bamrtag, 3. August 1955 185. Jahrgang Hr.179 Erstes Blatt Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8‘/,Uhr des Vormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Text- anzeigen von70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr Ermühigte Grundpreise: Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild-Die Scholle Monats Bezugspreis: Mft 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte * 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewall Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Stellen-., Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-,Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Druck und Verlag: vrühl'sche UnioerfitStsvuch- und Steindruckerei «.Lange in Sieben. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7___TOengenaWuijestaffeiB Gin Enischließungseniwurf in Genf vereinbart. MLMZK irnfforhnnhArnf bi« mm 4. E>evtember über das britische Außenminister Sir Samuel Haare d.°!° Spürbare Erleichterung in London tember hierüber unterrichten werden. i havas meldet, daß am Freitagabend das Lin- Verständnis Mussolinis zu dem Lntschlie- 1 ßungsentwurf eingetrofsen sei. Anschließend hätten Laval und Lden gemeinsam den Vertreter Abessiniens empfangen und ihn von dem Schriftstück in Kenntnis gesetzt. Der abessinische Vertreter habe anscheinend keinen Widerspruch gegen den von Frankreich, Italien und England festgesetzten Wortlaut des Abkommens erhoben. Er habe jedoch gebeten, mit seiner Regierung Rücksprache nehmen zu dürfen. Daher sei bestimmt worden, die Völkerbundsratssihung nicht vor dem Spätnachmittag am Samstag siatt- finden zu lassen. Man glaubt mit der Z u st i m - mutig von Addis 2t b e b a zu dem Lntschlie- tzungsentwurf rechnen zu dürfen. Die am Samstag zur Abstimmung stehende Entschließung wird sich ausschließlich auf den Zwischenfall von Haluat beziehen, die Grenzsragen sind ausgenommen. Die Entschließung ziele daraus ab, das unterbrochene Schiedsverfahren zwischen Addis Abeba und Rom wieder in Gang zu bringen durch die Ernennung eines ober st en Schiedsrichters, havas meint, da Laval durch seine zahlreichen Verpflichtungen verhindert sei, sich längere Zeit außerhalb Frankreichs aufzuhallen, werde die geplante Dreimächte- konserenz gewiß in Frankreich stattfinden. Sie werde sich auf die Gesamtheit des Abessinien-Problems erstrecken, so daß der Vöt- kerbundsrat bei seinem Zusammentritt am 4. September sich vor einer klaren Lage befinden werde, zum mindesten, was die Haltung der drei interessierten Großmächte angehe. Es werde jedoch bemerkt, daß Laval, Eden und Aloisi diese Verhandlungen alsVertreterihrerRegie- rungeg führen würden, nicht aber als irgend ein Ausschuß des Völkerbundsrates. Enttäuschung in AMS Abeba. Monaten die Beziehungen zwischen London und Rom sich verschlechtert hätten infolge der britischen Starrköpfigkeit, die das gute Recht Italiens nicht anerkennen wolle, und auch durch den phantastischen Vorschlag Edens, so habe die Rede Hoares die letzten Illusionen zerstreut. Islamische Kreise Aegyptens Genf. 2. Aug. (DRV.) Die Verhandlungen der beteiligten Mächte über den italienisch-abessinischen Konflikt sind Freitagabend zum Abschluß gelangt. Der Rat wird Samstag zusammentreten; er soll über die Hauptfragen keine Entschließung fassen, sondern lediglich die Mitteilung der drei Mächte entgegennehmen, daß sie die Ausnahme von Verhandlungen zur Regelung des gesamten Problems beabsichtigen und daß sie den Völkerbund am 4. S e p - für Abessinien Alexandria, 2. August. (DNB.) Der Vorsitzende der islamischen Vereinigung junger Männer hatte auf Donnerstag eine Protestoersammlung gegen die italienische Haltung im Abessinienkonflikt einberufen, zu der führende Eine Oreimachtekonferenz wird dem Vötkerbundsrat bis zum 4. September über das Gesamtproblem Bericht erstatten. Gelegenheit ergriffen, um in einigen allgemeinen Wendungen die Ansichten der englischen Regierung über das koloniale Gesamtproblem wiederzugeben. Er wandte sich nicht nur an Italien, als er das Problem der „Besitzenden und Nichtbesitzende n", d. h. derjenigen Staaten, die Kolonialreiche besitzen und derjenigen Staaten, btejeme Kolonialreiche besitzen, anschnitt. Zu den Letzteren gehört in allererster Linie Deutschland, und wir haben daher allen Anlaß, den Ausführungen des britischen Außenministers Beachtung zu schenken. Er bezeichnete das Kolonialproblem als eins der schwierigsten Fragen, denen die Welt heute gegenübersteht, und gab zu, daß damit den Besitzenden eine große und schwere Verantwortlichkeit auferlegt sei. Nur sollten diese Fragen, so meinte Hoare, nicht durch Gewaltanwendung, sondern durch Versöhnung, Regelung und Vereinbarung gelost Vertrages von 1906 protestiert. Sie hätten sogar geäußert, sie würden sich lieber ermorden lassen, als Selbstmord begehen. Ein ermutigender Umstand ist die immer enger werdende Zusammenarbeit zwischen England und Frankreich. Die Verhandlungen haben es klar gemacht, daß Großbritannien und Frankreich sich des Ernstes der Fragen, um die es geht, voll bewußt find, und daß sie sich in unmißverständlicher Weise auf die Seite des Völkerbundes gestellt haben als einer Körperschaft, von der letzten Endes die Erhaltung des Friedens abhängen wird. Es ist auch deutlich, daß andere Ratsmitglieder von der englisch-französischen Zusammenarbeit und der Unterstützung des Völkerbundes durch beide Regierungen einen tiefen Eindruck empfangen haben. Sympathiekundgebungen der Neuer für Abessinien. London 3. August. (DNB. Funkspruch.) Reuter meldet aus Georgetown (British Guayana, Südamerika): Auf einer Tagung für den Fortschritt der Neger wurden Entschließungen angenommen, in denen die britische Regierung aufgefordert wird, einen italienisch-abessl- schen Krieg zu verhindern, und in denen der abessinische Kaiser der Sympathien der Neger mit seinen Bemühungen um Aufrechterhaltung der Freiheit seines Landes versichert wird. Außerdem hat der Bund der Negerarbeiter folgendes Kabel an den Kaiser gesandt: „Die Neger von Bri- ttsch-Guayana begrüßen Ihre Erklärung, daß Sie Ihr Reich bis zum letzten Mann gegen einen fremden Angriff verteidigen wollen. Wir fassen Mussolinis Drohung als eine Herausf orve- runq der Solidarität der N e g e r auf ^und verpflichten uns, das Vaterland zu unterstützen. In T r i ni d a d (Britisch-Westindien) wurden Massenversammlungen von Negern als Protest gegen Italiens Haltung gegenüber Abessinien veranstaltet. Der italienische Konsul hat bei den örtlichen Behörden Einspruch erhoben, weil eine Zeitung Mussolini beleidigt hatte. — In San Lucia wurden von den Negern Entschließungen angenommen, in denen die britische Negierung und der Völkerbund aufgefordert wurden, für Frieden in Afrika zu sorgen. London, 3. Aug. (DNB. Funkspruch.) . Die Nachricht von der Erzielung von einer Vereinbarung in Genf wird von der englischen Presse m t t Erleichterung auf genommen. Man erwartet, daß Abessinien keine Schwierigkeiten machen werde. Zugleich herrscht aber die Uebergeugung, daß es sich keinesweg um eine Beilegung des italienisch-abessinischen Streites, sondern nur um einen Aufschub der Entscheidungen handele. Reuter meldet, die ursprünglich geplante Erklärung, daß keine Gewaltanwendung erfolgen würde, fei umgangen worden. Litwinow werde im Völkerbundsrat die Erklärung verlesen, in der sich die drei. Mächte bereit erklären, a u f Grund des Vertrages von 19 06 Verhandlungen zu führen. Die Verhandlungen zwischen den drei Mächten würden voraussichtlich in der nächsten Woche in Paris beginnen. Falls sie nicht zu einer Vereinbarung fuhren sollten, werde am 4. September der Hauptkampf beginnen. Eden und Laval seien sehr erleichtert über den gestern erzielten Erfolg. „Daily Telegraph" schreibt: Nicht, was geschehen ist berechttgt zu der Hoffnung, daß eine schließliche friedliche Regelung in Sicht sei. Ein Merkmal der Verhandlungen war die wirkliche Wieder- aeburt des engsten Einvernehmens zwischen Frankreich und Großbritannien. Ferner war es von Anfang an klar, daß Sowjetrußland bereit ist, seinen ganzen Einfluß zu Gunsten der von der französischen unö der britischen Politik erstrebten Ziele zur Geltung London, 3. August. (DNB Funkspruch.) Times" meldet aus Addis Abeba, die in Genf erörterten Pläne hätten in abessinischen Kreisen Enttäuschung und Erbitterung verursacht. Die extreme Auffassung sei, daß der Genfer Plan die Lage unverändert lasse, und datz das wahrscheinliche Ende die Einteilung Abessiniens in Einflußzonen sein werde. In diesem Falle' werde Widerstand bis zum Ende geleistet werden. Die gemäßigten Kreisen seien dagegen der Meinung, daß alles davon abhänge, wieweit der Die r:t:r a gd o n.1906 angewendet werde. Wenn die britische Methode be- focht werde, von der man glaube, sie wolle, daß Italien Zugeständnisse erhalte, bie ur Abessinien annehmbar feien, dann brauche kein Einwand erhoben 3u tDerbem Wenn der Vertrag aber für andere Z w e ck e benutzt werde, dann würden auch die Gemaßtigten Wider- schen Besitzungen in Ästen mti untre id) auf geteilt und Italien nur eine Oase und einen Streifen Trockengebiet überlassen. Hoare erkenne zwar das Ausdehnungsbedürfnis Italiens an, stelle sich ihm jedoch in den Weg. Heute lasse die Lage nur noch eine Lösung zu Corriere della Sera" nennt die Rede unerhört und unannehmbar. Die englisch-italienischen Beziehungen laufen Gefahr, von einer böswilligen und feindseligen Politik, die von dem italienischen Volk nicht geduldet werden kann ernsthaft gestört zu werden. Es ist eine boshafte Mde die einem neidischen und feind - s e 1 i g e n G e m ü t s z u st a n d entsprich t Das italienische Volk läßt sich jedenfalls nicht einschuch- tern Ser britische Minister des Aeußeren erkennt an daß das italienische Volk Ausdehnung braucht, f a a t aber nicht, wo es sie finden kann. Denkt England vielleicht daran, sein Mandat über Rede iei für Wien un- verzeihlich Italien werde der Weg zum Wachstum und zur Ausdehnung verlegt. Wenn fett Eigen stand leisten. MeitalienischepressegegenHoare Mailand, 3. Aug. (DNB.-Funkspruch.) Alle Morgenblätter bringen sehr scharfe Kvwmentare zur Unterhausrede Hoares. Der offiziöse „P o p o l o d ' I t a l i a" schreibt, die Rede sei nur dazu angetan, die abessinische Unversöhnlichkeit zu verstärken. England mobilisiere den Völkerbund nur für egoistische Zwecke. Er habe China auch nicht verteidigen können. England habe nach dem Kriege die deutschen Kolonien und die turki- Besitzungen in Asien mit Fran k - Zwiespältiges Echo in Paris. Keine Lösung, aber französisch-britisches Einverständnis. Diese vor allem auf Italien gemünzten Worte haben aber auch noch eine andere tiefere Bedeutung. Denn wenn grundsätzlich die Gewaltanwendung zum Erwerb von Kolonien verurteilt wird, wenn aber anderseits den Nichtbesitzenden das Recht auf Kolonien zuerkannt wird, wie es Hoare bei einer früheren Unterhaus-Debatte unter namentlicher Erwähnung Italiens schon einmal getan hat, dann ist damit auch der Versailler Vertrag getroffen, der nicht aus rechtlichen Erwägungen, sondern auf G r u n d d e s R e ch. tes des Stärkeren den Raub der deutschen Kolonien legalisierte. Es heißt in der Mantelnote des Versailler Diktats u. a.: „Deutschlands Ver- sagen auf dem Gebiete der kolonialen Zivilisation i st zu deutlich klargestellt worden, als daß die alliierten und assoziierten Mächte ihr Einverständnis zu einem zweiten Versuch geben und die Verantwortung dafür übernehmen könnten, 13 bis 14 Millionen Eingeborener von neuem einem Schicksal zu überlassen, von dem sie durch den Krieg befreit worden sind " Diese Behauptung, die von der nach- kriegszeitlichen Forschung längst als eine Lüge entlarvt und in den ehemaligen Feind- länbern auch längst als eine solche anerkannt worden ist, gab den Entente-Staaten die notwendige „Begründung", um in Form von Mandaten die ehemaligen deutschen Kolonien unter sich aufzutei- len. In den Artikeln 22, 119 und 257 des 23er- faitter Vertrages ist in widerspruchsvollen und jun- stisch unklaren Begriffen das koloniale Man- datssystem festgelegt worden. Nicht einmal d i e Eigentumsfrage ist darin eindeutig ge- löst. Die Mandatare haben die unsichere Rechtslage weidlich ausgenutzt und über die geraubten Kolonien wie über ihre eigenen verfügt, ja sie haben dem Deutschen Reich nicht einmal diese Kolonien bezahlt, obgleich der Artikel 119 keine entschadi- gungslose Abtretung mit Ausnahme von Elsatz- Lothringen und Kiautschau voraeschrieben hat. Ganz abgesehen von diesen Vertragsverletzungen und ganz abgesehen von den Vorschriften, die das Versailler Diktat für die Kolonialmandate vorsay, hat Deutschland stets aus grundsätzlichen ®rroa- gungen heraus auf feinem Recht auf Kolonialbesitz bzw. auf der Zurückerstattung der entrissenen Schutzgebiete bestanden. Es hat keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um die infame Lüge von der Unfähigkeit der deutschen Kolonialverwaltung zurückzuweisen. Die nationalsozialistische Regierung ist von diesem Standpunkt nicht abgewichen. Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat erst auf der letzten Leipziger Messe die deutsche Forderung und das deutsche Recht auf koloniale Betätigung vertreten, denn es ist ein Unsinn, daß das größte europäische Volk keine überseeischen Besitzungen hat, wahreno sehr viel kleinere und schwächere Volker auch nicht entfernt in der Lage sind, ihr riesiges Eigentum an Kolonien ordnungsgemäß zu verwalten geschweige denn auszunutzen. Deutschland muß des» ialb schon aus wirtschaftlichen Gründen verlangen, daß sein Recht auf eine ausreichende Rohstoffbasis außerhalb der Reichsgrenzen anerkannt wird. Nachdem wertvolle deutsche Randgebiete mit zum Teil unentbehrlichen Bodenschätzen durch das Versailler Diktat zu unseren Nachbarlan- dern geschlagen worden sind, nachdem die Wett- wirtschaft zusammengebrochen ist und Deut chland sich heute infolgedessen im schwersten Rohstosfkampf befindet, ist es mehr denn je eine Pflicht der ehemaligen Gegner, das begangene Unrecht wieder gut zu machen. Ungeheure Gebiete, zu deren Ausnutzung die Kraft ihrer Bescher nicht ausre.cht, harren noch der Erschließung, so daß mit der Verwirklichung des deutschen Kolomalanspruchs feines- wegs eine Beeinträchtigung der Interessen anderer Länder verbunden zu sein braucht. 2m Gegenteil, für das friedliche wirtschaftliche und politische Zusammenleben der Völker würden sich aus einer gerechten Regelung der Kolonialfrage' weitgehende Vorteile entwickeln. Die Gleichberechtigung, Ine Adolf Hitler seit dem nationalsozialistschen Umbruch unaufhörlch für Deutschland gefordert hat und die auf wehrpolitischem Gebiete bereits verwirklicht worden ist, gilt auch für das Kolonialproblem. Wie die Lösung dieses Problems praktisch m 1 Anariff zu nehmen ist, darüber enthalt die oben roie-bergegebene Rede des britischen Außenministers i wichtige Anhaltspunkte, die sich durchaus mit dem decken, was Adolf Hitler einmal einem englischen Journalisten gegenüber ausgesprochen hat: „Die Frage der Zuteilung kolonialer Ge- 1 biete, gleich wo, wird niemals für uns i die Frage eines Krieges sein. Wir sind der Ueberzeugung, daß wir genau so befahiat sind, eine Kolonie zu verwalten, wie andere Volkers ägyptische Persönlichkeiten erschienen waren, so u. cn der frühere Kriegsminister S a l e b Sami Bey und Scheich Taftasani, einer der höchsten islamischen Geistlichen. Als Hauptaufgabe bezeichnet der Ausschuß die Herstellung von Verbindungen mit allen orientalischen Län- d e r n z u r H i 1 f e l e i st u n g f ü r A b e s s i n i e n und seinen Kampf um seine Unabhängigkeit. Der Ausschuß richtete an den Völkerbund und alle Mächte einen Appell, in dem behauptet wird, Italien betreibe eine imperialistische Politik. In abessinienfreundlichen Kreisen wird behauptet, daß öie Meldungen ehemaliger ägyptischer Offiziere zum Eintritt in die abessinische Armee täglich zunehmen. kerbundes sind vorüber, wenn er überhaupt je große Tage gehabt hat", schließt Pertinax seine pessimistischen Betrachtungen. Dem Berichterstatter des „Matin" ist eingefallen, daß es in Genf auch einen D e r t r e t e r A b e s- siniens gibt. Er hat ihm seine Aufmerksamkeit geschenkt und meldet, daß dieser ohne ein Wort zu sagen, der Freitagsitzung des Rates beigewohnt habe. In den Wandelgängen aber schreibe man ihm folgende „schreckliche" Aeutzerung zu: „Abessinien zieht einen Mord einem Selbstmord vor." „Oeuvre" meint, Mussolini habe insofern einen großen Erfolg errungen, als England nicht mehr beabsichtige, die Dreierverhandlungen mit dem Völkerbund zu verbinden. Diese große Konzession Englands sei jedoch dadurch erkauft worden, daß Italien sich verpflichtet habe, auf der nächsten Ratssitzung am 4. September die Abessinien-Frage von Grund auf zu behandeln. Hätte man jetzt bereits im Rat das Gesamtproblem aufgerollt und Italien mit wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen gedroht, würde Mussolini in 14 Tagen den Krieg begonnen haben. In vier Wochen aber könnten die finanziellen Schwierigkeiten Italiens besonders durch die Entwertung der Lira im Auslande so groß geworden sein, daß sie ernsthaft die Pläne Mussolinis hindern könnten, ganz abgesehen davon, daß bis dahin der von Paris und London klar ausgesprochene Wille, sich : einem afrikanischen Kriege zu widersetzen, eine > heilsame Wirkung ausüben werde. Paris, 3. August. (DNB. Funkspruch.) Die Tatsache, daß in Genf endlich Einverständnis über den Entschließungsentwurf erreicht worden ist, wenn die Zustimmung Abessiniens auch noch aussteht, wird von der Pariser Presse ohne große Begeisterung hingenommen. Man läßt Durchblicken, daß der Entschließungsentwurf so abgefaßt ist, daßbeideParteiendarinihrenDor- teil finden könnten, ohne daß jedoch das Grundproblem seiner Lösung einen Schritt näher gekommen sei. Es überrascht daher nicht, daß man von französischem Gesichtspunkt den Haupterfolg nicht in einer zeitlichen Verschiebung des Abessinien-Streitfalles sieht, sondern m der Tatsache, daß die französisck-bnt ische Einigung auf deck Gebiete der gesamten Politik wtederher.ge stellt sei. So wenigstens behauptet die Berichterstatterin des „O e u v r e", die als einzige der Genfer Korrespondenten auch weiter zu melden weiß, daß während Laval über Abessinien verhandelte, andere Mitglieder der französischen Abordnung sich aufs Aktivste damit befaßt haben, die Donau- Pakt-Frage vorwärts zu treiben. Pertinax bezeichnet die Einigung schonungslos als eine zweitdeutige, hinkende Kombination, bie j e b e r n a d) {e i n e r 21 r t a u s l e g e n könne. Der einzige Vorzug sei, daß sie a 11 e ge - jährliche Kurven ohne Kat a ft r o p y e n überwunden habe, und daß die französischen und britischen Diplomaten vier Wochen Zeit gewonnen hätten. „Die großen Tage des Dol- 3 In dem Bericht der „Times" heißt es, es habe Schwierigkeiten gemacht, den Zusammenhang zwl; lcken dem Völkerbund und den geplanten Drei- machte-Derhandlungen festzustellen A b es ft n i en werde obwohl es mit Rücksicht auf Mussolini nicht beim 5lomen genannt werde, bei den Verhandlungen zu Rate gezogen werden, und irgendwelche bindenden Beschlüsse wurden von seiner Zustimmung abhängig sein. Diese Losung gehe bis zur Grenze des Möglichen, nach Ansicht mancher unoffizieller Kreise gehe sie vielleicht , n weit Bei allen diesen Verhandlungen sei an- genommen worden, daß Slbejfinien sicher allem zustimmen werde, was von England und Frankreich angenommen worden sei. Die beiden abessinsichen Vertreter hat- ten aber während des ganzen Tages gegen die ge- planten Verhandlungen auf Grund des seinerzeit von der abessinischen Regierung mit angenommenen Allein wir sehen hierin kein Problem, das den Frieden der Welt irgendwie berührt, da es nur auf dem Wege von Verhandlungen zu lösen ist." Diese Methode, die bereits in dem deutsch-englischen Flottenabkommen vom 18. Juli so fruchtbringend angewandt worden ist, muß es eines Tages auch ermöglichen, daß der Gegensatz von „Besitzenden uni) Nichtbesitzenden" aus der Reihe der wettpolitischen Probleme ausscheidet. Die Debatte im englischen Unterhaus, in der Sir Samuel Hoare jenes Wort brauchte, das Italiens Einstellung zum Abesiinienkonflikt, aber darüber hinaus auch das Kolonialproblem als Ganzes treffend kennzeichnet, war auch nach anderer Richtung hin interessant. Der Führer der Opposition, der im englischen Unterhaus eine wichtige,, fast amtliche Stellung einnimmt, der Arbeiterabgeordnete L a n s- b u r y, richtete an die Regierung die präzise Frage, ob sie bereit sei, in Bezug auf den Luftkrieg, die Anwendung von Giftgasen und die Internationalisierung der Zivilluftfahrt die Führung zu ergreifen, und regte an, England möge zusammen mit den zur Mitarbeit bereiten Staaten eine größere Konferenz einberufen, die auch diejenigen umfasse, die augenblicklich draußen stünden. Der Außenminister hat nach den bis jetzt vorliegenden Berichten auf diese Frage und Anregung eine Antwort nicht gegeben, was verständlich ist, da die englische Regierung sich immer noch bemüht, ihre Politik in'den bestehenden Rahmen des Völkerbundes und des Programms von London-Stresa zu halten. Der Vorschlag des Abgeordneten Lansbury dagegen rechnet richtig und nüchtern mit der bereits klaren Tatsache, daß dieser Rahmen bereits gesprengt ist und daß neue Wege gesucht werden müssen. Er trifft sich dabei ungefähr mit den Vorschlägen und Anschauungen, die in der letzten Reichstagsrede des Führers und Kanzlers enthalten waren und die Bereitschaft Deutschlands ausdrückten, an solchen praktischen Zielen mitzuarbeiten, in denen der Völkerbund um Konferenzprogramme sich als unzulänglich erwiesen habe. Es ist kennzeichnend für die Krisis, in die der Völkerbundsgedanke selbst in dem für die Genfer Einrichtung begeisterten England eingetreten ist, daß die Opposition des Unterhauses in denselben Reden, in denen sie die Regierung zum unbedingten F e st h a l t e n an den Verpflichtungen des Völkerbunds in der abessinischen Angelegenheit auffordert, nach Mitteln und Wegen sucht, um die englische Politik von diesen Lähmungen zu befreien. Auch der liberale Oppositionsredner machte die scharfe Feststellung, die man bisher nur in Deutschland und bei objektiven Kritikern der Völkerbundspolitik gehört hat, daß dieser in Wirklichkeit nichts anderes ist als eine Allianz der e u - ropäischen Großmächte gegenDeutsch- land, wenn er jetzt, im abessinischen Konflikt, das Recht den europäischen Interessen zum Opfer bringe. Aus den Antworten des Außenministers ist folgendes festzuhalten: Die englische Regierung hat in der gegenwärtigen Krise die Regierung her Vereinigten Staaten „auf Schritt und Tritt" über die Haltung Englands unterrichtet und mit großer Befriedigung vernommen, daß die amerikanische Regierung jede Anwendung kriegerisch e r M i t t e l verurteilt. Es ist daraus zu entnehmen, daß London, wie schon oft, bemüht ist, eine festere diplomatische und politische Einheit der beiden großen angelsächsischen Mächte herbeizuführen, um sie bei schwierigen Augenblicken der internationalen Politik in die Waagschale werfen zu können. Dies wäre in der Tat heute die einzige Möglichkeit, das zum Kriege entschlossene Italien vor ein unüberwindliches Hindernis zu stellen und feine Friedensbereitschaft zu erzwingen. Ob dies der englischen Politik gerade jetzt gelingen wird, wo ihre Schwierigkeiten allzu offensichtlich sind, ist freilich zweifelhaft. Eine andere wichtige Mitteilung des englischen Außenministers ist sein bestimmtes Dementi, das er den Gerüchten entgegensetzte, England habe sich in Stresa zusammen mit der französischen Regierung Italien gegenüber verpflichtet, diesem freie Hand in Abessinien zu geben. Glaubhaft war dies von vornherein nicht, was England betrifft. Mit Frankreich ist dies eine ander Sache: über das, was zwischen Laval und Mussolini im Januar in Rom verhandelt und aus- oetauscht wurde, werden sich die diplomatischen Akten wohl erst in späterer Zeit öffnen. Die wichtigste Mitteilung des englischen Außenministers, die er vor Beendigung der Debatte machte und die mehr als alles andere den Ernst der Lage enthüllt, war die, daß der Sprecher des Unterhauses für den Fall einer gefährlichen Entwicklung der abessinischen Frage ermächtigt wird, auf Empfehlung des Ministerpräsidenten das Unterhaus zu einer außerordentlichen Sitzung einzu- berufen. Da nach englischer Verfassung und Tradition jede wichtige Entscheidung, die an die Lebensnerven des Landes geht, derBilligung durch das Parlament unterliegt, so ist diese „Gestellungsorder", die die Regierung den in die Ferien gehenden Abgeordneten mit gibt, ein bedeutsames Warnungssignal, das in allen Kanzleien der betei- ligten Mächte, bis hinunter nach Rom, gehört und verstanden werden wird. Oer nationalsozialistische Befreiung-Marsch Münd)en, 2. August (DRB.) Im Namen der Stadt München erläßt der Vorsitzende der nationalsozialistischen Stadtratsfraktion, Christian Weder einen Ausruf, in dem es u. a. heißt: Am 9.November jährt sich zum 12. Male der für Volk und Vaterland geschichtlich denkwürdige Tag, an dem im Jahre 1923 unser Führer Adolf Hitler, gefolgt von seinen getreuesten Mit- Kämpfern, in München den ersten nationalsozia- aen Befreiungsmarsch vom Bürger- etter durch das Tal über den Marienplatz zum Odeonsplatz durchgeführt hat. Zur Erinnerung an diele »»tscheidende Tat wird am kommenden 9. N o v e m b e r der Marsck vom Bürgerbräukeller zum Odeonsplatz erfolgen. An der Spitze des Zuges wird, wie 1923 und 1933, wiederum der Führer marschieren. Einladung zur Teilnahme an diesem Erinnerungsmarsch ergeht: 1. an alle, die sich im Besitze eines Nachweises der tätigen Teilnahme am Befreiungsmarsch des 9. Nov. 1923 befinden: 2. an sämtliche Reichs- unb Gauleiter Deutschlands. Die Teilnehmer an diesem Erinnerunasmarsch der Bewegung tragen. Braunhemd ohne jedes Abzeichen, jedoch mit der Armbinde von 1923, ohne Schulterriemen, keine Kopfbedeckung, schwarze oder braune Hose und Schaftstiefel. Als einziges Ehrenzeichen wird der Blutorden mit Band im Knopfloch der rechten Blusentasche des Braunhemdes getragen. Die Geschäfts stelle des vorbereitenden Aus- Ks für den Erinnerungsmarsch befindet sich ünchen, Rathaus, Zimmer 248, wo jede gewünschte Auskunft erteilt wird. Dem Gedächtnis Hindenburgs. Gedenkfeier im Tannenberg-Denkmal.—Oie Kränze des Führers und der Wehrmacht. Hohenstein, 2. Aug. (DNB.) Nach dem wochenlangen Regenwetter ist wieder ein wundervoller Morgen angebrochen. Am klarblauen Himmel steht die Sonne, und es verspricht, ein heißer Tag zu werden, so wie vor einem Jahre der Tag war, an dem der Feldmarschall starb, zu dessen Gruft schon seit dem frühen Morgen Tausende eine stille Wallfahrt angetreten haben. OstpreußischeFront- kämpferwitwen waren die ersten, die dem großen Toten Blumen zu Füßen legten. Von den hochragenden Türmen des Tannenberg-Denkmals weyen die Fahnen auf Halbmast. Um 8 Uhr marschiert die Ehrenwache an. Die Posten treten unter Gewehr, scharf hallen ihre Schritte durch den weiten Ehrenhof. Ein Doppelposten steht zu beiden Seiten des wuchtigen Eingangstores, vor dem Eingang zum Gruftturm und neben dem Sarkophag. Den Boden des Turmes bedeckt ein Teppich von Rosen und Tannengrün. Vom schwarzen Grunde der Innenwand heben sich vier riesige brennende Wachskerzen ab. Wie aus Erz gegossen stehen zu Häupten des Sarges die Posten. Zahlreiche Kränze werden in den Ehrenhof getragen. Die Tochter des Feldmarschalls, Frau von Pentz, die Stadt Königsberg, die Provinz Ostpreußen, die Gefolgschaft der Präsidialkanzlei, die Betriebsgefolgschaft des Hauses Neudeck und viele andere haben Kränze gesandt. Um 8.30 Uhr betrat der Sohn des Generalfeldmarschalls, Generalmajor von Hindenburg, die Gruft und legte einen Kranz nieder. Abordnungen des Kyffhäuser- dundes erscheinen. HI. marschiert hinter ihren Wimpeln in das Denkmal ein. Ministerpräsident General Göring hat einen Kranz gesandt, dessen Schleife die Aufschrift trägt: „Das dankbare Preußen". Kameraden des ehern. Infanterie- Regimentes „Generalfeldmarschall von Hindenburg", 2. Masurisches Nr. 107, sind mit einer Nachbildung der Fahne des Regiments erschienen. Landeshauptmann B l u n ck legt die Kränze des Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen nieder. Der Stabsführer des SS.-Abschnittes XXII bringt einen großen Kranz. Er trägt neben der roten Schleife mit dem Hakenkreuz die schwarze Schleife mit den silbernen Runen der SS. und her Aufschrift „Die SS. Ostpreußen". Dann legt d i e SA. einen Kranz nieder, Major von Weiß einen Kranz des Führers des Kyffhäuserbundes. Immer mehr Kränze werden in den Turm getragen. Punkt 11 Uhr betritt Infanterieführer I Generalmajor von Niebelfchütz das Denkmal, gefolgt vom Chef des Generalstabes des 1. Armeekorps Oberst H o 11 i d t. Der General legt i m Namen des Führers einen Lorbeerkranz mit weißen Rosen nieder. Zum zweiten Mal betritt er dann den Feldherrnturm, um den Kranz der Wehrmacht und dann den des Kommandierenden Generals des 1. Armeekorps und Befehlshabers im Wehrkreis I Generalleutnant von Brauchitsch niederzulegen. Der Trommler rührt die Schlegel. Als Generalmajor von Niebel- schütz den Feldherrnturm verläßt, ertönen über Die Mauern des Ehrenhofes die Klänge vom guten Kameraden. Der Ehrenzug marschiert ab. Jetzt drängen sich zahlreiche Trauergäste an den Feldherrnturm. Mit entblößten Häuptern schauen die Ostpreußen auf das Grab ihres Befreiers. Die Feierstunde ist beendet. Die Halbstock wehenden Flaggen knattern an ihren hohen Masten. Wir denken still der Tage vor einem Jahre, wir sehen die Flagge sich senken auf Schloß Neudeck, erleben noch einmal im Geiste den nächtlichen Trauerzug von Neudeck nach Hohenstein mit dem Sarg des Feldmarschalls auf der Lafette und hören das Wort des Führers: „Großer Feldherr, gehe nun ein in Wallhall!" Die Vorbereitungen zur Ausgestaltung der Gruft des toten Feldmarschalls sind in vollem Gange. Am 2. Oktober, dem Geburtstag des General- feldmarschalls, wird das Tannenberg-Denkmal eine weitgehende Umgestaltung erfahren haben. Das Tor der Gruft wird ein riesiger Findlingsblock krönen. Mächtige Freitreppen werden errichtet werden. Der Hof erfährt eine Vertiefung um 4 Meter. Tag und Nacht muß an der Ausgestaltung gearbeitet werden, um die festgesetzte Zeit einzuhalten. Die Wehrmacht ehrt den toten Feldmarschall. - 5 > W M - Xx. ■ WHS DM '>A ' -i : HE .-H' ■. jr ’ JF/ •fV'tWV 'M • . -X . Z-X-. - ■ X.-w.'