Nr. 125 Erstes Blatt 185. Jahrgang Mittwoch, 31. Mai 1935 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck vnv Verlag: vrühl'sche UntverstlStr-vuch' und Stetnöruderei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlltraße 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20° , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und fürdenAn- zeigenteil i. V. Th.Kümmel sämtlich in Gienen. 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Die Gestalt des Wcltbankicrs John Pierpont Morgan, des Jüngeren, hat seit Jahrzehnten schon jene mit Scheu und Mißtrauen, Unglauben und wohl auch Reid erfüllte Hochachtung umgeben, die den Namen Morgan über das Menschliche weit hinaushob. Die große Säuberungsaktion, die jetzt auch in Amerika der absoluten Gerechtigkeit zum Siege verhelfen will, hat vor der ins Riesenhafte übersteigerten Gestalt des großen Geldmannes nicht halt gemacht, sie hat ihn vor das Tribunal geholt und das nachgewiesen, was viele vermuteten: John Pierpont Morgan ist auch nur ein Mensch und nicht einer der besten. Wir Deutschen haben allen Grund, uns über diese Bloßstellung des großen Bankiers nicht zu ärgern, denn es ist noch in aller Erinnerung, daß Morgan es war, der bereits am 6. August 1914 einen vollständig ousgcarbeiteten Plan einer amerikanischen Anleihe - Aktion für England herausbrachte. Dr. Arthur Müller hat im Jahre 1915 schon in seinem Buch .Die Kriegstreiber in Amerika" diese Tatsache einwandfrei aufgedeckt. Dieser Morgansch« Plan war damals im Anfang des Krieges die größte Tleberraschung für Amerika. Wilson war noch neutral und verbot jegliche Tlnterstützung eines kriegführenden Landes, auch durch Anleihen. Daraufhin reiste Morgan wenige Monate später nach England, ward in London zum alleinigen Agenten zur Beschaffung von Kriegsmaterial für die Entente gemacht und kehrte heimmit acht Milliarden K r i e g s a u f t r ä g e n in der Tasche, an denen er persönlich erst einmal 2 v. H. = 160 Millionen Goldmark Provision verdiente, um dann mit ihnen sein Hauptgeschäft als Aktionär der in Frage kommenden Firmen zu machen. Schon damals wurde Morgan in Amerika als dieGcfahr für denFrre- 6 en bezeichnet. Als Ende 1915 Deutschland noch nicht unterlegen war, erlangte Morgan seine Bezahlung von England dadurch, daß er die von ihm an England gegebenen Anleihen das amerikanische Volk zu übernehmen zwang. Schon damals hat Dr. Müller in seinem 1915 in Amerika erschienenen Buch, das wir oben anführten, prophezeit, daß Morgan das amerikanische Volk zur Rettung seiner Forderungen an England in Öen Krieg Hetzen werde. Mit dieser Behauptung hat er recht behalten. Aus deutschem Blut hat Morgan sein Gold gemünzt. In brutaler Rücksichtslosigkeü ging er seinen Weg, skrupellos immer nur an sich und seine Unternehmungen denkend. Jetzt ist der merkwürdige Glanz, der ois nun den Namen Morgan umleuchtet hatte, verschwunden. Das amerikanische Volk selbst hat in seinem begrüßenswerten Gerechtigkeitssinn den Zauber zerbrochen und den großen Bankier unter Die Neuordnung -er Evangelischen Kirche. D. von Bodelschwingh spricht vor -er presse über seine Absichten und Ziele. Berlin. 30. Mai. (TTl.) Der Evangelische Deichsbischos D. Friedrich von Bodel- s ch w i n g h hatte Dienstagmittag die Vertreter der Presse zu sich gebeten, um über seine Aufgaben zu sprechen. Wir sind, so führte er u. a. aus, auch in der Kirche Kinder des heutigen Geschlechts und es schallen in unserem Innern die Fragen und Sehnsüchte der heutigen Zeit. Wir haben die Aufgabe, an diese Fragen und Sehnsüchte heranzutreten. Daher ist es für uns selbstverständlich, daß wir in tiefer Kraft teilnehmen an der n»uen Bewegung, die unserer Zeit und»unserem Geschlecht gegeben ist. Indem wir uns in diese Bewegung auch von der Kirche her hinein- st e l l e n. hoffen wir. daß die Kirche eine freie Bundesgenossin des sich erneuernden Staates und Volkes werden kann, Tlnsere Kirche hat von ihrem Recht, zu bitten und vielleicht auch hier und da einen mahnenden Finger aufzuheben. Gebrauch zu machen. Bei aller Ehrerbietung vor der Geschichte wollen wir aber nicht Hüter überalterter Formen sein. D. von Bodelschwingh erklärte weiter, er werde seine bisherige diakonische Arbeit und das in Bethel Gelernte nicht verleugnen. Er habe in Bethel Dienst an der NeugestaI - t u ng des Volkes getrieben. Das letzte Ziel der dortigen Arbeit liege auf dem Gebiet der S i e d- l u n a. Was er dort g^ernt und erlebt habe, gebe ihm für die Zukunft unseres Dolkes und unserer Jugend einen frischen und sehr frohen Mut. Eine weitere Richtlinie für ihn sei d i e Schulung der Pfarrer und Laien entsprechend den Fragen der Gegenwart. Bei dieser Arbeit, fuhr der Reichsbischof fort, bin ich entschlossen, dafür zu sorgen, daß auchdieLei- tung der Kirche so gestaltet wird, daß sie den neuen Aufgaben gewachsen ist. Ich werde hier und da die Bitte aussprechen müssen, daß alte bewährte Mitarbeiter, denen wir in Dankbarkeit verbunden sind, jüngeren Kräften Raum machen. Sollte irgendwo in der Kirche sich zeigen, daß Männer, ob es Theologen oder Laien sind, den Gefahren unserer Zeit innerlich nicht gewachsen sind, würde ich rücksichtslos für Sauberkeit unseres kirchlichen Lebens sorgen. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe bin ich entschlossen, allen Kreisen und Bewegungen, die in unserer Kirche lebendig sind, die brüderliche Hand zu reichen. Ich sage dies insonderheit und mit starker herzlicher Bewegung von der Glaubens- Bewegung „Deutsche C h r i ft e n ". Ich hoffe, daß über Meinungsverschiedenheit hinweg eine Verbundenheit der Arbeit uns geschenkt werden möchte in der Gewißheit, daß es sich hier nicht um Personen handelt, nicht um menschliche Ehre, sondern um letzte große Ziele, die jenseits der Grenzen irdischer Geschichte liegen. Ich habe noch gestern abend mit Wehrkreispfarrer Müller gesprochen und er stimmte mir zu. daß diese Erneuerung unserer Kirche, sofern sie Kampf fordert, mit geistigen Waffen geführt wird. Auf verschiedene Fragen erklärte D von Bodel- schwingh, daß in dem geistlichen Ministerium die lutherische, reformierte und unierte Kirche nicht gewaltsam zusammengeschweißt werden sollten, sondern jede solle in dem nächsten Mitarbeiterkreis des Reichsbischofs ihre Vertretung haben. An der Verfassung der nationalen Synode werde bereits gearbeitet und der Rohbau der Verfassung werde in einigen Tagen vor- gelegt werden können. Bodelschwingh erklärte noch, daß er sich in seiner gestrigen Unterredung mit dem Wehrkreispfarrer Müller nach dessen Potsdamer Rede dahin verständigt habe, beide wollten versuchen, in Zusammenarbeit mit den Bevollmächtigten der Kirche einen Weg zu finden, der in die Zukunft führt. Wehrkreispsarrer Müller beim Reichskanzler. Berlin. 31.7Nai. (OB.) Reichskanzler Adolf Hiller empfing gestern den Wehrkreispfarrer Bl ü l l e r zu einer Unterredung. In der Besprechung ergab sich, wie mitgeteilt wird, die völlige Einmütigkeit in der Beurteilung der schwebenden Fragen. • Wie die Reichsleitung der Glaubens- bewegung Deutsche Christen mitteilt, ist die Auffassung der hinter dem Kapler-Ausschuh stehenden Kreise, daß der Äapler-Ausschuß ohne weiteres ermächtigt 'gewesen sei, mit Zustimmung eines Teiles der gesetzlichen Vertreter der Landeskirchen den Pastor Bodelschwingh a 1 s Reichsbischof auszurufen, irrig. Vielmehr ist die Frage, ob die Ermächtigung des Kap- ler-Ausfchuffes und der führenden Mitglieder der Kirchenregierung derart weit geht, sehr b e ft r i t • t e n. Die rechtlichen Grundlagen dieser Fragen werden zur Zeit eingehend geprüft. Das Ergebnis tiefer Prüfung wird bereits in den nächsten Tagen vorliegen. Aus den Kreisen, die der Ernennung Friedrich v. Bodelschwinghs oppositionell gegenüberstehen, wird ferner mitgeteilt: D. Friedrich v. Bodelschwingh richtete gestern an die Berliner und der in Ser- lin vertretenen Provinzpresse eine Einladung zu einer Konferenz, wobei er sich als den evangelischen Reichsbischof bezeichnete. Dazu wird mitgeteilt, daß mit Rücksicht auf die ein- schlägigen rechtlichen Verhältnisse Die Bezeichnung „Der Evangelische Reichsbischof" verfrüht ist, weil die Stellungnahme vom Kirchenoolk und von der Reichsregierung noch aussteht. Kundgebung des Sfudenfen- lampfbundes Deutscher Christen. Berlin, 30 Mai. (ERB.) 2m Auditorium Maximum der Berliner Universität fand am Montagabend die erste Kundgebung der H o ch • schulgruppe des Etudcntenkarnpf- bundcs Deutscher Christen mit anschließender freier Diskussion statt- Der Reichsleiter der Glaubensbewegung Deutscher Christen, Pfarrer Hossenselder, führte u. a. aus: Der Marxismus hat in das kirchliche Leben eine schwere Bresche geschlagen, bis ihm im Rationalsozialismus eine kriegerische und kämpferische Gegenbcwegung erstand. Die neue Zeit tritt ein für d i e objektiven Lebensmächte gege n Liberalismus, Individualismus und Subjektivismus. Die objektiven Lebensmächte, die für die Zukunft bestimmend sein werden, heißen Rasse und Evangelium. Rasse ist die schöpferische Lebensmacht, die das Volk schafft, Evangelium die schöpferische Macht, die Kirche und Gemeinde schafft. Aufgabe der Glaubensbewegung Deutscher Christen ist es, die Kirche stark und einig zu machen. Sie muß, entsprechend dem Führer- Prinzip. eine bischöfliche Verfassung haben. Der Redner forderte als Spitze der Kirche einen Mann, der das Vertrauen der Kirche und der nationalsozialistischen Bewegung Zum Gedächtnis der Skagerrak-Schlacht- Reichspräsident von Hindenburg nimmt im Hof der Reichskanzlei die Meldung der Ehrenwache entgegen, die am Skagerrak-Tage von der Reichsmarine gestellt wird. Skagerrak-Gedenkfeier am Marine-Ehrenmal in Laboe. Kiel, 31. Mai. (TU.) Anläßlich des Skagerrak-Tages veranstaltete der Marinestandort Kiel Dienstagabend am Ehrenmal in Laboe eine eindrucksvolle Gedenkfeier, zu der alle Truppenteile und der Chef der Reichsmarine sowie die Schutzpolizei, SA., SS., DSBO., ferner der Stahlhelm und die Marine- und Kriegervereine Abordnungen entsandt hatten. Der Chef der Marinestation, Vizeadmiral Albrecht, der zu den wenigen Männern der Reichsmarine gehört, die schon bei der Schlacht am. Skagerrak in führender Stellung entscheidend für den Er- folg der deutschen Flotte eingegriffen hatten, hielt eine Ansprache, in der er ausführte, daß wir hier an historischer Stätte der Gefallenen der Marine im Weltkriege gedenken dürfen. I 1569 Offiziere und Militärbeamte, 8067 Deck- I offiziere und Unteroffiziere und 25 197 Mannschaften der Kaiserlichen Marine seien a l S tapfere Soldaten und Seeleute getreu ihrem Eid unter der alten ruhmreichen Kriegsllagge gefallen. Hier in Laboe, an der gleichen Stelle, wo früher der mächtige Panzerturm, den jetzt unbefestigten Kieler Hafen schützte, sei durch freiwillige Spenden der Marinevereine, der Reichsmarine und vieler vaterlandsliebender Männer ein mächtiges Denkmal entstanden, das dem Seefahrer schon von weitem zeige, daß unsere Toten nicht vergessen sind. Wir wissen, so erklärte der Stationschef, daß ihr Toten das innere Band seid für die neue Volksgemeinschaft, die durch unsere Führer, den Reichspräsidenten Generalfeldmarschall v. Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler neu begründet wurde. Mit einem dreifachen Hurra auf das deutsche Vaterland schloß der Redner seine Ansprache. Mit dem großen Zapfenstreich fand die Veranstaltung ihren Abschluß. Kontrolle gestellt. Der Einfluß John Pierpont Morgans, den er Jahrzehnte lang und immer zum Schaden des deutschen Volkes ausüben durfte, wird nach dieser Aktion, deren trauriger Mittelpunkt er selbst war und noch ist, trotz all seines Geldes niemals mehr jene Bedeutung erlangen, die er einst in der ganzen Well hatte. So ist es gewissermaßen ein Nachruf, wenn hier noch kurz der Werde- gang des Bankiers Morgan, des Jüngeren, skizziert wird. Morgan ist der Typus des kämpfenden „Seeräubers", der durch feine starke persönliche Kraft feine Umgebung zu beherrschen weiß. Durch Gewalt schüchterte er feine Gegner ein, und mit Schrecken bahnte er sich feinen Weg. Seine Jacht nannte er „Corsar", das ist für ihn ebenso bezeichnend wie fein durch eine krankhafte Entstellung blutrot gefärbtes Gesicht. Beides paßt in diese moderne gigantische Räuberpersönlichkell. Mit einem Erbe von 40 Millionen Mark begann er seinen Weg, im Vergleich zu dem Sermöcjen, das er selbst dann hinzu erwarb, eine lächerliche oumtne. Der Weg führte über Eisenbahnfpekulationen, Waffengeschäfte, große Bankunternehmungen und „Reorganisationen von Eisenbahnen". Morgans kühne Durchbrechung der Antitrustgesetzgebung im Jahre 1889 kennzeichnet die ungeheure Macht und die hem- I mungsloje Geldmacherei deutlich. Auch auf dem Ge- I biete der an die Eisenbahnnetze, die er beherrschte, angeschlossene Kohlenförderung bildete Morgan bald einen der verbotenen Ringe und war so im Besitze der tatsächlichen Macht über das Wirtschaftsleben der Union. Klassisch für den Machtstand Der 'Diorgangruppe wurden die Plünderungen des Staafs gelegentlich der Ausgabe von Goldobligationen in den Jahren 1894 und 1895. Geschickte Winkelzüge mit Staatsbankscheinen und Banknoten ließen Die großen Bankiers ihre Goldbestände erheblich aus- füllen. Die Staatskassen gerieten in Geldverlegen- hell. Nun kam Morgan und bot der Regierung großmütig Obligationen an. Das Parlament spürte die unheimliche Macht und das Unheil für das Volk, aber alle Warnungen halfen nichts. So kam Faden um Faden in Die Hand Morgans. Nicht umsonst sagte Präsident Cleveland einmal, allerdings nur privat: „Die Banken haben das Land bei der Gurgel." 