Nr. 125 Krübausgave 183. Zahrgang Mittwoch, 31. Mai (935 (Er|d)einl töglld), außei Sonntags und Feiertags * Beilagen: Die Jllusttien« (Biebener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat,-Be;vgrpreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüsse anter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: zranlsurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Vrvik und Verlag: vrühl'sche Univerfitälr-Vuch- und Stcinörudcrei R. Lange in Stehen. Lchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme oon Anzeigen für die lagesnummer "bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfenntg, Platzvorschrift 20“, mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr Jj.Ihqriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undsür denAn- zeigenteil i. D. Th. Kümmel sämtlich in Bietzen. Ser Kamps des Kabinetts Dollfuß gegen die AEDAp. Hitlers Vertrauensmann in Oesterreich enthüllt weitgehende Verhandlungen mit Dollfuß. Nie Beschränkung des Reiseverkehrs nach Oesterreich. Wien, 30. Mai. (Sil.) Gelegentlich einer Pressekonferenz im Wiener Adolf-Hitler-Haus setzte Her Landesinspektor der österreichischen RSDAP., Reichstagsabgeordneter Theo Habicht, eingehend die Gründe auseinander, die die Reichsregierung zur Ausreise- sperre gegen Oesterreich veranlaßten. Er trat dabei den vielfachen, in Oesterreich geäußerten Behauptungen entgegen, die Rcichsregierung habe die von ihr angegebenen Gründe etwa nur vor- geschützt, während sie in Wahrheit einen politischen Druck auf Oesterreich ausüben wollte usw. Besonders wichtig erschien die Erklärung des Vertrauensmannes des Führers Adolf Hitler in Oesterreich, er könne versichern, dah, wenn die österreichische Regierung eine Lösung finde, die Sperre sofort aufgehoben werden könne. Voraussetzung sei, daß Sicherungen gegen die Gefahren geboten würden, die die Rcichsregierung zu ihrer Verfügung veranlaßt hätten. Aufsehen erregten die Ausführungen des Abgeordneten Habicht über Verhandlungen, die zwischen Bundeskanzler Dr. Dollfuß und ihm übet die Frage einer Me ubildung der österreichischen Regierung geführt wurden. Diese Verhandlungen waren vertraulich. Da aber von der Regierung die Vertraulichkeit nicht eingehalten wurde, hat Abgeordneter Habicht den Bundeskanzler in einem Schreiben verständigt, daß er die nächste Gelegenheit wahmehrnen werde, um seinerseits eine richtige Darstellung dieser Besprechungen zu geben. Sie gingen davon aus, daß die von den Christlich-Sozialen geführte niederösterreichische Landesregierung wegen der Belebung des Haushalts in Schwierigkeiten war und sich an die Nationalsozialistische Landtagsfraktion um ilnterstühung wandte, Später, als sich Schwierigkeiten innerhalb der Bundesregierung ergaben, wurden von Mittelspersonen auch hier Fäden zur NSDAP, zu knüpfen versucht. Bei diesen von den Mittelspersonen als unverbindlicherklärten Besprechungen wurde bereits vom Abgeordneten Habicht als Bedingung für eine Mitwirkung in der Regierung gestellt, daß ein Wahlkabinett zu bilden wäre, für das bei der selbstverständlichen Ausschaltung der Sozialdemokraten auf Grund der Machtverhältnisse nur Christlich-Soziale und Rationalsozialisten in Betracht kommen können. Praktisch hätten also bei dieser Forderung der Rationalsozialisten die Landbund- und die heimwehr- verlreter aus der Regierung ausscheiden müssen und wären durch Rationalsozialisten erseht worden. Wahlen wären dann sofort zu dem nächsten gesetzlich möglichen Termin auszuschreiben gewesen. Rach der Wahl hätte die Bildung des endgültigen Kabinetts auf Grund des Wahlergebnisses zu erfolgen gehabt. Es zeigte sich bei diesen Besprechungen, daß weder Christlich-Soziale, noch Land- bündler, noch Heimwehr gegen eine solche Regierungsbildung etwas einzuwenden gehabt hätten, vorausgesetzt allerdings, dah sie selbst darin vertreten waren. Da Abgeordneter Habicht nicht die Absicht hatte, über seine Forderungen handeln zu lassen, und sich ferner zeigte, daß die e Besprechungen mit Persönlichkeiten, ö;e ausdrücklich betonten, keine Derhandlungsbefugnis zu haben, nicht zum Ziele führen könnten, brach Habicht die Besprechungen ab, erklärte aber, daß er jeder- zeit dem Bundeskanzler selbst zur Verfügung stehen werde, wenn dieser es wünsche. Abgeordneter Habicht wurde dann vom Bundeskanzler zu einer Besprechung eingeladen, die unter vier Augen stattfand. Der Bundeskanzler erklärte hierbei, er sei überzeugt, daß mit den Rationalsozialisten als Machtfaktor zu rechnen sei und dah sie nicht mehr zum verschwinden gebracht werden könnten, weshalb — je eher, desto besser — eine Verständigung über die Form der Zusammenarbeit herbeizusühren wäre. In einer zweiten Besprechung einige Tage später Hal der Bundeskanzler ebenfalls der vom Abgeordneten Habicht dargelegten Auffassung beigestimmt und lediglich einen Zeitaufschub zur Vorbereitung der Verfassungsresorm und für Vorbereitung innerhalb seiner Partei verlangt, obwohl ihn Abgeordneter Habicht auf das Ungünstige eines solchen Aufschubs aufmerksam machte. Der Bundeskanzler versicherte dann noch, daß die Besprechungen, die ihn sehr interessiert hätten, baldigst fortgesetzt werden sollten. Kurz danach gelang es jedoch jenen Gruppen in der Regierung, die nach den Bedingungen der Nationalsozialisten weiterhin ausgeschaltet sein sollten, eine Fortsetzung solcher Verhandlungen zu hintertreiben, und unmittelbar darauf fetzte die Zeit der Verfolgung ein. Die letzte Besprechung sand vor etwa zehn Tagen statt. Die erste etwa acht Tage vorher. Die Lage lasse sich also, so meinte der Abgeordnete Habicht, etwa auf die Formel bringen, dah die Nationalsozialisten, wenn sie nur zwei Ministerposten verlangen, als hoffähig betrachtet werden, wenn sie aber vier ober fünf verlangen, die „braune P e st" seien. Berlin, 30. Mai. (WTB.) Im Reichsgesetzblatt erscheint das Gesetz über die Beschränkung der Reisen nach der Republik Oesterreich, ferner eine hierzu vom Reichsminister des Innern erlassene Durchführungsverordnung. Das am 1. Juni 1933 in Kraft tretende Gesetz steht die Erhebung einer Gebühr von 1000 RM. für jede Reise vor, die ein Reichsangehöriger mit Wohnsitz oder ständigem Aufenthalt im Inlande in oder durch das Gebiet der Republik Oesterreich unternimmt. Die Gebühr ist vor Antritt der Reise bei der zuständigen Behörde zu entrichten, welche die Entrichtung im Paß vermerkt. Mit Geldstrafen nicht unter 5000 RM. oder mit Gefängnis werden die Reichsangehöriaen bestraft, die entgegen den Vorschriften des Gesetzes oder der Durchführungsverordnung aus dem Reichsgebiet unmittelbar ober auf einem Umwege nach ober burch Oe ft erreich reifen. Eine Befreiung von ber Reisegebühr Berlin, 30. Mai. (OB.) wie aus Wien berichtet wird, beabsichtigt der österreichische Bundeskanzler Dollfuß am kommenden Freitag nach R o m zu reisen. Den offiziellen Anlaß dieser Reise bilden, wie bei seinem unerwarteten Eintreffen in Rom vor einigen Wochen, kirchliche Angelegenheiten, und zwar diesmal die Unterzeichnung des in den letzten Wochen fertiggesiellten Konkordates mit dem Vatikan. Der eigentliche Zweck der Reise wird oder wiederum in den innenpolitischen Schwirrig k e 11 en der Regierung Dollfuß zu suchen sein. Ein wiener Blatt hat bereits davon gesprochen, daß der italienische Regierung s- ch e s als „ehrlicher Makler" zwischen Deutschland und Oesterreich tätig werden soll. Ob Mussolini diese Rolle übernehmen will, ist nicht bekannt, doch sieht auf alle Fälle die Absicht der gegenroär- Prag, 30. Mai. (TU.) Der Ständige Rat derKleinenEntente beschäftigte sich in seiner ersten Sitzung am Dienstag mit dem Vier- mächtepakt. Nach Kenntnisnahme der neuen Texte und ber ben brei Außenministern gegebenen Informationen aus Paris, würbe übereinftimmenb fesigeftellt, baß ber Inhalt bes Viermächtepaktes nunmehrberfranzösischenDenkschrift vom 10. April angeglichen sei, baß sich somit ber Viermächtepakt nur auf solche Dinge beziehen könne, bie ausschließlich die Interessen der unterzeichnenben Staaten berührten. Die brei Außenminister nahmen bie Versicherungen ber Westmächte bezüglich ber Grenzen ber von biesen Mächten unternommenen Aktion unb bezüglich ber Unantastbarkeit ber Zustänbigkeit bes Völkerbunbes zur Kenntnis. Sie nahmen weiter bie Versicherung ber Signatarmächte bes Abrüstungsabkommens zur Kenntnis, baß bie Grenzen ber Staaten ber Kleinen Entente nicht berührt wür bcn. Auf Grunb ber oon ber franzöfi s ch e n Regierung in Uebereinftimmung mit ben früheren Vereinbarungen gebotenen Garantien aegen alle Revifionsversuche kann ber Viererpakt nach Ansicht ber brei Außenminister ber Kleinen Entente nicht zu einem 'Abkommen werben, bas die Absicht verfolgen könnte, direkt ober inbirett Revisionen gegen ben Willen ber L e - t e i l i g t e n herbeizuführen. Die brei Außenminister erklären feierlich, baß ber Stanbpunkt ihrer Staaten absolut bahingehenb übereinftimmt, baß bie Frage einer Revision ihrer Landes- grenzen für sie überhaupt nicht beste h t. Die Ausrottung ber Revisionsfrage könnte bie Beziehungen bieser Staaten nur weiter festigen. In ber Frage ber Abrüstungsverhanb- lungen brückt ber ftänbige Rat bie Ueberzeugung aus, baß diese Verhandlungen zum Ziel führen werden. Auf Grund dieser Sachlage geben die kleinen Ententestaaten ihre Zustimmung zum Punkte ber Gleichberechtigung, bie etappenweise unb im Rahmen ber allgemeinen Sicherheit verwirklicht werden muffe. Sie sinb ber Ansicht, baß bie Abrüstungskonferenz noch in biefem Jahre abgeschlossen werben muß. Was man in Prag als „verbrecherisch" ansieht. Prag, 29. Mai. (ERB.) 3n einer Kundgebung, die von der hier anläßlich der Tagung des Ständigen Rates der Kleinen Entente zusammengetretenen Pressekonferenz veranstaltet wurde, sprach Minister Dr. K r o f t a. Er wies darauf hin, daß sich die Staaten der Kleinen Entente mit größter Entschiedenheit gegen jede „einseitige" Revision wendete^ wenn sie inb nur für folgenbe Personengruppen zugelassen: elbftänbige ©croerbetreibenbe unb beren Angestellte, Jenen bie zustänbige Ortspolizeibehörbe nach Anhörung ber zuständigen Berufsvertretung (Handelskammer usw.) bescheinigt, daß esfithumeinege- schästlich notwendige Reise handelt, Personen, die mit Rücksicht auf ihre dienstliche Tätigkeit ober in Ausübung ber Berufe bie Grenze nach Oesterreich überschreiten müssen, enblich Arbeitnehmer, bie sich zur Arbeitsaufnahme ober zur Erfüllung eines Dienst- ober Werkvertrages nach Oesterreich ober über Oesterreich in bas Auslanb begeben. Für bie Erhebung ber Reisegebühr unb für die Eintragung ber erfo’rberlidjen Vermerke (Entrichtungsvermerk) in bem Paß ist in erster Linie bie Sichtver- merksbehörbe im Jnlanbe zuständig, in beren Bezirk ber Reisenbe seinen Wohnsitz, seinen ftänbigen Aufenthalt ober eine gewerbliche Nieberlassung hat. Neben ben befonberen Vermerken für Reisen nach unb burd) Oesterreich ist im Einzelfalle bie Beschaffung bes für Reichsangehörige bei Auslanbsreisen allgemein erforberüdjen Ausreisesichtvermerk notwenbig. ligen Regierung fest, ihren Kamps gegen den Rationalsozialismus zu einer Angelegenheit von internalionaler Bedeutung zu machen. (Ein gestern veröffentlichtes Interview des Bundeskanzlers mit der „Reuyork Times" zeigt, daß Dollfuß fe i n politisches Schicksal einfach mit der Sache der Freiheit in Europa identifiziert. Er stellt sich damit in die Reihe derjenigen, die das neue Regime in Deutschland mit Verleumdungen und Verdächtigungen verfolgen. Diese Frontstellung gegen das in Deutschland zur Macht gelangte politische und geistige Ideal wird auch dem befreundeten Ausland zu denken geben, wenn es etwa zur Vermittlung zwischen den beiden deutschen Staaten aufgefordert werden sollte. auch der Ansicht seien, dah nicht jede Revision für sie ungünstig ausfallen müßte. Am Anfang einer einseitigen Revision aber müßte der K r i e g stehen. 