Mittwoch, 27. Dezember 1933 Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhesseiy Nr. 302 Zweites Blatt Die neue Zugend. Von Walter Julius Bloem (GOS.). Daß sich die äußeren Ereignisse überstürzen, läßt sich noch am ehesten begreifen. Aber zugleich geschieht Umstürzendes in der Seele unseres Volkes, im Stillen und fast unbemerkt vollziehen sich grundsätzliche Veränderungen. Ich erinnere mich gut, wie die jungen Leute vor wenigen Jahren das Zeichen einer bevorzugten Automobilmarke im Knopfloch trugen, was als ein feuriges Bekenntnis ausgefaßt wurde. Und neuerdings war doch eben noch dieser „herrschende Zeitgeist^ da, eine Erscheinung von höchster Intelligenz und von ätzender Gedankenschärfe: bemerkte er nicht, was mit der Jugend los war? Offenbar entging ihm das Wichtigste, weil dieser Zeitgeist auss nächste jenen Geistern verwandt war, die er vordem bekämpfte Er bekümmerte sich nicht um eine Jugend, die von allem Jugendlichen ausgesperrt wurde — aber auch davon, dem Reiche zu dienen Die Söhne und jungen Brüder der Kriegsteilnehmer standen müßig an den Ecken, der Staat brauchte sie nicht, sie fielen ihm sogar zur Last, die Liebe gab es für sie nicht, das Leben konnte mit ihnen nichts anfangen. Deshalb gingen sie in SA. und Stahlhelm, weil sie den heimlichen unverlierbaren Schatz der Frontkämpser im Kerzen trugen, mochten sie noch so verraten sein von der Zeit und vom Zeitgeist, ihnen blieb immer das Wissen um gewesenen Opfergang Die Jüngeren dursten sich nicht einmal opfern, sie durften weder nützlich noch lästig fein. Deshalb gingen sie in SA und Stahlhelm Ich dachte manchmal, es geschähe, weil die dummen Jungens Soldaten spielen wollen. Aber es hatte einen tieferen S i n n Vom Zeitgeist verachtet ober ängstlich bemitleidet drängte die Jugend sich beiseite und schuf ihrer Zeit einen neuen Mittelpunkt: dem anmaßenden Jchgefühl, das bas Ganze auszunutzen immer bereit mar. stellte sie ihre Sehnsucht entgegen: bem Ganzen z u dienen Vernachlässigt, arm bis an den Rand des Verhungerns schus diese Jugend sich alle Einrichtungen selber, die sie benötigte, und entflammte in ihrer eigenen Seele den Geist zur Rettung. Don diesem Kampf erzählt Friedrich Wilhelm Heinz in seinem Buch „Kameraden Der Arbeit" (FrunDsberg-'Verlag, Berlin). Dieser Mann stand immer da, wo das Chaos umging, wo die neuen Dinge einigermaßen gewaltsam ausgetüftelt wurden: Front, Baltikum, Ruhr — und an sämtlichen stattgefundenen oder geplanten Putschen nahm er teil. Auch allgemeiner Anruhe? Wir haben ja erst ganz langsam erkennen müssen, daß die Leute von der Art der Schlageter, Heinz, Salomon etwas anderes waren als Abenteurer. Dieser nun schildert in seiner harten Soldatensprache, wie der Arbeitsdienst entstanden ist: mit welchen lahmen Maßnahmen, unter wie bedenklichen Fehlgriffen das Werk zustande kam, das heute viele hunderttausend Jugendliche von der Straße holt und sie in die Gemeinschaft hineinführt. Es ist ein Buch, das man nicht aus der Hand legen kann ohne Staunen und Ergriffenheit. Wir alten Soldaten wissen recht gut, was Volk ist und was dem Bolle dient, wir haben ein Gefühl dafür und finden die Spur durch die Zeiten unsrer