noch an, und sicherlich sagte es sie nur so obenhin, wenn sie meinte, Thomas wäre wohl der beste Fischer und wäre auch gut zu den Tieren, was man sonst nicht von jedem sagen könnte. „Wenn du mich damit meinst, dann kann ich dir nur sagen, daß das immer meine Sache ist mit den Pferden!" hatte Andrees grob geantwortet, „das Vieh geht ja nicht gutwillig, und mit einem leeren Netz zurückkommen, das würde dir auch nicht passen!" Genau so hatte er gesagt, und das hatte auch geholfen, denn Antje war still geworden danach, und daß sie Thomas nachsah, das hatte wohl nichts zu bedeuten, wo sie ihn schon einmal abgewiesen hatte und wo er nichts tat, was ihre Aufmerksamkeit hätte auf ihn ziehen können. „Aber die Möven schreien wirklich anderes Wetter heran!" sagte Andrees wieder gutgelaunt zu Thomas hin. Da war es schon ein wenig lichter in der Kammer geworden, bald Zeit zum Aufsteyen, und als Thomas auch jetzt noch nicht antwortete, warf Andrees mit einem Scheit Holz in feine Gegend und merkte dann erst an der Stille danach, daß Thomas gar nicht mehr in der Kammer war, daß er schon lange gegangen sein mußte, und er merkte, daß auch sein Maultier im Stalle fehlte und sah ihn hernach draußen im Watt vor dem Netz reiten, ganz allein, sehr weit draußen, ein schwarzer Reiter in der grauen Fläche des Meeres. „Na, geh schon noch!" sagte Thomas da draußen zu seinem Maultier und klopfte ihm auf den nassen Hals. „Na, geh schon," sagte er gutmutig. Es war eine schwere Arbeit für Die Tiere, aber das Wasser war an dieser Stelle der Küste zu flach, um mit Booten fahren zu können, und es war zu tief, als daß man die Netze selbst weit genug hinauszuschleppen vermochte, so daß nur Maultiere und Pferde als Hilfe blieben, und das Meer machte es auch ihnen nicht leicht. Aber da war das Tuch für Antje, nicht wahr, dieses Tuch, das schon angezahlt war beim Krämer und zu dem man nur nur noch den Erlös von einem guten Fang brauchte, um es abholen zu können und vor Antjes Tür zu legen. Und weil es so mit dem Tuch bestellt war, hatte sich Thomas schon in der Nacht aufgemacht, als die Möven anderes Wetter heranfchrien, schlechte Fangzeit, und er hatte die Stille ausgenutzt und war hin- und hergeritten vor dem ausgespannten Schleppnetz, immer soweit hinaus, daß das Tier gerade noch mit dem Kopf über Wasser war, wenn die Wellen auch schon über den Sattel schlugen, und im Bogen dann mit dem vollen Netz soweit zurück, bis er freilag und man im seichten Wasser den Fang in die Körbe schütten konnte, einen guten Fang. „3a, gut, gut," sagte Thomas und legte die Hand zwischen die Ohren des Tieres, froh über die vielen Fische und froh auch, hier draußen ein wenig Wärme unter den Händen zu spüren, Lebendiges in dieser grauen Weite, zu dem man sprechen konnte und gut sein. Langsam, in einem weiten Bogen ritt Thomas auch jetzt zurück. Ganz hinten, kaum daß man unterschied, wo das Meer endete und das Land begann, wurde es jetzt lebendig: das konnte wohl Andrees sein, der da so eilig mit dem Maultier zum Strand kam, das -Netz quer hinter sich über dem Sattel, und der Langsame in den Dünen, das war wohl der dicke Nils, ja, jetzt kamen sie, jetzt, wo das Meer schon anfing zu schäumen und man knapp noch einen Zug mit den Tieren machen konnte. „He — kommt ihr schon? Ihr habt wohl nicht die Möven schreien hören?" schrie Thomas ihnen übermäßig laut entgegen, aber man antwortete nicht, man versuchte es noch mit einem Zug, und erst später, als man merkte, daß die Tiere dockten, wenn die Gischt über sie hinschlug, und unruhig vor den Netzen gingen, so sehr man sich auch Mühe gab, ließ man es sein und starrte wütend auf das Meer, das nun für Tage wohl so hoch ging. Aber dies mit dem Meer war noch nicht das Schlimmste; schlimmer war, daß Thomas da mit vollen Körben stand und jetzt zum Ueberfluß auch noch zu Andrees sagte: „Ich kann euch von meinem Fang noch geben, wenn's vonnöten ist!" und, weil ihn diese Großmut wohl verlegen machte: „Ich meine nur: mehr als zwei Körbe brauche ich für mich nicht, wahrhaftig, denn jetzt werden die Fische ja besser bezahlt bei so schlechtem Fangwetter, und da reichen schon zwei Körbe für den Krämer." „So — für den Krämer?" fuhr Andrees da auch schon herum. „Ja, es ist nur, weil ich da noch eine Kleinigkeit zu kaufen habe", antwortete Thomas und sah dabei so starr aufs Meer, daß sich Andrees diesen Blick gar nicht erklären konnte, und es erst merkte, als er sich umsah und erkannte, daß Antje von den Häusern zum Strand kam. „D du lieber Gott", sagte er dann auch, weil er schon ahnte, was nun kam, und beeilte sich, ganz zart und gut mit seinem Tier zu reden und ihm die Mähne glatt zu streichen, aber das half nichts, es machte so gut wie gar nichts aus, denn Antje fragte gleich, wer denn als einziger einen fo großen Fang gemacht hätte und blickte dabei ganz wie Thomas starr aufs Meer, und Nils beantwortete es auch, sagte einfach so, wie Guten Morgen: „Es war Thomas", und ging dann, so daß Andrees auch nichts anderes übrig blieb. Erst später, als er in den Dünen war und so beim Umsehen sah, daß Antje neben Thomas immer noch am Meer stand und aufs Wasser starrte, wo weiß Gott nichts zu bemerken war, sagte er zu Nils: „Willst du von jetzt an nicht mit mir zusammenwohnen? Ich meine nur: mit Thomas ist das nichts, der Kerl steht nachts ja auf und macht alleine einen großen Fang." „Wahrhaftig, einen großen!" nickte Nils nur, und wenn es ihm und Andrees auch sehr schwer fiel, sie