Nr. 150 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejfen) Freitag, äO.Zuni (955 Erziehungslager oder ©fraftagertfeH ourch Ihre 21aturncranlogung auch bic tierten, die nur die Verführten einer Klaffe find, restlos zu erringen. SJ.-fport » ■ ■ ■ Der grobe Kameradschaftsgeist, die große eigene Lebenserfahrung, gepaart mit unbegrenzter Menschenkenntnis, die echte deutsche, schlichte Führernatur Ihrerseits, gab uns ein uneingeschränktes Vertrauen, selbst Ihre eigenen Kameraden konnten Sie niemals höher schätzen, als die Ihnen anvertrauten Männer der Lagerinhastierten. — Obwohl Ihnen Leute zugeführt werden, die eine weniger gute Kinderstube hinter sich haben, so haben Sie es immer verstanden, sich die grobe Hierfür Dank abzustatten, kann nur auS dem Anstand eines Menschen zur Bedingung werden, ich selbst und viele meiner Leidenskameraden zollen Ihnen aber unverbrüchliche Achtung, und nur darin erkennt man die hohe edle Art eines Menschen.- Das ist Osthofen und sein Lagerleiter D'Angelo. — bestes nationalsozialistisches Führertum, das allein die innere Wandlung unseres Volkes erzwingen kann! eigene Klubkameraden übertroffen sein. Es sind dies Unteroffizier Steines im Stabhochsprung, Unteroffizier Gugel im Kugelstoben und Diskuswerfen, Beppcrling über 800 Meter Auch von den Sprintern E 1 d r a ch e r und W. Müller erhofft man ein erfolgreiches Abschneiden, desgleichen von Gerhardt in der langen Strecke. Wünschenswert wäre natürlich sehr, wenn auch wieder mal ein Staf- felsieg errungen werden könnte. Die Möglichkeit hierfür besteht am ersten in der 4X100-Tleter-Staffcl, die in der Besetzung Reifing, Eidracher, Tietz, W Müller (Koch ist verletzt) läuft. Zu den Meisterschaftskämpfen der Frauen, die gleichzeitig stattsinden, werden sechs Damen entsandt. Bei dem ausgezeichneten Können der Kasselanerin- nen wird man mit Plätzen vorlieb nehmen müssen. Leichtathletik der Sp.-Dg. 1900 Bezirksmeisterschaften in Kassel. Darmstadt, 29. Juni. (WSR.j Die Staatspressestelle teilt mit: Das hessische Konzentrationslager in Osthofen wird gelegentlich zum Gegenstand eines Meinungsstreits gemacht, ob die Behandlung der Sträflinge „zu umild" oder „zu hart" sei. Hier Straflager — hier Erziehungslager: so stehen sich die Meinungen gegenüber. — Hierzu ist grundsätzlich zu bemerken, dah die Polizeihaft, die aus Grund der bekannten Verordnung vom 28. Februar 1933 verhängt und in Hessen meist im Konzentrationslager Osthosen vollzogen wird, zunächst einmal keinen anderen Zweck hat als den, einen Menschen aus politischen Gründen aus seiner Umgebung wegzunehmen und in sicheren Gewahrsam zu bringen. Diese polizeiliche Aufgabe wird fedenfalls in Hessen ordnungsgemäß erfüllt. Was darüber hinaus mit dem Häftling geschehen soll — ob abschreckende Schikane oder erzieherische Beeinflussung —, ist natürlich Standpunktsfrage, abgesehen von dem Gerechtigkeitsgebot, die durchaus verschieden gelagerten Haftfälle nicht über einen Kamm zu scheren. Das hessische Lager in Osthofen wird seiner vielseitigen Aufgabe jedenfalls in jeder Meise gerecht. Wer von dem „Erholungsheim" O st Hofen faselt, wird freundlichst eingeladen, für einige Zeit mit den zur Zeit 240 Häftlingen in den Massenzellen des Fabrikgebäudes Platz zu nehmen. Die „Erholung" wird ihm gegönnt. (Daß die einfache Gefängniskost für manchen armen Proleten eine Verbesserung gegenüber der häuslichen Hot bedeutet, kann wohl kaum der 2a- sen-Hannover