Orvtf und Verlag: vrLHI'Ichc Universttäls-Vuch- und SleintzniSerei R. Lange in Sietzen. Schriftleitnng und Seschäftsftelle: Schulftratze 7. Annahme von 2ln$eigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° „ mehr. Chefredakteur- Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An- zeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Eriche,», täglich, ouh« Sonntags and Feiertag» Beilagen; Dte Illustrierte Dietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl» monats»Be$ugspret$: Mi, 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustriert» , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bet Nichterscheinen Von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt üernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeige, Stehen. Postscheckkonto: firanffurt am Main 11686. Ur. 278 Erstes 183. Jahrgang Montag, 27. November 1933 GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Frankreichs neues Kabinett gebildet. Auch die Negierung Lhautemps trägt Llebergangscharakter.-Gchmale parlamentarische Basis. — Geringe personelle Veränderungen. Die Ministerlifte. Paris. 27. Nov. (1BI23. Funkspruch.) Um 2.50 Uhr französischer Zeit Hai Ministerpräsident Lhautemps sein Kabinett wie folgt gebildet: Minislerptäsidlum und Inneres: Lhautemps, Abgeordneter, Radikal; Justiz.- Raynaldy, Senator, Radikal; Auswärtiges: Paul-Boncour, Senator, Un- abhängig; Finanzen: Bonnet, Abgeordneter, Radikal; Budget: Marchandeau, Abgeordneter, Radikal; Krieg: Daladier, Abgeordneter, Radikal; Lhautemps. Kriegsmarine: S ar raut. Senator, Radikal; Luftfahrt: Lot, Abgeordneter, Radikal-, Rationale Erziehung: de Monzie, Abgeordneter, rechtsstehender Sozialist; Ocffenttiche Arbeiten: paganon, Abgeordneter, Radikal; handel und Industrie: Laurent-Eynac. Abgeordneter, radikale Linke; Landwirtschaft: 2 u e u i l l e, Abgeordneter, Radikal; Kolonien: Dallmier, Abgeordneter, Radikal; Arbeiten und soziale Fürsorge.- Lamoureux, Abgeordneter, Radikal; Pensionen: Ducos, Abgeordneter, Radikal; Post und Telegraphen: Mi stier, Abgeordneter, Radikal; Oeffentliche Gesundheitspflege: Israel, Senator, Radikal; Handelsmarine: Frot, Abgeordneter, rechtsstehender Sozialist, bei keiner Fraktion eingeschrieben. Die Liste der Unterstaatssekrekäre liegt noch nicht vor. Ministerpräsident Lhautemps hat heute früh nach der Bildung seines Kabinetts folgende L r - kläru ng abgegeben: „Einige Kreise werden finden, dost die neue Regierung keine neuen Persönlichkeiten aufweist. Ich für meinen Teil erachte es für sehr nützlich, durch Beibehaltung der gleichen Persönlichkeiten in Zellen politischer Krisen eine gewisse Stabilität zu wahren. In meinem Kabinett herrscht das radikale Element vor. Die Devise der neuen Regierung wird sein, den nationalen Notwendigkeiten Rechnung zu fragen.“ SHs Hauptaufgabe der Jetztzeit bezeichnete Lhan- temps den Ausgleich des Budgets, die Sicherung des regelrechten Funktionierens der par- lamentarischen Einrichtungen und die Wahrung der außenpolitischen Linie. h e r r i o t, der mit Rücksicht auf seine Gesundheit eine unmittelbare Beteiligung an den Regierungsarbeilen a b g e l e h n t hat, hat, wie havas meldet, um seine Solidarität mit der neuen Regierung zum Ausdruck zu bringen, sich bereit erklärt, Delegierter Frankreichs beim Völkerbund zu sein und außerdem etwaige diplomatische Sondermissio- nen im Auslande zu übernehmen, die die neue Regierung ihm anvertrauen werde. Der neue Führer. Der neue ftanzösische Ministerpräsident und Innenminister C. Lhautemps wurde im Jahre 1885 als Sohn des im Jahre 1918 verstorbenen Vizepräsidenten des Senats in Paris geboren. Er hat die Iuristenlaufbahn eingeschlagen und sich gleich seinem Vater früh dem Parlament und der Politik gewidmet. Seit dem Jahre 1919 gehört er der französischen Kammer an und zählt zu den führenden Persönlichkeiten der radikalsozia- l i st i s ch e n Partei. Im Jahre 1924 übernahm er in der Kartellregierung herriots das Innenministerium und im Oktober 1925 unter Pain - lev 6 das Justizministerium. Später war er in einem Kabinett Vriand und im zweiten Kabinett Herri o t wieder Innenminister. Vom 21. bis 25. Februar 1930 hat er als Nachfolger Tardieus schon einmal ein Kabinett gebildet, das sich aber nicht als lebensfähig erwies. Danach hat er in den Kabinetten Steeg, herriot, Paul-Voncour, Daladier und Sarraut das Innenministerium verwaltet. * Frankreich hat innerhalb weniger Tage wieder ein Kabinett erhalten, aber niemand weiß, ob es eine Regierung von Dauer sein wird. Die Wahrscheinlichkeit spricht sogar dagegen, daß der neue Ministerpräsident Lhautemps lange im Amte bleiben wird, denn die parlamentarische Lage hat sich nicht geklärt und die Basis der neuen Kombination ist noch schmaler als die der vor- hergehenden. Die neue Ministerliste wirkt wie eine Wiederholung des Experimentes, das Lhautemps im Jahre 1930 mit einer rein radikalen Regierung versucht hat. Damals wurde er bei seinem ersten Auftreten vor der Kammer ge- stürzt. Seit den Wahlen vom vorigen Jahre liegen die Verhältnisse etwas günstiger, aber immerhin so, daß entweder die Sozialisten ober die rechts Scharfe Kritik Paris, 27. Nov. (WTB. Funkspruch.) Obwohl sich in der linsstehenden und in der Regierungspresse eine gewisse Enttäuschung darüber zeigt, daß es Ministerpräsident Lhautemps nicht gelungen ist, die von ihm geplante Konzentration durchzuführen, nehmen sie das Kabinett freundlich auf. Man hält Lhautemps für geeignet, das Parlament zu zwingen, endlich Farbe zu bekennen. So schreibt „Oeuvre": Man darf jetzt nicht mehr zögern; entweder muß man mit sofort wirksamen Mitteln den Haushaltsausgleich schaffen ober man treibt in b i e schlimmsten Abenteuer hinein. Die Aufgabe ber neuen Regierung besteht daher darin, das Parlament unverzüglich vor seine Verantwortung zu stellen. — Der Name Lhautemps und seine Vergangenheit sind nach Auffassung des „Homme Libre" eine Garantie gegen d i e Demagogie von rechts und links, die Frankreich an den Rand des Abgrundes bringe. — „Unser Freund Lhautemps", erklärt „Ere Nouvelle", besitzt in höchstem Maße die notwendige Umsicht und Autorität, um einem jeden den Weg der Pflicht zu weifen. Die ihres Namens würdigen Republikaner werden ihm folgen. Das Land hat ihm feit langem Vertrauen geschenkt. Weiterhin gibt „Ere Nouvelle" der Er- Wartung Ausdruck, daß Lhautemps sich außenpolitisch weder in das Schlepptau Italiens noch in das Englands nehmen lassen wird. V e r l i n, 25. Nov. (TU.) Der französische Botschafter in Berlin, F ranxois Poncet, wurde gestern vom Reichskanzler Adolf Hitler empfangen. Der deutsche Botschafter Roland Köster hat am Samstag den Generalsekretär am Quai d'Orsay, Leger, einen Besuch abgeplattet. Es handelt sich um einen der üblichen Besuche, die der deutsche Botschafter von Zeit zu Zeit dem Quai d'Orsay abftatfet. Die Unterredung des Führers mit Francois Poncet, die in der Pariser Presse zunächst als der Auftakt für die kommenden deutsch - fran ; ösisch en Besprechungen bezeichnet wurde, wird heute anscheinend auf höheren Wink lediglich als ein allgemeiner Mei- nungsaustausch fjingeffellt. Immerhin betont man, daß dieser Meinungsaustausch zur Klärung der gegenseitigen Absichten gedient habe. Diese vorsichtige Einstellung der Blätter verfolgt den Zweck, jeden Eindruck zu vermeiden, als ob F r a n k- reich öle Initiative für die Besprechungen ergriffen habe, um dadurch von vornherein einer späteren Verantwortung zu entgehen. — Der TrennungvonderVerlmerReichs- leitung der Glaubensbeivegung. Stuttgart, 25. Nov. (TU.) In Zusammenhang mit den gegenwärtigen Erörterungen über das Verhältnis von Kirche und Glaubensbewegung „Deutsche Christen" haben die Tübinger Theologieprofessoren Fezer, Weißer und Rückert ihre Beziehungen zur Glaubensbe-I wegung „Deutsche Christen" gelöst. Fezer hatte dem | von den Radikalen stehenden Gruppen zur Mehr- heitsbilbung notroenbig sinb. Chautemps hat aber weder von ber einen noch von ber anberen Seite Zusagen erlangen können; nicht einmal bie N e u s o z i a l i st e n sinb gewonnen worben. Seine drei Vorgänger auf bem Posten des Ministerpräsibenten, Paul-Boncour, Dalabier .mb Sarraut hat Chautemps in ben Fachministerien, die sie bisher innehatten, b e i b e h a l t e n , so daß trotz der unsicheren parlamentarischen Lage und der Schwieriokeiten grundsätzlicher Entscheidungen 'ine gewisse Kontinuität ber Regierungspolitik gewahrt ist. Die wirkliche Entscheibung über bie Orientierung ber französischen Politik innerhalb Europas ist mit Rücksicht auf bie brängenben Finanzprobleme roieber einmal vertagt worben. Chautemps hat bie Absicht, nach bem Voubilbe Poin- carö vom Sommer 1926 einProgrammrück- sichtsloser Einsparungen burchzuführen. Es fragt sich aber, ob er unter ben gegenwärtigen Umständen über genug Zeit unb Autorität verfügen wirb. auf der Rechten. Dagegen will bie Rechtspresse voraussagen können, baß bem Kabinett Chautemps keine lange Lebensbauer beschieben sei, unb baß es nur eine vielleicht letzte Etappe auf bem Wege für nationale (Einigung barsteile. „Seit 1932", schreibt „Echo be Paris", „hält eine Clique unfähiger unb ungeschickter Politi- f e r bas Kommanbo. Viermal wurden sie davon- gejagt und zum fünften Male kehren sie wieder. Aber die Ereignisse gehen schnell. Die nationale Einigung ist im Anzug und sie wirb sich burch- setzen, weil nur sie bas Lanb vor einer schrecklichen Katastrophe retten kann. Man wirb bann nicht wehr um bie Auflösung ber Kammer unb bie Revision ber Verfassung herumkommen." — „Figaro" kritisiert insbefonbere bie Beibehaltung Paul- Boncours als Außenminister. Sie sei sehr gefährlich gerabe in ber Stunbe, in der