Nr. 7 7 Erstes Blatt 185. Jahrgang Montag, 1. April 1935 Annahme von Anzeigen Erscheint täglich, außer ÄMMr Ä W für die Mitlagsnummer WV (DlCnCllCi AlHvlQvi ss Auch bei Nichterscheinen H M WM Ermäßigte Grundpreise: von -inz-ln-n NUMEII ^ Iv^ _ . Stellen:, Vereins., gemein. OHUL General-Anzeiger sür Oberhessen "DZM richten-. Anzeiger Gießen v 1 behördliche AnzeigenSRpf. SroniturtÄ'in 11686 Druck uttb Verlag: vrühl'sche UniverfitStrvuch- und Steindruckerei «.cange i« Siehe«.Schristlritung ««- SeschSft-ftelle: Schulstrahe r M°ng-nab,chiü!i°St°ff-i8 England und der Ostpakt London, aus dem Zusammen- über Frieden oder Krieg in den Händen eines so kleinen Landes wie England liege. Die Befürchtung, daß Großbritannien auf Zureden Deutschlands in seiner Haltung gegenüber dem östlichen Sicherheitsvorschlag kühle r g e • worden sei, habe in der Unterredung mit Stalin eine wichtige Rolle gespielt. Eden habe klargestellt, daß Großbritanniens Politik auf den ganzen Frieden, auf nichts als Frieden abziele und daß kein Grund für den Verdacht bestehe, hinter ieder Bedrohung der russischen Grenzen sei England zu suchen. Deshalb sei in der amtlichen Verlautbarung der Satz so bedeutungsvoll, in dem beide Länder ihre Achtung vor der Integrität und Wohlfahrt „des anderen" hervorheben. Der kommunistischen Propaganda sei keine Bedeutung beigemessen worden. Im Jahre 1935 erscheine ein Krieg als eine größere Gefahr als eine Weltrevolution. Die Besuche in Berlin und Moskau hätten die entscheidenden Fragen über Zweifel hinaus geklärt. Aber trotz dieser Klarheit können nur Optimisten wagen zu hoffen, daß die Lehren daraus praktisch ausgewertet wurden. Es ser üblich zu erklären, daß jetzt alles von Großbritan- nen abhänge, das heißt, daß Großbritannien der niemanden einen Zweifel daran lassen sollte, welchem Kurs es folgen werde, wenn der Frieden mutwillig gebrochen würde. Ueberall fei man Gestalt Bismarcks in den Episodenwinkel der deutschen und europäischen Geschichte verweisen wollten, so wissen wir heute, daß sie lebendiger geworden sind, als in der äußerlich glänzenden Zeit der „Reichsverdrossenheit" und einer auf dem „mißverstandenen Bismarck" agierenden Politik. Wie ihn der deutsche Stammtisch vor dem Kriege sah, und wie ihn das Ausland meist darstellte, so hat er freilich nie gelebt. Der Rohguß seines Werkes war mit den Schlacken der Zeit durchsetzt, und an seiner gewaltigen Erscheinung suchten sich Uebermut und Haß zu rechtfertigen. Wir, die Erben seines nativ- nalen Reiches, sehen in der neu gewonnenen Einheit des deutschen Volkes die reife Erfüllung seiner leidenschaftlichen deutschen Seele und in ferner eisernen Gestalt den weisen Schützer des europäischen Friedens gegen die Männer des seichten Herzens". _____ menet Verpflichtungen richten werden, der aus ihrer gemeinsamen Teilnahme an bet Völketbundsarbeit folgt. Im Lichte dieser Erwägun- . gen befestigte sich bei Eden sowie auch bei Stalin. Molotoff und Litwinow die Meinung, daß die freundschaftliche Zusammenarbeit beider Länder zur kollektiven Organisierung des Friedens und der Sicherheit und für die weitere Aktivierung der internationalen Beziehungen in dieser Richtung von erstrangiger Wichtigkeit ist." essen beider Regierungen in keiner einzigen Haupt- frage der internationalen Politik bestehen und daß diese Tatsache ein festes Fundament für die Entwicklung fruchtbringender Zusammenarbeit zwischen ihnen für die Sache des Friedens schafft. Sie sind überzeugt, daß beide Länder, in dem Bewußtsein, daß die Integrität und das Wohlergehen jedes einzelnen den Interessen des anderen entsprechen, sich bei ihren gegenseitigen Beziehungen nach jenem Geist der Zusammenarbeit und bet loyalen Erfüllung übernom- tn weiser zeitgebundener Beschränkung seiner Politik auf die saturierte" Stellung Deutschlands in Europa stets die Empfindlichkeit Englands bei aller notwendigen Entschiedenheit des Auftretens zu schonen gewußt und durch Vermeidung jeder hegemonialen Gebärde der natürlichen Neigung Englands in die Hand gearbeitet, sich von kontinentalen Fragen möglichst fernzuhalten. Das schwere Problem, den Bau der deutschen Flotte und die Rivalität auf dem Weltmarkt mit diesem Grund- satz zu vereinen, den Ausgleich zwischen England und Deutschland auch unter veränderten Zeltverhältnissen zu finden, mußte er nach den» unabänderlichen Gesetz irdischen Lebenslaufs feinenNachfol- gern überlassen, die ihm nicht gewachsen waren. — Als Deutschland vor zwanzig Jahren den hum dertsten Geburtstag Bismarcks feierte, hatte sich s e i n e A n g st t r ä u m e e r f ü l l t: die europäische Koalition mit England stand gegen uns m Was- Stalin habe auf die britischen Vertreter Eindruck gemacht, nicht nur wegen seines klaren Blickes für internationale Angelegenheiten, l'jnberti auch durch fein Verständnis für die Eigentümlichkeiten anderer Länder. Dies habe ihm ermöglicht, zu würdigen, warum Grvh- brltannien gegenwärtig nicht als aktiver und unmittelbarer Teilnehmer an einem östlichen Sicherheitssystem in Frage komme. Die Erklärung, daß die Organisation der östlichen Sicherheit nicht auf die Isolierung oder Einkreisung irgendeines Staates abziele, werde in London begrüßt werden. Der Satz des Kommuniques, in dem beide Länder anerkennen, daß die gegenseitige Unverletzlichkeit für sie wichtig sei und daß sie dem Völkerbund treu bleiben, zeige einen „3m Laufe der letzten Tage fanden zwischen Eden und Litwinow Unterredungen über die haupt- achlichsten Momente der heutigen internationalen Lage statt, darunter über den vorgesehenen Ost- pakt, über die im englisch- französischen Kommunique vom 3. Februar bargelegten Fragen sowie über bie weitere Entwicklung unb Besserung ber englisch-sowjetrussischen Beziehungen. Während seines Aufenthaltes in Moskau würbe Eben von Stalin unb Mo- lotoff empfangen. Er hatte Gelegenheit, mit ihnen über bie gleichen Angelegenheiten in einen Meinungsaustausch einzutreten. Währenb ber Un- terrebungen, bie immer in einer Atmosphäre voller Freunbschaftlichkeit unb Offenheit ftattfanbcn, unter- richtete Eben Litwinow über bie kürzlichen Unterredungen zwischen den britischen Ministern unb bem beutschen Regierungsoberhaupt. Es würbe feftgeffellt bah biefe Unterrebungen zur Klärung ber euro- päischen Lage bei trugen. Sowohl Eben als auch Stalin, Molotoff und Litwinow waren der Meinung, daß es angesichts der heutigen internationalen Lage mehr denn je notwendig fei, die Anstrengungen zur Schaffung eines Systems der kollektiven Sicherheit in Europa fortzufehen, wie dies im englisch-französischen Kommunique vom 3. Februar vorgesehen sei und in Uebereinftimmung mit den Grundsätzen des Völkerbundes stehe. 3n der Unterredung mit Eden betonte Stalin, Molotoff und Litwinow, daß bie Organisierung bet Sicherheit in O st - europa unb ber vorgesehene Pakt zur gegenseitigen Unter st ühung nicht bie Isolierung ober Einkreisung irgenb- eines Staates bezwecke, fonbern die Schaffung der Garantie gleicher Sicherheit für alle Paktteilnehmer, und daß die Teilnahme Deutschlands und. Polens an bem Pakt alsbefteCöfungber Frage b e - grüßt würbe. Als Ergebnis bes erfchöpfenben, aufrichtigen Meinungsaustausches ber Vertreter ber beiben Regierungen würbe festgesiellt, baß gegenwärtig keinerlei Wiberfprüche bezüglich ber Inter- Oie englische Fühlungnahme in Moskau abgeschlossen „Die Organisierung ber Sicherheit in Osteuropa bezweckt keine Isolierung ober Einkreisung irgend eines Staates." fen um sein Werk zu zerstören und Europa wieder so zu gestalten, wie es war, ehe er ihm das Reich als unentbehrlichen mittragenden Pfeiler einfügte. Wie viele von uns die Riffe unterschätzten, bie der vernachlässigte und unsolid überhöhte Bau Bismarcks aufwies, so unterschätzten die Gegner die Festigkeit und Beständigkeit seines Fundaments, das unverlierbare Wissen um die Notwendigkeit der deutschen Einheit und die unverzehrbare Wehrkraft des beutschen Soldaten. Däs Bismarcksche Reich, so wie er es schaffen mußte, mit seinem Kaiser und seinen Bundesfürsten, mit allen seinen Nöten und Rücksichten, die er oft grimmig empfand, ist als Zeitwert untergegangen, aber was er über allem Zeitqebundenen mit geschichtlicher Geltung schaffen wollte, das einige Deutsche Reich und die einige deutsche Nation sind geblieben. Wenn in den trüben Jähren nach dem Zusammenbruch deutscher Kleinmut und fremder Triumph das Werk und die deutlichen Fortschritt in der Entwicklung der Beziehungen zwischen dem bolschewistischen Rußland und dem kapitalistischen England. Im gleichen Geiste würden wohl wirtschaftliche Fragen von beiden Regierungen geprüft werden, und Eden sei in der Lage, dem Kabinett Anregungen zu unterbreiten, die sich auf weitere rusfi-' sche Bestellungen in Großbritannien b ei Ge.währung neuer Kredite bezögen. Der Hauptwert des Besuches liege aber in der Beseitigung des Mißtrauens und der Herstellung einer neuen Atmosphäre der Freundschaft und Freimütigkeit. „Daily Herald" überschreibt seinen Bericht: „Die Rivalität zwischen England und Sowjetrußland ist zu Ende". Seit Jahren sei jedes Außenministerium von der Annahme ausgegangen, daß England und die Sowjetunion notwendigerweise Feinde seien. Jetzt seien infolge der Besprechungen Edens^ mit Stalin und Litwinow beide Seiten nicht nur überzeugt, daß ein Konflikt nicht notwendig sei, sondern sie seien geradezu erstaunt, zu finden, wie nahe sie einander in ihren Ansichten von den Weltproblemen ständen. Litwinows Ausspruch von ber „Unteilbar- feit bes Friedens" fei von jetzt ab ber hauptgrunbjah ber europäischen Politik. Die Englänber unb bie Sowjetrussen seien sich einig darüber, baß jebe Art Einkreisung unerwünscht sei, baß Deutschlanbs Teilnahme wichtig sei unb baß Deutschlanb durchaus fair bei voller Anerkennung seiner Gleichberechtigung behanbelt werben müsse. Zugleich könne aber Deutschlanb nicht burch bie Verweigerung feiner Teilnahme bie Errichtung eines Sicherheitssystems verhindern. Das Echo in London. London, 1. April. (DNB.-Funkspruch.) Zu dem amtlichen Kommunique berichtet „Daily Telegraph" aus Moskau, der dringende Wunsch der Sowjet- regierung, dem Kommunique einen Wortlaut zu geben, der zum Ausdruck bringen sollte, «daß Großbritannien eine Haltung unzweideutigen Wohlwollens gegenüber einem östlichen Sicherheitssystem einnehme, das ohne Deutschland abgeschlossen werde, aber jederzeit dessen Beitritt ermögliche, habe am Sonntagabend zu weiteren Beratungen geführt. Eden habe sich genötigt gesehen, nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß er nicht in der Lage sei, vor Beendigung seiner Reise ein Versprechen über die Haltung feiner Regierung abHUgeben. Tage vor Erreichung seines 75. Lebensjahres,' entlassen wurde, sah das politische Europa, durch seine Hände neu geformt, so aus: die deutsche Einheit war gegen den Willen Napoleons III., des „Schiedsrichters Europas", vollzogen, die Dynastie, deren Name und Tradition die nationale Selbständigkeit der Völker bedrohte, zum zweiten Male und für immer beseitigt. Das Habsburgische Kaiserreich, dessen deutscher Kern in der kleindeutschen Lösung der deutschen Frage unter Führung Preußens geopfert werden mußte, war durch ein Bündnis an das Reich angeschlossen, das nach dem Willen Bismarcks weniger ein diplcvnatischer Vertrag sein sollte, als ein Ersatz für die geschichtliche Notwendigkeit, aus dem neuen deutschen Nationalstaat die stammesfremden Kronländer und Provinzen Oesterreichs auszuscheiden. Dieser Mitteleuropäische Block war durch Einbeziehung des neuen Königreichs Italien in das Bündnis nach dem Süden verlängert mit dem Zweck, das romanische Land aus dem Kraftfeld eines erstarkenden Frankreichs zu, ziehen. Ein geheimer Bündnisvertrag mit Rußland schützte das Reich vor dem „Cauchemar des Coali= tions", dem Gespenst eines Zweifrontenkrieges, verhinderte den Ausbruch gefährlicher Rivalität zwi- chen dem Zarenreich und Habsburg in der slawischen Sphäre des Ostens und des Balkans und sollte das Gewicht konservativ-monarchischer Staatsführung in Europa gegen die fortwirkende Anziehungskraft der französischen Revolution auf die Döker verstärken. Ohne unmoderne Romantik war in der Reichsverfassung mit einem aufs höchste ausgeprägten Wirklichkeitssinn die Erhaltung der autoritären Grundlagen des preußischen Staates vereinigt mit der dynastischen Gliederung des Reiches und der notwendigen Vertretung und Mitwirkung des neuen Reichsvolkes. Das Ganze war ein Bau und System, das na^1, ®uDen£ genügender Stärke und Sicherung Achtung forderte, ohne Furcht vor Gewalt zu erregen, und das im Innern die schwierige Erbschaft der deutschen Ge. schichte, Vielheit der Stämme und Dynastien und die damit verbundene Abneigung gegen die Führung durch einen Staat, einer vorzeitigen Verschleuderung entzog und sie sür den künftigen geschichtlichen Einschmelzungsprozeß aufbewahrte. Das letzte Jahrzehnt seiner Amtsführung gehörte fast ausfchließlichlich der E r h a l t u n g und Festigung der Gestalt, die er Deutschland und Europa gegeben hatte; seine letzten Lebensjahre waren erfüllt von bangen Sorgen um den Bestand seines Werkes, und an seinem Ende steht jene gewaltige Vision des Zusammenbruchs die mehr als aues andere zeigt, daß das deutsche Schicksal in ihm eme geheimnisvolle irdische Verkörperung erfahren hatte Den diplomatischen Einbruch in sein kunstvolles kontinentales System durch die „Z e r r e i ß u n g des Drahtes mit Rußland konnte er noch leidenschaftlich bekämpfen, wie er die Gefahren einer vorwiegend von Impuls und Gefühl geleiteten Politik für die Autorität der Krone und für die nationale Dsiziplin früher als alle erkannte. Den letzten und am meisten entscheidenden Grund der Katastrophe, den Z u s a m m e n st o ß mit England, hat er, nahe dem Grabe stehend, wohl geahnt, ms er im Hafen von Hamburg, wo die Schiffe des iun- gen industriellen und seefahrenden Deutschlands sich drängten, mit dem Blick über die Nordsee sagte: „das^ ist frellich eine neue andere Zeit . Er hatte mit allerlei Intimitäten v . treffen Edens mit Stalin aufzuwarten, die nicht ohne Interesse sind. So soll Stalin an Eden die Frage gerichtet haben, ob er die Kriegsgefahr heute für größer oder geringer halte als im Jahre 1914. Eden habe geantwortet, seiner Ansicht sei sie weniger groß. Stalin habe sich zur gegenteiligen Auffassung bekannt. Stalin erklärte, es habe 1914 nur eine Nation gegeben, deren Ausdehnungsbestrebungen die Kriegsgefahr heraufbeschworen, während es 1935 zwei Nationen gebe: Deutschland und Japan. Der Korrespondent fügt hinzu: Stalin sei aber nicht weitschweifig auf die deutsche Gefahr eingegangen, sondern habe im Gegenteil Achtung vor dem deutschen Volke und seinen Eigenschaften. Er habe die Ueberzeugung ausgedrückt, daß ein Versuch, eine Nation in der Mitte Europas niederzuhalten oder zu isolieren, vergeblich bleiben würde. Deswegen befinde sich Deutschland heute in einer gefährlichen Geistesverfassung und Vorsichtsmaßnahmen seien für den Frieden Europas wichtig. Stalin habe mit einem Blick auf eine Landkarte Europas und Asiens gesagt, sonderbar sei der Gedanke, daß die Entscheidung Edens Abreise nach Warschau. Der amtliche Bericht über die Moskauer Besprechung. Moskau, 31. März. (DNB.) Zu Ehren des Lordsiegelbewahrers Eden gab der englische Bot- chafter am Sonntag einen Empfang, an dem Außenkommissar Litwi»now, Außenhandelskommissar R o s e n g o l z, Kriegskommissar W o roch i l o w , der Volkskommissar für Bildung Bubnow und der Ehef des Generalstabes Jegorow teilnahmen. Außenkommissar Litwinow hatte am Samstag zu Ehren des Lordsiegelbewahrers Eden ein Frühstück gegeben, bei dem auch Stalin und Molotow zugegen waren. Am Sonntagmittag besuchte Eden in Begleitung des englischen Militärattaches die Flugzeugwerke Gorbunow, die Bomben- und Jagdflugzeuge für die Rote Armee Herstellen, außerdem unternahm er eine Besichtigungsfahrt auf der Moskauer Untergrundbahn und stattete am Sonntagabend mit seinen Begleitern dem Außenkommissariat noch einmal einen Besuch ab .Es fand nochmals eine Besprechung statt. Dor seiner Abreise nach Warschau besuchte Eden mit seinen Begleitern die Vorstellung im Großen Theater. Zur Aufführung gelangte die tanzpantomimische Bearbeitung des satirischen Lustspiels „Die drei Dicken". In der Loge Edens sah man außer dem englischen auch den französischen, den italienischen und den t ü r k i s ch e n B o t- schafter sowie den tschechoslowakischen Gesandten. Unmittelbar nach Schluß der Vorstellung begab sich Eden zum Bahnhof, um nach Warschau weiterzureisen, lieber die Besprechungen Edens während seines Aufenthaltes in Moskau wurde folgender amtlicher Bericht der Telegraphenagentur der Sowjetunion ausgegeben: Bismarcks Geburtstag. Die Erinnerung an die Lebensdaten der großen Männer der Nation erhält einen über das platte Festbedürfnis hinausreichenden Sinn nur, wenn sie zur Gelegenheit wird, an ihnen den Gang des nationalen Schicksals, das sie einst gestalteten, immer aufs neue zu verfolgen, die Ergebnisse ihres Wirkens abzustecken, das Gültige von dem Vergänglichen zu sondern und so ihr Leben zu stetiger Belehrung und Mahnung werden zu lassen. Bismarck wurde am 1. April 1815 geboren. Mit seinen ersten Lebenstagen begann die große G e - jchichtswende Preußens, Deutschlands und Europas. Die Napoleonische Epoche ging auf dem Schlachtfeld von Waterloo blutig unter, auf dem die Truppen aus allen deutschen Stämmen mit englischen und russischen Heeren den Vernichter des alten deutschen Kaiserreichs besagten und seinen Versuch zur Bildung einer neuen europäischen Universalität unter französischer Führung vereitelten. Das Alte, um das viele gekämpft hatten, wurde, wie immer in der Geschichte, nicht wieder hergestellt. Europa ftat in das Zeitalter der National- staaten, und das alte Deutsche Reich wurde zum deutschen Bund mit seinem Dualismus zwischen Oesterreich und Preußen. Als Bismarck im Jahre 1847 ins politische Leben eintrat, zeigten sich nach langer innerer und äußerer Ruhe die ersten Krisenzeichen dieser Epoche: in Frankreich bereitete sich der Sturz des liberalen Königstums und die Wiederholung der Napoleonischen Aera vor; der „geographische Begriff" Italien formte sich deutlich zum nationalen und europäischen Problem, und in Deutschland komplizierte sich der innerpolitische Kampf der Geister um die nationale Einheit durch die tiefen Gegensätze liberaler und konservativer Anschauungen und durch die immer greibarer werdende Erkenntnis, daß die Berufung zur Lösung der deutschen Frage nicht bei Preußen und Oesterreich gemeinsam, sondern nur bei einem von beiden liegen konnte. Der Rückblick auf die Konstellation der Stunde, die „ihn der Welt verliehen", und auf bie zur Lösung drängenden Fragen, die den Zweiunddreißigjährigen bei Aufnahme seiner öffentlichen Wirksamkeit empfingen, gibt auch den großen Umriß seines Werkes. Als Bismarck am 20. März 1890, zehn Edens Besprechung mit Stalin Ein interessanter Bericht der „Times". 1. April. (DNB.-Funkspruch.) Der Sonderkorrespondent der „Times" in Moskau weiß sich auch klar, daß es beinahe unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnen müsse, dieses Element der Gewißheit zu liefern. Viele zuverlässige Beobachter begrüßten zwar das Helle Licht, das die Besuche in Berlin und Moskau auf den gefährlichen Stand der Dinge in Europa geworfen hätten. Sie hätten indessen die Empfindung, daß der fortschreitenden Lerschlimmerung der Lage noch Einhalt getan werden müsse. Optimismus in Paris. Paris, 1. April. (DNB.