Nr. 505 Erstes Blatt 183. Jahrgang Donnerstag. 28. Dezember 1935 Erscheint lägltd), uußo Sonntags und Feiertag» Beilagen. Die 3Hu{tnertc Gießener Familienblätter Heimat im Bill» Die Scholl» monrns^Beingsprets: Mtt 4 Betlagen NM 1.95 Ohne Illustrierte . I 80 Zustellgebühi . -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern Infolge höherer Gewalt Kernsprechanschlüffe vnter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Krontturt am Main 11686 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck unb Verlag: vrühl'fche UntversttSts-vuch- und Stetnöruderei R, Lange in Siehen. Schnstleitung und Geschäftsstelle: Schnlftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe fü* Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Frredr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil l D. Th.kümmel sämtlich in Biehen. Krankreich bereitet seine Rückkehr nach Genf vor. Dor Ueberreichung einer französischen Denkschrift in Berlin. — Ein neuer Abrüstungsplan. Der Mnisterra«'. Paris. 27. Dez. (TU.) Der französische Mini st e r r a i hat Mittwoch nachmittag über dreieinhalb Stunden unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik getagt. Er beschäftigte sich mit dem Eisenbahnunglück und den d e u t s ch - f r a n z ö s i - scheu Besprechungen. Eine amtliche Mitteilung besagt lediglich, dah der Autzenminister ausführlich über die verschiedenen Informationen berichtet habe, die er in der Jrage der Abrüstung eingeholt habe. Paul-Boncour habe den Ministerrat die grotzen Linien einer Denkschrift (Aide memcire) unterbreitet, die er dem französischen Botschafter in Berlin zugehen lassen wolle. Der Mlnisterrat habe diesem Vorschlag und dem Inhalt der Denkschrift z u g e st i m m t. Ministerpräsident Ehautemps erklärte im An- schluh an den Ministerrat der presse, die Regierung müsse zunächst noch eine starke Zurückhaltung beobachten. weil es nicht üblich sei. diplomatische Schriftstücke zu veröffentlichen, bevor sie zur Kenntnis der ausländischen Regierung gelangt seien, für die sie be- stimmt seien. Ehautemps fuhr dann wörtlich fort: »Alles, was ich Ihnen sagen kann. ist. dah Frankreich — wenn es auch gern bereit ist, mit ollen interessierten Staaten die Besprechungen fortzusehen, die zudem von dem Bureau für Abrüstungskonferenz vorgesehen waren — die Organisie- rung der allgemeinen Sicherheit auf dem Wege der Rüstungseinschränkung und im Rahmen des Völkerbundes sucht. Die französische Regierung ist heule wie früher bereit, von sich aus diesbezügliche positive Vorschläge zu machen, die den Verhandlungspartnern die Aufrichtigkeit des französischen Friedenswillens beweisen würden." Ehautemps fügte diesen Erklärungen hinzu, dah der genaue Zeitpunkt für die Ueberreichung der Denkschrift noch nicht festliege. In politischen Kreisen erklärt man ergänzend, dah der fkanzösische Botschafter In Berlin den Inhalt der Rote persönlich vortragen und sie dann als „Aide memoire“ der Reichsregle- tung überreichen werde. Man erklärt ferner, dah die Ausführungen Ehautemps' in erster Linie aus innerpolitischen Gründen erfolgt seien, um einer Auseinandersetzung der französischen presse über die Zweckmähigkeit oder Unzweckmäßigkeit unmittelbarer Verhandlungen mit Deutschland vorzubeugen. Ehautemps habe durch seine Ausführungen zum Ausdruck bringen wollen, dah diese Frage überhaupt nicht zur Aussprache stehe, dah Frankreich vielmehr selbstverständlich den einmal begonnenen Meinungsaustausch forf- zusehen beabsichtige. Paris dreh! sich im Kreise. Paris, 28. Dez. (CNB. Funkspruch.) Trotz der Erklärung des französischen Ministerpräsidenten, daß mit Rücksicht auf den schwebenden Gedankenaustausch keine Mitteilungen über den Inhalt der angekündigten französischen Denkschrift gemacht werden könnten, werden in der Presse Ausführungen veröffentlicht, die das wesentliche dieser Denkschrift darzustellen scheinen. Danach will Frankreich nicht nur die künftigen Verhandlungen wieder im Rahmen der Abrüstungs- konferenz führen, sondern auch genau dort a n k n ü p f e n, wo die Genfer Verhandlungen im Oktober unterbrochen wurden. Frankreich will einen eigenen Plan für eine allgemeine Abrüstung vorlegen, der auf den englisch-französischen Beschlüssen vom 23. und 24. September und auf der bekannten Simon-Erklärung vom 14. Oktober beruhen soll. Man spricht setzt nicht mehr von Probezeit oder Bewährungsfrist, sondern von zwei Heber- gangsperioden von je vier