Dienstag, 2ft.März 1953 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffenl Nr. 74 Zweites Blatt 3. 4. Wirtschaft Obecheffen 1. 2. 5. Restloses Zugabeverbot. 6. Schuh für die besonders notleidenden Mittelstand.schen Betriebe. Verbot der Einheitspreisgeschäfte. Sofortige Aufhebung der Erfrischungs- und L.bensm t.elobteilunzen in Warenhäusern und Einheitspreisgeschäften. Einführung einer nach dem Umsatz progressiv gestaffelten Steuer für Warenhäuser, Groß» Filialbetriebe, Versandgeschäfte und Konsumvereine. Senkung des allgemeinen Steuerdrucks, besonders Aufhebung der HauszinSsteuer. regierung vollstes Vertrauen. Der Süddeutsche Einzelhandel gibt besonder- seiner Genugtuung darüber Ausdruck, dah die Reichs- regicrung sich sür die langjährigen Forderungen des mitlelständischen Einzelhandels nachdrücklichst einseht. Die im Süddeutschen Einzelhandelstag zusammcngeschlossenen Verussorganisationen betrachten u. a. folgende Maßnahmen als besonders dringlich: Frankfurt wrsentlich schwächer. Frankfurt a.M., 28.März. (WTB.D.aht- Meldung.) Vach der unentschlossenen Haltung irst heutigen Vormittagsverlehr entwickelte sich mit Beginn des amtlichen Verkehrs ausgespro- cheneDerkaufsneigung. Der Grund hier- für ist wohl vor allem in der Lieberladung der Märtte zu suchen, die durch die letzte Aufwärts- bewegung sehr stark vorangetrieben wurde. Heute setzte eine Reaktion ein, die zu Realisationen der Spekulation und des Publikums führte. Die Folge waren fühlbare Abschwächungen am Aktien- wre am Rentenmarkt. die mangels stützender Rachrichten aus Reuyork beträchliche Formen annahmen. , Die Werte des Aktienmarktes buhten durchschnittlich 3 Prozent ein, die vorher besonders stark gestiegenen Spezialpapiere gaben indessen meist beträchtlich mehr nach. So verloren am Clektromarkt Siemens 5,25 Prozent, Schuckert 4,50 Prozent, am Montanmarkt Kalr Salzdetfurth 6,75 Prozent und Harpener 4 Prozent. Am Markte der Spezialwerte Deutsche Erdöl 4 13 Prozent, Goldschmidt 4,39 Prozent und Rütgcrswerke 3,75 Prozent. 3S. (minus 1,90 Prozent, und Metallgesellschaft (minus 0,50 Prozent) zeigten sich etwas widerstandsfähiger, ebenso wie die Verkehrswerte, von denen nur AG. für Verkehrswesen mehr als 1 Prozent verloren. Reichsbank gaben 3 Prozent nach, Zement Heidelberg 2 Prozent und Holzmann 0,50 Proz. Aku waren mit minus 2 Prozent gleichfalls rück- l0$m Rentenmarkt zeigten Altbesitz einen Verlust von 0,90 Prozent, Reubesih einen solchen von 0,75 Prozent, Schutzgebiete lagen 0,25 Prozent und Reichsschuldbuchforderungen I Prozent schwächer. Don Jndustrieobligationen gaben Stahlvereinbonds 0,50 Prozent und Reichsbahn- Vorzugsaktien 0,39 Prozent nach.-Am Auslandsrentenmarkt waren Rumänen und Türken gut behauptet. 3m übrigen stagnierte das Geschäft fast vollkommen. Die allgemeine Schwäche erstreckte sich auch auf den Pfandbriefmarkt, an dem sämtliche Werte bis zu 1 Prozent nachließen. Zolltürkcn blieben unverändert, während Rumänen um 0,07 Prozent nachliehen. Rach vorübergehender leichter Befestigung war die Tendenz im Verlaufe weiter abbröckelnd, indessen ließ das Angebot nach. 33. gaben nochmals 0,50 Prozent und Ges- fürel 0,75 Prozent nach. Schwemcmarkt in Hungen. k. Hungen, 27. März. Auf dem heute hier obgehaltenen Schweinemarkt waren 3 2 Ferkel aufgetrieben. Die Preise bewegten sich sür Ferkel bis zu 6 Wochen alt von 16 bis 19 Mk., 6 bis 8 Wochen alt 20 bis 23 Mk., 8 bis 10 Wochen alt 24 bis 27 Mk., 10 bis 13 Wochen alt 28 bis 32 Mk. Bei