Dienstag, 29. August 1933 185. Zahrgang Nr. 201 Erstes Blatt Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrist 20",, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für denAn» zeigenteil i. D.Th.Kümmel fämtlich in Gießen. Erlcheln» täglich, auha Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monats-BeingspreH: Mit 4 Beilagen 91 UL 1.95 Ohne jauftrierte . 1.80 Zustellgebühr . , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanfchlüffe anter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siehe». Postscheckkonto: granffnrl am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnlS und Verlag: vrühl'sche Universttäl5-Vuch- und Steindruckerei K Lange tn Sieben. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchnlftraße 7. Heute beginnt der Lahusen-Prozeß. Der Zusammenbruch bes Norbwolle-Konzerns vor Gericht.—Der Anstoß zurHuli-Krisis *1931 in der deutschen Kreditwirtschast. Bremen. 29. 2lug. (WTD. Funkspruch.) Schon lange vor Beginn des Lahusenprozesses Harri am Portal des Bremer Gerichtsgebäudes, in dessen Schwurgerichtssaal heute der Lahusen- Prozeß beginnt, eine große Menschenmenge auf Einlaß. Bur die Prozeßbeteiligten rind die Presse können mit Ausweis das Hauptportal passieren. Es wird bekannt, daß die Der- nehmung der Angeklagten allein voraussichtlich 15 Tage in Anspruch nehmen wird. Die Verteidigung beantragte, die Schutz- h a f t d^r Angeklagten in Untersuchungshaft umzuwandeln. Sie lehnte sodann die Treuverkehrssachverständigen ab, da sie in den Gutachten nur Material gegen die Brüder Lahusen zusammengetragen hätten. Aus dem Munde des Verteidigers Dr. 2 Denin g, Bremen, hörte man, daß die Anklageschrift über 5 0 0 Seiten, die Akten- bände des Gerichtes über 10 000 Seiten umfassen. Dem „Treuverkehr" sei es nach einer eidesstattlichen Versicherung nur darauf an- gckommen, ihre Arbeiten in di- Länge zu ziehen, bis sie schließlich im ganzen über 500 000 Mk. verdient habe. Außerdem sei sie eine stark an eine Großgläubigcrin (Deutsche Bank) gebundene Gesellschaft. Der ältere der beiden Brüder und ehe- malige Generaldirektor G. Karl Lahusen erklärt, er kenne die Herren der Treuverkehr nicht. Er ferme aber die engen Verbindungen zwischen der Deutschen Dank und der Treuhandgesellschaft und sei der Aeverzeugung, daß ein objektives Gutachten selbst bei gutem Willen von den Herren der Treuverkehr völlig unmöglich sei. Dolle 24 Monate liegen zwischen dem Zusammenbruch -des A o r d w o lle - Konzerns und der nunmehr vor der Strafkammer des Landgerichts Bremen beginnenden Hauptverhandlungen gegen die früheren Leiter dieses Aiesen-Tlnternehmens, eine Zeitspanne, in der die Diskussionen über die Ursachen und Auswirkungen dieses Konzernkrachs in den verschiedenartigsten Formen durch die deutsche und ausländische Oeffentlichkeit gingen. Die Konkurseröffnung über die seit fast 50 Jahren bestehende, mit einer Gcsamtspindelzahl von rund 400 000 und einer Beschäftigtenzifser von rund 30 000 arbeitende, größtenteils im Familienbesitz befindliche Gesellschaft, deren Kreditbedarf für den über zehn Monate gehenden Derarbeitungsprozeh von der Schafwolle zum fertigen Tuch sich bis zu 300 Millionen Mark stellte, wurde als der Anstoß für die offene Auslösung der deutschen Kreditkrise im Sommer 1931 bezeichnet. Am Tage der Zahlungseinstellung umfaßte die BWK. elseigeneProduktrons- stellen, fünf Bebenbetriebe, sieben eng verbundene Gesellschaften. 22 eigene Derkaufs- kontore, zwei eigene Repräsentanten in Tleber- fee und eigene Einkaufsorganisation. 3m 3ahre 1925 betrug der Umsatz 155,91 Millionen Mark und erreichte im Jahre 1928 mit 238 Millionen Mark seinen Höhepunkt. 3m Katastrophenjahr sank die Umsatzziffer auf 145 Millionen Mark. Anfang 3uli des 3ahres 1931 tauchten dann die ersten Gerüchte über einen bevorstehenden Zusammenbruch der Bordwolle auf. Der Weg zur Katastrophe begann mit der Feststellung des Betriebsverlustes von etwa 24 Millionen Mark im 3ahre 1930 durch den damaligen Aufsichtsrat. Die Bicderlegung der Dorstandsämter durch die Brüder Lahusen war eine weitere Etappe auf dem Wege zur Zahlungseinstellung, der die Drohung der englischen Dankgläubiger und das Hin und Her der Stützungsbemühungen im Reichsfinanzministerium und mit der Reichsbank folgten. Bachdem das Reichsfinanzministerium dann erklärt hatte, keine Reichsmittel zur Verfügung stellen zu wollen, kam es zu der Konkurseröffnung über eine Cesellschaft, die etwa die Hälfte des deutschen Gesamtbedarss an Wollproduktion in ihren zahlreichen Werken herstellte und auch etwa die Hälfte der entsprechenden deutschen Gesamtausfuhr bestritt. Die Hauptverhandlung wird auf Grund umfassender Zeugenaussagen und Sachverständigengutachten eine gewisse Klärung in die internen Zusammenhänge der Julitage 1931 bringen. A n ge k l a g t sind die früheren Kon- zcrnleitcr, die Brüder Carl und Heinz Lahusen, die am 17.Juli 1931 verhaftet wurden. Carl Lahusen hat inzwischen 15 Monate in Untersuchungshaft gesessen, während sein Bruder kurz vor Weihnachten 1931 wegen schwerer Nierenerkrankung gegen Sicherheit haftentlassen wurde. Den Brüdern werden in der Hauptsache drei Delikte zur Last gelegt: Kreüitbetrug, Bilanzverschleierung und handelsrechtliche Untreue. Der Kreditbetrug wird darin erbl'ckt, daß die unter den Kreditgebern der Nordwolle führende Danatbank vom Stand des Nord- wolle-Konzerns ein falsches Bild erhalten habe und zur Gewährung übermäßiger Kredite verleitet morden sei. Der Vorwurf der Bilanzverschleierung geht auf die Führung von Geheimkonten, die Vornahme falscher Buchungen, die Einstellung fingierter Forderungen u. (L zurück. Die überaus schwierige Prozeßmaterie, die in ihrem Umfang die bekannten Favag- und Schul- theis-Patzenhofer-Proz fe noch übertreffen dürfte, hat die Heranziehung eines großen Aufgebots von Duchsachverständigen notwendig gemacht. Die Klarstellung des ganzen Sachverhalts ruht in erster Linie bei den etwa 10 bis 12 Sachverständigen, die sich vor allen Dingen zu den vielumstrittenen Dewertungsgrundsätzen dcr früheren Bordwolle-Derwaltung zu äußern haben werden. Charakteristisch für die verschiedenartige Auffassung unter den Sachverständigen ist z. D. die Tatsache, daß für den 31. Dezember 1930 insgesamt sieben Bordwolle-Dilanzen existieren mit Verlusten in einem Spielraum von 24 bis über 200 Millionen Mark. Dem Prozeß sieht die Oeffentlichkeit mit um so größerem Interesse entgegen, als die Brüder Lahusen in einer während der Voruntersuchung herausgegebenen Verteidigungsschrift vor allen Dingen bestreiten. K a p i t a l v e r sch ie b u n ge n vorgenommen zu h oben, durch Die die Gläubiger der Bordwolle geschädigt worden seien. Umbuchungen sollen lediglich aus steuerlichen Gründen erfolgt sein. Inwieweit tatsächlich strafbare Hand- London, 28. Aug. (TU.) Der Marinemitarbeiter des „Daily Telegraph" berichtet, daß die Admiralität weitgehende Pläne zur inneren Neuordnung der englischen Marine vorbereitet habe, die gleichzeitig mit den Ncubauprogrammplänen durchgeführt würden. Die Marine habe die Pläne für die materielle und personelle Verstärkung der englischen Flotte in allen Einzelheiten fertig. Die Pläne sollen elngebracht werden. falls die anderen Mächte ihre jetzige sehr starke Schisfsbautäligkeit nicht vermindern sollten. Die Ncuordnungspläne bezögen sich auf die Ausbildung des Offiziernachwuchses und auf die Vermehrung des Personalbestandes, was von einer Verkürzung der Dienstzeit begleitet sein soll. An einem Geschwader im Mittelmeer werde man trotz aller Bedenken isesthalten, weil vom Mit- telmer aus schneller eine Verstärkung nach dem Stillen Ozean geworfen werden könne. Die Admiralität werde wieder zu dem V o r - kriegsgrundsatz zurückkehren, daß jedes englische Schiff der gleichen Klasse der ausländischen Schiffe ebenbürtig, und wenn möglich, überlegen sein müsse. Dieser Grundsatz werde auf alle Schichtklassen mit Ausnahme des U-Bootes Anwendung finden. Die Pläne für die 22 000-Ionnen- und 25 000- Tonnen-Linienschiffe feien fertig, nötigenfalls aber werde die englische Marine diese Pläne abändern, falls die andern Mächte am 35 000- Tonnen-Linienschiff festhielten. Der Bau von kleineren und schwächeren Kreuzern, wozu die englische Marine infolge der Beschränkung der Gesamtkreuzertonnage gezwungen worden sei, werde eingestellt werden, und die 10 000-Ton- nen-Kreuzer würden wesentlich stärkere Panzer und bessere Geschühausrüstung und Ausstellung von Panzertürmen erhalten. Die Pläne für neue Geschütze und Verbesserungen der Torpedos und sonstigen Munition würden jetzt fertiggestellt. Es seien einige, auch neue Schiffstypen entworfen worden für ein Geleitzugbegleitfahrzeug, von denen schon eines in Bau gegeben werden soll. Wien, 28. Aug. (TU.) Anläßlich einer Fahnenweihe kündigte heeresminister v a u g o i n ein neues Wehrsystem an. Roch in dieser Woche werde eine neue Wehrordnung veröffentlicht werden. Beben dem Bundesheer werde ein 5 t am m Soldaten m i t der kurzen Dien st zeit von einem halben Jahr geschaffen werden. Schon in nächster Zeit wurden die Einziehungen statlfinden. 