Nr. 50 Erstes Blatt 183. Jahrgang Dienstag, 28 Zebruar 1935 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vntck vnd Verlag: VrLhl'sche UntversttStz.Vvch, und Stehtörnderei R. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftrftelle: SchuMraße 7. (Erld)tini tägltd), außer Sonntags und Feieriags Beilagen. Die Jllujlr erte (BieRener Familienblutter Heimat mBilb Die Scholle monai$:Bejugsprei$: Mil 4 ‘Beilagen 'HU I 95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsvrechanschliisse unter Sammelnummer 2251. Anschr^l tür Drahtnachrichten Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Lronlfurt am Main 11686. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig^ Platzvorschrift 20u , mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Feldmarschall SrafSchlieffen Zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages am 28 Februar 1933. Don F'iedrich von Boetticher Generalmajor Am 1. Juli 1844 weilte König Friedrich Wilhelm I,V. in der Gegend von Niesky, der Stätte segensooller Erziehungsarbeit der Herrnhuter Brüdergemeine. Seit vier Jahren war dort bei der ftnabenanftalt die militärische Ausbildung eingeführt, ein „Regiment" aus den Schülern gebildet worden. „Zucht, Pünktlichkeit und Ordnung" in straffem Exerzieren, bei Paraden und Felddienstübungen zu fordern, „treue Kameradschaft, freudige Aufopferung, völlige Unterordnung unter ein gemeinsames Gesetz und Schulung des Charakters" den Kindern anzuerziehen, „die ganze Begeifterungs- fähigkeit des deutschen Knabengemüts in den Dienst Der Sache zu stellen", war das Ziel der über das Spiel weit hinausgehobenen militärischen Uebungen. Der König nahm eine Parade über das „Nieskyer Regiment" ab. Einer von den Knaben, die er dort begrüßte, war Graf Alfred Schlieffen. Ein elfjähriger Junge, dessen Vater, durch Krankheit zu vorzeitigem Abschied aus dem militärischen Dienst veranlaßt, als Besitzer des Gutes Groß-Krausche bei Gnadenberg lebte. Diese Knabe wird einmal 1866 unter König Wilhelm als Generalstabsoffizier im Stabe des Kavalleriekorps des Prinzen Albrecht bei Königgrätz mitkämpfen, er wird 1870 71 im Stabe des Großherzogs Friedrich Franz von Mecklenburg im Winterfeldzug an der Loire reiche Kriegserfahrung sammeln, er wird von 1876 ab mehr als sieben Jahre lang das 1. Garde-Ulanen-Regiment führen, im Generalstabe dann ein hervorragender Mitarbeiterter oes Feldmarschalls Grafen Moltke und der erste Berater seines Nachfolgers, des Grafen Wal- berfee, fein, er wird vom 7. Februar 1891 bis zum 31. Dezember 1905 die höchste Stellung bekleiden, die Kaiser Wilhelm II. einem Soldaten zu geben hat, wird als Chef des Großen General ft a- b e s der Lehrer und geistige Führer des deutschen Heeres werden, als der Mann, der sich nach harter 21rb.<; and tiefem Denken im Besitz weiß des „Ge- heimniffes des Sieges". — Bei Uebungen feines „Regiments" in Niesky, die fo angelegt sind, daß den Knaben militärische Großtaten der deutschen Geschichte verständlich werden, erhält er die ersten Anregungen für das Studium der Kriegsgeschichte und berichtet darüber den Eltern. Den 21 Jahre alten Fähnrich weist der Vater auf die Kriegsgeschichte hin, „Die mitten hineinführt in die großen begeisternden Ausgaben des großartigen Berufes". Am Abend feines Lebens wird Dann Der FelDmarfchall Die Offiziere mahnen, Kriegsgeschichte zu treiben, weil sich „auf Dem GrunDe Die Erkenntnis finDet, wie alles gekommen ist, wie es kommen mußte und wie es wieDer kommen wird". Dem empfänglichen Knabengemüt hat Niesky nicht bloß erste militärische Eindrücke gegeben. In dem das Leben bejahenden, Tatkraft, Opferfreudigkeit und Furchtlosigkeit weckenden frohen Christentum der Brüdergemeine fand Alfred Schlieffen den starken Halt seines Lebens. Der 23. Psalm wird ihn in Not und Glück immer wieder im Glauben daran stärken, „daß das die rechte Straße war, die mich der Herr führte"; und wie Bismarck, dessen Größe er schon 1866 erkennt, ist auch Schliefsen in Feldzügen und Friedensarbeit bis zu seinem Lebensende begleitet oon Den Losungen Der 'BrüDergemeine mit ihrem Gvtteswort für jeDen Tag. „Ich halte mich an Die HanD, Deren reiche Hilfe ich genugsam erfahren habe. In Dieser freuDigen Zuversicht roerDe ich meinen Weg gehen", schreibt er 33 Jahre alt. Zu Furchtlosigkeit, geistiger Freiheit unD Unabhängigkeit sich DurchkärnpfenD. lehnt er Die Furcht vor dem Tode ab und bekennt sich im ‘Alter von 36 Jahren zu „Der vollstänDigen, ungetrübten Gewißheit, in Dem ToDe Den