Ur. 279 Erstes Blatt 183. Jahrgang Dienstag, 28. November 1933 9 paftscheckkonw: granfturt am Matn 1168«. Druck un- Verlag: vrühl'sche UniverfttStS'vuch- und ZteindruSerei B. Lange in Siehrn. Schristleitung und SefchSstrstelle: 5chnlftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur- Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für denAn- zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Erschein» »ügltch, outza Sonntags und Feiertag» Beilagen; Die Illusttnerte (Siebener Familienblätter Heimat im DUd Die Scholle monat$«Be$ug$prei$: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. , -L5 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüsse unter Sammelnummer2251. Anschrift für Drahtnoch. richten: Anzeiger Gieße«. „Krast durch Freude."- Oie Deuffche Arbeitsfront organisiert den Feierabend. Berlin, 27. Nov. (TU.) Im kleinen Festsaal des Preußischen Staatsrates fand am Montagnachmittag eine Zusammenkunft statt, in der die F e i e r- abendorganisation der Deutschen Arbeitsfront ihre Verfassung erhielt. Der Ein- ladung hatten zahlreiche Reichs- und Staatsminister, die Gauleiter und.,Amtswalter der Partei, sowie die Mitglieder des Kleinen Arbeitskonoents Folge geleistet, unter ihnen der Stellvertreter des Führers, Reichsarbeitsminister Seldte, Reichswirtschaftsminister Schmidt, Kultusminister Rust, die Reichs- statthalter Mutschmann, Murr, Sprenger, Loe- per, Rover, Sauckel und Meyer, die Staatssekre- täre Funk, Posse, Feder, Krohn, Hier! und Rein- Hardt und die Treuhänder der Arbeit. Reichsminister Dr. Goebbels begrüßte die Gäste. Wenn die Arbeit, die heute durch diese Zu- sammenkunft ihren Anfang nehmen soll, unter einem glücklichen Stern steht, dann glaube ich, beginnen wir damit ein Werk, das für die ganze weitere soziale Entwicklung unseres Volkes von ausschlaggebender Bedeutung fein wird. Diese Arbeit hat bereits Vorbilder in anderen Staaten. Ich glaube, es wäre aber grundfalsch, wenn wir uns an diese Vorbilder blind a n s ch l i e ß e n wollten. Wir sind der Uederzeu- flung, daß dieses Werk einen ausgesprochen deutsch e n und n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e n Stern« p e l tragen wird. Es handelt sich darum, den Feierabend zu organisieren, von der Erkenntnis ausgehend, daß ein Staat, der wirklich mit dem Volk identisch und verbunden ist, das Volk niemals sich allein überlassen soll, sondern daß er nicht nur d i e Arbeit, sondern auch den Feiertag organisieren muh. Für die heutige Tagung haben schon eine ganze Reihe von Vorbesprechungen stattgefunden, in denen wir die organisatorischen und ideellen Voraussetzungen zu lösen versucht haben, die notwendig waren, um das Werk tatkräftig in Angriff zu nehmen. Der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß überbrachte der Versammlung die Grüße des Führers. Danach sprach Oer Führer der Deutschen Arbeitsfront Or. Ley Er ging auf die Entwicklung der Arbeitszeit in Deutschland ein und gab der Ansicht Ausdruck, daß wir in der nächsten Zukunft wahrscheinlich gezwungen fein würden, aus Konkurrenzgründen das Arbeitstempo, die Arbeitsmethoden, die Mechanisierung und Rationalisierung bestimmter Industrien noch weiterzu erhöhen, daß wir aber gleichzeitig um die Menschen überhaupt zu erhalten, die Arbeitszeit verkürzen müßten. Die bisherige Entwicklung habe zu folgender Erkenntnis geführt: Entweder man hätte durch ein vernünftiges Arbeitstempo die frühere Arbeitszeit erhalten sollen, oder aber man steigert das Arbeitstempo und müsse dann die Arbeitszeit verkürzen, oder man verkürze die Arbeitszeit und fei dann gezwungen, das Arbeitstempo zu steigern. Den letzten Weg feien mir gegangen. Dieser Weg würde aber zum Ruin unseres Dol- kes führen, wenn nicht gleichzeitig dafür gesorgt würde, daß das Volk in feiner Freizeit eine völlige Ausspannung von dem übersteigerten Tempo des Alltages erhalte. Was früher in diesem Sinne versprochen oder angedeutet worden fei, sei nicht gehalten worden. In allen Ländern außer Italien seien nur kümmerliche Ansätze zu verzeichnen. Dr. Ley schilderte bann die Erwägungen, die zu dem Plan der Deutschen Freizeitorganisation geführt haben. lieber allem stehe das vom Führer geprägte Wort: „Wie erhalten wir dem Volk dieNeroenlnder Erkenntnis, daß man nur mit einem nervenstarken Volk Politik treiben kann?- „Den Achtstnnden-Arbeltstag können und wollen wir nicht mehr zurück- schrauben. 3m Gegenteil, wir werden vielleicht gezwungen fein, auf gewissen Gebieten, um überhaupt wieder exportfähig zu werden, das Arbeitstempo zu steigern. Deshalb wollen und müssen wir dem schassenden deutschen Menschen in seiner Freizeit eine völlige Ausspannung seines Körpers und seines Geistes geben. Wir müssen eine Freizeitorganifation schaffen, in der alle Menschen zu Haufe fein sollen, vor allem auch der Arbeitnehmer. Denn gerade dadurch, daß der L.enfd) in feiner Freizeit mit Menschen anderer Berufe zusammenge- führt wird, erhält er schon eine Ausspannung an sich. Aber nicht allein deshalb müssen wir diesen Fehler vermeiden, sondern auch im Hinblick auf das große und letzte Ziel, aus dieser Freizeitorganisation d i e wahre nationalsozialistische Ge- sellschaftsordnung zu formen, müssen wir vermeiden, Organisationen der verschiedenen Klassen und Verbände zu bilden. Wir müssen des weiteren unser Hauptaugenmerk darauf richten, daß das Volk innigsten An- teil an bem 2Iuf bau nimmt. Wir müssen eifer- süchtig barüber wacyen, baß bas Volk bisse Organisation baut unb schafft. Als britter Grunbsatz muß erkannt werden, sichnichtzuoer^etteln. Wir müssen klar unsere Örenw* uüm» Wtt- bohoj* allein die Aufgabe, die Müdigkeit des Volkes zu bannen, feine Nerven zu stählen, ihm eine völlige Ausspannung zu geben, indem wir ihm das Beste vom B e st en als Nahrung bieten. Hierauf allein müssen wir unser Wollen und Können konzentrieren. Die Freizeit - Organisation „Kraft durch Freude" wird ganz analog dem Aufbau der Partei von unten nach oben vor sich gehen. UeberaU im Lande, wo wir früher im Kampf um die Partei standen, werden Gemeinschaften gebildet werden aus allen Schichten und Klassen des Volkes, da die Arbeitsfront im großen gesehen, die Zufammensaffung aller schaffenden deutschen Menschen ist. Gemeinschaften des Dorfes, der Straßen- oder Stadtteile, der Betriebe und Gemeinschaften, die besondere Zweige der Kultur pflegen, wie Gesangvereine, Theatervereine. Vergnügungsvereine. Diese Vereine werden wir zur größeren Aktionsfähigkeit ; u - sammensassen 3n jeder größeren Stadt oder einem Bezirk wird der Mittelpunkt dieses geselligen Lebens, das „haus der deutschen Arbeit". Dieses „haus der Arbeit" soll und muh das Zentrum des geselligen und kulturellen Ledens werden, ein haus, das alle Einrichtungen enthalten muh, die zur Freude und zur Ausspannung der Menschen bienen sollen. Sie Gestattung des Urlaub» und der Reizest. Die Leitung ber Organisation „Kraft burch Freube" innerhalb ber Deutschen Arbeitsfront unterhält folgenbe Aemter: Ein Amt für Kultur, ein Amt für Erüchtigung bes Volkes, ein Amt für Reifen unb Wanbern, ein Amt für gegenseitige Unterstützung, ein Amt für die Würbe unb Schönheit ber Arbeit, ein Amt für Urlaub unb Unterbringung im Urlaub unb ein Amt für Unterricht unb Aus- bilbung. Es barf in Deutfchlonb außerhalb biefer Organisation nichts geben, bas Besseres bieten könnte. Ieber Künstler in Deutschlanb muß einsehen, baß er einen Teil feiner Kraft wie jeber anbere Deutsche auch bem Feierabenb-Werk schenken soll. Neben biefer Nahrung ber Seele müssen wir für b i e Ertüchtigung bes Körpers Sorge tragen. Sport unb körperliche Bewegung ist bem 40» unb 50jährigen Menschen notwendiger als ber Jugenb. Wir mü fen bas überflüssige Fett in unserem Volk beseitigen, bamit ber Körper roieber die nötige Spannfra t erhält. Es kommt nicht barauf an, wie hoch ber Mensch springt, fonbern baß er springt, nicht barauf an, wie schnell ber Mensch läuft, fonbern baß er läuft. Als Drittes werden wir das Reifen und Wandern organisieren. Es genügt nicht, dah wir dem schwer arbeitenden Bergmann, dem Webet ober bem Schlosset im Walzwerk btei bis vier Wochen Urlaub verschaffen. Ls muh Sorge getragen werben, dah er mit biefem Urlaub auch etwas anzusangen weiß unb sich nicht langweilt. Deshalb werden wir in der Heide, in den Bergen, auf den höhen des Rheins überall Lager bauen, in denen die Deutschen in Zucht und Kameradschaft ihre Urlaubszeit verbringen. Aber nicht nur die Raturfchönheiten müßen wir bem Volke zeigen, fonbern wir müssen in biefer Organisation auch die Schönheit des Arbeitsplatzes organisieren. Wie viel kann hier mit geringen Mitteln getan werden, um dem schaffenden Menschen Zerstreuung und Ausspannung während der Arbeit zu vermitteln. Das A m t für UnterrichtundAusbildung wird es jedem ermöglichen, sich unentgeltlich Wissen unb Kenntnisse anzueignen. Dann wirb diese Organisation ihr Augenmerk auch auf die Familien und das heim des Arbeiters richten müffen. Durch ein großzügiges Selbsthilfewerk wollen wir dem arbeitenden Menschen gesunde Wohnungen schaffen, hierfür find großzügige Pläne in Angriff genommen und es ist zu hoffen, dah bereits bis zum 1. Mai 1934 die erste Etappe von tausenden Arbeiterhäusern in Angriff genommen werden kann. Als letztes großes Ziel, fo erklärte Dr. Ley abschließend, wird — so hoffen wir — aus ber Freizeitbewegung die neue Gemeinschaft, bie neue Gesellschaft