-Funkspruch.) Die Pariser Morgenprcssc schwelgt anläßlich der Beendigung der englisch-russischen Besprechungen im Optimismus. Man zeigt sich hocherfreut darüber, daß die bisherigen englisch-sowjetrussischen Gegensätze, wenn auch noch nicht ganz verschwunden, so doch in den heikel st en Punkten überbrückt worden seien. Daraus zieht man die Schlußfolgerung, daß England nunmehr keinerlei Veranlassung mehr habe, den Abschluß eines Ostlocarno s zu Hintertreiben oder durch eine ausgesprochene Angriffshaltung zu erschweren. Die Agentur Havas meldete aus Moskau, es fei die Auffassung russischer Kreise, daß das Ergebnis der Moskauer Reise Edens den vielen Erwartungen, die man daran geknüpft habe, in jeder W'öife gerecht geworden fei. Die amtliche Schlußvereinbarung überschreite sogar die kühn st en Hoffnungen. „Oeuvre" dagegen erinnerte daran, daß Eden nur informationshalber nach Moskau gegangen sei. Wenn man auch nicht bezweifeln wolle, daß zwischen England und Sowjetrußland eine merkliche Entspannung eingetreten sei, so müsse man andererseits aber auch daran erinnern, daß nur die englische Regierung berufen sei, Schlußfolgerungen anzunehmen oder abzulehnen. Das „I o u r - n a l", das sich nie für eine zu enge französisch-sowjetrussische Zusammenarbeit begeistern konnte, findet in der Verlautbarung über die Moskauer Besprechungen nicht viel Anhaltspunkte für einen berechtigten Optimismus. Selbst wenn man voraussetze, daß die Frage des Fernen Ostens eingehend geprüft worden fei, so müsse' man doch zugeben, daß die sogenannte Verständigung noch nicht sehr weit gehe. In der Frage der kommunistischen Propaganda bestehe immer hinsichtlich Indiens eine Frage von großer Be- noch Unklarheit, obgleich gerade sie für England deutung sei. Frankreichs politische Freundschaften Herriot über die Organisierung des Friedens. Paris, 1. April (DNB.) Staatsminister Herriot hielt als Vorsitzender der Radikalsozialistischen Partei auf dem Landesparteitag in Lyon eine Rede, die in eine Vertrauenskundgebung für Minister- * Präsident Flandin ausklang. Herriot erklärte, die Wirtschaftskrise verringere immer noch die Steuereinnahmen und stelle das Gleichgewicht der Haushaltspläne in Frage. Das sei eine Tatsache, die die Vereinigten Staaten und England, die als gefestigte Länder galten, erfahren hätten. Der B e - schloß Belgiens zur Abwertung seiner Währung zwinge Frankreich zu einer besonderen Achtsamkeit, wenn es Abenteuer vermeiden wolle, die gewisse Leute wünschten, deren Folgen aber niemand absehen könne. (Diese Bemerkung richtet sich gegen die Befürworter einer Frankenabwertung.) Die außenpolitische Lage sei besorgniserregender als die innere Lage. Frankreich habe auf gewisse Hoffnungen verzichten müssen, die es Deutschland gegenüber gehegt habe. Das republikanische Frankreich sei Gegenstand eines zunehmenden „Hetzfelbzuges", der den Versuch unternommen hätte, die Alliierten des großen Krieges, die die „Freunde des Friedens" geblieben seien, zu trennen. Trotz unserer Enttäuschung werden wir keine aggressiven Warte gegen Deutschland richten, gegen ein großes arbeitsames Volk, das entschieden das Recht auf Würde und Sicherheit hat, gegen eine Ration, der wir im Iahre 1932 ein „völlig befriedigendes" Regime angeboten haben, gegen ein Land, mit dem wir gern freundschaftlich im Rahmen des Völkerbundes Zusammenarbeiten würden. Aber entgegen der Ansicht mancher Leute haben wir kein Mittel, diesem Volke den Beitritt zu einer internationalen Organisation aufzuzwingen. Es ist Herr seines Geschickes. Wenn es, wie es scheint, nicht bereit ist, in eine Zusammenarbeit einzukreten, kann es uns nicht daran hindern, daß wir uns von uns aus daran beteiligem Seine Entschließungen und seine Kommentare haben den Vorteil, die Lage zu klären und Entscheidungen herbeizuführen. Auf unserem letzten Landesparteitag wünschte ich eine Annäherung an Italien, dessen Leistungen im letzten Kriege man unterschätzt, und das man vielleicht mit einer gewissen Ungerechtigkeit behandelt hat. Die Ergebnisse sind jetzt eingetreten. Ich wünschte auch die Aufrechterhaltung unserer Freundschaft mit den Vereinigten Staaten. Vor einigen Jahren sahen wir die Vereinigten Staaten neben uns in der Verteidigung der großen Grundsätze der Freiheit und der Demokratie. Seit der Ablehnung der Vereinigten Staaten, sich am Haager Schiedsgerichtshof zu beteiligen, haben sie sich i mjn er weiter entfernt. Die europäischen Völker haben wieder einen großen Fehler gemacht, der schon einmal die Monroe-Doktrin heroorgerufen hat. Glücklicherweise können wir eine neue Freundschaft, die de r Sowjetunion, verzeichnen. Die Sowjetunion ist in den Völkerbund eingetreten, um in der Verteidigung des Friedens Westeuropa beruhigen. Wenn Deutschland es unternimmt, sich an der internationalen Zusammenarbeit zu beteiligen, so ist das die beste Lösung. Wenn D? üschland es ablehnt, wird uns nichts das R cht nehmen, Pakte der gegenseitigen Unter ff ti^urig zu unterzeichnen, nicht etwa reine Wortspiele, die keinen Wert hätten, sondern Pakte, die gegenseitige Garantien sichersielten, nicht etwa Militärbündnisse nach Art der Vorkriegsbündnisse, sondern regionale Abkommen, die allen offen- bteiben, die sich an ihnen beteiligen wollen, um ihren guten Willen zu beweisen, rein defensive Abkommen wie der Valkan- pakt, in dessen Rahmen Frankreich seine lieben Freunde von der Kleinen Entente und der Türkei gefunden hat. Warum sollte das Regime von Locarno, das im Westen gut ist, nicht ebenso gut im Offen fein? Natürlich will ich- daß diese Pakte nicht nur Deutschland offen- siehen, sondern auch jenem Polen, für das Frankreich sein Blut hergegeben hat. heute sei Festigkeit der Regierung notwendiger denn je. Flandins Ansirengungen zur Verteidigung des Regimes müßten voll und ganz gutgeheißen werden. Frankreichs Kriegsminifter fordert moralische Erstarkung. Paris, 31 März. (DRB.) In der Sorbonne fand die Feier des Gründungstages der Rationalen Vereinigung der Reserveoffiziere statt. Anwesend waren u. a.: der Präsident der Republik, Marschall Petain, Ge- n-eral Weygand, ferner die Generäle Corneliu und Colson. Kriegsminifter General Maurin feierte die ausgleichende Wirkung der Uniform und Die Manneszucht, die er aber von kriegerischer Gesinnung unterschieden wissen wollte. Die militärische Manneszucht lasse sich allerdings nicht restlos auf das bürgerliche Leben übertragen, aber ihre Tugenden bildeten doch die sichersten Grundlagen auch für das bürgerliche Leben. Der Minister bedauerte, daß Frankreich seit Kriegsende nicht ausreichend für feine materielle Kriegsoorbereitung gesorgt habe. Man müsse den Mut haben, geldliche Anstrengungen von allen zu verlangen. Ein Dolksheer sei undenkbar ohne eine weitgehende militärische Ausbildung und ohne modernes Material zur Abwehr eines Einfalls. Auf die Manöver der auf kriegsstarken Fuß gebrachten 41. Reserve-Division anspielend, sagte der Kriegsminister, daß kurze Ausbildungszeiten nicht vollwertig seien. Im Ernstfall würde die Opferwilligkeit hinzukommen, die Frankreich im Weltkrieg gerettet, und die die Heere und Völker wahrhaft stark machten, da sie allein die wirkliche Volkseinigung zustandebringen könne. Diese Einigung sei jenseits der Grenze bei einem Vo)ke vollzogen, das sich einem widrigen Geschick nicht beugen wollte. Heute schmiede dieses Volk wieder Waffen, aber vorher — und das dürfe man in Frankreich nicht vergessen? — habe es seine Seele wieder stark gemacht. Frankreich fei eingeschlafen und habe sich zu lange auf die Verträge verlassen, denen allein die Macht hätte Achtung verschaffen können. Nichts könne die Franzosen von ihrer leidenschaftlichen Friedensliebe abbringen, aber diese Liebe habe nichts mit dem gefühlsduseligen Pazifismus gemein. Man habe Frieden, wenn man ihn f i ch verdiene. Es fei noch viel zu tun, vor allem auf moralischem Gebiet. Da Frankreich ein Volk zum Nachbarn habe, das ganz und gar unter Waffen stehe, müsse es vor allem sein Verteidigungssystem verbessern. Er werde daher die erforderlichen Streitkräfte an der Grenze wenn nötig verstärken, damit sie dort arbeiteten und Wache hielten. „GMaten des Friedens." Dr. Goebbels appelliert an die Vernunft der Welt. Karlsruhe, 31. März. (DRB.) Der Gau Baden der NSDAP, feierte fein zehnjähriges Bestehen. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete eine gewaltige Kundgebung auf der Höchschulkampfbayn, bei der Reichsminister Dr. Goebbels sprach. Eine kluge Führung, erklärte er u. a., müsse dafür sorgen, daß die innerpolitischen Maßnahmen in Uebereinftimmuna gebracht würden mit den Erfordernissen ber Außenpolitik. Es sei unfair, wenn heute gewisse Kritikaster auf den einen ober anderen Amtswalter hinwiesen, um zu zeigen, daß der Nationalsozialismus Fehler mache. „Wir, die wir in den vergangenen zwei Jahren so viel getan haben, haben damit -das souveräne Recht erworben, auch einmal Fehler zu machen. (Stürmischer Beifall.) Die Pharisäer, die gar nichts tun, können allerdings auch feine Fehler machen. (Heiterkeit.) Freilich haben wir Glück gehabt, aber das Volk will lieber von Leuten geführt werden, die Glück haben. Im übrigen hätte man ja annehmen können, daß unsere Vorgänger mehr Glück hätten, da sie ja immer so taten, als sei der liebe Gotte ihr Fraktionskollege. (Stürmische Heiterkeit.) Die Partei ist aber nicht selbstzufrieden geworden, sondern sie ist unermüdlich in der Stellung neuer Aufgaben. Jeder aus den Reihen der Bewegung, auch der kleinste Pimpf im Jungvolk, trägt heute d e n Marschallstab im Tormist er, denn wir haben den Satz „Freie Bahn dem Tüchtigen" zur Wahrheit gemacht. Der Führer und seine Mitarbeiter haben ganz allein die Verantwortung übernommen. Während die Kritikaster genörgelt haben, hat Die Regierung eine neue Wehrmacht aufge - baut. (Stürmischer Beifall.) Eine Nation, die eine Führung besitzt, ist immer anderen Nationen, die parlamentarisch regiert werden, überlegen." Dr. Goebbels kam dann auf die Außenpolitik zu sprechen und sagte u. a.: „Es ist nicht wahr, das Deutschland den Korridor, Teile der Tschechoslowakei, Oesterreich und Elsaß-Lothringen ober sonstige Gebietsteile gefordert hat. Wenn aber ausländische Zeitungen solche Lügen verbreiteten, so sind sie es, die Europa beunruhigen. Wir drohen niemandem, aber wir lassen uns auch nicht bedrohen. (Stürmischer Beifall.) Wir sind der Ueberzeugung, daß etwas weniger Gerede, aber etwas mehr Vernunft der Welt sehr dienlich wäre. Der Führer hat der Welt oft ge- nug b i e Versöhnungshanb hinge st reckt. Diese Versöhnungshand bleibt weiter offen. In dieser Stunde möchte ich einen Appest an die 2ßelt und an die Staatsmänner der Welt richten, baß sie ber Welt ben Frieben geben, ber auf ber Achtung aller gegen alle beruht. Deutschlanb wirb bann auch bie besten Solbaten bieses Friebens, ber jebem feine Ehre läßt, stellen.. Diesem Frieden hat sich das deutsche Volk mit seinem Führer verschworen." „Durch Sozialismus zur Nation." Oer Reichsjugendführer auf der großen Lungarbeiterkundgebung in Essen. Essen, 31. März. (DNB.) Die große Jungarbeiterkundgebung vom März vorigen Jahres erlebte am heutigen Sonntag an der gleichen Stelle wie vor einem Jahre und wie künftig alljährlich, ’-b * Wird Macdonald den Außen- Minister nach Stresa begleiten? Im Herbst vermutlich Umbildung des Kabinetts. London, 31. März. (DNB.) Nach Ansicht des „Observer" ist für den Frühherbst aller Voraussicht nach mit einer vollständigen Umbildung des britischen Kabinetts zu rechnen. Man könne mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß Macdonald sich dann entschließe, die Ministerpräsident- fchaft Baldwin zu übertragen. Das umgebildete Kabinett, dem auch Macdonald als Minister angehören werde, würde auch weiterhin eine „nationale Regierung" sein, sich also aus Vertretern der drei Gruppen zusammensetzen, die auch jetzt die Regierung bilden. Macdonald, der sich jetzt wieder ausgezeichneter körperlicher und geistiger Frische erfreut, werde auf jeden Fall den Posten des Ministerpräsidenten während der Jubiläumsfeierlichkeiten und noch einige weitere Monate beibehalten. Die internationalen Ereignisse hätten d i e Einmütigkeit des Kabinetts Macdonald bestätigt, ,uni) man sei eins in der Auffassung, daß jetzt nicht die Zeit für einen Wechsel in Der Führung der Regierung sei. Der Berichterstatter hält es für sehr gut möglich, daß sich Macdonald entschließen werde, a n der Zusammenkunft in Stresa, zu der Mussolini, Flandin und Laval erwartet würden, in Begleitung Sir John Simons teilzunehmen. Denn es wachse die Ueberzeugung, daß Großbritannien auf dieser Konferenz mit voller Autorität vertreten sein müsse. Todesurteil im Berliner Kindermord-Prozeß. 3m Mordprozeß gegen die 24jährige Frau Charlotte 3ünemann, die ihre drei kleinen Kinder Ende Januar d. I. in ihrer Kellerwohnung hilflos zurückließ und dem Hungertode preis- gab, verkündete der Vorsitzende des Berliner Schwurgerichtes, Landesgerichtsdirektor Dr. Bode, folgendes Urteil: Die Angeklagte hat sich des Mordes schuldig gemacht und wird zum Tode verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihr auf Lebenszeit aberkannt. Die Angeklagte nahm das Urteil in sich zusammengesunken und teilnahmslos entgegen. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende eu. a. aus: Es mag mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß den zuständigen Fürsorgestellen nicht die mindeste Schuld beigemessen werden kann. Die Angeklagte hat so viel zugeteilt erhalten, daß sie bei vernünftigem Verhalten ihrerseits die Kinder durchs Leben bringen konnte. Das Schwurgericht ist davon überzeugt, daß die Angeklagte an Stelle des Muttergefühls nur noch einen abgrundtiefen haß gegen ihre Kinder hegte. Sie wollte sich wegen der Kinder keine Unannehmlichkeiten machen und trachtete danach, sich ihrer zu entledigen. Wenn die Angeklagte ihre Tat als den tragischen Ausgang eines Konfliktes zwischen ihrer Mutterliebe und der Liebe zu ihrem Freunde hinstellen will, so ist nach Ueberzeugung des Gerichtes alles, was sie in dieser Hinsicht vorgebracht, e r - logen. Don einer tiefen Liebe kann bei der Cafehausbekanntschaft zu einem fünf Jahre jüngeren. unreifen Menschen doch auch keine Rede sei«. Eine tiefe Liebe veredelt den Menschen, aber sie bringt ihn nicht dazu, drei unschuldige Kinder zu töten. Eine tiefe Liebe hätte es auch verhindert, daß die Angeklagte hier in der Hauptoerhandlung die n i e - dertrachtigsten Beschuldigungen gegen ihren Freund erfunden hätte. Ihr ganzes Verhalten zeigt, daß sie die Kinder vorsätzlich und mit Ueberlegung getötet hat. — Ebenso teilnahmslos, wie sie ihr Urteil empfangen hatte, nahm die Angeklagte die Begründung des Vorsitzenden entgegen. Eröffnung des beschleunigten Lustpostdienstes Deutschland-Südamerika. In Anwesenheit der diplomatischen Vertretungen der südamerikanischen Staaten eröffneten der Reichsverkehrsminister Freiherr von Eltz-Rübe- n a ch und Staatssekretär Generalleutnant Milch auf dem Flughafen Tempelhof den beschleu- nigten Luftpostdienst Deutschland — Südamerika. Mit dieser neuen Verbesserung errichtet die Deutsche Lufthansa die allwöchentlich schnellsten Luftpostoerbindungen zwischen Europa und Südamerika. Die Beförderungszeit wird dadurch von fünf bis sechs Tagen auf drei Tage beschleunigt. Zu welcher Bedeutung für den Verkehr die Luftpostoerbindung Deutschland — Südamerika bereits gelangt ist, .ergibt folgende Feststellung aus dem Monat November v. I. Danach betrug der Anteil an Briefen und Postkarten, die von Deutschland mit der Luftpost nach Südamerika befördert wurden, über 15 v. h. der Gesamtmenge der aus Deutschland nach Südamerika versandten Briefe und Karten. Der Reichspostminister gab den Inhalt der ersten Postsendung bekannt: Briefe der Gesandten von Uruguay, Argentinien und Brasilien, des Reichsluftfahrtministers General Göring, des Reichspostministers und der Deutschen Lufthansa. Im Hellen Scheinwerferlicht der Wochenschauapparate wurden die Briefe darauf abgestempelt. Sodann beglückwünschten die Gesandten von Uruguay und Brasilien sowie der Geschäftsträger von Argentinien die Lufthansa zur Eröffnung dieses Schnelldienstes. Darauf übergab Reichsminister von Eltz-Riibenach dem Flugkapitän der JU 52, die anschließend zum ersten Flug des beschleunigten Luftpostdienstes startete, die Post zu treuen Händen. Nachdem das Deutschlandlied, das Horst-Wessel-Lied und die Nationalhymnen der fremden Staaten verklungen waren, begaben sich die Ehrengäste auf das Flugfeld, wo die Flugmaschine „D Amon" für den ersten Flug bereitstand. Um 22.50 > Uhr erhob sich die Maschine in die Luft, um nach einer kurzen Schleife den Blicken der Zurückbleibenden zu entschwinden. Aus aller Wett. Großfeuer in der Wetterau. Friedberg, 31. März. (LPD.) heute vormittag brach in der hofr eite des Bauern Gustav Aley in Reichelsheim Feuer aus. Die Scheune, in der der Brand entstand, war innerhalb weniger.Minuten ein einziges Flammenmeer. Der Freiwilligen Feuerwehr Reichelsheim gelang es, 'bas stark gefährdete Wohnhaus und die übrigen Nachbargebäude zu retten. Der Brandverlust ist außerordentlich groß und trifft den Besitzer um -so schwerer, da er nicht versichert ist. Neun fette Schweine kamen in den Flammen um, vier weitere mußten infolge Brandwunden Lotgeschlachtet werden. Das übrige Vieh konnte m Sicherheit gebracht werden. Goldenes Dienfljubilaum des Generals Tappen. Generalleutnant a. D. Tappen in Berlin- Lichterfelde hat am 1. April 1935 fein goldenes Dienstjubiläum als preußischer Sol dat und Offizier. Dor 50 Jahren trat er im Feld- Artillerie-Regiment 15 ein. Er, der schon vor dem Kriege Abteilungschef im Großen Generalstab war, war im Kriege Chef der Operationsabteilung im Generalstab des Feloheeres und später Chef des Generalstabes der Heeresgruppe Mackensen. Zuletzt war er Kommandeur der 15. Infanterie-Division. In der Nachkriegszeit kämpfte er in den Reihen des Stahlhelm, BdF., für die nationale Befreiung des Vaterlandes. Im Jahre 1933 war er als Oberlandesführer Chef des Stabes des Bundesamtes des Stahlhelm, Bundes der FrontfoDaten. Oslervorfreude für 14 000 Berliner Kinder. 14 000 bedürftigen Kindern Berlins wurde am Sonntag eine große Ueberrafchung bereitet. Der Gau Groß-Berlin der NS.-Frauenschaft hatte auf 30 Plätzen und Anlagen Berlins ein Ostereier- suchen veranstaltet. 70 000 bunt bemalte Eier wurden unter Jubelgefchrei „gefunden" und mit glücklichen Mienen heimgebracht. Dieses Ostereierfuchen stellt den Auftakt für die bis zum 7. April m Berlin stattfindende „F rü h j a h r s - Ei e rw o ch e" bar. Großkonzerl der Wehrmacht zum Besten der Winterhilfe in Berlin. Zum Besten der Winterhilfe und als Abschluß seiner Veranstaltungen für den Winter 1934/35 fand im Berliner Sportpalast ein vom Wehrkreiskommando III veranstaltetes Großkon» zertberWehrmacht unter Leitung des Heeres- musikinspizienten Prof. Hermann Schmidt statt. Rund 300 Musiker und 200 Sänger wirkten an der hervorragenden Veranstaltung mit, die unter dem Protektorat des Reichswehrministers Generalobersten von Blomberg stattfand und eine Besucherzahl angelockt hatte, die den Sportpalast bis auf den letzten Platz füllte. Der erste leil des Abends brachte vorwiegend klassische Musik. Der Einmarsch der Spielleute, Sänger und Fanfarenbläser leitete über zum zweiten Teil des Abends, in dem beliebte Märsche und Soldatenlieder geboten wurden. Brausender Beifall folgte den vorzüglichen Darbietungen. Orkan über Nord- und Mittelilaken. — Bisher zehn Todesopfer. lieber Nord- und Mittelitalien ist ein Orkan von außergewöhnlicher Kraft gebraust, der schwere Verwüstungen anrichtete und auch Todes» opfer forderte. Besonders mitgenommen wurden Venetien und die an der Küste der Adria gelegenen Gebiete. Zahlreiche Häuser wurden abgedeckr, Bäume entwurzelt, Mauern zum Einsturz gebracht, Tele- araphenlettungen zerstört. In der Umgebung von Ancona und in anderen hochgelegenen Orten ist Schnee gefallen. Die Temperatur fanf auf drei Grad Wärme. An der Adria wurden zahlreiche Fischerboote auf dem Meere vcun Orkan überrascht und kenterten. Die Zahl her Todesopfer ist noch nicht genau bekannt; mehrere Fischer werden vermißt. In Mailand wurde ein Mann von einem Hochspannungsleitungsdraht getroffen und sofort getötet Der Orkan hat auch an der mittleren Adria Todesopfer gefordert Zahlreiche Barke« zerschellte« an der Küste, darunter auch Motor* barten. Bis setzt werden zehn To'te und 19 Dev» mißte gemeldet. Winlergewttler zerstört eine Kirche. Die Münsinger Alb (Württemberg) wurde bei einem Wintergewitter von einem Brand« Unglück heimgesucht. Der Blitz schlug in den Turm der katholischen Kirche in Nagolsheim ein und zündete. Es herrschte ein derartiger Schnee st urm, daß man die Rauchentwicklung zuerst gar nicht bemerkte. Erst als das Feuer sich schon ausgebreitet hatte, wurde der Brand entdeckt. Obwohl die Feuerwehr alle Anstrengungen machte, war die Kirchs nicht mehr zu retten. Die Kirche wurde vollständig zerstört — In Mehrstetten wurde ebenfalls durch Blitzschlag ein Wohnblock von drei Häusern und zwei Scheunen ein Opfer des Feuers. Neuinszenierung der „Ägyptischen Helena" in der Berliner Staatsoper. „Die ägyptische Helena" von Richard Strauß war die erste vollständige Neueinstudie» rung der Berliner Staat so per unter Leitung von Clemens Krauß und gestattete sich zu einem Festabend. In der großen Mittelloge wohnte der Führer der Aufführung bei, neben ihm Ministerpräsident General Göring, Reichswehrminister Dort Blomberg, Reichspropagandaminister Dr. Goebbels und der bayerische Staatsminister Dr« Wagner mit den Herren ihrer Begleitung. Jrt einer Orchesterloge konnte Richard Strauß de« Jubel des begeisterten Hauses über sein Werk dankend entgegennehmen. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die Zufuhr feucht-milder Ozeanluft, die an der vorgelagerten Kaltluft zum Abgleiten kam, gab am Sonntag Anlaß zu verbreiteten Niederschlägen, die zum Teil bis in die Niederungen hinein aus Schnee bestanden. Inzwischen hat sich zwar die milde Lust bis zum Boden hin durchgesetzt, doch begünstigt die Entwicklung eines kräftigen Tiefdruckwirbels über Südskandinavien und eines Hochdruckgebietes über dem Ostatlantik eine neue Zufuhr kalter polar-maritimer Lust. Mit ihrem Eintreffen wird die Witterung auch bei uns wieder mehr einen Charakter an» nehmen, den man mit Aprilwetter bezeichnet. Aussichten für Dienstag: Wieder mehr wechselnd bewölktes Wetter mit einzelnen Niederschlagsschauern, bei lebhaften westlichen bis nördlichen Winden neue Abkühlung. Lufttemperaturen am 31. März: mittags 3,6 Grad Celsius, abends 3,6 Grad; am 1. April: morgens 5,2 Grad. Maximum 5,3 Grad, Minimum 0,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 31. März: abends 4,8 Grad; am 1. April: morgens 4,7 Grad Celsius. — Niederschläge 2,7 mm.______________ Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Berantworttich für Politik: Dr. Friedrich W. Langs« für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck^ verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. II. 35: 11790. Druck und Verlag? Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämllich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf« Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr« Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig^ Arabit Verkäufe Miele S Staubsauger rm. k Lieferung durch die Fachgeschäfte. A Gesellschaft Liebigmuseum Gießen Einladung zur Mitglieder-Versammlung in Gießen am Montag, 15. April 1935, 18 UhrLHörsaal d-Liebigmuseums Tagesordnung: 1. Jahresbericht 2. Kassenbericht und Entlastung des Vorstandes X Veranstaltungen 1935 4. Verschiedenes____________ Uenbauhypotheken 1. und 2. Hypotheken zu günstiges Bedingungen durch im» ^och & Glenr Darmstadt, Rheinstr. 47, Tel. 178H Freiwillige Versteigerung Samstag, de« 6. Avril, «achm» 1 Uhr, findet in iwoO Lollar,Hauptstr.63 eine freiwillige Versteigerung land» wirtschasllicher Maschinen und Geräte statt. Unter anderem 1 Ge» treidemaher, 1 Heuwender, dret Doppelspannerwagen, 1 Einspäne ner m. Ernteleitern, 1 Apselmühlq» 1 große Kelter, Tische und Bänken Der Verkauf erfolgt gegen bofr s-r-Zlm.-UOmili zu mieten gesucht, msö Vevthold Lacobv Nachfolg.Robert Ulrich G.m.b.H. Wiesbaden,Taunusstraße 9. Vornehm I Geschmackvoll! Persönlich! Diese wesentlichen Eigenschaften der guten Familien - Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Ausführungsarten und Papieren zujnißlgen Preisen Brühl’sche Druckerei, Sriwtetr. 7, Ruf 2254 I Vermietungen | Sch. 5-Z.Wobnung m. 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Walther Die Beisetzung erfolgte in aller Stille in Frankfurt am Main-Bornheim. Die trauernd Hinterbliebenen. Gießen, den 1. April 1935. 01401 Holz in folgenden Losen: Los 1 Klasse la 0,50 Fstm. Los Gießen, den 1. April 1935. 01396 imD Los 2 Los 3 Los 4 Los 5 Los 6 Los 7 1b 3,72 2a 25,10 2b 3145 2b 30,32 3a 32,51 3a 32,44 3b 46,03 Spielvereinigung 1900 e.V. Der Vorstand. Angebote sind je Festmeter und Los verschlossen und mit der Auf- schrrst „Nutzholzverkauf" bisSams- tag, den tz. Avril 1935, vormittags 11 Uhr, bei dem Ortsbürgermeister emzureichen, wo im Beisein etwa erschienener Bieter die Eröffnung Molgt. Bieter ist 14 Tage cm sein Gebot gebunden. - Zuschlagsfrist 14 Tage._________________ Im Namen der Hinterbliebenen: Irene Dickhardt, geb. Brücken. Gießen, Schottstraße 5 (z. Z. Wilhelmstr. 52p.), den 1. April 1935. Die Trauerfeier findet Dienstag, den 2. April, nachmittags 2 Uhr in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt —Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. Fichtennuhholzsubmission. Die Gemeinde Großrechtenbach verkauft im Wege des schriftlichen Angebots 213^43 km Fichtenstamm- Für die erwiesene Anteilnahme beim Heimgang unsrer lieben Entschlafenen Frau Susanne Krämer Ww. geb. Kissel sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank Die trauernden Hinterbliebenen. Freitag um 22.20 Uhr entschjief nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser geliebter Vater Fritz Dickhardt Los 8 4a ii;36 7, Ein kleiner Teil des Holzes liegt dicht bei dem Schiehstand des Klein- kallberschübenvereins. Eine Gewahr für Kugelsteckschutz für dieses und das gesamte Holz wird nicht übernommen. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser lieber FRITZ DICKHART gestorben ist.-Die Trauerfeier findet Dienstag, den 2. April 1935, nachmittags 2 Uhr, in der Kapelle des N euen Friedhofs statt-W ir bitten um zahlreiche Beteiligung. Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von S Pf. für die 1 MllllmeterzeHe veröffentlicht Sind Sie krank? glnsser - A U. f a t. - Knoblmtthsast Kann Helfer». Gr stärkt die Widerstandskraft desKörpers und bringt günstige Ginwirkungen bei Stoffwechsel-, Magen-, Darm- und Altersbefchwerden. — In Apotheken und Drogerien zu Mk. 3,—. Dr.ginsserLCo. GmbH.Leipzig Gl sendet gern nähere Aufklärung. Uhr. Alles sehr billig. 01406 Ludwigs# 27 p Verschiedenes] Fäll, todsich. u. Gar. innerh.5-6Tag. restl. mit Wurzel beseitigt Waschen Spannen und Bügeln 59 D (auch nur Spannen) von Vorhängen Gardinen Strickdecken in sachgem. Ausfuhr. Großwäscherei Edelweiß Verloren Aktentasche mit Werheug. Geg. Belohng. abzug. Kevlerftraste 9 p AusguiemHcruse Hühneraugen 1 Küchenschrank Warzen,Hornhaut M. 10.-,Küchen- werd. inf. der liefen- aeschirr, Stühle, wirk, auch I. d. hartn. Bett,Bilder und '........ Verkaufe meine Bürö-Einrichtang aus der Hand: 1 kl. Kassensehr., 1 Aktenklappschr. 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So singt Fontane und so lebt er in unserer Erinnerung mit dem blitzenden Helm, den mächtigen Stiefeln, in dem blauen Ueberrock und dem gelben Kragen der Seydlitz-Kürassiere. So lebt er im Herzen des Volkes. Wir wissen nicht viel von Bismarcks Soldatenzeit, kaum mehr als daß er am 25. März 1838 beim Garde-Jäger-Bataillon in Potsdam als Einjährkh-Freiwilliger eintrat und sich im Herbst des gleichen Jahres zum Pommerschen Jäger- Bataillon Nr. 2 nach Greifswald versetzen ließ. Als Flügelmann der 3. Kompanie hat der lang auf- geschossene Jüngling dort bis zum Ende des Freiwilligenjahres Dienst Man. Bismarck, dem das Soldatische von Geschlechtern her im Blute lag, der wußte, was Disziplin für ein Heer bedeutet, legte, so lange er den bunten Rock trug, seinem Temperament Zügel an. Auch von den zahlreichen Hebungen, die der zum OffiAer Beförderte in späteren Jahren beim Bataillon und bei der Kavallerie, zu der er übertrat, machte, ist keine sichtbare Spur verblieben außer der bedeutsamen, daß man die Lebensrettung eines Burschen und seines Dieners, den er mit eigener Lebensgefahr aus den Fluten des Lippehner Sees holte, auf ihr Konto setzen muß. Und doch haftet seinem Wesen, seinem Aeußeren immer etwas Soldatisches an. Er selbst hat es oft zum Ausdruck gebracht, daß er viel lieber den Hohenzollern mit dem Schwert auf dem Schlachtfeld als mit der Feder am Schreibtisch gedient hätte. Noch im Jahre 1882 erklärte er in einer Reichstagsrede: „Das erste, was man mir bei meinem ersten Auftreten als Ministerpräsident entgegenhielt, war etwas, was mir sehr schmeichelhaft war. Man sagte mir: dem sieht man auf den ersten Blick an, daß er nichts ist als ein preußischer Offizier in Zivil. Ich habe das Anerkenntnis dankbar angenommen; und das Gefühl als preußischer Offizier, wenn ich auch nur die äußeren Zeichen davon habe, trägt mich noch höher auf der Woge der nationalen Bestrebungen der Vaterlandsliebe, als irgend eine parlamentarische Attribution, die ich hier ausübe." Wir Nachfahren können uns den „Eisernen Kanzler" kaum anders denken, als wie er im blauen Rock mit dem gelben Kragen der ,^)alberstädter" in Kürassierstiefeln trutzlg und eigenwillig durch die Weltgeschichte schreitet, und vergessen darüber den vielgewandten Diplomaten, der mit feinstem Fingerspitzengefühl die Geschicke der Völker lenkte. Sein Herz schlug auch im Zivil warm für die Armee. Die Sorge um die Fortentwicklung des Heeres hatte einst seinen König bewogen, ihn auf den Posten des Ministerpräsidenten zu berufen. Mit aller Leidenschaft hat er den Kampf für sie ausgenommen, hat seinen Gegnern zugerufen: ,Leoer Staat, dem seine Ehre und Unabhängigkeit lieb ist, muß sich bewußt sein, daß fein Friede und seine Sicherheit auf seinem eigenen Degen beruhen!" — Mit soldatischem Mut hat er, als das Parlament die Gefolgschaft versagte, auf eigene Verantwortung die Reform durchgesetzt. Auch äußerlich blieb er der Armee verbunden. Wenn auch feine dienstliche Tätigkeit als Diplomat und Kanzler ihm keine militärischen Hebungen mehr gestatteten, so legte er doch Wert darauf, als Landwehroffizier dem Heere weiter anzugehören und begrüßte mit stolzer Freude seinen späteren Aufstieg auf der militärischen Stufenleiter bis zum Generaloberst und Chef eines der ältesten preußischen Reiterregimenter, des Kürassier-Regimentes von Seyd- litz (Magdeburgisches) Nr. 7. Die Uniform legte er auch an, als er als Ministerpräsident feinen König in zwei Kriegen ins Felo begleitete. Er verfolgte mit scharfem Blick die strategische und taktische Entwicklung und griff in ihren Gang ein, so nach der Schlacht bei Königgrätz, wo er 3ur Schonung des österreichischen Ehrgefühls die Besetzung Wiens verhinderte, so beim Abschluß des Frankfurter Friedens, wo er zur Erleichterung der Verhandlungen auf Belfort verzichtete. Für den Mann in Der Front hatte er tiefes Verständnis, ein warmes Herz. Als die Schlacht von Königgrätz sich ihrem Ende zunelgte und der König mit feinem Gefolge durch den finkenden Abend ins Quartier ritt, zündete sich Bismarck voll Befriedigung feine letzte Zigarre an. Da hörte er das Stöhnen eines am Wege liegenden preußischen Reiters. Ohne Zögern sprang er vom Pferd und steckte dem Verwundeten die soeben in Brand gesetzte Zigarre zwischen die Lippen. Das neue Reich entstand. Preußen schloß mit den süddeutschen Staaten Militärkonventionen ab. Er beließ den einzelnen Kontingenten ihr Eigenleben und ihre Selbständigkeit, sorgte aber dafür, daß im Kriegsfall der Oberbefehl des Königs von Preußen als deutscher Kaiser, im Frieden die Einheitlichkeit der Ausbildung und Ausrüstung gesichert waren, und wachte darüber, daß die Wehrrüstung des gesamten Volkes dauernd auf der Höhe blieb. Zwar war er weit davon entfernt, die deutsche Zukunft leichtfertig aufs Spiel zu setzen. „Die Knochen eines pommerschen Grenadiers" waren ihm zu schade, um auf dem Balkan zu bleichen. Aber er war kein Freund des „faulen Friedens, der der Befürchtung ausgesetzt ist, jeden Tag, jede Woche gestört zu werden. So mahnte er sein Volk: „Es hat keine Generation in Deutschland gelebt, die nicht genötigt war, gegen Frankreich den Degen zu ziehen." So schritt er zur Einbringung und Durchführung der großen Militärvorlagen der letz- ten Jahre seiner Kanzlerschaft. Der König schrieb ihm bei Verleihung des Ordens pour le märite: „Ich weiß in Ihnen so sehr das Herz und den Sinn des Soldaten, daß ich Ihnen in diesem Orden, den ja viele Ihrer Vorfahren mit Stolz trugen, eine Freude zu machen hoffe und mir selbst gewähre ich hierdurch die Beruhigung, daß ich dem Manne, den Gottes gnädige Fügung mir zur Seite gestellt und der so Großes für das Vaterland getan, auch als Soldat die wohlverdiente Anerkennung zuteil werden lasse." Das Sranbenburaer Tor wird ausgesivlki. X* M ■ ■ I -1 w?' WM M Scherl-Bildmatemdienst In Berlin ist der Beschluß gefaßt worden, das Brandenburger Tor wegen des von Tag zu Tag stärker werdenden Autoverkehrs aufzustocken. Mit den Arbeiten soll bereits am 1. April begonnen werden. — Hnser Bild zeigt den Entwurf für die Umgeftaltung des Brandenburger Tors. OeutscheLungeu bauen Ozeandampfer. Vom Wesen und Werden der Potsdamer Schiffsmodellbauschule. Von unserem Berliner I. K.-Berichierstatier. Ein vielbesuchter Anziehungspunkt auf der Waf- lersportausstellung Berlin 1935 waren die Modelle Der Schiffsmodellbauschule Potsdam. Zierlich, bis in alle Einzelheiten den großen Vorbildern getreulich nachgebaut und gleichzeitig „seetüchtig", standen sie zur Schau und legten Zeugnis ab von dem Eifer, mit dem unsere Jungen sich mit dem deutschen Schiffsbau beschäftigen. Mit dieser Ausstellung wurde der Oeffentlichkeit ein Institut nahegebracht, das in elfjähriger Arbeit unter feinem Begründer und Leiter, dem Oberleutnant a. D. Max Bartsch, bis jetzt ungefähr 800 Schüler in die Geheimnisse der Schiffsbaukunst eingeführt hat und jetzt, nachdem es der Reichs- bund deutscher Seegeltung unter feine Fittiche genommen hat, staatliche Hnterstützung und Anerkennung genießt. Augenblicklich liegen die Modelle auf dem Landwehrkanal vor Anker, und Herr Oberleutnant Bartsch empfing auf einem — neben den winzigen Schlachtkreuzern und Atlantikdampfern geradezu riesenhaft erscheinenden — Motorboot einige Oberhessischer Kunstverein. II. Ausstellung aus Gießener Privatbesitz. Die Bilder des Münchener Malers Hans K r a u ß, die ursprünglich zusammen mit den Landschaften von Professor Richard Kaiser im Kunstverein gezeigt werden sollten, aus räumlichen Gründen aber zurückgestellt werden mußten, erscheinen nun — zum 70. Geburtstage des Künstlers — in der gestern eröffneten zweiten Ausstellung aus Gießener Privatbesitz und füllen chrerseits als Gesamt-' schau der Arbeiten des hier recht bekannt gewordenen Porträtisten den Raum im Turmhaus vollauf. Krauß ist 1864 zu Calw in Württemberg geboren, studierte erst in Stuttgart und wurde später Schüler von Hildebrandt in Florenz, wo er sich vor- nehmlich mit dem Kopieren alter Meister befaßte. Ein ehrenvoller Auftrag führte ihn nach längerem Studium nach Neapel, wo er mit der Restaurierung der großen Fresken von Maräes eine dankbare Aufgabe fand. Nach ausgedehnten Studienreisen in Holland und England ließ sich Krauß in München nieder, wo er heute noch ansässig ist. Die Ausstellung im Kunstverein wird auf zahl- reiche Besucher, wie wir vermuten, neben dem ästhetischen Reiz auch eine persönliche Anziehung ausüben insofern, als eben der größere Teil der hier gezeigten Bilder ihre Herkunft aus hiesigem Privatbesitz nicht verleugnen kann und will, und weil also fast alle der hier im Porträt wiedergegebenen Persönlichkeiten dem Gießener Publikum zum mindesten dem Namen nach gut bekannt sind: das gibt dieser Ausstellung ihre eigentümliche Note. Zwar überwiegen im Gesamteindruck die Bildnisse durchaus — Krauß ist in erster Linie Porträtist — aber eine gewisse Einseitigkeit oder Eintönigkeit, die sich daraus leicht hätte ergeben können, ist durch die Beimischung anderer Motive glücklich vermieden worden. Wir finden da zwischen den Bildnissen Kompositionen etwa mythologischer Art, wie die Europa mit dem Stier, den aus der alten Sage bekannten Sänger Arion, der auf einem Delphin musizierend übers Meer fährt, einen Christophorus, oder das berühmte Paris-Hrteil; ferner auch Bilder, die dem reinen Spiel der Phantasie entsprungen scheinen, wie die Nacht, eine Frauengestalt, die sich über eine schlafende Stadt herabsenkt: eine Madonna, allerdings in profan-realistischer Umformung des alten Motivs; oder einen recht gespenstigen Hexenritt. Den eigentlichen Charakter der Ausstellung bestimmen aber natürlich die Bildnisse, die in der Heberzahl sind und eine Reihe bekannter Gießener Persönlichkeiten, vorzüglich aus Hniversitätskreisen, darstellen. Den künstlerisch bedeutendsten Eindruck hinterläßt für unser Empfinden die Bildnisgruppe an der repräsentativen rückwärtigen Schmalseite des Raumes. Da ist zunächst ein sehr lebendig und unmittelbar erfaßtes, mit herzhafter Lebensnähe und Aehnlichkeit frei in die Landschaft gestelltes Porträt Professor K.; es wird flankiert von den Bildnissen zweier Verstorbenen, des früheren Direktors vom Gießener Botanischen Garten, Professor Hofmann, und des früheren Direktors des Oberhessischen Museums und der Gailschen Sammlungen, Professor Carl Kramer. Dies sind zwei Herrenporträts von bester malerischer Tradition, fest und klar in Haltung, Umriß und Farbgebung. Von den Damenbildnissen scheint uns das von Frau Professor K. besonders glücklich gelöst, apart im Kolorit, persönlich im Ausdruck. Krauß hat übrigens seine hier entstandenen Bildnisse mit Vorliebe vor einem Hintergrund vertrauter hessischer Landschaft komponiert; besonders der rühmlich bekannte schöne Blick von der Stadt auf Gleiberg und Vetzberg kehrt mehrfach wieder, so zum Beispiel in dem großzügigen, sehr repräsentativ gemachten Porträt Frau Dr. G. in reichem Goldrahmen. Eine liebenswürdig-heitere Galerie von Kinderbildnissen — aus bekannten Gießener Familien — ergänzt das Gesamtbild auf eine reizvoll-anziehende Weise. Die helle, freundliche Farbgebung, die in den Valeurs gelegentlich an die Kinderbilder von Zumbusch erinnert, paßt sich dem Sujet allenthalben gefällig und sinnvoll an. Ein warmes Rot, lichtes Grün, klares Blau, zartes Violett bestimmen etwa den farblichen Grundton. Ein sommerlich heller Himmel, eine Wiese, ein Stück Flußlauf deuten landschaftliche Szenerie an. Ein Spielzeug, Puppe, Ball oder Bär, scheint uns übrigens die naturgemäße und zwanglosere Beigabe zu Bildnissen dieser Art zu fein als etwa die romantisch-stilisierende Einkleidung einer Kindergruppe, womit wiederum der Anschluß an eine oben bereits gekennzeichnete Gruppe von Bildern hergestellt wäre. —y— Mütter-Schelds Hörspiel »Schach dem Soren*. Dom Reichssender Frankfurt hörten wir aestern abend di« Hrsendung eines dramatischen Hörspieles „Schach dem Zaren" von Wilhelm Müller- Sch e l d, Gaupropagandaleiter des Gaues Hessen- Nassau, auf das wir bereits in der Ausgabe nom Samstag aufmerksam gemacht hatten. Muller- Schslld hat hier in einprägsamer dramatischer Form eine Entscheidungsstunde großer europäischer Geschichte gestaltet. Die Szene spielt im Jahre 1812 in Petersburg. Ein Kriegsrat am Hofe des Zaren beleuchtet die militärische Lage. Napoleon, dessen Eroberungszug durch Europa keine Grenzen und keinen Widerstand zu finden scheint, steht bereits vor den Toren Moskaus. In Petersburg herrscht Kleinmut und Hnentschlossenheit. Aber da erwächst den Zagenden und Zweifelnden in der Gestalt des Freiherrn vom Stein, der sich als Verbannter am Zarenhofe befindet, ein mächtiger Verbündeter und dem Eroberer, dessen Schatten die Szene drohend und lähmend zu beherrschen scheint, ein ebenbürtiger Gegner. Die Zentralszene des Hörspieles ist die große Auseinandersetzung zwischen Stein und dem Zaren; zwischen beiden gleichsam als mächtige Vision die Gestalt Bonapartes. In wuchtiger Steigerung, in einem Dialog, der bei aller Klarheit von verhaltener Leidenschaft bewegt ist, ringen glühender Haß und ohnmächtige Bewunderung miteinander. Steins feurige Beredsamkeit stachelt, entzündet und überwindet endlich den anfangs unentschlossenen Beherrscher aller Reußen; Stein beschwort die Naturkräfte, Sturm, Schnee, Eis und Feuer als Verbündete des Zaren, die den Unter» gang des Eroberers besiegeln werden. Als der fron» zosische Abgesandte erscheint, um im Namen Napoleons mit dem Zaren zu verhandeln, da macht Alexander den Freiherrn vom Stein zu seinem Sprachrohr: die zweite' große Szene des Hörspieles — zwischen Stein ünb dem korsischen General; nun fällt die Entscheidung, in messerscharfen Sätzen wird das französische Friedensangebot abgelehnt, Moskau soll in Flammen aufgehen; der Sturm, den man an den Fenstern rütteln hort, Frost und Schnee, der mörderische Winter im unendlichen Rußland werden dem Siegeszuge Napoleons ein furchtbares Ende bereiten. — Dies etwa find die Umriffe des Hörspieles; eine Stunde weltgeschichtlicher Entscheidung eine Schicksalswende im Spie! der europäischen Mächte ist hier mit knappen, markanten Strichen herausgearbeitet und als Hörbild gestaltet worden. Müller-Schelds dramatische Phantasie hat sich an einem großen Gegenstände entzündet und die wichtigsten Figuren im diplvma- tisch-kriegerischen Spiel der Mächte um 1812 über» genb lebendig gemacht. Im musikalischen Nach- , in dem sowohl die Marseillaise als auch aikowskys Zarenhymne anklingen, scheinen sich noch einmal die beiden großen dramatischen Gegenkräfte des Hörspieles zu symbolisieren. Die Spielleitung hatte Manfred Marlo; die wichtiasten Gestalten wurden von den Schauspielern Schömberg (Alexander), Sattler (Stein) und Taube (ExzeUenz) eindringlich verkörpert. April, April! Andersen läßt in einem seiner Märchen die bunte Gesellschaft der Monate aus einer Postkutsche aussteigen, und Freund April erscheint in der Versammlung als ein flotter luftiger Gesell, der sich sogleich mit einem Aprilscherz einführt. Don diesem Narrenrecht des 1. April wird in allen Ländern Gebrauch gemacht, und am besten ist's, gute