185. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Ur. 205 Erster Blatt 185. Jahrgang Dienstag, 5. September 1955 ÄS.'S'feÄ Ä» t * a. »r e ?»”"»*■ »eltagen: Die Illustrierte ^k K A A A, A A A A Ak Ak. Alk 'M ▲ A. A A ▲ bi- 8-/,Uhr des Vormittag- tzeimaNmDttd"Di-Scholl- | | AM rL Srundpreise tllrl mmyöhe m^ÄÄ05 I /I || macht werden und die Munition vorbereitet wird. Die Geschützrohre richten sich hoch. Alles ist aufs genaueste nach der Nordrichtung eingestellt, auch das Reservemeßgerät, das ständig mitarbeitet, um bei Ausfall des'Kommandogerätes ohne jede Verzögerung einsetzen zu können, bei Verletzung der Kabelleitungen unter Zuhilfenahme eines Kommandolautsprechers, der auch starken Gefechtslarm überdröhnt. Aehnlich ist der Einsatz der leichten Batterien mit den 2-cm- und 3,7-cm-Maschmen- oewehren, die als vollautomatische Schnell-Lade- kanonen arbeiten. Ueberall kommt es für die praktische Arbeit darauf an. daß bereits die ersten Schüsse sitzen. Dor allem müssen die ersten Gruppensalven der schweren Batterieeu Treffer aufweisen, da sich sonst die feindlichen Flieger durch Ausweichmanöver bis zu einem gewissen Grade der Luftabwehr entziehen können. Es ist eine Freude, wie bei einer Lankwitzer Batte- rie ein Unteroffizier in fünf Minuten auch für den Laien voll verständlichen klaren Vortrag über die unendlich komplizierte und doch einwandfreie Arbeit des Kommandogerätes hält, ähnlich hernach ein Unteroffizier der Wolfenbütteler Abteilung über die Arbeitsweise des 2-Zentimeter-MG. In den Mittagsstunden erscheinen die ersten roten Aufklärungsflieger, die unter Feuer genommen werden. Nachmittags spielen sich dann auch Luftkämpse ab, bei denen sich die Ketten der Braunschweiger Jagdstaffel auf rote Bomber stürzen. Es sind erregende Minuten, wie eben die Flieger ihre Kreise ziehen und aufeinander losschießen, während unten die Bedienungsmannschaften eines 2-Zenti- meter - MGs jederzeit schußbereit ist, um in dem Augenblick, wo der eigene Jagdflieger nicht gefährdet werden könnte, das Feuer auf die feindlichen Bomber zu eröffnen. Die Flakmanöver waren am Montagabend durch Gewitterstörungen be- einflußt. Da das Gewitter kurz nach Eintritt der Dunkelheit einsehte. ist es zu Kampfhandlungen nicht gekommen. Der erwartete Bombenangriff von Rot ist ausgeblieben. Der Wettergott hat also in diesem Falle den wirksamsten Luftschutz durchgeführt. Die Scheinwerferabteilung und die Flakartilleriebatterien waren in die bereits bei Tageslicht vorbereiteten Stellungen eingerückt, konnten aber nach einem ersten Probeleuchten nicht in Funktion treten. Stadt und Land Braunschweig waren bis Mitternacht völlig verdunkelt. In den Straßen von Braunschweig konnte man sich in das Mittelalter versetzt denken. So wie sich hier die Fußgänger an den Häusern entlangschlichen, um vielleicht nur einmal an der Bordschwelle die Taschenlampe aufblitzen zu lassen, mögen zur Zeit Heinrichs des Löwen einzelne Bürger im spärlichen Laternenschein abends den Heimweg gesucht haben. I X ME Der folgenschwere Zusammenstoß Auf der Höhe von Dover war das englische Schlachtschiff „Rami Ilies" in dichtem Nebel mit dem deutschen Dampfer „Eisenach" zusammengestoßen. Auf dem deutschen Dampfer wurden drei Mitglieder der Mannschaft getötet, und ein Heizer wird noch vermißt. Diese beiden Bilder geben einen ®e9r*ff J der Schwere dieses Zusammenstoßes. Selbst das Schlachtschiff ist am Bug eingedrückt und wurde am Montag 3U au Portsmouth gebracht. Das Kriegsschiff wird voraussichtlich nicht an der am 9. September beginnenden Herbstfahrt der britischen Helmatflotte teünehmen 0 v können. — (Weltbild-M. und Scherl°M.) Aus aller Well. Das Urteil im Oevifenprozeß gegen die Redemploristenpaires. Berlin, 2. Sept. (DNB.) Nach dreitägiger Verhandlung verkündete der Vorsitzende des Berliner Sondergerichts das Urteil gegen die 9 Geistlichen des R e d e m p t o r i st e n o r d e n s, die sich unter der Anklage des Devisenverbrechens und anderer Straftaten zu verantworten hatten. Der 49jährige Will). Brinkmann aus Bochum erhielt wegen fortgesetzten Devisenverbrechens in Tateinheit mit teils einfacher, teils schwerer Urkundenfälschung und Devisenvergehens 6 Jahre 1 Monat Zuchthaus, 6 Jahre Ehrverlust, 100300 Mark Geldstrafe und 184 000 Mark Wertersatz, der 55jährige Wilhelm Platte aus Bochum wegen fortgesetzten Devisenverbrechens 2 Jahre, 6 Monate Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust, 30 000 Mark Geldstrafe und als Gesamtschuldner mit Wilhelm Brinkmann 16 241 Mark Wertersatz, der 66jährige Anton Walz auf Aachen wegen fortgesetzten Devisenverbrechens 3 Jahre Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust, 50 000 Mark Geldstrafe und 107 000 Mark Wertersatz, der 53jährige Wilhelm Mandel aus Bonn wegen fortgesetzten Devisenverbrechens und Vergehens 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust, 10 000 Mark Geldstrafe und 37 000 Mark Wertersatz, davon in Höhe von 5000 Mark als Gesamtschuldner mit Walz, der 50jährige Johannes Kugel aus Heiligenstadt wegen fortgesetzten Devisenverbrechens in Tateinheit mit Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung 3 Jahre Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust, 10 000 Mark Geldstrafe und 21 000 Mark Wertersatz, der 51jährige Johann Peter K o x (Heiligenstadt) wegen Devisenverbrechens 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus, 2 Jahre Ehrverlust, 10 000 Mark Geldstrafe und 16 000 Mark Wertersatz als Gesamtschuldner mit Kugel. Der 40jährige Karl Feldmann aus Trier erhielt wegen Begünstigung 4 Monate Gefängnis, die als durch die Untersuchungshaft verbüßt gelten. Der wegen Begünstigung angeklagte 51jährige Nikolaus Zoller aus Bonn wurde freigesprochen. Gegen den 55jäh- rigen Bernhard Brinkmann aus Vaals (Holland) wurde das Verfahren abgetrennt, da sich noch eine nähere Untersuchung der Umstände auf dem Postscheck-, Sparkassen- und Bankkonto des Klosters Trier aus der Zeit von Ende Mai 1933 bis Ende 1934 erforderlich macht. Den Verurteilten wird die Schutz- und Untersuchungshaft in voller Höhe angerechnet. Für die Geldstrafen, den Wertersatz und die Kosten des Strafverfahrens und der Strafvollstreckung wurde die Mithaftung der Re- demptoriftenklöfter Bochum, Trier und Heiligen- ftabt, sowie des Provinzialrats des Ordens ausgesprochen. In der Begründung wies der Vorsitzende u. a. darauf hin, daß das Strafverfahren in der Öffentlichkeit größtes Aufsehen hervorgerufen habe. Nicht nur weil im gegenwärtigen schweren Abwehrkampf des Deutschen Reiches auf wirtschaftlichem Gebiet jeder Verstoß gegen die Devisenbestimmungen alle Volksgenossen empören müsse, sondern auch weil es sich hier um besonders große Werte handele, die ins Ausland verschoben worden seien, weil die Angeklagten sämtlich Priester seien, die in ihrem Orden einflußreiche Stellungen innehätten und die Art, in der die Devisenbestimmungen verletzt worden seien, besonders raffiniert wären und weil im Zusammenhang mit diesen Verstößen von den Priestern auch Verbrechen und Vergehen gegen das Strafgesetzbuch begangen seien, nämlich Urkundenfälschungen und die Abgabe falscher eidesstattlicher Versicherungen. Der Gesamtwert des Gegenstandes der abzuurteilenden Straftaten betrage 360 000 Mark. Gegen den Mißbrauch nationalsozialistischer Kampflieder. Durch eine Verordnung des bayerischen Staafs- minifteriums des Inneren wird im Lande Bayern der Mißbrauch der Kampflieder der national foziali st ischen Bewegung durch Umdichtung des Textes, durch Benutzung ihrer Melodie für einen fremden Text, oder in ähnlicher Weife verboten. Auch die Wiedergabe des Deutschland-Liedes, des Horst-Wessel-Liedes in Verbindung mit anderen Liedertexten, auch in sog „nationalen Potpourris", wird untersagt. Die Verordnung, die Geldstrafen bis 150 Mark oder Haft bis zu zwei Wochen vorfieht, tritt, sofort in Kraft. Deutsche Flieger siegen in Amerika. Im Nationalen Luftrennen in Cleveland siegte Harald Neumann. Viel bewundert wurde die Luftakrobatik von Gerd A ch g e l i e s. Der deutsche Kunstflieger erzielte mit seinen Vorführungen bei scharfer Konkurenz einen glänzenden Erfolg. An dem Wettbewerb nahm auch der französische Kunstflieger Detroyat teil. Gerd Achgelis, dem mehrfache Ehrungen zuteil wurden, erhielt eine Einladung zu einer Sondervorführung feiner Kunft- flüge in Detroit. Den Fehmarn-Belt von Laaland nach Fehmarn durchschwommen. Der 18jährige Hans Larsen, der auf einenß Hof in Holeby im südlichen Teil der dänischen Insel Laaland dient, hat in einer der letzten Nächte den Fehmarn-Belt durchschwammein. war um 23 Uhr in Roedbyhavn gestartet, begleitet von zwei Booten. Um 6.37 Uhr morgens hatte er die Nordküste von Fehmarn erreicht. Die Durchschwim. mung des Fehmarn-Belt ist bisher nur zwei Personen gelungen, nämlich dem deutschen Meisterschwimmer Otto Kemmerich und der Dänin Edith Jensen aus Kolding. In den Allgäuer Bergen abgestürzl. Am Nebelhorngipfel kam ein Bergsteiger, der mit einer Touristengefellfchaft aufgestiegen war, dem Gipfelrand zu nahe und stürzt^ 200 Meter tief ab. Die Personalien des Abgestürzten sind noch nicht festgestellt. Eine Bergungsexpeditton ist unterwegs. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgobeort Frankfurt. Infolge der starken Erhitzung über Mitteleuropa hat die Störungsfront rasch Fortschritte in östlicher Richtung gemacht und am Dienstagmorgen bereits Ostpreußen erreicht. Da bei recht gleichförmiger Luftdruckbildung Deutschland sich noch immer im Bereich einer feuchten Luftströmung befindet, bilden sich immer wieder kleinere Störungen aus, die durchaus beständiges Wetter nicht aufkommen lassen. Der Gesamtcharakter der Witterung wird aber freundlich sein. Auch besteht für den Südwesten und Süden des Reiches größere Neigung zur Ausdehnung gewittriger Störungen. Aussichten für Mittwoch: Stellenweise Frühnebel, sonst im ganzen freundlich und tagsüber warm und schwül, doch besonders im Süden und Südwesten des Bezirkes noch Gewitterneigung, veränderliche Winde. Aussichten für Donnerstag: Fortdauer des im ganzen freundlichen und trockenen Wetters. Hauptschriftleiter: Dr. Fr. W. Lange; stellvertretender Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck; verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 35: 9945. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Ps., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. In diesem Alter sind die Kinder hoch drollig und putzig. Jetzt sollten Sie einen kleinen Kinderfilm drehen, der Ihnen noch im hohen Alter die Erinnerung an diese Zeit lebendig hält! Filmen mit 8 mm Schmalfilm ist leicht und — billig! Einen Probefilm können Sie ruhig riskieren. Den Apparat für diese ersten Versuchs Aufnahmen stelle ich Ihnen ohne Berechnung zur Verfügung. Kommen Sie zu Photo - Kino - Kreuzplatz 9. 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Ala Anzeigen-Attiengesellschaft Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen u. Heiticbntte« Gießen / Schulstraße Z Nr. 205 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefjen) Dienstag, 3. September (035 Prag und Moskau. Was Außenminister Benefch übersieht.... Don unserem ^..Mitarbeiter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Prag, 28. August. Der Besuch sowjetrussischer Flieger und die Abordnung hoher Sowjetoffiziere zu den tschechoslowakischen Manöoern hat die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die merkwürdige Wandlung gelenkt, welche die Außen- und Innenpolitik der Tschechoslowakei nicht nur gegenüber dem Sowjetstaat, sondern auch gegenüber dem Kommunismus durchgemacht hat. Am Anzing dieser Beziehungen standen Haß, Blut und Krieg. Als sich die tschechischen Legionen — entgegen dem Befehl der Roten Armeeleitung - mit den Waffen in der Hand längs der sibirischen Eisenbahn zum Ruckzug nach Osten entschlossen, gerieten sie 1919 in einen offenen Krieg mit den Sowietrussen, die ihre Abreise mit allen Mitteln zu verhindern trachteten. In der tschechischen Wclt- kriegsliteratur bot diese „Anabasis" ebenso viel An- laß zur Verherrlichung tschechischer Heldentaten auf diesem Ruckzug, wie zur Verurteilung des roten Blutdurstes und der roten Grausamkeit. Umgekehrt wußte die kommunistische Literatur nur etwas von tschechischen Räuberbanden zu berichten, die auf ihrem Rückzug plünderten und Mitnahmen, was sie konnten, wenigstens nach den roten Berichten. Der jungen tschechoslowakischen Republik wurden auf Befehl Moskaus so- viel Schwierigkeiten als möglich bereitet. Die Sozialdemokratie wurde gespaltene eine kommunistische Partei entstand, die offen staatsfeindlich auftrat, bei jeder Gelegenheit mit den Staatsbehörden in Streit kam. die Parolen Moskaus von der proletarischen Revolution, der Einrichtung einer Rätediktatur und des Rechtes der Minderheiten auf Selbstbestimmung bis zur Los- reißung derselben von der Tschechoslowakei übernahm, die Zersetzung und revolutionäre Gesinnung in die Armee trug und in allen Rüstunasindustrien der Tschechoslowakei die Spionage für Sowjetrußland zu einem wohlausgebauten System machte. Roch vor Jahresfrist gab es daher Verhaftungen über Verhaftungen von Kommunisten, fortwährende Hochverratsprozesse, in die sogar Abgeordnete der Kommunisten verwickelt waren. Bei der letzten Wahl Masaryks zum Staatspräsidenten schrien die Kommunisten ..Stalin, nicht M a s a r y k", und bei einer Haussuchung im „Parlamentarischen Klub" der Kommunisten wurden Flugblätter gefunden, die offen zum M i - der st and mit der Waffe aufforderten. Führer der tschechischen Kommunisten flüchteten und wurden mit Steckbriefen verfolgt. Einer von ihnen, Gottwald, ist auf dem letzten Rätekongreß in Moskau als Redner wieder aufgetaucht. Damals schien es nur eine Frage der Zeit, wann die kommunistische Partei der Tschechoslowakei von den Staatsbehörden aufgelöst werden würde... Welcher Wandel der Dinge! Seither hat die Tschechoslowakei nicht nur die diplomatischen Beziehungen zu Sowsetru^land wieder ausgenommen. sondern — im Einklang mit der französischen Politik — sogar einen 5) i lf e l e i st u n qs- pakt. in Wirklichkeit ein Militärbündnis, mit Somietrußland abgeschlossen. Der tschechoslowakische Außenminister Dr. B e n e s ch ist norh Moskau gefahren und wurde dort als treuer Bundesgenosse gefeiert, umgekehrt wurden die sowjetrussischen Flieger und Offiziere von den Spitzen der tschechoslowakisches Militär- und Zivilbehörde mit Festbanketten und Ansprachen geehrt, als ob man lm Weltkrieg Schulter an Schulter gefochten hätte! Plkanterweise konnte man durch die offenen Fenster der Prunksäle, in denen diese Verbrüderung stattfand, von der Prager Straße die Hochrufe auf Sowjetrußland hören. Während früher das Singens der Internationale verboten war und die Sänger mit Gummiknüppeln auseinandergetrieben wurden, war die Polizei diesmal fast versucht, dabei stramm zu stehen. Während noch die wegen Spionage verurteilten Arbeiter im Kerker sitzen, führten tschechische Generale die Sowjetoffiziere diesmal selbst bis in die geheim st en Abteilungen der Skoda- werke! Diese Wendung hat vielerlei Ursachen, psychologischer sowohl als auch taktisch-politischer Natur. Hier wie dort. Sie wäre unmöglich gewesen, wenn der heutige Kommunismus in Ru-ßland nicht eine gewisse Neigung dazu bekommen hätte, das alte panslawistische Protektorat des Zarentums über alle slawischen Völker der Erde zu übernehmen, und wenn es in der Tschechoslowakei nicht gelungen wäre, die Ideologie des alten Tschechenfllhrers Kramarsch zu überwinden, welcher eine Erneuerung des Panslawismus solange für unmöglich erklärte, als in Rußland die „b l u t r ü n st i g e n Henker des armen, geknechteten russischen Volke s" am Ruder seien. Solange, wurde ihm von der Linken geantwortet, könne man nicht warten. Der Kassandrafluch, den Dr. K r a m a r s ch daraufhin über all jene aussprach, die das Slawentum durch solche Zusammenarbeit verraten hätten, verhallte. Bei den Tschechen überwog die alte A n g st p s y ch o s e , die — ganz unbegründet — nur einen Feind auf der Welt kennt, den D e u t- s ch e n, der stets bereit sei, über die arme Tschechoslowakei herzufaNen und die Tschechen