flottem Handel wurde der Markt fast geräumt. | e l b ft Bei den Bauern herrscht Verzweiflung, upd ein kürzlich veröffentlichter japanischer Polizeibericht nennt unter den als „kommunistische Revolutionäre Derhafteten einen hohen Richter, zwei staatliche Unioersitätsprofessoren, einen Beamten des Auswärtigen Dienstes, einen aus dem Justizministerium und viele Studenten aus hochstehenden und reichen Familien: sogar den Sohn eines Äabinettsmitglie- dee. „Der Fsich fault vom Stopf", sagt man in Japan. Das gibt auch für das Problem „Japanische Weltpolitik^ zu denken. Ehrungen für Staatspräsident Prof. Or. Werner. Pb. D utzb a ch, 27. März. Der hiesige Zweig- verein des VH C. brachte gestern abend feinem langjährigen Mitglied und 2. Vorsitzenden Herrn Staatspräsidenten Dr. Werner eine besondere Ehrung in Gestalt eines Fackel- z u g s dar, an welchem sich über 300 DHE.er beteiligten. 3n flottem Marschtempo der Riedrr- weiseler Kapelle unter Stabführung von Dirigent L i e b a u bewegte sich der Fackelzug durch unser altes Städtchen zur Wohnung von Herrn Prof. Dr. Werner. Hier trug die VHC.- Gesangsable.lung zunächst den Wandergruß und dann das Chorlied „Deutschland, dir mein Vaterland" vor, worauf der Vorsitzende, Apotheker Matthäus in einer von Herzen kommenden Ansprache die Wanderlust, die echte Kameradschaft, die Heimatliebe und die tiefe Verbundenheit mit dem VHC. hervorhob und dann dem Herrn Staatspräside. te i ein Album mit Photographien von Touren überreichte, an denen derselbe teilgenommen hatte. Der Herr Staatspräsident dankte, hierbei betonend, daß er mit dem Butzbacher VHC. ganz besonders verbunden sei und stets gern der hier verlebten Zeit eingedenk sein werde. Er hätte wohl etwas von einer solchen Kundgebung raunen hören, daß sie aber so imposant ausfallen werde, das patte er nicht vermuten können. Hierauf fangen die Teilnehmer des Zuges gemeinschaftlich das DHC^- Lied „Einen Bund will ich euch nennen - Rach einem vom Chor gesungenen Abendlied und dem von der Kapelle gespielten Niederländischen Dankgebet setzte sich der Zug durch die Ruh- allee wieder in Bewegung, um dem Herrn Staatspräsidenten den imponierenden Fackelzug nochmals in seiner ganzen Länge zu zeigen. Aus dem Marktplatz, woselbst sich der Zug um den alten Marktbrunnen gruppierte, dankte Wan- verwart Wilh. S e i p P e l für die überaus starke Teilnahme und mit dem Abfingen deS Deutsch- G. A -Gpori. Eilenriede kennen am Sonntag. Rund 65 000 Zuschauer umsäumten am Sonntag die 5 Kilometer lange Rennstrecke des Eilenriede- Aennens bei Hannover. Bei prachtvollem Wetter erlebten die Zuschauer spannende und packende Kämpfe, die aber leider verschiedene schwere Unfälle brachten, von denen einer tödlich verlief. Der Berliner BMW. - Fahrer Fritz Weber raste (wir berichteten bereits kurz darüber) im Me sterschaftslauf auf seiner 1000-ccm* Maschine wioer einen Baum und verstarb wenig später an den Folgen eines doppelten Schädelbruches. Ein überaus spannendes Rennen lieferten sich im Meisterschaftslaus die beiden NSU.-Saprer RÜttchen, Erkelenz, und Rosemeyer, Lingen. Rur um einen Meter gab sich der junge Rosemeyer geschlagen. Rüttchen durchfuhr die Strecke in neuer Rekordzeit mit einem Stundenmittel von 97,7 Kilometer. Sieger in der Halbliterklasse wurde der Aürnberger Lev auf Ror- ton vor Soenius, Köln (Rorton). Bau - Hofer, der Favorit dieser Kategorie, war von Pech verfolgt. Er mußte nicht weniger wie fünfmal am Ersatzteillager Halt machen. 