3n einer Resolution wird der Versuch, die Friedensverträgir anzu- tasten, als „verbrecherisch" bezeichnet. Die heutigen Grenzen seien das Ergebnis unermeßlicher Opfer an Leben und Eigentum. Sie stellten die „legitime Wiedergutmachung tausendjähriger Ungerechtigkeit" dar. Es geht nicht so schnell. Berlin gegen unbegründete ausländische Ltinnnungsmachc. Berlin, 30. Mai. (TTl.) Die von einem Teil der ausländischen Presse systematisch und zu durchsichtigen Zwecken verbreiteten Rachrichten über eine unmittelbar bevorstehende Unterzeichnung oder Paraphierung des Viermächteabkommens können in Berlin noch nicht bestätigt werden. 3n Berliner politischen Kreisen hat man den Eindruck, als ob es mit der Unterzeichnung nicht so schnell geht, wie das in anderen Hauptstädten vielleicht glaubhaft gemacht werden möchte. Rach deutscher Ausfassung gibt es auf diplomatischem Wege noch eine Reihe von Fragen zu erörtern, bevor die Unterzeichnung erfolgen kann. Paraphierung ist noch keine Unterzeichnung. Ter Ltandpunkt des französischen Ministerpräsidenten. Paris. 30. Mai. (TU.) Bei der dritten Hausholtslesung in der Kammer brach der rechtsgerichtete Abgeordnete TZbarnegaray eine Aussprache über den Diermächtepakt vom Zaun. Seine Erklärung läßt sich dahin zusammenfassen, daß die Regierung eine Verpflichtung eingehen würde, ohne die Kammer um ihre Stellungnahme zu befragen. Ministerpräsident Da lädier gab daraus eine kurze Erklärung ab, in der er u. a. daran erinnerte, dah er sich verpflichtet habe, die Kammer nicht vor vollendete Tatsachen zu (teilen. Zur Zeit dauerten die Verhandlungen noch an. Die Paraphierung bedeute noch nicht die Unterzeichnung. Frankreich habe gut daran getan, sich auf die Verhandlungen einzulassen, ohne seine Rechte irgendwie preiszugeben. Es habe die Pflicht, über seine Grenze hinauszuschauen. Daladier sagte weiter, I er glaube, daß diefe Verhandlungen dem Streben I Sucht Dollfuß Mussolinis Vermittlung? Der Bundeskanzler hehl aber gegen das neue Deutschland. Kleine Entente und Viererpakt. .Oie Frage einer Revision ihrer Landesgrenzen besteht für sie überhaupt nichts dienlich sein könnten. Einer Politik ber "Berne i n u n g könne er nicht zustimmen. Wenn die Paraphierung erfolgt sei, werde der Kammer sofort der amtliche Wortlaut zur Stellungnahme zugehen. Sie werde dann erklären können, ob die Regierung nicht doch im Interesse des Friedens und des Vaterlandes gehandelt habe. Die Erklärung des Ministerpräsidenten Daladier über den Viermächtepakt war bervor- gerufen worden durch mehrfache D o r st ö ß e der Rechten. Zuerst versuchte der bekannte Abgeordnete Marin, eine Vertagung der Haushaltsberatungen durchzusetzen, um der Kammer Gelegenheit zu geben, sich mit dem Diermächle- pakt zu befassen. Er wandte sich mit aller Schärfe gegendiesenPakt. In dem Augen- blick, so sagte er, in dem man Frankreich in demselben Rate sehen werde, wie Hitler und Mussolini, die überzeugte Revisionisten seien, würden die Völker der Kleinen Entente an Frankreich verzweifeln. Mit 434 gegen 135 Stimmen wurde der Vertagungsantrag Marin a b gelehnt. Nichtsdestoweniger rollte der Abgeordnete Vbarnegarey die Viermächtesrage von neuem auf. Die Unterzeichnung des Paktes bedeute die Abänderung der Verträge. Der Unterstaatssekretär des italienischen Außenministeriums habe die Anpassung der Verträge an die Erfordernisse der Wirklichkeit gefordert, v. P a p e n habe daran erinnert, daß die Rach - kriegsverträge die Unruheherde vermehrt hätten. Beide hätten den Grundsatz der Revision vertreten. Man wisse, was das für Deutschland bedeute. Italien habe nur einen Gedanken, die Entzweiung Südslawiens. Eine Lügenmeldung des „Daily Herald". Berlin, 30. Mai. (WTB.) In welch leichtfertiger Art das Ausland Lügenmeldungen über Deutschland verbreitet, geht aus einem Bericht des „Daily Herald" hervor, der unter dem 29. Mai schreibt, daß die neueste Handlung der deutschen Regierung dem Verdacht, daß Deutschland in, geheimen rüste, neue Rahrung gegeben habe. Im „Daily Herald" wird behauptet, daß der ganze Stab in den Deutschen Industriewerken in Spandau entlassen worden sei, und daß künftig nur Mitglieder der RSDAP. Verwendung finden mürben, die mindestens zwei Jahre der Partei angehörten. Der Stab würde verdoppelt, und die Fabrik sei der Aussicht eines besonderen Kommissars unterstellt worden. Die Deutschen Werke — so heißt es weiter — seien früher bie Munitionsfabrik des Kriegsmini st eriums gewesen und wären auf Verlangen der Alliierten entmilitarisiert worden. Hierzu wirb von zuständiger Stelle mit- geteilt, daß diese Meldung in allen Teilen unwahr ist. Insbesondere ist es unwahr, daß Entlassungen in den Deutschen Industrlewcr ken in Spanbau vorgekommen seien, unb daß bei Neueinstellungen nur Nationalsozialisten in Frage kämen. Ferner ist unwahr, wenn behauptet wird, baß ber Stab, womit wohl die Belegschaft bes Werkes gemeint ist, verdoppelt würde. Ebenso ist unwahr, daß die Fabrik unter Aufsicht eines besonderen Kommissars gestellt worden sei. Die Deutschen Industriewerke in Spandau sind privatwirtschaftlich einge stellt unb liefern nur nach Aufträgen, bie ihnen aus dem öffentlichen unb privatwirtschaftlichen Leben zugehen. Belgischer Schwindel. Berlin, 30. Mai. (CNB.) Die belgische fo^ia- listischeZeitung„Peuple" berichtete jüngst, baß ber sozialbemokratische preußische Landtagsab- georbnete Erich ft u 11 n e r verschwunden sei, und daß seine Familie befürchtete, ftuttner sei crmor - d c t worden. Diese Lügenmeldung wird durch ftuttner selbst widerlegt, indem er unter dem 26. Mai aus A m st e r d a m an seine Landtagsfraktion schrieb und mitteilte, daß er auf sein Landtagsmandat verzichte. Auch dieses Beifpiel beweist wieder, in wie leichtfertiger, geradezu bewußt verlogener Weise Greuelmärchen über Deutschland verbreitet werden. Polens Kampf gegen die deutsche Schule. Bromberg, 30. Mai. (TU.) Die polnische Schulbehörde hat eine Anordnung erlassen, die den deutschen Minderheitenschulen in Polen jetzt den letzten Rest des ihr verbliebenen deutschen Charakters nehmen kann. Die Schulbehörde hat angeordnet, daß künftig in den Schulen mit deutscher älnterrichtssprache neben dem polnischen Sprachunterricht ein großer Teil der Unterrichtsfächer in polnisch zu erteilen ist. Damit wird in den deutschen Schulen über die Hälfte der älnterrichtsstunden in pcl- nischer Sprache erteilt werden müßen. Da auch die Eintragung in das Schultagebuch nur noch in polnisch zu erfolgen hat, so ist damit die Absicht einer vollständigenPolonisierung der deutschen Minderheitenschulen in Polen erwiesen. Sowohl die staatlichen, wie die privaten deutschen Minderheitenschulen haben die gleiche Verfügung der polnischen Schulbehörde erhalten. Diese Maßnahme wird sich an den deutschen Schulen in Polen noch insofern sehr ungünstig auswirken, als einer weiteren Polonisierung der Lehrerschaft jetzt nichts mehr im Wege steht. Die Danziger Legierung Ziehm zurückgetreten. D a nz i g, 30. Mai. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: Der Senat ist heute zurückgetreten. Er führt bis zur Bildung einer neuen Regierung gemäß Artikel 31 der Danziger Verfassung die Geschäfte weiter. Um möglichst bald die Bildung einer neuen Regierung zu ermöglichen, hat der Senat den Wahlkommissar ersucht, die endgültige F e st st e l l u n g der Wahlergebnisse zu beschleunigen. Mit der Feststellung der Wahlergebnisse ist frühestens Anfang nächster Woche zu rechnen. AurdieSPO.fürAusnahmerechtgegen nationale Deutsche im Gaargebiet. Saarbrücken, 30. Mai. IWTB.) Der Lande s r a t nahm heute zu dem Derordnungsentwurf über das neue Dereinsgeseh Stellung. E i n m ü t i g lehnten die Parteien, einschließlich der Kommunisten, den Entwurf ab, lediglich der Sprecher der SPD. verteidigte ihn. Die durch das unnötige Vorgehen der Regierungskommission hervorgerufene Veun- ruhigung — so betonten die Redner — würde sofort wieder verschwinden, wenn die letzten drei Verordnungen „zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit" wieder rückgängig gemacht würden. Abberufung des bayrischen Gesandten in Hessen. D a r m st a d t, 30. Mai. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: Der bayerische Gesandte in Hes - fen, Dr. Tischer, überreichte dem Ministerpräsidenten Dr. Werner sein Abberufungsschreiben und verabschiedete sich anschließend offi- zie von der hessischen Regierung. In dem Abberufungsschreiben teilt der bayerische Ministerpräsident Siebert mit, daß die Umgestaltung im Aufbau des Deutschen Reiches auch die Beziehungen zwischen den deutschen Ländern auf eine neue Grundlage gestellt habe. Die völlige Einmütigkeit der Auffassung über die Ziele und Wege der Politik sei unter der Führung des Reichskanzlers gesichert. Aus diesem Grunde sähe sich die bayerische Regierung veranlaßt, die bayerische Gesandtschaft bei der hessischen Regierung mit Wirkung oom 1. Juni 1933 aufzuheven und ihren Gesandten abzuberufen. Kleine politische Nachrichten. Wie wir erfahren, wird sich der Herr Reichspräsident zu Pfingsten nach Reudeck begeben. Die Rachrichten, wonach der Reichspräsident der Stadt Marienwerder anläßlich ihres 703jährigen Bestehens einen Besuch abstatten würde, entsprechen nicht den Tatsachen. Der Reichskanzler empfing am Dienstag eine Abordnung der deutschnationa- len Reichstagsfraktion, bestehend aus den Abgeordneten Berndt, Frhr. v. Frehtagh- Loringhoren und v. Restorff zu einer etwa anderthalbstündigen außen- und innenpolitischen Aussprache. * Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt, daß die Meldung verschiedener ausländischer Zeitungen über die angebliche Verhaftung General von Schleichers frei erfunden ist. Rach einer parteiamtlichen Bekanntmachung können Angehörige der RSBO. in Zukunft ihreMitgliedschaft zurRSDAP. erst beantragen, wenn sie nachweislich mindestens ein halbes Jahr der RSBO. angehört haben. Ferner können alle jene Personen in die RSDAP. ausgenommen werden, welche nach halbjähriger Dienstzeit als Anwärter offiziell in die SA. bzw. in die SS. ausgenommen wurden. 