nr. 124 Krühausgabe 183. Jahrgang Dienstag, 30. Mai 1933 Erschein» > ügllch, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholl» monals:Be$ug$prels: MU 4 'Beilagen NM 1.95 Ohne Illustriert» , l 80 Zustellgebühr . . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt Hernsprechanschlüsse onter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. PoMfdfedfonto: Krontsurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Untversttälr-Vuch- und Stetnöruderti R. fange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnfftraße 7. Annahme von Anzeigen für die laqesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm tjobc für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für ’.Re- hlamean jeigen von 70 inm Brette 35 Neichspfennig, Platzvorfchrist 20", mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Thyrlot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein undiür denAn. zeigenteil i. D.Th.Kümmel sämtlich in Gießeii. Danzig nach dem nafionalsozialistischen Wahlsieg. Oer künftige Staatspräsident Dr. Rauschning erläutert vor der Berliner presse die Aufgaben des neuen Kurses. Berlin, 29. Mai. (END.) Aus Einladung des Danziger Landbundes (der der Reichsführergemeinschaft des Deutschen Bauernstandes ange- Port) gab in einer Pressebesprcchung der Präsident des Danziger Landbundes und agrarpolitische Fachberater der ASDAP., Dr. Hermann Rauschning — der auch als künftiger Senatspräsident der Freien Stadt genannt wird — einige Erläuterungen zu dem Ausgang der Danziger Dolkstagswahlen. Er betonte, daß es auch für eine neue, nationale Regierung notwendig sein werde, unter allen Umständen, verfassungundbe stehende Verträge zu erhallen, da sie die Rechtsgrundlage seien, auf Grund deren Die endgültige Mandats- verteilung im x anziger Volkstag. Danzig, 29. Mai. (WTD.) Aach der vorläufigen amtlichen Berechnung verteilen sich die Mandate des neuen Danziger Bolkstags wie folgt (in Klammern die bisherige Mandatsverteilung): Aationalfozialisten 38 (13), Sozialdemokraten 13 (19), Kommunisten 5 (7), Zentrum 10 (11), Schwarz-Weiß-Rot 4 (10), Polen 2 (2). Der Danziger Gauleiter der ASDAP. Reichs- tagsabgeordnpter F o r st e r veröffentlicht einen Aufruf an die Danziger Parteigenossen, in dem er allen Mitarbeitern seinen Dank ausdrückt. „Ihr habt nicht nur der nationalsozialistischen Bewegung einen großen Dienst erwiesen, sondern einen nod) größeren dem Deutschtum in Danzig. Die Welt wird und muß, so heißt es in dem Aufruf weiter, auf Grund dieses Wahlergebnisses erkennen, daß Danzig unzertrennlich mit dem Mutterland verbunden ist. Keine Macht der Erde wird dies zu ändern vermögen. Wir müssen unsere nationalsozialistische Aufklärungsarbeit solange fortsehen, bis in Danzig der letzte Mann und die letzte Frau vom Geist Adolf Hitlers ersaht und damit Träger des nationalsozialistischen Staatsgedankens geworden ist." die Unabhängigkeit der Freien Stadt gewahrt werden könnte. Alle Maßnahmen, die In Deutschland möglich gewesen seien, könnten nur auf dem weg der staatlichen Gesetzgebung durchgeführt werden. Judentum und derartige Probleme spielten in Danzig überhaupt keine Rolle, der arische Paragraph komme nicht in Frage. Auch liege keine Veranlas. sung vor, die Kampfmaßnahmen, die in Deutschland vorübergehend durchgeführt werden mußten, in Danzig durchzuführen, da Danzig nicht dem ausländischen Gespött wie Deutschland unterworfen worden sei. Wenn man sich auch an die bestehenden Verträge und die Verfassung absolut halten wolle, so hoffe man doch letzten Endes, eine neue Form für das Gemeinschaftsleben und das Wirtschaftsleben zu finden Was das Verhältnis zu Polen anbelange, so erklärte Dr. Rauschning, er stehe auf dem Standpunkt Adolf Hitlers, daß das Bekenntnis zum eigenen Volkstum auch ein Bekenntnis zur Achtung fremden Volkstums in sich berge. 3tn Ostraum könnten die Verhältnisse nur gewährleistet werden auf dem Grundsatz der GleichberechtigungundAchtungder beiderseitigen Rationen. Die Ratio- nalfozialiften seien bereit, mit den Polen zu einer Generalbereinigung sämtlicher schwebenden Fragen zu kommen — allerdings auf der Basis der Gegenseitigkeit. (Eine Bereitschaft zum Frieden sei nicht gleich einer Bereitschaft zur Unterwerfung. Die unabdingbaren Rechte könnten auf keinen Fall preisgegeben werden. Die Lage der Danziger Wirtschaft sei fast noch schwieriger als die in Deutschland, und große Wirtschaftszweige feien einfach nicht mehr zu beleben. Es müsse versucht werden, ein Instrument der Kooperation der einzelnen Wirtschaftskreise zu finden Zu diesem Zweck solle eine Hauptberufs st ändekammer geschaffen werden, die als Selbstverwaltungskörper eine Reihe von Maßnahmen werde durchführen können, die der Staat außen- und innenpolitisch nicht lösen könne. Eine Derwaltungs- reform und -Vereinfachung könne dadurch vielleicht gefunden werden, daß man staatliche Hohcitsrechte in eine reine Verwaltungskörperschaft, wie sie mit der Ständekammer geplant sei, delegiere Man werde auch den genialen Gedanken des Führers, das Reichsstatthalterprinzip, natürlich in geänderter Form aufgreifen, indem man staatliche Präsidenten in diese Hauptwirt- schaftskamrner hineinschicke. Dadurch erübrige sich jeder Eingriff in die wirtschaftlichen Belange von irgendwelcher Seite. Dr. Rauschning gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß die ASDAP. die Schwierigkeiten meistern werde, und daß sie die wirtschaftliche Lage und Selbständigkeit Danzigs werde erhalten können. Im Interesse der Sicherheit Danzigs müsse so schnell wie möglich dem Wahlergebnis Rechnung getragen werden. Mit Deutschnationalen und Zentrum zusammen könnten die Aationalfozialisten eine Dreiviertelmehrheit erreichen, die ausreichend sei für alle neuen Maßnahmen, doch könnten sich die Aationalso- zialisten nicht die Bedingungen diktieren lassen, sondern sie mühten ihrerseits verlangen, daß man sich zumindest die großen Ideen und Leitgedanken des Aationalsozialismus zu eigen mache. Llm öen Veichsbischos der Deutschen Evangelischen Kirche D. von Bodelschwingh tritt sein Amt an. Berlin, 29. Mat. (Vdz.) Wie das Ddz.-Düro meldet, hat Reichsbischof v. Bodelschwingh nach Beendigung der zweitägigen Zusammenkunft der Vertreter der Landeskirche sogleich fein neues Am t übernommen. Er wird nunmehr in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den drei Bevollmächtigten des Kirchenbunds das Reformwerk der Kirche durchführen. Auf Grund der in Loccum vereinbarten Richtlinien wird der Entwurf einer neuen Kirchenverfassung ausgearbeitet. Diese Arbeit soll mit größter Beschleunigung zu Ende geführt werden. Am Montagvormittag lieh sich der Reichsbischof die Mitglieder des Kirchenbundesamts vorstellen. Der Reichsbischof wird zu seiner persönlichen Unterstützung mehrere jüngere Mitarbeiter berufen. die ihren Dienst ehrenamtlich tun, ebenso wie er selbst von der Kirchenbehörde kein Gehalt zu beziehen, sondern sein Pfarr- aehalt wie bisher von der Bethel-Gemeinde zu bekommen wünscht, deren Leitung er behält. Die Aufgaben für das Reformwerk beschränken sich daher auf die Erstattung der tatsächlichen Auslagen für Reisen usw. Da hierfür keine Etatsmittel zur Verfügung stehen, hat der Reichs- bischof die Bitte ausgesprochen, es möchten ihm aus der deutschen Christenheit für die Durchführung dieser Aufgabe freiwillige Gaben anvertraut werden. Pastor D. v. Bodelschwinghwird am Pfingstsonntag, vormittags 10 Hbr, in der Berliner Zionskirche predigen und damit zum ersten Male als Reichsbischof vor die evangelische Gemeinde treten. Die Wahl der in einem Arbeiterviertel des Berliner Aordens gelegenen Zionskirche dürste dem besonderen Wunsche Dr. v. Bodelschwinghs entspringen, nicht in einem der repräsentativen Gotteshäuser der Reichs- Hauptstadt zu sprechen. Pastor D. v. Bodelschwingh. Wie das VdZ.-Büro weiter meldet, hat die Berufung Dr. v. Bodelschwinghs zum Reichsbischof im ganzen Reich wie. auch beim evangelischen Auslandsdeutschtum eine starke Zustimmung gefunden. Ein Strom von Telegrammen, die stündlich in Berlin und Bethel eingehen, legt davon Zeugnis ab. Iugendoerbände, Männerbünbe, Theologiestudenten, Professoren, Pfarrervereine, Arbeiteroerbände, Männerkampfbünde, Synoden usw bringen darin ihre Zustim- mung zu dem Beschluß der Kirchenleitung zum Ausdruck und stellen sich hinter den berufenen Führer der Deutschen Evangelischen Kirche. Von deutschen Auslandskreisen hat u. a. der Bischof der Deutschen Evangelischen Kirche in Jugoslawien, Dr. Hopp, ein warm gehaltenes Glückwunschtelegramm gesandt. Oer Einspruch der Glaubensbewegung Deutsche Ehristen. LZehrkreispsarrer Müller auf dem Kurmärkischen Kirchentag der „Deutschen Ehristen". Berlin, 29. Mai. (Vdz.) Auf dem außerordentlich stark besuchten Kurmärkischen Kirchentag der Glaubensbewegung „Deutsche C h r i ft c n “, der in Potsdam stattfand, sprach der Vertrauensmann des Reichskanzlers, Wehrkreispfarrer Müller, über die Frage des Reichs- bijchofes Wenn gesagt werde, daß die Glaubens- bcwegung „Deutsche Ehristen" Politik in die Kirche tragen wolle, so sei das nicht nur unrichtig, sondern eine lügenhafte Verdrehung Die Deutschen Christen wollten nichts anderes als die Deutsche Evan- a e 1 i s ch e Kirche. In Loccum, so sagte Pfarrer Müller, haben wir dafür gekämpft, einmal das ganz bewußt herauszustellen, was uns Evangelische eint, und mit dieser einigenden Parole wollten wir die großen Massen der Kirche wiedergewinnen, die durch den Marxismus der Kirche entfremdet sind. Wenn das geschehen war, dann sollte die neuer ft anbene Kirche mit dem erwachten Kirchenoo 1 k sich ihren Bischof wählen und ihre Verfassung gebe n." (Lebhafte Zustimmung.) Wir wollten einen Kampf dieser Art, wie er nun entstanden ist, vermeiden. Dabei kam es uns nicht auf Rainen an. Weder Pastor v. Bodelschwingh, mit dem ich lange gesprochen habe, noch ich erstreben das Amt des ersten Bischofs, weil es mit Glanz und Schimmer verbunden wäre. Wir wissen vielmehr, daß der Mann, der dieses Amt als erster übernimmt, sich damit eine schwere Bürde auf die Schultern legt. Wir hofften, wir hätten in dieser Angelegenheit > den Weg zur Einigung gefunden. Daß es nicht so I kam, ist nicht unsere Schuld, so müssen wir um unseres Gewissens willen den Weg weiter gehen, den uns unsere Herkunft aus der großen kämpferischen politischen Bewegung oorschreibt. (Lebhafte Zustimmung.) In Loccum wurden in den Verhandlungen die Dinge so feftgelegt, daß, wenn die Kirchenoertreter sich über die Persönlichkeit des Reichsbischofs geeinigt haben, und wenn die Regierung ihre Zustimmung baxu gegeben habe, daß bann bas Kirchenoolkselbst befragt werben solle. Rach dem Wortlaut dieser Loccumer Vereinbarung erheben wir nun unsere Forderung, bas Kirchenoo 1 k wirklich entscheiben zu lassen. (Stürmischer Beifall.) Das Kirchenvolk soll entscheiden. Berlin, 28. Mai. Der Reichsleiter der Glaubensbewegung Deutsche Christen, Pfarrer Hoffen- selber, hat an den Präsibenten bes Deutschen Evangelischen Sirdjenbunbes, D. Kapier, zwei Schreiben gerichtet, in benen es heißt: „Eine Mehrheit ber Kirchenregierungen hat ben Pastor D. (iriebrid) von Bobelschwingh