Triumph, Den Sieg, Den Abschluß Des Pilgerlaufes" zu finden. Graf Schliessen war ein Kämpfer sein ganzes Leben hindurch. Immer wieder prüft er sich und glaubt, an sich viele Mängel zu entdecken: „In Menschen mit einigen guten Regungen und vielen Mängeln und Schäden erkenne ich mich selbst und die meisten anderen wieder, die mir das Leben ent= tzegenführt." Bis zum 35. Lebensjahr zweifelt er, ob An der Brandstätte im Reichstag. Ein Bild wüster Zerstörung. - Schwerer Schaden im plenarsihungssaal. Die Spuren der Brandstiftung. B e r l i n, 27. Febr. (GZR3.) Kurz vor Mitternacht wurde Pressevertretern gestattet, das Reichstagsgebäude zu betreten. Gleich das Vesti - bul, das man nach Passieren von Portal II betritt, gibt einen Eindruck von der Arbeit der Feuerwehr. Die Reihe der metallenen Ritterstatuen an den Wänden wie überhaupt die breite Freitreppe im Innern und der ganze Raum — alles das ist unversehrt, aber es türmt sich ein Gewirr von Schlauchleitungen und Kabeln der Feuerwehr. Aus der Wandelhalle dringt beizender Qualm. Dom Brand direkt ist hier noch nichts zu sehen. Der rote Teppich ist unversehrt, die Wandelhalle ist hell erleuchtet, die Beleuchtung funktioniert hier also noch. In der Mitte des Rundteils der Wandelhalle steht wie immer das Denkmal Kaiser Wilhelms I. Auch die Fahne ist verschont, obgleich das Feuer bis wenige Meter von ihr gewütet hat. 3m Restaurant bekommt man einen Begriff von der unheimlichen Arbeit des Brandstifters: er hat Die hölzerne W and- täfelung gleich rechts an der Einganastür neben dem Buffet in Brand gesetzt. Das ist ihm offenbar mit Hilfe der Portiere gelungen. Mehrere Quadratmeter der schönen Wandtäkelung sind verbrannt. Die Feuerwehr hat jetzt halbverkvblte Stücke herausgerissen, um ein weiteres Umsichgreifen des Feuers an dieser Stelle zu verhindern. Das Restaurant ist Dann im übrigen auch vollkommen erhalten geblieben. Dagegen bekommt man einen grauenhaften Eindruck, wenn man über das Durcheinander der Schlauchleitungen an den Sitzungssaal herangeht. Rings um den großen Sitzungssaal befindet sich ein Umgang, in dem die Abgeordneten sonst zusammenzustehen pflegen. Hier sind Sessel, Sofas und Tische. An den Sitzungstagen sieht man die Abgeordneten hier Besuche empfangen, sich einen Augenblick ausruhen und Briefe diktieren. Ietzt ist hier ein ödes Trümmerfeld. Der Fußbodenbelag quietscht von Wasser. Man muß an manchen Stellen durch tiefe Pfützen waten. Am stärksten ist der Teil des Umgangs mitgenommen, der sich hinter d e m Präsidentensitz befindet. 3m Sitzungssaal selbst ist nichts zu erkennen als Z e r ft ö r u n g. Der riesige Kaum ist ein einziges broDelnDes Meer von Bauch und Dampf. An Der Pressetribüne züngeln noch einzelne Flammen empor. Auf Der entgegengesetzten Seite, wo sich in gleicher höhe Die Logen befinden, Die Der Reichsregierung, Den Abgeordneten und den Diplomaten Vorbehalten sind, ist ein Teil eingestürzt. Die Holzkelle sind verbrannt, Träger und Gestänge heruntergestürzt. Nichts ist zu erkennen von dem Gestühl der Abgeordneten, die die tiefer liegende 23o- denfläche ausgefüUt haben. Durch Qualm und Rauch steht man nur in ein riesiges schwarzes Loch hinein. Zu ihm gehört Der militärische Berus seinen Fähigkeiten entspreche, ob er bei seiner großen Kurzsichtigkeit Aussicht auf höhere Stellen habe, unD schreibt, Daß er, „an Den ScheiDeroeg zurückgestellt, wo wir unwissenD wählen müssen, keinen von Den breitgetretenen Wegen, sondern einen neuen verfolgen" würDe. Noch als er Zum Chef Des Großen Generalstabes ernannt wirb, zeichnet er auf, es fei ihm „bange zu Mut". Aber in starkem Glauben packt er Die „schwere Ausgabe": „5tf) habe Die feste Zuversicht, Daß Der Herr, Der mich bisher immer gnädig unD zu meinem Besten geführt hat, mich auch jetzt in einer Lage nicht verlassen roirD, in Die er mich ohne mein Zutun und ohne meinen Wunsch gesetzt hat." Als „wichtigsten Wendepunkt" seines Lebens bezeichnete er, längst auf den Höhen des militärischen Lebens stehend seineBermählung mit seiner Base, Gräfin Anna Schliessen. „Ein kurzes Glück und viel Trauer und Elend" hat ihm der Herzensbund mit dieser erhabenen, schlichten Frau gebracht, die „Der Mittelpunkt seines Seins" war unD Die in ihm „Die größte irdische Seligkeit" erblickte. Rach kaum vierjähriger Ehe riß 1872 der Tod von Der Seite Schlieffens Die Frau, Die sein Leben bestimmt bat. Bon da ab steht er über dem Schicksal. Er reift zu dem Manne, der „nie eine Stelle begehrt", sich „nie um die