2m preußischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit wird der Ministerialdirektor Schulze unter Gewährung des gesetzlichen Wartegeldes sofort einstweilen in den Ruhe st and versetzt. Der kommissarische Oberbürgermeister von Stettin. Rechtsanwalt Dr. Wilh. S t u ck a r d t, Frankreichs Saboiageplan gegen die Abrüstung. Genf, 30.Mai. (TU.) Im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz wurde am Dienstag das europäische Sicherheitsabkommen in erster Lesung unverbindlich durchberaten. Es umfaßt im ersten Kapitel den europäischen Gewaltverzicht, im zweiten Kapitel die gegenseitigen Hilfsmaßnahmen der Staaten. Auf Grund der Erklärung Norman D a v i s' wurde der zunächst auf Europa beschränkte Gewaltverzicht als universell erklärt. Die Grundgedanken des Paktes zur gegenfeiti- gen Hilfeleistung bedeuten ein teilweises Wiederaufleben des Genfer Protokolls, in dem die europäischen Staaten sich gegenüber einem Angreifer zu gemeinsamen Sanktionen verpflichten sollten. Es fehlt jedoch die Verpflichtung zur obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit, vor allem für politische Fragen und damit der Gedanke der völkerrechtlichen Stabilisierung des Status quo. Jedoch wird dieser Gedanke in dem vorliegenden Entwurf indirekt ausgenommen, da er die formelle Anerkennung des französischen Bündnissystems durch die anderen Mächte vorsieht. Die deutsche Stellungnahme zu diesem Abkommen ergibt sich aus der Tatsache der einseitigen Abrüstung Deutschlands. Eine Teilnahme Deutschlands an einem solchen Abkommen könnte nur nach einem tatsächlichen Rüstungsausgleich zwischen den abgerüsteten und hochgerüsteten Nationen in Frage kommen. Da auch England und Italien, sowie Sowjetrußland einem solchen Abkommen nicht beitreten werden, wird Frankreich mit seinen Bundesgenossen bei der Annahme dieses Paktes isoliert bleiben. Es wird angenommen, daß Frankreich das Nichtzustandekommen dieses Abkommens als Vorwand für die Ablehnung aller Abrüstungszugeständnisse benutzen wird. Der Hauptausschuß beschloß, am Mittwoch keine Sitzung abzuhalten, um den Großmächten Gelegenheit zur privaten Besprechung zu geben. In englischen und amerikanischen Kreisen verstärkt sich die Tendenz, die Konferenz nur während der Generalaussprache der Londoner Weltwirtschaftskonferenz ungefähr auf 14 Tage z u vertagen und sie dann bis in den August hinein durchzuführen. Das Verbot des Gaskrieges. Genf, 30. Mai. (WTB.) Das Verbot des Gaskriegs wurde am Dienstag vom Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz im Rahmen des englischen Konventionsentwurfs behandelt. Die Entscheidungen wurden bis zur zweiten Lesung zurückgestellt. Schwierigkeiten bietet immer noch die Frage der Sanktionen und Repressalien. Der deutsche Vertreter Botschafter N a d o l n y erklärte wieder die Zustimmung Deutschlands zu einem uneingeschränkten Verbot des chemischen und des Gaskriegs. Auch eine Anwendung als Repressalie dürfte nicht gestattet sein. Er behalte sich vor, bei der zweiten Lesung den deutschen Standpunkt noch einmal endgültig zu präzisieren. England und die Krage des Lustbombardements. London, 30. Mai. (WTB.) Zur Frage des Luftbombardements gab Baldwin im Unterhause eine Erklärung ab, in der er den bekannten englischen Standpunkt präzisierte, wonach das Luftbombardement als P o l i z e i m a ß - nähme in entlegenen Ländern gestat- t e t sein müsse. Man dürfe nicht erwarten, daß die Regierung ihren Standpunkt den verschiedenen Einwänden zuliebe aufgebe, die inzwischen laut geworden seien. Die Regierung werde die Gründe ihrer Haltung in Genf darlegen und die Einwände zu widerlegen suchen. ist endgültig zum Ministerialdirektor im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ernannt worden. 2n feierlicher Sitzung der Hamburger Synode wurde der Synodalpräsident D. Dr. Schöffel, Hauptpastor zu St. Michaelis, zum Landesbischof gewählt. Dr. Fritz S t i ch t e n o t h , der bisherige parlamentarische Staatsrat im Freistaat M e ck l e n - burg-Strelitz, wurde vom Reichsstatthalter Hildebrand zum Staatsminister für Meck- lenburg-Strelitz ernannt. Der bisherige Staatsminister Dr. v. M i ch a e l hat gleichzeitig telegraphisch dem Reichsstatthalter seinen Rücktritt angeboten. Dem österr. Heeresminister V a u g o i n wurde vom Papst das Grohkreuz des St. Gre- gorius-Ordens (Militärklasse) verliehen, das ihm durch den päpstlichen Runtius Erzbischof Silibia überreicht wurde. Kunst unb Wissenschaft. 71. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure. 2n Friedrichshafen im Luftschiffbau Zeppelin hielt der Verein Deutscher Ingenieure seine 71. Hauptversammlung ab, zu der sich über 120) Teilnehmer aus allen Gebieten des Reiches eingefunden hatten. Der neue Vorsitzende des VDI. führte u. a. au£: Die Ingenieure begrüßen es, daß die neue Regierung es sich zur Aufgabe gemacht hat, das ganze Volk zur Achtung vor der Arbeit zu erziehen. Der Vorstand hat beschlossen, als äußeres Zeichen dieser Zustimmung der Stiftung für die Opfer der Arbeit einen Betrag von 50)0 Mk. zu überweisen Der neue Präsident der Physikalisch- Technischen Aeichsanstalt Professor Dr. Stark, Berlin, kündigte an, daß demnächst die Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft i n einen Reichsforschungsdienst u m g e - wandelt werde mit der Aufgabe, zwischen Wirtschaft und Wissenschaft möglichst fruchtbare Beziehungen herzustellen, wozu auch Vertrauensmänner aus dem Kreise der Ingenieure berufen würden. An Dr. Eckener wurde ein Telegramm gesandt, ebenso an den ersten Reichsminister für Luftfahrt Göring, um auch vom VDI. zu bekunden, wie sehr er mit der deutschen Luftfahrt verbunden ist. In einem Telegrermm an den Vorarlberger Technischen Verein wurde diesem mitgeteilt, daß die Haltung der österreichischen Regierung den VD2. gezwungen habe, von dem Besuch bei den 2n- genieuren unseres Brudervolkes abzusehen. Trotzdem bleibe man aber mit den österreichischen Berufskollegen aufs engste verbunden. — 2n der neuen Luftschiffhalle I, deren größter Teil bereits mit dem im Bau befindlichen Gerippe des neuen Verkehrsluftschiffes L 629 ausgefüllt ist, wurde darauf im Angesicht des neuen Beweisstückes deutscher 2ngenieurkunst von dem Zeppelinbau den Tagungsteilnehmern ein Frühstück gegeben. Heinrich Wolf 75 Jahre alt. Prof. Dr. Heinrich Wolf-Düsseldorf, der bekannte Vorkämpfer einer völkischen Geschichtsbetrachtung, konnte dieser Tage seinen 75. Geburtstag feiern. Prof. Wolf hat besonders durch sein großangelegtes Werk „Die angewandte Geschichte" an der Grundlegung der nationalsozialistischen Weltanschauung mitgewirkt. Aus aller Welt. Eine Reichswehrpatrouille in den Alpen von einer Lawine erfaßt. Bei den zur Zeit im Gar Mischer Alpengebiet übenden Hochgebirgstruppen der 7. Bayerischen Division hat sich ein bedauerliches Unglück ereignet. Eine Patrouille der ersten Kompagnie des 7. Bayerischen Pionierbataillons München wurde im Abstieg von der Alpspitze von einer Lawine teilweise erfaßt. Bei der großen Geschwindigkeit der Lawine konnten sich nur w e - nige Leute retten. Zwei Pioniere fanden den Tod. Der Führer der Patrouille sowie ein Gefreiter wurden schwer, ein Oberpionier mittelschwer, ein Gefreiter leicht verletzt. Leutnant A l t m a n n von den Münchener Pionieren, der bei dem Lawinenunglück an der Alp- pitze verschüttet worden war und noch lebend geborgen werden konnte, ist am Dienstagnachmittag einen Verletzungen erlegen. Zum Tode Marga von Etzdorfs. Lieber den Tod von Marga v. Etzdorf werden folgende Einzelheiten bekannt: Rachdem die Fliegerin am Sonntag auf dem Flugplatz von Mouslimieh, ungefähr 16 Kilometer nördlich von Aleppo, eingetroffen war und ihre beschädigte Maschine verlassen hatte, wurde sie nach der Fliegermesse geleitet, wo in jeder Beziehung für sie gesorgt wurde. Später begab sie sich auf eigenen Wunsch nach dem Ruhezimmer, das für Flieger, die eine Rotlandung gemacht haben, bereitgehalten wird. Plötzlich — um 18.30 Llhr — wurden mehrere Schüsse gehört. Alles eilte nach dem Ruhe- zimmer, wo Marga v. Etzdorf auf dem Bett liegend tot au fgefunden wurde. Reben ihr lag die Schnellfeuerpistole, die sie auf ihren Flügen mit sich zu führen pflegte. 2hr Kopf war von zwei Kugeln durchbohrt. Die ärztliche Llntersuchung läßt darauf schließen, daß die Fliegerin f r e i w i l lig in den To d gegangen ist. Demonstrationen an der deutschen llniversilät in Prag. An der deutschen Universität Prag demonstrierten Dienstag vormittag deutsche national- sozial i st ische und andere rechts st ehen- de Hochschüler der juristischen Fakultät gegen die geplante Berufung des in Deutschland seines Amtes enthobenen Staatsrechtslehrers K e l - s e n. Ferner setzte kurz nach Beginn der Vorlesung des Volkswirtschaftlers Professor Dr. Weiß ein Pfeifkonzert ein. Die Demonstranten riefen im Sprechchor u. a. „Fort nach Moskau! — Niemals Kelsen! Fort mit den jüdischen Universitätsprofessoren!" Zu Tätlichkeiten ist es nicht gekommen. Zwei Tote beim Indianapolis-Rennen. Bei dem alljährlichen 500-Meilen-Rennen der größten a u t o m o b i l s p o r t l i ch e n Veranstaltung in den USA., verunglückten zwei Wagen. Dabei wurden die beiden Fahrer und ein Mechaniker schwer verletzt. Der Mechaniker und ein Fahrer sind inzwischen gestorben. — Bei dem Rennen wurden außerordentliche Geschwindigkeiten erzielt, was bei der Schwierigkeit der Rennstrecke zu den Unfällen führte. Ein tolles Banditenstück. Ein tolles Wildweststück hat sich in Kansas City zugetragen. Dort entführten zwei Räuber die 25jährige Tochter des Stadtdirektors Mc Elory, die sich in Abwesenheit ihrer Eltern gerade in der Badewanne befand. Beim Dienstmädchen hinterließen sie, daß sieeinLösegeldvonbO 0 0 0 Dollar verlangten, andernfalls würde das Mädchen getötet werden. Gleichzeitig warnten sie dringend vor einer Benachrichtigung der Polizei oder der Presse. Der Vater und der Bruder der Entführten gehorchten diesem Befehl der Räuber und zahlten diesen auf einer einsamen Waldstraße am Sonntag 30 000 Dollar aus. Zwei Stunden später erschien das entführte Mädchen unversehrt in der elterlichen Wohnung. Gießener StaSttheater. Lenz: „Tie Nacht zum Donnerstag." Das Stadttheater wartete in der vorletzten Vorstellung — gestern abend — mit einem Kriminalstück auf, das sehr wohl von Wallace sein konnte, wenn es nicht gerade von Leo Lenz wäre. Es erweist sich immer wieder, daß sich das Kriminalstück auf der Bühne ebenso gut ausnimmt, wie der Kriminalroman im Buche. Wie eifrig war der Zuschauer auch gestern wieder bemüht, den Geschehnissen üorausxueilen und einen Schluß herauszukombinieren. Alle diese Versuche waren aber diesmal wieder vergeblich, denn der Dichter verfuhr sehr willkürlich und ließ die Situationen (nach anfänglichem mystischem Dunkel über der Afsaire) häufig wechseln. Es scheint außerdem und überhaupt ein stillschweigend geübter oder verabredeter Trick der Kriminalschriftsteller zu sein, ihre Opfer (hier den Zuhörer oder den Leser) auf psychologische Irrwege zu verführen, sie systematisch durcheinander zu schaffen, um sie dann umso sicherer und vernichtender mit der raffiniert gebauten Lösung zu erschlagen. Hand aufs Herz! Wer hätte geglaubt, daß