Nr. 174 Erstes Blatt greitag,28.)uIU955 185. Jahrgang (Er|d)eint tägltd), autza Sonntags und Feierlags Beilagen: Dte 3nu|trierte ©ießener Familtenblätter Heimat tm Dild Die Scholl» Monalr-Sezugrprelr: Mil 4 Beilagen NM. 1.95 Dl)ne 3nuftrierte , 1.80 Zustellgebühr . , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. tsernfprechanschlüffe nnterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach« richtens Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Druck und Verlag: vrühl'jche Universttäts-Vuch- und Stein&niderei K Lange in Siehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag oorher» Preis für 1 mm hohe für Anzeigen oon 27 mra Breite örtlich 8, auswärt» 10 Reichspfennig: für Ne» hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“, mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tkyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfür denAn. zeigenteil i. D.Th.Kümmel sämtlich in (Biegen. Berlin, 28.3uIL (ERB. Funkspruch.) Die große Weltwirtschaftskonferenz 1933 ist rasch von ihrem Schicksal ereilt worden. Man wird die wahren Gründe dafür in der Tatsache zu suchen haben, daß diese Konferenz nicht einem großzügigen Plan zur universellen Bekämpfung der Wirtschaftskrise ihre Entstehung verdankte, sondern selbst bereits ein Produkk der kompromißpolikik war. Die Fragen nämlich, die von den Politikern auf der vorjährigen Zusammenkunft in Lausanne eigentlich einer raschen und definitiven Lösung hätten zugeführt werden sollen, wurden — sorgsam in einem Annex des Vertrages eingepackt — an die möglichst umgehend einzuberufende Weltwirtschafts, und Währungskonferenz weiter- geleitet. Die sich anschließende Entwickelung entsprach mit ihren vielfachen Berhandlungen, den fortgesetzten Berzögerungsversuchen der Franzosen, der nur unter Schwierigkeiten zu erreichenden Berichterstattung des Vorbereitenden Ausschusses, ganz und gar dem Beginn. So kann es nicht wundernehmen, daß die jetzt „erzielten Ergebnisse" noch nicht einmal denen entsprechen, die von der Vorläuferin dieses ökonomischen Konzils im 3ahre 1927 zutage gefordert wurden. Hat aber damals erst der weitere Verlauf der Ereignisse erwiesen, daß die einzelnen Staaten nicht gesonnen waren, ihre nationalwirtschaftlichen Interessen allgemeinwirtschaftlichen Wünschbar- keiten unterzuordnen, so ist jetzt insofern ein Der ungarische Staatsbesuch in Völlige Einmütigkeit in allen Fragen. Der deutsche Wiederaufbau. Bedeutsame Erklärungen der politischen und gewerkschaftlichen Führer Weltwirtschaft am Wendepunkt Ein Berliner Rückblick. berücksichtigt werden. Wan beginne soeben mit dem Pau einer großen Straße Königsberg—Danzig, wodurch rund 30 000 Menschen auf Jahre hinaus-Ar- beit erhielten. Gauleiter Noch rechnet damit, daß der Plan der Industrialisierung Ostpreußens in fünf bis acht Jahren durchgefuhrt sein würde Wenn dann eineinhalb Millionen Esser in Ostpreußen mehr vorhanden seien, könne man den Bauern mit gutem Gewissen anraten, Peredelungswirtschast zu treiben. Schon im nächsten Frühjahr würde mit der großen Umsiedlung begonnen werden können. „Einst rief man hier in Ostpreußen die Stände aus, wir rufen die ganze Nation auf, diesen Anfang einer neuen deutschen Geschichte zu schaffen". Nach der mit starkem Beifall aufgenommenen Rede des Oberpräsidentcn dankte Landeshauptmann Blunk dem Obcrpräsidenten im Namen der Be- Hörden. Im Anschluß sprach Regierungsrat G i s e - v i u s über die Maßnahme für die Wintermonate. Vizepräsident Dr. B e t h k e sagte jeglicher Sabotage des großen Aufbauwerkes kräftigsten Kampf an. In einem kurzen Schlußwort feierte daraus Gauleiter Koch die glückliche Synthese zwischen stolzer Vergangenheit und stolzer Zu- tun ft, die durch die Zusammenarbeit zwischen dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten ge- schaffen sei. Zurückziehung NGBO -Beauftragter. Berlin, 28. Juli. (OB. Funkspruch.) Die RSBO-Leitung vrössenllichl folgende Lrklä- rung: Besondere Umstände zwingen die JtSBO.-Ceilung, alle bisherigen Beauftragten für Konzerne, Behörden u s w. wieder zu- rückzuziehen. Keiner Hal daher das Recht, sich künftig als „BSBO.-Beauflragter“ für Betriebe usw. zu bezeichnen. Zurückgezogen sind die Ausweise der bisherigen KSBO.-Beauftragten Draeger für die (Spa-Betriebe und v o n K i e n i h für den Karstadt-Konzern. Das neue Deutschland stehe gefestigt da und keine Macht der Erde könne uns jemals von dort entfernen, wo Hitler uns hingestellt Hobe. Die Machthaber der Vergangenheit berufen sich daraus, daß die mit den Verträgen und Diktaten verbundenen Opfer den Staat zerbrochen hätten. Das sei nicht wahr. Die NSDAP, hätte m e f) r geopfert und sei doch nicht zerbrochen. Wo seien die Opfer der Herren Scvering, Brüning und Braun? hätte Deutschland durch billige Versprechen gerettet werden können, so wäre dies in den letzten 14 Jahren geschehen. Jeder Ar- beitsmann hätte das größte Opfer für Deutschland und für das deutsche Volk zu bringen. DenArbeitern ergeht es heute nicht schlechter, als zur Zeit der Bonzenherrschaft. In sechs Monaten Regierungszeit Hitlers seien zwei Millionen Erwerbslose weniger geworden. Heute gelte ein Wort eines Betriebszellenobmanns mehr als alle Tarifverträge zusammen. Der Arbeiter habe um seine Gleichberechtigung im Volk gekämpft. Die Arbeiterschaft sei im alten Staat oon den Gewerkschaften in das Minderwertigkeitsgefühl des Proletariers hineingepreßt worden. Dieses Minderwertigkeitsgefühl müsse der Arbeiter aus- merzen. Lr müsse stolz sein auf seine Leistung, seine Rasse und feine Ration. (Anhaltender Beifall.) Das beste Kapital des Unternehmers fei nicht die Maschine, nicht das Werk, sondern die Arbeiterschaft. Der Unternehmer habe die Verantwortung zu tragen für den Betrieb, den ihm die Nation als Pfand übergeben habe, und er werde dafür einstehen müssen, was er aus seinem Arbeiter mache. Der Arbeiter solle nicht unterwüi^ig fein, sondern ftoh und aufrecht. Aber er dürfe auch nicht injedem Unter n e I) me r einen Unterdrücker sehen. Das D e r t r a u en sei das beste Arbeitsbeschaffungsprogramm. Die Einheiisfront der deutschen Arbeit. Düsseldorf, 27. Juli. (TU.) Düsseldorf stand am Donnerstag im Zeichen einer gewaltigen Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront. Schon am Rachmittag trafen Zehntausende von RSBO.-Mitgliedern von auswärts ein. Bis zum Abend hatten zahlreiche Sonderzüge viele Hunderte von Lastwagen und sonstige Verkehrsmittel, etwa 150000 Menschen aus dem RSBO.- Gaubezirk Düsseldorf befördert. Endlose Kolonnen marschierten mit Musik zu den Rheinwiesen, wo sich rund 200 000 Arbeiter und Arbeiterinnen der Stirn und der Faust versammelt hatten. Rach der Eröffnungsrede des stellvertretenden Gaubezirksobmanns Bangert, Düsseldorf, und den Degrühungsworten des Oberbürgermeisters Dr. Wagenführ ergriff Reichsleiter der RSBO., Staatsrat Schumann, Berlin, das Wort. Am 1. Mai sei der deutsche Arbei- t e r endgültig vom internationalen Sozialismus abgerückt und habe sich im deutschen Sozialismus wiedergefunden. Unerhört sei die Korruption gewesen, die in den Gewerkschaften aufgedeckt worden sei. Erst jetzt sei wahr gemacht worden, was man bisher dem deutschen Arbeiter nur versprach e n habe. Der Glaube an die ©entölt- t ä t des Führers übertrage sich automatisch aus die ganze deutsche Volksgemeinschaft. hinter der Aufgabe, den Millionen verzweifelter deutscher Menschen wieder Arbeit zu beschaffen, hätte zunächst alles andere zurückzuflehen. Staatsrat Schumann schilderte darauf die Gründe, die die deutsche Abordnung zum Verlassen des Konferenzortes veranlaßt hätte. Der Marxismus in der ganzen Welt hätte überall das gleiche Gesicht. Heute sei cs aber ausmitderDemütigung. Das sei der große Gewinn. heule arbeite der deutsche Arbeiter mit dem Unternehmer Hand in Hand. Denn wir vereint an die Arbeit gingen, gebe es in zwei Jahren in Deutschland'keine Menschen mehr, die keine Arbeit bekommen tynnen. Das gemeinsam gesungene Deutschland- und Horst- Wessel-Lied beendet die nächtliche Riesenkundgebung. Ostpreußens Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Königsberg, 27. Juli. (TU.) Am Mittwoch fand unter der Leitung von Oberpräsident Gauleiter Koch eine Konferenz statt, an der sämtliche Kreisleiter der RSDAP., Regierungspräsidenten. Landräte und andere Dehörden- vertreter teilnahmen. Im Mittelpunkt der, Tagung stand eine Rede des Oberpräsidenten über den K am p f Ostpreußens gegen die Arbeitslosigkeit, wobei Gauleiter Koch u. a. folgendes ausführte: _ . Heute meldet die