Nr. M Erster Blatt 185. Jahrgang Montag, 2. September 1035 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblStter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugrprels: Jtit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschliiffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sieben poftscheckkonto: granffurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruK und Verlag: vrühl'sche llnivrrsttStrvuch- und Steindruckerei «.Lange in Gießen. 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Es hat bei der Aufnahme dieses Landes vor 12 Jahren aus politischem Opportunismus auf die strikte Anwendung wichtiger Grundsätze verzichtet, und es verhält sich jetzt ebenso, wenn auch mit um- aekehrtem Vorzeichen und in einer bedeutend gefährlicheren Situation. Wenn es jetzt wieder in die aktive Politik eingeschaltet wird, so verdankt es dies lediglich dem Interesse Englands an der Aufrechterhaltung eines Systems von Verfahrensregeln und Rechtsgrundsätzen, in deren Namen das Foreign Office jederzeit in die Welthandel eingreifen kann. Italien hat versucht, dieser englischen Dölkerbundspolitik eine Politik der vollendeten Tatsachen und der stillschweigenden Ignorierung entgegenzusetzen. Nach dem englischen Ministerrat vom 22. August, der den Eindruck unbedingter, wenn auch maßvoller Entschlossenheit hinterließ, und nach dem Bozener Ministerrat, der vorerst die vom französischen Vermittler Mussolinis Politik der Faust. An die englische Adresse. London, 1. Sept. (DNB.) „Sunday C h r o n i c l e" enthält eine Unterredung mit Mussolini, in der dieser erklärt hat: „Ich bin für den Frieden, aber was ich begonnen habe, werde ich beenden. Ich wünsche im Völkerbund zu bleiben, wenn das möglich ist. Abet wenn die Entscheidung gegen Italien fällt, werde ich den Völkerbund verlassen. Damit wird der Völkerbund erledigt sein. Ich werde die italienische Klage gegen Abessinien Vorbringen. Dann werden die Nationen der Welt zu entscheiden haben. Ich kann es nicht verstehen, wieso unsere berechtigten Ansprüche von irgend jemand in der Welt mißverstanden werden. Großbritannien weiß, was es heißt, in Kriege verwickelt zu sein. Großbritannien sollte es wissen, wie weit man gequält und gestoßen werden kann, bevor man eine Zioilisierung unternimmt, die dem weihen Mann obliegt. Immer wieder haben die Abessinier italienische Rechte verletzt und die Treue WieAbessinien Älilglied desVölkelbundeswurde. Eine zeitgemäße Erinnerung. - Die Intrigen in Genf. bloßgelegten Konsequenzen gezogen hat. dürfte diese Periode des italienischen Boykotts gegen Genf abgeschlossen sein. Immerhin hat Italien erreicht, daß schon seine Beteiligung an einem regelrechten Dölkerbunds- verfahren als beträchtliches Zugeständnis gewertet wird, für das es, um bei guter Laune zu bleiben, sicher wichtigere sachliche Konzessionen verlangen wird. Das Feilschen um den Preis für die Aufrechterhaltung des Friedens wird, nach den Junioerhandlungen in Rom und der August-Konferenz in Paris, wahrscheinlich auf der Genfer September-Tagung fortgesetzt werden. Wenn hierfür die Artikel 15 und 16 der Völkerbundssatzung, die jeden Krieg und jede Kriegsdrohung zwischen Mitgliederstaaten als Angelegenheit des ganzen Bundes bezeichnen, als Grundlage und Rahmen dienen sollten, so hätte der Genfer Organismus in letzter Stunde feine monatelangen Versäumnisse einigermaßen gutgemacht. Im Augenblick wagt man hier, dieses Ergebnis lediglich als möglich zu betrachten. Eine Wahrscheinlichkeit für die Vermeidung von Feindseligkeiten in Abessinien mit all ihren Auswirkungen würde sich erst ergeben, wenn die jetzt noch ganz hypothetische Einheitlichkeit der englischen und der französischen Völkerbundspolitik hergestellt würde. gebrochen. Wie lange müssen wir uns derartige rechtswidrige Handlungen von selten einer barbarischen Nation gefassen lassen? Ich glaube, ich bin sehr geduldig gewesen. Abessinien ist kein Staat und keine Nation. Ich kann es nicht verstehen, wie jemand bei seinem Urteil über Italien zu einem rückständigen Teil der Dell wie Abessinien sich für dieses Land aussprechen kann. Ich werde eine ganze Bibliothek über Sklavereigreuel in Abessinien vorlegen, Dokumente und Photographien. Ich habe keinen Zweifel darüber, daß sich die Ansicht der öffentlichen Meinung in Großbritannien ändern wird. Die Photographien werden die Tatsache und den Schrecken des Sklavenhandels beweisen, der seit Jahrhunderten ein Schandfleck für die'' Zivilisation gewesen ist. Die Photographien . werden eine Sensation sein, die einen Abscheu über ! Abessinien in der ganzen Welt verbreiten wird. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Genf, 31. August 1935. Noch nie ift ber Völkerbund so oft genannt worden und dennoch so wenig in Aktion getreten, wie bei dem italienisch-abessinischen Konflikt, der seit dem 5. Dezember vorigen Jahres, seit dem schon historisch gewordenen, aber offiziell noch immer nicht geklärten Zwischenfall von Ual-Ual, die Weltöffentlichkeit beschäftigt und auf der bevorstehenden Tagung alle anderen Fragen völlig in den Schatten stellen wird. In diesen neun Monaten ist täglich in allen irgendwie interessierten Ländern, bald in skeptischer, bald in zuversichtlicher, in positiver oder in ablehnender Form von einem Eingreifen Genfs die Rede gewesen; aus der Kriegsgefahr wurde eine Kriegswahrscheinlichkeit, die an Gewißheit grenzte, und doch blieben die Kriegsverhütungsvorschriften des Völkerbundspaktes abseits von dem Gang der Ereignisse. Die abessinische Regierung wandte sich schon am 16. Dezember 1934 nach Gens und beantragte einen Monat später in aller Form die Einleitung des Vermittlungsverfahrens auf Grund von Artikel 11 der Satzung. Der Rat, der damals versammelt war, begnügte sich mit einer Vertagung auf die nächste Session, also auf Mai, nachdem den abessinischen Vertretern nahegelegt worden war, sich unmittelbar mit Italien zu verständigen. Um tiefe Anregung nicht ganz aussichtslos erscheinen zu lassen, hatte Italien seinen früheren Standpunkt, daß der Streitfall nicht unter die Bestimmungen des Freundschafts- und Schiedsvertrages vom 2. August 1928 falle, aufgegeben. Auch hatte es feine im Dezember kategorisch erhobene Forderung, daß Abessinien sich wegen des Zwischenfalles von Ual Ual entschuldigen und eine Entschädigung leisten sollte, sttllschweigend zurückgestellt. . Die vorläufige Selbstausschaltung des Völkerbundes auf vier Monate war nichts anderes als der völlige Verzicht auf jede Stellungnahme in einem Konflikt, der damals noch keinen großen Umfang angenommen hatte, aber in der internationalen Öffentlichkeit allgemein als der Anfang einer entscheidenden Auseinandersetzung über das Schicksal Abessimens empfunden wurde. Auch auf der unvorhergesehenen Ratstagung im April hielt der Völkerbund an feiner Taktik des Verschleppens fest, obwohl schon Mitte Februar die ersten italienischen Mobilisierungsmaßnahmen bekanntgegeben und seitdem ständig Truppen- und Materialverschiffungen nach Ostafrika vorgenommen worden waren. Außerdem hatte Abessinien schon am 17. März ein Verfahren auf Grund von Artikel 15 der Satzung verlangt, da eine Lage bestehe, die zum Bruch führen könnte. Gleichzeitig war bekanntgeworden, daß die Schlichtungskommission, die sich des Zwischenfalles von Ual-Üal annehmen sollte, noch nicht gebildet werden konnte, da Italien keine europäischen Juristen als Vertreter Abessiniens anerkennen wollte. Nun konnte auf der Ratstagung im Mai angesichts der fortschreitenden Zuspitzung der Lage das beliebte Mittel der Vertagung nicht mehr Her- Halten; das bedeutet aber nicht, daß der Völkerbund endlich das Verfahren eröffnete, das durch die drohende Kriegsgefahr geboten schien. In -Mehrtägigen inoffiziellen Verhandlungen wurde damals lediglich die Zustimmung Italiens erreicht, daß es eine von ihm schon im Januar gemachte Zusage, nämlich die Durchführung des Schlichtungsund Schiedsverfahrens, einhalten werde. Auch dieses neue Versprechen war nur bedingt, denn von nun an bildete zwar nicht mehr die Nationalität der von Abessinien bestimmten Schiedsrichter einen Stein des Anstoßes, wohl aber die Frage, ob bei den Verhandlungen der Kommission die territoriale Zugehörigkeit von Ual-Ual erörtert werden dürfe oder nicht. Die Ausführung der beiden Ratsentschließungen vom 24. Mai sollte daran scheitern. Man hatte geglaubt, bis September eine Atempause gewonnen zu Haden; der Zusammenbruch der Schlichtunasverhand- lungen in Scheveningen machte aber schon Mitte Juli die Einberufung des Rates spruchreif. Das Ergebnis des zähen diplomatischen Ringens vor und während dieser neuen Ratstagung, die am 31. Juli zusammentrat und mit den beiden Entschließungen, sowie dem Dreimächtecommuniquö vom 3. August endete, war eine neue Vertagung, diesmal allerdings auf einen festen, wenngleich von Italien nicht angenommenen Termin, den 4. September. Zwischen dem 24. Mai und dem 31. Juli hatte sich aber eine Entwicklung vollzogen, die dem italienisch-abessinischen Konflikt die ganze Bedeutung einer europäischen Krise geben sollte: das offene Hervortreten des englisch-italienisch e n Gegensatzes. Edens Besuch in Rom am 24 Juni und fein von Mussolini abgelehnter Vermittlungsvorschlag, das aufsehenerregende Angebot ber Abtretung des Hafens Zeila in Britisch-Somali- lanb, bedeutete zugleich Höhepunkte und Ende der direkten und freundschaftlichen Verhandlungen zrpi- schen London und Rom. Alle weiteren Auseinandersetzungen erfolgten in einer Atmosphäre zunehmender Gereiztheit und bedurften des französischen Ministerpräsidenten als eines unentbehrlichen Vermittlers. Diese Rolle hat Laval zuletzt bei den Orei-Mächte-Verhandlungen m Pan?, t»ie außerhalb des Völkerbundes eine sachliche lo- litng der abessinischen Lage herbeiführen sollten mit Geschick, aber ohne greifbaren Erfolg gespielt. „Es war am 28. September 1923. In den kunstlosen und unzureichenden Reformationssaal des Genfer Volkerbundspalasts treten glänzend schwarze Gestalten ein. Es sind die beiden Delegierten Abessiniens, das heute feierlich in den Völkerbund ausgenommen werden soll. Der eine ist bekleidet mit einem Gewand aus schwarzer Seide, das auf eine enge weihleinene Hose herabfällt. Der andere ist in einen Mantel aus blauem Seinen gehüllt. Würdig und schwer steigt der erste zur Rednertribüne hinauf; er zieht aus einem goldenen Etui die goldgefaßten Gläser und liest langsam in einer alten unbekannten Sprache, in der die dunklen Laute des Hebräischen klingen, die feierliche Erklärung vor: „Im Namen Ihrer Majestät Saoditu, Königin der Königs und Seiner Kaiserlichen Hoheit des Thronfolgers und Regenten des Reiches Ras Tafari..." Als er endet, herrscht im Saal ein trunkener Enthusiasmus. Die Bänke der Delegierten prasseln Beifall. Die Genfer Damen strampeln vor Vergnügen! Die Schönheit der broncierten abessinischen Männer! Das schwarzseidene Kleid, der blau- leinene Mantel, der Klang der unbekannten Sprache. Es war der Schauer einer allgemeinen B e - s e s s e n h e i t!--- So etwa schildert im Pariser „Temps" Jacques Bardoux den Einzug Abessiniens in bie Völkerbundsoersammlung, aus der es jetzt nach 13jähriger Mitgliedschaft auf.it alie- nischen Vorschlag wieder ausgeschlossen werden soll. Es ist für die politische Bedeutungslosigkeit dieser Genfer Schaustellungen bezeichnend, daß das hysterische Gehabe, von dem der französische Augenzeuge ein so ironisches Bild entwirft, nichts von den Schwierigkeiten verriet, die der Aufnahme des afrikanischen Staates in den Sitzungen der Kommissionen vorausgegangen waren und von denen die breite Öffentlichkeit erst jetzt Kenntnis erhalten hat, als England an feinen damaligen Widerspruch gegen die von Frank- reich und Italien betriebene Aufnahme Abessiniens erinnerte. # Diese Bemühungen, die ein interessantes Stuck der eifersüchtigen Ententediplomatie der Nachkriegsjahre bilden, gehen bis auf das Jahr 1919 zurück. England schob sich taktisch mit dem Antrag dazwischen, eine Untersuchung des Volker- Hundes über den Sklavenhandel in Ades- finien zu veranstalten, ein Argument, das sich jetzt bekanntlich Italien zunutze gemacht hat. Aber der englische Delegierte, der damalige Unterrichtsminister Lindley Wood, blieb mit seinen Kollegen aus den englischen Dominien und den Delegierten einiger kleiner europäischer Länder allein. In der Sitzung der Militärkommission des Völkerbundes vom 6. September 1923 beantragte der Vertreter Frankreichs, Oberst R o q u i n, zu erklären, daß der gegenwärtige Zustand Abessiniens kein Hindernis für seine Zulassung bilde. Der englische Vertreter Oberst Lowe wurde überstimmt und gab seinen Widerspruch zu Protokoll. Dasselbe Bild in der 6. Kommission, wo es sich um den Sklavenhandel und um die Waffeneinfuhr handelt. Der wortgewandte Delegierte Frankreichs Henri de Jouvenel argumentierte, daß gerade die Unterdrückung des Sklavenhandels die Einfuhr von Waffen nötig und wünschenswert mache. Das war selbst dem italienischen Vertreter zu viel: er beantragte mit dem englischen, nur 500 Gewehre jährlich zur Einfuhr freizugeben. Der vorsichtige Vertreter des kleinen Lettlands, Meirowitz, ging aber weiter; er wollte festgestellt wissen, daß die Macht der abessinischen Zentralregierung auf die entfernten Provinzen unzureichend sei, und daß Abessinien seine internationalen Verpflichtungen nicht eingehalten habe. Italien, das diese Feststellungen jetzt wörtlich wiederholt, rührte sich nicht. Frankreich beherrschte die Situation. Auf diese internen Verhandlungen folgten am 19. und 20. September 1923 die öffentlichen Sitzungen: Der Schweizer Vertreter Motta, unterstützt von Holland, Lettland und Norwegen, beantragte, die Ausnahme zu vertagen und eine genauere Untersuchung des Falles zu beschließen. Der englische und der australische Delegierte erklärten, daß dieser Antrag durch den Waffenschmuggel und den Sklavenhandel in Abessinien gerechtfertigt und zu empfehlen sei. Die Wage schwankte; nur Belgien und China traten vorläufig für die Aufnahme nach französischem Wunsch ein. Von der Haltung Italiens hing alles ab. Bis zur nächsten Sitzung am folgenden Tage hatte der Franzose De Jouvenel die Schwierigkeiten beseitigt. Italien, dem vielleicht in einer Vorahnung der heutigen Situation, bei der Aufnahme des schwarzen Bundesbruders nicht so recht wohl gewesen war, hatte klein beigegeben und war für den französischen Standpunkt gewonnen. Der Faschismus steckte damals noch in den Kinder- schuhen, hatte soeben sein Korfu-Unternehmen, den ersten Schritt auf dem Glatteis der auswärtigen Politik, unter dem Druck Englands liquidieren müssen und hatte noch keine feste Linie. S o setzte Frankreich seinen Willen, Abes« finien in Genf zu sehen, durch. Die rö» mische „Jdea Nazionale" schrieb am 26. September 1923 hierzu folgende Worte, die heute einen merk» würdigen Beigeschmack haben: „Italien war immer den Verpflichtungen getreu, die es für die Unversehrtheit des äthiopischen Kaiserreichs übernommen hat, dessen Unabhängigkeit es anerkennt und respektiert. Es hatte aljo keinen Grund, sich dem Aufnahmegesuch Abessiniens in den Völkerbund zu widersetzen. Somit entfallen alle Vermutungen über unsere anders gerichteten Ziele." Es wird aus diesem protokollarischen Hergang klar, daß die Verantwortung für die Aufnahme Abessiniens ausschließlich bei Frankrei ch, in minderem Grade in der Duldung Italiens wider feine bessere Einsicht liegt. Der französische Schriftsteller sieht den Ärund für die Beharrlichkeit der französischen Diplomatie auf diesem exotischen Gebiet in der damaligen europäischen Situation: der Zusammenbruch des deutschen Ruhrwiderstandes in jenen Tagen habe Frankreich in den Rus des Imperialismus gebracht. Um dies zu entkräften, habe es, wie er sich ausdrückt, „das Abendmahl der Genfer Ideologie" zelebriert. Das mag vielleicht fein. Der wichtigere und zutreffendere Grund aber war die französische Absicht, England und seinem unbequemen Außenminister Lord Curzon, der Poincare im Ruhrjahr besonders auf die Nerven gefallen war, zu be st rasen und in Afrika einen fühlbaren Tritt zu versetzen. Dafür war der Völkerbund nach französischer Methode der geeignete Schauplatz. Es ist nur d i e Rache der Geschichte, wenn Frankreich am 4. September 1935 in Genf büßen muß, was es vor 13 Jahren gesündigt hat. Die Mkerbundskatte bis zum Gude. Englische Ausblicke auf Genf. London, 2. Sept. (DNB. - Funkspruch.) Die Bedeutung der am Mittwoch beginnenden Sitzung des Völkerbundsrates wird von den meisten Morgenblättern in Leitaufsätzen hervorgehoben. Die „T i me s" sagt u. a., Eden habe in Genf einen verhältnismäßig geraden Weg vor sich. Hinter ihm stehe geschlossen das Kabinett und unfraglich auch die öffentliche Meinung des Landes. Das britische Volk glaube an den Völkerbund als beste Methode, die Ideale des Friedens und der Gerechtigkeit aufrechtzuerhalten, was auch immer in Genf geschehen werde, um diese Methode zu zerstören. Von seinem eigenen Vertreter erwarte es, daß er seine Völkerbundskarte bis zum Lude ausspiele. Das Blatt lobt die Art und Weise, in der die britische Außenpolitik in den letzten Wochen geführt worden sei. Das Foreign Office und die britische Presse hätten eine kluge Gleichgültigkeit gegenüber dem erbärmlichen Strom england- feindlicher Verleumdungen gezeigt, der sich aus der unter Staatsaufsicht stehenden Agentur in Rom ergossen habe. Das Foreign Office habe auf dem regelmäßigen diplomatischen Weg für Mäßigung Italiens, für klugen Realismus in Abessinien und vor allem für ein Zusammenwirken mit Frankreich gearbeitet. Edens Stellung werde dadurch um so stärker werden. Es habe in den letzten 24 oder 48 Stunden willkommene Zeichen dafür gegeben, daß die britische Hal - tu n g gegenüber der italienischen Kriegsdrohung in ihrer Selbstlosigkeit besser verstanden werde. Frankreich stehe vor der Dahl, entweder ein wichtiges Glied in der kette seiner Freundschaften preiszugeben, oder den völligen Zusammenbruch des Völkerbundes zu riskieren. Die Entscheidung, die Mussolini Frankreich ausgezwungen habe, werde nicht leichten Herzens erfolgen, keiner der Feinde Frankreichs werde seine Verlegenheit durch einen Druck vergrößern, aber gewisse Erwägungen allgemeiner Art mühten angestellt werden. Der Vfeil, der vor den Völkerbund komme, sei ein Probepfeil in einem zielentschiedenen Sinne. Es handele sich um einen vorsätzlichen Angriff eines Mitgliedes des Völkerbundes auf ein anderes Mitglied. Wenn Italien den Frieden breche und die anderen großen Nationen des Völkerbundes diese Handlungsweise verzeihen werden, so würde dies eine unbegrenzte Aussicht auf „gebildete Plünderungen- eröffnen. Das ganze kollektivsyftem würde vernichtet und unwiderruflich sein Ende finden. Diesen Erwägungen könnten sich die logisch denkenden Franzosen nicht entziehen. Jrn „Daily Telegraph" wird ausgeführt, wenn Mussolini an seinem entschlossenen Willen festhalte, Krieg zu beginnen, so sei die britische Regierung ebenso entschlossen, den Apparat des Völkerbundes in Anwendung zu bringen. Dieser Apparat könne nicht in Tätigkeit treten, wenn die Stimmabgabe der Nationen nicht einhellig sei. Eden werde heute bei feiner Unterredung mit Laval über diesen Punkt wertvolle Nachricht erhalten. Falls Frankreich in Genf nicht mit England Zusammengehen sollte, werde der Völkerbund seinen Sroerf verfehlt haben. Aebtissin 96 Jahre alt. Der Führer gratuliert. LPD. Fulda, 31. Aua. Die Aebtissin des Fuldaer freiadligen Stiftes Wallenstein, Freifrau von Hammer st ein, beging am Freitag ihren 96. G e- burtstag. Der Führer und Reichskanzler beglückwünschte die Greisin durch ein Handschreiben. Freude in Danzig über den deutschen Flotienbesuch. Danzig, 1. Sept. (DNB.) Die festliche Stimmung, die anläßlich des Besuches des deutschen Panzerschiffes „Admiral Scheer" in Danzig herrscht, erreichte am Sonntagmittag ihren Höhepunkt mit einer von der NSDAP, veranstalteten Dolkskundgebung auf dem Langen Markt. Der Platz und die umliegenden Straßen waren von einer unübersehbaren Menschenmenge erfüllt. Neben den Ehrenstürmen der SA. und SS., der HI., sowie den Marinevereinen marschierten 300 Mann der Besatzung des Panzerschiffes auf, die von der Menge begeistert begrüßt wurden. Gauleiter Forster gab in einer Ansprache der dankbaren Freude der Danziger Bevölkerung über den deutschen Kiegsschiffbesuch Ausdruck. Die Danziger fühlten, so rief der Gauleiter unter dem jubelnden Beifall der Massen aus, daß Deutschland und sein Führer in Danzig stehen. Gauleiter Forster schloß seine Ansprache mit einem Treuebekenntnis zum Führer und einem dreifachen Siegheil auf das deutsche Volk und die deutsche Marine. Der Kommandant des „Admiral Scheer", Kapitän zur See Marschall, sprach in sichtbarer Erariffenheit den Dank der Besatzung für die Begeisterung und Treue aus, die den deutschen Matrosen in Danzig von Alt und Jung entgegen« aebracht wurden. Als er mit drei Hurras auf Danzig seine Ansprache schloß, stimmte die Menge spontan das Deutschland- und das Horst-Wessel- Lied an. Danzig und seine Vororte stehen völlig im Zeichen des deutschen Flottenbesuchs. In allen Straßen steht man die blauen Jungens, die überall schnell mit der Bevölkerung Freundschaft geschlossen haben, lieber alle Nöte der Gegenwart kommt der unzerstörbare Glaube der Danziger an Deutschland in diesen festlichen Tagen wieder einmal zum Ausdruck. Am Samstag und Sonntag fanden zu Ehren der Besatzung verschiedene festliche und sportliche Veranstaltungen statt. Der Kommandant und die Offiziere waren Gäste beim Hohen Kommissar des Völkerbundes, beim diplomatischen Vertreter Polens und beim Präsidenten des Hafenausschusses. Ein peinlicher Vorgang beim Danziger Völkerbundskommissar. Danzig, 2. Sept. (DNB.) Bei einem Ernp - fana, Den am Sonntagabend der Hohe Kommissar des Völkerbundes anläßlich der Anwesenheit des deutschen Panzerschiffes „Admiral Scheer" veranstaltete, ereignete sich ein durch den Gastgeber selbst hervorgerufener peinlicher Vorgang. Zu Beginn des um 22 Uhr angesetzten Empfanges stellte sich heraus, daß der Hohe Kommissar L e st e r u. a. auch den unter sehr bedenklichen Begleitumständen ausgeschiedenen früheren Danziger Senatspräsidenten Dr. Rauschning, sowie verschiedene Marxisten und andere Vertreter der Danziger Opposition eingeladen hatte. Senatspräsident Greiser hat sich daraufhin sofort von dem Hohen' Kommissar verabschiedet und mit den anwesenden Danziger Herren das Haus verlassen. Der Kommandant des „Admiral Scheer", Kapitän z. S. Marschall, verabschiedete sich kurze Zeit danach und verließ mit seinen Offizieren das Haus, um an zwei anderen am gleichen Tage stattfindenden Veranstaltungen teilzunehmen. Mit einem solchen Fehlschlag aber sei die kollektive Sicherheit verloren. „Daily Herald" verlangt, daß die Autorität des Völkerbundes aufrechterhalten werde. Wenn die Welt das Gesetz nicht schütze, bann werde es in einem Durcheinander gebrochener Verpflichtungen der Verachtung anheimfallen. England habe die Pflicht, die selbstsüchtige Politik abzuändern, die nach dem Kriege begonnen worden sei. Denn man Gerechtigkeit predige, müsse man auch Gerechtigkeit üben. „Daily Expreß" vertritt die Ansicht, daß es keinen Krieg geben werde. Italien sei im Falle der Anwendung von Sühnemaßnahmen Großbritannien, Frankreich und den kleineren Staaten einschließlich Jugoslawien, nicht gewachsen. Wenn keine Sühnemaßnahmen zustandekommen, werde es ebenfalls keinen Krieg geben, soweit Großbritannien in Betracht komme, denn es könne nicht allein im Namen des Völkerbundes handeln. Eden und Laval. Im Hintergrund die englische Flotte. Paris, 2. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Die französische Presse wartet, ehe sie neuerlich zur Entwicklung der Lage in Abessinien Stellung nimmt, die Ergebnisse des heutigen Tages ab, der die Fühlungnahme zwischen Laval und Eden bringt. Zwei der Nachrichtenblätter — „Matin" und „Journal" — bringen ausführliche Nachrichten ihrer Berichterstatter in London über die Bereitschaft der englischen Flotte, die, wie es im „Matin" heißt, in der Lage sei, zur Durchführung jedweder etwa notwendig werdender Verteidigungs- ober Offensiv- Maßnahmen auszulausen. Nichts ünchristtiches. London, 1. Sept. (DNB.) In einer Rundfunk- ansprache beschäftigte sich ber Erzbischof po n Port mit ber gegenwärtigen außenpolitischen Lage. Er erklärte, baß, wenn Großbritannien notwenbigerweise von seinen Kriegswaffen Gebrauch machen müsse, um bie Einhaltung ber Völ- kerbunbssatzungen burchzusetzen, Großbritannien bereit sein müsse, seine Waffen zu gebrauchen. Hieran sei nichts U n christliches. Wenn ber Völkerbund Gewalt gegen ein aggressives Mitglied gebrauche, so sei bas kein Krieg im eigentlichen Sinne. Es komme jedoch darauf an, daß Großbritannien nicht allein handele. Jedenfalls sei es pflichtgemäß wenn Großbritannien und Frankreich und die anderen Mächte ihre Truppen gebrauchten, um eine Entscheidung burchzusetzen, bie von ber Gemeinschaft der Nationen gefällt worben sei. England gegen die Konzessionen in Abessinien. Ein Schritt der englischen Regierung beim abessinischenKaiser./Ztalien hält an seiner Linie fest. £ o n b o n, 31. Aug. (DRV.) 3n einer Erklärung des Foreign Office wird am Samstagabend erklärt, daß der britische Gesandte in Addis Abeba ermächtigt worden ist, für den Fall, daß der Bericht über die Erteilung der Oelkon- Zessionen richtig ist, dem abessinischen Kaiser mit- zuteilen, daß die britische Regierung ihm rate, die Konzession vorläufig nicht zu erteilen. Der Dortlaut der Verlautbarung hierüber heißt: „Die britische Regierung hat bis jetzt keine Bestäti- gung der Berichte in der heutigen presse erhalten, wonach Konzessionen für Oele und RNneralrechte in Abessinien erteilt worden sind. Jedoch hat die Regierung es für notwendig gehalten, den britischen Gesandten in Addis Abeba dahingehend zu informieren, daß eine solche Konzession zweifellos notwendigerweise vorerst mit der britischen Regierung besprochen werden mühte, sowie mit der französischen und der italienischen Regierung, und zwar gemäß Artikel 2 des Drei- Parteien-Vertrages von 1906. Unter diesen Umständen ist der Gesandte ermächtigt worden, für den Fall, daß der Bericht zutrifft, den Kaiser von Abessinien zu unterrichten, daß die britische Regierung zu ihrem Teil ihm anrät, die Konzession nicht zu erteilen. Zustimmung in London. London, 1. Sept. (DNB.) Die Mitteilung des englischen Auswärtigen Amtes, in der dem abessinischen Kaiser angeraten wurde, die Konzession an die englisch-amerikanische Gesellschaft nicht zu erteilen, findet in der Presse allgemeine Zustimmung. Der diplomatische Korrespondent des „O b s e r ■ oer" weist darauf hin, welche Ueberraschung die Nachricht über bie Erteilung der Konzession erregt habe. Der Bericht habe geradezu Bestürzung in Anbetracht ber bevorstehenden Völkerbundsratstagung hervorgerufen. Wie unbequem ber Bericht über die Beteiligung englischer Interessen gewesen sei, werde verständlich, wenn man feststelle, auf welcher Grundlage Großbritannien in Genf vorgehen will. England habe stets betont, daß es die Grundsätze der Döl kerbundssatzung verteidige und keine selb st süchtigen Motive habe. Der Bericht sei daher geeignet gewesen, die britische Haltung schwer zu verdächtigen. Die „S u n d a y Times" stellt die Sorge der britischen Regierung über die Einwirkung der Meldung von ber Erteilung ber Konzession auf der nächsten Völkerbunbssitzung heraus. Die Regierung fürchte, daß die Aufgabe Edens, eine friedliche Regelung des Streites - herbeizuführen, auf das schwerste behindert würde. Wie groß die englische Besorgnis sei, zeige die Verlautbarung vom Samstag. Das Blatt weist darauf hin, daß am Sams- tagnadjmittag im Foreign Office, bas sonst an diesem Tage geschlossen sei, große Geschäftigkeit geherrscht habe. Eben sei sogar persönlich erschienen. Er habe Gespräche mit bem britischen Botschafter in Paris und in Rom geführt, und er habe sich auch an den amerikanischen Botschafter in London gewandt, der daraufhin Rückfrage in Washington gehalten habe. „People" bezeichnet die Verlautbarung vom Samstag als einen dramatischen Entschluß zur Verhinderung der K o n z e s si o n s e r t e i- I u n g. Das Blatt verzeichnet mit besonderer Befriedigung die beruhigende Wirkung der brittschen Erklärung in Paris. Gute Wirkung im Ausland. London, 2. Sept. (DNB. - Funkspruch.) Der diplomatische Berichterstatter der Preß Association schreibt: Das Abrücken ber britischen Regierung von bem abessinischen Oelabkommen hat im A u s l a n b e eine vorzügliche Wirkung gehabt und unberechtigtes Mißtrauen zerstreut. Die öffentliche Meinung des Auslandes ist beruhigt worben durch die Bekanntgabe der Tatsache, daß die Oelverhandlungen hinter bem Rücken unb ohne Wissen der britischen Regierung geführt worben finb, unb baß bie britische Regierung sie nicht nur nicht billigt, sonbern auch ihren Gesandten in Addis Abeba angewiesen hat, dem Kaiser den Rat zu geben, die Konzession noch in der Hand zu behalten Die erste Bekanntgabe des Pachtvertrages hat im Auslände auch Fälle von Kritiken hervorgerufen, die in bem Vertrag einen Beweis für ihre Behauptung sahen, baß bie britische Politik zu dem abes- sinischen Streit nur durch selb st süchtige I n - tereffen bestimmt wirb. Dieser Stanbpunkt grün- bete sich auf die Annahme, daß bie britische Regierung an bem Oelgeschäst beteiligt war, ober es min- bestens besroegen begünstigte. Es ist jetzt klar, baß bie britische Regierung nichts von ben Verhandlun- gen wußte unb entschieden gegen bie ganze Sache ist. Unter biesen Umftänben hat bte Erklärung ber Regierung viel gutes getan, sie hat gezeigt, baß bie britische Politik sich auf etwas solideres gründet, als auf kühne Finanzmanöver, unb sie hat bie Grunblosigkeit unb bas auslänbifche Mißtrauen bargetan. Am Samstag schienen sich bie Aussichten in Genf durch die neue Wendung verschlechtert zu Haden. Aber die Erklärung ber Regierung hat bie Möglichkeit neuer Gegensätze unter ben Mächten wegen bieser Frage beseitigt. Es ist tatsächlich benfbar, baß bie Atmosphäre in Genf, wo am Mittwoch ber Völkerbunbsrat zusammentritt, jetzt weniger gespannt sein wirb, als es ohne ben Deloertrag ber Fall gewesen wäre. Der „Batin" erstatt: Wer kann es dem abessinischen Kaiser verwehren k Paris, 1. Sept. (DNB.) Der „M a t i n" meint zu bem unerwarteten Privatvertraa zwischen ber englisch-amerikanischen Betriebsgesellschaft unb bem Negus, wer könne es bem abeffini- schen Kaiser verwehren, baß er fein Lanb statt einer „brutalen Niederlage einem wirtschaft- lichen Aufstieg entgegenführen wolle. Erst seien bie Worte, bie ber Negus Enbe Juni bem Sonderberichterstatter des „Matin" gegenüber geäußert habe, voll verständlich: „Wenn Italien erwarte und hoffe, ein Mandat über Abessinien zu erhalten, bann irre es sich. Selbst wenn Abessinien eines Tages Manbatsgebiet werben sollte, so werbe nicht Italien dieses Manbat ausüben." Werbe Italien, so fragt der „Matin" weiter, sich damit zufrieden geben, ein Mandat über ben Grunb unb Boben, nicht aber über die Bodenschätze zu haben? Man könne auch nicht sagen, daß dieser Privatvertrag gegen die Abmachungen von 1906 oder 1925 verstieße; denn Abessinien habe diese zwischen England, Frankreich unb Italien abgeschlossenen Verträge nie anerkannt. Der Schlag für Italien fei hart. Anberseits aber seien durch diesem Abkommen zum ersten Male bie wahren Interessen jutagegetreten, bie von oerschiebenen Mächten im italienisch-abessinischen Streitfall gehegt worben seien. „Es riecht nach Petroleum." Parts, 1. Sept. (DNB.) Der Vertrag, durch den der Negus die Bodenschätze ber größten Teile seines Reiches unter Tage an eine englisch-amerikanische Interessengemeinschaft abtritt, bietet ber französischen Presse reichlich Stoff zu Besprechungen unb Deutungen. Einmal hebt man in Paris hervor, baß bie italienischen Truppen in Afrika Gefahr liefen, ein Lanb zu erobern, besten U'ntergrunb be- Washington, 31. Aug. (DNB.) Staatssekretär Hüll teilte in ber Pressebesprechung am Samstag mit, baß bie amerikanische G e - sanbtschaft in Abbis Abeba ben Abschluß eines riesigen Pacht- unb Ausbeutungsoertrages für englisch-amerikanische Interessen telegraphisch bestätigt habe. Auf bie Frage, ob bie amerikanische Regierung nicht vorher zu Rate gezogen worben sei, antwortete der Staatssekretär, bas sei unter ber Regierung Roosevelt nicht üb- l i ch. Die Regierung lehne es ab, ihren Lands- leuten in alle Erdteile zu folgen unb sich um Dinge zu kümmern, bie rein privater Natur seien. Er fürchte baher keinerlei Hineinziehung ber amerikanischen Regierung in Streitfragen, die sich aus diesem Vertrage etwa ergeben sollten. Im übrigen könne er sich nicht äußern, solange ihm Einzelheiten nicht bekannt seien. In politischen Kreisen glaubt man indes, daß die amerikanische Regierung dieses Desinteresse- Rom, 31. Aug. (DNB.) Von zuständiger italienischer Seite wird am Samstagabend erklärt, daß amtliche italienische Kreise vorläufig zu bem Abschluß bes Konzessionsvertrages nicht Stellung nehmen könnten, da bisher nur aus Zeitungsnachrichten etwas darüber befcumt sei. Wie verlautet, hat jedoch bie italienische Regie- r u ng durch ihre Botschaft in London Nachforschungen über den wirklichen Tatbestand anstellen lassen. Man hält es für unerläßlich notwendig, daß sowohl die englische, wie die amerikanische Regierung baldigst klar zum Ausdruck bringen, wie sie zu den aufsehenerregenden Nachrichten stünden. Man erblickt in hiesigen politischen Kreisen in dem Abschluß bes Vertrages zwischen bem Negus unb der Anglo-Amerikanischen Gesellschaft, falls bie Nachrichten darüber zutreffen, einen Bruch sowohl der von England eingegangenen internationalen Verträge, wie der von Amerika kürzlich abgegebenen feierlichen Neutralitätserklärung. Falls geltend gemacht werben sollte, baß es sich um eine Abmachung privater Gesellschaften hanbele, würde diese Begründung nicht für stichhaltig angesehen werden können. Eine irgendwie geartete Anerkennung und Achtung ber hier als rechtswidrig*betrachteten Konzessionen durch Italien wird hier als sehr unwahrscheinlich bezeichnet. Im übrigen könne der Vertrag zwischen bem Negus unb ber Anglo-Amerikanischen Gesellschaft nach hiesiger Auffassung bie von Italien eingeschlagene Linie nicht ändern oder bie italienische Regierung irgendwie von ihren Beschlüssen bei ber Durchführung des ostafrikanischen Unternehmens abbringen. Rom nach dem englischen Dementi Rom, 1. Sept. (DNB.) Nach dem offiziellen D e m e n ti ber britischen Regierung und den Erklärungen, daß die großen Pettoleumgesellschaften Amerikas nichts mit dem Konzessionsvertrag des Herrn Rickett zu tun haben, erscheint hier die ganze Angelegenheit immer rätselhafter. In Rom gibt man im übrigen bem Weltecho, das die Bombe des „Daily Telegraph" gefunden hat, breitesten Raum. Unter der Schlagzeile „Diel Lärm und Heber- raschung ber Affäre einer britischen Konzession in Washington, 1. Sept. (DNB.) Die amerikanische R e g i e r ü n g hat in einer von Staatssekretär Hüll ausgegebenen öffentlichen Er- kläruna, bie allerdings nicht in Form einer Note nach Moskau gesandt wurde, in sehr deutlicher Form zu verstehen gegeben, baß die künftigen freundschaftlichen Beziehungen zwischen ben bereinigten Staaten unb der Sowjetunion einzig und allein von der strengen Innehaltung des sowjetrussischen Versprechens der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des mnerikanischen Volkes abhängen. Die Erklärung Die kürzliche Note ber Vereinigten Staaten und die Antwort der Sowjetunion werfen die Frage aus, ob bie Sowjetteyierung unter Verletzung des ausdrücklichen Uebereinfommens bezüglich ihrer Anerkennung durch bie Vereinigten Staaten im Jahre 1933 auf ihrem Staatsgebiete Organisationen ober Gruppen bulben will, bie solche Unternehmungen planen ober leiten, die ben Umsturz ber politischen ober sozialen Ordnung der ^Bereinig- ten Staaten bezwecken. Nach eingehender Würdigung des früheren Notenwechsels zwischen ben Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wird in der Erklärung Hulls weiterhin festgestellt, daß die in den vorerwähnten Noten der Somjetregierung abgegebenen Versprechungen reits anderweitig verpachtet rst zum andern aber glaubt man, baß ber ganze Vorfall bie S t e 11 u n g Mussolinisin Genf nur g e ft ä r 11 habe, denn jetzt könne Englanb bort nicht mehr als der reine Vertreter eines hohen Jbeals erscheinen und Sühne- maßnahmen gegen Italien verlangen, die nunmehr verbächtig unb selbstsüchtig aussehen wurden. Im übrigen ist man in Paris der Ansicht, daß die Verlautbarungen ber englischen unb ber amerikanischen Regierung, bie besagen, baß sie von den Plänen nichts gewußt hätten, eine gewisse Entspannung gebracht haben. Der „M a t i n" schreibt, in A b e s s i n i e n r i ech e es stark nach Petroleum. Die englische Regierung wasche sich ihre Hänbe in Unschulb unb bie amerikanische Regierung scheine sich bie Nase zuhalten zu wollen. Der Berichterstatter bes „Matin in London untersucht, ob bie Verlautbarung bes Foreign Office ber Wahrheit entspreche und glaubt, dies bejahen zu können. Denn England werbe die Belange ber neuen afrikanischen Gesellschaft nicht in bie Liste ber britischen Rechtsansprüche aufnehmen, bie Mussolini zu achten versprochen habe. ment nicht lange werde aufrechterhal» ten können. Man ist geneigt, die Angelegenheit als eine kluges Manöver britischer Interessen aufzusassen, um ben Teil Abessiniens, in bem Italien im Kriegsfälle zuerst einmarschieren würbe, zu einer neutralen Zone zu machen und gleichzeitig Amerika in bas abessinische Problem zu verwickeln. Man nimmt weiter an, baß sich die amerikanische öffentliche Meinung zunächst abwartend unb kritisch verhalten werbe, baß aber bie Stimmung, wenn ber Vertrag wirklich burchgeführt werbe unb umfangreiche Bestellungen auf bie bem Ausfuhrverbot nicht unterliegenden Waren eingehen sollten, sich allmählich für das Projekt erwärmen werbe. Die öffentlicye Meinung würbe sich bann auch energisch gegen eine italienische Einmischung in bie friedliche Entwicklung Abessiniens aussprechen. Jebenfalls bezeichnet man schon jetzt die Nachricht von dem Abschluß ber Konzession als „d i e Melbung bes Jahres". Abessinien" stellt das Sonntagsblatt „Voce d'Italia" in einem Leitartikel Gaydas fest, daß die Londoner Regierung erklärt habe, nichts mit der Angelegenheit zu tun zu haben und vorher auch nichts davon gewußt haben wolle. Aus W as h i n g- t o n leugne man bie Teilnahme irgend einer amerikanischen Gesellschaft. Ein großer Teil der britischen Presse wolle ebenfalls dem Geschäft des Mister Rickett keinen Glauben schenken. Auf Grund dieser Feststellungen müsse man nunmehr auf italienischer Seite fragen, welche Glaubwürdigkeit ber Information des „Daily Telegraph", „News Chro- nicle" unb „Daily Sketch" zukomme, bie im Namen ber Vökkerbunbsprinzipien eine Agitationspatrouille gegen Italien ritten. Die britischen Blättermelbungen deckten im übrigen weitere Vertragsverletzungen fettens ber abessinischen Regierung auf unb legitimierten daburch um so mehr bas italienische Mißtrauen unb seine Anschulbigungen gegen Abessinien. Durch Zubilligung eines Monopols an bie Gesellschaft Rickett habe Abessinien unterschriebene Verträge klar gebrochen. Das Blatt erinnert daran, daß bie abessinische Regierung schon vor längerer Zeit eine Petroleumkonzession in Dankalia an eine italienische Gesellschaft vergeben habe. Die jetzt unterzeichnete Konzession stelle barum eine grobe Verletzung bieses vorher abgeschlossenen Vertrages dar. Offenbar könnten bie britischen Zeitungen, bie sich jetzt kampflustig für die Dölkerbundspolitik Großbritanniens unb die Verteidigung Abessiniens ereiferten, schlecht die Wirkung ihrer Geschosse abroägen. Durch ihre Haltung leiteten sie ben Verbacht unb die Verantwortung der wechselseitigen Paktverletzbng zugunsten ihrer britischen Sonderinteressen allein auf sich selbst. Unter der Ueberschrift „Verlegenheit um bie Petroleumkonzession in Abessinien" unterstreicht auch „P opo 1 o bi Roma" in zahlreichen ßonboner, Pariser und Washingtoner Meldungen den fatalen unb veinlichen Einbruch ben die Sensattonsnach- richt des ,Daily Telegraph" allenthalben hervorge- rufen habe. „M e f f a g e r o" faßt ben Eindruck bes Konzessionsvertrages bahin zusammen, baß es sich um nichts anberes, als um einen brutalen Jnter- essenkonflikt handele. durchaus klar und keineswegs zweideuttg ausae- drückt seien, und daß sich die Sorojetregierung unzweifelhafter Mißachtung ihrer gegebenen Versprechungen schuldig gemacht habe. Die amerikanische Regierung, die sich in frÜ- Heren Verbalnoten bereits darüber beschwert habe, daß bie Sorojetregierung ihre Versprechungen nicht in die Tat umsetzte und die angesichts der wächsern den Unsicherheit in den internationalen Beziehungen und der sich daraus ergebenden gefährlichen Folgen hinsichtlich des Friedens und der wirtschaft- lichen Erholung tief besorgt sei, habe in ber Not« oom 25. August ernsthaft versucht, der Sowjetregierung bie Heiligkeit ihrer gegebenen Versprechungen vor Augen zu führen, um eine weiter« Entwicklung der freundschaftlichen und amttichen Beziehungen sowie eine wertvolle Zusammenarbeit auf vielen nützlichen Wegen zu ermöglichen. Wenn die Sorojetregierung in ihrer Antwortnote die Absicht zum Ausdruck gebracht habe» ihr versprechen, die Tätigkeit der Komintern und ähnlicher Organisationen zu verhindern, durchaus nicht zu hatten, so habe dies dem Gefüge der fteundschafttichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern einen schweren Schlag verseht. Zurückhaltung der amerikanischen Regierung. Italien sieht die Konzessionen als rechtswidrig an. Der" S: ortbruch der Gowjetregierung. Eine scharfe Erklärung der amerikanischen Regierung. Schließlich sei es der Sowjetregierung angesichts der offenen Sprache der von ihr eingegangenen Verpflichtungen unmöglich, ihr Versprechen, auf ihrem Hoheitsgebiete die gegen die politische und soziale Ordnung der Vereinigten Staaten gerichteten Bestrebungen zu verhindern, abzuleugnen. Die Sowjets leugneten auch nicht und könnten ihre Verantwortung für die Durchführung ihrer Verpflich. hing auch gar nicht ableugnen, weil ihre Herrschaft in ihrem Staatsgebiet unumschränkt und ihre Macht, die Handlungen und Äußerungen ihrer Organisationen und Untertanen innerhalb dieser Grenzen zu überwachen, unbegrenzt sei. Es bleibe abzuwarten, in welchem Ausmaße die in der Antwort der Sowjetregierung angedeutete Absicht, die im Widerspruch mit den früheren Versicherungen stehe, verwirklicht werde. Falls die Sowjetregierung weiterhin die Politik verfolge. Handlungen auf ihrem Hoheitsgebiet zu dulden, die eine Einmischung in innere Angelegenheiten der Vereinigten Staaten darstellten. anstatt solche Handlungen laut schriftlicher Verpflichtung zu verhindern, dann könnten die freundschaftlichen und amtlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern ernstlichen Schaden erleiden. Ob diese Beziehungen zwischen den beiden großen Nationen auf diese Art unglücklicherweise getrübt und die Möglichkeiten gedeihlicher Zusammenarbeit gestört würden, hänge einzig und allein von der Haltung und den Handlungen der Sowjetregierung ab. Bergung des letzten Opfers in Berlin. Dr. Goebbels dankt den Bergungsmannschaften. Berlin, 31. Aug. (DNB.) An der Unglücksstelle in der Hermann-Göring-Straße konnte am Samstagabend um 19.05 Uhr nach größten Schwierigkeiten nun auck das letzte, das 19. Opfer des Einsturzunglücks geborgen werden. Der Bergung wohnten Reichsminister Dr. Goebbels und Generalleutnant Daluege bei. Nachdem der Tote, Schachtmeister Dimke, im Ministergarten aufgebahrt war, hielt Reichsminister Dr. Goebbels eine Ansprache an die Bergungsmannschaften, in der er u. a. sagte: Die Bergung der 19 Opfer, die wir nun der Erde abgerungen haben und die wir wieder in der Erde bergen mußten oder müssen, ist das lebendige Zeugnis einer Volksgemeinschaft, die weit über die Phrase der Versammlungssäle hinweg wirkliche Tat geworden ist, einer Volksgemeinschaft, in der Arbeiter und Soldaten zusammengestanden sind. Ich habe in dieser Stunde, da wir diese traurige Arbeit beenden, das Bedürfnis, Ihnen dafür meinen Dank, den Dank der Regierung und den Dank des deutschen Volkes auszusprechen. In Eintracht und Kameradschaft habt Ihr ein Werk des Sozialismus vollbracht. Die ganze deutsche Nation steht vor diesem Werk in Bewunderung. Die traurige Arbeit ist zu Ende, und nun fängt für uns das Leben wieder an. Wir wissen, daß das Leben Opfer kostet, und weil wir alle bereit sind, diese Opfer, wenn nötig bis zum Letzten, zu bringen, deshalb können mir auch vom Leben fordern. In diesem Sinne bin ich der Ueberzeugung, daß diese Station am Ende doch segensreich in dem großen Werk des deutschen Aufbaues werden wird und daß die Toten, die wir in den Gräbern bergen, am Ende die leuchtendsten Blutzeugen eines Aufbaues fein werden, den wir unter dem Führer nicht nur begonnen haben, sondern den wir unter dem Führer auch einmal beendigen werden. So rufe ich euch auf mit mir in den alten Ruf einzustimmen: Unser Volk und unser Führer „Sieg-Heil! Nach Abschluß der Bergungsarbeiten sandte der mit der Oberleitung beauftragte Befehlshaber der deutschen Polizei Generalleutnant D a l u e g e an den Führer folgendes Telegramm: „Mein Füh- rer! Ich mefi)e: Samstag 19.05 Uhr Bergung des letzten Toten auf der Unfallstelle Hermann-Göring- Straße in der Reichshauptstadt und Abschluß der Rettungsarbeiten." 3n seinem Abschlußbericht über die Arbeiten er- klärte Generalleutnant Daluege u. a.: Es muß immer wieder betont werden, daß jeder einzelne der an der Unglücksstelle tätigen Bergungskolonnen un- ter Lebensgefahr stand. Einige Gefahrenmomente seien erwähnt.Das Auftauchen eines gefüllten Denzinfasfes unter dem Kran, dicht an den Flammen eines Schweisbrenners, den ein schnell hinzuspringender Pionier unter höchster Lebensgefahr ab- riß, womit er die Explosion verhinderte. Ein Ka- belbrand einer nicht außer Strom gesetzten Lei- tung dicht neben dem Benzinlager. Der plötzliche Einbruch von Grundwasser bei dem Bau der neuen Kanalschächte, auftretender Bruch von Steifen- und Eisenkonstruktionen an den Anschlußstellen und anderes mehr. Es zeigt den nationalsozialistischen Geist, der alle, sowohl den Soldaten als auch den Arbeiter, den Offizier und den Ingenieur beseelt, wenn alle selbst darum gebeten haben, im einzelnen nicht in der Oeffentlichkeit besonders gelobt zu werden. Der Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, hat an Generalleutnant Daluege ein Telegramm gerichtet, in dem er ihm und der gesamten Bergungsmannschaft dankt. Daluege und alle an der Bergungsarbeit beteiligt gewesenen Arbeiter sollen als Gäste der DAF. nach dem Parteitag an einer „Kraft durch Freude"- Seereise teilnehmen. Gefängnis für plakatbesubelung. Ehemaliger Zentrumsstadtverordneter als Täler. Neisse, 30. Aug. (DNB.) Das hiesige Schöffengericht verurteilte im Schnellgerichtsverfahren den Angeklagten Paul Knothe wegen Verunstal- tung einer öffentlichen Bekanntmachung in zwei Fällen zu 10 Monaten Gefängnis. Der mitangeklagte Paul Olbrich erhielt wegen Begünstigung der genannten Straf- tat einen Monat Gefängnis. Der Ange- klagte Knothe, ehemaliger Z e n t r u m s st a d t- verordneter und Glöckner der Jakobikirche in Neisse, hatte in zwei Fällen das Plakat der NSDAP. „Deutsches Volk, horch auf" in unglaublicher Weise beschmutzt. Der Angeklagte war bei der Durchführung des zweiten Anschlages von einem insgeheim aufgestellten Posten beobachtet worden, entzog sich aber der Festnahme durch die Flucht, die ihn zu dem Angeklagten Olbrich führte, bei dem er seine Kleidung vertauschte, um unerkannt zu bleiben. Knothe wurde jedoch noch am gleichen Abend gestellt. Er leugnete anfänglich, gab aber dann die Straftaten zu. Oie größten französischen Manöver seit Kriegsende. Paris, 1. Sept. (DNB.) Am heutigen Sonntag beginnen in der Gegend von Reims die großen französischen M a n ö v e r, die sich bis Ende der Woche hinziehen werden. Man erklärt in unterrichteten Kreisen, daß diese Manöver die größten seien, die seit Kriegsende in Frankreich durchgeführt worden sind. Nicht weniger als vier kriegsstarke Divisionen, die durch Reservisten ergänzt worden sind, werden sich gegenüberstehen. Das Charakteristische an diesen Manövern ist die Tatsache, daß diesmal kein einziges Pferd Verwendung finden wird, da die im Manöver liegenden Streitkräfte durchweg motorisiert sind. Um ein ungefähres Bild von dem Grad der Motorisierung der französischen Armee zu vermitteln, wird darauf hingewiesen, daß beispielsweise die vierte leichte Division von Reims alles in allem über 2200 Kraftwagen verfügt, wovon 400 Panzerwagen mit Radiogerät ausgerüstet sind. Zweck dieser Manöver ist, festzustellen, wie lange es dauert, um eine durch Reser- nisten auf Kriegsstärke gebrachte Division kampffähig zu machen, bzw. wie lange diese Reservisten brauchen, um sich der neuen modernen Kriegswaffen bedienen zu können. Die Manöverleitung hat General P r e t e l a t übernommen. Der Chef des Generalstabs, General Garnelin, und der französische Kriegsminister werden dem Manöver beiwohnen. Belgische, italienische, polnische und sowjetrussische Militärabordnungen sind als Manövergäste eingeladen. „Krieg" in der Lüneburger Heide. Am Vorabend der großen Herbstmanöver des 6. Armeekorps. Celle, 1. Sept. (DNB.) Arn Vorabend der großen Herbstmanöver des 6. Armeekorps ist in Celle, dem Sammelpunkt der Ehrengäste und der Presse, die den großen Herbstmanöoern als Gäste des die Uebungen leitenden Befehlshabers im Wehrkreiskomando 3, des kommandierenden Generals des 6. Armeekorps, Generalleutnant von Kluge, beiwohnen, von den bevorstehenden großen Tagen nicht allzuviel zu merken. Die teilnehmenden Truppen aus Westfalen, Niedersachsen, Hannover und Oldenburg haben in den vorangegangenen Regimentsübungen die befohlenen Ausgangsstellungen für die Herbstübung des Korps erreicht. Die Uebungen beginnen am Montag, 2. September, um 12 Uhr. Die erste Hebung wird sich über drei Tage erstrecken. Sie zeigt eine Division, die einem doppelt starken Gegner langsam weicht, ihn aber durch ihr hinhaltendes Bekämpfen am Dorwärtskommen hindert und schließlich in einer rückwärtigen Linie eine Verteidigungsstellung bezieht, um die dann bis zur Entscheidung gekämpft wird. Die Gefechtslage ist folgende: Das blaue 6. Armeekorps, das mit drei Divisionen in der vor- berften Stellung liegt, weicht seit mehreren Tagen in hinhaltendem Widerstand vor dem stark überlegenen Feind in nördlicher Richtung aus. Im Verlaufe des Sonntags war es gelungen, den Feind in der Linie Belsen-Sülze und ostwärts aufzuhalten und zu verlustreichen Angriffsvorbereitungen zu zwingen. Das 6. Armeekorps hatte am Abend