Miene zum luftigen Spiel zu machen. Was werden wohl die ehrsamen Londoner Bürger im Jahre 1860 gedacht haben, als sie am Morgen des 1. April unter ihrer Poft eine Einladungskarte fanden, die einen höchst offiziellen Eindruck machte und die mit vielen Wappen gesiegelt mar! Auf den Karten stand: „Tower von London. Hierdurch wird dem Inhaber dieser Einladung gestattet, der jährlichen Feierlichkeit der Waschung der weißen Löwen am 1. April 1860 beizuwohnen.. Eingang durch das weiße Tor." An jenem Aprilmorgen sollen sich viele Tausende ernsthafte Bürger im Festgewand vor den verschlossenen Tower-Toren eingefunden haben. Aber auch Gelehrte sind schon häufig auf ihrem ureigensten Fachgebiet aufs Eis geführt worden. So gab vor einer Reihe von Jahren ein Pariser Student am 1 April bekannt, daß er auf dem Montmartre eine rätselhafte Inschrift gefunden habe. Sie lautete: CE STI CIL EC HEM INDE SAN ES. Namhafte Archäologen bemühten sich vergebens, diese Inschrift zu entziffern oder wenigstens festzustellen, woher sie stamme. Sogar die Mitglieder der Akademie strenaten ihre Häupter an, bis endlich einer von ihnen Die Lösung des Rätsels fand! C’est ici le chemin des änes. (Das ist der Eselsweg!) Durch einen amerikanischen „Aprilscherz" wurde einst in Pittsburg, dem Hauptort der amerikanischen Eisenindustrie, eine große Panik hervorgerufen. Ein dortiges Blatt brachte die Meldung, daß eine japanische Flotte San Franszisko zerstört habe. Es bedurfte der Bildung einer Bürgergarde, um die Pittsburger wieder einigermaßen zu beruhigen, denn sie forderten sofort die Schaffung eines militärischen Schutzes gegen ein ähnliches Geschick. Hngefähr auf derselben Stufe steht ein Scherz, den sich einst Peter der Große mit den Petersburgern leistete. Er hatte in der Nähe der Stadt einen mächtigen Holzstoß aufstapeln und in der Nacht vom 31. März zum 1. April in Brand stecken lassen. Der mächtige Feuerschein am Himmel versetzte die Bevölkerung der Stadt, die fast nur aus Holzhäusern bestand, in Angst und Schrecken. Notdürftig bekleidet eilten Tausende mit ihren Habseligkeiten beladen aus ihren Häusern und flohen von dem Feuerschein fort., bis plötzlich eine Kette von Soldaten aus der N^cht auftauchte, ihnen den Weg versperrte und lachend zurief: „Ihr Narren, heute ist der 1. Aprll!" Mitglieder der Presse als Gäste, um ihnen einen Ueberblick über das Wesen und Werden der Potsdamer Modellbauschule zu geben. Oie erste seegehende Modellflotte der Welt. Max Bartsch, der sich, als Seemaler im Nebenberuf, seine Schiffsmodelle selber baute, hat nach dem Kriege versucht, dieses Interesse und diese Fähigkeiten unter ein größeres Ziel zu stellen. Zu einer Zeit, da die deutsche Jugend arbeitslos und arbeitsscheu auf den Straßen lag, gelang es ihm, in Dresden vierzehnjährige Jungen für seine Sache anzuregen und zur freiwilligen Arbeit heranzuziehen. Es ging um nicht mehr und nicht weniger als um das Vorhaben, die erste seegehende M o d e l l f l o t t e der Welt, die in einheitlichem Maßstab hergestellt war, zu bauen. Was bisher an Modellsammlungen existierte, stand lediglich im Glaskasten zur Schau und wurde niemals lebendig. Außerdem hatte man überall auf einen einheitlichen Maßstab verzichtet. »Mutti Hamburg" und ihr »Baby". Ohne jede behördliche Unterstützung fing Bartsch an, etwa vierzig Schüler und Gehilfen in der Theorie des Schiffbaues und in allen nötigen manuellen Fähigkeiten unterrichten. Es kam auf gründliche und vielseitige Durchbildung an. Nach sechs Jahren wurde das erste fertige Modell- schiff, die „Hamburg", vom Stapel gelassen und den überraschten Dresdenern oorgeführt. Es folgte die „Columbus". Beide Modellschiffe erschienen eines Tages zusammen in der Hamburger Alster, und die großen Reedereien zeigten sich so begeistert über diese .Konkurrenz", daß sie die Besatzung für ein paar Tage zu Gaste luden. Es war ein reizendes Schauspiel, als die kleine „Hamburg" einmal auf die Unterelbe hinausfuhr, um die heimkehrende große „Hamburg" feierlich einzuholen. „Mutti Hamburg" begrüßte ihr „Baby" mit ihrem lauten Heuler, und das „Baby" antwortete mit seinem „Kinderstimmchen", so schrieben damals die Zeitungen. übertragen. Dann geht es an die praktische Arbeit. Die Junaen bekommen nichts in die Hand, was nicht vorher theoretisch begründet wurde. Daß die 14= bis 17jährigen Schüler verschieden vorgebildet sind, ist kein Hindernis im Unterricht. Alle elf Jahre hindurch hat es Bartsch verstanden, über Unterschiede der Bildung und über politische Differenzen hinweg die Jungen zu einer Arbeits- a e m e i n s ch a f t zusammenzuhalten, in der gegenseitiger Austausch des Wissensstoffes stattfindet und dauerhafte Freundschaften geschlossen werden. Nicht zum wenigsten werden die Jungen durch die gemeinsame Notlage miteinander verbunden. Es handelt sich zum Teil um ganz mittellose Jungen, der Unterricht ist kostenlos, und so muß sich die Schule die Mittel für ihre Arbeit zusammenbetteln. Ab und zu wird dann die Parole ausgegeben: „Langsam arbeiten! Jetzt müssen wir erst wieder etwas verdienen!" Dann erinnert sich Bartsch an sein Mallalent und erbittet sich von seinen Freunden ein paar Aufträge; durch Vorträge und Reisen wird für die Schule geworben, und der Verkauf von Postkarten bringt kleine Einnahmen. »Bremen" - das „Hotelfchiff". Alle Schiffe der Modellbauschule haben einen halben Meter Tiefgang und werden elektrisch betrieben. Sie sind so stabil gebaut, daß die: vier Mann Besatzung, die jedes Schiff durchschnittlich erfordert, beim Einlaufen in den Hafen auf einer Seite, die Hand an der Mütze, stramm stehen können. Alle Manöver können lebenswahr ausgeführt werden. Innen sind die Schiffe recht spartanisch ausgerüstet. Die einzige Ausnahme ist die „Bremen", die darum auch das „Hotelschiff" genannt wird. Hier wird aus großer Fahrt elektrisch gekocht und gebügelt, hier gibt es Radio und eine eigene FernMpfangs-Plattenübertmgung mit vier Lautsprechern. Gewöhnlich werden aber txi-e Meldungen von Schiss zu Schiss durch Winkspruch übermittelt. Zur Mittagszeit wird zum Beispiel signalisiert: „Zur Essenaufnahme bereithalten'" Dann läßt die „Bremen" ein kleines Boot mit dem Mittagessen aufs Wasser und läßt es an einer Schnur die Kiellinie entlangtreiben. Jedes Schiff nimmt sich seinen Anteil heraus, und hat die Besatzung die Mahlzeit beendet, dann wird gewinkt: „Äufgegessen, bitte Geschirr abholen!" Wieder legt dann das kleine Boot längsseit an uni) wird an der Schnur samt Geschirr eingeholt. Wir durften auf der „Bremen" einen kleinen Trip auf dem Landwehrkanal machen, bewunderten die winzige Küche, fanden den „Salon" etwas eng, aber gemütlich und kletterten nach einer Weile wohlbehalten aus der vorderen Luke wieder heraus, staunend und jubelnd von einer zahlreichen Menschenmenge begrüßt, als kämen wir aus der großen „Bremen" geradeswegs aus Amerika. Zukunststräume. Der Ruf der Schule verbreitet sich mehr und mehr. Die Jungen werden später gerne in die Marine ausgenommen, bisweilen schickt man auch in Kiel einen Anwärter zu Oberleutnant Bartsch nach Potsdam, wo er sich die Grundbegriffe der Schiffsbautechnik aneignen soll. Durch das lange Zusammenarbeiten und die Notwendigkeit, fast täglich mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, findet in Potsdam auch eine charakterliche Selbstauslese statt, die überaus wertvoll ist. Bartsch will demnächst eine dreijährige Lehrzeit mit festem Plan einrichten, die ein staatlich genehmigtes Abschlußzeugnis bekommen soll. Noch fehll es aber an vielem. Bartsch träumt davon, ein Heim zu bauen, in dem fünfzig Schüler wohnen und arbeiten können... Wirischast. Etadivorstand in Alsfeld. Q Alsfeld, 29. März. Zu Beginn der gestrigen Stadtvorstandssitzung gedachte Bürgermeister Dr. V ö l s i n g mit Entrüstung und tiefer Empörung des unerhörten Bluturteils von Kowno und der Leiden der entrechteten und geknechteten deutschen Volksgenossen im Memelgebiet. Er schloß seine eindrucksvollen Ausführungen mit dem Hinweis, daß hoffentlich auch für diese deutschen Volksgenossen der Tag der deutschen Freiheit bald kommen werde. Als erster Punkt der Tagesordnung wurde der Erlaß der Ortssatzungen über die F i l i a l - und Warenhaus st euer für das Rechnungsjahr 1935 behandelt. Die vorgelegten Entwürfe, wonach die Erhebung der beiden Steuern in Höhe von 200 v. H. der gemeindlichen Gewerbesteuer vorgesehen ist, wurden angenommen. Die Schlachthofgebühren wurden in Abänderung des Beschlusses vom 26. Februar als Einheitsgebühr für das Rechnungsjahr 1935 wie folgt festgesetzt: für ein Stück Großvieh 6,80 Mark, für Schweine 4,15 Mark für die ersten zehn Stück pro Woche, für jedes weitere Stück 3,15 Mark, für Kälber 1,75 Mark, für Schafe, Ziegen 1,15 Mark, für Lämmer, Ferkel 0,50 Mark. Für die von der Stadt vorgesehenen N o t - standsarbeiten im Stadtwald Homberg wurde der infolge Herabsetzung des beantragten Förderungssatzes von 3 Mark auf 2,80 Mark für das Tagewerk erforderliche weitere Kredit bewilligt. Zu der Grund st ücksverpachtung vom 25. März, in der die städtischen Wiesen und Feldwege auf sechs Jahre verpachtet wurden, lag ein Einspruch mehrerer Kleinsiedler vor, die beantragten, die Versteigerung nicht zu genehmigen, sondern die Ausmärker von der Versteigerung auszuschließen. Der Antrag wurde aus grundsätzlichen Erwägungen abgelehnt und die Versteigerung genehmigt. Verschiedene Einsprüche gegen die Berechnungen der Kanalbenutzungsgebühr (Festsetzung des Gebäudewertes) wurden der allgemeinen Folgen Leber den großen Teich. Die kleine „Columbus" fuhr 1929, wohlbehütet an Bord der großen „Bremen", über den Atlantik und zeigte sich den Neuyorkern. Hier erregte das tapfere Schiffchen bei seinen zum Teil recht stürmischen Fahrten auf dem Hudson das größte Aufsehen, und „the little Gulliver Ship" bestand hier auch seine erste Tonfilmprobe. Nicht weniger als 14 Filmunternehmungen rissen sich darum, die kleine „Columbus" aufzunehmen, und jagten das Schiff im Wasser hin und her, um es ja von allen Seiten und in allen Situationen in die Kamera zu bekommen. Das war in derselben Zeit, als in den amerikanischen Zeitungen die deutsche Jugend noch als arbeitsuntüchtig und verroht, zu allem Bösen fähig, hingestellt wurde. Nelsons Schlachtschiff. Mit einer kleinen „Europa" besuchte Bartsch Southampton. Die Engländer, von Haus aus Seefahrer, brachten dem Gast ebenfalls lebhaftes Interesse entgegen. Die Besatzung, in schmucke Matrosenanzüge gekleidet, durfte den Hafen besichtigen, unter anderem auch Nelsons Schiff „Victory", ein Nationalheiligtum, das jetzt auf dem Trockendock liegt. Man gestattete Bartsch und seinen Jungen, die „Victory" nachzubauen — ein schönes freundschaftliches Entgegenkommen, gleichzeitig aber auch ein Zeichen dafür, wie weit die Bestrebungen der Modellbauschule von jedem Chauvinismus entfernt sind. Die Schule, die schon bald nach ihrer Gründung von Dresden nach Potsdam übergesiedelt war, arbeitete eifrig weiter. Jedes Modell wurde besser als das vorhergehende. So entstand, unter Anteilnahme von Reichspräsident von Hindenburg, Admiral Scheer, Großadmiral a. D. Tirpitz und Prinz August Wilhelm, der Schlachtkreuzer „Hindenburg", der Kreuzer „Königsberg" und — in jüngster Zeit — die „Bremen". Die „Bremen" wurde vom Reichsjugendführer getauft, und es stellte sich heraus, daß bei dem Stapellauf des Modellschiffes mehr Fllmoperateure zugegen waren als bei dem der großen Schwester. Schwierigkeiten. So verwöhnt die Jungen auf ihren Reifen auch wurden, so gerne kehrten sie immer wieder auf ihre Werft zurück. Ihr Eifer ist so unermüdlich, daß ihr Lehrer und väterlicher Freund Mühe hat, sie um 23 Uhr ins Bett zu treiben. Auf diese Weise bauten zwanzig Jungen die „Bremen" und den Tankdampfer „Franz Klasen" in einem halben Jahr fertig. Was den besonderen Reiz der Arbeit ausmacht, ist die Möglichkeit, das Werk mit eigener Hand von Anfang bis zu Ende auszuführen. Zuerst werden die großen Baupläne der Werften studiert und in den verkleinerten Maßstab Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 572: Vorläufiger Abschluß der deutsch-französischen Verhandlungen über die Verlängerung des deutsch-französischen Verrechnungsabkommens. Eine neue Regelung auf vier Monate. 573: Inkasso von Kupons, Zinsen und Bonus für ausländische Rechnung. 574: Studienaufenthalt und Schulbesuch im Ausland. 575: Ausländer-Sonderkonten für Jnlandszahlun- gen im Warenverkehr mit England. Errichtung einer neuen Opelautomobilfabrik in Brandenburg an der Havel. In enger Fühlungnahme mit maßgebenden Kreisen der Reichsregierung hat sich die Opel A G., Rüsselsheim a. M., entschlossen, in Brandenburg a. d. Havel eine neue Fabrik zu errichten, weil die volle Produktionskapazität in Rüsselsheim ausgenutzt ist. Die Fertigstellung der Baulichkeiten ist für den 1. Oktober 1935 vorgesehen, um rechtzeitig für das 1936er-Programm in Rüsselsheim Platz zu schaffen. Wie der Fwd. ergänzend hört, dürfte der Monat März mit einer Herstellung von 11500 Wagen, wovon 10 v. H. - 1150 Wagen 3iir Ausfuhr gelangten, den Rekordmonat in der Produktion von Opel bringen. Damit isr die Kapazität der Rüsselsheimer Vierte — die Belegschaft von 18 000 Mann arbeitet in zwei Schichten — bis zum äußersten angespannt, so daß sich die Adam Opel AG. zu der erwähnten Errichtung einer neuen Fabrik in Brandenburg entschloß. Die vor einer Woche im Geschäftsbericht für 1934 der Adam Opel AG. ausgesprochene Zuversicht eines weiteren Aufschwunges der deutschen Kraftverkehrswirtschaft im laufenden Jahre, deren Schlüsselstellung zugleich der Wirtschaftserfolg zahlreicher Vorindustrien und ausgedehnter Dertriebsorganisationen verbürgt, hat sich damit überraschend voll bestätigt. Nhein-Mainiscke Mittagsbörse, lleberwiegend fest. Frankfurt a. M., 30 März. Bei im Gesamtausmaß kleinen Umsätzen eröffnete die Wochenschlußbörse in überwiegend fester Haltung. Die Kulisse nahm einige Deckungen und Meinungskäufe vor, zumal der Quartals-Ultimo als überwunden galt. Daneben boten einige günstige Nachrichten aus der Wirtschaft der Haltung eine gute Stütze. Die Kundschaft beteiligte sich nur in kleinem Umfang am Geschäft, wobei sie sich mehr dem deutschen Nentenmarkt zuwandte, an dem weitere Kaufaufträge für Goldpfandbriefe Vorlagen. Am Aktienmarkt verzeichneten Montanaktien lebhaftes Geschäft und kräftige Kurserhöhungen. Etwas Anregung bot hierbei die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung die der Stahlverein- AG. nahestehende Thyffen-Rheinstahl-AG., Frankfurt a. M., mit 5 v. H. Speziell Rheinstahl waren gesucht und auf 105 bis 106,25 (103,50) erhöht, ferner gewannen Klöckner 1,65, Buderus 1,75, Mannesmann 2 und Stahlverein 1 v. H. Auch Harpe- ner lagen mit 104,50 (102,50) fest. Am Chemiemarkt fetzten IG.-Farben mit 144 um 1,25 v. H. Deutsche Erdöl mit 103,25 1 v. H. fester ein. Elektrv- aftien lagen etwas uneinheitlich, wobei AEG. 0,65 und Siemens 1 v. H. nachgaben, dagegen Schuckert 0,65 v. H. anzogen. Fest lagen außerdem Reichsbank mit 160 (158), Zellstoff Waldhof mit 115,50 (114,50). Von Schiffahrtswerten wiesen Hapag mit 34,25 bis 34,40 (34) einiges Geschäft auf, AG. für Verkehrswesen gewannen 0,50 v. H. auf 81,50. Auf den übrigen Marktgebieten lagen erste Kurse noch nicht vor, immerhin ergaben sich ebenfalls Befestigungen von etwa 1 v. H. im Durchschnitt. Am Rentenmarkt waren Altbesitzanleihe mit 112,13 (112) leicht gefragt, auch Kommunal-Um- schuldung und Zinsvergütungsscheine lagen mäßig fester. Späte Reichsschuldbuchforderungen blieben zu 97,95 v. H. gut behauptet. Im Verlaufe blieb die Börse fest und die Umsatztätigkeit verhältnismäßig lebhaft. Besonders Stahlverein und Rheinstahl waren gefragt, aber auch die übrigen Montanaktien zogen meist nochmals 0,50 bis 0,75 v. H. an. Fester waren ferner Reichsbank bis 161, Scheideanstalt 210 (209,50), Deutsche Linoleum 149,50 (147,50), Zellstoff Aschaffenburg 81,90 (80,50), Gesfürel 118,50 (118) usw. Leicht nachgebend waren AKU. mit 52,75 (53,25). Conti Gummi lagen mit 155 unverändert. Am Kassamarkt waren Großbankaktien stark gefragt und fest, speziell Commerzbank mit etwa 87,50 bis 88 (85,75). Hypothekenbankaktien lagen dagegen meist etwas schwächer, ausgesprochen schwach Pfälz. Hyp.-Bank mit etwa 90,50 (96,50) bei starkem Angebot (etwa 50 000 Mark). Am Rentenmarkt zogen Altbesitz auf 112,25 an, 6- und 5proz. Stahloerein-Bonds waren leicht befestigt. Am Pfandbriefmarkt lagen einige Goldpfandbriefe und Kommunal-Obligationen bis 0,13 v. H. höher, Liquidationspfandbriefe und Stadtanleihen lagen gut behauptet. Von Auslandrenten lagen Schweiz. Bahnanleihen 1 bis 3 v. H. schwächer. Tagesgeld wurde auf- 3,50 (3,25) erhöht. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 1. April. Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Aufgetrieben waren 1150 Rinder, darunter 305 Ochsen, 159 Bullen, 411 Kühe, 275 Färsen, 525 Kälber, 35 Schafe, 3767 Schweine. Es kosteten: Ochsen 28 bis 40, Bullen 28 bis 40, Kühe 16 bis 38, Färsen 30 bis 40, Kälber 26 bis 54, ' Hämmel 37 bis 37, Schweine 38 bis 52 Mark. — Marktverkauf: Bei allen Gattungen mittelmäßig. wegen als unbegründet abgelehnt. Die Müllabfuhr für das Rechnungsjahr 1935 wurde dem Ernst Arnold zu feinem Angebot für 20 Mark pro Woche übertragen, wobei die Stadt einen städtischen Arbeiter zur Bedienung stellt. Auf Grund eines vorliegenden Baugesuchs ist die Festsetzung von Straßen- und Baufluchtlinien an dem Verbindungsweg zwischen Der Junkergartenstraße und dem Klostermauerweg notwendig geworden. Die Festsetzung erfolgte nach den Vorschlägen des Hochbauamts. Gleichzeitig wurde der für die Bebauung dieses Stadtteils vor- gelegte Entwurf eines 9. Nachtrages zum Ortsbaustatut der Stadt Alsfeld genehmigt. In nichtöffentlicher Sitzung wurde der Ankauf des Anwesens der hiesigen Kasino- gesellschaft Concordia durch die Stadt eschlossen. Die Verwendung des Gebäudes erfolgt zu gemeinnützigen Zwecken. Rundfunkprogramm. Dienstag, 2. April. 6 Uhr: Sauern fünf. 6.15 und 6.45: Gymnastik. 6.55: Morgenspruch — Choral. 7: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 9: Werbekonzert. 10: Nachrichten. 10.15: Schulfunk — Die Glocke. 11.45: So- zialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittaqs- konzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau. 16: Kleines Konzert. 16.30: 70 Jahre Küstenrettungs- werk der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Ein Vortrag von Kontre-Admiral a. D. Kühlenthal, Frankfurt «M. 16.45: Vortrag: Frau und Kriegsbücher. Eine Betrachtung. 17: Heiteres Chor-Konzert. 18.30: Umkämpftes Land in Zentralasien. Afghanistan und fein nationales Aufbauprogramm. Ein Bericht von Dr. K. Klinghardt, Frankfurt a. M. 18.45: Das Recht am eigenen Bilde. Eine Plauderei für Schnappschußjäger. 19: Tanz der Instrumente. 20: Nachrichten. Anschließend: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20.15: Stunde der Nation. Das Spiel vom Freien und vom Knecht. Ein Hörspiel. 21: Instrumental-Kabarett mit ©efangseinlagen. 22: Nachrichten. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Dr. W.» Gießen. Nach § 35 des Entschuldungs- gesehes und Artikel 29 Abs. 1 der 6. Durchführungsverordnung hat auch der M i t s ch u l d n e r des Betrieb sinhabers die. gleiche günstige Rechtsstellung, wie sie dem Bürgen des Betriebsinhabers zugute kommt, und zwar sofern und soweit, als der Mit- schuldner im Falle der Befriedigung des Gläubigers einen Ersatzanspruch gegen Den Betriebsinhaber haben würde. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Berlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 97 112 112,4 112 112,5 99,4 99,4 99,5 34,4 34 98,25 98,5 98,25 98,25 150 97,25 97,5 142,75 145 99,9 99,9 209.5 94 94 114,5 114,5 114,5 115,13 88,75 97,5 97,25 9fr, 85 99,9 100 100,13 100,13 100,4 Berlin, ZQ.März 97,5 97,5 97,5 97,5 7 0 24,5 24,5 24,5 I 1,13 7,05 I 36,5 Silberrente 1,13 102,5 105,75 154,75 6,95 37,65 8,25 164 158 155 97,5 105,9 92,75 109,25 87 87 158 95,9 104,4 36,25 227,5 92,5 147,5 109 148,5 100 106,9 93,75 102,4 108 94 100 96,25 102,4 100 96,25 100 96,25 103,25 . 0 , 0 1*2 0 0 0 6 95,65 104,25 88,75 88,75 161 124 91 82 103,5 150,4 121,75 86,25 86,25 159,75 123,9 88,5 79,9 104,75 150,4 122,9 105,25 94,4 100 107 94 100 96,25 102,4 97,5 105,9 97,5 105,9 97,5 105,9 38,75 139,4 110,75 122,5 86,75 118 113 124 91,4 82 o 0 0 7 0 6 0 0 0 12 8 Schluß» furei 39 139 110 122,25 86,75 118 104,5 149 122.75 102,5 92 94 150,5 102,75 53,4 116,5 115 81 124,9 91,9 147,5 87,13 36,4 226,5 157,75 155 103,75 52,5 117 116,5 81,9 124,9 93,5 149 89,25 36,75 226 157,75 155 34,65 28,5 35,5 81,65 108,5 88 52,25 117,13 116 81,9 208 103,25 79,65 12,65 107,5 109,5 148,75 37,9 139,65 107,25 123,5 89 120 115 103,13 150 122 38 139,75 107 122,75 88,25 119 208,25 106,25 82 13,5 109,75 112 151 33,75 28,75 35 81 107,25 84,75 208,65 106,75 82 13 107,4 94 102,65 .. O . 