blickten sich nicht einmal mehr nach Antje und nach Thomas um. Oer Vogelbegleiter. Es gibt merkwürdige Berufe in der Welt. Herr Oppermann aus Alfeld, Regierungsbezirk Hildesheim, ist zum Beispiel Vogelbegleiter. Als solcher hat er in diesen Tagen mit einem Transport von Tausenden Harzer Kanarienvögel auf dem Dampfer „New-Jork" der Hamburg-Amerika-Linie feine 50. Ozeanreife von Hamburg nach New-Jork angetreten, und wenn er nach etwa vier Wochen zurückkehrt, wird er die 100. Ueberquerung des Atlantischen Ozeans und die Hinüberschaffung von mindestens 100 000 Kanarienhähnchen buchen können. Das nämlich ist der Beruf dieses vielgereisten Mannes: er sorgt dafür, daß den Amerikanern gesunde, deutsche Kanarienvögel zukommen. Er ist damit der Vertreter einer mit großer Arbeit und Fürsorge verbundenen deutschen „Exportindustrie", von deren Umfang die wenigsten eine richtige Vorstellung haben Dürften. An Bord müssen die kleinen Sänger natürlich sachverständig untergebracht, verpflegt und sauber gehalten werden. Infolgedessen brauchen immer etwa 2300 Tierchen einen besonderen menschlichen Freund, der sie an Bord betreut. Vor einigen Jahren war der Handel so rege, daß in einem Fall 14 Vogelbegkeiter gleichzeitig auf einem Hapag« Dampfer nach drüben fuhren. Zur Zeit ist der Handel schwächer: aber Herr Oppermann hat Gott fei Dank, wie feine 50. Reife lehrt, noch zu tun. Wenn es so bleibt, wird Alfeld bestimmt einmal den deutschen Passagierrekord in transatlantischen Reisen halten und eines Tages den millionsten deutschen Kanarienhahn, der zu Konzertzwecken nach Amerika ging, zu registrieren haben. Hochschulnachrichten. Der Heidelberger Internist Professor Dr, Rich. S i e b e ck wurde als Ordinarius zum Nachfolger von Geheimrat Professor Dr. Wilhelm Hi s und zum Leiter der I. Medizinischen Universitätsklinik nach Berlin berufen. Siebeck wirkte feit 1931 in Heidelberg als Nachfolger des bedeutenden Internisten Ludolf d. Krehl und gilt als Autorität auf dem Gebiet der Herz-Pathologie, Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) 8reitag, 27. Oktober (955 Nr. 252 Zweites Blatt die bereits feit 1924 eine Mdlelegramm von dem französischen Eisenbahnunglück preiswert sind: Ihaar-Schuhe Möven P'.i b irtsenz^L V stadttbeater ichen ,trage Vermi 6ebui DerFischzug. Bon A. Artur Kuhnert. jeßen v ' 33 gewagt hatte, Antje aufzufordern, und zu Andrees hatte er gesagt: Wenn du meinst, daß du auch ein Recht hättest, weil du ihr ein Band geschenkt- hast, dann sage ich dir nur, daß du froh fein kannst, mit mir zusammen z> wohnen, denn sonst hätte ich die Revision, das Armenrecht und das schiedsgerichtliche Verfahren. So können Schiedsverträge für unwirksam erklärt werden, bei denen die eine Partei ihre wirtschaftliche oder soziale Ueberlegenheit dazu ausnutzt, den anderen Teil zum Abschluß des Schiedsvertrages überhaupt ober zur Annahme von Bestimmungen zu nötigen, die ihr in dem Verfahren ein Uebergcwicht ein» räumt. Ferner wird bestimmt, daß die Wert- grenze, von der an im Wege der Zwangs» Vollstreckung eine Sicherungshypothek eingetragen werden kann, von 500 auf 300 Mark gesenkt wird. Im Anschluß an die Verkündung des Gesetzes Kleine politische Nachrichten. Die bekannte westfälische Dichterin Maria Kahle, die seit Jahren in fast sämtlichen deutschen Auslandsgebieten Vorträge gehalten und ihrs Dichtungen^ geschrochen hat, wurde in Gablonz von den Tschechen auf Grund des Republik-Schutzgesetzes ausgewiefen, obwohl sie es aufs peinlichste vermieden hatte, die Verhältnisse in der Tschechoslowakei zu berühren. In zwölf Städten war bet Vortrag verboten. Andrees lachte vor sich hin, als er daran dachte und Thomas so egunqslos im Dunkeln liegen blieb. Antje, das n, * schon ein Mädchen! Ein wenig sonderbar war sie zwar noch, aber das konnte sich geben. Sicherlich war es nur eine Laune von ihr, daß sie sagte, man dürfe Thoma- nicht so allem auf Fang ziehen lassen, denn was ging Thomas sie wird der Text der Zivilprozeßordnung, größere Zahl von Einzel- M otteb/au!.. Die Verbesserung des Verfahrens in bürget Wen ÄechissireWeiien. Erläuterungen des Reichsiustizmmisterö. Der chaotische Trümmerhaufen der abgestürzten Wagen des v-Zuges Cherbourg—Paris, der bei La Bonneville von einer Brücke stürzte und in ein Flußbett fiel. taben-Stiefel g, wie sie der Junge braucht 31/35... 6.50 §50 2WF !gm sind, trafen a .30 Uhr MEZ. im e eben bekannt Die Neugestaltung des deutschen Rechts. Reichsjustizkommiffar Dr. Krank kündigt umfassende Reformen auf allen Gebieten an na samstA'qg M । TeuE Aer^e I .Meinst, du, daß es jetzt aus ist mit dem Fang?" tüten in diese Dunkelheit hinein» Besicht in die Richtung gedreht, wo ..em Strohsaa liegen mußte. Er bei Southampton fort bekommen und hatte sich auch Mz der Flug der be^ber gewundert, denn seit der (9e= Wgter der Führung t e gehörte Thomas nicht mehr zu und v. C l a Leuten und erst recht nicht, wenn Litten. Die Besatzu im Dunkeln so leicht auf dieses Mäd- 8bunr uJ.w Freite hen kommen konnte, von dem man « fagk/bafr , ber, ber sie bekäme, nicht mehr um den Fang zu soxgen brauchte, denn einem so schö- ' nen Mädchen schwömmen die Fische wohl geradewegs ins Haus. Aber das war auch keine gute Geschichte für Thomas. Damals nämlich, als der Tanz in der Schenke gewesen war, da hatte Thomas getan, als wäre es selbstverständlich, daß kein cnberer an'Antje heran dürfte als er, und er hatte dem dicken Nils einen Arm ausgerenkt, als der es In Beantwortung von