zum Reichs- bifchof einer fommenben deutschen evangelischen Kirche benannt. Wenn sich jetzt zum erstenmal in der Geschichte des deutschen Protestantismus das Amt eines Reichsdischofs verwirklicht, so nimmt d i e Glaubensbewegung Deutsche Christ e n für sich in Anspruch, geschichtlich ber Faktor gewesen ju fein, ber allein den Willen zum Reichs- bischofsamt aus dem Reiche des Wunsches in das der Erfüllung gehoben Hal. In öiefer entscheidenden Stunde fragen wir die Kirchenregierungen, mit welch innerem Recht dieselben die Benennung des Reichsbisdioss gegen den Willen der Glau- bensbewegunp Deutsche Christen unternommen haben. Der Wille des Kird)envolkes ift nicht bei den bisherigen Kirchenoerlretungen, sondern bei uns. Wir halten an unserer 'Benennung des Wehrkreispfarrers Müller zum Rcichsbischof fest und bitten die Kirchenregierungen, sich un|crcm Willen anzuschließen. Andernsalls werden wir den Beweis erbringen, daß das deutsche evangelische Kirchenvolk der von ihnen gefundenen Lösung nicht zu stimmt und in seiner Mehrheit hinter der Glaubensbewegung Deutsche Christen steht." In einem zweiten Schreiben heißt cs u a.: Aach ber in Loccum von den drei Bevollmächtigten der deutschen evangelischen Kirchen und den Bevollmächtigten des Herrn Reichskanzlers gemeinsam beschlossenen und unterschriebenen Art des Vorgehens in der Frage des deutschen evangelischen Reichsbischofs muß der Hcbereintunft der Vertreter der Kirchenregierungen die Zustimmung des Kirchenvolkes folgen. Wir beantragen hierdurch in aller Form, daß diese Zustimmung des Kirchenvolkes am 31. Oktober d. 2. herbeigesührt wird. 3n der Sache stützen wir uns dabei auf die Auffassung Dr Martin Luthers von der Dischofsweihe. Das Rechtsempfinden des erwachten deutschen Volkes, das mit dieser Auffassung Luthers über- einftimmt, verlangt, daß in der so grundlegend wichtigen ersten Bischosswahl die Entscheidung vom Kirchenvolk selb st getrof- f e n werden muß. Ohne diese Zustimmung deS Volkes kann die endgültige Ernennung des Reichsdischofs nicht erfolgen. Wie der Evangelische Pressedienst meldet, wird hierzu von „zuständiger kirchlicher Seite" mitgeteilt, daß man sich in den Loccumer Verhandlungen darüber einig gewesen sei, daß die Einigung über die Person des künftigen Reichsbischofs lediglich bei de in Drei- männerkollegium und bei den landeslirch- lichen Bevollmächtigten liege. Reichsstatthalter Sprenger an die Evangelische Kirche in Hessen. Das Lanbeskirchenamt teilt bas folgende Dank- fchreibenbesHerrnReichsstatthalters Sprenger an bie Hessische Evangelische Kirchen- regierung mit: An bie Hess. Ev. Kirchenregierung zu Darmstadt. Sehr geehrter Herr Prälat! Ich danke Ihnen für die mir im Namen der Hessischen Evangelischen Land's- kirche, ihrer Kirchenregierung und des Lanbes- kirchenamtes anläßlich meiner Ernennung zum Reichsftatthalter in Hessen ausgesprochenen besten Glückwünsche. Ich werde meine Amtsführung ver- antwortungsbewußt immer so halten, daß d i e E i n - richtungen und Segnungen der christ. lichen Kulturzu allen Zeiten erhalten und gefördert werden. In vorzüglicher Hoch- achtung bin ifi) Ihr sehr ergebener gez. Sprenger. Oie Stiftung für Opfer der Arbeit. Bereits drei Millionen an Lvenden. Berlin, 29.Mai. (MTB.) Am Samstag sand die konstituierende Sitzung ber durch den Aufruf des Reichskanzlers Adolf 5)itler ins Leben gerufenen „Stiftung für Opfer der Arbeit" im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda statt. Der Abteilungsleiter h a e g e r t begrüßte die anwesenden Mitglieder des Lhrenaus- s ch u s s e s : Schuhmann, M. d. R., Dr. Fritz Thyssen, Dr. v. Stauf}. Zum Vorsitzenden des Lhren- ausschusses wurde Schuhmann gewählt und zum ehrenamtlichen Geschäftsführer Oberregierungsral Dr. Ziegler vom Propagandaministerium bestimmt. Aus dem Bericht des Geschäftsführers ergab sich, daß der (Eingang der Spenden außer- ordentlich rege ist und daß die erste Million noch in diesen Tagen erreicht fein wird. Als erste Bewilligung wurde der von dem Reichskanzler für die Hinterbliebenen der auf der Zeche Matthias Stinnes am Vortag des „Tags der nationalen Arbeit" zu Tode gekommenen Bergleute gestiftete Betrag von 2000 Mark verteilt. Etwaige Gesuche um Unterstützung aus der Stiftung sind einzureichen: an die Geschäftsstelle der „Stiftung für Opfer der Arbeit", Berlin 2D. 8, Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, wilhelmplah 8. In der Sitzung konnte Dr. Thyssen die erfreuliche Mitteilung machen, daß die 3 n b u ff r i e des Steinkohlen- und Braunkohlenbergbaus und die eisenschaffende Industrie des Ruhrgebiets zusammen ein Kapital von zwei Millionen Mark für die Stiftung zur Verfügung gestellt haben. Demnach haben die Mittel der Stiftung jetzt bereits den Betrag von rund drei Millionen Mark erreicht. Reichsminister Goebbels übernimmt die Führung des Fremdenverkehrs. B e r l i n, 29. Mai. (WTB.) Die Führung im deutschen Fremdenverkehr hat der Reichsminister für Dolksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels übernommen. Der bisher vom Reichsminifter a. 2. Dr. Hamm geleitete Hauptausjchuß für Fremdenver- kehr wird in einen Reichsausschuß für Fremdenverkehrumgebildet, dessen Vorsitz der Reichsminister für Volksausklärung und Propaganda fuhrt. Zur Geschästsleitung wird der Reichsminister einen Arbeitsausschuß bestellen. Der Reichsausschuß für Fremdenverkehr wird seine Arbeit schon in der kommenden Woche aufnehmen. Er wird die Zusammenfassung und Leitung der Maßnahmen zur Förderung des Fremdenverkehrs im In- und Ausland übernehmen. Neichsminister Goebbels in Nom. Erste Fühlungnahme mit Künstlern und Dichtern des junen Italien. Rom. 29. Mai. (WTB.) Reichsminister Dr. Goebbels wurde heute vom König in Audienz empfangen. Im Anschluß daran fand ein Empfang bei Mussolini statt. Die Unterredung der beiden Staatsmänner war überaus herzlich. Einen ungewöhnlich glücklichen Auftakt für den römischen Aufenthalt des Reichsministers Dr. Goebbels bot das Frühstück, das der Präsident des Faschistischen Verbandes der Freien Berufe und Dizevräsident der Kammer B o d r e r o zu Ehren des Reichsministers veranstaltete. Durch diese glückliche Initiative kam Reichsminister Dr. Goebbels wenige Stunden nach seiner Ankunft in Rom in einen großen und für dasGeisteslebenItaliens sehr bedeutsamen Kreis, zu dem auch die deutschen Journalisten geladen waren. In seinem Trinkspruch gab der Gastgeber Bodrero seiner ganz besonderen Freude darüber Ausdruck, daß der deutsche Minister und Vertreter des erwachten Deutschlands z u e r st mit Künstlern und Dichtern des neuenIta- l i e n s Zusammenkommen wollte, die ohnehin die enge Verbindung der beiden Völker sehr stark empfänden. Diese erste Fühlungnahme sei umso bemerkenswerter, als in Italien die Tatsache dieser innigen Verbindung im Geistesleben der beiden Völker weit in die Jahrhunderte zurück auch heute lebendig empfunden werde. Neichsminister Goebbels erwiderte mit herzlichen Worten des Dankes für die freundliche Aufnahme sowie für die ihm gebotene Gelegenheit, schon wenige Stunden nach seiner Ankunft nick dem geistigen Italien in Kontakt zu kommen. Das Bild des geistigen Deutschlands in den letzten Jahren sei nicht immer erfreulich gewesen. Er glaube, daß in Zukunft Italien und Deutschland nicht nur durch die alten geistigen Beziehungen, sondern auch durch geistiges Zusammenleben des jungen Deutschlands mit dem jungen Italien in ihren Beziehungen gefördert werden. Am Nachmittag stattete Dr. Goebbels dem Verein der im Auslande lebenden Italiener einen Besuch ab. Er ließ sich von dem Leiter des Vereins Carini über die Organisationen der in der Fremde lebenden Italiener informieren. Neichsminister Dr. Goebbels wird von der italienischen Presse als Freund Italiens begrüßt. Die Blätter widmen dem deutschen Gaste lange Artikel, in denen sie vor allem seinen Werdegang darstellen. »Graf Zeppelin" über Nom. Eine interessierte Menge bietet dem deutschen Luftschiff eine herzlicheÄegrützung Rom, 29. Mai. (Sil.) Rach einigen höchst unsicheren Gewitter- und windreichen Tagen und einem trüben Morgen hat sich der heutige Montag wieder zu blauem, fast wolkenlosen Himmel über der ewigen Stadt entschlossen. Der Gast aus Deutschland „Graf Zeppelin" konnte seinen Fahrgästen einen wunderbaren Ausblick schenken. Bereits kurz nach Mittag begann das Publikum die Straßenbahnen nach den Albanerbergen zu stürmen. Der Flugplatz ist für das Publikum in mehrere Abschnitte eingeteilt, wobei die natürlich geschlossen erschienene deutsche Kolonie einen wunderbar günstigen Platz erhielt. Rach- dcm ..Graf Zeppelin" um 16.15 ilhr über dem Weichbild der Stadt Rom erschienen war, traf er um 16.30 ilhr über dem Flugplatz Ciampino ein. Infolge starker Bodenwinde ^unterblieb die Landung jedoch zunächst und das Luftschiff zog zunächst noch einmal zwei große Schleifen, ilnter- dessen waren auf dem Flugplatz der König, der Kleiner Herr gesucht... Von Fred Lang. An einem Morgen, trübe und regnerisch, fuhr ich in mein Bureau. Die meisten Männer sind an solchen Morgen schlecht gelaunt. Gewöhnlich schneidet man sich schon beim Rasieren, der Kaffee schmeckt miserabel, bei der Post ist eine unerwartet hohe Zahnarztrechnung, alle Uhren gehen falsch, und man kommt viel zu spät weg. Was kann man nach solchem Beginn eines Tages schon noch Gutes erwarten — richtig fällt mir das Wechselgeld, das mir der Schaffner gibt, zu Boden. Es ist an sich schon schwierig, kleine Geldstücke aus den Bodenrillen eines Straßenbahnwagens aufzuklauben; wenn man aber Handschuhe anhat und so hoffnungslos kurzsichtig ist, daß man auf fünf Schritt Entfernung einen Omnibuskontrolleur von einem Kommandierenden General nicht unterscheiden kann, ist das ein nahezu unmögliches Vorhaben. Run, ich tat jedenfalls mein möglichstes, ohne die Aussicht auf irgendeinen Erfolg. Ich erwartete gar nicht, etwas wiederzufinden, aber man verdient es so schwer, das Geld^ nicht wahr, und da ist man gewissermaßen moralisch verpflichtet, es nicht xu verlieren. Zudem sind 25 verlorene Pfennig schlechter zu verschmerzen als unnütz ausgegebene fünf Mark. Jedenfalls suchte ich brav und fand natürlich nichts. Immerhin aber fiel mir der Hut auch noch herunter, und es hätte nicht viel gefehlt, daß ich einen respektablen Tobsuchtsanfall bekommen hätte. Ich pfiff schon längst auf diese 25 Pfennig, aber ich mußte sie wiederhaben, aus Prestigegründen. Reben mir stand ein Herr, ein kleiner, gelehrt aussehender Herr in einem grauen Mantel. Er sah sehr behende aus, und das war er denn auch — er bückte sich und grapste ein paarmal auf dem Boden herum und dann hielt er mir freundlich lächelnd das Geld hin. Worauf ich, wie das unter Bürgersleuten üblich ist. den Hut zog und mich verwundert, aber herzlich bedankte. Sieh mal an, dachte ich, was für ein netter Mann. Als der kleine Herr ausstieg, sah ich ihm zärtlich nach, er ging so schlank und klein und flink daher, ich toünfq)te ihm alles Gute. Am nächsten Morgen stieg ich wieder auf die Straßenbahn. Der kleine Herr war auch darin und wurde achtungsvoll von mir gegrüßt. Dem Schaffner gab ich ein Fünfmarkstück. Er