Geschichte bis auf den heutigen Tag, und standen argwöhnisch vor manchem, der mit lautem Hurra um sich warf. Aber hier in den Bildern des Buches tauchen wieder jene Gesichter auf, die wir genau kennen: sind sie denn nicht in den Gräbern vermodert, da sie hier in ihrer Wieder- I gebürt erscheinen, jugendlich unter der Feldmütze? Ich las das Buch und fragte mim: Mein Lieber, wo hast du mal wieder geschlafen, daß sich dies alles von dir einigermaßen unbemerkt vollzogen hat. Dies mutmachende Buch, tut eine der hoffnungsvollsten Aeuherungen des neuen Zeitgeistes dar. Es gewinnt eine besondere Wichtigkeit, da immer noch viele Aeltere und Eltern kaum eine ungefähre Kenntnis haben, was in dieser Jugend geschieht und was ihr not tut. ________ Römische Wm ernacht. Von Gustav W. Eberlem, Rom, im Dezember. Es ist eine kalte Dezembernacht, der Himmel hängt voll Schnee, und man kann vor Starenlarm nicht schlasen. Wenn große Fabriken ringsum wären unb wenn sie mit Nachtschicht arbeiten würben unb wenn die mechanischen Webstühle so laut gingen wie Kreissägen unb alte Rabiokasten, bie im höchsten Diskant unb mit entgleisten Fistelstimmen Holz unb Musik zerschneiben, bann könnte man den Larin schließlich verstehen. So aber steht bas Haus frei in Gärten, unb die Stare haben sich bloß Die Pinienschirme als nächtliches Versammlungslokal ausgesucht Wenn man nicht wüßte, baß auch bie Vögel abenbs schlafengehen unb wenn es nicht gerade vor Weihnachten wäre unb wenn sie auch anderswo eingefallen wären, dann könnte man vielleicht die rätselhafte Erscheinung begreifen. So aber wird man unruhig und gerät ins Grübeln. Wenn ... wenn ich noch siebenmal sieben Wenn Zusammenlegen würde, es bliebe immer etwas Unfaßbares zurück, vor allem das große Warum. Warum erscheinen plötzlich Starenwolken am römischen Himmel, bie ihn verfinstern, so ungeheuerlich sinb fie? Warum ballen sich die riesigen Schwärme jetzt zusammen, daß sie wie eine schwarze Masse aussehen, wie ein Meteorfels herunterstürzen, um dicht über den Dächern die Gesetze der Schwerkraft und Gravitation verspotttend in steilem Winkel abzubiegen unb sich zu zerstäuben? Jetzt ist der Himmel punt'tü t, weil alle Köpfe nach unten hängen, in der nächsten Sekunbe aber steht ba eine schwarze Wanb, weil alle Körper prall vor unseren Augen stehen. Wer kommandiert so unvergleichlich? Und warum? Weshalb kommen sie überhaupt in die stabt? Vielleicht hanbelt es sich um Starenvölker, die ihre Wanderung aus unbekannten Gründen nicht fort- gesetzi hoben im Herbst, sondern in den Abruzzen zu überwintern beschlossen, fern den Netzen von Bergamo, fern den Schrotspritzen der römischen Campagna, fern den Fallen der Neapolitaner Ja, und dann hat sie der für Italien ungewöhnliche Frost doch weiter getrieben, meldete doch Bologna gestern neun Kältegrade. Sie könnten allerdings besser in den Pinienhainen an der Küste verweilen ober in den Kastanienwäldern des Monte Cavo schütz suchen aber vielleicht wissen sie, baß sie selbst auf den- Markt in Nom nur mit 30 Eentesimi bezahlt werden, bündelweise bei Eierhändlern und Flei- die tegole maritate — sie heißen verheiratete Ziegel, weil sie paarweise gebunden werben — durch die Windstöße in Unordnung gebracht werden, erweist sich bas Starenvolk als lungenkräftiger. Mit dem aufdämmernden Morgen wuchten die Mammutlastwagen mit Anhängern über die Via Nomentana — ihre Stimme wird zugedeckt. Dann wollen die Straßenbahnen kreischen, die Autobusse rattern — umsonst, das Starenorchester duldet keine Radaumacher neben sich. Erst unter den Strahlen der Morgensonne bricht es schlagartig ab und eine flimmernde Wolke steigt in den Himmel, steil und stettg wie Abels Opferrauch, wird zu Konfetti, zu einem Schnaken- schwarm, zu Staub, verfliegt und vergeht im Unendlichen Die dritte Nacht verläuft, meteorologisch genommen, normal. Es hat 9 Grad plus, Blitze zucken, ein Gewitter, wie es sich für eine richtige römische Winternacht gehört. Die Stare sind wieder da unb lärmen wie gestern und vorgestern. Mein großer Nachbar ließ nicht mit Schrotspritzen hineinpfeffern, nicht die Hydranten öffnen, es hätte sicherlich auch wenig genützt. Die Katzen schrien vor Gier nach Liebe unb Vogelsleisch, über bie Totenstadt des Verano herüber, über die fast unabsehbaren Mauern der oberirdischen Katakomben, in denen sich die modernen Römer beisetzen lassen, heulte von Zeit zu Zeit eine Lokomotive, es klang schauerlich und aufreizend wie immer. Aah — man hort es, die Stare legen also Pausen ein, sie werden vor der Abstimmung stehen. Es ist eine Erlösung, denn immer quälender wurde der Gedanke, daß sie leiden, unb was gibt es Bedrücken- beres, als helfen zu wollen und nicht zu können. Wie, wenn sie doch gefroren hätten, gehungert? Morgen, hoffen wir, morgen werden sie ab- ziehen. Schlafen wir also endlich. Blauer Tag. Kinder, die mit Halbstrümpfen zur Schule gehen. Die Mimosen haben schon Myriaden von gelben Knöspchen. Vor bem Zeitungsstanb sagt einer, aus bem Morgenblatt kopfschüttelnd auf» schauend, droben, bei den germanici, habe es 18 Grad unter Null. In Nürnberg, wo bie Puppen zuhause sind, diese süßen blonden Puppen! Ich gerate, ohne recht zu wissen wie, in ein Lottolädelchen, bie Signorina hat schon viel Nummern aufzuschreiben. Da werfe ich den Mantel um, ohne in bie Aermel zu fahren, und schiebe den Hut ins Genick, um nicht als Fremder aufzufallen. Kiebitze, was die andern setzen. Vogelschwarm — Sturm — großer Lärm. Die Signorina schaute in einem abgegriffenen Buche nach, um die entspre- Zur bevölkerungspolitischen Ausklärungsaktion. V io *> Noch Immer i|t Dielen Deutschen Volksgenossen der Ernst der bevölkerungspolitischen Lage nicht klar genug. Man glaubt dem trügerischen Schein, daß die Bevölkerung zahlenmäßig noch immer wächst Diese Tatsache beruht jedoch nur aus der in der letzien Jahrzehnten erfolgten Verlängerung der durchschnittlicher Lebensdauer der älteren Bevälkerungsteile. Diese hat aber ihre Höchstgrenze erreicht Da im Verhältnis zum normalen Bevölkerungsaufbau früherer Zeiten viel zuviel Alte und Greife am Leben sind, muß die Sterblichkeitskurve sehr bald gewaltig ansteigen Man hat etwa für das Jahr 1936 den Zeitpunkt berechnet zu dem die Zahl der Todesfälle die Zahl der Geburten übersteigt. Dann werden sich Todeskurve unb Geburtenkurve schneiden Das bedeutet, daß das Volk in feiner