deutsche Presse, daß tn Ost- Preußen 30 Kreise der Arbeitslosigkeit Herr geworden seien. Was unmöglich schien, sei Wahrheit geworden, und auch die völlige Besiegung der Arbeitslosigkeit werde zu dem angegebenen Termin geschafft werden. psychologischer Fortschritt erzielt worden, als allgemein und eindeutig festgestellt wird, daß das Fiasko von London eine grundsätzliche Krise der Konserenzidec, zugleich aber einen Wendepunkt der Weltwirtschaft darstellt. Die Rachkriegszeit hat hier eine Entwickelung rascher vorwärts getrieben, die ohnehin gekommen wäre und deren Grundtendenz man in der Abkehr von einem auf meistbegünstigter und ungehemmter Konkurrenz aufgebauten Liberalismus und seiner Ersetzung durch ein System von in sich ausgewogenen Rationalwirtschaften erblicken kann. Die von den Traditionen eines Colbert niemals ganz freigewordene Wirschaftspolitik, der radikale wirtschaftspolitische Umschwung in Großbritannien, das Experiment Amerikas und schließlich die großzügige und durchgreifende Reform des deutschen Wirtschaftskörpers sind Marksteine auf diesem Wege. Die Abkehr von veralteten manche st erlichen Gedankengängen bedeutet nicht einen Verzicht auf internationale Kooperation, sondern eröffnet im Gegenteil alle Möglichkeiten zu einer sinnvollen Planung, die in der Na- tionalwirtschaft, wie im Bereich ber_ ökonomischen Beziehungen des internationalen Staatensystems allein auf die Dauer Gewähr dafür bietet, daß chaotische Z u st ä n d e und damit eine Welt- arbeitslofigfeit in Permanenz, wie sie das Ergebnis des in London zu Grabe g e t r a • g e y n Systems ist, vermieden werden. R o m , 27. Juli. (DTB. Agenzia Stefani.) Mussolini empfing gestern den ungarischen Minisler- präsidentea G ö m b ö s und Außenminister Kanya in Anwesenheit des italienischen Unterstaatssekretärs des Aeuheren S u v i ch. In der langen, herzlichen Unterredung wurde von neuem volleEinmütig- keit über alle die Beziehungen zwischen Italien und Ungarn berührenden Fragen feftgefteUt. Ein Berliner Kommentar. Berlin, 27. Juli. (ERB.) Die sorgfältigen diplomatischen Vorbereitungen, die der zweiten Romsahrt des ungarischen Ministerpräsidenten voraufgingen, sind ebenio wie die gleichzeitige Anwesenheit des ungarischen Außenministers in Rom ein Beweis für die hohe Bedeutung, die man in Budapest den gestern begonnenen Gesprächen beimißt. Die ungarische Haltung wird verständlich, wenn man an die erhöhte Aktivität denkt, mit der sich der Quai d'Orsay den Entwicklungen im Donauraum zugewendet hat. Die in letzter Zeit öfters wiederholten versuche, Ungarn in das durch den Organisationspakt vom 16. Februar stabilisierte System der Kleinen Entente in irgendeiner Form einzubeziehen, stoßen nach wie vor aus die grundsätzlich revisionistische Einstellung Budapests. Offenbar Hot Gombos jetzt in Rom erneut darauf hingewiesen, daß es diese aus den ungarischen Lebensnotwendigkeiten heraus geborene Haltung ihm nicht gestattet, den Beitritt zu einem Oft« locarno auch nur in Erwägung zu ziehen. Mitbestimmend für die Romreise dürften auch die Interpretationen sein, die man in Poris direkt oder besonders durch den französischen Botschafter in Rom d e Jouvenel dem V i e r - M ä ch t e - P a k t gegeben hat, der nach französischer Auffassung seine ursprünglich revisionistische Bedeutung verloren hoben, ja sogar zu einem Instrument der Erhaltung des status quo geworden sein soll. Diese Auslegungen, die naturgemäß die ungarischen Be- sürchtung-.n Hervorrufen mußten, um so mehr als von gewissen Seiten her die Möglichkeiten einer gleichgerichteten italienisch ° französischen Donaupolitik diskutiert wurden, sind von der italienischen Presse mit aller Deutlichkeit zurückgewiesen worden. „Gerechtigkeit für Ungarn“ — aus diesen Ion find die offiziösen Kommenlare abgeftimmt, w-- Der große Erfolg sei nichts anderes als die Mobilisierung der seelischen und moralischen Kräfte des Volkes, zusammengefaßt unter einheitlicher Führung. Dis zur Stunde sei nicht ein einziger Pfennig aus besonderen Mitteln eingesetzt worden, sondern alles, was geschafft ist, sei aus Ostpreußen selb st geschaffen worden. 15 000 Er- werbslofe aus dem Westen hätten bereits in Ostpreußen Arbeitsstellen gefunden. Jetzt würde die Voraussetzung dafür geschaffen, daß noch in diesem Jahre 1 00000 bis 150000 Er» werbs 1 ose aus dem Westen in Ostpreußen eingesetzt werden könnten. Die Stimmung der Arbeiterschaft in der Provinz sei zuversichtlich und vertrauensvoll. Gauleiter K o ch ging bann auf Einzelheiten des Arbeitsbeschaffungsprogramms ein und erklärte dabei u. a., daß man den Bau von 2000 Häusern in Angriff genommen habe Dies sollten jedoch nicht Stadtrandsiedlungen werden, sondern Dorfrandsiedlungen, freundliche Wohnstätten, in denen sich der Arbeiter wohlfühlen könne. Lin historischer Vorgang habe begonnen: Das Gesicht des deutschen Volkes vorn kapitalistischen Westen zum sozialistischen Osten zu wenden. Für jede Fabrik, die in Ostpreußen entstehe, müsse eine im Reich verschwinden. Zahlreiche Industrielle seien bereit, ihre Zelte im Westen abzubrechen und ihre Industrien nach dem Osten zu verpslanzen. Der deutschen Arbeitsfront erwachse die gigantische Aufgabe der r i ch t i g e.n A n s i e d l u n g, die nach dem Vorbilde Württembergs erfolgen müsse, wo Arbeiter und Angestellte durch Haus und Beben Krisenfestigkeit besäßen. Auch bei den Plänen für die Auto st raßen werde Ostpreußen Minister ör. Goebbels spricht vor alten Kämpfern. Kulmbach (Bayerns, 27. Juli. (TU.) Am Mittwoch besichtigte Reichsminister Dr. Goebbels zusammen mit dem Prinzen August Wilhelm die Landesführerschule auf der Plassenburg. Dor den Kursteilnehmern hielt der Reichsminister eine Ansprache, in der er u. a. betonte: Hier in Kulmbach würden die Führer des Staates ausgebildet, wobei besonderer Wert auf die alten Parteigenossen gelegt werde. Dies richte sich nicht gegen bie neuen Mitglieder der RSDAP., sondern solle nur darlegen, daß die Bevorzug ung der älteren Parteigenossen seine historische Berechtigung habe. Die deutsche Revolution von 1933 werde ebenso, wie die französische Revolution, Voretappe einer europäischen Umwälzung sein. Weiter teilte der Reichsminister mit, daß im Laufe der nächsten acht Jahre fünf deutsche Universitäten gegründet würden, an denen die alten Nationalsozialisten, die zu Führern auserkoren seien, ihre höchste Vollendung bekommen würden. Unter Führung von Bürgermeister Hain fuhr der Reichsminister dann zum Rathaus, um sich dort in das Goldene Buch der Stadt einzutragen. Ministerpräsident Göring in Aachen. Aachen, 27. Juli. (TU.) Ganz Aachen steht im Zeichen des Besuches des Ministerpräsibenten Go- ring. Alle Straßen haben reichen Feftschmuck angelegt Der Minister weilte aw Mittwochnachmittag bet ber Hochzeit bes bekannten deutschen Reiterossi- ziers und Turnierreiters Oberleutnant v. Nagel auf Schloß Rahe. Kurz nach 10 Uhr verkündeten am Donnerstag Böllerschüsse bie Ankunft bes Mi- nistcrpräsibenten am altertümlichen Ponttor, wo sich bie hitlerjugenb zur Begrüßung eingefunben hatte. Nach kurzen Begrüßungsworten bes Gauleiters Gr oho ergriff Ministe'rpräsibent Goring bas Wort. Er führte u. a. qus: Erbrückt werben wir nicht von ber Arbeit, erbrüten kann uns nicht bie Verantwortung, bie wir vor Gott unb ber Zukunft unseres Volkes übernommen haben. Ader eins vermag uns wirklich zu erbrürfen: Die grenzenlose Liebe, bieses unerschütterliche Vertrauen, bas aus bem beutschen Volke, aus Mann unb Frau, Mäbel unb Bub uns entgegenstrahlt. Ich habe nur den einen Wunsch, baß immer unb für alle Zeilen biese unerschütterliche Zusammengehörigkeil bewahrt bleibe, solange bas beulsche Volk gläubig unb voll vertrauen seinen Führern folgt unb solange biese Führer wissen, baß alles, was sie tun, nur bem Volke bient, nur bem Volke geweiht fein bars. Ihr steht hier an ber Grenze, unb bamit habt Ihr eine befonbere Aufgabe übernommen. Vergeßt nie in Eurem Leben, baß biese Stabt feit Jahrhunderten zurückblickt auf eine gewaltige Vergangenheit. Jahrhunderte der Geschichte haben sich in diesen Mauern abgespielt und das, Kameraden, verpflichtet Euch. Ohne Adolf Hitler war Deutschland verloren. Die Zeit mag glücklich ober schwer sein, eines barf es nie toieber geben: Rie darf sich bie Kluft auftun zwischen Volksgenossen unb Volksgenossinnen, unb nie wieber barf etwas stehen zwischen bem Führer unb bem Gefolgsmann. Die Treue ist doppelseitig. Im Anschluß wurde bie Fahrt zum Rathaus fortgesetzt, in besten Krönungssaal ein feierlicher Festakt