3 n jedem Halbjahr wurden 8000 bis 10000 solcher kurz dienenden Sol- baten cinberufen werden. Beben dem Bundesheer werde bald ein zweiter Wehrkörper entstehen, geführt und ausgebildet von Offizieren und Unteroffizieren des Bundeshee- res. Es sei ihm, so betonte der Minister, gelungen, dieses Zugeständnis für Oesterreich durchzusehen. Damit sei der er sie Schritt zur allgemeinen Wehrpflicht getan. Der Minister kam dann auf bas Verhältnis zu Deutschland zu sprechen und sagte: „Mäh- hingen und die Botrvendigkeit der Konkurseröffnung im Sommer 1931 Vorlagen, zu einem Zeitpunkt, als die Bordwolle noch mit Aufträgen für sechs Monate in Doppelschicht versehen war, wird die auf drei Monate Dauer geschätzte Verhandlung klären müssen. Die Brüder Lahusen sollten verteidigt werden von Justizrat Lütgebrun e-Berlin, der indesien heute dem Gericht sein Fernbleiben mitgeteilt hat, ohne daß bekannt geworden wäre, ob dieses Fernbleiben einer Niederlegung der Verteidigung gleichzusetzen ist. Die Verteidigung wird also zunächst in der Hand von Nechtsanwalt Dr. Schmidt- Berlin, einem Mitarbeiter des Rechtsanwalts Alsberg, sowie von Rechtsanwalt Dr. L ö - n in g-Bremen, liegen. Die Möglichkeit einer Abtrennung des Verfahrens gegen Heinz Lahusen, die schon gelegentlich der Terminansetzungen im Frühjahr 1933 erörtert war, wird eventuell wieder akut werden, da Heinz Lahusen im Januar eine schwere Niercnopera- tion durchmachte und bis auf den heutigen Tag noch leidend ist. Pressemeldungen zufolge werden in der nächsten Zeit von der englischen Admiralität Bauaufträge für vier Kreuzer, eine Torpedobootsflottille (Führerschiff, 8 Torpedobootszcrstörer, 3 U-Boote), ein G e- leitsahrzeug für einen Geleitzug und eine Aizzahl von kleineren Schiffen, insgesamt 18 Fahrzeuge, vergeben werden. Oie „Stadt des Krieges" vor der deutschen Westgrenze. Frankreichs unterirdifchcsBefestigungsnetz. Paris, 29. Aug. (WTB.-Funkfpruch.) Anläßlich der Jnfpeftionsreife, die der französische Ministerprä- fibent Dalabicr in ben letzten lagen nach Ost- frankreich unternommen hat, veröffentlicht „Petit Parisien" einen begeisterten Artikel, ber in überschwenglichen Worten ber Berounberung über bie befestigte Grenzzone, bie als bie „ft r i e g s ff a b t“ bezeichnet wirb, Ausbruck verleiht. Ls heißt in biefem Artikel, man müsse sich eine Front von mehr als 100 ftilometer oor ft eilen, bie 12 Kilometer von ber Grenze entfernt laufe. Sie sei eine ununterbrochene Reihe von einzelnen Befcftigungsroerten, nur burch verschiedenartige Zügelung bes Geländes zu bemerken. Man könne von eine phantastischen unterirbischen Stabt sprechen, von einer F e st u n g unter ber Lrbe. bie gegen bie fürchterlichsten Tankmittel wiberstanb leisten könne. Lin ungeheuerer Stahlpanzer sei tief in bie Lrbe versenk unb lasse nur hie unb ba Schießscharten hervortreten, bie mit Geschützen aller Kaliber versehen seien. 3ebe bieser Panzerturmkuppeln wiege minbestens 30 000 Kilogramm. Die unterirbische Stabt, bie moberne „Stabt bes Krieges" liege 100 Meter unter ber Oberfläche. Sie verfüge über eine Eisenbahn mit verhältnismäßig bequemen wagen, bie bie unterirbische Stabt mit D-Zug-Geschwinbigkeit burchliefen. Unter ber Erbe sei alles vorgesehen, bamit ganzeheere lange Monate bort leben könnten. 3m (Betäube gäbe es künstliche Abgründe, damit angreifenbe Tankwagen sich bort verfingen. Ls sei Vorsorge getroffen, bas Gelänbe in wenigen Stauben überschwemmen zu können. renb Oesterreich in ber ganzen Welt immer mehr an Achtung unb Ansehen gewinnt, müssen mir mit Bebauern seststellen, baß von Leuten aus dem Bruder- reich immer wieder bie unglaublichsten Ränke geschmiedet werden. Bis jetzt sind wir kultiviert vor- gegangen unb hoffen, es auch bleiben zu können. Denn wir bilben uns ein, baß wir ein kultiviertes Volk regieren unb baß wir Verblenbete roieber zurückführen können. Wenn es aber mit Zureden nicht geht, bann werben wir scharf zugreifen. Das sollen sich bie gesagt sein lassen, bie es angeht." Die Wiener Blätter berichten, daß die Einziehungen bereits am 1. Oktober beginnen. Hierfür kämen Männer mit dein erreichten 21. Lebensjahr in Betracht. Die Dienstzeit sei im allgemeinen für sechs Monate vorgesehen bei der Infanterie, Radfahr- und Jägertruppe, sowie bei der Bedienungsmannschaft der Artillerie. Die Ausbildungszeit für bie Spezialwassen könne auf 12 Monate ausgedehnt werden. Dies gelte für die Kavallerie, die Fuhrmannschaft der Artillerie, für die Spezialausbildung der Infanterie, wie für die schweren Maschinengewehre, Jnsanterlegefchutze, Minenwerfer und Mcßabteilungen. Das Berliner Echo. Grundsätzlich bedeutsame Durchbrechung dcsEntwasfnungssystems von St. Germain. Berlin, 29. Aug. (CBB. Funkfpruch.) 3n der Berliner Presse wird die Bede des österreichischen Hccresministers Vaugoin stark beachtet. Vaugoin nimmt für sich selbst das Verdienst m Anspruch, das Zugeständnis der Errichtung einer Miliz bei den Unterzeichnern des Vertrages von St. Germain für Oesterreich durchgeseht zu haben. 3n der Tat handelt cs sich um eine sehr wesentliche, grundsätzlich bedeutsame Abänderung dieses Vertrages, der die allgemeine Wehrpflicht in Oesterreich abgeschasft und die Höchststärke der österreichischen Streitkräfte einschließlich der Offiziere auf 30 000 Mann festgesetzt hatte. Bun ist diese Zahl von Oesterreich augenblicklich nur in Höhevon 2 2 0 0 0 Mann ausgenuht worden, so daß rein zahlenmäßig die vorgesehenen 8000 Mann den vertraglichen Rahmen nicht überschreiten würden. Auch nach den von der Mehrheit dcr Abrüstungskonferenz gegebenen Grundlinien für die Berechnung der Hceresstärke, die von der durchschnittlichen Tagesstärle ausgehcn und die ausgebildeten Reserven nicht berücksichtigen, würde keine Ueberschreitung der Höchstzahl vorliegen. Die Verbindung zwischen Berufsheer und Miliz, die die Berufssoldaten zu Instruktoren des Volks- Heeres macht, ist bisher von Frankreich immer als eine besonders bedenkliche Kombination der Vorzüge beider Wehrverfassungen für die besiegten Länder abgelehnt worden. So bilden die Ankündigungen des österreichischen Heeres- ministers auch über den Einzclsall des Donaulandes hinaus einen interessanten Beitrag zur Entwickelung des Abrüstungsproblems. ©er Handgranatenanschlag von Krems vor Gericht. Wien, 28. Aug. (TU.) Vor dem Wiener Schwurgericht begann am Montag der Prozeß gegen die beiden Nationalsozialisten Herbert und Heinrich Mosel, die des Handgranatenanschlags bezichtigt werden, der am 19. Juni in der Nähe von Krems auf eine Abteilung Hilfs- polizei verübt wurde. Die Anklage lautet auf Verbrechen gegen das Sprengstoffgesetz. Heinrich Mosel, der dem Bundcsheere angehört, wird außerdem noch der Entwendung der Granaten aus dem militärischen Depot beschuldigt. Die Verteidigung führt Dr. Walter Riehl. Bei dem Anschlag, an dem nach der Anklageschrift noch ein Freund des SA.- Mannes Herbert Mosel beteiligt gewesen sein soll, der jedoch flüchtig ist, wurden 3» Personen verletzt, darunter 7 schwer. Bekanntlich war dieser Anschlag von der Regierung Dollfuß zum Anlaß für das Verbot der N S D A P. genommen worden. Herbert Mosel erklärt, die Handgranate von seinem Bruder zum Schutz des SA. - Heimes vor einem m a r x i st i s ch e n II e 6 c r f n 11 au sich genommen zu haben. Erst später habe er beschlossen, gegen die Regierung eine Demonstration durchzuführen. Menschenleben habe er nicht gefährden wollen. Sein Bruder, der an dem Wersen der Handgranaten überhaupt nicht beteiligt war, erklärt, von dieser Absicht seines Bruders nichts gewußt zu haben. Nach der Vernehmung der Angeklagten wurde eine Reihe von Zeugen zur Feststellung des Tatbestandes vernommen. Arbeitsbeschaffung für SA und SS. Ein Aufruf an die Wirtschaft. Berlin, 28. Aug. (TU.) Ter Reichsstand des Deutschen Handels erläßt folgenden Aufruf: „Mit der Uebernahme des Reichswirtschafts- ministeriums durch einen vom Führer bestellten Minister ist der nationalsozialistische Kampf um den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft in ein neues Stadium getreten. Die in Zusammenhang damit vom Volkskanzler Adolf Hitler verkündete nationalsozialistische Evolution ist höchste und erste Stufe der deutschen Volksrevolution. Ohne diese wäre Deutschland einem Wirtschaftschaos nicht entgangen. Mutige Männer haben die deutsche Wirtschaft und das Vaterland vor dem Schrecken eines bolschewistischen Trümmerfeldes gerettet. Tausende von Kämpfern der braunen Armee haben für Volk und Reich Gut und Blut geopfert. Sie und ihre Kameraden sind dadurch der neue Adel der Nation. Der Reichsstand des Deutschen Handels hat bei seiner Gründung mit der Ehrung der SA. und SS. seiner ersten Pflicht genügt. Es gilt nun dieser ersten Pflicht die zweite hinzuzufügen. Neben den rein wirtschaftspolitischen Arbeiten des Reichsstandes ist die Er- süllung einer selbstverständlichen Dankespflicht dessen größte und schönste Ausgabe. Sie heißt: Das Wettrüsten kann beginnen. Weitreichende englische Zlottenbaupläne. Oefierreidj kündigt die Linsührung der MH an. Das Bundesheer bleibt bestehen. - Oie Aushebungen sollen beginnen. Aus der Provinzialhauptstadt Vauwirtschasl und Technik im neuen Staat. Staatssekretär Feder und Generalinspekteur Todt auf der Leipziger Baumeffe. Arbeitsbeschaffung für die S?l. und SS.! Die Führer des Reichsstandes des deutschen Handels erwarten von jedem deutschen Kaufmann, daß er N c u e i n st e l l u n g e n von Ange st eilten vornehmlich aus den Reihen der SA. und SS. vorntmmt. Es ist deshalb zu diesem Zweck im ausdrücklichen Einverständnis mit der obersten SA.