Nr. 5C4 Erstes Blatt 185. Jahrgang Freitag, 29. Dezember 1953 Ericheini tagltfl), außa Sonntags und feiertags Beilagen. Die 3Uu|tnerte (BteRenei Famllienblattei Heim al >m Bild Die 9d)oQ* nionai$=Be$ngsprets: MU 4 ‘Beilagen NM 1.95 Ohne Illustriert« , 180 Zustellgebühi , -.25 Auch bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höhere» (Beto alt Kernsprechanschlüsse anter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten rinzeiger Gieße«. Postscheckkonto: gtonffurt am Main 11686. Siebener 2ln$etget General-Anzeiger für Oberhessen Dm« m» Verlag: vrühl'Iche UniversUSlr-vuch- und SletnOruderei B. Lange in Sieben. Schriftleitnng und S-schäftrftells: SchuHttabe 7. Annahme oon Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe ffi- Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil i.V. Th. Kümmel sämtlich in Bietzen. Roosevelt fordert eine neue Kriedenövereinbarung aller Rationen der Welt. Alle Völker muffen sich verpflichten, die Offensivwaffen zu beseitigen, keine neuen herzustellen und ihrer bewaffneten Macht jedes tleberschreiten der Landesgrenze zu verbieten. Wer will zur Minderheit der Friedensstörer gehören? Washington, 29. Dez. (Reuter-Funkspruch.) Präsident Roosevelt hielt gestern abend eine große Rede, in der er darüber sprach, wie der Weltfrieden durch organisierte Kontrolle der Regierungen durch ihre Völker gesichert werden könnte. Der Präsident fuhr fort, die Zeit sei gekommen, um zu erklären, daß die endgültige Politik der Vereinigten Staaten oon jetzt ab gegen eine bewaffnete Intervention in Latein-Amerika sei. Der Völkerbund sei ein stützender Pfeiler im Bau des Weltfriedens geworden. Obwohl Amerika nicht die Absicht habe, Mitglied des Völkerbundes zu werden, lasse es ihm doch seine Mitarbeit zuteil werden bei jeder Sache, die nicht in er st er Linie politisch ist und bei der offenbar die Wohlfahrt der Völker der Welt Ausdruck findet. Der Präsident fuhr fort: 90 v. S). der Bevölkerung der Welt sind zufrieden mit ihren Landesgrenzen und sind bereit, ihre bewaffnete Macht weiter zu verringern, wenn jede andere Nation dasselbe tut. Wenn die anderen 10 v. S). von den 90 v. H. überredet werden könnten, ihre eigenen Gedanken zu denken und sich nicht beim Denken führen zu lassen, dann werden wir einen praktischen, dauernden wirklichen Frieden 'n der ganzen Welt haben. Jede Kation muh ihre Bereitschaft erklären, in wenigen Jahren und in fortschreitendem Maße jede Offensivwaffe zu beseitigen und keine neue Waffe herzu st eilen. Jede Kation muh die Erklärung abgeben, daß sie keinem Teile ihrer bewassneten Machterlauben wird, die e i g e n e n L a n- desgrenzen zu überschreiten. Wenn eine solche Vereinbarung von der großen Wehr- heil der Kationen unterzeichnet ist, unter der festen Bedingung, dah sie nur in Kraft tritt, wenn alle Kationen unterzeichnet haben, dann würde cs verhältnismähig leicht fallen, festzuftellen, welche Kationen bereit sind, sich seibst als Angehörige der kleinen Minder- h e i t der Menschheit zu kennzeichnen, die noch immer an den Gebrauch des Schwertes für einen Einbruch in Karbarländer und einen Angriff auf Kachbarn glaubt. Zum ersten Male seit mehreren Monaten hat sich der Präsident der Vereinigten Staaten wieder in einer öffentlichen Erklärung mit den auswärtigen Angelegenheiten befaßt. Der wichtigste Punkt seiner Rede ist für Amerika der deutlich ausgesprochene Verzicht auf eine bewaffnete Intervention in Lateinamerika. Mit diesem Verzicht, den er aus den Theorien Wilsons ableitet, zieht Roosevelt die Konsequenz aus der Situation, die die Vereinigten Staaten auf der Panamerikanischen Konferenz in Man- t e o i d e o vorgesunden haben. Gegenüber dem Völkerbund befindet sich Roosevelt als Nachfolger und Anhänger Wilsons in einer schwierigen Lage. Er kann nicht umhin, von seinen Vorzügen zu sprechen, muß aber mit Rücksicht auf die allge- meinen Interessen der Vereinigten Staaten auf jede engere Verbindung mit Genf Verzicht e n. Auch zeigen die von Roosevelt gestern vertretenen Gedanken über Sicherheit und Abrüstung, daß das heutige Amerika von dem unrühmlich bekannten Geist von Gens weit entfernt ist. In Anlehnung an seine Abrüstungsbotschaft vom 16. Mai d. I. entwickelt Roosevelt in großen Linien ein internationales System, dessen Hauptoorzüge Einfachheit und Klarheit sind. Roosevelt spricht selbst oon den „Argumenten, Ausflüchten und irreführenden Abänderungsvorschlä- q e n", die von maßgebenden europäischen Politikern zu erwarten sind, so, wie sie in der Vergangenheit gegenüber ähnlichen Initiativen, etwa gegenüber ähnlichen Initiativen, etwa gegenüber dem Kellogg- paft und dem Mussoliniplan vorgebracht worden sind. Es kommt ihm sfenbar nur darauf an, die Richtlinien der amerikanischen Politik auch in der jetzigen Lage zu betonen, ohne damit irgendwie in die schwebenden Verhandlungen der europäischen Länder eingreifen zu wollen. An dem seit der Genfer Krise vom Oktober von Amerika eingenommenen Standpunkt, daß Die Abrüstungsverhandlungen bis auf weiteres eine spezifisch europäische Angelegenheit seien, hat sich also nichts geändert. Der belgische Befucv in Paris Paris, 28 Dez. (TU.) Der belgische Außenminister Hymans erklärte Pressevertretern u. a. über seine Pariser Besprechungen: Wir haben uns besonders mit dem A b rü ft u n g s p r o b l e m beschäftigt. Die Hauptsorge Belgiens ist stets gewesen, «inen Rüstungswettlauf zu oerhin- dem, dessen Folgen gefährlich sein würden. Ganz abgesehen davon, daß dadurch die Wiederherstellung des Vertrauens unmöglich gemacht wird, würde er jede Aussicht auf ein Wiederaufleben der wirtschaftlichen Tätigkeit hinfällig machen und könnte zu einem neuen, noch schlimmeren Brand führen als dem oon 1914. Belgien ist eines der Länder, die der Kriegsgefahr am stärksten ausgesetzt sind. Für Verteidigung seines Gebietes hat es neue schwere Opfer auf sich genommen. Deshalb ist die Lösung des Problems für Belgien von größter Bedeutung. Der Genfer Organismus besitzt sicherlich keinen unabänderlichen Charakter. Wie alles Menschenwerk muß auch er sich entwickeln und nach besseren Arbeitsmethoden suchen. Aber die Grundsätze des Völkerbundspaktes find aufrecht zu erhalten. Der Pakt erkennt Die Verantwortung und besondere Rolle der Großmächte an. Aber es wäre unzulässig, an dem Grundsatz der juristischen Gleichheit der Staaten zu rütteln. Der Völkerbund ist das einzige Organ internationaler Zusammenarbeit. Sein Verschwinden würde die Friedensgarantien stark verringern. Die kleinen Staaten wie Belgien bleiben ihm treu, nicht nur weil er ein wichtiges Element ihrer Sicherheit ist, sondern auch, weil er ihnen das Recht und die Möglichkeit gibt, zum Wort zu kommen. Zrankois-poncelsZnsirMonen für Berlin. Oer alte Abrüstungsvorschlag paul-BoncourS wird erneut präsentiert. Paris, 28. Dez. (ÄTB.) Der französische Außenminister Paul-Boncour empfing Donnerstagnachmittag den französischen Botschafter in Berlin Francois Poncet, unterrichtete ihn über die Absichten der französischen Regierung und gab ihm alle erforderlichen Erklärungen über die in der Mitteilung über den gestrigen Ministerrat erwähnte Denkschrift, die bekanntlich in großen Zügen von den Ministern gebilligt worden ist und zur Zeit im Quai d'Orsay im einzelnen ausge- arbeitet wird. Francois Poncet wird in den nächsten Tagen nach Berlin zurückkehren. Man rechnet Damit, daß seine Unterredung mit dem Reichskanzler erst nach N e u j a h r stattfindet, und daß er erst bei dieser Gelegenheit die Denkschrift dem Reichskanzler überreichen, wird. lieber den Inhalldec Denkschrift erfährt man aus unterrichteten französischen Kreisen, daß das Kabinett den vom Reichskanzler betonten Willen zur Verstärkung der europäischen Kichlangrlffspakte und zur Annahme einer gegenseitigen allgemeinen Rüstungskontrolle mit Befriedigung zur Kenntnis nehme. Aber die Vorbedingungen Deutschlands, ein 300000-21iann-f)ecr, die Aufrechterhaltung der SA. und SS. und das Material für ein 300 000-2Ilann-f)eer, stünden im Gegensatz zu den Arbeiten der Abrüstungskonferenz. Frankreich könne sich keinem Auf- rüskungsverlangen Deutschlands anschliehen. Die französische Regierung glaube, daß nur im Rahmen des Völkerbundes und auf dem Wege der Herabsetzung der Rüstungen die internationale Sicherheit geschaffen werden könne, die die Grundlage der Anerkennung des Gleichberechtigungsgrundfahes bilde. Um das Endabkornrnen vorzubereiten, fei das Pariser Kabinett zu allen Verhandlungen mit den interessierten Staaten bereit und e r - neuere die Abrüstungsvorschläge, die auf Grund der englisch-französischen Verhandlungen vom 23. und 24. September festgelegt worden feien, alfo zwei Uebergangsperloden von je vier Jahren vorfehen. Während der ersten vier Jahre würden alle europäischen Heere nach einem einheitlichen Typ mit kurzfristiger Dienstzeit vereinheitlicht werden. Deutschland würde über 200 000 Mann regulärer Soldaten unter Ausschluß der militärähnlichen verbände und über ein diesen Streitkräften entsprechendes leichtes Defensivmaterial verfügen. („Oeuvre" behauptet, der Text dieser Denkschrift sei etwas abgemildert worden und zwar um nicht bei dem