konnte es natürlich nicht wechseln. Der kleine Herr verlangte zwei Fahrscheine, bezahlte, gab mir den Luftfahrtminister Dalbo und Reichsmin-.ster Dr. G o e b b e l s mit seinem Gefolge eingetroffen. Das Feld war von einer großen Menschenmenge umsäumt, darunter etwa 1003 Deutsche. Bei schönstem Wetter setzte das Luftschiff fura nach 18 Tlhr zur Landung an, die unter dem Jubel der Menge glatt vonstatlen ging. Der König, Luftfahrtminister Dalbo, Reichsminister Goebbels und der deutsche Botschafter bestiegen die Führergondel, die eingehend besichtigt wurde. Es war inzwischen schon so spät geworden. Laß Reichsminister Goebbels und Minister Balbo an dem Rundflug über Rom infolge anderweitiger Verpflichtungen nicht mehr teilnehmen konnten. An ihrer Stelle nahm das Luftschiff andere Gäste auf. Das Luftschiff landete wieder nach etwa halbstündiger Rundfahrt über Rom und den Albaner Bergen gegen 19.30 Uhr. Sämtliche Teilnehmer des Rundfluges äußerten sich in begeisterten Worten über den berrlichen Anblick, den die im Abendlicht daliegende römische Campagna und die Bergstädtchen der Albaner Berge boten. Rach älebernahme der außerordentlich zahlreichen Post nach allen europäischen Ländern und nach Südamerika vollzog das Luftschiff den endgültigen Start kurz vor 20 älhr unter dem brausenden Beifall einer noch immer nach Tausenden zählenden Zuschauermenge und unter den feierlichen Klängen des Deutschland-Liedes. Es war ein unvergleichlicher Anblick, wie das Luftschiff, von dem Lichtermeer der Ewigen Stadt erhellt und selbst in einem Kranz von Lichtern und Scheinwerfern durch die sternklare Rächt dahinfuhr. Schwere Zusammenstöße in Innsbruck. Wilde Schießerei der Heimwehr. Wien, 29. Mai. (WTB.) In Innsbruck ist, wie die „Reue Freie Presse" meldet, es an verschiedenen Stellen der Stadt zuheftigenZu- sammenstößen zwischen Rational- sozialisten und Heimwehrleuten gekommen. In der Museumsstraße und in der Erlerstraße kam es zu einer wilden Schießerei der Heimwehr, die glaubte, daß einige ihrer Kameraden angegriffen und verprügelt würden. Die Heimwehr behauptet, daß sie mit blinden Patronen geschossen habe. Cs wurden jedoch sieben Personen verletzt. Unter den Verwundeten befindet sich ein Reichsdeutscher, der erst heute nachmittag in Innsbruck angekommen war. Dieser Mann hat einen schweren Halsschuh erlitten. Die anderen sind an den Beinen oder an den Hüften verletzt. Einer hat einen Rückenstreifschuß davongetragen. Drei Kompanien Militär sperrten die innere Stadt von jedem Verkehr ab. Gegenwärtig herrscht wieder Ruhe. Außer bei der Schießerei wurden bei den verschiedenen Zusammenstößen noch insgesamt 36 Personen durch Hiebe verletzt. Zur Aufrechterhaltung der Ruhe sind von den Rektoren die sämtlichen Wiener Hochschulen, die älniversität Innsbruck und die älniversität sowie die Technische Hochschule Graz bis Pfingsten geschlossen worden. Kunst und Wiffenschast. Mittelrheinische Gesellschaft zur Pflege aller und neuer Kunst E. v. Die „Mittelrheinische Gesellschaft zurPflege alter und neuerKunstE. D." hatte ihre Mitglieder zur Jahreshauptversammlung nach St. Goar eingeladen. Aach Begrüßungsansprachen des Vorsitzenden Regierungsbaumeisters a. D. Z i ch n e r, des Landrats Dr. Statz und des Bürgermeisters Dr. Burghofs, erstattete der Vorsitzende den Tätigkeitsbericht über das Jahr 1932, das als Goethegedächtnis- jahr für den größten Teil der Veranstaltungen bestimmend gewesen sei. Rachdem der Schatzmeister, Oberbürgermeister i. R. Hermann, den Rechnungsbericht erstattet hatte, wurde die von den Rechnungsprüfern beantragte Entlastung des Vorstandes und der Vorstandschaft von der Versammlung einstimmig erteilt. Die turnusgemäh einen in die Hand und sagte, ich könne ihm das Geld ja morgen wiedergeben, er fahre ja auch immer mit dieser Bahn. Ich fand, der kleine Herr sei die Güte selbst und dankte ihm, so mit den üblichen Redensarten. Er guckte emsig in seine Zeitung, ich fand das sehr taktvoll von ihm, er wollte wohl zeigen, daß ich mich nun nicht veranlaßt fühlen solle, eine älnterhaltung M beginnen. Ich fand diesen Mann ganz großartig und erzählte meinen Kollegen und meiner Frau mit Begeisterung von meinem Erlebnis. Alle sagten, so was sei heute wirklich sehr selten. Am nächsten Morgen steckte ich mir 25 Pfennig wohlabgezählt in die Tasche und stiefelte zur Haltestelle. Als ich einstieg, war der kleine Herr nicht da. Ich habe die ganze Dahn durchsucht, vor Aufregung beschlug meine Brille, und ich konnte nichts mehr sehen. Am Tag darauf das gleiche Ergebnis. In meinem Gedächtnis waren die Konturen des kleinen Herrn schon recht unscharf geworden, ich entsann mich nur noch ungefähr eines graublauen Regenmantels, eines weichen Hutes und brauner Handschuhe. Solche Kleidungsstücke tragen viele Leute. In meiner Verzweiflung sprach ich einen ungefähr so aussehenden kleinen Mann an, und fragte ob er ncund) das Fahrgeld ... Der Herr sah mich mißbilligend und ärgerlich von oben bis unten an und fragte, wie er wohl dazu käme, wild- fremden Menschen ihre Fahrkarte zu kaufen. Hinter allen kleinen Herren rannte ich her in "lesen Tagen, mein kleiner Herr war nicht bat» unter Wahrscheinlich habe ich ihn doch auf oer Bahn übersehen, und er wird sich gewundert haben. Der kleine Herr hat sicher bei seiner Frau und 'einen Kollegen auf Menschen geschimpft, denen man Gefälligkeiten erweist, und die einen dann übersehen. Er wird gesagt haben, nie wieder tDoiie er einem Menschen einen roten Heller borgen, und wenn er auch das ehrlichste Gesicht der Welt habe. Er wird denken, ich wolle ihn um die 25 Pfennig bringen. Er wird mich viel- Ln öet Straßenbahn verächtlich betrachten per ich ihn mit meiner lächerlichen Kurzsichtigkeit nicht erkenne. Ich schäme mich so vor dem kleinen Herrn- Oder ist er etwa krank? Ist er zu einer eiligen Reise abgebrochen? Was weiß man — es kann ihm etwas passiert sein und ich laufe ewig mit den 25 Pfennigen herum und mit einem belasteten Gewissen. Oder wird er eines Tages, wenn ich die ganze Geschichte langst vergessen habe, in der Bahn auftauchen und sagen: Ditte, ich kriege noch Geld von Ihnen! ausscheidenden Mitglieder der Dorstandschaft sowie auch der Vorsitzende wurden einstimmig wiedergewählt. Regierungsbaumeister Z i ch n e r berichtete über die Geschichte des Ortes St. Goar und über die Daugeschichte der Feste Rheinfels. In der katholischen Kirche zeigte Pfarrer Rauh die Kostbarkeiten, alte Handschriften, Dücher, Paramente, Meßgeräte, den Hochaltar und Dilder von dem großen Künstler, den man in der Kunstgeschichte nach seinem Hauptwerk Hausbuchmeistrr nennt. In der evangelischen Kirche veranstaltete die Gesellschaft eine Feierstunde zum Abschluß der Tagung. Frau Alzen (Alt), Frl. Cäcilie D i n g l e r (Geige) und Organist Wilh. Möller musizierten zur Freude aller Anwesenden ausgezeichnet. Eröffnung der veit-Sloß-Ausslellung in Nürnberg. Im Germanischen Museum fand die Eröffnung der gemeinsam von diesem und der Stadt Rürn- berg anläßlich der 400. Wiederkehr des Todestages des Rürnberger Dildschnihers Veit Stoß veranstalteten Gedächtnisausstellung statt. In der zum Museum gehörigen ehemaligen Karthäuser Kirche hielt der bayerische Kultusminister S ch e m m die Festansprache. Er betonte, daß er den Sinn der Werke von Veit Stoß in der Synthese von zwei Ideen, nämlich der des Deutschtums und der Religiosität finde. Der Rationalsozialismus, der ;etzt die Macht im Staat erobert habe, wolle durch sie erstreben, daß dem gesamten deutschen Volk die Freude an der Kunst gegeben werde und daß auf deutschem Doden eine wahre Kulturblüte sich entfalte. Werner Krauß an die Diener Hofburg verpflichtet. Die Direktion des Durgtheaters teilt mit, daß Werner Krauß fürfünfJahrean das Durg- theater verpflichtet worden ist. Professor John Georg Robertson f. Professor Sir John Georg Robertson, der seit 1903 Professorfürdeutsche Spracheund Literatur c n der Londoner Universität mar, ist gestorben. Er hatte seine wissenschaftliche Ausbildung in Leipzig erhalten. Vor seiner Berufung nach London hielt er an der Straßburger Universität Vorlesungen. Sein Hauptwerk über Goethe wurde anläßlich der Goethe-Hundertjahrfeier in erweiterter Form herausgegeben. Er war eine der Hauptstützen der Goethe-Society. Die Deutschen verlassen den Kongreß des Pen-Klubs. Der Pen-Klub ist eine internationale Vereinigung der Dichter und Schriftsteller (Poets, Essayists, Novellists P. E. N.). Cr hat jetzt inRa - g ufa getagt. Es war zu erwarten, daß bei dieser Gelegenheit der Versuch unternommen würde, das neue Deutschland vor der Weltöffentlichkeit bloßzustellen. Man hat die warnenden Stimmen überhört, die sich gegen den Versuch einer Einmischung in die Angelegenheiten anderer Länder wandten. Besonders dankbar müssen wir die älnterstühung hervorheben, die die Schweizer, österreichischen und holländischen Abordnungen den deutschen Vertretern zuteil werden ließen. Dabei kam es zu einem bezeichnenden Zwischenfall. Während der Ausführungen des Schweizer Vertreters machte ein Franzose den Zwischenruf: „Und Wilhelm Teil?'^ Der Franzose bekam eine ausgezeichnete Antwort: „W iIhelm Teil sprach nicht französisch, mein Herr." Die Mehrheit der Versammlung in Ragufa sprach allerdings französisch. Der Vorsitzende, H. G. Wells, und die Vertreter Frankreichs, Polens, Belgiens und anderer Trabanten, machtenfranzösischePo- l i t i £. im Pen-Klub hinter der Maske der sogenannten Geistigen der Welt. Als man gar noch Ernst Toller und Schalom A s ch als Vertreter der deutschen „Emigranten" auf treten und Hetz- redengegendasneueDeutschland halten lieft, obgleich die beiden nicht mehr im deutschen Pen-Klub sind, da war die Absicht der Versammlungsmehrheit enthüllt. Es war eine Selbstverständlichkeit, daft unter diesen älmständen d i e deutschen Vertreter nach einer mannhaften Abrechnung mit den Franzosen den K o n - g r e ft üerlieften. Wenn der Pen-Club sich zu einer Gruppe der marxistischen Internationale entwickeln soll, so haben Dichter und Schriftsteller Cr wird mich doch nicht so vor allen Leuten blamieren? Ich wollte, der kleine Herr hätte mir nie das Fahrgeld geliehen. Ich habe in der Bahn keine Zeit mehr, die Zeitung zu lesen, immer muß ich auf Herren in graublauen Mänteln aufpassen. Manche sehen mich wütend an, sie glauben sich beleidigt. Kleiner Herr, bitte kommen Sie zum Vorschein, erlösen Sie mich von meiner Schuld, lassen Sie mich endlich wieder in Ruhe meine Zeitung lesen; wegen dieser lächerlichen zweieinhalb Groschen rege ich mich auf, blödsinnig, solo as — hab' ich Sie vielleicht gebeten, mir Geld zu leihen, wie? Direkt aufdringlich sowas ... Kurioses Biedermeier. Die Zeit vor 100 Jahren erscheint uns, die wir in einer so stürmischen Epoche leben, als eine Welt behaglicher Jdhllik, obgleich auch damals schwere Erschütterungen des politischen Lebens durchaus nicht fehlten. Aber Herr und Frau Biedermeier, denen die Forschung heute so viel Interesse zuwendet, hat- ten augenscheinlich bessere Rerven als wir und lebten außerdem in einer Umwelt, in der Technik und Tempo der modernen Zeit noch keine Rolle spielten. Wohl den bezeichnendsten