bes national fogiali ft i« schen Staates geboren werben. Unb beshalb soll biefes große gewaltige Werk im Hinblick auf bas herrliche Ziel auch schon im Namen unser Wollen zum Ausbruck bringen. Nicht „Freizeit", nicht „geierabenb", nicht „Nach ber Arbeit" — unser Werk heißt: Nationalsozialistische Gemeinschaft „Kraft burch Freub e". Die Rebe Dr. Leys würbe mit großem Beifall ausgenommen, bem als Erster Reichsarbeitsminister S e (b t e Ausbruck verlieh. Reichswirtfchaftsminister Dr Schmitt verlas bann folgenden Aufruf an alle schaffenden Deutschen. Aufruf an atleschaffendenOeuischen Die Wahl vom 12. November hat gezeigt, dah bis auf eine verschwindende Minderheit alle schaffenden Deutschen, ganz gleich, ob sie als Unternehmer, als Arbeiter oder Angestellte tätig sind, sich freudig hinter die von Adolf Hitler geführte R e i ch s r e g i e r u n g stellen und am Aufbau des neuen Staates und der neuen Wirtschaft mitzuarbeiten gewillt sind. Das Bekenntnis zu unserem Führer bedeutet für die schaffenden Menschen eine Absage an den marxistischen Grundsatz des Klas- senkampfes. bedeutet ein Bekenntnis zum Geist der Volksgemeinschaft und der gegenseitigen Achtung und Gleichberechtigung von Arbeitern und Unternehmern. Diese Tat soll gelohnt werden. Die Zeit ist reif, dah das Werk, das am 2. Mai durch die Uebernahme der alten Gewerkschaften in die Arbeitsfront begonnen worden ist, nunmehr feine Krönung erhält. Die Deutsche A r b e i t s - front ist die Zusammenfaffung aller im Arbeitsleben stehenden Menschen ohne Unterschied ihrer wirtschaftlichen und sozialen Stellung. 3n ihr soll der Arbeiter neben dem Unternehmer stehen, nicht mehr getrennt durch Gruppen und verbände, die der Wahrung besonderer wirt- schaftlicher oder sozialer Schichtungen und Interessen dienen. Der Wert der Persönlichkeit, einerlei, ob Arbeiter ober Unternehmer, soll in der Deutschen Arbeitsfront den Ausschlag geben. Vertrauen täfel sich nur von Mensch zu Mensch, nicht aber von verband zu verband gewinnen. Rach dem Willen unseres Führers Adolf Hitler ist die Deutsche Arbeitsfront nicht die Stätte, wo die materiellen fragen des Arbeitslebens entschieden, die natürlichen Unterschiede der Interessen der einzelnen Arbeitsmenschen aufeinander abgestimml werden. Für die Regelung der Arbeitsbedingungen werden in kurzer Zeit Formen geschaffen werden, die dem Führer und der Gefolgschaft eines Betriebes die Stellung zuweifen, die die nationatfoziallstifche Weltanschauung vorschreibt. Das hohe Ziel der Arbeitsfront ist bie (Er- Ziehung aller im Arbeitsleben siehe n d e n Deutschen zum nationalsozia- listischenStaatundzurnationalsozia- l i st i f ch e n Gesinnung. Sie übernimmt ins- befonbere die Schulung der Menschen, die dazu berufen werden, im Betrieb und in den Organen unserer Sozialverfasfung, der Arbeitsgerichte und der Sozialversicherung mafegebend mitzuwirken. Sie wird dafür sorgen, dafe die soziale Ehre des Betrieb sführers wie feiner Gefolgschaft zu einer entscheidenden Triebkraft der neuen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung werden kann. So rufen wir heute alle deutschen Arbeiter der Stirn und der Faust auf, in d i e Deutsche Arbeitsfront einzutreten, um in ihr alle Kräfte zum Gelingen des grofeen Werkes zu sammeln. heil hitleri Der Führer der Deutschen Arbeitsfront. Gez.: Dr. R. Ley. Der Reichsarbeitsminister. Ge;.: Franz Seldte. Der Reichswirtfchaftsminister. Ge;.: Dr. Schmidt. Der Beauftragte des Führers für Wirtfchaftsfragen. Gez.: Keppler. Der Reichswirtfchaftsminister erklärte sodann u. a.: Die großen Gedanken unseres Führers, bie nationale, soziale unb wirtschaftliche Wiebergeburt unseres Volks, finb wie ein göttlicher Funke von einer kleinen Schar von Menschen übergesprungen von Volksgenosse zu Volksgenosse, um schließlich bas ganze beutsche Volk zu erfassen. Wir wollen es zum Gemeingut aller machen, baß ber Kaufmann nicht ohne ben Bauer, ber Industrielle nicht ohne den Arbeiter, der Hausbesitzer nicht ohne den Mieter leben, daß nicht ber eine ben anberen bekämpfen kann, baß nur der Wohl- stand des einen den des anberen zur Folge haben kann. Wir wissen, baß in diesem Aufbauwerk kein Platz ist für Klassen und Inter- essentengruppen, kein Raum für Haß und Neid, aber auch nicht für Zaghaftigkeit und Angst. Je mehr und je tiefer der deutsche Mensch von diese« hohen Ideen erfüllt fein wird, desto mehr wird es uns gelingen, die besten Kräfte freizu« machen und Leistungen zu entwickeln, die dem Einzelnen und der Volksgemeinschaft N u t • zen bringen. In diesem Ideengut liegt bie Quell« für die wahre innere Zufriedenheit viel mehr als in dem Besitz irdischer Güter. In diesem Geist wird das deutsche Volk gern die nötigen Entbehrungen auf sich nehmen. Hinter dem großen Führer unb Bannerträger des neuen Deutschlands wird es den Weg finden aus aller Not ber Gegenwart, wirb feine Besten ohne Neib an bie Spitze stellen unb eine bessere, stolzere Zukunft für feine Kinder sicherstellen. Ich hoffe zuversichtlich, daß uns die Deutsche Arbeitsfront ben beut- schen Menschen schafft, ben wir vor allen Dingen brauchen für die Lösung der sozialen Aufgaben, den wahrhaft nationalsozialistisch denkenden Menschen, der das Herz am rechten Fleck hat, gleichgültig, ob er hinter den Amboß, bie Pflugschar ober ben Schreibtisch gestellt ist. Das Schlußwort sprach Reichsminister Dr. ® o ebbe l 5, ber erklärte, baß er ber Ueberzeugung sei, daß tatsächlich ein Werk geschaffen worden sei, das Jahrhunderte überdauern werbe. Mit einem „Sieg- Heil" auf Führer unb Vaterlanb schloß er dann die bedeutungsvolle Kundgebung. Das neue Pariser Kabinett. Die Furcht vor Parlamentarischer Anarchie, der stärkste Trumps Ehautemps. Paris, 28. Nov. (WTB.-Funkspruch.) Die Aussichten der neuen Regierung gelten im allgemeinen nicht als sehr günstig, obwohl bie ersten Nachrichten über ihr Finanzprogramm ben Willen bes Kabinetts erkennen lassen, möglichst ohne 21 n - t a ft u n g ber Beamtengehälter mit einem Schlage bas Bubgetbesizit von sechs Milliarden Francs abzudecken. Immerhin dürfte die Furcht weiter Kreise vor Auflösung des Parlaments dem Kabinett zustatten kommen. Man scheint sich, schreibt deshalb ber „Matin", in ben Wanbelgängen ber Kammer klar zu machen, wie ernst ber Einsatz ist, Der Mißerfolg einer neuen Regierung in ber Finanzfrage würbe bie Aera ber parlamentarischen Anarchie einleiten, bie Frankreich sicherlich schnell zu einem Regime ber Not- oerorbnungen unb zur Auflösung führen könnte. Diese von Tag zu Tag näher rücfenbe Gefahr bilbet ben sicherster psychologischen Trumpf bes Kabinetts. Aus bem gleichen Gebankengana heraus rührt auch Ebouarb H e r • riot bie Werbetrommel für bie Unterstützung ber neuen Regierung burch alle republikanischen Elemente. Andererseits hält bie Opposition ihren Sieg für sicher unb forbert ihre Vertreter im Parlament auf, zum letzten entfdjeibenben Schlage auszuholen, um möglichst schnell bas Kabinett Ehautemps z u Fall zu bringen, bamit bie unter ben heutigen Umftänben einzig mögliche Losung „Nationale Union" Wirklichkeit werben könne. Die Rechtspresse sucht biese Forberung u. a. bamit zu be- grünben, baß für bie devorstehenben Verhanb- Lungen mit Deutschlanb, wenn sie schon aufgenommen werben müssen, nur eine ft a r f e Regierung in Frage komme, baß aber bas Kabinett Ehautemps nicht als Ausbruck bes Volkswillens gelte unb baß Paul-Boncour noch weniger ber Mann fei, ber einem Mann wie Hitler gewachsen sein werbe. Türkische Bündnispvliiik auf bem Balkan. Unbehagen in Bulgarien. Berlin, 28. Nov. (ENB. Funkspruch.) Der türkische Außenminister ist in ber letzten Zeit eifrig um bie Anbahnuna freundschaftlicher Beziehungen mit ben Balkanlänbern bemüht gewesen. Dem türkisch-griechischen Freunbschaftsvertrag, ber eine enge außenpolitische Zusammenarbeit zwischen ben beiben ehemaligen Gegnern organisiert, folgte im Oktober ein Freunbschafts- unb Nichtangriffs, vertrag mit Rumänien unb gestern in Bel- grab bie Unterzeichnung eines entfpredjenben Paktes mit Jugoslawien. Es ist ohne weiteres verstänblich, baß bie Türkei burch berartige Verträge bie (Erinnerungen an bie verschiebenen Balkankriege, zu benen auch ber Weltkrieg gehört hat, auslöschen will. Aber unter ben gegenwärtigen Umftänben hätte eine neue Koalition ber Balkanstaaten gegen bie Türkei an unb für sich keine große Wahrscheinlichkeit. Man fragt sich beshalb, befon« bers auf bem Balkan selbst, nach ber tieferen p o • litischen Bebeutung biefer neuen Verträge. Mit starkem Unbehagen werben sie in Bulgarien empfunben, das von ben genannten vier Staaten umgeben ist unb eine politische Isoll e r u n g zu befürchten hat. In Sofia glaubt man, daß bie Reife Rüschby Beys nach Athen unb Belgrad bem Abschluß eines sogen. Balkanpaktes bienen sollte. Man geht bavon aus, baß bie Nachbarn Bulgariens bie Revision ber Verträge kommen sehen unb sich beshalb beeilen, gegenüber Bulgarien Garantien zu schaffen unb ben Status q u o auf bem Balkan zu festigen. Bei ber starken Revisionsstimmung, bie sich in Bulgarien ge- rabe in biesen Tagen anläßlich bes 14. Jahrestages ber Unterzeichnung bes Diktates von Neulich oe- grünbet, ist es ganz ausgeschlossen, baß Bulgarien sich in ein derartiges System, bas bie Fortsetzung ber Kleinen Entente auf bem Balkan barstellen würbe, einbeziehen läßt. Oer Feuerüberfall am Etzalpenkogel. Das amtliche Ergebnis der Llnterfuchung stellt schwere Grenzverletzung durch österreichische Heimwehrleute aus politischer Verhetzung, Roheit und Trauflust einwandfrei fest. Berlin. 