Reichskanzler, ohne daß Frankreich irgendwie von seinen Grundsätzen abgehe, den Eindruck zu erwecken, als ob Frankreich mit seiner Unnachgiebigkeit taub und blind wäre. Die Denkschrift lasse dieTür für alle eventuellendeutschen Gegenvorschläge offen. Zum Schluß behauptet das Blatt, daß der Abrüstungsabkommensentwurf, den Frankreich am 21. Januar in Genf vorlegen werde, bereits die Billigung Englands und der Kleinen Entente erhalten habe. „V o l o n t e" erklärt, der Reichskanzler habe im Geiste aufrichtiger Menschlichkeit die Spannung beseitigen wollen, die seit Jahrhunderten zwei große Völker voneinander trennte. Wenn Frankreich seinen Erwartungen sofort entsprochen hätte, so würde er sicherlich bereit gewesen sein, sofort die Grundlagen für eine wahre Verständigung zu schaffen. Leider habe man aber den Unglückspropheten, Diplomaten, Beamten und Rüstungslieferanten Zeit gelassen, einen Strich durch diese Rechnung zu machen. Heute bemühe man sich, die Deutschen unter allen Umständen nach Genf zurückzuführen, vergesse aber, daß man es mit Menschen mit Ehrgefühl zu tun habe. „Temp s" erklärt, Frankreich dürfe kein weiteres Opfer bringen, wenn Deutschland nicht seine Unterschrift unter ein allgemeines, im Genfer Geist gehaltenes Abrüstungsabkommen setze. Sobald die deutschen Forderungen jede Verständigung unmöglich zu machen scheinen, muß man sich an die Vertragsbestimmungen halten und sie mit aller Schärfe anwenden. — „Journal des D 6 bats" bedauert, daß Frankreich immer wieder von Abrüstung spreche. Es fei zu befürchten, daß sich Deutschland seine eventuelle Rückkehr nach Genf mit neuen Konzessionen bezahlen lassen werde. Man habe eine mittlere Lösung gefunden. Die Frage sei nur, ob diese die beste für Frankreich und Belgien und ganz allgemein gesehen für den Frieden sei, da doch die Situation sich völlig geändert habe, seit der Zeit, in der man sich noch Illusionen über die deutsche Politik machen konnte. — „In t r a n f i g e ant" schreibt, unsere Regierung hat recht, den deutschen Rüstungsforderungen Abrüstungsvorschläge entgegenzuhalten. Aber man muß höchst vorsichtig vorgehen. Man darf nicht durch gewagte Konzessionen unsere Stärke vermindern. Andernfalls würden wir den Krieg beschleunigen, den wir doch hinausschieben wollen. Rußlands außenpolitische Lage. Oie Politik der Nichtangriffspakte mit den westlichen Nachbarn. Oie Annäherung an LlSA. - E ne Politik des Friedens mit Deutschland. — Oie kritische Lage im Fernen Osten. Moskau, 29. Dez. (TU.) Auf der am Donnerstag eröffneten ordentlichen Tagung des Zentralvollzugsausschusses der Sowjetunion hielt der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare, Molotow, eine längere Rede über die außenpolitische und die wirtschaftliche Lage der Sowjetunion. Zur Außenpolitik führte er u. a. aus: Der größte Erfolg der Außenpolitik des Rätebundes in diesem Jahr war die Wiederherstellung der Beziehungen zu Amerika. Weiter stand im Mittelpunkt unserer Politik die Festigung des allgemeinen Friedens, obwohl sich gegenwärtig immer mehr Anzeichen für den Ausbruch neuer imperialistischer Kriege häufen. So gab die sowjetrussische Abordnung auf der Abrüstungskonferenz in Genf den Anstoß zur Unterzeichnuna eines Paktes über die Bezeichnung des Angreifers. Es folgten Pakt = Abschlüsse mit einer Reihe von Nachbar st aaten und zwar mit Polen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, der Tschechoslowakei, der Türkei, Persiens u. Afghanistans. In den Beziehungen zu den einzelnen Staaten hat die Sowjetregierung stets die erprobten Grundsätze ihrer Friedenspolitik und der praktischen Zusammenarbeit verfolgt. Ein Beweis hierfür ist der Ausbau der sowjetrussischen Beziehungen zurT ü r fei. Ein weiterer Beweis ist die günstige Entwicklung der praktischen Zusammenarbeit der Sowjetunion m i t F r a n k r e i ch. Die Reisen französischer führender Persönlichkeiten nach der Sowjetunion, sowie die persönliche Verbindung mit Vertretern Frankreichs geben uns die lieber- zeugung, daß unsere Zusammenarbeit mit Frankreich eine günstige Zukunft hat. Die Beziehungen zu England waren in diesem Jahr zeitweilig zugespitzt. Aus begreiflichen Gründen hat die Sowjetregierung sich nicht abfinden können mit dem Versuch, einen Druck von außen auf unsere innere Politik auszuüben. Gegenwärtig sind Verhandlungen mit England auf normaler Grundlage über den Abschluß eines Handelsvertrages im Gange. „Unsere Beziehungen zu Deutschland haben stets in der internationalen Lage eine besondere Rolle gespielt. Die Sowjetregierung bleibt ihren Grundsätzen des Schuhes des allgemeinen Stiebens und der Unabhängigkeit des Landes treu. Sie hat ihrerseits keine Ursache, die Politik gegenüber Deutschland zu ändern." Jedoch, so sagte Molotow, seien seitens der regierenden Gruppen Deutschlands im letzten Jahre versuche zur Revision Der Beziehungen zu der Sowjetunion unternommen worden. Tendenzen dieser Art seien unschwer zu erkennen. Molotow fuhr dann frot: „Eines ist für uns klar: Bis zur letzten Zeit waren die deutsch-russischen Beziehungen auf dem Bestreben zum Frieden und der Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen begründet. Diesen Grundsätzen bleiben wir auch jetzt treu. Kur in ihrer Durchführung sehen wir die Möglichkeit zu einer politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und Deutschland, einer Zusammenarbeit im Interesse beider Länder und des allgemeinen Friedens." Molotow kritisierte des weiteren „die imperialistischen Pläne einiger deutscher Politiker, die weder mit der Festigung der sreundschaft- ttchen Beziehungen zur Sowjetunion, noch mit der großen Zukunft Deutschlands zu vereinbaren feien.“ lieber die Beziehungen Rußlands zu Japan äußerte Molotow, größere Beweise für die Friedensliebe der Sowjetunion als die aller Welt bekannten Tatsachen könne niemand verlangen, angefangen mit dem Vorschlag, einen Nichtangriffspakt abzuschließen, der Bereitschaft zum Verkauf der O st- China-Bahn und dem Entgegenkommen in geschäftlichen Fragen. Das hindere aber gewisse Organe der japanischen Presse und gewisse offizielle japanische Persönlichkeiten nicht, tagtäglich zu wisderholen, daß „jetzt die gelegenste Zeit" sei. Die reaktionären Kreise Japans fürchten sich besonders davor, daß eine enge Zusammenarbeit zwischen solchen Ländern entsteht, wie die. Sowjetunion, Amerika und China. Sie selbst fördern jedoch eine solche Zusammenarbeit am meisten durch ihr Verhalten. Wir haben nicht das Recht, die Augen ooreinerGefahrdesAngriffs zu verschließen. Auch dieser Gefahr gegenüber besteht unsere Aufgabe darin, weiterhin unbeirrt unsere Friedenspolitik im Fernen Osten und die Politik der Besserung unserer Beziehungen zu Japan zu verfolgen, gleichzeitig uns aber aufa 11 eMöglich k e i t e n' e i n e s lleberf alls vorzube- retten. Molotow erwähnte schließlich den Austritt Japans und Deutschlands aus dem Völkerbund. Wie verschieden die Gründe zum Austritt auch seien, sei die Grundtatsache nicht zu verkennen, daß die Bedeutung dieser Schritte in Verbindung mit der allgemeinen Sache des Weltfriedens stehe. Oie Eifenbahnkatasirophe bei Lagny. Schwere Borwürfe gegen die französische Ostbatjngcsellschaft. Das „Oeuvre" greift am Donnerstag die französische Ostbcchngesellschaft heftig an, wirft ihr zahlreiche Betriebsmängel vor und macht sie für die schwere Katastrophe bei Lagny verantwortlich. Die Haftentlastung des Lokomotivpersonals des Straßburger Schnellzuges sei vor allem erfolgt, weil die Untersuchung ergeben habe, daß grobe Fehler begangen worden seien, für die höhergestellte Persönlichkeiten als ein Heizer oder Lokomotivführer die Verantwortung trügen. Die Gesellschaft habe am Samstagabend trotz des dichten Nebels Vor» und Nachzüge eingesetzt, während beispielsweise die Nordbahn aus dem gleichen Grunde mehrere Züge habe ausfallen lassen. Die verspätete Abfahrt der Züge vom Pariser Ostbahnhof sei nicht auf den Nebel, sondern auf den schlechten Zustand der Lokomotiven zurückzusühren, denen verschiedene Zuleitungsrohre eingefroren gewesen seien. Aus Ersparnisgründen habe man zahlreiche Arbeiter der Lokomotivwerkstätten entlassen. In der Pariser Oesfenttichkeit hat es außerdem sehr eigentümlich gewirkt, daß die Nachricht von dem schweren Unglück er st in später Nacht st unde bekannt wurde, obwohl die Katastrophe sich schon gegen 20 Uhr ereignet hatte. Der Pariser Polizeipräsident erklärte einem Vertreter des „Oeuvre", daß er erst gegen 23.30 Uhr oon dem Unglück erfahren habe. Die Eisenbahngesellschaft habe aber trotzdem keinerlei Hilfe angefordert. Erst zwei Stunden später sei er dann über die wahre Tragweite unterrichtet worden und habe sofort alle notwendigen Schritte unternommen. Es sei selbstverständlich, daß er die gleichen Maßnahmen schon früher getroffen hätte, wenn er rechtzeitig über die Auswirkungen der Katastrophe unterrichtet gewesen wäre. Äorzugsbeförderungen bei der Mickspost. Berlin, 28. Dez. (WTB.) Beamte der Reichs- post, die sich um die nationale Volkserhebung außergewöhnlich verdient gemacht haben, sollen nach einer Verfügung des Reichspostministers außer der Reihe befördert werden. Es handelt sich dabei vorwiegend um Beamte, die sich vor dem 30. Januar 1933 a I • Mitglieder von nationalen Derbän- D e n (SA., SS., Stahlhelm) oder als Amts- matter ober Redner der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei besonders tatkräftig gezeigt, im Dienste bewährt haben und im übrigen nach ihren Fähigkeiten und Leistungen den Anforderungen entsprechen, die mit der Beförderung oer» Mr 15000 Abiturienten werden 1034 zum Hochschulstudium zugelassen. Erste Maßnahmen gegen die Lleberfüilung der höheren Schulen und Llniver- fi.