-yX' Berlin, 2. Aug. (DNB.) Besonders feierlich gedachte am Todestage Hindenburgs hie Wehrmacht ihres langjährigen obersten Befehlshabers. An allen Standorten wurde am Freitag auf Grund einer Anordnung des Reichskriegsministers Appell abgehalten. Die Berliner Wachtruppe war um 11.30 Uhr in der großen Exerzierhalle in der Rathenower Straße in einem offenen Rechteck angetreten. Auf einem Podium stand ein mit frischem Eichengrün geschmücktes Bild des Reichspräsidenten über dem die Reichskriegsflagge hing. Der Kommandeur des Wachregiments Oberst von Keifer hielt eine kurze Ansprache. Dann ein schneidendes Kommando: „Stillgestanden!" als Oberst von Keiser fortfährt: „wir gedenken des Generalfeldmarschalls von Hindenburg in treuer Anhänglichkeit und Verehrung!" Eine eindrucksvolle Minute stillen Gedenkens folgt. Oberst von Keiser nimmt noch einmal das Wort, um des jetzigen Obersten Befehlshabers der Wehrmacht, des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler zu gedenken, der den verewigten Reichspräsidenten wie einen Vater verehrte und ihm nach feinem Tode die größten Ehren habe zuteil werden lassen. Mit einem Gelöbnis des Gehorsams und her Treue gegenüber dem Obersten Befehlshaber und einem dreifachen Hurra auf de« Führer und Kanzler des deutschen Volkes Adolf Hitler schloß er den Appell. Am Reichsehrenmal Unter den Linden wurden durch die großen Verbände her Weltkriegsteilnehmer Kränze niedergelegt. Reichskriegsopferführer Dberlinhober brachte einen Kranz mit her Wihmung „Dem großen Felhherrn unb ben zwei Millionen gefallenen Helden". Der von Freiherr von Lersner im Namen des Reichsvereins ehemaliger Kriegsgefangener niedergelegte Kranz trägt die Widmung „Dem Generalfeldmarfchall und den Kameraden". Einen Kranz überbrachte vom Kyff- häuferbund General Kuhlwein von Rathenow in Vertretung des Obersten Reinhard, für ben Nationalsozialistischen Marinebunb war mit einem Kranz Abmiral Lützow erschienen. — Unser Bilb zeigt General von Kuhlwein (Mitte) unb den Reichskriegsopferführer Dberlinhober (rechts) auf hem Wege zum Ehrenmal. — (Presse-Illustration Hoffmann-M.). Geht Deutschland so, wie es ist! Reichspropagandaminister Or. Goebbels an die auslandsdeutschen Zungen. Ein Volk an der Arbeit. Was wir sind, sind wir aus eigener Kraft. Berlin, 2. August. (DNB.) Die 1050 auslandsdeutschen Jungen wurden Freitagnachmittag durch den Reicksminister Dr. Goebbels auf dem Wilhelmplatz begrüßt. Reichsminister Dr. Goebbels, mit stürmischem Jubel begrüßt, wies zunächst die auslandsdeutschen Kameraden darauf hin, daß sie hier auf dem Wilhelmplatz auf historischem Boden ständen. Hier standen am 30. Januar 1933 die Berliner Männer und Frauen unb bekannten sich zum nationalsozialistischen Symbol. Ich möchte wünschen, baß auch in eure Herzen erbringen möge ein Abglanz von der Größe ber Zeit, hie wir in Deutschland jetzt durchleben. Es soll keiner glauben, daß diese Zeit von selbst gekommen sei. Nein, diese Zeit ist das Werk der Menschen, die in ihr leben, unb es hat sich in ihr wiederum das Wort bewahrheitet, daß es die Männer sind, die die Geschichte machen. Aus dem, was damals ein paar Menschen begannen, ist nun bas große Reich ent ft an» den, unb bieses neue große Reich kann auch euch draußen in allen Teilen der Erde, ein Gefühl des Stolzes wiedergeben. Nun leben wir wieder in einem Reich, dem man zwar die Freiheit nicht schenken wollte, das sich aber seine Freiheit wieder geno mm e n hat. (Lebhafter Beifall.) Zwar haben Marxisten unb Juben und Deserteure im November 1918 die deutsche Fahne in den Schmutz geworfen, aber dafür haben wir aufs neue eine Fahne ber Ehre unb ber Achtung unb b e 5 Stolzes gehißt. (Lebhafter Beifall.) Sie mögen heute in anberen Staaten versuchen, btefe Fahne zu beleibigen. Beleidigen kann eine Fahne immer nur ber, ber sie selbst trägt. Unb Dafür übernehmen wir hie Sicherheit, baß biefe Föhne von ihren Trägern niemals beleibigt werben wirb. (Erneuter lebhafter Beifall.) Wenn ihr. meine jungen Kameraden, nur bie 3 e Hungen gelesen hattet, bie in Euren Ländern gedruckt werben, bann hättet ihr viel- leicht annehmen können, bah ich zu euch nur umgeben von einem Maschinengewehrkordon zu r9Croag< hätte, (Heiterkeit) daß in ber rvilhelmstrahe Kanonen aufgefahren werden, um die Regierung gegen das eigene Volk zu ^ähen und dah ich als Propagandaminister euch nur Broschüren in die Hand gegeben hätte, ohne zu wagen, euch das deutsche Land undpolkselb st zuzeigen. Ich habe bas Gegenteil gefügt Ihr sollt nun von hier aus euren Zug durch Deutschland antreten. Ihr sollt Land und Leute kennen lernen. Biele von euch haben Deutschland noch nie gesehen. Es ist deshalb gut, daß ihr in jungen Jahren hierher gekommen seid, wo eure Herzen noch offen und empfängnisbereit sind und wo Ihr willens seid, diese großen Eindrücke in euch aufzunehmen und sie nicht zu zersetzen mit intellektualisttscher Skepsis und Kritik. Ihr seid junge Menschen und als junge Menschen sollt ihr mit offenen Augen Deutschland sehen so wie es ist. Ich gestehe offen, wir haben es mit all unserer Arbeit unb Sorge nicht fertig gebracht, aus biesem Lanb ein Paradies zu machen. Wir haben es riicht gekonnt, aber wir haben es auch nicht gewollt. Denn es ist nicht Aufgabe der Menschen, auf Erben in einem Parabies zu leben, fonbern auf Erben z u kämpfen, zu arbeiten unb s i ch das tägliche Brot zu verbienen. Unb bas allerdings könnt ihr in Deutschland in Stabt unb Lanb, in Süb unb Norb, in Oft unb West feststellen, nämlich ein Volk, das an ber Arbeit ist, das sich sein Leben erkämpft unb bas ausgefüllt mit neuem Selbstvertrauen im Gegensatz zu früher heute zu stolz bazu ist, sich bei anberen Völkern unb anderen Länbern sein Leben zu erbetteln. (Lebhafter Beifall.) Nein, was wir sinh, bas sinh wir aus eigener Kraft. Ihr sollt euch mit eigenen Augen havon überzeugen unb sollt als Ueberzeugte in eure ßänber zurückkehren unb sollt ben dort lebenben Menschen sagen, wie es um Deutschlanh steht, sollt erzählen, wie es um fein Volk beschaffen ist unb sollt zu gleicher Zeit auch In eurem Herzen verspüren, baß, was bem Blut nach zusammengehört, dem Blut nach niemals getrennt werben kann. (Stürmischer Beifall.) Mit einem breifadjen Sieg-Heil auf bas Reich unb ben Führer schloß Reichsminister Dr. Goebbels unter stürmischen Beifall her versammelten Jugend seine Ansprache. Anschließenb schritt ber Minister die Front ab unb unterhielt sich mit vielen her aushmbs- beutschen Jungen. Aus der SA. ausgestoßen. B e r I i n, 2. Aug. (DNB.) Der „Angriff" berichtet über ben Ausschluß bes Forstassessors Graf Finck von Fincken st ein. in Potsbam aus ber SA. Graf Finck von Finckenstein trat 1929 bem Stahlhelm bei unb mürbe 1933 in bie SA. übernommen. Im Sturm machte er aus feiner beftrub tiven Einstellung kein Geheimnis mehr. Er betonte, baß er nie in seinem Leben Nationalsozialist werbe, „er habe nicht ben unbebingten Glauben". Auf bie Frage, warum er bann nicht aus seiner Stellung als Beamter ausscheibe unb so bie Konsequenzen feiner inneren Haltung zöge, gab er folgenbe klassische Antwort: „Meiner Auffassung nach ist ber Staat ein sich stetig kontinuierlich änbernbes Ge- bilbe. Jo ihm bleibt mehr ober weniger ber Trager ber Verwaltung ber gleiche Personenkreis, wie es ja auch beim Umbruch 1933 war. Auch heute ist bie Verwaltung biefelbe mit Ausnahme ber höheren Organe. Meiner Auffassung nach kann man sehr wohl Lebensberechtigung im Staate haben, wenn man nur seine Pflicht gegenüber ber Behörbe tut, ohne ben inneren unbebingten Glauben an seine Einmaligkeit unb Unroanbelbarfeit zu haben." Nach ber bienstlichen Vernehmung burch ben Vorgesetzten, ben Oberscharführer, überfanbte Graf Finck von Finckenstein biesem eine Forderung auf schwere Waffen. Der „Angriff" erinnert daran, daß schon Friedrich Wilhelm I. gegen eine damals ebenso reaktionäre Verwaltungsfronde habe kämpfen müssen, und fährt dann fort, daß jene logenähnlichen Querverbindungen, deren Zugehörigkeit bem Grafen Finck von Finckenstein zu seiner Haltung ermutigt hat, ebenso erfolglos fronbieren werben wie ihre Vorfahren. Graf Finck von Finckenstein aus Potsbam hat ben Fehbehanbfchuh der nationalsozialistischen Bewegung und ihrem Staat hingeworfen. Sie hat ben Trennungsstrich gezogen. Graf Finckenstein ist ausgestoßen worben unb bie endgültige Abfuhr wird nicht lange auf sich warten lassen." Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Das attantische Hochdruckgebiet mit seinen nach dem Kontinent vorspringenden Ausläufern ist im wesentlichen immer noch für unser Wetter bestimmend. Dabei hat jedoch zur Zeit in ber Hohe vor- stoßenbe feuchtere unb kühlere Mereslust unter Druckanstieg Anlaß zu Bewölkung unb auch vereinzelt schon zu etwas Regen aegeben. Nachfolgen- her Luftdruckfall wirb jeboch roteber zu abfteigenber Luftbewegung unb Auflockerung ber Bewölkung führen. Aussichten für Sonntag: Vielfach auf- heiternb, trocken, tagsüber warm, um Narben schwankenbe Winde. Aussichten für Montag: Freundlich unb tagsüber warm. Lufttemperaturen am 2. August: mittags 25,4 Grab Celsius, abenbs 16,3 Grab; am 3. August: morgens 14,9 Grab. Maximum 26,4 Grab, Mini- mum 11,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. August: abends 20,7 Grad; am 3. August: morgens 17,5 Grab. — Sonnenscheinbauer 14,2 Stunben. Hauptschriftleiter: Dr. Friebrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr Friedrich W. Lange, für Feuilleton i.V.: Dr.F.W. Lange, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. DA VI. 35: 10150. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- unb Steindruckerei R. Lange, K -G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig« RAM f der feine Oelikatess Essig und billig Ein neues O Fahiiad * 4154 D 03259 Verreist bis 21. August Praktiziere wieder Dr. Holzapfel Zu allen Kassen zugelassen Seltersweg 70 I. Naumann Heilpraktiker. Praxis bis 19. August geschlossen! 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Reichsbundes f.Leibesübungen Folge zu leisten. 4428 D Antreten zum Jestzug am Sonntag m. Fahne 12.15 Uhr am Amts- gericht. Wer übernimmt 400—500 qm MWckl zu verlegen? 03264 Horn, Bleichstr. 46. [Verschiedenes] Italienisch. Unterricht gesucht. Schrift!. Ang. unt. 03274 a. d. Gieß. Anz. die sich mott und elend fühlen, keinen Appetit hoben, on nervösen Kopfschmerzen leiden, nachts nicht schlafen können, solJ. len als Nervenkräftigungsmittel m CD DoPPelherz nehmen^ v jLw.ZZ Es macht die Nervenj widerstandsfähig und erhält sie gesund. Flaschen zu 1,95 RM, 3,70 RM und 4,65 RMj Doppelherz-Dragees 1,50 RM. Zu haben in nachstehenden Drogerien: C. Seibel, Frankfurter Str., 0. Winterhoff, Kreuzplatz 9/10. Grünberg: Karl Schott u. sämtL Filialen. Laubach: Solms-Laubacher Drogerie Karl Klein. 37»V Mexnur Miele Zu haben in den Fahrradhandlungen. Großen-Buseck, den 3. August 1935. 4452 D Frau Lina Schäfer, geb. Pfeffer überaus zahlreich zugegangenen Beweise aufrichtiger Teilnahme und für die vielen Kranzspenden sagen wir herzlichsten Dank. Danksagung. Für die uns beim Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Schäfer. / Neuausgabe 1935 erscheint Ende August! Zu jedermanns Einsichtnahme liegen am 5., 6. und 7. August 1935 in unserer Geschäftsstelle, Schulstraße 7, Erdgeschoß, offen: Behördenverzeichnis, Alphabetisches Einwohner- und Iirmenver- zeichnis, Straßenverzeichnis, Handels- und Gewerbeverzeichnis Abschnitt NSDAP., Deutsche Arbeitsfront, Kreishandwerkerschast, Verbände, Innungen, Vereine und Kassen Aerzteverzeichnis der Stadt und des Kreises Gießen Die zuständige Einwohnerschaft, Aerzte und Geschäftsleute Gießens, die beteiligten Behörden, Partei-Dienststellen und -Gliederungen und öffentlichen Körperschaften, Pereinsführer usw. werden um Prüfung derEinträgeauf^ichtigkeitundDollständigkeithiermstdringendgebeten. 3m Hinblick auf die Schwierigkeiten in der Beschaffung der notwendigen Unterlagen und der längeren Herstellungsdauer des Adreßbuches kann für Fehler und Unrichtigkeiten keinerlei Haftung übernommen werden. Es empfiehlt sich insbesondere die Einsichtnahme in die Verzeichnisse durch Hausbesitzer und Mieter, die seit der Hauslistenauf- nähme umgezogen sind. 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Der Nachmittag wechselt wieder ab mit Sport, Unterricht und Exerzieren. Wenn es besonders gutes Wetter ist, geht es sogar Baden. Wer sich als der beste Schwimmer erweist, ist abends vom Stalldienst, befreit. Bis elf Uhr ist Ausgang, aber der Kavallerist ist noch lange nicht fertig. Da müssen noch Sachen geputzt, Waffen gereinigt werden, hier ist noch eine zerrissene Hose zu flicken und auch der Spind muß noch in Ordnung gebracht werden. Die meisten ziehen es nun vor, sich in Amors Arme zu legen, als die Stadt und ihre Bewohner kennenzulernen. Nach vollendeter Rekrutenausbildung geht es dann hinaus ins Gelände. Hier wird das Erlernte geprobt und gefestigt, Neues hinzugelernt. Sei es am Kletterwall, als Melde- oder Spähtruppreiter, im Gefechtsexerzieren oder in langen Erkundigungsritten. So ist der kavalleristische Dienst ein harter, und erfordert viel Mühe und Anstrengung, Zähigkeit und Ausdauer, aber ein rechtes Reiterherz läßt nie den Mut sinken und ist immer guter Laune und voll köstlichen Humors. Nun noch einiges Wissenswerte über die moderne Kavallerie. Eine' Einteilung in leichte und schwere Kavallerie wie früher gibt es heute nicht mehr. Die Pferde stehen alle durcheinand"r außer dm N"mcm- ten, die in einem besonderen Statt untergebracht sind. Diese jungen Pferde kommen mit vier Jahren von den Remontenämtern und werden dann in den Dienst eingestellt. Sie müssen wie jeder Rekrut auch eine besondere Rekrutenzeit mitmachen. Ebenfalls sind die Schimmel, die früher ein gutes Parade- pferd abgaben, weggefallen, da sie sich als ein zu gutes Ziel erwiesen naben. In einem besonderen Bau, dicht bei den Stallungen nrrff brr Stabsveterinär und wacht über das Wohl und W-chc her vierbeinigen Kameraden. Die Lanze kam schon in 1927 zum Fortfall und an ihre Stelle ist der schwere Kavalleriesäbel getreten. Die Bewaffnung besteht in dem Karabiner 98 b. H. H. Samstag, 5. Huguftj935 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger sur Oberhessen) Hl 179 Zweites Blatt I Wehr und Waffen Deutschlands neue Tankwaffe ans dem Marsch ler i8sen 4154 D in 03259 4441D Und der „Alte Dicke" hielt dort und sparte nicht mit triftigen B°gMung-w°rt°n, auf daß feine das der ust n! wichtigen Punkte, Straßen, Bahnhöfe, Lager und Unterkunftsräume unserer Truppen werden von der französischen Artillerie unter Feuer genommen. Ununterbrochen korrigieren französische Flieger durch Beobachtung, Lage und Wirkung der Granaten, ivas der Artillerie nicht erreichbar ist, wird nachts durch große Geschwaderflüge mit Bomben belegt. Aber unsere Flieger sind auch nicht untätig. Während die Jagdflieger von Sieg zu Sieg ^fliegen und ihre Ueberlegenheit in der Luft behaupten, haben die Beobachtungsflieger das Feld ihrer Tätigkeit weit hinter die französischen Linien verlegt, ihrer unermüdlichen Kamera entgeht kein Magazin, kein Feldlager und kein Anmarschweg, dabei ergibt sich auch die Feststellung, daß schon bis zur vordersten Stellung 5—6 Kilometer lange Annäherungsgräben zum gedeckten Vorführen der Kampftruppen parallel zueinander angelegt sind. Wie sehr die Ueberzeugung des unbedingten Erfolges bei den französischen Stellen bereits Platz gegriffen hat, beweist die Tatsache, daß zur völli- Der Soldat wird stets das Bedürfnis haben, über das vorschriftsmäßige Gepäck hinaus noch persönliches Eigentum mitzunehmen. Es wird Sache des Vorgesetzten sein, dieser Neigung soweit nachzugeben oder entgegenzutreten, wie es mit den zu erwartenden Marsch- und Kampfaufgaben zu vereinigen ist. Er muß sich klar sein, daß ein verständ- ganze Leutnantschar wieder den nötigen Dampf für die kommende wichtige Dienstperiode bekam. Kanoniere im Manöver. Von Albert Lehsten. lohn 5 In einigen Wochen sind 20 Jahre vergangen, seit dem ersten großen Versuch der Franzosen unter Einsatz gewaltiger Hilfsmittel und erschreckender Verschwendung des zur Verfügung stehenden Menschenmaterials, den Durchbruch durch die deutschen Linien in der Champagne zu erzwingen. Zwei Jahrzehnte sind vergangen, vernarbt sind längst die Wunden, die der große Krieg schlug. Aber wer die Herbstschlacht und ihre Vorbereitung mitdurchlebt hat, wird die Tage bis zum 9. Oktober niemals vergessen. Alle sehen ihr Kommen, ahnten ihr Nahen, ohne Tag noch Stunde zu kennen, wußten, daß sie einsetzen würde mit gewaltiger Kraft und Ueberlegenheit. Doch alle sahen dem Unabwendbaren entgegen in ruhiger Fassung und starben in treuer Pflichterfüllung und im festen Glauben an die Größe und den Sieg ihres Vaterlandes. Ende Juli 1915 setzte eine überaus rege Fllegertätigkeit und Ballonbeobachtung ein. Nichts bleibt im ' Hinterland unbeschossen. Alle rückwärtigen, nisvolles Eingehen guf die Wünsche seiner Untergebenen in der Gepäckfrage wesentlich zur Behaglichkeit und damit zur Verbesserung der Stimmung der Truppe beitragen kann. Es heißt auch hier für ihn, „die Hand am Pulse der Truppe haben". By. M Mil im Kreise :to6erl934 ihre Lehren bis svä- zwecks Ab- jung ihren igszeugnls Schreiner- Gießen, ster Mauer* eben. lbernimmt -500 qm M zerlegen? Horn, ichstr. 46. Reiierleben Wenn man von Reitern spricht, so darf man nicht an unsere Gegend mit ihren vielen Bergen, Hügeln und Tälern denken. Man muß sich in die weiten Ebenen Nord- und Nordostdeutschlands versetzt denken; schier unendlich dehnt sich hier die Ebene mit ihren weiten Gras-, Heide- und Moorlandschaften, ideales Gelände für ein Reiterherz. Hier sind besonders die Lüneburger Heide, die Gegend um Hannover, Celle und Braunschweig und die Gebiete um Frankfurt an der Oder zu nennen. Vor allem ist es Hannover, berühmt durch seine Kavallerie- Schule, aus der unsere Turnierreiter hervorgingen. Hier stammen auch die Urväter der hannoverani- schen Rasse her, große und schlanke Pferde, treu und genügsam, zäh und ausdauernd. So wundert es auch nicht, daß von jeher die Straßen Hannovers von den Tritten stolzer Reiterregimenter widerhallten, waren es früher die Königs-Ulanen, so sind es heute die feldgrauen Schwadronen des Reichsheeres. Und nun zu einem Tag bei dem Reiterregiment. Vier Uhr: Wecken! Schnell geht es hinunter zum Morgenlauf. Er soll die Glieder wieder gelenkig machen und Ansporn und Anregung sein zu des Tages harter Arbeit. Was gibt es da doch alles zu tun, denn nur eine 3/i Stunde Zeit ist bis zum Antreten. Waschen, Kämmen, Betten bauen, Kaffee trinken, Stube sauberfegen. Dann Antreten zum Stalldienst. Jeder ist mit seinem Putzbeutel bewaffnet und mit einem Lied auf den Lippen geht es zum Stall. In weiten und geräumigen Ställen stehen in langen Reihen die Schwarzen und Braunen, getrennt durch Flankierbäume. Heber jedem ist eine Tafel mit Name und Alter angebracht und auf den Sattelböcken ruhen die Sättel und hängen die Zaumzeuge. Mitten hindurch zieht sich schnurgerade die Stallgasse, blitzblank und sauber und über dem Ganzen wacht die Stallwache. Die kalkweißen Wände sind geschmückt durch sinnreiche Sprüche, in denen sich die Härte preußischen Soldatentums widerspiegelt. Schnell werden die. Pferde getränkt, geputzt und qesatt-'lt. Anschließend zwei Stunden Schulreiten, ohne Bügel. Zügel und Sporen, die erst erworben werden müssen. Auf dem Reitplatz kostet es viel Mühe und Arbeit, und mancher Tropfen Schweiß rinnt von der Stirne, ehe erst einmal der richtige Sitz gewonnen ist. Wenn es überhaupt nicht mehr Wog 3W.° igenmit chlmger, dellolem :en(eötl. N). 4460V [..Frank- Fel. 73041 Sa W b°^°bK s«S ssfh '7m Amts' Die Durchbruchsschlacht in der Champagne im Herbst 1915 Von Otto Müller. Auf dem Exerzierplatz hielt abmarschbereit Regiment. Ein wenig brummte dem Leutnant Schädel vom Abschiedstrunk am Abend zuvor. Aber er riß sich zusammen, prüfte noch einmal Sitz des Anzuges und der Beschirrung in seinem Zuge. Denn gleich kam der „Alte Dicke", der Regimentskommandeur. Sein Auge war noch schärfer. Seme Anforderungen waren noch strenger. Wehe, wenn er einen falschsitzenden Packriemen, ein offenes Schnalloch entdeckte! Sie wurden ihm Anlaß zu einem Donnerwetter von vorsintflutlicher Wucht, zu einem Donnerwetter, dessen Schrecken noch acht Tage hindurch wirken sollten, nachdem bie Batterien auf dem Marsche seinem wachsamen Auge entrückt waren. Gott sei Dank, es ging bei ihm noch gnädig vorüber. Erst beim Nachbarzugführer schlug es em, vielleicht nur, weil er als jüngster Dachs des Regiments dem Gewaltigen diesmal das geeignete Opfer erschienen war. Aber alle diese Sorgen und Kümmernisse waren rasch vergessen, wenn die Musik hinter dem Bahndamm abschwenkte, die legten Töne des „Muß i denn, muß i denn zum Stadle hinaus" verklangen und man frei, so göttlich frei hinauszog in den lachenden Maimorgen. Die Tagesleistung — 22 Kilometer im Durchschnitt — war ein Kinderspiel. Lange Marschpausen konnten nur die Gefahr bannen, zu früh ins Quartier zu kommen und die Vorbereitungen zum Mittagessen zu stören, liebereifrige trieben vielleicht Taktik, Geländeerkundung unterwegs, schufen gar auf einem Uebungsritt der Herren Offiziere und Einjährlg- freiroilligen die Grundlagen für die unvermeidliche Sommerarbeit, den Gefechtsbericht, fauber geschrieben auf gebrochenem Bogen, mit anliegendem, eigenhändig gezeichnetem Kroki. Lustiger und artilleristisch nicht minder nützlich war es schon, mit dem Hauptmann um die Wette Entfernungen zu schätzen: jedes Verschätzen um hundert Meter zehn Pfennig Strafe in die Manoverkasse. Aber die meiste Zeit ritt man doch neben feinen Geschützen, gab den Fahrern weise Lehren, schwatzte mit den Geschützführern oder ließ die abgesessenen Kanoniere nach vorne kommen, um em Soldatenlied nach dem anderen mit ihnen zu fingen. Ehe man es gedacht, standen die Quartiermacher da. Nicht immer gleich fielen bie ^ofe ®en emen verschlug das Schick al auf em Herrenschloh den anderen in einen .------- . i niere verzogen ein wenig das Gesicht. Das bedeutete: Massenquartier, Massenverpflegung, kaum etwas fürs Herz, denn das Stubenmädchen, das Kammerzöfchen, hatte höchstens Zeit für die Herren Burschen und Schreiber. Aber die Leutnante reckten sich im Sattel: „Vielleicht gibt der Hausherr einen Bock frei, ober es finb Mädels da, mit denen man den Ball über das Netz schlagen kann." Der Hauptmann dachte sorgenvoll: „Werden meine Pferde auch Zufutter bekommen?" Und am Ende, wenn der Abend herabsank, waren alle zufrieden. Der Hauptmann und die Leutnante bei der Erdbeerbowle auf der Parkterrasse, bie Kanoniere um das Faß Bier unter der Hof- linde, und die Pferde vor dem Kleeheu im Scheunenfach. Bauerndorf! Jetzt strahlte der Kanonier. Höchstens drei, vier, wenn das Glück es gut meinte, allein in einem Quartier, mit den Gastgebern um den Tisch und abends ein Bett. Auch der Hauptmann war nicht unglücklich: Der Bauer hat noch immer ein paar Metzen Hafer für hungrige Soldatenpferbe übrig gehabt. Nur ber Leutnant schien unwirsch. Er buchte an feine bumpfe Stutze, an ben „hoppelt geängstigten" (erst gekochten, bann gebratenen) Manöverabler, an Fliegen, bie ihn um seinen sauerverbienten Mittagsschlaf brachten. Ein Glück nur, baß ber Herr Hauptmann unb nicht er zum Pfarrer ins Quartier kam. Der hätte ihm gewiß ein Loch in ben Bauch gefragt, roie weit bie Kanonen schössen und ob man die Seelenachse sehen könnte. Aber auch ihn lachte das Leben rosiger an, wenn man am Abend nach dem letzten Rundgang durch bie Quartiere sich zum ersten Manöverskat im Wirtsgarten traf, wenn vom Saal her bie Geigen klangen, am hellerleuchteten Fenster Kanoniere unb Bauernmäbels schatten- qleich im Tanze vorbeihuschten. Ja, ba Konnte es chohl vorkommen, baß ber Hauptmann verwundert unb vorwurfsvoll aufblickte, wenn man zu schneiden vergaß weil man gerabe barüber nachbachte, ob es nicht möglich sei, auf eine Diertelstunbe zu entwischen unb auch einmal einen Hackenschottschen mit ber blonben Quartierstochter zu versuchen. Eine Woche so auf unb ab, bazwifchen Ruhetag mit Pferbebesichtigung, Geschirr- unb Waffenrevision, Bekleidungsappell, bann grüßte bas Lagertor mit der Keule unb bem Spruch barunter: Mer in ber Garnison lebt flott Unb auf bem Schießplatz leibet Not, Den schlagt mit bieser Keule tot." gen Vernichtung des dem französischen Ansturm erliegenden Feindes 15 Kavalleriedivisionen bereitgestellt waren. Aus tiefen Bereitstellungsunterständen und tiefen, breiten Annäherungsgräben, sollte die gedeckte Heranführung bis zur vordersten Stellung erfolgen. Aber nicht nur in strategischer Hinsicht waren die Vorbereitungen bis ins Kleinste getroffen, — nein — auch ber französische Soldat erhielt einen ganz neuen Anstrich. Mit neuer blauer Uniform und Sturmhelm, der „bourguignotte" ging er in den Kampf, als sollte damit zum Ausdruck' gebracht werden, daß er, geläutert wie ein Phönix, sich ber ungeheueren Opfer bewußt sei, bie jetzt von ihm verlangt würben, um bie Deutschen aus Frankreich zu vertreiben. Mit größter Gründlichkeit werden alle neuen Truppenteile zur Orientierung einige Tage nach vorn gebracht, um sie mit dem Gelände und dem Boden der Champagne vertraut zu machen, denn nur in ber lückenlosen Vorbereitung unb reibungslosen Entfaltung bes Angriffes ist bie sichere Gewähr für ben Erfolg gegeben. Schrecklich räumen aber bei bem bauernben Kommen unb Gehen ber einzelnen Truppenteile unb bei bem Bemühen, Sturmstellungen auszubauen ober Sappen und Annäherungswege an bie beutfche Stellung heranzutragen, bie beutfchen Geschütze, Maschinengewehre unb Minenwerfer auf. Die Verluste werden allmählich so entsetzlich, daß sich der französische Generalissimus gezwungen sieht, bie teilweise noch nicht zur Hälfte fertigen Vorarbeiten für ben Angriff einzustellen. Mit unheimlicher Präzision arbeitet ber beutfche Abwehrwillen. Bereits liegen genaue Silber unb Angaben über Stärke unb Zusammensetzung ber französischen Angriffsarmee vor. Auf bem Hauptkampffelb, zwischen Aubsrive und ber Aisne werben sich 30 französische Divisionen völlig ausgeruhter unb ausgezeichnet ausgerüsteter Soldaten, in einer Gesamtstärke von 300 000 Mann auf fünf beutfche Divisionen ausgemergelter, abgekämpfter Menschen stürzen, Menschen, benen durch aufreibenben monatelangen Stellungskrieg ein Teil ihrer Gefechtskraft bereits genommen ist. Hunbertprozentig finb also bie Aussichten für bas Gelingen bes französischen Angriffes. Nur etwas stimmte nicht in ben Erwägungen unb Berechnungen Joffres, als ausschlaggebenden Faktor hatte er ben unerhörten Kampfesmut unb bie Widerstands- fraft ber fünf beutfchen Divisionen, bie bie Linie Aubsrive bis Ville sur Tourbe besetzt hietten, — unterschätzt. So rückte ber 22. September heran, leuchtend steht bie Sonne am Himmel. Verhältnismäßig ruhig war bie Nacht. Es ist 7 Uhr morgens. Plötzlich wie auf ein Kommanbo, beginnen bie Tausende Geschütze ihren vernichtenben Eisenhagel auf bie beutfchen Stellungen zu schleubern. Dicht nebeneinanber stehen bie schwarzen Rauchfahnen ber berftenben Geschosse, bie Detonationen fließen ineinanber über. Nur ein Krachen unb ungeheures Dröhnen erfüllt bie Luft, die Schrecken bes Inferno erscheinen bagegen wie blaffe Träumereien eines phantasielosen Menschen. Es ist als ob im Ansturm ber Giganten bas Himmelsgewölbe zu- sammenstürzen wollte. Aus Schlünden von 2500 schweren unb 3000 Felbgeschützen fegt ber Orkan, braust ber Tob über bie Stellungen. Granaten heulen in allen Tonarten burch bie Luft unb pflügen ben Boben buchstäblich um. Wo noch Waldbestände vorhanben waren, werben bie stärksten Stämme wie Streichhölzer geknickt, aus bem Boben gerissen unb burch bie Luft gewirbelt. 28-cm-Mörser reißen Trichter von 6—7 Meter Tiefe unb noch bebeutenberer Breite. Nach oberflächlicher Schätzung gingen an einem läge, auf einen Divisionsabschnitt ungefähr 200 000 Schuß aller Kaliber nieber. Don ben Stellungen ist nichts mehr au sehen. Heber bem Ganzen aber lagert drohend unb unheilschwanger eine graue und schwarze Wolke aus Kreidestaub, Erde, Rauch und Gase der krepierenden Geschosse. Gepäckerleichterung. Es wohnen zwei Seelen in des Landsers Brust. | Die eine hält es mit dem Lateiner: „Omnia mea mecum porto", „Alles, was mein Eigen, trage ich 1 mit mir." Sie preßt und stopft in den Affen hin- 1 ein, was irgendwie nur Platz hat, von ber wär- 1 menben Decke unb bem Bafchlik bis zu bem Bünbel Briefe unb Silber, bie bie Heimatpost seit Wochen brachte. Wir kennen bas Silb bes braven Frontkämpfers, ber im Stellungskrieg vom Ruhequartier zur Front zieht: Vornübergeneigt stampft er am Stock einher. Fast überragt ber hochbepackte Tornister ben Helm. Am Koppel noch penbeln bie Freßpakete aus Mutters Speisekammer. Die anbere Seele stöhnt bei enblosen Märschen unter ber Last zu schweren Gepäcks. Sie wirft rücksichtslos in ben Straßengraben, was ihr im Augenblick überflüssig erscheint. Sie oergeubet unb verschwendet so manches Gut, bas ihr, bas ben Kameraben, bas ber gesamten Kriegs- unb Volkswirtschaft noch hätte von Nutzen sein können. Wir könnten bavon aus dem Anfang bes Weltkrieges mancherlei berichten. Der Vorgesetzte, bie Heeresverwaltung sucht zwischen den zwei Seelen auszugleichen. Sie sucht ein Gepäck zu schaffen, bas bei möglichst geringem Gewicht Dem Manne alles bas läßt, was er wirklich braucht. Die Technik kommt ihr babei zu Hilfe. Der Trinkbecher, bie Schnalle aus Aluminium spart manches Gramm. Die Felbküche macht große Kochgeschirre überflüssig. Leichte unb boch warme Gewebe ersetzen schwergewirkte Hausmacherstoffe, Kritischer wirb ber Lanbser schon, wenn es an bie Teilung bes Eigentums geht, wenn er selber nur einen kleinen Teil sozusagen als bauernbes Sturmgepäck auf bem Rücken tragen soll, währenb ber Löwenanteil in einem Gepäcksack auf einem Fahrzeug verstaut wirb. Er trägt Sorge, baß er es nie ober selten zu Gesicht bekommen wirb, auch wenn ihm taufenbmal versichert wirb, baß bas Fahrzeug gelänbegängig fei. Die Versuche mit Gepäckerleichterung hören in keinem Heere auf. Sie führen aber selten zu einem allseitig befriebigenbem Erfolg. Zur Zeit gehen durch Die amerikanische Presse Serichte über ber» artige Versuche. Das Gepäck bes Gewehrschüßen soll von 33,5 Kilogramm auf 25 Kilogramm, bes leichten Maschinengewehrschützen von 39 Kilogramm auf 30 Kilogramm, bes Pistolenschützen von 22 Kilogramm auf 19 Kilogramm oerminbert werben. Erreicht wirb bies baburch, baß eiserne Portionen, Decke usw. auf ben Kompaniewagen verbannt werden. Im Vergleich bazu wirb gesagt, baß bie Belastung in ber britischen Armee burchschnittlich 25 Kilogramm, in ber italienischen Armee 25,2 Kilogramm unb in ber beutschen 26,5 Kilogramm beträgt. Gleichzeitig berichten bie Zeitungen, baß bie Bekleibung eines amerikanischen Infanteristen ohne Mantel 19 Kilogramm, mit Mantel 21,8 Kilogramm betrage. Aus bem Tornister bes deutschen Infanteristen sind viele Dinge verschwunden und in den Wäschesack gewandert, die noch vor wenigen Jahren in ihm verstaut werden mußten. Es gehören jetzt in den Kasten bes Tornisters: 1. ein Paar Strumpfe, die so auf den Boden bes offenen, leeren Tornisters zu legen sind, daß er ganz bedeckt ist unb bamit Der Druck auf ben Rücken bes Trägers oerminbert wirb, 2. bas Kochgeschirr, bas früher auf ben Tornister aufgeschnallt würbe, 3. bie Schnürschuhe, in bie bas Putzzeug hineinzustecken ist, 4. Gewehr- reinigungsgerät, 5. verkürzte eiserne Portion (Fleischkonserve unb Zwiebackbeutel), 6. Zeltleine. In ben Wäschesack, ber sich auf ber Rückseite bes Tornisters befinbet. finb unterzubringen: 1. em Hemb 2. ein Hanbtuch, 3. Wafch- unb Nahzeug, 4. Rasierzeug. Zwischen Tornisterkasten unb To^ nifterflappe wirb bie Zeltbahn unb im Winter noch eine Schlafbecke geschnallt. Um ben Tornister wirb der Mantel gerollt. Die Gewichtsangaben ber Fnebenszeit werden für ben Kriegsfall immer nur Minbeftsatze bebeuten. tarnt/ Mitte i Der Nähe 'n wohnh.» dcb.o.Ywe. ,cirat kenn, 'tuen/ evtu inheimt. • Ans-unt- ga.d.G.A» Die jüngste Waffe ber roiebererftanbenen deutschen Wehrmacht sind die Tanks. — Unser Bild zeigt hier Zwei-Mann-Tanks bei der Fahrt durch eine kleine Ortschaft. Das Herzblatt auf ber Panzerung bezeichnet bie Zugehörigkeit bes Panzerwagens zur Panzerwagengruppe. Sämtliche Panzerwagen haben berartige Spielkartenmerkmale als Erkennungszeichen. — (Scherl-M.) MW Ä V Sm 72 Stunden trommelt nun schon der Franzmann auf die deutschen Stellungen, längst muß dort alles Leben erstorben sein. Endlich scheint der Augenblick gekommen, wo der französische Angriff nur noch ein Spaziergang nach den deutschen Stellungen sein wird. Aber nein — diesen verdammten Boches ist nicht zu trauen, sie trotzen selbst Tod und Teufel. Noch einmal verdoppelt, verdreifacht sich das französische Feller, das schmerzende Ohr ist nicht mehr fähig, einzelne Eindrücke zu unterscheiden. Nur ein Dröhnen, ein einziger nicht endender Laut liegt über den Stellungen, ohne auszuklingen. Noch einmal ballt sich das ganze französische Artilleriefeuer während der letzten drei Stunden der Beschießung besonders auf dem Angriffsabschnitt zusammen, an dem die vier großen Straßen die deutschen Stellungen schneiden. Es sind die Straßen Dille sur Tourbe—Cernay—Monthois, Suippes—Perthes—Tahure, Suippes—Souain— Somme—Py und St. Hilaire le Grand—St. Couplet. — Richtig hat der Franzose erkannt, daß, falls der Durchbruch gelingt — und niemand zweifelt im französischen Generalstab daran — man dort am schnellsten vorwärts kommen konnte. Endlich nach 75 Stunden grauenhaften Wartens und. Ausharrens in dieser Hölle hört das Feuer plötzlich gegen 10 Uhr morgens auf. In den vorgelagerten Rauch- und Staubwolken beginnt es lebendig zu werden, aus den wogenden Schwaden formen sich Menschen, tauchen französische Soldaten auf. Endlich stellt sich der langersehnte Gegner zum Kampfe Mann gegen Mann, aber das Kräfteverhältnis ist 6—8 Franzosen gegen einen deutschen Soldaten. Und nun kommt diese endlose Linie, dieses wogende Meer tausender und aber tausender, in lange blaue Mäntel gekleideter Gestalten heran. Ein einziger Schrei „Sie kommen!" geht durch die deutschen Linien von Aubärive bis Ser- von, von der Suippes bis zur Aisne und dann kriechen sie aus ihren Erdlöchern, lehmverkrustet, mit grauen Gesichtern, puddeln sich gegenseitig aus ihren zugeschossenen Stollen, die Männer, denen die Wacht in der Champagne anvertraut ist. Aus ihren Erdhöhlen kommen sie, in denen sie mehr als drei Tage und Nächte, teilweise ohne Wasser, ohne Verpflegung, ohne Licht, in stickiger, verbrauchter Luft eng nebeneinander kauernd ausgeharrt haben, stieren sich an mit Augen, in denen noch das Grauen, das Entsetzen der letzten Stunden steht, aber nun, nur von dem einen Gedanken beseelt, Vergeltung zu üben für all die Qualen, die sie durch die wahnsinnige Beschießung aushalten mußten. Langsam gewöhnen sich die Augen, die 75 Stunden lang nur in Dämmerung und Nacht geschaut haben, an das grelle Tageslicht. Hart werden die Augen, wie