27. Nov. (WTB.) Sus dem dienstlichen Bericht des Wehrkreiskommandos 7, aus den Feststellungen der deutschen Gerichtskommission und den Vernehmungen der beteiligten Personen erfahren wir über die Vorgänge der Erschießung des Schützen Schuhmacher an der deutsch-österreichischen Grenze von amtlicher Seite folgende Einzelheiten: Die Skimannschaft der 6. Kompanie des Infanterieregiments 21 aus Nürnberg unter Führung des Unteroffiziers Gertner unternahm am 23. November von der Hindenburg-Hütte bei Reit im Winkel eine Orientierungsübung. Die aus 23 Mann bestehende Mannschaft trug Zivilanzüge verschieden st e r Art. führte keine Waffen mit und marschierte infolge der schlechten Schneeverhältnisse zu Fuß, ohne Schneeschuhe, nach Karten. Die in drei Patrouillen eingeteilte Mannschaft sollte von verschiedenen Seiten mit Hilfe von Marschkompassen den Etzalpenkogel erreichen. Bor dem Abmarsch fand eine eingehende Unterweisung über die Grenzverhältnisse statt. Um 15.30 Uhr war die ganze Abteilung auf dem Etzalpenkogel unmittelbar an der Grenze versammelt, hier fand durch den Unteroffizier Gertner eine erneute Gela n d e o r l e n t i e r u n g und Unterrichtung über den Grenzoerlauf statt. Etwa 15.45 Uhr marschierte die ganze Abteilung auf der deutschen Seite einer neutralen Schneise weiter und bog nach 70 bis 80 Metern nach deutschem Gebiet hin ab. hier erhielt die Abteilung plötzlich Richtung Scharwandkogel Jener, und zwar zuerst durch einen einzelnen Schuß, nachdem die Abteilung Deckung nahm, nach wenigen Sekunden vier weitere Schüsse. Durch einen dieser Schüsse wurde der Schütze Schuhmacher tödlich getroffen. Der Schuß ist zwischen linkem Auge und Ohr eingedrungen. Der Ausschuß befindet sich hinter dem rechten Ohr. Der Punkt, an dem Schuhmacher getroffen wurde, befand sich 9 3 Meter vom Grenzstein auf dem Etzalpenkogel und 16 Meter von der Mitte der Grenzschneise, also auf einwandfrei deutschem Gebiet. Diese Maße sind durch die Gerichtskommission am 24. November festgestellt worden. Aus den im Schnee noch gut sichtbaren Blut- und Fußspuren wurde ferner einwandfrei festgestellt, daß sich die ganze Abteilung im Augenblick der Feuereröffnung auf deutschem Boden befand. Weiterhin konnte festgestellt werden, daß die Abteilung weder auf dem Wege zum Gipfel, noch beim Abmarsch die Grenze überschritten hotte. Ein österreichischer Gendormerie- beamtet, der sich der deutschen Kommission anschloß, hol ebenfalls zugegeben, daß die deutsche Abteilung die Grenze zu keinem Zeitpunkt überschritten hat. Die weitere örtliche Prüfung ergab, daß zwischen dem Standpunkt der österreichischen Schützen und der deutschen Abteilung eine Entfernung von etwa 900 Meter bestand, und daß sich zwischen beiden Standorten ein breites tiefes Tal mit steilen Jclshängen hinzieht. Ein Wortwechsel oder ein An- r u f seitens der Oesterreicher ist weder erfolgt, noch wäre er auf diese Entfernung möglich gewesen. Nach eigener Erklärung eines der drei an dem Feuerüberfall beteiligten Heimwehrmänner gegenüber der deutschen Gerichtskommission wurde mit Visier 800 geschossen. Die drei Heimwehrleute, die als Hilfspolizei dem Gendarmerieposten in Erpendorf zugeteilt sind, suchten ihre Tat der Gerichtskommission gegenüber damit zu rechtfertigen, daß sie die Abteilung für SA.-Leute gehalten hätten und daß, wenn sie nicht das Feuer eröffnet hätten, dieses von der deutschen Abteilung eröffnet worden wäre. Dazu ist festgestellt worden, daß die drei Heimmehrlcute am 23. November zum erstenmal in das Gebiet gekommen waren, und ohne Begleitung eines aktioenGendarmeriebeom- ten auf Streife gegangen waren. Ferner ist feftgeffeüt worden, daß die deutsche Abteilung der erste Skilehrgang in diesem Winter in diesem Gebiet war, daß die Abteilung sich nm 23. November zum erstenmal der Grenze genähert halte, daß sich außer dieser dicht zu- sammenmorschierenden Abteilung von 23 Mann keine anderen Abteilungen in diesem Gelände befanden und daß in diesem Grenzgebiet bisher keinerlei Zwischenfälle oorge- kommen sind. Um so befremdender ist da» verhalten der österreichischen heimwehrieute, die etwa eine Stunde nach dem Feuerüberfall auf dem Etzalpenkogel erschienen und zur deutschen Abteilung hin riefen: „haben w i r auch was getroffen?** während des Abtransportes der Leiche erschollen dann Rufe wie „Nieder mit der hitlereik heil Dollfuß! Ls soll sich ja keiner blicken lassen!- Dann fangen sie ein Lied: .Glieder mit der hitlerei! Nieder mit den Landesverrätern!" Als Motiv der Tat kommt nach Ansicht der Untersuchungskommission politische Verhetzung und persönliche Rohheit und Rauflust in Frage. Besondere Hervorhebung verdient demgegenüber das in allen Einzelheiten einwandfreie Verhalten der deutschen Abteilung und ihres Führers. Die Stelle, an der Schütze Schuhmacher tödlich getroffen wurde, ist vorläufig durch ein einfaches Holzkreuz gekennzeichnet worden. Eine Oollfuß-Nede. Wien, 26. Nov. (691®) Bei einer vaterländischen Kundgebung in Amstetten, an der bemerkenswerterweise keine Heimatschuhabteilunaen teilnah- men, hielt Bundeskanzler Dr. Dollfuß eine Rede, in der er über das Verhältnis zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reich u. a ausführte: Ich habe viele, auch familiäre Verbindungen mit dem Deutschen Reiche. Man kann cs mir daher glauben, daß es nicht meine Schuld ist wenn wir in ein so schlechtes Verhältnis zu Deutschland gekommen sind. Heute hört man verschiedene Gerüchte über konkrete Verhandlungen. Unbe- deutende und unverantwortliche Persönlichkeiten versuchen sich damit einen falschen Nimbus zu geben ober den Anschein zu erwecken, als ob sie geeignete ober berufene Vermittler wären. Derartige Zwischenträger habe ich immer ab gelehnt. Ich habe immer und überall erklärt: Wir wollen und wir werden Oesterreich unabhängig erhalten, nicht nur als eigenen Staat, sondern auch innenpolitisch und keine Einmischung in unsere Verhältnisse dulden. Unter dieser Voraussetzung habe ich immer u n - fere Bereitschaft zur Bereinigung der Miß- Helligkeiten bekundet. Sie Beisetzung des Opfers der kainslal. Nürnberg, 27. Nov. (WTB.) In Gegenwart des Führers fand heute auf dem Nürnberger West- friedhof die Beisetzung des von österreichischen Grenzbeamten erschossenen Reichswehrschützen Philipp Michael Schuhmacher von der 6. Kompagnie des Infanterieregiments 21, Nürnberg, in Form eines feierlichen Staatsaktes statt. Tausende hatten sich um den in winterlichem Kleid liegenden Friedhof eingefunden. In den Straßen vom Hauptbahnhof zum Friedhof standen SA., SS. und Stahlhelm Spalier. Dahinter staute sich Kopf an Kopf die Bevölkerung. Vor der Aussegnungshalle des Friedhofes hatten ein Spielmannszug der Reichswehr, die Kompagnie Schuhmachers und ein Musik- korps Aufstellung genommen. Am Eingang der Halle standen das gesamte Offizierskorps der Reichswehr des Standorts Nürnberg/Fürth, die Offiziere der Landespolizei, die höheren SS.- und SA.-FÜH- rer der Gruppe Franken und der Brigade 78, die Spitzen der Reichs-, Staats- und der städtischen Behörden. Oie Ausbohrung. In der Halle war der Sarg aufgebahrt, von Kranzspenden der Reichswehr und der SA. umgeben. Dor dem Sarg hatten die Mutter und die Schwester des Verstorbenen Platz genommen, dahinter standen der Führer mit dem Reichswehrminister und ihrem Gefolge. Zu beiden Seiten des Sarges stand die Ehrenwache der Reichswehr. Mit einem Orgelspiel wurde die Trauerfeier eingeleitet. In den Mittelpunkt feiner Ansprache stellte der Militärgeistliche Stadtvikar Helbig ein Wort aus dem 5. Kapitel des Johannisevangeliums. Unter Glockengeläut und Choralgesang wurde der Sarg sodann von sechs Reichswehrsoldaten aus der Kapelle zum Grab getragen. 0er Trauerzug Der Trauerzug wurde eröffnet durch Musik der Reichswehr, eine Hundertschaft Landespolizei und einem Ehrensturm der SA. Vor dem Sarg ging die Geistlichkeit. Hinter ihm schritten die Angehörigen des Toten; dann folgte der Führer, links und rechts von ihm Reichswehrminister von Blomberg und General von Hammer st ein. Weiter die bayerischen Staatsminister Esser und Wagner, sowie Dertteter der Reichswehr, der Behörden und der Partei. Am Grab hatten die Fahnenabordnungen der Reichswehr, der SA. und SS., des Stahlhelms, der Ärieaer- und Veteranenvereine, sowie der Studentenschaft Aufstellung genommen. 0ie Feier am Grabe. Schon senkte sich bas Dunkel des Abends über das offene Grab, als der Militärgeistliche seine Traueransprache begann: Das ganze deutsche Volk, so sagte er u. a., stehe erschüttert vor diesem Tod. Die feige Kugel hatte das ganze deutsche Volk getroffen, darum schreie auch das ganze Volk auf und Nage an. Uns schmerze es besonders, daß diese Kugel von stammesoerwandten Brüdern über die Grenze gejagt wurde. Diese Kains - Tat zeige, wie gewaltig die Sünde fein könne, wenn sich der Haß offenbare. Der Geistliche zeichnete dann ein Bild von dem guten Kameraden, dessen junges Leben eine ruchlose Kugel endete und richtete Worte des Trostes an Ellern und Verwandte. 