Fragen hob Dr. Frank hervor, daß entsprechend dem Ausbau der Reichsgewalt gegenüber den Ländern es natürlich auch zu einem Ausbau der unmittelbaren Zuständigkeiten des Reiches auf dem Gebiete der Justiz gegenüber den Länder- juftizverwaltungen kommen werde. Ich habe das Ziel, so erklärte er, den Reichsrichter, den freizügigen Rechtsanwalt, den freien Reichsnotar zu schaffen. Es ist nicht vereinbar mit dem Ziel unserer Bewegung, wenn wir heute z. B. noch überall eine eigene Justizprüfungsordnung, eigene Voraus- Berlin, 26. Okt. (TU.) Reicbsjustizminister Dr. G ü r t n e r sprach vor der Presse über die Aende- rungen auf dem Gebiet des Zivilprozeßrechts, die das Kabinett beschlossen hat. Die Auffassung, daß sich im Zivilprozeß die Aufgabe des Richters auf die Entscheidung beschränkt und im übrigen die Parteien die Herren des Verfahrens feien, gehört der Geiftesrichtung einer vergangenen Zeit an. Es kann kein Zweifel bestehen, daß der Gesetzgeber des neuen Reiches in seinen Bestrebungen nicht nur bei der Richterschaft, sondern auch bei der Anwaltschaft vollstes Verständnis finden wird. Das gilt vor allem von dem Gedanken, daß derjenige, der den Schutz der Gerichte anruft, nicht nur feine eigensüchtigen Interessen bei der Prozeßführung im Auge haben darf, sondern auch der Rechtspflege ihre hohe Aufgabe erleichtert. Damit der Prozeß zum volksnahen Verfahren wird, ist es notwendig, daß die rechtsuchenden Parteien sich umstellen und ihren Streit im Prozeß in einem anderen Geiste und in anderen Formen austragen,- als es vielfach bisher der Fall war. Im Mittelpunkt hat zunächst eine stärkere Konzentration des Prozeß st osfes zu stehen. Die im Gesetz von 1924 zu diesem Zweck em» geführten Vorschriften haben sich zum Teil als zu schwach erwiesen. Das neue Gesetz bringt entspre- chende Verschärfungen. Für die Unmittelbar» feit des Verfahrens ist die möglichst weit» gehende Ausscheidung des beauftrag» t e n Richters von entscheidender Bedeutung. Das System der Beweiserhebung durch den beauftragten Richter wirkt sich leicht dahin aus, daß an Stelle des unmittelbaren Eindrucks der Persönlichkeit und der Aussagen des Zeugen das Protokoll tritt. Wenn Behauptung und Beweisauf- nähme unmittelbar aufeinanderfolgen, ist die Er- forfchung der Wahrheit ungleich leichter. Nur bei einer mündlichen und unmittelbaren Derhandlungsführung kann erreicht werben, daß die Parteien den Verhandlungen mit Verständnis folgen. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Befrei- ung des Richters von den aus früheren Zeiten überkommenden formalen Beweisregeln. Das Gesetz ersetzt die Beeidigung auf einen vorher wörtlich feftgelegten Satz durch die zeugenschaftliche Parteivernehmung. Da der Richter in der Beweiswürdigung grundsätzlich frei fein soll, soll ihm auch beim Zeugen- und Sachver- ständiqenbeweis freigefteüt werden, ob er des Druckmittels des Eides bedarf. Von allgemeiner grundsätzlicher Bedeutung ist, I daß die Parteien nach dem neuen Gesetz ihre I Erklärungen über tatsächliche Umänderungen erfahren hatte, neu bekanntgegeben. Eine Neunumerierung der Paragraphen ist dabei nicht in Aussicht genommen. Wie Reichsjustizminister Dr. Gärtner weiter mitteilte, wird er in der nächsten Woche ein großes Gesetzgebungswerk auf dem Gebiet des Strafrechts bekanntgeben, das die Ueberfchrift trägt: „Der Kampf gegen den Gewohnheitsverbrecher". In diesem Gesetzwerk werden die Maß- nahmen enthalten sein, um außerhalb der materiellen Bestimmungen des heutigen Strafrechts eine schärfere Bekämpfung des Gewohnheitsverbrechers zu ermöglichen. Das Gesetz wird am 1. Januar 1934 in Kraft treten. setzungen für die Zulassung, eigene Arten des Be- förderungs- und des Prüfungswesens haben. Hier wird auch die Akademie für deutsches Recht und eine Konferenz ber Juftizminister mit ent- sprechenben Arbeite^ beginnen. Ich habe die Akademie beauftragt, bie Einheitlichkeit ber Prüfungsvorschriften für bie Universitäts- schlußpräsung unb bie große Staatsprüfung in Deutschlanb vorzuberaten. Auch ber preußische Justizminister unterstützt diese meine Bemühungen mit allem Nachdruck. irig. in xbe ich ^hgib, ÄiK- U,toffun9 Unb b«ben, tnoüien bas tatet LM sni** Ä'FZ- fak, V» ManU v Baronesse!" • "^«glücklich, Man lt*V5 Mich, zwei $U unb V2 schein ftüfts Wen btn Wintergarten4 unb 005 wenn sie 2 VUrnVL9in9fn in «'M Friedrichstraße. Olga eilte u oon Malten aber blieb ' LFr vermochte kaum noch erherkam? vb sie ihn sehen - 'en wollen, sonst hätte sie fchlcken lassen, also zürnte Zwischen Enttäuschung und morsen, wartete er. ju Stunden — zu Ewig« ch folgt. stände vollständig und der Wahrheit gemäß abzugeben haben. Die für das alte Verfahren nicht selten geäußerte Auffassung, daß die Parteien das Recht zur Läge hätten, und daß es dem Gegner überlassen bleiben müsse, die Lüge zu bekämpfen, kann im neuen Reich nicht geduldet werden. Auch im Zivilprozeß darf nur ehrlich gekämpft werden. Der Anwalt darf sich unwahre Behauptungen des Auftraggebers nicht zu eigen machen. Schließlich sind in dem neuen Gesetz eine größere Zahl dringlicher Einzelpunkte behandelt, darunter il" _ÄndS 8,30 ,r, •be 6ich chem * Berlin, 26 Okt. (TU.) Reichsjustizkommissar Staatsminifter Dr. Frank, äußerte sich eingehend über die künftige Reform des gesamten deutschen Rechtslebens. Am Sonntag, 5. November, mittags, wirb im Berliner Stadtverorbnetensitzungssaal bie erste Arbeitstagung der neugegründeten Akademie für deutsches Recht ftättfinben, beren