öten. - Oie Richrzahl für Hessen 340. — Abiturienten ohne Hochschutt eise werden praktischen Berufen zuge-ührt werden. Kunden sind. Wenn für das Äufrüifen in die höhere Besoldungsgruppe das Bestehen einer Aufstiegs- Prüfung oorgeschrieben ist, müssen die Beamten diese Bedingung erfüllen. An SA. unO SA «ReserveI Neujahrsbefehl? Am Ende des scheidenden Jahres gehen unsere Gedanken rütfroärls Trotz aller Miesmacherei Berufener und Unberufener können wir feftfteUen: Das Jahr 1933. trüb am ersten Tage seines Laufe», geht strahlend als das Jahr des Sieges zu Ende. Dank der unermüdlichen Tatkraft unseres Führers, der niemals die Zuversicht verlor, der niemals an den Fähigkeiten des deutschen Volkes zweifelte, dank den Opfern der Toten unserer SA. ist Deutschland noch einmal emporgerissen worden. Neben dem Verdienst des Füh- rers, neben dem Opfer der Toten verblaßt jedes andere Verdienst Am 12. November 1933 hat das deutsche Volk in nahezu hundertprozentiger Einigkeit voll Vertrauen das weitere Schicksal der Nation in unsere Hände gelegt. Der Führer hat in seiner Rede an die Reichstagsfraktion zum Ausdruck gebracht: Der Erfolg diese» Tages beweist nicht unsere Tüchtigkeit, sondern beweist einzig und allein, daß trotz allem die- ft» deutsche Volk das alte, anständige Volk geblieben ist. Und wenn wir nun in das Jahr 1934 hineingchcn, dann kann die Parole nur mehr denn je lauten. „M I t unserem Führer für das deutsche Volk." Mit unserem Führer, dem wir Männer der SA. mit Leib und Leben verschrieben sind, für da» Volk, dem wir angehören und auf das stolz zu fein wir endlich wieder eine Berechtigung besitzen. Auch die Zukunft kann uns nicht mit Sorge erfüllen. Die SA. wird den Matz im Staate erhalten, den sie braucht- dafür ist uns die Person des Stabschefs Gewahr, der immer noch das errungen hat, was notwendig war. Im Vertrauen zu ihm, im Glauben an den Führer gehen wir in das Jahr 1934 hinein. Möge kommen, was kommen mag, in Freud oder Leid, In Sieg oder Tod, in Kampf ober Frieden, wir wollen und wir müssen fein d i e schlichten Soldaten einer schlichten Idee, der Ä>ee, die nichts anderes kennt als Deutschland, nur Deutschland. Und deren Inbegriff nicht anders heißt als Adolf Hitler. Sieg Heil! Der Führer der Obergruppe V (Frankfurt a. M.) gez. v. I a g o w, Obergruppenführer. Kameraden der SA -Reserve I? Ein für unser deutsches Vaterland und auch für ben Bund der Frontsoldaten ereignisreiches Jahr neigt sich seinem Ende zu! Das Jahr 1933 mit sei- nen Geschehnissen wird wohl in der Geschichte der- maleinst einzig dastehen und einem 1813 gleich zu achten sein! Eine gütige Vorsehung hat-das große Werk Adolf Hitlers gelingen und den in Taufenden von deutschen Herzen seit langen Jahren still glü- henden Wunfch in Erfüllung gehen lassen! Wenn man auch manchmal zu träumen glaubt: W i r find wieder Deutsche und dürfen wieder deutsch fühlen, denken, spre- chen und handeln! Und so muß bi« jetzige Jahreswende für einen jeden von uns Anlaß sein, rückschauend sich über die Größe bes gigantischen Befreiungswerkcs Adolf Hitlers klar zu werden und ihm dadurch zu danken, daß er ihm für das kommende Jahr unwandelbareTreuebiszum Letzten gelobt! Wir Stahlhelmer find unserem Führer besonders zu Dank verpflichtet. Es liegt eine erneute, hohe Anerkennung der im Stahlhelm zusammengeschlossenen Frontsoldaten seitens des Führers und seines Stabschefs darin, daß er »ns mit der Aufstellung der SA. -Re- ferne I betraut hat. Wir alten Soldaten gehen mit stolzer Freude an diese Aufgabe heran und wollen dem Führer beweifen, daß wir festen Willens sind, unter seiner Führung sein Werk ausbauen zu helfen und zu sichern! In der Treue und dem Gefolgschaftswillen wollen wir von der S-A.-Res. I. uns von Niemanden übertreffen lassen, denn wenn wir Feldgrauen einem Führer die Treue geschworen haben, dann halten wir sie bis zum letzten Blutstropfen! Möge der Himmel unserem Führer noch viele Jabre erfolgreichen Schaffens vergönnen zum Wohle unseres geliebten deutschen Vaterlandes. Wir Stahl- Helmer aber folgen ihm, wohin er uns führe! Dies jei unser Wunsch und Wille für bas Jahr 1934! Front Hell! Heil Hitler! Gez.: Keßler, Lanbesführer LV. „Hessen". linien abhängig machen, dürfen nicht diese Bczeich- nung führen. Mit der Führung der Preußischen Landesslelle für volkstümliches Bürcherciwesen ist kommi'wrisch ber Führer des Derbanoes Der Deut- fdjen Dokksbibliothckare EV. Dr. Schuster beauftragt worden. Einmischungen nid)t,=iuftänbiger Stellen sind ihm sofort zu melden. Theaterbesuch ist nationale Pflicht d e r l i n, 28. Dez. (WTB.) In einem Rundbrief an bie Intendanten ber städtischen Thraker Preu- ßen» weift -vtaatskommiliar Hans Hinkel als Leiter bes amtlichen Preußischen Theakerausschuffes darauf hin, day ,eber Volksgenosse, der in aus- reichendem Maße in Arbeit und Brot stände, die nationale Pflicht habe, durch leinen dauern- ben Besuch bas deutsch« Theater zu färbe rn. Staat unb Bewegung, Länber und Kommunen würben ihr Beste» tun, um ben Be- stanb ber beutschen Bühnen zu sichern. Der gleiche Staat forbere aber beshalb auch in besonderem Maße den Theaterbesuch als nationale Pflicht Die Buhnenleiter werben ersucht, die Parole ..Äraft durch Freude" wahrzumachen, sich — soweit e» ber Bestand ihres Instituts zulas,e — in ben Dicm't ber Organisation „Nach ber Arbeit" zu stellen unb alle» zu tun, um bie lebenbigste Verbindung zwilchen dem Theater, dem Volk und dem Kampf der Gegenwart herzustellen. An alle Organisationen er- roerbstätiaer Volksgenossen ergehe ber Ruf: Helft dem um seinen Bestand ringenden beutschen Thea- ter, in bem ihr euren Mitgliebern ins Gewissen ruft: Theaterbesuch bedeutet Dienst am Volk, Theater- besuch ist nationale Pflicht! ©06 künftige Programm der „Deutschen Christen". Erklärung deS neuen Reichöleiter». Berlin, 28. Dez. Dr. jur. Ehriftian Kinder teilte ber Schriftleitung ber „DAZ." ben Wortlaut der Erklärung mit, bie er al» Ausgangspunkt feiner zukünftigen Wirksamkeit als Reichsleiter ber Deut- ichen Christen betrachtet: „Die grunbsätzliche Aufgabe der Deutschen Ck)ri-^ sten ist bie Ueberwindung ber Gruppen- bilbung innerhalb bes evangelischen Kirchenvolkes. Das Fuhrerprinzip aeftattet nicht bas Auftreten von Sonbergruppen, auch nicht in ber Evangelischen Kirche. Es ist die weltgeschichtliche Stunbe be» beut» ichen Volkes, bah es unter ber starken Führung Aböls Hitlers sich als nationalsozialistisches Volk über alle Klassen unb Stanbe hinweg du r Einheit jufammengefunben hat. Dieses nationalsozialistische Volk in seiner evangelischen Glaubenshaltung in Einheit zusammenzufassen, war bie ursprüngliche Aufgabe ber Deutschen Christen unb wirb ihre ausschließliche Aufgabe w i e b e r fein. Die mancherlei Glaubensfragen, bie bie Menschen gestern unb heute bewegt haben unb auch in Zukunft roicber bewegen werden, sollen derKirche selb st vor- behalten bleiben. Zur Dokumentierung dessen wirb bie Bezeichnung „Glaubensbewegung" hinfort nicht mehr geführt werben. Unter ber Bezeichnung „Deutsche Christen" wird das Ziel des Zusammenschlusses ber Nationalsozialisten in ber Evangelischen Kirche burchgeführt werben. Damit kehrt bie Bewegung zu ihren ursprünglichen Ausgaben zurück. Orr ceutfef e Tiechisstand proklam eri. München, 27. Dez. (TU.) Aus Anlaß be-3 Ab- schlusscs ber organisatorischen Arbeiten bes Ausbaues ber Deutschen Rechtsfront und des Bundes Nationalsozialistischer deutscher Juristen v.