als nur Vorgesetzter fein. Er müsse um bas Vertrauen ber Gefolgschaft täglich ringen. Man könne wohl anordnen, befehlen, Vertrauen aber müsse man sich erwerben. Wenn der Führer des Betriebes das Vertrauen der Gefolgschaft besitze, so stehe sie auch wie eine Garde hinter ihm. Der einheitliche Wille in einem Volke könne nicht in einem Jahre geschaffen unb verlieft werden, er müsse vielmehr ganz organisch wachsen. Der einige Wille werde aber möglich, wenn nur der Wille dazu da sei. Daß unser Volk in zwei Teile zerrissen worden war, sei lediglich darauf zurückzuführen gewesen, baß man dem Arbeiter nicht das Recht zugestehen wollte, Volksgenosse zu sein. Heute, im Dritten Reich, sei das ganz anders. Der Arbeiter sei vollwertiger Volksgenosse. Nicht nach dem Herkommen werde der einzelne gewertet, sondern nach seiner L e i st u n g und nach seiner E inst e l l u n g zur deutschen Volksgemein- schäft.. Angesichts ber bevorstehenden Vertrauensrats- wahlen solle niemand denken, daß diese Wahl von minderer Bedeutung sei. Die Vertrauensralswahl sei ein wichtiger Baustein für die Errichtung des Drillen Reiches, ein Markstein auf dem Weg zur Freiheit und Gerechtigkeit für unser Volk. (Lebhafer Beifall.) Mit dem gemeinsam gesungenen ersten Vers des Horst-Wessel-Liebes fand der Betriebsappell leinen Abschluß. In geschlossenen Kolonnen marschierten dann die Beamten, Angestellten und Arbeiter, wie sie auch gekommen waren, zu ihren Dienststellen. Oer Grund- bzw. Leistungsschein der OLG. Vom Bezirk Oberhessen der Deutschen Lebens- rettungs-Gesellschaft wird uns mitgeteilt: Im Laufe des Monats März konnte nach vor- ausgegangener Prüfung folgenden bie Urkunde für ben Grund- bzw. Leistungsschein ausgehändigt werden: Den L e i st u n g ss ch e i n erhielten: Karl Gebhard, Friedberg, von der Hochschule für Lehrerbildung die Studenten Paul Eckinger, Rudolf Kull- mann, Karl Beller, Butzbach. Den G r u n d s ch e i n erhielten: Von ber Hochschule für Lehrerbildung: die Studenten Kurt Wedel, Peter Schepp, Richard Vogel, Ortenderg; Karl Kreuter, Heinrich Maurer, Büdingen: August Sulz- bach, Hans Jäger, Heusenstamm: Otto Fröhlich, Zwingenberg a. d. B.: Alfred Müller, Alten-Buseck; Fritz Klotz, Lampertheim: Fritz Ihrig, Unter-Sens- bach: Hans Saxer, Worms: Walter Robert, Neu- Isenburg; Jakob Löhr, OffenthafrOffenbach: Karl Wenzel, Langsdorf: Willi Nickel, Nieder-Ohmen; von der Oberrealschule Gießen: die Schülerinnen und Schüler Hildegard Treppinger, Hannelore Meidt, Marianne Schneider, Liselotte Mickel, Helga Lehmann, Hilde Adolph, alle von Gießen: Karl Rinn, Hermann Baum, Wolfgang Kuhl, Ludwig Friedrich, alle von Gießen: Heinrich Emmrich, Aß- feiner Familie aufs Spiel zu setzen, beim Pferderennen feiner geheimen Wettleidenschaft frönen ... * Wenn wir ausgestiegen sind aus ber himmlischen Achterbahn und unser Hütchen nunmehr wieder unternehmend aufs Ohr gerückt haben, bereit zu neuen Abenteuern und Sensationen, dann ist das Gekreisch ber sechs Mäbchen zwar für einen Augenblick verstummt, aber schon umfängt uns, wilb wechselnd, an- und abschwellend, sich übertönend bei jedem Schritt durch das Menschengewühl, eine neue Welle jener unbeschreiblich vielstimmigen, betäubenden und aufregenden Musik des Rummelplatzes. Die Zeppeline zum Beispiel kreuzen soeben unter den Klängen des Liedes „Wenn alles grünt und blüht auf dieser Erde" unbekümmert über das nördliche Eismeer: die blutigen und belehrenden Bilder der anatomischen Wanderschau, samt einer wächsernen Leiche unter Glas betrachtet man schaudernd bei den schmeichelnden Klängen der Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen". Was aber der Anatomie und der Luftfahrt über alle sieben Ozeane, über die höchsten Gebirge, die wüstesten Wüsten des Erdballs und über den Oswaldsgarten in Gießen recht ist, das muß dem Hippodrom nebenan billig fein; deshalb tönt uns aus der Manege finnig und schmetternd das Flaggenlied entgegen. * Wollen wir zusammen eine Bratwurst effen, mein Fräulein, oder bevorzugen Sie bas gesunde Magenbrot, bie kernige Speise der rauhen Aelpler? Wollen wir einen Teddybären in ber Lotterie gewinnen? Wollen wir uns erst hypnotisieren lassen und bann photographieren — ober umgekehrt? Umgekehrt roirbs ähnlicher. Wollen wir zu dem starken Mann, der ein aufgeklapptes Messer verschluckt, ein Pfundgewicht und eine Taschenuhr? Wenn man das Ohr an seinen Bauch legt, kann man es inwendig ticken hören, und das ist mit zehn Reichspfennigen wahrhaftig nicht zu teuer bezahlt ... * Ach, sieh mal, ba drüben —: ich hatte geglaubt, die ehrbare Kunst der berühmten fahrenden Familie Knie sei bereits ausgestorben, aber ich sehe, daß ich mich geirrt habe, denn soeben beschreitet eine Dame in kurzem Röckchen und mit aufgespanntem Schirmchen (weniger des Aprilregens als des Gleichgewichtes wegen) mit behutsamen Schritten bas dünne.Drahtseil. Haben Sie noch nicht genug? Ich bin ja überzeugt, baß es Ihnen schlecht wird, meine Dorne, baß Sie zum mindesten totenbleich wieder zum Vorschein kommen, aber wenn oie ernstlich barauf bestehen, bann wollen wir uns lar; Heinrich Hengst, Dorlar; Günther Marx, Wetzlar; Hans Lenz, Klein-Linden; Gerhard Bindseil, Herborn; Kurt Weiershäuser, Gladenbach. Außerdem erhielten noch die Grundschein- kunde bie Schüler Hans Nicolai, Friedberg; Eitel, Kraft, Müller, Dudenhofen; bie Studenten Fritz Haas, Friedberg-Fauerbach: Willy Müller, Worms, und Sportlehrer Franz Lotz, Gießen. Bismarckgedenkfeier des Sparerbundes. Vom Sparerbund, Ortsgruppe Gießen, wird uns berichtet: In der am Dienstag im „Hessischen Hof" abgehaltenen Mitgliederversammlung gedachte der Ortsgruppenleiter des Sparerbundes H. Lorenz des 120. Geburtstages des Altreichskanzlers Bismarck, wobei er den Lebenslauf dieses großen Deutschen und sein überragendes Werk schilderte. Mit dem Namen Bismarck sei auch der Sinn für das Recht verknüpft, den man im deutschen Volke durch die Inflation zerstört habe. Dies nicht nur wieder gutzumachen, sondern auch zu sühnen, sei die Aufgabe der Wiederherstellung von Recht und Gerechtigkeit als Eckpfeiler des stolzen Staates, den Fürst Bismarck geschmiedet habe. Das Werk Bismarcks habe allen Stürmen von ultramontaner und marxistischer Seite zum Trotz standgehalten. Selbst die Versuche der Novemberrevolutionäre von allen guten Geistern empfehlen, zehn Pfennig be- zahlen und zusammen eine Fahrt in bie Unterwelt wachen und bas Gruseln lernen. Holen Sie noch einmal tief Atem und halten Sie Ihren Hut fest! Hier ist es zappenduster, und ber Teufelswagen dieser Geisterbahn dreht sich fortwährend im Kreis herum, baß es einem ganz anders wird. Meine Herxen, ba sitzen wahrhaftig drei Skelette aufrecht am Tisch und spielen Skat, wenn ich es in der Geschwindigkeit recht gesehen habe. Ja, liebes Kind, Ijalt dich fest, Schreien hat jetzt keinen Zweck mehr — huch, ba hat sich einer ausgehängt im weißen Nachthemd — ich hab dich doch gewarnt — ha, bas war des. Teufels Großmutter persönlich — aber du wolltest ja nicht hören auf die Worte eines erfahrenen Mannes — gottseilobunddank, es wird hell. Ich glaube, dies ist jetzt der richtige Zeitpunkt für I a Thüringer Rostbratwürste... ... Aber 'sagen Sie selbst, Domen und Herren, sind Sie nicht hierhergekommen, um sich einmal nach Herzenslust zu amüsieren? Treten Sie näher! In ber 'dritten Abteilung des Programms sehen Sie, was Sie noch nie gesehen hoben, durch die Wunder- briüe, ein Auge grün, ein Auge rot... Aus dem Lachen, aus dem Staunen kommen Sie nicht heraus. Zur Kasse, Herrschaften, bie Vorstellung beginnt sofort, wer zuerst kommt, hat die Sitzplätze, jeder Platz 20 Pfennig, treten Sie ein in die „Rote Mühle", bie Künstler begeben sich bereits hinter die Bühne... Es beginnt zwar keineswegs sogleich, sondern erst, wenn das Parkett prall gefüllt ist, aber nun geht es los, und jetzt staunst du vielleicht, mein Lieber, benn auf ber Bühne fitzt eine schwarzgekleidete Dame mit verbundenen Augen in einem gelben en Sessel, die sagt dir, ohne zu zaubern, deine sämtlichen Vor- und Zunamen, und dabei spielt es keine Rolle, ob du deinen SA.-Ausweis ober einen Liebesbrief in der Tasche hast, vor dieser unheimlichen Frau gibt es keine Geheimnisse; du erhältst Bescheid, daß dir bald Angenehmes bevvrsteht, daß es mit deinen Geschäften nunmehr bergauf geht — herzlichen Dank, liebe Dame! — und auch wann du geboren bist, wird dem ganzen Publikum mit nachtwandlerischer Sicherheit und ohne falsche Scham verkündet. * Das war aber bloß bie erste Abteilung, gleich wird Rita auf ber Bühne erscheinen, eine seltsame Laune der Natur, nicht Mann, nicht Weib — wir wollen hier auf bie Einzelheiten nicht näher eingehen, aber das mußt du zugeben: es ist dir an ber Kaste nicht zuviel versprochen worden, und aus bem Lachen, aus bem Staunen bist du nicht herausgekommen... 1918, der Separatisten und der Franzosen, das Reich zu zerstören und eine Rheinische Republik unter französischer Herrschaft zu gründen, feien glänzend an den festen Grundmauern des Werkes- Bismarcks gescheitert. Der einstündige Vortrag wurde durch zahlreiche Lichtbilder ergänzt. Hierbei werden u. a. das Heimathaus Bismarcks in Schönhausen, die deutschen Gesandtschaftsgebäude in Petersburg und Paris, Begebenheiten aus den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71, die Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles und Schloß Friedrichsruh im Sachfenwald gezeigt, wo Bismarck bis zu feinem Lebensende im Ruhestände ebenso wie vorher als Kanzler nun auch als freier, an kein Amt gebundener Politiker ein gewaltiger Beeinfluffer und Beweger der deutschen Geschichte blieb. Anschließend wurden noch eine Anzahl aktueller Sparerbundsfragen und geschäftliche Angelegenheiten behandelt, wobei auch die Ernennung der drei ältesten Gießener Sparerbundsmitglieder zu Ehrenmitgliedern, die schon bei der Gründung vor IOV2 Jahren den damals sehr zahlreichen gehässigen Angriffen zum Trotz, unbeirrt für Treu Volksgenosse! Mit dem NGV.