der brillante, frauenumschwärmte Gregor Wisilieff tatsächlich der Schuft sei, der seine Komplicen betrügt und als politischer Spion im Dienste zweier Parteien steht? Wer hätte geglaubt, daß das liebenswürdige Vorspiel in der Eisenbahn mit einem solchen Scherz endete, wie ihn das Nachspiel brachte? Und wer hätte schließlich erwartet, daß das ganze Kriminalstück eigentlich nur ein Traum gewesen sein sollte, der der Lektüre einiger Kapitel Kriminalroman und dem Unterbewußtsein einer jungen Frau entsprungen war. Die Spannung und die Aufmerksamkeit für alles, was auf der Bühne verging, war also bis zwei Minuten vor Schluß gesichert. Es wäre verfehlt, von der Handlung mehr zu verraten. Den Besuchern eventueller zukünftiger Vorstellungen soll nichts vorweggenommen sein. Das Stück war in seinem szenischen Aufbau recht wirkungsvoll gefügt. Dramatische Höhepunkte waren die Verhandlungen vor dem Schwurgericht, das hier nicht fehlen durfte. Der Dichter ließ viele Personen in Aktion treten. Der Polizeipräfekt stand neben der mondänen Frau, der Staatsrat neben der Spionin, die mysteriöse Figur der Angeklagten und der alte Kapitän traten sinnvoll auf und fesselten immer wieder aufs neue, während inmitten der bunten Gesellschaft die problematische Figur des Gregor Wasilieff stand und Rätsel auf- gab. So wurde man zwei Stunden ausgezeichnet unterhalten Die Aufführung wurde den Stimmungsgehalten, den starken. Spannungen innerhalb der Handlung und außerdem der äußeren Form in höchstem Maße gerecht. Karl Heyfer führte die Regie untadelig. Die weibliche Hauptrolle (Helga) trug Alix Krahmer, ein früheres Mitglied des Gießener Stadttheaters, als Gast, mit sicheren schauspielerischen Mitteln. Nicht weniger gut war Maria Koch als Frau des Staatsrats. Jochen Hauer (Gregor Wasilieff) gab den verzweifelt gesuchten politischen Mörder mit spielerischer Eleganz. Elisabeth Wielander sah man (Sonja Morawsky) in der ungewohnten, aber überraschend guten Figur einer hintergründigen ' Frau. Wolfgang Kühne als Polizeipräfekt gab feiner Rolle eine starke eigene und glückliche Note. Gert Geiger hatte seine Aufgabe als Diener und geheimer Beobachter sehr sorgfältig herausgearbeitet. Rainer Eggemann trat in seiner einzigen Szene recht sicher auf. In gut besetzten Nebenrollen sah man Fierment (Hoteldirektor), Nieren (Verteidiger), KarlVo lck (Kapitän Larsen) u. a. Das Haus dankte mit lebhaftem Beifall. Sehr viele Blumen gab es für den Gast. —n. Was wir am Wege finden. photo-plauderei zu Pfingsten. Alles Photographieren ist ein Finden. Oft ein glückhaftes Finden ohne Suchen, noch öfter ein gegen Widerstände und Schwierigkeiten erkämpftes nach langem Suchen und Versuchen. Es liegt im Wesen der Lichtbildkunst begründet und war bestimmend für ihre großen Fortschritte, daß der strebende Lichtbildner niemals zu streben aufhört und ich mit dem Erreichten zufrieden gibt. Aber ander- eits braucht er sich auch nicht Schwierigkeiten zu chaffen, wo keine sind. Und bas ist mehr als sonst in dieser Zeit zwischen dem Frühling und dem Sommer der Fall. Die Lichtverhältnisse sind schon günstiger und nähern sich dem Höhepunkt, und die Schatten sind noch nicht so tief wie sie bald «ein werden, wenn das Laubdach der Bäume seine größte Dichte erreicht hat. Das große Blühen in der Natur ist noch durch keine Heuernte zerstört, und die Getreidefelder haben noch nicht jene Höhe der Halme, die dem Blick oft alle Aussicht sperrt. Pfingsten fällt diesmal in diese schönste Zeit des Jahres, die auch für den Liebhaberphotographen soviel bringt. Wer auf Pfingstfahrt geht, wer auch nur einen Feiertag dem Wandern widmen kann und seinen Apparat als getreuen Begleiter bei sich hat, der findet unendlich viel am Wege, das im Bilde festgehalten zu werden lohnt. Die Baumblüte ist zwar vorbei, aber damit haben viele Landschaften wieder ihren eigentlichen Charakter angenommen. Die Dörfer liegen wieder eingebettet in das Grün der Oost- bäume, nachdem der kurze Jubel des weißen Blütentraumes diesmal gar so rasch verwehte. Die Alleen sind wieder jo, wie der Wanderer sie in der meisten Zeit des Jahres sieht, nachdem auch Ebereschen und Kastanien oom Blühen zum Reisen fortschritten. Die Bäume heben sich also wieder gegen den Himmel ab, was im Blühen oft so schwer auf der photographischen Platte zu erreichen war. Dennoch solleti wir grundsätzlich Landschaftsaufnahmen mit dem Gelbfilter machen. Scheint die Sonne nicht prall, so genügt ein mittleres oder einfaches. Das aber ist nötig. Die vielen Abstufungen von Grün, die ein bewaldeter Hang zeigt, laufen sonst unansehnlich in einander. Dasselbe gilt für blühende Wiesen ober Feldränder, wo jetzt alle Farben und Farbtöne sich mischen — die sich nachher im Bilde deutlich untereinander abheben sollen. Allgemein erfordern blühende Wiesen die Mattscheibenprobe, oder ein geübtes Auge. Durch das Fehlen der Farbe wirken sie im Photo oft enttäuschend schlicht gegenüber dem Wirk- lichkeitsbilde, das der Photograph festhalten wollte. Eintönigkeit ist am besten zu vermeiden, indem mir entweder ein paar Bäume ober Büsche als Vordergrund mit ins Bild nehmen — noch reizvoller, wenn die Schatten über Teile der Wiesen und ihrer Blumen werfen! — oder indem wir mindestens den Wiesenausschnitt geschickt wählen. Einige hohe Blütenstauden im Vordergrund (Spierstaude, Johanniskraut, Lupinen, Fingerhut usw.) geben dem Bilde Tiefe und Ausdruck. Bei Vorherrschen einer Blumenart (Wucherblumen, Glockenblumen) suchen wir für den Vordergrund einige besonders wirksame und schöne aus, die kennzeichnend auch für die Un= menge derer sind, welche bei weit offener Blende nicht allesamt scharf kommen können. Eben war von Schalten die Rede. Auch für sie seien kurze Winke gegeben, wie es der Zweck dieser pfingstlichen Photo-Plauderei für verschiedene Gebiete ist. Schatten geben dem Bilde Plastik. Deshalb seien Bilder vom 2nnern eines Dorfes, von Bauernhöfen usw., von Waldrändern und blühenden Hecken (Heckenrosen, Schlehen) am besten nicht in der senkrechten Mittagssonne gemacht, die fast keine Schlagschatten wirft. Auch Wege und Straßen können erheblich gewinnen, wenn die Schattenbänder von Bäumen oder auch nur von Telegraphenstangen, von einem Gartenzaun oder einer Meilensäule sie teilen. Allerdings gibt es auch photographische Motive, die nun schon in den Schatten zu verschwinden drohen. Alte Gemäuer, Ruinen.usw. stehen nicht immer so frei, wie der Photograph sie gerne haben möchte. Bäume hüllen sie oft ein, was übrigens auch für andere Motive wie Felsen und selbst kleine Anwesen gelten kann. Da heißt es, einen geeigneten Standpunkt finden, und mit entsprechend längerer Belichtung unter Verzicht auf eine Gesamtaufnahme einen wirkungsvollen Einzelteil festzuhalten. Das braucht nur eine Haustante zu sein, oder ein Fenster mit Blumen, oder ein Giebel mit Ranken. Aber möglichst nie frontal, sondern immer im leichten Winkel, um Langeweile zu vermeiden. Handelt es sich um Bauernhäuser, so ist ebenso wie bei Hausgärten, die jetzt schöne Bilder bieten, eine gewisse Eile geboten. Sonst scheitert die Aufnahme an der inzwischen herbeigelaufenen Dorfjugend, oder an neugierigen Gesichtern, die im Fenster wohl manchmal, aber nicht immer willkommen sind. Was im übrigen Personen betrifft (von unseren Wanderkameraden abgesehen), so gilt für sie dasselbe wie für alle anderen Momentbilder netter Szenen, die oft auch das Tierleben der durchwanderten Gegend bietet: daß sie niemals gestellt oder nach langen Vorbereitungen gut aufs Bild kommen. Dafür geben sie oft Gelegenheit zu Schnappschüssen, für die wegen der Einfachheit der Einstellung immer wieder die Rollfilmkamera am besten sich eignet. — Das ist nur eine Auslese aus alldem, was der Pfingstwanderer am Wege findet, und was er auf die Platte bannen mag. Wir wünschen unseren Photofreunden dazu das richtige Pfingst- toetter und können diesen Wunsch kurz zusammen- fassen in ein herzhaftes „Gut Licht!" Großer Landvolktag in Nidda. Nationalsozialistische Führer sprechen vor der Bauernschaft. Der von dem Junglandbund veranstaltete Landvolktag der Reichsgemeinschaft deutscher Bauern in Hessen, der unter dem Protektorat des Staatskommissars für die hessische Landwirtschaft Dr- Wagner stattfand, bestimmte am Sonntag das Bild des Städtchens, er brachte in seinen Veranstaltungen Höhepunkte, die von den Teilnehmern so bald nicht vergessen werden dürften. Rkdda stand an diesem Tage ganz im Zeichen der nationalsozialistischen Bewegung, stand ganz im Zeichen der Flaggen de- neuen Reiches, im Zeichen des braunen Ehrenkleides und des frischen Geiste-, der überall da auftritt, wo sich SA. und SS., wo sich Hitler-Jugend, der Bund deutscher Mädchen und das Hitler- Jungvolk zeigen. Rachdcm die Klänge des Weckrufs in den Straßen der Stadt verklungen waren, fand man sich zu einer würdigen Feier, zu einem Gedenken der Gefallenen des Weltkrieges und des Zreiheitshelden Schlageter am Defallenen-Ehrenmal ein, um in stiller Andacht derer zu gedenken, die den Grundstein zu Deutschlands Wiederaufstieg legten. Rach einem einleitenden Choral hielt der Führer des Junglandbundes, Landesführer Robert Schmitt, Steinheiin, die Gedächtnisansprache, in der er das große Opfer der Soldaten des Weltkrieges und das Opfer der Helden des deutschen Frei- heitskampses schilderte und von der Verpflicht tung sprach, die aus dem Opfer der Gefallenen für die jetzige und für die zukünftige Generation erwachsen sei. Zum Abschluß seiner Rede legte der Landesführer einen Kranz nieder, der auf der Schleife die Aufschrift trug: „Den Kämpfern für Deutschlands Freiheit — vom Hessischen Junglandbund". Die Kapelle beschloß mit dem Lied vom guten Kameraden die ernste Feier. Gegen 9 Uhr fand man sich bei strahlendem Sonnenschein auf dem Festplah an der Turnhalle zum Gottesdienst ein. Orgelvorspiel, das gemeinsam gesungene Riederländische Dankgebet und Gebet gingen der Predigt von Dekan S c r i b a voraus. Der Geistliche wies auf den Sinn des Tages hin, an dem sich die Landjugend und die Landbevölkerung überhaupt vereinige zu einem Bekenntnis zu Bolk und Vaterland, zu Staat und Regierung, Ku den Führern, um sich damit einzugliedern in die Front des Aufbaues. Der Aufbau könne ober nicht ohne Gott geschehen. Man danke Gott, daß er uns einen solchen Führer wie den Reichskanzler Adolf Hitler geschickt habe, der das Volk aus dem Elend führe. Der Führer allein könne es aber nicht tun, wenn nicht der einzelne Mensch mithelfe am Aufbauwerk. Der Staat rufe die Kirche zur Hilfe auf, und die Kirche habe die Verpflichtung, dem Volke zu dienen und somit mit- zuhelfen. Es sei um so leichter auch für die Kirche, als der neue Staat, das neue Reich auch das Christentum mit auf seine Fahnen geschrieben habe. Gemeinschaftsgeist, Zucht und Glauben seien die gemeinsamen Grundlagen für das Aufbauwerk der Zukunft. Wenn das „Ja" zu Gott und die übrigen Voraussetzungen Wirklichkeit werden, dann stehe das Volk vor einer echten und edlen Gemeinschaft. Gegen 13 Uhr formierte sich in der