Verhandlungen mit Deutschland beginnen sollten. Der Zeitung Herv6s, „Victoire", der wiederum für die deutsch-französische Aussprache eintritt, liegt vor allem die Frage am Herzen, ob auch das Kabinett Chautemps in seiner Regierungserklärung sich über bie Frage ber deutsch-französischen Zwiesprache ausschweigen -wirb, unb, so wie bas Kabinett Sarraut, aus Mangel an Mut unb Entschlossenheit es kläglich ablehnen würbe, hierzu Stellung zu nehmen. „T e m p s“ legt besonderen Nachdruck auf die Feststellung, daß im Laufe der Unterredung keine Frage ausführlich behandelt worden sei, sondern daß sich der französische Botschafter darauf beschränkt habe, die Auffassung des Führers anzuhören, um sie seiner Regierung zu übermitteln. „Paris Soit“ betont, daß es sich um eine Fühlungnahme gehandelt habe, deren Zweck darin lag, den Charakter der künftigen Unterredungen zu umreißen. Die Aussprache zwischen dem Führer und dem franzü- fischen Botschafter habe sich sehr günstig abgewickett und könne greifbare Ergebnisse zeitigen, sobald das französische Kabinett gebildet sein werde. Im Zusammenhang mit der Unterredung zwischen dem Führer und Franxois Poncet wird von der Presse auch die Rede Sir John Simons besprochen. Die „L i b e r t 6“ schreibt, England wolle, daß die Versöhnung unter seiner Führung und mit seinem Segen sich vollziehe. Die diplomatische Formel „bilaterale Verhandlungen“ ändere an dem Stand der Dinge nichts. Hitler habe die Partie schon zu dreivisrtel gewonnen. Derfassungsausschuß ber Deutschen Evangelischen Kirche als Vertrauensmann ber Deutschen Theologischen Fakultäten angehört. Er hatte kürzlich einen Ruf an bie Berliner Universität abgelehnt. Bei ber Wahl bes Reichsbischafs auf ber National- ftjnobe in Wittenberg leitete Prof. Fezer bie Wahlhandlung. Seine Trennung von ber Berliner Reichs- leitung ber Glaubensbewegung hat ferner vollzogen Prof. Dr. Friedrich G o g a r t e n (Breslau) unb mit ihm die hinter ihm stehenden Pfarrerkreise in Schlesien, Sachsen unb Thüringen, ferner Professor Dr. Schuma nn (Halle), früher in Gießen, ber während der letzten Monate im Stabe bes jetzigen Reichsbischofs an bem kirchlichen Reformwerk führend beteiligt war unb neben Prof. Fezer ber einstweiligen Leitung ber Deutschen evangelischen Kirche bis zur NationalsynoNe angehörte. Seinem Protestschritt hat sich Prof. Kohlmeyer (Halle) angeschlossen, ebenso ber Tübinger Professor Gerhard Kittel. Auch bie in ber Glaubensbewegung ber Deutschen Christen in Hessen fllhrenben Theologen ber Gießener Universität Prof. Heinrich Born kämm unb Prof. Hänchen haben ihre Beziehungen zur Berliner Reichsleitung abgebrochen. Bischof Thom, Stubienrat Ca11iebe unb Prof. Dr. Beyer haben für ben Gau Pommern ber Glaubensbewegung Deutsche Christen eine längere Erklärung abgegeben, in ber sie sich in Treue hinter ben Reichsbischof stellen, aber ablehnen, von ber Berliner Reichsleitung ber Glaubensbewegung weitere Weisungen entgegenzunehmen. lieber bie Auseinandersetzungen in ber Glaubensbewegung „Deutsche Christen" liegen weiter fob genbe Meldungen vor: Die ßanbesleitung ber Glaubensbewegung i n Bayern übergibt ber Öffentlichkeit eine Erklä- lung, in ber folgenbe Forberungen ber bayerischen Vertreter auf ber Weimarer Tagung ber Glaubensbewegung aufgestellt werben: Die Glaubensbewe- gung sollte bas, was im Berliner Sportpalast geschehen war, öffentlich unb eindeutig verurteilen, ihre Mitglieber i m Sinne bes Erlasses bes Reichsbischofs auf Schrift unb Bekenntnis verpflich. te n unb jebe Kirchenpolitik untersagen, sollte garantieren, baß Absetzungen künftig nur noch auf Grunb eines orbnungsmäßigen Gerichtsverfahrens vorgenommen werben dürfen, endlich sollte eine Neubildung der Reichsleitung erfolgen. Der Reichsleiter, der erst sehr spat erschienen sei, habe eine inzwischen veröffentlichte Kundgebung vorgelegt, in der gefordert wurde, daß sich die Amtswalter der Bewegung geschlos- fen hinter ihn zu stellen hätten. Das sei, so fährt bie Erklärung fort, nach allem, was geschehen war, eine Forderung, ber bie bayerischen Vertreter aus ihrem Gewissen heraus w i b e r • spre ch e n mußten. Da biefer Standpunkt von bem Reichsleiter entgegen seinen früheren Erklärungen nicht mehr anerkannt worben sei, habe ber bayerische ßanbesleiter für bas ßanb Bayern ben Austritt aus ber Glaubensbewegung Deutsche Christen ausgesprochen. Die „Thüringische Staatszeitung" veröffentlicht eine Bekanntgabe ber ßanbesgemeinbe Thüringen ber „Deutschen Christen", wonach am Frei- tagvormittag bie Trennung zwischen ber Kirchen- beroeaung ber „Deutschen Christen" Thüringens und der Glaubensbewegung des Bischofs Hoffenfelder Berlin vollzogen worden sei. — Die Führung der bisherigen Glaubensbewegunq „Deutsche Christen" in Württemberg, die sich von der Reichsleitung getrennt bat, hat beschlossen, dem Pfarrer- N o t b u n d beizutreten, desgleichen die kirchlich- theologische Arbeitsgemeinschaft. Damit haben rund 800 Pfarr-r Württembergs und die hinter ihnen stehenden Gemeinden nach einer Mitteilung bes borkigen Evangelischen Pressedienstes mit ber Glaubensbewegung Deutsche Christen gebrochen. Reichsbifchof Mütter zur ftr<6hd>en Lage. Königsberg, 26. Nov. (OB.) Am Token- fonnlag weltte Reichsbischof Müller hier, um sich von seinen Königsbergern zu verabschieden. Reichsbischof Müller gab dem Vertreter des Lontt-Büros seine Stellungnahme zu der derzeitigen kirchlichen Lage bekannt. Auf die Frage über die Gründe des Austritts der Tübinaer Theologieprofessoren F e; e r , w e i ß e r und R ü k - kert aus der Glaubensbewegung Deutsche Christen betonte, der Reichsbischof, daß die Loslösung auf rein persönlichen Auseinandersetzungen beruhe und tnlf ber Sache selbst nichts zu tun habe. Die vorwürfe, die von der Gegenseite erhoben wurden, entbehrten ieder Grundlage, seitdem er erklärt habe, daß sich die neue evangelische Kirche aufBibelundBe- f en n tn i 5 gründet, wer daran zu deuteln wage, sei ein Verbrecher an der Einheit des dentschen Volkes. Er, der Reichsbischof, sei nicht gewillt, auch nur im geringsten den Unruhestiftern nachzuaeben. Er wolle mit ber nationalsozialistischen Bewegung. die das Dritte Reich verkörpere, die Kirche bauen und denke nicht daran, geaen diese Beweaung oder ihre Ziele auch nur irgend etwas zu unternehmen. Wir sind, so betonte Reichsbischof Müller zum Schluß seiner Ausführungen, aus der nationalsozialistischen Bewegung herausgekommen und halten ihr und dem Führer die Treue und wollen zusammen mit Adolf Hitler die neue deutsche Kirche bauen. Rücktritt des KirchenministerS D. Schöffel. Berlin, 25. Nov. (TU.) Amtlich wird durch den Evangelischen Pressedient gemeldet: „Der Kirchenminister D. Dr. Schöffel, La n- desbischof von Hamburg, hat heute dem Reichsbischof um seine Entlassung aus seinem Amte als Kirchenminister gebeten. Der Reichsbischof hat diesem Anträge ent- sprachen. Nach ber Verfassung ber deutschen evangelischen Kirche werden bie Führer ber lutherischen ßanbeskirchen für feine Nachfolge Vorschläge zu machen haben. Die Geschäfte bes bisherigen Kirchenministers D. Dr. Schöffel werben vorläufig Die Ausnahme in der Presse. Der sranMche Mschaffer beim Reichskanzler. Vorspiel zum deutsch-französischen Meinungsaustausch. DieAuseinandersehung bei derGiaubens- bewegung „Deutsche Christen" vom Reichsbischof selbst wahraenorn- men, der den Landesbischof von Sachsen Koch als Führer der größten lutherischen Landeskirche ersucht hat, ihn bis zur endgültigen Regelung in der Führung der Geschäfte zu unterstützen." Sie Führung öer Inneren Mission an den Aeichsbischof. Berlin, 25. Roo. (TU.) Die Führung der Inneren Mission richtet an den Reichsvischof folgende Kundgebung: Die Führung der Inneren Mission gelobt dem Herrn Reichsbischof, ihn in seinem schweren Kampf fürdasreineundlautereWortGottes und für die Wahrung des Reformato- rischen Dekenntnisgutes in Treue zu unterstützen. Sie steht fürbittend und unablässig arbeitend hinter der einen Deutschen Evangelischen Kirche. gez. Themel, Schirmacher. Zulaffungssperre für nichtarische Aerzte in Großstädten. Berlin, 25. Roo. (DDZ.) Line neue Berord- I nung des Reichsarbeitsmimslers über di« Zula-s. sung von Aerzten zur Tätigkeit bei den Kranken- | kosten steht eine 3 ula ssu n a s s p e r r e nicht- arischer Aerzte und solcher arischen Aerzte, die mu einer nicht arischen Frau verheiratet sind, in Großstädten, also in Städten von mehr als 100 000 Einwohnern vor, um das Mißverhältnis zu beseitigen, das auf dem Gebiete der Zulassung nichtarischer Aerzte in den Srohstad - ten noch immer bestehe. So seien z. B. m Berlin noch etwa 60 o. H. aller zur Kasienproxis zuge- (offenen Aerzte Juden, während an sich der normale Anteil der Nichtarier vielleicht bei einer Grenze von 5 o. S). liegen sollt«. Ob hn Hinblick auf die für jüdische Frontkämpfer usw. getroffene Ausnahmeregelung dieses zahlenmäßige Mißverhältnis später überhaupt irgendeinen Ausgleich ermögliche, darüber könne zur Zeit noch nichts gesagt werden. Zunächst sei die Absicht gewesen, die weitere Zulassung auch von jüdischen Frontkämpfern oder arischen Aerzten mit jüdischen Frauen, die Zulassung von nichtarischen Aerzten überhaupt, in den Großstädten für Krankenpraxis abzusperren. Diejenigen Nichtarier, die nach den einschlägigen Bestimmungen an sich berechtigt wären, zugelasten zu werden, hätten nun noch di« Möglichkeit, sich an die kleineren Plätze zu wenden, wo das Mißverhältnis nicht ein so großes fei. Ser Totensonntag in der Reichshauptstadt. Berlin, 26. Noo. (TU.) Die Reichshauptstadt stand am Totensonntag völlig im Zeichen der Totengedenkfeiern. Auf den Friedhöfen, wo schon in den Vormittagsstunden sich zahlreiche