-Opferbuch wird im Rahmen der NS.-Volkswohlfahrt der Gesundheit des deutschen Volkes gedient. Durch Spenden, die in das Opferbuch eingetragen werden, können spätere Generationen sehen, roas in der Zeit des Umbruchs für die Volksgesundheit geopfert wurde. Hilf beherzt und kräftig mit an dieser edlen Tat zur Arterhaltung deiner Nachkommenschaft! Kreisamtsleitung der NSV. Gießen. und Glauben in Wort und Tat kämpften, bekanntgegeben wurden. Nach einem Gedenken an den kürzlich verstorbenen Bundesführer des Rentnerbundes Pg. W i e f i n g e r - Nürnberg, dessen Verdienste um die inflationsgeschädigten Sparer auch im Sparerbund stets voll anerkannt wurden, schloß sich eine rege Aussprache an. Gießener Dochenmarktpreise. * Gießen, 4. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 25 Pf., Eier (inländische), das Stück 8 bis 9, Käse 5 bis 10, Wirsing, das Pfund 15 bis 25, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 20 bis 25, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Unterkohlrabi > 10 bis 12, Grünkohl.15, Feldsalat 70 bis 80, Tomaten 40, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,40 bis 3,50 Mark, Aepfel, das Pfund 30 bis 35 Pf., Honig 40, Blumenkohl, das Stück 40 bis 60, Salat 20 bis 25, Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Radieschen, das Bund 15 Pf. ' Vornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der alte und der junge König". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 2. Ausstellung aus Gießener Privatllefitz von 16 bis 17 Uhr. — Ausstellung der Haushaltungsschule des Aliceschulvereins von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr. — Eine volksdeutsche Feier stunde veranstaltet die Frauengruppe des VDA. am kom- menden Samstagabend in der Aula der Universität. Bei dieser Veranstaltung wird die bekannte Dichterin und Vorkämpferin des VDA. Maria Kahle sprechen. Bei freiem Eintritt ist jedermann der Zutritt möglich. (Siehe heutige Anzeige.) * ** D i e Zahlungfälliger Strom - und Gasgelder vom Monat Februar betrifft eine Bekanntmachung der Direktion der städtischen Werke in unserem heutigen Anzeigenteil. Säumige Zahler seien besonders darauf hingewiesen. ** SterbefäHe in Gießen. Es verstürben in Gießen in der Zeit vom 16. bis 31. März: 16.: Damit ist unser Programm beendet, 'die Zauberbrille ist bitte am Eingang abzugeben, die Musik spielt „In einem grünen Walde, da steht ein For- sterhaus", -und wenn deine Freundin jetzt noch immer nicht genug hat und unter den Klängen des Flaggenliedes im Herrensattel durch die Manege zu traben wünscht — Gott befohlen, hier gehts zum Hippodrom, Eintritt jederzeit... Gesegnet seien die kleinen Freuden des Rummel- platzes! * , hth. Das widerrufene Empfehlungsschreiben. Londoner Zeitungen beschäftigen sich mit einem Schadenersatzprozeß eigener Art. Mr. B., ein angesehener Kaufmann der Londoner City, lernt auf einer Gesellschaft, die er mit seiner Frau besucht, einen Mr. Tom kennen, der sich als ein ausgezeichneter Gesellschafter entpuppt, und von dem er ebenso wie seine Frau entzückt ist. Der noch recht junge Mann wird von dem Kaufmann eingeladen und gilt bald als gern gesehener Gast, der sich auch der Gattin jederzeit zur Verfügung stellen kann, da er sehr viel Zeit hat, denn er ist stellungslos. Natürlich bemüht sich der Kaufmann, ihm einen Posten zu verschaffen, und ein glücklicher Zufall roitl es, daß ein Geschäftsfreund einen Abtellungsvorsteher sucht. Mr. B. stellt seinem jungen Freund ein ausgezeichnetes Empfehlungsschreiben aus, auf das ihn der Geschäftsfreund sofort anstellt. Mr. Tom ist überglücklich. Nach einiger Zeit glaubt jedoch Mr. B. annehmen zu müssen, daß Tom, wenn ihm auch nicht mehr soviel Muße zur Verfügung steht wie vor seiner Anstellung, immerhin für Frau B. mehr Zeit verschwendet, als erwünscht ist. Er stellt daraufhin den jungen Mann zur Rede, der über die Vermutung des Gatten sehr empört tut. Temperamentvoll, wie Mr. B. einmal ist, schreibt er seinem Geschäftsfreund, er könne das Empfehlungsschreiben, das er seinerzeit dem Mr. Tom ausgestellt hätte, nicht mehr aufrechterhalten, da es auf nicht zutreffenden Voraussetzungen beruhte. Der Geschäftsfreund nimmt nun an, daß B. erst nach seinem Empfehlungsschreiben für Tom von bedenklichen geschäftlichen Praktiken Kenntnis er- halten habe, und kündigt dem jungen Mann. Mr. 23. benutzt die erste Gelegenheit, die ihn wieder mit Tom zusammenführt, ihm zu sagen, welchem Umstande er seine Kündigung zu verdanken habe. Dieser hat daraufhin sofort einen Schadenersatzprozeß gegen seinen ehemaligen Freund und Gönner an» gestrengt, und man ist in London gespannt, wie der Prozeß auslaufen wird. Margarete Kampf, geb. Müller, Wwe., 77 Jahre alt, Am Wingert 4. 17.: Johann Joseph Sauer, Kaufmann, 70 Jahre alt, Bleichstraße 6. 20.: Elisabeths Weller, geb. Walther, 73 Jahre alt, Neuenweg 50; Carl Haberkorn, Bankbeamter, 57 Jahre alt, Moltkestraße 5; Ernst Wende, Oberzugschaffner, 57 Jahre alt, Mühlstraße 8. 23.: Christian Jnder- thal, Kaufmann, 81 Jahre alt, Neuen Baue 27. 26.: Susanne Krämer, geb. Kissel, Wwe., 66 Jahre alt, Ederstr. 16; Marie Möller, geb. Schöttler, 54 Jahre alt, Liebigstraße 86. 27.: Marie Lina Löchel, Hausangestellte, 25 Jahre alt, Welckerstraße 14; Melchior Wadenpfuhl, Invalide, 85 Jahre alt, Bleichstraße 38; Elfriede Schnabel, Dienstmädchen, 17 Jahre alt, Wißmarer Weg 13. 29.: Fritz Dickhardt, Kanzlist, 40 Jahre alt, Schottstraße 5. 31.: Helene Eckert, ohne Beruf, 40 Jahre alt, Kreuzplatz 6. ** Osterpakete und Ostergrüße. Oster- gaben und Osterwünsche, die man fernen Lieben mit der Post übersendet, sollen natürlich pünktlich zum Fest bei ihnen eintresfen. Die Post hat hierfür wieder alle Vorkehrungen getroffen, sie bittet aber auch die Versender um ihre verständnisvolle Mitarbeit. Die Pakete, Postgüter und Päckchen wie die brieflichen Ostergrüße sollte niemand erst in allerletzter Stunde einliefern; -denn bei dem gesteigerten Reiseverkehr vor dem Feste sind immerhin Zug- verspätungen und Anschlußverfehlungen möglich; eht verspätetes Eintreffen der Sendungen beeinträchtigt aber leicht die Festfreude bei den Empfängern. Die Paketsendungen müssen gut verpackt und verschnürt, die Aufschriften haltbar angebracht werden; obenauf in jede Sendung gehört ein Doppel der Aufschrift, damit die Ostergaben auch ihr Ziel erreichen, wenn die äußere Aufschrift etwa verloren gehen sollte. Auch für Päckchen soll man nicht schwache Pappschachteln verwenden, da sie bei der Beförderung in Säcken leicht eingedrückt werden. Die Anschrift des Empfängers und des Absenders sollen auf den Paket- wie auf den Briefsendungen vollständig und recht deutlich angegeben werden. Wer dies alles beachtet, sichert sich den Dank der in diesen Tagen ohnehin stark in Anspruch genommenen Post und den Empfängern die ihnen zugedachte Osterfreude! ** Oeffen11iche Büch erh alle. Im März wurden 1956 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Zeitschriften 79, Gedichte und Dramen 1, Erzählende Literatur 1194, Jugendschriften 311, Länder- und Völkerkunde 123, Kulturgeschichte 2, Geschichte und Biographien 133, Kunstgeschichte 6, Naturwissenschaft und Technologie 44, Heer- und Seewesen 11, Haus- und Landwirtschaft 4, Gesundheitslehre 3, Religion und Philosophie 15, Staatswissenschaft 19, Sport 4, Fremdsprachliches 7 Bände. Die neue Aufgabe Ser deutschen Schule. Die Kundgebung des Nationalsozialistischen Deutschen Lehrerbundes des Kreises Gießen unter dem Vorsitz von Schulrat Pa. N e b e l i n g am gestrigen Nachmittag im CafL Leib wurde eingeleitet und umrahmt von Darbietungen des NS-Lehrerorchesters unter Leitung von Musiklehrer N e b e l i n g. Geschäftsführer Heun erledigte einige geschäftliche Mitteilungen, die sich u. a. auf die Teilnahme an Lehrkursen bezogen, Lehrer Mohr warb für die turnerischen Veranstaltungen, u. a. für den Segelflieger-Lehrgang in Nieder-Ofleiden und für die olympischen Vorarbeiten. Kreisschulrat N e b e l i n g gab der Entrüstung über das Urteil gegen d i e Memeldeut- s ch e n Ausdruck, wobei er daran erinnerte, daß Litauen seine Autonomie deutschen Soldaten, deutschem Heldentum und deutschem Einsatz verdanke. Deutschland ernte heut? den Dank. Wie Deutschland sich durch ein solches Urteil nicht einschüchtern lasse, jo würden auch die Memeldeutschen um so fester und enger zusammenstehen in Treue zu ihrem Deutschtum. Ihr Beispiel der Opferbereitschaft für unser Volkstum müsse jeden Deutschen anspornen zu gleicher Treue ihnen gegenüber. Zum Zeichen der Schicksalsverbundenheit sang die Versammlung das Deutschlandlied. Hierauf sprach ßreWulrat Pg. Rebelmg über „Die Wesensgestaltung der neuen deutschen Schule als Aufgabe verdeutschen Erziehe r". Er sagte u. a.: Der Umbruch hat neue Gesetze und Maßnahmen erforderlich gemacht. Träger der neuen Formen ist die Bewegung mit ihren Gliederungen. Diese formen den neuen Staat, der Willensträger der Partei ist. Die überragende Idee ist die nationalsozialistische Gesamtheitsidee, die Anschauung, daß das Volk eine organisch gewachsene, rassisch und blutsmäßig bedingte, von Gott gegebene Ganzheit darstellt. Dieser Ganzheilsgedanke erfordert die Abkehr von dem bisherigen Denken und eine neue Ausrichtung der Lebensformen. Die neue Lebensform bedingt für den Staat, daß er nicht mehr Selbstzweck, sondern