Samstag, 2. November M5 185. Jahrgang Ur. 257 Erstes Blatt Gießener Anzeiger (Scherl-Bilderdienst-M.) Attentäter nicht ein japanischer Journalist, [tatter. Der Beweggrund seiner Tat soll Erbitte- ein- mit Für wird gebeten, um diese Zeit die Plätze genommen zu haben. Programm 20 Pfennig. Garderobe frei. Das anschließende gesellige Verweilen Tanz findet in einkachstem Rahmen statt. sehr preiswerte Speisen und Getränke ist gesorgt. ührt. Die französische Regierung beabsichtige, sich in London nach den Gründen für diese Maßnahmen zu erkundigen. Sie werde zweifellos die englische Regierung daran erinnern, daß die französische Unterstützung nur im Rahmen des Völker- bundsgeistes gewährt werden könnte, d. h. nur im Hinblick auf eine friedliche Regelung des Streitfalles. Die britische Admiralität fordere , jetzt von Frankreich Maßnahmen, die eine Mobiliier u n g der französischen Militärkräfte notwendig machen würden. Die Engländer hätten bereits in seiner letzten Rede vor der Internationalen Friedensgesellschaft gesprochen hat. Rur so wird man Kriegsursachen und zwischenstaatliche Störungsmomente rechtzeitig beseitigen können. Denn die Idee der Revision ist ein Bestandteil des Völker- lebens, der nicht ungestraft vernachlässigt werden kann. Die wirkliche konstruktive Politik hat die Ausgabe, solche Störungsfaktoren, mögen sie aus der Vergangenheit übernommen oder für die Zukunft zu erwarten sein, zu beheben und aufzulösen. Das ist der Sinn der „Revision unanwendbar gewordener Verträge". Die Politik der ehemaligen Siegermächte war so unfruchtbar, weil sie in diesem Reoi- sionsgedanken nur ein Mittel der nationalen Poli- fif sehen wollte. Wann wird man endlich begriffen haben, daß es hier um mehr geht, daß der Revi- sionsqedanke für die Gesamtheit wichtig und nützlich ist, nämlich als die Methode der Vermeidung von Konflikten? R a n k i n g, 2. Rov. (DRB. Funkspruch.) Wie sich bei der polizeilichen Untersuchung des Mordanschlags auf den chinesischen Ministerpräsidenten Wang- t s ch u n g w e i, dessen Befinden zu ernften B e - s o r g n i s f e n Anlaß gibt, herausgestellt hat, ist der Großer Abend der Reichskulturkammer im Opernhaus, Frankfurt a. M., heute abend vünktlich um 20 Nhr. Entgegen verschiedenen anderen Meldungen beginnt der Abend pünktlich um 20 Uhr. Ls Paris, 2. Rov. (DRV. Funkspruch.) Der erste Tag der diplomatischen Verhandlungen in Genf zwischen Laval und Aloifi und zwischen Laval und Sir Samuel Hoare hat nach den übereinstimmenden Berichten der pariser Presse keinen Fortschritt in den Bemühungen um eine Lösung des italienisch-abessinischen Streitfalles gebracht. Es wird festgestellt, daß England die von den englischen und den französischen Sachverständigen in Paris ausgearbeiteten Vorschläge ab- gelehnt und daß Atoisi nicht minder deutlich zu verstehen gegeben habe, Italien werde weder diese Vorschläge noch die ihm am Freitag von Laval gemachten Anregungen a n n e h m e n. Die französischen Berichterstatter vermerken weiter eine gewisse Versteifung des italienisch-englischen Verhältnisses, nachdem England nunmehr die Zurückziehung nicht einer, sondern dreier Divisionen aus Libyen zu fordern scheine, obgleich es sich zu einer Verminderung der Flotten streitkräfte im Mittelmeer nicht be - reitfinden wolle. Die Pflicht der Zeit. 23on Dr Hans von Malottki Die Diplomatie der Westmächte ist, je näher der Termin des Inkrafttretens der Genfer Sanktions- Oie Schüsse von Nanking. Oer Mordanschiag auf den chinesischen Ministerpräsidenten. ein doppelter Fehler begangen wurde. Einmal verfiel man dem demokratischen Irrwahn, im Völker- [eben jenen nivellierenden, gleichmacherischen Geist zur Geltung zu bringen, der eine Vergewaltigung der natürlichen Rangordnung der Rationen bedeutete: zum anderen machte krasser machtpolitischer Mißbrauch aus dieser ohnehin falschen Konstruktion eine Farce. Soll nicht der Rückfall in das Dorkriegssystem der Alliancen und Gegenalliancen die Folge sein, dann ist vor allem eines unumgänglich: die Organisierung wirklich kollektiver Zusammenarbeit der Rationen auf einer anderen, besser e n Grundlage, als sie Genf zu geben vermochte. Wie ein falscher Universa- Iismus nur zur Zerstörung des europäischen Gernein- । gefühls geführt hat, so wird auch die Idee des gleichen Rechtes nicht im Nebelreich demokratischer ! Theorien fruchtbar werden können, vielmehr jeweils die Kraft und geistig-wirtschaftliche Stärke der Nationen zu berücksichtigen haben. Was jetzt in Gestalt d-r italienisch-abessinischen Auseinandersetzung die Welt in Unruhe stürzt, ist nichts anderes als das Versagen des formalen zwischenstaatlichen Rechts, und nicht darin kann die wahre Pflicht der Zeit bestehen, auf diesem Recht für alle Zukunft zu beharren, sondern einzig in dem Bemühen, neues Recht zu schaffen. . Wenn die „Times" dieser Tage schrieb, der Völkerbund habe nicht nur die Aufgabe, einem Krieg ein Ende zu machen, sondern auch rechtzeitig zu handeln, um K r i e g s u r s a ch e n zu beseitigen, so ist das zukunftweisend, zugleich aber auch bezeichnend für die schweren Versäumnisse der Vergangenheit Denn der Gedanke der kollektiven Zusammenarbeit wird erst dann fruchtbar werden können, wenn er das Gesetz der lebendigen Entwickln n g als wesentlichen Faktor berücksichtigt und in R^ckmma stellt, von dem a"M H-rr Baldwin allerdings unter mancherlei Einschränkungen Kein Fortschritt in Genf. England lehnt alle Gachverstandigenvorschlage ab und fordert Zurückziehung dreier italienischer Divisionen aus Libyen. Mitteln dieser Genfer Politik nicht die Probleme zu bewältigen und produktiv und zukunftsträchtig zu lösen sind, die Italien von seinem Ausdehnungs- drang und Ausdehnungsbedürfnis her aufgeworfen hat. Das englische Ziel, die Verbindungswege zum britischen Weltreich zu sichern, ist berechtigt. Aber auch der Anspruch der italienischen Nation auf Raum und Entfaltung entspringt einem natürlichen Bedürfnis. Heute zeigt das ganze Genfer Verfahren die Unmöglichkeit, mit den dort gegebenen Mitteln eine Abgrenzung und Verständigung zu finden. Heute erweist sich der Völkerbund nicht als Positivum, sondern als ein Hemmnis und ein Hindernis, wie er es schon immer gewesen ist. Ein System, das nur die Wahl läßt zwischen einer Derletzusig formaler Rechtsgrundsätze uni) । Sanktionen, in deren Verlauf vielleicht Hunderttausende weißer Menschen wieder in den Krieg ziehen müßten, ein solches System leidet an einem inneren Konstruktionsfehler. Man mag es Ironie der Geschichte nennen, daß die Hauptmächte der ehemaligen Entente hier für die Folgen dessen büfcpn 'mivür sie selbst verantwortlich sind, ^m wahren Sinne europäischen Verantwortungsbewußtseins kann man darüber um so weniger Freude empfinden, als damit nur der allgemeine Niedergang aeförbret würde. Wann aber wird man die Notwendigkeit begreifen, nach anderem Ausschau zu halten als nach dem Funktionieren des Genfer Apparates? Jetzt rächt sich jene Siegerwillkür, die em Fne- denssystem lediglich auf der Grundlage des Haffes gegen Deutschland zu errichten gedachte und darüber die Lebensnotwendiqkeiten des europäischen Daseins bedenkenlos verriet. Weil man nur an Deutschland dachte, deshalb organisierte man nur ben Ärieg gegen ben Krieg, begab man sich [eben Mittels, den Ausgleich der Lebensinteressen der europäischen Nationen gewährleisten zu können. Genf und fern zwischenstaatliches Recht mußten versagen, well hier sität auf Italienischer Seite. Aloisi habe zu verstehen gegeben, baß Vorschläge, bie in bem Geiste abgefaßt feien, wie die ihm von Laval übermittelten, von Rom auch in Zukunst unbedingt glatt abgelehnt würden. Diefe Vorschläge habe England nach völliger Ablehnung der Vorschläge der Sachverständigen am Donnerstag dem französischen Ministerpräsidenten übermittelt. Darnach solle Abessinien selbst mitbestim- men, welche Gebiete es an Italien abtre - t e n wolle, gegen Abtretung eines Hafens am Roten Meer auf italienischem Gebiete. Für das übrige Abessinien möge der Bericht des Fünfer- Ausschusses Anwendung finden, der eine Art von internationalem Mandat zur Entwicklung Abessiniens in Aussicht genommen habe. Mts Neues vom afrikanischen Krieasfchouv'atz Asmara, 2. Nov. (Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB.) General Graziani hat die Räumung der Ortschaft Waderei (Jta- lienisch-Somaliland) b u r ch b i e Z i v i l b e v ö l k e- rung angeordnet, um Zwischenfälle mit Eingeborenen aus Englisch-Somaliland zu vermeiden. Die Eingeborenen suchen mit Herden über b t e Grenze zu wechseln, um Weideland aufzusuchen. Graziani hatte früher in Libyen ähnliche Maßnahmen angeordnet, die von den Betroffenen zwar als hart empfunden wurden, sich aber als folgerichtig herausstellten. lieber bie militärische Lage ist im Augenblick wenig zu sagen. Es besteht ber Eindruck, daß wichtige Ereignisse bevor stehen. Ein Besuch bei ben Kraftwagenreparaturwerkstätten in Asmara zeigte, welche wesentliche Bebeutung auf dem abessinischen Kriegsschauplatz neben dem Straßenbau auch den Transportmitteln zukommt. Bis jetzt sind insgesamt 9 3 5 0 Lastkraftwa- q e n in Betrieb. Benzin, Del und Ersatzmate, rialien sind für ein Jahr vorrätig. Täglich werden von Massaua 2000 Tonnen Material landeinwärts befördert. Weiterer Nachschub aus Italien ist unterwegs. Der Kräfteeinsatz übersteigt alle Erwartungen und beweist, daß Italien entschlossen ist, seinen Weg bis zum Ziel fortzusetzen, wenn nicht, was. hier für immer unwahrscheinlicher gehalten wird, in Europa eine Einigung zustande kommt. langt. „ , w v Meint Herr Baldwindenm stolzen Reden ver- , kündeten europäischen Führungsanspruch der enali- scheu Politik dadurch überzeugend zu gestalten, daß er seine Minister in Genf als Einpeitscher auftreten läßt? In ben ersten Wahlreben bes britischen Premierministers finbet sich ber erstaunliche -vatz, es wäre alles in bester Drbnung, wenn ber Volkerbunb im gegenwärtigen Streitfall funktioniere: anberen- falls müßte man ihn zu reformieren trachten. Herr Balbwin ist ein kluger Mann, und wenn er solche Formulierunaen wagt, so hat das natürlich seinen Grund. Das Slufrüftungsprogramm der Konservativen z. B. erfährt auf diese Weise Nicht nur seine unverdächtige Begründung, — es wird sogar idealisiert. Denn, wenn der Völkerbund funktionieren soll, muß er auch über bie Mittel verfügen seinen Beschlüssen die notwendige Geltung zu verschaffen. Im Falle von Sanktionen — wobei Baldwin offenbar nicht nur an den gegenwärtigen Streitfall denkt — „werbe bie Hauptlast auf ben Schultern ber englischen Flotte liegen", also müsse diese Flotte m einem hervorragenden Zustand fein, — im Interesse des Völkerbundes und des Friedens natürlich! Em Wayt- trick von Format, — auch eine schöpferische Politik, bie Europa in eine bessere Zukunft führt? Selten hat sich die englische Nachkriegspolttlk tn solchem Maße auf den Bahnen des Genfer Protokolls Herriots und Macdonalds aus bem Jahre 1924 bewegt, wie in biefen Worten des gegenwärtigen englischen Premierministers. Der Geist bes Genfer Protokolls, ber (Bebaute, die zwischenstaatliche Politik bedürfe keiner anderen Mittel, als im voraus ein Kriegsbündnis gegen Unbekannt zu inszenieren — dieser ebenso selbstgefällige wie verhängnisvolle Geist ist der englischen Politik immer fremd gewesen. Er wird es heute ebenjo fein Ihn aber als Mittel für die Durchfechtung innerpolitischer Ziele zu benutzen, ist nicht nur kein Zeichen staatsmännischer Gröhe, es ist auch ge- ^Jn'^Wahrheit spricht die gegenwärtige Situation mehr denn je für die Inangriffnahme dessen, was Herrn Baldwin als weniger dringlich erscheint: bi e Reformierung Genfs und des dort gefetzten höheren zwischenstaatlichen Rechts Die französische und englische Diplomatie mag noch so sehr die Dinge barstellen als ob es lediglich um das Funktionieren Genfs csinge. Die Tatsache ist nicht aus der West zu schaffen, daß das formale Genfer Recht und die GruAsiätze des Paktes versagt haben, daß mit den beschlösse heranrückte, um so emsiger bemüht gewesen, in elfter Stunde noch einen Ausweg zu finden. Man scheint sich in Rom, Paris und London indessen trotz aller sonstigen Meinungsverschiedenheiten in ber Beurteilung ber Lage so weit einig zu fein, baß von ben nun in Genf begonnenen Besprechungen kaum ein Ergebnis zu erhoffen ist, nachdem die Fühlungnahme der kolonialen Sachverständigen Englands und Frankreichs über die von Rom aus ergangenen Vorschläge ohne Erfolg geblieben ist. Werden die Ereignisse jetzt also ihren Lauf nehmen? Solche dramatische Fragestellung ist mit Vorsicht aufzunehmen. Es hat im bisherigen Verlauf des italienisch-abessinischen Konfliktes schon manche „elfte Stunde" gegeben und doch^ fand man immer wieder einen „weiten Spielraum" für neue Verhandlungen. Zwar will Mussolini nur verhandeln, wenn das Sanktionsverfahren gestoppt wird, will England gerade umgekehrt das Genfer Verfahren erst dann lockern, wenn zuvor in Abessinien die Feindseligkeiten eingestellt sind. Aber schon hör Umstand, daß noch nicht alle Regierungen ber Mitgliedsstaaten sich dazu geäußert haben, ber Wirtschaftsboykott also wieder hinausgeschoben werden muß, kann wieder jenen Zeitgewinn mit sich bringen, der die Dinge erneut in der Schwebe läßt. Uebertnes: bei aller Dolkerbundsfreudigkeit ist bie englische Politik doch ein Gemisch von Grundsatztreue und Realpolitik, und so sehr vor ben Wahlen das erstere betont wird, so sehr kann es nachher umgekehrt sein. Die von Hoare und Eden verkündete Formel: „keine Losung, die nicht dem Pakt entspricht" ist Aar nicht so bedingungslos, wie es zunächst scheinen mag. Denn: wo ist der objektive Maßstab für bas, was dem Pakt entspricht? Die ganze Genfer Praxis beweist doch nur bas Fehlen eines solchen Maßes. Hat nicht ber Völkerbund im Laufe der Zeit mehr als einen Rechtsbruch geduldet? Hat er nicht ben offenen Raub deutschen Landes durch Litauen sanktioniert und damit zur „rechtmäßigen" Handlung gestempelt? Wie war es mit der Volksabstimmung in Eupen-Malmedy? Hat etwa bie „Verurteilung" ber beutschen Wehrhoheitserklärung dem Genfer Gesetz bes gleichen Rechtes für alle entsprochen? Wer solcher Auslegungskünste fähig ist, hat sich bes Anspruches, als unbestechlicher Sachwalter bes zwischenstaatlichen Rechtes zu gelten, begeben. Man wirb auch im Falle Abessinien ben Pakt „streng' auslegen, — wenn bie Interessen ber Genfer Vor- zugsmitglieber es erforbern; man wird ihn „weit" auslegen, — wenn diese Interessen es so verlangen. Denn noch immer ist Genf keine aus sich selbst lebende Kraft, sondern Werkzeug und Instrument in den Händen seiner Gründer. Hat bas gegenwärtige Geschehen aber wirklich nur ben Sinn, ben Volkerbunbsapparat auf bie Probe zu stellen? Der gefunbe Sinn ber Volker spürt angesichts ber stürmischen Bewegung ber Weltpolitik bie brennenbe Gegenwartsnähe anberer unb ungleich größerer Aufgaben. Er muß bie Finessen unb erstaunlichen Seiltänze ber westlichen Diplomatie zutiefst als unprobuktiv empfinden und weit entfernt von bem, was bie Zeit gebieterisch ver- sie sich ber Polizei. General T s ch i a n g k a i s ch e k, der sich an ber Gruppenaufnahme bes Kongreßes nicht beteiligt hatte, fonbern in bem (Bebäube geblieben war, entging somit ber Gefahr. An bem Attentat waren brei Männer und eine Frau unmittelbar beteiligt Diese vier Personen konnten verhaftet werden. Die Polizei soll bet ber verhafteten Frau belaftenbes Briefmaterial ge- funben haben, bas auf einen anscheinenb von langer Hanb vorbereiten Anschlag schließen läßt. Der Chef ber Sonberpolizei in Nanking erklärte ber Presse, er sei nach eingehenber Prüfung bes Sachverhaltes zu ber Ueberzeugung gekommen, baß ber Anschlag auf ben Ministerpräsidenten mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine kommunist i s ch e Verschwörung zurückzuführen sei. Die Werflrünöe des AnWaas Das fluchwürdige Verbrechen gegen den Ministerpräsidenten der Nanking-Regierung ist aus der Frage zu erklären, mit der sich die Nanking-Regierung durch Japans Forderungen beschäftigen muß. Der Attentäter gehört ber Partei ber Regierung an, ber chinesischen Einheitspartei, ber Kuom i n - Lang, unb seine Schüsse trafen ben Ministerpräsi- benten, ber im Norben Chinas biese Partei auf- I ö ft e unb bei den Radikalen in Verdacht stand, den japanischen Forderungen nachzugeben unb eine Derstänbigung zwischen Nanking unb Tokio unter Aufopferung ber Nordprovin- 3 en Chinas herbeizuführen. Marschall C h i • ang-kai-shek hatte, als bie japanischen Forbe- rungen bekannt würben, bas chinesische Volk zur Einheit aufgerufen unb bas abessinische Vorbilb gepriesen, aber bas Echo scheint ausgeblieben zu fein. Unb gerabe in biefen Tagen befanb sich die Nanking-Regierung vor der schwierigen Frage, ob sie oia mamen rouruen. -ute v-hmiuiiuci yuum um.iy -------. , < - .. . ' • m \ /■ , „ _ • , . „ _ darum gebeten, die Verschiebungen der französischen fonbern em chmiesisch er P re s se b er t ch ter Luftstreitkräfte zu erfahren. Man scheine eine De- statter. Der Beweggrund seiner Tat M Erbitte monftration der englisch französischen Streit- rung über die angebliche iapanfreundliche Politik träfte zu wünschen in ber Hoffnung, baß bie ita-. bes Ministerpräsidenten gewesen fein. Zwei Helfers- lienische Regierung einem derartigen Druck nach- Helfer konnten zunächst in das Kon^eßgebaude geben werbe Aber Italien werbe sich feinem Druck. fluchten, von wo aus sie au bie Polizisten und füaen Soldaten, die sie zu verhaften suchten, feuerten. Erst „Oeuvre" spricht von wachsender Nervo-' nachdem ihr Munitionsoorrat erschöpft war, ergaben An ber Haltung Englands wird von Mehreren Blättern Kritik geübt. Man unterstellt ben englischen Staatsmännern, baß sie ihre Genfer Politik allein mit Rücksicht auf bie bevorstehenden Wahlen führen. Nach ben Wahlen, fo erklärt man, würbe es l e i d) t e r fein, zu einer Einigung zu kommen. Echo be Paris schreibt, baß die friebliebenben Kundgebungen Baldwins unb Sir Samuel Hoares sich bisher nicht in die Praxis umgesetzt hätten. Die britische Regierung habe entgegen ben berechtigten französischen Erwartungen bisher nicht ein einziges Kriegsschiff feiner 600 000-Tonnen-Flotte aus dem Mittelmeer zurückgezogen, obwohl eine italienische Division aus Libyen zurückgezogen werbe, unb obwohl bas Ver- sm-c'ch-m em^r fofortiaon IBeiftnnbsleiftung ber französischen Flotte vorliege. Im Gegenteil, man müsse seststellen, daß bie britische Admiralität gegenwärtig außerordentliche Vorbereitungen treffe. R"lerv"n mürben einberu^n, außer Dienst gestellte Kriegsschiffe wieder in Fahrt gestellt, Stütz- punkte im östlichen Mittelmeer eingerichtet, bie Ar- enale aufgefüllt, Verhanblungen mit Spanien ge- (Bie ener Familienblatter M IM Iw WF HH MV Grundpreise für (mm höhe •ssxä- ■niPKPiipr zi iiipi »k Mit 4 Beilagen RM.1.95 WL HF ■ H K ■ H M R X JH ■ H ■ ■ ■ ■ anzeigen von 70 mm Brette Ohne Illustrierte 1.80 Wkf ■ B W ■ W 6L W 50Rpf.,Platzvorschristnach Zustellgebühr . „ -.25 ■ ■ H ” vorh.Dereinbg.25°/, mehr. srjSÄÄä Kr V -®r infolge höherer Gewalt w e a e® ze*. < < ** Steilem, Vereins«, gemein- MW- General-Anzeiger für Gberhessen richten Anzeiger Gießen behördliche Anzeigen 6Rpf. grotinudÄa'n 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfiiätr-Vuch- und Steindruckerei «.Lange in Stehen. Schriftieitung und Geschäsirftelle: Schulftrahe 1 M-ng°n°bichiüii-Staffel8 ■ - zum Widerstand gegen Japan aufrufen sollte oder sich unterwerfen ... Daß N o r d ch i n a das Schicksal der Mandschurei teilen soll, ist allgemeiner Glaube. Die Japaner haben damit begonnen, Zwischenfälle und japanfeindliche Aeußerungen des Chinesentums zum Anlaß zu nehmen, um Truppen einrücken zu lassen, um die Interessen Japans zu wahren. Weiter wurde verlangt, die Nanking-Regierung solle ihr Heer aus Nordchina ebenso wie ihre Gendarmerie zurückziehen. Damit war natürlich die Gefahr ge- aeben, daß sich neue Unruheherde bildeten, deren Aufflackern von den Japanern damit begründet wurde, Nanking spiele eine Doppelrolle, es habe seine Partei in Nordchina zwar ausgelöst, aber ins- oeheim wühle sie weiter. Die japanische Kwantung- Armee stellte im Frühsommer Forderungen, die auf völlige Loslösung Nordchinas hinausliefen. Damals wurden diese Forderungen offiziell von der japanischen Diplomatie mißbilligt. Aber am 18. Oktober trat in Saiten eine Konferenz hoher japanischer Militärs und Staatsmänner zusammen, diese er» hoben die Forderung auf Loslösung erneut, versicherten aber, daß Nanking in seinem Bestreben, die Verhältnisse des übrigen Chinas zu konsolidieren, durch Japan finanziell und militärisch unterstützt würde, wenn es ehrlich sich für Japan erkläre. Inzwischen ging die Minierarbeit weiter. In Nordchina brach im Oktober ein Separatistenaufstand aus, mit dem angeblich die japanische Regierung gar nichts zu tun hatte. Dieser Aufstand sei, so wurde in Tokio erklärt, lediglich dem übermäßigen Steuerdruck durch die chinesische Zwiloerwal- tung zuzuschreiben, während man in Nanking sagte, daß die Separatistenbanden von Japan ausgerü- tet und bezahlt würden. Jedenfalls nahm Japan die Gelegenheit wahr, um feine Ziele immer deutlicher zu enthüllen. Der japanische Generalkonsul in Peiping überreichte dem chinesischen Gouverneur eine Note, in der erklärt wurde, Japan könne nicht ruhig zusehen, wie in Nordchina die Ordnung auf den Kopf gestellt würde und der Bolschewismus sich ausbreitete. Gleichzeitig wurde von Hirota dem Vertreter Chinas in Tokio der Inhalt der Beschlüsse der Konferenz von Dairen als offizielle Meinung der japanischen Regierung mitgeteilt. In Nanking erkannte man deutlick, daß Japan aufs Ganze gehe. Aber was sollte man tun? Don Europa ist ebenso wenig wie von den USA. etwas zu erwarten. Die kommunistischen Wühlereien zwingen Chiang-kai-shek, immer wieder seine Truppen gegen die Bolschewisten in den Südprovinzen und in Mittelchina etnzusetzen. Militärisch ist Japan China turmhoch überlegen. In diesem verzweifelten Dilemma scheint nun ein Teil der Mitglieder der Nanking^Regierung und unter ihnen der Ministerpräsident Wangtschingwei dafür eingetreten zu sein, eine Verständigung mit Tokio zu erreichen, selbst unter Preisgabe des chinesischen Nordens. Am 3. Oktober fuhr eine aus Chinesen bestehende wirtschaftliche Studienkommission nach Japan. Sie hat das Ziel, eine Verständigung zwischen Japan und der chinesischen Zentralregierung anzubahnen. Dagegen machte sich natürlich eine starke Opposition innerhalb der Kuomintang geltend. Die Schüsse auf Wangtschingwei zeigen den tragischen Konflikt, in dem sich Nanking befindet. Die dritte Internationale im Hintergrund. Feststellung der chinesischen Presse. Schanghai, 2.Nov. (DNB.-Funkspruch.) Sowohl die in China erscheinende ausländische als auch die einheimische Presse brandmarken übereinstimmend den Anschlag auf den Ministerpräsidenten Wangtschingwei als ein gemeines Verbrechen volksfremder Elemente, an der fortschreitenden Einigung und Erstarkung des chinesischen Volkes in schwerer Zeit. Die Zeitungen weisen auf das große Vertrauen zu der chinesischen Regierung hin, das so stark sei, daß die Börse trotz reger Spekulation sich von dem Anschlag nicht nennenswert beeinflussen ließ. Das Blatt „Chen- pao" betont, daß die Urheber des Attentats k o m - munistische Elemente seien, die infolge der ernsten Lage der hartbedrängten roten Armee in China jetzt zu der Taktik der politischen Morde übergingen. Die Roten handelten n a ch Anweisungen der Dritten Internationale, deren Ziel die Störung des gesunden Aufbaues in China sei. Daher müßten sich alle gegen die volksfremden Schädlinge eng zusammenschließen. Die Zeitung „Sinwanpao" verweist darauf, was i n Deutschland die nationalsozialistische Partei vollbracht habe. Diese habe, da sie in sich einig sei, großes geleistet. Das Blatt fordert dazu auf, die nationalsozialistische Partei sich als Beispiel zu nehmen. Der Eindruck in Japan. Tokio, 1. Nov. (DNB.) Die japanische Presse ist durch die Vorgänge in Nanking stark beeindruckt. In Sonderausgaben wird betont, daß die Regierung in Nanking schwer erschüttert sei., da Wangtschingwei die st ä r k st e Stütze Tscht- angkaischeks war. Für Japan sei es wichtig, ob Tschiangkaischek diktatorisch regieren oder aber die Koalition mit dem Anschluß an Südwest fortsetzen werde. Das japanische Außenministerium bedauert die Vorgänge in Nanking, betont aber, daß bie japanische Chinapolitik hierdurch nicht berührt werde. Die Ursache des Attentats könnte die Folge auseinandergehender Ansichten über zahlreiche innen» und außenpolitische Fragen sein wie u. a. die Beziehungen zur Südwestgruppe, zu den Kommunisten oder zu Japan Das Auswärtige Amt vermutet, daß ein Kabinettswechsel und Störungen in den chinesisch-japanischen Beziehungen eintreten werden. Der Ersatz Wangtschingweis sei hochwichtig für die japanischen Beziehungen zu China. In der Armee vermutet man Machenschaften anti- japanischer Gruppen des Südwestens. Gemeinderaistvahsen in (England. London, 2.Nov. (DNB. Funkspruch.) In über 300 Städten fanden Gemeinderatswahlen statt. Sie sind angesichts der bevorstehenden Parlamentswahlen von besonderem Interesse. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen aus rund 100 Städten haben die Konservativen 32 Sitze gewonnen, während die Arbeiterpartei 24 Sitze verloren hat. Die Liberalen verloren zwei und die Unabhängigen sechs Sitze. In Birmingham und Leeds konnten die Konservativen sechs bzw. vier Sitze von den Arbeiterparteilern gewinnen In Liverpool nahmen sie der Arbeiterpaktei einen, den Unabhängigen zwei Sitze ab. In Cardiff gewann die Ar- beiterpartei einen Sitz von den Konservativen, in der Universitätsstadt Oxford konnte die Arbeiterpartei vier Sitze gewinnen. eines neuen deutschen Jugendrechtes. Die drei großen Arbeitsgebiete des Jugendrechts feien: 1. Das ' Gesetz für Verufserziehung und Lehre, 2. das Ge- feften Grundbegriff staatspolitischer Erziehung gesichert ist. Zu einer solchen Erziehung bedarf es denn auch einer besonderen berufserzieherischen Entwicklung des Iührerkorps der HI. von einem Zeitpunkt, den ich noch bestimmen werde, wird nur zum Bannführer ernannt werden können, wer zwei Jahre mit Auszeichnung Dienst in der. HI. getan hat, dann im Reichsarbeitsdienst und in der Wehrmacht feinen Dienst geleistet und schließlich einen einjährigen Lehrgang bei der Akademie der Jugendführung mit einer Prüfung vor einer Kommission der Reichsjugendführung abgeschlossen hat. Rach Erlangung des hiermit verbundenen Diploms als Jugendführer muß der künftige Führer zur Ausbildung ein halbes Jahr Aus- l a n d d i e n st durchmachen. Der künftige Führer wird also mit Einschluß vom Reichsarbeits- dienft und Wehrdienst eine fünfjährige Ausbildung erfahren, fo daß das Führerkorps künftig eine Zusammensetzung haben wird, der das Volk das Wertvollste, was es besitzt, seine Jugend anoerfrauen kann. Zum Schluß wandte sich der Reichsjugendführer gegen den völlig unbegründeten Vorwurf, daß die 5)J. religionsfeindlich sei. Die HI., die in ehrfurchtsvoller Haltung des sozialistischen Erlebens des Frontsoldaten erzogen sei, kennen keinen schwereren und haltloseren Vorwurf als den der Ehr- furchtslosigkeit. Sie kenne aber auch keinen schwereren Vorwurf als den der Glaubenslosigkeit. Eine Jugend, die durch den Dienst an der Nation, der sie sich weiht, in den Dienst des Ewigen getreten ist, kann nicht glaubenslos sein. DerReichs- jugendführer schloß mit dem Bekenntnis zu den Worten Arndts: „Ein Volk zu sein, das ist die Religion unserer Zeit!" Lehrer in der HI. mitarbeiten. Es ist nicht angängig, wenn heute mehr als die Hälfte der deutsch enJugend sich freiwillig in der HI. einem harten und straffen D i e n st der Erziehung und Ertüchtigung unterwirft, aber der andere große Teil der Jugend nicht an dieser Aufgabe der Ertüchtigung beteiligt ist. Die Lösung soll nicht so erfolgen, daß etwa dieser andere Teil in die HI. eingegliedert würde. Eine solche Eingliederung würde einen vollständigen Bruch mit unserer erzieherischen Aufgabe, die auf der Freiwilligkeit beruht, bedeuten. Aber trotzdem muß erreicht werden, daß die gesamte deutsche Jugend, zum mindesten auf dem Gebiete der körperlichen Ertüchtigung, ein einheitliches Ziel erreicht und auch der nationalsozialistische Staat die ihm gestellte Aufgabe verwirklicht, daß die gesamte Jugend des Volkes in einem fählich müßten alle, die an der erzieherischen Aufgabe an der deutschen Jugend Mitarbeiten, sich zusammenschließen, Elternschaft, Lehrerschaft und HI. Führende Vertreter dieser drei Erziehungsfaktoren sollten eine Art A r - beitsgemeinschaft bilden. Die Schule neige dazu, formelles Wissen über charakterliche Erziehung zu stellen. Das bedeute keineswegs Kritik an der Lehrerschaft, der Fehler liege in der schulischen und lehrmäßigen Erziehung. Ihr müsse daher als der Erziehung von oben gleichzeitig die Erziehung von unten, die Gemeinschaftserziehung der HI., zur Seite gestellt werden. Alles, was außerhalb der schulischen Erziehungsarbeit an Erziehungsarbeit geleistet werde, fei Sache der HI. 3n der Schule fei selbstverständlich der Lehrer die höchste Autorität, auch für den HI.