0er 0anf der Wehrmacht. Dann trat der Reichswehrmini st er an die Gruft, um im Namen der Reichswehr zu sprechen: Ich tret? an das Grab eines jungen Kameraden. Der eine Kranz ist vom ältesten Soldaten der Armee, Generalfeldmarschall von Hindenburg. Er weilt in seinem Geist an diesem Grab. Den anderen Kranz lege ich nieder als Befehlshaber der Wehrmacht. Wir treten in Trauer an dieses Grab. Wir sprechen den Eltern und Verwandten, die diesen jungen und hoffnungsvollen Soldaten hingeben mußten, den Dank der Vorgesetzten aus, denn er war ein. guter Soldat, den Dank der Kameraden, denn er war ein guter Kamerad. Dieser junge Ärieaer starb in Ausführung seines Dienstes. Wir dürfen ihn nennen einen Blutzeugen für das Werden unseres neuen Deutschen Reichs. Neben aller Trauer bewegt uns Soldaten der Gedanke, daß es gut ist, wenn ein Soldat für dieses neue Reich sterben mußte. Eins ist sicher, wer als Soldat für unser Reich stirbt, der ist nicht u m s o n st gestorben. Oie Worte des Führers. Blutzeuge des neuen Oeuischiand.-Dorbild und Mahnung anVeuischlandsZugend Nach dem Reichswehrminister trat Reichskanzler Adolf Hitler als Vertreter des ganzen deutschen Volkes an das offene Grab. Mit den Worten: „Mein lieber, toter Kamerad!" begann der Führer seine von tiefem Ernst getragene Ansprache, in der er u. a. ausführte: „Ich bin hierher gekommen als Vertreter jener 40 Millionen Deutschen des 12. November. Ihr Geist, der Geist des deutschen Volkes, steht heute hier an diesem Grab. Das deutsche Volk gibt mit diesem Kranz seinem jungen deutschen Soldaten den letzten Gruß. Denn sie alle haben sich zu dem Ideal bekannt, dem dieser Soldat diente und dem er sein junges Leben hin» geben mußte. Ich weiß", so führte der Kanzler weiter aus, „daß in diesen Tagen durch ganz Deutschland eine Welle des Schmerzes und der Erbitterung geht. Ich weiß aber auch, daß wir gerade an der Bahre dieses Opfers, dieses toten jungen deutschen Soldaten, überzeugt sein dürfen, daß er nicht umfon ft gefallen ift" Unter Hinweis auf die Worte des Reichswehrministers erklärte der Kanzler: „Die Wehrmacht hat in diesem Toten einen Blutzeugen des neuen Deutschlands. Das ganze deutsche Volk aber sehe in ihm einen Märtyrer für d i e deutsche Sache. Er glaube, daß aus diesem Todesopfer das erwachsen werde, was wir alle ersehnen. 2Hif erhobener Stimme tief der Kanzler aus: „Die Mörder dieses deutschen Soldaten sind nicht identisch mit den Millionen unserer Stammesbrüder jenseits der Grenze. Würden diese Stammesbrüder die Möglichkeit besitzen, ihre Stimme frei zu erheben, fo würden sie sik feierlich lossagen von den Mördern und den Prinzipien, aus denen diese Blutschuld erwuchs. 3d) bin überzeugt, daß das Bekenntnis auch drüben kein anderes sein würde, als es hier im Reich heute bereits ist. Deshalb aber dürfe, so betonte der Führer, für uns dieser Opfertod nicht eine Quelle neuer Erbitterung, sondern müsse zu einem Zeugen des Glaubens werden, zu einem Zeugen für diese neue Gemeinschaft. Diesen Kranz lege ich zugleich aber auch nieder im Namen der deutschen Jugend, die in diesem Toten nicht nur wieder ein Vorbild sehen soll für sich, sondern zugleich auch eine ernste Mahnung, was bas Vaterland von dem Einzelnen fordert und was der Einzelne bereit fein muß, dem Vaterland zu geben. Wenn die deutsche Jugend' sich zu dem gleichen Geist bekennt, der in dem Opfer dieses toten Soldaten seine lebendige Verkörperung findet, bann kann und wird aus Leid und Schmerz, die uns heute bewegen, dereinst wieder eine bessere Zukunft für unser Volk erwachsen. Im Anschluß an seine Worte, die die Umstehenden im ergriffenen Schweigen anhörten, legte der Kanzler einen Lorbeerkranze am Grab nieder, der die schwarz-weiß-rote und die Hakenkreuzschleife mit der goldenen Aufschrift seines Namens trug. Im Namen der deutschen Arme« und der deutschen Heeresleitung legte der Chef der Heeresleitung General Freiherr von Hammer st ein einen Kranz nieder, ebenso der Befehlshaber des Abschnittes VII General Adam, Staatsminister Esser, Innenminister Wagner, Polizeipräsident o. Obernitz, Oberbürgermeister Liebel- Nürnberg und ein Vertreter der NSDAP. Landesleitung Oesterreich. Den Abschluß der Feier bildete eine Ehrensalve der Reichswehr, an die sich das Lied vom guten Kameraden anschloß. Wie die KpO. zum bewaffneten Aufstand rüstete. Das Material der Geheimen Staatspolizei im Reichstagsbrandstisterprozeß. gestellt. Schließlich loll bann der Generalstreik entfacht werden, der einmündet in den b e • maffneten A u f st a n d gegen d i e Staatsgewalt der Bourgeoisie. Das Plenum des Vollzugsausschusses der Kommunistischen Internationale stellt ausdrücklich in seinen Beschlüssen fest, daß mit der deutschen Revolution das Schicksal der proletarischen Revolution in West- unb Mittel- europa entschieden wird, und daß der Sieg der deutschen Revolution den wichtigsten Schritt zur Weltreoolution bedeute. Als notwendige Maßnahme zur Vorbereitung der revolutionären Auseinandersetzung wird die proletarische Einheitsfront in der Weise bezeichnet, daß der Verrat der sozialdemokratischen Führer entlarvt und ein Bündnis der kommunistischen Arbeiter hergeftellt war mit den Arbeitern. Angestellten. Bauern unb KleinLeipzig, 27. Nov. (WTB.) Im Reichstagsbrandstifterprozeß begann am Montaa der letzte Teil der Beweisaufnahme, die Erörterung der Frage, ob b i e KPD. in Deutfchlanb zur Zeit ber Brandstiftung einen bewaffneten Aufstand betrieben habe. Rriminalrat Heller (Berlin) führte dazu als Zeuge u. a. aus: Durch Verlautbarungen in Wort und Schrift und Be- fchlüffe der kommunistischen Parteitage wurde der Beweis erbracht, daß die KPD. nie bas Ziel auf- gegeben hat, die Diktatur des Proletariats in Deutschland aufzurichten. Als wichtigste Kampfmaß- nähme, fuhr Kriminalrat Heller fort, wird in der kommunistischen Literatur und den Beschlüssen der Parteiinstanzen die Entwaffnung der Bourgeoisie und Bewaffnung des Proletariats sowie die Organisierung ber Massen festbürgern, die fetzt noch nicht im kommunistische!» Lager stehen. Auf dem Bezirkstag in Hamburg wurde gesagt, der Kamps gegen öle Hiller parket müsse als ideologischer und wehrhafter Mastenkampf geführt werden. Auf dem vezirkspartet- tag Mittelrhein In Köln sagte I o r g I e r, die Masten der noch Unorganisierten oder in andern Parteien Organisierten mühten für den Kampf um den Sturz der faschistischen Dikta t n r nnd für den Kampf nm eine deutsche Arbeiter- und Bauern- republik vorbereitet werden. Nach Torglers Referat mußten die Gastdelegierten den Saal verlosten. Nur vor den eigentlichen Parteidelegierten sprach ein auswärtiger Kommunist, dessen Name nicht genannt wurde, über die Zersehungsardeit in der Reichswehr. Schutzpolizei und Landjägerei. Dabet mühten auch jüngere Kommunistinnen eingesetzt werden, die die Ausgabe hätten, gegebenfalls unter Freigabe ihrer eigenen Person. Soldaten oder Poll- zisten für den Kommunismus zu gewinnen und sie zum Diebstahl von Massen und zum Verrat von Geheimnissen zu erweichen. In ber KPD. waren von jeher zwei Richtungen zu erkennen. Eine legale, bie nach außen hin mit parlamentarischen Mitteln arbeitete, sowie die illegale. Für bie Kenyer ber Verhalt- nisse war es seit langem klar, bah ber Schwerpunkt ber kommunistischen Betätigung auf dem Gebiete ber illegalen Arbeit lag, deren zwangsläufige Auswirkung auch im Reichstagsbrand zu erkennen fein würde. Unzählige Verfahren wegen ber Vorbereitung zum Hochverrat legen Zeugnis ab von ber geradezu fieberhaften Tätigkeit ber KPD., ein Sowjetbeutschlanb. bie Diktatur bes Proletariats nach bekanntem Muster zu errichten. Es wurden besondere Kurse abgebalten, in denen u. a. auch ber Straßen- kämpf, bei bem ber Bau von Barrikaden und das Ueberfallen von Polizeiwachen eine besondere Rolle spielte, erörtert wurde Die einzelnen Phasen des bewaffneten Aufstandes wurden an Hand von Plänen unb in praktischen Hebungen gelehrt, so daß bie KPD. bereits feit längerer Zell für den Bürgerkrieg wohloor» bereitete Kerntruppen besaß. 3m Januar 1933 wurde in Berlin ein derartiger Kursus abgehalten, in bem ber ehemalige Reichs- lagsabgeorbnete Graste sagte, bie KPD. würde Ende Februar 1933 in die bewaffnete Auseinandersetzung eintreten und das Zeichen des Aufstandes würbe allen Beteiligten durch e in weithin fichtba- res Zeichen gegeben werden. Wenn die KPD-, betonte ber Zeuge, eine Zeit- lang geglaubt hatte, mit bem von Heinz Neumann vertretenen Wort „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft* die nationale Welle niederwerfen zu können, so sah sie sich getäuscht. Abgesehen davon, daß die nationalen Vorkämpfer sich durch keinerlei Terrorakte von ihrer vaterländischen Propaganda abbringen ließen, mußte bie KPD. bie bittere Erfahrung machen, baß sich große Teile ber Bevölkerung von der kommunistischen Idee abwendeten. Cs blieb ber KPD nichts anderes übrig, als dem terroristisch n Tun Einhalt zu gebieten unb von Neumann offiziell abzurücken. Trotzbem gingen bieTerrorakte weiter unb sortierten viele Opfer. Die KPD. hat stets versucht, die Verantwortung dafür abzuwrl- zen. Demgegenüber ist aber au verweisen auf bas, was Langer, hinter dem sich Kippenberger verbirgt, in seiner Broschüre „Der Weg zum Sieg" sagt: „Richtig ist, bah es auf den Massen- kämpf ankommt unb dah versuche, diesen durch Einzclkampf zu ersehen, aufs schärfste zu verurteilen sind. Ls kann aber Gewaltakte geben, bie von der breiten Maste als solche verstanden werden unb zum Erfolg bes Massenkampfes bei fragen. Solche müssen gebilligt unb in gewissen Fällen birett organisiert werden. 