Jahren. In der e r ff e n Periode, die mit der Unterzeichnung der Konvention beginnen soll, soll für die europäischen Heere ein einheitlicher Ty mit kurzfristiger Dienstzeit geschaffen werden. Deutschland soll 200 000 Mann und ein entsprechendes „leichtes Defensivmaterial" erhalten. Frankreich würde 200 000 Mann im Inland und 200 000 Mann in den Kolonien erhalten, ebenso seine gesamten vorhandenen Materialien. Mährend der ersten vier Jahre würde eine ffänbige gegenseitige Kontrolle zwischen den europäischen Heeren hergesielll werden. Im verlaufe der zweiten vier Jahre würde Deutschland je nach dem Ergebnis der Kontrolle das Recht erhallen, sämtliche Defensivwaffen zu besitzen (elnschliehlich Tanks und Flugzeuge), während die anderen Mächte ihre Offen- sivwaffen (Geschütze mit einem Kaliber von über 105 Millimeter und Tanks von mehr als 1500 Tonnen) zerstören müßten. In französischen Kreisen gibt man sich über die Erfolgsaussichten dieser Vorschläge, die die ganze Entwickelung aus der Genfer Krise zu ignorieren suchen, offenbar keinen Illusionen hin. Es kommt in der Presse deutlich zum Ausdruck, daß es sich vorwiegend um ein Manöver zur Verschiebung der Schuldfrage und zur Vorbereitung evtl. Aktionen im Völkerbund handelt hieran gemessen wird die Methode aber ebenso plump wie hinsichtlich der Abrüstungsfragen sein. Die Presse stimmt nicht einmütig den Beschlüssen der Regierung zu. „V o l o n t 6" begrüßt, daß der französische Außenminister es vermieden habe, diese Besprechungen durch eine strikte Weigerung abzubrechen, kritisiert aber d i e Methoden, die die Regierung anzuwenden beabsichtige. Das Blatt setzt sich für direkte Besprechungen ein — „Paris Soir" bemerkt: Man wird also mit Berlin verhandeln, aber nicht in einem tete-ä-tete. Das französische Schiff nimmt Richtung nicht auf Berlin, sondern auf Genf. .^Intran- sigeant" bemerkt, die Aussicht auf direkte Besprechungen mit Deutschland scheine die rührigsten Elemente der Regierungsmehrheit etwas erschreckt zu haben. Man sehe nicht recht, welchen Nutzen man aus dem offenen Bruch mit den seit Genf eingeführten diplomatischen Methoden ziehen könne. Man wolle Deutschlands Vorschläge anhören, aber nicht über f i e verhandeln, als ob Frankreich allein Stellung zu nehmen hätte. Frankreich könne nicht den Block seiner Freundschaften vernichten, nur um den Schein seiner Sicherheit zu retten. Oer neue Bürgerkrieg in China. Schwere Kämpfe in der Provinz Zukien. - Japaner und Amerikaner ersuchen um Schutz. Schanghai, 28. Dez. (TU.) Arn Mittwoch haben regelrechte Kämpfe zwischen den chinesischen Regierungs- und den Fukien-Kriegsschiffen bei Futschau stattgefunden. Dabei wurden drei Militärdampfer der Fukienregierung vernichtet. Nach Mitteilung chinesischer Militärbehörden haben die chinesischen Regierungstruppen die Befestigungsanlagen bei Taischun in Besitz genommen. Die Kämpfe waren besonders heftig, die Stadt fiel erst beim oiertenmal in den Besitz der chinesischen Regierungstruppen. Die Verluste sollen auf beiden Seiten sehr groß sein. Wegen des Luftangriffs auf Futschau haben die japanischen Staatsangehörigen in Futschau ihren Generalkonsul um Schutzmaßnahmen gebeten. Der Generalkonsul hat sich auf Anweisung seiner Regierung unmittelbar mit dem amerikanischen Generalkonsul und anderen ausländischen Diplomaten in Verbindung gesetzt, um gemeinsame Maßnahmen zu treffen. Die amerikanische Mission berichtet, daß ihre Kirche und andere Gebäude beschädigt worden sind Die Flugzeuge haben offensichtlich versucht, die Stadtteile zu schonen, in denen Ausländer wohnen. Ein großer Teil der Eingeborenen-Beoölkerung hat die Stadt fluchtartig verlassen. Bei Tschangtschau kam es zu einem Gefecht zwischen Nanking-Truppen und kommunistischen Truppen, die die Fukienregierung unterstützen. Die Nanking-Truppen besetzten die Stadt. Nach einem Bericht der Fukienregierung warfen 16 Flugzeuge Bomben auf Tschangtschau. 