Bahnhofs- und Ludwigstraße ein stattlicher Zeskzug, der sich dann in vorbildlicher Ordnung durch die Stadt bewegte. Die Bevölkerung säumte in dichten Scharen die Straßen und nahm stärksten Anteil. Der Reitersturm und der Reiterverein Nidda eröffneten den Festzug, an dem auch der Ministerpräsident Professor Dr. Werner (der überall von der Bevölkerung auf das herzlichste begrüßt wurde) und der Staatskommissar Dr Wagner neben anderen Führern der SA. und SS. teilnahmen. Unter dem Titel „Iunglaudvolk marschiert!" hatte der Junglandbund Gruppen zusammengestellt, die in bunter Kleidung, angetan mit den Werkzeugen der bäuerlichen Beschäftigung, viel Beachtung sanden. Mit viel Humor war auch eine Reihe von Wagen hergerichtct worden, in denen die Geschichte des deutschen Volkes in den Jahren von 1914 bis 1933 symbolisch dargestellt war. Diesen Gruppen und Wagen folgten die SA. in schneidiger Marschordnung, das Hitler-Jungvolk, die Frauenschaft und der Freiwillige Arbeitsdienst mit vielen Angehörigen, die in ihrer grauen Arbeitsuniform und mit ihrem Handwerkszeug erschienen. Turnvereine, Eisenbahner, Kriegeroereine und andere Organisationen schlossen sich an und rundeten so das vollkommene Bild des Festzuges, der ohne Zwischenfall auf dem Festplatz anka.n. Die Menge war schon auf dem Platz und unter den geräumigen Zelten, als die letzten Teilnehmer des Festzuges einmarschierten. Es mögen an zehntausend Menschen gewesen fein, die sich am frühen Nachmittag auf dem Festplatz vor der Turnhalle in einigem Geiste zusammenfanden. Nach einem schneidigen Marsch der Standartenkapelle Friedberg, die hervorragend musizierte, und einem Lied der Landbundjugend, hielt der Landesführer desZunglandbundes, Robert Schmitt, Steinheim die Begrüßungsansprache. Er hieß besonders den hessischen Ministerpräsidenten Prof. Dr. Werner und den Staatskommissar Dr. Wagner willkom- men, er begrüßte den Landesvorsitzenden Dr. von H e l m o 11 vorn Altlandbund, den geschäftsführenden Präsidenten des Reichslandbundes Tlein» berg, den Bürgermeister der Stadt Nidda Rullmann und die SA.- und SS.-Führer. Nicht zu- letzt begrüßte er auch die Vertreter der Behörden, die der Landvolktagung großes Interesse entgegen- brachten. In seinen weiteren Ausführungen sprach er davon, daß die Landjugend zusammengekommen sei, weil sie das neue Reich zu feiern gedenke, sie feien alle gekommen, weil sie wieder einen Glauben und ein Ziel haben. Der Juny- bauer wolle die Erhaltung des Besitzes und die Freiheit von Volk und Vaterland. Der lag solle gleichzeitig die Grundlage zur Neubildung des Jung-Landdundes sein. Jeder 3un(j- bauer müsse ein Kämpfer sein, denn man dürfe nicht vergessen des Volkskanzlers Adolf Hitlers zu gedenken, ohne den heute der Bauernstand nicht ein Stand, sondern ein Chaos wäre. Der Bauer und der Jungbauer dürften nicht Nachlassen im Kampf um den Bestand der Nation. (Lebh. Beifall.) Staatskommissar für die hessische Landwirtschaft Or. Wagner Seinen Ausführungen sei folgendes entnommen: Man frage heute schon nach dem, was die nationale Regierung bisher erreicht habe. Es gebe einige Unzufriedene. Ihnen müsse man antworten, daß man in drei Monaten nicht mehr verlangen könne, als was in 14 Jahren geschehen oder nicht geschehen sei. Was bisher erreicht worden sei an Förderungsmaßnahmen der Bauernschaft sei nur au erreichen gewesen durch die Bewegung und durch den agrarpolitischen Apparat der RSDAP., der durch den Beauftragten für Dauernfragen Richard Walther Darrs aufgebaut worden sei. Er (Redner) wolle darlegen, wie er sich die Hilfsmaßnahmen für die Bauernschaft denke. Die Landwirtschaft müsse in vier Säulen wieder aufgebaut werden. 1. Der Bauer müsse im L«;ndbund sein. Jeder Jungbauer müsse der SA. angehören und gleichzeitig im Landbund sein. Die Interessengemeinschaften müssen zusammengefaßt werden in der Landesführergemeinschaft. Es müsse ein RS.-Landbund geschaffen werden. Jeder Bauer müsse mithelfen am Ausbau des Standes. 2. Die Landwirtschaftskammer bedürfe der Umgestaltung. Wir seien nicht Landwirte, son- dem Bauern. Die Landwirtschaftskammer müsse Bauernkammer heißen. Sie solle nichts anderes sein wollen, als sie sein muß. Die Bauern- fammer habe die gesamttechnische Förderung der Bauernschaft oorzunehmen. 3. Was die Genosfens cha ften angehe, so feien die Gleichschaltungen der Zentralgenossenschaft, wie auch der Landesgenossenschaftsbank notwendig. Die bisherige Führung dieser Institute sei untragbar für den Bauern gewesen. Die Rationalisierung der Genossenschaften sei eine weitere Notwendigkeit. Es dürfe in Zukunft nicht sein, daß in einem Orte zwei Genossenschaften neben- und gegeneinander arbeiten. 4. Der Landhandel befinde sich noch in seinem Anfangsstadium. Die Organisation müsse erst aufgebaut werden. Die Arbeitsgebiete zwischen Genossenschaften und Landhandel müßten in den Grenzen klargelegt werden. Was die weiteren Aufgaben für den Aufbau des Bauernstandes anbetreffe, fo habe er zunächst zu betonen, daß man noch mitten in der Revolution fei. Es gebe viele Schwierigkeiten zu überwinden. Das Milchproblem fei besonders schwierig zu lösen gewesen. Für die Butter werde man durch Preisfestsetzungen ab Molkerei eine Lösung finden. Er verspreche, alles zu tun, um die Nöte im Vogelsberg zu lindern. Im hessischen Ried, wie im Vogelsberg sollen Meliorationen durchgeführt werden, durch die es möglich fei, 30 000 Menschen Arbeit zu geben. Er werde ferner bemüht fein, in ständigem Kontakt mit dem praktischen Leben zu bleiben und keinerlei Entscheidungen schwerwiegender Art vom grünen £ifd) aus zu fällen. Im Beauftragten für Bauernfragen, R. W. Darrs, habe man einen Mann an der Spitze, der genügend Weitblick besitze, um dem Bauernstand wieder aufzuhelfen. Es dürfe nicht vergessen werden, daß Blut und Boden die Grundlagen des Staates seien. Der Bauer müsse zum Staat Vertrauen haben. Der Bauer sei gegenwärtig aber unzufrieden mit dem Ernährungsminister Dr. Hugen- berg, weil er nicht Blut von ihrem Blute sei. Aus diesem Grunde müsse ein Berufenerer an die Spitze. (Lebhafter Beifall!) Im Anschluß daran sprach der geschäftsführende Präsident des Reichslandbundes Meinberg, Berlin Er wies zunächst auf die wesentlichen Unterschiede in der Charakter- und Geisteshaltung der Stadt- und der Landbevölkerung hin. Wenn man vom Bauern spreche, so sei das kein Begriff, der mit der Größe des Besitzes etwas $u tun habe. Bauerntum fei etwas anderes. Gutsbesitzer könne jeder werden: das habe man ja zur Genüge erfahren. Zum Bauerntum müsse man geboren sein. Bauern- tum s e i Tradition. Ein selbstbewußter Bauer sei das stärkste Bollwerk des Staates. Heute sei man dabei, dem deutschen Bauern wieder zur ursprünglichen Kraft zu verhelfen. Der größte Garant eines Staates fei das Vertrauen des Bauern zum Staat. Je größer die Aufgabe fei, je größer müsse der Ernst fein, und dann würden auch die Fragen, vor denen der Bauernstand heute stehe, gelöst. Das NS.- Bauernrum, das sich unter Adolf Hitler organisiert habe, brauche nur einer Willensmeinung zu fein, fo würde das in allen Fragen den Ausschlag geben. Was noch an Widerständen vorhanden fei, würde bann hinweggefegt. Er, der Redner, habe auf die Gefahren hingewiesen, die die Berufung der Herren Hugenberg und von Rohr in das Ernährungsministerium des Reiches darstellten. Der deutsche Bauer habe zu diesen Herren kein Vertrauen, denn sie seien dem deutschen Bauerntum fremd. Wenn der gegenwärtige Beauftragte für Bauernfragen, Darrs, das Geschick der Bauern in die Hand nehme, sei das Geschick der Herren Hugenberg und von Rohr er- füllt. (Starker Beifall.) Im Anschluß an die Ausführungen des gefchäfts- führenden Reichslandbund-Präsidenten verlas der Staatskommissar Dr. Wagner eine Entschließung, der von der nach Tausenden zählenden Menge einmütig zugestimmt wurde. Die Entschließung hat folgenden Wortlaut: „An den Herrn Reichskanzler und den Herrn Reichspräsidenten! Die in Ridda versammelten Tausende von hessischen Bauern aus allen Provinzen des Landes fordern als Reichsernährungsminister den nationalsozialistischen Bauernführer, den Beauftragten des Reichskanzlers für Bauern fragen, Richard Walther Darrs. Die heffischen Bauern haben am 5. Mär; Hitler gewählt, weil sie zu ihm und nicht zu hugenberg vertrauen haben. Die vereinigten hessischen Bauern.“ Ministerpräsident Pros. Or. Werner sprach dann als letzter Redner, der in seiner kurzen Ansprache besonders auf die Geschichte der völkischen Bewegung in Oberhessen einging, an jene denkwürdige Versammlung in Ober-Widdersheim erinnerte, in der erstmals vor Tausenden von hessischen Bauern die völkischen Abgeordneten sprachen. 20 stehe man im Niddaer Land auf klassischem Boden der völkischen Bewegung. Er freue sich, daß er unter den Teilnehmern des Festes manches bekannte Gesicht sehe. Es fei auch Pflicht, derer zu gedenken, die den Kampf um die völkische Bewegung mittragen halfen, nachdem nun das Hakenkreuzbanner über allen Dörfern flattere. So begrüße er heule die Volksgemeinschaft und jede ehrbare Arbeit. Nun habe man die Wege gesunden und nun wiße man, was man zu tun habe, um den Bauernstand wieder zur alten Höhe zu bringen.. Nun könnten sich die Geister der Vergangenheit mit den Geistern der Gegenwart verbinden, der deutsche Geist sei nun der Mittler und weise klar seine Wege. Deshalb gelte fein dreifaches „Sieg-Heil!" nicht allein der Volksgemeinschaft, sondern auch der Heimat, die wir lieben, dem hessischen Land, dem hessischen Landvolk und besonders auch der Landjugend als dem Träger der deutschen Zukunft. Die Mengs stimmte begeistert in das ..Sieg-Heil!" des Ministerpräsidenten ein und bereitete ihm herzliche Ovationen für seine eindrucksvollen Worte. Im weiteren Verlaufe des Tages erwartete die Menge noch den Befuch des Reichsstatthalter Sprenger, über den wir gestern bereits berichteten. Bei Konzert der Standartenkapelle, bei gc- felliger Unterhaltung und Tanz wurde der Land- volktag geschlossen, der allen Teilnehmern noch lange in der Erinnerung bleiben wird. Aus der Provinzialhauptstadt. Jäger Achtung! Aus Jagdgebieten der Gegend von Biedenkopf und vom westlichen Vogelsberg häufen sich die Meldungen von dem Auffinden von Rehen, die alle dieselben Merkmale deS Gerissenseins aufweisen. Entweder sind Drossel und Halsschlagader durchbissen oder cs fehlt gar der ganze Kopf, der von einem tierischen Täter ab- geschnitten zu sein scheint- Das Auffinden noch warmer, frisch schweißender Stücke deutet auf frisches Reißen und nicht etwa nachträgliches Anschneiden von Fallwild hin. Die betanntge- wordenen Zahlen sind in einzelnen Revieren so erschreckend hoch, daß alle Revierinhaber und Jagdschutzbeamte gewarnt und aufgefordert werden, in gemeinsamer Zusammenarbeit von Revier au Revier Vorbeuge zu treffen. Es besteht der bringende Verdacht, daß es sich um wildernde Hunde handelt- Verschärfter Jagdschuhdienst erscheint notwendig, um die Ursache baldigst einwandfrei festzustellen und zu beseitigen. Beobachtungen aus der Umgebung von Gießen