Nr. 149 Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 29. Juni 1953 <£t)d)ttnt tflgltd), autza Sonntags und Feiertage Beilagen; Die 3Qu(triert» ©ieRener Jamilienblättei Heimat >m Bild Die Scholl» Monat» Bezugspreis Mit 4 ‘Beilagen MM. 1.9b Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr . . -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (ßeroali Hernsprechanschlüsse anter Sammelnummer2251 Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Siehe», poftschecktonio: $ran!furt am Main 11686. Siebener feiger General-Anzeiger für Oberhessen Vruck und Verlag: vrühl'sche Unlversttüir-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig.- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorschrift 20° „ mehr. Chefredakteur Dr. Frredr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen TeU Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil L D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Oer ständische Aufbau. Don Dr. Wilhelm Zischdick. Doch vor seiner Abreise nach Genf hat der Führer der „Deutschen Arbeitsfront", Dr. Ley, „Grundsätzliche Gedanken über den ständischen Ausbau und die deutsche Arbeitsfront" niederge- leat, die inzwischen im „Völkischen Beobachter" (Berliner Ausgabe vom 8., 9. und 10. 3uni) erschienen sind. Damit ist zum erstenmale etwas Authentisches über diese Frage veröffentlicht worden, das über die allgemeinsten Umrisse hinaus- geht. Bei früheren Veröffentlichungen handelte es sich um Arbeiten von Männern, die teilweise wenigstens damals noch nicht an entscheidender Stelle standen, und die, soweit das heute der Fall ist, Jweisellvs nun ihre Entwürfe aus anderer Per- pektive überprüfen. Auch das, was Dr. Ley jetzt veröffentlicht, ist kein fertiges Programm. Es zeigt mit Deutlichkeit, wie sehr umfangreich das Gebiet ist, und das; es nicht von heute auf morgen durchorgani- sioct werden kann, wenn gediegene Arbeit geleistet werden soll. Vichts ist richtiger als die Worte am Schluß, „daß der Rationalsozialismus ein Werk baut, von so ungeheuren gigantischen Ausmaßen, wie es noch nie äudot war... " Es soll ein Fundament sein, „auf dem Generationen Jahrhunderte hinaus bauen können". Deshalb ist es dankbar zu begrüßen, daß nun eine Erörterung der konkreten Fragen möglich gemacht worden ist, daß man nicht ein in der Theorie destilliertes fertiges Schema dekretiert, bei dem die Gefahr besteht, daß es bann hinterher zu den realen Ge- Sebenheiten nicht paßt, sondern daß man zunächst ie „grundsätzlichen Gedanken" verkündet. von denen aus es möglich ist, in sachlicher Erwägung von Vorschlag und Einwand allmählich zur endgültigen Gestalt der Dinge vorzuschrei- ten. Die Abkehr von der nie zu Bande kommenden Demokratie des Parlamentarismus braucht keine Despotie zu bedeuten, und es ist jetzt durch die Tat erwiesen, daß man im nationalsozialistischen Staate den Weg vernünftiger Erörterungen gehen wilst Pflicht ist es deshalb, um der Sache willen in diese Erörterung einzutreten. Lieber die Votwendigkeit des Wirtschaftsumbaus selber braucht man dabei keine Worte zu verlieren. 3n dec Sache selbst ist kein Zweifel: aus der Klassenkamps.Atmosphäre müssen wir hinaus, und das geht nicht anders als durch Lieberwindung des sich durch die ganze Wirtschaft hindurchziehcnden Gegensatzes von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, durch die A r - beitsgemeinschaft der Berufs st än de, deren Einteilung nicht von dem Gesichtspunkte dieses Gegensatzes, sondern von den Aufgaben der einzelnen Wirtschaftszweige her geschieht, so daß dann in den einzelnen Organisationen Linterneh- mcr, Angestellte und Arbeiter gemeinsam sitzen. Auch an dein obersten Grundsatz ist nicht wu rütteln, daß Wirtschaft nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Bedarfsdeckung, also Dienst am Volke ist. Der Aufsatz enthält eine Zeichnung, die für den ständischen Aufbau folgendes besagt: Die De- triebsorganisationen entsenden Vertreter in die K r e i s f a ch g r u p p e n, diese die ihrigen in die D ez i r k s f a ch g ru pp e n, und jene in die R e i ch s f a ch g r u p p e n: auf allen Stufen also ist die Zusammenwirkung von Llnterneh- mern. Angestellten und Arbeitern gewährleistet. Die Reichsfachgruppen setzen u. a. die Vahme n t a r i f e auf, diese erfahren in den De- zirksfachgruppen eine konkretere Gestalt und erst rn den Kreisfachgruppen ihre endgültige, ziffernmäßige Ergänzung im Ortstarif, wobei für besondere Fälle Ausnahmeregelungen nach den individuellen Lebensbedingungen eines Einzelbetriebes zulässig sein sollen. Die Rahmentarife sichern dem wirtschaftenden Menschen ein Minimaleinkommen, das nicht unterschritten werden kann, die Ortstarife bringen diese Sicherung in Einklang mit der Existenzsicherung für den Betrieb. Worüber hier noch nichts gesagt ist, das ist die zweifellos geplante Zusammenfassung der Reichsfachgruppen in einer Spitze der Reichswirt - fchaftskammer, der Dezirksfachgruppen in den Dezirkswirtschaftskammern und der Kreisfachgruppen in den entsprechenden Organisationen. Aufgegeben kann dieser Plan nicht sein, weil ohne ihn die einzelnen Stände nicht zur gemeinsamen Volkswirtschaft verbunden werden können, also zu jener positiven Einheit, die mit der bloßen Verneinung der Klassengegensätze noch nicht erreicht ift._ Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind nicht „Stände", sondern „Klassen", aber die Unternehmer, Angestellten und Arbeiter der Holzindustrie, des Baugewerbes, der Metallindustrie usw. bilden „Stände", und wie man diese ausammenspannen will, das dürste wohl der Gegenstand einer weiteren Erörterung sein. Lieber das was dann über das Führerturn im Betriebe gesagt ist, das dem Unternehmertum vorbehalten bleibt, sowie über d i e „S t a n de s ge r ich t e", die der Willkür die Verantwortung entgegensetzen mit einer Strafbefugnis, die bis zur vollen Enteignung in schweren Vergehensfällen reichen soll, braucht in diesem Zusammenhang auch nichts weiter gesagt zu werden, da wir uns jetzt mir mit dem Organisatorischen befassen wollen. Eine gewisse Schwierigkeit besteht darin, daß Dr. Leh den „ständischen Aufbau" und die „Deutsche Arbeitsfront" als Zweierlei begreift, nur dadurch verbunden, daß vielfach Personalunion bestehen dürfte und daß die Arbeitsfront Vertreter in die obersten Fachgruppen entsendet. Man hätte sich auch den „ständischen Nationalistische Strömungen in der Schweiz. Bern, 3uni 1933. Revolutionen sind Weltideen, die jeweils durch die verschiedenen Völker eine verschiedene Verwirklichung erfahren. Die 3dee als solche ist auf kein Land beschränkt, wiederum aber läßt sich das Vorbild des einen Staates nicht durch den anderen Staat kopieren. Der türkische Rationalismus ist in f.iner staat ichen Verwiik.ichung anders als der italienische, der deutsche Rationalsozialismus wiederum ist kein Faschismus, und das Hinausstrahlen der nationalsozialistischen 3dee über die deutschen Landesgrenzen darf niemals sv aufgefaht werden, als würde in den germanischen Rordstaaten ober in der Schweiz nun mit einem Male eine schematische Nachahmung der spezifisch deutschen Leistungen erfolgen. Wenn die Schweiz jetzt von einer mächtigen Bewegung ergriffen ist, die in ihrem Kerne nationalsozialistische Züge trägt, so hat selbstverständlich der Erfolg deS Rationalsozialismus in Deutschland diese Bewegung angefacht und belebt, die Gründe und Ursache der Schweizer Erneuerungsbewegung aber liegen i m Schweizer Lande selbst. Auch die Schweiz leidet heute unter der schweren Krise, die die ganze Welt erfaßt hat. Die Schweizer Parteien und ihre Führer sind überaltert, d i e 3 ugen b brängt nach vorne unb will teilhaben an ber Führung. Hinzu kommt, bah auch in der Schweiz immer stärker eine kommunistische Bewegung ihr Haupt erhebt und den weltrevolutionären Umsturz fordert. 3n Deutschland ist es viel zu wenig beachtet worden, daß im Rovember des Vorjahres G e n f der Schauplatz regelrechter Straßenkämpfe gewesen ist. Das Bundesheer mußte eingreisen, um der Umtriebe des kommunistischen Ostjuden Mohsicewski Herr zu werden. Während früher Zürich unb Bern die Haupt- tummelstätten der kommunistischen Wühlarbeit waren, hat sich die kommunistische Propaganda seit einiger Zeit auf Basel und Genf konzentriert. Die Behörden sind verhältnismäßig machtlos, dem. der Bundesrat hat 1923 ausdrücklich einen Gesetzentwurf ab gelehnt, der die Aufreizung zum Umsturz mit schweren Strafen bedrohte. Erst jetzt hat sich unter dem Drucke der Ereignisse der Bundesrat entschlossen, der Schweizer Bundesversammlung ein Gesetz vorzulegen, das der kommunistischen Zersetzung Einhalt tun soll. Es ist eine ungeheuerliche Tatsache, daß z. B. den beurlaubten Soldaten es seither nicht verboten war, im Friedensdienst Mitglied kommunistischer Bewegungen zu sein. Endlich ist die Jugend, ebenso wie in Deutschland, mit der ganzen Parlamentsherrschaft unzu- frieden. Der Schweizer Parlamentarismus, der auf der Verhältniswahl beruht und keine direkte Verantwortung der Volksbeauftragten und Minister kennt, hat seither die ganze Staatsführung gelähmt. Versuche, zu einem autoritären Kurs zu kommen, haben nirgends das Hebel an der Wurzel gefaßt, sondern sind draus und dran, allenfalls eine Brüningperiode für die Schweiz herbeizuführen. Wie dieser Versuch in Deutschland ausgegangen ist, haben wir ja alle erlebt. Die Entwicklung in der Schweiz wird kaum anders laufen als im Reich. Nach ist die junge Front der verschiedenen natio- nalistischen und nationalsozialistischen Bestrebungen zersplittert und zerrissen. Noch fehlt der überragende Führer, der die große Einheitsbewegung schasst und zum Siege führt. So gibt es allein in der deutschsprachigen Schweiz sieben ihrem Ibeen- Ausbau" als eine Ausgabe vorstellen Ermen, zu deren Erfüllung bann bie Arbeitsfront ba wäre, die auherbem noch bie Selbsthilfe in ben Versicherungen, in ben Krebitinstituten unb Konsumvereinen zu betreuen hätte. So aber ist es offensichtlich bei Dr. Ley nicht gemeint. Vielmehr übernimmt bie Arbeitsfront in seinem Plan bie Aufgaben, bie früher Sache ber Gewerkschaften waren, bis auf bie Tarifpolitik, bie in den stän- bischen Aufbau gehört. Aus allem geht noch nicht klar herror, wie nun bie Organisation — selbstverständlich friebliehe Organisation — ber ja nicht zu leugnenden, wenn auch ihrer klassenkämpferischen Spannung beraubten Sonderinteressen der Arbeitnehmer einerseits, der Unternehmer andererseits gedacht ist, bie bann im „stänbischen Aufbau" ihren Ausgleich finden sollen. So z. D. ist die Arbeitsfront nicht als einfacher Gewerkschafts- Ersatz gedacht, denn von dem ihr zugeschriebenen Schulungssystem, von dem noch ein Wort zu reden sein wird, heißt es wiederum, daß in allen Kursen „Unternehmer, Angestellte und Arbeiter zusammen gleichzeitig geschult" werden sollen. 3n einer reinen Gewerkschaftsorganisation aber würden natürlich nur Arbeitnehmer zusammengefatzt sein. Andererseits bleiben ja voraussichtlich, wenn auch nicht die Arbeitgeberverbände, so doch z. D. die Wirtschaftsverbände der 3ndustrie bestehen unb es ist noch nichts darüber gesagt, wie deren Verhältnis zum „ständischen Aufbau" einerseits, zur Arbeitsfront anderererseits gedacht ist. Diese Fragestellung genügt, um zu zeigen, daß sich wie es bei einem ersten Entwurf selbstverständlich sein dürfte, hier noch mancherlei Verantwortlichkeiten und Aufgabenbezirke überschneiden, unb bah hier noch eine sorgfältige Abgrenzung notwendig ist, deren obersten Grundsatz allerdings Dr. Ley bereits eindeutig festgelegt hat, wenn er erklärt: Der oberste Grundsatz der nationalsozialistischen Revolution heißt: Es darf nichts zerstört Von unserem H.