Donnerstag, 30. März 1933 183. Jahrgang Nr.s7b Erstes Blatt nur2251. an n 11686. Krönt Annahme von Anzecgei» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärrs 10 Reichspfennig; für Re- klameanuigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20' , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und^ür denAn« zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Siegen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen lind Verlag: vrLhl'sche Univelsttäls-Vuch- und Sidnömderei R, Lanze in Stetzel Schristleitung und Geschäftsstelle: 7. Cricheint täglich, autzei Sonniaqs und Ieierlags vett«tzen: Du Illustrierte MWMer Familienblätter tzchn« m Bild DieScholle 'WMats Bezugspreis: Mu ß Beilagen AM. 1.95 ierte , 1 80 ühr . . -.25 (yei Nichterscheinen euizelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Lernsvröchanschlüsse |ür Drahtnach- 'tnreißer Gieheit. Ans! rich Gegen die Greuelyetze. Der selige Lord Rorthclifse wird sich vor Neid im Grabe h^rllmdrehen. Alle die Lügen von den abgcbadten Hängen, den ou3gcftod)cncn Augen, den öffentlich e 5)inrid)tuagcn und Massenauspeit- schungen R>Ä,wieder außgejrabcn worden und vergiften die Wcltuieinung. Die Front der Entwurzelten hatKVe Gnttanäle gegen die deutsche Revolution geöfsüet und versucht, das deutsche Ansehen in HÜ7VM herabzumindern. In zwei Kolonnen hat sich diese Front zum Angriff aus Deutschland formiert, in der Kolonne des internationalen Marxismus und in der Kolonne des entwurzelten Melljudentums. Der seiner Rasse und seines Doltstums bewußte Jude weist — wie die Erklärungen der großen jüdischen Verbände in Deutschland Ä «Weisen mit allem Rachdruck diese GrcuellUe'Mrüct. Cs sind jedoch land- und volkssremde^VLNllen jüdischer Abstammung und es ist das ppoletarisierte Ostjudentum in den Elendsvierteln ?on Deuyork und London, das immer nod) die Lügsthetze weiter betreibt. Gegen die Gründe :sehe nationalen Anstands haben auch Künstler uird Gelehrte gröblich verstoszen^^H^ jahrlang die deutsche Gastfreundschaft üi Anspruch genommen haben und jetzt schleunigst d.m Siaub Deutschlands von ihren Füßen geschulte t naben. Was soll man dazu sagen, wenn Professor Albert Einstein es von Paris aus in^ll«L«fentIichen Erklärung begrüßt, daß sich daS,®'trafen aller Länder gegen ein Deutschland ■eb», in dem brutale Gewaltakte vorgekommen'seien und noch vorkämen. So etwas kann nicht damit beschönigt werden, daß der große Gelehrte ein gvch größeres politisches Kino sei. Man darf sich edvch darüber keiner Täuschung hingeben, daß bi; Lügenpropaganda von dieser Güte mit sehr materiell gerichteten Strömungen zusammenfl.eßt, d'e sich die künstliche Erregung unter den Juden im Ausland zunutze machen, um ihr eigenes HHHchen zu scheren. Da gibt cs sehr handfeste 3 ttereffen des amerikanischen Handel., die den Feldzug gegen uns unterstützen und auch in manchem Engländer regt sich das alle ReHgefühl gegen den deutschen Konkurrenten WM MW-Weltmarkt, dem man bei dieser GelegenMnt-Mirch Duldung und tatkräftige Förderung.Aer^Lügenheye eins auswischen mochte. Es ist beinahe schon so, daß das, waS wir in dsir^ehtM vierzehn Tagen erlebten, die Zeiten zu^ Beginn des Krieges Überboten hat. Die Dinge, me man uns nachsagt, sind so geschmacklos, daß sie sich zum großen Teil der Wiedergabe entziehen..Die Amerikaner, bei denen doch auch heute noch, gelegentlich der Richter Lynch dusch die Lande reitet und einen Reger, ohne nach..,seiner Schuld zu fragen, am nächsten Morgen aufhängi oder in noch weniger menschensreunollWWWßise vom Leben zum Tode bringt, fühlen ihr M.tleidiges Herz llopsen und wenden sich vor Hnträslung von dieser deutschen ..Kulturlosigkeit"^^ Die Engländer, die kaum mit der Wimper gezuckt haben, als die spanische RevolEftt sich nicht mit der Verwüstung von Kirchen, und Klöstern begnügte, sondern auch mit MensHevleben gerade nicht sonderlich schonend Umging, entdecken wieder ihre völkererziehende Mission und spitzen ihre Federn, um gegen die ..Hunnen" einen Papierkrieg zu führen, ohne es.»«ch>tupt der Mühe für wert zu hallen, vorher 'enmal sestzustellen, ob auch nur ein Wort von all dem Unsinn wahr ist. Das LebensinteDU^M Nation macht es der Re- gferuna zur gebiett^chm Pflicht, gegen diese Dinge mit allen oerfügbl*n Möglichkeiten den Abwehr- kamps zu eröffnet^ Sdweit die Hetze im Aauslund wirklich aus einem-%iÄberftanbenen Gefühl der Verbundenheit ftanfniL muß dem Ausland die Augen darüber geöffnet Werften, daß es den deutschen Juden nur helfen kann, we»m cs die Greuelpropaganda und die Deutschenhe« sofort a b ft o p p t. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Drahtzieher der Hetze die AnkünbiglttHen der Regierung und der nattonalfozialistischtn Var tri als das erkennen, was sie sind, nämlich als ein Ultimatum, zu dem man sich nicht leichten Herzens entschlossen hat. Die amtliche Mitteilung sagt ausdrücklich, daß die Hetze in der Hauptsache von ehemals in Deutschland beheimateten Juden betrieben werde. Diese Leute haben sich in den Rassegenossen ihrer Heimat am allerschwersten versündigt. Hoffentlich kommt ihnen noch rechtzeitig diese Erkenntnis, bevor die ihnen zugebilligte Bewährungsfrist abläuft Es ist gesagt worden, daß die angekündigten Bonkottmaßnahmen sich auf die gesetzlich zulässigen Möglichkeiten bekrönten soll. Regierung und Parteileitung der NSDAP, lehnen strikte jebe persönliche Gewaltanwendung ab und erwarten höchste Disziplin von allen Kämpfern der nationalen Revolution. Deutschland muß wissen, daß in diesen Tagen die Augen der ganzen Welt nach dem Herzen Europas gerichtet sind. Das englische Scho des Boykotts. London, 29. März. (ERD. Funkspruch.) Der bereits als begonnen gemeldete ..unoffizielle Boykott" gegen Juden in Deutschland wird von der Presse in großer Aufmachung angekündigt. Die Blätter veröffentlichen Meldungen über angebliche Terrorakte, z.2- müßten Juden sich von llcberfällen durch Geldsummen los- kausen, so . durch die Zahlung von 1030 Wk- an Razi-Bezirksführer. Rur wenige Blätter, wie „bvening Standard", betonen, daß die Lage in großem Ausmaße durch die übertriebenen Berichte über angebliche Greuel- ^aten geschaffen worden fei. Die Rationckl- fozialisten hätten es in ihrer Macht, den Juden in Deutschland weit größere Leiden zuzufügen. Aufgabe und Arbeitsweise des Reichsministenums für Vottsaufklärung und Propaganda. Berlin, 30. März. (CNB. Funkspruch.) Der Reichspressechef und Staatssekretär im Reichsmini- terium für Dolksausklärung und Propaganda, Funk, gewährte einem Vertreter des „Völkischen Beobachters" eine Unterredung, in der er sich über Zweck und Aufgabe des Ministeriums äußerte. Der Staatssekretär erklärte u. a.: Die Propaganda ist das modernste Macht- und Kampfin- trument für die Staatspolitik. Die Errichtung res Propagandaminifteriums ist lebensnotwendig, denn das nationalpolitische Wollen der neuen Staatsführung soll Allgemeingut des gan- zen Volkes werden. Deshalb muß das gesamte wlitische, künstlerische, kulturelle und seelische Leben )er Nation auf eine Linie gebracht und von einem Zentralpunkt aus geleitet werden. lieber die innere Organisation des Propaganda- Ministeriums machte Staatssekretär Funk u. a. folgende Angaben: Die Propagandaabteilung, die die engste Berührung mit dem Volke hat, wird vor allem dafür zu sorgen haben, daß die Absichten des Propagandaministeriums im ganzen Re i ch nach einheitlichem Plan durchgeführt werden. Sache der P r e f f e a b t e i l u n g ist die Beeinflussung der Pressepolitik im ganzen Reich. Propaganda muß mit sachlicher Aufklärung verbunden fein. Aufklärung kann aber nur ftattfinben a u f Grund einesumfafsendenNachrichten- dienstes. Aus der Preffeabteilung soll allmählich ein großer Nachrichtenapparat herauswachsen, dessen Ausbau unter weitgehender Heranziehung bereits be st ehender Organisationen erfolgen soll. In der Rund- funtabteilung ist künftig der gesamte Rundfunk einheitlich zusammmigesaßt. Die Beeinflussung des Kinowesens geht gleichfalls auf das Pro- paganbaminifterium über. Als nächstliegende Aufgabe betrachtet bas Ministerium die Einflußnahme auf die Gestaltung ber politischen W o - chenschauen. Bezüglich ber Abteilung „Theater" ist zu sagen, baß sich bas Reichspropagcmba- ministerium in eine einheitliche Stil - und Geschmacksbilbung unter bem Gesichtspunkt bes nationalen Interesses kümmern wirb. Um im Laufe ber Zeit das ganze Propaganba- wefen bes Reichs in ber Arbeitsweise zu beschien- nigen, zu vereinfachen und gleichzeitig in der Wirkung zu erhöhen, ist beabsichtigt, sowohl für die Länder als auch für größere Kulturgebiete Außen- b i e n ft ft e 11 e n des Propaganbaminifteriums einzurichten, bie bie Aufgabe erhalten, bie gesamte Volksaufklärung unter Inanspruchnahme ber in ihrem Bereich vorhanbenen Möglichkeiten lokaler Natur systematisch burchzuführen. Zahlreiche Ehrungen für die Führer der nationalen Revolution. Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler sind in den letzten Tagen von zahlreichen deutschen Städten zu Ehrenbürgern ernannt worden. Unter den vielen Gemeinden, Die diese höchste Ehre, die sie zu vergeben haben, den beiden Führern des neuen Deutschlands verliehen haben, befinden sich Köln, Dresden, Königsberg, Stettin, Kollbus, Koblenz, Ober- und Nieder-Lahnstein, Aachen, Forst, Hof, Rothenburg u. a. Die Reichshauptstadt und die Stadt Leipzig planen ebenfalls die gleichen Ehrungen. In vielen Städte:, sind auch Straßen und Plätze nach den Führern der nationalen Revolution, u. a. auch nach den Ministern Göring und Hugenberg und aud) nach den neuen Staatsoberhäuptern der Länder benannt worden. Die Motorisierung Deutschiands Ein Aufruf an die Verbände der Kraft- vrkehrswi.tschaft. Im Einvernehmen mit dem Herrn Reichskanzler hat mich ber Herr Reichsverkehrsminister zum Beauftragten für bas Kraftverkehrs- wesen bestellt. Zweck biefes ehrenamtlichen Auftrags ist, bie Reichsregierung bei ber M o t o r i s i e- rung D e u t f d) ( a n b 5 zu unterstützen. Mit biesem Schrill hat bie Reichsregierung ben weg- meifenben Worten bes Reichskanzlers anläßlich ber Berliner Kraftfahrzeugschau bie erste Tat zur Durchführung einer grunblegenbcn Neuorbnung ber brutschen Kraftverkehrswirtschaft folgen lassen. Die zweite war bie Errichtung einer eigenen Abteilung für ben Kraftverkehr unter bem bewährten Ministerialbirek- tor Hauptmann Branbenburg im Reichsoer- kehrsministerium, unb bie britte wird die für den 1. Mai d. I. angesetzte Steuerermäßigung sein. Weitere werden nicht auf sich warten lassen. Hier beginnt die mir von der Reichsregierung gestellte Aufgabe. Weder in den behördlichen Apparat eingeschaltet, noch an den Gewinnen oder Erfolgen privater Verbände oder Llnternehmun- gen persönlich interessiert, betrachte ich mich a l s Treuhänder für die Reichsregierung und als Trommler für die nationale Derkehrswirtschaft. Die Sprengung aller der Zeit nicht mehr gerecht werdenden Ketten und die Reuordnung überalterter Organisationen sowohl bei der Erzeugergruppe wie bei der Derbraucherschaft werden die Grundzüge der Mobilisierung der nationalen Motorfahrt bilden. Ich bitte alle in den Bereich der deutschem Kraftverkehrswirtschaft gehörenden Verbände und Unternehmungen um ihr Vertrauen und ihre Mitarbeit. Wie in den vergangenen Jahren als Führer der nationalen Motorsahrt wird sowohl mir als Reichsbeauftragtem wie auch meinen beiden Vertretern M ü h l e i n und R o r d der Schuh und die Förderung deutscher Arbeit, deutscher Arbeiter und deutscher Betriebe auch in Zukunft Richtschnur des Handelns bleiben. (gez.) Karl Eduard, Herzog von Sachfen- Coburg und Gotha." Scharfe Zuspitzung des britisch-russischen Konflikts. Englische Demarche in der Vickers-Affäre. - Litwinow lehnt Verhandlungen ab. M o s k a u, 29. März. (WTB-) Der britische Bot- schafter Sir E b m o n b Ovey ist bei bem Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten Litwinow wegen ber Verhaftung unb bes Prozesses gegen bie englischen Ingenieure ber Metropolitan Vickers Electrical Co. Limiteb vorstellig geworben, um ihn von ben Maßnahmen in Kenntnis zu setzen, bie bie britische Regierung zu ergreifen beabsichtigt, falls ber Prozeß nicht beigelegt werbe. Litwinow hat bem Botschafter mitgeteilt, baß ber Prozeß für bie nächsten Tage anberaumt sei unb baß biefer Beschluß nicht rückgängig gemacht werben könne. Im übrigen bürfe ber Botschafter bavon überzeugt sein, baß es gänzlich zwecklos sei, wenn er burch seine Mitteilung über geplante Maßnahmen ber britischen Regierung auf diesen Beschluß einwirken wolle. Die Methoden ber britischen Diplomatie, ein Land von außen unter starken Druck zu setzen, seien bei ber Sowjetunion von vornherein zum Mißerfolg verurteilt. Er lehne es ob, weiter mit bem britischen Botschafter über diese Angelegenheit zu verhandeln. Droht