Hr.29 Erstes Blatt 185. Jahrgang Montag, 4. Februar 1935 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblatter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zernfprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zranlfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitats-Vuch- und Ztemdruckerei R. Lange in Gießen. 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Oder ist die Frage nach dem Vertragswert, nach den allgemeinen Bedingungen, von denen der Wert auch des geschlossenen Vertrages dauernd abhängig bleibt, doch nicht so ganz überflüssig? Eins liegt auf der Hand: Vertrag und Vertrag ist ein Unterschied. Schließen zwei Privatleute, zwei Firmen, zwei Aktiengesellschaften einen Vertrag, so unterstellen sie damit das, worauf sie sich im gegebenen Augenblick geeinigt haben, für einen begrenzten Zeitraum oder für unbegrenzte Zeitdauer, je nachdem, der Rechtshoheit des Staates, in dem der Vertrag geschlossen wird. Das heißt: über Privatverträgen schwebt immer unsichtbar eine höhere Instanz, an die der Vertragspartner appellieren kann, der glaubt, daß der Vertrag von der Gegenseite nicht gewissenhaft innegehalten oder nicht sinngemäß ausgeführt werde. Wie aber ist es bei S t a a t s v e r t r ä- gen? Da fehlt durchaus diese höhere Instanz, es sei denn, daß die Vertragspartner durch besondere Vereinbarungen ausgemacht hätten, Streitigkeiten über Auslegung oder Ausführung des Vertrages einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Schließlich aber: wenn im Falle eines solchen Rechtsstreites der unterliegende Teil sich dem Spruche nun nicht fügt — wo ist die Macht, die ihn zwingt, die Rechtshoheit des vereinbarten Schiedsgerichts an- zuerkennen? Hier wird der grundlegende Unterschied von Privatvertrag und Staatsvertrag deutlich. Der Staat, unter dessen Rechtshoheit ein Privatvertrag geschlossen wird, stellt die Macht zur Verfügung, die, auch bei üblem Willen eines Vertragsteilhabers, die Erfüllung erzwingen kann. Bei Staatsverträgen dagegen fehlt im allgemeinen diese höhere Macht, die bei einer Vertragsverletzung angerufen werden könnte. Privatverträge behalten zwar» ihren vollen Wert auch nur so lange, als die Vertragspartner den guten Willen haben, sie sinngemäß auszuführen. Aber sie werden doch nicht völlig wertlos, wenn dieser gute Wille einseitig geschwunden ist. Der andere kann dann immer noch auf Vertragserfüllung oder Schadenersatz klagen. Das fällt bei Staatsverträgen weg, sie bleiben für die Dauer ihrer Geltung ganz und gar auf den guten Willen der Vertragspartner gestellt. Ein unübertrefflicher Meister der Vertragskunst- Bismarck, hat das einmal so ausgedrückt: „Die Haltbarkeit aller Verträge zwischen Großstaaten ist bedingt, sobald sie „im Kampf ums Dasein" a u f die Probe gestellt wird. Keine große Nation wird je zu bewegen sein, ihr Bestehen auf dem Altar der Vertragstreue zu opfern, wenn sie gezwungen ist, zwischen beiden zu wählen. Das Ultra posse nemo obligatur — mehr zu tun als er kann, ist niemand verpflichtet — kann durch keine Vertragsklausel außer Kraft gesetzt werden: ebenso wenig läßt sich durch einen Vertrag das Maß von Ernst und Kraftaufwand sicherstellen, mit dem die Erfüllung geleistet werden wird, sobald das eigene Interesse des Erfüllenden dem unterschriebenen Texte und seiner früheren Auslegung nicht mehr zur Seite steht ... Ich glaube deshalb, daß das wandelbare Element des politischen Interesses und seiner Gefahren ein unentbehrliches Unterfutter für geschriebene Verträge ist, wenn sie haltbar sein sollen." Bismarcks vertragstechnisches Meisterstück war das Bündnis mit Oesterreich-Ungarn. Es ruhte auf dem zuverlässigen Grunde des gemeinsamen Interesses, einen möglichen russischen Angriff mit vereinten Kräften abzuwehren. Es hat bestanden bis tief in sein viertes Jahrzehnt hinein — für einen Staatsvertrag ein erstaunlich hohes Alter — und es hat seinen Zweck erfüllt: als der russische Angriff tatsächlich erfolgte, haben das Deutsche Reich und Oesterreich-Ungarn ihn gemeinsam abgewehrt, bis die russische Militärübermacht niedergerungen war. Daß Oesterreich- Ungarn an diesem Ringen nachträglich zerbrach, hatte Ursachen, die außerhalb des Bündnis-Vertrages wirksam waren. Im Gegensatz zu diesem zweiseitiaen Bündnis-Vertrag war der Dreibund-Vertrag innerlich bereits völlig entwertet, als er seine Feuerprobe bestehen sollte. Er ruhte auf einem keineswegs so einfachen Grunde wie das Bündnis mit Oesterreich-Ungarn, eine seiner vielfachen Voraussetzungen war e i n gutes Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und Groß-Britannien. Als das, um die Jahrhundertwende mehr und mehr zu schwinden begann, verlor Italien im glei- chen Tempo das Interesse, das es an den Dreibund gefesselt hatte. Der Vertrag blieb bestehen, als taube Nuß oder, wie der Tscheche Kramarsch sagte, 015 em -abgespieltes Luxusklavier". -Oie Gefahr, einen Staatsvertrag aufzuziehen Prwatoertrag, das heißt, jeden Vorteil rücksichtslos wahrzunehmen, in der Erwartung, daß eine „höhere Instanz" schon für die Erfüllung sorgen werde, liegt besonders nahe bei Friedens- v e r t r a g e n nach siegreich durchgefochtenem Kriege, ^ölsmarck hat auch diese Gefahr mit dem sicheren der geborenen Führernatur vermieden. 1866 batte das siegreiche Preußen zweifellos auch von Oesterreich Landabtretungen erzwingen können. Bis- Oie Londoner Konferenz beendet. England tritt dem Pakt von Hom über die Unabhängigkeit Oesterreichs bei. —Zusammen» arbeit im Ginne einer freien allgemeinen Rüstungsvereinbarung als Ersatz der Entwaffnungs- bestimmungen des Versailler Diktats.—Deutschland wird zurTeilnahme an Gicherheitspakten für Ost- und Mitteleuropa und zum Wiedereintritt in den Völkerbund eingeladen. — plan eines Beistandspaktes gegen Lustangriffe in Westeuropa. Die letzten Besprechungen. London, 3. Febr. (DNB.) Ministerpräsident F l a n d i n ist am frühen Sonntagmorgen nach Farnham-Park in der Grafschaft Bucking- hamshire gefahren, wo er auf dem Landsitz Sir Gomer Berrys in Verhandlungen mit Macdonald, Neville Chamberlain und Runciman den Nachmittag verbringt. — Der italienische Botschafter in London, G r a n d i, sprach um die Mittagsstunde bei dem französischen Außenminister Laval im Hotel Savoy vor, um sich über den Stand der Verhandlungen unterrichten zu lassen. Laval selbst hatte bereits am Vormittag ausgedehnte telephonische Gespräche mit Paris. Die Vollkonferenz wurde am heutigen Sonntag um 17.30 Uhr in Abwesenheit des Ministerpräsidenten Flandin, der noch in Farnham-Park mit Neville Chamberlain und Runciman über Wirtschafts- und Finanzfragen verhandelte, wieder ausgenommen und bereits um 18.45 Uhr endgültig beendet. Laval nahm zusammen mit dem Lordsiegelbewahrer Eden und Sir Austen Chamberlain das Abendessen in Hotel Savoy ein. Die amtliche Verlautbarung. Kurz nach 20 Uhr wurde eine amtliche Mitteilung über die englisch-französischen Besprechungen veröffentlicht, in der es heißt: Der Zweck der Zusammenkunft zwischen den britischen und französischen -Ministern war, den Frieden der Welt durch engere Zusammenarbeit in einem Geiste freundschaftlichen Vertrauens zu fördern und die Neigungen (tendencies) z u beseitigen, die, wenn ihnen nicht Einhalt geboten wird, dazu angetan sind, zu einem R ü - stungsrennen zu führen und die Kriegsgefahren zu vermehren. Die britischen Minister haben herzlich die Erklärung begrüßt, durch die die französische und die italienische Regierung ihre Absicht erklärt haben, die traditionelle Freundschaft zu entwickeln, die die beiden Nationen vereint, die britische Regierung hat sich mit der französischen und der italienischen Regierung vereinigt, in einem Geiste gegenseitigen Vertrauens in der Aufrechterhaltung allgemeinen Friedens zusammenzuwirken. Die britischen Minister haben festgestellt, daß als eine Folge der Erklärungen vom 17. Febr. und 27. September die britische Regierung sich unter den Mächten befindet, die, wie dies in dem Abkommen von Rom vorgesehen ist, g e - meinsam beraten werden, wenn die Unabhängigkeit und Integrität Oester- r e i ch s bedroht werden. Die britischen und französischen Minister hoffen, daß der ermutigende Fortschritt, der so erzielt worden ist, jetzt mittels der direkten und wirksamen Mitarbeit Deutschlands fortgesetzt wird. Sie stimmen überein, daß weder Deutschland noch irgendeine andere Macht, deren Rüstungen durch die Friedensverträge bestimmt worden sind, berechtigt ist, durch e i n - seitigeAktion diese Verpflichtungen abzuändern. Aber sie stimmen weiter darin überein, daß nichts zurWiederhersiellungdes Vertrauens und der Aussichten des Friedens unter den Rationen mehr beitragen würde, als eine allgemeine Regelung, die frei zwischen Deutschland und den anderen Mächten ab- geschlossen wird. Diese allgemeine Regelung würde Vorsorge für die Organisation der Sicherheit in Europa treffen, insbesondere mittels des Abschlusses von Pakten, die frei zwischen allen interessierten Parteien abgeschlossen werden und gegenseitige Unterstützung in Osteuropa und das System sicherstellen, das in dem proces verbal von Rom für Mitteleuropa angekündigt ist. Zugleich und in Uebereinstimmung mit den Bedingungen der Erklärung vom 11. Dezember 1932 bezüglich Gleichberechtigung in einem System der Sicherheit würde diese Regelung Vereinbarungen über Rüstungen im allgemeinen Herstellen, die im Falle Deutschlands die Bestimmun- g e n des Teils V des Vertrages von Versailles, die augenblicklich die Rüstungen und bewaffneten Streitkräfte Deutschlands beschränken, ersehen würden. Es würde auch Teile der allgemeinen Regelung sein, daß Deutschland seinen Platz im Völkerbund zwecks aktiver Mitgliedschaft wieder einnimmt. Die französische Regierung und die Regierung des Vereinigten Königreiches hoffen, daß die anderen in Betracht kommenden Regierungen diese Ansichten teilen. Jrn Verlauf dieser Zusammenkünfte haben die britischen und französischen Minister unter dem Eindruck der besonderen Gefahren für den Frieden gestanden, die durch moderne Entwicklungen in der Luft geschaffen worden sind und deren Mißbrauch zu plötzlichen Luftangriffen eines Landes auf das andere führen können. Sie haben die Möglichkeit erwogen, Vorsorge gegen diese Gefahren durch eine gegenseitige regionale Vereinbarung zwischen gewissen Mächten zu treffen. Es wird vorgeschlagen, daß die Unterzeichner sich verpflichten, unverzüglich die Unter st ützung ihrer Luftstreitkräfte jedem unter ihnen zu gewähren, der das Opfer eines nicht herausgeforderten Luftangriffes einer der vertragschließenden Parteien ist. Die britischen und französischen Minister befanden sich in lieber« einftimmung darüber, daß eine gegenseitige Vereinbarung dieser Art für Westeuropa in weitem Maße dazu beitragen würde, als ein Abschreckungsmittel vor Angriffen zu dienen und Schutz vor plötzlichen Angriffen aus der Luft ficherzustel« len. Sie haben beschlossen, Italien, Deutschland und Belgien einzuladen, mit ihnen zu erwägen, ob eine solche Konvention nicht rasch abgeschlossen werden kann. Sie wünschen ernstlich, daß alle in Betracht kommenden Länder anerkennen, daß der Zweck dieses Vorschlages ist, den Frieden zu stärken — das einzige Ziel, das von den beiden Regierungen verfolgt wird. Die Regierungen Frankreichs und des Vereinigten Königsreichs erklären sich bereit, ihre Beratungen ohne Verzug wieder aufzunehmen, nachdem sie die Antworten der an« deren interessierten Mächte erhalten haben. Volk und Technik. Eine Botschaft des Stellvertreters des Führers an den Tag der Technik. DNB. Düsseldorf, 3. Febr. Die technischen Organisationen (NS.-Bund deutscher Techniker und Reichsgemeinschaft der technisch - wissenschaftlichen Arbeit) des Gaues Düsseldorf veranstalteten einen „Tag der Technik". In einer Reihe von Vorträgen wurde die Volksverbundenheit der Technik, die Wichtigkeit ihres richtigen Einsatzes durch gute Führung und die Gültigkeit des F ü h r e r p r i n z i p s für Technik und Staats- führung überhaupt sowie vor allem die Verbundenheit von Technik und Kultur eingehend dargelegt. In der Vormittagskundgebung in der Rheinhalle verlas Pg. Reinhold eine Botschaft, die der Beauftragte des Führers zur Zusammenfassung der deutschen Technik, Dr. Todt, im- Auftrage des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß, hatte übermitteln lassen. In der Botschaft an die deutschen Techniker heißt es: „Die deutsche Technik ist in erster Linie berufen, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen, Rohstoffknappheit zu verhindern und dem deutschen Volk Brot zu verschaffen. Sie muß aber zu diesem Zweck straff zusammengefaßt und zielstrebig auf das Staatswohl gerichtet werden. Nur dann kann sie die gewaltigen Ausgaben lösen, und nur dann wird die Behauptung von der Kulturschädlichkeit der Technik widerlegt, da eine richtig eingesetzte Technik kulturfördernd sein wird. Der deutsche Techniker aber als Träger der deutschen Erfindungsgabe und als Verwalter des deutschen Geistesgutes muß heraus aus seiner einseitigen G e - bundenheit und yiuß erkennen, daß die hohe Aufgabe, die ihm gestellt ist, nicht nur besteht im Berechnen, Erfinden und Konstruieren, sondern daß seine schöpferische Begabung ihn auch verpflichtet, sich am öffentlichen Leben zu betet« ligen. Er muß wissen, daß er die Schuldigkeit hat, die von ihm gemachten Erfindungen a u f ihrem Weg zu begleiten und zu prüfen, ob sie seinem Volk und seinem Lande nützen. Auf diese Weise wird er erreichen, daß die Technik die Achtung erringt, die ihr als teilweiser Gestalterin des öffentlichen Lebens zukommt." In der Vormittagskundgebung sprachen u. a. Professor Grün über „Technik und Volk" und Gauleiter Staatsrat Florian über „Die neue Volksführung". In der Nheinhalle sprach Alfred Rosenberg über das Thema „Technik u n d K u l t u r". „Wir denken nicht daran", so sagte Rosenberg, „die Freiheit des Forschens unterbinden zu wollen, sondern wir wollen das Recht auf Forschung und das Recht auf freies Denken unserer Zeit roiebergeben. Es ist eine revolutionierende Tat unserer Zeit, daß wir Abkehr halten von scholastischen Theorien und wieder zum Leben, zu Blut und Boden zurückkehren, zu einer Gedankenwelt, die einen Kreislauf hat von der Rassenseele zu Volkstum, zur Persönlichkeit. Das ist ein prinzipiell anderes Weltbild und muß prinzipiell eine andere Kultur erzeugen, als sie vergangene Jahrhunderte erstrebten. Die Technik muß brüderlich ihre Hand zu allen kulturellen Bestrebungen hinüberreichen und mit- helfen, die Landschaft und die deutschen Städte vor Verschandelung zu schützen. Staatsmann, Forscher, Künstler und Techniker müssen einheitlich Zusammenwirken, um ein neues Lebensbild, einen neuen energischen und marck hat sich dem Verlangen danach, das bei seinem König sehr lebhaft war, aufs Aeußerste widersetzt, um den Friedensvertrag nicht mit dem Revanchebedürfnis des unterlegenen Teils zu belasten. Hatte er doch schon am Abend von König- grätz das neue Ziel aufgesteckt: „Jetzt gilt es, die alte Freundschaft wieder herzustellen!" Eine „alte Freundschaft" war nach dem siegreichen Kriege von 1870/71 nicht wieder herzustellen. Daß auf feiten des unterlegenen Teils ein starkes Bedürfnis nach Revanche zurückbleiben werde, mußte in Kauf genommen werden. Darüber hinaus aber den Vertrag mit Bestimmungen zu belasten, die Frankreich mehr zumuteten, als die Anerkennung der Tatsache, daß es den Krieg verloren hatte, hat Bismarck vermieden. Seine Forderung von 5 Milliarden Kriegsentschädigung, die von der Gegenseite zunächst als „ungeheuerlich" und „unmöglich zu erfüllen" bejammert worden war, erwies sich in der Folge als so maßvoll, daß Frankreich die ganze Schuld noch vor der festgesetzten Zeit mühelos abtragen und die Besatzungsfrist dadurch abkürzen konnte. So enthielt der Friedensvertrag nichts, was für die Ehre und das Selbstgefühl eines großen Volkes kränkend gewesen wäre. Ganz im Gegensatz dazu war das Versailler Diktat, das nach dem Weltkriege den endgülki- gen Frieden bringen sollte, mit Forderungen bepackt, deren Erfüllung „ultra posse“, über Menschenmöglichkeit ging. Die Folge davon war, daß der Vertrag, so wie er geschrieben war, von niemand ernst genommen wurde. Die Kriegsgewinnler wußten so gut wie die Unterlegenen, daß der Vertrag, so wie er war, niemals re ft los e r - füllt werden könnte, daß er also den Zustand des Friedens, den er angeblich wieder Herstellen sollte, ganz gewiß nicht bringen werde. Der Vertrag war eben, ohne Rücksicht auf das Können und den guten Willen des andern Vertragspartners, aufgezogen wie ein Privatvertrag, über dem eine höhere Instanz schwebt, die gegebenenfalls die Erfüllung erzwingt. Diese höhere Instanz aber sollte erst durch den Vertrag selbst geschaffen werden: es war der Völkerbund. Die Schaffung dieser höheren Instanz ging von der grundfalschen Voraussetzung aus, daß das vorwiegende, politische Interesse sämtlicher Unterzeichner des Vertrages — bekanntlich mehr als zwei Dutzend — ewig und unwandelbar darauf eingestellt bleiben wurde, die Erfüllung des Vertrages zu erzwingen. Diese privatrechtliche Auffassung hat sich bald genug als Irrtum herausgestellt. Das hat aber nicht etwa die Wirkung gehabt, daß der falsche Weg nun verlassen wurde. Im Gegenteil, das Bemühen ging dahin, die Vertragsteilnehmer durch immer neue Verträge privatrechtlicher Natur an das wankende Vertragswert zu fesseln. Bismarck hat geglaubt, in seinen Gedanken und Erinnerungen feststellen zu können: „In den meisten Fällen ist eine offene und ehrliche Poli« t i k erfolgreicher als die Feinspinnerei früherer Zeiten ..." Daß die „Feinspinnerei" noch eine solche Nachblüte erleben würde, wie sie die politische Schule des Versailler Diktats erzeugt hat, hätte! Bismarck sich auch nicht träumen lassen. Erst wenn die Welt das oerlorengegangene Unterscheidungsvermögen Zwischen Staatsvertrag und Privatvertrag wieder gewonnen hat, wird sie die formal-juristische „Paktomanie", die von Paris aus über sie verbreitet wird, überwinden können. Ganze Völker in die Maschen eines privatrechtlich gedachten Paragraphenwerkes einfangen zu wollen, ist ein vergebliches Bemühen, wofür der Ausdruck „Feinspinnerei" noch zu schonend gewählt wäre. t >1 d n d n l i. e c r ) i 1. 