Nr. 79 Erstes Blatt 185. Jahrgang Mittwoch, Z. April 1935 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblStter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zernfprechanschlüffe enter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: granffurt am Main 11688 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniversttStr Such- und Steindruckerei 8. Lange in Stehen. Schriftleitung und Seschäftrftelle: Zchulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen üon7Omm Breite 60 Npf.,Platzvorschrist oder schwieriger Satz 25°/0 mehr ErmShigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie ein- spaltige Gelegenheitsanzei- gen 5 Rpf., Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Dr. Goebbels spricht in der Festhalte zu Frankfurt a. M. Donnerstag, den 11. April 1935, 20.30 Uhr, beginnt in der Festhalte in Frankfurt a. 21L eine politische Riesenkundgebung mit Dr. Goebbels. Dr. Goebbels hat seit Jahren nicht mehr in Frankfurt in einer öffentlichen Kundgebung gesprochen. Seine letzte Rede hielt er auf dem Gautag 1933 im Stadion. Es find Vorbereitungen getroffen, die Kundgebung fo zu gestalten, dah fie in der Reihe der Frankfurter Großkundgebungen eine erneute Steigerung bedeutet. Karten zu 1 Mark (forme eine beschränkte Anzahl zu 3 Mark) find bei allen Ortsgruppen des Kreises Groß-Frankfurt der RSDAP^ an den Tageskassen des Opern- und Schauspielhauses (täglich von 11 bis 13 Uhr) sowie Gärtnerweg 8 (RS.-Kultur- gemeinbe, Abt. Deutsche Bühne) erhältlich. Da der Andrang voraussichtlich ungeheuer fein wird, empfiehlt es sich, für die übrigen Kreisleitungen der RSDAp. im Gau foroie für Vereine und Verbände umgehend Sammelbestellungen an den Gaufchahmeisier zu richten. Kultur und Wehrpflicht. Von Or. Paul Karmel. Das parlamentarische Zwischenreich liebte es, den Gegensatz des Geistes von Weimar zum Geiste von Potsdam zu betonen. Nicht allein, um dem Druck der Massen in der Hauptstadt weniger ausgesetzt zu sein, sondern vor allem um diesen Gegensatz herauszuheben, hatte man die Nationalversammlung nach Weimar einberufen. Seht, wir sind nicht so — sollte das heißen — wir kehren uns ab von dem kriegerischen Geiste, der die Heimat vier Jahre und länger gegen feindlichen Einbruch behütet hat; wir begeben uns in den Schutz des Geistes, der einst den Weimarer Musenhof weltberühmt gemacht hatte. Das war die Kurzsichtigkeit von Männern, die nur als unversöhnlichen Gegensatz zu erkennen vermochten, was in Wahrheit zwei Seiten der gleichen Sache waren. Einer, der als Sachverständiger nicht gut abgelehnt werden kann, Goethe s e l b st, hat hier keinen Gegensatz empfunden. Ihm waren Potsdam und Weimar nicht Gegensätze, die nichts miteinander zu tun haben konnten und wollten, sondern die beiden, unlöslich aneinander gebundenen Pole, um die sich das deutsche Wesen der Zeit drehte. Goethe ist sich wohl bewußt gewesen, daß der Geist von Potsdam erst jenen anderen Geist' zur Hochblüte geweckt hatte, der dann im klassischen Weimar seine ruhmreichste Pflegstätte fand. Der königliche Philosoph von Sanssouci hat den deutschen Namen in der Welt wieder zu Ehren gebracht, nicht dadurch, daß er emsig französische Verse drechselte, sondern dadurch, daß er als sein eigener Kronfeldherr die Lebensrechte seines Staates noch gegen zehnfache Uebermacht verteidigt hatte. Von diesem „Seift von Potsdam" war die gesamtdeutsche Kultur derart befruchtet worden, daß ihre zurückgedrängte Kraft mit Macht in die Halme schoß. Klop- stock und Lessing, Goethe und Schiller, Kant und Fichte, sie sind ohne den Geist von Potsdam, der als unsichtbare Triebkraft hinter ihrem Wirken stand, g a r n i ch t d e n k-b a r. Und der große König selbst? War er nicht in Person die vollkommenste Synthese dessen, was man später als Geist von Potsdam und Geist von Weimar auseinanderzutreiben versucht hat? In seiner freudlosen Jünglingszeit, die uns gerade jetzt durch den Jannings-Film vom alten und jungen König wieder nahegebracht wird, hatte auch er gemeint, zwischen der friedlichen Pflege von Künsten und Wissenschaft und der pfleg- lichen Entwicklung kriegerischer Fahcgketten einen unüberbrückbaren Gegensatz sehen zu müssen Und die heftigen und eigenwilligen Erziehungsmethoden des Vaters hatten es ihm nicht eben leicht gemacht, die Dinge anders zu sehen. Friedrich Wilhelm, der die französische Oberflächen-Kultur haßte, hatte gleichwohl, der Zeitmode folgend, seinem Sohn in den Knabenjahren eine französische Erziehung geben lassen! Die unverlöschlichen Eindrücke, die dadurch dem Kindergemüt ausgeprägt worden waren, wollte der König dann mit der Fuchtel aus dem Jüngling wieder herausprügeln. Das führte zum gefährlichen Zusammenstoß eines jungen mit einem alten Feuerkopf und zu jener erzieherischen Pferde- kur, die heil nur überstehen konnte, wer von Mut ter Natur aus dem besten und feinsten Werkstos gebildet war, woraus sie ihre Ausnahme-Menschen zu bilden pflegt. Die Welt glaubte, Friedrich II. würde nach seiner Thronbesteigung seinen ganzen Ehrgeiz darin setzen, jenes Ideal eines Friedenskönigs zu verwirklichen, das der Franzose Fsnslon in seinem Telemach gezeichnet hatte, einem vielgelesenen Erziehungsroman, der auch von dem preußischen Kronprinzen in jungen Jahren verschlungen worden war. Aber siehe da, der pazifistische Kronprinz ward als König der erste Kriegsfürst seiner Zeit, und durch seine Taten frischte er den unpolitisch gewordenen Deutschen die alte Lehre wieder auf: daß inmitten mächtiger Nachbarn ein Staat nur so viel bedeute, als er Macht habe, sein Lebensrecht zu schützen. Und doch hatten sieben wilde Edens Unterredung mii pilsudski. Keine Aussicht auf eine Zustimmung polens zum Ostpakt. Warschau, 2. April. (DNB.) Nach dem Austausch eines Höflichkeitsbesuches zwischen Lord- iegelbewahrer Eden und dem polnischen Ministerpräsidenten Oberst S l a w e k begannen am Dienstagvormittag um 11 Uhr die e r ft e n B e - prechungen Edens mit Außenminister Beck, die bis kurz vor 1 Uhr dauerten. Um 1 Uhr wurde Eden in Begleitung Becks vom Staatspräsidenten in Audienz empfangen. Der Audienz schloß sich ein Frühstück an. Am Nachmittag wurden die Besprechungen zwischen Eden und Minister Beck fortgesetzt. Im Anschluß daran wurde Eden zu einer Unterredung beim Marschall Pilsudski empfangen. Die Unterredung dauerte mehr als eine Stunde. An der Unterredung nahmen der Geschäftsträger Avening und der Abteilungschef im englischen Außenministerium, Strang, teil, ferner Außenminister Beck und der Dizeminister des Auswärtigen Graf Szembek. Tnnkfpmche. Bei dem sich anschließenden Festessen sagte Außenminister Beck in einem Trinkspruch, die polnische öffentliche Meinung verfolgt mit lebhaftestem Interesse die englischen Bemühungen, den besten Weg zur Gesundung Der internationalen Beziehungen und zur Festigung des Vertrauens zu finden. Ich wünschte, daß Sie aus unseren Unterredungen und aus Der persönlichen Fühlungnahme mit unserem Lande Eindrücke und Beobachtungen mitnähmen, die Ihrer Regierung die Abschätzung der praktischen Möglichkeiten erleichtern, in der gegenwärtig schwierigen internationalen Lage aus dem grade st en Wege nach Der Festigung Des FrieDens unD harmonischer Zusammenarbeit zwischen Den Nationen zu suchen. Ich hoffe, Daß Der aufrichtige vollständige Gedankenaustausch zwischen uns in bescheidenem Maße Dazu beiträgt; dieses Ziel zu erreichen. Lordsiegelbewahrer Eden erwiderte, er habe das Vertrauen, daß sein Besuch in Warschau Dazu beitragen werbe, eine noch engere Verständigung zwischen Polen unD England herbeizuführen. Seine freundschaftlichen Besprechungen mit Minister Beck und Marschall Pilsudski würden es jedem der beiden Länder ermöglichen, diejenige Rolle noch besser abzuschätzen, die dem anderen bei dem großen Werk der internationalen Organisation Des Friedens zufalle. Zur Unterstreichung der immer wieder hervor- gehobenen Feststellung, daß bei den Warschauer Gesprächen selbstverständlich keinerlei Ent- fcheidungen fallen, wird auch auf Die Einladung Lavals nach Warschau hingewie- fen. Alle Entscheidungen über die gegenwärtig behandelten Fragen können s r ü h e st e n s b e i Der Konferenz in Streifa greifbare Gestalt an- nehmen. Gerüchte wollen wissen, bei dem andert- h albstündigen Tee-Empfang bei Marschall Pil- sudfki fei es zu sehr lebhaften Unterhaltungen über die aktuellen politischen Fragen gekommen. Sehr hartnäckig behaupten sich in Warschau Gerüchte über einen neuen KompromißVorschlag zum Ostpakt, aus dem die Verpflichtung zur gegenseitigen Hilfeleistung gestrichen und Dafür eine Beratung Der Mächte eingesetzt würde. Erst nach einer solchen Beratung könnten Dann Die Unterzeichner Des Ost Paktes über Die Stellung von Waffenhilfe beschließen. In amtlichen Kreisen hört man, Daß Polens politischer Standpunkt unverändert sei. Polen sehe in seinen Verträgen mit Deutschland und Sowjetrußland immer noch eine bessere Sicherung als in vielseitigen Abkommen, Die die Gefahr in sich bergen, daß Polen in eine deutschfeindliche oder rußlandfeindliche Gruppierung einbezogen wird. pilsudskis Bedenken. Polen verspricht keine Erhöhung seiner Sicherheit. London, 3. April. (DNB. Funkspruch.) Der Sonderkorrespondent der „Times" in Warschau befaßt sich besonders mit der Unterredung zwischen Eden und Marschall Pilsudski, dem einzigen Mann, der endgültige Entscheidungen treffen könne. Die Hauptfrage Edens fei gewesen, welche Haltung Polen gegenüber dem O ft p a k t einnehme. Marschall Pilsudski konnte nur die entschiedene Weigerung Polens wiederholen, sich an einem Pakt, zum mindesten in seiner jetzigen Form, zu beteiligen. In Marschall Pilsudski, dessen Leben dem Kampf für die polnische Unabhängigkeit gegolten habe, sei d i e Furcht vor einer neuen Teilung Polens lebendig verkörpert. Eine freie Volksabstimmung würde für ihn nach Ansicht urteilsfähiger Leute eine überwältigende Mißstimmung gegen Polen. Paris, 3. April. (DNB. Funkspruch) Der „Petit Parisien" hatte bereits angekündigt, daß man am Quai d'Orsay mit der Prüfung von Fragen beschäftigt fei, die dem urfprünglich geplanten O st p a k t Den regionalen Charakter nehmen sollten, um ihn einmal dem Völkerbundspakt besser anzupassen und zum anderen Den Charakter eines europäischen Paktes zu geben. Gut unterrichtete Kreise erklären, daß die „Unnachgiebigkeit der Reichsregierung" die Unterhändler verpflichte, eine neue Formel zu finden. Man gehe dabei von dem Grundgedanken aus, daß Der Pakt nur im Rahmen De? Völke'rbundspaktes abgeschlossen werden könne. Er müsse aber außerdem dem Locarnopakt Rechnung tragen. Unter diesen Umstünden erscheine ein kollektives Abkommen, so wie es ursprünglich geplant sei, ohne die Beteiligung Deutschlands und Polens schwer zu verwirklichen. Man sei deshalb gezwungen gewesen, eine Formel zu suchen, die durch ihre Geschmeidigkeit alle früher getroffenen Abkommen u n - berührt lasse und die gleichzeitig Deutschland die Möglichkeit gebe, auch noch später beizutreten. Außenminister Beck soll ähnliche Vorschläge gemacht haben, die aber jede Bei- standsklausel ausschlössen. Die französische Presse zeigt sich angesichts der unnachgiebigen Haltung Polens gegenüber dem Ostpakt sehr verstimmt. „Echo De Paris" wirft Der polnischen Regierung vor, wie ein „B u n - Desgenosse" DeutschlanDs zu handeln. „Le Jour" schreibt u. a., Polen weigere sich, zwischen den beiden europäischen Blocks zu wählen. „Petit Parisien" erklärt, es sei den englisch-polnischen Unterhändlern nicht gelungen, irgendeine Kompromißformel zu finden. „Oeuvre" erklärt, die angebliche Neuorientierung der polnischen Regierung nach der Bekanntgabe der deutschen Aufrüstung habe sich nicht vollzogen Mar- Vertrauenskundgebung bringen. Der Ostpakt werde Polen nicht sehr viel mehr an Sicherheit bieten können, als es schon besitze. Er verspreche Polen zwar die Unterstützung der baltischen Staaten und Der Tschechoslowakei. In Polen erinnere man sich aber noch sehr lebhaft Daran, Daß im Jahre 1920 währenD Des Krieges mit Der Sowjetunion Die Tschechoslowakei Den Polen D i e Waffenhilfe versagt habe. Vor etwas mehr als einem Jahr fei Die Bevölkerung von Weftpolen noch tief beunruhigt gewesen, weil man an Die Gefahr einer deutschen Invasion glaubte. Der deutsch-polnische Pakt habe diese Befürchtungen beseitigt. Aus diesem Grunde sei er volkstümlich. Nachdem es soviel erreicht habe, wolle Polen jetzt nichts tun, um zu Deutschland in Gegensatz zu treten. Einen Ostpakt allerdings, der mit der Garantie Großbritanniens ausgeftattet sei, würde Polen zweifellos mit Freude annehmen, denn es würde dann wissen, daß es keinen Krieg in Europ a geben würde, aber an eine solcheMöglichkeit glaube wohl niemand. Aus jeden Fall warte Europa besorgt daraus, welche Gestalt die britische Politik annehmen werde, wenn Eden in London seinen Bericht erstattet hat. schall Pilsudski und Außenminister Beck „schwämmen mehr denn je im Fahrwasser der deutschen Politik". Das „Petit Journal" stellt fest, daß die diplomatischen Bemühungen, die von den verschiedenen Großmächten und der Kleinen Entente seit Januar gemacht worden seien, um die Sicherheit zu gewährleisten, in einer Sackgasse endeten. Italien warnt vor Illusionen. R o m, 2. April. (DNB.) „Popolo d'Jtalia" bringt einen Leitaufsatz, der von maßgebender Stelle stammen soll. Nach der englischen Er- kundungsfahrt, so wird ausgeführt, richten sich die Hoffnungen vieler auf S t r e f a. Bereits jetzt baut man Die üblichen Luftschlösser. In Stresa solle e i n Wunder vor sich gehen, das Ende Des AlbDruckes, Der Anfang Des Wiederaufblühens. Es ist unbedingt notwendig, in Den Wein dieses übertriebenen Optimismus ein gut Teil Wasser zu gießen. Wir müssen vor außergewöhnlichen Illusionen warnen, da nichts trauriger ist als die Enttäuschung, die auf rosige, von edlen Wünschen geborene Illusionen folgen. Wir wollen Damit nicht von vornherein Die Konferenz von Stresa entwerten, sondern sie nur in das politisch-diplomatischmilitärische Bild Europas einreihen, ein Bild, das allerdings auf endgültige Lösungen zu hoffen nicht erlaubt. Schon von den drei Regierungen Frankreichs, Englands und Italiens, die im Stresa zusammenkommen werden, kann man nicht fügen, daß sie gegenüber der deutschen Geste vom 16. März vollkommen „g l e i ch g e st i m m t" gewesen sind. Jetzt aber sollte in Stresa eine gemeinsame Aktionslinie festgelegt werden. Stresa sollte einen ruhenden Punkt in dem bewegten Meer der europäischen Politik bilden, einen Ruhepunkt, der vor allem den Verzicht auf die gefährlichen Abrüstungsutopien bedeuten muß. Das faschistische Italien hat seit 1922 diese Utopien aufgegeben. Frankreich aus der Suche nach einer neuen Formel Kriegsjahre in diesem Fürsten nicht das leidenschaftliche Bedürfnis Des Jünglings ertöten können nach Den verfeinerten Geistesgenüssen, Die er nur am Born französischer Hvchkultur glaubte befrieDigen zu können! Da war es Denn ein Glück, daß der „Geist von Potsdam" neben Dem König auch einen so streitbaren Kopf auf Den Plan gerufen hatte, wie Den jungen Gotthold Ephraim Lessing, der sich das Lebensziel gesetzt hatte: der deutschen Geisteskultur'die Gleichberechtigung zu erftreiten neben Der französischen Mobekuttur der Zeit. Immerhin, es scheint ein biologisches Gesetz der geschichtlichen Persönlichkeit zu sein, daß die den stärksten Eindruck auf Zeitgenosse^ und Nachfahren macht, Die nicht einseitig nach der politisch-militärischen, oder nach der literarisch-künstlerischen Richtung ausgebildet ist, sondern die beide Seiten zu einer mehr oder minder harmonischen Einheit verschmilzt. Und dieses biologische Gesetz gilt nicht nur für die Persönlichkeit des Einzelmenschen, es gilt auch für b i e Volkspersönlichkeit. Die deutsche Volkspersönlichkeit hat sich aus dem Universalismus Des Mittelalters herausgeschält in jener gewaltigen Bewegung Der Geister, die wir als Reformation und Gegenreformation kennen. An Der Wiege Dieser Volkspersönlichkeit hat Das Griechentum gestanden, so wie es uns Der Humanismus Des 16 unD Der Neu-Humanismus Des 18. bis 19. JahrhunDert vermittelt haben. UnD was erscheint uns als Die höchste Blüte Dieses Griechentums? Das perikleische Zeitalter in Athen! Ein Zeitalter, geführt von einem Staatsmann, Der beiDe Seiten Der Volkspersönlichkeit, die politisch-wehrhafte sowohl wie die geistig-künstlerische, harmonisch in seiner Erscheinung vereinigte. Wo aber liegen die Wurzeln dieses vieldewun- Derten Zeitatters? In jener Gesinnung, die das Volk von Achen durch Die schweren Zeiten Der Perser-Kriege getragen hatte, einer Gesinnung, für Die jeder freie Bürger zugleich der geborene Verteidiger Des VaterlanDes war. Griechische Geisteskultur hat, als Hellenismus, Die Zeiten griechischer, politischer Wehrhaftigkeit unD Selbständigkeit freilich noch lange überlebt. Aber doch nur, weil es innerhalb Der lockeren griechischen Volkspersönlichkeit immer noch ein Glied gab. Dem die Wehrhaftigkeit erste Bürgertugend mar. Ohne Die Waffentaten Des großen Alexander und feiner Makedonier hätte die hellenistische Kultur sich doch schwerlich das ganze östliche Mittel- meer und bas vorbere Asien erobert. Unb bann, als bas Alexanberreich sich in seine Teilstaaten aufgelöst hatte, stieg im westlichen Mittelmeer bereits ber Stern bes Äolkes auf, bas wie kein anberes vor ihm ben Gebanken ber allgemeinen Wehrpflicht seiner Bürger gepflegt hat. Unter bie Fittiche römischer Staatlichkeit flüchtete sich, was noch von Eigenleben in ber hellenistischen Kultur vorhanben war — und würbe Kulturbünger für frembe Völker. So hat am starken Baum ber wehrhaften preußischen Staatlichkeit bie beut» s ch e Kultur im 18. Jahrhunbert bie Stütze gehabt, bie sie befähigte, ein starkes Eigenleben zu entfalten, unb zwar zum Nutzen des eignen Volkstums. Flüchtige Rückblicke dieser Art können nicht wohl erschöpfend sein. Sie haben ihren Zweck erfüllt, wenn sie Menschen Der Deutschen Gegenwart Daran erinnern, was für eine Sinnwidrigkeit es war, einmal zwischen dem Geist von Potsdam und dem Geist von Weimar, Dem Geist Deutscher Wehrhaftigkeit und dem Geist literarisch-künstlerischer Bildung Feindschaft setzen zu wollen; so zu tun, als winke uns Deutschen eine menschenwür- dige Zukunft auch dann noch, wenn wir enbgülti' unsere Ablchr vom Geisie der Wehrhaftigkeit voll» zögen. Auch ber flüchtigste Runbblick burch die uns zugängliche Geschichte ber Menschheit kann uns barüber belehren, daß ein Volk, solange es gesund und triebkräftig ist, diese Trennung als den Gesetzen seiner Natur zuwider a d l e h n t. Eine harmonische Volkspersönlichkeit kann es nur geben, wenn beide Seiten des völkischen Lebewesens, die wehrhafte und die künstlerische, sich ungehemmt ausbilben können. Daher hat es auf ber deutschen Volkspersönlichkeit wie ein bumofer Druck gelastet, seit ihr bie freie Pflege ihrer Wehrhaftigkeit durch bas Versailler Diktat gehemmt war. Unb unter biefem Druck wäre langsam aber sicher auch bie beutsche Kultur verkümmert — wie bas benn auch bie letzte Absicht jenes Diktats gewesen ist — wenn wir ben Druck nicht zu gegebener Zeit roieber abgeschüttelt hätten. „Höchstes Glück ber Erbenkinber ist boch die Persönlichkeit" — biefes seherische Dichterwort gilt nicht nur vom Einzelmenschen, es gilt ebensosehr von ben Kulturvölkern. Auch ihnen schreibt bas Gesetz ihres Lebens vor: ihre Persönlichkeit so vollkommen auszubilben, wie es ihnen ihr geschichtliches Erbgut unb bie ledenbige Umwelt, in bie fie hineingestellt find, möglich machen. Gibt es einen Deutschen, der da zweifelt, baß unter dieses Lebensaesetz unseres Volkes auch die allgemeine Wehrpflicht fällt, die uns der 16. Mürz, als Antrieb und Schutz für unsere völkische Eigen« kultur, endlich zurückgegeben hat? Nur Volker von Höch st er Kultur waren imstande, die Ueberanftrengung, die der Weltkrieg ihnen zumutete und unter Der Naturvölker zehnmal zusammengebrochen wären, jahrelang auszuhalten. Sollte das ein biologischer Zufall gewesen sein? Beweist es nicht vielmehr, wie eng Äuttur imb Wehrpflicht einander verbunden sind? worden. Die französischen Jagdstaffeln würden in einigen Tagen ein Geschwader modernster Flugzeuge erhallen. Die Flug- zeuggeschwader würden als einzige in der Welt mit einem motorgekuppelten Geschütz ausgerüstet sein, um das die fremden Aliegerorganisationen Frankreich beneiden würden. Die Aufklärungsge- schwader würden zu 50 v. h. durch ausgezeichnete Zweisitzer erneuert werden. Auf dem Boden sei eine Reifse von Verteidigungsmitteln vorgesehen: Luftabwehrstationen, Zentralisierung und Austausch von Nachrichten, Verdunkelung, Alarm. Ferner sei eine bessere Verteilung der aktiven Verteidigungsmittel im Lande, Modernisierung d^r Flugabwehrgeschütze durch Einsetzung von modernen Batterien mit aroßer Anfangsgeschwindiakeit und mit schwerkalibrigen Maschinengewehren ober automatischen Geschützen vorgesehen. Das Luftfahrtministerium verlangt neben den ihm bereits unterstellten Verteidigungsmitteln noch die Leitung des Luftschutzes in jeder Hinsicht sowie im Kriegsfälle den Oberbefehl der Luftstreit- kräfte und des Luftschutzes. In ganz Frankreich müsse die Bevölkerung so organisiert werden, daß sie ohne Entmutigung, ohne sich im Tempo der Arbeit stören zu lassen und ohne unnütze Verluste unvermeidliche Luftangriffe im Verlaufe eines Konfliktes hinnehme. Man dürfe nie vergessen, daß das einzige Mittel, den Krieg und vor allem den Luftkrieg zu vermeiden, darin bestehe, bereit zu sein, ihn siegreich zu bestehen. Veservistenmeutereien in Süd-Tunis. Paris, 2. April. Etwa 150 Eingeborene waren zu einer militärischen Ausbildungsübung nach Medenine in Süd-Tunis einberufen worden. Sie fanden sich auch ordnungsgemäß zum Appell ein; ein Teil von ihnen flüchtete aber wieder. Als die Militärbehörde eingriff, um die Disziplin wieder herzustellen, kam es zu einem Kampf, bei dem die Eingeborenen-Reservisten eine Abteilung Soldaten mit Steinwürfen empfingen und mit Stöcken gegen sie vorgingen. Die Soldaten machten von ihren Gewehrkolben Gebrauch. Ein Eingeborener-Reservist wurde tödlich verletzt. Mehrere Soldaten wurden verletzt, darunter auch ein Offizier. Die meisten Eingeborenen- Reservisten sollen sich inzwischen wieder in ihrem Truppenlager eingefunden haben. AusweisungdeutscherHandelsvertreter aus Vutzlanv. Berlin, 2. April. (DNB.) Der Vertreter der Humboldt-Deutz-Motoren A. G. norm. Ehrhardt und Sehmer, Saarbrücken, H. G. Waschkau, ist aus unbekannten Gründen aus Rußland ausgewiesen worden. Dor einiger Zeit kam Waschkau aus Moskau zur Beerdigung seines Vaters nach Deutschland zurück und wollte nach einigen Tagen die Rückreise wieder antreten. Ohne Angabe von näheren Gründen verweigerte man ihm das Visum und ließ ihn noch nicht einmal zur Auflösung seines dortigen Haushaltes nach Rußland herein. So mußte seine sich in Hoffnung befindende Gattin die schwere Aufgabe der Haushaltsauflösung in einem fremden Lande ohne jegliche Hilfe allein übernehmen. Auch der Vertreter der Mitteldeutschen Stahlwerke Klitsch, sowie einige andere deutsche Vertreter wurden aus unbekannten Gründen ebenfalls aus Rußland verwiesen. Oie Baltikumkämpfer gegen das Schandurteil von Kowno. Berlin, 2. April. (DNB.) Major a. D. Bischoff, der ehemalige Kommandeur der Eisernen Division im Baltikum und Führer des Reichsoerbandes der Baltikumkämpfer, hat an den Führer ein Telegramm gerichtet, in dem es u. a. heißt: „Tieferschüttert über das Kownoer Schreckensurteil gegen