im pangermanistischen Meere ertrinken zu lassen. Die Tschechen glauben, daß nur der feste Zusammenschluß aller deutsch-feindlichen Staaten sie vor dem Untergang retten könne. Sie glauben, wie auch aus den Festreden bei den sowjetrussischen Besuchen zu hören war, daß nur Bündnisse, sei es mit wem immer, den Frieden sichern könnten, der nach ihrer Meinung von den Deutschen bedroht wäre. Ob die Tschechoslowakei nicht umgekehrt durch ihre Bindung an jene Macht, die — der letzte Komin- t e r n k o n g r e ß hat es gezeigt — den Plan der Weltrevolution mit allen Mitteln weiter- verfolqt, den in Moskau gehegten Eroberungsplänen neue Nahrung gegeben und gerade dadurch den Frieden gefährdet hat, kann erst die Zukunft lehren. Kluge Tschechen befürchten, daß eine zuhilfe gerufene Sowjetarmee zwar in die Tschechoslowakei ein-, aber nicht mehr ausmarschieren wird. In einem Prager Regierungsblatt war vor kurzem zu lesen, daß sich nach einem solchen Ereignis der Himmel über die Tschechoslowakei nicht mehr blan-weiß-rot. sondern v urpurrot färben werde. Das hat allerdings alle Wahrscheinlichkeiten für sich. Aber Dr. B e n e s ch sieht alle diese Gefahren nicht. Er will seinen Staat. den niemand bedroht, retten. Er glaubt, daß das nur möglich ist. wenn er und seine Richtung auch für die Zukunft die ganze Macht im Innern des Staates ausüben können. Er will Nachfolger Masaryks als Staatspräsident werden. Das ist offenes Geheimnis. Seine Gegner sind vor allen Dingen die tschechischen Agrarier, aus natürlichen Gründen die schärfsten Gegner kommunistischer Theorien und der Kommunistischen Partei in der Tschechoslowakei. Dr. B e n e s ch machte daher den Versuch, die in Frankreich zur Tat gewordene sog. „Einheitsfront" aller marxistischen Parteien auch in der Tschechoslowakei aufzurichten. Auch dazu soll ihm Moskau helfen. Die auf dem Kominternkongreß gepredigte These, die Kommunisten müßten in allen Ländern die bürgerlich-demokratische Regierung unterstützen, wenn sie nur zum Kampf gegen den Faschismus und den „Hit- l e r i s m u s" bereit wäre, bietet ihm dazu eine willkommene Handhabe. Das Spiel mit dem Kommunismus ist ein Spiel mit dem doppelten Boden. Dahinter steht die Gewißheit, daß der Kommunismus die Maske des demokratischen Kostgängers abwirft, wenn ihm der Zeitpunkt dazu geeignet erscheint, um das Gesicht des revolutionären Wolfe s zu zeigen, der mit Wollust jene Demokratie zereißt, die ihn auf solche Weise großgezogen hat. Ob der Kommunismus sich daran von einem Staatspräsidenten Dr. Benesch hindern lassen wird, wenn er wirklich einmal mit seinen Stimmen dieses Amt erreicht haben sollte, ist mindestens - fraglich. Die Idee der bolschewistischen Weltrevolution und roten Diktatur ist keine Theorie, die man ungestraft zu taktischen Manöoern verwenden darf! Die Geschichte kennt keine Kompromisse mit solchen Ideen, sondern nur Entscheidungen, die mit Sieg oder Tod des einen oder des anderen Teils enden. Vielleicht werden auch ehrliche Tschechen eines Tages Deutschland dafür dankbar sein, daß es sich mit allen Kräften und unter Aufopferung seiner selbst wieder einmal zur Rettung der wirklichen abendländischen Kultur gegen ostische Barbarei eingesetzt hat. Dr. Benesch hat in einer seiner letzten Reden neuerlich davon gesprochen, daß die Tschechoslowakei ein „Bollwerk der Demokratie in Mitteleuropa" sei. Die rote Hilfe ist nach allen Erfahrungen keine Bürgschaft für die Erhaltung dieser Staatsform und des Staates. Oper und Konzerte in Berlin. Vorschau auf den reichshauptstädtischen Musikwinter. Das Berliner Musikleben wird auch im kommenden Winter durch seine beiden ständigen Merkmale gekennzeichnet: ein Ueberangebot an musikalischen Darbietungen aller Art und einen starken Konservativismus in der Auswahl der Werke. Der Idealzustand, daß die lebenden Schöpfer ihre Kunstwerke einem aufgeschlossenen Publikum darbieten können, ist in Berlin fast schwieriger zu verwirklichen als in Prooinzstädten mit einer begeisterten Musikgemeinde. Der Spiel plan der Staatsoper ist für diese Tendenz kennzeichnend. Das Institut hat sich mit einer Garde erster Sänger und Aufführungen von beispielloser Höhe in den letzten Jahren an die Spitze aller deutschen Opernbühnen gesetzt. Diese Führung kann der Berliner Staatsoper jedoch nur in reproduktiver Hinsicht zugestanden werden. Von den erfolgreichen und wertvollen neuen Opern, die die letzte Spielzeit ans Licht gezogen hat, ist, außer dem „Prinzen von Homburg" von Paul G r a e n e r, keine einzige an der Berliner Staatsoper aus der Taufe gehoben worden. Nachdem die „Provinz" die Kastanien für einige junge Komponisten aus dem Feuer geholt hat, wird nun auch die Staatsoper mit der Erstausführung der „Zaubergeige" von Werner E g k der jungen zeitgenössischen Komponistengeneration ihren Tribut darbringen. Im übrigen sieht der Spielplan die deutsche Uraufführung von Ottorino R e s p i g h i s Oper „Die Flamme" vor, und auch „Die schweigsame Frau" von Richard Strauß scheint in der Staatsoper aufgeführt zu werden, obgleich das offizielle Programm sie noch nicht nennt. Von diesen wenigen Ausnahmen abgesehen, betrachtet es die Leitung der Staatsoper als ihre Hauptaufgabe, einen möglichst reichhaltigen Spielplan aus allen Epochen der deutschen Opernliteratur mit den Standardwerken des Repertoires zu pflegen. Drei Namen werden durch zyklische Einstudierungen und Aufführungen besonders hervortreten: die Erneuerung des gesamten Lebenswerkes Richard Wagners wird mit dem „Tristan" fortgesetzt, Richard Strauß ist bereits mit Der Mehrzahl feiner Opern vertreten, „Die Frau ohne Schatten" soll den Kranz der Strauß-Neu- | inszenierungen schließen. Einen P f i tz n e r vermißt | man freilich noch immer in den Ankündigungen der Staatsoper. Mit der Neuaufführung mehrerer Opern von Mozart wird eine alte Schuld gegenüber dem größten Dramatiker der deutschen Musikbühne endlich eingelöst werden. — Durch den Abgang Erich Kleibers und die starke Bindung des Staatskapellmeisters Robert Heger an das Staatstheater Kassel ist die Verpflichtung zweier neuen Kapellmeister erforderlich geworden. Hans S w a r o w s k y und Wolfgang Martin sind zwar noch jung an Jahren, ihnen geht jedoch ein guter Ruf voraus. ♦ Das Deutsche Opernhaus fällt für die neue Spielzeit die ersten Monate aus. Ein völliger Umbau des Hauses wird Mitte November beendet fein. Die „M eiftersinger von Nürnberg" werden dann den Beginn der Spielzeit einleiten und eine vollständige Ring- Inszenierung soll unmittelbar folgen. ♦ Das dritte Opernhaus Berlins, die Deutschs Volksoper im Theater des Westens hat eine wesentliche Verbreiterung ihrer Grundlagen erfahren. In der vergangenen Spielzeit als Opernbühne der NSG. „Kraft durch Freude" gegründet, wird dieses Unternehmen von nun an ebenso wie das „Theater des Volkes" vom Reichspropaganda-Ministerium und der Deutschen Arbeitsfront finanziell getragen werden und den Mitgliedern der NSG. „Kraft durch Freude" volkstümliche Opern bieten. Unter der verantwortlichen Führung feines neuen Intendanten, Generalmusikdirektor Erich Orthmann, ist ein vollständiges Opernensemble verpflichtet worden, so daß alle Fächer mehrfach besetzt werden können. Das Orchester ist ebenfalls auf volle Operngröße gebracht worden und der Spielplan wird keme geringen Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Deutschen Volksoper stellen. In neunmonatiger Spielzeit werden zehn Opern aufgeführt werden, jedoch sind keine Serien, sondern ein wechselnder Spielplan beabsichtigt. „Fidelio", „Freischütz," „Toska", „Wildschütz", '„Tann- Häuser", „Maskenball", „Figaros Hochzeit", „Boris Godunow", und „Tiefland" ober „Mona Lisa" werden den Mitgliedern der DAF. für den E i n h e i t s- Oer verlorene Ton. Erzählung von Zohann Otto Bringezu. In den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts hatte der Name des schönen Taunusbades Homburg vor der Höhe einen hellen und lauten Klang. Nicht, daß es ihn heute verloren hätte; aber damals, als im Kursaal noch die Spieltische standen, als auf der Luisenstrahe und in der Kurpromenade die Vierer-Gespanne keine Seltenheit waren, und in der Saison die Turbane und Feze vor den Quellen die jüngsten Homburger kaum noch sonderlich in Erstaunen versetzen konnten: Damals verstand man unter dem Klang weniger das sanfte Geplätscher der heilbringenden Quellen und das milde Rauschen der reinen Luft in den alten Wäldern, (die jenen anderen Klang, von dem jetzt gesprochen werden soll, bis heute überlebt haben,) sondern eher das heimliche Klingen der heimlichen Kronen, das für die Ohren der Homburger heimlich unter den schlichten Filzhüten ober feierlichen Zylinbern ber Könige unb anberer souveräner Fürsten zu hören war, wenn sie auf ber Kurpromenade lustwandelten, ober bei festlichen Gelegenheiten im bunt durchleuchteten Kurpark die Ehrenplätze zierten. In jenen Jahren war es — von welcher Ursache her wußte niemand recht zu sagen — bei dem Ersten Homburger Männergesangverein Brauch geworden, den neu ankommenden Gästen, sofern sie ein Land ober auch nur ein Länbchen regierten, am zweiten Morgen ihres Verweilens in Hornburg ein Stänbchen zu bringen. Man versammelte sich unauffällig (aber dach so, daß es dem Hofmarschall ober zumindest bem ßeibbiener ber betreffenben Majestät, Hoheit ober Durchlaucht nicht verborgen bleiben konnte) in dem Gartenhofe des Park-Hotels, in bem bie bebeutenben Gäste ein für alle Male abzusteigen pflegten; wie es sich geziemt in Gehrock und Zylinber, unb erfüllte feine vaterstabtlsche Pflicht mit ber Hingabe unb ber inneren Anteilnahme, bie bes hohen Besuches unb ber Würbe bes Vereins angemessen war. Auch ber Würbe bes Vereins; benn — wie aus bem Namen „Erster Homburger Männergesangverein" schon hervorgeht — bem Verein gehörten als Mitglieber nur die Honoratioren des Städtchens an; ehrenhalber, wenn sie die hohen Beiträge bezahlen, aktiv, wenn sie be- zahlen und fingen konnten. Und es war an jedem solcher festlichen Tage ein feierlicher Anblick, den Chor der schwarzgekleideten, breitbruftigen unb auch sonst chohlgefüllten, meist vollbärtigen Herren zu sehen, bie nicht nur ben Chor ber Musen, sondern auch die Wohlhabenheit ber Stabt reprafen- fierten. Ihren Mitbürgern und den besungenen Herren ein,' in allem wahlgesalliger änblitf. Sa haft« man sich auch am zweiten Tage nach der Ankunat Eduards VII. öon England zu gewöhn- tem Branche im Garten des Park-Hotels den. Im, Hinblick auf dw besonders 3adtenreirf)e «tone des neuen Safte», vielleicht mit einem etwa« höheren Grabe von Feierlichkeit, mit etwas höher gewölbten Hembbrüsten unb etwas glänzenber gebürsteten Zylinbern als sonst. Jebenfalls machte es fo ben Einbruck bei bem jüngsten Mitgliebe bes Vereins, bem Metzgermeister Georg Molbenhauer, ber nicht nur über ein blühenbes Geschäft, eine blühenbe Gefunbheit unb über bie blühenbe Aussicht auf eine balbige Verlobung mit Henriette, ber einzigen Tochter bes Chefkochs unb Hoftraiteurs im Park-Hotel verfügte, fonbern auch über ben blü- henbsten Tenor, ber je bem Verein angehörte. Dennoch hatte er es heute mit feiner besonderen Pro- perität nicht etwa barauf abgesehen, bem König von Englanb Einbruck zu machen. Es muß sogar gesagt werben, baß er im letzten Grunbe ben erlauchten Herrn nur als Mittel zum Zweck ansah, zu einem Zweck, ber seinem allerpersönlichsten Interesse bienen sollte. Denn nachbem er, wie er. glaubte, mit seinem schönen Tenor nicht nur bem Uhre bes Königs unb nicht nur bem Herzen seiner Henriette, fonbern auch dem Stolz bes ChefLochs geschmeichelt hätte, wollte er biefen letzten, ihm sonst ein wenig abgeneigten Stolz schmieben, solange er noch von seiner Stimme erweicht war, also sogleich nach bem Stänbchen bei bem Herrn Hoftraiteur um bie Hand feiner Tochter anhalten. Man war bereit; bas letzte Räuspern verklang; mit Vergnügen sah ber wackere Chor bie Fenster bes Hotels rings besetzt unb auch hinter ben Gar- binen bes königlichen Schlafzimmers glaubte ein befonbers scharfsichtiger Bariton bie Umrisse bes königlichen Gastes ober sonst boch seines ßeibbieners zu erkennen. Mit Vergnügen sah auch Georg, ber Tenor, seine Henriette mit ihrem Vater am Küchenfenster stehen, ben zierlichen Kops wie eine Kennerin leicyt gegen bie Schulter hin geneigt, inbessen ber Vater voll Erwartung seinen Napoleonsbart zwirbelte. Man war bereit, aber es geschah nichts. Denn noch fehlte ber Dirigent, unb als er, wegen feiner Körperfülle ein wenig atemlos, aber doch noch mit dem Glockenfchlage pünktlich vor feine Sänger trat unb mit gewohntem Griff aus feiner Westentasche bie Stimmgabel ziehen wollte, ba geschah auch jetzt noch nichts, ober vielmehr, es konnte nichts geschehen, weil bie Hanb leer zurückkam unb alles Greifen in bie anberen Taschen sich als ebenso ergebnislos erwies. Die Stimmgabel war fort unb Die Stimmpfeife auch unb wenn es einer wußte, wohin bie beiben wichtigen Dirigenten- hanbwerkszeuge gekommen waren, fo brauchte man nur ben Schneiberzunftmeister Haeberlein anzusehen, bem ber Schreck bas fröhliche Weingesicht, bas ebenso wenig wie sein grollenber Bah zu seinem zarten Beruf zu passen schien, jäh erblassen ließ. Ja, e r wußte es, baß sie baheim in Der Fensterbank neben bem Schneibertisch lagen, auf bem er noch gestern bem guten Freunde einen Keil in bie Festweste gesetzt hatte, weil sie seit bem letzten Stänbchen schon roieber um gut zwei Zoll zu eng geworden war. Aber zugleich mit bem Schrecken kam ihm ber rtttenbt (Bebantti »Der Schorsch soll den Ton holen", flüsterte er, vor Eifer heiser, bem gequälten Dirigenten zu unb: „Ja, Schorsch, lauf' was bu kannst unb hol' ben Ton aus bem Musiksaal, wo ber Flügel steht. Aber eil' biet), eil' bich, ber König wartet schon", flüsterte der in ber Aufregung fo laut, daß es aus allen Winkeln widerhallte. Das letzte „eil' dich" traf nur noch die langen Gehrockschöße des verliebten Meisters, der, von der Wichtigkeit dieses Amtes überzeugt, wie ein Junge ba- vongeschosfen war, bem ber Flurschütz auf ben Hacken ist; sehr zum Erstaunen bes Hoftraiteurs unb seiner musikalischen Tochter, bie sich ben Vorgang nicht recht erklären konnten, „im Angesichte Seiner Majestät" wie ber zwickelbärtige Herr mißbilligend murmelte. Aber dies hörte der eilende Georg nicht; er lief über Treppen und durch Gänge, kreuzte den Speisesaal und ließ im Lesezimmer die Zeitungen flatternd auffahren, als er an ihnen vorüberflog in bas Musikzimmer hinein, aus bem er ben Ton holen sollte. Nun, er brauchte ihn nicht lange zu suchen: Ein Anschlag, ein Summen hinter geschlossenen Lippen unb flugs mit langen Beinen roieber zurück, burch bas Lesezimmer, bem Speisesaal, über Treppen, burch Gänge, an golbgerahm- ten Spiegeln unb künstlichen Palmen vorbei, beren Webel unwillig hinter ihm breinraschelten: Eil' bich, eil' bich, sie warten schon! Da ging plötzlich vor ihm eine Tür auf unb ein repräfentabler Bauch im weißen Kochkittel, mit einem würdigen Doppelkinn unb einem gewirbelten Knebelbart barüber, trat ihm in ben Weg. „Ei, wohin benn fo schnell, Schorsch? Was hat's benn gegeben? Warum fangt ihr benn nicht an? Wo mußtest bu benn fo eilig hin?" Unb babei hielt eine gleichfalls wohlgenährte, neugierige Hanb ben ßaufenben fo beharrlich am Rockaufschlag fest, baß ein Entschlüpfen nicht möglich war. Dem braven Meister trieb die Verlegenheit den Schweiß auf die Stirne. „Hmmm", summte er zwischen den krampfhaft geschlossenen Lippen, zuckte bie Achseln und mühte sich dabei, den Griff seines künftigen Schwiegervaters mit mehr Energie als Zärtlichkeit zu lockern. „Hmmm" und es klang, wie wenn ein Brummer an einem geschlossenen Fenster den Ausweg sucht. „Hmmm" und seine Augen nahmen in demselben Maße den Starrblick eines geängstigten Fisches an, wie die des Knebelbärtigen immer erstaunter wurden. „Ei, ei Schorsch hat dir denn der Schreck die Sprache verschlagen, ober ist bir sonst etwas Absonberliches begegnet" unb hierbei schnüffelte ber Alte bem Meister verbachtslüstern um ben Munb herum, „unb bann schon so früh am Morgen an solch einem feierlichen Tage"? „Hmmm" summte es roieber, jetzt aber wie bas Sausen eines gereizten Bienenschwarms, hinter