3m bewaffneten Ausstand selbst ist bas Zusammenfallen des individuellen mit bem Massenkampfe klar und untrennbar." Mit dieser Darlegung von prominenter Seife ist bie Behauptung ber KPD^ daß sie den individuellen Terror ablehne, gegenstandslos geworden. Am 1. Februar wurde ein illegales Rundschreiben an alle Berliner Unterbezirke der Partei verbrellet. •in dem es heißt: Verbot ber Partei heißt Großalarm. Sofort feien durchzusühren: Alarmierung der 'Betriebe, Vorbereitung des politischen Massenstreiks und von Demonstrationen. Sofort Be- legschaftsversammlunaen, nicht protestieren, sondern handeln. Vom 21. Februar liegen dem Berliner Polizeipräsident von privater Seite Briese vor, die äußerlich den Charakter von Geschäftsbriefen hatten, in Wirklichkell aber getarnte Parteianweisungen waren. Es heißt darin: Für alle Angestellten der Fabrik unb die gesamte Kundschaft! Bürgerkrieg unvermeidlich, Sturz der Regierung nur auf revolutionärem Wege mählich. Alle großen Betriebe bearbeiten, bei Ueberfallen von Arbeitern sofort Großalarm und Massen- exkurfionen gegen Razikasernen und Au sräumung derselben. Von Anfang März liegt eine Schrift des illegalen Rot-Frontkämpfer-Bundes vor, in der es heißt: Jetzt ist es genug! Wir organisieren den wehrhaften antifaschistischen Mastenkamof. Entwaffnet Hilfspoltzei und Faschisten! Es gingen dann, fuhr kriminalrat Heller fort, beim Berliner Polizeipräsidium verschiedene Meldungen ein über geplante Anschläge auf Elektrizitätswerke, Starkstrom anlagen, Umformer unb andere lebenswichtige Betriebe. 3n der Nacht vom 5. zum 6. März sollten in Stettin die Gasanstalten, das Elektrizitätswerk, die eiserne Oberbrürfe und ber Fuoksender durch Sprengstofsanschläge be- schädigt werden. 3nfolge geeigneter Schutzmaßnahmen sind die Anschläge nicht zur Ausführung gekommen. Am 16. August wurden in Stettin bei Kommunisten 39 Büchsen mit einem äußerst explosiven Sprengstoff beschlagnahmt, der geeignet gewesen wäre, sämtliche verkehrseinrichluagen in Stettin zo sprengen. Aehnliche Berichte zitiert der Zeuge aus Ostpreußen, Schlesien unb aus anderen Ieilen bes Landes. 3n den Anweisungen kehrt Immer die dringende Matz- •*< Neu. 'parke,, kr, Me inbno 1 &f n\t. ® «lnt aöetu. M Werten ^Ilichk, er fiotn. de-über eich». ■ and. ’gere verden. r Jtei. r Poll- Rich, die nach «beitete. 1 Erhält. lx Stjroer» ,^Uem -'"ch-la-;, °hlige 8er. hochoenat fiibtrliaften t/chland, bekanntem ^ere Kurse «raßen, ritaden iwachen Durbe. Die ander w- praktischen bereit, seit oohlvor« dmckger ize Reich». 12. würde affaele len und röt allen ichtba. «a !, eine Zeit« iz Reumann -schiften. Selle nieder- L Abgesehen r sich durch mischen Pro- KPD. die >ße leite ommunt- flieh der roristisärn mn vMrit rrvratte ir KPD. hat ür obzuwrl- ijen aus das, rger verbirgt, eg' I°gt: ülasseo- acht, diesen schürftte,n aaltakte al, solche folg de, i. Solche llen direkt leien N' der indivi- t und Union ptomi- KM daß ;nt, gegen- ^schreiben ei verbreitet, ■fei heißt ihren: Alar- >5 politischen Sofort Bf ren, sondern Berliner Poise vor, Die riesen hatten, r°'L'°L , 61*. ©ege .j Uedersa-len J L-sseN' eraenund fife itma^nt hM fort ocrschl^' losch'" ,>chse nfl & »<111 > 5«. wvrd«° , hfe° ® Spreng' jceig^^ dd# 1*»** Adh- nötig an die Ortsgruppenleiter wieder, sich Dassen und Sprengkörper zu be- schasseu und Terrorgruppen zu bilden. Es sanden sich auch Verzeichnisse über die in den einzelnen Orlen führenden Rationalsozia- Kslen. die unschädlich gemacht werden sollten. E» wurde auch die Anordnung getroffen, daß Amtsrichter, Pfarrer und andere angesehene Persönlichkeiten in den einzelnen Orten beim Ausbruch de» Aufstandes al» Geiseln fe st genommen werden sollten. Die polizeibeamten sollten, wenn sie sich dem Auf st and entgegenstellten. rücksichtslos niedergeschossen werden. Oos deuisch-polnischeGespräch Der deutsche Gesandte in Warschau bei Pilsudski. Warschau, 27.Jloo. (TU.) Der deutsche Gesandte in Warschau von Moltke wurde am Montagnachmittag im Beisein des Außenministers Beck von Marschall Pilsudski zu einer Konferenz empfangen. Während der Unterredung wurden, wie es amtlich heißt, die Fragen berührt, die auch in der Konferenz zwischen dem R e i ch v k a n z l e r und dem polnischen Gesandlen in Berlin, Lipfki. Gegenstand des Meinungsaustausches waren. Auch in der Besprechung bei Marschall Pilsudski wurde er- neut die Uebereinstimmung der beiderseitigen Auffassungen festgeskellt. Die Nachricht über diese Konferenz im Belvedere hat großes Aufsehen erregt. Die Tatsache, daß Außenminister Beck gleichfalls am heutigen Monlag vom Staats- präsidenten zur Berichter st attung empfangen wurde, wird verschiedentlich mit der Konferenz beim Marschall in Zusammenhang gebracht. Die Gemeindewahlen in Posen und Pommer ellen. Bromberg, 27.Noo. (WTB.) Bei den Gemeindewahlen erhielten die Deutschen in Bromberg 2 Mandate. Die Gesamtzahl der dort abgegebenen deutschen Stimmen beträgt etwa 6500 und erreicht beinahe die Höhe der deutschen Wahlstimmen vom Jahre 1929. Ordnungsmäßig hätte die deutsche Liste in Bromberg 9 Mandate erreichen müssen. In Thorn wurden in einer Reihe von Wahlbezirken die eingereichten Listen nicht anerkannt. Die deutsche Bevölkerung von Thorn wählte daher nur in zwei Wahlbezirken und konnte hier kein Mandat erreichen. In Könitz hat die deutsche Liste vier Mandate erreicht. In vielen Städten sind alle eingerichten Listen mit Ausnahme der Liste des Re. gierungsblockes für ungültig erklärt worden. Oer VOA. an die Hinterbliebenen der Graudenzer Opfer. B e r l i n, 27. Roo. (TU.) Der R e i ch s f ü h r e r des 23 b 21., Dr. Hans Steinacher, hat an die Hinterbliebenen der in Graudenz ermordeten deutschen Männer ein Beileidstelegramm gerichtet, in dem es heißt: „Im tiefsten Schmerz empfinden wir mit Ihnen den furchtbaren Verlust, den Sie er- litten haben. Alle Deutschen denken in diesen Tagen in ernster Trauer, tiefstem Mitgefühl und unwandelbarer Verbundenheit an die Männer, die für ihr Volkstum fielen." Da die Graudenzer Deutschen es nach dem Terror der letzten Tage kaum wagen können, ihre Häuser zu verlassen, ist es außerordentlich schwer, authentische Nachrichten über das Schicksal einzelner Persönlichkeiten zu erhalten. Fest steht, daß außer Krumm auch der deutsche Bürger R i e b o l t inzwischen seinen Verletzungen erlegen ist. Außerdem liegt in der Halle des Graudenzer Krankenhauses eine schwer verstümmelte Leiche, deren Indentität bisher noch nicht festgestellt werden konnte. Die Mitglieder der an dem Ueberfall beteiligten Bande haben, wie verlautet, für ihre blutige Tätigkeit pro Mann einen halben Liter Schnaps, ein Stück Wurst und zwei Zlotys erhalten. Dank des Reichs an Gau'eiier Sprenger. DasReichskommiffariatfürBcamtenfragen aufgehoben. Frankfurt a. M., 27. Nov. Wie das Gau- >resseamt mitteilt, hat die dem Gauleiter im Frühahr übertragene Arbeit des Reichskommisars für Beamtenorganisation in Deutschland in der für Sprengers Persönlichkeit prompten und organisatorisch sicheren Form ihren Abschluß gefunden. Der Reichsmini st er b e s I n n e r n, ein Fachmann des deutschen Beam- ^ngesetzes, schrieb dem Reichsstatthalter in diesen Tagen zu seiner Arbeit folgendes: „Nachdem die Umstellung der alten Beamtenorqa- nisationen durch die Gründung des „Reichsbundes der Deutschen Beamten" im Allgemeinen durchge- führt ist, hat die Hauptaufgabe des Reichskommissariats für Beamtenorganisationen ihre Erledigung «esunden. Ich entbinde Sie deshalb mit dem heutigen Tage von der Stellung als Reichskommis, far und spreche ihnen für die der Beamtenschaft und tamit dem nationalsozialistischen Staate auch in dieser Tätigkeit geleisteten wertvollen Dienste den iefonberen Dank der Reichsregierung «us". — Die Geschichte des Nationalsozialismus in Ker deutschen Beamtenschaft und die Geschichte der neuen deutschen Beamtenorganisation ist mit Sprengers Namen unlöslich verknüpft. Kein Tragen Oienstanzugs vor Gericht. Berlin, 27. Nov. (C.tB.) Der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß erläßt, wie die NSK. Der Reichsbischof zu den Auseinandersetzungen bei der Slaubensbewegung „Deussche Änsten" Auf die Frage, inwieweit die evangelische Kirche Raum bietet für deutsches und völkisches Gedankengut, wie es von den nordi- schen Bewegungen vermittelt werde, erklärte der Bischof: „Wir wollen Christen sein und wol- len das Evangelium in unserer deutschen Art verkünden, aber wir können kein Konglomerat eingehen zwischen Christen, tum und nordischem Heidentum. Das Christentum ist nicht aus.dem Judentum herausgeboren, sondern im Kampf gegen das Judentum entstanden. Wir müßten Christus wieder in deutscher Art sehen können. Diejenigen Kreise, die uns heute noch fernstehen oder bekämpfen, werden erkennen, daß sie mit uns gehen müßten. Eine Erklärung der Neichsieitung Deutsche Christen. Berlin, 27. Nov. (BdZ.) Von maßgebender Stelle der Glaubensbewegung „Deutsche Christen" wird dem VdZ.