Führer Dr. Frank ist. Die Tagung wirb bas Thema behanbeln: „Die Rechtsgrundlage des politischen Vorgehens der Reichsregieruna in bezug auf Gleichberechtigung und Abrüstung". Nach einer Einleitungsrede des Reichspropaganda- minifters Dr. Goebbels wird Prof. Bruns von der Berliner Universität und Mitglied des Haager Gerichtshofes, sprechen. Im Zuge ber Rechtsreform find mehrere Ausschüsse in Bilbung begriffen. Einmal ist dies der Ausschuß für die Reform des Strafrechts, dessen Vorsitzender Dr. Frank ist, der wiederum von dem preußischen Staatssekretär Freister vertreten wird. Es besteht das Bestreben, bas neue Strafgesetzbuch in vier bis fünf Monaten fertig zu stellen. Als wesentliche Grund- jjüge für das neue Strafrecht nannte Dr. Frank: 3m Mittelpunkt steht die schuhbedürstige Gesellschaft, nicht etwa her Verbrecher. Ziel der Rechtsfindung ist der 5 Z) u h des gesunden und fähigen Vol^s teils vor dem Untermenschentum und der Dekadenz. Die Identität ool Moral und Recht soll ihre Verwirklichung fiyden. Gemeingefährliche Elemente werden, ohne baß man ihnen die Möglichkeit zur Betätigung überhaupt erst gibt, in Sicherhei ts- verwahrung genommen. Die rassische Sicherung soll mit der Sterilisierung von Gewohnheitsverbrechern und anderen minderwertigen Elementen gegeben sein, verbrechen gegen den Staat, die Wirtschaft, die Rechtssicherheit und die Wehrhoheit werden schärsstens geahndet werden. Das gleiche gilt für Landesverrat. Ein weiteres Ziel wird sein, die Gesellschaft ohne kleinliche Prüderie gegen unsittliche Vergiftung in Schuh zu nehmen. Der Ausschuß wird auch die Straf- prozehreform behandeln. Die Reform des Zivilprozesfes soll sich, wie Dr. Frank weiter hervorhob, nach rechtlichen und wirtschaftlichen Bedürfnissen vollziehen. Sie zu gestalten, ist Aufgabe eines weiteren Ausschusses, der unter dem Vorsitz von Geheimrat Professor Dr. Kisch von der Münchener Universität arbeitet. Der Zivilptozeß soll eine Angelegenheit der Rechts- und der Lebenspraxis sein. Sicherheit, Beschleunigung und Autorität der Rechtsfindung würden die großen Gesichtspunkte sein, ihnen sollen die Freiheit der Anwaltschaft, die Freiheit der Rechtserklärungen der Parteien unb die Beseitigung überflüssigen Formelkrams dienen. Ein dritter Ausschuß hat sich mit der Reform des gesamten bürgerlichen Rechts zu befassen. Dieser Ausschuß wird sofort in Unterabteilungen gegliedert werden. Dabei wird feftzu- stellen fein, was am Eigentumsrecht, am Familienrecht und am Erbrecht zu ändern ist. Aufgabe eines weiteren Ausschusses ist die Vorbereitung der Reform des Wirtschaftsundhandelsrechtes. Sicher ist, daß in Zukunft im deutschen Wirtschaftsleben keine unverantwortliche Anonymität mehr geduldet wird. Der persönliche, verantwortliche Wirtschaftsführer wird wieder in den Vordergrund zu stellen sein. dir schon längst auch einige Arme ausgerenft!" — „Einige Arme" hatte er gesagt, so hatte er sich aufgeblasen, aber das war auch zuviel gewesen, denn danach hatte ihm Antje gesagt, daß auch er kein Recht auf tie hätte, wo er ihr noch nicht einmal ein Tuch gesHnkt hätte, ja ein Tuch hatte sie gleich ™U-V es ihm ganz unmöglich zu machen, ’m ° '*te sie nur noch mit Andrees getanzt, r ° yerrlicy^ Abend ... o nein, Zweifel konnte man wohl nicht mehr haben, wer Antje einmal bekäme. Man hatte es schon morgens an den hören können, daß es an diesem Tage mit dem Meer etwas auf sich hatte, denn selten hatte sie so geschrien und waren so gierig dem Wasser gefolgt, als es vom Strand zurückwich und in den Prielen oefgurgelte. Aber um diese Zeit war es noch dunkel ge st-sen, man hatte nichts vom Strand und vom Himmel erkennen können und hatte vom Wind nid) mehr gespürt, als die Tage zuvor. ^iülbiog' ................ Adolf Hitler Der Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Freiheitsbewegung Adolf Hitler spricht am kommenden Sonntag um 18 Uhr in der Frankfurter Fe st halle. Dies bedeutet für den Gau H«s- fen-Nassau, und vor allen Dingen für die Stadt Frankfurt o. M., eine ganz besondere Auszeichnung. 21t Tauleitung der NäDAP. wird infolgedessen dem Führer einen einzigartigen Empfang zuteil werden lassen. Fast die gesamte Frankfurter SM-, 55, HI, Jungvolk, sowie Abteilungen des Freiwilli- gen Arbeitsdienste», des BDM. und des Roten Hakenkreuze» werden auf dem Festhallengelände zur Begrünung de» Führer» Aufstellung nehmen. Das Festballengelande bleibt allen übrigen Besuchern verschlossen. An der Aufstellung werden sich allein etwa 20 000 Parteigenossen und Parteigenossinnen beteiligen. Die Festhalle selbst wird wie- der in prachtvoller Weise ausgeschmückt werden. Der reich« Flaggenschmuck wird diesmal durch elf 20 Meter breite Stofftransparente mit Parolen für den kommenden Wahlgang durchbrochen. In die Halle selbst marschieren um 17.30 Uhr oll« Fahn«n der Frankfurter SA, SS. und HI. «in, ebenso alle dem Gau bis jetzt verliehenen Standarten. Die Standarten werden auf einer eigens dazu erbauten Kampe über dem Führer Aufstellung nehmen. Um möglichst vielen Volksgenossen, die dem Führer vor der Machtübernahme ablehnend oder zweifelnd gegenüberslanden, die Möglichkeit zu geben, ihn zu sehen und zu hören, hat die Gauleitung angeordnet, daß die Parteigenossen, die ohnedie» mit dem Führer innerlich ein» sind, die Uebertragung der Rede möglichst nicht in der Festhalle, sondern außer auf dem Fefthallengelande in einer ganzen Reihe von Säten in den Vororten anhären. Es sind zu diesem Zwecke besondere Generalmitgliederappelle angesetzt. Die Rede wird auch auf dem Platz vor der Festhalle und auf dem Festhalten- gekande übertragen. Es sind auch noch einige andere Plätze zur Uebertragung vorgesehen. Die Rede des Führers geht über den Südwestdeutschen Rundfunk. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß nicht nur in allen Lokalen die Lautsprecher ab 18 Uhr eingestellt sind, sondern daß auch in Frankfurt. In ollen Orten de» Gaues, wo dies technisch durchführbar ist, entweder eine öffentliche Uebertragung oder aber eine Uebertragung In Säte vorbereitet wird. Die ungeheure Wirkung der Führerrede in Berlin durch den Lautsprecher rechtfertigt diese Forderung. Es wird von der Bevölkerung Frankfurts erwartet, daß sie beim Besuch des Führers Disziplin wahrt und alles vermeidet, was den Führer belä- ftigen könnte. Es ist ausgeschlossen, daß der Führer von jedem Kind Blumen entgegennehmen kann. Es ist unmöglich, daß der Führer Autogramme gibt. Bon solchen Versuchen muh unter allen Umständen Abstand genommen werden. Dor allen Dingen wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, dah es nicht erlaubt ist, Blumen nach dem Wagen des Führers zu werfen, da vor einiger Zeit ein Begleiter des Führers durch einen Blumendraht erheblich am Auge verletzt wurde. Der Ansturm zu den kartenoorverkaussstellen ist ungeheuer. Roch niemals hat eine solche Nachfrage nach Karten mit dieser Stärke eingesetzt. Ls ist damit zu rechnen, dah noch vor Beginn der Kundgebung alle Karlen verkauft sind. Außer bei einer großen Anzahl von Dorverkaufsstellen sind im Adolf-chitler-Haus, Gutleutstraße 8 bis 12, 1. Stock, Zimmer 1, reservierte Ehrenkarten zu 20, 10 und 5 Mark erhältlich. Durch diese Preisgestaltung war es der Gauleitung möglich, an arbeitslose Dolksgenossen Freikarten auszugeben. Sonntagsfahrlarien für die Hitler' Kundgebung. Zum Besuch der großen Veranstaltung in der Festhalle zu Frankfurt a. M. am Sonntag, 29. Oktober, in der der F ü h r e r spricht, gibt die Reichsbahn von allen Bahnhöfen im Umkreis b i s zu 75 Kilometer um Frankfurt Sonntagsrückfahrkarten (also auch von Gießen) aus. Diese Sonntagsrückfahrkarten gelten zur Hinfahrt vom Samstag, 28. Oktober, 12 Uhr, ab. Die Rückfahrt kann bis Montag, 30. Oktober, 12 Uhr, angetreten werden. Die Karten werden an jedermann ohne Ausweis abgegeben. Genojsenschasts-Emheil im Mischastsgebiet Mein-Min-Aeüar. Frankfurt a.M., 26. Okt. Gestern fand unter dem Vorsitz von Landesbauernfichrer Dr. W a g n e r unb in Anwesenheit des Vizepräsidenten der Deut- schen Zentralgenossenschaftskasse Berlin, Pg. Günther, und seiner Mitarbeiter, sowie des Landesobmannes Pg. Meß und des Hauptabteilungsleiters Pg. Wirth ein« für das ländliche Oe- noisenschafts wese n des Wirtschaf ts- gebietes Rhein-Main-Neckar entschei- dend« Sitzung statt, in der endgültige Beschlüsse für die Zujammensührung der beiden ländlichen (8c- nossenschaftsorganisationen Darmstadt und Frankfurt gefaßt wurden. Der Rationallsierungsoertrag zweck» Vereinigung der beiden Genossenschaftsorganisationen Darmstadt und Frankfurt ist von den Leitungen der beiden Reoisionsoerbände, sowie der beiden provinziellen Geld- und warenanstalten abge- foht und unterzeichnet worden. Hiernach v e r c i n i g en sich 1. die beiden Verbände unter dem neuen Namen „Hauotabteiluna III, Bäuerlich« Selbstverwaltung des Hessen-Nassauischen Bauernstandes (Ländlicher Genoffenschaftsoerband Rhein-Main-Neckar) e. 23.", künftig öffentlich-rechtliche Körperschaft-. 2. die beiden Geldinstitute unter dem neuen Namen „Landesbauernkasse Rhein-Main- Neckar e. G. m b. H.": 3. die beiden Warenanstal- ten unter dem neuen Namen „Bäuerliche Haupt- genossenschast Rbein-Main-Neckar e. G. m. b. H.". Di« Hauptabteilung III in den beiden Wirtschaftsinstituten gehört bekanntlich in den Hessen-Nassau- ischen Bauernstand Mit der Zusammenlegung der beiden Genossen- schaftsorganisationen haben alle ihren Sitz In Frankfurt a. TH. Der Einheitsorganisation gehören rund 2500 Genossenschaften an. Das Gebiet der genossenschaftlichen Linheltsorganisalion Rhein-Main-Reckar Ist das gleiche, wie dasjenige der Gauleitung Hessen-Nassau. Dis zur Veröffentlichung der Ausführungsbestnn- mungen bete, das Gesetz über den Reichsnährstand ist für die Hauptabteilung III ein vorläufiger Vorstand bestellt, der besteht aus: 1. dem San- desbauernsührer Dr. Wagner als Vorsitzender: 2. dem 1. stellv. Landesobmann Metz: 3. dem 2. stellv. Vorsitzenden Hauptabteilungsleiter *111 Pg. Wirth. Der Derbandsrat besteht aus 10 Mitgliedern. Der Vorstand der Landes bauern lasse wird gebildet aus den geschäftsführenden Direktoren Eid- mann und Jolk, dazu tritt ehrenamllich der Stabsführer Beck. Der hauptamtliche Vorstand der Bäuerlichen Hauptgenossenschast besteht aus den bei- den Direktoren Straßburger und F l e i n e r t, hierzu tritt ehrenamtlich der Stabsführer Berg. Die Aufsichtsräte der beiden Wirtschaftsinstitute bestehen aus sechs Mitgliedern, di« auf Vorschlag des Landesbauernführers gewählt werden. Der Urnzua der Darmstädter Genoffenschaftsorganifation nach Frankfurt a. M. ftnbet in aller Kürz« statt. INil diesem großzügigen Entschluß sind auch für da» ländliche Genossenschaftswesen die Landes- grenzen zwischen dem volksflaate Hessen und dem Nassauer Land offiziell gefallen. Die seither schon bestehende lose Zusammenarbeit der beiden Genossenschaftsorganisationen Darmstadt und Frankfurt ist jetzt auch äußerlich für alle Zeilen fest