-Führung mit dem heutigen Tage im Reichsstand des deutschen Handels eine besondere Abteilung für Neueinstellungen geschaffen worden, welche in jedem Orte ihre Arbcitsoermittlungsstelle errichtet. Gebt Ihr den alten Kämpfern im braunen Hemd Arbeit und Brot, so ehrt Ihr den Führer selbst und sein großes Werk. Der Reichsstand des Deutschen Handels. v. R e n t e l n, Wild t." Wichtig für alle Teilnehmer am Neichsparteitag. Berlin, 28. Aug. (TU.) Die NSK. gibt aus Nürnberg folgende organisatorischen Einzelheiten vom Neichsparteitag bekannt: 1. Der Eisenbahnverkehr von und nach Nürnberg ist während des Parteitages völlig normal. Fahrplanänderungen sind nicht vorgenommcn. Vor- und Nachzüge können wegen der zahlreichen Sonderzüge nicht gefahren werden. 2. Die Bahnhofsausgänge sind nicht gesperrt, ebensowenig findet dort eine Kontrolle der Zureisendcn statt. 3. Der Zuzug nach Nürnberg Über die Landstraßen ist ebenfalls unbehindert. 4. Der Zugang nach Nürnberg steht jedermann offen. A u s g e n o m m c n sind aus Gründen der Disziplin lediglich SA.- und SS. - Männer in U n i f o r m, soweit sie nicht zu den offiziell abkommandterten Abteilungen gehören. 5. Fahrzeuge dürfen b i s zurStadt- grenze fahren und werden von dort durch die Aufsichtsmannschaft der SS. und der Polizei an die jeweiligen Parkplätze verwiesen. Die Parkplätze sind bewacht, die Fahrzeuge versichert und gegen mutwillige und fahrlässige Schäden versichert. Die Versicherung ist tm Standgeld einberechnet. Ebenfalls besteht dort die Möglichkeit, zu tanken. 6. Von den Parkplätzen führen Autobus- und Straßenbahnverbindungen in das Innere der Stadt. 7. Von Freitag, den 1. September, 15 Uhr, bis Montag, den 4. September, 5 Uhr, ist das gesamte Nürnberger Stadtgebiet für den Verkehr von Fahrzeugen aller Art gesperrt. 8. Q u a r t i er e sind so reichlich vorhanden, daß bisher allen Anforderungen genügt werden konnte und daß voraussichtlich auch weiterhin keine Schwierigkeiten entsteyen. Im Westflügel des Hauptbahnhofs ist ein Quartieramt eingerichtet, das Tag und Nacht geöffnet ist. Allen Besuchern Nürnbergs kann nur durch dieses Amt ein Quartier, evtl. Massenquartier, zugewiesen werden. Alle Geschäfte sind während der Dauer des Reichsparteitages von morgens 5 Uhr bis abends 21 Uhr geöffnet. Oie hessischen Ostlandfahrer grüßen den Ministerpräsidenten Werner. WSN. Darmstadt, 28. Aug. Aus Königsberg ist an den hessischen Ministerpräsidenten Dr. Werner folgendes Telegramm eingetroffen: Die hessische Opelsendbotenmannschaft gedenkt auf der Ostlandfahrt ihres alloerehrten Ministerpräsidenten und sendet treueste Hessengrüße. oorzurufen. Das werde denselben Erfolg haben wie bei anderen Krisen, die natürliche Ankurbelung. Es müsse nur dafür gesorgt werden, daß der starke Antrieb sich nicht wieder tot laufe. Dazu gehöre, daß die Wirtschaft in Stand gesetzt werde, ihre natürlichen Funktionen zu erfüllen und auf die gesteigerte Nachfrage zu reagieren. Die Wirtschaft müsse nämlich soweit wie möglich von den öffentlichen La st en erleichtert und der Kreditapparat wieder zum Funktionieren gebracht werden. Als letzter Redner sprach der Generalinspekteur für daö deutsche Straßenbauwesen Dr. Jng. Todt über die S t r a ß e n b a u t e n der Retchsregierung. Dieses Programm bedeute eine völlige Umkehr von der ganzen bisherigen Einstellung. Anstelle von einzelnen Maßnahmen, die bei ihrer Fertigstellung durch die Entwicklung des Verkehrs bereits überholt seien, solle tm Laufe der nächsten 15 Jahre ein weit verzweigtes Netz reiner Autobahnen errichtet werden. Der zweite große Gedanke des Führers sei verkehrspolitisch Der Kraftwagen werde ergänzend neben die Reichsbahn gestellt. In der Baumesse sehe er den ersten Schritt zur Mobilmachung der kommenden Bautätigkeit. Die Wirkung dürfe aber nicht eine künstliche spekulative Aufblähung sein, sondern die Herstellung eines gesunden, wohl gerüsteten Unternehmertums, dem auf lange Jahre Arbeit gegeben werden solle. 33 Millionen Mark Löhne für die 3Re chsautobahn München - Salzburg. Rosenheim, 28. Aug. (CNV.) Wie wir erfahren, betragen die Kosten für die bayerische Reichsautobahn von München nach Salzburg insgesamt 42 Millionen Mark. Da bekanntlich 79 Prozent der Gesamtkosten auf Arbeitslöhne entfallen, ergibt sich ein L o h n b e t ra g von 88 180 000 Mark, lieber den wirtschaftlichen Wert dieses Projekts braucht demnach wohl kein Wort gesprochen zu werden. Die Arbeiten werden bereits im Oktober begonnen werden. 12 000 Arbeiter sollen im Oktober eingestellt werden. Leipzig, 28. Aug. (TA.) Die Herbsttagung der Leipziger Baronesse wurde am Montag durch einen Vortrag des Rcgierungsbaurates S t e gern a n n, des Präsidenten des Deutschen Ausschusses für wirtschaftliches Bauen, eröffnet. Staatssekretär Gottfried Feder sprach über „die Technik und der Techniker im neuen Deutschland". Nirgends, so erllärte er, ist der Begriff des Füh- rergedankens meyi verwischt worden, als in der Wirtschaft der hinter uns liegenden Zeit, in der der Techniker zum Kuli geworden ist. Gewiß, auch wir wollen selbstverständlich die Segnungen der Technik den Menschen dienstbar machen, aber wir wollen nicht, daß die Maschine den Menschen beherrscht. Der technische Grund für die Weltwirtschaftskrise sei die Diskrepanz zwischen der Kapazität der Weltindustrie und der Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes. Der Grundgedanke der Staatsführung sei, daß der Staat die Initiative ergreifen müsse, um die Privatinitiative in der Wirtschaft anzu regen und zu erhalten. Denn nur eine gesunde Privatwirtschaft mit schöpferischen, selb st verantwortlichen A n t e r n e hm e r Persönlichkeiten könne die Krise dauernd überwinden. Dem Staat seien die ganz großen Aufgaben Vorbehalten. Technik, so schloß der Redner, sei kein Wirtschaftsstand, sondern Dienerin einer Staatsführung, die nur ein einziges Ziel kenne: Deutschland, Deutschland über alles. Die Bedeutung des Bauwesens für das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregie- rung behandelte sodann Staatssekretär Dr. Krohn. Im Tiefpunkt der Wirtschaftskrise entständen besonders günstige Bedingungen für den Wohnungsbau. Auch könne die öffentliche Hand durch vermehrte Aufträge namentlich an das Baugewerbe ankurbelnd wirken. .Das Tragische an der gegenwärtigen Krise bestehe gerade darin, daß der natürliche Heilungsprozeß auf dem Umwege über den Baumarkt durch UeberentWicklung des Wohnungsbaues in der Hochkonjunktur, Zerstörung des Kreditapparates und Versagen der öffentlichen Hand unterbunden sei. Staatliche Maßnahmen müßten daher in erster Linie versuchen, die feh- lendeBautätigkeitplanmäßig her- Internationale Rauschgistschmugglerin festgenommen. WSN. Darmstadt, 27. Aug. Am Donnerstag nach Arbeitsschluß erschien eine Frau am Pförtnerhaus der Firma Merck unter der Vorgabe, einen bei der Firma angestellten Herrn sprechen zu müssen. In Wirklichkeit existierte dieser ominöse Herr überhaupt nicht, sondern der Frau war es hauptsächlich um die Bekanntschaft mit dem Angestellten zu tun, den sie für ihre Zwecke ausnutzen wollte. Als sich nämlich der Angestellte kurze Zeit darauf in seinen Garten begab, wurde er nochmals von der Frau ins Gespräch gezogen, in dessen Verlauf sie ihn vertraulich bat, 50 0 Gramm Koka in für sie zu besorgen. Sie zahle für das Kilo 500 Mk. Als der Angestellte scheinbar in das glänzend dargestellte Geschäft einging, wurde eine Zusammenkunft in einem Darmstädter Hotelrestaurant verabredet. Bei der dort stattgefundenen Besprechung wurde vereinbart, daß das Kokain über Estland nach Rußland verschoben werden sollte. Das Geschäft wurde von der Ermittlungsabteilung der Darmstädter Kriminalpolizei dadurch verdorben, daß die schöne Frau $ur Feststellung ihrer Identität auf die Polizeidirektion gebracht wurde. Die dort angestellten Ermittlungen ergaben, daß es sich um eine 42jährige verwitwete Ausländerin Elisabeth Saar aus Reval handelte, die angeblich zu ihrer Ausbildung als Kosmetikerin Deutschland bereisen will, in Wirklichkeit aber wahrscheinlich im Dienste einer internationalen Rauschgifthändlerbande steht. Statt ihre „Geschäftsreise" fortsetzen zu können, wurde die Schöne vom Anterfuchungsrichter hinter Schloß und Riegel geschickt, wo sie reichlich Zeit zum Nachdenken haben wird, daß man in Deutschland für derartige Geschäfte kein Verständnis hat. Wettervoraussage. Obwohl sich der hohe Druck mehr östlich verlagert und etwas zusammengeschrumpft ist, nimmt er doch ganz Deutschland noch mit in seinen Bereich. Die trockene kontinentale Luft wird daher das schöne Wetter weiter fortbestehen lassen. Da allerdings im Westen sich flache Störungen herausbilden, ist späterhin mit vorübergehendem Aüf- zug gewitterhafter Bewölkung zu rechnen. Aussichten für Mittwoch: Roch vorwiegend heiter, vorübergehend etwas wolkig oder leicht dunstig, sehr warm und trocken. Lufttemperaturen am 28. August: mittags 22,8 Grad Celsius, abends 15,6 Grad: am 29. August: morgens 10,4 Grad. Maximum 22,8 Grad, Mini, mum 6,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. August: abends 22,8 Grad: am 29. August: morgens 15,5 Grad. — Sonnenscheindauer 13% Stunden. oorfteher war er vom 1. September 1913 bis 31. Marz 1914 in Förderstadt bei Magdeburg tätig, dann bis 28. Februar 1917 in Bebra, hierauf bis 31. Dezember 1917 bei der Direktion in Frankfurt a. M., sodann bis 31. März 1920 in Betzdorf, anschließend als Eisenbahnoberinspektor bis 31. Juli 1920 in Betzdorf und seit 1. August 1921 als Reichs- bahnamtmann auf dem Bahnhof Gießen. In seiner dienstlichen Laufbahn erwarb sich Amtmann Dörr durch seine hervorragende Tüchtigkeit und sein allezeit freundliches und gerechtes Wesen die volle Wertschätzung seiner Vorgesetzten, Mitarbeiter und Untergebenen, darüber hinaus aber auch die hochachtungsvolle Zuneigung weiter Kreise der Bürgerschaft. Neben seinem Amt widmete sich Amtmann Dörr ehrenamtlich in unserer Stadt seit 1921 der Mitarbeit im Evangelischen Kirchenvorstand und bis vor etwa einem Jahre auch im Ausschuß des Ver- kehrsvereins. Stets war er mit ausgezeichneter Arbeitsfreude und voller Hingabe seiner Person an den ehrenamtlichen Aufgaben tätig. Seine Mitarbeit wurde allenthalben sehr geschätzt und. brachte dem Jubilar mit Recht weitere aufrichtige Sympathien ein. Oie Aürnberg-Fahrt her AGOAp. im Kreis Gießen. Nach den Anordnungen der Kreisleitung Gießen der NSDAP, werden die Teilnehmer am Reichsparteitag (ohne SA., SS., HI.) in einem Sonderzug am Donnerstag, 81. August, 21,56 Uhr, vom Gießener Bahnhof aus abfahren. Die Fahrtteilnehmer versammeln sich um 21 Uhr vor dem Gießener Bahnhof. Von hier aus fahren die Mitglieder der Ortsgruppen Gießen (Mitte, Ost, Nord, Süd), Lang-Göns, Großen-Linden, Wieseck, Heuchelheim, Lollar, Allendorf a. d. Lda., Geilshausen, Großen-Buseck und Bersrod ab. Von den übrigen Ortsgruppen benutzen die Mitglieder den Sonderzug rote folgt: Es steigen ein in Garbenteich die Ortsgruppe Watzenborn-Steinberg, in L i ch die Ortsgruppen Lich, Grünberg und Ettingshausen, in Langsdorf die Ortsgruppe Bettenhausen, in Hungen die Ortsgruppe Hungen, in Trais-Horloff die Ortsgruppen Trais- Horloff und Rodhetm a. d. Horloff. Die Sonderzugfahrt steht unter der Transportleitung des Kreisbetriebszellenleiters Pg. Wagner, dem die Pg. Thomas- Gießen und K irch- höfer-Hungen als Zugbegleiter zur Seite stehen: die Anordnungen dieser Parteigenossen sind unbedingt zu befolgen. Die Fahrtteilnehmer müssen ihre Parteiausroeise mitnehmen. Die Eintrittskarte zum Volksfest gilt zugleich als Teilnehmerkarte. Die Amtswalter der Ortsgruppe Gießen- Süd versammeln sich Donnerstag um 20.30 Uhr bei Ortsgruppenleiter Schwarz, um öie Fahne und die Fahrtteilnehmer zum Bahnhof zu geleiten. Kundgebung der Oeuischen Arbeitsfront in Gießen. Am Mittwoch, 6. September, 20.30 Uhr, findet in der Volkshalle eine große öffentliche Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront statt. Redner ist DerbandSleiter Pg. Karwahne, Hannover. 5>ie Kundgebung steht unter dem Motto: „Kampf gegen versteckte marxistische Sabotage und Kampf für die nationalsozialistische berufsständische Organisation." Fernschreibverkehr auf Fernleitungen. Von der Oberpostdirektion Darmstadt werden wir um die Aufnahme folgender Zeilen gebeten: Bisher ist ein unmittelbarer telegraphischer Nachrichtenaustausch zwischen Privaten nur auf besonderen Fernschreibleitungen, die als Dauer- oder Stundenverbtnbuilgen vermietet werden, zugelassen. Die Einrichtung wird zur Oas Familienbuch. Wie war es eigen, wenn unser Großvater in einer freundlichen Stunde aus dem Winkel des alten Schrankes, an den die Kinder nicht ohne Erlaubnis Herangehen dursten, jenes seltsam verstaubte Buch herausholte, sich die Brille auf» setzte und uns aus diesem Buch vorlas, woher unsere Urgroßeltern und deren Eltern stammten, was sie erlebt an Leid und Freud, und wenn er uns schließlich zeigte, wie in der fortlaufenden Reihe des alten Familienbuches auch unsere Namen schon ganz würdevoll eingetragen waren. Unsere Phantasie schickte die Gedanken in die Vergangenheit zurück, und wir durchlebten da die Geschicke unserer Vorfahren. Es ist schade, daß diese schöne Sitte, in einem schlichten Buch alles Geschehen und Erleben einer Familie niederzulegen und dadurch eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft zu bauen, nur wenig noch gepflegt wird. Der Familienvater, der noch nicht ein solches Buch hat, sollte sich baldigst dazu verstehen, es anzulegen. Man läßt die ersten Blätter für künftige Nachträge der älteren Generation seines Geschlechtes aus Pfarrarchiven oder sonstigen Quellenroerken usw. frei, schreibt sich die Familienangehörigen, soweit man sie noch ermitteln kann, Großeltern, Geschwister, Kinder und Enkelkinder, Onkel und Tanten von väterlicher und mütterlicher Seite, übersichtlich zusammen und fügt bet jedem Geburts- und Todesdatum, Ort, Beruf und besonderes Geschehen bei. Bei jeder eigenen Familie empfiehlt es sich, ein anderes Blatt anzulegen und stets die Rückseite für gelegentliche Nachtragungen freizulassen. Unter allen Umständen aber soll man sich bei diesen grundlegenden Anlagen niemals auf bloße Erinnerungen und mündliche Ueberlieferungen verlassen, sondern immer nur auf zuverlässige amtliche oder wenigstens schriftliche Quellen. Wem diese stammesartige Anlage nicht paßt, kann seine Aufzeichnungen auch einfach chronologisch oder, wenn ihm etwas der Niederschreibung wert erscheint, auch ohne besonderes System durchführen. Wer mehr daraus verwenden will, wird vielleicht auch Bilder von Personen oder Sachen an der betreffenden Stelle beigeben, ganze Lebensbeschreibungen oder Grabreden und anderes mehr. Da dies weder mit besonderen Kosten, noch mit nennenswertem Zeitverlust verbunden ist, sollte keiner es versäumen, denn es gilt unseren Liebsten, unserer Familie, die durck» Kenntnis und Pflege ihrer Geschichte, wie die der Vaterstadt und des Vaterlandes neu gehoben und gefördert werden kann. M. Gr. 50 Jahre im Eisenbahndienst. Dem Vorsteher des Bahnhofs Gießen, Reichsbahn- amtmann Dörr, wird heute nachmittag anläßlich seiner 50jährigen Dienstzeit bei der R e i ch s b ach n eine Jubiläumsehrung seiner Behörde dargebracht. Herr Dörr stammt aus Grünberg, wo er am 26. August 1883 nach vollendetem Schulbesuch als Volontär in den Bahndienst eintrat. Nachdem er dort bis zum 31. Oktober 1885 tätig gewesen war, kam er als Büro- und Stationsgehilfe nach Alsfeld, wo er bis Anfang November 1889 wirkte. Hierauf genügte er seiner Militärpflicht bis Ende September 1891 beim Jnfanterie-Leibg.-Rgt. 115, von dem er als Unteroffizier abging. Er tat sodann als Stationsgehilfe in Stockheim und Fulda Dienst, wurde am 1. Dezember 1892 Großh. Stationsa si- stent in Fulda und vom 1. Januar 1893 bis 15. Ja- nuar 1895 Großh. Stationsassistent in Gießen. In gleicher Eigenschaft war er dann bis 31. Dezember 1898 in Lauterbach tätig, hierauf wurde er Sta- tionsoerwalter in Burg-Niedergemünden. Seine weitere Dienstlaufbahn war folgende: Als Stationsvorsteher vom 1. Juni 1905 bis 31. Oktober 1907 in Betzdorf (Sieg), sodann bis 15. März 1909 in Lauterbach, hierauf bis 31. Oktober 1909 in Elm, weiter 1 bis 31. August 1913 in Nidda. Als Oberbahnhofe- Zeit von einer kleinen Anzahl leistungsfähiger Unternehmen benutzt. Um die Vorteile eines unmittelbaren telegraphischen Nachrichtenaustausches mit Hilfe des wie eineSchreibmaschiue zu bedienenden Einheitstelegraphenapparates (Fernschreibmaschine, Springschreiber) weiten Wirtschaftskreisen nutzbar zu machen, soll diesen künftig in größerem Umfange Gelegenheit gegeben werden, von ihren Geschäftsräumen oder Wohnungen aus mit anderen Stellen in unmittelbaren telegraphischen Verkehr zu treten. Dies wird durch die Einrichtung eines Fernschreibverkehrs auf Fernsprechleitungen ermöglicht. Jeder Fernsprechanschlußinhaber, der an diesem Dienste tetlnehmen will, hat sich außer einem Springschreiber _ ein Tvn- frequenzzusatzgerät selbst zu beschaffen. Die zu verwendenden Apparate müssen vom Reichspostzentralamt zugelassen sein. Die Gebühr für die Benutzung der Fernsprechleitungen zum Fernschreiben ist dieselbe wie die Gesprächsgebühr. Gictzcner Wochenmarktpreise. * Gießen, 29. Aug. Es kosteten auf dem Heu- tigen Wochenmarkt: Landbutter, das Pfund 1,30 Mark, Kochbutter 1 Mk., Matte 20 bis 25 Pfennig, Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, grün 8, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 12, Gelbe Rüben 10, Rote Rüben 10, Spinat 15, Römischkohl 8, Bohnen, grün 15 bis 20, gelb 15 bis 20, Mischgemüse 10, Tomaten 15, Zwiebeln 7 bis 10, Kürbis 6 bis 10, Pilze 25, Kartoffeln, das Pfd. 3 Pf., der Ztr. 2,30 bis 2,50 Mk., Frühäpfel 20 bis 25, Falläpfel 5 bis 6, Pfir. siche 30 bis 40, Preißelbeeren 30, Birnen 10 bis 20, Zwetschen 8 bis 15, Mirabellen 15 bis 20, Reineklau- den 10 bis 12, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80; Tauben, das Stück 40 bis 50, Eier, in- ländische 9, Blumenkohl 5 bis 40, Salat 5 bis 10, Salatgurken 5 bis 25, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 8 bis 15, Ober-Kohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 15, Sellerie 10 bis 15 Pf. das Stück. Bornotizen. — T a ge s k a le n der für Dienstag: Stadttheater, 20.15 Uhr, Sonderveranstaltung der NSDAP. „ArbeitI Dienst I Pflicht!". - Kathol. Vereinshaus, 9 bis 19 Uhr, große Möbelausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Die Unschuld vom Lande". Taten für Dienstüg, 29. August. 