Liebe der Borgesetzten, noch um die Gunst des Kaisers" bewirbt. Er lebt in großartiger Unabhängigkeit und dabei in kluger Ausübung der Kunst der Menschenbchandlung seinen großen Aufgaben; in bewußtem Gegensatz zu feinem Borgänger Wal- dersee, der nach Bismarcks Urteil „von ungesundem Ebraeiz beseelt" war, hält er sich von Der Politik fern unD beschränkt sich Darauf, in bewegten Zeiten „gewöhnlich einmal wöchentlich" Holstein aufzusuchen, um seiner Pflicht gemäß sich über Das politische Geschehen zu unterrichten. Denn als eine Fortsetzung Der Politik mit anDeren Mitteln betrachtete Dieser BewunDerer und Schüler von Clausewitz den Krieg. Schlieffen erkannte, daß die Politik, die Frankreich und Rußland zu einem Militärbündnis führte, die Politik Englands, die es spä- auch Der Teil Des Sitzungssaales, Der einst erhöh! war, unD wo Die Plätze Des Präsidenten unD Der Schriftführer, Die Bänke Der Reichsregierung unD Des Reichsrates waren. Dieser ganze Aufbau ist r a D i f a l a b - gebrannt und oerschwunDen. Gespenstig stieben zuweilen noch immer von Der Decke her roilDe Funken Durch Diesen Raum Des Grauens. Wie Das verheerenDe (Element gewütet hat, Davon legt in Dem Umgang genau hinter Dem Sih Des PräsiDenten unter Der Decke e i n eiferner Querträger Zeugnis ab, Der von Der Hitze roie ein Hufeisen verbogen ist. In der schönen Vorhalle, in der sich die Zimmer des Reichskanzlers, des Reichstags- Präs denien und des Außenministers anschließen, bekommt man ein Bild von der raffinierten Technik der Brandstiftung. Der Verbrecher hat das Feuer an eine Tür gelegt und mit dem Brennstoff auf dem Teppich eine Dahn nach der nächsten Tür gegossen, damit auch sie ersaßt wurde. Er wollte auf diese Weise offenbar Durchzug schaffen, um das Feuer weiterzutragen. Man kann auch von dieser Seite des Gebäudes her in einen Binnenhof sehen und erkennen, wie es im Zwischenstock immer noch brennt. Es brodelt immer noch ein Gemisch von Rauch und Funken heraus, und in den Räumen sind Feuerwehrleute bei ihrer schweren Arbeit. Auf einem der äußeren Fenstersimse kniet ein Feuerwehrmann, der sich am Fensterkreuz festhält. Cs wirkt grotesk für den Beschauer, wie er an dieser gewaltigen Brandstätte durch den Rauch hindurch von außen her seinen Kameraden mit einer Fackel leuchtet. Im Flur ist eine Reihe von Telephonzel- l e n ausgestellt. Die Zellen sind in Ordnung. Selbst das kleine rote Glühlicht in der Zelle, Das dem Suchenden im Dunkel zeigen soll, wo der Lichtschalter angebracht ist, glüht wie immer. Dec Telephonapparat gibt dem Ohr beim Hörerauf- hcben ordnungsmäßig die gewohnten Tonzeichen. Man wählt das Amt, aber kein Amt meldet sich. Die Leitungen müssen doch zerstört fein. Die Bilanz der Zerstörung: Erhalten sind die Räume, Die nach außen liegen. Zerstört i st Der Mittelteil, also vom Sitzungssaal unten bis zur gläsernen Kuppel, Die während des Brandes glühendrot weit in den Tiergarten hinein leuchtete. Vor einer neuen Notverordnung gegen die kommunistische Gefahr. Berlin, 28. Febr. (CNB. Funkspruch.) Das Reichskabinett hat Den ausführlichen Bericht Des Reichskommissars für Das preußische Innenministerium Reichsminister Göring entgegengenommen. Das Reichskabinett roirD auf GrunD Dieser Mitteilungen Dem Reichspräsidenten noch heute Den Erlaß einer NotverorDnung zum Sch utze Des Volkes vor Der kommunist i s ch e n Gefahr Vorschlägen. Sie roirD roeit- gehenDe Eingriffe in Die persönliche Freiheit zu- lassen. — Es ist einroanbfrei erwiesen, Daß kom- munistische Führer mit Der BranDstiftung im Reichstag im Direkten Zusammenhang stehen, ferner, Daß Die Kommunisten Terrorakte vorbereitet haben, gegen Die ein sofortiges Einschreiten mit Den allerschärfsten Mitteln sich als votwenDig erweist. Es ist festgestellt roorDen, Daß die Provokateure zum Teil auch in Der Uniform Der Polizei, Des Stahlhelm unD Der S21. auf treten. Der festgenommene BranD- ftifter hat ausgesagt, Daß er auch mit sozial- Demokratischen Führern in Verbin- D u n g gestanDen habe. Von unterrichteter Seite verlautet, Daß Die Verhängung Des militärischen Aus - nahmezustanDes nicht beabsichtigt ist. Die Maßnahmen, Die Das Reichskabinett plant, sind aber gleichbeDeutenD mit Dem Ausnahmezustand Sie roenDen sich leDiglich gegen Die kommunistische Gefahr. Es ist feftgeftcUt worden. Daß Der AbgeorDnete Münzenberg Der geistige Leiter Dieser Terroraktion war. Er ist nicht auszufinDen und konnte Deshalb noch nicht verhaftet werben. Zahlreiche Festnahmen in Berlin. Berlin, 