Spiegel dieses Biedermeierwesens bietet das Kunstgewerbe der Zeit, das Bestreben, alle Dinge der Umgebung weniger geschmackvoll als liebevoll und gemütlich auszustatten, woran sich die Liebhaber neben tüchtigen Handwerkern eifrig beteiligten. Ein hübsches Dokument für diese Entfaltung des Diedermeiergeistes bringt 21. Schellenberg in den „Schlesischen Monatsheften" bei, in dem er die seit dem Jahre 1818 regelmäßig erschienenen Verzeichnisse der Kunstausstellung im Saal der Vaterländischen Gesellschaft zu Dreslau behandelt. Auf diesen Vorführungen, die stets zur Zeit des Wollmarktes stattfanden, wurden nicht nur Gebiete der „hohen" Kunst gezeigt, sondern auch alle Formen des Kunstgewerbes im weitesten Sinne bis zu Schlössern, Dürsten und Dutterfässern. Der Dilettantismus feierte wahre Orgien, und die s^g. „Künsteleien , die wir heute eher Kitsch nennen würden, machten sich breit. Besonders beliebt waren die „Mosaiken", spielerische Zusammensetzungen bunter Dinge aus den verschiedensten Stoffen, aus Blumen, Moos, Baumrinde. Kork, Glas usw. In Blumen- mosaiken wurden Wappen, Orden, ja ganze Landschaften dargestellt. Man war stolz darauf, Blumensträuße aus Haaren herzustellen, schnitt alle mög- heften ©acben“ in alte Kirschkerne und befestigte sie auf Pappe, fertigte allerlei mechanische Werke an; so stellte der königliche Mechanilus Kling er t des nationalsozialistischen Deutschland in ihm nichts mehr zu suchen. Aus aller Wett. Der Reichskanzler an den Sieger um den Goldpokal Mussolinis. Der Reichskanzler hat an Rittmeister <5 al) la, der sein Pferd „Wotan" dem Reichskanzler als Geschenk angeboten hatte, folgendes Telegramm gerichtet: „Ihren Brief mit der Mitteilung über das mir zugedachte kostbare Geschenk habe ich erhalten. So innerlich glücklich mich Ihr großherziger Entschluß macht, so schwer bedrückt mich aber doch öie Erkenntnis des Wertes dieses einzigartigen Pferdesund seiner nationalen deutschen Aufgabe. Aus diesem inneren Gewissenskonflikt heraus bitte ich Sie daher herzlichst, von dieser Zuwendung doch a b s e h e n zu wollen, denn es ist selbstverständlich, daß ich über die Zukunft des „Wotan" keine eigene Entscheidung treffen könnte und würde, sondern immer um Ihre Meinung bitten müßte. Ich bin glücklich, aus Ihrem großherzigen Schreiben den Beweis Ihrer Sympathie ersehen zu können, die mich tief bewegt. Dafür möchte ich Ihnen nochmals von ganzem Herzen danken. Im übrigen bin ich ja ohnehin Mitbesitzer dieses Pferdes, denn es ist ja ganz gleich, wem es gehört, ein herrliches Eigentum und damit ein Stolz der deutschen Ratio n." Skagerrak-Gedenkfeier der Reichsmarine. Die Reichsmarine veranstaltete gemeinsam mit den Kieler Wassersportvereinen und Turn- und Sportverbänden vor dem Seesoldatendenkmal eine Skagerrak-Gedenkfeier. Eingeleitet wurde die Feier durch zwei Gedenkminuten für die Gefallenen des Weltkrieges und den deutschen Freiheitshelden Schlageter, während deren die Musik gedämpft das Lied vom guten Kameraden spielte umi> die Menge mit erhobener Hand in ehrfurchtsvollem Schweigen verharrte. Der Reichssportkommissar hielt sodann eine kurze Ansprache, in der er die Grüfte des Reichskanzlers überbrachte und des Sieges der deutschen Flotte vor dem Skagerrak gedachte. Der Reichssportkommissar und der Stationschef begaben sich hierauf an Bord des Stationsschiffes „R i x e", um der Ausfahrt der Kieler Ruder- Vereine und Kanus sowie einer Regatta der Segel,chiffe, die in Stärke von etwa 200 Booten erschienen waren, beizuwohnen. Am Rachmittag sprach der Reichssportkommissar vor den Führern der Turn- und Sportverbände über die neuen Richtlinien für den deutschen Sport. Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident v. Hindenburg empfing den preußischen Ministerpräsidenten Göring. Ferner empfing der Herr Reichspräsident den deutschen Gesandten in Stockholm, o. Rosenberg. Der Reichskanzler empfing das Präsidium des Reichsstandes des Handels und des Handwerks sowie eine Abordnung italienischer Landwirte die sich aus Anlaß der landwirtschaftlichen Ausstellung in Berlin aufhalten, unter Führung des italienischen Botschafters Cerruti. Ministerpräsident Göring beabsichtigt nicht, wie in verschiedenen Blättern mitgeteilt ist, an den Pfingsttagen einige Zeit inKönigstein i. T. sich aufzuhalten. Ministerpräsident Göring wird, wie das Wolffbureau mitteilt, bei s i ch ergebender Gelegenheit auch Königstein auf einige Stunden besuchen; ein Termin hierfür liegt noch nicht fest. * Wie das Wolffbureau meldet, ist die Deutsche Allgemeine Zeitung wegen des Leitartikels in ihrer Abendausgabe vom 29. Mai „Bruderkampf" vom Berliner Polizeipräsidium auf drei M o - nate verboten worden. * Das preußische Staatsministerium hat auf Antrag des Rektors und des Senats der Universität Greifswald den Namen „Ernst-Moritz- Arndt-Universität" verliehen. 1822 das erste äl-Doot aus, „ein Fahrzeug unter dem Wasser zu gebrauchen, um dadurch vermittels einer Pulverexplosion Kriegsschiffe in die Luft zu sprengen." Die Schriftkünstler schrieben in winzigstem Format die rührendsten Dinge auf sonderbare Schreibmaterialien, Gedichte auf einen Pfeifenkopf, oder die ganze „Kindesmörderin" in eine aufgeschlossene Rose. In Moos und Baumrinde wurden Burgen, Schlößer, Stadtansichten gezeigt. Ein Künstler „modellierte" sogar seine Landschaften in Moos, und eine junge Dame stellte einen Tisch aus, „in welchem das Blatt mit — Fischschuppen belegt ist". Es spricht für das künstlerische Empfinden jener Zeit, daß aus solchen unsachlichen Spielereien doch auch bescheidene Kunstwerke hervorwuchsen. Zu diesen gehören die in den Ausstellungen besonders bewunderten, aber auch heute noch hochgeschätzten und gesammelten „Glasmosaiken" des Drieger Glasermeisters Georg Gottlieb Kuhnt. Dieser stellte auf einer bemalten Glasplatte einen Hintergrund her, auf dem dann einzelne Glasstücke mosaikartig zu allerlei Bildern, Stadtansichten, Interieurs usw. zusammengesetzt wurden. Das Ganze wirkte in einem gewöhnlich mit Gold überzogenen Rahmen recht stattlich, denn der wackere Meister besaß neben unglaublicher Geduld und Geschicklichkeit ein unbestreitbares künstlerisches Empfinden. Die „Künsteleien" dieses Spezialisten sind heut als besonders vortreffliche Beispiele einer damals beliebten Kunstübung anerkannt, die heut ausgestorben ist. Testament eines Dichters. Das Testament des großen andalusischen Dichters. Salvador Rueda, der vor einigen Wochen in Malaga gestorben ist, wird jetzt in spanischen Blällern veröffentlicht. Darin spricht der Poet den Wunsch aus, auf der Insel Rueva Tabarca in der Rähe von Alicante bei dem Häuschen begraben zu werden, das er am ll*er des Meeres besaß. „Ich bestimme," so fährt er fort, „daß man einen Vogel in einen Käfig über meinem Grabe aufstellen soll, um mir auf diese Weise zu gestatten, an der göttlichen Harmonie der Welt teilzunehmen." Sein Vermögen vermachte er der fpaniichen Akademie, um einen jährlichen Preis für diejenige Dichtung zu verleihen, die „die originellste, aber nicht die extravaganteste" der Jahresernte ist. „Ich bin stets ein Neuerer gewesen," heißt es in dem Testament, „der erste Paladin des modernen Stils in der spanischen Dichtung." Rueda bestimmt ferner, daft seine Werke, sobald die Verträge für einzelne von ihnen abgelaufen sind, sämtlich freigegeben werden und von jedem nachgedruckt werden dürfen. Großartiger Gesamteilidruck der Statthattersahrt. Aus Darmstadt wird uns folgender Bericht über den Gesamteindruck der Statthalterfahrt übermittelt. D. Red. WSR Wir haben schon beim Schildern des ersten Teils der Reichs st atthalterfahrt durch Hessen erklärt, daß es für die Vin- drucksfülke und das außergewöhnlich große Erlebnis dieser Fahrt bei allen Teilnehmern wohl nur eine Steigerung gibt, nämlich die einer Fahrt Adolf Hitlers durch Deutfchlond. Der Samstag und Sonntag hat diese Feststellung auf8 neue bestätigt, ja man ist geneigt, von noch gröberer Begeisterung der Bevölkerung zu sprechen, wenn eine solche überhaupt möglich war. Ehrenpforten auf freier Landstrahe immer wieder und wieder, dröhnende Böllerschüsse an den OrtSeinsahrten, Glockengeläut während der Anwesenheit des Reichsstatthaltcrs, turnerische Pyramiden an der Straße. Musik- oder Spielmanns- züge in jedem, aber auch dem kleinsten Ort. Rei- tersormationen und Motorstaffeln als Ehrengeleit, nicht selten quer über die Landstrahe gezogene Blumen- und Fahnenhindernisse, um den Wagen des Reichsstatthalters aufzuhalten, in den einzelnen Ortschaften ein immer wiederkehrender Blumenregen aus zarten Händen festlich gekleideter und bekränzter Mädchen und Kinder, zuweilen in kilometerlangem, lebendigen Spalier. Ein Bild von rührender Lebendigkeit. Die Schulen umliegender Ortschaften hatten ihre Kinder von weither mit Autobussen herangeschafft. Die Straßen waren dicht mit grünen Zweigen besteckt und teilweise auch bestreut, die Kirchen und Häuser in Fahnenschmuck. Bor den Waldgemeinden im Vogelsberg Förster, die mit ihrer Waffe einen Ehrensalut abseuerten. Knorrige alte Bauerngestchter, die sich xum impulsiven Handkuß niederbeugten, und nicht selten sah man Tränen der Freude bei den Alten. Studentische Korporationen, Reichswehroffiziere, Bergarbeiter in schwarzer Tracht. Die Fahrt ging am Samstag durch den südwestlichen Teil Starkenburgs und durch Rhein- Hessen. Sie endigte nachts gegen 2 Uhr mit dem Besuch einer Nachtvorstellung von Johsts „Schta- ger" im Stadtlheater in Mainz. Besucht wurden auch bi-» Graber der in Lorsch, Lampertheim und Biblis von Marxisten ermordeten Nationalsozialisten sowie deren Angehörige. Am Sonntag wurde O b e r h e s» s e n besucht. Auch von diesen beiden Tagen soll kein Ott besonder, hervorgehoben werden, weil jeder sichtlich sein Beste» aufgeboten hat. Nicht unterdrückt werden kann allerdings die ganz besonders großartig gestaltete Begrüßung in Worms und die riesigen Massen in Mainz, die stundenlang ausgeharrt hatten. In Worms ganz besonders die großartig gestaltete Begrüßung auf dem Marktplatz und in den Straßen, als auch die unter eindrucksvoller Mitwirkung des dortigen Stadtorchesters gestaltete Begrüßungsfeier im Rathaussaal. Da» Lhrenbürgerrecht verliehen dem Reichsstatthalter die Orte Bürstadt. Dromersheim, Lauterbach und Altensiadt. Die Zahl der Ehrengaben aus den Spitzenerzeug, nissen der örtlichen Arbeitszweiae läßt sich im Kurzbericht kaum aufzählen, von den Lorscher Zigarren, Viernheimer Glas, Lampertheimer Spargel, Dilbeler und Okarbener Wasser bis zu den be- kannten Erzeugnissen der oberhessischen Stadt Lauterbach mit ihrer täglichen Verarbeitung von 28 000 Liter Milch. Reichsstatthalter Sprenger hat ungefähr sechzig- mal das Wort in unermüdlich herzlicher Form ergriffen und dabei immer wieder die seiner Person geltenden Huldigungen an den Führer u n b Volkskanzler weitergegeben. Er hat bcrmit in ben brei Tagen ber Hessenfahrt fast hundert» m a l gesprochen. Auf jeden Fall ist die Verwurzelung sowohl der nationalsozialistischen Idee, al» auch die der deutschen Regierungen im Volk eine so volksverbun- dene, wie es nie zuvor eine Regierung von sich sagen konnte. Das hat diese erhebende Fahrt eindeutig bewiesen. Der ReichssiaHaller in Oberhessen. Riesige Menschenmengen bringen dem Reichsstatthalter überall begeisterte Ovationen dar. Grünberg. Die Stadt war mit schwarzweißroten und mit Hakenkreuzfahnen reich geschmückt, außerdem trugen der Marktplatz und die Durchfahrtsstraßen noch den am Gallusmarkt üblichen Wimpelschmuck in den hessischen und den Stadt- sarben: dazu prachtvoller Sonnenschein und neben der einheimischen Bevölkerung noch große Scharen auswärtiger Zuschauer- In einem großen, von der Marktgasse her offenen Biereck hatten auf dem Marktplätze sämtliche nationalsozial'sti- schen Organisationen mit ihren Fahnen und Abzeichen Aufstellung genommen: SA-, SA.