1866: Der Dichter Hermann Löns in Kulm geb. (gest. 1914). — 1872: Der Geograph Karl Uhlig in Heidelberg geb. — 1916: Hindenburg wird Chef des deutschen Generalstabcs, Lu'endorff Erster Generalquartienne.ster. — 1924: Annahme der Dawesverträge im Reichstag. ** Finanzamtspersonalie. Der Herr Reichspräsident hat den Vorsteher des Finanz» amts Gießen, Ober-Regierungsrat Krug in Gießen, auf sein Nachsuchen zum 1. November d. I. in den Ruhestand versetzt. Für die dem Reiche geleisteten langjährigen vorzüglichen Dienste wurde Dank und Anerkennung ausgesprochen mit den herzlichsten Wünschen für ferneres Wohlergehen. ** Zum Oberregierungsrat im Reichswehrmini st erium ernannt. Kapitän Sch m e h l, ein geborener Gießener, ist zum Oberregierungsrat im Reichswehrministecium ernannt worden. Kapitän Schmehl ist in der Nautischen Abteilung der Marineleitung tätig. Sein Gebiet ist das Rote Meer, der Indische Ozean und der Große Ozean. Wahrend des Krieges war er Navigatio. s sfizier des Linienschiffes „Zähringen" und Erster Offizier des Hilfs.reuzers „Wolf". Sieben Lebensrettungen hat er im Laufe der Jahre ausgeführt. ** Keine Amts stunden der Kreis- leitung der NSDAP, vom 30. August bis 4. «September. Wie Kreisleiter Dr. Harth bekanntgibt, fallen die Amtsstunden sämtlicher Abteilungen der Kreisleitung Gießen der NSDAP, von Mittwoch, 30. August, bis Montag, 4. September einschließlich, aus, da alle Amts- und Stabswalter der Kreisleitung am Neichsparteitag in Nürnberg teilnehmen. ** Zahlungsanmahnung der Stadtkasse. In einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil werden das Schulgeld (Juli 1933) für die Studienanstalt, die Wohnungsmiete (Juli 1933) aus städtischen Häusern, das zweite Ziel der Vorauszahlung an Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlage, das zweite Ziel der Kanal-, Straßenreini- gungs- und Müllabfuhrgebühren, sowie die dritte Rate der Bürgersteuer angemahnt. ** Die diesjährige öffentliche Imp- f ung, insbesondere die Impf- und Nachschautermine, betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil, auf die besonders aufmerksam gemacht sei. ** Wiedersehensfeier ehemaliger 1 15er. Man schreibt uns: Aus Kameradenkreifen ist schon öfters der Wunsch laut geworden, innerhalb der 2. Kompanie Leib°Jnf.» Regiment 115 eine Wiedersehensfeier in der alten Gamisonstadt D a r m st a d t zu veranstalten. Anter dem Vorsitz des letzten Feldwebels. Kamerad Raab, hat sich nun ein kleiner Ausschuß gebildet, der die Vorbereitung dieser Feier übernommen hat. Vorgesehen für diese Feier ist der erste Sonntag im November. Wünsche, Anfragen ufw. können an A. Raab, Darmstadt, Hobrechtstratze 33, gerichtet werden. Schwurgericht Gießen. Unter dem Vorsitz von Landgerichtsrat Trümpert wurde im Verlaufe des gestrigen Tages unter Ausschluß der Öffentlichkeit gegen den Heilkundigen und Masseur Ernst Kalbfleisch von Grünberg verhandelt. Der Angeklagte hatte sich wegen Verbrechen im Sinne des § 218 des Strafgesetzbuchs in 18 Fällen zu verantworten. Unter Aufgebot von vielen Zeuginnen und Zeugen, sowie unter Anhörung verschiedener Sachverständiger konnten dem Angeklagten seine Straftaten nachgewiesen werden. Der Staatsanwalt beantragte eine Zuchthausstrafe von vier Jahren, sowie die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. In später Stunde wurde gestern abend das Urteil gefällt. Der Angeklagte wurde zu drei Jahren Zuchthaus und zu fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Verurteilten zur Last. Drei Monate der Untersuchungshaft wurden, dem Angeklagten auf die Zuchthausstrafe angerechnet. Die Weihe der ASVO-Zahnen in Gießen. t il Un|er Bild zeigt die am Sonntagvormittag auf Vswaldsaarten im Halbkreis inmitten der NSBO.- Front aufmarschierte Gruppe der neuen NSBO.-Fahnen nach der Weihe durch den Kreisbetrievszellenleiter Pg. Wagner. In der Mitte mit erhobener rechter Hand: links Kreis- betriebszellenleiter Pg. Wagner, neben ihm Adjutant Pg Feige (Aufnahme: Photo-Pfaff. Gießen.) Großer Bauerntag in Harvach. <£ Harbach, 28. Aug. Scharenweise strömten gestern die Menschen nach Harbach, um hier den Ehrenbürger Harbachs, Ministerialrat Ringshausen, zu hören. Bereits im Jahre 1926 konnte Ministerialrat Rings- Hausen hier und in Saasen Mitglieder für die Bewegung Adolf Hitlers gewinnen, die seine Idee in den umliegenden Orten verbreiteten. Zum Dank für seine aufopfernde Tätigkeit in hiesiger Gegend hat ihn unsere Gemeinde zum Ehrenbürger ernannt und mit ihm die anderen Männer, die sich um Deutschlands Erhebung verdient gemacht haben: Reichspräsident v. Hindenburg, Reichskanzler Adolf Hitler und den alten völkischen Vorkämpfer Ministerpräsident Prof. Dr. Werner. Leider konnten die Hoffnungen der über 1200 Besucher, die ihren Hessenführer Rings- Hausen sehen und wieder einmal hören wollten, nicht erfüllt werden, da er in letzter Stunde von seinem Gauleiter Reichsstatt- halter Sprenger, nach dem Niederwald- oenkmal zur Saarkundgebung beordert wurde. Durch das festlich geschmückte Dorf bewegte sich zu Beginn der Kundgebung ein langer Zug der braunen Kolonnen, die von dem Spielmannszug 4/116, Reiskirchen, nach dem idnllisch gelegenen Festplatz am nahen Waldesrande geleitet wurden. Bei einigen Musikstücken der Standartenkapette vertrieb man sich die Zett, bis Pg. Ortsgruppenleiter Weber- Ettinghausen die Kundgebung eröffnete. Ein sinnvoll vorgetragener Fünferchor des Jungvolks Harbach unter Leitung von Lehrer Söhn gen leitete über zu dem Vortrag des Gesangvereins „Germania", Harbach: „Die Deutsche Hymne". Anschließend ergriff pg. Aebeling, Gießen das Wort zu seiner Ansprache, in der «r u. a. ausführte: Heute ist der Bauer hierher gekommen, um zu hören von der Weltanschauung, die Deutschland neu gemacht hat, nachdem lange Jahre Finsternis über unserem Volk und Vaterland gelastet hat. Wenn das Reich und das Volk neu gestaltet werden sollen und man am Wiederaufstieg mithelfen will, daun kann man das nicht tun gegen das Landvolk und auch deshalb nicht, weil wir Nationalsozialisten gerade im Bauerntum den stärksten und gesündesten Teil unseres Volkes erkennen. Deutschlands Zukunft ist abhänaig davon, daß das Landvolk gesund, stark und frei ist. Mancher deutsche Dauernjunge und manches Mädchen zogen in die Stadt, um nicht wiederzukehren und um aufzugehen in das Großstadtproletariat. Wir aber lieben unser Dauerntum so sehr, weil es unser Dlut und unsere Rasse verkörpert, und weil es erd- und festverbunden mit der Scholle und mit der Heimat ist. Wenn unser Volk in Rot war dann war es das Bauerntum, das dem Vaterland die besten Kräfte schenkte. Der Geist von 1914 ist es, den wir brauchen, wenn Gefahr unserem Volke droht. Alle persönlichen Interessen müssen zurückstehen, um dem großen Ganzen zu dienen. So stellt das Bauerntum eine starke Stütze des Staates dar. Das wußten unsere Feinde und das wissen auch diejenigen, die das deutsche Volk von innen heraus zersetzen wollten. Unb nachdem es ihnen gelungen war, durch ihre marxistischen Wahnideen das deutsche Arbeitertum zu zersetzen, streckten sie die Hand aus nach dem deutschen Landvolk. Das Bauerntum aber hat einen gesunden Kern in sich, und es ist dem Verführer nicht gelungen, den Bauern in seinen Klauen zu zermalmen. Wir Rationalsozialisten wollen aber nicht einem Stand und einer Klasse dienen, sondern dem gesamten deutschen Volke. Das ist es, was uns groß gemacht und uns zum Sieg verhalfen hat. Wir kämpfen für das ganze Volk. Wer nur an sich denkt und an seinen Hof und Acker, der ist kein wahrer Bauer. Wer deutsches Blut in seinen Adern hat, der denkt zuerst an sein Volk, damit es diesem gut geht. Dann ist auch die Möglichkeit gegeben, daß sein eigener Wohlstand sich hebt, andernfalls geht er mit dem Volk zugrunde. So ist es dem Führer gelungen, aus dem großen „3 ch - wollen" das „wir- wollen" des neuen Staates zu formen. Wir muffen zu dem aufschauen, der unsere Heimat befchützt. Ein Volk kann nur groß werden, wenn es innerlich Kraft und Stärke besitzt, schädlichen Einflüssen, die auf es eindringen, zu trotzen. Eine Regierung kann nur helfen, wenn wir ein einig Volk von Brüdern sind. Wenn jeder seine eigenen Interessen hinter die des Gesamtwohles zurückgestellt hat, dann erst können wir frei werden. Deshalb wollen wir weiterkämpfen und eine Stellung nach der andern erobern, bis zu dem Tag — so schloß der Redner seine mit stürmischem Beifall aufgenommene Red« —, an dem die Welt einsieht, daß der Führer der Staatsmann dieses Jahrhunderts ist. Im weiteren Verlauf der Kundgebung sang ein Massenchor das vom Pg..Lehrer Jakob-Ober- Dessingen verfaßte Dundeslied des Iungland- bundes. - Als zweiter Redner ergriff dann der GauschuiuugSieiter Dr. Schmidt, Darmstadt das Wort und führte u. a. aus. Wir Rationalsozialisten wollen ein in seinen Stämmen geeintes Volk, es soll nicht mehr der Bauer auf den Arbeiter, der Arbeiter auf den Angestellten usw. schelten. Wir haben weit mehr zu tun, als uns so selbst zu zerfleischen. Der Redner beschäftigte sich dann mit der Iudenfrage und forderte, daß man dieser Frage seine