zusammengefügt worden. Die Hauptabteilung III nebst allen ihr zugehörigen Einrichtungen wird alles daran setzen, um im Roh- men des Hessen-Nassauischen Bauernstandes die ihr zugeteilten Aufgaben zu erfüllen, und sie wird so als wichtiges Glied Mitwirken an der Wiederge- funbung des Hessen-Nasfauischen Bauernstandes unb bannt ber gesamten Wirtschaft in dem großen Gebiet Rhein-Main-Neckar. DasKrastsahrzeug-Reparalur-Handwerk. Im Gegensatz zu vielen Hanbwerkszweigen, bie auf jahrhundertelange Erfahrungen zurückblicken, auf Handwerkerzünfte und Tradition, ist das Kraft- fahrzeug-Reparatur-Handwcrk noch ein sehr junges: Eine neue Industrie schuf ein neues Handwerk. Der gewaltige Fortschritt der Technik, besonders aber der Automobiltechnik ließ den ehemaligen Ge- legenheitsreparateur bald verschwinden, sehr zum Vorteil für das kraftfahrende Publikum und für den Ruf des Gewerbes. Dafür entwickelte sich in roeni- gen Jahren ein neuer, selbständiger und von ollen anderen Mechanikerberufen unabhängiger Handwerkszweig in dem Kraftfahrzeug-Reparatur- f)anbrocrf, das heute allein dazu berufen ist, Helfer unb Berater bes Kraftfahrers zu fein. ffiie wohl kein anderes Gewerbe erfordert das Kraftfahrzeug-Reparatur-Handwerk ein Höchstmaß technischer Kenntnisse, handwerklicher Fähigeiten und kaufmännischer Umsicht. Und das ist gut so, benn erst dann, wenn all diese Voraussetzungen zu» treffen, kann der Kraftfahrer Vertrauen zu der Leistungsfähigkeit und ber Reellität bes bcteeffenben Fachgeschäftes Haden. Diese Erkenntnis hat sich jedoch leider noch nicht überall durchgesetzt, denn viele Kraftfahrer und Fohrzeugbesitzer glauben immer noch sparen zu können, wenn sie sich für die Instandsetzung und Pflege ihrer Wagen stellungsloser Chauffeure und Schwarzardeiter bedienen, ohne dabei zu bedenken, daß sie mit einer solchen Hand- luntzsweise nicht nur den Aufbauwillen unterer Regierund sabotieren, sondern auch besondere sich selber schädigen. Es sollte doch sedem einsichtigen Kraftfahrer klar sein, daß ein anerkanntes Fach. ?Geschäft mit neuzeitlichen Werkzeugen und Geraten oroie fachkundigem Personal in Oer Tat billiger arbeitet al» ein Schwarzarbeiter, dem es an aus- rrtthenber Sachkenntnis, an Einrichtung und allen Hilfsmitteln fehlt und den man für feine Pfuscharbeit nicht einmal haftbar machen kann. Nicht auf ben scheinbar billigen Stundenlohn kommt es an, sondern auf das Ergebnis einer wohldurchdachten rationellen Arbeitsweise. Die in der Innung zusammenaeschlossenen anerkannten Fachgeschäfte betrachten Den „Dienst am Sunden" nicht als leeres Schlagwort, sondern bieten dem Kraftfahrer tatsächlich Gewähr für eine sorgfältige unb fachmännische Bedienung. Durch eine straff« Organisation wird das Kraftfahrzeug-Reparatur- Handwerk auch in der Lage sein, an der Verbilligung der Kraftfahrzeug Haltung bt- stimmend mitzuwirken, es ist aber dabei immer auf die tatkräftig« Unterstützung des kraftfahrenden Publikums angewiesen, indem es keinen Auftrag an unberufene, fon- bern ausnahmslos an die anerkannten Fachgeschäfte vergibt. Besonders dem bevorstehenden Winter sieht man in den Kreisen dieses Handwerks mit großer Sorge entgegen, da infolge der Einstellung einer großen Anzahl neuer Kraftfahrzeuge unb infolge ber allgemeinen Wirtschaftslage ein ungeheurer Ausfall an älteren Kraftwagen entstanden ist. Auch ringt man um die Erhaltung der Existenz, nicht nur der eigenen, sondern auch ber zahllosen unb jahrelang bewährten Mitarbeiter. Wer Irgend wie dazu In der Lage Ist, sollte deshalb seinen Kraftwagen während der kommenden IDintermonate nach wie vor benutzen und sich nicht — wie bisher leider oft — bei seinen Bekannten damit brüsten, daß er ganz besonders sparsam sei und seinen Wagen abgemelbet habe. (Obwohl er es eigentlich gar nicht einmal so nötig hatteHelte jeher Kraftfahrer mit, das Gespenst Oer Arbeitslosigkeit Im Kraftfahrzeug-Reparatur- Handwerk, besonders während der kommenden Monate, zu bekämpfen, unb sei «s auch durch den kleinsten Auftrag, den er zu vergeben hat. Den Behörden sei dies besonders gesagt, denn diese waren bisher leider häufig geneigt, ihre Aufträge nach auswärts zu vergeben. Mik begeisterten Dorten hat unser Führer Adolf Hitler bei der Eröffnung der letzten Automobil- ausstellung auf die wirtschaftliche Bedeutung des Kraftwagens und des Kraftverkehrs hingewiefen, und hiermit gleichzeitig den Kraftfahrzeughalter auf feine Verpflichtung der Allgemeinheit gegenüber. Gerade in der kommenden Zeit sollte sich deshalb kein Krastfahrer ohne 9cot dieser Verpflichtung entziehen. Also: Leben und leben lassen! Eondergerichi in Darmstadt. Darmstadt, 26. Okt. (DSN.) Dor dem Son- bergericf)t hatten sich heute wieder zahlreich« Angeschuldigte wegen beleidigender, ober verleumderischer Behauptungen über die Regierung oder einzelne Regierungsmitglieder zu verantworten. Ein 19jähriger Landwirt aus Mainz hatte in einem Brief ins Ausland seinem Unwillen Ausdruck gegeben, daß die zinslose Wirtschaft nach der nationalsozialistischen Reoolutton nicht sofort einaeführt wurde. Er wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Wegen verleumderischer Beleidigung des Ministerpräsidenten Göring wurde ein Mann aus Mosbach zu acht Monaten Gefängnis, ein Erwerbsloser aus MainH-Kastel wegen Beleibt- guntz bes Führers zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Ein Schneiberlehrling aus Gießen sollte I als Landhelfer nach Echzell gebracht merben. Für feine