Besucher eingefunden hatten, waren bei den Gräbern der Gefallenen der SA. Ehrenwachen aufgezogen. In den Kirchen wurden Gedenkfeiern abgchalten und in zahlreichen großen Sälen der Stadt versammelten sich die Massen zu eindrucksvollen Kundgebungen für die im Weltkrieg und im Kampf für das neue Deutschland gefallenen Helden. In der neuen evangelischen Garnison k i r ch e hielten im Beisein des Reichspräsidenten und des Vizekanzlers von Popen die Vereine der früheren Truppenteile der Garnison Berlin ihre Heldengedenkfeier für die auf dem Felde der Ehre gefallenen Kameraden ab. Pfarrer Dr. Wendel gedachte in seiner Predigt der beinahe 20 000 gefallenen Kameraden der Garderegimenter, der zwei Millionen der Armee und der Hunderte von braunen Kämpfern in den letzten 15 Jahren. Dor dem Gotteshause hatte sich eine nach Tausenden zählende Menschenmenge einge- sunden, die dem greisen Feldmarschall beim Verlassen des Gotteshauses begeisterte Ovationen darbrachte. Am Ehrenmal Unter den Linden fand eine G e - fallenenehrung der Wehrmacht statt. Tausende umsäumten die Straße Unter den Linden, als die Reichswehrkompanie zum Ehrenmal zog und dort in Front Austtellung nahmen. Um 11 Uhr traf Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg ein, der am Gottesdienst in der alten Gar- nisonkirche teilgenommen hatte. Er schritt die Front der Truppe ab. Dann ertönte das Kommando: „Präsentiert das Gewehr" und das Lied vom Suten Kameraden klang feierlich unter dumpfem Trommelwirbel auf, während sich die Arme der Zuschauer zu Ehren der Gefallenen hoben. Im Ehrenmal legte Generaloberst Blomberg einen schlichten Kranz nieder, der die Aufschrift trug: „Der Reichswehrminister". Dann marschierte die Kompanie im Paradeschritt am Ehrenmal vorbei. Der Abmarsch vollzog sich mit Rücksicht auf den Totensonntag ohne Spiel. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestallete sich die am Sonntagvormittag vom Landesverband Kurmark der nationalsozialistischen Kriegsopferoersorgung veranstaltete Totenehrung im Sportpalast. Nach dem Einmarsch der umflorten Fahnen gedachte der Reichsführer der Organisation, Oberlindober, in einer Gedenkrede der Toten und wies darauf hin, daß es die vornehmste Pflicht der Lebenden fei, nicht allein die Gräber zu schmücken, sondern den Geist der Toten lebendig zu erhalten. Nach der Kundgebung zogen die Teilnehmer geschlossen zum Ehrenmal Unter den Linden, wo Landesleiter Pfeil einen großen Lorbeerkranz niederlegte. Am Nachmittag fand im Sportpalast eine erhebende Totenfeier der NSBO. statt. Neben den Gaubetriebszellenleitern aus dem ganzen Reich und dem Treuhänder der Arbeit nahmen an der Gedenkstunde sämtliche Derbandsleiter der NSBO. teil. Nach dem feierlichen Einzug der rund 100 Fahncnabordnungen aus ganz Deutschland hielt der Lester der NSBO., Staatsrat Schumann, die Gedächtnisrede. Er feierte den sieghaften Opfer- tob als das Heldenepos aller Zeiten. Unsere Toten seien nicht für Parteien gefallen, sondern für ein einiges Deutschland. Heute hätten die Toten von 1933 ein neues Band zu den Toten von 1918 geschlungen. Heute stehe vor den Toten des Weltkrieges ein geeintes Deutschland, das vor ihnen nicht die Augen niederzuschlagen brauche. Künstlerische Darbietungen umrahmten die Feier. Der Feuerüberfall an der deutsch- österreichischen Grenze. Eine irreführende österreichische Darstellung. Wien, 25. Noo. (WTB.) Don Österreichs- scher amtlicher Seite wird mitgeteilt: Die anläßlich des Zwischenfalles an der österreichisch-bayerischen Grenze bei Erpsendorf nördlich von Kitzbühel sofort eingeleiteten Erhebungen haben vorläufig zu nachstehenden Ergebnissen geführt: (Eine aus drei Mann bestehende G e n b ar- merie-Assiftenz-Patrouille, bie auf der Eggenalpe im Grenzdienst stand, nahm eine Abteilung von Reichswehrmännern ober SA -Männern wahr, die unter Heil-Hüler-Rufen österreichisches Gebiet beim Grenzstein Nr. 6 betraten. Da gerade auf diesem Gebiet wiederholt Feuer- Überfälle und Angriffe auf die im Grenzdienst stehenden österreichischen Organe erfolgt sind, gab die österreichische Patrouille in der begründeten Annahme, daß es sich wieder um einen derartigen UcberfaU handele, Schüsse ab. Einer dieser Schüsse traf einen Reichswehrmann am Kopf. Nach dem Ergebnis des Lokalaugenscheines steht fest, daß sich der Erschossene auf österreichi- schem Territorium befunden hat, da eine Blutlache auf österreichischem Boden gefunden wurde. Zwecks genauer Ucberprüfung des Vorfalles befindet sich eine Gerichtskommission und Organe der politischen Verwaltung am Tatort. Zwecks Mitwir- kung wurden auch Geometer und Photographen her- angezogen. Zu dem von reichsdeutscher Seite veröffentlichten Ergebnis der Untersuchung des Vorfalles, wonach sich der erschossene Reichswehrmann auf reichsdeutschem Boden befunden hat, ist zu bemerken, baß biek Mitteilung auf ein« nicht genaue Kenntnis bes Grenzverlaufs zurückzu- fuhren sein dürste. Dazu wird von zuständiger deutscher Selle bemerkt: Diese amtliche österreichische Mitteilung bestätigt bie u nerhört leichtfertige unb u n - verantwortliche Handlungsweise der österreichischen Gendarmerie- palrouiile. Lediglich auf die Vermutung hin. daß von der völlig unbewaffneten und weder al» Soldaten noch al» SA -Männer kenntlichen Mannschaft ein UcberfaU erfolgen konnte, ist der tödliche Schuß aus eine (Entfernung von etwa 600 Meter abgegeben worden. Diese Vermutung fand In dem Verhalten der deutschen Soldaten keinerlei Begründung, da, wie von der deutschen Gerichtskommission fest- gestellt. weder heiiruse noch eine Befähigung der österreichischen Patrouille erfolgten. Gegenüber der Behauptung, daß der erschossene Schütze Schuhmacher sich a u s österreichischem Boden befunden habe, muh aus die einwandfreie Feststellung der deutschen Gerichtskommission verwiesen werden, nach der sich Schuhmacher a u s roichsdeutschem Boden befand. Deutscherprolestschritt inWieu Berlin, 25. Nov. (CNB.) Reichsaußenrninister Freiherr von Neurath hat wegen der Erschießung eines Reichswehrsoldaten an der österreichischen Grenze noch gestern abend den deutschen Gesandten in Wien angewiesen, im österreichischen Außenministerium vorzusprechen. Der deutsche Gesandte ist heute vormittag bei der österreichischen Regierung vorstellig geworden und hat gefragt, was siezurErmittlungderSchul- digen und deren Bestrafung sowie zur Abwehr ähnlicher Vorgänge in Zukunft zu tun gedenke. Bei der Dorsprache des deutschen Gesandten hat nach einer amtlichen Mitteilung Bundeskanzler Dr. Dollfuß folgende Erklärung abgegeben: Die sogleich eingeleitcte Untersuchung sei im Zuge. Er werde eine Antwort erst erteilen können, sobald über diesen jedenfalls bedauerlichen Zwischenfall die Untersuchungsmaterialien in ihrer Gänze oorliegen. Das Ergebnis der mit aller Sorgfalt geführten Untersuchung werde samt Unterlagen dem deutschen Gesandten zur Verfügung gestellt werden. Sie Beisetzung des Opfers. Berlin, 26. Nov. (WTB.) Die Beisetzung des von einer österreichischen Gendarmeriepatrouille erschossenen Schützen Schumacher vom IR. 21 findet am Montag, den 27. November, 16.15 Uhr, in Nürnberg statt. An der Beisetzung werden Reichswehrminister Generaloberst v. Blomberg und der Chef der Heeresleitung General der Infam terie Freiherr v. Hammer st ein teilnehmen. Die Berliner Studentenschaft bat an das 21. IR. in Nürnberg folgendes Beileibstele- aramm gerichtet: In tiefster Trauer unb voll höchster (Empöruna über bcn Morb an ber österreichischen Grenze sprechen wir Ihnen in kameradschaftlicher Verbundenheit unser wärmstes Beileid aus. Wir betrachten die Tat als uns selber mit geschehen. .ÖelbengeOenffeter öer Reichsdeutschen in Wien. Wien, 26. Nov. (WTB.) Am Totensonntag hatten sich bie Mitglieder der reichsdeutschen Herein« unb verbände in Wien in großer Zahl bei den Gräbern der als Opfer des Weltkrieges auf dem Zentralfriedhof bestatteten reichsdeutschen o o l b a t c n zu ber alljährlichen Helbengedenkfeier versammelt, die von stimmungsvollen DoNraqen des Deutschen Mannergesangvereins unb eines Po- saunenchores umrahmt mar. Gesanbter Dr. Rieth, ber mit sämtlichen Herren ber deutschen Gesandtschaft erschienen war, hielt eine eindrucksvolle Gedenkrede, in ber er u. a. sagte: Daß auf diesem Friedhof reichsdeutsche unb österreichische Krieger für alle Zeiten beilammen gebettet sinb, wie sie während des Krieges Schulter an Schulter für ihr Vaterland gekämpft Huden, müssen wir all«, die wir hier in der Hauptstadt des allen beut- schen Kaiserreiches unsere gefallenen Helden ehren, als ein beredtes Symbol ber bie Jahrhunderte überdauernden gDßen Volks- und Schicksals- gemeinschaft ans^en, welch« alle Teile des deutschen Volkes umfaßt und Generationen auch über das Grab hinaus in Glück ober Unglück mit- einander verknüpft unb verbindet. Wenn wir uns dies vor Augen hallen, so werden wir in dem Glauben nicht wankend werden, daß T a • geserscheinungen und vorübergehende (Ercig- niste, so schmerzlich sie von jedem Deutschfühlenden empfunden werden mögen, niemals den einen ober den anderen der beiden Teile des deutschen Volkes, dessen beste Söhne im Tode hier vereint liegen, von dem gemeinsamen Wege werden abdrängen können, den bi« Blut- Verwandtschaft, ihre große geschichtliche Vergangen- heit und das auf zahllosen Schlachtfeldern für bie gleichen hohen Ziele gemeinsam vergossene Blut ihnen zwingend weist und tu all« Zukunft weisM wird. Oesterreich verschärft die Lieber- wachung deöGrenzverkehrs mitBayern Salzburg, 25. Roo. (WTB.) Der Sicherhells« birettor hat eine scharfe UeberwaHung bet Grenzverkehr» angeordnet und die Gendar» merieposten an der Grenze verstärkt. Gleichzeitig wurde ber Verkehr