28. Febr. (CNB. Funkspruch.) Die Polizeiaktion, im Zusammenhang mit Dem Brand im Reichstagsgebäude, bei der die gesamte Exekutive der Kriminalpolizei in Stärke von 250 Mann mit- wirkte, führte zur Fe st nähme von etwa 100 Personen, unter ihnen Lehmann Ruhbüld, Dti Rechtsanwälte Barbach, Apfel und Litten, Unter den Verhafteten befinden sich sehr viele Mitglieder der RGO. (Revplutionäre Gewerkschafts-Opposition); u. a. sind festgenommen die Reichstagsabgeordneten T o r g - ler. Der sich selbst gestellt hat, unD Remmele. Der kommunistische StaDtrat Schminke, Der Berliner StaDtarzt Dr. H o d a n, Die Schriftsteller Erich Mühsam und LuDwig Renn, ferner Hans von Zwehl, Bernhard Rubinstein, O s s i e tz k i, Paul Tribe, Wilhelm Wittkowski, Walter Stöcker und der Studienrat des Köllnischen Gymnasiums Dr. Ausländer, der Mitglied des Landtags und-Führer der kommunistischen Lehrerorganisation ist. Egon Erwin Kisch, die Abgeordneten Willi S ch u b r i n g, Willy Kasper, Werner Schölern und Der Verantwortliche Redakteur der „Roten Fahne", Ernst Schneller. Oberreichsanwalt Werner ist heute mittag in ^Berlin eingetroffen, um persönlich die ter immer entschiedener an Deren Seite trieb, schließlich in einem Vernichtungskriege gegen D eu tschland ihre Fortsetzung finden müsse. Ebenso sah er ganz klar, daß von Italien kaum etwas erwartet werden dürfe, daß Deutschland und die Sonaumoncrj,ie auf ihre eigenen Kräfte angewiesen seien. Es wurde Aufgabe seines Lebens, diesen Krieg um Deutschlands Bestehen vorzubereiten: einen Krieg also gegen mehrere, Deutschland von wenigstens zwei Fronten bedrohende Gegner, einen Krieg gegen eine gewaltige Uebermadjt, der mit Heeren von einer Gröhe zu führen war, wie sie die Weltgeschichte bisher noch nicht gekannt hatte. Für den Kamps auf der inneren Linie gegen mehrere, durch Deutschlands Lage getrennte Feinde wollte Schlieffen überlegene Kräfte gegen einen der Gegner zusammenfassen, während die anderen nur mit ganz schwachen Kräften zu beschäftigen blieben. Dieser Gegner sollte entscheidend geschlagen, vernichtet werden, damit der Feldherr dann eine Liebermacht gegen eine andere Front versammeln konnte. So wird die Lehre von der Dernichtungsschlacht, die Lehre Friedrichs des Großen, wiedererweckt und von Schliessen mit größerem Rachdruck gelehrt als je vor ihm. Er hat erkannt, was kam, als ob er wie ein Seher in die Zukunft blickte, daß ein Mißlingen des vernichtenden Schlages gegen Frankreich zu einem Hinschleppen des Krieges, zum Stellungskrieg, zur Einmischung außenstehender Mächte, zu all den Folgen für die Wirtschaft, für Den Kulturzustand Der Völker führen würde, die in Wirklichkeit eingetreten sind. ‘Bia zum Ende seines Lebens in der Kriegsgeschichte forschend, erkannte Gras Schliessen, daß die Gesetze der Geschichte, nach denen in den großen Entscheidungskämpfen feit dem Altertum um das Schicksal der Völker gerungen wird, ebenso für die Millionenheere gelten, wie für die kleineren Heere früherer Zeiten. Mit den großen Heeren freilich, zu deren Führung Schlieffen den Generalstab erzog, braucht man Tage und Wochen I für eine Operation ähnlich der, die Friedrich der * Große bei Leuthen in wenigen Stunden durch- führte. Ewig wahr aber bleibt, daß wie bei Leuthen auch bei den Riesenfchlachten der hundertmal größeren Heere „ein entscheidender Sieg nur möglich ist, wenn der Rücken oder wenigstens die Flanke des Gegners zum Ziel des Angriffs gemacht wird". Den Punkt zu erkennen, wo (Snr- fdjeiöung und Sieg zu erhoffen sind, an ihm eine Uebennacbt zu versammeln, andere Fronten rücksichtslos zu schwächen und den Wagemut für großes Handeln aus dem Bewußtsein „des Beistandes und des Schuhes einer höheren Macht" Au besitzen: das ist das „Geheimnis des Sieges". Graf Schlieffen hat mit seinen Offizieren alle Möglichkeiten des Krieges im Osten und im Westen, jede nur denkbare „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" durchdacht. Mit feinem Humor stand er den Menschen und Den Aufgaben feiner Zeit gegenüber, täglich rang eT sich zu geistiger Freiheit durch, indem er gleich Friedrich dem Großen in geistiger Tätigkeit Erholung zu finden wußte von der Alltäa- lichkeit. Am 4. Ianuar 1913 Ichloß er die Augen. Im folgenden Iahre hat der Krieg gezeigt, daß alles, was er gelehrt hatte, der Wirklichkeit des Krieges entsprach. Wo man seinen Lehren nicht folgte, traten Mißerfolge ein. Der Gedanke der Schlacht bei Tannenberg aber entsprang dem Geist Schlieffens und wurde