Diener des Volkes ist, verantwortlich für das Leben des Volkes, nach dem Grundsatz: e i n Volk, e i n Reich, ein Führer! Diese Umschichtung erfordert auch eine neue Gesell- schaftsordnung. Der Führer hat gejagt, baß trie Erziehung eine bedeutsame Aufgabe ist. Bisher kam die Erziehung nicht über die Theorie hinaus. Die Schule trug den Stempel der jeweiligen Weltanschauung, und wie diese keine völkische war, so war auch die Schule keine völkische. Adolf Hitler hat über -die bisherige Schulerziehung ein hartes, vernichtendes Urteil gesprochen. In toer Vergangenheit war die Erziehung beeinflußt von der Wissenschaft, und da diese zunehmend lebensfremd geworden mar, war es auch die Erziehung. Der volks- und lebensfremden, auf zersetzendem Liberalismus aufgebauten Gelehrsamkeit stellte sich eine Bewegung unter Adolf Hitler entgegen. Er fand die denkbar ungünstigsten Verhältnisse, den schlechtesten Boden vor, und so kann man nur mit dem größten Staunen vor seinem Werk stehen. Dem Erzieher fällt die Aufgabe zu, die neue Form der Erziehung zu schaffen und zu bilden. Diese ist gekennzeichnet in den Grundgedanken der Lebensordnung, der Lebenswerte und der Lebensaufgabe, die gemeinsam die Einheit bilden: das Leben. Heute muß die Schule bei der Bewegung und beim Führer in die Lehre gehen. Früher war die Universität maßgebend für den Aufbau, und die höhere Schule war eine Universität im Kleinen. Die Volksschule strebte der höheren Schule nach. Mit der Spezialisierung und der Lebensfremdheit der Universität entfernte sich auch die Erziehung vom lebendigen Leben und verlor den Blick für Die Wirklichkeit. Die Erziehung ging Theoriest nach, und der Schüler verstand vieles nicht, weil Blut- und Rassenfremdes nichts in ihm zum Mitschwingen bringen konnte. Adolf Hitler beachtete in erster Linie bei seiner Erziehung des Volkes die Faktoren der Lebensordnung und der Lebensaufgabe. Entgegen dem bisherigen System forderte der Führer an Lebenswerten: Verantwortung, Mut, Opfersinn, Führertum, mithin die besten deutschen Tugenden. Die Lebensordnung, vom Schöpfer uns gegeben, find Familie, Gemeinschaft, Volk, aus denen kein Mensch herauskommt. In diesem gewaltigen Räderwerk ist der Mensch ein kleines Rädchen. Die Erziehung will dieses Rädchen so formen, daß es sich einfügt. Die Familienerziehung ist durch das Gemeinschaftsleben so stark, daß schon hier der einzelne Form und Prägung erhält. Der natürlichen Erziehungsschule entsprechend, schuf Adolf Hitler die kleinsten Zellen seiner Bewegung. Daraus baute er die Pyramide der Bewegung auf. Aufgabe der Erziehung ist die verantwortliche Autorität ober die Auslese der Besten. Das Vorbild gab der Führer selbst. Hauptaufgabe der Erziehung ist die Eharakter- erziehung. Charakter bildet sich nur in der Gemeinschaft. Die Schule, Schüler und Lehrer müssen darum eine Gemeinschaft bilden. Darum ist keine Forschungsarbeit zu treiben, wie es früher in den höheren Schulen war, sondern es ist Allgemeinbildung zu vermitteln, Eharakter- erziehung zu leisten. Liebe und Vertrauen müssen die Abstände überbrücken. Um dieses Ziel zu erreichen, soll der Erzieher folgende Fragen ausarbeiten, um der Praxis näherzukommen: 1. Wie komme ich zu einer wahren Klassengemeinschaft? 2. Wie können die organisatorischen Grundsätze der nationalsozialistischen Bewegung nutzbringend auf die Schulen angewandt werden? 8 Wie kann die erzieherische Wirkung durch Lebensaufgaben in der Schule angewandt werden? 4. Nach welchem Grundsatz ist das Bildungsgut der nationalsozialistischen Schule auszuwäylen? Im Folgenden gab der Redner praktische Hinweise zur Durchführung der erzieherischen Gemeinschafts« aufgabe, z. B. Ausflüge, Wanderungen, Lagerzeiten, Gruppenarbeiten usw. Notwendig ist, daß auch der Erzieher sich er. ziehen läßt, damit das harte Urteil, das der Führer über die Vorkriegsschule gefällt Hal, für ' die Gegenwart und Zukunft hinfällig wird. Nur wenn die Besten, die Tüchtigsten in der Schule schon erkennbar sein werden, wird die Schule ' die Leislungsschule werden, die sei fein soll. 1 Dann hat der Erzieher seine Pflicht getan an Volk, Staat und Führer. Nach einer Pause und einem Schlußwort schloß die Kundgebung nach üblichem Brauch. Ein schöner Heimatabend. Die Winterveranstaltungen des Landschafts- bundes Volkstum und Heimat wurden am gestrigen Mittwoch mit einem Heimatabend im Studentenheim am Leihgesterner Weg abgeschlossen. Wieder hatten sich Mitglieder und Gäste zahlreich eingefunden, die im Verlaufe des Abends mancherlei Eindrücke mit Befriedigung in sich aufnehmen konnten. In uneigennütziger Weise hatte sich der G e s a n g- verein „Sängerkranz" zur Verfügung gestellt, der mit seinen vorzüglichen Darbietungen die Veranstaltung umrahmte und verschönte. Der Ortsringleiter Dr. Michel begrüßte in seiner Ansprache die Besucher und dankte vor allem den Mitwirkenden für ihre freiwillige Unterstützung. Der Zweck der Veranstaltungen des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat sei, die Schönheiten der Heimat in Wort und Lied in sich aufzunehmen, um so immer tiefer einzudringen in die Geschichte des Heimatbodens. Gemeinsame Heimat binde und schaffe Gemeinschaft. Unter Leitung seines Dirigenten Kasten brachte bann der gemischte Chor des Gesangvereins „S ä n g e r k r a n z" den Frühlingschor aus den „Jahreszeiten" von Jos. Haydn zum Vortrag. Die ausgezeichnete Wiedergabe des Werkes fand bei den Zuhörern allgemeine Anerkennung. Herr Eberhard Schwarz (Gießen) brachte aus eigenen Dichtungen „Die alte Straße" zum Vortrag, in der er die Vorzüge und Eigenschaften der alten heimatlichen Straße und die Begebenheiten auf ihr schilderte. In einem interessanten Lichtbildervortrag sprach bann Stadtbaurat Gravert an Hand von nach Plänen hergestellten Photographien über alte und neue Straßen um Gießen. Der Redner ging dabei zunächst auf die frühgeschichtliche Entwicklung des Straßenbaues, der Siedlungen und des Städtebaues ein und wies die vermutliche Lage und Führung der alten Durchgangsstraßen rund um Gießen nach. Diese eigenen Untersuchungen des Vortragenden sollten, wie er ausführte, als Anregung dazu dienen, das Thema einmal allgemein zu erfassen und durch eigene Studien und Wanderungen in die tiefere Kenntnis und Erkenntnis der Heimat vorzudringen. Dabei müsse man natürlich zunächst vom kleinsten Raum ausgehen, und das sei Gießen und seine Umgebung. Auf diese Weise sei auch er, der Redner, bei einer Untersuchung der Städte Hessens gegangen, um zu erforschen, wie sich allmählich der Städtebau und die Straße überhaupt entwickelt habe. Bei diesen Untersuchungen traten besondere Schwierigkeiten in und um Gießen auf, da gerade in Gießen durch das rasche Vordringen des Verkehrs und des Bahnbaues viel zerstört worden fei. Auch beim Studium der Literatur über die Straßen und Siedlungen Gießens könne man feststellen, daß nirgends so viele Fragen hinsichtlich der Straßenführungen auftauchen. Der Redner ging dann über zur Schilderung der Entwicklung der Wege in vorgeschichtlicher Zeit, zum eigentlichen Straßenbau und zur Entstehung des Siedlungswesens. Währeyd die alten Straßen meistens Höhenstraßen und reine Naturwege gewesen seien, führten die neueren Straßen von Siedlung zu Siedlung und hätten nach Möglichkeit vermieden, über Höhen hinwegzuführen. Näher eingehend auf die vermutliche Lage und die Entwicklung des Straßenbaues in und um Gießen kam der Redner am Schlüsse seiner Ausführungen auf die Führung der Reichsautobahn in Oberhessen zu sprechen, die den Ring des Straßenbaues schließe und als Spezialverkehrsstraße dieselbe siedlungsvermeidende Eigenschaft zeige, wie bereits die großen Verkehrsstraßen in der Vorzeit. Reicher Beifall dankte dem Vortragenden für seine interessanten Darbietungen. Zwei wirkungsvoll zum Vortrag gebrachte Chöre der Sänger, „Morgenwanderung" von Dürrner und „Aus der Jugendzeit" von Radecke, schlossen sich an. Herr Schwarz brachte dann aus feiner Sammlung noch einige Dichtungen zum Vortrag, von denen insbesondere „Die Hohle" (Hohlweg in der Heide) allgemeinen Beifall fand. Nach den beiden Chören „Gondelfahrer" und dem Hirtenlied aus „Rosamunde" von Franz Schubert wies in einer kurzen Schluß-Ansprache der Ortsringleiter Dr. Michel darauf hin, daß die Gegend um Gießen eine Fundgrube für die Heimatkunde sei. Es sei deshalb geplant, in Zukunft gemeinsam mit dem VHC. Wanderungen zu unternehmen. Die Arbeit in den Wintermonaten sei von Erfolg begleitet gewesen. Seit dem Bestehen des Reichsbundes für Volkstum und Heimat sei dieser bereits in Gießen auf 800 Mitglieder angewachsen. Es sei eine Arbeit, die im Zeichen stehe für Volk und Vaterland. Mit einem Siegheil auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler und mit dem gemeinsamen Gesang des ersten Verses des Deutschlandliedes und des Horft-Wessel-Liedes wurde der Abend geschlossen. Rundfunkprogramm. Freitag, 5. April. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15 und 6.30: Gymnastik. 6.55: Morgenspruch — Choral. 7: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 9.15: Volksmusik. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: wundervoll Die Zfflandstöchtee und ihre Freier. Vornan von 3- Schneider-Ioerstl Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau t. Sa. 22 Fortsetzung Nachdruck verboten! Luch Niels wunderte sich darüber. Was mochte Bob da wohl geschickt haben? Für Klaudine war keine Post habet gewesen. Sie wußte warum und beklagte sich nicht darüber. Was irgendwie wissenswert war, würde ja Bob in seinem Brief an Niels berichten. Das erfuhr sie bann schon von ihm. Es war ein heiliger Abenb, wie ihn jebes Jahr- zeht nur einmal schenkt: Von einer Klarheit unb Schöne, daß die Bergspitzen ringsum wie Silberpfeile in den Himmel stachen. Am Firmament standen Millionen Sterne, und die Erde war eingehüllt in ein Kleid von glitzernden Schneekristallen. Klaudine hatte auf ihrer letzten Fahrt nach Bruck Kerzen und Kugeln, sowie eine Menge Flitter gekauft. Damit schmückte sie nun den Baum. Barthel- mes war noch einmal nach den Almhösen hinuntergestiegen, um Frischfleisch und Eier zu holen. — Ein gläserner Silberstern glitt Pöttmes aus den Fingern und zersprang am Boden in tausend Stücke. „Mein Stern!" klagte Klaudine. „Der einzige, den ich hatte!" „Soll ich Ihnen dafür einen anderen holen? fragte Niels, durchs Fenster gegen den Himmel zeigend, wo es weihnachtlich glitzerte und funkelte. Sie lächelte, merkte an einem fluchtigen Zucken seines Mundes, daß er wieder Schmerzen hatte und drückte ihn sanft auf die Bank. „Bleiben Sie mal hübsch sitzen!" Sich niederbückend, sagte sie: „Sehen Sie, nun ist der Knöchel schon wieder geschwollen! Warum laufen Sie auch schon seit heute morgen so zwecklos herum." „Zwecklos?" fragte er entrüstet. „Natürlich! — Am Vormittag sind Sie zweimal in den Schnee hinausgelaufen, um Ausschau zu halten, ob der Knecht mit der Post noch nicht kommt. Nach Tisch haben Sie sich auch nicht hingelegt, wie es Ihr krankes Bein erfordert. Sie sind recht eigensinnig." „Ich will recht brav fein", versprach Niels lächelnd. „Trotzdem ich noch gar nichts geschenkt bekommen habe." Barthelmes, der eben von den Almhöfen zurückkehrte, stellte seinen Rucksack ab und brummelte mit einem Seitenblick auf Pöttmes: „Den gonz'n Tog umananbarutfdj’n und auf d' Nocht neammer steh'n können vor lauter Wehdam." Eine halbe Stunde später strahlten aus den kleinen Fenstern der Karrer-Hütte die Weihnachtskerzen. Barthelmes schimpfte ganz offen: „A so vül Geld ausgeb’n weg'n meiner! A so an Hauf'n Sach' kauf'n für mi. Jesus Maria und Josef! I moan grab, i hab a- Erbschaft g'macht!" Klaubine aber ftanb wortlos vor bem kostbaren grünen Koffergrammophon, auf bem ein Tannenzweig lag. Niels suchte in ihrem Gesicht, als sie hie erste Platte auflegte. „Stille Nacht, heilige Nacht." Ihr Munb zuckte. Sie hatte so lange nicht mehr gesungen. Unb als sie nun bie Lippen öffnete, starrte Niels ungläubig, von Schauern burchflutet, auf bas Mäbchen. Es war, als habe ein Engel selbst Einkehr in der Karrer-Hütte gehalten und verströme nun die Süßigkeit seiner Stimme in bie Enge bes Raumes. Klaubine stand, die Hände verschlungen, mit Augen, in denen ein Himmel voll Seligkeit glänzte. „Stille Nacht, heilige Nacht." Barthelmes' nicht ungeübter Baß fiel ein. Niels war zwar Fein Sänger, aber in diesem Liebe fand auch er sich zurecht. Mit einem leisen Schnarren sprang die Platte aus, gerade in bem Augenblick, als bie brei bie letzte Strophe zu Enbe gesungen hatten. Barthelmes' Munb war noch zur Hälfte geöffnet. „Jetzt fo was! Wann's no a Platzt auf ba Wölt gibt, wo's fo a Weihnacht'n feiern, wia auf ber Karrer-Hütt'n, nachher nehmat i bie Füaß' auf’m Buck'l und laufat hin. — Aber 's gibt ja koans mehr." „NehmenSie bitte vorlieb", sagteKlaudine zu Niels, und öffnete ein Etui. Darin lag: Ein Silber löffel. Noch nie, feit Pöttmes auf der Hütte war, hatte Barthelmes ein fo helles, jungenhaftes Lachen von ihm gehört. „Jetzt, do schau her!" rief der Alte. „Jetzt hat er's wirkli durchg'setzt, der Herr Pöttmes, und i hab mi fcho g'freit g'habt, daß er’s Ess'n so schön g’Iernt hat mit meine Blechernen. Jetzt hat er do no an Sülbernen kriagt. A sowas!" Gegen elf Uhr braute Klaudine noch einen Punsch. Dazu spielte das Grammophon ernste unb heitere Musik. Barthelmes rauchte unb brehte seine Zigarre genießerisch zwischen den Fingern. Dabei schielte er von Pöttmes nach Klaubine hinüber, bie am Herb ftanb. „Ich wer's frag’n, ob's bobleib’n mecht'", meinte er. — „Für ganz. Platz is! Dös bist! was ißt, b' Klaubinia, bös bring i im Summer schon roieba eina! Is all'weil was schön's, so a jung's Leb'n. I hob' mei Freib bran unb ihr is g'holf'n. Unb Angst braucht's a foane z' Ham, baß ihr aoner was tuat. I wer scho schaun, baß faner um sie umananeranscharwanzelt im Summer, wann b' Hollobri roiaber z' Berg steig'n. Wann ebba aoner moant, er börf glei z' pulsieren anfang’n, roann’s eahm an Trunk Milch hinstöllt, bo bin i scho ba! I paß' scho auf! Unb Pratz'n hob i a, roann’s Maul nimmer g’Iangt. Do fahlt fi nix!" Pöttmes sah nachbenklich auf diese festen, breiten Hände des Barthelmes, bann nach Klaubines schlanken Rücken, der ihm vom Herde aus zugekehrt war. „Bei Ihnen wäre sie jedenfalls am besten aufgehoben, Barthelmes. Ich könnte sie ja ohne weiteres in einem Büro ober sonstwo unterbringen, aber ich weiß sie lieber hier. Im Spätsommer, wenn keine Leute mehr auf ber Hütte finb, komme ich bann roieber." „Ja", sagte Barthelmes. „Ja, ja. Da können s bann a roieber bie Kammer hrin hab'n. Leicht, baß ich bann a Deferl nei’ ftöll'n laß. A so is a G'frett. Unb bo nia fei richtige Wärm' jetzt, wann a b’ Tür' offensteht. — — Hab'ns Eahna etroan verbrennt, Fräul'n Klaubinia?" fragte er nach bem Herd hinüber, von wohH ein leiser Schrei gekommen war, zog sich am Tisch hoch unb hielt ihr ben Tops, aus bem sie ben Punsch in bie Gläser schöpfte. „Ich habe mich nicht aufzustehen getraut", sagte Pöttmes, als Klaubine mit glühenbem Gesicht an ben Tisch trat. „Damit mir bas Christkinb meinen Silberlöffel nicht roieber abnimmt." Er bekam einen Klaps auf bie Hanb unb einen Teller Gebäck vor sich hingestellt. — Erst nach zwölf ging man zu Bett. Pöttmes ließ ber Punsch nicht schlafen, unb Klaudine drehte sich ebenfalls unruhig von einer Seite nach ber an- bern. Wenn Niels wüßte?--Wie konnte man es anstellen, baß man Bobs Brief zu lesen bekam? Er schrieb sicher allerhanb Wissenswertes, in ber Ueberzeugung, daß sie burch Niels ohnehin bavon Kenntnis erhalten würbe. Sie hob ben Kopf unb horchte nach ber Wankr hinter der Pöttmes schlief. Alles war still. Wenn sie's riskierte?--Bobs Brief lag noch so auf bem Tisch, wie Niels ihn hingelegt hatte. Er hatte überhaupt nichts roeggeräumt. Die Füße langsam auf ben Boben stellenb, horchte Klaudine noch einmal. Nichts regte sich. Ueber der kleinen Stube lag ein milchiges Licht. Die Deckenbalken gähnten schwarz und klobig. Der rötliche Schein ber Herbglut ließ ben Flitter bes Christbaumes aufleuchten. Klaubine ging langsam zum Tisch. Mit einem Griff nahm sie bas Bri^- ölatt an sich unb wollte eben roieber zurückhuschen, als Pöttmes Stimme von nebenan fragte: „Was ist Klaubine?" Wie ein Verbrecher schrak sie zusammen. Sie mußte Antwort geben: „Hatten Sie nicht gestöhnt? Haden Sie Schmerzen?" Er hatte keine Schmerzen. „Gottlob, baß ich mich getäuscht habe. Gut Nacht, Herr Pöttmes." „Gute Nacht, Klaubine", sagte er unb schüttelte ben Kopf. Warum log sie benn? Klaubine brannte ber Brief in ben Fingern. Sie hatte seit Wochen von zu Hause nichts mehr gehört, und Bob schrieb: „Liebster Niels! Anbei das Geschenk, von bem ich glaube, baß es der jungen Dame Freude machen wird. Ich hoffe auch Dich damit einverstanden. Etwas Besseres habe ich nicht gefunden. Ich verbringe meine Ferien hier auf Haslbach. Mama ist nach Hamburg gefahren. Ich habe keine Ahnung, was sie dort macht. Von den Töchtern ist nur Luzie hier. Margot ist, wie ich Dir bereits geschrieben habe, verheiratet, und bie Aelteste auf Reisen. Trotzbem hoffe ich auf ein wunberschönes Weihnachtsfest, bei bem nur Du fehlen wirst — wie immer. Auch Fritz Jfflanb kommt nicht unb verbringt bie Feiertage mit Freunben im Gebirge. Wie steht es mit Deinem Fuß? Unb sonst? — Wann sehen wir uns roieber? Ich habe große Sehnsucht nach Dir, mein Niels. Laß' nicht mehr zulange auf ein Wiedersehen warten Deinen B o b." Das war also alles. Henriettes Reise nach Hamburg würbe wohl ihre Gründe haben. Klaudine hatte sich eigentlich mehr von diesem Briefe erwartet und empfand doch wieder eine gewisse Beruhigung dabei, daß zu Hause alles in Ordnung war. — Als Pöttmes gegen zehn Uhr vormittags aus der Kammer trat, lag der Brief wieder auf dem gleichen Platz, wohin er ihn gestern abend gelegt hatte. Daß in Klaubines Gesicht auch nicht eine Spur von Verlegenheit stand, stimmte ihn nachdenklich. Vielleicht hatte er sich doch getäuscht. Um so besser. Während er frühstückte, setzte Klaudine bas Grammophon in Bewegung, stützte sich auf die Tischkante und, leicht gegen Niels geneigt, fang sie den Schlager mit: „Schenk' mir eine Tafel Schokolade — und ich schenk' dir einen Kuß!" „Klaudine!" drohte er mit bem Finger. „Denn ich schwärme so für Schokolabe, mal für Mandel, mal für Milch unb mal für Nuß!" „Warten Sie mal", rief Pöttmes lachend — aber es fand sich unter den vielen Süßigkeiten, bie Bob mit beigepackt hatte, nicht eine einzige Tafel Schokolade. Mit einem bedauernden Achselzucken stellte Niels die Platte ab. Ein junger Mensch keuchte den vereisten Hang heraus, verharrte eine Weile atemschöpsend und wischte sich ben Schweiß von ber Stirn; griff wieher mit festen Schritten aus unb winkte ^Klaudine zu, bie mit bem Dackel vor ber Karrer-Hütte ftanb, unb sich an ber glitzernden Herrlichkeit ber Bergkette erfreute. „Sinh Sie das Fräulein Klaudine Jffland?" fragte ber Bursche mürrisch. Es war ein mühseliger Weg herauf von Bruck gewesen. Die Skier hatte er unten aus, dem ersten Almhof zurücklassen müssen. Er wäre sonst eher zehnmal hinunter, als einmal hinaufgekommen. „Bitte", sagte Klaubine, bie Hanb nach bem Brief ausstreckenb, den der Bote aus feiner Brust- tasche zog. Es war Luzies Handschrift. Als der Ucberbringer mit verdrießlichem Gesicht wartete, griff sie in die Tasche und legte ein Fünsschilling- stück in seine Hand. Ein erstauntes „Dank'schön! , bann machte her Mann kehrt unb stapfte wieder den Almhöjen zu. (Fortsetzung folgt) Nachrichten. Anschließend Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau. 16: Kleines Konzert. 