-Führer. In der HI. fei der ranaälteste Führer des Standortes jeweils die höchste Autorität auch dann, wenn OieAufgabenderHZ.imnattonatMattstischenEiaai Oer Reichsjugendführer über Grundsätze zur Ausbildung eines Führerkorps der HZ. Oldenburg, 1. Nov. In Oldenburg begann die erste große Reichstagung der h I. - Rechtsorganisation, die sich mit allen grundlegenden Fragen des künftigen deutschen Jugendrechts auf Grund der Vorarbeiten des Rechtsamtes der HI. befaßt. Der Rechtsamtsleiter Dr. Theo G o l d - mann eröffnete die Tagung. Das große Ziel der Arbeit des Rechtsamtes der HI. fei die Schaffung setz zur Führung und Pflege der deutschen Jugend, 3. das Gesetz über das Jugendehrrecht, das als Gegenseite dann auch das Jugendstrafrecht umfassen werde. Reichsjugendführer Baldur von Schirach gab bann einen Ueberblid über die Gesamttätigkeit der nationalsozialistischen Jugend. Die Oeffentlichkeit sei durch die Mitteilung überrascht worden, daß d i e NSDAP, sich künftig ausschließlich aus hI. und BDM. ergänze. Die HI. sei die Nachwuchsorganisation der NSDAP. In Zukunft werde jeder junge Deutsche vom 10. ße» bensjahr an in einem bestimmten Erziehungssystem stehen, das nach den Erfahrungen und Gesetzen der nationalsozialistischen Bewegung sein Leben gestalte. Die zweite Aufgabe der HI., so führte der Reichs- jugendsührer dann weiter aus, ergibt sich aus dem Anteil der Jungarbeiterschaft an der Durchsetzung der Idee das Nationalsozialismus. Wir haben aus unserem Kampf um die Jungarbeiterschaft in den Jndustriebezirken die schweigende Verpflichtung auf uns genommen, die Lebensbedingungen der Jungarbeiterschaft zu gestalten. Der Reichs- jugendführer unterstrich besonders die Notwendigkeit einer ausreichenden Erholungszeit für die Jungarbeiter und die Förderung des Facharbeiternachwuchses. Auch das Problem der schulischen Erziehung müsse angeschnitten werden. Grund- Eröffnung der Lustkriegsakademie in Anwesenheit des Führers. Berlin, 1. Nov. (DNB.) Im großen hörfaal der Luftkriegsakademie wurde in Anwesenheit des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht die in etwas mehr als Jahresfrist geschaffene Anlage der Luftkriegs - und Luft- technischen Akademie sowie der Luftkrieg s s ch u l e eröffnet. Unter der Gesamtleitung des Architekten Prof. Dr. S a g e b i e I sind links und rechts der Straße Gatow—Kladow auf einem landschaftlich reizvoll gelegenen Gelände schlichte, meist einstöckige Zweckbauten nach übersichtlicher Planung entstanden, die in Anlage und Form alle Voraussetzungen, die an diese Bauten gestellt werden mußten, erfüllen. Rechts der Straße liegt bie Luftkriegsakabemie in engster Verbinbung mit ber Lufttechnischen Akabemie, bie beibe für bie Weiterbildung der Offiziere bestimmt sind, während die auf der linken Seite errichtete Luftkriegsfchule ber heranbilbung des Dffi» ziersnachwuchfes bient. Dort sind auch bie Flugzeughallen unb ber eigentliche Flugplatz, die Unter» kunstshäuser, der Sportplatz und andere Anlagen errichtet. Kurz vor 11 Uhr traf ber Führer am Haupteingang ein, wo er vom Reichskriegsminister Generaloberst v. Blomberg unb bem Oberbefehlshaber ber Luftwaffe General ber Flieger Göring, des-heeres General ber Artillerie Freiherr von Fritsch unb ber Kriegsmarine Abmiral Dr. h. c. Raeber, bem Staatssekretär bes Reichsluftfahrtministeriums, Generalleutnant Milch, unb ber Generalität ber Reichsluftwafffe empfangen unb in den großen Hörsaal geleitet würbe, nachbem er unter den Klängen des Deutschlandliedes die Front der vom Jagdgeschwader Richthofen gestellten Ehrenkompanie abgeschritten hatte. Nach einem geschichtlichem Rückblick auf die Entwicklung unb die Großtaten der deutschen Luftwaffe sowie die Bedeutung des Tages durch den Chef des Luftkommandoamtes Generalmajor W e o e r wies der Oberbefehlshaber der Luftwaffe General der Stieger Göring. darauf hin, daß die Schaffung dieses Werkes als ein Symbol für die Arbeit der gesamten Luftwaffe gelten könne, die, wie dieses Bauwerk, aus dem Erdboden gestampft und nur dank einem unerschütterlichen Willen entstehen konnte, der auch die gesamte Luftwaffe von heute beseelt. Dem Führer gelte der Dank der gesamten Luftflotte dafür, baß er die Grundlage für den Aufbau geschaffen habe. Es sei eine Selbstverständlichkeit, daß das deutsche Volk zur Wahrung seiner Ehre und Freiheit eine starke Luftwaffe brauche, um in Ruhe seiner Arbeit nachgehen zu können. An dieser Stätte sollten die Flieger im Geiste der wirklich heroischen Auffassung der nationalsozialistischen Idee und unserer Zeit erzogen werden. Die tausendjährige Sehnsucht der Menschheit, sich in die Lüfte zu erheben, verlange hingebungsvolle Begeisterung und männliche Kühnheit, hierzu sollten die Lehrkräfte ber Akabemie bie Männer erziehen, bie kühn unb entschlossen und fest im Charakter auf sich stobst gestellt sich zu behaupten und zu kühnem Entschluß durchzuringen verstünden. Wiederholt habe der Führer betont, daß fein unb des deutschen Volkes Wille der Friede fei. Er habe aber ebensooft betont, daß dieser Friede nicht allein von uns, sondern auch von unseren Nachbarn a b l) ä n g e. Nur ein scharfes Schwert schütze den Frieden. Wenn dieses Schwert zerbräche, werde auch ein Volk friedlos. General Göring ermahnte das Führerkorps der Luftwaffe, immer weiter fortzuschreiten in dem Geist, in .dem das Werk begonnen sei, ein Werk, das nicht in kühler Ueberlegung, sondern i n heißer Leidenschaft entstanden fei. Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe wies noch einmal auf die leuchtenden Vorbilder in ber kurzen Geschichte der deutschen Luftwaffe hin, denen nachzu- ftreben höchste Verpflichtung sei. In der Materialanzahl werde, wie im Weltkriege, Deutschland immer unterlegen sein, aber die materielle Ueberlegen» heit der anderen müsse durch den rechten F l i e g e r g\e i ft, wie ihn die großen Vorbilder oorgelebt hätten, wieder we11gemacht werden. In diesem Sinne übergebe er die Akademie ihrer Bestimmung. Oberst a. £). Thomsen zum Generalmajor der neuen Lustwaffe befördert. Berlin, 1. Nov. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat mit dem 1. November 1935 Oberst a. D. Thomsen in Würdigung seiner geschichtlichen Verdienste um Aufbau und Führung der ßuftftreitfräfte im Weltkriege, zunächst a I s (Scherl-Bilderdienst-M.) ■ ♦ Feldflugchef 1915 bis 1916 und bann als Chef bes General st abes bes kommandie- renben Generals ber ßuftstreilkräfte vom Oktober 1916 bis zur Beendigung des Krieges, zum Generalmajor unter gleichzeitiger Anstellung in der ßuftroaffe befördert. Generalmajor Thomsen steht zur besonderen Verwendung des Reichsministers der ßuftfahrt und Oberbefehlshabers ber ßuftroaffe, General ber Flieger, Göring. * General Thomsen hat schon als junger ßeutnant vor dem Weltkriege der Entwicklung der ßuftroaffe feine besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Thomsen war es, der den damals kühnen Gedanken der Unvermeidlichkeit des ßufttampfes vertrat, bei dem das Flugzeug die Ueberlegenheit vor dem ßuftfchiff besitzen würde. Er hat schon vor dem Kriege im Großen Generalstab das Flugwesen bearbeitet, das damals noch dem Militäroerkehrswesen unterstellt war. Erst im Frühjahr 1915 erfolgte eine straffe Zusammenfassung aller Fliegerverbände gleichzeitig mit ber Ernennung bes Majors Thomsen zum Feld- Flugchef. General ßubenborff schreibt darüber in seinem Buch über den Weltkrieg u. a.: Wir waren trotz der Bemühungen des (Beneralftabes vor Kriegsbeginn mit ungenügenden ßufttampfmitteln in den Krieg gezogen. Der gewaltigen Schaffenskraft des Obersten Thomsen und des in der Heimat wirkenden Oberstleutnants S i e g e r t haben Deutschland unb das deutsche Heer es zu danken, wenn sich während des Krieges unsere ßuftftreitfräfte immer weiter erfolgreich entwickelten. Jetzt wurde ber Hauptwerk auf Vermehrung ber Jagdflieger unb ihre Ausstattung mit einem guten Kampfflugzeug gelegt; dabei kamen aber die anderen Abarten nicht zu kurz. Auch den Geschwadern für den Bombenabwurf wurde weitgehende Beachtung geschenkt. 1917 hatte Oberst Thomsen den Orden pour le mdrite erhalten, nach der Demobilmachung mußte er von der ihm ans Herz gewachsenen Arbeit scheiden. Er hat dann bie freudige Genugtuung des Wiederaufbaues der deutschen Flugwaffe erlebt. Wenn er nun als enger Mitarbeiter' des Generals ber Flieger unb Reichsluftfahrtministers Göring fein ßebensroerf wieder aufnehmen kann, fo ist das eine Auszeichnung, die er wohl verdient hat, und zu der ihn das deutsche Volk herzlich beglückwünscht. Herrn Duttweilers Einbruch in -iepolittk. Oie Sensation der Schweizer Bundeswahlen. Die Schweizer Wahlen für das Bundesparlament sind ohne wesentliche Anteilnahme der außerschweizerischen Oeffentlichkeit vor sich gegangen. Die vier großen Parteien, die den demokratischen Wahlapparat der Schweiz beherrschen und bei jeder Wahl ihren Besitzstand mehr oder weniger zu wahren wissen, haben auch diesmal dafür geforgl, daß eine grundsätzliche Verschiebung der politischen Gewichte nicht eintrat, durch die bas wohlabgewogene und gut eingefahrene System dieser alten bürgerlichen Demokratie gereaelt wird. Große grundsätzliche Fragen, die das Volk der Schweizer als Ganzes angehen und in eine heftigere Bewegung versetzen können, pflegen ja ohnehin nicht durch die parlamentarischen Wahlen, sondern durch das Referendum, die Volk s»-- befragung, zur Entscheidung gebracht zu werden. So könnten die letzten Wahlen vom Standpunkt des Auslands als eine rein schweizerische Angelegenheit betrachtet werden, die nicht einmal für die Schweiz selbst eine neue politische Phase bedeutet, wenn sie nicht sozusagen eine Episode aufzuweisen hätten, die von einem gewissen allgemein menschlichen, aber auch politischen und wirtschaftlichen Interesse ist. Es ist nämlich bei diesen Wahlen ein Mann zum ersten Mal in das politische Kompffeld getreten, dessen Name in ber letzten Zeit m der Schweizer Privatwirtschaft eine viel erörterte und umstrittene Rolle gespielt hat, nämlich der Züricher Kaufmann Gottlieb D u 11 ro e i I e r, der Direktor und Eigentümer der Aktiengesellschaft Migros und der Erfinder und Organisator des Schweizer „Hotelplan s", beides Unternehmungen, besonders die letztere, die auch im Ausland lebhaftes Interesse und Beteiligung an der schweizerischen Diskussion darüber erweckt haben. Duttweiler, der von Hause aus nichts weniger als Politiker ober gelehrter Wirtschaftler ist, kommt aus dem ßebensmiÜelgroß- handel, war lange Zeit im Ausland unb in lieber- feelänbern tätig und kehrte nach wechselnden Glücks- umständen nach dem Kriege in die Heimat zurück, ohne Geld, aber mit einem um so schärferen Blick für die Mängel und Rückständigkeiten der kleinen, etwas oerstickten schweizerischen Verhältnisse. Er fand auf seinem Gebiete, dem ßebensmittel- handel, die Herrschaft der Konsumvereine und eines üppig blühenden übersetzten Zwischenhandels vor und griff hier als Mann der praktischen Erfahrungen mit einer neuen Organisation ein, die wir im einzelnen hier nicht schildern können, die aber im wesentlichen das Prinzip verfolgte die Waren des täglichen Bedarfs direkt und infolge der Ausschaltung von Zwischenstationen auch billige r an den Käufer heranzubringen. Er hatte damit msbefonbere in den Kantonen der Nord- unb Westschweiz, die industriell und zahlreich bevölkert sind, große Erfolge und stieß natürlich, je größer und nutzbringender sie für das Volk selbst waren, um so mehr auf den Widerstand der Konsumvereine, der Kleinhändler und der Bürokratie, denen dieser Diktator des Kolonialwarenhandels anfing unheim- lich zu werden. Aber Duttweiler ist eine robuste unb kämpferische Natur unb wußte in allen biefen Auseinandersetzungen, die in den lokalen Kämpen und Zeitungsfehden der Schweiz lange eine große Rolle spielten, den entscheidenden Faktor, nämlich Ole Konsumenten, in seinem Bann zu halten, so daß seine Gesellschaft nach wie vor blüht und zu einem wesentlichen Teil der Schweizer Wirtschaft geworden ist. Daß er von feinem eigentlichen engeren Fach aus auch auf größere wirtschaftliche Zusammenhänge zu blicken und sie in eine organisatorische Adee umzusetzen vermag, bewies er, als das Schweizer Hotelgewerbe infolge ber Weltwirtschaftskrise, die das internationale Reisepubli- fum von der feder gewordenen Schweiz immer mehr abzog, in einen wirtschaftlichen Zustand geraten war, der mit dem Ausdruck allgemeiner Bankrott nicht zu hart bezeichnet ist. Als sich die Ratlosigkeit der Schweizer Hoteliers in dem Schrei nach Staatshilfe erschöpfte, griff Duttweiler ein und rief innerhalb weniger Wochen die „Hotel- Plan g e n o s s e n s cb a f t" ins Leben, durch die es gelang, mit Genossenschafts- und Pauschalferienreisen und durch eine äußerst geschickte Werbung im Ausland die leerstehenden Hotels der Schweiz zum großen Teil wieder zu füllen, die Bergbahnen und alles, was mit der weitverzweigten Fremdenindustrie des Landes zusammenhängt, vor dem Zerfall zu retten. Auch bei diesem Werk stieß Duttweiler natürlich aus Widerstände, besonders der großen Luxushotels, die sich der Standardisierung der Preise nicht fügen wollten; aber auch hier setzte er sich durch, und seine Leistung wird von der Mehrzahl der schweizerischen Hoteliers und von dem großen Kreis der internationalen Freunde der Schweiz dankbar anerkannt. Dieser Mann, der offenbar das Zeug zu einem großen wirtschaftlichen Reformator und zu einem bedeutenden, aber mit sauberen Mitteln arbeitenden Wirtschastskapitän in sich hat, ist nun auf seinem Eroberungszug einen Schritt weiter gegangen, indem er sich an d i e Spitze einer neuen politischen Partei stellte und für die Bundeswahlen kandidierte. Er ist auch in seiner Heimat Zürich gewählt worden und mit ihm gleich sieben seiner Anhänger und Freunde. Wie sein Einbruch in das Schweizer Wirtschaftsleben eine Sensation und auch ein Erfolg war, fo ist sein jetziger Einbruch in die Schweizer Politik eine Sensation, denn er richtet sich ,etzt nicht mehr gegen einzelne Erscheinungen und Nöte des Wirtschaftslebens, sondern gegen das ganze, teils von den Trusts und Kartellen, teils von den sozia- listiscben Bestrebungen der Gewerkschaften beherrschte Wirtschaftssystem und gegen die Tatsache, daß die staatliche Bürokratie unter dem Druck und Einfluß dieser vielfachen gegensätzlichen Einwirkungen nie zu entscheidenden wirtschaftlichen Maßnahmen kommen kann, wie dies ja alle Länder mit demokratischem Regime ohne Ausnahme erfahren haben. Das Problem der stagnierenden Demokratie von der politischen Seite her aufzurollen, ist in der Schweiz bisher ergebnislos gebleben. Die vom Faschismus ober Nationalsozialismus geistig beeinflußten Kräfte in der Schweiz können sich offenbar nicht durchsetzen. Es wird interessant sein, zu verfolgen, ob es Duttweiler gelingt, das Problem der staatlichen und geistigen Erneuerung, um das auch die alte Demokratie der Schweiz nicht berumtommt, von der wirtschaftlichen Seite aus zu lösen. Neuregelung des ZTutterverkebrs. Berlin, 1. Nov. (DNB.) Mit Wirkung vom 1. November 1935 haben die Milchoersorgungsver- bände und Großverteilervereinigungen eine Anordnung über Butterlieferungen herausgegeben, nach welcher die Molkereien künftig von ihrer jeweiligen Wochenerzeugung an Butter diejenigen A b - n e b m e r , die sie im August 1935 mit Sutter beliefert haben, in dem Mengenverhältnis zu beliefern haben, in dem von jetzt an ihre jeweilige Wochenerzeugung zu der durchschnittlichen Wochenerzeugung des August 1935 steht. Die Gesamtmenge der an die Milch liefernden Betriebe zurückzuliefernden Butter ist in dem gleichen Verhältnis zu kürzen, in dem die jetzige Wochenerzeugung hinter der durchschnittlichen Wochenerzeugung im August zurückbleibt. Die Molkereien dürfen an niemand mehr liefern, den sie nicht im August 1935 mit Butter beliefert haben. Ausgenommen hiervon sind Lieferungen an öffentliche Anstalten, an Stellen der Wehrmacht sowie Lieferungen in das Saarland. Lieferbeziehungen dieser Art sind dem zuständigen Milch- wirtschaftsverband unter Angabe der Mengen und der Abnehmer sofort schriftlich anzuzeigen. Diese Lieferungen können solange im bisherigen Umfange fortgesetzt werden, als keine gegenteilige Weisung des Milchwirtschgftsverbandes ergeht. Für die Großverteiler und den Poftpaketver- »kehr gelten die gleichen Bestimmungen. Darüber hinaus wird der Postoersand der Molkereien und Grohverteiler wöchentlich aus 50 v. H. der im Wochendurchschnitt des August 1935 abgesetzten Menge beschränkt. Buttermengen, die durch die vorstehenden Bestimmungen frei werden, sind auf die übrigen Abnehmer zu verteilen. Die Molkereien haben ihrem Milchwirtschaftsverband wöchentlich anzuzeigen, welche Buttermengen sie voraussichtlich durch Versand absetzen. Nach der neuen Anordnung brauchen die Molkereien nicht mehr 10 v. H. ihrer Erzeugung an die Reichsstelle oder andere öffentliche Stellen abzuliefern. Die Reichsstelle kann jedoch im Einvernehmen mit der Hauptvereinigung in Einzelfällen verlangen, daß die Molkereien einen Teil ihrer Buttererzeugung zur Behebung von Notständen zur Verfügung stellen. Zahlen, die für sich sprechen. Ganz Deutschland wird vom Netz der Reichsautobahnen überzogen. Berlin, 1. Nov. (DNB.) Die Vorarbeiten für die Vollendung der Reichsautobahnen sind soweit vorgetrieben worden, daß es sich verlohnt, eine allgemeine Uebersicht über die gigantischen Leistungen zu geben. An vielen Stellen sind die Arbeiten ausgenommen worden, da man sich bei der Arbeitsteilung hauptsächlich nach den Zentren der freiliegenden Arbeitskräfte, der Arbeitslosen, richten muhte. Aus den bisher genehmigten Strecken lassen sich aber sehr leicht die einzelnen großen Linienführungen erkennen. Ganz Deutschland wird unter Berücksichtigung der wichtigsten Industrie-, Handels- und Kulturzentren von Autobahnen durchzogen fein. Man geht jetzt daran, die Einzelbau st recken zu verbinden und zunächst folgende wichtige großen Linien auszubauen: Frankfurt a. M.—Stuttgart—München—Salzburg; München—Nürnberg- Plauen—Dresden dzw. Halle—Leipzig; Frankfurt a. M.—K affe l—H amburg; Ruhrgebiet— Hannover—Berlin—Stettin; Berlin—Schlesien und schließlich noch die beiden kleineren Abschnitte Bre- Inseln -es Deutschtums. XII. Die Gesandtschaft in Mexiko, bcn unserem K B -O «Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Mexiko-Stadt,* im Oktober 1935. Rund hundert Jahre ungetrübter Freundschaft kennzeichnen die Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko, das zu den wenigen Ländern der Erde gehört, die sich im Weltkriege nicht auf die Seite der Gegner des Reiches Sachlagen haben, sondern in freundschaftlicher Neutralität jedem in dieser Beziehung auf sie aus- geübten Druck standhielten. Ebenso alt wie die staatlichen Begehungen zwischen beiden Ländern, wenn nicht sogar noch etwas älter, ist das Deutschtum in Mexiko, das unter den hier ansässigen fremden Kolonien eine geachtete Stellung einmmmt und sich auch bei Volk und Regierung : feiner Wahlheimat großen Ansehens und sogar einer gewissen Beliebtheit erfreut, wenn auch in I den letzten Jahren infolge des Neuausflammens des nationalistischen Geistes in Mexiko die Stellung des Auslanoers ganz allgemein nicht mehr die gleiche ist wie noch vor rund zehn oder süns- z hn Jahren. Poch immer hat der Name eines Alexander von Humboldt, dessen Werke über Mexiko auch jetzt noch von grundlegender Bedeutung sind, einen guten Klang; noch immer steht das vom letzten deutschen Kaiser dem mexikanischen Volk anläßlich der Hundertjahrfeier geschenkte Humboldt-Denkmal vor der Nationalbibliothek als sichtbares Zeichen deutsch-mexikanischer Freundschaft, steht neben dem erst kürzlich sertiggestellten „Palast der Schönen Künste" ein von der deutschen Kolonie geschenktes Denkmal des großen Meisters. Ludwig van Beethoven. Rund 5000 Deutsche leben augenblicklich in der Republik Mexiko, etwa 2000 bis 3000 von ihnen in der Hauptstadt und ihrer nächsten Umgebung. Ein großer Teil von ihnen ist schon Jahre vor dem Kriege hierhergekommen, aber ein wohl ebenso großer Prozentsatz hat erst nach dem deutschen Zusammenbruch den Weg in dieses schöne Land gefunden, um als kaufmännische und technische Angestellte den Kampf ums tägliche Brot durchzu- fechten, während die ältere Generation größtenteils schon vor dem Kriege den deutschen Handel in Mexiko aufgebaut hat und ihn noch heute als Handelsherren beherrscht, unterstützt von dem jüngeren aufstrebenden Element. Sind der Textilhandel und die Textilindustrie zum größten Teil in spanischen und französischen Händen, so hat Deutschland einen führenden Anteil am Handel mit Eisenwaren und elektrotechnischen Artikeln, mit Farben, Chemikalien und pharmazeutischen Präparaten trotz schärfster Konkurrenz, und im südlichen Mexiko steht der deutsche Kaffee-Pflanzer an erster Stelle. Namen wie Siemens, AEG., JG.-Farbenindustrie, Tele- funten — um nur einige der größten hier vertretenen deutschen Firmen zu nennen — sind dem Mexikaner nicht fremd; nicht zu vergessen die großen, alteingesessenen deutschen Häuser, die seit zwanzig, dreißig, fünfzig und mehr Jahren Zeugnis von deutscher Leistungsfähigkeit und Qualitätsarbeit oblegen und für sie werben. Schwer aber ringt d er deutsche Kaufmann in Mexiko um feine Existenz. Die verworrenen Verhältnisse der Weltwirtschaft, das Valuta-Dumping gewisser Länder, die Zollpolitik der mexikanischen Regierung zum Schutz der im Entstehen begriffenen einheimischen Industrie — das alles trägt dazu bei, ihn zu äußersten Anstrengungen anzuHornen. Aber deutscher Fleiß, deutsche Ausdauer, deutsche Qualitätsarbeit und Leistungsfähigkeit werden sich auf die Dauer doch durchsetzen. Wobei nicht zu vergessen men, Hamburg und Lübeck und Elbing und Königsberg. Man muß schon Zahlen sprechen lassen, wenn man über das bisher Erreichte einiges sagen will: Zum Bau sind bisher 3180 Kilometer Autobahnen ircigegebcn, von denen bereits.1700 Kilometer im Bau sind. Annähernd 110 Kilometer konnten bisher dem Verkehr übergeben werden. Bereits über 31 Millionen Tagewerke sind abgeleistet worden und für 620 Millionen Mark wurden Aufträge vergeben. Die Arbeitsleistung kann man im übrigen aber an folgenden Arbeitsgattungen fest- stellen: Es mußten bisher 25 Quadratkilometer Bo- deniläche gerodet und 85 Millionen Kubikmeter Erd- maffen bewegt werden. Für die Brücken brauchte man bisher 1,5 Millionen Kubikmeter Beton und etwa 50 000 Tonnen beste Stahlkonstruktion. An Fahrbahndecken der Autobahnen sind bisher 4600000 Quadratmeter ausgeführt. Das sind Zahlen, die den Beweis erbringen, wieviele Arbeitskräfte im deutschen Volk durch dieses gigantische Problem in Bewegung gesetzt wurden. Kunst und Wissenschaft. Oie Reichsfilmkammer ehrt die Brüder Skladanowski. An dem Tage, an dem vor genau 40 Jahren die Gebrüder Skladanowsky im Berliner Wintergarten zum ersten Male ihre lebenden Bilder der breiten Öffentlichkeit vorführten, bereitete die Reichsfilmkammer diesen deutschen Filmpionieren eine würdige Ehrung. Zu der kurzen Feier waren die drei Gebrüder Skladanowsky, Max, Emil und Eugen (der erste Filmstar!) und der gesamte Präsidialrat der Reichsfilmkammer erschienen. Der Präsident der Reichsfilmkammer, Professor Dr. Lehnich erklärte, es sei belanglos, ob die von Skladanowsky bei feiner historischen ersten Kinovorführung im Wintergarten verwendete Apparatur nach unseren heutigen Begriffen mit Mängeln behaftet gewesen oder ob ein unvollkommener Filmstreifen verwendet worden sei. Aber das eine stehe fest, daß es bei dieser Gelegenheit gelungen sei, Filmaufnahmen auf der Leinwand dem erstaunten und begeisterten Publikum zum ersten Male vorzuführen. Heute müsse es als etwas Großes erscheinen, daß ein nicht mit Glücksgütern ist, daß Deutschland zu den besten A b n e h - mein mexikanischer Rohstoffe gehört. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunder- lich, daß die Hauptaufgaben der hiesigen diplo- malischen Vertretung des Reiches auf wirtschaftlichem Gebiet zu suchen sind: Förderung des Warenaustausches zwischen Deutschland und Mexiko. In der Cordoba-Straße 14 erhebt sich ein einfaches einstöckiges, gelbbraun gestrichenes Gebäude. Eine große Toreinfahrt gibt den Blick auf einen freundlichen, mit Blumen reich besetzten „patio“ — den typischen Hof der vornehmen fpanisch-mexikanifchen Residenzen mit seinem kleinen Springbrunnen — frei, während sich an drei Seiten dieses „patio“ die Zimmer hinziehen. Hier ist das Heim der Deutschen Gesandtschaft, hier ist deutscher Boden, ist die Stelle, wohin sich der deutsche Volksgenosse mit seinen Anliegen wenden kann, und wo er stets ein williges Ohr findet, wo man sich bemüht, ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Peinliche Sauberkeit herrscht in den großen luftigen Räumen, die den Beamten zur Verfügung stehen. Ihre Einrichtung ist einfach, aber geschmackvoll. An den Wänden hängen Bilder aus Deutschland, die die Schönheiten unseres Vaterlandes dem Besucher vor Augen führen. Hier ist das Reich, in dem Gesandter Freiherr Ruedt von Collenberg mit feinen Mitarbeitern herrscht. Er ist der erste diplomatische Vertreter des neuen Deutschland in Mexiko. Eine große stattliche Erscheinung, Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle, vertritt er in rühriger und umsichtiger Weise energisch die Interessen des Vaterlandes, geachtet von Deutschen und Mexikanern. Ihm zur Seite Gesandtschaftsrat Dr. Ahrens, dem keine Mühe^zu groß ist, wenn es sich darum handelt, einem deutschen Volksgenossen hilfreich zur Hand zu gehen. Das verantwortungsvolle und nicht immer ganz einfache Amt des Gesandtschaftskanzlers füllt mit vielem Geschick Herr N a t u s aus. Pressebeirat der Gesandtschaft, ein erst kürzlich geschaffener Poften, ist Herr Dietrich, dem es obliegt, die amtlichen Beziehungen zur mexikanischen Presse zu pflegen. Zwei jüngere Herren und mehrere Damen für die Schreibarbeiten vervollständigen den Stab der Gesandtschaft. Das Bild wäre aber unvollständig, würde man Norberts Flores, den Gesandtschaftsdiener, unerwähnt lassen, der seit über dreißig Jahren der Deutschen Gesandtschaft unter zahlreichen Gesandten gedient hat und ge- radezu als Faktotum unserer diplomatischen Vertretung bezeichnet werden muß. Ist das Haus in der Cordoba-Straße der rein dienstlichen Tätigkeit gewidmet, fo konzentriert sich das gesellschaftliche Leben in der Abraham-Gonza- lez-Straße, in der sich das Gebäude mit der Pri - vatwohnung des Gesandten erhebt und wo Freifrau Ruedt von Collenberg an der Seite ihres Gatten in liebenswürdigster Form die Pflichten der Hausfrau erfüllt. In den mit vielem Geschmack ausgestatteten Gesellschaftsräumen herrscht bei den großen Empfängen für Regierung, Diplomatisches Korps und Kolonie stets herzliche Fröhlichkeit und angeregte Unterhaltung; aber auch in kleinerem Kreise und bei weniger offiziellen und inoffiziellen Anlässen zeigt sich immer wieder die außerordentliche Liebenswürdigkeit und natürliche Herzlichkeit der Gastgeber. Für die ganz großen Kolonieereignisse aber zeigt sich auch das Haus in der Abraham- Gonzalez-Straße als zu klein, so daß das Gesandtenpaar beispielsweise den bereits traditionellen Empfang der deutschen Kolonie am Nationalfeiertag des 1. Mai in den Räumen des „Deutschen Hauses" abhalten muß, da diese allein die gewaltige Zahl der Volksgenossen zu fassen vermögen, die an diesem Tage im Anschluß an die Feier des Tages der nationalen Arbeit die Gaste des Gesandten und seiner Gattin sind. — Gesegneter, von keinem reichen Gönner unterstützter deutscher Bastler es verstanden habe, ein Gerät zu schaffen, das dieses Ergebnis zeitigte. Für diese Pioniertat vor 40 Jahren dankte Präsident Lehnich dem Erfinder im Namen aller, die in Deutschland und in der Welt am Film schaffen. — Reichsminister Dr. Goebbels hat in Anerkennung der Verdienste Max Skladanowskys um die Entwicklung der Kinematographie dem Erfinder fein Bild mit eigenhändiger Widmung überreichen lassen. Max Skladanowsky dankte gerührt für diese Ehrung. Rücktritt des Kasseler Operndirektors 2Nax Krauß. Bei der Wiederübernahme des S t a a t s t h e a - t e r s Kassel in die staatliche Verwaltung hat der Operndirektor und stellvertretende Intendant Max Krauß im Interesse der von dem preußischen Ministerpräsidenten angeordneten einheitlichen Führung des Gesamtbetriebes sein Amt zur Verfügung gestellt. Er ist bis zum Antritt einer anderen leitenden Stellung zur Vorbereitung seiner weiteren Tätigkeit von den Verpflichtungen bei dem Staatstheater in Kassel entbunden. Die 13. Schachpartie remis. Im Schachwettkampf um die Weltmeisterschaft kam in Amsterdam die 13. Partie zum Austrag. Aljechin hatte die weißen Steine und eröffnete spanisch. Im Mittelspiel kam E u w e in Vorteil. Er nutzte aber feine Chancen nicht scharf genug aus, und es ergab sich eine Stellung mit etwa gleichen Chancen. Die Partie wurde nach fünfstündigem Kampf in einer schwer zu beurteilenden Stellung abgebrochen. Am folgenden Tage fand die Fortsetzung statt. Nach hartnäckigem Endspiel ergab sich ein Remi s. Stand des Wettkampfes: Aljechin 5, Euwe 4, remis 4. Die nächste Partie wird in Groningen gespielt. Aus aller Wett. Erfolg einer „KdZ.^-Abordnung in Amerika. Die Adjutanlur des Reichsleiters der DAF. Dr. Ley teilt mit: Auf Einladung der großen amerikanischen Organisation für Freizeitgestaltung hat eine Abordnung der N S.