von dessen Schüler durchgeführt, der schon früher in einem bei Friedensübungen geführten Kampf gegen die Liebermacht seine Zustimmung gesunden hatte, vom Generalfeldmarschall von Hindenburg. Friedrich der Große und Graf Schliessen sind die beiden großen Meister, die den Krieg gegen mehrere Fronten und den Kampf gegen d i e Liebermacht gelehrt haben. Die Waffen mögen sich ändern, die Taktik mag neue Formen suchen, die Grundsätze Der Meister und ihre Persönlichkeiten bleiben Vorbild und Grundlage deutschen Schicksals für Gegenwart und Zukunft. sondern die Geliebte Merlins, die jetzt von dem Manne, der so verräterisch feuchte Augen hatte, Abschied nahm. Immer wieder küßte sie ihn, ermahnte, daß er sich nicht erkälte, daß die Lisaweth gewiß auch das Haus gut durchheize, daß es mollig warm sei. Wenn etwas wäre, sollte er sofort depeschieren. „Ja, Kind, ja! Soviel Sorge um mich alten Mann." Sie konnte nicht anders, die Tränen schossen ihr über die Wangen: „Ich habe ja niemanden als dich! Wenn du auch noch von mir gehst, was dann?" Er versprach alles zu tun, um was sie gebeten hatte. Tag für Tag sollte sie Nachricht haben. Und sie versprach das gleiche. Als er dann allein nach dem Wagen ging, wußte er kaum den Merger über den Sohn zu dämpfen. So ein Narr war das! Ein ganz hirnverbrannter, gottverlassener Narr! Warte nur, mein Lieber, dachte er ingrimmig, während er sich die Felldecke um die Knie wickelte, wenn dir erst alles mal aus den Händen geschlüpft ist, reißt du die Augen auf und rennst hinterdrein und kannst es nun und nimmer einholen. Du! Du! Du! — Du Narr! Du! Der Kutscher wunderte sich, was der Herr heute da alles vor sich hinbrummelte. Aber schließlich hatte jeder mal so einen schlimmen Tag. Die junge Gnädige fort und so ein häßlicher Schneewind und der Nebel bocksteif, daß man keine drei Meter vor sich sah. Gar nicht, als ob Weihnacht vor der Tür stunde. Trotzdem die Lisaweth gut geheizt hatte, fror Merlin, als er in die lautlose Stille trat. Ihm war, als hatte man ein Totes hinausgetragen. Den ganzen Nach, mittag stolperte er mit den Hunden über die Felder, nur um die Zeit bis zum Abend herumzubringen. Und als er sich dann an den Tisch setzte, der heute für ihn allein gedeckt war, ließ ihn das Telephon aufspringen. Es würde doch nichts fehlen. Das Blut schoß ihm zum Herzen, als er Steffies helles Organ vernahm. „Schonen Abend, Papa! — Wie geht's? Gut? Gottlob! Mir auch, ja! — Ich habe solche Sehnsucht nach Ichenhausen — das heißt, nach Dir, Papa!^ Er wagte eine Frage: „Ist Jörg schon da?" „Noch nicht! — Ich kann's erwarten!" Er fand momentan kein Wort, so bitterschwer lag es mit einemmal auf dem Herzen, als ob Berges- lasten darüber hergefallen wären. „Such keinen Streit mit ihm, Steffie! Ich bitte dich, Kind!" „Aber wo werd ich denn! Nein, nein, Papa! Du wirst dich doch nicht sorgen? Ich bpbe nur gedacht, daß es keine Eile mit seinem Eintreffen hat, die Hochzeit findet ja erst übermorgen statt." Er atmete auf. „Ich danke dir, Steffie--Gute Nacht, Kind!" „Gute Nacht, Papa!" lFortsetzung folgt.) Ermittelungen in der Angelegenheit beS RelchS- tagsbrandes zu leiten. Wie die Brandstifter gearbeitet haben. Die Untersuchung der Brandherde. Berlin, 28. Febr. (WTB.) Nachdem der CBranb im Reichstagsgebäude vollkommen v b g e l ö s ch t war, ließen sich erst genauere Feststellungen machen, wieweit die Flammen die um den Sitzungssaal herumliegenden Räume ergriffen haben. Besonders auf der Südsront hat das Feuer auf drei Sitzungssäle übergegriffen. die schwer in Mitleidenschaft gezogen sind. Hier mußte noch bis zum Schluß der Lösch- aktion über zwei mechanischen Leitern Wasser gegeben werden. Große Schwierigkeiten stellten sich der Feuerwehr entgegen, als sie von der Ost - feite her gegen den Hauptbrandherd, denPle - narf aal, vorgehen wollte. Daß im Sitzungssaal mehrere Brandherde gelegt worden sein müssen, geht, tote die Feuerwehr erklärt, daraus hervor, daß bei ihrem Eintreffen der ganze Raum ein undurchdringliches Meer von Flammen u n d R a u ch war. Trotz der außerordentlich starken Glut hat die Kuppelkonstruktion den verzehrenden Flammen standgehalten: allerdings ist die Eisenkonstruktion über dem Sitzungssaal, die genau wie die Kuppel Glasscheiben trug, vollkommen zerstört und hängt dürr in den ausgebrannten Sitzungssaal hinein. . Rach der Ablöschung haben sofort einige Chemiker die einzelnen Brandherde einer genauen Hn* terfudjung unterzogen. Soweit sich bisher feststellen läßt, haben