den Lippen des Festgehaltenen, und „Hmmm" — unb babei schüttelte er Kopf unb Schultern — unb „Hmmm" — unb babei brehte er dem Herrn Hoftraiteur in ganz respektwidriger Weise den Aermel um das Handgelenk so fest zusammen, daß der mit einem Schmerzenslaut den Rock fahren lassen mußte. Und J)nunm", fo brauste er davon und — geradewegs in die Arme Henriettchens hinein, die den einseitigen Dialog ihres Vaters gehört hatte unb sehen wollte, was es mit biefem Selbstgespräch wäre. Unb ehe ber unglücklich-glückliche Meister noch Zeit zu einem neuen „Hmmm" unb neuem Kopf- unb Schulterschütteln hatte, rief sie ihm ein leises: „Eil' bich. Liebster," ins Ohr unb brückte ihm einen raschen resoluten Kuß auf bie feftge- schlossenen Lippen... Unb aus war's mit bem „Hmmm", aus mit bem sorglich gehüteten Ton; vergeblich war bie Eile gewesen, vergeblich bie Stanbhaftigkeit bem rebfeligen Koch gegenüber. Mit offenen Lippen ftanb er ba und suchte unb probierte, aber Ton unb Kuß waren nicht mehr auseinanbergufinben, roeber auf feinen noch auf Henriettes Lippen, bie sich vor Erstaunen über ben seltsamen Bräutigam nun ebenfalls nicht schließen wollten. Was bann geschah? Eine breitbrüstige, schwarz- berockte Gestalt sprang, nein, jagte bie Treppen unb Gänge, bas Speise-, Lese- unb Musikzimmer entlang, hämmerte einen Schlag auf ben Flügel unb flog, ein riesiger, lautfummenber, schwarzer Käser benfelben Weg zurück. Vorüber an dem erbosten Vater unb der verduzten Tochter, diesmal ohne ein Hindernis zu finden, dem Dirigenten fast in die beschwörend erhobenen Hände hinein. Aber nun boch mit bem Tone, bem gesuchten, verloren gewesenen unb glücklich roiebergefunbenen ... Als das Ständchen beendet war, kam ein Küchenjunge und brachte dem Meister ein Billett. In dem stand, daß es ein königlicher Hoftraiteur sich nicht antun könne, einem Manne feine Tochter zur Frau zu geben, der offenbar schon am frühen Morgen nicht mehr auf Nüchternheit sähe und der außerdem nicht wisse, daß es sich nicht schicke, seinen künftigen Schwiegervater tätlich anzufallen. Womit ber Herr Hofkoch fein zusammengeschnürtes Hanbaelenk meinte. Dennoch würbe — um in Gesellschaft bes Kochs ein Bilb aus feinem Bereich zu gebrauchen — auch hier nicht so heiß gegessen, wie es gekocht war. Born Küchenjungen erfuhr ber Kellner, vom Kellner ber Oberkellner, vom Oberkellner ber ßeibbiener unb vom ßeibbiener ber König bie Geschichte von bem verlorenen Ton. Unb weil ihm das Ständchen gefallen hatte, die Küche des Kochs ihm gefiel unb Die junge frische Henriette, bie mit verweinten Augen umherging, am meisten von allen breien, würbe balb barauf bem Metzgermeister Georg Molbenhauer anheimgestellt, sich mit ben nötigen ßiefe- rungen um ben Titel eines Königlich Englischen Hoflieferanten zu bewerben. Er hat es sich nicht zweimal sagen lassen unb an bem Tage, an bem er bas Diplom bekam unb über seinem Geschäfte bas golbprunfenbe Wappen mit bem ßöroen und bem Einhorn anbringen ließ: An biefem Tage ging am Morgen bie kleine Henriette wieder mit verweinten Augen umher; aber es waren Freudentränen, die jeder Braut wohl anstehen, und die noch heller glänzten als bie Perlenkette, bie ihr als Geschenk bes „englischen Herrn" vom königlich englischen Hof- marschastamt übersandt worden war. preis von 90 Pfennig je Aufführung geboten. Da der erwartete Besucherkreis in den beiden anderen Opernhäuser kaum vertreten sein dürfte, ist das dritte Opernhaus Berlins als ein zusätzliches Unternehmen anzusehen, das der Oper neue Freunde erwerben will. ♦ Don der Flut der Konzerte, die in wenigen Wochen sich wieder durch sämtliche Konzertsäle der Reichshauptstadt ergießen wird, lassen sich natur- gemäß nur die ständigen philharmonischen Konzerte verschiedener Veranstalter irn Voraus übersehen. Die stärkste Stütze für die Weltgeltung des Berliner Konzertlebens sind die zehn großen Abonnements- Konzerte des Philharmonischen Orche- st e r s. Es ist gelungen, den früheren Leiter der Philharmonie, Staatsrat Dr. Wilhelm Furtwängler, wenigstens für fünf Abende zu gewinnen. In die zweite Hälfte Veranstaltungen teilen sich Dirigenten von Weltruf: Hermann Abendroth, Willem Mengelberg, Sir Thomas Beschäm, E. A n s e r m e t und der berühmte italienische Dirigent S a b a t a. Eine Reihe von Sonderveranstaltungen wird weitere berühmte deutsche Dirigenten an das Pult der Philharmoniker bringen. * Stärker als vergangenen Winter greift diesmal die NS.-Kultur gemeinde in das Berliner Konzertleben ein. Unter ihrer Führung steht die neugegründete Besucherorganisation, die B e r li ■ ner Konzertgemeinde. Sie wird sechs Abende mit dem Philharmonischen Orchester durchführen und die besten deutschen sowie einen spanischen Dirigenten ihren Besuchern voritellen. Die Programme sind ausschließlich auf die klassisch-ro- mantische Tradition festgelegt. D.e einzige Ausnahme bildet das große Chorwerk „Einer baut einen Dom" von Dräns mann, das feine vielbeachtete Uraufführung auf der Reichstagung der NSKG. in Düsseldorf erlebt hat. Unter der Gesamtleitung Abendroths werden neben dem verstärkten Orchester 350 Sänger und ein Sprechchor von 120 Mann mitwirken. Lacobi. Wirtschaft. Erneute beträchtliche Steigerung der Sparkasseneinlagen im Juli. Fwd. Im Juli sind die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen erneut beträchtlich gestiegen. Insgesamt erhöhten sie sich um 39,6 auf 13198 Millionen Mark; von dem Zuwachs entfielen 35,9 Mill. Mark auf den Einzahlungsüberschuß, 2,6 Mill. Mark auf Zinsgutschriften, 0,7 Mill. Mark auf Gutschriften von Härtemitteln und 0,3 Mill. Mark auf sonstige Buchungsvoraänae. Der Einzahlungsüberschuh verteilte sich aus fast alle Länder und Landesteile. Wenn auch mit einer gegenüber dem Juni erhöhten Spartätigkeit und daher auch mit einem Einzahlungsüberschuß gerechnet werden konnte, so war die Bewegung der Spareinlagen doch günstiger, als man erwartet hatte. Besonders bemerkenswert ist die starke Steigerung der Einzahlungen, die sich um 98,6 auf 490,6 Mill. Mark erhöhtest uni) damit die Vorjayreshöhe um 23,6 Mill. Mark übertrafen. Die Auszahlungen erhöhten sich um 58,9 auf 454,7 Mill. Mark, während sie im Juli des Vorjahres leicht zurückgegangen waren. In der Steigerung der Auszahlungen ist jedoch nichts Außergewöhnliches zu erblicken. Trotz des erhöhten Spareinlagenbestandes, der auch höhere Auszahlungen rechtfertigen würde, find die Abhebungen noch um fast 20 Mill. Mark niedriger als im Vorjahre und auf der gleichen Höhe wie im Jahre 1932. Oie Industrie- und Handelskammer Gießen flibt Auskunft: 1087: Luft- und Seepostbeförderung nach und von Amerika. 1088: Bekanntmachung KP 17 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle betr. Kurspreise. 1089: Der „Saar-Verein" hat ein Werk „Der Saarbefreiungskampf im Reiche 1918—1935" herausgegeben. Dieses Gedenkbuch behandelt den 16jährigen Treuekampf der Saarbevölkvrung und die Vaterländische Aufklärungsarbeit der Geschäftsstelle „Saar-Verein" und des Bundes der Saarvereine im Reiche. Der Bezug dieses Gedenkbuches wird bestens empfohlen. Nähere Auskunft erteilt die Kammer. 1090: Versendung von Kupons ausländischer Wertpapiere. 1091: Bekanntmachung KP 18 der Ueberwachüngs- stelle für unedle Metalle betr. Kurspreise. * ♦ Konkurse und Vergleichsverfahren imAugu st. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes wurden im August durch den Reichsanzeiger 209 neue Konkurse — ohne die wegen Massenmangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 82 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 234 bzw. 71. Hhein-Mainische Börse. INillagsbörse still und schwächer. Frankfurt a. M., 2. Sept. Die Geschästsstille an der Börse setzte sich auch im neuen Monat fort. Die Bankenkundschaft ist kaum beteiligt. Unter dem Eindrücke der verstärkten Unsicherheit in der Weltpolitik war die Kursentwicklung bis auf wenige Ausnahmen allgemein schwächer und betrug am Aktienmarkt 1 bis 2 v. H. Bei sehr geringen Umsätzen verloren IG. Farben 1,25, Metallgesellschaft 0,50 v. H. Montanwerte trotz Hinweise auf einen möglichen englischen Bergarbs-terstreik schwächer, so Harpener um 1, Rheinstahl 1,75, Stahlverein 0,75 v. H. Auch Mannesmann trotz steigender Röhrenumsätze um 0,50 v. H. niedriger, Hoeschwerke gut gehalten. Eine Ausnahme machten Schiffahrtswerte, die bei allerdings kleinem Umsätze höher ein- setzten, angeblich auf süddeutsche Käufe, Hapag um 0,75 v. H., Nordd. Lloyd um 0,50 v. H. gebessert. Auch Maschinenwerte ziemlich widerstandsfähig, Daimler gehalten, Moenus um 0,25, Iunghans etwa 0,50 v. H. niedriger. Am Elektromarkt verloren Siemens 1, AEG. 0,65 v. H., dagegen Betula kaum verändert. Etwas fester setzten Reichsbank-Anteile um 0,40 v. H. ein, im übrigen lagen die Großwerte, soweit Umsätze zustande kamen, unter Sams- tagschluh, Aschaffenburger Zellstoff minus 0,75 v. H. Der Rentenmarkt war ebenfalls sehr still, kaum verändert aber nicht fester. Altbesitz 0,13 v. H. niedriger genannt. Von Auslandsrenten Ungarn Gold 0,1 v. H. schwächer. Im weiteren Verlause blieb die Börse still, von schwächeren Kursen waren RWE. mit 1,75 v. H., Hanfwerke Füssen 1,75 v. H., Jul. Berger 1,75 o. H. notiert, Hoeschwerke verloren 0,50 v. H. Etwas fester waren Mainkraft und Kali Aschersleben, sowie Südd. Zucker, diese mit 0,75 v. H. Der Rentenmarkt lag unverändert, Pfandbriefe bei wenig Umsatz gut gehalten, nur Frankfurter Liquidation 0,13 v. H. leichter. Stadtanleihen ziemlich umsatzlos und unverändert. — Tagesgeld wieder 3,50 v. H. Abendbörse leicht abgeschwächt. Die Abendbörse verlief sehr still. Soweit im freien Markt Kurse zu hören waren, traten kaum Veränderungen ein. IG. Farben mit 155,25 etwas niedriger, Siemens 176,50, AEG. 39,25 bis 39,50, Hoesch 96,13, Buderus 102, Scheideanstalt 236, Aku 59,25. Auch am Rentenmarkt waren die Kurse in der gleichen Verfassung unverändert. Der Verlauf war eher etwas schwächer, da jegliche Publikumsbeteiligung fehlte. 0,50 v. H. niedriger lagen Schuckert, RWE., Zement Heidelberg, Mannesmann 0,40 v. H. niedriger. Unverändert laaen Stahlverein. Großbankaktien notierten ebenfalls unverändert. Von Renten waren Altbesitz bei 111, also eine Kleinigkeit unter Mittag, gesucht. IG. Farben schlossen 0,25 v. H. niedriger mit 155. Kurse: Altbesitzanleiste 111 Geld, 4 v. H. Rumänen 4,75, Commerzbank 91,75, DD.-Dank 91,50, Dresdner Bank 91,50, Buderus 102, Harpener 111,75, Mannesmann 87,75, Rheinstahl 110,50, Stahlverein 82,50, Aku 59, Bekula 143,50, Zement Heidelberg 120,50, Scheideanstalt 236, Deutsche Linoleum 162, Licht & Kraft 133,50. IG. Farben 155. Gesfürel 126, Goldschmidt 107,50, Holzmann 95, Iunghans 84,50, RWE. 129,50, Schuckert 127,25, Südd. Zucker 203,50, Deutsche Reichsbahn- VA. 124,50, Hapag 15,75, Anatolier 41,40. $ranffurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt, 2. Sept. Auftrieb: Rinder 1006 (831), darunter 185 Ochsen, 120 Bullen, 364 Kühe, 337 Färsen. Zum Schlachthof direkt: 2 Ochsen, 14 Bullen, 3 Kühe, 1 Färse. Kälber 352, Schafe 39, Schweine 1325 (1725). Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf den letzten Montagsmarkt vom 26. August. Notiert wurden pro ein Zentner Lebendgewicht in Reichsmark: Ochsen a) 42 (42), b) 41 bis 42 (41 bis 42), c) 36 bis 40 (38 bis 40) d) 34 bis 37; Bullen a) 42 (42), b) 41 bis 42 (41 bis 42), c) 39 bis 40 (39 bis 40), d) 35 bis 38 (—); Kühe a) 41 bis 42 (42), b) 35 bis 40 (35 bis 41), c) 28 bis 34 (28 bis 34), d) 20 bis 27 (20 bis 27); Färsen a) 42 (42), b) 41 bis 42 (41 bis 42), c) 38 bis 40 (38 bis 40), d) 33 bis 37 (34 bis 37). Kälber a) 66 bis 70 (64 bis 68), b) 60 bis 65 (57 bis 63), c) 53 bis 59 (50 bis 56), d) 42 bis 52 (40 bis 49). Lämmer und Hämmel b2) Weidemast- hämmel 40 bis 41 (41), c) 38 bis 39 (37 bis 38), Schafe e) 33 (—). Schweine al) 54 (54), a2) 54 (54), b) 54 (54), c) 54‘(54), d) 54 (54), e) 50 (50 bis 54), l — (—), gl) 54 (54) g2) — (52). Marktverlauf: Rinder rege, später abflauend, ausverkauft. Kälber lebhaft, ausverkauft. Hämmel und Schafe mittelmäßig, ausverkauft; Schweine wurden zugeteilt. Großhandelspreise für Fleisch und Fettwaren: Beschickung des Fleischgroßmarktes: 735 Viertel Rindfleisch, 72 ganze Kälber, 35 ganze Hämmel, 410 halbe Schweine. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Reichsmark: Ochsenfleisch b) 76 bis 80), c) 66 bis 74; Bullenfleisch b) 74 bis 78; Kuhfleisch b) 58 bis 66, c) 48 bis 58; Färsenfleisch b) 76 bis 80, c) 66 bis 74. Kalbfleisch b) 74 bis 84, c) 68 bis 72. Hammelfleisch b) 78 bis 80, Schweine- fleisch b) 74; Fettwaren d) roher Speck unter sieben Zentimeter 77 bis 80, Flomen 76 bis 80. Marktverlauf: lebhaft. Die Großhandelspreise sind gegen den letzten Montagsmarkt vom 26. August unverändert. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 2. Sept. In Weizen war am ersten Tag im neuen Monat etwas mehr angeboten, doch war das Angebot nicht so dringend wie in früherer Zeit. In freier Ware blieb Angebot in Roggen und Weizen vorhanden. Das Geschäft in Hafer hat sich noch nicht entwickelt, Futtergerste ist kaum angeboten. In Futtermitteln bestand für Trockenschnitzel rege Nachfrage. Es notierten: (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 13 199, W 16 202, W 19 206, W20 208; Roggen W 12 162, W 15 165, W 18169, W 19171; Hafer nicht notiert. Weizenmehl W 13 27,70, W 16 28,15, Roggenmehl R 12 22,45, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Mark Fracht-Ausgleich. Weizennachmehl 17,25, Weizenfuttermehl 13,50, Weizenkleie w 13 10,92, W 16 11,13, Rogqenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R18 10,40, R19 10,50 Mühlenfeftpreis ab Mühlenstation. Heu 8,— Mark. Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt und gebündelt 2,40 btt 2,50 Mark. Kartoffeln: gelbflelschlge hlefiger Gegend 3,10 Mark, weiß- und rotschalige 2 80 Mark per 50 Kilogramm bei Waggonbezug ohne Sack. Tendenz: ruhig. Schweinemarkt in Alsfeld. c» Alsfeld. 