16.30: Kriegsgefangen in Indien. Hinter Stacheldraht in der Sandsteppe von Ahmednagar. Erinnerungen. 16.45: Der Himmel im April. Die geheimnisvolle Höhenstrahlung aus dem Weltenraum. Ein Vortrag von Prof. E. Sittig, Frankfurt a. M. 17: Nachmittaaskonzert. 18.30: Jugendfunk. 18.45: Das Leben spricht. 19: Unterhaltungskonzert. 20: Nachrichten. Anschließend: Der 'Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20.15: Stunde der Nation. Wilhelm von Humboldt zum Gedächtnis. 21: Kammermusik. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Die Sportschau der Woche. 23: Nachtmusik. Oberhessen. Landkreis Gießen. * Beuern, 4. April. Eine schwere Infektion zog sich der hiesige Arbeiter Richard T h u r o w zu. Er hatte eine kleine Wunde an einer Hand, die er wenig beachtete. In diesen Tagen streute er Kunstdünger und zog sich dabei die Infektion zu, die der Anlaß war, daß er sich nach Gießen in ärztliche Behandlung begeben mußte. * Harbach, 4. April. Der 26jährige landwirtschaftliche Arbeiter Jossf Massen zog sich durch einen Axthieb eine schwere Verletzung des linken Fußes zu. Der Verunglückte mußte zur Behandlung nach Gießen gebracht werden. Q] Allendorf a. d. Lahn, 3. April. Im Rahmen der von der DT. veranstalteten Winter- h i l f s w o ch e hielt auch der hiesige T u r n v e r - e i n am letzten Sonntag einen turnerischen Werbeabend ab. Der Saal der Gastwirtschaft „Zur Linde" war bis auf den letzten Platz besetzt. Nach dem Aufmarsch der über 70 Teilnehmer brachte die Schuljugend einen passenden Sprechchor und zwei Lieder zu Gehör. Anschließend sprach der Führer des Turnvereins, Albert L u h, von den Zielen der DT. und der damit zusammenhängenden Arbeit. Seine Worte, die beifällig ausgenommen wurden, klangen aus in einer Mahnung an die Eltern und besonders die Jugend. Ein gut zusammengestelltes turnerisches Programm unterhielt die Zuschauer aufs beste und ließ einen Einblick in die während der Wintermonate geleistete Arbeit tun. Die Jungmädels erfreuten mit schönen Reigen, die Schülerinnen, Schüler, Turnerinnen, Turner und alte Herren konnten an allen Geräten und durch exakte Freiübungen gefallen. Besonderen Beifall ernteten sechs aktive Turner mit ausgezeichneten Bodenübungen. Auch eine kurze Ehrung der am Vormittag in Heuchelheim siegreichen zwölf Schüler und Jugendturner paßte gut in den Rahmen. Der Gesangverein „Einheit" stellte sich mit verschiedenen gut wiedergegebenen Chören in den Dienst der Sache. Alles in allem: der Abend war ein voller Erfolg, und ein ansehnlicher Betrag konnte dem Winterhilfswerk zugeführt werden. ex) Eberstadt, 4. April. Der Fuhrmann einer Mühle in Griedel war am Montag zu später Abendstunde mit seinem schwerbeladenen Fuhrwerk arrf dem Heimweg. Auf der Straße zwischen Lich und EberstM bemerkte er, daß smes der Pferde zusehends erkrankte. Er spannte das Pferd aus und führte es m einen Stall in Eberstadt. Das gut gepflegte Tier verendete dort noch am bleichen Abend. Der Arzt stellte Darm verschling ung fest. * Hungen, 4. April. Der 30jährige Bergmann I. K. Keil von hier erlitt in Ausübung seines Berufes eine Beckenquetschung, die seine Ueberführung in die Klinik nach Gießen notwendig machte. Preußen. Kreis Wetzlar. <£ Rodheim a. d. Bieber, 2. April. Das Ereignis des vorigen Sonntags war in unserer Gemeinde die Handarbeitsausstellung im Benderschen Saale. Fräulein Marta Helwig (Gießen), die seit Jahren den Koch- und Haushaltungsunterricht sowie den gesamten Handarbeitsunterricht an der hiesigen Volksschule erteilt und neuerdings auch als Lehrerin für die Mädchenfortbildungsschule gewonnen wurde, hatte zur Besichtigung ihrer Unterrichtsergebnisse eingeladen. Mit viel Eifer und Geschmack hatten Lehrerin und Schülerinnen alles zusammengetragen, was fleißige Hände im vergangenen Schuljahre geschaffen haben, und mit berechtigtem Stolz zeigten die werdenden Meisterinnen ihren Müttern und Patinnen ihre Kunstfertigkeiten, doppelt stolz, wenn Lob und Anerkennung gezollt wurden. Und es muß wirklich anerkannt werden: es ist erstaunlich, zu welchen Leistungen die kleinen Mädchen bei geschickter Anleitung gebracht werden können. Besonderes Interesse fanden bei den Besuchern der Ausstellung immer wieder die Stopf- und Flickarbeiten, die Auf Anordnung des Hessischen Sängerbundes fand ein fruchtbarer Chorleiter-Schulungskursus in Nidda statt, der im Saale des „Gambrinus" abgehalten wurde. Etwa 40 Teilnehmer waren dazu aus den Sängerkreisen Niddatal (Sitz Ober-Schmitten), Vogelsber g-Süd (Sitz Ortenberg) und „C h a t t i a" (Sitz Nonnen- roth) erschienen. Als Schulungsleiter war Musiklehrer Blaß (Gießen) ernannt. Am Samstagnachmittag eröffnete der Kreiswal- ter des Sängerkreises Niddatal, I. Diehl-Ober- Schmitten, mit Gruß- und Einführungsworten die Tagung. Er gedachte u. a. der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, die auch in Sängerkreisen Helle Begeisterung ausgelöst habe, und gab dem Wunsche Ausdruck, daß auch einmal eine zu verordnende S i n g p f l i ch t der Sängerbewegung neuen Auftrieb geben möchte. Anschließend sprach Schulungsleiter Blaß über die K u l t u r a u f - gaben der Gesangvereine im Dritten Reich und das neuzeitliche Liedgut. Er besprach in diesem Zusammenhang den homophonen und polyphonen Tonsatz und gab den Chorleitern auf, beide Formen in gleicher Weise bei ihrem Liedgute heranzuziehen.Dem „offene n" oder „G e - m e i n sch a ft s si n g e n", d. h. dem Singen in und m i t dem Volke, sei heute größte Bedeutung zuzumessen. Zugunsten des einstimmigen Volksliedes teilweise so meisterhaft ausgeführt waren, daß sie von geübten Mutterhänden kaum besser angefertigt werden könnten. Recht lehrreich waren auch die Darbietungen der Kochschule, bei denen besonders die Kochrezepte mit den Mengenangaben und Preisberechnungen ins Auge fielen. Einen besonderen Teil der Ausstellung bildeten die Unterrichtsergebnisse der Mädchenfortbildungsschule. Zwar besteht diese in unserem Orte erst seit dem letzten Winter, doch dürften diejenigen, die dieser neuen Einrichtung immer noch teils ablehnend, teils zweifelnd gegenüberstehen, eingesehen haben, daß die jungen Mädchen unter der Anleitung von Frl. Helwig recht wertvolle Dinge erarbeiten können, wenn der Wille zum Lernenwollen vorhanden ist und etwas Ansporn zum Lernensollen von Hause aus den jungen Mädchen mit auf den Schulweg gegeben wird. Leider blieb die Besuchsziffer gegen das Vorjahr erheblich zurück. Doch das ist ja mehr ein Nachteil für diejenigen, die sich diese Ausstellung nicht angesehen haben. Manchmal kann man sogar noch von den Kindern lernen! + Kinzenbach, 2. April. In der Schule wurden die im Laufe des Jahres unter der Leitung der Handarbeitslehrerin Alma P e u f ch gefertigten Handarbeiten zur Schau gestellt. Man sah Strick- und Näharbeiten, Leibwäsche und Stickereien, außerdem wurden Kleidungsstücke gezeigt, die geflickt worden waren. Viel beachtet wurden auch die in der ersten Klasse geführten Schulzeitungen und Zeichnungen. Die Ausstellung war sehr gut besucht. * Hörnsheim, 4. April. Der hiesige Landwirt Ludwig Schäfer erlitt durch einen unglücklichen Sturz einen Unterschenkelbruch und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. und des zeitgebundenen Liedes müsse das vereinsmäßige Singen als Vorbereitung für Konzert stärker in den Hintergrund treten. Zur Belebung des Ge- meinschastssingens seien Kanons zu erarbeiten, die Lieder in verteilten Rollen zu singen und auch das Quodlibet (mehrere Melodien werden gleichzeitig gesungen!) als aufmunterndes und belustigendes Moment heranzuziehen. Um Mißerfolge von vornherein auszufchalten, müsse der Chorleiter mit einem genau festgelegten Plan vor die Singgemeinde treten und sie in wenigen Augenblicken für die Idee begeistern können. Zum praktischen Teil übergehend zeigte der Schulungsleiter den Aufbau mehrerer Kanons, die von den versammelten Chorleitern gesungen wurden. Ein Quodlibet steigerte die Sangesfreudigkeit. Im weiteren Verlaufe der Tagung wurde der Pflichtchor „B a u e r n e r d e" von Karl Eggers vorbereitet und gesanglich durchgeführt. Der melodische Aufbau wurde klargelegt, die Eigenart der Komposition, die verschiedentlich den Nonenakkord bevorzugt, herausgearbeitet und aus manche Schwierigkeit im Singen hingewiesen. Mit einem sehr anregenden Vortrag über Atemtechnik, Tonbildung, Aussprache und Dynamik fand der erste Schulungstag seinen Abschluß. Der Sonntagmorgen wurde zum größten Teil mit der Besprechung der Chorliteratur ausgefüllt. die in Gebrauchs- und Leistungstiteratur geglkedeH wurde. Der Schulungsleiter zeigte, was an beni vorhandenen Liedgut auszumerzen fei und road nach wie vor gesungen werden könne. Er empfahl den Chorleitern die Beschaffung des „Auswahl« bandes" des Deutschen Sängerbundes, der das! Liedgut aufgezeichnet habe, das als wertvoll anzua sehen sei. Kompositionen von Konradin Kreutzer, Franz Schubert, Karl Maria von Weber, Heinrich Marschner, Max Bruch, Robert Schumann, Johan« nes Brahms u. a. veralteten nie. Auch die Silcher« scheu Volkslieder, in denen mit einfachsten Mitteln! Wertvollstes gestaltet wurde, würden fortleben. Siel sollten aber nicht zu häufig in Erscheinung treten, lieber neuzeitliches Liedgut unterrichte man sich am besten aus dem Verzeichnis der Liederblätter des Deutschen Sängerbundes. Die Vertonungen vor? Walter Rein, Harry Latzka, Georg Böttcher, Wilhelm