30 Zivilpersonen und drei Soldaten wurden getötet. Drei Flugzeuge sind abgeschossen worden. Die Nanking-Truppen haben ferner die Mamao-Tschangmen-Forts etwa 30 Kilometer östlich von Futschau besetzt, die dot der 19. Division aufgegeben worden sind. Die Kriegsschiffe der Nanking-Regierung beherrschen auch die Pagoda-Forts bei Tschangtschau, oon denen die Truppen der 19. Division nach Futschau abmarschiert sind. Diese Division, die sich in den Kämpfen bei Schanghai gegen die Japaner ausgezeichnet hat, bildet das Rückgrat der Fukien- Armee Abschiedsgesuch des Chefs der Heeresleitung genehmigt. Berlin, 27. De;. (DTB.) Der Chef der Heeresleitung, General der Infanterie Frhr. o. Hamme r st e i n - L c q u o r d hat sich im vollen Einvernehmen mit der Reichsregierung entschlossen, zum 1. Februar 1934 seinen Abschied zu erbitten. Der Reichspräsident hat das Abschiedsgesuch genehmigt und den General Frhrn. v. ham- merstein mit dem Tage seines Ausscheidens zum Generalobersten befördert. General d. I. Freiherr von Hammerstein-Ecquord wurde 1878 in Hinrichshagen in Mecklenburg als Sohn des großherzoglichen mecklenburgischen Forstmeisters von Hammerstein geboren. Er besuchte die Kadettcnanstalten Plön und Groß-Lichterfelde und trat 1898 in bas 3. Garde-Regiment zu Fuß ein. 1911 bis 1913 war er zum Großen General- ftab kommandiert und erhielt 1913 den Hauptmannsrang. In den Krieg rückte er als Adjutant des Generalquartiermeisters beim Chef des Generalstabes, General von Stein. Freiherr von Hammerstein ist der Verfasser der meisten bekannten Heeresberichte des Großen Hauptquartiers aus der ersten Kriegs- zeit. Später war er in verschiedenen Generalstavsstellen tätig, so beim Armee-Oberkommando III, bei der 27. Infanterie-Division, beim Armee-Ober- kommando IV und beim Generalkommando 65. 1917 wurde er zum Major ernannt, 1920 zum Oberstleutnant und Chef des Stabes des Gruppenkommandos II (Kassel). 1922 bis 1924 war Hammerstein Kommandeur des III. Bataillons des Infanterie-Regiments 12 in Magdeburg, 1924 bis 1929 als oberster Chef des Stabes der 3. Division (Berlin). Im Jahre 1929 wurde er zum Generalmajor und Ches des Truppenamts im Reichswehrministerium ernannt. Seit dem 18. Oktober 1930 ist er General d. I. und Chef der Heeresleitung. Besondere Verdienste hat sich General von Hammerstein um den Aufbau der Wehrmacht erworben. Im Heere rühmt man ihm seine außerordentliche Ruhe und Kaltblütigkeit nach und sein nüchternes und klares Denken. Mustergültig waren stets feine kurzen und klaren Befehle, deren Stil schon in den, wie erwähnt, von ihm verfaßten ersten Kriegsberichten zum Ausdruck kam. Or. Ley an die politischen Leiter und Amtswalter. München, 27. Dez. (WTB.) Der Stabsleiter der Obersten Leitung der PO., Dr. Robert Ley, erläßt, wie die Reichspreffeftelle der NSDAP, mitteilt, folgenden Aufruf: Politische Leiter! Amtswalter! Ein Jahr des Sieges liegt hinter uns. Adolf Hitler hat die Macht. Das Jahr 1933 bedeutet den Beginn einer Weltenwende. Ihr politischen Leiter der NSDAP, und Ihr Amtswalter der gleichgeschalte- ten Verbände habt durch Eure Opferbereitschaft, Euren zähen Arbeitswillen und Eure unerschütterliche Disziplin dieses Werk mit zum Erfolg geführt. Euer Ringen verdient Dank und Anerkennung. Was seit 2000 Jahren in der Geschichte Deutschlands als unmöglich erschien, nämlich die Schaffung einer politischen Führung, ist jetzt Tatsache geworden. Diese Tat unseres Führers wird einst zu den größten Leistungen der Geschichte gehören. Erst dadurch, daß wir den politischen Unteroffizier und Offizier geschaffen haben, wird der Erfolg der nationalfozialisti- schen Revolution für alle Zukunft gesichert sein. Politische Leiter! Ihr leid ein Typ geworden, der Typ des Predigers, Soldaten zugleich. Arbeiten wir weiter in dieser zähen Verbissenheit um die Vollendung unseres Wollens. Dem Schicksal danken wir, daß es uns auf diesen Platz gestellt hat, und unseren Führer Adolf Hitler lieben und verehren wir. Mit ihm vorwärts in ein neues Jahr! heil Hitler! Eine Anordnung der Obersten Leitung der PO. besagt, daß die Leiter der politischen Organisationen in Zukunft n i ch t m e h r A m ts- matter, sondern politische Leiter heißen. Dagegen heißen alle, die mit einem 21 m t in den gleichgeschalteten Verbänden, wie Deutsche Arbeitsfront usw., betraut sind, Amtswalter. Jtanfrnoten. Der Leipziger Prozeß war doch etwas mehr als nur eine rein innerdeutsche Angelegenheit, wie jetzt plötzlich einige ausländische Blätter herausgefunden haben. Schade nur, daß ihnen dsife Erkenntnis nicht früher gekommen ist, sie hätten sich und uns manchen Verdruß erspart, sie wären vor allem von dem Vorwurf der Parteilichkeit verschont geblieben. Wir haben nicht die Absicht, heute jeder ausländischen Zeitung vorzurechnen, wie sie bei der Berichterstattung aus Leipzig gefehlt hat, wie bereitwilligst sie die Lügen des Braunbuches aufnahm und wie wenig objektiv sie die