1901 war die Macht Morgans ungeheuer. Ohne Hall ging sein Raubzug weiter, aber erst Der Weltkrieg sah ihn auf Dem Gipfel feiner Macht. Hearst, der amerikanische Zeitungskönig, hatte ihn oft angegriffen und einmal gesagt: „Morgan ist ein britischer nicht minder als ein amerikanischer Bankier — gewissermaßen der britische Mini ft er für amerikanische Angelegenheiten." Das bewies die folgende Zeit, Die wir schon oben kurz kennzeichneten. Als offizieller Fiskalagent Der alliierten Regierungen entwickelte er Damals unheimliche Macht. 2200 Banken schloß er 1915 zusammen, um Die erste große Kriegsanleihe Der europäischen Westmächte zu finanzieren. Er war Der große politische Bankier Des Weltkrieges. Er verschob Die finanzielle Schwerpunktslage von London nach Neuyork und festigte damit die Weltmacht seines Hauses. Auch nach dem Kriege blieb er Der Hauptbankier Der Alliierten. Nach Ausbruch Des Krieges pumpte er RußlanD 12 Millionen Dollars, 1915 erhielt Frankreich eine neue Morgan-Anleihe in Höhe von 50 Millionen Dollars. Weltpolitischen Einfluß allerersten Ranges gewann er durch feine Beteiligung an der Stabilisierung Des französischen Francs und durch seine Teilnahme an Den Beratungen Des Dawes-Plans. Die Francs-StüNungsanleihe ist im Sommer 1924 in Höhe von 200 Millionen Dollars gewährt worden. In den letzten Jahren hat Morgan dann die 200 Millionen Dollars Der deutschen Dawes-Anleihe aufgelegt Dagegen lehnte er Die Vermittlung privater Anleihen an deutsche Jndu- strieunternehmungen stets ab. Auf den Gipfel seines politischen Welleins'luffes stieg er im Januar 1929 mit der Wahl zum Sachverständigen im zweiten Dawes-Komitee. habe, und nicht einen, Ser als „Märzgefallener" zu ihnen gekommen sei. Der Reichsleiter des Studentenkampfbundes in der Glaubensbewegung Deutscher Christen, Pfarrer H o f f, wies darauf hin, das; die Träger dieser Bewegung als bewuß-te Revolutionäre auch in die Kirche h i n e i n g e g a n g e n seien. Sie hätten das Rbstsrben dieser Kirche erlebt und wollten sie wieder zu einer Volkskirche machen. Rur durch eine Revolution in der Kirche könne das revolutionäre Volk seine Heimat in der Kirche wiederfinden. Jahrelang gab es eine Flucht aus der Kirche, und jetzt hat eine Flucht in die Kirche eingesetzt. 2ln allen Universitäten würden jetzt solche Stu- dentenkampfbünde ins Leben gerufen. Eine kommunistische Zersetzungszentrale aufgedeckt Berlin, 30.Mai. (MTB.) Auf einer Veranstaltung der Gesellschaft „Rationaler Bild- dienst" brachte der Leiter der nationalen Abwehrstelle gegen kommunistische Umtriebe, Walter K o r oti, sensationelles Material über kommunistische .Umtriebe zur Kenntnis, das in einem Bildband „Brandfackeln über Deutschland" Verwendung finden soll. Bei der Durchsuchung einer durch Zufall als Eigentum des bisherigen kommunistischen Abgeordneten Grylewicz ermittelten Laube wurden Beweismittel dafür gefunden, daß Leo Trotzki nicht als armer aus seinem Vaterland verbannter kranker Mann in Stambul lebte, sondern dah er von Stambul aus als das Haupt der antifaschistischen Einheitsfront aktiv tätig war und den deutschen Kommunisten fortgesetzt Anweisungen über Vorbereitung und Durchführung des Bürgerkrieges in Deutschland erteilte. Besonders aufsehenerregend wirkt eine weitere Enthüllung, daß in einem Gebäudekomplex in Berlin, der der Evangelischen Kirche gehört, und in dem sich auch eine Kirche befindet, jahrzehntelang erst Karl Liebknecht und dann der spätere kommunistische Reichstagsabgeordnete P f e m f e r t ein bolschewistisches Zersetzungshaupt, quartier unterhielten. Durch Alarmanlagen stand dieses Quartier in unmittelbarer Verbindung mit einem zehn Häuser weiter gelegenen Keller, der als Lager und Ausgaberaum für die Zersetzungsschriften diente. Pfemfekt, der nach Ddarienbad geflüchtet ist, hat von diesem evangelischen Kirchenhause aus nicht nur währenb des Weltkrieges feit 1914 Versuche zur Zersetzung der deutschen Armee unternommen, sondern er hat auch, von dort aus nachweislich Verbindung mit kommuni ft ischen Organisationen in anderen Ländern, vor allem in den Vereinigten Staaten, unterhalten. Reichsminister Goebbels in Hom. R o m , 30. Mai. (TU.) Reichsminister Dr. Goebbels und seine Mitarbeiter unternahmen am Dienstagoormittag zunächst eine Kraftwagenfahrt nach ßittoria. Die Herren besichtigten eingehend die neugeschaffene Gemeinde und das ganze Gebiet, das die Arbeit des Faschismus den Pontinifchen Sümpfen entrissen hat. Anschließend wurden die Albaner Berge besucht, wo das staatliche italienische Filminstitut Luce und das internationale Lehrfilminsti- t u t des Völkerbundes dem Minister in der berühmten früher dem deutschen Kaiser gehörenden Villa F a l c o n i e r e ein Frühstück gaben. Um 15 Uhr traf Dr. Goebbels wieder in Rom ein, wo er zunächst die Arbeitsräume der Luce besichtigte und dann verschiedene Feierabendeinrichtungen der Stadt besuchte. Gegen 18 Uhr begab sich der Reichsminister in das I n st i t u t f ü r germanische Studien, in der früheren Villa Sciara. Anschließend besuchte er noch den Parteisekretär S t a r a c e im Palazzo Littorio und über- brachte ihm ein in Leder gebundenes Exemplar von Hitlers „M ein Kampf'. Nach dem Besuch wurden Goebbels im Hof und auf der Straße von Jungfaschisten begeisterte Ovationen dargebracht. Die Jungfaschisten hoben in ihrem Jubel den Reichsminister auf die Schultern und trugen ihn zur Ehrenhalle der gefallenen Faschisten, in der Dr. Goebbels nach völligem Verstummen des Beifallssturmes einige Zeit in ehrfurchtsvollem und ergriffenem Schweigen verweilte. Am Abend gaben zu Ehren des Reichsministers und seiner Gattin der deutsche Botschafter und Frau von Hassel! ein Essen, an dem u. a. auch der italienische Regierungschef teilnahm. Nach dem Essen fand in der Botschaft ein Empfang unter Beteiligung einer großen Anzahl italienischer und deutscher Persönlichkeiten statt. Tagung derGaukamps bundsührer des Deutschen Wirlschastsbundes Dr.von enteilt über die Ziele des Bundes Berlin, 31. Mai. (ENB. Funkspruch.) Im Anschluß an den Empfang der Reichsstände des Han- dels und des Handwerks durch Reichskanzler Adolf Hitler fand eine Tagung der Gaukampfbund- führer des Deutschen Wirtschaftsbundes (bisher Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes der NSDAP.) statt, in der der Reichsführer Dr. von Renteln die dem Deutschen Wirtschaftsbund gesteckten Ziele darlegte. Der Deutsche Wirtschaftsbund werde seine besondere Aufgabe darin sehen, dw s Unternehmertum im nationalsozia- listischem Seifte zu erziehen. Dagegen solle es nicht Aufgabe des Bundes fein, aktive Wirtschafts- oder Sozialpolitik zu betreiben oder irgendwie in die Befugnisse der Berufsverbände einzu- greifen. Auch eine ausschließliche oder bevorzugte Erteilung von Behördenaufträgen an Mitglieder dieses Bundes komme nicht in Betracht. Am Abend des gleichen Tages fand eine Massenkundgebung des Deutschen Wirtschaftsbundes in den Tennishallen statt. Reichskampfbundführer Dr. von Renteln hob hervor, der Deutsche Wirtschaftsbund werde noch intensive nationalsozialistische Aufklärungsarbeit in der Wirtschaft leisten, um endlich eine Wandluna der Wirtschaftsgesinnung in Deutschland zu erreichen. Die vielfach mißverstandene Erklärung von Dr. Ley über das Schicksal der Konsumvereine erläuterte Dr. von Renteln u. a. dahin, daß d i e Konsumvereine zu Genossenschaften derjenigen Volksschichten umgewan- delt werden sollen, denen in der Volkswirtschaft d i e Aufgabe der Güterverteilung zufalle, also in Zusammenschlüsse d e r mittel- ständischen Betriebe. Der Nationalsozialismus werde allerdings nicht kostbares Volksgut zer- schlagen, sondern den Wandlungsprozeß so durchführen, daß die Ersparnisse der Arbeiter voll gesichert bleiben. Unerhörte Provokation im Polen-Hafen Gdingen. Ein deutsches Schiff mit Steinen beworfen und die Hakentrcuzflaggc zerrissen. Danzig, 31. Mat. (TU.) Der deutsche Dampfer „Sylt" der Hamburger Reederei Ruß wurde kurz nach dem Einlaufen in den Obinger Hasen von einer großen Anzahl Polen mit Steinen beworfen. Als der Dampfer dann an einem der Ufer festgemacht hatte und später seinen Liegeplatz wechseln mußte, folgten ihm die Polen und eröffneten ein erneutes Bombardement. Als der Dampfer an feiner neuen Liegestelle festgemacht hatte, sprang einer der Polen an Bord des Schiffes und durchschnitt das am Fahnenmast befestigte Seil, so daß die See- und Hakenkreuzflagge herunterfielen. Die Hakenkreuzflagge warf der Pole an Land, wo sie vollstänbigzerris- s e n wurde. Polizeibeamte, die diesen Vorgang beobachtet hatten, entfernten s i ch. Später ging dann der Kapitän der „Sylt" an Land und sorgte dafür, daß polizeilicher Schutz herbeikam. Die Polen versprachen, die durch die Steinwürfe verursachten Beschädigungen des Schiffes ßu ersetzen und ferner die neue Hakenkreuzfahne zu bezahlen. Der Dampfer fuhr dann am Dienstag nach Danzig und konnte sich hier eine neue Hakenkreuzfahne beschaffen. Oesterreichische Gegenmaßnahmen. Wien, 31. Mai. (WTB. Funkspruch.) Wie die „Reichspost" erfährt, werden die österreichischen Maßnahmen gegen die deutsche Grenzsperre zunächst in der Einführung eines Ausreiseverbotes nach Deutschland bestehen. Die zweite Maßnahme wird sich zugunsten der notleidenden Gastwirtschaften auswirken. Das österreichische Gastwirtschaftsgewerbe, welches auf den Fremdenverkehr mit Deutschland angewiesen ist, wird den vollen Schaden, der ihm aus der deutschen Grenzsperre erwächst, nach Maßgabe des Ertrages des vorjährigen Fremdenverkehrs aus Deutschland, der mit zirka 10 Millionen Schilling berechnet wurde, erseht bekommen. Don diesen 10 Millionen Schilling werden 5 Millionen Schilling sofort ausgezahlt, 2,5 Millionen im Laufe des Herbstes, und der Rest soll in Form von Steuerabschreibungen zurückerstattet werden. Als 3. Gegenmaßnahme gegen die deutsche Grenzsperre nennt die „Reichspost" die Einführung einer Verrechnung der Ein- und Ausfuhr zwische n Oe st erreich und Deutschland, mit deren Hilfe Oesterreich ein Gleichgewicht zwischen der Ein- und Ausfuhr von und nach Deutschland herzustellen gedenkt. Meine politische Nachrichten. Der Staatssekretär im preußischen Justizministerium, Hölscher, wird mit seiner Zustimmung zum Kammergerichtspräsidenten und der Rechtsanwalt Dr. Roland Freister zum Staatssekretär ernannt. Zu Ministerialdirektoren werden ernannt: Der Senatspräsident beim Kammergericht Dr. Max Nadler und der Landgerichtsdirektor Dr. Wilhe'm Crohne vom Landgericht III Berlin. Der Oberlandesgerichtspräsident Dr. Bernhard Hempen in Frankfurt am Main wird mit seiner Zustimmung zum Senatspräsidenten beim Kammergericht und der «e° natspräfibent Otto Stabeimann in Frankfurt a. M. zum Oberlanbesgerichtspräsidenten in Frankfurt am Main ernannt. Zum Oberlanbesgerichtspräsidenten in Kassel wurde ernannt: der Lanbgerichtsdirektor Dr. Kurt Delitzsch in Kassel. DerPreußische Ministerpräsident hat durch Runderlaß die Aufhebung der Beamtenoer- tretungen für sämtliche Zweige der preußischen Staatsverwaltung angeordnet. In dem Erlaß, nach dessen Grundsätzen auch die Gemeinden und Gemeindeverbände hinsichtlich der etwa bei ihnen eingerichteten Beamtenoertre- tungen zu verfahren haben, wird erklärt: In dem neuen durch die nationale Revolution geschaffenen Staat besteht ein Gegensatz zwischen der Beamtenschaft und den Leitern der Behörden nicht mehr, so daß es der Beamtenausschüsse nicht mehr bedarf. Auf dem in München abgehaltenen außerordentlichen N o t a r t a g, an welchem mehr als 300 Notare aus allen Gauen Deutschlands teilnahmen, wurde die Ueberführung des Deutschen Notarvereins und der ihm angeschlossenen San- besvereineindenBundnationalsozia- listifcher deutscher Juristen sowie eine Anpassung der Satzungen an die Forderungen des nationalsozialistischen Staates, insbesondere durch die Einführung des Führerprinzips einstimmig beschlossen. , • Eine Versammlung der Jenaer Kampfgruppe Deutschnationaler Studenten, in der die Frage der Gleichschaltung der Korporationen zur Sprache kommen sollte, wurde auf Der- anlaffung des thüringischen Ministeriums verboten, ebenso eine geschlossene Mitgliederversammlung der Deutschnationalen Studenten und der Angehörigen der Deutschnationalen Front. ♦ Der deutschnationale Reichstagsabgeorbnete Dr. Stäbler hat seinen Austritt aus ber beutfchnatio- naten Reichstagsfraktion unb aus ber Deutschnationalen Front erklärt unb in einem Schreiben an ben Fraktionsführer ber nationalsozialistischen Reichstagsfraktion, Reichsinnenminister Frick, um Aufnahme in bie nationalsozialistische Fraktion gebeten. Wie bie beutschnationale Pressestelle bazu mitteilt, hatte bie Fraktion ihre scharfe Mißbilligung über feine parteischäbigenben Äußerungen in seiner Zeitschrift ausgesprochen. Stäbler war in Wort unb Schrift für bas Aufgehen ber Deutsch- nationalen in bie nationalsozialisti- s ch e Bewegung eingetreten, nachbem er noch im Dezember bie Nationalsozialisten in den schärfsten unb herabsetzenbsten Formen