5 . 5 IV» 53,25 116,75 114,5 80,5 7 6,8 Siemens L Halske. Lahmeyer L Co. . Schultheis Patzenhoser 4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O 4% Ungarische Goldrente ....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4%% desgl. von 1913.......... 5% abgesi. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie l..................... 35,4 81 108,25 85,5 7,1 6,5 6,75 10,25 2 Gesellschaft.. Dresdner Bank Reichsbank ... 4% Oesterretchische Goldrente... 4,20% Oesterretchische Silberrenb 7,13 6,5 6,8 10,3 35,65 81,5 107,75 87,75 145,25 210 102 107,5 94,5 A.E.G......................o Bekula io Elektr. Lteferungsgesellschast... 5 Licht und Straft ........... 6% Felten & Guilleaume O Gesellsch.f.Eiektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........5 Rhein. Westf. Elektr 6 SchuckertLCo......... 4 88,75 88,75 160 Philipp Holz mann .... Zementwerk Heidelberg Eementwerk Karlstadt.. Griyner O| 37 I Mainkrastwerke Höchst a.M>... 4 94 Süddeutscher Zucker ....... 91 163 I « 123,25 ey« 88,5 .. oj 79,65 Bemberg........... Zellstoff Waldhof .... Zellstoff Aschaffenburg Dessauer Gas....... Daimler Motoren. ... Deutsche Linoleum ... Orenstein & Koppel .. Westdeutsche Kaufhof. Chade Accumulatoren-Fabrtk Conti-Gummi....... 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 554% Doung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.. Schuld mit Auslos.-Rechten ............. *xh% Deutsche Reichspostschatzan- weisungen von 1934, I 6% ehem.Z% Hess. Volksstaat 1929 lrückzahlb. 102%) ........... *54% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12 6Va% ehe IN. Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Liaui ... 454% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R. 6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ........... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 454% ehem.8% Franks. Hyp^Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 554% ehem. 4%% Franks. Hyp.° Bank-Liqu.-Pfandbriefe....... 514% ehem. 4 y.% Rheinische Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldpfe 4%% ehem. 8% Pr. Landespfand- briesanstalt, Pfandbriefe R. 19 414% ehem. 7% Pr.Landespfand- briefanst., Gold Komm. Obl.VI Steuergutsch.Verrechnungsk. 35-39 37,25 1 371 94,25 - -I 362,51 Amerikanische 9toten.........—... Belgische Noten.................. Dänische Noten ........... Englische Noten Französische Noteu Holländische Noten ....... Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten Ungarische Noten ........ 8 95 6 - O — Hamburg-Amertka-Pakel O Hamburg-Südam. Dampfschiff . O Norddeutscher Lloyd .........O A.G. für Verkehrswesen Akt. .. O Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz, und Privat-Bank ... O Deutsche Bank und Disconto» 7] 142,75 o| Datum Mansfelder Bergbau Kokswerke ........... Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lornbardzinsfuß 5 o. H 29 3 "~95?5 104,75 87,5 I 89 I 87,75 I 118 118,75 I - — | — | — | Buderus Deutsche Erdöl 1 Gelsenkirchener Phönix Bergbau Rheinische Braunkohlen Rheinstahl........... Vereinigte Stahlwerke. Otavi Minen ........ Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln . Kaliwerke Salzdetfurth . 12, 207,75 3 y»1 103,5 .. O- 80 12,4 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen Ilse Bergbau ............. Ilse Bergbau Genüsse Klöcknerwerke Mannesmann°8Ühren...... 3. G. Farben-Jndustrte Scheideanstalt........ Goldschmidt .. Rütgerswerkc . Metallgesellschaft Schlußk. Mittag- börse 30 3 97 106 Frankfurt a.M. Berlm Schluß- kurü Schlußk. Abcnd- börse Schluß» turs Schlußk. Mliiag- börle Oatum 29 3 30.3 29.3 30-3 Frankfurt a. M Aerlin Schluß- kurS Schlußk. Abend- börse Schluß» Iure Schlußk. Mittag- b* * \ W '^5- '• k. M << • ’ « '.

? N | ' V , ' / MMj M * < < Wj D A: Große Bauernkundgebung in Alsfeld. nach Sicherung der deutschen Nahrungsfreiheit geht durch die Gaue Deutschlands, eine große Aufgabe, die unser Volk frei und stark machen soll. Aus der näheren Umgebung hatten sich bereits am frühen Morgen die Bauern des Vogelsberges eingefunden. Formationen aller Porteigliederungen durchzogen die fahnengeschmückten Straßen. Äer feste Wille ZU kraftvoller Einsatzbereitschaft für die Erzeugungsschlacht kam in Haltung und Miene der vielen Tausenden sichtbar zum Ausdruck. Jeder fühlte, daß dieser Tag vom Geiste unseres Führers Adolf Hitler beseelt ist, dessen Tat das deutsche Bauerntum und damit das gesamte deutsche Volk gerettet hat. Den Höhepunkt des Tages bildete die Nachmittagskundgebung auf dem Platz vor der Festhalle. Die Formationen der Partei, Ehrenstürme Dienststelle geschmackvolle Bilder. Nach einem Chorgesang der vereinigten Gesangvereine Alsfeld und Altenburg unter Leitung von Chormeister Zoll. (Alsfeld) sprach in Vertretung des Gauleiters dessen persönlicher Adjutant pg. Stöhr, der die Grüße des Gauleiters überbrachte. Er führte u. a. aus, es käme darauf an, dem deutschen Volk die soziale Freiheit zu bringen. Der deutsche Nährstand stehe treu hinter dem Führer und sei gewillt, ihm bis zum letzten auf dem harten Weg in die Freiheit zu folgen. Ganz Deutschland habe auf- gejubelt, als der Führer der Welt zeigte, daß Deutschland gewillt sei, seine Ehre und seine Freiheit zu verteidigen. Mehrmals habe der Führer ausgesprochen, daß das deutsche Volk den Frieden liebe, und daß das Ziel des Führers nur dahin gehe, Deutschland unabhängig und damit frei von aller Welt zu machen. Oben links: Blick auf den großen Aufmarsch vor der Festhalle. (Aufnahme: Grün, Alsfeld.) Unten links: Tanz der Trachtenträger. (Aufnahme: Kimm, Alsfeld.) Nebenstehend: Im Vordergrund links der Landesbauernführer Dr. Wagner; rechts der Gauinspekteur Kloster m a n n bei der großen Kundgebung. (Aufnahme: Kimm, Als- selb.) der SA. und SS., die politischen Leiter aus dem Kreise Alsfeld, HI., BdM., Jungvolk und eine kombinierte Abteilung des freiwilligen Arbeitsdienstes aus den verschiedenen Abteilungen der Gruppe 223 in Paradeaufstellung gaben der Kundgebung einen imposanten Rahmen. Unter den Ehrengästen bemerkte man u. a. Gauinspekteur Klo st ermann, als Vertreter des verhinderten Gauleiters Sprenger dessen Adjutanten S t ö h r, Gauarbeitsführer Neuerburg sowie mehrere Kreisleiter. Die Kundgebung wurde mit Begrüßungsworten von Kreisleiter Kirchner (Alsfeld) eingeleitet. Der oberhessische Heimatdichter Georg Heß (Leihgestern) führte seine oberhefsischen Trachtengruppen vor, deren volkstümliche Tänze und Gesänge lebhaften Beifall fanden. Ebenso die exakten Freiübungen einer Gruppe des Alsfelder Turnvereins. Nach weiteren Darbietungen der Hitlerjugend und des Freiwilligen Arbeitsdienstes mit Liedern und Sprechchören erfolgte die Ehrung altoerdienter Landarbeiter der Kreisbauernschaft Oberhessen-Ost durch den Landesbauernführer Dr. Wagner. Die Jubilars erhielten für zehn- bis mehr als vierzigjährige ununterbrochene Arbeit an einer Freie Deutsche in einem freien Deutschland wollen wir sein. Der alle deutsche Erbfehler der Uneinigkeit müsse bekämpft werden. Wenn auch der Jude versuche, wieder sein freches Spiel zu treiben, so müßten wir dem Führer die Treue halten und auf kleine materielle Vorteile, die sich uns im Augenblick böten, verzichten. „Wir haben ein herrliches Ziel vor Augen, ein freies Deutschland, in dem jeder arbeitsam und genügsam seine Pflicht erfüllen kann." Landesbauemführer Or. Wagner führte dann u. a. aus: Die winterliche Propagandaarbeit für die Erzeugungsschlacht habe mit dieser Kundgebung ihr Ende erreicht. Diese Werbearbeit sollte dem deutschen Bauern klar machen, worauf es in der deutschen Agrarpolitik ankomme und was notwendig sei. Der Führer habe es sich zur Aufgabe gemacht, die Arbeitslosigkeit in vier Jahren zu beseitigen und der Verelendung des deutschen Bauerntums Einhalt zu tun. Es komme nicht darauf an, daß die Löhne erhöht werden — dann wären <£ Alsfeld, 30. März. Zum Abschluß der Winterarbeit im Rahmen der Erzeugungsschlacht fand am heutigen Samstag in Alsfeld eine Großkundgebung statt, die gemeinsam von der Gauleitung der NSDAP, und der Lan- des bauern schäft Hessen-Nassau durchgeführt wurde, nachdem am Vormittage Sondertagungen der einzelnen Hauptabteilungen der Kreisbauernschaft stattgefunden hatten, die mit einer Sondertagung der Ortsbauernführer und des agrarpolitischen Apparates eröffnet wurden, bei der Landesbauernführer Dr. Wagner über „Die Bedeutung der Idee „Blut und Boden" für das Volk" sprach. Auf dem Platz vor der Festhalle hatte sich eine vieltausendköpfige Menschenmenge eingefunden. Für Alsfeld war dieser Tag des Bauern ein großes Ereignis. Sollte doch noch einmal zum Abschluß der Propaganda für die Erzeugungsschlacht ein machtvolles Willensbekenntnis zur Arbeit der Partei und des Reichsnährstandes abgelegt werden. Der Ruf OieLfflandstöchter und ihre Freier. Vornan von 3- Gchneider-Zoerstl Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 19. Fortsetzung Nachdruck verboten! Wenn die Lawine den Weg nicht über die Hütte genommen hätte, würde sie, Klaudine, vielleicht nicht mehr hier sein ... Es war alles gut so. Alles war gut ... Der Strohsack, den sie sich aus einer Kammer geholt hatte, raschelte bei jeder Bewegung. Sie wagte sich nicht einmal von einer Seite nach der anderen zu drehen. Das Fenster stand als mattes, weißes Viereck in das Dunkel gezeichnet. Ab und zu, wenn der Wind durch die Ritzen pfiff, fühlte sie den kalten Hauch bis zu sich herüberwehen. Nur ihre Füße waren warm wie in Watte gepackt: Dort schlief der Waldl, dicht an ihre Knöchel gedrückt. „Klaudine", kam durch die Tür Niels bittende Stimme. Sie sprang sofort auf und stand gleich darauf bei ihm. „Haben Sie Schmerzen? —i Ja? Im Arm? Das ist sicher die Reaktion von dem Schrecken und der Anstrengung heute." „Wenn Sie mir die Flasche geben würden, die dort auf der Kommode steht", bat er. „Einreiben kann ich mich dann schon selbst." „Lassen Sie nur!" wehrte sie, als er danach greifen wollte. „Wofür bin ich denn da? Wenn ich nichts tun darf, fahre ich morgen weg., Der Barthelmes braucht mich wahrhaftig nicht." Er machte keinen Einwand mehr, rollte den Hemdärmel ganz hoch und sah zu, wie Klaudine den Arm mit langsamen Bewegungen zu massieren begann. Einmal hatte Fritz eine schwere Prellung bei einem Sturz davongetragen. Da war sie auch immer an seinem Bett gesessen und hatte ihn gepflegt, weil ex durchaus keine Krankenschwester haben wollte. Aus der unbestimmten Furcht heraus, dann müsse man sterben ... Von damals her wußte sie Bescheid, wie man mit solchen Schäden umzugehen hatte. So oft Niels stöhnte, hielt Klaudine im Streichen inne und nickte ihm zu. Manchmal, wenn er die Lider schloß, versenkte sie sich in die Betrachtung seines Gesichts. Jetzt war seine Stirn weiß. Im Sommer mochte sie dunkelbraun gewesen sein, denn zwischen ihr und dem Ansatz des Haares stand ein matter Streifen. Die Augen lagen jetzt, durch die Krankheit beeinflußt, tiefer und von bläulichen Rändern umschattet. Die Wangen waren eingefallen. Als Pöttmes plötzlich aufsah, wurde sie unwillkürlich rot. Er lächelte, als habe er ihre Gedanken erraten. Sie holte Watte aus der Schublade, die Niels ihr bezeichnete, und breitete sie sorglich über seinen Arm. „Sobald es geht, fahre ich nach Bruck hinunter und bringe Ihnen den Arzt mit", sagte sie dabei. „Er war schon da, Klaudine." Vor sechs Wochen, wie mir Barthelmes sagte", entgegnete sie vorwurfsvoll. „Vor drei", berichtigte Niels. „Man kann nicht viel machen bei solchen Sachen. Das braucht eben seine Zeit." „Und richtige Behandlung", ergänzte sie mit Nachdruck. „Sonst sitzen wir im Frühjahr auch noch hier oben." „Wäre das so schlimm?" Es gefiel ihm, daß sie jedesmal rot wurde, sooft sich ihre und seine Gedanken einander näherten. „Schlafen Sie jetzt", bat sie und ging zur Tür, drehte sich noch einmal um und sagte, wie man zu kleinen Kindern zu sprechen pflegt: „Machen Sie die Augen zu und träumen Sie was recht Schönes. Gute Nacht!" „Gute Nacht!" erwiderte er, aber seine Augen baten sie zugleich, noch einmal zu ihm ans Bett zu kommen. Und als sie dieser stummen Bitte willfahrte, griff er nach ihrer Hand und preßte seine Lippen darauf. Diesmal wurde sie nicht rot, aber ihr Mund bekam einen ironischen Zug. „Das können eigentlich doch alle." „Was, Klaudine?" „Einer Frau die Hand küssen. — Gute Nacht, Herr Pöttmes!" Er sah ihr verdutzt nach. Hätte ich das nicht tun dürfen? dachte er. Ich bin doch sicher nicht der erste, der ihr die Hand geküßt hat. „Klaudine!" „Ja?" fragte sie von draußen. „Darf ich wissen, wie alt Sie sind?" „Ich hab's vergessen!" „Klaudine!" „Sie sollen jetzt schlafen!" Niels sagte kein Wort mehr. Waldl hatte sich's unterdessen in der Mitte des Strohsacks bequem gemacht. Er knurrte ein bißchen, als Klaudine ihn nach den Füßen hinabschob. lieber der Karrer-Hütte zogen die Sterne herauf. Als leichtgeneigte Wiege hing der Mond über der weißen Erde. Gegen Morgen hörte Pöttmes Klaudine im Traum sprechen: „Gönn' mir's doch! Ich bin so lange nicht mehr gereist. Man kann doch nicht immer nur nehmen, nehmen und nehmen und gar nichts dafür geben--" Soviel er auch grübelte, er konnte die Zusammenhänge nicht finden. Todmüde schlief er bis in den späten Vormittag hinein. In Paris sorgte sich Bob, weil keine Nachricht von der Karrer-Hütte eintraf. Und den Bewohnern von Haslbach erging es ebenso, nur daß bei Luzie der Aerger überwog. Die Schwester hätte doch schreiben können. Einen Bleistift und ein Blatt Papier gab es überall. Da wäre was dabei gewesen, wenn sie ein paar Zeilen hingeworfen hätte: „Alles wohlauf, Klaudine." Aber man machte überhaupt so seine Erfahrungen mit den Schwestern. Die Margot hatte ihre Vermählung auch nur durch eine Telegramm angezeigt. Na, und die Ael- tefte schrieb überhaupt nichts. Brauchte man also auch nicht zu schreiben. Schluß! — * Henriette überraschte Luzie eines Morgens mit der Mitteilung, daß sie dringend nach Hamburg reifen müsse. Der Kleinen blieb der Mund half offenstehen. „Gleich bis nach Hamburg? Wann kommst du wieder?" „Das kann ich noch nicht sagen, mein Kind." So, da hatte man's jetzt! Da saß man dann also glücklich und allein auf Haslbach, zerstreut wie eine Lämmerherde, dachte Luzie, während sie den Koffer der Stiefmutter aus der Garderobe holte. Klaudine war auf der Karrer-Hütte! Bob in Paris! Die Margot bei ihrem James irgendwo! Und Henriette wollte nach Hamburg. „Du fürchtest dich doch nicht etwa, wenn ich fort bin?" fragte Henriette, während sie ihren Koffer packte. Fürchtennicht, meinte Luzie. Angst, das habe sie noch nie gekannt. — Aber als es dann Zeit zum Schlafengehen wurde, und die alte Nanne in das große Speisezimmer kam, um „Gute Nacht" zu wünschen, sprang Luzie auf und sagte energisch: „Ich geh auch!" „Fort?!" entsetzte sich die Nanne. „Ach wo! Ins Bett!" In ihrem Zimmer versperrte Luzie dann die Tür mit viel Geräusch, legte sich flach auf den Boden und hielt unter dem Bett Nachschau. Es war „keiner" da. Auch im Schrank nicht, ebenso nicht hinter den Vorhängen, die sie mit zwei raschen Griffen übereinanderzog. „So, jetzt soll einer kommen und mich stehlen!" Die Nachttischlampe beschien friedlich die wahllos herumliegenden Gegenstände. Die Stiefmutter hatte ihr eine Menge Dosen, Schalen und Fläschchen zurückgelassen, die jetzt in allen Farben aufschillerten. Und in diesem bunten Durcheinander stand in einem matten Silberrahmen: Bob, „das Ekel". — Ob's der kleinen „Luzie" gut ging? dachte die Na- mensvetterin. Ob sie sich nicht schon verlaufen hatte in dem großen Paris? Wahrscheinlich hatte der Hund bereits ein halbes Dutzend Sofakissen zerbissen und verschiedene Paare Hosenenden fransig genagt. Möglich war alles. Hatte es jetzt nicht geklopft? — Unten an der Haustür?--Auf dem Bettrand sitzend, horchte Luzie: Jetzt wieder! — Sie schlich zum Fenster und spähte durch eine Spalte der Vorhänge. Man sah draußen nichts als Weiß mit großen schwarzen Flecken darauf. Das waren die Schatten, welche die Tannen warfen. Hörte denn der Kutscher nicht, daß jemand herein wollte? Von der alten Nanne konnte man's nicht verlangen, daß sie nochmals aus dem Bett kroch. Am besten war's, man fragte gleich selbst. Erst aber noch das Licht löschen, bann waren alle Fenster gleich dunkel, und der unten stand wußte nicht, von wo aus gerufen wurde ... Trotz aller Vorsicht klirrte der Fensterriegel. Luzie rief überlaut: „Was gibt's?!" ,Luzie--!" Da trafen einen doch gleich zwei Schläge auf einmal! — Das Fenster blieb offen. Luzie jagte die Treppe hinab und fand nicht gleich den Schlüssel. Draußen winselte und heulte es. „Gleich! Gleich! Gleich! Mein Gott, so ein vertracktes Schloß! Geht's denn noch nicht?" Eine Hand drückte gegen die Klinke. „Nein, Luzie." „Herrgott! — — Ach, ich Blödling! — Gleich hab' ich's." Mit einem Lachen stieß Luzie den Riegel zurück, und im selben Augenblick fuhr von draußen eine kalte Schnauze in ihr Gesicht. „Wirst du wohl? — Wirst du wohl? — Stell' sie doch endlich nieder, Bob! So ein Scheusal! Was bist du für ein liebes, süßes, goldiges Scheusal!" „Ich--?" „Ja, du auch!" sagte sie und küßte Bob rasch auf die Wange. „Du auch", wiederholte Luzie, ihn jetzt mit einem halben Meter Abstand aufs neue betrachtend. „Und wie Ihr gewachsen seid! Laß dich doch einmal ansehen, Luzie. Kann sie denn auch was?" „Fressen und schlafen", berichtete Bob. Dann bat er, auch im ersten Stock schlafen zu dürfen.--Ob die Mama länger wegbleibe, oder bald wieder zurückzukommen gedenke? Luzie wußte es nicht. Die ©tiefmutte hätte überhaupt solch ein Geheimnis um diese Reise drum herumgemacht. „Ich vermute, daß es ihr zu langweilig war auf Haslbach." Bob fand, daß dies möglich wäre. Jedenfalls aber konnte es nicht der Hauptgrund gewesen sein, der sie veranlaßt hatte, nach Hamburg zu fahren. Nun, man würde ja sehen, wenn sie zurückkam. Sie würde dann sicher darüber sprechen. — „Ach", sagte Luzie, als sie eine Viertelstunde später wieder in ihrem Zimmer stand und Bobs Bild in die Hand nahm, „so hast du einmal ausgesehen! — Und so bist du jetzt!" Dabei bog sie den Rücken zurück, hielt den Kopf etwas steif, zog den Mund melancholisch nach der Seite und suchte dem Blick einen nachsichtig-abwesenden Ausdruck zu geben. Von dem langen „Ekel" von damals war nichts mehr übriggeblieben, als die blonde Haarsträhne, die er nun kunstvoll nach hinten gelegt trug. Von drüben klopfte es an ihre Wand. „Schläfst du schon, Luzie?" Die Verbindungstür war mit einem riesigen Doppelschrank verstellt. Man konnte also nur durch die Wand miteinander sprechen. „Schläfst du schon?" „Noch nicht, aber gleich." Daraufhin war Ruhe, wenigstens mit dem Klopfen. Dafür hörte Luzie Bob jetzt mit dem Hund sprechen. „Sei mal ein liebes Mädchen, Luzie, und komm' hierher! — Nein, hierher! Und leg' dich schön! Der Teppich ist doch weich! — Warum willst du dich denn nicht auf den Teppich legen? — Was bist du doch für ein verzogenes Frauchen, kleine Luzie. Das wird noch einmal Krach geben zwischen uns." Natürlich! dachte Luzie grimmig. Selbstverständlich gibt's da noch Krach! Sie war roüteno und riß die Tür des Kleiderschrankes auf. „Verzieh' sie nicht so maßlos!" rief sie hinüber. „Gib' ih» mal einen Klaps! — Kusch, Luzie!" Das Winseln schwieg. — Bob schwieg — und Luzie schwieg auch. (Fortsetzung folgt!) Motor und das aroße T durch schließlich dank ei Aus der Provinzialhauptstadt sehen. ,in den April zu des G abrik Gießen. Die Umgebung alle. Der — T a g e s ka l e n d e r für Montag: Ortsgruppe Gießen-Süd: 20.30 Uhr im Studentenheim öffentliche Versammlung der Ortsgruppe. — Licht- Ieder will an feiner Stelle feinen Teil am Aufbauwerk des Führers leisten. stehen. (Ein Wille, ein Wollen, ein Ziel beherrscht uns Bunter Abend des Reichssenders Frankfurt in Gießen. Zum ersten Male hielt der Reichssender Frankfurt a. M. in Verbindung mit der Ortsgruppe Gießen des Reichsoerbandes der Rundfunkhörer einen Bunten Abend am Samstag in Gießen ab. Die schön geschmückte Volkshalle, von der aus die Darbietungen auf den Sender in Frankfurt übertragen wurden, war von etwa 3500 Personen besucht. Um die Bestreitung des unterhaltsamen Programms machte sich neben den vom Reichssender verpflichteten Kräften auch der Musikzug der SA.