3. Sept. Auf dem gestngen Schweinemarkt waren auf getrieben 439 Fer- kel, davon 159 Händlerschweine. Es kosteten 6 bis 8 Wochen alte Tiere 20 bis 24 Mark 8 bis 10 Wochen alte Tiere 24 bis 28 Mark. Der Handel war schleppend, es blieben zirka 120 Stuck Heber« stand. Schweinemarkt m Nidda. m Nidda, 2. September. Auf dem heutigen Schweinemarkt standen 930 Ferkel und Eln- legschweine zum Verkauf. Es kosteten 5 bis 6 Wochen alte Ferkel 15 bis 20 Mark, 6 bis 8 Wochen alte 19 bis 24 Mark, 8 bis 10 Wochen alte Ferkel 25 bis 28 Mark, Einlegschweine 35 bis 40 Mark. Nach flottem Geschäft blieb kleiner Ueberstand. Niddaer Herbstmarkt. ch Nidda, 2. Sept. Heute fand der sog. N i d- b q e r Herb st markt statt. Der Auftrieb an Rindvieh, Ziegen und Schweinen war sehr reichlich. Mit dem Markt war auch eine Prämiierung verbunden, zu der außer hessischem Fleckvieh auch die Vogelsberger Rasse zugelassen war. Bei der Zuchtviehversteigerung von Bullen, Ebern und Ziegenböcken bot sich für Gemeinden und Bauern günstige Gelegenheit zum Ankauf von erstklassigen Zuchttieren. Die Nachfrage war teilweise großer als das Angebot. Es wurden im allgemeinen bei allen Tiergattungen gute Preise erzielt. Leider setzte gegen neun Uhr ein stundenlanger Regen em, der auf bas Marktgeschäft nachteilig wirkte. lieber, den Verlauf des Schweinemarktes berichten wir unter der Rubrik „Wirtschaft". Ziegenschau in Buhbach. — Butzbach, 1. Sept. Auf dem großen Dieh- markt fand am Samstag eine große Ziegenschau, die für den nördlichen Teil des Kreises veranstaltet worden war, statt, an der sich die Orte der näheren und weiteren Umgegend beteiligten. Als Preisrichter waren B. Philipp von Watzenborn-Steinberg und A. Engel, Hörnsheim, anwesend. Der Geschäftsführer des Kreis - Ziegenzucht - Verbandes, Oberreallehrer Ringshausen, fand in einer kurzen Ansprache anerkennende Worte für die Fortschritte in der Ziegenzucht und die züchterischen Leistungen. Er bezeichnete die Ziege als die Kuh des kleinen Mannes, die unbedingt ein großes Maß von Pflege und Ernährung bedarf, soll sie den gestellten Anforderungen gerecht werden. Der Ziegenhandel der Juden ist ausgeschaltet worden. Die züchterischen Leistungen sind richtunggebend, weshalb der Verkauf von Lämmern, Böcken und Zuchttieren bis nach Norddeutschland erfolaen konnte. Auf der anderen Seite wird auch wieder für frisches Zuchtblut durch Einführung wertvoller Tiere gesorgt. Zur Prämiierung waren von hiesigen Einwohnern und Betrieben Preise und Geld gestiftet worden. Die Stadt beteiligte sich dabei mit 100 Mark und stellte dazu die Städtische Reithalle kostenlos zur Verfügung. Die Anfahrt der Wagen von auswärts bot ein imposantes Bild. In sauberem und gemustertem Zustande standen die Ziegen in Reihen auf den Wagen und waren für alt und jung ein nicht alltägliches Bild. Die Prämiierung, die gegen 14 Uhr begann, nahm über 3 Stunden in Anspruch. Die Preisverteilung hatte folgendes Ergebnis: Ziegen. Einjährige: Ehrenpreise: W. Staab (Trais- Münzenberg), P. Christ (Butzbach), Hch. Dreuth (Griedel), Fr. Wagner (Dorheim); 1. Preise: H. Heßler (Wölfersheim), G. Baufchmann (Dorheim); 2. Preise: O. Schwarz (Griedel), Ph. Jung (Hoch- Weisel); 3. Preise: W. Müller (Trais-Münzenberg), Hch. Krausgrill (Nieder-Weisel), Ferd. Weisel (Münzenberg). Zweijährige: Ehrenpreise: Rich. Hofmann (Wohnbach), Jakob Schimpf (Nieder-Weisel); erster Preis: Karl Bender (Griedel); 2. Preise: O. Pieh (Melbach), H. Hofmann (Wölfersheim); 3. Preise: Hugo Straßheim (Griedel), Otto Kähberg (Griedel), Joh. Schmidt (Dorheim). Drei- und mehrjährige: Ehrenpreise: K. Hch. Hildebrand (Nieder-Weisel), I. Schimpf (Nieder-Weisel), Joh. Nikolai Wtw. (Nieder-Weisel); 1. Preise: P. Häuser, Jakob Jung, Konr. Riegelhuth, sämtlich von Nieder-Weisel, Hch. Dreuth (Griedel), Karl Bender (Griedel), W. Staab (Trais-Münzen- berg); 2. Preise: Georg Ruppel, Erwin Straßheim, Hch. Dreuth von Griedel, Hch. Klaus, Georg Jakobi (Hoch-Weisel), K. Haub, Georg Reuter aus Nieder- Weisel; 3. Preise: W. Weiß (Griedel), I. Schlecht (Münzenberg), W. Müller und R. Kaiser (Trais- Münzenberg), Aug. Bernhardt (Griedel), K. Musch, W. Lind, H. Haßbach (Wölfersheim); Anerkennungen: H. Emmel (Wohnbach) P. Christ (Butzbach), Hch. Müller (Griedel), G. Walter (Trais-Münzen- berg), Gg. Ruppel (Butzbach). Böcke. Einjährige: 3.Preis: Gemeinden Hoch-Weisel und Melbach; zwei Jahre alte: 3. Preis: Gemeinde Nieder-Weisel; drei - und mehrjährige: 1. Preis: Gemeinden Griedel und Wölfersheim; 2. Preis: Gemeinde Griedel; 3. Preise: Gemeinden Kirch-Göns, Dorheim und Wölfersheim. Lämmer. Ehrenpreis: W. Stieber (Wölfersheim); 1. Preise: Hch. Schaum (Hoch-Weisel), Karl Bender (Griedel), I. Schlecht (Münzenberg), Hrmo Straßheim (Griedel), K. Winter Wwe. (Hoch-Weisel); 2. Preise: R. Hofmann (Wohnbach), Otto Schwarz (Griedel), Ernst Lustschutz erhöht Volksvermögen. Bender (Griedel), Erwin Straßheim und Hch. Dreuth (Griedel), K. Haub (Nieder-Weises), Wilhelm Nies (Wölfersheim; 3. Preise: Wilh. Weiß (Griedel), W. Müller (Griedel), I. Matthäus (Nieder-Weisel), W. Dilges (Hoch-Weisel), R. Kaiser (Trais-Mün- zenberg), Hch. Grätz (Melbach), A. Kränner (Nieder-Weisel). Anerkennungen: I. Dein und Philipp Kilian (Nieder-Weisel), K. Hofmann (Dorheim), Aug. Allwohn (Wölfersheim). Nundfunkproqramm. TMlkwoch, 4. September. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause (7): Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 9.15: Musik am Morgen. 10.15: Schulfunk. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Mitten im Werktag. 15: Nachrichten. 15.15: Kleines Konzert. Blasquartette. Lieder aus der Vogelwelt. 15.45: Kaiser Maximilians Weinprobe in Trier. Erzählung von Dr. Martin Ferres, Trier. 16: Kleines Konzert. 16.30: Aus Zeit und Leben. Von fahrenden Leuten. Funkbilderbogen. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Das Leben spricht. 18.45: Saardienst. Boykott gegen Pirmasens. Schuhe suchen ihren Absatz. 19: Unterhaltungskonzert. 19.40: Bauernfunk. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der jungen Nation. „Deutschland, Land der Mitte". 20.45: Lachender Funk. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). Sportbericht. 22.30: Nachtmusik und Tanz. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Frankfurt a.3Jl. LerUn Schlußkurs Echlußl. Abend» bSrJc Schluß« kurü Schluß!. Mittag« böve Oatum 31.8. 2 9. 31.8 2.9. 6% Deullche Reichsauleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 t>Yi% 2)oung.QInlei6e von 1930 .. Deutsche Anl.»Wlös.»Schuld mit Auslos.»Rechten ............. 101 98 102,75 111,25 100,25 97,65 96,65 100,75 93 115 96,75 100,9 100,9 97 97 100,4 29 9.75 9,4 9,5 11,25 101 97,5 111 100,25 97,5 96,75 100,65 93 115 96,75 100,75 100,5 97 97 107,4 29 9,7 9,4 9,65 11,25 101,13 97,75 111,25 100.3 115 100,75 97 97 107,4 1,6 9,75 9,6 9,6 101,13 97,7 102,4 111 100,5 115 101 97 97 107,4 1,6 9,7 9,7 4»/»% Deutsche RetchSpostschatzan. Weisungen von 1934, I....... 6% efiem.8% Hess. BolkSstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 4N°/° ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 5K% ehem. Hess. Landes-Hypo» thekenbank Darmstadt Lioui ... 4H% ehem. 8% Darmst. Komm. LandeSb.Goldschuldverlchr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Cammelabl. Anleihe Serie 1 mitAuSlos.-Rechten <%% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 BH% ehern. 4yt% Franks. Hyp.- Bank-Ligu.-Pfandvriese....... 6%% ehern. 4*4% Rheinische Hyp.»Bank»Ltqu.»Goldpfe..... 4%% ehem. 8% Pr. Landespfand» vriesanstalt, Psandbriefe R. 19 4Y«% ehern. 7% Pr. Landespfand» vriesansl., Gold Komm. Obl.V I Kteuergutsch.VerrechnungSk. 35-89 4% Oesterretchifche Golbrente.... 4,20% Oesterretchische Silberrente 4% Ungarische Goldrente . ..... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4y,% vesgl. von 1913.......... 5% abgest. Goldmertkaner von.SS 4% Türkisch» Bagdadbahn-Anleihe Serie I..................... kv- Frankfurt a. M Berlin Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag« börse Oatum 31 8 2-9. 31.8 29. 4% desgl. Serie II .......... — — — 5% Ruman. vereinh. Rente v. 1903 6 5,9 5,9 — 4*/,°/oRumän.vereinh.Rentev.l91S 8 8,15 8,05 4% Rumänische vereinh. Rente 4,9 4,75 4,85 4,7 2 y*% Anatolier ............. 41,65 41 ,4 41,65 Hamburg-Amertka-Paket ..... 0 16 15,75 16,25 16,13 Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 26,75 26,5 Norddeutscher Lloyd ......... 0 17 17,5 17,25 17,25 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 86 85.5 86 85,4 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 117,25 117,25 117,5 117 Commerz, und Privat»Bank ... 0 92,4 91,75 92,4 91,75 Deutsche Bant und Disconto» Gesellschaft................ 0 92,25 91,5 92,25 91,5 Dresdner Bank.............. 0 92,25 91,5 92,25 91,5 Reichsbank ................ in 184,65 185 185 184,5 A.E.S...................... 0 40,75 39,5 40,75 39,25 Bekula.................... 10 144 143,5 144 143,9 Elektr. LieserunaSgelellschaft... 5 114 113 113,25 113 Licht und Kraft ........... 6% 134,5 133,5 134,5 132,75 Felten & Guilleaume......... 0 107,75 108,25 108,75 108 Gesellsch.s.lrlektr.Unternehmuna. 5 127 126 126,25 125,75 Rheinische Elektrizität ........ 5 — 144 —— Rhein. Wests. Elektr.......... 6 131,75 129,5 131,13 129,65 Schuckert & Go............... 4 128,5 127,25 128,9 127,75 Siemens & Halske............ 7 178 176,25 177,75 176,75 Lahmeyer & Eo.............. 7 131,5 131,5 132 132 Buderus ................... 0 103,25 102 102,75 102,25 Deutsche Erdöl .............. 4 112,13 111,5 112,75 111 Gelsenkirchener.............. 0 — — Harpener.................. c 113,25 111,75 112,65 112,25 Hoesch Eisen—Köln-Neuesten . 0 97,65 96,75 97,75 96,4 Ilse Bergbau .............. 8 — —- 158 Ilse Bergbau Genüsse....... ( 130 129,75 130,25 128,75 Klöcknerwerke ............ ManneSmann»Röhrest 94 93 94 93 c 88,6 87,76 88,9 87.9 Frankfurt a. M. Serlin Schluß« kurs Schlußk. Abend» börse Schlußkurs Schlußk. Mittag« börse Oatum 31.8. 2-9. 31.8. 2.9. ManSselder Bergbau .. .......8 — 114,5 115,5 115 kkokswerke ........... .......6 — —— 118,13 117 Phönix Bergbau...... .......0 —— — — Rheinische Braunkohlen .....12 217,5 215 217 213 Rhetnstahl ........... .....8'/, 113,25 110,5 113,4 111 Vereinigte Stahlwerke. .......0 84,13 82,5 84,4 82,5 Otavi Minen ........ .......0 19 19,13 18,9 18,9 Kaliwerke Aschersleben. .......6 136,75 136,5 137,5 136,5 Kaliwerke Westeregeln . .......6 — 128,5 128,5 128,5 Kaliwerke Salzdetfurth .....7Vi — — 187 185 F. ®. Farden-Jndustrt» .......7 156,75 155 156,65 155,5 ScheideanstaU........ ....... 9 237 236 — — Goldschmidt ......... .......0 109 107,5 109 107 Rütgerswerke ........ .......4 116,5 116,25 116,5 116,4 Metallgesellschafl...... .......4 112 111,5 112 111,75 Philipp Hols mann .... Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt.. .......0 97,5 95 96,5 95,25 ......6 121,4 120,5 — .......4 - — Schultheis Patzenhoser ....... 4 _ _ 110,25 109,65 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 60,4 59 60,13 59,5 Bemberg............ .......0 117 116,5 117 116,13 Zellstoff Waldhof ..... .......0 116,25 116,5 116,25 115,5 Zellstoff Aschaffenburg .......0 85,25 84,5 85 83,5 Dessauer Gas ..... .......7 — — 132,75 132 Daimler Motoren ..... .......0 100 99 100,5 98,75 Deutsche Linoleum .... .......6 163,5 162 163,5 162 Orenstein L Koppel ... .......0 88,25 86,5 Westdeutsche Kaushof.. .......0 29,9 29,65 29,9 29,13 Chade ............... —— 278 277,5 278,25 Aecumulatoren-Fabrik. ......12 — 179 Eontt-Gummi ....... ....... 8 157 156,25 156 155,5 Gritzner............. .......0 - 34,25 35,25 Matnkraftwerke Höchst * 97 97,25 l 203,25 Süddeutscher Zuck« .. •eeeeee 3 203,26 203,5 204 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2!L 31.August 2. September Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld »rief Geld Brief Buenos Atrer 0,668 0,672 0,668 0,672 Brüssel..... 41,84 41,92 41,79 41,87 Rio de Jan. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 55,10 55,22 55,05 55,17 Danzig..... 46,95 47,05 46,91 47,01 London ..... 12,34 12,37 12,33 12,36 Helsingfor».. Paris ...... 5,44 5,45 5,435 5,445 16,42 16,46 16,405 16,445 Holland .... 168,27 168,61 168,25 168,59 Italien..... 20,36 20,40 20,36 20,40 Javan ...... 0,730 0,732 0,729 0,731 Jugoslawien 5,684 5,696 5,684 5,696 Oslo..... : 62,03 62,15 61,94 62,06 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,19 11,21 11,18 11,20 Stockholm... 63,63 63,75 63,58 63,70 Schweiz .... 81,02 81,18 81,01 81,17 Spanien.... 34,03 34,09 34,00 34,06 Prag....... 10,295 10,315 10,29 10,31 Budapest ... — — — Neuyork... 2,488 2,492 2,487 2,491 Banknoten. Serlin,2 September Geld Brief Amerikanische Noteu...... 2,439 2,459 Belgische Noten.......... ******* 41,72 41,88 Dänische Noten ..... ... 54,85 55,07 Englische Noten .......... ******* 12,295 12,335 Französische Noten ........ Holländische Noten........ 16,355 16,415 167,83 19,46 168,51 Italienische Noten........ 19,54 Norwegische Noten ...... 61,73 61,97 Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling — Rumänische Noten....... — — Schwedische Noten....... 63,36 80,78 , 63,62 Schweizer Noten.......... 81,10 Spanische Noten.......... 33,64 33,78 Ungarische Noten ................ Nr. 205 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyesseiy Dienstag, 3. September 1935 Aus Der Provinzialhaupistadt. Zwetschenkuchenzeit! Es ist jetzt eine köstliche Zeit, die Zwetschen- kuchenzeit! Die Erntearbeiten sind ziemlich erledigt, das Grummet — leider gab es nicht viel — ist auch jcfjon eingefahren, eine kleine Pause für unsere Bauern. Aber sie ist erfüllt von dem Duft, der uns aus allen Gemeindebackhäusern und den Stuben der Bäckereien entgegenströmt. Einmal, zweimal mindestens in der Woche steht nun der Zwetschenkuchen auf dem Tisch. Unsere Kinder jubeln Das Fruhaufstehen fällt ihnen nicht mehr so schwer Auch beim Nachmittagskaffee sind sie stets anwe- send, sie lassen lieber ihr Spiel im Stich als den Zwetschenkuchen. Wird auch die Obsternte stellenweise sehr knapp ausfallen, unsere gute Hauszwetsche bringt uns doch wieder Fruchte, wenn auch recht viele abae- fallen sind. Zum Kuchen gelangt es aber immer noch. Am Samstagmorgen sehen wir alt und jung mit dem bekannten Körbchen hinauswandern auf die Daumstucke. Wie gern helfen die Kinder dabei. ^.chu"eln kann man freilich die Zwetfchen noch nicht. Man mutz schon die reifen auspflücken. Aber diese Arbeit wird gern getan. Gibt es eigentlich Menschen, die den Zwetschenkuchen nicht mögen? Der ganze Zauber der Herbstzeit steigt herauf, wenn die ersten Zwetschenkuchen auf dem Tisch erscheinen. Wir waren einst sechs Geschwister und saßen oft — mit Knecht und Magd — zu zehnt am Tisch. Daß da ein Kuchen nicht weit reichte, braucht nicht versichert zu werden. Und die Mutter sparte doch so sehr, besonders am Zucker. Deshalb wurden für die Kinder die Kuchenstücke abgeschnit- ten und hingelegt. Mehr als eins erhielten wir nicht. Zuerst aßen wir Brot, dabei immer das schone Stück Kuchen im Auge! Dann kam der große Augenblick. Mit Andacht, ganz langsam und genießerisch begannen wir den aufgesparten Zwetschen- • n <5U eWen- Das waren königliche Augenblicke! Mein Vater durfte natürlich so viel essen, wie er mochte. Auch der Knecht und die Magd, die schwer zu arbeiten hatten, durften nach Herzenslust zugreifen. Glomm da nicht manchmal ein bißchen Neid in unserm kindlichen Herzen auf? Wie oft dachte ich mir: Wenn ich einmal Vater bin, bann esse ich jeden Tag Zwetschenkuchen! Die Mutter aß fast nur Brot, um uns Kindern das Stück recht groß zu schneiden. Heute noch bin ich meinen Eltern dankbar, daß sie uns nicht so im Uebervollen leben ließen. Sich bei Zeiten bescheiden, bringt Glück, sagte meine Mutter. Und nun ist es so weit. Ich bin Vater und könnte eigentlich so viel Zwetschenkuchen essen, wie ich möchte. Das tue ich schließlich auch. Ich meine aber, o gut wie der aufgesparte aus der Jugendzeit chmecke er nicht. Das ist ja mit allem so. Wir chauen mit Augen der Liebe in unsere Jugendzeit. Ja, es ist eine köstliche Zeit, wenn die ersten Zwetschenkuchen auf dem Tische stehen! M. C. NSDAP. - Amt für Bolkswohlfabrt. Ortsgruppe Giehen-INille. Am Mittwoch, dem 4. September, findet in der Ortspruppe Gietzen-Mitte durch die NS.