Rinkens, Hans Heinrichs, Wilhelm Knöchel, Bruno Stürmer, Hans Lang, Armin Knab, Nellius u. a, seien immer empfehlenswert. Nur sollten die Vereine auf Chöre verzichten, denen sie stimmlich und technisch nicht gewachsen seien. Das Thema „Chorliteratur" veranlaßte eine außerordentlich lebhafte Aussprache, an der sich ein großer Teil der Chor« leiter beteiligte. Viele Anfragen konnten geklärt, mancher Zweifel beseitigt werden. Um 10.15 Uhr hörte man die Frankfurter Rundfunksendung „Chorgesang" ab. Sie gab dem Schulungsleiter Gelegenheit, aus eigener Erfahrung über das Rund« funkfingen der Gesangvereine zu sprechen und diü vorgetragenen Chöre der Sendung zu würdigen. Zur Schulung am Nachmittag hatten sich diS Gesangvereine von Wallernhausen, Bors« d o r f und Nidda eingefunden, die zu einem stattlichen Klangkörper zusammengeschlossen wurden. Der Schulungsleiter führte zunächst mit allen Versammelten eine „offene Singstunde" durch, dis von allen Beteiligten als ein tiefgehendes Erlebnis empfunden wurde. Alle waren begeistert bei der Sache, sangen Volkslieder mit verteilten Rollen, Ka« nons, Quodlibets und wieder Volkslieder, fo daß es eine Lust war, zuzuhören. Jeder empfand es, daß nur dieser Weg dahin führt, das ganze Volk wieder zum Singen zu bringen. Nach kurzer Pause wurden die beiden Chöre „Lied der Bauleute" und „Deutschlands Heil'ger Name!", die von allen Sängern eingeübt waren, nach musikalischen und gesanglichen Gesichtspunkten besprochen und dann zum schönen Portrag gebracht. Mängel und Verstöße wurden dabei beseitigt, Unebenheiten ausgeglichen. Verschiedene Chorleiter wurden heran- gezogen, die Chöre zu dirigieren. Die Sänger folgten bereitwilligst allen Anordnungen. Man darf ihnen die Anerkennung nicht vorenthalten, wirklich schön gesungen zu haben. Gegen 18 Uhr wurde die Tagung geschlossen, Kreiswalter Diehl brachte dem Schulungsleiter Blaß, den er als den feinsinnigen Musiker und' Gesangslehrer bezeichnete, der es meisterhaft verstehe, zu gestalten, zu begeistern und befruchtend zu wirken, den herzlichsten Dank zum Ausdruck. Auch den Sängern und Chorleitern dankte er ebenso herzlich für ihre freudige Mitarbeit im Dienste des deutschen Liedes, dem unser Führer wieder Inhalt, Kraft und Schwung gegeben. Mit dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied fand die von allen Beteiligten als äußerst aneifernd und befruchtend gewertete Tagung ihren Ausklang. Chorleiter-Gchulungskursus in Nidda. Die Geburt eines gesunden Stammhalters zeigen in dankbarer Freude an Günther Breithaupt Oberleutnant und Kompanie-Chef und Frau Lotte, geb. Oenninghoff Gießen sz.Z. Kath. Schwesternhaus), den 4. April 1935 1962 D Volksdeutsche Feierstunde für alle Maria Kahle spricht in Gieren! Samstag, den 6. April, 20 Uhr, in der Aula der Universität Eintritt frei I Frauengruppe des V.D.A. 1928 D Für die uns anläßlich unserer Vermählung und Geschästseröffnung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Heinrich Reih, Bäckermeister und Frau «Zlise, geb. Michel Gießen (Licher Straße 86), den 4. April 193S _____________________________________________________01453 .... und zum Bauen 233 , übermann. Reichswehr- Uniformen formvollendet, hochwertige individuelle handwerkl.Maßarbeit Spezialität: Reitbreeches Lange Hosen KÖHLERS Das Haus für gute Herren-Kleidung —1954 A Bilanz am 31. Dezember 1934. I. Anlagevermögen 1.Bebaute Grundstücke a) Bankgebäude d) Sonstige Grundstücke 2. Unbebaute Grundstücke 3. Geschäftseinrichtung .. II. Beteiligungen III. Umlaufsvermögen 1. Forderung en a) Festbefristete Hypotheken b) Vorschüsse g. Wechsel o) Forderungen in laufender Rechnung... 2. Geschäftswechsel 3. Einzugswechsel 4. Wertpapiere......... 5. Bankguthaben 6. Postscheck- und Reichsbank-Guthaben 7. Kassenbestand 3Ut 275 000,— 33 500,— 13 000,— 10 000,— 15 000,— 164444,18 117 930,75 1730 284,69 338 201,35 2176,56 77 847,65 110 714,94 67 857,28 46 099,54 3 002 056,94 I. Geschäftsguthaben 1. Verbleibend. Mitglieder 2.Ausscheidend.Mitglieder II. Reserven Gesetzlicher Reservefonds. III. Verbindlichkeiten 1. Einlagen a) mit Kündigungsfrist , bis zu 7 Tagen...... b) mit Kündigungsfrist von 7 Tagen bis zu 3 Monaten c) mit Kündigungsfrist über 3 Monate. ... d) Einlagen in laufender Rechnung . 2. Aufgenommene Gelder a) Hypotheken b) Bankschulden IV. Posten zur Rechnungsab- grenzung.............. V, Reingewinn Gewmnvortrag aus dem Vorjahr............. Reingewinn 1934 JUt 478 76348 41884,33 170 234,— 144 632,60 1045 510,96 241443,08 671 483,23 165 000,— 13 926,43 3442,04 1752,99 23 983,80 3 002 056,94 Aufwendungen Gewinn- und Verlustrechnung. @rMge 1. Ausgaben f. Zinsen u.Prov. 80 878,74 2. Perchnliche Unkosten...... 76 280,94 3.Sachliche Unkosten 13 876,92 4-Steuern ............... 10 398,79 5. Abschreibungen 28 614,08 6.Sonstige Aufwendungen .. 9 849,84 7. Reingewinn............. 25 736,79 1. Annahmen aus Zinsen und Provision.............. 238 468,11 2. Außerordentliche Erträge .. 5 415,—• 3. Gewinnvortrag a. ü.Vorjahr 1752,99 Store, Meterware, mit schönem Einsatz und Fransen .......... "1.10 Voile, vielfarbiger Druck in schöner Blumenzeichnung 1.25 Dekorationsstoff mit breiten Querstreifen und feinlinigen Unterbrechungen ............................... gß Kettendruck, echtfarbig, in neuzeitlicher Blumenmusterung 2.25 Dekorationsstoff für Seitenbehänge am Fenster, in braun, grün und beige getönten Farben...............................2.80 Store, Meterware, in sehr eleganter Ausführung, neuartiger WebtüU mit feiner Handdurchzug-Bordüre 3.40 bri die An£ertisung und Aenderung von Gardinen bmigster Berechnung. - Zuschneiden der gekauften Gardinen ohne Berechnung. H. Lehmbecker - Gleiten Seltersweg 73 - Früher „Haus der Handarbeit“ 245 636,10 245 636,10 Vornehml GeschmackvollI Persönlich I Diese drei wesentlichen Eigenschaften der gediegenen Familien- Drucksache Bietet Ihnen In zahl- Giroverbindlichkeiten: 3L4t 86134,68. Avalverpflichtunaen “ 31M 372 963 90 laufsvermögen Pos. 1-2 sind enthalten: fiforSmeÄS 2%4 O21U37 Forderungen gemäß § 33d, Abs. 4 Gen.-Ges. 46 839,60 Betrag der tüdftönhiöPn Einzahlungen auf den Geschäftsanteil 3Ut 69 063,66 9 $ rückständigen bat^ am Jahresschluß 1138 Mitglieder. Im Jahre 1934 traten eiPr* Durch Tod, Kündigung und Ausschluß schieden 124 Mitglieder aus* Die Geschaftsguthaben verminderten sich in der gleichen Zeit um 3LH 35 059 39 Die ^ 1312 00(b-mmÖerten 11C6 um ™ 72 000,-. Letztere betrugen amJahrGschMß reichen neuzeitlichen Ausführungen sowie Gießen, den 4. April 1935. Papieren billigst die BrUhl’sche Druckerei Schulstr. 7. Ruf 2251 linMIin Ludwigstraße 16 WANOHttli CONTlNfHTAl CHKW Handels- und Gewerbebank e.G.m.b.H. --------Arnold.______ Mattern. 19M A Hauptrolle: 1958 A emiljannings Spielzeit bis Sonntag, 7. April, einschl. Lichtspielhaus Gießen Aber auch jeder spricht begeistert von dem größten Filmwerk der Saison: Der alte lind der junge König U WERBEMS^I! III ttr.80 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstags. April M5 Die Abwertung des Selga. Von unserem Dr.K.-Verichierstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Brüssel, 31. April 1935. Mit überwältigender Mehrheit hat in der Nacht vom Samstag zum Sonntag der belgische Senat das Vertrauensvotum bestätigt, das die Kammer in der vorhergehenden Nachtsitzung dem neuen Ministerpräsidenten vanZeelan d bewilligt hatte. Die Entscheidungen, die in den beiden Kammern des Parlaments auf Drängen der Regierung innerhalb kürzester Frist beschlossen werden mußten, greifen tief ein in das staatliche und wirtschaftliche Leben eines Landes, das von den Wirkungen der Weltkrise mit am härtesten betroffen worden ist. Der Ernst der Lage und die ungeheure Verantwortung, die van Zeeland mit dieser Entscheidung der Volksvertretung aufbürdete, hatte auf die Mitglieder dieses Parlaments, das sonst stark unter den Verfallserscheinungen des sterbenden Parlamentssystems leidet, sichtlich tiefen Eindruck gemacht. Die Reden standen auf einer beachtlichen Höhe, und die Auseinandersetzungen unter den Parteien vollzogen sich in einer ungewohnt würdigen und "sachlichen Form. Bis in die frühen Morgenstunden harrten die Zuhörer auf den überfüllten Tribünen aus, und auf vielen sorgenvollen Gesichtern konnte man lesen, daß die zur Entscheidung stehende Frage jeden einzelnen aufs tiefste berührte. Sie hieß: Ist das Parlament bereit, der Regierung die Ermächtigung zur Herabsetzung der Währung zu bewilligen? Diese Frage stand im Vordergrund der beiden denkwürdigen Sitzungen. Sie beherrschte derartig Parlament und Qeffentlichkeit, daß man sich des vollständigen Kurswechsels, den das auf der Abwertung aufgebaute Wirtschaftsprogramm des neuen Ministerpräsidenten für Belgien bedeutet, zunächst kaum bewußt wurde. Wenn man bedenkt, daß dieses Parlament noch im März in nahezu einmütiger Geschlossenheit nicht nur einmal, sondern wiederholt die Unantastbarkeit des Goldfranken und damit des Sparvermögens von Tausenden proklamiert hatte, so kann man die Bestürzung begreifen, die sich nicht nur des Landes sondern auch seiner Vertreter im Parlament bemächtigte, als der neue Ministerpräsident mit der unerbittlichen Forderung hervortrat, diesen geheiligten Grundsatz, wenigstens vorübergehend, aufzü- geben! Die materiellen Wirkungen dieser Entscheidung sind schon heute zu übersehen; die moralischen dagegen sind noch völlig ungewiß. Soviel steht jedoch schon fest, daß noch selten das Vertrauen eines Volkes in seine Regierenden so erschüttert worden ist wie in diesen Tagen hier in Belgien. Die Regierung Theunis hat das Land über den Ernst der wirtschaftlichen Lage nicht aufgeklärt, sie hat