zum Austrag. Die Leichtathletik-Elite des gesamten Bezirks dürfte sich dazu einfinden. Die 1900er, die schon immer bei den Bezirksmeisterschaf- tcn eine gute Rolle zu spielen vermochten, wollen auch am kommenden eonntag versuchen, ihren guten Ruf zu wahren. Sie haben für fast alle Wettbewerbe Meldungen abgegeben. Meisterschaften sind in folgenden Disziplinen zu verteidigen: 400-Meter-Hürden und Stabhochsprung (Jung), Kugelstoßen und Diskuswerfen (Kilo), sowie 800 Meter (Peters) Die Genannten gehen auch am Sonntag wieder mit guten Aussichten an den Start. Allerdings wollen Am Sonntag gelangen auf der Kasseler Hessenkampfbahn die Leichtathletik Meisterschaften von Hes- fen-jy ~ ' - — 60. ZezirkStimisest des Bezirks Hessen (ST.) gcrlcitung als übergroße Milde zur Last gelegt werden.) Andererseits aber weiß die Lagerleitung, daß sie in ihrem Verhalten gegenüber den Häftlingen auf dem richtigen Wege ist, wenn dem Lagerleiter, SS.-Sturmbannsüyrer D'Angelo, von einem ehemaligen Kommunistenführer nach der Entlassung folgender Brief geschrieben wird: Geehrter Herr D'Angelo! „Nun bin ich wieder in meiner Heimat. Umgeben von waldigen Höhen liegt unser Dörfchen im schönsten Sonnenschein. So rechtes Wetter, um seinem oanzen Denken und Empfinden in dem Bann der freien Natur soviel Spielraum zu lassen, um, wenn nicht innere Hemmungen vorhanden wären, restlos glücklich zu sein. Leider ist es so, daß alle Männer, Denen das Leben nicht Komödie, sondern tiefernstes Erleben bedeutet, wohl selten ein persönliches Glück kennen lernen. Vielleicht dürfte dann, wenn in unserer Heimat endlich einmal ein freies Geschlecht, befreit von der Sucht nach der alles verderbenden Mammonherrschaft, auch in den Herzen der ruhelosen Kampfnaturen stiller Friede und damit das Glück, einkehren. Bis dahin ist es wohl noch weit. Doch der Tag wird kommen, wo alles Minderwertige, wo das Ducken und Beugen vor dem Götzen Geld hinweggefegt fein wird Erfüllung wird das Fazit des Kampfes all derer fein, die um das Gute ringen. Wir wollen ein freies Volk auf freier Scholle fein. Wir wollen darum kämpfen, ehrlich und befreit vom Parteidogma, damit die Herzen derer sich finden, die die Liede zum Volksgenossen sich in Hirn und Herz eingemeißelt haben. Der Bezirk Hesien des Mittelrhein-Gaues der DT (nach der bisherigen Bezeichnung Gau Hessen), hält in den lagen vom 1 bis 3. Juli in der alten Tur- nerstadt Alsfeld sein 60. Bezirks-(Gau-) Turnfest ab. Es ist die erste größere Heerschau der Hessenturner nach der nationalen Erhebung und wird auch ganz im Geiste des neuen Deutschland durchgeführt. Wenn auch die Zeit rauschende Feste verbietet, so erfordert sie aber doch ein Zusammentreffen gleich- gesinnter deutscher Männer und Frauen zur gemeinsamen Ausrichtung an lebendigem Turnergeist und an den alten vaterländischen Hochzielen der Turner- schäft. In freudiger Erinnerung an das letztmals 1929 in Alsfeld stattgefundene Gauturnfest, werden daher Hunderte aus allen Teilen des weiten Chat- tengaues nach Alsfeld kommen und dazu beitragen, das im Zeichen der nationalen Erhebung stehende 60. Bezirksturnfest zu einer machtvollen Kundgebung für den deutschen Gedanken, für Jahn'sches Turnertum und deutsches Volkstum zu gestalten. Wenn das große Turnertreffen im Sinne der Veranstalter so ganz im Geiste des Turnvaters Jahn ein lebensvolles Bild wahrer Volkstums- und Volksgemeinschaft vermitteln wird, so ist das mit ein Verdienst