- Standarte 116 sehr verdient, der unter Leitung von Musikzugführer V. Herrmann wiederum prächtig konzertierte und den Abend mit der Ouvertüre zur „Leichten Kavallerie" einleitete- Die Vortragsfolge brachte eine Fülle der unterhaltsamen Darbietungen, geriet aber mit rund vier Stunden reichlich lang. Der Reichsender Frankfurt hatte einige recht gute Kräfte für diesen Abend verpflichtet, und zwar die Parodistin Lena Haustein, die Sängerin Erna Schubert, den Rezitator Erwin Eckersberg, den Universalimitator G a r r i ck und den Humoristen Richard Kautz aus Köln. Richard Kautz rückte seine Kolleginnen und Kollegen -zunächst mit seinen Ansagen in das rechte Licht, er erwies sich aber auch selbst als ein Humorist von Qualitäten und brachte seine eigenen dichterischen Erzeugnisse unter die Leute. Seine lustigen philosophischen Ergüsse lösten viel Heiterkeit aus, in seinen Wortspielereien, in denen er sich besonders gefiel, war viel Situationskomik enthalten. Erna Schubert brachte einige Liebeslieder zum Vorsoll in jeder Landgemeinde ein Obst- und Gartenbauverein geschaffen, unter Umständen mehrere Ortschaften zusammengefaßt werden. Den Höhepunkt der Tagung bildet ein Vortrag von Landwirtschaftskammerrat Pfeiffer von ber Landesbauernschast Hessen-Nassau in Frankfurt am Main über das Thema „Umstellungen im Obstbau". Ziel der Obstbauvereine muß sein, mehr Obst zu erzeugen, damit die Einfuhr von Obst die 1934 noch über 300 Millionen an Devisen erforderte, unterbunden wird. Wie in der Landwirtschaft im allgemeinen, so soll auch im Obstbau darauf hingezielt werden, durch gleichmäßige Ernten vom ersten Frühobst bis zum späten Lagerobst, den Obstbedarf des deutschen Volkes zu decken. Es geht nicht, wie manche Eiferer fordern, einfach die Einfuhr ausländischen Obstes zu verbieten, aber dis wirtschaftsschädigenden Auswirkungen der Einfuhr, namentlich im Gemüsebau, müssen unterbunden werden. Als erste Maßnahme erfolgte die Regelung der Baumschulartikel, wodurch in Zukunft nur allerbeste Ware als Pflanzgut zur Verwendung gelangen wird. Rur in Ausnahmefällen darf neben der Markenetikette noch erste und zweite Qualität zum Verkauf gebracht werden. Wichtig ist auch eine sachgemäße Düngung. Die Regelung der Grenzab, stände vom Nachbar soll durch Ortssatzungen erfolgen. Die Polizeiverordnung über Schädlingsbekämpfung soll in allen Gemeinden eingeführt werden Zur Baumpflege sind vor allem die geschulten Baumwärter, die Pioniere des Obstbaues, heranzuziehen. Die in ' Bälde herauskommende neue Marktordnung für Obst wird größere Aenderungen in bezug auf Ernte und Sortierung des Obstes bringen. Die Sortenbeschränkung muß weiter gefördert werden. Der Liebhaberobstbau bleibt hiervon unberührt. Die Obstausstellungen der Vereine werden aufhören. Obstschauen, die der Sortenkenntnis, Sortierung und der Vorführung der kaufgefälligen Verpackung dienen, werden an deren Stelle treten. Dabei muß das Leistungsprinzip im Vordergrund stehen und prämiiert werden. Die neue Marktregelung wird allen Obstoerkauf über die Bezirksabgabestellen und über Schlußscheine lenken, damit die Obstmengen picht wahllos auf den Markt geworfen werden. Es werden Pflücktermine bestimmt und Verkaufsbeschränkungen eingeführt. Dadurch soll das vorzeitige Ernten unterbunden und den Behörden ein Ueberblick über die anfallenden Erntemengen gegeben werden. Der Redner sprach die Bitte aus, willige Streiter des Führers zu sein, der unser Volk einer besseren Zukunft entgegen führen wolle. Die Versammlung dankte mit reichem Beifall für die lehrreichen Ausführungen. Vorsitzender Bopp schloß nach der Aussprache über den Vortrag mit dreifachem Sieg-Heil bid Tagung. Zur Gratisverlosung waren Hochstämme, Beeren- unb Buschobst, Ziersträucher, Hochstammrosen und Rosenbüsche sowie Sämereien, insgesamt 160 Preise^ aus Mitteln des Verbandes zur Verfügung gestellt Wir in der HI. haben es verstanden, daß man nur dann jenes Ziel, das der Führer uns gestellt hat: die Gemeinschaft der deutschen Jugend, erreichen können, wenn wir uns immer wieder zusarnmensinden zu dem großen Erlebnis der Einigkeit und des gemeinsamen Wollens. Imitator und Mundharmonikavirtuofe Garrick zu unterhalten, der Tierstimmen verblüffend nach- ahmte; er führte allein mit dem Tirilieren seiner lochenden und weinenden Lerche ohne Zuhilfenahme auch nur eines Wortes eine ganze hochdramatische Liebesgeschichte vor. Außerdem erwies sich der Künstler als Mundharmonika-Virtuose. Er interpretierte Musik verschiedener Völker und spielte außerdem meisterhaft auf einer V/2 cm langen Mundharmonika. Mit einfachen Mitteln spielte er Lylophon, bis er schließlich mit Musik auf dem Schifferklavier seine Darbietungen beschloß. Die zahlreichen kleinen Pausen zwischen den Darbietungen wurden ausgefüllt mit ausgezeichneter Musik. Der Musikzug der SA.-Standarte und die Tanzkapelle Hauck wetteiferten in ihren musikalischen Vorträgen miteinander. Der Musikzug der SA.-Standarte brachte Orchestermusik, Märsche und Walzer, die Tanzkapelle Hauck moderne Musik im Charakter der Schlager in extravaganter Instrumentation zum Vortrag. Beide Kapellen fanden reichen Beifall. Den Abschluß des Bunten Abends bildete die Verlosung von drei Volksempfängern, die unter allgemeiner Spannung vor sich ging NSLB., Bez.-Verein Gießen-Land. Am Samstag hatten sich die Mitglieder des Bezirksvereins Gießen-Land im Hotel Köhler zur letzten Versammlung im Schuljahr 1934/35 eingefunden. Nach gemeinsamem Gesang des Liedes „Märkische Heide" eröffnete Obmann Rektor Siegfried (Großen-Linden) die Tagung, die im ersten Teil mit geschäftlichen Mitteilungen ausgefüllt war. In einer Aussprache über die Lehrpläne und Stundenverteilung wurde darauf hingewiesen, daß nun auch der Schwimmunterricht Pflichtfach in den Schulen ist und daß beabsichtigt sei, die Kinder der Gemeinden, die keine Badegelegenheiten haben, dorthin führen zu lassen, wo eine solche besteht. Anschließend gedachte die Versammlung noch einmal des verstorbenen Reichsleiters des NSLB., Hans S ch e m m , und hörte von Schallplatten die Wiedergabe der großen Rede, die dieser aus der Reichstagung in Frankfurt a. M. (1935) gehalten hatte. Rektor Siegfried schloß die Tagung mit der Versicherung, daß die Erziehungsgedanken des verstorbenen Reichsleiters im NSLB. weiterleben würden Und daß sie den Lehrern ein Ansporn und ein Wegweiser für die Zukunft sein müßten, um das große Ziel, das uns der Führer gesteckt hat, zu verwirklichen. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer und dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes fand die Versammlung ihr Ende. Vornotizen. In diesem Sinne veranstaltete der Standort ießender HI. und des BdM. eine I u n g- ~ * ebung im Maschinensaal wir bald am Ende unserer Kraft — vielmehr müsse der grundsätzliche Weg von Blut und Boden eingehalten werden. Dieses Bekenntnis müßte die Grundlage für unser ganzes Volk werden. Nur das Bauerntum als Bluterneuerungsquelle und Ernährer des Volkes fei der Garant für die deutsche Zukunft. Auf die inneren Haltung zu weltanschaulichen Problemen komme es an, wenn die Erzeugungsschlacht einen vollen Erfolg bringen solle. Unser Herrgott werde helfen, diese große Aufgabe zum guten Ende zu führen. Seit 400 Jahren sei das deutsche Bauerntum zum ersten Mal wieder frei und könne seine große Aufgabe, den Dienst am deutschen Volk in jeder Form, erfüllen. Nicht darauf komme es an, daß der Bauer jeden Morgen Kommt alle zu dem Gport-Werbeabend des BdM. und der Jnngmädel am Dienstag, 2. April, 20 Uhr, im Cafe Leib! Wenn die dröhnenden Hämmer verklungen find, wenn der tosende Lärm der Maschinen schweigt, dann rauscht gewaltig gleich Sturmeswind eine heilige Melodie und steigt empor, aus Herzen, Geist und Seele zum ewigen Licht in Zeit und Raum ... Wenn wir eine Veranstaltung zu Ehren Jungarbeiters durchführen, bann gehen wir in keine Parkett- ober Versammlungssäle. Nein, wir gehen dorthin, wo er täglich wirkt und schafft, wo sein Tätigkeitsbereich ist, wo er in harter Arbeit sein Teil zum Wohle des Vaterlandes beiträgt. Jungarbeiter-Kundgebung in Gießen Oer Bann 116 her HL. berichtet. Bezirksobstbauverband Gießen Oie Jahreshauptversammlung. Bezirksobstbauverband Gießen (seither Kreis-Obst- und Gartenbauverein) hielt am Samstagnachmittag im Katholischen Vereinshaus zu Gießen feine diesjährige Generalversammlung ab. Neben den Vertretern der örtlichen Obstbau- Die sich hier versammelt haben, wollen hier den deutschen Jungarbeiter ehren, wollen gleichzeitig den Hauch des hohen Ethos jeglicher Arbeit in sich aufnehmen. In zwei Säulen ist die HI. einmcstchiert. Links steht der BdM., rechts die HI. Nach der Eröffnung der Kundgebung durch Unterbannführer Schulz und nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Brüder in Zechen und Gruben" wurde die Zeit bis zur Uebertragung der Rede des Reichsjugendführers von der Zeche „Friedrich-Ernestine" in Esfen-Stop- penberg durch flotte Märsche des Musikzuges des Bannes 116, sowie durch Sprechchöre und Arbeiterlieder ausgefüllt. Um 10.30 Uhr begann die Uebertragung von Essen, die durch einen Fanfarenchor des ^Jungvolks eingeleitet wurde. Dann zwangen uns die Worte des chorjschen Spieles „Arbeit" in ihren Bann. Laute Begeisterung verkündeten das Erscheinen des Reichsjugendführers der darauf über alle Reichssender zu der deutschen Jugend sprach und uns in packenden Worten die Versicherung gab, daß die neue deutsche Jugend trotz aller ‘ Anfeindungen auf ihrem begonnenen Wege weiterschreiten wolle. Die vielen widerstrebenden Kräfte, die uns heute noch entgegenstehen, würden ebenfalls wie alle Widerstände beseitigt werden. Die Einigkeit der HI. könne heute durch keine äußeren Einflüsse mehr erschüttert werden. Nach dem gemeinsam gesungenen Liede der Jugend „Vorwärts, Vorwärts", fand die Kundgebung Ihren Abschluß. Mit neuer Kraft und Zuversicht erfüllt rückten darauf die einzelnen Formationen wieder in ihre Standorte zurück. Der deutsche Jungarbeiter, der heute in der HI. steht, mag die lieber- zeugung gewonnen haben, daß die neue Zeit, und damit auch die neue Jugend weiß, was er innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft bedeutet. K.R. doch noch gewonnen. Goethe hatte einmal eine ganze Gesellschaft in den April geschickt. Im Schloß Tiefurt war für ein Frühlingsfest der Tisch gedeckt, ein leckeres Mahl lachte den Gästen entgegen, die jedoch verblüfft feststellen mußten, daß alles nur Attrappe war. Der französische Zeichner Henry Monier bestieg eine Straßenbahn, die nach Charbonne, dem Ort einer bekannten Irrenanstalt, hinaUsfuhr. Im gleichen Wagen saß ein würdiger älterer Herr. Auf diesen deütend, gab der Zeichner dem Schaffner zu verstehen, daß der Herr sein Vetter und im Kopf nicht ganz richtig sei. Er müsse nach Charbonne hinausfahren, habe aber die fixe Idee, schon unterwegs auszusteigen. Mit einem reichlichen Trinkgeld wurde dann der Schaffner bewogen, den Herrn erst in Charbonne aus dem Wagen zu lassen, was auch versprochen wurde. Monier stieg natürlich schon vorher aus und malte sich noch später mit größter Freude die von ihm geschaffene peinliche Situation aus. Die Zeitungen übernahmen es später, ihre Leser hinters Licht zu führen. Sie prophezeiten die Wiederkehr des Halleischen Kometen, was bei allen abergläubischen Leuten das größte Entsetzen auslöste, und stellten die eben entdeckte Owiepiektse- Fliege vor, die die Erregerin der .Schlafkrankheit sein sollte. Freilich wurden viele technische Konstruktionen, die das Licht der Welt als Aprilscherz erblickt hatten, später tatsächlich in die Wirklichkeit übersetzt. l irnt für Beamte, Kreis Gießen. Die Diensträume des Amtes für Beamte und des Reichsbundes der Deutschen Beamten, Kreis Gießen, befinden sich ab 1. April 1935 im Hause der Arbeit, Schanzenstraße, Hintergebäude. Sprechstunden: Dienstags und Freitags von 18 bis 20 Uhr. Reichsbund Volkstum und Heimat. Ortsring Gießen. Heute abend um 21 Uhr, Erklärung des Sternhimmels durch Herrn Universitätsprofessor Dr. Henneberg. Treffpunkt auf dem Vahnhofsplatz vor Cafe Schwarz. Mitglieder und Gäste willkommen! Mittwoch, 3. April, 20.15 Uhr, Heimatabend in Gemeinschaft mit dem „Sängerkranz" im Studentenheim im Leihgesterner Weg. Lichtbildervortrag von Herrn Stadtbaurat G r a d e r t über „Alte und neue Straßen um Gießen". Der „Sängerkranz", gemischter Chor, singt Schubert- und Volkslieder, und Eberhard Scywarz trägt Heimatliches aus eigener Dichtung vor. Eintritt einschließlich Programm für Mitglieder 15 Pf., für Nichtmitglieder 30 Pf. Diel zu bedeuten haben wird, in seinem Oberbau eine Kombination von Kleinauto, Fahrrad und Radio, bei der die Funkempfangsanlage der Fernsteuerung, wie sie bekanntlich bei dem ferngesteuerten Zielschiff „Zährinaen" der Reichsmarine schon seit langem in Gebrauch ist, größte Bedeutung hat. Ueber diese Funkempfangsanlage wird die vom Elektrizitätswerk aus bediente Fernsteuerung wirksam; sobald die Stromtaste im Elektrizitätswerk angeschlagen wird, springt die Welle auf die Funkanlage des Wasserfahrrades über, setzt dort einen winzig kleinen Motor und das große Triebrad in Bewegung, wodurch schließlich dank einer sinnreichen Kuppelung die Schwimmer des Apparates selbst ihren vorwärts- schreitenden Gang antreten. Der Apparat kann auch in jeder beliebigen Wendung nach rechts ober nach links fahren, er kann in Rückwärtsfahrt gesteuert werden und sogar ansehnliche Achterschleifen vollbringen. Der Erfinder dieser einzigartigen Neuheit ist in Gießen sehr bekannt, sein Name kann aber heute noch nicht. genannt werden, bevor nicht ber für heute nachmittag angesetzte erste Versuch als geglückt betrachtet werben kann. Man barf biefem Versuch zweifellos mit starkem Interesse entgegen» Wegener im Grönlandeis" von Berg-Ingenieur Kurt Herdemerten. — 16 Uhr: Praktischer Schulungskursus im Garten Borrmann (hinter Wäscherei Edelweiß — 20 Uhr: Lichtbildervortrag über „Neuzeitliche Bodenbearbeitung in Garten und Feld" von Dr. agr. Fronau, Betzdorf, im „Bayerischen Hof", Bahnhofstraße. — Sie Vortragsoereinigung (Goethe- Bunb und Kaufmännischer Verein) veranstaltet heute abend den Lichtbildervvrtrag des Expeditions-Ingenieurs der Alfred-Wegener-Grönland-Expedition Kurt Herdemerten. Der Vortragende erzählt seine Erlebnisse in Grönland. (Siehe heutige Anzeige.) ** Die Vorerhebung zur Boden- benutzungsaufnahme 19 3 5 betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. ** Die Gießener Frühjahrsmesse hatte gestern zu ihrem Beginn wenig erfreuliches Wetter. Der Regen tat dem von den Schaustellern erwarteten Massenbesuch erheblich Abbruch, immerhin bewegte sich am Nachmittag und auch in den Abendstunden doch eine ansehnliche Menschenmenge auf dem Messeplatz hin und her. Besondere Anziehungspunkte waren die Achterbahn und das große Zeppelin-Karussell, daneben wurde aber auch vereine waren die Vertreter der Obstbauinspektion Gießen-Friedberg und der Bäuerlichen Werkschule und Beratungsstelle erschienen. Der von der Landesbauernschaft Hessen-Nassau neu ernannte Vorsitzende, Erbhofbauer Ferdinand Bopp (Bellersheim), richtete herzliche Worte der Begrüßung an die Mitglieder und Gäste und versprach, seine ganze Kraft zur Förderung des heimischen Obstbaues einzusetzen. Er wolle an dem Alten, Bewährten und Erprobten sesthalten, daneben aber den neuen Maßnahmen zum Erfolg verhelfen und dem Führer treue Gefolgschaft leisten. Er gedachte dann des auf tragische Weise ums Leben gekommenen Kreisbauernführers A. Dörrschuck, dessen Andenken von der Versammlung in üblicher Weise arbeiter-Kundg der Schaffstäbtschen F« _ „ mag manchem von uns etwas sonberbar erschienen sein. Eine große Halle mit Maschinen unb Werkplätzen, ber Ort emsiger Arbeit. Heute stehen bie Maschinen still. Ein anberer Geist ist in diesem Saal eingezogen. Ein Geist, ber von einer neuen Weltanschauung kündet, dessen Träger die deutsche Jugend ist. Heute hält nicht ber Arbeiter innerhalb seiner Gruppe seine Kundgebung ab. Klassengeist und Klassenhaß, die in den Jahren nach dem Kriege herrschten und das Volk zerrissen, sind verschwunden. Dem deutschen Arbeiter wurde vom Führer die Ehre roiebergegeben. Er marschiert heute im gleichen Schritt in unseren Reihen, in benen Kameraden aus allen Schichten unseres Volkes uciii uorigen Scyaustellern anjehnllcher Zujprucy zuteil. Im ganzen gesehen muß jedoch noch allerlei Schwung hineinkommen, wenn die Schausteller ihre Hoffnungen erfüllt sehen sollen. *’•' Kreishandwerkerschaft Gießen (Lah n). Ab 1. April sind bie Bienftftunben ber Kreishanbwerkerschaft Gießen täglich von 7 bis 15 Uhr, Samstags von 7 bis 12 Uhr. Sprechstunben finden statt von 8 bis 13 Uhr, Samstags von 8 bis 12 Uhr. ** Ein Wasserfahrrad mit Fernsteuerung, das in diesen Tagen ber mit mancherlei Neuheiten auf Oswalbsgarten weilenben Messe besondere Aufmerksamkeit verdient, wird am heutigen Montag zwischen 16 und 17 Uhr (4 bis 5 Uhr nachmittags) auf der Lahn zwischen ber Brücke an der Neustadt und der Müllerschen Badeanstalt im Betrieb vorgesührt werden. In seinem schlitten- artigen Unterbau hat dieses Wasserfahrrad eine gewisse Ähnlichkeit mit den vor einiger Zeit auf der Lahn praktisch vorgeführten Wasserschuhen, mit denen vekanntlich mehrere junge Leute von Gießen aus einen erfolgreichen Wasserschuhlauf nach Wetzlar unternahmen. Dagegen ist der neuartige Wasserfahrrad-Apparat, der für den Wassersport wohl noch bestimmt. Die Rechnungsablage erfolgte durch P. Happel (Watzenborn-Steinberg). Bei einer Einnahme von 1899,56 Mark und einer Ausgabe von 1026,58 Mark ergab sich ein Ueberschuß von 872,02 Mark. Das verzinslich angelegte Barvermögen beläuft sich auf 3112,68 Mark. Die Rechnungsprüfung erfolgte durch die Beiräte R e h n e l t (Gießen) und B e p p l e r (Wiefeck) und konnte als in jeder Beziehung mustergültig angesprochen werden. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Der Voranschlag für 1935 schließt mit 2250 Mark in Einnahmen und Ausgaben ab und sieht auf der Sollseite erhöhte Ausgaben für Vorträge, Versammlungen, Beihilfen und Prämien an die Ortsvereine vor. Außerdem wurde ein Betrag von 200 Mark zur Weiterbildung der Baumwarte und Baumpfleger vorgesehen. Da der Mitgliederbestand im dauernden Steigen begriffen ist — die Zahl 2000 ist bereits überschritten —, konnte der Beitrag zum Bezirksverband von 50 auf 40 Pf. je Mitglied gesenkt werden. Darin ist auch der Beitrag an den Landesobstbauverband enthalten. Dem Jahresbericht von Obstbauinspektor R e n i s ch von der Obstbauinspektion Gießen-Friedberg ist folgendes zu entnehmen. Es wurden 21 Vorträge gehalten. In Londorf und Burkhardsfelden würden neue Obst- und Gartenbauvereine gegründet. In 32 Fällen wurden Beihilfen aus Reichsmitteln zu Neupflanzungen mit den vorgeschriebenen Sorten gewährt. Soweit als möglich geehrt wurde. Herzliche Dankesworte widmete der Vorsitzende dann dem seitherigen kommissarischen Leiter des Kreisvereins, Regierungsrat Dr. Krüger vom Kreisamt Gießen, und er schlug vor, ihn zum ersten Ehrenmitglied der neuen Organisation zu ernennen. Einstimmig wurde dieser Vorschlag von der Versammlung gebiUigt Schon vor drei Jahren wurde Regierungsrat Wolf, jetzt Kreisdirektor in Alzey, zum ersten Ehrenmitglied des Kreisvereins ernannt. Zum neuen Schriftführer wurde Baumwart Adolf Müller (Bellersheim) trag und fand viel Beifall. Lena Haustein überraschte die Besucher zunächst als kleiner Junge von etwa 12 Jahren und ließ die Zuhörer in einigen Zweifeln über ihre Person. Erst bei ihrem nächsten Auftritt entpuppte sie sich als eine ausgewachsene junge Dame von mondäner Erscheinung, der nur ihre figürliche Winzigkeit die anfängliche Täuschung gestattete. Schon in dem Kinderliederpotpourri bewies sie starke persönliche Eigenart. Das „Sächsische Ehedrama" und zwei Berliner Chansons machten viel Laune. Als einen ganz erstklassigen Rezitator lernte man Erwin Eckersberg-Berlin kennen, der in den Grotesken „Darf eine Dame" und „Der Apfel des Sextaners Platt", bei seinen weiteren Auftritten mit der „Opernparodie" nicht nur sein rezitatorisches Talent, sondern auch seine starken mimischen Fähigkeiten bewies. Seinen Sachsenimitationen mar der Beifall von vornherein sicher. Mit am besten vermochte der humorvolle Universal- reumütig an feine Brust schlage: Was bin ich |ür ein sündiger Mensch, sondern jeden Morgen und jeden Abend sollte der deutsche Bauer unfern Herrgott um die Kraft bitten, das leisten zu können, was notwendig sei. Dann könne der Mann, der die Fahne trage, fallen, die Fahne selber aber werde über einem freien und starken Deutschland wehen. Im Anschluß an die Rede des Landesbauernfüh- rers ergriff Kreisbauernführer Geiß das Wort zu einem letzten Appell an die Bauern, den Willen des Führers in die Tat umzusetzen. Kreisleiter Kirchner schloß die imposante Kundgebung mit einer Ehrung für den Führer, an die sich das Horst-Wes- sel-Lied anschloß. Nach Schluß der Kundgebung fand ein Borbeimarsch der Formationen auf dem Marktplatz statt. April! Vermutlich wegen der Unbeständigkeit und Launenhaftigkeit des Monats hat