-Korrespondenten. gehalt nach nationalsozialistische Gruppen. In Zü- rich haben sowohl die „Schweizer Heimat- weh r" als auch die „N ationale Front" ihren Hauptsitz. Wenn beide Gruppen sich vereinigen, entsteht ein mächtiger Block, der auch bie verschobenen anberen Splitterbewegungen in seinen Bannkreis ziehen wirb. Denn bie „E i b - genossische Fron t", bie besonbers stark in ber Berner Gegend verbreitet ist, verfolgt durch- aus nationalsozialistische Ziele, ähnlich wie bie „Union nationale“ in ber französischen Schweiz mit ihrem Sih in Genf. Die anbern Gruvo n. z. D. bie Lausanner Volksbewegung „Ordre et Tradition" unb bie bäuerliche Kamp.gemeinschaft „Schweizer Jung- bauern" haben bisher nur kantonale Debeu- tung erlangt. Gelingt es ber Züricher Hauptgruppe. eine Einheitsorganisation durchzuführen, so «oirb ber Schweizer Rationalismus zu einem ausschlaggebenben politischen Faktor. In den Zielen ist man sich schon heute einig. Man verlangt Gesetze gegen die marxistische Hetzpropaganda; man betont den Wehr- gehonten und verlangt das Verbot der Kommuni st ischen Partei. In einem jedoch geht der Schweizer Nationalsozialismus eigne Wege. Zwar will er eine grundlegende Reform der Bundesverfassung, auf keinen Fall jedoch ist an eine Abkehr von einer vernünftigen Demokratie gedacht. Die Demokratie stellt nun einmal die Staatsidee der freien Schweiz dar, unb man gibt nicht ihr, sondern der parlamentarischen Miß- wirtschaft die Schuld an der allgemeinen Verschlechterung der Verhältnisse. Ob allerdings sich Demokratie und Parlamentarismus voneinander trennen lassen, wird die Zukunft erweisen. Diese Zukunft ist vielleicht näher, als man jenseits der Schweizer Landesgrenzen annimmt. Die alten Parteien liegen in voller Auflösung. Der Zulauf zu den verschiedenen Erneuerungsbewegungen ist ein ganz außerordentlicher. Selbst im Bundesheer, das ja ohnehin das konservative Element vertritt, haben die nationalistischen Gedankengänge einen starken Widerhall gesunden. Auch die Schweiz kann nicht auf einem ausgefahrenen Geleise weiter- rollen, wenn die Fahrt der Nachbarstaaten, zumal des Deutschen Reiches, neuen Ufern zugeht Der Stolz auf die geschichtlichen Leistungen des Schweizer Volkes ist überall wieder durchgebrochen. Man hat es satt, Urlaubs-, Reise- und Völkerbundsland zu sein. Wenn Deutschland nicht durch äußere Ein- griffe, sondern durch eine innere Befruchtung zu bie- em Schweizer Gesundungsprozeß beiträgt, so wird ich zweifellos schon in absehbarer Zeit ein vollkommener Wandel der beiderseitigen Beziehungen Herausstellen. Denn das Land Gottfried Kellers und Conrad Ferdinand Meyers, das ja einstmals deutsches Reichsland gewesen ist, drängt mit dem ganzen Sturm und Schwung der Jugend in das geistige Reich aller Deutschen zurück. „Deutsche Echasswoltstoffe - Deutsches Leinen - Deutsche Arbeit." Berlin, 28. Juni. (TU.) Am Mittwoch wurde bei Cords in der Leipziger Straße in Berlin eine Ausstellung „Deutsche Schafwollstoffe — Deutsches Leinen — Deutsche Arbeit" eröffnet, die von der Wo 11verwertungsoereinigung deutscher Landwirtschaftskammern und Schafszuchtoerbände sowie der Deutschen Landwirtschaftsgesellschast in Zusammenwirken mit der Vereinigung Volkskunst und Handwerk eingerichtet worden ist. Die Ausstellung „Deutsches Seinen“ zeigt handgesponnenes und handgewebtes Baue rn- leinen aus ben verschiedensten beutschen Gebieten. Bayern hat derbes Bauernleinen aus dem Rosenheimer Gebiet unb aus dem Bayerischen Wald gesandt. Hessen zeigt sein berühmtes Leinen, u. a. aus Butzbach, farbiges Leinen mit charaktervollen Mustern. Niedersachsen zeigt prächtiges Leinen in Tischdecken, auch pommersches Leinen ist zu sehen. Schlesien ist durch die Schönwalder Stickstube vertreten. Ostpreußen wartet mit Leinentüchern aus ostpreußischem Flachs auf. In der Abteilung „Deutsche Wolle" werden außer den handgesponnenen und handgewebten Kleidern und Möbelstoffen aus deutscher Schasswolle auch handwerkliche Wollstoffe und Teppiche gezeigt. Staatssekretär v. Rohr führte aus, daß diese Ausstellung mehr als eine einfache Werbung für deutsche Ware sei, wie sie im Zuge der nationalen Erneuerung notwendig wäre. Die Ausstellung sei ein Stück Schrittmacherarbeit an einem großen Wirtschaftsplan. Das Ziel nationaireoolutionärer Wirtschaftspolitik müsse die Unabhängigwerden, was auch nur irgendwie demDolks- ganzen nutzen kann . . . Aus dieser Erkenntnis heraus haben wir die Verbände der Arbeiter, der Angestellten unb der Unternehmer nicht in blinder Wut vernichtet, sondern übernommen.“ Eine weitere Problematik liegt in folgendem: 3n den nationaUozialistischen Veröffentlichungen finden wir bisher die Unterscheibung und Gleich- ord.ung von fünf Wirtschafts ständen, nämlich Landwirtschaft, Inbustrie, Handel, Handwerk und freie Berufe. Daß da das Beamtentum nicht einbegriffen ist, ist nicht weiter verwunderlich, denn es stellt keinen Wirtschaftsstand dar. Auch für die freien Berufe, von denen Dr. Ley hier nicht spricht, wird man das nicht in allen Fällen (Aerzte, Rechtsanwälte, Journalisten, Künstler) behaupten können. Interessant aber ist. daß Dr. Ley die Landwirtschaft aus dem „ständischen Aufbau" vollkommen ausschaltet und sie gesondert behandelt wissen will mit der Begründung, daß sie nicht in dem Maße wie die übrige Wirtschaft, unter dem Gesetz der persönlichen Initiative stehe, weil in ihr nicht allein die Tüchtigkeit und der Fleiß den Ausschlag geben, sondern oft Raturgewalten das Ergebnis der Arbeit vernichten, so daß sie als „Hüter und Walter des Lippengutes" eines besonderen Schutzes bedarf, wie er ihr durch das neue Erbfolgegesetz gegeben ist. Da es aber trotz allem sowohl in ihr als in den freien Berufen neben den Trägern des Unternehmens Arbeitnehmer (Inspektoren, landwirtschaftliche Arbeiter. Bürovorsteher, Schreibhilfen, Assistenzschwestern) gibt, also Verhältnisse arbeitsrecht, lieber Ratur, die geregelt werben müssen, so entstehen auch hier noch organisatorische Aufgaben. Die letzte und größte Frage aber ist durch Dr. Ley bei dem Organisationsentwurf für die inachung bes eigenen Volkes a u d) a u f dem Gebiete ber Wirtschaft sein, nicht so, baß man nun aus dem Auslände nichts mehr beziehe, wohl aber so, bah in keinem Augen- blick selbst in kritischer Heil bie eigene Versorgung gefährbet sei. Dem städtischer. Verbraucher wolle es zunächst nicht in den Kopf, daß man deutsche Ware kaufen solle, wenn die auslänbische billiger sei. Er könne nicht verstehen, daß nicht auch in Deutschland die Preise bes Weltmark- t e s gelten sollen. Wer Weltmarktpreise im eigenen Lande haben wolle, müsse hier auch bie Voraussetzungen schaffen tonnen, die in der Welt bestünden. Da das aber nicht gehe, müßten wir auf Weltmarktpreife verzichten. Die Millionen in Deutschland wären niemals aus der Arbeit geworfen, wenn man nicht die deutsche Wirtschaft jener unmöglichen Weltmarktkonkurrenz skrupellos preisgegeben hätte. Bei biefer Konkurrenz siege zum Schluß bas nieb- rigst kultivierte Lanb, wöhrenb bas höchststehenbe unterliege. Durch seine Schutzzollpolitik, durch Kontingentierung und Derwendungszwang unb ähnliche Maßnahmen müsse ber Staat eine Preisgestaltung für bie auslänbische Ware herbei- führen, bei der nicht nur bie. bie guten Willens seien, sondern bas gesamte beutscheVolk zum Kauf ber beutschen Ware veranlaßt werben. Dann erst trete bie Stärkung ber deutschen Kaufkraft unb bie Arbeitsbeschaffung in Deutschland ein, bie bas letzte Ziel unserer Maßnahmen sei. ..Deutsche Arbeitsfront" mit seinem Schulungs- system aufgeworfen. Von ben Abenbkursen in ber Ortsgruppe über bie Gauschule, bie Lanbes- schulen, bie Reichssührerschulen bis zu ben brei Hochschulen, von benen bie erste ber Weltanschauung, also ber politischen, bie zweite ber arbeitswissenschaftlichen, bie dritte ber sachlichen Berufsausbilbung bienen soll, will bie Arbeitsfront bie Teilnehmer in immer höherem Maße an ben Staat heranbringen. Rur bie politische Schulung bes Beamtentums unb bes Lanbvolkes soll eigene Wege gehen. Der Gebanke ist sicher im höchsten Maße fruchtbar unb er ist richtig angeseht Aber es liegt auf ber Hanb, baß gerabe hier bie stärksten Ueberschneibungen mit all ben anberen Schulungssystemen auftreten werben Der Weg ber allgemeinen 2 ilbungs- schule (Volksschule, höhere unb Hochschule), ber fiskalischen Fach schulen (Berufsschule, höhere Fachschulen, Technische Hochschulen), ber privaten ober von Organisationen getragenen Sonber- schulungssysteme in einzelnen Berufsgruppen, ist immer toieber ein anberer unb gerabe hier kommt es barauf an, vom Vorhanbenen „nichts Rüh- liches zu zerstören". An biefer Stelle werben sich wahrscheinlich bie verzwicktesten Organisationsfragen auftun. Ihre Lösung wirb von bem Gesichtspunkt aus geschehen müssen, wie bas von Dr. Ley gezeichnete Ibeal am besten unb möglichst organisch erreicht werben könne. So wirb es noch einmal ganz deutlich, daß in den Ausführungen Dr. Leys noch keine authentische Lösung der Probleme, wohl aber ein erster authentischer Vorschlag gemacht ist. Wir glauben, unsere staatsbürgerliche Pflicht zu erfüllen, indem wir hier zunächst einmal unsere Fragen aufgeworfen haben, aus denen sich eine Ergänzung unb Verwirklichung anbahnen mag. Gcharfe Absage an Oollfuß und Gtarhemberg Der Salzburger Landesführer aus dem Hcimatfchutz ausgetreten. Salzburg, 28. Juni. (WTB.) Der Landesführer des Salzburger Heimatschutzes, der frühere Justizminister Dr. H u e b e r, erläßt an seine Heimatschutzkameraden einen Aufruf, in dem er sei« nen Austritt aus dem Verband des Oester- reichischen Heimatschutzes mitteilt. Er erklärt weiter u. a.: „Ich gehörte der Heimwehr seit ihrer Gründung als guter Deutscher und Oe ster- reicher an, in der Ueberzeugung, daß durch diese Wehrbewegung unserem Vaterlande ein Instrument zur Bekämpfung des Marxismus und zur E r - Haltung des Deutschtums, seiner Religion und Kultur geschaffen werden soll. Bis in die jüngste Zeit war eine selbstverständliche Grundlage unserer Bewegung, die eng st e Verbindung mit dem deutschen Gesamtoolk. Die von der Regierung Dollfuß und vom derzeitigen Heimatschutzführer unterstützte Politik muß aber nicht nur zu einer dauernden Entfremdung zwischen Deutschland und Oesterreich führen, sondern bedroht den deutschen Charakter unseres Volkes. Eine solche Politik kann ich für meine Person nicht mitmachen, besonders dann nicht, wenn die Stützung und Finanzierung dieser Politik (Lausanne-Anleihe) durch das nichtdeutsche Ausland erfolgt. Der bisherig^ Abwehrkampf der Regierung gegen gewiß zu verurteilende politische Delikte ent wickelt sich immer mehr zu einem Vernich- tungskampf der Christlich-Sozialen Partei und volksfremder Elemente gegen den völkischen Gedanken in Oesterreich. Dieser Kampf muß innerpolitisch Oesterreich dem Marxismus in die Arme treiben, außenpolitisch aber Kombinationen fördern, die Oesterreich nur ablehnen kann. Amerika und die Abrüstung. Norman Davis berichtet Roosevelt. 7! e ü y o r k. 29. Juni. (1DIB. Juntfprud).) Reuter. An Bord der Jacht „Amberjack". die durch Rebel auf der Rebelhöhe von Roque Island (Maine) avsgehalten wird, hat der amerikanische Delegierte für Europa, Rorman Davis, dem Präsidenten Roosevelt Bericht erstattet. Rorman Davis soll dem Präsidenten erklärt haben, in der öffentlichen Meinung in Europa mache sich eine immer stärker werdendeBewegung zugun st en der Abrüstung bemerkbar. Die künftige Entwicklung werde erheblich von der Stabilität der deutschen Regierung abhängen. Präsident Roosevelt habe seinerseits betont, daß amerikanische Zusagen für eine gemeinsame Beratung im Falle einer politischen Krise ein abgerüste- tes Europa zur Voraussetzung hätten. Er habe Rorman Davis beauftragt, binnen einer Woche nach Europa zurückzukehren und seine Bemühungen um Frieden und Abrüstung entsprechend dem jüngsten Aufruf des Präsidenten fortzusehen. Eine Versailles-Kundgebung der Berliner Giudentenschast. Berlin, 28. Juni. (TA.) Wie alljährlich am 28. Juni so veranstaltete auch diesmal die Studentenschaft der Berliner Hochschulen eine große Kundgebung gegen das Diktat vonVersailles. Tausende von Studenten in Braunhemd oder mit Blühen, die Fahnenabordnungen in vollem Wichs, Hitlerjugend und viele Mitglieder der RS.-Jugend, Betriebszellen aus den Berliner Betrieben hatten sich zu der vom Kreis X des RS.