des Sonntags den Abbruch des Kampfes in der zuletzt gehaltenen Linie befohlen. Dabei sollte so gekämpft werden, daß bis Montagmittag, dem Beginn der Uebungen, die allgemeine Linie Hartem—Ward— Boehmen—Unterlueß ostwärts in der Hand des Korps blieb. In der Mitte des Korps befand sich die von Generalmajor K u n tz e geführte 6. Division t roa im Abschnitt Großes Moor—Straße Münster- Hermannsburg. Die Division hatte nach dem erhal- tenen Auftrag des Armeekorps in der Nacht vom Sonntag zum Montag ohne wesentliche Störung den Kampf abgebrochen und ist am Montag um 12 Uhr im Besitz der Höhen Mühlenberg—Wietzer- berg—Hausselberg. Das angreifende rote 1. Armeekorps hatte demgegenüber im Angriff mit zwei Divisionen in Front mit der vordersten Linie Lutter loh—Hermannsberg—Bleckmarburg erreicht. Diese Gefechtslage liegt der ersten Uebung der großen Herbstmanöver zu Grunde. Eröffnungssitzung -er Reichsarbettskamrner. Or. Ley über Grundfragen der Arbeitsordnung. Berlin, 31. Aug. (DNB.) Die R e i ch s a r - beitsfammer, eine neue wichtige Säule im organischen Aufbau des Staates, hat am Samstag in feierlichem Rahmen ihre Eröffnungssitzung abgehalten. Zusammen mit den 80 Mitgliedern der Kammer — den Amtsleitern und Gau- waltern der Deutschen Arbeitsfront, den Leitern der Reichsbetriebsgemeinschaften und einer Reihe Einzelpersonen — waren im festlich geschmückten Sitzungssaal der Bank der Deutschen Arbeit viele Ehrengäste erschienen. Als Beauftragter für die Durchführung der Leipziger Vereinbarung eröffnete Hauptamtsleiter ©eigner die Tagung. Staatssekretär Krohn vom Reichs- und Preußischen Arbeitsministerium überbrachte der Kammer die Glückwünsche namens der geladenen Reichs- und preußischen Minister, Be- Hörden und Ehrengäste. Dann nahm der Reichsor- ganisattonsleiter der NSDAP, und Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley in seiner Eigenschaft als Leiter der Arbeitskammer das Wort. Er führte u. a. aus: Während noch im ganzen übrigen Europa die Sozialordnung von klassenkämpferischen Gedanken mehr ober weniger erfüllt ist, kann allein Deutschland sich rühmen, den Klassenkampf innerlich und äußerlich hinweggeräumt zu haben. Arbeitnehmer und Arbeitgeber bilden heute bei uns eine schicksalhafte Gemeinschaft. Wie für den Marxismus der Klassenkampf ein Glaubensbekenntnis ist, fo ist für uns der Sah „Der Betrieb ist eine Einheit" ein Glaubenssatz, über den es keine Erörterung mehr gibt. Unsere Sozialpolitik ist auf weite Sicht eingestellt. Wir dürfen uns gerade auf diesem Gebiete nicht verleiten lassen, Flickwerk zu tun. Nur wenn sie allen nützt, hat sie Wert. Wenn man dem Arbeiter etwas nehmen muß, um es der Wirtschaft zu geben ober umgekehrt, so wäre eine solche Sozialpolitik verberblich. Wir sind zu ber Erkenntnis gekommen, baß nicht etwa bie Lohnfrage die Sozial- orbnung bes Menschen allein ausfüllt, baß es vielmehr feine Stellung im Volk, seine Ehre ist. Es ist eine Lüge, so betonte Dr. Ley unter stürmischer Zustimmung, baß ber Arbeiter nur um Lohnpfennige gekämpft hätte. Er hat gekämpft um bie Anerkennung seiner selbst unb seiner Ehre. Große und schwere Aufgaben harren der Deutschen Arbeitsfront. Denn noch ist vieles, ungeheuer vieles zu ändern, zu verbessern, zu kultivieren. Die Deutsche Arbeitsfront muß und wird unter diesen Umständen immer wieder gewissermaßen der Exerzierplatz einer sich praktisch auswirkenden, täglich neu zu übenden Gemeinschaft sein, einer Gemeinschaft des Kampfes, der für uns nicht eine Last, sondern der Inhalt des Lebens ist. Vielleicht ist es richtiger, statt von Selbstverwaltung von ber Selb st Verantwortung ber Menschen zu sprechen. Diese Selbstverantwortung wollen wir förbern. Es ist uns gelungen, eine neue tief und fest gesicherte Sozialordnung aufzustellen, wie sie in den Gesetzen der letzten Jahre ihren Ausdruck findet. Und mag die Komintern schwätzen, was sie will — den deutschen Arbeiter, der eine andere innere Haltung eingenommen bat, der von einem neuen besseren Geist erfüllt ist, bekommt sie nie wieder! Dr. Ley gab abschließend die Versicherung, daß die Reichsarbeitskammer es als ihre vornehmste Aufgabe betrachten wird, in dauernder Fühlungnahme mit den in der Front der Arbeit stehenden Männern zu bleiben und eine Aufbauarbeit zu leisten, die sich durch eine geradezu fanatische Wahrheitsliebe auszeichnet. Anschließend nahm der Leiter der Reichsarbeitskammer nach Abnahme des Eides die Verpflichtung jedes einzelnen Mitgliedes durch Handschlag vor. Am Nachmittag trat die Kammer zur ersten Arbeitstagung zusammen. Die Gudetendeuischen fordern ihr Recht. Ein Appell Henleins an Prag und die Welt. Prag, 1. Sept. (DNB.) Die Sudetendeutsche Partei Conrad Henleins hatte am Sonntag, 1. September, zu einem Volkstag nach Haida in Nordböhmen aufgerufen. Dem Ruf hatten 60 000 Sudetendeutsche Folge geleistet. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Rede des Parteiführers Eonrad Henlein. Er sagte: „Wir stehen hier vor der vielleicht größten Kundgebung, die unser Staat jemals gesehen hat. Hier steht nicht eine Partei, hier steht die Verkörperung eines neuen Lebenswillens unb Lebenalaubens, eine Volksbewegung, die über alle Lebenswolken hinweg die Erneuerung sucht und die unter allen Umständen bereit ist, das Recht, das uns in der Verfassung und in den Minderheitenschutz- Verträgen verbürgt ist, zu erkämpfen. Für uns gibt es kein Zurück mehr. Dir können und wollen uns nicht mit Brosamen abspeisen lassen. Dir wollen unser gutes Recht haben bis zum letzten Punkt. Das Volk hat vor wenigen Wochen gesprochen. Die ganze Welt hat aufgehorcht, und überall dort war Jubel, wo in ber Welt Deutsche mobnen. Aber auch die nichtbeutsche Welt nimmt an dem Siege unserer Bewegung stärkstes Interesse, weil man eingesehen hat, daß in ber tschechoslowakischen Republik noch nicht alles so befriedigt ist, wie man es gern der Welt glauben machen wollte. Wir finb durch unseren Kamps und durch unsere Disziplin eine europäische Angelegenheit geworden und werden solange eine europäische Angelegenheit bleiben, solange wir einig sind. Leider hat das, was in der ganzen Welt von unserem Siege gilt, unser innenpolitischer Gegner nicht wahr haben wollen. Wir haben den Gedanken vertreten, daß Staatstreue und Volks- treue zu vereinbaren sind. Gerade aber das will man in gewissen Parteikreisen nicht anerkennen, weil man bas Schlagwort von den bösen Deutschen nicht aufgeben will. Unsere erste unb heiligste Forderung muß sein, daß alle Mittel dafür eingesetzt werden, um die Aus aller Wett. Drei Tote beim Zusammenstoß der „Eisenachs. Der deutsche Dampfer „E i s e n a ch", der, wie gemeldet, am Freitagabend mit dem englischen Schlachtschiff „R a m i l l i e s" z u s a m m e n st i e ß, wurde am Samstaavormittag von zwei Schleppern in den Hafen von Dover eingeschleppt. Nach einem beim Norddeutschen Lloyd eingegangenen Telegramm wird über die bei dem Zusammenstoß bedauerlicherweise eingetretenen Verluste an Menschenleben endgültig folgendes mitgeteUt: Tödlich verunglückt sind ber Heizer Hinrichs, der Kesselhilfswärter Besser sowie der Trimmer Kupka. Vermißt wird der Heizer Iagow. Die übrigen Vesatzungsmitglieder des Dampfers „Eisenach sind sämtlich unverletzt. lieber den Zusammenstoß liegt nunmehr ein Bericht der britischen Admiralität vor. Danach erfolgte der Zusammenstoß 9 Seemeilen südwestlich von Dover. Die Sicht war infolge starken Regens M. Die „Ramillies" unb bie „Renown" ftan- : „Eisenach" bei, bis sie von den aus Dover herbeigeeilten Bergungsdampfern ins Schlepp genommen worden war. Drei Mann der Besatzung der „Eisenach" wurden verwundet an Bord ber „Ramillies" genommen, erlagen dort jedoch ihren Verletzungen. Die „Ramillies", die leicht beschädigt wurde, befindet sich in Portsmouth, um oort untersucht und wenn nötig auf Dock genommen zu werden. Wie Reuter weiter berichtet, haben sich die deutschen Seeleute sehr anerkennend über die Hilfsmaßnahmen der englischen Schiffe ausgesprochen. Der Dampfer „Eisenach" konnte erst nach stundenlangem Kampf mit schwerer See in den Hafen von Dover eingebracht werden. Die veröffentlichten Photographien zeigen, daß das Schiss am Bug gerammt worden ist und ein Loch von etwa 12 Meter Breite aufweist. „Eve- ning Standard" veröffentlicht den Bericht eines Augenzeugen, wonach der stählerne Bug des Kriegsschiffes wie ein Messer durch die „Eisenach hindurchgeschnitten hat, mitten durch das Schlafquartter der Heizer, die ahnungslos von dem Unheil überrascht wurden. Die britische Admiralität richtete anläßlich des Zusammenstoßes ein Beileidstelegramm an den Norddeutschen Lloyd, in dem sie die Rederei bat, den Angehörigen ber vier von dem Unglück schwer betroffenen Besatzungsmitglieder die herzliche Anteilnahme auszusprechen. Der Norddeutschs Lloyd hat der britischen Abmirafttät telegraphisch gedankt. 3000 Mark-prämie für Erbauer und Führer des Muskelflugzeugs. Mit zwei weiteren Flügen mit bem Muskel f l u g ze u g am Samstagabend, find nun zunächst die Versuche in Frankfurt a. M. beendet. Am Montag verlassen die erfolgreichen Konstrukteure und der Flugzeugführer Frankfurt, um nach kurzer Ruhepause in der Stille an ihrem Werke weiter zu schaffen. Das Preisgericht für das Preisausschreiben ber Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt für einen Flug mit eigener Muskelkraft gab folgenden Beschluß bekannt: Obwohl die Bedingungen bes Preisausschreibens bis heute noch nicht erfüllt werben konnten, hat in Anerkennung ber technischen unb fliegerischen Leistungen bei ben Bewerbungsflügen vom 29. bis 31. August das Preisgericht mit Zustimmung des Reichsluftsportführers beschlossen, ben Wettbewerbern Nr. 1, Muskelflugzeug Haeß» ler-Villinger (Führer D ü n n e b e i I), eins Ermunterungsprämie von 3000 M k» zuzusprechen. Die beiben Erfinber des Muskelflugzeuges, dis Ingenieure H a e ß l e r und Dillinger, sind Statiker bei den Junkers-Flugwerkzeugen in Dessau. Der eine ist 25, der andere 27 Jahre alt. Die Maschine haben sie in ihrer freien Zeit und aus eigenen Mitteln in Dessau gebaut. „Graf Zeppelin" auf ber Rückfahrt nach Pernambuco. Das Lufffchiff „Graf Zeppelin" lanbete am Sonntag um 10.58 Uhr MEZ. in Rio be Janeiro unb startete um 11.53 Uhr MEZ. zur Rückfahrt nach furchtbare Xof der sudelendeulfchen Gebiete zu mildern und zu beseitigen. Ich fordere alle Minister auf, sich selbst einmal durch den Augenschein davon zu überzeugen, wie groß die Not ist, unter der unser sudetendeutscher Arbeitsmensch leidet, wie groß Die Hoffnungslosigkeit unserer Jugend ist. Wir wollen aus eigener Kraft mithelfen, daß die Not wenigstens einigermaßen gemildert wird. Es ist ein Ehrenblatt in der Geschichte des Sudetendeutschtums, daß das ausgeblutete Volk im letzten Krisenwinter 8 Millionen tschechischer Kronen als Hilfe für die Aermften aufbrachte. Wir fordern aber, daß ber Staat einen gleichen Opferwillen zeigt. Denn ist ber Staat nicht willens oder fähig, die Not zu lindern, dann muh er uns die Möglichkeit geben, durch ein großes internationales Hilfswerk unsere Brüder und Schwestern vor dem Verhungern zu bewahren. Ich sage euch, Kameraden, wir sind nicht zusammengekommen, um uns an flammenden Reden zu berauschen, sondern um vor aller Welt kundzutun, daß wir ehrlich gewillt finb, mitzuarbeiten, daß wir aber ebenso entschlossen finb, unfer Recht, bas Recht ber Heimat unb bas Recht ber Zukunft unter allen Umstänben zu erkämpfen. Ulan glaube nicht, bah Kunbgebun- gen wie biese eine augenblickliche Aufwallung finb. Das Volk ist In ben letzten Wochen politisch geworben. Das Volk hat erkannt, baß niemals bie Zwietracht, fonbern nur Einigkeit zum Erfolge führen kann. 2Han mag kleinen Gruppen Brosamen hinwerfen, 3,5 Millionen aber haben bas Recht, voll Genüge zu haben. 3n ben Tagen unseres Kampfes ist in uns ein neuer Glaube unb ein neuer Dille entstauben. Das Gefühl ber Kamerabschaft hak feste Gestalt angenommen. Ich weiß, baß bie Zukunft unser ist, weil ich auf euch vertrauen kann, sowie ihr mir vertraut. Die mit starker innerer Leidenschaft gesprochenen Worte Konrad Henleins losten großen Beifall aus. Die Menge sang zum Abschluß das Lied vorn guten Kameraden. Daran schloß sich ein Vorbeimarsch an Konrad Henlein. Pernambuco. Nach der letzten Meldung stand das Luftschiff um 18.54 Uhr MEZ. bet Victoria, das an der brasilianischen Küste auf etwa 21 Grad Südbreite liegt. Deutsche Segelflieger fahren nach Japan. Unter Führung von Wolf 5) i r t h begibt sich auf Iapanische Einladung eine deutsche Segel- lugexpedition in den nächsten Tagen nach Zapan. Lastauto vom Güterzug überrannt. In einer der letzten Nächte wurde ein Lasttkraft- wagen von einem Eilgüterzug auf einem beschrankten Bahnübergang der Strecke Bebra—Göttingen zwischen Albungen und Bad Sooden-Allendorf überfahren und zertrümmert. Der Wagenführer Georg Ditscher aus Ludwigshafen wurde bei dem Zusammenstoß getötet. Der mitfahrende Besitzer des Lastkraftwagens, Wilhelm Schwarz aus Mannheim, und die Braut des Ditscher, Maria Hartung aus Schwetzingen bei Mannheim, wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Zugunfall im Bahnhof Ansbach. Am Sonntag stieß im Bahnhof Ansbach bei einer Rangierbewegung die Lokomotive des Nebenbahn- guges Ansbach—Bechhofen mit der Lokomotive des einführenden D 87 München—Hamburg zusammen. Beide Lokomotiven entgleisten. Von den Reifenden des D-Zuges wurde eine größere Anzahl leicht verletzt. Zwei Reisende und der Lokomotivführer der Nebenbahnlokomotive wurden etwas schwerer verletzt. Untersuchung ist eingeleitet. Tödlicher Absturz im Gebirge. Im Ortler-Gebirge stürzte der 50jährige Militär- arzt Dr. Trussi aus Mailand zusammen mit einem 14 Jahre alten Begleiter ab. Beide wollten ohne Führer den Angelo Alto besteigen. Dr. Trufft wurde von einem Hüttenwart tot, sein kleiner Begleiter verletzt aufgefunden und geborgen.— Im Drei-Zinnen-Gebiet wollte ein Bergsteiger mit seiner Begleiterin, den Spuren einer Fuhrerpartle folgend, die Kleine Zinne über die Nördwand besteigen. Die erstgehende Touristin glitt aus und riß ihren Begleiter am Seil mit, so daß beide etwa 40 Meter tief abstürzten. Der Bergsteiger erlitt schwere Verletzungen, während seine Gefährtin nur leicht verletzt wurde. Rauchwaren im Werte von 80 000 Mark gestohlen. In einer ber letzten Nächte sind durch Einbruch bei der Rauchwaren-Versteigerungs A.-G. Leipzig große Posten roher Edelfüchse im Gesamtwert von etwa 80 000 Mark gestohlen worden, und zwar etwa 475 Silberfüchse, 122 Blaufüchse, 212 Nerze, 7 Weißfüchse, 2 Kreuzfüchse und 40 gefärbte SW.- Persianer. Für die Wiederherbeischaffung des gestohlenen Gutes hat die Versicherungsgesellschaft eine Belohnung von 10 v. H. des wiedererlangten Gutes ausgesetzt. Sechzig oberfchlesische Bauernhäuser durch ein Riefenfeuer eingeäschert. Von einem riesigen Feuer wurde die Ortschaft Ujesce in der Nähe von Bendzin (Dombrowaer Revier, Oberschlesien) heimgesucht. Infolge eines schadhaften Schornsteines brach in dem Hause eines Bauern Feuer aus, das bald das ganze Anwesen erfaßte. Ein heftiger Wind trug den Brand dann über das ganze Dorf. In kurzer Zeit standen 60 Bauernhäuser mit allen Nebengebäuden in Flammen. 16 Feuerwehren aus dem ganzen Revier und auch aus dem benachbarten Ostober- schlefien eilten zur Hilfe herbei, waren jedoch dem rasenden Element gegenüber machtlos. Nach mehrstündiger aufopferungsvoller Arbeit konnte wenigstens ein Teil des Dorfes vor den Flammen gerettet werden, Zwei Tote beim Absturz eines polnischen Flugzeugs. Auf dem Fluge von Warschau nach Kattowitz stürzte ein Flugzeug des Warschauer Aeroklubs ab und wurde vollständig zertrümmert. Der Flieger und der Beobachter waren auf der Stelle tot. Hinrichtung durch Giftbecher in Estland. Im Revaler Hauptgefängnis wurde in einer der letzten Nächte der Raubmörder Karl Otz durch Gift hingerichtet. Dies ist im Verlauf von wenigen Wochen bereits die zweite Hinrichtung durch Gift in Estland. Die eftländifche Strafprozehordnung stellt dem zum Tode Verurteilten frei, zwischen dem Giftbecher und der Hinrichtung durch Erhängen zu wählen. Die Vergiftung erfolgt durch eine Mischung von 0,005 Gramm Zyankali, dem ein Zusatz beigegeben ist, der die Geruchs- und Geschmacksnerven lähmt. Internationaler Devisenschmuggel in Budapest aufgedeckt. Der Devisenabteilung der Budapester Polizei ist es gelungen, einen großangelegten internationalen Devisenschmuggel aufzudecken. Die Ermittlungen ergaben, daß durch Flugpostsendungen und postlagernde Briefe ausländische Wertpapiere In Höhe von Über 200 000 Pengö aus der Schweiz nach Ungarn gebracht wurden, die den Devisenstellen nicht angemeldet worden waren und deren Gegenwert in ausländischen Valuten aus illegalem Wege ins Ausland geschafft wurden. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor; weitere Verhaftungen werden noch erfolgem Sieben Schwerverletzte bei einem Autounglück in Frankreich. Ein schwerer Kraftwagenunfall ereignete sich in der Nähe von Royan in Frankreich. Zwei Kraftwagen stießen an einer Straßenbiegung in voller Fahrt zusammen, wobei einer der Wagen vollkommen zertrümmert wurde. Sieben Personen wurden in hoffnungslosem Zustande tn ein Krankenhaus gebracht. Vier Tote bei einem Autobusunglück in USA. Bei Willcox (Arizona) schwemmte eine drei Meter hohe Flutwelle, die durch Dammbrüche infolge eines Wolkenbruchs hervorgerufen wurde, einen mit 28 Personen besetzten Ueberlandautobus fort und schmetterte ihn gegen einen Hochspannungsmast. Vier Personen ertranken, drei wurden schwer verletzt Verlobung im englischen Königshaus. Der Duke of Gloucester, der dritte Sohn des englischen Königs, hat sich mit der Lady Montagu - Douglas - Scott, der Tochter des Herzogs von Buccleuch in Queenberry, verlobt. Kunst und Wissenschaft. Der nassauische Landschaftsmaler Oskar Achenbach f. Oskar Achenbach, ^iner der bekanntesten Landschaftsmaler des Nassauer Landes, ist im Alter von 60 Jahren nach schwerem Leiden in Limburg gestorben. Besonders im Lahntal bei Runkel fand er viele Motive für sein künstlerisches Gestalten. Mehrere Jahre hindurch leitete Achenbach vertretungsweise eine Berliner Malerschule, die sich in den Sommermonaten zu Studienzwecken im Lahntal aufhielt. Theaterreife englischer Schüler durch Deutschland. Eine Anzahl englischer Schüler trat jetzt eine dreiwöchige Reise nach Deutschland an. Die Reise wird von der internationalen Studenten-Theater- Gruppe durchgeführt. Die englischen Schüler werden in Berlin das Stück „Richard von Bordeaux" aufführen. Die englischen Gäste werden dann in München, Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart, Mannheim und in Frankfurt (am 19. September) spielen. Neue volksdeutsche Preise für Literatur und Kunst. Ein amerikanischer Stifter, der für deutschsprachige Literaturpreise der Reichsschrifttumskammer und einer Reihe deutscher Universitäten eine erhebliche Summe zur Verfügung stellte, hat nunmehr nach Verkündung des österreichischen und sudetendeutschen Preises verfügt, daß aus der Restsumme drei jährlich zu verteilende Preise gebildet werden, und zwar: 1. ein Herder-Preis jährlich 5000 Mk. für preußisch-baltische Dichtung; 2. ein Görres- Preis jährlich 5000 Mk. für die rhein-fränkische Landschaft; 3. ein Erwin-von-Steinbach- Preis jährlich 10000 Mk. für die alte Stammes- landfchaft der Alemannen. — Die Preisträger werden jährlich bestimmt durch die Universitäten Königsberg, Bonn und Freiburg i. B. In den Preisgerichten ist die Reichsschrifttumskammer vertreten als Beauftragte des Stifters wie auch als autonome Rechtskörperschaft des deutschen Schrifttums. Offenbacher Kommunisten vor Gericht. LPD. Darmstadt-, 31. Aug. Vor dem Strafsenat des Hessischen Oberlandesgerichts wurde gegen 25 Kommuni st en aus Offenbach a. M. verhandelt, die sich hochverräterisch betätigt hatten. Der Hauptangeklagte, der 41 Jahre alte Christian Schwarz, erhielt acht Jahre Zuchthaus. Zu je 7 Jahren Zuchthaus wurden der 33- jährige Karl L ö f f e r t und der 30jährige Ludwig Degenhardt verurteilt, zu 6 Jahren Zuchthaus der 25 Jahre alte Anton Huhn, zu je 5 Jahren Zuchtha u s der 33jährige Fritz Stender und der 30 Jahre alte Karl Lücke. Ihnen wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von je 10 Jahren aberkannt. Die weiteren Strafen lauteten: Karl Schüttler, 31 Jahre alt, 4Vr Jahre Zuchthaus, Heinrich Laux, 41 Jahre alt, Hermann Hagendorn, 29 Jahre alt, Philipp Weigel, Wilhelm Muzenhardt und Friedrich Ebinger je 4 Jahre Zuchthaus, Heinrich Diehl und Friedrich Riedel je 3Vt Jahre Zuchthaus, Heinrich Schmitt 3V< Jahre Zuchthaus, Heinrich Sauer und Johannes Hagendorn je 3 Jahre Zuchthaus, Richard A l i ck e , Ernst (Stierte, Hermann Henrich und Karl Fröhlich je 2V2 Jahre Zuchthaus und der 35 Jahre alte Ferdinand Stenger 2 Iahre Zuchthaus. Ihnen allen werden die bürgerlichen Ehremechte auf die Dauer von 8 Jahren aberkannt und Stellung unter Polizeiaufsicht an- geordnet. Drei weitere Angeklagte tarnen mit Gefängnisstrafen von 3 Jahren davon. Steuersteckbrief. LPD. 5r antfurt, 31. Aug. Gegen den Wäsche- fabritanten Chaim Hirsch Eisenberg und dessen Ehefrau Regina geb. Z i t r 0 n e n b a u m^ zuletzt wohnhaft in Frankfurt a. M., Rhönstraße 4, zur Zeit in Straßburg (Elsaß) ist vom Finanzamt Frankfurt a. M. (Außenbezirk) wegen Reichsflucht- steuer von 27 115 Mark ein S t e u e r st e ck b r i e f erlassen worden. Es ergeht hiermit die Aufforde- rung, die Genannten, falls sie im Inland betroffen werben, vorläufig festzunehmen und sie unverzüglich dem Amtsrichter des Bezirks, in welchem die Festnahme erfolgt, vorzuführen. 170000 Besucher auf der Ausstellung ,©ie Nhein-Mainische Wirtschaft. ' Frank, urt a. M„ 1. Sept. Di- erste Woche der großen Ausstellung „Di- Rhein-Mainische Wirt- schäft", die bis zum 8. September 1935 auf dem Festhallengelände zu Frankfurt a. M. durchgeführt wird, brachte eine täglich steigende Besucherzahl. Am Samstag wurden etwa 35 000 Besucher gezählt, und am Sonntag über 50 000. Damit beläuft sich der gesamte Besuch während der ersten Woche auf etwa 170 000 Besucher. Bemerkenswert ist, daß die Höhe des Anteils der auswärtigen Besucher am (Sonntag allein etwa 20 000 betragen haben dürfte. Damit ist der Beweis erbracht, daß die Ausstellung eine starke Wirkung auf das gesamte Rhein-Main- Gebiet ausübt Nach Schluß der Leipziger Messe wurden auch viele Messebesucher in Frankfurt gezählt: Außerdem dürsten etwa 2000 Ausländer in der ersten Woche auf der Ausstellung gewesen sein. Die Ausstellerschaft ist mit dem Ergebnis der ersten Woche außerordentlich zufrieden. Kirchenräuber gefaßt. LPD. Worms, 31.Aug. Im Wormser Dom wurde dieser Tage ein unverschämter D i e b ft ahl ausgeführt. Man mußte feststellen, daß das äußerst wertvolle, hundert Jahre alte Elfenbeinkreuz entwendet worden war. Der abgebrochene Fuß lag auf dem Altar. Es gelang dem Kirchendiener, einen Ma n n in dem Augenblick z u fassen, als dieser fluchtartig das Gotteshaus verlassen wollte. Obwohl man das Kreuz nicht in seinem Besitze fand, konnte er später vor der Kriminalpolizei überführt werden. Das Kreuz hatte er in einem Beichtstuhl versteckt. Preußen. Kreis Wetzlar. V W i ß IN a r, 31. Aua. Am vergangenen Donnerstag wurde hier der ^jährige SA.-Mann Otto Bittendorf zu Grabe getragen. Der junge Mann war am Dienstagvormittag auf dem Wege zu seiner Arbeitsstelle im Wißmarer Weg verunglückt. Außer dem SA.-Sturm 4/88 gab auch das SA.-Hilfswerklager Braunfels dem verstorbenen Kameraden das letzte Geleit. Nach dem Besuch der SA.-Sportschule in Hanau gehörte der Verstorbene fast ein Jahr dem SA.-Hilsswerklager in Braunfels an. Der Sturm 4/88 verliert in Otto Bitten- d o r f einen lieben Kameraden, der allezeit feine Pflicht treu erfüllte, Ein ehrendes Andenken wird ihm gewahrt. * Rodheim a.d. Bieber, 31. Aug. Gestern wurde, in Gießen der Rektor i. R. Georg Helwig zu Grabe getragen. Ein altes Leiden hatte sich in den letzten Wochen verschlimmert und den jugendlichen Alten, den man eigentlich nie müde sah, hinweggerafft. Herr Helwig stand rund ein Jahrzehnt an der Rodheimer Volksschule als Lehrer und Erzieher und steuerte die Schule so, daß wohl nur Freunde und Trauernde an seinem Grabe standen. Neben feiner Tätigkeit als Schulleiter und Lehrer hat sich der Verstorbene einen Namen gemacht, der auch nach feinem Tode stets mit Achtung und Respekt genannt werden und der besonders in Rodheim und unserer engeren Heimat stets einen guten Klang haben wird. Herr Helwig hat sich mit großem Interesse und mit erstaunlicher Sachkenntnis um die Erforschung unserer an geschieht» lichen Denkmälern so reichen Heimat bemüht, trug in zäher und gewissenhafter Forscherarbeit einen reichen Schatz von geschichtlichen Tatsachenberichten und Heimatsagen zusammen. Leider ließ es seine Bescheidenheit nicht zu, daß sein „Heimatbuch von Rodheim u. U." in weitere Kreise Eingang fand, aber diejenigen, denen er in seine Arbeit Einblick gestattete, waren erstaunt und begeistert von der reichen und gründlichen Arbeit dieses Heimatforschers. Aber damit war seine Forschertätigkeit noch nicht erschöpft. Des Verstorbenen ganzes Herz galt seinen Blumen und Pflanzen der Heimat. Mit einer geradezu bewundernswürdigen Energie bemühte sich Herr Helwig zunächst hier In Rodheim, dann nach seiner Emeritierung in Gießen um die Erfor« chung der heimatlichen Flora, und der alte Herr mit einem Strauß teils seltener, dem Durchschnitts- Menschen unbekannter Pflanzen, war eine ständige Erscheinung auf unserer heimischen Flur. Bekannt war Herr Helwig auch als Führer durch Feld und Wald der Heimat, deren geologischer Aufbau ihm eine tiefe Sachkenntnis erschloß, und durch btt Sammlung der heimischen Flora im Gießener Bo- tonischen Garten dürfte sich Herr Helwig auch den Dank und die Anerkenung weiter Kreise der Gießener Bevölkerung und besonders der Freunde der Heimatflora gesichert haben. Daß Herr Helwig sich auch als Erforscher des heimischen Dialekts verdient gemacht hat, sei nur der Vollständigkeit wegen erwähnt. Rundfunkprogramm. Dienstag, 3. September. 