unsere deutschen Brüder, versichern die Vertrauensvotum für das Kabinett Flandin. Oer Ministerpräsident schüchtert die Kammer mit der »deutschen Gefahr"" ein. Paris, 2. April. (DNB.) Ministerpräsident F l a n d i n erinnerte in der Kammer daran, daß Deutschland sich ein Luftheer geschaffen und die Wehrpflicht wieder eingeführt habe. Beides bilde eine einseitige unbestreitbare Verletzung des Versailler Vertrages und der Völkerbundssatzungen Die Wiedereinführung der Wehrpflicht werde ergänzt durch andere Maßnahmen, wie die Bildung des Arbeitsdienstes und einer großen Luftschutzorganisation. Gegenüber einer solchen Armee müsse Frankreich seine Sicherheit durch m i - litärische Maßnahmen und durch Militärabkommen mit den im gleichen Sinne am Frieden interessierten Völkern organisieren. Gewisse Truppenverschiebung en seien bereits am 22. März beschlossen und Maßnahmen ergriffen worden, um die Garnisonen der Grenz- befeftigungen auf dem vorgesehenen Stand zu halten. Die Frage, ob auf Grund des Artikels 40 der in einigen Tagen zur Entlassung fällige Jahrgang unter den Fahnen behalten werden soll, werde am 5. April vom Militärkomitee geprüft werden. Für die L u f t st r e i t k r ä f t e seien ebenfalls die notwendigen Maßnahmen getroffen. Für den Luftschutz habe das Parlament ein grundlegendes Gesetz verabschiedet. Die bisher getroffenen Maßnahmen feien aber nur vorübergehend, da ein Beschluß darüber, ob Frankreich veranlaßt sei, seine ganze militärische Organisation abzuändern, erst dann gefaßt werden könne, wenn die neue militärische Organisation i n Deutschland in allen Einzelheiten bekannt sein werde. Das Programm der Befestigungsarbeiten werde weiterhin durchgeführt. Auf keinem. Gebiete sei also etwas vernachlässigt worden, um die Sicherheit Frankreichs zu garantieren. Das Land, dem er die Wahrheit offen habe sagen wollen, müsse Vertrauen und Kaltblütigkeit bewahren. Alles lasse darauf schließen, daß Frankreich harte Anstrengungen werde machen müssen, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Die Regierung werde auch den öffentlichen Kredit und die Währung verteidigen. Flandin wandte sich gegen.das Gerücht, daß das Steueraufkommen hinter den Ausgaben zurückbleibe. Auch wies er die Behauptungen zurück, die von einer Abwertung des Franken infolge der von Belgien getroffenen Maßnahmen sprächen. Er betonte, daß die Lage der französischen Banken nicht vergleichbar sei mit der Lage der belgischen Banken, die die Abwertung des Belga ausschließlich veranlaßt hätten. Frankreich hoste, daß die Anstrengungen Belgiens von Erfolg gekrönt sein mögen, ebenso wie die während des Krieges unternommenen von Erfolg gewesen seien. (Lebhafter Beifall.) Die Regierung habe im übrigen beschlossen, im Sinne der Verteidigung des Goldfranken "die Ausprägung von Goldstücken zu beschleunigen. In Stresa, in Moskau und in Genf stünden schwierige Verhandlungen bevor. Es fei erforderlich, daß der Außenminister dort mit der ganzen Autorität Frankreichs sprechen könne. Wenn die Kammer kein Vertrauen mehr zur Regierungen habe, solle sie es offen sagen. Heute müsse sie ihm (Flandin) entweder ein vollkommenes Vertrauen aussprechen oder einen sofortigen vollen Bruch vollziehen. Er werde sich nie darauf einlassen, mit einer geschmälerten Autorität ZU regieren. Er vertraue auf das Land in der Hoffnung, daß das Land sich zusammenfinden werde zu einer gemeinsamen und überlegten Aktion. In der auf die Rede des Ministerpräsidenten folgenden Abstimmung sprach die Kammer mit 410 gegen 134 Stimmen der Regierung Flandin das Vertrauen aus und vertagte sich alsdann bis zum 28. Mai. Vorerst keine Entlastungen der gedienten Soldaten. Paris, 3. April. (DNB. Funkspruck) Wie „Petit Journal" aus sicherster Quelle wissen will, wird wahrscheinlich am kommenden Samstag im Ministerrat beschlossen werden, die Soldaten, die am 15. April entlassen werden sollten, auch weiterhin unter den Fahnen z u behalten. Zur Begründung gebe man an, daß d i e neuen Rekruten e r ft zwischen dem 15. und 2 5. April eingezogen würden. Mindestens drei Monate werde es dauern, ehe sie notdürftig ausaebildet feien. Würde man also im April Entlassungen aus dem Heeresdienst vornehmen, so würde Frankreich bis mindestens Anfang Juli nur über bie halbe Stärke an ausgebildeten Truppen, d. h. etwa 140 000 Mann, verfügen. (Die Jahrgänge werden bekanntlich je zur Hälfte im April und Oktober eingezogen und entlassen.) Bei der gegenwärtigen Lage bedeute dies aber eine Gefahr f ü r bie Sicherheit Frankreichs. Deshalb werbe man ber Regierung Vorschlägen, bas im April freimerbenbe Kontingent bis Anfang Juli unter der Fahne zu behalten. Man habe bisher noch nicht davon gesprochen, weil die Negierung zunächst die Kammer in die Ferien schicken wollte, um nicht den Angriffen der Linksopposition ausgesetzt zu sein. Der „Populaire" weist auf ein Rundschreiben der Militärbehörden hin, wonach die Truppen, bie im April zur Entlassung kommen sollten, sich für eine weitere Dien st zeit zu verpflichten hätten. Die Vorgesetzten hätten bie Soldaten darauf aufmerksam zu machen, daß im Falle einer Weigerung bie Bürgermeister ihrer Heimatorte, ebenso wie die örtlichen Arbeitsbeschaffungsbüros bann oerftänbigt würden. Ihre Weigerung hätte dann die Entziehung der Arbeitslosenunterstützung zur Folge. Frankreichs Lnffrüstungen. General Denain über den Aufbau der Luftflotte und des Luftschutzes. Paris, 2. April. (DNB.) Auf dem Kongreß des französischen Luftschutzverbandes beantroortete Luft- fahrtminister General Denain bie Frage, ob b i e lebenswichtigen Zentren Frankreichs burch einen Luftangriff verwüstet werden würden, mit nein, vorausgesetzt, daß alle Derteidigungsmittel kaltblütig und entschlossen angewendet werben. Neue Kredite erlaubten bereits bis Ende dieses Jahres die Verwirklichung einer Luftflotte, deren Programm anfänglich auf drei Jahre vorgesehen gewesen sei. Innerhalb der erforderlichen Frist werde der Tonnen inhalt der französischen Bombenflugzeuge auf das Dreifache erhöht und ber A k - tionsradius verdoppelt fein. Besondere Alarmmaßnahmen seien vorgesehen, um bie Zielpunkte und Straßen zu schützen und die französischen Flugzeuge im Falle eines unerwarteten Angriffes zu alarmieren. Zu diesem Zwecke sei eine besondere ständige Ueberwachungs- [teile der Luft in Friedenszeiten eingerichtet worden. Die französischen Flugzeugfabriken machen die größten Anstrengungen zur Sicherung der Erzeugung des für Frankreich nötigen Flugzeugmaleriats. Die Tonnage der Flugzeuge fei im Vergleich zu 1933 um 4 0 v. h. gestiegen und der Aktionsradius von 5 0 0 auf 9 0 0 Kilometer erhöht Gießener Gtadtiheater. Eduard Künneke: „Der Vetter aus Dingsda". Der Komponist, der im Programmheft einiges über seine musikalischen Anfänge erzählt, bemerkt zum Schluß, daß diese Operette, eine seiner bekanntesten, bie auch in Berlin vor kurzem roieber auf dem Spielplan aufgetaucht ist, immerhin schon fast das stattliche Alter von zwölf Jahren erreicht habe. Sie hat sich, in Anbetracht dessen, recht frisch gehalten. Künneke svricht auch über bas Textbuch, bas für ihn stets ber Anlaß zur Musik sei. Von wem, in diesem Fall, das Libretto stammt, ist nicht angegeben. Wenn man es aufmerksam betrachtet, muß man sich rounbern, wie gering ber erwähnte Anlaß sein kann, und wie wenig Handlung dazu gehört, um brei abenbfüüenbe Akte musikalisch zu bestreiten. Das ist bie erstaunliche und romantische Liebesgeschichte von Roderich und Julia; nicht Romeo, obwohl es an Anspielungen auf Shakespeare, auf bie Nachtigall unb bie Lerche nicht mangelt. Im übrigen enbet diese Liebe — sogar eine Balkon- sZene ist vorhanden — zur Befriedigung aller Anwesenden, nachdem der vor sieben Jahren auf Abenteuer ausgezogene Geliebte endlich heimgekehrt ist. Aber bis die beiden sich endgültig kriegen im dritten Akt. sind eine Reihe von Schwierigkeiten zu überwinden, die dem Komponisten willkommene Anregungen zur Ausgestaltung seiner Partitur boten. Erstens ist bie treulich wartenbe Julia noch nicht volljährig, unb ihr Vormunb hat aus durchsichtigen wirtschaftlichen Grünben allen Anlaß, ihr die Hoffnung auf Roderichs Heimkehr zuschanden zu machen. Außerdem ist noch ein junger Herr in der Nähe, der mit einem Blumenstrauß und einem Heiratsantrag bewaffnet sich an die sehnsüchtige Julia heranmacht. Als aber der langersehnte Heimkehrer endlich erscheint, da will er seinen Namen nicht nennen unb wird, wie das auch in ernsthaften Heimkehrerstücken so geht, von den Nächstbeteiligten nicht erkannt. Zu guter Letzt stellt sich allerdings heraus, wieso er nicht erkannt werden konnte, denn der wahre Roderich taucht erst im dritten Akt auf, während Julia sich mittlerweile in den namenlosen Fremdling verliebt hat; ein Umstand, aus dem sich mühelos der Sinn und die moralische Nutzanwendung dieser Liebesgeschichte ableiten lassen: Namen sind Schall und Rauch, und für die Liebe auf den ersten Blick klingt August ebenso poetisch wie Roderich. Wie gut, daß Julia noch eine Freundin bei der Hand hat, damit der arme Roderich — auch auf den ersten Blick übrigens ebenfalls zu einer Frau kommt. Das ist diese Geschichte. Vielleicht hat Künneke sie selbst erfunden. Die Musik dazu, die unbestritten von ihm ist, erweist sich weder als kompliziert noch als besonders anspruchsvoll, erscheint aber gefällig unb burchsichtig in Aufbau, Melodieführung und der Wiederkehr der Hauptmotive. Das Kernstück der Partitur ist entschieden das große Duett im Mittelakt („Liebchen, du mußt nicht so schrecklich viel denken"), aber auch das hübsche Heimkehrerlied „Ich bin nur ein armer Wandergesell" gehört in seiner schlichten Instrumentierung zu den gelungensten Einfällen der Partitur. Herr Hub hatte die Aufführung inszeniert, für ein bewegliches Tempo, flüssiges Zusammenspiel und einen publikumsgerechten Ausgleich zwischen den romantischen und den handfest-komischen Partien der Operette Sorge getragen. Hohes Lob verdient die geschmackvolle szenische Ausstattung von Herrn Löffler; das in allen drei Akten gleichbleibende Bild war — zumal mit dem sommerabendlichen Mondaufgang — wie geschaffen für Liebeslieder, Sehnsuchtsseufzer und überraschenden Besuch zu später Stunde. Herr Keim betreute mit bewährter Hand den Beleuchtungsapparat und unterstrich den dramatischen Höhepunkt effektvoll mit einer realistischen Gewitterstimmung. Kapellmeister C u j e leitete das Orchester geschmeidig, mit sicheren Einsätzen und Steigerungen. Maja vonRabenau hatte bie mit Beifall aufgenommenen Tanzeinlagen einftubiert. ♦ Maria Perry fang unb spielte die schwärmerische Liebhaberin Julia de Weert sauber, flüssig und mit kultivierten Mitteln. Ihr Partner, Heinz Weiser, schien uns darstellerisch stellenweise etwas ungelöst, beherrschte aber die lyrisch-gedämpften wie die dramatischen Stellen feiner Gesangspartie recht überzeugend. Hansi S a l z m a n n stattete das Hannchen mit einem erstaunlichen Mundwerk, grotesken Gebärden und tänzerischer Beweglichkeit aus. Herr Lindt ergötzte das Publikum mit den gezierten Ansprachen eines aussichtlosen Freiers mit steifem Hütchen und Blumenstrauß, Herr Hub erschien erst im letzten Akt, aber mit Eleganz und Schwung und gleich nochmal. Herr 23 o I cf und Frau Schubert-Jüngling als Onkel Josef und Tante, Wilhelmine sowie die Herren D i e t e n und Seitz bereicherten die Liebesgeschichte mit komischen Nuancen aller Art. Es gab viel freundlichen Beifall. hth. Oie vertauschten Säuglinge. Das kömmt davon, wenn Mutter und Tochter gleichzeitig ihre Gatten mit Söhnen erfreuen. In Belgrad, der Hauptstadt des kinderreichen Landes । Südslawien, schenkte die tüchtige Frau des Bauern Toder Markowich ihrem Manne, dem es nickt leicht wurde, seine große Familie zu ernähren, den 17. Sohn. Im gleichen Hause gebar eine Stunde später Markowichs Tochter ebenfalls einen strammen Jungen. Die Hebamme wurde gerufen, nahm vor Freude, daß sie gleich zwei Kinder nach ihrer Geburt zu behandeln hatte, einen tiefen Schluck aus ihrer Flasche, badete die beiden Kleinen und legte sie in eine Wiege, um sich um die Mütter zu kümmern. Denen ging es den Umständen nach gut, und beide äußerten den Wunsch nach dem Kinde, das die Hebamme ihnen in den Arm legen sollte. Mutter und Tochter lagen natürlich in verschiedenen Wohnungen des Hauses, aber keine von beiden hatte schon ihr Kind gesehen. Die Hebamme eilte zur Wiege, nahm den einen Jungen heraus und — wußte tatsächlich nicht mehr, war das das Kind der Mutter oder der Tochter. Statt jedoch den Mund zu halten, klagte sie den beiden Müttern ihren Kummer, deren Aufregung man sich ja vorstellen kann. Nicht minder erregt waren die beiden Väter, die die unachtsame Hebamme gemeinsam gründlich verprügelten. Es kann nun sehr wohl geschehen, daß die junge Frau ihren eigenen Bruder nährt und Mutter Markowich ihren Enkel. Die beiden ganz verwirrten Väter sind sich bis heute noch nicht über das Verwandtschaftsverhältnis zu ihren neugeborenen Kindern klar, falls sie wirklich vertauscht sein sollten, denn daß ein Kind gleichzeitig der Schwager seines Vaters sein kann, das ist für einen serbischen Bauern nicht faßbar. Ein Trost ist den beiden Elternpaaren geblieben: die Kinder bleiben wenigstens in der Familie. Werden die beiden Knaben erst einige Jahre alt fein, bann wird sich die richtige Verwandtschaft vielleicht aus den Erbanlagen endgültig feststellen lassen. Lochschulnachrichten. Der Privatdozent Dr. Günther Franz von der Universität Marburg hat einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl der mittelalterlichen Geschichte an ber Universität Heibelderg als Nachfolger von Professor Dr. Karl Hampe angenommen. Professor Dr. Rudolf Thiel, Extraordinarius für Augenheilkunde an der Universität Berlin, hat einen Ruf auf den ophtalmologischen Lehrstuhl an der Universität Frankfurt als Nachfolger Baltikumkämpser getreu ihrem Kampfruf „Unb doch!" ihre unwandelbare Treue zum Deutschtum und Vaterland! Voller Scham denken wir Baltikumkämpfer an die der Befreiung Litauens vom Bolschewismus durch uns, u n f er Blut und unsere T o - t e n gefolgte Niederdrückung und Knechtung der Befreier und ihres Deutschtums. Wir denken in dieser Stunde voller Ingrimm und Verachtung des feigen Ueberfaües neugebildeter litauischer Formationen im November 1919 auf einen deutschen Derwundetenzug, bei welchem 42 Verwundete, flüchtende Frauen und Kinder getötet wurden." Am Schluffe des Telegramms wird dem Führer der Dank der Baltikumkämpfer für das auch von ihnen langersehnte Dritte Reich ausgesprochen. Strafordnung für Studenten. Berlin, 2. April. (DNB.) Der Reichswissenschaftsminister hat eine Strafordnung für Studenten, Hörer und studentisch«? Vereinigungen an den deutschen Hochschulen erlassen. Folgende Strafen können verhängt werden: Mündliche Verwarnung, schriftlicher Verweis, erforderlichenfalls unter Androhung der Entfernung von der Hochschule, Nichtanrechnung des laufenden Semesters, Entfernung von der Hochschule, verbunden mit Nichtanrechnung des Semesters, dauernder Ausschluß vom Studium an allen deutschen Hochschulen. Der Rektor leitet das Strafverfahren ein. Er betraut den Rechtsrat der Hochschule (Universitätsrat) mit den erforderlichen Ermittlungen. Verwarnungen und Verweise verhängt der Rektor allein, nachdem der Beschuldigte gehört worden, ist. Nichtanrechnung, Entfernung und Ausschluß verhängt der Rektor nach mündlicher Verhandlung auf einhelligen Beschluß des Dreier- a u s s ch u s s e s. Dem Dreierausschuß gehören an: Der Rektor, der Führer der Dozentenschaft, der Führer der Studentenschaft. Der Rektor leitet bie mündliche Verhandlung. Der Unioerfitätsrat vertritt die Anschuldigung. Der Beschuldigte kann einen Angehörigen des Lehrkörpers als Beistand wählen. Eine Bestrafung mit Verweis, Nichtanrechnung, Entfernung oder Ausschluß ist dem Bestraften schriftlich mitzuteilen und mit Gründen zu versehen. Sie wird durch 14tägigen öffentlichen Aushang bekannt gemacht und in die Papiere des Bestraften eingetragen. Eine Berufung ist nur zulässig, wenn auf dauernden Ausschluß vom Studium erkannt ist. Gegen studentische Vereinigungen können folgende Strafen verhängt werden: Mündliche. Verwarnung, schriftlicher Verweis, erforderlichenfalls unter Androhung der Suspension, Suspension auf ein bis vier Semester, dauerndes Verbot. Das Verfahren richtet sich nach- den für Studenten unb Hörer qeltenben Vorschriften. Verwarnungen unb Verweise verhängt ber Rektor allein, Suspension unb Verbot auf einhelligen Beschluß des Dreierausschusses. Eine Berufung ist nur zulässig, wenn auf dauerndes Verbot erkannte ist. Der Reichswissenschaftsminister kann in jedem Fall das Verfahren durch Sonderbeauftragte führen lassen und selbst eine Entscheidung fällen. Oie Wehrmacht am Geburtstage des Führers. Berlin, 2. April. Für die Feiern des Geburtstags des Führers unb Reichskanzlers an 2 0. April hat ber Reichswehrminister bestimmt, baß bei allen Einheiten am 20. April vormittags Appelle innerhalb ber Truppe mit Ansprachen ber Stanbortältesten bzw. Kommandeure stattzufinben haben. Beamte, Ange st eilte unb Arbeiter ber Wehrmachtverwaltung sind zu diesen Appellen heranzuziehen. Don Parad en und'Zapfen- streichen soll abgesehen werden. Die übliche Regelung des O st e r u r l a u b s in der Wehrmacht wird dadurch nicht berührt. des in den Ruhestand tretenden Professors Schnaudigel erhalten. Professor Dr. Fritz Kirchner von der Univer- sität Leipzig ist auf den Lehrstuhl für technische Physik an der Universität Köln an Stelle von Professor Dr. R u k o p berufen worden. Auf den bisher freistehenden Lehrstuhl ber Zoologie an ber Universität Köln ist ber nicht- beamtete außerordentliche Professor Dr. Kuhn von ber Universität Göttingen berufen worben. Dem orbentlichen Professor Dr. von Wartburg an ber Universität Leipzig ist ber or- bentliche Lehrstuhl für romanische Philologie an der Universität Köln angeboten worben. Professor Dr. Rubolf Stucken, Drbinarius für Wirtschafts- unb Sozialwissenschaften an ber Universität Jena, hat einen Ruf an bie Universität Leipzig abgelehnt. Professor Dr. Alfred H u e ck, Ordinarius für Deutsches unb Bürgerliches Recht, Hanbelsrecht unb Arbeitsrecht an ber Universität Jena, erhielt einen Ruf auf ben Lehrstuhl für Arbeitsrecht an ber Universität München. Professor Dr. W e s l e von ber Universität Bonn hat einen Ruf auf ben germanistischen Lehrstuhl an ber Universität Jena als Nachfolger von Professor Dr. L e i tz m a n n erhalten. An ber Universität Jena treten in ben Ruhe- ftanb: Geheimer Hofrat Professor Dr. Max Wien, Ordinarius für Physik; Professor Dr. Ludwig Plate, Ordinarius für Zoologie; Geheimer Hvftat Professor Dr. Alexander (kartelliert, Ordinarius für Geschichte; Professor Dr. Georg Mentz, Ordinarius für mittlere und neuere Geschichte; Professor Dr. H. K i o n k a, Ordinarius für Pharmakologie. Professor Dr. R. Matthaei an der Universität Tübingen hat den Ruf auf den freigewordenen ordentlichen Lehrstuhl für Physiologie an der Universität Erlangen zum 1. April angenommen. Professor Dr. A. P. T h i e s s e n , ao. Professor für anorganische Chemie an ber Universität Göttingen, ist an Stelle von Geh. Rat Professor Dr. Rubolf Schenck als Direktor bes Chemischen Instituts an bie Universität Münster berufen worben. Professor Dr. Hans W e i n e r t, außerorbentlicher Professor für Anthrologie an ber Universität Ber - l i n, ist als Drbinarius unb als Direktor des Anthropologischen Instituts an bie Universität Kiel berufen worden. Professor Dr. Robert Winkler von der Universität Heidelberg hat einen Ruf auf ben Lehrstuhl für systematischen Theologie unb Religionsphilosophie an ber Universität Breslau erhallen. Zuspitzung im abessinisch-italienischen Grenzstreit? London, 3. April. (DNB. Funkspruch) „Daily Telegraph" berichtet aus Addis Abeba, die Lage, infolge des Grenzstreites mit Italien, werde i m - mer gefährlicher. Gerüchte über Zwischenfälle an verschiedenen Grenzstationen erregten die Soldaten und es werde immer schwieriger, sie an Vergeltungsmaßnahmen zu verhindern. Die Aufregung unter den kriegerischen Stämmen in Nordabessinien sei besonders groß. Vorbereitungen zum Kriege würden offen betrieben. Im ganzen Lande würden Truppen versammelt. Die Nachricht, daß Frankreich Munitionssendungen für Abessinien angehalten habe, habe in Addis Abeba einen schlechten Eindruck gemacht; die Sendungen sollen jetzt fretgegeben worden sein. Oie Durchführung der Kriegsgerichtsurteile gegen die griechischen Revolutionäre. A t h e n, 2. April (DNB.) Vor 20 000 Zuschauern fand im Anschluß an eine militärische Parade in Anwesenheit von Truppenabteilungen aller Waffengattungen die Degradation der verurteilten 13 Offiziere statt. In einem Viereck von 200 Metern, das aus Truppen gebildet wurde, verlas der diensthabende Offizier, Oberstleutnant A l e x o p u l o s , bei Totenstille, während das Militär präsentierte, das Kriegsgerichtsurteil. Darauf rissen fünf Soldaten unter dem Befehl eines Feldwebels den Offizieren die Achsel st ücke, Knöpfe und Kokarden herunter, wobei ein Offizier erklärte, daß die bestraften Offiziere unwürdig seien, die griechische Uniform zu tragen. Nach der Degradation wurde jeder der degradierten Offiziere einzeln von einer Abteilung Soldaten im Karree h e r u m g e f ü h r t, um die Erniedrigung vollständig zu machen. Die Volksmenge brach hierbei in Beschimpfungen gegen die Verurteilten aus. Diese waren völlig gebrochen, einige unter ihnen, besonders die höheren Offiziere, weinten. Kleine politische Nachrichten. Der Staatssekretär im Reichsfinanzministerium Fritz Reinhardt begeht am 3. April 1935 seinen 40. Geburtstag. Er hat als finanzpolitischer Sachverständiger der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion in der Oppositionszeit und seit dem 1. April 1933 als Staatssekretär Staat und Partei wertvolle Dienste geleistet. Sein Name ist mit der erfolgreichen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit untrennbar verbunden. Reichsminister Dr. Frick hat an Reinhardt folgendes Glückwunschschreiben gerichtet: „Lieber Parteigenosse Reinhardt! Zu ’ Ihrem 40. Geburtstag wünsche ich Ihnen für Sie persönlich und für Ihre für das Dritte Reich wertvolle Arbeit herzlichst Glück." ♦ Der Reichs- und Preußische Minister des Innern hat dem Generalvikar Domkapitular Prälat Dr. Meyer in Mainz anläßlich des Ablebens des Bischofs Dr. Hugo folgendes Beileidstelegramm übersandt: „Zum Ableben des Herrn Bischofs Dr. Hugo spreche ich mein aufrichtigstes Beileid aus. — Neichsminister Dr. Frick." * Die deutsch-französischen Wirtschafts-Verhandlungen haben zu einem Abkommen geführt, das auf die Dauer von drei Monaten abgeschlossen wurde, das System der Kompensationen ist beibehalten worden. Das Gleichgewicht des Clearing wird durch eine entsprechende Verteilung der Ausfuhr auf der Grundlage des normalen Austausches während der gleichen Monate des Vorjahres herbeigeführt werden. Diese Verteilung wird besonders den Veränderungen Rechnung tragen, die zollgebietsmäßig zwischen den beiden Ländern stattgefunden haben. ♦ In Kowno veranstalteten etwa 2000 Studenten eine deutschfeindliche Kundgebung, die sich aber wegen des polizeilichen Einschreitens zu einer Kundgebung gegen die Regierung auswirkte. Die Studenten zogen sich nach dem vergeblichen Versuch, an der deutschen Gesandtschaft vorbeizuziehen, in das Universitätsgebäude zurück. Dort wurden aufreizende Ansprachen gehalten, in denen der Rücktritt des Innenministers und des Polizeichefs gefordert wurde. Geistige Rot bei den Ausländsdeutschen. Ein Hilferuf aus Brasilien. Maria Kahle spricht in Gießen. Wolfgang Ammon schreibt im „Urwald- b o t e n", der- deutschen Zeitung im südbrasilianischen Blumenau, über die schwierige Lage, die durch die Sperrungen der Völker gegeneinander überall entstanden ist und von der besonders die Deutschen in Brasilien betroffen sind. Er führt unter anderem aus: „Die außerordentliche Verschiedenheit im Wert und die Unsicherheit der Währungen sowie die fast unüberwindlichen Schwierigkeiten der Geldüberweisungen von einem Land zum anderen bringen es mit sich, daß die Ueberseedeutschen selten noch deutsche Waren erlangen und daß Erholungs- und Besuchsreisen nach Deutschland, wie sie früher auch den Minderbemittelten möglich waren, heutzutage zu den Ausnahmen gehören. Deutsche Waren, deutsche Weine, deutsche Spezialartikel werden durch Waren, Getränke und Ersatzartikel der Nationalindustrie verdrängt. Die Absperrung von Deutschland ist durch die Hemmungen der Währungen, die Schwierigkeit von Geldüberweisungen und Zölle fast so peinigend wie zur Zeit des Weltkrieges. Am schwersten fühlbar aber ist die aus den gleichen Ursachen erfolgte A b - sperrung aller deutschen Geistespro- butte. Deutsche Bücher, deutsche Familienblätter, Tageszeitungen, Kunstwerke und Musikalien sind infolge des Tiefstandes des brasilianischen Milreis sowie der fast einem Verbot gleichenden Schwierigkeit von Geldüberweisungen geradezu Luxusartikel in Brasilien geworden. Diese Aussperrung des geistigen Zuflusses aus Deutschland, die vorher von Land zu Land, von Seele zu Seele zu den Ueberseedeutschen gelangte, ist fast unerträglich geworden und wird auf die Dauer die Erhaltung und den Zusammenhang des Deutschtums im Ausland gefährden. Wohl jede gebildete deutschstämmige Familie in Ueberseeländern bezog, ehe die jetzigen Zustände eintraten, regelmäßig die guten deutschen Familienzeitschriften, ein oder die andere deutsche Tageszeitung, Musikalien und die wichtigsten Erscheinungen des deutschen Büchermarktes. Das ist unter den heutigen Zuständen ausgeschlossen. Tausende von Familien haben den Bezug von deutschen Büchern und Familienzeitschriften unter großen Opfern aufrecht zu halten gesucht, mußten es aber, dem Zwange unterliegend, mehr und mehr einstellen. In Brasilien wird nach Milreis gerechnet wie in Deutschland nach Mark. Der Milreis hat innerhalb der Landesgrenzen noch fast denselben Kaufwert wie vor zehn Jahren. Ein Buch, das in Deutschland den billigen Preis von 5 Mark hatte, kaufte man in Brasilien für 5 Milreis. Heute kommt es mit Porto auf etwa 30 Milreis. Hitlers Mein Karnpst, billige Volksausgabe, 2 Bände zu je 2,85 Mark, kosten hier 35 Milreis. Ein illustriertes Familienblatt, z. B. die Gartenlaube^, die mit Porto etwa 24 Mark kostet, stellt sich in Brasilien etwa auf 138 Milreis bei direktem Bezug, ganz abgesehen von der Schwierigkeit, überhaupt Reichsmark zu erhalten." Man bedauert diese Tatsachen um so mehr, als man neuerdings durch die VDA.