dabei ausgesprochenen Schimpfereien wanden er fünf Monate ins Gefängnis. In bet Amtsstube des kommissarischen Bürgermeisters von Egelsbach hatte ein früherer kommunistischer Landobmann abfällige Bemerkungen über die SA. Semacht, woiür er zehn Monate Gefängnis erhielt. Segen Beteiligung an einer kommunistljchen Funk- tionaroerfammlung erhielt ein kommunistischer Funktionär aus H a i n ft a b t zehn Monat« Gefängnis. Ein Jahr zwei Monate Gefängnis «rhiett ein Böcker aus Mainz, der Verleumdungen über Me Regierung ins Ausland schrieb. Erlaß von Gemeindesteuerrückständen in Worms. Worms, 26. Okt. (WSN.) Dberbürgermeifter Schwebel gibt bekannt: Obgleich sich die Stabt Worms in noch schwierigerer Finanzlage befindet, als der Hessische Staat, gewahrt sie den Gemeinde- steuerpflichugen, welch« sich mit Gemeinde- steuern im Rückstand befinden, die gleichen Vergünstigungen, die der Staat unterm 21. Oktober veröffentlicht hat. Diese großen Opfer kann die Stadt Worms aber nur bringen, wenn die Gemeindesteuerrückstände in ber für Staatssteuern betanntgegebenen Weife getilgt, daneben aber auch die laufenben Gemeindesteuern pünktlich entrichtet werden. AnarchiUche Anschläge vor 50 Zähren. Lubbes Vorgänger. — Oie Explosion im Winterpalast. — Kommunistische Geheimdruckereien. Der gigantische Prozeß, der die dunklen Zusammenhänge in der Reichstagsbrandstiftung aufdecken soll, währt nun schon über einen Monat. Don den Angeklagten sind besonders der Holländer oan der Lubbe unb der Bulgare Dimi- troff durch ihr eigenartiges Derhatten und die Verschiedenartigkeit ihrer Persönlichkeit in den Mit- telpunkt des allgemeinen Interesses gerückt. Wer die Geschichte der anarchistischen Bewegung aufmerksam verfolgt, wird sofort feststellen können, daß bei all diesen von einer revolutionären anarchistischen oder nihilistischen Gesinnung verursachten Verbrechen immer wieder dieselben oder zu- mindest ähnlichen Methoden anaewendet wurden, um den Ursprung und die Entstehung des Verbrechens zu vertuschen. Während van der Lubbe selbst das Werkzeug seiner anarchistischen Brotgeber zu sein scheint, vertritt Dimiteosf den Typ des angriffsfreudigen und selbstbewußten Revolutionärs, der vor keinem Mittel zurückschreckt, wenn es sich darum handelt, seine Umstur^pläne zu verwirklichen. So gegensätzlich uns diese beiden Erscheinungen Lubbe und Dimitroff auch anmuten mögen, so zeigt doch schon ein flüchtiger Blick in die Statistik Der nihilistischen Greueltaten, daß sich immer Menschen zur Ausführung solcher terrorifti- schen Pläne zusammenfinden, von denen der eine Teil die intellektuelle Führung übernimmt, während der andere meist über die Rolle eines Handlangers nicht hinauskommt. Der ganze Apparat der Verschwörung, wie er aus gewissen (Erörterungen im Prozeß erkennbar ist, geht auf eine anarchistische Tradition zurück, von Der besonders die Verbrechen im zaristischen Rußland um das Jahr 1880 ihren Ursprung nahmen. Alles, worüber in den letzten Wochen Im Reichstagsbrandprozeß eifrig debattiert wurde, die geheimen Pläne unb Auszeichnungen, die man vermutete oder oorfanb, die in ein mystisches Dunkel gehüllten Vorbereitungen unb nicht zuletzt bas sonderbare Verhalten der Angeklagten, das zwischen zweideutiger Zurückhaltung unb offenem Bekenntnis schwankt, all diese schwer enthüllbaren Momente, die sich in den seltensten Fällen mit absoluter Klarheit offenbaren, haben in der Geschichte der anarchistischen Umftunbeftrebungen feit jeher eine beftimmenoe Rolle gespielt. Es lohnt sich daher, die Entwicklung dieser Bestrebungen kurz zu skizzieren. Man wird Daraus klar erkennen, daß es sich bei dem sensationellsten Prozeß unserer Gegenwart nicht etwa um einen besonderen Gin- zelsall handelt, sondern um die Fortsetzung einer ganzen Kette ber scheußlich st en Der- brechen, wie sie in ber Blütezeit bes Anarchismus an allen Ecken unb Enden, namentlich in Rußland, Frankreich, Italien unb Spanien ver- übt würben. Ansätze zum Anarchismus finben wir schon im Altertum. Seit bie Welt besteht, hat es Menschen gegeben, bie ben Zustanb absoluter Herrschaftslosig- reit als erstrebenswertes Ideal ersehnten. Nachhall,- gen Einfluß gewannen diese Bestrebungen aller- dings erst um bie Mitte bes 19. Iahrhunberts, als sich mit bem Erwachen ber Arbeiterbewegung unter dem Einfluß russischer Agitatoren die anarchistische Partei zu entwickeln begann. Die Propaganda der Tat, die auch im Lubde-Prozeß als eines ber wichtigsten Motive eine Rolle spielte, ist schon im Jahre 1869 als Grundprinzip der anarchistischen Partei festgelegt worden. Genau so wie Lubbe die Absicht hatte, durch eine aufsehenerregende Handlung die Gemüter „aufzurütteln" unb bas Signal für eine blutiae Erhebung zu geben, so standen schon vor mehr als fünfzig Jahren Tiorb-, Aufruyr- unb Gewalttaten auf dem Pro- Sramm der damaligen Anarchisten. Schon damals atten solche Verbrechen wie Brand st iftun- gen unb Dynamitexplosionen ben Sinn, bie Aufmerksamkeit ber Oefsentlichkeit zu erregen unb die Bevölkerung durch ein weithin sichtbare» Zeichen zu alarmieren. Unübersehbar ist die Reihe der Verbrechen, die gegen Ende bes 19. Jahrhunderts von Anarchisten verübt wurden. Wenn man der Verbrecher habhaft werden konnte, so wurden sie entweder gehenkt, ober man verurteilte sie zu lebenslänglichem Zuchthaus. Da jedoch bie geistigen Urheber meistens in der Schweiz saßen, sahen sich bie Regierungen der betroffenen Länder in der Mehrzahl der Fälle außerstande, den