angegriffen hatte. Aus aller Wett. Bergrutsch im Kreise Bernburg. Hochwassergefahr der Saale. Line schwere Naturkatastrophe ereignete sich Mittwoch vormittag bei L a t d o r f im fireife Bernburg. DiefialkbergebeiLiserfurth sind in einer Breite von 500 Metern in die Saale ge- ru tschl und haben das Bett des Flusse« vollkommen gesperrt, so daß die Saale ihren Lauf durch die Große Aue nehmen muß. Das wasser stieg Innerhalb 20 Minuten um y2 Meter. Ringsumher besteht kilometerweit große Hochwassergefahr. Die Katastrophe ist vermutlich auf die ungeheuren Regenmengen zuruckzuführen, die in den letzten 48 Stunden niedergingen. Lin korsischer Banditenhäuptling nach 11 Jahren gefangen. Der berüchtigste aller korsischen Danditen der letzten Jahrzehnte, Andre Spada, der sich seit elf Jahren in das sogenannte „Maquis", d. h. in das unwirtliche und bergige Innere Korsikas zurückgezogen hatte, von wo aus er die gesamte Bevölkerung terrorisierte, ist in unmittelbarer Rühe seines Heimatortes Coggia in der Rähe von Ajaccio von der Gendarmerie verhaftet worden. Die vielen Verbrechen Spadas und seiner Helfershelfer hatten im vergangenen Jahre zu einer militärischen Expedition nach Korsika geführt, wo die Truppen im Verein mit der Gendarmerie und einigen Torpedobooten, die die Küste bewachten, die ganze Insel durchsuchten. Damals gelang es eine Reihe der Banditen zu verhaften. Spada aber, der Führer der wohlorganisierten Bande, konnte entkommen, wobei er die Unterstützung der verängstigten Bevölkerung sand, die seinen Rache- drohungen entgegen wollte. Es scheint, als ob der berüchtigte Verbrecher nicht mehr geistig normal war. Schon fett einigen Tagen irrte er halbnackt in der Gegend seines Heimatdorfes umher. Oft sah man ihn mit einem Holzkreuz in der Hand betend vor der Kirche knien. Aber niemand getraute sich ihm zu nähern, da er stets mehrere geladene Revolver bei sich trug. Bei seiner Verhaftung leistete er keinerlei Widerstand. verwegener Ausbruch amerikanischer Gefangener. In Lansing (Kansas) brachen zehn Strafgefangene, die sich auf noch ungeklärte Weise in ben Besitz von Waffen gefetzt hatten, währenb eines Baseballspieles, bem sie als Zuschauer beiwohnten, aus bem Gefängnis aus. Sie entführten ben Vorsteher ber Strafen ft alt unb brei Wärter. Ein vierter Wärter wurde vcrwunbet. Es gelang ber Banbe, im Kraft- wagen bes Vorstehers zu entfliehen. Unterwegs hielten bie Verbrecher zwei Prioatkraftwagen an, verjagten bie Fahrer unb fetzten bie Flucht fort, wobei sie bie Frau unb bie beiben Töchter bes einen Kraftwagenbesihers gleichfalls entführten. Die gesamte Polizei ber weiteren Umgebung von Lansing ist zur Verfolgung aufgeboten worben. Die Suche nach ben Verbrechern wirb m i t Flugzeugen unb Kraftwagen burchge- führt. Von ben Häftlingen waren 7 wegen Morbes, Bankraubes ufw. auf Lebenszeit oerur- teilt. Die Entführten benutzten sie als Schutzschi l b e gegen bie Kugeln ber Verfolger. Aus der provinzialhaupistadl. Oer Zirkus war in der Stadt... Am Montagmorgen tauchten in unseren Straßen merkwürdige Gestalten — Menschen und Tiere — auf, bie alle einem bestimmten Ziele, bem Platz an ber Volkshalle zustrebten. Allerlei Getier zog burch bie Straßen, geführt von Menschen, bie unter Afrikas Sonne geboren sein mögen. Da sah man bas heiliae Rind Indiens mit den breitauslabenden, wunderschön" geschwungenen Hörnern: da schritten Kamele unb Dromedare fürbaß unb ließen sich burch kein noch so aufgeregtes Klingeln ber Rabfahrer, ber Straßenbahnen ober bas Hupen ber Autos aus bem Gleichgewicht bringen, ba trotteten kleine unb kleinste Pferdchen neben ihren zum Teil noch kleineren Führern her: bas Lama chritt stolz erhobenen Kopfes und schien über alle Imgebung erhaben zu fein; Elefanten wuchteten chier lautlos ihres Weges, willig den Führern olgenb. Der Zirkus Krone wollte ein Gastspiel geben und — Triumph ber Organisation — er begann es noch am gleichen Abenb. Gestern nachmittag füllten bie Kinber bas Riesenzelt mit ihrem Staunen unb Lachen, gestern abenb folgten mit gespannter Aufmerksamkeit bie Erwachsenen ben Vorgängen in ber Manege — unb heute morgen war ber ganze Spuk — verschwunben ... Zur Stunbe wirb bas riesige Viermastenzelt bes Zirkus Krone bereits in Eise- nach aufgebaut. Roch gestern um 23 Ufnr warfen die Scheinwerfer ihre grellen Strahlen in die Manege und die Artisten vollführten ihre halsbrecherischen Künste im Glanz des Lichts, als auf dem Platze um das große Zelt herum längst ein sehr geschäftiges Treiben begonnen hatte: der Abbruch. Eine Anzahl Wagen stand schon fertiggepackt bereit, überall waren eifrige Hände am Werk, und bereits am frühen Abend (die Vorstellung hatte kaum begonnen) rollten die ersten Wagen wieder dem Bahnhof zu. Es war ein phantastischer Anblick, als bann zu später Stunde die Pferde in scheinbar ungeordneten Rudeln durch die Straßen drängten, geleitet nur hin und wieder von einem befehlenden Zuruf; es war ein schier unwirkliches Bild, als die Elefanten zum Aufbruch gerüstet bereitstanden und dann im Lichte ber Straßenlampen und unter Bäumen massig und schwere Schatten werfend, bedächtigen Schrittes durch die abendlichen Straßen schritten. Wohl viele blieben stehen und folgten dem seltenen Schauspiel, das sich den Augen bot. So, wie sie gekommen waren, Mensch, Tier und unendliche Fülle des Materials, so verließen sie die Stadt wieder. Als beut? morgen die Sonne aufging, stand kein Zelt und kein Wagen mehr auf dem Platz vor der Volkshalle... Keine Erhöhung der Zuckerpreise. Der Reichskommissar für Preisüberwachung gibt bekannt: In einigen Städten würben Gerüchte verbreitet, baß wegen angeblicher Zuckerknappheit ber Zuckerpreis steigen werbe. Diese Gerüchte entbehren jeher Begrünbung. Zucker ist reichlich in Deutschlanb vorhanben, so baß für Preissteigerungen kein Anlaß besteht. Oie Verwendung von Speisefetten. Amtlich wirb mitgeteilt: Im Hinblick auf ben zu erroartenben gesteigerten Pfingstverkehr unb um unliebsame Geschäftsstörungen zu oermeiben, wirb nochmals mit Nachbruck barauf hingewiesen baß Ga st wirtschaften jeher Art, ferner Bücke- reien, Konbitoreien unb sonstige Verkaufs- stellen von frischen Back- unb Konbitorwaren burch Verorbnung vom 13. April 1933 verpflichtet [inb, burch besonberen Aushang bem Verbraucher deutlich sichtbar zu machen, ob in ihren Betrieben Margarine, Kunstspeisefette, gehärtete Speise- ole, Pflanzenfette ober gehärteter Iran unb wel- ches bieser Fette bei ber Herste11ung ber Speisen o.ber Backwaren ver wende t w i r b Entsprechenbe Hinweise müssen beutlidi s'chtbar auf ben Speisekarte^, Preisschilbern ober Preisverzeichnissen angebracht werben. Zur Durchführung bieser Vorschriften setzt vom 31. Mai 1933 ab eine verschärfte Kontrolle ber in Frage kommenden Betriebe ein. Wer einer ber Bestimmungen fahrlässig ober vorsätzlich zuwiberhanbelt, wirb mit Gelbstrafe bis zu 10 000 Mark bestraft. Um bie Verwirklichung ber nationalwirtschaftlichen 3,.eIev.berm9tei^5re9,erunfl sicherzustellen, wirb hier- mlt b.e Bevölkerung bes Reiches gebeten, bei ber Durd)fubrung dieser Kennzeichnungspflicht für Aus- lanbsfet e zur Sicherung bes Absatzes ber beutfchen Fette mitzuwirken. Bekanntwerdenbe Verstöße gegen b.e Kennzeichnungspflicht werben zweckmäßigerw?ise nifgete^ilt nat^ en Palizeibehörbe zur Nachprüfung Borrrotizcn. TaSeskalenber für Mittwoch: Stabt- theater, 19.30 bis 22.30 Uhr, „Sthlageter" __ 2Jla« rmeoerein Gießen 20 Uhr, Cafs Liib, Skagerrak- gebenkfeier. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Ich bei Tag unb bu bei Nacht". ö im« Stabttheaterbureau touö uns geschrieben: Heute. 19-30 älhr. letzte Vorstellung der Spielzeit 1932/33 und letzte Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. Unter der Spielleitung von Intendant Dr. P rasch Auf- Führung des Schauspiels „Schlageter" von Hanns Johst in der Besetzung der Erstaufführung. Rach Schluß der Vorstellung findet auf der Bühne eine kurze öffentliche, in schlichtem Rahmen gehaltene Abschiedskundgebung für den scheidAiden Intendanten Dr. Rolf P r a s ch statt. Es werden sprechen: Bürgermeister Dr. Hamm und Intendant Dr. Rolf P rasch. Gewöhnliche Preise. Ende der Vorstellung 22 30 Tlhr. Pensionierung als nationale Tat. Unter besonderer Würdigung bes im nationalen Interesse bekundeten Opfersinns treten weiter folgende Lehrpersonen in den Ruhestand: Techn. Lehrerin Mathilde L o s e k a rn, Alsfeld, Rektor Otto Kampf, Bingen-Büdesheim, Lehrer Michael K e i l m a n n, Lampertheim, Lehrer Jakob Köhres, Bersrod, Lehrer Georg Kohlbacher, Langen, Rektor Georg Gröninger, Worms, Lehrer Philipp Mayer, Offenbach a. M., Techn. Lehrerin Liddy Schreiber, Gießen, Lehrerin Luise Götz, Alsfeld, Techn. Lehrerin Elisabeth Jünger, Dietzenbach, Techn. Lehrerin Eva Bauer, Klein-Auheim, Lehrer Johann Vonderschmidt, Darmstadt, Rektor Karl Becker, Dietzenbach, Lehrerin Susanne Herrmann, Mühlheim, Techn. Lehrerin Anna Mahr, Offenbach a. M., Lehrer Philipp Hofmann, Offenbach a. M., Lehrer Emil Buß, Darmstadt, Lehrer Ludwig Dieterich, Darmstadt, Lehrer Karl Koch, Rödgen, Lehrer Ludwig Degen, Mainz, Rektor Philipp Bender, Grünberg, Kreisschulrat Heinrich Lorentz, Lauterbach, Oberreallehrerin Rohde an der Viktoriaschule Darmstadt, Oberreallehrerin Arendt an der Schillerschule Friedberg, Oberreallehrer'm Naumann an ber Eleonoren- schule Darmstabt. Der Abschieb vorgenannter Lehrpersonen ist nach meiner Verfügung vorn 8. Mai 1933 mit einer wür- bigen Feier zu umrahmen. Darmstabt, ben 30. Mai 1933. Der Hess. Minister für Kultus unb Bilbungswesen. In Vertretung: Ringshausen. Deutscher Abend und Standerweihe des Motorsturms 1/116 und des ASKK. Der Motorsturm 1/116 veranstaltete am Sonntag- abenb im Cafe Leib in Verbinbung mit bem NSKK. einen Deutschen Abenb, mit bem bie Weihe eines Stäubers verknüpft war. Schon lange vor Beginn ber Veranstaltung war ber große Saal stark gefüllt, unb noch immer tarnen neue Besucher aus Stabt unb Lanb, um ihre Verbundenheit mit dem Motorsturm ZU bekunden. Unter ben Klängen ber Standarten- kapelle, vorzüglich geleitet von Herrn Nieder- meier, marschierten der Sturm, um währenb bes ersten Teiles Aufstellung unter ber Bühne zu neh- men. Sturmführer Weber begrüßte zunächst bie vielen Kameraben unb Gäste aus nah unb fern, be- sonbers bie Vertreter ber Behörben unb die Vertretung des hiesigen Reichswehr-Bataillons. Er gedachte in Treue der großen Führer unseres Volkes, des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg sowie des Herrn Reichskanzlers Adolf Hitler unb führte u. a. aus, baß in allen Armeen bie Motorisierung burchgeführt werbe. Auch für uns sei es Zeit, mit fortzuschreiten, benn verbieten ließe man sich nicfjts mehr. Ein wehrloses Volk garantiere keinen Frieben, aber ein wehrhaftes Volk sei ber Schirmer bes Friebens. Der Rebner sprach bann noch über bie Entstehung bes Motorsturmes im Jahre 1931 unb schilberte, wie aus kleinen Anfängen heraus sich heute eine stattliche Schar zusammengesunben habe, um volksbienstlich tätig zu sein. Er forberte zum Eintritt in ben Sturm auf. Anschließenb gebuchte Herr e b er ber Opfer ber letzten Jahre, insbefonbere Horst Wessels sowie Leo Albert Schlageters unb ehrte bie Gefallenen in üblicher Weise. Mit bem „Sieg-Heil!" auf unser Vaterlanb, unsere Führer von Hinbenburg unb Hitler, in bas bie Jlienge begeistert einstimmte, schloß ber Rebner seine Ausführungen. Sobann würbe ber erste Vers bes Deutschlanbliebes gesungen. Die Stanberweihe nahm Stanbartenführer v a n P D.or- Er führte aus, baß bie Aufgaben "'cht beenbet feien, es gelte, in Deutschen b für bte nationale Sache weiter zu arbeiten. Die Ahne sei bas Symbol für bie Treue unb Kamerad- jajaft, bie sich in ben hinter uns liegenben Jahren bewahrt habe Wenn auch bas Leib vergessen sei, so bie .Ausgaben immer noch biefelben, ganz Deutschland für bie nationale Sache zu gewinnen? Sehe neu geweihte Fahne sei der Beweis, daß die SÄ. noch marschiere und nicht rasten werde, bis die letzten deutschen Brüder zu Kämpfern für Volk und Vaterland gewonnen waren. Mil dem Appell an olle, die deutsch denken und fühlen, mitzuarbeiten an den grotzen Aufgaben, schloß Herr Engmann seine Weiherede. Das gemeinsam gesungene Horst- Wessel-Lied beendete den Weiheakt. Üm für gute Unterhaltung Torge zu tragen, hatten einige Künstler des Stadttheaters ihre Mitwirkung zugesagt. Herr Hub schilderte Zweck und Ziel eines Deutschen Abends. Es gelte, deutsche Kunst, die in den Rachkricgsjahren von einer gewissen Torte Menschen in den Schmutz gezogen worden sei, wieder zu Ehren zu bringen. Daß unser Volk in den letzten Jahren kulturell immer tiefer gesunken sei, fei die Arbeit derer gewesen, die sich heute im Au-land aushielten. Hitler sei der Mann gewesen, der do- deutsche Volk erweckt habe. Jetzt sei es auch wieder möglich, Bilder aus deutscher Vergangenheit zu bringen. Herr Hub bot im ersten Teil Gedichtvorträge „Aus däm- mernden deutschen Tagen" von Felix Dahn sowie Börries von Münchhausen und erntete starken Beifall. 3n den Darbietungen „Von deutscher Seele und Sehnsucht" entfaltete SA.-Mann Zimmer sein Können auf dem Ecllo, während Herr 5 i c t m c n t vom.Stadttheater mit innerer Heber- zeugung das „Daheim" von Kaun sang. Starker Beifall lohnte die beiden Künstler. 