-Deutschen Studentenbundes und vom Kreis Brandenburg-Pommern der Deutschen Studentenschaft veranstalteten Kundgebung auf dem Opernplah gegenüber der Universität eingefunden. Der Bertreter des Kreises Brandenburg- Pommern der Deutschen Studentenschaft, D e l - Hahr, gab zunächst eine Erklärung ab, die auf den Kundgebungen der Studentenschaft in allen Orten Deutschlands zur Verlesung gekommen ist. Es heißt darin u. a., daß am heutigen Tage in Sofia eine große Kundgebung der Studentenschaft Groß-Deutschlands, Albaniens, Bulgariens, Kroatiens, Mazedoniens, der Ukraine und Angarns stattgefunden habe, auf der eine „in ter nationale studentische Liga für die Beuge st altung Europas" gegründet worden sei, deren Aufgabe die Bekämpfung der Friedensdiktate sei. Die Liga fordere die Staatsgrenzen den Dolksgrenzen entsprechend und daß diejenigen Minderheiten, die aus geographischen oder wirtschaftlichen Gründen mit ihrem Volk nicht vereinigt werden können, international garantierte Rechte erhalten mühten. Der Kreisführer der BSD AP., Hip.pl er, erinnerte vor allem an den Kampf des ehemaligen preußischen Innenministers S e v e r i n g gegen die Protestkundgebung der deutschen Studenten am Tage von Versailles- Dieser Kampf des Systems habe seine tieferen Ursachen gehabt. Der 9. November und der 28. Juni beruhten beide auf der Kriegsschuldlüge. Wenn daher von den Studenten gegen den 28. Juni gekämpft worden sei, so habe sich der Rovember- staat mit Recht getroffen gefühlt. Im Anschluß sprachen noch der Bannführer der Hitlerjugend, Jahn, und der Gauführer der nationalsozialistischen Jugendbetriebszellen, A x m a n n. Deutsche Studenten an den Gräbern von Langemarck. Brüssel, 28. Juni. (ERB ) Am Tage von Versailles haben deutsche Studenten, Teilnehmer an der zweiten Flandernfahrt der Deutschen StuÄentenschast, der 10000 Gefallenen auf dem Friedhof von Lange- mar ck gedacht. Etwa 50 Vertreter verschiedener akademischer Verbände, Regiments- und Frontkämpfervereinigungen vereinigten sich heute nachmittag in der Gedenkhalle der Grabstätte. Hans Henning Frhr. v. Grote ries die Novembertage 1914 wach, in denen die Regimenter an dieser Stelle unter dem Gesang des Deutschlandliedes in den Tod stürmten. Die erschütternde Schilderung dieses Augenblicks in dem Buche des Reichskanzlers Adolf Hitler „Mein Kampf", wurde wieder wach. Gesandtschaftsrat Dr. B r ä u m e r von der deutschen Gesandtschaft in Brüssel sprach den Wunsch aus, Lustfahrt tut not! Sine Preisaufgabe des Gießener Anzeigers zur Werbewoche des Deutschen Lustfahrtverbandes. In diesen Tagen der Luftfahrt-Werbewoche, m der in unserem Vaterlande dem in die Zukunft weisenden Flugsport neue Freunde gewonnen werden sollen, darf inmitten der vielerlei Veranstaltungen eine Preisaufgabe nicht fehlen. Der „Gießener Anzeiger" will damit neben den zahlreichen werbenden Aufsätzen über Flugwesen und Flugsport weiter dazu beitragen, die Sache der deutschen Luftfahrt nach besten Kräften zu unterstützen. Unser Flughafen ist von der Stadt Gießen nicht mehr zu trennen. Der Flughafen und die kleine Schar der wagemutigen Motorflieger, die vielen Segelflieger und die leider noch beschränkte Zahl ihrer Förderer sind aus unserem Gemeinwesen nicht mehr fortzudenken. Ja, das Lied der Motoren, das im Lauftraum über der Stadt fast täglich erklingt, möchte man nicht mehr missen. Es ist wohl auch kaum jemand, der nicht einige Aufmerksamkeit übrig hätte für die Segelflieger, die im Schlepptau der Motorflugzeuge über uns ihre Kreise ziehen. So soll die Preisaufgabe des „Gießener Anzeigers" zu einem guten Teil auch dem Gießener Flughafen und seinen Fliegern gewidmet sein. All denen, die nur ein wenig Interesse für den Flugsport haben (und wer hätte das nicht?), wird es nicht schwer fallen, auf unsere zehn Fragen die rechten Antworten zu finden. Als Preise sind — das soll ein weiterer Ansporn sein — drei Freiflüge gestiftet. Außerdem winken neun weitere wertvolle Preise. Wer ohne jedes Geldopfer die Chance haben will, einmal das Erlebnis des Fliegens kennenzulernen, wird also nicht verfehlen, sich an dieser Preisaufgabe zu beteiligen. Die Fliegerei soll eine Sache des ganzen deutschen Volkes, insbesondere aber der Jugend werden. Alles, was der Fliegerei dient, muß unser aller Interesse finden, denn die deutsche Fliegerei ist deutsche Zukunft. Die Fragen: 1. An welchem Tage besuchte Reichsstatthalter Sprenger zum erstenmal den Gießener Flughafen? 2. In welchem Jahre und in welchem Monat wurde der Flughafen Gießen eröffnet? 3. wer ist der bekannteste Gießener Motor- flieget? 4. wer ist der bekannteste Gießener Segel- flieget? 5. Wann und wo wat in Gießen der erste Flugtag nach dem Kriege? 6. welche Länge hat die Rollbahn auf dem Flughafen? 7. welches ist die größte deutsche Landverkehrsmaschine? 8. wer war der erfolgreichste deutsche Kriegs- Jagdslieger? 9. welcher deutsche Flieger umflog im vorigen Jahre die Erde auf einem Gcönlandwal? 10. Welcher nationalsozialistische Führer war der Kommandeur des Richthofen-Geschwaders? Die Bedingungen: Teilnahmeberechtigt an der Preisaufgabe ist jeder Bezieher des „Gießener An- zeigers" mit Ausnahme des Personals des „G. A." und aller Angehörigen des Flughafens. Die Lösungen müssen mit der besonderen Aufschrift „Preisaufgabe" versehen, bis zum Samstag, 1. Juli, 14 Uhr, im Besitze der. Redaktion des „Gießener Anzeigers", Gießen, Schulstraße 7, sein. Die letzte Bezugsquittung ist beizufügen. Treffen mehr richtige Lösungen ein, als Preise vorhanden lind, so entscheidet das Los. Die Teilnehmer an dieser Preisaufgabe erkennen die Entscheidung der Redaktion unter Ausschluß des Rechtsweges als verbindlich an. Die Preisträger werden am Sonntag, 2. Juli, 17 Uhr, während des Flugtages auf dem Flugplatz bekanntgegeben. Gleichzeitig gelangen d i e F r e i f I ü g e an die ersten drei Preisträger zur Verteilung, soweit die Preisträger anwesend sind. Spätere Flüge bestimmt die Flugleitung. Das Gesamtergebnis der Preisaufgabe, wie auch die Namen der Preisträger werden am Montag, 3. Juli, im„GießenerAn- zeiget" veröffentlicht. Fördert und schützt die deutsche Luftfahrt! Ihrer Erstattung dient wie allem vaterländischen Streben euer Heimatblatt, der Gießener Anzeiger. die alljährliche Flandernfahrt nach dem Kriegsfried- hof von Langemarck möge immer mehr z u einer deutschen Wallfahrt werden. Oie Eingliederung -erIugend Berlin, 28. Juni. Die Pressestelle der Reichs- jugendfühtung teilt mit: Folgende Jugendver- bände haben sich a u s g e l ö st und Anweisung gegeben, ihre Mitglieder in die Hitlerjugend zu überführen: Nerother Bund, Waldpfadfinder, Jugendgruppen der Deutschen Falkenschaft (Schirmherr Wilhelm Kotzde), Wandervogel Deutscher Bund. Ebenso hat sich das Autonome Deutsche Koloniale Jugendkorps (Hauptmann Schmidt) aufgelöst. Der Korpschef hat den liebertritt der einzelnen Mitglieder in die Hitlerjugend angeordnet. Der Bund Deutscher Pfabfinderinnen EV., der schon seit längerer Zeit auf dem Boden der nationalsozialistischen Weltanschauung steht, hat sich auf Anordnung der Bundesfüyrerin Käthe Gerling aufgelöst. Die Mitglieder des Bundes Deutscher Pfadsinderinnen werden einzeln in den Bund Deutscher Mädel in der Hitlerjugend überführt. Die Kyfs Häuser-Jugend überführt alle ihre Mitglieder unter 18 Jahren ebenfalls in die Hitlerjugend. In der Zeit vom 30. Juni bis 4. Juli wird in Potsdam das letzte Treffen der Mitglieder des Kyffhäuferjugendbundes unter 18 Jahren stattfinden. Der ständische Ausbau der deutschen Zuristenschast. München, 28. Juni. (WTD.) Der Reichsleiter der Rechtsabteilung der RSDAP. Dr. Frank erläßt eine Bekanntmachung, in der darauf hingewiesen wird, daß die einzig zuständige Stelle für die Gesamtfragen des Ausbaues der ständischen Organisation der deutschen Juristen ohne Rücksicht auf die bisherige Partei- und Vereinszugehörigkeit, ausschließlich d i e R e ich s lei t un g s-Re ch t s a b teilu n g der RSDAP. ist, welche die mit der ständischen Organisation zusammenhängenden Fragen und Dienstgeschäste der Reichsführung des Rationalsozialistischen Deutschen Juristenbundes übertragen hat. Alle parteiamtlichen Anordnungen über den ständischen Ausbau für die Juristenschaft werden ausschließlich von dem Reichsleiter Dr. Frank in stetem Einvernehmen mit dem Führer erlassen. Aus der NSDAP. ausgeschlossen. Berlin, 29. Juni. (WTB. Funkspruch.) Wie die Pressestelle der RSDAP. mitteilt, haben die ehemaligen Parteigenossen Hauptmann a. D. v o n Marwitz, Hauptmann a. D. C o r d e m a n n, Hauptmann a. D. Wolf und Hauptmann a. D. Dr. Zucker, sämtlich in Berlin, durch telegraphische und telephonische Einwirkung über Gauleiter, Handelskammern usw. versucht, dem Führer die Freiheit notwendiger Entschlie- hungenzu rauben. Sie sind auf Anordnung des Führers sofort ihrer Aemter enthoben und aus der Partei ausgeschlossen worden. Auf Befehl des Reichskanzlers wurden sie in Haft genommen und i n ein Konzentrationslager einge- liefert. Danziger Staatsbesuch in Warschau. Danzig, 28. Juni. (TU.) Im Zusammenhang mit der Amtsübernahme des neuen Senats in Danzig hat der neugewählte Präsident des Senats, Dr. R a u s ch n i n g, und auch der stellvertretende Präsident des Senats Greiser den Wunsch geäußert, einen offiziellen Besuch in Warschau abzustatken. Im Einvernehmen zwischen der polnischen Regierung und dem Senat der Freien Stadt ist der Besuch auf den 3. Juli festgesetzt worden. Es ist in Aussicht genommen, gelegentlich dieses Besuches sich über die Möglichkeit der Aufnahme direkter Verhandlungen über bestehende Meinungsverschiedenheiten zu verständigen. Kleine politische Nachrichten. Wie die Reichspressestelle der RSDAP. mitteilt. wurde durch Kabinettsbeschluß bestimmt, daß der Stellvertreter des Führers der RSDAP., Rudolf Heß, künftig an den Kabinettsitzungen und Ministerraten der Reichsregierung t e i I n i m m t. * Die Reichsführung der D e u t s ch e n Staatspartei erläßt folgende Erklärung: Die Deutsche Staatspartei wird hiermit aufgelöst. Der bisherige Führer des DHV. Mil - tzow ist — wie wir hören — von feinem Posten zurückgetrelen. Mit der Leitung des DHV. ist fein bisheriger Vertreter von der Heydt betraut worden. * Der Reichsorganifationsleiter des KfdK., Staatskommissar Hinkel, hat den Präsidenten der Deutschen Dichterakademie Hanns Johst mit der Reichsfachleitung der Gruppe Schrifttum im Kampfbund für deutsche Kultur beauftragt. Aus Gründen der Vereinheitlichung der Führung des Reichslandbundes wird beim Reichs- bauernführer Walter Darrs ein aus dreizehn Referaten bestehendes Stabsamt errichtet, dessen Leitung der Stabsleiter im Amt für Agrarpolitik Dr. Hermann R e i s ch l e ^übernimmt. Weitere sechs Justizbeamtenver- bände haben ihre Auflösung beschlossen, und zwar der Bund der oberen Justizbeamten und Anwärter, der Verband der Strafvollzugsbeamtinnen, der Verband der preußischen Gerichtsvollzieher, der Verband der preußischen Justizfekre- täre, die Vereinigung der Amtsgerichiskalkulato- ren und der Reichsverband der Justizoberbeamten und deren Anwärter. Ihre Mitglieder haben ihren Beitritt zur Fachgruppe Justiz im Deutschen Deamtenbund, welche in Zukunft die Aufgabe dieser Verbände lösen wird, erklärt. ♦ Der frühere deutschnationale Landtags- und Reichstagsabgeordnete Dr. Eduard (Stabiler, der inzwischen der RSDAP. beigetreten ist, wird, wie verlautet, vom 1. Juli ab an maßgebender Stelle als politischer Leiter der illl- steinschen Zeitungsbetriebe tätig sein. » Der Intendant der Rvrddeutschen R u n d fu n k - G. m. b. H. Hans Boden st edt ist heute auf eigenen Wunsch von seinen Geschäften entbunden worden. Bis zur Wiederbesetzung des Jntendantenpostens wird der Direktor des Rordfunks Gustav G r u p e die Ge- famtleitung der Gesellschaft übernehmen. * Ster Führer der holländischen Delegation auf der Weltwirtschaf tskonf erenz, Ministerpräsident Co- l i j n. erklärte, daß Holland keineswegs beabsichtige, d i e G o l d w ä h r un g auf* zugeben. Alle gegenteiligen Gerüchte entbehren jeglicher Grundlage. Aus aller Welt. Dellkraflkonferenz in Stockholm. Stockholm trafen, von Kopenhagen kommend, die Teilnehmer an der W e l t k r a f t k o n f e r e n z und dem Talsperrenkongreß in Sonderzügen ein. Im Stockholmer KonzerthauS fand die Eröffnung der Weltkraftkonferenz statt. Rach einer mufika- lifchen Einleitung hielt der schwedische Kronprinz die Begrüßungsansprache und wies einleitend auf die außerordentliche Bedeutung der Kraftprobleme, insbesondere in bezug auf die Kraftversorgung des Transportwesens hin. Aus ungefähr 40 Ländern waren 800 Teilnehmer erschienen. Der Vorsitzende der schwedischen Ingenieur-Akademie und Präsident des Kongresses, Kommerzienrat E n st r ö m , gab einen Lleberblick über das technische Arbeitsprogramm. Anschließend ergriff der Ehrenpräsident des Weltkraft* kongrefscs, Exzellenz Oskar von Miller, das Wort. Für seine Ausführungen erntete er den herzlichen Beifall der Versammlung. Dann sprachen der Engländer D u n l o p und der Franzose Mercier, der auch den Talsperrenkongreß eröffnete. Ein neues Haus dec Aerzleschaft in Berlin. Das Grundstück Linden st raße 42 in Berlin ist von den ärztlichen Spitzenverbänden, dem Verband der Aerzleschaft Deutschlands (Harimannbund) in Leipzig und dem Deutschen Aerzleoereinsbund in Potsdam gemeinsam a n g e k a u s l worden und soll nach entsprechendem Umbau alleGeschästs- und Verwaltungs st eilen des Aerzte- ft a n b e s beherbergen. Die beiden ärztlichen Spitzenorganisationen werden am 1. Januar 1934 ihren Wohnsitz nach Berlin verlegen. In dem neuen Hause werden ferner unlergebracht das Aufklärungsamt für B e v ö l k e r u n g s- Politik und Rassenpflege, die Presse- st e l l e und der Verlag der Deutschen Aerzte- schast, die Schrislleilungen des „Deutschen Aerzteblaltes" und der Zeitschrift „Neues Volk", sowie der Korrespondenz für Volksaufklärung und Rassen pflege. Mit der Ausarbeitung der Umbaupläne ist Professor Troost - München, der Erbauer des Braunen Hauses, beauftragt worden. Vollstreckung eines Todesurteils. Rachdem der preußische Ministerpräsident beschlossen hat, von dem Rechte der Begnadigung keinen Gebrauch zu machen, sondern der Gerechtigkeit freien Lauf zu lassen, ist, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, das Todesurteil gegen den Besihersohn Walter B u ch h ol z in Allenstein vollstreckt worden. Buchholz war durch Urteil des Schwurgerichts in Allenstein vorn 8. April v. I. wegen des in Lindenberg (Kreis Osterode) an seinem Vater begangenen Mordes zum Tode verurteilt worden. Reber 300 Todesopfer beim Erdbeben auf Sumatra. Rach den aus Palembang (Sumatra) in Amsterdam eingegangenen Meldungen ist die Zahl der Todesopfer des Erdbebens, von dem Südwest-Sumatra heimgesucht wurde, weil größer, als ursprünglich angenommen. Allein im Ranau- Gebiel sind 1 0 4 Tote und 72 Schwerverletzte gezählt worden. Ferner sind in Süd-Benkoelen 206 Menschen ums Leben gekommen und 19 schwer verletzt worden. Damit ergibt sich eine Gesamtzahl von 3 1 0 Toten und 91 Verwundeten. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß auch diese Zahlen noch nicht endgültig sind. Elf ungarische Bergleute im Schacht eingefchlossen. In den Solymarer Bergwerken der Kohlenbergbau AG. Budapest ist ein wegen Uebevschwemmung außer Betrieb gefetzter Schacht einge stürzt, wodurch die Zugänge des benachbarten Schachtes verschüttet wurden. Elf Bergleute, die in diesem Schacht arbeiteten, sind von der Außenwelt abgesperrt. Die Rettungsarbeiten sind im Gange. Ministerpräsident Dr. Werner Vorsitzender des Odenwaldklubs. Neckarsteinach, 25. Juni. (WSN.) Der Odenwaldklub hielt heute hier seine 51. Hauptversammlung ab, zu der aus Hessen, Baden und Bayern etwa 3000 Mitglieder und Vertreter gekommen waren. Die Tagung stand unter der Leitung von R h e i n d l - Mosbach, der zunächst die Ehrengäste und die Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden herzlich begrüßte. Unter den Ehrengästen befand sich auch der 80jährige Odenwalddichter Adam Carri l l o n. Die Reichsstatthalter in Hessen und Württemberg, der hessische Ministerpräsident und der frühere hessische Großherzog hatten Begrüßungsielegramme gesandt. Die geschäftlichen Punkte der Tagesordnung wurden rasch genehmigt. Der Vorsitzende teilte darauf mit, daß Ministerpräsident Dr. Werner das Amt des ersten Dorsitzenden übernommen habe. Diese Mitteilung wurde mit Begeisterung begrüßt. Zweiter Vorsitzender wurde der Versammlungsleiter R h e i n d l - Mosbach, Schatzmeister Rühl- Darmstadt. Im übrigen blieb es bei der bisherigen Aemlerbesetzung. Dem seitherigen langjährigen Vorsitzenden Oberbürgermeister Mueller - Darmstadt wurde für seine langjährige verdienstvolle Arbeit herzlicher Dank ausgesprochen. Schweres Autounglück bei Guntersblum. WSR. Mainz, 28. Juni. Gestern kurz nach 19 Tlhr ereignete sich auf der Straße zwischen Dienheim und Guntersblum ein schweres Autounglück. Ein Möbellransporlwagen, der von einem Traktor gezogen wurde, stieß mit einem entgegenkommenden Personenauto, in dem sich ein Ehepaar aus Ludwigshafen und der Bruder der Frau befand, zusammen. Der Oberteil des Personenwagens wurde vollständig weggerissen und die drei Insassen bewußtlos auf die Straße geschleudert. Sanitäter und Polizei waren bald zur Stelle. Ein von Osthofen kommendes Polizeiauto überführte die Schwerverletzten ins Mainzer Krankenhaus. Die Frau starb bereits auf dem Transport ins Krankenhaus, während der Bruder der Frau heute vormittag feinen schweren Verletzungen erlag. Erneute Demonstrationen in Mainz. Mainz, 28. Juni. (WSR.) Gestern kam es in den späten Rachlstunden an einigen Stellen der Stadt zu erneuten Demonstrationen gegen verschiedene Personen. Die Menschenansammlungen veranlaßten die Polizei in mehreren Fällen zur Schutzhaft zu schreiten. Erst in den frühen Morgenstunden zeigten die Straßen wieder ein ruhiges Bild. In der Bahnhofstraße hielt der Standartenführer Hügel eine kurze Ansprache an die Bevölkerung, in der er sie aufforderte, dem Führer die Arbeit nicht unnötig zu erschweren. Wer anständig sei, gehe nach Hause. Die Mahnung wurde von dem größten Teil der Anwesenden auch befolgt. Aus der Provinzialhaupisiadi. ,Fahrt ins Staue**. Zu dieser „Fahrt ins Blaue", an die ich denke, gehört nicht etwa das Geratter eines Zuges, der uns irgendwohin trägt, oder das Staub aufwirbelnde Bollen eines anderen .Wanderers" durch die Landschaft — nein: zu dieser Fahrt gehören nur wir allein mit der Sehnsucht, den Alltag von uns abzustreifen, einen Flug der Gedanken zu wagen in eine ander« Welt, die wir allein uns aufbauen können. Wenn wir des Abend- müde von der Arbeit heimkehren, dann sind wir erfüllt von dem Wunsch auszuruhen. ilnb darum gehen wir nach der kurzen Abendmahlzeit schnell hinüber zu dem bunten Sessel am Fenster und zünden uns eine Zigarette an. DaS waren die .Reisevorbereitungen". Uni) jetzt beginnt die .Fahrt". Unwillkürlich schauen wir den eigenartigen blauen (Ringeln nach, die von dem brennenden Etwas in unserer Hand hinauf zur Decke steigen. Und dabei lösen wir uns unbewußt von allem ab, was uns b s dahin begleitete. Wir wandern aus den geschwungenen Linien, die uns vorge- Keichnct sind, aufwärts und schweben irgendwo in ein Traumlond, das aus phantastischen Gebilden und beschwingten Wesen besteht. Unsere Gedanken formen aus den Ringen, die sich, je weiter sie fliegen, immer mehr auflösen, bekannte Bilder: Berge, die wir einmal bestiegen haben, Weilcn b:e uns an heißen Sommertagen trugen, vielleicht auch Menschen, die uns lieb sind . .. Tausenüiach sind die Wege, die uns durch das „blaue Land" führen und tausendfach die Erlebnisse, die in uns erklingen. Und aus immer größeren Tiefen holt der Ruf der Erinnerung Dergangenheitswerte herauf, die in den zarten Rauchfahnen wie ein Gleichnis an uns vorüber- -ichen. Ein Bild reiht sich an das andere, und allmählich, wenn der Rauch dichter wird, verschmelzen sie ineinander, nehmen neue Gestalt an und verschwinden endlich ganz- —-- Wir wachen auf, ganz plötzlich. Denn ein brennender Schmerz an der Hand ruft uns in die Wirklichkeit zurück. Die Zigarette ist nur noch ein kleiner glimmender Stummel zwischen den Fingern. Wir müssen sie fortlegen. Unsere „Reise" hat ein jähes Ende gefunden. Aber bnd ist nun einmal das Schicksal jeder Fahrt, die ins „Blaue" führt. Em. GießenerReichöwehr auf demTruppen- übungsploh Altengrabow. Das hiesige Reichswehr-Bataillon verläßt in diesen Tagen unsere Stadt, um an einer größeren Ucbung im Regimentsverband auf dem Truppen- Übungsplatz Altengrabow bei Magdeburg teilzunehmen. Die Maschinengewehr-Kompanie verläßt bereits am Dienstag, 4. Juli, die Garnison, während die anderen drei Kompanien am Montag, 10 Juli, mit dem gesamten Material folgen werden. Das Bataillon wird etwa drei Wochen auf dem Truppenübungsplatz sein und am Samstag, 29. Juli, nach Gießen zurückkehren. Werbeversammlung der Frauengruppe des VOA. Gießen. Für den Dienstagabend hatte die Frauengruppe des BDA. ihre Mitglieder und Freunde zu einer Mitglieder- und Werbeversammlung in den Saal des Gasthauses „Hindenburg" eingeladen. Die Teranstaltung wurde mit einem Borspruch und einem Gedichtvortrag, beide von Frl. Schultze gesprochen, eingeleitet. Frau Professor Eger, die Führerin der Frauengruppe Gießen des BDA. begrüßte die Ber- sammlung. Sie führte aus, daß es heute Pflicht einer jeden deutsch denkenden Frau sei, Mitglied des BDA. zu werden. Alsdann berichtete sie als Teilnehmerin an der Passauer Pfingst- tagung des BDA. über Geschehnisse und Eindrücke von der Tagung, die der BDA.-Eache in Dr. Steinacher einen neuen Führer und auch den neuen Hamen „Bolksbund" gebracht habe. Heute sei die Zusammenfassung aller Kräfte nötig, um die Auhenposten des Deutschtums nicht zu verlieren. Aus 18 Staaten wären Frauen und Mütter nach Passau gekommen, die von schweren Kämpfen, die sie für ihr Deutschtum z>l bestehen hätten, berichteten. Bon ehemals mehreren hundert deutschen Auslandsschulen könnten sich heute nur noch 50 behaupten, in Litauen bestünden nur noch drei Schulen. Schon die Kindergärten seien zu erhalten und zu schützen, damit schon die Erziehung der jüngsten deutschen Jugend gewährleistet sei. Die Rednerin sprach dann über den glänzenden Berlauf der Tagung, über das einmütige Bekenntnis des BDA. zum I neuen Deutschland und seinen Führern, über den I gemeinsamen Gottesdienst der beiden Konfessionen. über die große Kundgebung zur deutschen Einheit und über die Gedenkfeier für die Gefallenen des Grenzkampfes. Anschließend zeigte die Vortragende in prachtvollen Bildern die alte Bischofsstadt Passau. Im zweiten Teil des Abends schilderte Dr. R e u s ch (Gießen), der Dertrauensmann der hie- I fiaen Studentengruppe des BDA., an Hand guter Lichtbilder den Festzug der 10 000 Teilnehmer und zeigte dann in längerem Bortrag neue Wege und Richtlinien, die nach dem Durchbruch der nationa- len Revolution von dem Volksbund zu gehen sind. Er siihrte u. a. aus, daß die nationale Revolution infolge des Schandvertrags von Dersailles an un- feren Grenzen halt machen muffe. Der neue nationalsozialistische Staat unterstütze die Bestrebungen Volksbundes. Der BDA. müßte über die Grenzen hinaus ausklärend wirken über die Geschehnisse in Deutschland, er müßte jenseits der Grenzen Aufllärung darüber geben, warum wir öte nationale Revolution hätten machen müssen. So Ware es infolge der Zustande in Oesterreich nur ettoa 300 bis 400 Deutschösterreichern möglich gc- wesen, an der Tagung teilzunehmen. Es müßten letzt alle Kräfte im Land für das neue Deutschland eingesetzt werden, an der Reichsgrenze dürfe es aber kein Halt geben. Die Grenzen innerhalb unseres Reiches seien gefallen, wir seien wieder ^u Bolk geworden, die Verbindung mit den Volksdeutschen über die Grenzen hinaus festzuknüpfen, hohe Aufgabe des Volksbundes. Zum Schluß forderte der Redner dazu auf, die Jugend 8U gewinnen für die hohen Aufgaben, die dem deutschen Volk diesseits und jenseits der Grenzen obliegen. Starker Beifall lohnte die Ausführung gen der beiden Bortragenden. Der Erlös einer vorgenommenen Vüchsensammlung soll dem Kindergarten in Rordschleswig zugute kommen. Oie Mehrleistungen in der Ver« sorgung der Kriegsbeschädigten. (Eine Klarstellung der Ansprüche. Gegenüber mißverständlichen Veröffentlichungen über den dritten Erlaß des Reichsarbeitsministers über weitere Mehrleistungen in der Reichsverfor- ßung vom 19. Mai 1933 wird von zuständiger Seite Darauf hingewiesen, daß auch bei Verwundungsfolgen für eine Rente Voraussetzung ist, daß die hervorgerufene Minderung der Erwerbs- fähigkeitmindeltens 2 5 o. ch. beträgt, roas durch ein dem Anträge beizufügendes ärzt» Zeugnis glaubhaft gemacht werden muß. Für die Fälle, in denen früher eine Rente von 10 oder 20 v. Sj. weggesallen oder in denen sonst entschieden worden ist, daß die Minderung der Erwerbsfähigkeit unter 25 v.H. beträgt, hat der Er- laß auch beim Dorliegen von Derwundungsfolgen — über den Fall einer Verschlimmerung hinaus keine neue Antrag s m öglichkeiten eröffnet. Für alle Beschädigten, die nicht auf Verwundung beruhende Leiden als Folge von Dienstbeschädigung gellend machen wollen, ist es bei den bisherigen Bestimmungen verblieben. Sie können also, wenn sie am 31. Juli 1930 keine Rente bezogen haben und jetzt noch Ackkrag stellen, Rente nur erhalten, wenn ein Bedürfnis oorliegt. Außerdem muß bei ihnen die Minderung der Erwerbsfähigkeit durch Dienstbeschädigungsfolgen mindestens 50 o. S). betragen; nur wenn das geltend gemachte Leiden vor dem 31. Juli 1930 (Stichtag) bereits von einer Dersorgungsbchör^e als Folge von Dienstbeschädigung anerkannt war, genügt eine Minderung der Erwerbsfähigkeit um 25 v. H. Die Versorgungsämter Haden Weisung erhalten, alle Anträge, die auf einer Verkennung der Rechts läge beruhen und keine Aussicht auf Erfolg habe», den Antragstellern kurzer Hand zurückzugeben. 