eine Hungersnot in Gowjetrußland? London, 30. März. (ERB. Funkspruch.) Der frühere politische Sekretär Lloyd Georges, Gare t h I o n e s , ist auf dem Wege von Rußland nach London in Berlin eingetroffen. Er hatte eine längere Fußreife durch die Tlkraine und andere Bezirke der Sowjetunion unternommen. Er spricht fließend russisch. Der „Reuyork Evening Post" erklärte er, Rußland drohe eine Hungersnot ungeheueren Timsanges, die so schlimm fein werde, wie die Katastrophe von 1921, wo Millionen ums Leben kamen. Diese Hungersnot werde den Beginn ernster Arbeitslosigkeit in einem Lande bedeuten, das sich bisher gerühmt habe, für jeden Menschen eine Beschäftigung zu finden. In der Verhaftung britischer Ingenieure in Moskau erblicke er einZeichen für dieBestürzungder Sowjetbehörden. Er erwähnt« u. a., daß er eine Anzahl Dörfer und zwölf Kollektivbauernschaften besucht habe; überall habe sick der Ruf erhoben: „Wir wollen Brot, wir fterben/ Diefe Schreie habe er allenthalben gehört. als der jüdische Boykott deutscher Waren den Razis zufügen könne. Bezeichnend für die politische Ausschlachtung der Terrorpropaganda ist eine Rede des liberalen Plnterhausmitgliedes R a - t h a n, der meinte, die Mächte müßten angesichts -der vorgefallenen Ereignisse von Deutschland Versicherungen verlangen, daß Rassen- und Religionsverfolgungen innerhalb seiner Grenzen nicht geduldet werden. „Deutschland beleidige das Weltgewissen" und könne daher bis auf weiteres kein Entgegenkommen mehr erwarten. — Don anderer Seite wird in gewundener Beweisführung geltend zu machen versucht, daß diePosition der ausländischen Gläubiger Deutschlands durch eine Beeinträchllgung der wirtschaftlichen Interessen des Judentums geschädigt werden könnte. VotschaflerSattett warnt vor vor- ejligerVerurieiiung Deutschlands R e u y o r k, 30. März. (WTB. Funkspruch.) .Time s" bringt ein Interview Botschafter Sacketts, in dem dieser nachdrücklichst die Rotwendigkeit betont, daß man in seinem Urteil über die Ereignisse in Deutschland zurückhalten müsse. Als er in der letzten Woche Deutschland verlassen habe, habe er den Eindruck gehabt, daß die Demonstrationen vorüber seien. Soweit sich die Kundgebungen gegen politisch Unbeteiligte gerichtet hatten, seien sie ohnedies nur sporadischer Ratur gewesen. Die wenigen Fälle, die zur Aufmerksamkeit des Botschafters gebracht worden, und in denen Amerikaner die Opfer gewesen seien, seien alle durch besondere Umstände veranlaßt gewesen unb die deutsche Regierung habe sich beeilt, Abhilfe zu schaffen. Es wäre bedauerlich, tocrai diese Fälle zum Anlaß einer allgemeinen Derurteilung der deutschen Regierung genommen würden und wenn infolge einer solchen Derurteilung eine wirkliche antisemiti- scheBewegungin Deutschland entstehen sollte. Die weitere Entwickelung hänge in hohem Maße von der Freiheit und dem Einfluß a b, den Deutschland auf der Weltwirtschaftskonferenz erhalte. Regierung undKongreß derVereinigten Staaten rücken von der Greuelhetze ab R e u h o r k, 30. März. sWTB. Funkspruch.) Im Einwanderungs-Ausschuß des Repräsentantenhauses zu Washington war von dem Abgeordneten Samuel D i ck st e i n beantragt worden, die Einwanderungsbestimmungen im Hinblick auf die religiöse und politische Derfolgung in Deutschland zu mildern. Unter st aatsse- kretär Carr wandte sich energisch gegen diesen Antrag. Er erklärte, das große Publikum würde die Annahme der Resolution als einen Versuch des Kongresses auffassen müssen, Leute zuzulassen, die in Deutschland angeblich einer Derfolgung ausgesetzt seren. Auch Brown-Benton, der Dertreter der Dater- ländischen Derbände Amerikas, legte gegen eine Annahme des Antrages Derwahrung ein. Schuhhästlinge bestätigen gute Behandlung. Oranienburg, 29. März. (CRB.) Ueber das Korrzentrationslager in Oranienburg sind in verschiedenen Zeitungen Rachrichten verbreitet worden, die von Mißhandlungen der Insassen des Lagers sprechen. Rachdem diese Mittellungen denJnhaftiertenvor- Belesen waren, haben diese geschlossen folgerrde r k l ä r u n g abgegeben: Unaufgefordert und ohne jeden Zwang erklären wir Schutzhäfllinge aus dem Korrzentrationslager in Oranienburg, daß die Behauptungen von Seiten der Bevölkerung bezüglich roher oder schlechter Beharrdlung seitens der Wachen auf Unwahrheit beruhen. Dielmehr erklären wir, daß Wir durchaus menschlich I behandelt werden und daß die Derpfle- gung gut und reichlich ist. — Unter dieser Erklärung stehen 75 Unterschriften von Insassen des Lagers. Keine Verteuerung der Futtermittel. Berlin, 29. März. (TU.) An die Hereinnahme der eiweißhaltigen Futtermittel in das Maismonopol sind Erörterungen geknüpft, die das Reichsernährungsmtniste- rium zu folgender Aeußerung veranlassen: Eine Verteuerung der Futtermittel, die irgendwie zu Buch schlägt, ist nicht geplant. Andererseits wird das Monopol dazu dienen, die völlig unberechtigte Einfuhr der letzten Zeit, die schon stark den Charakter von Doreinfuhr trage, zu beenden. Es liegt kein innerer Grund dafür vor, daß Deutschland heute mehr ausländische Futtermittel «ingeführt werden, als in vergangenen Jahren, insbesondere besteht für die nächsten Monate so gut wie gar kein Einsuhrbedarf. Die Weidezeit steht kurz bevor. Die Dorräte im Inlands sind noch beträchtlich. Was noch darüber hinaus an Futtermitteln notwendig ist, kann ohne weiteres durch die Oehlmühlen geliefert werden. Ratürlich wird durch die Sperrmaßnahmen des Monopols manchem Spekulanten — der sich jetzt Dorräte hinlegen möchte, um sie später mit Gewinn zu verkaufen — auch manchem landwirtschaftlichen Spekulanten das Konzept verdorben. Das liegt aber durchaus im Sinn des Reichsernährungsministe- riums. Oer hessische Stahlhelm zu den Braunschweiger Vorfällen. WSR. Darmstadt, 29. März. Die Taupressestelle Hessen des Stahlhelm 2. d. teilt u. a. mit: Die Vorgänge in Braunschweig haben durch das Eingreifen der Deichsregierung ihre Erledigung gefunden. Eine Verallgemeinerung der Braunschweiger Vorgänge oder ein Hinübergreifen^auf irgend einen anderen Landesteil ist ausgeschlossen. 3n Hessen sind i n keinem Falle geschlossene Gruppen ehemals marxistischen Organisationen Angchorender ausgenommen worden. Durch Landesbefehl wurde den Untergruppen zur Pflicht gemacht, alle Anmeldungen schärf st ens zuprüfen. Wer einer marxistischen Organisation angehörte, hat Wartezeit von mindestens drei Monaten (im Gau Hessen ist die Wartezeit bis sechsMonate ausgedehnt) vor der Verpflichtung einzuhalten. Diese Wartezeit dient zur letzten Prüfung. Dur wer zuverlässig auf nationalem Boden steht und bereit ist, auf dem Boden der von der Reichsregierung gegebenen nationalen Linie zu arbeiten und sonst den Anforderungen des Bundes entspricht, wird ausgenommen. Cs ist allen Stahl- helm-Bundesangehörigen zur Ehrenpflicht ge- n acht, an dem großen Ziel der neuen deutschen Wiederaufbaupolitik mit der RSDAP. Schulteran Schulter zu arbeiten, und zwar im Geiste der Kameradschaft, die höchstes Ziel der Stahlhelmerziehung ist. Kleine politische Nachrichten. Ab 1. April wird der Deutschland-Sender am Schluß seiner Abendprogramme regelmäßig vor dem Deutschland.lied das Horst- Wessel-Lied spielen lassen. Möglicherweise- werden auch andere Sender diesem Beispiel folgen. Eine Tagung des Reichsverbandes der deutschen Hotels, Restaurants und verwandterBetriebe sprach sich gegen die Belastung der Hotelbetriebe durch die öffentliche Hand aus und forderte Einführung des Vollstreckungsschutzes gegen Zwangsversteigerungen bei unverschuldetem Rotstande. * In München sind, wie die Polizeidirektion mitteilt, Verlagsdirektor Dr. Betz der „Münchener Neuesten Nachrichten" und Chefredakteur Karl Nabe der „Münchener Telegrammzeitung" in Schutzhaft genommen worden. Von der Kreisregierung Würzburg ist zum kommissarischen Stellvertreter des zurückgetretenen Oberbürgermeisters der Stadt Aschaffenburg Landtagsabgeordneter Wohlgemuth und zu dessen Vertreter Stadtrat Schauer bestellt worden. Der Deutsche Rundfunk überträgt am Freitag von 9.30 Uhr bis 10.30 Uhr abends über alle Sender die Rede Reichsministers Dr. Goebbels au" der Gautagung der RSDAP. in den Wilmersdorfer Tennishallen. Am Am 1. April, dem Geburtstage des Altreichskanzlers OttovonDismarck, veranstaltet der Deutschlandsender in der Zeit von 20 bis 22 Uhr eine Reichssendung. Rach einem Hörbild von Gerd Fricke wird die Feier der deutschen Jugend an dec Bismarckwarte am Müggelsee übertragen. Die Feierrede hält Reichsminister Dr. Goebbels. Kunst uüi> Wissenschaft. Einschneidende Aendemngen im Frankfurter Kunstleben. Der kommissarische Frankfurter Bürgermeister Lindner hat folgende Verfügung erlassen: Mit sofortiger Wirkung werden bis auf weiteres beurlaubt mit der Maßgabe, sich der Ausübung aller dienstlichen Geschäfte zu enthalten: Am Opernhaus: Intendant Tur na u und erster Kapellmeister Steinberg: mit der ehrenamtlichen Wahrnehmung der Geschäfte als Intendant wird vorläufig Herr Stüber (früher Schauspieler, zuletzt Leiter der Programmabteilung des Eüdwestfunks) beauftragt; am Schauspielhaus: Intendant Kronacher und Regisseur Fritz Peter Buch; mit der ehrenamtlichen Wahrnehmung der Geschäfte des Intendanten wird vorläufig Dr. G e i s o w (Leiter des Kampfbundes für deutsche Kultur in Frankfurt a. W) beauftragt, die Vertretung des Regisseurs Buch übernimmt Oberspielleiter Geiß; am Städel- schen Kunstinstitut (Städtische Galerie): Generaldirektor Dr. Swarzenski; mit der ehrenamtlichen Wahrnehmung der Amtsgeschäfte des Generaldirektors wird Kunstmaler Fahrenbruch beauftragt; am Historischen Museum: Kustos Dr. Schönberger; mit der ehrenamtlichen Wahrnehmung der Geschäfte wird vorläufig der Kunsthistoriker Dr. Zülch beauftragt, der gleichzeitig als ehrenamtlicher Mitarbeiter Fahrenbruchs am Städelschen Institut beigeordnet wird; am Kunstgewerbemuseum: Dr. Gundersheimer und Dr. Stern; an der Kunstgewerbeschule: Direktor Professor Dr. Wichert; mit der ehrenamtlichen Wahrnehmung wird vorläufig Kunstgoldschmied Berthold beauftragt; an der Kunst- gewerbe--Dib.io.hek: Direktor Dr. Schürmeyer; mit der Wahrnehmung der Geschäfte wird ohne Aenderung seiner Anstellungs- und Gehaltsverhältnisse vorläufig der Bibliothekar Dr. Diehl beauftragt. Ferner ist beim Fürsorgeamt die Oberfürsorgerin Dr. Hanna H e l l i n g e r beurlaubt worden. Die Beurlaubung des Magistratsrats Dr. A l t h e i m ist zurückgenommen worden. Der Verwaltungsdirektor W e i g e 11 tritt an seine frühere Dienststelle zurück. Eine weitere Verfügung des kommissarischen Bürgermeisters besagt, daß im Hinblick auf die lügenhafte ©reuet- Propaganda des Weltjudentums alle im Dienst der Stadt stehenden Inden zum nächst zulässigen Termin gekündigt werden. Veränderungen in bet Leitung der B ühnengenossenschaft. Die Präsidenten der Deutschen Bühnengenossenschaft, W a l l a u e r und Otto, werden mit Wirkung vorn 1. April auf ihren Wunsch vom Dermal- tungsrat beurlaubt. Als Ersatz für die bereits ausgeschiedenen Verwaltungsratsmitglisder Grete I l m und Emil Lind sind Otto Laubinger vom Staatstheater und der bekannte Bühnenbildner Benno von Arent in den Verwaltungsrat einye- treten. Der bisherige Präsident Otto bleibt im Verwaltungsrat und hat auf dessen Wunsch seine Dienste fernerhin zur Verfügung gestellt. Die Führung der Genossenschaft übernimmt bis zur endgültigen Regelung Otto Laubinger. Aus aller Welt. Blutige Schmugglerzwischenfälle in Oberfchlesien. Das nahende Osterfest hat zu einem riesigen Aufschwung des Schmuggelbetriebes an der deutsch-polnischen Grenze geführt. Rei Reu- Repten überschritt eine Schmugglerbande von 50 Personen die Grenze. Die Grenzbeamten machten von der Schußwaffe Gebrauch, wobei ein Schmuggler getötet und einer schwer verletzt wurde. Die Bevölkerung des Ortes nahm Partei für die Schmuggler, so daß die Beamten Verstärkungen herbeiholen mußten. Erst dann lonnten a ch t Schmuggler fest genommen und ein Teil der Schmuggelware beschlagnahmt werden. Die anderen Schmuggler entkamen. Zwischen Tarno- wih und Doruschwih versuchten etwa 30 Schmuggler, die hauptsächlich Rosinen und Vanille als Schmuggelware mit sich führten, die Grenze zu überschreiten. Eine Streife der Grenzpolizei war biefem Massenorenzübertritt machtlos und muhte Hilfe herbeiholen. Der Führer der Schmuggelbande und sieben Schmuggler konnten f e ft genommen werden. Raubmord bei Braunschweig. Auf den Bäckermeister Kühne aus Rothemühle bei Braunschweig wurde nachts ein Raubüberfall verübt. Man kam dem Verbrechen auf die Spur, als Pferd und Wagen des Bäckermeisters allein in Rothemühle ankamen. Als man sich auf die Suche begab, fand man den Bäckermeister etwa 600 Meter von Rothemühle entfernt an der Straße nach Braunschweig in seinem Blute liegend auf. Der Verletzte, der schwere Kopfwunden aufwies, wurde dem Landeskrankenhaus zugeführt, wo er, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben, gestorben ist. Die Barschaft, deren Höhe nicht bekannt ist, war geraubt. Von den Tätern fehlt jede Spur. Schleswig-holsteinische Erhebungsfeier. Schleswig-Holstein feierte die 85. Wiederkehr des Tages der Veröffentlichung der Proklamation durch die Provinzregierung, durch die die Erhebungskriege der beiden Herzogtümer gegen d i e Dänen- Herrschaft ihren Anfang nahmen. Die Stadt Kiel zeigte sich in schönstem Flaggenschmuck. Die Feierlichkeiten begannen mit der Kranzniederlegung am Grab der Helden von 1848 auf dem St. Jürgen- Friedhof. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Kiel des Schleswig-Holsteiner-Bundes Dr. G a r o ö gedachte der unvergessenen Opfer und gelobte, gleich den stummen Schläfern Kämpfer zu fein für Recht, Ehre und Freiheit des deutschen Vaterlandes. Anschließend formierten sich die Organisationen zu einem Fahnenmarsch nach der St. Nikolaikirche, wo ein plattdeutscher Gottesdienst stattfand. Den Abschluß des Tages bildete eine Grenz- Tierschuh im Frühling. Im Tierreich entfaltet sich überall neues, frisches Leben. 3m Grase kriecht, läuft und springt es. 3n Bach und Teich treiben Molche, Fische und Frösche ihr Wesen. Käfer und Schmetterlinge durchschwirren die Luft. Roch ehe der letzte Schnee zerrann, ließ die Kohlmeise ihren Paarungsruf „Spih-die-Schar" ertönen. Die Lerche erhebt sich trillernd in die blaue Luft. Ammern, Bachstelzen und andere Zugvögel sind zurückgelehrt. Da erschallt der Ruf des Kuckucks; seinem ersten Vernehmen sind mancherlei Auslegungen für das Leben und Wohlergehen des Menschen unterschoben worden. Kuckuck, ei, ich will dich fragen. Kannst du mir die Stunde sagen? Wieviel 3ahre leb' ich noch? Lieber Kuckuck, sag' mir's doch! — Horch! Der Vogel ist gefällig; Sechzig — achtzig — hundert zähl' ich. Schönen Dank, Herr Kuckuck, dir! Soviel' Lenze bringe mir! Die Züge der Meise und ihrer Verwandten zerstreuen sich allmählich und lösen sich in Pärchen auf. Die Wohnungsnot der Vogelwelt beginnt. Manches traute Plätzchen ließe sich zur Kinderstube einrichten. Aber die Menschen sind oft unfreundliche Hauswirte. So groß ist die Wohnungsnot, daß Meisen in Briefkästen und Grabengeln nisten und Rotschwänzchen in fahrende Eisenbahnwagen ihr Rest bauen. Roch ist es Zeit, Risthöhlen aufzuhängen. Es müssen keine gekauften sein. Auch zusammengenagelte Rist- kästen, richtig nach Südosten und etwas nach vorne übergeneigt aufgehängt, werden gern angenommen. Ein in der Spitze des Dachgiebels angebrachtes Brettchen vermag der Bachstelze zu dienen, und ein ausgebrochener Ziegelstein in der Mauer macht Platz für ein Rotschwanznest. Die Schwalbe baut ihr Rest unter den Dachfirst. Verdrießliche Menschen stoßen es oft herab, weil die darunter liegende Fensterbank beschmutzt wird. Don neuem beginnt sie die Maurerarbeit. Ein kleines Brettchen, unter dem Rest angebracht, hilft dem Hebel ab. Sagt doch ein alter Spruch, daß Schwalben Glück und Frieden bringen. Die Hochzeit in der Vogelwelt beginnt. Dort im Weihdornbusch am Wegrand werden in einem Astquirl Hälmchen aufgesch'.chtet. Mit Vorliebe bauen unsere geregelten Lieblinge gerade an belebte Plätze, weil sie sich da vor dem Raubzeug am sichersten fühlen, leider aber dem schlimmsten Feinde, dem Menschen, zum Opfer fallen. Rimmst du dem Vogel Rest und Ci, Ist's mit Gesang und Obst vorbei. Man kaufe den Kindern keine Schmetterlingsnetze! Wer Schmetterlinge und Käfer im Freien beobachtet, wird viel Freude erleben. Die Kröte, dieser häßliche Rützling, ist nicht giftig, wie man ihr nachfagt. Qual oder gar den Tod verdient sie nicht, sondern Schuh und Pflege. Den flinken Eidechsen, den schön gefleckten Salamandern und Molchen gönne man ihren Aufenthalt in Gottes Sonne ober im kühlen Waldesgrün. Auch die vierfüßigen Hausfreunde sollen wissen, daß der Frühling gekommen ist. Halte in der Hundehütte Kehraus und löse die Kette für einige Stunden. Zu keiner Zeit ist es nötiger, die Liebe zu jeglichem Wesen, das da kreucht und fleugt, zu wecken, als im Frühling, wo sich neues Leben in der Ratur entfaltet und die 3ungen oder erwachten Geschöpfe aller Schonung bedürfen. Es schlagen die Finken von jedem Baum, Es schwingt sich die Lerche empor, wie im Traum, Und singt ihre herrlichste Weise; Es jubelt der Star schon vor seinem HauS, bunbtunbgebung, in deren Mittelpunkt die Festansprache des Vertreters der deutschen Nord- schleswiger, Pastor Schmidt-Wodder, stand. Karl Schwabes Afrikaflug. Der deutsche 3ungslieger Karl Schwabe, Partenki^hen, der, wie gemeldet, allein mit seinem kleinen Klemm-Sportslugzeug einen Flug nach Kapstadt unternimmt, hat den Qlequator übeyuert. Rach den letzten Meldungen war er in Kampala. Sein Flugweg führte dann weiter nach 3nia am Victoriasee, über diesen hinweg nach Kisumu, der Stadt, die unmittelbar auf dem Ae- quator liegt. Von dort aus ging es über Rakuru nach Rairobi, wo sich auch Ernst Udet bei seinem Afrikaflug aufgehalten hat. Der englische Sportflieger Lord Carberry, der an den Europaslügen 1929 teilnahm und auch 1932 am Start war, hat den deutschen Fliegern gute Kamerad-' schäft bewahrt. Er erschien kurz nach der Landung Schwabes auf dem Flugplatz, um ihm zu erklären, daß er ihn gern als Gast bei sich ausnehme, solange er sich in Rairobi aufhalte. Schwabe will nur kurze Zeit bleiben, um seinen Flug dann nach Mosji und Tanga fortzusehen, wo er die Küste des indischen Ozeans erreicht. vier Zuchthäusler ausgebrochen. Aus dem Zuchthaus Ebrach bei Bamberg sind vier Schwerverbrecher ausgebrochen. Cs handelt sich um den 32 3ahre alten Wilhelm Werner, der wegen Totschlags zu 15 Iahren Zuchthaus verurteilt war, um den ledigen 36jährigen Gärtner Max Martin, der eine lebenslängliche Zuchthausstrafe abzusitzen hat, den 32 Icchre alten Friedrich Sachse, der 8 3ahre Zuchthaus zu verbüßen hat, und um den 29jährigen Heinrich Aul, der drei 3cchre Zuchthaus absitzen muß. Unter Mitnahme von Zivilkleidung und eines Revolvers haben die Vier die Flucht ergriffen. Durch die zuständigen Behörden wurden sofort die notwendigen Gegenmaßnahmen ergriffen und die umliegenden Een- darmeriestationen wie auch die Bamberger Landespolizei verständigt. Die vier Verbrecher patten den Aufseher überfallen und niedergeschlagen, so daß er mit schweren Armbrüche n und Kopfverletzungen in das Krankenhaus Bamberg eingeliefert werden muhte. Ermittlungsverfahren wegen des Reunkirchener Unglücks eingestellt. Die Staatsanwallschaft in Saarbrücken hat das Ermittlungsverfahren, das sie anläßlich des Reunkirchener E plosionsunglücks eingeleitet hatte, eingekeilt, da eine strafrechtlich greifbare Verantwortung einer bestimmten Person oder bestimmter Personen nicht festzustellen war. Und Käfer und Bienlein, die treibt er hinaus, Zitronenfalter ziehen Kreise. O Frühling, o Mer Frühlinasdrang, Dich kündet der Vöglein Schlag und sang; O Herze, o Herze, du jauchzest voll Shift; Wenn die Heimat dich grüßt aus der Vogelbrust. (L. Ankenbrand.) ßw. Oie Abwehr der Greuelpropaganda. von der Kreisleitung Gießen der RSDAP. wird uns mitgeteilt: Der Aktionsausschuß der RSDAP. im Rahmen der Abwehrbewegung der ausländischen Greuelpro- paganda ist für den Stadlbereich Gießen gebildet worden. Zum Vollzug der zu ergreifenden Maßnahmen sind ausschließlich SA. und SS. berechtigt. Anregungen, Beschwerden und dergleichen aus dem Publikum find zu richten an den Sturmbann-Adjutanten Heinz Horn im Parteilokal der RSDAP. (Soldan), Telephon 3786, Kreisleitung Gießen. 25 Jahre Mitglied der pserdemarkt- Deputation. Bei dem gestrigen Frühjahrs-Pferbemarkt konnte bas Stadtratsmitglieb Apotheker Schmieder auf eine 25jährige Zugehörigkeit zur städtischen Pferde- markt-Deputation zurückblicken. In dem Vierteljahr- Hundert hat sich Herr Schmieder in eifriger Weise um die (Erfüllung der Ausgaben der Pferde- markt-Deputation bemüht, insbesondere wurde er seit Uebernahme des Vorsitzes des Verkehrsvereins immer mehr zum Hauptträger der gemeinsamen Werbearbeit der Pferdemarkt-Deputation und des Verkehrsvereins für die Pferdemarkt-Veranstaltun- gen. Der neue Vorsitzende der Pferdemarkt-Deputation, Bürgermeister Dr. Hamm, überreichte gelegentlich des gestrigen Pferdemarktes dem Jubilar ein kleines Ehrengeschenk als sichtbaren Ausdruck der dankbaren Anerkennung, die ihm die Stadt für fein langjähriges selbstloses Wirken barbringt. Erpressung in Reiskirchen. (Linern raffinierten Erpresser fiel am Dienstagabend ein jüdischer Kaufmann in dem benachbarten Reiskirchen zum Opfer. Dort erschien gegen 20 Uhr ein junger Mann, der sich durch eine Jnvalidenkarte als Einwohner von Bad-Nauheim legit.mierte. Er gab an, Mitglied der NSDAP, und in Gießen bei der Kriminalpolizei angeftellt zu sein. Unter der Drohung, es stünden vor dem Dorfe noch acht Mann, die er holen werde, wenn seine Forderung nicht erfüllt würde, und die dann alles kaputtschlagen würden, erpreßte er von dem Kaufmann einen Betrag von 100 Mark, der für die Partei verwendet werden solle. Der Erpresser hatte fogar noch die Frechheit, über den Empfang des Geldes eine Bescheinigung auszustellen. Die von dem Ortsgruppenleiter der NSDAP, in Reiskirchen und der Polizei sofort angestellten Ermittlungen ergaben, baß der Erpresser nicht der NSDAP, angehört, sondern als Provokateur anzusehen ist, der mit dem Namen der NSDAP. Mißbrauch trieb. Wegen ähnlicher Vorgänge soll der Täter vor einiger Zeit bereits an feiner Arbeitsstelle fortgejagt worden fein. Dank der energischen Nachforschungen der Gendarmerie und der Gießener Kriminalpolizei konnten der Täter und sein Komplice auf dem Gießener Bahnhof verhaftet werden. Der Täter ist der 26 Jahre alte Karl H e i n b a ck aus Bad- Nauheim, Mitbeteiligter ist fein der KPD. angehöriger 20 Jahre alter Bruder August Heindach in Großen-Buseck. Beide befinden sich auf dem Polizeiamt Gießen in Haft. Im Besitz des Täters fand man den größten Teil des erpreßten Geldes noch vor. Daten für Donnerstag, 30. Marz. 1282: Vertilgung der Franzosen auf Gedenktag der Sizilianischen Vesper. Borrrotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Turnverein von 1846: 20 Uhr, bei Gisset, Sitter Straße, Dorturnersitzung. — Lichtspielhau^MWl- hosstraße: „Ich und die Kaiserin". — AstoriAHicht» spiele, Seltersweg: „Eine Minute vor zwötf^. ff Metzencr 'Lüochcnmarttpreife. j * Giehen, 30. März. Es kosteten auf d) ist zum Abbruch gestellt, da an dieser Stelle ein modernes Wohn- und Geschäftshaus errichtet werden soll. ** I n bic Hobelmaschine geraten. Gestern nachmittag wurde der 65jährige Schreiner- meister Heinrich Knaus von Düdelsheim (Kreis Büdingen) in die hiesige Chirurgische Klinik eingeliefert. Er war mit der rechtest Hand in die Hobelmaschine geraten und hatte so schwere Verletzungen erlitten, daß der die erste Hilse leistende Arzt die Ueberführung in die Kttstik veranlaßte. Das Befinden des Verunglückten.D den Umständen entsprechend leidlich. - Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernkmckt die Redaktion dem Publikum gegenüber1, keinerlei Verantwortung.) Die Platzmuflk in )er Süöanlage. Unsere Bataillonsmufiv konzertierte aus Anlaß des großen Tages von Potsdam in der Südanlage. Sie hatte, wie gewöhnlich, im trefften Teil der Anlage Aufstellung genommen ®nb war umlagert von Hunderten von Menschen. Viele, die draußen wandern muhten, hörten nur bie große Trommel und einige Töne. Viel geeigneter wäre für die Kapelle ein etwas erhöhter Platz, wo die dichte Menfchen- mauer tiefer stehen könnte, und dadurch auch den anderen Konzertbesuchern die Musik hörbar würde. Vielleicht wäre vorerst kleine Hügel an der Steingruppe ein besserer Platz oder der Platz am Ausgang der Plockstraße, auf dem vielleicht mit geringen Kosten ein Podium zu errichten wäre. W. Briefkasten der Redaktion. (Rechrsgurachten sind ohne Verbindlichkeit der Sdjrihleitung » Stammtisch henkel, Walltorstrahe. Schloß Stolzenfels am Rhein wurde von 1836—1845 von Friedrich Wilhelm IV. nach Plänen Schinkels erbaut. Im Jahre 1926 ist bas Schloß dem preußischen Staat zugefallen. Alter Abonnent, wieseck. Wir konnten leider keine Anhaltspunkte zur Beantwortung Ihrer Fragen ermitteln. Wettervoraussage. Die Jslandstöruna nimmt ihren Weg noch Nord- skandinavien zu, ohne bedeutendere Einflüsse auf unser Wetter zu gewinnen. An ihrer Rückseite fließt allerdings kühlere Luft südwärts, die bei dem Vordringen nach oem Kontinent Anlaß zu Nebelbildungen und vorübergehender Bewölkung geben und sich auch auf die Temperaturen etwas auswirken wird. Gleichzeitig ist aber damit von Westen her erneuter Luftdruckanstieg verbunden, so daß die Hochdruckwetterlage bald roieberhergefteUt sein wird. Aussichten für Freitag: Dunstig und wolkig, mit Aufheiterung, etwas kühler und trocken. Aussichten für Samstag: Rach Frühnebel wieder aufheiterndes und trockenes Wetter. Lufttemperaturen am 29. März: mittags 17,4 Grad Celsius, abends 8,2 Grad; am 30. März: moregens 0,8 Grad. Maximum 18 Grad, Minimum —1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. März: abends 11,8 Grad: am 30. März: morgens 5,5 Grad. — Sonnenfcheindauer 10 Stunben. Aus der provinzialhaupistadi. büi W mi-L “’m leninS- Meld ®ir, Sn der gl bi-rgerl des zur Ä« men- Du' iu, dah 1 überdies Grund oe° ertDörten se im Kre WSN. F amt Frie Amtszel endetest! gesetzt: W° treter: Hern heim (Land: (2kd)iteft ch v.d.h. (& Laumart Sajneiber);J Hübner), W Häuser): ad §arl Walthe pent Josef 5 43 -Sich, ftern sein 2 Lehrer an ö Verwaltung eine Ehrenu dienstvolle I hatte zur Fe schmückt. Ne gestrigen Tc Lehrerschaft Glückwunsch Börmer teich wo er er 12% Jal im Dienf 60 )Lich, gegründete 6 Hf tu 18. fluni feft das Nrzir Einladung \ Wirtschaft ch geschaftsfüh! glieber her Harschende gab einen li des in Auss tag soll u. o. den Krieger eingeleitet n seinen Absch ein gemeinst M. die F, ■Golfsbeluftiq geräumige T Platz in Äusf "einhard b°be das Pr Festrede würi gehalten. W Durchlührun fchafts- und längs- und Wtung mar Wn des ff Abends f Vereins SÄE Sottjert D Lich Männe: mit °vte vorübe und Ol" » in i Rublingsiv JA austvc ä- Sä A vchz^t ej der Ch^n ei ö Ch, iS ec 8 käst K«n «mt ^Iper. b-'i- ArMchukm't l-a. mit sofortiger N»r Koch dos Lei- 'rwach, dem Aeklor «r Ballonschule in in Offen- wrLagner das Qn' 3t«bui)86lai in ulangdasAmtols W ^l'cnbach. dm Diehl die Leitung 3 Kr TerMchule in azbenderdieLei- kMffcnbach. 