der großen vaterländischen Verbände (SA., SS. und Stahlhelm), die sich in bereitwilligem, freudigem Entgegenkommen mitmir- kend in den Festoerlauf eingegliedert haben. Das 60. Bezirksturnsest, über das das Ehrenmitglied des Tv. Alsfeld 1849, Landtagspräsident und Staatsminister a. D. Dr. M ü 11 e r (Darmstadt), die Schirmherrschaft übernommen hat, wird Samstagabend auf dem historischen Marktplatz der alten Hessenstadt mit einer Feier eröffnet. Anschließend finden auf dem Festplatze die Geräte-Meisterschaflen des Bezirks statt, bei denen sich die besten Geräteturner, alles bewährte und erprobte Kämpen, um den Ehrentitel des Meisters bewerben. Zu den Wettkämpfen im Turnen und Fechten treten nach einer Morgenfeier am Sonntag weit über 400 Einzelwettkämpfer an (ein erfreuliches Meldeergebnis!). Der Sonntagnachmittag bringt nach dem Festzuge die allgemeinen Freiübungen, den W. Will- S t a f f e 11 a u f der 7 Kreise des Bezirks, einen Vorbeimarsch der Wehroerbände, das Musterriegen- turnen (40 Vereinsriegen gemeldet). Ansprachen des Bezirksführers Dr. Rau (Butzbach) und des hesii- schen Landtagspräsidenten Dr. Müller (Darmstadt) werden zu Höhepunkten vaterländischen Erlebens führen. Wirtschaft. Erlauben Sie, daß ich mein übervolles Herz Ihnen gegenüber ausschütte, ich tue es, weil ich glaube, daß Sie mich verstehen werden. Es ist so selten im Leben, daß man verstanden wird. Nun lassen Sie mich Ihnen danken, für die Güte, die Sie an einem ihrer früheren politischen Gegner verwandt haben. Ich bezeuge gern, daß die Zeit meiner Inhaftierung in Osthofen für mich einen Lebensabschnitt bedeutet, der wertvoll für mein ganzes Leben sein wird. Ich danke auch der gesamten Lagerleitung für das Verstehen den übrigen Lagerinsassen gegenüber. Wenige werden das Lager Osthofen verlassen, die nicht die Ueberzeugung mitnehmen, daß es unmöglich ist, schon aus menschlichen Erwägungen heraus, noch länger Gegner eines Staates zu sein, der solche Männer, wie ich sie in Osthofen kennengelernt habe, als Grundpfeiler - hat. Nehmen Sie nochmals meinen und den Dank meiner Familie entgegen! Mit dem Wunsche, daß es Ihiien möglich sein wird,- durch Ihr Arbeiten im Lager Osthofen den Kontakt zwischen den Volksgenossen wieder herzustellen, verbleibe ich Ihr..... Wer wagt es, die innere Wahrheit dieses Briefes in Zweifel zu ziehen? — Ein anderer Kommunist schreibt: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit. Seit Ende Januar ist die Beschäftigung in Deutschland von Monat zu Monat gestiegen. In den letzten vier Monaten (Februar bis Mai) hat die Wirtschaft, wie dem Wochenbericht des Instituts für Konjunkturforschung zu entnehmen ist, etwa 1,7 Millionen Arbeitskräfte wieder in den Produktionsprozeß ein- gereiht. Für die gesamte Wirtschaft zählte die Statistik der Krankenkasse Ende Januar 11 490 000 (Ende Mai etwa 13,1) beschäftigte Arbeitnehmer. Die Beschäftigung nimmt zwar in jedem Jahre in den Frühjahrsmonaten zu, in keinem der letzten drei Jahre ist die Beschäftigung aber im Frühjahr so stark gestiegen wie 1933. Die Wirtschaftspolitik der Reichsregierung zielt ') vor allem darauf hin, die „K r i s e n r e st e“ zu < beseitigen. In dem Maße, in dem die wirt- • schaftspolitischen Maßnahmen Wirklichkeit werden, wird mit einer Konsolidierung zu rechnen sein. Die konjunkturelle Steigerung der Beschäftigung seit September 1932 war vor allem durch die Entwicklung der Industriewirtschaft bedingt. Die