45. Stiftungsfest des Schlachtervereins ^Brüderschaft**. Am Sonntag feierte der hiesige Schlachterverein „Brüderschaft" (Ortsgruppe im Deutschen Fleischergesellenbund) sein 45. Stiftungsfest. Gleichzeitig war damit eine Tagung des Zweigbundes „Süddcutschland" im Deutschen Fleischergesellenbund verbunden. Bei der am Rachmittag im Restaurant Faulst i ch abgehaltenen Tagung des Zweigbundes „Süddcutschland" begrüßte A. Politz, Gießen, die Erschienenen im Rainen der hiesigen Ortsgruppe. Die Leitung der Tagung lag in Händen des Zwcigbundesvorsihenden W. Schultheiß, Offenbach. Herr Dahinten, Frankfurt a. M., berichtete sodann über die letzte Tagung in Frankfurt a. M.» während Dezirksleiter A. Heyne, Frankfurt a.M., den Geschäftsbericht erstattete. Anschließend hieran referierte L. Kurv s z i k, Marburg, über „Die Heranbildung des Äachwuchses im Fleischergewerbe". Der Redner führte etwa folgendes aus: Aus der Not der Zeit seien zwangsläufig für den Rachwuchs im Fleischergewerbe große Aufgaben erwachsen. Die gesteigerten Bedürfnisse des Publikums machten es notwendig, daß der junge Fleischer, sowohl als Lehrling wie auch als Geselle, seine praktischen Kenntnisse zur Höchstleistung steigere. Der Bund arbeite in weitgehendem Maße an der praktischen und theoretischen Weiterbildung seiner Mitglieder. Hierauf wies Bundesvorsitzender O. Drednow, Berlin, in einer Ansprache auf die große Vergangenheit des Bundes hin und erinnerte daran, daß der Grundstein für den Zusammenschluß des Bundes vor 25 Jahren in Gießen gelegt worden sei. Er gedachte dabei des früheren Jnnungs- obermcistcrs Ernst Ludwig Sack. Er kam dann auf die nationale Erhebung zu sprechen und gab davon Kenntnis, daß auch der Deutsche Fleischerbund in die nationale Arbeitsfront eingereiht worden fei. Bei der Wahl des Borstandes wurde als Führer des Zweigbundes K. Zufall, Kassel, gewählt. Als Mitglieder de- Führerstabes wurden bestimmt Richter, Frankfurt a. M.; Karo s z i k, Marburg a. d. L.; Schmucker, Bad Homburg v. d H.: und Schult ei h, Offenbach. __ 2lm Abend land im Saale des Ease Leib eine Festveranstaltung des hiesigen Schlachtervereins statt. Dem Fahneneinmarsch, den musikalischen Darbietungen der Kapelle Weller und dem Borspruch (Frl. Anni Rohl) folgte die 3e- grüßungSansprache deS Ortsgruppenvorfitzenden P o 1 i tz. Die Festansprache hielt der BundeSvvrsitzende O. Brednow, Berlin, der auf die Jahrhunderte bestehende Tradition der Fleischergehilfcn- Organisation hinwieS und betonte, daß cs not- toenbig sei, eine solche Tradition, die ein Stück Geschichte darstelle, zu erhalten. Sein „Hoch" galt dem deutschen Vaterland. Rach dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes übermittelte Obermeister P i r r die Glückwünsche der hiesigen Meh- gerinnung und wies auf das gute Einvernehmen zwischen Innung und Gehilfenorganisation hin. Weitere Glückwünsche übermittelten die Ortsgruppen Kassel, Homburg v. d. H.. Frankfurt am Main, Offenbach a. M., Marburg a. d. Lahn und für die nicht vertretenen Ortsgruppen DezirkS- leiter Heyne (Frankfurt a. M). Sämtliche Redner überreichten Geschenke für den fcstgcbenden Derein; der Borfitzende der hiesigen Ortsgruppe P o! i tz . sowie Schriftführer B e r n st e i n wurden mit der Ehrennadel des Bunde« ausgezeichnet. Ein Ball beschloß den Abend. Gicszcncr Ll?ochenmc-.rLtpreise. Gießen, 29. Juni. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt. Landbutter 120 Pfennig, Kochbuttcr 100, Matte 25. Wirsing (grün) 12, Weißkraut 12, Spinat 12 bis 15. Römischkohl 10. Dohnen (grün) 25, Spargel 20 bis 45. Tomaten 45. Erbsen 18 bis 20. Mischgemüse 10. Zwiebeln 12, Kartoffeln (alte) 3 lproZtr.2,50 bis 3Mk.) (neue) 10, Rhabarber 8 bis 10, Heidelbeeren 25 bis 35, Kirschen 20 bis 25, Erdbeeren 35 bis 40 Stachelbeeren 15, junge Hähne 90 bis 100 Suppenhühner 70 bis 80 Pfennig pro Pfund: Tauben 50 bis 60, Eier (inl.) 8.5. Käse 4 bis 10, Blumenkohl 10 bis 60, Salatgurken 30 bis 45, Einmachgurken 7 bis 8, Oberkohlrabi 5 bis 10 Salat 3 bis 10, Rettich 5 bis 12 Pf. pro Stück: Rüben (gelbe) 10, (tote) 10, Radieschen 5 bis 10 Pfennig pro Bund. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Deutsche Luftfahrt Werbewoche: 18 Uhr, Platzkonzert auf dem Hindenburg-Wall. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „SA.-Mann Brand". ** Gießener Äünftlerin an das Lande s t h e a t e r verpflichtet. Fräulein Beatrice Doering vom Gießener Stadttheater wurde vom Hessischen Landestheater in Darmstadt als erste Sentimentale verpflichtet. ** Einbruch im Garten. In der Nacht zum Mittwoch drangen Diebe in die Gärtnerei der Witwe Weber zu Klein-Linden ein und stahlen Erdbeeren und Gemüse. Was die Spitzbuben nicht niitnehmen konnten, wurde zertreten. Der Witwe entstand ein großer Sachschaden. ** Motorradunfall. Der Former Heinrich Krug von Mainzlar stürzte am Dienstag gegen Abend so schwer von seinem Motorrad, daß er mit einem Schädelbruch in die Chirurgische Klinik über- geführt werden mußt. Das Befinden des Verunglückten, der lange Zeit bewußtlos lag, ist ernst. ' Rettung vor dem Tode des Ertrinkens. Am Dienstagnachmittag gegen 17 Llhr spielte sich unterhalb des Wehres an der Bleiche eine aufregende Szene ab. Die Hausangestellte Paula Linde, die zuvor mit der 13jährigen Hildegard LI l lisch auf dem Bleich- platz beschäftigt war, machte sich an der Lahn zu schaffen, ging auch einige Schritte in das Wasser, verlor aber plötzlich den Boden unter den Füßen und versank. Hildegard Lilli sch, die den Borgang beobachtet hatte, sprang sofort nach und versuchte die Verunglückte zu retten.. Das gelang dem Mädchen jedoch nicht gleich, denn die Strömung war sehr stark, da die Lahn gegenwärtig sehr viel Wasser führt. Rach verschiedenen vergeblichen Bersuchen und nach heftigem Kampf mit der Ertrinkenden, die sich verzweifelt an die Helferin klammerte, gelang es dem tapferen Mädchen das Rettungswerk zu vollenden. ** Die Sprechstunden für Lungen- kranke. Die Sprechstunden der Fürsorgestelle für Lungenkranke in der Medizinischen Poliklinik finden für die Besucher aus den Landgemeinden des Kreises Gießen jeden Montagnachmittag von 4 bis 5 Uhr statt. Lungenkranke und Krankheitsgefährdete, die in ärztlicher Behandlung sind, bedürfen einer lleber- weifung ihres Arztes in die Lungenfürsorgestelle. Unbemittelte werden unentgeltlich beraten. •* Die Sicherheitsmaßnahmen zum Flugtag am 2. Juli betrifft eine Bekannt- machung tm heutigen Anzeigenteil. Es fei besonders darauf hingewiesen. Guter Erfolg der „DRefofo-*. Frankfurt a. M. 28. Juni. (WSN.) Die Reichsausstellung für Kolonialwaren und Feinkost (Rekofa) bat ihre Tore geschloßen. Am ersten Sonntag wurden nicht weniger als 15 000 Besucher ge- Zählt, und in der darauffolgenden Woche wurde täglich eine Besucherzahl ermittelt, die zwilchen 7000 und 9000 lag. Am letzten Sonntag wurde die Ausstellung nochmals von über 10 000 Personen besucht, so daß eine Gesamtbesucherzahl von 65 000 Personen erreicht wurde, die durchaus den gehegten Erwartungen entspricht. Auch die Aussteller sind ©enff an Die „Stiftung für Opfer der Arbeit"! Einzahlungen an Reichskrediigefellschaft Berlin W 8, Bchrensstraße 21/22, sowie auf deren Reich»- banfgirofonlo und deren Postscheckkonto Berlin 120 unter Angabe der Kontobezeichnung. „Stiftung für Opfer ber Arbeit". mit dem Ergebnis der Ausstellung sehr zufrieden, ein Teil derselben erklärt sogar, daß die Erwar- hingen übertroffen seien. Zum Abschluß der Reichsausslellung sprach der Ausstellungsleiter Direktor F. W. Schulze nochmals zu den Ausstellern. Ferner dankte er der Stadt Frankfurt für die Gastfreundschaft und ins- besondere ihrem Oberbürgermeister Dr. krebs für die wiederholten Besuche der Ausstellung. Nach einem dreifachen „Hoch!" aus das deutsche Vaterland und den Volkskanzler Adolf Hitler sowie dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes wurde die Ausstellung für geschlossen erklärt. Zn Schuhhast genommen. Gladenbach, 28. Juni. (WSN) In den letz, ten Tagen kam es wiederholt zu größeren Ansammlungen einer erregten Menschenmenge, die durch die Straßen zog und in Sprechchören gegen jüdische Kaufleute und Händler protestierte, denen man unsaubere G e s ch ä s t s m e t h o d e n vor- wirft. Die Polizei konnte die Ordnung aufrechterhalten. In Schutzhaft genommen wurden neun jüdische Einwohner, ferner zwei ehemalige Mitglie- der der SPD. Die NSDAP, ließ durch Ortsschelle bekanntgeben, daß ein Ausschuß zwecks Prüfung des Materials für die Fälle, in denen sich Einwohner von jüdischen Händlern übervorteilt glaubten, eingesetzt werden solle. Wettervoraussage. Rach wie vor steht unser Wetter unter dem Einfluß kühler Ozeanluft, die durch die Rückseite des nordöstlichen Tiefs nach dem Fcst- lande befördert wird. Eine wesentliche Besserung ist also vorerst nicht zu erwarten, wenn auch der Luftdruck weiter ansteigt und vorüberghende Aufheiterung eintritt. Die Temperaturen bleiben für die Jahreszeit zu niedrig und vereinzelnd ist noch mit Regenschauer zu rechnen. Vorhersage für Freitag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung etwas wärmer, doch für "'^ohreszeit noch zu kühl, einzelne Niederschläge. Vorhersage für Samstag : Immer noch etwas wechselhaftes Wetter. (Schluß des redaklionellen Idle.) Das bekannte Herren- und Knabenbekleidungshaus Köhler, Gießen, Seltersweg, zeigt wieder einmal fortichrittlichen Geschäftsgeist. Die neuen Fensterdeko- rationen für Sport und Reise sind jo originell und großzügig, daß sie auch in einer Großstadt große Beachtung finden würden. Da wird zur Schau gestellt: die schönste und schnellste Motorsportmaschine, Geräte und Symbole für Rasensport, große Modelle des Zeppelins und des Do X für Luftfahrt, ferner Fußballmotioe. Besonders originell ist die Darstellung eines gelandeten Flugzeugs mit einem SA.- Führer, welchem SA.-Unterführer und eine Motor- staffel den deutschen Gruß bieten. Alles in allem eine Glanzleistung von Dekorationskunst. Zur ausgestellten zweckmäßigen Sport- und Reisebekleidung werden hier die interessantesten Rahmen gestellt. Ständig sind die Fenster von Schaulustigen belagert Ohne Zweifel, bei Köhler wird es verstanden, die geführten Artikel in Herren- und Knabenbekleidung auf neuartige Weise zu zeigen. Wie man wissen will, hat dieses Spezialgeschäft großen Zuspruch aus allen Käuferschichten. Die Firma Köhler, Seltersweg, führt den Beinamen: „Das Haus der guten Qualitäten ju volkstümlichen Preisen". 4217A Qualitätsarbeit 7 SHELL aUTOOEL JELE schuft! deutscher Chemiker, Ingenieure und Arbeiter findet ihren Niederschlag in jedem Tropfen unserer überlegenen, auf alle Jahreszeiten und alle Motortypen abgestimmten SHELL AUTO- OEL-Sorten. In unseren modernen Fabriken,den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland, wenden wir vorbildliche Veredelungsverfahren an, die zum Teil nur uns zur Verfügung stehen. SHELL AUTI immer unter Plomben- AEROSHELL HOCHLEl'STUNGSOEL SHELL VOLTOL DAS EINHEITSOEL SHELL AUTOOEL X dünnflüssig SHELL AUTOOEL 2 X mlHelflüssig SHELL AUTOOEL XXdickflüssiä SHELL AUTOOEL 4 X stark dickflüssig SHELL AUTOOEL 5 X extra stark dickfL aeszuwählen nach dem SHELL-FÜHRER •NB4ANU-OSSAG MINERALÖLWERK! A.-O. Toma 45, ÄVioDose %‘/sDose Pfund. 2 Pfund. 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Do- Mge der Pr N); Der ■ toctben; erst ”°n der Dölf -?3 ^onabiid u^r Israel fctrQ9en; mehr, tont 6 1 tourbe' ?ber ein iß, ^Altere c/"1 dritte ^Ndelte $r „Volk ?'Nöer K° Sss- Äij'tsb bie religiös W U"d re " -7°b füfck'H« v'.rd da- lporQ ... >>ud Ottern36'»9 e Hlen h, t«ttS lebten ° *bie Detl®urbe vom Sterbebause, Waldweide 8, aus statt 4z19D Beienheim, den 28. Juni 1933. Die Beerdigung findet in Gleiten am Freitag, dem 30. Juni, nachmittags 3y2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. _________________________________________________________________4208D Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Luise Volk, geb. Ahmann nach kurzem, schwerem Leiden gestern mittag im Alter von 53 Jahren in die Ewigkeit abzurufen Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Volk und Tochter Klein-Linden, Weidenhausen, den 29. Juni 1933 Die Beerdigung findet am Freitag, dem 30. Juni, nachmittags 3 Uhr, Todesanzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante, Frau Auguste Maurer geb. Haas am 27. Juni nach langem, schwerem Leiden im Alter von 68 Jahren in die Ewigkeit abzuruten. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Christian Maurer, Lehrer i. R. Pfälzer Hof, Schanrenstrafre. 03835 lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Turnschuh Laufschuh u.a.läst.Haarewerd. nur durch die v. mir angewandte, einzig sich. Methode unter Gar. für immer mit der Wurzel ießmera* los entfernt, loasu» 12 ftabre Praxis Berta Gulden Sprechstunde icöen Freitag, Gieszen, HindenburgwaU 15. 9-7 Uhr durchgehend Der Schuh ist aus Segelleinen, hat starkeGummisohle und Absatz. Kostet nur: 23 24 25 2829 35 36 42 1.25 1.301.35 1.45 iMkttcfaA ge/na/mti- TORPEDO und ERIKA Kleinschreibmaschinen schon für monatlich RM. 10.- Niederhausen&Co. 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Anteil- und Markenkarte sind abzuliefern- Ueber die Ablieferung der Marken erhalten unsere MitgliederinderVerteilungsstelle nähere Aufklärung Ich wurde aufgefordert zu sagen, was mir im Geschäft nicht gefällt Da antwortete ich: „Die Anzüge sind viel zu dicht gehängt Mich dauern deshalb die schönen Faqons.