werden umgehend an Verein „Hubertus" erbeten. Das Veterinär-Pathologische Institut der Universität, Direktor Geh. Rat Prof. Dr. Olt, wäre für den Hals frischer Stücke dankbar. H ö 1 z e l. Tagung der Deutschen Kaufmannsjugend in Büdingen. Vom Deutschnationalen Handlungs- gehilsenverband wird uns mitgeteilt: Zum ersten Male wird sich zu Pfingsten 1933 die im Deutschnationalen Handlungsgehilfenvcrband jetzt zusarnrnengefchlossene deutsche männliche Kausmanns- jugenb zu einer großen Kundgebung in der schönen, alten, oberhessischen Stabt Büdingen zusammen- finden. Der Tagung kommt insofern besondere Bedeutung zu, als die berufsständische Kaufmanns- fügend ein machtvolles Bekenntnis zu dem neuen deutschen Staat und seinen Führern oblegen wird. Den Höhepunkt der Veranstaltung dil- bet eine große Kundgebung „Das ganze Deutschland soll es sein". Am Montag findet ein großes Geländespiel als Abschluß der Tagung statt. Die bereits vorliegenden zahlreichen Anmeldungen aus allen Teilen des Main-Wefer-Gaues versprechen einen außerordentlich starken Besuch der Tagung. Die Stadt Büdingen selbst wirb eine f e st - gliche Beleuchtung ber alten Stabt- mauern und der Berge durchführen und so auch ihrerseits zu einem guten Verlaus ber Tagung beitrogen. Pornotizcn. — TageSkalenber für Mittwoch: Oberhefsischer Kunstverein, Turmhaus am Brand- platz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Lichtspielhaus, Dahnhofstraßc, „Dielleichl bist Du bas große Glück". • ** Platzkarten unb Arbeiterrückfahr- karten an den Pfingsttagen. Von ber Reichsbahnbirektion Frankfurt wird mitgetei't: Platzkarten werden für die in ber Zeit vom 1. bis 7. Juni verkehrenden D-, Fd- und FFO-Zügc schon jetzt ausgegeben. Diese Regelung gilt sowohl für die gewöhnlichen Fahrkarten, für die Festtagsrückfahr- karten und die Arbeiterrückfahrkarten. Die Arbeiterrückfahrkarten können in ber Zeit vorn 1. bis 7. Juni an jedem beliebigen Tag zur Hin- unb Rückfahrt benutzt werben. 21 n ber üblichen lOtägigcn Geltungsdauer der Arbeiterrückfahrkarten ändert sich durch diese Maßnahme nichts. Wird z. B. eine Arbeiter- rückfahrkarte am 3. Juni gelöst, fo gilt sie bis 3um 12. Juni. Die Entfernungsgrenze für Arbeiterrückfahrkarten ist allgemein aufgehoben. •• Maienblasen. Bei dem am heutigen Mittwoch, 19 Uhr, vom Turme der Johannes- kirche aus stattfinbenden Maienblasen werben folgende Stücke vorgetragen: 1. Choral „Run danket alle Gott", 2. „(Sott grüße dich" von Mücke, 3. „Deutschland, Deutschland über alles", 4. Horst- Wessel-Lied. Schließung der Technischen Hochschule in Darmstadt. Darmstadt, 30. Mai. (IDSH.) Die Technische Hochschule in Darmstadt teilt mit: Die Technische Hochschule hat sich veranlaßt gesehen, ihre Räume bis auf weiteres zu schließen, weil innere Störungen die Aufrechterhaltung ihres Lehrbetriebes unmöglich gemacht haben. Es find Maßnahmen eingeleitet worden, um die Hindernisse fo schnell roie möglich z u beseitigen. Die Abwicklung der verwaltungvgeschäfte wird dadurch nicht berührt. Sie letzten Soldaten des Weltkrieges. Teilnehmerberichten nacherzählt von Walter Schimmel'Aalkenau. n. Die Seldentragödie im Baltikum. Unb bie Bezahlung, die Englanb sorberte, gipfelte schließlich darin, daß ber mit den Erfolgen ber deutschen Truppen immer stärker werdende deutsche Einfluß in den baltischen Ostseeprovinzen wieder vermindert werden mußte. Der frühere Ministerpräsident U l m a n hatte inzwischen im nördlichen Lettland unter dem Schuhe der Engländer unb ber Esten neue Truppen auf* gestellt. Diese wanbten sich nun gegen die lettischen Truppen des Ministerpräsidenten R e e - d r a , die in ber Baltischen Landeswehr zusammengeschlossen waren unb Schulter an Schulter mit ber „Eisernen Division" bie Bolschewiken besiegt hatten. Ein Kampf stand also bevor des von England gestützten Exministerpräsidenten gegen den von den deutschen Baltikumkämpfern berufenen Präsidenten Reedra, eigentlich also ein Kampf Englands gegen Deutschland. Da aber die deutsche Regierung nicht das geringste für bie deutschen Truppen im Baltikum tat, gar kein Verständnis für die hohen vaterländischen und kulturpolitischen Ziele hatte, für die schließlich die „Eiserne Division" dort oben damals ihr Leben einsetzte, mußten sich bie nun bei Wenden entbrennende 1 Kämpfe schließlich zugunsten Ulmans unb bamit zugunsten Englanbs entscheiden Das Kabinett Reedra wurde zur Abdankung gezwungen. Riga mußte von den reichsbeutschen unb baltischen Truppen geräumt werden. UI- man wurde von England wieder als Ministerpräsident eingesetzt. Ein Waffenstillstand wurde abgeschlossen. Die „Eiserne Division" lag taten* los nahe bei Mitau, die Baltische Landeswehr stand bei Tuckum. Die lettischen Truppen unter Führung des Obersten Ballod traten sofort in die Dienste Ulmans über. Der deutsche Einfluß unb damit bie Möglichkeit weitreichenber Han- belsbsziehungen unb Siedlungen war bis nach Kurland hinauf durch diese jüngsten Ereignisse fast vernichtet worden. Die große, aufopfernde Arbeit unserer Baltikumkampfer, die sehr wohl wußten, um welche hohen vaterländischen Interessen ihr Kampf geführt wurde, war durch die untätige, ja direkt feindselige Haltung der deutschen Regierung ihnen gegenüber umsonst geleistet worden. Durch diese inneren Schwierigkeiten hatte die vordem in wilde Flucht geschlagene Bolschewistenarmee Zeit und Gelegenheit gefunden, sich an den östlichen Grenzen Lettlands unb Estlands erneut zu sammeln. Riemand erkannte bie Gefahr, bie von den Bolschewisten drohte, erneut drohte, in diesem Augenblick besser als Major Bischoff, der ruhmreiche Führer ber „Eisernen Division". Er hatte mit seinen Truppen die Ostfeeprovinzen von den Bolschewiken gesäubert, seine Truppen hatten im Verein mit willigen Balten unb unter ber Mitwirkung kleiner zaristischer Russentruppenteile Deutschland vor der Dolschewisteninrasion unb bamit vor der Kommunistenherrschaft bewahrt. Riemanb, am wenigsten die damalige deutsche Regierung, war sich in Deutschland im Frühjahr 1919 darüber klar gewesen, wie unerhört nahe die kommunistische Gefahr an den Grenzen stand. Es ist und bleibt das unvergängliche Verdienst unserer Daltikumkämpfer, diese Gefahr erkannt zu haben, sie aufgehalten zu haben, Deutschland vor ihr bewahrt au haben. Die durch bie von England politisch sehr klug hervorgcrufenen Streitigkeiten zwischen Esten und Letten einerseits, den Balten unb ben Deutschen andererseits, hatten den Bolschewisten Gelegenheit gegeben, wie schon gesagt, eine neue Kampffront auszustellen, die nun erneut bie baltischen Ostseeprovinzen unb mit ihnen auch Deutschland lebhaft bedrohte. Als darum im August 1919 der Befehl zur Auflösung unb zum Abtransport ber „Eisernen Division" von ber beutschen Regierung ausgesprochen würbe, war damit zugleich der Befehl ausgesprochen, bie baltischen Ostseeprovinzen fast schutzlos mit ihren vielen deutsch- stämmigen Bewohnern unb deutschen Kulturgütern dem wieder mächtig anrückenden Bolschewismus auszuliefern. In Erkenntnis dieser Gefahr, die durch den wahrscheinlichen Sieg der Bolschewisten über Esten und Letten auch dem deutschen Voterlande wieder drohte, weigerte sich der Führer der „Eisernen Division, dem Befehl seiner Regierung Folge zu leisten. Am 23. August erklärte Major Bischoff feierlichst, daß er feine Truppen nicht verlassen werde, daß er sich an die Spitze der Bewegung stelle, daß die „Eiserne Division" unter feiner Führung in Kurland verbleiben werde. Diese Kundgebung des Führers löste eine Begeisterung aus, oie sich mit Worten kaum beschreiben läßt. Andere Truppenteile schlossen sich daraufhin Major Bischoff sofort an, zaristisch gesinnte russische Soldaten traten immer wieder ein und verstärkten die Truppe. Die Daltikumkämpfer dachten hierbei auch — und wer möchte es ihnen verdenken — an das ihnen im Dezeml>er 1918 von dem Präsidenten Ulm an gegebene Siedlungsversprechen. Der „Soldatenlied! ungsver band Kurland" hatte bereits über 6000 Landanteilscheine ausgcgeben. Immer wieder an* langende Aufforderungen der deutschen Regierung, Befehle zur Auflösung konnten die Truppe in ihrem festen Entschluß nicht beirren, einmal die bolschewistische Gefahr vollständig zu überwinden, zum anderen das ihr gegebene Siedlungsversprechen auch zur Erfüllung zu führen. In ganz Deutschland wurde damals dieses eigenmächtige Handeln der „Eisernen Division" mißverstanden. Die tapferen Baltikumkämpfer, deren zähem Kampfe gegen die Bolschewiken Deutschland so viel zu verdanken hatte, wurden Meuterer gescholten, Fahnenflüchtige. Der englische Einfluß hatte Auwcge gebracht, daß die treue Baltische Lanoeswehr, bie wackere Bun- desgenossin unserer „Eisernen Division" in so vielen schweren unb siegreichen Kämpfen gegen Moskau, einem englischen Obersten unterstellt wurde, der sie nun an der Bolschewistenfront einsehte. Die ..Eiserne Division" war dadurch Ende August 1919 auch des letzten Bundesgenossen beraubt worden, sie stand ganz allein im Baltikum auf der Wacht, von Feinden und Reidern auf allen Seiten umgeben, bereit, bis zum letzten Atemzuge für ihr großes vaterländisches Ziel einzutreten. Wie wir schon ausführten, hatten sich im Laufe des ersten Halbjahres 1919 der Baltischen Landeswehr zahlreiche antibvlschewistische Truppen angeschlossen, die zu sogenannten russischen Formationen gruppiert unter der Führung des deutsch-* baltischen Fürsten Lieven stanöen. Durch ehe- malige Kriegsgefangene aus deutschen Lagern verstärkte sie sich allmählich auf einige Tausend. Auf Befehl der Entente wurde diese kleine Armee des Fürsten Lieven nach dem Fall Rigas gezwungen, sich nach Estland zu der russischen Armee des Generals Judenitsch abtransportieren zu lassen. Als Fürst Lieven dieser Forderung sofort nachgab, verweigerte ihm der Oberst Fürst Awaloff-Bermondt den Gehorsam und unterstellte sich mit einem beachtlichen Teile der Lievenschen Truppen dem Schuhe des deutschen 6. Rcservekvrps, das bei Mitau lag. Fürst Awaloff, der heute in Berlin lebt, hatte die Haltung Englands vollkommen richtig erkannt, er wußte, daß England an einer Wiederauferstehung des zaristischen Rußland nichts gelegen war. darum schloß er sich b'r „Eisernen Division" an, deren vornehme Ehrlichkeit im Kampfe gegen den Bolschewismus er bewundernd anerkannte. Er war es auch, der die Lieberzeugung aussprach, daß nur i'm gemeinsamen Kampf mit den Deutschen die bolschewistische Gefahr abgewendet werden könnte. Während einzelne lose angeschlossene Truppenteile unter dem dauernden drohenden Drängen der deutschen Regierung sich von der „Eisernen Division" lösten und dem Befehl zum Abtransport Folge leisteten, wurde nach dem Muster der Korps Keller, das Fürst Awaloff führte, auch das Korps Wirgo- litsch aufgebaut. Fürst Awaloff verhandelte unterdessen mit Litauern und Letten, um in der Gegend von Jakobstadt seine Truppen gegen die Bolschewiken an der Seite der Litauer und Letten einsetzen zu können. Die Letten jedoch unterbanden diese Berhandlungen, für die die Litauer günstig gestimmt schienen, und riefen im