-Sendbotin Maria Kahle, die am 6. April auf Einladung der Frauengruppe des VDA. in Gießen sprechen wird, von den brasilianischen Deutschen gehö.rt hat, wie treu und mit allen Kräften ihres Herzens sie zur alten Heimat stehen und sich selbst in schwierigsten Verhältnissen mit einem rückhaltlosen Bekenntnis zum deutschen Volkstum bewähren. Ein jeder sollte daher an seine deutschverwandten Freunde und Bekannten im Ausland Bücher, Zeitungen und Zeitschriften senden, um nach besten Kräften den geistigen Hunger unserer Ausländsdeutschen zu stillen. Aus aller Well. Mit „Kraft durch Jreube“ nach den Azoren. Die „Oceana" hat die zweite Atlantikfahrt angetreten, die diesmal nach den Azoren führt. 644 Arbeitskameraden und -kameradinnen aps allen Gauen Deutschlands werden 20 Tage lang gemeinsam alle Schönheiten einer ihnen fremden Welt genießen und daraus neue Kraft für ihre Tagesarbeit schöpfen. Schon am frühen Morgen waren die Urlauber aus allen Richtungen auf dem Hamburger Hauptbahnhof eingetroffen/wo sie vom Gauamt „Kraft durch Freude" und von der Hamburg-Amerika-Linie empfangen und betreut wurden. In kleinen Trupps wurde der Marsch zum Hafen angetreten. Dann versammelten sich die Urlauber auf dem Achterdeck, wo der Reichsamtsleiter des Amtes Reisen, Wandern und Urlaub in der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Pg. L a f f r e n tz, eine Ansprache hielt und die Grüße des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley überbrachte. Auf der Fahrt elbabwärts wurde die „Oceana" von zahlreichen kleinen Fahrzeugen aller Art ein Stück Wegs begleitet. Ehrung verdienter Soldaten. Dem General der Infanterie a. D. v. Lochow wurden anläßlich seines 80. Geburtstages zahlreiche Ehrungen zuteil. Die Glückwünsche der Heeresleitung überbrachte Generalmajor v. Witzleben, die der Traditionstruppe, des IR. Ruhleben, Major v. L ü tz o w. Im Namen des NS. Deutschen Frontkämpfer-Bundes (Stahlhelm) überbrachte der Landesführer Oberst a. D. v. L u ck die Ernennung zum Ehrenmitglied des Landesverbandes Berlin- Brandenburg. Oberst a. D. Lange überreichte als Geschenk des Bundesführers dessen Bild. Während der Ehrung gab die Bundeskapelle vor der Wohnung des Generals ein Platzkonzert. — Dem früheren Bundeshauptmann des Stahlhelm, Bundes der Frontsoldaten, und langjährigen Landesführer des Stahlhelm-Landesverbandes Groß-Berlin, Major a. D. v. Stephani, wurde mit einem persönlichen Anschreiben des Bundesführers, Reichsarbeitsminister Seldte, die Ernennung zum Ehrenmitglied des Landesverbandes Berlin-Brandenburg des NSDFB. (Stahlhelm) überbracht. Stephani dankte für die Ehrung, die beweise, wie hoch der Bundesführer seine Verdienste um die nationale Befreiung als Führer der zurückkehrenden Fronttruppen bei der Befreiung Berlins vom Revolutionsterror 1919 und als Führer des Berliner Stahlhelm schätze. „Das Stahltier", ein Tonfilm zur Jahrhundertfeier der deutschen Eisenbahn. Die Reichsbahn, die für die bevorstehende Jahrhundertfeier der deutschen Eisenbahn einen Tonfilm „Das Stahltier " dreht, hat zu diesem Zweck einen besonderen Filmarbeitszug zusammengestellt, der jetzt zu kurzem Aufenthalt auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin eintraf. Der aus fünf Wagen bestehende, weißgestrichene Zug, der in leuchtend roten Buchstaben die Aufschrift „Tonfilm Das Stahltier" trägt, setzt sich aus zwei Wohnwagen, einem Beleuchtungs-, einem Gerätewagen und einem leichten offenen Tiefladewagen für die Kamera zusammen. Die Aufnahmen des Filmes, die im August v. I. begonnen haben, sollen bis Juni d. I., dem Zeitpunkt des hundertjährigen Jubiläums der Reichsbahn, beendet sein. Der Film selbst, der sich aus zwei Abteilungen zusammensetzt, einer historischen, die die Geschichte der Dampfmaschine bis zur Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke Nürnberg—Fürth enthält, und einem modernen Teil, in dem der Werdegang eines Werkstudenten geschildert wird, ist im ersten Abschnitt bereits fertiggestellt. Furchtbares Brandunglück in Karpathenrußland. — 15 Obdachlose in Strohschobern verbrannt. I n der Nähe -der Stadtgrenze von Uzhorod (Karpathenrußland) fing ein großer Strohschober Feuer; der Brand griff auf sieben andere in der Nähe befindliche Strohschober über und vernichtete sie vollkommen. Die Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, den Brand zu lokalisieren. Da Wächter aussagten, daß in den Strohschobern etwa 20 Obdachlose übernachtet hätten, wurde die Brandstätte abgesucht, und tatsächlich fand man 15 verkohlte Leichen. Es muß befürchtet werden, daß noch weitere Obdachlose Opfer der Flammen geworden sind. Eine polizeiliche Untersuchungskommission hat sich am Brandort eingefunden. Der Brand Entstand wahrscheinlich durch einen lelcht- sinnig meg^eroorfenen Zigarettenrest. Bisher gelang es nur, ein einziges Opfer der Katastrophe zu i-dentifizieren. Der Mehrzahl nach dächte es sich um landwirtschaftliche Arbeiter handeln, die zu den Frühjahrsarbeiten in den Weinbergen nach Uzhorod gekommen waren. Mandschurischer Dampfer gesunken. — 21 Tote. Der mandschurische Dampfer ,^Hechri", der am 30. März aus Chihuangkao (Golf von Tschili, China) ausgelaufen war und bei Schang-Harkwan in einen Sturm geraten mar/ift gesunken. Die Besatzung voll 21 Mann ist verloren. Amzugstage. „Also, wat soll ick dir sagen, Karl, Radio is mir lieber!" Wetterbericht des Reichswetterdienstes Ausgabeork Frankfurt. Vom nördlichen Eismeer erstreckt sich über Skandinavien und Mitteldeutschland nach dem Mittelmeer hin eine Tiefdruckrinne. Mit ihr wandern fortgesetzt kräftig entwickelte Störungen südwärts und bedingen bei uns sehr wechselhaftes Wetter mit Niederschlagsschauern, die infolge der Zufuhr kalter polar-maritimer Luft vielfach aus Schnee bestehen. Der Aprilwettercharakter bleibt vorerst erhalten. Aussichten für Donnerstag: Veränderlich mit zeitweiliger Aufheiterung, aber wiederholten meist schauerartigen Niederschlägen (teils Schnee oder Graupeln), bei lebhaften westlichen Winden für die Jahreszeit zu kalt, Nachtfrostgefahr. Aussichten für Freitag: Fortdauer der wechselhaften, zu Niederschlägen neigenden, für die Jahreszeit zu kalten Witterung. Lufttemperaturen am 2. April: mittags 6,1 Grad Celsius, abends 3,7 Grad; am 3. April: morgens 1,6 Grad. Maximum 7,6 Grad, Minimum 0,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. April: abends 6,2 Grad; am 3. April: morgens 4,5 Grad Celsius.— Niederschläge 1,3 mm. — Sonnenscheindauer zwei Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Sange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot. für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. II. 35: 11790. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr« Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig die für Jahre Ihre Zufriedenheit bestimmens er Zuverlässige Opet-fiänblec auch die gediegene, reichhaltige Ausstattung, die Sorgfältige Verarbeitung des ausgesuchten Materials, die ungewöhnliche Geräumigkeit des IDagen- innern und alle die anderen kinzelheiten zu prüfen, die in ihrem ganzen Umfange erst bei eingehender Betrachtung erkennbar sind. Dann wissen 5ie: Opel-lDagen sind auch in Ausstattung und Komfort der gesunde filaßftab für Automobilwert Beginnen Sie daher mit der Prüfung des IDagens, den Sie sich anschaffen wollen, bei Opel und verlangen Sie eine unverbindliche Probefahrt Sie werden unaufgefordert bestätigen, dast sich die zehn Minuten, die Sie darauf verwandten, wirklich ehrlich gelohnt haben! Opel-lDagen überall und zu jeder Tages- und lahreszeit zuverlässig ihre Arbeit leisten zu sehen -. das ist für Sie selbstverständlich. So grostist das vertrauen, das Opel genießt, so umfassend ist die Anerkennung, die Opel-lDagen finden, daß man vergißt, nach den Gründen zu fragen. Sie sollten es aber dennoch tun! Sie sollten sich nicht damit begnügen, bei jedem oorbeifahrenöen Opel den leisen und weichen Gang des Motors, die tadellose Straßen- und Kurvenlage,dasverblüffende Anzugsvermögen, die schone und dabei so zweckmäßige Gestaltung des ganzen sahrzeuges festzustellen. Jehn Minuten reichen aus, um Ihnen mehr als das zu zeigen. Benutzen Sie diese kurze Zeitspanne, um bei Ihrem Pool 1,2 Ffr. ab ftM 1850.-IDagen mit »Opel5ynthron-fe6ettmg«: Opel »Typ Olympia« RD12500.- Opel 1,3 Etc. ab BIT) 2850.- Opel 8 Zylinder ab NM3600.-.vreise ab LOechRbam Opel fl.6. Rüffclshcim 0.01 as wollen die Studenten-Historiker? Don Dr. Walbrach, Gießen. Obecheffen gang ider Försterschule hatte Lieser Tage unter Leitung Les Landesfarstmeisters Hesse seine Schlußprüfung. Die Schuler konnten ein gutes, zum Teil sehr gutes Examen aufwesten. Abends fand im Hubertus eine kameradschaftliche Schlußfeier statt. * Hoherodskopf, 2. April. Nach altem Brauch fand am Samstagabend im Clubhaus die Bismarck feier statt. Viele DHE.-Brüder, besonders aus Nidda und Schotten, waren zu der Feier erschienen, die sehr stimmungsvoll verlief. Oberreallehrer Buß-Schotten hielt die Festrede. ch Groß-Eichen, 2. April. Gestern abend wurde im oberen Schulsaale durch die NSV. ein Schädlingsbekämpfungsfilm vorgeführt. Der Sachbearbeiter für Schadenverhütung, Lehrer Appenheimer, und Schulungsleiter Lehrer Bell hielten die erläuternden Vorträge. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer schloß die sehr lehrreiche Veranstaltung. Kreis Alsfeld. # Ober-Ohmen, 2. April. Die hiesige Ortsgruppe der NS. - Volkswohlfahrt veranstaltete am Sonntag zugunsten des W i n t e r Hilfswerkes einen Konzertabend, der sich zu einem vollen Erfolg gestaltete. Neben dem Trupp 5 des Musikzuges der SA.-Standarte R/116 wirkten unter Leitung des Dirigenten W. Daubert- Ulrichstein der Männergesangverein „Hermania" Ober-Ohmen und ein Kinderchor mit. Pfarrer Gußmann, der Leiter der hiesigen Ortsgruppe der NSV., hielt eine Begrüßungsansprache, in der er auf die große Bedeutung des Winterhilfswerkes hinwies. Das Konzert brachte verschiedene musikalische Darbietungen, anschließend eine Reihe von Männerchören, zum Teil mit Trompetenbegleitung oder unter Mitwirkung des Kinderchores. Musikalische Darbietungen und Gesangsoorträge wechselten miteinander ab. Den Höhepunkt des Abends bildete der vom Männerchor gesungene Straußsche Walzer „An der schönen blauen Donau* mit Instrumentalbegleitung. Lebhafter und begeisterter Beifall forderte zur Wiederholung heraus. Ein Soldatenliederpotpourri und ein Marsch beschlossen das Programm. Stützpunktleiter, Bürgermeister H o r st, dankte allen, die zum Gelingen der Veranstaltung Kreis Schotten. # Schotten, 2. April. Im Posthäuschen hielt am vergangenen Samstagabend die F r e i - willige Feuerwehr ihre Jahresversammlung ab. Kommandant Stang begrüßte die Kameraden und Gäste, Kreisleiter K r o m m, Ortsgruppenleiter Zeschky, Reg.-Rat Schwan, Bürgermeister M e n g e l, Kreisfeuerwehrinspektor Eberheim. Der Kommandant gab dann einen Rückblick aus die Tätigkeit der Wehr im letzten Jahre. Von einem Brand blieb die Stadt verschont. Bei dem Brand im Himmelsbachschen Sägewerk Nidda war die Motorspritzenabteilung erfolgreich eingesetzt. Die aus diesem Brand sich ergebenden Lehren wurden besprochen. Eine Reihe Auszeichnungen wurde an langjährige verdienstvolle Feuerwehrleute verliehen, Jahresrechnung und Voranschlag wurden bekanntgegeben, eine Reihe von Wöhrfragen behandelt. Die Kapelle der Wehr unter Leitung ihres Dirigenten spielte schöne Stücke zu dem gemütlichen Teil. — Der diesjährige Jahr- Ernst in die Probleme versenkten und ihrer Aufgabe mit Geschick entledigten. Seit Jahren veranstalten die weit über Deutschland verstreuten Forscher abwechslungsweise am Sitz einer Hochschule regelmäßige Tagungen, um in einer größeren Arbeitsgemeinschaft die Forschungsergebnisse entgegenzunehmen und zu besprechen. Stets schieden die Teilnehmer besrieoigt von diesen Zusammenkünften, die ihnen meist eine reiche Vortragsfolge, angenehm unterbrochen durch Archiv- und Sammlungsbesichtigungen sowie gesellige Veranstaltungen gebracht hatten. Die lose Vereinigung deutscher Studentenhistoriker ist sich bewußt, daß der geschichtliche Sinn in der heutigen Studentenschaft keineswegs rege ist. Ein Grund mag die gegen früher härtere Pflicht rascheren Studiums fein. Mehr noch fällt ins Gewicht die hohe, dem Studenten jetzt gestellte Aufgabe, sich mit aller Kraft im Wehrsport und Arbeitsdienst, in der SA. und SS., zu betätigen und das nationalsozialistische Gedankengut in sich aufzunehmen. Daneben aber stehen unsere mit den Hochschulen innig verwachsenen Verbindungen, die immer noch Kreis Büdingen. H N i d d a, 2. April. In einer gut besuchten Versammlung von Mitgliedern der N S. - Volkswohlfahrt hielt Lehrer i. R. R u n k im Parteihaus einen interessanten Vortrag über „Schädlingsbekämpfung im Walde". Wenn man festgestellt habe, daß alljährlich für etwa 2,5 Milliarden RM. Werte durch Insektenfraß, für 400 Millionen RM. durch Unkraut, für 600 Millionen RM. an Schorf und für 100 Millionen RM. an Krebs und Fäule oerlorengingen, dann sei es im Rahmen der Erzeugungsschlacht zwingende Notwendigkeit, neben der Produktion neuer Werte die vorhandenen zu erhalten zu suchen. Als wirksames Mittel hierzu kämen neuerdings zur Vertilgung von unzähligen Waldschädlingen künstliche Bespritzung mit Gift aus dem Flugzeug in Betracht, was allerdings leider auch eine Gefahr in erster Linie für die Tiere des Waldes bedeute. Daneben soll man weitgehenden Schutz den insektenvertilgenden Vögeln und Förderung ihrer Brutstätten in zielbewußter Weise angedeihen lassen. Zum besseren Verständnis wurden die lehrreichen Ausführungen, für die man lebhaften Dank zollte, durch treffliche Lichtbilder unterstützt. die Hüterinnen ehrwürdiger Tradition und die gegebenen Pflegestätten charakterlicher Ausbildung find, und deren Wirken auch in der Gegenwart keineswegs erschöpft ist. Sie werden das vom Führer ihnen anvertraute Kameradschaftsheim, sowie ihre erprobten Erziehungsmittel benützen, um dem Dritten Reich tüchtige politische Soldaten und Offiziere, ihrem Bund brauchbare Mitglieder zu stellen. Wir Studentenhistoriker haben aber noch den besonderen Wunsch, daß aus dem jungen Geschlecht Männer erstehen, die in die Fußtapfen unserer meist schon ergrauten Mitarbeiter treten und die mühevolle Arbeit fortsetzen, damit es immer mehr gelingt, den deutschen Studenten und seine Verbindungen im wahren Spiegel ihrer Zeit zu zeigen. So dürfen wir die Bestrebungen der Studentenhistoriker als einen Teil der deutschen Kulturgeschichtsforschung ansehen, denn wir wissen, daß erst die Vielfalt der Kulturerscheinungen das kulturelle Leben unseres Volkes im rechten Lichte zeigen. Es soll nicht vergessen werden, daß das „Burschen heraus", das wir im Krieg gelebt und in der Mar- xistenzeit gesungen haben, auch heute noch gilt Und wenn wir uns in Dankbarkeit des Geschenks vom 16. März 1935 erinnern, dann danken wir an so manche Feierstunde, da E. M. Arndts Lied erklang: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte." Vor mehr als zehq Jahren haben sich die Stu- denten-Historiker zu ihrer ersten Tagung zu- fammengefunben, um durch Vorträge und Aussprache sich gegenseitig anzuregen und ihre Bestrebungen durch Gedankenaustausch zu fördern. Was die Studenten-Historiker eigentlich wollen, ist den außenstehenden Kreisen vielleicht nicht ganz klar. Darum soll hier versucht werden, diese Frage kurz zu beantworten. Die Studenten-Historiker bilden keinen Verein, sondern stellen eine lose Vereinigung ohne Satzungen und Beiträge dar, die nur in jedem Jahr einmal zu einer Tagung zusammenkommen, und deren geistiger Vater der Tübinger Regierungsrat S ch m i d g a l l ist, alter Herr der Burschenschaft. Er hat einmal die oben gestellte Frage beantwortet, und es ist wohl zweckentsprechend, ihm hier zu folgen. „Noch einmal schärfet mir das Gedächtnis, ihr Götter, Zum Blick ins alte, romantische Land!" Ein längst verblichener, um seinen Bund hochverdienter alter Herr, hat einer seiner geschichtlichen Betrachtungen diese Worte vorangesetzt. Was er dort vortrug, war keineswegs oberflächlich, aber doch will mir scheinen, als ob ein solcher Spruch mehr der gehobenen Stimmunng eines Stiftungsfestes entspreche, als den Anforderungen, die man an einen Aufsatz stellen muß, der Geschichte geben will. Der feste Kitt, der unsere akademischen Bünde zusammenhält, Ehre und Bruderliebe, Liebe zu Volk und Vaterland, mit Recht als hohe Güter gepflegt in den für die Dinge des Gemüts empfänglichsten Lebensjahren, das ist es ja, was die alten Herren immer wieder zu ihrem Bund und zu ihrer Hochschule zurückführt, nicht nur in den ersten Jahren der ernsten Berufsarbeit, sondern noch als Greise im Silberhaar. Das ist ein Schatz, um den uns andere Stände beneiden. Unter diesen Männern sind bann aber aihch jene liebenswürdigen, schalkhaften Freunde zu suchen, die beim Frühschoppen (wenn es noch einen gab!) über ausgewählte Kapitel aus dem Heldenzeitalter ihrer Verbindung zu lesen wußten, ohne deren Mithilfe beim Mangel anderer Quellen weder die Gründungsgeschichte noch spätere Kapitel des Bundes geschrieben werden konnten. Da und dort trat leider auch das mehr oder weniger verhüllte Bestreben hervor, die Tatsachen, die an sich eine gerechte Abwägung verlangten, in majorem gloriam des eigenen Bundes umzudeuten. So sehr dadurch die Darstellung an Fleisch und Blut (gewinnen mochte, so wenig war sie hieb- und stich- est im Sinne der geschichtlichen Wahrheit. Dies ind wohl auch die Hauptgründe gewesen, warum die zünftige Wissenschaft der Studentengeschichte auch dann noch mißtrauisch gegenüberstand, als schon einzelne Forscher sich in ihren Werken ernsthaft bemüht hatten, den Kitsch auszumerzen und der Wahrheit nahezukommen. Diesen Mängeln gegenüber ist nun erfreulicherweise feit einigen Jahrzehnten ein Umschwung eingetreten. Wilhelm Fabricius Buch über die deutschen Corps: Die Geschichten der S. C. zu Bonn und Freiburg; Wende und Schau, das Jahrbuch der historischen Kommission des Kösener Seniorenkonventsverbandes; sowie die bis jetzt erschienenen 14 Bände der Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung, die Geheimrat Haupt ins Leben gerufen hat; ferner zahlreiche Einzelgeschichten aus den verschiedensten Verbindungslagern, unter welchen dvs auch der Familienforschung dienstbare Tübinger Schwabenbuch einen besonderen Rang einnimmt, liefern den Beweis, daß sich ihre Verfasser mit GießenerKMahrs-pserdemartt Heute vormittag wurde in Gießen auf den Marktanlagen an der Rodheimer Straße der diesjährige Frühjahrs-Pferdemarkt abgehalten. Es waren 117 Pferde und 58 Fohlen aufgetrieben. Der Austrieb an Fohlen übersteigt den Auftrieb aus früheren Jahren sehr wesentlich. Zu der mit dem Markt verbundenen Prämiierung wurden sehr viele Pferde vorgeführt, zum Teil ausgezeichnetes Material aus oberhessischen Zuchten. Der Marktverlauf war sehr schleppend. Es wechselten nur wenige Pferde die Besitzer. Für leichte Pferde wurden 500 bis 700 Mark, für Pferde mittlere Qualität 800 bis 900 Mark, für beste Tiere 1000 bis 1200 Mark verlangt. Der Markt war aus Ober* Hessen und den angrenzenden preußischen Gebieten sehr stark besucht. beigetragen haben, sprach noch kurz über Sinn und Zweck des Winterhilfwerkes und gab einen lieber» blick über die in diesem Winter geleistete Arbeit. Als Ertrag des Abends konnten dem Winterhilfswerk 50 Mark zugeführt werden. Mit dreifachem ^Sieg-Heil!" auf den Führer und mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes wurde der Abend beendet. Kreis Lauterbach. Lauterbach, 3. April. In unserer Stadt wurden insgesamt 694 Ehrenkreuze beantragt, und zwar 566 für Frontkämpfer, 76 für Kriegsteilnehmer, 30 für Kriegerwitwen und 22 für Eltern. Zum weitaus größten Teil sind die Auszeichnungen bereits verliehen. Brand in einer Odenwälder Gchmuckwarenfabrik. LPD. Fürth i. O., 2. April. Die im Erdgeschoß liegende Heizungsanlage der Schmuckwarenfabrik Bernhard Gebhardt in Höchst explodierte in den heutigen Vormittagsstunden, anscheinend durch eine Sprengpatrone, die sich in dem zum Heizen verwandten S t o ck h o l z befand. Die Stichflamme griff auf einen Oelbehälter über, und das entstehende Feuer fand an dem Kunstharzstaub reiche Nahrung, so daß sich das Feuer bald auf die oberen Stockwerke ausbreitete. Dem Feuer fielen im Hauptbau die Betriebsvorrichtungen und große Vorräte zum Opfer. Der aufopfernden Tätigkeit der Feuerwehr gelang es trotz der starken Rauchentwicklung, den Fabrikneubau und ein Wohnhaus zu retten. Der Betrieb wird in dem Neubau und in der Filiale Erbach weitergeführt. Jtunbfunfyrogramm Donnerstag, 4. April. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.30: Gymnastik. 6.55? Morgenspruch — Choral. 7: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten; anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten der Gauleitung. 15.15: Kinderfunk. 16: Kleines Konzert. 16.30: Einmaleins für Gartenfreunde (II). 16.40: Der nordische Mensch. Weltbild und Lebensraum (IV)rf „Die Blutrache bei den Germanen." (Von Univ.- Prof. Konstantin Reichardt. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Kunstbericht der Woche. 18.35: Josef Pitsudski. Ein großer Staatsmann und Soldat. 19: Unterhaltungskonzert. 20: Nachrichten; anschließend: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. .20,15: Orchester-Konzert. 21.15: Bettina von Arnim. Zum Gedächtnis ihres 150. Geburtstages. Eine Funkfolge. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Aus Washington: Worüber man in Amerika spricht. Von Kurt G. Sell. 22.30: Satire im Lied. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihfiiiiiniiiiiiiiiiit Reichsbund für Leibesübungen Auftakt ssk: OMa-Vergleichs-Tum am 7. April 1935, nachmittags 2 Uhr, in der »Volkshalle« zu Grieben. 19230 Eintritt 50 Pf., Jugendliche 25 PL Gießen, am 3. April 1935. 01441 01437 D Mädchen 23 Jahre sucht in GießenStellung. Schr.Angeb.unt. 01444a. d. G.A. Im Namen der Hinterbliebenen: Hans Möller. Nachruf. Dieder ist ein lieber Kampfer aus unseren Reihen geschieden Kamerad Fritz Dickhardt. Dir werden ihm ein treues Gedenken bewahren. Ortsgruppe Gießen des NS. Deutschen Frontkämpferbundes (Stahlhelm). Gießen, den 2. April 1935. Danksagung. Für die uns beim Heimgänge unserer lieben Entschlafenen in so reichem Maße erwiesene Teilnahme und Kranzspenden, sowie unserer Krankenschwester für die liebevolle Pflege und für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers sagen wir herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Philipp Becker VIII. Alten-Buseck, den 1. April 1935. Danksagung. Für die vielen Beweise wohltuender Teilnahme, die Kranz- und Blumenspenden, des Herrn Pfarrers trostreiche Worte, den Alterskameradinnen aus Gießen und Großen-Linden und allen, die unserer teueren Entschlafenen das letzte Geleit gaben, sagen wir hierdurch unseren herzlichsten Dank. Alleinstehender 3nüaiiDenrenmer Ans. 70er Jahr., evang.u.kinderl., m.eig.schuldenfr. Anwes.u.Grund- stück,suchf baldigst 900566116110 Alleinst. Person., die geeign. sind, evtl.selbst eine kl. Rente beziehen, woll. sich melden. Sie können als Erbe eingesetzt werden. Näh. in d. Geschäftsstelle d.Gietz.Anz.^i) |stellengesuche| WM bei einem m7D Schuhmachßrmeist f. Ostern gesucht Ev. Pfarramt Groß-Felda. Einfaches leeres Zimmer gesucht. Schrift!. Angebote unter 01434 and.G.A. Bekanntes rheinisches Bimsbau- stoffwerk vergibt den i93oO Generalvertrieb für den dortig. Bezirk an leistungsfähige Firma ob. erstklassigen Fach- Vertreter. Angeb. erbet, an Firma P. 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Festakt in der Staatsoper in Gegenwart des Führers und Reichskanzlers. Berlin, 2. April. (DNB.) Der entscheidende Schritt, den die nationalsozialistische Regierung durch die Uebernahme der gesamten Rechtspflege auf das Reich auf dem Wege zum deutschen Einheitsstaat getan hat, wurde am Dienstagnachmittag durch einen großen Staatsakt im Staatlichen Opernhaus begangen, An diesem bedeutungsvollen Feiertag der Justiz hatten sämtliche Justiz- behörden Deutschlands Flaggenschmuck a n g e le g t. Aus dem ganzen Reich waren die Juristen nach Berlin gekommen, um an der Kundgebung teilzunehmen. Um 14 Uhr versammelten sich im Borhofe der Universität die Abordnungen der Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte, Urkundebeamten und Hochschullehrer in ihren färbigen Amtstrachten, um in feierlichem Zuge über den Kaifer-^Franz-Joseph-Platz zur Staats- o p e r zu gehen. Der große Raum der Staatsoper bot ein noch nie geschautes Bild. Auf der mit den Fahnen des Reiches, mit Blumen und Lorbeerbäumen geschmückten Bühne nahmen in halbkreisförmig angeordneter, dreifacher Sitzreihe die Höch st en richterlichen Beamten Deutschlands mit dem Präsidenten des Reichsgerichtes an der Spitze Platz. Eingerahmt wurde die Bühne durch die Hakenkreuzfahnen der Justizfach- schäften. Das ganze Parkett war von Trägern der roten und schwarzen Amtsroben angefüllt. In den Logen und den vier Rängen hatten die Vertreter der Reichs- unb Landesoehörden, der hohen Parteistellen, der SA., der SS., des Arbeitsdienstes, der Wehrmacht und Polizei Platz gefunden. Die große Mittelloge war für den Führer und die Reichsregierung freigehalten. Mit erhobenem rechten Arm begrüßte die Festversammlung den Führer und Reichskanzler bei seinem Erscheinen. Mit bem Führer nahmen in der großen Loge u. a. Platz: Ministerpräsident Görinu, die Reichsmini st er und Staatssekretäre. SDlon sah weiter zahlreiche Reichsstatthalter, Gauleiter und Staatsminister, Korpsführer Hühnlein, Generalinspektor Todt, den Sonderbeauftragten von Ribbentrop, General der Landespolizei Da- l u e g e, Generaldirektor Dorpmüller. Die weihevollen Klänge der Akademischen Festouvertüre von Brahms leiteten die festliche Stunde ein. Die Reihen der Ansprachen eröffnete Ministerpräsident Göring, der mit der Feststellung begann, daß die nationalsozialistische Regierung auf dem Gebiete der Erneuerung des Reiches das Hauptziel des Führers erreicht habe. Zum ersten Male seit Jahrhunderten sei die einheitliche Reichsgewalt über alle deutschen Gaue aufgerichtet und rechtlich verankert. Auch die nunmehr vollzogene Vereinheitlichung des deutschen Rechtswesens sei ein staatspolitisches Ereignis von geschichtlicher Bedeutung. Erst der nationalsozialistische Staat habe dieses Problem praktisch sofort in Angriff genommen und in kurzer Zeit zum entscheidenden Erfolg geführt. Göring gedachte der besonderen Verdienste des ersten nationalsozialistischen preußischen Justizministers K e r r l und hob hervor, wie viele der Anregungen Kerrls verwirklicht worden seien, so z. B. die Abschaffung der Gerichtsferien, die Neuordnung des Strafvollzuges und die Errichtung der Gemeinschaftslager der Referendare. Mit der Aenderung der Form allein fei es nicht getan. Hinzutreten müsse eine Erneuerung des die Form füllenden Inhaltes in nationalsozialistischem Sinne, damit die Rechtsprechung jedem einzelnen Volksgenossen verständlich sei. Grundlage und Ausgangspunkt der hierauf gerichteten Bemühungen müsse die im na- • tionalsozialistischen Staat selbstverständliche Fest- ■ stellung sein, daß Recht und Rechtspflege ausschließlich der Volksgemeinschaft und ihrer Erhaltung zu dienen haben. Mit aller Deutlichkeit wolle er feststellen: so unerbittlich der nationalsozialistische Staat gegen den inneren Staats- und Volksfeind, gegen Hoch- und Landesverräter ein- schrrite, so sehr verabscheue er jeden Terror und jede Willkür in der Rechtsprechung. Niemals werde im neuen Staat ein Urteil möglich sein, durch das aufrechte Männer, die der Stimme ihres Blutes treu blieben und bestehende internationale Rechtsabmachungen in nichts verletzt haben, zu drakonischen Strafen verurteilt werden. „Der nationalsozialistische Staat i st und bleibt ein Rechts st aa t". Er verdiene diesen Titel im Hinblick darauf, daß sein Recht und seine Gesetze in der Gemeinschaft des Volkes begründet seien, daß jeder einzelne Volksgenosse die Gewißheit habe, daß sein Anspruch auf Gerechtigkeit erfüllt werde, daß schließlich jedem Volksgenossen, der seine Pflicht gegen die Gemeinschaft tue und der am Aufbau des Staates mitarbeite, Lebensraum, Lebenssicherheit und Lebensfreiheit gewährleistet sei. Die neue Vorstellung vom Recht werde aber nur dann im Volke durchdringen, wenn jeder einzelne Richter sich von ihr beherrschen lasse. Im Dritten Reich sei der Richter Verkünder der im ganzen deutschen Volk verwurzelten Ueberzeugung vom richtigen Recht, das von der nationalsozialistischen Weltanschauung und insbesondere vom Führer des Volkes Adolf Hitler repräsentiert werde. Der Ministerpräsident schloß mit einem herzlichen Dank an den Reichsjustizminister Gürt- n e r und seine Mitarbeiter, die im Auftrage des Führers die letzte Hand an die Vereinheitlichung der Rechtspflege gelegt hätten. Mchsjustizminister Dr. Güttner erinnerte dann daran, daß die Frage der Reichsjustiz so alt sei wie das Deutsche Reich selbst. Je zerfahrener die Machtverteilung und je verworrener die Rechtszustände im Deutschen Reich im Laufe der Jahrhunderte waren, um so größer sei jeweils die Sehnsucht des Volkes nach einer starken Reichsgewalt als Hüterin des Rechtes gewesen. Auch das Reich Bismarcks habe sich mit der grage der Reichsjustiz oft beschäftigt. Jedoch sei die Zeit damals noch nicht reif gewesen, da es innerhalb des Reiches zahlreiche selbständige souveräne Staatsgewalten gegeben habe. Aus demselben Grunde seien auch alle Versuche gescheitert, die nach 1919 zur Schaffung einer Reichsjustiz unternommen wurden. Erst mit dem Tage, an dem btt NatlorraHtztaUsmus, der von Anfang au die o M 9b '9; 9' iBk. MM II W M WWW V sei M MM WWW W : » SL WK MW 'M - - '4 A- U • - MML JM . su,. U * 'W W z l-, Scherl-Bildmaterndienst Auf unserem Bilde sieht man links den Ministerpräsidenten Göring während seiner Festrede in der Staatsoper; rings um ihn sitzen die Vertreter der Justizbehörden. — Auf dem rechten Bilde sieht man in der Ehren löge von links nach rechts in der ersten Reihe: Reichsfinanzminister Graf von Schwerin-Krosigk, Reichsinnenminister Dr. Frick, Ministerpräsident Göring, den FührerundReichskanzler, Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r, Reichsverkehrsminister Freiherr von Elz-Rübenach, Reichsarbeitsminister S e l d t e. — Zweite Reihe: Zweiter von links: Reichswehrminister von Blomberg, SA.-Obergruppenführer Brückner, Reichsernährungsminister Walter Darre, Reichspressechef der NSDAP. Dr. Dietrich, Staatssekretär Dr. Funk, Staatssekretär Dr. Lammers. Reichseinheit gefordert habe, den Kampf um die Macht siegreich bestanden habe, sei die Frage der Reichseinheit und damit der Reichsjustiz p o - litisch entschieden gewesen. Diese Entscheidung sei nicht ein Gewaltdiktat der Führung, sondern der Ausdruck des Willens des Volkes. Daß die Reichsjustiz in der Zeit von weniger als einem Jahr aufgebaut werden konnte, sei vor allem dem Entschluß des Führers zu verdanken, der am 16. Mai 1934 auf Vorschlag des preußischen Ministerpräsidenten die Reichs- und preußische Justizverwaltung in einer Hand vereinigt hat. Die einfache und einheitliche Organisation der Justizbehörden im ganzen Reich biete die sichere Gewähr, den Willen des Führers auf geruden und ungebrochenen Linien bis zur äußersten Behörde erkennbar zu machen und durchzusetzen. Der Wirkungskreis der Beamten sei nicht mehr beengt durch die Grenzen der Länder. Der Aufbau der Reichsjustiz sei vollendet. Damit sei eine Aufgabe erfüllt, die der Führer gestellt habe. Die andere größere Aufgabe sei die Erneuerung des deutschen Rechts. Hier seien zwar in Teilausschnitten vorbildliche und wichtige Forderungen bis jetzt verwirklicht worden. Die gesamte Erneuerung des Rechts aber werde lange Zeit und viele Arbeit beanspruchen. Mit einem Dank an den Führer, der dem deutschen Volk die Rechtseinheit gegeben hat, sowie mit Dankesworten an Ministerpräsident Göring und alle übrigen Stellen, die an der großen Aufgabe mitgewirkt haben, schloß der Reichsjustizminister seine Ansprache. Aeichsinnenmimster Dr.Friü gab zunächst einen kurzen Ueberblick über die politischen Zustände, die der Nationalsozialismus bei der Uebernahme der Macht vorgefunden hat und erinnerte daran, daß es in einer unverhältnismäßig kurzen Zeitspanne gelungen sei, die schlimmsten Mängel zu beheben. Sodann zählte der Neichs- innenminister die. einzelnen wichtigen Gesetze auf, die die Reichsreform vorbereitet und weitergetrieben habe. Hier nannte er vor allem das am ersten Jahrestag der nationalsozialistischen Revolution ergangene Gesetz über den Neuaufbau des Reiches, das einen vielhundertjährigen Traum der Deutschen erfüllt habe und den Abschluß einer tausendjährigen Entwicklung darstelle. Deutschland sei ein E i n h e i t s r e i ch geworden. Die letzten bundesstaatlichen Erscheinungsformen seien durch Aufhebung des Reichsrates und durch Schaffung einer einheitlichen Reichsangehörigkeit beseitigt. Der Dualismus zwischen dem Reich und Preußen sei durch die Herstellung von Personalunionen und später von Realunionen zwischen den entsprechenden Ministerien des Reiches und Preußens verschwunden. Unter den gesetzgeberischen, den Neuaufbau des Reiches berührenden Maßnahmen stehe die U e b e r- leitung derRechtspflege auf dasReich im Vordergrund. Es fei kein Zufall, daß die Justiz die e r st e große bisherige Landesverwaltung sei, die im Zuge des Reichsneubaues ins Reich überführt wird. Bei der Justiz handele es sich um einen im wesentlichen schon lange durch das Gerichtsverfassungsgesetz feststehenden, in sich geschlossenen Kreis von selbständigen Behörden mit in der Hauptsache reichsrechtlich bestimmten Geschäftsaufgaben. Wesentlich anders lägen die Verhältnisse bei der Verwaltung als dem Inbegriff der gesamten staatlichen Tätigkeit, soweit sie nicht „Justiz" sei. Hier sei es eine der wichtigsten Aufgaben des Nationalsozialismus, die verlorengegangene Einheit soweit wie möglich wieder herzustellen. Der erste Schritt in dieser Richtung ist mit der Zweiten Neuaufbauverordnung und dem neuen Reichs st atthaltergesetz getan; beide gestalten — in Preußen den Oberpräsidenten und in den übrigen Ländern den Reichsstatthalter — zu einer einheitlichen Verwaltungsinstanz um und statten sie mit umfassenden Befugnissen gegenüber allen Zweigen der Verwaltung aus. Dis weiteren Schritte werden nach Klärung der Zuständig- teötsfragen der ReichLMtralbehörLea die Herstellung der Uebereinftimmun^ der Landesministerien oder Landesministerialabteilungen mit den entsprechenden Reichsministerien und die allmähliche Zusammenfassung dieser gleichgerichteten und geordneten Länderministerien unter den 9t e i d) s ft a 11 = Hallern sein müssen. Nebenher wird die Schaffung eines einheitlichen V e r w a l 1 u n g s a p p a r a 1 e s , d. h. eines einheitlichen Rechtsmittelzuges laufen müssen. So muß ein in allen Ländern übereinstimmender Verwaltungsapparal geschaffen werden, dessen sich die einzelnen Reichsressorts zur Erfüllung ihrer Aufgaben bedienen können. Neben diesen organisatorischen Maßnahmen muß auf die Bedeutung der Vereinheitlichung des materiellen Rechts im Reiche hin- gewiefen werden. Die Vereinheitlichung des Rechts ist auf dem Gebiet der Justiz am weitesten vorgeschritten, auf dem schwierigeren und verschiedener gearteten Gebiet der Verwaltung ist sie im vollen Fluh. Das bunte Vielerlei des Landesrechts ist in der jüngsten Zeit auch hier vielfach reichseinheil- licher Regelung gewichen. Unter diesen Voraussetzungen wird schließlich auch die allgemeine und die innere Verwaltung nach dem Muster der Justizverwaltung geschlossen auf das Reich übergeführl werden können. Zum Schluß wird das große Werk der Reichsreform gekrönt werden durch die territoriale Neugliederung des Reichs. So wird der begonnene Reichsneubau in zäher, unermüdlicher Arbeit organisch werden und wachsen; Baustein wird auf Baustein gefügt werden, bis endlich das Gebäude des Dritten Reiches, gegründet auf die biologischen Grundgesetze und gefügt in die naturgewachsene Wurzel deutscher Art und deutschen Wesens, fertig dafleht. Volksheer und Arbeiter im neuen Reich. Rudolf Heß spricht zu den Vertrauensratswahlen. M ü n ch e n, 2. April. (DNB.) Anläßlich der Rede des Stellvertreters des Führers hatte das Reichs ba hna us besserungswerk Mün- chen-Freimann reichen Flaggenschmuck angelegt. In der großen Lokomotivhalle hatten rund 5 3 0 0 Mann der Reichs bahn betriebe Freimann und Neuabing und der Bahnbetriebswerke München-Hauptbahnhof Aufstellung genommen. Anwesend waren u. a. der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley mit feinem Stabe, der Treuhänder der Arbeit Kurl Frei, der stellvertretende Gauleiter Nippold und Reichsbahnpräsident Goll- w i tz e r. Um 11 Uhr vereinigten sich die Preßlufthämmer, die Bohrer und das Sirenengeheul zu einer gewaltigen Symphonie der Arbeit. Unter den Klängen des Badenweiler Marsches traf, von der Arbeiterschaft stürmisch begrüßt, der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß in der gewaltigen Halle ein und wurde zur Schiebebühne geleitet. Der Betriebszellenobmann Victor Rath- 9 e b e r meldete die angetretene Arbeiterschaft, und nach kurzer Begrüßung durch den Betriebsführer, Werkleiter Schäfer, nahm Rudolf Heß das Wort. Seine Ausführungen wurden wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen, der sich nach dem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer zu einem wahren Jubelsturm steigerte. Unter den Klängen des Liedes „Brüder in Zechen und Gruben" verließ der Stellvertreter des Führers die Halle und begab sich mit dem Reichsorganisations- leiler Dr. Ley und anderen Herren in die Kantine, wo iie an einem gemeinsamen Essen mit der Arbeiterschaft teilnahmen. Die Rede des Stellvertreters des Führers. In feiner Ansprache an >die deutschen Arbeiter, die er über alle deutschen Sender hielt, betonte Rudolf Heß, daß der äußere Anlaß zu seiner Ansprache die demnächst in ganz Deutschland stattfindende Vertrauensratswahl sei, der innere Anlaß der langgehegte Wunsch sei, zu deutschen Handarbeitern zu sprechen, von denen so viele an der Front des Weltkrieges zu seinen besten Kameraden gehört hätten. Gerade Handarbeiter seien es auch gewesen, die in der Gemeinschaft der nationalsozialistischen Bewegung als Soldaten einer neuen Idee zusamm enge standen hätten. Er wende sich aber nicht etwa an einen Stand oder eine Klasse für sich, sondern an die Gemeinschaft der Schaffenden in den Betrieben, die zum Gemeinschaftsempfang beieinander ständen, wie sie an den Stätten der Produktton zueinander gehörten. Die bevorstehende Wahl sei keine Wahl im früheren Sinne, vielmehr sollen Männer zur Regelung auftauchender Probleme innerhalb der Betriebs bestimmt rvsrdeu, dis baa tieiiHaueu ihrer Arbeilskarneraden hätten. Der na» lionalsozialistifche Staat habe versprochen, das Arbeitslosenelend zu mildern und dieses Versprechen wurde erfüllt. Und noch ein ganz großes Versprechen des Nationalsozialismus wurde erfüllt: Das Versprechen, den deutschen Arbeiter a l s gleichwertigen Volksgenossen in die Volksgemeinschaft einzugliedern. Niemand kann heute mehr bestreiten, daß der Handarbeiter sich im nationalsozialistischen Staat absolut gleichwertig fühlt und in den Augen aller seiner Volksgenossen gleichwertig ist. Gerade dank der Tatsache, daß insbesondere auch der deutsche Arbeiter ihm folgte, vermochte Adolf Hitler Deutschland wieder f r ei zu machen. Denn seine Erklärung dec Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht, von der die Welt weiß, daß hinter ihr heute bereits eine Wacht: eine entsprechende Zahl von Soldaten in Waffen steht — eine Erklärung, die sich über wesentliche Bestimmungen des von den anderen gebrochenen Versailler Vertrages hinwegseht, ist gleichbedeutend mit der Proklamation der deutschen Freiheit und Unabhängigkeit. Seit dem 16. Wärz 1935 find wir wieder ein freies Volk, von dem die Welt weiß, daß seine Freiheit nicht mehr angetastet werden kann, ohne daß es sich dagegen leidenschaftlich zur Wehr seht. Der Wiederaufbau des Heeres ist nicht nur eine moralische, er ist auch eine durchaus materielle Angelegenheit. Denn auch die materiellen Güter eines Volkes, die Wirtschaft, welche die Güter her- oorbringt, bedürfen des Schutzes. Wir haben es alle erlebt, welches die Folgen waren, aly wir uns nach dem Zusammenbruch 1918 nicht mehr wehren konnten gegen die Erpressungen anderer Völker. Es waren die Produkte der Arbeit unseres Volkes, es waren die Güler, die das Volk selbst nur zu gut hätte gebrauchen können, die es zwangsweise abliefern mußte. Abgesehen vom Schutz, den die neuerftanbene Wehrmacht bedeutet, Hal ihr Wiederaufbau große direkte und indirekte Wirkungen im Gefolge. Das Herausziehen der Jahrgänge von Jungen schafft Arbeitsplätze für Aeltere. Die Herstellung der Waffen für die neue Armee gibt weiteren deutschen Volksgenossen in großer Zahl Arbeit und Brot. Insgesamt kann die deutsche Wirtschaft wie die Volkswirtschaft aller großen Nationen wieder m i t einer Armee und ihrem Bedarf rech- n e n. Die deutsche Wirtschaft gleicht sich auch hierin wieder mehr den Wirtschaften der anderen Völker an und dies kann nur der Wirtschafls» gejmidung der Welt dienlich jeiu. »Ich weiß» daß ihr alle stolz seid auf das neue Volks- Heer!" rief der Stellvertreter des Führers seinen Volksgenossen in den Betrieben zu. „Ich weiß. Laß die alten Soldaten unter euch noch gern zu- /ückdenken an die Dienstzeit, und daß Ihr Euch freut, wenn eure Söhne in der Armee wieder zu Männern erzogen werden. Und ihr seid um so mehr stolz auf die neue Armee, als ihr die Gewißheit habt, daß diese wirklich ein Volksheer im besten Sinne sein wird. Die neue deutsche Armee ist von nationalsozialistischem Geist durchdrun-^ gen und frei von allem, was vielleicht im allen Heer noch im Widerspruch stand mit dem Grundsatz, daß es gerade für Soldaten keinerlei Sonderrechte auf Grund von Geld, Kastenzugehörigkeit oder totem Schulwissen gibt. Das neue Heer kennt keine Lin- jährigfreiwilligen mehr. Führer kann in ihm werden, wer das Zeug zum wirklichen Führer in sich trägt. Es ist das Heer des deutschen Volkes und das Heer für das deutsche Volk. Es wird Deutschland wieder schützen, seine Menschen und ihre habe, und es wird nicht zuletzt die Stätten schirmen, in denen ihr eure Arbeit findet. Das deutsche Volksheer Hal keine imperialistische Aufgabe, es dient dem Frieden der Deutschen." „Unter dem Schutz unseres neuen Heeres", so schloß Rudolf Heß seine Ansprache, „wollen wir weiter gemeinsam arbeiten und schaffe n in treuer Pflichterfüllung, jeder an der Stelle, die ihm vom Schicksal zugewiesen ist. In dem glücklichen Bewußtsein, eine bessere Zukunft unseren Kindern zu schaffen, wollen wir zusammenstehen im gemeinsamen Stolz auf den Führer, der uns zusammenbrachte, der in seinem Werdegang symbolisch den hand- und Geistesarbeiter, den Untergebenen von einst und den Führer des ganzen Volkes von heute vereint. Wir werden weiter schaffen unter der Führung des ersten Soldaten und des ersten Arbeiters Deutschlands Adolf Hitler!" Aus der Provinzialhauptstadt. Wenn die Schnepfe zieht. Das reinste Sommerwetter ist heute. Noch vor einer Woche lag alles unter Schnee und Eis, und heute wird es mir fast zu warm unterm Rock. Die Nächte sind zwar noch kalt, aber tagsüber, wenn die Sonne vom wolkenlosen Himmel lacht und kein Lüfttchen die Stille stört, dann erwacht alles zum Leben. So recht behaglich schlendere ich den Pirschsteig entlang, und ich glaube, es gäbe nichts, was mir die Laune verderben könnte. Wie könnte es auch anders fein! Ueberaö hat der Frühling seine Vorboten geschickt. Die ersten Knospen brechen hier und da auf und hüllen die Sträucher in eine hauchzarte Wolke von Grün; ganz schüchtern und zaghaft noch, und