mit Kraftfahrzeugen und Fahrrädern zwischen Salzvurg — Lover unb Salzburg — Großgmain eingeschränkt. Die Durchreise durch bayrisches Gebiet ist nur Personen gestattet, die politisch vollkommen „einwand» frei' sind und sich mit einer Bestätigung der Eicher» heitsbehördc ihres Wohnortes ausweisen können, daß gegen ihre Reise durch bayrisches Gebiet nicht» einzuwenden ist. Sie Staat. Ein Heilpraktikergesetz. — Kampf den Kurpfuschern. München, 26. Nov. (TU.) Die N S. - Fachschaft der bayerischen Heilpraktiker und der Landesverband Bayern im Reichsbund deutscher Heilpraktiker traten am Sonntag in München zu ihrer ersten ßanbestagung zusammen, bei ber ber Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, erklärte, daß ber Nationalsozialismus ben Heilpraktiker durchaus anerkenne. Diele Dolksgenosten würben es nicht ver- stehen können, baß er auf biefer Tagung spreche. Das werbe solange bauern, solange noch bie .rite Generation wirke unb bie junge, bie auf neuen Wegen roanbele, nicht an ihre Stelle getreten sei. Er habe selbst Erfahrungen am eigenen Köroer über den Wert und die Wirkung der Naturheilkunde machen können. Er stehe nicht an, das auch durch die Tat anzuerkennen. Es wäre ein Verbrechen am deutschen Volk, wenn er nicht alles tun würde, damit bie Naturheilkunde den Rang auf dem Gebiet ber Gesunbheitsfürforge erhalte, der ihr zukomme. Die Wissenschaft gebe zu, daß sie In eine Sackgasse geraten sei. Nun gebe es nur ein Zurück zum Urquell der Wissenschaft, zur Natur. Die Naturheilkundigen hätten eine große Verantwortung vor dem Volk unb vor dem Nationalsozialismus und er, ber Stellvertreter bes Führers, müßte bitten, baß sie ihm keine Schande machten. Die Kurpfuscher seien auszuschalten unb ber Wert, ber in einem systematischen S t u b i u m liege, sei anzuerkennen, benn es sei burchaus nicht so, baß bie gesamte Schulmcbizm nichts tauge. Wir müssen erwarten, bah bie Schul- mebizin sich auch bie Erfahrungen unb Ergebnisse ber Naturheilkunde aneignet, um auf diese Weise die Schulmedizin zu regenerieren. Schulmedizin unb Naturheilkunde müssen s i ch gegenseitigergänzen. Das ist möglich in ber Abteilung Volksgesundheit in ber NSDAP. Rubolf Heß schloß mit einem Dank an ben einstigen Leiter ber Abteilung Volksgesundheit, Parteigenosse Dr. Hörmann und ben Kommissar ber ärztlichen Spitzenverbänbe, Dr. Wagner, bie als wirkliche Nationalsozialisten gehanbelt hätten. Als Kommissar ber ärztlichen Spitzenverbänbe erklärte Dr. Wagner, in bcn letzten Wochen sei ein Heilpraktikergesetz ausgearbeitet machen, bas bem Reichsminister des Inneren vorliege unb vom Kabinett bereits genehmigt worben sei. Nach diesem Gesetz würden in Zukunft neben den Aerzten auch die Heilpraktiker staatlich zugelassen, mll Ausnahme von Geburtshilfe, Chirurgie unb ber Behandlung von Geschlechtskrankheiten. Heilpraktiker könne nur ein Volksgenosse arischer Abkunft werben. Zu bem Zweck ber Ausdilbung von Heilpraktikern sollen in ber nächsten Zeit Lehrstühle in Berlin, Köln unb München errichtet werden, an denen Heilpraktiker und Mediziner ausgebildet werden. Der Anwärter darf sein Studium frühesten» mit dem 20. Jahre beginnen und muh drei Jahre studieren. Ein Heilpraktiker muß in Zukunft ähnliche Pflichten auf sich nehmen roie der Arzt. Der Stand bildet eigene Gerichte und sorgt für Ordnung und Sauberkeit innerhalb seiner Angehörigen. Die Kurpfuscherei wird in Zukunft gemeinsam mit den Aerzten scharf bekämpft. Wer heilbehandelt, ohne Arzt ober Heilpraktiker zu sein, wirb mit Gefängnis bestraft. Im Verlauf ber Tagung nahm auch der Führer ber Heilpraktiker, Kommissar ber NSDAP Heinrich, bas Wort, um in längeren Ausführungen auf bie Geschichte unb ben 50jährigen Kampf ber Heilpraktiker einzugehen. Das neue Reichs - Tierschuhgesetz. Berlin, 25. Noo. (TU.) Im Reichsgesetzblatt roirb bas am 24. November unterzeichnete Reichs- Tierschutzgesetz verösfenalicht, das in seinen wichtigsten Bestimmungen am 1. Februar 19 3 4 in Kraft tritt. Das Quälen ober rohe Mißhandeln eines Tieres wird nach bem neuen Gesetz als Vergehen angesehen und unter eine Gefängnisstrafe bis z u zwei Jahren ober Geldstrafe gestellt. Es wird hierdurch di« Möglichk«it geschaffen, daß Rohlinge ganz besonders nachdrücklich bestraft werden können. Wenn es sich nicht um eine unnötige Tierquälerei und rohe Mißhandlung handelt, so wird als Sühn« für vorsätzliche oder fahrlässige Zuwiderhandlung gegen die Vorschriften des Gesetzes auf Geldstrafe bis zu 150 Mark ober Haftstrafe erkannt werden können. Neben diesen Strafen kann auf die Einziehung bes betreffenden Tieres erkannt werden. Statt ber Einziehung kann ungeordnet werben, baß das Tier auf Ko ft en des Verurteilten längere Zeit untergebracht ober oerpflegt wirb. Diese Nedenstrafen werben häufig einen Täter ober Teilnehmer an einer Tat empfindlicher treffen, als eine kurze Freiheits- ober Geldstrafe. Wenn jemand wiederholt wegen vorsätzlicher Zuwiderhandlung rechtskrästtg verurteilt worden ist, so kann ihm die Haltung von bestimmten Tieren oder die berufsmäßige Beschäftigung mit denselben auf Dauer oder auf Zeit untersagt werden. Außerdem können die Tiere ihrem Besitzer fortgenommen und auf dessen Kosten untergebracht werden, bis die Gewähr für eine einwandfreie Tierhaltung vorhanden ist. In bem Gesetz wirb weiter eine Reihe van Verboten zum Schutz ber Tiere ausgesprochen. Es soll damit Mißständen entgegengetreten werden, bi« erfahrungsgemäß besonderen Anlaß ;u Klagen gegeben haben. Ein« besonders einaehendc Regelung Hal die Vornahme von Versuchen an lebenden Tieren gefunden. Derartige versuch« sind grundsätzlich verboten worden, um Unberufene, bie sich vielleicht mit Tierexperimenten befaffen, ein für allemal ouszuschalten. (Ein völliges Verbot für Versuche an lebenden Tieren erschien nicht vertretbar, benn ein dahingehendes Verbot würde dem Volk und der Allgemeinheit einen schlechten Dienst erweisen und einen Rückschritt ber ernsten wissenschaftlichen Forschungs- tätigfeit zur Folg« haben. Deswegen sind unter schweren Bebingungen Ausnahm en zugelas- I e n für wissenschaftlich geleitete In» ftitute und Laboratorien, sofern bi« wis- schaftlichen Leiter über di« erforderlich« fachliche Ausbildung verfügen. In ben Strafbestimmunzen ist vorgesehen, daß derjenige, ber ohne (Erlaubnis noch Versuche an lebenden Tieren Dorrt immt, mit Gefängnis bi« zu6Monaten und Geldstrafe bestraft werben kann. Weiter wird verlangt, daß an demselben Tier, da» zu derartigen Versuchen verwandt wurde, kein zweiter fo(• cher Eingriff oorgenommen werden darf unb daß bas Tier nach beendigtem operativem (Eingriff alsbald schmerzlos zu töten ist, sowie da» Versuche möglichst nur an niederen Tieren oorzu- nehmen sind. Nach bem Gesetz ist auch verboten, ein Tier zum Abrichten, Filmaufnahmen, Schaustellungen ober ähnlichen Veranstaltungen zu verwenden, soweit sie mit irgendwelchen Schmerzen oder erheblichen Gesundheitsschädigungen für da» Teer verbunden sind. Zeugenvernehmungen im Reichslagsbrandstifierprozeß. Leipzig, 25. Noo. (WTB.) Als erster Zeuge in der Samstagoerhandlung gegen van ber Lubbe unb Genossen wirb ber Schriftsteller Werner Hirsch aus bem Konzentrationslager vorgeführt. Hirsch war von 1928 bis 1930 Rebakteur bei ber Roten Fahne und von 1930 bis 1932 Mitarbeiter beim Zentralkomitee der Partei. P o p o s f erklärt, er habe Hirsch zum erstenmal in ber Haft im März im Berliner Polizeipräsibium gesehen. Der Zeuge Hirsch bestätigt bas. Aus bie orage, ob er ben Namen Peter einmal geführt habe, erklärt Hirsch, baß er in ber deutschen Partei nie einen anderen Namen geführt habe. 1924 unb 1925 in Oesterreich habe er als Decknamen ben Namen Peter geführt. Als er nach Deutschland zurückgekommen sei, habe es sich bann eingebürgert, baß er im Kreise seiner engeren Mitarbeiter unb Freunbe Peter genannt wurde. Das sei aber niemals fein Name gegenüber bcn Behör- ben gewesen. Vorsitzender: Sie haben aber die hier in Frage kommenden Quittungen mit Peter unterschrieben. Bei den Quittungen handelt es sich doch um einen wichtigen Rechtsakt unb die Unterschrift mit falschem Namen ist verboten. Zeuge Hirsch: Ich erkläre mir das heute so, daß ich zu der Zeü, al» ich die quittierten Beträge für meine Ausarbeitungen erhielt, nicht mehr mit dem Parteiapparat in Verbindung geraten wollte, da ich meine eigentlich« Tätigkeit ja schon aufgegeben hatte. Der Vorsitzende fragt ben Angeklagten P o - pokf, wie es komme, daß diese Quittungen bei ihm gefunden wurden. Popoff erllärt ziemlich erregt: Das ist ganz ausgeschlosien, daß Hirsch die Quittungen geschrieben hat. Die Quittungen sind in meinem Beisein von meinem Bekannten Peter ausgeschrieben und unterschrieben worden. Die Beträge waren zur Deckung der Ausgaben, die er für mich zur Beschaffung von Druckschriften gemacht hat, bestimmt. Vorsitzender: Hat Popoff nicht gehört, daß ber Zeuge gesagt hat, die Quittungen waren v o n ihm. Popoff: Das ist ganz ausgeschlossen. Für mich ist das ein Mysterium Will her Zeuge mit Bestimmtheit behaupten, diese Quittungen ausgeschrieben zu haben? Zeuge Hirsch: Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen. Ich kann nur sagen, daß bie Handschrift täuschende Uebereinftimmung mit meiner eigenen aufmeift und ick hoher annehmen muhte, baß sie von mir geschrieben worden sind. Der Zeuge erklärt weiter, es sei ausgeschlossen, daß er mit dem Bekannten Peter de» Popoff identisch sei. Vorsitzender: Dann soll Popoff sagen, wer Peter i ft (Er hat das bisher oerheimticht. Popoff erklärt mit lauter Stimme: Ich kenne feinen Familiennamen nicht, ich weiß nicht, wo er wohnt. Er ist ungefähr 28 bis 30 Jahre alt, groß und blond Der Zeuge Hirsch, der