industrielle Beschäftigung entscheidet über die Entwicklung des gesamten deutschen Arbeitsmarkts. Die Gesamtzahl der in der Wirtschaft beschäftigten Arbeitnehmer ist nach Ausschaltung der Saisonschwankungen seit dem Tiefpunkt im Sommer vorigen Jahres bis Mai 1933 um rund 5 Prozent, die Beschäftigung in der Industriewirtschaft aber um etwa 11 Prozent gestiegen- Die Zahl der beschäftigten Industriearbeiter hat sich im Mai von 43,8 auf 45,5 Prozent b' Unterwäsche Berrenmoden-Richter, Neuen Baue 3 mengen. Verlangen Sie nur echtes Rasiol in Originalflaschen u. weisen Sie Nachahmungen zurück. Allein. 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Ich sagte, es wäre für eine Nichte. Da können Sie wohnen, und die helfen Ihnen, daß Sie was Ordentliches lernen und dann auf eigenen Füßen stehen können. Wenn Sie noch länger hierbleiben, gibt's ein Unglück. Die Karte nach Berlin besorge ich Ihnen, morgen hab' ich frei. Sie armes Wurm können ja nie weg. Wenn Sie reich werden, geben Sie mir das Geld wieder, wenn nicht, ift's auch gut. Ich hab' meine Altersrente sicher, und noch mehr von dem Zeug da; man ist nicht umsonst sechsundzwanzig Jahre in einem guten Hause in Dienst gewesen. Werden Sie gehen?' Ich starrte auf das Gold, dann auf die dicke Frau mit dem roten Gesicht im Kattunkleid — und wieder auf das Gold. Und dann sprang ich auf, streckte ihr beide Hände hin, wortlos vor tiefster Dankbarkeit und Erregung. Sie nahm sie nicht einmal, nickte nur befriedigt: ,Dann ift's gut. Morgen abend finden Sie die Fahrkarte unter Ihrem Kopfkissen. Schnell weg mit dem Geld — jemand kommt!' Und damit eilte sie hinaus, ehe ich auch nur ein Wort hatte sagen können. — Zwei Tage später saß ich im Heim des Frauenschuhes — allein, aber frei! Zwei Jahre blieb ich dort und lernte. Dan bot sich die erste Stellung, ich stand auf eigenen Füßen; zwar noch recht unsicher, aber ich stand! Seitdem war ich Buchhalterin, Tippfräulein, Sekretärin, Verkäuferin, überall abgebaut, frisch angefangen. Der Brief an meine Verwandten, im Zuge nach Berlin geschrieben, wurde nicht beantwortet. Ich hatte es nicht anders erwartet, denn was ich getan, war ihnen ebenso unverständlich wie unverzeihlich. Dreimal sandte ich einige Zeilen und Abzahlungsraten an Mamsell. Die Briefe behielt sie, das Geld kam zurück mit dem Vermerk: »Adressatin verweigert Annahme.' Da schrieb ich an den Pastor. Auch er schickte das Geld zurück. Daß ich die fünfhundert Mark als Geschenk behalten solle, sei der letzte Wunsch Mamsells gewesen, ehe sie nach kurzem Unwohlsein verschieden. Wieder eine Tote! Es ist furchtbar, immer nur an Tote denken zu können." Georg von Dandro hörte die ganze Qual eines gehetzten, heimatlosen Menschen aus der wunden Stimme. Und er suchte nach einem guten Wort. „Nun sind wir Lurch die Nacht gewandert", sagte er behutsam, wie zu einer Kranken, „aber vor uns liegt der Tag und all.feine Schönheit! Das Dunkel ist vorüber, und die Sonne lacht; sie weiß wohl, daß sie die Siegerin ist und bleibt, denn Sonne ist Leben, und Leben ist Ewigkeit." Ganz still saß das Mädchen, trank die herzlichen Worte in sich und grübelte über ihren Sinn; dann lächelte sie den Mann an mit feuchten Augen: „Sie. verstehen zu trösten, Herr von Vandro. Dante!* l Fortsetzung folr Sport-Mäntel In neuen Stoffen und Formen, mittelschwer.......29.-, 23.-, Gabardine-Mäntel reine Wolle, impr., in marine 475Q und mode.....32.-, 27.-, 20.