-Büro gemeldet, daß die kirchen- politischen Ereignisse der letzten Tage zu einer erfreulichen Klärung innerhalb der deutschen evangelischen Kirche geführt haben. Seit der Weimarer Tagung der deutschen Christen bestehe kein Zweifel über die innere Geschlossenheit der Bewegung. Ihre Richtlinien und Ziele hatten weder durch die Entgleisungen des ehemaligen Berliner Gauleiters, noch durch Der- dächtigungen und Anwürfe eine Aenderung er- fahren. Schirmherr, Reichsleiter und Gauleiter der Glaubensbewegung „Deutscher Christen" bildeten eine unzertrennliche Gemeinschaft und seien fest entschlossen, die von ihnen erstrebte Einheit der Evangelischen Kirche Deutschlands von keiner Seite zerschlagen zu lassen. * Wie uns zu unserer gestrigen Meldung ergän- zend mitgeteilt wird, hat neben den Gießener Professoren D. Bornkamm und D. Haen- ch e n auch Professor Dr. D u k e n seine B e - Ziehungen zu der Berliner Reichs- l e i t u n g der Glaubensbewegung „Deutsche Christen" abgebrochen. Wegen Mißbrauch der Kanzel verurteilt Essen, 27. Nov. (CNB.) Der im Ruhrbezirk sehr bekannte Geistliche Dr. Karl Klinkhammer stand vor der Essener Strafkammer. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, in der Predigt am 12.3.1933 in der St.-Hedwigskirche in Altenessen und in der Abendandacht, die zur Feier des Geburtstages des Reichskanzlers Sldolf Hitler am 20. 4. in der St.-Johanneskirche in Alten- essen abgehalten wurde, Aeußerunaen gemacht zu haben, die geeignet waren, den öffentlichen Frieden in erheblicher Weise zu ft ö - ren. Das Gericht verurteilte den Angeklagten we- gen Vergehens gegen den § 130a (Kanzelparagraph) und wegen Vergehens gegen die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 21. März 1933 zu sechs Monaten Gefängnis. K ö n i g s b e r g, 27. Nov. (TU.) Reichsbischof Ludwig Muller, der, nachdem er gestern seine Königsberger Abschiedspredigt gehalten hatte, am Montagvormittag Königsberg im Flugzeug ver- Netz, gewahrte vor seinem Abflug einem Mitglied der Schriftleitung der Königsberger Allgemeinen Zeitung" eine Unterredung, in der er sich über die augenblicklichen, in der Öffentlichkeit vielfach erörterten Vorgänge bei der Glaubens, bewegung „Deutsche Christen" äußerte. Der Reichsbischof erklärte, er sehe d i e Einheit der Glaubensbewegung der „Deutschen Christen" nicht gefährdet. Sie wisse, daß man eine Kirche nur aufbauen könne auf dem Grunde des Evangeliums und des Bekenntnis f e s und auf der Grundlage der Bibel. Für dieses Ziel werde sie weiterhin kämpfen. Wir können, so erklärte der Bischof weiter, die Kirche im Dritten Reich nicht aufbauen, ohne daß wir d i e großen Massen, die nun durch den Nationalsozialismus erfaßt worden find, auchzurKirche heranziehen. Zu den Austritten aus der Glaubens- b e w e g u n g der „Deutschen Christen" bemerkte der Bischof, daß diejenigen, die jetzt Unruhe in die Kirche trugen, dazu faktisch keinen Grund hätten. Er habe mehr als einmal das Bekenntnis zum Evangelium wiederholt, aber er fei ge- kvillt, die Einheit der Kirche zu wahren und werde das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln tun. Die Mißverftändniffe feien entstanden durch Aeußerunaen eines Mitgliedes der Glaubensbewegung bei Der Berliner Kundgebung, die mit dem Wesen der evangelischen Kirche unvereinbar seien. Die Vorwürfe gegen Bischof Hossenfelder würden zu unrecht erhoben, da auch er verschiedentlich Stellung genommen habe, und es sei absolut unevangelisch, jetzt weitere Vorwürfe zu erheben. zunächst von der Polizei mit Gummiknüppeln auseinander getrieben werden. Kurz vor Mitternacht stürntte schließlich die Menge in wahnsinniger Wut ®as ®efan9nls und brach nach Ueberwättigung von 25 Polizisten die Zellen der beiden Häftlinge auf. Sie fesselten und knebelten die wild um sich schlagenden Gefangenen und fchlepten sie mit fast herunter- geriffener Kleidung in den gegenüberliegenden St.- James-Park. Dort wurden die beiden Mörder aufgehängt. Die später eintreffenden Polizeioerstär- kungen konnten keinen der Täter mehr auffinden. Wie aus San Jas6 ferner gemeldet wird, erklärte der Vater des gelynchten Jack Holmes, ein an« gesehener Geschäftsinhaber, sein Sohn habe mit der Entführungsgeschichte nichts zu tun und fei einer schrecklichen Verwechslung zum Opfer ge- fallen. Holmes jun. beteuerte feine Unschuld, bis er von der wütenden Menge bewußtlos geschlagen wurde. Dann wurde er gelyncht. Als dem Gouverneur die Mitteilung von dem Vorgehen der Bevölkerung gegen die beiden Mörder übermittel wurde, erklärte er, damit habe die Bevölkerung den übrigen Amerikanern eine Lehre erteilt, wie man mit solchen Leuten umgehe. Der Kronprinz in Meringen. Der deutsche Kronprinz, der das Wochenende in Doorn verbrachte, begab sich am Montag zu einem kurzen Besuch nach Wieringen. Er suchte Zunächst den Schmied auf, bei dem er mehrere Jahre das nach der Hohenzollerntradition in der Jugend erlernte Handwerk ausgeübt hat, woraus er verschiedene alte Bekannte besuchte. Schließlich besichtigte der Kronprinz noch die Zuiber See-Werke und die auf dem neugewonnenen Land errichteten Dörfer. Raubüberfall in Marseille. 3n Marseille wurde am hellichten Tage der Direktor eines Beerdigungsinstitutes^ der von der Bank 110 000 Franken für Gehaltszahlungen geholt hatte, in dem Augenblick, in dem fein Wagen in die Garage eingefahren war, von vier Banditen mit vorgehaltenem Revolver ü b e r f a t» I e n und zur Hergabe der Lohngelder gezwungen. Es gelang den Räubern, in einem Auw zu entkommen. Der Ueberfall auf den Transsibirien-Expreh. Bei dem Ueberfall auf den von Räubern zur Entgleisung gebrachten Transstbirien-Expreßzug wurden nach Meldungen aus Chardin zehn Reifende schwer verletzt. Eine Anzahl Reisender, die von den Verbrechern feftgenommen worden waren, wurden von japanischen Wachen befreit Kunst und Wissenschaft. Jahresbericht der Rotgemeinschaft der Deutschen Dißenschaft. meldet, folgende Verfügung: Das Tragen des Dienst- anzugs — nicht eines Braunhemdes allein ohne alle »n — bei Erscheinen vor Gerich - rbeitsgerichten und auf den Arbeitsstätten wird hiermit untersagt Zeugen können im Dienstanzug erscheinen. Aufnohmesperre für die der Deutschen Arbeit rontangeschkoffenen Verbände. Einze!m iglieder in die OAH. werden weiter ausgenommen. München, 28. Nov. (CNB.-Funkspruch.) Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht folgende A n - o r b n u n g des Führers der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley: Die Aufnahme von deutschen Volksgenossen in die jetzt von der Deutschen Arbeitsfront geführten Verbände ist mit sofortiger Wirkung gesperrt. Dje Sperre ist endgültig und wird nicht mehr aufgehoben. Es handelt sich hier lediglich um bie ber Deutschen Arbeits - ront unter ft eilten Verbänbe, nicht i m bie Deutsche Arbeitsfront als o l ch e. In bie Arbeitsfront selbst können Ein - zelmitglieder auch weiterhin aufgenommen werben. Kleine politische Nachrichten. In einer außerorbentlichen Sitzung hat der Stadtrat Fürth einstimmig beschlossen, Stabschef Röhm anläßlich seines 46. Geburtstages zum Ehrenbürger der Stadt Fürth zu ernennen. * Nachdem der Reichsleiter für die Presse, Verlagsdirektor Max Aman, infolge feiner Berufung als Präsident der Reichspresfekammer den V o r s i tz i m Verein Deutscher Zeitungverleger nie- bergelegt hat, hat bas Präsibium bes Vereins 23er- lagsbireftor Ebgar Brinkmann- Hamburg (Hamburger Tageblatt) zum Vorsitzenben des Vereins berufen. Im Rahmen der Vorträge bes Reichsbunbes für deutsche Sicherheit spricht Dienstagabend zwischen 20 und 20.10 Uhr Dr. Paul Fleischer über bas Thema: „Die deutsche Arbeiterschaft im Kampf für gleiches Recht unter den Völkern." Der Vortrag geht über alle deutschen Sender. * Der ungarische Ministerpräsident Gömbös, die Minister Keresztes-Fischer, Dr. Kallay und der Österreich'che Gesandte Dr. Hennet sind in Wien eingetroffcn. Dr. Dollfuß gab den ungarischen Gästen ein Frühstück, bann begab sich bie Gesellschaft in das Jagdrevier Mürzsteg. Aus aller Welt. Furchtbare Unwetter über Italien. Das Unwetter, bas mit Sturm, Regen und Schneefall schon seit Wochen in ungewohnter Weise über Italien und dem Mittelmeer tobt, hat i sich zu unerhörter Stärke gesteigert. Aus dem Ha- I fen aus Neapel konnten fast keine Dampfer aus- 1 fahren, und selbst große Ueberseesch'ffe kamen mit erheblicher Verspätung an. Mehrere kleine Fracht- dampser mit Kohlenladung sind untergega n = g e n. Auch auf dem Lande hat der Sturm großen Schaden angerichtet, Dächer abgebetft und Schornsteine umgelegt, wodurch einige Personen Der- letzt wurden. An den Hängen des Apennin wurden mehrere Erdstöße verspürt, die aber keinen ernstlichen Schaden verursachten. Auch in Rom gehen ständig W i n t e r g e m i 11 e r mit wolkenbruch- artigem Regen nieder. Fast alle Flüsse, auch in Oberitalien, führen infolge ber starken Regenfälle Hochwasser. -.Zehn Tage Deutsche Buchmesse." Irn Europahaus in Berlin wurde am Montag die große Schau „Zehn Tage Deutsche Buchmesse^, an der etwa 140 deutsche Verleger und über 50 Buchhändler beteiligt sind, eröffnet. Die Schau gibt einen erschöpfenden Begriff von dem Reichtum und der Vielseitigkeit deutschen Geistesschaffens. Dr. Heinz Wißinann, Referent im Propagandaministerium, prägte anläßlich seiner Begrüßungsansprache das Wort: „Es gibt nichts mehr, was trennend zwischen Buch und Volk steht". Der Präsident der Reichsschristtumskanisner, Hans Friedrich B l u n ck, behandelte in einem Vortrag „Buch und Gegenwart" die gegenwärtigen Aufgaben unseres Geistesschaffens. Auch der erste Anbruch zu einem neuen Deutschland, wie wir ihn heute erleben, fei aus einer Reihe von Büchern, die als Wegbereiter ber beutchen Wandlung entscheidende Anregung gegeben hätten, entstanden. Das Buch fei aber auch Mittler zu den Völkern jenseits der Grenze. Neben dem Ringen der Nation dürfe aber nicht die innere