-Frauen- schaft die Opferringsammlung (Lebensmittelsammlung) für die NSV. statt. Es wird ge- gebten, die Lebensmittelspende (Pfundpakete) ab 9 Uhr zur Abholung bereit zu halten. Heeresfachschulen für Vermeftunaswesen. Die bisher den Fahrabteilungen Ponarth, München, Landsberg am Lech und der Abteilung B der Artillerieschule Jüterbog angeschlossenen Heeres- fachschulen für Vermessungswesen sind aufgelöst worden. An deren Stelle wird mit Wirkung vom 1. Oktober 1935 der Heereshandwerkerschule Berlin eine Höhere Technische Wehrmachtslehranstalt für Vermessungswesen angegliedert. Diese Schule bezweckt die Ausbildung für den gehobenen mittleren Vermessungsdienst bei den Be- Die Ehrenzeichen eines Lebensretters. Kapitän Gchmehls Taten. Die Ausstellung des Reichsbundes der Lebensretter im Zeughaus in Berlin ist um bemerkenswerte Schaustücke ergänzt worden: Kapitän und Oberregierungsrat i. R. Karl S ch m e h l, in Gießen geboren, hat den Bitten feiner Freunde Rechnung getragen und die Urkunden über feine Leistungen und feine Ordensschnalle zur Verfügung gestellt. Denn Kapitän Schmehl, der Mann, der im Laufe seines abenteuerreichen Lebens nicht weniger als acht Menschen dem sicheren Tode in den Fluten entriß, ist als Lebensretter ebenso bekannt wie als Seemann. Kaum acht Jahre zählte er, als er einen Freund aus der Lahn rettete. Und noch als Sechzigjähriger holte Schmehl ein junges Mädchen bei schwerem Sturm und hoher Brandung aus der Ostsee. Im Roten Meer, in Westindien, in der Newa gewann sein opferfroher Einsatzmut durch die Errettung bedrohter Menschen den Sieg über den Tod. Der Mann, der dreiunddreißig Jahre zur See fuhr und als Oberregierungsrat des Reichswehrministeriums im vorigen Jahre von fünfzigjähriger Arbeit im Dienst der deutschen Seefahrt schied, hat jeden Erdteil besucht. Im Hafen von Bombay war es, als er im Jahre 1903 eine Rettungstat vollbrachte, wie sie mutiger kein Held vollbringen kann. Der Hansa-Dampfer „Ockenfels" war in Brand geraten, schon drohte das Feuer die aus 2000 Kisten Dynamit, 620 000 Dynamitzündern und Spiritusfässern bestehende Schiffsladung zur Explosion zu bringen, schon war nicht bloß die Besatzung, sondern sogar die Bevölkerung des ganzen Bombayer Hafenviertels in größter Gefahr, als der Erste Offizier Schmehl unter Einsatz seines Lebens das Feuer zum Ersticken brachte. Er erlitt schwere Brandwunden. Der Kaiser ließ ihm den Roten Adlerorden überreichen, und der Name Schmehl wurde berühmt in aller Welt. Noch heute, wenn der rastlos tätige Mann wieder und wieder das Vortragspult besteigt, um von den Fahrten des Hilfskreuzers „Wölf" zu berichten, kommen die Gäste von weit her, diesem Seebären von echtem Schrot und Korn zu lauschen. — Hilfskreuzer „Wolf", auf dem Schmehl als „Erster" Dienst tat, ist nämlich jenes Schiff, dessen abenteuerliche Kaperfahrten im Kriege die ganze Welt in Erstaunen versetzten. Oft totgesagt und stets zu neuen Taten bereit, drang Hilfskreuzer „Wolf" in fünfzehnmonatiger Fahrt bis an die Küste Chinas vor. Ein Zeugnis hohen Heldensinns, das den Namen des Seemanns und Lebensretters Schmehl, wie die Namen feiner Kameraden in den Annalen der deutschen Geschichte festhalten wird. .75 Hörden des Reiches, der Länder und der Gemeinden, sowie bei den Körperschaften des öffentlichen Rechts. Der Unterricht wird im 12. Dienstjahr erteilt und schließt mit der Abschlußprüfung II, die beim Eintritt in die Laufbahnen des gehobenen mittleren Vermessungsdienstes die Vorprüfung gemäß § 27 der Anstellungsgrundsätze ersetzt. Denjenigen Schülern, welche diese Prüfung nicht bestehen, kann bei entsprechenden Kenntnissen das Zeugnis der Abschlußprüfung I der Heeresfachschule für Gewerbe und Technik ausgehändigt werden. Als Schüler eignen sich in erster Linie Soldaten, die entweder vor dem Eintritt in den Heeresdienst in vermessungstechnischen oder ähnlichen Berufen tätig waren, oder während ihrer militärischen Dienstzeit im Truppenvermessungsdienst ausgebildet wurden. Grundsätzlich steht aber auch jedem anderen Soldaten der Zutritt zu der Ausbildung offen. Hinreichende Kenntnisse in Mathematik und entsprechende Fähigkeiten im Zeichnen sind erforderlich. Die Möglichkeiten des Unterkommens in Laufbahnen des gehobenen mittleren Vermessungsdienstes sind gut. Die militärische Schweigepflicht Der Referent im Reichskriegsministerium Geh. Kriegsrat Ministerialrat a. D. Dr. W a g n e r äußert sich in der „Deutschen Juristenzeitung" über die dienstliche Verschwiegenheit im Wehrrecht. Er betont vor allem, daß das Wehrgesetz nicht nur den Angehörigen der Wehrmacht, sondern auch denen des Beurlaubtenstandes die Pflicht der Verschwiegenheit in dienstlichen Angelegenheiten, die der Geheimhaltung unterliegen, ausdrücklich auferlege. Die Wehrpflicht liegt nun nicht etwa erst in der Einberufung, sondern sie erfaßt jeden deutschen Mann mit der Vollendung des 18. Lebensjahres. Denn jeder Deutsche gehört vom ersten Tage seines 19. Lebensjahres an der Ersatzreserve an. Es ist notwendig, diese Tatsache allen Wehrpflichtigen nachdrücklich vor Augen zu führen. An die weibliche Bevölkerung Oberhessens. Am Dienstag, 3. September, von 18.40 bis 19 Uhr, findet über den Deutschlandsender eine Reportage aus der Reichsluftschutzschule zu Berlin „Die Frau im L u f t s ch u tz" .statt. Für jede deutsche Frau, die ihr Vaterland und ihre Angehörigen liebt, ist es eine Selbstverständlichkeit, daß sie sich mit der Luftschutzfrage befaßt. Diese Sendung ist besonders geeignet, ihr Wissenswertes über ihre Aufgaben im Luftschutz zu vermitteln. Keine deutsche Frau darf sich diese Gelegenheit entgehen lassen. Reichsluftschußbund, Bezirksgruppe Oberhessen. Oer Dank des BDM Der BDM, Obergau 13 Hessen-Nassau, teilt mit: Wir danken hiermit noch einmal allen Volksgenossen und Eltern, die uns bei der Durchführung unseres BDM.-Sporttages geholfen und die uns durch den Besuch unserer Veranstaltung ihre Verbundenheit mit der deutschen Jugend gezeigt haben. Ebenfalls danken wir den Vertretern der Partei, der Wehrmacht und der Behörden, daß sie diesen! Tag mit uns verlebten, um einen Teil unserer Strbeit kennenzulernen. Wir wollen durch straffe Winterarbeit und frohen Einsatz zu unferm Werk die- fen Dank in die Tat umfetzen. Wir wollen Zukunst des Staates werden.... Eltern und Mädels! Wir haben euch am Sonntag einen Teil unserer Arbeit gezeigt, ihr habt an diesem Tage euch selbst überzeugen können, mit welch freudiger Bereitschaft der BDM. und die Jungmädel in ihrer jungen Gemeinschaft stehen, ihr habt gesehen, wie froh und gesund unsere Mädel sind, aber auch wie ernst, wenn es heißt, sich einzusetzen für das Werk, dem jeder echte Deutsche dienen muß und soll. Eltern, dieser Tag hat euch zeigen sollen, daß unser Mädel- und Jung- mäbeltum keine Spielerei ist, und euch Mädel, die ihr noch nicht in unseren Reihen steht, sollte der Sporttag wach und aufmerksam machen und euch noch einmal die Worte des Führers ins Gedächtnis rufen: Wir wollen einst ein Reich sehen und ihr sollt euch dazu erziehen in einer Organisation. Wir Jungmädel aus Hessen-Nassau führen jetzt in unserem Obergau eine große Werbeaktion durch. Wir wollen während dieser Zeit den Eltern und den Mädeln, die noch nicht zu uns gehören, Gelegenheit geben, unser Jungmädelsein und unsere Jüng- mädelarbeit kennenzulernen, der Sporttag am Sonntag war der Auftakt dazu. Eltern und Mädel, kommt und erlebt einen Heimnachmittag und einen Staatsjugendtag mit uns, laßt euch von unserer frohen Arbeit überzeugen. Mädel, auch ihr müßt erkennen, daß ihr au uns gehört. Eltern, habt Vertrauen zu unserer Arbeit, wir wollen euch nicht enttäuschen, wir wollen in unserer Gemeinschaft zu gesunden, stolzen Menschen aufwachsen, wir wollen nicht davon reden, daß wir die Zukunft unseres Staates sind, wir wollen danach handeln und es in Wirklichkeit werden. Eltern und Mädel, Jungmädel rufen und werben, hört uns! Bezirksverein Gießen-Land des NSLB. Wie jedes Jahr, so wurden auch heuer die Arbeitstagungen des N SLB., Bezirks gruppe Giehen-Land, durch eine gesellige Familienzusammenkunft angenehm unterbrochen. Die Mitglieder waren mit ihren Familien recht zahlreich auf der „Karlsruhe", wo diesmal die Zusammenkunft stattfand, erschienen. Der Obmann der Be- zirksbruppe, Rektor Siegfried (Grohen-Linden), begrüßte die Gäste und Mitglieder und betonte den Wert solcher Zusammenkünfte, an denen die Lehrer einmal von ihrer aufreibenden Tättgkeit Luft schöpfen und im Beisein von befreundeten Familien sich ausspannen könnten. Er hob besonders hervor, daß die Lehrerschaft mit dazu beitragen müsse, daß in unserer Jugend der Gemeinschaftsgeist, die Kameradschaftlichkeit, aufs innigste gepflegt werden müßte. So sollten auch diese Stunden der Unterhaltung eine Feier der Verbundenheit der Lehrer mit Frau und Kindern sein. Zum Schlüsse seiner Ausführungen gedachte er unseres Führers und brachte ein dreifaches Siegheil aus, in das die Versammelten begeistert einftimmten. Nur allzu rasch verliefen bann bei Kaffee unb Zwetschenkuchen bi« Stunden. Zur Unterhaltung fang Herr Kraus» h aar (Heuchelheim) mit gut geschulter Tenorstimme einige Lieber, die starken Beifall fanben. Er würbe oon Musiklehrer Blaß (Gießen) begleitet. Außerdem wurden mundartliche Gedichte des oberhessischen Dichters Georg Heß von seiner Tochter, Frl. Heß, oorgehragen. Sie erweckten viel Heiterkeit und fanden ebenfalls viel Beifall, ebenso ein Gedicht von Fuchs, Dorgetragen von Rektor Siegfried. Zwischendurch wurden Volkslieder gemeinsam gesungen und getanzt. Die Kinder kamen auf der „Karlsruhe" besonders zu ihrem Recht, denn in dem großen Spielaarten fanden sie alles, was ihr Herz begehrte, und als dann noch das Wurst- schnappen dazu kam, kannte die Freude keine Grenzen mehr. Auch der Himmel hatte ein Einsehen und gab das schönste Wetter zu dieser Fannlienzusam- Sherlock Holmes" Geburt Don I. Mayne. to<2Im nächsten Morgen nach dem geheimnisvollen Vorfall trafen sich mehrere Studenten, darunter auch Conan Doyle, im Zimmer emes Kollegen um alle Möglichkeiten einer Losung des Rätsels zu erörtern. Conan Doyle lernte bet dieser Gelegenheit den Studenten Henry Clinton kennen, einen An der Universität Cambridge wurde vor Jahrzehnten ein neuer Student immatrikuliert. Sein Name war Conan Doyle. Am Morgen nach der Ankunft des Studenten in Cambridge versetzte ein geheimnisvoller Vorfall die ganze Universität in Aufregung. Einer der Studenten, Bob Rutherford, hatte, als man ihm das Frühstück auf fein Zimmer braä)tef weder auf Klopfen noch auf Rufe irgendeine Antwort gegeben. Schließlich brach man die verschlossene Tür gewaltsam auf und fand den Studenten tot in feinem Bett, feinen Revolver in der Hand. Auf dem Tisch lag ein unzweifelhaft von Rutherford selbst geschriebener Zettel: „Man beschuldige niemand, ich nehme mir das Leben." Der sogleich herbeigerufene Arzt erklärte, daß der Tod durch einen Lungenschuß eingetreten sei, der eine innere Verblutung zur Folge hatte. Bevor jedoch der Leichenbeschauer die Erlaubnis zur Bestattung erteilte, untersuchte er die Waffe näher und mußte hierbei die aufsehenerregende Feststellung machen, daß sich im Laufe des Revolvers alle sechs Kugeln noch befanden und kein Schuß daraus abgefeuert worden war. Mit Rücksicht auf das Ansehen der Universität unterließ man es zunächst, die Polizei von dieser Entdeckung zu verständigen, in der Hoffnung, daß der Fall alsbald von selbst eine harmlose Aufklärung finden werde. Diese schien jedoch auf sich warten lassen zu wollen. Es wurde feftgefteüt, daß niemand das Zimmer Rutherfords hatte betreten oder verlassen können. Tür und Fenster waren verriegelt gewesen, auch gab es in dem Raum keine Falltür, keinen Kamin ober geheimen Gang. Nichts war entwendet worden, es herrschte keine Unordnung im Zimmer und auch die Hand- christ auf dem Zettel war unbedingt die Ruther- ords. Alles deutete somit auf Selbstmord hin. Da ich aber sämtliche Kugeln im Lauf befanden, konnte jer tödliche Schuß unmöglich aus diesem Revolver abgegeben worden sein. Dabei war in dem ganzen Simmer keine Spur von einer zweiten Waffe zu entdecken. Andererseits war jedoch die Kugel, die die Brust des Studenten durchbohrt hatte und bann in ber Wanb steckengeblieben ist, so abgeplattet, baß ihr Kaliber nicht mehr mit Sicherheit festzustellen nachbenklichen, jungen Menschen von eckigen, ernsthaften Gesichtszügen, ber nicht viel sprach, bagegen ununterbrochen aus seiner großen Pfeife rauchte. Henry Clinton würbe Doyle von bem gemeinsamen Gastgeber Allan E b w a r b s als besten bester Freunb vorgestellt. Clinton war auf ber ganzen Universität bekannt wegen seines kriminalistischen Scharfsinnes, ber ihn schon oft zum Gelegenheits- bebektiv aus Liebhaberei werben ließ. Man erwartete baher auch biesmal von Clinton bie Lösung bes Rätsels, bie benn auch nicht auf sich warten ließ. „Der Fall Rutherforb", sagte Clinton lächelnd, „ist ein zu vollkommenes Rätsel, als baß es nicht irgendwie gelöst werden könnte. Ich habe in aller Stille meine Nachforschungen angestellt und bin bereits zu einem Ergebnis gekommen." Auf das Drängen der Freunde wies Clinton darauf hin, daß am Morgen des gleichen Tages die Tochter des Professors Jefferson in auffälliger Eile nach Afrika abgereift sei, um dort angeblich einen Posten als Krankenschwester anzunehmen. Clinton hatte bas Mäbchen am Abenb vorher zur Rebe gestellt unb ihr auf ben Kopf zugesagt, baß es bie Morde- rin bes ©tubenten Rutherforb sei. Aus Clintons Untersuchungen war hervorgegangen, baß sich roeber Rutherforb selbst bas Leben genommen haben konnte, noch bas Opfer eines Verbrechers geworben war. Dieser letzteren Möglichkeit widersprachen der hinterlassene Zettel und die verschlossenen Ausgänge. Es gab also nur eine dritte Möglichkeit: Rutherford war von einem Täter zu Tode getroffen worden, den er trotz seines schweren Verschuldens vor Entdeckung schützen wollte. Da von den Kollegen niemand in Betracht kam, konnte es sich nur um ein Liebesabenteuer handeln, zumal Beziehungen zwischen Rutherford und der Tochter des Professors bestanden. Miß Jefferson hatte feststellen müssen, daß Rutherfords Gefühle für sie allmählich zu erkalten begannen. Sie hatte ihn daher an dem kritischen Abend zu einer entscheidenden Aussprache in feinem Zimmer aufgesucht. Es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung, wobei das Mädchen halb besinnungslos vor Schmerz unb Eifersucht, aus ihrem eigenen mitgebrachten Revolver ben Todesschuß auf Rutherforb abgab. Als Mebiziner war sich biefer barüber klar, baß er nicht mehr lange zu leben hatte. Rutherforb wollte baher bie kurze Spanne Zeit, bie ihm noch befchieben war, bazu benutzen, um bas Mäbchen, bas er vielleicht noch immer liebte, zu retten. Er verschloß bie Türe, schrieb bie Abschiebszeilen unb legte sich mit feinem eigenen Revolver in ber Hanb zu Bett. Der Stubent hatte allerbings vergessen, eine Kugel zur Vervoll- ftänbigung bes Täuschungsmanövers aus bem Magazin zu entfernen. Vielleicht hat ihn auch nur ber Tod baran gehinbert. Die geschickte Inszenierung mußte jedenfalls die Vermutung eines Selbstmords erwecken. Conan Doyle war von der raschen, scharfsinnigen Aufklärung des geheimnisvollen Falles durch einen Kameraden so begeistert, daß er beschloß, nach Clintons Vorbild einen Meisterdedektiv zu schildern, der der Held einer Reihe von Kriminalgeschichten werden sollte. Als die drei Freunde am Abend des gleichen Tages noch an einer großen Music-Hall vorbeigingen, fragte Conan Doyle den jungen Amctteurdedektiv: „Und welchen Namen soll ich dir geben?" „Den da", sagte Henry Clinton leichthin und wies dabei auf ein Riesenplakat an der Music-Hall: Sherlock Zauberkünstler Holmes Rechenkünstler Und so geschah es auch. Allan Edwards aber ging als Dr. Watson, der Freund und Gehilfe Sherlock Holmes, in die Literatur ein. Aus der Vereinigung der beiden Namen des Zauber- und Rechenkünstlers erwuchs die typische Gestalt des Meisterdetektivs Sherlock Holmes und schlug in den Werken Conan Doyles die Volker des ganzen Erdballs in ihren Bann. „Besuch am Abend " Der Titel klingt so, als ob man sich auf eine kriminalistische Angelegenheit gefaßt machen müßte; es stellt sich aber heraus, daß es sich um ein etwas in die Länge gezogenes Lustspiel handelt — mit Musik, mit stellenweise ausgesprochen schwankhaftem Einschlag, erfunden von B. E. L ü t h g e, in Szene gesetzt von Georg Jacoby, hergestellt von der Patria Film GmbH. Man erlebt, was daraus entsteht, wenn ein geschworener Junggeselle seine Wohnung wechselt und in bie Räume zieht, wo oorbem ein eleganter Hutsalon betrieben würbe ... weil bas Türschilb biefer Firma noch nicht entfernt ist, finbet eine späte unb ahnungslose Kunbin statt vieler schicker Hüte einen einsamen unb verblüfften Hagestolz vor. Unb aus biejem beiberfeits unvermuteten Besuch am Abenb entwickeln sich nicht bloß bie fatalsten Situationen, fonbern auch bie entschei- benbe Wanblung im Gemüt des Prokuristen Ferne- beck (Tuche engros), der nach vielen Umwegen am Ende die schone und elegante Sängerin Lydia vom Kristallpalast an sein spät entdecktes Herz drückt. Diese Lydia ist Liane Haid, eigentlich Frau Baronin Haimerle aus Wien, fesch, kokett und liebenswürdig bei Stimme. Ihr Landsmann Hörbiger macht den pünktlichen, ordentlichen, sittenstrengen und grenzenlos unbeholfenen Junggesellen; er kann einem' fast leid tun. Im kleinen Ensemble tun sich ferner Harald Pauls en, Jakob T i e d t k e (dem man seine sechzig gar nicht ansieht) und Erika G 1 ä ß n e r hervor. — Im Beiprogramm bringt bas Lichtspielhaus einen hübschen Varietäfilm unb bie neue Ufa-Tonwoche. • —r— Die Katzen von Thorn. In ber Festung Thorn gab es früher ein Ar» tilleriebepot unb ein Proviantamt. Beiden war zur Steuerung ber Mäuseplage bas Halten von Katzen gestattet, bie mit militärischer Pünktlichkeit jeben Morgen Milch erhielten. Vierteljährlich reichte jeder Aufseher bie Milchrechnung ein. Eines Tages kam im Artilleriebepot eine Anfrage ber Oberrechnungskammer an: „Es ist anzugeben, warum bie Katzen bes Ar- tilleriebepots im letzten Quartal für zwei Mark mehr Milch verzehrten als bie bes Proviantamtes!" Der Zeugfelbwebel berichtete: „Die Katzen des Artilleriedepvts ernähren sich außer von Milch auch von Mäusen; diese aber fristen von den Lederabfällen und Pappresten des Depots ein kümmerliches Dasein. Dagegen ernähren sich die Katzen des Proviantamts von den Mäusen des Proviantamts. Diese Mäuse finden eine sehr kräftige und fette Nahrung in den Speisevorräten des Amts. Demnach brauchen die dort befindlichen Katzen bedeutend weniger Milch als die Depotkatzen." O. Q. Hochschulnachrichten. Professor Dr. Willi Hoppe, Extraordinarius für Geschichte an der Universität Berlin, ist zum ordentlichen Professor in Berlin ernannt worden. Sein Spezialgebiet ist ostdeutsche und märkische Geschichte. 