-, I / Der Naturforscher Matur und Technik Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften und ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Herausgeber: Dr. Oskar Prochnow Der Naturforscher“ ist die allgemeinverständliche, hochwertige naturwissenschaftliche Monatszeitschrift für geistig Anspruchsvolle, die bei hervorragender Ausstattung nicht auf oberflächlichen Aufputz, sondern auf Gehalt eingestellt ist. „Der Naturforscher“ bietet Beiträge in Bild und Wort von angesehenen u.bedeutenden Mitarbeitern aus allen Gebieten derNaturwissen- schaften. Preis: vierteljährlich nur RM. 2.50. Probehefte u. Werbeblätter kostenlos Hugo Bermühler Verlag • Berlin - Lichterfelde lieben Glück, das die Erwachsenen wohl schon lange nicht mehr geteilt." Ein tiefes Atemholen. „Gerüchte von einem Zusammenbruch drangen zu meiner Mutter — sie glaubte ihnen nicht. Wer hätte denn eine derartig furchtbare Katastrophe für möglich gehalten! Rußland konnte den Krieg verlieren, dann gab es vielleicht Unruhen; aber waren sie bisher nicht stets von der Armee unterdrückt worden? Schwarmgeister, die die Unzufriedenheit schürten, halle es in dem großen Reich immer gegeben. Die vielen Dienstboten, fast alles ältere Leute, hielten treu zur Herrschaft, spotteten über das Geraune vom Nahen einer neuen Zeit. Sie brauchten sie nicht, es ging ihnen gut. Erst als Prinz Trubetzkoi, Oberst in einem Garde- Kavallerieregiment, der auf kurzem Urlaub m Moskau gewesen, meiner Mutter dringend zur Abreise riet, entschloß sie sich, Großmama aufzuklaren und alles vorzubereiten. Dem Prinzen glaubte sie, denn er kam von der Front. Er liebte meine Mutter — nach Beendigung des Krieges wollten sie heiraten. Es kam anders." Die Augen des Mädchens waren starr geradeaus gerichtet. Sie schien die Gegenwart des schweigenden Zuhörers auf der Bank neben ihr ganz vergessen zu haben. „Großmama sträubte sich zuerst heftig gegen ine Reise nach Finnland. »Wer wird mir alten, kranken Frau denn etwas tun?' meinte sie ungläubig, »und ihr seid ja Deutsche!' Aber als des Prinzen treuer Bursche die Nachricht brachte, daß fein Herr von den eigenen Soldaten erschossen worden war, wurde unsere sofortige Abreise beschlossen. Der Kutscher und die gute, alte Katja, unsere Kinderfrau, sollten uns begleiten; die andere Dienerschaft wurde nach Hause entlassen. . Sie trugen Großmama in den Schlitten, die Pferde jagten dahin, ohne das fröhliche Schellengeläut von einst, unnötiges Geräusch sollte vermieden werden. Die Frauen schwiegen; auch wir Kinder saßen stumm und bedrückt, als ahnten wir die nahende Gefahr. In einer Straße der Vorstadt kam uns ein Trupp halbberauschter Soldaten entgegen. Es war zu spät zur Umkehr. Im Nu waren wir umzingelt, aus dem Schlitten gezerrt. Umsonst rief meine Mutter, daß wir alle Deutsche seien, wies unsere Pässe. Einer der Burschen, ein von ihr entlassener junger Hilfs- gärtner, hatte Großmama erkannt. Sie war doch Russin von Geburt! Und leugnete es nicht. Sie wurde an einen Laternenpfahl geschleift. Den umschlang sie mit ihrem gesunden Arm, richtete sich plötzlich ganz gerade auf und sah erhobenen Hauptes ihre Mörder an. »Gott segne Rußland', sagte sie laut und fest. Da krachten Schüsse ... Die Kerls fuhren in unserem Schlitten lachend und johlend davon, Katja und den alten Anton in ihrer Mitte. Wir knieten neben Großmamas Leiche im Schnee, küßten ihre Hände — Mama sprach ein Gebet. Dann zog sie uns an sich, wir