-rsam- melte Reichsjustizkommissar Dr. Frank bie Reichs- sacharuppenleiter ber sämtlichen Berufsgruppen bes beutschen Juristentums unb aller mit bem Recht wurzelnben Amtsträger einschließlich ber Wirt- schastsrechtler, also ber Volkswirte unb Wirtschaft»- treuhänder, im Hause ber Deutschen Rechtsfront. . Dr. Frank dankte feinen Mitarbeitern für die ge« leistete Arbeit unb proklamierte ben deutschen Rechts st and, der alle Arbeiten am Recht umfaßt, deren charakteristische Funktionen in ber Betreuung unb Durchsetzung bes Rechts in allen Le- bensbereichen bes beutschen Volkes liegen. Der Deutsche Anwaltoerein, die größte bisher in Deutschland bestehende Juristen Organisation, -ist aus einer Vollversammlung ber Mitglieder aufgelöst worben. Die Mitglieder sind einzeln in den Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen aufgenommen und in die Reichsfachgruppe Rechtsanwälte eingegliedert worden. Diejenigen Abiturienten- denen die Hochschulreife versagt wird, sollen damit keineswegsals allgemein minber befäl)igt gekennzeichnet fein; sie sind nur burch ihre Anlage auf Berufe verwiesen, für bie es bes theoretischen Stubienganges burch die Hochschule hindurch nicht bedarf. Daraus ergibt sich, daß es nicht angängig ist, bei der Zuer- kennung der Hochschulreife eine bereits bestehende Berufsabsicht des Reifeprüflings zuarundezulegen; ferner ergibt sich daraus, daß bie Zulassung kein müheloser Vorzug ist, fonbern daß ein hohes Maß von Eigenoerantwortung von dem Hochschulberech- tigten erwartet und gefordert wird. In den folgen- B < r l i n, 28. Dez. (TU.) Der Reichsminister des In- nern hat die Zay 1 der Abiturienten denen im Jahre 1934 bie Hochschulreife zuerkannt wirb, auf 15 000 begrenzt. Die Hochschulreife soll nur benjenigcn Abiturienten zugesprochen werben, bie geeignet erscheinen, ben befonbe» ren burch die Hochschule gestellten An- forberungen nach ihrer geistigen unb körper- lichcn Reife, nach ihrem Charakterwert unb ihrer nationalen Zuverlässigkeit zu genügen. Die Richt- zahl von 15 000 verteilt sich auf bie Lander wie folgt: Preußen 8 984, Bayern 1 670, Sachsen 1 339, Württemberg 611, Baben 574, Thüringen 390, Hessen 340, Hamburg 398, Mecklenburg 172, Dl- benburg 122, Braunschweig 122, Anhalt 87, Bremen 105, Lippe 40, Lübeck 34, Schaumburg-Lippe 12. Es bleibt bem einzelnen Canbe überlassen, bie ihm zugewiesene Zahl auf bie einzelnen An- st a l t e n entroeber voll umzulegen ober ben Prü- fungskommissaren zu ermöglichen, ben Ausgleich unter ben einzelnen Anstalten burch Verfügung über einen ihnen oorbehaltenen Anteil an ber Gesamtzahl herbeizuführen. Diejenigen Länber, bie ihre künftigen Volks- schuIlehrer aus ber Zahl ber Abiturienten mit Hochschulreife entnehmen, können bie ihnen zugewiesene Zahl um sooiele Abiturienten erhöhen, wie sie an Lanbesangehörigen 1934 zu ben Lehrerbildungsanstalten zulassen. Die Zahl ber Abiturientinnen, benen bie Hochschulreife zuerkannt wirb, ist nicht gefonbert bestimmt worben; jeboch barf ber Anteil ber Abiturientinnen an der Gesamtzahl ber Hochschulberechtigten in keinem Lanbe 10 v. H. ber zugewiesenen Zahl überschreiten. Die Zuerkennung oder Versagung ber Hochschulreife darsnichlaufdem Reifezeugnis vermerkt werben. Heber bie Zuerkennung der Hochschulreife ist neben dem Reifezeugnis eine besondere Bescheinigung zu erteilen. Der Abiturient barf bei der Bewerbung um einen praktischen Beruf von dieser Bescheinigung keinen Gebrauch machen; die an- stellende Stelle darf die Vorlage der Bescheinigung nicht verlangen. Die Abiturienten ohne Hochschulreife praktischen Berufen zuzuführen, ist der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung übertragen worden. Die Berufsberatungvstellen sind angewiesen, durch ihre fachlich besonders vorgebildeten Berater eine sorgsame Linzelberatung durchzuführen und bie Unterbringung in geeignete Lehr- unb Ausbildungsstellen vorzunehmen. Die dazu notwendigen Lehr- und Au s - bllbungs ft eilen sollen in allen Berufen bes Handwerks, des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft, sowie bei staatlichen und kommunalen Behörden durch planmäßige ID et- bung beschafft werden. An alle fireife der Wirtschaft und die Personalstellen der Behörden ergeht der Ruf, durch Bereitstellung von Lehr- unb itusbilbungsffeUen daran mitzuwirken, daß die im Frühjahr aus den höheren Schulen zur Entlassung kommenden wertvollen jungen Menschen zweckmäßig In das wirtschafts- leben eingegliedert werden können. den Jahren wird eine von Jahr zu Jahr teilweise festzusetzenbe weitere Senkung ber Richtzahl eintreten. Es wäre nicht zu rechtfertigen, wenn auf die folgenden Jahrgänge, bie als Kriegsgcburlen- Jahrgänge schwächer beicht sind, nicht bie gleichen Maßstäbe an Auslesescharfe angewandt mürben; ge- rabe biese Jahrgänge haben nochgewiesenermahen eine besonbers hohe Zugangshäujigkeit zu ben hö- Heren Schulen gezeigt. Im übrigen ist vorgesehen, durch neue Auslcsebestimmungen bie Zahl ber Besucher ber höheren « chulen , vor allem ber Oberstufe künftig so zu senken, baß ein (Eingriff bei ben Abiturienten nicht mehr erfor- berlich ist. Oer sächsische Vollöbildungsmimster Or. Sarfnade gab Erläuterungen unb Begrünbungen für die Maßnahmen zur Begrenzung des Hochschulzuganges. Mit bem Absinken ber Nachwuchs zahlen sei ein Ansteigen bes Zustroms zu den gehobenen geistigen Berufen einhergegangen. Um bie Jahr- hunöertroenbe habe es in Dcutschlanb etwa 8000 Abiturientenzeugnisse im Jahre gegeben. 1932 waren es 43 000 Abiturientenzeugnisse. Neben jeber 22. Kinberwiege habe ein Menschenkind mit Hochschulreife gestanden. Hier habe ber neue Staat mit Nach- druck eingreifen müssen. Die Zahl ber Neuirnmatri, Motionen habe zu Ostern 1931 29 700. Ostern 1932 24 700 betragen. Als Stubienneuzugang wären bei allergünstigster Rechnung etwa 10 500 Neuirnmatri- fulierte zu oerwenben. IDer die Zahl der 15 000 Studienberechtigten, die das Reichsinnenministerium überdie 1 0500 hinausgchend festgesetzt hat, für zu eingreifend halte, der möge sich darüber klar werden, daß in Wirklichkeit überhaupt kein Bedarf an Reuzugang zum Studium vorliege. Die vorhandene Staumasse würde nicht einmal völlig verebben, wenn die vier folgenden Iahre überhaupt ausfallen würden. Daher sei bie Beschränkung auf 15 000 Studien- berechtigte nur zu verteidigen im Hinblick darauf, daß es eine_ Ungerechtigkeit wäre, diese Jahrgänge überhaupt für das Studium ausfallen zu lassen. Sie sei ferner nur verantwortbar, wenn man annehme, daß von dieser Zahl nur ein Teil wirklich studiere. Den Eltern müsse man sagen, daß Volk, Staat und Wirtschaft nicht für ihren Sohn da seien, sondern ihr Sohn müsse sich dort einordnen, wo man i h n brauchen könne. Das sei der Sinn des Nationalsozialismus. Neuordnung des Bücherei- wesens in Preußen. Berlin, 28. Dez. (WTV-) Minister R u st hat eine Neuordnung des Büchereiwesens in Preußen vorgenommen. Es wird eine Preußische Lanbeste ll e für volkstümliches Büchereiwe- e n geschaffen. Ihr werben der Beratende Ausschuß ür volkstümliches Büchereiwesen, ber Sonberaus- chuß für Katalog-Fragen und die entsprechende Prüfungskommission angegliedert. Die Landesstelle ist die alleinige Vertretung der Volksbüchereien in Preußen, sie übernimmt auch den gesamten grundsätzlichen Schriftverkehr mit den zentralen Stellen, die Führung in der Katalogarbeit unb der allgemeinen Schrifttumspflege. Die staatliche Beratungsstelle erhält für ihr Gebiet die Fachaufsicht über alle Büchereien und ist verpflichtet, sofort die vorhandenen Büchereien betreffs ihres Buch- ftanbes zu überprüfen. Von dieser Prüfung rst le- diglich ausgeschlossen das spezifisch kirchliche und re- ligiöfe Schrifttum der konfessionellen Büchereien. Als öffentliche Büchereien sind lediglich die Büchereien anzusehen, die ihre Arbeit als eine öffentliche Funktion im Sinne der nationalsozialistischen (Erneuerung der Gemeinschaft ansehen und in allen grundsätzlichen Schrifttumsfragen die öffentliche Aus- sicht anerkennen. Büchereien, die ihren inneren Aufbau ganz oder teilweise von nicht staatlichen RichtGtatifterie. Don Per Gchwenzen. Gr war einer von den zähen Burschen, die sich eine ganze Jugend lang tapfer gegen ben Begriff ber Arbeitslosigkeit gewehrt hatten. Er war auf bie §°lze gegangen, hinter ber Arbeit her wie ein topürbunb aus ber Fährte bes Wilbes. Er hatte bas Heu ber Bauern im Marfchlanb unb in Hessen geroenbet, er hatte in Nachtlokalen die Debe des Betriebes hinter ber Serviette vergähnt, er hatte in fle,4'ppt ^"Waffeln auf Sportplätzen verkauft. Er war wochenlang auf einem gepumpten WrS^WrhT d" Ausgabestelle bes kostenlos verteilten „Arbeitsmarktes mit vielen Schicksals- gestörte! 6tra6cnrenn,n um die letzte Chance eln^Xn"^10!9*9.’ er ,n e,ner Kneipe einen alt» n «schauspieler tennengelemt. Der hatte Th TV” Filmbörse genommen unb einem Aufnahmeleiter vorgestellt. Mit einigen Schwierig. feUen roar es ihm gelungen, Zulassung zur ,,Bör e" au erhalten. Seine Karte ftanb mit vielen anberen *n d" Kartothek be» Büros. Seit vier Wochen saß er aUabenbhd) hier und bot seine Person ben sor- tlercnben Augen ber Aufnahmeleiter ober Hilfsregisseure bar, bie Statisterie und kleine Rollen für ben kommenden Drehtag suchten Er saß ziemlich hoffnungslos da in seiner zerschlissenen Montur bes »leinen Dajclnsfämpfers. einem abgewetzten Anzug von der Stange des Konfektionsjahres 1931. Er blies ben Rauch ber 2'/»-Psennig-Zigarette gegen bie Hangelampe unb versuchte nachzubenken. Es gelang ihm nicht. Um ihn her ging es ziemlich geräuschvoll zu Junge Leute kritisierten die Neuerscheinungen ber Filmsaison. „Mißerfolg macht auf bie Dauer auch bie Gescheiten hochmütig, Erfolg nur bie Dummen .. hatte ber alte Schauspieler zu ihm gesagt. Er hatte es damals nicht verstanden. Ueberhaupt — er war ja kein Schauspieler! Er schämte sich ein wenig, sich hier hineingeschmuggelt zu haben — Da trat ein Ausnahmeleiter an ihn heran- „Sind Sie frei fik morgen? Punkt sieben Uhr früh. Cicero, ftrafie * Es war ein Kurzfilm Er mußte seinen Namen Beim Portier nennen. Der Portier überflog tu’ Auge unb Zeigefinger die lange Namensliste der Beschäftigten. „Hubert Wendt, stimmt." Er konnte passieren. Er meldete sich beim Aufnahmeleiter, der mit dem Tonmeister im Atelier verhandelte. Nein, er brauche sich nicht schminken zu lassen. Es handle sich nicht um Nahausnahmen. Außer ihm waren noch zwei junge Leute aus ber Börse unb zwei Damen da. Die Hauptbarsteller kamen eben fertig geschminkt aus ihren Garberoben. Der Regisseur trieb unb hetzte, ber Tonmeister brachte seinen Tonwagen in Stellung, bas Mikrophon würbe so nahe wie möglich an bie Dekoration, Fensternische eines Cafes, herangeschoben und Spiel unb Dialog würben probiert. Hubert begriff, oaß ber Film an einem Tage zu Ende gebreht rocrOen solle, benn ber Regisseur, der sichtlich nervös rour, peitschte ein Mvrdstempo auf, probierte jede einzelne Szene ein, zweimal und ließ sofort drehen. Das Leben des Komparsen besteht wie das des Soldaten nach altem Sprichwort aus Warten: „Die Hälfte seine» Lebens — wartet der Komparse vergebens". — So auch hier. Hubert ging mit seinen Kollegen in die Kantine. Man saß unb las unb rauchte unb versuchte bie Zeit mit Witzen totzu- rrr9en- Ader ber Humor war ein bißchen dick- flufüg an biefem leicht verschlafenen Vormittag. Gott, wie Hubert biese mübe Stimmung bes War- tens haßte! Lieber hätte er Szene nach Szene pro- °,Aufkommen an U m - . fatz ste u^ r bewegt sich.