“ Die größte und modernste Auswahl in Anzügen und Mänteln hat Der Vorstand __4215A Ablieferung der Rückvergütungsmarkenf O KÖHLER Die zuverlässigen Kleiderfachleute Herren-und Knabenkleidung • Gießen,Seltersweg Jetzt Ihre Blumen düngen mit Alberts Blumendünger — Harnstoff - Kali - Phosphor — Ovis-Blumendünger - Horn- späne - Nero-Kakteendünger Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstraße, Telephon 3403 4158 A Kaiser*! Schokoladen, Pralinen, Bonbons, EHrischungswaHeln, Puddings, Fruchtsäfte. Kaiser’s Kaffee von RM 2 — d. Pfd. an. Die viel gekauften Spezialsorten au 2.40 end 3.— bieten etwas Besonderes! 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H. vergrößert, die Weizenanbaufläche um 1,7 o. H., die Wintergerste um 10,7 v. H. Abgenommen hat die Bestellung mit Sommergerste um 0,9 v. H., von Hafer um 3,2 v. H. und her Anbau von Spelj und Emer um 4 v. H. Der Anbau von Frühkartoffeln stellt sich für 1933 auf 246 000 Hektar (minus 2,8 v. H.). Bei den Zuckerrüben zeigt sich eine Anbauzunahme um 12,4 v. H. Frankfurt schwankend. Frankfurt a. M., 28. Juni. (WTB.-Drahl- mcldung.) Auch die heutige Mittagsbörse zeigte kein lebhafteres Geschäft. Man hielt sich in Erwartung der Entwicklung bei den wirtschaftlichen Reichs- Ministerien weiter zurück. Immerhin eröffneten d'.e Kurse an den Aktienmärkten auf die Schwäche des Dollars hin meist behauptet, um bei nach den ersten Kursen bei anhaltender Geschäftsstille ziemlich einheitlich zurückzugehen. Rur Reichsbank gewannen 1,75 Prozent. Die Abschwächungen gingen jedoch abgesehen von Klöcknerwerke, Iunghans (bis minus 1,75 Prozent) und Daimler (minus 1!, Prozent) nicht über ein Prozent hinaus. Im Verlaufe wurde die Stimmung uneinheitlich, während IG. nach 0,75 Prozent Anfangsoerluft etwa 1,50 Prozent höher genannt wurden. Während Siemens 1 Pro- zent einbüßten und dann 3 Prozent zurückgewan- ncn, und Licht & Kraft % Prozent höher notierten, fetzten sich bei Scheideanftalt und Zellstoff Wald- ?iof Anlchwächungen bis 1,50 Prozent durch. Zell- loff Aschaffenburg, Gessürel und Zement Heidelberg gaben bis 0,50 Prozent nach. Der Rentenmarkt war anfänglich schwächer, auch die notwendige Geldbeschaffung zum Ultimo war schwieriger, außerdem verstimmten die Teilanweisungen der Lübecker Schatzanleihe, da man hierin die Schaffung eines Präzedenzfalles bei den Staatsanleihen befürchtete. Altbesitz gaben 1 Prozent, Neubesitz 0,20 Prozent, Reichsschuldbuchsorderungen 0,75 Prozent nach. Don Industrie-Obligationen büßten Stahloerein zunächst Prozent ein, um jedoch später 1 Prozent zu gewinnen. Ausländer lagen unheinheitlich, von Türken waren Bagdad 2% Prozent schwächer, dagegen Mexikaner bis 1 Prozent fester. Frankfurter Schlachtvichmarkt. Fr a n k f u r t o. M., 29. Juni. Auftrieb: 152 Rin- der, 918 Kälber, 101 Schafe, 689 Schweine. — Es wurden bezahlt: beste Mast- und Saugkälber 35 bis 40; mittlere Mast- und Saugkälber 33 bis 36; geringe Kälber 26 bis 32. Mastlämmer 25 bis 28; mittlere Mastlämmer 20 bis 24. Schweine: voll- fleischige, zirka 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht, 33 bis 35; vollfleischige, zirka 200 bis 240 Pfd., 33 bis 36; vollfleischige, zirka 160 bis 200 Pfd., 32 dis 35. — Marktoerlauf: Kälber und Schafe ruhig, geräumt; Schweine schleppend, nahezu ausverkauft. Obecheffen. Siadivorstand in Alsfeld. ►*_21 lsfeld , 28. Juni. In der jüngsten Sitzung des Stadtvorstandes befaßte man sich zunächst mit der Vergebung der städtischen Fuhrleistungen im Rechnungsjahr 1933, nachdem der städtische Fuhrpark aufgelöst worden ist. Die Akkordfahrten, das Fahren des Sprengwagens, die Müllabfuhr, die Taglohnfuhren, sowie das Fahren des Leichenwagens wurden an je einen Fuhrunternehmer auf Grund der stattgehabten Submission vergeben. Rach einer Verfügung des hessischen Ministers für Kultus und Bildungswesen, sollen in den Lehrsälen der Schulen die Bilder des Reichspräsidenten v. Hin- den bürg und des Reichskanzlers Adolf Hit- l e r in würdiger Größe angebracht werden. Der für diesen Bildschmuck erforderliche RreDit wurde bewilligt. Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende bekannt, daß sämtliche Mitglieder der SPD.-Frak- tion im Gemeinderat sowie die Ersatzmänner ihre Aemter n#berflelegt haben. Ferner wurde der schulärztliche Bericht über die Tätigkeit im abgelaufenen Schuljahr bekannt gegeben. Aus diesem war zu entnehmen, daß nach der ärztlichen Begutachtung im Verhältnis zu der auch im Jahre 1932 schlechten wirtschaftlichen Lage eines Teiles der Bevölkerung die Kinder zum größten Teil in einem guten oder befriedigenden Entwickelungs- zustand gewesen sind. Landkreis Gießen. z Grohen-Linden, 28. 3unt In der Sandgrube der Firma Ludwig Eteinmüller W w e. hat sich auch in diesem Jahre wieder wie alljährlich eine Anzahl Uferschwalben an der Ostsette der Eandwand angesiedelt. Wegen der engen Döhren, die mitunter bis zu zwei Meter lang sind, die der seltene Vogel mit dem kurzen aber sehr harken Schnabel in die Wände bohrt, wird er auch Röhrenschwalbe genannt. Anschließend an diese Röhre befindet sich das Rest der kleinen Baumeister. Don den Schulklassen wird diese Seltenheit oft besucht und besprochen. r. Lang-Göns, 28. Juni. Bei der Volks-, Berufs- und Betriebszählung wurden in der hiesigen Gemeinde feftgefteüt: 1906 Einwohner, davon 935 männliche und 971 weibliche und 424 Haushaltungen. Außerdem wurden 220 Land- unD Forstwirtschaftskarten, 67 Gewerbekarten aus- gefüllt J Lollar, 26. Juni. Der Turn- und G e - sangoerein nahm in einer Hauptversammlung die Gleichschaltung in feierlicher Weise vor. Der seitherige Vorsitzende Philipp H a r b u s ch wies zunächst auf die Bedeutung der Gleichschaltung hin und gab die Richtlinien des Hessischen Sängerbundes hierfür bekannt. Bei der nun folgenden Wahl des ersten Vorsitzenden wurde Philipp H a r b u s ch einstimmig wiedergewählt. Er dankte für das ihm damit bewiesene Vertrauen und ermahnte alle Sänger zur Treue zum Verein, der als ältester Gesangverein am hiesigen Orte im nächsten Jahre fein 75- jähriges Bestehen feiern kann. Zu seinen Mitarbeitern bestimmte der Dereinsführer folgende Mitglie- j der: Rudolf Krehbiehl, 2. Vorsitzender; Ludwig | Hettche, 1. Schriftführer; Karl Häuser, 2. Schriftführer, Ernst Weinrich, 1. Rechner, Hans Alfen, 2. Rechner; Hans Kapfenberger, Turnwart; Heinrich Ferber, Zeugwart; Ludwig Forbach, Vereinsdiener; Markin Taubert, Wilhelm Frank, Karl Schäfer, Karl Seitz, Greta Ferber, Herta Häuser, Irmgard Lehr, Beisitzer; Karl Muth und Werner Bro köpf, Fahnenträger. Nach der Verpflichtung des neuen Vorstandes, brachte der Vorsitzende ein „Sieg-Heil!" auf Adolf Hitler und von Hindenburg aus. Mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes und dos Deutschlandlieds fand die eindrucksvolle Feier ihr Ende. Seit Einführung des Deutschen Liedertages hat der hiesige Turn- und Gesangverein unter Leitung von Ehrenchormeister Eberle als einziger der hiesigen Gesangvereine alljährlich Mn diesem Tage auf einem freien Platz einige Lieder zu Gehör gebracht und fo für die Sache des deutschen Liedes geworben. Auch am vorigen Sonntag ließ er trotz schlechten Wetters wieder vor der Schule eine Anzahl gemischte und Mängerchöre erklingen, die von den Zuhörern dankbar und beifällig auf- genommen wurden. Der Vereinsführer Philipp Har bu sch wies einleitend auf den Zweck und die Bedeutung der Veranstaltung hin und schloß mit einem „sieg-Heil!" auf dieselben Führer unseres Vaterlandes. s. LI t p h e, 27. Juni. Bei der Versteigerung des Heugrases auf dem Gemeinde- wiesengelände, zu der sich auch Landwirte aus Rachbardörfern eingefunden hatten, wurden ansehnliche Preise erzielt. Die billigsten Morgen beliefen sich auf 15 bis 25 Mark, obwohl sie hinsichtlich der Menge und Güte deS Grases minderwertig sind. Die Morgen mittlerer Güte kamen mit 30 bis 50 Mark heraus, während alle Morgen guter Qualität und starkem Graswuchs sich aus 60 bis 76 Mark stellten. Die Höhe der Preise erklärt sich daraus, daß es infolge des Fehlens der eigentlichen .Untergräser nicht allzuviel Heu gibt. — Dem neuen Schulvorstand gehören nunmehr an: Bürgermeister Dietz, Pfarrer Crull (Trais-Horloff), ferner die Landwirte Otto B e l tz e r , Wilhelm Sack, Wilhelm Gasse beer und Karl Sack. ! Aus dem südlichen Kreise Gießen, 28. Juni- Das anhaltende Regenwetter bringt nun die Heuernte in Gefahr. Die Wiesen sind fast ausnahmslos gemäht, aber nur ganz vereinzelt konnte das Heu eingefahren werden. Die Hackfrüchte stehen ausgezeichnet- Die Obst- a u s s i ch t e n sind mäßig. Fast ganz versagen dieses Jahr die Birnen, auch die Aepfel fehlen vielerorts. Sehr unliebsam macht sich an den Bäumen die Gespinst motte, die heuer sehr zahlreich auftritt, bemerkbar- Verantwortlich für Lokales, Provinz, Wirtschaft und Spork: I. B.: H. L. N e u n e r. Sonnenqebräunte Haut ^NIVEA» CREME oder aber NIVEA - ÖL Nr. 149 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger slic Erhessen) Donnerstag, 29.3uni 1933 Pfarrer-Gchulungslehrgang der Theologischen Fakultät Gießen. Vier Vorträge im Studentenheim. Zweiter Tag. Den zweiten Tag des Pfarrer-Schulungslehr- ganges im Studentenheim eröffnete eine Schriftbetrachtung von Professor D. Dr. Cordier über 1. Ioh. 3, 19—22. Die Berufsehre nicht nur des Theologen liegt darin, daß er aus der Wahrheit ist, die Berufskrankheit, die Verzagtheit wird überwunden durch Gott, der großer ist als unser Herz, und durch Gebet. Wo Gott der größere im Herzen ist, gibt es auch Fortschritte in der Heiligung. Nach Gebet und dem Vers: „Sollt ich meinem Gott nicht fingen" folgte der Vortratz von Professor v. R u - d o l p h : „Volk und Staat im Alten Testament". Den Ausführungen sei folgendes entnommen: Schlüssel für die Frage ist der Erwählungsglaube. Vertragspartner bei Der Gesetzgebung am Sinai sind Gatt und Volk. Die Wahl gerade dieses Boltes erfolgte aus Gottes freiem Willen, und das Volk war stolz auf diese Erwählung. Infolge des Hochmuts wurde aus dem göttlichen Gnadengeschenke ein Anspruch. Der Dekalag (10 Gebote) zeigt sehr schön die Zweiseitigkeit des Bundes und die Gottestat. „Gottesvolk", „heiliges Volk" zeigt die Eigenart Israels. Die Anerkennung nur Jahwes als Herrn und Gott ist die Antwort des Volkes auf die göttliche Tat. Das Land Gottes Land und Erbe, die Früchte Gottes Gaben; Vereinigung van viel Land in einer Hand wäre Mißbrauch; darum gibt das siebente (Sabbath.) Jahr das Land den Armen frei. Sa wird alles Irdische im Licht des Ewigen betrachtet. Der Verzicht auf das eigene Können, die Verweigerung des Bündnisses mit anderen Völkern (eine Ueberspitzung auf politischem Gebiet!) wird genährt durch die Propheten. Jahwes Verheißung ersetzt alle menschlichen Machtmittel. Das ständige Stehen unter dem Druck der Fremdoölker ist Strafe des Gotteszornes. Die israelitische Religion kann als die soziale Religion bezeichnet werd-n. Im Volksgenossen soll der Bruder angesehen werden; darin liegt die Wurzel des Zinsoerboles, das dem Fremden gegenüber nicht gilt. Sündenerkenntnis ließ auf die Hilfe Gottes hoffen. Mtt dem Sündenbekenntnis geht die leidenschaftliche Berufung auf die Erwählung Hand in Hand. Das Mißverhältnis von Haltung des Volkes und Schicksal, sowie die Einzigartigkeit Jahwes bedingte das Aufkommen der (nur in Israel zu findenden) Eschatologie. Jahwe mußte selbst einschreiten und seine Königsherrschaft auf Erden aufrichten. Der Glaube an dies „Kommen Jahwes" ist in Israel nie erloschen. Ein Aus- ftreichen des Volkes Israel aus dem Heilsplan Gottes ist dem Alten Testament ein unmöglicher Gedanke. Die Verlegung Gottes auf das Herz durchbricht Die völkische Religion; an die Stelle des Volkes tritt „der Rest des Volkes". Das Volk Israel und das Gottesvolk decken sich in der Folgezeit nicht mehr; die „Frommen" und die „Gottlosen" treten auseinander. „Staat" ist nicht in gleicher Zeit grundlegend wie „Volk", da Israel erst spät zur Staatsbildung kam. Die politische Neubildung im Königtum erfolgte durchaus im Rahmen Des Gottesvolkes. Jahwe stimmte der Einrichtung des Königtums zu. Erwählung durch Jahwe und Kürung durch das Volk sind grundlegend für den König. Im Südreich wird das Wahlkönigtum durch das daoidische Erbkänigtum ersetzt, aber gestützt durch die Verheißung Nathans; so bleibt die göttliche Designation gewahrt. Der orientalische Hofstil wird im Königslied übernommen, der König aber wird nie selbst Gott und zur Ordnung gerufen, wenn er die Bundesforderungen Jahwes übertritt; schließlich schreckt man vor Blutvergießen nicht zurück. Psalm 101, einem Regie- rungsprogramm, gibt schon Luther die Ueberschrift „Fürstenspiegel". Die vom Exil an gesetzte heidnische Obrigkeit verhinderte dank des jüdischen Referenten bei der persischen Regierung Esra, daß Israel als Einzelzelle im persischen Reich zu Eigenmächtigkeiten schritt. Wo es gegen die Religion geht, ist man zum Martyrium bereit (Makkabäerkämpfe). Bei Zusicherung