-Reserve, Hitlerjugend, Jungvolk, RSDO-, Frauenschaft, BDM., Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand: ferner hatten sich angeschlossen: Stahlhelm, Kriegerverein, Freiwillige Feuerwehr, Turnverein und die beiden Gesangvereine: außerdem waren die Behörden und die Stadtvertretung erschienen. In der Marktgasse stand die Schuljugend mit ihren Lehrern Spalier. Der Spielmannszug des Jungvolks, der am Etadteingang stand, meldete mit kräftigem Trommelwirbel die Ankunft. Der Reichsstatthnl- ter, der aufrecht im Auto stand, dankte mit erhobener Rechten für die stürmischen Jubel- und Heilrufe der Jugend und der Zuschauer. Am Marktplatz entbot ihm Bürgermeister Dr- Mild- n e r inmitten des Gemeinderats den Willkomm- gruh der Stadt Grünberg. Alsdann überreichte das ganz in Weiß gekleidete vierjährige Söhnchen des früheren SA -Führers Höchst einen Strauß Vergißmeinnicht, den er freudig entgegennahm: ein Junge des Jungvolkes sprach ein Be- grüßungsgedicht, während drei andere Jungen einen Fliederstrauß und ein Bild des 3ung- Auges 15t (Grünberg) überreichten. Nach Ab- schreiten der Front sprach der frühere Propagandaleiter Rockel im Ramen der Ortsgruppe der RSDAP. und ihrer Organisationen Be- grüßungsworte und gab seiner Freude Ausdruck, daß der Reichsstatthalter Grünberg, eine über 700 Jahre alte hessische Stadt, mit seinem Besuche beehre. Der auf ihn ausgebrachte Heilruf wurde von der Menge begeistert aufgenommen. In seiner Ansprache erinnerte der Reichs- st a 11 h a l t e r an die Zeiten der Bersammlungen, in denen er schon Oberhessen kennen gelernt habe: weiter wies er darauf hin, daß er in Hessen im Sinne Adolf Hitlers am Aufbau des neuen Staates tätig sein wolle. Sein Sieg-Heil galt dem Reichskanzler und obersten Führer Adolf Hitler. Es folgte der erste Vers des Horst- Wessel-Liedes. Dann überreichte Propagandaleiter Gg. Rühl als Erzeugnisse der hiesigen Gewerbe von den drei Webereien braunes und schwarzes Tuch und von den Metzgern die bekannte Grünberger Wurst „E Griewe". Ein ihm zu Ehren vorgesehenes Frühstück lehnte er mit Rücksicht auf die Zeit dankend ab und bat, es dem Spieimannszug des Jungvolkes und auswärtigen SA.-Leuten zukommen zu lassen. Unter dem Jubel der Menge fuhr er nach viertelstündigem Aufenthalt in Richtung Homberg weiter. Erwähnt sei noch, daß vorgesehene Ehöre der Gesangvereine und Musikvorträge der Feuerwehr-, sowie der SA-Kapelle ausfallen mußten, dafür hakten beide Kapellen vor der Ankunft, die verspätet erfolgte, die harrende Menge mit flotter Marschmusik erfreut. Homberg. Der Reichsstatthalter traf mit geringer Verspätung in unserer prächtig geschmückten Stadt ein. Die Einwohnerschaft wurde u. a. durch ein Sport- flugzeug von dem Herannahen des Ehrengastes in Kenntnis gesetzt. Die Schulkinder, die Hitler- Jugend und der Bund deutscher Mädchen bildeten Spalier bis zum Marktplatz. Dort, hatten die SA.-Mannschaften, sowie die Angehörigen des freiwilligen Arbeitsdienstes Ausstellung genommen. Der Ehrengast wurde nach seinem Eintreffen von dem Ortsgruppenleiter Damm und dem Bürgermeister des Städtchens auf dem Marktplatz herzlich begrüßt. Der Reichsstatthalter schritt sodann unter den Klängen des Präsentier- marsiches die Fronten ab. Ortsgruppenleiter Damm und Bürgermeister Schweiker hielten kurze Ansprachen. Der Ortsgruppenleiter überreichte sodann ein Geschenk in Form eines Tintenfasses aus -on, ein Erzeugnis der Töpferei Otto Seitz. Der Herr Reichsstatthalter dankte für die überaus freundliche Begrüßung und erinnerte daran, daß er bereits im Jahre 1924 Gelegenheit hatte, hier im .Frankfurter Hof" zu sprechen und dabei äu erfahren, daß die Hornberger Bevölkerung Der nationalsozialistischen Bewegung viel Interesse entgegenbrachte. Er forderte auf, dem Führer die Treue zu halten und am Wiederaufbau des Vaterlandes mitzuhelfen. Er werde sich dafür einsehen, daß der Bauer bald wieder von fremdartiger Knechtschaft frei werde und als freier Mensch wieder auf eigener Scholle sitzen könne. Mit einem dreifachen ,Sieg-Heill" auf den Führer Adolf Hitler schloß et seine Ansprache. Alsfeld. Die Reise des Reichsstatthalters führte am Sonntag auch durch Alsfeld. Es war ein Aufenthalt von einer Stunde vorgesehen. Pünktlich um 14 Uhr traf der Reichsstatthalter mit seiner Begleitung am Marktplatz in Alsfeld ein. Auf dem Marktplatz hatten die SA-, die Fachschaften der Beamten der RSDAP-, der Ge- meinderat, sowie die Kreis- und Ortsleitung der Partei Aufstellung genommen Bei der Ankunft des Reichsstatthalters wurden ihm Kreis- direktor Dr. Stammler, Bürgermeister Dr. V ö l s i n g und Ortsgruppenleiter Rechtsanwalt Vogt vorgestellt, worauf Kreisdirektor Dr. Stammler den Reichsstatthalter in einer kurzen Ansprache begrüßte Rach Abschreiten der Front der SA- hielt Landtagsabgeordneter K l o st e r - mann eine kernige Begrüßungsansprache, worauf Reichsstatthalter Sprenger in einer längeren Ansprache dankte und aufforderte, in unbedingter Treue zu dem Führer an dem Aufbau des neuen Reiches mitzuhelfen. Seine Ansprache klang aus mit einer Huldigung für den Führer und den Reichspräsidenten von Hindenburg. Der Ortsgruppenleiter überreichte dem Statthalter als Geschenk ein Erzeugnis Alsfelder Industrie in Form einer altdeutschen Leinendecke, sowie ein künstlerisches Bild des Marktplatzes und das Buch „Alsfeld" aus der Serie „Alte Städte" von Dr. Meyer-Barkhausen. Anschließend wurde das Mittagessen in dem würdig geschmückten Sitzungssaal des Rathauses eingenommen. Vor der Abfahrt fand ein Vorbeimarsch der SA. auf dem Marktplatz statt. Die Straßen der Stadt und insbesondere der Marktplatz waren prächtig geschmückt- Schotten. Die Stadt war zum Besuch des Herrn Reichsstatthalters überaus reichlich mit Girlanden und Fahnen geschmückt. Die Straßen der Stadt waren von der Schuljugend, die von dem Eingang der Stadt bis zum Kreisamt Spalier bildete, gesäumt. Vereine, Fahnenabordnungen, SA. und SS., die Frauenschaft und eine ungeheure Volksmenge bereiteten dem Statthalter einen überaus herzlichen Empfang. Der Reichsstatthalter kam ziemlich pünktlich an und wurde von Herrn Kreisleiter K r o m m an der Kreisgrenze empfangen und nach der Stadt geleitet. Der Reichsstatthalter schritt sodann die (front der SA., der SA-Reserve und der SS. ab und begrüßte die einzelnen Führer. Kreisdirektor Dr. Sann und Bürgermeister Menge! begrüßten den Ehrengast am Kreisamt. Kreisleiter Kromm hielt eine kurze Begrüßungsansprache, die mit einem »Sieg-Heil!" auf den Reichsstatthalter Sprenger schloß.,Das Töchterchen des SA.-Führers Straub überreichte ihm einen Blumenstrauß. Die Mehger- innung lieh ihm einen Korb der berühmten echt Schottener Wurst durch einen Metzgerjungen überreichen. Der Reichsstatthalter sprach atibann in einer kurzen Ansprache zu der großen Menge, er wies dabei auf die enge Verbundenheit der Vogelsberger mit ihrer Heimat und dem Deutschtum hin. Gerade hier im Vogelsberg hätte die nationalsozialistische Bewegung am stärksten und frühesten Fuß gefaßt. Er schloß mit dreifachem »Sieg-Heil!" auf den Reichskanzler Adolf Hitler. Rach dem sich der Herr Reichsstatthalter für den freundlichen Empfang bedankt hatte, fuhr er weiter m Richtung Ridda. Hidba. 3u einem wahren Triumphzug gestaltete sich der Besuch des Reichsstatthallers Sprenger in un|c- rem Städtchen Hier fand ber Reichsstatthallcr lau- fenbe von hessischen Bauern auf bem Festplatz an ber Turnhalle versammelt, bie ihn mit stürmischer Begeisterung und unzähligen „Heil!"-Rufen begrüßten. SA. stand in der Stadt Spalier, Kinder überreichten ihm nach seinem Eintreffen auf dem Festplatz Blumensträuße. Der Reichsstatthalter fuhr in einer von der SA. freigehaltenen schmalen Gasse rings um den Festplatz, so dah ihn jedermann sehen und begrüßten konnte. Dor der versammelten Menge wurde der Reichsstatthalter vom Ministerpräsidenten Dr Werner, vom Staatsfommiffar Dr. Wagner, von Bürgermeister R u l l m a n n , dem Landesführer des Ounglanbbunbes Schmibt - Steinheim unb ben Führern ber SA. unb SS. mit herzlichen Worten unb Hänbedruck begrüßt. In seiner Ansprache bankte er für bie herzliche Begrüßung, bie ihm hier zuteil geworben sei. Das Bekenntnis ber Bauern zu Hitler sei für ben Führer bas wertvollste. Die Bauern seien Die Garanten für bie Wiebergeburt Deutschlands. Er als Reichsstatthalter wolle sein der Garant des Erfolges der Regierung unb Mittler zwischen bem Volke unb bem Führer. Die Saat sei herrlich aufgegangen. Deutschlanb fei wieder dabei, ber Welt Beispiel zu werden. Das deutsche Volk in feiner Gesamtheit müsse aber wieder zur Einfachheit Des Bauern zurückkehren. Der Bauer müsse am Besitz festhalten. Der Bauer könne wieder stolz sein unb bas Haupt frei tragen, benn er fei ber freieste im freien Deutschlanb. Der Bauer, jeber einzelne, solle bem Führxr nacheisern, bann könne er getrost in bie Zukunft blicken. Zum Schluß feiner mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede gedachte der Reichsstatthalter ber Opfer bes Weltkrieges unb ber im Freiheitskampf gefallenen Kämpfer für Deutschlands Freiheit. Zugleich würdigte er die Verdienste bes Oberschulrats R i n g s Hausen, der Niddaer Kind und sein treuester Mitarbeiter durch die Jahre seit 1923 gewesen sei. Nachdem noch ein Ehren- geschenk der Stabt Nibba überreicht worben war, verließ ber Reichsstatthalter unter begeisterten „Heil!"-Rufen bie Stabt. Wölfersheim. Reichsstatthalter Sprenger wurde hier vom Ortsgruppenleiter ber NSDAP, begrüßt unb schritt bann unter ben Klängen bes Präsentiermarsches b'e Front ber SA. ab. Von ben Kindern, von der Frauenschaft und der Hitlerjugend wurden bem Reichsstatthalter Blumensträuße überreicht. Nachdem er durch den Ortsgruppenleiter U i b e I für bie politischen Organisationen begrüßt worden war, hieß ihn Bürgermeister Kraft für die Gemeinde will- kommen. Der Stattfjaltre fand für die Begrüßungen freundliche Worte des Dankes und gedachte In kurzen Ausführungen auch des jungen Hilfspolizisten Hofmann, ber noch im April sein fieben der Bewegung zum Opfer gab. Mil einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf Volk, Vaterland und den Führer Adolf Hitler beschloß er feine Ansprache Der Statthalter setzte dann seine Fahrt nach Büdingen fort. Büdingen. Die Ankunft des Reichsstatthalters in Büdingen verzögerte sich um etwa 1 stunde. An der Ehrenpforte stand die Hitlerjugend, die ihn mit Blumen begrüßte Sodann fuhr der Reichsstatthalter nach dem Marktplatz, auf dem SS." und SA.