3n der kleinen Klasse des Beiwaaenrennens war daS Ehepaar S t a e r 11 e auf NSU. nicht zu schlagen. Das Rennen der großen Klasse mußte eine Runde vor Schluß abgebrochen werden, da nur noch zwei Fahrer im Rennen waren. Wehres, Aachen, wurde sicherer Sieger dieser Älaffe- Roch ein Todessturz. Das Ellcnriede-Rennen hat noch ein zweite- Todesopfer gefordert. Der Hannoverfche Fahre? Haupt war am Samstagnachmittag beim Training auf der Rennstrecke gestürzt und hatte einen doppelten Schädelbruch erlitten. Er wurde besinnungslos ins Krankenhaus gebracht, wo et inzwischen gestorben ist. R^ch ein dritter Fahrer ist auf der Rennstrecke schwer gestürzt. Er liegt mit lebensgefährlichen Verletzungen darnieder. Brieffaften öer Keöaffion. (Rechlsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schr'ftleitung > p. 2t In 2TI. Ein Hauseigentümer ist nicht be- rechtigt, dritten Personen den Besuch seiner Mieter zu verbieten, vorausgesetzt, daß die Besucher sich hierbei nicht unanständig benehmen. Da der Bräutigam Ihrer Tochter zur Familie gehört, erscheint das ausgesprochene Besuchsverbot als unbegründet. Wettervoraussage. Durch die tagsüber stattfindende kräftige Erwärmung sowie durch die Zunahme der Störungstätigkeit im Norden wird der hohe Druck nach und nach abgebaut. In unserem Bezirk wird sich sein Einfluß zuächst noch auswirken, so daß vorerst das Wetter warm und trocken bleibt. Doch steht auch hier unter weiterem Druckfall ein Uebergang zu Witterungsumschlag bevor, was sich zunächst im Auszug hoher Bewölkung und in Dunstbildungen äußert. Aussichten für Mittwoch: Aufkommende Dunst- und Wolkenbildung, aber auch noch oufhei- ternd, warm und trocken. Aussichten für Donnerstag: Bewölkungszunahme und Uebergang zu schlechterem Wetter. Berlin schwächer. Berlin, 28. März. (WTB. Funkspruch.) Die Ermüdungserschemungen und die Zurückhaltung der Kundichusi, die schon die giftrige Börse in ihrer Tendenz stärker beeinflußt hatten, nahmen heute eher noch zu. Die Vorbereitungen für den Ultimo veranlaßten auch die Kulisse zu neuen Glatlstellun- gen |o daß die Kurse im Einklang mit dem schwächeren Verlaus der gestrigen Neuyocter Börje ziemlich einheitlich weitere Rückgänge um 1 bis 3 o. H. erfuhren. Die gestern noch bevorzugten Werte und Spezial- papiere, wie Reichsbankanteile. Tarifaktien, Bremer Wolle, Berlin-Karlsruher Jnduftriewerke, Süd- deutsche Zucker, Deutsche Erdöl, Harpener, Mannes- mann Rheinstahl, Stolberger Zink, Stahlverein, Kaliattien, Goldschmidt, Contigummi, Gesfurel, Lah- meyer, Schuckert und Siemens verloren noch darüber hinaus bis zu 6.5 v. H. Bei mehreren dieser Werte erschienen dabei die nicht gern gesehenen Minus-Minus-Zeichen. Die erste Notiz für Bayern- Motoren mußte bei einem Angebot von 30 Mille fogai' ausgesetzt werden, im freien Verkehr wurde ein Schluß 7 v. H. unter gestern mit 127 v. H. getätigt. Im Zusammenhang mit der angedrohten Boy- kottbewcgung gegen die Greuelpropaganda im Auslande erschienen Leonhard Tietz ebenfalls mit Mi- nus-Minus-Zeichen und tarnen 3,13 v. H. unter gestern zur Notiz. Für Junghans war eine Taxe von 26 v. H. zu hören. Eine Ausnahme von der Allgcm.'intendenz machten Dortmunder Union und Eintracht Braunkohle, die je 1 v. H. gewannen. Auch Schubert & Salzer eröffneten bemerkenswert widerstandsfähig. Auch am Rentenmarkt war die Tendenz schwacher, wobei sicherlich bei den deutschen Anleihen noch Ware aus den per Ultimo d. M. laufen- den Prämiengeschäften herauskam. Bei den Kassarenten