2e- - ®pt in Offtnbad) i®Uing der Dekor- an^Friedrichsplah, nil der Leitung der Wirthwein, 01» Allgemeinen und der KriMchule cm fitan« ich, Dekor Zahn in nt ljkr Dernardschule ntoS?1^ ''eIMgente SSkS^WuItot Schulrat Aaufck ’bttLS?1“ Dr- Wue M Ätei8|6ui, 'L.Ktten, Lchrer l. ' ?°nn#*e .bei Ei,, ?lIPieÜ)Q e vor rrkipr feien auf . Utt«n ruku- r.W w. v, V? '20 Ainat» ?^.r ns «®s aussagk' : ihren euteadere .^ejte fließ' An ihrer Aem»° ' KÜSS *SS-s5>. ,9 Sinn-JjB» - iii Eiehen. 3n dem Tie Wird) Umbau ein «fchassen. Nachdem t> jeflt dos Haus Lahm >, für bit Verlegung festDcg 2, umgtbaut. Ä zum Abbruch ge> modernes Dahn- und li io'd. ifchine geraten. t KMrige Schreiner fM Düdelsheim (Kreis Mgifche Klinik cinge M Hand in die Hobel- '^schwere Verletzungen )ilj< leistende Arzt die Mcanlahte. Das Be- t den Umstanden ent» M Runter Vieler W lf die Redaktion dem slei föeranliDortunfl.) et Südanlage. > ^edierte aus W S in der Südanla/- ,.ti-kren Teil der An ■ Är umlagert ■* j i«(» die draußen man- . Jah oder der . □ W •*.* w Xefartioa. X *^S' TA Oberhessen. Giaatsminister Dr. Müller Ehrenbürger der (-tadt Alsfeld. W Alsfeld. 30. März. In der gestrigen Stadtvorstandssitzung wurde auf Antrag der Bürgermeisterei der hessische Staats- ministerDr. MüllerzumEhrenbürger der Stadt Alsfeld ernannt. Dr. Müller war biS zu seiner Ernennung zum Minister Amtsvorstand des Finanzamtes Alsfeld und wirkte drei Jahre hier. Durch sein Verständnis für die Aotlage der landwirtschaftlichen Bevölkerung in bezug auf die steuerliche Behandlung und durch seinen strengen Gerechtigkeitssinn verstand er eS, sich allgemeine Hochachtung und Wertschätzung zu erwerben. Sein Weggang von Alsfeld wird allgemein bedauert. In der gleichen Sitzung kam ein Antrag der bürgerlichen Fraktion des Stadtvorstan- deS zur Beratung, der dahin ging, daß der Rat bei der Regierung seine Auflösung beantragen foue, da feine gegenwärtige Zusammensetzung nicht mehr dem Vollswillen entspreche. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Bürgermeister Dr. B ö l s i n g erklärte dazu, dah in Kürze Anordnungen der Regierung über die Neubildung der Gemeindeparlamente aus Grund des letzten Reic^stagswahlcrgebnisses zu erwarten feien. Neun Bürgermeister im Kreise Friedberg amtsenthoben. MSN. Friedberg. 29.März. Das Kreis- a m t F r i e d b e r g Hal mit dem heutigen Tage Die Amtszeit nachstehender Bürgermeister für b e» endet erklärt und an ihrer Stelle Kommissare ein- gesetzt: Walther. Asscnheim (kommissarischer Vertreter: Hermann Melchior), Bausch mann, Dor- heim (Landwirt Karl Faber I.); Butz, Großkarben (Architekt Heinrich Flach): Fritz VII.. Ho.zhausen v. d. H. (Land- und Gastwirt August Schmidt): B a u m a r t, Nieder-Erlenbach (Beigeordneter Fritz Scyneider): Luc. Nieder-Florstadt (Kaufmann Karl Hübner): Welker, Ober-Rosbach (Julius Rothen- Häuser): Ackermann II.. Ossenheim (Landwirt Karl Walther), Moosdorf. Vilbel (Steuerasst- stent Josef Seitz, Bad-Nauheim). 43 Zabre im Schuldienst. - Lich, 29. März. Lehrer D ärmer konnte gestern sein 25jähriges D i e n st j u b i l ä u m als Lehrer an der hiesigen Volksschule feiern. Die Stadtverwaltung ließ ihm durch Bürgermeister Geil eine Ehrenurkunde überreichen und für seine verdienstvolle Tätigkeit herzlich danken. Die Schulklasse hatte zur Feier des Tages den Schulsaal festlich geschmückt. Rektor Erb sprach in einer Konferenz des gestrigen Tages dem Jubilar die besten Wünsche der Lchrerschafl aus. Dechanl Kahn überbrachte die Glückwünsche der Evangelischen Gemeinde. Lehrer Börmer begann seine Lehrertätigkeit in Garbenteich wo er 5% Jahre wirkte, in Ettingshausen war er 12% Jahre tätig, so daß er bereits 4 3 Jahre im Dienst ist. 60 Sobrc Krieqerverem £id) Lich , 26. März. Der hier am 18. Oktober 1873 gegründete K r i e a e r v e r e i n plant den 6 0. Stiftungstag des Vereins am 17. und 18. Juni festlich zu begehen und mit dieser Feier das B e z i r k s k r i e g e r f e st zu verbinden. Auf Einladung des festgebenden Vereins fand in der Wirtschaft Hisgen eine gemeinsame Sitzung der vom geschäftsführenden Ausschuß oorgeschlagenen Mitglieder der verschiedenen Festausschüsse statt. Der Vorsitzende des Vereins, Stadtrechner Häuser, gab einen Ueberblick über die Art und den Umfang des in Aussicht genommenen Festes. Der erste Festtag soll u. a. durch eine Gedächtnisfeier an den beiden Kriegerdenkmälern von 1870 71 und 1914 18 eingeleitet werden und mit einem Kommersabend feinen Abschluß finden. Für den Hauptfesttag sei ein gemeinsamer Kirchgang, ein historischer Festzug, die Festansprache, Platzkonzert, Tanz und Volksbelustigung vorgesehen. Als Festplatz sei die geräumige Turnhalle mit dem anschließenden Turnplatz in Aussicht genommen. Se. Durchlaucht Fürst Reinhard zu Solms-Hohensolms-Lich habe das Protektorat des Festes übernommen. Die Festrede würde vom Kamerad Stiftspfarrer D r a u d t gehalten. Weiter wurden zur Vorbereitung und Durchführung des in Aussicht genommenen Festes ein Finanz-, Bau- und Ausfchreibungs-, Wirt- schafts- und Dergnügungs-, Ordnungs- und Empfangs. und Presseausschuß gebildet - Die Veranstaltung war umrahmt von mehreren Gesangsvor- trägen des Gesangvereins „Cäcilia". Zum Abschluß des Abends sprach Stadtrechner Häuser den Dank des Vereins für die Bereitwilligkeit zur Mitarbeit aus. Der gemeinsame Gesang des Deutschland-Liedes beendete Die Verhandlungen. Konzert des M G.D. .Cäcilia^'Lich. <5p Lich, 29. März. Es mag wohl die Mitglieder des Männergcsangvere ns „Cäcilia" en leises Bangen beschlichen Huben, nach der 'estr.ichen Woche mit all den Erlebnissen, die an unserem Ohre vorübergerauscht sind, das festgesetzte Chor- und Orchesterkonzert am Sonntagnach- mittag in der Turnhalle abzuhalten. Trotz des Frühlingswetters war die Turnhalle gut besucht, viele auswärtige Sangesbrüder hatten sich dazu eingefunden. Festesstimmung im Rachklang der erhebenden Tage lag über der Besucherschar, und Obermusikmeister Krautze verstand es, mit dem Musikkorps des I. Batl. 15. Inf.-Regt, zu Gießen durch die erste Programmnummer „Einzug der Gaste auf der Wartburg" aus Tannhäuser, die Gäste voll und ganz einzustimmen. „Grab und Mond", einer der selten gehörten Chöre unseres Altmeisters Schubert, und „Sie Kapelle" von Kreutzer wurden sodann, im Etimmungsgehalt vom Dirigenten voll erfaßt und von den Sängern dargeboten, zum Bortrag gebracht. Rach der Ouvertüre der romantischen Oper „Ser Waffenschmied" fang der Verein „Eine Wiese voll weißer Margueriten" von Heuser. Hierbei kamen die prächtigen Bässe des Chors schön zur Geltung, den aufmerksamen Besucher erfreute die sorgsam gepflegte Sprachbehandlung seitens des Dirigenten. Mit den Variationen über das Volkslied kommt ein Vogerl geflogen" von Siegfried Ochs wurde man weiterhin durch die Kapelle erfreut. Den ersten Teil der Vortragsfolge beschloß der Chor rftit Orchester „Festlicher Hymnus" von Otto Siegl. Man muh den Chormeister des Vereins, Herrn 2lge, bewundern, dah er diesen schweren Chor in das Programm ausgenommen hat, denn er ist für eine große Sängerzahl gedacht. Doch haben die Tenöre im Wettstreit mit den Bässen die Kraftprobe bestanden und bis zum Schluß versucht, das Dläserkorps zu übertönen mit dem Iubelruf „Licht muß wieder werden! Ein neues Licht!" Den zweiten Teil der Vortragsfolge eröffnete wieder die Musik wirkungsvoll mit der „Ungarischen Rhapsodie Rr. 2". Ihr folgten das altniederländische Volkslied .Maienschein" und „Sonnenaufgang", von Peter Cornelius vertont. Beide wurden textentsprechend ausgewertet und im Sinne der Komponisten dargeboten. Die letzten Rummern der Vortrags o'ge toaie i ganz auf Wiener Musik eingestellt. Den Auftakt übernahm das Musikkorps mit „Geschichten von Strauß" von Korngold, ihm folgte mit dem Verein der „The- resenwalzer" von C. Faust, der besonders den Beifall der Besucher fand. Wer wollte sich nicht freuen, wenn diese Tanzkomposition in melodischer Frische und leichtbeschwingtem Rhythmus erklingt? „Servus Wien", das Wiener Liederpotpourri, folgte, und im Schluß fanden sich der Chor und die Musik noch einmal zusammen, um mit den von Strauh-Werth im „Radetzkymarsch" vertonten Worten von Willy Lindner „Deutsch das Herz für alle Zeit, treu in Freud und Leid! 3a Soldaten die halten treue Wacht, fürs Vaterland bei Tag und Rächt" dem Werk zum besten Ausklang zu verhelfen. Der Wiederholung des Chores folgte, von Mitwirkenden und Besuchern begeistert gesungen, das Deutschlandlied. Der Verein „Cäcilia" und das Musikkorps haben den Besuchern einen erhebenden Rachmittag bereitet, für den man den Mitwirkenden Dank zollen muh. Insbesondere verdient die Arbeit des Chorleiters Lchrer Ilge (Butzbach), der als Anreger und Ausgestalter eines solchen Konzertes am Ausbau | unrer nationalen Erneuerung tatkräftig mitwirkt, vollste Anerkennung. Landkreis Gießen. £ QBiefed, 30. März. Unsere zweitälteste Mitbürgerin Frau Katharine Weller Wwe., geb. Sommerlad, vollendet am Freitag, 31. März, ihr 8 7. Lebensjahr. Frau Weller erfreut sich noch voller geistiger Frische. f. A l l e n d o r f (Lahn), 28. März. Am vergangenen Samstag hielt die Oberklasse der hiesigen Volksschule im Henkelmannschen Saale ihre diesjährige Schulentlassungsfeier ab. Lehrer Kimmel wandte sich in seiner Ansprache an die Eltern mit der Bitte, die Schule bei dem schweren Erziehungswerk zu unterstützen und auch nach her Schulentlassung ein wachsames Auge auf ihre Kinder zu haben, da allenthalben Gefahren auf die jungen und unerfahrenen Menschen lauerten. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich Deutschland nun feinen Platz an der Sonne wieder erringe und auch dann unserer Jugend bessere Tage bescheden sein möchten. Chöre der Oberklasse und einige Theater stückchen füllten den Abend aus, wobei alle Kinder ihr Bestes gaben. Da der Saal die Teilnehmer an einem Abend nicht alle fassen konnte, fand am Sonntagabend eine Wiederholung der Feier statt, welche den gleichen Besuch aufwics. <£ Reiskirchen, 26. März. Ein langgehegter Wunsch unserer Gemeinde dürfte jetzt in Erfüllung gehen. Kürzlich fand eine gemeinsame Besprechung Der Kirchen- und Gemeindevertretungen, an der auch der Hessische Denkmalpfleger, Geheimrat Walde- Darmstadt, teilnahm, wegen einer Kirchenheizung statt. Da unsere Kirche unter Denkmalschutz steht, dürfen bauliche Veränderungen in und an der Kirche nicht oorgenommen werden. Man einigte sich daher auf die Anlegung einer sog. Grubenheizung. Die Kosten hierfür im Betrage von über 1000 Mark sind in den letzten Jahren sicher- gestellt worden. Die Kosten für die Montierungsarbeiten sollen durch Haussammlungen eingehen. — L i ch, 29. März. Der Verkehrs- und Vers.chönerungsverein Lich ließ an dem früheren Pfarrhaus (jetzt Wohnung des Herrn Zimmer) zur Erinnerung an den früheren 2. Pfarrer Frank, dahier, eine Gedenktafel anbringen, die folgende Inschrift hat: „Hier wohnte Stiftspfarrer Georg Frank von 1830 bis 1840 Vater des hessisch-preußischen Zollvereins, und Ehrenbürger von Lich." — Die im vorigen Iahre am Waldrand auf der Hardt errichtete S ch u h h ü 11 e wird in dankbarer Erinnerung an den im Weltkrieg gefallenen einzigen Sohn des verstorbenen Fürsten Karl zu Solms-Hchensolms-Lich mit Genehmigung der Fürstin-Witwe Karl zu Solms-Lich den Ramen ..Erbprinz-Philrpp-Hütte" tragen. — Die Winterhilfe an den Schulkindern wurde abgeschlossen. Aus Mitteln des Roten Kreuzes und einer Sammlung der Winterhilfe konnte an 65 vom Schularzt ausgewöhlte Kinder in der Zeit vom 15-Dezember 1932 bis 25. März 1933 ein Milchfrühstuck verabreicht werden. Es kamen 034 Liter Milch und 4641 Brötchen zur Ausgabe. — Die Bautätigkeit scheint in diesem Iahre etwas reger zu werden. An der Hungener und Gießener Straße wird je ein neues Wohnhaus errichtet, der Dau eines weiteren Hauses ist in der Amtsgerichtsstrahe geplant. Kreis Friedberg. pb. Butzbach, 29. März. Im sog. Zipfen- w a l d brach gestern zwischen 16 und 17 Uhr ein Waldbrand aus, der sich über eine Fläche von zirka 250 bis 300 Quadratmeter ausbreitete. Dem raschen Eingreifen der Feuerwehr sowie von Mannschaften der Schutz- und Hilfspolizei ist es zu danken, daß kein größerer Schaden entstanden ist. In dec Hauptsache verbrannte Gras und Laub, Jungholz wurde weniger beschädigt. Spielende Kinder, die vermutlich auf dem Schrenzerberg Reste von Fackeln, die beim Abbrennen des Freudenfeuers um Dienstag vor acht Tagen liegengeblieben waren, gefunden hatten, hatten diese angezündet und dadurch den Brand verursacht, Kreis Büdingen. 