Raubtiere liegen die Kämpfer in die Trichter geschmiegt, die nur ganz schwach noch die deutschen Stellungen vermuten lassen. Fest das Gewehr im Anschlag, mit entschlossenen, verbissenen Gesichtern, den großen Spaten in der Hand, vor sich die Handgranaten. Blitzartig jagen und überstürzen sich die Ereignisse. Jetzt tauchen die ersten Wellen des Feindes auf, mühsam versuchen sie sich einen Weg zu bahnen durch das entsetzliche Gewirr zerschossener, zerrissener Stacheldrahtnetze, verbogener und geknickter Eisen und Holzstangen, die mit tausend Spitzen und Stacheln noch in diesem Zustand ihre Schuldigkeit tun und dem Siegeslauf der Stürmenden Einhalt gebieten. Dieser Augenblick des Stutzens, der Versuch, sich durch das Gewirr hindurchzuarbeiten, löst mit einemmal die Spannung in den deutschen Linien. — Nun gilt es zu handeln. Schuß auf Schuß fliegt aus den Rohren der Gewehre« Bei der Dichte der anstürmenden Massen rafft jedes Geschoß zwei bis drei der Feinde hinweg Aber was bedeutet das bei der ungeheuren Uebermacht. Doch jetzt mischt sich in den kurzen Knall der Gewehre das ununterbrochene, gleichmäßige Rattern und Bellen der Maschinengewehre, wo Menschenhand zu erlahmen droht, da beginnt die Maschine das Vernichtungswerk fortzusetzen. In den gellenden Aufschrei der Getroffenen mischt sich das grauenhafte Röcheln und Wimmern der Sterbenden. Ueberall ist Tod und Vernichtung, lieber die reihenweise Zusammensinkenden stürzen sich neue Wellen, aber sie trifft das gleiche Schicksal. Zu Berge türmen sich die Körper vor den deutschen Stellungen und häufen sich zu einer unentwirrbaren Masse. Der Angriffsgeist scheint gebrochen zu sein, zu furchtbar mähen die Maschinengewehre und rückwärts fluten die Massen. Aber es gibt auch Stellen, wo es dem Gegner gelang, in breiter Front die deutschen Stellungen zu durchbrechen und hier beginnt ein zähes, erbittertes Ringen Mann gegen Mann. Der Nahkampf, in dem nur Kolben, Messer, Spaten und Seitengewehr als Waffe dienen. Vergessen ist Hunger, Durst und Schwäche Der Germanenzorn ist erwacht. Unter den Streichen der von deutschen Fäusten geschwungenen Kolben und Spaten sinken die Eindringlinge dahin. Von Trichter zu Trichter werden sie zurückgebrückt und immer größere Teile genommener Grabenstücke ihnen wieder entrissen. Aus dem versprochenen Spaziergang durch die deutschen Linien ist nichts geworden, jedes Loch, jeder Trichter ist zur Festung geworden und muß erstürmt werden. Mit sehnsüchtigen Augen blicken die französischen Soldaten nach ihren Stellungen, von wo die nachstoßenden Bataillone kommen sollen, aber nichts ist zu sehen. Festgehalten am Boden durch das wütende Feuer der deutschen Artillerie sind die französischen Soldaten durch kein Kommando und keine Drohung ihrer Offiziere zu bewegen, aus den Stellungen herauszugehen. Sperrfeuer liegt hinter den zuerst eingedrungenen Wellen, durch diese Sperre gibt es lebend kein Vor und kein Zurück. So nimmt das Schicksal seinen Lauf. Am 25. September haben sich die Schleusen des Himmels geöffnet, strömend gießt der Regen hernieder, ohne Unterbrechung jedes GranatIm abessinisch-italienischen Konflikt ist außer dem Kaiser S e l a s s i e selbst, der plötzlich so stark in den Vordergrund getreten ist, noch der Name eines anderen Mannes viel genannt worden. Eines Mannes, der sozusagen über Nacht Weltberühmtheit erlangt hat und der mit Eden, dem italienischen Baron Aloisi und dem Völkerbundsratspräsidenten Litwinow zu jenen Persönlichkeiten gehört, die in diesem Konflikt eine weithin sichtbare und viel kommentierte Rolle spielen: dieser neue Mann, von dessen Dasein bisher nur die Kenner der innerpolitischen Verhältnisse Abessiniens eine Ahnung hatten, ist der Gesandte Abessiniens, Dr. S t a r g - n e h C. M a r 11 n, ein Diplomat, der sowohl durch die Abenteuerlichkeit seiner Herkunft wie durch die ihm anvertraute weltgeschichtliche Mission im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Dr. Martin spielt heute eine ähnliche Rolle wie um die Jahrhundertwende der Schweizer Alfred I l g. Dieser Alfred Jlg, ein strebsamer und unternehmungslustiger Ingenieur, wurde vom damaligen abessinischen Kaiser dazu ausersehen, das wirtschaftlich und technisch noch völlig unerschlossene Land nach europäischem Muster zu reformieren. Die Aufgabe, die Jlg in Abessinien erwartete, war gewiß nicht leicht; er fand ein zerklüftetes, unzivi- lifiertes Bergland ohne Verkehrswege und Eisenbahnen, mit einer primitiven Nomadenbevölkerung, die für die „Segnungen der europäischen Zivilisation" nicht das geringste Verständnis hatte. Trotz dieser naturgegebenen Schwierigkeien gelang es ihm, sich in die ungewohnten fremden Verhältnisse einzuleben und sich in Abessinien, um einen Ausdruck von heute zu gebrauchen, „eine feste Position" zu schaffen. Der Schweizer Jlg war Bau-, Brücken- und Straßeningenieur. Er war vom Züricher Voly- technikum gekommen und machte besonders dadurch viel von sich reden, daß er sich im Jahre 1894 um die Finanzierung der Bahn von Dji- buti nach Addis Abeba bemühte Seine Arbeit in Abessinien hatte einen ungeahnten Erfolg: Der Schweizer Ingenieur eroberte sich durch (eine großen praktischen Erfolge und fein zähes Eintreten für die abessinischen Interessen das Vertrauen des Kaisers und wurde — als Europäer — 1896 Staatsminister. Er fiel jedoch 1908 in Ungnade und ist im Jahre 1916 in seiner Heimat Zürich gestorben. Aehnlich wie Jlg damals ist heute der abessinische Gesandte Dr. Martin eine der führenden Persönlichkeiten im diplomatischen Leben seines Landes. Sein Lebenslauf ist freilich bedeutend interessanter und ungewöhnlicher als der des Schweizer Ingenieurs — die Biographie Dr. Martins liest sich wie ein unwahrscheinlicher Roman. Der Mann, der heute mit den prominentesten Persönlichkeiten der koch, jeden Trichter in Seen und Teiche und die Gräben in Bäche verwandelnd. Mit Ingrimm sieht Jvffre auch in den nächsten Tagen, wie trotz wütender Artillerie und erbitterten Nahkämpfen alle Versuche, durchzukommen, scheitern. Auch die Umgruppierung der französischen Divisionen und der neue Aufmarsch feiner Artillerie vermögen nicht das Gesamtbild entscheidend zu ändern. Am 6. Oktober muß Joffre die Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen erkennen, — die Offensive ist zusammengebrvchen. Vernichtet seine stolzen Hoffnungen, umsonst alle Opfer. Hekatomben von Menschen verbluteten an der stählernen Mauer. Noch bis zum 9. Oktober zogen sich die letzten Zuckungen des furchtbaren Ringens hin, dann erstarrten wieder die Fronten. Die Kämpfe gingen nicht über das gewohnte Maß und lösten sich in mehr oder weniger heftige Einzelaktionen auf. Ungeheures wurde von den deutschen Truppen geleistet, die in zähem Abwehrwillen einer zehnfachen Uebermacht standgehalten hatten, ein leuchtendes Beispiel, was deutscher Wille, deutsche Widerstandskraft vermochten, als die Erde bebte, die Stellungen zerfielen, die Erde sich einhüllte in Wolken von Feuer und Rauch der berstenden Geschosse und überall Verderben und Vernichtung wütete. Oie rechte Hand des Negus. Aus einem Findlingskind wird ein Leibarzt und Diplomat. europäischen Diplomatie verhandelt, hat schon von klein auf ein seltsames Schicksal erfahren, das äußerst abenteuerlich anmutet. Jrn Gegensatz zu Jlg ist Dr. Martin kein „Weißer", sondern ein geborener Abessinier. Man vermutet, daß sein Vater in der Armee des Kaisers Theodor von Abessinien im Jahre 1868 gegen die Engländer kämpfte. Dieses Jahr war für die Abessinier ein Unglücksjahr: die Engländer behielten die Oberhand und gewannen die Schlacht von Magdala. Der Eindruck der abessinischen Niederlage war so niederschmetternd, daß der Kaiser Selbstmord beging. Nun aber beginnt jenes phantastische Kapitel, das an eine biblische Legende erinnert und dem Dr. Martin feine „Entdeckung" und feine abenteuerliche Laufbahn verdankt. Nach dem unglücklichen Ausgang des Kampfes gegen England war der kaiserliche Palast verödet und ausgeftorben. Auf Addis Abeba lastete der Alpdruck einer verlorenen Freiheit. Unheilschwangere Stimmung lag über diesem Abessinien, das immer wieder gezwungen war, mit der Waffe in der Hand den Ansturm der weißen Eroberer abzuwehren. In den Straßen von Addis Abeba patrouillierten englische Soldaten, denn die Engländer waren nach ihrem Siege die Herren. Dort aber, wo der Kaiser residiert hatte, im prunkvollen Palast, machte einer der englischen Offiziere eine merkwürdige Entdeckung: er fand im Hofe des Palastes ein verlassenes Kind, und da der Engländer es nicht übers Herz brache, es einem ungewissen Schicksal zu überlassen, nahm er es zu sich. Das gefundene Kind wurde von feinem „Adoptivvater" später nach Indien mitgenommen. Als der Engländer starb, wechselte es seinen Vater und kam in die Hände des englischen Obersten Martin. Dieser Oberst Martin, von dem der jetzige abessinische Gesandte den Namen erhielt, ließ das Kind jorgfältig erziehen, als wäre es fein eigener Sohn. Der Adoptivsohn verriet schon früh besondere Anlagen. Er studierte in Indien Medizin und blieb dort bis zu feinem 30. Lebensjahre. Dann kam die große und entscheidende Wendung in feinem Leben: der junge indische Mediziner kehrte nach Abessinien zprück, als Dr. Martin, und machte „Karriere". Der Kaiser Menelik ernannte ihn zu feinem Leibarzt. Durch diese Auszeichnung war Dr. Martin ein gemachter Mann. Er gehörte als Leibarzt des Kaisers zu den engsten Mitgliedern des abesinischen Hofes und begann bald eine einflußreiche Rolle zu spielen. Ras Safari, der heutige Kaiser, erkannte, daß sein „indischer" Leibarzt nicht nur ein guter Mediziner war, sondern auch große diplomatische Fähig- Jan Wellm. (Sine Anekdote von Wilhelm Schäfer. Jan Wellm war kein großer Held, doch stellte er gern einen vor; und weil er einen leeren Marktplatz hatte und eine Bürgerschaft, die er mit dicken Steuern für seine Schlösser und die fremden Künstler plagte, davon er fast eine Heerschar in das kleine Düsseldorf gezogen hatte, wo sie nun in den Gassen prahlten wie die ritterlichen Herren: so gedachte er sich selber — von seinem Volk in Dankbarkeit — ein Reiterdenkmal aufzurichten. Er ließ mit einem Schiff Grupello, den Bildner aus Antwerpen holen und schenkte ihm ein Haus am Markt, daß er ihn gieße mit Roß und Feldherrn- 'stab und Krone und was ein fürstlicher Held sonst an sich hängen hatte. Grupello war zwar grau, doch eisenfest und fing nach seiner Weisung mit stolzen Plänen an; davon ihm einer nach dem andern verworfen wurde. Und als ihm so in täglichem Verdruß Monate und Jahre vergangen waren, bis endlich Geld zu einem Guß beisammen schien, obwohl die Stände es verweigert hatten: da war von seinem Postament mit den vier Löwen, wovon ein jeder ein anderes Laster vorzustellen hatte, und all den Wasserkünsten ein Socke! aus schlichtem Muschelkalk geblieben. Doch stand noch immer ein gewaltiger Gaul darauf mit einem Riesenschweif, der mannsdick auf den Boden floß, so daß er mit den Füßen trotz seiner Schwere artig tänzeln konnte. Und ob der Kurfürst selber auch nicht so grün und leuchtend war, wie man ihn heute reiten sieht, so saß er doch gleich einem Helden prächtig auf dem Tier und sah mit königlich gerollten Augen aus seinem Düsseldorfer Marktplatz in den Himmel. So hatte sich Grupello einen Fürstendank Der» dient; doch mochte es wohl sein, daß den Jan Wellm seine Schranzen — so nannte man schon damals jene Herren, die sich in Fürstengunst wie Küchenschwaben unter einem nassen Tuch versammeln — aus ihrem nahen Umgang anders kannten, als er auf feinem Denkmal ritt. Denn als der Tag gekommen war, wo sie geputzt in allen Farben feiner Länderchen mit ihrem Kurfürst auf den Marktplatz kamen, auf dem er seinen Ritt in die Unsterblichkeit antreten wollte, während sich sein Volk in Dankbarkeit mit vielen Köpfen drängte, Pagen liefen und Bläser in die Hörner bliesen: da fielen ihre Blicke spottend von seinem flohen Bildnis auf ihn herunter, der nur ein kleiner und blasser fetter Herr und gar nicht heldenhaft, wohl manchmal launisch und immer eitel war. Und weil er recht geschmeichelt von ihnen hören wollte, ob es auch ähnlich und seiner würdig wäre, ging der erste mißgünstig an den Ri eien sch weif, ein anderer trat sehr weit zurück, das Angesicht zu sehen, und noch ein anderer prüfte mit voraestreckter Hand die Maße, und alle schüttelten den Kopf und waren fast für ihren Herrn beleidigt, daß er so kümmerlich getroffen und auch sein Pferd für einen Kenner nicht anzusehen wäre. Und weil ein Fürst an seiner Eitelkeit mehr leiden muß als andere Menschen, geschah es, daß Jan Wellm blaß und verkniffen den Grupello, den er schon huldvoll zu sich hergerufen hatte, mit seinem Herrscherstab wie mit dem Prügelstock bedrohte. Worauf Grupello, der nicht groß, doch breit und bärtig war, sich tief verneigte und auf vlämisch versprach, in einem Monat die Mängel feiner Arbeit abzustellen. Nur als die Schranzen hämisch hinter dem Kurfürsten abgingen und einige ihm eifrig auseinandersetzten, wo es bei seinem Werk noch fehlen könnte, da hatte fick Grupello aufgerichtet und mit dem Rücken an den Sockel gelehnt und sah nicht anders aus, als ob er eine Schar nichtsnutziger Buben nach Hause jagte. Den Düsseldorfern, die nach dem Landesbrauch dastanden und schadenfroh belachten, was einer ihm zurief — und andere warfen schon mit Aepfeln nach ihm, wie man sie auf der Straße findet, wo Pferde her- gegangen sind — ließ er bedeuten, er wolle ihnen was Besseres zum Lachen schenken. So stak bas Denkmal schon am nächsten Tag in einem Zaun von hohen Planken, der nur ein einziges Pförtchen hatte, dazu Grupello den Schlüssel nicht aus den Händen gab. Drin aber fing ein Hämmern an und Qualm erfüllte schwelend den ganzen Markt; wie wenn das Denkmal eingeschmolzen und in allen Teilen neu zurecht gebosselt würde. Das ging so wochenlang, bis es sich mon- bete, daß dem Grupello sein Werk verweigert worden war. Dann kamen mittags — es war ein silbriger Regentag, wie sie am Rhein sehr duftig sind — Die Schranzen wieder in allen Farben feiner San- derchen geputzt mit ihrem kleinen Kurfürst und traten prüfend vor das Werk, das von der Nässe glänzend in dem Blust dastand, und einer ging nach hinten an den Schweif, ein anderer trat sehr weit zurück, das Angesicht zu sehen, und noch ein anderer prüfte mit oorgeftrecfter Hand die Maße und alle waren sehr befriedigt, daß es nach ihrem Wunsch verbessert mar und lobten nun bas Werk mit dicken Worten und nickten dem Künstler gnädig zu, wie wenn sie selber das Reiterbild gegossen hätten. Der aber hatte einen Hammer in der Hand und stand vor feinem Amboß, der nicht beseitigt worden war; und als der Kurfürst ihn huldvoll anrief, trat er nicht vor, wie er wohl mußte, tat einen schlanken Schlag auf ein Stück Guß, das auf dem Amboß lag. Das war wie Glas, gab einen hellen Klang und klirrte in Stücken auf den Boden. Die Schranzen sprangen rasch zurück und aus dem Volk, das sich mit vielen Köpfen drängte, tönte ein Schreckensruf, wie wenn das ganze Roß zersprungen wäre. Grupello aber trat, den Hammer in der Hand, vor feinen Fürsten und neigte sich nicht sehr und sprach mit lauter Stimme und hatte die Worte deutsch gelernt: Das Denkmal ist, mein Fürst, noch wie es war. Guß springt beim ersten Hammerschlag. Die Dummheit Eurer Herren hab ich wohl dreißig Tage hämmern müssen! Da fuhren manche Hände nach dem Schwert. Grupello aber stand mit seinem Hammer und lachte laut mit seinen festen Lippen, und als der Kurfürst mit seinen Schranzen noch um das Denkmal schreiten wollte, da brach Gelächter aus der Menge, wie wenn aus vielen Karren Steine auf sie geschüttet würden. So baß er sich im Zorn vergaß und mit dem Herrscherstab, gleich einem Prügelstock, das Volk in Dankbarkeit — wie auf dem Denkmal stand — bedrohte, und sich abwendend schnell verschwand, weil aus dem Himmel ein rascher Regen fiel, so daß die Herren, im Schmutz mit langen Beinen springend, ihre Farben und Sammetkappen mit aufgehobenen Händen schützen mußten. Fest aber auf dem Sockel stand der Gaul mit seinem Riesenschweif und trug Jan Wellm mit königlich gerollten Augen, mit Herrscherstab und Krone aus feinem Harktplatz in die Ewigkeit. 3« Superlativen durch die Welt des Verkehrs. Von W Hahn. Die höchste Eisenbahn der Welt ist in Bolivien, sie erreicht eine Höhe von fast 5000 Meter. Der längste Schienenstrang der Erde ist die Transsibirische Eisenbahn von rund 10 000 Kilometer Gesamtlänge. Die einzige Eisenbahn, die ihr Entstehen einem Aprilscherz verdankt, ist die Jungfraubahn. Der größte deutsche Rangierbahnhos und zugleich der mobernfte ber Welt ist der in Hamm i. W. DiemetstenBahnhöfe in Europa hat Berlin, ketten besaß. Denn er einen Rat brauchte, fragte er zuerst seinen Leibarzt. Und dieser Leibarzt be- währte sich. Er entwickelte sich so immer mehr zu einem Politiker von Format. Das abessinische Blut war die beste Garantie für die Treue zu Abessinien, und die englische Erziehung, die er in Indien genoffen hatte, befähigte ihn dazu, europäische Probleme zu verstehen und zu erkennen. So wurde Dr. Martin die „rechte Hand des Negus, einer seiner intimsten und zuverlässigsten Ratgeber, ber biplomatische Vertreter seines Lanbes. . Vor acht Jahren würbe Dr. Martin in bte Vereinigten Staaten entfanbt, um dort über die Tana-See-Konzeffionen zu ver- handeln. Und heute — in einer äußerst kritischen Zeit — ist er wieder aus der Abgeschiedenheit seiner abessinischen Heimat als Mahner und Warner in der europäischen Öffentlichkeit aufgetaucht, um die zivilisierte Welt zur Einsicht und zur Gerechtigkeit für das von ihm vertretene Land aufzurufen. Adolf Damaschke Dies ist ein Wort PeterRoseggers, das ber große Bauernbichter einst bem Begründer ber beut» fchen Bodenreformbewegung Adolf Damaschke zurief: „Der alten heiligen Erbenkultur in ber veredelten Form begeisterter Verkünder sind Sie geworden!" Und hier ist das Gebiet, auf bem ber tote Vorkämpfer einer Synthese zwischen sozialer Gerechtigkeit und persönlicher Freiheit auch für bcn Fernstehenden sinnfällig verankert ist mit dem sieghaften Heute, das der nicht nur für einen einzelnen Berufsstand, sondern für die Gesamtheit ber Nation lebenswichtigen Bedeutsamkeit von Blut und Boden zur Sichtbarwerbung verhalfen hat. Es klingt wie ein hallenber Ruf aus unferm Hellen Tag, bas Wort, bas einst ber feit einem Jahr zu Tannenberg ausruhende Feldherr und Reichspräsident von Hindenburg diesem Kämpfer Damaschke schrieb: „Das Vaterland soll jedem, ber von ehrlicher Arbeit leben will, bazu verhelfen, ein vor Wucherhänben geschütztes Heim zu gewinnen, in bem deutsches Familienleben und der Aufwuchs an Leib und Seele gesunder Kinder möglich ist. Das will Ihre Bewegung, und deshalb werden die besten Wünsche aller derer mit Ihrer Arbeit fein, welche die Größe unserer Zeit erkannt haben und es ehrlich mit unfern Kriegern und unferm Volk meinen!" Ein kampferfülltes Leben ist hier zu Ende gegangen. Damaschke kam nicht etwa, wie man annehmen sollte, vom Land, sondern vom Gegenpol her: aus ber Enge einer Berliner Mietskaserne. Aus einem blutmäßigen Protest gegen Erlebtes also erwuchs bie Idee und die Bewegung dieses Tischlermeistersohnes, der schon als junger Dolksschullehrer bem mammonistrschen Bobenmißbrauch Kampf an- sagte —: ein einzelner roiber ben Geist feiner Zeit! Sein Wille war, zu erwirken, baß bie Massen her- ausgelangen sollten aus ihrer Eigentumslosigkeit unb damit aus bem Bereich marxistischer Agitatoren. Er verlangte Arbeiterheim st ätten auf kleiner eigener Scholle, rief währenb des Krieges auf zu jener Bewegung für Kriegerheim ft ät- t e n, burch die er bie große Hoffnung von vieltaufend Frontkämpfern würbe. Aeußerlich gesehen, ist seiner Pobenreformbe- roegung ber Sieg versagt geblieben, vor allem wohl beshalb, weil Damaschke in einer Zeit ber zahllosen Parteien und Parteichen es ablehnte, sich einer Sonbergruppe anzuschließen; er verlangte von seinem großen Programm, daß es überparteilich gewertet und nicht als Parteimahnahme, sondern als Belang des ganzen Volkes unb Reiches gewertet werde — ein ideales Verlangen, bas keine gesetzgeberische Erfüllung fanb. Immerhin warb biefer Sysiphusarbeit eines Kämpferlebens insofern eine Anerkennung, als drei deutfche Universitäten diesem einstigen Volksschullehrer den Ehrendoktor verliehen — unb warb ihre eine Krönung am Abenb bes Daseins in ber Hoffnung unb Gewißheit, es werbe bie neue Jugend im neuen Reich, wenn auch auf anderen Wegen, so doch bas gleiche Ziel für Volk unb Vaterlanb erobern unb für Zeit unb Ewigkeit unverlierbar in das Gesamtleben ber Nation verankern, bas als Enbe feines eigenen Weges ihm geleuchtet. nämlich 248. Der größte Tunnelber Welt war bisher der Huntington-Lake - Tunnel in Kalifornien, der fast 22 Kilometer lang ist. Der größte Tunnel ist jetzt zwischen Mailand und Rom und auf ber Strecke zwischen Florenz und Bologna unb ist 37 Kilometer lang. ♦ Die längste Eisenbahnbrücke der Welt ist bie über die Galveslon-Bai in Texas (3400 Meter). Das erste Dampfschiff, das den Ozean durchquerte, war die „Savannah". Sie fuhr 1819 von USA. nach England und brauchte für diese Strecke 26 Tage. Die nördlichste Funkstation ber Erbe liegt in Alaska. Sie gehört ber nordamerikanischen Armee. Der erste Fahrstuhl der Welt wurde 1880 auf der Mannheimer Ausstellung gezeigt. Sein Konstrukteuer war Werner v. Siemens. Am 17. Dezember 1903 erhob sich zum ersten Male ein Mensch in einem Flugzeuge. Wilbur Wright gelang es, 12 Sekunden in der Luft zu bleiben. Mitte Februar des Jahres 1912 wurde die erste deutsche Flugpost zwischen Bork und Brück eröffnet. Der längste Kanal befindet sich in China, er ist 1850 Kilometer lang. * Die längste regelmäßig beflogene Lu ft strecke ist die von Neuyork nach Buenos Aires, das sind 9400 Kilometer. Die Landstraße mit bem stärksten Verkehr ist in Deutschland die von Stuttgart nach Cannstatt führende „Cannstatter Landsttaße". Sie wird durchschnittlich täglich von 6200 Fahrzeugen mit einer Belastung von 18 000 Tonnen benutzt. Der erste „blinde L u f t p a s s a g i e r" war Clarence Terhune, der mit dem Zeppelin von Amerika nach Deutschland flog. Das größte Postamt ber Welt wird zur Zeit in Chikago erbaut. * Das größte aller Reisebüros ist bas „Mitteleuropäische" in Berlin am Potsbamer Platz. Die ersten Rollschuh sah man in Englanb im Jahre 1760. Die bebeutenbfte Sch ifssbaustabt der Erbe ist Glasgow in Schottland. Die größte Schleuse ber Erde baut man in Pmulben, an ber Münbung bes Kanals, ber Amsterbam mit bem Meere oerbinbet. Die kleinste Straßenpassage bürste bas Nadelöhr im Sübharz fein. Die größte Telephonbau- Firma der Welt ist die Western Electric Company. Das größte Trockendock ber Erbe wirb jetzt bei Southampton in England gebaut, es hat eine Länge von 336 Meter unb eine Breite von 41 Meter. bei Uhr Oie „Bremen" aus Neuyork zurück Lommodore Ziegenbein berichtet über den Klaggenzwischenfall. Sinnfälliger ist nie ein Greuelmärchen des Auslands ad absurdum geführt worden, als das soeben in Berlin geschah. Die „Scala" eröffnete mit neuem Programm, und vor ihren Pforten stauten sich die Autos und die Neugierigen, um die Anfahrt zu beobachten. Und auf einmal erscholl lautes Entzücken —: „Da is se ja! die Claire! natürlich lebt et noch, bet kesse Mächen!" Und dankend erhob Claire Waldoff die Hand zum deutschen Gruß, um sich dann für ihr Auftreten fertig zu machen. Sie ist die Zugnummer der „Scala" für diesen Monat — und hat den lautesten Beifall mit ihrem Schlager, der in dem schönen Kehrreim gipfelt: „Unsre Tante Anna liest die Basler National — Jott, die alte Dame war schon immer nich normal!" Also haben sich die Berliner mit eigenen Augen von der Verlogenheit der Nachricht überzeugen können, daß Claire Waldoff in einem Konzentrationslager „elend zugrunde gegangen" sei — ein Märchen der Auslandspresse, gegen das die Künstlerin sich ja schon mehrfach in ihrer humorvollen Art gewehrt hat, und das sich „würdig" den zahllosen andern Greuelmeldungen von draußen anreiht, mit denen man gerade in den letzten Tagen Grußpflicht zwischen Wehrmacht und PO. Berlin, 2. Aug. (DNB.) Das Heeresverord- nungsblatt veröffentlicht folgende Anordnung des Reichskriegsministers: „Die Politischen Leiter der NSDAP, ind die Träger der Bewegung und eins )er Säulen des nationalsozialistischen Staates. Ich ordne daher für alle Angehörigen der Wehrmacht die Grußpflicht gegenüber den in Uniform befindlichen Politischen Leitern der Parteiorganisation an." Furchtbare Auswirkungen des Religionskampses in Irland. Erbarmungswürdiges Los der aus Belfast geflohenen Katholiken. Invalide und Frontkämpfer im Elend. fchenmenge ansammelle. Als die Polizei erschien. sah sie sich anfangs einem scheinbar unentwirrbaren Chaos gegenüber, das erst nach Entfernung der großen Kiste allmählich beseitigt werden konnte. Offenbar handelt es sich um eine neue kommuni st lfche Kampftaktik, denn inzwischen erhielt die Polizei Mitteilung, daß auf- rührerische Elemente beabsichtigten, in verschiedenen Stadtteilen den Strahenbahnverkehr still zuleg en. Von allen Polizeibüros wurden daraufhin starke Streifen zur Bewachung der Strahenbahngleife entsandt, worauf die Kommunisten ihre Sabotageakte nicht durchzuführen wag- ten. Nur im Westen der Stadt, in der Umgegend der Jan - Evertsen - Straat, sahen sich die Polizeistreifen gezwungen, gegen größere Trupps radaulustiger junger Burschen energisch vorzugehen, wobei starker Gebrauch vom Gummiknüppel gemacht wurde. Oie neue Ruhestätte fürHennarmLöns. Berlin, 2. Aug. (DNB.) Am Freitagmorgen wurden die Gebeine des als Kriegsfreiwilliger ge« allenen Dichters Hermann Löns unter militärischen Ehren in den Wacholderpark bet Tietlingen übergeführt. Hermann Löns war im vorigen Herbst aus dem deutschen Soldatenfriedhof in Loivre ausgebettet und vorläufig in der Löns-Heide an der Straße Herbeburg-Soltau beigesetzt worden. Mit Zu- timmung des Führers und Reichskanzlers erfolgte die endgültige Bestattung durch die Wehrmacht in dem mit den Mitteln der Reichsregierung hergerichteten Heide- grab, weil in Hermann Löns der heldifchö Geist der Kriegsfreiwilligen von 1914 sinnbildlich geehrt werden soll. Lügen haben kurze Beine. Oie neue Greuelhetze der Auslandspreffe. — Klaffenkampf und Religionskrieg im eigenen Haufe wird totgeschwiegen. Schwere Kommimisteniumulie in Amsterdam Sabotageanfchläge auf den Straßenbahnverkehr. Abreise antrat. Oer Nationalsozialismus und die Kirchen. Der badische Reichsstatthalter fordert Mitarbeit statt Hetze. Karlsruhe, 2. Aua. (DNB.) Auf dem Schloßplatz hielt vor mehr als 70 000 Menschen Reichs- statthalter Robert Wagner eine Rede, in der er u. a. erklärte: Wer künftig den Nationalsozialis- mus, die Weltanschauung des deutschen Volkes, an- areift ist unser Feind und wird als solcher behandelt 'Nachsicht kennen wir nicht mehr. Der Nationalsozialismus ist selbst zum Staat ge- worden Angriffe auf den Nationalsozialismus müssen als Angriffe auf den Staat ge- wertet werden. Der Staat kann daher künftig feindselige Auseinandersetzungen mit dem National- ozlalismus nur noch mit dem Einsatz der gebotenen staatlichen Machtmittel beantworten. (Wiederholte stürmische Zustim- nis wegen Vergehens gegen die Paragraphen 186, 130a Abs. 1 und 2 und 73 des Strafgesetzbuches. Am 30. Mai 1935 hatte in Mehlfack eine 23er- fammlung des Katholischen Arbeitervereins stattgefunden, in der der Arbeitersekretär Linck als Redner aufgetreten war. Bald nach der Versammlung war Linck wegen dieser Rede durch die Ge- Heime Staatspolizei in Schutzhaft gen om- men worden. Da der Angeklagte Hoppe dieses Vergehen darauf zurückführte, daß der Polizeihaupt. Wachtmeister Vallentin Ohrenzeuge der 23er- sammlung gewesen sei, richtete er em Schreiben an die Geheime Staatspolizei, in dem er diese vor Vallentin warnte und mitteilte, daß m Mehlsack über Vallentin recht ungünstig gesprochen werde; er tjabe viele Schulden und es sei sogar der Derdacht aufgekommen, daß Vallentin stehle. Eine Abschrift dieses Schreibens übersandte er an den Vorsitzenden des Arbeitervereins, den Angeklagten Schulz, der die Vorlesung dieses Schreibens von der Kanzel durch den Angeklagten Sauermann, sowie einen Anschlag an der Kirchentür in Braunsberg anordnete. Die Beweisaufnahme ergab, daß die gegen Vallentin erhobenen schweren Anwürfe völlig unbegründet und lediglich deshalb aufgestellt waren, um Die Glaubwürdigkeit des Polizeihauptwachsmeisters bc: I seinen Vorgesetzten zu erschüttern. mung. In Deutschland ist die Freiheit der religiösen Betätigung gewährleistet. Religiöse Freiheit kann aber niemals gleichbedeutend sein mit Hetz- und Schimpffreiheit, mit Zucht- und Gesetzlosigkeit. Wir dulden keine politischen Uebergriffe von kirchlicher Seite her, mir dulden aber auch auf die Dauer keine katholischpolitische Tagespresse, keine katholischpolitischen Jugendverbände und katholisch- politischen Berufs-und Arbeitervereine. (Erneute Zustimmung.) Im Konkordat steht nichts von politischen Zusammenschlüssen und politischen Zielen der katholischen Kirche. Der Sinn dieses Konkordates war es gerade, Politik und religiöse Seelsorge zu trennen. Der Reichsstatthalter schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß jene konfessionellen Kreise, die von der Hetze gegen den Nationalsozialismus leben, umkehren möchten. Unser Volk wolle keine Hetze, sondern Hilfe und Arbeit auch von seinen Kirchen. Oennnziaüon von der Kanzel. bringen, was er w ähre nd seine e*(J durch Deutschland sah. Die Verhältnisse m Deutschland seien durchaus normal. Das Reisen sei in Deutschland genau so angenehm, wenn nicht sogar angenehmer wie in Frankreich. Das deutsche Volk mache einen vollkommen zu« fried enen Eindruck. Vor Regerunruhen in Aord -Rhodesien? London, 3. August. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Exchange-Meldung herrscht in den Kupferbergwerkbezirken von Nordrhodesien unter den schwarzen Bergleuten große Unruhe. Polizeiliche Verstärkungen sind aufgeboten worden; eine Anzahl angeblicher Agitatoren wurde verhaftet, auch Truppen sollen nach den Bezirken unterwegs sein. Die amtliche Untersuchung der Vorfälle vom Mai, wo 14 Ne« g e r - B e r g l e u t e durch Schüsse von Polizei und Truppen getötet worden waren, hat nicht zur Beruhigung der Gemüter beigetragen. Die Zusammensetzung des Untersuchungsausschusses mußte von vornherein geändert werden, nachdem ein Missionar seine Unparteilichkeit bestritten hatte. Regierungsbeamte haben zugegeben, daß die Steuererhöhung, die den Anlaß der Unruhe bildete, in manchen Fällen 3 u r 23 er« doppelung der Abgaben der Neget geführt haben. Es wurde erwähnt, daß ein Neger, der einen Weißen berührt hatte, eine Gefängnisstrafe erhielt, während ein Weißer, der einen Neger durch einen Schuß verwundet hatte, nicht einmal vor Gericht gestellt wurde Amsterdam, 2. August (DNB.) An verschie- < denen Stellen der Stadt, insbesondere im Westen 1 und im Iudenviertel, kam es gestern abend z n kommunistischen Strahentumulten. Die Polizei muhte wiederholt in großer Stärke aus- geboten werden, um Ansammlungen zu zerstreuen. Auch die Feuerwehr wurde wiederholt alarmiert, um rote Tücher mit kommunistischen Kampfparolen, die quer über die Straße gespannt und schwierig zu erreichen waren, zu entfernen. Ein ernsterer Zwischenfall ereignete sich in der im Judenviertel gelegenen Jodenbreek-Straut, wo eine große rote Kiste, die mit schweren Steinen vollgeladen war, von terroristischen Elementen mitten auf die Straßenbahnschienen gestellt worden war. Da dieses Verkehrshindernis schwer zu beseitigen war, mußten die Straßenbahnen und andere Verkehrsmittel in beiden Richtungen a n h a l t e n, während sich gleichzeitig eine gjrofee Wen-' zurückkehren. In der „Eatholic Times" wird gemeldet, daß führende nordirische Regierungsmitglieder durch „hetzerische" Reden zum Aufflammen der Unruhen beigetragen hätten. So habe der Landwirtschaftsminister Sir Basil Brocke unter anderem gesagt, die Katholiken seien darauf aus, Ulster mit ihrer ganzen Macht und Kraft zu zerstören. Er empfehle den Leuten, keine Katholiken anzustellen, da diese zu 99 v. h. regierungsfeindlich seien. Er werde weitere Schritte in dieser Richtung unternehmen. Der Großmeister der nordirischen Orangisten habe bei einer öffentlichen Kundgebung das Schlagwort geprägt: „Protestanten, stellt nur Protestanten eint" die „Bremen" am 27. Juli pünktlich um 0.30 ahne Beunruhigung der Passagiere den Neuyorker Pier verlassen konnte. Um vor weiteren Ueberfallen geschützt zu sein, gab uns der Neuyorker Polizeichef 35 Polizisten,' außerdem zwei Polizeibarkassen bis zur Ouarantänestation mit. Mit ihrer Hilfe wurde das ganze Schiff nach eingefchmugaelten Per,onen durchsucht, man fand jedoch niemanden mehr. Dem energischen und tatkräftigen Eingreifen der Neuyorker Polizei ist es zu danken, daß der Zwischenfall so schnell beigelegt wurde. Oie amerikanische Antwortnote. Lie Welt überschüttet hat. Den Vogel abgeschossen hat, was Erfindungstalent anbelangt, zur Zeit wohl doch die „A g e n c e H a v a s", die in großer Aufmachung eine aus Wien stammende Meldung in die Welt posaunt —: die Oberammergauer Passionsspiele werden nicht mehr in der bisherigen Form durch- geführt, sondern durch ein — antisemitisches Stück ersetzt! Diese unsinnige Albernheit setzt wohl allem die Krone auf. „Nicht von Pappe" allerdings ist auch die Meldung einer englischen Nachrichtenagentur —: e i n deutsches Bombenflugzeug auf dem Wey nach Abessinien! Und diese Unwahrheit wird noch mit genauen Einzelheiten verbrämt, um die Lüge wahrscheinlicher zu machen —: 700 PS Motorenstärke besitzt dies Flugzeug, zwei komplette Geschütztürme und eine Einrichtung für nicht weniger als fünfzig Bomben... m ,, Gleichzeitig mit dem „Tod" der Claire Wawoff erschreckt man die Weltöffentlichkeit noch mit andern Meldungen über prominente deutsche Künstler: Werner Kraus, Otto Gebühr und manche andere mit ihnen haben sich als Nichtarier entpuppt, dürfen drum in Deutschland nicht mehr spielen und beabsichtigen zu emigrieren. Natürlich ist auch an dieser Nachricht kein wahres Wort. m f Besonders schlimm sjnd die mannigfachen Bild- f ä l s ch u n g e n, die immer wieder in ausländischen Müttern erscheinen. Einer solchen Fälschung ist soeben die türkische Zeitung „Sonposta" in Jstambul zum Opfer gefallen. Sie brachte eine Photographie, die angeblich Ausschreitungen m Deutschland zeigte. In Wirklichkeit aber entstammte die Aufnahme einer großen deutschen illustrierten Zeitung aus dem Jahre 1930 — und zeigte einen Zusammenstoß amerikamscher Polizisten mit Gandhi-Anhängern. Dies nur eine kleine Blütenlese jüngster Greuel- lügen. Man vergleiche mit diesen Lügenmeldungen über das nationalsozialistische Deutschland, nut denen eine gewisse Hetzpresse des Auslandes ihre Spalten füllt, das betretene Schweigen derselben Zeitungen angesichts der geradezu grauenvollen Vorfälle in den eigenen Ländern. Kommunistische Tumulte sind in Den Großstädten Amerikas, m Holland und Frankreich an der Tagesordnung. Ein blutiger Religionskrieg zerfleischt das wische Volk. Aus Moskau kommen die Anweisungen des dort versammelten „Generalstabes der Weltrevolution für die Zersetzung der Jugend aller Völker und da wagt es eine verlogene Presse, die zu all dem Öt, einen neuen Feldzug der schlimmsten Propaganda gegen das nationalsozialistische Deutschland aufzuziehen? ES wlkd weiter gelogen. Bremerhaven, 2. Aug. (DNB.) Die »Bremen" traf am Freitag um 8 Uhr im Heimathafen Bremen ein. Ein Vertreter des DNB. hatte Ge- legnheit, den Kapitän des Schiffes, Commodore Ziegenbein, über die Neuyorker Vorfälle bei der Abfahrt des Schiffes zu befragen. Kapitän Ziegenbein erklärte: Nach der Ankunft in Neuyork wurden wir vor Ueberfallen gern a r n t. Die Polizei alarmierte zunächst 250 Beamte. Diese Polizeikräfte wurden später noch verstärkt. Die Wache des Deckpersonals wurde auf den einzelnen Decks und in der Nähe der Nationalflagge postiert. Gegen 23 Uhr sammelte sich vor dem Pier ein Demonstrationszug von etwa 400 Personen, in Dem Schilder mit verschiedenen Aufschriften getragen wurden. Es bildeten sich auch Sprechchöre. Die Polizei Drängte diesen Zug geschickt ab. Bereits gegen 23 Uhr wurde das Signal zum Verlassen für die Begleiter der Passagiere gegeben. Außerdem wurde das Polizeiaufgebot verstärkt. Es wurde auch mit dem Wegnehmen der Laufstege begonnen. Gegen 23.45 Uhr waren alle Stege entfernt mit Ausnahme eines Steges zum Promenadendeck der 1. Klaffe sowie eines Steges zum Vorschiff für die 3. Klaffe. Kurz vor 24 Uhr stürzten plötzlich in der Dunkelheit mehrere autgekleidete Männer nach vorn und schlugen zuerst den Bootsmann und dann den 2. Offizier nieder, der ihm zu Hilfe eilen wollte. Befatzungsmitalieder und amerikanische Geheimpolizisten griffen sofort tatkräftig ein. Trotzdem gelang es zwei von den Burschen, die Hakenkreuzflagge an Bord des Schiffes abzuschneiden und über Bord zu werfen Einer Der Täter hatte Den Revolver gezogen unD auf Den 2. Offizier angelegt, kam aber nicht zum Schuß, Da er von einem amerikanischen Geheimpolizisten Durch einen Schuß meDer- gestreckt rourDe. Weitere Angreifer rourDen oon Den BesatzungsmitglieDern mit Hilfe Der amerikanischen Geheimpolizisten unlchödlich S-m-chi Die Arbeiten für Die Abfahrt rourDen indessen fortgesetzt, so Daß Braunsberg, 2. Aug. (DNB.) Das Schöffengericht in Braunsberg verurteilte Den Erzpriefter Hoppe zu sechs Monaten Gefängnis, Den Erzpriefter Schulz zu 8 Monaten Gefängnis unD Den Kaplan Sauermann zu vier Monaten Gefäng- Berlin, 2. Aug. (DNB.) Die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Preß behauptet m einem Berliner Telegramm, Daß Die Berliner Polizei ebenso wie Die SA. unD Die PO. sich i n Alarmbereitschaft befänDen, da man Unruhen erwarte. Diese ßügenmelDung reiht sich würdig Den 23erleumDungen Der letzten Tage an. Es ist selbstverstänDlich, Daß weder Die Berliner Polizei noch Die SA. o De r D i e PO. sich in Alarmbereitschaft befinDet. Viele Tausende von A u s l ä n D e r n. Die sich in Berlin aushalten, wissen ebenso wie Die Berliner Bevölkerung selbst, daß in Berlin wie im ganzen Reiche völlige Ruhe und Ordnung herrschen, wenn em ausländischer Korrespondent, der Die Lage genau kennen muß, Dennoch Das Gegenteil behauptet, so macht er sich Damit offen zum Werkzeug lener gemeinen Hetze Deutschfeindlicher Kreise. Seme unsinnigen und gehässigen Erfindungen werden mit aller Schärfe zurückgewiesen. ♦ Das deutschfeindliche dänische Blatt , in Apenrade stellt die Behauptung auf, die Abfahrt des D a m p f e r s „N e u y o r k" aus Neuyork habe sich deshalb so ruhig vollzogen, weil das Schiss ohne die Hakenkreuzflagge ausgelaufen sei. Eine Rückfrage bei dem Hapagvertreter m Apenrade hätte der Zeitung die Möglichkeit gegeben, sich zu überzeugen, daß es nicht der Dampfer „Neuyork", sondern Der Dampfer „DeutschlanD war, Der zu Der angegebenen Zeit unbehelligt Die Vor Herbst 1937 keine allgemeine Arbeilsdienstpfl chtfürweiblicheIngenl» Berlin, 2. Aug. (DNB.) In Dem kürzlich ve^ künDeten Reichsarbeitsdienstgesetz ist grundsätzlich Die allgemeine Arbeitsdienstpflicht für all e jungenDeutschen beiderleiGeschlechts eingeführt worDen. Die Musterung unD Aushebung für Die männliche Jugend ist bereits im Gange. Die ersten Einziehungen erfolgen zum 1. Oktober 1935. Im Reichsarbeitsdienstgesetz ist für Die ArbeitsDienstpflicht Der weiblichen JugenD weiter gesagt, Daß noch besonDere ges e tz l i ch 6 B e ft i m m u n g e n ergehen werDen. Wie Die Pressestelle Des Reichsministeriums Des Innern mitteilt, werDen diese Bestimmungen nicht vor Herbst 1 937 ergehen, so Daß für Die weibliche JugenD vorläufig nur Der freiwillige ArbeitsDienst weiter bestehen bleibt, eine allgemeine ArbeitsDienstplicht für sie in Den nächsten beiDen Jahren aber noch nicht eingeführt roirD. Da Der freiwillige Frauen- arbeitsDienft zur Zeit nur eine geringe Anzahl junger MäDchen aufnehmen kann, besteht für Die weibliche JugenD kein Anlaß, Die Einberufung zur LanDhilfe ober Die Ar« beitsvermittlung für Die Landwirt- schäft unter Berufung auf Die Einführung Der ArbeitsDienstpflicht Der weiblichen Jugend abzulehnen. Kleine politische Nachrichten. Der Führer hat in einer heute abgehaltenett Besprechung mit Oberbürgermeister Fiehler Det Stadt München die Bezeichnung „Hauptstadt der Bewegung" offiziell verliehen. Otto Strasser befindet sich feit längerer Zeit in Griechenland, angeblich, um seine Frau zu besuchen, Die auf Der Insel Samos Den *5om« mer verbringt. Der Innenminister hat verfügt. Daß Otto Straßer, Der sich zuletzt auch in Athen aufhielt^ verhaftet und ausgewiesen wird. * Unter Führung Des Bürgermeisters von Wiener- NeustaDt hat sich ein Ausschuß von Burger« meistern gebilDet, Der Die GrünDung eines großen VerbanDes zum Zweck hat. Dem alle Die Ge. meinDen Oesterreichs angehören fallen, welche Otto von Habsburg zum Ehrenbürger ernannt haben. Der VerbanD soll Die Propaganda für Die Wiedereinsetzung Ottos von Habsburg roei« ter betreiben. * Der Dänische Reichstag nahm am Freitag die Regierungsvorlage über Die Regelung Der GetreiDepreise unD Der Schweineerzeugung an. Hierauf wurde Der Reichstag auf unbestimmte Zeit vertagt. In der Zwischenzeit soll sich der Landwirtschaftsausschuß mit Der Frage einer Regelung Der Butterpreise beschäftigen. * Die Vorlage für Die Reform Der indische«! Verfassung erhielt am Freitaamittag vor Der Vertagung Des Parlaments Die Zustimmuntt Des Königs unD Damit Gesetzeskraft. Mit 478 Klauseln ist Das Jndiengesetz Das größte ®ej setzeswerk, das jemals dem englischen Parlament Vorgelegen hat. London. 2. Aug. (DNB.) Der B l s ch o f v o n Down und Lonnor teilt der Presse mit, daß sich die 1646 katholischen Flüchtlinge, die bei den Unruhen in V el f aft aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben wurden, in einer außerordentlich erbarmungswürdigen Lage befinden. Viele haben ihr ganzes hab und Gut in den Trümmern dieser Häuser verloren. Blanche von ihnen sind I n v a l i d e n und andere sind alte und hilflose Leute; wiederum andere sind Arbeitslose. Selbst alle Front- tämpfer und ihre Familien sind unter den Vertriebenen zu finden. Viele katholische Mädchen, die oft die einzigen Lohnverdiener großer Familien sind, können wegen der ständigen Bedrohung ihrer religiösen Gegner nicht an ihre Arbeitsstätten Washington, 2. Aug. (DNB.) Das Staatsdepartement übersandte am Donnerstag Der Deut» sch e n Botschaft die Antwortnote auf den deutschen Protest wegen Des Flaggenzwischenfalles. In Der Note erklärt Die amerikanische Regierung, daß der Zwischenfall keinesfalls auf Nach - lässig k eit der amerikanischen Behörden zurückgeführt werden könne. In der Note wird betont, daß die Schuldigen verhaftet und vor ein Gericht gebracht worden sind. Sie schließt mit folgenden Worten: „Es ist bedauerlich, daß trotz Der eifrigen Bemühungen Der Polizei, jeDe Störung zu verhinDern, die deutsche Nationalflagge während der Unruhen nicht den ihr gebührenden Respekt erhielt. In Deutschland alles durchaus normal. Ein Amerikaner widerlegt die Hetzpresse. Neuyork, 2. Aug. (DNB.) Der Präsident Der Brooklyner Handelskammer Louis Mills traf an Bord des italienischen Dampfers „Rex" auf Der Heimfahrt von einer Befucksreife in Europa in Neuyork ein. In einer Preffeunterredung stellte er fest, Daß es ihm unmöglich fei, Die amerif a- Nischen Zeitungsberichte über Die Verhältnisse in Deutschland mit Dem in Einklang zu Geschichten aus aller Welt ^nommen wurde. Ein StreckenwSrtße Empfang gei hatte den Tc toten gefunden und Meldung erstattet. Glücklicherweise stieg in das Abteil, in dem der )te lag, nur ein Reisender ein, der von dem Tote lag. t ( b ir 91 la i-t en ni m de bi ft von Philippopel nach Jambol, die Beschaffung des Sarges usw. hätten mindestens 4000 Lewa gekostet, die weder sie noch auch die arme Familie des Toten hatten. Nach kurzem Hin- und Herüberlegen entschlossen sie sich, den Toten als „Lebenden" nach Jambol zurückzuschaffen. Während der eine Bauer schnell drei Rückfahrkarten löste, nahm der andere den Toten, dem man den Hut tief ins Gesicht gedrückt hatte, auf den Rücken und trug ihn in den Nachtzug nach Burgas, der glücklicherweise eben auf dem Nebengleis eingelaufen war. Der Tote wurde auf eine Bank gelegt und zugedeckt. Alles ging gut, auch die Kontrolle des Schaffners, der die Fahrkarte des „Schlafenden" aus den Händen der beiden Freunde entgegennahm. Nicht gelinden Schrecken aber bekamen die beiden Bauern, als der Zug in Stara-Zagora einfuhr und sie feststellten, daß viele neue Reisende hinzukommen würden. Jetzt verließ sie doch der Mut: Sie steckten die Fahrkarte' hinter das Hutband des Toten und zogen sich verzweifelt in ein Nachbarabteil zurück. gestoßen. Nach einigem Leugnen gaben sie ihre in Kopflosigkeit verübten Missetaten zu, so daß sich der Fall sehr schnell und verhältnismäßig harmlos aufklärte. Da man den Bauern ihre große Armut und dem anderen Missetäter seinen gewaltigen Schreck zugute hielt, ließ man sie nach einigen Tagen Haft laufen... Die Rache der Dunkelkammer. K o p e n h a-g e n. Es war einmal ein Brautpaar ... Aber ich sehe ein, daß die Erzählung in diesem Stil zu langläufig wird. Wir dürfen das alles ruhig beiseite lassen. Die Hochzeit, die Gratulationen usw.---es verlief alles programmäßig. Auch die Pofe, in der sich das junge Paar am Tage der Hochzeit photographieren ließ, unterschied sich in nichts von der seit der Erfindung der Lichtbildkunst üblich gewordenen Und die Geschichte beginnt erst in der Dunkelkammer. Dort hantierte ein junger Mann, der in Vertretung seines Chefs auch das Ehepaar ausgenommen hatte. War nun die junge Frau so schön, oder war es ein spezifisch-photographisches Rotes-Lam- penfieber — der junge Mann war jedenfalls nervös und vergaß die Platten zu wechseln, so daß sowohl das Doppelbildnis als auch die Charakteraufnahme eines streng dreinblickenden uniformierten Mannes auf eine Schicht gerieten und zusammen eine Trickaufnahme von hoher Vollendung ergaben. Das an sich wirklich kleine Malheur hätte keine weiteren Folgen gehabt, wenn es sich nicht um ein junges Ehepaar gehandelt hätte. So ein junges Ehepaar ist am Tage seiner Hochzeit Gegenstand zahlreicher, nicht immer geistreicher Scherze, es mißtraut jedem Blick und jedem Wort und wie sehr erst dem unvergänglichen Bilde. Als sich der Ehemann die verunglückten Abzüge zeigen ließ, sah er dort sich und seine Frau in der üblichen zärtlichen Pose, und über ihnen erschien flammenden Blickes ein strenger, uniformierte Mann, ein fleischgewordener, mißtrauischer Erzengel, der über die Moral der Sterblichen zu wachen hat. Kein Zweifel! Diese Kreatur von einem Photographen hatte es sich erlaubt, einen schlechten Witz zu machen! Und da ging dem Herrn die Galle hoch? Die Sache wäre nicht an die Oeffentlichkett kommen, wenn der heimgekehrte Chef nicht die Untat seines Angestellten erfahren und diesen fristlos entlassen hätte, worauf dieser sich gezwungen sah, zum Kadi zu gehen. Der Richter war ein kluger Mann mit jovialem, verstehendem Lächeln, er führte einen Vergleich herbei. „Bobbies" führen ein Karussel. (—) London. In einem kleinen wallisischen Städtchen hatte sich anläßlich eines kürzlich gefeierten Heimatfestes auch ein „Rummel" mit den üblichen Schaubuden und Dergnügungsständen aufgemacht. Darunter befand sich auch das — noch von einem armen Pferd gezogene — Karussell eines Mister Dack. Hätte der Karussellbesitzer Dack ein gutes Gedächtnis, so hätte er sich eigentlich der Tatsache erinnern müssen, daß er vor drei Jahren in demselben Städtchen schon einmal gastiert, dann aber eines Morgens in der Dämmerung heimlich seine Zelte abgebrochen hatte und verschwunden war — um der Stadt die ßuft- barkeits- und Platzsteuer schuldig zu bleiben. Desto besser aber funktionierte das Gedächtnis der städtischen Beamten, die Herrn Dack — kaum hatte er sein Karussell aufgebaut, die Rechnung von damals und, da er offensichtlich ein „unsicherer Kantonist- ist, auch gleich die für diesmal präsentierten... Angesichts einer geradezu niederschmetternden Oede in seiner Kasse sah sich Dack außerstande, dem Magistrat seine Steuerschulden zu bezahlen; er rech- nete sogar schon damit, daß man ihm sein ganzes Unternehmen pfänden werde. Der Bürgermeister jedoch hatte einen besseren Einfall: er einigte sich mit dem Karussellbesitzer dahin, daß jeden Abend zwischen 6 und 8 Uhr die beiden Polizisten des Ortes, die „Bobbies", das Karussell in städtische Regie übernähmen, der eine als Kassierer und der andere als Führer seines Gauls. Die Einnahmen dieser zwei Stunden sollten auf die Steuerschuld verrechnet werden. Nie war eine Spekulation richtiger: die beiden stadtbekannten „Bobbies" als Karusfelführer stellten eine derartig kostbare Attraktion dar, daß das Karussel kaum den Ansturm der jugendlichen und der erwachsenen Bevölkerung bewältigen konnte! Und schon nach drei Tagen waren die Steuern von damals und auch die von heute auf Heller und Pfennig bezahlt... „Schlafenden" zunächst keine Notiz nahm, sich in eine Ecke drückte und nach kurzer Zeit ebenfalls einschlief. Er wachte erst wieder auf, als auf einer kleinen Station die Wagen infolge zu schnellen Bremsens der Lokomotive hart auseinanderstießen. Verwundert bemerkte er, daß sein Gegenüber von der Bank gefallen war und keine Anstalten machte, wieder aufzustehen. Als ein mehrmaliger Anruf nichts nützte und er den am Boden liegenden schließlich näher musterte, fuhr er entsetzt zurück: Der Mann ist ja tot! Was ist geschehen? Was soll er tun? Da Ueber- legenheit und Geistesgegenwart nicht gerade seine besten Tugenden sind, verliert er vollkommen den Kopf. Sagt er sich doch in seiner Einfalt, daß er es jetzt mit den Behörden zu tun bekommen werde und vielleicht sogar des Mordes beschuldigt werden könne. Schließlich fährt ihm ein Gedanke durch den von Grauen verwirrten Kopf: Er öffnet das Fenster des Abteils, wirft den Toten mit einiger Mühe in die Nacht hinaus und glaubt sich nun aller Sorgen enthoben... Nach zweistündiger Fahrt lief der Aug in Jambol ein, wo er von einem starken Polizeiaufgebot in Da man ein Kapitalverbrechen vermutete, wurden alle Reisenden einem Verhör unterzogen, und bald war die Polizei auf die beiden Freunde des Toten wie auch auf den verängstigten „Fensterstürzer" gestoßen. Nach einigem Leugnen gaben sie ihre Machdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Die Tochter als Steuerpfand. (ns) Bukarest. Ein Landwirt in Nadasd war durch einige Schicksalsschläge verarmt und in diesem Frühjahr nicht in der ßage, seine Steuern zu entrichten. Der Steuereinzieher aber alaubte, entsprechend den verschärften Dollzugsoorschriften, keine Milde walten lassen zu können. Als er unter dem Eigentum des Landwirtes Umschau hielt, mußte er feststellen, daß buchstäblich nichts anderes zu beschlagnahmen war als die Tochter. Tatsächlich ging er also dazu über, die Tochter yls Steuerpsand zu erklären und den Tag ihrer Versteigerung anzusetzen. Sie sollte meistbietend ausgeboten werden. Ganz zufällig erfuhr der Steuerdirektor des Distrikts von dem Vorfall, leitete sofort alle notwendigen Maßnahmen in die Wege, tim die menschenunwürdige Versteigerung zu verhindern, und schickte nach Bukarest an das Justizministerium einen ausführlichen Bericht. So erfuhr die Welt die Geschichte von der Tochter, die allen Ernstes als Steuerpfand zur Versteigerung kommen sollte. Tragikomödie «m einen Toten. (1) Sofia. In einem in der Nähe der südbulgarischen Stadt Jambol gelegenen Dörfchen war ein Bauer so schwer erkrankt, daß man ihn sofort nach dem Krankenhaus schaffen mußte, was zwei Nachbarn übernahmen. Als der leitende Arzt des Jamboler Krankenhauses die Durchführung der notwendigen schwierigen Operation ablehnte und den Rat erteilte, diese in Philippopel vornehmen zu lassen, machten sich die beiden Begleiter mit ihrem Kranken sofort auf den Weg nach dem mehrere Bahnstunden entfernten Philippopel. Sie legten den schwer- kranken Freund in einem Abteil dritter Klasse auf «ine Bank, deckten ihn ßu und verhielten sich, da er bald eingeschlafen schien, bis Philippopel möglichst ruhig. Wie groß war ihr Entsetzen, als sie bei der Ankunft in Philippopel den Kranken wecken wollten Und dabei feststellten, daß er unbemerkt gestorben war. Was anfangen? Der Rücktransport des Toten Statt Karten! ^cSSOI-HIMDhnDUKoWAH-jQ Tubwlgsplatz 9 Gießen, August 1095 Löberstraße 1 4437 d Verlobte Gießen 4464 D 03253 Statt Karten Me Verlobung beehren sich anzuzeigen zeigen ihre Vermählung an Wieseck, den 2. August 1935 4426 D Alsfeld - Großen-Linben (Bahnhofstr. 93), den 3. August 1935 03260 Achtung! Achtung! 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L.,' IJJ N fjüil HrJZ9 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberWen)Samstag, 3.August (935 I. Gaufest des Gaues XII Hessen im 3Rf£. Verheißungsvoller Auftakt am Freitagabend.—Eifrige Wettkämpfe feit Gamstagfrüh im Gange. Von schönem Sommerwetter begünstigt, nahm am gestrigen Freitag das 1. G a u f e st des Gaues XII (Hessen) im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen in Gießen seinen Anfang. Die Stadtverwaltung hatte die Bahnhofstraße, die Liebiastrahe und die Frankfurter Straße bis in die Höhe des Caf6 Hettler in reicher Weise mit den Fahnen des Dritten Reiches, den Bahnhofsplatz auch noch mit Girlanden schmücken lassen, um den Gästen dadurch schon den herzlichen Willkommengruß unserer Stadt zum Ausdrucke zu bringen. Die Häuser wurden, entsprechend der Aufforderung des Oberbürgermeisters, von der Bevölkerung erst gegen Abend mit Flaggen geschmückt, um auch nach außen hin dem stillen Gedenken an die gestrige Wiederkehr des Todestages des Generalfeldmarschalls von Hindenburg zu entsprechen. Etwa von 18 Uhr ab zeigte dann unsere Stadt überall das bei großen Festen der Volksgemeinschaft gewohnte Bild reichen Flaggenschmucks. Die Gastfreundschaft unserer Bevölkerung bewährte sich ebenfalls wieder in bester Weise; der Wohnungsausschuß hatte für die Gäste in so reichem Maße Freiquartiere zur Verfügung, daß er auf die Inanspruchnahme von Quartieren gegen Bezahlung verzichten konnte. Unsere Mitbürger haben auch dadurch ihre turn- und sport- freudige Einstellung erneut eindrucksvoll bekundet. Die umfangreichen Vorbereitungsarbeiten zum Gaufest sanden gestern nachmittag ihren Abschluß mit einer Kampfrichtersitzung in der Turn- halle an der Steinstraße. Hunderte berufene Kräfte aus den verschiedenen Fachämtern hatten sich eingefunden. Letzte Orders wurden ausgegeben, die Kampfrichter für die einzelnen Kampffelder ein- geteilt, Armbinden verteilt und das nötige informatorische Material ausgehändigt. Die Kampfrichtersitzung lieh bereits ahnen, in welchem Ausmaß die Kämpfe durchgeführt werden. Die Stimmung in der Kampfrichtersitzung stand bereits ganz im Zeichen der außerordentlichen Veranstaltung. Die notwendigen Formalitäten waren rasch erledigt, da sich unter den Kampfrichtern viele befanden, die sich seit Jahrzehnten opferbereit der großen Sache der deutschen Leibesübungen zur Verfügung stellen. Der Vertreter des Aeichsspottsührers. Am heutigen Samstagvormittag traf als Vertreter des durch Olympiade-Vorkämpfe am Erscheinen in Gießen verhinderten Reichssportführers der Reichsdietwart Münch aus Berlin in Gießen ein. Einholung des Gaubanners. fiulbigunq für Turnvater Jahn am Jahn-Gedenkstein. Gauoberturnmart P a u I, Gießen, bei seiner . Ansprache. I WWW WÄ MZAmi '-"J Wk-v f Einholung des Gaubanners am Bahnhof. Vor dem Gaubanner eine alte große Hessenfahne. (Aufnahmen (2]: Photo-Pfaff, Gießen.) 4 W Ermahne uns immer, freu unsere Pflicht zu tun, willig und hingabefreudig unserem Führer zu folgen, ihm unsere ganze Liebe zu schenken, die ihn glücklich macht. 3a, wir wollen Liebe üben und Treue hatten, damit die Zukunft unser werde! Liebe, die unermüdlich ist und nicht an sich selbst denkt, sondern nur an Deutschland. Treue, die niemals wanken soll, die das Mark der Ehre ist, wie es der große Feld- marschall des Weltkrieges, der heute vor einem Jahr von seinem Volke zu der Armee seiner toten Kameraden ging, als ewiges Mahnwort diesem Volke hinterlieh. In diesem Wollen weihe ich dich — du. Banner des Gaues Hessen — in einer großen Zeit, m der auch wir berufen sind, einem großen Werke zu dienen. —Du bist geweiht. — Wir aber, meine lieben Turn- und Sportfreunde, wollen den Weg der Pflicht und damit der Freiheit gehen. Der Blutstrom unserer Ahnen, der in unseren Ädern pulst; die deutsche Seele, die in uns schwingt, des Führers leuchtendes Vorbild, müssen uns Wegweiser sein, daß wir das Ziel erreichen. Laßt uns mit leidenschaftlicher Gewalt an unseres Volkes Zukunft glauben und bereit fein, heut und morgen und immer feine treuesten Diener zu fein! Vorwärts und aufwärts! Wir grühen dich in dieser Stunde, großes, geliebtes deutsches Vaterland, wir grüßen dich, du Führer aus Nacht und Not, und rufen: Sieg-Heil! Freudig stimmte die Menge in den dreimaligen Rus ein. Dann wurden die ersten Verse des Horst« Wessel-Liedes und des Deutschlandliedes gesungen. Damit war die Eröffnungsfeier beendet. Bei den Freiübungen. - v.v/.^.v 1' . ’ '• ?/' , ■Fi j Kranzniederlegungen. Unter Vorantritt des Musikzuges der SA.- Standarte 116 unter Leitung des Musikzugführers Herrmann marschierten gegen 18.30 Uhr die Gießener Turner und Sportler unter dem Kommando des Gauoberturnwarts Paul vom Oswaldsgarten zur Bahn zur Einholung des Gaubanners. Eine Anzahl Dereinsfahnen und die vielen jungen Turnerinnen in ihrer hübschen Turnerinnenkleidung gaben dem stattlichen Zug eine besonders schöne Rote. Eine große Menschenmenge, besonders am Bahnhofsplatz, wohnte dem fesselnden Ereignis bei und bekundete auch während des Marsches ihre herzliche Sympathie mit den Turnern und Sportlern. Den Absperrdienst auf dem Bahnhofsplatz, wie auch bei den folgenden Feiern auf Oswaldsgarten, Auf der gewohnten Stelle auf Oswaldsgarten, an der Nordseite, war eine große Flaggenwand mit den Fahnen und Symbolen der Partei errichtet, davor war der Rednerstand geschaffen, alles mit viel frischem Grün geschmückt. Eine große Mem schenmenge hatte sich auch hier eingefunden. Nach dem Aufmarsch der Banner und Fahnen, sowie der Marschkolonnen hielt zunächst der Unterkrels- führer der DT., Reichsbahnoberrat Boeder/ Kassel, eine Ansprache, in der er sagte: Seit dem letzten Turnfest des früheren Oberweserkreises der Deutschen Turnerschaft, dem heutigen Gau XII, im Juli 1932 in Kassel ist das Banner von dieser Stadt beherbergt worden. Bei der damaligen Uebergabe von dem Vorsitzenden der Kasseler Turnerschaft Dr. Froeb sagte dieser: „Das Banner, das in glücklichen Tagen Zeuge vieler frohen turnerischen Feste war, solle leuchten über die gegenwärtigen trüben Tage hinweg in ein glücklicheres Deutschland." Sein Wunsch ist in Erfüllung gegangen dank unserem großen Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Der gewaltige Umbruch der Nation hat aber nicht nur die Volksverbundenheit und Einigkeit aller deutschen Stämme gebracht, sondern auch die Vereinigung aller Turn- und Sportoer- bände unter der Führung des Reichssport- führers. Als Unterkreisführer der DT. des Stadtkreises Kassel und Vertreter des Fachamtes I Turnen in her Ortsgruppe Kassel des Reichsbundes für Leibesübungen übergebe ich nunmehr das Gaubanner in die Obhut des Kreises 8 und der Stadt Gießen. Assessor Loh, Gießen, als stellvertretender Ortsgruppenleiter des Reichs- tumbes für Leibesübungen übernahm das Gaubanner in die Obhut der Stadt Gießen und handlgte es der DT. in Gießen zu treuen Händen aus. am Gefallenen-Denkmal auf dem Landgraf-Philipp- Platz und am Jahn-Gedenkstein, versahen die Polizei und die SS. in gewohnter, vortrefflicher und einwandfreier Weise. Mitglieder der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz hatten hierbei, wie auch während aller anderen Veranstaltungen, in altbekannter trefflicher Pflichterfüllung den Sanitätsdienst übernommen. Kurz nach 19 Uhr wurde das Gaubanner in Begleitung einer alten riesigen Hessenfahne aus dem Bahnhofsgebäude gebracht, gefolgt von mehreren Vereinsfahnen, während der SA.-Musikzug den Badenweiler Marsch spielte und die große Menschenmenge die Fahnen mit dem deutschen Gruß empfing. Dann ging es in flottem Marsch, begleitet von viel Volk, zum Oswaldsgarten. DT -Gauführer Brunst, Dollmarshausen, der mit der Leitung des Gaufestes beauftragt ist, sagte dann in seiner Ansprache zur Festeröffnunq: Mit der Uebergabe des Gaubanners ist nun auch unserem Hessengau das erste Gaufest des RfL., diese erste Gemeinschaftstat, eingeleitet worden. Lasset uns Liebe üben und Treue hatten, so wird die Zukunft unser fein*4. Diese Worte an den Anfang unseres festlichen Beginnens gestellt, mögen die Gießener Festtage durchleuchten und sich tief in unser aller Herzen graben! Groß und mühevoll waren die Vorbereitungen. Möge der festliche Ablauf das erfüllen, was wir alle wünschen und erhoffen, damit dieses erste Gaufest des RfL. zu einer machtvollen und eindringlichen Kundgebung deutscher Turn- und Sportgemeinschaft auch in unserer Hessenheimat werde. Ich freue mich, daß alle die, die heute, morgen und übermorgen Freude und Arbeit mit uns teilen wollen, hierher kommen, um zu bekunden, daß sie den Willen haben, den Fahnen des Dritten Reiches zu folgen, daß sie sich sagen wollen: Die Zukunft foll uns als wahre Kameraden und Freunde sehen. Hier vor mir steht das alte Banner des Gaues Hessen, das vergangener Zeiten Glück und Not gesehen, an das sich so viele geschichtliche Erinnerung und beste Ueberlieferung knüpft. Es soll in dieser Stunde seine neue Weihe erhalten. — Du Banner des Gaues Hessen! Stolz trugst du in Koburgs Mauern zum ersten Mal dein neues Gewand. Dort, wo der Gemeinschaft um Jahn stolze Worte des Lobes und der Anerkennung gezollt wurden, wo neue Aufgaben und neue Pflichten für der Zukunft Gestaltung uns übertragen wurden, schwebest du uns mahnend voran. Führe uns einer stolzen, großen, glücklichen Zukunft entgegen! Von Oswaldsgarten ging nun der Marsch durch die Neustadt, Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Kreuzplatz, Sonnenstraße, Brandplatz zum Gefallenen-Denkmal auf dem Landgraf-Phi« l i p p - P1 a tz , bei dem sich wieder eine große Zuschauermenge eingefunden hatte. Hier gedachte OT -Gauführer Brunst der Gefallenen mit folgender Ansprache: Hoch und heilig seien diese Worte für alle Ewigkeit in die Herzen deutscher Menschen eingegraben: „Vergiß mein Volk die teuren Toten nicht!" So wollen auch wir zu Beginn unseres Gaufestes der Millionen Tapferen gedenken, die im Kampfe um ihres Volkes Leben ihr Leben opferten: Du Bruder im feldgrauen Ehrenkleid, der du im Kampf um Deutschland dein Herzblut gabst, du Bruder im Ehrenkleid des braunen Soldaten, der du als Streiter des Führers im Ringen um das erwachende neue Deutschland dein Leben opfertest. hier stehen deutsche Menschen schweigend in Dankbarkeit und Ehrfurcht und geloben still im herzen, euer Vermächtnis in starker Hand und in treuem Herzen zu tragen. 3hr, die ihr in Reichsdietwart Münch (Zweiter von links). einem heiligen Wall um der Heimaterde Grenzen ruht, ihr, die ihr als Gefolgsmänner des Führers euer Leben hingabt: wir Lebenden werden auch über die großen Tage unserer Zett eure Liebe und Treue nicht vergessen. Es gab eine Zeit der Not, der Schmach, der Ehrlosigkeit in deutschen Landen, da schient ihr Der« gessen. Nun aber, da der Herrgott unseren Führer dem Volke sandte, stehen Millionen bereit, es euch gleichzutun, damit Deutschland wieder aufsteht. So senket euch Fahnen, wir gedenken unserer teuren Toten! — Die Musik spielte das Lied vom guten Kameraden, die Menge ehrte die Gefallenen mit dem deutschen Gruß, während der Redner am Denkmal einen Kranz niederlegte. — Dann sagte der Redner nach dem Wiedererheben der Fahnen zum Schluß: Tote Kameraden, eure Saat ist aufgegangen, euer Blut ist nicht umsonst geflossen, euer Geist beseelt der Lebenden Taten. Möge der Herr des Himmels die deutsche Ernte segnen. Der Marsch wurde dann über den Brandplatz, durch die Sonnenstraße, Neuen Säue, Gartenstraße, Ludwigstraße, Bismarckstraße, Stephanstraße, ©ar» Die Wettkämpfe haben begonnen. Turnen am Barren« Die Eröffnung des Festes tensttaße zum Sahn-Gedenk stein fortgesetzt. Hier sagte Gauoberturnwart Paul, Gießen, in einer Gedenkansprache an Friedrich Ludwig Jahn: Wir wollen einen Augenblick eines Mannes gedenken, der von vielen vergessen war und noch von vielen mehr verkannt. Wir wollen des Mannes gedenken mit dem goldenen Herzen und der urdeutschen Gesinnung, dessen Vermächtnis wir über die Deutsche Turnerschaft in den Reichsbund für Leibesübungen getragen haben. Wir wollen hier, ehe wir zur frohen Arbeit hinaufgehen, einen Augenblick an den Mann uns erinnern, dem vorgeschwebt haben jene Volksfeste, die wir jetzt im Begriff sind zu begehen und deren Vorboten in den anderen Gauen die Anfänger echter, wahrer, deutscher Volksfeste waren. Die Feste des Reichsbundes für Leibesübungen sind in dieser Gestaltung nichts Neues, sondern sie sind die Erfüllung jener heißen Sehnsucht, die unser Friedrich Ludwig Iahn, unser Turnvater, Im Herzen trug. Seien wir würdig dieses urdeutschen INannes und legen wir dem Reichsbund für Leibesübungen jene Gedanken zugrunde, die ihn beseelt haben. So wollen wir auf dem Wege zu den wahren Volksfesten unseres Turnvaters gedenken, indem wir geloben: Ob wir Turner oder Sportler sind, wir wollen im Geiste Jahns arbeiten zum Wohle Deutschlands, für Volk und Vaterland, und wir wollen den Weg unseres Reichssportführers gehen mit dem Auftrag von Adolf Hitler, die deutschen Leibesübungen zu einigen in einem echt deutschen Bund deutscher Männer und deutscher Frauen. Mit diesem Gelöbnis legte der Redner einen Kranz am Jahn-Gedenkstein nieder. Dann marschierte der stattliche Zug durch die Kaiserallee zur Volkshalle. Vegriißungs- und Kameradschastsabend. In festlicher Gemeinschaft vereinigte dann der Begrüßungs- und Kameradschaftsabend die Turner und Sportler, viele Gäste aus dem Gau, aus Stadt und Land in der mit Hakenkreuzfahnen schön geschmückten Volkshalle. Besonders schön war die Bühne hergerichtet worden; der ganze Bühnenraum war schwarz ausgeschlagen, die Rückwand durch ein Hakenkreuz belebt. Die Volkshalle war gut besetzt. Unter den vielen Gästen sah man u. a. den Oberbürgermeister Ritter, der der Veranstaltung von Anfang bis zum Schluß beiwohnte, den Gaubeauf- tragten des Reichssportführers, Meister (Kassel), als Vertreter des Prinzen von Hessen und des NSKK. Kurhessens, Standartenführer Kramer (Kassel), ferner waren die Wehrmacht, SA. und SS. und verschiedene andere Organisationen der Partei vertreten. U. a. war auch der Organisator des Turnfestes in Stuttgart, Dr. Obermeyer (Stuttgart), erschienen. Der Abend wurde durch schneidige Darbietungen des Musikzuges der SA.