2. Sofort nach dem Wettbewerb gingen die deut- S ch l i ck u m auf ,5) e b o' >ie sich das Wirtschaftspolitische Umschau er bei m i n i st e r s für die beste Einzelleistung nant S ch l i ck u m zufiel. Das Ergebnis 0 8 11 8 8 8 Fehler, Fehler, Fehler. Wunsch, den Handelsverkehr mit Deutschland zu erweitern und in erhöhtem Maße deutsche Jn- dustrieerzeugnisse abzunehmen. Also auch hier ist der neue Geist der Handelsverträge Deutschlands durchgedrungen. an den Junkers-Werken, dieser Vertrag wurde damals von feiten des Reiches gelöst. Ws doch hartm Lebensstil zu erreichen. Die nationalsozialistische Revolution ist machtpolitisch heute vielleicht beendet, sie geht weltanschaulich kulturell aber jeden Tag weiter. Erst dann, wenn die (Ei n - beit von Weltanschauung und Kultur sich durchgesetzt haben wird in Deutschland, dann erst können wir dem Führer sagen, daß die nationalsozialistische Bewegung gesiegt hat." Professor Hugo Junkers f An seinem 76. Geburtstage ist Professor Hugo Junkers auf seinem Ruhesitz in Gauting bei München nach längerem Leiden verstorben. Hugo Junkers wurde am 3. Februar 1859 in Rheydt geboren. Er studierte in Berlin, Karlsruhe und Aachen. 1890 errichtete er in Dessau eine Versuchsanstalt für Gaskraftmaschinen. Fünf Jahre später erfolgte die Gründung der Firma Junkers & Eo., die sich mit der Herstellung von Warmwasser- und Heizapparaten befaßte. 1897 wurde Junkers zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule Aachen ernannt. Er hatte dort bis 1912 den Lehrstuhl für Wärmetechnik inne und war gleichzeitig Leiter des Maschinen-Laboratoriums I und II. Nachdem Junkers 1913 die Fabrikation von Doppelkolbenmotoren ausgenommen hatte, ergab sich bei Ausbruch des Krieges ohne weiteres für ihn die Möglichkeit der Herstellung von Flugzeugen. Das erste „Junkers Ganzmetall-Flugzeug" wurde 1915 fertiggestellt' 1919 erfolgte die Begründung der nunmehr weltberühmten „Junkers Flugzeugwerke AG." in Dessau. Trotz der Schwierigkeiten, die durch den Versailler Friedensvertrag dem deutschen Flugzeugbau erwuchsen und die auch in Dessau eine Stilllegung der Fabrik für ein Jahr zur Folge hatten, ist es Junkers gelungen, sein Werk zu einem der größten der Welt auszubauen. 1921 folgte die Errichtung der Abteilung „Luftverkehr" in Berlin, welche die ersten regelmäßigen Post- und Passagier- flüge durch Deutschland durchführte, 1924 in die „Junkers-Luftverkehr-AG." umgewandelt, und 1926 von der „Deutschen Lufthansa" übernommen wurde. Bis 1926 bestand noch eine Beteiligung des Reiches wobei vor allem die Einfuhr von Baumaterialien, Roheisen, Kraftwagen, Maschinen, halbfertigen Eisenwaren stieg, dagegen ging die Ausfuhr von Agrarprodukten zurück, und hier machte sich vor allem auf dem englischen Markt das Vordringen der Erzeugnisse der Viehwirtschaft der Dominions bemerkbar. Die Valutarestriktionen des dänischen Kontors haben dabei keine Rücksicht auf die Erfüllung laufender Einfuhrverträge genommen und vor allem die Verbindungen der dänischen mit den Hamburger und Berliner Häusern waren schwierig, und mit Verlusten verbunden. Dabei hatte Dänemark mindestens 50 000 Arbeitslose, eine für das Land erhebliche Zahl. sende Illustration zu unfern damaligen Ausführungen gibt.* In 100 sorgfältig auf Kunstdruckpapier wiedergegebenen Bildern, durchweg Augenblicksaufnah- men, zieht der Werdegang des späteren Gauleiters an uns vorüber. Wir sehen das schlichte Elternhaus mit weinumrankter Laube im heimatlichen Oberhausen, einem stattlichen, zwischen grünen Wiesen hingebreiteten Bauerndorf nahe bei Berazabern im gesegneten Grenzgau der Pfalz. Wir erhalten aus der den Bildern beigegebenen Schilderung, die mit Jakob Sprenger. Lebensbild eines Gefolgsmannes Adolf Hitlers. Berlin, 2. Febr. (DNB.) Der vorletzte Tag des 6. Internationalen Berliner Reitturniers brachte mit dem „Preis der N a t i o n e n", den Ehrenpreis des Führers und Reichskanzlers, dem der Führer selbst beiwohnte, den Höhepunkt des glanzvollen Turniers. Die SS.-Absperrmannschaf- ten, die den Auffahrtsweg zur Halle II säumten, hatten den Besuchern des Turniers und der Grünen Woche rasch verraten, daß der Führer kommen werde. So standen Tausende in den Zugangsstraßen. Die Halle selbst, die in ihrem prächtigen Schmuck der Fahnen und Girlanden, besetzt bis auf den letzten Platz, ein herrliches Bild bot, mußte polizeilich geschloffen werden. In der Ehrenloge sah man die Reichsminister von Blomberg, Dr. Goebbels, Graf Schwerin-Krosigk,Darre, Ministerpräsident Göring, dem Chef der Marineleitung Admiral R a e d e r , Staatssekretär Lammers, den französischen Botschafter Francois-Poncet und die ausländischen Reiteroffiziere, die an dem Tuner teilnehmen. Kurz vor 15 Uhr erschien, von brausenden Heilrufen empfangen, der Führer. Am Eingang der Halle wurde er von dem Präsidenten des Reichsoerbandes für Zucht und Prüfung deutschen Warmblutes, General a. D. von Poseck, und dem Hauptgeschäftsführer Kapitänleutnant a. D. Wolff empfangen und in die Ehrenloge geleitet, wo er die Offiziere der ausländischen Missionen begrüßte. Auf die Minute pünktlich begann dann nach dem Aufmarsch der Vertreter Frankreichs und Deutschlands, die je vier Pferde für den Kampf stellten, unter den Klängen der Nationalhymnen der beiden Länder der Hauptwettbewerb des Turniers, der „Preis der N a t i o n e n". Schon beim ersten Umlauf absolvierte Oberleutnant Deutschland, 19 Fehler, mit „Dedo", Oberltn. S ch l i ck u m , „Baccarat", Oberleutn. M o m m „Thora", Oberleutn. Kurt Hasse Frankreich, 24 Fehler, mit: „Ultor", Cap. Durand, „Trevoux", Leutnant B i z a r d, „Castagnette", Ltn. de B u s n e l In dieser Hinsicht lauten die Berichte aus fast allen Industriezweigen außerordentlich zuversichtlich. Die Abschlüsse der beiden Siemens- Gesellschaften z. B. zeigen eine erheblich erhöhte Produktionsleistung und einen größeren Reingewinn. Die Siemens & Halske AG. wird wieder eine siebenprozentige Dividende ausschütten können, während die Siemens-Schuckertwerke zum ersten Male seit vier Jahren einen finanziellen Ueberschuß ausweisen. Die Siemenswerke haben in letzter Zeit aus dem Auslande zwei neue große Aufträge erhalten: Sie werden sowohl in Mailand wie in Amsterdam eine große Derkehrssignalanlage bauen. Auch in anderen Zweigen der Wirtschaft scheint sich das Auslandsgeschäft allmählich zu beleben. So haben z. B. die Vereinigten Stahlwerke mit einer großen norwegischen Werft ein Kompensationsgeschäft abgeschlossen, auf Grund dessen sie 5500 Tonnen Spezialstahl im Austausch gegen 4000 Tonnen Walfischtran nach Norwegen liefern werden. Die deutsche Textilmaschinenausfuhr ist von 73,18 Millionen Mark im Jahre 1933 auf 77,16 Millionen Mark im Jahre 1934 gestiegen. Es geht auch im Außenhandel, wenn auch langsam, vorwärts. * z, .... ........ ),5 v. H., bei Mercedes-Benz um 13,4 v. H. und bei Adler um 32,5 v. H. Mag es auch leichtfertig erscheinen, schon im Januar auf das ganze Jahr 1935 Schlüsse für die Autoindustrie ziehen zu wollen, so deuten jedenfalls viele Anzeichen darauf hin, daß auch 1935 Optimismus für diese Industrie am Platze ist. Die im Februar stattfindende große Internationale Automobil-Ausstellung in -Berlin wird schon ein klares Bild ermöglichen. der Regimentsgeschichte. Der weitere Kriegsverlauf sieht den damals Verwundeten nach seiner Genesung auf dem russischen Kriegsschauplatz. Bis zum bitteren Ende ist er an der Front. In München wird er demobilisiert. Damals „fängt er an, entgeistert von den revolutionären Geschehnissen, wilde Bitterkeit im Herzen, an den Zentralpunkten der Stadt, in Nymphenburg, am Stachus, Marienplatz und Odeonsplatz, nationale Reden an das Volk zu halten .... Um dieselbe Zeit spricht auch der aus Riga eingetroffene Rosenberg verschiedentlich zur Menge. Die Männer kennen sich noch nicht, wie sie auch Hitler noch nicht kennen, der damals als Bildungsoffizier feine ersten rednerischen Versuche vor der Truppe machte." Wir sind auf diesen ersten Teil des Buches näher eingegangen, weil er in besonderem Maße geeignet ist, um den Menschen Jakob Sprenger aus einem Fehler, Fehler, Fehler. v»« k . . ... Bald hat er Gelegenheit, Umsicht und persönlichen hi ™11 ® a n e JJ1 a rJ Schneid vor dem Feinde zu beweisen. Der blutige d;- deutsche Ausfuhr hart getroffen worden durch von St. Eloi in Flandern bringt ihm als «- ?”U"9 des Va utagefetzes st,» (eine5 Regiments di- bayerische Goldene Tap. f,afte J’“r'8'n fcrteitsmebaille und eine ehrenvolle Erwähnung in Jahre für 1353 Millionen Kronen gegen 1265 Mil-' - • .... - ’ - - 7 - - Honen Kronen im Jahre 1933 eingeführt, es hatte also eine Mehreinfuhr, ein passive Handelsbilanz von 120 Millionen Kronen zu verzeichnen, Die Belebung der gesamten deutschen Wirtschaft, die durch die Mbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung hervorgerufen worden ist, hat erfreulicherweise bereits zu einer erheblichen Steigerung der Erzeugung und des Verbrauchs von elektrischem Strom geführt. Aus den bis jetzt bekanntgewordenen Produktionsziffern geht hervor, daß der Ausfall an elektrischer Stromerzeugung, der seit dem Jahre 1929 infolge der fortschreitenden Wirtschaftskrise eingetreten war, im Jahre 1934 f a ft gänzlich aufgeholt worden ist. Die Stromerzeugung von 122 Elektrizitätswerken, die von 15,6 Milliarden Kilowattstunden im Jahre 1929 auf 13,3 Milliarden Kilowattstunden im Jahre 1932 abgesunken war, stieg im Jahre 1933 wieder auf 13,5, imJcchre 1934 aber auf 15,3 Milliarden Kilowattstunden. Diese Feststellung des Statistischen Reichsamtes zeigt, daß die deutsche Elektrizitätswirtschaft an dem nationalen Aufbau, der in den letzten beiden Jahren durchgeführt worden ist, in hohem Maße teilgenommen hat. Der Führer auf -em BerlinerReitiurnier Deutschland gewinnt den Preis der Nationen. mit dieser Herausnahme Hultschins aus dem Reichsgebiet bezweckt, als Deutschland noch einmal durch die Tschechen zu demütigen, denen bereits vier Millionen Sudetendeutsche aus- denen bereits vier Millionen Sudetendeutsche aus- geliefert worden waren. Fünfzehn Jahre sind feit der Abtretung Hultschins verflossen, fünfzehn schwere und ernste Jahre für die Hultschiner. Wurden ihre nationalen und wirtschaftlichen Bindungen zum Reiche glatt durchschnittten, so sorgten die Tschechen auch sofort dafür, daß der Kampf gegen die deutschen Hultschiner und ihre Wirtschaft mit aller Macht aufgenommen wurde. Alle Hilferufe verhallten un^ehört, denn die Sieger wollten sich nicht an das Unglück erinnern lassen, das sie angerichtet hatten. Trostlos ist inzwischen die Lage aller sudetendeutschen Volksgenossen geworden, deren Ar- beitslose mit ausgemergelten Gesichtern herumlau. sen, deren Unternehmer Arbeiter nicht mehr beschäftigen können, deren Kinder unterernährt und krank sind. Ungehemmt wird die Ausbeutungspolitik fort« gesetzt. Gewaltige Steuerlasten ruhen auf den Schultern der Deutschen, aber jede wirtschaftliche Betätigung wird ihnen systematisch zugunsten in ungewöhnlich geschickter, ebenso sinnreicher wie eindrucksvoller Zusammenstellung gleichsam eine lau- * In der Mitgliederversammlung des Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikats wurde mitgeteilt, daß sich der arbeitslägliche Kohlenabsatz im letzten Jahre um 15,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und um 21.2 Prozent gegenüber dem Jahre 1932 erhöht hat. Die milde Witterung dieses Winters hat freilich im Januar 1935 wieder einen kleinen Rückschlag gebracht. Es ist jedoch zu hoffen, daß auch dieser durch die weitere Steigerung des industriellen Kohlenverbrauchs wieder ausgeglichen werden wird. Der milde Winter ermöglicht nämlich manchen Außen- berufen ihre Tätigkeit länger als sonst fortzusetzen und führt infolgedessen mittelbar auch zu einem Mehrbedarf an Kohlen für industrielle Zwecke. Vor allem aber gibt die steigende Beschäftigung der gesamten Wirtschaft dem Kohlenabsatz eine feste Stütze. 1934 war das Rekordjahr der deutschen Autoindustrie. Schon das Jahr vorher brachte eine erstaunliche Steigerung fabrikneuer Wagen, und so war man gespannt, ob sich diese Steigerung halten lassen werde; es hat sich gezeigt, daß mit rund 150 000 Neuwagen 1934 ein Rekord aufgestellt werden konnte, mit dem niemand gerechnet hatte. Der Anteil der ausländischen Firmen an der Autolieferung ist von 27,4 v. H. im Jahre 1928 bis auf 4,6 v. H. h Der Kampf um die Besserung der deutsch-däni- neuen Gesichtswinkel zu sehen. Sprengers (Eintritt scheu Handelsbeziehungen drehte sich vor allem um in den politischen Kampf an der Seite Adolf Hitlers die Kompensationsobjekte, und zwar für eine sittliche Wiedergeburt der deutschen Na- mußte das deutsch-dänische Abkommen vom 1. März tion, sein rücksichtsloser Einsatz für den Sieg des 1934 revidiert werden. Am 24. Januar 1935 ist Nationalsozialismus im Gau Hessen-Nassau, in dem eine Neuregelung erfolgt, die den ganzen er bald die politische Leitung übernimmt, sein tat« Handelsverkehr durch gemische Ausschüsse regelt, kräftiges und vielseitiges Wirken in der der natio- Sie bestimmen, welche Mengen ungeräucherten nalsozialistischen Machtübernahme folgenden Zeit des Schweinespecks, geschlachteten Geflügels, Schweine- Ausbaus des neuen Staats, der Festigung der schmalz, Butter, Eier und Käse nach Deutschland neuen Staatsidee, der Erziehung des Volkes zur ausgeführt werden und zu welchen Preisen, wäh- nationalsozialistischen Weltanschauung und vor rend Dänemark hauptsächlich und in gleichem allem Sprengers umsichtige, nie erlahmende Für- Maße deutsche Jndustrieprodukte einführt. Samt- f°r9c fuf bte Wirtschaftsbelebung in seinem struk- liche Zahlungen gehen auch auf dänischer Seite über tureü sonders schwierigen und konjunkturempfind- das Konto der Deutschen Reichsbank bei der Däni- Il$en ®eb,ct' das alles sind Vorgänge, die sich vor scheu Nationalbank. Da auf beiden Seiten guter a[Ier Augen abgespielt haben und in aller Erinne- Wille vorhanden ist, läßt sich hoffen, daß das Jahr ™ng Nnd. Von ihnen berichten die folgenden Seiten 1935 den Warenaustausch fördert. unseres Buches m anschaulich illustriertem Frage- unb Antwortwechsel, in Fahrtenberichten und programmatischen Kundgebungen. Schließlich wird Ebenso ist mit Irland ein neuer Handelsver- auch noch den ältesten Mitarbeitern des Gauleiters trag zustandegekommen, der vor allem die Aus- Relchsstatthalters und den aus seiner Schule fuhr Irlands'an Wolle, Häute, Vieh usw. nach ^he Stellen der Führung von Partei und Staat Deutschland besser regelt und der deutschen Aus- berufenen alten Kampfern ein besonderes Kapitel fuhr von Jndustrieerzeugnissen dient. Das Verhält- ^chlornett So gibt das Buch in dem ungemein ge= nie der deutschen Ausfuhr ist mit 3, der Ausfuhr Ichlckten Zusammenwirken von Wort und Bild eine von Irland nach Deutschland mit 1 angenommen. ^"?r^.^alle Schau von Persönlichkeit, Werdegang Gleichzeitig sind die handelspolitischen Besprechun- "sid Wirken des Mannes, den das Vertrauen des gen mit allen f ü d a m e r i k a n i s ch e n <51 a a» «ubrers an die Spitze des Hessengaus berufen hat t e n, die seit sechs Monaten von einer deutschen aad der, selber ein Mann des Volkes, sich auch das Delegation geführt wurden, abgeschlossen worden. -Vertrauen des Volkes zu erwerben verstanden hat. Sie hat durchaus mit (Erfolg gearbeitet. So kam es ------------ mit Chile zu einem neuen Handelsvertrag, mit * Woweries, R e i ch s sta t th a l te r G a u- Argentinien und Uruguay wurden die lei ter Sprenger. Ein Gefolgmann Adolf Warenaustauschbedmgungen gebessert mit Br a- Hitlers. 112 Seiten, 100 Bilder auf Kunstdruck' filien wurden Verhandlungen geführt, die vor papier. Kartoniert 2 Mark. — (647) allem die Rohstoffversorgung des deutschen Mark- , ,eruntergegan= gen. Die vier deutschen Hauptfirmen haben zusammen ungefähr Dreiviertel der Gesamtherstellung geliefert. Adler 6,8 v. H., Auto-Union 18,7 v. H., Mercedes-Benz 7,8 v. H. und Opel 39,8 v. H. Stieg der Gesamtumsatz um 62,9 v. H., so stieg Opel um 93,2 v. H., bei Auto-Union um 70, Der Landesbischof von Pommern gestorben. In der Nacht zum Sonntag verschied nach langem schwerem Leiden der Bischof von C a m - min, Karl Thom. Thom wurde am 20. März 1900 in Deutsch-Eylau (Westpreußen) geboren. Seine Studienzeit führte ihn nach Jena, Leipzig und Marburg. Nachdem er in Stettin die beiden theologischen Prüfungen bestanden hatte, wurde er am 3. 21 u g u ft 1924 ordiniert. Von 1925 bis zu seiner Berufung als Landesbischof von Pommern war er Pfarrer in Pustamin in Ostpommern. Seit dem 24. August 1933 bekleidete er auch das Amt des Präses der pommer- schen Provinzialsynode. Am9.Oktober 1933 trat er sein Amt als Landesbischof an. tes sichern, und zwar vor allem die deutsche Ab- nähme von Kautschuk und Rohbaum- 2>rOUCtfdG. wolle. Gerade in der Erzeugung dieser Rohstoffe ™ 1 ” hat Brasilien in den letzten Jahren große Fort- Am 4. Februar 1920 ging in Huttschin d i e schritte gemacht, ohne die entfnrechenbcn Abnehm-r Veichsflagge nieder, sie wurde durch die dafür zu finden. Die Weltwirtschaftskrise hatte biefe färben der eben erst ins Leben gerufenen tsche« Produktionsquellen in Brasilien nicht abgebroffelt Ichoslowakischen Republik ersetzt. Denn sondern noch gesteigert, weil die Anbauflächen nicht |0 hvtte man in Versailles bestimmt: neben anderen so schnell reduziert werden können wie der 2Iu5= ®eb^tcn hat Deutschland auch das Hult schi- stoß der Industrieländer in ihren Erzeugnissen. Die n G r Ländchen an die Tschechen abzutreten. Jr« Delegation stieß überall in Südamerika auf ben 9enbein sachlicher Grund für die Abtretung lag Wunsch, den Handelsverkehr mit Deut chland zu n,d>t vor, lediglich tschechischer Uebermut sollte zu- ..... “■ " frieden gestellt werden. Denn nichts anderes wurde „ . ,, , c , < r • ro.,. s , Aus Anlaß der erften Wiederkehr des Tages, da verkauften Halle einen fehlerfreien Ritt, und'auch Gauleiter Jakob Sprenger durch das Vertrauen des beim zweiten Umlauf konnte Schlickurn „Dedo Führers vorn damaligen Reichspräsidenten von fiin= fehlerlos über die Bahn steuern, eme Lei- aIs Reichsstatthalter in Hessen bestellt tung, b Mattern. afrdl.,saub. rächen iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin 21 jähriges LNadibeu d. schon i.Hansb. tätig war,sucktf. sof. od. 15. Febr. Stellei.gediegen. Hausb., a. liebst, b.