1933 trat er an die Spitze des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine. Professor Dr. Schultze von Lasaulx, Ordinarius für Rechtsgeschichte. Bürgerliches Recht, Handels- und Kirchenrecht an der Universität R o - ft o cf, erhielt einen Ruf als Nachfolger von Geh. Rat Professor Dr. Rudolf Hübner an die Universität Jena. Professor Dr. Wilhelm H e d e m a n n , Ordina* rius für Römisches, Bürgerliches und Wirtschafts, recht an der Universität Jena, hat einen Ruf in gleicher Eigenschaft an die Universität Leipzig erhalten. u merthmft, die noch lange in der Erinnerung der Mitglieder bleiben wird. Was ein Erfinder beachten muß. LPD. Die DAF. teilt mit: Vor einigen Taaen ging durch die hiesige Presse eine Notiz, aus der hervorgeht, daß sich die Deutsche Arbeitsfront der Erfinder annimmt. Wenn sich die Deutsche Arbeitsfront bereit erklärt, den Erfindern behilflich zu sein, so muß sie auf der anderen Seite verlangen, daß es sich um wirkliche Erfindungen handelt. Es brauchen natürlich keine welterschütternden Neukonstruktionen zu sein, sondern solche, die hieb- und stichfest sind. Damit eine ordnungsgemäße Erledigung von evtl. Patentanträgen erfolgen kann, ist es erforderlich, daß Zeichnungen und kurze Beschreibungen beigefügt werden. Das will nicht heißen, daß die Zeichnung bis ins Einzelne exakt ausgearbeitet sein muß. Durch die hohen Gebühren für die Anmeldung eines Patentes oder Gebrauchsmusters ist mancher Volksgenosse nicht in der Lage, seine Erfindung auszuwerten. Wir sind auch in diesem Falle bereit, uns dafür einzusetzen, daß gute Ideen Verwendung finden. Die Sozialabteilung der Deutschen Arbeitsfront wird m einem derartigen Falle mit Betriebsinhabern direkt verhandeln, so daß keine Gefahr besteht, daß dem Volksgenossen sein Geistesgut unrechtmäßig genommen wird. Gießener Wochenmarktpreije. * Gießen, 3. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkte kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing (grün), das Pfund 12 bis 15, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 20, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 25 bis 35, Tomaten 10 bis 18, Zwiebeln 10, Kürbis 6 bis 8, Pilze 30 bis 40, Kartoffeln 4 bis 4XA, der Zentner 3,70 bis 3 Mark, Frühäpfel 10 bis 45, Falläpfel 5 bis 8, Pfirsiche 45 bis 50, Brombeeren 40 bis 50, Preiselbeeren 45, Birnen 10 bis 35, Zwet- schen 12 bis 18, Mirabellen 25 bis 30, Renekloden 18 bis 25, junge Hähne 85 bis 90, Suppenhühner 70 bis 75, Tauben, das Stück 50 bis 60, Eier 11 bis 12, Blumenkohl 5 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 4 bis 25, Einmachgurken 1 bis 2, Endivien 5 bis 15, Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 20, Sellerie 15 bis 25, Radieschen, das Bund 10 bis 12 Pf. Vornotizen. — Tageskalender für Dienstag: NSG. „Kraft durch Freude": 19 bis 21 Uhr Allgemeine Körperschule auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhof, straße: „Besuch am Abend". * ** Eine Achtzigjährige. Am kommenden Donnerstag kann Frau Elise Hofmann, die Witwe des Metzgermeisters August Hofmann, Gießen, Dammstraße 25, in geistiger und körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag begehen. Die Jubilarin ist seit dem Jahre 1877 treue Leserin des Gießener Anzeigers. ** Mi«tetiubiläum. Frau Elise Wal- brecht W w e. wohnte mit dem 1. September seit 25 Jahren im Hause von Herrn H. Reinschmidt, Horst-Wessel-Wall 51. Ein Zeichen guten Einvernehmens zwischen dem Hausbesitzer und der Mieterin. ** Brenn st offlieferungen f ü r städtische D i e n st st e l l e n. Das Städttsche Hoch- und Tiefbauamt gibt im heuttgen Anzeigenteil bekannt, daß die Brennstofflieferungen für die städtischen Dienststellen öffentlich vergeben werden. Auf die Bekanntmachung sei besonders aufmerksam gemacht. ** Sonntags - Rückfahrkarten zur Fr-an kfurt er Messe. Die diesjährige Frankfurter Herbstmesse, die in der Zeit vom 22. bis 25. September stattfindet, wird bedeutend besser beschickt sein, als im Vorjahre. Die Deutsche Reichsbahn gibt während dieser Zeit von allen Bahn- Alte Soldaten im Luftschutz! LPD. Der Reichsluftschutzbund, Landesgruppe Hessen-Rheinland-Süd, teilt mit: Alle ehemaligen Soldaten haben im Kriege das Flugzeug als eme gefährliche Angriffswaffe kennengelernt Seitdem sind 15 Jahre vergangen. Die Entwicklung hat nicht Halt gemacht. Die modernen Flugzeuge sind heute wesentlich leistungsfähiger als im Jahre 1918. Sie können weiter fliegen, in kürzerer Zeit hoher steigen und mehr Mengen an Bomben mit sich führen als früher. Regierungen und Volker smd deshalb zu ganz neuen und umfangreichen Adwehr- maßnahmen gezwungen, die eine ausgedehnte Er- ziehungsarbeit aller Schichten voraus,-tzen Das nationalsozialistische Deutschland hat drese Ausaabe mit Entschlossenheit angepackt und mit der Aus- klärung und Ausbildung der Bevölkerung den 1933 neugegründeten Reichsluftschutzbund betraut. Jeder Frontsoldat, der schon im Weltkriege seine Erfahrungen mit dem Flugzeug hat machen können, muß mit besonderem Interesse alle Arbeiten verfolgen, die der Sicherung von Blut und Gut des Volkes dienen, und er mutz sich mit den in den vergangenen Jahren gemachten Erfahrungen und Erkenntnissen vertraut machen, wenn er im Ernstfall seinen Wann stellen will; denn seit 1918 hat sich vieles geändert. Der Reichsluftschuhbund bedarf der Witarbeit der alten Soldaten, die am besten geeignet sind, die Volksgenossen über die möglichen Gefahren aufzuklären und den Willen zur Abwehr zu organisieren. Als Luftschutzhauswart ober Brandwart, als Angehöriger der Hausfeuerwehr oder der Luftfchutz- aemeinschaft kann er sich um den Schutz seiner Mitbürger bemühen. Der Frontsoldat von ernst glaube nicht, daß er entbehrlich ist. Das Deutschland Adolf Hitlers braucht jeden aufrechten Deutschen. 50000 in den HJ.-ZeMagern. Oer (Sauleiter und Gebietsführer potthoff im Zeltlager der Frankfurter HZ. LPD. F r a n k f u r t a. M., 2. Sept. Beim Besuch des Vogelsberger Z e l t l a g e r s der Frankfurter HI. am Sonntag konnte Gebietsführer Potthoff dem Gauleiter melden, daß 50 000 Hitler- jungen und Jungvolkpimpfe bis jetzt ihre Freizeitinden 34 Zeltlagern der Hessen-Nassauischen HI. verbracht hatten und gesund, leuchtenden Auges und lachenden Herzens an ihre Arbeitsstätten und ins Elternhaus zurückgekehrt seien. Im Namen dieser 50 000 Jungen dankte der Gebietsführer dem Gauleiter für das Verständnis, das er der Durchführung dieser der nationalsozialistischen Arbeiterjugend so lebensnotwendigen Sache entgegengebracht habe. Die in den Lagern gelebte Kameradschaft werde in den Alltag, in den Beruf hineingetragen und bilde so Bausteine für eine nationalsoz. Volkwerduna im Dritten Reich. Der Gauleiter, dem die Lagermannschaft eine frohe Kameradschaftsstunde bereitet hatte, gab seiner Freude über die Lebenshaltung der Jungen in den HJ.-Zelttagern Ausdruck und ermahnte sie, des Führers Namen in Ehren zu tragen. Mit einem frisch-frohen Lied dankten die Jungen. Gebietsführer Potthoff hatte am frühen Morgen schon einer Tagung der Frankfurter ti^uuj)9 rer beigewohnt. Auf der sich anschließenden Besichtigung der Nürnberg-Fahrer wies der Gebietsführer mit besonderem Nachdruck auf die Verantwortung hin, die diese Mannschaft als Auslese der tausenden von Hitlerjunqen auf dem Reichsparteitag trage. Das Erlebnis dieser Tage gäbe ihnen Kraft für ihre weitere Arbeit. Höfen im Umkreis von 100 Kilometer um Frankfurt, sowie von etwa 40 größeren, weiter entfernt liegenden Orten Sonntagsrückfahrkarten mit 3tägi- ger Geltungsdauer aus. Die Karten haben zur Rückfahrt nur Gültigkeit nach Abstempelung durch die Ausstellungsleitung. ** Verbilligte Bahnfahrten nach Köln. Vom Bahnhof Gießen wird uns mitgeteilt: Zu der in der Zeit vom 7. September bis 17. September in Köln stattfindenden Herbstmesse und Gastwirts- und Hotelfachmesse gibt die Reichsbahnverwaltung von allen Fahrkartenausgaben im Umkreise von 100 Kilometer um Köln und von Gießen, Wetzlar, Limburg, Montabaur, Siershahn und Frankfurt a. M. Sonntagsrückfahrkarten aus. Gültigkeit: Am 7,. 8. und 9. September. Hinfahrt: vom 7. September, 12 Uhr ab bis 9. September; Rückfahrt: 9. September 24 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt). Am 14., 15., 16. und 17. September Hinfahrt: vom 14. September 0 Uhr bis 17. September 1935. Rückfahrt: vom 14. September 12 Uhr bis 17. September 24 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt). Am 9.., 12. und 16. nach 12 Uhr und am 17. September sind die Sonntagskarten zur Rückfahrt nur gültig, wenn sie auf der Rückseite von der Messe- und Ausstellungsgesellschaft abgestempelt sind. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) H. Schn, in Holzheim. Wir empfehlen Ihnen, sich an das Zentralnachweisamt des Kriegsarchivs in Spandau zu wenden. Handwerker besucht die Wirtschastsschau! Ein Aufruf des Landeshandwerksmeisters. LPD. Frankfurt a. M., 2. Sept. In einem Aufruf an die hessischen Handwerker fordert der Landeshandwerksmeister Hessen alle Handwerker auf, die Leistungsschau der „Rhein-Mainischen Wirtschaft" in Frankfurt am Main zu besuchen. Für jeden einzelnen Handwerker bietet diese umfassende Schau eine Fülle von Anregungen und Belehrungen und ist ein Ansporn für die weitere Aufbauarbeit auch des Handwerks im rhein-mainischen Gebiet. Durch Gesellschaftsfahrten, Sonntagskarten während her Ausstellung und verbilligten (Eintritt bei Gemeinschaftsbesuchen ist jedem einzelnen Handwerker die Teilnahme ermöglicht. Drei schwere Verkehrsunfälle in Mainz LPD. Mainz, 2. Sept. Ank Sonntag gegen 17 Uhr raste ein Kraftwagenfahrer vom Fischtor her durch die Rheinstraße in Richtung Straßenbrücke. Er nahm keine Rücksicht auf die Menschenmenge, die sich nach Schluß des Weinmarktes über die Rheinstraße bewegte und fuhr den Arbeiter Heinr. Knodt aus Mainz derart an, daß dieser durch die Luft gewirbelt wurde und lebensgefährlich verletzt wieder zu Boden fiel. Der Kraftfahrer, der bettunken war, ergriff die Flucht, konnte aber von einem anderen Autofahrer eingeholt und festgenommen werden. Er kam sofort in Untersuchungshaft. Der Schwerverletzte ist inzwischen im Krankenhaus gestorben. Ein zweiter schwerer Unfall ereignete sich mittags in Mainz-Weisenau. Als dort der Radfahrer Georg Stäb le in links in die Mönchsttaße einbiegen wollte wurde er von einem in gleicher Richtung fahrenden Personenkraftwagen angefahren, zu Boden geschleudert und ebenfalls> lebe ns ge fahr. l i ch v e r l e tz t. Er wurde m bedenklichem Zustande ins Mainzer Krankenhaus gebracht. An fememAuft kommen wird gezweifelt. Die Schulofrage ist noch nicht geklärt. £ ... .... , — Am Sonntagabend ereignete sich schließlich am Ortseingang in Finthen ein Dritter schwerer Un» fall. Dort fuhr ein Motorradfahrer gegen einen ihm entgegenkommenden Lastkraftwagen. Er und sein Soziusfahrer wurden in schweröerIetz• tem Zustande dem Krankenhaus zugesuhrt. Oberheffen. 50er-Feier in Lich. Tage ernsten und frohen Heimalerlebens. * Lich, 1. Septbr. Am Samstag und Sonntag hatten sich die Kameraden und Kameradinnen, die im Jahre 1885 in Li ch geboren, die gleichen Schuljahre unter gemeinsamen Lehrern im alten Rathause und in der Stiftsschule verbracht, gleiche Jugenderinnerungen durchlebt und an Pfingsten 1899 gemeinsam zur Konfirmation in der Marien- stiftskirche gelangt waren, in ihrer Vaterstadt zusammengefunden. Im Kreise der Altersgenossen weilten auch ehemalige Zöglinge des Frankfurter Waisenhauses, die mit den Lichern gemeinsam die Schule besuchten und konfirmiert wurden. Für sie war Lich, damals eine der größten Stationen des Frankfurter Waisenhauses, zur Kinder- und Jugend- Heimat geworden. Mit berechtigter Hoffnung auf einige traute Stunden im Freundeskreis waren in der Fremde lebende Licher aus allen Teilen der näheren und weiteren Heimat, aus Thüringen, dem Rheinland, von der holländischen Grenze, ja selbst aus Jugoslawien herbeigeeilt, und zusammen fünfzig Alterskameraden begingen eine schöne und würdige Wiedersehensfeier des Jahrgangs 18 8 5. Wer selbst nicht kommen konnte, sandte brieflich oder telegraphisch seinen Gruß, so auch die ehe- malige PrinzessinDorothea vonSolms- Hohensolms-Lich, jetzt Baronin v. Ledebur, Mitkonfirmandin von 1899, aus Hallein in Salzburg. Und Kartengrüße treuen Gedenkens gingen von den in der Heimat Feiernden gestern und heute hinaus in alle Teile des großen Vaterlandes an die Alterskameraden, die nicht in Lich anwesend sein konnten. Viele Festteilnehmer sahen sich feit dem Konfir- mationstage — also nach 36 Jahren — zum ersten Male wieder und kannten sich fust kaum noch. Aber alle Schranken etwaiger zurückgehaltener Scheu bei der Begrüßung einer lange nicht gesehenen „Dame" oder eines „Herrn" — alter Jugendgenossen — fielen bei dem allumschlingenden Bande des altgewohnten „du". Das Händeschütteln, der Austausch alter Jugenderinnerungen, ausgelöst durch die immer wiederkehrende Frage: „W e i ß t d u n o ch ?", zeigte schon beim Empfang am Bahnhof eine Stimmung und eine Volksverbundenheit im schönsten und ebelften Sinn des Geistes unserer Zeit, die dann bis zur letzten Stunde der Wiedersehensfeier anhielt. Alterskamerad Christian Insel, der Vorsitzende des vorbereitenden Ausschusses, eröffnete Samstagabend im Gasthaus „zum Löwen" die Feier mit Worten herzlicher Begrüßung und mit einem tiefempfundenen Gedenken an die verstorbenen und fürs Vaterland gefallenen Alterskameraden. Alterskame- rab Heinrich Oßwald (Bad-Nauheim) dankte in feiner Festansprache den Licher Altersgenossen, insbesondere Christian Insel, Heinrich Merle und Hermann Melcher, für die schöne Gestaltung der Feier, um' dann den tieferen Sinn des schönen Brauchs der Alterkameradschaftstteffen zu begründen. Dann wurde vom Redner die Erinnerung an die Schul- und Jugendkameradschaft wachgerufen, der ehemaligen Lehrer in Verehrung und Dankbarkeit gedacht und ausgeführt, wie Spiel und Arbeit engste Verbindung mit dem Heimatboden gebracht, und wie über und in allem Erinnern der Z» jedem kommt einmal das GM. ZRofnon von Ellen Kulm Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 10 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Ihre Freundin Maud Pennigton saß auf dem Diwan und rauchte eine Zigarette. „Schon genug, Shirley", sagte sie, „die Männer mögen das nicht!" „Ach was, die Männer mögen alles, was ich tue!" antwortete Shirley eitel. „Na, wenn du so viel Glück hast, konntest du schon längst wieder verheiratet sein! Ich glaube, du bist schon drei Jahre verwitwet!" „Fast vier Jahre, Maud! Aber diesmal will ich es doch klüger anfangen als mit dem hübschen Harry!" Maud lachte. „Du hast immer so gute Vorsätze, aber ich finde nicht, daß du sie auch einhältst. Dein Flirt mit dem Eintänzer m Wiesbaden..." „Ach, sei doch still! Warum habe ich mir die kleine Freude nicht gönnen sollen? Es war dort ohnehin nichts zu holen, wo doch der dicke ältere Herr mit der Glatze und dem großen Brillantring sich nachher als ein simpler Fabrikdirektor aus einem sächsischen Städtchen entpuppte." „Du, Shirley, der hätte dich aber wirklich geheiratet ..." „Aber ich ihn nicht. Ich brauche doch einen wirklich reichen Mann. Einen, der mir den kostbaren Rahmen geben kann, den meine Schönheit braucht." Maud lachte. „Na, wenn man dich so reden hort, mochte man wirklich glauben, daß du dich für eine Schönheit hältst." „Ich bin auch eine. Aber keine Wald- und Wiesenschönheit wie die kleine blonde Gesellschafterin der Klinkes, an der die gute Alte einen Narren gefressen hat." „Du, das Mädel ist aber wirklich schön." „Meinetwegen! Aber dumm ich