Gesamtheit zahlenmäßig schrumpft Noch ist es Zeit, im letzten Augenblick das deutsche Volk vom Abgrund des endgültigen Absterbens zurückzureißen Die Kurve unserer Geburtenzahl muß vor weiterem Absinken bewahrt, sie muß zum Wiederanstieg gebracht werden. Die zwingende Notwendigkeit dieser völligen Wandluna in der Inneren und äußeren Struktur unseres Volkes beweisen bie offiziellen Aufklärungsschriften der Jt $. volkswohlsahrl. die tn Sammelbestellungen durch jede Ortsgruppe der N S D A V nn Einzel» oerfauf an federn Postschalter des Deutschen Reiches für 10 Pf. je Stück bezogen werden können. Ein Buch, das Bände spricht. »itf in das „S.aMsche Lahrbach 1933". - Heiratslust und Fremdenverkehr, deutsche Zeitwende in Zahlen. Von Hans Markert. „.. in einer Zett tiefgehender politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbildungen" ist dieses dicke grüne Buch, wie es in seinem Vorwort heißt, vor einigen Tagen erschienen. Ein Buch, das jedes Jahr um die gleiche Zeit vor seinen Leserkreis gelangt, unb bas doch immer lieber Ueberrajchungen birgt. Allerdings, die Sensationen knallen uns nicht mit fetten Lettern ent- S — sie sind nur dem zugänglich, der sich die macht, die eigenartige Sprache des Werkes in bildhafte Vorstellungen zu übersetzen. Denn diese Sprache besteht aus Zahlen, Zahlen unb nochmals Zahlen . Anregend, manchmal sogar aufregend, immer aber aufschlußreich ist eine Stunde, die man im ,Statistischen Jahrbuch" blätternd, verbringt Das Erstaunlichste ist seine Spannweite, seine geradezu märchenhafte Jnhaltsfülle, zu der jede einzelne Zeile dieser 800 Seiten beiträgt. Was wollen Sie wissen? Die jährliche Zahl der Strafprozesse vor dem Bremer Schwurgericht? Wieviele Gewitter über der Zugspitze niebergingen? Wie teuer im vergangenen Mai in Amerika das Aluminium roar9 Das Statistische Jahrbuch gibt Ihnen Auskunft! Bei dieser Allwissenheit ist es natürlich unmöglich, schon in der diesjährigen Ausgabe alle Daten und Zahlen zu finden, die von der grundlegenden Veränderung aller Dinge in Deutschland von 1933 berichten. Wo es anging", sind Zahlen sogar bis zum November 1933 nachgetragen, die meisten schließen schern Herumliegen, und die Zwischenhändler wollen doch auch leben: da müßten die Bauern schon fuhrenweise liefern, um aus ihre Kosten zu kommen. Die Bauern aber wissen nichts von den Starenschwärmen, man sieht sie nur in der Stadt Warum dieses Geschrei und Gezwitscher und Debattieren mitten in der Nacht? Haben sie Hunger? Platzmangel? Wollen sie sich warm machen? Der Mensch fragt umsonst. Es fehlt nicht viel, so neigt er dazu, diele Stare für unvernünftig zu halten, obwohl ihn ein seltsamer Instinkt, möglicherweise auch die überlegende Betrachtung der exakten Schwarmmanöver vor solcher Kritik warnt. Jedenfalls habe ich.in dieser Nacht kein Auge zugetan, und mein Nachbar Mussolini wird auch nicht geschlafen haben. mit ber Jahresmitte ab; aber auch dort, wo nur vom Jahre 1932 erzählt wirb, zeigen sich Perspektiven, die geradenwegs in bie neue Epoche ber beutschen Geschichte führen und für die schwierigen Aufgaben, deren Lösung heute so energisch versucht wird, zuverlässige Unterlagen bereitstellen. Welche