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" der Deutschen Arbeitsfront an dem „21. National Re- creation Congreß" in Chikago teilgenommen. Die Abordnung hatte Gelegenheit, den „KdF."» Madeirafilm vorzuführen und ein lebendiges Bild vom Aufbau und der Tätigkeit der NSG. „Kraft durch Freude" darzulegen. Heber den 1936 in Hamburg ftattfinbenöen Weltkongreß für Freizeit und Erholung konnte mit der ameri- konischen Organisation volles Einvernehmen erzielt und freundschaftliche Zusammenarbeit vereinbart werden. Dr. Ley hat der Abordnung Dank und Anerkennung für die erfolgreiche Durchführung ihres Auftrages ausgesprochen. hauplschriflleiler Alfred-Jngemar Berndl in die Presseabteilung der Reichsregierung berufen. Der Reichsminister für Volfsaufflärung und Propaganda Dr. Goebbels hat den innenpolitischen Hauptschriftleiter des Deutschen Nachrichten- büros Alfred-Jngemar Berndt unter Beibehaltung seiner bisherigen Stellung zur kommissarischen Beschäftigung i n die Presseabteilung der Reichsregierung berufen. Parteigenosse Berndt hat seinen Dienst am 1. November anae- treten. Fünf Jahre Zuchthaus für einen kommunistischen Funktionär. Wegen fortgesetzter Vorbereitung zum Hochverrat verurteilte der Volksgerichtshof in Berlin den 29jährigen Paul Pa p k e zu fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Er hat nach den Ermittlungen der Reichsanwoltschaft bis in das Jahr 1935 hinein für die hochverräterischen Ziele der „Roten Hilfe", einer gleichfalls verbotenen Un- terorganifation der KPD., gearbeitet. Im Inlands war er vor allem in Köln und Aachen tätig und hat hier Unterstützungsbeiträge für Kommunisten ver- teilt. Auf Auslandreisen hcst er mit leitenden Funktionären der „Roten Hilfe" in Paris, Amsterdam und anderen Orten Fühlung genommen und sich von ihnen Weisungen für seine umstürzlerische Tätig- leit erteilen lassen. Der Mörder der Frau Farcasanu ermittelt. An der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich wurden vor einigen Tagen zwei ungarische Studenten verhaftet, die in Verdacht standen, dort kleinere Diebstähle begangen zu haben. Bei ihrem Verhör verdichtete sich die Annahme, daß der eine der seit über vier Wochen von der internationalen Polizei gesuchte Mörder der rumänischen Oberstengattin Frau Farcasanu sei, die, wie seinerzeit gemeldet, am 29. September auf der Reife von Bukarest nach Paris in der Nähe von Salzburg tot auf den Bahngleisen aufgefunden wurde. Aus ihrem Gepäck waren Schmuckstücke und ein Geldbetrag geraubt. Man vermutete zunächst, daß der als internationaler Verbrecher bekannte Rumäne Teodorescu der Täter fei. Nachdem aber die Haussuchung bei einem der Studenten einen Pelz und einige Gegenstände zu Tage förderte, die der getöteten Rumänin gehörten, gestand dieser nach längerem Verhör, Frau Farcasanu aus dem Zuge gestoßen zu haben. Er habe ihr, als sie auf die Bank des Abteils gestiegen fei, um in ihrem Gepäck etwas zu suchen, einen heftigen Stoß versetzt, so daß sie das Gleichgewicht verlor und durch das offene Fenster auf die Bahngleise stürzte. Von den geraubten 4000 Francs wurde bei dem Studenten nichts mehr vorgefunden. Der Verhaftete nennt sich Karl Strasser aus Budapest, geboren 1912, stud. ing. an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Der Kindesmörder von Zahna verhaftet. Die Bluttat an der siebenjährigen Jngeborg R a s ch e y a in Zahna bei Wittenberg hat schnell ihre Aufklärung gefunden. Die von der Mordkom- miffion angestellten Ermittlungen führten binnen 24 Stunden zur Verhaftung des 23jährigen O. Reich, meister aus Zahna, der durch erdrückendes Beweismaterial überführt werden konnte und nach mehrstündigem Verhör vor der Mordkommission ein umfassendes Geständnis abgelegt hat. Die Un- tersuchung hatte einwandfrei das Vorliegen eines Sittlichkeitsverbrechens erwiesen. Reichmeister wird dem Landgericht Wittenberg vorgeführt werden. Zwei Todesopfer eines Verkehrsunglücks. In Halle geriet ein mit Getreide beladener Lastzug einer Haitischen Firma beim Einbiegen in eine Nebenstraße infolge Versagens der Steuerung auf den Bürgersteig. Dabei wurden eine Frau und ihr siebenjähriger Sohn von dem Motorwagen erfaßt und zu Boden geschleudert. Die Frau war auf der Stelle t o t. Ihr Sohn ft a r b bald nach Einlieferung ins Krankenhaus. Wetterbericht des Reichswetterdiensies. Ausgabeort Frankfurt Das osteuropäische Hochdruckgebiet hat sich weiter verstärkt. Bei absteigender Luftbewegung hält in fast ganz Deutschland heiteres und trockenes Wetter, das jedoch stellenweise durch Nebelbilduna gestört wird, an. Vom Atlantik her wandern gleichzeitig Störungsgebiete über England nordostwärts, die jedoch keinen Einfluß auf unsere Witterung erlangen werden. Aussichten für Sonntag: Abgesehen von Nebelbildung trocken und vielfach heiter, mittags ziemlich warm, nachts kräftige Abkühlung, Winde aus östlicher Richtung. Aussichten für Montag: Fortdauer des im ganzen freundlichen aber nebligen Wetters. Lufttemperaturen am 1. November: mittags 16 Grad Celsius, abends 7,6 Grad; am 2. November: morgens 2,7 Grad. Maximum 16,6 Grad, Minimum 2,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. November: abends 8 Grad; am 2. November: morgens 6,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 6,8 Stunden. . Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 35: 9929. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steinbruderei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis NM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Vom Haushalt ohne Gasgerät, man nur im Märchen noch erzählt Johanna 8. Die neuzeitliche Küche arbeitet mit dem sauberen Gas-Herd mit Brat- und Backofen dem billigen Gas-Heii. quell für Heißwasserbereituna dem schnellen Gas-Heizofen für Raumheizung Fachmännische Beratung Gas-Gemeinschaft Gießen 6345 A Zimmer - Angebote für Studierende der Universität werden sofort an- ?enommen. 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Von Dr. Hans Hartmann In diesen Tagen sind es 225 Jahre her, seit 1710 der erste Preußenkönig Friedrich I. Asyle gegen die damals in seinem Lande wütende Pest errichten ließ. In ihnen sollten die Kranken ausgenommen werden und eine sachgemäße Pflege genießen. Eines dieser Peschäuser wurde vor dem Spandauer Tor ln Berlin gebaut und brauchte glücklicherweise seinem Zwecke gar nicht erst zugeführt zu werden, da die Pest Berlin verschonte. Aber es war nicht umsonst gebaut. Durch den Weitblick des Soldaten- künigs Friedrich Wilhelms I. wurde das Haus im Jahre 1727 gleichzeitig als Garnison- und Bürgerlazarett bestimmt, baulich erweitert und mit Lehrkräften, versehen, die dort die wissenschaftliche Medizin zu lehren hatten. Kranke Menschen, an denen sie medizinische Forschungen an- stellen konnten, waren stets zur Genüge da, und so waren alle Vorbedingungen dafür gegeben, daß die „Charit s" unter der Leitung vieler besonders tüchtiger Mediziner ihren großen Ruf in aller Welt erhielt und stets vermehren konnte. Heute blicken viele Menschen aus allen Ländern auf sie und es darf uns mit Stolz erfüllen, wenn wir sehen, was dieses Institut alles für die leidende Menschheit geleistet hat. Die nun seit 225 Jahren in der Charite gepflegte Medizin ist in einem besonderen Sinne volks- verbunden gewesen. Das ist, wie wir wissen, nicht jede Forschung, denn recht oft finden wir tiefe Gräben zwischen der Wissenschaft und dem Volke. Heute, wo wir alle nach einer volksnahen Wissenschaft streben, haben wir ein Recht, in erster Linie jenen Charitegeist zu preisen, der sich nicht in weltfremde Spekulationen und Begriffe oder in kunstvolle Wissenschaftslabyrinthe, womöglich noch in einer dem Volke unverständlichen Sprache Der» spönnen hat, sondern sich unmittelbar ins Volk begab, um ihm mit allen Kräften zu dienen. Daß wir dabei nicht die rein fachlichen Errungenschaften vergessen werden, das sind wir den großen Namen schuldig, die auf immer mit der Charite verbunden sind, und von denen hier nur einige genannt seien: da ist der erste Medizinische Leiter der Charits, der weitgereiste Eller, der den Grund legte zu der Lehranstalt und von 1727 bis 1735 tätig war. Sein chirurgischer Kollege war S e n f f. Beide hatten ihre Nachfolger; die Gebiete der sogenannten inneren Medizin und der Chirurgie blieben noch bis ins 19. Jahrhundert streng geschieden. So war es seit alters Sitte, und der „Arzt" der vorhergehenden Jahrhunderte hatte sich sehr erhaben gedünkt über den Chirurgen, den er als einen Charlatan, eine Art Dorfbarbier oder einen Doktor Eisenbart ansah. Erst als die Regimentschirurgen, die den Na» men „Feldscher" trugen, in den vielen Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts große B.deutüng erhielten und als sich diese Bedeutung durch die strenge soldatische Disziplin der preußischen Könige 'mach hob, gewann der Chirurg an Ansehen. Aber das entwickelte sich sehr langsam. Das Volk wußte noch lange Zeit hindurch nicht zu unterscheiden zw'schen einem Jahrmarktdoktor, der die schwierigsten Operationen — wie z. B. Blasensteinschnitte — ausführte, und einem Chirurgen, der am Berliner collegium medico-chirurgicum gelernt hatte. Freilich bestanden auch hier noch Unterschiede: es gab Chirurgen, die rein handwerklich ihren Lehrern das Wichtigste abgesehen hatten, und es gab solche die Einblick in die inneren Zusammenhänge bekamen und die wissenschaftliche Medizin erforscht hatten. Die Charite, gegründet aus soldatischem Geist der preußischen Könige, wurde denn auch bis in unsere Tage hinein von hohen Militärmedizinern geleitet. Daher stammt ihre alte Verbundenheit mit der Armee und vor allem dem Heeressanitätswcsen. Der von 1770 bis 1779 wirkende Henckel förderte jene medizinischen Zweige, die mit dem Nachwuchs zu tun haben. Zum ersten Male sehen wir in seinen Jahrzehnten eine gesteigerte Verantwor- kunde) arbeiten zusammen. e l a n d s , der als einer Das Buch als Waffe des Geistes Zum Abschluß der Woche des deutschen Buches. Dle für die medizinische Wissenschaft ungünstige Trennung zwischen innerer Medizin und Chirurgie blieb bis zum Tode H u f e l a n d s , der als einer der Allergrößten von 1800 bis 1836 als erster Arzt der Charite gewirkt hatte, bestehen. Erst dann wurden beide ersten Stellen, die des „ersten Arztes", wie er schlicht hieß, und die des „ersten Wundarztes", in einer Person vereint und zwar in der Person des Generaldivisionschirurgus Rust. Jetzt erst konnte es zu der so notwendigen inneren 23er-- | Man sieht, wie lebendig die Wissenschaft vom deutschen Neuaufbaues, i Menschen gestaltet werden kann. Es ist bester alter Die ,Lehre vom Menschen" ist ja der Schnittpunkt, । „Charitsgeist", verkörpert in Dutzenden ihrer Pro- wo sich Rassenpflege, Medizin und allgemeine fefforen: überall d i e großen Zusammen- Kultur treffen. Auf der Naturforscherversammlung h ä n g e zu sehen, nicht am Kleinen hängenzubleiben in Innsbruck von 1869 war Virchow einer der und wahrhaft volkstümlich zu fein. Heute leben wir Gründer der Deutschen Anthropologischen Gesell- ja in einer Zeit, wo die Volksmedizin wieder mehr schäft, deren Vorsitzender er 1870 wurde. Virchow zu ihrem Recht kommt. Das unmittelbare hygienische setzte da an, wo die Wissenschaft im argen lag, Gefühl der Menschen, ihre uralte Erfahrung über und er ist ein Wegbereiter der.Germanenkunde. Am Heilpflanzen und richtige Ernährung, ja überhaupt verdienstvollsten ist vielleicht dieses: er veranlaßte richtiges Verhalten strömen wieder stärker in die eine in ganz Deutschland ausgeführte Untersuchung । Medizin ein. der Schulkinder mit dem Ziele, die Verbreitung der | -------- S i ? X ? 5 X to.3 neugeborene [ heute besonders interessieren muß, war dieser Cha-' blonden und der brünetten Rasse festzustellen. Die fnm iinhGrrl < ? ™ X ' mJ^en wirk-! riteprofessor groß. Es war das der Anthro po- Resultate waren so aufschlußreich, daß man in fast p b geschützt werden muß, wurde m seinem l o g i e, bie sich nach vielen bilettantischen Versuchen allen Nachbarländern sehr bald ähnliche Festste!- marl i ■ m°n ba äur Gegen- j erst sehr spat zu einer wirklichen Wissenschaft ent- langen traf. Besondere Studien widmete er Den “5 J^,e Rnjsen- und Erbhygiene eine auf- , wickelte. Sie findet heute auch in der Charite ihre, alten Trojanern und den deutschen Friesen. hm? in bxr Äan?- eMr^.Geburts-1 Pflege und stellt sich, wie wir alle wissen, mehr Man sieht, wie lebendig die Wissenschaft vom Hilfe, Gynäkologie und Pädiatrie (Die Kinderheil- und mehr in den Dienst des deutschen Neuaufbaues.! Menschen gestaltet roerbcn kann Es ist bester alter bindung kommen. Schon seit 1817 war durch königliche Kabinettsordre eine wirklich auf der Höhe der Wissenschaft stehende chirurgische Klinik gegründet worden, die zugleich auch zwölf Betten für Augenkranke enthielt. Es will uns jetzt unvorstellbar Vorkommen, daß einst Chirurgen die Kranken behandelten, die von den funktionellen Teilen der Medizin, Den Organen, Nerven, Muskeln, Dem Blut unD Den Drüsen nicht viel Ahnung hatten. Heute können beide Disziplinen nur in engster Zusammenarbeit etwas Großes leisten. Daß auch die anderen Einzeldisziplinen sich abspalteten, erwies sich einfach als Notwendigkeit Der Zeit. Unter Dem genialen Graefe, Der Die Operationen des „grauen Stars" verbesserte und, die des „grünen Stars" erfand, und dem vor der Charite eines der schönsten Denkmäler Berlins ge- : widmet ist, wurde die Augenklinik eine besondere Anstalt und die Ophthalmologie eine selbständige Wissenschaft. In ähnlicher Weise wurde später das Fach der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde selbständig errichtet. Ebenso ging es mit Der Kinderheilkunde, die unter Heub - ner und Czerny zu einem der lebendigsten und unmittelbar jeden ansprechenden Fächer der Medizin wurde. Hier hatten die neuen Ideen der Konstitutionslehre die beste Gelegenheit, sich durchzuletzen. Geht man heute durch die „<5tabt Der Kliniken" auf Dem G'länbe Der Berliner Charite, so spürt man Den Geist jener Männer, Die unermüdlich gegen Die Krankheit zu FelDe zogen, Die mit einem Witterungsvermögen sonDergleichen jeDe Spur verfolgen, wo sie Den FeinD packen konnten. Einer Der allergrößten unter ihnen war Robert Koch, Dem es gelang, die Bakterien sichtbar zu machen, ihre Lebensgewohnheiten zu studieren, und so die ersten Gegenmittel gegen sie zu schaffen. Ein anderer Großer im Reich der medizinischen Wissenschast ist Rudolf V i r ch o w , der auch als Politiker bekannt wurde, dessen wahre Größe aber auf dem ©'biet'’ Der pathologischen Sinai o- m i e liegt, Die Die kranken Organe und Zellgewebe studiert und daraus ihre Schlüsse sowohl für die Lehre vom Ausbau des Körpers wie vom Funktionieren feiner Organe zieht. Er gilt als der Begründer der sogenannten Zellularpathologie, die die Krankheitserscheinungen von Vorgängen in der Zelle aus ableitet, aber er war auch auf allen anderen Gebieten der pathologischen Anatomie anregend und fruchtbar. Virchow, der große Charitsarzt, war vom Geschick ausersehen, auch tief in das praktische Anwendungsgebiet der Medizin einzugreifen. So war er in Den Kriegen von 1866 unD 1870/71 Mitglied des Vorstandes des Berliner Hilfsvereins für die Armee, organisierte die ersten preußischen Sanitätszüge und erbaute das Barackenlazarett auf Dem Tempelhofer Feld Er gehörte auch Der wissenschaftlichen Deputation für das Me- dizinalwefen im Kultusministerium und der Berliner Stadtverordnetenversammlung an und hatte dadurch in manchen Fragen, wie etwa bei der Berliner Kanalisation, großen Einlluß. Virchow brachte den Ruf deutscher medizinischer Wissenschaft weit in die Welt, u. a. durch seine Studienreisen, von denen er eine im Jahre 1859 nach Norwegen machte, wo er im Auftrage der dortigen Negierung den Aussatz an Der Westküste Des Landes studierte. Aber noch auf einem anderen Gebiet, das uns — Walter Zechlin: Diplomatie und Diplomaten, Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart. Preis geb. 6,50 Mark. — (362) — Bei dem großen Jnle,e,se, das die Oeffentlichkeit von jeher in ein^m seltsamem Gemisch von beißender Kritik und ehrfürchtigem Staunen vor dem Geheimnisvollen, den Diplomaten und der Diplomatie geschenkt hat, ist es eigentlich überraschend, wie gering Die Literatur über diesen Gegenstand ist. Wir entsinnen uns eines im zweiten Kriegsjahr erschienenen Buches von Mackay über die moderne Diplomatie, Das nach einem geschichtlichen Rückblick mit vorsichtig abgewogenen Reformvorschlägen der scharfen Kritik die Spitze abzubrechen suchte, die damals, als Europa nach einem Wort Lloyd Georges soeben in Den Weltkrieg „hineingeschliddert" war, an der Diplomatie kein gutes Haar zu lassen pflegte. Sehr viel anders ist das allgemeine Urteil über Die Diplomatie auch heute nicht, und nicht ganz schuldlos Daran ist Die große Unkenntnis über Das Wesen und Die Möglichkeiten Der Diplomatie, in Deren Bereich die rechtschaffenen Hanbwerker an Zahl Die genialen Künstler ebenso überwiegen wie auch sonst überall, wo Die Größe Der Aufgabe nur selten Den Meister findet, der wider menschliche Enge und Voreingenommenheit sich durchzusetzen vermag. So war dies Buch von Zechlin geradezu eine Notwendigkeit. Ein erfahrener Mann vom Bau, der sowohl in der Zentrale, wie auf den verschiedensten Außenposten reiche Erfahrung sammeln konnte und auch als einstiger Pressechef der Reichsregierung die Fragen kennt, die Die Oeffentlichkeit befonbers bewegen, gibt hier oft mit feinem Humor, aber Doch mit durchaus nüchterner Sachlichkeit, vor der keine romantischen Illusionen standhalten können, einen gut gegliederten Aufriß des divlomatischen Handwerks. Wir lernen den diplomatischen Apparat in allen Einzelheiten kennen, die Strbeit des Diplomaten, sein Handwerkszeug, seine Stellung zur eigenen, zur fremden Regierung. zu Den Kollegen und zum Deutschtum im Ausland. Wir erfahren, wie ein schlüpfriger Boden Das diplomatische Parkett ist und wie nur ein sicherer Takt und innere Ueberlegenheit einen guten Diplomaten an all den Fallgruben vorbeiführen, die für ihn täglich aufgestellt sind. Wir sehen aber auch Die Grenzen seiner Wirsamkeit, Denn nicht er macht die Politik, wie man in Der Oeffentlichkeit besonders bann leicht anzunehmen geneigt ist, wenn eine Sache schief geht, sondern die Zentrale, von der er meist sehr genau umschriebene Instruktionen erhält und die — das beste Beispiel dafür ist wohl die England-Politik der wilhelminischen Aera — keineswegs immer geneigt ist, Den Berichten ihres diplomatischen Auslandvertreters Glauben zu schenken, wenn sie ihr nicht in Die eigene Schablone vasten. Ein wichtiges Kavitel behandelt auch die Ausbildung Der jungen Diplomaten, an die recht erhebliche Anforderungen gestellt werden. In diesen Zusam- menhang gehört die oft erörterte Frage, wie weit Außenseiter in der diplomatischen Karriere von Nutzen sind. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo mit dem Präsidenten und dem gefaulten Stab der leitenden Beamten auch die wichtigsten Außenmissionen zu wechseln pflegen und mit Vertrauensleuten des neuen Regierungschefs besetzt werden, sind die europäischen Mäche durchweg mit Außenseitern recht sparsam gewesen. Es liegt in Der Natur Der Sache, Daß diese und ähnliche delikate Fragen von Zechlin nur andeutungsweise berührt werden. Trotz dieser gebotenen Zurückhaltung ist das Buch außerordentlich aufschlußreich und roiro gewiß dazu dienen, manches Vorurteil über die Diplomatie und die Diplomaten zu zerstören. -e — Gerhard Gesemann: „Die Flucht". Roman. In Seinen gebunden 4,80 Mark. Verlag Albert Langen,Georg Müller, München. — (373) — In diesem Tagebuch-Roman erzählt ein Deutscher, Der 1914 als Lehrer am Gymnasium in Belgrad vom Krieg überrascht wurde und nicht mehr in die Heimat zurückkehren konnte, die abenteuerliche Geschichte seiner Flucht mit dem serbischen Heer über die fast ungangbaren Gebirge Montenegros und Albaniens herab zum Adriatischen Meer, wo er schließ- lich in Sicherheit gelangt und den Weg zur erhofften Rettung findet. Dieser Rückzug des Durch Hunger und Seuchen geschwächten serbischen Heeres, das sich, nahezu von allen Seiten umzingelt, nur mühsam seiner Verfolger erwehrt, wird nach der Eroberung Belgrads durch die deutschen Truppen zur Flucht eines ganzen Volkes, dessen Schicksal unrettbar besiegelt zu sein scheint. Als einer der serbischen Gefangenen muß dieser Deutsche Leid und Mühsal und alles Elend der Flüchtlinge auf sich nehmen; und dennoch bewahrt er sich inmitten des drohenden Untergangs sein wissendes Herz und seinen fühlenden Verstand und überwindet alle tödliche Verzweiflung angesichts der seltsamen Schönheit des fremden Landes und feiner Menschen, mit denen ihn das Schicksal des Krieges zusammenführt. Seine Fluchtkameraden sind Bauern und Hirten, Professoren und Studenten, Frauen und Kinder. Mit ihnen kampiert er in Ställen, Scheunen und auf freiem Felde, zuweilen wird er aber auch gastlich ausgenommen von edlen serbischen Familien und frommen Mohammedanern. Diesem MaNne erschließt sich auf seiner beschwerlichen Flucht das wahre Wesen jenes oft mißverstandenen Volkes erst in seiner ganzen Größe. Er geht in Den Städten und Dörfern dieses umkämpften Landes feiner uralten, wechselvollen Geschichte nach, erfährt von den noch immer Herr- Gießener Konzertverein. 1. Symphonie-Konzert. Die auf urgefunöem musikalischem Kem erwachsene Suite im alten Stil von Ottmar ©erster wurde dem beginnenden Konzertwinter ein verheißungsvoller Auftakt. Prunkvoll, den trefflichen einzelnen Klanggruppen Des Orchesters angemessen, entsaftete sich das Vorspiel im reizvollen Wechsel der Klangepisoden der Streicher und Bläser. Formschön und liebenswürdig, mit einem Zug ins Gravitätische Das Menuett, ^n Dem nur Den Bläsern zu- geteilten Triosatz strahlten diese mit ihrem Können im hellsten Licht. Die anmutige Schäferszene mit ti r mp iiTufani n Oboe uhrte hinüber zu der Jagdszene, die den Komponisten mit seiner polyphonen Fülle, feiner markigen Thematik, Dem Fein- empfinDen für Klangschattierungen und Der Entwicklungssteigerung Des großen Schluffes zeigte. Hier bewies der spontane Beifall, Daß Die junge Generation Die Anerkennung Der Konzerthörer stets finDen wird, wenn sie in ihren Werken tüchtiges Können und zielstrebiges Wollen mit der Kraft Der Er'indung vereint. Was Maria Neuß, Berlin, im Vorjahre mit ihren Fähigkeiten verheißen hatte, wurde mit der Durchführung des Violin-Konzertes von Johannes^B r a h m s vollste Erfüllung. Wie sie gerade als Frau dieses herbe, strenge Werk meisterte. Das zwingt Bewunderung ab. Ihr warmer klang- gesättigter Ton, der jede innere Regung aufs engste widerspiegelt, allen dnnamischen Graden nachgebend, stets tragend und mit feinem Schmelz den Raum erfüllt, iic Die sicherste Voraussetzung für ihre breite strömende Kantilene. Ueber Die Bewältigung des Technischen allein ist Maria Neuß weit hinaus, die größte Schwierigkeit wird von ihr schlackenfrei gelöst. Um so tiefgründiger kann sie daher das Werk durchdringen und frei von jeglichem Anstudierten erlebte man hier die ideale Nachschaffung des an musikalischen und technischen Klippen so reichen Konzertes. Und dennoch, was sie als Geigerin vermag auf der Höhe der musikalischen Erregung im Banne der großen Intuition, das bewies die Kadenz im ersten Satz. Wenn nach dem reichen Erfolg im Vorjahre noch eine Steigerung möglich war, 'so wurde sie diesmal unableugbare Tatsache. Die große Linie der musikalischen Darstellung, die Professor Dr. Stefan Temesvary mit © e r ft e r 5 Suite bedeutungsvoll begonnen hatte, bestätigt^ sich im Brahms- Konzert. Wie fein er die Klangmassen differenziert abdämpfte, um den Solisten sein Recht zu geben, wie er im Orchester-' pari Den musikalischen Vorgang organisch klarlegte. und Oder war es kein Wunder, wenn plötzlich in Der ... k 1 A V* PaM ß 1 t « A t fÖ A Ti A L A M M A «tf L A* Dr. H. 500 Paar wol ene Strümpfe! lag' Beblanken Kugel ein Gestöber von Flocken anhub, ein Tanz von glitzernden, Hellen kristallklaren Schnee- BOM. rm O:enste der Tin erh lfe Auf dem Schreibtisch der Untergauführerin eiMmerkwürdiges Paket, das als Aosender Die und zog damit nach Hause. Schon mittags hatten wir nur noch Wolle für Drei ober vier Paar. Nachmittags aber war auf Der Geschäftsstelle ein Hochbetrieb wie noch nie: „Wir haben gehört, man kann bei euch Strickwolle für Die.Winterhilfe bekommen. Unsere Mädel möchten auch gern helfen ..." Dreimal mußten wir im Laufe des Nachmittags bei der NSV. anrufen und neues M a - t e r i a t nachfordern. Am andern Ende des Drahtes wurden sie immer vergnügter: „Aber Mädel, wollt ihr das wirklich übernehmen? Es ist uns ja eine große Hilfe. Aber schafft ihr's denn auch?" — „Ich übernehme die Verantwortung", sagte die Untergauführerin. Bis zum Abend hatten wir Wolle für 200 Paar Strümpfe verteilt. In den nächsten Tagen tarnen noch 300 dazu. Dann hatte die Nähstube keine Wolle mehr. Aber noch immer kamen täglich Mädel zu fternen, Die von irgenDwoher kamen und im Nu Den Hohlraum im Glase mit ihrem Geflirr und Geflitter anfüllten? Wenn sie — stand die Kugel wieder fest auf ihrem alten oder auf einem neuen Platz — sich leise und langsam herabsenkten auf die roten Dächer, den goldenen Hahn auf dem spitzen Kirchturm und auf Das Moos im Grunde? Wenn mitten im Sommer oder im Frühjahr oder im braunen Herbst hier ein winterliches Fest vor unseren Auaen aufging und, von ihm kommend, vor unseren Nasen der Duft von Bratäpfeln, vor unseren Ohren Das Knirschen von Schnee und lustiges Schellenklingel der Schlitten, vor unseren Augen Der Winter in seiner ganzen Herrlichkeit entstand? Wer wollte da uns Kindern dies Wunder von den gläubigen Herzen abstreiten? Die Kugel ist im Laufe der Jahre verschollen. Vielleicht ist sie zersprungen, einmal irgendwann; vielleicht liegt sie irgendwo in einem Winkel eines Mein Schneegestöber liegt nicht in der Zukunft, es kommt aus Der Vergangenheit. Dort trieb es im Hause meiner Großeltern sein Wesen, still unD meist unbeachtet auf Dem Schreibtisch eines alten, würdigen Herrn, in einer mächtigen Kugel aus dickem Glase. Aus einem Schreibtisch, der von uns Kindern "'N hrfer Glasf"ael willen mit höchster Ehr- i furcht und mit tiefer Sehnsucht betrachtet wurde. das ließ seine Dirigentenfähigkeiten aufs neue erkennen. Ganz besonders stark mußte da der Eindruck von Beethovens Siebenter werden. Die erwartende Vorbereitung Der Einleitung bannte und spannte, nicht zuletzt in den Ueberleitungs- taften. Die Entwicklung des Vivace war für ihn gleichbedeutend mit einem steigerungskräftigen allmählichen Hineinwachsen in das Tempo. Das über Das Auegretto ausgegopene wachsende Licht erhob sich bei ihm zu plastischer Deutlichkeit. Drängend das Scherzo mit klanglicher Beschaulichkeit des Trios. Unerscyop,ilich in seiner Krast und Vielseitigkeit Der Ausbruch Des Temperaments im Finale. Das Orchester folgte seinem Dirigenten bis zur letzten, feinsten Ausdeutung, in jeher Klanggruppe von stärkstem Wollen beseelt und glücklichem, vollem Gelingen begabt. Ein geringfügiges Versehen Der Trompeten bei Der Triowiederholung im Scherzo soll angesichts der Gesamtleistung nicht gewertet sein Das sehr gut besetzte Haus belohnte das ernste Bemühen mit vollster Zustimmung. Das ist nun schon eine Weile her, und inzwischen klapperten an den Heimabenden überall eifrig die Stricknadeln. Auch bei uns im Untergaubüro benützen mir jede freie Minute, um „schnell mal eine Reihe abzustricken". Schon sind die ersten Paare fertiger S t r ü mpfe bei uns eingetroffen und wurden. । fein übereinander gebündelt, bei der Winterhilfe abgegeben. Die andern werden in den nächsten Wochen nachkommen. Denn wir haben eine Aufgabe übernommen, für die wir einstehen. Auch wenn es sich nicht um große Dinge handelt, sondern nur um 500 Paar Strümpfe. R. T. schön!" — Die Bürostunden gingen weiter, wie gewöhnlich. Jedes Mädel, das auf die Geschäftsstelle kam, erhielt sein Päckchen Wolle in die Hand gedrückt । xmhhch, um uciicu tun: ipuitrie oeu niujib anzufangen wußte. Vielleicht war sie zu bunt, um noch leben zu können, als kein Kind mehr an ihr Freude hatte. Wer weiß das alles. Wer kennt die Nur wegen dieser Kugel und beileibe nicht wegen Der Aktenbündel ober der alten Bücher, die im Hintergründe aufgestapelt standen wie eine graue, drohende Wand. Was war Das für eine Kugel! Was war es um sie für ein schönes herrliches Geheimnis! Sie ruhte auf einer Glasplatte unD unten, auf ihrem abge- flachten Boden, war ein Dorf eingebaut, ein winziges Dorf mit winzigen Häusern unter ziegelroten Dächern, mit einer Kirche, Die einen spitzen Turm trug und einen richtigen goldenen Hahn darauf. Der Boden war grünes Moos mit Wegen darinnen, die glänzten wie die verschörkelten Pfade im bunten ©arten hinter dem Hause, auf die man in jedem Jahre neuen Silberkies schüttete. Aber bann, wenn man bie Kugel in die Hanb nahm, um einen neuen Brief barunter zu tun ober um ein Aktenbündel Damit zu beschweren, dann geschah Das Wunder. Seele einer solchen Kugel, bie mitten im hohen Sommer einen weißen Winter in sich hineinzau- bern konnte. Vielleicht war sie ein Poet in bem Geschlecht der Briefbeschwerer. Einer von denen, über die man sagt, daß sie etwas zaubern können, was eigentlich gar nicht da fein dürfte. Schneegestöber im Sommer, ein Schn'«'gestöber in der Glaskugel: Was sind dies nun für Dinge ... Zeichnung NSV. trug. Es war groß, dick und fühlte sich weich an. Als wir die Verschnürung gelost hatten, fielen 20 Lagen weicher schwarzer Wolle heraus. Die Nähstube der NSV. hatte uns Material für 10 Paar Strümpfe geschickt, die wir für die Winterhilfe stricken sollten. Wir freuten uns, und die Wolle wurde verteilt. — „Zwei Paar übernehm ich!" — „Mir auch zwej Paar, bitte!" — „Viel Zeit habe ich ja nicht, aber ein Paar schaffe ich schon!" — Im Handumdrehen war das Paket leer. — „Weiter ist nichts mehr da? In