doch zieht dieses lebensfrohe Grün das Auge an, das ringsumher nur welkes Laub und kahle Zweige sieht. Und auch die erste" Veilchen sind schon da! Engangeschmiegt an eine über» grauen, mächtigen Buchenstamm schauen sie aus dem Dürrlaub hervor, das so warm in der prallen Sonne leuchtet. Jetzt müssen sie da sein, die Schnepfen, auf die ich Abend für Abend warte! Mit offenen Augen bummel ich weiter; freue mich an den nordischen Drosseln, die schackernd von Baum zu Baum streichen, an einem Flug Finken und an den Hähern, die mit gellem Warnruf vor mir da- üonftieben. Immer neue Schönheiten finden Auge und Ohr. Ueber mir läutet eine Meise. Zwei Eichhörnchen jagen sich unter Fauchen und Rasseln von Stamm zu Stamm, und dann schießt ein schwarzroter Blitz vor mir durch die Silbersäulen der Buchen, ein zweiter folgt, und glockenhell klingt das Lachen des Schwarzfpechtes zu mir herüber. — Er ist einzig schön, dieser erwachende Wald mit all seinen warmen, frohen Farben und jubelnden Stimmen. Durch das hohe Holz hindurch führt mich mein Weg an den Feldrand. Sattgrüne Saaten wechseln ab mit kräftig-dunkelen Siedern. Riesige Krähenschwärme suchen dort nach Fraß. Weit draußen auf der Saat steht Rehwild, ein Sprung von 18 Stück. Vertraut äsen sie in der wärmenden Sonne, und mitten unter ihnen steht wahrhaftig auch der starke Bock, dem ich im letzten Sommer Pirsch auf Pirsch gewidmet habe; steht da, als ob er sagen wollte: „Was, da staunst du!" Mächtig prahlt sein Gehörn im Bast; stark sind die Stangen und hach, doch hat er nicht so gut vereckt wie im Vorjahr. Mit Aufgang der Jagd wird er wieder verschwunden sein im geheimnisvollen Grün der Brüche; da ist er sicher. Aber jetzt wird es wirklich Zeit, daß ich ans Bruch komme, die Sonne steht schon bedenklich tief, und ich habe noch ein tüchtiges Stückchen Weg vor mir. Nach 20 Minuten habe ich es geschafft. Schnell ist der geeignete Platz gefunden. Arn Rande des Bruchs, im Schutz des Altholzes will ich warten. Vor drei Jahren schoß ich hier meine Erste. Wenn die Schnepfen da sind, muß hier eine kommen. Schnell mache ich es mir bequem. Der Rucksack gleitet ins Laub, angeschmiegt an den Stamm einer alten Elsbeere, den Drilling schußbereit im Arm, warte ich der Dinge oder besser der Schnepfen, die da kommen sollen. Noch ist es zu früh, aber die Zeit wird mir nicht lang. Stundenlang könnte ich hier stehen und mich ganz dem Frieden hingeben, der mich umgibt. Dunkel dehnt sich das Bruch vor mir gegen den lodernden Abendhimmel, nur hier und da leuchtet ein Birkenstamm aus dem geheimnisvollen Dunkel des Erlendickichts, fahl-gelbes Riedgras bedeckt den moorigen Boden. Unberührt und einsam ist es, manchmal fast unheimlich; und darum liebe ich die Jagd in Bruch und Moor mehr, als irgendwo anders. Doch auch hier hat sich der Frühling angekündigt; die Erlen und Birken find über und über mit Troddeln behangen, und zwischen dem welken Gras bringt hier und da zartes Grün hervor. Ganz langsam verblaßt der Himmel; wandelt sich vom lodernden Rot in ein fahles, schwefliges Gelb. Im Riedgras vor mir rauscht es; ein Hase hoppelt behäbig zur Aesung, ein zweiter folgt. Ich komme so etwas ins Träumen; die Gedanken drängen sich einem geradezu auf. Nicht fröhlich sind sie; langsam, schleppend stellen sie sich ein, wie die Dämmerung, die sich mehr und mehr über Bruch und Moor senkt. Warum ich hier bin, ich denke längst nicht mehr daran; der vergehende Tag mit feinem ganzen Zauber, das Moor mit seiner fast beklemmenden Einsamkeit haben mich gefangen. Mehr im Unterbewußtsein wandert das Auge hin und her, erfaßt die Krähen, die mit schwerem Flügelschlag zu ihren Schlagbäumen ru- Sport-" erbeabend des BdM. Einen anregenden und vielseitigen Spartwerbeabend veranstalteten der Bund Deutscher Mädel Untergau 116 und der Jungmädeluntergau 116 am gestrigen Dienstag im Cafe Leib. Mit ganz ein- achen Mitteln wurde hier eine Veranstaltung )urchgeführt, die der zahlreich erschienenen Eltern- chaft zeigte, wie im BdM. Sport und Spiel getrieben, durch dieses Spiel der Gemeinschaftsgeist gefördert und eine natürliche Aus- und Durchbildung des Körpers erzielt wird. Schon der äußere Rahmen der Veranstaltung, die in zwangloser Folge manigfache Unterhaltung bot, ließ alle, Beteiligte und Zuschauer, zu einer einzigen Gemeinschaft wer- den. Es war keine Sportveranstaltung im üblichen Sinne des Wortes. Mitten im Saal nahmen die Ereignisse ihren Lauf. Rundherum saßen die Zuschauer, auf die die Freude am Spiel wie ein Funken übersprang und damit schon von vornherein der Zweck des Abends erfüllt war. Ganz offensichtlich kam bei den Darbietungen zum Ausdruck, daß man im BdM. nicht Einzel- und Rekordleistungen zu erzielen wünscht, daß jede sportliche Betätigung vielmehr immer wieder die Gemeinschaft erfordert und zur Gemeinschaft erzieht. Nach dem Einmansch der zahlreichen Wimpel, hie vor der Bühne Aufstellung nahmen unh -damit der Veranstaltung ein festliches Gepräge gaben, wunde her Abend mit dem mehrstimmigen Lied „Wenn die bunten Fahnen wehen", gesungen von einer Mädelschar, eröffnet. Dann richtete die Untergauführerin Elise Da ab kurze Begrüßungsworte an die Besucher und wies auf den Zweck der Veranstaltung hin, die insbesondere den Eltern zeigen solle, daß auch im BdM. Sport getrieben werden kann. Dann machte die Sportreferentin Helga Lehmann grundsätzliche Ausführungen über den Sport im BdM. und führte dabei aus, daß nicht Sport getrieben werde, um mit den Sportvereinen zu wetteifern. Die Aufgabe des BdM. fei es, eine gesunde und starke Mädelgenenation heranzuziehen für unser Vaterland. Als Grundlage des Sportes im BdM. fei das Spiel anzufehen, weil das Spiel die einfachste und natürlichste Ausbildung des Körpers bedingt und zur Gemeinschaft erzieht. Die regelmäßige Durchführung her Sportstunden sei früher mit großen Schwierigkeiten verbunden gewesen, da die geeigneten Räume fehlten und auch die Eltern teilweise her Sache ablehend gegenüber standen. Man habe jedoch Hindernis auf Hindernis beseitigt unh werde nicht eher ruhen, bis die körperliche Ertüchtigung aller Mädel erreicht sei, denn nur so sei es möglich, eine gesunde Jugend hevan- zuziehen. Sport wende nicht geleistet aus ehrgeizigen Gedanken heraus, sondern nur zum Zwecke der Körperschulung; aus ihr solle ein gesundes Mädel- tum hervorgehen. Den mit starkem Beifall aufge- nommenen Ausführungen her Sportreferentin folgte ein wirkungsvoll vorgetragener Sprechchor „Wir find die Jugend". Der sportliche Teil des Abends wurde eingeleitet mit Laufübungen, die in ihren vielfachen Möglichkeiten den Beweis erbrachten, wie auf einfache, lustige und schöne Art eine Durchbildung des gesamten Körpers erfolgen kann. Auch bei den anschließenden Freiübungen und insbesondere beim Bodenturnen wurden schöne Gemeinschaftsleistungen gezeigt, an denen auch die kleinsten Mädel beteiligt waren. Die größte Aufmerksamkeit erregten jedoch die verschiedenen Spielarten, die in ihrer anmutigen und natürlichen Fröhlichkeit manche luftige Szene zeigten. Ein Hinderniswettlaufen zwischen zwei Parteien, über Tische und Stühle hinweg, beschloß die sportlichen Darbietungen. Das von der Singeschar voraetragene Lied „Ich hört' ein Vöglein fingen" schloß sich an. Dann wurde die Veranstaltung von der Untergauführerin mit einem Siegheil auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler geschlossen. Anschließend fang man gemeinschaftlich das Lied der Jugend „Vorwärts, vorwärts .. dem, den Bussard, der mit gellem Schrei seine letzten Kreise am Abendhimmel zieht, die Enten, die mit pfeifendem Flügelschlag vorüberstreichen. Ziellos träume ich vor mir hin. Und dann bin ich plötzlich hellwach; ein Schatten wischt vorbei, typisch der Flug, deutlich sehe ich den langen Stecher! Doch ehe ich fertig werde, ist die Schnepfe verschwunden. Da hat man’s wieder: träumen auf der Jagd! — Dunkler ist es inzwischen geworden; ein Stern nach dem andern fängt an zu blinken; noch fünf Minuten, bann ist es vorbei. Zu dumm, daß ich sie verpaßt habe? Und während ich mich ärgere, höre ich plötzlich ein Schrillen, ich fahre mit dem Kopf hoch; wieder: „Psiwitt, psiwitt"! Und nun geht alles unendlich schnell: dort geistern sie an, in lautlos-schaukeln- dem Flug, der Drilling fliegt hoch, im Mitfahren fasse ich die letzte, roh stören zwei Schüsse den Frieden, die im letzten sehe ich sie fallen; ganz leise raschelt es in Ried und Gras. Langfam gehe ich dahin, wo sie stürzte. Alles ist plötzlich so nüchtern, fast roh! So etwas wie Reue überkommt mich, als ich sie aufhebe, schlaff und leblos; hellrote Tröpfchen Schweißperlen an Schnabel und Brust. Warum — muß ich mich fragen, warum? Langsam schreite ich durch den Wald nach Hause. Eine unendliche Stille dehnt sich um mich, schwer und bedrückend. ief hinten im Wald heult ein Kauz fein wildes Liebeslied, sehnsüchtig klingt es, und so verloren. Rüdiger Schwarz. Professor Dr. Pfähler wieder Rektor der Universität. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der Reichskultusminister hat Herrn Professor Dr. G. Pfähler zum Rektor der Universität Gießen ernannt. Die Amtsdauer des Rektors regelt sich nach den neuen Hochschulsatzungen. Lebensmittelopferring der NGV. Die Ortsgruppe Giehen-Mltte teilt mit, daß am Donnerstag, 4. April, die erste Sammlung bei den Milgliedern des Lebensmittelopferrings erfolgt. Die Mitgliedskarten werden bei dieser Gelegenheit von den Sammlerinnen abgegeben. Die eingehenden Spenden werden im Hilfswerk „Mutier und Kind" verwendet. Wir rechnen mit der Gebefreudigkeit der Spender, wie sie es im Winterhilfswerk so oft bei den Lebensmittelsammlungen bewiesen haben. Auch bitten wird, den Inhalt der Spenden auf den Umhüllungen bekanntzugeben. Amt für Volkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Süd. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlen - Gutscheine am Freitag, 5. März 1 935, zwischen 15 und 18 Uhr auf unserem Geschäftszimmer, Crednerstraße 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine werden nicht mehr angenommen. Deutsche Arbeitsfront. Amt für Verufserziehung. 1. Gehilfen-Pflichiprüfung für Rechtsanwalts- und Notariats- l e h r l i n g e. Das Amt für Berufserziehung in der DAF. macht darauf aufmerksam, daß die Anmeldefrist für diese Prüfung am 4. April abläuft. Anmeldungen find unter Einhaltung der vorgenannten Frist in der Geschäftsstelle des Amtes für Berufserziehung, Gießen, Lonystraße 18, zu tätigen, wo auch die entsprechenden Vordrucke zu haben sind. AS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". Neunte Sinfonie. Nächste Probe: Freitag, 5. April, im großen Hörsaal, 20 Uhr: Sopran und Alt, 21 Uhr: Tenor und Bah. — Alle Herren, auch die nicht in den Vereinen organisierten, werden gebeten, zu erscheinen. Reichsbund Volkstum und Heimat. Ortsring Gießen. Heute um 20.15 Uhr Heimatabend im Studentenheim. Stadtbaurat Gravert hält einen Llchtbilderoortrag über „Alte und neue Straßen um Gießen". Der „S ä n g e r k r a n z" bringt Schubert- unb Volkslieber zum Vortrag. E. Schwarz trägt Heimatliches aus eigener Dichtung vor — Eintritt für Mitglieder 15 Pf., für Nichtmitglieber 30 Pf. Erwerbslose haben freien (Eintritt. Eine soziale Tat. Vom 8. bis 14. April findet eine Haussammlung und am 13. und 14. April eine Straßenjammlung statt, deren Ertrag der Liebesarbeit der evangelischen Kirche zugute kommen soll. Hiernach wird in allen evangelischen Gemeinden Deutschlands ein „Volkstag der Inneren Mission" stattfinden. Nachdem durch bas Winterhilfswerk so herrliche Erfolge erzielt worben finb, wirb gewiß nun auch jeber, ber sein Volk liebt unb besten Wohl nach Kräften förbern will, ber Inneren Mission helfen, ihre hohen Ausgaben zu erfüllen. Hanbelt es sich boch bei ihr um eine notwenbige Ergänzung ber staatlichen Wohlfahrtspflege. In über 80jähriger Geschichte hat bie hejsische Innere Mission in ihren zahlreichen Liebeswerken ein umfangreiches soziales Hilfswerk, geschaffen, bas unserem Volk viel Dienste leisten bürste. Nie wollten ihre Anstalten nur für ben Leib ihrer Insassen sorgen, immer war ihr Ziel, auch Seele und Geist zu bilden. Die Anstalten sind ein Hort christlich-deutscher Lebensführung. Jeder Geber erhält das Zeichen der Inneren Mission, in dem die Buchstaben I und M zu Kreuz und Krone vereinigt sind. Die Abzeichen werden zur Zeit von der Odenwälder Elfenbeinindustrie angefertigt und dienen somit auch zur Unterstützung dieses heimischen Arbeitszweiges. Ehret die Ruhestätten eurer Heimgegangenen! Der Gottesacker soll nicht eine Stätte der Trauer, sondern ein Ort ber Sammlung und Erinnerung jein. Dort sollen die Hinterbliebenen Trost und Stärkung finden. Darum ist es ureigene heilige Kulturaufgabe jedes Volksgenossen, dazu beizu- traaen, daß diese Stätte nicht entweiht wird durch Unsauberkeit und Unordnung. Wenn der Frühling naht und das Pflanzenleben erwacht, dann ist es Zeit, bie Gräber in örbnung zu bringen. Dazu gehört u. a., baß die Grabmale auf ihre Standsicherheit geprüft, geradegerichtet und befestigt werden, denn für Schäden, die durch Umfallen von Grabmalen entstehen, haften bie Nutzungsberechtigten ber Grabstätten. Die verwilderten oder übermäßig stark entwickelten Pflanzungen beseitigt man ober schneibet sie zurück. Das Unkraut muß entfernt werben; auch bas abgefallene Laub barf nicht liegen bleiben. Die so häßlich eingesunkenen Gräber finb wieber aufzufüllen unb neu zu bepflanzen. Es ist nicht leicht, eine Grabstätte in würbiger Weise herzurichten. Oft werben viel Mühe und Kosten für Pflanzen aufgewendet, und es kommt boch nichts Ersprießliches zustanbe, weil die nötige Erfahrung fehlt. Deshalb ist es empfehlenswert, daß diejenigen Volksgenossen, die ihre Gräber einem Friedhofsgärtner nicht in Pflege geben können, wenigstens die erstmalige Anlage durch einen Fachmann ausführen lasten. Das kostet kein Vermögen, erspart aber viel Mühe und Verdruß, weil dann die Grabstätte für längere Zeit, ohne daß weitere Kosten entstehen, gut aussieht. Der Auftraggeber hat bann das schone Bewußtsein, seinem Volke durch Arbeitsbeschaffung gedient zu haben. Also, deutscher Volksgenosse, trage auch du dazu bei, daß unsere Friedhöfe in ihrer Sauberkeit und Schönheit unser deutsches Wesen widerspiegeln! Ein Wort an die Hausfrauen zur Ostereierwoche. Von mancher Seite wird der Hausfrau eingeredet, die deutsch gestempelten Eier könnten ja in den größeren Städten nicht so frisch sein wie die ungestempelte Ware, da die Sortierung und Stempelung doch immerhin Zeit beanspruche und sich dadurch eine gewisse Verzögerung auf dem Wege vom Erzeuger zum Verbraucher naturgemäß ergeben müsse. Demgegenüber ist zu betonen, daß gerade die eierkennzeichnenden Handlungsbetriebe auf Grund ihrer großen Umsätze die Eier in kürzesten Abständen zusammenholen und weiterschicken können. In anderen Betrieben werden die Eier vielfach 10 bis 14 Tage angesammelt, bis es sich lohnt, damit zur Stadt zu fahren. Außerdem darf der Deutschstempel nur von den Betrieben angebracht werden, die sich freiwillig schärfsten Qualitätskontrollen mit Ordnungsstrafen unterziehen. Werden bei einer der häufigen, unvermuteten Ueberprüsun- gen Eier festgestellt, die länger als 48 Stunden in der Kennzeichnungsstelle lagern, so wird dieser Betrieb bestraft. Weiter ist von Bedeutung, wie lange bie Eier beim Kleinhänbler im Laben stehen. Hier können unter ungünstigen Umftänben Eier alt werben. Es sei aber betont, baß auch hier für ben Vorteil ber Hausfrau gesorgt wirb. Der Deutschstempel auf bem Ei ist ja bekanntlich eine Herkunfts- unb Gewichtsangabe. Die Güte verbürgt ber Kaufmann, inbem er bie nur bei ben beutfchen Handelsklassen, eiern erlaubten Schilber „G 1, vollfrische Eier", *G 2, frisch« Eier" oder „Sterne Gewähr für Mähliche Handelsklasseri" auf Grund bes auf der Eitt« Packung angegebenen Packtages anbringt. Er über« nimmt bei ber beutsch-gestempelten Ware bamit persönlich bie Gewähr seinem Kunden gegenüber, baß es sich um frisch geleuchtete unb bei ihm nicht lange gelagerte Ware hanbelt. Reichsberufswettkampfsieger treten zur Sauzwischenentscheidung an! GPA. Aus der Masse der 34 428 Jungen und Mäbel, bie in ber Woche vom 18. bis 23. März an ber Reichsberufwettkampf - Borentfcheibung teilnah- men, hat sich eine Elitemannschaft herausgeschält, bie vom 5. bis 7. April in Stärke von 346 Jungen unb 162 Mäbel in bem Gäuentscheibungswettkampf erneut ihre Kräfte miteinanber messen werben. Bereits am Donnerstag treffen bie Sieger unb Siegerinnen aus allen Orten unseres Gaues in Frankfurt a. M. zusammen. Am Abenb besfelben Tages finbet als Auftakt ber Gauzwischenentscheidung im Palmengarten eine (Eröffnungsfeier statt, an welcher außer ben Wettkämpfern eine Reihe gelabener Gäste teilnehmen werben. Am Freitagmorgen beginnen bann bie Entscheidungswettkämpfe, in bereu Verlauf praktische, theoretische und sportliche Aufgaben gelöst werden müssen. Die aus dieser Olympiade als Sieger hervorgehenden Jungen und Mädel stellen Volksgenosse! Mit dem RSD.-Opferbuch wird im Rahmen der NS.-Volkswohlfahrt der Gesund h e 1 l des deutschen Volkes gebient. Durch Spenden, die in bas Opferbuch eingetragen werben, können spätere Generationen sehen, was in der Zeit bes Umbruchs für die Volksgesundheit geopfert wurde, hilf* beherzt und kräftig mit an dieser edlen Tat zur Arterhaltung deiner Nachkommenschaft! Kreisamtsleitung der NSv. Gießen. eine hervorragende Auslese deutschen Jungarbeiter» tums in beruflicher, körperlicher und charakterlicher Hinsicht bar. Sie werben mit ben übrigen Gausiegern aus bem ganzen Reich in ben letzten Apriltagen in Saarbrücken um ben Enbsieg unb um bie Ehre, am 1. Mai bem Führer vorgestellt zu werben, ringen. Proviuzialausschuß-Gihuug. In ber öffentlichen Sitzung bes Provinzialausschusses ber Provinz Oberhessen vorn Montag kamen u. a. folgenbe Verwaltungsstreitsachen zur Derhanb- lung: Eine Klage bes Hänblers Otto Balser in Gießen gegen ben Bescheid bes Kreisamts Gießen vom 4. Januar 1935 wegen Versagung bes Wander- gewerbescheins für Kj. 1935 würbe als unbegründet abgewiefen. Georg Groninger in Friedberg klagte gegen die Entscheidung des Kreisamts Friedberg vom 12. Juni 1934 wegen Versagung der Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft im Hause Usagasse 12 in Friedberg. In dem Haus wurde zuletzt von der Kon- rab Diller Ehefrau in Friebderg eine Gastwirtschaft betrieben, bie am 13. Januar 1933 infolge Zwangsversteigerung bes Grundstücks aufgegeben würbe. Der Prooinzialausschuß hat bie Klage als unbegründet kostenpflichtig abgewiesen, weil von allen in Betracht kommenden Stellen die Bedürfnisfrage verneint worden ist. Daten für den 3. April. 1897: der Komponist Johannes Brahms in Wien gestorben (geboren 1833). Vornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: NSLB., Kreis Gießen: 15 Uhr, im Cafö Leib, Kundgebung. Kreisfchulrat N e b e l i n g spricht über „Die Wesensgestaltung der neuen deutschen Schule als Aufgabe der deutschen Erzieher". — Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr „Der Vetter aus Dingsda". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der alte und der junge König". — Reichsbund Volkstum und Heimat, Ortsring Gießen: 20.15 Uhr, Heimatabend in Gemeinschaft mit dem „Sängerkranz" im Studentenheim, Leihgesterner Weg. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: II. Aus- fteUung aus Gießener Privatbesitz, von 16 bis 17 Ubr. — Ausstellung der Haushaltungsschule des Aliceschulvereins, von 15 bis 17 Uhr. — Stadttheater Gießen. Heute, 19.30 Uhr, Wiederholung her Operette „Der Vetter aus Dingsda" von Künneke; Leitung -haben Hube, Cujs, von Rabenau. — Die Haushaltungsschule des Aliceschulvereins veranstaltet am heutigen Mittwoch und am morgigen Donnerstag eine Ausstellung. Auf die heutige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht. * ** Akademische Berufung. Der Privatdozent an der Universität Gießen und Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberhessen, Dr. Wilhelm C l a ß, wurde auf den Lehrstuhl für Strafrecht an der Universität Frankfurt a. M. berufen. ** Dienstjubiläum. Am 1. April konnte der Verwaltungsinspektor Fritz S ch o m b e r, Gießen, Gnauthstraße 42, fein 25jähriges Dienstjubiläum beim Städtischen Wohlfahrtsamt begehen. Der Jubilar erfreut sich bei feinen Vorgesetzten und seinen Berufskameraden allgemeiner Beliebtheit. ** Der letzte Straßenbahnwagen vom Neuen Friedhosab verkehrt von jetzt an Mittwochs, Samstags und an Sonn- und Feiertaqen um 17.12 Uhr. ** Die Nachsendung von Postsen- düngen. Das Postamt Gießen teilt uns mit: Zu Anträgen auf Nachsendung von Postsendungen sind möglichst die amtlichen Formblätter zu be» nutzen, die an den Postschaltern und von den Postzustellern zur Abgabe bereitgehalten werden. Die Verwendung dieser amtlichen Formblätter gewähr- leistet bie pünktliche Nochsendung der Post'und ist daher zum Vorteil der Empfänger. "Verhängnisvoller Sturz. Am ge- fingen Dienstag gegen 17 Uhr stürzte auf der Bahnbrücke zwischen dem Bahnhofsplatz und ber Friedrichstraße eine etwa 70 Jahre alte Frau Inderthal aus Wetzlar so unglücklich, daß sie am rechten Bein einen Schenkelhalsbruch davon- trug. Die bedauernswerte Frau wurde von Passanten zunächst zum Bahnhof gebracht und von dort aus von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Chirurgischen Jidntf ......