hier steht, bat nichts gemein mit jenem Peter, von dem ich bie Quittungen bekommen habe. Zeuge Hirsch: Nach meiner festen Ueberjeugung ist cs vollkommen ausgeschlossen, daß die Zahlungen, die ich quittiert habe, irgendwie von Popoft gekommen sein sollten. Auch der Angeklagte Xaneff erklärt, daß jene» Zehn Tage Deutsche Vuchmeffe 1933 kanntmachung: Unternehmer, w e artet Immer schöne weiße Zähne Chlorodont die Qualitäts - Erzeugnisse Der Präsident des Amerikanischen Arbeiterver- bandes Green gab bekannt, daß die Gesamtzahl der Arbeitslosen in USA. 10076 Millionen betrag«. erfüllt seien von der Kraft, die von der Seele kommt und an die Seele greift. Ueber Aufgaben und Pflichten des Sortimentsbuchhändlers im nationalsozialistischen Staat referierte Martin Riegel (Hamburg), über die jungen Buchhändler Karl T h u l k e , Leiter der Fachschaft Buchhandel im Schlesisches Schloß eingeäscherl. Wie aus Hirschberg (Wesengebirge) gemeldet wird, brach im Schlohgebäude zu Löhn aus bisher unbekannter Ursache ein Brand aus, der sich so schnell verbreitete, baß das geräumige Schloß bis Wetten raussage. Durch die Verteilung der Luftdruckgegensätze mit dem Tief über dem Mittelländischen Meer und dem Hoch über Skandinavien und Finnnland verbleiben wir noch unter dem Einfluß östlicher Winde. Sie lassen das unfreundliche und kalte Wetter fortbestehen. Das anfänglich noch herrschende leichte Schneetreiben wird aber später nachlassen, und die Wolkendecke dürfte aufreißen. Aussichten für Dienstag: Roch leichte- res Schneetreiben, wechselnd bewölkt, Temperaturen weiterhin um Rull, um Ost drehende Winde. A u s s i ch t e n f ü r M i t t w o ch : Zeitweise ltär- ker bewölkt, aber auch aufklarend, meist trocken. Temperaturen wenig verändert. Lufttemperaturen. Am 26. November: mittags 2,0 Grad, abends 1,1 Grad; am 27. November: morgens 0,8 Grad; Maximum 2,4 Grad, Minimum 0,3 Grad Celsius; Niederschläge 0,1 Millimeter. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: Arn 26. Novern- ber:ab«nds 2,0 Grad; am 27. November: morgens 1,5 Grad Celsius. Der Kampfbund für Deutsche Kultur und die Neichsstelle zur Förderung des deutschen Schrift- tums m Berlin hatten eingeladen zu einer Kundgebung für das deutsche Buch als Auf- takt zu der ersten deutschen Buchmesse im neuen ^taat: "Zehn Tage Deutsche Buchmesse 1 9 3 3 . Pg. Dr. Heinz W i ß m a n n , Referent im Reichspropagandaministerium, umriß in interesian- ten Ausführungen die Aufgabe der Schrifttumskammer. Einmal gelte es, die Schaffenden aus der Vereinzelung zu losen, dann die Widerstände und veralteten Formen der Interessenten zu lösen und schließlich die Vermittlung zwischen Werk und Volk zu übernehmen. Der Leiter der Reichsstelle zur Forderung des deutschen Schrifttums, Hans Hage-' meyer, bezeichnete das Buch als kulturpolitische Waffe. Roman Hopp en he it, Leiter der Fach- gruppe Schrifttum im Kampfbund für Deutsche Kultur, behandelte das Thema: „Deutsches Schrift- tum und nationalsozialistisches Lebensgefühl". Dem Schrifttum falle zu, alles Zerfetzende auszuschalten im Sinne der Gesundung und der Steigerung des deutschen Lebens an sich. Für die Verleger srach Willi Bischoff. Der Verleger im Dritten Reich könne seine kulturellen Ausgaben nur erfüllen, wenn er aus dem Herzen arbeite, wenn die Werke Bei den Wahlen in den Vorstand der D e ut sch- baltischen Partei in Estland hat die deutsch.baltische nationalsozialistische Bewegung die Führung innerhalb der Partei über- nommen. Gewählt wurde zum Parteioorsttzenden zur Mühlen, zum 2. Vorsitzenden Iuckum, zum dritten Vorsitzenden von Harpe. • Der Präsident des arabischen Vollzugsausschusses gibt bekannt, daß am Montag und Mittwoch ein Generalstreik der Araber in ganz Palästina stattfinden wird. Der Grund des Streiks ist, daß an diesen beiden Tagen Gerichts- Verhandlungen gegen diejenigen Araber angesetzt sind, die der Teilnahme an den Unruhen am 13. und 27. Oktober beschuldigt werden. Meine politische Nachrichten Der Berliner Treuhänder der Arbeit, Pg. Iohs. Engel hat den Reichstarifvertrag ur das deutsche Bankgewerbe mit ver chiedenen Aenderungen für die jetzigen Standesorganisatio- nen des Bankgewerbes neu festgesetzt. Die Aenderun- gen beziehen sich u. a. auf den Urlaub. ♦ Reichsstatthaller Hildebrandt ernannte den Reichs- führer der SS. Himmler zum Kommandeur der politischen Polizei Mecklenburgs und Lü- b e ck s. Reichsstatthaller Kaufmann und der Senat haben die politische Polizei in Ham- bürg ebenfalls dem Reichsführer der SS. Himmler unterstellt. Im Laufe der letzten Woche oedammeUe Stabs- chef R oh m in Feldafing am Starnberger See die Führer sämtlicher Obergruppen und Gruppen der SA. zu einer Besprechung über die in den Monaten seit der Machtübernahme gesammelten Erfahrungen und Fragen organisato- rischer Art. * Der Präsident der Reichspressekammer, Verlags- direktor Max Amann, hat den Vorsitz des Vereins Deutscher Zeitungsverleger niedergelegt, um sich feiner Tätigkeit für die Pressekammer in >öl- liger Unabhängigkeit widmen zu können. Zum Vizepräsidenten der Reichspressekammer hat der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda den Reichspressechef der NSDAP., Mit- glich des Präsidialrates der Reichspressekammer Dr. Otto Dietrich ernannt. Demzufolge hat auch Dr. Dietrich die Führung des Reichsverbandes der deutschen Presse nieberaelegt. Zum Führer des Reichs- verbandes der deutschen Presse hat der Reichsmini- ster Dr. Goebbels den bisherigen Vorsitzenden des Landesverbandes Berlin im Reichsverband der deutschen Presse, Chef vom Dienst des Völkischen Beobachters, Wilhelm Weiß ernannt. Die Deutsche Buchmesse, die heute (Montag) im Europahaus in Berlin eröffnet wird, verdient weitgehende Beachtung, da es sich hier um eine Werbe- oeranstaltung für das deutsche Buch handelt, die sich über das ganze Reich erstreckt. Aebnliche Messeveranstaltungen werden gleichzeitig in Hamburg, Frankfurt a. M., Duisburg, Stuttgart, Nürn- berg und München stattfinden. Jeder Verlag wird sein Verlagsgestcht darstellen. Daneben gibt es eine Buchhändlerabteilung, die im Gegensatz zur Ver- lagsabteilung ihre Erzeugnisse verkaufen darf. In Berlin beteiligen sich rund 50 Buchhändler an der Buchmesse, die ihre Bücher nach Sachgebieten ge- ordnet haben. Auf der Ausstellung sind Bücher aller Wissensaebiete vertreten. Das Ziel besteht darin, möglichst _ neue Käuferschichten aus allen Kreisen der Bevölkerung heranzubringen. Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt begann ein Prozeß gegen 48 Kommunisten aus Frankfurt a. M. und Umgebung wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Sämtliche Führer und maßgebenden Bezirksobleute konnten festgenommen werden. Die Verhandlung begann mit der Vernehmung der ersten sechs Angeklagten, denen der Versuch des Wiederaufbaues der KPD. in Frankfurt besonders zur Last fällt. * Der erste große Reichsbauerntag, der wegen der Wahlvorbereitungen verschoben werden mußte, findet nunmehr am 20. und 21. Januar 1934 in Weimar statt. Auf dem Reichsbauerntag wird der Reichsnährstand sich in eindrucksvoller und umfassender Form zu seinen Zielen und Aufgaben im Dienste der deutschen Volksgemeinschaft bekennen. Das Verfahren gegen Professor Dessauer. München-Gladbach, 26. Nov. (TU.) Don der Beschlußkammer des Landgerichts ist jetzt das Hauptverfahren gegen den ehern. Zentrumsabgeordneten Prof. Dr. D e s s a u e r - Frankfurt und den Geschäftsführer Dr. Knecht wegen Anstiftung bzw. Beihllfe zur Untreue eröffnet worden. Der Termin für diese Verhandlung ist auf den 4. Dezember vor der Großen Strafkammer in München-Gladbach an= beraumt worden. Es handelt sich um den Verkauf von Anteilen der Carolus-Druckerei, die in Frankfurt a. M. die „Rhein-Mainische Volkszettung" herausaibt. Prof. Dr. Dessauer wird zur Last gelegt, dem flüchtigen früheren Direktor des Dolksoerelnsoerlages Dr. Hohn angestiftet zu haben, Anteile der Carolus-Druckerei zum Nachteil des Bolksvereins-Verlages weit unter ihrem wirklichen Wert an Dr. Dessauer abzugeben. Der frühere Privatsekretär Dessauers, Dr. Knecht, soll Beihilfe geleistet haben. Neue ArbeiiSbeschaffungskredite. Berlin, 25. Nov. (WTB.) Don der deutschen Gesellschaft für öfentliche Arbeiten AG. sind nach einer Meldung des Reichsarbeitsministeriums im Arbeitsbeschaffungsprogramm vom 1. Juni 1933 wiederum Darlehen im Betrage von 28,5 Millionen Mark bewilligt worden. Unter anderen erhielt die Stadt Berlin 5 Millionen Mark für Ergänzungsbauten an Schulen mb Brücken. Mehreren K l e i n b a h n g e s e l l s ch a f - ten in der Mark Brandenburg wurden für Erneuerungsarbeiten am Oberbau 1,2 Millionen Mark bewilligt, der Pfälzischen Gas- AG. in Ludwigshafen zum Ausbau des Gasversorgungsnetzes 800 000 Mark. Ferner erhielten die Städte Oberhausen 600 000 Mark für Kanalisationsarbeiten in öffentlichen Gebäuden, Düsseldorf weitere 300 000 Mark und Köln insgesamt 1 450 000 Mark für b i e Erweite - rung der Universität. Weiterhin wurden namhafte Beträge für S t r a tze n b a u t e n bewilligt, so für die Provinzen O st preußen und Brandenburg je über 1 Million Mark, für Schleswig-Hol st ein 700000 Mark und für das Land Sachsen etwa 1,5 Millionen Mark. Die Schulunasarbeit her NGOAD Berlin, 25. Nov. (TU.) Bei der Einweihung der Landesführerschule 3 Plaßenburg beim Kulmbach machte der Reichsschulungsleiter Otto G o h - des, wie die NSK. meldet, über die künftige Gestalt der Führerschulen folgende bemerkenswerte Ausführungen. Neben den Gauführerschulen werden im nächsten Jahr größere Gauschu - lungslager und Landesführerschulungslager eingerichtet, weil wir die Kurse in den Gau-, Landes- und in der Reichsschule umstellen wollen. Haben