-Stürme, sowie die Angehörigen des freiwilligen Arbeitslagers Tiergarten und Herrenhag Aufstellung genommen hatten. Nachdem der Herr Reichsstatthalter die Front adaeschritten hatte, begrüßte der Kreisleiter Dr. Löffler den hohen Gast und hieß ihn in dem alten Kreisstädtchen Büdingen herzlich willkommen. In einer Antwortrede gab der Reichs st atthalt er einer Freude darüber Ausdruck, daß auch hier ein larkes Aufgebot des Freiwilligen Arbeitsdienstes bestehe. Es freue ihn überhaupt, daß der Arbeitsdienst in Oberhessen so breiten Boden gewonnen habe und wertvollste Arbeit leiste. Der Arbeitsdienst [ei ein Weg in die Zukunft unb eine ncte Form. Aus dem Arbeitsdienst ergebe sich die Dienstpflicht. Wer heute noch abseits stehe und nicht arbeiten wolle, werde durch die Arbeitsdienstpflicht erfaßt. Den Arbeitsdienst unb die Arbeitsdienstpflicht zu fördern, sei der eine Teil seines künftigen Wirkens. , Der andere fei der Bauer von Oberhessen, der der Forderung und Hilfe bedürfe. Schmarotzer müßten entfernt werden. Seine Ausgaben in Hessen wolle er nicht vom grünen Tisch aus lösen, sondern seine Hauptaufgabe sei, dah das Errungene gefestigt unb ausgebaut werde. In Hessen solle sich das ganze Volk zu einer Gemeinschaft zufammenfinden, wie es auch im Reiche geschehen müsse. All unser Tun und Denken solle auf unseren Führer A d o lf S) i LI e r zerichtet sein. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" chloß die Ansprache. Vom Orchesterverein begleitet ang die Menge das Horst-Wessel-Lied. Nach dieser Feier sand ein gemütliches Zusammensein im \ „Stern" statt, wo ein alter Mitkämpfer, Oberstudien- | rat Dr. Wittekind, den Reichsstatthalter befon- ■ bers begrüßte unb barauf hinwies, baß gerabe heute ber Tag ber ©rünbung ber Ortsgruppe ber NSDAP, sei. Er betonte, baß cs heute nicht mehr schwer sei, ber NSDAP, anzugehören, umso mehr müßte man dsdhalb ber Vorkämpfer ber Bewegung gedenken. Sturmbannführer Schäfer, Butzbach, sprach für die SS. unb betonte, baß sie immer treu zum Reichs- statthafter unb zum Führer unb Volkskanzler Adolf Hitler stehen werde. Nachdem dem Reichsstatthalter von einigen kleinen Mädchen Blumen überreicht worden waren, fand bie Feier ihren Abschluß. Der Reichsstatthalter setzte barauf feine Fahrt fort. , Aus der Provinzialhauptstadt. Zirkus Krone in Gießen. Als gestern abend die Musikkapellen des Zirkus Krone ihre flotten Weifen erklingen ließen, harrte in dem riesigen Vier-Masten-Zelt eine erwartungsvolle Menschenmenge der vielen Darbietungen, die das Programm versprach. Ein Blick in die Spielfolge genügte, um zu erkennen, daß im Zirkus Krone alte Zirkuskunst gepflegt wird. Die Darbietungen bewiesen es auf das Rachdrück- lichste. Drei Stunden lang und ohne Pause wurde das Publikum in Atem gehalten. Eine Musikkapelle löste die andere ab, eine Darbietung folgte der anderen, flinke Arbeiter, sichtlich bis in den kleinsten Handgriff geschult, räumten zu und fort, bauten auf und ab — man hatte der Augen nicht genug, um allem zu folgen. Man sah artistische unb Dressurleistungen, die den Zuschauer nicht aus dem Staunen entlassen hätten, wenn nicht die Clowns immer wieder durch ihre Ulkszenen, durch ihr urkomisches Auftreten, durch ihre harmlosen Späße entspannt und zum Lachen gereizt hätten. So vergingen die Stunden im Fluge und wohl niemand hat das Zelt unbefriedigt verlassen. Den Darbietungen seien einige Worte gewidmet, obwohl es fast unmöglich erscheint, jeder Leistung gerecht zu werden Ein Präludium nur wollte es scheinen, angesichts der übrigen Leistungen des Abends, als sechs Söhne der Pußta auf vielen Pferden durch die Manege ritten. Die Braunbären, die sich auf Fahrrädern und Rollschuhen, sowie tanzender Weise herumtrieben, gehören zum Zirkus als un- abänderliche Tatsache. Einen hohen ästhetischen Genuß bedeutete die Parade von 48 edelblütigen Pferden, die, dem menschlichen Wort gehorchend, ihrem Meister folgen und einen Peitschenhieb sicherlich als eine grobe Unfreundlichkeit betrachten würden. Der Pferdefreund konnte seine besondere Freude an dem hervorragenden Pferdematerial haben. Fräulein Krone, die Tochter des Direktors, ritt mit ihrem Pferde glanzvolle Variationen der besten Trickschule. Das Pferd bewies eine universelle Musikalität in den Gliedern. Das lebende Karussell und die große Parade, bei der sich gleichzeitig Direktor Krone dem Publikum vorstellte, waren Schaunummem ersten Ranges. Christiani und Huttenberg, eine temperamentvolle Reitertruppe, versteht ihr Metier aus dem ff. Direktor Krone zeigte bann seine prächtigen Elefanten (20 an der Zahl) in hochinteressanten Dressurakten. Die Dressurakte des Kapitäns Hjalmar an seinen Seelöwen lösten immer wieder größte Bewunderung aus. Jedes Tier ist ein Rastelli für sich. Fußballspielende Pferde, der leidenschaftliche Austritt der Wahabitentruppe mit ihrer wirbelnden Parterreakrobatik, ein Festzug des Maharadschahs, eine Parodie der Clowns auf einen Stierkampf und die Marineoarade der Girls fesselten die Aufmerksamkeit. Unter ber Zirkuskuppel sah man Zahnkraft unb Trapezakte von fabelhafter Präzision. Das besondere Interesse galt ben Löwen unb ben Königstigern, bie beibe in stattlicher Anzahl unb in prachtvollen Exemplaren vertreten waren. Die Dompteure Paul Klose (Löwen) und Mont- baron müssen bei aller Vertrautheit mit ben Tieren über eine gehörige Portion persönlichen Mutes verfügen. Es besteht wohl kaum ein Zweifel, daß das Spiel mit Löwen und Königstigern ein Spiel mit dem Leben bedeutet. Der Abend näherte sich feinem Ende. Noch sah man Elefanten tanzen, sah Akrobatik auf bem Pferbe, berounberte Reiter (Petoletti) und Pferd in einer schneidigen Champagnerschule, folgte mit einiger innerer Erregung den halsbrecherischen Darbietungen ber Brüber Hartwell auf dem Dop« pelflugseil unb ließ noch bas romantische Revuen spiel ber Kuban-jä)saken an sich vorüberrauschen, um schließlich ihre Reitkunst zu bewundern, die wohl kaum überboten werden kann. Ein römisches Rennen und ein Rennen ber pompösen altrömischen Quadrigen beschlossen ben erlebnisreichen Abend. Das Gastspiel des Zirkus Krone beweist, daß echte Zirkuskunst noch lebendig ist, daß sich befon- bers bie Reitkunst im Zirkus auf höchster Stufe be roegt; die Dressurakte ließen ungeheuren Eifer unb große Tierliebe erkennen, unb die Darbietungen ber Artisten stehen über bem Durchschnitt. Es läßt sich mit Ueberzeugung sagen: ein Besuch im Zirkus Krone lohnt! Bornotizen. — TageskalenderfürDienstag: Oberh. Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung: 17.15 Uhr, Stadthaus, Bergstraße, Zimmer 6, Mitgliederversammlung — Zirkus Krone, Trieb, 15 unb 20 Uhr, Vorstellungen. — Licht- i spielhaus, Bahnhofstraße: „Vielleicht bist du das große Glück ..." — Aus de m S t a d 11 h e a t e r-V ure a u wird uns geschrieben: Eine einmalige Aufführung bringt heute, 20 Uhr. die Erstaufführung des Eisenbahnromans: „Die Rächt zum Donnerstag", von Leo Lenz. Spielleitung dieser abwechslungsreichen Szenenfolge des spannenden Kriminal- stückes hat Karl H e h s e r. Linser früheres Mitglied. Fräulein Alix K r a h m e r . spielt als Gast die weibliche Hauptrolle. Die Erstaufführung ist außer Abonnement und zu gewöhnlichen Preisen. Vorletzter Abend zur Einlösung von Gutscheinen. Ende 22 Uhr. — Mittwoch, 31. Mai, 19.30 Uhr, 32. und letzte Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. Ausführung des Schauspiels: „Schlageter". von Hanns Johst, unter der Spielleitung des In - tenoanttn. 5>ie|e letzte Aufführung des Schauspiels: „Schlageter" bildet nicht nur die letzte Vorstellung der Spielzeit 1932/33, sondern gleichzeitig auch den Abschiedsabend für den scheidenden Intendanten Dr. Rolf P r a s ch. Im Anschluß an die Vorstellung wird Dürgermeister Dr. Hamm in schlichter, öffentlicher Kundgebung auf der Bühne für Stadtverwaltung, Ensemble und Publikum Abschiedsworte sprechen und des Scheidenden ehrend gedenken um der Verdienste für die Gießener Bühne: Intendant Dr. P rasch wird in kurzer Ansprache sich von seinem hiesigen künstlerischen Wirkungskreis endgültig verabschieden. Die Spielzeitschluh- und Abschiedsvorstellung findet zu gewöhnlichen Preisen statt. Ende der Vorstellung 22.30 Uhr. — Die Paddlergilde Gießen e. V. unb ber Hochfchulring Deutscher Kajakfahrer, Ring Gie- ßen, veranstalten gemeinsam am heutigen Dienstag, 30. Mai, 20.30 Uhr, im großen Hörsaal ber Universität eine Vorführung bes Sportfilms „Wild- roafferparabiefe in Oesterreich unb Jugoslawien". Der Film soll für ben Paddelsport werben, für einen Sport, ber beutschester Art ist unb ber im beutschen Sport in vorderster Reihe stehen muß. (Siehe gestrige Anzeige.) • •* Ein Aufruf an die ehemaligen Angehörigen derRachrichten-Trup- p e n. Die Vereinigung ehemaliger Angehöriger der Rachrichtentruppen (Funker, Fernsprecher, Blinker usw.) in Frankfurt a. M. beabsichtigt, in Gießen eine kameradschaftliche Vereinigung (Kadenach) ins Leben zu rufen. Zwecks Gründung einer solchen Vereinigung werden alle Kameraden von Gießen und Umgebung gebeten, ihre Anschrift an Christian Klotz, Gießen, Friedrichstraße 11, zu richten. ** Artilleristentag in Darmstadt. Der hessische Artilleristentag in Darmstadt vom 1. bis 3. Juli verspricht nach dem Eingang der Anmeldungen ein zahlenmäßig ganz überragendes Ereignis zu werden. Es wird mit einer Beteiligung von rund 10 000 ehemaligen Artilleristen gerechnet. Alle weiteren Auskünfte bei Zahnarzt Dr. Stroh, Darmstadt, Sandstraße 20. Sie letzten Soldaten des Weltmeges. Teilnehmerberichten nacherzählt von Walter Schimmel-Falkenau. I. Die Heldentragödie im Baltikum. Vielfach werden auch noch heute die Beweggründe verkannt, die damals die deutschesten aller Soldaten veranlaßten, auch über den Schmachfrieden von Versailles hinaus noch am Feinde zu bleiben und auf eigene Faust zur Bewahrung der deutschstämmigen Bevölkerung in den baltischen Provinzen vor dem Bolschewismus den Kampf gegen die rote Armee weiter zu führen. Vielfach ist die Meinung vertreten, daß es sich dabei um landsknecht- hafte Abenteuer handelte, daß diese Soldaten dort oben im Baltikum sich in das bürgerliche Leben nicht mehr einordnen konnten, daß der Krieg eben zu ihrem Handwerk geworden war. Da diese Meinung und Ansicht über das Baltikumunternehmen auch heute noch mancherorts anzutreffen ist, wollen wir im Folgenden den Versuch unternehmen, auf Grund zahlreicher Rücksprachen mit führenden Baltikum- kampfern, unter anderm auch mit dem Führer der russischen Westarmee, dem Fürsten A w a l o f f, die großdeutschen, von tiefer vaterländischer Erkenntnis getragenen Beweggründe, die dem Baltikumunternehmen zugrunde logen, hier innerhalb einer Darstellung des ganzen heroischen Kampfes um Deutschlands Ehre darzustellen. Mit dem Ausbruch der Revolution 1918 zeigte sich mit einem Schlage, wie sehr die deutschen Truppen bereits von der sozialdemokratischen Wühl- und Hetzarbeit zersetzt worden waren. Die deutsche Militärverwaltung O b e r o st verlor den notwendigen Einfluß auf die zerfallenden und fluchtartig ^urückwei- chenden