-Standarte 116 unter der Stabführung von Musikzugführer Herrmann eingeleitet. Der Bauersche Gesangverein (Chordirigent Lehrer Dietrich) sang anschließend „Sonnaufgang" von Cornelius, dann brachte der disziplinierte Chor noch das mahnende „Run schweige jeder von seinem Leid" (H. Heinrichs) zu Gehör. Mit großem Interesse folgte man dann dem Auftreten der Gauriege (Leitung: Gaumännerturn- wart Dahms, Bad Wildungen) am Barren. Die Turner L. und H. Herbert, Gießen, S ch ö f f - mann und Setti n. Wieseck, Seth, Großen- Linden, Busch, Fluck und Sieger, Limburg, Adolf Fink, Marburg, und Erich Fink, Kassel, zeigten sich von ihrer besten Seite und machten mit ihren Vorführungen der hohen Schule des Geräteturnens große Freude. Jede Hebung erntete verdienten starken Beifall. Richt weniger großartig waren dann einzelne Leistungen am Reck, die im weiteren Verlaufe des Abends gezeigt wurden. Die Vorführungen bewiesen den hohen Stand des Geräteturnens in unserem Gau. Herzlicher Beifall dankte den Turnern. Oer Leiter des Hauptausschusses A. Reining-Gießen entbot den Gästen aus nah und fern den herzlichen Willkommengruß des Hauptausschusses und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Gaufest* einen Verlauf nehmen möchte, der für alle ein denkwürdiges Erlebnis fei. Jeder Besucher möge mit den besten Erinnerungen von hier scheiden. Dann übertrug der Redner die Leitung des Gaufestes dem OT -Gauführer Brunst, der diese Ausgabe mit herzlichen Dankesworten an den Vorredner für dessen und der übrigen Ausschußmitglieder ausgezeichnete Vorbereitung des Festes übernahm. Sodann dankte der Redner dem Oberbürgermeister und der Gießener Bevölkerung 1 ür die außerordentlich herzliche Ausnahme und die ehr tatkräftige Förderung durch die Stadtverwal- ung. Weitere Gruß- und Dankesworte richtete der Redner an den Gaubeauftragten des Reichssportführers Meister (Kassel), den Vertreter des Prinzen von Hessen Standartenführer Kramer (Kassel), den schwäbischen Turnerführer Dr. Obermeyer, bekannt als Vorsitzender des Hauptaus- schuffes des Stuttgarter Turnfestes, an die Karne- raben der Wehrmacht, der SA., SS., Arbeitsdienst, der HI., den BDM. sowie an die vielen Turner und Sportler beiderlei Geschlechts. Er wies sodann auf die Ideenwelt Jahns yin, die in Deutschland immer mehr gewachsen sei und in den RfL. mit hinübergenommen werden müsse. Unser Führer Adolf Hitler habe uns den gleichen Weg gezeigt, der allein zu einem großen Deutschland führe. Aus diesem Wege in Glauben, Liebe und Treue zum Führer und in geeinter Front muß marschiert und gekämpft werden für eine glückliche, gesegnete deutsche Zukunft. Oberbürgermeister Ritter-Gießen wurde bei seinem Erscheinen am Rednerputt mit starkem Beifall der großen Versammlung begrüßt. Er entbot den Männern und Frauen des Turnens und des Sports sowie allen übrigen Gästen zunächst den herzlichen Willkommengruß unserer Stadt, sodann erwähnte er, daß die Stadtverwaltung gerne bei den Vorbereitungsarbeiten förderlich gewesen sei. Die Bevölkerung sei aus diesem Wege mit Freuden mitgegangen und bringe den Gästen alle Herzlichkeit entgegen; Beweis dafür seien schon diese ersten Stunben, ferner auch ein Blick in die hiesigen Zeitungen. Turnen und Sport hätten schon feit langen Jahrzehnten in Gießen eine gute Pflegstatt. Es solle auch weiterhin unsere Aufgabe fein, eingedenk der Verpflichtungen, die wir von unseren Vorderen übernommen haben, das verpflichtende Werk fortzusetzen, das jene begonnen, und uns mit aller Kraft für die Ertüchtigung des deutschen Menschen, insbesondere der deutschen Jungen und Mädels, einzusetzen, damit immer ein ehrliebendes Volk bestehe, dessen höchstes Panier die Treue sei und das allezeit bereit sei, seine Kraft und seine Tüchtigkeit einzusetzen für die Verteidigung dieser Ehre, die unser heiligstes Gut dar- stelle. Der Redner wünschte dann allen einen guten Verlaus des Festes und ermahnte xum Schluß, immer der verpflichtenden Linie eingedenk zu fein, daß auch durch Turnen und Sport nach dem Willen des Führers ein einiges und kraftvolles Volk entstehen solle. Das Sieg-Heil des Redners, von der Versammlung begeistert ausgenommen, gatt dem deutschen Sport. Gaubeauftragter Meister-Kassel überbrachte die herzlichen Grüße des Reichssportführers, der leider nicht persönlich kommen konnte; er werde durch den Reichsdietwart Munch vertreten fein. Dann gab der Redner einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung des Reichsbundes und betonte dabei die in diesem Bund verwirklichte Idee der Einheit und der Sammlung. Dann feierte er den Geist Jahns und hob zum Schluß hervor, daß unser Führer Adolf Hitler die geschichtliche Entwicklung der deutschen Leibesübungen anerkannt und dem Reichssportführer den Auftrag zu dem großen Einigungswerk im Reichsbund gegeben habe. Zwischen den Turn- und den Sportkameraden werde in Zukunft kein Unterschied mehr bestehen. Der Ruf zur Mitarbeit ergehe an alle, an jeden einzelnen. Nur durch die Mitarbeit aller werde das große Einigungswerk der Millionen Turner und Sportler zu vollbringen fein mit dem Ziel: Alles für unser Volk, alles für unser Land! Haupteinrichtung, das Sanatorium Hohenlychen. Nach dem Festabend in der Volkshalle fanden I Wir empfehlen den Besuch der lehrreichen Aus- sich Turner und Sportler, soweit sie nicht in der' stellung, der selbstverständlich kostenlos ist. Oer weitere Verlauf des Abends brachte von der Bühne her weiterhin ein unterhaltsames, buntes Programm. Zunächst warteten die jugendlichen Turnerinnen des hiesigen Turnvereins 1846 mit wirkungsvollen und ästhetischen Uebungen in der Ballgymnastik auf. Die Jugendturnerinnen bewiesen dabei eine gute Schulung und viel Disziplin; sie ernteten reichen Beifall. Eine außerordentliche Leistung sah man dann von den Mitgliedern des Gießener Radfahrer-Vereins 1885, von den Herren A. Deibel, Friedrich und Karl Keßler (Wieseck), Heß, Von-Eiff und Wißner, die einen Sechser-Kunstteigen fuhren und dabei große Geschicklichkeit und äußerste sportliche Durchbildung unter Beweis stellten. Die Radfahrer boten schwierigste Uebungen in sicherer und harmonisch bewegter Ausführung. Lebhafter Beifall war verdienter Dank. Sehr dankbar wurde auch das Einer - Kunstfahren von Herrn Haas (Gießener Radfahrerverein 1885) ausgenommen, das dem Publikum in hoher Vollendung vor Augen geführt wurde. Der Bauersche Gesangverein sang noch zwei Lieder („Schenkenbachs Reiterlied" von G. Weller und „Verschütt'" von H. Finken), die dank ihrer sorgfältigen Wiedergabe ebenfalls viel Beifall fanden und den Abend beschlossen. In Anbettacht dessen, daß die meisten Wettkämpfer für den heutigen Samstagmorgen zu ftüher Stunde anzutreten hatten, wurde der Begrüßungsabend noch vor Mitternacht beendet. In angeregter Stimmung und in Erwartung zweier schöner Festtage begab man sich auf den Heimweg. ßin Gruß der Schwaben. Frühe des heutigen Arbeitstages zu den Wettkämpfen antreten mußten, in verschiedenen Lokalen der Stadt noch zu einer kameradschaftlichen Stunde zusammen. Im Bayrischen Hof weilten die Vertreter benachbarter Turngaue im Kreise ihrer Freunde aus dem Gau Hessen. DT.-Gauführer Brunst fand herzliche Worte der Begrüßung an die Freunde aus Schwaben und Baden, vom Niederrhein und der Wasserkante und aus dem Gau Südwest, die als Festgäste in Gießen weilen. Namens der Gäste sprach DT.-Gauführer Oberstudienrat Dr. Obermeyer- Stuttgart, der Feslleiter des letzten Deutschen Turnfestes 1933, in echt schwäbischer Art herzliche Worte. Er überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Schwaben zum Gelingen des Festes. Herzlich seien die Auswärtigen empfangen worden als der Ausdruck dafür, daß Gießens Einwohnerschaft das Fest bejahe. Diese festliche Stimmung, die jeden erfassen müsse, der zur Volksgemeinschaft stehe, biete Gewähr dafür, daß das Fest den Ausklang und Erfolg bringe, den mir alle von ihm erwarten. Eine Ausstellung. Der Hilfsfonds für den deutschen Sport nimmt im Rahmen des 1. Gaufestes eine Ausstellung und einen Vertrieb seiner Olympia-Werbekarten vor. Die Ausstellung die sich in der Drogerie Noll (Ludwigsplatz) befindet, gibt einen Ueberblick über die Aufgaben und die Arbeit des Selbsthilfs» Werks des deutschen Sportes. Der Hilfsfonds bildet die Grundlage für das soziale Hilfswerk des Reichsbundes für Leibesübungen und feine Wehrmacht und Sausest. Oer Infanterie-Führer V würdigt die Bestrebungen des RfL. Unsere Wehrmacht bringt ihre enge Verbundenheit mit dem Reichsbund für Leibesübungen durch freudige Beteiligung an dem 1. Hessischen Gaufest zum Ausdruck. Angehörige der Wehrmacht beteiligen sich am Wehrmannsschießen und an den turnerischen und sportlichen Wettkämpfen und ihrer erfolgreichen Durchführung. In ausdrucksvoller Weise wird die Garnison Gießen am Festsonntag den großen Gemeinschaftstag des RfL. gestalten helfen. Im Rahmen der Schauvorführungen des Nachmittags wird das Infanterie-Regiment Gießen mit spannenden militärsportlichen Wettkämpfen aufwarten, wie es auch bei der erhebenden Gefallenen- Ehrung durch eine Ehrenabordnung vertreten ist. Bei dieser Gefallenen-Ehrung wird Regimentskommandeur Oberst V i e r o w sprechen. Der Infanterie-Führer V, General Lüdke, bedauert es aufrichtig, daß er erkrankt ist und deshalb dem Gaufest fernbieiben muß. Er schreibt u. a. an die Gaufestleitung: ,Zch bedauere das um so mehr, weil die Bestrebungen des Reichsbundes für Leibesübungen, ihr ganzes Tun und Lassen den Grundstock bilden, auf den die Wehrmacht ihre körperlichen Anforderungen aufbaut Nicht umsonst werden ja auch die Leibesübungen bei uns in besonderem Maße gepflegt und gefördert und haben sie gegen die Vorkriegszeit eine so überragende Bedeutung gewonnen. Der Kommandeur des Infanterie-Regiments Gießen wird mich bei dem Gaufest vertreten, dem ich von Herzen einen wohl- gelungenen sportlich schönen Verlauf wünsche." Der Tag der Wettkämpfe Frohes, buntbewegtes Kampfgetriebe auf der Kampfbahn des Festplatzes. Schon in aller Frühe war am heutigen Samstag die Stadt erwacht. Die Turner zogen hinaus zu den Kampfbahnen auf dem Festplatz. Pünktlich traten die Turner zu den von Gaumännerturnwart Dahms, Bad Wildungen, geleiteten turnerischen Mehrkämpfen der Männer in 36 Riegen an, zu den Zwölfkämpfen der Sonderstufe, Oberstufe und Unterstufe, wie zu den Zehnkämpfen der Ober- und Unterstufe. Pünktlich um 7 Uhr wurde begonnen. Von der günstig gelegenen Tribüne hat man eine schöne Uebersicht über das Kampffeld. Dort wird gelaufen oder in den anderen volkstümlichen Hebungen der Mehrkämpfe geturnt, dort treten Riegen am Reck, Barren oder Pferd an, dort versammelt sich eine Riege zur völkischen Aussprache, die erstmals in den Wettkampf eingebaut ist. Hier sieht man die Teilnehmer am Hessenkampf, die ihre Uebungen mit dem Schießen beginnen, nach den Schießständen abmarschieren. Die Turner sind mit dem Wetter sehr zufrieden. Es ist rechtes Turn- roetter, und ein Wettkämpfer sagt uns: „So soll es bis heute mittag 4 Uhr bleiben, dann soll es ruhig wieder heiß werden". Man sieht dann auch wirklich gute Lei st ungen an den Geräten, wenn auch hier und da einmal ein unerwarteter Versager dazwischen kommt, wie es z. B. unserem Wiesecker Schöffmann, der sonst feiner Sache so sicher ist, am Reck passierte. Die Aufmerksamkeit der schon zahlreich anwesenden Zuschauer ist vor allem auf das Geräteturnen gerichtet, und hier in erster Linie wieder aus das Turnen der Sonderstufe, in der Hessens Spitzenturner, die wir so oft schon bei Hallenvetan- ftattungen bewundern konnten, in ihren olympischen Uebungen beachtliches Können zeigten. Um 9 Uhr kamen zu den Turnern noch die Altersturner mit ihren N e u n f ä m p f e n, und die Kampfplätze waren jetzt von insgesamt 1100 Wettkämpfern froh belebt. Unter den Altersturnern sah man viele begeisterte Jünger Jahns, die seit Jahrzehnten der Turnsache die Treue gehalten und anschaulich unter Beweis stellten, wie geregeltes Turnen bis ins mittlere und hohe Mannesatter hinein den Körper leistungsfähig erhält. Schöne Bilder bieten auf dem Festplatze die Gruppen, die zur völkischen Aussprache im Kreise auf dem Boden um die Kampfrichter sitzen. Die völkische Aussprache macht die Wett- kämpfer mit den Aufgaben und Zielen der Turner Oer Hecht. (Line Spihbubengeschichie von Paul Ernst. Der Herr Stadttichter Matta hat über eine Anzahl Spitzbuben abzuurteilen. Es war ein Auflauf gewesen, bei dem mehrere Geldbeutel abgeschnitten wurden. Die Polizei hat verschiedene Leute verhaftet, von denen sie glaubt, daß sie bei dieser Gelegenheit tätig waren. Matta sitzt auf seinem Richterstuhl vor seinem breiten Tisch, zur linken sitzt ihm sein Schreiber und schreibt nach; er läßt die einzelnen Angeklagten vortreten, befragt sie, hört ihre Antworten, befragt die Zeugen, bildet sich sein Urteil und teilt dem Spitzbuben mit, zu wieviel Jahren er verurteilt ist. Das Verfahren erscheint uns vielleicht etwas oberflächlich; aber ländlich, sittlich, das Gericht ist überlastet, die Polizei faßt überhaupt keine Spitzbuben, die nicht unbedingt zu der denkbar höchsten Strafe verurteilt werden müßten, wenn nicht für diese, bann für andere Taten, so daß die Schnelligkeit Mattas den armen Kerls eigentlich nur eine Möglichkeit gibt, glimpflicher davonzukommen. Außerdem reihen die Spitzbuben natürlich sobald wie möglich aus, wenn sie im Gefängnis sitzen. Pietrino steht mit im Gerichtssaal; aber nicht als Angeklagter, sondern als Zeuge. Er hat sich den Angeklagten zur Verfügung gestellt. Er war mit im Gedränge und bezeugt bei federn Spitzbuben, der vorgeführt wird, daß er ihn keinen Geldbeutel hat abschneiden sehen. Das Zeugnis hat bei den ersten Angeklagten geholfen; später fiel es dem Stadtrichter Matta ein, daß der Mann ja vielleicht den Beutel abaeschnitten haben kann, während Pietrino gerade nicht hinsah, und so nützt sein Zeugnis jetzt nichts mehr. Pietrino ist daher auch im Begriff zu gehen; denn wozu soll er sich umsonst im Gericht herumtteiben? Das Dienstmädchen des Richters Matta erscheint, bestellt dem Herrn einen Gruß von der gnädigen Frau, und Onkel Vittorio wäre gekommen und wollte zum Essen dableiben, und der Herr Richter möchte doch sehen, daß er recht frühzeitig fertig wurde. Matta flucht auf die Gedankenlosigkeit der Werber. Wie oft hat er nicht gesagt, daß sein silberner Trinkbecher, den er von Onkel Vittorio geschenkt bekommen hat, zum Silberschmied zum Ausbeulen geschickt werden soll! Was wird Onkel Vittorio nun oon ihm denken, wie er seine Geschenke In Ehren hält! Er entläßt das Dienstmädchen und trägt der gnädigen Frau auf, sie solle wenigstens für etwas Anständiges zu Mittag sorgen. Das Dienstmädchen geht; Pietrino hat schweigend das Gespräch mit angehört und geht gleichfalls. Er geht auf den Fischmarkt, wo er eine Fischhändlerin weiß, die ausgezeichnete Fische hat. Er tritt vor ihren Stand, knüpft ein Gespräch mit ihr an und fragt sie, ob sie nicht einen schönen Hecht hat, einen recht schönen Hecht, er muß reichlich sein für fünf Personen, er ist für den Herrn Stadtrichter Matta, und der Herr Stadtrichter Matta hat es nicht gern, wenn auf dem Tisch etwas knapp ist; der Onkel Vittorio ist zu Besuch, und Onkel Vittorio ist der Erbonkel und ist ein starker Esser, und das weiß man ja, wenn einer ordentlich ißt, dann essen die andern auch mehr wie sonst. Die Fischhändlerin hat gerade einen Hecht, der für die Gesellschaft des Herrn Stadtrichters paßt, einen Achtpfünder, einen Hecht, wie er selten vorkommt heutzutage, denn der Hecht kann das auch nicht mehr leisten, früher haben die Leute an den Fasttagen eine Seespinne gegessen ober ein halbes Pfunb Stint, jetzt soll es immer Hecht sein, unb wo soll benn ber Hecht Herkommen? Sie faßt ben Hecht mit zwei Fingern zwischen ben Kiemen unb hält ihn hoch; ein Staatshecht! Ein Prachthecht! Ein süßes Tier von einem Hecht! Die Fischhänblerin ist ein junges, appetit- uches Weib, brall unb rotbäckig, mit gleichmäßigen, weißen Zähnen unb frischen, blauen Augen. Ein Hecht zum Küssen! Piettino kauft ben Hecht für fünf Bajocci unb bezahlt bar, er läßt sich ben Hecht in Papier schla- gen unb geht zum Hause bes Herrn Stabtrichters Matta. Er bestellt ber Frau Stabtrichter einen Gruß vom Herrn Stabtrichter, unb hier wäre ber Hecht jur ben Mittag, ber Herr Stabtrichter habe ihn selber gekauft, bie Frau Stabtrichter solle ihn aber sp^en, unb bie Frau Stabtrichter möchte boch so fteunblich fein unb bem Boten ben Munbbecher bes Herrn Stabtrichters geben, er solle ihn gleich zum Silberschmieb bringen zum Ausbeulen. Die Frau Stabttichter finbet, baß ihr Mann gut gekauft hat, wenn ber Hecht nur nicht zu teuer ist, benn ben Mannern wirb immer mehr abgenommen uaf bem Markt als ben Frauen; sie legt ben Hecht auf eme große Schüssel, schließt den Schrank auf unb nimmt ben Munbbecher heraus. Dann schärst sie dem Boten ein, daß der Silberschmieb ihn aber ja gleich in Orbnung bringt unb ihn nicht vierzehn Tage lang sich in ber Werkstätte herumtteiben laßt, denn ber Herr Stabtrichter gebraucht ihn täglich unb wäre sehr ärgerlich, wenn er seinen Mundbecher einmal nicht hätte. Pietrino nimmt den Becher, wickelt ihn in bas Papier, bas um ben Hecht geschlagen war unb zieht ab. Er geht in bie Kneipe, wo Freunbe beieinander sitzen, und erzählt seinen Stteich. Lange Rübe ist der Oberste am Tisch, er hat selbstverständlich den Ehrenplatz, und alle sehen auf ihn, was er zu ber Geschichte sagen wirb. Lange Rübe zuckt bie Achseln. Was ist bas schließlich für eine Helbentat! Ein silberner Becher für einen Hecht! Solche Geschäfte macht jeber Kaufmann. Der Gauner muß ben Hecht auch roieber mitnehmen, bann hat er etwas geleistet; aber so etwas, bas ist gar nichts. Pietrino ist gekränkt unb macht eine ausfallende Bemerkung über Leute, die alles besser wissen, aber besser machen, das ist eine andere Sache. Wortlos nimmt ihm Lange Rübe den Becher ab unb geht. Er nimmt einen jungen Menschen mit, ber ba am Tische sitzt, unb geht geraberoegs zum Hause bes Stadttichters unb klingelt. Die Frau Stabtrichter öffnet ihm in Küchenschürze mit geröteten Wangen. Lange Rübe tut so, als ob er sie für bas Dienst- mäbchen hält, unb fragt, ob er bie gnäbige Frau nicht sprechen kann. Die Frau Stabttichter gibt einen erschrockenen Ton von sich, reißt bie Tür zur guten Stube auf unb erklärt, baß bie gnäbige Frau im Augenblick kommen wirb. Lange Rübe tritt ein unb wartet; ber Bursche ist hinter ihm eingetreten unb wartet mit, inbem er bie Mütze in ber Hanb brebt; bie Frau Stabttichter hat inzwischen ihre Schurze abgeworfen, sich in bas Korsett gepreßt, denn fie wallt gewöhnlich uferlos baher, bas gute braunseibene Kleib angezogen, schnell bie Haare n Orbnung gebracht, unb tritt nach einer Viertelende mit süßem Lächeln in bie gute Stube, inbem te sich über bie Dummheit bes Mäbchens beklagt, ’lc Hr ^rst jetzt gesagt habe, baß ein Herr warte. Lange Rübe macht eine Verbeugung unb stellt sich als geheimen Angestellten ber Polizei vor. Die gnäbige Frau ist einem stechen Gaunerstreich zum Opfer gefallen. Hier — er zeigt ihr ben Becher — diesen Becher hat ihr ein Spitzbube abgeschwinbelt der angab, von dem $crrn Gemahl geschickt zu sein, unb einen Hecht mitbrachte, ben ber Herr Stadtrichter angeblich gekauft haben sollte. Die Polizei hat den Mann bereits dingfest gemacht; sie bittet nur noch, daß die Frau Stadtrichter ben Hecht verabfolgt, ba man biefen nebst bem Becher als Zeugen ber Gaunerei braucht. Die Frau Stabtrichter fällt aus allen Wolken. Nein, was boch einem geschehen kann! Unb ber Herr Stabttichter hat von nichts gewußt, er hat gar mcht nach bem Becher geschickt, er hat auch ben Hecht gar nicht gekauft! Lange Rübe macht eine vornehme Hanbbewegung. Der Herr Stabttichter weiß selbst jetzt noch von nichts; aber bie Polizei wacht. Kopfschüttelnb geht bie Frau Stabtrichter in bie Küche unb winkt bem Burschen, baß er ihr folgt; in ber Küche gibt sie ihm ben Sjedjt, ber noch auf ber Schüssel liegt. „Aber bie Schüssel gehört mir, ich bekomme sie boch roieber?" fragt fie. „Gewiß, gnäbige Frau", erroibert Lange Rüde, macht eine tabellose Verbeugung, zieht bie Hanb ber gnäbigen Frau zum Kuß an ben Munb unb geht mit bem Burschen ab, ber ben Hecht trägt. Pietrino erklärt etwas verbrossen, baß er besiegt ist, denn Lange Rübe hat nicht nur ben Hecht, fon- bern auch noch eine Schüssel aus gutem Porzellan dazu erbeutet. Aber bie Wirtin kann ben Hecht sehr gut zubereiten, unb ber Wirt hat einen trefflichen Wem; ber Munbbecher bes Herrn Stabtrichters geht um unb fein Hecht wirb aufgetragen, unb so wird benn bie leichte Verletztheit in allgemeiner Zustie- benheit vergessen. Aus alten Schatz- und Wunderkammern Eine besondere Anziehungskraft auf Düsselborfs -öe|ud)er uvt zur Zeit eine Sonberausstellung „Aus alten Schatz- unb Wunderkammern" aus, bie im JJiufeumsgebäube am Ehrenhof gezeigt wird. Die aus ben Kunstsammlungen Düsselborfs zusammen- gestellte Schau umfaßt wertvollste Gefäße unb Gerate aus Holz, Stein, Perlmutter, Muscheln, Ton und Glas usw. in Gold- und Dilberfassungen, bie ür ihrer uberwiegenben Mehrzahl aus Golbschmiebe- Werkstätten bes 16. bis 18. Jahrhunderts stammen, zlus beutschen Museen unb Privatsammlungen sind hier eine Reihe außerorbentlich wertvoller unb fei- tener Stücke zur Schau gestellt, bie bisher ber Oeffentlichkeit nicht zugänglich waren. Die Ausstellung bleibt bis zum L Septtmber geöffnet« * Birklar, 2. Aug. Der 20 Jahre alte Land- wirt Karl Koch stürzte heute o om Ernte. Oer Heichswettkampf der GA Der vierte Kampfsonntag. Der 5 Obecheffen diesem Nachdruck verboten! 18 Fortsetzung. anz sie daran Wenn Worte. 15. Kapitel. maren, bretter Sturm Buseck. Sturm Sturm Sturm Sturmbann 11/116 (Gießen). und 7 Uhr morgens auf den S ch i e ß st ä n - übersah sie. Leb' wohl!" Eine kurze Verbeugung, Marlen stand allein im Saal Mit einem wehen Blick sah sie sich um. Das war nun ihr Verlobungstag! Wie groß der Saal war — wie leer plötzlich alles erschien! Wie sinnlos die Schönheit der Blumen ringsum. Was sollten diese Blumen ihr, deren Lebensgluck für immer zerstört war? Was sollte sie mit ihrem Le- be®eorgr—UPnur°für ihn mußte sie existieren. Sie hatte ihm ihre Verlobung nicht mitgeteilt. Sie hatte es nicht übers Herz gebracht. Denn dann hätte sie ihn auch bitten müssen, herzukommen. Und für Georg hätte sie die Komödie nicht weiter, spielen können? Er kannte sie zu genau, er hatte Sturmbann III/116. 9/116 morgens 7 Uhr in Großen- 10/116 morgens 9 Uhr in Steinbach. 12/116 morgens 11 Uhr in Lich. 11/116, 14 Uhr in Hungen Sturmbann 1/116 (Allendorf a. d. Lda.). Sturm 4/116 in Reiskirchen, 10-Kilometer- Gepäckmarsch mit Wäschewechsel; Marschstraße: Reiskirchen—Hattenrod—Harbach—Saasen. Sturm 3/116 in Saasen, 10-Kilometer-Gepack- marsch mit Wäschewechsel; Marschstraße: Saasen— Queckborn—Grünb^rg. Mit dem Gepäckmarsch des Sturmes 4/116 ist gleichzeitig eine Einsatzübung verbunden. den an der Haardt, Kleinkaliberschießen des Sturmes 45/116 und des Reitersturmes. Sturm 7/116 morgens 7 Uhr in Watzenborn- Steinberg Leibesübungen. Vorbereitungen zum Grünberger Gallusmarkt. gen. Von einer Verlosung hat man in Jahr Abstand genommen. Landkreis Gießen. Kreise finden wir die Vereine aus der Kasseler Gegend bis zum Westerwald. Für das Mann- schaftsschießen sind 21 Vereine für Kleinkaliber gemeldet, 3 für Wehrmann und 4 für Wehrsport. Von den Einzelschützen entfallen 83 Mann auf Kleinkaliber, 41 auf Wehrmann, 9 für Wehrsport und 5 für Pistolen. Im ganzen smd bis jetzt etwa 200 Schützen angetreten. Das Ergebnis wird sich aber noch ändern, da immer noch Meldungen einlaufen. Die Stimmung ist überall zuversichtlich. * Bei den Schwimmern. Am Treffpunkt der Schwimmer, in der Müller- schen Badeanstalt, herrschte auch schon zu früher Stunde reges Leben. Wenn auch das Wasser durch die kühle Witterung der jüngsten Tage ziemlich kalt war und der Sonnenschein heute morgen ausbtteb, so ließen sich die Schwimmer doch nicht abschrecken. Leider wurden durch das kühle Wasser die Leistungen Reichödietwart Münch. Reichsdietwart M ü n ch spricht Sonntagfrüh 10.15 Uhr im Schützenhaus in Anwesenheit des Gau- beauftragten und der Bezirksbeauftragten bei einem Presseempfang, an dem auch die anwesenden Gaufachamtsleiter teilzunehmen haben. Der Reichs- dietwart behandelt im Auftrag des Reichssportfüh- rers das Thema „Die Neuordnung der Leibesübung im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen". Oie Trachtengruppe in Sieben. Mr sanden zueinander. Vornan von Klothilde v. Stegmann. Urh-b-rr-chtjchutz: Fünj-Türme-Berlag -all- (6.) Tiefblau leuchtet der Lago Maggiore im sttahlen- den Frühlingsglanz. Tiefblau wölbt sich über ihn der südliche Himmel. Hoch oben auf den majestätischen Bergriesen liegt noch ein Rest funkelnden Schnees. In den Tälern aber blüht es in über» schäumender Fülle. Die Mimosenbäume senken ihre gelben Blütendolden tief herab. Der Flieder blüht in Weiß und Blau. Dor den hochstämmigen Palmen stehen die Rosen in Weiß und Rot. Die etwas beeinträchtigt. Das Programm des Vormittags brachte zunächst die Mehrkämpfe der Damen und Herren. Die Mehrkämpfe bestanden aus dem Schwimmen in drei Lagen (Brust-, Rücken- und Kraulschwimmen) sowie in der Ausführung von fünf verschiedenen Sprüngen Im Schwimmen waren von Damen und Herren je Schwimmart 50 Meter zurückzulegen. Im Verlauf des Kampfes am Vormittag führte gegen 10 Uhr Frl. Henkel (Marburg) vor ihren Konkurrentinnen, bei den Herren lag Werner vom Turnverein 1846 Gießen mit wenig Punktunterschied vor Meyer vom Turnverein Großen-Linden. Die Wettkämpfer nachdem sie sich an die fremden Sprung- gewöhnt hatten, sehr eifrig bei der Sache. Leistungsübungen. Die Leistungsübungen im Sturmbann III/116 dürften wohl das Interesse der Bevölkerung am meisten erregen, da hierbei jedem Sturm eine Aufgabe gestellt wird, die dieser zu lösen hat. allein lassen. Am Ende seht ihr so jämmerlich aus, weil ihr euch schon seit Stunden keinen Kuß habt geben können. Na, da holt's mal nach." „Aber Vater!" Karla fühlte, wie unendlich peinlich die Situation für Marlen und Dietrich war. Aber Hauptmann Weckenroth zog Karla einfach mit sich fort. „Ach was, Kinder, seid nicht so zimperlich — ich war auch einmal jung. Und wie ich mit deiner Mutter verlobt war, Karla, da hab' ich's ebenso gemacht. Da hab' ich alle Besucher zum Teufel gewünscht, um mit meiner Liebsten mal einen Augenblick allein zu fein." Karla mußte wohl oder übel dem Vater folgen. „Wir warten unten im Wagen auf dich, Marlen". Kaum halte sich die Tür hinter Hauptmann Weckenroth und Karla geschlossen, als Dietrich sagte: „Ich reife morgen abend nach dem Süden. Du legst wohl keinen Wert darauf, daß ich mich noch einmal offiziell verabschiede?" Marlen schüttelte stumm den Kopf. „Dann wollen wir es doch so halten: Du erklärst zu Hause, wir hätten jetzt schon Abschied voneinander genommen, weil wir es uns nicht zu schwer machen wollten. Also leb' wohl, Marlen. Du hörst bald von mir. Das Aufgebot ist bestellt, in vier Wochen können wir heiraten. Die nötigen Mitteilungen gehen dir zu." Amtsgericht Gießen. Wegen Betrugs im Rückfall wurde der E. 3-, zur Zeit in Untersuchungshaft, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte zog am 19. Dezember 1934 in Mainzlar von Haus zu Haus und verkaufte Arzneimittel, deren Heilwirkung er vorher zusicherte. In Wirklichkeit waren die Mittel vollkommen zwecklos. Lediglich die Tatsache, daß der Angeklagte aus Not handelte und den entstandenen Schaden ersetzte, veranlaßte das Ge- richt, dem Angeklagten noch einmal Milde angedeihen zu lassen. Der L. Pf. erhielt durch Sttafbefehl eine Geld- strafe von 20 Mark, da er etwa 40 Eschenbaumchen entwendet haben sollte. In der durch den Einspruch anberaumten Hauptverhandlung konnte dem Angeklagten das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit nicht nachgewiesen werden, zumal ihm der Förster die Wegnahme gestattet hatte. Er wurde fretge- sprachen. v „ In einem anderen Fall, in dem der F. R. wegen Zuwiderhandlung gegen das Naturschutzgesetz zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt worden ist, wurde die Strafe auf fünf Mark herabgesetzt. Die E. Sch. wurde, wie wir bereits berichteten, wegen Diebstahls angeklagt. In der geftrigen Hauptverhandlung wurde die Entscheidung verkündet, nach der die Angeklagte zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. vierte Kampssonntag im Reichswettkampf der^SA. sieht folgende Kämpfe vor: Marlens Antlitz. Dietrichs Gesicht verstemte sofort wieder. Mar- lens Züge trugen den Ausdruck einer so tödlichen Erschöpfung, daß Hauptmann Weckenroth ganz entsetzt sagte: , r « „Na, Kinder, was ist denn nur mit euch los? Eben habt ihr ausgesehen wie die leibhaftigen Glückspilze — und setzte wie Leute, denen alle Felle fortaeschwornrnen sind." , r. _ , Es ist wohl ein bißchen viel für Dietrich', fiel Karla rasch ein. ..Du weißt doch, Vater, er ist immer "°^D^he?ßt^rntt anderen Worten", lächelte Haupt- mann Weckenroth unb gab Karla einen kleinen Klaps, meine Hoffnung auf eine Flasche Rotspon, so ganz gemütlich zu vieren, E stg ist, und daß wir machen sollen daß wir ^mtommen? ,,3n der Tat, lieber Weckenroth, ich muß mich zur ^“VTannSomm’ mal, Karla." Hauptmann Weckenroch saht- sein« Tochter unter. „Dann wollen wir mal bis beiden Lieberleut« ein bißchen Oie Jestfolge des Gemeinschaststages des 2Rf£. am Sonntag. 13 Uhr: Jeftjug. 14.15—17.00 Uhr: Gemeinschaftslag des RfL. (Volkstänze. Außballfchule. leichtathletische Entschei- düngen. Handball-, Faustball- und Fußballspiele, Staffeln). 17.10 Uhr: Militarsportliche Wettkämpfe des Infanterie-Regiments Gießen, Rlotor- und Segel- flugveranstaltung der Landesfliegergruppe Darmstadt). 17.30 Uhr: Gemeinsamer Aufmarsch, Einmarsch der Ehrenabordnungen zur Gefallenen-Ehrung. 17.45 Uhr: Festsreiübungen der Turnerinnen und Turner, Siegerehrung, AusNang. im RfL. bekannt. Die Turner gehen gerne auf diese völkischen Fragen ein und smd alle stolz darau, daß sie mit dem Vermerk „entsprochen diese erste „Prüfung" gut bestanden haben. Das Fechten. Auch bas Fechten hat begonnen. Zu den Feckst- wettkäinpfen sind überraschend zahlreiche Meldungen abgegeben. 30 Teilnehmer un Florett, 2V tm Säbel, 14 Degen und 22 Fechterinnen werden sich beifte Sümpfe liefern und bis zum spaten Abend um Eichenkranz und Gaumeistertitel ringen. Im Florett weiden die bekannten Fechter Ludwig und Walter Gerhard, Gießen; Stab ein, Fulda; Mulch, Wetzlar; Wagner, Psafs, Hasper. CT. Kassel, sich erstklassige Geseihte liefern Eine Voraussage ist bei der großen Gleichmäßigkeit aller Genannten kaum möglich. Ob es dem Gaumeister SB Gerhard, Gießen, gelingt, seinen Titel zu ____ JVUll U U.) V*""--,, , , , Bf wagen ab und trug dabei timn .^lüerschenkel- bruch davon. Das Rote Kreuz in Lich verbrachte ihn nach Gießen in die Klinik. .. 