Rücken der russischen und deutschen Truppen zum Franktireurkrieg auf. Dieser Aufruf war indirekt durch den Präsidenten illman veranlaßt worden, durch den wiederum die hohe englische Politik zu Worte kam. Es ging darum, jede Einflußstärkung, die die Deutschen I allenfalls gewinnen konnten, zu verhindern, es । ging schließlich darum, die deutschen Truppen und die mit ihnen verbundenen antibolschewistischen russigen Formationen so sehr zu isolieren, daß sie schließlich, nur von Feinden umgeben, von ihrem Borhaben von selbst ablassen würden, sich auflösen und heimkehren würden, um die baltischen Ostseeprovinzen dem unumschränkten Einfluß Englands dann doch zu überlassen. Die beiden höchsten Offiziere Englands in Lettland — und das dürfte bezeichnend sein für die Ziele, die die englische Politik dort vornehmlich verfolgte — waren e i n Flachs Händler und ein Holzhändler. Die „Eiserne Division" hatte ihr Augenmerk nun vornehmlich auf die Letten zu richten. Die Litauer sind ein kleines und unkriegerisches Volk, die Esten lagen wegen Grenzstreitigkeiten mit den Letten in zunehmender Feindschaft und hielten sich darum von den geplanten Aktionen gegen die deutschen Baltikumkämpfer auffällig zurück. Der lettische Aufmarsch aber an der neutralen Zone und das Wühlen der lettischen Banden im rückwärtigen Gebiet bedrohte die „Eiserne Division" und die ihr angeschlossenen russischen Formationen, die sich zur russischen Westarmee konsolidiert hatten, lebhaft. Durch passiven Widerstand der lettischen Bevölkerung entstanden in der Rahrungsmittellieferung Lücken, durch immer weiter fortschreitende Aufhetzung wurde die Einstellung der Bauern im Hinterlande der deutschen Front immer feindseliger. Die Lage wurde mit der Zeit dadurch so unhaltbar, daß sich Fürst Awaloff gezwungen sah, das in seinem Rücken befindliche Gebiet als Etappengebiet der russischen Westarmee zu bezeichnen. Ein Zentralrat, der aus Russen, Letten und Balten zusammengesetzt war, übernahm die Regierungsgewalt, und die „Eiserne Division" sowie die zu einer deutschen Legion zusammengeschwcißten Freikorps und die Gruppe Plehwe unterstellten sich dem Befehl des Fürsten Awaloff. Das geschah am 6. Oktober 1919. Dieser Zusammenschluß erhielt den umfassenden Ramen: Russische Westarmee. (Fortsetzung folgt.) S.Jfxfportf Spielvereimgung 1900 Gießen. 1900 (Liga) — Sportverein Wetzlar (Liga) 2:3 (0:1). Das schöne Wetter hatte annähernd 1000 Zuschauer zum Sportplatz an die Liebigshöhe gelockt, die einen stets fairen und spannenden Kampf zu sehen bekamen. 1900 erschien in der angekündigten Aufstellung. Wetzlar hatte auch seine z. Z. beste Vertretung zur Stelle, dazu auf Halbrechts eine neue Kraft. Das Glanz- ftück der Wetzlarer ist gegenwärtig die Läuferreihe, die vorzüglich disponiert war und in Abwehr und Aufbau gleich gut spielte. Ihr haben die Gäste in erster Linie den knappen Sieg zuzuschreiben, der auf Grund einer zeitweiligen leichten Feldüberlegenheit verdient war, wenn auch nicht verkannt werden soll, daß der Gießener Sturm die weitaus größere Anzahl der besten Chancen zum Sieg hatte. Die Innenstürmer waren sehr gut aufgelegt, versagen taten dieses- mal, zur allgemeinen Äeberraschung, die Flügel- stürmer. Das Treffen begann sehr schnell. Abwechselnd kamen beide Tore in Gefahr. Mitte der ersten Spielhälfte ging Wetzlar in Führung, nachdem die Verteidigung mit dem Eingreifen etwas zögerte. Der überraschende wuchtige flache Schuß war unhaltbar. Vorher aber hatte 1900 schon zwei große Chancen durch Fehlschuß und unbeabsichtigtes Handspiel von Mittelstürmer und Halbrechts vergeben. Auch ein Kopfball aus zwei Meter Entfernung fand den Gästehüter mit Glück auf dem Posten. Aach dem Wechsel kämpften die Blau- weißen verzweifelt um den Ausgleich. Aber nochmals rettete die Wetzlarer Querlatte einen sicher erscheinenden Erfolg. Auch entging dem Spielleiter eine glatte Handabwehr des Wetzlarer rechten Verteidigers. Die Gießener Drangperiode führte aber endlich doch zum Ziel. Zweimal war Hofmann erfolgreich. Run führte 1900 mit 2:1. Das Spiel neigte schon bald dem Ende zu, als Wetzlar durch haltbaren Ball erneut (durch ein Abseitstor) ausglich. Auch der kurz darauf folgende Wetzlarer Siegestreffer fiel aus einer nicht klaren Entscheidung. Der Gießener Halbrechte ging mit dem Ball aussichtsreich auf das Wetzlarer Tor los. Wetzlars Mittelläufer versuchte ihn zu behindern. Dor Llnparteüsche unterbrach und diktierte einen Freistoß gegen 1900, d>as ihm ein Pfeifkonzert der Zuschauer eintrug. Der Ball wurde vors Gießener Tor getragen und nach einigem Hin und Her im Durcheinander durch Wetzlars Halbrechten im Aachschuß verwandelt. Der Sieg war unter diesen Umständen für Wetzlar nur ein glücklicher. Schiedsrichter war Kunze (Hungen), der int allgemeinen recht gut leitete. Den beiden Mannschaften gebührt für die anständige Spielweise ein Gesamtlob. 1900s untere Mannschaften waren alle spielfrei geblieben. Iugendklubkampf Germania Marburg — 1900 Gießen. Die 1. und 2. Jugend sowie die 1. Schüler von 1900 trugen am letzten Sonntag die Rückspiele zum Jugendwettkampf Germania Marburg — 1900 Gießen in Marburg aus, den Germania mit 4:2 Punkten für sich entschied. Die erste Jugend von 1900 muhte mit 2 Mann Ersatz antreten und konnte sich auf dem kleinen Platz von Germania nicht zurecht finden. Der Gegner hatte zudem noch 4 aktive Spieler in seinen Reihen. Bei dem- Stande von 1:0 für 1900 wurde von diesem noch ein 11-Meter-Ball verschossen. 1900 verlor das Spiel mit 3:1. Die 1. Jugend spielte ziemlich lustlos, während die 2. Jugend besser bei der Sache war und ihr Spiel mit 3:1 Toren, Halbzeit 3:0, für sich entschied. Der beste Teil der Mannschaft war die Verteidigung. Die 1. Schüler verloren ihr Spiel unverdient. Gerrnanias Schüler waren bedeutend größer und kräftiger, während die Schüler von 1900 technisch besser waren. Zwei 11-Meter-Bälle wurden von 1900 verschossen. — Vor den Spielen wurde den 1900ern eine silberne Plakette überreicht. Der Jugendwettkampf soll jährlich wiederholt werden. Llm den Aufstieg zur ^.Bezirksklaffe. Lollar I — Vissenberg 1 1:1 nach Verlängerung. Das vor dem Spiel 1900—Wetzlar auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe cingesehte Spiel hat die Entscheidung nicht gebracht, obwohl es verlängert und bis zur längst zulässigen Zeit durchgeführt wurde. Das unentschiedene Resultat wird den gezeigten Leistungen gerecht. Die Gegner waren sich gleichwertig. Beiderseits standen sehr schußschwache Stürmerreihen vor sehr spielstarken Hintermannschaften. Lollar war vielleicht insofern etwas gehandicapt, als drei der besten Spieler ersetzt werden mußten. Außer lobens- toertem Eifer mangelt es den Spielern doch noch allzusehr an Technik und Taktik. Torchancen hatte jeder der Parteien zur Genüge. Die kritischen Situationen wurden aber durch die Schlußleute immer wieder geklärt. Mitte der zweiten Halbzeit verwandelte Bissenberg einen Handfreistoß direkt zum Führungstor und einige Zeit später führte einer der vielen Lollarer Angriffe zum Ausgleich. So blieb es beim 1:1, obwohl das Spiel 2 mal 15 Minuten verlängert wurde. Gegen Schluß waren beide Mannschaften vollständig abgekämpft. Schiedsrichter Hohmann (1900) stand jederzeit über den Parteien. VfB. Gießen. DfD. I — BC. Sinn 4:3 ^0.1). Die Grün-Weißen weilten am Sonntag im Dillgebiet und trafen im BC. Sinn auf einen äußerst spielstarken Gegner. Meister der 2. Bezirksklasse, hat diese Mannschaft im letzten Jahre auf eigenem Platz nur ein Spiel verloren. Die DfB er mußten, da sie mit Ersah spielten, große Anstrengungen machen, um den Sieg sicherzustellen. Der Kampf war hart und spannend von Anfang bis Ende. Der Gegner spielte ganz aus Sieg, bemerkenswert war das Können und die Schußkraft des Sturmes. Die erste Halbzeit war Sinn durchaus tonangebend. Die Verteidigung GAG.-Siege i Verheißungsvoller Auftakt des Gastgebers machte durch geschicktes Spiel alle Absichten des VfB.-Sturmes zunichte. Sinn kam durch einen verwandelten Elfmeter zum ersten Treffer. Durch Umstellungen kam etwas mehr Schwung in die Reihen der VfB.er, so daß zu Beginn der zweiten Halbzeit der Ausgleich und auch der Führungstreffer erzielt werden konnten. Bei Feldüberlegenheit der Grün-Weißen kamen diese durch Elfmeter gegen Mitte der zweiten Halbzeit zum dritten Treffer. Die Läuferreihe des VfB. ließ merklich nach und die forschen Stürmer des Gegners holten im Au zwei Tore auf. VfB. ließ jedoch nicht locker und bei einem Cckenverhältnis von 6:3 für VfB. konnte Lehrmund auf eine Ecke durch famosen Kopfball das Siegestor erringen. Beim VfB. konnte die rechte Stukmseite gut gefallen. Haas im Tor war sehr gut. Er hielt die überraschend scharfen Schüsse des gegnerischen Sturmes mit großer Sicherheit. Das Spiel wurde ruhig und fair ausgetragen. n Saarbrücken. der Gießener Rudersarson. In aller Stille, vor den Augen nur weniger Unentwegter, die allabendlich an der Lahn erschienen, vollzog sich unter der bewährten Leitung des bekannten Trainers D. Ko llm er das Training der Mannschaften der GRG. Die sportliche Aufwärtsentwicklung der GRG. in den beiden Vorjahren, 1931 nach der Anzahl und 1932 nach der Qualität der Siege, ist noch in bester Erinnerung. Die Leistungen im Vorjahre qualifizierten die Achtermann- schast zum Start der Deutschen Meisterschaft in Passau. Es gelang ihr aber nicht, ihren stärksten Gegner während der ganzen Saison, die Mainz- Kasteler RG., eine Mannschaft von internationalem Ruf, auch nur ein einziges Mal zu besiegen. Schon die erste Regatta dieser Saison brachte der GRG. den langersehnten Erfolg. Mil einer voolslänge zurück mußte Mainz- kastel, das in der gleichen Besetzung wie im Vorjahre ruderte, der GRG. im vorrennen zum Großen Achter den ersten Platz überlassen. Ein harter Kampf vom Start bis zum Ziel! Im anderen Vorrennen zum Großen Achter schlug Kölner El. s. Wassersport die „Undine" Saarbrücken überlegen, in deren Achter die vorjährige Meistermannschaft im Vierer saß. Mit großer Spannung sah man dem Verlauf des Hauptrennens entgegen. Die Erwartungen auf einen interessanten Kampf wurden nicht enttäuscht. Am Start wurde zunächst von den beiden Mannschaften Köln und Gießen, auf Veranlassung eines Gießener Ruderers, ein kurzes eindrucksvolles Gedenken dem Freiheitshelden Albert Leo Schla- geter gewidmet. Die Ruderer ehrten den ersten Soldaten des Dritten Reiches mit erhobener Hand. Offiziell war dies der Regattaleitung von der Saar- Regierung untersagt. Rach gutem Start beider Mannschaften wurde das Rennen nach hartem Bord-an-Bord-Kampf bei 1500 Meter vom Schiedsrichter abgebrochen, da beide Boote kollidierten. Der Unterbrechung folgte sofort ein neuer Start von Anfang an. Rach wiederum gut gelungenem Start ging Köln leicht in Führung, Gießen konnte aber bald wieder ausgleichen. Es entspann sich ein harter Bord-an-Bord-Kampf, in dem Gießen die Führung übernahm. Die sehr zahlreich erschienenen Zuschauer sahen einen beispiellos harten Kampf. Unter Aufgebot aller Kräfte versuchte Köln die