ftattfanb, wobei ber kommissarische Oberbürgermeister bem Ministerpräsibenten ben Ehrenbürgerbrief ber Stabt Aachen überreichte. Ministerpräsibent Göring dankte mit herzlichen Worten und erklärte: Mögen die Ehrungen auch noch so zahlreich sein, die Aufgaben und die Verantwortung sind zu gewaltig, als daß der Blick auch nur einen Augenblick abgewendet werden dürfe von ber großen Aufgabe unb bem eigentlichen Ziel. In das Golbene Buch ber Stabt Aachen trug sich ber Ministerprä- [ibent ebenfalls ein: Anschließend begab sich der Ministerpräsident zum Turnierplatz, wo er dem Kampf der Nationen, um ben zum ersten Male in Aachen ausgetragenen Golbenen hindenburgpokal beiwohnte. Der ständische Aufbau im Dritten Reich. Dortmunb, 27. Juli. (TU.) Die Kreisleitung der NSBO. veranstaltete am Donnerstagabend in der überfüllten Westfalenhalle eine große Kund- E-bung, auf der der Führer der Deutschen Arbeits- onk, Dr. Ley, zu dem Thema „Der ständische ufbau im Dritten Reich" sprach. In 60 Jahren sei nicht so viel erreicht worden, wie bie nationalsozialistische Revolution in sechs Monaten durchgeführt habe. bei man es auch anderwärts begrüben wird, daß die starke Betonung der Revisionsnotwendigkeiten sich nicht nur auf den Vertrag von Trianon bezieht, sondern ausdrücklich von der „wirksamen und gründlichen Abänderung der ungerechten Ariedensverträge" gesprochen wird. Damit wird zugleich dem Vier-Mächte-Pakt sein eigentlicher Sinn, Werkzeug einer konstruktiven Friedenspolitik zu sein, wieder verliehen. Sind auch die Einzelheiten der in Rom gepflogenen Unterhaltungen zwischen Mussolini und Görnbös noch nicht bekannt, so erhalten sie ihre grundsätzliche Bedeutung durch das eindeutige Bestreben des italienischen Regierungschefs, den die gesamte europäische Politik lähmenden Zustand einer Aufspaltung Europas in zwei Lager, das der „Siege r" und der „Besiegte n", sich nicht verewigen zu lassen. Randnote. Ein reiner Militärvertrag, wie er jetzt zwischen Moskau und Paris abgeschlossen werden soll, widerspricht den» Sinn und Satzung des Völkerbundes, aber Frankreich hat mit seinen östlichen Freunden etwa ein halbes Dutzend solcher militärischen Geheimverträge, und diese Staaten haben unter sich ein volles Dutzend abgeschlossen. Je furchtbarer in Rußland sich der Bankerott des marxistischen Sozialismus offenbart, umso mehr sind die roten Zaren im Kreml auf außenpolitische Erfolge angewiesen. Der russisch-französische Nichtangriffspakt würde in einem Handelsabkommen, das vor allein Waffenlieferungen Frankreichs vorsieht, und in einem M > l i t a r - vertrag die Zustände wieder herstellen, die vor dem Kriege in Europa herrschten. Daß über einen solchen Militärvertrag verhandelt wird und französische und polnische'Militärs ihn betreiben, wurde schon seit einiger Zeit auch von der sehr besorgt gewordenen englischen Presse behauptet. Die plötzliche Rückreise des russischen Botschafters Alphangs nach Paris, sowie die Anwesenheit des russischen Botschafters L i t w i n o f f unter einem Pseudonym in Frankreich wurde mit solchen Paktvorbereitungen in Zusammenhang gebracht. Man scheint in Frankreich, wie einst P o i n c a r 6, Rußlands Hilfe zu erwarten und den Russen Kredite angeboten zu haben, jedenfalls lassen die englischen Einwande gegen eine solche Paktpolitik nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Diese Entwickelung ist eine Folge des gänzlichen Versagens der Abrüstungspolitik. Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, hat jetzt etwas sehr offenherzig erklärt, was Frankreich wünscht. Natürlich die unbedingte Erfüllung des Versailler Vertrages durch Deutschland, also die Vernichtung der Gleichberechtigung. Natürlich das Verbot von Organisationen, worunter für Deutschland jeder Turn- und Sportverein fallen soll. Natürlich Sonderrecht für Frankreich, das erst nach vier Jahren vielleicht die ganz außerordentlich schweren Geschütze abschafft! Und selbstverständlich wird Frankreich diese „Abrüstung" nur dann vornehmen, wenn Frankreich feststellt, Deutschland sei technisch, moralisch und finanziell abgerüstet. Henderson trägt diese Forderungen mit dem Ernst eines marxistischen Methodistens.^edigers vor. Er wagt nicht einmal, anzudeuten, daß diese ihm offiziell mitgeteilten fran- zösischen Forderungen die endgültige Abkehr Frankreichs von der Abrüstungskonferenz .sind und Frankreichs neue Russenverbin- düng erklären. Beklemmungen in Wien. Wien, 27. Suli. (WTB.) Gömbös' Besuch bei Mussolini wird hier mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Die Presse hält jedoch mit eigener Meinung — vielleicht auf höheren Wink — vorläufig zurück. Bur im „Neuen Wiener Journal" wird von besonderer diplomatischer Seite darauf hingewiesen, daß die römischen Besprechungen wiederum zeigten, wie Italien zur Zeit Zentrum der mitteleuropäischen Politik geworden sei und von dort aus auch die Initiative zur praktischen Arbeit bei der Neuordnung der politischen und wirtschaftlichen Berhältnifse im Donau-Raum zu erwarten sei. Bemerkenswert erscheint die Auffassung dieser besonderen diplomatischen Seite über die Ankündigung eines angeblichen Militärvertrags zwischen Frankreich und Rußland. Man kann nur hoffen, heißt es, daß Frankreich sich nicht tatsächlich verleiten läßt, aus unbegründeter Furcht vor einem durch den Friedensvertrag von Versailles bekanntlich vollständig entwaffneten Deutschland mit den Bolschewisten zu paktieren. Weitere Entlastung in Vorbereitung. Berlin, 27.Juli. (END.) Nach der „Nationalsozialistischen Korrespondenz" soll Staatssekretär Reinhardt vom Reichsfinanzministerium ein Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit für den kommenden Herbst planen. Darüber hinaus soll bereits ein weiterer großzügiger Plan zur Verminderung der Arbeitslosigkeit in Vorbereitung sein, mit dessen Verwirklichung im Frühjahr 1934 begonnen werden solle. Außerdem beabsichtige Staatssekretär Reinhardt, im kommenden Frühjahr mit einer grundlegenden Vereinfachung des gesamten Ste^r- w e s e n s herauszukommen. Schon für den Herbst sei eine durchgreifende Steuererleichterung für die Landwirtschaft geplant, die wahrscheinlich in einer Herabsetzung der Um» sahsteuer für die Landwirtschaft von 2 auf 1 Prozent bestehen werde. Aus dem Kommunaldienst entlasten. Berlin, 27. Juli. (WTB.) Zu einer Pressemeldung, wonach das Verfahren gegen den früheren Präsidenten des Deutschen Städte- t a g e s , Dr. Mulert, eingestellt worden Jei, erfahren wir folgendes: In dem Beschluß der Staats- anwaltschaft wird ausdrücklich daraus hingewiesen, daß die Verträge, die Mulert unter bewußter oder unbewußter Kenntnis des ehrenamtlichen Vorsitzenden des Deutschen Städtetages abschloß, zu den Vorschriften der Notverordnung vom 6. Oktober 1931 im Widerspruch standen und daß diese Handlungsweise vom moralischen Standpunkt aus zu verurteilen sei. Das Verfahren gegen Dr. Mulert ist lediglich aus formalrechtlichen Gründen eingestellt worden. Mulert hat sich trotz seines bis dahin die Bezüge eines Reichsministers bedeu- tend übersteigenden Gehaltes u m 11000 Mark bereichert. Wegen dieses unerhörten Vorganges ist Dr. Mulert fristlos entlassen worden. Köln, 27. Juli. (ERB.) Wie die Stadtverwaltung Köln mitteilt, ist der frühere Oberbürgermeister der Stadt Köln Adenauer auf Grund des § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufs- beamtentums entlassen worden. Der künftige Reichsbischof. Aus der Provinzialhauptstadt. Wehrkreispfarrer Ludwig Müller, dessen Wahl zum Reichsbischof nach der nunmehrigen endgültigen Feststellung des Ergebnisses der Kirchenältestenwahlen gesichert ist. Berlin, 27. Juli. (WTB.) Pfarrer H o s s e n s e l d e r hat an Wehrkreispfarrer Ludwig Müller einen Brief gerichtet, in dem es heißt, daß dieGlaubensbewegungDeut- sche Christen in allen unmittelbar und mittelbar zu wählenden Körperschaften die unbedingte Mehrheit haben werde. Dadurch dürfe die von den Deutschen Christen geforderte Wahl Pfarrer Müllers zum Reichsbischof als gesichert gelten. Synodalwahlen in Preußen am 18. August. Berlin, 28.Juli. (TU.) Der Evangelische Ober- kirchenrat hat für den Bereich der Preußischen Landeskirche die Wahlen zu den Provinzial- s y n o den aus den 18. A u g u st festgesetzt. Hitlerjugend deutscherIliegernachwuchs Berlin, 27. Juli. (TU.) Zwischen der Hitlerjugend und dem Deutschen Luftsport-Verband ist eine Vereinbarung getroffen worden, die von größter Bedeutung für die künftige Gestaltung des deutschen Flugwesens insofern ist, als sich hier fortan nur der wird betätigen können, der durch die Hitlerjugend gegangen ist. Die Vereinbarung sieht zunächst eine Vorbereitungszeit für Jugendliche zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr hauptsächlich auf sportlichem Gebiete vor. Die eigentliche Vorbildung erfolgt zwischen dem 17. und 18. Lebensjahr auf den Fliegerschulen der HI. in den Ortsgruppen des DLV. und in Luftfahrtlehrgängen. Insgesamt werden 17 Fliegerschulen der HI. im ganzen Reich eingerichtet. Die Jugendlichen durchlaufen zunächst einen Ausbildungslehrgang von drei Monaten auf der Vorschule und bei Eignung einen Fortbildungskurs von nochmals drei Monaten. Wer eine solche Fliegervorschule nicht besuchen kann, wird, soweit er Mitglied der Hitlerjugend ist, durch die Iugendlehrgänge die gleiche Ausbildung erhalten können, die freilich 24 Monate dauert. Außerdem besteht noch die Möglichkeit der Teilnahme an Luftfahrtlehrgängen an gewerblichen Berufsschulen, höheren Schulen usw. Der Prozeß gegen den Reichstagöbrandstister. Berlin, 27. Juli. (ERB.) Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: „In Verbindung mit einem Presseempfang des Herrn bayerischen Staatsministers der Justiz Dr. Franck ist irrtümlich verlautbart worden, daß der Prozeß gegen den Reichstagsbrand st ifter van der Lubbe Ende November oder Anfang Dezember vor dem Senat des Reichsgerichts statt- finoet. Demgegenüber wird amtlich noch einmal mitgeteilt, daß mit der Hauptverhandlung in der Sache van der Lubbe in der ersten Hälfte des September zu rechnen ist. Aus aller Welt. USA.-£uMd)iff „INacon" kommt nach Europa. Zuverlässig verlautet aus Sevilla, daß das amerikanische Luftschiff „M a c o n“ demnächst eine Curopareise unternimmt. Der amerikanische Konsul soll sich mit der Luftfahrtbehörde in Sevilla bereits in Verbindung gesetzt haben, um Auskünfte über die Landungsmöglichkeiten zu erhalten. vor Balbos Start nach Irland. Wie aus Shoal Harbour (Neufundland) gemeldet wird, beabsichtigt General B a l b o am Samstag um 7.30 Uhr MEZ. mit seinem Fluggeschwader nach Irland zu starten. Die endgültige Entscheidung hängt allerdings von den Wetterberichten ab, die im Augenblick noch ungünstig lauten. Die Königin von Belgien verehrt den heiligen Rock in Trier. Trotz der hochsommerlichen Hitze hält der Zustrom der Pilger zum Hl. Rock in Trier unverändert an. In den letzten Tagen erschien überraschend Königin Elisabeth von Belgien im Trierer Dom, wo sie in Begleitung ihres Hausgeistlichen und einer Hofdame den Hl. Rock verehrte. Hitzewelle über Frankreich und England. Die große Hitzewelle, die seit geraumer Zeit über Frankreich lagert, hat im Laufe des Donnerstag noch zugenommen. Das Barometer zeigte schon gegen 10 Uhr 31 Grad in Paris und stieg im Laufe des Nachmittags auf fast 36 Grad. Am Donnerstag war auch der bisher cheiheste Tag dieses Jahres in London. Die Temperatur stieg bis zu 33,5 Grad Celsius. Bisher sind vier Todesopfer infolge Hih- schlags gemeldet worden. Am Nachmittag setzten schwere Gewitter ein, die in einzelnen Stadtteilen Londons erhebliche Verwüstungen an- richteten. vom Schnellzug erfaßt. — Fünf Tote. In der Nähe von Turn-Severin überfuhr nachts der Bukarester Schnellzug einen Bauernwagen, der die Schienen überquerte. Die fünf Insassen des Wagens und die zwei Pferde wurden inStückezer- rissen. Woran erkennt der Arzt die Krankheit? DKGS. In der Jugendzeit der Menschheit sah man in der Krankheit ein selbständiges geisterhaftes We- en, das vom Menschen Besitz nahm und ihn krank machte. Deshalb mußte diesem „Dämon" mit Beschwörungen der Aufenthalt im menschlichen Leibe unbehaglich gemacht und er ausgetrieben werden. 2luf die Art der Krankheit kam es dabei nicht wesentlich an. Dieser Geisterglauben ist auch im sogenannten kultivierten Europa noch nicht ausgestorben, wie das „Besprechen" und ähnliche Beschwörungen zeigen. Aber im großen und ganzen sind doch die Menschen jetzt überzeugt, daß Kranksein nichts anderes ist, als Leben unter veränderten Bedingungen und daß diese Veränderung der Lebensbedingungen je nach Art der Erkrankung verschieden ist. Die Krankheitserkennung ist die Grundlage der Behandlung, auch wenn eine weitverbreitete Glaubensgemeinschaft Kranksein nur als Glaubensirrtum betrachtet und deshalb das Streben nach Krankheitserkenntnis als bedeutungslos verwirft. Mit dem Forschen nach der Ursache und den Bedingungen einer Krankheit hat die Wissenschaft der Heilkunde im eigentlichen Sinne begonnen. Und der Krankheitserkennung (Diagnostik) ist im Unterricht der werdenden Aerzte ein sehr großer Raum gewidmet. Wie erkennt nun der Arzt die Krankheit? Die wenigsten Krankheiten beginnen ganz plötzlich: last immer gehen ihllen Vorboten in Form irgendwelcher Holst die Rot lindem! Die Arbeitslosenziffer fällt! Wer dankt nicht beim Lesen dieser Worte dem Führer des deutschen Volkes für das großartig angelegte Arbeitsbeschaffungsprogramm, das schon jetzt die ersten Früchte zeigt. Roch liegt die Arbeitskraft von Millionen volksgenoffen brach und wartet, für die Wiedergefundung der nationalen Wirtschaft eingesetzt zu werden. Wenn sich auch schon viele Hände neuerdings wieder regen, so müssen doch alle gangbaren Wege beschritten werden, um die Arbeitslosigkeit noch weiter einzudämmen. Lines der vielen eingesetzten Wittel ist auch die große Arbeitsbeschaffungslotterie. Die Gewinne der Lotterie ermöglichen es dem glücklichen Gewinner, die Wark wieder umzusehen und dadurch Volksgenossen zu Arbeit und Brot zurückzuführen. Aber auch die, denen das Glück nicht hold war, haben das erhebende Bewußtsein, daß ihr Einsatz nicht verloren ist, sondern restlos dem großen Werk der Arbeitsbeschaffung zugute kommt. Ls ist daher nationale pflicht eines jeden Deutfchen, an der Arbeitsbeschaffung milzuwirken durch kauf von Losen, die in allen durch Plakate kenntlich gemachten Geschäften erhältlich sind. Störungen voraus. Daher bietet die sachgemäße Befragung des Kranken nach Aenderungen seines Befindens oft wertvolle Hinweise auf die Art der Erkrankung. Der Kranke, der seinem Arzte Beschwerden oder frühere Erkrankungen verschweigt, handelt gegen sein eigenes Wohl. Außer auf die Kenntnis der Vorgeschichte gründet sich die Krankheitserkennung auf die Untersuchung des Kranken. Ihr Beginn und ein sehr wichtiger Teil ist das Anschauen des Kranken auf seinen Ausdruck, seine Hautfarbe, die ganze äußere Beschaffenheit, kurz aus alles, was man an einem Menschen äußerlich sehen kann. Von einigen berühmten Aerzten wie vom „alten Heim" wird behauptet, daß ihnen der äußere Anblick -und der Geruch eines Kranken zur Krankheitserkenntnis häufig genügt habe. Den meisten Aerzten ist diese Gabe der „Schau" in so hohem Grade nicht gegeben. Sie würden pflichtwidrig handeln, wenn sie nicht auch die anderen Mittel der Untersuchung zu Rate zögen. Die auch jedem Laien bekannten Arten der Untersuchung durch Beklopfen und Behorchen der Lungen und des Herzens, der Betastung des Leibes, der Fiebermessung und Pulszählung, um nur einige der wichtigsten zu nennen, sind auch jetzt noch die unentbehrlichen Grundlagen einer gewissenhaften Untersuchung. Aber die außerordentliche Verfeinerung der Hilfsmittel wie des Mikrofkopes, der Blutdruckmessung, des zahlenmäßigen Nachweises der festen und flüssigen Bestandteile des Blutes und anderer Körperflüssigkeiten und vor allem die Entwicklung der Untersuchung mit Röntgenstrahlen hat es möglich gemacht, über den Zustand fast jedes Körperteiles bestimmte Aussagen zu machen und darnach seine krankhafte Störung zu beurteilen. Grade diese hohe Entwicklung der Üntersuchungsmöglichkeit hat aber auch überzeugend bargetan, daß die von Kurpfuschern mit einem Schwall von angeblichen Beweisen angepriesenen Untersuchungsmittel, wie Augendiagnose, Nackenhaarbeschau und Pendeluntersuchung — um nur einige zu nennen —, zum Ziele der Krankheitserkennung nicht brauchbar sind. In der Regele ist jede Krankheit um so leichter deutbar, ie vollkommener sie ausgebildet ist. Ein Unterleibstyphus, über dessen Fieberverlauf wochenlange Aufzeichnungen vorliegen und bei dem etwa eine große Milzschwellung nachweisbar ist, kann kaum verkannt werden; ein Lungentuberkulöser mit offenkundigen Zerstörungen der Lunge und Bazillenbefund im Auswurf ist ohne weiteres als solcher und auch nach dem erreichten Grade der Erkrankung zu bestimmen. Bei beiden Kranken kann aber >m Beginn der Krankheit die Erkennung außerordentliche Schwierigkeiten barbieten. Die Typhuserkrankung kann mit bem Bilbe eines Darmkatarrhs