einschneidenden Veränderungen die letzten acht Jahre in Deutschlands Bevölkerung, gebracht haben, zeigt bas Ergebnis ber Volkszählung vom 16. Ium 1933, bie ben ersten Abschnitt des Buches einleitet Um mehr als 2,7 Millionen ist die Bevölkerungszahl feit der Volkszählung von 1925 gestiegen; damit natürlich auch bie Bevölke- rungsbidjte: von 123 Einwohnern pro Quadratkilometer im Jahre 1910 über 133 im Jahre 1925 bis auf 140 in diesem Jahre. Wieviele Menschen kommen durchschnittlich auf eine Haushaltung in Deutschland? 3,72 antwortet die Statistik; im ganzen Reich existieren siebzehneinhalb Millionen Haushaltungen' Der Zug nach der Großstadt hat sich auch zwischen 1925 und 1933 ein wenig bemerkbar gemacht; damals lebten 34,8 v. H. ber Gesamtbevölkerung in Stäbten mit mehr als 50 000 Einwohnern, heute 35,4 v. H. Auch Prophezeiungen gibt uns das Jahrbuch — Vorausberechnungen, die bei den bevölkerungspolitischen Maßnahmen der Regierung eine Hauptrolle spielen: steigt bie Geburtenzahl nicht, so sinkt bis zum Jahre 1970 bie Zahl ber Kinber unter 15 Jahren von 15 auf 10,6 Millionen, die ber Er- Jn dem bißchen Grün, das unsere Schlafzimmer trennt, stehen ein paar mächtige Pinien, Schirme so groß wie ein Kirchendach, unb darauf ließen sich die Vogelwolken auch in der nächsten Nacht nieder. Wieder der unaufhörliche Lärm. Die Pinien gehören, um es genau zu sagen, weder mir, noch meinem großen Nachbarn, unb sinb uns boch beiben eigen wie der Himmel über uns. Etwas gibt es, meint Kant, was uns bem Unbegreiflichen näher bringt: ber gestirnte Himmel über uns. Aber in dieser zweiten Nacht zeigten sich auch keine Sterne »nd die Stare überschrien die schönste Philosophie. Die Karabinieri unter den Fenstern des Duce wurden unruhig, was nützte es, die Ohren zu spitzen? Jedes verdächtige Geräusch wäre in dem Getöse untergegangen. Plötzlich zog aus Süden her und schwoll in rasender Hast ein Sausen und Brausen und Drängen und Drücken, daß einem die Luft wegblieb. Sturm! Schirokko' Mit unheimlicher Gewalt greift es in die Pinienschirme, die dem Wind eine Angriffsfläche bieten groß genug, um eine Stoßkraft zu entfalten gegen die das bißchen Gebläse, das unsere Regenschirme umftülpt, lächerlich erfdjeinen muß. Wanken auch die gewaltigen Stämme so wenig wie die Säulen der Peterskirche, hatten die manns- dicken 'Hefte das grüne Zett, es wogt doch so ungestüm hinein, es faucht und jault und rüttelt und reißt, daß die schweren Pinienzapfen unreif herabsausen. Die Stare läßt alles kalt, sie schwirren und schlagen und schreien, sie Überschrein den Sturm. Vor ihm, denkt man, froh, endlich eine Erklärung gefunden zu haben, werden sie geflüchtet sein, sie haben ihn 24 Stunden vorher gewittert. Jetzt will jeder Recht gehabt haben, jeder ein Prophet, jeder ber erste gewesen sein, ber was merkte. Obwohl nun sogar die schweren römischen Ziegel, wachsenen oon 4a aus 43 'Millionen — und nur bie ber Greise über 65 Jahren steigt von 4 Millionen auf mehr als das Doppelte, nämlich 8,4 Millionen! Die Verhältniszahlen ber Erwerbstätigen — einschließlich ber Arbeitslosen — in ben einzelnen Wirtschaftsgruppen sinb recht interessant: 41,4 v. H. arbeiten in Industrie und Handwerk, 30,5 v. H. in ber Lanbwirtschaft, 16,5 v. H. in Hanbel und Verkehr, 11,6 v. H. in den übrigen Berufen; die Gesamtzahl der Erwerbstätigen beträgt heute über 32 Millionen, von denen 14,4 Millionen Arbeiter, 5,5 selbständig, 5,2 Angestellte und Beamte sind. Noch mitten aus ber Krise kommen bie Ehe - unb Geburtszahlen. 