rannten weiter, immer weiter-- - «-3 «3 1- 5 -3* = e S 5 u o K gab es nichts. Dann die Jagd nach dem Schiff — nur um Jesu willen nicht zurückgelassen werden — Da schrie Mama plötzlich den Namen meines Bruders. Er war in dem fürchterlichen Gedränge von ihrer Seite gerissen worden! Sie wollte zurück ans Land; doch war das ganz unmöglich. Die Massen rissen sie mit sich aufs Schiff. Auch hier die lebensgefährliche UeberfüUe. Man stand, weil kein Raum zum Umfallen war. Erst nach der Landung konnte an ein Suchen nach dem Vermißten gedacht werden. Aber Kolja war und blieb verschwunden — wir haben ihn nie wiedergesehen." Die Stimme der Erzählerin brach in jäh aufschluchzendem Laut. Der Mann neben ihr griff nach den zujammengefalteten Händen, streichelte die eiskalten behutsam. Auch ihn würgte es in der Kehle. Großer Gott, was hatten all diese Menschen gelitten! Wie klein war seine eigene Not dagegen. Minutenlang saßen sie schweigend nebeneinander. „Und dann —?" fragte von Vandro endlich leise. „Im Flüchtlingslager brach Mama infolge der erlittenen Aufregung und Strapazen zusammen — drei Wochen später wurde sie dort auf dem kleinen Kirchhof beerdigt. Und mich schob man mit einem der großen Züge nach Deutschland ab zu meinen Verwandten. Die waren wenig erbaut ob des Gastes. In den guten Zeiten hatten wir sie gemieden, nun sollten sie mich erhalten, die ihnen innerlich und äußerlich völlig fremd. Dazu die schweren Sorgen, der politische Umsturz, die Inflation — hatte da nicht jeder genug mit sich zu tuq?" Wera Wetterns Stimme schwankte nicht mehr. Hart und voll Kälte war sie. „In jenen fünf Jahren habe ich gelernt, was es heißt, als unwillkommener Gast das Gnadenbrot zu essen. Jeder Bissen davon hat mich gewürgt. Ich half, wo ich konnte, lehrte die Kinder Russisch und Französisch; aber meinen Kopf trug ich hoch. Und das verziehen sie mir nicht." Sie saß steil aufgerichtet, die feinen Nasenflügel bebten. Nein, dachte von Vandro, sie betrachtend, du lernst das Ducken nie, du dienst nur freiwillig, als Gnade, die deine schönen, schmalen Hände verschenken. „Nur ein Mensch, eine einfache Frau aus dem Volke, erriet meine Not. Es war die Mamsell, die derbe, grobknochige Köchin; im Schloß wegen ihrer raffinierten Kochkünste ebenso geschätzt wie gefürchtet wegen ihres Jähzorns und ihrer bösen Zunge. Die kam eines Abends herauf in meine Stube, in der ich strümpfestopfend saß. »Warum bleiben Sie eigentlich hier, Komtesse Wera?' fragte sie mich ohne jede Einleitung. ,Weil ich nicht fort kann', erwiderte ich, sie erstaunt ansehend. Noch nie hatte sie ein freundliches Wort an mich gerichtet — unb^oef) spürte ich sofort, daß mir hier Teilnahme entgegengebracht wurde. »Ader wenn Ihnen nun jemand dazu verhülfe,' forschte sie weiter. »Dann auf der Stelle, wenn mir dieser Jemand Mittel und Wege weisen könnte', antwortete ich, ri? aus reiner Wolle, mit langem od. kurzem Puffärmel, in entzückenden Neuheiten, teils auch Westen, Stück 5.50, Auswahlen schnellstensI Modehaus 8sIvM0N Roman von Helma von Hellermann. 6. Fortsetzung. Nachdruck verboten! 