ober einer Lungenentzündung, die Tuberkulose als Blutarmut ober als Magenleiben austreten; ein Gallenblasenleiben ist ohne längere Beobachtung oft nicht vom Geschwür bes Zwölffingerbarms zu trennen. Daher kann bem Arzte fein berechtigter Vorwurf gemacht werben, wenn er — grünbliche Untersuchung vorausfetzt — gegebenenfalls erst nach einer gewissen Beobachtungszeit fein Urteil über einen Krankheitsfall abgeben zu können erklärt. Am allerwenigsten ist ber Kurpfuscher zu einem solchen Urteil berechtigt, der in ber Regel auf bas Erraten der Krankheit aus Aeußerungen des Kranken angewiesen ist, wenn er ber Krankheit nicht überhaupt eine Phantasiebezeichnung unterschiebt. Eine weitere Schwierigkeit kommt aus einer ganz anderen Richtung. Wenn ein Kranker, etwa nach amerikanischem Vorbild, „am laufenden Bande" auf Zustand und Wirken aller Köprteile genauestens untersucht worden ist, so ergibt die „Bilanz" dieser Aufstellung, also die Summe aller Untersuchungsergebnisse noch nicht ohne weiteres das Krankheits- bild. Diese Ergebnisse sind zwar die notwendige Grundlage zur Erkennung; „fehlt leider nur das geistige Band". Ihre Wertung und Zusammen- fügung zum Bilde der Krankheit bedarf der schöpferischen durch Erfahrung geschulten ärztlichen Kunst. Wissen, Erfahrung und Schau müssen zusammenwirken, wenn dem Kranken geholfen werden soll; sie vereinen sich in b e m Arzt, ber zu gedeihlicher fleißiger Arbeit noch das Gottesgeschenk der Begabung und den Willen zu helfender Liebe erhalten bat.^ Reichswehr wieder in Gießen Drei Wochen lang fehlle ber Soldat in unserer Stabt. Auf bem Trieb unb auf den Militärschieß- ftänben war es sehr still gewesen in der letzten Zeit. Die Truppen weilten zu einer Hebung im Regi- mentsoerbanb auf bem Truppenübungsplatz Alten- grabow bei Magbeburg. Heute kehrten sie wieder zurück in die Garnison. Reichliche drei Wochen schwerer Dienst lag hinter den Mannschaften, als sie heute morgen gegen zehn Uhr auf dem hiesigen Güterbahnhof eintrafen. Sq- fort wurde mit dem Ausladen begonnen, und wenig später marschierten die Mannschaften, voran die Musikkapelle, durch die Hammstraße, über den Horst- Wessel- und den Hindenburg-Wall, durch die Gartenstraße, die Kaiserallee und durch die Licher -Straße zur Kaserne. Die 3. Kompagnie bog am Stadttheater ab und marschierte durch die Neuen " Bäue nach der Kaserne am Landgraf-Philipp-Platz. Eine stattliche Menschenmenge hatte sich zum Empfang am Bahnhof eingefunden, viele Einwohner säumten die Straßen, sahen mit Stolz und Bewunderung auf die Soldaten, die, braungebrannt, in gleichem Schritt und Tritt, in gewohnter Disziplin und guter Haltung durch die Straßen marschierten. Die Jugend nahm naturgemäß wieder stärksten Anteil an dem Einzug der Truppen. Die Bevölkerung bewies aufs Neue, daß sie sich mit der Reichswehr eng verbunden fühlt. Tränkt die Tiere reichlich! Der Gießener Tierschutzverein, Hen- selstraße 10, schreibt uns: Auf das Tränken wird in der Tierpflege oft zu wenig Wert gelegt. Manches Pferd würde bei der gleichen Futtermenge besser ernährt aussehen, wenn es Gelegenheit hätte, während der Mahlzeit etwas Wasser zu sich zu nehmen. Beim Füttern auf der Straße erhält eine große Anzahl von Pferden auch hinterher kein Wasser. Da das trockene Futter den Durst erhöht, hört manches Pferd vor Durst auf zu fressen. Wenn nur irgend Wasser erreichbar ist, sollte das Pferd nach der Mahlzeit ausgiebig getränkt werden. Ein genügend getränktes Pferd kann besser arbeiten, als ein durstendes. Auch den Kettenhunden stelle man immer Wasser zur Verfügung unb gebe ihnen währenb ber Sommerhitze einen schattigen Platz. Dasselbe gilt für bie Kaninchen. Käfigvögel bürfen ebenfalls nicht ber heißen Sonne ausgesetzt werben, wie bas öfters in guter Absicht geschieht. Die Tiere leiben unter ber prallen Sonne. Oer Ausreise-Sichtvermerkzwang nur Kontrollmaßnahme. In einer Besprechung, bie heute im Reichs- minifterium des Innern zwischen den beteiligten Reichsressorts unb einer Reihe ber größeren beutschen ßänber ftattgefunben hat, ist einhellig festgestellt worden, daß der Ausreisesichtvermerkzwang für Reichsangehörige lediglich eine in politischer und steuerlicher Hinsicht notwendige Kontrolle des Reiseverkehrs nach dem Auslande bezweckt, aber nicht diesen Verkehr selbst unterbinden soll. Eine solche Unterbindung des Reiseverkehrs kommt schon im Hinblick auf die mit verschiedenen fremden Staaten geschlossenen Reiseoerkehrsab kommen nicht in Betracht, durch die übrigens auch der deutschen Wirtschaft erhebliche Vorteile, u. a. insbesondere in Form zusätzlicher Warenbestellungen, zufließen. Die zuständigen Behörden werden erneut angewiesen werden, bei der Handhabung der Bestimmungen über den Ausreisesichtvermerkzwang diesen Gesichtspunkten Rechnung zu tragen. Ausländer im deutschen Reiseverkehr. Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: In letzter Zeit ist mehrfach die Behauptung aufgestellt worden, Ausländer könnten auf Grund ihres internationalen Führerscheins zwar den eigenen aus dem Ausland mitgebrachten Wagen führen, aber keine anderen. Dazu ist zu bemerken: Ausländer können auf Grund ihres internationalen Führerscheins jeden ausländischen ober beutschen Wagen in Deutschland führen, ber ^inen internationalen ober einen beutschen Zulassungsschein hat. Ferner hat eine Berliner Zeitung bie Behaup- tung aufgestellt, jeber Ausländer müsse, um einen beutschen Wagen in Deutschlanb fahren zu bürfen, sich erst auf eine beutsche Fahrschule begeben. Dazu wirb mitgeteilt: Auslänbern, bie einen über ein Jahr alten auslänbischen Führerschein besitzen ober nachweisen, baß sie über ein Jahr im Besitz einer auslänbischen Fahrerlaubnis finb, wird auf Antrag ber beutsche Führerschein erteilt. Der Besuch einer Fahrschule wird ebensowenig verlangt wie bie Ablegung ber Führerprüfung. Lebiglich Kenntnis ber wichtigsten beutschen Verkehrsvorschriften wirb ge- forbert. Jeber Äuslänber kann also mit seinem Wagen ober mit fremben Autos unbesorgt unb ungehinbert in Deutschland reisen. Es werben ihm keinerlei Schwierigkeiten gemacht, wenn er biefe wenigen Bebingungen erfüllt. Oie Besichtigung des Liniversitäts-Tierzuchtinstituts. Neuregelung der BesichligungsmögNchkeil. Nachbem in ben fast 9 Jahren seit ber Gründung das Universitäts-Tierzuchtinstitut Oberer Harbthof seither jeben Sonntag in der Zeit zwischen 14 unb 16 Uhr zur Besichtigung ohne vorherige Anmelbung freigegeben war — es war gerabe zum Wallfahrtsort für bie nähere Umgebung geworben — bars nunmehr angenommen werben, baß es ber größte Kreis ber Interessenten kennt. Aus biesem Grunbe bie Führungen für bie Zukunft in ber angegebenen Zeit nichtmehr abgehalten. Dies bedeutet natürlich nicht, baß überhaupt keine Besichtigungen mehr möglich finb. Interessenten können nach wie vor bie Jnstitutseinrichtungen kennen lernen. Nur bebarf es bazu in Zukunft bei Einzelpersonen sowohl wie bei Vereinen einer rechtzeitigen schriftlichen Anmelbung mit Angabe der Teilnehmerzahl unb gewünschten Besichtigungszeit, die streng eingehalten werden müssen. Unter rechtzeitiger Anmeldung ist eine solche zu JSS** leite ein ^lchull ergäbet sf. N nr- ore o. Wirtschaft Tagung des deuMen Schuhhandels leutnant Hasse mit „Derbys und Oberlt. ® r o ß • kreutz mit „Benno" absolvierten beide Gange fehlerfrei. 