Truppen, sie konnte nicht verhindern, daß die Esten und Letten und auch die Litauer, die bis zum November 1918 zu den deutschen Truppen, zu ihrer Disziplin und Heldenhaftigkeit bewundernd aufgcsehen hatten, nun angesichts dieser furchtbaren Zcrfallserscheinungen sich nach anderen Helfern umsahen. Sogar die Deutsch-Balten waren skeptisch und ablehnend geworden. Die baltischen Provinzen waren also nach dem Zusammenbruch des deutschen Heeres schutzlos dem immer mehr anrückenden Feinde, den Bolschewiken, preisgegeben und mit ihnen die in sieben Jahrhunderten mühschin aufgebaute deutsche Arbeit der Deutsch-Balten. Damals fanden sich viele, sie zählten noch nach vielen Tausenden, die sich zu freiwilligen Verbänden zusammenschließen wollten, und die nun neugebildeten Republiken Lettland und Estland waren auch damals noch bereit, mit den Deutschen gegendie Bolschewiken zu marschieren. Aus der achten Armee hätten sich allein genügend starke Verbände aufstellen lassen können, die an den Grenzen der Ostseeprovinzen den Ansturm der roten Armee aufgehalten hätten. Jedoch auf Befehl des Oberkommandos mußten solche in Narwa bereits gebildete reichsdeutsche Freiwilligenverbände wieder a u f g e l ö st werden. So wurde im entscheidenden Augenblick — man dachte nur an den Rücktransport der fliehenden Truppen, an die Bergung der Vorräte der Heeresverwaltung — verabsäumt, das Land und die Deutsch-Balten, die seit Jahrhunderten als Pioniere des Deutschtums dort angesessen waren, vor dem Bolschewismus zu bewahren und dadurch dem seiner Kolonien beraubten Vaterlande im Baltikum neue Handelsbeziehungen zu schaffen, neue Aus- Wanderungsmöglichkeiten zu eröffnen. Als schließlich das Oberkommando unter dem Druck der Ereignisse die Bildung von Freiwilligenverbänden anordnete, fanden sich zwar noch genügend Offiziere, aber nur wenige Mannschaften. Mitte Dezember 1918 erfolgte dann der Zusammenschluß dieser an Offizieren starken Freiwilligenver- bände zu der „Eisernen Brigade". Von irregulären Banden umgeben, bedroht von der revolutionären Truppe, mußte sich die „Eiserne Brigade" mühsam auf Riga zurückziehen. Die Esten und die dort beheimateten Deutsch-Balten waren schutzlos den immer weiter vordringenden Bolschewiken aus- geliefert. Neugebildete estnische Truppen, darunter das Freiwillige Deutschbaltenregiment, wichen westlich zurück, nahmen im Zurück- gehen neue Truppen auf und konnten fchließlich den bolschewistischen Angriff im Januar 1919 zwischen Narwa und Reval aufhalten. Die Bolschewisten warfen sich nun auf Riga und eroberten diese Stadt und mit ihr für viele Millionen deutsches Kriegsmaterial, Lebensmittel und Bekleidung. Die „Eiserne Brigade" zog sich auf Mitau zurück. Die Bolschewiken errichteten in Riaa die Sowjet-Republik Latwija. Besonders hatten die Deutsch-Balten unter der fürchterlichen Bolschewistenherrschaft zu eiben. Sie wurden zu Dutzenden erschossen und in Gefängnissen unter entsetzlichen Qualen zu Tode gemartert. Die rote Armee überflutete ganz Lettland, errichtete überall ihr Schreckensregiment. Die „Eiserne Brigade", die im Rücken von den revolutionären Resten der ehemaligen achten deutschen Armee bedroht wurde, die vor sich als Feind die rote Armee hatte und von allen Seiten von estnischen und lettischen plündernden Banden angegriffen wurde, mußte unter diesen Umständen am 7. Januar 1919 auch Mitau räumen. Die Bolschewisten besetzten die Stadt. Die „Eiserne Brigade" und die Baltische Landeswehr traten den Rückzug hinter d i e Windaulinie in musterhafter Ordnung und Disziplin an. Am 18. Januar 1919 übernahm Major Bischoff den Befehl über die „Eiserne Brigade" und die Baltische Landeswehr. Die Bolschewisten standen nur noch einige dreißig Kilometer von der ostpreußischen Grenze entfernt, ste trafen alle Vorbereitungen, den letzten Rest der Ostfee- provinzen zu erobern und dann auf reichsdeutschem Boden plündernd und brandschatzend einzumarschie- rcn. Es ist Major B i s ch o f f zu danken, daß unter seiner energischen und zielbewußten Führung die „Eiserne Brigade" zu jener bedeutenden Kampfeinheit wurde, die in schweren Kämpfen nicht nur nicht die deutsche Heimat vor der Bolschewiken-Jnvasion bewahrte, Deutschland also vor dem Kommunismus rettete, sondern auch das verlorene deutsch-baltische Land Stück für Stück in monatelangen Kämpfen zurückeroberte. Von Sieg zu Sieg führte er die .Eiserne Brigade", ein gewaltiges Heldenlied war der große Kampf jener kerndeutschen Männer um die Befreiung deutschen Landes. Unter dem Befehl des Grafen von der Goltz rückte dann der Stab des 6. Reservekorps in Libau ein, und die ihm unterstellte erste Garde-Referve-Divifion griff auf dem rechten Flügel in den Kampf ein. Hierdurch gewann auch die Baltische Landeswehr soviel innere Festigkeit zurück, daß sie als brauchbarer Truppenteil in das große Ringen um die Säuberung des Baltikums von den Bolschewiken eingesetzt werden konnte. In Lettland war inzwischen ein durchaus deutschfeindliches Ministerium unter dem Präsidenten U l - man mit der vorläufigen Regierung betraut worden. Nach der Einnahme Rigas durch die Bolschewiken war diese Regierung nach Libau übergesiedelt. Der Bevollmächtigte der deutschen Regierung, August W innig, hatte immerhin erreichen können, daß die lettische Regierung dem Deutschen Reiche vertraglich zusicherte, den deutschen Kämpfern gegen die Bolschewiken das lettische Bürgerrecht zu verleihen. Die kurländischen Großgrundbesitz^ hatten durch das Ritterschaftskomitee erklärt, jedem dieser Kämpfer achtzig Morgen Land zum Vorkriegspreise zu überlassen. Hierdurch war eine deutsche Siedlung vertraglich in Lettland gesichert. Durch dieses Siedlungsversprechen wurde die Begeisterung der deutschen Truppen für den Kampf gegen den Bolschewismus noch mehr gesteigert. Anfang März fetzten mit einbrechendem Frühjahr die großen, heldenhaften Kämpfe ein, die zur B e - freiung Mitaus und des größten Teiles von Kurland führten. Trotz dieser hervorragenden Leistungen der deutschen Baltikumkämpfer setzte aber die lettische Regierung unter U l m a n — besonders zeichnete sich hierbei der lettische Kriegsminister G o l d m a n n aus — ihre Hetze gegen alles Deutsche weiter fort und forderte die allgemeine Mobilmachung der Letten. Da aber den Deutschen die Neigung gerade des Letten zum Bolschewismus aus eigener Erfahrung bekannt war, mußte ein solches Vorhaben der lettischen Regierung unter allen Umständen verhindert werden, wollte man nicht die Erfolge des eigenen Kampfes preisgeben. So stürzte denn der unter der Führung des Leutnants Baron Hans Manteuffel stehende Vortrupp der Baltischen Landeswehr Mitte April die Regierung Ul- man. Ulman flüchtete auf eins der im Hafen liegenden englischen Schiffe. Seine Regierungsmitglieder wurden zum größten Teile verhaftet. Unter Führung des Präsidenten N e e d r a wurde nun ein aus Letten und Deutsch-Balten zusammengesetztes Kabinett gebildet. Die Vertreter der alliierten Mächte blieben neutral. Im Lande trat wieder Ruhe ein. Die Bolschewiken wichen weiter zurück, und die Aussichten in die Zukunft waren durchaus günstiger Natur. Mitte Mai wurde der Plan gefaßt, Riga zu befreien. Die Nachrichten, die über die dortige Bolschewistenherrschaft ins Land fanden, waren geradezu furchtbar. Die Berichte von Flüchtlingen ergänzten das entsetzliche Bild. So traten denn die Truppen am 24. Mai, der Morgen dämmerte gerade, zum Generalangriff auf Riga an. Mit heroischer Hingabe und unter Einsatz aller Kräfte wurde der Angriff mit einer wundervollen Tapferkeit durchgeführt. In den frühen Nachmittagsstunden war Riga bereits frei. Durch diesen hervorragenden Erfolg der deutschen Baltikumkämpfer war auch zugleich die gesamte rote Armee in den baltischen Ostseeprovinzen vernichtet worden. In wilder Flucht räumte sie das Land und darüber hinaus auch noch den größten Teil von Livland. Der Einzug der beut« scheu Truppen in Riga gestaltete sich zu einem Festtage Die baltischen Provinzen waren dem Deutschtum zurückgewonnen, der Bolschewismus war niedergeworfen. Möglichkeiten des Handels, auch der Auswanderung, der Siedlung großen Ausmaßes eröffneten sich. Für den Verlust der Kolonien schien wenigstens ein kleiner Ersatz geschaffen. Und hätten wir den Esten die vergeblich angeforderten Waffen geliefert — was die damalige deutsche Regierung in ihrer ewigen Demütigungspsychose unterlassen hatte — hätten wir sie für uns gewonnen. So hat es England getan. Mit englischer Hilfe war die estnische Armee zu einer modern bewaffneten Truppe von 40 000 Mann geworden, die den Bolschewisten, nachdem deutsche Arbeit sie zermürbt hatte, die Städte Nawa, Dorpat, Walk und Wenden entriß. England forderte aber für diese Hilfe Bezahlung. (Fortsetzung folgt) ©Ji.-tfpoit Fußball der Gießener Mannschaften. Die 1. Mannschaft der Spielvereinigung empfing am Sonntag auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe die 1. Elf des Sportvereins Wetzlar zum Rückspiel. Die Blauweißen verloren auch dieses Spiel, wenn auch sehr knapp mit nur 2:3 Toren. Man sah einen prächttgen Kampf. Die 1. Elf des VfB. war in Sinn zu Gast und konnte dort einen knappen Sieg buchen. Mit 4:3 Toren blieben sie erfolgreich. Das vor dem Ligaspiel auf dem Platz der Spielvereinigung ausgetragene Aufstiegsklasse- Spiel um den Aufstieg in die 1. Dezirksklasse zwischen den Mannschaften von Lollar I und Bissenberg I endete nach zweimaliger Verlängerung mit einem Unentschieden von 1:1. Fußball in Hessen-Hannover. Hur schwacher Spielbetrieb. Arn Sonntag herrschte im Bezirk Hessen-Hannover wiederum nur schwacher Spielbetrieb. Der Bezirksmeister Borussia Fulda weilte zum Rückspiel in Mainz und mußte dort eine empfindlich hohe 2:9- Niederlage hinnehmen. In Kassel standen sich Sport und SC. 03,. zwei alte Rivalen im Freundschaftstreffen, gegenüber. Die 03er behielten im Endspurt mit 4:3 die Oberhand. Iura besiegte zur allgemeinen Ueberraschung Spielverein Kassel 4:1 und die Sportfreunde schlugen Niederzwehren verdient mit 3:2. Handball der 1. Kompanie 15. 3. K Die 1. Mannschaft der Kompanie weilte am Samstag und am Sonntag in Büdesheim zu einem Polalturnier. Sie konnte unter stärkster Konkurrenz (Kreis-Meisterklasse) den Meistertitel mit nach Hause bringen. Beteiligte Vereine waren: Turngesellschaft Offenbach, Turnverein Klein-Auheim, Turnverein Bruchköbel, Handballmannschaft der 1.