bolschewistische Gefahr in Deutschland und deren Ueberwindung zu beurteilen vermochte. Es hat lange gedauert, bis sich bedeutendere Presseorgane des Auslandes dazu durchrangen, einmal zu überlegen, was wohl geschehen wäre, wenn der Bolschewismus in Deutschland Sieger geblieben wäre. Sie haben sich der Ansicht nicht verschließen können, daß es dann nur eine Frage der Zeit sei, bis auch Westeu- e u r o p a vor Hammer und Sichel in die Knie gehen müsse. Wir dürfen wohl heute feststellen, daß gerade der Leipziger Prozeß dem Ausland wesentlich mehr gebracht hat alsuns,diewirdiebolschewistischenVorreiter aus jahrelangem Kampf kannten. Wenn auch dem deutschen Volk noch einmal die bolschewistische Gefahr in ihrer ganzen Größe vor Augen geführt wurde, so blieb doch schließlich nur die Frage zu beantworten: Wer hat den Brand im Reichstag gelegt, wer ist schuldig zu sprechen? Um diese Frage kreiste auch die ganze deutsch-feindliche Propaganda, die i n d o p p e l te r Beziehung geschlagen, den Schauplatz ihrer wenig erhebenden Tätigkeit verlassen muß. Sie hat zwar die internationale öffent- • liche Meinung gegen uns mitreißen können, muß aber jetzt an Hand der maßgebenden ausländischen Presse, auch derjenigen, die wirklich nicht das geringste für uns übrig hat, erkennen, wie sehr alles, was irgendwie mit der kommunistischen Bewegung, die in Leipzig auf der Anklagebank saß, zusammenhängt, abgelehnt und wie bereitwillig dem beut« schen Richter bescheinigt wird, daß er bei der Abfassung des Urteils nur nach dem Gesetz und seinem Gewissen handelte. Es hört sich wie wütendes Gekläff an, wenn die Geschlagenen, die Herrschaften der Londoner Gerichtskomödie, die Verfasser des Braunbuches, die notorischen Hetzer und Lügner, davon sprechen, daß die „nationalsozialistischen Henker unter dem Druck des Weltproletariats^ zurückgewichen wären. Das sind freche Redensarten, die in unseren Ohren nicht fremd klingen, haben wir sie doch in der Vergangenheit nur zu oft in deutschen kommunistischen Versammlungen und in der „Roten Fahne" nebst verwandten Blättern zu hören bekommen. Ader immer nur bann, wenn es galt, ben im Banne bes Marxismus stehenben Massen etwas zu verschweigen unb bafür Kraftmeiertum vorzugaukeln. Wir empfehlen ben Drahtziehern ber Deutschenhetze, wie sie sich um ben Leipziger Prozeh gruppierte, eine Lektüre ber großen Auslanbspresss zu diesem Urteil, bas von einer ganz anberen Warte betrachtet aber auch als ein Spruch gewertet wirb, gegen ben roeber mit Gefühlen noch mit juristischen Spitzfindigkeiten angerannt werben kann unb gegen ben auch unter ben Vernünftigen niemanb vorzugehen bereit ist, weil man sich mit nichts mehr ztt belasten wünscht, was nach Wegbereitung für ben Bolschewismus aussieht. * 400 Opfer mußten nach ber entsetzlichen Kata, strophe von Lagny unter den Splittern und Trümmern hervorgeholt werden. 200 Tote und 200 Verletzte. Das find alles Menschen, die zu ihren Lieben zum Weihnachtsfest fahren wollten, keiner, ber nicht ein kleines Päckchen in ber Hand ober in ber Tasche gehabt hätte. Die Katastrophe von Lagny ist das größte Unglück, von dem bas Ersenbahnwesen in diesem Jahrhundert betroffen wurde, wenn nicht die größte Eisenbahnkatastrophe überhaupt. Was die Zahl ber Toten und Verwundeten betrifft, so gibt es kein Verkehrsunglück, bas auch nur annähernd mit ber Katastrophe von Lagny zu vergleichen wäre, höhere Totenziffern findet man überhaupt nur in der Unglückschronik der Bergwerke. Daß die Zahl der Toten und Verletzten hier so hoch ist, erklärt sich eben nur aus dem Umstand, daß der Zug, der nach Paris fuhr, mit Menschen überfüllt war. Sieben Wagen des Eisenbahnzuges wurden zertrümmert und in diesen sieben Wagen befanden sich zusammengepreßt die 400 Menschen. Die Ueberfüllung ber Züge stellt ohne Rücksicht auf die technische Schuldfrage an und für sich eine schwere Gefährdung ber Reisenden bar. Wem ist nicht schon einmal ber Gedanke aufgetaucht, wenn er ein Verkehrsmittel benutzte unb wie ber Hering in ber Tonne eingekeilt war zwischen Hunderten, der Gedanke, daß ein Unglück, wie es ber Zufall jeben Augenblick bringen kann, keine Aussicht auf Rettung bieten würde. Man sollte, um die Möglichkeit jo großer Katastrophen auszuschalten, in ber ganzen Welt die schärfsten Maßnahmen gegen ZugüberstU- lung treffen und den Grundsatz durchführen, daß jedem Reisenden ein Sitzplatz gebührt. Dann wären eben entsprechend mehr Wagen zu stellen, aber hätte man das in Lagny rechtzeitig getan, bann hätte die Ostbahn vielleicht weniger ver- dient, Frankreich brauchte jedoch nur einen Bruch- teil ber Opfer des Unglücks zu beklagen. Bei der Katastrophe von Lagny soll bas automatische Signalsystem nicht funktioniert haben. Das Versagen wirb bamit erklärt, baß bie elektrischen Kontakte nicht funktionierten. Von fachmännischer Seite wirb erklärt, baß auf ben deutschen Bahnen umfangreiche Sicherungen eingeführt finb, etwa 125 Schnellzugkokomo- tiven sind in Dentschlanb mit ber elektromagnetischen Fahrsperre versehen, bie automatisch ein setzt, wenn ber Zugführer bas Haltesignal überfährt. 