wir bisher auch in dieser Schule poli- tische Führer unb Amtswalter aller Grade geschult, so werden wir ab Anfang nächsten Jahres in den Gaulandes- und den Reichsführerschulen junge deutsche Volkgenossen in einer größeren Zeitdauer schulen lassen. Vorbedingung wird fein, daß der Kursteilnehmer in der HI. dient und mindestens ein Jahr aktiven SA - Dienst getan hat. Dann wird er ein Vierteljahr in der Gauführerschule, ein halbes Jahr in der Landesführerschule und ein Jahr in der Reichsführer, schule unterrichtet. Wenn er bann noch, vom Block- roort angefangen, sich emporarbeiten muß, bann haben wm die Gewähr, daß, wenn wir einmal abtreten müßen, wirklich brauchbare politische Offiziere vorhanden sind. Unternehmer und NSBO. Berlin, 25. Nov. (CNB.) Der Leiter der NSBO-, Waller Schumann, erläßt folgende Be- Peter, der ihn bei seiner Ankunst in Berlin auf ißopoffs Veranlassung in die Wohnung des Sönke geführt habe, ein ganz anderer Mensch gewesen sei als der hier vernommene Zeuge Hirsch. Er habe auch nicht die mindeste Aehnlich- keit mit diesem Zeugen gehabt. Der Schriftsteller Bruno Peterson gehört seit 1919 zur KPD. und erklärt, daß er auch heute noch ihren Zielen anhänge. In den Tagen vor dem Reichstagsbrand ist er oft bei Toralcr im Reichstag gewesen. Der Zeuge war auch am Abend des Brandes mit Torgler und Koenen bei Aschinger, ist aber dort schon früher weggegangen und hat von dem Brande erst am näch- ften Tage aus den Zeitungen erfahren. Ueber die Quittungen des Zeugen Hirsch erklärt er, daß er an diesen Zeugen keinerlei Zahlungen geleistet habe. Auch Peterson erklärt, an einen der Angeklagten habe er nie Quittungen mit seinem Namen gegeben. Maurer Schmidt, in dessen Wohnung nach der Bekundung des Zeugen Grothe in der Nacht vom 26. zum 27. Februar Mitglieder des Rotfront- fampferbunbes im Alarmzustand gelegen haben sollen, nimmt auf seinen Eid, daß das nicht der Fall gewesen ist. Er kenne den Grothe gar nicht- Der Zeuge bezeichnet im übrigen die Aus- sagen Grothes als Phantasien. Deiterverhandlung Montag. Mitglieder sind, können mit sofortiger Wirkung in die NSBO. ausgenommen werden, und sind als besondere Gruppe in den Karteien der Gaubetriebszellenabteilungen zu führen. Ueber Beitragsregelung ergeht Anordnung durch den Schatzmeister. Die Gemeindewahlen ui pofen. Pofen, 26. Nov. (CNB.) Der heutige Wahl- fonntag in Posen, der die nue Stadtverordnetenversammlung bringen wird, ist bisher ruhig verlaufen. Die Deutsche L i st e, die in vier Wahlbezirken ausgestellt war, ist in drei Wahlbezir- ten amtlicherseits gestrichen worden, so daß nur in einem Wahlbezirk gewählt wird, wäh- rend die übrigen Wahlbezirke Stimmenthaltung üben. Anläßlich des T des bei der ©rauben- zer Wahlversammlung erstochenen deutschen Schmiedemeisters Krumm ist im ganzen Gebiet der Woiwodschaften Posens und Pomerel- lens jede deutsche Beran altung abge» fa g t worden, um der Trauer des Deutschtums Ausdruck zu geben. Am Totensonntag ist in allen evangelischen Kirchen der ermordeten deutschen Volksgenossen gedacht und nach dem Gottesdienst feierlich alle Glocken geläutet worden. De Valero die Einreife nach Nordirland verboten. London, 25. Nov. (TU.) Die Regierung in dem zu Großbritannien gehörenden protestantischen Nord- Irland (Ulster) hat dem Ministerpräsidenten des Freistaats Irland de Valero die Einreise Mach Nordirland verboten, um seine Teilnahme an dem Wahlfeldzug zu verhindern. Im Falle der Nichtbefolgung des Verbotes wird de Dalera die Verhaftung auf nordirischem Boden angedroht. Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß der irische Ministerpräsident nach Ulster fahren wird, wo er in einem Wahlkreis als Kandidat der Nationali- st e n aufgestellt wurde. Rom begrüßt den Besuch Litwinows Rom, 26. Nov. (WTB.) Der russische Außenkom- missar Litwinow hat Ncwyork verlassen und befindet sich an Bord des „Conte de Savoia" auf der Reise nach Rom. Die Ankündigung seines amtlichen Besuchs in Rom ist in den politischen Kreisen Italiens mit außerordentlicher Genug- tuung ausgenommen worden. Man verspricht sich von dieser Reise um so größere Bedeutung, als sie in einem Zeitpunkt vor sich geht, wo Litwinow einen der stärk st en diplomatischen Erfolge für Rußland davongetragen hat. Die seit einem Jahrzehnt bestehende und im vergange- nen Sommer durch Abschluß des Nichtangriffs- und Neutralitätsvertrages noch verstärkte italienisch- russische Freundschaft werde, wie die Turiner Stampa schreibt, eine weitere Bekräftigung erfahren. Diese Freundschaft diene ,a nicht nur der Verbesserung der Beziehungen zwi- schon Italien und Rußland, sondern zugleich auch einer immer stärkeren Wiederannäherung Sowjetrußlands an Westeuropa. Unzufriedenheit auf Gamoa. Wellington (Neu-Seeland), 26. Nov. (WTB.) Nach Meldungen aus Apia hat die Gefangen- setzung vonsieben Führern der unter dem Namen „TZ a u" bekannten Vereinigung von Samoanern, die unter Anklage stehen, einen Aufruhr vorbereitet zu haben, dazu geführt, daß Mitglieder des Mau zu einer großen Pro / est - r La m m 1 u n 9 i n Apia zusammenströmten. Die Polizei stellte der Menge cm Ultimatum, sich innerhalb 24 Stunden zu zerstreuen. Vor Ablauf der Frist hatte die Versammlung nach dem anscheinend befriedigenden Verlauf von Unterhandlungen ihrer beiden Führer mit der Verwaltung sich zerstreut. Lediglich ein A u s s ch u ß von Mitgliedern des Mau bleibt in Apia, um an dem am Dienstag beginnenden Prozeß als Beobachter teil- zunehmen. | aus die Umfassungsmauern niederbrannte. Dos I Schloß war etwa 300 Jahre all und besaß histori- I fchen Wert, Jett 1805 ist es Im Besitz der Familie v. Haugwitz. Die Feuerwehr mußte sich darauf I beschränken, die dicht neben dem Schloß liegenden Stallungen und Speicher vor dem Brande zu schützen. Ein Teil der Einrichtungsgegenständs konnte in Sicherheit gebracht werden. Nachwehen des Sklarekprozesses. Die Sechste Strafkammer des Berliner Landgerichts verurteilte den ehemaligen Stadtbankdirektor Schröder, der Zuwendungen für pflichtwidrige Handlungen von den Sklareks ange» I nommen hatte, wegen schwerer passiver B e ft e • chung zu einem Jahr Gefängnis. Außerdem wurde dem Angeklagten die Befähigung zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von drei Jahren abgesprochen. 4660 Mark Bestechungsgelder, außerdem acht Anzüge und zwei Paletots, die der Angeklagte von den Sklareks erhalten hatte, wurden dem Staat für verfallen erklärt. Im Falle des Nichtvorhandenseins der Kleidungsstücke muß der Angeklagte für jedes Stück 100 Mark zahlen. I Schröder, der von den Sklareks getäuscht sein will, hätte cs früher weit von sich gewiesen, daß er von I den Sklareks Zuwendungen erhalten hat. Als Zeuge im Prozeß vernommen, räumte er aber den I Erhalt von Rennaewinnen von mehreren tausend I Mark ein. Außerdem hat Schröder sich Anzüge I von den Sklareks machen lassen, für die er etwa I 80 bis 100 Mark selbst zahlte, während die Sklareks sie für etwa 400 Mark bei einem teueren Maßschneider Herstellen ließen. Der blinde Passagier in der Dampfheizung. Während der Fahrt des Schnellzuges Athen— I Budapest beklagten sich die Reisenden des Schlaf- I wogens solange über das Nichtfunktionic- r e n der Dampfheizung, bis sich der Schlafwagenschaffner entschloß, die Dampfheizung des Schlafwagens untersuchen zu lassen, was bann auch auf der Station Neusatz in Jugoslawien geschah. Zur großen Ueberraschung der Monteure und Passagiere wurde aus der Dampfheizung des Schlafwagens ein 17jähriaer Grieche Hervorgeholt, der die Reife von Athen bis Neusatz in der Dampfheizung mitgemacht hatte. Um nicht zu verbrennen, hatte er jeweils die Ventile geöffnet. Auf der Poli- zei erklärte er, man solle mit ihm machen was man wolle, er fei halb erfroren und halb ge« sotten und wolle vor allem schlafen. Regen und Sturm in Italien. Die Regengüsse und Stürme in ganz I Italien halten an. In Loreto ist ein zweistöckiges I Haus vollständig in dem durch den anhaltenden Regen aufgeweichten und nachgebenden Boden I versunken. Die Einwohner hatten sich vorher in Sicherheit gebracht. An der Südwestküste I Italiens hat der Sturm in den Häfen verschiedentlich Schaden angerichtet. In Anzio mußten die losgerissenen Fischerboote unter großen Mühen eingeholt werden. Jedoch fehlen drei Boote mit sieben Mann, die bisher nicht aufzufinden waren. Ein schwerer Unfall ereignete sich in der Meerenge von Messina auf dem Fährschiff „Sicilla", bas I vier Eisenbahnpersonenwagen bes Schnellzuges I Palermo—Rom an Borb hatte. Der erste biefer Wagen riß infolge des Seeganges los und schlug um. Zwei Personen wurden schwer, fünf leichter verletzt und mußten nach der Rückkehr in den Hafen von Messina ins Krankenhaus gebracht werden. Drei Frauen als Opfer eines Autounglücks. Ein schweres Kraftwagcnunglück trug sich in der Nähe bes Orts Dunkelforsch auf ber Ber- lin-Magbeburger Chaussee zu. Ein aus Richtung Magbeburg kommenber Personenkraftwagen, ber ' mit brei Damen besetzt war, geriet auf ber schlüpfrigen Straße ins Schleichern unb raffe gegen I einen Baum. Der Kraftwagen wurde vollstän- big zertrürnert. Die brei Insassen mürben auf bis. Straße geschleubert. Im Iohanniterkrankenhaus in Genthin ist von ben Verunglückten Frau ßesmin aus Staßfurt an ben Folgen ber schweren Verletzungen fur^e Zeit nach ihrer Einlieferung gestorben. Die zweite Insassin, Frau Wolter aus Werder a. b. Havel, mußte noch mit erheblichen Ber- letzungen im Krankenhaus bleiben, währenb bis brüte Dame bereits roieber aus bem Krankenhaus entlassen werben könnt'. Zulassung des Bilbffrdfens „Hans wcstmar. Einer von vielen". Dis Filmprüfstelle Berlin hat setzt ben Bilbftrei- fen ,^Ha n s W e st m a r. Einer von