älter.Ehepaar. Schr. Ang. unt. 684D a. d. G. A. Illlllllllllllllllllllllllllll Keine Ursprungszeugnisse, lonbern nur Zeugnisabschriften dem 8e- werbungsichretben bet- lkgen I — Lichtbilder undBewerbungsuntev lagen müssen zur Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Na- men und Anschrift des Bewerbers tragen I f.Nest.in Gießen ges. 10-15 Mk. Taschengeldwird gewährt.Lckrift- licheAng.u.678D an d. Gieß. Anz. Danksagung. Für die erwiesene Teilnahme bei dem Tode unseres Vaters spreche ich hiermit im Namen aller Hinterbliebenen unseren herzlichsten Dank aus. Anna Petri Gießen (Wetzsteinstraße 12), den 2. Februar 1935. ___________________________________________________________679 D Walltorstr.ZSp. 7 Räume, seither Badeanstalt, a. geeignet f. Büro, Lager evtl.Wohnung oder sonst passoe. Geschäfte per 1. März zu verpachten. 6siD 'August Balzer Braugasse 6. Laden zu vermieten. Näheres eesD SelterSweg 19. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen sagen wir hiermit innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Dutenhofen, den 5. Februar 1935. 683 D Wilhelm Jäger. stflöttoeatei Gießen 64öD Ti., 5. Febr., 20 b. 22.30 Uhr: 17. Dienst - Ab. Gewöhn!. Preise Ein Volksfeind. Schauspiel in 5 Akten von Henrik Ibsen. Verkäufe Ein Wurf starke Ferkel zu verkauf. 0449 Heinrich Petri Reinhardsbain. 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Die bereits fälligen Strom- und Gasgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat Dezember 1934 können noch bis zum 15. Februar 1935 ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Sperre auf Kosten des Abnehmers. Gießen, den 1. Februar 1935. 6760 Direktion der Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke^ Holzversteigerung Donnerstag, den 7. Februar 1935, vormittags 10 Uhr, in der Gastwirtschaft Louis Lich, Londorf. Aus den Forstorten Kahleberg, Katzengeheeg, Sickler, geheeg, Kirchgeheeg, Rinnwege, Steinberg, Dietrichswald, Gebrannte Eiche, Mittelburgerfsif, Stätte und Geiselstruth des Schuhforstes Rabenau werden versteigert: Ruhscheiter rm: Fichte 6. Ruhknüppel rm: Eiche 12 (Gartenpfosten), 10 (Weidepfähle), Fichte 1. Scheiter rm: Buche 200, Eiche 35, Fichte 28, Kiefer 2. Knüppel rm: Buche 380, Eiche 60, Birke 10, Kiefer 130, Fichte 50. Reisig rm: Buche 450, Eiche 20. Stöcke rm: Buche 4, Eiche 4, Fichte und Kiefer 20. 6770 Das mit 00 geschlagene Holz wird nicht versteigert. Nähere Auskunft erteilen die Herren Förster Kornmann, Londorf, und Kalb erlah, Rüd» dingshaufen. Londorf, den 2. Februar 1935. Hessisches Forstamt Rabenau.__ Manhlöccn von3 bis 20 v.H. erhalten Sie bei wieder- lidulllduuU holten Veröffentlichungen einer Anzeigei Nr. 29 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag, §.8ebruar1935 M- / E M ■ EWZ ■ V/s '< ÄÄBiiBl **< YC Die Winterschlacht in Masuren Marsch der Vernichtung. Sie bahnten sich einen Vom nationalen Schachturnier in Berlin Munn. Der größte Teil baoon bestand aus alten Landstürmern und Landwehren oder aus unerfahrenen Iungmannschaften. Die ungeheuren Strapa- Feuertaufe erhalten sollten. Es war der Auftakt zur dritten großen Masurenschlacht, durch Bogoljubow (rechts) tm Spiel gegen Sämisch — ein Bild von der ersten Runde des naHtr nalen Schachmeisterturniers, das gegenwärtig in Berlin ausgetragen wird. ten sich gegen die abrutschenden Schlitten, sie trieben keuchend die Gäule an, sie drangen unaufhaltsam vor mit Pickeln und Spitzhacken. Die Patrouillen erkundeten auf Skiern den Feind, kräftige Hunde Im Februar 1915 wurde die russische 10. Armee in der berühmten Winterschlacht in Masuren von den deutschen Truppen eingekreist und vernichtend geschlagen. Deutscher Soldatengeist, zäh, unbeirrbar und stählern, errang einen der gewaltigsten, aber auch schwierigsten Siege des gesamten Krieges. Die Winterschlacht in Masuren, die an alle Soldaten beispiellose Anforderungen stellte, wird für immer mit dem Namen Hindenburgs verbunden bleiben. Die Schreckensherrschaft der Ruffen. Der Kampf um die ostpreußischen Grenzgebiete währte monatelang mit wechselndem Glück. In der glorreichen Schlacht bei Tannenberg gelang es Hindenburg, einen überwältigenden Sieg zu erringen: Ostpreußen, die deutsche Provinz, über der die Brandfackel russischer Plünderungswut loderte, war frei! 92 000 Russen waren gefangen, 70 000 tot oder verwundet. In Königsberg und Thorn, in Allenstein und Osterode, überall ging ein befreiendes Aufatmen, ein Freudentaumel durch die Reihen der gepeinigten, ausgeplünderten Bevölkerung. Brausender Jubel erfüllte die Lande. Ins Riesenhafte wuchs mit einem Schlag der Name Hindenburg, dem die Befreiung aus unsäglicher Not und grauenvollem Elend zu danken war. Ostpreußen frei! Am 12. September 1914. Wie hatten die russischen Horden in diesem deutschen Grenzland gewütet! „Vorn ärmlichsten Dorfe bis yir wohlhabenden Stadt, von der einfachen Kate des armen Mannes bis zu dem mit Kunstschätzen gefüllten Edelsitze blieb nichts verschont, an das die Brandfackel überhaupt geworfen werden konnte", so schrieb als Augenzeuge der Provinzialkonservator Dethlefsen im „Zentralblatt der Bauverwal- tyng". Nach amtlichen Feststellungen zerstörten die Russen 24 Städte, fast 600 Dörfer und 300 Güter. 34 000 Gebäude wurden vernichtet, über 100 000 Wohnungen geplündert, 2000 Personen getötet oder mißhandelt, 10700 nach Rußland verschleppt. Gegen 400 000 mußten notgedrungen, um ihr nacktes Leben zu retten, Haus und Hof im Stich lassen und in die westlichen Provinzen fliehen. Die Viehbestände wurden geschädigt um schätzungsweise 135 000 Pferde, 250 000 Stück Rindvieh, 200 000 Schweine, 50 000 Schafe, 10 000 Ziegen, 600 000 Hühner und 50 000 Gänse. Ein gigantischer plan. Ostpreußen war in der Schlacht bei Tannenberg von den Russen gesäubert worden, aber um die Grenzorte tobte immer noch ein zäher, erbitterter Kampf. Da holte Hindenburg zu Anfang des Jahres 1915 zu einem vernichtenden Schlage aus. Ohne daß die Russen eine Ahnung hatten, begann er seine Vorbereitungen .zu der gewaltigen Einkreisung und restlosen Vernichtung des Feindes in aller Stille und in einem überraschend schnellen Tempo. Die Russen, die in stark verschanzten Stellungen lagen und dem Bewegungskrieg aus dem Wege gingen, bauten auf die Härte des russischostpreußischen Winters: es schien ihnen heller Wahnsinn, die taktischen Operationen und umfassenden organisatorischen Maßnahmen des deutschen Generals bei diesem mörderisch kalten Klima in einem so weglosen und heimtückischen Seen- und Sumpfgebiet zu verwirklichen. Die Kälte schnitt den Soldaten wie mit Messern ins Gesicht. Ein eisiger Orkan fegte Tag und Nacht über das dicht verschneite Gelände. Wege und Schützengräben versanken unter den lastenden, windverwehten Schneemassen. Halb erfroren, mit steifen, Hindenburgs gigantische Leistung. — Vernichtung der Russen und Befreiung Ostpreußens vor 20 Jahren. 23 on Or. W. Hillbring V l *■ v U 1 **• v 14 | • * 11 | " ** *■ ^*7 । «wVU V | vXj U v l v l 111 t U I ** l» V l itv 11 | • **) V 1l1* 11 die Ostpreußen endgültig von den Russen befreit Weg mit Schaufeln und Schneepflügen, sie sternrn- wurde. Hindenburg verfügte über 250 000 zen der Umgehungsmärsche stellten an die Truppen fast unerfüllbare Anforderungen. Die Deutschen bissen die Zähne zusammen, ließen nicht locker, übertrafen sich selbst. Heiliger Zorn trieb sie ungestüm gegen den Feind, der ihre Heimat, ein Stück deutscher Erde, erbarmungslos vernichtet hatte. Sie hatten nur den einen Gedanken: Vergeltung! Hindenburg führt uns! Das Blut unserer Brüder schreit gen Himmel! Dieser Gedanke gab ihnen die Kraft, dem Gespenst der Kälte zu trotzen. Er wärmte ihre Glieder, befeuerte ihren Geist, riß sie immer wieder hoch, wenn sie stöhnend in den Schnee sanken und ihnen die Kräfte zu verlöschen drohten. Neun Tage tobte der Orkan, der die Russen hinwegfegte. Ueberrumpelt, aus der Lethargie ihres Winterschlafes durch wütende Sturmangriffe der Deutschen mit einem Ruck herausgerissen, wehrten sie sich verzweifel oder ergriffen, von wahnsinniger Angst gehetzt, Hals über Kopf die Flucht. Das deutsche Artilleriefeuer kannte kein Erbarmen. Krachend zerbarst da und dort die Eisdecke unter dem Feuerhagel der deutschen Geschütze, Hunderte und Tausende von fliehenden, zu Tode gehetzten Russen versanken und ertranken mit Mann und Maus in den eisigen Fluten. Tausend wurden, in dichten Knäueln von allen Seiten eingeschlossen, reihenweise niedergemäht, Tausende verkrochen sich in die Wälder, Tausende ließen sich freiwillig gefangennehmen. Der stürmische, alles überrennende Vormarsch der Deutschen war eine Offensive auf Tod und Leben. Sie trotzten dem furchtbaren Schnee- st u r m, der ihnen die Haut zerriß, sie wateten in phantastischen Eilmärschen durch die unendlichen Schneemassen. Die Kälte war ihr grimmigster Feind. Der Schnee suchte ihren Schreckenslauf zu hemmen: vergeblich. Wohl versanken da und dort die Wagen, wohl brachen Hunderte erschöpft zusammen und blieben erfroren liegen, wohl knickten die zu Tode ermatteten Pferde zu Dutzenden in den Schnee, aber das Gros vollendete den grauenhaften blutleeren Gliedern lagen die Leute in ihren Gräbern Wer von den Russen dachte in dielen Wintertagen im Ernst an die Möglichkeit einer Ueberrumpelung! Und dennoch: Hindenburg hatte sich entschlossen, Ernst zu machen. Ein kühner Plan wurde bis in die kleinsten organisatorischen Einzelheiten ausgearbeitet. Mitten im Grauen eines barbarischen Winters plante man einen Bewegungskrieg von unvorstellbaren Ausmaßen in Szene zu setzen, die ahnungslosen russischen Truppen, die eine Front von 165 Kilometer besetzt hielten, von allen Seiten einzukreisen und bis zur völligen Vernichtung durch das festgefrorene Sumpfgebiet der Masurischen Seen zu verfolgen. Grauenhafte Kämpfe in See und Sumpf. Unvergeßlich wird diese Schlacht bleiben für ewige Zeiten, die Kämpfe bei E y d t k u h n e n und Wir- ballen, die Verfolgung der Russen, ihre endgültige Vernichtung... In den ersten Tagen des Februars trafen an der Front die ersten deutschen Verstärkungen ein. Die Vorbereitungen zu der großen Ueberrumpelung vollzogen sich mit unheimlicher Präzision und fabelhafter Geschwindigkeit. Es klappte wie am Schnürchen, großartig war die Organisation. Man hätte frische, junge Regimenter zur Verstärkung herangeholt, die in diesem grimmigen Winter ihre v. M in ,,s7' - 4XÄK -/A 3 ■ ■ ■ Eine besonders anziehende Prüfung des Berli« ner Reitturniers war die Junioren- Prüfung. In der Abteilung A siegte Rosemarie Seydel aus Halle, der — wie unser Bild zeigt — Ministerpräsident Göring persönlich den Preis überreichte. Der jüngsten Teilnehmerin dieser Prüfung, der siebenjährigen Jngeborg Pickhahn (vorn), übergab er einen Sonderpreis für ausgezeichnete Leistungen. — Rechts hinten (in Zivil) der Vorsitzende des Reichsverbandes für Zucht und Prüfung deutschen Warmblutes, General der Kavallerie a. D. von P o f e ck. zogen die Proviantschlitten. Soldaten, die nicht mehr weiter konnten, wurden oft an Kanonen gebunden, damit sie nicht liegen blieben. Nur ein Gedanke galt; ran an den Feind! Ran an die Plünderer und Schänder Ostpreußens! Die Flucht in den Tod. Zu Tausenden fanden die Russen auf irrsinniger, planloser Flucht den Tod. Die Leichen häuften sich, sie lagen ineinander verknäuelt auf den Eisflächen der Seen und in den Wäldern. Das Tauwetter, das plötzlich hereingebrochen war, hatte das Land in sumpfigen Morast verwandelt. Durch den graugelben, zähklebrigen, halbgefrorenen und halb aufaeweichten Schnee kämpften sich die deutschen Sowaten durch. Die Russen flohen in alle Winde wie eine auseinanderstiebende Herde. So vollzog sich z. B. bei Kalwarja die Flucht in acht nebeneinander herrasenden Wagenreihen! Die deutschen Granaten und Schrapnells platzten ununterbrochen in diesen Tumult einer verwirrten, kopflosen, planlosen Auflösung. Hie und da erbitterter, verzweifelter Widerstand russischer Soldaten! Offiziere erschießen sich aus Beschämung, eine Handvoll deutscher Soldaten nimmt Dutzende bewaffneter Russen gefangen, ein Tohuwabohu auf der ganzen russischen Front. Nüchterne Zahlen melden die V e r l u st e der Russen. Gefallen: 3 Generale, 11 Obersten, 19 Majore, 297 Hauptleute, 403 Leutnants. Verwundet: 10 Generale, 32 Obersten, 57 Majore, 381 fyauptteute, 1107 Leutnants. Vermißt: 10 Obersten, 28 Majore, 211 Hauptleute, 381 Leutnants. Das war die große Masurenschlacht! Einer der eindrucksvollsten und größten Siege der Welt- Unterwegs. Von Otto Karsten. Der Umstand, daß Michael selten reiste, bewirkte in ihm heute eine lebhafte Stimmung von erregter Unternehmungslust. Bewußt ward es ihm freilich kaum ober eben erst, als er sich in einer blitzenden Sekunde entschloß, just hier, in dieser kleinen Stadt irgendwo, den Zug zu verlassen. Dem Mädchen, das im Abteil seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, folgte er, nahm in sich selbst eine weitere Hürde und sprach es nach wenigen Schritten an. Sie schrak ein klein wenig zusammen und verbarg kaum ein reizvolles Entsetzen, gab ihm indes nicht ganz unfreundlichen Bescheid, diesem „Landfremden". Verzeihung, er fei landfremd und finde den Ort nicht, den er suche, wenn er da nun sozusagen um Auskunft bitten dürfe, und so weiter. Das Mädchen war blond und zierlich, eine Handvoll Anmut, und mußte zu ihm aufschauen mit erstauntem und zaghaftem Blick, um ihn alsbald benommen niederzuschlagen; denn Michael war dunkel, groß und so viel erhabener als sie. Sehr wehrlos schien sie und war doch, wie sich erwies, hier zu Hause und bewandert, wegkundig und bekannt. Und nun handelte es stch um jenen ragenden Hügel mit dem sonderbaren Turm, einem noch nicht dagewesenen Turmbilde; das war also ein Aussichtsturm. Ja eben, und den wollte Michael ersteigen; denn weithin berühmt sei die Pracht dieser Landschaft mit ihren Erhebungen und Wässern, die zu Tale rinnen und die Erde fruchtbar machen, und dergleichen mehr. Michael drückte sich in der Tat einigermaßen hochtrabend aus zum Preise der also gebenebeieten Natur, nachbem er vernommen, wie bas Mäbchen, bessen Namen er gewiß halb kennen würbe, in frommer Einfalt biese Heimat liebte. Unb wahrhaftig, es war alles in allem ein gefegne- ter Tag von herber Klarheit unb leicht unb geheimnisvoll verhangenem Horizont, glückhaft vor allem aus Michaels eigenster Macht, wie es erschien, es gebieh ihm ja boch, aus einem Eisenbahnzug mitten in träumerische Verhältnisse zu treten, allein dank eines schnellen unb jungen Entschlusses. 2Iud) bas Mäbchen schien zugleich unter einem garten Schleier trotz allem verborgen zu bleiben, ment einmal ihre leise unb langsame Stimme schien ganz menschlichem Klang zu gleichen. Aber wer wußte, was es bamit auf sich hatte, unb ob er selbst nicht ein wenig verrückt unb wunberlich war! Ueb- rigens verhielt es sich richtig so unb war nicht anders zu wünschen, nein gerabe zu wünschen blieb vor biefer ünben Gegenwart nichts, bas eben war wohl ihr höheres Wesen. Unb Michael entsann sich nicht, oft ben Dingen so wunschlos nah unb anver- traut gewesen zu sein wie jetzt. Zubern war bieses Mäbchen, das Toni hieß, von einer zauberischen Fügsamkeit unb Artigkeit. Es war schwer, zu benken, wie Toni überhaupt unter natürlichen unb alltäglichen Bewanbtmssen ftünbe, etwa als häusliche Hilfskraft ber Mutter ober kaum entwachsener Zögling von Erziehern. Unb so war es im Grunbe kaum ein Gespräch, bas beibe, gleichwohl destänbig fragenb unb entgegnenb, mitein« anber führten, es fei benn eine kinblich erfunbene Geheimsprache, in deren Äußerungen es stets um anberes ging als, was sie besagten. Mit seiner leicht belegten unb jetzt sehr behutsamen Stimme fragte etwa Michael: „Gibt es hier zum Beispiel eine Garnison? Ich meine so Soldaten unb bergleichen Mannsvolk unb Betrieb, Tanz unb Musik?" „Ach nein", erroiberte Toni seitlich auf- blüfenb unb scheinbar äußerst bestürzt, „wo benken Sie wohl hin! Allerbings einen Arbeitsbienst boch, wenn Sie so etwas auch meinen." So ’o, einen Arbeitsbienst boch. Michael pfiff dabei durch bie Zähne, in Wahrheit ohne jebe Bebeutung unb nur so. Toni inbes wünschte nun ihpe Angabe zu vervollstänbigen ober berichtigen, ba sie bes Fremden Mißfallen zu erregen schien, sie plauberte ausgiebig über das Arbeitslager, dem ja nichts Schlimmes nachzusagen war. Doch Michael erkundigte sich bereits nach anderem, ob sie vielleicht größere Städte kenne unb woher sie benn heute gekommen sei. Unb Toni kannte wenigstens eine ziemlich große unb in mancher Hinsicht bedeutende Stabt, eben daher kam sie heute; sie erlernte bort nämlich bas Hanbwerk und bie Kunst bes Damenschneiberns. Sie war sogleich erfüllt von jeder Anregung, allerlei zu erzählen: unb so fügte es sich, daß sie Michael zum Aussichtsturm geleitete. Beibe stiegen gemächlich, bisweilen stehen bleibend unb Umschau haltenb, hinan unb erklommen schließlich bas hölzerne Gerüst, das eine windschiefe Sitzgelegenheit frönte. Es war so weit gekommen, baß Toni bang eingeftanb, sie werbe zwar daheim erwartet, boch sei biefer „Fall" wohl eine begründete Ausnahme, für bie sie jebe Weiterung auf sich nehme. Im übrigen seien ihre Eltern keine Unmenschen, vielmehr umgänglich unb gut zu ihr, biefer Tochter Toni, bie hier bem Frembling, ben ber Ruhm ihrer Heimat von weit her gezogen hatte, nun das runbe unb bunte Panorama, berftenb vor heimlichem Eifer, erläuterte. Ja, ja, aha unb viel Staunen unb Be- munberung, oh, Michael war ein mehr als dankbarer Hörer unb Betrachter, war geradezu versunken in diese vom Himmel hergewehte Stunbe unb alles ringsum. t Aber enblich wandte er sich vom lockenben Umkreis ab unb Toni zu, er lauschte unb blinzelte vage vor sich hin unb Hub, als sie verstummen wollte unb leis wurde wieder vor Verzagtheit, an: „Ja, mein kleiner Ausflug hat sich ja schönstens gelohnt, wirklich. Ich banke bir, kleine Toni, bu sanftes unb williges Kind. Du bist so freunblich, ja, siehst bu." Fertig und weiter nichts; vielmehr war Trauer unb Gewölk über ihn gekommen, wie er ba saß unb unverhofft beschenkt warb. Er war ja nicht leicht zu Liebe, Glauben unb derlei Anwanblungen bereit unb pflegte im allgemeinen ein strenges unb abweisenbes Gehabe. Es hätte inbes seiner Natur nicht burchaus wibersprochon, wenn er ber Toni ben berebten Munb anbers verschlossen hätte als burch einen von fernem Ernst beschatteten Blick. Wie- war es nun möglich, daß unter ihm bas Mädchen sogleich ihrer Angst und Befremdnis enthoben ward und nichts geringeres zu tun liebte als zu lächeln! Sich selbst und ihn lächelte sie aus einer dämmerigen Verstrickung heraus und befreite so still und mild den Augenblick von seinem dunklen Zwang. Michael erfuhr eine kleine Erleuchtung gleichsam vor dieser Unschuld; denn einer höheren Unschuld als nur leiblicher ahnte er sich hier gegenüber