6 Uhr: Choral — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. Nachrichten 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 9.15: Unterhaltungskonzert. 10.15: Schulfunk. 250 Meter tief! Aus einem stillgelegten Bergwerk. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert L 13: Nachrichten; anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten, 14.10: Mitten im Werktag. Sozial- und Wirtschaftsdienst in bunter Folge. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau. 16: Kleines Konzert. Kompositionen von Hans Kummer. 16.30: Kampf um das Reich. Reichsform vor 500 Jahren. 16.45: „Lockend- Ferne". Der verhängnisvolle Traum vom Gold- land. Das Schicksal der deutschen Conquistadoren in Venezuela (Dalfinger, Jedermann, Hohermuth, v. Hutten). 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Nordisches Lebensgefühl im altsächsischen Heliand. 18.45: Zeitgenossen gibts ... 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der Nation. „Eignes Heim und eigner Herd!" Ein Dolksstück für den Funk. 21: Musikalische Gefahrzonen. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk, Sportbericht. 22.20: Funkbild vom historischen Festzug der Stadt Kusel. 22.35: Schön- Volksmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert. Die Zndustrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1084: Verzeichnis der in unserem Wirtschaftsgebiet tätigen gewerblichen Aufarbeitungsanlagen für Altöle. 1085: Keine Zahlungsmittel mehr für deutsch« Reisende nach der Schweiz. 1086: Erläuterungen zu den Bestimmungen über den Transithandel. Wetterbericht de» Relchswetterdiensles. Ausgabeort firanffurt Die außerordentlich rasche und kräftige Erwärmung am Sonntag hatte weiteren erheblichen Druckfall im Gefolge. Demgemäß konnten erneut kühlere vom Meer stammende Luftmassen rasch auf das Festland vorstoßen und gaben seit Montag früh bei ihrem Eindringen in die vorgelagerte warme Lust Anlaß zu außerordentlich verbreiteter Gewittertätigkeit. Voraussichtlich wird sich rasch wieder Witte, rungsbesserung, doch keine volle Beständigkeit Herstellen. Aussichten für Dienstag: Veränderlich, mit häufiger Aufheiterung und vereinzelten Schauern, mittags Temperaturen bei etwa 20 Grad, südliche und westliche Winde. Aussichten für Mittwoch: Voraussichtlich weitere Witterungsbefserung. Lufttemperaturen am 1. September: mittags 26,3 Grad Celsius, abends 17,4 Grad; am 2. September: morgens 15,3 Grad. Maximum 27,3 Grad, Minimum 12,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. September: abends 19,8 Grad; am 2. September: morgens 17,3 Grad. — Sonnenscheindauer 6,6 Stunden. Hauptschristleiter: Dr. Fr. W. Lange; stellvertretender Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Emst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck; verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 35: 9945. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. im 76. Lebensjahre von uns gegangen. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 30. August 1935. Die Einäscherung hat auf Wunsch des Verstorbenen in der Stille statt gefunden. 03698 | Verkäufe | 6-SitZCF ’ie« 03701 Anfragen unter 03703 and.G.A. zu verkaufen. Sehr. Anfr. unt. 03702 a.d.G.A. MI.MNU mit Bad sofort zu vermiet. 03700 Ludwigövl. 15v Sflulmnnn aus dem Baufach mit Maschinenschreiben und anderen Büroarbeiten vertraut, m. Führerschein, sofort gesucht. Schr.Angeb.unt. 03704 a.d.G.A. | Stellenangebote] leine Dnprnngi- lengntsse, ION dem nur Zeu-n ts. obldiriften dem ®e- werbungsfchreiben beilegen l — Lichtbilder undBewerbungsunter» lagen müffen lut Vermeidung von Verlusten aus der Rücheite Na- mea und Anschrift bei Bewerber» tragen t Nach kurzem Krankenlager ist am 27. d. 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Mich deuchte mehr, ich sei in einem alten lieben Garten. der zunächst die Glückwünsche des Oberbürgermeisters überbrachte. In seinen, mit besonderem Interesse oerfolgten Ausführungen betonte der Redner, daß man sich bei der Stadtverwaltung darüber klar sei, daß in unserer Stadt noch vieles für den Sport zu tun sei. Ueberall seien noch Wünsche offen. Das aber, was zu Gunsten und zur Förde» rung des Sportes in unserer Stadt geschehen solle, "üsse nach klaren Richtlinien geschehen. Man dürfe ledigen sucht. „Kerl, was machst du da?" ruft er ihn an. „Ich laufe", antwortete jener barsch; und Leopold, indem er in die Tasche greift, versetzt Aufheben: „Da tust du wohl, mein Sohn! Nimm da Eine Grab-Lnschrist. Von Karl Burkeri. In einem kleinen schwäbischen Dorffriedhof hab' ich sie gelesen. Von einer rauhen, grasigen Brockenmauer war er umfangen. So breit war sie, daß ein wegmüder Wanderbursche sich bequem auf ihr zum Schlaf hinstrecken konnte. Ein schöneres Bett als dies war auf der ganzen weiten Welt schon gar nicht zu haben. Denn da ruhte man auf lauter gelbblühendem Steinpfeffer wie auf goldenen Polstern und die blauen, krispelnden Glocken, die aus allen Ritzen wuchsen, wehten einem immerzu übers Gesicht, sangen einem ein hauchzartes Schlummerlied. Der Mann, -er Wasserflöhe sängt... .. und andere seltsame Berufe. - Gewerbe, von denen man selten spricht. nicht in den Fehler verfallen, alles auf einen großen Wurf machen zu wollen. Es gelte vielmehr, einen genauen Plan aufzuftellen, der dann allmählich, Stück für Stück, feiner Verwirklichung entgegengebracht werden müsse. Alle Beteiligten mühten sich einmal zusammensetzen und den Plan vorbereiten helfen. Die Stadtverwaltung werde nach besten Kräften helfend einspringen. Die Erfüllung bestehender Wünsche sei allerdings jetzt nicht möglich, da die Stadt Gießen gegenwärtig starken finanziellen Belastungen gerecht werden müsse. In seinen weiteren Ausführungen gab Bürgermeister Dr. Hamm einige persönliche Erinnerungen aus seiner aktiven Tätigkeit im Fuhballsport in zwanglos erzählender Form zur Kenntnis und bot damit gleichzeitig einen kurzen geschichtlichen Abriß über Oie Entwicklung des Fußballsports in Deutschland. Seine Worte wurden mit starkem Beifall ausgenommen. In einer längeren Ansprache vermittelte dann das Vereinsmitglied Karl Müller einen sehr sorgfältig ausgearbeiteten Rückblick auf die Geschichte der Spielvereinigung 1900 und rief damit vielen alten Mitgliedern schöne Erinnerungen wach. Er kennzeichnete dabei klar den Weg des Fußballsportes in Gießen und wußte sehr viele Einzelheiten zu berichten. Er schilderte die Schwierigkeiten, die dem Fuhballsport und seiner Entwicklung entgegenstanden, aber auch die große Freudigkeit, mit der die Jugend dem neuen Sport huldigte. Er sprach von den verschiedenen Vereins- grünbungen im Fußballsport unserer Stadt und stellte besonders die Höhepunkte in der Dereinsge- fchichte der Spielvereinigung 1900 heraus. Er gedachte hierbei auch der 63 gefallenen Sportkameraden, die im Weltkriege den Heldentod für bas Vaterland starben. Die Anwesenden erhoben sich zu ihrem Gedenken von den Plätzen. Die Musik spielte das Lied vom guten Kameraden. Mit richtungsweisen Gedanken über die Zukunft des Vereins und feine Arbeit für die Ertüchtigung der Jugend, mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Führer und Vaterland fand der anregende Vortrag feinen Abschluß. Gemeinsam wurden sodann die ersten Verse des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes gesungen. Der Kreisführer im Kreise Gießen des DFB. H. Henkel überbrachte im weiteren Verlauf des Abends die Grüße und Glückwünsche des Gauführers im Gau Nordhefsen des DFB. (Oberftudienrat Riemann). Gleichzeitig nahm er Gelegenheit, zwei Mitglieder der Spieloereinigung 1900, und zwar Karl Keiner, den derzeitigen zweiten Dereinsführer, und Ernst B ö tz in besonderer Weise auszuzeichnen. nen Reisetasche, in der die Futtertüten untergebracht sind, und aus einem schwarzen Schild, auf dem in weißer Schrift weithin lesbar geschrieben steht: „Vogelfutter 10 Pfennige! Tierfreunde, Tauben nicht jagen!" „An warmen Tagen geht das Geschäft ganz gut", sagt „Taubenmaxe^ und berichtet, wie er zu diesem einzigartigen Beruf kam. „Eines Tages aß ich als Arbeitsloser zur Mittagszeit hier auf der Bank meine Stulle. Plötzlich kamen unzählige Tauben und halfen mir, mein Mittagbrot zu verzehren. Da dachte ich mir, bei der großen Tierfreundlichkeit der Berliner müßte man diese Beobachtung auswerten und den Leuten, die hier auf den Bänken fitzen, Taubenfutter verkaufen. Don diesem Augenblick an war mir und den Tauben geholfen!" Die Tauben vom Lustgarten kennen ihren Maxe schon genau und fliegen ihm, sobald er im Park erscheint, flügelrauschend entgegen. Sie nehmen ihm die Futterkörner nicht nur aus der Hand, sondern im Notfall auch von seinem Munde. Wenn „Taubenmaxe" am Abend seinen „Laden" zusammenpackt, die Futtertüten ausverkauft hat und den Heimweg antritt, umgirren ihn Dutzende von wohlgenährten Tauben, die ihn dankbar ein Stück Wegs begleiten. Zwei Brüder ziehen Kirchenturmuhren auf. Es gibt ein Brüderpaar in Berlin, das klettert jeden „geschlagenen" Abend hoch über den Dächern von Berlin in den Kirchturmspitzen herum, um die Turmuhren aufzuziehen, ihren Gang zu regulieren und Schäden zu beseitigen. Jede Uhr kommt ungefähr alle sechs Tage an die Reihe! Nur die Sophienkirche, das Schmerzenskind der Turmspezialisten, verlangt eine zweimalig« Bedienung am Tag. „Die Reparaturen müssen hoch oben an Ort und Stelle vorgenommen werden", klärt einer der seltsamen Kletterkünstler auf, „weil man zur Fortschaffung der Uhren Lastautos brauchen würde und außerdem in den meisten Fällen das Abmontieren gar nicht möglich wäre, weil es bei der Anbringung der Turmuhren nicht vorgesehen wurde." Meist sind es Zentnergewichte, mit denen diese beiden Berliner Turmuhrmacher umgehen müssen. Das Herumtumen im Uhrwerk hoch über den Glocken wird im Winter doppelt schwiehg durch die heftige Kälte, die nicht selten die Zeiger vereist und die arbeitenden Hände steif werden läßt. voraus, und fetzt sich eine Strecke weiter, wo Leopold sogleich vorbei muß, in gleicher Beschäftigung am Wege hin. Aber der Schnurrbart hat schon die ganze Sache durchschaut: „Was machst du, Kerl?" fragte er auch diesen, und behend: „Ich suche Läuse",, antwortete der, des Talers schon gewiß. „So?" ver- setzte Leopold, „nun da geh nur" — mit der Hand zurückweisend — „zu dem dort, der hat welche." — Dann ein rührender Zug aus dem Leben des alten „Schnurrbarts": Seine Tochter Luise, regierende Fürstin von Anhalt-Bernburg, lag hoffnungslos darnieder; sie wünschte vor ihrem Ende noch zum letztenmal ihren Vater ander Spitze seines Re- giments aus den Fenstern ihres Schlosses zu sehen. Einem solchen Wunsche der geliebten Tochter konnte Leopold nicht anders als willfahren. In tiefster Iraurigfeit brach er mit feinem ganzen Regimen^ von Halle nach Bernburg auf; kaum daselbst ringe- rückt, warf er sich lautschluchzend zur Erde und betete voll Inbrunst: „Herr, ich bin kein solcher Lump, der dir bei jeder Hundsfötterei mit Gebeten beschwerlich fällt. Ich komme nicht oft, will auch so- bald nicht wiederkommen: so hilf mir denn auch jetzt und laß meine Tochter gesund werden!" Inzwischen rückte das Regiment unter Kriegsmusik über den Schloßhof; die Fürfttn erhob sich zum Fenster und bezeigte die größte Zufriedenheit über die schönen Truppen, welche Leopold unter Heulen und Weinen ihre Uebungen machen lieh. Das Regiment wurde hierauf mit Bier und Brot bewirtet, die Offiziere speisten an der fürstlichen Tafel, Leopold aber verlieh die Versammlung, setzte sich auf das Geländer der Saalebrücke und meinte. Die Fürstin überlebte dies Schauspiel nur wenige Tage; der Vater kehrte voll herben Kummers mit seinem Regimente nach Halle zurück. Jahrelang nachher lud ihn der Fürst von Anhalt-Bernburg zu sich ein; Leopold versprach zu kommen, und begab sich von Halle mit großem Gefolge dahin auf den Weg; dicht vor Bernburg aber, als er des Schlosses ansichtig wurde, hielt er an und kehrte kopfschüttelnd wieder um, indem er sagte: „Ich mag den Ort nicht wiedersehen, wo meine Luise hat sterben müssen." Und nun ein anderes Bild: Der Alte Deffauer vor der Schlacht bei Kesselsdorf! Indem die ganze Linie der Preußen mächttg anrückte, setzte sich Leopold an die Spitze dreier Grenadierbataillone, unterstützt von drei Bataillonen seines Regiments, hütete laut gen Himmel das Gebet: „Lieber Gott, steh' mir heute gnädig bei, oder, willst du mir diesmal nicht beistehn, so hilf wenigstens auch den Schurken von Feinden nicht, sondern sieh, wie's kommt!" — rief dann mit gezogenem Degen: „In Gottes Namen! Marsch!" und führte den siegreichen Angriff! g«rade-u gegen di« Spitze von JUflelrtorU* I noch gekonnt hatte und die inzwischen in Vergessenheit gekommen sind, wie so manches. Aber das Schönste bleibt zu sagen noch übrig. Das Schönste war der Spruch im unteren Feld der Tafel. „Ich bin eingegangen in die ewige Stille!" hieß es da. Ich weih nicht, wie lang ich fjinge- ftanben bin vor diese sieben Worte. Mir war, ich könnte die Augen nicht mehr von ihnen losbekommen. Dreimal ging ich hinweg und ebensooft muhte ich, wie von einer unsichtbaren Hand geschoben, wieder zurückkehren. „In die ewige Sttlle!" klang und fang es in mir. Klang und fang es rings in Der Luft und flüsterte es in.allen Gräsern und Blumen. „In die Sttlle!" Wo kein Äug', kein Ohr, kein Herzschlag mehr ist, keine Begierde, kein Wunsch, keine Schmerzen. Wo es keine Sehnsucht mehr gibt, die sich in der Erfüllung verzehren muß, wie sich jedes Feuer, jede Hitze zuletzt verzehrt. Wo keine Freuden mehr locken, die doch alle, alle verwelken müssen. „Sttlle!" Das heißt: Heimkehr in den Ursprung. Wieder erlöst werden aus der Vielheit und zurückgenommen werden in die Einheit. Wieder versinken in das Geheimnis, das wir Gott nennen. Mich dünkt, einen schöneren Grabspruch hätte ich nie gelesen. „Go leben wir,so leben wir.. Geschichten vom Alten Dessauer In dem Anhalt-Dessau gewidmeten neuesten Heft der „Illustrirten Zeitung", Leipzig, erzählt Staats- minifter a. D. Dr. Müller geschichtliche Erinnerungen aus Anhalt und Dessau, in denen auch die zahllosen Geschichten über den Schöpfer der preußi- schen Infanterie, den Sieger von Kesselsdorf und Berater des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm von Preußen, den als Alten Dessauer volkstümlich gewordenen Fürsten erzählt werden. An ihn erinnert uns auch der Dessauer Marsch mit dem untergelegten Text: „So leben wir, so leben wir alle Tage in der allerschönsten Saufkompanie!", vor allem aber ist seine romantische Liebesheirat mit der Apothekerstochter Anneliese Föse aus Dessau allbekannt und auf der Bühne wie im Film schon verherrlicht worden. Als Probe des wilden Humors des Alten Dessauers werden folgende Anekdoten mitgeteilt: „Einesmals trifft Leopold vor dem Tor am Wege einen Soldaten sitzend, der sich Ungeziefers zu ent- Wilhelmshaven. Um die Namensgebung der Stadt Wilhelmshaven spinnt sich eine kleine, reizende Anekdote: Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erwarb Preußen ein kleines Stück oldenburgifchen Staatsgebietes an der Jade. Dort, wo bisher ein unscheinbares Fischerdorf gelegen hatte, sollte ein mächtiger Kriegshafen entstehen. Dem regierenden Herrscher, König Wilhelm, zu Ehren wurde der Namen Wilhelmsha„f"en gewählt. Damit wäre an sich nun alles schön und gut gewesen, und in dieser Schreibweise würde uns wohl heute der Namen unseres Reichskriegshafens entgegentreten, wenn sich nicht die wackeren Bürger der neugeplanten Stadt ins Mittel gelegt hätten. Die wenigsten Menschen geben wohl gerne zu, daß sie gestern noch klein und unbedeutend gewesen und sozusagen erst über Nacht zu Rang und Wür» den gekommen sind. So war es auch hier. All- anderen ehrwürdigen Hafenstädte, die etwas ailf sich hielten, schrieben ihren Namen mit einem „v", wie z. B. Cuxha„v"en, Bremerha„v"en usw. Wenn dazwischen nun plötzlich neuerstanden ein Wil- helmsha„f"en auftauchte, nun das sah so „neureich" aus, würden wir heute sagen. So dachten jedenfalls auch die zukünftigen Wilhelmsha,,f"ener, als sie unter Führung ihres Bürgermeisters eine Eingabe einreichten, in der sie um eine Aenderung des „f" in ein „v" baten. Offenbar bestanden keine Bedenken dagegen. Die Bitte wurde genehmigt. Die Freude der Wilhelms- ha„v"ener steigerte sich jedoch zur Hellen Begeisterung, als sie erfuhren, daß König Wilhelm persönlich die Stadturkunde dem Bürgermeister überreichen würde. Der große Tag kam heran. Die Stadt prangte in festlichem Schmuck, Magistrat und Bürgerschaft waren versammelt. Nach einer kurzen Ansprache übergibt König Wilhelm unter brausenden Hochrufen die Urkunde. Der Bürgermeister schickt sich an, seinen Dank auszusprechen, da fällt fein Blick auf den Stadtnamen. Entsetzen malt sich auf seinen Zügen, groß und deutlich steht dort W i l h e l m s h a „f" en!! Seine wvhlvvrberei- tete Rede bleibt ihm im Munde stecken: „Majestät", stammelt er verwirrt, „aber da steht ja doch Wil- helmsha„f"en mit „f" geschrieben!" Totenstille ringsum, nur um den Mund des Monarchen zieht ein Lächeln, als er sich mit einem Blick von dem verhängnisvollen Versehen überzeugt hat: „Nim, mein lieber Bürgermeister", erwidert er, „ich werde dafür Sorge tragen, daß die Urkunde entsprechend geändert wird. Im übrigen hoffe ich doch — und hierbei verstärkt sich das Lächeln um seinen Muntz — „daß ich den Namen wenigstens richtig ausge* sprachen hatzet" | • R. Klingt es nicht unvorstellbar, daß es in Berlin Menschen gibt, die sich und eine ganze Familie durch den Fang von Wasserflöhen ernähren? Im Südoften der Stadt wohnt ein Mann, der sich diesen Beruf ausgewählt hat. Er hat das Talent, Wasferflöhe zu fangen, geerbt, denn schon fein Großvater ging ebenso wie der Vater mit recht gutem Erfolg auf die Flohjagd. Seine Kunden sind die großen zoologischen Geschäfte Berlins, seine Lie- Oranten die flohreichen Gewässer und Teiche der Umgegend Berlins, die er mit seinem Motorrad besucht. Wenn er Glück hat, bringt er es manch- mal auf 80 bis 100 Liter lebende Flöhe am Tag- dann hat er feine Freude — und die Fische auch! „Für ein Pfund getrocknete Flöhe gibt es im Durchschnitt eine halbe Mark", erzählt er und hofft auf ein recht gutes Flohjahr. Champignons, die im Keller wachsen .. In dem Keller eines alten Gebäudes am Sene- selderplatz im Norden Berlins befindet sich eine (£ h am p i g n o n z ü ch t e r e t. Ein durchdringender Geruch empfangt den Besucher beim Betreten der aus mehreren Raumen bestehenden weitläufigen Gewölbe. Große Mengen von Pferdemist lagern in einem besonderen Raum. „Er muß hier ruhen, bis er die Temperatur von 20 Grad Celsius erreidjt hat", erzählt der Unternehmer. Dieser Wärmegrad ist von allergrößter Bedeutung. Drei Wochen lang wird das empfindliche Material immer wieder umgefchichtet, um dadurch feine 23er- brennung zu verhüten. Dann wird der Pferdedung wohlerhitzt in andere Räume gebracht und hier zu fpargelbeetähnlichen Reihen ge- schichtet. Sie sind dazu bestimmt, junge Champignon- , ber Züchter aus wissenschaftlichen Jn- IniK-in sich aufzunehmen. Wenn alle Vorbedingungen erfüllt sind, hat die Brut nach vier Wochen ihre vielfädigen Wurzeln nach allen Rich- rungen durch die Beete geästelt und verädert. Dann erst wird das ganze mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt. ' vierzehn Tage später", berichtet der fleißige Züchter, zeigen sich die ersten weißen Köpfchen an der Oberfläche. Sie müssen bann schnellstens geerntet werden, denn der Champignon wird schon nach kurzer Zeit fruchtbar, fetzt sich einen großen Meißen Hut auf und streut seinen Blütenstaub über Die Beete. Dann ist er nicht mehr zu genießen." Man erntet die fleischigen Pilze, indem man sie geschickt mit einem Ruck aus der Erde herausdreht. Oer Mann, der 30000 Tätowierungen entfernte selbst die Bilder zu entfernen. Da erfand ich plötzlich eine Lösung, die innerhalb kurzer Zeit das ganze Hautstück mit der Zeichnung schmerzlos entfernt und für die schnelle Bildung einer neuen Haut sorgt." Taubenfutter gefällig? Jeder kennt die berühmten Abbildungen vom Markusplatz in Venedig, wo sich der Fremde, von unzähligen Tauben umgeben, fotographieren lassen kann. Die 'Berliner hätten es eigentlich gar nicht nötig, sehnsüchtig auf die photographierte Taubenpracht zu blicken. Wer einmal am Nachmittag den Platz am Lustgarten überquert, wird feststellen können, daß die Reichshauptstadt über ein ebenso liebliches Taubenparadies verfügt. Zwischen all den zierlichen Vögeln steht Taubenmaxe, der einzige konzessionierte Taubenfütterer Berlins! Er hat sich unter freiem Himmel ein Geschäft mit Taubenfutter aufgemacht! Das Inventar seines Freiluftladens besteht aus einer alten leder- Die beiden Herren wurden für ihre langjährige stets opferbereite Arbeit im Dienste des deutschen Sportes mit schön gerahmten künstlerisch ausgeführten Diplomen bedacht. In seinen weiteren Ausführungen hob Herr Henkel die bei der Spielvereinigung 1900 stets verantwortungsbewußt gepflegte Jugendarbeit hervor. Mit den besten Wünschen für die weitere Arbeit des Vereins und mit dem alten Ruf des Fuhballfportes, mit dem dreifachen „Hipp-Hipp-Hurra" schloß er seine Worte. Herr B e l l o f überbrachte die Glückwünsche des VfB.-Reichsbahn Gießen und gab dem besonderen Wunsche Ausdruck, daß sich die Beziehungen zwischen den beiden Vereinen so gestalten möchten, daß es ium Besten der von beiden Vereinen gepflegten ßeibesübungen fei.. Für den Sportverein Wetzlar sprach der alte Fuhballkämpe Schindler, der mit feinen kurzen Worten schöne Erinnerungen wachrief. Herr Lang sprach für den Schwimm» verein Gießen und wies auf die starken De. n- düngen zwischen den beiden Vereinen hin. Er erinnerte Daran, daß der Schwimmverein aus den Reihen der Mitglieder der Spielvereinigung 1900 heroorgegangen sei. Der Gießener Ruderklub „Hassia" ließ durch Herrn K. Müller ebenfalls herzliche Glückwünsche übermitteln. In der Reihe der Gratulanten fehlte auch der Offenbacher Sportverein 1899 nicht. Ferner waren zahlreiche Glückwünsche schriftlich eingegangen. Ehrungen. Mit einen Höhepunkt der Iubiläumsveranstal- tung bedeutete die Ehrung zahlreicher langjähriger Mitglieder des Vereins. Drei alte Mitglieder und zwar Ludwig K ö h l i n g e r, Karl Müller und das langjährige Vorstandsmitglied Adolf M ü n • k e r wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Mit dem goldenen umrahmten Derrinsabzeichen und einem entsprechenden Diplom wurden für ihre 2 5 • und mehrjährige Mitgliedschaft 27 Herren bedacht. Es sind dies folgende Mitglieder: Louis Althoff, Heinrich Clarius, Fritz Bieler, Karl Demuth, Albert Bötz, Ernst Bötz, Karl Enders, Hans Happel, Ludwig Hof, Walter Jung, Ludwig Köhlinger, Frltz Kehr (Alsfeld), Karl Keiner, Wilhelm Kraushaar, August ßöbermann, Friedrich Müller, Karl Müller, Wilhelm Plank, Karl Sack, Ernst Schmidt, Gustav Schmidt, Willy Schwan, Ernst Seyferth, Gottlieb Spörhafe, Louis Vogt und Theo Weber. Für 15- und mehrjährige Mitgliedschaft würben mit silberner Ehrennadel und dem Diplom 23 Mitglieder geehrt. Es sind dies: Fritz Althoff, Hans Birkenstock, Willy Beil, Friedrich Bötz, Hermann Elges, Josef Enders, Willy Glitsch, In ihrem Vereinslokal „Zur Stadt Wetzlar" beging am vergangenen Samstag die Spielvereinigung 1900 das Jubiläum ihres 35jährigen Bestehens mit einem sehr gut besuchten Kommers. Neben den Mitgliedern war die Stadtverwaltung Gießen durch Bürgermeister Dr. Hamm vertreten, für die NSDAP, nahm Kreispropagandaleiter Pg. Schmelz teil. Verschiedene Vereine, die sich der Spieloereinigung 1900 freundschaftlich verbunden fühlen, hatten ebenfalls Vertreter entsandt. Nach einem einleitenden Musikstück hieß der Vereinsführer Hohmann die zahlreichen Gäste und die Mitglieder herzlich willkommen. In einer kurzen Ansprache führte er u. a. folgendes aus: 35 Jahre Spieloereinigung 1900 bedeuteten 35 Jahre Arbeit an der körperlichen Ertüchtigung und an der charakterlichen Willensbil- düng der Jugend. Es habe gegolten, viele Klippen zu umschiffen, bis der Verein aus feinen Anfangsgründen bis zum heutigen Stande entwickelt worden sei und ein starker Stamm werden konnte. Das Vermächtnis, das die Alten den Jungen in die Hand gaben, fei geachtet und erfüllt und werde stets neu erfüllt werden. Die hohe Mission, die der Spielver- einigung dem Vaterlands gegenüber aufgegeben fei, werde getreulichst erfüllt. Dies um so mehr, als heute im Reiche Adolf Hitlers, der den Wert des Sportes so klar erkannt habe und im Reichsbund für ßeibesübungen eine Zusammenfassung aller ßeibesübungen treibenden Verbände besitze, nichts für uns selbst, sondern alles für das Vaterland geschehe. Es fei auch klar erkannt, daß ein Volk, das nur aus Intellektuellen bestehen wolle, nicht existieren könne, sondern unbedingt der körperlichen Ertüchtigung bedürfe. Neben der Stählung des Körpers werde der Spielvereinigung aber auch die Pflege der Kameradschaft gefördert. 