in den Reden ihrer führenden Persönlichkeiten eine ausgesprochen optimistische Schönfärberei getrieben. Dieser amtliche Optimismus stieg in letzter Zeit um so höher, je mehr die versprochenen Wirkungen der einseitig betriebenen Deflationspolitik und ihrer unzähligen Notverordnungen ausblieben. Daß die wirtschaftliche Lage kritisch war, wurde allgemein trotz der rosigen Ministerreden empfunden. Daß Belgien aber vor einem Abgrund stand, hat man erst aus den Reden des neuen Ministerpräsidenten erfahren! Es ist kein Zweifel, daß Theunis alles getan hat, um den Franken zu verteidigen. Das Land wirft ihm aber jetzt vor, daß er den Glauben an die Unerschütterlichkeit des belgischen Franken noch krampfhaft hochgehalten hat zu einer Zeit, als dieser Glaube schon eine Fiktion geworden war. Aus den verschiedenen Reden, die van Zeeland in diesen Tagen gehalten hat, gewinnt man ein klares Bild über die Gründe, die die Abwertung des Belga unvermeidlich machten. Sie ist nicht wie seinerzeit in England planmäßig herbeigeführt worden, etwa um Belgien im Konkurrenzkampf auf dem ausländischen Markt zu stärken. Sie ist vielmehr, wie van Zeeland immer wieder betonte, wie ein unvermeidliches Hebel über Belgien hereingebrochen. Verschiedene Elemente haben hierbei zusammengewirkt. Aus den mit schonungsloser Offenheit gemachten Mitteilungen van Zeelands geht hervor, daß schon seit Anfang vorigen Jahres, also zur Zeit des Kabinetts Broqueville, von der Nationalbank zur Stützung des Franken beträchtliche Goldmengen exportiert werden mußten, und zwar bis Ende März dieses Jahres nicht weniger als fünf Milliarden. Die dauernde Verschlechterung der Wirtschaftslage und die fortgesetzten Mißerfolge, die die Regierung trotz aller Anstrengungen hatte, erfüllten die Bevölkerung mit steigendem Mißtrauen, und die Zurückziehung der Einlagen bei den Banken nahm zuletzt ein solches Ausmaß an, daß die volkswirtschaftliche Funktion der großen Privatbanken vollkommen zu erlahmen drohte. Von der Tatsache ausgehend, daß die Lebensfähigkeit der belgischen Wirtschaft auf dem Export beruht, bemühten sich sowohl Theunis wie sein Vorgänger Broqueville, den infolge der allgemeinen Ausfuhrhemmungen völlig darniederliegenden Außenhandel wieder zu beleben. Innenpolitisch kam es ihnen zu diesem Zweck vor allem darauf an, auf dem der Deflation die belgische Wirtschaft den veränderten Weltverhältnissen anzupassen. Diese Politik hatte nur geringe Erfolge, einmal, weil sie nicht schnell genug wirkte, sodann deshalb, weil sie nur einzelne der Faktoren, die die Wettbewerbsfähigkeit beeinflußten, erfaßte und schließlich einseitig in einer dauernden Verschlechterung der Kaufkraft der Bevölkerung ausmündete. Von außen her wurden die Anpassungsbestrebungen der belgischen Wirtschaft in letzter Zeit illusorisch gemacht durch die Abschwächung des englischen Pfundes. Aber weit mehr als England trägt das befreundete Frankreich eine Mitverantwortung daran, daß es Belgien nicht gelungen ist, trotz gewaltiger eigener Anstrengungen die für die Aufrechterhaltung feiner Währung unerläßliche Festigung feiner Wirtschaft zu erlangen. Auch hierüber hat van Zeeland im Parlament den Schleier gelüftet. Von frankophiler Seite wurde die Behauptung ausgestellt, daß der Franken zu halten gewesen wäre, wenn die Regierung Theunis am 17. März bei ihren Besprechungen in Paris das französische Angebot einer Anleihe angenommen hätte. Van Zeeland hat klar und Überzeugend nachgewiesen, daß eine solche Hilfe nur neue Bela ft ungen für Belgien bedeutet hätten. Er hat aber gleichzeitig festgestellt, daß Frankreich nicht bereit gewesen ist, Belgien die Hilfe zu gewähren, die eine letzte Chance gewesen wäre: handelspolitische Zugeständnisse. Die Weigerung Frankreichs, das sich hierbei wieder, wie schon früher, auf seine Bindungen durch die Meistbegünftigungs- klausel zurückzog, hatte, wie van Zeeland jetzt unumwunden erklärt hat, die sofortige Einführung der Devisenkontrolle und damit die endgültige Erschütterung des Belga zur unmittelbaren Folge. Die Abwertung des Belga ist der Ausgangspunkt einer neuen wirtschaftlichen Orientierung Belgiens nach innen und nach außen. Innenpolitisch sind Richtung und Ziel vorgeschrieben durch das Zeeland- sche Programm der wirtschaftlichen Erneuerung, das eine vollständige Abkehr von der bisherigen Deflationspolitik darftellt. Nach außen wird Belgien zweifellos die Folgerungen aus dem Versagen der Goldblockpolitik und dem endgültigen Beweis, daß Belgien wirtschaftlich von Frankreich nichts zu erwarten hat, ziehen. Aus den fortgesetzten Störungen, die der belgische Markt unter der englischen Währungspolitik erleidet, hat van Zeeland schon bei seiner Regierungserklärung die Schlußfolgerung gezogen : Ein Anschluß an den Sterling- block ist entgegen manchen Erwartungen nicht erfolgt. Belgien wird aber mit allen Kräften auf eine Stabilisierung der wichtigsten Währungen hinarbeiten, um dem Währungskrieg, dem sich der Belga nunmehr gezwungen angeschlossen hat, sobald als möglich ein Ende zu bereiten. Edens Besuch in Warschau. ß W V 7 /?. W '■ V-' KM MA > <7;% i Scherl-Bildmatemdienst Unser Bild zeigt links den polnischen Außenminister Oberst Beck, in der Mitte den polnischen Staatspräsidenten M o s c i c k i und rechts den englischen Gast Lordsiegelbewahrer Eden. Buntes Allerlei. Der Berliner Waldteufel und dos gute Herz. Aus der vormärzlichen Zeit, aus den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, berichtet ein Weltreisender allerhand, was ihm beim Besuch der werdenden Weltstadt Berlin aufgefallen ist. Er hat dort auch den Weihnachtsmarkt besucht, von dem man ihm erzählt, daß er viel von seinem alten Glanze und seiner früheren Bedeutung verloren habe, seit die billigen Groschenbazare aufzukommen begannen. Aber einiges, was er in ausländischen Hauptstädten nicht beobachtet hat, scheint dem Reisenden doch der Aufzeichnung wert zu fein. So machen ihn die Berliner Begleiterinnen auf die auf- gestellten Puppenstuben aufmerksam, die man hier auf dem Markte kaufen müsse, weil man dadurch armen Leute helfe. Diese Puppenstuben würden nämlich ausnahmslos von derzeit stellungslosen Tischlergesellen angefertigt. Die Zutaten, Kistenbret- chen und etwas buntes Tapetenpapier find billig, aber was die jungen Handwerker in langen erzwungenen Mußestunden daraus machen, darin stecke soviel zum guten Herzen sprechende Liebe, daß der Berliner seine Puppenstuben nur hier auf dem Weihnachtsmarkt kaufe. An der Schloßbrücke fällt dem Fremden ein merkwürdiges Getön auf. Da stehen frierende Jungen und lasten Waldteufel kreisen, das sind farbige Pappzylinder, die mit Pergament bespannt sind und an einem Pferdehaar mit einem Stock geschwungen werden und dabei ein drollig brummendes Gesumm ertönen lassen. Der Reisende wundert sich darüber, daß Alt und Jung seinen Groschen für solch ein Ding opfert. Ja, er wird belehrt, das fei altes Brauchtum. Mit derlei Lärmgerät treibt der Berlins feit unvordenklichen Zeiten in der Altjahrsnacht, die hier einen karnevalsmäßigen Anstrich hat, die bösen Geister aus. Aber das sei es nicht allein. Denn die Herstellung und der Vertrieb dieser Waldteufel auf dem Berliner Weihnachtsmarkt fei das Vorrecht der Kinder der ärmsten, arbeitslosen Leute, und so „vertreibt der Waldteufel den Hungerteufel". Das gibt dem Fremden Anlaß, das gute Herz der damaligen Berliner zu loben, die, auch wo es dis eigene Belustigung gilt, die Not der anderen nicht vergessen. Das Ganze ist ein beachtenswertes Zeugnis aus der Vergangenheit. Es bekundet uns einen überlieferten Rest jener Fürsorge, die sich in so vielen Verordnungen aus dem Mittelalter und aus der Glanzzeit des reichsstädtischen Bürgertums aussprechen. Das Wesen der ehemaligen Zünfte atmet ursprünglich, ehe sie vielfach erstarrten, denselben Geist. Dann setzte sich der Sieg dessen durch, was man den aufgeklärten Fortschritt nannte, und die neugewonnene kapitalistische Bereicherungsfreiheit verhöhnte die altmodischen Leute, die bei ihren Einkäufen in erster Linie darnach fragten, ob ihre Ausgabe auch wirklich einem notleidenden Volksgenossen zugute kam. Erst unsere Zeit des wiedererwachten Volksgemeinschaftsgewifsens hat den tiefen Sinn erkannt, der sich darin äußert, den letzten städtischen Heimarbeiter wie den letzten ländlichen Kleinsiedler in die Erzeugungsschlacht einzugliedern, und darum lächeln wir nicht mehr über den Alt-Berliner Ausspruch, daß der Waldteufel den Hungerteufel vertreibt. Oie „Große ßnfc" gratuliert! Die Schuljungen in London werden bald ihre geheimsten Wünsche erfüllt sehen, denn die Helder^ ihrer Bücher und Träume, Indianer in vollem Kriegsschmuck, wollen leibhaftig in die Hauptstadt des Britischen Weltreiches kommen. Wenn alle weißen und farbigen Untertanen König Georg V. ihre Boten schicken, um Glückwünsche zum Regierungsjubiläum im Mai d. I. aussprechen zu lassen, dann dürfen auch die Indianer, die auf kanadischem Gebiet wohnen, nicht fehlen. So haben sich Ehamiffo als Naturforscher. Von Dr. Albert Keil, Gießen. Im allgemeinen ist uns Adalbert von C Harn i s s o nur in seiner Eigenschaft als Dichter bekannt, und doch verdient er es, auch als Naturforscher, insbesondere als Biologe, gewürdigt zu werden. In einer Zeit auf gewachsen — er ist geboren 1781 —, in der eine romantische Naturphilosophie alle empirische Wissenschaft zu überwuchern schien, darf er als einer der ersten gelten, die wie Alexander von Humboldt wieder vorurteilslos den Weg der wissenschaftlichen Erfahrung gingen und allem weltfremden Philosophieren über die Natur abgeneigt waren. Aber diese Seite seines Wesens war doch wieder, ohne der