Spitze zu erreichen, aber Gießen fetzte alles daran, den knappen Vorsprung zu halten. Unter dem losenden Beifall des Publikums ging Gießen in glänzendem Endspurt mit etwa 3 m Vorsprung als Sieger durchs Ziel. Als bann bei der Rückfahrt der Mannschaft (Helmut Roll, Karl Timpe, Werner Flimm, Kurt Georgi, Wilhelm Köhler, Willy Becker, Hans Heinrich Neurath, Georg Hartmann, St. Heinz Loh) das Deutschlandlied erklang und die Gießener Mannschaft mit erhobener Hand im Boote mitsang, da reckten sich auch die Arme aller am Ufer stehender Saarländer zum Treubekenntnis für Deutschland. Durch dieses Erlebnis war man reichlich entschädigt für die Schikanen, die französische Zollbeamte den Gießnern bereiteten, weil sie in einem mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Autobus die Grenze des Deutschen Saarlandes passierten. Weiter errang die GRG. noch durch Friedel I o e d t einen überlegenen Sieg imErstenEiner (Führung vom Start bis ins Ziel), sowie einen Sieg im Zweiten Vierer (Mannschaft: W. Flimm, W. Becker, W. Köhler, K. Timpe, St. H. Loh), der nach siegreichem Vorrennen gegen Kölner El. f. Wassersport, ebenfalls ganz überlegen vor Trier gewonnen wurde. Den Jungmannen (Georg, Hoch- ftätter, Krevert, Schlüter, Schmidt, Weinhold, Eute- neuer, Duill, St.: Breidenbach), die sich wacker schlugen und in ihren Rennen nur ktzapp unterlagen, war diesmal noch fein erster Platz vergönnt. Allen Beteiligten werden die Tage in Saarbrücken unvergeßlich bleiben. Jeder gewann die feste Ueber- zeugung, daß das Saarland deutsch bleiben wird und deutsch bleiben muß. Ein Sieg des Vereins Rudersport Gießen 1913. Bei der Berichterstattung über die Regatta in Saarbrücken unterlief ein Irrtum. Wie uns vom Verein Rudersport mitgeteilt wird, siegte im Ermunterungsvierer nicht der RV. Zell, sondern die Mannschaft des Vereins Rudersport Gießen 1913 (Jmmel, Fröhlich, Wellhöser, Steuer: Günther). Zell wurde auf den zweiten Platz verwiesen Wirtschaft. * Deutsche Bau- und Siedlungsgemeinschaft, Darm st ad t. Die Deutsche Bau- und Siedlungsgemeinschaft e. G. m. b. Sy, Darmstadt, hat für das Jahr 1932 einen Rückgang ihrer Mitgliederzahl auf 35 000 (37 000) aufzuweisen. Die eingezahlten und gutgeschriebenen Geschäftsguthaben beliefen sich am 31. Dezember 1932 auf 6-10 000 (780 000) Mk., die noch nicht eingezahlten Geschäftsanteile auf 120 000 (170 000) Mk., die Haftsumme auf 3 510 000 (3 710 000) Mk. Die Sparguthaben der nicht zugeteilten Dausparer hatten eine Höhe von 28 860 000(25 970 000), der zugeteilten Bausparer eine solche von 1010 000 Mk. (im Vorjahre nicht gesondert ausgewiesen). Forderungen der Bausparer aus Tilgungserlaß betrugen 4 540 000 (3 780 000) Mk. Demgegenüber stehen Aktivhypotheken von insgesamt 31 630 000 (30 600 000) Mk., flüssige Mittel 1 410 000 (1 700 000) Mk. Aach 70 000 (74 000) Mk. Abschreibungen wird ein Gewinn von 18 030 Mk. ausgewiesen (im Vorjahre war die Erfolgsrechnung ausgeglichen). frankfurter Abendbörse geschästslos. Frankfurt a. M., 30. Mai. An der Abendbörse entwickelte sich infolge fehlender Anregungen und nur kleiner Orders seitens der Kundschaft ein unbedeutendes Geschäft. Gegenüber den Berliner Schlußkurfen ergaben sich nur geringprozentige Veränderungen, doch lagen die Papiere meist nicht ganz behauptet. Am Montanmarkt konnten Rheinstahl aus die 3prozentige Dividende noch leicht anziehen, auch Licht & Kraft lagen am Elektromarkt um 0,75 Prozent fester. Am Rentenmarkt war die Tlmsahtätig- keit bei behaupteten Kursen ebenfalls nur gering. Aeubesitzanleihe 12,10, Altbefihcmleihe 75,13, Schuhgebietsanleihe 7,50, Reichsbank 125, Gelsenkirchen 62,50, Harpener 100,25, Kali Aschersleben 131,75, Mannesmann 68,75, Rheinstahl 95, Stahlverein 41,50, Aku 41,75, Bekula 111,75, Conti- Gummi 145, Scheideanstalt 169, Licht & Kraft 116,75, JG.-Farben 130,75, gelten 56,75, Lah- meyer 122,50, Siemens 157, Aschaffenburger Zellstoff 24, Hapag 19, Norddeutscher Lloyd 19,90. Kirchliche Nachrichten. Donnerstag, 1. Juni. Gießen. 17.30: Beichte. Freitag, 2. Juni. Gießen. 6.30: Segensamt. — Lich. 6.15: Segensmesse. Samstag, 3. Juni. Gießen. 9: Aus Anlaß des 50. Stiftungsfestes der katholischen Studentenverbindung Hasso-Rhenania: Amt für die verstorbenen Mitglieder. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben öle Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 4 o. H.. Lombardzinsfuß 5 o. H. Franksuri u. Ml. Serin, Frankfurt a.m. Berlin Schluß« kurS Echlußk. Abend- börse Schluß- kurS Echlußk. mittag« börse Schluß- kurS Schluß!. Abend- börse Schluß- lur« Schluß!, mittag- Oatutn 29-5 j 30.5. 29.5. 30.5- Datum 29.5. 30-5- 29.5. 30.5. C% Deutsche tHetdioanieihe v. 1921 6% chcm.7% Dl. Reichsanl. v. 1929 5y2% Doung Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mli AuSIos.-Rechten ............ Desgl. ohne AuSIos.-Rechte...... 6% ehern. 8% Hess. Bolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)........... 83 91,4 86 74,75 12,3 67 82 85,5 68 82,75 82,25 82,5 85,9 83,5 84 85,5 1.75 6,4 6,45 83 91,4 85,5- 75,13 12,1 67 82 85 68 83 82,9 82 85,5 84 85,5 16 7,75 6,4 6,5 82,75 84,5 74,75 12,25 81,75 68,25 83,5 84 85,5 16 6,5 6,3 82,4 91 84 75,13 12,1 76 - 68,6 84 85,5 16,3 l 7,95 6,45 6,4 4% desgl. Serie II ............ 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4Zr%Rumän.vereinh.Nentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente . 3%% Anatolier .............. Hamburg-Amerika-Paket .....< Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hansa Dampfschiff...........o Norddeutscher Lloyd .........o A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 Commerz, und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und DtSconto- Gesellschaft................o Dresdner Bank..............o Reichsbank ................. j A.E.G.................... , Clektr. Lieferungsgesellschaft ... b Licht und Kraft .............c Felten & Guilleaume ........ o Gesellschaft für Elektrische Unter- nehmungen.............. § Rheinische Elektrizität ........& Schucken S Co..............o Siemen« L HalSke .......... - 6,5 5,5 10,25 4,65 28,65 19 20,13 53 92,25 50,25 53 52 125 25 115,25 58,25 92 96,75 108,5 157 77 114,5 63 89 Ni 61 70,k 6,5 5,5 10,25 4,65 28,65 19 19,9 53,25 92,75 50,25 53 52 125 24,25 100,75 116,75 56,75 91,5 96,5 108,75 157 122,5 77 116 62,5 100,25 117 61 68,75 6,35 5,6a 10,5 4,55 28,65 19 32,5 27,25 19,9 52,75 93 50,75 53 52 125 25 101 115,5 60 92,4 96,5 108,25 157 121 77,25 114,5 83,13 98,4 75,75 H5,5 60,5 70,4 6,4 10,4 4,65 28,9 19 30 27,25 19,9 53,75 93 50,75 53 52 125 24,25 100,9 116 57,75 91,5 96,4 107,75 Oberheilen Provinz-Anleihe mb Auslos.-Rechten ............ 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12.......... 6%% Hess. Lande» Hypolheken- bank Darmstadt Liaui ..... Deutsche Komm. Eammclab I.An leihe Seriel mit Auslos.-Rechten 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Banl Goldpse. 15 unkündbar 618 1935 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Banl Goldvse. 16 unkündbar bis 1936 6¥z% ehem. 4’/i% Frantz. Hyp. Bank-Liqu.-Pfandbriefe ..... 6%% ehem. -l'/:% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.goldpse. ... 6% ehem. 8% Pr. Landospfand briesanstalt, Pfandbriefe »1. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespfand briesanstalt. Pfandbrtcso R. 1< Verrechnungskurs...... .... 4% Oesterreichtsche Goldrente... 4,20% Oesterreichilche Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4V2% deSgl. von 1913.......... Lahmeyer LEo..............io Buderus .................. 156,75 122 77,25 116 62,65 100,5 74,75 117,5 61 69 Deutsche ErdSl .............4 Gelsenkirchener..............0 Harpener...................0 Harsch Eisen—Köln-Neuessen.. 0 Ilse Bergbau ..............7 Ilse Bergbau Genüsse........ 7 Klöcknerwerke............0 ivtannesmann-Rohren........C 6% abgest) Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Aagdaodahn-Anleih. Serie l.................... Franl'uri a. m. Berlui Schluß- kurö Echlußk. Abcnd« börse Schluß« lurS Schluß!, mittag» börse Datum 29.5. 30.5. 29.5. 30.5. Manoieldcr Bergbau....... .. 0 — 25 26 25,5 Kokswerke ................ .. 0 — 84,75 85,9 Phönix Bergbau........... .. c 43 43 42,5 42 Rheinische Braunkohlen .... ..10 200 198,5 200 Rheinslahi.............. .. 0 93,25 95 93 94,9 Bereinigte Stahlwerke...... .. 0 42 41,5 42,25 41,65 Olavi Minen ............. .. 0 18 17,75 18,5 Kaliwerke Aschersleben...... .. 6 — 131,75 129 132,5 Kaliwerke Westeregeln...... .. 6 130 135,5 130 134,75 Kaliwerke Salzdetfurth..... .. P 180 178,5 181,75 I ®. Farben-Jndustrte..... .. 1 130,5 130,75 129,9 131 Scheideonstalt............. ..10 168,5 169 — Goldschmidt .............. .. 0 52,65 53 53 53 Rütgerswerke............ .. 0 58 58,5 57,75 59 MelallgeseUichaft........... 34,5 34,25 34,5 34 Philipp Holzmann........ .. 0 56 56,25 56,5 56,5 Zementwerk Heidelberg .... Cememwerk Karlstadt....... .. 4 .. 0 75,5 ■ - Schultheis Payenhofer...... .. 0 _ _ 126 128,5 Aku (Allgemeine Kunstseide) . .. 0 41 —— 41 41,25 Bemberg............... .. 0 — 49,5 51 49,4 Zellstost Waldhof.......... Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 — 52,5 52,5 52,13 .. 0 — 24 24 25 Dessauer GaS ........... .. 7 — 111,5 112,75 Daimler Motoren.......... Deutsche Linoleum ..... . O . O 30,75 49,25 31,25 49,5 30,5 31,13 49 65 Crenfiein & Koppel ........ Leonhard Tteh............ . O 19,75 48,25 19,75 49,25 19,75 Chade.................... .12 — 166 165 165 Gritzner............... Mamkrastwerke Höchst a.M. . 26,25 27 26,25 Süddeutscher Zucker ....... .8 157 157 156 — Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Banknoten. 29.mal 3O.mai Amtliche Notierung Amtliche Dotierung Geld I 25rier Geld Brie- Helsingiors. 6,284 6,296 6,269 6,281 Wien...... 46.45 46,55 46,70 46,80 Prag...... 12,61 12,63 12,64 12,66 Budapest ... — — — Costa ..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland .... 170,63 170,97 170,68 171,02 csio....... 71,93 72,07 71,78 Kopenhagen. 63,34 63,46 63,14 63,26 Stockholm... 72,63 72,77 72,53 72,67 London ..... 14,205 14,245 14,155 14,195 Buenos Aires 0,853 0.857 0,863 0,867 Neuyork .... 3,581 3,589 3,561 3,569 Brüssel..... 58,89 59,01 58,89 59,01 Italien..... 21,96 22,00 21,98 22,02 Paris..... 16,61 16,65 16,61 16,65 Schweiz ... 81,72 81,88 81,72 81,88 Spanien.... 36,11 36,19 36,14 36,22 Danzig.... 82,77 82,93 82,82 82,98 Japan...... 0,874 0,876 0,874 0,876 Rio de Ian. 0,239 0,241 0,239 0,241 Jugoslawien 5,195 5,205 5,195 5,205 Lissabon.... 12,94 12,96 12,89 12,91 Berlin, 3O.mai Geld Brie? Amerikanische Roten.............. Belgische Noten.................. Dänische Noten ............... 3,525 58,73 62,72 14,115 16,57 170,31 21,86 71,61 2,46 72,35 81.54 36,01 3,545 58,97 63,03 14,175 16,63 170,99 21,94 71,89 2,48 72,65 81,86 36,15 Englische Noten ................. Französische Noten............... Holländische Notdn............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, i 1OO Schilling Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Ungarische Noten................