ganze Aufmerksamkeit zuwenden solle. Sodaim erörterte er das neue Gesetz zur Vermeidung des erbkranken Rachwuchses. Rach einem kurzen Rückblick auf die Tage vom August 1914, in denen das ganze deutsche Volk trotz der volksverräterischen Wahnideen gewisser Kreise dem Ruse seines Kaisers folgte, um im grauen Ehrenkleid vor einer Welt von Feinden sein Leben zu lassen, sprach der Redner von der Arbeitsdienstpflicht. Ob reich ob arm, ob Arbeiteroder Bürgersohn, alle werden sie in dem grauen Ehrenkleid ihrer Väter, soweit sie es sich noch nicht bewußt seien, wieder Deutsche sein. Rur wenn diese Standesunterschiede verschwinden, wird die geeinte Jugend ohne Klassenunterschiede den Kem für ein neues Geschlecht abgeben. Vergessen wir nicht, daß eS uns gut ging, als wir einig waren! Deshalb muß eS wieder dahin kommen, daß wir ein einig Volk von Brüdern sind und stolz, frei und glücklich vor dem Aus- land unser Haupt tragen können. Deshalb ist e» unser Wunsch, daß es dabei bleiben möge, daß Alter und 3ugend zusammenstehen, Mann für Mann, Bürger und Arbeiter. Sie schwingen das Schwert und den Hammer, mit Hitler zur Macht, für Freiheit und Drotl Wie zum Schwur reckten sich die schwieligen Hande der Bauern auf gen Himmel, als Horst Wessels Lied erklang. Mit neuem Glauben an den alleinigen Führer gingen die Bauern wieder in ihre Dörfeik, für alle ein großes Erlebnis und ein nie zu vergessender Tag. Warnung an die Juden. Der Landespolizeipräsident gibt folgende Warnung bekannt: Die Meldungen mehren sich, daß in zahlreichen Plätzen in Hessen die Juden beginnen, die gebotene Zurückhaltung außer Acht zu lassen. Freche Aeuße- rungen gegen den nationalsozialistischen Staat und gegen einzelne Nationalsozialisten, Versuche, sich deutschen Mädchen zu nähern usw., verursachen berechtigte Erregung in der deutschen Bevölkerung. Die politische Polizei ist hierdurch genötigt, die Schuldigen oder solche bekannte Juden, gegen die sich die Erregung richten könnte, in P o l i z e i h a f t zu nehmen, wie dies im Schutzbezirk der Polizeidirektion Worms jetzt wieder der Fall gewesen ist. Allen Juden wird deshalb wiederholt dringend geraten, die selbstverständliche Zurückhaltung und die richtigen Formen zu wahren und ihre jüdischen Volksgenossen zu dem gleichen Verhalten zu veranlassen. Festnahme von Wormser Juden. WER. W o rrn s, 28. Aug. Arn Samstag, dem 26. August, wurde, wie die Polizei mitteilt, durch die Staatspolizeistelle in Worms unb .Umgebung eine größere Anzahl Juden in Polizeihaft genommen und dem Konzentrationslager O st Hofen zugeführt. Diese Maßnahme war zur A b w e h rr notwendig, weil sich das Judentum in letzter Zeit in herausfordernder Weise gegen den Staat und seine Einrichtungen benahm. So ist es in der Rähe von Worms vorgekommen, daß Juden zwei SA.-Männer in Uniform angepöbelt unb geschlagen haben. Ferner haben sich Juden erlaubt, durch herausfor- dembe Redensarten ben nationalsozialistischen Staat verächtlich zu machen. Ein weiterer Grund zum Erlaß der getroffenen Maßnahmen war der, daß nach der Lügenmeldung einer in Straßburg erscheinenden Zeitung 300 jüdische Familien sich im Konzentrationslager Osthofen befinden und dort den schwersten Mißhandlungen ausgesetzt sein sollen. G. A.-Sport. Vor einem Deutschen Turn- unö Sportverband. Bedeutsame Rede des Reichssportsührcrs in Danzig. Am Sonntag fand in den Mittagsstunden im Rahmen der Danziger Dolkssporttage eine Führerbesprechung statt, auf der der Reichsspoctsührer v. Tschammer-Osten eine bedeutende Rede hielt. Er führte u. a. aus „Zu meiner großen Freude kann ich Ihnen heute zum ersten Male mitteilen, daß es mir vor wenigen Tagen gelungen ist, mit dem Führer des Deutschen Fußballbundes, dem Führer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, dem Führer des Deutschen Schwimm-Verbandes. S t e d i n g von der Deutschen Turnerschaft war auch zugegen, in eine Unterhaltung Über eine Kompromißfrage einzutreten, die den gemeinsamen Wettkamps betreffen und eine gemeinsame erzieherische Linie, wieüberhaupteineZusammenarbeit garantiert. Wir haben uns geeinigt unb es wird Gegenstand der Verhandlungen der nächsten Tage sein, den Deutschen Turn- und Sport-Verband zu schaffen. Dadurch wird erreicht, daß alle Turnen, !Leichtathletik, Fußball unb Schwimmen treibenden Organisationen sich zusammenschliehen unb ihre Erziehung unb bie Wettkämpfe in eine Linie unb auf einen Renner bringen. Das wirb uns etwas ganz neues bringen. Leichtathlet sch« Konkurrenzen unb Wettkämpfe werden in Zukunft so durchgeführt, bah alle Leichtathletik treibenben Organisationen baran teilnehmen. Das wird zu einem Erfolg führen unb mir, glaube ich, bie Vorbereituna ber Arbeiten für bie Olympiabe 1936 wesentlich erleichtern. Dom 1. bis 10. Oktober 1933 lasse ich für sämtlich« Verbände, Fußball. Turnen, Schwerathletik, Wassersport usw. einen Kursus von 500 Jungens aus ganz Deutschland laufen. Sie erhalten gemeinsames Lager im Berliner Stadion, gemeinsames Essen, gemeinsamen Schlaf unb Erziehung. Richt bie Trainer, nicht die Lehrer, sondern die aktiven Sportler, die sich bereitwillig zur Verfügung stellen, werben ihnen praktisch die verschiedenen Arten leichtathletischen WettkampseS vorführen. Sie werben auch an einem Vormittag im Park des Reichskanzler-Palais antreten, wo sie ber Führer begrüßen wird. In Nürnberg, wo wir im nächsten Jahre bie deutschen Kampsspiele durchführen, wird die volksgemeinschaftliche Erziehung dadurch ausschlaggebend zum Ausdruck gebracht, daß sämtliche Sportarten dort vereinigt sind, auch die deutsch« Reichswehr mit ihren Heeresmeisterschaften. Rachdem ich mich mit den autoritär arbeitenden Stellen der Regierung ausgesprochen habe, empfehle ich ganz besonders, daß wir so bald unb so schnell wie möglich bie Beziehungen sportlicher Art mit bem Lanbe Polen anfangen. Es sind mir schon von Warschau aus Vorschläge bezüglich einer polnischen Fußballmannschaft gemacht worden. Fußballtermine im Gau 12 Nordheffen. Der Fußball-Sportwart dcö Gaues 12 Nordhessen gibt für den 3. September folgende Spiele bekannt: Hanau 98 — Sport Kassel: Spielverein Kastel — VfB. Friedberg: Borussia Fulda — Hermannia Kassel: Kurhessen Kassel — Hessen Hersfeld. Alle anderen Termine der ersten Spielserie 1938/34 folgen Mitte der nächsten Woche. Wirtschaft. Frankfurt weiter befestigt. Frankfurt, 29. Aug. (WTB. Drahtmeldung.) In Fortsetzung der Kursbesserungcn an der gestrigen Abendbörse eröffnete auch die Mittagsbörse in weiter befestigter Haltung. Auf einigen Marktgebieten lagen kleine Kaufaufträge der Kundschaft vor, denen sich die Spekulation mit Meinungskäufen an» schloß, jo daß die Umsatztätigkeit bei Eröffnung et» was lebhafter war. Aus der Wirtschaft lagen heute keine wesentlichen Mitteilungen vor, die uneinheitliche Tendenz der Auslandsbörsen blieb ebenso ohne Einfluß wie die Schwankungen am internationalen Devisenmarkt. Die Kursgestaltung wies trotz des festen Untertons keine einheitliche Linie auf, da ein großer Teil der Papiere, die einen Kursstand von über 100 v. H. besitzen, getauscht wurden gegen Werte mit niedrigerem Niveau. Ueberwiegend traten jedoch Erhöhungen von 0,50 bis 1 v. H. im Durchschnitt ein. Aus dem bekannten Grunde blieben Montanwerke mehr beachtet, so daß die Kauforders hier am Fdhlrcichsten insbesondere aus dem Rheinland Vorlagen. Ueber das Durchschnitlsmaß hinaus waren Gelsenkirchen und Mansselder befestigt, und zwar bis zu 1,50 v. H. Elektro-, Chemie-, Kunstseide- und Schiffahrtsaktien gewannen von 0,50 bis 1 o. H., AG. für Verkehr 1,25 v. H., Süddeutsche Zucker 1 v. H. und Reichsbank 0,38 vH. Dagegen eröffneten IG., Siemens, Chadeaktien, Contigummi und Daimler von 1 bis 1,75 v. H. niedriger, Elektrische Lieferungen waren stärker an- geboten und 3 v. H. schwächer. Reichsbank ließen später etwa 0,50 v. H. nach. Am Rentenmarkt blieben Neubesitz gefragt und höher. Altbesitz, späte Reichsschuldbuchforderun- gen, Reichsbabnoorzugsaktien waren gehalten, Stahlvereinbonds 0,25 v. H. freundlicher. Der Pfand- briefmartt war meist etwas leichter, wobei Goldpsandbriefe 0,25 bis 0,5 v. H. nachließen. Liquidationspfandbriefe, Kommunalobligationen, Staatsund Stadtanleihen waren hingegen nur wenig verändert. Von fremden Werten lagen Rumänen behauptet. 9m Verlaufe ergaben sich meist neue kleine Besserungen, auch die anfangs gedrückten Groß- papiere waren etwas erholt. Das Geschäft war aber auf fast allen Marktgebieten recht still. Deutsche Anleihen waren lebhafter, Altbesitz 3,40 o. H., Neubesitz nochmals plus 10 Pf., ferner Schutzgebietsanleihen fester und plus etwa 15 Pf. Späte Schuldbuchforderungen lagen jedoch nur behauptet. Trotz des bevorstehenden Ultimos ist die Lage am hiesigen Geld- markt noch relativ leicht, so daß der Satz auf unoer» ändert 3 o. H. belassen wurde. Kirchliche Nachrichten. katholische Gemeinden. Donnerstag, 31. August. Gießen .17.30 Uhr: Beichtgelegenheit. Freitag, 1. September. Gießen. 6: Segensamt. Gerade an heißen Tagen ■ . wird die herrlich erfrischende Wirkung der Chlorodont- Zahnpaste und des hochkonzentrierten Chlorodont- Mundwassers überaus angenehm empfunden. Gepflegte weiße Zähne und reiner Atem sind überall und zu jeder geit eine Empfehlung. Chlorodont Tube 50 Pf., nrotze Tube 80 Pf., auch in den kleinsten Orten erhältlich. '503' 05031 Gießen (Rodheimer Strafie 41), den 29. August 1933. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 30. August nachmittags 3 Uhr, vom Portale des Neuen Friedhofes aus statt Blumenspenden und Beileidsbesuche dankend verbeten. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers und die schönen Kranzspenden sprechen wir allen hiermit unseren herzlichsten Dank aus Frau Margarete Junker und Kinder Alten-Buseck, den 29. August 1933 Infolge Unglücksfalles ist am 27. August 1933 unser Mitglied Dr. med. Georg Schmincke Ass.-Arzt an der Chirurg. Univ.-Klinik von uns gegangen. Wir betrauern in ihm einen wahren Sportskameraden. Hühneraugen Warten,jpornbaUcr >ei«ttiflt restlos auch ii den hartnäckigst Fällen rötlicher uni Mot innerb.5-6 Tn Hühneraugen-Rapid E tiniti nui Löwen- Drogerie W. Kilblnger Macht., Seltersweg 69 Paddlergilde Gießen e. V. __53b9u Gestern entschlief sanft nach langem schweren Leiden unsere liebe, gute Mutter. Großmutter. Schwägerin und Tante Frau Rosette Beverstein Wwe. im 75. Lebensjahre Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Adele und Hermann Beverstein. Der Naturforscher Natur und Technik Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften und ihre Anwendung in Naturschulz, Unterricht, Wirtschait und Technik. Herausgeber; Dr. Oskar Prochnow Der Naturtorscher“ ist die allgemeinverständliche, hochwertige naturwissenschaftliche Monatszeitschrift für geistig Anspruchsvolle, die bei hervorragender Ausstattung nicht auf ober!lieblichen Aufputz, sondern auf Oe- halt eingestellt ist. ,,Der Naturforscher“ bietet Beiträge in Bild und Wort von angesehenen u bedeutenden Mitarbeitern aus allen Gebieten derNaturwissen- schäften. Preis: vierteljährlich nur RM.2.50. Probehefte u. 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Ich bin sehr stolz auf meinen Schützling, — und die Damen können es auch sein", lächelte die Fürstin liebenswürdig nach ihren Gästen hin, „die Auserwählten dürfen nicht mit kleinbürgerlicher Elle gemessen werden." Gewiß, die beiden Mütter sahen es wohl ein, wenn es nur eben nicht die Tochter »und Schwiegertochter gewesen wäre! Mochte die Fürstin sich noch so schützend vor sie stellen, mochte ihre Kunst noch so ungewöhnlich sein — das, was sie getan, war so rücksichtslos gegen ihre Familie, daß der Vater und der Gatte es ihr schwerlich vergeben würden. — Lange noch in der Nacht saß Magussi auf; sie konnte -sich nicht entschließen, ihr Bett aufzufuchen. In Gedanken durchlebte sie den vergangenen Abend — sie sah sich auf der Bühne, hörte die Musik, horte sich singen —! Sie breitete die Arme weit aus, ein seliges Lächeln um den Mund. Ja, das war Leben, das war Glück geben, spenden aus der Fülle des Seins — singen, singen — nichts weiter dachte sie, dachte nicht an Beifall, an Ruhm — Eitelkeit lag ihr ja so fern! Der Gatte mußte sie verstehen; er durfte sie nicht länger zurückhalten; sonst lebte sie nur ein halbes Leben. Er wußte doch, wie sehr sie ihn liebte, und daß ihm nichts genommen wurde. Am anderen Morgen brachte ihr das Mädchen die Morgenzeitung und die Post ans Bett; es waren schon schon einige Briefe dabei, die gleich unter dem frischen Eindruck der Vorstellung geschrieben waren und ihr begeistert huldigten. Im Morgenblatt stand nur erst eine kurze Notiz über die Uraufführung; ausführliche Besprechung würde in der Abendausgabe folgen. Es wurde kurz festgestellt, daß der Oper ein großer und glänzender Erfolg beschieden war, an dem alle Mitwirkenden wohlverdienten Anteil hätten; als Ereignis und Ueberafchung des Abends fei aber die Darstellerin und Sängerin der Hero zu nennen. Durch die plötzliche Absage der Asta Grellberg sei die Aufführung in Frage gestellt gewesen, wenn nicht durch das Einspringen einer anderen Künstlerin die Situation gerettet worden wäre, — und die sei geradezu als ein Wunder zu bezeichnen. Sie sei die hochbegabte junge Gattin eines hiesigen Großindustriellen, die mit diesem ersten Schritt, den sie auf die Bühne getan, bewiesen habe, daß sie eine ganz seltene, außerordentliche Künstlerin sei. Aus Liebhaberei und aus Interesse habe sie die Rolle der Hero für sich studiert und habe nun dadurch Gelegenheit gehabt die Vorstellung zu ermöglichen. Dann folgte eine kurze Lobpreisung ihrer Gesangskunst und ihrer äußeren Erscheinung, die Magussi doch ein leichtes Rot in die Wangen trieb. Nun, daran wurde sie sich gewöhnen müssen. Sie war zu wenig eitel, um ein besonderes Gewicht darauf zu legen; viel neugieriger war sie darauf was man heute abend über ihre Stimme und sonstigen künstlerischen Fähigkeiten sagen wurde. Sie stand bald auf und kleidete sich an; denn sicher würde sie heute mancherlei Besuch bekommen. Den Schwiegereltern sagte sie guten Morgen. Der vorhergehende Abend wurde nicht erwähnt. Der Ge- -neraldirektor war der Ansicht, daß Magussi sich erst mit ihrem Mann auseinanderzufetzen habe, — überflüssige unnütze Auftritte liebte der alte Herr nicht; der Schwiegertochter Vorwürfe zu machen, hatte gar keinen Zweck. Man mußte vor allem wissen, wie der Sohn sich zu diesem abenteuerlichen Schritt seiner Frau stellen würde, — billigte er ihn nachträglich, so waren die Meinungen und das Urteil anderer ohne Belang. Im Laufe des Vormittags wurden bei Magussi viele Blumen abgegeben, so daß ihr Salon bald einem Blumenhain glich; es waren Grüße von näheren und entfernteren Freunden und Bekannten und auch von Unbekannten; die begleitenden Schreiben zeugten von ehrlicher und herzlicher Bewunderung und Ueberraschung, aus echtem Gefühl heraus geschrieben und dadurch Magussi aufs höchste erfreuend, und es waren fast nur Angehörige der ersten Kreise, die ihrer gedacht. Wenn die ihren Schritt verurteilt hätten, so würden sie sicherlich nicht geschrieben haben. Frau Kommerzienrat Bunte hatte sich schon frühzeitig bei Magussi eingefunden; beinahe gegen ihren Willen empfand sie innerlich eine große Freude über ihre über Nacht berühmt gewordene Tochter. Magussi hatte die Mutter Eduards heraufbitten lassen, und alle Besucher empfing sie in Gegenwart der beiden Damen. Einige schüchterne Backfische mit Rosen in der Hand waren die ersten Besucher, die Magussi an ihre selige Backfifchzeit erinnerten, in der sie auch alle Künstler angeschwärmt hatte. Hochbeglückt über die bezaubernde Liebenswürdigkeit der Sängerin verabschiedeten sich die Mädelchen. Dann wurden der Theaterdirektor und Bruno Halling gemeldet. „Ich komme. Ihnen nochmals zu danken, gnädige Frau, für Ihre große Hilfsbereitschaft, durch die Sie die Vorstellung gerettet haben!" sagte der Direktor, „die ganze Stadt spricht voller Bewunderung über Ihre unvergleichliche Leistung." Dann wandte er sich mit beglückwünschenden Worten an Magussis Mutter, die leise abwehrte und offen erklärte, daß man gar nicht mit dem Vorgehen der Tochter einverstanden sei. Der Direktor lächelte fein. „Oh, meine Gnädigste, daran werden Sie sich sicher im Laufe der Zeit gewöhnen müssen!" Seine Worte richteten sich wieder an Magussi: „Eine Frage, die zugleich Bitte ist, gnädige Frau: am Sonntag ist Wiederholung der Oper, — wir dürfen doch bestimmt auf Ihre Mitwirkung rechnen? Fräulein Grellberg ist krank —" „Ja!" Wie freudig dieses „Ja!" klang! Frau Kommerzienrat Bunte wollte Einspruch erheben; doch er wurde nicht angehört. Der Direktor sprach weiter: „Darf ich der gnädigen Frau einen Vorschlag zur Ueberlegung unterbreiten? — Ich würde gnädige Frau sofort als jugendlich-dramatische Sängerin verpflichten! Bei dieser Stimme und dieser Begabung würden Sie sich spielend bald eine Anzahl Rollen aneigncn. In erster Linie denke ich jetzt an die Elsa und Elisabeth! — Vielleicht ziehen Sie meine Worte in Erwägung?" Magussis Augen wurden groß und leuchtend. „Unmöglich!" rief Frau Kommerzienrat Bunte, ehe noch die Tochter etwas erwidern konnte. „Warum unmöglich, Gnädigste? Fürsten, Aristokraten haben Bühnenkünstlerinnen als Gattinnen gehabt. Die Kunst adelt und hebt den Menschen aus der Allgemeinheit hervor — und da Ihre Frau Tochter eine so begnadete Künstlerin ist, hat sie auch die Pflicht, mit ihrem Pfunde zu wuchern, — Künstler gehören nicht sich; sie gehören der Allgemeinheit. . , „Meine Tochter ist verheiratet und hat bereits ihren Wirkungskreis!" entgegnete Frau Bunte mit bebender Stimme. Sie mar sehr erregt; auf ihren Wangen brannten rote Flecken; der Gedanke an den Gatten bedrängte sie förmlich. Der Direktor, ein älterer, sehr gepflegter Herr mit gutgeschnittenem Künstlerkopf, erwiderte mit feinem Lächeln: „Ach, meine Gnädigste, vermag denn ein solcher begrenzter Wirkungskreis, wie Sie ihn im Auge haben, eine Künstlernatur so restlos zu befriedigen, daß sie ganz darin aufgehen kann? Viele große Künstlerinnen, die ihren Wirkungskreis in der Welt haben, sind dennoch gute, oft sehr gute Hausfrauen, die ihr Heim und Haus als Kraftzentrale und Ruhepunkt betrachten und nötig haben." „Herr Direktor hat recht, Mama, er spricht mir aus der Seele", bemerkte Magussi, ,^rnd sein Vorschlag ist mir verlockend! — Sie werden allerdings begreifen, Herr Direktor, daß ich nicht gleich eine bindende Zusage geben kann." „Gewiß, gnädige Frau, doch bitte ich dringend, zuerst an mich zu denken, — denn ich wette, daß Ihnen noch verschiedene Engagementsanträge gemacht werden. Es waren gestern abend mehrere auswärtige Direktoren und Agenten da, die aus Interesse an der Oper unseres Kapellmeisters gekommen und von der Sängerin begeistert waren." Bruno Halling hatte kaum ein Wort gesprochen; dafür führten seine dunklen, lodern- denden Augen eine um so beredtere Sprache. Im Geiste sah er Magussi noch immer als Priesterin vor sich und hatte noch immer den betörenden Klang ihrer Stimme in den Ohren. — „Der du die Liebe gibst", — ach, wieviel Liebe hatte sie schenken können — ihm, denn sie gehörte ihm — und seine Oper, sein Kind, war ja auch ihr Kind. 