250 Meter vor bem Hauptsignal liegt ein Magnet, bett OasIahr der Wirischastswende 011 | berg: Prof Ji r i rf al» Letter. Prof, die Kunstschule Berlin: der Direktor Persönlichkeiten des Handwerks berufen. Meister wie Gesellen, die nunmehr, zumal sie gleichzeitig auch bedeutende Funktionen innerhalb der Berufsstände und Fachoerbände einnehmen, das geeignete den $ua automatisch bremst, wenn seine Geschwindigkeit höher als 7u Kilometer in der Stunde ist. Am Hauptsignal wird der Zug bedingungslos ge- bremst, wenn er bei Halt-Stellung das Signal überfährt. Die Anlage einer solchen elektromagnetischen Sperre kostet bei der Lokomotive rund 5000 Mark. Dazu kommen noch 1200 bis 1600 Mart für jeden Streckenkilometer Wesentlich billiger ist die Erfindung eines österreichischen Ingenieurs, die nur rund 700 Mark kostet. Zwangsläufig mit den Signalen befindet sich in Höhe von dreieinhalb Metern über den Schienen ein ausschwenkbarer Hebelarm, der an seinem Ende einen Bügel trägt. Auf dem Dach der Triebwagen ist in geringer Höhe ein Schleifbügel angebracht, der mit der Bremse in Verbindung steht. Beim Ueberfahren des Haltesignals wird der Schleifbügel durch den Anschlagbügel heruntergedrückt und be- tätigt die Bremse. Selbst bei starkem Frost und Bauhreifbildung hat diese mechanische Zugsperre einwandfrei funktioniert. Auf dem Bahnhof Rodenkirchen wurde bei einem Versuch der Zug. der mit 95 Kilometer Stundenaeschwindiakeit fuhr, so sicher gebremst, daß er am Haltesignal zum Stehen kam. Gremium für die Beratung des Ministeriums In allen handwerklichen Fragen sein können. Es sind berufen worden als Vertreter der Meisterschaft die Handwerksmeister Derbandsoorsitzender des Deutschen Fleischerverbandes Schmidt, Garner- Worms (Reichsoerband des Elektro- und Installa- teurgewerbes), G r ü h e r - Berlin (Germania-Zen- traloerband Deutscher Bäcker-Innungen), Maurer- und Zimmermeister Hatz- München (Bayrischer Gewerbcbund), Schreincrmeister Heidemann« Bielefeld und Schuhmachermeister Heß, M d R., Plauen. Als Dertreter der G e s e l l e n s ch a f t wurden berufen: Hans Friedel-Berlin, Vertreter der Handwerksgesellen im Deutschen Metallarbeiter- verband, Fran; S ch i n d l e r - Berlin, Fachschafts- wart der Friseure im Deutschen Arbeiterverband der öffentlichen Betriebe, Gustav T i s k a - Berlin, Reichssachschastswart für Bäcker und Konditoren, g und Kurt Ü I Im ann - Berlin, Derbandsleiter des i- I Deutschen Arbeiteroerbandes des Baugewerbes. e I ------------- Neuordnung an den preußischen ^unstanstalten. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, L", d'r Herr Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, R u st, im Laufe der R e u o r g a n i - atio nd er preußischen Kunstverwal- ö bisher folgende personelle Acnderungen oer- fugt: Es werden beurlaubt, pensioniert und entlaßen: An den Meisterateliers bei der Preußischen Akademie der Künste: Direktor Professor Bruno Paul- an den Vereinigten Staatsschulen für freie und an- gewandte Kunst Berlin: der Direktor Prof. Port- St g, die Professoren Schlemmer, Weiß Hofer und Reger, die Lehrer Kaiser und Tauber: Professor Edwin Scharff wurde als Lehrer an die Kunstakademie in Düsseldorf, der Kustos Professor Sörrensen an die staatlichen Museen 'n Berlin versetzt: an der Kunstakademie Düsseldorf: der Direktor Dr. K a e s b a ch, die Professoren A u f s e e s e r, M o l l, Heuser, 6am. pendonck, MatarL, Holzmeister und Al - bretbt; an den Meisteratelier» in Breslau: die Professoren Molzahn, Radina, Scharoun Muche und Bednorz: an der Kunstschule Der-' lin: der Prosessor Laß, die Lehrer Frau Leip- ztger-Heuschner, Pros. Dr. Fischel, Dr. Hilter: an der Rationalgolerie: der Direktor Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Iusti; der Kustos Professor