4c R i d d a , 27. März. In unserer Stadt wurde die Feier der Reichstagseröffnung in besonders eindrucksvoller Weise begangen. Die Schulen hörten die ^Übertragungen von Potsdam im Gambrinussaale an. Den Glanzpunkt der hiesigen Feier bildete ein großartiger Fackelzug. der sich unter dem Geläute sämtlicher Glocken der evangelischen Kirche und dem Iohanniterturm durch die Straßen dec Stadt bewegte. Die Reiter des Reitervereins und die FeuerwehrkapeUe hatten die Führung. Einen Festzug von solcher Gröhe hat man hier seit vielen Iahren nicht gesehen. Alle Vereine unserer Stadt und zahlreiche Bewohner von Stadt und Land nahmen teil. Die Festrede hielt auf dem Marktplatz Dr. med. Fritz Koch. In eindrucksvoller Weise schUderte et die aus der Rot des Volkes entstandene große nationale Bewegung und ihre •Bedeutung. AIS zweiter Redner sprach noch Studienassessor L a m p a s von hier. £. Bleichenbach, 28. Mär,. Dieser Tage wurde Der hier im Ruhestand lebende Lehrer Georg August Kraft zur letzten Ruhe gebracht. Der Ver- ftorbene war hier im Jahre 1861 geboren, besuchte von 1881 bis 1884 das Friedberger Seminar und wirkte bann kurze Zeit als Verwalter einer Lehrer- stelle in Rixfeld, Kreis Lauterbach. Don 1884 an war er ununterbrochen bis zu feiner Ruhestandsver- setzung in Ortenberg tätig und siedelte dann nach Bleichenbach über. Eine Grippe mit Lungenentzündung warf den 72jährigen Mann aufs Sterbelager. Pfarrer Freitag schilderte den Heimgegangenen am Grabe als treuen, sorgsamen Familienvater und Lehrer. Der Krieger- und Militärverein Bleichenbach feuerte seinem verstorbenen Mitglied die drei Üblichen Ehrensalven übers Grab, der Kriegeroerein Ortenberg, dessen Vorstand der Entschlafene lange Jahre angehörte, war vollzählig erschienen und ließ durch seinen Vorsitzenden unter ehrenden Worten einen Kranz nieöerlegen. Lehrer Häuser, der Obmann des Bezirks-Lehrervereins Ortenberg, rief dem treuen Freunde, mit dem er 42 Jahre in innigster Freundschaft verbunden war, ehrende Worte ins Grab, betonte besonders den Eifer des Verstorbenen im Vereinsleben, feine Treue im Berufe und das harmonische, jahrelange Zusammenleben mit seinem etwas älteren Freunde und Kollegen Philipp K ö h - l e r. Der Zweigoerein Büdingen des Jungdeutfchen Ordens widmete dem eifrigen, treuen Mitarbeiter herzliche Worte des Gedenkens. Kreis Schotten. § Ulrichstein, 27. März. Die nationale Erhebung wurde auch hier durch eindrucksvolle, würdige Veranstaltungen gefeiert. Samstag, 18. März, zogen die beiden Schulklassen mit ihren Lehrern und dem Schulvorstand in langem Zuge im Schmuck zahlreicher schwar-w itzroier und Ha- kenkreuzfahncn durch die Hauptstraßen zum Schul- Hos. Von Schulkindern wurden geeignete Gedichte, sowie ein Sprechchor vorgetragen, die beiden Lehrer Valentin und Kammer wiesen in Ansprachen, die sich an die Erwachsenen und an die Schulkinder richteten, auf die große Bedeutung des Tages hin. Das Horst-Wcssel-Lied und das Deutschlandlied wurden begeistert gesungen. Am Dienstagabend formierte sich an der Molkerei ein stattlicher Fackelzug, wie er wohl seit Iahr- zchnten hier nicht gesehen wurde, unter Teilnahme sämtlicher Vereine und der Schulklassen unter Führung ihrer Lehrer. Er zog unter den Weisen einer starken Musikkapelle, darunter mehrerer auswärtiger Musiker, zum Marktplatz am sog. 3immens der künftig „Ado lf - Hitler-Platz" heißen wird. Bürgermeister Geiß und Pfarrer Trapp gaben hier dem, was alle bewegte, in tief empfundenen, von hinreißender nationaler Begeisterung getragenen Ansprachen Ausdruck, ferner sprach noch kurz in Vertretung des verhinderten Dr. Lorenz (Bobenhausen) SA.-Führer Tierarzt MeiSki. Machtvoll erklangen das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied. Der vom Gesangverein vorgetragene Chor „Wo gen Himmel Eichen ragen" beschloß die eindrucksvolle nationale Feier unter dem gestirnten Rachthimmel. Kreis Alsfeld. 4 Rieder-Gemünden, 28. März. Auch in unserer Gemeinde feierte man in würdiger Weise die nationale Erhebung. Ein langer F a ck e l z u g bewegte sich durch die Straßen unseres Dorfes. Voran schritt die hiesige SA., gefolgt von der Schuljugend, dem Kriegerverein, Gesangverein, der Dorf» fügend und zahlreichen Einwohnern. An der zu Ehren der beiden Führer Hindenburg und H i t • l c r und zum Andenken an die deutsche Wiedergeburt gepflanzten Eiche auf der Turnwiese hielt Bürgermeister Wittich eine Ansprache. Sodann bewegte sich der Zua auf die Höhe zu dem auf dein -Kammberg unterdessen in Brand gesetzten Freuden- feuer. In einem Prolog gab zunächst Frl. E. G o n - ter der Bedeutung der Feierstunde Ausdruck. Zwei SA.-Mitglieder wiesen in Gedichtvorträgen auf die geschichtliche Stunde hm und brachte u. a. auch den Dank dafür zum Ausdruck, daß der Gemeinderat unseres Dorfes den Reichskanzler Adolf Hitler einstimmig zum Ehrenbürger unseres Ortes ernannt hat. Im Anschluß daran hielt Lehrer Lotz eine längere Ansprache. Es gälte, so betonte der Redner, in diesen Tagen deutscher Erneuerung einig und treu hinter die von bestem oa- terländischen Wollen beseelte Regierung zu treten. Ein dreifaches Hoch auf das deutsche Vaterland beschloß die würdig verlaufene Feier Wirtschaft. Reform des lantwirtsckastichen Marktwesens. Wie WTD.-Handelsdienst erfährt, besteht die Absicht, im Zuge der Reform des gesamten landwirtschaftlichen Warktwesens auch die Märkte für Butter, Kartoffeln, Gemüse, Eier usw., soweit für diese Produkte Preisnotierungen vorgenommen werden, neu z u organisieren und im Inte, esse derProdukt on amtlich zu überwachen. Die Vorarbeiten hierfür sind seitens des Reichsernährungsministeriums ausgenommen worden. Was die Reform der Produktionsbörsen und Getreidemärkte anbelangt, so sind bekanntlich auf organisatorischem Gebiete, in Preußen bereits einschneidende Maßnahmen vorgenommen worden. Es wird nun auch in dieser Hinsicht in Fortführung der ergriffenen Maßnahmen eine einheitliche Regelung für das gesamte Reichsgebiet angestrebt werden. * Rheinmetall erwirbt Borsig. Nachdem anderweitige Verhandlungen gescheitert sind, hat ein Konsortium unter Führung der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik die Anlagen der 21. Borsig G. m. b. H. erworben zwecks Weiterbetrieb des alten angestammten Geschäftes der Firma Borsig, besonders im Interesse des deutschen Exports. Rheinmetall interessiert sich hauptsächlch für das von Borsig hergestellte Eisenbahnmaterial. Die Firmierung der Gesellschaft wird sein: A. Borsig AG. Im Aufsichtsrat der Gesellschaft wird auch die Familie Borsig vertreten fein. Die Betriebe in Düsseldorf werden durch die Transaktionen nicht berührt. Berlin knapp behauptet, später schwächer. Berlin, 30. März. (WTB. Funkspruch.) Die Tendenz war am Vormittag ziemlich gehalten, an der Vorbörse aber sprach man die Kurse durchweg niedriger. Die ersten Notierungen wiesen gegen die Vorbörse durchweg Erholungen auf und stellten sich ungefähr auf Basis der gestrigen Frankfurter Abendbörse. Das Geschäft war im allgemeinen sehr ruhig. Man beobachtete auch heute, wie schon gestern, verschiedentlich kleine Abgaben zu Geldbeschaffungszwecken vor dem Ultimo. Der lustlosen und eher schwächeren Neuyorker Börse standen einige günstigere Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft gegenüber, so vor allem die Abschlüsse verschiedener Gesellschaften. Zu erwähnen sind hierbei die Ab- scklüsse der Maximilianshütte und der Mitteldeut- scyen Stahlwerke, sowie der Eontigummi-Werke. Der Bericht des Institutes für Konjunkturforschung hat gleichfalls eine gute Aufnahme gefunden, vor allem von seinen Betrachtungen über den Ausblick der Börse. Im allgemeinen waren gegen die gestrigen Mit- tagsschlußkurse Verluste bis zu 1 v. H., vereinzelt 4)is zu 2 v. H. festzustellen, darüber hinaus büßten Stöhr und Kaliwerte bis zu 2,50 v. H. ein. Farben, die man zunächst recht schwach tariert hatte, eröffneten ziemlich widerstandsfähig auf gestriger Abendbasis. Ausgesprochen fest lagen Contigummi auf den bereits erwähnten Abschluß mit einer Besserung um 3 v. H., ferner Fellen, Mansfelder, Klöckner, Holz- mann, Feldinühle und noch einige andere Werte, die bis zu 1 o. H. gewannen, während Bemberg sogar 1,50 v. H. anziehen konnten. Der Rentenmarkt war kaum gehallen. Die Att- besitzanleihe büßte 0,75 v H. ein. Im Verlaufe der Börse tarn in Farben, Siemens und BMW. wieder Material heraus, und es setzten infolgedessen auch auf anderen Märkten Glattstellungen ein, so daß allgemein die ersten Kurse nicht behauptet blieben und meist Rückgänge eintraten. Am Geldmarkt blieb die Situation weiter ange- pannt, doch erfuhren die Kurse keine Veränderung ;egen gestern. Tagesgeld stellte sich also auf 4.75 ;zw. 4,65 v. H. an der unteren Grenze Privatdiskonten waren zwar vor dem Ultimo noch angeboten, doch konnte man im freien Markt auch Käufer fest- stellen. In Reichswechseln per 25. Juni und Reichsschatzanweisungen per 15. November fanden kaum Umsätze statt. Frankfurt schwächer. F r a n k f u r t a. M., 30. März. (WTB. Drahtmeldung.) Der Abgabedruck, der rn den letzten Tagen auf fast sämtlichen Märkten lastete, scheint sich im heutigen Mittagsverkehr etwas abgeschwächt zu haben. Größeres Angebot war lediglich in einigen Spezialwerten zu beobachten, das hier Rückgänge bis zu 2 Prozent zur Folge hatte. Im allgemeinen hielten sich fedoch die Abschwächungen im Rahmen von 1 Prozent. Das Geschäft war sehr gering, da sich die Spekulation sehr zuruckhielt und auch das Publikum kaum am Markte war. Die Abschlüsse ekliger Industriegesellschaften (wie Contigummi, Maximilianshütte, Mittelstahl und andere) sanden zwar günstige Aufnahme, konnten aber keinen belebenden Einfluß hinterlassen, da diesem Moment die meist schwächeren AuSlandbörsen gegenüberstanden und sich das Interesse der Börse hauptsächlich auf die innerpolilische Lage konzentrierte. Am Chemiemarkt eröffneten Goldschmidt 1,75 Prozent, Deutsche Erdöl 2,75 Prozent, die übrigen Werte dieses Marktes waren bis zu 1 Prozent niedriger. Anfangs schwach lagen noch Gelsenkirchen mit minus 0 5 Prozent, Phönix mit minus 1,50 Prozent, Reichsbank mit minus 1,50 Prozent. Rach den ersten Kursen verstärkt« sich jedoch der Abgabedruck und die Kurse lagen allgemein sehr schwach. Stärker angeboten waren vor allem IG., die 4 Prozent einbützten, ferner Kali Westeregeln mit minus 5 Prozent, Reichsbank mit minus 3 Prozent, Scheidecmstalt mit minus 5 Prozent, Licht & Kraft mit minus 4 Prozent und Schuckert mit minus 3 Prozent. Auf den übrigen Marktgebieten betrugen die durchschnittlichen Verluste bis zu 2 Prozent. Lediglich Schiffahrtswerte waren relativ gehalten. Etwas höher eröffneten Holzmann mit plus 1 Prozent. Am Rentenmarkt lagen Altbesitz 1 Prozent schwächer, späte Schuldbücher gaben 0,75 Prozent nach, während Reubesitz und Schuhgebiets- anleihen kaum behauptet blieben. Später verstärkte sich auch hier der Abgabedruck, und die Kurse gingen um 0.25 bis 0,75 Prozent zurück. Am Pfandbriefmarkt ergaben sich durchweg Abschwächungen bis zu 1 Prozent. Auch alle übrigen festverzinslichen Werte lagen im Angebot und schwächer. Don fremden Werten brodelten Zolltürken weiter ab, Rumänen blieben unverändert. Am Geldmarkt bestand im Hinblick auf den Quartalsultimo starke Rachfrage, so dah der Satz um 0,50 auf 4 Prozent erhöht wurde. Frankfurter Lü' achiviehmarkt. Frankfurt a. (DL, CO März. Auftrieb: 104 Rinder, ^^22 Kälber, 1^4 Schafe, 541 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 39 bis 43 ML, mittlere Mast- und Saugkälber 35 bis 38, geringe Kälber 28 bis 34. — Schase: Mastlämmer und jüngere Maft- hämmel (Weidemast) 25 bis 28, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 21 bis 24. — Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 20 J bis 240 Pfund Lebendgewicht 37 bis 40, von etwa 160 bis 200 Pfund 36 bis 39 Mk. — Marktverlauf: Kälber rege: Schafe sehr ruhig, geräumt; Schweine ruhig, nahezu ausverkauft. Lchweinemarkt in Nidda. △ Ridda, 29.März. Auf dem heute hier abgehaltenen Schweinemarkt standen 506 Ferkel und Läufer zum Verkauf. Da viele Kauflustige sich eingefunden hatten, die jetzt schon Ferkel zur Weiterzucht für Schlachtschweine und zu Hausschlachtungen einkauften, waren dir Preise verhältnismäßig hoch und der Handel sehr lebhaft. Durchschnittlich kostete das Stück gegen den letzten hiesigen Markt 6 ML mehr. Es wurden bezahlt für ein Ferkel 6 Wochen alt 18 bis 20 ML, 8 Wochen alt 24 ML, 10 Wochen alt 26 bis 28 ML ES verllieb kein äleberstand. aber mit NIVEA-ÖL NIVEA CREME Schmerzloses Rasieren urch vorheriges Einreiben mit Mthöv in Offenbach a M. statt. 