meiner Mädelschaft hätten die Mädel bestimmt uns auf die Geschäftsstelle: „Hier soll es doch Strumpfwolle fürs Winterhilfswerk geben ...", zogen enttäuscht ab, wenn sie unsere leeren Fächer sahen. führerin, „die Nähstube gibt uns sicher gern noch Wolle!" Sie rief bei der NSV. an. — „Die Nähstube, bitte! — Hier ist der BDM — der Untergau, jawohl! — Können wir noch einmal Strumpfwolle haben? Etwa für 50 Paar? — Fein! Danke Schneegestöber. Von Johann £)f‘o Br nqezu Gemach, gemach; noch ist es nicht die Zeit, daß 1 alten Hauses unter Gerümpel versteckt bei anderen die Flocken vom Himmel stäuben, wenn Frau gingen, mit denen eine spätere Zeit nichts anzu- Holle ihre Dunklen Himmelsbetten schüttelt. UnD ich fangen wußte. Vielleicht war sie zu bunt, um noch auch gern gestrickt!" — Es gab immer noch einige, w m m ........................... ...... Deren Wünsche nicht erfüllt waren! | bin*"fein" WÄerkunDi'ger,' der^ „Ach, wenn es Daran liegt", lachte Die Untergau- will, Die im Oktober ober im November so gut xu niht im« firfcor n»r„ i eintreffen können, wie im Dezember ober Januar. sehenden patriarchalischen Sitten und Bräuchen und lernt die Sagen und Heldenlieder eines tapferen, ehrliebenden Volkes kennen, dessen stolzer Freiheits- rville Achtung verdient. Aus Aufzeichnungen des Augenblicks ist ein Buch geworden, das uns mit bildhafter Kraft in fernes Land und Volk, in fremde Schicksale und in vergangene Zeiten versetzt. — Adolf Meschendörfer: „D e r Buffe l b r u n n e n". Roman. Zn Leinen gebunden 5,50 RM. Verlag Albert Langen/Georg Müller in München. — (286) — Der Roman erzählt wieder von dem Schicksal der siebenbürgischen Heimat und von dem gefährdeten Volksdeutschen Leben im Südosten Europas. Die Handlung umschließt Verlobung, Hochzeit und erstes Ehejahr eines jungen Gymnasiallehrers, der an der Seite seiner geliebten Frau den Weg findet aus der Enge verschwärm- ten Aesthetentums in die Wirklichkeit eines neuen tatfrohen Lebens. Auf der Hochzeitsreise ans Schwarze Meer, als er auf fremder Erde an der äußersten Grenze des Abendlandes das deutsche Dorf „Am Büffelbrunnen" entdeckt und von dessen glück- und leidvollen Auf und Ab im Wandel der Geschichte erfährt, überwindet er alle fruchtlose Träumerei und wird sich seiner Pflichten bewußt, die ihn auf Gedeih und Verderb mit seinem Volke verbinden: der ehedem vor der deutschen Gegenwart die Augen verschloß und in einer untauglichen Welt zu Hause war, ist nun sehend geworden und zum Manne gereift, der weiß, daß er in einem größeren Zusammenhänge steht und daß der Smn eines Manneslebens auf Höheres gerichtet fein muß als nur auf das Wissen um schöne Verse. Diese Erfüllung eines einzelnen Schicksals vollzieht sich inmitten einer an Abenteuern reichen und vielgestaltigen Welt, die mit ungemein farbiger Anschaulichkeit sehr reizvoll und eindringlich geschildert wird. Aus all dem Frohsinn und der strahlenden Heiterkeit dieses Lebens spricht der Glaube an die Zukunft des siebenbürgischen Volkes, das trotz vieler Feinde ringsum und trotz mancher Mängel und Schwächen im Innern sich immer wieder siegreich behauptet. — Von Anton Schnack sind zwei neue Prosabücher erschienen: „Kalender-Kantate" in der Greif-Bücherei, Berlin (55 Seiten. — '359) und „Die fünfzehn Abenteurer", Lebensläufe und Schicksale, im Verlag Max Möhring, Leipzig (140 Seiten. — 358) Eine ganze Reihe der in diesen beiden schmalen Bänden vereinigten Kapitel sind früher einzeln in unserem Feuilleton erschienen: sie sind auch insgesamt für die erzählerische Eigenart Schnacks, für den Stil und für den ausgesprochen lyrischen Einschlag in seiner Prosa charakteristisch. In der Kalender-Kantate rollt das Jahr in seinem natürlichen Ablauf vom Aufgang bis zum Niedergang am Leser vorüber: die zwölf Kaoitel, von denen jedes einem Momtt gewidmet ist fiepen gleichsam jeweils unter dem zugehörigen Tierkreiszeichen und fangen in zarten, flüchtigen Bildern und Betrachtungen, in kleinen Erlebnissen und Erinnerungen die Stimmung und jahreszeitliche Besonderheit der zwölf Monate ein. — Schärfer im Umriß, obwohl nicht unähnlich sonst in Aufbau und Erzählweise, präsentieren sich die Lebensläufe und Schicksale der fünfzehn Abenteurer, Geschichten, die zwanglos aneinandergereiht sind und natürlich beliebig vermehrt werden könnten. Eine wilde und romantische Welt tut sich da auf in knappen, fesselnden, oft erregend eindringlichen Schilderungen; Gesichter und Gestalten aus allen Zeiten und Zonen: der Tänzer Nijinsky und der deutsche Condottiere Johann Georg von Wüst, die chinesischen Marschälle Wu-Pei-Fu und Chang-Tsolin, der im Weltkriege gefallene Leutnant Farwick, die exzentrische Gräfin Taylor Toiras und der im ewigen Eis erschlagene Bootsmann Nikifor Begitschew. —y— — Technik voran? 1 9 3 6. Jahrbuch mit Kalender für die Jugend. Herausgegeben vom Deutschen Ausschuß für Technisches Schulwesen E. V. Mit 60Pbotos, 40 Zeichnungen, 10 Skizzen, 7 ganzseitigen und 8 Kunstdrucktafeln sowie 1 Kartenbeilage. 240 S. Kart. —.95 Mark. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig und Berlin 1935. — (355.) — Der neue Jahrgang enthält — wie seine Vorgänger — kurz gefaßte, allgemein verständliche Berichte und Erzählungen über neueste Ereignisse und Geschehnisse aus dem Bereich der Technik. Die Fortschritte des Verkehrs werden ausführlich beschrieben und in zahlreichen Abbildungen veranschaulicht. Fernsehen und Fernmeldetechnik, Winke für Photoliebhaber und Modellflugzeugbauer sind in dem Büchlein enthalten. Auch viele andere Dinge werden behandelt, die heute ieden jungen Deutschen beschäftigen: Arbeitsdienst und Landgewinnung. körperliche Ertüchtigung, Sport und Wehrtechnik. Geschichten ans aller Welt Spur zu kommen. Das beste Geschäft aber machten bis zum Augenblick die Holzfäller, denn sie erhielten einen sehr ansehnlichen „Finderlohn". Ein interessantes Filmverbot. (zi) Budapest. Die ungarische Filmzensurbehörde hat dieser Tage einen von einer einheimischen Filmgesellschaft gedrehten Abenteurerfilm zurückgewiesen. Nicht etwa, weil er vielleicht zu abenteuerlich wäre und Mord und Totschlag in ihm dominierten, oder weil seine Handlung gegen die guten Sitten oder den Geschmack verstieße, auch nicht, weil er politisch nicht einwandfrei ist, sondern — weil mitten in seiner Handlung eine Verfolgungsszene im Auto vor- kornrnt, die über eine ungarische Landstraße führt. Und bei dieser Verfolgung werden auf eben dieser vaterländischen Landstraße dichte weiße Wolken Staubes aufgewirbelt, die man malerisch sich zur Seite über die Felder wälzen sieht! Diese Szene, meinte die Filmzensur, tue jeder ungarischen Fremdenwerbung Abbruch und sei geeignet, sämtliche Automobilisten davor abzuschrecken, Ungarn zu besuchen, dessen Landstraßen nicht annähernd so staubig seien, wie es in diesem Film dargestellt werde. Dieses Urteil ist für die davon betroffene Filmgesellschaft um so ärgerlicher, als sie, um irt dem Film — wie es das Manuskript verlangt — einen trockenen und heißen Sommer ganz besonders lebendig zu veranschaulichen, eigens einige Tonnen künstlichen Staubes auf der Landstraße vor der Aufnahme hatte entleeren lassen. Tissier seinen Freund, ihm jetzt weiterzuhelfen. Sarrazin aber wies Tissier ab. Worauf der eben aus der Gefangenschaft Entkommene zur Polizei ging und Sarrazin anzeigte. Er wird zwar wahrscheinlich wieder ins Bagno geschickt werden, aber sicher nicht ohne seinen Komplicen Sarrazin, der sich zur Unzeit so geizig gezeigt hatte. Was ist ein Gentleman? (—) London. Danach ist ein Gentleman, wer „sauber ist innen und außen; sich nicht erniedrigt vor den Reichen und sich nicht aufspielt vor den Armen; zu gewinnen weiß, ohne mit einer Wimper zu zucken, aber auch zu verlieren weiß, ohne sich erschüttern zu lassen; wer achtungsvoll ist gegenüber Frauen und Greisen und freundlich zu Kindern; wer zu stolz ist, um zu lügen, aber auch zu wach, um sich betrügen zu lassen; wer klug die Güter verwaltet, die das Leben ihm schenkt, aber auch den anderen ihr Teil läßt und ihr Lebensrecht dazu". Die schönste Briefmarke der Welt. (A. Z.) Marseille. Der Briefmarkenliebhaber bewertet seine Marken bekanntlich nicht nach ihrer Schönheit, sondern ausschließlich nach ihrer Seltenheit. Die teuersten Marken sind darum keineswegs die schönsten, und die schönsten sind fast ausnahmslos so gut wie wertlos. Immerhin hat der Philatelist trotzdem Sinn für die Schönheit feiner Marken. Als kürzlich in Frankreich eine Umfrage nach der schönsten Marke der Welt veranstaltet wurde, nannte kaum einer der Interessierten eine teure Marke, sondern fast ausnahmslos Briefmarken, die heute noch im Umlauf sind und schon allein deswegen keinen Wert haben können. Als schönste Marke wurde schließlich die schwarze Pennymarke Großbritanniens mit dem (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Wochenlohn — literweise. (zi.) Sidney. Die neueste Währung auf den australischen Goldfeldern ist — Wasser. Besonders im Golddistnkt von Tenants Creek in Mittelaustralien ist Wasser eine derartige Seltenheit geworden, daß kürzlich z. B. ein Zimmermann, der dort Holzbaracken erbaut hatte, seinen Lohn dafür in Gestalt von 80 Gallonen Wasser (eine Gallone = 4,543 Liter) ausgezahlt erhielt. Dieser Wassermangel gibt übrigens zu den äußersten Bedenken Anlaß. Während der letzten sechs Monate hat es in jenen Bezirken nur ein einziges- mal während einer knappen Stunde geregnet, und das dabei aufgefan'gene Wasser ist eine einzige kleine Quelle, die sich nur nächtlich füllt, und nach ihrer anstrengenden Arbeit am Tage wandern jede Nacht Hunderte von Männern und Frauen mit allen möglichen Gefäßen dorthin, um sich ihren Wasserbedarf zu verschaffen. Bisher gibt die Quelle jede Nacht etwa dreitausend Gallonen her, aber fie droht bald erschöpft zu sein. Dann ist auch diese einzige Stelle innerhalb eines Bereiches von fünfzig Quadratmeilen, wo trinkbares Wasser aufgefunden wird, versiegt. Indische Statistik. (ha.) Bombay. In mühsamer Arbeit ist eine große Anzahl früherer statistifcher Angaben über Indien im Laufe der letzten Monate geprüft und revidiert worden. Bei dieser Gelegenheit haben sich mancherlei Zahlen ergeben, die man bisher nicht kannte. Indien ist so groß wie Europa ohne Rußland. Es hat 1,5 Millionen Quadratmeilen Podenausdeh- nung. Britisch-Jndien allein ist 20mal so groß wie das englische Mutterland. Es gibt in Indien 600 Eingeborenenstaaten. Einige von ihnen sind nur einige Quadratmeilen groß. Andere aber, wie z. B. Haiderabad, sind erheblich größer als England. In ganz Indien wohnen 339 Millionen Menschen. Also lebt jeder fünfte Mensch der Erde in Indien. Von diesen 339 Millionen leben in Britisch- Bild der Königin Viktoria gewählt. Die Marke ist jedem Sammler, auch dem Anfänger gut bekannt, ebenso die zur zweitschönsten erklärte französische Briefmarke mit der Säerin, die in unzähligen Exemplaren verbreitet ist. Die Totenstadt unter Granada. (a. u.) Madrid. Holzfäller, die kürzlich einen uralten Baum in der Nähe von Granada umlegten, waren erstaunt, als sich unter den Wurzeln eine Höhlung auftat, die den Eingang bildete zu einer regelrechten Gräberstadt. Gänze Steinhäuser befanden sich in den Tiefen der Erde. Man schätzt das Atter dieser Gräber- eines Preisausschreibens, das eine englische Wochenschrift veranstaltet, auf eine recht interessante Auslegung des Begriffs „Gentleman" geeinigt. Indien allein 257 Millionen. 310 Millionen sind Landleute, sehr arm und stehen auf dem niedrigsten Lebensniveau. • Man zählt in Indien zwei große Religionsgruppen. Die Hindus umfassen 239 Millionen, die Mohammedaner 77 Millionen Menschen. Es kommen noch hinzu 4,5 Millionen Sikhs und 6 Millionen Christen. Abgesehen natürlich von zahllosen kleinen und großen Sekten, die sich über das ganze Land verbreiten. 52 Millionen Inder gehören zu den niederen Kasten. Interessent ist, daß in Indien 120 000 Misch- blütige leben, also Abkömmlinge von europäischen und indischen Eltern. Ferner sind 160 000 Europäer im Lande. Nach siebzehn Jahren .. . (Da.) Mexiko. Die Damen der Stadt Panama wußten die Seifen und Schönheitsmittel des Herrn Sarrazin wohl zu schätzen, und sein Parfümeriegeschäft ging glänzend. Bis eines Tages ein merkwürdiger Kunde in fein duftendes Reich einbrach und Sarrazin dem Verderben auslieferte. Den Verkäufern des Geschäfts war es nicht gelungen, den Eindringling abzuweisen. Der verwahrloste Kerl brach sich gewaltsam Bahn zum Privatkontor des Geschäftsinhabers, hatte eine längere, ziemlich heftige Aussprache mit ihm und verließ den Laden mit drohendem Gesicht. Herr Sarrazin mußte selbst eines von seinen belebenden Wässerchen in Anspruch nehmen, ehe er wieder zu sich kam, und verbrachte den Rest des Tages allein in feinem Kontor^ Am nächsten Morgen wurde er von der Polizei abgeholt. Seine Angestellten und die Damen von Panama sahen ihn nicht wieder. Wie vor Gericht bekannt wurde, hatte sich Herr Sarrazin vor siebzehn Jahren in einem Pariser Vorort an einem Raubmord beteiligt. Als Täter wurde ein gewisser Tissier verhaftet und zum Bagno verurteilt. Er ging nach Französisch-Guayana, ohne seine Komplicen anzugeben. Nach fünfzehn Jahren Gefangenschaft konnte Tissier flüchten, er schlug sich bis nach Panama durch und entdeckte dort den Mithelfer bei feiner Tat, den Parfümeriebesitzer Sarrazin, der damals entkommen konnte und sich mit feinem Beuteanteil in Panama eingerichtet hatte. In der Unterredung im Kontor bat Einführung des Arbeitsbuches für „Häusliche Dienste". Vom 1. Oktober 1935 ab ist mit der Einführung des Arbeitsbuches für die Angehörigen der Betriebsgruppe „Häusliche D i e n ft e" begonnen worden. Darunter find alle Tätigkeiten zu verstehen, die im Rahmen der privaten Haushaltungen von Hausgehilfinnen oder Angestellten, Lehrlingen ober Volontärinnen verrichtet werden. So werden also außer den Hausgehilfinnen die hauswlrtfchafllichen Lehrlinge und die lUäb- chen im hauswirlschafllichen Jahr, die Hausdamen, Stützen, haushaltspflegerinnen, Wirtschafterinnen, die Hauslehrerinnen, Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen und Kinderpflegerinnen ufw., aber auch die Diener und Hausgärtner Arbeitsbücher bekommen. Auch die regelmäßig stundenweise beschäftigten Arbeitskräfte brauchen ein Arbeitsbuch. Wie erhalten diese Personen ein Arbeitsbuch? Sie fordern beim Arbeitsamt einen Antrags Vordruck an. Darin finden sich Fragen über ihre Personalien, ihren beruflichen Werdegang und ihre berufliche Tätigkeit. Sie alle müssen wahrheitsgetreu und sorgfältig beantwortet werden. Zeugnisfe ober sonstige Arbeitspapiere finb bereitzuhatten unb bem Arbeitsamt auf Verlangen vorzulegen. Auf bem Antrag ist von ber Ortspolizeibehörbe, bei ber ber Antrag- steiler polizeilich gemelbet ist, bie polizeiliche Meldung zu bescheinigen. Diese Bescheinigung wird kostenlos erteilt. Der fertige Antrag muß bei bem Arbeitsamt eingereicht werben, in besten Bezirk ber Antragsteller polizeilich gemelbet ist. Auf Grunb biefer Angaben werben bann vom Arbeitsamt bie Arbeitsbücher ausgestellt. Wenn also ber Beschäftigte auch selbst bafür sorgen muß, baß er ein Arbeitsbuch bekommt, so ist es boch Sache bes Betriebsführers, in biefem Fall ber Hausfrau, sich barum zu kümmern, baß bies geschieht. Sie hat selbst ein Interesse daran. Insbesondere kann sie bei Neueinstellungen int Haushalt feststellen, was ber Bewerber, ben sie in ihr Haus aufnehmen will, alles gelernt hat. Es empfiehlt sich, die Anlragstellung nicht hinauszuschieben, da für die Einführung des Arbeitsbuches in der Gruppe „häusliche Dienste" nur einige INonate vorgesehen sind. Von einem bestimmten Zeitpunkt ab, den der Reichs- und Preußische Arbeitsminister nach § 2 des Gesetzes festseht, dürfen keine Arbeitskräfte mehr eingestellt werden, die nicht im Besitz eines Arbeitsbuches find. Es ist zweckmäßig, baß bie Hausfrau in bem Falle, baß bas Arbeitsbuch zwar beantragt, aber noch nicht ausgegeben ist, bem Arbeitsamt Anzeige von ber Entlastung einer im Haushalt beschäftigten Hilfskraft macht unb beren neue Wohnung angibt, bamit bas Arbeitsbuch burch bas Arbeitsamt richtig zugestellt werben kann. Alle Hausfrauen unb bie bei ihnen beschäftigten Arbeitskräfte haben von sich aus bazu beizutragen, baß sich bie Einführung bes Arbeitsbuches für die Betriebsgruppe „Häusliche Dienste" ordnungsmäßig und reibungslos vollzieht. Uniformen'«; Wehrmacht in feinster Maßarbeit Erste Spezialkräfte, Garantie f. tadellosen Sitz — Reparaturen — Effekten Herren-Bekleidungshaus Gießen G.m.b.H. Marktplatz Vertragslieferant der Heereskieiderkasse SMMMWWM Roman von Frank $. Brann. 1 Fortsetzung. Nachdruck verboten! 2. Kapitel. Konsul Bernhard Bastenberg wohnte nicht an der Alster. Das hatte Jabusch in seinem Bericht an Basilius nach Wien glatt erfunden. Jabusch war der Meinung, jeder reiche Mann in Hamburg müsse fein Haus an der Alfter haben. Konsul Bassenberg bewohnte mit seiner Familie eine Villa am Mittelweg, bie geräumig genug war, baß auch sein Privatsekretär Herr Zerny bort Unterkunft fand. Wenn nicht gesagt worden wäre, daß Zerny wirklich des Konsuls Sekretär war, der hätte den noch jungen Mann viel eher als den Hauslehrer der aroei Knaben angesehen. Tatsächlich widmete er seine ganze Freizeit diesen beiden. Unb ber Konsul ließ ihm viel freie Zeit. Tagsüber war Bernharb Basfenberg in feinen Kontoren in der Innenstadt beschäftigt; abends erst kam er nach Hause. Zerny war sich bis dahin selbst überlassen; denn Frau Lena beanspruchte ihn nicht. Er bekam fie an manchen Tagen überhaupt nicht zu fehen, außer bei den Mahlzeiten, die man an gemeinsamer Tafel einnahm. An diesem Tage war allerdings die so gewohnt gewordene Zeiteinteilung über ben Haufen geworfen worden. Peter, der ältere ber Jungen, wurde zehn Jahre alt. Der Konsul hatte sich schon gleich nach ber Börse freigemacht unb war nach Hause gefahren. Man nahm ben Kaffee im Garten ein, benn es war warm unb bie Sonne schien angenehm. Peter hatte sich ein paar Freunbe eingelaben. Schokolabe würbe getrunken und Geburtstagskuchenberge vertilgt. Dann schlug Peter als erster vor, ein Räuber- unb Prinzeß-Spiel zu veranstalten. Der große partartige Garten mit seinen Büschen unb Hecken bot Schlupfwinkel und Verstecke genug. Der Vorschlag wurde sofort einstimmig angenommen. Frau Lena, der Konsul und Zerny durften sich nicht ausschließen. Frau Lena mußte sogar die Hauptrolle übernehmen; es war ja fast selbstoer- jttindlich. daß sie bie Prinzessin zu spielen hatte. „Ihr müßt mir genügend Vorsprung lassen", sagte Frau Lena; sie warf mit einem Lachen ben Kopf in ben Nacken unb strich bas blonbe Haar zurück, burchaus bereit, eine nur schwer zu erbeu- tenbe Prinzessin abzugeben. Sie nickte ihrem Manne zu. „Du führst wohl bie Räuberbanbe, Rinalbini. Ich verpflichte bich, mich nicht eher zu suchen, bis volle fünf Minuten herum finb." Der Konsul lachte. „Zerny soll Zeuge sein", sagte er, „in fünf Minuten brechen wir auf, bich zu suchen." Sie nickte, beugte sich noch einmal verstohlen zu ben Männern unb flüsterte: „Ich gehe in bie Laube an ber Straßenseite." Der Konsul unb Zerny blinzelten oerftänb’nis* innig, Man würde die Jungen in eine andere Richtung locken. Lena Bassenberg ging den Kiesweg entlang vom Hause weg; hinter den Rhododendrongebüschen verschwand sie bereits ben Blicken der Zurückbleibenden. Sie beeilte sich nicht sonderlich. Als sie anlangte in der Laube, bie nur ein Netzgitter von der Straße trennte, waren bie ausgemachten fünf Minuten noch längst nicht herum. Sie nahm auf ber Bank Platz und wartete. Bald würde der Kriegsruf erschallen, und dann fand vielleicht Peter ihre Spur, ober ihr Jüngster lief als erster in ihre Arme. Ihren Mund umspielte ein glückliches Lächeln. Sie sah zum Haus hinüber, das aus bem Grün aufragte unb wartete auf bas Signal. Auf bie Straße, bie ein wenig tiefer lag als ber Garten, schaute sie nicht. Sie hatte sonst längst ben Mann bemerken müssen, ber bort unter einem Baum stand unb zu ihr hinaufsah. Sicherlich hätte sie ihn auch sofort erkannt, genau wie Basilius sie erkannt hatte. Basilius überlegte. Soll ich sie anrufen ober steige ich bester erst ein? Vielleicht läuft sie mir einfach bavon, wenn ich jetzt rufe? Seine Munbecken träufelten sich, viele kleine Falten sprangen ihm ins Gesicht. Sie kann ja nicht baoonlaufen, wenigstens nicht weit genug. Dom Haus herüber erschollen gellenbe Knabenrufe. Der Garten wurde lebendig. Ueberall tauchte plötzlich jo ein Krauskopf auf. Basilius zöaerte, bann begriff er, baß Eile not tat. Entschlossen trat er än bas Gitter, bereit, Lena Bastenberg anzurufen. Aber er tat es nicht. Den Weg herauf kam ein kleiner Junge gerannt. Er sah bie Frau in ber Laube unb rief schon von weitem: „Halt, Mutti, halt! Lauf nicht bavon! Ich habe dich zuerst gefunden!" Frau Lena erhob sich. Das Lächeln um ihre Lippen vertiefte sich. Sie trat dem Jungen ein paar Schritte entgegen. „Langsam, Liebling, du fällst! Ich laufe dir nicht weg!" Und sie breitete die Arme aus unb fing ihren Jüngsten auf, den findigsten aller Räuber. Die Umarmung war nur kurz. „Komm", forderte er mit männlicher Entschlossenheit. „Du bist meine Gefangene." Da half ihr nichts. Sie mußte mit. Er zerrte fie übereifrig an ber Hanb ben Weg bem Haufe zu. Ihre Schritte verhallten. Basilius trat zurück. Sein Gesicht war verschlossen. Diese Züge verrieten jetzt nichts mehr. Langsam ging er bie Straße hinunter. An ber Ecke warteten Jabusch unb Jolly. „Hast bu fie gesprochen?" Basilius schüttelte ben Kopf. „Nur gesehen", gestand er. „Ihr Junge hat ihr eine Gnadenfrist verschafft." Sein Lächeln war kalt. Alwin Jabusch, der lange hagere Mensch nickte lässig: „Aber ich hatte recht, nicht wahr, es ist Lena?" Basilius nickte. „Ich sah sie von der Straße und erkannte sie sofort. Sie bemerkte mich nicht." „Weshalb stiegst bu nicht ein, wie es gedacht war?" „Ich muß sie allein sprechen. Das wird sich heute abend besser machen." Sie gingen die Straße zu Ende. Er entwickelte ihnen seinen Plan. Er war einfach und fie stimmten zu, denn alles Risiko trug Basilius bei dieser Unternehmung. — Gegen neun Uhr, nachdem es noch eine Abendtafel gegeben hatte, waren die letzten jugendlichen Geburtstagsgratulanten nach Haufe gegangen. Um zehn Uhr schickte dann ber Konsul auch seine beiden Jungen ins Bett. Er selbst blieb mit seiner Frau unb bem Sekretär noch im Herrenzimmer beisammen. Aber Frau Lena war mübe, unb als sie bie beiden Männer in ein Schachgespräch vertieft fand, hotte fie stillschweigend das kleine Tischchen mit bem Schachbrett unb ben Figuren herbei unb stellte es vor ihnen auf. Sie gab Zerny bie Hanb, strich ihrem Mann über bas Haar unb zog sich zurück. Die beiben Männer bauten bie Figuren auf. Der Konsul bekam Weiß und zog an. Sie bliesen beide Zigarrenrauch zur Decke und sahen kaum auf vom Spiel. Als der Diener Herrn Doktor Franz Farrenkorn meldete, wurde fast ber beste Freunb als Störenfrieb empfunben. Sie unterbrachen bas Spiel. Bassenberg ging bem späten Besucher entgegen. Farrenkorn war Rechtsanwalt unb Notar. Er wohnte nicht weit entfernt in berfelben Strahl und war dem Konsul, mit bem er etwa gleichaltrig war — fie näherten sich beide bem halben Hunbert — seit Jahren herzlich befreunbet. Sie machten nicht viel Umftänbe miteinanber. Farrenkorn ließ sich in einen ber Lebersessel fallen. Er war herzleibenb unb fast ftänbig außer Atem. „Ich störe natürlich," stellte er fest, „aber ich gehe auch gleich roieber. Bitte, nichts, Bernharb, ich muß mich biefer Tage mit bem Alkohol vorsehen. Das Herz rebelliert roieber in unverschämter Weise. Ich bin nur hereingekommen, um euch zu erzählen, daß da ein Bursche im Garten herumlungert. Er stand hier vor diesem Fenster auf der Veranda unb sah in bies Zimmer. Ich ging auf ber Straße vorbei unb rief ihn an. Ich glaubte erst, Zerny sei es, aber bann sah ich bie scheuen Bewegungen unb außerbem trug der Kerl eine. Brille. Sie Gläser funkelten einige Male." Der Konsul hörte nur halb hin. „Unb was geschah bann, Franz?" Farrenkorn merkte, baß seine Erzählung hier roe» nig Einbruck machte. Er schloß kurz: „Dann lief ber Bursche bavon." „Wohin, auf bie Straße?" fragte Zerny. Der Anwalt nickte. Er wischte sich ben Schweiß von ber Stirn. Sein abenblicher Spaziergang strengte ihn von Mal zu Mal mehr on. „Eine Verfolgung ist zwecklos", sagte er, „aber bu solltest bir endlich einmal ein richtiges Gitter um den ©arten ziehen lassen, Bernhard." » (Fortsetzung folgt 1) Fußball der heimischen Mannschaften Der kommende Sonntag gehört im Fachamt IV der Winterhilfe. Alle Kräfte des Gaues, vom Gaufachamtsleiter bis zum jüngsten Handballkameraden stehen im Dienste dieser vornehmen Aufgabe. Nur dann wird es einen Erfolg auf der ganzen Linie geben, wenn es tatsächlich so ist. Auch unser heimische Kreis ist nicht müßig gewesen und hat ein Programm aufgestellt, das auch den hohen Ansprüchen gerecht werden wird. Nicht nur die verschiedenen Kombinationen, auch die auf den ersten Blick als Privatspiele ausschauenden Paarungen versprechen ausgezeichneten Sport. Damit ist also in jeder Beziehung dafür gesorgt, daß die Freunde unserer Handballsache für den Beitrag zum WHW. in sportlicher Hinsicht auf ihre Kosten kommen. Das soll ja in zweiter Linie auch mit der Veranstaltung erreicht werden. Denn neben dem Beitrag zum WHW. sollen itAmer weitere Kreise für das Kampfspiel der Deutschen, unfern Handball, interessiert werden. Mögen die Spiele ihr Teil dazu beitragen, daß der Tag ein voller Erfolg wird und ein noch weit höherer Betrag dem WHW. zugeführt werden kann. Es werden spielen: Tn. Dorlar ■*— Tv. W. -Niedergirmes (Hellhund). Dieses Spiel wird nach zwei'Richtungen hin seinen Zweck erfüllen. Einmal ist es als Pflichtspiel angesetzt und zum andern als Opferspiel. To. Dutenhofen-Allendorf gegen To. Münchholzhausen (Bauernschub): Münchholzhausen wird, selbst wenn es komplett antritt, gegen die in ausgezeichneter Besetzung zusammengestellte Kombination nicht aufkommen können. Tv. Heuchelheim — Tv. Atzbach (Becker): Dieses Spiel wird einen Vergleich zwischen Bezirksklasse und 1 Kreisklasse zulassen, weil Atzbach zur Zeit zusammen mit Hörnsheim Spitzenreiter der 1. Kreisklasse ist. lieber den Ausgang etwas zu sagen, wäre verfehlt. Beide Mannschaften haben di" Möglichkeit, zu gewinnen. e Tv. Lützellinden — Spvgg. 1900 Gießen (Zörb)! Hier wird Lützellinden beweisen müssen, ob seine Führung in der Bezirksklasse in Ordnung geht. »5 ist mit einem in jeder Beziehung spannenden Spiel zu rechnen, über dessen Ausgang, auch wenn die Gäste komplett antreten, nichts gesagt werden kann. Becher. Dreyer errang den Otto-Selig, und den Oberbürgermeister-Becher. Der Gustav-Frey-Becher fiel an Heinrich Appel und der Adolf-Möhl-Becher an W. Scheidt. Die Beteiligung war eine sehr erfreuliche. Abends fand eine kleine Familienfeier im Schützenhaus statt, bei der die Preise verteilt wurden. In feierlicher Form wurde die Uebergabe der Königskette an den neuen König Eduard Köhl, sowie der Rittersterne an Dreyer und Willi Georg vorgenommen. Die Beteiligung war bei allen Veranstaltungen eine sehr erfreuliche. Werbe-preiskegeln in Großen-Linden. An drei aufeinander folgenden Sonntagen veranstaltete der Kegelklub „Gut Holz" in Großen- Linden ein Werbe-Preiskegeln in seinem Vereinslokal, der Gastwirtschaft „Zum Rebstock". Nachstehend die Preisträger: 1. Heinrich Weber, 2. Wilh. Konstanz jun., 3. Wilhelm Faber, 4. Ludwig Faber, 5. Wilhelm Menges, 6. Wilhelm Faber IX. Tv. Wißmar — Mtv. Gießen (Birkenstock): Mtv. Gießen hat das Zeug in sich, in Wißmar ein wahres Werbespiel zu liefern, zumal Wißmar als eine in jeder Beziehung faire Mannschaft bekannt ist. lieber den Ausgang sollten keine Zweifel bestehen. Die Gäste werden hoch gewinnen. Das braucht aber nicht ein Grund zu sein, fernzubleiben. Denn Wißmar wird sich erst nach Kampf schlagen lassen. Tv. Holzheim — Hausen-Garbenteich (Jung, Cleeberg): Die Kombinierten sollten zwar einen starken Gegner abgeben, sie werden aber trotzdem kaum in der Lage sein, Holzheim gefährlich zu werden. Holzheim ist nach den Spielen der letzten Zeit zu urteilen, wieder im Kommen. Tv. Grüningen — Hausen- Gardenie ich-Lich (Bauer): Wie es hier werden wird, ist schlecht zu sagen. Grüningen ist durch Spielerabgang geschwächt, dürfte aber immer noch stark genug sein, um der Kombination einen Gegner darzustellen, der erst nach Kampf sich verloren gibt. Tv. Hochelheim — Hörnsheim-Groß- Rechtenbach (Engel I): Die Mannschaft, die Hörnsheim-Groß-Rechtenbach zusammenstellen, wird wohl als eine der spielstarksten angesehen werden müssen. Daß unter diesen Umständen Hochelheim einen sehr schweren Stand hat, ist klar, es ist sogar damit zu rechnen, daß es auf eigenem Platz eine Niederlage hinnehmen muß. Treis-Londorf — Allendorf-Beuern (Hermann): Hier stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, deren Kräfte ziemlich gleichmäßig verteilt sind, es ist deshalb schlecht eine Voraussage zu treffen. Tv. Langgöns — Holzheim-Grünin- aen (Jung, Rudolf): Gespannt darf man auf das Abschneiden der Langgönser Jungens sein, die auch gegen diese Kombination ihren Mann stellen werden. To. Ruttershausen — Staufenberg- Wißmar (Hörr): Ruttershausen hat die Möglichkeit, seine Berechtigung zur Führung der Tabelle zu beweisen. Tv. Niedergirmes — To. Münchbolzhausen (Hedrich): Auch hier wird ein Pflichtspiel mit der Winterhilfe verbunden. Münchholzhausen sollte Sieger bleiben. . Dorr, Hammer, Jäger, Horz (Schäfer), Henkelmann antreten, besteht jedenfalls kein Grund, den Gegner zu unterschätzen. Auch der eigene Platz dürfte nicht von ausschlaggebender Bedeutung sein, denn die Spielstärke der einzelnen Mannschaften der Bezirksklasse ist heute so ausgeglichen, daß dieser kleine Vorteil kaum ins Gewicht fällt. Wollen die Leute vom Trieb Anschluß an die Spitzengruppe behalten, müssen sie bei allen Spielen mit großem Elfer und äußerster Willenskraft ans Werk gehen. Ganz besonders der Sturm, der zwar durch die Einziehung von Schmelz und Koch wieder eine Umstellung erfahren mußte, sollte sich ein Beispiel an dem aufopfernden Spiel der Hintermannschaft nehmen. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist zu erwarten, daß 1900 die reifere Leistung zeigen wird und der Mannschaft ein knapper Sieg möglich ist. 1900 II — VfB.-R. II. Lokalderby in kleinem Maßstabe! Beide Mannschaften haben in den diesjährigen Pflichtspielen nicht das gezeigt, was man sonst im allgemeinen von Liaareserve-Mannschaften erwartet. Hier in diesem Kampf jedoch werden sie zu beweisen versuchen, was sie zu leisten imstande sind, denn wenn es auch keine Punkte gibt, so hat doch jede Mannschaft den Ehrgeiz, den Sieg über den Ortsgegner zu erringen. Garbenleich I — 1900 III. Durch die Abgabe verschiedener Spieler an die oberen Mannschaften mußte die Dritte eine Umstellung erfahren. Aeltere Spieler sollen hier mit jungen Kräften vereint werden. Eine Maßnahme, die sich mitunter bewährt. Ob es jedoch gegen Garbenteich gleich zu einem Siege reicht, bleibt abzuwarten. Königs, und Becherschießen des Schützenvereins G eßen. Der Schützenverein Gießen hielt fein Königs- und Becherschießen ab. Das Königsschießen wurde wie in den letzten Jahren immer auf den Holzadler aus- getragen, in der Form, daß erst die Krone, dann das Zepter, der Reichsapfel und die Sterne und endlich der Körper des Adlers geschossen wurde. Die Krone schoß Heinrich Appel. Hiermit wurde er Kronprinz Durch Herunterschießen des Zepters wurde Konrad Dreyer 1. Ritter-, durch das Ab- schießen des Reichsapfels Willi Georg 2. Ritter. Den Rest des Adlers schoß Eduard Köhl ab. Hiermit wurde er unter dem Jubel der Schützen König. Die Sterne wurden von Lyncker, Funk, Zeller, Köhl, Koch, Möhl, und van B e n t - heim geschossen Bei dein Becherschießen errang Heinrich Funk den Hammermann-Becher; Willi Bette den Heinz- Münch-Becher und gleichzeitig den Heinrich-Schmidt- Spiele der Bezirksklaffe. Bissenberg — DsB.-R. Gießen, Sinn — Frohnhausen, 1900 Gießen — Niedergirmes, Watzenborn-Steinberg — Dillenburg. Das wichtigste Spiel dürfte in Bissenberg zum Austrag kommen. Hier sollte die Entscheidung über den 2. und den 3. Tabellenplatz fallen. Die ©inner werden, zumal auf eigenem Gelände, alles auf- bieten, um gegen Frohnhausen siegreich zu sein. 1900 Gießen müßte in der Lage sein, die Nieder- airmefer zu schlagen. In Watzenborn-Steinberg haben die Gastgeber gegenüber den durch Ausfall geschwächten Dillenburger Aussichten auf Sieg. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 Liga — Nieder-Girmes Liga. Im fünften Spiel der diesjährigen Pflichtrunde treffen die Blauweißen am Sonntag auf die Wetzlarer Vorstädter, lieber die Spielstarke der Gäste konnte man sich vor noch nicht allzu langer Zeit, anläßlich des Pokalturniers der Spielvereinigung 1900, ein Bild machen. Nicht Eifer, Schnelligkeit und Härte allein ist es, was die Elf besitzt, sondern auch einiges technisches und taktisches Können. In den bis jetzt ausgetragenen Pflichtspielen konnte die Mannschaft recht achtbare Resultate erzielen, und der von ihr eingenommene Tabellenplatz entspricht den gezeigten Leistungen. Aus der Mannschaft hebt sich besonders der Mittelläufer durch seine weiten Vorlagen an die Flügel hervor. Auch der rechte Verteidiger und der Halbrechte stehen etwas über dem sonstigen Niveau der anderen Spieler. Für die Blauweißen, die mit der Mannschaft: Fischer; Zeiler, Lippert; Schalch, Heilmann, Mank; BfB.-Zieichsbahn Gießen. Die Ligamannfchafl in Biffenberg. Die Hiesigen gehen am Sonntag dem schwersten Kampf der Vorrunde entgegen. Die Bissenberger haben sich im Laufe der Serie zu einer der ge- fürchtetsten Mannschaften emporgespielt. Vor einer guten Hintermannschaft befindet sich ein Sturm, der zu schießen versteht. Die Gießener werden sich der Bedeutung des Spieles bewußt sein und dementsprechend zu kämpfen und zu spielen wissen. Unbedingtes Vertrauen darf man in die Hintermannschaft und in die Läuferreihe haben. Auch der Sturm, in dem Heß mitwirkt, läßt keine Wünsche offen. VfB.-R. stellt folgende Mannschaft: Haas; Leutheuser I., Leutheuser II.; Lehrmund, Knauß, Hauptfeld; Ranft, Heß, Wlodareck, Erben, Szponick. VfB.-R. III — Watzenborn- Steinberg II. Die dritte Mannschaft wird mit den Gästen Last haben, wenn sie gewinnen will. Die Mitwirkung von Capeller bedeutet für die Hiesigen eine Verstärkung. Die erste Jugendmannschaft begleitet die erste Mannschaft nach Bissenberg, um dort ein Freundschaftsspiel auszutragen. Die dritte Jugend spielt gegen Launsbach. Der Ausgang ist offen. Die Schüler tragen auf eigenem Platze ihr Pflichtspiel gegen Garbenteich aus. , FCTeutonia-Watzenborn-Steinberg Zum weiteren Verbandsspiel tritt am kommenden Sonntag auf eigenem Platze die 1. Mannschaft des FC. Teutonia Watzenborn-Steinberg der gleichen des Reichsbahnsportoereins Dillenburg gegenüber. Tabellenmäßig steht der Gastverein vor den Grün-Weißen. Dies sollte aber kein Grund sein, schon vorher das Spiel verloren zu geben, zumal Watzenborn-Steinberg auf eigenem Platze vor heimischem Publikum kämpft. Ein Sieg könnte ihnen zu einem wesentlich besseren Tabellenstand verhelfen, während eine weitere Niederlage sie aussichtslos Aurütfroerfen würde. — In Schiedsrichter Rü- speler, Krofdorf-Gleiberg, hat man einen vorzüglichen Spielleiter. Vor diesem Spiel kämpft die 1. Schülermannschaft gegen die gleiche des Turn- und Sportvereins Alten-Buseck um Sieg und Punkte. Eine Vorhersage des Spielausgangs ift nicht möglich. Während die Jugendmannschaft spielfrei ist, muß die 2. Mannschaft zum Verbandsspiel in Gießen gegen die 3. Mannschaft des VfB.-R. Gießen antreten. Die Elf der Teutonen hat durch Abgang einiger Spieler an Spielstärke etwas eingebüßt. Fußball der Kreisklaffen. Rodheim — Heuchelheim (Volkmar, Wetzlar); 1900 II — VfB.-R. II (Küster, Berghausen); Bissenberg II — Philippstein (Kaletsch, Wetzlar); Steindorf — Burgsolms (Zutt, Wetzlar); Leun — Albshausen (Wolf, Bissenberg); Werdorf — Hermannstein (Deibel, Gießen); Ulm — Aßlar (Kleemann, Bissenberg); Lich — Lich II (Beck, Flensungen); VfB.-R. III — Steinberg II (Wissemann, Lollar); Steinbach — Grüningen (Hofmann, Wieseck); Garbenteich — 1900 III (Kreiling, Gießen); Allendorf — Großen-Linden (Grote, Mainzlar); Wißmar — Tv. 1846 Gießen (Seitz, Heuchelheim); Launsbach — Rodheim II (Laux, Garbenteich); Fellingshausen — Heuchelheim II (Böcher, Gießen); Daubringen—Rüddingshausen (Niersbach, Wetzlar); Flensungen — Treis (Pieh, Londorf); Geilshausen — Großen-Buseck II (Bender, Treis); Brigadesührer Herrmann über die Handb 11 Winterhilfsspiele. Weine Handball-Kameraden! Der Führer hat zum Kampfe gegen Hunger und Kälte und Wintersnot aufgerufen. Der Reichssportführer hat dem Führer das Heer deutscher Sport« ter und Turner mobilisiert. Wir Handballspieler haben die Ehre und hohe Aufgabe, als erster Trupp eingesetzt zu werden. Durch flotte, hochstehende Handballkämpfe wollen wir Mittel sammeln und dabei das Höchste an Leistung bieten. Im Vorjahre haben sich in gleichem Opfersinn alle Spieler, Schiedsrichter, meine Spielwarte und Mitarbeiter für das Gelingen des Tages eingesetzt. Der Erfolg war erfreulich. Arn 3. November muß er übertroffen werden. Das ist möglich, wenn wieder alle zusammenstehen und ihr bestes, sportliches Können zeigen und so dem Führer ein einmütiges Bekenntnis zur Volksgemeinschaft ablegen. „Ans Londorf — Lollar III (Heyer, Treis); Waldgirmes — Niedergirmes II (Bender, Fellingshausen); Naunheim II — Spfr. Wetzlar (Marscheck, Wetzlar); Spfr. Wetzlar II — Burgsolms II (Drescher, Wetzlar). Heuchelheim tritt in Rodheim zum fälligen Spiel an. Die Gastgeber werden alles d-ransetzen, dem Gegner aus Heuchelheim das Leben sauer zu machen. Heuchelheim ist aber jetzt nicht so leicht zu schlagen. Man erwartet einen knappen Sieg der Gäste. Lich spielt gegen die zweite Mannschaft desselben Vereins. Steinbach erwartet Grüningen. Die Steinbacher haben erst am Sonntag bewiesen, daß sie sich in guter Form befinden, man rechnet daher mit einem glatten Siege Steinbachs. Großen-Lin- den tritt in Allendorf an. Der Platz dort ist sehr klein, so daß die Gäste einen schweren Stand haben. Ein knapper Sieg Allendorfs steht zu erwarten. Die Gießener Turner müssen auf dem gefürchteten Gelände in Wißmar antreten. Der Gastgeber ist zu Hause sehr gefährlich. Launsbach wird wenig Mühe haben, die zweite aus Rodheim zu schlagen. In Fellingshausen wird Heuchelheim II erwartet. Das Spiel ist als offen zu bezeichnen. Daubringen hat Gäste aus Rüddingshausen. Beide Mannschaften haben noch keinen Punkt abgeben müssen und werden daher alles daransetzen, das (Spiel zu gewinnen. Daubringen hat mehr Spielerfahrung. Treis fährt nach Flensungen. Wenn nicht Flensungen endlich mit einer stabilen Mannschaftsaufstellung herauskommt, so sollte der Gegner mühelos siegen können. Großen-Buseck II reift nach Geilshausen. Die Gastgeber^werden versuchen, die Scharte vom Vor- sonntag auszuwetzen. Großen-Buseck tritt verstärkt an und kann das Spiel vielleicht gewinnen. Londorf sollte es leicht fallen, die dritte aus Lollar zu besiegen. Geilshausen — Daubringen 1:8. Daubringens erste Mannschaft fuhr mit großem Anhang am Sonntag zum fälligen Verbandsspiel nach Geilshausen. Sofort nach Anpfiff drängte Geilshausen und konnte vorerst die Gäste in ihre Hälfte drängen. Ein Elfmeterball, der zum Führungstor verwandelt wurde, war jedoch die einzige Ausbeute der Drangperiode. Daubringen fand sich dann besser, riegelte alle Angriffe ab und erzielte in kurzen Abständen Tor auf Tor. Bis zum Schlußpfiff kämpfte jedoch die Mannschaft von Geilshausen unentwegt. Nundfunkprogramm. Sonntag, 3. November. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.05: Gymnastik 8.45: Aus der St. Paulskirche zu Frankfurt a. M. Evangelische Morgenfeier. 9.45: Bekenntnisse zur Zeit. „Musik im Dritten Reich". Von Peter Raabe. 10: Morgenfeier der HI. 10.30: Chorgesang. 11.15: Dichter im Dritten Reich. Wilhelm von Scholz lieft aus seinem neuen Buch: „Der Zufall und das Schicksal". 11.30: Wille und Werk (I). Eine Folge von Dichtungen unbekannter Verfasser aus dem Arbeitsdienst. 12: „Olympische Vision". 12.45: Mittagskonzert. 14: Kasperl fährt Rutschbahn. Von Adolf Frey. 14.45: Immer daran denken! Hörspiel von Ernst Quaß 15: Stunde des Landes. 15.50: Ansprache des Staatsrats Hanns Johst zur Beendigung der „Woche des deutschen Buches". 16: Nachmittagskonzert. 18: HJ.-Funk. 18.30 bis 18.55: „Guter Rat — launig verpackt". Funkfolge von Paul Schaaf. 19: Deutsches Volk auf deutscher Erde. Bauer und Soldat im Kampf um die' märkische Scholle. Brandenburgisches Funkspiel. 20: Die Geisha. Eine japanische Teehausgeschichte mit Musik. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sende- bezlrk, Sportbericht. 22.25: Sportspiegel des Sonntags. 23: Unterhaltungs- und Tanzmusik. 24 bis 2:, Nachtkonzert. THonfag, 4. November. 6 Uhr: Choral; Morgenspruch; Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bauernfunk. 10.15: Schulfunk. Kinderliedersingen. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.20: Nachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen Zwei und Drei. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Kinderfunk. Jetzt basteln wir! 15.30: Konzert. 16.30: Operetten-Ouvertüren. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Von Leipzig: Das Fähnlein der schwarzen Knechte. Deutsche Landsknechtskantate. 19: Musik zum Feierabend. 19.50: Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Ludwig van Beethoven. 21.20: Kämpfende Wissenschaft (II). „Marathon der Forschung". Hörspiel von Anton Betzner. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.25. Sportberichte. 22.30: Heitere Klänge. 23: Musik zur „Guten Nacht". 24 bis 2: Nachtmusik. Dienstag, 5. November. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 10.15: Schulfunk: (Siebenbürgen, Land des Segens. Hörfolge. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen zwei und drei. 15: Wirt- Das du für das DhD. opferst, opferst du dem deutschen Volk! □02^12121^ schaftsbericht: Kautschuk — natürlich, künstlich und regeneriert. 15.15: Die deutsche Frau: Frau und Handwerk! Eine Funkfolge. 16: Musik am Nachmittag. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: 1. Der Himmel im November! Steine fielen vom Himmel. Don Prof. Edmund Sitttg. 2. Unsere Tierwelt rüstet zum Winter. Von Fritz Wolfart. 19: Blasmusik. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Der fremde Musikant. Musikalisches Volksstück für den Rundfunk von Erich Noether. 21.15: Reichssendung: Richard Strauß — sein sinfonisches Schaffen. Sinfonie e-moll, Nr. 12 (1882/83). 22.: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Vom Rhein zum Warndt. Funkstreife durch die Westmark. 22.45: Eine Viertelstunde Kurzweil. 23: Die Kammermusik-Stunde. Das Strub-Quartett spielt. 24 bis 2: Nachtkonzert. Werke von Anton Dvorak. MS HochMevMpeten s Fahrrad-Bornemann ab 4. Nov. Neuen Bäue 22 526oA im Hause derlStadtpost schaffen bei Zentralheizungen Wasser-Verdunster. Verschiedene Ausführungen billig 4. B. Häuser Am Oswaldsgarten 5223 a Gießen - Ruf Nr. 2145/2146 Ein Buch für Sommertage und ertenzeil Waldweben Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern 150 Naturaufnahmen aus dem Tier- und Pflanzenleden des heimatlichen Waldes auf 128 Kupfertiefdrucktafeln, mit lebendigem und aufschlußreichem Einführung^text von K. Gerhard u. G. Wolff. 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Karl Heinrich Schmehl durch seine mutigen Taten zu Wasser und zu Lande erworben hat, hat der Oberbürgermeister der Stadt Gießen am 1. November die- ses Jahres ihm im Namen der Stadt die Ehrenplakette verliehen. Kapitän Schmehl hat als geborener Gießener den Namen seiner Vaterstadt weit über die Grenzen Deutschlands hinaus ge- Leihgestern. den 1. November 1935. Die Beerdigung findet Sonntag, den 3. November, nachmittags 2'/2 Uhr vom Sterbehaus, Schillerstr 8. aus statt. 04/01 Vogtsche Privat- | Handeisschule Gießen 1 Aufnahme für das 1 W.nterhalbjanr in die 1- und l/2 jährigen Handelslehrgänge 1 Anmeldungen und Aus I künfte Goethestraße 32 I__ 5620 A Möbelfabrik Karl Hahn Polsterwerkstätte A.Wehrhei'm Löderstraße 17 Beschwerden? Dann zu Kraftvoll erklang das „Lied des Tambour , von Todes-Anzeige! In der Nacht von Donnerstag auf Freitag verschied nach kurzer Krankheit in der Klinik zu Gießen mein lieber Mann, unser treusorgender, unvergeßlicher Vater, Großvater, Schwiegervater, Schwager und Onkel Franz Pech, Bäckermeister Freundliche Einladung zur Besichtigung der Ausstellung, Goethestraße 6. Ihre Vermählung geben bekannt Karl Schick und Frau Margarete, geb. Deining Tanzen lehit in Einzel stund u. Kursen TanzschueBäulke VVolf'traße 1 Ruf 3835. 3W151 Auch bei kühlem Wetter sitzt man schön und gemütlich in dem herrlich an der Lahn gelegenen Garten-Restaurant Pulvermühle Sonntags. Mittwochs und Donnerstags immer geheizt, jedoch auf vorherige Bestellung auch an anderen Tagen Frischer Kuchen, vorzüglicher Kaffee Sonntags bei vorheriger Bestellung Familien-Mittagstisch Mäßige Preise Wernenvall 7 '4677 Mnni In sie Ferne Welsen.... wenn. Ihnen die Bahnhofs- Gaststätte Gießen alle gastronomischen Leistungen einer Großstadt bietet, ja i - wie Kenner behaupten - diese sogar noch übertrifft? Vortretfl. Spezialgerichte, ।. bestgepflegte Biere u. Weine, gedieg. Behaglichkeit, den Putsschlag der großen Welt .... Sie finden es in den VMtwsglMatlen Sieben 6315 u Asbest- Platten 1.2.3.4u. 5 mm. wieder am Lager. 204D CarlSchunck Klein-Linden Gasthaus zur deutschen Eiche Sonntag, 3. Nov. jp Anfang 16.00 Uhr ■ Oi la Speisen und Getränke zu zeitgemäßen Preisen. Es ladet freundlichst ein Franz Rathenow. Neuzeitliche Brillen gut angepaßt Goethe-Bund Gießen Kaufmännisch. Verein Gießen hn Deutschen Volksh.Idnngswerk, Kreis Diesen 2. Vortragsabend: Mittwoch, den B.November, abends 8 Uhr, in der Neuen Aula Dichter-Abend: „Dichter und Arbeiter“ Heinrich Lersch*V.".w.,k,. Die Mitglieder des Goethe-Bandes und des Kauf- mä -nische. Vereins erhalten bis zu 3 Plätzen freien Eintritt gegen Rückgabe des Gutscheins Nr. 2 G.B. blauer Gutschein. KV. grüner Gutschein) an der Saalkasse Mitglieder der NSDAP., Kreis Gießen, der NS.-Franenschaft, Kreis Gießen. NS.- Kultnrgemeinde und des Landschaftsbnndes Vo ks- tum und He mat erhalten erinäß gte Eintrittskarten zum Preise von 75 Pfennig gegen Vorzeigen des Mitgliedsausweises. Nlchtmitglieder zu l.oO M. bei Challier und an der Saa kasse. 6316V Sämtliche Plätze sind an diesem Abend unnnmeriert. Optiker Geller am Bahnhof deutschen Schiffahrt aus, die ihn in alle Erdttetle führte. Besonders bekannt wurde Kapitän Schmehl dadurch, daß er im Jahre 1903 im Hafen von Bombay eine geradezu beispiellose Rettungstat vollbrachte. Dort war der Hansa-Dampfer „Ockenfels in Brand geraten, das Feuer drohte die aus 2000 Kisten Dynamit, 620 000 Dynamitzundern und Spiritusfässern bestehende Schiffsladung zur Explosion zu bringen. Schon war nicht nur die Schiffsbesatzung, sondern die ganze Bevölkerung des Hafenviertels von Bombay in größter Gefahr, als der damalige Erste Offizier Schmehl unter Umsatz seines Lebens das Feuer zum Ersticken hrad)te- Er erlitt dabei schwere Brandwunden. Der frühere Kaiser verlieh dem wackeren Mann dafür den Roten- Adler-Orden. Im Weltkrieg war S ch m e h l zu- zunächst Navigationsoffizier auf Linienschissen, von 1916 bis 1918 war er Erster Offizier an Bord des weltbekannten deutschen Hilfskreuzers „Wolf , dessen abenteuerliche Kaperfahrten im Kriege die ganze Welt in Erstaunen versetzten. Im Reich - wehrministerium war Kapitän Schmehl nach dem Kriege Referent für das Rote Meer, den Indischen und den Stillen Ozean. Kunst und Wissenschaft. Oie Musiktage der £>3 in Erfurt. Dem vom Kulturamt der Reichssugendfuhrung veranstalteten Musikschulungslager der H i t l er - Iu g e n d in Erfurt, das unter dem Leit, wort „Musik im Dolk" stand, folgten als Abschluß drei Musiktage, die mit einer eindrucksvollen Feier eröffnet wurden. Nach feierlicher Blasmusik und dem gemeinsamen Lied „Heiliges Feuer brennt in dem Land" sprach Dr. Z e i 11 e r Worte der Begrüßung. Der Musikreferent der Reichssugendfuh- runq Wolfgang Stumme ging auf Smn und Bedeutung der Erfurter Musiktage ein. Ihr Hauptziel sei. Musik und Volk wieder zusammenzufuhren und die Brücke zu schlagen vom Kunstwerk zum Aufneh- LThöt-Gießen “h^ L । e ' e r a n t aller Krankenkassen Für die wohltuenden Beweise inniger Teilnahme, die uns bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen Konrad Heinrich Müller in so reichem Maße zuteil geworden sind, und für die trostreichen Worte des Herrn Planers sagen wir unseren wärmsten Dank Die trauernden Hinterbliebenen. Großen-Linden. Leihgestern, im November 1935. _____________04743 Gießen zu besonderer Ehre gebracht. Die Eyrenplakette mit der Urkunde wird in den nächsten Tagen durch den Präsidenten des Deutschen Gemeindetags im Namen der Stadt Gießen überreicht werden. Kapitän Schmehl, ein geborener Gießener, fuhr 33 Jahre lang zur See, war dann Oberregie- runqsrat des Reichswehrministeriums und schied im vorigen Jahre nach 50jäbriger Dienstzeit aus der sprach dann über „Junges Werden in der Kunst • Jugend und Musik gehörten zusammen wie Leben und Freude. Das tiefste Erlebnis finde besonders b«< der Jugend seinen letzten und größten Ausdruck uv Lied Arbeit und Kampf, Heimat und Vaterland fan» den ihre größte Sinndeutung im Liede der Jugend. Diese Musiktage sollen aber nicht nur ein Bekenntnis zum Lied sein, sondern auch das ernste Streben der Jugend nach einem höheren künstlerischen Der- ständnis und Schaffen in der Musik bilden und for- dern. Große Aufgaben ständen noch bevor. Die HI. werde sie anpacken mit dem Bekenntnis: Wir wollen mit gläubigen Augen an unsere Arbeit gehen; die nicht mm Werke taugen, soll em Sturm ver- wehen." Mit Schlußmusik und dem gemeinsamen Lied „Nun laßt die Fahnen fliegen" klang die Feier aus. Tleuerscheinungen des Verlages Gerhard Slalling. Der Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg, kündigt folgende Herbst- und Weihnachts-Neuerscheinungen an: Oberslleutnant Friedrich Altrichter: Das Wesen der soldatischen Erziehung. Werner Beumelburg: Preußische N o v e l l e. Werner Beumelburg: Sperrfeuer um Deutschland. Illustrierte Ausgabe. Johannes Heinrich Braach: Tur Dell. Die Geschichte eines Hechtes. Reinhold Gadow: Gelb oder Weiß am Stillen Ozean? Horst von Metzsch: Schlummernde Wehrkräfte. Neue soldatische Blickfelder. .Hugo Wiest: Heer, Kriegsmarine, Luftwaffe (Die neue Organisation der Deutschen Wehrmacht). Deutscher Wehr-Kalender 193 6. Bear- beitet von Oberleutnant der Luftwaffe Rolf Kuckens und Leutnant Tammo Kückens. „Schriften an die Nation": Kurt Eggers: Vom mutigen Leben und tapferen S t e r b e n. Gerhard Schumann: Siegendes Leben. Joses Magnus Wehner: Geschichten aus der R ho n Hans Friedrich Blunck: Deutsche Schick sal-g-. dichte (neubearbeitete und erweiterte Auslage). Bilderbücher: Hans Friedmann: So Ida- ten! Soldaten! Friedel Wilm: Die ®e< schichte Dom Sorn. Carl Robert Schm'dt-M- Wenz-Vietor: Steig - in, mein Kind! Wir reifen d u rchs Jahr! __ WIESECK Sonnta g den 3. November TANZ 04694 bei Gastwirt Wilhelm Dorfeld. Ausins Turnerheim nach Klein-Linden | »um Lanz Morgen Sonntag. Anfang 16 Uhr. UWWUM11.MMM in (Lietzen (Im Deutschen Volksbildungswerk, Kreis Gießen ) MM im ©intet 1935/36 Alle Vorträge mit Lichtbildern; Donnerstags, abends 8.15 Uhr, in der Universitäts-Aula. 7. November 1935: Mar Griibl, Neubabelsberg (5b em al. Leiter der Deutschen Athwvien-Exvedttton: „Abessinien, Land und Volk." 28. November 1935’ Pros. Dr. Gar! Troll, Berlin: Die europäischen Kvlonisationsmetboden tn Ostafrika mit besonderer Berücksichtigung des ehemaligen Dentsch-Ostafrika." (Auf Grund einer Forschungsreise 1933 34.) 12. Dezember 1935: Dr. Paul Rohrbach, Berlin: „Kamvf um Raum im Pazifik." 9. Januar 1936: Priv.-Doz. Dr.Jürgen Siebert, Jrankfurt/M.: ..Landeskunde von Siebenbürgen und Forschungen im Bihargebirge." I Mitgliedskarten (zum freien Eintritt für alle R Vorträge berechtigend); Familien (zwei R Erwachiene und zwei Kinder) 4 RM. R Einzelpersonen 2 NM. Studenten, Milt- R tär, SS., SA., Schüler 1 RM. Einzel kart en (zum Besuch eines Bortrages)- R 70 Nrn., Studenten, Militär, SS., SA., R Schüler 40 Rvs. Ermäßigter Preis für NS.-Kulturgemeinde R und NSG. „Kraft durch svreude". 6302 V I Neuanmeldungen an der Abendkasse. R 3hr^u6jji^en,£oui^ Union* BRIKETTS Hr.257 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Samstag, 2. November M5 Aus der provinzialhaupistadt. Mutti wirst Tore. Ein wunderbarer Tag im Spätherbst. Einer von jenen, die naturverbundene Menschen dankbar genießen als leuchtende Schrittsteine durch die trübe Zeit des Vorwinters. Meine Mittagspause hatte ich noch einmal zu einem Sonnenbad benutzt, und ein linder Südwest von vier bis fünf Sekundenmeter massierte mir mit wohligen Wellenschlägen die sommergebräunte Haut. Da knallte es ab und zu wie ein Paukenschlag in die sonnige Stille, kurz und scharf, aber auch hohl wie von einer mißhandelten Bretterwand. Dazwischen flogen mir verwehte Fetzen beschwingter Unterhaltung und fröhlichen Lachens um die Ohren, und ich glaubte in den Klangfarben ein gemischtes Doppel unterscheiden zu können. Immerhin mußte die Sache in Ordnung gehen, oder ich mußte mich schwer verhört haben, als so etwas wie „Mutti" raketenhell in meinem unwillkürlich mithereingezogenen Bewußtsein aufleuchtete. Nur um meine Zuverlässigkeit für Gehörseindrücke nachzuprüfen, nahm ich Einblick in jene geheimnisvolle Klangquelle. Und ich sah, wie auf lichtgrüner Wiese ein strammer Pimpf in schmucker Uniform gerade einen dicken Ball sportgerecht schoß, im gleichen Augenblick sprang eine Frau in kleidsamem Strandanzug vor der Bretterwand hoch und fing einsatzfreudig den sausenden Ball wendig ab. Mit anmutigem Wurf gab sie ihn lachend wieder zurück. Der nächste Schutz traf für Auge und Ohr einwandfrei die Bretterwand, und mit Siegerstimme verkündete der Junge: „Mutti, 6:3!" Das war also kein harmloses Ballspiel, hier ging es um Kampf und Sieg, und der nachfolgende Seitenwechsel bestätigte diese Deutung. Nun hatte Mutti den Angriff. Sie warf den Ball mit kräftigem Anlauf und langausholendem Arm, aber ihrem flinken Partner gelang es, den Schuß abzuwehren. Der nächste flog über die Bretterwand, lachend holte ihn der Junge zurück und spielte ihn Mutti freundlich wieder zu. Der folgende ging seitlich an der Wand vorbei, und schon war ihr Gegner in langen Sprüngen wieder hinter ihm her. „So bekommst du aber kein Tor, Mutti!" rief er mit dem Ball zurück, und Mutti lachte allerlei Entschuldigungen. „Nun, dann wiederholen wir es gleich noch einmal!" eröffnete er seiner Spielkameradin neue Aussicht zum Aufholen, „du siehst, wie großmütig ich bin!" Und richtig — diesmal ging der Ball stracks auf die Bretterwand zu, aber — der schalkhafte Torhüter wußte seiner Großmut anscheinend Grenzen zu setzen — jauchzend hielt er den Ball hoch in Händen, und Mutti lachte mit... Glückliche Mütter, die sich auch mit kameradschaftlich durchwärmten Stunden ein Tor in die Seele ihrer Kinder offen zu halten wissen! R. B. Horno^n. Tageskalender für Samstag. NS.-G. „Kraft durch Freude": 16.30 bis 17.30 Uhr Waldlauf. — Stadttheater (Ring Deutsche Bühne): 20 bis 23 Uhr „Der Prinz von Homburg". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Winternachtstraum" — Artillerie-Verein, Gießen: 20.30 Uhr, Kameradscha"«nb"nd im „H"tt'f'-h'n Hof". — Tageskalender für Sonntag. Hitler-Jugend, Bann 116: 10.30 Uhr, Morgenfeier in der Aula der Universität. — Stadttheater: 19 bis 22 Uhr, „Paganini" — Lichtsvielhaus, Bahnhofstraße: „Winternachtstraum". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 11 bis 13 Uhr, Ausstellung friesischer Maler der Gegenwart und Kleintierplastik von Lily König. — DHC., Ortsaruvve Gießen- Wander,in" — Der Spielplan des Gießener Stadttheaters vom 3. bis 10. November. Aus dem Büro des Gießener Stadttheaters wird uns mitgeteilt: Sonntag. 3. November, außer Abonnement der große Operettenerfolg „Paganini" von Franz Lehar. Spielleitung hat Heinrich Hub, musikalische Leitung Ernst Bräuer. Dauer von 19 bis 22 Uhr. — Montag, 3 November, geschlossene Vorstellung ür die NS.-Kulturgemeinde, Ring deutsche Bühne, die Oper „Cosi fan tutte" von Mozart. Musikalische Leitung Paul Walter, Spielleitung P. W r e d e. Dauer von 20 bis 23 Uhr. — Dienstag, 5. November, Wiederholung der Erfolgsoperette „Der Dogel- händler" in der neuen Bearbeitung der Münchener Fassung. Leitung haben: Walter — Wrede — Schultheis. 6. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Dauer von 20 bis 23 Uhr — Mittwoch, 6. November, als 6. Vorstellung im Mittwoch- „Der Prinz von Hornburg", Schauspiel von H. von Kleist. Spielleitung: der Intendant. Letzte Aufführung „Der Prinz von Homburg". Auf vielfache Anfragen teilt die Stadttheater- Jntendanz mit, daß die Aufführung des Schauspiels „Der Prinz von Homburg" von Kleist am Samstag, 2. November, die letzte ist. Da die Sams- tag-Aufführung jedoch im Abonnement der „Deutschen Bühne" stattfindet, eigentlich eine geschlossene Vorstellung ohne Kartenverkauf ist, hat die Intendanz angeordnet, daß für die Nachfragen nach dieser Vorstellung die Möglichkeit besteht, an der Abendkasse des Theaters noch Eintrittskarten zu dieser letzten Aufführung im freien Kartenverkauf zu erhalten. Die Abendkasse wird eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung geöffnet. Spielleitung der Intendant selbst hat, kommt ein Werk Shakespeares zur Aufführung, das bisher in Gießen noch nie gegeben wurde. Der Erfolg der Erstaufführung vor einigen Tagen war für das Theater dec beste Beweis, daß die dramaturgische Bearbeitung Rothes durchaus seine Gültigkeit hat und diese Bearbeitung dem deutschen Theater eines der unbeschwertesten und heitersten Werke Shakespeares endgültig erobert hat. Dauer von 20 bis 22 Uhr. Kartenausgabe für November: Montag, 4. November, von 4 bis 7 Uhr, an der Theaterkasse. Der Goethe-Vund und kaufmännische Verein teilt uns mit: Für den ersten, am kommenden Mittwoch in der Neuen Aula der Universität stattfindenden Dichterabend ist der bekannte Arbeiterdichter Heinrich L e r s ch gewonnen worden. Es ist eine Freude seltener Art, Heinrich Lersch, den Dichter und ehemaligen Kesselschmied, über sein Leben erzählen, oder aus seinen gestaltungsstarken Werken lesen zu hören. In der schlichten Art des Mannes aus dem Volke spricht er, ohne etwas aus sich machen zu wollen, ohne auch die rheinische Mundart und den rheinischen Humor zu verleugnen. Heinrich Lersch vermittelt eine Dichterstunde von tiefstem Eindruck und Widerhall. Sein Vortragsabend wird sicher auch in unserer Stadt bei allen Schichten stärkste Beachtung finden. (Siehe heutige Anzeige.) 