-2. R. 15. Resultate der Kompanie: Turnverein Bruchköbel—1./15 3:11; Turnverein Klein-Auheim —1./15 3:5. Fausiballmeisierschast des Gaues Hessen (DT.) Tv. 1846 Gießen Gaumeister. Am Himmelfahrtstage wurde die Endrunde um die Faustballmeisterschaft des Gaues Hessen durchgeführt, die die Mannschaften der Gausonderklasse diesmal in Frankenau, dem äußersten Rorden des Hessengaues, zusammenführte. Durch die auHerordentlich starke Anteilnahme, die die Bevölkerung dieser Veranstaltung entgegenbrachte, wurden die Spiele zu einer großen IBerbetunbgebung für das Faustballspiel. Zusammen mit einem großen Teil der Bevölkerung marschierten am Mittag die Mannschaften nach der neuerstellten Spielplahanlage, wo nach His- sung der Hakenkreuzflagge, der schwarzweißroten und der Turnerfahne und einer kurzen Begrüßungsansprache des Vertreters der Gauführung, Loh (Gießen), die Kämpfe begannen. Der Wettergott, der seit langem mit den Faustballspielern auf Kriegsfuß zu stehen scheint, hatte auch diesmal durch ausgiebigen Regen für einen auf* geweichten und sehr schlüpfrigen Boden, gesorgt, der zusammen mit den zahlreichen Unebenheiten an das spielerische Können der Mannschaften höchste Anforderungen stellte. Ueberraschungen konnten unter diesen Umständen nicht ausbleiben, und sie begannen schon in der ersten Spielrunde des Tages, als Friedberg, der vorjährige Meister, sich von Frankenau knapp geschlagen bekennen mußte. Friedbergs Mannschaft sand sich auch während der übrigen Spiele nicht mit den Bodenverhältnissen ab und mußte noch zwei Niederlagen gegen Halgehausen und Gießen hinnehmen. Die Begegnungen zwischen den Spitzenmannschaften brachten durchweg höchst dramatische Kämpfe, deren Ausgang wiederholt aus des Messers Schneide stand. Da mehrere Male erst die letzte Minute über den Sieg entschied, wurde die vielhundertköpfige Zuschauermenge bis zum Schlußpfiff in Spannung gehalten. 2hre Beifalls- äußerungen galten vor allem den Leistungen der beiben heimischen Mannschaften, Halgehausen und Frankenau, die die technische Ueberlegenheit von Gießen und Friedberg durch außerordentliche Zähigkeit und nie erlahmenden Kampfgeist ausglichen und sich hervorragend schlugen. Heber den neuen Meister konnten nach dem Ausgang der Vorrunde kaum noch Zweifel bestehen. Der Tv. 1846 Gießen, vertreten durch Hohl, Riexinger, Pfeffer, Medenbach, Loh, ging wiederum ungeschlagen aus den Spielen hervor. wenn er auch durch ein Unentschieden gegen Frankenau einen Punkt einbüßte. Die Mannschaft bewies damit erneut, daß sie auf Grund ihres technisch reiferen Spiels und ihrer Sicherheit in der Ballbehandlung mit jedem Spielgelände fertig zu werden versteht, und daß sie auf dem besten Wege ist, wieder zu den Spitzenmannschaften des Mittelrheinkreises aufzurücken. Den zweiten Platz sicherte sich bei den Meisterschaftsspielen Frankenau, nachdem Halgehausen, mit ihm punktgleich, auf das Entscheidungsspiel verz chlel hatte. Don den beiden Tabellenletzten trat Ridda nicht an; Butzbach, das mit einer ganz jungen Mannschaft zur Stelle war, vermochte sich nicht durchzusehen. Ergebnisse: Gießen — Halgehausen 42:28; Gießen — Butzbach 55:19; Gießen gegen Frcmienau 31:31; Gießen — Friedberg 36:32; Friedberg — Frankenau 37:42; Friedberg — Butzbach 56:32; Friedberg — Halgehausen 39:41; Halgehausen — Frankenau 29:25; Halgehausen — Butzbach 57:34; Frankenau — Butzbach 56:26. Punkte: Gießen 19; Frankenau 13; Halgehausen 13; Friedberg 10; Butzbach 5; Ridda 0 Punkte. Wirtschaft. Frankfurter Abendbörse: etwas freundlicher. Frankfurt a. M, 29. Mai. An der heutigen Abendbörse war das Geschäft bei Beginn etwas belebter, da die Kulisse nach der Prämienerklärung verschiedentlich Leckungsneigung bekundete. Die Stimmung war allgemein etwas zuversichtlicher, wobei man auch auf die wieder meist befestigten Auslandsbörsen verwies. Dessen ungeachtet war im Hinblick auf die außenpolitische Lage, sowie unter Berücksichtigung der heute in Berlin begonnenen Transserbssprechun- gen noch Zurückhaltung zu bemerken. Gegenüber den Berliner Schluhkursen ergaben sich meist Erhöhungen bis zu 0,50 Prozent, wobei neben 2.-G.° Farben noch Harpener, Aku und einige Elektrowerte beachtet waren. Felten setzten jedoch ihren Rückgang um erneut 1,75 Prozent auf 58,13 Prozent fort. Der Rentenmorkt war vernachlässigt. — 3m Verlaufe wurde das Geschäft wieder sehr still, und vereinzelt blieben die höchsten Kurse nicht immer gehalten. 3G.°Farben zogen aber um 0,25 Prozent an. Reubesihanleihe 12,30, Altbesitzanleihe 74,65 bis 74,75, Schutzgebietsanleihe 7,25, 4proz. Zolltürken 6,40, Buderus 77, Harpener 99, Kali Westeregeln 130, Klöcknerwerke 61,50, Mannesmann 70,13, Rheinstahl 93,25, Stahlverein 42, Aku 41,25 bis 41, Bekula 112,50, Conti Gummi 144 Brief, Deutsche Linoleum 49,25, Licht 8- Kraft 115,25, 3G.-Farben 130,25 bis 130,50, Gesfürel 92. Rütgerswerke 58, Metallgesellschaft 34,50, Schuk- kert 108,50, Siemens 157, Südd. Zucker 157, Reichs- bahn-DA. 97,13, Hapag 19, Rordd. Lloyd 20,13. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H. Lombardzinsfuß 5 o H. Aranftur, a. Dl. Berlin Schluß, kurs Gchlußk. Abend- börse Schluß, kurs Schlußk. Mlttaq- börse 'Datum 27.5 | 29.5. 27.5. 29.5. 6% Deutsche iNeWameiljc v. 1921 84 83 83,5 82,75 6% ef)em.7% Dl. ReichSanl. v. 1929 92,25 91,4 92 5yz% Doung-Anleihe von 1930 .. 85,5 86 85,4 84,5 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mti AuSlos.-Rechten ............ 75,4 74,75 74,9 74,75 Desgl. ohne AuSlos.-Rechte...... 6% ehern. 8% Heil. BolkSstaat 1929 12,5 12,3 12,3 12,25 (rückzahlb. 102%)........... 77,5 Oberhe'ssen Provinz. Anleihe mi Auölos.-Rechten ............ 6% Heg. Landesbank Darmstadt 67,5 67 — — Gold R. 12....... .. 82 82 81,75 6%% He!i. Lande« Hypotheken. bank Darmstadt Liqui...... Deutsche Komm. Sammelab l.An 85,5 85,5 — — leihe Sertel mit Auölos.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Ban! 68,5 68 69 68,25 Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Hvp.-Ban! 82,5 82,75 — — Goldpfe. 16 unkündbar 618 1936 6y.% ehem. 4V2% Franks. Hyp. 82,25 82,25 — — Bank-Liqu.-Psandbriese ..... 5%% ehem. 4'/r% Rheinische 83,65 82,5 — — Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe. . -. 6% ehem. 8% Pr. Landcspfand 86 85,9 — — briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. LandeSpsand 83,5 83,5 — 83,5 briefanstalt. Pfandbriefe R. 1* 84 84 84,5 84 Verrechnungskurs ............. 85,4 85,5 85,5 4% Österreichische Woldrente... — — — 16 4,20% Österreichische Silberrente — — 1,15 — 4% Ungarische Goldrcnte....... — 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 — — — — 4%% bcc-fll. von 1913.......... _ _ _ - 5% äbgesl" Goldmerikaner von 99 7,75 7,75 7,75 — 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe 6,5 6,4 6.6 6,5 Serie 1..................... 6,5 6,45 6,35 6,3 Frankfurt a.M. Berlin Schluß» kurs Schluß!. Abend« börse Schluß, kurs Schlußk. Miliag» börse Datum 27.5. 29.5- 27.5. 29.5. 4% desgl. Serie 11 ........... 6,45 6,5 6,4 6.35 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 5,75 5,5 5,9 5,6 4^%Rumän.veretnh.Ren!ev.l913 10,25 10,5 10,5 4% Rumänische vereinh. Rente 4,7 4,65 4,7 4,55 8%% Anatolier ............. 28,6 28,65 28,75 28,65 Hrnnburg-Amerska-Paket ..... Hamburg-Südam. Dampfschiff. c 0 19,13 19 18 65 31 19 32,5 Hansa Dampfschiff........... 0 — — 28 27,25 Norddeutscher Lloyd ......... 0 20,13 20,13 19,75 19,9 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 53,25 53 53 52,75 Berliner Handelsgesellschaft.... > 94 92,25 93,25 93 Commerz, unv Privat-Bank... Deutsche Bank und Disccnto- 0 50,25 50,25 50,75 50,75 Gesellschast................ (1 53 53 53 53 Dresdner Bank........... 0 52 52 52 52 Reichsbank ................. 1 126,75 125 125,5 125 A.E.G...................... Elektr. LicferungSgefelkschaft .. i Licht und Krast ............. Felten & Guilleaume ........ Gesellschaft für Elektrische Unter» ( 6 6 v 25,25 100 113 67,5 115,25 58,25 25,25 100,13 114 67,75 25 101 115,5 60 nehmungen............... Rheinische Elektrizität ........ Schulten & Go.............. 4 6 91 96 107 159 121 92 96,75 108,5 157 91 96,5 106,5 159,75 121,5 92,4 96,5 108,25 157 121 Siemens & Halske........... Lahmeyer & Go.............. 10 Buderus ................... Deutsche Erddl ............. 4 76,5 112,5 77 114,5 77 112,5 77,25 114.5 Gelsenkirchener.............. G 61,75 63 62,25 63.13 Harpener................... c 96,75 99 96,4 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen.. c - 74,65 75875 Ilse Bergbau ............... - 153,75 Ilse Bergbau Genüsse........ Klöcknerwerke ... .......... 0 114 59,5 115 61,5 113,25 59,25 115,5 60,5 ManneSmann-Röhren........ 0 70,5 70,13 70 70,4 Arant,uri a. M. Äerlm Schlußkurs Schlußk Abend- börsc Echluß- lurs Schlußk. Mittag- börle Saturn 27.5. 29.5. 27.5. 29.5. Mansielver Bergbau...... ... 0 25 — 25,25 26 KokSwerke ............... ... 0 — — 83,75 84,75 Phünir Bergbau.......... ... 0 41,75 43 42 42,5 Rheinische Braunkohlen ... ...io 194,5 — 197 198,5 Rheinstabl ............... ... 0 90,25 93,25 90 93 Beremtgie Stahlwerke..... ... 0 41,4 42 41,13 42,25 Olavi Minen ............ ... 0 18 — 17,65 17,75 Kaliwerke Aschersleben..... ... 6 129,4 — 130 129 Kaliwerke Westeregeln..... ... 6 130,5 130 132,75 130 Kaliwerke Salzdetfurth .... ... P 179 — 180 178,5 I G.FaÄien-Industrie.... ... 1 129,25 130,5 129,4 129,9 Scheideanstalt............ ...10 169 168,5 —— — Goldschmidt ............. ... 0 53,75 52,65 54,4 53 RütgerSwerke ............ ... 0 58 58 57,0 57,75 Metallgesellschaft.......... ... ( 34 34,5 34,5 34,5 Philipp Holzmann........ Zementwerk Heidelberg ... Cementwerk Karlstadt...... ... 0 58 te 56,9 56,5 ... 4 76,5 75,5 ... 0 - Schultheis Patzcnhoser..... ... 0 125,5 126 Mu (Allgemeine Kunstseide) ... 0 40,5 41 40,5 41 Bemberg................ ... 0 50,25 — 50,75 51 Zellstoff Waldhos......... ... 0 53 — 52,65 52,5 Zellstoff Aschaffenburg .... ... 0 24 — 24 24 Dessauer Ga»............ ... 7 — 111,5 111,5 Daimler Motoren....... ... 0 30,5 30,75 30,65 30,5 Deutsche Linoleum ...... ... 0 48,5 49,25 47,13 48,5 Orenstein S Koppel ....... Leonhard Tietz........... ... 0 21 50,25 21 48,25 19,75 Thade................... 165 — 167,4 165 Arttzner ... ......... 26,5 27 27 Mainkrastwerke Höchst a.M. ... 4 68.5 68,5 Süddeutscher Zucker ...... ... 8 155 157 155,25 156 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 27. Mal 29. Mai Amtliche Notierung (RtlD | Ariel Amtliche Notierung Geld | Arie' Helsingfors. 6,304 6,316 6,284 6,296 Wien...... 46,45 46,55 46,45 46,55 Prag...... 12,61 12,63 12,61 12,63 Budapest ... — — —— — Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland .... 170,23 170,57 170,63 170,97 Oslo....... 72,33 72,47 71,93 72,07 Kopenhagen 63,54 63,66 63,34 63,46 Stockholm.. 73,13 73,27 72,63 72,77 London ..... 14,25 14,29 14,205 14,245 Buenos Aires 0,853 0,857 0,853 0,857 Neuyork .... 3,596 3,604 3,581 3,589 Brüssel..... 58,79 58,91 58,89 59,01 Italien..... 21,95 21,99 21,96 22,00 Poris..... Schweiz ... 16,61 16,65 16,61 16,65 81,57 81,73 81,72 81,88 Spanien.... 36,06 36.14 36,11 36,19 Danzig.... 82,62 82,78 82,77 82,93 0,874 0,239 0,876 0,241 0,874 0,239 0,876 0,241 Rio de Ian. Jugoslawien Lissabon.... 5,195 5,205 5,195 5,205 12,99 13,01 12,94 12,96 Banknoten. Berlin, 29. Mal Gelb ZW Amcrikanyche Noten.............. 3,545 3,565 Belgische Noten.................. 58,73 58,97 Dänische Noten ................. 62,97 63,25 Englische Noten ................. 14,165 14,225 Französische Noten............... 16,57 16,6? Holländische Noten............... 170,26 170,94 Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. 21,84 71,76 21,92 72,04 Deutsch Oesterreich, i 1OO Schilling Rumänische Noten............... 2,46 2,48 Schwedische Noten............... 72,45 72,75 Schweizer Noten... ............. 81,54 81,86 Spanische Noten................. Ungarische Note» -............... 35,98 36,12