2195 D Krieger-Verein Läl Gießen. 2178 D kunst, Eisenach. 02010 abzugeben. 2202E Gießen, den 30. März 1933. Altersvereinigung 1868—1918 02012 abzugeben. Der Vorstand. in Kenntnis zu setzen. Gießen, den 30. März 1933. 21981 Die 1939 A Ferd Nenn stiel und Kinder Gießen, den 29. März 1933. 02018 PhotoWinterhoff Kreuzplatz 9 2187 A geschäfts 02005 abzugeben. 02008 Blockstraße 14 Gießen Lieferung nach auswärts frei melden. 02001 Pfund 52 Thompson-Werke G. m.b.H., Düsseldorf et 36>nsumvereln Ge fest macht den Boden geh fest! 36 Pf. 42 Pf. 42 45 32 Pf. Pf. Pf. Pf. Weizenmehl „Edelmarke“ Weizenmehl „Rheinstern" Weizenmehl „Spezial 0“ . Weizenmehl „Blütenmehl' Weg. Aufgabe meines Kolonialwaren- njöFirstxyffceiche,. luixi clcxfi bittlge l/i Gemüse-Nudeln ....... Eier- Gemüsenudeln..... Eier-Bruchmakkaroni... Mischobst mit Aprikosen Zwetschen, getrocknet.. Apfelringe........... Pfund 24 Pfund 22 Pfund 20 Pfund 17 Nicht vergelten T Der Knoten im Taschentuch sott Sie daran erinnern: 1. De6 Sie Ihre» Nagelkeete* mit Nlgeln, Schrauben und Haken auftOllen sollen, Zpmendet Werkzeug, Hemmer, Zange, Sehre»• benzloher eew. Im Hause haben. Preiswert kaufen Sie diese Sachen bei J.B. Häuser Am Oswaldsgarten Gießen. 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März 1933 Die Feuerbestattung findet in aller Stille statt Statt Karten! Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, die mir von allen Seiten anläßlich des Todes meiner lieben Frau entgegengebracht worden sind, sage ich a len nur auf diesem Wege innigen Dank. Ebenso danke ich herzlichst für die vielen Blumenspenden. Nachruf. Gestern morgen verschied nach kurzer Krankheit unser sehr verehrter Chef Herr Rechtsanwalt H. Mendelsohn. Wir bedauern tief und aufrichtig das unerwartet rasche Hinscheiden des Mannes, dessen vornehmen Charakter und liebenswürdige Art wir, die Angestellten seines Büros, allezeit sehr geschätzt haben. Wir haben in ihm nicht nur den Arbeitgeber und Vorgesetzten, sondern den Menschenfreund verloren, dessen Bild unvergeßlich uns vor der Seele stehen wird und dessen wir stets in Treue gedenken werden. Die Büroangestellten des Rechtsanwalts H. Mendelsohn Nach kurzem schweren Leiden verschied gestern früh 7% Uhr mein lieber Bruder, unser treuer Schwager und Onkel Herr Rechtsanwalt Hermann Mendelsohn einige Tage nach seinem 65. Geburtstage. Für d e trauernden HinterbLebenen: Felix Mendelsohn. Am 24. d. M. nahm der liebe Gott meinen herzensguten. InnigstgeUebten Bräutigam Herrn Gerichtsreferendar Theodor König zu sich in die Ewigkeit. Im Namen der tieftrauernden HinterbUebenen: Käthe Junker. Gießen (Roonstraße 31), den 30. März 1933. Die Beerdigung fand am Montag, dem 27. März, Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute vormittag 11 Uhr meine liebe gute Frau, meine Hebe treusorgende Mutter, unsere stets liebevolle Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Enkelin. Schwägerin und Tante Frau Paula Spies, geb. Langgons im 28. Lebensjahre nach monatelangem schweren, mit viel Geduld ertragenem Leiden zu sich in sein himmlisches Reich zu nehmen. In tiefer Trauer: Lieselotte Spies Karl Spies Familie Hch Kd Spies Familie Karl Langgons Familie Karl Schlegelmilch Lang-Göns, Assenheim, Leihgestern, Arheügen, den 29. März 1933, Die Beerdigung findet am Freitag, dem 31. März, nachmittags um V/» Uhr statt. 2184 D ---— « T ) 17 I. 5 0 I. 1 izug für den n Geschmack mir gepflegt imgarn- und ilit in fach- Ausstattung, se.l. Gruppe •38.-43- ise: 2. Gruppe ■58.-68.- rnen Formen und i sm Lager MW sofort gesuckt. Hut WUieB.Frinihirl L. Babnboisvlatz 4- Tel. S3M gtf [Verschiedenes] MW inr DiseDlucM i allen OnniUoniP^61111111 r Vereine^J u. jft I n. ILER eltersweg 2MA bÄ„. st»*5 fil' > 3« "'S' Tie '^Akiev Eiche, modern, iwei onate gespielt iir4OOMk. Zusehen. M2 s 6. Koos >ßen. Blockstraße 14 W!«« srasg UM» *i fi. Höfle MüllllesM. • John oes •SJ1& äst- s Donnerstag, 3". März 1953 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Ur. 76 Zweites Blatt Ausnahmerecht in Rußland. Segen »Sabotage" und JiationalseparatismuS im Sowjetreich. Don unserem ^.-Berichterstatter. Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Moskau, März 1933. Die sachlicheren, will sagen, die weniger blutrünstigen Parteigröhen der Sowjetunion, ziehen einen Vergleich zwischen russischen und deutschen Devolutionen zuungun- ft en Rußlands. Konnte man schon über den deut- schen Rovember-Amsturz von 1918 wegen der kleinen Dlutströme nicht genug staunen, so jetzt erst recht. Totaler Sieg über die deutsche Weltrevolution, die jetzt hätte beginnen können, und doch kaum ein halbes Dutzend FeindeSopser! Dagegen Rußlands Soeben erst wieder 35 Hinrichtungen. Lind wieviel Zehntausende hat man 1917/18 an die Wand gestellt, und wieviel Taw- sende kamen bann noch bis heute hinzu! Freilich ist Rußland unendlich viel größer als Deutschland. Aber bei seinen 180 und bei Deutschlands 65 Millionen Einwohnern hätte Rußland sich da nicht auf höchstens anderthalb oder zwei Dutzend gehenkter .innerer Feinde" beschränken müssen? Wenn die Dolkscharaktere sich ähnlich wären? Oder sind die deutschen Revolutionäre jeder Farbe humaner, weniger gewalttätig? Offenbar ja. Denn warum hätten sonst die deutschen Kommunisten so eingehend von Moskau instruiert werden müssen über die .Taktik der Weltrevolution", d. h. über Strahenkämpse, Geiseln, Mas- senvergistungen, Erdolchungen, Dumdummorde?! Und was Hot der Sowjetstaat in 15 Jahren konsequenter marxistischer Revolution erreicht: 21 u s - nahmerecht über Rußland. Der GPO sind ihre an sich schon unbegrenzten Vollmachten jetzt noch mehr erweitert worden: „Unbeschränktes Recht". Ursache? Jene letzten 35 Hingerichtete haben d i e Ernährungsgrundlage des Staates auf ihren verantwortlichen Posten durch Erntebehinde- runa und Ernte^erstörung, durch Unbrauchbarmachung von landwirtschaftlichen Maschinen u n > terminiert, lautet die UrtcUsbegründung. Al- so ein nur „technisches" Verbrechen? Aehniich wie bet der Massenverhaflung von (Eleftroingenieuren in allen Teilen der Union, allein von 36 in Leningrad, von Ingenieuren russischer und englischer Staatsangehörigkeit? Keineswegs. Mit der Verhaftung englischer Dickersleute fängt die GPU. zwei Hasen auf einmal. Erstens soll der Sowjetaußenpolitik eine Chance gegen Londons Grundsätzlichkeit in den Handelsvertragsoerhandlungen geliefert werden. London macht alle weiteren Verhandlungen von der Bereinigung der Sowjetschulden an die vor Jahren aufgelöste und vertriebene Lena Goldfields in Höhe von 13 Millionen Psd. Sterling abhängig. Die Russen wollen nur eine Million Schadenersatz geben. Um auf London mit Gewalt einzuwirken, sucht man Gründe zur Vertreibung auch der Vickerswerte aus Rußland. Ein äußerst ernster Zwischenfall. Die diplomatischen Beziehungen sind derart in Gefahr, daß Litwinow mit der GPU. uneinig geworden ist. Der Außenhandel lebt an zweiter Stelle von England! Die eigenen Jnaenieurc aber wird die GPU. nicht aus der Hand gehen. Und das ist der zweite Hase. Die Ingenieure sollen elektrische Kabelleitungen zwischen Kraftwerken und Maschinenfabriken kaltgelegt haben. Frontangrifs gegen die In duft rialisierung! In Gemeinschaft mit jenen 35 Gehenkten aus der Landwirtschaft. Also Doppelangriff auf die beiden Schlagadern des Shreml? Aber war denn das nicht immer fo? Immer war es so. „Tierischer Widerstand", *o nennt heute aber die Kreml presse die Auflehnung des Volkes. Jedoch eines Volkes, mit dem ein großer Teil der Parteimitglieder, der Iungkommuni- ften, der Armee, der Regierungsbeamten solidarisch ist- Und das so unorganisierte, in seinem Widerstand zersplitterte Bolf hat auf einmal neue Bundesgenossen. Auf einmal? Durchaus nicht. Der Widerstand ist nur geschlossener geworden, einheitlicher, aufrechter. „3br habt die Macht!", rief auf dem letzten Bauernkongreß Stalin den Bauern zu. Und sie lachten! Sie lachten, weil es ihnen gelungen war, ihm dieses Wort abzupressen. Von 21ussaat und Ernte dieses Jahres hängt es ab, ob der Kreml sich vor der Sintflut der Ernte - und Industrie- f a b o t a g e retten kann, die durch das Land wogt und das ganze Gefüge des Staatsbolschewismus durchspüll und durchwühlt. Politische Militärs leiten in der Ukraine und im Rordkaukasus die Landwirtschaft 1933. Es ist so weit gewesen, daß Sowjetgerichte vom Sowjetstaat Schadenersatz an enteignete Kulaken forderten! Aufrollung des Widerstandes von Bauernrechts wegen! Die Staatsjustiz gegen Parteipolitik? Und darum erhielt die GPU das Ausnahmerecht über die Sowjetunion. Und noch aus einem anderen Grunde steht sie heute Schulter an Schulter mit den verläßlichsten Armeeteilen gegen die Sabotage in der Volks- und eigenen Parteimitte. Richt nur die Interessenschere der Industrialisierung und der Landwirtschaft weitete sich bis zur Zerreißung. Auch zwischen dem — amtlich so geheißenen — „großrussischen und lokalen Cha-vinismus" klafft ein immer dunk- ler werdender Abgrund auf Die Ukraine verweigert dem von Moskau dirigierten Donezker Kohlenbecken die Nahrungsmittel. In T u r f e ft a n mir*- die Baumwollpflanzung für Moskau zugunsten der eigenen Weizenernte gehemmt und dort verwehrt man auch den Russen auf den Schulen Stipendien. In Weißrußland werden Groß, ruffen wegen öffentlicher russischer Unterhaltung aus den Aemtern gejagt. Dagegen in Großruß - land s e l b st werden Turkmenen aus den Fabriken verdrängt: Brotneid und Nationalitätenhaß. Und ganz allgemein widerstrebt der Nationaisepe- ratisrnus in den südlichen und südöstlichen Agrar- ländern der großrussisch-imperialistischen Industrialisierung, Zentralisierung und Internationalisierung. Das nationalseparatistische Bauerntum fehl sich auf gegen die Zuwanderung großrussischer Proletarier und gegen seine eigene Proletarisierung im Dienste Moskaus und feines Zentralegoismus „Ser großrussische Chauvinismus", erklärt die „Prawda" just jetzt, wo 35 Saboteure der Landwirtschaft hingerichtet wurden und ein halbes Hundert Industrie-Ingenieure verhaftet ist, ..umgeht die nationalen Sprachverschiedenheiten, mißachtet die Kulturunterschiede, die nichtrussische Lebensart. will die nationalen Republiken und autonomen Gebiete der Sowjetunion auflösen. Gerade das Letztere erstrebt gegenwärtig der großrussische Chauvinismus in unserer Partei (!!)". Dagegen der „lokale Chauvinismus", meldet die „Prawda", „will sich in seine eigene Schale zurückziehen, verschleiert die sozialen Klassengegensätze innerhalb seines Volkes, weicht dem Strom der allgemeinproletarischen Unionspolitik aus, verwehrt sich der Oie stummen Gäste von Zweilinden Roman von Anny vonpanhuys. Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold, 4 Fortsetzung. Rachdruck verboten! Bettina stieg in das Auto, ihre Augen brannten von den vielen Tränen, und das Herz lag ihr so schwer in der Brust, so schwer von dem Schmerz um den Vater. Kaum war man zu Hanse an gelangt, ließ sich Justizrat Eisen melden. Er war immer der Rechts- beiftanb und Berater des Verstorbenen gewesen. Dieter von Wellen, ein sehr eleganter Herr Mitte der Fünfziger, mit schlauen 21ugen, seine etwas derbknochige Frau und Bettina hatten sich in das Arbeitszimmer des Verstorbenen begeben: man ernp- fina nun dort den Justizrat, der auch an der Beerdigung teilgenommen hatte. Er grüßte die drei erst durch eine Verneigung und reichte bann Bettina teilnehmend die Hand. ,Hch komme gewissermaßen privat, Fräulein Claudius, eigentlich ist es Sache des Amtsgerichts, Sie über den rechtlichen Stand der Erbfolge zu ^unterrichten, und es dürfte das auch in allernächster Zeit geschehen. 