i Xbormatbltn wurde an Landesmuseum in Kassel versetzt: an der Musikhochschule Berlin: die Profesioren Prüwer, von Hornbostel, Feuermann, Dr Daniel Kreutzer, Dr. Sachs und Frau Pfeffer, die Lehrer orau Löbenst «in, Dr. Strelitzer, Bor - ris-Zuckermann, Frau Warburg, Ei», n e r, Seibel» und Schlesinger: der Direktor Prosessor Dr. Schünemann wurde in eine Ledrrrstelle der Anstalt übernommen; an der Musikhochschule Köln: Direktor Professor Braunfels die Professoren Jolle», Dittels und Hof.' müller. — Reu berufen wurden: an die Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst, Berlin: die Profesioren von K u r s e l l, Erik R , ch - ter, Wehlte, Lenk, Zae-per und Docke, der Kustos W e n d l a n d: an die Kunstakademie Düsieldors: der komm. Direktor Prof. Grund, die Profesioren Kersting, Radzlwill, Hum er und Peiner, der Lehrer Schwarzkopfs; an die Meisterateliers Breslau Prof. 3 i m b a t als Leiter, Prof. Merz: an die Meiskeratelier» ffönif: noldt, die Profesioren Scharling und Schrimpf, die Lehrer Dr. B i e d r z y n f k i und Higgemann: an die Staallichen Museen: der komm. Generaldirektor Pros. Dr. Kümmel und die komm. Direktoren Pros. Dr. Ko et schau und Prof. Dr. Hermann Schmitz, ferner Dr. Duhr und Dr. Trautwein: an die Nationalgalerie: der Direktor Dr. Hanfstängl; an die Musikhochschule Berlin der Direktor Prof. Dr. Stein, die Profesioren Lohmann, (Brümmer, Dr. Bieder. Strub, Mahlke. Schrnalstich und Dollerthun; an die Musikhochschule Köln: der Direktor Profeffor Abendroth. Oie Mitglieder des Handwerkerbeirats Berlin, 26. Dez. (DdZ.) In den Handwerker- beirat hat der Reichswirlfchaftsminifter führende Der Tiefstand. Seit dem Jahre 1929 war es mit der deutschen Wirtschaft ständig abwärtsgeganaen. Die Produktion war ertraglos geworden. Ungeheure Steuerlasten, verursacht teils durch die übermäßige Verschuldung an das Ausland und die untragbaren Reparationslasten, teils durch die Mißwirtschaft und verfehlte Wirtschaftspolitik im Inneren, hatten eine nie dagcwesene Massenarbeitslosigkeit hervorgerufen, die von Jahr zu Jahr anwuchs. Alle Versuche der früheren Regierungen, der hereinbrechenden Wirt- fchaftskrise einen Damm entgegenzusetzen, waren fehlgeschlagen. Der Parlamentarismus mit seiner Parteienherrschaft und seiner Unfähigkeit zu schnellem, tatkräftigem Handeln hat in der Zeit des Wirt- schaftsoerfalls völlig versagt. Eine politische Erneuerung, eine Neugestaltung des Staates der ewig miteinander hadernden Intereffentenhaufen durch eine autoritäre Staatsführung mußte erst kommen, um die Voraussetzungen zu schaffen, ohne die ein neuer Wirtschaftsaufstieg nicht erreichbar gewesen wäre. Es ist daher ganz gewiß kein Zufall, daß der T i e f st a n d des deutschen Wirtschastsabsturzes, wie bie heute vorliegenden Ziffern deutlich zeigen, i n dem er st en Monat des jetzt verflossenen Jahres 1933 erreicht worden ist, und daß der wirtschaftliche Wiederaufstieg fast genau mit dem Siege des autoritären Staates begann. Am 28. Januar 1933 trat das Kabinett Schleicher zurück, am 30. Januar ernannte der Reichspräsident Adolf Hitler 3um Reichskanzler. Die Zahl der Arbeitslosen aber hat in den Monaten Januar und Februar des ab- gelaufenen Jahres mit mehr als sechs Millionen ihren Höhepunkt erreicht. Von da ab wich sie wieder langsam zurück, bis Ende November nur noch 3,7 Millionen Arbeitslose bei den Arbeitsämtern gezählt wurden. Es wird und muß gelingen, diesen Erfolg der Arbeitsschlacht des Jahres 1933 in diesem Winter im wesentlichen zu behaupten, um dann im nächsten Frühjahr die Flut der Arbeits- losigkeit aufs neue kräftig zurückzudrängen. Oie Weltwirtschaftskrise. Niemand wird leugnen können, daß die deutsche Wirtschafts- und Arbeitskrise aufs engste mit dem Abstieg der weltwirtschaftlichen Konjunktur zusammenhängt, die im Jahre 1933 ebenfalls auf ihrem tiefsten Stand angelangt zu sein scheint. Anzeichen einer Besserung sind auch hier festzustellen. Aber ebenso wie die deutsche Wirtschaft weit schwerer als die meisten anderen nationalen Wirtschaftskomplexe von der Weltkrise in Mitleidenschaft gezogen worden ist, herrscht andererseits heute Uebereinstimmung darin, daß Deutschland im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsnot weitaus die größten Erfolge auszuweisen hat. Dageaen sind die zahlreichen Versuche einer weltwirtschaftlichen Verständigung und Zusammenarbeit, die im Jahre 1933 unternommen worden sind, völlig