3n heiteren Bildern „Born Rhein bis zur Donau" boten Frl. Geling und Herr Fierment (Tanz und Gesang), Herr Wre de in heiteren Gedichtvorträgen unb Liedern, und der Spielleiter . Herr Hub, ebenfalls in Gedicht- und sonstigen Vorträgen köstliche Proben guten deutschen Humors. Die künstlerischen Darbietungen fanden dankbarste Aufnahme bei den Güsten und ernteten großen Beifall. Den Beschluß des Abends bildete die Aufführung des deutschen Lustspiels „Der Rachtwächter" von Theodor Körner. Das heitere Spiel aus deutscher Vergangenheit fand auch hier aufmerksame und dankbare Zuhörer. Mit dem .Manöverball" der Etandartenkapelle, die während des ganzen Abends gute deutsche Musik bot, klang die würdig verlaufene Feier aus. Oer DOA tagt in Passau. Die Pfingsttagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland, die in Klagenfurt in Kärnten sein sollte und schon bis in alle Einzelheiten vorbereitet war, kann nun wegen der gespannten politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich doch nicht in Klagenfurt stattfinden. Statt dessen hat der Reichsführer des VDA. Dr. Hans Steinacher, kurz entschlossen die bayrische Grenzstadt Passau als Tagungsort gewählt. Die ilmorganifictung ist bereits in vollem Gange. Viele Tausende jugendliche und erwachsene Mitglieder des VDA. kommen in dieser Woche in Sonderzügen nach Passau und werden dort für die Erhaltung des deutschen Volkstums in aller Welt und für das kommende Groß-Deutschland marschieren. Diese gewaltige Kundgebung wird sich unmittelbar an der Grenze Oesterreichs abspielen unter der Losung: Run erst recht I Aus Hessen haben sich bis jetzt schon beinahe 300 3ugendliche und Erwachsene zur Pfingst- tagung gemeldet. Sie sind alle ohne Ausnahme bereit, statt nach Klagenfurt nunmehr nach Passau zu fahren. Wer sich zur Mitfahrt noch anschließen will, ist herzlich willkommen. Anmeldung bei Dr. Simon, Offenbach a. M., Kaiserstr. 31. Der hessische Sonderzug fährt ab am 1.3uni 21.36 Llhr vom Frankfurter Südbahnhof. Einfache Fahrkarten kosten 8 bis 9 Mark und sind für Reuangemeldete oder ilnangemclbctc dort noch eine Stunde vor Abgang des Zuges zu kaufen. Die Schulgruppen des VDA. und die Erwachsenen machen nach der Tagung schöne Wanderungen im Böhmerwald, im oberbayerihHen Seengebiet, in den bayerischen Alpen oder besuchen die schönen Städte Regensburg, München, Rürn- berg. Gelegenheit zu billiger Rückfahrt bietet am 10. 3uni ein Sonderzug München—Frankfurt. Hitler-Jungvolk auf BurgMünzenberg Die vorläufigen Meldungen für das Großtreffen des oberhessischen 3ungvolkes ergeben eine Zahl von 2900 3ungen! Am Pfingstsonntag werden außerdem noch 400 Frankfurter 3ungcn ihre Hefsenkameraden besuchen. Daß zu diesem Treffen große Vorbereitungen nötig sind, wird jedem klar fein. Aber nationalsozialistische Hilfsbereitschaft zeigt sich hier wieder im schönsten Lichte. Gilt es doch auch, hier den eigenen Zungen und damit dem eigenen Volte zu helfen, stark zu werden zum Einsatz für Deutschland. Immer mehr wandelt sich das Gesicht des sonst so ruhigen Münzenberg. Cs wird eifrig gebaut, es entstehen die ersten Zelte. Die Lagerkanzlei hat sich eingerichtet, die einzelnen Stellen haben ihre Räume eingenommen. Die Arbeit ist damit an Ort und Stelle verlegt. Am Freitag wird es losgehen. 3n Scharen werden sie von allen Seiten anrüden, die braunen 3ungens. Am Sonntag werden noch große Be- suchermengen erwartet. Auch Z*t Montag führt sicherlich zahlreiche Eltern und Freunde nach Mün- zenberg, während der Dienstag den 3ungen allein gehört: Gin Geländespiel sorgt auch in körperlicher Beziehung dafür, daß „man“ Münzenberg nicht so rasch vergißt. Die genaue Festfolge für das Pfingsttreffen des Jungvolkes auf M ü n z e n b e r g ist fcstgelegt. Ministerpräsident Dr. Werner wird wahrscheinlich dem Lager einen Besuch abstatten und eine Ansprache halten. Man erwartet auch den Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger. Das finger dauert von Freitag, 2. Juni, bis Mittwoch, 7. Juni. P f i n g st s a m s t a g, 3. Juni, nachmittags 3 Uhr: fiagercröffnung; abends 9 Uhr: Gefallenengedenkfeier im Burghof. Pfingstsonntag, 4. Juni, morgens 9 Uhr: Feldgotesdienst-, nachmittags 3 Uhr: Deutsche Spiele deutscher Zungen. Der Lundessührer des Jungvolkes von Deutschland und Oesterreich Bun Geißler spricht! — Abends 9 Uhr: Psingslfeuer. Pfingstmontag, 5. Juni, nachmittags 3 Uhr: Festwiese auf der Burg, fiagertreiben auf dem Steinberg; abends 6 Uhr: Schlußfeier. Der Südwestfunk überträgt am Pfangstmontag um 10.30 bis 11.30 Uhr einen Ausschnitt aus dem Münzenberglager des Jungvolks. In bunter Schilderung und unter Mitwirkung einiger Jungvolkgruppen erhält der Hörer ein Bild des immer wechselnden und stets neuen fiagerlebens. Es schließen sich am Dienstag noch ein Großgeländespiel von 2000 Jungen und abends „Lagerleben am Feuer" an. Der Mittwoch bringt den feierlichen Lagerschluß. Dom Stamm Chatten ist zu dem Treffen ein ein- faches Festabzeichen herausgegeben worden, das jetzt fchon von allen Jungvolkgruppen verkauft wird. Der Erlös dieses Festabzeichens dient dazu, das Lager möglichst billig werden zu lassen, und so allen Jungvolkjungen die Teilnahme zu ermöglichen. Das Kreisschulamt des Kreises Gießen weist in einer Bekanntmachung darauf hin, daß die Teilnehmer an diesem Jungvolktresfen am Samstag zum Zweck der Teilnahme an diesem Treffen, vom Unterricht befreit werden können. • •* Befreiungsanzeigen bei Hausgehilfinnen f ü r d i e Arbeitslosen- versicherung nicht notwendig. Durch Gesetz vom 12. Mai 1933 ist mit Wirkung vom 1. Mai bei Beschäftigung von Hausgehilfinnen die Beitragspflicht zur Arbeitslosenversicherung auf- gehoben worden. Dasselbe Gesetz sieht auch den Fortfall der Befreiungsanzeige bei Hausgehilfinnen, die am 1. Mai 1933 in Beschäftigung gestanden haben, vor. Für den Fortfall der Dei- tragsleistung bedarf es in Zukunft keiner besonderen Anzeige der Arbeitgeber an die Einzugsstellen. * Benefiz-Dorstellung für das Stadttheater-Ensemble. Man schreibt uns aus dem Etadtthcaterbureau: Das Ensemble des Stadttheaters Gießen verabschiedet sich am Freitag, 2.3uni, 2015 Uhr, in einer Benefiz- Vorstellung von seinen Theaterfreunden. Wieder liegt eine Spielzeit voll harter Arbeit, aber auch reich an künstlerischen Erfolgen hinter uns: die Spielzeit des 25jährigen Bühnenjubiläums! Das Ensemble gibt sich daher der bestimmten Erwartung hin, an diesem Abend nochmals olle Theaterbesucher in der Vorstellung zu Gast zu sehen, zumal der Reinertrag des Abends den Künstlern zugute kommt. Um alle bei uns zu wissen, gelten gewöhnliche Schauspielpreise und beginnt die einmalige Aufführung der Komödie „Krieg im Frieden" von Moser und Echönthan erst um 20 15 Uhr. ** Eine Achtundachtzigjährige. Frau Karoline Hirsch, Marktstraße 32, kann am morgigen Donnerstag, 1. Juni, ihren 88. Geburtstag feiern. " Freie Lehrer st eklen in Dberfjef- s e n. In den Orten Rinderbügen (Kreis Tübingen), Orten berg (Kreis Bübingen) unb Köddingen (Kreis Schotten) sind an den Volksschulen je eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer frei. Dienstwohnungen sind in allen drei Orten vorhanden. •• DieHauptvcrsammlungdcsDHT. Die 52. Hauptversammlung deS Gesamt-Vogelsberger Höhen-Elubs findet am 11.3uni in Winde cken statt. Auf der Tagesordnung stehen die üblichen Jahresberichte, ferner die Erledigung der Haushalts- und Voranschlags-Angelegenheiten, die Bestimmung des Ortes der nächstjährigen Hauptversammlung und die Beschlußfassung über Anträge. Die 3ahreSrechnung für 1932 schließt in Einnahme mit 7842,94 Mark in Ausgabe mit 7030,78 Mark ab, so daß ein Rest von 812,16 Mk. verbleibt. Der Voranschlag für 1933 beläuft sich in Einnahme und Ausgabe aus 6950 Mark. " D i e Auflösung des Hessischen LandeSlehrervereins. Da das Amtsgericht Darmstadt als zuständiges Registergericht entschieden hat, daß die Auflösung deS Hessischen Landeslchrerrercins als eines gerichtlich eingetragenen Vereins nur durch die CBerirctenxtfamm- lung erfolgen kann, findet nun doch die bereits ab- gesagte Dertteteroersammlung am 10. Juni in Vilbel statt. Auf der Tagesordnung steht die Auflösung des Vereins. In allen Kreis- und Bezirksverbänden der Lehrerschaft finden daher in den nächsten Tagen Versammlungen statt, in denen die Vertreter für diese Versammlung und neue Vorstände gewählt werden. ** 3 m Sonderzug nach Gartnisch-Par- tenkirchen. Für die Tage vom 10. bis 18. Juni veranstaltet die Reichsbahn eine Sonderfahrt nach Gartnisch Partenkirchen zum Gesamtpreis von 63,30 Mark, einschließlich Fahrpreis ab Gießen und zurück, Unterkunft und Verpflegung. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. •* Wenn Kinder mit Schußwaffen spielen. Gestern gegen 21.30 Uhr wurde der etwa 12 3ahre alte Heinrich Launsbach, Sohn eines Landwirts in Reiskirchen, mit einer Schußverlchung am linken Auge in die Chirurgische Klinik eingeliefert. Der Unfall entstand dadurch, daß der Verunglüdte und ein anderer etwa lOjähriger Knabe mit einer Kleinkaliber- büchse spielten, wobei sich ein Schuß löste, der den Zwölfjährigen traf. Das Befinden des bedauernswerten Knaben ist ernst. Der Vorfall sollte allen Waffcnbesihern eine Mahnung fein, ihre Schußwaffen für Kinder unerreichbar aufzubewahren. ** Wem gehören d i e Fahrräder? Wie der Polizeibericht mitteilt, sind beim Polizeiamt ein im Oktober 1932 vor dem Kaufhaus Karzentra gestohlenes Herrenrad mit Rennsattel und Boschbe- leuchtung und ein im Januar d. I. vor dem Gewerksschaftshaus gestohlenes Fahrrad sichergestellt. Eigentümer wollen sich bei der Polizei melden. ** E i n B a n k - D i e b st a h l. Der heutige Polizeibericht teilt mit, daß in der Nacht zum 27. Mai aus einem Garten am Wartweg eine weiße Gartenbank entwendet worden ist. Sachdienliche Mitteilungen zur Aufklärung des Diebstahls und zur Wieder- beschaffuna der Dank erbittet die Kriminalpolizei. ** Unfall mit dem Motorrad. Auf der Landstraße zwischen Allendorf a. d. Lda. und Lollar verunglückte der 59jährige Kaufmann Heinr. Kraft von Lollar mit seinem Motorrad und stürzte dabei so unglücklich, daß er einen Bruch des rechten Beines erlitt. Anscheinend hatte er auf der regenfeuchten Straße die Herrschaft über bas Rad verloren. •* Werbeabend des Hit!er-3ung- volts. Zu unserem Bericht über den Wer6r- abend des Hitler-3ungvolks im Cafs Leib (Gießener Anzeiger vom 27. Mai) wird uns heute, entgegen einer 3nformation an jenem Abend, von dem 3ungvolk-Fähnlein V, „Rote Ritter" Grünberg, berichtigend mitgeteilt, daß die musikalischen Darbietungen nicht von der KapeUe des Butzbacher 3ungvolks, sondern von dem Spielmanns- zug des Fähnleins „Rote Ritter. Grünberg" bestritten wurden. Große Strafkammer Gießen. Gießen, 30. Mai. Angeklagt war ein Maurer aus Borgenstreich (Kreis Warburg) wegen Rück- f a l l d i e b st a h l s. Er hatte in einem Haus in Echzell gebettelt, unb einige Zeit danach war ein Geldbetrag von fast 1500 Mark, der in einem Zimmer des zweiten Stockes aufbewahrt wurde, vermißt worden. Der Angeklagte fiel unmittelbar da- nach durch große Geldausgaben auf. U. a. machte er eine Vergnügungsfahrt mit einem gemieteten Auto durch Westdeutschland. Im ganzen konnten ihm Ausgaben zwischen 600 und 700 Mark nach- gewiesen werden. Der Angeklagte behauptete, einen Betrag in dieser Höhe gefunden zu haben. Trotz hohen Verdachts hielt die Strafkammer diesen Einwand nichts für widerlegt. Insbesondere blieb es schwer erklärlich, wie der Angeklagte beim Betteln an das wohlverwahrte Geld hätte gelangen können. Es konnte daher nur Verurteilung wegen Fundunterschlagung eintreten. Strafschärfend wirk- ten die Vorstrafen und der hohe Betrag der (angeblich) gefundenen und nicht abgelieferten Summe. Die «strafe lautete auf sechs Monate (Gefängnis wegen Unterschlagung und vier Wochen Haft wegen Bettelns. Einen Monat Gefängnis wegen U r - kundenfälfchung erhielt ein Reifender aus Hannover, der einem Schmiedemeister Stahl verkauft unb ben unterschriebenen Bestellzettel derart versälscht hatte, daß eine höhere Bestellung barauf- stand. Er war nicht geständig, wurde aber durch die Beweisaufnahme überführt. Glückwunsch des Ministerpräsidenten an Präsident Gpamer. WSR. Da»mstadt, 30.Mai. Ministerpräsident Dr. W e r n e r hat an den Präsidenten der Oberrechnungskammer und des Verwaltung-- gerichtShoses. S p a m e r, folgendes Glückwunsch- fchreiben gerichtet: „Am morgigen Tage sind 40 Jahre seit 3 hrem Eintritt in den hessischen Staatsdienst verflossen. 3ch übermittle 3hnen aus diesem Anlaß die herzlich st en Glück- wünsche der Hessischen Staatsregierung und den Ausdruck hoher Anerkennung und aufrichtigen Dankes für die überaus wertvollen Dienste, die Sie in wichtigen Staats- ämtern dem Land« Hessen geleistet bab«n.“ Dr. Spamer war bekanntlich früher Ministerialdirektor im Innenministerium. En bloc Annahme des Alsfelder Kreishaushaltsplanes. ' Alsfeld, 30. Mai. Gestern fand hier die diesjährige ordentliche Tagung des Kreistages deS Kreises Alsfeld unter dem Vorsitz des Kreisdirektors Dr. Stammler statt. Der Kreisdirektor nahm zunächst die Diensteinführung und Verpflichtung der neugewählten Kreistagsmitglieder vor. Von den zwei Sozialdemokraten war nur einer erschienen. 