^ftach wie vor nach oben. ■ Als sehr günstig ist buch das Aufkommen an W K r a f t ka h r z e u gfk'e u e r zu verzeichnen. Von | Momx zu Monat günstiger gestaltet sich das Auf- ^hr.men an Wechsel st euer. Das Aufkommen an D e f ö r d e r u n-g s st e u e r ist im November 1933 genau so g^eff gewesen, wie im November 1932. Sir Zohn S mon am 4. Januar bei Mu^olini. ■ &A ndon, 28. Dez. (WTB.) Der englische Bot- - % |r ’n Rom, der sich auf einem italienischen !doboot nach Capri zu einer Unterredung mit iß V/ Mshn Simon begeben hatte, hat dem englischen , HM nntintfter eine Einladung Mussolinis 4^9anuar übermittelt. An diesem Tage sol- ^-jn in Rom zwischen Mussolini und Sir John Si- Cjon Unterredungen über die schwebenden europäi- ;Mnen Probleme stattjinden. Erfolgreiches Vorgehen g der chinesischen Regierungsiruppen. gewesen; November 1933: 70,4, Noo-mber 1932: 67,7 Mk. Das Aufkommen an Salz st euer entwickelt sich nach wie vor gut. Die Tabaksteuer, die Z u ck e r st e u e r und die B i e r st e u e r weis-n einen kleinen Rückgang gegenüber November 1932 e°uf. iH Bürger und Einwohner. «Die neue preußische Gemeindeverfassung. Ä Berlin, 28. Dez. (CNB.) Der preußische Mini- ■ fter des Innern hat eine Durchführungsverordnung U zum Gemeindeverfassungsgesetz vom 15. Dezember 1 2s. erlassen, in der bestimmt wird, daß die M Gemeinderäte vorbehaltlich der späteren Verleihung H von Stadt- oder Gemeindebriefen spätestens M bisl. April 193 4 z u berufen sind. Die Be- M rusung soll mit größter Beschleunigung erfolgen. ■ Das Gemeindevcrsassungsgesetz macht einen Un- W terschied zwischen Einwohnern und Bürgern W der Gemeinden. Die Bürger sind in eine Bür - Ugerrolle einzutragen, sie müssen ihre Kräfte W jederzeit ehrenamtlich in den Dien st U des Wohles der Gemeinde stellen. Die I Durchführungsverordnung formuliert die Begriffe 1 „Einwohner" und „Bürger" folgendermaßen: | Einwohner der Gemeinde ist, wer m ihr | nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches 1 feinen Wohnsitz hat. 1 ®ürfler der Gemeinde ist bis zur endgültigen »Regelung jeder reichsdeutsche Einwohner, der über M25 Jahre alt ist und seit dem 1. Juli 1933 in der MG meinde ununterbrochen wohnt. "l Wer nach diesem Zeitpunkt zugezogen ■ft, erwirbt das Bürgerrecht erst, wenn er seit Uinem Jahre in der Gemeinde seinen Wohnsitz hat. Bürger der Gemeinde sind ferner jpbne Rücksicht auf die Dauer des Wohnsitzes in der 'Gemeinde aktive Reichs- und Staatsbeamte und hauptamtliche Beamte der Gemeinde sowie die obersten örtlichen Leiter der NSDAP, und die Führer der Sturmabteilungen ober der Schutz st affeln der NSDAP. Oer Führer als Mensch. München, 28. Dez. (TU.) Der „Völkische Beobachter" meldet aus Bad Reichenhall: Hier wird bekannt, daß vor einigen Wochen zwei beim Arbeitsdienstlager in Bergen (Oberbayern) beschäf- stigte junge Leute, die den Zug versäumt hatten, »inen Kraftwagen aus der Straße an- Hielten und baten, bis Traunstein mitfahren zu ibürfen. Zufällig handelte es sich um die Kraft- agenkolonne des Reichskanzlers l d o l f Hitler, der die beiden jungen Leute im itten Waben m i t f a h r e n ließ und sie kurz vor Aussteigen mit je einem Mantel und n f Mark beschenkte. Es stellt sich nun her- , daß der Führer sich seiner beiden äntel, darunter seines bekannten renchcoat, entledigte und mit diesem Ge- chenk zwei bedürftigen Volksgenossen eine ungewöhnliche Freude bereitet hat. Erhöhtes Auftommen an Steuern, Zötten und Abgaben. IRSchangbüi, 28. Dez. (TU.) Die chinesische ^Regierung tjat- die volle Mobilisierung der chinesi- Jroen Flotte ggen b i e Aufstänbischen in '.Cer Provinz Fukien angeorbnet Die Marine- Oreitfräfte der ..... I egierung haben die 27 Kilometer I von Futschau entfernt liegenden Forts erobert und "besetzt. Nach dreistündigen erbitterten Kämpfen baden die chi'nesjsvien «Regierungstruppen in der ttu^ftä nV-^n Fukien Fuß gefaßt und die - « , J J u n 0 1 f d) P n ’ ' ! ;befehlsdaber der R ist nach d° Ti chu tschau gefl « egangspunft für ”ng ber laufen y-icfje Bombena uÄnbJft von citfrofte burchgesü Mich Zwingli. Zum 450 Geburtstag des Schweizer Reformators am 4.Januar 1934. •$on D. Dr. Leopo.d Eordrer, o. ö. Professor der Theologie an der Universität Gießen. Die evangelische Kirche hat keine Märtyrerkronen zu vergeben, sie kennt auch keine christliche Helden- Verehrung, aber sie darf in Dankbarkeit der Man- ner gedenken, die ihr Gott als Streiter seines Reiches geschenkt hat. Einer unter ihnen ist Ulrich §w i n g l i gewesen, der Altersgenosse Martin uthers. Wie Martin Luther kommt Ulrich Zwingli vom Volk und steht er zu seinem Volk. Der junge Pfarrer in Glarus zieht zweimal mit seinen Gemeinbe- g(ie)bern als Seelsorger auf die italienischen Schlachtfelder. Der Pfarrherr von Maria-Einsiedeln dient seinen Volksgenossen da, wo fromme Einfalt am Wallfahrtsort das Herz der Gottheit barbietet. Der Leutpriester am Großmünfter zu Zürich arbeitet von Anfang an mit am Aufbau Des ftäbtischen Gemeinwesens. Der Eidgenosse Zwingli beschließt sein Leben auf ber Walstatt als Eibgenosse unter Eidgenossen. Nicht als hätte Zwingli Volkes Art unb Meinung einfach bejaht. Ganz im Gegenteil, er setzt sich wie- berholt in Wiberspruch zu ihr. Dem fremben Krieas- bienst ber Schweizer, bem sogenannten Reislamen unb Pensionnehmen, hat er sich mit aller (Ent- schiebenheit entgegengeftettt. Vielleicht ist die Schändung seiner Leiche auf dem Kappeler Feld solcher Soldateska zuzuschreiben, die er mit seiner Bekamp- fung des Reislaufens in ihrem Handwerk gestört hatte. Der Pfarrer zu Maria-Einsiedeln widerstritt sicherlich der religiösen Volksstimmung, indem er die Menge von den Mißbräuchen des Heiligendienstes und von äußerer Kirchlichkeit loszulösen versuchte. Der Leutpriester in Zürich trieb hohe Politik, nicht immer unter dem Wohlgefallen seiner Landsleute, denen das Schicksal von Stadt und Land näher lag als die großen Weltzusammenhänge. Zwingli wußte, daß die Sache seiner Heimat verloren sei, wenn sie die Sache Zürichs und der ihm verbundenen Kantone bliebe. So begab er sich auf den Boden der Weltpolitik. Er erftrebte einen geeinten Protestantismus an der Seite aller Gegner Habsburgs. Aber gerade hier haben ihn seine Landsleute und seine Zeitgenossen im Stiche gelassen. Sein Tod zu Kappel ist letztlich auf dieses Versagen zurückzuführen. Die Niederlage zu Kappel war „die erste der großen Katastrophen" des deutschen Protestantismus, ber fortan ber Enge ber kleinstaatlichen Weltbetrachtung verhaftet blieb. Zwingli war über feine Stabt, über feine Zeit hinausgewachfen. ausgesprochen. Papst Pius XI. bat den Botschafter, feine roärmften Wünsche für das Ergehen des Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg unb bas Wohl des ganzen beutjchen Volkes zu übermitteln. * Botschafter Rolanb Käster brachte bem Prä- fibenten ber französischen Republik Lebrun bas Beileib bes Herrn Reichspräsibenten zur Eisenbahnkatastrophe von Lagny zum Ausbruck. Präsibent Lebrun hat ben Botschafter gebeten, bem Herrn Reichspräsibenten seinen Dank zu übermitteln. * Professor Dr. Dessauerist aus ber Schutz- haft entlassen worben. Professor Dessauer war bekanntlich im Zusammenhang mit bem Volksver- einsprozeß verhaftet unb dann nach Aufhebung des Haftbefehls in Schutzhaft genommen worden. Auf feinem Bundestag in Naumburg am Donnerstag hat ber Reichsbunb ber höheren Beamten feine Auflösung beschlossen. ♦ In Wien starb im Alter von 84 Jahren Felbmar- schall Alexander Krobatin. Er war der Reorganisator der österreichischen Artillerie, 1912 war er Kriegsminister. Während seines Ministeriums wurde die Mobilmachung im Weltkriege durchgeführt. Aus aller Welt Der Mord auf Schloß Woltershausen. Gegen den Kraftwagenführer Liebig, der angeklagt ist, an der Ermordung bes Hauptmanns a. D. Werber auf Schloß Woltershausen in ber Nacht zum 1. Dezember 1932 als Täter ober Mittäter beteiligt gewesen zu (ein, würbe vom Obersten bayerischen Landesgericht in München nunmehr bas Hauptverfahren