7!SD., Ortefflruppe Mitte. Die Kohlenhändler werden ersucht, die für den Monat Oktober gültigen Kohlengutfcheine am Dienstag, 5. November, abends 8.30 Uhr, bei der NSD.-Gefchäftsftelle, Kaplansgaffe, mit Firmenstempel versehen nebst den entsprechenden Rechnungen einzureichen. Der Termin ist unter allen Umständen einzuhalten, da eine Ablieferung nach dem 5. November streng ft e n s untersagt ist und die Scheine ihre Gültigkeit verlieren. 7!SL., Ortsgruppe Siehen-Nord. Sämtliche Kohlenhändler werden aufgefordert, die Kohlenscheine der Serie A bis spätestens Montag, 4. November, 18 Uhr, auf der Geschäftsstelle abzugeben. Die Kohlenscheine müssen auf der Rückseite mit dem Firmenstempel versehen sein. Ortsgruppe Gießen-Süd. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine am Samstag, 2. November, von 16 bis 18 Uhr, auf unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine können nicht mehr angenommen werden. Kinderbeihilfen an kmderreicheFamilien Dorn Städtischen Wohlfahrtsamt wird uns geschrieben: Durch Bekanntmachung vom 31. Oktober (siehe heutige Ausgabe des Gieß. Anz. D. Red.) hat der Herr Oberbürgermeister gemäß § 5 der Durchführungsbestimmungen zur Verordnung über die Gewährung von Kinderbeihilfen an kinderreiche Familien das Städtische Wohlfahrtsamt als die Dienststelle bestimmt, die für die (Entgegennahme der Anträge auf Kinderbeihilfen für kinderreiche Familien zuständig ist. . Be- werber von Beihilfen, die in der Stadt Gießen ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben, können die Anträge nach vorgeschriebenem Formular bei uns einreichen. Die Vordrucke sind auf Zimmer 13, Gartenstraße 2 I, unentgeltlich zu haben. Dort werden auch Auskünfte über die einschlägigen Vorschriften erteilt. Die Beihilfen werden in Form von Bedarfsdeckungsscheinen gewährt, für die die gleichen Vorschriften bestehen, wie für die • Photo ’63f D Seltersweg 67 Teleph on 3170 AndieVevölkeninginStadtundKreisGießen! Das Winlerhilsswerk 1935/36 des deutschen Volkes ist eröffnet. Auch in den kommenden Monaten soll in Deutschland niemand hungern und frieren. Die Opferbereitschaft aller Vevölkerungskreife in den beiden letzten Zähren war groß: das darf aber keine Veranlassung sein, in der Opserkrast zu erlahmen. 3m Gegenteil, das Z^jährige Ringen unseres Führers und unserer Bewegung um alle guten Kräfte in unserem Volke mutz das Gefühl für unsere Volksgemeinschaft und Verbundenheit soweit gesteigert haben, datz das Ergebnis das Winterhilfswerk der Vorjahre bei weitem übertroffen wird. Venn auch die Arbeitslosigkeit bis aus ein Minimum zurückgegangen ist, so ist aber doch noch viel, viel unverschuldete Rot zu beheben. Der Führer sagt anlätzlich der Eröffnung des diesjährigen Vinterhilfswerkes: „Ze mehr ihr in der Erkenntnis aufgeht, datz die Opfer, die wir von euch fordern, mithelfen, eine Volksgemeinschaft aus der Theorie zur wirklichen Gemeinschaft des Lebens zu erheben, um so mehr werdet ihr selbst an dieser Gemeinschaft Anteil haben, und sie wird euch glücklich machen!" Dir appellieren daher an das Pflichtgefühl aller Volksgenossen, datz jeder nach Kräften das Vinterhilsswerk des deutschen Volkes unterstützt. Zede Firma, jeder Betrieb, jeder Einzelhändler, jeder Gewerbetreibende, jeder Volksgenosse spende Geld und Sachgegenstände. Erstere auf das Bankkonto des VHV„ Kreisführung Gietzen, Deutsche Bank und Diskontogesellschaft 2938, oder aus das Postscheckkonto Frankfurt a.M. 16114. Sachspenden an die Kreissührung des Winterhilfswerkes Gietzen, Löberstratze 9. Der Eingang der Spenden wird öffentlich in den Zeitungen des Kreisgebietes bescheinigt. heil Hitler! Klostermann. Abonnement, Wiederholung des großen Shakespeare- Erfolges »Komödie der Irrungen" in der deutschen Bearbeitung von Hans Rothe. Spielleitung hat der I n t e n d a nt. Dauer von 19.30 bis 21.30 Uhr. — Freitag, 8 November, als 6. Vorstellung im Freitag-Abonnement Wiederholung des lustigen Volksstücks „Holzappel" von H. 21. Weber; Spielleitung Intendant H Schultze-Griesheim. Dauer von 20 bis 22.15 Uhr — Sonntag, 10. November, 15 bis 17.15 Uhr geschlossene Vorstellung für die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", „Holzappel", luftiges Volksstück von H. A Weber; Spielleitung der Intendant. Kein Kartenverkauf. 19 Uhr Wiederholung des großen Schlagers „Der Vogelhändler" in der völligen Neuinszenierung der Münchener Fassung. Leitung der Operettenaufführung haben Walter — Wr ede — Schultheis. Ende gegen 22 Uhr. Sladtlheater Gießen. Heute von 20—23 Uhr als geschaffene Vorstellung der NS. Kulturgemeinde Ring deutsche Bühne: Der Spielplan der NS.Kulturgemeinde Gießen für November. Von der NS.-Kulturgemeinde Gießen, Ring Deutsche Bühne, wird uns geschrieben: Am Montag, 11. und am Samstag, 16. November kommen im Stadttheater Gießen als geschlossene Vorstellungen der NS.-Kulturgemeinde, Ring Deutsche Bühne, der große Urausführungserfolg „Holzappel", ein lustiges Volksstück von H. A. Weber, zur Aufführung. Die Spielleitung dieses echten Heimatstückes hat Intendant Schultze-Griesheim. Man kann eine Garantie diesen beiden Abenden als sicher voraussetzen: ein urvergnügtes Haus wird mit Bedauern den Schluß des Abends erleben und einen heiteren Theaterabend verbracht haben. Dauer von 20 bis 22.15 Uhr. Am Montag, 25. und Samstag, 30. November, sieht der Spielplan der „Deutschen Bühne" eine Uraufführung des großen Schauspielerfolges „Komödie der Irrungen" von Shakespeare vor in der Neubearbeitung von Hans Rothe. Mit dieser entzückenden und heiterbeschwingten Komödie, deren Der Anfänger. 23on Wolf Jleume ster. Man kann von einem ungedienten Ersatzreser- visten schließlich nicht verlangen, daß er in den paar Wochen Ausbildung daheim das Waffenhandwerk und die militärischen Umgangsformen in der Vollendung beherrscht wie ein aktiver Mann, aber wenn einem ein bisher unbekannter Kanonier in den Unterstand stolpert, mit verbindlich fchiefoeleg- tem Kopf fragt, ob er den Vorzug habe mit Herrn Leutnant I. und sich dann vorstellt: „Gestatten — mein Name ist Meier..dann ist man natürlich einigermaßen platt. .... Die weitere Vorstellung wurde durch eine französische 15-Zentimeter-Granate unterbrochen die uns — rums! — vor die Bude krachte und die Kerze auslöschte. Wir lagen damals an bef Somme und verbrannten außerordentlich viel Streichhölzer, um solche ausgelöschten Kerzen wieder anzuzünden; das ging Tag und Nacht. Als wir wieder Licht hatten, erinnerte ich mich, daß wir ja Ersatz bekommen haben sollten und verstand, daß dieser Herr Meier sich bei mir als mein neuer Hilfsbeobachter melden wollte, denn ich hatte für diesen schwierigen Posten einen intelligenten Mann angefordert. Meine zwei Telephonisten grinsten. Wir hockten seit drei Tagen und Nächten unter irrsinnigem Beschuß hier in dieser vorgeschobenen Beobachtungsstelle, und seit gestern mein famoser Hilfsbeobachter gefallen war, saß ich fast ununterbrochen oben am Scherenfernrohr. Und nun schickten sie mir so einen „Anfänger". Immerhin, er hatte Essen und Hartspiritus mit» gebracht — warmes Essen hatten wir seit drei Tagen nicht mehr bekommen, ein paar Gefechtsordonnanzen waren abgeschossen worden, und da hatten sie es aufgegeben in der Batterie. Diesen Neuling hatten sie heute einem Melder der Infanterie mitgegeben, und er war in feiner Harmlosigkeit durchgekommen — „Anfängerglück!" dachte ich und gab ihm die Hand. Dann tat ich mir einen Schlag Essen in den Kochgeschirrdeckel, hielt ihn ein bißchen über eine Spiritusflamme und schlang das Gericht herunter — es war Klippfisch und Kartoffeln zusammengekocht, das weiß ich noch beute. ___ . . . ei. Dann weihte ich Herrn Meier in seine Funktionen als Beobachter in. Zunächst sagte ich ihm nur das wichtigste: Da unb da seien unsere oorberen Linien, nun solle er unsere Sperrseu-rabschnitte auf das gewissenhafteste beobachten, auf rote Leuchtkugeln passen, das sei das Notsignal der Infanterie, und im übrigen solle er mich sofort rufen, wenn ihm irgendwas auffiele. Zwei Stunden saßen wir zusammen auf der Beobachtung, und Herr Meier fand das alles „kolossal interessant". Die Sache mit dem Beschuß schien ihm noch nicht ganz klar geworden zu fein, denn er zeigte keinerlei Besorgnisse, wenn die schweren Koffer rings um uns einschlugen. Er schien unsere Postenbude aus Minierhölzern für absolut bombensicher zu halten. Dann legte ich mich unten im Stollen auf eine Stunde hin, schließlich war ich seit drei Tagen ohne Schlaf, und es war gerade mal nichts los. Ader prompt rief nach 20 Minuten irgendein höherer Stab an und wollte wissen, was auf dem und dem Punkt los fei. Ich rief nach meinem Beobachter oben — aber ich bekam keine Antwort! Mit ein paar Sprüngen war ich oben — sollte der arme Kerl...? Aber der „arme Kerl" hockte gemütlich in seiner Nische und schlief! Ich rüttelte ihn energisch wach. „O Verzeihung!" sagte er lächelnd, „ich bin wohl ein bißchen eingenickt?" „Sie harmloser Zeitgenosse", sagte ich ärgerlich, „Sie können doch nicht auf Posten schlafen!" Er lächelte erstaunt: „Auf P o st e n ? !" — Posten war für ihn: mit Gewehr über und mit Helm vor einem Schilderhaus, aber daß hier das Schicksal von Hunderten von seiner Aufmerksamkeit abhing, war ihm noch nicht klar geworden. Ich war zu müde, um noch groß zu reden und ging wieder nach unten; aber nach einer weiteren halben Stunde weckte' mich ein leises Geknatter, das der Soldat mit seinem sechsten Sinn auch im Schlafe aufnimmt: Jnfanteriefeuer! Ich sauste hinauf: Richtig — rote Leuchtkugeln, wilde Schießerei und Handgranaten! Ich schrie meinen Telephonisten herunter: „Sperrfeuer auf Abschnitt Bl!" riß die Leuchtpistole hoch und schoß ein paar rote Sterne in den nächtlichen Himmel. Aber vorher — ich muß es gestehen — haute ich den Kolben dieser Pistole erst einmal dem schlafenden Herrn Meier kräftig ins Kreuz. Er fuhr hoch und starrte mich entrüstet an. „Jawohl'" sagte ich wütend, „Sie haben die Sperrfeuerrufe der Infanterie verschlafen! Sie sind wohl aam von Gott verlassen?!" „Das ist mir schrecklich fatal" meinte Herr Meier ehrlich verlegen, und ch mußte mir das Lachen verbeißen. Gefechtsmäßig tonnte ich nichts tun das Sperrfeuer rollte jo automatisch ab, al o redete ich diesem Anfänger ms Gewisfen: „Sie machen sich ja unglücklich für's ganze Leben", sagte ich, „schlafen auf Posten vor dem Feind! Wenn ich Sie zur Meldung bringe, kommen Sie vor's Kriegsgericht und kriegen zehn Jahre — unweigerlich!" Da glitt ein mildes Lächeln über Herrn Meiers erst besorgte Züge, und er meinte: „Na, das ist ja wohl ein bißchen übertrieben, Herr Leutnant!" „Scheren Sie sich runter und schlafen Sie unten weiter" sagte ich ärgerlich und schlug mir auch diese vierte Nacht um die Ohren. Aber Herr Meier war mir ernstlich böse. Am nächsten Morgen versprach er mir dann gekränkt, nun wirklich scharf aufzupassen und setzte sich ans Scherenfernrohr. Ich ging völlig erschöpft nach unten. Eine Hand rüttelte mich wach: „Die Untergruppe, Herr Leutnant!". Der Telephonist gab mir den Fernsprecher. „Gasalarm!" sagte eine Stimme dumpf im Mikrophon. „Ich kann Sie so schlecht oerftehen, was ist los?" meinte ich. — „Ja, wir haben die Gasmasken auf, seit einer halben Stunde liegt der ganze Abschnitt unter schwerem Gasbeschuß' Der Kommandeur war in Sorge um Sie!" Allmächtiger! Herr Meier, das Greenhorn! Ich stülpte mir die Maske über und konterte die Stollentreppe hinauf, hinter mir einer meiner Telephonisten mit dem Sauerstoffapparat. Ich riß die Zeltbahn vom Eingang — milchige, grüne Nebelschwaden lagen in der Senke hinter uns, standen in den Trichtern um uns. Ich lüftete eine Sekunde lang dis Maske: Pfui Teufel, Chlorgas! — „Posten!" brüllte ich — „Posten!!" „Ja bitte?" Herrn Meiers eifriges Mondgesicht- chen fuhr verbindlich aus dem Beobachtungsstand heraus „Ja, Mann, merken Sie denn gar nicht, daß wir mitten im G a s stecken?" grunzte ich aus meiner Maske heraus. Da sagte Herr Meier interessiert schnuppernd: „Ach darum! — Das riecht nämlich schon seit einer halben Stunde so komisch!" Aber nach dieser Feststellung kippte er plötzlich aus den Stiefeln und würgte schrecklich wie eine Boa constrictor. Na, bei Chlorgas geht das ja vorüber! Als gegen Abend ein starker Nebel fiel, ging der Teufel los, und da ich Handgranaten krachen hörte, forderte ich Sperrfeuer an. Die Gruppenführung wollte meine Ansicht genauer hören, und ich mußte einen Augenblick das Gelände vor uns aus den Augen lassen. „Passen Sie gut auf!" sagte ich zu Kanonier Meier, der neben mir stand und mit höflich kleiner Verbeugung seine Bereitwilligkeit dazu kundtat. Nach einer Weile fragte ich: „Gibt es etwas Neues?" — „Nein!" Vorn flackerte das Jnfanteriefeuer heftig auf. „Etwas zu sehen?" — „Nein!" „Darf eigentlich die Infanterie da vorn so offen herumlaufen?" fragte Herr Meier einen Augenblick später mit leisem Tadel. „Wer?!" Ich trat auf die Stufe und sah arglos durch den Sehschlitz, Da rannte hundert Meter halbrechts eine Gruppe Franzosen über das Feld, fünfzig Schritt dahinter eine zweite mit einem Maschinengewehr. — „Sie kommen!" brüllte ich meinen Leuten im Unterstand zu, und bann meldete ich rasch in den Apparat, daß der Gegner soeben bis in meine Höhe Dorbringe. „Sehen Sie zu, baß Sie noch rauskommen ..." rief eine Stimme im Apparat, bann riß die Verbinbung ab. Meine Telephonisten erschienen mit ihren Apparaten im Freien, und bann peitschten uns auch schon nahe Infanterie- Schüsse um bie Ohren. Einer ber Fernsprecher kriegte einen ab, unb ich mußte ihn packen, aber wir hatten Glück, ein MG. in unserer zweiten Linie ratterte los, unb mit ein paar verzweifelten Sprüngen burch bie Trichter waren wir bei ber Infanterie in der Aufnahmestellung. Ich setzte meinen Verwundeten ab und konnte mich nun wieder kümmern. „Wo ist das Scherenfernrohr?" „Jetzt hat das Rindvieh das Scherenfernrohr vorn gelassen!" schimpfte mein Fernsprechgefreiter los, Meier stand und zeigte fragend auf sich: „Sollte i ch das etwa mitnehmen?" Und ehe ich noch etwas hatte sagen können, war Herr Meier mit einem höflichen Wort des Bedauerns schon wieder aus dem Graben heraus. Wir brüllten entgeistert hinterher, — es ging im peitschenden MG.-Feuer unter. „Der ist futsch!" sagte ber Gefreite. Aber nach fünf Minuten war Herr Meier roieber ba und stellte bas kostbare Instrument mit ein paar Der« binblichen Worten vor mich hm; er mußte es mitten aus ben Franzosen herausgeholt haben. Wir alten Krieger sahen uns kopfschüttelnb an, unb ber Gefreite sagte fast anbächtig: „Mensch, bas sollte mal einer von uns wagen!" Hochschuinacknchten. Die Gesamtzahl ber Stubierenben an der Universität Marburg betrug am 1. November b. I. 1636, bavon waren 1343 männliche und 293 weibliche Personen. — An Lehrkräften wurden folgende Professoren bzw. Dozenten beurlaubt: Professor Dr.phiL Jakobsthal, Professor Dr. phil. Frank, Professor Dr. phil. Auerbach, Bibliothekarsrat Dr. phil. Berger, Dr. phil. Krautheimer, Dr. phil. Löwith und Professor Dr. Homburger. Bedarfsdeckungsscheine für Ehestandsdarlehen. Wäh-1 rend jedoch die Bedarfsdeckungsscheine für Eh । standsdarlehen nur zum Bezüge von Möbeln una ! Hausgerät berechtigen, erstrecken sich d i e B e -1 darfsdeckungsscheine der Kinderbeihilfen auch auf Wäsche jeder Art, einschließlich Unterkleidung aus Wolle, Baumwolle ufro. und Strümpfen. Es dürfen nur deutsche Erzeugnisse verkauft werden. Die Geschäfte, die bereit sind, Bedarfsdeckungsscheine für Kinderbeihilfen an- zunehmen, müssen ihre Zulassung bei uns beantragen. Für diese Zulassung gelten die gleichen Vorschriften, wie für die Zulassung zur Entgegennahme der Bedarfsdeckungsscheine für Ehestandsdarlehen. Die Zulassung muß durch Aushang mit entsprechendem Ausdruck ersichtlich sein. Die Verkaufsstellen, die für die Bedarfsdeckungsscheine für Ehestandsdarlehen bereits zugelassen sind und Wäsche feilhalten, weisen zweckmäßig durch Aushang darauf hin, daß auch Bedarssdeckungsfcheine für kinderreiche Familien entgegengenommen werden. Die Aushänge find bei uns gegen Erstattung der Selbstkosten zu haben. Die Empfänger der Beihilfen und Inhaber der zugelassenen Verkaufsstellen werden besonders darauf aufmerksam gemacht, daß verlorengegangene Bedarfsdeckungsscheine nicht ersetzt werden. VtedeuMe mbeltslront n.S.zbemeinrdiaft „firaft Ourth freuöc" Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in Gie- ßen hat uns für den Vortrag über Abessinien am 7. November verbilligte Eintrittskarten zur Verfügung gestellt. Die Karten kosten 0,40 Mk. und können auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, abgeholt werden. Grohvariele am 4. November im Laf6 Leib. Zu dieser ersten Tournee sind noch Karten zum Preise von 0,60, 0,80, 1 Mark im Vorverkauf er» hältlich: Schokoladenhaus Huntemann, Seltersweg, Musikhaus Challier, Neuenweg, Kreisdienststelle ,KdF.", Schanzenstraße 18. Sportamt „Kraft durch Freude". heule folgende Kurse: Hallentennis: Ab 16 Uhr in der Volks- Halle. Wir bitten alle Teilnehmer, die sich bisher gemeldet haben, zu dieser Zeit zwecks Einteilung anwesend zu sein. Bei genügender Beteiligung findet der zweite Kursus am Sonntag, 3. November, um 9 Uhr statt. Anmeldungen nimmt das Sportamt, sowie der Lehrer zu obigen Zeiten in der Dolkshalle entgegen. Waldlauf, für Frauen und Männer: Von 16.30 bis 17.30 Uhr, Unioersitätssportplatz. Kleinkaliberschießen. Bei genügender Beteiligung findet ab Sonntag, 10. November, ein Kursus für Kleinkaliberschießen statt. Anmeldung und Auskunft auf dem Sportamt. Telephon 2919. Leislungsbücher für das Reichssportabzeichen! Wir bitten die Leistungsbücher auf dem Sportamt abzuholen. • Das Landgras-Ludwigs-Gymnafium hißt die Hitlerjugendfahne. Sämtliche Schüler über 10 Jahre in der NS-Zugend. Der gestrige Freitag war ein denkwürdiger Tag in der Geschichte des Gymnasiums. Lehrer und Schuler — fast restlos im braunen Ehrenkleide unserer Bewegung — hatten sich zu einer kurzen Morgenfeier zusammengefunden, um die neuhergerichtete Aula einzuweihen und im Beisein des Führers des Bannes 116 Pg. Erich Schreiber die Fahne der Hitlerjugend auf der Schule zu hissen. Das Lied „Volk ans Gewehr" leitete die schlichte Feier ein. Oberstudiendirektor pg. Dr. Wolkewitz gab in einer kurzen Ansprache seiner Freude Ausdruck, daß die Aula nunmehr in ihrem neuen schlichten Kleide einen würdigen repräsentativen Festraum nach außen biete und eine schöne Stätte für die Feierstunden und Gemeinschaftserlebnisse sei. Sodann stellte er in kurzen Worten das Erziehungsziel der Anstalt heraus, das streng national, sozial und völkisch sein müsse. Wohl brächte es das Wesen des Gymnasiums mit sich, daß wir unsere Blicke in die Vergangenheit richteten und die gewaltigen Geistesschöpfungen der Antike auszuwcrten und fruchtbar zu machen suchten: aber wir gingen nicht wirklichkeits- und lebensfremd an den heutigen Ereignissen vorüber, sondern wir stellten den Freiheitskampf des deutschen Volkes in den Mittelpunkt des gesamten Unterrichts. Wie in der Kampfzeit, fo ständen wir auch heute wieder an der Spitze aller Schulen unserer Stadt und könnten mit stolzer Freude sagen, daß sämtliche Schüler über zehn Jahre • — allo 100 v. ß. — in der ßiflcrtiaenb oder in einer anderen Gliederung der Parleiorga- nifiert seien. Und stolz solle daher die Fahne der Jugend auf unserer Schule wehen, weithin sichtbar in alle Zukunft, um zu, zeugen von dem Geist und dem Willen, der in unserer Anstalt waltet. Aber nicht das äußere Zeichen mache den Nationalsozialisten aus, sondern einzig und allein der Geist, der das Herz, die Seele und das Gemüt befruchte. Die Jugend fei revolutionär und müsse revolutionär sein und bleiben: sie müsse selbst in dauernder Bewegung sein, müsse immer wieder trommeln und hämmern und das Volk wachrütteln und zeigen, daß der Nationalsozialismus lebt und marschiert. Die HI. sei die vorwärtsstrebende und vorwärtstreibende Kraft, die das nationalsozialistische Gedankengut ins Volk hineintragen und lebendig erhalten müsse. Dannsührei- pg. Schreiber sprach hierauf zu den Schülern. Er erinnerte an die politische Zerrissenheit vor 1933 und stellte dieser traurigen Tatsache die Einmütigkeit von heute entgegen. Durch einen Hinweis auf die deutsche Geschichte zeigte er, wie Deutschland, wenn es einig war, von keiner Macht der Erde geschlagen werden konnte. So sei es zur Zeit Armins gewesen, so sei es auch heute. Unser Führer habe das deutsche Volk geeint; und die Jugend habe nun die große Verpflichtung, diese Einheit zu sichern und zu erhalten. Unter dem Gesang des Liedes der Jugend „Unsere Fahne flattert uns voran" wurde die H I. - F a h n e gehißt. Mit dem Sieg-Heil auf den Führer, das der Direktor ausbrachte, dem Deutschland- und dem Horft-Wessel-Lied wurde die eindrucksvolle Morgenfeier geschlossen. / Skl-Fahrten! Das Sportamt führt in Verbindung mit dem Amt für Reisen, Wandern, Urlaub verschiedene Ski- Fqhrten durch. Prospekte auf dem Sportamt erhältlich. Vorstellungsbeginn im Stadttheater an Sonn- und Feiertagen. Der Spielplan der sonntäglichen Vorstellungen soll — wie uns aus dem Stadttheaterbüro geschrieben wird — vor allem gerade den Theaterbesuchern' der Umgegend, denen wochentags der Besuch des Theaters nicht möglich ist, Gelegenheit bieten, mit den bedeutendsten Erscheinungen der Spielzeit bekannt zu werden. Damit die auswärtigen Besucher stets bis Schluß jeder Vorstellung bleiben können, ohne in Sorgen zu fein, den Zug rechtzeitig zu erreichen, hat die Intendanz den Beginn der sonntäglichen Vorstellungen einheitlich auf 19 Uhr angesetzt und verspricht sich von dieser Regeluna/euie allseitige Zustimmung der auswärtigen Besucher. Die Dorstellungsdauer ist so geregelt, daß nach Schluß jeder Sonntagsoorstellung der Zuganschluß nach allen Richtungen bequem und ohne Hast erreicht werden kann. rs Zahre im O'enft der Gießener Polizei Die Polizeidirektion Gießen teilt uns folgendes mit: Am gestrigen Tage beging Herr Kriminalsekretär Ernst Glänzer sein 2öjähriges Dienstiubi- läum. Nach einer fünfjährigen Militärdienstzeit beim damaligen Leibgarde - Infanterie - Regiment (1. Großh. Hess. Nr. 115) in Darmstadt wurde Herr Glänzer am 1. November 1910 als Schutzmann bei der Polizeidirektion Gießen eingestellt. Er versah längere Jahre zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten Straßendienst. Im Jahre 1922 kam er zur Kriminalabteilung und machte hier und abwechselnd bei der Gewerbepolizei, bei der er sich augenblicklich noch befindet, Dienst. Herrn Kriminal- fetreiär Glänzer, der sich sowohl bei feinen Vor- gesetzten, als auch bei seinen Kameraden des besten Ansehens erfreut wird für seine weitere Zukunft . das Beste gewünscht. Eröffnung der Führerinnenschute des Obergaues Hesien-Naffau. Der BDM. Obergau Hessen-Nassau teilt mit: Gauleiter Reichsstatthalter S p r e n g e r und Reichs- referentin Trude Mohr eröffnen am Samstag die neue Jungmädel- - Führerinnenschule unseres Obergaues. Führerinnenschulen sind Mittelpunkte und Kraftquellen unserer Arbeit. Froh und stolz gehen wir an die Winterarbeit, wir Jungmädels, und wissen, daß sie uns ein Stück weiterbringen wird. Serfammlung der U rmacher-Znnung. Die Uhrmacher-Innung für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach hielt — wie man uns berichtet — hier im „Postkeller" eine Versammlung ab, die in Vertretung des erkrankten Obermeisters Beck-Gießen durch den Kollegen Jöckel-Grün- berg geleitet wurde. An der Versammlung nahm auch der Bezirksinnungsmeister Trebbe- Gießen "■MM Zeder fräof morgen da» Wik naersck iff und bekennt damit, daß er mit dem Führer in wahrer Volksverbundenheit gegen hunger und Kälte kämpft! Es darf sich keiner aus- schließen! helft unserer SA. und SS. im Kampfe gegen unverschuldete Rot der deutschen Volksgenossen! Auch dein Schersleiu i st nötig! teil. Der Versammlungsleiter sprach zunächst über die Auflösung der Sterbekasse und dankte den Herren Trebbe- Gießen und Wahl- Frankfurt om Main für die in dieser Sache geleistete Arbeit. Die Ausführungen über die Gemeinschaftsreklame fanden den Beifall der Versammlung. Eine längere Aussprache entspann sich über den Punkt „Abwehrware gegen Ramschhäuser". Bezirksinnungsmeister Trebbe betonte, daß es für einen Fachmann nicht angehe, Ramschware in feinem Laden zu dulden. Der Kunde, der zum Uhrmacher gehe, erwarte, daß er fachmännisch bedient werde. Es dürfe nicht die Gefahr heraufbeschworen werden, daß durch niedrigen Preis und minderwertige Ware das Vertrauen zum Uhrmacher untergraben werde. Der Ankauf dieser Ware wurde, wie auch in anderen Orten, von allen Teilnehmern der Versammlung strikte abgelehnt. Nach einigen fachlichen Erörterungen schloß Kollege Iöckel die Versammlung mit dem Gruß an den Führer, dem auch das Handwerk seinen Wiederaufstieg zu verdanken hat. SieiülWiöeL Roman von Anny von panhuyö Urheberrechtsschutz Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68. (Schluß.) Gretel liebte einen anderen! Damit hatte er nicht gerechnet, die Antwort war wie eisiger Hauch, der einen trifft, der noch eben in voller warmer Sonne gestanden. Er sagte: „Weißt du das bestimmt, daß du einen anderen Mann liebst, Gretel?" Sie antwortete: „Ja, das weiß ich ganz bestimmt, Rudolf." Er wollte nicht vieles sagen, fein Herz wollte sich wehren, doch da kam ihm der Verstand zu Hilfe. Er wußte, Liebe läßt sich nicht erzwingen! Er murmelte nur: „Schade, ich hatte mir alles fo wunderhübsch gedacht.", dann reichte er ihr die Hand. „Lebewohl, Gretel, vorläufig werden wir uns nicht wiedersehen. Bitte, grüße deine Großmütter und Hans von mir. Morgen früh reife ich ab." Er war schon gegangen und Gretel dachte nicht daran, ihn zurückzuhalten, sie hatte zu tun, mit der Erkenntnis ihrer Liebe fertig zu werden. Es tat so weh, zu wissen, sie liebte einen Mann, der ihr niemals von Gegenliebe sprechen würde. Leise kam Großchen Jutta herein. Sie trat näher und fragte erstaunt und erschreckt: „Warum ist Rudolf Hammerschmied schon gegangen, noch dazu, ohne sich von uns zu verabschieden? Und warum weinst du?" Gretel blickte mit tränenschwimmenden Augen auf und aus ihrer Brust lyste sich das Geständnis ihrer Liebe. Gräfin Jutta war bestürzt, also war Gretel nicht unwissend geblieben. Arme kleine Gretel! z Sie zog sie zu sich empor und nahm sie mütterlich sanft in den Arm. „Dr. Diendorf kann die Tote nicht vergessen, deshalb wird er dich nie fragen, ob du seine Frau werden willst. Du hättest Rudolf wohl ruhig ja sagen dürfen, denn du hast ihn doch sehr gern." „Das wäre ja eine große Lüge gewesen gegen Rudolf! Und ich möchte auch nicht heiraten. Rudolf nicht und keinen anderen — ich möchte nun mein ganzes Leben lang an Gerhard Diendorf denken." „Närrchen", erwiderte Großchen Jutta mit (eifern Lächeln, „ein Leben kann sehr lang fein." Großchen Leonore kam. „Nanu, was gibt es denn, und wo ist Rudolf Hammerschmied?" Jutta Syden übernahm die Antwort: „Weg ist er, weil Gretel seinen Antrag ausgeschlagen hat. Sie hat ihn gern, aber das Gernhaben ist zu wenig für die Ehe." „Nanu!" sagte Großchen Leonore noch einmal, und ihre welken Züge spiegelten Verwunderung wider. Die beiden hätten doch so gut zueinander gepaßt. Aber, wenn Gretel Rudolf nicht liebte — junge Leute denken eben manchmal anders als ältere Leute. 