sie. Nicht ein bißchen kokettieren kann sie. Die könnte noch zehnmal schöner sein, und ich nehm' ihr doch jeden Mann weg, den ich haben will." „Zum Beispiel den Herrn von Gerling?" Shirley drehte sich blitzschnell um. Sie suchte vergeblich ihr Erröten zu verbergen. „Aber wie kommst du denn darauf, Maud?" „Liebe Shirley, Hand aufs Herz, vor mir brauchst du dich doch nicht zu verstellen! Ist er dein Typ oder nicht? Shirley vergaß ihre Vorsicht, die sie auch ihren sogenannten besten Freundinnen gegenüber sonst nicht außer acht ließ. „Aber ist er nicht wirklich fabelhaft? Er ist der bestaussehende Mann, den ich in München getroffen habe. Nur schade ..." „Nur schade, daß er in der Gesellschaft der Klinkes ist — was? Denn sonst könntest du auf den guten Johnie Jagd machen und nebenbei einen kleinen Flirt mit Herrn von Gerling riskieren..." Shirley lachte. „Nun ja, meinetwegen! Habe ich nicht recht? Soll man das Leben nicht so nehmen, wie es ist? Ich wüßte schon alle schönen Seiten des Lebens auszukosten. Aber natürlich — es geht nicht. Ich mutz doch an meine Zukunft denken. Ich habe überall Schulden, und ich werde bald nickt mehr wissen, wovon ich die Hotelrechnung bezahlen soll; ich muß mich wirklich mit dem guten Johnie ein bißchen beeilen. — Was meinst du, wenn ich es einmal mit einem kleinen Trick versuche?" „Ja, da müßtest du doch erst wissen, was du da anwenden sollst? Ohnmachtsanfälle, Wein- krämpfe, Telegramme mit erschütternden Nachrichten, ein verlorenes Perlenhalsband... du siehst, Shirley, ich kenne dein Programm auswendig!" „Mein bisheriges, Maud! Aber was gilt die Wette? Wenn es notwendig ist, finde ich schon wieder was Neues! — Und jetzt komm in die Halle, eine Tasse Tee trinken. Vielleicht begegne ich Johnie unten." „Schön! Aber dann wird es besser sein, du gehst allein, und ich mache erst mal einen Bummel durch die Stadt." „Ja, Maud, du hast es gut! Du hast dein eigenes Vermögen und hast es nicht notwendig, dir auf so mühsame Weise einen Mann einzufangen." „Dafür ist dein Leben amüsanter, Shirley!" In einem glänzenden schwarzen Nachmittagskleid, das die weiße Haut und das kupferrote Haar der Amerikanerin besonders gut zur Geltung brachte, saß Shirley in einem weichen Klubfauteuil des Vestibüls und wartete. Manchmal zuckt es nervös um ihren Mund. Sie hoffte heute, einen Schritt vorwärts zu kommen, und wußte, daß Johnie Klinke um diese Zeit das Hotel verließ, um in die Universität zu einem Vortrag zu gehen. War er am Ende schon fort, und sie wartete umsonst? Und sie hatte es sich so schön gedacht, ihn ein Stückchen zu begleiten und ihn vielleicht so weit zu bringen, daß er den Vortrag versäumte und mit ihr in ein Kaffeehaus ging. Aber sie war sogar bereit, mit ihm einen Spaziergang in den Englischen Garten zu unternehmen, wenn er es Vorschlägen würde. Sie wollte ihn doch einmal ein bißchen auf den Zahn fühlen. Gerade als Shirleys Ungeduld den Höhepunkt erreicht hatte, betrat Monika die Halle. Sie setzte sich in eine Ecke unter einer Palme und zog eine Näharbeit aus der Tasche. Die Amerikanerin dachte nicht lange nacht. Sie konnte zwar Monika nicht leiden — instinktmäßig stieß sie Monikas reines Wesen ab —, aber vielleicht konnte man aus Monika etwas herausholen, was von Nutzen fein würde. So schlängelte sie sich denn zu Monika hinüber. „So allein?" fragte sie mit süßem Lächeln. „Sie gestatten doch, daß ich mich zu Ihnen setze? Ich bin heute auch allein." Monika konnte nicht anders, als sie aufzufordern, Platz zu nehmen. „Und wo haben Sie denn heute Frau Klinke gelassen?" „Frau Klinke hat Migräne. Ich wäre gern bei ihr oben geblieben, aber sie schickte mich hinunter. Sie meinte, sie würde nun ein bißchen schlafen. Aber ich konnte natürlich nicht fort, denn es könnte doch fein, daß sie mich braucht." • „Ach, und da haben Sie Ihren Verlobten allein gelassen?" ,',Wen?" „Nun, ich dachte natürlich — ach, entschuldigen Sie, wenn ich mich irre —, daß Sie mit Herrn von Gerling verlobt sind?" „Ich?" Monika lachte. „Aber was denken Sie denn, Frau Preston! Herr von Gerling kennen wir nur von dem Hotel her! Er ist ein guter Freund von mir geworden in dieser kurzen Zeit, das ist allerdings wahr." „Nun, er ist ja auch ein bildschöner Mann. Er stellt diesen jungen Klinke sehr in Schatten." Monika sah etwas verwirrt auf. Sie begriff wohl, daß die Amerikanerin eine Bosheit sagen wollte, aber sie verstand sie nicht recht. „Wie meinen Sie das?" Aber auch Shirley bereute ihre vorschnelle Zunge. „Ich finde, daß dieser junge Herr Klinke so — so traurig wirkt. Und dann ist es doch unnatürlich, wenn ein fünf- ober sechsundzwanzigjähriger junger Mann, der so viel Geld hat, wie er sich nur wünscht, dauernd studiert." „Aber Johnie Klinke ist riesig begabt. Er wird einmal ein bedeutender Kunsthistoriker werden. Ich finde das eigentlich sehr schön, wenn jemand so ein großes Ziel vor sich hat." Monika wußte selbst nicht, warum; aber sie hatte das Gefühl, sie.müßte Johnie Klinke verteidigen. Dann errötete sie plötzlich. Hatte sie es nicht selbst noch vor kurzem lächerlich gefunden, daß ein junger Mann den Kopf dauernd in die Bücher sttckte,? daß er überhaupt nichts anderes zu kennen War es nicht selbstverständlich, daß jemand, der ihn nicht näher kannte, ihn etwas komisch fand? Sie hatte es ja auch getan. Und doch sollte diese kleine, oberflächliche, geschminkte Puppe nicht über ihn lächeln. Shirley rückte jetzt noch etwas näher heran. „Ach, ereifern Sie sich doch nicht so, liebes Fräulein!" sagte sie gönnerhaft. „Es ist ja nur natürlich, daß Sie den Sohn Ihrer Herrin verteidigen. Aber tut es Ihnen denn nicht manchmal leib, daß die Wissenschaft in so einem jungen Menschen jede natürliche Regung ersttckt? Ich wette, er hat noch niemals bemerkt, was Sie für ein hübsches Mädchen sind." Mit einer empörten Handbewegung schob Monika die Arbeit zur Seite. „Wie kommen Sie darauf?" rief sie zornig. „Ich bin die Gesellschafterin seiner Mutter, und Johnie Klinke ist immer sehr gut zu mir; und es ist auch nicht wahr, daß die Wissenschaft fein Herz getötet hat. Wenn er jetzt keine Frau mehr an» anfieht, so hat es feinen guten Grund; er hat ein Mädchen von Herzen gern gehabt, und er hat ihren Verlust noch nicht überwunden." Shirley lauschte überrascht. Ihr kluges Köpfchen witterte sofort die Chance. Sie griff nach Monikas Hand und hielt sie fest. „Wenn ich Sie gekränkt habe, so verzeihen Sie mir, bitte!" Ihre Stimme war jetzt weich und schmeichelnd. „Nein, das wollte ich nicht! Aber das von Johnie Klinke müssen Sie mir erzählen. Ich fjabe auch so Furchtbares durchgemacht in meinem Leben; ich kann es gut verstehen, wenn man sich vom Leben abwendet. Etwas überrascht lauschte Monika. Und jetzt hatte Frau Preston sogar Tränen in den Augen. „Ich glaube, Herr Klinke und ich haben ein ähnliches Schicksal. Jetzt verstehe ich auch, warum ich mich trotz seiner ablehnenden Haltung so zu ihm hingezogen fühlte. Und nun erzählen Sie mir doch, liebes Fräulein — Sie dürfen darauf vertrauen, daß es bei mir gut aufgehoben ist. Aber es ist Balsam auf meine eigenen Wunden, wenn ich davon höre, wie auch andere für ihre treue Liebe nur grausamen Undank ernteten." Eigentlich tat es Monika nicht gern. Aber sie dachte, daß sie nun nicht mehr gut zurück könne. So erzählte sie in kurzen Worten, was ihr Frau Klinke erzählt hatte. Nur ihre eigene Aehnlichkeit mit diesem Mädchen hätte sie um keinen Preis erwähnt. — Eine Viertelstunde später trennte sich Shirlen Preston sehr befriebiat von Monika. Sie lief auf ihre Zimmer, warf sich in einen seidenen Pyjama, ließ sich Tee bringen und legte sich dann auf den Divan. Und während sie eine schwere Zigarette nach der anderen rauchte, entwarf sie " ihren Schlachtplan. (Fortsetzung folgt y Beisammensein an. Zeitig ge. SJL^fpoit Weiter einem Teich im Schloßgarten genommen, dankte er den beiden Kommandanten für für die gute Als Hausfeuerwehr tätig zv fein, ist für Deutschlands Frauen und Mädchen eine Ehre! sich auf einem Sonntagsausflug befanden, in mehreren Autos hier ein. Bürgermeister Högy Kreis Büdingen. O Nidda, 1. Sept. In vollbesetzter Turnhalle wurde dieser Tage die auf dem Marsche zum Parteitag in Nürnberg hier rastende Niederrheinische HI. durch den hiesigen Ortsgruppenleiter, Bürgermeister Philippi, herzlich begrüßt. Der neue Kreisleiter, Pg. K o ch in Büdingen, nahm in längeren Ausführungen Stellung zu Den zur Zeit vorherrschenden Fragen, dem Kampf gegen die Dunkelmänner aller Konfessionen. Im Hinblick auf den bereits zurückgelegten und noch beoor- tehenden anstrengenden Marsch der HI. wurde )ie Versammlung in der üblichen Weise chlosien. Kreis Schotten. 0 Laubach, 2. Sept. Gestern eingeschlagen hat. Im benachbarten Holzheim wurde ein Baum durch Blitzschlag beschädigt. 0 Grüningen, 2. Sept. Meister Reinecke stattete dem Gänsestalle eines hiesigen Einwohners einen Besuch ab. Hierbei wurde der Besitzer durch das Geschrei der Gänse aus dem Schlafe geweckt und konnte beobachten, wie der Fuchs eine totae- bissene Gans durch eine undichte Stelle des Stalles hindurchziehen wollte. Als der Fuchs das Heran- nahen Des Mannes bemerkte, ergriff er ohne seine Beute die Flucht. = Lich, 3. Sept. Nächsten Samstag und Sonntag vereinigt sich die Alterkameradschaft 18 9 5 hier zu einer Wiedersehensfeier. Beiem Fest- gottesdienst in der Marienstiftskirche wird Pfarrer D ö r m e r (Rockenberg), der auch Licher Vierziger ist, die Festpredigt halten. c» Eberstadt, 2. Sept. In der jüngsten G e - meinderatssitzung wurde beschlossen: Alle Volksgenossen, die noch mit Juden Geschäfte tätigen, sowie alle Judenfreunde werden in Zukunft zu Gemeindearbeiten nicht mehr zugelassen. Auch kann solchen Personen kein öffentliches Amt mehr übertragen werden. Bauern und Landwirten, die im Verkehr mit Juden stehen, sollen das Gemeindefaselvieh, sowie die Gmeinde- roaage gesperrt werden. Der Beschluß wurde ortsüblich bekanntgegeben und trat am 1. September in Kraft. — Das hiesige Pachtkonfortium hielt dieser Tage seine Generalversammlung im Gasthaus „Zum Schwanen" ab. Bürgermeister G ö r l a ch hieß die Teilnehmer willkommen. Der Rechner Heinrich Widmann trug sodann die Bilanz vor. Die Rechnung schließt in Einnahme mit 10 801,37 Mark, in Ausgabe mit 10 569,25 Mark ab. An Pachtgeldern wurden 10 392 Mark an die fürst- liche Rentkammer in Lich abgeführt. Die rückständigen Pachtgelder belaufen sich auf 400 Mark. Die Rechnung wurde einstimmig genehmigt, dem Vorstand und dem Rechner wurde Entlastung zuteil. Nach einer regen Aussprache wurde die Versammlung in der üblichen Weise geschlossen. — Die hiesige ©emeinbefagb, bie kürzlich wegen Tobes- fall bes seitherigen Pächters frei geworben war, würbe nunmehr neu versteigert. — Sie ging zum vorjährigen Preise von 800 Mark an bie Herren Rückel unb Pauly, beibe von Bettenhausen, über. Zum Jagbaufseher wurde Jäger Schnei- der bestimmt und verpflichtet. — In unserem Orte wurden durch Oberveterinärrat Dr. Monnard (Gießen) sämtliche Kühe und Rinder im Alter von über einem Jahre auf offene Tuberkulose untersucht. Drei Tiere wurden als verdächtig beanstandet. z Großen-Linden, 2. Sept. Am Samstag veranstaltete die Arbeitsbien st abtei- l u n g 5/222 Gießen zusammen mit dem A r - beitsdank in Großen-Linden im Gasthause „Zum Rebstock" einen Kameradschaftsabend: Die Veranstaltung diente gleichzeitig als W e r b e a b e n b für ben Arbeitsbienft, sowie für ben Arbeitsbank. Durch Musikstücke ber Kapelle bes Arbeitsbienstes würbe ber Abenb eingeleitet. Es schloß sich ein Theaterstück „Aus ber Kampfzeit ber NSDAP, bis zum heutigen Tage" an, das von Arbeitsdienstmännem sehr gut ausgeführt wurde. Dann sprach der Bezirksobmann der Bezirksobmannschaft 2/222 H a n ß einige werbende Worte für den Arbeitsdienst und über den Zweck bes Arbeitsbankes. Alle biefenigen, bie burch ben empfing bie Gäste auf bem Marktplatz unb begrüßte sie im Namen ber Stabt Laubach. Sobann zeigte er ihnen bie Hauptfehenswürbigkeiten ber Stabt. Nach einer kurzen Erfrischung im Hotel „Zum Schützenhof" verließen bie Ausflugsteilnehmer unsere Stabt. Kreis Alsfeld. 0 Nieber-Gemünben, 2. Sept. Gestern waren es 40 Jahre, baß Heinrich Stroh dahier das Amt des Glöckners und Kirchendieners übernahm. Wie Pfarrer Reichert in ber aus diesem Anlaß stattgefundenen Feier betonte, hat Herr Stroh dieses Amt stets mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit und Treue versehen. Als Ehrungen wurden dem Jubilar eine von der Kirchengemeinde gewidmete Bibel und von der Kirchenregierung ein Gesangbuch durch den Ortsgeistlichen überreicht. Die Ahnentafel des Herrn Stroh zeigt, daß der erste dieses Namens am Ort der Pfarrer Nikolaus Stroh war, der im Dreißigjährigen Krieg von 1622 bis 1644 die hiesige Pfarrstelle innehatte. * Romrod, 1. Sept. Der 15jährige Hutarbeiter Gustav Lenz von hier erlitt bei einem unglücklichen Sturz einen Beckenbruch und muhte in ärztliche Behandlung nach Gießen gebracht werden. Kreis Wehlar. * Krofdorf, 3. Sept. Am moraigen Mittwoch, 4. September, feiert Frau Wilhelmine Römer Wwe., geb. Moos, Gießener.Straße, in voller Rüstigkeit ihren 8 0. Geburtstag. Arbeitsdienst gegangen sind, werden in dem Arbeitsdank weiter geschult. Der Bezirksobmann orderte alle ehemaligen Arbeitsdienstmänner auf, ich diese Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Es chloß sich dann bei Tanz und Musik ein gemütliches fo köstliche Begriff Heimat stehe, dessen Tiefe nie. manb mit Worten voll und ganz ausschöpfen könne. öOer-Feiern müßten im wahrsten Sinne des Wortes Feste der Heimat werden. Das Sieg- Heil des Redners galt der lieben Vater- und Heimatstadt Lich, Heimat und Vaterland, Volk und Führer. Für anregende und froh stimmende Unter- naltung hatte Alterskamerad Hermann Pauli (Steinbach i. T.), der noch von Alterskameraden und Alterskameradinnen und von einer guten Kapelle unterstützt wurde, in trefflicher Weife gesorgt. Und so eilten die schönen Stunden des Festabends und des damit verbundenen Essens nur allzu rasch dahin Der gemeinsame Kirchgang zum Sonntags- gottesbienft in der Marienstiftskirche erhielt eine besondere Weihe durch die Festpredigt von Pfarrer Naumann. Die eindrucksvolle Predigt wird allen Zuhörern ein nachhaltiges Erlebnis bleiben Dem peftgottesbienft folgte eine würdige Gedenk- L® ‘e r . ?mm,..,®efat'enen ' Ehrenmal, Wahrend ein Blaser aus der Ferne das Lied vom guten Kameraden ertönen ließ, legte Alterskamerad Christian I n s e l Mit Worten treuen Gedenkens an die den Heldentod fürs Vaterland gestorbenen Ka> meraden. einen Kranz nieder. Dann begab man sich geschloffen zur Kranzniederlegung aus ?cn Kirchhof, wo man in stillem Erinnern an den Grabern der 1885er wellte, die der Tod bereits früh aus der Altersgenossenschaft herausgerissen hat. Viele der Teilnehmer statteten dann auch den Grä- bern ihrer Angehörigen und der unvergeßlichen Lehrer Zimmer, Roth und Jäger einen Be- such ab. Nach einer Photoaufnahme bildeten am Sonntag- nachmittag einige Kaffeestunden in der Gastwirtschaft von Alterskamerad Jakob Eise den Abschluß der wohlgelungenen Wiedersehensfeier alter Licher Kinder und ehemaliger Licher Zöglinge des Frankfurter Waisenhauses. 3m Bergwerk verschüttet. * LPD. Hun gen, 2. Sept. Auf der zu Buderus gehörenden Grube „Abendstern" bei Hungen wurde am Montagnachmittag durch einen plötzlichen Gebirgsrutsch ein Stollen eingedrückt, wobei der Fördermann Richard Röhrig verschüttet wurde. MU schweren Verletzungen wurde der Verunglückte geborgen und in bedenklichem Zu- ftanb tn die Klinik nach Gießen eingeliefert. Einweihung des neuenBad-Nauheimer Krankenhauses. LPD. Bad-Nauheim, 2. Sept. In Anwesenheit zahlreicher Gäste, unter denen man auch die ehemalige Großherzogin von Hessen bemerkte, fand am Montagnachmittag die Einweihung des neuen Städtischen Krankenhauses statt. Als Vorstand des Staatlichen Hochbauamtes dankte Regierungsbaurat Metzger einleitend allen maßgeblichen Stellen für die harmonische Zusammenarbeit. Nachdem dann Baurat Roeder einen Rückblick auf die durch den Raummangel im alten Krankenhaus notwendig gewordene Entstehung des neuen Krankenhauses gemacht hatte, hob Bürgermeister Götz die planvolle Finanzpolitik des früheren Bürgermeisters und jetzigen Oberregierungsrates Dr. Ahl hervor, wodurch der Neubau aum großen Teil erst möglich gewesen fei. Das Krankenhaus selbst stelle ein Denkmal heimischer Kunst und heimischen Fleißes dar, da die meisten Arbeiten von ortsansässigen Handwerkern ausgeführt worden feien. Professor Dr. Lueg, der Leiter des neuen Krankenhauses, machte bann Ausführungen über bie ärztliche Versorgung. Durch Vereinbarung mit ber Stabt Friebberg ist für operative Fälle stets ein Facharzt für Chirurgie zur Verfügung. Beibe Stäbte haben für bas Fach ber Chirurgie bzw. ber inneren Mebizin neben bem Chefarzt einen fest an- gestellten Facharzt zur Verfügung, ber in wenigen Minuten beibe Dienststellen erreichen kann. Die Stabt Friebberg stellt ben Chirurgen, bie Stabt Nauheim ben Internisten. Flugzeugtaufe des Fliegerstühpunktes Alsfeld. 