2£ber als Freund des Toten, der Sie wie eine Tochter geliebt hat, fühle ich mich verpflichtet, Sie über einiges Wichtige aufzuklären." Bettina bot ihm Platz an, erwiderte matt: „Alles, was mit der Erbschaft zusammenhängt, interessiert mich gar nicht. Es ist mir gleichgültig, wie sich das alles verhält. Ich bin noch Diel zu durcheinander, um schon jetzt an dergleichen zu denken." Justine von Wellen neigte den sehr glatt gescheite!- ten Kops. „Ich verstehe unsere Betttna nur zu gut. Sie hat eben ihren Pflegevater sehr liebgehabt, und es ist schmerzlich für sie, sich mit dem Nüchternen zu befassen, das so ein Todesfall im Gefolge hat." Sie strich sanft über die eine Hand Bettinas. „Du solltest aber doch zuhören, mein Kind, was dir der Herr Justizrat glaubt mitteilen zu müßen, es ist sehr freundlich von ihm, daß er sich, wie er äußerte, privat bemüht." Bettina sah den Justtzrat mit großen, verweinten Augen an. „Ich will zuhören, Herr Justizrat", sagte sie leise, „sprechen Sie nur." Das Ehepaar wechselte einen verständnisvollen Blick. Ts schien ihnen beiden auch wichtig, zu hören, was der Justizrat Bettina mltteüen würde. Justizrat Karl Eisen war klein und ein wenig dick, seine hellbraunen 2tugen funkelten immer sehr lebhaft hinter dem goldumrandeten Kneifer. Er holle K.ef Atem. Es schien ihm keine leidste Aufgabe, die er hier erfüllen wollte, nein, erfüllen mußte. Er hiell sich für verpflichtet dazu. Er begann: „Sie wurden von Herrn von Zwei- linden wie eine leibliche Tochter gehalten, Fräulein Claudius, und ich weiß genau, (sie waren seinem Herzen teuer. Um so mehr, da er keine Kinder besaß, denn sein Sohn lies im Jähzorn und Trotz eines Tages fort und blieb weg. Der Grund dazu war nicht besonders wichtig, wie mir alle wissen, und es paßt wohl in diesem Falle das Sprichwort: „Kleine Ursachen, große Wirkungen!" Doch zur Sache. Es ist mir sehr, sehr unangenehm, was ich Ihnen jetzt erklären muß, Fräulein Claudius, aber, wie gesagt, ich hatte es für meine Pflicht. Ungefähr vierzehn Tage vor feinem jähen Tod mar Ihr Pflegevater bei mir, und seltsamerweise sprach er, was er eigentlich nie tat, von seinem Sohn. Er meinte, er märe damals wohl au hart zu ihm gewesen, und meinte auch, in nächster Zeit möchte er fein Testament machen. Er würde es sich einmal gründlich überlegen, wie er sein Hab und Gut zwischen seinem «ohn und Ihnen teilen sollte. Auch möchte er nach Ottfried suchen lassen. Wenn man ihn nicht fände, deutete er an, bekämen Sie alles. Aber, Fräulein Claudius, das ist nicht die Hauptsache, das Wesentliche ist, Ihr Pflegevater wollte ein Testament machen, doch er tat es nicht, und da Sie in keiner Weise irgendwie in verwandtschaftlichen Beziehungen zu ihm standen, werden jetzt, der Erbschaft wegen, vor allem Aufrufe nach Ottfried von Zweilinden erlassen werden/' Frau Justine hatte hektische Flecken auf den gelblichen Wangen, als sie fragte: „Und wenn mein Neffe Ottfried sich nicht meldet ober gar sein Tod nachgewiesen werden könnte, wie märe die Erbfolge bann?" Sie fügte betont hinzu: „Ich bin doch Konrad von Zweillndens Schwester." „Leider!" erwiderte der etwas temperamentvolle Jurist, der Justtne von Wellen nicht ausstehen konnte „Leider? Wie meinen Sie bas?" stellte ihn Wellen sofort zur Rebe. Justizrat Eisen machte ein harmloses Gesicht. „Ausreden lassen, meine Herrschaften", erwiderte er ruhig, „ich wollte sagen, leider gibt cs wahr- scheinlich für die Erben eine lange Wartezeit, aber wenn sich der Sohn des Verstorbenen nicht meldet, dürften wahrscheinlich Sie, Frau von Welten, als nächste Blutsverwandte Herrn von Zweillndens, die Haupterbin (ein. Sie Fräulein Claudius, sind sowieso auf die Großmut der Erden angewiesen. Vielleicht märe Ihnen später ein Prozeß anzuraten. Da Sie mie eine Tochter des Verblichenen erzogen wurden und bestimmt glauben mußten, daß Ihre Zukunft von ihm sichergestellt würde, haben Sie immerhin gewiße moralische Ansprüche, Gründe, die zu Ihren Gunsten ausgelegt werben würden." Bettina hatte kaum richtig zugehört. In Ge- danken war sie noch am Grabe des Pflegevaters, und es erschien ihr nebensächlich und belanglos, was ihr der Justizrat mit Wichtigkeit erklärte. Sie erwiderte mit tränenerstickter Stimme: „Ich möchte ja gar nichts erben und will mich mit nie» allgemein-bolschewistischen Aufbauarbeit, verneint die Bindungen zu Groß-Rußland und hebt die Gegensätze zu anderen Völkern in der Union hervor, verbündet sich mit der nationalen Konterrevolution, durchdringt die Schulen, die Presse, das Theater, alles Volksleben, um die Politik der Zentrale zu sabotieren und die der Partei zu vernichten". ..Daß alles dies gegenwärtig die Haupt- gesahr in unseren Parteireihen (!!) ist", bekennt die ..Prawda". „davon überzeugen wir uns gerade jetzt in Weißrußland, in der Ukraine, im Kaukasus, in Kirgisien und in Turkestan" Wie kläglich schallt demgegenüber der gleichzeitige Mahnruf: „Höher das Banner des proletarischen Internationalismus!", ein Rus, der ausdrücklich für das Innenleben der Sowjetunion ausgestoßen wird, und dem nunmehr nur noch das Ausnahmcrecht der GPU. über Rußland so etwas wie einen Ernst gibt. Standrechtliche Brotbeschaffung, standrechtliche Reichserh^ltung. standrechtliche Parteidiktatur. Auch standrechtliche Außenpolitik? Ja, auch standrechtliche Außenpolitik. Mit Zähneknirschen denkt man im Kreml an den P antu r k i s m u s , der 1918 19 so viel säst tödliche Verwicklungen gebracht hat und seither weder im Mohammedanischen Russisch-Mittelasien und im Kaukasus noch, in der Türkei und in den persisch- indischen Sphären untergegangen ist. Mit Zähneknirschen auch vermerkt man eine Interessiertheit Polens an der Losreißung der Sowjetukraine. And wenn im Kaukasus noch die Armenier lieber wieder unter die Herrschaft ihrer türkischen Todfeinde zurückwollen, als zur Sowjetunion zu gehören, wenn in Rußland geheime Karten eines Kasakien - Don Rordkaukasus, Untere Wolga — verbreitet werden, wenn an allen Sowjetgrenzen von Litauen bis Indien und bis in die Mongolei der „konterrevolutionäre Rcttio- nalseparatiSmuS" Partei- und Staatsbehörden schon so durchspült, daß nur noch die GPU. helfen kann, dann versteht man auch die Erregung des Kreml über angebliche Pläne Rosenbergs, einen litauisch-weihrussisch-ukrai- nischen KönigSstaat zu gründen in Gemeinschaft mit Italien und England. Gleichsam um den Teufel noch schrecklicher zu machen als er ohnehin schon ist, kramt man die Geschichte der Interventionskriege von 1918 20 aus und findet darin, daß damals die Alliierten von Deutschland ein Durchmarschrecht für ihre antibolfchewisti- schen Armeen erkaufen wollten gegen eine Milderung der „Friedens"-Bedingungen. 35 Hingerichtete, ein halbes Hundert Verhaftete. Abwehr eines Doppelangriffes auf Industrie und Landwirtfch ft nctional-separat.st:sche Konterrevolution —, alles dos ist nicht nur e.ne Vickersangelegenheit und nicht nur eine Innere Sabotageverfolgung. Es ist standrechtliche Außenpolitik gegen die ganze Welt! Weitere 40 Beurlaubungen bei der Offenbacher Stadtverwaltung. WSN. Offenbach a. M., 29. März. Außer den berells gestern gemeldeten Beurlaubungen in der Offenbacher Stadtverwaltung sind jetzt weitere 4 0 Beamte beurlaubt worden: darunter befinden sich Direktor Sander, Verfor» gungshausdirektor Geiß, Schlachthausdirektor G l e g e r i ch. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, sollen weitere Beurlaubungen folgen. . Weibliche Offiziere unter den Verteidigern von Zehol. .w 1 M '• I Bei der Einnahme von Jehol durch die Japaner fiel diesen eine 18jährige Chinesin (auf dem Bilde ganz links) in die Hände, die sich in Uniform an der Verteidigung ihrer Heimatstadt beteiligt hatte. Sie wurde gefangengenommen, doch später von den Japanern wieder freigelassen. Im Offizierskorps der chinesischen Armee sollen sich zahlreiche Frauen befinden. rnanb deshalb herumstreiten. Ich verstehe, daß mein lieber Vater es gar nicht so eilig damit hatte, sein Testament au machen. Er war ja so gesund, so sprühend von Leben und Kraft. Und er lebte ja auch noch und wäre noch viele Jahre am Leben geblieben, wenn es keine hinterhältigen feigen Mörder gäbe." Ihr Gesicht färbte sich, und die blauen Augen schienen vor heißer Erregung fast schwarz. „Ich bin nicht rachsüchtig, noch nie habe ich einem Mitmenschen etwas Boses gewünscht, aber dem elenden Mörder wünsche ich, falls er nicht noch entdeckt wird und die wohlverdiente Strafe erhält, daß fein Dasein in Armut und Elend führt. Daß cs ihm schlecht gehen soll bis ans Ende seiner Tage." Der Justtzrat nickte. „Ich verstehe chron Zorn, Fräulein Claudius, aber wir wollen hoffen, die Polizei findet den Mörder noch, obwohl es aussieht, als wenn ihn die Erde verschluckt hat. Und jetzt will ich Sie nicht länger aufhalten. Mir lag nur Daran, Sie oorzubereiten." „Ich danke Ihnen, Herr Justtzrat", gab Bettina mit mühsam erzwunaener Ruhe zurück. „Machen Sie sich meinetwegen keine Sorgen, ich verzichte gern auf eine Erbschaft." Sie dachte an Wulf Specrau, der sie liebte und sie nun wohl so rasch wie möglich heiraten würde, damit sie immer bei ihm bleiben durste. Er liebte sie so sehr, und daran muhte sie glauben und sich über den Tod des Katers damit zu trösten suchen, daß Gottes Wege unerforschlich waren Der Justizrat schüttette den Kops. „Sie sehen alles anders, als ich es sehe. Fräulein Claudius, ich bitte Sie aber, wenn Sie irgendeinen Rat brauchen ober eine Hilfe, sich an mich zu wenden. Ich stehe sofort zu ihrer Verfügung." Als er fort war, entschuldigte sich Betttna bei dem Ehepaar und suchte ihr Schlafzimmer auf. Sie sehnte sich nach einem Stündchen des Mein- seins, um sich zu sammeln. Das Bild ließ sie nicht los, wie man den Sarg des Pflegevaters in die kühle Erdgrube hinunter- gesenkt hatte unter den steinernen Baldachin, der das Erbbegräbnis überdachte. Als sie gegangen war, blickte sich das Ehepaar lange an, und Dieter von Wetten schmunzelte: „Wenn sich der Bengel, der Ottfried, nicht meldet, bann erost du den ganzen Krempel, Weib meines Herzens. Das wäre wirklich eine feine Sache. Ich male mir bas schon aus, ich hier als Herr von Zwei- linden und du als Herrin. Donnerwetter, sollte bas hier ein Leben werben." — „Was würbe aber aus Bettina?" fragte seine Frau. „Sie wird den Grasen Speerau heiraten", ant- wartete er, „und man gibt ihr bann eine nette Aus- steuer. Das sieht nobel aus und kostet nicht viel." Beide lachten sich an, und sie stellten sich vor, wie sie hier leben würden, wenn ihnen das Erbe zufiele, wozu sie doch alle Aussicht hatten. Ein Mädchen tarn und suchte bas gnädige Fräulein, sie müsse sie etwas fragen. Die Dienstboten sahen letzt alle in Bettina die Herrin. Justine von Welten sagte scharf: „Sie meinen mit dem gnäbigen Fräulein doch Fräulein Claudius, nicht wahr? Vielleicht kann ich Ihre Frage auch beantworten. Vergessen sie, bitte, nicht, ich bin die Schwester des Verstorbenen und hier groß geworden." Es klang hochmütig. Das Mädchen antwortete eingeschüchtert: „Die Köchin schickt mich. Ich möchte das gnädige Fräulein nur fragen, ob bas Essen heute nicht lieber unten im Bankettsaal angerichtet werden soll? Damtt sich das gnädige Fräulein Im Eßzimmer nicht zuviel daran erinnert, dort immer ihrem Vater gegenübergesessen zu haben." Seit dem Tobe Konrad von Zweillndens hatte man Betttna die Speisen In ihrem Wohnzimmer serviert. Sie hatte allerdings herzllch wenig davon genossen. Frau Justine plusterte sich ein wenig auf. Sie fühlte sich schon ganz als Herrin hier. „Es ist ziemlich warm, und es wäre, abgesehen von jeder Rücksicht überhaupt ganz nett, wenn wir im Bankettsaal speisen würden. Also soll dort aufgetragen werden." Das Mädchen ging, und Justine von Welten meinte zu ihrem Mann: „Ich werde es den Dienstboten bald angewöhnt haben, daß ich je^t hier die Hauptperson bin und es nicht mehr das Schuttehrermädel ist." Sie lächelte. „Erinnerst du dich an die alte Sage, die ich dir früher einmal erzählte, Dieter, die im »ankettsaal spielt? Wir standen mit Konrad immer verquer, ich glaube, außer bei unserer Hochzeit hast bu den Bankettsaal gar nicht gesehen. Schau ihn dir heute nur ordentlich an." „Ich erinnere mich wirklich an keine alte Sage, die bu mir erzählt hättest, Iustt", erklärte er, und seine Augen lächelten sie an. Was tut man nicht dem Mammon zuliebe! Dieter von Wetten lebte von dem Vermögen seiner Frau sorglos, aber nicht wie ein reicher Mann. Doch jetzt bestand die Aussicht, durch sie bald wie ein steinreicher Mann leben zu können. Und solcher Frau muß man ein bißchen schöntun. Frau Justines hellblaue Augen, um die sich svär- liche Wimpern reihten, machten ein verträumtes Gesicht. „Du weißt, vor ungefähr zwechundert Jahren ist Zweilinben erbaut worden, und unter dem Sohn des Erbauers, Kraft Erdmann von Zwellinden, der ein großer Sonderling gewesen fein soll, zeigte sich der Spuk zum