Sentimentalität feines Zeitalters zu verfallen, vereinigt mit wirklicher Ehrfurcht vor der Natur, die erst den wahren Forscher macht. Chamisso erzählt in einem seiner Briefe, wie sehr er schon in seiner Jugend von den Wundern der Natur angezogen wurde. Wie er Insekten erspähte, neue Pflanzen fand, wie all sein Schaffen und Zerstören „auf physikalische Experimente und auf Erforschen der Gesetze der Natur ausging". Ader die äußeren Verhältnisse brachten es mit sich, daß er erst spät den Weg zur Wissenschaft fand. Nach der Flucht aus Frankreich war Berlin seine zweite Heimat geworden, und hier begann er — noch mit 31 Jahren — seine Studien, die ihn besonders auf das Gebiet der Botanik, aber auch der anderen Naturwissenschaften, vor allem der Zoologie und Mineralogie, führten. In bezug auf die Mineralogie sagt er einmal in einem Brief an seinen späteren Biographen Hitzig (1813): „Ich hätte nimmer geglaubt, daß die Steine soviel Verstand hätten!" — Aber die Pflanzenkunde ist für ihn doch immer die scientia amabilis, die liebliche Wissenschaft, geblieben, und er selbst gab sich meist für einen „systematischen Botaniker" aus. Drei Jahre hatte er sich mit außerordentlichem Eifer einem umfassenden Studium der Naturwissenschaften gewidmet, als er schon am entscheidenden Wendepunkt seines Lebens angekommen war. In einer Zeitung hatte er nämlich die Nachricht von der bevorstehenden Romanzoffschen Entdeckungsreise der Russen „in die Südsee und zur Erforschung der nordöstlichen Durchfahrt" gefunden, und sein größter Wunsch wäre erfüllt gewesen, wenn er diese Expedition als Naturforscher hätte begleiten können. Und wirklich gelang es ihm durch Vermittlung seines Freundes Hitzig und verschiedener seiner Lehrer, daß er an Stelle eines erkrankten Professors Ledebour zum Naturforscher der Entdeckungsreise ernannt wurde. Am 9. August 1815 bestieg er in Kopenhagen das Forschungsschiff „Rurik", das damit eine der ersten wissenschaftlichen Expeditionen rund um die Erde trug. Chamisfos Forschungen zeigen immer wieder, daß er ein Mann von ungewöhnlicher Beobachtungsgabe gewesen sein muß. So gelingt es ihm schon während des kurzen Aufenthaltes an der englischen Küste bei Plymouth, eine den einheimischen Botanikern bisher entgangene Pflanze zu entdecken. Und bereits auf dem zweiten Teil der Reise, von Plymouth nach Teneriffa, kann er eine bedeutsame zoologische Entdeckung als sein Verdienst buchen; es ist der Generationswechsel der S a l p e n, durchsichtiger Manteltiere der hohen See. Er und sein Begleiter Eschscholtz hatten gefunden, daß einzelne freischwimmende Tiere dieser Art mit aneinandergereihten, sogenannten Kettensalpen generationsweise abwechselten. Die Salpen waren damit die ersten Tiere, an denen diese merkwürdige Art der Fortpflanzung festgestellt wurde, die inzwischen auch bei vielen anderen Lebewesen gesunden werden konnte. Es bleibt seltsam genug, daß gerade Chamisso, der stets geneigt war, die „Metamorphd- senlehre" abzulehnen, damit Entscheidendes auf dem Gebiet der Entwicklungsgeschichte beigetragen hatte. Fast selbstverständlich ist es, daß der Scharfsinn dieses unermüdlichen Mannes sich während des Aufenthalts in der Südsee auch dem großen Rätsel der Korallenriffe zuwandte. Wenn es ihm auch nicht gelang, dem bis heute noch nicht völlig geklärten Entstehen der Korallenriffe auf die Spur zu kommen, so gebührt ihm doch auch hier das bleibende Verdienst, die Atolle zoologisch, petrographisch und geologisch genau untersucht und beschrieben zu haben. Im übrigen benutzte er den Aufenthalt auf den Südsee-Jnseln zu Wanderungen in die unwegsamen Gebirge. Dabei entdeckte er unzählige neue Pflanzen und sammelte Beobachtungen aus allen Gebieten der Wissenschaft. Sogar Der Erforschung der hawaischen Sprache hat er einen Teil seiner Zeit gewidmet. So war es ihm als einem der ersten vergönnt, in diesen geheimnisvollen Zonen wissenschaftlich zu arbeiten. Chamisso kehrte jedoch von dieser Reise, wie er selbst sagt, nicht gesättigt zurück. Er hatte schon bald erkannt, daß er „wie eine Kanonenkugel über die Erde fuhr, und wenn er heimkam, sollte er rings ihre Höhen und Tiefen erkundet haben". Und doch, welche Fülle neuer Beobachtungen und Tatsachen, welch reiche Sammlungen aller Art hatte er in diesen drei Jahren, von 1815 bis 1818, zusammengetragen! Berücksichtigt man dabei, mit welchen Schwierigkeiten damals ein Naturforscher, besonders aber Chamisso („als Passagier auf einem Kriegsschiff, wo man nicht gewohnt war, solche zu haben") !zu kämvfen hatte, so sind feine Leistungen noch j erstaunlicher. Anerkennung ward chm bann auch am Ende seiner Weltreise in verschiedenen Ehrungen zuteil. Im Jahre 1819 ernannte ihn die Universität Berlin ehrenhalber zum Doktor der Philosophie und die Gesellschaft naturforschender Freunde daselbst zu ihrem Mitglied. Dazu wurde ihm das Amt eines Kustoden am Botanischen Garten Berlin. Schließlich wurde er auf Alexander von Humboldts Vorschlag im Jahre 1835 fast einstimmig als Mitglied in die Berliner Akademie der Wissenschaften ausgenommen. So mag der Kreis geschlossen sein, der Chamisfos Wirken als Naturforscher umfaßt. Kaum läßt sich entscheiden, ob er als Naturforscher oder Dichter größer war, wenn solche Größen überhaupt vergleichbar sind. Was aber charakteristisch für Chamisso ist und was an ihm bewundert werden muß, ist die Kraft, mit der er die ganze Welt der Erscheinungen zu umfassen vermochte: Vom Gestein bis hinauf zum Menschen und dessen Aeußerung, der Sprache, reichte das Gebiet seines wissenschaftlichen Interesses. Wüffenriii. Von Hans Vethge. Von Assuan in Oberägypten sind wir auf großen weißen Kamelen im Brand der Sonne einen Tag lang in die arabische Wüste geritten, die hier eine Felswüste ist. Die Tiere tragen den Lammfellsattel auf dem Häcker, man reitet ohne Bügel, die Beine hängen vorn herab, rechts und links vom Widerrist. Der Zügel, ein schwarzer Baststrick, ist einseitig, er liegt links am Halse und reicht nach der rechten Seite des Mauls hinüber. Zunächst ist das Reiten auf diesen hohen Tieren befremdend, aber man gewöhnt sich bald daran, wiegt sich in dem Rhythmus der Schritte ein, und besonders der Trab ist angenehm. Die Tiere zeigen meist ein leises Sträuben, wenn man sie, während sie wiederkäuend auf den harten Schwielen ihrer Beine liegen, besteigen will. Ehe sie sich erheben, in drei mächtigen, langsamen Rmken, stoßen sie häufig ein paar dumpfe Klagelaute aus, bann aber gehen sie geduldig, unermüdlich, sanft schaukelnd. Zum Galoppieren eignen sie sich schlecht. Sie sind überhaupt keine richtigen Reittiere, dafür in idealer Weise geschaffen für das Transportieren von Lasten. Wir reiten durch flache Felfentäler, ringsum steht das Gestein in uralter Verwitterung, schweigend, unnahbar. Zunächst zeigt sich noch ein Rest' von Vegetation, Koloquinthen, runde, gelblich - grüne Früchte von der Größe der Apfelsinen, liegen gehäuft an spärlichen, mühsam über den Sand hin- kriechenden Ranken. Man versteht nicht cht, wie so zarte, halb verdorrte, kleinblättrige Ranken die Kraft besitzen, so große Früchte in solcher Fülle hervor* zubringen. Hier treibt ein auf dürrstem Boden erwachsenes schwächliches Gebilde eine rührende, sich selbst aussaugende Vergeudung von Kraft. Die Kolo- auinthen werden praktisch verwertet, besonders für Leim. Wenn Leim, der mit Koloquinthen angemacht ist, zum Kleben von Tapeten verwendet wird, so stellen sich keine Wanzen hinter der Tapete ein. Schabe, daß nicht alle Wände des Orients mit Koloquinthensast bestrichen sind. Die Steinwüste besteht in ihren urweltlichen Bildungen aus einem rötlich - grauen, ausgedörrten Feld, Täler von fruchtbarer Zerrissenheit tun sich auf, allem Lebewesen feind, die Kamele tragen uns über wüstes, herumgewürfeltes Felsgeröll und Splitter, diese braven Tiere halten auch auf den schrecklichsten Pfaden geduldig aus, ihr Schritt ist lautlos und immer sicher. Nun klimmen wir auf ein Plateau und blicken meilenweit in die Runde: ein Hügelland von wulstigen Felshöhen, rötlich-grau, unermeßlich, trostlos, erschütternd in seiner Oede. Die Form des Pylons zeigt sich hier und da, in der Ferne auch einmal Bildungen von der Gestalt der Pyramiden. Kein Tier, nicht die geringste Pflanze mehr, alles ausgebrannt, wüst und leer. Die Formen stehen ruhig, abweisend, erbarmungslos, voll monotoner Großartigkeit in gläserner Luft, hier scheint die Erde resigniert zu haben, sie liegt genau so da, wie sie vor' Urzeiten lag, gnadenlos, unberührt, völlig schweigend, ein ungeheures, namen- loses Grab. Im vorigen Jahr siel in dieser Gegend ein Regen nieder, der erste seit dreißig Jahren. Man sieht noch auf den Talsohlen an abgewaschenen Stellen, wo er dahingerauscht ist. Welch ein Schrecken muß den ausgedörrten Boden erfaßt haben bei diesem märchenhaften Ereignis! Wir reiten auf einer Kn'-aw-inenstraße, die zu den Ababde - Beduinen führt. Vor zwanzigtausend Jahren zogen hier Kamele mit Menschen und Lasten auf ihren Rücken, fo wie sie heute zuweilen ziehen. Nichts hat sich verändert, die Zeit scheint stillzustehen in diesen wüsten, rotgrauen, von der Hitze überzitterten Geländen, die den Besucher sphinxhast anftarren in ihrer melancholischen Größe, in ihrer schauerlichen, unendlichen Einsamkeit. Mittags rasteten wir lange in einem breiten, ausgebrannten Tal und nahmen im Schatten eines Felsens ein einfaches Mahl, das wir mitgenommen hatten. Huhn, Schinken, Eier, Orangen. Dann stiegen wir wieder in die Sättel und ritten allmählich heim durch die gläserne rosig-violett sich färbende Luft der blutenden untergehenden Sonne entgegen, ermattet, von der Hitze vollgesoqen, sanft von b