beschlossen. Die Verhand- lung, bereu Dauer auf mehrere Wochen veranschlagt wird, soll im Landgericht in Schweinfurt durchge- führt werden. Wie erinnerlich sein wirb, war Hauptmann a. D. Werber, ber Besitzer bes Schlosses Woltershausen, eines Morgens erschossen aufgefun« ben worden. Die Gattin des Ermordeten, die anfangs der Tat verdächtigt worden war, hatte seinerzeit wegen Mangels jeglicher Beweise aus ber Untersuchungshaft roieber entlassen werben müssen. Karl Schwabe Dritter im Oasenflugweltbewerb. Nach bem (Enbergebnis bes Kairoer Dafenflug» Wettbewerbs hat ber beutsche Flieger Schwabe ben br itten Preis errungen. Die Leistung ist um so beachtlicher, als Schwabe gegenüber der umfangreichen Konkurrenz eine verhältnismäßig schwache Maschine flog. Erster wurde E v e r a r d , zweiter S h a l l e. Schlittenfuhrwerk vom Personenzug überfahren. An der nicht geschlossenen- schienengleichen Ueberfahrt der Distriktsstraße Haunshofen— Diemendorf (Oberbayern) wurde ein mit dem Gutsverwalter (Eugen Baumgartner und vier Kindern besetztes Schlittenfuhrwerk von dem nach Weilheim fahrenden Personenzug überfahren. Dabei wurde der Verwalter Baumgartner und der 8 Jahre alte Sohn des Gastwirts Kergl von Diemendorf getötet und dessen 9 Jahre alter Sohn Johann Kergl schwer verletzt. Beide Pferde wurden getötet und der Schlitten zertrümmert. Zwei Kinder blieben unverletzt. Die Sicht war wegen starken Nebels sehr behindert. Fünf Bergleute auf einer oberschlefischen Grube verschüttet. Unterlage. Das Erlebnis habe ihn aber auch nach der Rückkehr in die Heimat noch längere Zeit beschäftigt, und er habe davon in Kameradenkreifen erzählt. Ein Bootsmannsmaat, der neben ihm stand, sei Zeuge des Auftauchens des Tieres gewesen, dessen Länge Läoisch auf etwa 30 Meter schätzte. Gefährliches Abenteuer der Südpolexpedition von Byrd. In Neuyork eingelaufenen Meldungen zufolge ist die Südpolexpedition des amerikanischen Forschers Admiral Byrd mit knapper Not einer großen Gefahr entgangen. In dem Steuerbordöltank des Expeditionsschiffes war Salzwasser ein- gedrungen, das in die Brenner weiterfloß und die Maschinenfeuer auslöschte. Das Schiff trieb infolgedessen beinahe hilflos in der schweren See, umgeben von riesigen Eisbergen, die teil- weise nur zweihundert bis dreihundert Meter weiter entfernt waren. Die Gefahr konnte aber beseitigt werden. Der Kapitän erklärte nachher, daß die Expedition sich in schwerer Gefahr befunden habe und nach wenigen Stunden zermalmt worben wäre. Aufsehenerregende Wendung in ber finnischen Spionage-Angelegenheit. Die bekannte finnische Spionageaffäre hat jetzt einen aufsehenerregenden Charakter bekommen. Pressemeldungen zufolge hat die politische Polizei festgestellt, daß der Leiter der Patronenfabrik in ßappo, Oberst Asplund, seinerzeit von seiner Hausangestellten, der Spionin Jenny A n 11 i I a , ermordet worden ist. Zu gleicher Zeit wurde auf drei andere Persönlichkeiten der Patronenfabrik ein Mordversuch verübt. Der finnische Generalstab hat zwei Offiziere nach Wasa geschickt, um die Unter- (uchung zu überwachen. Der Bürgermeister bestätigt, daß der Mord tatsächlich verübt worden ist und daß die Spione auch an anderen Stellen in Finnland versucht haben, führende Persönlichkeiten des Heeres zu ermorden. Man nimmt an, daß weitere Verhaftungen erfolgen werden. Geheimer Kommerzienrat Freiherr v. Guillaume f. Mittwoch abend starb in Köln im Alter von 72 Jahren Geheimer Kommerzienrat Theodor Freiherr von Guillaume, der Leiter der Felten und Guillaume Carlswerk AG. Köln-Mül- h e i m. Mit Guillaume verliert die rheinische Wirtschaft einen Führer, der nicht nur ein halbes Jahrhundert die Geschicke ber heimischen Wirtschaft bestimmte, fonbern auch ben Ruf beutscher Qualitätsarbeit im Auslanbe mitbegrünbete unb förberte. Juwelierladen ausgeraubt. — Mit 80 000 Franken Beute entkommen. In Saarbrücken wurde ein Juweliergeschäft in der Duoweiler Straße von Berufseindre- chern heimgesucht. Es fielen ihnen Goldwaren im Werte von rund 80 000 unb etwa 1000 Franken Bargelb in bte Hänbe. Die Täter, bie burch bas Oberlichtfenster über ber ßabentür in ben Geschäftsraum eingebrungen waren, finb entkommen. Papageienkrankheit in Graz. Die Familie bes Oberlanbesgerichtsrates Matz - n e r in Graz, ber Ehemann, bie Gattin unb zwei Kinber, erkrankten vor einigen Tagen an ber P a - pageienkrankheit, bie von ihren fünf Pa- pageien auf sie übertragen worben war. Der Ober- landesgerichtsrat ist ber Krankheit bereits erlegen. . Taifun über Madras. — 250 Todesopfer. lieber Madras ist, wie aus Bombay gemeldet wirb, ein Taifun niebergegangen, bei bem 250 Personen ums Leben kamen. 10000 Stück Vieh finb oerenbet. Der Sachschaben ist bebeutenb. Explosion in Neapel. — Zwei Tote, fünf Schwerverletzte. Durch erplobierenbe Sprengkörper würben im Keller eines Hauses in Neapel zwei Personen getötet unb fünf schwer verletzt. Die Opfer bes Unglücks konnten erst nach mehrstünbiger Arbeit geborgen werben, da das über bem Keller gelegene Zimmer eingcstürzt war. Die Nachforschungen haben ergeben, daß in bem Hause unerlaubter- weise Sprengkörper zur Raubfischerei hergestellt worben waren. Französischer Schienenaukobus mit 180 Kilometer Stunden geschnnndlgkeit. Ein Schienen-Autobus, ber bie G e - schwinbigkeit von 180 Kilometer erreichen kann, wirb ab 1. Januar auf ber Strecke Paris—Le Havre eingestellt werben. Der Schienenautobus kann 80 Fahrgäste fassen unb bie Strecke in 2 Stunben 15 Minuten zurücklegen. Bauernrevolle am Dnjeslr. Das Pariser „Journal bes Debüts" läßt sich aus Riga melben, baß nach bort eingetroffenen Nachrichten aus ber Dnjester-Gegenb in verschiebenen Dörfern eine Bauernrevolte ausgebrochen sei. Die Bauern protestierten gegen bie Beschlag- nähme ihrer Getreibeernten unb hätten sogar einige Kraftwagen, bie mit (Betreibe beloben waren, angegriffen. Sonberabteilungen ber GPU. seien eingesetzt worben. Die örtlichen Behörben hätten Anweisungen ausgegeben, nach benen im Falle ber Nichteinhaltung ber gegebenen Befehle die Bauern erschossen werden sollen. Spanischer Dampfer gestrandet. — Sieben Todesopfer. Der spanische Dampfer ,Hulia Nieto" wurde auf seiner Fahrt nach Casablanca (Marokko) vor dem Hafen von Laroche im Sturm auf eine Mole geworfen und vollständig z e r st ö r t. Sieben Mann der Besatzung kamen bei dem Unglück umsLeden. Sieben Todesurteile gegen kommunistische Mörder beantragt In ber Verhandlung des Hanseatischen Sonder- gerichts in Hamburg wegen der E r m o r b u n g bes Polizeihauptwachtmeisters Knies im Dezember 1930 wurde bie Beweisaufnahme geschlossen. Der Staatsanwalt beantragte gegen sieben Angeklagte wegen gemeinschaftlichen Morbes bie Todes- strafe, gegen einen achten wegen schweren Auf- ruhrs zweieinhalb Jahre Gefängnis. Der Polizei- hauptwachtmeister Knies war anläßlich einer Demonstration des Roten Frontkämpferbundes, die er mit einem Kommando zerstreuen sollte, am 3. Dezember 1930 am Groß-Neumarkt überfallen unb durch einen tiefen Stich in ben Hals getötet worden. Berliner Frühbörse. Berlin, 29. Dez. (WTB. Funkspruch.) Nachdem schon gestern abend in Frankfurt die Tendenz roieber etwas freundlicher geworden war, rechnete man auch im heutigen Frühverkehr unter dem Eindruck bes festeren Neuyork mit einem ruhigen, aber freunblichen Börsenverlauf, ba ber Ultimo nicht mehr mit Verkäufen stören könne. Auch außenpolitisch sehe bie Situation roieber besser aus. Man nannte aber vorläufig nur wenig oeränberte Kurse, IG. mit 122 bis 122,25. Am Devisenmarkt errechnen sich über Zürich Pfunbe-Paris 83,50, Mailand 62,45, Spanien 39,90, Amsterbam 8,1425, Schweiz 16,92 unb Kobel 5,0813. Wettervoraussage. Das westliche Druckfallgebiet ist sehr schnell südlich abgeroanbert und hat seinen Kern nach den Mittel- meerlänbern hin verlagert. Seine Vorderseite schickt feucht-milde Lust über ben Balkon von Südosten her vor, so baß es in Ostbeutschlanb milder geworben und zu Regenfällen gekommen ist. Hierdurch wird die aus dem sehr kräftigen nordöstlichen Hoch ausfließende Kaftlust vorerst abgeschnitten, so daß im wesentlichen mit Fortdauer des bestehenden Witterungscharakters zu rechnen ist. Aussichten für Samstag: Dunstig und bewölkt mit kurzer Aufheiterung, leichter Frost, vereinzelte Schneefälle, um Ost drehende Winde. A u s s i ch t en für Sonntag: Im wesentlichen Fortdauer der Wetterlage. Lufttemperaturen. Am 28. Dezember: mittags 0,7 Grad Celsius, abends —0,3 Grad; am 29. Dezember: morgens —1,6 Grad; Maximum 0,9 Grad; Minimum — 2,4 Grad; Niederschlag 1,1 Millimeter; Schneehöhe 2 Zentimeter. Amtliche Dinkersporknachrichten. Sauerland, Winterberg: Heiter, minus 2 Grad, 26 Zentimeter Schnee, 1 bis 2 Zentimeter Neuschnee, mit Rauhreif bedeckt, Sportmöglichkeit gut. Schwarzwald, iriberg: Bewölkt, minus 3 Grad, 26 Zentimeter Schnee, 1 bis 2 Zentimeter Neuschnee, verharscht, Ski mäßig, Rodel gut. Auf der Kohlengrube in Eichenau (OS.), wo erst vor kurzer Zeit infolge Zusammenbruchs des Schachtes 11 Bergleute verschüttet waren, die jedoch nach mehrstündiger Arbeit lebend geborgen werden konnten, ereignete sich in einer der vergangenen Nächte wiederum ein schweres