Vielen. Ein beutsches Schicksal aus bem Jahre 1929" zugelalftn. Das Manuskript bieses Films ist frei nach bem Toman „H o r st Wessel" von Hans Heinz Evers bearbeitet. Mit bem kürzlich verbotenen Horst-Wessel- Film hat ber zugelassene Bilbstreifen nur biejenigen Bildbogen unb Texte gemein, bie sich auf bie Eroberung bes roten eBrlin burch bie SA., nicht aber -in- mittelbar aufs Leben unb Sterben Horst Wessels beziehen. Di« Zulassung, bei ber Polizeigeneral D a - luege, Gruppenführer Ernst unb Gaupropa- ganbaleiter Schulze als sachverstänbige Berater mitwirkten, erfolgte nach Paragraph 2 des Licht« spielgesetzes mit ber Maßgabe, baß in ber Reklame unb bei ber Vorführung bes Westmar-Films jede Bezugnahme auf bie Person Horst Wessels unb ben verbotenen Film zu unterbleiben hat. Aus aller Welt. Der Trans-Gibirien-Expreß von Banditen überfallen -Zahlreiche Tote. Der Transsiblrien-Expreh ist von einer Räuberbande etwa 40 Meilen östlich von Ifi- lflkar überfallen worden. Die Banditen hat- ten die Gleise aufgerissen und den Zug, | der mit einer Stundengeschwindigkeil von 50 Meilen heranbrausle, en (g (elfte und stürzte den Bahndamm hinunter. Die überlebenden Reisenden, die sich au» den Trümmern befreien wollten, wurden von den Banditen beschossen. Man befürchtet, daß ein großer Teil der Passagiere getötet worden ist. Mehrere der Ueberlebenden sind von Banditen al» Geiseln entführt worden. Ehinesische Piraten überfallen französischen Dampfer. Chinesische Piraten überfielen den französischen Dampfer „Commandant Henry Bioier" auf der Fahrt von Hongkong nach Haiphona. Es gelang ihnen, vier reiche Chinesen zu entführen .mb 1000 Pfund bar miüunebmen. Der Anschlag glückte, obwohl die Polizei im Rundfunk vorher eine Warnung hatte ergehen lassen, daß eine Bande die britische Grenze überschritten habe und offensichtlich einen Anschlag im Schilde führe. Der 2615 Tonnen große Dampfer war sogar vor seiner Abreise von Hongkong von der Polizei gründlich durchsucht wor- den. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sah sich ber Zweite Offizier plötzlich von mehreren Piraten umringt, bie ihn überwältigten unb halb ben ganzen Dampfer unter ihre Kontrolle brachten. Sie steuerten nach Chilang, feuerten auf chinesische Dschunken, konfiszierten biese und benutzten sie, um mit ihren Gefangenen und ihrer Beute das Weite zu suchen. Der Führer beim Gigli-Kouzerl. Zu bem letzten Berliner Konzert bes berühmten italienischen Tenors Benjamins G i g l i in ber ausverkauften „Scala" erschien unerwartet Reichskanz- ler Adolf Hitler, bem bas Publikum stürmisch zu- jubelte. — Gigli hat sich übrigens entschlossen, am 10. Dezember noch ein Konzert in Berlin zu geben, dessen gesamter Reinertrag ber Winterhilfe zugute kommt. Dänische und norwegische Rationalfoziallsten am Grabe Horst Wessels. Dänische und norwegische Nationalsozialisten in Deutschland vereinten sich zu einer schlichten Ge- b e n f f e i e r unb Kranznieberlegung am Grabe Horst Wessels. Der Kranz ber bänifthen Gruppe, ber bie Inschrift trug: „Du bist unser Beispiel, wir folgen", würbe von bem Führer Henning Rech- nitzer-Möller mit bem Spruch: „Worte besagen hier wenig; hier war alles Tat" an ber Grabstätte niebergelegt. Für bie norwegische Gruppe sprach ber Führer Paul Gunbersen ein alter SS.-Mann „Auch wir, bu großer Sturmführer, danken bir, wir norwegischen Nationalsozialisten in Deutschlanb." Der Kranz trug eine Schleife in den Landesfarben unb bie Inschrift: „Auch wir banken bir". Währenb ber Feier ftanb eine Ehrenwache ber norwegischen unb dänischen Nationalsozialisten am Grabe. Auto von Zug ersaßt. — 2 Tote, 3 verletzte. Wie bie Reichsbahnbirektion Nürnberg mitteilt, durchbrach ein mit fünf Personen besetzter Kraftwagen bei bem in der Nähe von Neuendorf gelegenen Uebergang nach ©münden—Lohr am Main den geschlossenen Schrankenbaum und fuhr in einen gerade vorüberfahrenden Güterzug hinein. Der Kraftwagen wurde von einem Güterwagen erfaßt, etwa 15 Meter weit geschleift und vollständig zertrümmert. Die Insassen des Kraftwagens befanden sich auf der Heimfahrt nach Lohr von einer Hitlerjugenb-Kundgebung in Würzburg. Die Wagen- Shrcrin Grete Schäfer unb ber Mitfahrer Franz e y e r wurden getötet, bie brei übrigen Mit- fahrer verletzt. Die Jnsasien des Wagens stammten aus Lohr. Doktor Gmdes Ehe. Originalroman von 3- Echneider»Zoerfil. 24 Fortsetzung Nachdruck oerbotenl ,^Za. Die Freundschaft datiert schon aus der Iu- genb,)rit." Ihre Stimme war jetzt nicht mehr m Mindesten verängstigt. Es war ja alles so gut ab» gelaufen. „Vielleicht lassen Sie uns noch einen Blick in das Zimmer des Herrn Montrey tun, Fräulein Moore?" „Gewiß!" sagte sie lächelnd.'Was sollte man schon bei diesem finden? Die Sonne warf einen breiten, blendend Hellen Streifen in den kleinen Raum, der in tadelloser Ordnung war. Lena öffnete bereitwilligst die Schranktüren und erblaßte bis an den Ansatz der Haare. Mit einem Griff hatte der Kommissar nach den Handschuhen gefaßt, die auf dem Querbrett lagen. Ihre Sprache war deutlicher, als jeder andere Beweis es hätte sein können: sie waren blutbefleckt! Verzweifelt schüttelte Lena den Kopf. „Er ist es Nicht gewesen!" „Worum nicht?" sagte der Kommissar und wog fie in der Hand, als wolle er damit die Schwere der Schuld beurteilen. „Das ist unerwartet rasch gegangen. Wir brauchen Sie nicht mehr länger zu belästigen, Fräulein Moore." Sie hörte es kaum. Ihr Kopf drohte zu bersten. Sßcnn die Herren noch länger blieben, glitt sie ihnen einfach vor die Füße. Sie kam sich als das unseligste Geschöpf vor, dem je eine Frau das Leben gegeben hatte. Warum hatte sie nicht gesagt, daß Dick sein Zimmer versperrt halte? Warum hatte sie fich überhaupt nicht von vornherein geweigert, in Grudes Abwesenheit jemand hereinzulassen? Sie vergaß für den Gruß der Herren zu danken unb ließ sie durch das Mädchen nach der Flurtür begleiten. Kaum glitt diese ins Schloß, lief sie nach dem Sprechzimmer und drehte die Scheibe des leie- phons: 202 046. „Hier Wellenberg", sagte eine Stimme aus dem Hörer. „Herr Doktor! —" „Was gibt es, Lena?" Er bekam keine Antwort mehr. Auch als er selbst noch einmal bei Grude anläutete, blieb alles still. Er sprang auf den Flur, riß Hut und Mantel herab und sagte einer gerade des Weges kommen» den Schwester, daß er dringend nach der Mariahilfer Straße müßte, man könne ihn Dort erreichen, wenn man ihn etwa durchaus benötigen sollte. • Dick saß am Steuer des Wagens, der vor dem Krankenhause stand und hatte ein Zeitungsblatt auseinandergefaltet, in welches er derart vertieft schien, daß er sogar die Schritte überhörte, die fi.) dem Auto näherten. Erft, als ein bemützter Kopf sich durch das Fenster streckte, sah er auf. „Noch immer keine Gewißheit, Herr Kommissar?" „Doch, Herr Hauptmann!" „Wirklich?" meinte er erstaunt. „Das is aber schnell gangen." Etwas in dem Ton des Beamten gefiel ihm nicht. „Darf man wissen? —" „Freilich! —" Der Kommissar nahm ein Paar blutbefprißte Handschuhe heraus und hielt sie ihm entgegen. ,Lhr Eigentum, Herr Hauptmann? —" Dick war eine Sekunde lang verblüfft. Dann besah er sich die hellen Dinger von allen Seiten. ,La) glaub' beinahe selber, daß es die meinig’n sind! Wo hab'n Sie's denn gefund'n, Herr Kommissar?" „In Ihrem Schrank!" „Soo! — Da hätf ich's also besser versteck'n soll'n." „Das hätten Sie tun sollen, ja. — Sie bekennen sich also zur lat?" suchte ihn der Beamte zu überrumpeln. Aber er hatte sich verrechnet. Dick machte sein unbefümmertetftes Gesicht. „Aber gar net, Herr Kommissar! Weil da zufällig ein paar Blutspritzer dran sind, desweg'n muß ich's doch net gleich g'roefn sein. Ich hab' überhaupt die Madien schon ein paar Monat lang nimmer z' G'sicht kriegt. Ich hab' and) gar keine Sehnsucht darnach g'habt. Und daß 's einmal ein solches Ende nimmt, das hab' ich oorausgesehn." „Ein gewaltsames Ende wollen Sie jedenfalls sagen, Herr Hauptmann?" „3a, so ungefähr. —" Und als Grude eben die breite Treppe, die zum Gehsteig herabführte, her- unterflieg, rief er ihm fragend entgegen: „Wie geht's deiner Frau?" Grude zwang die Tränen zurück, die ihm aus den Augen zu brechen drohten. „Sie ist nicht mehr zu retten!" „Jkffas, na!" meinte Dick erschrocken, unb streckte dem Freunb die Rechte entgegen, der sie hilfesuchend zwischen seine kalten, zitternden nahm. „Kann ich naufgehen zu ihr? — Ich mein, ob's mich kennt, wann ich sie besuch'?" Grube schüttelle ben Kopf. „Kennen wirb sie bich vielleicht schon. Aber geh lieber nicht. Dick! Das Sprechen strengt sie zu fehr an." „Bloß auf ein paar Wort, Felix?" Aber als er aus dem Wagen flieg, legte ihm ber Kommissar die Hand auf die Schulter. „Es tut mir sehr leib, Herr Hauptmann, aber in Anbetracht ber beinahe sicheren Gewißheit Ihrer Täterschaft kann ich nicht zulassen, daß Sie sich entfernen." „Dann kommen ’s halt mit!" Grude war derart verblüfft, daß er für ben Moment fein Wort zu sagen vermochte. „Was soll bas heißen?" brachte er nur hervor. „Das sott heißen", erwiderte ber Kommissar, „daß Herr Hauptmann Montrey wahrscheinlich der Täter ist." Er nahm die Handschuhe heraus und hob sie als Zeichen des Beweises hoch. „Dick!" sagte Grude unb schüttelte ben Freunb an beiden Schultern. In diesem Augenblick wußte Montrey, daß er sich zur Schuld bekennen mußte, mochte daraus folgen, was wollte. Mit einem abwesenden Lächeln schüttelte er Grubes Hände von sich und wandte sich dem Korn- rnissar zu. .Raffen's mich halt die paar Worte mit ber Mablen noch reb'n! Auskneif'n kann ich ja net. Und nüg'n tät’s ja doch nix mehr." „Nein!" sagte der Kommissar streng. Ehe Grude überhaupt recht zur Besinnung kam, verschwanden die beiden Beamten mit Montrey