scheint das Angebot dagegen geringer zu fein. Die Neubesitzanleihe büßte nach anfänglicher Minus-Minus-Notiz 1,05 v. H. ein, die Altbesitzanleihe notierte fast 1 v. H. niedriger, und auch Reichsschuldbuchforderungen waren etwa in diesem Ausmaße gedrückt. Reichsbahnoorzugsaktien unterschritten erstmalig wieder die Parigrenze. Die variabel gehandelten Jndustrieobligativnen büßten bis zu 1 v. H. ein. Von Ausländern zeichneten sich Ana- tolische Renten durch Festigkeit aus. Lissaboner Stadtanleihe verloren 2 v. H. Auch im Verlaufe lagen die Aktienmärkte kaum erholt. Verschiedentlich gaben die Kurse sogar noch erneut bis zu 1 v. H. nach. Julius Berger verloren 2,5 v. H. und Deutsche Atlanten 2 v. H. gegen Den Anfang. Am Geldmarkt machte die Versteifung zum Ultimo Fortschritte. Der Satz für Tagesgeld zog weiter auf 4.65 v. H. in der unteren Grenze an und wurde nur noch ganz vereinzelt unterschritten. Auch das Wechselangebot blieb bestehen. Reichswechsel und Reichsschatzanweisungen, deren Fälligkeitstermine sich nicht geändert haben, hatten weiterhin nur kleine Umsatztätigkeit. Förster wird aus der Hast entlassen. WSN. Frankfurt a. M., 26. März. Der in der Kutschermordosfäre in Untersuchungshaft befindliche Artist F ö r ft c r hatte gestern Hast- Prüfungstermin. Das Gericht hat den Haftbefehl aufgehoben. Förster, der sich noch wegen eines Fahrraddiebstahls in Hast befindet, wird in der Mordsache Wagner auf freien Fuß kommen ; das Verfahren wird eingestellt. landliedes schloß die überaus würdige Kundgebung. Rach Abmarsch der VHCer gruppierte sich der seit 95 3ahren hier bestehende Gesangverein Or- ph?us vor dem Hause des Herrn Staatspräsidenten, um diesem als dem Förderer des deutschen Gesangs eine Huldigung darzubringen. Rach dem von Chormeister Gg. Harnisch (Steinberg bei Gießen) dirigierten Chor „Die Himmel rühmen", begab sich der Vorstand unter Führung des Vorsitzenden Kaufmann L. Schmidt zum Herrn Staatspräsidenten, um ihm die von Frl. Margret Kranz gefertigte Urkunde über die Ernennung zum Ehrenmitglied zu überreichen. Rach dieser Lieberreichung sang der Chor noch als Abschluß Mein Heimattraum der ferne Rhein", sowie „Sehnsucht nach dem Rhein". Der hiesige Geschichtsverein, dessen langjähriges Mitglied der Herr Staatspräsident ist, hatte in einer Vorstandssitzung beschlossen, ihn zum Ehrenvorstandsmitglied zu ernennen. Die gleich- salls von Frl. Margret Kranz gefertigte Ehrenurkunde wurde dem Herrn Staatspräsidenten am Sonntagvormittag durch die Vorstandsmitglieder Studienrat Professor H o r st, Ober-Reallehrer i. R. Weide und Bürgermeister Dr. Scheller überreicht. Eie hat folgenden Wortlaut: „Der Geschichtsverein Butzbach verleiht dem Herrn Staatspräsidenten Dr. Werner die Würde eines Ehrenvorstandsmitgliedes, als dem langjährigen, verdienten Vorstandsmitglied, dem großen Kenner und Deuter der vaterländischen Geschichte und warm herz gen Förderer aller heimatkundlichen Bestrebungen. Der Vorstand des Butzbacher Ge- schichtsvcreins". Eine besondere künstlerische Rote hat die Ehrenurkunde durch eine am Kopse angebrachte Federzeichnung erhalten, die in Gestalt einer Silhouette Butzbach gewissermaßen als Dachlandschaft dar stellt, aus welcher besonders der Rathausturm, das Dach des früheren Gasthauses zum Löwen und der obere Teil des Benderschen Hauses am Marktplatz hervortreten. auf. Die Garnproduktion der Welt ist von 1928 bis 1933 von der Indexzahl 100 auf 85 gefallen, die japanische aber hat sich auf 115 