3m Mittelpunkt der Tagesordnung stand der Haushaltsvoranschlag des Kreises Alsfeld für 19 33. Rach einer Rede des Kreis- tagsabgcordneten Lehrer Klo ft ermann, der auf das Vngc Verbundenfein der heutigen Regierung mit den Vertretungskörperschaften der Bevölkerung und das dadurch gegebene gegenseitige Vertrauensverhältnis hinwies, wurde der Haushaltsvoranschlag des Kreises ohne w e i- tere Beratung en bloc angenommen. Der Voranschlag schließt, wie schon berichtet, in der vom Kreisausschuh festgesetzten Fassung mit 314 593,57 Mk. in Einnahme und Ausgabe ab. Wettervoraussage. Die neue ozeanische Störung ist schon bedeutend weiter östlich vorgedrungen und beginnt allmählich, ihre Vorderseite auf dem Festlande zur Auswirkung kommen zu lassen. Die Winde werden also mehr auf Süden zurückdrehen und warme Luft heranführen. Dabei steigen die Temperaturen an, und mit weiterem Darometerfall wird die Bewölkung später wieder zunehmen. Auch entstehen beim Aufgleiten der Warmluft Riederschläge, die stellenweise gewitterhaften Eharakter annehmen. Aussichten für Donnerstag: Schwüles und zeitweises stärker bewölktes Wetter, erneute Niederschläge, teilweise verbunden mit Gewitter- ftörungen. Aussichten für Freitag: Veränderliches und feucht-warmes Wetter mit einzelnen Regenfällen. Lufttemperaturen am 30. Mai: mittags 14,3 Grad Celsius, abends 11,8 Grab: am 31. Mai: morgens 10,4 Grab. Maximum 14,9 Grad, Minimum 7,5 Grab. — Niederschläge 2,0 mm. — Erbtemperaturen in 10 cm liefe am 30. Mai: abends 15,1 Grab, am 31. Mai: morgens 12,5 Grab. ÄÄGuten Tabak für eine Cigarette zu verwenden, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit! Aber es kommt auf eine Selbstverständlichkeit! Aber es kommt auf das Wie an, auf die richtige Mischung! Nur langjährige Fachkenntnis vermag die verschiedenen Tabaksorten so abzustimmen, daß sich ein reines, RAMSES, mit neuen Film-Bildern vS? gehaltvolles Aroma ergibt wie bei der köstlichen i -(-7 i SL'-'J SOMMER-STOFFE nur von LBERNARD Vi- aber auch für die Straße richtia. SCHUHHAUS Reg.-Mediz.-Rat Dr. Scharff u. Frau Gertrud, geb. Schwan. Adolf Moeller, Oberst a. D. August Schwan und Frau Stettin, Gießen, Berlin-Charlottenburg. Einäscherung und Trauerfeier fanden in aller Stille in Berlin statt. ___________________________________________________________________________________________3A51 V Statt besonderer Anzeige! Am 28. Mai entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden meine geliebte Frau, unsere liebe Tochter, Schwester, Schwägerin und Schwiegertochter Lissy Moeller, geb. Schwan im 44. Lebensjahr. Im Namen der Hinterbliebenen: Dr. Scholl's Fußpflege-System 36/4 pfd. 25 Cervelatwurst Holsteiner.... V. Pfd. 28 Cervelatwurst in Fettdarm .. V4 Pfd. 30 Gekochter Schinken......*/4 Pfd. 30 Speck fett...................*/4 Pfd. 20 Nachruf. Am 27. Mai verschied plötzlich und unerwartet Herr Karl Rösinger was wir allen Freunden und Bekannten hierdurch mitteilen. Die trauernden Hinterbliebenen, Die Einäscherung fand auf Wunsch des Verstorbenen in aller Stille statt ________________________________________________________3647D aus weiß Nubuk mit echt schwarz Lack „ atmende” StfaÜi, denn er läßt Luft an die Füße - Karl Rösinger Der Vorstand. ____________3649 0 geziemend in Kenntnis zu setzen. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Gießen, den 31. Mai 1933. Altersvereinigung 1869-1919. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskollegen Filialen In allen Stadtteilen Guatemala-Costarica-Misch. 270 ein preiswerter Qualitäts-Kaffee S & F- Kaffee Pfd. 330,290,240,176 MW Gegründet 1878 « 3F4l> A Limburger Käse ohne Rinde, 74 pfd. 11 Schweizer Käse vollfett.... v, Pfd. 20 Oelsardinen .............Dose 28, 15 Schweineschmalz............Pfd. 75 Speise-Oel fein...............Liter 92 | Eier..............10 stück 85, 76 Auszugs-Mehl extrafein .. 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Von Diana Kahle GOS. „Plötzlich erhob sich vom Himmel ein Brausen, wie wenn ein Sturmwind dahinführe... Alle wurden vom Heiligen Geiste erfüllt. Unb das Doll lies zusammen und war betroffen, als jeder die Jünger in seiner Sprache reden hörte und sprach voll Staunen' ,Wie kommt es, bah jeber von uns seine Muttersprache heraushört?'." Geist bet Pfingsten weht über bem deutschen Lande Sturmwind brauste durch die Seelen, Flammen bet Hetzen loberten, lange zurück- gebrängte Sehnsucht, brach aus, — ein Dolk. bas zerrissen war, so zerrissen, auseinandergespalten, bah eine Gruppe bie Sprache der anderen nicht mehr verstand, erlebt das große Wunder des Geistes, der alle zusammenbindet: „Wie kommt es, daß Ledet von uns seine Muttersprache her- aushört?" Muttersprache! Das ist das geheimnisvoll Urtümliche, Verbindende, von Seele und Art Geprägte- Muttersprache, das sind Laute, die unser Herz, unser Wesen anrühten und bewegen, Empfindungen wecken, unser ganzes Sein zu erschüttern vermögen, weil der Geist in ihnen lebendig ist, der Geist aus ewigen Kräften, die Gott einem Volke verliehen hat. So ist das Pfingstwundet über unser Volk gekommen, bah das Wehen eines neuen Geistes Stimme wurde über dem deutschen Lande, und in seiner Sprache nun das Wiederfinden beginnt von Mensch zu Mensch, das Verstehen, und das große Staunen: dieser Fremdgewordene spricht ja meine Sprache, bie Sprache meiner Sehnsucht, meiner Hot, meiner Hoffnung! Aber ist es nicht blasphemisch unb sünbhaft, bie hohen Worte des Pfingstevangeliums, das Gottes Dotschast unter die Völker fremder Zungen brausend trug, Gleichnis werden zu lassen für das Geschehen, das unter uns Deutschen jetzt sich vollzog? 3a, es wäre blasphemisch, es wäre sündhaft, wenn wir hinter den äuheren Ereignissen nicht das Brausen von Gottes Sturm verspürten, wenn wir nicht wüßten, dast bie Sehnsucht unseres Volkes, die jetzt am grauen kahlen Winterstamme Deutschland in Blüten ausbricht, aus dem tiefen Erdreich der Cwigkeitssehnsucht aufgestiegen ist. Was in der Dorfrühlingszeit bis zur pfingstlichen Erfüllung unter uns kund wurde, das ist doch das Aufbäumen gegen die Gotteslerne einer leeren Dieslcits-Weltanschauung, das ist die Erhebung eines Volkes gegen falsche Propheten, bie es von seinem Glauben, seiner Reinheit, seinen Vätertugenben hinweglockten, unb ber neue Geist, dessen Wehen wir in unserem Leben spüren, strömt aus dem Brunnen, von dem einst unsere Vorväter, von dem die Mütter starker gläubiger Gesch'echter Kraft tranken. Unsere nationale Sehnsucht war im tiefsten religiöse Sehnsucht. Sie will dem Ewigen dienen, sie will vor bem Göttlichen toieber in Ehrfurcht knien. Wir wissen, bah das Werk, dem wir seit langen Jahren allen Kampf und auch alles Leid unserer Herzen geweiht haben, geschichtliche Rotwcndig- keit war, aber mehr als das! Dies Mehr verkünden uns Worte von Angelus Silesius: „Die Rose, welche hier dein äuß'res Auge sieht, bie hat von Ewigkeit in Gott also geblüht." Der Keim lag in unseren Herzen, von Gott hineingesenkt, unb wir muhten die Rot des Wachstums tragen und die Winterstarre und den feindlichen Frost, bis bet Keim bas Samenkorn zersprengte. Pfingsten wird uns ein Fest der Freude! Von Ersüllung der Sehnsucht quellen über Weihdorn und Ginster : das seidige Grün des Buchenwaldes bauscht sich im ersten 3ubel des Reu- werdens: durch alles Leuchten des Laubes und der Blüten schauert noch die eben überwundene Oede der Wintertrauer, des Dunkelns und der Beraubtheit kahlen Gezweiges. Wie innig bewegt uns der weihe Taubenzug über grünem Roggenacker! Wie dankerfüllt und freudenvoll neigen wir uns zu jeder Blume, die aus harter Erde auf trieb! Roch erzittern unsere Herzen vor dem Sturm Gottes, der Reuwerden bringt, vor dem Aufglühen nach Kargheit! Pfingsten ist hohe Zeit des Schöpfergeistes. Der Geist ist es, der lebendig macht und lebendig erhält. Und das Schicksal unseres Volkes wird dadurch bestimmt werden, ob wir es vermögen, den brausenden flammenden Geist der Pfingsten zu bewahren, seine heilige Glut immer neu in den Seelen zu entzünden- Vor dem ewigen Geist gibt es keine Vollendung, kein Fertigsein, er ist die heilige Unruhe der Strebenden, der faustischen deutschen Seele, wie sie in unfern gotischen Domen, und am erschütterndsten in den unvollendeten, den grofjen Gesang der Sehnsucht verkündet. Immer noch sind wir ein Volk der Werdenden, immer noch müssen wir ringen um Gottes Geist. „Mensch, so du etwas bist, so bleib’ doch ja nicht steh'n,. man muh aus einem Licht fort in das and're geh n" Kolleginnen! Von Ooteffe firanf. Wo viele Menschen in einem Betrieb Zusammenarbeiten, muh der Umgang zwischen den Angestellten so reibungslos wie möglich fein. Und gerade für die arbeitende Frau bedeutet es eine wesentliche Erleichterung, wenn sie in gutem Einvernehmen mit ihren Kolleginnen steht. Die Frau ist offener in ihrem Wesen, sie verhehlt ihre Zuneigung ober Abneigung weniger leicht als der Mann, und in diesem Wesenszug liegen viele Unstimmigkeiten zwischen den Kolleginnen begründet. Und doch ist es unbedingt notwendig, daß die Frau sich hier ein wenig zurückhält, wenn die Zusammenarbeit ersprießlich sein soll. Verwandt mit diesem Thema ist der Klatsch, der sich leider gerade unter Kolleginnen breitzumachen pflegt. Es ist immer ungeheuer interessant, daß Fräulein X. gestern abend mit dem Kollegen ausgegangen ist, und daß Frau Z. schon roieber ein neues Kleib hat, obwohl sie boch erst neulich im Gehalt abgebaut worben ist. Ja, verliert man benn bas Anrecht auf ein Privatleben, wenn man in einem Betrieb angeftellt ist? Unb wie oft wirb beim Weitererzählen übertrieben! Darum heißt es, vorsichtig sein, wenn man einen Menschen nach den Angaben seiner Kolleginnen beurteilen will, unb am besten werben Klatschereien gar nicht erst weitergetragen. Jebe Angestellte sollte im übrigen nicht zu viel von sich selber ausplaubern. Das fuhrt zu falschen Deutungen unb schabet mehr als es nützt. Ein ache Kleibung unb ein unauffälliges Benehmen ichern ber Angestellten^ ein ungestörtes Arbeiten. Die Kolleginnen müssen sich einanber an- paffen, es muß Harmonie zwischen ihnen herrschen. Keine bars sich über bie anberen stellen Unb bie Frau kann noch mehr tun, als nur sich einfügen in bie Arbeitsgemeinschaft. Sie kann ben Kollegin- nen ben Aufenthalt im Betrieb so schön wie mög- lich machen. Die eine hat einen kleinen Garten unb bringt Blumen ober Erbdeeren ins Büro. Die an- bere kann vielleicht burch Beziehungen billige Theaterkarten besorgen unb macht einer Kollegin eine große Freube bamit Mitarbeiterin heißt nun noch nicht Äamerabin ober Freunbin, unb es entwickelt sich mir manchmal eine richtige Freunbschast zwischen fiolleginnnen. Meistens sieht man sich nur im Geschäft, unb man ißt vielleicht miteinanber zu Mittag. Aber wenn bie eine aus ber Gemeinschaft ausscheibet, bann tritt eine anbere für sie ein, unb man denkt nicht mehr allzu oft an bie frühere Kollegin. Trifft man fie aber später einmal roicbcr, bann kann bie einstige Verbundenheit rasch wiederhergestellt werden, und man läßt sich gerne erzählen, wie es inzwischen gegangen ist. Wie muß der weibliche Arbeitsdienst gestaltet werden? Von Klara Echloßmann.Lönnies. Es ist mir eine Freude, wenn ich vorn roeib- I lichen Arbeitsdienst sprechen darf, denn das ist mir eine Sache, die keinen Tag aus meinem Herzen und aus meinem Kopf kommt, und es ist jeden Tag eine Sache der Erfahrung. Arbeitsdienste sind heute überall. Jede Zeitung bringt neue Berichte. Der männliche freiwillige Arbeitsdienst ist einen Schritt weiter. Er steht schon vor bem zweiten Stabium ber Arbeitsbienstpslicht. Wo aber stehen wir mit bem weiblichen freiwilligen Arbeitsbienst? Jeber Deutsche unb jebe Deutsche soll mit ben eigenen Gaben am großen Arbeitswerk bes Volkes mitbauen. Jeber mit feinen Gaben, unb jeber mit feiner Art. Männerarbeit als Männerwerk unb Frauenarbeit als Frauenwerk. Jebes nach feiner Bestimmung. Der weibliche Arbeitsbienst — ber boch auch nichts weiter ist als bie Vorstufe zum Frauenbien ft jahr bes neuen Deutsch- 1 a n b — kann nur feine ridjtigie Form finben, wenn im Gefüge bes Ganzen, ber Volkswirtschaft, ber Volkskultur, bes Volkslebens — bie Souveränität ber weiblichen Arbeit unb bie Eigenartigkeit unb Eigenwertigkeit ber Frauenarbeit Anerkennung fin- bet. Wir alle wissen: keineswegs um irgenb eines Ruhmes willen. Rein, ganz einfach, weil es so ist, weil unser Volk bas braucht. Ganz einfach barum, weil man nur bann ben guten, klaren Weg einer notmenbigen Entwickelung freibekommt, unb eine richtige Auswertung ber Erfahrung für eine neue Frauenvolksbilbung unb eine richtige Frauenvolksarbeit. Wie aber finben wir bie Form bes weiblichen Arbeitsdienstes? Für bie Form bes Dienstes ist vor allem eins wichtig: ber weibliche Arbeitsbienst wird nicht als notroenbiges liebel — als Rotmaßnahme gegen bie Erwerbslosigkeit angesehen, fonbern a l s eine ber wertvoll st en Erziehungs- Möglichkeiten ber 9 u g e n b. Als weiteres Grunbprinzip ber Form bes weiblichen Arbeitsbien- stes tritt beutlid) hervor: Wir wollen aus bem weiblichen Dienst auch wirklich einen ber Frau, bem Mäbchen eigenartigen Dienst am Volk machen. So sagte Herr Staatssekretär H i e r l, ber Führer I ber Arbeitsbienstbewegung: „Der staatlich oegani- I fierte Frauenbienst — unb baju ist ja ber heutige weibliche Arbeitsbienst bie Vorstufe — soll also eine Erziehungsschule unserer reiferen weiblichen