sogenannteKohlenan- zünder und Ballen Bapier Berwen- dung gefunden. Die Sachverständigen hatten den Eindruck, daß das verwendete Material genau dem gleicht, das bei dem Brand am Samstag im Schloß entdeckt wurde. Daß Benzol, Petroleum oder Spiritus benutzt worden ist, glaubt man nicht da diese Mittel unbedingt Gerüche hinterlassen. Vielmehr neigt man zu der Annahme, da.h die Drandnester, die man auch an Regalen und Klubsesseln fand, mitBen- zin übergossen worden sind. Der Befund der Brandherde und das Ausmaß des Feuers lassen es ganz ausgeschlossen erscheine, daß nur ein Täter diese Brandkataftrovve insten'ort haben sott. Man vermutet, daß sich irgendwo im Hause noch Personen verborgen halten, die an der Brandstiftung beteiligt sind. Wie die Brandstistung geschehen konnte. Keine ausreichende Kontrolle möglich. Berlin, 27. Febr. (ERB.) Heber die Bewachung des Reichstags gibt der Direktor beim Reichstag, Geheimrat Galle, uns folgende Auskunft: Von 22 Uhr wird der Reichstag von zwei Nachtwächter nbewacht. Der erste von ihnen tritt seinen Dienst um 20 Hhr an. Zwischen 20 und 22 Hhr ist also nur ein Wächter im Hause, und zwar deshalb, weil tn dieser Zeit gewöhnlich noch derselbe rege Betrieb herrscht wie am Tag: die Sitzungen pflegen ja meist erst später zu schließen. Von 22 Hhr ab ist dauernd ein Wächter auf öe Rahnb.u.Unioersit., a. s. Arzt u. Rechts- anro. geeign. ver 1. April z. norm. <2dir. Ang.u.01287a.G.A. 3-4-Zimmer-WohnuDg m. Bd. i. Südviert. v. 1.4.-.vermieten. Sdjriftl. Ana. unt. 01294 a, d. Gß. Az. 3-Zimm.Woho. nur zusammen mit Lagerraum zu vermieten. Schr. Ang. 11. 01282 a. d. G A. Im Namen der Hinterbliebenen. Marie Reuter, geb. Schmidt Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen Herrn Karl Reuter sagen wir herzlichen Dank. Danksagung. Für die außerordentlich vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege allen unsren innigsten Dank. Georg A. Hainer und Angehörige. Lollar, den 27. Februar 1933. Gießen, den 28. Februar 1933. 01290 GIESSEN ■SSÄ» W1UCKER. 1.25 2.40 2.95 1. Reinwollener Granit (Bouclö) in jeder erdenklichen Farbe.................. 2. Reinwollener Hammerschlag ca. 90 cm breit, besonders schwere Ware....... 3. Reinwollener Afghalaine ca. 130 cm breit, eine besondere Leistung .. .nur Es gibt wohl noch billigere Angebote, als die oben angeführten, die wir selbstredend auch lagernd haben. Bei den genannten Artikeln handelt es sich aber um einwandfreie, erstklässige Qualitäten, womit wir unserem seit 85 Jahren bestehenden Namen auch alle Ehre machen Neben Stoffen und sämtlichen Zutaten führen wir auch fertige Konfirmanden-Kieider und Konfirmanden-Anzüge zu kaum gehörten Preisen. Bevor Sie Konfirmations-Kleidungsstücke kaufen, orientieren Sie sich bitte unverbindlich bei uns. 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Uhr Lichtbilder-Vortrag üb. Feuerlöfchtaktit vomLandesoerband Hess. Freiw. F-euer- wehren im Forst- wisfcnschaftlich. Institut, Rraugasfe (fr.Garnifonslazar.) Anzug: Zivil, kbtü TaS Kommando. ^Wirksame Werbe-Drucksachen bei Brühl. Schulstraße 1 Stadttheater Gießen. umd Mittwoch, 1. März «eschloffen! Os ebuMicM ? Zum Riechen allein doch nicht! — Nein, die Nase hat noch ganz andere, eigentlich wichtigere Aufgaben. Die stark durchbluteten Schleimhäute sorgen für richtige Erwärmung der Atemluft und zerstören durch ihre unzähligen weißen Blutkörperchen die mit der Luft eingedrungenen Infektionserreger. Die Nase gibt innerhalb von 24 Stunden ein halbes Liter Wasser an die Atemluft ab. Das alles ist wichtig für die Erhaltung Ihrer Gesundheit Atmen Sie daher durch die Nase, denn sonst gelangt die Außenluft kalt, trocken und mit Keimen beladen in Rachen und Lungen, und Sie erkälten sich. Schnupfen, Husten, Halsschmerz, Heiserkeit, Kehlkopf- und Rachenkatarrh sind oft nur die Folgen der schlechten Gewohnheit, durch den Mund zu atmen. Lassen Sie also die Nase zu ihrem Recht kommen, und nehmen Sie überdies von Zeit zu Zeit einige WYBERT. Wybert-Pastillen regen die Speichelsekretion an, wirken beruhigend auf die entzündete Schleimhaut und überziehen die Atmungswege mit einer erfrischenden, reizmildernden Schicht. Aus reinen Naturprodukten hergestellt, sind Wybert bekömmlich, auch für den empfindlichsten Magen. 'N Große Dose mit ca. 400 Wybert . . 90 Pf. Kleinere Dose für die Tasche ... 