33. Kapitel. Ein kleines Notizbuch. Es war acht Tage nach Gretels „Nein", als Dr. Diendorf Samstags gegen mittag nach Hause kam. Das Geräusch des Möbelausklopfens, gegen das er einen besonderen Widerwillen hegte, klang ihm entgegen. Etwas ärgerlich öffnete er die Tür des Zimmers, das früher von Wally Walb bewohnt wurde und rief dem darin beschäftigten Mädchen zu: „Um diese verhältnismäßig späte Stunde sollten Sie eigentlich schon fertig sein mit dem Radau." „Ich hatte heute sehr viel zu tun", verteidigte sich die Gescholtene, „und ich bin jetzt auch gerade fertig. Die gnädige Frau meinte, ab und zu müsse geklopft werden, trotz Staubsauger." Gerhard Diendorf lächelte. "Was seine Mutter meinte, war in feinen Augen immer richtig. Dr. Diendorf stand an der Tür und sein Blick ruhte gedankenlos auf einer Stelle des Sofas, wo Sitzpolster und Seitenpolster sich berührten. Ein kleiner, brennend-roter Fleck erregte jetzt dort seine Aufmerksamkeit. Es mußte sich irgend etwas in die Polsterspalte eingeklemmt haben. Mechanisch faßte er nach dem kleinen brennend- roten Fleck und hielt gleich darauf ein schmales und dünnes Notizbüchlein in der Hano. Ihn durchzuckte sofort der Gedanke; das, Büchlein muhte Wally gehört haben und er erinnerte sich plötzlich an einen Tag kurz vor Wallys Sterben. Er hatte an ihre Tür geklopft, um sie zu einem Ausgang abzuholen, und sie hatte fein Klopfen anscheinend nicht vernommen. Sie sprach drinnen im Zimmer und er horte sie deutlich sagen: „Das Notizbuch, wo ist es nur geblieben? Wahrscheinlich habe ich es doch schon verbrannt!" Er war eingetreten und sand Wally allein im Zimmer, damit beschäftigt, mit dem Schürhaken im Kachelofen herumzustochen, dessen Feuerungstürchen weit geöffnet war und in dem Wally anscheinend allerlei Papiere verbrannt hatte. Wally hatte ihn angelächelt und erklärt: „Es sammelt sich im Lause der Zeit immer viel unnützer Papierkram an und den verbrenne ich ab und zu, damit es in meinen Schubkästen wieder etwas Platz gibt." Er hatte gefragt: „Du vermißt ein Notizbuch? Ich horte dich von draußen laut mit dir selbst reden." Sie hatte genickt. „Ach, es handelt sich um nichts Besonderes, nur um ein Notizbuch ohne jeden Wert. Ich wollte es verbrennen und habe es auch anscheinend gedankenlos schon getan." Das Büchlein, das er eben gefunden, muhte das Büchlein von damals fein. Mechanisch blätterte er in dem Büchlein. Harmlose Notizen fand er darin. Tag- und Zeitangaben, wenn sie bei der Schneiderin, beim Zahnarzt oder beim Friseur erwartet wurde, auch Besorgungen waren eingetragen und ein paar Zusammenkünfte mit Freundinnen. Harmlos und einförmig war der Inhalt. Er entschied, das Büchlein sollte noch nachträglich verbrannt werden, er wollte es in seinem Arbeitszimmer in den Ofen stecken. Doch ehe er es tat, ließ er sich damit noch vor seinem Schreibtisch nieder und begann wieder zu blättern. Plötzlich entdeckte er etwas, das er vorhin überblättert. Sein Blick wurde starr und er las: „Gräfin Wally von Syden, so werde ich bald heißen. Das klingt, das schmeichelt, das gefällt mir tausendmal besser, als Frau Dr. Diendorf zu heißen. Ich liebe Gerhard Diendorf nicht, ebenso wenig den anderen. Frauen, die so schon sind wie ich, lieben wohl meist nur sich selbst." So las Gerhard Diendorf und ihm war es, als höre er ein silberhelles Lachen neben sich. So hatte Wally Walb zuweilen gelacht, wenn sie sich über etwas luftig gemacht. Verrückt ist das ja, solche Gedanken auf dem Papier festzuhalten fand er, und wußte nun, nicht nur er war von Wally Walb betrogen wcnHen, sondern auch der andere, dem er In wildem Rachedurst das Leben hatte nehmen wollen. Er starrte immer noch auf die Zeilen, die Wally Walbs richtigen Charakter noch nach ihrem Tode enthüllten. Widerwillen schüttelte ihn und er dachte an den Brief der Gräfin Jutta Syden, dachte daran, daß ihn die liebliche blonde Komtesse liebte. Er legte das Büchlein mit spitzen Fingern inxein Fach seines Schreibtisches, als fürchte er sich daran zu beschmutzen und dann ging er langsam auf den Diwan zu, ließ sich darauf nieder und seine Hände liebkosten das von Gretel gestickte und ihm geschenkte graue Seidenkissen mit dem breiten Veilchenkranz. Liebe kleine Gretel! flüsterte er in jäh aufwallender Zärtlichkeit und ein weiches Lächeln legte sich um seinen Mund. Seine Augen blickten versonnen. Fern von hier, am grünen Rhein, in einem Schlößchen tief in Wald und Park versteckt, wohnte eine, die ihn liebte, die ihn echt und wahrhaft liebte. Er atmete wie benommen, der Hauch eines, reinen Glückes streifte ihn wie Blütenduft und er dachte: Es müßte schön seiy, Ostern doch an den Rhein zu fahren. Am Abend aber schrieb er an die Gräfin Jutta Syden und legte das dünne Büchlein mit hinein in den Brief. Jutta Syden sollte wissen, wie der Charakter Wally Walbs beschaffen gewesen und einsehen, es wäre vielleicht gut, wenn auch ihr Enkel es erführe. Nachdem Jutta Syden den Brief erhalten, war es ihr, als müsse sie vor Glück laut beten. Eine einzige Notizbuchseite, in seltsamer Stimmung von einem kaltherzigen schönen Mädchen beschrieben, entschied für das Glück von vier Menschen. Eine Abschrift der Seite ging mit der nötigen Aufklärung von ihr sofort an Hans, der vor Freude, endlich von dem Schatten befreit zu fein, gar nicht wußte, was er tun sollte. Er schrieb vor allem an Großchen Jutta, daß er in Kürze zu flüchtigem Besuch nach Hause käme und man dann alles besprechen könne. Du lieber Himmel! War er froh. Wally Walb war falsch gewesen, ihre Liebe hatte nur seinem Titel gegolten. Als er ein paar Tage später in Mainz zu tun hatte, fuhr er anschließend einige Stunden weiter, um sich mit Großchen Jutta auszusprechen und Bettina zu überraschen. Er brauchte Bettina aber gar nicht erst in dem alten Haus am Ritterplatz aufzusuchen, ein Zufall führte sie ihm schon am Rheinuser entgegen. Sie schritt neben Konrad Wilderling her und er hupte so laut, daß beide entsetzt zur Seite sprangen. Konrad Wilderling wußte von Bettina längst alles, was mit ihrer Verlobung und Liebe zusammenhing und als das Auto hielt, wollte er sich still trollen, aber Hans Syden lachte: „Verweilen Sie noch einen Augenblick, lieber Meister, das heißt, wenn es Ihnen Freude machen würde zu sehen, wie aus der so ernst blickenden Bettina ein frohes glückliches Mädel wird." Der alte Musiker schüttelte den Kopf. „Da brächten Sie wirklich Wunder fertig, Herr Graf, denn Bettina ist jetzt immer sehr, sehr ernst und meine besten Lieder kann sie nicht mehr singen, weil dazu ein lachendes Gesicht gehört." Hans Syden schaute sich um, die Rheinprorne- nade war leer. Es war kalt und auf dem Rhein drängten sich Eisschollen zusammen. Wie ein Palast des Winterkönigs hob sich drüben am andern Ufer die Burg hoch über dem alten Strom. Hans Syden trat mit Bettina ein paar Schritte abseits, sagte vorher freundlich: „Verzeihung, Herr Wilderlmg". Bettina begriff nichts, gar nichts, aber nun sprach er schon auf sie ein, berichtete kurz, fast sachlich, die Geschichte des Büchleins und reichte ihr die Abschrift der Notizbuchseite, die ihm Großchen Jutta gesandt. Bettina las mit stockendem Atem und ihr war es mit einem Male, als regiere nicht mehr der kalte Januar am Rhein, sondern der wonnige Mai. Sie zitterte vor jähem Glück und Hans Syden sagte bewegt: „Das Erlebnis mit Wally Walb hat mich schwach gemacht. Ein Schatten nahm mir alle Freude, verlangte mein Glück und meine Liebe als Opfer." Er warf spähende Blicke nach rechts und nach links, lachte Konrad Wilderling zu und neigte sich, um Bettina auf der kalten Rheinpromenade zu (äffen. Tat es, küßte sie immer wieder und flüsterte bann glücklich: „Der Schatten ist verschwunden, Mädel, ich sehe ihn nicht mehr und er wird niemals wiederkommen. Herrgott, wie ist doch das Leben so wunderschön!" Meister Wilderling sah ein strahlendes Lächeln auf Bettinas Antlitz erblühen und da drückte er sich still beiseite. Zwischen den beiden Menschen war ja glles in schönster Ordnung. Ein paar Wochen später aber fanden Gretel Syden und Gerhard Diendorf zusammen. Großchen Jutta hatte geschickt die noch übriggebliebenen kleinen Hindernisse zwischen den beiden weggeräumt und Gretel meinte an der Brust des geliebten Mannes heiße selige GlückstrHnen. Als dann die Osterglocken läuteten, fanden sich alle im Waldschlößchen zusammen, die nun bald einer Familie angeboren würden. Frau Diendorfund ihr Sohn, Johannes Hochwald mit Frau und Tochter, Gretel und Hans Syoen, sowie die beiden Großmütter. Die zwei Männer, die sich einmal als schlimmste Feinde betrachtet, reichten sich ernst und stumm die Hände, das hieß: Alles sollte vergeben und vergessen sein. Frau Diendorf erfuhr nichts von alledem, was ihr die Erinnerung an ihre Pflegetochter hätte verbittern können, ihres Sohnes Glück war fo groß, daß er das Gedächtnis der wunderschönen, selbstsüchtigen Wally Walb im Herzen seiner Mutter rein erhalten wollte, selbst auf die Gefahr hin, daß sie vielleicht fände, er habe seine Braut zu schnell vergessen über zwei strahlende Jungmädchenaugen. Als "man so beisammensaß, bat Großchen Jutta Bettina, das Lied zu fingen, das von der alte Sage handelte, und Bettina fang mit befreitem, hinreißendem Vortrag. Alle faßen stumm, wie unter einem Bann, nachoem sie längst geendet, und dann sprach Johannes Hochwald, gestand: „Ich bekenne offen, eine ganz gräßliche Angst habe ich manchmal um mein Mädel ausgestanden und war oft wie besessen davon, der alte Fluch könnte sich an ihr ebenso erfüllen, wie er sich vor ihr an den Hochwaldtöchtern erfüllt hat. Das Wort ,Zufall' hätte mich ja nicht trösten können, wenn das Furchtbare geschehen wäre. Gottlob! Nun ist Bettina zwanzig Jahre! Die Sage aber ist ohne Sinn, denn Bettina hat keinen ,Herzmann' vor Tod bewahrt, wie es die Sage fordert!" Vier Augenpaare ruhten flüchtig ineinander, trafen sich mit verstehendem Blick, Großchen Jutta und Hans Syden, Bettina und Dr. Diendorf wußten, die alte Sage hatte doch recht gehabt. Es gab einen Tag, da rettete Bettina dem geliebten Mann das Leben. Das Notizbüchlein mit dem brennendroten Leder- einband schenkte Gräfin Jutta, mit Dr. Diendorfs Einwilligung, ihrem Enkel, der es gut verwahren wollte, falls sich der Schatten doch noch einmal zeigte, aber er würde wohl nie mehr zurückkehren, weil er ja nur von Hans Sydens erregten Nerven heraufbeschworen worden, weil er nur in seiner Einbildung existierte, solange er an die übergroße Liebe eines schonen Mädchens geglaubt. Zwei blonde Rheinlandmädel wurden sehr, sehr glücklich, und ein düsterer Schatten, der vor ihrem Glücke gestanden, war für immer gebannt. Tragischer Tod im Heizungskeller. Einem tragischen Unglücksfall ist gestern der 29 2ahre alte verheiratete Karl Bien zum Opfer gefallen. Der Mann wollte gestern mittag in dem Hause Goethestraße 30 nach einem Schaden an der Zentralheizungsanlage im Kesselhause sehen. Gestern abend wurde er nun von einem Hausbewohner bewußtlos vor dem Heizkessel liegend aufaefunden. Die sofort herbeigerufene Freiwillige Sanitäts-' kolonne vom Roten Kreuz machte in eifriger Weise Wiederbelebungsversuche, die aber leider erfolglos blieben. Ganz offensichtlich ist aus der schadhaften Heizungsanlage Kohlenoxydgas ausgeströmt, dem der bedauernswerte Mann leider zum Opfer fiel. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Gietzener IVochenmarktpreije. * Gießen, 2. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mark, Landbutter 1.42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (holländische, Kühlhaus) 12, (inländische, Kühlhaus) 11 bis 12, (frische) Klasse B 12, Wirsing, das Pfund 6 bis 10 Pf., der Zentner 6 bis 7 Mark, Weißkraut, das Pfund 4 bis 8 Pf., der Zentner 4 Mark, Rotkraut, das Pfund 8 bis 10 Pf., der Zentner 8 Mark, Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 6 bis 10, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 90 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 15 bis 20 Pf., Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Falläpfel, das Pfund 5 bis 8 Pf., Aepfel 12 bis 35, der Zentner 12 bis 25 Mark, Boskop 25 bis 28 Mark, Birnen, das Pfund 15 bis 25 Pf., Nüsse 40 bis 50, Zwetschenhonig 40, junge Hähne 80 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 70 bis 80 Pf., Gänse 80 bis 85, Enten 80 Pf. bis 1 Mart, Tauben, das Stück 50 Pf., Blumenkohl 30 bis 60, Salat 5 bis 10, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 10 Pf. * ** 85 Jahre alt. Am morgigen 3.November vollendet eine langjährige treue Leserin des „Gießener Anzeigers", Frau Dekan Emilie Wahl, geb. Clotz, das 85. Lebensjahr. Seit dem verhältnismäßig frühen Tode ihres Mannes im Hause ihrer Tochter, Frau Dekan Schmidt, lebend, erfreut sie sich noch voller körperlicher und geistiger Frische im Kreise ihrer zahlreichen Kinder-, Enkel- und Urenkelschar. ** Arbeitsvergebung. Das städtische Hochbauamt schreibt in unserem heutigen Anzeigenteil die Vergebung der Dachdeckerarbeiten für den Neubau des Schlachthof-Verwaltungsgebäudes aus. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. ** Straßenherstellung in der Lud- rvigstraß e. Der Asphaltbelag in der Ludwig- straße zwischen Garten- und Goethestraße, der vor mehr als zwanzig Jahren aufgebracht wurde, zeigt starke Risse und ist an einzelnen Stellen so sehr ausgefahren, daß eine Ausbesserung erforderlich geworden ist. Diese wird jetzt durch Aufbringen und Abwalzen einer ca. zwei Zentimeter starken Schicht, die als „Teermischoerfahren" bezeichnet wird, vorgenommen. Amtsgericht Gießen. Der M. St. aus Gießen kaufte einen Radioapparat unter Eigentumsvorbehalt. Trotzdem zertrümmerte der Angeklagte im Verlaufe einer Auseinandersetzung den Apparat. Durch Strafbefehl wurde er mit einer Gefängnisstrafe von einem Monat belegt. Die gestrige Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte mittlerweile den Apparat vollkommen bezahlt und der Verkäufer daher an einer Bestrafung kein Interesse mehr hat. Das Gericht erkannte deshalb auf zwei Wochen Gefängnis. Wegen Uebertretung der Reichsstraßenoerkehrs- ordnung erhielt der I. W. aus Reutlingen durch Strafbefehl 3 5 Mark Geldstrafe, eventuell fünf Tage Haft. Der Angeklagte hielt bei Ueber- querung einer Straßenkreuzung in Heuchelheim nicht die rechte Straßenseite ein und verursachte dadurch mit einem anderen Wagen einen Zusammenstoß. Die Beweisaufnahme in der gestrigen Hauptverhandlung veranlaßte das Gericht, die Strafe auf 5 0 Mark zu erhöhen. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Die Beschickung des Frankfurter Schlachtvieh- marktes in der letzten Oktoberwoche brachte zumeist weitere Erhöhungen, nur bei Großvieh war das Angebot etwas schwächer, aber trotzdem ausreichend. Die verminderte Kaufkraft des Konsums vor dem Monatswechsel machte sich immerhin etwas bemerkbar, wenngleich das Geschäft auf allen Märkten weiterhin befriedigend war. Die Qualität des Rindfleisches hatte durch erhöhten Anteil von Weidevieh eine weitere Besserung erfahren, so daß die Preise für Ochsen, Bullen und Färsen noch etwas anzogen, während sie bei Kühen, die nur langsam verkauft wurden, durchweg etwas nachgaben. Der Auftrieb betrug 1073 (1104) Stück und wurde geräumt, nur in Kühen verblieb Ueberstand. Die Zufuhr an Schweinen hat sich weiter merklich erhöht, und zwar auf 1428 (950), zudem war die Qualität erwartungsgemäß wesentlich besser, so daß zu den Festpreisen der Markt schnell geräumt war. Am Kälbermarkt konnten sich die hohen Preise trotz der weiter erhöhten Beschickung mit 1051 (1010) gut behaupten, bei lebhaftem Geschäft wurde ausverkauft. Das mengen- (339 gegen 309) und qualitätsmäßig zufriedenstellende Angebot von Schafen wurde nach mittelmäßigem bis lebhaftem Handel ausverkauft, die Preise zeigten allerdings keine einheitliche Entwicklung, brachten aber gegen die Vorwoche nur bei geringen Tieren leichte Rückgänge. 4. Kirchliche Nachrichten E3 der Zeit feit der Machtergreifung sind fast sämtliche Steuergesetze neu gefaßt worden, um mit der Verwirklichung Dieser Grundsätze einen Anfang zu machen. Beenden kann man die Entwicklung erst später, wenn die völlige Beseitigung der Arbeitslosigkeit gegluckt, der Aufbau der Wehrmacht und auch die Organisation der Reichseinheit durchgeführt ist. Noch heute werden in den verschiedenen Ländern mehrere Steuern von andern Behörden als von den Finanzämtern festgesetzt und beigetrieben, so z. B. die Grunderwerbssteuer, die Bürgersteuer, die Gewerbesteuer und die Kirchensteuer. Durch 'eine Zusammenfassung kann sich hier viel Aufwand an Arbeit und Material einsparen lassen. Um den Bestand, die Ertragsfähigkeit und die Beleihungsfähigkeit des Bodens festzustellen, wird zur Zeit im ganzen Reich eine Bodenschätzung durchgeführt: die früheren Unterlagen sind fast durchweg veraltet. Die Beamten werden in der Reichssteuerschule in Hersching am Ammersee mit der nötigen speziellen Sachkunde ausgestattet. Die großen Aufgaben der Reichssteuerverwaltung lassen zur Zeit eine allgemeine Senkung der Steuern noch nicht zu. Jedoch sind jetzt schon viele Steuervergünstigungen und Ermäßigungen gewährt worden, die den Zweck haben, die Bedarfsdeckung anzuregen und damit die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, und die u. a. in weit stärkerem Maße als bisher die Bevölkerungspolitik berücksichtigen. So ist z. B. die Kraftfahrzeugsteuer für neue Personenwagen beseitigt worden, eine Maßnahme, die der Wirtschaft einen gewaltigen Aufschwung gegeben hat: es sind im ersten Halbjahr 1932 etwa 23 000 Personenwagen und Krafträder neu abgesetzt worden, im ersten Halbjahr 1935 jedoch 166 000! Die Wirtschaft ist weiter durch die Erweiterung der Abschreibungsmöglichkeit angekurbelt worden, ferner durch Steuervergünstigungen für neu errichtete Klsinwohnungen und Eigenheime. Die Steuerermäßigung bei Einstellung von Hausgehilfinnen hat den Arbeitsmarkt um mehr als 100 000 Stellen entlastet. Sehr wichtig ist auch die Bevölkerungspolitik, die durch die Aenderungen verwirklicht worden ist. Die Erbschaftssteuer ist u. a. für den Fall, daß das Vermögen von Eltern an Kinder übergeht, außerordentlich stark vermindert worden. Auch die Vermögenssteuer bietet für kinderreiche Familien eine wesentliche Erleichterung gegen früher: noch weit mehr die Einkommenssteuer, die umgekehrt in vielen Fällen für die Ledigen erhöht worden ist. Bei der Berück- sichtiaung besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse sind die Bestimmungen zwar unverändert geblieben, die Handhabung erfolgt ober jetzt in einem ganz andern, billigen und sozialen Geiste. Außerordentlich segensreich haben die Ehestandsdarlehen gewirkt. Bisher sind etwa 500 000 Darlehen im Gesamtbeträge von etwa einer Viertelmilliarde ausbezahlt worden. Bei dem erfreulichen Aufschwung der Geburtenzahl im vergangenen Jahre ist mehr als die Hälfte der mehr geborenen Kinder aus unterstützten Ehen hervorgegangen; ohne die Unterstützung wären sie zum großen Teile nicht zur Welt gebracht worden. Augenblicklich ist man daran, den Familien, die vier und mehr Kinder unter 16 Jahren haben, für jedes Kind 100 Reichsmark ohne Rückzahlungs- pflicht zu geben. Alle diese Maßnahmen, für welche die Mittel aus der Ledigensteuer aufgebracht werden, sind auch deshalb von größter Wichtigkeit, weil die kinderreichen Familien sehen, daß man ihnen wirklich nach besten Kräften Hilst. Um im Handelsleben die Idee der verantwortlichen Persönlichkeit wieder zur Geltung zu bringen, werden die anonymen Aktiengesellschaften und GmbH, mit kleinen Betriebskapitalien stärker zur Vermögenssteuer herangezogen, dagegen z. B. bei der Kapitalverkehrsteuer die Einzelkaufleute und offenen Handelsgesellschaften begünstigt und auch Gesellschaftsumwandlungen in dieser Richtung steuerlich erleichtert. Die Regierung ist mit allen diesen Maßnahmen auf dem richtigen Wege. Auf der einen Seite ist das Steueraufkommen zwar durch die verschiedenen Ermäßigungen um mehr als eine Milliarde oerrinaert worden, es hat sich aber andererseits infolge der Belebung des Wirtschaftsverkehrs erheblich erhöht. Während es vor der Machtergreifung bei der immer stärkeren Anziehung der Steuerschraube von Jahr zu Jahr geringer geworden war. wird es in 1935 von einem Tiefstand von 6,6 Milliarden auf rund neun Milliarden wieder ansteigen. 1934 betrug das Auskommen rund 8,2 Milliarden. Hierdurch, sowie durch die Verringerung der Arbeitslosenzahl von 6 auf 1,7 Millionen ist der Haushalt in einem Maße entlastet worden, wie man es vorher für ganz unmöglich gehalten hatte. Der Nationalsozialismus hat die Fragen der Finanzen mit ungeheurem Mute angepackt und den Tiefpunkt der Wirtschaft mit kühnem Wurf überwunden. Durch die Entlastung des Haushalts ist die Möglichkeit zu großzügigen weiteren Unternehmungen gegeben worden, so zu dem Bau der Reichsautobahnen und zum Aufbau der Wehrmacht. Wir können mit Sicherheit auf weitere Aufwärtsbewegung rechnen. Ohne Steuern kein Staat! Im Volke sieht man das oft nicht ein, denn viele Leute sehen Steuer- delikte durchaus nicht als ehrenrührig und unmoralisch an. Man geht gegen Steuersünder neuerdings vor durch Verweigerung behördlicher Aufträge, und säumige Zahler werden durch Veröffentlichung in einer Liste gebranbmarft. Jeder Parteigenosse und jeder Rechtswahrer muß darüber hinaus an seiner Stelle im Volke darauf hinwirken, daß die Moral sich hier bessert und sich auch auf diesem Gebiete der nationalsozialistische Grundsatz durchsetzt: Ge- meinnutz geht vorEigennutz! Der Redner wurde mit reichem Beifall belohnt; es folgte noch eine angeregte Aussprache. 2lni 3. November opferk jeder Deutsche für die Straßensammlung des WhW. Deine Gesinnung zeigt sich am 3. November, wenn das WHW. dein Opfer verlangt! Nationalsozialistisches Steuerrecht. Vortrag im Zungjuristen-Schulungslager auf dem (Skiberg. Preußen. Kreis Wetzlar. > Erda, 29. Oft. Unsere Gemeinde hat einem Ortseinwohner 25 Morgen Land (Ackerland, Oed- land und Wiesen) verkauft, womit dieser im Wege der Randsiedlung den ersten Erbhof im Orte errichten will. Der Verkauf fand durch Der- mlttlung der Nassauischen Siedlungsgesellschaft in Frankfurt a. M. statt. fiteis Biedenkopf. = Nieder-Weidbach, 31. Oft. Der hiesige Männergesangverein veranstaltete einen Liederabend, der sehr gut besucht war. Herr L e h m b e ck e r aus Krofdorf und einige Musikfreunde wirkten mit und verhalfen der Veranstaltung zum Erfolg. Dem deutschen Lied wurde manch neuer Freund gewonnen. — Die Kochschule nimmt nunmehr den Unterricht auf. Erfaßt werden zunächst die Mädchen des, zuletzt entlassenen Jahrgangs. Professor Dr. Knipping-Oarmstadt tödlich verunglückt. LPD. Darmstadt, 1. Nov. Ein verhängnisvoller Unfall hat der Technischen Hochschule Darmstadt den Schöpfer und Leiter ihres Instituts für Röntgen-Physik und Röntgen-Technik, Prof. Dr. Paul Knipping, entrissen. Prof. Knipping stieß mit seinem Motorrad an der Ecke der Sand- und Wilhelminenstraße in Darmstadt mit einem Auto zusammen. Er wurde auf die Straße geschleudert und blieb bewußtlos liegen. Man brachte ihn ins Krankenhaus, wo er nach wenigen Minuten ft a r b. Eingesandt. (5ür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Cine Bitte an die Reichsbahn und Biebertalbahn. Ein großer Vorzug von Gießen ist feine in ver- kehrspolitischer Beziehung zentrale Lage, strahlen doch sechs Eisenbahnlinien hier ein und aus. Dieser Umstand sollte für jeden Gießener Veranlassung sein, tue so schöne weitere Umgebung möglichst oft aufzusuchen. Dem steht aber hindernd im Wege, daß am Samstag und Sonntag in der Zeit von 14 bis 15 Uhr, abgesehen von der Lahntalbahn, günstige Züge nicht abgehen. Könnten hier die Reichsbahn und die Biebertalbahn nicht Abhilfe schaffen? Ich glaube im Sinne vieler zu handeln, wenn diese Anregung hier gegeben wird. K. Bürker, Gießen. Am Mittwochnachmittag sprach in dem Schulungs- loger der Jungjuristen in der Burg Gleiberg Jtegierung^rat Pg Dr. Dexheimer, Gieren über das Thema „Nationalsozialistisches k e u e r r e cht". Er führte dabei etwa folgendes ?.U5,: vur das nationalsozialistische Steuerrecht gelten fünf Grundsätze: 1- Zhne Steuern kein Staat, ohne Staat keine Däferns- und Entwicklungsmöglichkeit des ein» 2. Steuern müssen sozial und gerecht sein. 3. Steuern müssen dem bevölkerungspolitischen Gedanken entsprechen. Steuern müssen dem Gedanken des Wertes der Persönlichkeit entsprechen. 5. Steuern müssen dem Gedanken der sozialen, wirtschaftlichen und finanziellen Gesundung b»r Dinge unsres Volkes entsprechen. Der Name des Verunglückten wird für immer mit der Geschichte der Röntgenstrahlen verknüpft sein; denn Prof. Knipping zusammen mit Friedrich ist es 1912 in München gelungen, den genialen Laueschen Gedanken, mit Hilfe von Kristallgittern Interferenzerscheinungen an Röntgenstrahlen zu erhalten, experimentell zu verwirklichen und so entscheidend mitzuarbeiten an der Feststellung > der Wellennatur der Röntgenstrahlen. Späterhin brachten besonders seine Assistentenjahre am Kaiser-Wilhelm-Jnstitut für physikalische Chemie in Berlin weitere wertvolle Arbeiten über Elektronenstoß. 1924 habilitierte er sich an der Technischen Hochschule Darmstadt und gründete hier ein eigenes Institut für Röntgenforschung. Sein Plan, in gemeinsamer Arbeit aus den jungen Studierenden Mitarbeiter heranzubilden für die Inangriffnahme weitausschauender Probleme schien der Verwirklichung nahegerückt, da durchschnitt ein unerbittliches Schicksal seine Arbeit und seine Pläne, damit auch ein Leben, das mit der gleichen Begeisterung wie für die Wissenschaft sich auch für das neue Deutschland einzusetzen bereit war. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 3. November. 20. Sonntag nach Trinitatis. Reformationsfest. Gießen. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Propst Knodt; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde; Propst Knodt; 17: Liturgischer Gottesdienst; Kirchengesang- verein; Pfr. Becker; Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. — Johannes- kirche. 8.20: Militärgottesdienst; Pfr. Ausfeld; 9.30: Pfr. Ausfeld: 11: Kinderkirche für die Johannes- gemeinöe; Pfr. Ausfeld': 17: Pfarrassistent Zschau; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johan- nesgemeinbe; 20: Missionsstunde im Johannessaal; Missionar Walther. — Kapelle des Alten Friedyofs. 9.30: Pfr. Anthes; 10.45: Kinderkirche für die Lu- thergemeinde; Pfr. Anthes; 20: Reformationsfeier; Vortrag von Pfr. Jannasch (Lübeck): Luther, Bekenntnisstunde in seinem Leben. — petruskapelle. 9.ß0: Pfr. Trapp: 10.45: Kinderkirche für die Pe- trusgemeinbe; Pfr. Trapp. — Wieseck. 9.30: Haupt- gottesbienft (Chorschule); Kollekte für bie Gustav- Adolf-Stiftung; 10.45: Kinderkirche; 15: Bibel- stunbe. — Großen Vuseck. 10.30: Oottesbienft; Kollekte; anschließenb letztes hl. Abenbmahl mit Beichte. — Oppenrod. 8.45: Gottesdienst; Kollekte für den Gustav-Adolf-Verein. — Albach. 12.30: Reformationsfestgottesdienst; Kollekte. — Steinbach. 10: Reformationsfestgottesdienst unter Mitwirkung des Frauenchors; Kollekte. — Rödgen. 10: Gottesdienst; Kollekte für den Gustav-Adolf-Verein. — Annerod. 13: Gottesdienst: Kollekte für den Gustav-Adolf- Verein. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdiervst unter Mitwirkung des Kirchenchors; Kollekte; 11: Beichte, hl. Abendmahl für die Verheirateten bis zum 40. Lebensjahr; 13: Kindergottesdienst (1. Abteilung). — Kirchberg. 10: Gottesdienst: Kollekte für den Gustav- Adolf-Verein; 11: hl. Abendmahl für die Jugend von Staufenberg; 13.30: Frauentreffen der Ev.-kirchl. Frauenhilfe des Kirchspiels Kirchberg; Prediger Propst Knodt (Gießen): Kollekte; 16: Vortrag von Frl. Wahrenborff. — Treis a. d. Lba. 10: Hauptgottesdienst: Kollekte für den Gustav-Adolf-Verein; Posaunenchor: 13: Feier'zur Eröffnung berFrauen- abenbe bet Ev. Frauenhilfe. — Klein-Linden. 9: Gottesbienst unb Feier bes hl. Abenbmahls für alle; Kollekte für ben Gustav-Adolf-Verein; 11: Kinder- gottesdienst. — Watzenborn-Steinberg. 10: Hauptgottesdienst des Reformationsfestes unter Mitwirkung des Kirchen- und Posaunenchors. — Garben- kelch. 10: Gottesdienst. — Hausen. 13: Gottesdienst. Lich. 9.15: Beichte: 9.30: Stiftspfarrer Naumann; hl. Abendmahl; 12.45: Kindergottesdienst; 14: Stiftsdechant Kahn. — Bettenhausen. 9.30: Hauptgottesdienst; Kollekte. — Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst; Kollekte. — Wiinzenberg. 11: Gottesdienst mit Beichte und hl. Abendmahl für die Alten: Kollekte für den Gustav-Adolf-Verein. — TraisWün- zenberg. 9: Gottesdienst mit Kollekte für den Gustav-Adolf-Verein. — Hungen. 9.45: Festgottesdienst; 19.30: Gottesdienst. — Langd. 13: Festgottesdienst, anschließend Kindergottesdienst. — wir- berg. 10: Gottesdienst; Kollekte. — Vettershain. 12.30: Gottesdienst; Kollekte. — Harbach. 14: Got- tesbienft; Kollekte. — Veilsberg. 19: Gottesdienst; Kollekte. — Kirtorf. 9: Kindergottesdienst; 10: Hauptgottesdienst. — Ober-Gleen. 13: Hauptgottes. dienst; 14: Kindergottesdienst. — Atten-Vuseck. 9.30: Beichte; 10: Gottesdienst, Feier des hl. Abendmahls. — Trohe. 13.30: Gottesdienst. Dienstag, den 5. November. Dieseck. 20 Uhr: Ev. Frauenhilfe. Evangelische Sladlmission (Löberslraße 14). Sonntag, ben 3. November. 8.30 Uhr: Morgenandacht; 13: Sonntagsschule; 20.15: Evangelisationsvortrag. Mittwoch, den 6. November. 20.30 Uhr: Bibelstunde. katholische Gemeinden. Sonntag, 3. November. 21. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer und Jünglinge; 8: Kommunion; Mili- targottesbienft; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Christenlehre und Andacht. — (Brünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 17.30: Vortrag und Andacht. — Laubach. 10: Hoch- amt mit Predigt. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Pre- btgt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. — Llch. 7.30: Hochamt mit Preditzt. Mittwoch, den 6. November. Hungen. 7.15 Uhr: Messe. Neuapostolische Gemeinden. Händelstraße 1 — Ederstrahe 13. Sonntag, den 3. November. 9.30 Uhr: Gottesdienst; 16: Gottesdienst. Mittwoch, den 6. November. 20.30 Uhr: Gottesdienst. Baptislengemeinde (Gartenstraße 13). Sonntag, den 3. November. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 20.30: Prediger Lotz. Donnerstag, den 7. November. 20.30 Uhr: Bibelbesprechung; Prediger Lotz. Christliche Gemeinde, Zu den Wühlen 2. Sonntag, 3. November. 10 Uhr: Erbauungsstunde: 15.30: Bibelstunde: 20.30: Evangelisation. Dienstag, 5. November. 20.30 Uhr: Bibel- und Gebetstunde. Oefsenklicher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende» Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Aerzte : Frau Dr. Marx; Dr. Wolf. Zahnarzt: Dr. Kockerbeck. Apotheke: Pelikan-Apotheke. M M 2ede bt|orgte Mutter fördert da, Wachstum ihre, Kordes mit Nähr, und Kräftigungsmitteln. Allgemein gilt hBbB J'*ber,ian dafür besonders geeignet. Man weih auch, dah Kinder diesen noch am liebsten in der Form der wohl- AisIbB H H TokIIBqIsBBB l$medenl)fn Emulsion zu sich nehmen Ein- Unmenge von Lebertransorten. Emulsionen, sonstigen Mischungen mit 8 SB iS BsqB SBBBBB und diesen und jenen Zusätzen erschweren die Wahl. Entscheidend hierbei ist einzig und allein der 2»®KaMfflBBSBB BBBBBB "starningehatt des betreffenden Präparates Denn nur der Dilamingehalt schützt das Kind vor Rachitis, verleiht ■ ■wBBBBBwflB W^BBAB Widerstandskraft und fördert das Wachstum. Dieser Vitamingehalt. der heule wissenschaftlich nach einem inter. MM nationalen Maßstab bestimmt wird, ist von ausschlaggebender Bedeutung für den gesundheitsfördernden Wert —»111 des Stärkungsmittels. So besitzt der handelsübliche Medizinayebertran durchschnittlich 70Ö intern. ^-Bitamincinheiten und 50 intern. V-Ditamineinheiten je Gramm. Ähnliche Werte besitzt im allgemeinen der in Emulsionen enthaltene Dorschleberlran. Scotts Emulsion dagegen wird aus einem Epezial-Dorschlebertran hergestellt, der 1400 internationale ^-Vitamineinheiten und 200 internationale D. Vitamineinheiten je Gramm besitzt. Neben diesem auherordenlltch vitaminreichen Dorschleberlran enthält Scott die deutsche Oualitäts-Emulsion. die auf. bauenden Kalk- und Phosphorsalz«. Deshalb ist Scott seit 60 Jahren berühmt geworden, und deshalb achte man sehr beim Einkauf auf dcn Reichtum an Vitaminen und weise Nachahmungen zurück. Scott besitzt den vitaminreichsten Dorschleberlran in natürlicher, ungefärbter Mischung, ist deshalb preiswert, wohlschmeckend und stets bekömmlich. In der Originalflasche mit 250 Gramm Inhalt schon zu Mark 1.75 erhältlich, während für «inen gröhern Bedarf, insbesondere für eine längere Kur. die wirtschaftlich« Doppelflasche mit 500 Gramm Inhalt zu Mark 3.