gescheitert. Im März kam, fast gleichzeitig mit dem Amtsantritt des Präsidenten Roosevelt, in den Vereinigten Staaten die Banke n k r i f e zum Ausbruch. Am 6. März wurde die Goldeinlösung der Dollarnoten aufgehoben. Am 15. März begann auch in den Vereinigten Staaten Oie Zwangsbewirtschaftung der Devisen, und am 20. April gaben die Vereinigten Staaten den Goldstandard auf. Die Weltwirtschaftskonfe- ren3, die am 12. Juni in London zufammentrat, ging ohne nennenswerte Ergebnisse auseinander. Die Folge davon war, daß sich fast alle Länder noch mehr gegen fremde Waren,mporte abschlossen. Der weltwirtschaftliche Güteraustausch sank auf einen Tiefstand, den man niemals für möglich ge- galten hatte. Die nach dem Scheitern der Welt- wirtschastskonkurrenz ausgegebene Parole: „Rette sich wer kann!" führte beinahe überall den Sieg extrem protektionistifcher Bestrebungen herbei. Der Kampf um Öen Transfer. Man erkennt heute überall an, daß Deutschland seine privaten Auslandsschulden nur mit W a - rcnlieferungen und Leistungen bezah- len bzw. verzinsen kann. Aber man ist nicht foule- quent genug, aus dieser Erkenntnis die zwange läufigen Folgerungen zu ziehen. Diese bestehen Deutschland nur so viel zahlen kann, wie ihm das Ausland durch Ausnahme deutscher Waren an Devifenuberichusien zusührt. Trotz dieser klaren ^eUuH*e?nQn9-e*nStC d." Kampf um den 0 E u ts che n -Schuldentransfer das ganze Iahr^l9Z3 Am 11. März trat Dr. S ch a ch t wieder an oteUc feine» Nachfolgers Dr. Luthör an di" Spitze der Reichsbank. Damit begann eine Seit S*nnreLbeRU,^r. Schulden, und Transferposstif gfe" £ HPr:‘ äahlte die Reichsbank den 70- Millionen - Dollarkredit der ausländischen Noten- banken zurück der ,hr nur Fesseln und Lasten au!- eilegte, aber feinen Nutzen brachte. Am 9. Juni fah '.'ch b,e Neichsregierung veranlaßt, ein Trans- Lri!nOhr‘, aussetzung ist. daß Sie biefe, Eigenschaften auch ferner zeigen. Und nun Schluß für heute. Rufen Sie mich an, sobald es etwas Neues gibt." Freudestrahlend ging Franz Walburg nach Hause. Doktor Miller aber war von dem Gehörten nicht recht befriedigt. Er hatte fast den Eindruck, daß er einem Irrlicht nachgejagt war. 14. Kapitel. 'floonne Dumont war nicht mit dem Train bleu nach Paris gereift. Sie war, als ob sie von einer kurzen Reise zurückgekehrt wäre, mit dem Auto wieder zu Mertens gefahren. Sie tat, als wäre alles wie sonst. Nur vermied sie es, mit Seeburg zusam- menzutreffen. Ihr Nachbar Wassiljew saß nach wie vor fast den ganzen lag in feinem Zimmer, sehr zur Befriedigung Frau von Mertens, die von ihrem ruhigen, anspruchslosen Mieter entzückt war. Das einzige Steckenpferd Wassiljews schien das Photographieren zu sein. Ganz zeitig frühmorgens fuhr er jetzt oft ins Freie, um Ausnahmen zu machen, die er bann entwickelte. Diese Liebhaberei schien ihn ganz auszufüllen. Tische und Fensterbretter waren mit Holzrahmen belegt, in denen er feine Aufnahmen kopierte. Es waren meist Photos aus der nächsten Umgebung von Berlin. Ab und zu besuchte ihn ein Bekannter, ein Russe, der die gleiche Liebhaberei zu betreiben schien. Jetzt waren die beiden russischen Herren dazu übergegangen, Vergrößerungen und Verkleinerungen an- zufertigen, und Wossiliews Zimmer glich einem kleinen photographischen Atelier ... „Mit unseren Mietern können wir doch ganz zufrieden fein", meinte Frau von Mertens Irene gegenüber, als sie abends plaudernd zusammensaßen. „Was für ein Glück, daß wir alle Rimmer an so ruhige Leute vermietet haben! Ahnst du übrigens, was mit Seeburg los sein kann? Der sieht ja elend aus, als ob er krank wäre." „Ich habe ihn jetzt schon eine ganze Zeit nicht gesehen", erwiderte Irene, „ich bin ja auch tagsüber im Bureau." „Weißt du, Irene, eine Zeitlang habe ich gefürchtet, daß sich zwischen Seeburg und Fräulein Dumont etwas anspinnt. Aber seit einiger Zeit hat das aus- gehört. Ich hatte schon Sorge, weil die Besuche eeeburgs bei Fräulein Dumont ein bißchen häufig waren." „Mutti, du mußt dich möglichst wenig um unsere Mieter kümmern. Dann hast du auch keinen Aerger. Und Herr von Seeburg wird die gebotenen Grenzen hier im Hause schon einhalten. Er arbeitet wohl jetzt ziemlich viel?" „3a, Irene, er geht abends gar nicht mehr fort. Dabei ist er doch noch ein junger Mensch." „Was geht uns das an, Mutti, ob er ausgeht ober zu Hause bleibt. Wir wollen froh fein, daß wir aus den Sorgen vorläufig heraus find". log Irene. Gut, daß die Mutter