erhöht. Auch nach Australien und Argentinien bringt die japanische Ware vor. Was England mit dem Abgehen vom Goldstandard um 30 Prozent erreicht hat, bas er- reicht Japan hoppelt mit ber Wertverringerung sei- nes Yen, um 60 Prozent. Hier liegen in ber Tat starke Versuchungen für die angelsächsischen Industriemächte, sobald die Zeiten sich einmal geändert haben. In Japan ist schon bas Wort vom „Asiatischen Völkerbunb" gefallen: Japan selbst, bas geplante nvrbchinesisch-manbschurische Kaisertum, bas übrige China unb vielleicht bie Philippinen — wenn biese ihre „Unabhängigkeit" von Amerika erhalten sollten. Auch bann aber wäre mit amerikanischem Widerstand zu rechnen. Auch ein unabhängiges Jn- bien käme als Glied In Betracht: nicht minder ein „Freies Indonesien". So lautet bekanntlich bie Formel ber malayischen Unabhängigkeitspartei. Gewaltige Perspektiven! Aber vielleicht boch Perspektiven, bie z u groß sinb unb zu tief in bas politische unb wirtschaftliche Interesse Amerikas und Englands einbringen würden. Dazu kommt die nicht mehr zu übersehende innere Unruhe in Japan glanb angeht, so kann seine Politik schon leit Jahren nicht besser gekennzeichnet wer- den, als mit dem Wort: Angstpazifismus. Keine englische Regierung könnte es ohne die äußerste Not wagen, ihrer öffentlichen Meinung Kriegsmog- lichkeiten zuzumuten. Die Sorge um Industrie und Handel, um die Beziehungen zu den Dominien, um bie Währung beherrschen alles. Dank Aufgabe des Golbstanbarbs konnte Englanb 1932 feine Ausfuhr an Baumwollgewebe endlich roieber von 1,4 auf 1,8 Milliarben Yards erhöhen. Man zittert davor, die Erholung wieder zu gefährden. Ein Blick auf die lächelnde Ironie, mit der Japan den Völkerbund abtut, genügt, um zu erkennen, ro i e sicher es sich vor Europa fühlt. Dazu kommt das im Hintergrund berate Tauschgeschäft mit England. Angliederung Tibets an Indien gegen Ver- zicht auf Widerspruch in der Mandschurei. Es gibt also gegenwärtig für Japan kein m a • terielles Hindernis, in der Mandschurei, m Jehol und im übrigen China so weit zu geben, wie es den japanischen Militärs gut scheint. Diese haben die Außenpolitik jetzt in der Hand. Eine andere Frage ist es, ob man inJapan auch daran denkt, daß die Lähmung Amerikas und Englands eines Tages aufhören könnte. Solche Reflexionen find aber nicht japanischer Art. Wir werden kaum fehlgehen, wenn wir es als das Ziel Japans in Ostasien ansehen, ein aus der Mandschurei, den beiden nordchinefischen Provinzen Tschili unb Schantung, vielleicht auch noch Schonst unb Honan, bestehenbes n o r b ch i n e- f i s ch e s Kaisertum, natürlich unter japani- schcm Protektorat, aufzurichten. Dann würbe man vielleicht ber national-chinesischen Kuomintangregierung ein Bünbnis anbieten, etwa auf ber Grundlage, bah bie Kuomintang bei ber Ausdeh- nung ihrer fadenscheinigen Autorität über bie vielen felbf'tänbigen Provinzen unterstützt wirb, unb baß sie für bie Abschaffung ber sogenannten „ungleichen Verträge" gegen bie fremben Mächte Japan i f d) e Hilfe erhält. Das wäre Organisierung Dftafiens gegen Europa unter japanischer Leitung. Es ist bekannt geworben, baß Japan H o 11 a n b einen gegenseitigen Nichtangriffspakt vorgeschlagen hat unter ber Bebingung, bah bie Niederlassungs- rcrfjte für Japaner in Java unb dem übrigen Jn- fulinbe erweitert werben. Die hollänbifche Regierung hat bas vorläufig abgelehnt. Die Vorgänge bei ber in Jnsulinbe stationierten Marine zeigen aber, dah der Boden für die europäische Herrschaft