1932 würben 509000 Ehen geschlossen gegenüber 515 000 im Vorjahre unb fast 900 000 im Jahre 1920; 980 000 Kinber wurden 1932, 1031 000 im Jahre 1930 und 1,6 Millionen im Jahre 1920 geboren. Der Geburtenüberschuß sank von 11,3 pro Taufend Einwohner im Jahre 1921 auf 4,3 im Jahre 1932! Auch über Mehrlingsgeburten berichtet das Jahrbuch; 1931 fanden zwei Vierlingsgeburten in Deutschland statt — in welcher Gegend diese allzu glücklichen Ereignisse stattfanden, wird leider verschwiegen ... Besonders erfreulich ist das rapide Sinken ber Säuglingssterblichkeit, das der fortschreitenden Hygiene und ärztlichen Kunst zu verdanken ist: während noch vor 50 Jähren fast 45 000 Kinder im 1. Jahr starben, waren es 1929 noch 19 000 und 1931 nur noch 16 000. Woran sterben die Menschen? Auch hierüber erhalten wir Auskunft. Am häufigsten sind Kreislauf- — vor allem Herzkrankheiten — weit häufiger als die normale Todesursache: Altersschwäche. Unser Zeitalter scheint tatsächlich zuviel Aufregungen zu bringen, denn gegenüber 1924 ist die Zahl der Herzkrankheits-Todesfälle ganz bedeutend gestiegen, die der Todesfälle an Altersschwäche erheblich gesunken. Gleich hinter ben Herzkrankheiten kommen die K r e b s f ä 11 e, die ebenfalls in ben letzten Jahren stark gestiegen sind unb eine immer größere Gefahr für die Volks- gesunbheit bilden. 23 000 Unglücksfälle sind 1931 tödlich verlaufen, 18 600 Menschen haben sich — zumeist durch Erhängen — bas Leben genommen Die meisten Heiratslustigen zählte im Jahre 1932 Königsberg mit 10 Ehen auf 1000 Einwohner, bie wenigsten Chemnitz mit 6,9, am geburtenfreudigsten war Gleiwitz, während in Berlin bie wenigsten Kinder zur Wett kamen — dafür stellte es jedoch den Rekord in Ehescheidungen mit 185 aus 100 000 Einwohner auf und muß sich von dem kleinen Ländchen Hohenzollern mit feiner Vergleichszahl von nur 6,8 beschämen lassen .. Woher kamen die meisten Fremden, die 1931/32 Deutschland besuchten? Merkwürdigerweise aus Holland; gleich dahinter kommt Amerika, Oesterreich und die Tschechoslowakei. Die meisten von ihnen besichtigten Berlin, München, Köln, Nürnberg, während unter den Kurorten Wiesbaden die meisten Ausländer beherbergte. Noch Ende 1931 hielt der L e b e n s h a l tun g s- index 30 v. H. über bem von 1913, im Jahre 1932 sank er auf 118 (1913: 10Q), erreichte seinen tiefsten Stand im März/April 1933 mit 116 und stieg bann allmählich roieber bis zur Jahresmitte an — Zeichen ber sich bessernben Konjunktur! Fast haben wir schon vergessen, daß es einmal so etwas wie Arbeiiskämpfe gab. Das Jahrbuch berichtet uns von 660 Streiks unb Aussperrungen im Jahre 1932, oon denen 340 ohne Erfolg enbeten, noch im März dieses Jahres fanden vier Streiks statt, gegenüber 45 im Januar! — von denen einer erfolglos endete. Demgegenüber zählte das Jahr 1932 über 14 000 