— Volkswirtschaftliche Zeitfragen. Baupolizeiliche Ausgaben iw nationalsozialistischen Staat. Das Baurecht ist nach der seitherigen Reichs- gesetzgebung den einzelnen Ländern zur selbständigen Regelung überlassen worden. Diese haben in Baugesetzen, Bauordnungen usw. ihr Baurecht geregelt. Die seitherige Auffassung über den Begriff des Eigentums bedingte die sog. Baufreiheit. Auch die hessische Allgemeine Bauordnung vom 30. April 1881 stellt in Artikel 1 den grundlegenden Satz auf, daß der Eigentümer "die Befugnis hat, innerhalb der Grenzen seines Grundstücks nach seinem Ermessen zu bauen und nur denjenigen Beschränkungen im öffentlichen Interesse unterliegt, die in Gesetzen oder in den auf Grund der Gesetze getroffenen Anordnungen vorgeschrieben sind. Disse sogenannte materielle Baufreiheit besagt, daß das auf dem Eigentum beruhende Recht eines jeden, sein Grundstück in beliebiger Weise baulich auszunutzen, lediglich durch die allgemeinen und besonderen reichs-, landes- und ortsgesetzlichen Vorschriften beschränkt werde und deshalb die Baupolizeibehörde in allen Fällen, in denen die ausdrücklichen Gesetzesvorschriften eingehalten werden, die Bauerlaubnis ohne Rücksicht auf etwaige Beeinträchtigungen Dritter oder der Allgemeinheit erteilen müsse. Die Hessische Allgemeine Bauordnung bestimmt in Artikel 73 ebenfalls, daß durch die Baugenehmigung nur über die polizeiliche Zulässigkeit eines Bauwesens entschieden wird; sie erfolgt daher unbeschadet der Privatrechte dritter Personen und der Verfolgung dieser Rechte bei den Gerichten, denen die Einstellung eines polizeilich zugelassenen Bauwesens, insoweit durch dieses Privatrechte verletzt werden, vorbehalten bleibt. Nach der seitherigen Auffassung wurde in der Regel sogar verneint, daß allgemeine polizeiliche Erwägungen, z. B. Beseitigung von Gefahren für die allgemeine Sicherheit und Ordnung, über die baurechtlichen Einzelbestimmungen hinaus herangezogen werden könnten, um eine Baugenehmigung zu versagen. Der Grundgedanke der liberalen Rechtsordnung: Freiheit des einzelnen vom Staate, soweit ihr nicht ausdrückliche gesetzliche Bestimmungen entgegenstanden, und Schutz des einzelnen gegen den Staat, wurde selbst zum Nachteil der Allgemeinheit zugunsten des einzelnen durchgeführt. Eine Baufreiheit in einem derartig weitgehenden Sinne kann heute nicht mehr als rechtens anerkannt werden. Diesen wichtigen Satz stellt das Sächsische Oberverwaltungsgericht in einem Urteil vom 18. Januar 1935 auf. Bei der Auslegung von Gesetzen sind die Volks- anschauüng, der Zweck und die wirtschaftliche Bedeutung der Gesetze und die Entwicklung der Verhältnisse zu berücksichtigen. Die Gesetze sind nach nationalsozialistischer Weltanschauung auszulegen. Diese in dem Steueranpassungsgesetz vom 16. Oktober 1934 für das Gebiet des Steuerrechts erlassene Vorschrift ist rechtlich nicht auf dieses Gebiet zu beschränken. Sie bedeutet die Verkündung eines allgemeinen Rechtsgrundsatzes des heutigen Staates, der auch für alle anderen Gebiete des deutschen Rechtslebens als verbindlich angesehen und entsprechend angewendet werden muß. Von diesem Gesichtspunkt aus kann es keinem Zweifel unterliegen, daß man auch ein Baugesetz heute unter wesentlich anderen Gesichtspunkten auszulegen hat, als zur Zeit seines Erlasses. Denn in den Anschauungen, die für die Beurteilung des Bauwesens gelten, ist ein grundsätzlicher Wandel eingetreten. Der Zweck der ganzen Baupolizei liegt darin, daß die Behörden, die durch die Erteilung der Baugenehmigung an der Errichtung der Bauten Mitwirken, ein vernünftiges, zweckmäßiges Bauen zum Nutzen der Allgemeinheit ermöglichen. Demgegenüber steht die Befugnis des einzelnen, sein Grundstück baulich aus- zunutzen, durchaus im Hintergrund. Es ist weniger eine wirkliche Baufreiheit, als vielmehr eine weitgehende Gebundenheit des einzelnen an die Grundsätze einer der Volksgemeinschaft entsprechenden Bauentwicklung als der beherrschende Gedanke des gesamten Baurechts zu erkennen. Der wesentliche Zweck des Baugesetzes ist nicht, das Recht des einen gegen das des anderen Grundstückseigentümers abzugrenzen. Letzter und maßgebender Sinn des Baugesetzes muß vielmehr ganz allgemein darin erblickt werden, daß im Interesse der Volksgemeinschaft eine vernünftige Einteilung des zum Wohnen bestimmten Bodens und ein zweckmäßiges, sowohl der privaten Betätigung, als auch besonders allen Belangen der Gemeinschaft Rechnung tragendes Bauen gewährleistet und damit die jeweils auf langen Zeitraum wirkende bauliche Benutzung des Bodens ihrer großen Bedeutung entsprechend geregelt werde. Grundsätzliche gegenseitige Rücksichtnahme ermöglicht allein ein Bauen, das den Bedürfnissen aller gerecht wird. Der Nachbar steht dem Bauenden infolge seiner Verbundenheit mit dem Boden als Glied der Gesamtheit und nicht bloß als einzelner gegenüber. Eine Verletzung dieser Rücksicht auf die Umgebung und eine hierdurch herbeigeführte Schädigung des Nachbarn wird daher, auch wenn sie die Öffentlichkeit nicht unmittelbar gefährdet, bereits als eine Störung der öffentlichen Ordnung des Bauwesens empfunden. Der Nachbar wird deshalb durch das Baurecht grundsätzlich auch gegen verhältnismäßig geringfügige Schädigungen geschützt, gegen die dem einzelnen sonst kem polizeilicher Schutz gewährt wird. Der oberste Grundsatz, mit dem sich deshalb jedes Bauwerk, wenn es behördlich zugelassen werden soll, in Ueberemstim- rnung befinden muß, ist die Forderung: Der Bau darf die Volksgemeinschaft nicht schädigen! Da die Volksgemeinschaft wesentlich mit auf dem Frieden des Zusammenlebens beruht, können auch solche Bauten nicht zugelassen werden, die einzelne so erheblich schädigen könnten, daß dadurch der^Ge- meinschaftsfrieden gestört werden würde. Ein „Recht zu bauen" kann deshalb überhaupt nur mit der Begrenzung bestehen, die durch die Wahrung dieses Grundsatzes gezogen ist. Nur eine Behandlung des Bauwesens nach diesem Grundsatz gewährleistet den Gemeinschaftsfrieden, an dessen Erhaltung die Volksgemeinschaft und jeder einzelne als ihr Glied interep fiert ist. Nur aus diesem Grundsatz heraus sind auch die Sondervorschriften zu verstehen, in denen das Baugesetz Einzelbeziehungen zum Nachbar regelt. Es hätte keinen Sinn, wenn der Gesetzgeber im einzelnen besondere Schutzvorschriften für die Umgebung oder zur Vermeidung von Schäden für den Nachbar aufstellte, wenn er nicht überhaupt von der Einstellung ausginge, daß die Umgebung gegenüber der baulichen Betätigung des einzelnen Schutz verdiene und der Nachbar vor Schaden möglichst bewahrt werden müsse. So muß sich grundsätzlich jeder Bauende dessen bescheiden, daß je nach der Umgebung, in der er baut, durch die bereits bestehenden baulichen oder sonstigen Verhältnisse seinem Bauen gewisse Schranken gezogen sind, die nicht in gleichem Maße vorliegen würden, wenn er auf völlig freiem Gelände baute. Dieser ober sie baurechtliche Grundsatz ist als unmittelbar verbindliches Recht anzuerkennen. Er ist maßgebend für die Einstellung, aus der heraus alle einzelnen, die Beziehungen des Bauwesens regelnden Sondervor- schriften verstanden und gewertet werden müssen. Er ist es, dem, im Grunde genommen, alle anderen Bauvorschriften dienen. Ihm sind deshalb diese Einzelvorschriften rechtlich untergeordnet. Deren Aufgabe ist es, jenen Hauptgrundsatz zu verwirklichen und auszuführen. In ihnen erschöpft sich jedoch dieser Grundsatz nicht; er ist vielmehr die eigentliche Rechtsquelle, die hinter den Einzelvorschriften steht, und aus der diese selbst erst fließen. Eine solche Auslegung des Gesetzes entspricht allerdings nicht früherer liberalistifcher Staats- und Rechtsauffassung, die das Recht des einzelnen gegenüber dem Staate und die Freiheit des einzelnen vom Staate in heute nicht mehr anzuerkennendem Umfange — mitunter selbst auf Kosten der Gesamtinteressen — als schutzwürdig behandelte; mit den Grundsätzen der nationalsozialistischen Staats- und Rechtsauffassung steht eine solche Auslegung aber nicht nur im Einklang, sondern wird von dieser unmittelbar gefordert. Nach ihr ist das Recht nicht die Gesamtheit der vom Gesetzgeber ausdrücklich festgelegten Einzelbestimmungen. Die Gesetzesbestimmungen sind vielmehr nur der Ausdruck der im Volke wurzelnden Rechtsgedanken. Nicht die Gesetzesbestimmungen, sondern diese Rechtsgedanken („Rechtsgebilde"), nach denen sich in steter Entwicklung die Gesetze richten, stellen das „Recht" dar. Nicht allein die Gesetzesbestimmungen zu verwirklichen, sie logisch nach dem Wortlaut auszulegen, ist die Aufgabe der mit der Rechtsanwendung befaßten Behörden, sondern die Sorge dafür, daß ihre Maßnahmen, soweit es die Gesetzesbestimmungen zulassen, mit diösen im Volke wurzelnden Rechtsanschauungen im Einklang stehen. In diesem Sinne wird dem „Recht" als Gemeinschaftsrechte, d. h. als der Ordnung, in der das Volk sein Gemeinschaftsleben führt, sogar der Vorrang vor den Gesetzen selbst zuerkannt. Die aus dem Eigentum flie- ßenden Befugnisse dürfen nur so gehandhabt werden, daß der gemeine Nutzen, die Belange der Volksgemeinschaft, nicht verletzt werden. Dies gilt ganz besonders für die Ausübung der Befugnisse, die aus dem Eigentum von Grund und Boden fließen. Denn der naturgegebene Zusammenhang und die Unbeweglichkeit geben dem Grund und Boden im Gegensatz zu den anderen Rechtsgütern seine besondere Wichtigkeit und ausschlaggebende Bedeutung für das Volksganze. Die Einzelbauvorschriften sind für Regelfälle gedacht und als Regelvorschriften erlassen. Hierfür sind sie ausreichend und selbstverständlich für die Behörden verbindlich. Sie behalten deshalb nach wie vor ihre große Bedeutung. Die Einzelvorschriften bilden aber nicht mehr die starre, für die Behörde nicht überschreitbare Grenze, bis zu der in jedem Falle die bauliche Ausnutzung eines Grundstückes gestattet werden müßte. Die Behörde hat deshalb, auch wenn die baurechtlichen Einzelbestimmungen (z. B. diejenigen über Grenzabstand, Gebäudehöhe, Mauerstärke usw.) eingehalten sind, nicht unter allen Umständen die Verpflichtung, den Bau zu genehmigen. Vielmehr hat sie in Ausnahmefällen, in denen die Verwirklichung des Bauvorhabens dem beherrschenden Grundsatz des Baurechts in dem dargelegten Sinne widersprechen würde, das Recht und die Pflicht, den allgemeinen Rechtsgrundfatz unter Abweichung von der Einzelvorschrift zur Geltung zu bringen. Ob und wann ein solcher Widerstreit oor- liecjt läßt sich durch eine allgemeine Formel nicht ausdrücken und hängt vom Einzelfall ab. Hiernach i ft im einzelnen Baufalle z u entscheiden, wie gegenseitige nachbarliche Belange berücksichtigt und Schädigungen der Nachbarn vermieden werden können. Es ist vom Standpunkt des Gemeinschaftsfriedens abzuwägen, wessen Ein- zelbelange die größere Berücksichtigung erheischen und ob danach eine Beschränkung des Bauenden gerechtfertigt ist. Es ist nicht zu verkennen, daß bei Beachtung dieses Grundsatzes die Baupolizeibehörden künftig in Ausnahmefällen vor schwierigere Entscheidungen gestellt werden, als wenn sie nach der bisherigen Rechtssprechung die Einzelvorschriften in mehr schematischer Weise handhaben. Indessen wird eine von den Fesseln starrer Paragraphenanwendung gelöste Handhabung der Baupolizei die Grundsätze eines gesunden, den Belangen der Gesamtheit, wie des einzelnen dienenden Baurechtes am zuverlässigsten verwirklichen und damit eine der Volksgemeinschaft dienende Bauentwicklung am ehesten ermöglichen können. Kleinsiedlungen. Bürgschaften und Darlehen durch das Reich. Für den Kleinwohnungsbau bestehen Reichsbürg- schäften schon seit etwa Jahresfrist. Jetzt kündigt eine neue Verordnung auch für Kleinsiedlungen die Uebernahme von Bürgschaften durch das Reich an. Die Pflichten des Siedlers. Eigenes Kapital ist auch hier erforderlich. Während aber bei den Reichsbürgschaften für Eigenheime im allgemeinen dreißig Prozent der Bau- unb Nebenkosten als Eigen kapital gefordert werden, braucht der Siedler nur zwanzig Prozent des Bau- und Bodenwertes selbst beizusteuern. Immerhin muß die Dauerfinanzierung durch Eigenleistung, o-ber fremde Mittel gesichert sein. Die eigene Leistung braucht nicht in Barkapital zu bestehen; es kommen auch das Grundstück ober geleistete Arbeiten in Betracht. Ebenso kann diese Eigenleistung derart geschehen, baß eine dritte Seite, z. B. Verwandte, Barmittel zur Verfügung stellt, ohne Sicherheit zu beanspruchen ober sich mit solcher an letzter Stelle begnügen. Auch hinsichtlich der Baulichkeiten erwachsen dem Siedler Pflichten. Er muß die Gebäude, bas In- ventar und die wirtschaftlichen Einrichtungen stets in gutem Zustand und ausreichend versichert halten. Grunbstück und Baulichkeiten können jederzeit im Auftrag des Reichsarbeitsministers und des Reichsrechnungshofes untersucht werden, und auch eine Buch- und Betriebsprüfung kann jederzeit erfolgen, sofern eine Inanspruchnahme der Reichsbürgschaft in Frage kommen könnte. Ferner unterliegen wesentliche Aenderungen der Baulichkeiten, Abbruch, die Baupläne abgebrannter Grundstücke u. ä„ der Genehmigung des Reichsarbeitsministers. Die Pflichten, die danach dem Siedler erwachsen, könnten brückend erscheinen; in Wirklichkeit sind sie es aber nicht. Denn so wie das Reich mit seiner Bürgschaft die Allgemeinheit des Siedlungswesens unterstützt, erwächst ihm auch die Verpflichtung, jede Inanspruchnahme des Reiches aus den übernommenen Bürgschaften zu vermeiden. Das Darlehen und feine Sicherstellung. Reichsbürgschaften werden übernommen, soweit das hypothekarisch gesicherte Darlehen außerhalb der für erststellige Hypotheken üblichen Be- teihungshöhe liegt, denn gerade die Beschaffung zweiter Hypotheken soll durch die Reichsbürgschaften erleichtert werden. Die jährliche Amortisation muß mindestens ein Prozent betragen. Die Hypothek für das zu verbürgende Darlehen soll die ersten fünfundsiebzig Prozent des Bau- und Bodenwertes nicht übersteigen, und zwar einschließlich der vorgehenden und gleichstehenden Grundpfandrechte. Wenn für ein Siedlungsvorhaben bereits Reichsdarlehen bewilligt worden sind, so wird dadurch die' Uebernahme von Reichsbürgschaften nicht gehindert. Jedoch darf in diesen Fällen ein Reichsdarlehen nur dann gewährt werden, wenn die Bürgschaft mindestens bis zum Range von fünfundsechzig Prozent des Bau- und Bodenwertes ausgenützt wird. Die Verzinsung und Kündigung. Die Zinsen und der Verwaltungskostenbeitrag .dürfen den landesüblichen Satz nicht überschreiten. Gegenwärtig würde ein Zinssatz von viereinhalb Prozent und eine jährliche Amortisation von einem Prozent das Aeußerste sein; nur in wenigen Aus- nahmefäUen, u. a., wenn eine Hypothek zu oierein- halb Prozent nachweislich nicht zu erhalten gewesen ist. darf der Zinssatz höchstens fünf Prozent betragen. Für den Darlehensgeber besteht auf Verlangen des Reichsarbeitsministers folgende Pflicht zur Kündigung: 1. ohne Kündigungsfrist: a) Wenn Baulichkeiten und Inventar nicht in ordnungsmäßigem Zustande gehalten oder nicht ausreichend versichert werden. Ferner, wenn bei Wiederherstellung abgebrannter oder bei wesentlicher Aenderung der Baulichkeiten die Zustimmung des Reichsarbeitsministers nicht eingeholt worden ist. b) Bei Zwangsversteigerung oder Zwangsverwaltung. c) Bei Konkurs, gerichtlichem oder außergerichtlichem Vergleich. d) Bei Pfändung oder Abtretung der Grundstückserträgnisse. e) Bei Verwendung der Grundstücke zu anderen Zwecken als Kleinsiedlung. f) Wenn bei einem Verkauf der Erwerber die persönliche Schuld nicht übernimmt. 2. mit dreimonatiger Kündigungsfrist : Wenn die Zinsen und Amortisationen nicht fristgemäß gezahlt werden. Die Bürgschaft des Reiches erlischt: a) Wenn der Darlehensgläubiger aus den eben erläuterten Gründen trotz Aufforderung des Reichsarbeitsministers nicht kündigt; sei es fristlos, oder mit dreimonatiger Kündigung; d) wenn der Darlehensschuldner die Zins- und Amortisationsbeträge nicht rechtzeitig entrichtet und der Darlehensgläubiger dem Reichsarbeitsminister nicht binnen drei Monaten Mitteilung macht. Die Bürgschaft erlischt dann für die rückständigen Beträge. c) Wenn der Darlehensgläubiger fällige Zins- und Amortisationsbeträge / ohne Einwilligung des Reichsarbeitsministers länger als drei Monate stundet; bann erlischt die Bürgschaft ebenfalls für die rückständigen Beträge. Wie erlangt man die Reichsbürgschaft? Der Antrag auf Reichs bürgschaft ist in doppelter Ausfertigung einzureichen: 1. an die für die Kleinsiedlungszwecke zuständige Behörde, 2. an die Deutsche Bau- und Bodenbank, Berlin W 8, Taubenstraße 48/49. Gleichzeitig kann auch ein Antrag auf Bewilligung eines Reichs- darlehens für Siedlungszwecke gestellt werden, in einfacher Ausfertigung an die zuständige Stelle für Kleinsiedlungszwecke. Der Antrag auf Reichsbürgschaft ist auf vorgeschriebenem Formular mit allen Unterlagen und der Erklärung eines zahlungsfähigen Geldgebers, daß er zur Darlehenshergabe bereit sei, einzureichen. Die Behörde prüft die Voraussetzungen für die Bewilligung und sendet bejahendenfalls den Antrag mit ihrer Stellungnahme an die Deutsche Bau- und Bodenbank. Diese führt die weiteren Verhandlungen und stellt Betrag, Rang und Bedingungen fest, lieber den Antrag selbst entscheidet der Bürgschaftsaus- schuß der Bank, von dem auch die Bürgschaftsurkunde ausgestellt wird. Deren Aushändigung erfolgt: 1. nach baupolizeilicher Abnahme, 2. nach erfolgter Versicherung; 3. nach Eintragung der Hypothek; 4. nach Bezahlung der Gebühren und Anerkennt- nis der Vertragsbedingungen. Die vorstehend erläuterten Bestimmungen gelten nur für Kleins iedlungen und Bauvorhaben über sechshundert Quadratmeter. Bei kleinerem Umfange kommen eventuell die Bedingungen für den Klein wohnungs bau in Frage. Ebenso gelten diese Vorschriften nicht für Ernchtung bäuerlicher Siedlungen. Ur.—dff. Die Einkommensteuer derKriegS- und Zivilbeschädigten Im Hinblick auf die besonderen Aufwendungen und die besonderen wirtschaftlichen Verhältnisse, die bei Kriegsbeschädigten, Kriegerhinterbliebenen und Zioilbeschädigten vorliegen können, ift in den Veranlagungsrichtlinien zur Einkommensteuer für 1934 bestimmt, daß für derartige Steuerpflichtige ein Teil ihres Einkommens steuerfrei bleibt. Die Veranlagungsrichtlinien unterscheiden zwischen Steuerpflichtigen, deren Einkommen ganz oder zum Teil aus Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit besteht, und zwischen Steuerpflichtigen, in deren Einkommen Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit nicht ent- halten sind. Die nachfolgenden Ausführungen be- ziehen sich somit auf solche Steuerpflichtige, die wegen der Höhe ihres Arbeitseinkommens oder wegen ihres nicht aus Arbeitslohn bestehenden Einkommens zu veranlagen sind. Für nicht zu veranlagende Lohn- und Gehaltsempfänger find in den Durchführungsbestimmungen über den Steuerabzug vom Arbeitslohn besondere Anordnungen getroffen. Erwerbstätigen Arbeitnehmern, die wegen einer Kriegs- oder Dienstbeschädigung eine Beschädigten- versorgung nach dem Reichsversorgungsgesetz erhalten, sind auf Antrag im Falle der Veranlagung an Stelle des Werbungskosten-Pauschbetrages von 200 RM. und des Sonderausgaben-Pauschbetrages von 200 RM. bestimmte Beträge zuzubilligen, deren Höhe sich nach der von den Dersorgungsdehörden der Versorgung zugrundegelegten Minderung der Erwerbsfähigkeit richtet. So beträgt z. B. der zuzubilligende Pauschbetrag a) für Werbungskosten und b) für Sonderausgaben bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von 25 bis ausschl. 35 v.H.: a) 275 RM., b) 275 RM. 35 „ „ 45 „ 45 „ „ 55 „ 55 „ „ 65 „ 65 „ „ 75 „ 75 „ „ 85 „ 85 „ „ 95 „ 95 „ einschl. 100 „ Bei erwerbstätigen Schwerbeschädigten, die Pflegezulage ob. erhöhte Verstümmelungszulage erhalten, und Blinden Das gleiche gilt für a) 300 „ b) 300 a) 450 „ b) 450 a) 500 „ b) 500 a) 550 „ b) 550 a) 600 „ b) 600 a) 650 „ b) 650 a) 700 „ b) 700 a) 1200 „ b) 1200 versorgungsberechtigte ehemalige Offiziere, Deckoffiziere und Beamte der früheren Wehrmacht, wenn die Minderung der Erwerbsfähigkeit infolge einer Kriegs- oder Dienstbeschädigung mindestens 25 v. H. beträgt, und für unbeschränkt steuerpflichtige österreichische und deutsche Angehörige, die der früheren österreichisch- ungarischen Wehrmacht angehört haben und nach dem österreichischen Invaliden-Entschädigungsgesetz versorgt werden. Sowohl erwerbstätigen Kriegsbeschädigten, als auch nichterwerbstätigen Kriegsbeschädigten, die steuerlich als Arbeitnehmer zu behandeln sind (z. B. Ruhegehaltsempfänger), erwachsen im Hinblick auf ihre besonderen wirtschaftlichen Verhältnisse im allgemeinen besondere Aufwendungen, deren steuerliche Berücksichtigung nach § 33 des Einkommensteuer- gesetzes 1934 zu beurteilen ift. Daher ist sowohl den obengenannten erwerbstätigen Beschädigten, als auch den nichterwerbstätigen Beschädigten im Falle der Veranlagung auf Antrag eine Steuerermäßigung mindestens in Höhe des Betrages zu gewähren, um den die Einkommensteuer geringer fein würde, wenn der Steuerpflichtige, dessen Minderung der Erwerbsfähigkeit 25 v.H. bis ausschl. 35 v.H. beträgt, ein um 200 RM. 35 ,, ,, „ 45 ,, „ ,, ,, 300 „ 45 ,, „ ,, 55 ,, „ „ „ 750 „ 55 „ „ „ 65 „ ,, „ „ 875 „ 65 „ „ „ 75 „ „ „ „ 1025 „ 75 „ „ „ 85 „ „ „ „ 1150 „ 85 ...... 95 „ ...... 1300 „ 95 „ „ einschl. 100 „ „ „ „ 1500 „ bei Schwerbeschädigten mit Pflegezulage oder erhöhter Derstümme- lungszulage und Blinden „ „ 3000 H geringeres Einkommen haben würde. Den obengenannten Personen stehen gleich: a) die nach dem Gesetz über die Versorgung der Kämpfer für die nationale Erhebung, dem Kriegspersonenschädengesetz, dem Altrentner- gesetz, dem Reichsgesetz über die Schutzpolizei der Länder ober dem Reichsgesetz über die Versorgung der Polizeibeamten beim Reichs- wasserschutz wegen einer Beschädigung versorgten Personen, b) die nach § 105 des Reichsversorgungsgesetzes, § 8, Absatz 1, des Altrentnergesetzes versorgten Personen, wenn die Rente mindestens 30 v. H. der Vollrente beträgt, c) die aus anderen Ursachen beschädigten Arbeitnehmer (Zivilbeschädigte), wenn bei ihnen eine Minderung der Erwerbsfähigkeit um mindestens 25 o. H. festgestellt wird, d) die durch Geburtsfehler Körperbehinderten, wenn bei ihnen die Minderung der Erwerbsfähigkeit mindestens 25 v. H. beträgt. e) Blinde. Empfänger einer Hinterbliebenenrente nach betft Reichsversorgungsgesetz sind, wenn sie noch erwerbstätig sind, wie erwerbstätige kriegsbeschädigte Arbeit- nehmer, wenn sie nicht mehr erwerbstätig sind, wie nicyterwerbstätige kriegsbeschädigte Arbeitnehmer zu behandeln, deren Erwerbsfähigkeit um 45 v. H. bis ausschließlich 55 v. H. gemindert ift. Das gleiche gilt für die Empfänger einer Hinterbliebenenrente nach dem Gesetz über die Versorgung der Kämpfer für die nationale Erhebung, dem Kriegspersonenschädengesetz, dem § 1 des Attrentnergesetzes, dem Wehrmachtversorgungsgesetz, dem Reichsgesetz über die Schutzpolizei der Länder, dem Reichsgesetz über die Versorgung der Polizeibeamten beim Reichswasserschutz und für Empfänger von Versorgungsgebühr- niffen nach dem früheren Militärversorgungsgesetz auf Grund des § 110 des Reichsverlorgungsaefetzes sowie von Renten aus der reichsgesetzlichen Unfall- Versicherung, ferner für die deutschen und österreichischen Kriegerwitwen, deren Ehemänner der früheren österreichisch-ungarischen Wehrmacht ange- hört haben, wenn sie nach dem österreichischen In- validen-Entschädigungsgesetz versorgt werden und unbeschränkt steuerpflichtig sind. Die obigen Ausführungen über nichterwerbstätige Kriegsbeschädigte sind auch auf kriegs- und zivilbeschädigte Steuerpflichtige anzuwenden, in deren Einkommen Einkünfte aus nichtselbständiaer Arbeit nicht enthalten sind (Gewerbetreibende u|m.). Auch diesen Steuerpflichtigen wird auf Antrag die Steuerermäßigung wegen besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse gewährt. Sämtlichen in Frage kommenden Steuerpflichtigen wird empfohlen, im Nachgang zu ihren abgegebenen Steuererklärungen 1934 entsprechende Anträge an das zuständige Finanzamt zu stellen und hierbei den Nachweis über die Höhe der Beschädigung zu führen. Amtsgericht Gießen. Der M. K. aus Gießen brach im September 1934 in einen Geräteschuppen ein und entwendete dort eine Pistole. Der Angeklagte erbrach, um sich Eingang zu verschaffen, zwei Vorhängeschlösser. Das Gericht verurteilte ihn zu drei Mo n a t e n Gefängnis. Wegen schweren Diebstahls befaßte sich sodann das Gericht -mit dem W. M. Der Angeklagte stieg durch ein Fenster in einen Isolierraum am Seltersberg, brach eine Werkzeugkiste auf und entwendete zwei Hobel, eine Rauhbank und einen doppelten Simshobel. Er wurde ebenfalls zu einer Gefängnis ft rafe von drei Monaten verurteilt. A. W. aus Kirchhain und W. R. aus Egelsbach erhielten Strafbefehle über je 40 Mark, weil sie außerhalb des Viehmarktgeländes handelten. Dagegen legten beide Einspruch ein. Da sie in der gestrigen Houptverhandlung dem Gericht mit Unwahrheiten gegenübertraten, wurden die Strafen aus 50 bzw. 60 Mark erhöht. Kleine Strafkammer Gießen. Ein Bettler aus Oberbayern wurde vom Amtsgericht Schlitz wegen Bettelei zu vier Wochen Haft und Ueberweifung in ein Arbeitshaus verurteilt. Gegen die letzte Maßnahme verfolgte der Angeklagte Berufung, der auch ftattgegeben wurde, da der Angeklagte kein gewerbsmäßiger, liederlicher Bettler ist. Der O. H. aus Melbach wurde vom Amtsgericht Friedberg wegen Bedrohung und schweren Diebstahls zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Die dagegen eingelegte Berufung hatte insofern Erfolg, als das vorinstanzliche Urteil einen wesentlichen Prozeßmangel aufwies und das Verfahren daher e i n g e st e l l t werden mußte. Wegen Ruhestörung wurde der R. W. aus Grünberg vom dortigen Amtsgericht zu 25 Mark Geldstrafe vrurteilt. Der Angeklagte sollte sich einer polizeilichen Festnahme durch Lärmen widersetzt haben. Auf die Berufung des Angeklagten wurde das vorinstanzliche Urteil aufgehoben und der Angeklagte von Ruhestörung freigesprochen. Wegen des ihm zur Last gelegten Widerstandes wurde das Verfahren eingestellt. Der W. D. aus Frankfurt verursachte in Nauheim mit seinem Personenwagen einen Zusammenstoß mit einem Motorradfahrer. Er wurde wegen Zuwiderhandlung gegen die Paragraphen 21, Absatz 1, 19 Absatz 1 in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung zu 25 Mark Geldstrafe verurteilt. Die seitens der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten eingelegten Berufungen wurden zurückgewiesen. Oberheffen. Gemeinderat in Nidda. CD Nidda, 2. April. Der Gemeinderat genehmigte in seiner jüngsten Sitzung den st ä d t i ° schen Haushaltsplan für 19 3 5, der in Einnahme und Ausgabe mit 225 360,05 Mark (gegenüber 173 549,96 Mark im Vorjahre) abschließt. Erfreulicherweise war festzustellen, daß die Reichssteuerüberweifungen im Jahre 1935 voraussichtlich um etwa 3000 Mark höher sein werden, als im Vorjahre. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde beschlossen, die F i l i a l st e u e r für das Jahr 1935 in der Höhe von 200 v. H. Zuschlag zur gemeindlichen Gewerbesteuer zu erheben. Die Baufluchtlinie in der Iohanniterstraße wurde, entsprechend einem Vorschlag des Hochbauamtes Büdingen, geändert. Der Ankauf einer neuen Schäferhütte wurde genehmigt. Von der Einteilung der neuen Jagdbezirke durch den Kreisjägermeister wurde Kenntnis genommen; die Gemeinde Nidda bildet einen Bezirk, von dem jedoch einige Abschnitte benachbarten Bezirken zugeteilt werden. Im Wege der Notstandsarbeit soll die Beundestraße kanalisiert, mit Wasserleitung versehen und als befahrbare Straße bis zur Schillerstraße ausgebaut werden. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 3. April. Der Voranschlag der Gemeinde Wies eck für 1935 schließt in Einnahme und Ausgabe in Abteilung I für den Betrieb mit 218 923,90 Mark, Abteilung II für das Vermögen mit 9647,84 Mark, Summa 228 571,74 Mark ab. Der Fehlbetrag, der durch Steuern erhoben wird, beläuft sich auf rund 52 000 Atark und hat sich gegen den vorjährigen um einen wesentlichen Betrag vermindert. An eine Steuersenkung wird jedoch noch nicht zu denken sein, da die Gemeinde für die Wohlfahrtspflege auch jetzt' noch sehr erhebliche Mittel aufbringen muß. Der Voranschlag wurde genehmigt. wg. Großen-Buseck, 3. April. Der hiesige Turnverein 1899 veranstaltete im Saale der Wirtschaft „Zum kühlen Grund" ein Bühnenschauturnen. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Die Einnahmen flössen dem Winterhilfswerk zu. Nach einleitenden Musikstücken der Kapelle Rudolf Nico- l a i umriß der Vereinsführer Heinrich Größer in seiner Begrüßungsansprache den zwiefachen Zweck des Abends: Unterstützung des Winterhilfswerkes, Werbung für die deutsche Turnerschaft! Mit einem „Gut-Heil!" auf Führer, Vaterland und DT. beschloß er seine Ansprache. Die Vortragsfolge brachte eine Fülle von turnerischen Vorführungen, zu denen die Abteilungen in voller Stärke antraten. Unter der Leitung der Turnwarte Wilhelm Seipp und Wilhelm Stephan nahm das Programm einen reibungslosen Verlauf. Der Abend kennzeichnete den lebhaften Uebungsbetrieb im Verein. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung gelangten zwei Theaterstücke zur Aufführung, die, wie auch die Darbietungen der Musikkapelle, mit reichem Beifall ausgenommen wurden. + Grünberg, 2. April. Am Sonntag fand in unserer Stadtkirche ein Vortragsabend statt. Pfarrer Trapp-Gießen sprach über die „Evangelische Bewegung in Oesterreich einst und jetzt". Die Zuhörer folgten dem Vortrag mit großer Aufmerksamkeit. Der Kirchenchor trug zwei geistliche Lieder vor. Dekan Schmidt eröffnete und beschloß den Abend mit kurzen Ansprachen. * Großen-Linden, 3. April. In der Nacht zum Montag wurde in dem Schutzhäuschen Hexenbusch in den Staatswaldungen links der Landstraße Gießen—Großen-Linden ein Dieb- st a h l verübt, bei dem den Eindringlingen Arbeitskleider und Schuhe, die Waldarbeiterinnen gehören, in die Hände fielen und fortgeschleppt wurden. Die Nachforschungen der Gendarmerie sind im Gange. "X Watzenborn-Steinberg, 2. April. Der Vorstand und Aufsichtsrat der Spar- und Darlehenskasse Watzenborn-Steinberg hatte seine Mitglieder zur ordentlichen Generalversammlung in die Wirtschaft „Zur Ludwigshöhe" (Mitglied W. Pfaff) eingeladen. Aufsichtsratsmitglied Bürgermeister Schäfer gedachte zunächst der verstorbenen Mitglieder, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Direktor Balthasar P i tz III. erstattete nun den Geschäftsbericht für 1934. Der Umsatz hat sich im Laufe des Geschäftsjahres von 1 757 373,92 auf 2144 014,64 Mark ge- steigert. Die Mitgliederzahl betrug am Ende des Jahres 427 mit 428 Geschäftsanteilen. Der Eingang der Sparkassengelder belief sich im Berichtsjahre auf 17 555 Mark, ein Plus gegenüber dem Vorjahr um 2953 Mark. Neuausleihungen wurden im letzten Geschäftsjahr in Höhe von 22 375 Mark vorgenommen. lieber die Entwicklung der Genossenschaft sei gesagt, daß im allgemeinen ein Aufstieg allenthalben bemerkbar ist, dank des tatkräftigen Handelns der Regierung unter der Führung des Reichskanzlers Adolf Hitler. Hierauf gab der Rechner Ludwig Schmitt die Bilanz bekannt. Im Jahre 1933 hatte die Kaffe einen Rückgang der Einlagen von 11 000 Mark, dagegen in 1934 eine Erhöhung von 35 000 Mark zu verzeichnen. Zur Arbeitsbeschaffung hat die Kasse aus eigenen Mitteln mit 64 000 Mark beigetraqen. An flüssigen Mitteln verfügt die Kasse zur Zeit über 25 000 Mark. Das Schulsparkonto beträgt augenblicklich 15 663,70 Mk. An die diesjährigen schulentlassenen Kinder wurden rund 4000 Mark Spargelder ausbezahlt. An das Winterhilfswerk wurden 100 Mark überwiesen und bereits wieder 100 Mark zur Verfügung gestellt. Der Reingewinn beziffert sich auf 1996,62 Mark; er wird wie folgt verteilt: 5 v. H. Dividende, den Rest je zur Hälfte der Rücklage und dem Reservefonds. Geschäftsbericht, Bilanz und Gewinnverteilung wurden von der Generalversammlung für richtig befunden und dem Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Die §§ 14, 33, 35 und 36 des Statuts wurden nach den vorgeschriebenen Formen umgeändert. Die ausscheidenden Mitglieder Hermann Sommer vom Vorstand und Karl Schneid müller III., Karl Jung I. und Karl Philipp IV. vom Aufsichtsrat wurden einstimmig wiedergewählt. Bürgermeister Schäfer betonte in seinem Schlußwort, daß jeder mithelfen solle zum Wohle der Genossenschaft. Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer und Kanzler Adolf Hitler wurde der geschäftliche Teil geschlossen. oo Eberstadt, 2. April. Die Frühjahrs- Fe l d b e st e l l u n g schreitet rüstig vorwärts. Die Aussaat von Gerste und Hafer ist bereits beendet. Gegenwärtig ist man dabei, die Dickwurzkörner zu stecken und die vorgekeimten Frühkartoffeln zu pflanzen. Roggen, Weizen und Wintergerste haben gut überwintert. Nur einzelne Kleeschläge haben unter dem Frost gelitten. Nach dem Regen der letzten Tage zeigen Feld Utyb Wiesen ein üppiges frisches Grün. D L i ch , 2. April. Der Ortsring Lich des R e i ch s b u n d e s „Volkstum und Heimat" veranstaltete gestern im holländischen Hof" einen wohlgelungenen Heimatabend. Der Ortsringleiter, Rektor Erb, wies in einer kurzen Ansprache auf bie in den vergangenen Jahrzehnten stattgefundene starke Verstädterung des deutschen Volkes hin, auf die auch der Rückgang mancher schönen Sitte und Brauchtums auf dem Lande zurückzuführen sei. Hierauf hielt Lehrer i. R. Jakob (Lich) einen Vortrag über „Hochzeitsgebräuche". In launiger, humorvoller Weise führte der Vortragende seine Zuhörer im Geiste in seine Heimat, ins Frankenland, und schilderte hierbei Sitten und Gebräuche bei einer Bauernhochzeit. Er ging aus von den umfangreichen Vorbereitungen zur Hochzeit. Die Einladungen waren oft sehr zahlreich, da nicht selten über 200 Gäste bei einer Hochzeit anwesend waren. Die „Einlnder", schwarz gekleidet, mit dem „Dreispitz" auf dem Haupt und dem kostbaren „Ladeftock" in der Hand, gingen mit einem gewissenhaft aufgestellten „Ladezettel" an einem Tage zu allen einzuladenden Gästen, bei denen sie stets reichlich bewirtet wurden. Die schon seit alters her üblichen Gebräuche am Hochzeitstage selbst haben sich bis auf den heutigen Tag erhalten. So sollen durch das „Hochzeitsschießen" die bösen Geister vom zukünftigen Heime der Neuvermählten vertrieben werden. Das „Hemmen" (Anhalten der Hochzeitswagen) war ein be-sonderes Vorrecht de- Jugend. Nach der Trauung war es Aufgabe des Lehrers, eine sogenannte „Scheunenrede" zu halten, der sich die „Versteigerung der Braut" und der „Scheunentanz" anschlossen. Das Festmahl war überaus üppig, wie auch für Getränke aufs reichlichste gesorgt war. Im Anschluß an diese Schilderung gab Lehrer Jakob noch von dem Brauchtum Kenntnis, das er in seinen früheren Wirkungsorten (Ober-Bessingen, Gonterskirchen, Wet- terfe'ld usw.) kennengelernt hatte. Für seine interessanten Ausführungen wurde ihm reicher Beifall zuteil. Mit dem Gruß an den Führer und dem Gesang der nationalen Hymnen fand der Abend seinen Abschluß. * Hungen, 3. April. Von den der Gemeinde gehörigen, zur Linderung der Wohnungsnot vor etwa 10 Jahren erbauten Wohnhäusern an der Niddaer Straße hat die Stadt zwei an den Schlosser Adolf W i n n und den Bergmann Jean Lohrey dahier zum Preise von je 6000 RM. unter günstigen Zahlungsbedingungen verkauft. Bei dieser Gelegenheit erweist sich recht deutlich die Richtigkeit des von der früheren Stadtverwaltung vertretenen Standpunktes, nicht, wie es zu damaliger Zeit anderwärts vielfach der Fall gewesen, lediglich der Billigkeit wegen große Mietskasernen für Massenwohnungen zu errichten, deren Veräußerung später nur schwer oder vielleicht gar nicht zu ermöglichen ist und in denen dann vielfach Mieter untergebracht werden müssen, die aus irgendwelchen Gründen kein geeignetes Unterkommen zu finden vermögen, sondern kleinere Familienhäuser zu erstellen, die bei Eintritt besserer Verhältnisse auch Geringbemittelten, dem sogenannten kleinen Manne, die Möglichkeit zur Erwerbung eines eigenen Heims mit Garten bieten. V Hungen, 2. April. Eine unangenehme Ent«, deckung mußten einige hiesige Grundbesitzer machen, denen auf ihrem, zum Teil sogar eingefriedigten Gelände eine Anzahl Birken heimlich mit Salz, dem zweifellos schädliche Bestandteile beigemischt waren, u m s ch ü 11 e t wurden, um sie zum Ab- st e r b e n zu bringen. Es wäre sehr bedauerlich, wenn sich ein derartiger Roheitsakt nicht als ein dummer und auch als solcher nicht zu entschuldigender Bubenstreich Herausstellen würde, sondern der gegen einen hiesigen älteren Einwohner bestehende Verdacht der Täterschaft begründet wäre. (Z Obbornhofen, 2. April. Am Samstag» abend hielt Pg. Weiß- Hungen vom VDA. einen Lichtbildervortrag über seine Heimat Siebenbürgen. Die Ausführungen des Redners waren umrahmt von Gedicht- und Liedervorträgen der Schüler. An Hand zahlreicher Bilder zeigte der Vortragende, der im vorigen Jahre feine Heimat besuchte, dis , Sehenswürdigkeiten von Wien und Budapest. Weiter konnte man an den Bildern die verschiedensten Völkertypen feststellen, die Rumänien und Siebenbürgen bevölkern. Trotz dieser volksfremden Umgebung habe der deutsche Volksteil, die Siebenbürger Sachsen, deutsche Sitte und deutsche Art bis auf den heutigen Tag treu bewahrt, wie auch die Bilder zeigten. Zum Schlüsse hob der Redner die Bedeutung des Auslandsdeutschtums hervor, das in volkswirtschaftlicher und kultureller Hinsicht dem Mutterlande wertvollste Dienste leiste. Bürgermeister Hammer unterstrich die Ausführungen des Redners und schloß Lunn die gutbeisuchte Versammlung in üblicher Weise. Kreis Friedberg. + Butzbach, 2. April. Der «hiesige Zweig» verein des Vogelsberger Höh en-Clubs unternahm am Sonntag eine Wanderung nach der herrlich gelegenen Burg Cleeberg. Eine größere Anzahl Wanderfreunde beteiligte sich an dem Ausflug. Von Cleebergs Höhen konnte man eine herrliche Aussicht über den Stoppelberg zum Dünsberg, Gleiberg und Vetzberg genießen. Malerisch im Sonnenschein sah man Gießen liegen. Nach einer kurzen Kaffeerast führte der Weg über Forsthaus Läm- mersdorf zurück. Für 50 Pfg. erhalten Sie schon ein Paket coffeinfreien SANKA KAFFEE den feinen Bohnen» kaffee aus Bremen. Pfundpreis RM 2.50. In allen guten Geschäften zu haben. Donnerstag, den 4. Avril 1935, riacknn. 2 Uhr, versteigere ich im Versteigerungslokale im Löwen, Neuenweg 28 dahier, bzw.an Ort und Stelle, Bekanntgabe erfolgt im Versteigerungslokal, zwangsweise gegen Barzahlung: 1.1 Registrierkasse, 3 Schreibmaschinen, 4 Schreibtische, 5 Sessel, 2 Vertikos,4Chaiselongues, zwei Personenwagen, 2 Kühlschränke, 8 Diwans, 1 Standuhr, 2 Bücherschränke, 3 Warenschränke, 1 Klavier, 3 Büfetts, 1 Lüster, 1 Küchenbüfett, 2 Tische, 1 Spiegel, 2 Ladentheken, 2 Grammo- vbone, 1 Rauchtisch, verschiedene ^laichen Autopolitur,! Kredenz, Kochtöpfe,Kaffeekannen, Kaffeekessel, Eimer, Schüsseln, Milch- tövfe, Waschkessel, Butterkühler, Svannsägen, Kasserollen, Kar- toffelauetschen, Wärmflaschen, funkelten, Schoßkaffeemühlen, Bettecke, Herdputz, Thermos- slaschen, Jauchepumve, Schlittschuhe, Leim. 1936d II.Bestimmt (im Versteigerungs- lokal Löwen, Neuenweg 28): 1 Schreibtisch, Schreibmaschine, verschiedeneHaushaltunjzsgegen- stände, und zwar: Emarll. Kochtöpfe,Kaffeekessel, Kaffeekannen, Kuchenformen, Bratpfännchen, Feldflaschen,Wärmflaschen,Heugabeln, Thermosflaschen, Milch- tövfe, Zinkeimer, Zinkwannen, 1 weißemaillierter Herd,2 Oefen, 1 Mantelkessel, 1 Rodelschlitten. Sämtliche Haushaltungsgegenstände sind neu und ungebraucht. rnsll Gerichtsvollzieher in Gießen, Ludwigstratze 33, Telephon 3239. Sie sparen 20000 Zündhölzer I Platindauerzünder Feuer aus der Luft Ewiges Streichholz Paientamti. gesch. Brennt unabhängig, ohne Benzin, ohne Feuerstein. Garantiert kein Versagen. 1 Sldc. 1.50, 5 StA. 5.30 RM. 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April, v. 9-1 Uhr ______und von 3-5 Uhr. meD Höhere Privatschule Gießen (Lahn),Wernerwail 15 Oberrealschullehrplan, realgymnasiale und gymnasiale Kurse. Gründliche Vorbereitung auf alle Schulprüfungen CObersekunda- reife, Keifeprüfung). Tägliche, gewissenhaft beaufsichtigte Arbeitsstunden. Aufnahme in alle Klassen (auch Sexta) jederzeit. ie25P Sprechstunden täglich von 11 Vs bis 13 Uhr. — Fernsprecher 2129. Die Schulleitung: Dr. Fuchs (Sin kräftiger Zunge angekommen Or. med. Hermann Decker und Frau Hildegard, geb. Rausch Gießen (z.Z. Universitäts-Frauenklinik), den 2.April49)5 1949 D 19390 Ala Anzeigen-Aktiengesellschaft Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen und Zeitschriften Gießen /Schulstraße 1 des Schuldenregelungsgesetzes eingestellt. Gießen, den 28. Mürz 1935. Amtsgericht. niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii 3»e(W2)e!ämphingoer Schwarzarbeit tonnen Arbeits-Ange, bote von Handwerkern nur mit Tlamensnen- nung u. unter Vorlage desGewerbenachweyes aulgenommen werden, »erlag besGtebenerArueiaers IIIIHIII llllllllllllllllllllt Mercedes Mk. 182.- schonf.montl. M.7.90 FranzVoßtACo., Gießen Seltersweg 44 krga Lw. E. 52 (a) / 34. Betr.: Landwirtschaftliches Entschuldungsverfahren Waller Müller III. Eheleute in Virklar. Beschluß. Das Entschuldungsverfahren wird nach erfolgter Zurücknahme des Antrags der Schuldner gemäß § 21 Oberhemden-Popeline Neue Streifen und Karos, nur beste süddeutsche Fabrikate. Alles „echt Indanthren“ per Meter Mk. 1.35 1.25 1.10 0.98 0.88 Stoff-Spezialhaus öernaro & !>ohn Mstr.u-ie _________________________________________________________________ 1938 A besonders preiswert! CARLIMawarx UNHABER: CARL HEINZ SCHLÜTER GIESSEN SELTERSWEG 81 MsiphlÜQQP Von3 bis 20v*H‘erhalten Sie boi wieder- lidLIlBuuüU holten Veröffentlichungen einer AnzeigeI SELTERSWEG N269 Fernsprecher Nr. 2373 1672 D Nr. 79 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Mittwoch. 3. April (935 X \ 'WW 9JLch hatte in den letzten Tagen hin unb wieber so ein bißchen Stechen, ba bekam ich Angst um meine kostbare Gesunbheit unb habe mir versichern lassen, baß ich nicht umzubringen sei. Auch ein Trost! Nichts Statt jeder Antwort neigte Pöttmes sein Gesicht über ihre Hand. „Verzeihen Sie, Klaudine." Er wußte nur zu gut, weshalb sie Sanitätsrat Hauck ausgesucht hatte. Daraufhin bekam er seine Post. Unb während Niels sich in die Briefe vertiefte, die Bob ihm nach- geschickt hatte, tuschelte und wisperte Klaudine ununterbrochen mit Barthelmes, ber mit Schüsseln und Tiegeln napperte. Sie lachten und kicherten und steckten bie Köpfe zusammen. „A Muserl hätt' i iahm g'macht. — Einen Kinberbrei", wieberholte er auf Hochbeutsch. „Aber er hat koan Gusto b’rauf g'hadt. Wirb er 'leicht jetzt an Hunger friagt hob'n?" Geruch von gebratenem Huhn unb Aepfeln zog verlockenb burch bie Stube. Pöttmes schnupperte in ben Raum, unb er schielte nach ben beiben hinüber, bie kaum mehr ein Auge für ihn hatten. Einmal kam Klaubine mit roten Backen an ben Tisch unb nickte ihm zu. Er strich behutsam über ihre Finger unb fragte leise. „Was kriege ich benn Gutes?" „Kinberbrei!" Mit biefer Auskunft mußte er sich begnügen. Dann aber aß bas Trio, als hätte es seit Wochen nichts mehr gehabt: Gebratenes Huhn, gebünftete Aepfel unb Regententorte. Dazu gab es einen gol- benen, halbsüßen Terlaner. Pöttmes rauchte von ben Zigaretten, bie Klaubine mitgebracht hatte, unb Barthelmes stopfte sich um zehn Uhr noch einmal seine Pfeife von bem „guaten" Tabak, ber ebenfalls aus Bruck importiert worben war. Der Wein machte Klaubine gesprächig. Sie erzählte alle Etappen bes verflossenen Tages, wie sie bie Nase an jebes Schaufenster gebrückt hatte, ihre Suche nach einem fetten Brathuhn, schließlich von bem alten wunberlichen Sanitätsrat Hauck. Unb bann bie Heimfahrt! Auf halbem Wege sei eine Wagensptiche kaputt gegangen. Nach vieler Mühe habe man sie gemeinsam wieber in Drbnung gebracht. Einmal sei bas Hanbpferb bis an ben Bauch iy ben Schnee eingebrvchen, unb als es sich bann wieber herausgearbeitet hatte, seien ihre Skier nicht mehr auf bem Schlitten gewesen. Inbes sie bie Pferbe hielt, habe ber Kutscher bie an einem Latschenstrauch hängengebliebenen Bretter wieber zurückgeholt. Klaubine blickte Pöttmes von ber Seite an. „Ich habe keinen trockenen Faben mehr am Leibe gehabt, als ich hier ankam." Da neigte Niels sich zum zweitenmal an biesem Abenb über ihre Hanb. - Der alte Barthelmes begriff nicht, warum bas Lächeln, bas babei um Klaubine? Munb glitt, so über bie Maßen schmerzlich war. Nach Haslbach kam ein Telegramm, bas die beiden lakonischen Worte enthielt: „alles verloren Henriette." Bob hatte sich zur Nachmittagsruhe auf dem Divan ausgestreckt, als Luzie zu ihm ins Zimmer gestürzt kam. „Lies das!" Er sprang auf, las unb sah Luzie kopfschüttelnb an. „Ich verstehe bas nicht!" „Ich auch nicht," erklärte sie und setzte sich mit zitternden Knien neben ihn. „Was ist benn ver- lorep9 Wa^um Pacht sie's benn so geheimnisvoll? Wenn sie ein einziges Wort mehr depeschiert hätte. wüßte man's." Plötzlich wurde Luzie ganz blaß und fragte hastig: „Hat Henriette — hat deine Mutter — Geld in Hamburg angelegt gehabt?" „Ich weiß es nicht." „Bob, ob sie vielleicht spekuliert hat?^ „Ich weiß es nicht, Luzie." „Wein' doch nicht!" bat er, als sie in Schluchzen ausbrach. „Ich zerbreche mir ja ohnehin den Kopf, was Mama damit meinen könnte, aber ich finde es nicht. Es kann sich nur um Geld handeln", setzte er dann hinzu. „Was wäre es sonst, als Geld? Geh' du", bat er, als im Herrenzimmer das Telephon klingelte. ,^Jch kann jetzt nicht reden." Es war Henriettes Münchener Bankier, der anfragte, ob er die gnädige Frau für einige Minuten sprechen könne. „Die Mama ist verreist", antwortete Luzie mit noch unsicherer Stimme. Wohin sie gefahren wäre? Was geht ihn das an? dachte sie. „Wir haben eben ein Telegramm bekommen." Ob er wissen dürfe, was die gnädige Frau depeschiert habe? Das gnädige Fräulein habe sicher schon von dem großen Krach der Hamburger Bank gehört. Die Verluste gingen in die Millionen. „Ja", stammelte Luzie. „Ja —" bann fiel ihr ber Hörer aus ber Hanb. Der Bankier konnte sich benfen was er wollte. — „Bob! — Bob!" Er kam im Laufschritt bie Treppe herab. „Die Amstelbank ist verkracht! Ich muß mich setzen — komm, setz bu bich auch." Gewaltsam zog sie ihn neben sich auf bas Sofa unb faßte nach feiner Hanb. Bob war sehr blaß. Ein paarmal wollte er zu sprechen beginnen, schüttelte ben Kopf unb preßte bie Lippen wieber zusammen. „Ich werbe natürlich zu ftubieren aufhören", würgte er enblich hervor. „Das geht jetzt nicht mehr. Wenn ich nur wüßte, wo unterkommen?" „Unb Haslbach?" fragte Luzie bagegen, währenb ihr bie Tränen ununterbrochen über bie Wangen liefen. „Glaubst bu, baß es sofort unter ben Hammer kommen wirb? Henriette kann uns boch jetzt bie Hypothekengelber nicht mehr zinslos überlassen. Unb bie Steuern unb bie Löhne bezahlen unb alles anbere! — Mein Gott, Bob. wie soll denn das werden, wie denn?" „Ich weiß es nicht." „Du weißt es nicht! Du weißt überhaupt nichts! Du bist eben ein Idiot!" Sie entriß ihm ihre Hand, stutzte, als sie in fein Gesicht sah, und schob ihre Finger wieder zwischen bie seinen. „Verzeih, Bob!" Sie legte bie Wange abbittenb gegen seine Schulter. „Ich hab's wirklich nicht so gemeint. Der „Jbiot" ist mir nur so herausgerutscht. Unb baß bu zu studieren aufhören willst, ist Unsinn. Du hast doch deinen Bruder. Und wenn's der nicht bezahlen will, bezahle ich's. — Jawohl!" sagte sie trotzia. als er lie pngläubig ansah. „Ich geb’ einfach in Stellung Als Kindermädchen Ober Verkäuferin ober so. Für Essen brauch' ich nicht viel. Das anbere kriegst alles bu." „Ach, Luzie! Wenn ich ..." „Laß mich boch erst fertigsprechen", fiel sie ihm gereizt ins Wort. „Deine Wäsche kann ich bir auch waschen, unb was bu noch sonst hast. Unb bein Zimmer aufräumen." Weiter kam Luzie nicht mehr, benn Bob hielt sie plötzlich in feinen Armen. Sie wollte sich wehren, blieb bann ganz still unb brückte ben Kopf an ihn. „Vielleicht wirb's gar nicht so schlimm, Bob! Wein' boch um Gottes willen nicht! Wein' boch nur nicht! — Nicht!" stammelte sie unter feinen Küssen. Es bauerte lange, bis Bob Pöttmes ihren Munb frei- gab. Bob ließ seine Finger burch ihr Haar spielen unb sah mit hochrotem Kovf auf bas Mäbchen herab. „Niels muß sich für mich um eine Stellung umsehen, er hat so viele Verbinbungen. Unb wenn ich bann irgenbroo festsitze, heiraten wir." Den Munb halb geöffnet, strahlte sie zu ihm auf. „Zwei ober brei Jahre kann ich immer noch warten. Ich bin ja erst Siebzehn gewesen." „Aber bu barstt nicht Kinbermäbchen werden ober Verkäuferin!" stieß er hervor. „Nur solange bu keine Stellung hast unb nichts verdienst, Bob. Du wirst sehen, wie ich spare, wenn ich deine Frau bin. Wir bringen’s schon wieder zu etwas. Ein kleiner Hausstand macht einem überhaupt weniger Sorgen." Er sagte „Ja", küßte sie, unb horchte nur mit halbem Ohr, was Luzie noch alles für ihn tun wollte. In seinem Gehirn war ein Chaos. Er wälzte Pläne hin unb her, ließ sie wieber