3) Alsfelb, 2. Sept. Am Samstagabenb fand euf dem stimmungsvollen, für Kundgebungen besonders geeigneten Marktplatz die Taufe des ersten, von dem Fliegerstützpunkt Alsfeld selbst gebauten Segelflugzeugs in feierlicher Form statt. An der Feier nahmen die Formationen der NSDAP, und die ihr angeschlossenen Gliederungen, sowie der Freiwillige Arbeitsdienst Alsfeld teil. Außerdem war die Bevölkerung der Stadt sehr zahlreich vertreten, so daß der Marktplatz ein schönes Bild bot. Das Segelflugzeug vom Typ „Zögling" war vor dem Rathause aufgestellt. Nach einleitendem Konzert der Gruppen-Kapelle 223 Alsfeld des Arbeitsdienstes hielt der Leiter des Fliegerstützpunktes Alsfeld, Studienassessor Dr. Schweisguth, die Begrüßungsansprache. Unter den erschienenen Ehrengästen konnte er auch den Ehrenbürger der Stadt Alsfeld, Provinzialdirektor Klo st ermann, begrüßen. Er sprach allen beteiligten Stellen den Dank aus für die gewährte Unterstützung und Förderung. Die Taufe des Flugzeugs nahm Fluglehrer, Diplom-Ingenieur Gewerberat Köhler (Gießen) mit einer Ansprache vor, in Her er auf die große Bedeutung des Segelflugsportes hinwies. Das Flugzeug erhielt den Namen „Stadt Alsfeld". Nachdem der Fliegermarsch verklungen war, sprach als Vertreter der Kreisleitung der NSDAP., Kreispropagandaleiter Kimmel (Alsfeld), der darauf hinwies, daß die Fesseln des Versailler Vertrags das deutsche Volk auch heute noch stark einengten, unb baß nach wie vor noch Schulung auch auf bem Gebiete bes Flugsportes bringenb notroenbig sei. Neben ber sportlichen Schulung sei aber auch bie politische Schulung notroenbig. Bürgermeister Dr. Dölsing als Vertreter ber Stabt unb bes Kreises Alsfeld dankte dem Fliegerstützpunkt Alsfeld für die der Stadt Alsfeld erwiesene Ehre und beglückwünschte die Alsfelder Fliegergruppe namens des ganzen Kreises Alsfeld zu dem denkwürdigen Ereignis. Diese habe bewiesen, daß es ihr ernst sei mitzuarbeiten an der hohen Aufgabe zur Förderung des Segelflugsportes als der Vorstufe der deutschen Luftwaffe, die uns der Führer dank seiner zielbewußten, eisernen Energie nach jahrelanger Wehrlosigkeit roie-bergegeben hat. Möge ber Fliegerstützpunkt Alsfelb allezeit eine Pflegestätte echten nationalsozialistischen Sportgeistes unb echter beutscher Fliegerkamerabschaft fein, unb möge sein Wirken zugleichn ein Ansporn sein für bie übrigen Orte bes Kreises, burch Orünbung von Fue- gerstützpunkten auch ihrerseits freudig mttzuarbetten an bem Aufbau des beutschen Flugsportes. Dem Fliegerstützpunkt Alsfelb unb seinem aus ber Taufe gehobenen ersten Flugzeug wünschte er emsn glückhaften Flug. Die Schlußansprache hielt Flieger- Stützpunktleiter Dr. S ch w e i s g u t h , worin er betonte, baß nunmehr erst bie Hauptaufgabe beginne. Er wies dabei auch auf die erzieherische 25e- VfB.-Reichsbahn Gießen. VfB.R. — Oranten Frohnhausen 1:1 (0:1). Die Hiesigen konnten, trotzdem sie mit einer Verlegenheitself in Frohnhausen antraten, ein Uyent- schieden erzielen. Die Frohnhäuser, die ebenfalls mit zwei Mann Ersatz spielten, zeigten erneut, daß sie ein ernst zu nehmender Gegner sind. Die Gießener spielten mit: Haas; Leutheuser II., Haupt; Hauptfeld, Heß, Fehling; Mattern, Erb, Wlodareck, Rampt und Bischof. Hervorragend schlug sich die gesamte Hintermannschaft. Die Läuferreihe war ebenfalls gut. Nur der Sturm konnte nicht überzeugen. Die Gießener hatten Platzwahl und spielten zuerst bergauf. Die Frohnhäuser waren stets leicht fell>- überlegen. In der fünften Spielminute kam der Ball zu dem freistehenden Mittelstürmer von Frohnhausen, der aus zwanzig Meter ben Ball, für Haas unhaltbar, in die Maschen jagte. Im Gegenangriff erzwangen die Gäste eine Ecke, die von Frohnhausen ins Mittelfeld ab gewehrt wurde. Angriff auf Angriff rollte dann gegen das Gießener Tor, aber Haas war unüberwindlich. Nach der Pause spielten die Gießener bergab und konnten während ber zweiten Halbzeit im gleichen Maße eine Felbüberlegenheit erzwingen, wie die Frohnhäuser in der ersten. Aber die Hilflosigkeit der Gießener Stürmer war nicht zu überbieten. Frohnhausen verteidigte zahlreich. Man glaubte, daß trotz der drückenden Ueberlegenheit die Gäste eine Niederlage einstecken müßten, als Fehling aus der Läuferreihe einen Ball aufs Tor schoß, den der gegnerische Tormann nicht erreichen konnte. Gießen hatte ausgeglichen. Beide Mannschaften spielten sehr fair. Die dritte Mannschaft siegte in Leihgestern mit 6:1 Toren. Eine beachtliche Leistung. VfB. 1. Jugend — Lollar 1. Jugend 4:5. Die erste Jugend, die auf die Mitwirkung ihres Mittelläufers verzichten mußte, zeigte nicht ihre gewohnten Leistungen und mußten eine knappe, aber nicht ganz unverdiente Niederlage hinnehmen. Beide Hintermannschasten zeigten erhebliche Mängel. Auch die zweite Jugend kehrte aus Alten-Buseck mit einer Niederlage nach Hause zurück. Trotz aller Anstrengungen konnte sie die körperliche Ueberlegenheit des Platzbesitzers nicht ausgleichen. Die Schülermannschaft konnte einen neuen Erfolg erringen. Sie schlug die gleiche der Steinberger mit 5:1 Toren. VfB.-ReichSbahn-Leichtathletik. Erfolgreiches Abfchneiden in Dillenburg. Der Reichsbahn Turn- und Sportverein Dillen- bura weihte am vergangenen Sonntag feinen neu geschaffenen Sportplatz ein. Neben einer reichen fußballerischen Tätigkeit kamen auch verschiedene leichtathletische Konkurrenzen zum Austrag. Den größten Teil der Siege konnte hier der DfB.- Reichsbahn Gießen erzielen. Besonders hervorzu- heben ist Luhs Kugelstoß von 14,71 Meter, sowie die Siege der Jugendlichen Kley und Huppert. Auch die 4 X100-Meter-Staffel wurde vom VfB.- Reichsbahn gewonnen. Nachstehend die genauen Ergebnisse der Gießener. Aktive. Kugelstoßen: 1. Otto Luh, VfB.-Reichsbahn, 14,71 Meter. 2. E. Jakob, VfB.-R., 10,65 Meter. 3. Wied, Dillenburg, 9,20 Meter. Schulung der Wehren und dem Spritzenmeister Pfeiffer für die gute Instandhaltung der Geräte und des Schlauchmaterials. Zum Schluß betonte er, daß die Gemeinde sich auch weiterhin erkenntlich zeigen möge, wie dies seither der Fall gewesen sei. Mit einem dreifachen „Wehr Heil" auf Führer und Vaterland fand die Besichtigung ihr Ende. * Grünberg, 1. Sept. Die Bürgermei- t e r e t hat in einer öffentlichen Bekanntmachung ür die Gemarkung Grünberg folgenden F e l d - chluß angeordnet: Von abends eine Stunde nach Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang. Es wird darauf hingewiefen, daß Zuwiderhandelnde zur Anzeige gebracht und mit einer Geldstrafe bis zu 60 Mark bestraft werden können. f. Grüningen, 2 Sept. Unser Dorf wurde am Montagmorgen von einem schweren G e - Witter heimgesucht. Der Blitz schlug mehrmals in die Lichtleitung, in Bäume und in das Wohnhaus des Landwirts Adam Chr. Fay ein. Durch den Kamin fand der Blitz den Weg in die Küche und ließ hier einen starken Schwefelgeruch zurück. Der entstandene Schaden ist nicht bedeutend. Trotz der hohen Lage unseres Ortes können sich ältere Leute kaum dessen entsinnen, daß es in Gebäude 10 0 Meten 1. Otto Luh, DfB.-Reichsbahn, 11,2 Sekunden. 1500 Meter: 1. Wöll, Reichsbahn Frankfurt, 4:05 Minuten. 2. Fix, Reichsbahn Frankfurt, 4:07 Minuten. 3. Theo Weber, VfB.-Reichsbahn Gießen, 4,15 Minuten. Weber erreichte eine glänzende Zett, trotzdem er in der letzten Runde stark verletzt wurde und mit nur einem Rennschuh weiterlief. 4 X 100-Meter-Stasfel: 1. VfB.-Reichs- bahn Gießen 48,4 Sekunden. 2. Tv. Siegburg 49,5 Sekunden. 3. Tv. Dillenburg. Da die Rundbahnen noch nicht fertiggestellt waren, wurde Perckrelstaffel gelaufen, daher die mäßigen Zeiten. Gießen mit Siegmund, R. Fischer, Jakob, Otto Luh. Dreikampf, AH. von 32 bis 36 Jahren: 1. R. Fischer, VfB.-Reichsbahn Gießen. 2. Kem, Dillenburg. Jugend. D r e i k a m p f: 1. Egon Kley, VfB.-Reichsbahn Gießen. 2. Menke, Dillenburg. 3. Heinz Huppert, VfB.-Reichsbahn, Gießen. W e i t s p r u n g : 1. Heinz Huppert, VfB.-Reichs- bahn Gießen, 5,56 Meter. 2. Egon Kley, VsB.- Reichsbahn Gießen, 5,51 Meter. 75-Meter-Lauf: 1. Heinz Huppert und Egon Kley, beide VfB.-Reichsbahn Gießen, in totem Rennen 9,2 Sekunden. Kugelstoßen: 1. Egon Kley, VfB.-Reichs- bahn Gießen, 12,90 Meter; Kley stößt hier seine Bestleistung. Frauen. W e i t f p r u n g : Hier wurde Luise Weber, VfB.-Reichsbahn, Zweite mit 4,58 Meter. Menke, Dillenburg, gewann mit 4,61 Meter. Eine gute Leistung für die erst kurz sich betätigende Weber. Dreifampf: Gustel Luh, VfB.-Reichsbahn, wurde hier ebenfalls Zweite. Speerwerfen: Gustel Luh, VfB.-R., Dritte mit 17,90 Meter. Kugelstoßen: Gustel Luh wurde hier Dritte mit 8,63 Meter. Leichtathletik der Ep.-Vg. 1900. Kilo in Fritzlar siegreich. Am Sonntag hielt der Turn- und Sportverein Fritzlar leichtathletische Wettkämpfe ab, die eine recht gute Besetzung erfahren hatten. Die Spielvereinigung 1900 Gießen war durch A. Kilo vertreten, der zwei schöne Siege erfocht. Der 1900er gewann sowohl das Diskuswerfen als auch das Kugelstoßen. In letztgenannter Disziplin gelang es ihm beim letzten Stoß, den ©aufeftfieger Hartung (Kassel- Bettenhausen) zu schlagen. Im Diskuswerfen, feiner eigentlichen Domäne, blieb Kilo etwas hinter feinen seitherigen Leistungen zurück. Diskuswerfen- 1. Kilo (1900 Gießen) 40,95; 2. Schocke (Göttingen) 39,71; 3. Ganz (VfB. Marburg) 38,76 Meter. Kugelstoßen: 1. Kilo (1900 Gießen) 12,88; 2. Hartung (Kassel-Bettenhausen) 12,85; 3. v. Hofe (Hessen-Preußen Kassel) 12,79 Meter. Radballspiele um den „Waldeslustpokal". Zu diesen Ausscheidungsspielen, waren am gestrigen Sonntag die erste und zweite Mannschaft des Radfahrer-Vereins 1885 Gießen und die erste Mannschaft des Radfahrer-Verein 1900 Wieleck an- beutung des Segelflugsportes hin, der ein Volkssport werden müsse, und dessen Zweck auch auf die Erziehung zur Gemeinschaft gerichtet fei. Es sei ein- 319 und allein dem Führer zu verdanken, daß das deutsche Volk wieder geeint und ihm wieder die Möglichkeit gegeben fei, sich im Luftsport zu betäti- §en. Mit einem Treuegelöbnis und dreifachem Sieg- >eil auf den Führer schloß seine von hoher Begeisterung getragene Ansprache. Das Deutschlandlied und öas Horst-Wessel-Lied beschlossen die stimmungsvolle Ferer. Während der Veranstaltung erstrahlten zum ersten Male die neuen Scheinwerfer zur Anstrah- lung für das Rathaus und den Turm der Walpur- giskirche und gaben der Feier einen prachtvollen Rahmen. Anschließend an die Kundgebung fand ein Fliegerkameradschaftsabend im „Deutschen Hause" statt. Mit der Fliegerschulung soll alsbald auf dem Fluggelände am Hang vor dem Stadtwald Homberg begonnen werden. Landkreis Gießen. # Heuchelheim, 2. Sept. Am gestrigen Sonntag fand hier durch den Ortsgeiftlichen Pfarrer W e i 3 e l im Hauptgottesdienst die feierliche Einführung der Konfirmanden in den Konfirmandenunterricht statt. Die Zahl der Konfirmanden beträgt in diesem Jahre 40 (16 Knaben und 24 Mädchen), eine Zahl, die in früheren Jahren in unserem Orte schon weit überschritten wurde. § Mainz! ar, 2. Sept. Am Sonntagabend fand im festlich geschmückten Saale des Gastwirtes Müller in feierlicher Weise die Ausgabe der Kriegsehrenzeichen statt. Der Abend wurde mit einem Chorlied des hiesigen Männergesangvereins eröffnet. Dann gab Bürgermeister Kreiling in kurzen Worten einen Rückblick über die Zeit von 1914 bis heute und überreichte anschließend die Ehrenkreuze an Kriegsteilnehmer, Frontkämpfer und Kriegshinterbliebene. Der Gesangverein trug zur Verschönerung der Feier noch zwei Lieder vor. Mit dem Horst-Wessel- und dem Deutschlandlied sowie einem „Siea-Heil!" auf den Führer fand der Abend seinen Abschluß. — Am Sonntag- oormittag fand hier eine Feuerweh rinspek- tion statt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Kreismotorspritze Gießen vorgeführt. Die Freiwillige und Pflichtfeuerwehr von Daubringen sowie die Pflichtwehr von Staufenberg waren zu dieser Besichtigung ebenfalls erschienen. Nachdem die Pflichtfeuerwehr von Mainzlar ihr Können nach dem neuen Exerzierreglement unter Beweis gestellt hatte, folgte noch ein von den Wehren gemeinsam durchgeführter Brand angriff. I Lollar, 31. Aug. In den Aushängekästen kündigt der Reichsmutterdienst im Deutschen Frauenwerk für den Januar kommenden Jahres einen v i e r z e h n t ä g i g e n Schulungskurs in unserem Ort an. Das Thema, in dem die Frauen und Mädchen geschult werden sollen, wird lauten: Haushaltsführung und Koche n". 0) Lollar, 2. Sept. In einer Gemeinderatssitzung wurde folgendes beschlossen: Die Zahl der Beigeordneten beträgt in Zukunft 2, die der Gemeinderäte 6. Für das Siedlungsgelände auf der Schanz und dem Placken wurde ein Preis von 1,20 bis 1,50 Mark festgesetzt. — Der Waldwirt- schaftsplan für 1936 wurde festgelegt. — Als Vertreter der Gemeinde Lollar bei der Bezirkssparkasse Gießen wurden ernannt: Bürgermeister Böhm und Gemeinderechner P e t r a s ch. 00 Alten-Buseck, 2. Sept. Am gestrigen Tage fand eine Inspektion der hiesigen Feuerwehr durch Kreisfeuerwehr - Inspektor Bouffier (Gießen) statt. Bei dem auf das Schulhaus unternommenen Brandangriff war außer der hiesigen Freiwilligen und der Pflicht-Feuerwehr auch die Kreismotorspritze beteiligt. Es stellte sich dabei heraus, daß die hiesigen Wafferoerhältnisse bei einem größeren Brand, bei dem die Motorspritze eingesetzt werden soll, unzureichend sind. — In unsrer Gegend ist im allgemeinen mit einer geringen Obsternte zu rechnen, nur die Zwetschen- ernte dürfte normal ausfallen. wg. Großen-Bufeck, 2. Sept. Gestern nachmittag fand hier die Inspektion der Freiwilligen und der Pfichtfeuerwehr tatt. Um 14 Uhr rückte die gesamte Wehr mit ihren Geräten unter Vorantritt des Spielmannszuges nach dem Sportplatz.Nachdem hier die Uebungen im Fuß- und Geräteexerzieren durchgenommen waren, traf Kreisfeuerwehr-Jnspektor Bouffier (Gießen) mit der Motorspritze ein und überzeugte sich zunächst von dem Können der beiden Wehren im Fuß- und Geräteexerzieren. Sodann rückte die gesamte Wehr mit den Geräten zum Hofgut Esau ab. Von dort aus war inzwischen Feueralarm gemeldet worden. Im Dachstuhl des Gesindehauses war, so wurde angenommen, Feuer ausgebrochen. Nachdem es den hiesigen Wehren nicht gelang, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, wurde nach viertelstündiger Tätigkeit auch die Kreis-Motorspritze alarmiert. Durch das Zusammenarbeiten gelang es, die angrenzenden Nacybargebäude zu schützen. Nach der Uebung traten die beiden Wehren wieder vor dem Spritzenhause zur Kritik an. Der Kreisfeuerwehr-Jnspektor gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß beide Wehren im Fuß- und Geräteexerzieren gut ausgebildet feien und die praktischen Uebungen an der angenommenen Brandstelle sehr gut verlaufen feien. Kamerad Otto Stephan, der mit der Führung der Uebung beauftragt war, habe alles gut organi- iert und die Geräte, dem „Feuer" entsprechend, gut aufgestellt. Hinsichtlich der Schlagfertigkeit der Feuerwehr betonte er noch, daß nach dem (Eintreffen der Wehren die Spritzen innerhalb zwei Minuten Wafer hatten und in Tätigkeit treten konnten. Das für die Motorspritze erforderliche Wasser wurde aus _ ,, , nachmittag gegen 5 Uhr traf eine größere Anzahl Schwerkriegsbeschädigter aus Bao-Nauheim, die fTansuntemiM Unsere diesjährigen «ssiv WINTERKURSE beginnen in der ersten OktoberwocheI Gefällige Anmeldungen erbeten 5"anzs