1900er fein bedeute Sportmann und Kamerad sein! Mit den besten Wünschen für den Verlauf des Abends schloß der Vereinsführer feine sehr beifällig aufgenommene Ansvrache. Als Vertreter der Stadtverwaltung Gießen sprach sodann Bürgermeister Or. Hamm, Nichts als Blumen, wohin ich blickte. Sie quollen in allen Düften und Farben aus der Erde. Sie füllten mir Äug' und Herz. Es waren alles jene treuen, einfältigen Bauernblumen aus Urgroh- mutters Zeiten, aus den Zeiten des Volksliedes unb noch früher. Von den meisten wußte ich, wie sie hiezuland genannt wurden: Gretel im Busch, Liebstöckel und Prangrose, sagte ich zu ihnen, Himmel- schwertel, Baldersheil und Reiterskapp. Und sie nickten mir zu, als wären wir gute Bekannte. Und ich strich hier mit der Hand über eine vermorschte Holztafel, zupfte dort einen windverzerrten Perlkranz wieder zurecht. Ich versuchte jetzt, ob ich wohl den einen ober andern Bauernnamen, so einen groben, knorrigen, aus Moos und Flechten herausstudieren könnte, und dann freute ich mich über die bunte, sttlle Sonnenuhr, über das schilpende, zeternde Spatzenvolk, das droben auf dem Kapellendach fein unverwüstliches Wesen trieb und fort und fort zu den Drettelfenstern der Glockenstube aus und ein stob. Und ganz zuletzt, ich wollte schon meines Weges gehen, kam ich unversehens vor eine alte, schon etwas verwitterte Marmortafel. Auf der Morgenseite war sie in die Kapellenmauer gefügt. Dom zähen Efeu war der gelbliche Stein zur Hälfte überfponnen, aber die Schrift lag noch ziemlich frei. Ulrike Zoschlin, las ich. Und weiter, daß die hier Verewigte die hoch- und ehrengeachtete Ehe- Üebfte eines weiland gräflichen Vogts gewesen. Nicht lange nach dem bösen Schwedenkrieg hatte man sie in die Erde gelassen. Ich hätte es auch , .. . _. ohne die Jahreszahl gewußt. Ich sah es an den, den Taler und kauf dir em neues wunderfeiyen Schriftsormen. bi» mal dottmais lhat »in Zweier Soldat mit angesehen, eilt verstohlen 3n der Nähe des Alexanderplatzes wohnt ein fin» biger Berliner, der sich feinen Lebensunterhalt dadurch verdient, daß er feinen Mitmenschen die Haut abzieht und dadurch die mehr oder weniger schönen Bilder von ihren Körpern entfernt, lieber 3 0 0 0 0 „Patienten" hat er in feiner 2Ojäh- rigen Praxis von bunten Tätowierungen befreit. Vorwiegend waren es wohl Schiffersleute und Matrosen, die zu seiner Kundschaft zählten. Dieser Mann besitzt nebenbei noch das eigenartigste Buch Berlins. Zwischen festen Papierseiten sind zahlreiche Stücke menschlicher Körper- Haut in dieses Album eingebunden, auf denen heute noch die farbigen Körpergemälde deutlich erkennbar sind. Man sollte es fast nicht für möglich halten, was sich seine internationale Kundschaft alles einst auf den Leib malen ließ. Landschaftsbilder wechseln mit luftigen Karikaturen und Por- trätzeichnungen ab. „Und wie tarnen Sie zu diesem außergewöhnlichen Beruf?" fragt man den Haut- künstler. „In Amerika habe ich mir in meiner Jugend selbst den ganzen Oberkörper tätowieren lassen." Als er dann in Deutschland sich einem neuem Beruf zuwenden wollte, wäre er wohl gern aus feiner Haut gefahren. „Ich probierte alle möglichen Präparate aus", erzählt er, „um mir mü1 Richard Gümbel, Ernst Hanauer, Wilhelm Haupt, Max Heitmann, Theo Hopfenmüller, Ludwig Kling- ler, Emil Knecht, Georg Langsdorf, Friedrich Müller, Georg Otto, Josef Paulus, Karl Rohn, Heinrich Rohrbach, Hans Sonntag, Heinrich Zutt und Wilhelm Hohmann. Der Vereinsführer beschloß die Ehrung mit dem Wunsche, daß die Mitglieder auch fernerhin dem Verein die Treue halten möchten und alle ihre Kraft für ihn einzusetzen. Nachdem noch verschiedene Lieder gemeinsam gesungen worden waren, fand der offizielle Teil der Jubiläumsveranstaltung seinen Abschluß. In kameradschaftlicher Unterhaltung blieb man noch geraume Zeit beisammen. 1900-,Ritters" Offenbach 0:1 (0:0). Das Hauptereignis des 35. Jubeltages der Spielvereinigung 1900 war das Erscheinen der Offenbacher Kickers. Etwa 1000 Zuschauer waren gekommen, um zu sehen, auf Grund wessen die Kickers in letzter Zeit die hervorragenden Ergebnisse erzielt hatten. Den Beweis haben uns die Leute vom Biederer Berg nicht ganz geliefert. Wohl war ihr Spiel reifer, abgestimmter und flüssiger als das der Blauweißen. Verschiedene Spielabschnitte zeigten uns auch, daß die Kickers etwas vom Freistellen, in Stellung laufen und genauer Ballabgabe verstehen. Restlos ist ihnen dies jedoch nicht geglückt. Dies dürfte wohl in erster Linie darauf zurückzuführen fein auf die heroische Abwehrarbeit der Hintermannschaft der Blauweihen. Schade, daß ausgerechnet Zeiler durch eine zu weiche Kopfabwehr den Gästen Gelegenheit zu dem entscheidenden Tref- ser gab. Nach einem Aufmarsch von Aktiven und Jugendlichen sämtlicher Abteilungen, der die sportliche Tätigkeit der Spielvereiniguna 1900 der Öffentlichkeit gegenüber beweisen sollte, stellten sich unter Leitung des Schiedsrichters Krug (Friedberg) folgende Mannschaften auf: Offenbach: Eigenbrod; Kühnle, Preiß; Abt, Müller, Nees; Keck, Kaiser, Fehrenbach, Seither, Grebe. 1900: Schmidt; Zeiler, Lippert; Hammer, Heilmann, Mank; Wilhelmi, Langsdorf, Koch, Schmelz, Henkelmann. Der Spielverlauf: Der Offenbacher Anstoß kommt sofort oors Tor, Lippert klärt jedoch mit weitem Abschlag. Der erste Angriff 1900*5 in der dritten Minute war eine große Chance, aber Koch verschießt. Die Angriffe der Kickers werden häufiger, aber die Hintermannschaft der Blauweißen kann verschiedentlich erfolgreich klären. Eine Flanke Henkelmanns holt sich Eigenbrod aus der Luft. Einen Offenbacher Angriff unterbindet Heilmann durch Handspiel. Die Kickers sind nun ziemlich feldüberlegen, Zeiler und Lippert jedoch kämpfen verbissen und stemmen sich den Angriffen der Offenbacher mit Macht entgegen. Der Sturm der Blauweißen kann sich zu einer geschlossenen Aktion nicht zusammenfinden. Verschiedene Vorlagen der Halbstürmer sind zu ungenau. Sie landen meist beim Gegner. In der 20. Minute meistert Schmidt einen gefährlichen Strafstoß Müllers. Eine schöne Kombination Schmelz-Henkelmann zerstört Kühnle. Eine Flanke Grebes schießt Keck längs am Tor vorbei. Im Gegenangriff verschießt Koch eine Flanke Henkelmanns durch allzu großes Phlegma. Die von Hammer verursachte zweite Ecke klatscht Schmidt ab und Zeiler vollendet die Abwehr, lieber» Haupt muß Schmidt jetzt verschiedentlich eingreifen. Ein Schnitzer Zeilers geht glimpflich vorüber. Eine feine Täuschung Kochs stellt auch Eigenbrod auf eine harte Probe. Eine Flanke Henkelmanns gef)t bis zu Wilhelmi. Anstatt nach innen zu geben, schießt er aus sehr ungünstigem Winkel, verschiedene Offenbacher Angriffe verschießen Keck. Kaiser und Seither. Die zweite Ecke für 1900 tritt Henkelmann hinters Tor. . Nach der Halbzeit ist das Spiel vorerst ziemlich ausgeglichen. Verschiedene Angriffe 1900 finden aber Eigenbrod auf dem Posten. Eine Flanke Wilhelmis holt er sich aus der Luft. Bei einem Offenbacher Angriff steht plötzlich Kaiser frei oorrn Tor. Alles bangt, ober in der Hitze des Gefechts verpaßt er die günstige Gelegenheit. Offenbach drückt nun erheblich. Nichts will jedoch gelingen. Einen Strafstoß Müllers von 20 Meter fybt Schmidt über die Latte. Die fünfte Ecke Offenbachs nimmt Kaiser aus der Luft. Scharf sauft der Ball in die rechte obere Ecke, aber Schmidt klärt durch Fausten. In der 36. Minute naht das Verhängnis. Eine Flanke Kecks wehrt Zeiler zu weich ab. Der Ball kommt zu dem auf der Lauer stehenden Grebe. Dieser nimmt ihn aus der Luft und halbhoch saust das Ding für Schmidt unhaltbar ins Netz. Angespornt durch diesen Erfolg drücken die Kickers nunmehr stark. Verschiedentlich kommt auch 1900 nochmal auf, aber die Angriffe sind zu durchsichtig. Auf der anderen Seite verschießen Keck, Kaiser und Seither mehrmals. Kritik der Mannschaften. Bei Offenbach waren Müller, Preiß und Kühnle die Besten. Eine Beurteilung Eigenbrods ist schwer. Die wenigen Bälle erledigte er sehr sicher. Abt und Nees leisteten in der Abwehr und im Aufbau Befriedigendes. Der Sturm enttäuschte uns. Keck, Kaiser und Grebe zeigten wohl verschiedentlich was sie können, aber befriedigen konnten sie nicht ganz. Bei 1900 ist die aufopfernde Arbeit der Hintermannschaft besonders zu loben. Schmidt im Tor war ohne Tadel. Zeiler und Lippert übertrafen sich selbst. Aber auch die Läuferreihe verrichtete eine immense Arbeit. Heilmann gelang es z. B., den Offenbacher Jnnensturm mitunter kalt zu stellen. Hammer und Mank waren für ihre Flügel schwer zu nehmende Hindernisse. Der Sturm, das Schmerzenskind, konnte nicht recht überzeugen. 1900 H — Garbenlelch I 3:1. 1900 Alte Herren — vfv. 05 Kurhesien Marburg Alte Herren 4:2. Endlich ist es den alten Knaben gelungen, wieder einmal einen Sieg zu erringen. 1900 Schüler — Vfv. Marburg Schüler 3:1. Die kleinsten Blauweißen bestätigten durch den Sieg ihre derzeit gute Form. 1900 1. Jugend — vfv. Marburg 1. Jugend 2:4. Hier ist noch nicht die richtige Aufstellung durch Aktivwerden verschiedener Jugendlichen gefunden. 4t irtschast. Ankauf von Industriegerste beim Erzeuger. Fwd. Der Vorsitzende des Getreidewirtschafts- oerbandes Hessen und Nassau gibt folgendes bekannt: Nach der Anordnung Nr. 7 der HV. der deutschen Getreidewirtschaft, Berlin, vom 16. Juli 1935 haben die Betriebe (Händler, Genossenschaften, Brauereien und Mälzereien), die im Getreidewirtschaftsjahr 1934/35 unmittelbar von Erzeugern ae- kauften Mengen unverzüglich dem für sie zuständigen Getreidewirtschaftsverband zu melden. Diese Betriebe brauchen die Genehmigung zum Ankauf von Jndustriegerste vom Erzeuger im Wirtschaftsjahr 1935/36 erst dann zu beantragen, nachdem sie 60 v. H. der im Wirtschaftsjahr 1934/35 angetauften Mengen gekauft haben. Die Abschlüsse, die im Rahmen der von vornherein zu Jndustriezwecken freigegebenen 60 v. H. erfolgen, sind dem zuständi- gen Getreidewirtschaftsverband zu melden. Ich bestimme hiermit folgendes: 1. Die Meldung über die in 1934/35 von Erzeugern gekauften Mengen hat, soweit noch nicht geschehen ist, bis zum 5. September 1935 an mich zu erfolgen. Nachprüfung bleibt vorbehalten. 2. Es sind mir monatlich bis spätestens zum 5. des folgenden Monats die Verkäufe von Jndustriegerste, die unmittelbar von Erzeugern gekauft ist, mit folgenden Angaben zu melden: Tag des Verkaufs, Name und Wohnort des Käufers, Menge, Arttkel (ob Industrie- oder Braugerste), Preis, Frachtgrundlage und Lieferzeit. Die erste Meldung für die Zeit vom 15. Juli 1935 bis 31. August 1935 hat also bis zum 5. September 1935 zu erfolgen. 3. Die Betriebe müssen, sobald sie die generell freigegebenen 60 v. H. erreicht haben, den Getreidewirtschaftsverband Hessen und Nasiau hiervon unterrichten und bann wegen Freigabe weiterer Mengen Einzelanttäge unter Verwendung des Dorgefdjnebenen Antragsformulars, das bei dem Getreidewirtschaftsverband erhältlich ist, unter gleichzeitiger Ueberfenbung eines ordnungsgemäß gezogenen Durchschnittsmusters bei mir stellen. Das Gleiche gilt für die Betriebe, die im vorigen Wirt- schaftsjayr Jndustriegerste nicht unmittelbar von Erzeugern gekauft haben. Der Getreidewirtschaftsverband erhebt für die Freigabe auch im Rahmen der 60 v. H. eine Gebühr von 1 Mark pro Tonne. Die Ueberweisung hat gleichzeittg mit der Meldung unter entsprechender Angabe auf das Postscheckkonto Frankfurt a. M. 10 187 zu erfolgen. • • Die Reichskennziffer für b i e L e - benshaltungskosten im August stellt sich für ben Durchschnitt des Monats August auf 124,5 (1913/14 = 100); sie ist somit um 0,2 v. H. höher Am R e n t e n m a r k t war bas Geschäft eben, falls klein. Etwas fester eröffneten Attbesitzanleche mit 11145 (111,25) unb späte Reichsschulbduch. forberungen mit 96,90 (96,75). Zinsoerautungs. scheine lagen mit 90,70 mweränbert, ebenso Kornrnu- nal-Umschulbung. Bon 3nbuftrie-DbIigationen gingen 6 v. H. Hoesch auf 102,50 (102,75) ^urud. Im Verlaufe blieb bas Geschäft zwar sehr klein, bie Kurse vermochten sich meist leicht zu befestigen. IG. Farben erhöhten sich auf 156 75 bis 157 (156,50), auch sonst betrugen bie Erhöhungen etwa 0,25 bis 0,50. Etwas nicbrtger lagen Hoesch mit 97,50 nach 97,75. Die erst spater notierten Werte wiesen nur unwesentliche 23eranberungen auf. Am Rentenmarkt erfuhren die variablen Werte kaum Veränderungen, Altbesitzanleihe waren allerdings nur knapp gehalten. Gold Pfandbriefe und Kommunal-Obligationen blieben behauptet, Liqin- dationspfandbriefe zogen meist 0,13 bis 0,25 v. J). an. Stadtanleihen lagen wenig wandert, etwas niedriger Mainzer mit 92,25 (92,50). Don Staatsanleihen ermäßigten sich 5,50 v. H. Vounganleihe auf 102,75 (103,13). Von fremden Werten zogen Ungarn-Gold auf 9,75 (9,65) an. 3,50 v. H. Schwei- zer Bundesbahn ließen auf 175 (176,25) nach, 4 v. H. blieben mit 189,50 unverändert. Arn Geldmarkt war Tagesgeld zum Ultimo noch gesucht, der Satz erhöhte sich auf 3,50 (3,25) v. H. Frankfurter Schtachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 2. Sept» (Dorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 1006 Rinder (185 Ochsen, 120 Bullen, 364 Kühe, 337 Färsen), 555 Kälber, 37 Schafe, 1325 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 33 bis 42 Mark, Bullen 34 bis 42, Kühe 20 bis 42, Färsen (Kalbinnen) 33 bis 42, Kälber 44 bis 70, Hümmel 37 bis 41, Schweine 50 bis 54 Mark. — Marktverlauf: Rinder lebhaft, Kälber rege, Hämmel und Schafe mtt- telmähig, Schweine sehr flott. als im Vormonat (124,3). Die Kennziffer für (Ernährung hat um 0,2 v. H. auf 123,2, die Kennziffer für Heizung unb Beleuchtung um 0,3 v. H. auf 125,0, die Kennziffer für Bekleidung um 0,2 v. H. auf 118,0 angezogen. Die Kennziffer für Wohnung ist mit 121,2 ganz und die Kennziffer für „Verschiedenes" mit 140,8 nahezu unverändert geblieben. Die Erhöhung der Kennziffer für Er- nährung hängt hauptsächlich mit einem Ansteigen der Preise für Eier, Fleisch unb Fleischwaren zu- ammen. Die Preise für Gemüse unb für Kartoffeln finb zurückgegangen. In ber Gruppe Heizung unb Beleuchtung wirkte sich bie Verringerung von Sommerpreisabschlägen für Hausbranbkohle aus. Rhein-Mainische Börse. Ruhig. Frankfurt a. M., 31. August. Die Börse lag am Ultimo außerorbentlich ruhig. Infolge bes Auftragsmangels aus ber Kunbfchaft bauerte bie starke Zurückhaltung ber letzten Tage fort, zumal auch sonstige Anregungen fehlten. Die (Stimmung war nicht unfreunblich, bie Kursgestaltung am A k t i en • markt war unregelmäßig, wobei aber nach beiden Seiten nur geringe Abweichungen eintraten. Verschiedentlich wurden noch kleine Abgaben vorgenommen, die indes auf ermäßigter Basis aufgenommen wurden. IG.-Farben eröffneten mit 156,50 (156,75) wenig verändert. Don Elektroaktien kamen Licht und Kraft, Gesfürel und RWE. unverändert, Siemens 1 v. H. höher zur Notiz. Montanwerte brüt» ketten zumeist leicht ab, so Harpener, Hoesch, Buderus und Stahlverein bis zu 0,50 v. H., Klöckner unb Rheinstahl zogen um Bruchteile eines Prozentes an. Fest lagen Deutsche Linoleum mit 163,50 (162,25), ferner Reichsbank mit 184,65 (183,75) unb Holzmann mit 97,40 (96,50). Schiffahrtsaktien fetzten gut behauptet ein, während Daimler-Motoren um 0,75 o. H. auf 100 nachlieben. Hauptversammlung der Baugenossenschaft 4894 Gießen. Die Baugenossenschaft 1894 eGrnbH. in Gießen hielt am Samstag ihre satzungsgemäß einberufene ordentliche Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende des Auffichtsrates, Amtmann Martin, begrüßte die Mitglieder, sowie ben Vertreter ber Deutschen Arbeitsfront, Herrn Horst. Dor Ein- ttitt in bie Tagesorbnung würbe ber Versammlung zur Kenntnis gegeben, bah ber seitherige Vorsitzende bes Vorstanbes, Justizinspektor Allen- Dörfer, mit Rücksicht auf feine Gesunbheit sein Amt niebergelegt hat; ebenfalls aus gesunbheit- lichen unb beruflichen Grünben hat bas Borftanbs- mitglieb Emil Dietz fein Amt bem Auffichtsrat zur Verfügung gestellt. Den ausgeschiebenen Herren sprach Herr Martin im Namen ber Gesamtverwaltung ben Dank für bie langjährige uneigen- nützige Mitarbeit aus. Zum Dorsitzenben bes Vorstanbes ist Herr Heinrich S ch n e i b e r bestellt worben, ber ben Jahresbericht für 1934 erstattete. In biefem Bericht behandelte Herr Schneider den Zweck ber gemeinnützigen Baugenossenschaften unb führte ir a. aus, baß biese keine Wohlfahrtseinrichtungen seien, sondern wirtschaftliche Gebilde, die ihren Zweck unter Beachtung der Gesetze der Wirtschaftlichkeit erfüllen müssen. Die vaugenosienschafien. so sagte der Redner weiter, waren und sind in schwersten Zeilen die Träger des gemeinnützigen Wohnungsbaues, die der Förderung auf sittlichem, geistigem oder materiellem Gebiete dienen. Der Begriff von Gemeinnützigkeit und Gemeinschaft ist untrennbar unb ihr Wirken ist stets auf tcttwer- benbe Volksgemeinschaft gerichtet. Dem Bericht ist weiter zu entnehmen, baß bie Verwaltung bie 1933 begonnene unb 1934 fortgesetzte Reorganisationsarbeit ooöftänbig burchgeführt habe unb ber weiteren Aufbauarbeit, trotz bes ominösen Bücherschwundes, nach menschlichem Ermessen keine Hindernisse mehr im Wege stehen dürften. Das gegen ben früheren Rechner Wölfer eingeleitete Strafverfahren ist auf Grunb bes Straffreiheitsgesetzes eingestellt worben. Im Jahre 1934 würben von ber Genossenschaft einschließlich Reichszuschüsse runb 24 000 Mark für Jnstanbsetzungen ausgegeben. Der Rebner weist darauf hin, daß im laufenden Jahre allerdings nicht so hohe Ausgaben hierfür gemacht werden können, da durch die Erstellung des Neubaues ber finanziellen Beweglichkeit ber Genossenschaft Grenzen gesetzt finb. Herr Schneider richtete an bie Mieter bie Bitte, aus ben Ausführungen bie Größe des Geschaffenen zu erkennen und Beachtung zu schenken. Zum Schlüsse ermahnte der Redner alle, ob Mieter ober ibeell Derbunbene, zum gegenseitigen Verständnis, unb baraus entfpringeub zum Derstänbnis zu ben Maßnahmen der Verwaltung. Nur dadurch könne ber Gebaute der Zusammengehörigkeit unb ber untrennbaren Gemeinschaft zur Tat werben. . ' . Die Jahresrechnung für 1934 würbe von dem 1. Rechner, Herrn Hahn, vorgetragen. hieraus ergibt sich, daß die Gewinn- und Der- lustrechnung in Einnahmen und Ausgaben mit 181974,07 Mark abfchließt und im Geschäftsjahr ein Reingewinn von 14 662,47 Mark erzielt werden konnte. Die Abschreibungen im Geschäftsjahr wurden mit 39 925,75 Mark oorgenommen. Der Wert ber Genossenschaftsgrunbstücke beziffert sich aus 2 171357,14 Mark, die Belastung derselben betragt am Schlüsse des Berichtsjahres 1891 181,22 Mark. Das Reinvermögen der Genossenschaft beläuft sich am 31. Dezember 1934 auf 329 623,46 Mark. Der Mitaliederstanb betrug am Ende des Geschäftsjahres 726 Mitglieder mit 966 Anteil en. Nach der Bekanntgabe der Revisionsberichte, die bekunden, daß bie Vermögenslage ber Genossenschaft gesunb, der Haushalt in Drbnung ist unb der Tätigkeit ber Gesamtverwaltung Anerkennung zollt, gab Herr Martin ben Bericht bes Auffichtsrates, bem zu entnehmen war, baß bie Geschäftsführung laufend überprüft wurde und sich keinerlei JBean* ftanbungen ergeben haben. Herr Martin würdigte die Arbeiten des Vorstandes, der über viele Schmie- rigtdtten hinweg die Verwaltung in geordnete Bahnen gelenkt hat. Nach der anschließenden Aussprache erfolgte bie einstimmige Annahme ber Berichte durch bie Versammlung. Die Verteilung bes Reingewinnes würbe durch die Generalversammlung nach den von der Verwaltung eingebrachten Vorschlägen einstimmig ge-. nehmigt. Die Dividende ist somit auch für 1934 auf 4 v. H. festgesetzt worden Nachdem im vorigen Jahre dem alten Vorstand für die Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1933 durch Mehrheitsbeschluß die Entlastung verweigert wurde, genehmigte die diesjährige Generalversammlung die Entlastung, mit Ausnahme des Herrn Wölfer. Für das Geschäftsjahr 1934 wurde dem Vorstand einstimmige Entlastung erteilt. Nachdem die Anträge der Verwaltung über die Höhe der aufzunehmenden Anleihen, sowie über Satzungsänderungen von ber Versammlung genehmigt waren, würben Alb. Schuck und Otto L a u n s p a ch neu in ben Aufsichtsrat gewählt. Für den turnusmäßig ausgeschiebenen Dipl.-Jng. Cron- j a e g e r erfolgte einstimmige Wieberwahl. Nachdem die Protokollnieberschrift Genehmigung gefunden hatte, wurde die Versammlung mit einem Sieg-Heil! auf unseren Führer und mit bem Gesang des ersten Verses bes Horst-Wessel-Liebes geschlossen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a.TL Berlin Schluß- für« Schlußk. Abend» dürfe Schluß- für« Schlußk. mittag» dürfe Datum 30.8. 31.8 30-8 31.8 6% Deutsche ReichSanlethe v. 1927 100,75 101 101,13 101,13 *% Deutfche Reichen!, von 19M 97,65 98 97,9 97,75 6y,% Boung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 103,13 102,75 102,5 — Auslos.-Rechlen ............. 4*/.% Deutsche Retchspostschatzan. 111,25 111,25 111,25 111,25 Weisungen von 1934, 1....... 100,4 100,25 100,3 100,3 6% ehemL% Hess. Volksstaat 192» (rückzahlb. 102%) .......... 97,65 97,65 - 4K% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 96,75 96,65 96,75 — - 6H% ehem. Heft. Landcs-Hypo- thekenbank Darmstadt Liaui ... 4H% ehem. 8% Darms«. Komm. 100,75 100,75 — — Landesb.Goldschuldverschr. R.K Oberheften Provinz-Anleih« mit 93 93 — Auslos.-Rechten ............. 128,75 — - Deutsche komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 4K% ehem.8% Franks. Hhp.-Bank 115,3 115 115 115 Goldpfe. 15 unkündbar bi« 1935 96,75 96,75 —■ ehem. *y,% Franks. Hyp^ Bank-Liqu.-Pfandbriese....... 100,75 100,9 ehem. % ehem. 8% Pr. LandcSpfand- vriesanstalt, Pfandbriese R. 19 100,9 100,9 100,75 100,75 97 97 97 97 4y»% ehem. 7% Pr.LandeSpfand- briefanst., Gold Komm. C6LVI 97 97 97 97 Eteuergutsch Verrechnung«!. 85-89 107,4 100,4 107,4 107,4 4% Oesterreichische Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Sllberrente 4% Ungarische Goldrente ....... 29 29 _ — — — 1,6 9,65 9,4 9,75 9,4 9,75 9,55 9,75 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 9,6 4*4% desgl. von 1918.......... 9,5 9,5 11,25 9,65 9,6 6% abgest. Goldmexikaner von 99 11,25 ®aflC’abbat,n'$lnIe$e —» Frankfurt *-> * V! v; ~ on schöner Disziplin iDeruen irremr>urigen geze-g: ■ Wh Die Mädchen bei ihrer luftigen wer nicht kämpfen will auf dieser Welt eines ewigen Ringens, der verdient feine Daseinsberechtigung. Und das müssen wir auch in unseren Reihen. Rach dem 30. Januar sind viele zu uns gekommen, viele aber auch, die nicht zu uns paßten, find wieder gegangen. Und das ist weiter nicht schlimm. Vorher waren wir nur eine geringe Gruppe, die ein felsenfester einsatzbereiter Kampfgeist beseelte. Und ein Geist wie der damalige muß auch heute wieder in unseren Reihen herrschen, damit wir den Aufgaben gewachsen sind, die uns gestellt sind. Wir wollen Mädels sein, ganze Kerle an Leib und Seele, wir wollen unser ganzes Leben einstellen auf die Arbeit in unserem Bund, wir wollen das Werk des Führers weiterführen mit all unserer Kraft nur für Deutschland und seine leuchtenden Fahnen. _ Am Nachmittag liegt herrlichster Sonnenschein über dem Universitäts-Sportplatz. Die Kapelle der Arbeitsdienstgruppe 222 unter Leitung von Mufik- zugführer Knaf sorgt mit schneidigen Marschen für die Unterhaltung der zahlreichen Zuschauer während der Pausen. In flottem Marschschritt erfolgt dann zur angegebenen Zeit der Einmarsch sämtlicher Formationen des Untergaues 116, und nach der exakten Aufstellung bietet die schwarz- weiße Sportkleidung vor dem grünen Wald des Hintergrundes ein anmutiges Bild. Nach einem Fanfarenmarsch des Gießener Jungvolks folgt em gemeinsam gesungenes Lied. Alsdann wird folgender Fahnenspruch Dorgetragen: Wir wollen stets in stiller Ehrfurcht stehn An allen Fahnen, die der Freiheit wehn, Vor allen Menschen, die gerecht und gut, vor jeder Mutter und vor jedem Mut! Und alle, die zur Ehrfurcht sich bekennen, Wollen wir Bruder unseres Blutes nennen; Doch den, der diese tiefe Treue schmäht, Vekämvien wir. — Der Kampf ist uns Gebet! llaviers, das natürlich auch von Mädels gespielt wird, drehen sich die Tanzenden in ihren bunten Kleidern und geben so ein malerisch schönes Bild ab. Sodann ergreift die stellvertretende Obergauführenn Elise Daab das Wort: Der heutige Sporttag ist beendet. In 17 Städten unseres Obergaues waren heute die Mädels angetreten um Rechenschaft darüber abzulegen, was sie auf dem für sie eigenem Gebiet des Sports geleistet Sport ist ein wesentlicher Bestandteil unserer weltanschaulichen Schulung, bedeutet die durch ihn bedingte körperliche Beherrschung die Grundlage unserer inneren Haltung, Erziehung zur Gemeinschaft und gleichzeitig Dienst am Volke. Es geht nicht darum, das Können des Einzelnen in den Vordergrund zu rücken, sondern nur um den Dienst der Gesamtheit gegenüber, um die Grundlage innerer Haltung nach außen hin als Zeichen der Disziplin, die das Gesicht geben soll für eine kommende Generation. Körperertüchtigung, Pflicht und Dienst am Volke, ein gesunder Geist in einem gesunden Körper, das sind die Dinge, die uns zu gesunden Mädels werden lassen und die unser Ziel sind. Und wer hier nicht kann mit uns laufen, der mag sich verschnaufen, bis an den jüngsten Tag. Die Untergauführerin 116 nimmt sodann die Siegerverkündung vor und verteilt die Siegerpreise in Gestalt von Medizin- und Handbällen, Speeren und Bogen zum Pfeilschießen. Die Fahnen werden während dem „Lied der Jugend" niedergeholt. Die einzelnen Gruppen rücken .mit Gesang und dem Gefühl innerer Befriedigung über den wohlgelungenen Tag in ihre Standorte lab. Der BDM. erfreut viele Zuschauer mit schönen Volkstänzen. n Ergebnisse des Mannschastskampfes. 