Jugenb für ihre Ausgaben als beutsche Mutter unb Hausfrau fein." Als Ziel bes Arbeitsbienftes wirb eine zweijährige Arbeitsbienftpflicht für bie Frau geforbert. E i n Jahr im Frauenbien ft heim, ein Jahr i n ber sozialen Arbeit, ben sozialen Arbeitsstätten bes Volkes. Der Arbeitsbienst soll ein Frauenbienst am Volke sein. Dienst am Volk ist für bie Frau bie Erhaltung bes Volkes unb bie Gestaltung ber Familie. Bei bem heutigen Zustanb ber Familien in ber Stabt unb auf dem Lanb ist ber freiwillige unb pflichtmäßige Dienst bringend erforderlich. Die Mütter unzähliger Familien (eben in einer Gefahrenzone ber ständigen Angst des Versagens, bie kaum beschreibbar ist. Tausenbe unb roteber lau- senbe von jungen Frauen, jungen Mäbchenkräften könnten im freiwilligen Dienst zunächst ba Rettungs- bienfte tun. Die Voraussetzung für bie richtige For- menfinbung biefer weiblichen Dienstarbeit ist aber, baß man hauswirtschaftliche Arbeit, pflegerische Arbeit, päbagogische Arbeit nicht als volkswirtschaftlich wertlos unb unrentabel betrachtet! Vor allen Dingen muß für eine planmäßige Mütterent- l a ft u n g burch Formen bes weiblichen Arbeits- bienftes gesorgt werben. Man muß Frauen unb Mäbchen in Form von Landhilfe ober „fliegenben Arbeitsgruppen" zu ben Sieblungen im Osten schicken! An ben Formen bes weiblichen Arbeitsbienftes wirb es nie fehlen. Wenn ein Volk so viele Katastrophen über sich hat ergehen lassen müssen, wie wir, wenn ein Volk, aus all bieten Katastrophen nichts weiter übrig behalten hat als bas nackte Leben, bann stellt schon bie Lage ber beutschen Mutter ben Frauen unb Mäbchen unerhörte Pflichterfüllungen, Pflichterfüllungen, bie nur mit einer planmäßigen Dienstpflicht erlebigt werben können. Es ist eine ganz große Aufgabe zu bewältigen: Die Frauenarbeit im neuen Staat, ber Frauenbienst für bie Zukunft unserer Nation! Die Deutsche Frauensront marschiert! Oie Neuorganisation aller deutschen Zrauenverbände. - Oie Einordnung der Frau in den ständischen Ausbau des Staates. Von Lydia Gottschewsty, Führerin der „Deutschen grauen front". (Nachbruck, auch auszugsweise, verboten.) Die Frauenfront umfaßt grundsätzlich sämtliche weiblichen Organisationen, bie in irgendeiner Weise zum nationalen Aufbau mit herangezogen werden können. Es gliedern sich uns also nicht nur bie Verbänbe mit rein kulturellen ober sozialen Zielen an, fonbern auch bie weiblichen Berufsverbänbe, bie aUerbings baneben wohl eine Vertretung ihrer rein beruflichen Interessen im stänbischen Ausbau ber Wirtschaftsorganisationen behalten werben. Soweit das noch nicht geschehen ist, kommen jetzt die Vertreterinnen aller deutschen Frauenorganisationen zu uns unb unterschreiben folgenben Revers: „Als verantwortliche Leiterin bes Bunbes ... erkläre ich für mich unb ben mir unterstellten Bunb, daß ich mich bem Bührer ber Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, Abolf Hitler, bebingungslos unterstelle." Damit ist ber Eintritt in bie Frauenfront vollzogen. Das ist bisher überall reibungslos vonstatten gegangen. Sollten sich — was wir nicht erwarten — : och Widerstänbe zeigen, müßte natürlich burch- georisfen werben. Dann veranlassen wir bie uns angeschlossenen Verbänbe, bie „Gleichschaltung" ber V o r ° st ä n b e burchzusühren. Die jübischen unb marxistischen Dorstanbsmitglieber werden entfernt, bie Dorstanbsposten müssen burch Nationalsozialistinnen oder anbere Frauen mit einroanbfreier nationaler Gesinnung besetzt werben. Das Einspruchsrecht behalten wir uns vor. Die beutsche Frauenfront hat ihre Führung i m arohen unb im kleinen Frauenkapitel. Das kleine, das den engsten „Vorstand" bildet unb bie Geschäftsführung zu erlebigen hat, ist burch Frau Marie Diehrs, meine anderen engsten Mitarbeiterinnen unb mich schon im Ausbau. In das große Frauenkapitel werben bie wichtigsten Vertreterinnen ber angeglieberten Frauenverbänbe berufen. Sie sollen in regelmäßigen Abständen die Richtlinien der kommenden Arbeit festlegen. Es wirb jeboch nicht abgestimmt. Ich bin von Abolf Hitler eingesetzt worden, um die endgültigen Entscheidungen zu treffen. Wir hoffen, daß in etwa drei bis vier Wochen bie erste feierliche Sitzung des großen Frauenkapitels ftattfinben wirb. Die Frauenfront betrachtet als ihre Aufgaben alle die, für beren Erfüllung bem Staat gegenüber bie Frau berufen ist; biefe werben wir systematisch auf alle Frauenorganisationen verteilen. Sorgsam wer- ben wir bie befonbere Befähigung auszuwählen trachten, unb bann bem einen Bunbe beispielsweise die allgemeine Luftschutzbildung ber Frau anoer- trauen, einem anberen bie Ausbildung ber jungen Mäbchen zu Ehe unb Mutterschaft, einem britten bie Obhut über Kinberheime. So werben bie Frauen ben Weg voranschreiten, ber im Volke Zu ganz neuen Begriffen von Charitas unb Wohl- fahrt führen soll. Die Fürsorge von gestern war Fürsorge für bas Kranke, bas Erhalten bes Schwachen, das Stützen dessen, der nicht mehr auf eigenen Füßen stehen kann. Bei aller Hochachtung vor solcher Mildherzigkeit sind wir jeboch ber Ansicht, baß noch wichtiger als Kranken zu helfen, es ist, bas ©efunbe baoor zu bewahren, baß es erkranke. Wir hallen es für unverantwortlich, daß für bie Unbrauchbaren Summen aufgeroanbt werben, währenb kein Gelb ba ist, um beispielsweise bie noch gesunben Kinber ber siebenköpfigen Familie eines Arbeitslosen burch Ernährungszuschüsse unb Lanbaufenthalt lebenskräftig zu erhalten. Die Hauptaufgabe biefer neuen, von uns organisierten Wohlfahrtspflege wirb also fein, bafür zu sorgen, baß ber gesunde Kern bes deutschen Volkes erhalten bleibt! Das berührt in keiner Weise bie bisherige staatliche Wohlfahrt! Was wir anstreben, ist ja viel weniger eine Umänberung ber Wohlfahrts-Organisation, als eine grunblegenbe UmfteUung bes Denkens, der seelischen Haltung! Das geht nicht von heute auf morgen, das wird ein langwieriger Prozeß sein. Aber gerade durch den Zusammenschluß der Frauenfront haben wir die absolute Gewähr dafür, daß diese Umschaltung am -Ende bis zur kleinsten Frauenorganisation herunter durchgeiuhrt werden wird. Da wird keine Kontrolle nötig fein: bie beutschen Frauen sinb so ergriffen von dem umwälzenden Geschehen dieser Tage, sie sind so begierig nach den neuen Gedanken, so aufnahmebereit, daß es voll ausreichen wird, wenn wir die allgemeinen Richtlinien geben. Die neue Idee der Wohl- fahrtspflege wirb bann von selbst in ben beutschen Frauenherzen (ebenbige Gestalt gewinnen. Grunbsätzlich sinb wir uns gerabe mit ben leiten» ben Männern des neuen Deutschland vollständig einig darin, baß bie Frau zur Bearbeitung aller wichtigen kulturellen Ausgaben ganz beson- bers für bie Erziehungs- unbJugenb- fragen, mit herangezogen werden muß! Die Frauen, bie heute aus solchen Stellen entfernt worben sinb, mußten nicht gehen, weil sie Frauen sinb, fonbern weil sie eine ialsche Weltanschauung hatten. Es erscheint uns selbstverständlich, daß, so- wie die absolut nationale Frau mit ben notigen Sachkenntnissen sich zeigt, fie biefe Stelle erhält Unb bas nicht nur etwa in den Ministerien' Wir tragen bafür Sorge, baß bie,cs Prinzip bis in bie kleine Kommune herunter verwirklicht werbe, lieber- all da muß in Staat und Gemeinde die Frau zu selbständiger unb sührenber Arbeit mit herangezogen werben, wo sie burch ihre weibliche unb mütterliche Veranlagung ber Nation zu bienen berufen ist. Die alte Frauenbewegung — geboren in ber liberalistischen Epoche — fab bie Hauptziele ih den Rechten unb Freiheiten ber Persönlichkeit. Solche Streitereien lehnen wir als veraltet ab. Einer ber Vertreterinnen der alten Frauenbewegung habe ich neulich gesagt: Deutfchlanb ist heute ein Haus, bas uns allen zu eng geworben ist. Es hat gar feinen Sinn, wenn bie in biefern Hause Wohnenben darüber streiten, wie sie ben Platz verteilen wollen. Sondern wir müssen uns erst einmal alle zusammentun unb bafür sorgen, daß das Haus größer werde. Danach können wir uns auch über die Verteilung der einzelnen Zimmer unterhalten. Das ist bas Merkmal ber „Frauenbewegung 1933", bas ist ber Sinn ber beutschen Frauensront: Wir beutschen Frauen haben uns mit cingc- gliebert in ben Kamp f b er Nation um Sein ober Nichtsein. Wir stellen bas Volk in ben Dorbergrund unb suchen ben Dienst, nicht bie Rechte! Schnellgerichte für den pfingsttisch Bon Liselotte Hennoch. Zu Pfingsten haben die Mahlzeiten eine andere Zusammensetzung. Sie sind vom Frühling und seiner Ernährungsweise beeinflußt. Dennoch — obwohl nämlich die Hausfrau nicht zu sehr beansprucht werden soll — will der Familientisch besser bestellt sein, und da wird sich die Hausfrau also mit einigen zeitgemäßen Schnellgerichten helfen. Pasteten mit Gurkensalat. Das hört sich großartig an, ist aber sehr einfach und schnell zu bereiten. Don Weißbrötchen wird oben eine Scheibe abgeschnitten, die Kruste auf einem Reibeisen abgerieben. Run bereitet man die Füllung. Zwei Teile Schweinefleisch und ein Teil Rindleber werden sein gewiegt. Dazu kommt ein Eigelb, das Weiche aus der Semmel, das man in Wasser geweicht hat, gehackte Zwiebel, Salz, Pfeffer. Alles wird gut durcheinander gemischt und in die Semmel hineingesüttt. Die ab- geschnittene Scheibe kommt als Deckel darauf. In einem Topf Butter zerlassen, einen Schuß Milch dazu gießen, beides recht heiß. Run die Pastet- chen hineingeben, ordentlich begießen und etwa zehn bis zwanzig Minuten dünsten. Da Brötchen Flüssigkeit in hohem Maße aufnehmen, wird man noch einen Stich Butter dazu fügen. Die Pastet- chen kommen auf eine flache Schüssel, inerten mit einem Kranz Petersilie geschmückt. Dazu neue Kartoffeln und Gurkensalat. Hljabarberpubbing mit Sahne. Je nach Anzahl ter Familienmitgl eder werden iy2 bis 2 Pfund Rhabarber vorbereitet und mit Wasser auf das Feuer gesetzt. Rhabarber in Verbindung mit etwas Zitronensaft, Danillezucker, Wasser und Zucker ergibt dann ungefähr einen Liter wohlschmeckende Flüssigkeit. Jetzt nimmt man sie vom Feuer, und unter fortwährendem Rühren läuft eine Tasse Maizena hinein. Ist das geschehen, so kommt sie auf eine kleine Flamme, kocht einige Male auf und wird in eine hübsche, fall ausgespülte Schüssel gegeben Dann stellt man sie am besten an einen küh en Ort Kurz vor dem Aufträgen erhält sie einen Kranz von roten Früchten, tooxu sich eingelegte Kirschen besonders gut eignen. In einer gesonderten Schüssel einen Berg Schlagsahne, und ein ungewöhnlich wohlschmeckendes, schnell bereitetes Psingstgericht ist da. Ium Mbenbeffen Tomaten mit Parmesanreis. Reis wird gekocht, mit einem Stich Butter gut durchgerührt, mit Parmesankäse überstreut. Salz und Pfeffer nach Belieben. Große feste Tomaten aushöhlen, das Marl zum Reis dazuge- ben, durchrühren und beides in die Tomaten füllen. In einer Kasserolle Butter sehr heiß werden lassen, die Tomaten, auf die man den Deckel mit einer Feile gepickt hat, hineinstellen und unter Beigießen von etwas Wasser schnell, in zehn Minuten dünsten. Sie werden heiß gereicht und ergeben in Verbindung mit einer Butterschnitte ein ausgiebiges, nahrhaftes, gesundes Abendessen. Eierkuchen mit Gurkensalatfüllung. Der Gurkensalat wird mit einer Kleinigkeit saurer Sahne angemacht und mit möglichst wenig Flüssigkeit zubereitet. Eierkuchen werden gebacken, mit dem Gurkensalat belegt, aufgcroIU und als Gericht gereicht. Dabei kann je nach Geschmack der Salat, ebenso wie ter Eierkuchen mit ober ohne Zucker angerichtet werten. fialte Schüssel. Suppenfleisch, das die Hausirau schon am Tage vorher gekocht hat, ergibt die Fleischbrühe, die zu Pfingsten das Dorgericht bildet. Man kann sie klar in Tassen reichen, sie mit Ruteleinlage auch in Tellern zu Tisch bringen. Das Suppenfleisch falt, in Scheiben geschnitten, mit Rohkostsalaten garniert bildet den zweiten Gang. Grüner, Tomaten-, Spargel- und Gurkensalat werten mit Oet, Zitrone, je nach Geschmack einer Prise Zucker und Salz angemacht und mit krauser Petersilie verziert. Wird der Scllat mit dem Fleisch zusammen auf ter Platte angerichtet, so bietet die Speise einen sehr hübschen und frühlingshaften Anblick. Da alle Dorbereitungen schon am Tage vorher getroffen werte» können, verursacht die Mittags- mahlzeit ter Hausfrau kaum noch Mühe, und auch sie wird an den Pfingsttagen Erholung finden, g den ihrigen aber dennoch den Tisch festlich bestellen. Französische Sauce zum Spargel. Aus Butter, Spargelwasfer, wenig feinem Mehl eine Soße rühren und rundlich gekocht Zitronensaft geriebene Zwiebel, Salz, Pfesser, geriebene Rüste und verschiedene gehackte Kräuter (Petersilie, Schnittlauch usw.) angeten. Die Soße wird über den weich gekochten Spargel gefüllt Industrie- und Handelskammer Gießen. liebe, die gestrige Sitzung der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns von der Handelskammer folgender Bericht übermittelt: In dem mit den Bildern des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers, sowie mit frischem Grün geschmückten Sitzungssaal trat die Handelskammer am gestrigen Tag nach ihrer Umwandlung zu ihrer ersten feierlichen Sitzung zusammen. Der Herr Vorsitzende Ludwig Rinn eröffnete die Versammlung mit folgender Ansprache: Meine Herren! Wie schon die äußeren Zeichen, die Bilder unserer führenden Männer und der Blumenschmuck dartun, handelt es sich heute um eine Tagung von besonderer Wichtigkeit für unsere