nicht ahnte, wie sie in den letzten Nächten leise an die Tür gegangen war, um nachzusehen, ob in Seeburgs Zimmer immer noch Licht brannte. Seeburg schien sich das Schlafen ganz obgewöhnt zu haben. Bis um zwei, drei Uhr hörte sie das Rascheln der Akten, das leise Kratzen der Feder auf dem Papier. Er brachte ja auch jeden Tag außer den Akten, die er sich schicken ließ, noch Arbeit mit. Zweimal war Franz Walburg dagewesen, um irgend etwas zu bringen. Er hatte Irene nur wie eine Fremde gegrüßt, als er sie im Flur traf. Frau von Merten hatte nach der Zeitung gegriffen. Irene nahm sich ein Buch vor. Da schrillte das Telephon. Irene nahm den Hörer. Sie erkannte die Stimme Doktor Millers. „Ist Herr Baron von Seeburg zu sprechen?" Irene bejahte und stellte um. Durch die Tür hörte sie Seeburgs ruhige Stimme. Worte waren nicht zu verstehen. Bald darauf klingelte es aus Seeburgs Zimmer nach Berta. Die kam gleich darauf, um sich die Schlüssel zu holen. „Der Herr Boron bekommt noch Besuch. Einen Herrn. Er läßt um ein paar Gläser bitten, ich soll einen Krug Pilsner holen." Berta brachte das Gewünschte in Seeburgs Zimmer. Kurz darauf klingelte es: es schien Miller zu sein. Er sprach draußen mit Berta und war bald in Seeburgs Zimmer verschwunden. „Sie haben so lange nichts von sich hören lassen, Herr Baron, daß ich mich doch wieder mal noch Ihnen umsehen muß! Sie sehen übrigens nicht gerade besonders gut aus!" „Mir fehlt nichts. Aber ich habe schon daran gedacht, Ihren Rot zu befolgen und mal ein paar Wochen auszuspannen. Ich arbeite schon vor. Aber ich muß erst noch ein paar wichtige Sachen erledigen." eeeburg schenkte Miller ein. Der nahm bedächtig einen tiefen Zug. „Ausspannen kann nie schaden", meinte er dann nachdenklich. „Wann sprachen wir eigentlich haoon?" „Als ich Ihnen von meiner schonen Nachbarin, yoonne Dumont, erzählte. Ich glaube, ich bin ein großer Dummkopf gewesen, lieber Doktor! Ich habe mich damals über Ihre Skepsis von Herzen geärgert. Aber Sie hatten doch wohl recht." Als Miller jchw.ea. fuhr Seeburg fort: ,,2Id) nxis, es muß mal runter von der fieber." Ausführlich erzählte er von der Filmvorführung und dem offensichtlichen Berjuch yoonnes, fein Urteil zu erlaufen. „lieber den Kaufpreis zu sprechen, erlösten Sie nur wohl, Doktor!" „Ader ich bitte Sie, Baron! Geld wird man Ihnen ja nicht gerade angeboren hoben. Im übrigen bin ich nicht neugierig. Aber mir fällt ein Stein vom Her- Zen! Daß da irgendein Planchen ausgehecki wurde, war von Anfang an mein Eindruck. Gut für Sie, baß es sich so harmlos löst. Und wenn Sie mir weitere Erklärungen erlassen, mochte ich mir Ihre Worte von vorhin zu eigen machen. Ich glaube, ich bin gleichfalls ein großer Dummkopf gewesen! Ich habe Gespenster gesehen. Und das darf man in meinem Beruf nicht. Ich habe auch nicht die Entschuldigung für mich, daß mir eine schöne Frau Augen gemacht hat. Uebngens, ich bitte um Verzeihung^ Wenn ich noch mal darauf zurückkomme — haben Sie seit dem Jilmabend gar nicht- mehr von Ihrer schönen Nachbarin gehört, Herr Baron?" „Nein!" kam die knappe Antwort. „Na — schön!" Auch Miller schwieg, aber in seinen Augen war etwas Nachdenkliches. Obgleich Seeburg sichtlich erleichtert war, daß er sich die Sache von der oede gesprochen hakte, kam doch keine rechte Stimmung mehr auf. Doktor Miller verabschiedete sich früher, als er ursprünglich beabsichtigt hatte. Es war ihm auch lieb, jetzt allein zu sein. Die Sache Poonne — Seeburg beschäftigte ihn immer noch: zwar schien die Ge- schichte abgeschlossen. Wenn er nur hätte begreifen können, wozu das Zusammensein yvonnes, Perlains und des Assessors Malesius nach dem vergeblichen Angriff auf Seeburgs Entscheidung veranstaltet war. Sollte Malesius an Stelle von Seeburg gewonnen werden? Was bezweckten yvonne und Perlain damit, daß sie mit Malesius Fühlung nahmen? Und Malesius konnte nach Seeburgs Weigerung doch auch nichts ausrichten? Wer war dieser Holtav, der so merkwürdig freigebig war? Halt, Vorsicht!, ermahnte sich Miller. Nur nicht wieder sich in einen Verdacht verrennen! Jetzt konnte man an den Knöpfen abzählen, ob man die Akten schließen sollte oder sie dem berühmten gelben Schrank anvertrauen, in dem so manche später wieder aufgenommene Angelegenheit geruht hatte ... (Fortsetzung folgt.) Kein Laden I Leidhecken, den 26 Dezember 1933. sfr 7/90 D bei Brühl. SchulstraBe 7 J.G. 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