4- Aus der We11erau, 2. Aug. Begünstigt durch das herrliche Sommerwetter, fdjreitet Die (Setreibernte rasch vorwärts. Korn und Gerste werden gegenwärtig eingefahren und teilweise vor- gedroschen. Ueberall sind die Dreschmaschinen in Betrieb. Oft wird nachts durchgearbeitet, da das günstige Wetter ausaenutzt werden soll. Im allgemeinen ist der Stroyertrag recht gut, die Körnerernte dagegen ist schwankend. Die Frühkartoffeln sind bereits am Absterben, die späten Sorten haben zwar recht gut angesetzt, jedoch ist in der Knollenentwicklung infolge der großen Trockenheit ein Stillstand eingetreten. Die Kleeschläge treiben nicht aus, Futtermangel macht sich gegenwärtig schon bemerkbar. Die O d st a u s s i ch t e n sind gering; nur Goldparmäne versprechen eine Mittelernte. Das Grummetgras der Wiesen bedarf dringend eines kräftigen Regens, sonst ist kaum mit einem Teppichbeete an der großen Promenade von Locarno, die sich am Meere hinzieht, erstrahlen in bunten Farben. Fröhliche Menschen wandeln am Ufer entlang, Fremde in Reiseanzügen und leichten Kleidern, Tessiner Frauen mit dunklen, schönen Gesichtern, bunte Kopftücher auf dem schwarzen Haar. Die ganze Stadt sieht immer wie feiertäglich aus. Das macht der Frühling, die Sonne, das leuchtende Meer, die Flülle der Blumen. Die Hotels haben ihre Fenster weit geöffnet. Auf den großen ©teinterraffen mit den bunten Korbsesseln sitzen plaudernde Menschen bet dem leichten Tessiner Wein und genießen die Schönheit der Welt. Auch der Sanotoriumgarten des großen deutschen Sanatoriums inmitten der blühenden Bäume und Büsche ist von fröhlichen Menschen erfüllt. Ein Herr in dunklem Anzug, den Zylinder in der Hand, kommt eiligen Schrittes aus dem Portal. „Na, Herr Doktor Langisser, wohin denn so eilig?" fragt einer der Patienten. „Geheimnis, Herr von Birkow. Aber heute mittag werden Sie's erfahren." „Was hat denn der Doktor?" fragt Birkow einen Sanatoriumsgenosfen und sieht ßanggiffer nach. „Der sieht ja so feierlich aus wie zu einer Hochzeit. Und Graf Veltheim ist, ebenso feierlich angetan, im Auto fortgefahren." „Na, wir werden's ja sehen", meint der Angeredete und schließt sich Birkow zu einem kleinen Spaziergang an. Zu gleicher Zeit steht Marlen Korda m dem Hotelzimmer des Hotels „Englischer Hof" vor dem hohen Spiegel. Die neu engagierte Zofe halt ihr den lichtgrünen Tuchmantel mit dem weißen Hermelinkrägelchen hin. . „ , . r. „Schon sehen gnädiges Fräulein aus, sagt sie und mustert entzückt die junge Herrin. Der Spiegel gab das Bild Marlens zurück. Ihre «, ebenmäßige Gestalt in dem eng anüegen- eid von weichem, lichtgrunem Wollstoff — es war ganz in schmale Biesen abgenaht und hatte einen kleinen, runden Einsatz von glänzend weißer Seide, der in einem hohen Kragen mit einer «einen Seidenkrawatte in Weiß und Grün mj&itef. Die zarte Blondheit Marlens wurde b'tffd) dieses glänzende Weiß noch zarter und strahlender. „Erst die Kappe, Gretchen", sa-gte sie freundlich und setzte das grüne Käppchen aus gerippter Seide schräg auf das blonde Haar. Dann ließ sie sich den Mantel umgeben. Er war aus der gleichen schwe- . ren, mattgrünen Ripsseide gearbeitet unb mit mei- i ßer, glänzender Seide abgefüttert. Dreiviertellang, i ließ er einen Teil des Rockes sehen, unter dem bie i silbergrauen Wildlederschuhe und der graue Strumpf i elegant hervorkamen. i „Nein, zu schön sehen gnädiges Fräulein aus — • richtig wie eine glückliche Braut", beteuerte bie [ junge Zofe. „Nun muß ch nur ben Blumentuff : noch anstecken." (Fortsetzung folgt.) Heute gegen 9 Uhr traf der Trachtenzug hier ein der bei dem Volksstück des Heimatbichters Gq. Heß heute abend in der Volkshalle mitwirken wird. Mädchen unb Burschen aus verschiedenen Gegenden des Hessenlandes fanden sich zusammen, die aus dem Biedenkopfer Kreis von Dexbach, Wallau, Buchenau mit ihren hellen kleidsamen Trachten, aus dem Katzenberg, die hier schon bekannten Erks- dorfer und Schützer, aber auch Mädchen aus der Rhön und dem Odenwald. Vom Bahnhof aus marschierten sie unter Führung des Heimatdichters Gg. Heß und unter Vorantritt einer SA.-Musikkapelle durch die Straßen der Stadt zum Landgraf-Philipp- Platz, freudig begrüßt von der Bürgerschaft. Der Arbeitsdienst bildete den Beschluß des Zuges. Verbilligte Fahrt auf der Gießener Straßenbahn. Auf die Festkarten unb Dauerkarten wirb für bie Dauer bes Festes eine verbilligte Fahrkarte in der Geschäftsstelle des Finanzausschusses (Hotel Lenz am Bahnhof) ausgegeben. Die Karte, die zu beliebig häufiger Fahrt benutzt werden kann, kostet 1 Mark. mußte. * Mainzlar, 3. August. Gestern nachmittag spielten hier mehrere Kinder an einer Treppe, die in einem Neubau aufgestellt werden soll. Dabei stürzte die Treppe um und traf die 3 Jahre alte Martha Pfaff, Tochter eines hiesigen Arbeiters, so unglücklich am Hinter- köpf, daß bas bebauernsroerte Kinb mit schwe- ren Verletzungen vom Roten Kreuz in Gießen der dortigen Chirurgischen Klinik zugeführt * Bersrod, 3. Aug. Gestern ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall. Dem 69 Jahre alten Landwirt Wilh. Hammel schlua beim Einfahren der Frucht eine Wagendeichsel so stark gegen den Leib, daß der bedauernswerte Mann in der letzten Nacht mit schweren inneren Verletzungen von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt werden im Auto auf mich." m „Na, sind Sie jetzt zufrieden, kleines Brautchen? fragte Hauptmann Weckenroth, als Marlen, in ihren Fehpelz gehüllt, zu ihm ins Auto schlüpfte. Mit klangloser Stimme antwortete Marlen: „Ja,- ich bin zufrieden!" Dann fetzte sie sich in die Ecke des Autos und schloß die Augen. . „ . , Karla nahm im Schutze der Dunkelheit Marlens Hand und hiett sie fest, bis sie daheim angelangt waren. Auch Hauptmann Weckenroth hatte die Augen geschlossen und schlief. Marlen war glücklich, daß sie nicht zu sprechen brauchte. Daheim verabschiedete sie sich schnell von Karla unb verschwand in ihrem Zimmer. Karla hielt sie nicht zuruck. Sie wußte, das größte Leid hat wie die größte Freude kerne Ertrag zu rechnen. _ _ , ,, ... j) Hungen, 2. Aug. In der letzten Sitzung des Gemeinderats wurde der zum Beigeordneten ernannte Gastwirt Fritz Kohl- tz e y e r von dem Bürgermeister verpflichtet und m fein Amt ein geführt. )-( Sleinheim, 2. August. Wie berichtet fuhr vor einiger Zeit ein mit Pflastersteinen beladenes Lastauto an der abfallenden Kurve des Muhlweges nach Trais-Horloff zu in die hiesige S ch a f - Herde, die gerade die Straße überqueren wollte. Dabei wurden 18 Schafe auf der Stelle getötet, 2 Stück muhten notgefchlachtet werden. Der hütende Schäfer K. Hofmann, der den Wagenführer auf die drohende Gefahr aufmerksam machte, konnte sich im letzten Augenblick noch retten. Obwohl der für den Schaden haftende Lastwagenbesitzer zweimal durch die hiesige Bürgermeisterei zur gütlichen Regelung des Schadens aufgefordert worden war, ließ er die Gemeindeverwaltung ohne Antwort. Gestern abend nun fand im Rathaus eine Versammlung der geschädigten Schafhalter statt, bei der Bürgermeister Schmidt die Rechtsverhältnisse klarlegte und den Schriftwechsel bekanntgab. Die Abschätzung der getöteten Tiere, zum Teil hochwertige Muttertiere, wurde durch eine Sachverständigenkommission vorgenommen. Es wurde beschlosfen, den Rechtsweg zu beschreiten. 2Iber Marlen schien übermenschliche Kräfte zu haben, ebenso wie Dietrich. Kein Maisch hier konnte ahnen, was für eine Tragödie sich im Herzen dieser beiden Menschen abwickelte. Mit gleich- mutiger Freundlichkeit begrüßte Dietrich Beltheim jeden der (Säfte. Mit strahlendem Lächeln neigte Marlen den Kopf, wenn immer neue Menschen ihr vorgestellt wurden, wenn die Herren ihr die Hand küßten, die Damen ihr herzlich Gluck wünschten. „ . , „ Mit strahlendem Lächeln ging sie dann neben ihrem Verlobten zur Festtafel, Die in dem großen Saal aufgebaut war. Ein allgemeines Ah! des Entzückens ging durch den Raum, als man diese Tafel sah- Ae war ganz in Weiß unb Lichtblau gehalten. Lichtblaue Lander zogen sich über das kostbare Damasttlschtuch, Tupf von Vergißmeinnicht und lichtblauen Zwerghyazinthen waren anmutig auf dem Iifcf) Dertei^t- Dazwischen schimmerten das kostbare Kristall und das alte Porzellan des Hauses Veltheim. Bald entspann sich eine fröhliche Feststimmung, allerlei Festreden wurden gehalten. Und immer wieder erhob Marlen grüßend ihr Glas, wenn irgendeiner der Anwesenden ihr zutrinken wollte. Als die Gäste spätabends Schloß Veltheim ver- ließen, sprach man von nichts anderem als Dem Glück des jungen Paares. , Sowie aber der letzte Besucher bas Schloß verlassen hatte, fiel bie Maske von Dietrichs und hinter ihrer lächelnden Miene die Verzweiflung gesehen. Sie wollte ihm erst nach ihrer Verheiratung von dem Wandel in ihrem Geschick Mitteilung machen. Aber sie konnte ihm ja jetzt noch Geld schicken, heimlich, ohne daß er wußte, von wem es kam. Die Summe, die Dietrich ihr zur Verfügung gestellt, war so groß, daß sie sie nicht im entferntesten verbrauchen konnte. Ob sie von dem Geld wohl nehmen durfte? Aber ehe Georg verhungerte, lieber wollte sie es tun. Daß sie ihm helfen konnte, war der einzige schwache Trost in all dem Unglück. Sie sah sein Gesicht vor sich, wenn er die Geldanweisung bekam. Das ungläubige Staunen, die Freude. Sie sah, wie er heruntereilte in die Läden, sich etwas zu essen holte. Wie feine Dachkammer warm wurde, wie er vielleicht ein behagliches Zimmer sich mieten konnte. Und ein leises Lächeln der Freude glitt über ihr Gesicht. Für einen Augenblick hatte sie Zeit und Raum vergessen. Sie sah nur Georg, den einzigen geliebten Bruder. Sie schrak auf. Einer der Diener kam herein. „Oh, Verzeihung, gnädiges Fräulein!" Erstaunt sah er auf Marlen, die allein im Zimmer stand „Ich wußte nicht — ich glaubte, das gnädige Fräulein wäre schon fort, weil der Herr Graf sich bereits zur Ruhe begeben hat." Marlen faßte sich schnell. „Ich hatte den Herrn Grafen gebeten, mich nicht hinunterzubegleiten, weil es unten im Vestibül kühler ist. Wollen Sie bitte mit mir herunterkommen — Herr Hauptmann Weckenroth wartet unten halten, ist demnach nicht vorauszusagen. Es ist auch durchaus möglich, daß hier nicht ausgeführte Fechter in der Endrunde lartben. . J Beim Säbelfechten sind alle erstklassigen Florett- ; fechter beteiligt. So ist auch hier der Gaumeister- titel hart umkämpft, und wir erwarten auch hier einen Fechter der genannten Spitzengruppe als ersten Sieger. Hasper, CT. Kassel, der vorjährige Gaumeister wird alles daransetzen feinen Titel erfolgreich zu verteidigen. Nach feinen Turniererfolgen in der Zwischenzeit müßte chm das gelingen können. , Das Degenfechten wird von 12 Fechtern bestritten. Diese Spezialwaffe wird nicht von allen Fechtern geübt. Die Qualität der 12 Gemeldeten bietet auch in dieser Waffe Gewähr für allerbesten Sport. Hier dürften wohl die erfahrensten Gießener, Kasseler und Wetzlarer Fechter vorn zu erwarten fein. Wagner, CT. Kassel, der letzte Gaumeister, ist durch seine Reichweite bevorteilt, jedoch sind Dabei mehrere andere Fechter, die dieses Plus durch größere Wettkampferfahrung ausgleichen können. Bei den Fechterinnen ist eine Voraussage nicht möglich, weil bei der Meldung viele neue Namen erscheinen, so daß hier Ueberraschungen nicht ausgeschlossen sind. Auch hier dürften äußerst spannende Kämpfe zu erwarten fein. .. Auf der Liebigshöhe wurden die Kämpfe pünktlich um 8 Uhr mit einer Ansprache des neuen DT.-Gaufechtwarts Heinz Lengernann - Kassel eröffnet. Er überbrachte die Grüße des Gaufachamtsleiters Reuter- Kassel und hieß besonders willkommen den Fechtwart der DT., Stassen- Hanau, der sich rege an der Arbeit beteiligt. Auf den Fechtböden herrscht echtes sportliches Treiben. Die Fechter liefern sich spannende Kämpfe. Der Schießwettkampf hat heute vormittag begonnen. Es sind 38 Vereine zum Einzelschiehen und Vereinsschießen gemeldet. Außer den bekannten Vereinen des Kreises Gießen und der benachbarten preußischen Marlen stand mit gesenktem Kopf. Wie hatte Dietrich gesagt? Sie wollten tun, als ob sie sich ben Abschied nicht zu schwer machen wollten? Wenn er ahnte, wie schwer, wie bitter schwer ihr bie Trennung von ihm wurde! Aber Gott fei Dank, er wußte nichts. Er hielt sie für egoistisch, habgierig unb berechnen!). Aber besser, er hatte biefe Meinung van ihr, als daß er ihre hoffnungslose Liebe zu ihm entdeckte. Wenn sie daran dachte, bäumte sich alle Mädchenscham in ihr auf. Dann gewann sie wieder Kraft, die Komödie wer- tCF §b'^wohl, Dietrich! Recht gute Erholung!" Das war alles, was sie herausbrachte. Sie streckte Dietrich die Hand entgegen. Er aber + ©rünberg, 2. August. Alljährlich beschäftigt sich die Gallusmarkt-Kommission schon geraume Zeit vorher mit der Ausgestaltung des Gallusmarktes. So hat sie auch diesmal wieder in zwei Sitzungen den äußeren Rahmen für den diesjährigen Gallusmarkt ausgestellt. Als Auftakt ist wieder der seit einer Reihe von Jahren schon bestehende Heimatabend am Sonntag in der Turnhalle vorgesehen. Dienstagabend ist die feierliche Eröffnung Des Mark- tes mit Platzkonzert, Ansprache Des Bürgermeisters und Hissung der Marktfahne. Die beiden Haupttage, Mittwoch und Donnerstag, bringen dann den großen Krämermarkt und das Markttreiben auf dem Juxplatz, wozu am ersten Tag noch Rindvieh- und Schweinemarkt tritt. Es ist vorgesehen, diesmal mit dem Viehmarkt einen Zuchtviehmarkt zu verbinden, ebenso soll der zweite Tag noch eine weitere Ausgestaltung ersah- „ . , , - r • - ren. Auch für die Beschickung des Iuxplatzes mit werden mußte. Hier ist das arme Kind heut- Par- zugkräftigen Schaunummern will man Sorge tra- j Wandem und weisen - Bäder und Sommerfrischen. Wanderfahrten Ganzleinenband. .RM.4.80. Prospekte: Städtisches Verkehrsamt 31140 >7 Eine Einladung an dieser Stelle z. Besuch Ihres Hauses führt zu Gästen aus Gießen und Oberhessen. Höhen die andere Seite einsäumen; von allen Sek ten winken und blinken die Schneegipfel. Ruder- und Dampfboote schaukeln auf den Wellen mit festlich frohen Menschen an Bord. Mein Wanderziel hat sich wirklich gelohnt; alle Anstrengungen der langen Fahrt, alle Müdigkeit und Strapazen sind vergessen im Anblick auf diese Wunderwelt. Tausende arme Volksgenossen können im neuen Deutschland durch die Fahrten mit „Kraft durch Freude" nie geahnte Schönheiten genießen; wir aber als Sportkameraden wollen uns diese Schönheiten unseres Vaterlandes erwandern, darum mit frischem Mut dem lohnenden Ziel entgegen. Umgang mit Mutter Grün. Sünden- und Sittenbuch von W. Schoenichen. Brosch. RM. 2.85, gebunden RM. 3.60. Die deutsche Landschaft Von E. L. Schellenberg. Br. RM.2.-,geb. RM. 3 -. Zu beziehen durch jede Buchhandlung! Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde von Gießen in zwei Tagen zum hoherodskopf. Erster Tag: Gießen — Albach — Meilbach — Laubach. Zu dieser Wanderung benutzen wir die vom VHC. Gießen angelegte gelbe Strichmarkierung, die am Alten Friedhof beginnt und auf bekannten Wegen die Wannschneise entlang über die jetzt abgeholzte HoheWartemit schönem Fernblick durch Annerod führt. Bei den letzten Häusern weist uns das Zeichen hinüber zum Fernewald, den wir ein kurzes Stück durchschreiten und auf stillen Waldpfaden zur Rast nach Albach gelangen. Bald hinter dem Ort kommen wir in prächtigen Buchenhochwald, den einsamen Walddistrikt Meilbach, der überaus reizvolle Partien aufzuweisen hat. Beim Austritt aus dem Wald überrascht uns der Blick auf den Hohen Vogelsberg und das hochgelegene Grünberg. Auf der Landstraße gehen wir nun weiter durch M ü n st e r und W e t t e r f e l d und erreichen nach knapp sechsstündiger Wanderung L a u b a ch, wo wir für die Nacht Unterkunft suchen. IlsiPhläoco von3 dis 2v v.fi. erhalten Sie bei wieder- ilCHillulOOB hotten Veröffentlichungen einer Anzeige! IAL X NAUHEIM Zweiter Tag: Laubach —Rudingshain — hoherodskopf — Schotten. Nach Besichtigung des schmucken Städtchens, vor allem des gräflichen Schlosses mit Park, wandern wir weiter unserem seitherigen Zeichen nach. In un- merklicher Steigung durch schönsten Hochwald und liebliche Wiesengründe, stellenweise hübsche Blicke nach dem Seental und einigen anmutig gelegenen Mühlen gewährend, führt uns die Markierung zur Staatsstraße Schotten—Lauterbach, die wir überschreiten und an dem Schnittpunkt einen prächtigen Blick auf die Höhen des Vogelsberges genießen. Wir steigen nun hinab nach Rudingshain und jenseits des Dorfes in leichtem, schattigen Anstieg durch den Hundsbornwald hinauf zum Hoherodskopf, um uns im Klubhaus des VHC. der wohlverdienten Ruhe hinzugeben. Zum Abstieg wählen wir grüne Ringe, die uns über Breungeshain und Michelbach zum Endziel Schotten bringen. Wanderzeit am zweiten Tag etwa sechs Stunden. In dem Sommerplan unseres Post-Sportvereins waren drei Rad-Fernfahrten für den Monat Juni angesetzt; die größte davon sollte bis ins Berchtesgadener Land gehen. Zuerst waren es drei Sportkameraden, die sich zur größten Fahrt meldeten, erst fiel einer aus, dann zog der andere seine Meldung zurück, so daß ich allein übrig blieb. Ich hatte vor Jahren fast eine ebenso große Tour in den Schwarzwald gefahren und ließ mich daher durch nichts erschrecken. Mit einem stabilen Fahrrad, bepackt mit Rucksack, Tasche, Gummimantel und Feldflasche, mit den nötigen Wegekarten versehen, fuhr ich in der Frühe des 13. Juni wohlgemut von Gießen ab. Der Weg führte durch die Ausläufer des Vogelsberges, durch fruchtbare Ebenen, wo fleißige Menschen mit Feldarbeiten beschäftigt waren, über Hügelland mit großen Wäldern. Goldner Sonnenschein lag über den Fluren; frei atmete die Brust, weil man den Alltag endlich einmal abschütteln konnte. Schon nach 4^2 Stunden war die erste Etappe, das alte Barbarossastädtchen Gelnhausen erreicht. Die dreitürmige Marienkirche und die alte Kaiserpfalz grüßten den Wanderer, in den steilen engen Straßen pulsierte reges Leben. Eine Stunde Rast, verbunden mit einem ausgiebigen Frühstück, dazu ein Trunk Apfelwein, erfrischte Körper und Geist. Alsdann setzte ich die Fahrt in der Richtung auf die Mainebene fort. Allerdings versperrten mir die Spessartberge vorerst noch den guten Weg. Doch auch hier gab es kein Zaudern, der einmal festgelegte Plan mußte eingehalten werden. Um weite Umwege zu sparen, mußte ich die gute Asphaltstraße mit schlechteren Seitenstraßen eintauschen. Zuerst ging es auch noch ganz leidlich vorwärts; bald türmten sich aber die Berge zu beträchtlicher Höhe an, so daß ich absitzen und mein Rad schieben mußte. Inzwischen brannte die Sonne mit voller Kraft, der Schweiß rann von der Stirn, begierig suchte ich die schattigsten Stellen des Weges auf. Fast anderthalb Stunden dauerte der Aufstieg; als endlich das Tal auf der anderen Seite sichtbar wurde, atmete ich erleichtert auf. Steile, ausgefa- rene Wege mußten mit der größen Vorsicht befahren werden. Erst nach geraumer Zeit hatte ich wieder die feste Kreisstraße erreicht. Hier erst konnte ich mich wieder frei nach allen Seiten umblicken, dabei machte ich die Feststellung, daß es selten so viel zusammenhängenden Wald gibt, wie hier im Spessart. Kein Wunder, daß man hier noch so viel Wild antrifft. Die Bewohner sind größtenteils sehr arm, sie leben als Klein- sogenannte „Geißenbauern" und gehen zum Holzmachen in den Wald. Trotz ihrer Armut halten sie das Gastrecht hoch. Den letzten Teil des Weges konnte ich spielend zurücklegen, weil ich ebene Straße hatte, so erreichte ich am Spätnachmittag mein Tagesziel, das Kreisstädtchen Lohr am Main. In der schön gelegenen, neuerbauten Jugendherberge fand ich gute und reinliche Unterkunft und vor allem junge, fröhliche Wanderkameraden. Inseln des Deuischtums Don unserem ständigen st.-Serichierstaiier. Berühmte Kurgäste BadSo Izhausen K Das nervenberuhigende Heilbad Herz-u. Gefäßleiden - Rheuma Erschöpfungszustände -Katarrhe . , P A U S C H AL - U. V E R G 0 N S f IG U N $ K U R £ nT AUSKÜNFTE ERTEILT I NESSISC HE BADEDIREKTION lische Sprichwort „Men not measures", „Es kommt auf die Männer an und nicht auf die Maßnahmen", hat sich auch in diesem Fall glänzend bestätigt Auch unter Freiherrn von Neurath bildete die deutsche Botschaft in London einen an Bedeutung ständig wachsenden Mittelpunkt der deutsch-englischen Annäherung. Als Freiherr von Neurath durch das Vertrauen des Feldmarschalls von Hindenburg in schwerster Zeit auf den verantwortungsvollen Posten des deutschen Reichsaußenministers berufen wurde, fragte man sich in London gespannt, auf wen die Wahl für den neuen deutschen Botschafter in London fallen werde. In einem Zeitpunkt, in dem sich der Einfluß der französischen Außenpolitik auf den Kurs des britischen Auswärtigen Amtes besonders stark fühlbar machte, konnte nach Ueberzeugung aller maßgebenden Stellen von deutscher Seite feilte bessere Wahl getroffen werden als die des langjährigen deutschen Botschafters in Paris, Herrn von Ho e sch. In ihm erhielt das Deutsche Reich einen Botschafter in London, der nicht nur durch seine Dorkriegstätigkeit in 9. Carlton House Terrace das Terrain glänzend beherrschte und zahlreiche persönliche Freunde in London besaß, sondern auch in 12jähriger Vertretung der deutschen Interessen in Paris während der schwierigsten Perioden, die wohl je die deutsch-französischen Beziehungen durchgemacht haben, alle Fäden der französischen Außenpolitik gründlich kannte und mit allen Persönlichkeiten des französischen politischen Lebens eng vertraut war. Zu einer Zeit, in der ein Botschafter vom Einfluß und von der Bedeutung des Lord Tyrrell Großbritannien in Paris vertrat, war dies von großem Wert. Wenn heute 9. Carlton House Terrace wieder die Stellung einnimmt, die es vor dem Kriege besaß, so ist dies darauf zurückzuführen, daß seine Insassen 15 Jahre lang, nicht entmutigt durch zeitweilige Rückschläge, stets nur ein Ziel im Auge hatten: den Namen und das Wohl ihres Landes... Oer Waldpark als Bienenweide. Nervös-Erschöpfte' Spezialkuranstalt Hofheim l Taunus 3 bei Frankfurt a. M. 187?v Tel. 214 - Mäßige Preise - Prospekte durch: | Dr. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt I Äm Verlauf einer weiteren Stunde erreichte ich den Chiemsee. Auf der Uferstraße entlangfahrend, bot sich ein herrliches Bild. Zahleiche Boote und Segler kreuzten auf dem See; die Herreninsel mit dem Königsschloß, sowie die Fraueninsel mit dem Massiv des Hochgern boten einen geradezu bezaubernden Anblick. Gegen 14 Uhr kam ich nach Traunstein, einem sauberen Städtchen mit wohlgepflegten Anlagen; in der reinen milden Bergluft erholte sich der Körper schnell von den Strapazen. In der Nacht war ein starker Regen niedergegangen, der auch noch ht der Frühe mit kurzen Unterbrechungen anhielt. Ich ließ mich trotzdem nicht von der Weiterfahrt zurückhalten, weil ich heute noch mein Endziel er- reichen wollte. Eine gute Asphaltstraße führte mich in kurzer Zeit über Teisendorf nach Bad R e i ch e n ha ll, wo ein lebhafter Verkehr herrschte. Man merkte es dieser bekannten Badestadt an, daß ie Knotenpunkt der Grenzstraßen und Station der Bahn von Salzburg war. An dem nahen Bergmassiv des Predigtstuhl (1614 Meter) machte ich zum ersten Male die nähere Bekanntschaft mit der erhaben schönen Bergwelt. Bergfichten- und Latchenwälder bedeckten die steilen Hänge; eine Drccht- eilbahn, als Wunder der Technik, führt vom Tal auf die höchste Bergkuppe. Die Fahrstraße nach Berchtesgaden geht nun in Windungen steil berg= auf; es gibt wieder eine Radschiebewanderung von einer starken Stunde, dann geht's in prachtvollen Kurven talwärts. Ganz unvermutet taucht das prächtige Städtchen Berchtesgaden auf; der Schneegipfel des Watzmann grüßt herunter. Nun heißt es zunächst einmal verweilen und sich satt sehen an all dieser Schönheit. Dann geht es in ganz langsamem Tempo dem Königsee zu, wo das Standquartier aufgeschlagen werden soll. Mit jedem Schritt vorwärts erschließen sich neue Wunder, die man vor Ueberraschung kaum fassen kann. Die Sonne hat die Regenwolken nun durchbrochen und im hellsten Glanz erstrahlen Berghänge und Schneegipfel ringsum. Noch ein kurzes Weilchen und der schönste Bergsee Deutschlands, der K ö n i g s e e , ist erreicht. Bunt glitzern die hellgrünen Wogen des See's, schroff senkt sich der Steilabsturz der Watz- mann-Ostwand zum See, während waldbedeckte „Von der Lahn zu den bayrischen Alpen." Eine Urlaubs-^adwandersahrt. Von F. 3- Mohr, Gießen. Herrenmühle 1. Spess.h.Alzenan herrl. Lage im schönen Kahlgnmd, umgeb, von Waldung., ^os.,Wass.u. Weinberg. Badegel in d.Kahl. Pens - Pr.4^Km.4Mahlz W.-End5K^.Tel.318Alzenau 36ö2d Am nächsten Morgen pünktlich 6 Uhr war Abfahrt; auch heute hatte ich noch einen ansehnlichen Berg zu überwinden, der aber insofern geringe Mühe machte, weil er nur allmählich anstieg und die breite, glatte Straße eine schöne Abfahrt bot. Auch die Gegend änderte sich vollständig; am Main- strom entlang kamen an Stelle der bewaldeten Berge mehr und mehr Weinberge und Gärten in Sicht. Hier und da grüßte eine Burg oder ein Kloster von den Höhen. Bunte Bilder wechselten auf der Straße; neben zahlreichen Privatautos und Fuhrwerken kam eine größere Militär-Kraftfahr- kolonne angefahren. Ein ganz außergewöhnliches Bild boten etwa 50 Handwerker auf festlich geschmückten Rädern, die der Stadt Frankfurt a. M. zum Reichshandwerkertag zustrebten. In der alten Bischofsstadt Würzburg gab es kurze Rast mit Frühstück; dann ging es im flotten Tempo weiter nach K i tz i n g e n. Die Sonne meinte es wieder so gut, daß ich die Mittagszeit zu einem erfrischenden Flußbad im Main ausnutzte und erst nach zwei Stunden weiter- fuhr. Das Gelände blieb fast gleichmäßig wellen- ftrmig bis zur Stadt des Reichsparteitages Nürnberg. Die große Ringmauer im Innern oer Stadt erinnerte stark an das Mittelalter. In der Jugendherberge herrschte Großbetrieb, der große Schlafsaal mit seinen 200 Betten war fast bis auf den letzten Platz belegt. Neu gestärkt ging es am nächsten Morgen weiter; das etwa 60 Kilometer entfernte Weißenburg in Mittelfranken ward um die Mittagszeit erreicht. Bei der notwendigen Rast wurde auch das Mittagsmahl eingenommen. Von hier aus ging es steil bergauf in einen mächtigen Hochwald. Der Himmel hatte sich inzwischen mit schwarzen Wolken überzogen und bald entlud sich ein Gewitter mit furchtbarem Sturm und Regen. Unter einem, mit Baumstämmen beladenen Wagen wartete ich das stärkste Toben des Unwetters ab und setzte darauf, mit dem Regenmantel versehen, meinen Wea fort. Nach etwa 21/» Stunden bot sich mir bei der Talfahrt auf einer steilen Serpentinstraße ein unvergleichlich schönes Bild. Von den gegenüberliegenden Felsen winkte ein großes schloßartiges Gebäude, während tief im Tale an einem Flüßchen die Stadt Eichstätt im Glanze der Nachmittagssonne auftauchte. Eine breite Straße führte am Flusse (Altmühl) entlang und verschwand bald wieder im dichten Laubwald. Es fing nun wieder stärker zu regnen an, dazu blies ein heftiger Seitenwind, so daß ich froh war, als ich gegen Abend die Stadt und Festung I n - golstaot an der Donau erreichte. Im „Fort de Pappenheim" inmitten des alten Festungsgürtels war die Jugendherberge untergebracht. Uns alten Soldaten waren diese riesigen Bollwerke vergangener Jahrhunderte nichts neues; dagegen bestaunten die Jungen die mächtigen Wälle, Mauern und Bastionen. Es schlief sich aber recht gut in den Feldbetten und frohgemut fuhren wir zu dreien in den jungen Morgen. Der anfangs nur leicht ansteigende Weg wurde bald von höheren, teils steilen Höhenzügen unterbrochen, so daß man oft schieben mußte. Mich hielt eine Reparatur meines Fahrrades in dem Städtchen Pfaffenhofen eine Zeitlang auf, so daß meine Gefährten allein weiterfuhren. Ich konnte später die Verwüstungen des gestrigen Unwetters feststellen; lagen doch auf einer Strecke von etwa zwei Kilometer 14 umgeriffene und zersplitterte starke Bäume. Gegen 15 Uhr erreichte ich die Hauptstadt Bayerns — München. Es war hier nicht ganz leicht im Großstadtverkehr die Jugendherberge zu erreichen. Auf der Suche darnach hatte ich Gelegenheit, einige bedeutende Gebäude, wie Frauenkirche, Feldherrnhalle, Rathaus usw. kennenzulernen und konnte mir ein Bild von der Schönheit Münchens machen. Nachdem ich mich in der Jugendherberge erfrischt und umgezogen hatte, besichtigte ich die Stadt noch etwas eingehender. Dabei wurde auch das weltberühmte Hofbräuhaus aufgesucht und bei einem Maß Bier und einer Portion Würstchen mit Kraut die Lebensgeister aufgefrischt. Bei der Weiterfahrt am nächsten Vormittag hatte ich noch Gelegenheit, den Museums-Neubau an der Isar zu bestaunen. In flotter Fahrt ging es nun dem Städtchen Rosenheim zu; bald grüßten die Alpen aus der Ferne und das schmucke Städtchen am Inn war gegen 13 Uhr erreicht. In der Landwirtschqftsschule fand ich Unterkunft; es herrschte gerade Hochbetrieb hier, weil die schmucken Jungen des bayerischen Berglandes zur Musterung angetreten waren; Freude und Stolz leuchtete von ihren Gesichtern, galt es doch dem Vaterland zu dienen. Bei der Weiterfahrt am nächsten Morgen kam ich schon nach einer knappen Stunde zum S i m s e e. Bäume und Schilf säumten den sechs Kilometer langen und zwei Kilometer breiten See ein; am Strande tummelten sich die Menschen int kühlenden Nah. Erholung i.d.Bhön f. 3-4 Pers. Priv., ruh. Lage, waldr. Geg., g. Bervsi., 4 Mahlzeit., 2.50 Mk.proTag.^'o Fritz Neitb Allmus b.Fulda Werbe-Drucksachen bei Brühl, Schulstr. 7 II. Die deutsche Botschaft in London. London, im Sommer 1935. Seit Anfang der vierziger Jahre ist allen Preußen und später allen Deutschen in London „9. Carlton House Terrace" der Begriff der amtlichen Vertretung ihres Landes. An dem herrlichen breiten Mall gelegen, der am St.-James-Park entlang vom Trafalgar-Platz zum Buckinghampalast, der Residenz des Königs, führt, überblickt die deutsche Botschaft ganz White Hall vom Admiralitätsgebäude Über das britische Auswärtige Amt bis zum Parlament von Westminster. Keine andere Botschaft einer fremden Macht im Herzen des Britischen Reichs kann sich einer derartigen Lage rühmen. Im Stil des britischen Empire vom Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut, war 9. Carlton House Terrace zunächst das Heim des damaligen preußischen Gesandten von Bunsen. Nach der Gründung des Deutschen Reichs wurde die preußische Gesandtschaft zur deutschen Botschaft erhoben und bildete, vor allem in den Jahrzehnten vor dem Weltkrieg einen wichtigen Mittelpunkt der deutsch-englischen Politik. Während des Weltkrieges stand das große weiße Eckhaus an der Säule des Herzogs von York verwaist da, und wohl selten hat ein Botschafter ein schwereres Amt übernommen als der verstorbene erste deutsche Nachkriegsbotschafter in London, der hamburgische Senator Dr. Sthamer, dem die erste Pflicht oblag, die durch den Krieg völlig zerrissenen Bande der deutsch-englischen Beziehungen wieder zusammenzuknüpfen. Seiner Würde, feinem Taktgefühl und seiner hanseatischen Zurückhaltung ist es zum großen Teil zu verdanken gewesen, daß die in der ersten Zeit nach dem Krieg durch deutschfeindliche Propaganda während vier Kriegsjahren verhetzte Stimmung in 9, Carlton House Terrace nicht mehr ein Sinnbild des Feindes erblickte, der bis zur Vernichtung zu bekämpfen fei, sondern das Sinnbild einer Nation, mit der England im Frieden leben muß, wenn es nicht selbst schwersten Schaden in seinem Handel und in seiner Industrie davontragen soll. Bücher für Naturfreunde und Wanderer Belauschtes Leben. Kleine Kreatur in Wasser, Busch und Halm von K. O. Bartels. 164 Naturaufnahmen aus dem Leben der niederen Tierwelt mit erläuternden Bildunterschriften, Namensan- Saben u. ausführlichem Text. Mit einem leleitwort von Prof. Dr. P. Deegener, Universität Berlin. Preis kartoniert RM.3.90, geb. RM. 4.80. Waldweben. Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern. 150 eigene Naturaufnahmen aus dem Tier- und Pflanzenleben des heimatl. Waldes auf 128 Kupfertiefdrucktafeln,mit lebendigem u.aufschlußreichem Einführungstext von K. Gerhard und G. Wolff. 2lls der zweite deutsche Nachkricgsbotschafter in London, der jetzige deutsche Reichsaußenminister Freiherr von Neurath, in der inzwischen durch den Ankauf von 8, Carlton House Terrace erweiterten deutschen Botschaft eintraf, konnten er und Freifrau von Neurath durch die persönlichen Beziehungen, die sie aus ihrer württembergischen Heimat mit dem englischen Königshaus verbanden, einen neuen wertvollen Beitrag zur deutsch-englischen Entspannung und zur Festigung der Freund- schaft zwischen beiden Ländern leisten. “ Oer oh berühmte, solf Jahrhunderten besuchte Bad* ort. Dos Heilbad bei ü Katarrhen, Asthma, Herzleiden» Bad Soden am Taam hü» viele Vorzüge o V. Mehr als 20 hervorrag. verschiedenartigeMinerab quellen. • Einen stark kohlensäure- ,’Jtigen warmen Sprudel 0,5° C. •• moderns»» g. Grotfium. ™°l°fQhmä«gea mildes Gleim Süd«Abhänge Klima qus. , üCende Erfolge bei ”• Glänakatarrhen, Asth« Brönchial^komplikationen. m° u' ^eri*:nd geöffnet. Dauor^, Sio prospekfe Verlange, ii Kurverwaltung «Jurch diö^ieMnu* 36 Höchstgelegener Luftkurort p 8 d Nennlärdien im Odenwald ZnmgrünenBanm,TeLErnsthofen38 pes.Ph. MayerWw.