fallen unb entwarf neue. Er liebte Niels sehr. Aber in biesem Augenblick war ihm ber Bruber ferngerückt wie noch nie. Dessen Reichtum unb feine Armut — bas war wie eine stählerne Wanb, bie sich plötzlich zwischen sie beibe schob. Unb er war nun einmal arm! Die Mutter war arm, Klaubine, Luzie, alle waren sie Bettler geworben. „Ich fürchte mich, wenn bu so vor bich hinstarrst", wisperte Luzie zu ihm auf. „Soll ich der Klaudine schreiben, daß sie kommen möge?" „Wozu benn?" meinte er resigniert. „Auch beine Schwester vermöchte nichts mehr an dem finanziellen Zusammenbruch zu ändern. * So kam es, daß Niels Pöttmes unb Klaubine einen heiligen Abenb auf ber Karrer-Hütte verlebten, wie er sich frieblidjer, schöner unb erhabener nicht mehr hätte verleben lassen. Barthelmes hatte eine kleine Tanne aus ber Wölbung unten geholt. Einer ber Almhofknechte brachte von Bruck herauf Brief- unb Paketpost. Er konnte einen Fluch nicht unterdrücken, als er bie Labung auf die Hüttenbank stellte. „Druckt bat bös Zeig — fan leicht Stoana br»n9 A so a G'wicht hat 's g'haht, bö« Teuftlsg'lump!" (Fortsetzung folgt!) gekommen. Die Deutschen errangen auf Grund ihrer besseren Technik und größeren Stocksicherheit einen verdienten Sieg. Holland ging in der 10. Minute durch die Mittelstürmerin Gridsven in Führung. Fünf Minuten vor der Pause glich Frau Keller aus urob drei Minuten später hieß es durch Frl. Mauritz und Frl. Hargus bereits 3:1 für Deutschland. Auch Holland kam vor der Pause noch zu einem Treffer. Nach dem Wechsel schoß Frau Keller das vierte Tor und später auch den fünften Erfolg. Nach dem vierten deutschen Tor kam Holland auf einen deutschen Verteidigungsfehler hin zu seinem dritten Treffer. Die deutschen Frauen konnten gut gefallen. Bei Holland war die Läuferreihe der beste Mann- schaftsteil. Kurze Sportnotizen. Reichswehrmini st er Blomberg hat angeordnet, daß ab 1. April auf die Dauer eines Jahres auf Geldpreise, die bei Turnieren von Dienstpferden der Kavallerieschule Hannover gewonnen werden, zu Gunsten des Nächstplazierten Pferdes aus Privatbesitz oder einer Formation des Reichsheeres verzichtet wird. Das Endspiel um den Deutschen Handball- Pokal zwischen den Gaumannschaften von Brandenburg und Nordmark wird am 14. April in Magdeburg auf dem Platze des dortigen Polizei- Sportvereins ausgetragen. Die Streckenführung zum Deutschland- Flug 1935 sieht sechs Tagesstrecken vor: insgesamt werden etwa 5500 Kilometer zurückgelegt. Start und Ziel befinden sich in Berlin-Tempelhof. Die Zielorte der einzelnen Tagesflüge sind .Guben, Königsberg, Bremen, Freiburg, Erfurt und Berlin. Finnlands Turnverband hat die Deutsche Turnerschaft für den 4. November zu einem Länderkampf nach Helsingfors eingeladen. Ob die DT. zusagt, sicht noch nicht fest. Ein Länderkampf gegen Finnland war schon 1934 vorgesehen, wurde aber von Finnland adgosagt. Der Deutsche Tennisbund gab seinen Terminkalender für die neue Spielzeit bekannt, der zahlreiche Veranstaltungen enthält. Der Davispokal- kampf gegen Italien wird vom 8 bis 10. Juni in Berlin ausgetragen, die Junioren-Meisterschaften finden vom 13. bis 16. Juni in Frankfurt a. M. statt, die Nationalen Deutschen Meisterschaften werden vom 24. bis 28. Juli in Braunschweig, die Internationalen Meisterschaften vom 3. bis 11. August in HcuMmrg, die Senioren-Meisterschaften vom 2. bis 4. August in Bad Pyrmont ausgetragen. Finnland wird sich im Mai in Brüssel bei der Tagung des Olympischen Komitees um die Olympischen Winterspiele 1940 bewerben. Da sonst alle Anzeichen dafür sprechen, daß die Olympischen Spiele 1940 Japan übertragen werden, scheint trotz des gegenteiligen Beschlusses von Oslo doch mit einer Teilung der Spiele zu rechnen sein. 1928 waren die Olympischen Spiele bekanntlich auch geteilt, die Hauptspiele fanden in Holland, die Winterspiele in der Schweiz statt. „Sefac", der neue französische Rennwagen, wurde bereits für den Großen Preis von Monaco am 22. April in Monte-Earlo genannt. Lenker des Wagens wird der Franzose Lehiux sein. Außerdem wurden bisher noch zwölf Meldungen abgegeben, und zwar drei von Drer- cedes-Benz von Earacciola, v. Brauchitsch und Fa- gioli, vier von Alfa-Romeo, vier von Maserati und eine von Bugatti. In Birmingham trug am Wochenende eine aus den besten Spielern der deutschen JG.-Sport- vereine gebildete Hockey-Auswahlmannschaft zwei Spiele aus. Gegen die Mannschaft der „Imperial Chemical-Jndustries" verloren die Deutschen 2:3, während sie den Kynocks-Club Birmingham mit 5:0 besiegten. Italiens Degenfechter gewannen in Nizza den Gautier-Vignal-Pokal. Im letzten Kampf siegten die Italiener mit 8:3 über Frankreich. Den zweiten Platz belegte Belgien vor Frankreich und i Deutschland. William Tilden wird bei seiner im Som-1 mer erfolgenden erneuten Europareise das Feld seiner Tätigkeit mehr nach dem Osten verlegen. Den ersten Schaukämpfen in Polen, an denen Tilden, Lott, Stoeffen und Vines beteiligt sein werden, schließt sich eine mit Unterstützung der russischen Regierung stattfindende Schaukampsreife durch alle russischen Großstädte an. M i t einem A u ß e n s e i t e r s i e g endete vor 250 000 Zuschauern die Grand National-Steeple- chase in Liverpool, das schwerste Rennen der Welt. Sieger wurde Reynoldstown unter dem Herrenreiter, während der ungeschlagene Favorit Golden Miller in der ersten Runde stürzte. Wirtschaft. Die Zndustrie- vnd Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 528: Durchführungsverordnung über die Einfuhr von Waren aus Frankreich. Einfuhrbewilligungen im zweiten Vierteljahr 1935. 529: Die ersten offiziellen belgischen Wechselkurse. 530: Umsatzsteuerumrechnungssätze für März 1935. 531: Aenderung der Gebührenordnung der Ueber- wachungsstelle für Lederwirtschaft. 632: Kurstafel für den Personen-, Gepäck- unb Expreßgutverkehr mit dem Auslande ab 1. April 1935. 533: Einstellung des Postanweisungsverkehrs nach Luxemburg. Mein-Mamische Mittagsbörse. Leicht nachgebend. Frankfurt a. M., 2. April. Nach der lebhaften Aufwärtsbewegung des gestrigen Tages zeigte die heutige Börse bei Eröffnung kein einheitliches Bild und vor allem wesentlich geringere Umsätze. Die Kundschaft trat zunächst noch in kleinem Umfange als Käufer auf, da die Erlöse aus Zinsen und sonstigen Rückzahlungen anläßlich des Kupon- termins weitere Anlage suchten, dagegen nahm die Kulisse auf der stark erhöhten Basis überwiegend Realisationen vor. Indessen blieb die feste Grundtendenz erhalten, zumal günstige Nachrichten aus der Wirtschaft und Industrie einige Anregung gaben. Viel Beachtung fand hierbei der Abschluß der dem Deutschen Reich gehörenden Elektrowerke AG. mit 6 (i. V. 5 v. H.) Dividende. An den Aktienmärkten bröckelten die ersten Kurse bei etwas uneinheitlicher Entwicklung überwiegend um 0,50 bis 1 v. H. ab. Durchweg etwas leichter lagen Montanaktien, wobei Klöckner 1, Mannesmann 0,75, Stahlverein 0,65, Rheinftahl und Buderus je 0,13 v. H. verloren. Anderseits blie- beu Mansfelder Bergbau auf Dividendenhoffnungen gesucht und zogen auf 102,90 (101,50) an, ferner lagen Otavi Minen erneut 0,50 Mark höher. Chemische Werte lagen uneinheitlich. Weiter befestigt waren Scheideanstalt mit 215 (213,50) und Deutsche Erdöl mit 108,40 (107,25). IG.-Farben setzten mit 147,75 unverändert ein, ebenso Metallgesellschaft mit 97, ließen aber bann auf 147,50 dzw. 96,50 nach. Am Elektromarkt waren Licht unb Kraft noch fest und auf 126,13 (125) erhöht. Schultert blieben mit 106,25 gut gehalten, während Be- kula erneut 0,75 v. H., ferner AEG. und Mainkraft je 0,75 v. H., Siemens und Gesfürel je 1 v. H. verloren. Don Zellstoffaktien erhöhten sich Waldhof auf 118, (117,25), Aschaffenburg blieben mit 84 behauptet. Sonst eröffneten u. a.: Reichsbank 162,50 (161,50), Allg. Lokal und Kraft 124,13 (122,25), Eßlingen Maschinen 75,50 (74,50), Daimler Motoren 93,25 (94,50), Cement Heidelberg 119,40 (119,25), Westdeutsche Kaufhof 35,25 (36,25), Junghans 90,50 (91,50), Moenus Maschinen 84,75 (85). Behauptet laaen Hanfwerke Füssen (83), Deutsche Linoleum (115), Hapag (34,65). Am Rentenmarkt war das Geschäft in den variablen Werten klein. Gesucht waren Zinsvergütungsscheine mit 89,50 (89,30). Altbesitzanleihe mit 112,75, späte Reichsschuldbuchforderungen mit 96,25, 6proz. Stahloerein-Bonds mit 99,65 und Kommunal-Umschuldung lagen unverändert. Bei weiter schrumpfenden Umsätzen bröckelten die Kurse auch in der zweiten Börsenstunde weiter mäßig ab. Im Durchschnitt betrugen die Rückgänge 0,50 v. H. IG.-Farben gaben bis auf 146,75 nach, zogen bann wieder auf 147,13 v. H. an. Conti Linoleum Zürich gingen auf 144,75 (147), Südb. Zucker auf 163,50 (164,50), Harpener auf 106 (107) unb Felten trotz ber Dividendenaussichten auf 88,50 (90) zurück. Fest lagen anberfeits auf Abschlußerwartung Lechwerke Augsburg mit 99,90 (98), ferner gewannen Kaliwerte 1 bis 2 v. H unb Elektr. Lieferungen fliegen auf 110,50 (109,75), womit sie ihren kürzlich abgegangenen Dividendenabfchlag wieder eingeholt haben. Am Rentenmarkt ergaben sich keine Veränderungen von Belang, Altbesitz zogen noch leicht an auf 112,90 nach 112,75. Stadtanleiben notierten bei Abweichungen von 0,50 v. H. uneinheitlich, während am Pfandbriefmarkt die Kurse teilweise 0,13 bis 0,25 v. H. zurückgingen. Im Freiverkehr nannte man u. a.: NSÜ. 23,50 (22,25), Pokorny 104,50 bis 105,50 (104). Kleyer 92 bis 92,50 (94). Tagesgeld lag mit 2.75 (3) v. H. sehr leicht. Abendbörfe behauptet. Mangels geeigneter Anregungen lag die Abend- börse recht still. Die Kulisse verhielt sich abwartend, auch die Kundschaft übte Zurückhaltung. Die im Mittagsnachbörsenverkehr eingetretenen leichten Erholungen blieben behauptet, gegen den Berliner Schluß war die Kursentwicklung bei allerdings nur geringfügigen Veränderungen etwas uneinheitlich. Der Sternhimmel im April. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Sonnenaufgang von 5.40 bis 4.30 Uhr. Sonnenuntergang von 18.30 bis 19.20 Uhr. Lichtgestalten des Mondes: 1. Viertel am 10. um 19 Uhr. Vollmond am 18. um 22 Uhr, letztes Viertel am 26. um 5 Uhr. In der Nacht vom 21. zum 22. bald nach Mitternacht bedeckt der Mond den Hellen Stern Antares im Skorpion. Ist auch die Beobachtung durch die nicht 3000 Grad betragen dürfte; er gehört zu den sog. „roten Riesen". Ein noch wichtigeres Ereignis als die Bedeckung dieses Sternes ist die Gegenstellung des Mars zur Sonne, die am 6. April eintritt. Nur bei solchen Gelegenheiten kommt uns dieser Wandler so nahe, daß genauere Untersuchungen Erfolg versprechen, und diese Gelegenheit tritt nur alle zwei Jahre und zwei Monate ein. Da heißt es also allemal, die Wochen unmittelbar vor und nach der Gegenstel- lung gut ausnutzen, und so werden sich auch dies- str! STERNBILDER: .10, STABEN i6. tonne '22. •23] SS Mars @ Jupiter ^^Saturn Mond: j) 7. Werfe/ @ Vollmond d letztes Viertei Sterne: Kleine Buch- v staben späte Stunde und auch durch die Helligkeit des Mondes (drei Tage nach Vollmond) erschwert, so rechtfertigt diese „Bedeckung" doch wohl, daß wir uns diesen Stern etwas näher ansehen. Er gehört zu den sehr wenigen Sternen, bei denen es gelungen ist, die scheinbare Größe des Durchmessers zu messen, wozu allerdings ziemlich schwierige Ueberlegungen nötig waren. Dieser scheinbare Durchmesser des Antares beträgt den 25. Teil einer Bo- genjefunbe, das ist die Große eines Millimeters, wenn man ihn aus einer Entfernung von 5 Kilometer oder einer Wegstunde betrachtet. Aber da er nicht weniger als 125 Lichtjahre entfernt ist, so ist seine wirkliche Ausdehnung so groß, daß die Erde in ihm ihren Umlauf um die Sonne ausführen könnte. Trotz dieser riesigen Große ist seine Leuchtkraft doch nur etwa 30Ömal so groß wie die unserer Sonne; dies hängt wieder mit seiner geringen Wärme zusammen, die an seiner Oberfläche noch Der die 24 Stundenzahlen von Mittet* nacht bis Mitternacht eines Tages ent• haltende Kreis und die dick punktiert9 Linie, der sogenannte Horizont, sind fest• Stehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zei* ger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sicht* baren Sterne. Unsere •Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo* natsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hin* ei^gedreht. Für je 5 Tage vor der Mo* natsmitte ist der gerade Pfeil V3 Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monats* mitte V3 Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellun* gen ein, wenn er die angedeutete Licht» gestalt zeigt. mal zahlreiche Sternrohre auf unfern roten Nach« bar in der Sonnenwelt richten. Es ist zu hoffen, daß sich so unsere Kenntnis von diesem für die Erforschung günstigsten Wandler mehren werden. Während des ganzen Monats ist der Mars die ganze Nacht über sichtbar; er bewegt sich rückläufig in der Jungfrau; etwas länger läßt der Jupiter im Sternbild der Waage auf sich warten. Noch Heller als er ist die Venus als Abendstern, die gegen Ende des Monats etwa drei Stunden lang erstrahlt, wobei sie sich den Plejaden nähert. Am Fixsternhimmel bringt der Monat den endgültigen Uebergang vom Winter- zum Sommerhimmel. Vom großen Wintersechseck von der Ca- pella bis zum Sirius ist nicht viel übrig geblieben, und die geringsten Reste werden immer mehr zum westlichen Horizont gedrängt. Im Osten dagegen steigt das „Frühlingsdreieck" Arctur, Wega und Spica zu immer ansehnlicheren Höhen empor. Von Montanwerten gaben Rheinstahl auf 106,13 (106,75) nach, kleines vorliegendes Angebot in Stahlverein wurde ausgenommen. Elektrowerte gaben z. T. weiter nach, besonders Licht & Kraft auf 124,50 (125,75), ferner waren von Schiffahrtswerten Hapag mit 34,25 bis 34 etwas schwächer. Von Auslandsaktien zogen Chade A bis C auf 232 (230) und IG. Chemie Basel volle auf 172 (171,50) an. Am Rentenmarkt war das Geschäft ebenfalls klein. Etwas fester lagen Kommunal-Umschuldung sowie einige Gold- und Liquidationspfandbriefe. Zinsvergütungsscheine bröckelten auf 89,40 (89,50) ab. Am Kasfamarkt gingen DD.-Bank und Dresdener Bank um je 0,50 v. H. auf 90 zurück, Commerzbank lagen mit 88 unverändert. U. a. notierten: Altbesitz 112,75, 5,50 v. H. Franks. Hyp.-Bank Liquid. 100,13, 5,50 v. H. Franks. Psandbriesbank Liquid. 100,50, 4,50 v. H. Rhein. Hyp. Gold R. 35 bis 39 95,50, Reichsbank 161,50, Harpener 105,75, Mansfeld 102, Rheinstahl 106,13, Stahlverein 81,75 bis 82, AKU. 52,50, AEG. 37,40, Chade A bis C 232, Daimler 93,25, Scheideanstalt 214,50, Licht & Kraft 124,50, IG. Farben 147,90 bis 147,75, Gesfürel 121,25, Moenus Maschinen 84,50, Rheag 119, Schuckert 105,50, Siemens 153,50, Westdeutsche Kaushof 34,50, Südd. Zucker 164,25, Reichsbahn-VA. 121,40. Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M., 2. April. Arn Gemüsemarkt blieben die Zufuhren von Feldsalat, Karotten, Rote Rüben, Weiße Rüben und Weißkraut gut. Spinat war stark angeboten, der Absatz war o.üqemein gut. Deutscher Kopfsalat (Mistbeet) war reichlicher angeboten, die Nachfrage hat sich gebessert. Die Preise waren allgemein rückläufig. Ausländischer Blumenkohl und Kopfsalat gut angeboten, Verkauf befriedigend, Preise gefallen. 11. a. notierten in Pf.: Blumenkohl Steige 12 und 18 Stück 325 bis 400 ital, Feldsalat Freiland 24 bis 35, do. Mistbeet 45 bis 50, Gewürzei 30 bis 35, Karotten 5 bis 6, Kopfsalat (Mistbeet) 20 bis 25, ausl. Kopfsalat Steige 24 Stück 300 bis 350 span., do 30 Stück 450 bis 500 holl., Lattich 50 bis 60, Meerrettich 30 bis 35, Rote Rüben 3 bis 3,5, Rotkraut 14 bis 18 holl., Sellerie je nach Große 5 bis 28, Spinat 10 bis 14, Weißkraut 5 bis 6, 4,5 bis 6 holl., Wirsing 10 bis 14, Weiße Rüben 3 bis 4, Zwiebeln 11 bis 12. Am Dbftmarft blieben deutsche Aepfel ausreichend angeboten. Bei guter Nachfrage lagen die Preise unverändert. Amerikanische Aepfel sind schwer verkäuflich. Apfelsinen waren bei befriedigendem Verkauf gut angeboten, Preise unverändert. U. a. notierten in Pf.: Aepfel I 35 bis 40, II 25 bis 30, Boskop I 35 bis 40, Roter Eifer 25 bis 28, amerik. Aepfel rot 1450 bis 1600, 1600 bis 1800 gelbe je 40 Pfund, Apfelsinen blond 17 bis 20 span., Blut 19 bis 25 span., 28 bis 32 ital., Zitronen 280 Stück 850 ital. Rindermarkt in Gießen. Auf dem gestrigen Rinder-Nutzviehmarkt in Gießen standen 860 Stück Großvieh, 197 Fresser und 180 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 370 bis 500 RM., 2. Qualität 260 bis 350 RM., 3. Qualität 130 bis 180 RM. Schlachtkühe a) 180 bis 360 RM., b) 90 bis 150 RM. Rinder einhalb- bis dreivierteljährig 80 bis 120 RM., dreiviertel- bis zweijährig 125 bis 200 RM., ragend 200 bis 400 RM. Kälber, das Pfund Lebeydgewicht 22 bis 32 Pfennig. Ausgesuchte Tiere über Notiz. Marktverlauf: lebhaft, kleiner Ueberftanb, Fahrvieh besonders gesucht. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v.H. Frankfurt a.M. Senin Frankfurt a. M Serkin Schluß- kurü Echlußt. Abmdbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag- börie Schluß» kvrs Schluyt. Abend- börs? Schluß« lurs Schlußk. Mittagbörse Datum 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 6%% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 14 96,25 I 103 I 112,75 99,4 96,5 95,75 100 114,75 95,5 100 100,4 96 96 105,9 25,5 1 7,2 6,75 10,25 8,5 2 4 100,5 96,25 103,13 112,75 99,5 97 95,75 99,9 114 95,5 100 100,5 96 96 105,9 26,75 1,15 7,3 6,65 6,9 10,2 8-5 14 100,13 96,25 103 112,5 99,65 96,5 115,13 95,25 110,5 96 96 105,9 25 7,13 10,3 2 4 100,13 96,25 102 112,75 99,6 97 114,5 101 96 96 105,9 27 1,2 7,4 6,65 6,95 10,5 Datum 4% desgl. Serie 11 ............ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4'/2%Rumän.vereinh.Nentev.i913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2)4% Anatolier .. 1 4 8,5 4,4 6,75 4,1 32,75 34,65 35,75 82,5 109,25 88 90 90 161,5 38,25 137,75 109,5 125 122,25 119,75 156 124,25 97 107,25 107 125,75 94,25 84 2 4 8,5 4,3 6,75 4,2 32,25 34 35,75 82,75 110 88 90 90 161,5 37,4 137 110,5 124,5 88,5 121,25 119 105,5 153,5 122,5 96,5 107 105,75 156 127,5 92,5 82 1 4 4,3 6,65 4,15 33 34,75 28,25 35,75 82,75 109,5 88 90 90 160,75 38,25 138,9 110,5 125 90 121,9 119 106,5 155,5 123,25 97,25 107,13 107 96,5 127 94.5 83 2.4 4,35 6,5 4,25 32,25 34 28 35,13 82,65 109 88 90,5 90,5 161,4 37,25 137 111,5 125,75 88,5 121 118,75 105 153,75 122,65 96 106,75 105,9 95 156 129 93 82 4lli% Deutsche Reichspostschatzanweisungen von 1934, I....... Hamburg-Amerika-Pakel .....o Hamburg-Südam. Dampfschiff. O Norddeutscher Lloyd .........O A.G. für Verkehrswesen Akt. .. O Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz- und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................o Dresdner Bank..............O Reichsbank ........ 12 A.E.G......................O Bekula.................... 10 Elektr. Liefcrungsgcsellschafi... 5 Licht und Kraft ........... 6'/, Felten L Guilleaume.........0 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........5 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co............... 4 Siemens 8 Halske............7 Lahmeyer L Co.............. 7 6% ehern.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 4Yi% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12...... 5y>% ehem. Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Lioui ... 4y2% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten *y2% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6y2% ehem. 4J/2% Franks. Hyp.- 5’/2% ehern. 4J/2% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpse..... 4V2% ehern. 8% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4yt% ehem. 7% Pr. Landespfand- briefanst., Gold Komm. Lbl.V Steuerautsch.Verrechnungsk. 35-39 4% Oesterretchische Goldrente... 4,20% Oesterretchische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... Deutsche Erdöl..............* Gelsenkirchener............... Harpener................T. y 4% Ungarische Staatsrente v. 191C 4%% desgl. von 1913......... Hoesch Eisen—Köln-Neuessen.. ö Ilse Bergbau ............... e Ilse Bergbau Genüsse ........ 6 Klöcknerwerke......... gyx Mannesmann-Röhren........ 0 5% aßgeft" Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1.................... Frankfurt a. M. Berlin Schluß» kurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittagbörse Datum 1.4 *4 1 4 2 4 Mansfelder Bergbau .. .......0 101,5 102 101,75 101,75 Kokswerke........... .......6 —— —— 109 —— Phönix Bergbau...... .......O — — — — Rheinische Braunkohlen .....12 211,5 211 211,75 211,65 Nheinstahl........... .....3’/2 106,75 106,13 107,13 106.75 Vereinigte Stahlwerke. .......O 82,75 81,75 82,65 81,75 Otavi Minen ........ .......O 14,5 15 14,5 14,25 Kaliwerke Aschersleben. .......5 112 112,5 112 113,25 Kaliwerke Westeregeln. .......5 113 113 114 112 Kaliwerke Salzdetfurth .....7'/- — 154 156 153,75 I. G. Farben-Jndustrie .......7 147,75 147,9 148 147,75 Scheldeanstalt........ .......9 213,5 214,5 — —- Goldschmidt ......... .......O 103 102,5 103,25 102,65 Rütgerswerle ........ .......4 110,5 110 111,25 110,4 Metallgesellschaft...... .......4 97 93,5 97 96,75 Philipp Holzinann .... .......O 89 89,75 1 90,13 89 Zementwerk Heidelberg ......5 119,25 119,4 - - Cementwerk Karlstadt.. .......4 119 - - Schultheis Patzenhofer .......4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg...................0 Zellstoff Waldhof ............0 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Has...............7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum...........6 Orenstein L Koppel.......... 0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade......................0 Accumulatoren-Fabrü.......12 Contt-Gummt...............8 Gritzner....................O| Mainkrastwerke Höchst a-M...« * Süddeutscher Zucker.........9| — .— 106,25 107,5 52,75 52,5 52,65 52,65 117,65 117,25 116,5 117 117,5 117,25 117,5 117 84 83,75 83,75 84,25 — — 126,13 128,25 94,5 93,25 94,75 93 151 150,5 151,25 151 — —— 90,75 89,75 36,25 34,5 35,75 34,75 227 232 227 230 —- 160,5 160 161,5 150 — 150 151,5 37,5 37,25 38 36,75 94 93,75 - —— 164,5 164,25 163,5 164 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 1. April 2. April Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Buenos Air 0,658 0,662 0,658 0,662 Brüssel ... — — —— — Rio de Jan. 0,201 0,203 0,201 0,203 Sosta .... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen 53,25 53,35 53,72 53,82 Danzig ... 81,28 81,44 81,30 81,46 London... 11,925 11,955 12,03 12,06 Helsingfors 5,265 5,275 5,315 5,325 Paris .... 16,415 16,455 16,42 16,46 Holland .. 168,10 168,44 168,09 168,43 Italien... 20,58 20,62 20,58 20,62 Iavan.... 0,698 0,700 0,702 0,704 Jugoslawien 5,649 5,661 5,649 5,661 Oslo..... 59,94 60,06 60,47 60,59 Wien..... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.. 10,82 10,84 10,92 10,94 Stockholm. 61,50 61,62 62,04 62,16 Schweiz .. 80,72 80,88 80,72 80,88 Spanien.. 33,97 34,03 33,97 34,03 Prag..... 10,40 10,42 10,40 10,42 Budapest . — — Neuyork.. 2,491 2,495 2,492 2,496 Banknoten. Serlin,2.April Geld Brief Amerikanische Noten...... 2,444 2,464 Belgische Noten.......... 41,92 42,08 Dänische Noten ......... 53,51 53,73 Englische Noten ......... 11,995 12,035 Französische Noten....... 16,36 16,42 Holländische Noten....... 167,67 168,35 Italienische Noten........ 20,36 20,44 Norwegische Noten ...... 60,26 60,50 Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten....... —— Schwedische Noten....... 61,83 62,07 Schweizer Noten......... 80,34 80,66 Spanische Noten......... 33,50 33,64 Ungarische Noten........