45 Pf. Kr. 50 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen) *7—. .Mlr»~'n Vienstag, 28. Februar (933 Aus der Provinzialhauptstadt. Konzert der Gefangfchule Leermann. QHÜ einer sehr anspruchsvollen Dortragssolge trat die Gesangschule Heermann vor die Oesfent- lichkeit. um zu -eigen, wohin die Fahrt der Ausbildung geht. Wir konnten seststcllen, das) die sicher führende Hand einer erfahrenen Lehrerin unverkennbar ist. Ls ist entscheidender Wert auf guten Tonansatz und Ausgleich der Register gelegt. Die Auswahl der Gesänge erfolgte aus dem Schah der Lieder- und Opernlompositioncn. Das Konzert wurde mit einem schöngesungenen fünf- stimmigen Lhor würdig eröffnet. Fräulein 3. Kellner fang mit guter Einfühlung in den Stil, mit umsangreicycr und schon recht ausgeglichener Stimme Werke von Pergolesi und Händel. Herr E n g i s ch, der eine Mendelssohn-Arie mit Wärme vortrug, besitzt ein bildungsfähiges Organ, das jetzt,in der Höhe noch einen gaumigen Beiklang hat. Zwei Lieder von Schulart (beson- de.s das zweite) bewältigte Fr. L. Hummel mit nicht sehr großer, aber angenehmer und gutsitzender Stimme recht erfolgreich. Mit viel Temperament, aber noch zu naturtzast. sang Herr Möckelmann und Frl. 'M. Stoll gestaltete mit Verständnis zwei Schubertlieder mit besonders in der Mittellage guten Stimmllteln. Eine schwere Aufgabe hatte man Fräulein Lenz gestellt. Ihr Kopfregister ist gut gebildet und wurde besonders im Piano klug verwendet. Dor fraglich konnte noch nicht alles gelingen. Ihre recht umfangreichen und auch im Forte ergiebigen Etimm- mitlel setzte Frau E. Moeller sür Werke von Händel und Wagner ein. Auch im Dortrag ist hier schon viel erreicht. Hugo Wolf gilt als schwer. Fräulein Ludwig sang von ihm zwei Lieder rcd)t natürlich, aber dynamisch noch etwas farblos. Mit Hingabe aber zu starkem Dibrato fang Frau I. Gail rufsifche Dolkslieder. Musikalisch. dynamisch sehr variabel, sprachtechnisch gut sang Herr Dietrich mit ausgeglichener Stimme zwei Opemarien. Ebenso zeigte sich Fräulein E. H o r st in der schwierigen Konzert-Arie von Beethoven schon technisch und vortraglich weit vorgeschritten. Fräulein H. S a e l z e r fang zwei Arien. Die Stimme wird mit der Zeit noch an Gröhe gewinnen. Die Mittellage ist jetzt schon gut. Herr Tank zeigte im Dortrag zweier Opern-Arien viel Wärme des Gefühls. Wenn seine Stimme an Dolu.neu gewinnt, wird er noch viel erreichen. Herr Kruger verfugt über eine schöne, in allen Lagen leicht ansprechende, mctal- lisch klingende Tenorstimme. Er fang erfolgreich zwei Wagnergesänge. Die Dokalisation kann noch gebessert werden. Fräulein M. Peter und G. Saelzer sind ebenfalls technisch schon weit. Sie erledigten sich ihrer nicht leichten Aufgabe mit Geschick. Der Strauß-Walzer war ein Wagnis, das aber nicht übel gelang Frau Heermann begleitete gewandt alle Schülerinnen selbst (der Flügel war schon sehr mitgenommen) und fand für ihre unterrichtliche Ar- bcll die Anerkennung der Zuhörer. -a- provinzialversammlung des Hessischen Evangelischen Pfarrvereins. Unter dem Dorsih von Dekan Widmann (Schotten) fand hier die oberhefsifche Provinzialversammlung des Hessischen Evangelischen Psarr- vereinS statt. Aach einer einleitenden von Dekan L 2t. Fertsch (Gießen) gehaltenen Andacht und nach den Degrühungsworten des Dorsitzenden hielt Pfarrer D. Fritsch (Ruppertsburg) einen sehr beifällig aufgenommenen Dortrag über das Thema »Aus der Frühgeschichte des Hessischen Pfarrvereins". Da der Dortragende Mitgründer des Dereins war und 40 Jahre lang die Schristlei- tung des Dereinsorgans .Hessisches Kirchenblatt" innehatte, gestalteten sich seine Ausführungen zu einem interessanten Bild deS Werdens und Wachsens des Hessischen Pfarrvereins. Einer Anregung auS der Versammlung zufolge wurde beschlossen, den wertvollen Dortrag im Dereins- archiv niederzulegen. Sodann fanden die fat- zungsgemäh vorzunehmenden Wahlen statt. In den Siebener-Ausschuß der Provinz wurden tole- dergewählt: Dekan Widmann (Schotten), Psarrer Becker (Gießen), Pfarrer Döchner (Treis), Pfarrer Diehl (Freienseen), Pfarrer Landmann (Gettenau), Pfarrer Römer (Schotten), Pfarrer Schultheis (Großen-Lin- den): als Ersatzmänner Pfarrer Steiner (Hausen), Pfarrer Staubach (Watzenborn-Steinberg). Als Dorstandsmitglieder für den Gesamtvorstand wurden wiedergewählt Dekan Widmann (Schotten) und Pfarrer B e ck e r (Gießen), desgleichen Dekan Widmann (Schotten, als Provinzialvorsitzender. Schließlich wurde noch angeregt, gelegentlich der am 26. April in Frankfurt a. M. statts.ndenden Hauptversammlung des Pfarrvereins zu beantragen, daß wegen des häufigen Zusammentreffens von kirchlichen Tagungen und Deranstaltungen auf denselben Tag eine Nachrichtenzentrale geschaffen werden möchte. Gictzcncr Wochcnmarktprcisc. ' Gießen. 