und lobte sich Plan ober Zufall so träumerischer Fahrt. Er fühlte also eine gute Gesinnung für Toni in sich aufsteigen unb fanb es nicht schwer, ihr zu gehorchen. Noch immer lächelte sie ja, unb gütlich erleichtert lächelte nun auch er. Er nahm ihre weiße Hanb zu törichtem Gespiel in die seine und murmelte: „Weißt du, Toni, ich bin manchmal etwas kindisch. Und so freue ich mich jetzt über dich. Ich könnte es im Augenblick nicht anders ausdrücken. Uebrigens sollten wir nun wohl gehen. Vielleicht erreiche ich gerade den nächsten Zug, was meinst du?" Ja, den würde er womöglich erreichen, sofern man sich recht beeilte. Daher mußten sie beide den Rückweg mehr laufend und stolpernd als würdevoll schreitend nehmen; und Michael schien der Toni überhaupt am Ende weit jünger unb harmloser als am Anfang. Doch ba war nun nicht mehr viel zu bebenken; benn kaum daß er sein Abteil betreten unb eben noch das Fenster geöffnet hatte, setzte sich der Zug schon in Bewegung. Eine Weile winkten beide einander noch zu, bis sie sich in einer jähen Biegung des Gleisstranges aus den Augen verloren. Späte Aufklärung eines Justizirrtums. Im November 1914 lag das französische Dorf Loos-en-Goelle im Feuer deutscher Geschütze, war aber noch nicht von allen Einwohnern verlassen. Ein Mädchen wollte bes Abenbs von einem Hause aus Lichtsignale bemerkt haben unb melbete bas. Ein Kriminalbeamter untersuchte bas Haus, in bem eine Arbeiterfamilie wohnte, und fand im Bett eine Petroleumradfahrlampe. Der Vater der Familie wurde verbannt, die Mutter starb nach fünf Jahren im Zuchthaus, die beiden Söhne kamen ins Gefängnis, wurden aber später wieder freigelassen. Sie haben das Wiederaufnahmeverfahren erreicht, wobei sich ergab, daß eine Spionage mit Lichtsignalen nach dem Morsesystem schon deshalb ausschied, weil in der ganzen Familie niemand lesen und schreiben konnte, auch wäre das Licht des Petroleumlämpchens bei, der Entfernung der deutschen Truppen zum Signalisieren nicht ausreichend gewesen. Das französische Militärgericht, das 1914 das Urteil über bie Familie aussprach, stanb offenbar im Banne ber Spionen- furcht, bie bas ganze Volk bamals ergriffen hatte. Die Arbeiterfamilie war burch bas Verhör, bem man sie unterzog, so eingeschüchtert, baß man sie für überwiesen hielt. Der Vater lebt noch in ber Verbannung in Guyana unb hofft, halb bie Heimreise antreten zu können. Hochschulnachrichten. Professor Dr. Friebrich Koch, Extraordinarius an der Universität Frankfurt, hat einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für Innere Medizin an der Universität Tübingen erhalten. Professor Dr. Heinrich Stoll, ordentlicher Professor für Bürgerliches Recht an ber Universität Tübingen, hat einen Ruf an bie Universität Leipzig erhalten. Professor Dr. Hans Blunck, ao. Professor an ber Universität Kiel, hat einen Ruf auf ben Lehrstuhl für Pflemzenkrankheiten an ber Universität Bonn erhalten. Im Alter von 59 Jahren ft a r b in Halle D. Dr. Hans Hahne, ber ordentliche Professor für Volk- heitskunbe an ber Universität Halle. Professor Hahne war ber Begrünber bes Museums für beutsche Volkheitskunbe, das unter feiner Leitung zunächst unter bem Namen ber „Lanbesanstalt für Dor* gefchichte ber Provinz Sachsen" in Halle entstand. Professor Hahne ist damit einer der bedeutendsten wissenschaftlichen Vorkämpfer für Volkstum unb Rassenibes gewesen. geschichte. Hindenburgs geniale Feldherrnkunst hatte abermals auf der ganzen Linie triumphiert. Unsterblich das Berdienst der tapferen deutschen Kämpfer! Sie kämpften bis zur Erschöpfung für ihre deutsche Heimat, sie ließen ihr Leben für das eine Wort: Ostpreußen. Der Heeresbericht. „In der neuntägigen Winterschlacht in Masuren", so meldete die Oberste Heeresleitung vom 16. Febr. 1915, „wurde die russische 10. Armee, die aus mindestens elf Infanterie- und mehreren Kaoallerie- divisionen bestand, nicht nur aus ihren stark verschanzten Stellungen östlich der Masurischen Seenplatte vertrieben, sondern auch über die Grenze geworfen und schließlich in nahezu völliger Einkreisung vernichtend geschlagen. Nur Reste können in die Wälder östlich von Suwalki und von Augu- stowo entkommen fein, wo ihnen die Verfolger auf den Fersen sind. Die blutigen Verluste des Feindes sind sehr stark, die Zahl der Gefangenen steht noch nicht fest, beträgt aber sicher weit über 50 000. Mehr als 40 Geschütze und 60 Maschinengewehre sind genommen, unübersehbares Kriegsmaterial ist erbeutet. Der Sieg wurde durcb Teile der alten Osttruppe und durch junge, für diese Aufgabe herangeführte Verbände, die sich den altbewährten Kameraden ebenbürtig erwiesen haben, errungen. Die Leistungen der Truppen bei Ueberwindung widrigster Witterungs- und Wegeverhältnisse im Tag und Nacht fortgesetzten Marsch und Gefecht gegen einen zähen Gegner sind über jedes Lob erhaben. Generalfeldmarschall von Hindenburg leitete die Operationen, die von Generaloberst von Eichhorn und General der Infanterie von Below in glänzender Weise durchgeführt wurden, mit alter Meisterschaft." .Die Verfolgung der Russen nach der Winterschlacht in Masuren brachte reiche Beute. Bei der Säuberung der Wälder nordwestlich von Grodno und bei den Gefechten im Bobr- und Narewgebiet wurden ein kommandierender General, zwei Divisionskommandeure, vier andere Generale und annähernd 40 000 Mann gefangen, 75 Geschütze, eine Anzahl von Maschinengewehren und viel Kriegsgerät erbeutet. Die Gesamtbeute aus der Winterschlacht stieg damit auf sieben Generale, über 100 000 Mann, über 150 Geschütze und unübersehbares Gerät aller Art. Die Masurenschlacht war gewonnen, die 10. Armee des Generals Baron Sievers völlig vernichtet! Der Ausbau der Zagdbehörden in Hessen. LPD. Darmstadt, 3. Febr. Der Landes- jägermeister für das Land Hessen, Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger, hat am 30. Jan. 1935 folgende Ernennungen ausgesprochen: Stellvertreter und Stabsleiter: Oberforstmeister Karl Schlich zu Darmstadt, Hessisches Staatsministerium; Kommissarischer Gaujägermeister für die Provinz Oberhessen: Oberforstmeister Karl Nicolaus zu Gießen; Kommissarischer Gaujägermeister für die Provinzen Starkenburg und Rheinhessen: Oberforstrat Reinhold Maul zu Darmstadt, Hessisches Staatsministerium. Zu kommissarischen Kreisjägermeistern wurden bestellt für die Kreise: I. Provinz Oberhessen: Alsfeld: Förster Peter N i ch t b e r g zu Strebendorf (Oberhessen); Büdingen: Landwirt Otto Koch zu Aulen- diebach (Kreis Büdingen); Friedberg: Apotheker Wilhelm S a m e s zu Friedberg (Hessen); Gießen: Oberforstmeister Karl Nicolaus zu Gießen, Stephanstraße 4; Lauterbach: Forstassessor Gerhard Münch zu Alsfeld (Oberhessen); Schotten: Oberforstmeister Karl D e u st e r zu Schotten (Forstamt). II. Provinz Starkenburg: Bensheim: Forstrat Albert Bechtel zu Jugenheim a. d. B- (Forstamt): D a r m st a d t: Oberlandesgerichtsrat Otto Hildebrand zu Darmstadt, Heinrichstraße 90; Dieburg: Forstmeister Emil Vogt zu Groß- Bieberau (Forstamt); Erbach: Forstdirektor Otto Westermacher zu Beerfelden i. £).; Groß-Gerau: Landwirt Karl R o t h m a n n zu Erfelden (Ried); Heppenheim: Forstmeister Rudolf Klump zu Waldmichelbach i. O. (Forstamt); Offenbach: Forstrat Emil Brill zu Offenbach, Geleitstraße 225. III. Provinz Rheinhessen: Alzey: Forstmeister Wilhelm Nebel zu Bibel? (Forstamt); Bingen: Forstrat Adolf Klamm zu Bingen (Forstamt); Mainz und Oppenheim: Oberregierungsrat Eugen Blümers zu Mainz (Provinzialdirektion); Worms: Bürgermeister Georg Stamm zu Hohensülzen (Rheinhessen). irtschast. Oie Einzelhandelsumsätze im Dezember. Nach den jetzt vorliegenden Berechnungen der Forschungsstelle für den Handel waren infolge vorweggenommener Verkäufe in den vorhergehenden Monaten die Dezemberumsätze nur um 6 v. H. höher als 1933. Im Durchschnitt des 4. Vierteljahres 1934 waren die Umsatzsteigerungen genau so groß, wie in den ersten neun Monaten (12 v. H.). Von der 6proz. Steigerung seit 1933 entfällt anscheinend knapp ein Drittel auf Preiserhöhungen, gut zwei Drittel aus Mengen- und Qualitätssteigerungen. Von den einzelnen Handelszweigen hatte der Lebensmittelfachhandel eine Umsatzzunahme von 3,5 v. H. (Preissteigerung 1 v. H.). Im Textilfachhandel betrug die Zunahme knapp 9 v. H. bei reichlich 7 v. H. Preissteigerung, was zum Teil auf die milde Witterung zurückzuführen sein dürfte.'Das zeigt auch der Verlauf der Umsätze in Sportartikeln und -bekleidung, die nicht über das Vorjahresniveau hinausgingen und — nach den vorliegenden Teilergebnissen — der Schuhhandel mit einem Umsatzrückgang um ein Neuntel gegenüber Dezember 1933. Im Hausrathandel sind die Veränderungen der Umsatzzunahme, soweit bisher übersehbar, geringer, nur bei Haus- und Küchengeräten ging die Umsatzsteigerung auf 4,5 v. H. zurück. Der Handel mit Uhren, Gold- und Sildermaren hatte ein aünstiges Weihnachtsgeschäft (Umsatzzunahme ein Viertel). Im Durchschnitt des Gesamtjahres beträgt die Umsatzzunahme 12 v. H., gegenüber 1933. Am stärksten war der Umsatzzuwachs bei Kraftfahrzeugen (45 v.H.). Es folgen die verschiedenen Zweige des Hausrathandels (rund 20 bis 40 v. H.) und der Uhrenhandel (20 v. H ). Im Textilfachhandel beträgt die Steigerung für das Gesamtjahr knapp 18 v. H. (Viertel Preissteigerung). Lebensmittel- und Schuhwarengeschäfte hatten nur eine Steigerung von rund 5 v.H. zu verzeichnen. Im Vergleich mit 1930 hat gleichwohl der Lebensmittelfachhandel von seinen Umsätzen noch etwas weniger eingebüßt (20,6 v. H.) als der Bekleidungshandel (22,9 v. H.). Der Möbelhandel liegt wertmäßig um ein Achtel, Glas- und Porzellangeschäfte und Drogerien fast noch um ein Drittel unter dem Umsatzstand von 1930. Die Kaufhausumsätze blieben 1934 um etwa 35 v. H., die Warenhausumsätze um mehr als 40 v. H. hinter dem Wert von 1930 zurück. Günstiger Verlauf der Zinskonversion. Ein Zwischenbericht der Emissionsinstitute über das bisherige Ergebnis der Zinsermäßigung bei mit 6 v. H. und mehr verzinslichen Pfandbriefen, Kommunal-Obligationen und verwandten Schuldverschreibungen zeigt, daß bisher nur in verschwindendem Maße Proteste eingegangen sind, was bei der günstigen Ausstattung des Umtauschangebotes nicht anders zu erwarten war. Aprilkupon wird noch voll honoriert. In Kreisen der Besitzer von Pfandbriefen, Kommunalobligationen und verwandten Schuldverschreibungen besteht vielfach die Ansicht, die Zinssenkung der bisher mit 6 o. H. und mehr verzinslichen Werte auf 41/2 v. H. erstrecke sich bereits auf den am 1. April fälligen Zinskupon. Es ist darauf hinzuweisen, daß dieser Kupon noch voll zu dem alten Zinssatz von jährlich 6 0. H. honoriert wird und daß ihm außerdem der Umtauschbonus von 2 v. H. anhaftet. Dadurch verzinst sich praktisch auch das konvertierte Papier bis zum Herbst 1936 mit dem bisherigen Zinssatz von 6 v. H. Neuregelung der Mehlpreise Wie die „Landware" mitteilt, geben die Getreidewirtschaftsverbände eine Anordnung bekannt, wonach die Festsetzung der Mehlgroßhandelspreise, die bisher von den Getreidegroßmärkten erfolgte, in Zukunft von den Getreidewirtschaftsverbänden vorgenommen wird. An die Einhaltung dieser Mehlgroßhandelspreise sind die Mühlen geounden, wobei hinsichtlich der zulässigen Unterschreitung, der Auf- bzw. Abschläge für andere Typen und der Verkaufsbedingungen die bisherigen Vorschriften der Wirtschaftlichen Vereinigung der Roggen- und Weizenmühlen maßgebend sind. Wenn auch der Wortlaut der Anordnung der Getreidewirtschaftsverbände Baden, Bayern und Württemberg noch nicht veröffentlicht ist, so teilt das amtliche Organ des Reichsnährstandes doch mit, daß die Roggenmehlpreise hier unverändert, die Weizenmehlpreise im Südwesten dagegen etwas stärker erhöht werden bzw. ab 1. 2. 1935 wurden. Die neue Mehlpreisregelung bringt außerdem den notwendigen Ausgleich der Mehlpreise, immer unter dem Gesichtspunkt, daß eine Steigerung der Brotpreise unter keinen Umständen eintreten darf. Die Härten, die sich durch das Festbalten der Brotpreise in manchen Gegenden für das Bäckergewerbe ergeben haben, sollen durch einen Mehl- Preisausgleichsfonds ausgeglichen werden, aus dem in geeigneten Fällen Zuschüsse zur Verbilligung der j Mehlpreise für das Bäckergewerbe gewährt werden. Es sei wohl anzunehmen, daß in Kürze im Anschluß an die jetzige Neuregelung der Mehlpreise auch eine Neuregelung der Äusgleichsabgaben der Mühlen erfolgt, worüber Einzelheiten jedoch noch nicht bekannt find. Der neue Llmon-Dertrag zwischen HapagundRorddeutscherLloyd Die Aufsichtsräte von Hapag und Lloyd haben in ihrer in Hamburg abqehaltenen Sitzung am 1. Februar 1935 dem Zwischen den beiderseitigen Vorständen vereinbarten neuen Union-Vertrag ihre Zustimmung erteilt. Der neue Vertrag übernimmt die Bestimmungen des alten Unionvertrages, soweit sie sich auf den Ausschluß ungesunden Wettbewerbes durch Fahrplan-, Schiffseinsatz- sowie Passage- und Frachtwerbungsverständigung und die gegenseitige Förderung der Hafeninteressen Hamburgs und Bremens beziehen. Die gemeinschaftliche Betätigung beider Linien wird sich jedoch auf die großen Verkehrsgebiete beschränken, während die kleineren Dienste zwischen beiden Gesellschaften als Einzeldienste aufgeteilt sind, die von jedem der beiden Unternehmen selbständig betrieben werden. Der Vertrag sieht noch eine Bereinigung der aus dem bisherigen Poolabrechnungsverhältnis entstandenen Verpflichtungen der Hapag vor. Die Vorstände beider Gesellschaften werden wiederum getrennt werden, indem die wechselseitige Zugehörigkeit, sowie sie noch besteht, aufgehoben wird. Dagegen wird als gemeinsames Bindeglied der Aufsichtsrat personengleich bleiben. Die Vertragsdauer ist auf 15 Jahre, beginnend mit dem 1. Januar 1935, bemessen. Mein-Mainische Mittagsbörse. Tendenz freundlich. Frankfurt a. M., 2. Febr. Unter dem Eindruck günstiger Jndustrienachrichten blieb die Grundtendenz auch an der Wochenschlußbörse fest. Sowohl der Abschluß der Reichskredit-Gesellschaft mit 6 (i. V. 5 v. H.) Dividende, als auch die erhebliche Absatzsteigerung bei Ruhrgasindustrie und die Erhöhung der Eisenausfuhr fanden Beachtung, daneben sieht man den in der nächsten Woche beginnenden Stillhalteverhandlungen zuversichtlich entgegen. Einen guten Eindruck machten auch die Basler Saarverhandlungen. Trotzdem war eine gewisse Ermüdungserscheinung innerhalb der Börsen- kreise nach den lebhaften Vortagen nicht zu verkennen, zumal der Auftragseingang aus der Kundschaft nicht sehr groß war. Die Kursgestaltung war etwas uneinheitlich, wobei sich aber die Veränderungen nach beiden Seiten in engen Grenzen hielten. Am Aktienmarkt eröffneten von chemischen Werten IG.-Farben 0,25 und Rütgerswerke 0,50 v. H. leichter, Scheideanstalt blieben behauptet. Von Elektroaktien setzten AEG. 0,13 v. H. höher ein, während Vekula 0,13 und Gesfürel 0,25 v. H. nachließen, Lahmeyer lagen mit 120,50 unverändert. Am Montanmarkt lagen die Kurse meist noch etwas höher, so Buderus mit plus 0,40, Harpener plus 0,25, Rheinstahl mit plus 0,75 und Mannesmann mit plus 0,50 v. H., anderseits gingen Gelsenkirchen, Phönix und Stahlverein bis 0,40 v. H. zurück. Schiffahrtsaktien lagen wesentlich stiller und nur knapp gehalten, Hapag 32 (32,25), Nordd, Lloyd 34,90 (35,40). Von Zellstoffwerten lagen Waldhof 0,50 v. H. höher, Aschaffenburger mit 72,13 nur knapp gehalten. Etwas Interesse erhielt sich für Westdeutsche Kaufhof mit 40.40 (40,25), Reichsbank mit 165,75 (165) sowie für Moenus Maschinen mit plus 0,75 v. H. Der Renten markt hatte durchweg freundliche Haltung und etwas festere Kurse, alleroinigs blieb das Geschäft noch klein. Es eröffneten Altbesitz mit 113,90 (113,50), späte Reichsschuldbuchforderungen mit 99,40 (99,13), Stahlverein-Bonds mit 96,75 (96 65), und Komrnunal-Urnschuldung mit plus 0,13 ü. H., während Zinsvergütungsscheine etwas nachgaben. Von fremden Werten waren Mexikaner bis 0,25 v.H. fester, auch Warschau-Wiener waren im Freiverkehr gefragt. Im Verlaufe blieb die Grundtendenz weiter fest, doch war die Kursentwicklung weiterhin uneinheitlich. Die Umsatztätigkeit war im ganzen etwas lebhafter. Rückläufig waren u. a. JG.-Farben, Westdeutsche Kaufhof, Gement Heidelberg, Mannesmann und Reichsbank, anderseits zogen Siemens 1,25, Harpener auf 101,40 bis 103,25 (102,50) an, ferner waren Schiffahrtswerte wieder mäßig höher und Allg. Lokal und Kraft notierten mit 121,50 (120). Der Kassamarkt lag weiter fest. Mit Plus-Zeichen erschienen u. a. Dürrwerke T. 61 bis 63 (l. T. 58, l. K. 50,50), Schriftg. Stempel T. 80 (l. K. 75), Faber & Schleicher kamen mit 68 (64) zur Notiz. Gesucht waren außerdem Chem. Albert, Andreae- Noris Zahn, Feinmech. Jetter usw. Am Rentenmarkt bröckelten Altbesitz und Kom- munal-Umschuldung geringfügig ab, sonst blieben die variablen Werte gut behauptet, etwas fester nochmals Stahlverein-Bonds mit 97 (96,75). Goldpfandbriefe und Kommunal-Obligationen sowie Stadtanleihen lagen still und gut behauptet. Liquidationspfandbriefe waren stärker gesucht und durchweg 0,50 v. H. fester. Tagesgeld unv. 3 v. H. Frankfurter Schlachtviehmarkt. F r a n k f u r t a. M., 3. Februar. (Norbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 1083 Rinder (350 Ochsen, 94 Bullen, 336 Kühe, 303 Färsen), 509 Kälber, 60 Schafe und 3466 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 22 bis 39 Mark, Bullen 24 bis 36, Kühe 14 bis 33, Kalbinnen 22 bis 39, Kälber 22 bis 50, Hämmel 31 bis 36, Schweine 38 bis 53 Mark. — Marktverkauf: Rinder, Kälber, Hämmel, Schafe ruhig, Schweine mittelmäßig. Um ein Glas Bier erstochen. LPD. Wetzlar, 3. Febr. In der Nacht zum Sonntag entstand gegen 2 Uhr in der Gastwirtschaft „Zum Haferkasten" ein Streit zwischen dem 49jährigen Heinrich Rehm und dem 24jährigen Willi Bertges, beide aus Wetzlar, um ein Glas Bier, das Rehm bestellt und Bertges getrunken haben sollte. Die Auseinandersetzung setzte sich in der dunklen Toreinfahrt fort. Dabei stach Rehm mit einem Taschenmesser auf Bertges ein und verletzte ihn so schwer oberhalb der Leistengegend, daß er sich innerhalb weniger Minuten verblutete und auf dem Transport zum Krankenhaus starb. Der Täter wurde eine Stunde später in seiner Wohnung fe st genommen. Erst nach stundenlangen Vernehmungen und nach einer Gegenüberstellung mit der Leiche legte er am Sonntag ein Geständnis ab. Die Polizei hatte ihn im Bett liegend angetroffen. Das blutbefleckte Messer stak noch in der rechten Tasche des Mantels. Runvfunkprogramm. Dienstag, 5. Februar. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15 und 6.45: Gymnastik. 6.55: Morgenspruch, Choral. 7: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 9.15: Oberbadische Komponisten. 10: Nachrichten. 10.10: Schulfunk. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau. 16: Nachmittagskonzert. In der Pause: Kunstbericht der Woche. 18: Italienischer Sprachunterricht. 18.15: Aus Wirtschaft und Arbeit. 18.30: Blumen draußen im Winter. Eine naturkundliche Plauderei. 18.50: Unterhaltungskonzert. 19.50: Erzeugungsschlacht. 20: Nachrichten. 20.10: Kammermusik. 20.45: Schweizerische Musik. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Funkbericht aus dem Kitschmuseum. 23: Fröhliche Tanzunterhaltung. 24 bis 2: Nachtmusik. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Sdiriftleitunq.) h. HL Eine derartige Kasse besteht nicht. Wir empfehlen Ihnen, sich mit Ihrem Anliegen an die Hessische Beamtenbank in Darmstadt zu wenden. E. R. in L. Es l-andelt sich in Ihrer Sache nicht um einen Umtausch im üblichen Sinne, sondern um eine besondere Mängelabrede. Der Verkäufer war nach dieser Abrede verpflichtet, an Stelle des fehlerhaften einen einwandfreien Gegenstand zu liefern. Da ihm diese Lieferung unmöglich geworden ist, können Sie nach den Bestimmungen des BGB. den gezahlten Kaufpreis zurückoerlangen. 6. St in B. Ihre Anfrage läßt sich aus den unterbreiteten Angaben nicht beantworten. Es kommt hierbei auf die örtlichen Verhältnisse und auch darauf an, seit wann und wie lange die fraglichen Grundstücke von Ihnen ober Ihrem Vorgänger derart benutzt worden sind. Da die Frage einer evtl, ersessenen Grunddienstbarkeit sehr schwierig ist, bedienen Sie j sich in dieser Angelegenheit am besten des Rates seines Rechtsanwalts. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v.H. Frankfurt a.M. Berlin Schluß« kurs Schluß!. Abend- börse Schlußkurs Schluß!. Mittag« börle Oatum 1.2- 2.2 1-2. 2-2- 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 99.5 99.5 99.5 99.5 6% eöem.7% Dt.Reichsanl.v. 1929 — —— — — 5y2% Nvung-Anleihe von 1930 .. 102.2 101.75 101.75 101.75 Deutsche Ant.-Ablbs.-Schuld mit AuSlos.-Rechten ............ 113.5 113.75 113.4 113.75 Desgl. ohne Auslos.-Rechte...... — — — <— 6% ehem.8% Hess. Dolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 98.5 _ 98.5 _ 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12................. 96 96 6%% Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Ltgui......... 99 99.75 _ _ Oberh-ssen Provinz-Anleihe mit Auc-los.-Rechten ....... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 114.5 114 114.65 114-13 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 96-25 96-25 95.75 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 96.25 96.25 _ 6Vz% ehem. 4%% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriese....... 99.5 99 8 6y2% ehem. 4y,% Rheinische Hyp.-Bank-Ltgu.-Goldpfe. .. 99.25 99.75 99.25 99-75 6% ehem. 8% Pr. Landespfand- brtefanstalt, Pfandbriefe R. 19 97 97 97 97 6% ehem. 7% Pr. Landespfand» . brtefanstalt, Pfandbriefe R. 10 97 97 97 97 tzteuergutsch. Verrechnungskurs. 104 5 104.5 104.5 104.5 4% Oesterretchtsche Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrente 28 28.25 28-5 29 — 1.25 —- 1.25 4% Ungarische Goldrente ....... 8 8.4 8.2 8.6 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 8 8-4 8.3 8.3 414°/-» desgl. von 1913 .......'.. 8 8-25 8 8 6% abgest. Goldmexikaner von 99 10.5 10.75 10.8 10.65 4% Türkische Zollanleihe von 1911 —- — — 4% Türkische Bagdavbahn-Anieihe Serie i..................... 8 8.1 8.5 Frankfurt a. M Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend« börsc Schluß« lurs Schlußk. Mittag- börse Datum 1.2. 2-2 1.2 2-2 4% desgl. Sene 11 .......... 5% Numän. vereinh. Rente v. 1903 8 4.65 8.1 — 4.75 4yr%Rumän.vereinh.Rentev.l913 7 7.1 7.3 7.35 4% Rumäntslbe vereinh. Rente 4-3 4-4 4-4 4.4 2^% Anatolier ......... 35-25 35-25 — 35.75 Hamburg-Amertka-Paket ..... 0 32.25 32-25 32-25 32-13 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 — — 27.5 28 Hanja-Dampfschifs ........... 0 —— — — —— Norddeutscher Lloyd ......... 0 35.4 35 35 34 5 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 87.5 87-5 87.75 87.9 Berliner Handelsgesellschaft ... 4 113 113-5 112.5 113 Commerz- und Privat-Bank .. 0 8175 81-9 81 82-25 Deutsche Bank und Disconto« Gesellschaft................ 0 84.25 84.75 84.25 84.75 Dresdner Bank.............. 0 85-25 85-75 85-25 85-75 Reichsbank ................ 12 165 165-75 165.4 165 A.E.G...................... 0 31-25 30-9 31 30.5 Bekula..................... 0 144 143.9 143-75 143 5 Eleklr. Lieferungsgesellschaft... 6 107.25 108 108 108-25 Licht und.Kraft ..... 6 119-25 119.5 119.5 120 Felten & Guilleaume........ 0 86.4 86 87 86 Äesellsch.f.Elektr.Unlecnehmung 5 118 117-75 117-75 117-5 Rheinische Elektrizität ....... 5 — —— — 109 5 Schuckert LCo.............. 6 100-5 100-5 100.75 100-75 SiemensL Halske............ 7 146-25 147-5 146-5 146.5 Lahmeyer LLo............. 10 120-5 120.5 120-5 120 Buderus ................... 0 92-5 92.9 92 25 92-13 Deutsche Erdöl .............. 4 104-5 105 104.5 105 25 Gelsenkirchener.............. 0 74.5 73.75 74-13 73 4 Harpener................... 0 102-5 103 102.75 102 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 0 89 88.9 Ilse Bergbau ............... 6 — — — — Ilse Bergbau Genüsse........ Klöcknerwerke ............... 6 124 125.13 124.5 125-25 0 88 87.75 88-5 87-5 ManneSmann-Röhreu........ 0 81.25 81.25 81 80.65 Frankfurt a. M. Berlin Schluß« kurs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag« börse Datum 1-2 2-2 1.2 2-2- Mansselder Bergbau....... .. 0 93 93 93.5 93.25 Kokswerke ................ .. 0 — — 105-4 104.5 Phönix Bergbau........... .. 0 58-25 57.5 58-5 57-5 Rheinische Braunkohlen .... . 10 213 21265 212 2125 Rheinstahl ................ .. 0 97 5 98 97.75 97.65 Bereinigte Stahlwerke...... .. 0 48.9 48 48.75 47-75 Otavi Minen ............. .. 0 12 4 12.75 12-5 12-65 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 111-13 111-25 111 111 Kaliwerke Westeregeln ...... .. 5 111 110-5 111.25 110-75 Kaliwerke Salzdetfurth..... IVi 155 155 5 156-25 I G. Farben-Jndustrie..... .. 7 145-75 145 145-65 145 Scheideanstalt............. .. 9 206 206 Goldschmidt .............. .. 0 96-5 95-5 96 95-5 Rütgerswerke............. .. 0 108 107 108-25 107 Metallgelellschafl........... .. 0 94-5 94-25 94.5 94 Philipp Holzmann......... Zementwerk Heidelberg .... Cementwerk Karlstadt....... .. 0 87 87 87 87-25 .. 0 .. 0 113.5 127 113.25 Schultheis Payenhofer ..... .. 0 — _ 104-75 104-25 Aku lAllgemeine Kunstseide) .. 0 51 51-25 51 51-13 Bemberg................ .. 0 116-5 115 5 115.75 115-5 Zellstoff Waldhos .......... .. 0 52.75 53 52 65 52-9 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 72-5 72-5 71-75 72 Dessauer Gas............ .. 7 —— — 130 130 Daimler Motoren.......... .. 0 51 51 51 50.75 Deutsche Linoleum......... .. 0 63-5 63.5 63.25 64 25 Oren stein & Koppel........ .. 0 —— 85 13 85 Leonhard Tietz ............ .. 0 40-25 40 40 39-65 Cbade.................... ,.1U —— 202 201 Aeeumulatoren-Fabrik...... .. 0 — 160 160 Eonti-Gumml.............. .. 0 147-5 146.25 147.5 147.5 Grttzner.................. .. 0 32-5 33.75 32.75 33.4 Mainkraftwerke Höchst a.M>. .. 4 90.75 91.5 Süddeutscher Zulker ......... 8 171 H69J5 171 171 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2TI. Banknoten. I.Febmar 2-Februar Amtliche Dotierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld 1 Brief Buenos Aire. 0-628 0.632 0.628 0-632 Brüssel ..... 58-17 58 29 58-17 58-29 •Jiio de Jan. . 0-194 0-196 0.194 0.196 Sofia ...... 3-047 3-053 3-047 3-053 Kopenhagen. 54 36 54-46 54.43 54-53 Danzig..... 81-22 8J38 81-22 81-38 London ..... 12-17 12-20 12.19 12-22 HeljingforS.. Paris ...... 5-375 5-385 5.382 5-392 16-41 16-45 16 41 16 45 Holland .... 168-34 168 68 168-34 168-68 31 alten..... 21-30 21-34 21.30 21 34 Japan ...... 0-709 0-711 0.709 0.711 Jugoslawien 5-649 5-661 5-649 5-661 Oslo..... : 61-19 61.31 61.26 61-38 Wien....... 48-95 49-05 48-95 49-05 Lissabon .... 11-05 11-07 11 065 11-085 Stockholm... 62-76 62-88 62.84 62-96 Schweiz .... 80.72 80.88 80.72 80.88 Spanien.... 34-00 34-06 34.04 34.10 Prag....... 10-40 10-42 1040 1042 Budapest ... — — Neuyork... 2.500 2.506 2.502 2 508 Berlin, 2.Februar Geld Brief Amerilantjche Roten.............. 2.455 2.475 Belgische Noten.................. 57.96 Dänische Noten ................. 54-22 54-44 Englische Noten ................. 12-155 12-195 Französische Noten............... 16.37 16.43 Holländische Noten............... 167.92 168-60 Italienische Noten................ 21-19 61.34 Norwegische Noten .............. 61.10 Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten............... _ Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. Spanische Noten 80-76 Ungarische Note»................ 33.94 Nr. 29 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 4. Zebruar 1935 Gewaltiger Sturm über Gießen. —---------------- Der umgestürzte Baum in der Kaiserallee. Nmgevissene Baumriesen im Stadtwald. Nachdem schon am Samstagmittag und -nachmit- tag bei lebhaftem Winde anhaltendes Regenwetter den Aufenhalt auf den Straßen ungemütlich gemacht hatte, entwickelte sich im Verlaufe des Abends ein außerordentlich heftiger Sturm, der bis weit in die Nacht hinein anhielt. Gewaltig heulte es über die Stadt und die Wälder dahin, zeitweise regnete es, dann wieder konnte man einen wunderbaren Sternenhimmel sehen, kurz gesagt, es war ein richtiggehendes „Wusterwetter". Der heftige Sturm richtete leider auch mancherlei Schaden an. U. a. stürzte er in der Kaiserallee vor dem Hause des Vereins Deutscher Studenten einen mächtigen Baum um, der im Fallen das Mauerwerk des Hausgesimses traf und es zum Teil auf den Erdboden hinabfegte, sich dann über das eiserne Gartenspalier legte, sonst aber zum Glück keinen weiteren Schaden anrichtete. Am Hindenburgwall und Im Gartfeld wurden gleichfalls Bäume umgerissen, ebenso fielen im Stadtwald mancherlei' ansehnliche Baumstämme dem wütenden Sturm zum Opfer. Durch stürzende Bäume und Aeste wurde auch die elektrische Stromführung zum Teil beschädigt und unterbrochen, so daß die Bewohner mancher Straßen ohne Licht waren. An anderen Stellen wurden zum Teil Gartenzäune umgelegt, Fahnenmasten gestürzt und teil-- weise auch Ziegeln von den Dächern geschleudert. Die Feuerwache, deren Telephonleitung übrigens durch die stürzenden Bäume zum Teil zerstört war, hatte allerlei Arbeit zu bewältigen, um die Sturmschäden nach bester Möglichkeit aus dem Wege zu räumen, damit der öffentliche Verkehr keine Beeinträchtigung erfuhr. Ferner sind durch die anhaltenden Regenfälle die Wieseck und die Lahn ziemlich gestiegen, jedoch ist nach dieser Richtung bisher von Schäden nichts zu berichten. Aus der Provinzialhauptstadt. 25 Jahre Lehrer der Universität. Am morgigen Dienstag, 5. Februar, sind es fünfundzwanzig Jahre, daß Professor D. Dr. August Freiherr von Gall der Universität Gießen als Lehrer angehört. Professor von G a l l, ein Schüler von Stade und Wellhausen, war nach seinem Studium in Halle, Berlin, Gießen und Göttingen, ferner nach dem Besuch des Predigerseminars in Friedberg zunächst Pfarroerwalter in Klein - Umstadt, dann Pfarrassistent in Bingen. Vom Juli 1898 ab wirkte er als Religionslehrer am Realgymnasium und an der Oberrealschule in Mainz, vom April 1909 ab als Oberlehrer am Gymnasium zu Gießen, wo ihm am 1. April 1910 der Charakter als Professor verliehen wurde. Am 5. Februar 1910 habilitierte er sich an der Universität Gießen für das Fach des Alten Testaments, 1914 wurde er außerordentlicher Professor bei der theologischen Fakultät, 1920 ordentlicher Honorarprofessor, gleichzeitig wurde er zum Direktor des alt-testamentlichen Proseminars ernannt. Im Jahre 1930 erhielt er einen Lehrauftrag für allgemeine Religionsgeschichte. Außer den üblichen Vorlesungen seines Fachs las von Gall gelegentlich noch über Alt-Aegyptisch und Koptisch und neuerdings über Religion, Kultur und Sprachen Mexikos in vorspanischer Zeit. In die Zeit seiner Dozententätigkeit fallen von größeren Werken eine kritische Ausgabe des hebräischen Pentateuchs der Samaritaner in fünf Bänden sowie eine religionsgeschichtliche Studie über die Herkunft der jüdisch-christlichen Eschatologie aus dem Parsismus (Basileia tou Theou). Voraussichtlich wird in diesem Jahre noch eine Ausgabe alter aztekischer medizinischer Bücher mit Übersetzung und Erklärung erscheinen. Die Evangelische Kirche in Gießen im Zahre 1934 Die Zahl der Evangelischen in Gießen beläuft sich nach der letzten Volkszählung auf 30 305 Personen. An den vier Gottesdienststätten (Stadtkirche, Jo- hanneskirche, Kapelle des alten Friedhofs, Petrus- kapelle) wurden im ganzen 4 2 6 Gottesdienste veranstaltet, darunter waren 247 Hauptgottesdienste und 179 Nebengottesdienste. Als Hauptgottesdienst werden die um 9.30 Uhr stattfindende, als Nebengottesdienste die Früh- und Abendgottesdienste angesehen. Die Durchschnittszahl der Besucher dieser Gottesdienste betrug 1370. Es wurden 165 Kindergottesdienste abgehalten, die eine durchschnittliche Zahl von 402 Kindern aufwiesen. Am Reformationstage fanden in der Stadt- und Johanneskirche Jugendgottesdienste mit 2500 Teilnehmern statt. Die Anstaltspfarrei veranstaltete 519 Gottesdienste und Andachten mit insgesamt 21 310 Besuchern. Insgesamt 5484 Gemeindeglieder nahmen an der Feier des Heiligen Abendmahls teil. Kirchlich getraut wurden 304 Paare; es entfielen davon auf die Matthäusgemeinde 51, die Markusgemeinde 75, die Lukasgemeinde 70, die Johannisgemeinde 53, die Lutherqemeinde 20, die Petrusgemeinde 18, die Militärgemeinde 12, die Anstaltspfarrei 5 Paare. 904 Kinder wurden getauft, aus der Matthäusgemeinde 83, der Markusgemeinde 75, der Lukasgemeinde 66, der Johannesgemeinde 57, der Luthergemeinde 48, der Petrusgemeinde 112, der Militärgemeinde 14, der Anstaltspfarrei 449 Kinder. Zwei Preisanwärter der Berliner Hundeausstellung, die im Rahmen der „Grünen Wo che" veranstaltet wurde: Besonders schöne Exemplare unga- rischerHirtenhunde mit ihrer kleinen Herrin. Konfirmiert wurden 501 Kinder, aus der Matthäusgemeinde 107, der Markusgemeinde 118, der Lukasgemeinde 107, der Johannesgemeinde 63, der Luthergemeinde 58, der Petrusgemeinde 47 Kinder, aus der Militärgemeinde 1 Kind. Die Zahl der kirchlich zu Grabe Gebrachten sowie kirchlich Eingeäscherten betrug 793, davon aus der Matthäusgemeinde 53, der Markusgemeinde 49, der Lukasgemeinde 54, der Johannesgemeinde 42, dec Luthergemeinde 20, der Petrusgemeinde 11, der Anstaltspfarrei 53, der Militärgemeinde 2. Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Gud. Die Pfundsammlung in der Ortsgruppe Gießen-Süd wird am Dienstag, 5. Februar, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pakete bereitzustellen und auf den Umhüllungen Gewicht und Inhalt zu verzeichnen, da für jede Spende eine Quittung erteilt wird. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die ;it Zahlung genommenen Kohlengutscheine am Dienstag, 5. Februar, zwischen 15 und 18 Uhr, auf unserem Geschäftszimmer, Crednerstraße 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine werden nicht mehr angenommen. RGB., Dieken-Nord. Amt für Volkswohlfahrt. Die nächste Pfundsammlung wird cm» Mittwoch, 6. Februar, von vormittags 9 Uhr ab durchgeführt. Wir bitten die Spender, die Spenden rechtzeitig bereitzuhalten und Inhalt sowie Gewicht durch Aufschrift auf die Verpackung kenntlich zu machen. Erwünscht ist, daß diesmal möglichst andere Waren als Hülsenfrüchte zur Verfügung gestellt werden. NSV., Ortsgrupve Gießen-Ost. Ortsgruppe GießenOst. Am Montag, 4. Februar und Dienstag, 5. Febr* findet die Pfundsammlung durch die NS. - Frauenschaft statt. Die Spender wollen die Päckchen bereithalten und den Inhalt nach außen sichtbar angeben. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine bis Gin Leopard aus dem Aaubzug. Von Inh Bronsart von Schellendorf Diese Schilderung ist dem bei Max Möh- ring, Leipzig, erschienenen Buch „Afrikanische Tierwelt" entnommen. Auf einer saftig grünen Fläche, deren Gräser tausendfach mit blitzenden Tautropfen bedeckt sind, steht ein Rudel der zierlichen Jmpalla-Antilopen, lauter Böcke. Die meisten stehen noch mit nah zusammengestellten Läufen und gekrümmtem Rücken; es ist iynen noch etwas naßkalt; einiige lecken sich, und zwei starke Böcke stehen auf verschiedenen Seiten etwas abseits; das Grunzen des Leoparden hat sie vorsichtig gemacht: er ist ihr größter Feind. — Alarittlaut: Fauchendes Schnauben der zierlichen Jmpalla — der Schwarzfersen-Antilopen — wie eine leise Kopie des fauchenden Schnaubens eines Nashorns klingt es. Das ganze Rudel vereinigt sich und steht mitten in der Lichtung; die Tiere werfen ihr Gehör hin und her und sichern nach allen Seiten. Da zieht ein prachtvoller Leopard, vom Walde kommend, etwa hundert Meter von den Jmpallas, über einen offenen Sand platz der Lichtung; auf dem Sandplatz bleibt er stehen, stößt seine ärgerlich und bösartig klingenden Grunzlaute „uohu, uohu, uohu", mit erhobenem Kopf aus, blickt zu den Jmpallas hinüber, setzt sich, faucht leise mit hochgezogenen Lippen und Barthaaren: „Ihr habt mich gesehen, jetzt kriege ich euch nicht, aber wartet nur!" — Dann steht er auf, macht einen Buckel, reckt und dehnt sich, und zieht scheinbar unbekümmert um die Jmpallas, weiter durch das Gras der nächsten Gebüschinsel zu Die Jmpallas prusten und schnauben noch mehrere Male und beginnen zu äsen, sie bummeln immer noch sichernd und zierlich-vorsichtig einige hundert Meter an der Gebüschinsel, in der der Leopard verschwunden ist, vorbei und ziehen dann der offenen Steppe zu. — Der Leopard hat indessen seinen Plan gemacht: im Gebüsch ist er auf einen knorrigen Baum geklettert und hat die Jmpallas beobachtet; er hat ihre Ziehrichtung gesehen, ist vom Baum herabgeglitten, hat einen großen Bogen unter dem Wind gemacht und liegt schon längst, ehe die Jmpallas an dem Gebüschkomplex vorbei sind, in ihrer ungefähren Richtung hinter einem Termitenhügel, seitwärts des Morgenwindes; er hat sich hart an den Hügel an- geschmiegt und ist so hoch gekrochen, daß er durch Grasbüschel hindurch, welche oben wachsen, die sich nähernden Jmpallas beobachten kann. Er ist ein alter Schlaumeier und weiß jeden Wildwechsel und bevorzugten Sandplatz in seinem Revier; hier in dem rotenSand vor dem Termitenhügel ist der Boden von Antilopen zerscharrt; sie losen sich oam an InLchen Bläken unh mäüen sich im Sand. Und so kommen die ahnungslosen, schönen Tiere, welche die Gefahr vorbei glauben, denn auch genau auf den Termitenhügel zu, voran zwei schwache, noch junge Böcke mit kleinem Gehörn; die älteren Böcke ganz hinten äugen immer noch mißtrauisch von Zeit zu Zeit rückwärts nach dem Gestrüpp, in dem sie den Leoparden vermuten, und glauben, so für die Sicherheit ihres Rudels gesorgt zu haben. Als die beiden jungen Böcke den Sandplatz erreicht haben, stellen sie sich gegenseitig und führen ein spielerisches Scheingefecht mit ihren Gehörnen aU5. _ Der Leopard ist rückwärts herabgeglitten, ein wenig seitwärts hinter einen niedrigen Vorsprung des Hügels gekrochen, und, während die beiden Böcke spielen, sitzt er wie der Blitz — dem ihm nächsten im Nacken; ein blökender Schmerzensschrei, ruckartiqes Brummen des Leoparden, etwas Staub, kurzes Zappeln — dann ist der Bock verendet. Der Leopard tötet sicher und schnell. — In hohen Sprüngen, federnd, ist das Rudel der offenen Steppe zu entflohen, wo das große Herdenwild stutzt und die Ursache der Flucht der Jmpallas herauszufinden sucht. Ein Rudel Zebras, das im Begriff war, dem Waldstreifen zuzuziehen, halt und ändert den Plan; es scheint den Zebras dort nicht geheuer, und sie ziehen ostwärts einem anderen Walde zu. Der Leopard hat inzwischen die Eingeweide herausgerissen, erst die Leber, dann die anderen-Teile verzehrt, und frißt sich nun in die Brusthöhle hinein, soweit es geht; dabei arbeitet er so sauber, daß kaum ein Tropfen Blut an ihm zu entdecken ist. Als er so um zehn Uhr vormittags satt ist, und es ihm zu heiß wird, schleppt er die Reste des jungen Bockes mit Leichtigkeit nach dem Gebüsch, von wo er das Rudel beobachtete, und auf einem Nashornwechsel bis an den knorrigen Baum. Dann legt er zunächst den Kopf des Bockes über einen niederen Ast, so daß er mit dem Hals hinunterhangt; alsdann nimmt er die Rute (Schwanzquafte) zwischen die Zähne und richtet sich in seiner ganzen Hohe auf, um de Hinterschenkel über einen höheren Ast zu legen, dies gelingt ihm auch nach mehreren vergeblichen Versuchen. r, „ . . Jetzt sucht er sich mit vielem Geschick und der ganzen idealen Geschmeidigkeit einer Katze, Stutz- und Haltpunkte im oeräfteten Baum, und erreicht es nach und nach, seine Beute etwa acht Meter über dem Erdboden in dem Geäste des Baumes so unterzubringen, daß Kopf und Hals nach unten hangen. Auch hat er nicht vergessen, den Bock gut zu oer= stecken. Denn dichte Laubäste verdecken ihn nach oben, und Aasgeier und Marabus können ihn schwer entdecken. Nachdem nun alles zu feiner Zufriedenheit ist, klettert er hinab und legt sich unter den Wind an einem seiner versteckten Wechsel ,o hin, daß er stets den Wind vom Fleisch des Bockes in der Nase hat, aber bei Gefahr sofort sicher entweichen kann. Löwen und Hyänen find seine Todfeinde; ihretwegen legt er das Fleisch in den Baum. Denn sie können auf der Fährte, wo er den Bock geschleift hat, leicht folgen. Um die Mittagszeit finden sich zahlreiche Vertreter des Großwildes in der Savanne ein, um die heißen Tagesstunden im Schatten zu verbringen. Ein Rudel von etwa zwanzig Elen-Antilopen stellte sich bei unserem Leoparden ein: sie kamen auf drei bis vier Meter bei ihm vorbei im Gestrüpp. Eine Kuh, die ein sehr kleines Kalb bei sich hatte, nahm ihn wahr, obwohl er regungslos und unter dem Wind lag, und ging mit gesenkten Hörnern auf ihn los. Mit kurzem Grunzlaut wurde er ins dichte Gestrüpp flüchtig. — Jetzt, da Wild hier im Gestrüpp stand, brauchte er nicht so wachsam zu sein, und beschloß, sich auf den Baum neben das Fleisch zu legen; aber er hatte heute Pech Als er auf den Nashornwechsel kam, der unter dem Baum vorbeiführte, wurde er von einem schnaubenden Nashorn gejagt und legte sich schließlich, mißmutig, im dichten Unterholz nieder. Das Nashorn stellte sich unter dem 'Baum ein, und als der Himmel sich bezog, ging es auf die Lichtung und tat sich zum Schlaf nieder. So blieb die Situation bis gegen Abend. — Nur der Leopard konnte, da ein so vorzüglicher Posten in der Nähe feiner Beute war, die Zeit benutzen, zum Fluß zur Tränke zu gehen: denn er weiß, daß das Nashorn bis gegen Abend da bleibt und sich nicht von einem Löwen, geschweige denn einer Hyäne verjagen läßt. Das tat er denn auch, und als er um fünf Uhr nachmittaas wiederkam, lag das Nashorn noch auf derselben Stelle, abef die Elen-Antilopen waren abgezogen. Bald erhob sich auch das Nashorn und trottete träge davon; die Abendsonne fand den Leoparden bei' der Mahlzeit auf dem Baum, und allerhand Großwild kam und ging, darunter etwa sechzig Giraffen, die auf Wanderung waren und für die Nacht der offenen Steppe zustrebten. Bald hatte die Nacht ihren düsteren Schleier über das reiche Tierleben gedeckt... „Der Hungermarsch der Veteranen" im Frankfurter Schauspielhaus. Im Frankfurter Schauspielhaus ging zum ersten Male das Schauspiel „D e r H u nge r m a r s ch d e r Veteranen" von Friedrich B e t h g e in Szene. Das Stück, das in der Zeit des napoleonischen Feldzuges nach Rußland spielt, gibt ein drastisches Bild vom Schicksal der kriegsbeschädigten Veteranen jenes denkwürdigen Feldzuges, die nun, nachdem sie dem Vaterlande ihre Gesundheit geopfert haben, umsonst auf ihre Versorgung warten und sich deshalb zusammentun, um einen Hungermarsch anzutreten. Die zerlumpten und verhungerten Gestalten dec Veteranen scharen sich izm ihren Hauptmann Kopei- kin, einen alten ehrlichen Soldaten, der es auch z« verhindern weiß, daß aus ehrlichen Soldaten schließlich unehrliche Räuber werden. Und wenn er auch am Ende verdächtigt und erschlagen wird, was scha- det's: er hat die alte Soldatentreue mit seinem Tode besiegelt. Robert Taube gab den Hauptmann mit viel Realistik und ohne jede Uebertreibung, wirksam unterstützt von den Darstellern der Veteranenführer. Auch die übrigen Rollen waren güt besetzt, insbesondere die des Generalgouverneurs mit Ernst Satt- ler und die des Ministers Nikolai Smerkow mit Franz Schneider Das voll besetzte Haus verfolgte den Gang der Handlung mit lebhaftem Interesse, denn auch aus der Gegenwart erinnert man sich an ähnliche, wenn auch nicht ganz so krasse Beispiele, wie etwa an den Hungermarsch der amerikanischen Veteranen nach Washington und an die Demonstrationen der Schwerkriegsbeschädigten in Paris, denen man die Renten gekürzt hatte. Der Beifall war stürmisch; die Darsteller und der Autor mußten sich immer wieder zeigen. Ein tyrreiches Fußballspiel. Während sonst immer die Schotten dazu herhalten : müssen, durch ihren ihnen nachgesagten Geiz die i Lachmuskeln der Menschen in Tätigkeit zu setzen, : sind es dieses Mal die Iren, die ein Fußballspiel zustande gebracht haben, von dem man in Irland noch lange mit lachender Miene sprechen wird. In einem kleinen irischen Städtchen gab es zwei Gasthäuser, „den blauen Hund" und „die weiße Gans". Nach diesen Namen benannten sich auch die Stammgäste der beiden Lokale. Nach langer reiflicher Überlegung kamen sie eines Tages überein, ein Fußballspiel auszutragen. Beide Wirte waren von der Idee begeistert und stifteten für jedes Tor ein Fäßchen Ale. Unter Beteiligung des ganzen Städtchens ging das Spiel vor sich und der Eifer dec blauen Hunde wie auch der der weißen Ganzer ließ nichts zu wünschen übrig. Die nicht mehr jungen und auch nicht mehr schlanken Männer schossen Tore, daß es nur so knallte. Mit Entsetzen sahen das bie Wirte und baten schon nach der ersten halben Stunde flehentlich den Schiedsrichter, dem Spiel ein Ende zu machen, denn es stand 25:23. Es haben bann zwei Wochen hinburch Dauersitzungen der flotten Fußballer in den beiden Gasthöfen statt- gefunden, in denen bie 48 Fäßchen Ale ihrer Be- ftimmung zugeführt wurden. Seitdem halten stets auswärtige Autos vor den beiden Gaststätten, di« Fremden lassen sich von den Stammgästen den Verlauf des Fußballspieles erzählen, und bie Wirthaben eine neue Einnahmequelle. dum Dienstag, 5. Februar, zwischen 17 und 19 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle, Kaiserallee 52, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine können nicht mehr angenommen werden. Ortsgruppe Gießen-Mitte. Betr.: Pfundsammlung. Am Mittwoch, 6. Februar, wird in der Ortsgruppe Mitte die nächste Pfundsammlung durchgeführt. Wir richten an alle Volksgenossen die Bitte, auch diesmal in der Gebefreudigkeit nicht zu erlahmen. Es ist notwendig, daß jeder nach seinen Kräften spendet. Wir bitten die Hausfrauen, die Spenden ab 9 Uhr vormittags bereitzuhalten und den Inhalt durch Aufschrift auf der Umhüllung kenntlich zu machen, um damit die Sammlerin in ihrer Arbeit zu unterstützen. Für jede Spende wird eine Quittung erteilt. Deutsche 9/rMfofront NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude". Am Sonntag, 17. Februar, findet im Coss Leib ein großes „karnevalistisches Konzert", ausgeführt von der Reichswehrkapelle unter Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e, statt. Eintrittspreise im Vorverkauf 0,50 RM., an der Abendkasse 0,60 RM. Karten sind im Vorverkauf zu haben auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße, Zimmer 10, und im Caf6 Leib, Walltorstraße 38. Wintersportzug nach der Rhön. Wir haben die Absicht, am Sonntag, 10. Februar, einen Wintersportzug nach Gersfeld (Rhön) fahren zu lassen. Der Fahrpreis beträgt pro Person zirka 5,— RM. bei mindestens 300 Teilnehmern. Wir bitten Vereine und Ikinzelteilnehmer, sofort ihre Meldung an uns zu geben, bis spätestens Mittwoch, 6. Februar, damit wir feststellen können, ob uns die Fahrt möglich ist. Teilnehmer aus Grünberg, Alsfeld, Lauterbach usw. können von ihrem Ort aus an der Fahrt teilnehmen. NSLB., Bezirk Gießen-Stadt und Gießen-Ladn Arbeitsgemeinschaft für Fibelbesprechung. Mittwoch, 6. Februar, 15.30 Uhr, Zusammenkunft in der Schillerschule zu Gießen. AusparteiamtlichenBekanntmachungen Der NSLB. Gießen-Stadt hält am kommenden Mittwoch, 6. Februar, um 17.30 Uhr, in der Neuen Aula eine Pflichtoersammlung ab, in der Professor Dr. Krüger über „Die Stellung der Deutsch-Amerikanet zum neuen Deutschland" sprechen wird. Zu der Versammlung sind auch die Angehörigen der Mitglieder des NSLB. eingeladen. Die Mitglieder des NSLB. Kreis Gießen, besonders die Lehrerinnen, werden auf die Ausstellung von Spitzen und Stickereien durch den Reichs'bund „Volkstum und Heimat" aufmerksam gemacht, die am 7. Februar, 17 Uhr, durch Herrn Ministerialrat Ringshausen im Turmhaus am Brandplatz eröffnet wird. Marine-Besuch in Gießen Am Samstagabend vereingten sich die Marine- Stürme des Standortes Gießen zu einer Kameradschaftsfeier in der Turnhalle am Oswaldsgarten. Zu der Veranstaltung waren neben den Angehörigen der SA.-Kameraden vor allem eine z. Z. in Gießen befindliche Wander st reife der 3. Torpedoboothalbflottille der Reichsmarine, ferner ein Vertreter der Gießener Reichswehr-Garnison, sowie Vertreter der SA. und SS. erschienen. Der Abend begann mit einem Eröffnungsmarsch des Gießener Musikzuges der Marine-SÄ.-Stan- darte, ferner mit einem von Angehörigen des Marine-Sturmes 11 durchgegebenen Flaggen-Signalspruch: „Herzlich Willkommen". Nach dem Fahneneinmarsch begrüßte der Führer des Marine-Sturmbannes II Gießen, Mettenheimer, mit herzlichen Worten die erschienenen Gäste und Kameraden. Die Ansprache schloß mit dreifachem Sieg-Heil auf Deutschland und den Führer Adolf Hitler und mit dem Horst-Wessel-Lied. Hierauf danke Oberleutnant zur See S ch u u r namens der gesamten Wanderstreife der 3. Torpedo- bootshalbslottille für die herzliche Aufnahme und den Empfang in Gießen. Er berichtete dann in fesselnder Weise von dem Leben und Wirken der Reichsmarine. Bald sah man dann die 12 Mann starke Abordnung der Reichsmarine (2 Offiziere, 3 Unteroffiziere, 7 Mannschaften von den 4 Torpedobooten „Tiger", „Iltis", „Wolf" und „Jaguar") da und dort mitten unter ihren Kameraden „vom Binnenlands", immer wieder herzlich begehrt, in herzlicher Kameradschaft vereint. Die Wanderstreife, die direkt von Wilhelmshaven nach Gießen kam, beabsichtigt, voraussichtlich noch die Orte Fulda und Kassel zu besuchen. Das gemeinsame Lied „Wir sind SA.", die mit großem Beifall aufgenommenen Darbietungen des Marine - Standarten - Musikzuges, eine Tombolaverlosung und einige Stunden Tanz hielten alle Besucher lange in herzlicher Kameradschaft beisammen. Vornotizen. — Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Patachon schlagen sich durch". — Deutsche Kolonial-Ausstellung von 15 bis 21 Uhr im Einhorn. — Gießener Hochschulgesellschaft: 20 Uhr c. t. Vortrag von Professor Dr. Zwick über „Studienreise in den Vereinigten Staaten" im großen Saale des Studentenhauses. — Kneipp-Bund e. V., Ortsgruppe Gießen: 20 Uhr, im „Bayerischen Hof", Vortrag von Frau Josefine Schleiter über „Naturkräfte, unsere Lebenselemente". — Der Goethe-Bund schreibt uns: Am kommenden Freitag veranstaltet der Goethe-Bund ■■■■«■■■■ Denkt an die Linderung der Hof! Verwendet die Wohlsahrlsbriesmarken! seinen zweiten dieswinterlichen Dichter-Abend. Der Dichter Manfred Hausmann, dessen Werke in unserer Stadt eine große Lesergemeinde gefunden haben, liest aus eigenen Werken. Manfred Hausmann ist ein trefflicher Interpret feiner Dichtungen und läßt feinen Vortrags-Abend zu einem starken Erlebnis werden. (Siehe heutige Anzeige!) ♦ ** Ein Fünfundsechzigjahriger. Am gestrigen Sonntag vollendete der Pensionär Peter Schmidt, Frankfurter Straße 177, in körperlicher und geistiger Frische sein 65. Lebensjahr. Der alte Herr ist seit 30 Jahren treuer Bezieher des Gießener Anzeigers. Verbandstag hessischer Wohnungsunternehmen in Gießen. Der Verband hessischer Wohnungsunternehmen (Baugenossenschaften und -Gesellschaften), Sitz Kassel, dem alle Baugenossenschaften und -Gesell- fchaften in Hessen und Hessen-Nassau angeschlossen sind, hielt am Samstagnachmittag im Hotel Prinz Carl zu Gießen seine diesjährige Mitglieder - Versammlung ab. Aus allen Teilen des Derbandsgebiets waren etwa 300 Vertreter der Genossenschaften zu der Tagung erschienen. ©er Berbaudsführer, Landesrat Görling, Kassel, eröffnete die Verhandlungen mit dem von den Vertretern freudig erwiderten Gruß Heil Hitler!, ermahnte zu weiterem festen Zusammenstehen mit dem Führer und Volkskanzler Adolf Hitler in enger Verbundenheit aller deutschen Menschen, von Blut und Boden, und begrüßte dann die Vertreter der Partei, der Behörden, der Presse und die sonstigen Gäste. Er erinnerte dann an das starke und eindrucksvolle Bekenntnis unserer saardeutschen Volksgenossen zum deutschen Vaterlande und grüßte die Brüder und Schwestern an der Saar in herzlicher Verbundenheit. Weiter wies er aus den zweiten Jahrestag der Machtübernahme des Nationalfozialis, rnus hin, die er als starkes Fundament für den Wiederaufbau Deutschlands und damit auch iter Baugenossenschaften begrüßte. Er entbot dann dem Führer des Hauptoerbandes deutscher Wohnungsunter- Nehmen, D ö t s ch (Berlin-München), den Willkom- rnengruß des hessischen Verbandes und feierte in diesem Zusammenhang die Beseitigung der früheren Gegensätze zwischen Nord und Süd, die lieber» brürfung der einstigen Mainlinie. Zum Schluß rühmte er die hohen Werte der baugenossenschaftlichen Selbsthilfe. ' Im Namen der Baugenossenschaft 1894, der Krie- gersiedlung und des Eisenbahner-Heimstättenvereins zu Gießen brachte Herr H. Schneider, Gießen den Willkommengruß der Gießener Baugenossenschaften an die Tagung zum Ausdruck. Er betonte dabei den Wert der Baugenossenschaften in der Hilfe ■für die minderbemittelten Volksgenossen und in der Zielsetzung, die baugenossenschaftliche Arbeit nur unter dem Gesichtswinkel des Wohls des VolksMnzen zu vollbringen. Dabei erwähnte er, daß in Gießen von den Baugenossenschaften bis jetzt 459 Wohnungen bzw. Einfamilienhäuser errichtet wurden. Der Tagung und der baugenossenschaftlichen Arbeit wünschte er weiteren reichen Segen zum Wohle des ganzen Volkes. ©er Geschäftsbericht Der Verbandsführer, Landesrat Görling- Kaffel, erstattete hierauf den Geschäftsbericht für das Jahr 1933. Seinen Darlegungen fei folgendes entnommen: Dem Verband hessischer Wohnungsunternehmen gehören jetzt, nach dem Zusammenschluß der Baugenossenschaften von Hessen- Nassau und Hessen, 149 Baugenossenschaften und -Gesellschaften an, die insgesamt 33 645 Wohnungen in ihren Häusern geschaffen haben. Die Summen einer Bilanzseite dieser Verbandsmitglieder belauft sich auf insgesamt 310 Millionen Mark. Das Jahr 1933 brachte überall die Durchführung der Gemein- nützigkeitsverordnung. Der Redner betonte, durch den Zusammenschluß der Baugenossenschaften sei im Verbandsgebiet in großer Linie das erfüllt worden, was der nationalsozialistische Staat verlangen könne und müsse. Hinsichtlich der Verbandsbeiträge bemerkte der Redner, deren Höhe werde nach der Zahl der Wohnungen jeder Baugenossenschaft bzw. Gesellschaft gestaffelt, die Setträge würden in mäßigen Grenzen gehalten, da die Verbandsleitung bemüht sei, die Verwaltungskosten auf das geringste Maß zu beschränken und überall die größte Sparsamkeit anzuwenden. Sodann begrüßte der Verbandsführer mit großer Genugtuung den von der Reichsregierung durch das jüngste Gesetz vorgenommenen Schritt der organischen Zinssenkung, und er betonte, daß bei einem Zinssatz von 4,5 Prozent das Bauen künftig viel besser sich entwickeln könne als bisher. Er betonte hierzu: „Ich glaube mit gutem Grund sagen zu können, wir sind durch die Maßnahmen der Reichsregierung einen so entscheidenden Schritt vorwärtsgekommen, daß wir an die Schaffung von Wohnungen für Minderbemittelte nun mit größerer Aussicht auf Erfolg Herangehen können. Das ist besonders wichtig, denn mit dem er- as soll ich denn mit einem Auto? ROMAN VON KÄTHE METZNER. Urheberrechtsschutz: Füns-Türrne-Verlag, Halle (S.). 