Konkurse! — Unmöglich, auch nur einen winzigen Teil all ber interessanten Dinge, bie bas Jahrbuch enthält, wieberzugeben — allein ber neue Anhang mit seinen wirtschaftlichen und politischen Daten von 1933 spricht Bände: von der Errichtung der deutschen Goldbiskontbank, dem Damesplan, der ersten Genfer Wettwirtschaftskonferenz bis zum Ergebnis des 12. November 1933 ist kein Datum vergessen, bas für bie Nation von Bebeutung mar. chenben Ziffern zu erfahren, jetzt kennt sie sie schon ausmenbig. Ich setzte auch ein Terno, „für alle acht Spielstädte zugleich", wie das Lottofräulein von selber hinzusetzt, für Rom, Turin, Mailand, Venedig, Neapel, Florenz, Bari und Palermo, denn wer könne missen, mohin bie Stare nun fliegen, vero? Ja, wer kann bas wissen! Geheimnis um das Ende Alexanders!. Auf ihrer Suche nach den kostbaren Schätzen des einstigen Zarenhauses erbrachen die Sowjetbehör- ben auch die kaiserlichen Grabstätten in ber Peter- unb Pauls-Zitadelle zu Leningrad. Dort ruhen die Gebeine Dieter russischer Herrscher. Aber der Sarkophag Alexanders I. war teer... Ein Schleier des Geheimnisses hat schon immer bas Enbe dieses Zaren umgeben. Durch bie kürzlich gemachte sensationelle Entdeckung scheinen alte Gerüchte ihre Bestätigung zu finden. Viele im Volk umlaufende Legenden leben plötzlich wieder auf, an die M. O. Aubry im „Figaro" erinnert: Elf Jahre nach Alexanders Tod erschien ein stattlicher Mann auf prächtigem Roß in ber Perm-Gegend. Er nannte sich Fedor Kusmitsch. Aber da er von seiner Herkunft nichts erzählen wollte, strafte man ihn mit Prügeln und hielt ihn als Landstreicher gefangen. Erst als der Großfürst Michael auf einer Inspektionsreise vorüberkam, wurde sein Gesuch um Verschickung nach Sibirien bewilligt. In der Nähe von Tomsk arbeitete er in einer Branntweinbrennerei, unb man verehrte ihn hier wie einen Heiligen. Fünf Jahre später tauchte bann derselbe Fedor in einem Kosakendorf wieder auf, unterrichtete dort kleine Kin» der, unterwies die Bauern und betete mit ben Kranken. Allgemein hielt man ihn für einen Vornehmen, ber sein Leben ber Entsagung geweiht hatte. Da kam eines Tages ein Soldat aus Petersburg. „Das ist der Zar", rief er aus, „das ist unser Väterchen Alexander Pawlowitsch!" Unb ein einstiger Schüler Fedors, ber auf einer Reise nach Rußlanb ein Bild des Zaren gesehen hatte, rief ihm bei seiner Rückkehr zu: „Väterchen, du siehst genau aus wie unser Herrscher Alexander!" Eine gewisse Frau Belakhine will sogar unter Fedors Papieren ben Trauschein von Alexander und ber Zarin Elisabeth gesehen haben. Prinz Baviatinsky versichert in seinem „Geheimnis um Alexander", daß Fedor kurz vor seinem 1864 erfolgten Tode noch ben Besuch der Zarin erhalten habe... Sollte es boch wahr sein, baß der Zar, der nach den amtlichen Mitteilungen am l. Dezember 1825 in Taganrog gestorben sein soll, heimlich entwich und als Fedor Kusmitsch roeiterlebte? Was ist ein Musikingenieur? nb unb ben Ventilator erleidet bas Wasser, bas non oben roarm in ben Kühler kommt, einen io! hohen Temperatursturz, baß es in ben untersten I Kanälen zu Ei? erstarrt. Damit roirb ber Wasser I kreislauf unterbrochen, unb bas Wasser ba- bie Zylinder