man den ersten April zum Anlaß genommen, feine Freunde und Bekannten auf alle erdenkliche Weise hereinzulegen. Der erste April ist ein Festtag für alle Witzbolde, die mit Vorliebe ihren Nächsten einen Streich spielen, je toller, desto besser, und sich hinterher schief lachen wollen, wenn der Gefoppte auf den Leim geht. Der Brauch, einen anderen schicken", ist uralt, man hört von den berühmtesten Leuten, die sich solche Scherze mit- ihren Mitmenschen erlaubt haben. Die Scherze der früheren Jahrhundert waren oft recht derb, manchmal sogar roh. Philipp der Gütige von Burgund hat trotz seines ansprechenden Beinamens mit seinem Hofnarren Kölling eine mutwillige Wette abgeschlossen. Der Narr sollte versuchen, den Herzog in den April zu schicken. Bei einem Erfolg sollte er reich beschenkt, bei einem Versagen aber dem. Henker überliefert werden. Dem Herzog gelang es, den Narren trunken zu machen, so daß er den ersten April verschlief. Der Narr mußte also tatsächlich das Blutgerüst besteigen, und der Henker gab ihm einen Schlag ackf den Nacken. Zum Erstaunen des Herzogs ging der Narr auf diesen üblen Scherz ein, stellte sich tot, und erst als der Herzog sich Gewissensbisse machte, sprang Kölling auf die Beine und rief: „April, April!" So hatte er die Wette spielhaus, Bahnhofstraße: „Der alte und der junge ; König". — Vortragsvereinigung, 20 Uhr in der Neuen Aula: Lichtbildervvrtrag über „Mit Professor Oberhessische Viehversicherungs-Anstalt. Die Hauptversammlung. Die Oberhessische Viehoersicberungs - Anstalt in Gießen, die Oberhessen, die Geviete Hanau, Fulda, Marburg, den Taunus und den Odenwald umfaßt, hielt am Scmntagnachmittag im „Hotel Hopjeld" zu Gießen eine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Direktor Dr. van Bentheim (Gießen) erstattete nach seinen Begrüßungsworten den Jahresbericht für 1934. Dieser weist nach dem 31. Dezember 1934 einen Mitgliederbestand von 3168, gegenüber 3029 am 1. Januar 1934 auf. Die Stückzahl der Pferde betrug 4339 (4073 im Vorjahr), die der Rinder 1003 (944 im Vorjahr); das Versicherungskapital der Pferde 2 890 775 Mark gegenüber 2 639 340 Mark, das der Rinder 322 570 Mark gegenüber 301530 Mark des Vorjahres. An Prämieneingängen sind verzeichnet 145 411,80 Mark (1933: 167 781,46 Mk.). Die Schadenentschädigung betrug 1934 (in Klammern jeweils 1933) für 239 (286) Pferde 92 701 Mark (121 762,50 Mark); für 51 (71) Rinder 12 185 Mark (16 873,75 Mark) und für 10 (10) Leibes- fruchtversicherunaen 910 Mark (1082,50 Mark). Insgesamt wurden 1934 für 300 Fälle 105 796 Mark, 4933 für 367 Fälle 139 718,75 Mark ausgezahlt. Die Durchschnittsentschädigung für Pferde betrug 375 Mark, für Rinder 238 Mark. Die Durchschnittszahl beweist auch im abgelaufenen Jahre wieder die Leistungsfähigkeit der Anstalt. Es ist gelungen, die rückständigen Beiträge auf ein Mindestmaß herunterzudrücken. Bücherrevisor Jäger (Gießen) erstattete den Rechenschaftsbericht. Die Bilanz schließt in Aktiven und Passiven mit 68 556,58 Mark ab. Der Reservefonds ist nach einem Zugang von 6866,50 Mark auf 32133,45 Mark angewachsen. Die Gewinn- und Verlustrechnung für 1934 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 189 380,19 Mark ab. Insgesamt wurden für regulierte Schäden aus 1933 und 1934 und aus dem laufenden Jahr 119 291 Mark bezahlt. Gleichzeitig ist ein Gewinn in Höhe von 20 753,09 Mark zu verzeichnen. Die Versammlung sprach sich einmütig dafür aus, daß das Geld der Bauern wieder in dieselben Kanäle fließen soll, aus denen es kommt, und es oü'rum in erster Linie bei der bäuerlichen Volks- d'ank aufbewahrt werden soll. Beide Berichte wurden genehmigt und dem Vorstand Entlastung erteilt. — Zur lleberführung der Anstalt in den „Deutschen Vauerndlenst" sprach zunächst Direktor Dr. van Bentheim, der auf die in vielen Teilen des Reiches ungesunde Lage der Tierversicherungsgesellschaften hinwies. Zur Bereinigung dieser Verhältnisse hat der Reichsnährstand die Gründung des „Deutschen Bauern- )ienstes" veranlaßt, der unter des Reichsnährstandes Aufsicht steht. Gleichzeitig ist der Reichsnährstand der Garant für die Durchführung der Aufgaben und Entschädigungen durch den „Deutschen Bauerndienst". Nachdem die Verhältnisse im Viehversiche- ^.-ungswesen in Hessen günstiger waren als in olderen Teilen des Reiches, soll nun im Sinne des Bauernstandes und des Reichsnährstandes die Orga- üsation des „Deutschen Bauerndienstes" auch hier eingeführt werden. Die „Oberhessische Viehversiche- rungs-Änstalt" als die größte und auf solider Grundlage stehende Viehversicherung soll sich mit dem „Deutschen Bauerndienst" verschmelzen und die Auffangorganisation in ganz Hessen in der Viehversicherung sein. Die Anstalt bleibt in ihrer Einrichtung und Schadenauszahlung bestehen und wird selbständige Landesstelle für ganz Hessen. Die Schadenregulierung erfolgt weiterhin durch sie, wie sie auch auf Grund ihrer Rentabilität die Prämiensätze festsetzt. Die Verbindung mit dem Land bleibt bestehen durch 8 Männer, die den Beirat bilden. Zu diesen kommt ein 9. Mann als Vertreter, der Landesbauernschaft. Die Landesstelle hat ihren Sitz in Gießen, das auch Gerichtsstand ist. Leiter der Landesstelle wird Direktor Dr. van Bentheim. Die in Hessen schon vorhandenen Mitglieder des „Deutschen Bauerndienstes" werden insoweit übernommen, als sie den Bestand der bisherigen Anstalt nicht gefährden. Es ist alles getan, um die Mitglieder der Anstalt jetzt und in Zukunft zu sichern. Der „Deutsche Bauerndienst" selbst ist eine gesunde Gesellschaft. Notar Schneider gab den zwischen dem Vorstand und Aufsichtsrat der Anstalt mit dem „Deutschen Bauerndienst" abgefaßten Fusionsvertrag bekannt. Der Aufsichtsratsvorsitzende L. Hofmann (Lollar) teilte die Beschlüsse des Aufsichtsrates mit, die die Paraphierung enthielten. Herr S te ll w a g (Trais-Horloff) stellte für die Mitglieder des Hungener Bezirkes den Antrag, die Beschlußfasiung auf eine noch einzuberufende außerordentliche Generalversammlung zu vertagen. Direktor Dr. van Bentheim ergänzte seine Ausführungen dahin, daß die Landesstelle Vorläufer einer antzestrebten Neuordnung im Viebversicherungs- wesen für Hessen ist. Wenn auch oas Geld der Anstalt nach Berlin überführt werde, so stehe es den Mitgliedern doch stets zur Verfügung. Der Vertreter des „Deutschen Bauerndienstes", S e b o l d (Berlin) gab Aufschluß über diese durch den Reichsnährstand ins Leben gerufene Viehversicherung. Er verfügt heute schon über 30 000 Mitglieder und ist ein schuldenfreies Unternehmen. Der Zusammenschluß der Viehversicherun-gsgesellschaften sei unerläßlich, da die Verhältnisse nicht überall so gesund seien wie in Hessen, und um das Geaen- einanderarbeiten der Versicherungen zu unterbinden. Nachdem nach weiterer lebhafter Aussprache der Antrag auf Fusion der Oberhessischen Diehversiche- rungs-Anstalt mit dem „Deutschen Bauerndienst" a b g e l e y n t worden war, wurde auf Antrag aus der Versammlung beschlossen, in einer in Kürze einzuberufenden außerordentlichen Mitgliederversammlung eingehende Aufklärung zu schaffen und den Antrag aus Fusion nochmals zur Abstimmung zu bringen. Von Herrn Schwalb (Lollar) und voy einigen anderen Mitgliedern wurde wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß dem Vorstand und Aufsichtsrat für die tadellose Geschäftsführung uneingeschränkte Anerkennung gezollt wird, daß aber, um den abwesenden Mitgliedern gerecht zu werden, eine nochmalige Versammlung einberusen werden soll. Direktor Dr. van Bentheim schloß die Versammlung mit dem Treugelöbnis zum Führer und Reichskanzler. 18 Ballons bei den Freiballonmeisterfchasten in Darmstadt Am Sonntag, 7. April, erfolgt in Darmstadt die Austragung der Deutschen Freiballonmeisterschaften 1935, die gleichzeitig als Ausscheidungsrennen für den Gordon-Bennett-Flug gilt. Der Start der 18 gemeldeten Ballone ist auf Sonntag, 18 Uhr, fest- aesetzt und erfolgt wieder auf dem Alten Kavallerie- Exerzierplatz. Hilfsfonds für den deutschen Sport. Versammlung der Derbewarte der Stadt und des Kreises Gießen. Um alle laufenden Fragen im Sport zu besprechen und insbesondere um die Bedeutung des Hilfsfonds für den deutschen Sport klarzustellen, fand am gestrigen Sonntagvormittag im Cafe Ebel eine Versammlung der Werbewarte und Vereinsführer der Leibesübung treibenden Vereine der Stadt und des Kreises Gießen statt. Die Versammlung war sehr gut besucht und wurde mit kurzen Begrüßungsworten von dem Kreisvertrauensmann W. Mohr (Gießen) eröffnet, der auf den Zweck der Zusammenkunft hinwies und dabei zum Ausdruck brachte, daß alle Sportvereine verpflichtet feien, zu diesen monatlichen Zusammenkünften einen Vertreter zu entsenden. Herr Schlemm von der , Gaugeschäftsstelle Kassel für den „Hilfsfonds des deutschen Sports" machte dann ausführliche Darlegungen über die Bedeutung dieser Einrichtung. Der Hilfsfonds sei im Oktober 1933 gegründet worden als Grundstock für die Finanzierung des deutschen Turn- und Sportwesens. Gleichzeitig sei aber auch der Hilfsfonds die Organisation, in der alle Vereine für Leibesübungen erfaßt werden sollten. Der Sportgroschen, der dieser Organisation zugute kommt, müsse als zusätzliches Geld zum Eintrittsgeld erhoben werden. Dte Mitarbeiter für den Hilfsfonds feien als die Verbindungsmänner zu den Vereinen anzusehen, deren besondere Aufgaben der Redner behandelte. In der anschließenden lebhaften Aussprache wurde insbesondere über die Arbeit des Werbewarts gesprochen, der es als seine Aufgabe betrachten muh, in den Vereinen aufklärend zu wirken für den Gedanken des Hilfsfonds und die Vorarbeiten zur Olympiade. Dabei muß er aber auch bei Vereins- Versammlungen und -Veranstaltungen die Gelegenheit wahrnehmen, neue Kreise für den Sport zu interessieren. Die Werbewarte seien die aktivsten Vertreter der Sportorganisationen. Kreisvertrauensmann Mohr machte dann noch Ausführungen über das Verhältnis der Sportvereine zur HI. und SA. Des weiteren begrüßte er es, daß durch die Arbeit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" der Turn- und Sportbewegung neue Mitglieder geworben werden. Mit den von diesem Amt durchgeführten Kursen und Darbietungen würde bezweckt, diejenigen Menschen, die bisher noch keinem Sportverein angehört hätten, für den Sportgedanken zu begeistern und zu veranlassen, einem Verein beizutreten. Nach Klärung verschiedener schwebender Fragen wurde die Versammlung von dem Kreisvertrauensmann Mohr mit einem Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler geschloffen. Im Anschluß hieran fand eine Mitarbeiterbesprechung für den deutschen Hilfsfonds statt, die ebenfalls sehr anregend verlief und in der der Vertreter der Gaugeschästsstelle, Herr Schlemm, ausführliche Darlegungen machte und weitere Richtlinien bekanntgab. Krühjahrsgeländelauf in Heuchelheim. Am gestrigen Sonntag war Heuchelheim der Schauplatz des diesjährigen Frühjahrsgeländelaufes des Kreils Gießen. Die Ausrichtung hatte der Turnverein Heuchelheim übernommen. Der Lauf war gut vorbereitet und führte die Läufer über eine interessante und gut abgesteckte Strecke. Trotz des überaus ungünstigen Wetters hatten sich sehr viele Läufer eingefunden, etwa 130 an der Zahl, so daß die Leitung des Wettbewerbes viel Arbeit zu leisten hatte. Die Äbwicklung der Läufe vollzog sich aber reibungslos. Gestartet wurde in neun verschiedenen Klassen. Die Strecken waren, entsprechend den Klassen, verschieden lang. Die Jugend lief 1, 1,5 bzw. 2 Kilometer, die Atters klasse ebenfalls 2 Kilometer, Jungmannen und aktive Klasse B hatten drei Kilometer vor sich und die aktive Klasse A wurde über 5 Kilometer geführt. Die erzielten Leistungen waren sehr gut. Die Läufe der Aktiven brachten die erwarteten Favoriten-Siege. Bei den Jungmannen errangen die Brüder Reidel die beiden ersten Plätze. Im Ziel gab es dabei noch manchen harten Kamps. Auch um die Plätze wurde oft noch in schönem sportlichen Eifer gekämpft. Die Ergebnisse. Aktive Klasse A (5 Kilometer): 1. Faulseit, Gießen 1900, 17:18 Min.; 2. England, Sp.-V. 05 Wetzlar, 17:25 Min.; 3. Berahöfer, VfB.-R. Gießen, 17:42,8 Min.; 4. Dehnert, Tv. Bernsfeld, 18:18,3 Min. Aktive Klasse B (3 Kilometer): 1. Grenadier Maxeiner (5. Komp. JR. Gießen), Gießen 1900, 10:18,8 Min.; 2. Pfaff, VfB.-R. Gießen, 10:38 Min.; 3. Geißler, Tv. Ruttershausen, 11:07,5 Min.; 4. Peters, Gießen 1900; 5. Mootz, Gießen 1900. Mannschaftssieger: Spielvgg. 1900 Gießen. Jungmannen (Jahrgänge 15/16, 3 Kilometer): 1. Hans Reidel, Tv. Heuchelheim, 10:18 Min.; 2. Franz Reidel, Tv. Heuchelheim, 10:19 Min.; 3. Weber, VfB.-R. Gießen, 11:01,8 Min.; 4. Heibertshausen, Tv. Lollar. Mannschaftssieger: VfB.-Reichsbahn Gießen. Sprinter kl ässe (2 Kilometer): 1. Lepper, Tv. Alten-Buseck, 6:55,3 Min.; 2. Kreiling, Tv. Heuchelheim, 7:02 Min.; 3. E. K. Müller, Gießen 1900, 7:07,2 Min.; 4. Sung, Gießen 1900. Mannschaften : 1. Spielvgg. 1900 Gießen, 2. Tv. Alten-Buseck. Altersklasse: (2 Kilometer): Schenk, Tv. Eichelsdorf. Jugend. Klasse A (Jahrgang 17/18), 2 Kilometer: 1. E. Reidel, Tv. Heuchelheim, 6:57 Min.; 2. K. Bender, Tv. Heuchelheim, 7:02,7 Min.; 3. Fleischmann, Tv. 1846 Gießen, 7:10,2 Min.; 4. W. Koch, Gießen 1900; 5. H. Fey, Tv. Lollar. Mannschaften: 1. Tv. Heuchelheim; 2. Tv. 1846 Gießen. Klasse B (Jahrgang 19/20), 1,5 Kilometer: 1. Walter Rinn, Tv. Heuchelheim, 5:17 Min.; 2. Jäger, Gießen 1900, 5:17,4 Min.; 3. Kirchner, Gießen 1900, 5:17,9; 4. Krämer, VfB.-Reichsbahn Gießen; 5. Edelmann, Tv. Eichelsdorf, 6. Hellen, VfB.- Reichsbahn Gießen; 7. E. Rinn, Tv. Kinzenbach. Mannschaften: 1. Spielvereinigung 1900 Siezen; 2. VfB-Reichsbahn Gießen. Klasse C (Jahrgang 21/22), 1 Kilometer: 1. Mootz I, VfB.-Reichsbahn Gießen, 4:17,2 Minuten; 2. W. Adolph, Gießen 1900, 4:18,3 Min.; 3. H. Huppert, VsB.-Reichsbahn Gießen, 4:20 Minuten; 4. Budenbender, VsB.-Reichsbahn Gießen; 5. Stehr, VfB.-Reichst;. Gießen. Mannschaftssieger: VfB.-Reicysbahn Gießen. Klasse D (Jahrgang 23 und jüngere) 1 Kilometer: 1. Schmück, Gießen 1900, 4:29,3 Minuten; 2. A. Dinges, Gießen 1900, 4:32 Min.; 3. Mootz II, VfB.-Reichsbahn, 4:50 Minuten. Mannschaften: 1. Spielvereinigung 1900 Gießen; 2. VfB.- Reichsbahn Gießen. Um den Aufstieg in die nordhessische Fußball-Gautiga. Im Gau Nordhessen wurden die acht Bewerber um die beiden freien Plätze in der Gauliga in zwei Gruppen eingeteilt; der Meister jeder Gruppe steigt auf. In der Nordgruppe siegte Kurhessen Marburg auf eigenem Platze mit 5:1 (1:1), während der FC. Groh-Almerode seinem Gast, dem BV. 06 Kassel, mit 2:3 (2:1) unterlag. In der Gruppe Süd gewann der SV. Klein-Steinheim verdient mit 5:1 (3:0) über Alemannia Nieder-Brechen, während der SV. 05 Wetzlar zu Hause gegen den SV. 06 Bad-Nauheim mit 0:3 (0:2) unterlag. VfB.-Reichsbahn Gießen. VfB.-R. schlägt Raunheim mit 2:1 Toren. Trotz des schlechten Wetters, es regnete während der ganzen Spieldauer, hatte sich eine ansehnliche Zuschauermenge eingefunden, die Zeuge eines un- gemein spannenden Kampfes wurde. Die Gäste haben in diesem Spiel erneut bewiesen, daß sie eine Mannschaft darstellen, deren Leistungen über dem Durchschnitt stehen. Bei etwc^ mehr Glück hätten sie bis zur Halbzeit auf Grund ihrer Überlegenheit mit zwei bis drei Toren führen können. Ihr überragender Mann ist der Linksaußen Keusch, der aus allen Lagen zu schießen versteht. Dem Unparteiischen stellten» sich die Hiesigen mit: Becker; Schwarz, Lehrmund; Hauptfeld, Knauß, Feuster; Ranft Heß, Wlodareck, Schmidt, Fehling. Die zwei Punkte verdanken die Gießener in erster Linie dem ganz überragenden Spiel von Becker . im Tor. Die Verteidigung sollte in dieser Besetzung tehenbleiben. Von den Drei Läufern war Knauß )er beste. Hauptfeld hatte gegenüber Keusch einen ehr schweren Stand. Der Sturm konnte erst nach einer Umstellung befriedigen. Der Anstoß der Gälte hätte beinahe schon in der ersten Spielminute iyre Führung gebracht. Aber dann stießen die Gießener vor. Der Torschuß von Knauß konnte aber gehalten werden. Die Raunheimer erzielten dann die erste Ecke, die gut abgewehrt wurde. Ein schnelles Durchspielen der Hiesigen brachte Fehling in Schuhstellung, der Ball ging aber über das Tor ins Aus. Die Naunheimer wurden jetzt stark überlegen. Nach einer Ecke knallten die Gäste zweimal an die Latte. Zwei weitere Ecken brachten ihnen aber auch nichts ein. Nach der Pause verstärkten die Gastgeber ihren Jnnensturm, der mit Fehling, Heß und Ranft produktiver spielt. Ein Angriff der Hiesigen von links her endet an der Latte und der Nachschuß im Aus. Auf der Gegenseite versucht es Keusch mit Fernschüssen, die von Becker gemeistert wurden. Bei einem Alleingang wurde Heß zwei Meter vor dem Strafraum gestoppt. Den Strafstoß verwandelte Knauß mit großer Wucht zum Führungstor. Die Gießener lagen weiter im Angriff. Der Rechtsaußen umspielte die Verteidigung und gab zu Heß, der zur 2^-Führung einschoß. Ein Foul eines Naun- 5ebnere ahnt der Schiedsrichter mit Platzverweis. Diese zahlenmäßige Schwächung konnte aber nicht den Widerstand der Gäste brechen. Nachdem Becker nur burd) kühnes Dazwischenwerfen einen Erfolg vereitelt hatte, mußte er sich durch einen Schuß des Linksaußen geschlagen bekennen. Die letzten Spielminuten standen im Zeichen der Gäste. VfB.-Reichsbahn II — Albshausen I 5:2 (1:1). Die Gäste waren in diesem Spiel stärker, als man angenommen hatte. Sie wurden erst in den letzten zwanzig Minuten, als sie eine Schwächeperiode zu überstehen hatten, geschlagen. VfB.-Reichsbahn III — Flensungen I 2:0 (2:0). Zu diesem Spiel erschienen die Gäste nicht vollzählig und ergänzten sich durch Spieler von Albshausen. Trotz' des Sieges konnten die Leistungen der Gießener nicht befriedigen. Die 2. Jugend wurde von der 1. Jugend des TV. Alten-Buseck mit 4:2 Toren geschlagen. Das 1. Gaufest des JtfL im Werden. Die Feststadt Gießen hat mit den Vorbereitungen begonnen. Der örtliche H a u p t f e st a u s s ch u ß für das in den Tagen vom 2. bis 4. August dieses Jahres in unserer Stadt stattfindende 1. Gaufest des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen fetzt sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Andreas Rei- n i n g, Stellvertreter: Karl Müller und Leopold Nieder st rasser, technischer Leiter: Rudolf Paul, Vertreter der Gießener Ortsgruppe des Reichsbundes: Dr. Möckelmann, Festrechner: Peter Ritsert, Schriftführer: Heinrich Dechert, Heinrich Zimmermann, Friedrich Bellos; ferner gehören dem Ausschuß an: Turnkreisführer Karl Daupert und Wilhelm Erle. Der Ausschuß hielt dieser Tage eine Sitzung ab, in der für den Aufbau des Gaufestes die grundlegenden Richtlinien herausgestellt wurden. Andreas Reinig gab ein Bild von dem Stand der Vorarbeiten.' Gauoberturnwart Paul erlangte die Ausführungen, und es zeigte sich habet, daß im Stillen schon manche wertvolle Vorarbeit geleistet ist. Bis ins einzelne festgelegt wurde dann in gemeinsamer Beratung die Festfolge für den feierlichen Auftakt des Gaufestes, der am 7. April in der Gießener Volkshalle verbunden wird mit dem Kunstturn-Mannschaftskampf der vier Kreisgruppenbesten des Gaues Nordhessen. (Auf diesen Kunstturnmannschaftskampf kommen wir noch zurück!) Gauoberturmvart Paul, der ferner über die Gestaltung der Wettkämpfe des Gaufeftes sprach, betonte klar und eindeutig, daß das Gießener Fest eine Veranstaltung des Reichsoundes ist, also keine reine Angelegenheit der Turnerschaft, der vom Reichssportführer nur die Durchführung übertragen ist. Die einzelnen Fachämter des Reichsbundes werden, ihren Wünschen entsprechend, am Gesamtablauf des Festes (Wettkämpfe und Festgestaltung) beteiligt sein. Der Gedanke des Reichsbundes und seines Gaufestes ift auch von den Vereinen des RfL. in feiner ganzen Tiefe erfaßt worden. Die Sitzung hat in ihrem ganzen Verlauf erwiesen, daß Festleitung und technische Leitung bestrebt sind, nut allen Kräften auf ein wirkliches Gaufest >des RfL hinzuarbeiten, bet dem nahezu alle Üeibesübung treibenden Vereine die Möglichkeit zur Betätigung finden werden. Heber Kampf und Spiel hinaus soll das Gießener Gaufest aber auch ein Festder Volksgemeinschaft im Sinne Fr. L. Jahns werden. Winter-Gerätelumen des Wertteiles Gießen in Heuchelheim. Zum ersten Male fett der Neueinteilung der Deutschen Turnerschaft wurden dieses Jahr Wintergeräteturnen in den -einzelnen Untertreifen abgehalten. Der Gerätewettkampf für den Unterkreis Gießen fand gestern in Heuchelheim statt. Die Beteiligung war sehr gut. Es traten 142 Schüler, 94 Jugendturner und 18 aktive Turner zum Wettkampf an.' Dem Turnen ging eine Kampftichterfitzung voraus. Dann traten die einzelnen Riegen in der Turnhalle zu einer kleinen Morgenfeier an. In Verhinderung des Dietwartes sprach Dr. Reidt vom Turnverein Heuchelheim zu den angetretenen Turnern, wobei er an einen Ausspruch Jahns anknüpfte und den neuen Zug im Turnen in Verbindung mit nationalsozialistischem Denken brachte. Turnen bedeute nicht bloß körperliche, sondern auch geistige Erziehung. Turnerische Arbeit gelte dem Volk und geschehe im Glauben an Deutschland und im Vertrauen zu feinem Führer Adolf Hitler. Nach der völkischen Ansprache zogen die einzelnen Riegen mit dem Gesang des Turnerliedes an ihre Geräte zum Beginn des Wettkampfes. Es hatte sich am Vormittag schon eine große Anzahl Zuschauer eingefunden, die das Turnen mit regem Interesse verfolgte. Um 14 Uhr fand dann der von dem Turnverein Heuchelheim übernommene Frühjahrsgeländelauf statt. Nach Beendigung dieser sportlichen Veranstaltung begann in der inzwischen bis auf den letzten Platz gefüllten Turnhalle die Nachmittagsveranstaltung, die im Zeichen des Winterhilfswerkes stand. Nach einem Vvr- spruch des Turners Karl Weber begrüßte der Vereinsführer des Turnvereins Heuchelheim, Otto Rinn, alle anwesenden Turner und Gäste. Er führte besonders aus, daß die Tatsache, daß sich die Turnerschaft in den Dienst des Winterhilfswerkes stelle, beweise, daß die Turner Verständnis für die Not anderer Volksgenossen haben. Es folgten die gut ausgeführten Freiübungen der Turner und Gemeinschaftsübungen der Jugendturner an zwei Pferden. Hierauf trat die Kreisriege an und turnte ebenfalls am Pferd formvollendete Hebungen. Kreisführer Karl D a u b e r t - Wiefeck nahm dann das Wort zu einer Ansprache, wobei er besonders das gute Einvernehmen zwischen Turner und Sportler hervorhob. Das heutige Wintergeräteturnen in Verbindung mit dem Geländelauf in Heuchelheim habe gezeigt, daß der Aufbau des Reichsbundes für Leibesübungen in vollem Gange fei. Im weiteren Verlaufe zeigten Schülerinnen flotte Tanzübungen und Turnerinnen führten gefällige Ballübungen vor. Kreisgebietsturnwart Karl Reuter verlas die fünf ersten Sieger jeder Stufe und brachte ein „Gut Heil" auf alle Sieger aus. Kreisführer D a u p e r t - Wiefeck gedachte des Führers'und Reichskanzlers, und nach einem dreifachen „Sieg-Heil" fangen alle Anwesenden das Deutschlandlied und das Horst-Weffel-Lied. Dann trat die Kreisriege wieder auf den Plan und zeigte an Barren und Reck sehr gute Spitzenleistungen, die mit großem Beifall ausgenommen wurden. Die Turnerinnen und Schülerinnen gaben der Veranstaltung einen schönen Abschluß mit einer tänzerischen Massenausführung. Die einzelnen Vorführungen wurden von Musikvorträgen umrahmt. Der Turnverein Heuchelheim konnte als Ergebnis der turnerischen Veranstaltung den ansehnlichen Betrag von 109 Mark an das Winterhilfswerk abführen. Oie Ergebnisse. Turner an getreten 18 und 18 Sieger. 