Kammer. Es ist die erste Sitzung nach den gewaltigen Umwälzungen der letzten Zeit. Ich heiße Sie herzlich willkommen und begrüße ganz besonders die neu eingetretenen Kollegen. Möge sich unter Ihrer Mitwirkung eine gedeihliche Zusammenarbeit entwickeln zum»Besten der Wirtschaft und zum Segen für unser Vaterland. Ich benutze die Gelegenheit, den Dank der Kammer denjenigen Kollegen auszusprechen, die auf Grund der Neuordnung ausscheiden mußten. Die Kammer verliert in ihnen bewährte, meist langjährige Mitglieder, die sich um die Förderung der wirtschaftlichen Interessen große Verdienste erworben haben, und ich hoffe, daß sie uns auch fernerhin in speziellen Fragen mit ihren Erfahrungen zur Verfügung stehen werden. Besonders betonen möchte ich noch das kollegial-freundschaftliche Verhältnis, das stets zwischen uns bestanden hat. Die jetzige Zeit läßt uns Ereignisse durchleben, die wir in ihrer ganzen Größe und Bedeutung erst dann richtig schätzen können, wenn wir einen gewissen Abstand dazu haben werden. Es ist notwendig, rückblickend aus die lange Leidenszeit der Wirtschaft in den Nachkriegsjahren hinzuweisen. Die Ursache des fast restlosen Zusammenbruchs unserer einstmals so stolzen und gefürchteten wirtschaft ist hauptsächlich in dem Schandver- irog von Versailles und der völlig verfehlten Staatsführung begründet. Damals, meine Herren, haben deutsche Volksvertreter die Alleinschuld am Kriege anerkannt und Verpflichtungen übernommen, die niemals zu erfüllen sind. Der deutsche Kaufmann hat niemals mehr versprochen, als er bewußt halten konnte; unsere damalige Regierung hat sich über diesen Grundsatz hinweggefetzt, um zunächst Ruhe zu bekommen, ohne Rücksicht auf die klar erkennbaren Folgen. Das, was Herr Reichsbankpräsident Dr. Schacht gestern ausführte, ist auch eine Auswirkung der damals begangenen Sünden. Was wir sonst noch alles erdulden mußten, kann man im Rahmen unserer heutigen Sitzung nicht erörtern; ich weise nur auf die Besetzung des Ruhrgebietes und die sonstigen „Sanktionen" hin, die die deutsche Wirtschaft immer mehr geschwächt und unzählige Existenzen vernichtet haben. Als stolzer Held ragt aus dieser trüben Zeit A l • b e r t Schlageter hervor, dessen zehnten Todestag mir am 26. Mai unter der Anteilnahme des ganzen Volkes mit ernster Feier gewürdigt haben. — Die Wirtschaft hat dann noch Jahre der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung erlebt, was auch bei unseren Kammersitzungen immer erneut zum Ausdruck kam. Dies führte in den letzten drei Jahren zu einer Krise von so.ungeheurem Ausmaß, daß die schon vorder stark geschwächte Wirtschaft fast völlig zum Erliegen kam. Die Kraft des Einzelnen versagte, wo eine verfehlte Steuer- und Tarifpolitik die besten und redlichsten Absichten zunichte machte. Ls hat sich bitter gerächt, daß die mahnenden Stimmen praktischer Wirtschoftsführer nicht beachtet wurden. Die erste Hoffnung auf Besserung der Verhältnisse wurde ins Wirtschaftsleben getragen durch die bekannte Rede des damaligen Reichskanzlers v. P a - p e n in Münster im Juli o. I. Die Gesamtwirtschaft atmete dankbar auf. Wenn auch die häufigen Wahlen zunächst neue Unsicherheit brachten, so müssen wir doch heute mit Dank feststellen, daß wir endlich wieder eine Führung haben, der wir Vertrauen entgegenbringen können. Der 30. Januar, der 21. März, der 1. und 17. Mai 1933 sind Tage, die in der deutschen Geschichte nicht auszuloschen sind. Ganz besonders möchte ich auf die Stunde in der Garnisonkirche vonPotsdam Hinweisen. Als bei diesem feierlichen Akt der junge Kanzler unferm alloerehrten Reichspräsidenten die Huldigung und Verehrung des ganzen Volkes aussprach und sich beide die Hände reichten, gingen eine stolze Freude und innere Bewegung nicht nur durch die Anwesenden, sondern auch durch Millionen Deutsche, die die Rebertragung am Rundfunk milanhorten. Neben dem für das neue Deutschland so denkwürdigen Tag von Potsdam ist der politisch so hoch bedeutsame 17. Mai hervorzuheben, an dem unser Kanzler zeigte, daß er nicht nur Parteiführer, sondern auch ein kluger und weitblickender Staatsmann ist. Nur seiner damaligen Nede ist es zu verdanken, daß sich die sehr ernste politische Lage entspannte. An diesem Erfolg konnte auch dadurch nichts gemindert werden, daß einzelne Staaten, die uns niemals wohlgesinnt waren, Vorbehalte machten. Lind daß unser Kanzler auch großes Verständnis für die Wirtschaft zeigt, beweisen die bedeutsamen Ausführungen, die er vor der deutschen Arbeitsfront im Sitzungssaal des preußischen Staatsrats gemacht hat. Ader sein größtes Verdienst, meine Herren, ist die Tatsache, daß es ihm gelungen ist, Deutschland vor der bolschewistischen Gefahr zu bewahren. Die Kammer stellt sich mit vollem Vertrauen hinter die Regierung und sie hofft auf verständnisvolle Zusammenarbeit mit den ihr übergeordneten Stellen, d. h. sie erwartet, daß die Meinungsäußerungen der berufenen Wirtschaftsvertretung eingeholt und beachtet werden. Ganz besonders bei dem gegenwärtigen Wiederaufbau ist sorgsamste Pflege der wirtschaftlichen Interessen notwendig; schädigende Experimente müssen unter allen Umständen vermieden werden. Diese Mahnung richtet sich vorzugsweise an die überschäumende Jugend, der noch vielfach die Erfahrung mangelt und die in mancherlei Tleber- griffen auch gegen den Willen der Führung gehandelt hat. Die nächste Zeit wird die Mitarbeit der in der Wirtschaft erfahrenen Männer mehr als je notwendig machen. Sie ist in ganz hervorragendem Maße erforderlich bei dem schwierigen Problem unserer Außenhandelspolitik. Meine Herren, wir können einen namhaften Export weder jetzt noch in Zukunft entbehren und müssen den Weg finden, der diese lebenswichtige Frage in möglichst vorteilhafter Weise löst. Den böswillig erfundenen Greuel- nachrichten des Auslands muh auch von Industrie und Außenhandel in jeder nur denkbaren Weise durch ihre Auslandverbindungen entgegengetreten werden, da hier staatliche Abwehr allein nicht genügt. Heute kann der im Ausland wieder zu Ansehen gekommene deutsche Kaufmann wirksam mithelfen, die Haltlosigkeit dieser Anschuldigungen darzutun. — Unfere Kammer hat von jeher im vaterländischen Sinne gearbeitet und bei sorgfältiger Wahrung aller ihr anvertrauter Interessen auch der Notlage unseres wichtigsten Berufsstandes, der Landwirtschaft, in reichem Maße Rechnung getragen. Wir freuen uns darüber, daß wir uns hiermit in voller Lieberein- stimmung mit unserem Reichskanzler befinden. Ein Beschluß der Kammer in ihrer ersten Jah- ressihung 1933 sieht Referate vor, die von einzelnen Mitgliedern aus ihren Berufszweigen abwechselnd gehalten werden sollen. Ich denke, daß dieser Beschluß auch von der Kammer in ihrer jetzigen Zusammensetzung genehmigt werden wird. Weiter sollen von Zeit zu Zeit wichtige Industrie- Werke des Kammerbezirks besichtigt werden, damit die einzelnen Mitglieder auch andere Berufe kennen lernen. Meine Herren! Ich konnte in meinen Ausführungen natürlich nicht alles bringen, was in dieser ersten Sitzung zu sagen gewesen wäre. Ich möchte nur noch auf das Hinweisen, was ich vor etwa zweieinhalb Jahren bei der Äebernahme des Vorsitzes erwähnte. Damals sprach ich die Hoffnung aus, daß es mir vergönnt sein möge, den Vorsitz auch in einer Zeit zu führen, in der wir wieder ein freies, mächtiges und sauberes Deutschland haben werden. Ich hoffe und glaube, daß wir heute auf dem besten Wrge zu diesem Ziel sind. Gebe Gott, daß wir es bald in vollkommener Weise erreichen! Oie ersten Beschlüsse. Durch das Reichsgesetz über die Neuwahl der Schöffen, Geschworenen und Handelsrichter vom 7. April 1933 ist die Amtsdauer der Handelsrichter mit dem 30. Juni 1933 für beendet erklärt worden und die Ernennung neuer Handelsrichter nach den Vorschriften des Gerichtsverfassungsgesetzes vor dem l.Juli 1933 vorzunehmen. In Durchführung dieses Gesetzes hat der Herr Landgerichtspräsident die Kammer aufgefordert, die Vorschlagsliste der Handelsund Crgänzungsrichter unter Beobachtung der hessischen Verordnung vom 14. Mai 1879 betr. Ernennung der Handelsrichter vorzunehmen. Es wurden demgemäß die Wahlen der Hauptrichter und Crgänzungsrichter durch Stimmzettel vorgenommen. Nach Artikel 1 des Gesetzes über die Neubildung der Steuerausschüsse vom 22. April 1933 sind die Steuerausschüsse bei den Finanzämtern unter dem Gesichtspunkte der Gleichschaltung neu zu bilden. Einem Ersuchen des Herrn Präsidenten des Landesfinapzamts entsprechend wurden die Wahlen unter Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften für die einzelnen Abteilungen der Steuerausschüsse bei den Finanzämtern in Gießen, Grünberg, jungen, Alsfeld und Lauterbach vorgenommen. Herr Bankdirektor Grießbauer berichtete über die Audienz von Vertretern der hessischen Industrie- und Handelskammern bei dem Herrn Ministerpräsidenten Dr. Werner, welche die Zukunft und die Zusammenarbeit der Jndustrie- und Handelskammern im Nhein-Maingebiet zum Gegenstand hatte. In dieser Aussprache wurde der feste Wille auf Erhaltung der Selbständigkeit der hessischen Kammern zugleich aber auch die Bereitwilligkeit zur Mitarbeit an den gemeinsamen Wirtschaftsfragen des Rhein-Maingebietes bekundet. Die Vertreter der Kammern konnten die Tleberzeugung mit fortnehmen, daß sie hierfür auf die tatkräftige ^Unterstützung der hessischen Regierung rechnen können. Der Voranschlag der Öffentlichen Handelslehranstalt Gießen für das Schuljahr 1933/34 wurde in der vorliegenden Fassung genehmigt. Oie neueZusammensehung der Kammer wie sie von der Regierung bestätigt wurde, ist folgende: In der Kammer sind verblieben die Herren: Jakob Diehm II., Lauterbach, Ludwig Griehbauer, Gießen, Hans Jhring, Lich, Martin Kimm, Alsseld, Jakob Maternus, Gießen, Wilhelm Poppe, Gießen, Kommerzienrat Ramspeck, Alsfeld, Ludwig Rinn, Heuchelheim, Joseph Sauer, Gießen und Wilhelm Wenzel, Lauterbach. Neu eingetreten sind folgende Herren: Georg Baumgärtner, Schlitz, Heinrich Christ, Lollar, Fried. Jacob Hehd, Gießen, Friedrich Hofmann, Grünberg, Karl Horst, Gießen, Hermann Lipphardt, Alsfeld, Karl Noll, Gießen, Dr. Erasmus Pauly, Gießen, Carl Röhr jun., Gießen, Fritz Schuchard, Gießen. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Ludwig Rinn, Vorsitzender, Kommerzienrat Gustav Ramspeck und Ludwig Griehbauer, stellvertretende Vorsitzende, Dr. Erasmus Pauly, Rechner, Fritz Schuchard, Karl Horst. Gründung einerNGOAp.-Ortsgruppe in Wieseck. X Wieseck, 29. Mai. In einer gutbesuchten Mitgliederversammlung im großen Saal von Gastwirt Braun fand am Samstag die Gründung der Ortsgruppe der NSDAP, statt. 2m festlich geschmückten Saal hatten sich die Parteigenossen, die SA., die Frauenfchaft, der BdM. und die NSBO. versammelt, die vom Zellenwart K. Euler begrüßt wurden, der besonders Kreisleiter Dr. Harth, Kreispropagandaleiter Hopfenmüller und den Ortsgruppenleiter Giehen-Nord Thomas (Wieseck gehörte seither als Zelle zu Gießen-Nord), willkommen hieß. Hopfenmüller sprach sodann in länge» geren Ausführungen, In denen er auf die Bedeutung des Tages für Wieseck und die entstehenden Pflichten und Aufgaben, die der Ortsgruppe als jetzt selbständiger Körper gerade in Wieseck zufallen. Er streifte kurz die einzuschlagende Kommunalpolitik, die ganz im Geiste Hitlers „Ge^ meinnuh vor Eigennutz" geleitet werden müsse. Die eindringlichen Worte des Redners klangen aus in dem Wunsche, daß die neue Ortsgruppe ein festes und starkes Glied im großen Bau des Führers sein möge. Ortsgruppenleiter K. Euler dankte sodann in längeren Ausführungen für die Wünsche und gab das Versprechen, aus der einst so berüchtigten marxistischen Hochburg eine nationalsozialistische zu erkämpfen. Rückblickend auf die besonderen örtlichen Verhältnisse und den lange verbissenen aber erfolgreichen Kampf wolle ec jeden willkommen heißen, der aufrichtig und treu das Ziel erreichen helfe. Kreisleiter Dr. Harth beglückwünschte nach dem Horst-Wessel-Lied die Versammlung zur längst gebührenden Selbständig- werdung in dem Bewußtsein, daß gerade die hiesige Bewegung durch ständigen frischerhaltenden Kamps gegen alles lähmende Spießertum gefeit sei. Thomas (Gießen) widmete in eindrucksvoller Weise dem Gedenken Schlageters eine stille Minute. Der Leiter der NSBO. Wieseck E. Jung wurde sodann zum stellvertretenden Ortsgruppenführer ernannt. Im zweiten Teil des Abends, der durch Musikstücke und Tänze umrahmt wurde, reichte die Frauenschaft. Kaffee und Kuchen. Ortsgruppenleiter K. Euler schloß sodann mit zukunftsfreudigen Worten den denkwürdigen Abend. Landkreis Gietzen. * Steinbach, 31. Mai. Am morgigen 1. Juni können der Zimmermann und Rottmeister i. R. Heinrich Keßler I. und Frau Katharine,geb. Haas, in körperlicher und geistiger Frische das seltene Fest der Eisernen Hochzeit begehen. Der Jubilar ist 90 Jahre, seine Frau 85 Jahre alt. Das Jubelpaar kann an seinem Ehrentage noch 6 Kinder, 18 Enkel und 4 Urenkel um sich vereinen. Neuer Landrat im Kreis Wehlar. WSN. Wetzlar, 27. Mai. Die Regierung hat den Kreisleiter der NSDAP., Rittmeister a. D. Heinz Grillo aus Braunfels, zum Landrat des Kreises Wetzlar ernannt. Dee neue Landrat übernahm heute die Amtsgeschäfte. Wirtschaft. Frankfurt schwächer. Frankfurt a. M., 31.Mai. (WDB. Drahtmeldung.) Die heutige Mittagsbörse eröffnete fast auf