Verbrechern wirksam bas Handwerk zu legen. Dies war um so schwieriger, als die Anarchisten vorzüglich organisiert waren. Ihre Verbindungen erstreckten sich in einem weitverzweigten Apparat über ganz Europa. Nur so war es möglich, daß in Frankreich seit dem März 1892 Explosion auf Explosion erfolgte. Schlag auf Schlag wurden im Restaurant Foyot, in ber Deputiertenkammer und im Terminus-Hotei Attentate verübt. Die Ermordung bes Präsidenten Carnot in Lyon, bes Königs Humbert in Italien, ber Kaiserin Elisabeth von Oester- reich in Genf sind nur einige wahllos heraus- gegriffene Beispiele für die Skrupellosigkeit, mit der bie anarchistischen Attentäter ans Werk gingen. Immer wieder waren es Menschen, bie jeglichen moralischen Halt verloren hatten, unb die In einer wahnsinnigen Zerstörungswut blindlings alle» vernichteten, was ihren verworrenen Ansichten und Idealen im Wege stand. In Deutschland hat bie anarchistische Erhebung verhältnismäßig oenige Opfer gefordert. Die schreck- lichsten Greuettaten richteten sich namentlich gegen die russische Zarenherrschast. Schon vor 50 Jahren arbeiteten die Anarchisten unb Kommunisten in Rußland mit denselben Methoden, wie es die Kommunisten vor der Machtergreifung durch Adolf Hitler auch bei uns in Deutschland versucht haben. Raub, Brandstiftung und Mord in jeglicher Gestalt wurden in den Dienst ihrer Ausgabe gt> stellt. Gedruckte und geschriebene Programme, die man heute Flugblätter nennen würde, machten unter den Mitgliedern der Partei die Runde und gaben ohne Scheu Anweisung und Anleitung zur Verübung der grausamsten Verbrechen. Eines, das mit dem Reichstagsbrand eine entfernte Aehnlichteit besitzt, war die grauenvolle Explosion im Winterpalast zu Petersburg, die die Mitwelt mit Schrecken unb Staunen erfüllt. „Die Explosion", so heißt es in einem zeitgenössischen Bericht, „erfolgte am 17. Februar um 6.30 Uhr abends, unterhalb der Hauptwache. Die kaiserlich« Familie wollte sich mit ihren Gästen eben in bas Speisezimmer begeben, als ein furchtbarer Knall den Palast in feinen Grundfesten erbeben ließ unb alle Gasflammen erloschen Man eilte in ben Speltesaal, wo man die Fenster zerbrochen. Die Wände gesprungen, die Kronleuchter zertrümmert, Geschirr unb Tische durcheinandergeworfen sand. Weit schrecklicher aber hatte bas Zerstörung.'weck in dem unter dem Salon gelegenen Lokal gewütet, wo sich eine Kompagnie des finnländischen L»ib- garberegiments gerabe auf Wache befand. Die Mannschaften wurden mit den großen Steinplatten des Lokals zuerst in die Höhe geschleudert und bann in ben Kellerraum. Zehn wurden getötet, 47 verwundet." Ueberall bei der Ausübung solcher Verbrechen zeigt sich dasselbe Bild. Da treiben geheime Der- fd)roörerorgani|ationen hinter ben Kulissen der Oefsentlichkeit ihr frevles Spiel, sie sind auf eine unbegreifliche Weise über alle» genau unterrichtet, sie verfügen über die genauesten Pläne, sie haben eine fabelhafte Ortskenntnis, unb niemand kann genau jagen, wer sie sind, wie sie heißen, unb wo sie wohnen. Obskure Gesellen, deren Herkunft unb Beruf niemand kennt, stehen miteinander In immerwährender Verbindung unb versetzen eine friedliebende Bevölkerung, wenn ihnen der Augenblick günstig erscheint, in Unruhe unb Aufregung. Die letzten Motive ihres Handelns bleiben ewig in Dunkel gehüllt. Wenn man sie verhört, geben die Angeklagten Auskünfte von raffinierter Unklarheit, ober sie hüllen sich in Schweigen. Diese alte An» archistentradition ist bis auf ben heutigen Tag erhalten geblieben. Schon im Jahre 1888 mußte bie russische Polizei zu Mitteln greifen, die in mancher Hinsicht an die Kämpfe zwischen Kommunisten und Schupo In Deutschland «nnnem. Auch in Rußland waren damals Haussuchungen an der Tagesordnung, unb in Petersburg wurden einige gefährlich« Nihilisten» brudereien ausgehoben, In denen die „Wcltrevolu- tion" vorbereitet wurde. „Auf die Meldung eines Geheimpolizisten'', so heißt es in einer Mitteilung aus dem Jahre 1886, „wurde ein Haus umstellt. Im Quartier 9 dieses Hauses sollte eine Haussuchung oorgenommen werden. Die Polizei fand sämtliche Eingänge verichlosien. Al» die Tür erbrochen war, ftel ein Schuß. Die Polizisten erstürmten die Treppe unb wurden durch ein lebhafte» Feuer von oben herab empfangen. In dem von den Gendarmen unb Polizisten besetzten Zimmer waren brei Männer unb zwei Frauen anwesend Der eins dieser Männer jagte sich sofort eine Kugel ins Gehirn, bie übrigen Nihilisten würben gefangen genommen. Außerbem ,anb man eine ooQftänbigi Druckerei mit Maschinen, eine Anzahl von Zeitungsblättern, bie soeben sertlgge stellt worben waren, Stempel unb gefälschte Dokumente, ferner Explosionsstoffe und Apparate aller Art' Dieser Bericht, ber vom 28. Februar 1880 datiert ist, könnte genau so in einer Zeitung vor dem 30. Januar 1933 zu lesen fein. Es ist, al» ob die Zeit stehen geblieben wäre Man sieht, daß die Mittel, mit denen bie revolutionären Verschwörer- Organisationen die Wett in Schrecken versetzen, bie gleichen geblieben finb. Wenn man beule annimmt, aß ber Holländer Lubbe nicht allein in ber Lage gewesen Ist, den Reichstag anzustecken, so würde diese Annahme durch die Entwicklungsgeschichte der anarchistischen Bewegung an Wahrscheinlichkeit nur gewinnen E» wäre ein ausgesprochener Sonder- fall, wenn diese Art von verbrechen, die seit jeher zu den klassischen Schulbeispielen anarchistt» scher Kölle ktivverbrechen gehörte, von einem einzigen Individuum verübt worden wäre.