1. Karl Schöndorf, 1846 Gießen, 160 Punkte. 2. Max Hardt, 1846 Gießen, 155,5. 3. Hermann Gutbub, 1846 Gießen, 148,5. 4. Hans Vogt, 1846 Gießen, 147. 5. Waldemar Grote, 1883 Lollar, 146; 6. Richard Schaum, Leihgestern 1893, 142,5. 7. Hans Mank, Wiefeck, 142. 8. Willi Engelhardt, Heuchelheim, 141,5; 9. Willi Ellermeier, 1846 Gießen, 138,5; 10. Ernst Hettche, Lollar 1883, 137,5 Punkte. Jugend-Oberstufe 34 angetreten und 34 Sieger. 1. Otto Weiß, Großen-Linden, 170,5 Punkte. 2. Hermann Schorge, Großen-Linden, 165. 3. Georg Bingel, 1846 Gießen, 157. 4. Helmut Fleischmann, 1846 Gießen, 155. 5. Kurt Lepper, Wiefeck, 153. 6. Heinrich Schmadel, Grünberg, 152. 7. Ewald Jmmel, Wiefeck, 150. 8. Wilhelm Göbel, Treis, 147. 9. Karl Rinn, Heuchelheim, 146; Konrad Weber, Treis, 146. 10. Albert Kreiling, Heuchelheim, 144. 11. Albert Zörb, Großen-Linden, 139. 12. Arthur Weber, Heuchelheim, 134. 13. Willi Eisenhut, Wiefeck, 132 Punkte. Jugend-Unlerstufe angetreten 60 und 57 Sieger. 1. Erich Velten, Großen-Linden, 125 Punkte. 2. Herbert Fischer, Großen-Linden, 122. 3. Karl Scherer Wiefeck; Alfred Göbel, Wiefeck, 119. 4. Walter Schäfer, Leihgestern, 117. 5. Rudolf Velten, Wiefeck, 115. 6. Walter Schaum, Leihgestern, 114. 7. Walter Zörb, Großen-Linden, 113. 8. Heinrich Ferber, Lol- (ar, 111. 9. Heinz Köhlinger, 1846 Gießen; Willi Fo'rbach, Lollar, 110. 10. Erwin Römer, Wiefeck, 109. 11. Heing Amend, Grünberg. Ernst Kling, Wiefeck, 108. 12. Werner Ritzel, Grünberg; Herbert vhr-erg, Lollar, 107. 13. Walter Röhl, Meseck: Walter Deuhing, Lollar, 106. 14. Erwin Port, Grünberg; Erich Möckel, Mto. Gießen, 104 Punkte. Schüler. Anaetreten 142 und 142 Sieger. 1. Heinz Junker, Großen-Linden, 126 Punkte. 2. Kurt Fuchs, 1846 Gießen; Kurt Neuser, 1846 Gießen, 120. 3. Rudi Junker, Großen-Linden; Erich Artz, Lang-Göns, 119. 4. Alfred Luh, Lang-Göns; Erwin Weller, Wiefeck; Heinrich Schaaf, Treis; Wilhelm Schäfer, Alten-Bufeck; Gottfried Winter- Hoff, 1846 Gießen, 116. 5. Wilhelm Seibert, VfB.- Reichsbahn Gießen, 115. 6. Emil Velten, Leihgestern 1893, 114. 7. Fritz Röhr, 1846 Gießen; Kurt Höpfner, 1846 Gießen; Ernst Rohm, Wiefeck; Hermann Rink, 1846 Gießen, 113. 8. Ewald Repp, Grünberg, 112. 9. Emil Rofignol, Wiefeck; Wilhelm Bierau, Wiefeck; Walter Nicolai, Alten-Bufeck; Willi Luh, Leihgestern 1893; Heinz Reinhold Fischer, Großen-Linden; Rudi Muth, Grünberg; Emil Wehrum, VfB.-R. Gießen, 111. 10. Rudi Wagner, VfB.-R. Gießen; Fritz Karl Jughard, 1846 Gießen, 110. 11. Reinhold Keßler, Leihgestern 1893; Wilhelm Michel, Treis; Walter Rohm, Wiefeck; Heinz Karl Fischer, Großen-Linden; Ewald Martini, Leihgestern 1893, 109. 12. Hans Braun, Großen-Linden; Hermann Jöst, 1846 Gießen, 108. 13. Wilhelm Schreier, VfB.-R. Gießen; Ernst Wagner, 1899 Großen-Buseck; Wilhelm Meyer, Alten-Buseck; Helmuth Schreiner, Wiefeck, 107. 14. Heinrich Böcher, Grünberg; Karl Görlach, Eberstadt; Karl Spengler, Großen-Linden; Helmuth Brücke!, Lang- Göns; Ewald Eckhardt, Großen-Linden; Walter Mattheis, Eberstadt; Willi Bölz, Alten-Buseck, 106. 15. Fritz Schick, Treis, 105 Punkte. Süddeutschland von Südostfrankreich 3:1 besiegt. Eine süddeutsche Fußball-Auswahlmannschaft spielte am Sonntag vor 15 000 Zuschauern in Marseille gegen Südostfrankreich. Wie erwartet, erwies sich die süddeutsche Elf als nicht stark genug, um gegen die Franzosen siegreich zu bestehen.' Süddeutschlands Mannschaft mußte eine 3:1-Niederlage einstecken, die aber den Umständen noch immer noch sehr ehrenvoll ist. (Wir berichten noch darüber.) * Nordhessens Fußball-Gauelf spielte am Samstag vor 2500 Zuschauern in Kassel gegen den Gau Mittelrhein und unterlag 0:1 (0:0). Der entscheidende Treffer fiel in der 67. Spielminute durch den Mittelstürmer Becker (VfR. Köln). Handball im Gau Nordhessen. Gau kl ässe: Wetzlar — TC. Kassel 9:10(5:5); Tuspo. Kassel — Kirchbauna 9:10 (5:4); Tura Kassel — 1900 Gießen, kampflos für Kassel. Bezirksklasse: Kurhessen Marburg —Pohl- Göns 7:5 (4:4). II. Kreisklasse. Aufstiegsspiele: Dorlar t — Mio. Gießen II 7:1 (3:1); Katzenfurt — Garbenheim 6:7 (2:3). Freundschaftsspiele: Tv. Wetzlar — Hörnsheim 8:9 (5:3); Wetzlar-Niedergirmes — Atz- bach 9:9 (4:3); Holzheim — Dornholzhausen 6:3 (3:1); Holzheim Jugend — Dornholzhausen Jugend 1:3; Hochheim II — Lang-Göns I 5:5 (4:3); Hochelheim Schüler — Lang-Göns Jugend 4:14 (6:3); Münchholzhausen I — Lützellinden I 5:3 (2:1); Münchholzhausen IT — Hörnsheim I! 13:3 (4:2);1 Allendorf komb. — Groß-Rechtenbach II 7:5 (5:4). Ausgezeichnete Leistungen der Kunstturner. DT. — Reichsheer 993,9 :965,2 punkte. Einen eindrucksvollen Abschluß der Winterhilfs- Opferwoche der Deutschen Turnerschaft bildete am Sonntag im Berliner Sportpalast der mit Spannung erwartete Kunstturn-Mannschaftskampf zwischen den Spitzenkönnern der DT. und des Reichsheeres. Der Wettkampf begann mit den Uebungen am Barren. Ueberrafchend kam hier die DT. zu einem klaren Vorsprung, der sich ober nach den Uebungen am Pferd verringerte, denn hier, waren die Soldaten die Besseren. Bei den Freiübungen machte sich ein Unterschied in der Auffassung des Kunstturnens bemerkbar. Die DT. zeigte künstlerische, gut ausgearbeitete und harmonisch abgerundete Kür, während die Soldaten geradezu artistische Leistungen unter starker Bevorzugung der Bodenübungen boten. Bei den abschließenden Reckübungen konnte die DT. chren Vorsprung noch ausdehnen, da sie die größere Sicherheit und das höhere Durch- schnittskünnen zeigte. Im Gesamtergebnis errang die DT. schließlich einen knappen aber verdienten Sieg mit 993,9 :965,2 Punkten. Linzel-Ergebnisfe. 1. Franz Beckert, Neustadt, 190,6 Punkte; 2. Gefr. Schwarzmann, Nürnberg, 189,4; 3. Konrad Frey, Bad Kreuznach, 189,1; 4. Heinz Sand rock, Langenfeld, 184,7; 5. Füsilier Frisch, Münster, 182,2; 6. Walter Steffens, Bremen, 151,8; 7. Füsilier Statte, Münster, 146,8; 8. Erich Palm ar, Hohenstein/Ernstthal, 143,8; 9. Uffz. K a l l w e i t - Rastenburg, 138,5; 10. Kan. Veh- rens, Münster, 137,3; 11. Fritz Limburg, Ruhla, 133,9 Punkte. Oberheffen. Verpflichtung von Bürgermeister Wagner-Grünberg. + Grünberg, 30. März. Bürgermeister Wagner, der seither das Bürgermeisteramt kommissarisch innehatte, wurde dieser Tage endgültig zum Bürgermeister ernannt. In einer besonderen Sitzung des Gemeinderates am Samstagnachmittag fand nun die feierliche Amtseinführung und Verpflichtung durch Oberregierungsrat Dr. Schönhals vom Kreisamt Gießen statt. Außer sämtlichen Gemeinderatsmitgliedern waren die städtischen Beamten und Angestellten anwesend, ferner Fahnenabordnungen der einzelnen NS.-Formationen, sowie eine Anzahl Zuschauer. Oberregierungsrat Dr. S ch ö n h a l s wies in seiner Ansprache darauf hin, daß nach Einführung der neuen Gemeindeordnung die Zeit der früheren Bürgermeisterwahl, die in kleinen Orten oft sehr unerfreuliche Erscheinungen im Gefolge gehabt habe, vorüber sei. Durch die Partei erkoren und auserwählt, sei künftig der Bürgermeister Beauftragter der NSDAP. Vorüber sei auch die Zeit, da der Bürgermeister nur als Ausführender der Gemeinderatsbeschlüsse tätig war und Dadurch keinerlei Verantwortung trug. Der heutige Staat habe dem Bürgermeister große Machtbefugnisse gegeben, ihm aber auch die ganze Verantwortung auferlegt. Der Gemeinderat solle ihm als Rat zur Seite stehen. Nach dem nationalsozialistischen Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" habe der Bürgermeister zu handeln und frei von allen Bindungen das Gemeinwohl über das Einzelschicksal zu stellen. Hierauf nahm Oberregierungsrat Dr. Schönhals die ^Verpflichtung von Bürgermeister Wagner auf die vorgeschriebene Eidesformel vor. Anschließend übergab er ihm die vom Reichs- ftatthalter unterzeichnete Bestallungsurkunde über die Ernennung zum besoldeten Bürgermeister der Stadt Grünberg für neun Jahre und beglückwünschte ihn zu seiner Amtsübernahme. Die feierliche Verpflichtung wurde von den Anwesenden stehend mitangehört. Bürgermeister Wagner sprach seinen Dank für die Ansprache und den Glückwunsch aus. Wie er schon seine Ernennung zum kommissarischen Bürgermeister als eine Ehre angesehen habe, so betrachte er auch seine endgültige Ernennung als einen Beweis des Vertrauens. Er gehe mit Verantwortungsbewußtsein in sein Amt, Sowohl als Bürgermeister als auch als Drtegruppenleiter wolle er versuchen, unbeirrt durch Kritiker, nach besten Kräften seine Pflicht zu erfüllen. Er schloß seine Ansprache mit einem Sieg-Heil! auf den Führer. Rektor R. B e n d e r, als ältestes Gemeinderatsmitglied, beglückwünschte im Namen des Gemeinderates und der Beamten und Angestellten der Stadt den Bürgermeister zu seinem Amt. Er sicherte ihm das Vertrauen des Gemeinderates zu und versprach dessen Bereitwilligkeit zu ersprießlicher Mitarbeit zum Wohle der Stadt. Damit schloß nach knapp halbstündiger Dauer die denkwürdige Sitzung. Das große VHC.-Fest in Lich. Lich, 30. März. Gestern abend traten die mit der Vorbereitung und Durchführung des V H - I u b e l f e st e s des Zweigvereins L i ch betrauten Einzelausschüsse im Gasthaus „Zum Löwen" zu einer Gesamtsitzung zusammen, um mit ihrem'Aufgabenbereich bekannt zu werden. Es waren vertreten: der Empfangs- und Wohnungsausschuß (Vorsitzer Gieseler), der Finanz- und Wirtschaftsausschuß (O. H u m m e l), der Dekorationsausschuß (O. Pappe), der Ordnungsausschuß (L. E r b), der Festwagenausschuß (H ch. Schmidt VIII.), der Vergnügungsausschuß (C. Schwab) und der Presseausschuß (R. H i l d). Der Vorsitzer des hiesigen Zweigvereins, Lehrer M e ck e l, eröffnete die Versammlung und begrüßte alle, die sich bereitgefunden hatten, an der würdigen Ausgestaltung des VHE.-Treffens mitzuarbei- ten, dem ersten im Dritten Reiche. Dementsprechend wird auch hier wieder Wert darauf gelegt, daß nicht nur der einzelne Verein sein Fest feiert, sondern daß, wie dos in Lich schon immer üblich war, die ganze Bevölkerung daran teilnimmt, die allgemeine Volksverbundenheit zum Ausdruck kommt. Aus allen Gauen Hessens und der Nachbarstaaten werden etwa 1000 bis 1200 Gäste erwartet, dke tri unserer Stadt beste Aufnahme finden und sich gern des froh verlebten Zusammenseins mit Gleichgesinnten und ihren Quartiergebern erinnern sollen. Lich will ihnen ein Fest bieten, das sich an all die Dorangegangenen Sänger-, Turn-, Krieger- u. a.' Feste würdig anschließt und seinen alten Ruf als Feststadt in neuem Lichte zeigt. Am Samstagnachmittag werden die bereits anwesenden Vertreter der einzelnen Zweigvereine zu einer Beiratssitzung des Gefamt-DHC. zusammentreten und nach Erledigung geschäftlicher Arbeiten abends in der geräumigen Turnhalle durch einen „Deutschen Abend" mit Militärkonzert erfreut werden. Sonntagmorgen 8 Uhr findet Festgottesdienst, anschließend um 9 Uhr eine öffentliche Vertreteroersammlung statt, zu der jedermann Zutritt hat und an der auch der Führer der deutschen Wanderbewegung, Staatspräsident i. R. Prof. Dr. Ferdinand Werner, teilnehmen wird. Um 14 Uhr wird sich auf dem Bahnhofsplatz ein von der Feuerwehrkapelle Lich geführter Festzug aufstellen, in dem neben Trachtengruppen aus allen Gauen auch dis einheimische Landwirtschaft und Industrie durch Festwagen vertreten sein wird. Nach einem Umzug durch die Straßen der Stadt wird ein geselliges Zusammensein die Gäste noch längere Zeit auf dem durch wunderbare Aussicht ausgezeichneten Festplatz auf der Hardt mit Ansprachen, Gesangsvorträgen und turnerischen Vorführungen vereinen. Der Abend bietet der Bevölkerung von Lich und der Umgegend Gelegenheit, nach Herzenslust in der Turnhalle das Tanzbein zu schwingen. Landkreis Gießen. £ Wiefeck, 1. April. Am 31. März wurde unsere Mitbürgerin Katharine Weller, geb. Balser, 89 Jahre alt. = Wiefeck, 31. März. Aus Anregung des hiesigen Obst- und Gartenbauvereins wurde ein anderthalb Morgen großes Wiesengrund« stück durch die Gemeindeverwaltung in 16 G ä r • t e n geteilt. Die neuen Siedlungsstücke fanden viele Liebhaber, so daß bei der gestrigen Verpachtung 150 qm je nach Lage und Bodengüte mit 2 bis 7 RM. bezahlt wurden. Mit dem bereits im Vorjahre durch Gemeinde und Pfarrei neugeschaffenen Gartenstücken haben sich insgesamt nahezu 40 Familien zur Scholle zurückgefunden und werden der Segnungen und der Freuden der Gartenarbeit teilhaftig werden. Bei weiterer Nachfrage soll norfv Gemeinoegelände aufgeteilt werden. Dieser Beschluß ist sehr zu begrüßen. Im Anschluß an die gestrig Zuweisung der neuen Gärten gab der Ortsfachwart für Obst- und Gemüsebau den Pächtern Anweisungen^ über das Stürzen von Wiefenboden, die Anlage und Einrichtung von Wegen und Beeten und besprach die hauptsächlichsten Gartenkulturen. DabeL wurde auf die Verwendung neuzeitlicher ©arten? geräte und die Benutzung einwandfreien Saatgutes hingewiesen und eine planmäßige Düngung mit sämtlichen Kernnährstoffen empfohlen. Neben den verschiedenen Gemüsearten gehörten auch Busch- und Beerenobst, eine oder einige Rosen in den Garten^ und auch die herrlichen Stauden und Sommerblumen dürften als die Poesie des Gartens nicht fehlen. Eine kleine Verlosung von Beerensträuchern, die vom Obst- und Gartenbauverein zur Verfügun g gestellt worden waren, beschloß den Abend. TEXTiL-OEKL 8lN.$W.«e SELTERSWEG N9 69 Fernsprecher Nr. 2375 1672 D 1797 a CARLNowsck 2 S5 miiiiiiniiiimifflimumHmiiiiimiiiiinntiinHi JNHABER: CARL HEINZ SCHLÜTER modern, p r e i swe rt! Mainzer £6flr. 41 Bank-Konto: Nifteulldir IsnOr&ban* Giro-Konto 0100 Zraokfurl am Main Won: 7O8H folttchrduKontoi Ihre Geschäfts- Drucksachen stellen dieVerblndung her zu Ihren Erzeugnissen.Man stellt »Ich die Beschatfenhelt Ihrer Waren so vor, wie man Briefbogen, Brief Umschläge,Postkarten, Rechnungen, Beschäftskarten Ihres Hauses beurteilt. Legen Sie deshalb Werl auf gepflegte,Drucksachen ! Wir bieten sie Ihnen preiswert I BrUhl’sche Druckerei Schulstr. 7. Ruf 2251 6onführung Win deut und zum Bauen Abermann. UM 1.05, 1.95 in Apotheken und Drogerien, Versuchspackung 25 Pf. 71o7v ____________GIESSEN SFITERSWEG 81 Bekanntmachung. Betr.: $ur Bodenbenutzungsaufnahme Auf die Bekanntmachung des Kreisamls Dießen, veröffentlicht im Amtsverkündigungsblatt für die Provinzialdirektion Oberheffen vom 19. März 1935, weisen wir hiermit ausdrücklich hin. 1901C Gießen, den 30. März 1935. Bürgermeisterei Gießen. Ritter, Oberbürgermeister. rMMle« Des MulMilssimles 1934/35 Rechnungen, die bis zum 2. Ävril 1935 bei der Kreisfübruug des Wmterbilfstverkes Gieße«,Löberstraße 9, nicht eingegangen sind, können nicht mehr berücksichtigt werden WinterhUfswerk des Deutschen Volkes Kreisführung Metzen. Lichtspielhaus Gießen Ab heute Montag, 4 Uhr: Der Großfilm des Jahres! Abends 8.30 Uhr: Festvorstellung unter Mitwirkung des Musikzuges der Standarte 116, Gießen - Leitung: Musikzugführer Herrmann Arbeitsvergebung 2luf Grund der Reichsverdingungsordnung sollen im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden: Für Herstellung von Kleinpflaster auf der Reichs- ftrafje Nr. 428 Lauterbach—Selters—Friedberg: 1. in der Ortsdurchfahrt Öden berg: . Die Lieferung von 600 cbm Stücksteinen, 600 cbm Kleinschlag, 200 cbm Basaltsplitt, 80 cbm Basalt- sand, 400 lsd. m Basaltrandsteinen, 950 lfd. m Kunst- randsteinen, 200 cbm Schlämmsand, 1050 t Flußsand, 550 Sack Zement. Die Ausführung von 1900 qm Gestück, 6500 qm Vorprofilierung, Versetzen von 950 lfd. m Kunst- Snn 700 Ifh.m Basaltrandsteinen, Herstellung von 5300 qm Fahrbahnkleinpflaster, Umpflasterung von 500 qm Bankettpflaster und Planieren von 4000 qm Bankette. 2. in der Ortsdurchfahrt Hirzenhain: • ,£leferun9 DDn 500 cbm Stücksteinen, 300 cbm Kleinschlag, 140 cbm Basaltsplitt, 60 cbm Basaltsand, 260 lfd. m Basaltrandsteinen, 800 lfd. m Kunstrandsteinen, 130 cbm Schlämmsand, 700 t Flußsand, 400 Sack Zement. Ausführung von 1530 qm Gestück, 3800 qm Vorprofilierung, Versetzen von 800 m Kunst- und 260 m Basaltrandsteinen, Herstellung von 3800 qm Fahrbahnkleinpflaster, Umpflasterung von 1650 qm Bankettpflaster und Planieren von 1500 qm Bankette Angebotsvordrucke sind, soweit Vorrat reicht, ab Samstag, dem 30. d. M.» nur vormittags, auf unserem Büro, Gießen, Hitlerwall 37 I, erhältlich, woselbst die Bedingungen einzusehen sind. Angebote sind verschlossen mit der Aufschrift „Submission — Ortsdurchfahrt......" bei uns bis zum Freitag, dem 5. April 1935, vormittags 10 Uhr, portofrei einzureichen. Angebote ohne Aufschrift aus dem Umschlag werden nicht berücksichtigt. 1809V Zuschlagssrist: 14 Tage. Gießen, den 28. März 1935. Provinzialdirektion Oberhessen. Tiefbau. Verstopfung od. Verdauungsstörung en, oft der Beginn nicht leicht zu nehmender Obel. Einzigartige Erfolge mit OleininMcji- gkiicHteHxipften.. Friedrich Wilhelm I. • Emil Jannings Königin Sophie.... LeopoId.Konstantin Kronprinz Friedrich Werner Hinz Die Krohprinzessin Carola Höhn Prinzess.Wilhelmine Marlelulse Claudius Leutnant Katte Claus Clausen Katies Vater....... Friedrich KayBIer Erbprinz v. Bayreuth Georg Alexander v. Natzmer Walter Janssen v. Rochow Theodor Loos Hotham .. Fritz Odemar Dessauer». Rudolf Klein-Rogge v. Waldow Leopold v. Ledebur v. Reichmann Friedrich Ulmer v. Seckendorff .... Harry Hardt Eversmann ....... Eugen Rex Gräfin Arnim ..... Ellen Frank Pesne .......Paul Henckels Kayserlingk Walter Stelnbeck Frau von Ramen ... Emilia Unda Regie: Hans Steinhoff Drehbuch: Thea von Harbou Musik: Wolfgang Zeller Ein künstlerisch und staatspolitisch besonders wertvoller Film! Vorher: Gutes Beiprogramm' und Ufa-Ton-Woche Spielzeiten: Werktags 4,6 und 8.30, Sonntags 3,5.30 und 8.30 Uhr Jugendliche haben Zutritt d Vorstellungen für Formationen u. Schulen sind vorher anzumelden. Kartenvorbestellungen unter 4077 erbeten. 1891A Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtveretändlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damit durch erweitertes Wissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. - Verlangen Sie ProsDekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Vertag • Berlln-Llchterfelde Vergebung von Bauarbeiten. 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