freier Religionsübung ist aber der Kampf beim Judentum der persischen und griechischen Zeit zu Ende. In der leidenschaftlichen Eschatologie verkörpert der heidnische Staat die gottfeindliche Macht, die niedergestreckt werden muß, z. B. „Iesajas- apokalypse^ (Jes. 24—27), Daniel und die außer- bidlischen Apokalypsen. Das Gottesvolk hält auch in der Zerstreuung den Anschluß Fremder offen, wenn er sich den Gesetzen des Judentums unterwirft. Statt des Blutes wird das Gesetz das alles verbindende Band; so verliert die Reinheit des Blutes an Bedeutung. Das heilige jüdische Volk kann nicht infolge der Proselyten reinrassisch sein (gegen Günther!). Der Heide, der das Heil will, muß Jude werden; erst das Neue Testament löste das Heil von der völkischen Bindung, Vorläufer ist hier nur das Ionoduch. Die Aussagen des Alten Testaments über Israel lassen sich nicht einfach auf Deutschland übertragen; seit Israel gibt es kein auserwähltes Volk mehr. Eine lebhafte Aussprache, in der u. a. auch betont wurde, daß es, wenn es auch ein Gerichtsbuch über ein Volk ist, kein völkischeres Buch gibt als das Alte Testament schloß sich an. Im dritten Vortrag am Dienstagnachmittag behandelte Professor D. Bertram „Volk und Staat im Reuen Testament". Der Redner führte u. a. aus: Von der kulturgeschichtlichen Voraussetzung jener Zeit ist auszugehcn. Einheit der Sprache, ja Einheit der Religionen, Ein- heit des Kaiserkultus sollte dem römischen Reich Einheit geben einschließlich des Judentums, das sich einzuordnen versuchte (Iosephus). Die Juden sind einerseits die Stillen im Lande, andererseits die Partei der Sadduzäer kompromißfreundlich, die Pharisäer mit dem Streben auf Reinhaltung des religiösen Lebens, endlich ergriffen von politischem und religiösem Fanatismus, der zu Judenagfständen führte. In der Zeit fortfchreidender Hellenisierung wird das Judentum zur Missionsreligion; die Diaspora zeigt eine Religionsgemeinschaft als allen Volkern. Aus der Zeit der Makkubäerkämpfe stammen wohl die Pharisäer; die Aufsaugung der Proselyten wurde begünstigt durch den Familiensinn. Der Antisemitismus entstand schon in der hellenistischen Zeit Lf#i) trieb das Judentum in ein Ghetto, zunächst in geistiger Beziehung, zusammen. Völkisch gleichzeitig exklusiv und expansiv betont es Adrahamskindschaft und Universalität. Jesus und feine Jünger kennen nicht Volk und Staat in unserem Sinne. Der Staat erscheint wesentlich als die von Gott gesetzte Ordnung, der der Mensch unterworfen ist. Staatliche und völkische Probleme sind nur vom religiösen Standpunkt aus betrachtet. Geschichten von Jesus mit universalistischem Charakter reizen seine Landsleute mit dem Endziel des Eingangs des Judentums in das Reich Gottes. Die Abrahamkindfchaft ist etwas geistiges, Volk und Offenbarung hängen im Judentum aufs engste zusammen. Jesus will die Frömmigkeit seines Volkes vertiefen, so daß sie fähig wird, die der anderen Volker in sich auszunehmen. In der Obrigkeit kommt die gottgesctzte Ordnung der Menschenwelt zum Ausdruck. Durchbrechung der float- lichen Ordnung ist Durchbrechung der Gottesordnung; daher ist Fürbitte für den etaat nötig. Diese Fürbitte für den römischen Staat, der Träger der Verfolgung ist, geht bis zu einer gewissen Grenze. Die Bitte des Christen für die verfolgende Obrigkeit ist die Bitte für die Feinde, daß sie sich bekehren. Die Apokalyptik, zunächst jenseits der Menschengeschichte liegend, zeigt Christus als den Herrn der Welt und hinter dem römischen Kaiserkult die Herrschaft der antichristlichen Mächte. Paulus nahm die eschatologisch-apokalyptische Welt des Judentums in sich auf, um das römische Reich als die den Bestand der Welt sichernde Macht anzuerkennen; da- nebe., soll die christliche Gemeinde innerhalb ihrer selbst sich Recht schaffen. Die Scheidung von juben- christlichen und heidenchristtichen Gemeinden war nicht so scharf, wie die Ueberlieferung glauben macht. Der hellenistische Jude Paulus steht fest auf dem Baden seines Volkes, an dem er menschlich hängt, der Mann ohne Heimat und Vaterland (Röd. 9—11). Er erkennt die Völker in ihrer Besonderheit an, soweit das bei dem Völkergemisch damals möglich war. Das Dämonische hinter Der weltlichen Obrigkeit zwingt immer wieder zur sittlichen Entscheidung des Christen. Die neuteftament- liche Botschaft gibt dem Menschen immer wieder die Kraft für feine Aufgaben innerhalb des Staates; im Wollen zu Dienst, Gehorsam, Verzicht und Opfer macht sie den Christen unter dem Zeichen des Kreuzes zum besten Bürger der Welt. Das Neue Testament bietet uns die tragenden Kräfte in der Zeit der Not und die fördernden in der Zeit des Aufbaus der Volksgemeinschaft. Nach reger Aussprache versammelte man sich abends zur Besprechung über die Lage derJugendarbeit im neuen Staat. Dritter Tag. Am letzten Tag des Schulungslehrganges eröffnete der Leiter Professor D. Dr. Cordier mit einer Ansprache über 1. Ioh. 4, 1—3. Bekenntnis entsteht aus dem zusammen gemeinsam hin sprechen. Inhalt unseres Bekenntnisses ist die historische Gestalt des Jesus, vor dem auch die Geschichte unseres Volkes erst Sinn bekommt; die Christusidee erlöst nicht, sondern der lebendige Herr Der Kirche; dies Bekenntnis kann uns nur in einem immer neuen Akt des Glaubens geschenkt werden. Nach dem Gebet und dem Vers: „Wie schon leuchtet der Morgenstern" folgte der vierte Vortrag. Professor D. Haenchen: „Volk und Staat nach Der Lehre der Kirche". Die Bekenntnisschriften der alten Kirche, so führte der Redner u. a. aus, und die der Reformation wollen binden und beanspruchen nicht Vollständig- feit. Neu auftauchende Fragen und Prüfung auf Grund der Schrift fordern neue Bekenntnisse. Ünfere Bekenntnisschriften kennen nicht Volk und Staat im modernen Sinn. Ein Durcheinander geistlicher und weltlicher Herrschaften mit dem Bürgertum, von dem sich die andern Volker abzeichneten und indem im Ghetto der Städte der Jude ein Sonderdasein führte, das ist das Bild. Ueber die Kirche enthalten die Bekenntnisschriften das meiste. Kein irdischer Zweckverband hat sie Zweck und Ziel in Gottes Reich- In der katholischen Lehre einen sich in Der Kirche Die ewige unD irDische Linie; Die katholische Kirche kann sich sehen lassen, Die evangelische weiß: „es ist noch nicht erschienen, was wir sein roerDen". Das Der Kirche anoertraute Vergedungswort Darf ihr niemanD nehmen. Das Evangelium kann sie nur verkündigen, wenn sie um Das Gesetz weiß, Das sittliche Sollen. Im Beruf ist Die GesetzespreDigt am lebensnähesten; Daneben steht Die Staatspflicht. Hier hat Die Kirche nichts versäumt, was ihr Den Vorwurf „Büttel, Lakaien Des Staates" eintrug. Der Staat roirD als GegenstanD Der Verkündigung schwer; Daher beschieD man sich bei Den bürgerlichen lugenben. Volkstum als göttliche Drbnung ist nicht nur Gabe, fonDern auch Aufgabe unb Forderung: Gesetz. Seine vier Mächte finb Das Blut mit feinen bestimmten Gesetzen und Forderungen, die Landschaft, die nwbr ist als eine Anzahl von Quadratkilometern, der Lebensraum, eine Die Menschen oereinenDe Macht. Die Sprache schafft eine Welt für sich, z. B. „Heimat", Die Geschichte — alles nicht einfach zu trennen —, schweißt Die Menschen zusammen, macht aus einem Haufen ein Volk. (Fronterlebnis, Erleben Der SA., Die neue Revolution). Ausschluß aus Der Geschichte beDeutet Selbstzerstörung. Das Gesetz Des Volkstums läßt nicht mit sich spaßen, es ist eine Macht Der Innerlichkeit. Die Kunst aller Art kennt Die Verkörperung Der Deutschen Seele, Die unser eigen roirD Durch unsere persönliche EntscheiDung. Heute beginnen Staat unD Volkstum sich in DeutschlanD unlösbar zu vereinen. Den Deutschen Menschen sieht Die Kirche als göttliches Gesetz, aber sie vergöttlicht ihn nicht; auch Der völkische Staat will Die Innerlichkeit Des Menschen. Der Mensch aber muß verzweifeln, wenn sich Christus nicht seiner erbarmt: „Christus ist mein Leben". Auch hier war die Aussprache sehr lebhaft. Den letzten Vortrag hielt am Rachmittag Professor D. Dr. Cordier: „Volk und Staat in Der predigt Der Kirche". Evangelische Predigt ist Verkündigung von Christus in der Zeit an die Zeit. Sie richtet sich in Gottes Qluftrag an die Menschen der Gemeinschaft. Ihr Gegenstand ist nicht der deutsche Mensch und der deutsche Staat, sondern Christus. Einige Predigtbeispiele feilten helfen zu einem Urteil über den Gegenwartsdienst des Pfarrers. In Schleiermacher, Luther und Calvin in ihrem dem unseren oft so verblüffend ähnlichen Zeitgeschehen wurden fie herangezogen. Schleiermachers Predigt zum Frieden von Tilsit 1806: .Der heilsame Rat zu haben, als hätte man nicht". Bei dieser Predigt in Halle war er von französischen Spionen umgeben. Mit DotteS Wort begegnet er der frommen Weltflucht und zeigt diese Welt als Gottesgabe. Keine Empfindungslosigkeit, aber göttliche Traurig kett, die Freude im Herrn; dazu die Verwurzelung des Einzelnen und sein Einsetzen in der Ganzheit! Die Predigt vom 28. März 1813 stellt Schleiermacher mitten in Den Aufbruch der Ration; er verliest in ihr den .Aufruf an mein Volk": Der Wechsel der Schicksale hängt ab vom Steigen und Sinken der inneren Werte; er verliest den Aufruf zur Landwehr. 3m Reuaufbruch gilt es die Forderungen Gottes zu hören. Polittsche Predigten sind bei Luther selten; mit dem Zeugnis von Christus greift er in das politische Geschehen ein. Er packt seine Hörer am Religiösen und spricht nicht die politische Haltung an, sondern die Gliedschaft an der Kirche. So baut er die Volksgemeinschaft; am Sarg des Kurfürsten predigt er Gottes Wort: Unser Tod durch Christi Tod ein Schlaf. 3edes politische Won wird bei Luther zu einem kirchlichen Dort. 1529 erschien im Druck sein Sermon .Heerpredigt wider den Türken". Die Zeitgeschichte ist für Luther Christusgeschichte. Auch das vaterländische Geschehen ist von Christus her zu erkennen. Beten und Arbeiten kommen wieder ins rechte Verhältnis. Das Gesamtergehen des Volkes hat durch Christus teil am Weltgeschehen. Calvins zwei Kriegspredigten von 1545 vor und nach der Schlacht sind Einladung, Christus als Herrn anzuerkennen. Luther und Calvin haben vor Schleiermacher voraus, daß sie das Geschehen in Beziehung zu Christus bringen. Volk und Staat sehen sie endgeschichtlich von Christus aus. Von Der Ausrichtung auf Christus und sein Reich auS muß das deutsche Volk seine Berufung an Christus wiederfinden. Rach lebhafter Besprechung endete mit aufrichtigem Dank an Die Theologische Fakultät Der Kursus, an Dem biS 80 Theologen teilnahmen. IMMMMA. Vornan von Helma von Hellermann. 5. Fortsetzung. Nachdruck verbotenI So schnell es die zitternden Knie gestatteten, sehr gerade aufgerichtet, ging Wera Wettern durch den langen Flur, trat durch ein Seitenportal über den Hof hinaus ins Freie. Noch immer brannten ihr die Wangen. So weit war es mit ihr gekommen, daß diese armen Unterstützungsempfänger ihr Almosen boten. Gab es größere Demütigung? Daß ihre Kraft nicht mehr dazu ausreichte, vor all diesen Menschen Haltung zu bewahren ... Was sollte denn nun werden? Blind für das geschäftig sie umlärmende Leben, für den blauen Himmel und den Sonnenschein, der die wintermüde Erde mit Wärme und strahlendem Licht überströmte, schritt das Mädchen dahin. Bog, ohne es zu wissen, in die Anlagen ein, stand auf der Holzbrücke und starrte hinunter auf das graugrüne Wasser des Sees, auf dem Schwäne in geruhsamer Anmut lautlos dahinglitten. Das Wasser war tief. Und das Leben so grausam. „Ich ertrage es nicht länger", dachte sie, sich über das geschnitzte Geländer beugend. Da unten war Frieden, man durfte ausruhen. Ein hastiger Schritt erklang auf der Brücke, zögerte — hielt. „Kann ich Ihnen irgendwie behilflich fein, meine Dame?" fragte eine Stimme neben ihr, voll ruhiger Herzlichkeit. Wera zuckte zusammen und richtete sich jäh auf. Es war der junge Fremde, der ihr vorhin geholfen. 