Kraft und feierliche Beglückung, die das Buch dem Alltag des Menschen schenke, vergessen werden. Anschließend sprach Staatskommissar Dr. Lippert für die Stadt Berlin, der der Veranstaltung ein volles Gelingen wünschte und betonte, daß bie Ausstellung nie auf einem günstigeren Boden aufgebaut werden könnte, als in einem Augenblick, in dem sich die ganze Nation einmütig um den Kanzler geschart hätte. Die Ausstellung, die zugleich auch in zahlreichen anderen deutschen Städten eröffnet wurde, soll nicht nur Angelegenheit einer dünnen Geistesschicht, sondern die des ganzen Volkes fein. Sie zeigt Geschichte und Politik, Technik und Wissenschaft, Reisen und Abenteuer, Iugendschriften, Dichtung und alles, was deutscher Geist geschaffen hat. Furchtbare Lynchjustiz in Kalifornien. In San Jos6 (Kalifornien) stürmten etwa 15 000 Personen das Kreisgefängnis, schleppten bie beiden in Untersuchungshaft vefindlichen Entführer Thomas Thurmond und Jack Holmes heraus und lyncht,en sie. Beide hatten am 10. Oktober den 22jährigen Sohn eines reichen Kaufmanns entführt: für seine Freigabe hatten sie zwar 40 000 Dollars Lösegeld gefordert, ihn aber trotzdem, mit Draht gefesselt, in die San-Franzisko-Bai geworfen. Entenjäger fanden seine von Haifischen schwer ver- ftümmelte Leiche, nachdem eine ausgedehnte Suche seitens der Behörden erfolglos geblieben war. Die Nachricht von der Auffindung der Leiche durcheilte die Stadt wie ein Lauffeuer und erregte die Bevölke- rung aufs höchste. Gegen Abend versammelte sich eine riesige Menge vor dem Gefängnis, konnte aoer Soeben erscheint ber 12. Bericht ber Notge» meinscha ft der Deutschen Wissenschaft. Dieser Bericht reicht somit weit in bas Jahr Äer nationalen Revolution hinein unb aeigt, wie die wissenschaftliche Forschung auf zahlreichen Gebieten an ber Arbeit ist, um ben dem deutschen Volk unb Staat gestellten Aufgaben zu bienen. Die Notgemeinschaft hat in den vergangenen Jahren ben Trägern der Wissenschaft die Wiederaufnahme unb Fortführung ihrer Arbeit ermöglicht burch Far- schungsstipenbien, Druckzuschüssen, Beschaffung von Instrumenten unb Apparaten, Beschaffung von Auslanbsliteratur unb sonstige Hilfen, auch unter Beteiligung auslänbischer Spcnben, vor allem der Rockefeller-Foundation. In der Erkenntnis, daß die Wissenschaft nur an großen Aufgaben wachsen kann, unternahm bie Notgemeinschaft fobann die Ausrüstung unb Unterstützung größerer wissenschaftlicher Unternehmungen und großer Gemeinschaftsarbeiten, für die etwa 40 besondere Kommissionen gebildet sind. Diese Arbeiten suchen grundsätzlich die ganze Wissenschaft zu umfassen, haben aber diejenigen Wissenschaftszweige, die vom vaterländischen Gesichtspunkt besondere Berücksichtigung heischten, in ben Vordergrunb gestellt. Es versteht sich, daß Dies in weit verstärktem Maße der Fall ist, seitdem durch den nationalen Umschwung alte Hemmungen weg- gefallen unb noch unabschätzbare geistige Kräfte neu entbunden sind. — „Mit dem weiteren Ausbau der Notgemeinschast", so schließt der Präsident, Staats- Minister Dr. Schmitt-Ott, feine Einführung zu dem neuen Bericht, „stehen bie Hebung ber beut- chen Wissenschaft unb bie beutsche Weltgeltung auf dem Spiel. Die Arbeit ber Notgemeinschaft aber war unb ist Dienst am beutfdjen Volke. Sie wird weiter dafür freudig ihre ganze Kraft einsetzen. Der französische Theaterfachmann Gemier f. In Paris starb plötzlich in seiner Wohnung der bekannte französische Dramaturg, Theatsrschrist- steiler, Schauspieler und Theaterdirektor Firmin Gemier im 64. Lebensjahre. Er war besonders als Leiter des Odeon-Theaters und ist in deutschen Kreisen auch durch seine Bemühungen für eine internationale Zusammenarbeit im Theate^ sen bekannt geworden. Wetters raussage. Der hohe Druck im Nordosten baut sich weiter auf unb breitet sich auch über Deutschland aus. Somit setzt sich die Ostwindströmung mehr und mehr durch, so daß vorwiegend kontinentale Lust zufließt. Wenn auch durch die noch vorhandenen Störungsreste vereinzelt etwas Schneefall auftritt, so wird sich aber unter dem Einfluß bes hohen Drucks bie Wetterlage allmählich beruhigen, wobei bie Temperaturen in ber Nacht unter Null zu liegen kommen. Aussichten für Mittwoch: Neblig-wolkig mit Aufklaren, nachts Temperaturen unter Null, meist trocken. Aussichten für Donnerstag: Teils be- wölkt, teils aufklarend, Nachtfrost noch zunehmend, vorwiegend trocken. Lufttemperaturen am 27. November: mittags 1 Grad Celsius, abends 0,9 Grad; am 28. November: morgens 1,4 Grad. Maximum 1,4 Grad, Minimum 0,5 Grad. — Grbtemperatnren in 10 cm Tiefe am 27. November: abends 1,5 Grad: am 28. November: morgens 1,5 Grad Celsius Niederschläge 2,5 mm. Doktor Gmdes Ehe. Originalroman von J. Schneider-Zoerfil. 25. Fortjetzung. Nachdruck verboten! Grude sah wie ein versteinertes Bild. Dick hatte Ihn hintergangen! Mit Madien hintergangen! Der Mann, von dem er geglaubt hatte, daß er der treueste aller Freunde war, entpuppte sich als der größte Schuft, den die Erde trug. Als ein ganz gemeiner minderwertiger Charakter. Er hatte ihn aus Erbarmen ins Haus genommen und erfuhr das zum Dank dafür. „Bersorich mir, daß du dich seiner annimmst.'" flehte Madlen. Ihre Stimme war ganz von Weinen vurchzittert. „Du verlangst» zuviel!" stöhnte er und drückte dos Gesicht in die Hände. Ihre Finger griffen nach ihm. „Ich kann dir ja nun kein Leid mehr zufügen, Felix. Ein, zwei Tage noch, dann bist du frei! Gan; frei! Ihre Finger glitten unruhig über die Decke „Es hat einmal eine Zeit gegeben, Felix, da hatte ich den Himmel eingerissen, wenn ich dich nicht hatte haben dürfen. Rolf hat mich gewarnt: wir paßten nicht zusammen. Es ist tatsächlich so gewesen. Warum sollst du nun auf mich Rücksicht nehmen, wenn ich nicht mehr bin? Christa und du — es wird sicher eine sehr schöne, friedliche Ehe werden." Und als er sich erheben wollte, streckte sie die Arme nach ihm aus. „Komm noch einmal zu mir, mein Fe- titsche! Ich habe dich doch gern gehabt! Du hättest nur strenger mit mir sein müssen. Das wäre besser gewesen. Es hätte sich vielleicht doch manches aus mir machen lassen. Aber gräm dich nicht zu sehr darüber. Der Himmel gleicht ja immer wieder aus. Ich gehe — und du darfst bleiben." „Du weißt nicht, wie es mit mir steht, Madlen. Ich nehme seit Wochen wieder Morphium." „Wie schrecklich!" sagte sie. „Aber die Christa wird es dir obgewöhnen. Fahr nicht wieder auf", bat sie und ließ den Stopf müde zu.ücksinken. Er ist mir eine Beruhigung, wenn ich sie bei dir weiß und bei unserem Stinb. Und wenn du dann ganz wunschlos glücklich bist an ihrer Seite, — vergiß nicht, daß ich £ür ihn gebeten habe. Er hat mich doch auch geliebt." Das Kissen färbte sich plötzlich mit Blut. Noch einmal richtete sich der schlanke Körper auf — „Festliche! —" Seine Arme umfingen die Sterbende und hielten sie fest an sich gedrückt. „Vergib mir! — Und wenn du und Christo —" Die Worte verschwommen und wurden undeutlich. Noch einmal suchten ihre Augen in den seinen. Aber sie waren schon verdunkelt, suchten über ihn hinaus und gingen in überirdische Fernen. Als die Schwester nachzusehen kam, saß Grude neben der Toten und sah ihr mit halberloschenen ^“eit M^e?mgegangen", tröstete sie und legte ihm die Hand auf die edjulter.^ „Wir müssen alle traaen, was uns bestimmt ist. Dankbar begrüßte sie Wellenberg, der hinter ihr eintrat Er sah auf die tote Schwester und bann auf den Freund. Jetzt, wo das Leben schwieg, ruhte die Maje'iak des ewig Geheimnisvollen auf ihrer Stirne „Mehr, als mit seinem Leben büßen, kann man nicht, Felix!" Dabei ruhte fein Blick bittend auf Krude. „Hast du dich noch mit ihr ausgesprochen?" Er bekam nur ein Nicken. „Weiß sie, daß Dick in Haft genommen wurde?" Und als Grude auch auf diese Frage nur ein Nicken fand, gab Wellenberg seinen Zweifeln Ausdruck. „Etwas stimmt da nicht! — Nur die Handschuhe allein — bas ist noch kein strikter Beweis. Sag boch selber: Warum soll er es benn getan haben?" Grube sah nach ber Toten und preßte die Sippen aufeinanbcr. „Mablen hat mir über alles Aufklärung gegeben. Ich möchte nicht barüber sprechen. Es ist zu häßlich, Rolf. Sie soll in Frieben schlafen. Vielleicht besorgst bu Montrey einen guten Ver- teibiger. Ich will nichts mehr mit ihm zu schaffen haben." Wellenberg war sprachlos. Er beugte sich zu bem Freund herab und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Sie hat ihn nie gemocht — bedenke das, Felix. Trotzdem halte ich es ganz ausgeschlossen, daß sie ihn selbst im Angesicht des Todes noch verleumdet hätte." „Sie hat für ihn gebeten, Rolf." „Und gesagt, daß er schuldlos sei!" Darauf schüttelte Grube nur ben Stopf. „Ich kann bir nichts barüber sagen. Ich werbe auch bem Gericht gegenüber schweigen. Er mag selber sehen, wie er mit sich unb seinem Gewissen fertig wirb. Nur mir — barf er nie roieber vor bie Augen kommen. Ich könnte sonst für nichts garantieren." Wellenberg unterließ es, weiter in ihn zu bringen. Was mochte Mablen ihm erzählt haben? Es war vielleicht nur eine Fieberphantasie gewesen, die er nun für Wahrheit nahm. Es blieb nur noch bas eine. Dick selbst zu fragen. Unter bem Dor- roanbe, sich wegen Mablens Ueberführung zu er- funbigen, verließ er bas Zimmer. Eine halbe Stunde später saß er bereits vor Montrey, ber bie Mitteilung von Mablens Tob mit ernstem Gesicht entgegennahm. „Sag mir um alles in ber Welt, was hast bu vor Felix zu verbergen gehabt?