2m Bild: Der Hindenburg-Pokal len und an die Kreis- und Stadtschulämter darauf hin, dah mit Nachdruck und nach Rücksprache mit den Eltern zu erstreben ist, dah nach und nach alle Schüler und Schülerinnen an dem Unterricht einer anerkannten Religionsgemeinschaft teilnehmen, falls ein Unterricht in sittlicher Lebenskunde nicht stattfindet. •* Schulpersonalie. Der Rektor an der Gewerbeschule zu Alsfeld, Wilhelm Al ü l l e r, wurde aus sein Rachsuchen und unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. November an in den Ruhestand versetzt. •• Wem gehört das Kalb? Nach der Deendigung des Viehmarktes am vergangenen Dienstag blieb ein männliches Kalb herrnlos auf dem Platz zurück. Dem rechtmähigen Eigentümer wird empfohlen, seinen Anspruch bei der Kriminalpolizei geltend zu machen. Die Einholung des Bundesbanners vom Hauptbahnhof in Stuttgart, nachdem es aus Köln, der Feststadt des letzten Turnfestes, In der schwäbischen Hauptstadt eintraf. — Alle Schulkinder sollen am Religionsunterricht teilnehmenl Die Nlinisterialabteilung für Rildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum weist in einem Schreiben an die Direktionen und Leiter der Höheren Schu- Wettervoraussage. Zwar steigt der Luftdruck über Frankreich wieder an, aber dennoch dürfte durch die angrenzende Störungstätigkeit feuchte Lust bis in unser Gebiet Vordringen, so dah zunächst die Möglichkeit zu Gewitterbildung sortbesteht. Die Beeinflussung wird aber nur vorübergehend sein, so dah sich zwischendurch immer wieder die Schönwetterlage herstellt. Die Tempera Uten gehen zunächst etwas zurück, behalten aber noch sommerliche Werte. Aussichten für Samstag: Nachlassen der Hitze, aber noch sommerlich warm, aufheiternd und wolkig mit Gewitterstörungen. Lufttemperaturen am 27. Juli: mittags 30,3 Grad Celsius, abends 24 Grad; am 28. Juli: morgens 21 Grad. Maximum 30,6 Grad; Minimum 16 Grad. Dor einiger Zeit wurde bei der Preuhifchen Klaffenlotterie eine Herabsetzung der Lospreise angeordnet, lieber diese begrüßenswerte Maßnahme äußerte sich jetzt der Präsident der Staatlichen Preußischen Klassenlotterie, Dr. Schlange, und führte dabei aus, daß er die Lotterte als eine öffentliche Einrichtung ansehe, die jedem Volksgenossen zu- gute kommen müsse. Haben sich auch im Laufe Der Zeit immer weitere Kreise des Volkes an der Staatlichen Lotterie beteiligt, so machte es sich doch in den letzten Fahren infolge der zunehmenden Verarmung bemerkbar, dah die Lospreise viel zu hoch waren. Daraus ergab sich ein ständiger Rückgang der Teilnehmeyahl. Die Lotterie enthält 800 000 Nummern, d. h. zwei Reihen zu je 400 000. Von diesen wurden im vergangenen halben Fahr nur rund 3/. der Gesamtzahl ausgegeben. Hinzu kommen noch 60 000 ganze Lose, von denen etwas über die Hälfte gespielt wurde. Fnsgesamt wurden zuletzt nur 54 bis 58 Prozent aller Lose gespielt. ein Beweis dafür, wie hoch die Zahl derjenigen ist, die durch den teuren Lospreis am Spielen verhindert werden. Aber nun ist auch ihnen Gelegenheit gegeben, ihr Glück zu versuchen. Selbstverständlich läßt sich die Auswirkung der Preisherabsetzung noch nicht übersehen. Dies wird erst Ende September vor der ersten Ziehung möglich sein. Kunst und Wissenschaft. Befudjerorganifation für den kulturell wertvollen Jilm. Zwischen der Reichsleitung Deutsche Bühne und der Deutschen Gesellschaft für Ton und Bild wurden die Grundlinien vereinbart für eine in Verbindung mit der Deutschen Bühne zu schaffende .Besucherorganisation im Reich, die den Zweck hat, den kulturell wertvollen Film in engster Zusammenarbeit mit dem in Frage kommenden Gewerbe zu fördern. Zur Reform der Klaffenlotterie Das Glück wird verbilligt. Bluttat einer Ehefrau. WER. Frankfurt a. M., 27. Juli. Gestern abend versuchte die Frau des Chauffeurs Philipp Spielmann in ihrer Wohnung in der Wittelsbacher Allee ihrem Mann mit einem Rasiermesser den Hals zu durchschneiden. Zwischen den Eheleuten war es wiederholt zu Streitigkeiten gekommen, die in begründeter Eifersucht der Frau ihre Ursache hatten. Als sich der Mann gestern abend zu Bett begeben hatte, kam es wiederum zu einem heftigen Streit, in dessen Verlaus die Frau ein Rasiermesser ergriff und ihrem im Bett liegenden Mann einen tiefen Schnitt am Hals beibrachte. Die Frau flüchtete dann zu Nachbarsleuten, wo sie später von der Polizei fe ft genommen wurde. Der schwerverletzte Ehemann hatte noch die Kraft, aus dem Fenster um Hilfe zu rufen, worauf er infolge des starken Blutverlustes bewußtlos zusammenbrach. Er wurde in das benachbarte israelitische Krankenhaus gebracht, wo er nach einer sofort vorgenommenen Operation in bedenklichem Zustand darniederliegt. Frankfurter Greuelmärchenverbreiter verhaftet. O b er lohnst ein, 27. Fuli. (WSN.) Wegen mündlicher Verbreitung von Greuelnachrichten wurde hier ein Reisender aus Frankfurt festgenommen. Er wurde in das Amtsgerichtsgefängnis in Niederlahnstein eingeliefert. Weitere Ergebnisse vom Oeutschen Turnfest. Die Wettkämpfe des Donnerstags brachten noch folgende weitere Ergebnisse: Sieger des Fünfkampfes wurde der Stettiner L e i ch u m vor Stock, Universität Greifswald. 3m Vierkampf der Frauen Elfe Nieder hoff vor Mauermeyer, München. Die 100x100- Staffel, zum erstenmal gelaufen, gewann der MTV. München 1879 vor TB. Stuttgart. Sieger im Zehnkampf (reiner Gerätekampf) wurde der Schweizer Edi Steinmann, St. Gallen, vor Walter Dettermann, Leipzig. 2m Siebenkampf der Frauen siegte Paula P o h l s e n, Hamburg, vor Schmitt, München. Den Neunkampf der Altersturner gewannen S a ch l e, Hamburger Turnerfchaft, Brosch, Hannover, und 2 ö r g, Augsburg. Den Zwölfkampf der Männer der Klasse II holte sich der Schweizer Müller vor K u p k e, Görlitz. Deutscher Sieg im Großen freier der Nationen. Dor 15 000 Zuschauern gewann Deutschland auf dem Aachener Reitturnier den Großen Preis der Rationen. Dem Turnier wohnte auch der preußische Ministerpräsident Göring bei. Deutschland gewann den Preis der Nationen, der zum ersten Male mit dem Hindenburg-Pokal, einem Ehrenpreis des Reichspräsidenten, ausgestattet war, überlegen. Alle drei Reiter, Oberlt. M o m m mit „Baccarat", Ober- • Generalversammlung des Norddeutschen Lloyd. Die Generalversammlung erledigte ohne Widerspruch die Regularien. Der neue Aufsichtsrat ist der gleiche wie der gestern bei der Hapag gewählte. Der Aussichtsratsvor- sitzende Karl Lindemann betonte, daß es auch für den Norddeutschen Lloyd keine hamburgische oder bremische, sondern nur eine deutsche Frage gebe und daß er hoffe, in treuem und loyalem Zusammenwirken mit der Hapag zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft beitragen zu können. Ebensowenig wie im Geschäftsbericht 1932 könne die Verwaltung zu den im neuen 2ahr aktuell gewordenen Fragen der Dezentralisation der Schiffart Stellung nehmen. Die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr seien z. Z. als ungünstig zu bezeichnen. Eine entscheidende Besserung der Geschäftslage fei nicht zu verzeichnen. Es werde vielmehr größter Anstrengungen bedürfen, die aus deyi Währungsverfall sich ergebenden Mindereinnahmen soweit als möglich auszugleichen. Indessen erkenne die nationale Regierung die Bedeutung der Seeschiffahrt an und werde ihr im Kampf gegen die hochfubven- tionierte, ausländische Konkurrenz zur Seite stehen. Eine endgültige Lösung aller Schwierigkeiten könne aber erst der Wegfall aller Subventionen und eine internationale Währungsverständigung mit sich bringen. Frankfurt lustlos. Frankfurt a. M., 28. Juli. (WTB.-Drahtmel- düng.) Entgegen vielfach gehegten Erwartungen eröffneten die Aktienmärkte heute eher teilweise leichter. Die Realisationen zu Geldbeschaffungs- Zwecken für den Ultimo hin scheinen sich fortgesetzt und in ihren Auswirkungen die vorliegenden positiven Momente übertönt zu haben. So konnten sich weder auf Grund der gemeldeten Produktionssteige, rungen für Roheisen und Kali noch infolge der vorwiegend festeren Tendenz an der gestrigen Neu« yorker Börse oder des Erlasses des Reichsarbeits- Ministers eine allgemeine Befestigung durchsetzen. Immerhin hielten sich die Abgaben in mäßigen Grenzen. Demzufolge zeigten allerdings einige Spe- zialwerte über den Durchschnitt von 0,25 bis 0,75 Prozent hinausgehende Veränderungen. Der Man- tanmartt erwies sich indes als widerstandsfähig und fester; an ihm zeigten Harpener eine Besserung von 1,75 Prozent, Gelsenkirchen eine solche von 0,40 Pro- zent, Klöcknerwerke, Mannesmann und Rheinstahl lagen gut, Phönix knapp behauptet. Don Elektrowerten fielen Licht & Kraft durch einen 2prozen- tigen Gewinn und andererseits Gesfürel mit einem Verlust von 1,50 Prozent auf. Bei den sonstigen Spezialwerten war der Rückgang von 2 Prozent bei Deutsche Erdöl, von je 1,25 Prozent bei Zellstoff Waldhof und Rütgerswerke bemerkenswert, Akkumulatoren lagen 0,50 Prozent gebessert. Farben gaben 0,25 Prozent nach, dagegen befestigten sich Daimler auf die beabsichtigten Erleichterungen im Kraftfahrwesen um 0,75 Prozent, Schiffahrtswerte lagen uneinheitlich: Hapag 0,25 Prozent höher, dagegen Norddeutscher Lloyd 0,40 Proz. abgeschwächt. Am Rentenmarkt litten Deutsche Anleihen unter mangelnden Interesse. Altbesitz notierten 0,13 v. H. niedriger, allerdings zogen späte Reichsschuld- bucyforderungen bei kleinen Umsätzen um 0,40 v. H. an. Stahlvereinbonds waren neuerlich um 1,5 v. H. gebessert. Der Verlauf war außerordentlich still und weiterhin uneinheitlich. IG. konnten sich leicht befestigen, anderseits gingen u. a. AEG. weiter leicht zurück. Ferner büßten Harpener ihren Anfangsgewinn wieder ein. Arn Montanmarkt kamen Stahl- verein 1,13 v. H. schwächer zur Notiz. Deutsche An- leihen blieben auf dem Anfangsniveau unoeranbert, päte