der ganzen Linie in abgeschwächter Tendenz, nachdem bereits gestern abend leichte Abschwächungen eingetreten waren. Seitens der Kundschaft lagen keine Orders vor, während die Kulisse zu Glattstellungen schritt, wobei die immer rojs^er auf- tretenden Schwierigkeiten hinsichtlich einer Unterzeichnung des Viermächtepaktes etwas Verstimmung auslösten. Das nur kleine Angebot fand bei der Gefchäftsstille kaum Aufnahmeneigung, so daß gegenüber der' Abendbörse durchschnittliche Verluste von 1 v. H. eintraten. Etwas fester tendierten nur Elektropapiere, für die offenbar Stillhaltegelder angelegt waren. Siemens gewannen 1,50 v. H. und die übrigen Werte 0,50 bis 1 v. S). Lechwerke waren auf die Bilanzziffern hin weiter gesucht und 2,50 v. H. höher. Stärker abgeschwächt waren Montanwerte, wobei gerüchtweise verlautete, daß bei Hösch-Eisen ein Verlustabschluß zu erwarten sei. Buderus büßten 2 v. H., Rheinstahl und Mannesmann je 1,75 v. H., Harpener, Gelsenkirchen, Stahlverein und Klöckner- Werke je 1 d. H. ein. Am Chemiemarkt gaben IG. 0,75 v. $). und Theodor Goldschmidt 2,13 o. H. nach, während die übrigen Kurse widerstandsfähig eröffneten. Sonst lagen noch Akkumulatoren 1 v. H., Holzmann 0,75 v. 5)., Scheideanstalt 0,50 v. H., Reichsbank, Aku und Daimler-Motoren 0,50 v. H. niedriger, wogegen Gebrüder Junghans 1,40 gewannen. Kaliaktien tendierten uneinheitlich, Aschersleben erschienen mit plus 1,25 o. $)., Westeregeln mit minus 0,75 v. H. Im Verlaufe gaben did Kurse bei fast völliger Geschäftsstille weiter nach. Durchschnittlich betrugen die Verluste 0,50 bis 1 v. H. Dabei büßten Rheinstahl 1,50 v. $)., Harpener ebenfalls 1,50 v. $)., IG. 0,50 v. Sj. und Siemens 1 v. H. ein. Der Rentenmarkt lag fast geschäftslos und überwiegend schwächer. Deutschs Anleihen verloren 0,25 bis 0,50 v. $). Späte Reichsschuldbuchforderungen verloren nach behauptetem Beginn ebenfalls 0,50 v. H. Am Pfandbriefmarkt gingen Gold- und Liquidationspfandbriefe um 0,50 v. H. zurück. |8URNüJ KAISERS Malzkaffee KAISERS™.'", Verschlagen 3650D 3630 D Kataloge und Prospekte liefert die Brühl'sche Druckerei WZ Derönnö der fidegsöefdjöölgten und Sriegerhinterüiiedenen der MW firlegerromeraOfW öuffla Ortsgruppe Gießen. Wäschewaschen? BURNUSnehmen! Wäsche hält noch mal so lange, und das Waschen ist so leicht. Wäsche waschen? BURNUS nehmen! Gesamtpreis nur Mk. 63.30 einschl. Fahrpreis ab Gießen und zurück, Unterkunft und Verpflegung. Prospekte und Anmeldung bei: Mitteleuropäisches Reisebüro, Frankfurt am Main im Hauptbahnhof; Hapag - Reisebüro Gießen, Seltersweg 89, und bei allen Fahrkartenausgaben. Nehmen Sie 3 x täglich ein Gläschen Doppelherz, das wohlschmeckende und tausendfach bewährte Nervenkräftigungsmittel. Bei Nervenschwäche, Blutarmut, Appetitlosigkeit und sonstigen Schwächezuständen als Kräftigungsmittel unübertroffen. Probeflasche RM 1,95, große Flasche RM 3,70 u. 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Der Förster Brinkmann, der ihn führt, lüftet seine Pelzmütze. „Fouroge für die Kommandantur Glogau!" meldet er dem Korporal. „Zch bitte um den Begleitmann." Landry winkt Jeast heran und malt mit unförmiger Hand feinen Namenszug auf den Passier- schein. Dann zieht der Schlitten an und fährt auf der Strotze nach Glogau davon. Ein Stück Weges geben die französischen Reiter noch dem Gefährt das Geleit. Am Kreuzweg nach der Gemeinde Blietzkowitz trennen sie sich. Ein unmerkliches Lachen huscht über das zerfurchte Gesicht des alten Försters. Er schneidet eine Grimasse und schnalzt zufrieden mit der Zunge. Gibt dem Braunen die Peitsche und sieht einen Moment lang seitwärts zurück, wo die Patrouille im dichten Nadel- holz den Blicken entschwindet. Tölpel! denkt der Alte, mein „Heu" wird euch eines Tages in die verdammten Knochen fahren, daß ihr laufen lernt! Fast zärtlich fatzt die schwielige Hand prüfend unter das Stroh, wo gut versteckt die vom Parteigänaer Wemper geschmiedeten Waffen liegen. Das Arsenal des Tugendbundes in Glogack wartet seit Tagen auf diese Sendung. Heute fand sich die Gelegenheit, denn der Jean wird gebraucht zu solchen Manöoern. Die Hanne hat ihm gehörig Den Kopf zurechtgesetzt, bis sie ihn soweit hatte. Abxr letzt hält er dicht — jetzt gibt es kein Zurück mehr. Und im Grunde tut es der biedere Sachse von Herzen gern. Nicht allein Hannes wegen, der er sein Wort gab, den Parteigängern zu helfen. Dor einer Stunde haben der Förster und der Schmied Wemper im Forsthaus im Eulengrund heimlich die Ladung fertiggemacht. Dort warten noch Flinten, Säbel und Seitengewehre auf ihre Schmuggelfahrt in die Stadt. Sie alle werden zur rechten Zeit unter offizieller Bedeckung des Feindes das Löbauer Tor in Glogau passieren. Und wenn man erst die geheime Ladung im Schuppen des Kaufmanns Friedrichs in der Ulrichgaffe verstaut hat, dann kommt auch die Kommandantur mit ihren paar Zentnern Futter in ihrem Recht. Schwer genug wird es jedesmal, diese Tarnkappe aufzutreioen Der stille Jubel bei allen Verschworenen, wenn das Derk gelungen ist, ist der schönste Lohn für Mühe und Gefahr. „Der Korporal wird den Plietzkowitzern wieder z:> schaffen machen," meint Jean, zu Brinkmann ge- wandt. Der knallt blotz mit der Peitsche. Das heitzt soviel roie: Hol der Teufel diese Lumpen! „Heute werden sie's bei dem Schulzen probieren. Der Geheime ist mit. Da gibt’s kein Pardon. Bis jetzt hat er's immer geschasst, daß sie leer abgezogen find — der Korporal hat eine Wut aus ihn." Brinkmann knurrt vor sich hin. Er möchte Beelzebub jein und diesem Korporal und seinen Helfershelfern die Knochen brechen . . Landry und sein Kommando halten den Schulzenhof in Plietzkowitz besetzt, während der Geheim- beamte den Bauern ins Verhör nimmt. Es verläuft. wie immer, ergebnislos Da nimmt sich der Korporal mit zwei feiner gewiegtesten Leute selbst der Sache an. In der Scheune beginnt die Untersuchung. Die Tenne ist leer. Kahl und düster ragen die trockenen Balken des Stützwerks. Die Pflugschar steht einsam in einer Ecke. Säcke und Körbe liegen verlassen umher. Den Boden bedeckt dürftige Spreu. Landry gibt das Kommando zum Beginn der Aktion. Die beiden Soldaten drehen ihre Gewehre um und klopfen mit den Kolben, von einer zur anderen Seite schreitend, systematisch den Boden ab. Der Korporal und der „Geheime" warten. Man nimmt in aller Seelenruhe eine Prise Schnupftabak. Das Manöver hat immer verfangen — es wird auch hier endlich zu dem gewünschten Ergebnis führen. Der Schulze steht unbeweglich am Tor. Die Bäuerin hält die Hände in der Schürze verkrampft, ihr Brust geht in gepreßtem Atem auf und nieder. Jetzt hält der eine Soldat im Schreiten inne. Dreimal klopft der Kolben mit Dumpfem Schlag auf den Boden — dann fegt bas Bajonett die Spreu hinweg und der Deckel einer Falltür wird sichtbar. „Allons!" sagt trocken der Korporal, und der Geheime tritt näher Die Bäuerin schreit auf und greift mit abwehrenden Händen nach vorn. Unbeweglich noch steht der Schulze. Die Gestalt steht, als müsse sie gegen einen Orkan standhalten. Die Soldaten steigen in das Kellerversteck. Mit schnellem Blick umfassen sie Anzahl und Inhalt der Säcke — so was lernt sich ... ihre Stimmen rufen durch die Luke nach oben. Der Korporal und der Geheime geben Auftrag, Das OefunDene restlos heraufzuschaffen. Da hält es Die Bäuerin nicht länger. Mit Jammern unD Schluchzen stürzt sie vor dem Korporal nieder. „Erbarmen — Herr! Habt Erbarmen — es ist unser Letztes!" Ein Futzlritt trifft die Frau, datz sie stöhnend zur Seite iallt. Da springt der Schulze vor und ein Fausthieb saust dem Korporal ins Gesicht. Das ist das Ende. Geiesielt wird Der Bauer ab- geführt Der Gutshos geht zur gleichen Stunde in ylammcn auf. Das Urteil lautet auf WiberstanD gegen Die Gewalt Der Besatzungsarmee! Darauf steht: Tod! Nach Drei Tagen ist Das Urteil vollstreckt. Man hat den Schulzen von Plietzkowitz auf dem Sandanger bei Löbau verscharrt — mit fünf französischen Kugeln im Leib. Die Bäuerin hat man am gleichen Tag ins Siechenhaus gebracht. 12. Wie ein Lauffeuer ist Der Mord an Dem Schulzen von Plietzkowitz Durch alle Bergtäler geeilt. Das Glimmen des geheimen Aufruhrs fchlägt in allen empörten Herzen zu lodernder Flamme auf. Nacht um Nacht reiten die Bolen der Parteigänger von Ort zu Ort, der Landkreis wird in Alarm gesetzt, Die Massen aus Den Verstecken geholt. Kugeln gegossen. Pulver unter alle wehrfähigen Männer verteilt. Der Kommissar Rambeaux hat mit dem abschreckenden Beispiel, das er an dem Schulzen vollstrecken ließ, das Gegenteil erreicht: Blut fordert Biut! Das Exempel. Das er statuieren ließ, kennt nur eine Antwort: Vergeltung! Mord verlangtSühne! Hauptmann Lefevre ist der Mittelpunkt aller Angriffe. Er und seine Leute sind ihres Lebens nicht mehr sicher. Die Patrouillen sind verstärkt, kein Mann darf allein und ohne Waffen die Straßen passieren. Die Bolkswut ist auf das höchste gestiegen. Alle Requisitionen sind eingestellt. Der Hauptmann handelt bewußt gegen den Befehl — er und feine Leute fitzen in einer belagerten Festung. Ein Schuß noch — und der Sturm bricht los! Rambeaux aber, der Anstifter des Verbrechens, sitzt geborgen in feiner Amtsstube in Glogau. In unsichtbaren Kanälen legen er und seine Spitzel weiter Gift und Mord, im Namen ihres Kaisers. * Sturm fegt von den Bergen ins Tal hernieder. Wolkenfetzen jagen über den grauen Himmel. Knarrend beugen schwarze Tannen ihre Wipfel. Aus geborstenem Eis sickert Wasser Des Gebirgsbaches. Fern echot Der erschreckte Ruf eines Nachtvogels. Schritte überqueren vereiste PfaDe, zertreten morsches Knüppecholz, stolpern über Geröll unh Steine. Ein Dutzend Gestalten haben in der letzten Stunde diesen Weg gekreuzt. Ihr Ziel ist der Eulengrund. Nachtschwarz hockt das Blockhaus des Försters Brinkmann in der versteckten Bergfalte. Kein Lichtschein bringt aus den verschlossenen Läden. Mit Mvvs und Flechten sind alle Ritzen Des Balkenwerkes sorgsam verkleiDet. Keines Spähers Auge roürDe Verdächtige» bemerken. Friedlich nur träufelt sich Der Rauch des roärmenDen Herdfeuers durch das Dach und verliert sich in endlosen Himmelsweiten. „Gib Das Kennwort!" ruft aus Dem Dunkel eine Stimme Dem Amtmann Günther entgegen Der auf Die Tür Des Hauses zutastet. Der Schatten einer hochaufragenden Gestalt löst sich unmerklich von dem deckenden Leid einer uralten Buche. „Dreizehn!" ruft ihm gedampft Der Amtmann hinüber. Nun tritt Der Wächter herzu. Dem alten Günther Die HanD reichend. Die gezogene Pistole oerschwinDet in der Tasche Des weiten Mantels. „Ihr feiD Der letzte, Amtmann", flüsterte Der junge Jürgen Thorn, tnDem er Den Riegel Der niederen Tür löst. Die beiden treten ein. Im spärlichen Lichte Des Herdfeuers sitzen Die wartenden Männer. Die Begrüßung ist kurz. Der Förster setzt noch eine Kien- fackel in Brand, bann nimmt er bas Gewehr, pfeift seinem Hunb unb verlätzt bie Hütte, um Wache zu gehen. Baron von Löbau, als Vorsitzender Des LanD- kreises, nimmt bas Wort. An ein Dutzend Männer, Vertrauensleute ber umliegcnben (Bcmeinben, sind in dem Raum versammelt. Gespenstisch flackert ber Lichtschein über ihre lauschenben Gesichter. „Mord — an unserem Landsmann und Parteigänger — hat uns hier zusammengeführt." Der Baron macht eine Pause, bie schweigendes Geben- ken ist für ben Toten „Gewalt unb Willkür for- bern Sühne! Wir alle kennen nur eine Forberung in biefer Stunbe: Vergeltung! „Blut sei unsere Parole!" ruft ber junge Tborn bazwischen. Worauf warten wir noch? ... Herr Baron — wir haben Waffen, wir sinb Männer genug, um bie,em traurigen Hausen Uniformierter Mordbrenner die Stirn zu bieten!" „Ihr wißt, was wir dem Gesetz des Tugend- bundes schuldig sind", entgegnete ruhig ber Baron. „Gehorsam und Treue!" Die Debatte kommt in Hitze. Meinungen werben laut. „Wie lange soll ber Morb noch hier umgehen?! Der alte Klaus wirst feine Tonpfeife in bie Glut, bie hoch aufzischt. „Die nächsten finb wir! Sollen wir warten, bis auch wir bie Kugeln im Leid haben?" Lehrer Fischer, ber brüben in ber Gemeinbe Purschwitz amtiert, verlangt bas Wort. „Ich sage — unb wenn mich alle verfemen um meiner Meinung willen — es ist purer Wahnsinn, bie Waffen zu erheben! Es ist Selbftmorb, auch nur.einen Moment zu glauben, baß unser Widerstand vier bern ßanbe nützt! Was hilft Schlesien, was gilt für bas gesamte Preußen eine Erhebung in unserem kleinen Lanbkreis?! Es bringt nur Den BunD in Gefahr unb forbert sinnlose Opfer!" (Fortsetzung fok 3634 A Hk. Welt Wctular Eisenmarkt 2 Braun Boxkalf Orig.-Goodyear- Entzückende Modelle in Ladt und farbig... .Mk. Weilburg Vorstadtstraße 1 Sri Schuhotiegemitte! Gießen Straße 60 Die moderne Opanke... Mk. 2. Pfingsttag Autobus zum 3644d Schollener MoMiüm Abfahrt Ludwigsplatz 7 Uhr. Rückkunft gegen 18 Uhr. Fahrpreis RM. 3 — Karten b. Germer »*igMte und an Uebcrraschnngen reichste Ufa- Ton-Lustspiel der beiden Lieblinge aller Gießener Käthe v. Nagy und Willy Fritsch Jdi bei Sag und &u bei Jlacht In den übrigen Bollen: Ida Wfist, Jelins Falkenstein, Urtala van Diemen an< ile Comedian-Harwonlsts. Ferner neuer Ufa - Kabarett film Nr. 9 3637 C Kulturfilm und Ufa-Ton-Woche |/a|L Grau- u.Weißkalk KSIIIl Bausackkalk RUIn Düngerkalk mio vom Lahnkalkwerk Albshausen beste Qualität zu billig. Preisen C. 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