Grubenunglück. In 15 Meter Tiefe waren fünf Arbeiter bei Der Maurung des zusammengeftürzten Schachtes beschäftigt, als sich plötzlich Erdmassen lösten und die fünf Arbeiter unter s i ch begruben. Nur einem von ihnen gelang es, sich im letzten Augenblick zu retten. Von den übrigen vier Arbeitern konnten zwei mit geringeren, ein weiterer mit schweren Verletzungen geborgen werden. Von dem fünften war kein" Spur zu finden. Es wird angenommen, daß der Maurer sich rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Deutscher Marineoffizier beobachtet eine Seeschlange. Korvettenkapitän Werner L ö o i s ch, der zur Zeit Navigationsoffizier an Bord des Linienschiffes „Schleswig-Holstein" ist, berichtet im Zusammenhang mit dem angeblichen Austauchen eines See« Ungeheuers im Loch Neß-See in Schottland in der „DAZ." über ein Erlebnis, das er während des Krieges als erster Wachoffizier von „U 108" in der nördlichen Nordsee gehabt hat. Korvettenkapitän Lovisch schreibt u. a. in feinem privaten Kriegstagebuch stehende folgende Notiz: Einwandfrei 10 p m. eine Seeschlange gesehen. Ich lasse mirs nicht abftreiten. Das Tier hatte länglichen Kopf, Zacken wie ein Krokodil und Beine mit richtigen Füßen. Kam Backbord achteraus in Sicht. Kapitän Lövifch erklärt weiter, er habe diese Notiz nur so für sich bestimmt hingeschrieben. Sie bildete für eine wissenschaftliche Forschung keine Politik und Wirtschaft Kr. 12 955- llm die Erhaltung des deutschen Volkstums 21/1 M.a Ackerbau 30jä}ing Krieg kolonial. Jndustriaikierünq handel jünufakh» __ Einwohner Deutschlands in Millionen^ 56 67 WÄ IBachstum bes beutlet] euBolFes in einem halben Jab Seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts bis zum Weltkrieg hat sich die Be- oölkerungszahl Deutschlands nahezu oerfieben- facht. Das deutsche Volk war ein wachsendes Volk, das in den letzten Generationen vor dem Kriege Jahr für Jahr einen Geburtenüberschuß von fast einer Million aufzuweisen hatte. Durch den Weltkrieg und den zersetzenden Einfluß der marxistischen Theorien wurde diesem gesunden Wachstum des deutschen Volkes in einer --------------------------------- erschreckend kurzen Zeitspanne Einhalt geboten. Heute hat das deutsche Volk nur noch einen Geburtenüberschuß, der nicht mehr dazu ausreicht, den Bestand des deutschen Vol« kes zu erhalten. Deshalb ist es eine der wichtigsten Aufklärungsarbeiten des Nationalsozialismus, dem deutschen Volke klar zu machen, daß Deutschland nur leben kann. MvY wieder ein gesunder Nachwuchs den Bestand des -deutschen Volkes sicherstellt. 1650 1800 1850 1900 1913 1933 yvannes Geheimnis Roman von Klothilde von (Stegmann LlrheberrechlSschuh: Fünf-Türme-Verlag Halle (Saale) 20 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Nach der Unterhaltung mit Doktor Miller fühlte sich Seeburg wie von einer schweren Last befreit. Zum erstenmal, daß er wieder eine Nacht durchschlief. Daraus war er zeitig munter geworden. Als er den strahlenden Sommermorgen sah, wurde er richtig vergnügt. Leise pfiff er beim Anziehen sein Lieblingslied vor sich hin. Was war er doch für ein Narr gewesen, sich von dieser dummen Geschichte |0 mitnehmen zu lassen! Schnell machte er sich fertig und ging, ohne gefrühstückt zu haben, schon sehr zeitig die Kleist- und Tauentzienftraße entlang. Wie anders war der Eindruck dieser Straßen am Hellen Morgen, wie am Nachmittag oder Abend, an denen er sie sonst nur gelegentlich sah. Die Leute von der Straßenreinigung waren eifrig dabei, die letzten Spuren des vergangenen Tages zu beseitigen; eine Gruppe junger Leute zog im Gleich, schritt mit Rucksack und Laute hinaus ins Freie. Die letzten Nachtschwärmer begegneten ihnen, deren blasie Gesichtsfarbe seltsam abstach von den frischen Gesichtern der Wanderlustigen. Aber auch manch einer, der nach einer durcharbeiteten Nacht müde seinem Heim zustrebte, blinzelte mit übermüdeten Augen den frohen, jungen Menschen noch. Angestellte und Arbeiter warteten auf die nächste Fahrgelegenheit, um zu ihrer Arbeitsstätte zu gelangen. Milchwagen, Lieferwagen und Straßenbahnen, sowie Autobusse und ländliche Fuhr- werke, Mörtelwatzen, Fahrräder belebten die Fahrbahn. Die zahlreichen Privatautos, die zu anderen Zeiten eine ununterbrochene Kette bildeten, zeigten sich nur vereinzelt. Ab und zu kam auch eine Autotaxe. Am Wittenbergplatz waren die Standinhaber damit beschäftigt, ihre Derkaufsstände aufzurichten. In Körben und Kisten wurden Gemüse, Fleisch, Obst und eine unübersehbare Fülle von Blumen abgeladen. Ein betäubender Duft kam von den Blumen- ständen, in den sich aufdringliche Fischgerüche seltsam mischten. Unheimlich wirkten die schwarzen Höhlen der großen Schaufenster. Ohne die blendende künstliche Beleuchtung lagen sie fahl und leblos da. Unter raffinierten Lichteffekten hatten Edelstein-Imitationen auf drehbaren Gestellen in allen Farben des Regenbogens geflimmert und geglitzert. Jetzt log dec Tand tot ohne einen Funken in all seiner Armselig, feit da. Einzelne Schaufenster waren ganz geräumt oder als Warnung für Einbrecher mit der Aufschrift versehen: „Nur Attrappen!" Ein Laden mit Füll- sederhaltern die vielleicht schon unerwünschten Diebesbesuch erhalten hatten, benachrichtigte die Herren Einbrecher in schönstem Kaufmannsdeutsch ergebenst, daß die Halter keine Goldfedern enthielten. Andere Geschäfte hotten sich durch Drahtwande oder Scherengitter gesichert. Zu unem großen Teil waren die Läden durch schwere Jalousien ganz gegen Die Straße abgeschlossen. Der Fußgängerverkehr hatte von Minute zu Minute zugenommen. Se.^urg überlegte einen Augenblick, ob er im Zoologischen Garten frühstück^ tollte. Er bog aber schnell in den Tiergarten ein. Der Zoo war ja um diese Zeit ein Ort für Brunnentrinkende, an dem alle tatsächlich oder eingebildeten Leiden der Welt geheilt werden sollten. Er schlug einen Nebenweg im Tiergarten ein. Hier war das Leben um diese Stunde ftiüer Beschaulichkeit gewidmet. Aeltere Herren, denen man den früheren Soldaten ansah, kamen festen Schrittes vorbei, pensionierte Beamte machten ihren Morgenspaziergang, eine Gruppe Schülerinnen kam untergefaßt, laut kichernd, vom Nebenweg her. Ein paar Jungen übten mit einem Stein noch rasch etwas Fußball; an einer Kreuzung wartete „er", mit der Schulmappe unterm Arm, darauf, mit „ihr", die einen kleinen Umweg machte, schnell noch ein paar ehrerbietig verliebte Worte zu wechseln. Ein Schupo blickte scharf ins dichte Unterholz, aber die Stammgäste von Mutter Grün hatten sich schon gedrückt. Die Kinderspielplätze lagen noch still da, die lärmende kleine Gesellschaft pflegte sich erst später einzustellen. Das Morgenkonzert der Bögel wurde ab und zu unterbrochen durch das gedämpft herüberklingende Rollen der Eisenbahn, durch jetzt schon häufiger werdende Autohupen und durch das Läuten der Straßenbahn. Vereinzelt kreuzten Reitergruppen den Weg. Seeburg war an der Siegesallee angelangt. Der Spaziergang hatte ihn frisch gemacht. Aber auch der Magen erinnerte jetzt daran, daß er Anspruch auf das ihm zustehende Frühstück habe. So betrat er eins der Cafss, die sich am Rande des Tiergartens angesiedelt hatten. Mit dem bestellten Frühstück brachte der Kellner eine Morgenzeitung. Er kannte die Gewohnheit der meisten Gäste, zwei Dinge auf einmal zu erledigen. Frühstücken und Zeitunglesen gehörten hier zusammen. Lächelnd winkte Seeburtz ab. Er hatte keine Neigung, die neuesten politischen Nachrichten mit dem ersten Schluck Kaffee zu genießen, zugleich mit dem Brötchen Einzelheiten über den letzten Mord zu sich zu nehmen und als Abschluß zu erfahren, ob die Börse in Neuyork lustlos oder fest geschlossen habe. Er saß noch eine Biertelstunde, bis der immer stärker werdende Autoverkehr mit seinem Lärm und Staub den Aufenthalt auf der Terrasse unerträglich machte. Dann zahlte er und ging langsam zum Amt. Er hatte noch Zeit und genoß die Muße. Warum machte man eigentlich einen solchen Mor- genspaziergang nicht öfter? Man fühlte sich frisch und lebenslustig danach. Durch das Brandenburger Tor ging er das kleine Stück die Linden entlang bis zur Wilhelmstraße. Berlin war jetzt völlig erwacht. Die Zeitungsverkäufer riefen ihre Blätter aus, die Autos rasten, die Menschen drängten und eiüen. Freundlich nickte Seeburg dem Portier zu, der grüßend die Hand an die Mütze gelegt hatte. Wie man sich doch manchmal etwas einbildete! Da hatte er die Empfindung gehabt, als sek der Grutz eine Spur weniger respektvoll gewesen als sonst. Lor seinem Arbeitszimmer begegnete Seeburg dem alten Faktotum Krause; der schien sehr ver- ärgert zu fein. Er wünschte zwar rote immer guten Morgen und öffnete die Tür zu Seeburgs Zimmer, aber irgend etwas schien ihm über die fieber gelaufen zu fein. — Seeburg blickte nach der Mappe mit den Ein- gangen. Sie lag noch nicht auf ihrem Platz. Richtig! Er war ja heute fast zu pünkttich ins Amt ge- kommen. Da wollte er inzwischen mal seinen Ter- rninkalender durchblättern, was für die nächsten Tage vorgemerkt war. Es klopfte. Auf Seeburgs „Herein! trat der alte Krause ein, zu dessen Pflichten bas lieber- bringen der in die einzelnen Mappen verteilten Post gehörte. Stumm legte