25 Fortsetzung Nachdruck verboten! Ein haßerfüllter Blick traf Gerlinde aus Rias dunklen Augen. Ria wußte natürlich von Sachs schon längst, daß Gerlinde eine Schwester hatte; die Sache in der Verdi-Diele damals war eine zwischen ihr und Sachs verabredete Sache gewesen. Sie hatte genau gewußt, daß Gisela nicht das Mädchen war, das Gersheim liebte, sondern ihre Schwester. Aber sie hatte sich nicht gescheut, in ganz brutaler Weise zwischen Gersheim und Gerlinde ein bißchen Schicksal zu spielen; dachte sie doch, Gersheim auf diese Weise zurückzugewinnen. Aber es war ihr nicht gelungen. Ria Velten war jetzt wieder Sachs' beste Freundin. Sie hatte wenig Chancen noch beim Film. Ihr Typ hatte in der neuen Zeit abgewirtschaftet. Das Publikum hatte genug von diesen Filmen. Gerlinde wußte nicht, wie sie heimgekommen war. Scholzchen war außer sich und begriff zunächst gar nichts, als das Mädchen ihr stockend und schluchzend die ganze Geschichte erzählte. Nur eins fühlte sie immer deutlicher heraus, daß Gerlinde sich unsinnig um die Schwester bangen mußte, die — vielleicht krank — ohne eine bekannte Seele in dem großen Paris war. Wieder vergingen acht Tage, in denen Gerlindes Unruhe immer größer wurde. Da — als sie eines Tages heimkamen, lag ein Wertbrief da, und als Gerlinde ihn öffnete, fielen ihr fünf Einhundertmarkscheine entgegen. „Restliche Rate für den Wagen. v. S a ch s." Das war die ganze Erklärung auf einem beiliegenden Zettel. Doktor von Sachs hatte sich die Sache doch wohl überlegt. Er wußte natürlich genau, daß er juristisch zur Zahlung verpflichtet war, hatte Gerlinde neulich nur ein bißchen zappeln lassen wollen. „Hat sich also doch besonnen!" sagte Scholzchen sachlich. „Na, wir hätten sonst Klage gegen ihn einreichen müssen. Das hat er doch wohlweislich vermieden." Gerlinde aber war zum ersten Male wieder ein wenig froh. Ein zartes Rot färbte ihre Wangen, während sie hastig fagte: „Nun fahre ich sofort nach Paris und hole Gisela heim. Ich habe wirklich keine Ruhe mehr!" „Aber nicht allein!" hatte Scholzchen da wie ein Feldwebel gesagt. „Da komme ich mit. Wir werden nforgen um Urlaub bitten." „Oh, Sie Gute! Sie Allerbeste! Wenn das Muttchen wüßte, daß ihre Linde einen so treuen Menschen gefunden hat!" sagte Gerlinde mit leuchtenden Augen, und küßte die alte treue Seele auf beide Wangen. * In ihrer schmalen, ungeheizten Dachkammer in Paris saß Gisela und verschlang heißhungrig die dünne Suppe, die sie sich auf dem kleinen, wackligen Herd selbst bereitet hatte. Ein paar Krümchen Talg war das einzige, was sie zum Schmelzen noch im Hause gehabt hatte — um so mehr aber würzten ihre salzigen Tränen das ärmliche Mahl. „Oh!, wenn doch aus Deutschland bald das Geld käme!" sagte das Mädchen flehend vor sich hin und rang die dünnen Finger. „Es geht ja kaum noch so weiter! Ich fühle doch genau, daß ich während des Tanzens bald zusammenbreche vor Schwäche. Mutter! Gerlinde! Wäre ich doch bei euch geblieben! Ihr habt es ja so gut mit mir gemeint — und ich ... ich habe das nicht eingefehen!" Wild schluchzte Gisela, aber ihr Weinen verklang ungehört. Müde stand Gisela auf, um sich für den Abend zurechtzumachen. Sie hatte in allem Unglück noch Glück gehabt, daß sie in einem Variete zweiter Klasse ein Engagement gefunden hatte. Es war bereits der dritte Abend, daß sie dort tanzte. Nur wenige Frank gab es zwar Honorar, aber es reichte für den größten Hunger aus. Jetzt hatte sie ihren kleinen Spiegel auf den Tisch gestellt und schminkte sich geschickt; und doch war sie nüchtern genug, um einzusehen, daß all der Puder ihr schlechtes Aussehen nicht verdecken konnte. Die so tiefen Schatten unter den Augen und die Hohlwangigkeit ließen sich nicht mehr übertünchen. Gisela war durch all das Leid, durch das sie gegangen war, eine andere geworden. Sie sah jetzt vollkommen klar, daß sie für Doktor von Sachs nur eine Episode gewesen war, und daß er sie hatte allein hier sitzen lassen, sobald er ihrer überdrüssig geworden. Zweimal noch hatte sie ihm aus dem Krankenhause nach Berlin geschrieben. Keine Antwort. Da wußte sie, daß sie von ihm nichts mehr zu erwarten hatte. Da, in der bittersten Not, als sie sich nun ganz verlassen sah, war ihr das Büchlein eingefallen, das kleine Testamentchen, das ihr die Mutter in der Abschiedsstunde geschenkt hatte. Manche Stunde hatte sie darin gelesen, manche Stunde hatte sie in den Pariser Kirchen verbracht und Gott um Rettung gefleht. Nun, da alle Menschen sie verlassen hatten, mit denen sie hier in Paris in der ersten Zeit ihres Hierseins Tage verjubelt und Nächte durchfeiert hatte, war Gott ihr einziger Halt geworden. Plötzlich schreckte Gisela zusammen. Stimmen klangen draußen, und ganz deutlich vernahm sie, wie Schritte die wacklige Treppe emporstampften. Dann pochte es an ihre Tür. „Herein!" rief Gisela zaghaft. Oh — gewiß kam ihre Wirtin wegen der längst fälligen Miete. Und wirklich steckte diese ihren dicken Kops durch die Türspalte. „Oh, Mademoiselle ... kommen zwei dames aus Allemagne!" Immer mischte die Wirtin, wenn sie mit Gisela sprach, Deutsch und Französisch durcheinander, um sich verständlich zu machen. „Was?" Gisela war aufgesprungen und stand in dem kleinen Raum, zitternd an allen Gliedern. In der nächsten Minute aber schon fühlte sie sich von zwei Armen fest umschlungen. „Gisela ... meine Gisela ... So finde ich dich wieder!" schluchzte Gerlinde in einem fort und streichelte und küßte unablässig der Schwester Gesicht, während sich Fräulein Scholz, ihre Begleiterin, sehr erschüttert tief im Hintergründe hielt. Dann saßen sie alle beisammen — und jetzt erst brachte Gerlinde der Schwester zögernd bei, daß ihre Mutter nicht mehr lebte. Unheimlich war Giselas Schmerz, der in der armseligen Umgebung einfach trostlos wirkte. „Warum ... warum hab' ich sie nicht noch einmal gesehen? Warum hast du mich nicht heimgeholt?" schrie sie immer wieder. „Oh Mutter ... meine Mutter ... auf meinen Knien hätte ich ihr abbitten mögen — alles, was ich ihr angetan ... O Linde ...du ... ich hab's ja nicht gewußt ..." Scholzchen konnte nur still den Kopf schütteln über Gerlinde, die auch in dieser schweren Stunde ihre wunderbare Seelenkraft nicht verließ, und die ihr eigenes Leid, ihren eigenen Schmerz jetzt völlig hintansetzte, um der Schwester recht stark eine Stütze ZU fein. „Du kommst heim, Gisela ... Wir fahren nicht ohne dich zurück. Erst mußt du einmal gesund werden. Dann wollen wir weiter sehen", tröstete sie die Schwester in ihrer leisen Art. Aber die Stunden eilten. „Ich muß ja heute abend in die Vorstellung", sagte Gisela endlich, nachdem sie etwas ruhiger geworden war. „Ueberbaupt — ich kann doch den Kontrakt nicht lösen. Vier Wochen läuft er — und hat gerade begonnen." „Das werde ich schon machen, Fräulein Gisela!" Wieder nahm Scholzchen in ihrer geschäftstüchtigen, resoluten Art die praktische Seite der Dinge' in ihre Hände. „Sie können in diesem Zustande nicht mehr auftreten. Ihre Gesundheit geht jetzt in erster Linie vor." Gisela schaute die alte Dame dankbar an. O wie gut sah sie aus! Sie hatte so liebe, ehrliche Augen, da konnte man schnell Vertrauen fassen. „Aber heute abend muß ich noch einmal hin", sagte sie leise. „Nun gut, wenn es unbedingt nicht anders geht — heute noch einmal. Dann aber niemals mehr", sagte Gerlinde nach langem Zögern schweren Her.- zens. „Aber ich begleite dich, Gisal Jetzt lasse ich dich nicht mehr allein." folgreichen Fortschreitten der Arbeitsschlacht wird natürlich auch der Bedarf an Wohnraum steigen. Gehen wir frisch ans Werk und oerwiklichen wir den Befehl des Führers, das deutsche Siedlungswerk mit aller Kraft zu fördern. In diesem Sinne für die weitere Arbeit Heil Hitler!" Der ehemalige Vorsitzende des einstigen Verbau« des der Bauvereine in Hessen und jetzige stellvertretende Führer des neuen Verbandes, Rechtsanwalt Dr. N e u s ch ö f f e r (Darmstadt), brachte seine Be- friebigung über den Zusammenschluß zum Ausdruck und hob hervor, daß bei den hessischen Baugenossenschaften, von wenigen Ausnahmefällen abgesehen, in der Verwaltung Reinlichkeit zu Hause war und auch zu Hause bleiben wird. Die hessischen Baugenossenschaften hätten den Zusammenschluß freubig begrüßt, unb sie seien ohne Schulben mit aufrichtiger Gesinnung „in bie Ehe" gekommen. Mit freubiger Bereitschaft würben bie hessischen Vertreter auch im neuen Verbanb weiter Mitarbeiten. Revisions- und Kassenberichte. Die anschließenben Berichte ber 23erbanbsprüfer über bie Revisionen bei ben Baugenossenschaften und -Gesellschaften von Hessen-Nassau bzw. von Hessen beschäftigten sich mit verwaltungstechnischen Angelegenheiten ber Genossenschaftsverwaltungen. Der Kassenbericht bes ehemaligen hessen-nassauischen Verbanbes weist für 1933 folgenbes auf: Einnahmen: Voranschlag 18100 Mark, tatsächlicher Eingang 18 589,53 Mark; Ausgaben Voranschlag 18100 Mark, tatsächliche Ausgaben 16133,24 Mark;. Kapitalbestanb Enbe 1933 — 4 261,70 Mark. Im Kassenbericht bes einstigen hessischen Verbanbes heißt es: 1933: Einnahmen 3275,10 Mark, Ausgaben 2563,35 Mark, Kafsenbestanb 711,75 Mark; für 1934: Einnahmen 3257,80 Mark, Ausgaben 2662,68 Mark, Kafsenbestanb 595,12 Mark. Der Bestaub würbe an ben neuen Verbanb überwiesen. Anschließenb wurde dem Verbandsführer und ben Rechnern einstimmig Entlastung erteilt. Bestellung des Berbandsführers. Der Verbanbsführer, ßanbesrat Görling- Kassel, würbe sobann von ber Versammlung einstimmig unb unter starken Beifall, kunbgebungen erneut zum Verbanbsführer bestellt unb von bem anroefenben Führer bes Hauptverbanbes Deutscher Wohnungsunternehmen, D ö t s ch - Berlin-München, sogleich mit warmen Worten ber Anerkennung für bie bisherige Gnschäftsführung als Verbanbsführer bestätigt. Nach ben Dankesworten bes Ver- banb sfüfjrers für biefe Vertrauenskunbgebung sprach ber Hauptverbandsführer ©öisch in etwa anberthalbsttinbiger Rebe über bas Thema „Die Neuorganisation unb bie Aufgaben ber Baugenossenschaftsbewe- g u n g." Der Rebner wies zunächst auf die Gleichschaltung im deutschen Baugenossenschaftswesen im Verlaufe bes Jahres 1933 hin, bie das Ziel verfolgte, b i e Männer in bie Leitung ber Baugenossenschaften hineinzusetzen, bie Gewähr dafür bieten, daß bie Baugenossenschaften im Sinne des nationalsozialistischen Aufbaues geleitet werden. Zu diesem Zwecke mußte auch bie frühere Vielgestaltigkeit bei ben Baugenossenschaften und ihren Derbänden beseitigt und eine straffere Organisation geschaffen werben. Der wirtschaftliche Zweck der Baugenossenschaften sei nicht ihre eigentliche Ausgabe, hauptsächlich komme es daraus an, durch die Baugenossenschaften dem deutschen Volke das Wohnwesen so zu gestalten, wie es dem Gedanken der deutschen Volksgesamtheit entspreche, denn die Wohnung sei die Keimzelle der Familie, und ein gesundes Wohnwesen sei die Grundlage eines gesunden Staatsaufbaues. Die deutsche Baugenossenschaftsbewegung könne mit Stolz darauf Hinweisen, baß sie schon seit Jahrzehnten mit allen Kräften der ba malig en oerheerenben Entwicklung bes Wohnwesens entgegengewirkt und da- „Oh, meine Linde! Womit hab' ich nur verdient, daß du dich so um mich sorgst? Ich war doch immer — eure Schlechte!" Die Mädchen hatten mit Scholzchen ein Hotel in Giselas Nähe gesucht, wo sich bie alte Dame mit Gerlinbe einmietete Gerlinbe beftanb aber jetzt bar= auf, baß Scholzchen sich ausruhe, währenb sie mit Gisela allein in bie Vorstellung gehen wolle. Und so heftig bie alte Dame erst wibersprach, schließlich fühlte sie in ihrem alten Körper bie Strapazen ber Reise doch stärker als Gerlinbe. „Aber nicht so spät kommen, Kinbchen!" sagte sie schließlich noch, ehe sie Gerlinbe gehen ließ. In bem kleinen Variete folgte Gerlinbe ber Schwester in ihre Garberobe. Ziemlich primitiv war alles hier, währenb bas Lokal einen fast pompösen Einbruck machte. Aber wie alles fast -in Pa- ris: vor ben Kulissen Glanz unb Flimmer, hinter ben Kulissen Hunger unb Sorge ber kleinen Künstlerschar, schlechte, fast unhygienische Garberobever- hältnisfe. Gisela kleibete sich an. Wer bas erlebt t)at, was es heißt, mit lachen- bem Gesicht über bie Bühne tollen, während einem bas Herz vor Schmerz halb zerbricht!, bachte bie junge Tänzerin, währenb sie bas Zeichen bes Bühnenmeisters abwartete, bas sie aus ben Kulissen herausrief in bas bunte, gleißenbe Licht der Scheinwerfer. Mit angstvoll pochenbem Herzen ftanb Gerlinbe hinter ben Kulissen unb schaute bem Tanz ber Schwester zu. Ja — war bas alles benn Wirklichkeit? Daß sie hier hinter ber Bühne eines Pariser Varietes ftanb, baß Gisela bort tanzte ... rounberfam tanzte, währenb eine Musik wie aus ber Ferne bazu erklang. Plötzlich ging bie Musik in einen anberen Rhythmus über, bas Scheinwerferlicht wechselte in Purpurrot. Wilb klangen bie Töne, heiß rauschten bie Akkorbe — Leibenschaft tanzte Gisela, ver- zehrenbe Glut. Totenstille herrschte im Zuschauerraum. Plötzlich riß ber Akkorb jäh ab — mitten im Tanz stürzte Gisela Steinbrück mit einem gräßlichen Schrei zusammen. Der Vorhang fiel. Unten raste bas Publikum vor Begeisterung, währenb Gerlinbe vor Entsetzen an allen ©liebem zitterte. Mußte bas benn so fein? Nein! Nein! Gisela lag boch bort wirklich besinnungslos. Sie war zusammengebrochen. Kollegen (prangen hinzu. Man trug das bewußtlose Mäbchen in bie Garberobe. Gerlinbe war ber Verzweiflung nahe. Hätte sie es boch nicht zugegeben, hätte Gisela boch nicht noch einmal getanzt! Nun war es vielleicht — chr (Tortsetzung folgtI) mit praktisch die auf Auflösung der Volksgemeinschaft gerichteten Bestrebungen bekämpft habe. Die Baugenossenschaften hätten bisher schon keine Mietskasernen geschaffen und würden solche auch in Zukunft nicht errichten. Durch ihre Tätigkeit seien vielmehr in allen Gebieten Deutschlands ganze Gartenstädte entstanden. Die Schaffung von Eigentum auch in Form von Eigenheimen habe jeder selbst zu übernehmen, die Baugenossenschaften könnten zu dieser Eigentumsbeschaffung nur Mithilfe leisten, indem sie den Weg zu diesem Ziele ebnen. In erster Linie komme es dabei darauf an, die Entwicklung des Wohnwesens so zu beeinflussen, -ah für die minderbemitttelten Volksgenossen mitgeforgt werden könne. Wie das deutsche Volk gemeinsam im Kriege seine Grenzen verteidigt habe und jetzt wieder geschlossen hinter dem Führer bei seinem Aufbauwerk stehe, so müsse es auch gemeinsam die hohen Ziele der Baugenossenschaftsbewegung und damit die Hilfeleistung für die minderbemittelten Volksgenossen unterstützen. Dieses große Aufbauwerk sei Sache des ganzen Volkes, dessen organisierte Volkskraft dafür nutzbar gemacht werden müsse. Durch diese Neugestaltung des Wohnwesens des deutschen Volkes müsse milgeholfen werden, daß das große Ziel des Führers unter allen Umständen erreicht werde. Das sei natürlich nicht von heute auf morgen möglich, aber in der Zwischenzeit müßten die Baugenossenschaften im Hinblick auf das ständige Anwachsen neuer Familien alle Maßnahmen verwirklichen, die zum J>eile des deutschen Volkes seien. Solange noch nicht die Wöglichkeit besiehe, jährlich 300 000 bis 400 000 Eigenheime zu schaffen, müßten gesunde Wohnräume errichtet werden, um die deutschen Volksgenossen in anständigen Wohnungen unkerbringen zu können, in denen sie sich wohlfühlen und entwickeln könnten. Vornehmste Aufgabe müsse es fein, dafür zu sorgen, daß das Wohnwesen den deutschen Wenschen mit dem Grund und Voden unlöslich verbinde. An dem deutschen Siedlungswerk sei das ganze deutsche Volk interessiert. Der Führer gebe dabei dem Volke die Marschrichtung an, alle anderen Volkgenossen müßten auf diesem Wege folgen und alle Kräfte anspannen, um das Werk so rasch als möglich zustandezubringen. Bei diesem Siedlungswerk sei die Baugenossenschaftsbewegung ein gesunder Kern und ein mächtiger Faktor, der zu einem starken Träger der Siedlung ausgebaut werden müsse. Dieses Werk müsse vollkommen im Geiste des Nationalsozialismus in untadeligster Weise geschaffen werden. Der Redner teilte weiter mit, daß im Laufe des kommenden Sommers in einer Großstadt Westdeutschlands eine deutsche Baugenossenschafts-Ausstellung. veranstaltet werden würde, die einen umfassenden Ueberblick über die baugenossenschaftliche Arbeit und ihre Zielsetzung geben solle. Weiter besprach er noch einige interne Fragen des Verbandswesens, um zum Schluß einen eindringlichen Appell an die große Versammlung zur hingebungsvollen Mitarbeit am Werke des Führers zu richten. (Langanhaltender starker Beifall.) Der Verbandsführer, Landesrat G ö r l i n g - Kassel, sprach dem Redner in herzlichen Worten feinen und der Versammlung Dank aus für die richtungweisenden Darlegungen und schloß hierauf den Ver- bandstag mit dreimaligem, freudig aufgenommenen Sieg-Heil auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler. Eine üble Cntschnldnngshilfe. Den Gewerbeschein entzogen. Im Sitzungssaale des- Kreisamtes Gießen fand am Samstagvormittag unter dem Vorsitz von Provinzialdirektor Klostermann eine Verhandlung statt. Zunächst handelte es sich um folgende Angelegenheit: Das Kreisamt Gießen hatte den Antrag gestellt, dem Heinrich Henkel von Londorf den Gewerbebetrieb zur Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten und die Besorgung von Geschäften bei Behörden für andere zu untersagen. Für die Beweisaufnahme waren etwa 15 Zeugen geladen. Regierungsrat Krüger als Referent gab zunächst den Tatbestand für den Antrag zur Kenntnis: Heinrich Henkel habe sich, so führte er u. a. aus, als „Wirtschaftssachverständiger", als „Treuhänder", später auch als „Bücherrevisor" betätigt. Aus dieser Tätigkeit seien aber Unzuträglichkeiten erwachsen, die eine öffentliche Bereinigung erforderlich machten. Die charakterlichen Eigenschaften des Beklagten seien nicht dazu angetan, ihn als Treuhänder geeignet erscheinen zu lassen. Hinzu- fomme, daß er bereits einmal wegen Beihilfe zum Bankrott zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt worden fei, ferner den Offenbarungseid habe leisten müssen und außerdem die Bücher der Firma seines Stiefvaters so geführt habe, daß er als Bücherrevisor überhaupt nicht in Frage kommen könne. Als Entgelt für feine Dienste fyabe der Beklagte die Rechts- anwaltsgebühren-Ordnung zugrunde gelegt und stets den Betrag von 7/io .der Rechtsanwaltsgebühren verlangt. In der jüngsten Zeit habe sich Henkel darum bemüht, für verschuldete Landwirte das Entschuldungsoerfahren zu betreiben. Um die Landwirte für eine Durchführung des Entschuldungsverfahrens durch ihn zu gewinnen, habe er in verschiedenen Orten sogar Vorträge gehalten und sich dabei in empfehlende Erinnerung gebracht. Sein gewandtes Auftreten, seine Geschicklichkeit und Redefertigkeit brachten ihn den gewünschten Erfolg. In vielen Fällen fei er von den Bauern beauftragt worden, wobei er sich eine Vollmacht unterschreiben ließ, in der auch die Klausel von den „7/io der Rechtsanwaltsgebühren" festgehalten gewesen sei. Selbst auf eindringliche Fragen nach dem Kostenpunkt seiner Bemühungen gab er keine bindende