28. Febr. Es kosteten auf dem f>eut:g;n W:ch.nmarll: Süßrahmbutter 110 Pf., Landbutter 110, Kochbutter 80. Matte 20 bis 25. Wi.smg (gelb) 10. (grün) 15 bis 20, Spinat 30. Weißkraut 8 bis 10. Rotkraut 10 bis »12, gelbe Rüb n 10 bis 12, rote Rüben 10. 41n erkohlrabi 6 bis 8. Grünkohl 15 bis 20, Rosen.ohl 30, Feldsalat 150, Zwiebeln 10, Meerre.t.ch 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 biS 30, Aepfel 18 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Russe 40. Kartoffeln 3 (pro Zentner 2.50 Mk.), Honig 40 bis 45. Suppenhühner 70 bis 80, junge Hähne 70 bis 90 Pfennig pro Pfund: Tauben 40 b.s tO, Eier (inländische) 9 bis 10, Blumenkohl 30 bis 60. Salat 25 bis 30, Endivien 15 bi3 30, Sellerie 10 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bi« 15, Käse 5 bis 10 Pfennig pro Stück. 4 • ** Dienstjubiläen. Am l.März kann Herr Hans Vollmöller, Gießen, Licher Straße 33, auf eine 25jährige erfolgreiche Tätigkeit im Hause der Hutgrohhondlung W. & G. Sch uchard , Gießen, zurückblicken. Herr Vollmöller ist der 19. Jubilar im Hause Schuchard, was auf ein gutes Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer schließen läßt. — Sein 40jähriges Arbeitssubiläum «m Möbelgeschäft Rudolf Leisler Neuenweg 23, feiert am 1. März der aus Launsbach gebürtige Hch. Winter. Am 1. März 1893 trat er bei dem Vater des jetzigen Inhabers ein. Während 40 Jahren hat er es durch Fleiß und Treue verstanden, sich stets das Vertrauen feiner Arbeitgeber zu erhalten. Gebüh. rendc Ehrungen wurden «hm zuteil. " Schülerwettschreiben in Deutscher EinheitSkurzschrist. Am kommenden Sonntag um 10 älhr fmdet im Schulgebäude der Oefsentl.chen Handelslchranstalt und der Kaufmännlsch.n Tcruscschule. L:eblgstraßc 16, ein großes Schncllschreiben für Schüler statt, nachdem in dieser Woche bereits in den Schulen, in denen Kurzschrift gelehrt wird, ein Schön- und Richtig- schrc.ben durchgefüh-.t worden ist. An dem Schreiben beteiligen sich etwa 215 Schüler säst aller hiesigen Schulen. Bürgermeisterwahl in Staufenberg. n Staufenberg, 26. Febr. Heute fand in unserer Gemeinde zum zweiten OHalc Bürger- meisterwahI statt, nachdem die erste Wahl wegen Formsehler für ungültig erklärt worden war. Während im ersten Wahlgang der bürgerliche Kandidat Wilhelm R c u t e r mit absoluter Majorität über die beiden Kandidaten der Linken siegte, unterlag er heute mit 4 Stimmen Minderheit gegenüber dem Kandidaten der vereinigten Linken, Heinrich D o g e 1 IV., der somit gewählt ist. Auf Bogel entfielen 299Stimmen, aus Reuter 295 Stimmen. Ein Kind beim Eislauf tödlich verunglückt. # Hirzenhain, 27. Febr. Ein tragischer 11 n - glückssall ereignete sich heute in den Nachmittagsstunden. Das 7jährige Söhnchen des Buchhalters Adolf Schilling brach auf der dünnen Eisfläche der N i d d e r t a l f p c r r e ein und ertrank. Die sofort angestellten Wiederbelebungs- versuche blieben leider erfolglos. Wirtschaft. Berlin sehr still und schwächer. Berlin, 28. Febr. (WTD. Funkspruch.) Die Unternehmungslust an der Börse hat, soweit dies überhaupt noch möglich war, eine weitere Schrumpfung erfahren. Den Hauptgesprächsstoff bildete natürlich die im Zusammenhang mit dem Brand des Reichstagsgebäudes eingetretene innerpolitische Spannung. Daneben mahnten aber auch die Rachrichten ans den USA. zur Zurückhaltung. Wenngleich die Bankenkrise jetzt $u einem gewissen Abschluß gekommen zu fein scheint, fo dürften doch die Rachwirkungen, wie sie auch gestern in Wallstreet zu spüren waren, noch weiter Störungsmomente darstellen. Die Anfangsnotierungen lagen zumeist um Bruchteile eines Prozentes niedriger. Darüber hinaus Der» loren BMW., Schubert 8= Salzer, Bauwerte, Reichsbank, Gelsenkirchen, Bubiag, die Kaliwerte des Salzdetfurth-Konzerns, Chemische Heiden. Contigummi, Elektrische Lieserungen, Lahmeyer und Siemens 1 bis 2 Prozent. Harpener, Ilse Genüsse, Rheinische Braunkohlen, Alkumulatoren- sabrik und RWE. waren sogar bis zu 2,50 Prozent gedrückt. .Allerdings war das Angebot auch bei diesen Werten nur klein. Die Ausführungen auf der heutigen Siemens-Generalversammlung blieben ohne Wirkung auf die Kursgestaltung. Kleine Defferungen waren nur ganz vereinzelt festzustellen. Stolberger Zink lagen auf die provisorische Terlängcrung de« internationalen ZinkkartellS 1,25 Proz ml höher und Ehadeaktien waren um 1,75 Mk.