-IaVerpfl. mit 4 Mahlzeiten Mk. 3M. Prosp.b.Verl, Freudenberg am Main Perle desMainlals, umgeben von Tannen- u.Laubwald,Gasthaus u. biose". Bei.: Hugo m>"^^4?ne Frem.denzimm.,fließ. R?^-Idns.-Prels.v. 3.30 an bei Recklinghausen hat sein Freibad an der Mollbeck durch die Anlage eines Teiches für Wasser- Port und eines Naturschutzteiches erweitert. Bei der landschaftlichen Ausgestaltung dieser Anlage hat man auf Anregung aus Jrnkerkreisen auch Bienenweiden geschaffen. Außer Lärchen, Eichen und Birken wurden hier auch der wilde Apfel und die wilde' Kirsche sowie Vogelbeere, Schneeball und andere honiggebende Blumen, Deck- und Ziersträucher gepflanzt. Diese erste Bienenweide in der Recklinghäu- fer Landschaft ermöglicht durch die Verschiedenartig- feit der Bepflanzung den Bienen die Nahrungs- Das eng- suche vom Frühling bis in den Spätherbst. Hl die Mt des Mals Homberg, Ohm, Oberheasen Gute und reichliche Verpflegung, Auto-Garagen, große Terrassen, Angel- und Badegelegenheit, eigener Park, Kegelbahn. Zimmer mit fließendem Frankfurter Hof busd Besitzer: Heinrich Deeg I. empfiehlt sich Caf6 u. Pension Drei- eiehenruh, Groß-Eichen, Onb.tftrL Lina Stamm. Eia.Landw„gutbürg. Küche^eMkl. Milch, vollst. Preise. M Aefmch.,lckndl.Fenenaufench. Ur Schulpfl. u.Studierende in pamilre d. Leiters. Svortmög- fryteit. Reichhaltige Bücherei. 1üflltükG«iüler?Lu7?°^ Wipsthal ®PBS8art) Gasth. zum r,I"^Wiesthalhof, Bahn!. Würzburg-Frankf., umgeb.v. Sves- fartwald^n ruh Laae, sonn. Frem- denzim.,Badegel^Liegewies.Pens - preis mit Nachrn.-Kaffee 3.50 Jt. Familie Ermäßigung. Besitzerin - Pauline Bonengel Wwe. a958p Herrlich gelegenes Gut u. 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Bei läge hat Bienen« nd Bir- je wilde andere cher ge« linghav' lenartig' ihrungs' rtrauen werster '5 deut- fragte 1 Wahl London sich der n Kurs stark g aller ■ feilte 5 lang- Herrn Mt dem Mißtrauen ist das eine eigenartige Zsacle. Es ist, als ob wir irgendwo an uns Fühler Bild oben: Das Regiment angetreten. Bild unten: Der Standortälteste Oberst B i e - grüne \ und ringen, den. } durid '»Pt. kommt hmen", estätigts te die ■euhing sch-eng. hotten. 5- vor rudern un. d und Blicke genen 9 zur über. schritten 168, Länder- und Völkerkunde 76, Kulturgeschichte 3, Geschichte und Biographien 114, Naturwissenschaft und Technologie 31. Heer- und Seewesen 3, Haus- und Landwirtschaft 6. Gesundbeits- l»hr" 1. Religion und Philosophie 13. Staatswissen- schast 11, Sport 2 Bände Nach auswärts kam ein Band. ** Kleine Unfälle. Der Maschinenschlosser Koch, Teufelslustgärtchen 8, erlitt bei der Arbeit eine schwere Handverletzung und mußte dem Evan- aelischen Schwesternhaus zugeführt werden. — Der Metzger Karl Hißberger wurde mit einer Gehirnerschütterung in die Klinik eingeliefert. Briefkasten der Redaktion. «Rechtsgutachten sind ohne Perbindlichkei' de, Schriftleilung l $. C. Es besteht die Möglichkeit, daß die frühere Kriegerwitwe nach ihrer Scheidung wieder Witwen- rente erhält. Es ist ein Antrag an die Stelle erforderlich, die die frühere Rente bewilligte. Falls die Witwe Rente nicht mehr bekommt, sind ihre Verwandten in gerader Linie zum Unterhalt ver- vslichtet Mohlfahrlsunlerstübung bekommt sie nur, wenn sie den notwendigen Lebensbedarf nicht oder nicht ausreichend aus eigenen Mitteln beschaffen kann und ihn auch nicht von anderer Seite, insbesondere von Angehörigen, erhält. errate' ' »Küche n auch Kressen ten, die i durch- Außen- rsönlich« ng Der« tschaftek 5 Lord »ar dies i House es vor iführen, itmutigt in Ziel hl ihrer eutsch. reube" er als 5 UN. schein Helene Wacker. Dic jugendlich-dramatische Sängerin für LPcr und Operette am Stadttheater. Unterbringung üussche'denher So baten in her freien W rtschast. LPD. Die Pressestelle des Landesarbeitsamtes Hessen teilt mit: Das Wehrgesetz bestimmt in § 32, daß die in Ehren aus dem aktiven Wehrdienst ausscheidenden Soldaten bei Vermittlung in Arbeitsplätze der freien Wirtschaft bevorzugt zu berücksichtigen sind. Die Unterbringung aller, die im Heeresdienst ihre Pflicht getan haben, muß für die Betriebsführer eine Ehrenpflicht sein. Die Arbeitsvermittlung der ausscheidenden Soldaten ist in Verbindung mit den Fürsorgeoffizieren der Wehrmacht nur der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung und deren Dienststellen, den Arbeitsämtern, übertragen worden. Andere Organisationen und Verbände sind bei der Vermittlung der ausscheidenden Wchrmachts- angehörigen nicht zur Mitwirkung vorgesehen. Die Betriebsführer werden aufgefordert, schon jetzt bei den Arbeitsämtern für die im Herbst d. I. zur Wehrmacht Einberufenen die nötigen Ersatzkräfte anzufordern bzw. rechtzeitig sicherstellen zu lassen. Bei den Arbeitsämtern sind bereits Angehörige der Wehrmacht und Landespolizei gemeldet, die nach ehrenvollem, zum Teil mehrjährigen Dienst aus- geschieden sind. poUzeiberikbt Eigentümer gesucht. Am 25. Juli wurde auf der Provinzialstraße Freiensteinau—Weidenau ein Säckchen mit etwa 150 Mark gefunden. Das Geld befindet sich bei der Bürgermeisterei Freiensteinau und kann von dem Verlierer oder sonstigen Berechtigten in Empfang genommen werden. Diebstahl von Quecksilber: Am 25. Juli wurde einem Gießener Geschäftsmann von einem Unbekannten eine Flasche mit etwa drei Kilogramm Quecksilber zum Kauf angeboten. Während der Geschäftsmann die Polizei verständigte, hat der Unbekannte unter Zurücklassung der Flasche Quecksilber das Weite gesucht. Personen, die sachdienliche Mitteilungen machen können, wollen sich an die nächste Polizeistelle wenden oder die Kriminalpolizeistelle Gießen verständigen Vornotizen — Tageskalender für Samstag: Licht- spielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Walzer für dich". Literaturgeschichte 1, Zeitschriften 15, Gedichte Dramen 12, Erzählende Literatur 1003, Jugend- Sovhie Blum. geb. Rühl, Wwe., 79 Jahre Steinstvaße 78. ♦* Rinder-Nutzviehmarkt findet kommenden Dienstag in Gießen statt. ** Oeffentliche Bücherhalle. Im wurden 1459 Bände ausgelieben. Davon kamen Ä T-------- Aus der Provinzialhauptstadt n be; ynb Gestern morgen sand, wie wir gestern bereits einen Eindruck von der würdigen militärischen Feier, berichteten, auf dem Hofe der Neuen Kaserne ein Bild oben: Das Regiment angetreten., _ , Gedenkappell der Wehrmacht für den vor einem 5----------... -- -- , . Jahre verstorbenen Generalfeldmarschall und Reichs- row schreitet die Front ab. — (Aufnahmen |2J: Präsidenten v. Hindenburg statt. Unsere Bilder geben Photo-Dfaff, Gießen.) 700 Zahre Marburger St. Elisabeth-Dom. LPD. Marburg, 2. Aug. Am 14. August jährt sich zum 7 0 0. Male der Tag, an dem der Grund st ein zu einem bedeutenden Bauwerk der reinen Gotik, dem Dom der heiligen Elisabeth in Marburg, gelegt wurde. Anlaß dazu war in erster Linie die außerordentliche Zunahme der Wallfahrer, die am Grabe der Heiligen Heilung von ihren Leiden erhofften. Die Kunde von zahlreichen Wundern hatte schnell die Welt durcheilt, und so sind 126 Wundertaten am Grabe der Heiligen protokollarisch festgelegt worden. Landgraf Konrad, der Schwager der Heiligen, begann unter Mitwirkung der hessischen Ritterschaft den Bau der Kirche, und zwar wurde zunächst der nördliche Kreuzarm, der das Grad deckt, fertig» gestellt. Das Geld für den Bau der Kirche, die nach heutigem Wert Millionen kosten würde, wurde fast ausschließlich von den Wallfahrern aufgebracht. Die Steine zum Bau der Kirche wurden aus einem Sandsteinbruch in der Nähe von Marburg gewonnen. Die große Härte des Gesteins beweist am besten die äußere Kirche selbst, an der bisher noch keinerlei Spuren von Verwitterungen zu ent- — Kavallerie-Verein, 20.30 Uhr, im „Hessischen Hof": Kameradschaftsabend — Reichsbund für Leibesübungen: Gaufest. Austrag der Wettkämpfe, 20.30 Uhr in der Volkshalle Festspiel „Deutsches Wollen, Deutsche Kraft". — Tageskalender für Sonntag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Walzer für dich". — Reichsbund für Leibesübungen: Gaufest. * ** Ausbau der Schlageter-Straße. Das städtische Hoch- und Tiefbauamt schreibt in unserem heutigen Anzeigenteil die Vergebung der Erd-, Pflaster- und Chaussierungsarbeiten zum Ausbau der Schlageter-Straße aus. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. ** Sterbefälle In Gießen. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 16. bis 31. Juli: 20. Frieda Bester, Verkäuferin, 39 Jahre alt, Mühl- ftraße 5; 24. Christoph Wetz, Kutscher, 67 Jahre alt, Seltersweg 31; 24. Cyristian Hörster, Lokomotivführer i. R., 82 Jahre alt, Crednerstraße 6; 25. Anna Kath. Fackiner, geb. Hebig, Wwe., 56 Jahre alt, Am Riegelpfad 86; 26. Marie Hedwig Wagner, ohne Beruf, 25 Jahre alt, Stephanstraße 38; 27. Dr. med. Rudolf Petsch, Zahnarzt, 53 Jahre alt, Seltersweg 70; 27. Marie Haus, geb. Käs, 68 Jahre alt, Krofdörfer Straße 20; 27. Käthe Curths, geb. Gnad, 61 Jahre alt, Hitlerwall 17; 28. Karl Döring. Polizeiverwaltungssekretär, 42 Jahre alt, Friedensstraße 20; 28. Emmy Sommer, geb. Schäfer, 68 Jahre alt, Am Steg 12; 29. Peter Haus, Invalide. 71 Jahre alt, Krofdorfer Straße 20; 30. Sonderzug nach Heidelberg am 25. August. Vce NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Kreis (liHefien, veranstaltet am Sonntag, 25. August, die Illtti Heidelbergfahrt des Jahres 1935. Der Preis Blelr: gt einschließlich Mittagessen 5 RM. Alle KdF.- 53aitte haben sofort Aushang auf roten KdF.- SIüfcDlagtafeln in den Ortsgruppen und den Betrieben Au machen. Die Anmeldungen werden bei den 5W -Warten abgegeben. Meldungen aus den Be- iltieten muffen nachweisen, in welchem Bahnort die Teilnehmer einsteigen, damit wir rechtzeitig für richtig Anschlüsse sorgen können. Gesamtteilnehmerzahl 800 Personen — also möglichst umgehend anmelden. Mil der Anmeldung ist sofort der Betrag einzu- zsthl n; andere Anmeldungen sind ungültig. Großes Sommerfest am Sonntag, 11. August, D-s Leben ist voll von Dingen, die den Menschen äl’oqnen sie überrumpeln und staunend zurück- Ohrtn. Zufall, Schicksal, Glück, Unglück — wie wir bhefi Macht nennen wollen, die uns auf- und ab- njeiim läßt auf den Wellen der dahmrollenden •tee. (3xgen dieses Unsichtbare, Schwebende sind mir chimächtig. Aber das Gute und Bose, das von an» Bieren Menschen zu uns und in uns hmemgetra- wird, können wir erkennen Und je reifer wir Derlen, um so hellhöriger werden wir den Dingen vnd den Menschen gegenüber Das Kind sagt zu jljben Großen du und zeigt ihm seine kleinen Kost- yiirbiten, vertrauensvoll und freudig. Manchmal nut;, garq selten, schmiegt es sich nicht an und vi.rshließt seine Heimlichkeiten vor dem fremden Süicrn, der so anders geartet ist. Aber dieser In» stliM, der zuerst unerklärlich und eindeutig da ist, g|d)t später verloren, weil der Verstand geschärft crirl und mit ihm das Mißtrauen gegen die Welt. We im Vorjahre', so veranstaltet die NS.-Ge- riieil'schaft „Kraft durch Freude" auch in diesem GSnnrrner ein großes Sommerfest in Kloster Arns- ßlurt Dabei wird das Gießener Stadttheater uns nitit einem fröhlichen Freilichtspiel erfreuen („Wald- f-ri?hn" von Ludwig Thoma). Der Musikzug der (•Star barte 116 (35 Mann) wirkt mit und wird uns cLikds in der Ruine ein kleines Streichkonzert giebn. Dieses Streichkonzert bei Fackelschein in der c jjin ürbigen Kirchenruine hat im Vorjahr so star- flß »Beifall gefunden, daß wir auch diesmal auf Üia Konzert großen Wert legen, ^m übrigen wer- itlep alle Besucher bei Dolksliedersingen, Musik und , bei Kinderfest und Preisschießen (und hof- Wtsi.ch gutem Wetter) einen wirklich schönen 211er. b verleben. Der Eintrittspreis zu bem Sommerfest betragt, Mim Vorjahr, 30 Pf., bas Tanzbändchen 50 Pf., di« Preisschießen drei Schuß 10 Pf. Die Preise fit tbie Speisen und Getränke sind sehr niedrig Olsten. Es wird deshalb jedem Volksgenossen rnignd) sein, bas Sommerfest in Arnsburg zu be» filkiM. Ein großer Abend in der Volkshalle mit Willi Reichert. 5 -4 Hon ist bas Mißverstänbnis ba, ohne Grunb, Menten »nt Absicht. Unsere Stimmung ist irgenbroie ge» beeten finb. Das Schmuckstück ber Kirche ist der hinter kunstvollem Gitter und Glas befindliche Sarkophag ber heiligen Elisabeth. Er ist 1,70 Meter lang unb 1 Meter hoch. Aus Eichenholz unb mit vergolbetem Kupferblech überzogen, bildet der Sarg neben dem Heiligen Dreikönigsschrein in Köln das wertvollste Werk deutscher Goldschmiedekunst. Das Dach des Schreins zeigt in acht Reliefs eine ber Bilberreihen aus bem Leben ber Heiligen, eine weitere Reihe von 12 Darstellungen ihrer ßegenbe zeigen bie Glasmalereien eines Fensters im Ostchor. Die Figuren am Schrein finb von Silber unb vergol- bet. An ber einen Längsseite findet man Christus mit sechs Aposteln, an der anderen Längsseite die übrigen sechs Apostel; an ben Kopfseiten Maria mit bem Kinb unb St. Elisabeth. Leiber würbe ein Teil ber Edelsteine 1814 von den Franzosen geraubt, und 1920 beschädigten Diebe abermals den Sarg. Die Uebeltäter wurden jedoch später gefaßt, unb bie Steine konnten roieber eingefügt werben. Hierauf ist auch die Verfügung der Kirchenregierung zurückzuführen, daß die Kirche nur alle halbe Stunde unter Aufsicht des Küsters geöffnet ist. Den Arbeitgeber fast an den Bettelstab gebracht. LPD. Herborn, 2. Aug. Der bereits sieben- mal vorbestrafte 32jährige Barth aus dem Kreisort Herbornseelbach hatte in seiner Eigenschaft als Reisevertreter einer kleinen Druckerei in Herbornseelbach einkassierte Gelber unterschlagen, bie eine solche Höhe angenommen hatten, baß ber Arbeitgeber f a ft an ben Settel ft ab gebracht würbe. Zuerst leugnete ber Angeklagte vor Gericht. Als aber bie Verfehlungen Schritt für Schritt nachgewiesen werden konnten, bequemte er sich zu einem vollen Geständnis und bat um Gnade. Das Urteil lautete auf zwei Jahre Zuchthaus. Als das Urteil gesprochen war, fiel der Angeklagte wie vom Blitz getroffen zu Boden, erholte sich aber bald wieder. Er konnte mit dieser Verstellung jedoch keinen Eindruck auf das Gericht machen, denn der Richter brachte zum Ausdruck, daß sich das Gericht absichtlich von jeder sentimentalen Regung freigehalten unb im staatlichen Interesse bes wirksamen Volks- schutzes auf bie genannte Strafe erkannte. Englischer Personenkraftwagen vernngröckt. Ein Toter. LPD. Hochheim a. M., 2. Aug. Aus der Chaussee Frankfurt a. M—Mainz, kurz vor Hochheim, ereignete sich am Donnerstagmittag ein folgenschwerer Verkehrsunfall. Ein mit drei Engländern und einem Jungen aus Manchester besetzter Personenkraftwagen fuhr hier mit großer Geschwindigkeit gegen einen Chausseebaum. Durch den heftigen Anprall wurde ber neben bem Führer bes Kraftwagens sjtzenbe Sibney Robinson burch bas Verbeck und auf bie Straße geschleubert. Die babei erlittenen Verletzungen waren so schwer, baß er bereits nach kurzer Zeit v e r ft a r b. Die übriarn Insassen bes Wagens kamen mit teils leichteren, teils schwereren Verletzungen davon. Wie der Führer bes Wagens erklärte, ist ber Unfall -auf fein Ser- schulben zurückzuführen. Obwohl der Wagen mit tigert 4ir l«M, überfeinert, unb nimmt bie sonderbare Art Ms : nberen Menschen in sich auf wie in einer plötzlich^ Wallung. Wir fühlen uns getroffen unb wis» fi|l nicht, warum. Gebauten fliegen hin unb her, re®, reimen, beunruhigen unb beschäftigen uns mel M fehr. Denn unter ber Oberfläche bes Se» »ch seins schwelt bieses glimmenbe Etwas weiter und quält uns. In ben Traum schleicht es sich ein. LUnl eines Tages kommt noch ein kleiner Funke wmvußen hinzu — roieber eine Nichtigkeit — unb ■m-ffene Flamme schlägt aus uns heraus, sicherlich m ungeeigneten Augenblick. Unb warum? Weil mir Feige waren, weil wir bie Lippen aufeinanber» Met en, ohne zu sagen, was uns erbitterte. Cne Aussprache kann so leicht in bie Wege ge- Ml werben. Es gehört nur ein wenig Energie ba- M, »er Wille, bas Unausgesprochene, Quälenbe WMiszuwersen, weil es uns belastet. Der anbere SRlfiFd), ber nichts btrenn ahnt, was er angerichtet hftii, wirb wortlos unb ftaunenb babeistehen unb mich verstehen. Aber enblich, wenn wir beschämt fett igen, wirb er zu lächeln beginnen unb uns bie HsM reichen. Unb alles ist vergessen. 8GV., Ortsgrupve Gießen-Nord. Lebensmittelopferring. 51m Dienstag, 6. August, unb Mittwoch, 7. August, Mbit bie Einziehung besLebensmittelopfer- mi D0 e 5 statt. Die Hausfrauen werben gebeten, bie ijSfirt bpafete bereitzuhalten unb den Inhalt auf den iWliüllungen anzugeben. . Die deutsche Arbeitsfront rj n.9.=6emeinfchaft „firaft burdi frcubcz fast einer Geschwindigkeit von 70 Kilometer fuhr, wandte er sich um und unterhielt fich mit seinem Hintermann. Dabei kam der Wagen von der Chaussee ab und raste gegen den Baum. ßinSinö bei »ebendigemLeibeverbrannt LPD. Usingen, 2. August. Im benachbarten Cransberg spielte ein etwa drei Jahre altes Mädchen während der Abwesenheit der Mutter am H e r d f e u e r. Es mutz dabei wohl den Flammen zu nahe gekommen sein, denn die Kleider des Mädchens fingen Feuer. Als die Mutter nach Haufe zurückkehrte, fand sie ihr Kind mit schweren Brandoerletzungen vor und veranlaßte die sofortige Einlieferung ins Krankenhaus. Dort ist das Mädchen inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Mit Dollgas gegen eine» Baum. Ein Toter, eine verletzte. Offenbach a. ®i., 2. Slug. (LPD.) In den Abendstunden des Donnerstags ereignete sich in Dieburg ein schweres Autounglück. Der 23jährige Oskar Mandel aus Mühlheim a. M. fuhr mit einem Personenwagen, aus Richtung Grotz-Umstadt kommend, in schneller Fahrt nach Dieburg zu. Er überholte einen Personenwagen und ein Fuhrwerk, fuhr auf der rechten Seite, kam ins Schleudern und raste auf der linken Stratzen- seite gegen ein en dicken Chausseebaum. Der Kopf drang ihm durch die Windschutzscheibe, das Steuerrad in den Brustkorb und nach etwa zehn Minuten starb er an den schweren Verletzungen. Ein mitfahrendes 24jähriges Fräulein trug schwere Kopf- und Rückenverletzungen davon. Sie wurde in das Dieburger Krankenhaus eingeliefert. Das Auto wurde vollständig eingedrückt. Einbrechertrio festgenommen. LPD. Bensheim, 1. August. Den Bemühungen der Bensheimer Polizei gelang es in der vergangenen Nacht mit Hilfe des Schutz- und Sicherheitsdienstes, drei mit allen modernen Einbrecherwerkzeugen versehene Diebe estzunehmen. Es handelt sich um drei chwere Burschen aus Worms, die bereits vorbetraft find und gegen die die Ermittlungen noch laufen, da sie auch anderer Straftaten verdächtig erscheinen. Wieder eine jüdische Metzgerei geschloffen. Lpd. H ° i g e r, 1. Slug. In der Ortfchaft E i | e r - seid mußte der Betrieb des jüdischen Fleischhändlers Sally Reiß wegen großer Unsauberkeit polizeilich geschlossen werden. Kreis Wetzlar * Fellingshausen, 3. August. Am morgigen Sonntag findet hier ein M i s s i o n s f e st statt. Im Festgottesdienst spricht Pfarrer Herbert, Ober-Hörlen. In der Nachversammlung hält der Volksschriftsteller Heinrich Naumann, Nanzenbach, die Hauptansprache. Man beachte die Einladung im heutigen Anzeigenteil. Rundfunkprogramm. Sonntag, 4. August. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.05: Gymnastik. 8.45: Choralblasen. 9: Katholische Morgenfeier. 9.45: Bekenntnis zur Zeit. 10: Deutsche Morgenfeier der HI. 10.30: Chorgesang: Chöre von Siegfried Kuhn. 11.15: Dichter im Dritten Reich. Kurt Geucke lieft aus seinem neuen Roman „Vor der Wende". 11.30: Von der Wasserkuppe (Rhön): Reichssegelflug-Wettbewerb 1935. 12: „Pax Olympica“, Ansprache des Präsidenten des Organisationskomitees für die 11. Olympiade, Staatssekretär a. D. Lewald. Ansprache des Neubegründers und Ehrenpräsidenten der Olympischen Spiele, Baron Coubertin. 12.30: Mittagskonzert. 14: Kinderfunk. 14.45: Aus dem Leben des schaffenden Volkes: Aus der Stadt auf das Land zurück. 15: Stunde des Landes. 16: Nachmittagskonzert. 18: Jugendfunk. Hilfe! Hilfe! Ein Hitlerjunge als Lebensretter. Hörfolge. 18.30: Schifferfest in Oberwefel, Funkbericht. 18.45: Winzerfest in Nierstein, Funkbericht. 19: Abenteuer in Alt-Stockholm. Liederspiel um den schwedischen Nationaldichter Carl Michael Bellmann. 19.45: Sportbericht. 20: Ein rheinischer Abend im Spessart. Großer Bunter Abend des Reichssenders Frankfurt a. M. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.30: Sportspiegel des Sonntags. 23: Tanzfunk. 24 bis 2: Nachtmusik. IHonfag, 5. August. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause (7) Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9: Werbekonzert. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Schloß- konzert. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Kinderfunk. 15.30: Selbst die Gestirne sind chemisch untersucht worden! Eine naturwissenschaftliche Plauderei. 15.45: Die Ueberwin- dung des Liberalismus in USA. Staatliche Kreditpolitik. 16: Kleines Konzert. 16.30: Bücherfunk. 16.50: Neue deutsche Dichtung. 17: Nachmittagskon- zert. 18.30: Jugendfunk. Fischdampfer vermißt! Ein Hörspiel. 19: Unterhaltungskonzert. 19.30: Klotzlieder und Moritaten, bei 35 Grad im Schatten zu singen. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Kleines Jnstru- mentalkabarett. 20.45; „Streiter wider den Hexenwahn". Zum 300. Todestag des Grafen Friedrich von Spee. 21.30: Unser Beethoven: Kammermusik. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk), Sportbericht. 22.20: Unterhaltungskonzert. 23: Musik zur „Guten Nacht". 24 bis 2: Nachtmusik. Dienstag, 8. August. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause (7) Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 0.15: Unterhaltungskonzert. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtschaftsbericht. Was gibt's Neues? Worüber man heute spricht. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau. 16: Kleines Konzert für Cello und Klavier. 16.30: Barcelona, Bild einer spanischen Weltstadt. 16.45: Nachts von Elefanten überfallen! Ein Tatsachenbericht aus Westafrika. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Versinkendes und neu erstehendes Bauerntum. Russische und englische Agrarpolitik. 18.45: Zeitgenossen gibt’s ... 19: Unterhaltungskonzert. 19.40: Die große deutsche Rundfunkausstellung im Aufbau. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Fröhliche Fahrt. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.20: Deutsche Fechtmeisterschaften, Funkbericht von den Florett- und Degenkämpfen. 22.30: Schöne Volksmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert. G.JL'fport Leichtathletik der Sp.-Dg. 1900. Vier 1900er bei den deutschen TNeisterschaften. Bei den früheren deutschen Meisterschaften hatte jeder Deutsche das Recht, an den Start zu gehen. Dieses Recht steht heute nur denjenigen zu, die sich „durch eine entsprechende Leistung qualifiziert haben", an dem Wettstreit der Besten teilzunehmen. Darüber hinaus werden in allen technischen Hebungen Qualifikationsvorkämpfe durchgeführt, bei denen die Mindestleistungen der olympischen Leistungsstärke angepaßt sind. So ist die Spieloereinigung 1900 stolz darauf, am Sonntag in Berlin mit einem für einen Kleinstadtverein immerhin starken Aufgebot vertreten zu sein. Besonders erfreulich ist, daß Feldwebel O. Gugel (1. Komp.) nach monatelanger Untätigkeit, infolge einer schweren Knieverletzung, wieder soweit hergestellt ist, daß auch er zugelassen wurde. Er und Arthur Kilo müssen den Diskus über 44 Meter werfen, um in den Vorkampf eintreten zu können. Heini Jung steht ebenfalls im Stabspringen vor einer kaum zu lösenden Aufgabe, denn die Min- desthöhe beträgt hier gar 3,70 Meter. Dafür hat er aber eine große Chance im 400-Meter-Hürdenlauf, wo ihm sicher der Anschluß an die deutsche Spitzenklasse gelingen wird. Nach dem Weggang von Gerhard fällt H. F a u l - seit Die Aufgabe zu, 1900 würdig in der schwersten aller leichtathletischen Hebungen, dem Marathonlauf über 42,2 Kilometer zu vertreten. Die olympische Marathonstrecke in Berlin stellt durch unerwartet steile Berge — über die selbst die Bayern gestaunt haben — höchste Ansprüche an die Läufer. .Die von Faulseit im Training gezeigte Form war jedoch so gut, daß man volles Vertrauen zu ihm haben kann. Bei richtigem Einsatz und einigem Glück — das nun einmal zum Sport gehört — wird es vielleicht auch Jung und Faulseit gelingen, gleich Kilo, in die Olympia-Kernmannschaft eingereiht zu werden. Dies wäre bereits ein schöner Erfolg für die 1900er Expedition. Sommerspiele im Kreis VIII (Lahn-Dill) der DT Die am vergangenen Sonntag stattgefundenen Spiele in den einzelnen Gruppen nahmen z. T. einen recht spannenden Verlauf. In allen Gruppen (mit Ausnahme der Gruppe 1) konnten die Teilnehmer für die Endspiele um die Kreismeisterschaft ermittelt werden. Von der Gleichwertigkeit der Mannschaften spricht am deutlichsten, daß verschiedentlich Entscheidungsspiele um den 1. Platz erforderlich waren. Die Ergebnisse. Gruppe 2: Garbenteich — Lich 58:28, Holzheim — Lich 54:33, Garbenteich — Holzheim 41:37. Grüningen fehlte entschuldigt. Sieger und Endspielteilnehmer: Tv. Garbenteich. Gruppe 3: Vorrunde: Polizei Wetzlar gegen Blasbach 62:25, Polizei Wetzlar — Tv. Wetzlar 50:38, To. Wetzlar — Blasbach 81:45. Rückrunde: Polizei Wetzlar — Blasbach 61:17, Polizei Wetzlar — To. Wetzlar 33:32, Tv. Wetzlar gegen Blasbach 68:25. Sieger und Endspielteilnehmer: Polizei Wetzlar. Gruppe 4: Lützellinden — Allendorf 52:36, Allendorf-L. — Hochelheim 45:54, Holzheim gegen Hochelheim 50:41, Lützellinden — Hochelheim 51:29, Lützellinden — Holzheim 46:54. Sieger und Endspielteilnehmer: To. Holzheim II. Gruppe 5: Herborn — Fleisbach 51:29, Herborn — Steinbach 41:31, Steinbach — Fleisbach 38:24, Herborn — Steinbach 36:28 (Entscheidung. Sieger und Endspielteilnehmer: T v. Herborn II. Gruppe 6: Sieger und Endspielteilnehmer: T v. K atzen furt II. Jugend: Sieger T v. H o l z h e i m. Die noch rückständigen Spiele der Gruppe 1 werden am 8. August in Gießen nachgebolt. An dem noch zu bestimmenden Termin für die Entscheidungsspiele werden sich also gegenüberstehen: ö-Klasse: Der Sieger der Gruppe 1 (wahrscheinlich To. 1846), Tv. Garbenteich, Polizei Wetzlar C - Klasse: Tv. Holzheim II, Tv. Katzensurt II, Tv. Herborn II. Kachanii für Handball. Kreis VIII (Lahn-Dill). Auf Anordnung des Leiters des Fachamtes für Handball findet am 1. September d. I. in ganz Deutschland ein großzügig aufgezogener Handballwerbetag statt. Ueberaü sollen spielstarke Mannschaften gegenübergestellt werden. Den Rahmen zu den Hauptspielen sollen alle übrigen Mannschaften der betreffenden Vereine bilden, so u. a. die Reserve-, Jugend-, Schülermannschaften und, was für unseren Kreis neu ist, auch Frauenmannschaften. Die Kreisspielleitung hat bereits ein zugkräftiges Programm ausgearbeitet, das bestimmt allen Wünschen gerecht wird und das vor allem auch in jeder Beziehung seinen Zweck erfüllen wird. Mnterspielreihe 1934'35. Die Meldebogen für die neue Spielreihe sind bereits sehr zahlreich eingegangen. Besonders erfreulich ist es, das so überaus viele Jugend- und auch Schülermannschaften gemeldet worden sind. Trotzdem die Meldefrist bereits abgelaufen ist, werden noch viele Meldungen namhafter Vereine nachkommen. „16. Rhön." Das „Eonnenbenzin" fehlte. —Zielflüge nach Kassel. Fliegerlager Wafferkuppe, 2. August. Seit den frühen Morgenstunden bevölkerten die noch im Rennen befindlichen 55 Wettbewerbs- Maschinen das Startgelände auf der Wasserkuppe. Die Sportleitung hatte 300 Mark für einen Zielflug nach dem Kasseler Flugplatz Waldau ausgesetzt. Am frühen Morgen waren jedoch die Flugmöglichkeiten bei ziemlich schwachen Winden nicht gerade sehr verlockend. Der größte Teil der gestarteten Segelflieger mußte nach mehr oder weniger längerem Kreisen über den verschiedenen Hängen und Höhenzügen wieder im Dorgelände der Wasser- kuppe landen, da das „Sonnenbenzin" in Form von Thermik noch nicht ausreichte. 15 Piloten, die in der Nähe von Schwarzerden „abgekocht" hatten, trafen abends mit ihren auf Transportwagen verladenen Maschinen ein, unter Führung von Altmeister Wolf H i r t h. Einen beachtlichen Streckenflug erzielte der Lusthansa-Pllot 71 ein, der seinen „kondor- wohlbehalten auf dem Brocken landete und damit die Startstelle ungefähr um 200 Meter überhöhte. Hülsmann (Dortmund) auf „Rhonadler- kam bis Aschersleben, Ruhl (Dortmund) auf „Rhönsperber- bis Oerlinghaufen (186 Kilometer), Brlxa (Essen) auf „Rhönadler" bis 'Bielefeld (195 Kilometer) und Peter Riesel auf „Kondor" bis in die Gegend von Halle a. d. S. (195 Kilometer). Die Bedingungen des Zielfluges nach Kassel-Waldau erfüllten die Piloten Wolf (Stettin) auf „Rhönbussard", Kennel (Hannover) auf „Rhönadler", Schilling (Dortmund) auf „Rhönadler", Goering (Hamburg) auf „Rhön- sperber" und H a k e n j o s (Stuttgart) auf „Rhönadler". Die Entfernung Wasserkuppe—Waldau beträgt etwa 95 Kilometer. Die Heberfliegung des Oechsenberges mit Rückkehr zur Startstelle glückte — soweit bisher feststeht — sämtlichen drei Piloten der Luftsportlandesgruppe Halberstadt, und zwar P e r n t h a - ler, Krenz und Renner. Jedem dieser Flieger wurden für diesen Hmrundungsslug je 100 Punkte gutgebracht. Am Samstag wird das Eintreffen des Reichsluftsportführers Oberst Loerzer erwartet, der sich am Schluß der „16. Rhön" von den Leistungen feiner Segelflieger überzeugen will. Olympische Generalprobe der Ruderer. Die Gestaltung der Europameisterschaften in Berfln-Grünau. Von allen Sportarten ist es allein dem Rudersport vergönnt, die für die Durchführung seiner Wettbewerbe bei den olympischen Spielen geschaffenen neuen Anlagen mit einer internationalen Großveranstaltung, den Europa-Meisterschaften der Ruderer 1935, einzuweihen und sie gleichsam einer „Generalprobe" zu unterziehen. Die umfangreichen Neubauten, die auf dem Gelände des Berliner Regatta-Vereins am Langen See in Grünau für die olympische Ruderregatta errichtet werden, sind bereits jetzt fast fertiggestellt. Schon zur Großen Grünauer Regatta konnte das Olymoiabootshaus „Ost", das auch der Derbandsmannschaft Berlin als Heim dient, in Betrieb genommen werden. Inzwischen ist auch das Hauptgebäude „West" ohne besondere Feierlichkeit seiner Bestimmung übergeben und die letzte der großen Arbeiten, der Neubau der 3000 Plätze umfassenden massiven Tribüne, nähert sich der Vollendung. Der Regattaplatz Grünau wird also den zur Europa-Meisterschaft nach Berlin kommenden Ruderern und Abgesandten fast aller Staaten Europas das vollkommen fertige Bild der olympischen Regattastrecke 1936 bieten. Weder Los Angeles, noch Amsterdam, aber auch die baulichen Anlagen der technisch so guten Rotsee-Kampfbahn bei Luzern reichen nicht annähernd an das heran, was im letzten Jahre in Grünau geschaffen worden ist. Neben den ausgedehnten Räumen für die Mann- schäften, die Boote, die Regattaleitung, find besonders die fernmeldetechnischen Anlagen erwähnenswert. Denn allein mit ihrer Hilfe ist es möglich, einen sportlichen Wettkampf, der sich über eine gradlinige (Entfernung von 2000 Meter erstreckt, den auf etwa 600 Meter verteilten Zuschauern zu einem wirklichen Erlebnis zu gestalten. Mit Hilfe von Kurzwellensendebooten und Staffelmikrofonen wird es jederzeit möglich sein, den Zuschauern am Ziel über ein weitverzweigtes Netz von Lautsprechern den Stand und Verlauf der Rennen nahezubringen. Von einem besonderen Regiestand aus werden die verschiedenartigen Meldungen für Zuschauer, Mannschaften, Presse oder Regattaleitung auf die Laut- sprecher geschaltet. Das Untergeschoß der neuen Tribüne birgt Räume für Film und Rundfunk, dutzende von Pressetelephonen und sogar ein eigenes Postamt. Unter persönlicher Leitung des Verbandsführers, Reg.