1. Gruppe 3/116, Gießen - Mitte 409 Punkte 2. 2/116, Gießen - Nord 379 ■■ 3. 18/116, Heuchelheim 367 H 4. 4/116, Gießen - Oft 364 M 5. 15/116, Leihgestern 334 6. 1/116, Gießen-Süd 325 t> 7. 9/116, Grünberg 321 II 8. 5/116, Lollar 301 II 9. II 17/116, Klein - Linden 297 II 10. Gruppe 13/116, Hungen 294 Punkte 11. „ 7/116, Allendorf/Lumda 269 „ 12. „ 14/116, Watzenborn-Stbg. 249 „ 13. „ 12/116, Lich 202 „ „ 16/116, Großen - Linden 202 „ 14. „ 10/116, Reiskirchen 200 „ Sfafetfenlauf der 3ungmäbel (321L): 1. Gruppe 4/116, Gießen-Ost; 2. Gruppe 1/116, Gießen-Süd; 3. Gruppe 2/116, Gießen-Nord. Aus her Provinzialhauptstadt. Oie Bekämpfung der Landflucht! Der Rhythmus der Arbeit in deutschen Landen ist in den letzten zwei Jahren ein anderer geworden. Nicht nur in der Stadt, nicht nur in der Industrie ist diese Wandlung festzustellen, sondern ebensosehr auf dem Lande. Da marschieren singende Kolonnen, straff gegliedert und ausgerichtet zur Arbeit, und wenn man, ganz gleich in welcher deutschen Landschaft, fragt, zu welchem Dienst diese jungen Menschen ziehen — dann hört man immer nur eins: Arbeitsdienst oder Landdienst? Arbeitsdienst — da weiß ein jede gleich Bescheid, aber Landdienst. Ob sich wohl alle der besonderen Bedeutung dieser freiwilligen Dienstleistung bewußt sind? Landdienst! Ein Wort, das mehr an deutschem Schicksal in sich trägt, als mancher wohl glauben mag. Landdienstler! Das sind die ersten und vordersten Stoßtrupps jener Front, die dem Grundübel der Landflucht schärfsten Kampf angesagt hat. Während langer Jahrzehnte waren die deutschen Menschen vom Lande geflohen, während langer Jahrzehnte war die Stadt mit ihren bequemeren Arbeitsmöglichkeiten die große Sehnsucht gewesen. So war denn im Laufe weniger Jahrzehnte das deutsche Volk von einem überwiegenden Bauernoolk zu einem Volk der Stadtmenschen geworden Die gesunde Grundlage einer bäuerlichen Wirtschaft war zugunsten der Industrie und des Handels vernachlässigt, ja man kann fast sagen, vernichtet worden. Und dann war dieser Aufstieg der städtischen Lebenshaltung eines Tages zerrüttet. Mit der Krise der Weltwirtschaft kam der Zusammenbruch eines Großteils der städtischen Berufe. Die Arbeitslosigkeit stieg; Hunger und Not waren ständige Gäste des deutschen Volkes geworden. Gegen diese Not marschieren nun die jungen Kameraden des Landdienstes. Kampf der Landflucht — das ist der Feldruf. Heraus aus der Stadt, die nicht allen Arbeit geben kann, und heraus auf das Land, das heute schon dringend nach geeigneten Arbeitskräften sucht. Je größer der Einsatz des Bauerntums in der Erzeugungsschlacht wird, desto größer wird auch der Bedarf an Arbeitskräften. Der Aufruf an die deutsche Jugend ist nicht umsonst ergangen. 160 000 Landhelfer und Landhelferinnen find im letzten Sommer und 60 000 bis 70 000 auch im Winter in der Landwirtschaft während eines jeden Monats tätig gewesen. Aber man begnügt sich nicht mit diesem einen Erfolg. Durch den Arbeitsplatzaustausch können weiter mehrere zehntausend junge Arbeitskräfte der Landwirtschaft zugeführt werden. 110 000 Arbeitsplätze sind bisher ausgetauscht worden, und der weitaus größte Teil der freiwerdenden Jungmannschaft ist zur Dienstleistung in die Landwirtschaft übergegangen. Die Zuwanderung ländlicher Volksgenossen in die Städte mit noch verhältnismäßig hoher Arbeitslosenziffer wird mit gesetzlichen Bestimmungen unterbunden. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat sogar das Recht, in bestehende Arbeitsverhältnisse einzugreifen, um der Landwirtschaft kundige und erfahrene Arbeitskräfte zuzuführen. Die verantwortlichen Leiter all dieser Maßnahmen sind sich darüber klar, daß damit der eigentliche Grund der Landflucht noch nicht beseitigt ist. Diesen zu beseitigen, bedarf es einer gründlichen und umfassenden Vorarbeit. Zunächst muß die Bedeutung des Bauernlebens jedem Volksgenossen vor Augen geführt werden. Erzieherische Maßnahmen sind notwendig, um die Stadtmenschen wieder mit der Natur in Verbindung zu bringen. Dann muß dafür gesorgt werden, daß auch auf dem Lande eine Form des geselligen Zusammenlebens erreicht wird, welche die besonderen Unterhaltungen der Stadt für bäuerliche Menschen unnötig macht. Das Volk muß den Willen zum Bauerntum wiederbekommen dann wird auch der Landflucht bald ein Ende bereitet werden können! Deutsche Arbeitsfront. Ortsgruppe Gießen-Süd. Am Mittwoch, 4. September, findet eine Amtswalterbesprechung abends 8.30 Uhr in der Gastwirtschaft „Zum Graf Zeppelin", Wilhelm- straße, statt. Es ist Pflicht eines jeden Amtswalters (Zellen-, Block- und Betriebsgemeinfchaftswalter), pünktlich zu erscheinen. Wegen der Wichtigkeit der Besprechung bitten wir, sich für diesen Abend freizuhalten. Heil Hitler! gez. Schmidt, Ortsgruppenwalter^ NSLB. Fachschaft Volksschule, tadt. Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Deutsch am Mittwoch, 4. September, 16 Uhr pünktlich, im Lehrerzimmer der Schillerschule („Die Feier"). Beamte besuchen die Ausstellung Mein-Mainische Wirtschaft. Eine Aufforderung der Hessischen Landesregierung. An alle unterstellten Behörden, Gemeinden, Gemeindeverbände und Körperschaften öffentlichen Rechtes richtete die Landesregierung eine Aufforderung, in der es u. a. heißt: Weit über die Grenzen unseres Heimatgebietes hinaus hat die Ausstellung „Die Rhein- Mainische Wirtschaft" das Aufsehen aller Kreise erregt. In jedem Volksgenossen oertieft der Besuch der Ausstellung das Wissen um die Dinge seiner Heimat und erweckt in ihm das Verständnis Die stellvertretende Gausührerin spricht zur Siegerverkündigung. — (Aufnahmen [4]: Photo-Pfaff.) 8- E 'S # .M Ä : Das Infanterie regiment Gießen im Manövergelände. Vom 3. bis 10. September hält das Infanterie- Regiment Gießen zwischen Magdeburg und Braunschweig seine Herbstübungen ab. Herbstubungen! Manöver! Welchem alten Soldaten werden bei diesen Worten nicht Erinnerungen wach? Lange Märsche — drückendes Gepäck — Sonnenglut mid durchfrorene Regennächte, dann aber auch die Erinnerung an ein nie ausgesprochenes, nie zugegebenes Grauen beim Vorgehen durch die Morgendämmerung — hinein in das Ungewisse — oder auch an die feierliche Stunde am Biwakfeuer, an die Klänge des großen Zapfenstreiches. Richt zuletzt denkt man an die ausgelassene Stimmung des älteren Jahrganges, der am letzten Manovertag mit dem „Löffel" auch die Anstrengungen und Entbehrungen der Dienstzeit begrub — und dann an die guten Quartiere — die schönen Mädchen und die frohen Manöverbälle. Nachdem der Führer dem deutschen Volte die allgemeine Wehrpflicht wiedergegeben hat, werden in diesem Jahre zum erstenmal wieder junge Sol- baten nach dem Manöver entlassen. Und doch haben sich die Gedanken des jungen Soldaten gegen die Vorkriegszeit etwas gewandelt. In die Freude über die überstandenen Anstrengungen des Kasernenhofes, des Uebungsplatzes und des Manövers mischt sich ein Gefühl der Wehmut und die Erinnerung an die schrecklichen Zeiten der Arbeitslosigkeit. In der Nacht vom 2. zum 9. September bricht das Regiment im Lager des Truppenübungsplatzes Winzerfest in Gießen. Rheinische Stimmung — Rheinischer Sang mitten in einem schön angelegten Winzerdorf, wer sollte da nicht für einige Stunden alle Sorgen des Alltags vergessen. „Nur am Rhein, da möcht ich leben", „Ein rheinisches Mädchen, beim rheinischen Wein" und „Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein" — das war die Stimmung des Samstagabend, vermischt mit fröhlicher Laune und köstlichem Humor. Niemand hätte geglaubt, daß auch das diesjährige von der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltete Winzerfest eine solche Anziehungskraft ausüben würde. Noch selten war der Besuch einer Veranstaltung in Gießen so stark, wie am Samstagabend. Gegen 21 Uhr war kein Plätzchen mehr freu Trotzdem war der Zustrom auch weiterhin so stark, daß die Volkshalle gegen 22 Uhr wegen Ueberfül- lung vorübergehend geschlossen werden mußte. Beim Eintritt in die Volkshalle bietet sich dem Besucher ein farbenprächtiges Bild. Die Volks- Halle ist nicht wiederzuerkennen. Karl Löffler, vom Gießener Stadttheater, hat mit seinen Mitarbeitern den Saal in ein prachtvoll hergerichtetes Winzerdorf umgewandelt. Die aufgestellten bunten Häuschen, grünen Umzäunungen und Landschaften vermitteln an sich schon rheinische Stimmung. Dazu kommt die machtvolle Dekoration. An Tannengrün wurde dabei nicht gespart. Girlanden und Erntekränze mit bunten Schleifen geben dem Fest ein besonderes Gepräge. An den Säulen sind für das Winzerfest zugeschnittene Bilder mit humoristischen Sprü- chen angebracht, die von Rud. Sarg gezeichnet sind. In der Mitte des Saales befindet sich ein mit Tannengrün und bunten Bändern geschmückter Musikpavillon, zu beiden Seiten desselben sind zwei grün eingezäunte Tanzböden eingerichtet. Auch eine kleine Redner- und Vortragsbühne fehlt nicht. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung ist für die Ortspolizei ein besonderes Haus errichtet worden. Der Dienst des beleibten Polizeidieners besteht nur im Ausschellen „öffentlicher Bekanntmachungen". Altengrabow auf und marschiert bis vor die Tore von Magdeburg. Bei Netlitz und Königsborn wird Biwak bezogen. Die Ruhe ist nur kurz. Um Mitternacht werden die Zelte abgebrochen, die Elbe wird überschritten und über Magdeburg geht es weiter in Richtung auf Braunschweig. Nun beginnen die Uebungen. In Trupp — Gruppe — Zug — Kompanie und Bataillon hat der junge Soldat schon ost geübt. Jetzt soll er dies im Rahmen des Regiments tun. Bis zum letzten Schützen muß der Wille der Führung in kurzer Zeit durchdringen und dort eine Unzahl von Tätigkeiten auslösen. Außerdem soll der Soldat sich auch im unbekannten Gelände und im größeren Verbände in Angriff und Abwehr üben. Nach den Uebungen geht es ins Quartier in und um Helmstedt. 10 Kilometer südostwärts von Helmstedt liegt Sommereschenburg, der Sitz der Grasen Gneisenau. Hier ruhen die sterblichen Ueberrefte des Feldmarschall Grafen Neithardt von Gneifenau, des großen Soldaten, ber an dem Abschütteln des Franzosenjoches vor über 100 Jahren wohl militärisch das größte Verdienst trägt. Am Grabe Gneisenaus wird das Offizierskorps des I. R. Gießen einen Kranz niederlegen und des großen Soldaten gedenken. Am 11. September 1935 wird das Regiment nach beendetem Manöver von Braunschweig aus mit der Bahn in die Garnison transportiert werden. Am Saaleingana links befindet sich die Weinschänke „3um deutschen Eck", auf der rechten Seite in der Mitte mahnt ein Schild „Rolandseck" zur Einnahme einer weiteren Erfrischung. Auch „Auerbachs Keller" (rechts von der Bühne) stattet man gern einen Besuch ab. Stark wird oie links von der Bühne eingerichtete „Bauernschänke" in Anspruch genommen. Auf der Galerie kann man zunächst bei der „blonden Kathrein" einkehren und den Weisen der in der Nähe befindlichen Stimmungskapelle lauschen, die zum Tanz aufspielt. Auch auf der linken Seite der Galerie entdeckt man eine weitere Ausschankstätte „Zum Rolandsbogen". Etwas müde von dem Umherwandern kehrt man schließlich in „Alt-Heidelberg" ein. Dor der gemütlich eingerichteten Weinstube ist eine schön angelegte Weinlaube hergerichtet, die, mit Weinranken verziert, den Gästen an- genehmen Aufenthalt bietet. In der Weinstube selbst sorgt eine Stimmungskapelle für die nötige Unterhaltung. Dann wird man auch wieder in den Saal zurückkchren, wo seit Beginn der Veranstaltung ber Musikzug der Standarte 116 unter Leitung von Musikzugführer Herrmann konzertiert. Die einzelnen Darbietungen sind begreiflicherweise ganz auf rheinische Musik eingestellt und tragen dem Charakter des Abends Rechnung. Kein Wunder, daß schon kurz nach Beginn der Veranstaltung eine echt rheinische Stimmung herrschte. Als das Rheinlieder- Potpourri „Rheinischer Sang" erklang, sang alles mit, die Begeisterung stieg von Lied zu Lied, um schließlich in einer urgemütlichen Stimmung aus- zuklingen. Bei allen Darbietungen der Kapelle war das Publikum sehr beifallsfreudig und machte auch von der Tanzgelegenheit weitgehend Gebrauch. Viel Heiterkeit erregte auch der von anderen Veranstaltungen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" bekannte Polizeidiener, wenn er trotz starker Heiserkeit etwas „ortsüblich" bekanntmachen wollte. Mit der (Stimmung stieg auch der Weinumsatz, zumal der Stoff durchweg als „süfftg" bezeichnet wurde. Je mehr der Zeiger vorrückte, desto bewegter wurde es im Winzerdorf. für die Leistungen seiner Mitbürger. In diesem Geist muß ber Angriff auf die Zahl der letzten einhunderttausend Erwerbslosen unseres Gaues gelingen. , .... Bon jedem Beamten erwarte ich daher in erster Linie, daß er diese einzigartige Gelegenheit benutzt, um sich über den Rahmen der alltäglichen Berufsarbeit hinaus einen umfassenden Einblick in die Leistungskraft der rhein-mainischen Wirtschaft zu verschaffen. Mit besserem Verständnis wird er bann wieder an die Dinge seines Berufes herantreten und zum Wohle unserer engeren Heimat und des gesamten Volkes seine Kraft einsetzen können. Den Behördenvorständen mache ich zur Pflicht, durch geeignete Maßnahmen den ihnen unterstellten Beamten den Besuch der Ausstellung zu ermöglichen. Ihrer Initiative muß es gelingen, z. B. durch gemeinschaftliche Hin- und Rückfahrt in Omnibussen oder auf ähnliche Weise die nun einmal unumgänglichen Kosten des Besuches auf ein Mindestmaß herabzusetzen. Ich bin damit einverstanden, daß den teilnehmenden Beamten einer Dienststelle an dem betreffenden Tag unter Wahrnehmung der dienstlichen Notwendigkeiten bereits ab 12 Uhr Urlaub gewahrt wird. Gestellungsbefehl abwarten! wichtig für die Gemusterten des Jahres 1914. Mehrfach ist bekannt geworden, daß Angehörige des Jahrganges 1914, die gemustert, für tauglich befunden und für eine bestimmte Waffengattung vorgesehen sind, ihre Zioilstellung bereits aufgegeben haben, oder daß für sie besonders in Familienbetrie. den, wo Söhne im elterlichen Unternehmen mit- arbeiten, bereits Ersatzkräfte angenommen worden sind. Es kann nur geraten werden, mit solchen Maß- nahmen noch zu warten, wenn tunlich bis der Gestellungsbefehl eingeht. Zugleich sei darauf hmgewie- fen, daß die Zahl der freiwilligen Meldungen so groß ist, daß mit der Einstellung von nur einem Teil der Gemusterten des Jahrganges 1914 gerechnet werden kann. Reichsverband für das Blindenhandwerk. DNB. Durch gemeinsame Anordnung des Reichsund Preußischen Arbeitsministers und des Reichsund Preußischen Wirtschaftsministers vom 26. August 1935 ist im Rahmen der Reichsgruppe Handwerk ein Reichsverband für das Blindenhandwerk errichtet worden. Dem Reichsoerband, der die rechtliche Stellung eines Reichsinnungsverbandes hat, müssen die blinden Handwerker angehören. Ferner müssen dem Reichsoerband die in die Handwerksrolle eingetragenen Gewerbetreibenden, sowie alle Einrichtungen und Unternehmungen beitreten, die überwiegend blinde Handwerker beschäftigen und ihre Waren als Blindenwaren vertreiben. Aufgabe des Reichsverbandes ist es, das deutsche Blindenhandwerk zu för- dern und die blinden Handwerker, die sich im freien Wettbewerb allein nicht behaupten können, durch geeignete arbeitsfürsorgerische Maßnahmen zu betreuen. Insbesondere erteilt der Reichsverband seinen Mitgliedern das Blindenwarenzeichen (zwei stilisierte Hände, die sich den Strahlen der Sonne entgegenstrecken) zur Kenntlichmachung als Blindenware. Mit der Anbringung des Blindenwarenzeichens an der Ware muß der Inhaber die Gewähr dafür übernehmen, daß es sich um handwerklich her- gestellte Mindenware handelt. Mit diesem Blindenwarenzeichen dürfen von Blinden handwerklich hergestellte Besen- und Bürstenwaren und Korbwaren, Seilerwaren sowie weibliche Hand- und Strickarbeiten, Flechtarbeiten jeder Art versehen werden. Luftschutz aus dem Lande. LPD. Mancher Bauer wird vielleicht noch nicht recht daran glauben wollen, daß auch das flache Land im Ernstfälle durch Lustangriffe gefährdet fein wird. Doch im Kriegsfall wird Der Angreifende immer das Bestreben haben, außer dem Heer und der Kriegsindustrie die Ernährungsgrundlage des Volkes an der Wurzel zu treffen. Hierzu wird er die Luftwaffe einsetzen, die bei einer im zivilen Luftschutz nicht geschulten Landbevölkerung großen Schaden anrichten kann. Und zwar ist als eine der Hauptangriffswaffen auf dem Lande die Brandbombe anzusehen, die infolge ihres verhältnismäßig geringen Gewichts in großen Mengen mitgeführt werden kann. Der Reichsluftschutzbund wird deshalb nach der Erntezeit seine bereits begonnene Ausbildungsarbeit im „Luftschutz auf dem Lande" in verstärktem Maße fortsetzen. In den vorgesehenen Luftschutzlehrgängen werden die Notwendigkeiten der Anlage von Feuerlöschteichen sowie alle Maßnahmen zum Schutze der Gebäude, der (Betreibe- und Futtervorräte sowie des toten und lebenden Inventars besprochen. Die Aufstellung und Ausbildung von Luftschutzgemeinschaften, die aus mehreren Gehöften gebildet werden, wird angestrebt. Gleich wichtig ist die Schulung in einfachen Ber- gungsarbetten und In der ersten HilfekeistunL Es leuchtet ohne weiteres ein, daß diese Ausbiv dungsarbeit auch im Frieden der Schadenverhutung dient. Das gilt nicht nur für die Ausbildung der Landbevölkerung im Brandschutz (in jedem Jahr fallen etwa 400 Millionen Reichsmark Volksvermögen dem Roten Hahn zum Opfer), sondern ebenso für die Schulung in der ersten Hilfeleistung. Auch sie ist in Friedenszeiten von großem Nutzen, denn gar oft gibt es bei den ländlichen Arbeiten Um glücksfälle und Verletzungen. Starkes Angebot an Bohnen. Günstige Einkoussmögtichkeil für die haussra». Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit, Zur Zeit fallen auf dem Lande und lm Gmtenbait große Mengen von Bohnen an, die ihrer Verwertung zugeführt werden müssen. Für die 5) aus fr au ergibt sich hier eine günstige Einkaufsmoglichkeit zur Eindeckung ihrer Wintervorräte. Zweckmäßig werden die Bohnen abgezogen und über Nacht in Wasser stehen gelassen, am nächsten Tage gewaschen, geschnitten und gesalzen. Auf 10 Pfund Bohnen rechnet man gewöhnlich ein Pfund Salz und jS nach Geschmack Vk Pfund Zucker. Die Bohnen Als Lustschuhhauswart kann dle deutsche Iran dem Vaterlande 1 und der Zamilie dienen! müssen gut eingedrückt werden, damit keine ßufh räume im Topf bzw. Faß entstehen und der Säue, rungsprozeß ungestört vonstatten geht. Es sollt- deshalb keine Hausfrau versäumen, von dem der« zeitigen günstigen Angebot geschmacklich hervor« ragender Bohnen Gebrauch zu machen. Je mehr sich unsere Hausfrauen auf die einheimische Ge« museerzeugung einstellen und bereits im Sommer und Herbst an die Sicherstellung des Winterbedarfs denken, um so günstiger gestaltet sich unsere Ernährungslage. Im Interesse unserer Devisenwirtschaft kann ein noch viel stärkerer Teil des Gemüsebedarfs aus einheimischem Boden gedeckt werden. Niemand sage, daß wir aus dem Ausland Gemüse abnehmen müssen, um selbst ausführen zu können. Denn wir benötigen wichtigere Rohstoffe, die unbedingt ein* geführt werden müßen, als gerade ©emüfeartei^ die im Inland in genügender Menge erzeugt wer« den können. privatielegramme an Lustreisende. Dom 1. September an sind Privattelegramme aX Empfänger auf deutschen Flugzeugen 3ugeIaffeiL Die Telegramme werden nach der Auflieferung bet den Telegrammannahmeftellen der Deutschen Reichspost Der für das Empfangsflugzeug in Betracht kommenden Bodenfunkstelle zugeführt, und zwar über die der Aufgabenanstalt nächstgelegens Flugfernmedestelle eines deutschen Flughafens. Die Bodenfunkstelle übermittelt das Telegramm an das Flugzeug. Es find nur Telegramme in offener Sprache mit höchstens 15 Wörtern zugelassen. Die Anschrift muß den Namen des Empfängers, die Bezeichnung der Flugstrecke und den Namen der Flugfernmeldestelle enthalten, die bei der Telegrammannahmestelle zu erfahren ist. Diese Leitstells erhält den Zusatz „Aeradio"; z. B. Müller, Berlin- Köln, Hannover Aeradio. Die Wortgebühr setzt sich zusammen aus der Telegraphengebühr (15 Rpf.), der Landgebühr (30 Rpf.) und der Bordgebühr (15 Rpf.). Bei dringenden Telegrammen wird nur die Telegraphengebühr verdoppelt. 69. Ausstellung und Zuchtviehversteigerung in Wehlar. Der Reichsverband der Rinderzüchter Deutschlands, Abteilung 5 — Mitteldeutsches Rotvieh — veranstaltet am Freitag, 6. September, 11 Uhr, in Wetzlar (Neue Markthalle) dis 69. Ausstellung und Zuchtviehversteigerung für mitteldeutsches rotes Höhenvieh. Aufgettieben werden 60 Bullen und Rinder über 12 Monate alt mit Leistungsnachweis aus den Zuchten der Unterab* teilungen Oberhessen, Kurhessen, Odenwald, Westfalen, Usingen und Lahn-Dill. Gleichzeitig findet ein Zuchtschweineverkauf des Landesvev- Der Bauer und feine Flur. Von Werner Lenz. Der Begriff Flur ist auch dem Städter bekannt, der sich feiertags so gern in „Feld und Flur" tummelt. Bei der Dreifelderwirtschaft mit ihrer Wechselfolge von Brache, Winterkorn und Sommerkorn spricht man von „drei Flure n". Da die einzelnen Aecker grundätzlich rechteckig geschnitten waren, so hat sich der Begriff „F l u r" auch im Hause, nämlich für den meist länglich-viereckigen Serbin* dungsgang zwischen den Zimmern eingebürgert. Die „© e m e i n b e f I u r" enthält nach vorherrschendem Sprachgebrauch die gesamten Liegenschaften der bäuerlichen Gemeinde. Sie zerfällt in die „G e - ö a n n f l u r", deren Fruchtfolge mancherorts durch festen „Flurzwang" bestimmt wurde. „Gewanne^ sind die eingangs erwähnten rechtwinkligen Feldabschnitte der „Gemarkung" oder „Dorfmark". Das Wort „Gewanne" kommt vom althochdeutschen „giwinnan" her, bedeutet also dasjenige Ackerland, das der einzelne Dorfgenosse bei der Verteilung der Dorfflur für seine Bearbeitung gewinnt. Er gewinnt es durch das „L o s", althochdeutsch „hloz", das ist der ihm zufallende Anteil am Gemeindeland. Die Verteilung wurde peinlich genau, gerecht und gleichwertig vorgenommen. Der Begriff „Gewanne" umfaßt das „Brachland" und die „Z e l ch e", „Zelge", „Zelche" ist das bestellte Ackerland. Für Brachland sagt man niederdeutsch auch „Le ho e", das ist zur Zeit nicht bestelltes Land, das aber schon unter Kultur gestanden hat. Zur Flur der „Markgenossen"-Marken sind die Grenzen des Gesamtbesitzes — gehört sodann die „Allmende", mittelhochdeutsch „almanbe"; bas bebeutet schlichthin „Allgemeinheit". Zunächst versteht man darunter Den Teil der Gemeindeflur, der als Wald und Weide gemeinsam benutzt wird. Ist die Gewanneinteilung heute zumeist vom persönlichen Eigentum, vom erblichen Hofbesitz ober vom Pachtrechte abgelöst, so besteht gleichwohl der All- menbebegriff noch mancherorts, zumal in Süd- deutschlanb. Er ist somit ein Rest bes liegenschast- liehen Gemeinschaftseigentums der Dorf- und Mark- genoffen. Der Eigenbesitz eines Bauern, aber auch das gesamte ihm zufallende „Los" mit allen Rechten und Pflichten wurde schon frühzeitig mit „Hufe" althochdeutsch ,huoba" bezeichnet. Ein „Hüfner" ober „Hübner" ist also letzten Endes der „Hofbesitzer". Das Wort J)of" hat sich.daraus entwickelt, bedeutet aber ursprünglich mehr, als man meist darunter versteht. Erst das „Erbhofgesetz" hat das Verdienst, uns den Begriff Hof in feiner alten Bedeutung, d. h. also das landwirtschaftlich genutzte Eigentum mit seinen Rechten und Lasten, ja selbst mit einem Teil seiner Fahrnis, dem Hofzubehör, wieder nahegebracht zu haben. Auch ber wieber aufgenommene Begriff „Acker- Nahrung" dieses Grundgesetzes der Bauernreform ist urgermanisch. Die Hufen, die Höfe nämlich wurden bei ihrer Vergebung an den Dorfgenossen ehedem nach dem DÜrchschnittsbedarfe einer Bauernfamilie errechnet und abgesteckt. So umfaßte ein Hof — also Ackerland einschließlich Hofstätte — ursprünglich soviel Land, wie ein Bauer mit Hilfe ber Seinen, mit einem Pfluge und mit einem Gespann bewirtschaften kann und ihnen die „Ackernahrung" sichert. Ist die Hufe somit das Gesamtackermaß des Besitzers einschließlich seiner sonstigen kommunalsozialen Bindungen, also Weiberecht auf ber Allmende, Schutzpflicht bei Feuersnot und sonstiger Gefahr, so steht sie rein räumlich in einem festen Begriffsverhältnis zu den kleinen Teilmassen, die man „M orgen , „I o ch", „Tagesmahd" oder „M a n n e s m a h d" nennt, je nach dem was durchschnittlich an einem Tage mit der Hand gesät ober geschnitten ober mit einem Joch Ochsen umgepflügt werben kann. Je nach ben örtlichen Verhältnissen — Lage, Schwere, Güte bes Bobens unb besonders nach Dem Wirtschaftscharakter des betreffenden Gaues — sind die Hufen größer oder kleiner gewesen. In Pommern nannte man beispielsweise vor Hunderten von Jahren „Heyn-Hufen" solche Höfe, Die 60 Morgen groß waren. Schlichthin „Land- Hufen" nannte man solche von 30 Morgen. Außerdem gab es „Hacken-Hufen" von 15 Morgen. Mit ber leibigen Erbzersplitterung, die heute bas Erbhofrecht erfolgreich bekämpft, entstauben Dann überall „Halbhufen", „Diertelhufen" usw. Eine „Rotthufe" umfaßt bis zu 160 Morgen — wenn auch wohl selten — unb zwar eine durch Rodung gewonnene Hufe auf ,Königsland", hieß also auch „Königshufe". Da bei ber Gewannverteilung bie einzelnen Aecker „im Gemenge", also verstreut, lagen, bemühten sich bie Vorkämpfer von Bauernreformen stets, bie ^Flurstreifei/ des einzelnen Dorfgenossen durch Austausch zusammenzulegen, um