- zu empfehlen ist. Die seit Jahrzehnten spezialisierte und ständig verbesserte Grosiberstellung im Scott-Haus. Frankfurt a. M.. unter dauernder wissenschaftlicher Kontrolle im eignen Laboratorium gibt die Ge- währ für erstklassige und zuverlässige Verarbeitung. Scott bekommt man in allen Apotheken und Drogerien, bestimmt da wo Ccott-Packungen und das Scott'Farbenprachtplakat mit den zwei Kindern und der Riesenflasche ausgestellt sind. Die Schutzmarke der Scott-Packungen ist der Fischer mit dem Dorsch. SCOTT c6** fcwAtoUo*: TT r ctavfc £{itf &t6 TtwM Aw TOI: Znm Tage öer ersten Relchsstraßenfammlung ergeht an alle Angehörigen unserer großen deutschen Schicksalsgemeinschaft der Ruf zu größter Einsatzbereitschaft. kln diesem Tage kommen zu Dir, deutsche Volksgenossin, und zu Dir, deutscher Volksgenosse, mit der buchse in der fjand die 6/l’Ulänner und S/l-Zührer, die SS-Männer und SS-Führer sowie die NSM-Mäaner und NSKK-Führer. Sie haben in den harten Jahren des Kampfes unter beweis gestellt, daß sie stets auch ungerufen ihre Pflicht im Dienste an der Volksgemeinschaft vorbildlich erfüllt haben. Jede deutsche volksgenossin und jeder deutsche Volksgenosse sollte es daher am 3. November 1935 für feine Pflicht erachten, durch ©pferfreudigheit die Verbundenheit mit diesen treuen Kämpfern Rdolf Hitlers unter beweis zu stellen. Freudigen Herzens soll die Gabe fließen. So, wie für jeden Nationalsozialisten das Winterhilfswerk eine stolze Herzensangelegenheit ist, so muß jeder deutsche Mann und jede deutsche Frau durch die Tat beweisen, daß sie sich in die Schicksalsgemeinschaft unseres Volkes selbstlos eingliedern und es sich zur Ehre anrechnen, bewußt ein (Opfer bringen zu dürfen, jeder soll so zu seinem Teil wenigstens in bescheidenem Maße den Männern den Dank abftatten, die die Garanten waren, find und bleiben werden für die Durchdringung des ganzen Deutschen Volkes mit der nationalsozialistischen Idee. wir Jinö im größten Erobrrnngsselözug der Weltgeschichte begriffen, fldolf Hitler, e. ®»eb«r „u. flfafr «6, E ßwwyf WR wwfwi- yk AtAUlAw, JVw An- W, TT W M WM Aw Ak$ LÄfittwS W -wm 3. Tta^wAw 1935 A» ÄÄw^fiw Aw 'M WtAw{i^f6wiw^ At$ fAwww Ljs Am w&im Mtfwfi^mwiwh- ^tw Wtfkl ME 4w 4WW 4>M Artf/kW jWW wS vfAtf- A# Oläfvyffwwwy- A^ßw -wUtw MvwstLwittw E ßwwyf E An- 4w{ Aw»4 (^wAv 4*w A»6 WAiAw^sAtaiw^ 4wüfl4^rw ßwwyffw AUJ nSiAUtw UnAAk6 4^*^ 'vw AfkpKW Tw MMs Es war sicherlich nicht leicht, die geeigneten Aufnahmeplätze zu finden Volkmar Graumüller — ein Mitglied der wissenschaftlichen Expedition — hatte diese ’Ziuigabe übernommen Wochenlang strich er landaus landab in verschiedensten Landschasten unserer deutschen Heimat herum Dabei galt es nicht nur, die stillen Plätze auszusuchen, sondern auch mit Sicherheit auszukundschasten zu welcher Zeit, auf welchem Baum oder Busch, ja, aus welchem Ast die Nachtigall, die Amsel, die Drossel ober ber Gelbspötter zu fingen pflegten Aber er mußte auch sein Augenmerk barauf richten, ob ber gesuchte unb belauschte Vogel fein Lieb auch richtig, also charakteristisch unb allgemeingültig für feine Art sang, ob er sein Lied schön fang, ob er Phantasie befaß, feinen Gesang abzuwandeln verstand, oder ob er stur immer nur die gleiche Tonsolge pfiff. Denn auch in der Dogelwelt gibt es Stümper unb Meister. Ieber singt, wie ihm ber Schnabel gewachsen ist Man kann es sich benken, baß es eine zeit- raubcnbe Arbeit unb harte Gebulbsvrobe war b:c „Meister" auszukunbschaften Unb selbst wenn sie bann noch Zeit unb Stcmbort festgestellt hatten, blieben bie Ueberrafdjungen nicht aus Wochenlang war ber Tonwagen bann unterwegs Kabel waren über Moor unb Bruch, über Bäche unb Teiche zu legen. Wie oft mußte ab.er auch biefe Arbeit vergeblich geleistet werben, wenn ber Vogel, bem man nachging, ausgerechnet an biesem Morgen 300 Meter weiter an einer ganz anberen Stelle fein Morgenlieb schmetterte?! Wertvolle Stunben vergingen ungenützt, mancher Tropfen Schweiß floß vergeblich Wie schwer war es oft, zu ben Vögeln oorzubringen, bie irgenbwo im Schilf fangen* Dabei mußte bas Mikrophon auf 3 bis 8 Meter nahe an ben Vogel herangebracht werben Häufig hing es in Bäumen ober Büschen, verschiebentlich konnte auch bas Stativ verwanbt werben Oftmals war zu tarnen, wenn bie Vögel vor bem blitzenben Instrument scheuten Es gab aber Forscher, als sie einmal ein Kuckuckmännchen stottern hörten, bas bann vom Weibchen ausgelacht würbe, ober — wie sich ein anbermal ein Kuckuck im Eifer seiner Liebeswerbung versprach unb „Kuckück" rief. Die 'Wachsplatte nahm es getreulich auf. Hier begegnete ben Forschern im Erlenwaldbruch ber Zeisig mit feinem kornischen „Dä-ih" am Schlüsse seines lieblichen Liebchens, ein anbermal, im Schilf ber Drosselrohrsänger mit seinem rauhen „Karr-karr- kiet" Der Volksmunb übersetzt sich ja häufig bas Vogellieb in bie menschliche Sprache Da wirb bem Männchen ber Sinabrofsel angebichtet, baß er feine Mit 1000 Meier Kcwel orang man in Die verborgensten Winkel vor Liebste immer mit Deren Vornamen ruft: „Hilbe- garb, Hilbegarb!" Manchmal gibt er auch seinen eigenen Namen bekannt: „Philipp, Philipp!" Unb was ruft bas Schwarzplättchen feinem Liebchen zu? .',Hast bu benn noch nicht gefrühstückt?" — Die Goldammer singt mit Ausdauer „Wie hab ich dich so liiieeb —I" Der Stieglitz stellt sich gerne selbst ■ e. k >$i . , Ü Das Mikrophon am Nest ber Kohlmeise. vor: „Stielitt, Stielitt!" Der Gelbspötter, ber viele Vogelstimmen nachmachen kann, beschätigt sich gern mit Herrn Schmitt unb seinen sieben Töchtern: „Schmitt hatte sieben Töchter — Töchter sieben. Töchter sieben — wer heiratet sie?" Bescheiben ruft die Kohlmeise: „Sitz i ba! Sitz i da!" Es gibt Men« schen, bie bem gelbschwarzen Pirol unterschieben, er riefe immer: „Bier holn, Bier holn, aussaufen, mehr holn!" Nun, bas Mikrophon hört ben Vogel etwas an« bers, sachlicher' Man wirb ja auch nicht erwarten, baß auf ben Schallplatten zum tönenben Dogeibuch bie Vogellaute in Die menschliche Sprache übersetzt smb! * Den großen Höhepunkt für alle, bie im Dienste ber schönen Sache zu wirken hatten, war bie gelungene Ausnahme bes Liebes ber Nachtigall Lassen wir einmal Volkmar Graumüller selbst erzählen: „Mehrere Nächte waren wir braußen. Schwüle, feuchte Luft hing in Busch unb Baum. Zwei Nächte harrten wir vergeblich. Die Nachtigall fang nicht, wo wir es haben wollten. Wir mußten ben Stanb- ort änbern. An einer entfernten Walbecke in einem Tal würbe also neu aufgebaut. Eine vorzügliche Akkustik ließ einen guten Erfolg erhoffen. Nachbem auigebaut war, gingen mir für einige Stunben schlafen. Gespenstisch, schwarz unb brohenb blieben bie Wagen im Walbe allein zurück Um Mitternacht waren wir bann wieder unterwegs. Ein Hunb dellte in bem nahen Dorfe, ber Himmel war bewölkt, bis Nacht unendlich warm — so recht für Nachtigallen! Alles wurde peinlich vorbereitet. Wir mußten bereit sein. Langsam, bleiern verging bie Zeit! Wie lange warteten wir boch schon roieber?! Ja — ringsum, weit im Umkreis schlugen Nachtigallen genug, sieben, acht, neun konnte ich unterscheiben. Aber unsere war nicht im Konzert! Es würbe zwei Uhr. Mitternacht war längst vorbei! Nichts regte sich' Da ... leise — (wir lauschten angespannt) — ein Ton — mehrere gleiche Töne aneinanbergereiht, wie Perlen auf einer Schnur, leise zunächst, allmählich lauter bann, heller, leuchtenber unb bann I — ging bas Krescenbo in ben Schlag über ! Längst hatte ich eingeschaltet unb saß atemlos am Lautsprecher Es schien mir, als sänge ber Vogel im Wagen. Ein Schlag wechselte ben anberen ab, verschieben an Tonstärke, verschieben in ber Tonhöhe in immer roieber anberer Tonfolge, in immer roieber anberer Melodie! Unerhört voll unb schön schlug sie bann, vollkommen klar klang ihr Lieb im Lautsprecher — es mußte uns erscheinen, als sitze sie unmittelbar vor bem M'krovh'- ' Ich saß am Lautsprecher, lauschte mit allen Fasern ... Die Wachsplatte läuft unb zeichnet, was hier jubelt unb klingt, lückenlos unb naturgetreu, wie wir es nur je wünschen konnten! Die erste Platte lief ab, bie zweite würbe rasch aufgelegt, die Nachtigall schlug weiter, schlug mit Eifer unb Selben- schäft, als wollte sie uns belohnen für alle unsere Mühe mir ihrem schönsten Lieb. Alles in mir jubelt unb klingt mit! Wir haben es! Wir haben bas Lieb ber Nachtigall!" * Don Tag zu Tag, von Woche zu Woche würbe die Ausbeute größer, reicher, vollkommener, fügte sich zum Ganzen Allen Schwierigkeiten zum Trotz wurde die Aufgabe gelöst Das Lied vieler Vögel ist festgehalten für alle Zeit! weitaus wichtiger' Unser lückenhaftes Wissen um die heimische Singoogelwelt blieb ein Mangel! Literatur einschlägiger Art, gut und schlecht gibt es zwar genug, aber es fehlte immer noch das 23 o g e l (i c b 1 Wissenschaftler haben es mit Noten versucht, mii phonetischen Umschriften, mit Laut- runen — volkstümlich konnten biefe Hilfsmittel ber Erkennung bes Vogelliebes nicht werben Als ber Phonograph erfunben würbe, glaubte man eine neue Möglichkeit zu sehen Die Technik reichte aber noch nicht aus, bie Ergebnisse blieben unbefriebigenD Mit ber Schallplatte würben neue Versuche gemacht — aber bei aller Mühe, bie auf- geroanbt mürbe gelang keine Vogelstimme charakteristisch Meist roaren biefe Versuche in Ateliers unternommen roorben Die Schallplatte mar ben unerhört hohen Schroingungszahlen ber Bogelstim- M"N nicht a-'wachk-n Der 23oa°Uon im aefctVnffen‘’n Raum würbe hallenb, oerrte (schwang in sich) unb bekam Den ,Raumton" So ging es also nicht! j Run hat in aller Stille bie Kulturabteilung ber । Carl-Linbftröm-AG es unternommen, sich mit am! bern Mitteln um bie Erschließung ber Vogelstimme für bie Schallplatte zu bemühen Im Zusammenwirken vieler Kräfte sollte ein „tönenbes Vogel- buch" herausgebracht werben, em Buch also, bas Wort, Bilb unb Ton in sich vereinigte Das Werk gelang, das Buch ist ba. Dem ->rfolgc"ich->rcn oogel- tundlichen Unterricht sind Die Wege geebnet. Mit dem schweren Tonwagen 1A 50 UÜU in Wald unb Feld. I •; X > .4 ■ .. ML-.- 2- Z 'M- "V.'. t ■’ Blick m Den Tonwagen mit seinen komplizierten Einrichtungen. MM ■ä * Mr' w- B F v *• . WM .... Wirtschaft weiter etwas fester mit 118,13 (117,50), Reichsbank war auch hier recht Ueberstand. Auf dem S ch a f m a r f t waren 488 Schale aufgetrieben. Bei flottem Handelsgeschäft wuede der Markt nahezu geräumt. Es kosteten Hammellämmer 35 bis 40 Mark, ältere Hämmel 55 Mark, Zuchtlämmer 25 bis 38 Mark, ältere Mutterschafe 35 bis 48 Mark. Auf dem Krämer- markt hatten etwa 150 Budenbesitzer ihre Stände 4,85 (4,90), 5prozentige Rumänen auf 5,90 (6) und 4proz. Gold-Mexikaner von 1904 auf 7 (7,20) ab. In der zweiten Börsenstunde hielt die Geschäftsstille an. Die Kursgestaltung war uneinheitlich, die Veränderungen waren jedoch klein, wobei aber leichte Rückgänge überwogen, insbesondere am Montanmarkt. Klöckner verloren 1, Rheinstahl 0,50 v. H. Schwächer lagen ferner Deutsche Linoleum mit 140,75 (142). Etwas fester notierten Scheideanstalt mit 216 (214,75) und Bemberg mit 106,40 (105,75). Siemens konnten sich um 0,50 v. H. auf 163,50 erholen. Am Rentenmarkt bröckelten Kommunal-Umschul- dung noch leicht ab, sonst blieben die Kurse bei sehr kleinen Umsätzen unverändert. Der Pfandbriesmarkt lag gut behauptet. Stadtanltzihen notierten teilweise etwas fester, so 4,5prozentige Darmstadt von 1926 mit 90,75 (90) und 4,5prozentige Mainz von 1926 und 1928 mit 92,25 (91,75). Don zertifizierten Dollar-Bonds erhöhten sich 6prozentige Preußen auf 59,75 bis 60 (59,25). Am Auslandrentenmarkt waren 4,5prozentige Goldrumänen zu 8,75 (8,50) gesucht. Im Freiverkehr lagen Ufa-Aktien weiter schwach mit 61 Brief nach gestern 65 Brief. Tagesgeld unverändert 3,75 v. H. Abendbörse behauptet. An der Abendbörse herrschte auf allen Märkten stärkste Geschäftsstille. Die Kurse konnten sich im Vergleich zum Berliner Schluß verhältnismäßig gut behaupten. Etwas schwächer lagen IG. Farben mit 149,25 bis 149 (149,40) und Gesfürel mit 121,50 (122,13), auch Siemens bröckelten wieder 0,50 v. H. ab auf 163. Am Rentenmarkt lagen späte Reichsschuldbuchforderungen und Kommunal-Umschuldung nicht ganz behauptet. Von fremden Werten kamen 3 v H. Schweizer Eisenbahn-Rente nach eintägiger Pause mit 146 (144,50) wieder zur Notiz. U. a. notierten: Altbesitz 112,90, 6 v. H. Stahlverein 103,40, IG. Farben-Bonds 122,50, Schutzgebietsanleihen alle 10,25, 4 o. H. Rumänen 4,85, 4 v. H. Schweizer Bundesbahn 190,50 3 v. H. Schweizer Eisenbahn-Rente 146, Adca 73,50, Commerzbank 85, Deutsche Ueberseebank 80,65, Harpe- ner 109, Mannesmann 82,75, Rheinstahl 105,75, Stahlverein 80,75, AKU 53,75, Betula 141,65, Conti Gummi 158, Daimler 93, Deutscher Eisenhan- Ende des Berichtsjahres auf 3 579 554,96 Mark. Das bedeutet gegenüber dem Iahresschluß 1933 eine Erhöhung um IV2 Millionen Mark. Unter Einbeziehung des Kaffenbestandes, der Wechsel, 75 v. h. Beleihungswert der reichs- hanklombardfähigen Wertpapiere, ergaben sich liquide Wittel im Gesamtbeträge von 5 405 1 74,67 Wart oder 24,85 v. h. der Gesamteinlagen der Kasse. Das gesetzliche Soll der Zahlungsbereitschaft war damit von der Sparkasse erheblich überschritten. Das Vertrauen, das der Sparkasse von den Sparern entgegengebracht wird, macht es zur Pflicht, auf der anderen Seite deren Belangen entsprechend Rechnung zu tragen. Die Kasse hat daher ihre Soll- Zinssätze für Hypotheken und Darlehen aus eigenem Antrieb ermäßigt. Der Hypothekenzinssatz beträgt zur Zeit 43/< v. H., er berechnet sich ohne irgendwelche Nebenleistungen. Das Kapital wird selbstverständlich in voller Höhe ausbezahlt; ein Verwaltungskostenbeitrag oder dergl. wird nicht berechnet. Die Kasse weist einen Reingewinn von 51 986,85 Mark aus, der sich nach Abschreibungen auf Grundbesitz, Einrichtungsgegenstände, Wertpapiere und sonstige Risikorücklagen ergibt. Der Reingewinn wird den Rücklagen der Kasse zuqe- sührt. Es muß betont werden, daß ein solcher Gewinn, den die Sparkasse ausweist, nicht um seiner selbst willen erzielt wird (er ist zudem infolge der Verkürzung der Zinsspanne gegen die früheren Jahre erheblich zurückgegangen), sondern daß er allein dem Zweck dient, die Rücklagen und damit die Fundierung der Kasse zu festigen und auf diese Weise die Sicherheit der Spareinlagen noch zu erhöhen. Direktor Hopfenmüller schloß seine mit Beifall aufgenommenen Ausführungen mit der Versicherung, daß die Sparkasse auch weiterhin in Oie Zndustne- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1220: Eine Reihe von Postwertzeichen werden außer Kurs gesetzt. 1221: Anordnung KP 51 der Ueberwachungsstelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1222: Anoronung (P 52 der Ueberwachungsstelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. Vezirkssparkaffe Gießen im Jahre 1934. E) arke Erhöhung des Spareinlagenbestandes. — Sehr hohe Liquidität, eindruck volles Zeugnis der Wirtfchastsbelebung im Kreise Gießen. * Konkurse und De r g l e i ch s v e r f ah- ren im Oktober. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im Oktober dutch den Reichsanzeiger 271 neue Konkurse — ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 42 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 202 bzw. 49. Rhein-Mainische Börse. Witlagsbörse: sehr still. Frankfurt a. M., 1. Noo. Die Börse lag auf allen Gebieten sehr still. Zum Monatsanfang lagen Limite nicht vor, daneben wirkte sich der katholische Feiertag aus, da Aufträge aus dem Rheinland fehlten. Die Grundstimmung war nicht unfreundlich, trotzdem bröckelten die Kurse überwiegend etwas ab. Etwas verstimmend und überraschend kamen die leichten Abschwächungen am Rentenmarkt, an dem die Geschäftsstille sehr ausgeprägt war. Altbesitz verloren 0,40 0. H., Kommunal-Umschuldung und späte Reichsschuldbuchforderungen je 0,13 v. H. Zinsvergütungsscheine konnten sich behaupten. Einiges Geschäft hatten bei weiter leicht erhöhten Kursen zertifizierte Dollar-Bonds und Gulden-Obligationen. Am Aktienmarkt verstimmte der Rückgang der Siemens-Aktie auf 163 (166,50). Auch die übrigen Elektroaktien gaben bis 0,75 v. H. nach, wobei die neuerliche Insolvenz in der Radio-Industrie von Einfluß gewesen sein dürfte. Montanwerte lagen nahezu geschäftslos, aber gut gehalten, nur Harpe- ner gaben 0,65 v. H. auf 109,13 nach: die Frankfurter Notiz versteht sich noch für die alten Aktien. Im einzelnen eröffneten u. a. Gement Heidelberg Die täglich fälligen Gelder (in Form von Guthaben bei der Landeskommunal-Girozentrale für Hessen,--------- — ----------------------- , , . - - ~ , und bei sonstigen Geldinstituten) beliefen sich zum I garn Gold auf 9,95 (10), 4prozentige Rumänen auf Holzmann 89,50, Junghans 83, RWE. 121,50 I rege. höchstem Verantwortungsbewußtsein chre Ausgabe erfüllen werde, nämlich den s e l b ft I 0 f e n Dien ft am Volksganzen und damit an jedem einzelnen Volksgenossen. Dann ergriff der Vorsitzende des Hessischen Sparkassen- und Girooerbandes, Oberbürgermeister i. K Rahn, das Wort zu längeren Ausführungen. Es fei ihm eine Genugtuung, der Versammlung alles das, was über die günstige Entwicklung der Sparkasse und ihre Arbeitsmethode gesagt worden sei, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Verbandes bestätigen zu können. Er unterstrich, daß die Sparkassen, eben weil sie Verwalterinnen von Volksvermögen seien und sich dieser Aufgabe stets bewußt gewesen waren, ohne Rücksicht auf Verdienst, allein im Dienst an den von ihnen betreuten Bevölkerungsschichten ihre Aufgaben sehen können. Er schloß mit der besten Würstchen für die weitere Entwickelung b'Jt Sparkasse. Direktor Seipp von der Landeskommunalbank-Girozentrale für Hessen äußerte sich bann, insbesondere im Hinblick auf die Anwesenheit zahlreicher Bürgermeister, über die Frage des Kommunal-Kreditss. Seine ins einzelne gehenden Ausführungen liefen in der Feststellung eines ausnahmslosen Kommunal- Kreditverbots aus. Der, Vorsitzende des Verwaltungsrates der Spar- kasse, Oberbürgermeister Witter ergriff sodann das Wort. Er wies auf das dringende Bedürfnis der Gemeinden wie der privaten Wirtschaft hin, gerade jetzt, in der Zeit erhöhter Aufgaben, auch in die Lage gesetzt zu sein, im Wege des Kredites die finanziellen Voraussetzungen für ihre Bewältigung zu beschaffen. Dabei muß es Grundsatz sein, daß die Gelder, die in dem engeren Wirtschaftsbezirk durch die Svartütiqkeit aufkommen, diesem im Wege des Kredites wieder zugeführt werden. Auch dieser Aufgabe werde die Sparkasse zu dienen haben. Damit war die überaus anregend verlaufene Mitgliederversammlung zum Schluß gekommen; sie wurde mit einem Gruß an den Führer geschlossen. Du Bezirkssparkasse Gießen hielt am Donnerstag im Universitäts-Cafe zu Gießen ihre diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung ab, zu der die Vertreter der Haftungsgemeinden fast vollzählig erschienen waren. Der Versammlung wohnten ferner bei der Vorsitzende des Hessischen Sparkassen- und Giroverban- des, Oberbürgermeister i. R. Rahn, Darmstadt, als Vertreter der Landeskommunalbank-Girozentrale für Hessen Direktor Seipp, Darmstadt, und als Vertreter der Aufsichtsbehörde Oberregierungsrat Dr. Schönhals vom Kreisamt Gießen. Die Versammlung stand unter der Leitung von Direktor Hopfenmüller Als einziger Punkt stand auf der Tagesordnung die Vorlage der Jahresrechnung und die Entgegennahme des Berichtes für das Geschäftsjahr 19 34. . Direktor Hopfenmüller teilte zunächst mit, daß die Bilanz und die Gewinn- unb Verlustrechnung burch ben Verwaltungsrat der Sparkasse unb burch bie Verbanbsrevision geprüft worben seien, ber Reichsstatthalter in Hessen — Lanbesregierung — bie Genehmigung erteilt unb bie Entlastung von Derwaltungsrat, Vorstand unb Direktor verfügt habe. Er gab alsbann eine um- fassenbe Schilberung ber Geschäftsentwicklung bes Instituts. Defa an eine kurze Erläuterung ber Bilanz, Gewinn- unb Verlustrechnung anschließenben Bericht entnehmen wir folgenbes: „Das Vertrauen zur Staatsführung hat eine W i e b e r b e l e b u n g ber Spartätigkeit ausgelöst. Diese Entwicklung wirkt sich beutlich im Geschäftsgang ber Kasse aus. Sie verzeichnet einen starken Aufstieg in allen Geschäftszweigen, der am deutlichsten in der Zunahme ber Spareinlagen zum Ausbruck kommt. Das Jahr 1934 hal der kaffe eine Erhöhung des Spareinlagenbeslandes von 1 553 25 8.04 Wark (unter Einschluß einer Zinsgutschrift von 513 337,59 Wart) gebracht, so daß sich nach Vereinigung der allgemeinen Betriebs- und Auswertungsrechnung ein S p a r- eintagenbestand von 19 056 022,50 Wart ergab. Der Spareinlagenzuwachs seit 1933 bis heute stellte sich auf ungefähr 3Vz Millionen Reichsmark. Die Rückzahlung von Aufwertungsspareinlagen wurde im Interesse der Alt-Sparer großzügig gehandhabt. Der Kontokorrentverkehr weist eine Umsatz-Steigerung von 10 174 191 Mark gegenüber dem Jahre 1933 auf. Zum Vergleich sei erwähnt, daß die Zunahme von 1932 auf 1933 nur 73 415 Mark betrug. , Neue Hypotheken wurden im Betrage von, 201 765,18 Mark ausgeliehen. Erhebliche Rückflüsse von Hypothekengeldern, besonders aus Aufwertungshypotheken, verhinderten eine wesentliche Veränderung des Bestandes. Dieser stellte sich auf 8 063 788,27 Mark. Die Sparkasse hat bei ihren Beleihungen kein Interesse daran gehabt, möglichst viel auszuleihen, um sich Zinseinnahmen sicherzustellen, sondern sie hat aus der Erkenntnis, daß sie Verwalterin der Spargroschen der Bevölkerung ist, in der Erzielung einer wirklich sicheren Kapitalsanlage ihre Pflicht gesehen. Die Ausleihungen waren ausnahmslos auf Zwecke der Arbeitsbeschaffung beschränkt; als kurzfristige Darlehen gegen Bürgschaft unb sonstige Sicherheit mürben 40082,62 Mark begeben. Das N e u g e s ch ä s t mit ©emeinben und sonstigen öffentlich-rechtlichen Körperschaften ist durch das kommunale Kreditverbot aus dem Jahre 1931 heute noch ausgeschlossen. Auch das Gemeinde- umschuldungsgesetz hat in dieser Richtung weitere Schranken gesetzt. Nach Maßgabe dieses Gesetzes wurde im Zuge der Konsolidierung kurzfristiger Gemeindeschulden der Bestand an Gemeindedar- lehen unb -Krebiten um 918 400 Mark verringert, an bereu Stelle bie Sparkasse Schuldverschreibungen des Umschuldungsverbandes Deutscher Gemeinden in gleicher Höhe übernahm. Das Wertpapiergeschäft zeitigte in allen Teilen eine starke Belebung. Die Kasse ist an 20 landwirtschaftlichen Entschuldungsverfahren beteiligt, von denen sie 15 selbst als Entschuldungsstelle bearbeitet. Die Zahlungsmoral mancher Schuldner läßt hier alle Wünsche offen. Besonderer Hervorhebung bedarf die aus ber günstigen Spareinlagenentwicklung sich ergebenbe überaus hohe Liquidität ber Sparkasse. j cantfurter Buttermarkt. Frankfurt a. M., l.Noo. Die Anlieferungen ber Molkereien in frischer Butter zeigten auch in dieser Woche noch keine Zunahme, man rechnet im Großhandel aber bald mit einer leichten Zunahme. Holländische Butter war nur wenig am Markt, ba« gegen gab die Reichsstelle einige Posten dänischer Butter ab. Das Geschäft blieb naturgemäß lebhaft. Es notierten in Mark pro 50 Kilogramm frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise an den Einzelhandel): Deutsche Markenbutter 145 bis 148, feine Molkereibutter 143 bis 145, Molkereibutter 142. Holländische Butter 145 bis 148. Die Anfangs- preise verstehen sich für Butter im Faß, wahrend der Endpreis den Zuschlag für ausgeformte Stücke barstellt. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 1. Nov. Im Frankfurter Eiergroßhanbel war bas Geschäft in ber letzten Oktoberwoche ruhiger, ber Absatz war aber dennoch befriebigenb. Deutsche Frischeier würben weiterhin nur in kleinen Mengen angeboten, bafür ftanben etwas mehr Frischeier aus bem Balkan zur Verfügung. Das Geschäft in Kühlhauseiern blieb gut, auch das Angebot war reichlich. Es notierten in Pfennig pro Stück frei Frankfurt a. M. (Groß- hanbelsverkaufspreife an ben Einzelhandel): Deutsche Markeneier (Frischware): S12% bis 12%, A 11% bis 11%, B 10% bis 11, C 93/< bis 10, D 9%; Holländer S 12% bis 12%, A 11% bis 11%, B 10% bis 11, C 93/« bis 10; Ostware (Bulgaren, Rumänen, Jugoslawen) 9% bis 10%; Deutsche Markeneier (Kühlhausware) S 11 bis 11%, A 10% bis 10^/2, B 9% bis 9%, C 9 bis 9%, D 8% Frankfurter Obst- und Gemüfemackt. Frankfurt a. M., 1. Nov. Am Gemüse- markt blieb das Angebot gut. Etwas reichlicher war es in Blumenkohl, Eskarol, Feldsalat, Karotten, Rotkraut, Spinat, Weißkraut und Wirsing. In Blumenkohl entwickelte sich lebhaftes Geschäft, für Spinat unb Felbsalat war es schlecht, unb im übrigen war ber Hanbel schleppenb. Für Eskarol unb Haustomaten zogen bie Preise etwas an, sonst blieben sie gegen ben Markt vom Dienstag unoer- änbert. Es notierten: Blumenkohl 20 bis 50, Eskarol 5 bis 10, Felbsalat 25 bis 30, Gewürze!, aroßes Bündel 25 bis 40, Karotten 4 bis 5, gelbe Kartoffeln 3,30 bis 3,50, Oberkohlrabi 3 bis 4, Unter- kohlrabi 5 bis 6, Kopfsalat 4 bis 10, Meerrettich 35 bis 45, Rosenkohl 20 bis 22, Rote Rüben 4 bis 5, Rotkraut 4 bis 6, Sellerie, je nach Größe 5 bis 28, Spinat 5 bis 6, Schwarzwurzel 16 bis 22, Haustomaten 25 bis 28, Feldtomaten I 12 bis 15, II 7 bis 10, Weißkraut 3 bis 4, Wirsing 3 bis 6, Weiße Rüben 4 bis 7, Zwiebeln 51/: bis 6. Obst: Angebot von Aepfeln sehr reichlich, bessere Sorten werden jedoch recht gering angeboten. Zufuhren von Birnen genügend. In guter Ware nahm das Geschäft einen befriedigenden Verlauf, sonst war es schleppend. Preise kaum verändert, Auslesen von Aepfeln und Birnen über Notiz. Am Traubenmarkt zeigte das ausländische Angebot eine merkliche Abnahme, bei flottem Geschäft zogen die Preise etwas an. Es notierten: Aepfel I 20 bis 25, II 14 bis 18, Wirtschaftsäpfel 10 bis 14, Edel I 22 bis 25, II 18 bis 20, Goldparmänen I 22 bis 25, II 15 bis 20, Boskop I 20 bis 25, II 16 bis 18, Landsberger 20 bis 24, Schafsnase 13 bis 16, Birnen I 20 bis 25, II 15 bis 18, Kochbirnen 6 bis 10, Diehls Butterbirnen 16 bis 20, Vereins-Dechant I 18 bis 25, Clairgeau 18 bis 22, Mollebusch I 20 bis 22, II 14 bis 18, Pastoren 12 bis 15, Bananen, Kiste 25 Pfund netto 5'/- bis 6 (Brasilien), 7 (Kamerun), Feigen, 25-Kilogramm-Sack IOV2 bis 11, Haselnüsse 42 (ital.), Kastanien 15 bis 20, Trauben 38 bis 45 (holl.), 25 bis 26 (span.), 24 bis 26 (bulgar.), Walnüsse 40 bis 42, 38 bis 45 (ital.), Zitronen 6 bis 7. Die Preise verstehen sich in Mark und gelten, soweit nichts anderes angegeben, für 100 Pfund, 100 Stück oder 100 Bündel ab Derkaufsstand Großmarkthalle. Viehmarkt in Hungen. * Hungen, 1. Nov. Bei sehr starkem Besuch sand heute hier großer Vieh - und Krämermarkt statt. Auf dem Rindermarkt waren 16 Kühe und Rinder zum Verkauf gestellt. Kühe kosteten je nach Qualität 310 bis 580 Mark, Rinder 80 bis 300 Mark. Auf dem Schweinemarkt war ein Austrieb von 669 Ferkeln zu verzeichnen. Es kosteten bis zu 6 Wochen alte Ferkel 14 bis 16 Mark, 6 bis 8 Wochen alte Tiere 17 bis 24 Mk., 8 bis 9 Wochen alte 25 bis 27 Mark, 9 bis 13 Wochen alte 28 bis 32 Mark. Der Handel verlief flott, infolge des großen Angebots verblieb aber etwas mit 174,25 (174), Westdeutsche Kaufhof mit unverän- del 103,25, Scheideanstalt 216, Deutsche Linoleum m a r 11 yanen eiroa iuu ;ouuen bert 25,25. Am Auslandrentenmarkt bröckelten Un- 140,25, IG. Farben 149,25 bis 149, Gesfürel 121,50, aufgeschlagen. Der Marktbetrieb I garn Gold auf 9,95 (10), 4prozentige Rumänen auf Holzmann "89,50, Junghans 83, RWE. 121,50 I rege. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben Die Hohe Der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskoni 4 0 H, Lombardzinsfuß 5 0 H Frankfurt a.M. | Berlin Echluß- kurS (Schluß«. Abend- börsc Schluß- turS Schlußk. Mittag- börse Datum 31.10. 1.11 31-10 1.11. 6% Deutsche RetchSaniethe v. 1927 100,4 100,4 100,5 100,5 4% Deutsche Reichen!, von 1934 97,75 97,75 97,75 97,75 5'/i% Doung-Aniethe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schutd mit 102 102 — 102 Auslos.-Rechten ............ 4*/»% Deutsche RetchSpostschatzan» 113,4 112,9 113,13 112,9 Weisungen von 1934, 1....... 6% ebem.8% Hess. Bottsstaat 1929 100,1 100,13 100,13 100,3 (rückzahlb. 102%) ............ 4%% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt ®olb R. 12........ 6yt% ehem. Hess. LandeS-Hypo- 96,5 96,75 96,65 96,5 96 96,13 — 96 thekenbanl Darmstadt Ltout ... ehem. 8% Darmst. Komm. 100,5 100,5 — — Landesb.Äoldschuldvertchr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit 91,5 91,5 — — Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- — — — — leihe Sette 1 mit Auslos.-Rechten