der alte Mann die Mappen vor Seeburg hin. Dem fiel wieder das verärgerte Gesicht auf. Was machen Sie denn bei dem schönen Wetter heute für eine böses Gesicht, Krause? Heute ist doch ein Tag, daß man sich richtig freuen konnte." ,Ha, Herr fiegationsrat, wenn die Menschen nur nicht so ein hundsgemeines Pack wären!" „Aber, aber, Krause? Ist Ihnen jemand an den Wagen gefahren? Was haben Sie denn heute? Haben Sie sich geärgert?" „3a, Herr Baron, unverhofft kommt oft!", war Krauses rätselhafte Antwort. Damit ergriff er seine Mappen und schloß die Tür hinter sich. Seeburg schüttelte den Kopf. Dann schlug er die oberste Mappe auf. Aergerlich wallte er sie beiseite legen. Da hatten sie doch wieder die Mappe mit den Zeitungsausschnitten zu oberft gepackt, statt zu unterst! Er hatte doch schon so oft angeordnet, die wichtigen Sachen obenauf zu legen. Seeburgs Blick blieb auf dem Zeitungsblatt haften. Was war denn das für ein Blättchen? „Die große Glocke", „Wochenschrift für die Angelegenheiten des deutschen Volkes", stand am Kopfe? Neu? Gesehen hatte er es noch nie. Was stand da als Leitartikel? Jetzt erst sah Seeburg schärfer hin. Da war ja ein Artikel rot angestrichen, mit der Ueberschrift: Seltsame Filmvorführung im Hotel Esplanade! Vorführung des berüchtigten „Ostfront"-Films vor dem Dezernenten des A. A. Filmbirektor unb fiegationsrat. Eine schöne Frau unb ein Souper. Eine heiße Röte roar auf Seeburgs Stirn getreten. Was bedeutete bas? Er zwang sich zur Ruhe. Erst mal sehen, was nach biefer verheißungsvollen Ueberschrift kam! Sollte ba ein kleines Stan« bälchen heraufbeschworen werben? Er zwang sich zur Ruhe. Man mußte weiter lesen: Wenn wir auch nicht mit allen Maßnahmen ber Filmprüfungsstelle einverstanben waren — bas Verbot bes französischen Machwerks „Ostfront" haben wir als eine befreienbe Tat begrüßt. Es wäre ja auch noch schöner gewesen, wenn bie Behörden diese Verhöhnung des deutschen Volkes gewissermaßen noch amtlich sanktioniert hätten! Mit unglaublicher Unverfrorenheit haben bie Hauptbarsteller bes Films gegen bas Verbot bei ber Oberprüfstelle Berufung eingelegt. Termin soll nächste Woche ftflitflnben. Es ist ja ein öffentliches Geheimnis, daß, fvvkel wir rokfien., neben anderen Stellen auch der Vertreter befj Auswärtigen Amts feine selbstverständliche Pflicht erfüllt hat, gegen bie Aufführung des Schand-1 films zu stimmen. Von sehr geschätzter, außer- ordentlich gut informierter Seite, bie wir aus durchsichtigen Orünben nicht nennen werben (wir bitten also, alle Bemühungen nach biefer Richtung zu unterlaßen!), erfahren wir nun so merkwürdige Dinge, daß wir uns verpflichtet fühlen, schon jetzt in aller Oesfentlichkeit auf sie hinzuweifen! Dor wenigen Tagen hat im Hotel Esplanade, im Saal sieben, der für diesen Zweck extra in ein Kino umgewandelt roar, eine Priootvorführung bes Films „Ostfront" ftattgefunben. Außer beni notroenbigen Vorführungspersonal waren jeboch nur brei Personen anwesend: ber Direktor ber Filmgesellschaft, bie ben Schandfilm herausgebracht hat, eine burch ihre Schönheit in ber ganzen Wett bekannte Filmschauspielerin, bie eine Hauptrolle bei biesem Film gespielt hat unb auch finanziell an bem Film interessiert sein soll, und — so unglaublich es klingt — ein fiegationsrat bes 21.21.! Unb noch bazu berjenige Herr, ber bas! Amt bei ber Sitzung bes Filmoberprüfungsamts vertreten soll! Das Tollste aber kommt noch:! Don ber Filmvorführung begaben sich bie d e l bezeichneten Personen in ein altes unb burdJ feine vorzügliche Küche berühmtes kleines Wemck lokal in ber Französischen Straße, wo ein fleineJ Souper vorbereitet roar. Daß hier mit den teuer, ften Delikatessen unb ältesten Weinen bei biefei Gelegenheit nicht gespart würbe, kann man sick wohl benten. Wir fragen bas Auswärtige Amt, was es zu biefer netten kleinen Erzählung zu sagen hat. Deutsche Beamte haben es früher ängstlich ocr mieben, sich auch nur bem Schein einer Beeinflussung auszusetzen? Wir nehmen natürlich nith: an, baß ber Herr fiegationsrat sein Urteil burch ben geschilderten Abend in pflichtwidriger Weist beeinflußen läßt. 2lber wir halten es für höchst bedenklich, baß er einer berartigen Einladung überhaupt Folge geleistet hat. Für seine bienst । liehe Stellungnahme hätte die amtliche Borfüfd rung vor ber Oberprüfungsstelle doch völlig gcl nügt. Welcher Grund lag also für diese merk» würdige Privatvorführung vor? — Daß dick französische Filmgesellschaft versucht, in Deutsch« land mit ihrem Erzeugnis Geschäfte zu macheM ist ihr gutes Recht. Aber ein Beamter, der nir* bas Fingerspitzengefühl hat, einer beraitigen El labung auszuweichcn, scheint uns wenig geeigra 1 als Vertreter einer so wichtigen Behörde, n, ' es das 21. A. ist, in einer so heiklen Angelege» s, heit aufzutreten. Mag er sonst noch so untabeli s sein, wie er will: bas Recht, in einer so wichtige Frage bie oaterlänbischen Belange wahrzunehmen, bat er verscherzt. Es wird ohne Zweifel, im 21. A. genug anbere Herren geben, bei bcnenlj eine Voreingenommenheit zugunsten ausländische» Probuzenten nicht zu befürchten ist. Es wirb unsere Leser sicher interessieren, rocütiT» Antwort bas Auswärtige Amt auf unseren 2IrM Ein luftiges \ M chensrnel miß.. g; sang und TM'lM Silvester j ünCafeAmenj,1 Ab 10 Uhr abends: TANZ; Dunkler Anzug erbeten? Eintritt nur < gegen Verzehr karte v.RM.1.50, die für Speisen und Getränke venei hnefwird Meine 5-Uhr-Tanz-Tees/ finden Jeden Mittwoch und Freiftag statt Die Papierwaren - Geschäfte sind am Sonntag 31. Dczemb« geschlossen! 7843 D Besuchen Sie den herrlich gelegenen Sdiiffenbeig im Sdinee Besonders reizvoll ist eine Wanderung in der Silvesternacht bei Vollmondbeleuditung um aut dieser historischen >tätte Neujahr zu leiern, sich von hier aus an dem prächtigen Winterlandsdiaftsbild zu ertreuen und sich das Glockenspiel der Stadt und der umliegenden Ortschaften anzuhören 7g-7q Für Silvester empfehle nachfolgend eine kleine Auswahl Weine, Spirituosen, Schaumweine Sorgenbrecher — die Ihnen bis zum letzten Tropfen Freude und Genub bereiten: ‘'Hillii||||||||||||||||||||iiiii|iiiiiiiniii||||||||||||i||||||||i)ii! Zur Ölmühle S;1' Samstag, den 30. Dezember 1933 ' • Metzelsuppe G Wünsche meinen Gästen u. Gönnerji ein glückliches neues Jahr! , o7xn Heinrich Grtinewalel. A M *** .... - Llnfere Weihnachts-Preisaufgabe Liebe Kinder! Unser Weihnachts-Preisrätsel wird Euch diesmal etwas mehr Kopfzerbrechen gemacht haben, als wir es beabsichtigt hatten. Dies kam daher, dah unsere Nätselseite bei dem schnellen Druck aus der Notationsmaschine in der Wiedergabe der Bilder nicht so klar ausgefallen ist, wie wir es gerne gewünscht hätten. Dadurch wurde natürlich auch die Lösung erschwert. Wenn uns auch die zahlreichen Zusendungen gezeigt haben, dah viele von Euch sich trotz dieser Schwierigkeiten an die Lösung gewagt haben und dabei gute Ergebnisse erzielten, so lege ich doch der heutigen Zeitung das diesmal in einem anderen Druckverfahren hergestellte Weihnachtsrätsel noch einmal bei, um besonders den Kleineren unter Euch die Ausgabe zu erleichtern. Damit allen, die sich an unserem Weihnachts-Preisrätsel beteiligen wollen, auch jetzt noch genügend Zeit sür eine richtige Lösung bleibt, ist der Schluhtermin für die Einsendungen auf Donnerstag, 4. Januar, festgesetzt worden. Wer glaubt, dah seine bereits abgesandte Lösung nicht richtig sei, kann uns noch einmal sein Ergebnis einsenden. Ich lasse nun noch einmal die Bedingungen folgen, die Ihr bei der Einsendung der Lösungen beachten müht: Es braucht nur die Bezeichnung des Handwerks und die Nummer angegeben zu werden, mit denen die einzelnen Bilder versehen sind. Wem es Späh macht, der kann seine Lösung in Verse bringen oder dem Nätselonkel eine kleine Geschichte darüber erzählen. Wenn Ihr Bilder schicken wollt, könnt Ihr auch den Farbstift zu Hilfe nehmen und damit die Einsendung interessanter gestalten. Beteiligen kann sich jeder Bub und jedes Mädel. Die Lösungen müssen mit dem Vermerk „Weihnachts-Preisaufgabe" versehen und an die Redaktion des Giehener Anzeigers, Giehen, Schulstrahe 7, gerichtet sein. Ihr dürst nicht vergessen, Euren Vor- und Zunamen, den Wohnort, die Strahe und die Hausnummer, sowie das Alter genau anzugeben. Die Lösung der Preisausgabe wird, zusammen mit den Namen der Preisträger und den Bestimmungen über die Abholung bzw.die Zusendung der Preise, am Dienstag, 9. Januar, verössentlicht. Euer Nätselonkel Giehen, den 29. Dezember 1933 I 18 - - 2 — ' Jt Au unter onfta w bei^ Mr midlr Ausl- völlig Luslo eingef Die ®ir h'll a * iit '3‘ fier bi jein. > Jei ni= jl söhigl liche nur franji bin Ü um ei wieher Usch" für ein hind und bi reich c Seschi äfinlid fen hc jlem I die hü Ereign für ei könnte, unaufh Stück ( heraus 3n Deutflk öffenlli aber k man a ein fest einanbi beliebt naW nehme innere Mensch Wtw Mb voluti für f arbe 2fusna, der doi So i Weser wicflun es eine ausschli Frankr |d)cn J Ichen ! Oe Vor etniqfe großen Ponien Stocf©, Phantos mi jgsten ■netorfie Mau N lchutz natpar gesamt Zeit ru Mn m öreimÄ len. gebirqe, Mei Sprufiei Nel A >kö ?lr leii Mfige Ä Ju biOt Sen A 9eben, 7"S!l furift ??6' Jl'l ®i.