dort nicht mehr so sicher ist, wie früher. Absichten auf die Philippinen würden soviel bedeuten, wie, trotz der augenblicklichen Schwäche der Vereinigten Staaten, den großen amerikanischen Krieg. Es gibt japanische Stimmen, die auch diesen in ihr Programm aufnebmen. Aber dazu sind die verantwortlichen Männer in Japan zu klug. Wird Amerika zum Krieg gezwungen, so kann es sicher sein, n i ch t allein gegen Japan zu stehen. Dazu hat die japanische Industrie- und Handelskonkurrenz schon zu sichtbare Wirkungen auf dem Weltmarkt gehabt. Mit Amerika zusammen würde sogar England sich überlegen, was bei einem Sieg über Japan zu verdienen wäre. Der japanische Yen ist stark gefallen, aber nicht weiter, als bis auf den jetzigen Stand des chinesischen Silberdollars. Mit dem steht er jetzt gleich, und Japan und China zusammen könnten einen starken Silberblock bilden. Es gibt Anzeichen dafür, daß so etwas beabsichtigt wird. Außerdem ermöglicht der Fall des Yen, bei weitgehender Erhaltung (eines Jnlandswcrtes, eine kolossale Ausdehnung des japanischen Wettbewerbs. Japan hat in Deutschland unb in Holland Roheisen angeboten. Nach Oesterreich hat es im vorigen Jahr 460 000 Glühlampen geliefert: in ber Tschechoslowakei konkurriert es nicht nur mit Drahtwaren, sonbern sogar mit Eisenbahnwagen! In Aegypten unb in ben Balkanlänbern bietet es Kattun an, unb in Westafrika tritt es sehr erfolgreich mit baumwollenen Decken unb anberen Textilien Macht Zapan Wellpolitik? 23on Dr. Paul Bohrbad). Es werben jetzt häufig von japanischen Staatsmännern unb Politikern Aussprüche zitiert, wirkliche unb vielleicht auch nur angebliche, bie der Polinr Japans kolossale Ziele setzen: in ganz Ostasien, In Indien, in ber unermeßlichen Weite des Stillen Ozeans. Wir wollen versuchen, nicht nach solchen schwer tontrollierbaren Zitaten zu urteilen, sondern nach geopolitischen und wirtschaftspolitischen Tat- ^Zunächst steht fest, daß die allgemeine Welllaae für Japan so g ü n ft l g ist, wie »ur denkbar. Die einzigen starken Gegeninteresfenten, Amerika und England, sind lahm gelegt. Es handelt sich m Amerika durchaus Nicht nur um die Wirtschaftskrise, die gerade letzt einen beinahe katastrophenhaften Charakter angenommen hat, unb um bie baraus folgenbe finanzielle Schwäche für einen Krieg, sondern um einen förmlichen Zusammenbruch bes früher so hoch gespannten amerikanischen Selbstgefühls. Es klmgt kaum glaub- lich, aber in ganz Kalifornien herrscht Ang st v or einer japanischen ßanbung. Sie kommt ernstlich nicht in Betracht, beim Japan ist nicht im- ftanbe, eine Jnvasionsarmee von genugenber starte nach Kalifornien zu schicken unb bie Transporte zu sichern. Das Bezcichnenbe ist nur, wie vollständig die frühere Stimmung eines jeben zlmerifancrs, gleichviel ob Jialifornier ober Neuyorker: „Wer uns angreift, ist ein toter Mann!" verschwunben ist. Amerika fürchtet ben Krieg: bannt ist Forderungen des süddeutschen Eiinelhandeis. Der Süddeutsche Einzelhandelstag trat in Darmstadt zusammen und beschäftigte sich mit einer Reihe wichtiger Tagesfragen. Er begrüßte die Tatkraft, mit der die neue Reichs- regierung neben den politischen au.ch« die vordringlichsten wirtschaftlichen Probleme in Angriff genommen hat und bekundete der Reich s- Verpssichtung der Hilfspolizei in Allendorf. (^Allendorsa. b. Lda., 24. März. Am Dienstagmittag fand hier die Verpflichtung der SA. - Mannschaften als HilfSpolizer statt. Rachdem die SA. in Stärke von etwa 180 Mann auf dem