6. Kapitel. Sie sah den Mann an ihrer Seite an, ohne zu antworten. Jetzt erkannte sie ihn. Wie eine Maske legte es sich über ihre eben noch verzweiflungsvollen Züge. Sie straffte die Schultern, stand schlank und aufrecht vor ihm, dessen Blick schon zu viel gesehen. „Es scheint mein Schicksal, Ihnen zu Dank verpflichtet zu sein, mein Herr. Sie waren es doch auch, der meine Börse im Automaten fand?" Der Fremde verneigte sich. „Jawohl, ich hatte die Ehre, sie Ihnen wieder zustellen zu dürfen." Ton und Haltung verrieten den Gebildeten, der etwas schäbige Anzug und der dünne Mantel seine Armut. Aber in der Stimme, in den dunkelblauen Augen lag etwas, das das Mädchen unwiderstehlich anzog. Ihre Abwehr schwand. Sie lächelte, ohne es zu wissen. „Gestatten Sie, daß ich mich vorstelle", sagte der Fremde. „Bandro, Georg von Vandro." „Ich bin Gräfin Wera Wettern", entgegnete sie und reichte ihm impulsiv die Hand. „Ich danke Ihnen für Ihre freundliche Hilfeleistung vorhin, Herr von Bandro. Der Beamte hat Ihnen Ihre Auslagen hoffentlich zurückerstattet?" Er bejahte. „Obwohl es durchaus nicht notig gewesen wäre." Um Weras Lippen zuckte es wie leiser Spott. „Ich glaube, Herr von Bandro, wir beide haben nichts zu verschenken! Oder gingen Sie etwa auf den Arbeitsnachweis, um — einen Scheck einzulösen?" Bandro lachte belustigt. Sein vornehmes Gesicht mit der edlen Stirn war wie in Sonne getaucht. „Vielleicht, gnädigste Gräfin, vielleicht! Das Schicksal, das mir letzthin einiges schuldig geblieben ist, hat die ihm präsentierte Rechnung mit dem Glück Ihrer Bekanntschaft gezahlt. Das ist ein weit höherer Gewinn, als ich ihn je erträumt!" „Sie geben dem Zufall eine liebenswürdige Deutung, Herr von Bandro." „ „Die wertlos wäre, Gräfin, wäre sie nicht wahr. Sie hörte die Aufrichtigkeit aus feiner warmen Stimme und schwieg, eine leichte Röte in den Wangen. Befangen sah sie fort, hinunter auf das Wasser, dessen Fläche dunkel und ruhig dalag. Ob sie den Mut gesunden hätte, sich in die Flut gleiten zu lassen, wenn der Mann an ihrer Seite nicht dazugekommen? Man starb doch schwer, wenn man jung war und die Sonne schien ... „Wie tarnen Sie jetzt hierher?" fragte sie aus ihren Gedanken heraus, ohne aufzusehen. „Ich bin Ihnen gefolgt, Gräfin", gestand Bandro offen, das feine Profil betrachtend, das sich über das Holzgeländer neigte. „Verzeihen Sie — ich dachte, ein zweiter Schwächeanfall könnte Sie übermannen", fetzte er ein wenig verlegen hinzu. „Als ich in das Bureau des Arbeitsnachweises zurückkam, waren Sie schon fort, auch auf der Straße nirgends mehr zu sehen. Da entdeckte ich Sie plötzlich ganz weit vorn, aber eine Verkehrsstockung geriet dazwischen. Ich verlor Sie aus den Augen und bog ab in die Anlagen, voller Bedauern über die Erfolglosigkeit meines allerdings unentschuldbaren Nachjagens. Da, beim Einbiegen nach dem See, dessen Schwäne ich gern füttere, gingen Sie auf einmal langsam vor mir her. Da wußte ich, daß das so oft von mir geschmähte Schicksal meine Schritte hierher gelenkt hatte." Der Mann sah gleich seiner Nachbarin auf das Wasser hinunter, das nun, von Sonnenlicht getroffen, zu glitzern und zu gleißen begonnen. Er schwieg einen Augenblick, hob dann den Kopf und sah sie an: „Was mich hinter Ihnen hertrieb, war das unerklärliche, aber ganz bestimmte Gefühl, daß Sie meiner Dienste irgendwie bedürfen könnten. Schon das erste Mal, im Automaten, empfand ich starkes Bedauern darüber. Sie im Menschengewühl verschwinden zu sehen. Ich merkte sofort, daß Sie in andere Umgebuna gehörten, denn dort wirkten Sie wie kostbares Kopenhagener Porzellan unter lauter Küchengeschirr. Womit ich nicht sagen will, daß letzteres nicht auch seine Berechtigung besitzt, besonders, wenn man ordentlichen Hunger verspürt!" Wieder das leise, wohlklingende Lachen, das so ansteckend wirkte. Wera, die schweigend, voll innerer Bewegung, zu- gehört, hatte auf einmal große, glänzende Augen. War das nicht ein Wunder? Es gab einen Menschen auf der Welt, der sich berufen fühlte, ihr zu helfen: der es als ein Glück empfand, sie zu kennen. „Sehen Sie nur, Gräfin, wie die Sonne scheint", sagte Dandros frohe Stimme neben ihr, „mir scheint, so blau wie heute war der Himmel noch nie." In seinen Augen spiegelt er sich wider!, dachte W^ra, den schlanken Mann betrachtend, der mit solch jünglinghafter Freude in den Hellen Tag schaute, als kenne er keine Sorge auf der Welt. „Wollen wir uns nicht ein wenig fetzen" Er wies auf eine nahe Bank. Wie selbstverständlich er annahm, daß seine Gegenwart ihr willkommen sei! Sie lächelte leise, da er Platz nahm neben ihr, und spürte auf einmal ein starkes Gefühl der Freude in sich. Stolz und Abwehr schwanden dahin wie Winterstarre vor dem Himmelslicht. Nichts außer dem Namen wußten sie voneinander, und doch webten schon feine Fäden der Sympathie zwischen ihnen ihr unlösbares Netz. „Ich bin doch ein rechter Glückspilz!" Vandro nahm den Hut ab, fuhr sich übers Haar und strahlte das schöne Mädchen an, das fragend die Brauen hob. „Sie zweifeln daran, Gräfin — wegen des Ganges zum Arbeitsnachweis? Davon lasse ich mich nicht bedrücken; bas sind Uebergänge, die sich in jedem Lande nach verlorenem Krieg und politischem Umsturz zeigen. Man muß nur den Mut nicht verlieren. Schadet gar nichts, wenn man mal seine Kräfte erproben muß. Was man da für ungeahnte Talente in sich entdeckt! Mit den meinen ist's nur leider nicht weit her, Kunsthistoriker sind augenblicklich fein sehr begehrter Artikel." Er lachte gutmütig. „Als ich mir meinen Beruf wählte, lagen die Verhältnisse anders — und mein Vermögen in guten Papieren auf der Bank. Meinem älteren Bruder genügten die Zinsen nicht, die chm und mir immerhin ein sorgloses Leben gestatteten. Er glaubte, sie erhöhen zu können, spekulierte, nahm mein Geld dazu, verlor auch bas. Nun läuft er als Verficherungsbeamter herum, belästigt sämtliche Bekannte und schimpft auf die Zeiten und sonst noch alles, was ihm gerade einfällt." Nun hatte sich doch ein Unterklang leiser Bitterkeit in die frische Stimme geschlichen. „Und Sie?" fragte Wera, die aufmerksam zuge« hort. „Ich bin Mädchen für alles. Erst Tennis- und Skilehrer gewesen, dann bei einer Hochgebirgstour gestürzt, zwei Nippen verknackst. Also umlernen. Die Rolle des Eintänzers spielte ich nur ein paar Wochen, überließ sie dann neidlos anderen, die sich besser dazu eigneten. Dann einen erkrankten Bibliothekar vertreten, der leider wieder gesund wurde. Da geistige Arbeit sich nicht wieder bot, wurde ich Chauffeur. Früher steuerte ich meinen eigenen Wagen, jetzt bezahlt ein anderer die Kosten. Sie sehen, Gräfin, der Unterschied ist gar nicht so fchlimm. Alles gleicht sich aus." „Aber Sie waren doch im ..." „... Arbeitsnachweis? Tja, die Vereinigten Webereien haben pleite gemacht." „Ach da — der Direktor ist doch geflüchtet?" „Stimmt. Und da sie mich nicht zu feinem Nach- folger wählten, sucht der Herr Chauffeur sich eine neue Stellung", vollendete Vandro vergnügt. War das ein Mensch! Diese wundervolle Lebens- bejahung trotz aller Schicksalsschläge! „Ja, ja, schnurrig geht es heutzutage zu — nicht wahr? Früher hätten Gräfin Wettern und Doktor von Vandro sich wohl kaum auf dem Arbeitsamt kennengelernt, da wäre das auf irgendeiner Gesellschaft geschehen, und ich hätte im Frack meinen schönsten Kratzfuß vor Ihren verehrten Eltern, speziell vor Ihrer Frau Mutter gemacht, denn durch die Mütter gewinnt man die Gunst der ..." Er stockte bestürzt: das Mädchen hatte den Kopf abgewandt. „Verzeihen Sie, Gräfin, habe ich Ihnen weh getan mit meinem Unsinn? Ich wollte Sie ja nur so gern ein wenig aufheitern/' Zaghaft griff er nach ihrer Hand. „Verzeihen Sie", bat er nochmals leise. Wera wandte sich ihm wieder zu, sah ihn an aus tränenoerbunfetten Augen. „Es ist nur, weil Sie von meiner Mutter sprachen ..." Kaum war es verständlich, so bebten ihre Lippen. „Alles Glück starb mit ihr." „Ich wüßte gern um Ihr Schicksal, Gräfin." Alles Leichte war aus des Mannes Stimme geschwunden. „Manchmal erleichtert es, sich das Schwere vom Herzen zu reden. Meiner tiefsten Teilnahme dürfen Sie gewiß fein." Er hob die Hand, die er leise umspannt gehalten, an seine Lippen. Wera Wettern ließ es geschehen. Sie fühlte es: der meinte es gut. Und sich zurücklehnend, den Blick in die Ferne gerichtet, als grüße sie dort die 23er- gangenheit, begann sie zu erzählen. (Fortsetzung fol<- 03898 4213C Bürgermeisterei Gießen. I. 23.: Dr. Hamm. 8 mobe, Vereinsartikel Drucksachen Preis: Mk. 7.50 03943 ■ E R S W E G sonders hin. Gießen, den 28. Juni 1933. FllRIpidPndPn steht iederzeit besonders ausgebildete fach- kundige Bedienung kostenlos zur Verfügung Or. phil. Karl Metz und Frau Trude, geb.Mennlcke geben ihre Vermählung bekannt Schuhe mit Engferse SiAovfsstelle: Otto Gath/Gießen Bahnhofstraße 62 (Eckhaus) Bekanntmachung. Sein: Flugveranstaltung in Gießen am 2. Juli 1933. Aus die nachstehend abgedruckte Polizeiverordnung des Kriesamts Gießen vom 21. Juni 1933, Amtsverkündigungsblatt Nr. 33 vom 23. Juni 1933, weisen wir be- XiihmaMchine in jebr gutem Zust., Mk. 33, abzug. 03931 Asterweg 44. Z. Meinen K.-G., Gießen Neuenweg 9, Fernruf 3615 23etr.: Flugoeranstaltung in Gießen am 2. Juli 1933. Polizeioerordnung. Auf Grund des Art. 65 des Gesetzes, betreffend die innere Verwaltung und die Vertretung der Kreise und Provinzen vom 8. Juli 1911 werden im Einvernehmen mit der Provinzialdirektion Oberhessen für die am 2. Juli 1933 auf dem Flughafen in Gießen stattfindende Flugoeranstaltung innerhalb der von dem Herrn Reichsver- kehrsminister bestimmten Flughafenzone folgende Sicherheitsmaßnahmen angeordnet: Fayencen: ca. 100 Plattenund Svruchteller, Porzellane, antikes Silber, SUeinhmft, Gemälde. Gebrauchsmöbel: Schlafzimmereinrichtung, Nuhb. mit Bettzeug, Sammet- u. Brokatvorhänge, Bodenbelege. Perser Teppiche, Perser Brücken, Konzertflügel (Ed. Schaaf, Frankfurt). Besichtigung Samstag u. Sonntag, den l.u.2.Iuli, von 11 bis 181lbr auf Schloß Friedewald. 4 km südlich Daaden/Siegerland. Prospekte und Auskünfte: Auktionshaus Dr. Fritz Nagel, Stuttgart z. 3. 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Die Straße Wieseck—Allen-Bu- seck ist nur für den Durchgangsverkehr geöffnet. 3m Westen: Dem von der Gansmühle in südwestlicher Richtung nach dem Trieb führenden Weg entlang, Ostrand der Wiesecker Spielplätze bis zur Straße Gießen—Rodgen. § 2. Für die Dauer der Sperrzeit ist das Betreten des innerhalb der obengenannten Grenzen liegenden Gebiets nur mit Ausweisen der Flugleitung oder nach Lösung der von dieser ausgegebenen Eintrittskarten und lediglich auf den von der Flugleitung hierzu bestimmten Zugangswegen gestattet. § 3. Die Straße Gießen — Rödgen ist von 13.30 bis 18 Uhr nur für den Durchgangsverkehr von Gießen nach Rödgen und umgekehrt geöffnet. Ä § 4- Der von dem Stadtwald unmittelbar nach dem Flughafen führende Feldweg wird von 15 bis 18 Uhr für jeglichen 23er- kehr gesperrt. § 5. Den Anweisungen der Polizei ist Folge zu leisten. § 6. Zuwiderhandlungen gegen diese Polizei- Verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 90 RM. bestraft. Gießen den 21. Juni 1933. Kreisamt Gießen. 3. 23.: Schmidt. ÄUto gut erhalten, neuwertig, gegen Kasse gesucht. Schriftliche Angebote unt. 03930 an den Gießener Anzeiger. Girlanden — Laternen — Tanzabzeichen für festliche Veranstaltungen. 4188V Eine Dauerwellen-Behandlung Ist Vertrauenssache I Deshalb besuchen Sie das Haus der guten u. billigen Dauerwellen Gießen 6d)iffenberger Weg 1711 1. Juli 1933 Was Sie suchen seif langer Zeit: Ferse eng —Ballen breit. Vergebung von Materiallieferungen und Strahenbau- arbeiten. Die für die Regulierung der Provinzial- straße „Rödgen—Großen-Buseck" erforderlichen Materialien und Arbeiten sollen im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Es handelt sich um Erdarbeiten im Umfangs von zirka 2000 cbm, Chaussierungsarbeiten von zirka 950 qm und Lieferung von zirka 100 cbm Basaltbruchsteinen und Basaltkleinschlag. 4212D Angebotsvordrucke sind, soweit Vorrat reicht, ab Frei lag, den 30. d. 21L, bei uns erhältlich; Bedingungen und Zeichnungen können ebenfalls bei uns eingesehen werden. Die Angebote sind verschlossen und mit der Aufschrift „Submission Großen-Bu- seck" versehen bis zum Donnerstag, den 6. 3uli 1933, vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen; die Deffnung erfolgt im Beisein der erschienenen Bewerber. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 28. Juni 1933. Provinzialdirektion Oberhefsen. __________Tiefbau.__________ Amtsverksindigungen aus den oberhessischen Kreisen. Kreis Schotten. Das Krsisamt hat in der letzten Zeit die Beobachtung gemacht daß die Langholzfuhrwerke vielfach nicht vorschriftsmäßig gekennzeichnet sind; es macht darauf aufmerksam, daß Langholzfuhrwerke an den Enden durch Strohkränze, Lappen oder dergleichen besonders kenntlich ge» macht sein müssen (§ 2 Absatz 4 der Allgemeinen Straßenverkehrsordnung vom 29. September 1927). Die Gendarmeriebeamten sind angewiesen, gegen Zuwiderhandelnde Personen unnachsichtlich vorzugehen. Die Sicherheit auf den öffentlichen Wegen erfordert diese Maßnahme. (4226C schwarz • brovH ■wncLmit Ja, Kinder-Stiefel finden Sie bei uns in Hülle und Fülle: alle schön, gut und naturgemäß verarbeitet 4222 A Kosten je n. Größe 1.85 2.30 2.75 Kleln-Auto B.M.W.-SintDufine, viersitzig, g. gepflegt, gegen bar zu verkaufen. Schriftliche Angeboteunt.03937 an den Gieß. Anz. Guterhaltenes Klavier mit schönem Ton, bill.z.verkaufen. Zu erfr. i. d. 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