die Bewirtschaftung zu erleichtern: doch ist auch heute noch oft die uralte Gewannteilung erkennbar. Der alte ßlefontenjäger. Wenn man den alten Kwesi Kunsu fragt, was er für einen Beruf habe, so sagt er stolz: „Ich hin Elefantenjäger!" In der Tat hat dieser wackere Krieger, Der heute friedlich in einem Aschanti-Dors im Herzen des Schwarzen Erdteils wohnt, schon von Kindesbeinen an viele schwierige Jagdabenteuer mit den Kolossen des Urwaldes bestanden. Wenn man feinen Erzählungen folgt — und man darf ihnen sicher Glauben schenken —, so kann man sich errechnen, daß Kwesi Kunsu im Verlaus seines Lebens ungefähr zwanzig Elefanten, zwei Löwen und mehr als achthundert Büffel erlegt hat. Man muß Dabei bedenken, wie spärlich die Jagdausrüstung dieses Eingeborenen bei seinen Beutezügen gewesen ist. Die Flinte, die er kaum aus den Händen legte, war die einzige Waffe, mit der er den ßrnchen Gegnern zu Leibe rückte. Als Kwesi ,n ein kleiner Knabe war, gab ihm fein Großvater zwei Ratschläge für feinen Beruf mit auf den Weg. „Vergiß nie, daß Der Elefant zwar nicht weit sieht, aber einen scharfen Geruchssinn hat", sagte er, „und Dann schieße immer in feine Achselhöhle, Da du so seinem Herzen am nächsten kommst." Diese Ratschläge hat Kwesi Kunsu Denn auch befolgt, was ihn allerdings nicht davor bewahrte, daß er fehl traf und fein Heil m der Flucht suchen mußte. Er erlerne es, wie fein eigener Bruder vor feinen Augen von einem Elefanten zu Tode gemalmt wurde, und er selbst enttarn oft nur mit größter Mühe diesem schrecklichen Tod. Ost mußte er viele Tage Den Spuren des Wildes folgen, ehe er zum Angriff übergehen konnte, und mancher feiner Beutezüge hat sich nicht gelohnt. Uebrigens jagte Kwesi Kunsu immer im Auftrage Des Häuptlings feines Stammes, und jeder Elefant, den er erlegte, gehörte Omanhene. Allerdings erhielt er immer einen Anteil an Der Beute, und er war zufrieden, wenn er ein wenig Geld, ein Schaf, ein Gewarck oder etwas Schießpulver als Lohn für feine wochenlange Mühe erhielt. Heute ist Kwesi Kunfu geradezu ein wohlhavenber Mann; er hat eine kleine Hütte, ein oder zwei farbige Kleider und eine Alarmglocke, bie nicht mehr ganz in Ordnung ist. Dafür aber genießt er bei seinem Stamm als erfahrener Elefantenjäger ein großes Ansehen, und wenn er bes Abends beim Lagerfeuer von seinen Abenteuern berichtet, bann will jeder ihm zur Seite sitzen, um keines feiner Worte zu überhören. Kwesi Kunsu hat sich übrigens zum Christentum bekehrt. Wenn man ihn fragt* was sich Lxümrch in seinem Leben geändert habe, so antwortet et bereitwillig: „Früher muhte ich fünf Frauen haben und hatte meinen Merger mit ihnen. Nun habe ich eine Frau, unb es ist friedlich um mich. Es herrsch Frieden in meinem Haus und es ist Friede in meinem Herzen. Und manchmal bin ick so froh» daß ich vor Freude zu fingen anfange/ Als ihn kürzlich ein Europäer in seiner Hütte aufsuchte und sich ein „Interview" mit ihm erbat, zeigte er viel Verständnis für die Fragen Des weißen Mannes» Aber als dieser ihm als Dank zum Abschied seine Photographie schenkte, wußte er nichts Rechtes Damit anzufangen. Er betrachtete sie kopfschüttelnd und konnte nicht herausfinden, daß ber Dargestellte eben Der weihe Mann sei, mit Dem er sich geraume Zeit unterhalten habe. So scharf Das Auge Des alten Elefantenjägers auch auf Dem Beutezug ist^ eine Photographie gibt ihm Rätsel auf, die er in seinem Leben nicht mehr lösen wird. Oer gutmütige Kant. Obwohl Kant bei feinem Tode ein beträchtliches Vermögen hinterließ, das er sich durch die größte Sparsamkeit in seinen späteren Jahren erworben, ging es ihm doch in den Anfängen feiner Lehrtätigkeit recht schlecht, und er war auf die pünktliche Zahlung der Kollegiengelder angewiesen. Ein Student, der sich auch nicht in glänzenden Verhältnissen befand, blieb ihm einmal Das Honorar von 4 Talern für Das Semester schulDig. Als er schließlich in Den Besitz Des Geldes gelangte, eilte er sofort zu seinem Lehrer und bat um Entschuldigung, daß er Das Geld solange nicht habe zahlen können. Aber Kant erwiderte: „Zur Bezahlung meiner Miete fehlt mir gerade noch ein Taler — den will ich von Ihrem Gelbe annehmen. Das übrige aber nehmen Sie für sich: Sie brauchen es noch nötiger als ich." Hochschulnachrichien. Professor Dr. Böhmer an Der Medizinischen Akademie in Düsseldorf ist zum Ordinarius füt gerichtliche und sozial Medizin ernannt worden. Mit dem Ablaist bes Sommerhalbjahres find an Der Universität Breslau folgende ordentlichen Professoren von ihren amtlichen Verpflichtungen entbunden worden: Professor Dr. Friedrich Henks (Pathologie), Professor Dr. Wilhelm Kroll (Klassische Philologie), Professor Dr. Eugen Kühne» mann (Philosophie) und Professor Dr. Karn nagel (Altes Testaments Zu jedem kommt einmal das Glück. Vornan von Ellen Kulm Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 9. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Noch lange lag Monika wach und blickte mit offenen Augen ins Dunkel. Wie viele Eindrücke hatte ihr hier ein einziger Abend geboten! Wie leer war ihr Dasein bisher gewesen! Nun trank sie die berauschende Buntheit des Lebens in sich hinein. Und dieser Herr von Gerling! Das war ja ein fabelhaft interessanter Mann. Er gefiel ihr ausgezeichnet. Was würde Lotte zu dem allen sagen? Aber wie lange war sie Lotte schon einen Brief schuldig! Plötzlich erfaßte sie Lust, jetzt sofort der Freundin zu schreiben. Sie schlüpfte aus dem Bett, warf einen Umhang über; dann knipste sie das Licht an und begann zu schreiben. Meine teuerste Lotte! Bar. lernten in Ich schreibe Dir jetzt, spät in der Nacht, weil ich ja doch noch nicht schlafen kann. Ich erlebe so viel. Ein Tag ist schöner als der andere. Ich will Dir aber nur von dem heutigen Abend erzählen. Zuerst waren wir im Theater, in der Oper „Aida". Du weißt doch, wie ich die Musik liebe. Und jetzt war alles so schön: das Or- chester, die herrlichen Stimmen und das ganze Stuck überhaupt. Und dann waren wir in der "■ 'iier; denn, denke Dir, wir — er überließ Frau ......- , heißt von Gerling und ist fabelhaft interessant. Denke Dir, er hat Jahre in Persien Bahnen gebaut und ist jetzt auf Heimaturlaub. Er sieht so aus wie die Helden in den Romanen. Und wir haben getanzt. Denke Dir, ich habe mich getraut; er führt so gut, es war gar nicht schwer. Und es war herrlich. Ich möchte so gern jeden Tag tanzen. Ich glaube aber, Frau Klinke wird es mir öfter erlauben. Sie ist so gut zu mir, als wäre ich ihre Tochter. Aber gerade das macht mich oft traurig, denn ich denke mir, wie herrlich es sein muß, eine Mutter zu haben. Aber ich will nicht undankbar sein. 34 J)abe auch mit Johnie Klinke getanzt. Seine Mutter hat sich sehr darüber gefreut. Sie sagte, er hat schon lange nicht mehr getanzt. Er studiert doch immer. Du kannst mir glauben, '4Jjabe emen großen Respekt vor ihm. Er spacht mast viel — aber alles, was er sagt, ist so klug. Er versteht viel. Und er muß riesig gelehrt fern. Aber denke Wir waren , unserer Loge einen Hotelgast kennen ließ Frau Klinke seinen Platz —, er bandes Hessen-Nassau der Schwelnezü4ter statt. Auf die Anzeige in unserer Samstagsausgabe sei besonders aufmerksam gema4t. Vornotizen. — Tageskalender für Montag: NSG. »Kraft dur4 Freude": Winzerfest in der Volkshalle. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Besuch am Abend". ♦ ** EinFünfundsiebzigjähriger. Heute Montag, 2. September, begeht der Maurer Wilhelm Steinmüller, Brandgasse 7, in körperli4er und geistiger Fris4e seinen 75. Geburtstag. Herr Stein- muller ist langjähriger treuer Bezieher des Gießener Anzeigers. "Zweiter Familientag der Familie Kling. Man berichtet uns: In no4 größerer Zahl als bei der im März d. I. vorangegangenen erstmaligen Zusammenkunft versammelten fich dieser Tage auf der „Karlsruhe" die Angehörigen der Fa- mllie Kling aus Wieseck und Gießen zu ihrem Familientag. Diese Veranstaltung, die — neben der Erörterung familiengeschichtlich interessanter Fragen — vor allem dazu dienen sollte, die verwandtschaft- lichen Bande innerhalb der einzelnen Familien enger zu knüpfen, nahm in allen Teilen einen recht här- monis4en Verlauf. Von einem in Hamburg wohnenden Familienglied war ein Begrüßungstelegramm eingetroffen, das na4 dem Willkommgruß verlesen wurde. In dem ans4ließenden zwanglosen Beisam- meinsein bei Kaffee und Kuchen erfreute Dr. Kling (Wieseck) alle Teilnehmer mit Mundartvorträgen voll urwü4sigen Humors, während Bäckermeister August Deibel (Gießen), au4 ein Glied dieser Familie, u. a. in anerkennenden Worten den für unser Volk und Vaterland bevölkerungspolitis4en Wert des weitverzweigten Familienkreises würdigte. Bei frohen Liedern und deuts4en Tanzweisen blieben jung und alt lange in angeregter Stimmung zusammen. Den musikalis4en Tell hatte Herr Pianist Hahn (Gießen) übernommen, der für seine Darbietungen dankbaren Beifall fand. Zungmädels werten. Wir Jungen haben die Aufgabe, neue Wege SU suchen, neue Wege zu bahnen und s4liehli4 auch den Mut aufzubringen, sie zu gehen. Wir Jungmädel des Obergaues 13 Hessen-Nassau werben vom 31. August bis 11. September. Mädel, oie den Willen haben, mit uns in einer großen Ge- JneM4aft am Neubau Deutschlands mitzuhelfen. Wie kann man den Jungmädeln den Vorwurf wachen, sie wären no4 viel zu jung! Nein, sie wis- en auch schon mit 10 Jahren, daß es ihre Pfli4t ist, als Jungmädel in der Hitlerjugend in der vordersten Reihe zu stehen, wenn etwas von ihnen gefordert wird, denn unser Führer brau4t au4 die Mitarbeit der Jungmädel. Und darauf sind sie sehr stolz. Jungmädel sind ni4t nur immer lustig und ver- gnugt, sondern sie wissen um ihre Aufgaben und Psli4ten. Sie wollen Menschen werden, die gerade und treu ihren Weg gehen, ohne si4 vor irgend etwas zu drücken. Unser Bundesleben bringt neben vll den Pflichten und Aufgaben des Jungmädels soviel Frohsinn und Vergnügtsein mit. Diese fröh- lidje Arbeit auf Fahrten und in Heimnachmittagen laffen uns zu einer großen Gemeinschaft zusammenwachsen, die mutig vorwärts stürmt. Jungmädel sind keine Kinder, die auf der Ofenbank sitzen und si4 von Mutti spazieren führen lassen. Bei Sport und Spiel härten wir uns draußen in fris4er Luft ab. Wir lassen uns gerne Wind und Wetter um die Ohren pfeifen, und wollen ni4t zimperlich jedem Regentropfen auswei4en. Wir wollen Mädel sein, die kein Hindernis zurücks4reckt. Junamädelleben ist eine Fülle von übersprudelnder Kraft und Fröhlichkeit, von Forderung und Verant- wortli4keit. Kameradin, die du no4 abseits stehst unserer großen Gemeins4aft, warum zögerst du eigentli4 no4? Auch ßu sollst ein Glied in der großen Kette werden, die bereit ist, unserm Führer bei seiner großen Aufbauarbeit zu helfen. Du sollst Gelegenheit haben, während unserer großen Jungmädelaktion unser Jungmädelleben mitzuerleben und di4 dann entj4eiden, ob du Mitarbeiten ober untätig hinter dem Ofen sitzen willst. Immer nur drumherum gehen? — Nein — und tausendmal nein! — Mitten hindurchstürmen? — Ja — und tausendmal ja! Heil Hitler! Erika D e s 4, Jungmädelführerin im Obergau 13. Gin Fest seltener Treue aus dem Aeuhof. Ein Leben voll Arbeit ist Gottesges4enk, Nur dienendes S4affen ist Leben. Und bringt es auch Lasten, verzag ni4t und denk: Zum Segen hat Gott sie gegeben. Die Arbeit muß führen, sie zeigt dir die Bahn, Wird grübelndes Sorgen verni4ten. Nur der hat gelebt, der mit Freuden getan Doll Treue des Tagewerks Pfli4ten. Unter diesem Gedanken stand die gestrige Feier des Hofmeisters He in ri4 Winter, der 65 Jahre ununterbro4en auf dem Neuhof in Dienst gestanden. Verbunden damit war das Arbeitsjubiläum des Karl G r e m m, mit 33 Jahren, des Brennmeisters Franz Sikora mit 23 Jahren, des Johann B o l e w i t f 4 mit 17 Jahren, des Georg S4neidmüller mit 11 Jahren und der Karoline v. Fulde mit 21 Jahren auf demselben Platz. Den Auftakt zum großen Tag bildete der Gottesdienst in Leihgestern, geschlossen von der Be- triebsgefolgsckaft des Neuhofs besucht, im Anschluß an 1. Kor. XV, 10 unter dem Gedanken stehend: ^Berufsauffassung". Zwei Lieder, von Frau P a s ch m a n n vorgetragen, führten das Ganze auf die Höhe. Der eigentliche Festakt, der um 14.30 Uhr auf dem Neuhof begann, wurde nach dem Spiel des Badenweiler Mars4es eröffnet durch Pächter Brückmann, der mit herzlichen Worten der Treue feiner Mitarbeiter gedenkend als ein Zeichen der Dankbarkeit feiner Familie dem Hofmeister Winter eine goldene Uhr und jedem der anderen Jubilare einen Polstersessel überreichte. Zugleich gab er ein Glückwunschschreiben des Führers, das am Morgen des Sonntag für Winter ein- getroffen war, bekannt. Es folgten zwei Lieder, gesungen von den Feldmäd4en: „Ueb immer Treu und Redlichkeit" und „Am Brunnen vor dem Tore", daran anschließend die Rede auf den Führer, gehalten von Pfarrer P a f ch m a n n, mit dem Deutschland- und Horst-Wefsel-Lied. Am besten gefielen wohl die von cand. theol. Heidegger verfaßten Gedichte auf jeden einzelnen Jubilar, die von Wilhelm, Elfe und Anneliese Brückmann meisterhaft oorgetragen wurden. Nach der Fest- ouoertüre von Brahms hielt der Ortspfarrer die Festrede, ebenso sprach der Besitzer des Neuhofs, Oefonomierat Müller, treffliche Worte zu feinem alten Freund Winter und zu denen, die mit ihm geehrt wurden. Ein wundervolles Mundharmonikakonzert von 4 Gespannführern, ein Trio für Dir, er tanzt auch ganz gut. Ich war eigentlich sehr überrascht. Ich hätte nicht gedacht, daß er es kann. Ich glaube ja nicht, baß er sich viel baraus macht. Es war wohl so eine Laune von ihm. Aber eigentlich glaube ich nicht, baß er launisch ist. Morgen vormittag gehe ich mit Herrn Gerling auf ben Obeonsplatz, die Tauben füttern. Es sollen dort fast so viel fein wie in Penedig, und sie sollen auch sehr xat)m sein, wenn sie auch nicht auf die Schultern fliegen wie in Venedig. Das muß sehr schön fein; ich wünschte wohl, daß Johnie Klinke einmal nach Venedig müßte, um dort Kunstwerke zu studieren. Dann käme ich auch hin. In einem Zuge schrieb Monika bas, nieber, so wie ihre Gedanken kamen; bann sah sie auf ihre Uhr und erschrak. Meine liebe Lotte, denke doch, es ist halb drei Uhr in der Nacht, ich muß also schlafen gehen, denn ich will ja früh wieder frisch fein. Ich freue mich jetzt auf jeden neuen Tag und auf morgen besonders. Ich werde Dir bald wieder schreiben, aber laß mich auch von Dir hören. Ich denke viel an Dich und Erich und Annemichen. Ihr seid die einzigen gewesen, die gut zu mir waren. Aber Frau Klinke und ihr Sohn sind auch sehr gut zu mir. Oft denke ich daran, wie ich es ihnen einmal lohnen könnte. Ich wünschte, es käme bald einmal eine Gelegenheit dazu. — Und nun schlaf wohl, liebe Lotte, und bitte, bitte schreibe! Als dieser Brief bei Lotte anlangte, stieß diese einen lauten Jubelruf aus und stürzte dann zu ihrem Manne, der nach beendeter Sprechstunde über seinen Eintragungen und wissenschaftlichen Büchern faß. „Erich, es wird! Paß auf, es wird! — Sie hat schon einen ganzen Abend mit ihm getanzt, und sie findet ihn so wie ben Helden eines Romans. Was sagst bu bazu?" „Vorläufig sage ich gar nichts, Lottchen! Ich weiß ja nicht einaml, von wem bu sprichst!" „O Gott, bist bu schwerfällig! Von wem anberen denn als von Monika! Don unserer Monika, unb natürlich von biesem Herrn von Gerling! Ich bin jo froh, Erich — bas war boch meine Jbee! Jetzt kennt sie ihn erst einen Abenb unb ist schon ganz verliebt in ihn. Mitten in ber Nacht hat sie mir noch schnell einen Brief über ihn geschrieben. Lies ihn boch, Erich!" In feiner ruhigen Art las Doktor Hartenberg ben Brief. , „. Danach faltete er ihn bedächtig zusammen. , Ganz nett! Scheint ber Monika gut zu gehen. Na, ich gönne es ihr. War kein Leben hier für das arme Dingelchen." Klavier, Geige und Flöte, gespielt von Pfarrer P a f 4 m a n n , Verwalter Müller unb bem Obertertianer Gerh. Abam aus Siegen, benen ein Glückwunsch des Gespannführers Karl Zimmer im Namen feiner Kameraben an ben Hofmeister Winter unb eine Rebe bes Herrn Reuschling- Gießen, einem Enkel von Winter, folgten, be- schlossen ben Festakt. Währenb bes Kaffees, an bem sämtliche Bewohner bes Neuhofs in bem einzigartig festlick) geschmückten Saale teilnahmen, bra4te ber Gesangverein „Eintracht" Leihgestern bem Jubilar ein Stäubchen. Die Glückwünsche bes Vereins übermittelte ber Dorsitzenbe bes Vereins, Beigeorbneter Seipp. Im inoffiziellen Teil wechselten Klaviervorträge, Einzellieber von Frau P a s 4 m a n n mit gemeinsam gesungenen Liebern ab. Die Schlußrebe, in der Pfarrer Paschmann neben dem Gebauten bes Jubiläums au4 ben bes Erntedankfestes, ben biefer Tag ebenso haben sollte, betonte, gipfelte in einem herzlichen Dank an Herrn unb Frau Brückmauu für biefen einzig schönen, äußerlich unb innerlich sonnigen, unvergeßlichen Tag. Was a schon bie Menge ber Jahre, in benen bie Geeierten auf ihrem Posten waren, bewies, was jeber, )er>inen Einblick in ben Betrieb hat, jeben Tag eheu kann, biefes selbstverstäubliche, stille Jnein- auber-, Zusammen- unb Füreinander-Arbeiten, bei bem sich jeher verantwortlich für bas Ganze weiß, von einem Willen geleitet, ber für jeben Einzelnen Verstäubuis unb ein Herz hat, biefe innere Harmonie kam auch an biesem Festtag ber Treue rounberbar zum Ausbruck. Möge sie bem Neuhof unb seinem Betrieb allezeit erhalten bleiben! Obecheffen. Wiedereinweihung der Kirche zu Langsdorf. oo Langsdorf, 1. Sept. Heute fand die feierliche Wiedereinweihung unserer im Innern völlig erneuerten Kirche statt. Das Gotteshaus prangte im Schmuck der nationalen Fahnen und der Kirchenfahne, so schon äußerlich die Verbundenheit zwischen Kirche und Volkstum, wie sie bie Dorfkirchenbewegung seit fast einem Menschenalter anftrebt, kuudgebeud. Im Festgottesbienst erfreute zum ersten- mal unser neuer Posaunenchor, ben unsere Jungen aus eigenem Antrieb unb voll Freude zur Sache begründet haben, die ganze Gemeinde. Der ebenfalls feit Herbst roiebererftanbene Kirchen- chor, der fast 50 Säuger und Sängerinnen im Alter von 15 bis 66 Jahren umfaßt, sang unter Leitung von Lehrer Held manu zwei Motetten über Psalm 103 und Lukas 11, 28. Die Weihe- rede hielt auf unsere Bitte Pfarrer Kohler (Darmstadt), der nach Blut unb Seele ein Langs- borfer ist. Er legte seiner Ansprache denselben Text zugrunde, Psalm 84, 1, 2, mit dem vor 153 Jahren, am 11. August 1782, die Kirche geweiht worden mar. Seine Ausführungen fanden ihren Höhepunkt in der Verlesung der Stiftungsurkunde, die am 22. Mai 1780 in den Grundstein eingemauert wurde, deren Abschrift im Pfarrarchiv liegt. Die Fe st predigt des Ortspfnrrers über Psalm 33, 18, beschränkte sich darauf, die einzige symbolische Darstellung zu schildern, die sich in unserer streng reformierten Kirche findet: Im Mittelpunkt ber Decke ist eine vergoldete Stukkatur angebracht, in deren Mitte das beherrschende Auge Gottes ruht. Es ist umgeben von einem Dreieck, das die S Dreifaltigkeit versinnbildlicht. Um dieses ein goldener Kreis, das Symbol der Ewig- feit. Don diesem gehen ringsum goldene Sttahlen aus, die Sttahlen ber Liebe Gottes. Die ganze Feier machte auf die große Gemeinde, die, zum erstenmal in ihrer erneuerten Kirche weilend, das Unser Vater gemeinsam betete, einen großen Eindruck. Am Nachmittag trat bas erste Brautpaar in ber renovierten Kirche zum Traualtar. Der Bräutigam ist der Sohn eines Kriegers, der mit seinem Bruder an einem Tag in derselben Champagneschlacht Herbst 1915 fiel. — Im Anschluß an die Trauung fand eine Nach Versammlung statt, in der ein Vortrag über die baugeschichtliche unb kunstgeschichtliche Bedeutung der Kirche gehalten wurde. Der Gemeinde ward dargelegt, daß es die Ausgabe ber Bauleitung war, die Reinheit bes Kunststils zu bewahren oder wieder herzustellen und andererseits den reinen Charakter der reformierten Predigttirche zu voller Geltung zu bringen. Danach wurde das erneuerte Gotteshaus einige Stunden zur allgemeinen Besichtigung offen- gehalten. Es herrschte allgemein Befriedigung über das wohlgelungene Werk. Heldengedenkfeier des Gesamt-DH(k. * Herchenhain, 1. Sept. Der Gesamt- VH C. hielt am heutigen Sonntagnachmittag auf der Herchenhainer Höhe vor dem einzigartig schön gelegenen Ehrenmal für die im Weltkrieg gefallenen VHC.er eine Gefallenen- Ehrung ab. Zahlreiche Mitglieder aus allen Zweigvereinen, der näheren und weiteren Umgebung waren gekommen, um an dieser Feier teilzunehmen. Die Ausrichtung der Feier hatte der Gau Südost übernommen. Der Vorsitzende des Zweigvereins Offenbach, Rektor Dem, hieß die Mitglieder willkommen und dankte ihnen für ihre zahlreiche Beteiligung an dieser Feierstunde. Eine DHC.-Schwester trug bann einen ganz dem Charakter ber Stunde verbundenen Vorspruch vor, dem sich verschiedene Lieddarbietungen eines Doppelquartetts des VHC.» Zweigvereins Büdingen anschlossen; so horte man die ernste Mahnung „Nun schweige jeder von seinem Leid" und dann das bekannte Lied „Wo aen Himmel Eichen ragen". Im weiteren Verlauf horte man noch ein Lied, das in Text und melodischem Stimmungsgehalt ganz den Gefallenen des Weltkrieges gewidmet war. Rektor Dem (Offenbach) hielt die Gedächtnisrede, in ber er das heroische Opfer der für das Vaterland Gefallenen in eindrucksvollen Worten schilderte. Die gehaltvolle Ansprache wurde von allen Zuhörern bewegt und mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Zum Abschluß der würdigen Stunde sprach Dr. Bruchhäuser (Ulrichstein), ber Führer bes G^samt-VHC., allen benen herzlichen Dank aus, die sich um das Zustandekommen und um die Ausgestaltung dieser Feierstunde bemühten. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler und mit den gemeinsam gefundenen ersten Versen des Deutschland- und des Horst- Wessel-Liedes fand die Veranstaltung ihren Abschluß. Die VHC.-Brüder und -Schwestern machten sich bann wieder auf den Heimweg. Viele ber Teilnehmer an der Gedächtnisfeier nahmen Gelegenheit, noch zum Hoherodskopf hinüber zu wandern, um dort dem Ausklang des heimatlichen Bergturn- feftes beizuwohnen. Landkreis Gießen. [U Großen-Linden, 31. Aug. Die Gewerk- schäft Gießener Braunsteinbergwerke, welche (eit Frühjahr einen neuen Betrieb eröffnet hat, hat zur Zeit einen guten Absatz. Auch bas Kalkwerk geht gut. Die Belegschaft war vor Jahren auf 50 Mann zurückgegangen, und ist heute wieber auf 3 0 0 Mann geftiegen. Vor ber Kriegszeit war bie Stärke 6—700 Mann. Währenb bes Krieges war die Belegschaft 1200 Mann stark. 8 Lang-Göns, 31. Aug. Auch In unserer Ge- meinbe würbe ein „S t ü r m e r" - K a st e n am Rathaus aufgehängt, bamit jeber Volksgenosse baran erinnert wirb, baß ber Jube der Feinb bes Deutschtums ist. „Ja — ja! Aber was hälst bu nun von ber <5ad)e mit bem Gerling? Das wird boch was, wo sie jetzt schon so verliebt in ihn ist." „Ist sie bas?" „Sicher, Erich! Sie schreibt boch, wie ich gelesen habe, so viel von ihm." „Don bem anderen, bem — wie beißt er boch gleich? — Johnie, steht boch aber auch genug brin, scheint mir." „So? — Ach, gib boch mal her!" Und Lotte sah noch einmal ganz aufmerksam ben Brief durch. „Ja — finbeft bu?" sagte sie bann etwas zögernd. „Aber bas ist boch wieber was anderes, wie sie von bem schreibt." „Na, bu muß es halt abwarten, Lottchen! — Vielleicht hast bu recht. Ihr Frauen versteht ja solche Sachen viel besser." 