bereits hinter der Pendeltür des hohen, grauen Hauses. Für Sekunden legte Grude ben Kops gegen die kühle Scheibe des Wagenfenfters unb drängte den Schrei der Verzweiflung zurück, der sich ihm über die Lippen stehlen wollte. „Dick also war der Täter!" Unb er hatte es aus keinem anderen Grunde getan, als aus lauterstem Erbarmen mit ihm! Nur aus Erbarmen! Es gab fein anderes Motto dafür. Und er hatte geglaubt, daß ber andere, für den Madien um Schonung gebeten hatte, ber Schuldige fei. Und nun dieses Ent» setzliche! Nichts hätte ihn fürchterlicher treffen fönnen. Was tonnte er tun, um zu verhindern, daß Dick schwerster Strafe anheimfiel? Was tun, um ihn so viel als möglich zu entlasten? Die Handschuhe waren ihm zum Verräter geworden. Ein paar armselige, gelbweiße Glaces wurden zum Kronzeugen, die jegliches Leugnen unmöglich machten! Er schleppte sich wieder die Stufen hinauf, welche zum Eingang führten, und sah Dick eben in Begleitung des Kommissars nach unten kommen. Beide Hände streckte er dem Freunde entgegen und suchte verzweifelt in dessen Gesicht zu lesen. Montrey steifte die Schultern unb zwang sich zu einem Lächeln. „Es wirb net so gefährlich roerb’n, Felix. Mit ber Mablen hab ich gar nix reb’n können. Sie hat mich bloß ang'schaut." „Hat fie bich erkannt?" „Ich glaub net!! —" Und sich rasch gegen ihn neigend, flüstert« er: „Don ihr kommt kein Verrat nimmer! Und um mich brauchst dich net sorgen, Felitsche!" Grude hörte alles nur mit halbem Ohr. Als er den Schlag öffnete, um einzusteigen, nahm der Kommissar bas Wort. „Ich möchte, um jedes Aussehen zu oermeiben, bitten, daß Herr Montrey jetzt gleich mit mir kommt. Ich denke, daß es so am besten ist." „Sie meinen?" sagte Grude ungläubig. „Daß du selber steuern sollst!" erklärte Dick und zeigte nach dem Führersitz. „Mußt dich halt eine Weile ohne mich behelf'n, Felix. — Auf Wieder- schau'n!" Grubes beide Hände hielten ihn fest. „Du hast es für mich getan!" „Für wen denn sonst?" Das Lächeln, das um Montreys Gesicht glitt, war nicht zu deuten. „Und es reut mich net! Du darfst mir's glauben, Felitschef Ich tät's allemal wieder! Bloß oergeff'n sollst mich net!" „Dick! —" „Fahr jetzt!" gebot dieser. „Ich bin bereit, Herr Kommissar!" Grude zunickend, zog er den Hut weit in die Stirn. Man durfte den Leuten kein Schauspiel auf offener Straße geben. Gegen Mittag erwachte Madien aus ihrer tod- ähnlichen Besinnungslosigkeit unb bat, man mochte ihren Mann sofort verständigen, daß sie ihn zu sprechen wünsche. Eine Viertelstunde spater schon saß Grube an ihrem Bett unb hielt die schmalen Hande in ben seinen, die ihm einmal so unsagbares Leid bereiteten. „Du sollst nicht sprechen", mahnte er. „Ich will dir einen Zettel bringen, daraus sollst du schreiben, was du mich zu fragen wünschest!" Sie sah ihn an unb ließ ben Blick über (eine Testalt hingleiten. „Hast du bich nach ihm erkundigt, Felix?" Er nickte. „Geht es ihm schlecht?" „Es wird immerhin seine Zeit brauchen, bis er wieder auf dem Damm ist", gab er Bescheid. ..Die Wunde ist tief unb sitzt dicht neben dem Herzen." Eine Weile sah sie nachdenklich vor sich hin. Ihre Finger zuckten in den feinen unb losten sich langsam von diesen los. „Ich hätte bei dir bleiben sollen, Felix! Unb bei unserem Kind! Ader das ist nun zu spät! Immer bereuen wir erst, wenn es nichts mehr zu ändern gibt." „Du wirft wieder gesund werden, Madien." Seine fromme Lüge rief ein flüchtiges Lächeln in ihr Gesicht. „Widersprochen habe ich dir immer gern. Weißt du noch? Ach, ich bin nun einmal so! Die Hauptfach« ist, daß niemand erfährt, wer den Schuß abgegeben hat--" „Die Polizei hat es bereits herausgefunden." „Was? —" Grude hielt sie mit Gewalt zurück, als sie hochschnellen wollte. Ihre Hand umklammerte die feine und zog ihn zu sich herab. „Wird er verurteilt werden?'' „Sicher!" bekräftigte er. „Soll ich für ihn sprechen, Madien?" Er vernahm nur ein schmerzliches Stöhnen. ,Lch hätte dir das so gern erspart, Felix aber nun sollst du alles wissen, weil es nun doch kein Beschönigen mehr gibt. Wir haben uns geliebt." Grube fuhr zurück. „Madien, du weißt nicht, was du sprichst." „Doch, Felix! Schon als ich noch mit dir lebte, habe ich ihn gern gesehen und mich außer Haus mit ihm getroffen. Du hast gar nichts gemerkt, aber ich, mein Gott, ich weiß ja gar nicht, ob ich ihn wirklich geliebt habe. Er mich jedenfalls. Unb barum bitte ich dich um alles: Hilf ihm, wenn du ihm helfen kannst." (Fortsetzung folgt.) [ Suppen, Soßen. Gemüse, Salate, Fischgerichte U werden schmackhafter durch einige Tropfen MAGGI5 WÜTIB stände: 100 Mistbeetfenfter 1 Schreibtisch mit Sessel 4 Schreibmaschinen 1 Radio 6 Büfetts 1 Gasherd 1 Kleiderschrank 5 Sofas 5 Lederstühle 1 Kredenz 1 Tisch 1 Blumenständer Zwangsversteigerung. Donnerstag, den 30. November 1933, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich meistbietend gegen Barzahlung folgende Gegen- gegeben. Durch fofortige Bezahlung der Rückstände werden obenftchende Gegenstände wieder freigegeben. Bei nachgewiesener wirtschaftlicher Notlage können größere Abschlagszahlungen geleistet werden. 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Holzapfel, Banksyndikus Heute früh ist mein lieber Gatte, unser treuer Bruder. Vater und Grobvater Eduard Holzapfel. Senatspräsideot i. R. im 74. Lebensjahr unerwartet an Herzschlag verschieden. Amfsverkiindigungen aus den oderhesflschen Kreisen. Kreis Gießen. Am 5. Dezember 1933 findet wie alljährlich eine Viehzählung statt. Die Leitung der Zählung ist dem Landesstatistj- schcn Amt in Darmstadt übertragen. Die Ausführung liegt ben Hessischen Bürgermeistereien ob. Eine Vergütung für die Mittvirkenben wird von Staats wegen nicht geleistet. Di« nötigen Zähllisten unb Gemeinde- bogen wirb ben Bürgermeistereien bes Kreises das Landesstattstische Amt unmittelbar zusenben. Neu in die Gemeinde- bogen (letzte Selle) aufgenommen ist mit Rücksicht auf die Wiederholung der Edel- pelztterzählung zu Anfang Februar 1934 eine Frage nach dem Vorhandensein von Ebelpelztierfarmen. Ebenso erschien es zur Durchführung einer von Reichs wegen angeordneten Sondererhebung des Anbaues von Winterraps unb Wintergetreibe zweckmäßig, die dieser Erhebung entsprechenden Fragen mit der Viehzählung zeitlich zu verbinden. Die beiden hierfür bestimmten Vordrucke (in Weiß und Grün) gehen den Bürgermeistereien ebenfalls durch das Landesstatiftische Amt zu. Das weiße Exemplar dieser Vordrucke bleibt nach Eintrag der gewünschten Zahlen bei ben Akten der Bürgermeisterei, wo solches bei ber nächstjährigen allgemeinen Anbauflächenerhebung benötigt wird, während bas grüne Exemplar gleich- zeitig mit ben Biehzählungsergebnissen an bas Landesstatiftische Amt einzusenben ist. Diejenigen Bürgermeistereien, die bis zum 28. November 1933 nicht im Besitze der nötigen Zählpapiere und Vordrucke sind, wollen sich entweder mittels Fernrufs Nr. 2657 (Darmstadt) ober telegraphisch an das Lanbesstatistische Amt roenben. Auf dem Gemeindebogen und der Zähl» liste sind Anweisungen ausgedruckt, wie die Zählung im allgemeinen durchzuführen ist. Die Bürgermeistereien wollen sich mit diesen Anweisungen vertraut machen und die Zähler eingehend belehren. Die ausgefüllten Zähllisten unb die Urschriften der Gemendebogen sowie der grüne Anbauftächenerhebungsbogen find spätesten, bi, zum 10. Dezember b. 3. an das canbesstattstische Amt in Darmstadt abzulenben. Der Termin ist pünktlich einzuhalten unb barf nicht überschritten werben. 7178C Reinschriften unb Abschriften ber Zähllisten brauchen nicht angefertigt zu werben, doch sind von ben Gemeindebogen Abschriften zu den Akten ber Bürgermeisterei ZU machen. Das Kreisamt empfiehlt, die Anordnung der Zählung auf ortsübliche Weise be- kanntzumachen und die erforderlichen Maß- nahmen zur gewissenhaften Durchführung der Zählung alsbald zu treffen. Kreis Büdingen. Im Hinblick auf die bevorstehende Winterszeit sieht das Kreisamt sich veranlaßt, die Landwirte aufzufordern, ihre jungen Obstbäume in gehöriger Weis« gegen Hasenfraß zu schützen. Das Umwickeln' der Bäume mit Stroh, wie es vielfach üblich i[t, ist nicht genügend, da ber Hase dieses Schutzmittel beicht durchnagt; auch nisten sich im Stroh gern Obstbaumschädlinge ein. Einen wirklichen Schutz gewährt nur ein dichtes Umbinden ber Bäume mit Dornen ober bas Anbringen eines Draht- gitters. Bei ber großen Bebeutung, welche ber Obstbau hat, liegt es in dringendem Interesse ber ßanbroirte, an ihren Bäumen diese leicht und billig zu beschaffenden Schutzvorkehrungen änzubringen. Hierbei weist das Kreisamt noch darauf hin, daß nach Artikel 2 des Gesetzes, in ber nach dem 1. Januar 1900 geltenden Fassung, den Ersatz des Wildschadens betreffend, Wildschaden nicht ersetzt wird, wenn er an Dbftbäumen und Baumschulen oorkommt, deren Eigentümer unterlassen hat, dieselben mit ber unter gewöhnlichen Umftänben zur Abwendung des Schadens ausreichenden Schutzvorrichtungen zu versehen. Hüolo-'Mppfltfli 15X18 — 9X12 Ptzotolamve KoS« meta, Nettanode f. Gleichstrom,Sucher für Motorrad, ~ Miele-Wring» 3 maschine r. verkauf. Am Kugelberg 25. | Kaufgesuche | Biano ÄÄ u.06716a.d.Gicß.A. Illlllllllllllllllllllllllllllllllll Detektiv K. Gerz, Bed-Manlile, Iw itrUalTenebiflialle oei trauliche Privat- u Ge>chäitvangele' gentzenen. wie AuS- fünfte. Beotzachtun- nen.Erm tte unqen Beschaffung o. Be- roe vmm m Errat- u. B'OilDtoi itrem btMr Eorechlt.-Vb 12'/,u '-6Nb- llllllllllllllllllllllllllllllllllll Arterienverkalkung? Rrtoblantf)»(*rtraFt „illliuni benenum“ Srflcrfröons Jom, i.d.Schulstraße^t,, Helfer In kalten Tagen ■Ind die Warmfleeche. Leibwärmer. Heizkissen. 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