Auskunft, so daß die Leute über die ihnen entstehenden tatsächlichen Unkosten im unklaren gewesen seien. Die von ihm verlangten Beträge waren meist sehr hoch. Sein Wirken habe als Folgeerscheinung gezeitigt, daß sich ungefähr alle amtlichen Stellen, die mit ihm zu tun hatten, wie auch die Stellen der Partei sich gegen den Beklagten aussprachen. Besonders von der Kreisbauernschaft sei gegen ihn scharf Stellung genommen worden. Die Amtsgerichte ldie ihn übrigens als Rechtsvertreter nicht zuließen), die Handelskammer, Bürgermeistereien u. a. m. gaben dem Wunsche wiederholt Ausdruck, daß dem Henkel die Ausübung seines Gewerbebetriebes untersagt werden möchte. Ganz besonderen Anlaß zur Klage habe die Härte gegeben, die er bei der Eintreibung der Kosten für feine Bemühungen an den Tag gelegt habe. In vielen Fällen habe er von den oft in tiefster wirtschaftlicher Not lebenden Bauern ungeheuerliche Beträge gefordert. Es wäre als ein Glück für die oberhessifchen Bauern zu betrachten, wenn sie von diesem Manne befreit werden würden. Zur Charakterisierung der Persönlichkeit des Beklagten gab der Referent noch einige Einzelheiten seiner Handlungsweise in früherer Zeit bekannt und streifte besonders jene Fälle, in denen der Angeklagte auf Verträgen Daten einfetzte, die es überhaupt nicht gibt, und zwar zu dem Zwecke, den betreffenden Verträgen dadurch von vornherein die Rechtskraft zu nehmen. Es erscheine angebracht, dem Beklagten das Handwerk zu legen, da der immer noch schwer kämpfende Bauernstand in Oberhessen durch einen Mann dieser Art keinerlei Einbußen erleiden dürfe. Sodann schritt der Verhandlungsleiter zur Zeugenvernehmung, die erkennen ließ, daß Henkel eine eindeutige Technik pflegte. Er verlangte stets verhältnismäßig kleine Anzahlungen, forderte nach kurzer Zeit einen weiteren Spesenvorschuß, der in den meisten Fällen die Bauern stutzig machen mußte, so daß sie sich gezwungen sahen (da sie schon diese Mittel nicht aufbringen konnten), die erteilte Vollmacht zurückzuziehen. Henkel gab dann jeweils zur Kenntnis, daß er die Behandlung und Weiterverfolgung des erteilten Auftrages niedergelegt habe und legte gleichzeitig die Rechnung bei, die sich oft auf bis über 300 Mark belief, die er außerdem in manchen Fällen innerhalb drei Tagen bezahlt haben wollte. Da es den Bauern nicht möglich war, diesen Betrug kurzfristig zu bezahlen, drohte Henkel rigoros sofort mit der Einklagung des Geldes. Der Vertreter des Kreisamtes umriß in feinen Ausführungen den Tatbestand, wie er sich durch die Zeugenvernehmung ergab und betonte zum Schluß, daß das Kreisamt den Antrag auf Entziehung des Gewerbescheines in vollem Umfange aufrechterhalte. Der Vertreter des Beklagten betonte in längeren Ausführungen, daß kein Grund vorliege, feinem Mandanten das Gewerbe zu untersagen, und er stellte den Antrag auf Ablehnung des Antrages des Kreisamtes. Nachdem der Beklagte unwesentliche Einzelheiten klarftellen zu müssen glaubte, zog sich das Gericht zur Beratung zurück, die aber nicht lange dauerte. Nach kaum zehn Minuten verkündete Provinzial- direktor Klo st ermann das Urteil: „Dem Heinrich Henkel aus Londorf wird die gewerbsmäßige Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten und die Besorgung von Geschäften bei Behörden untersagt. Die Kosten fallen dem Beklagten zur Last. Der Streitwert wurde auf 2000 Mark festgesetzt. * Auf die Klage des Bezirksfürsorgeoerbandes Merseburg-Stadt wurde der Bezirksfürsorgeverband des Kreises Friedberg verurteilt, an den Kläger die für das Kind Kurt Gerlof f, jetzt Frank, geboren am 19. September 1920 in Friedberg, aufgewendeten Kosten im Betrage von 577,15 Mark nebst 6 v. H. Zinsen seit dem 29. Dezember 1932 zu bezahlen und die Kosten des Rechtsstreits zu tragen. Tagung hessischer Simmermeifler in Gießen. Am Samstag fand im Saale des Gasthauses „Hindenburg" zu Gießen eine gemeinsame Tagung des Unterverbands Kurhessen-Waldeck und des Innungsverbandes Hessischer Zimmermeister im Reichs- verband des Deutschen Zimmererhandwerks statt. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Auflösung der Bezirksverbände Kurhessen-Waldeck und Jnnungs- verband Hessischer Zimmermeister, sowie Gründung des Landesverbandes Hessen. Namens des Reichsverbandes und der beiden Landesverbände eröffnete Reichsgefchäftsleiter Dr. ® e r l..a n d - Kassel die Verhandlungen mit kur- 3er Begrüßung; insbesondere galt sein Gruß dem Vertreter des Landeshandwerksmeisters Garner, Dr. Kayser-Darmstadt, dem Präsidenten der Handwerkskammer Wiesbaden, Müller, und dem Vertreter des Präsidenten der Handwerkskammer Varmstadt, Kreishandwerksmeister S t ü h l e r (Gie- Er wies dann auf die geplante Gründung des Landesverbandes Hessen hin. Das Zimmererhand- OE seinen Dank an den Führer nur durch tanraftige Mitarbeit am Ausbau des Dritten Reichs bezeugen Der alte Geist des Handwerks, der mit Elonalsozialistischem Geist so wesensverwandt ei, müße wieder Einkehr halten. Hieraus betonte Reichsverbandsleiter Zimmer- meifter 910^, MdR., Karlsruhe, jeder einzelne muye bereit fein, den Weg mitzugehen, der das Handwerk vorwärts bringe. G-lchäftssührer Dr. S d y f e r = Darmstadt brachte 3um Ausdruck, daß der Landeshandwerksmeister Garner allezeit bereit fei, für die Belange des Zimmererhandwerks einzutreten. Die beiden Verbände (Kurheffen-Waldeck und Jnnungsverband Hessischer Zimmermeister) hätten bisher gut gearbeitet, zur einheitlichen Arbeit fei aber der Zusammenschluß notwendig geworden. Handwerkskammerpräsident Mülle r-Wiesbaden betonte, daß der Verband auf weitgehende Unterstützung durch die Handwerkskammer Wiesbaden rechnen könne. Kreishandwerksmeister S kühler (Gießen) sprach als Vertreter der Handwerkskammer Darmstadt und hob hervor, wie wichtig es fei, die übergeordneten Stellen des Handwerks zu unterstützen. Für die Zukunft bestehe die Möglichkeit, vieles im Handwerk zu bereinigen. Das neue Handwerkergesetz fei ein Geschenk, für das andere Berufsgruppen sehr dankbar sein würden. Es folgten die Tätigkeitsberichte der beiden Verbände, denen sich die Kassenberichte anschlosfen. Aus letzteren ging hervor, daß der Kassenbestand des Verbandes Kurhessen-Waldeck 532,43 Mark, der des Innungsverbandes Hessischer Zimmermeister 602 Mark beträgt. Hierauf wurde beschlossen, die beiden Verbände auszulösen. Es erfolgte sodann einstimmig die Gründung des Landesverbandes Hessen im Reichsverband des deutschen Zimmererhandwerks. Der neugegründete Landesverband Hessen umfaßt die Handwerkskammerbezirke Darmstadt, Wiesbaden und Kassel. Er deckt sich mit dem Bezirk des Treuhänders der Arbeit. Der neue Verband tritt in die Vermögensrechte des allen Verbandes ein. Die vorgelegte Satzung wurde gulgeheihen. Der Sih des Verbandes befindet sich in Kassel. Reichsverbandsleiter R. Roth (Karlsruhe) betonte, daß im Einvernehmen mit dem Landeshandwerksmeister als Leiter des neuen Verbandes Zimmermeifler Adolf Bischoff (Kassel) berufen worden fei. Dieser habe fern Amt bereits übernommen und den Verbandsbezirk in zwei Bezirksgruppen untergeteilt, und zwar Bezirk I, umfassend den Kammerbezirk Kassel, Bezirk II, umfassend die Kammerbezirke Darmstadt und Wiesbaden. Zu Bezirksführern wurden durch den Landesverbandsleiter die Herren Kuhn (Kassel) für Bezirk I, Hartmann (Darmstadt) für Bezirk II ernannt. Zimmermeister Hartmann (Darmstadt) wurde gleichzeitig als Stellvertreter des Landesverbandsleiters bestimmt. Landesverbandsleiter Bischoff versprach, daß er feine ganze Kraft in den Dienst der Sache stellen wolle, er erwarte aber tatkräftige Unterstützung aller Berufsgenossen. Bei der Schaffung der neuen Handwerkergesetze habe der Führer die Ueberzeu- gung gehabt, daß das Handwerk diese Gesetze verdiene. Es liege jetzt am Handwerk, sich ihrer würdig zu zeigen. Er berief hierauf folgende Herren in den Landesverbandsbeirat: Hartmann (Darmstadt), Kuhn (Kassel), Steinbach (Oberwesterwald), R i m m e r i ch (Warburg), B e st (Wiesbaden), Herde (Worms) und Reumann (Schotten). deutsche Zimmererhandwerk dem jetzigen System verdanke, sei viel. Die Steigerung der Ertragsfähigkeit des deutschen Waldes fei von großer Bedeutung. Das Zimmererhandwerk habe als Treuhänder des deutschen Waldes eine große Aufgabe zu erfüllen. Man habe das deutsche Zimmererhandwerk verkannt und sich durch andere Baustoffe teilweise vom Holzbau abbringen lassen. Das deutsche Volk könne aber auf das Zimmererhandwerk nicht verzichten. Jeder Zimmermeister müsse seine Ehre für gute Arbeit einsetzen. Der Redner erläuterte dann die Organisation des Zimmererhandwerks und kam zum Schluß noch auf verschiedene Berufsfragen (Prüfungswesen, Preisgestaltung, Fachzeitung, Holzwerbung, Holzhausbau ufw.) zu sprechen. Sodann sprach Reichsverbandsgeschäftsführer Dr. E. G e r l a n d (Kassel) über „Arbeitsbeschaffung für das Zimmererhandwer k". Er wies zunächst darauf hin, daß die heutige Auftragsdecke für die große Zahl der Betriebe zu gering fei. Bedarf fei wohl vorhanden, doch müßten die Finanzfchwierigkeiten erst nach und nach beseitigt werden. Wichtig fei die Frage: wie gelinge es, mit den vorhandenen Mitteln die Arbeitsbeschaffung zu finanzieren, unter Vermeidung jeglicher Pump- wirtschast. Die seither an Auftraggeber geleisteten Zuschüsse sollten nur eine vorübergehende Maßnahme, ein Uebergang zur gefunden Privatwirtschaft fein. Ein Mittel hierzu fei die Reichsbürgschaft, die möglichste Ausnutzung des Waldbesitzes und damit die Förderung des Fachwerkbaues, Der Redner kam dann auf die Siedlungstätigkeit zu sprechen und betonte, daß das Zimmererhandwerk hier bei der Finanzierung mithelfen müsse. Er sprach dann weiter über die Selbsthilfe im Zimmererhandwerk, die vor allem darin bestehen müsse, verlorene Arbeitsgebiete (Treppenbau, Fußböden, landwirtschaftliche Betriebsgebäude, Herstellung von Holzsilos usw.) wiederzugewinnen. Auch der Abbruch von Fachwerkhäusern sei Arbeit des Zimmer- meifters. Daneben sei die Einstellung aller Zimmer- meister auf neuzeitliche freitragende Holzkonstruktionen unbedingt erforderlich. L-andesgeschäftsführer F r e i s e (Kassel) erläuterte den Haushaltsplan, der einstimmige Annahme fand. Hierauf hielt Reichsverbandsleiter Zimmermeister Roth, M. d. R., Karlsruhe, einen Vortrag über „Die Berufsorganisation und d i e Facharbeit des Reichsverbande s". Er Landesverbandsleiter Bischoff schloß nach einer schilderte den Zweck der Organisation, die nicht Aussprache über die Vorträge die Tagung mit drei- Selbstzweck fein dürfe, sondern der Erhaltung des maligem Sieg-Heil auf den Führer und Reichsgesamten Berufsstandes dienen müsse. Was das I kanzler Adolf Hitler. Riesenvrand in Frankfurt. Frankfurt a. M., 3. Februar. (LPD.) Am gestrigen Samstagabend entstand in dem Hause Zeil 41 Großfeuer. Um 20.48 Uhr wurde die Feuerwehr gerufen. Beim Eintreffen der Wehr stellte sich die Gefährlichkeit des Brandes heraus, so daß sofort die gesamten Löschzüge eingesetzt wurden. Starker Sturm entfachte das im Dachstock ausgebrochene Feuer zu einem Flammenmeer. Die Feuerwehr hatte durch den Rundfunk ihre sämtlichen dienstfreien Beamten aufgefordert, sich auf den Brandwachen zu melden. Das Großfeuer war der größte Brand, der feit Jahrzehnten Frankfurt heimgesucht hat. Die Flammen fanden in den in den oberen Stockwerken angehäuften Stoff- und Wollvorräten reiche Nahrung und schossen hauchhoch empor. Der gewaltige Funkenregen, der von dem starken Wind weithin getrieben wurde, gefährdete die umliegenden Häuser. Ein Nebenhaus in der Klinger- straße fing auch bereits an zu brennen, doch konnte durch schnelles Eingreifen der Feuerwehr ein Aufkommen des Brandes verhindert werden. Gegen 24 Uhr war das Feuer soweit bekämpft, daß ein weiteres Umsichgreifen des Brandes nicht mehr befürchtet zu werden brauchte. Der größte Teil der Feuerwehr, die im ganzen 5 Motorspritzen und 17 Schlauchleitungen zum Einsatz gebracht hatte, konnte wieder abrücken. Ein starkes Feuerwehrkommando hatte aber noch bis Sonntag früh zu tun, um die an verschiedenen Stellen immer wieder aufflackernden Flammen zu ersticken. Besonders schwierig gestalteten sich die Aufräumungsarbeiten, die auch am Sonntagabend noch nicht abgeschlossen waren. Die Feuerwehrleute schwebten in ständiger Lebensgefahr, da Decken und Balken und vor allen Dingen der große Ecklurm einzustürzen drohten. Das Innere des Hauses bildet einen wüsten Trümmerhaufen. Was nicht durch Feuer vernichtet wurde, ist durch die ungeheuren Wassermassen, die zur Löschung des Brandes erforderlich waren, zerstört worden. Ganze Berge von verbrannten Stoffen und Wolle liegen vor dem Hause. Das Feuer war im vierten Stock ausgebrochen und hatte sich bald nach dem Dachstuhl durchgefressen. Seitens der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei sind schon im Laufe der ersten Nachtstunden die erforderlichen Ermittlungen zur Klärung der Brandursache ausgenommen worden. Im Laufe der Nacht und des Sonntags sind bereits zirka 60 Zeugen einschließlich des gesamten Personals der Firma Veit Wohlfahrt von der Kriminalpolizei vernommen worden. Im Interesse der Untersuchung können zur Stunde nähere Einzelheiten nicht bekanntgegeben werden. Die Absperrungen der Polizei und die Ermittlungstätigkeit find in dankenswerter Weife von SA. und SS. tatkräftig unterstützt worden. Aufruf des Reichsstatthalters. Deutsche Volksgenossenl Darmstadt wird in den Tagen des 16. und 17. Februar 1935 Gegenstand der Aufmerksamkeit aller luftsportlichen Kreise der Welt sein. Starten doch an diesem Tage nicht weniger als 16 Ballone um die Deutsche Freiballon-Meisterschaft, die gleichzeitig mit dem Ausscheidungsrennen für den Gordon- Bennet-Preis verbunden ist. Der Wettbewerb ist einer der größten, die jemals stattgefunden haben. Es ist an euch, deutsche Volksaenossen, der Veranstaltung durch zahlreichen Besuch ein würdiges Gepräge zu geben. Die deutsche Freiballon-Meisterschaft "des Jahres 1935, die erste in Deutschland überhaupt, muß zu einer gewaltigen Kundgebung für die Idee des deutschen Flugsportes werden. Sie bient in hervorragendem Maße dazu, das deutsche Volk für den Flugsport zu begeistern. Gez. Sprenger, Gauleiter Hessen-Nassau, Reichsstatthalter in Hessen. * An alle Turner und Sportler! Darmstadt steht am 16. und 17. Februar im Zeichen der Luftfahrt. An diesen Tagen findet in der hessischen Hauptstadt die Deutsche Freiballon- Meisterschaft, verbunden mit den Ausscheidungskämpfen zu dem internationalen Gordon-Bennet- Rennen statt. Nachdem mir die Organisationsleitung zu dieser Veranstaltung übertragen wurde, mache ich bie Turn- und Sportvereine Hessens schon jetzt auf diesen Tag, an dem 18 Freiballons ab 15 Uhr in Darmstadt aufsteigen werden, aufmerksam, damit sie sich am 17. Februar gegebenenfalls freihalten und dadurch ihren Mitgliedern Gelegenheit zum Besuch der Veranstaltung geben. Gez. Löwer, Unterbeauftragter des Reichssportführers für die hessischen Teil der Gaue 12 und 13, Leiter der Ortsgruppe Darmstadt des Reichsbundes für Leibesübungen. Ein Abend Sport und Tanz. Veranstaltung der Ium-, Sport- und Gymnasiiklehrer. Der Reichsverband Deutscher Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer im Nationalsozialistischen Lehrerbund, Bezirk 2, Gießen, trat am Samstagabend im Cafs Leid mit einer stark besuchten Veranstaltung zugunsten der Winterhilfe zum ersten Male an die Öffentlichkeit. Der Abend war gleichzeitig der Werbung für zweckmäßige und schöne Leibesübung gewidmet. Das Programm war außerordentlich reichhaltig. Sportlehrer Rieke- Braunfels hielt zunächst eine Ansprache, in der er alle Teilnehmer begrüßte. Es sei, so führte er u. a. aus, wieder eine Freude, Deutscher zu sein. Wir alle wollten wieder ein Volk der Ehre, der Freiheit, der Ehrlichkeit. Zum Aufbau des Vaterlandes aber brauchten wir die Leistung. Die Leistung jm Hinblick auf die Gesamtheit der Nation. Leistung sei aber nur möglich aus einem kräftigen gesunden Körper heraus. Leider dächten die meisten Menschen immer erst dann an ihre Gesundheit, wenn sie bereits abzubröckeln beginne. Strahlender Geist könne nur in einem herrlichen Körper wohnen. Disziplin, Kampfgeist und Kameradschaftsgefühl bedeuteten im Sport alles. Wo diese Tugenden fehlten, werde der Sport zum Zerrbild. Das ganze deutsche Volk müsse zu sportlichem Denken erzogen werden. In der Jugend gelte es, die Lust und Liebe zur Leibesübung zu wecken. Dem deutschen Volke seien in der Vergangenheit schwere Wunden geschlagen worden. Ein Volk, das sich aufgebe, müsse abtreten vom Schauplatz der Geschichte. Deutschland rege sich aber wieder, denn wir alle glaubten an die Zukunft unseres Volkes, an den Führer. Immer müßten wir uns dessen bewußt sein, daß, je stärker der einzelne Volksgenosse ist, um so stärker das Reich ist. Der Geist solle unser Gott und der Körper sein Tempel sein. Die Ausübung des Sportes erziehe zur Kaltblütigkeit und zur Ritterlichkeit, zu Kameradschaft, zu Widerstandskraft und Härte, zu Disziplin und Selbstbewußtsein. In diesem Sinne möge auch der Abend Anregung geben, jedermann zur eigenen Betätigung. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf Führer und Vaterland schloß der Redner feine Ansprache. Gemeinsam wurden sodann das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied gesungen. Der weitere Verlauf brachte eine Fülle der unterhaltsamsten und begeisternden Darbietungen. Turn- und Sportlehrer, Gymnastiklehrerinnen und -Lehrer, Schulen und Tanzschulen stellten sich in den Dienst des Abends, so daß die verschiedensten Formen der Leibesübung vor Augen geführt werden konnten. Das Publikum folgte' jeder der Darbietungen mit großer Aufmerksamkeit. Eingeleitet wurde die Vortragsfolge in glücklicher Weise durch einen feierlichen Gruppentanz, der in einer feinen Steigerung der Bewegung ein schönes Erlebnis vermittelte. Es folgte dann — geschickter Gegensatz — ein rassiges Gefecht zweier Säbelfechter, das den Zuschauern die hohe erzieherische Bedeutung dieses Sportes bewußt werden ließ. Als eine neuere sportliche Disziplin lernte man „Schwingball" kennen, der von den Kämpfenden große Geschicklichkeit und Geistesgegenwart verlangt Mit großer Freude PATüfoPATACHOH ¥>28 l) ■ c - LZ.. C >r> fc£3 2 ®4- ® "o* *?« *$>•■ 41 0 . §85 ’. sä'. C ö J Or ® »li i?s Außer Konkurrenz starten als Postballons: Nordhessen—Bayern unentschieden 1:1 Handball im Gau Nordhessen ■ Lichtspielhaus« Gießen | bringt ab heute Montag B Das wäre eine Nrille fite Sie G<>eth<-.Bun