6. Kapitel. Und wirklich! Immer schöner wurde bas Leben. Jeder Tag brachte neue Eindrücke für Monika. Ihr reger Geist entwickelte sich nach allen Seiten. Frau Klinke ließ ihr jede Freiheit. Sie konnte mit Friedrich von Gerling beisammen jein, so oft sie wollte. Ein prachttoller Herbst lag über ber Lanbschaft. In Gerlings kleinem Wagen machten sie wun- berbare Ausflüge in bie Umgebung Münchens. Am meisten liebte Monika bald ben Starnberger See. Die romantische Lanbschaft unb bie Schlösser, besonders Schloß Berg, das bem unglücklichen König Ludwig von Bayern gehört hatte, zogen sie an. Bei biefen Ausflügen zu zweit erschloß Monika Gerling ihr Herz unb erzäylte ihm von ihrem ganzen Leben. Und oft sprach Monika auch von ihrem Vater. Dann brannte es wohl Gerling jedesmal, ihr boch endlich zu sagen, daß ja auch ihm der Major einer der teuersten Menschen gewesen war, unb boch schloß ihm eine merkwürdige Hemmung ben Munb. Manchmal fragte er sich: Worauf warte ich eigentlich? Monika unb ich sind die besten Freunde. Ich habe Gelegenheit, ihre reine, feine Seele zu erkennen. Und ich glaube, wenn ich sie fragen würde, ob sie meine Frau werden will, so würde sie wohl „Ja!" sagen. Und ein tapferer Lebenskamerad ist sie auch. Wie gern hört sie von meinem Leben in Persien. Sie würde gern hingehen, sie fürchtet sich nicht vor Strapazen. Aber trotz- Dem: Liebt mich Monika? Und darauf wußte er keine Antwort. Dann sagte er sich, daß er ja noch keine Eile habe, unb daß sie beibe noch ganz gut eine Zeit zusammen verbringen konnten wie zwei gute Kameraden, die sich durch Zufall kennengelernt hatten. Manchmal kam bei diesen Ausflügen auch Frau Klinke mit, aber niemals Johnie, ber nach wie vor eifrig arbeitete. Dagegen geschah es zuweilen, daß ihn Monika in ein Museum oder in eine Galerie begleitete. In einem ihrer Briefe schrieb Monika an Lottes Das Leben ist oft so schon, daß ich manchmal zu träumen glaube. Gerling ist ein prächtiger Kamerad. Wir machen so herrliche Ausflüge zusammen. Du kannst Dir gar nicht denken, wie schon ber See ist, wenn bie Sonne untergeht unb bie ersten Abenbnebel aufsteigen. Ober das Isartal. Ja, ich finde bas Leben herrlich. Jeder Tag ist so schon, daß ich traurig bin, wenn er zu Ende ist. Und boch ist ber nächste ebenso schon. Ich freue mich aber auch, baß ich Gelegenheit habe, zu lernen. Johnie nimt mich manchmal in die Museen mit. Ich war einmal allein dort, aber es gab so viel zu sehen unb ich lief durch die Säle, unb nachher hatte ich Kopfweh. Ich habe ihm bas erzählt, unb ba meinte er, ich verstände es wohl nicht, etwas richtig anzusehen. Und bann gingen wir gemeinsam, zuerst ins Museum unb bann in bie BildergÜlerie. Er hat so gut gewußt, was mich interessieren müßte, baß ich ganz erstaunt war. Unb benfe Dir, er führte mich zu seinen Lieblingsbildern, und ich finde, es waren so schöne Bilder, daß ich diese Bilder auch liebe. — Wir haben jetzt schon viel Gesellschaft. Meistens auch Hotelgäste. Besonders wenn Amerikaner kommen, werden sie schnell mit uns bekannt. Obwohl bie Klinkes ja immer betonen, baß sie Deutsche sind. Aber bie Amerikaner schließen sich boch an sie an. Besonders bie Frauen wollen gern mit uns sein. Ich glaube, bie meisten von ihnen beneiden mich um Herrn von Gerling. Er sieht so schrecklich interessant aus. Sie machen ihm immer solche Augen, weißt Du. Ich habe nie gewußt, baß Frauen so sind; ich finde es aber luftig, wenn ich auch nie so fein könnte. Ich glaube, Herr von Gerling findet es auch luftig. Aber Johnie Klinke wollen sie auch erobern. Da ist so eine kleine Amerikanerin mit gefärbten Haaren unb gemalten Brauen und einem kleinen Mund, ben sie immer zuspitzt, wenn sie mit Johnie spricht. Sie sagt, sie wolle ihn bavon abbringen, immer so viel zu lernen. In Amerika tun bas bie Männer nicht. Dort ftubieren meist nur bie Frauen, unb auch bie nur, wenn sie häßlich finb. Mit (Beding flirtet sie übrigens auch... Wen sie wirklich meint, weiß ich nicht. Aber es ist ganz gut möglich, baß sie es selbst auch nicht weiß. Gerabe während Monika diesen Brief schrieb, saß Shirlev Preston in ihrem Zimmer vor bem Spiegel und bemalte ihr hübsches kleines Puppengesicht. (Fortsetzung folgt!) entsprechend gut. Sinndeutung des Der stellvertretende Kreisführer Dr. 5 ie ger f Lieg spielhaus • Gießen Ab heute Montag: Nachdruck verboten Ohne Gewähr Paul Hörbiger Liane Haid 62 Gewinne zu 31. August 1935 21. Ziehungstag 1224 2323 5878 145614 314 Gewinne zu 135562 109549 16193 341400 372194 376069 und Ufa-Ton-Woche. 4968 a 156960 , IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIII RM.4.80. Ganzleinenband UlllllllllllllllllllllllllUlllllllllllllllllllllllllllllllU 104349 157475 217620 286316 300932 381829 19204 30602 41185 57877 87860 52088 130377 241652 370903 15270 27084 49944 64201 73792 95728 23357 42979 62733 71545 76382 111422 160385 219781 291415 302452 392603 102715 111582 120589 132932 139575 146049 157134 171174 176184 192239 211480 230354 241329 256323 266615 275278 284281 305060 322104 329111 339010 364180 377465 385295 389417 399650 124408 163581 248243 292052 324883 103296 113578 122732 136477 139911 146239 157696 171923 178093 195060 211688 233696 244374 256638 267288 275350 285564 308027 322549 333778 343432 365740 377548 386019 391069 143260 164807 275836 292065 348305 107897 114023 129209 136951 140730 149255 160543 173121 181328 201554 213119 235283 244922 256793 269532 279011 291164 312768 323146 334797 344095 369323 377738 386242 392003 184107 284455 297633 356641 150756 208387 226771 284484 299178 367576 388361 14823 24606 49493 63872 73269 81802 108124 117543 136210 149043 160199 172775 191556 207685 216433 234206 254096 281988 299112 316205 327438 340282 343962 350068 T01340 66476 142680 260291 388152 28682 51197 64616 73932 88654 167039 263505 18514 28691 55095 70727 74830 l 8878 23439 49052 63088 72547 81688 107174 116766 136196 146671 152978 170922 184304 207311 213200 232366 253523 281666 297168 314268 325347 339283 343707 348763 373997 32531 44085 59669 90244 109116 117294 131711 137371 142919 152266 164981 174048 183239 206348 219300 237519 250015 265970 272750 280278 298312 313545 324167 335843 358461 370964 379900 388465 397708 176630 213582 266959 285677 318659 375082 389908 109268 123778 140294 149101 160703 173596 194205 208203 223519 235522 255217 286123 300454 316881 329541 340792 346513 352856 387836 21556 42944 59356 70745 75860 177749 215203 270432 288014 328107 378360 300 M. 224471 278718 288705 346914 384946 105382 112623 135927 145781 151793 170436 183328 200835 213050 231950 253094 272848 292628 312388 324848 338215 342922 348360 366153 174426 278110 296795 350654 117239 129916 137125 142201 150534 160637 173666 182736 202659 214198 236216 246679 264784 271909 279638 297857 313117 323199 335720 357344 369595 378646 387851 392488 102405 109721 125815 141571 151391 164442 175277 196950 208471 224737 246733 260641 287824 308024 320322 330759 341295 346675 356283 389056 104758 111095 127524 142326 151716 166535 178237 198901 212446 231523 247289 265577 292533 312317 322939 335587 342497 348012 358505 397900 219313 271749 288407 330606 380865 Älla Anzeigen-Aktiengefellschast Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen und Zeitschriften Gietzen / Schulfivatze 2 Weitere Hauptr.: Harald Paulsen, Jakob Tledtke, Erika Crlttssner. Im Beiprogramm: 1.Variet6-Kurzfilm; 2. Brandenburg, Kulturfilm schäft, der Worte „Frisch, fromm, fröhlich frei und mit dem Wunsche, daß der Tag für jeden, der ihn miterleben dürfe, einen feinen Trunk aus heiliger Quelle der Heimat bedeuten möge, daß jedermann Kraft gewinnen möge für die Arbeit zum Wohle des Volkes und Vaterlandes, schloß Dekan Widmann seine Ansprache. Gebet, Segen, Vaterunser und der gemeinsam gesungene erste Vers des Liedes „Ein feste Burg" beschlossen die Morgenfeier. 207190 226370 280669 296069 350687, 387124' Gewinnauszug 5. Klasse 45. Preußisch-Süddeutsche (271. Preuß.) Klassen-Lotterie In der heutigen Vormitta^ziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II Der zweite Tag. — Sieg der Schweden. Als am Sonntag der Fünfländerkumpf der Leichtathleten in Berlin fortgesetzt wurde, war das Poststadion mit etwa 35 000 Zuschauern bis auf den letzten Platz ausverkauft. Im Gesamtergebnis siegte Schweden nut 56 Punkten vor Deutschland mit 52,5 Punkten, Ungarn mit 40 Punkten, Japan mit 33 Punkten und Italien mit 26,5 Punkten. Zunächst konnten am zweiten Tage die Deutschen die Führung noch behaupten, aber durch den Sieg von Andersson im Diskuswerfen mit 52,12 Metern und die zweiten Plätze von Areskoug im 400- Meter-Hürdenlauf hinter dem ungarischen Sieger Kovacz (53,6), von Wennberg im 800-Meter»Lauf hinter dem Italiener Lanzi (1:52,2), Lindblad im Stabhochsprung hinter dem Japaner Nishida (4,30 Meter) und Andersson, der zusammen mit Joch (Deutschland) 14,86 Meter im Dreisprung hinter dem Japaner Oshirna (15,29 Meter) erreichte, hol- ten die Schweden gewaltig auf. Dazu kam, daß der 100-Meter-Lauf von dem Japaner Suzuki in 10,6 vor Sir (Ungarn) in 10,6 (Brustbreite zuruck), Strandberg (Schweden) in 10,7 und Leichum (Deutschland) in 10,8 gewonnen wurde. Schaumburg belegte im 1500-Meter-Lauf den zweiten Platz in 3:55,2 hinter dem Italiener Beccali in 3:54. Die 10 000 Meter nahmen für Deutschland einen unerwarteten Ausgang, denn Haag stürzte und lief die letzten Runden nur noch hinterher. Hier siegte der Japaner Murakoso sicher in 32:44 vor dem Italiener Lippi. Durch den Sieg im Hammerwerfen von Jansson mit 51,76 Meter vor Blask mit 51,66 Meter, der damit einen neuen deutschen Rekord erzielte, und in der 4X400-Meter-Staffel in 3:14,2 vor Deutschland in 3:16 und Ungarn in 3:18,2 stellten die Schweden den Endsieg her. Die Südwest-Leichtathleten bestritten am Sonntag einen Länderkampf gegen Luxemburg in Luxemburg. Die Vertreter des Gaues Südwest landeten einen klaren und einwandfreien Sieg mit 15% zu 42^ Punkten. Hans Gtuck gewinnt den „Großen Berapreis" von Deutschland. Am Schauinsland im Schwarzwald wurde am Sonntag der Große Bergpreis von Deutschland ausgetragen. Hans Stuck auf Auto-Union gewann ihn in der Tagesbestzeit von 85,6 Stundenkilometer knapp vor dem Engländer Seaman. Umgang mit Mutter Grün. Sünden- und bittenbuch von W. Schoenichen. Brosch. RM. 2.85, gebunden RM. 3.60. Die deutsche Landschaft. Von E. L. Schellenberg. Br. RM.2.-, geb. RM. 3 -. Zu beziehen durch jede Buchhandlung! Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde Sn der heutigen Nachminagsziehung wurden Gewinns über 150 M. gezogen 71332 79013 79794 81933 ------ ------ ------ 108482 140488 147475 22533» 122379 212715 22952t 289636 345706 362822 3338 6257 44857 47210 104939 113259 117965 181403 211034 213645 305032 329861 331417 Gewinne zu je 61715 63680 107761 ----— 147929 167807 200092 202674 223608 249048 Sergiimiiest aus dem Hoherodskopf. Ein Tag der Heimat und der Volksgemeinschaft. 6 Gewinne zu 2000 M. 66121 145122 393814 46 Gewinne zu 1000 M. 8403 28568 32317 43672 —. - — rn m /■» 1 4 JA 1 OCCCO 1 d Im Gewinnrade verblieben: 2 1000000, 2 zu je 50000, 2 zu Bücher für Naturfreunde und Wanderer Belauschtes Leben. Kleine Kreatur in Wasser, Busch und Halm von K. O. Bartels. 164 Naturaufnahmen aus dem Leben der niederen Tierwelt mit erläuternden Bildunterschriften, Namensangaben u. ausführlichem Text. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. P. Deegener, Universität Berlin. Preis kartoniert RM.3.90,geb.RM.4.80. Waldweben. Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern. 150 eigene Naturaufnahmen aus dem Tier- und Pflanzenleben des heimatl. Waldes auf 128 Kupfertiefdrucktafeln,mit lebendigem u.aufschlußreichem Einführungstext von K. Gerhard und O.Wolff. 4043 5044 5431 ----- 19299 verherrlichte. Oie Wettkämpfe. Anschließend traten die Riegen zu den Wettkämpfen an. Der Wiesenplan gab die Sprunggruben her, die Laufbahnen, die Plätze für Kugel- und Steinstoßen usw. Ueberall bewegten sich Turnerinnen und Turner in herrlicher freier Natur und mancher der Teilnehmer wird dabei seine Heimat neu erlebt haben. Die Dreikämpfe der verschiedenen Stufen vollzogen sich sehr rasch und konnten noch vor der Mittagspause beendet werden. Die Jugend verschiedener Altersklassen, die Aktiven, wie auch die Altersturner standen bald im Kampf um die beste Leistung. Trotzdem die Sprungbahnen, die Laufbahn, die Plätze für die verschiedenartigen technischen Wettbewerbe nicht völlig entsprachen, wurden über Erwarten gute Leistungen, erzielt. Zahlreiche Teilnehmer konnten mit dem Eichenkranz geschmückt werden. Mit Begeisterung wurde gesprungen und gestoßen. Alle Klassen trugen je einen Dreikampf aus, dessen Ergebnisse nach Punkten gewertet wurden. Eine dichte Menschenmenge umlagerte selbstverständlich die Jugend bei ihren Wettkämpfen. Mit großem Interesse wurden auch diesmal die Kämpfe auf der Laufbahn verfolgt. Der Lauf auf dieser Bahn stellte an die Läufer hohe Ansprüche. Die 100-Meter-Strecke führte über den Hügel am trigonometrischen Punkt hinauf und ein Stück hinab. Das Zeitnehmen geschah elektrisch. Besonders schwer waren die Stabübergaben bei den Staffelläufen. Die Leistungen bewegten.sich auf beachtlicher Höhe. Kübler- Damen-Kleider neueste Formen und Farben Gröhe 40-62 in großer Auswahl vorrätig Frdr.Teiuel Beachten Sie meine Ausstellung ab 5. Septbr. im Hause C. Berg, Mäusburg 4972A je 80000, 2 zu je 20000, 30 zu je 10000, 50 "zu je 5000, 124 tu je 3000, 268 zu je 2000, 884 zu je 1000, 1244 zu je 500. 5286 zu je 300 Mk. 19675 20948 22962 25981 27132 33447 35615 36756 39733 39995 46061 46888 49270 54211 55173 62033 1----- ----- ----- 102555 109701 120040 131906 137684 144117 155255 166236 174974 183542 208327 226522 238750 255946 266586 274381 282530 304370 317586 325146 338206 359977 373839 381950 388576 397740 " 386 Gewinne zu 300 M. 1798 2664 5728 7660 7688 8803 12213 15328 283191 295324 310408 386495 86 Gewinne zu 500 M. 248 20717 24197 36059 36286 48682 54738 63270 76513 89371 102630 ' ' ---- *--- - ----- * -lO/UOO Langsdorf di« Siegerehrung vor Die Sl-g-r wurden mit Eichenkran,-n, bzw. mit dem schlichten Angebinde aus Eichenbtättern geehrt. Während sich nach der Beendigung des offiziellen Teiles der Veranstaltung noch viele Turner Turn^ rinnen und übrige Volksgenosien kameradlchastlich fanden, mutzte sich ein Teil der Festteün hmer bereits auf den Heimweg machen Uebervoll vanden vielen starken und fdjbnen Eindrücken von diesem Fest und der natürlichen Umgebung, in der es statt- fand, verließ man die Bergeshohe Die Turnerschast hat dem Kranze ihrer Veranstaltungen in diesem Jahre ein weiteres schönes Blatt angefugt. Ms-Lüdder-Kamps der Leichtathleten. Deutsche Siege am Sonntag' Im Poststadion begann am Samstag das größte leichtathletische Ereignis des vorolympischen Jahres, der Fünfländerkampf. Zu diesem Treffen hatten Deutschland, Schweden, Italien, Ungarn und Japan ihre besten Leichtathleten entsandt. Vor 25 000 Zuschauern und im Beisein von Reichsminister Dr. Goebbels, des Befehlshabers der deutschen Polizei, Generalleutnants Daluege, Staatssekretär Pfundner, Generalmajor von Reichenau und Vertretern der Botschaften und Gesandtschaften der an dem Kampf beteiligten Nationen wurden die Kämpfe des ersten Tages ausgetraaen. Im Gesamtergebnis führte Deutschland mit 35 Punkten vor Schweden mit 26,5, Ungarn mit 20,5, Japan mit 12 und Italien mit 5 Punkten. Deutsche Siege gab es im Kugelstoßen, wo der Berliner Polizeibeamte W o e l l k e mit 16,21 Metern eine neue deutsche Bestleistung aufstellte, im Hochsprung, wo W e i n k ö tz zusammen mit dem Japaner A s a- f um a 1,90 Meter übersprang, im Speerwerfen, wo unser Rekordmann S t ö ck 71,05 Meter schleuderte, im Weitsprung durch Leichum, der 7,68 Meter sprang und in der abschließenden 4X100- Meter-Staffel, die gegen Ungarn und Schweden in 41,2 Sekunden gewonnen wurde. in Geschäftsverbindung treten. ist durch die Ortsschelle und durch i lichen Anschlag an der Ortstafel bekanntzugeben. — Die Getreideernte ist beendet, so daß in Kurze mit dem Ausdrusch begonnen werden kann. JAJie im Vorjahr, so wird auch dies Jahr der Maschinenbesitzer Magel aus Burkhardsfelden den Drusch ausführen. Die Ernte ist im allgemeinen gut ausgefallen. Das Grummetgras und die Hackfrüchte haben — infolge der langanh^tenden Hitze — etwas gelitten und waren im Wachstum etwas zurückgeblieben. Nunmehr .hat der Regen das Wachstum gefördert und man hofft auf eine gute Ernte der Hackfrüchte. — Hier trug sich unlängst ein landwirtschaftlicher Unfall zu, der schlimme Fob gen angenommen hat. Der Landwirt Friedrich August Conrad hatte sich bei der Heuernte em linken Fuß an einem Grashalm geritzt. Nach einer Stunde war der Fuß dick angeschwollen und es mußte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Da eine Besserung nicht eintrat, ordnete der Arzt die sofortige Ueberführung in em Krankenhaus an. Der Patient befindet sich seit dem 1 Juli im Katholischen Schwesternhaus m Gießen und t)at sich mehreren Operationen unterziehen müssen. Wenn auch nunmehr keine Lebensgefahr mehr besteht, so wird der Verletzte immerhin noch einige Zeit in seiner Erwerbstätigkeit behindert bleiben. Wann er aus dem Krankenhaus entlasten werden kann, steht noch nicht fest. . * Lich, 1. Sept. Dieser Tage ereignete sich im Stadtwald bei Steinbach ein Unglücksfall. Der 22- jährige Kraftfahrer Hans Else von hier, der nach seiner eigenen Angabe mit . seinem Motorrad gegen ein unbeleuchtetes Fuhrwerk stieß und dabei schwer zu Fall kam, zog sich dabei erhebliche Verletzungen zu. Sein Befinden ist den Umständen 395061 397381 _ "l'l'2 Gewinne zu 500 M. 12959 18503 18590 19648 27828 46364 52019 59457 76071 80779 90748 90942 92140 93537 97279 106004 114625 143700 ---- ------ ------ 189529 202339 Das Bild, das sich dem Auge allenthalben bot, war ein sehr vielfältiges; da wurde gesprungen, dort der Stein gestoßen, den der Vogelsberg in GestaU eines Basaltstückes selbst gab, gelaufen, geworfen und verschiedenes andere mehr. Von einem Kampfplatz wechselten die Riegen zum anderen. Ueberall herrschte frohe Wettkampfbereitschaft. Die einzelnen Uebungen vollzogen sich zum Teil sehr rasch, so daß die insgesamt 716 Teilnehmer ihre Uebungen bald hinter sich bringen konnten. Tüchtige Kampfrichter führten die Listen. Fanden schon die technischen Wettbewerbe der Turnerinnen und Turner eine lebhafte Aufmerksamkeit, so steigerte sie sich doch sehr, als nach der Beendigung der Mehrkämpfe die 4 - m a l -1 0 0 - M e t e r- Staffel, die Wilhelm-Will-Staffel und einzelne Mannschaftswettbewerbe durchgefüyrt wurden. Für die 4-mal-100-Meter- Staffel der Aktiven hatten zahlreiche Mannschaften gemeldet, so daß mehrere Vorläufe zu bestreiten waren. Die Entscheidung in der 4-mal-100-Meter- Stafsel fiel zugunsten des Turnvereins Friedberg. Schlechte Staffelholz-Uebergaben drängten einzelne Mannschaften in den Hintergrund. Auch die Wilhelm-Will-Staffel, die über 10 mal 100 Meter führte, erweckte starkes Interesse. Allerdings wurde sie nur von den Mannschaften des Turnkreises Wetterau-Dogelsberg und dem Turnkreis Lahn-Dill mit je 10 Mann bestritten. Den Sieg errang nach hartem Kampfe der Turnkreis Wetterau-Dogelsberg. Nachdem man noch die anderen Mannschaftswettbewerbe (Tauziehen, Steinstoßen) hinter sich gebracht hatte, wurde auf dem Platz am Adolf-Hitler-Gedenkstein die würdige Siegerehrung vorgenommen. Gauoberturnwart Paul hielt die Ansprache. Er überbrachte zunächst Glückwünsche der Gauleitung zu diesem Fest und sagte bann allen Mithelfern an dessen Ausgestaltung und Vorbereitung herzlichen Dank Sein Dank galt u. a. besonders dem Turnverein Schotten. Die Turner seien, in so großer Zahl, gekommen, um erneut ein Bekenntnis abzulegen für Volk, Führer und Vaterland, um die Heimat erneut zu erleben aus ganzem Herzen. Mit einem dreifachen „Gut Heil!" auf die Deutsche Turnerschast und einem drei- fachem „Sieg-Heil" auf den Führer und Reichskanzler Adolf Httler, beschloß er seine Ansprache. Anschließend nahm der Kreis-Kampfrichter-Obmann erscheinen. „ v , Es sei ein schöner Gedanke, so fuhr er fort, daß die Deutsche Turnerschaft ihr heutiges Fest im Namen Gottes beginne, und sprach bann von ber Verantwortung vor Gott, bie so wie ben Führer auch jebermann im Volke auszeichnen müsse. Jeber- mann sei in seinem Hanbeln seiner Familie, dem Volke und dem Staate verantwortlich. Der Geist in der Turnerschast sei Geist der Kameradschaft und der Gottesfurcht. In der Ausbildung von Körper und Geist bilde sich in den Turnern und Turnerinnen eine schöne Harmonie. Mit einer feinen Zeichens der Deutschen Turner- arisch, fromm, fröhlich frei" und illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Millimeterzeile veröffentlicht IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIHUIII Zwangsversteigerung Dienstag, den Z.Sevtember 1935, 14 Ubr, sollen im „Löwen" hier, Neuenweg 28 bzw. an Ort und Stelle (Bekanntgabe in obigem Lokal) zwangsweise gegen Bar- zablung versteigert werden: Haus-, Laden- und Büromöbel aller Art, Schreib- und Poliermaschine, Einschlagluven, Anzug' Hoffe, 1 Grammophon, 1 Schnelldruckapparat, 1 Schleifbank, ein Goniometer, LFerngläser, iRadio, m. Schuhe und Handschuhe, eine Registrierkasse. Bestimmt: Mehr.Flurgarderoben, 1 Schrankgrammophon, 1 Fernglas, 1 Oelgemälbe, 1 Radio, em Massageapparat, 1 Kaffeebehälter, 32 Paar Damen-Spangenschuhe und 200 Paar Herrensocken. 406?d Scharmann, Gerichtsvollz.,Gießen Wernerwall 33 Telefon 8108. • Hausen, 1. Sept. Der hiesige etwa 30 Jahre alte Arbeitet R u p p e n t a l erlitt an feiner Arbeits- stelle durch eine Benzingasexplofion erhebliche Brandwunden an der linken Körperseite. Der bedauernswerte Verunglückte mußte zur ärztlichen Behandlung in die Klinik gebracht werden. Sem Befinden gibt zu Bedenken keinen Anlaß. - Steinbach, 1. Sept. Die Gemeinde Steinbach kaufte von der Stadt Gießen einen Leichen- wagen, ber in letzter Woche geliefert wurde. Bei der Ausdehnung unseres Dorfes wär das bisher noch übliche Tragen der Särge eine schwere Aufgabe für die Träger. Die Nachbarn der Ver- ftorbenen waren herkömmlicherweise zu dem Dienst als Träger verpflichtet. Durch die Anschaffung des Leichenwagens ist diese Aufgabe sehr erleichtert, da in Zukunft ber Sarg nur auf bem Friebhof getragen werben muß. ^Climbach, 1. Sept. In unserer Gemembe hängt bereits seit über einem Jahr am Ortseingang ein Schilb mit ber Aufschrift „3üben finb hier nicht erwünscht". Dieses Schilb hatte im Anfang seinen Zweck nicht verfehlt, benn nur selten zeigte sich ein Jube. In letzter Zett hat jeboch bie Jubenplage wieber überhanb genommen, so baß sich ber ©emeinberat mit ber Sache befassen mußte. In ber kürzlich ftattgefunbenen Sitzung würbe u. a. folgenber Beschluß gefaßt: Denjenigen Einwohnern, welche mit Juben handeln, oder sonstwie Geschäfte tätigen, wird die @emeinöe= viehwaage gesperrt, auch wird ihnen die Benutzung des Faselviehes untersagt. Ferner werden ihnen die gepachteten Gemeindegrundstücke entzogen unb bei evtl. Neuverpachtung ber Zuschlag nicht erteilt. Desgleichen werben sie von allen Lieferungen und Leistungen in ber Gemeinbe ausgeschlossen. Semeinbebeamte, -bebienftete unb -arbeitet haben eine eibesstüttliche Erklärung abzugeben, wonach sie in Zukunft nicht mehr mit Juben Morgenfeier statt und zwar an jener Stelle, an der vor einigen Jahren der Führer Adolf Hitler zu 40 000 Volksgenossen aus Oberhessen unb angrenzenben Gebieten sprach. Der gemeinsam gesungene erste Vers des Liedes „Lobet ben Herren" leitete die geistliche Morgenfeier ein. Dekan Widmann (Schotten) hielt nach Gebet unb Schriftverlesung eine Ansprache, ber er bas Bibelwort: „Halte fest, was du hast, damit dir niemand deine Krone nehme" voraus- stellte. Der Geistliche erinnerte zunächst an bie Zeit vor Tausenden von Jahren, da bie Vorfahren auch auf diesem Berge sich zu besinnlichen Stunden versammelten unb kam bann gleich auf bie jüngste Vergangenheit zu sprechen, indem er den Geist des Führers vor Augen führte, ber im Jahre 1931 von dieser Stelle aus sprach unb vielen Volksgenossen damals Hoffnung und Trost, Kraft und Freudigkeit für Zukunftsaufgaben gab. Heute zu diesem Fest müße uns ber ©ebentftein für diese Stunde des Führers auf unserem Hoherodskopf lebendig Das Bergturnfest auf dem Hoherodskopf, das am gestrigen Sonntag über 700 Turnerinnen und Turner zu volkstümlichen Wettkämpfen vereinte, gestal- iete sich viel schöner, als man es je zu hoffen wagte. Der Gedanke, das Hoherodskopf-Bergturnfest, das nur kurz vor bem Kriege einmal burchgeführt würbe, neu aufleben zu lassen, ist, bas geht aus dem großen Melbeergebnis hervor, in ben Vereinen mit großer Begeisterung ausgenommen worben. Das Turnen auf bem Berge unserer Heimat mürbe zu einem Fest engster Verbunbenheit bes voll- kräftigen Lebens in ber DT. mit ber Heimat, hier mit ‘ber lieblich-heroischen Lanbschaft bes Vogelsbergs. Der Vogelsberg, bie vielen Höhen unb weiten Täler zu Füßen> bes Hoherobskopfes boten sich gestern in einzigartiger Schönheit bar. Die Sicht war sehr gut. Man kannte gut ben Felbberg, ben Dünsberg, von rechtem Stanbpunkt aus bie Rhön und den Spessart sehen. Das Wetter war der großen Veranstaltung über die Maßen günstig. Ein leichter kühlender Wind sttich die Hänge herauf. Die Sonne gab ihren Glanz in verschwenderischer Fülle. Die Natur schenkte dem Bergturnfest den festlichsten Nahmen. So entwickelte sich auf ben Hängen am Klubhaus bes DHC. ein Leben unb Treiben, wie es ber Hoherobskopf nur zu Zeiten bes Wintersportes kennt. Für bie Durchführung des Festes zeichnete der Turn kreis Wetterau-Vo- g e 15 b e r g verantwortlich, bie Ausrichtung war dem Turnverein Schotten übertragen worben. Es war keine Mühe gescheut worben, bem Fest den großen Erfolg zu verbürgen. Mit ber Eisenbahn, im Omnibus, in vielen Kraftwagen, auf Motor- unb Fahrrädern kamen viele Turner unb Turnerinnen an. Die Festteilnehmer aus ber näheren Umgebung legten den Weg zur Bergeshöhe zu Fuß zurück. Zahlreiche Volksgenossen fanden sich ein, um teilzuhaben an ben festlichen Stunben. Der Platz vor ben Klubhäusern bot sich wesentlich verändert bar. Ein großes Zelt war errichtet worben. Eine Anzahl Verkaufsbuden trugen dazu bei, ber Veranstaltung schon rein äußerlich einen volkstümlichen Charakter zu geben. Nach ber Einteilung aller Wettkämpfer in Riegen fanb zunächst eine Druckschriften £ " °°°" In gebundenen Aufgaben klar In der Schrift, übersichtlich angeordnet, sorgfältig gedruckt, dienen den Belangen von Handel und Verkehr, Industrie und Gewerbe, Behörden, Landwirtschaft und Vereinigungen. Jede Lieferung schnell, gut und preiswertI Brflhl’sche Druckerei, Schulstr. 7, Ruf 2251 in dem entzückenden Lustspiel Besucham Abend 16 Gewinne zu 3000 M. 69876 109693 128542 259705 276217 297946 341864 377780 ----- 66121 145122 393814 10 Gewinne zu 3000 M. 283968 311591 _ 18 Gewinne zu 2000 M. 240228 259321 285617 ---- 1000 M. Dieser Beschluß hielt eine Ansprache, in der er auf den Sinn bes Öffent- Hoherodskopf-Turnfestes und seine Geschichte hm- wies. Er öffnete weite Perspektiven, indem er betonte, daß sich das Hoherodskopf-Bergfest im Laufe der kommenden Jahre zu einem Sergfeft gestalten solle, das weit über die engeren Grenzen hinaus guten Klang bekommen solle. . Anschließend fand unter ber Leitung des Kreis- dietwartes Sch w icker t (Ober-Mörlen) eine kurze völkische Aussprache statt, die neben einigen gemeinsam gelungenen Liedversen auch Vor trage schöner dichterischer, zukunftweisender Worte brachte. Besonders gefiel ein Gedicht, das den Vogelsberg