7. Kapitel. „Die Wettern stammen aus der Mark. Unruhiges Blut und Abenteurerlust trieb manche von ihnen in die Ferne. Die hierblieben, wurden reich und angesehen, denn sie heirateten gern unter sich; so blieb alles in der Familie. Nur mein Großvater, den der große Friedrich in diplomatischer Mission an den russischen Kaiserhos gesandt, machte darin eine Ausnahme. Er lernte dort die Tochter eines Grafen Sukefkoi kennen, und da seine Neigung erwidert wurde, heirateten die beiden sich bald. Das einzige Kind aus dieser Ehe war mein Vater. Die ganze Verwandtschaft schloß sich zusammen in frostiger Abwehr gegen das fremde Element, das nun in ihrer Mitte auftauchte und trotz aller Hindernisse bald zum strahlenden Mittelpunkt der Gesellschaft wurde. Wie oft hörte ich darüber als Kind! Großmama muß in ihrer Jugend entzückend gewesen sein, schön, liebenswürdig und beweglichen Geistes, an große Verhältnisse, Reisen und 2Ibroed)|lung gewöhnt Noch nach zwanzig Jahren nannten |ie sie ,die Russin', und freuten sich, als Großmama nach dem Tode ihres Gatten wieder nach Rußland zog. Sie hatte sich nie so recht wohl im steifen Milieu gefühlt, und auch ihr Sohn, mein Vater, der die Regierungskarriere eingeschlagen, verbrachte feine ganze Urlaubszeit bei ihr, statt auf den Gütern der Verwandten, was jene sehr verstimmte. So kam es, daß er auch als Ehemann — er heiratete eine Baltin — seine Familie oft zu Besuch nach Rußland brachte und Mutter mit mir und meinem Bruder Kolja ganz zu ihrer Schwiegermutter zog, als Papa im Jahre 1912 einer Lungenentzündung erlag. Das waren herrliche Jahre! Großmama besaß em kleines Juwel von Palais in Moskau, es kam viel Besuch Meine schöne Mama wurde sehr gefeiert. Es gab köstliche Schlittenfahrten, Kinderfeste von märchenhafter Pracht. Im Winter reisten wir mit dem ganzen Troß der Dienerschaft nach der Krim, im Sommer auf die Newainsel Yeragm, wo Großmama eine Datsche (Landhaus) besaß, und wo wir uns nach Herzenslust tummelten. 1914 fam mein Bruder in die Privatschule eines französischen Professors. Da brach der Weltkrieg aus. Im Begriff, mit uns yllen nach der Schweiz zu reifen, erlitt Großmama vor Aufregung einen Schlaganfall, der sie halb läbmte Um keinen Preis hätte Mama sie nun verlassen besonders da sie durch einflußreiche Freunde bei Hof und der Armee die Erlaubnis erhielt, mit ihren beiden Kindern in Rußland zu bleiben. Dom Kriege spürten wir so gut wie nichts. Man lebte wohl ein wenig stiller und einfacher, aber sonst ging alles seinen gewohnten Gang — bis die Revolution ausbrach. Da war es zu Ende mit unserem fried- 4235 A Verkaufsstelle Wen: Marklulolz 22 Herrengarderobehaus L. ROSENZWEIG Gieben, Neustadt Nr. 10 _________________________________4237 A I >0:0 'a l .MR ! U=~ MA CD*' ; ' ~ OS. - l, et i . LL-- WiS : Mts ast : C ~ t- tü - u u | E e€ -eo. •=3«‘O' •e e €• = "SB sr E E ti) H :££ E 2t 05 A = E = Eg SA? TS 5«>e L B §19 o «'S ±.E ■e3 ® E 4 i±) Ett» ^Sto"0 S> «- ±t , c _ Hg^§ 3e E o toe 5S u-e e E BX4KM E Z E 2 - --b ®E- s SS SA 5£<9 l=£® Ab .-= B -b B.YS5 3) O E»S «a B =-S 1 B~ B ES ”£_ £ = E MW-! E L_ v °S E E 19 >=» B t: o LZA aE o 3 a * © e ü Er? •> E □ 19 B £ 2 §£: ’m B ' © E,= § » N ZDs? AsrÄ-A <^Q19@ <$?(9A55 <9c?(9c? @ = -e E 3-; 8 E 3 E^> A - S 3 -e« ä = 9 c B5<9 S^-b- ’reisen fl'o.oB o ZZ S£ E 03? g X.Ü es g8K «E E E S ES« :c E 3 E g 3 SS E 2 g °£S) a-as,ä = E Nst E E A=3 -■E u-e-s e ä 3(9 c E 5:2 •955 5 5-b L-; e FL 2 E "■»€€ 2 jo eSC?55 g ö E J50 5© e E 55 H « 3 A _ 2 S? 5 2 SS ras« 75 e e«n H 6- E E 6 50 ’S'E E c C 3 E® B E = Ä 9 ÖS E Sl9 >5 -Jt9 Z3 bGZ =S .^s 2 = e T< c. r-v F 2 <£?(9 A C -E s 3 s rc tO BLL *°_ o le mü fielen t.60- 55 S*E = £sg 2 * - 5 9 ö E W E >k dir herzlichen ren Sinn; dann en Augen: , 6k bro. 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