umfpült. erhitzt sich immer weiter, bis es al? Dampfsäule burch bie Kühlerverschraubung ober das Ueberilußrohr ins Freie entweicht. Was kann man bagegen unternehmen? GSrnlich fehl sinb hier Gewalteingriffe mit fochenbem ©aller am Platze, ober, wie e? auch schon vorgekommen ttt. mit ber Lötlampe Metall kann einen plötzlichen Temperahirmecb ci nicht vertragen ohne Risse zu bekommen. Hat man keine Gelegenheit, ben Wagen ralch in eine geheizte Garage zu bringen unb ihn dort ein paar Stunben stehen zu losten — was freilich bas hefte Verfahren wäre —. dann kann man lunachft versuchen, ben Motor im Leerlauf bei still stehendem Wagen so warm wie moalich werden zu lasten Damit der Raum um bie Zylinder immer gefüllt bleibt, gieße man ab und zu Waller in den Kühler nach Oft hilft auch ein mit heißem Master gekaufter Tuchum'chlag. der um die untere Verbindung Zwischen Kühler und Mo'or geleqi wird Nicht nur das gefrierende Master tritt als Störenfried auf oft ist an kalten Taoen mick da? Oel an einem Versagen des Motors, fcb-.iib ffrrn. gern Froh mied es meisten-' In dick MV brr "In- •c*kr den Motor nicht mehr burch’iehen fann Degen biek« liebel tonn men sich nur m»t der Tm meni-ing von Kälte Spez!al5! heften, bc« erst bei i »mf- Tfm^n-ritur non un-rtähr 'n Grad 4äite ,äh Ein zweistöckiger Eisenbahnwagen. Das zweistöckige Fahrzeug hat bereits im Stra° ßenoerkeher als Autobus ober Straßenbahn Eingang gefunben, um auf einer möglichst Heinen Flache eine Höchstzahl von Personen zu befördern. Diese Bauart hat man in Paris jetzt auch für Eisenbahnzüge bes Vorortverkehrs angemanbt, unb zwar für Personenwagen erster, zweiter unb brifter Klass, ’lßahrenb ein einstöckiger Zug, auch arift W d 1524 Fahrgäste faßt, nimmt ein gleich- lai ’ . zweistöckiger Zug 2060 Reifenbe aus. Die 23 Meter langen Drehgestellwagen sind zwischen ben Drehgestellen zweistöckig au-gebaut. Je eine kurze Treppe führt von bem Cinsteig Vorra um nach oben ober nach unten in bie Abteile, bereu freie Höhe 1,9 Meter beträgt. Ein Ganzmetallwagen wiegt nur etwa fookl wie e»n beutlcbcr O-Wagen, nämlich 47 Tonnen. Der Ein- unb Ausstieg ist so angelegt, baß ber Aufenthalt bes Zuges auf der Station nicht mehr Zeit in Anspruch nimmt als bei einstöckigen Bahnen Bei ber Anordnung von Beleuchtung, Lüftung unb Bremsvorrichtungen waren besondere technische Lösungen nötig. Das tönende Buch. 3mmer wieder, sei es durch Spezialisierung, sei es durch Zusammenarbeit einzelner Judust.ien, werden neue Gebiete entdeckt, auf denen sich die Technik durch Zusammenarbeit einzelner Industrien, werden weiter^ entwickeln kann. So haben sich Käufermarkt und Schallpiattcninbuftrie vereinigt, um das „tonende Buch" zu I(halfen. Bereits vor einiger Zeit hat Direktor Dr. Lutz Heck vorn Zoologischen Garten in Berlin sein erstes „tönendes Buch" heraus- gegeben. Es trug den Namen „Schrei ber Steppe" unb führte uns bie Bewohner ber afrikanischen steppe nicht nur in Mort unb Bilb vor. sondern durch bie beiqeoebene Spanplatte, auch im Ton weiAvha la«, lab u n b hörte man ben laer. bie t-'roen unb Schakale, unb man war sich darüber klar bah bie Untermalung durch Töne die Wirkung ber Belchreibung mc