-Präsident i. R. Pauli, ist ein Arbeitsausschuß seit Wochen mit der Vorbereitung der Europameisterschaften eifrig beschäftigt. Wenn auch der Berliner Regatta-Verein für die technische Durchführung der Regatta seine gesamte, in 52 Jahren bewährte Organisation einsetzt, so bleiben noch tausend Dinge zu bedenken, um den Teilnehmern von 12 bis 15 Nationen den Aufenthalt in Berlin so angenehm wie nur möglich zu gestalten. Alle ausländischen Ruderer werden bei der Ankunft in Berlin von deutschen Obmännern abgeholt, in Ihre Quartiere geleitet, wofür insbesondere das historische Jagdschloß Köpenick, sehr günstig nahe Grünau gelegen, zur Verfügung steht. Mit Hilfe von Dolmetschern wird die Verbindung zwischen den einzelnen Mannschaften und der Regattaleitung ständig aufrechterhalten. Ein besonderes Auskunftsbüro wird am Bahnhof Friedrichstraße im Zentralhotel errichtet werden, wo auch der Kongreß der Fisa stattfinden wird. Der Vorverkauf von Eintrittskarten ist bereits eröffnet. Aus der Zeit vor dem Kriege hat die Fisa die Gewohnheit, ihre Meisterschaften mit einer Reihe geselliger Veranstaltungen zu verbinden. Mag auch manche dieser Veranstaltungen der Lebensgewohnheit des neuen Deutschland entsprechend, einfacher und schlichter als in anderen Ländern ausfallen, so ist sich der deutsche Rudersport dennoch feiner Aufgabe als Gastgeber durchaus bewußt, und er wird sie in einer Weise erfüllen, die ihm und Deutschland Ehre und neue Freunde erwerben wird. Am Freitag, dem 16. August, nachmittags, beginnen die Vorrennen, denen am Samstag, dem 17. August, die Zwischenläufe folgen. Der Sonntag bringt dann die Entscheidungsrennen um die Europameistertitel. Der Fisa-Kongreß wird am Mittwoch, dem 14. August, ftattfinben. Der Donnerstag ist einem Ausflug der Fisa-Delegierten aller Lan. der in die Umgebung Berlins vorbehalten. Dazwi- scheu werden der Reichssportführer und die-gast, gebenden Organisationen mehrfach im Rahmen besonderer gesellschaftlicher Veranstaltungen Gelegen, heit zu wertvollem Gedankenaustausch geben. Den wirkungsvollen Schluß der Gesamlveran. slallung bildet die Siegerehrung in den Räumen der Lrolloper, verbunden mit dem Großen Ball der Rudernatio, nen. Am folgenden Tage beginnt dann die zweite Fahrt „Rund um Berlin" für ausländische Ruderer, die bereits einmal, im vorigen Jahre, mit großem Erfolge durchgeführt worden war. Einweihung der Schule für Leibes- übuna des Reichsnährstands. Auf der Burg Neuhaus bei Braunschweig wurde am Mittwoch die Reichsschule für Leibesübungen des Reichsnährstandes eröffnet, die die Aufgabe hat, die Leibesübungen bis in das letzte Dorf za tragen. Landesbauernführer G i e f e ck e begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und sprach vor allem dem Lande Braunschweig den Dank der Landes, bauernschaft für die Ueberlassung der Burg aus. Staatsminister Alpers- Braunschweig betonte, daß das deutsche Bauerntum durch die (Eröffnung der Reichsschule für Leibesübungen wieder einen Schritt zur endgültigen Durchsetzung des National- sozialismus getan habe. Anschließend ergriff Reichssportführer von Tschammer und Osten das Wort. Er führte u. a. aus: Ihnen allen sind die Schwierigkeiten und Hemmungen bekannt, denen gerade der Sport und h Leibesübungen auf dem Lande ausgesetzt sind. Verständnislosigkeit und Verkennung der Zielritz, tung, unzulängliche Uebungsanlagen und, was im. mer wieder in Erscheinung tritt, ein empfindlich« Mangel an Führern und' technischen Leitern, die unter voller Berücksichtigung der gegebenen einfachen ländlichen Verhältnisse den bäuerlichen Lei« besübungen eine Gasse bahnen. Das Bäuerliche liegt dabei einzig und allein darin, daß man für das Land diejenigen Leibes. Übungen zusammenstellt und besonders pflegt, die den körperlichen Voraussetzungen des Bauern Rech nung tragen. Wir müssen ja einem Körper, der burdj einseitige Berufsbetätiaung verkrampft und sehr oh sogar verbildet ist, wieder zu seiner natürlichen (Entfaltung verhelfen. Dann aber müssen sich die dörflichen Leibesübungen nach den oft mehr als bescheidenen Uebunqsftätten richten und auf die karge Freizeit des Bauern Rücksicht nehmen. Neuhaus ist deshalb keine x-beliebige Sportschule in ihr muß ein Pionierkorps geschult und heran- gebildet werden, das ein gesundes Maß volk- sportlicher Leibesübungen beherrschen und weiter- geben lernt. Der Reichssportführer weihte sodann die Reichs- sportschule des Reichsnährstandes mit den aufrichtigsten und kameradschaftlichsten Wünschen für ein segensreiches, gesundes Wirken im Dienste bes deutschen Bauerntums und damit des deutschen Volkes. Der Stabsamtsführer des Reichsnährstandes Dr. Reifchle, der als Vertreter des Reichsbauernführers der (Er- Öffnung beiwohnte, behandelte die besondere Ach gäbe, die der Landjugend auf dem Gebiete bet Leibesübungen zukommt. Das Bauerntum sei tat ewige Bluterneuerungsquell des deutschen Volkes. Nur der gesunde Körper könne aber die ihm angeborenen Kräfte feines Blutes voll entfalten. Dich Erkenntnis bedeute gleichzeitig das Bekenntnis zu der Notwendigkeit zielbewußter Leibesübungen bei Landjugend. Sportvorführungen im Freien, die von Dr Bode, dem die Ausbildung der Schüler übertragen worden ist, geleitet wurden, gaben einer Einblick in die Ausübung der Leibesübungen auf dem Lande. Unterrichtsstunden zeigten, daß nicht nur die sportliche Schulung, sondern auch weltanschaulicher Unterricht eine Aufgabe dieser Schule ist. Die Reichsschule für Leibesübungen des Reich» nährstandes ist imstande, je 60 Schüler zu vitt- wöchentlichen Kursen aufzunehmen. Der G eßener Radfahrer-Verein 1885 bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt. Am Sonntag wurden in Erfurt die Deutsche« Meisterschaften im 2er - Radballspiel ausgetragen Um die Meisterschaft spielten die Meister der Gaue in Serien nach Punkten. Die 1. Mannschaft Willi Von E i f f und A. Baum, welche als Meister des Gaues Nordbesien daran teihnabmen spielten in Serie I gegen Frankfurt, Dresden, Breslau, Hamburg, Oeste-Dortmund und hatten einet schonen Erfolg. Konnten sie doch als einzige Mannschaft gegen die Weltmeister Schreiber-Blersä (Frankfurt) ein Unentschieden 2:2 herausholen, uni den Stand der Meisterschaft sehr gefährden. Gege so starke Mannschaften wie Oeste-Dortmund 1:1 Breslau 2:2; die Dresdener, die auch als Favoriten teilnahmen, konnten erst nach hartem Kampf 3:1 gewinnen, und Hamburg gerognn auch nicht leid) 4:1. Am Schluß der Spiele lag die Mannschaf Von Eiff - Baum an achter Stelle. Das bedeutt einen Erfolg für die Mannschaft wie auch für dei Gießener Radsport. ♦ Bei den am Sonntag in Berlin ftattfinbenber Deutschen Mei st er schäften im Stro> ßenfahren über 240 Kilometer wir! Willi Neumann an den Start gehen, nachher er sich durch seinen Sturz bei „Rund um Köln' wieder gut erholt hat. Es ist mit einem guten Ab schneiden Neumanns zu rechnen. Kuns Sporinoiizen. Zum Hockenheimer Motorradrennen am Sonntag sind 180 Meldungen abgegeben woröe"- und zwar 115 für die Lizenzfahrer, 65 für die Aus- weisfahrer. Die Rennen der Seitenwagenklasse« werden als Meisterschaftslauf gewertet. Für die Ruder-Europameisterschaft t e n wurden jetzt noch deutscherseits für den (Eine" Dr. Buhtz (Berlin) und für die beiden Vierer' rennen die Würzburger Verbandsmannschaft gerne!" bet. Europameister Schäfer (Dresden) «Dürfe wegen seines schlechten Abschneidens in Essen nid™ berücksichtigt. Damit sind in allen sieben Rennen Europameisterschaften die deutschen Meister o® Start. ♦ Walter Neusel, dem es zur Zeit in Europa an Kampfgelegenheiten mangelt, will es wiebea „drüben" versuchen und hat am Donnerstag mit de«r Dampfer „Manhattan" Europa in Richtung USA Wirtschaft Monatskalender für Tierschutz rübe Kirchliche Nachrichten Devisenmarkl Berlin — Frankfurt a. DL Frankfurt a. M. | Serfln Datum SHUlvV Holz mann .... ementroed Heidelberg •mentmed Karlstadt.. 115,65 115,65 Banknoten. o •’S Die hinter den Papieren 101 97,75 103 111,9 100,4 97-75 96,5 101 93 100,4 97,75 103,13 111,65 100,13 97,75 96,5 101 93 102 97 97 107,3 8 0 100,75 98 103,13 111,9 100,4 97,65 97,65 104 111,75 100,4 106,75 113,4 115,75 104,4 169 132,5 102 92,25 17,4 19,13 87 117 90,5 91 91 39,5 139,65 117,25 134,5 109,5 129 139 135 128,5 183,65 135 107,13 113,5 117,5 105,25 170 132 102 92,25 17,65 19.-13 87 116,25 90,4 91,5 91,5 188 17,65 28 19,13 87,25 116,5 90,5 91 91 188 17,65 28 19,13 87 117,75 90,4 91,5 91,5 188,4 115 88 17,9 133,25 131 200 157,75 237 108,75 121 115 40 139,5 116,65 135,25 109,5 128,25 139 134,5 129 183,5 133,5 107,25 113,5 116 104,25 170 132,5 102,5 92,4 . o . 0 . 5 . 5 1¥> . 7 . 9 >. 0 62,9 119,75 90,9 95 157,5 32,4 289 185,25 156 O| 93,25 6, 121,75 4| 135 Buöerne ..... Deutsche Erdöl Gelsenkirchener 1,4 10 9,6 11,9 12 101,65 97 97 107,3 29,13 1,45 9,95 9,4 9,75 11,9 115,5 96,5 101,1 102 97 97 107,3 29,75 1,45 9,75 9,25 9,5 11,75 115,5 . 96,5 101,13 102 97 97 107,3 29,75 9,75 9,4 9,5 11,75 39,5 139.65 117 134,75 109,5 128,9 138,5 135 129 182,5 135,75 107,5 113,75 117,5 104,75 172 131,5 102 92,75 Mark (17,50 bis 17,60). Der Mehlmarkt verlief ohne Anregung. Der Konsum deckt zur Zeit nur den dringendsten Bedarf und märtet die neuen Preise ab. Wochenbericht vom frankfurter Schlachtviehnmrkt. Das Geschäft am Schlachtoiehmarkt war auch in dieser Woche zumeist lebhaft, so daß keine lieber- stände verblieben. Die Zufuhren waren unterschiedlich die Qualitäten konnten im allgemeinen befriedigen. Am Rindermarkt herrschte für Ochsen, Bullen und Färsen lebhaftes Geschäft, bei leicht anziehenden Preisen wurde sie schnell geräumt. In Kühen war der Handel langsamer, aber auch hierfür setzte sich eine Preisbesserung um 2 Mark durch. Infolge der geringeren Zufuhr von nur 721 (860) Tieren konnte die Nachfrage nur zu 50 v. H. befriedigt werden, zumal auch die Reichsstelle in dieser Woche nur 20 (137) Rinder zur Verfügung gestellt hatte. Sehr lebhaftes Geschäft war auch am Schweinemarkt zu verzeichnen, da der Kreis der Käufer vom Lande sich sehr vergrößert hat. Die Qualität der zugeführten 4117 (3938) Tiere war sehr gut, so daß die Preise in den mittleren und geringeren Gattungen weiter anstiegen. Für beste Schweine roufbe zum Höchstpreis von 54 Mark umgesetzt. Der Kälbermarkt nahm ebenfalls einen lebhaften Verlauf, die Preise haben sich gegenüber der Vorwoche stärker erhöht. Die Zufuhr von 1291 (1115) war schnell geräumt, die Qualität war mittel. Am Schafmarkt wurden bei etwas höherer Zufuhr (113 gegen 86) und mittelmäßigem Geschäft die vorwöchigen Preise erzielt. Harpener ..... .. Hoesch Esten—Köln-Neueste« Ilse Bergbau Ilse Bergbau Genüsse Klöcknerwerke ......... Manne-mann-Röhrr» ..... den in den Stall kommen. Aber leider kann man gerade auf dem Lande oft Zeuge sein von grausamen Tierquälereien. Da stellt im Stall ein großer, schöner Stier. Traurig blickt er dich an, sein Kopf ist so kurz angekettet, daß er kaum den Hals zu dir herumdrehen kann. Um ihn herum schwirren in der drückenden Hochsommerhitze Hunderte von Insekten. Unablässig wedelt das Tier mit dem Schweif und versucht sich erfolglos seiner Peiniger zu erwehren. Ein ebenso rohes und widernatürliches Verfahren ist das Kupieren der Pferde, wodurch nicht nur die Schweifhaare, sondern auch ein Teil der Schweif- entfernt wird. Diese Handlung ist für das Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. enen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Gritzner O| 35,5 Matnkrastwede Höchst O.DU.. 4 98 Süddeutscher Zucker....... •! 195,5 Oie Zndustrie- und Handelskammer Gießen gibt Austunft: 1021: Freigabe von Sperrguthaben und S°nd-r- konten für inländischen nichtgeschastlichen Reise-, Kur-, Erholungs- und Studienaufenthalt. ... 1022: Umsatzsteuerumrechnungssatze für Juli. 1023: Bekanntmachung KP 4 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle betr. Kurspreise für unedle Metalle. 1024: Flug-Eisenbahnverkehr auch für Zeppelm- frachten. 1025: Neu von Frankreich festgesetzte deutsche Kontingentsanteile für August und September 1935. Wochenbericht vom Frankfurter Vroduktenmarkt. Frankfurter (Etermarft Frankfurt a. M., 2. August Die Haltung des Eiermarktes ist weiter fest. Deutsche Frischeier sind sehr schwach angeboten, so daß aur Versorgung des städtischen Bedarfs schon jetzt Kühlhauseier heran« gezogen werden, die im Preise etwa Ve Pf. unter denen für Frischeier liegen. Ausländische Eier waren nicht am Markt. Der Kleinhandel ist zur Zeit noch gut eingedeckt, so daß die Nachfrage des Konsums durchaus befriedigt werden kann. Frankfurter Vuttermarkt. Frankfurt a. M., 2. August. Die Konsum- nad)frage für Butter blieb gut, die Anlieferungen zeigen weiter eine leichte Zunahme. Die Preise blieben unverändert. Es notierten in Mark pro 50 Kilogramm frei Frankfurt a. M. (Großhandelsver« kaufspreife an den Kleinhandel): Deutsche Markenbutter 144 bis 145, feine deutsche Molkereibutter 142 bis 143, deutsche Molkereibutter 140. Landbutter 125, Kochbutter 115 bis 120. Holländische Butter 144 bis 145. mens seit 1933 verwies. Am Aktienmarkt war die Kursentwicklung etwas uneinheitlich, es überwogen jedoch meist leichte Besserungen. Erhöhtes Interesse fanden Autowerte, insbesondere Daimler-Motoren mit 96,25 bis 96,75 (95), ferner im Freiverkehr Adlerwerke Kleyer mit 105,50 (104). In der Farben-Aktie lag kleines Angebot vor, das den Kurs auf 157,65 bis 157,25 (157,75) ermäßigte, auch andere chemische Werte lagen nur knapp gehalten. Montanwerte lagen ruhig, weiter erhöht waren Harpener mit 116,50 (115,75), Mannesmann und Stahlverein lagen unverändert. Von Kaliaktien gewannen Aschersleben 1,75 v. H. Am Elektromarkt eröffneten AEG. mit 39,90 (40,40), Siemens mit 183,65 (184,13), andererseits Gesfürel mit 128,50 (128) und Schuckert mit 129,25 (129). Von Maschinen- werten zogen Manag auf 97,50 (96,50) an, Eßlingen und Moenus lagen unverändert, ebenso Muag. Von sonstigen Werten kamen Hanfwerke Füssen mit 88,50 (88), Holzmann mit 93,40 (93,25), Metall- qefellschaft mit 114,65 (115), Conti-Gummi mit 155,65 (156), Zellstoff Aschaffenburg mit 90,13 (90,90), Hapag mit 17,25 (17,40), Reichsbank mit 188 (unverändert) zur Notiz. Am Rentenmarkt war das Geschäft klem. Interesse erhiett sich für späte Reichsschuldbuchforderungen und Zinsvergütungsscheine sowie für einige Industrie-Obligationen. Altbesitzanleihe brok- kelten etwas ab. , Im Verlaufe blieb die Umsatztätigkeit zwar sehr klein, die Haltung war aber weiterhin freundlich. Die Kurs"?ränderungen blieben jedoch nach beiden Seiten geringfügig. IG. Farben waren auf 157,50 nach 157 erholt, AEG. bröckelten noch etwas ab auf 39,50 nach 39,90. Die später zur Notiz gekommenen Papiere lagen meist etwas fester, insbesondere Lohmener mit 134,25 bis 134,75 (133,25). Auch Autoaktien blieben fest, Daimler 97,25 (96,75), Kleyer unverändert 105,50. Von Kassawerten blieben Schriftgießerei Stempel gesucht, Taxe 66 (letzter Kurs 63,50), auch Ehern. Albert waren höher gesucht, letzte Taxe 116,50 (letzter Kurs am 29. Juli Mansselder Bergbau .. Kokswerke........... Phönix Bergbau Meinst che Braunkohlen Rheinstahl........... Vereinigte Stahlwerke. Otavi Minen ........ Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln . Kaliwede Salzdetfurth g. ®. Farben-Jndustrte Scheideanstalt....... Goldschmidt ......... Rütgerswerle ... Metallgeiellschast 40,4 | 139,75 117,13 134,75 109,5 128 139,75 134,5 129 184,13 133,25 Hamburg-Amerika-Paket .... 0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz, und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft 0 Dresdner Bank 0 Reichsbank ................12 Datum 6% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1984 6Vi% Doung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuid mü Auslos.-Rechten ............. **/,% Deutsche Reichspostschatz an. Weisungen von 1934, 1 6% ehem.8% Hess. Bolksstaat 1929 % ehem. 4y2% Rheinische Hyp.-Bank-Liau.-Goldpfe 5O, Scheideanstalt 237, IG.-Farben 157,65, Elektr. Lieferungen 117,25, Gesfürel 129, Hanfwerke Füssen 89,50, Holzmann 93, Mainkraft 99, Moenus 88,50, RWE. 135, Schuckert 128,50, Hapag 17,65, Norddeutscher Lloyd 19,13. Tier mit den größten Schmerzen verbunden. Häufig wird dieser Eingriff auch noch von ungeschulten Händen vorgenommen, die Schweifrube einfach ababgehackt und die Wunde mit glühendem Eisen ausgebrannt. Oft werden dabei Wirbelknochen zersplit- tert, die dann langsam herauseitern. Außer diesen schweren Folgen der Verstümmelung fehlt den kupierten Pferden dann das ünatürliche Abwehrmittel gegen die blutsaugenden Fliegenarten. Aber auch in der Stadt kann man im Hochsommer oft Zeuge sein von erbarmungslosem Verhalten gegenüber Tieren. Vor allem sind die an den Stadträndern liegenden Tierhaltungen der Kleinsiedler oft in schlechtem Zustand. Jeder meint, er müsse sich ein paar Hühner oder Hasen halten. Morgens bekommen die Tiere etwas Futter vorgeworfen und werden dann ihrem Schicksal überlassen. Vielfach verbringen sie dann, in viel zu engem Raum eingepfercht, erbarmungslos den Sonnenstrahlen ausgesetzt, den Tag. Aber wer Tiere hält, ist auch für ihre Pflege verantwortlich, und nach dem neuen Reichstierschutzgefetz muß sich der auf schwere Strafe gefaßt machen, der diese Pflicht vernach- lässigt. C.W. Bekula 10 Elektr. Lieferungsgesellfchaft... 6 Licht und Kraft .......... FeltenL Guilleaume ..... o Gefelstch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........& Rhein. Wests. Elektr. 6 .Schuckert L Co............... * Siemens L Halske * Lahmeyer L ....... * Evangelische Gemeinden. j Sonntag, 4. August. 7. nach Trinitatis. Gießen. Stadtkirche. 8 Uhr: Pfarrassistent Feix; zugleich Christenlehre für -die Neukonfirmierten der Matthäusgemeinde; 9.30: Pfr. Becker. — Johan- neskirche. 8: Pfr. Ausfeld; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Johannesgememde; 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; Beichte und hl. Abendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde; 20: Bibelbesprechung im Johannesfaal; Pfr. Bechtolsheimer. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Prof. D. Cordier; zugleich Christenlehre für die neukonfirmierten Mädchen der Luthergemeinde. — Petrus- kapelle. 9.30: Pfr. Ausfeld. — Wieseck. 9.30: Gottesdienst, Kollekte. — Alten-Vuseck. 10: Gottesdienst, Kollekte. — Albach. 8: Gottesdienst, Kollekte. — Steinbach. 9: Gottesdienst, Kollekte. — Annerod. 12.30: Gottesdienst, Kollekte für die ev. Kirche in den abgetretenen Gebieten. — Rödgen. 10: Gottesdienst, Kollekte für die ev. Kirche in den ab getretenen Gebieten. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kindergottesdienst, 1. Abt.; 13: Kindergottesdienst, 2. Abt. — Kirchberg. 10: Haupt- qottesdienst; Pfr. Guhmann; 11: Christenlehre für die weibliche Jugend. — Lollar. 13.30: Gottesdienst; Pfarrassistent Damerau. — Treis a. d. Lda. 10: Hauptgottesdienst; 13: Kcttechismuslehre. — klein- Linden. 9: Gottesdienst; Einführung von Pfr. König durch Dekan Sattler; Kollekte für bedrängte Glaubensgenossen in den östlichen Abtrennungsgebieten.— Wahenborn-Steinberg. 10: Gottesdienst unter Mitwirkung des Posaunenchors; Christenlehre; 20.15: Zusammenkunft der Frauenhilfe im Rathaussaal. — Garbenteich. 13: Gottesdienst. — Haufen. 10.45: Gottesdienst; Christenlehre; Kollekte. — Lich. 9.15: Beichte; Stiftspfarrer Naumann; 9.30: Gottesdienst mit anschließender Feier des hl. Abendmahls; Stifts- psarrer Naumann. — Nieder-Veffingen. 13.30: Gottesdienst; Stiftspfarrer Naumann. — Langsdorf. 10: Kindergottesdienst; 11: Hauptgottesdienst. — Bettenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst. — TNünzenberg. 10.30: Gottesdienst; 13: Christenlehre; 21: Mädchenabend. — Trais-Dlünzenberg. 8.30: Gottesdienst mit Christenlehre. — Hungen. 9.45: Gottesdienst. — Langd. 13: Gottesdienst und Christenlehre. — Wir- berq. 10: Gottesdienst; anschließend Christenlehre; Kollekte. — Beltershain. 12.30: Gottesdienst; anschließend Christenlehre; Kollekte. — Kirtorf. 9: Kindergottesdienst; 10: Hauptgottesdienst. — Ober-Gleen. 8 111 8 - 0 — Schlußk. Mitiag- börse 2-8. gesamt 396 Mill. Mark verrechnet. Mein-Mainische Börse. Dlittags freundlich. Frankfurt a.M., 2.Aug. Die Grundtendenz der Börse war auchhe ute wieder freundlich, das Geschäft vermochte sich allerdings nicht zu beleben, da der Auftragseingang spärlich blieb und auch die Börse selbst nur wenig Unternehmungslust auf- brachte. Gegenüber der Geschäftsstille empfing die Börse indes von einigen günstigen Nachrichten etwas Anregung, wobei man vor allem auf die Mitteilungen von Staatssekretär Reinhardt über die erhebliche Steigerung des Steueraufkom- Der Getteidegroßmarkt verlief auch in der letzten Juli-Woche ruhig. Mit dem Inkrafttreten der neuen Festpreise (für Roggen ab 1. August, für Weizen ab 16. August) durste das Geschäft in neuem Getreide besser in Gang kommen. Für Weizen wurden Offerten zur Lieferung ab 16. August abgegeben und von den Mühlen angenommen, auch für neuen Roggen entwickelte sich zur Lieferung ab 1. August einiges Geschäft. In Roggen war das Angebot reichlicher als in Weizen. Die Qualitäten waren im allgemeinen günstig, während die Quantitäten unterschiedlich zu sein scheinen, ein abschließendes Urteil läßt sich jedoch noch nicht bilden. Altes Getreide war vernachlässigt, nur in hochwertigem Weizen fanden noch kleine Zusatz- käuse statt, während die Mühlen für Roggen zu den hohen Preisen kein Interesse bekundeten. Am Futtergetreidemarkt entwickelte sich etwas Geschäft in Wintergerste, die zu 17,15 bis 17,25 Mark je 100 Kilogramm gehandelt wurde. Die Nachfrage nach Hafer ist ruhiger geworden, das Angebot reicht aus. Die Verbraucher kauften zu den jetzt noch hohen Preisen nur den notwendigsten Bedarf, Für N e u h a s e r konnte sich angesichts des noch zu frühen Zeitpunktes noch kein Geschäft entwickeln. Am F u 11 e r m i 11 e 1 m a r f t ift die Nachfrage wieder größer geworden. Als Ursache für die Anspannung der Marktlage führte man die lange Trockenheit an, da der zweite Kleeschnitt wenig ergiebig zu sein scheint, nachdem bekanntlich Güte und Menge des ersten Schnittes sehr gut ausgefallen waren. Die in letzter Zeit vernachlässigten Nach- und Bollmehle waren wieder gesucht und wurden lebhaft umgesetzt. Oelhaltige Artikel waren nicht angeboten, so daß keine Umsätze stattfanden. Hochwertige Mischfutter fanden gute Nachfrage. Das Angebot in Kleie hat sich gebessert, so daß der Bedarf ziemlich befriedigt werden konnte. Dagegen hat sich das Ireberangebot infolge der lebhaften Nachfrage der westdeutschen Mischfutterfabriken sehr verknappt; der Preis stieg auf 17,75 bis 18 ♦ Postauftrags« und Po st nachnahm e° verkehr nach Danzig. Die Postverwaltung der Freien Stadt Danzia hat von sogleich an Nachnahmen und Postaufträge von ihrem Gebiet aus nach Deutschland wieder zugelassen. Der Empfänger der Nachnahme ober des Postauftrages muß jedoch eine Genehmigung zur Leistung von Zahlungen nach dem Auslande besitzen, die von der durch die Regierung der Freien Stadt Danzig eingesetzten „Ueberwachungsstelle für Zahlungsverkehr mit dem Ausland" erteilt wird. Andernfalls werden die Sendungen als unzustellbar behandelt. * 1553KilometerAutostraße im Bau. Die Gesellschaft Reichsautobahnen hat im Ium je 25 Kilometer neu in Betrieb und in Bau genommen. Insgesamt waren Ende Juni 1553 Kilometer im Bau. Beschäftigt waren bei dem Unternehmen im Juni 111592 Köpfe gegen 106 963 im Vormonat. An Ausgaben wurden im Juni 45,9 Mill. Mark und seit Beginn des Baues ins- Vom Landschaftsbund Volkstum und Heimat, Landschaft Rheinfranken-Nassau-Hessen, wird uns geschrieben: Die Sommertage bringen unendlich viel Schones. Wir schwelgen in all ihren Herrlichkeiten. Aber laßt auch die Tiere teilhaben an dem Genuß von Freiheit und Sonne! Wohl hat der Tierfreund seine Freude, wenn er auf seinen Wanderungen auf dem Lande sieht, daß die Kühe den ganzen Tag auf der Weide verbringen können und abends ganz zufrie- 8: Kindergottesdienst: 13: Hauptgottesdienst; 15t Trauung. Evangelische Sladtrnlssion, Löberslraße 14. Sonntag, den 4. August. 8.30 Uhr: Morgenandacht; 20.30: Evangelisationsvortrag. Mittwoch, den 7. August. 20.30 Uhr: Bibelstunde. katholische Gemeinden. Samstag, den 3. August. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 4. August. 8. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14.30: Andacht; 15: Versammlung des 3. Ordens. — Grünberg. 9.45t Hochamt mit Predigt. — Hungen. 17.30: Vortrag und Andacht. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Andacht. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt.— Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Mittwoch, den 7. August. Hungen. 6.30 Uhr: Messe. Baptisten-Gemeinde. Garlenstraße 13. Sonntag, den 4. August. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 20.30: Prediger Lotz. Donnerstag, den 8. August. 20.30 Uhr: Bibelbesprechung; Prediger Lotz. NeuaposloUsche Gemeinden Gießen. händelsiraße 1 — Ederslraße 13. Sonntag, den 4. August. 9.30 und 16 Uhr: Gottesdienste. Mittwoch, den 7. August. 20.30 Uhr: Gottesdienste. OeffenMcher SotmfagsblenfL Polizei: Telefon 2751, nur in dringende« Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst : 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer t , bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Aerzte: Dr. Ploch, Dr. Steinreich. Zahnärzte: Dr. Geyer. Apotheke: Engelapotheke. Schluß- turd 1.8. Schlußk. Abend« börse 2.8. Schluß- kurs 1.8. 12 222,75 sy, • ’ angejugnen Einern geut n uitr u Frankfurt a. M Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß- lurs Schlußk. Mittag- börse Datum 1 8- 2-8. 1.8. 2.8^ 4% vesgl. Serie 11 ............. 12 — 12 12 5% Rumän. veretnh. Rente v. 1903 6,4 6,25 6,25 6,5 8,25 4yj%Rumän.vereinh.Rentev.lS13 8,25 5,13 8,4 8,4 4% Rumänische veretnh. Rente .. 5 5,1 39,65 4,9 2%% Anatolier............... 33,65 39,65 39,4 Frankfurt a.M. Berlin Schluß- kurS Schlußk. Abend- börse Schluß« turS Schlußk. Mittag- börke 1-8- 2.8. 1-8 2.8. 1. August 2.August Amtliche Geld Dotierung Brief Amtliche Notierung Geld | Brief Buenos Aires 0,663 0,667 0,663 0,667 Brüssel ... 41,91 41,99 41,86 41,94 Rio de Jan. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia .... 3,047 3,053 3,047 3,0t>3 Kopenhagen 54,81 54,91 54,81 54,91 Danzig ... 46,91 47,01 46,91 47,01 London... 12,275 12,305 12,275 12,305 HelstngsorS Paris .... 5,415 16,405 5,425 16,445 5,415 16,405 5,425 16,445 Holland .. 168,38 168,72 168,11 168,45 Italien... 20,41 20,45 20,33 20,37 Japan.... 0,723 0,725 0,723 0,725 Jugoslawien 5,684 5,696 5,684 5,696 Oslo..... 61,69 61,81 61,69 61,81 Wen..... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.. 11,13 11,15 11,13 11,15 Stockholm. 63,29 63,41 63,29 63,41 Schweiz .. 81,07 81,23 81,04 81,20 Spanten.. 34,02 34,08 34,02 34,08 Prag..... 10,285 10,305 10,285 10,305 Budapest . —— — —— Neuyork ... 2,478 2,482 2,477 2,481 111 111 121,9 110,75 121,9 221 222,5 222,5 115,75 115,25 116 88,25 88,25 88,25 17,75 18 17,9 134,75 133,5 135,5 132,5 131 132,75 200 199,5 200,25 157,65 157,75 157,4 237 — —— 109,65 109 109,75 121 121,4 121,25 114,65 114,75 114,65 93 93,5 93,75 121 - 135 - — 112 112 62 62,75 62,13 117,75 117,75 120 120 119,25 90,13 91 89,75 — 135,25 134,4 97,75 95 97,25 157,25 156,5 156,75 88,5 88,9 32,4 32,4 32,25 289,25 289 289 185 185 184,75 156,5 155,75 156,75 | 35,5 I 35,25 1 35,9 99 — 197 195,75 1 196 Berlin, 2-August_________ Geld Bries Amerikanische Note».............. 2,429 41,72 4M8 54,75 54,97 ................. 12,24 12,28 Französische Note« ...... ...... 16,355 167,69 16^7 19,46 19,54 Norwegiscbe Noten ...... • •••••- 61,48 61,72 Deutsch Oesterreich, i 1OO Schilling — *■—* — — 63,07 63,33 Schweizer Noten................. 80,81 81,13 Spanische 9iotai ♦•••••••••••••••• Ungarische Noir» 33,68 Aus aller Wett. Lokomotive in voller Fahrt explodiert. Der Nachtschnellzug Genf — Paris wurde in der Nacht zum Freitag von einem nicht alltäglichen Unfall betroffen, das glücklicherweise nur zwei Todesopfer forderte. Einige Kilometer hinter dem Städtchen Tenay (Ain) explodierte die Lokomotive des Schnellzuges in voller Fahrt. Weder die Lokomotive noch der vollbesetzte Zug entgleisten bei dem Unglück. Kurz nach der Explosion kam der Zug von selbst zum Stehen. Der Kessel der Maschine war von vorn bis hinten zerrissen, Gestänge und Rohrleitungen hingen verworren herab, und Rauch und Dampf verhinderten zunächst ein Näherkommen. Erst nach längerem Suchen fand man die Leichen des Maschinist en unddesHei- z e r s, die bei der Explosion den Tod gefunden hatten und von dem starken Luftdruck von ihrem Führerstand herabgeschleudert worden waren. Wie stark die Explosion gewesen sein muß, beweist die Wucht, mit der das Oberteil der Maschine über 200 Meter von der Schienenstrecke entfernt einen Riesentrichter in die Erde geschlagen hat. Vergsieigerunglück in den bayerischen Alpen. , Im sogenannten Kessel bei Berchtesgaden meldete ein Tourist, daß sein Freund Franz Schaumann aus Osnabrück beim Abstieg vom Götzen vor feinen Augen abae stürzt sei. Eine Rettungsexpedition brach sofort auf und suchte die -ganze Nacht hindurch die Unfallstelle ab. Da auf die fortwährenden Ruse und Signale der Rettungsmannschaft keine Antwort erfolgte, ist zu befürch- ten, daß der Verunglückte sich nicht mehr am Leben befindet. — Beim Aufstieg über den Blaueis-Nordgrat glitt der Touri st Vollkopf aus Frankfurt an der sogenannten Blau- e i s s ch a r t e ab und stürzte aus großer Höhe in die Randkluft, wo er mit schweren Kopfverletzungen liegenblieb. Der Verunglückte konnte von einem Bergführer nach Rarnsau geschafft werden. 5rod deutsche Bergsteiger in der Blümlisalp-Gruppe abgestürzt. Die deutschen Bergsteiger Stößer und S e y - b o l t aus Pforzheim hatten am Donnerstagfrüh die Gspaltenhorn-Hütte verlassen, um die Morgen- hornnordwand zu besteigen. Der Hüttenwart beobachtete die Partie, die etwa um 13 Uhr in die Eisbrüche einstieg. Um 15 Uhr sah er, wie ein Eis - bruch die beiden in die Tiefe riß. Um 1 Uhr brach eine Rettungskolonne auf, die aber die Bergsteiger nicht fand. Später mußten die Nachforschungen bei unsichtigem Wetter eingestellt werden. Man vermutet, daß die Abgestürzten in einem Eisschrund hängen geblieben sind. Schwere Kraftwogenunfälle in Spanien. Arn Donnerstagabend schlug auf der Landstraße bei Albony in Nordostspanien ein mit 130 Stundenkilometer Geschwindigkeit fahrender Kraftwagen an einem Eisenbahnüberaang um. Von den drei Insassen wurde der Fürst Alexis Mdivani auf der Stelle getötet, während eine Begleiterin sowie ein katalanischer Maler lebensgefährlich verletzt in eine Privatklinik eingeliefert werden mußten. — Am Freitag stießen auf derselben Landstraße zwei Lastkraftwagen zusammen, von denen der eine umschlug und i n Brand geriet. Der Lenker des Wagens sowie zwei weitere Insassen verbrannten. Ein Raubmörder hingerichlel. In Augsburg ist am 2. August 1935 der vorn Schwurgericht am 30. März 1935 wegen Mordes und versuchten Raubes zum Tode verurteilte Josef Heimer hingerichtet worden. Heimer hat am 29. September 1934 die 60jährige Frau Karoline Wild in ihrer Wohnung in Augsburg mit unmenschlicher Roheit ermordet und zu berauben versucht. Tagung deutscher Bibliothekare. Aus einer Tagung deutscher Bibliothekare, die unter dem Vorsitz des Generaldirektors der Preußischen Staatsbibliothek Dr. K r u e ß und in Anwesenheit des Referenten im Reichserziehungsministerium Staatsoberbibliothekar Dr. Kummer in Würzburg stattfand, beschloß man die Vorarbeiten zur Drucklegung eines deutschen Gesamtkatalogs einzuleiten. Die Durchführung dieses Planes wird Jahrzehnte erfordern. Dem Führer und Reichskanzler sowie dem Reichserziehungs- minifter wurde hierüber telegraphisch Mitteilung gemacht. Kunst und Wissenschaft Hermann Stegemann erhält den Goethe-Preis. Der Verwaltungsrat des Goethepreises der Stadt Frankfurt a. M., dem auch die Reichsminister Dr. Goebbels und R u ft angehören, hat mit einstimmigem Beschluß den Goethepreis 1935 an Prof. Dr. Hermayn Stegemann in Bern zu- erfannt, weil er als Dichter und a l s Geschichtsschreiber der jüngsten Vergangenheit sich als eine vielseitige Persönlichkeit Goethescher Prägung erwiesen hat. In herkömmlicher Weise wird der Preis an Goethes Geburtstag, am 28. August 1935, in den Staatsräumen von Goethes Elternhaus am Großen Hirschgraben dem neuen Preisträger übergeben. Schauspieler Haus Baumeister gestorben. Kurz nach dem tragischen Tod der jungen Schauspielerin Beatrice Doering trifft jetzt die Nach- richt ein, daß in den Ferien der Tod zum zweitenmal in die Künstlerschar des Hessischen L a n - destheaters gegriffen hat. Jntendanzrat Hans Baumeister erlag im Urlaub in Zermatt einer tückischen Angina. Hans Baumeister, der im Vorjahre seine 25jährige Zugehörigkeit zur Hessischen Landesbühne feiern konnte, gehörte zum „eisernen" Bestand des Landestheaters, an dem er acht Intendanten kommen und gehen sah und dessen kommissarische Leitung er im Sommer 1933 inne- hatte. Mit 29 Jahren erschien er als Nachfolger des großen Mimen Georg Heinrich Hacker in Darmstadt und hat fast alle Rollen durchgespielt, vom jugendlichen Liebhaber über den schweren Helden bis zu Väterrollen. Internationales Schachturnier in Vad-Rauhdm. Am 5. August 1935 beginnt im Kurhaus Bad- Nauheim unter Leitung des Großdeutschen Schachbundes ein internationales Schachturnier europäischer Spitzenspieler. Ihre Teilnahme haben bereits zugesagt: Stoltz, Schweden; Andersen, Dänemark; Grob, - Schweiz; Eliskases, Oesterreich; Bogoljubow, Rödl Ahues und Engels, Deutschland. Auch der jetzt in Aachen als deutscher Meister hervorgegangene Richter hat seine Teilnahme zugesagt. Gespielt wird täglich von 15 bis 20 Uhr im Spielsaal des Kurhauses. Der Stellvertretende Bun- desleiter des Großdeutschen Schachbundes P o st, Berlin, hat die Leitung übernommen. Immer noch 4459 D | Sachs-Motorräder sofort lieferbar GiESSEN SELFERSWEG6) JNHA8EP- CARL HEiNZ SCH LUTER Alles ganz besondere Gelegenheiten,meine Damen —frisch gesucht ist gut gefunden? 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