Reichsschuldbuchsorderungen waren um Bruch- teile eines Prozents höher. Am Pfandbriefmarkt ergaben sich mit Ausnahme von Pfälzische Hypo- thekenbank, die 0.5 bis 1 o. H. nachliehen, keine gro- Als ein erfreuliches Zeichen stellt Dr. Schlange fest, dah dos vertrauen zur Staatlichen Lotterie in allen Publikumskreisen wieder vorhanden ist. In den vergangenen Jahren wurde in zahlreichen Zuschriften an die Lotteriedirektion vor allem gegen die Art der Ziehung polemisiert, und man erblickte mit Mihtrauen überall das Anzeichen von Unregelmäßigkeiten. Das hatte zahlreiche Verbesserungs. Vorschläge zur Folge, in der Absicht, eine möglichst vollkommene Mechanisierung der Ziehungsmetho- den zu erreichen. Als ein Uebel wird auch die übergroße Zahl der Lotteriekollekteure angesehen. Es gibt gegenwärtig in Deutschland, Hamburg und Sachsen ausgenommen, über 1 260 000 Lotterieeinnehmer. Auch hier muß ein Wandel geschaffen werden. Als Beispiel soll Süddeutschland dienen, in dem auf 100 000 Einwohner ein Lotlerieeinnehmer kommt. Es ist beabsichtigt, dieses Verhältnis sowohl im Interesse der Allgemeinheit als auch der Lotterieeinnehmer in ganz Deutschland durchzuführen. Mit diesen Maßnahmen und anderen Richtlinien, die sich aus der Entwicklung ergeben werden, wird eine Belebung des ß o 11 e r i e ro e f e n s zugunsten der gesamten Wirtschaft erhofft. f Versammlung bestätigt wurde. Für den Unterverband Rhein - Maingau wurde Karl Wald- schmidt, Gießen, als Vorsitzender gewählt. Erster Vorsitzender des Reichsverbandes wurde wiederum Herr P f i tz n c r • Erfurt. Eine besondere Ehrung wurde dem Vorstandsmitglied Josef Nico- 1 i n i, Köln, zuteil, der bereits 25 Jahre lang für die Interessen des mittelständischen Schuhhandels wirkte. Der Kassenbericht wurde sodann erstattet und von der Versammlung gutgeheihen. Der Vorsitzende des Verbandes teilte mit, daß sich der Gesamtvorstand entschlossen habe, eine Spende in Höhe von 6000 Mark für die Förderung der na.tionalen Arbeit zur Verfügung zu stellen. Eine wesentliche Bereicherung erfuhr das Pro- gramm des Derbandstages durch einen tiefschürfenden Vortrag von Dr. Hillebrand, Berlin, der über die wirtschaftlichen Aufgaben des Schuhhandels sprach. Im Anschluß an den mit spontanem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde eine Ent- schließung genehmigt, in der der deutsche Schuhhandel die Erklärung abgab, daß er alles daran setzen werde, an der Behebung der Arbeitslosigkeit zu seinem Teil m i t z u w i r k e n. Im Laufe der Versammlung wurde ferner der Beschluß gefaßt, eine große Werbeaktion für den Lederschuh durchzuführen, an der sich auch die Lederindustrie, die Schuhindustrie und der Leder- handel beteiligen sollen. Geraume Zeit beschäftigte man sich mit der Beratung von etwa 150 eingegangenen Anträgen, die manche Anregung für die Besserung der Lage im Schuhhandel brachten. Mil dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes wurde die anregende Tagung geschlossen. Der Reichsverband der Deutschen Schuhhändler hielt am Samstag und Sonntag in Erfurt seine Reichstagung ab. Der eigentlichen Mitgliederversammlung ging eine Sitzung des Vorstandes voraus, in der beschlossen wurde, der Mitgliederversammlung vorzuschlagen, daß der bisherige Vorstand im Amte bleiben soll, und zwar für die Dauer eines Jahres Ferner wurde beschlossen, der Mitgliederversammlung die Beibehaltung der beiden Geschäftsstellen in Berlin und Erfurt zu empfehlen. Sodann nahm man Stellung zu der Frage der Preissteigerung von Schuhwaren seitens der Lieferanten. Im Zusammenhang damit und zur völligen Klärung dieser Frage wurde eine Zusammenkunft der Arbeitsgemeinschaft der Schuhindustrie und des Schuhhandels gewünscht. Großen Raum nahmen die Beratungen der eingebrachten Anträge der Unterverbände, Ortsgruppen und Mitglieder ein. Die Mitglieder - Versammlung des Reichsverbandes, die am Sonntag stattfand, wurde durch den Vorsitzenden Herrn Pfitzner im Stabt- Haussaale zu Erfurt eröffnet. Der Saal war mit den Farben und Zeichen des neuen Reiches geschmückt. Oberbürgermeister Dr. P i ch i e r - Erfurt begrüßte die deutschen Schuhhändler in den Mauern der Stabt. Er betonte, baß bie Schuhhänbler bemüht sein müßten, bie besten Bezugsquellen gemeinsam mit ben Lieferanten auf bem Wege eines gesunden Wettbewerbes auszubauen. Herr Heinrich Schimmer erstattete fobann ben Geschäftsbericht, ber von ber Versammlung angenommen würbe. Der Geschäftsbericht vermittelte ein umfassendes Bild der Lage des Schuhhandels. Der Redner beschäftigte sich zunächst mit der gegenwärtigen politischen Lage und kennzeichnete die Auswirkungen, die die Neuordnung in Deutschland auch für den Schuhhandel im Gefolge habe. Es sei der Regierung ernst mit der Pflege und der Förderung des Mittelstandes und damit des mittelständischen Handels. Der Führer fordere aber auch, daß man die Hände nicht in den Schoß lege. Für die Lage im Schuhgeschäft sei nicht die Konsumfähigkeit, so nber n öic Konsummöglichkeit der B ev o l k e - rung von ausschlaggebender Bedeutung. Der Jahresverbrauch jedes Deutschen sei im Durchschnitt auf noch nicht einmal ein Paar Schuhe gesunken. Der Verbrauch an Lederschuhwerk müsse auf li Paare pro Person und Jahr steigen, wenn der Schuhhan- del eine merkliche Belebung erfahren solle. Das Schuhwerk sei im Preis nach 1932 unter die Satze des Jahres von 1913 gesunken. Die Beobachtung der Umsatz- und Unkostenziffern sei für die Zukunft von besonderer Bedeutung. In seinen weiteren I Ausführungen beschäftigte sich der Redner mit einer I Reihe fachlicher und organisatorischer Fragen und schloß mit einem Bekenntnis zu dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Sodann schritt man zur Neuwahl des Dorstan- des, der in seiner Zusammensetzung vom Gescnnt- l vorstand vorgeschlagen worden war und von der verstehen, die für den Fall, baß bie Besichtigung zu ber gewünschten Zeit nicht mehr möglich ist, eine Rückantwort an bie Interessenten noch frühzeitig genug ermöglicht. Borrrotizen. — Tageskalenber für Freitag. Licht- spielhaus (Bahnhofstraße): „Wege zur guten Ehe" — Der Stahlhelm, Bunb ber Frontsoldaten, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am morgigen Samstagabend in der „Bergschenke" einen Familienabend mit Ball. Eine Abteilung des Stahlhelms wird vom Heim in der Moltkestraße aus durch einige Straßen ber Stabt zur „Bergschenke" marschieren. ßeren Veränderungen. Die Umsatztätigkeit war, wie bei Staats- und Stabtanleihen sehr gering. Am Markte der Inbustrieobligationen erschienen Voigt- Lc-Häffner-Obligationen mit Minus-Minus-Zeichen, bie Taxe lautete 64,5 v. H. nach zuletzt 67,5 v. H. Am Markte ber Auslanbrenten waren Anatolier 0,65 v. H. höher, auch Türkenwerte waren meist leicht erhöht, Rumänen blieben nur knapp behauptet. Tagesgelb war in Vorbereitung zum Ultimo zu 3,5 o.H. gesucht. Ein sonderbarer llnglücksfall in einem Schwimmbad. WSN. Darmstadt, 27.2uli. Einem verhängnisvollen Unglücksfall fiel im 21 r h e i l g e r Gemeindeschwimmbad die 42jährige Ehefrau Martha Steinblockesch aus Darmstadt zum Opfer. Die Verunglückte berührte auf dem Laufsteg des Vassins einen Mast der elektrischen Beleuchtung, der auf unerklärliche Weife Strom bekommen hatte und stürzte betäubt ins Wasser, wo sie ertrank. Wiederbelebungsversuche im Stadtkrankenhaus blieben ohne Erfolg.________ Verantwortlich für Politik: L D.: Ernst Blumschein. I MWMMMlU. Vornan von Helma von Hellermann. 30. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Nichts durfte sie ihr eigen nennen, nichts ... Alles kam von der Gnade dieses Mannes, der, wie das Schicksal selbst, ihr Leben lenkte. Gebrochen waren Zorn und Widerstand. Sie sah ihn an. „Was soll iid tun?" Leise, kaum verständlich kam es über ihre Lippen, und war doch ein Aufschrei aus gepeinigter Seele. „Ihre Zukunft in meine Obhut geben, Frau Wera." Wieder ergriff Steinherr ihre Hände. „Es wird mir Glück und Ehre fein, sie Ihnen so freundlich wie möglich zu gestalten. Aber es gibt nur eine Art, auf die ein unverheirateter Mann für eine alleinstehende Frau sorgen darf, ohne die guten Sitten zu verletzen: ich bitte Sie, nach Ablauf des Trauerjahres meine Gattin zu werden." Die schwarzen Augen weiteten sich. Was — war das? — War fie bei Sinnen? Die Frau Magnus Steinherrs sollte sie werden, sie, die mit jeder Faser ihres Herzens Georgs Eigentum war und ewig bleiben würde? „Sie find das Heiligtum, das Georg von Vandrow mir vermachte. Ihm versprach ich. Sie zu behüten — Ihnen verspreche ich es wieder!" tönte die klingende Stimme an ihrem Ohr weiter. Wie Meeresrauschen dröhnte sie. Georg! So hilf mir doch! — Ach, er half nicht, er selbst hatte sie verschenkt an einen anderen, stieß sie fort von seiner Seite, jenem zu. Georg war fern, unerreichbar, furchtbar fern. „Quälen Sie sich doch nicht so, liebe Frau Wera!" bat Steinherr, bewegt ob der versteinerten Angst in dem fahlen Antlitz. „Ick meine es herzlich gut mit Ihnen! Sie wissen doch, wie ungeheuer schwer der Kampf ums tägliche Brot in unserem armen, entrechteten Land geworden ist. Sie haben Not und Sorge am eigenen Leibe erfahren. Wollen Sie zurücksinken in die Armut und Einsamkeit, der Sie kaum entronnen sind und die das Beste, Schönste in Ihnen ertötet? Wäre es nicht besser, den weiteren Lebensweg an der Hand eines guten Freundes zu wandern, mit dem Sie vor allem anderen die Erinnerung an den Toten verbindet, den auch er geliebt hat? .. Trauern Sie um ihn, wie Georg von Vandro es verdient. Bleiben Sie ruhig hier oder reisen Sie, wohin es Ihnen beliebt. Der alte Werner wird Sie weiter betreuen — bis ich es darf. Und feien Sie nochmals meiner aufrichtigen, oerehrungsvollen Freundschaft versichert!" Freundschaft! Das war das eine Wort, das sie begriff. Das vertrieb die Angst vor dem Kommenden, das irgendwie unmöglich und unwirklich schien. Stumm, ergeben, neigte sich der blonde Kopf. Der Mann nahm es als Zustimmung und führte schweigend die Hand Weras von Dandros an seine Lippen — jener kleinen Wera Wettern, die nun sein Weib werden würde. 32. Kapitel. Gab es je seltsameren Brautstand? Mit dem Schmerz um einen Verstorbenen im Herzen, mußte Wera von Dandro sich als zukünftige Gattin eines.anderen betrachten, jenes Manns, dessen Willen sie verfallen war, weil keine andere Möglichkeit bestand, die ungeheure Dankesschuld ab- zuzahlen, die er ihr aufgebürdet. Aber nicht kampflos ergab fie sich In ihr Schicksal. Kurz nachdem Steinherr fie wieder verlassen, reiste sie nach Deutschland zurück und ließ sich in Berlin in einer kleinen Pension nieder, deren billige Schäbigkeit dem alten Werner ein entsetzliches Kopfschütteln abzwang. Auf Steinherrs Geheiß war er bei der jungen Witwe geblieben, was feinen geheimsten Wünschen durchaus entsprach. Aber das war doch kein passender Aufenthalt für „seine" gnädige Frau, dieses ärmliche Loch mit dem dunklen, muffigen Flur, in dem es ewig nach Gas roch! Und immer mußte ihr ihr Zeitungen kaufen, immer schrieb sie Briefe, die sie selbst zum Kasten trug, ging stundenlang allein fort und kam dann blaß und müde zurück, einen hoffnungslosen Ausdruck in den schönen Augen, die gar nicht mehr strahlen konnten. Es war auch hoffnungsloses Beginnen, in dieser übervölkerten Stadt Arbeit zu finden, auf die schon Hunderte, ja Tausende von halb verhungerten, verzweifelten Menschen warteten. Und das eine blieb: selbst wenn sie eine schlechtbezahlte Stellung fand, wie konnte sie je die Schuld an Magnus Steinherr abtragen? Sollte sie sie ungetilgt lassen? Eine Wettern ließ sich nichts fönten! Immer schwerer wurde ihr Schritt, immer müder ihr Blick, zu viel des Elends schaute er. Ihr graute auch unsagbar vor der Not und Verlassenheit, die Steinherr ihr so deutlich ins Gedächtnis zurückge- rufen; sie fand nicht mehr den Mut, den Kampf dagegen aufzunehmen, zu sehr hatte Georgs Liebe sie verwöhnt. Georg, der ewig Nahe und doch Ferne, der sie verlassen ... Und die Monate vergingen, und mit ihnen die letzte Hoffnung auf einen Ausweg, der sie rettete vor dem, was nun unerbittlich näherrückte. Ein einziges Mal hatte Steinherr sie in Berlin besucht, ohne ein Wort der Verwunderung über ihren seltsamen Aufenthalt, hatte ruhig, in gemessener Kameradschaftlichkeit von seiner Arbeit, dies und jenem aus D. erzählt, sie für schöne, stille Stunden nach Sanssouci mitgenommen — und von der Zukunft überhaupt nicht gesprochen. Was sie ebenso erleichtert hatte, wie mit Unsicherheit erfüllt. Dann hatte er einige Male telephonisch angerufen, im übrigen aber fie — wie versprochen — ganz sich selbst überlassen. Doch am Vorabend des Tages, an dem Georg von Vandros Heimgang sich jährte, kündete eine Depesche sein Kommen an, das wenige Stunden darauf erfolgte. „Sie sollten den morgigen Tag nicht allein sein, Frau Wera. Wir wollen ihn gemeinsam begehen und seiner gedenken, der uns zusammengeführt." Wera, die sehr blaß aussah, erwiderte zag seinen festen Händedruck, fragte nach seinem Ergehen, dem Verlauf der Reise. „Flogen Sie wieder hierher?" Er bejahte. „Aber diesmal wären wir beinahe kurz vor der Landung verunglückt." „Verunglückt?" fiel sie ihm heftig erschrocken ins Wort. Und sie fühlte, wie ihr Herz einen wilden Schlag tat unter einem Blick, der lange und unverwandt auf ihr ruhte. „Es war nicht so schlimm, wie es zuerst schien", sagte er endlich. „Zwar riß die eine Tragfläche; doch gelang es dem Piloten gerade noch knapp, seinen Apparat zur Erde zu bringen, wenn auch mit einem richtigen Kopfsprung. Es gab einige Verletzungen und erheblichen Sachschaden. Gottlob blieb ich verschont. Es wäre mir schmerzlich gewesen, in ein Krankenhaus statt zu Ihnen zu gehen." Ganz still saß Wera und versuchte, des tiefen Schreckens Herr zu werden, den Steinherrs Worte in ihr erregte. Wenn er nun abgestürzt wäre? War es noch nicht genug des Leides? Gönnte ®ott ihr nicht den einen Freund, nachdem er ihr den Gatten geraubt? Dort stand das Bild des Unvergessenen unter einem hohen Strauß duftenden Weihnachts- grüns, Rosen lagen lose davor. Sein war der Tag, sein ihr Sieben und Denken ... Aber bis in die tiefe Nacht hinein peinigten Angst und Unruhe. Und selbst im Traum erschien ihr das Bild des anderen. Ihr war, als führe Georg fie ihm zu, als lege er ihre Hände ineinander. Sie wollte sich befreien, aber der haltende Griff war stärker als ihr heftiges Wehren, langsam zog er fie an sich heran. Und Georg nickte ihr zu mit einem Blick voll unbeschreiblicher Güte und schritt davon, bis er ihren sehnsüchtigen Augen in Nacht und Nebel verfchwand. Als Steinherr am folgenden Morgen — es war ein Sonntag — kam, fragte er, ob sie in eine Kirche zu gehen wünsche. Ueberrascht sah Wera ihn an — hatte er ihren Wunsch erraten? Und bejahte dankbar. Bald darauf saßen sie im Dom, von brausenden Orgelwellen umrauscht, lauschten den tiefempfundenen Worten des Predigers, der das Weihnachtserleben als einen unversiegbaren Lichtstrahl in jeglicher Lebensnot schilderte. Doch als der Chor zu singen begann, hauchzart eine der süßen Weihnachtsweisen intonierte, da war es vorbei mit Weras Fassung. All das Leid der Verlassenheit, all die glücklichen Stunden, die sie mit dem Geliebten in den kurzen Monaten ihrer Ehe erlebt, all die Angst und Bedrückung, die dieses ganze Jahr auf ihr gelastet, brach über sie herein in voller Wucht. Da fühlte sie, wie der Mann neben ihr facht, ganz leise den Arm um sie legte und fie an sich zog, die, das Gesicht im Taschentuch verborgen, von hemmungslosem Weinen geschüttelt wurde, also sich in dieser Stunde offen vor aller Welt zu ihr bekennend. Und diesmal brachte seine Nähe Trost und Beruhigung der in allen Tiefen aufgewühlten Frau. Sie war nicht ganz verlassen — ein Mensch fühlte mit ihr, just jener Mann, den Georg so sehr bewundert und geliebt. Es erschien dem wundgeschlagenen Herzen plötzlich wie eine Gnade, diesen einen Freund an ihrer Seite zu wissen, den einzigen, den das Leben ihr gelassen. (Fortsetzung folgt.) Jetzt wird’s besser...! schon lange auf die Nerven aber Gießen, Büdingen, den 26. Juli 1933. lIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!IIIIIIIIjIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!IIIIIIIIIIIIIII!IIIIIIIIIII!!IIIIIIIIIII!IIIIIIIIIIIIII!»i Alle Schweine, zuriickgeblievene?nd 163D RASSOL ................................................................................................................ 4811 D Gute Aufnahmen lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Bei dieser Hitze ßelb geworden?-Schade! C.Röhr&Co 4808 A Hotel Schütz '768 A Jetzt verschwindet doch endlich die olle Tapete..4offen gesagt: sie ging mir fühlen Sie sich wohler in unserer deren Form wir verbesserten, die Sie mit Gürtel tragen 1 gr. 3-1. MK. 1.50 in tiefer Trauer: Die Hinterbliebenen. I. d. N.: Dorothea Weiß, geb. Keller. Die Beerdigung findet Samstag, den 29. JuU, vormittags 11% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt in greller Sonne verlangen unbedingt eine Gelbscheibe vor Ihrem Photo-Apparat. 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