'Fühlte sie das nicht auch selbst? Die Herren erhoben sich und küßten den Damen," sich verabschiedend, die Hände. „Magussi, du wirst das uns, deinen Eltern und deinem Mann doch nicht antun, ein Engagement anzunehmen, rief Frau Bunte aufgeregt, „das ist unmöglich." „Was ist unmöglich?" Magussi lächelte leicht; ihr Blick verlor sich in unbestimmte Fernen. Verzichten — nachdem sie gestern abend kenncngelernt hatte, wie berauschend es war, von seinen Reichtümern mitzuteilen und dafür bedankt zu werden, — den Traum ihrer Tage erfüllt zu sehen? — Das Verzichten war unmöglich! „Mama, cs stürzt so vieles auf mich ein, — laßt mich doch erst einmal zur Besinnung kommen!" versetzte sie ausweichend. Natürlich ließ auch Lilo sich sehen. In Hast kam sie kurz vor Tisch. Magussi war allein; die Mama war mit der Schwiegermutter schon hinuntergegangen; gemeinsam wollte man bei Weisers Mittag essen. „Nun, du Primadonna, du verstehst wirklich zu überraschen. Mein Gott, ich war wie vom Blitz getroffen, als ich dich auf der Bühne sah. Wie du das wagen konntest. Eigentlich müßte ich dir furchtbar böse sein, daß du mich, deine beste Freundin, so ganz ahnungslos gelassen hast!" „Wie konnte ich dir etwas sagen, wovon ich selbst nichts wußte!" Lilo lachte sehr ungläubig. — „Ach, geh, das war doch zwischen dir und dem Kapellmeister verabredet, — jeder hat es gemerkt!" „In dem Sinne, wie du meinst, gewiß nicht! Wie sollte ich — Aber Halling hat mich gebeten, die Partie zu studieren, um möglicherweise einspringen zu können; denn Asta Grellberg ist bei Uraufführungen sehr unzuverlässig, und es konnte sein, daß sie in letzter Minute versagte — und Halling wollte seine Oper gerettet wissen. Natürlich war ich mit allem einverstanden, weil mir Singen Lebensbedürfnis ist. So habe ich mit Frau Professor Schülein meine Rolle täglich durchgenommen — Es fjat mir viel Freude gemacht, und ich habe gar keine Angst gehabt, weil ich meiner Sache so sicher war." „Wirst du nun öfter auftreten?" „Ich wünschte es wohl!" „Nun, du hast Glück gehabt. Im allgemeinen hat man sich ja sehr über dich gewundert, — gerade dir hätte niemand ein solches Wagnis zugetraut." „Das mir aber, so denke ich, geglückt ist!" lächelte Magussi. „Gewiß, gewiß!" beeilte sich Lilo zu versichern, „große Begeisterung herrschte. ^Du sähest auch sehr gut aus. Aber sage: war es nicht ein eigenes Gefühl, als der lyrische Tenor Uhlmann dich umarmte, du ihn küßtest?" (Fortsetzung folgt.) Gtadttheater Gießen Eonderveranstaltung der 7IGOAP. Dienstag, den 29. August 1933, abends 8.15 Uhr Erstaufführung des Dolksstückes »til! Ml UW! von pg. Hch. Bartholomäus preise RM. -.30,1.50 Vorverkauf bei Oberhesstsche Tageszeitung, NS.-Äuchladen und sämtlichen Amtswaltern. TttSOAp. Kreisleitung Gießen. 5357 D Vevsichenike! Donnerstag, den 31.August, abends 8 Uhr Militär-Konzert der sreichswehvkapelle unter persönlicher Leitung 5370A des Herrn Obermusikmeister Krauße. Gvotzes BvMantferrevwevk • Aachener Tuche ab Fabrik an jedermann Feinste reine Kammgarnstoffe zu billigen Barvreisen ab RM. 10.— bis 14.— v. Mir. Muster kostenlos mit Rückporto bsssv Gewandte Vertreter gesucht. Clipper &. Co..1Tuchfabri k, Aachen Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen findet wie folgt statt: 1. Impftermin.- Mittwoch, den 30. August, von 15 bis 16 Uhr. Nachschau: Mittwoch, den 6. September, von 16 bis 16)4 Uhr. 2. Impftermin: Mittwoch, den 6. September, von 15 bis 16 Uhr. Nachschau: Mittwoch, den 13. September, von 16 bis 16% Uhr. Jmpflokal ist die Turnhalle der Pesta- lozzifchule, Wernerwall 18. Zu diesen Terminen können alle in 1932 oder früher geborenen Kinder, bei welchen der Nachweis der erfolgreichen Impfung bisher trod) nicht erbracht wurde, vorgestellt werden. Die Kinder müssen mit rein gewaschenem Körper und reinen Kleidern zur Impfung gebracht werden. Kinder aus Häusern, in denen übertragbare Krankheiten herrschen, sind nicht zugelassen. Gießen, am 28. August 1933. (5361C Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. Seid. ■INDERTHAL An die Schneider, Schneiderinnen, Polsterer und Dekorateure von Gießen und Umgebung. Zwischen den beteiligten Gießener Firmen des Texttl-Einzelhandels ist das nachstehende Abkommen bezügl. der Gewährung von Preisnachlässen und Vergütungen an Schneider, Schneiderinnen, Polsterer und Dekorateure getroffen worden, das mit Wirkung vom 1. September 1933 für fämtliche Firmen verbindlich in Kraft tritt: 6-ZiieWng. Plockstr. 7, 2. Stock, Bad, Mädchenzimmer, Balkon, Zubehör ab l.IO.z.verm. 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H., wenn sie sich persönlich um den Kauf einer Ware durch die Kundschaft bemühen, d. h. wenn der Kauf im Laden in Gegenwart von ihnen oder ihrer Angestellten erfolgt, bzw. die Ware von ihnen selbst im Auftrage des Kunden bestellt wird. 3. Der Preisnachlaß bzw. die Vergütung wird nur gewährt, falls die Warenrechnung spätestens innerhalb 30 Tagen nach Schluß des Kaufmonats bezahlt wird. 4. Das nachträgliche Vorzeigen von Kassenzetteln gibt keinen Anspruch und rechtfertig nicht die Gewährung von Rabatten. Als gewerbsmäßige Schneider, Schneiderinnen, Polsterer und Dekorateure werden seitens unserer Mitgliedsfirmen nur diejenigen Schneider, Schneiderinnen, Polsterer und Dekorateure anerkannt, für die von feiten des Vereins der Einzelhändler zu Gießen e. V., Neustadt 611, eine Berechtigungskarte ausgestellt wird. Wir ersuchen daher alle gewerbsmäßigen Schneider und Schneiderinnen sich in den nächsten Tagen auf dem Büro des Einzelhandels, Neustadt 61, eine Berechtigungskarte ausstellen zu lassen. Diese Karte wird kostenlos ausgefertigt, jedoch nur an solche Personen erteilt, die sich auf Grund ihres Gewerbescheins oder ihrer Steuerkarte als gewerbsmäßige Schneider bzw. Schneiderinnen, Polsterer und Dekorateure ausweisen. 5373V Reichsbund des Textil-Einzelhandels e. V., Ortsgruppe Gießen, Erich Schulte, 1. Vorsitzender. 3 X täglich ein Gläschen Doppelherz macht wieder frisch und arbeitstreudig. Es erneuert Blut und Körpersäfte bei regelmäßigem Gebrauch. Der Erfolg ist verblüffend. Probeflasche RM 1,95, Originalflasche RM 3,70 u. RM 4,65, Doppelherz-Dragees RM 1,50. Zu haben in d. nachstehenden Drogerien: H. Eiges, Seltersweg68a; C. Seibel, Frankfurter Str.; 0. WlnterhoH, Kreuzplatz 9/10; Grünberg: Karl Schott u.sämtl.Filialen Oeffeniliche Mahnung. Folgende Rückstände werden hiermit zur Zahlung bis 16. September 1933 einschließlich gemahnt: 5362C Schulgeld für die Hessische Studien-Anstalt für Juli 1933, Wohnungsmiete aus städtischen Häusern für Juli 1933, 2. Ziel Vorauszahlung an Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlage einschl. Sondergebäudesteuer 1933 und Nachträge aus früheren Jahren, 2. Ziel Kanal-, Straßenreinigungs- und Müllabfuhrgebühren 1933, 3. Rate Bürgersteuer 1933. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt ohne weitere Mahnung Einzug der rückständigen Beträge auf Kosten der Schuldner. Bei den Steuerzahlungen werden die vorgeschriebenen Verzugszinsen erhoben. Gießen, den 29. August 1933. Stadtkasse Gießen. Mittwoch, den 30. August 1933, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 1. Kassenschränke, Kleider- und Wäscheschränke, 1 Gewehrschrank, 1 Bücherschrank, 1 Ladentheke mit Schubkasten, 1 Pianino, Schreibtische, Sofas, Schreibmaschinen, 1 Schäftesteppmaschine, 1 Schuhmachernähmaschine, 1 Radioapparat, 1 Schnellwaage, 70 Dosen Konserven, 3100 Nummern Reclams-Unioersal- Bibliothek, 2 Oelgemälde. 2. An Ort und Stelle, Bekanntgabe im obigen Lokal: 1 Registrierkasse (Krupp), 1 Ladentheke mit Schubkasten und Ausstellungskasten. 5364D 3. Bestimmt: 1 Tankharmonika. Junker, Gerichtsvollzieher in Gießen, Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383. Mittwoch, den 30. August 1933 abLtthrversteigereichimLöwen Neuenweg 28: 3 Büfetts, 1 Kredenz, 1 Standuhr, Waschtische mit und ohne Marmor, 1 Vertiko, 1 Tisch 90:170, 2 Regulatoren, 2 Blumenkrippen, zweitürige Kleiderschränke, 1 Nähmaschine (Wertheim), 1 Kinderstuhl, 1 Wäschemangel, 1 Staubsauger (Lux, fast neu), 2 Kinderbetten (gut erh.), Betten, 1 Kinderbadewanne 1 Geldkassette, 1 Gartenbank, 1 Sofa, 1 Waschkommode, 1 ovaler Tisch, 1 Brutapparat, Bilder, elektrische Lampen, 2 Trumeau- spiegel, 1 Klavierstuhl, 1 Schuhschrank, 1 Gasherd u. v. a. 53650 Ferner zum Verkauf: 10 eintürige Kleiderschränke, 3 Schreibtische und Waschtische. Versteigerung bestimmt! £. Hartmetz Auktionar und Taxator, Neuenweg 28. Ingenieur- F*“g«uabau,FHeger- schule, Papiertechnik Schule Eig. 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