--Mablen muß ihm etwas gesagt haben, bas ihn völlig aus ber Fassung brachte." „Wunbert bich bas?" Well"nberg fuhr auf unb begann zwecklos in ber Enge bes Raumes hin unb her zu laufen. „Ich will jetzt enblich wissen, wie sich bas Ganze eigentlich abgespielt hat. Du kannst doch nicht einfach in bie Garderobe gegangen sein und sie nieberge- schollen haben " „Warum nicht?" „Bring mich nicht zum Wahnsinn, Dick! Ich kann viel vertragen, aber es hat alles feine Grenzen. Du hast dich nie mit ihr verstanden! — Gut' Du bist immer auf ber Seite von Felix gewesen! — Auch gut! Warum hast bu bann gerade gestern abend den Kopf verloren unb gegen sie losgedrückt?" Montrey saß auf dem etwas wackeligen Stuhl unb sah ihn nachdenklich an. „Das kann man hintennach nimmer so sag'n. Ich bin halt aufgeregt g wes'n unb voll Zorn, bah sie bem Felix auch bas noch antut unb in einem Tingel-Tangel auftritt. Du fjättft ihn sehen sollen, wie er mir bas erzählt hat! Er war ganz verzweifelt. Ich hab's nimmer mit anschaun können und hab mir denkt: einmal muß jetzt Schluß sein. So ober so. Der arme Mensch muß endlich wieder einmal zur Ruh kommen. Na, und da bin ich eben hingangen unb hab ihr Vorstellungen g'macht. Ein Wort hat bas andere geb’n unb zum Schluß — — bas weißt ja eh alles--ist mir halt ber Gaul burchbrennt." „Aber so einfach liegen lassen unb niemanb tur Hilfe herbeiholen —, bas wäre nicht nötig gewesen. Dick." Montrey nickte. „Was macht man net alles, wann man kopflos wird?" „Ich soll mich um einen Verteidiger für dich umsehen, hat mich Fellx beauftragt." „So", lächelte Montrey, „bas ist nett von ihm." „Sei boch nicht so gleichgültig", brauste Wellenberg jetzt auf. „Jetzt geht der Skandal um Felix wieder von vorne an. Alles wird wieder ans Licht gezerrt. Die ganze Misere seiner Ehe mit meiner Schwester wird wieder breitgeschlagen. Wenn bu's wirklich getan hast, warum hast du nicht geleugnet bis zum letzten? Man sagt doch nicht gleich ,3a‘, solange einem nichts bewiesen ist." „Unb bie Handschuhe?" „Sinb es überhaupt die deinen?" Dick stutzte. Die Frage war gefährlich. „Warum soll'ns denn net die meinen fein?" beharrte er. „Geh jetzt z'Haus, Rolf, unb tröst ben Felix. Vielleicht kann bie Lena einmal zu mir kommen. Sag ihr, daß ich ein dißl Wäsch brauch unb so--. Sie weiß schon." „Ich werbe es ihr bestellen. Hast du besondere Wünsche wegen eines Verteidigers?" „Gar keine", fügte Montrey gleichmütig. „Mir ist jeder recht.--Unb bittschön--"; er nahm seine Brieftasche heraus unb überreichte Wellenberg eine Zehnschillingnote. „Davon besorgst einen Kranz für bie Mablen. Ich selber kann mich ja net barum kümmern." Der Doktor zog bie Hanb zurück. „Vergiß nicht, daß sie trotz allem meine Schwester ist." „Das vergeß ich eh net, Rolf. Ich hätt ihr, weiß Gott, ein anberes Sterben g'wünscht. Aber es is wohl jedem schon so aufg'setzt, bas Wie unb Wann. --Willst den Kran; für mich beforg'n?-- Sonst bitt ich die Lena drum." Er sah, baß Wellen» berg noch immer roiberftrebte und steckte ben Schein wieder zu sich. „Geh jetzt! Der Felix braucht dich notwendiger!" „Morgen und übermorgen kann ich wahrscheinlich nicht kommen", sagte Wellenberg. «Liber bu kannst mir ja Bescheib sagen lassen, wenn du mir etwas Dringendes zu sagen wünschest." „3a, ja! Ich tu dir schon Bescheib! Behüt dich Gott, Rolf!" Montren ging noch mit bis an die Türe. Als der Aufseher von draußen abriegelte, lächelte er. Ader es war ein müdes, apathisches Lächeln. Er hatte Grude zu hoch eingeschätzt. Während der beiden nächsten läge, an welchen es so viel wegen Mablens Beerbigung zu regeln gab, kümmerte sich niemanb um Montren als Lena Moore. Sie brachte ihm Wäsche, Zigaretten, Bücher unb gewissermaßen auch so etwas wie Trost, indem sie ihm berichtete, baß Grube sehr gefaßt fei und bie Geheimrätin oorberhond in ber Mariahilfer- strahe Wohnung genommen habe. Ehe sie sich von ihm verabschiedete, suchte sie in seinen Augen. „Haben Sie mir nichts zu sagen, Herr Hauptmann?" „Nichts, bas Sie nicht schon wüßten, Lena." Sie zögerte, wollte sprechen unb hob bann nur leicht die Schultern hoch. „Es ist so schwer! —" „Was ist schwer, Lena?" Durch bas unsichere Licht ber Dämmerung forschte er in ihrem blassen Gesicht. „Alles ganz allein herauskiügeln zu müssen", ge- stand sie leise. Erschrocken fuhr er zurück. „Was woll'n Sie denn herausklügeln?" Sie ließ ben Blick unsicher von ihm abgleiten. „Es stimmt nicht alles. Man kann in fünf Minuten nicht von ber Mariahilferftraße zum Kabarett । Faun kommen." „Was Sie für eine gescheite Frau find!" scherzte er. „Das kann man net, nein!" „Eben! — Gute Nacht, Herr Hauptmann!" An ber Türe faßte er sie noch ab ..Lena — ist 1 bas Elend noch nicht groß genug. Muß es noch j größer werd'n?" Er bekam keine Antwort mehr, benn bie Besuchszeit war um. Er küßte ihr noch rasch die Hand, 1 fühlte wie kalt diese war und bat: „Trinkens gleich, I wanns jetzt heim kommen, eine Taffe heißen lec! I Mir zuliebe, Lena! Ja?" „Ob es mit einer Taste Tee getan ist, Herr 1 Hauptmann?" „Bitte!" sagte die Stimme des Aufsehers ungeduldig. Lena konnte Dick nur noch zunicken, bann I fiel die Türe ins Schloß. (Fortsetzung folgt.) 3-Molm. «es., evtl, in Tausch gcg.5-Zim.-Wohng. Schristl. Angeb. unt. 06720 a.d.Gieß.Anz. | Stellenangebote | Gesucht auf 15. Dez. tüchtigem 7193D Mädchen eo.. nicht unter 20 Jahren, das selbständig kochen kann und schon in bürgerlichem Haushalt ge- dienthat.Zumelden GroßerSteinwegl!» Gießen. Verkäufe 1 Wurf la Ferkel LWochen alt, z.verk. Lollar, o67n Hauptstraße 33. 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Auf Anordnung des 55crrn Preußischen Ministers für Landwirtschaft, Dömänen und Forsten sollen in diesem Jahr die Anbauflächen für-Wintergetreide und Win- tcrraps bereits unmittelbar nach dem Ab- । schluß der ÄcrbstbestellungSarbeiten ermittelt werden. ES wird daher eine besondere Erhebung der Anbauflächen von Wintergetteide und Winterraps für das Wirtschaftsjahr 1933/34 Ende November d. Z. vorgenommen. Der komm. Landrat ersucht, die Erhebung eingehend und sorgfältig vorzu- nehmen, dabei ist die Anleitung auf der Nückseite des weißen ErhebungSbogens zu beachten. Ferner ersucht der komm. Landrat, tunlichst im Einvernehmen mit der Gemeindevcrttctung Sckähunßskommis- sionen von fach- und ortskundigen Personen zu bilden. Zur Vermeidung von Störungen und Widerständen gegen die Erhebung sind die Landwirte darüber auf- zuklären, daß die Flächenanaaben vom stattstischen Landesaint zum Zwecke von Steuerveranlagungen usw. keinesfalls preiSgcgebcn werden und die Erhebung nur statistischen Zwecken dient. Mit näch- ster Post erhält jede Gemeinde ohne besonderes Anschreiben 1. einen weißen Fragebogen. Zn diesen sind zunächst die Zahlen einzuttagen, nachzuprüfen und erforderlichenfalls zu berichtigen. (Entwurf.) Der so ausaefullte weiße Fragebogen bleibt im Besitz der LNckspolizeibehörde. 2. einen grünen Fragebogen. Zn diesen werden die Zahlen eingetragen, wenn alle Verbesserungen durcbgeführt worden sind. Der ausgefüllte grüne ErgänzungSbogen ist ' dem komm. Landrat bis zum 30. November wieder einzureichen. Auf pünktliche und richtige Einreichung der ErgänzungSbogen muq der komm. Landrat besonderen Wert legen. [7198D fVinlrthtttlfl tu einer Mitaliederver« ^ImUPUng sammlnng des I» B.V. Die am vergangenen Donnerstag ausgefallene Mitglieder - Versammlung findet bestimmt am Mittwoch, dem 29. Nov., abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshauö Gießen, Schanzenstraße IS, statt. Erscheinen eines jeden Mitgliedes ist Pflicht. Anwesenheit wird kontrolliert. Deutidi.BOro-a.BehörO.Hngeneni.-DeröQnO tr. d. R. 0*715 gez.: Fr. GorgeS, gez.: Otto Jung, Geschst.-Leiter. O.-Gr.-Vorst. 670« I Datum tolUt wohl 1 ____u«.Af,nMTT>aa)<) Bei einer Verhandlung am 16. November 1933 zwischen der Schäsereibesitzer- Ehefrau Justin Leck und dem Schäfersknecht Baptist Sponsel, früher Schäfers- knecht bei obengenannten in Alzenau, jetzt in Altheim, wegen Beleidigung kam fol- gender Vergleich zustande. Sponsel Bapttst nimmt die unwahren Aussagen mit Bedauern zurück. Er verpflichtet sich, eine Erklärung in den Gießener Anzeiger und Süddeutsche Schäfereizeituna in Stuttgart rote folgt eine Erklärung aufzunehmen: Erklärung. Die von mir gemachten unwahren Verleumdungen in Groß-Eichen gegen Frau Beck von Alzenau Ufr. nehme ich als unwahr mit Bedauern zurück. zhsd Baptist Sponsel, Schäfer. Alzenau Ufr., am 16. November 1933. Schon für JOT 1.25 bzv.1.50 monatlich - bei Abnahme einer Lieferung zu RM. 2.50 bzw. RM. 3.00 aller zwei Monate - erwerben Hie das bekannte Pracht- und omithologischeStandarbwerk: Dr. D. unb -rau M. Hemroth Sie Bogel mittelenrouas in allen Lebens- und Entwicklungsstufen photographisch ausgenommen u. in ihrem Seelenleben bei der Aufzucht beobachtet. 4 Bände, in Ganzleinen, in Halbleber oder in 100 Lieferungen erhältlich Heber 4000 Abbildungen auf mehr als 500 bunten unb einfarbigen Tafeln. Der Bezug in Lieferungen ermöglicht Ihnen ben Besitz ohne drük. fenbe wirtschaftliche Belastung. Verlangen Ste Angebot u. Probelieferung! Das Derk kann durch jede Buchhandlung betegta werben. Hugo Berni Übler Verlag Berlin-Lichterfelbe Suche i. Cberbeflen (Friedberg. 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A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen« Leo, Ortsgerjchtsvorstcher. I