Bahnhofsplatz angetreten war. erschien der Staatslommissar für das Polizeiwesen Dr- Best, in dessen Begleitung sich u.a. Regierungsrat Grein vom Kreisamt Gießen und der Kreisleiter der RSDAP-, Landtagsabgeordneter Dr. Harth, von hier, befanden. Rach einer Ansprache, in der er aus die Bedeut tung der Pslichlen der Hilsspolizei hinwieS und die Verordnung über ihre Einrichtung bekanntgab. nahm er die Verpflichtung der SA. durch Handfch'ag vor- Mit einem Hinweis auf die Dedeuti ng des Pages von Potsdam schloß Dr. D e st m.i einem „Sieg Heil" aus den Führet des neuen Reiches Landkrcis Gietzen. £ Wieseck. 26. März. Am Freitagabend fand eine nichtöffentliche Sitzung de« D e - meinderats statt. Cs wurde beschlossen, den Dreschplatz der Gemeinde, den bisher Dresch- maschinenbesiher Emil Schäfer innehatte, der Dreschgenossenschaft Wieseck zum Pachtpreis von 30 Mark zu verpachten. Die Dreschgenossenschast muß ihren seitherigen Platz räumen, da ganz in der Rähe ein Wohnhaus steht. Emil Schäser be- sitzt einen eigenen Platz in der Rähe deS Dreschplatzes der Gemeinde. Ferner wurde auf Antrag des Gemeinderats Karl Weller beschlossen, den »Platz der Republik in »Adolf- Hitler - Platz" umzubenennen. Von den sozialdemokratischen Mitgliedern des GemeinderalL haben zwei ihre Mandate niedergelegt, zwei weitere Mitglieder dieser Fraktion waren entschuldigt. £ Wieseck, 26. März. Am Samstag wurde der Landwirt Philipp Reuter beim A b l a d e n vonBauholzaus dem Zimmerplatz so unglücklich von einem Stamme getroffen, daß er einen doppelten Beinbruch erlitt. : Beuern. 24. März. Am 1.3anuarl933 waren es 2 5 Fahre, daß Gemeinderechner Daniel Ludwig Sommerlad dem hiesigen OrtS- Vorstand als Gemeinderatsmitglied angehvrt. 3n Anerkennung seiner während dieser langen Zeit der Gemeinde geleisteten treuen Dienste wurde ihm in der letzten Gemeinderatssihung von Bürgermeister L i n d e n st r u t h mit ehrenden Worten ein Diplom überreicht. Sommerlad ist seit 1926 Gemeinderechner. des Ich Nachdruck verboten! 2 Fortsetzung. so schwer — starkstämmigen lFortsetzung folgt.) Kochen Sie MAGGI5 Suppen. Arbeitzeit und Geld Er fühlte nach dem Revolver, trat hinter einen irkstämmigen Baum. Oie stummen Gäste von Zweilinden I^omanvonAnny vonpanhuyS. Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold, „Ich stelle myr Dinge fest, die naheliegen" war die ruhige Antwort. „Bettina werde ich den Grund mitteilen, der mich veranlaßt hat, Ihnen meine Zustimmung zur Ehe mit ihr zu verweigern. Sie ift vernünftig und wird sich freiwillig fügen/ Der Graf nahm sich mit aller Kraft zusammen, aber die Wut, daß dieser Besuch so geendet, erstickte ihn fast. Er konnte kein Wort mehr sprechen und verneigte sich nur stumm, verließ hastig das Zimmer. Ins Freie wollte er, allein sein wollte er, um nachzudenken, wie er den Entschluß von Bettinas Pflegevater ändern konnte. Er mußte ein Mittel dazu finden. Er brachte es noch fertig, mit dem Diener, der ihm Hut und Paletot aushändigte und den er feit Jahren kannte, ein paar freundliche Worte zu wechseln. 