ersten Male. Ich drücke mich falsch aus", verbesserte sie sich, „es ist merkwürdigerweise kein Spuk, den man sieht, denn der Spuk von Zweilinden ist weder zu sehen, noch zu hören. Ich meine, man hört ihn nicht sprechen, und doch müssen cs Geister sein, die sich bewegen. Man vernimmt ihre Schritte, härt, wie sie sich Stühle zurechtrücken. und hört, wie sie Glaskelche aneinanberflingen lassen. Man nennt den Sput: Die stummen Gäste von Zwellinden!" (Fortsetzung folgt.) Heldenmädchen vor 120 Zähren. VonAmtsgerichtsraf i. R E)iemberger,G>eßen Am 17. März 1933 gedachte der Vizekanzler von Papen in der mit Schwarzweihrot und Hakcnkreuzfahnen festlich geschmückten Hauptstadt Schlesiens in einer denkwürdigen Rede deS Aufrufs des Königs Friedrich Wilhelm HL, der vor 120 Jahren an diesem Tage von Breslau aus an sein unter französischer Knechtschaft schmachtendes Volk erging. ^Das Volk stand auf, um für die Freiheit zu sterben, damit Deutschland lebe", so lauteten die Eingangsworte der Rede, welche eine Fülle von vaterländischen Erinnerungen in sich barg, die jedes patriotische Herz höher schlagen lieh. Breslau war um diese Zell der Sammelpunkt der Lützower. Begeisterte deutsche Männer und Jünglinge, wie Theodor Körner und Friedrich Friesen, scharten sich dort yi» sammen, um gegen den Erbfeind zu kämpfen. Doch auch von der hochherzigen Opferwilligkeit der deutschen Frauen gaben damals Schlesien und feine Hauptstadt ein glorreiches Beispiel, wie ein zweites die Geschichte nicht kennt. Hier war es auch, wo ein armes junges schlesisches Adelskind, Ferdinande von S ch m e t t a u , um das von den Franzosen ausgesogene Staatssäckel füllen zu helfen, ihrem Vaterland Wohl das ergreifendste Opfer gebracht hat. Sie schnitt sich ihr wunderbares langes Goldhaar ab und legte es auf den Altar des Vaterlands. Aus seinen Strähnen wurden Haarringe sowie Armbänder gefertigt und aus ihrem Verkauf über 1200 Taler erlöst. In gar manchem Familienschatz werden diese wohl heute noch als kostbare Andenken an die größte Notzeit des Volkes wie ein Heiligtum aufbewahrt. Am 2. April 1933 jährt sich auch der Tag, an dem vor 120 Jahren ein einfaches Kind aus dem Volke, Johanna Stegen, in dem festen Lüneburg durch eine Heldentat, die wert ist, in der Geschichte Wohl bis in die spätesten Feiten fortzuleben, sich unsterblichen Auhm erwarb, und das tapfere Mädchen wird heute noch als Befreierin ihrer Vaterstadt von französischem Joche gepriesen. Zahlreiche Dichterworte feiern das Gedächtnis jener beiden Heldenmädchen, und die nachfolgenden anspruchslosen Verse mögen vielleicht auch ein wenig dazu beitragen, es tem Volke zu erhalten: Ferdinande von Schmettau. In Breslau war s, das drückend empfand, Das Joch des schnöden Tyrannen, Wo Deutschlands Jugend sich wiederfand, Wo die Tränen am heißesten rannen. Dort, wo man Eisen gab für Geld, Bei Lützows .schreibendem Stabe", Erschien eine Jungfrau, züchtig und hold Lind brachte all' ihre Habe. Kein Edelstein war s, der gleißet und glänzt. Doch Gold war's, wunderbar. Das sie dem Vaterlande kredenzt. Es war — ihr goldenes Haar. „Ihr Schreiber, ihr guten", ach legt's ins Gefach, Es ist ja mein einziges Gut. Was soll ich es tragen, so lange die Schmach Auf Deutschlands Gauen noch ruht? Lind sie nahmen's. Es war ein köstliches Gut, Eine Strähne kostet Dukaten. Ferdinande von Schmettau, du junges Blut, Wie warst du so trefflich beraten! Johanna Stegen. Zu Lüneburg war's, wo Bürgersinn Lind pommersche Füsiliere Den Feind trieb über die Wälle hin Als wären es Herdentiere. Doch der Feind sich st llt. @ii plö li her Schrei Durchgellt die Reihen der Streiter: .Patronen sind all': wir haben kein Blei, Zurück! Wir können nicht weiter." Doch sieh', eine schlanke, blauäugige Maid Macht auf dem Schlachtfeld die Runde, Bewahrt die Braven vor furchtbarem Leid, Den Zipfel der Schürze im Munde. Es glänzet furchtlos ihr Augenpaar, Weiß schimmert ihr Häubchen ins Weite, Hell flattert im Winde ihr rotblondes Haar, Ein Zielpunkt der feindlichen Meute. Sie trägt in dem Schoß ein kostbares Gut, Patronen sind's, Pulver und Blei, Entfacht von Reuem den sinkenden Mut, Lind fliegt von Reihe zu Reih'. Johanna Stegen, wie bist du begehrt In dieser gefährlichen Stunde! Ein Streifschuß am Kopf die Gefahr dich lehrt. Doch du achtetest nicht der Wunde. Du gingst zu den Kriegern in raschem Tritt Verteiltest die köstlichen Gaben: Dir war es vergönnt mit jedem Schritt Kampfdurstige Krieger zu laben. Hei, wackrer Pommer, zur rechten Zeit, War dir dein Engel erschienen. Hei, feiger Franzmann, wie warst du bereit. Rühmlos zu fliehen von hinnen. Tagung hessischer evangelischer Zürsorgever bände. § Fro n kfurt a. M., 28. März. Unter dem Vorsitz von Pfarrer Grein (Arheilaen) fand hier die Tagung der evangelischen Fürsorgeverbände in Hessen statt, die einen sehr starken Besuch von Vertretern der kirchlichen und komm«/ nalen Fürsorgearbeit aufwies. Nach Eröffnungs- und Begrüßungsworten von Pfarrer Grein, Oberreg.-Rat Dr. Krebs für das Ministerium des Innern und Oberkirchenrat Zentgraf für das Landeskirchenamt, erstattete Landesiuaendpfarrer Lic. von der A u den Jahresbericht über die Tätigkeit der Dekanatserziehungsvereine im Jahr 1932. 995 Zöglinge würben im Berichtsjahr betreut, d. h. 80 weniger als im Jahre vorher. Untergebracht waren in Oberhes - s e n 495, in Starkenburg 308, in Rheinhessen 76 und außerhalb Hessens 116. Lohn und Pslegegeld- ätze sind der Zeit entsprechend weiter gesunken. Es tecke in all den Zahlen des Berichts eine Fülle tiller, selbstloser Arbeit. In der folgenden regen Aussprache wurde il a. die schwierige Lage der Fürsorgeanstalten (Aumühle, Hühnlein usw.) hervorgehoben. Den Höhepunkt der Tagung bildete der Vortrag von Dr. Stab! (Wiesbaden) über „Die jugend- politische Laae der Gegenwart und unsere Stellung zum Reichsjugendwohlfahrtgesetz". Der seitherige Staat habe seine Erziehungsaufgabe mit unbestreitbarer Gesinnungsgröße. aber trotzdem nur mit geringem Erfolg in Angriff genommen, weil ihm das rechte Erziehungsziel fehlte, er wollte neutraler Staat sein, der individualistische Zug sei aber übertrieben worden. Im neuen Staat werde die Jugend wieder mehr Gehorsam und Unterordnung betätigen. Nicht mehr fordere die Jugend vom Staat und seinen Gewalten ihr Lebensrecht, sondern sie selbst stehe auf, um sich für den Staat, für ihr unterdrücktes Volk einzufetzen und dafür opferbereit zu kämpfen: ein gewaltiger Umschwung! Für die Jugendämter und die Fürsorgearbeit ergebe sich daraus mancher große neue Gesichtspunkt. Der seitherig Für,orgestaat werde jetzt zum Erziehungsstaat. Aucy der neue Staat müsse sich, aus Staatsethos, des Kranken und Schwachen annehmen, müsse die gute fachliche Schulung seiner Sozialarbeiter erhalten. Eine kurze Aussprache schloß sich an den Vortrag an. Präsident Hepp legt den Vorsitz der Bezirksbanernfckast nieder. Limburg, 29. März. (WSR.) Heute nachmittag trat hier der Vorstand der Bezirks- bauernschaft für Rassau zusammen, um darüber zu beraten, wie der weitere Kampf der Dezirksbauernschaft zu führen sei. Man war einstimmig der Auffassung, daß der seitherige Zustand eines Nebeneinanderarbeitens zweier Organisationen mit dem gleichen Ziel — Bezirksbauernschaft und agrarpolitischer Apparat der RSDAP. — ein Ende bereitet werden müsse. Der Vorstand beschloß deshalb einstimmig unter ausdrücklicher Befürwortung des Vorsitzenden Hepp, den Vorstand der Dezirksbauernschaft in Zukunft aus den seitherigen Vorstandsmitgliedern und den Kreisfachberatern der NSDAP, zu bilden. Der Vorsitzende der Be- zicksbauernschaft, Hepp, trat, um der künftigen Entwicklung des landwirtschaftlichen Organisationswesens auf dieser neuen Grundlage den Weg frei zu machen, freiwillig von der Führung der Dezirksbauernschaft zurück. Der Gesamtvorstand erkannte an, daß Hepp stets das beste gewollt habe und dafür jederzeit sein ganzes Können und seine ganze Kraft einsehte. Die anwesenden Vorstandsmitglieder der NSDAP, schlossen sich diesem Dank an. Der Geschastssührer der Bezirksbauernschaft, Dr. P f i st e r e r, legte die Geschäftsführung nieder. Am 6. April sollen die Neuwahlen in einer Gesamtvorstandssitzung stattfinden. Ein Greuelverbreiter festgenommen. WSN. F r a n k f u r t a. M., 29. März. Ein 25jäh- riger staatenloserIude, der vor einigen Tagen hier aus der Straße das Greuelmärchen verbreitet hat, daß ein Jude in Worms von Nationalsozialisten aufgehängt worden fei, ist in Haft g e - n o m m e n worden. Er wird als erster von dem neugebildeten Sondergericht in Frankfurt a. M. ab- geurteiü und auf seinen Geisteszustand untersucht werden. Kommunist Zwilling verhaftet. WSN. Gelnhausen, 29.März Gestern nachmittag ist hier der frühere kommunistische Bürgermeister Zwilling von Mörfelden durch SA.- Hilfspolizei verhaftet worden. Zwilling wurde seit längerer Zeit gesucht Er befand sich mit dem Fahrrad auf dem Wetze von Hanau nach Gelnhausen und wurde unterwegs erkannt. Ausgeglichener Etat des Kreises Marburg. WSN. Marburg, 29. März. Der Marburger Kreisausschuß beriet in seiner gestrigen Sitzung den von der Verwaltung vorgelegten Entwurf des Kreishaushallsvoranschlages für 1933. Der Voranschlag wurde einstimmig angenommen. Er schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1 220 305 RM. ab und ist ausgeglichen. Wegen Urkundenbeseitigung bestraft. WSN. Darmstadt, 29. März. Die Große Strafkammer verhandelte gestern gegen einen Polizeimeister aus Offenbach, der Strafakten gegen einen Bekannten beseitigt und vernichtet hatte. Er wurde wegen Begünstigung und Llrkundenbeseitigung unter Zubilligung mildernder Llmstände zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. G. A Sport. Der Vorsitzende der DT. beim ReichSmnenmmister. Reichsminister Dr. Frick empfing heute die beiden 1. Vorsitzenden der Deutsche Turnerschaft, Minister a. D. Dorninicus und Direktor Dr. N e u e n d o r f f. Die Herren überreich.en dem Reichsminister des Innern die amtliche Entschließung der Deutschen Turnerschaft, worin der Vorstand alle Vereine aufgefordert hat, der nationalen Regierung und ihren Führern sich zur freudigen Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. Herr Minister Dr. Frick begrüßte diese Erklärung und betonte die Bedeutung der Deutschen Turnerschaft für den Neuair bau des Reiches. Er kam dann auf das Deutsche Turnfest in Stuttgart zu sprechen. Er bekundete das Interesse der Reichsregierung an diesem großen Fest und drückte die Hoffnung cms,_ daß der Reichskanzler Hitler an dem Fest persönlich teil- nehmen und eine Ansprache halten werde. SandbaU im Gau Heften (D. T > Lützellinden I — 2Mv. Gießen Iu.Il komb. 4:3 (3:2). Beide Mannschaften lieferten ein flottes, spannendes Spiel. Die Gäste, die mit 10 Mann antraten, aber eine ziemlich starke Mannschaft stellten, führten bis kurz vor Halbzeit. Dann aber beherrschte der Gastgeber das Feld, erzielte Ausgleich- und Führungstreffer und erhöhte kurz nach Halbzeit auf 4:2. Zum Schluß kamen die Gäste wieder auf und konnten noch einen Treffer erzielen. Lützellinden trat mit einem Mann Ersatz an. Clircbtirhp Jlochrirbtcn Evangelische Gemeinden. Freitag, den 31. Mürz. Kapelle des Allen Friedhofs. 18 Uhr: Pafsions- andacht-, Pfr. Lenz. — Petruskapelle. 20: Passions- andacht: Pfarrafsistent Knell.__________________________ Sprcäntunvcn Der Nevaktion. 11.30 bi» 12.30 Uhr 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geichtoifen Anzeigenanflragc sind lediglich an die Geschäftsstelle tu richten -MM y W MWM 1 w/ Ü MM iutoüiöbelwap zur Mitnahme von Gütern ver 4. und 12. Avril ö. Wiesbaden — Mainz — J-rankf.M.n.Gießen bietet an. 2is«v Stttckrath & Bender G.m.b.H. Möbeltransport Walltorstr. 63 Tel 3519. ■■IIIINIIINIIIIN Cafe Leib I Sonntag, den 2. April 1933 Großes Militär-Konzert QUSdOführt vom Muftikkornft I/1R ausgeführt vom Musikkorps 1'15 Leitung: Obermueikmeister E. Krauße Eintritt 60 Pfennig Eine musikalische Filmgroteske. N86 c Familien-Drucksachen VerioDung Sanzeigen _ ... . —. . — Vermählungsanzeiger bei Bruhl. Schulstraße Geburtsanzeigen Eine Minute vor Zwölf ■ 2. polly Maa« -- Paul Hörbiger in Ein steinreicher Mann Operetten-Abend A'fang 8 Uhr abends ,i99b Asioria-Lichtspiele Heute bis Sonntag TOX FI Litl-DOPPELPttOGRAMM 1. Toni Mix in dem sensationellen Wild-West-TonfUm Dr. Phil. Karl Metz Gießen, Bergstraße 9 Pforzheim, Oestliche 41 März 1933 02013 Elegant. Speisezimmer Ausstellung „Stadt und Land echt Eiche mit Nußbaum, Büfett ___ Turnhalle Oswaldsgarten 02018 Eintrittskarte wird mit 20 Pfennig in Zahlung genommen. abzugeben. 12009 Möbelhaus Gg. Koos Plockstraße 14 Gießen Lieferung nach auswärts frei. Hören Sie den Vortrag Keine Elektrizität! 2180V Ganx. neue, billige We ei Eintritt frei! Nur für Erwachsene! 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