3. Nachdem sich Wulf von Speerau ein Stückchen vom Herrenhause entfernt hatte, tat er sich keinen Zwang mehr an. Er schimpste halblaut vorsich hin, er konnte einfach nicht anders. Verdammter Moralfatzke, blöder Sittenrichter, alter Spießer! betitelte er den Pflegevater Bettinas, dem seine Tochter zu schade war für ihn. Durch seinen Kopf tanzten die Gedanken einen wilden Reigen und verwirrten ihn. Er sann verzweifelt wie fing er es nur an, den Unnachgiebigen umzustimmen? Er wanderte erst ein Stück auf dem Waldwege dicht an der Chaussee entlang, dann ging er waldein und lies in die Kreuz und Quere. Seine Füße gebärdeten sich so wie sein Kopf, beide hielten keine bestimmte Richtung inne. In Wulf Speerau hallten noch die Sätze nach, die ihn am meisten geärgert, weil er sich durchschaut sah. Konrad von Zweilinden hatte ihm auf den Kopf zugesagt: „Um Wiesental steht es schlecht, und Sie rechnen damit, daß Bettina eine reiche Erbin ist und ihre Mitgift auch nicht zu knapp ausfallen dürfte!" So durchschaut zu werden, war natürlich das Fatalste, was ihm hatte passieren können. Er dachte, so unangenehm der Satz gewesen, lag doch in ihm das Zugeständnis, daß Bettina eine reiche Erbin war. Man nahm ja auch allgemein an, Bettina war Konrad von Zweilin'dens Universalerbin, aber schließlich wäre es immerhin möglich gewesen, ihr Plegevater würde ihr nur einen Teil seines Reichtums geben. Sein Sohn Ottfried war verschollen, wahrscheinlich sogar tot, und selbst, wenn er lebte, zählte er für den Vater nicht mehr mit. lieber sein Pflichtteil hinaus bekäme er sicher nichts, falls der Herr von Zweilinden stürbe und sein Sohn noch einmal auftauchen würde. Ein häßlicher Gedanke drängte sich vor. Wenn Konrad von Zweilinden stürbe, ehe er mit Bettina über ihn redete und ihr mittellte, warum er ihn abgewiesen, dann wäre alles gut. Er seufzte laut. Wer erstens würde der alte Herr wahrscheinlich sofort mit Er schnellte von seinem Stuhl hoch, nahm Haltung an, sagte mit Ernst und Wichtigkeit: ,^Herr von Zweilinden, ich bin heute mit einer großen Ditte hierher zu Ihnen gekommen, und ich hoffe, Sie werden sie mir erfüllen. Ich liebe Ihre Pflegetochter Bettina und bllte Sie um deren Hand. Ich möchte gleich noch hinzufügen, auch Bettina liebt mich." Er blieb stehen, sab den Gutsherrn von Zweilinden erwartungsvoll und doch sicher an. Der Gutsherr von Zweilinden schwieg zunächst, strich ein paarmal über sein Sinn, als überzeuge er sich ob es auch gut rasiert war, und erwiderte dann: „Setzen Sie sich nur wieder, Herr Graf, machen wir die Angelegenheit in Ruhe und Gemütlichkeit ab." Wulf Speerau lächelte. Na also, das ging ja ganz gut, er war auch für Ruhe und Gemütlichkeit. Er nahm wieder Platz und glaubte nicht recht zu hören, als Konrad von Zweilinden in festem Ton fortfuhr: „Wir find Gutsnachbarn, und mit Ihrem Vater war ich angenehm und nett befreundet, deshalb wollen wir uns nicht veruneinigen; aber Bettina kann ich Ihnen leider nicht zur Frau geben." „Und warum nicht?" fragte der andere. Sein Gesicht sah plötzlich sehr fahl und scharfzügig aus. „Wollen Sie mir in Ihrem Interesse die Antwort nicht lieber erlassen?" fragte der am Schreibtisch Sitzende. „Nein, es wäre beleidigend für mich, Herr von Zweilinden, wenn sie mir die Antwort auf meine Frage verweigern würden." In der Stimme des Grafen schwang Erregung. Konrad von Zweilinden brummle: „Sie täten klüger, nicht so neugierig zu sein, aber ganz wie Sie wollen. Also, mein bester Graf, Sie führen ein zu unsolides Leben." Der andere wollte eine heftige Erwiderung geben, doch eine Handbewegung gebot ihm Schweigen. „Lassen Sie mich ausrsden. Erst waren Sie neugierig, nun dürfen Sie mir auch nicht gleich In die Parade fahren. Ich wiederhole Ihnen, Sie führen ein zu unsolides Geben. Nicht auf Schloß Wiesenthal, bewahre, das hallen Sie rein, so klug sind Sie, aber in Frankfurt toben Sie sich aus und versuchen immer nor