Nr. 147 SkühansgavL 185. Zahrgang Dienstag, 27. Juni 1953 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen poftfcheckkonio: «rantsuri am Main liess. Vrvck unv Perlag: vrühl'fche Universttälr-Vuch. und Steinbrntferei K Lange in Gießen. Zchnftlettung und Geschäftsstelle: Zchufstrahe 7. Annahme von Aiizeiar» für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 nun Breit« örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanicigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorfchrist 20°, mehr. ThefredaKteur Dr. Friede. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; fü; Feuilleton Dr.H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für denAn» zeigenteil i.D.Th.Kümmel sämtlich in (fließen. Lricheint tügltch. outz« Sonntags und Feiertags Beilagen: Die 3Duftnerte (Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle ntonatsBeiugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. $ern|pred)onfd)lüfle unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siebe*. Genf und die Arbeitsdiensipflicht. Don Dr. Graf zu Trauimannsdorff. Am 12. Juni faßte der Effektiv-Ausfchuh der Abrüstungskonferenz gegen die Stimmen Deutsch- land-S. Oesterreichs, Ungarns und Italiens den Beschluß, daß die Einführung der Arbeitsdienst- Pflicht als solche untersagt sei. Man fann wohl annehmen, daß dieser Beschluß auf Betreiben Frankreichs zustande kam. Bon einer unbegründeten Furcht vor Deutschland geleitet, hat Frankreich etwas in die Wege zu leiten versucht, was allem menschlichen Empfinden Hohn spricht. Der Welt ist bekannt, wie ungeheuer drückend die Arbeitslosigkeit auf unserem Bolk lastet und wie zerstörend sie auf Moral und Sitte eines jeden Volkes wirken muh. Fünf Millionen arbeitswilliger Menschen stehen heute in Deutschland auf der Straße, werden in kärglichster Weise vom Staate unterstützt, weil sie sonst verhungern müßten, und trotzdem wird gegen die. Einführung der Arbeitsdienstpflicht von der Welt Sturm gelaufen. Man spielt in Frankreich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit mit dem Worte „Humanit6". Wir fragen: Ist es menschlich, einem Staate eine Institution au verbieten, die dahin zielt, feine Iugend, die sonst langsam verkommend auf der Straße liegt, zu Zucht und Ordnung zuArbeit und nicht zuletzt zu körperlichem Wohlergehen zu führen? Die Arbeitsdienstpflicht ist und kann niemals eine militärische 2 n st i t u t i o n fein, denn der Spaten ist keine Waffe gegen äußere Feinde, wohl aber kann er, und zwar einzig und allein gegen die Verlotterung der Iugend infolge der Arbeitslosigkeit, zur Waffe werden. Der Spaten ist ein Instrument der Menschlichkeit im Arbeitsdienstpflichtgesetzt, ein aufbauendes Werkzeug also, nicht ein zerstörendes, wie das Militärgewehr. Der Efsektiv-Ausschuß in Genf hat am selben Tage beschlossen, daß bei der Iugendausbildung solcher Staaten, die eine bereits organisierte I u g e n d a u s b i l-d u n g nicht haben — auch dieses zielt gegen Deutschland — das Militärgewehr verwendet werden kann. Lind so fragen wir mit Recht: Wie reimt sich dos zusammen? Auf der einen Seite der Spaten, das aufbauende Werkzeug, und auf der anderen Seite das Militärgewehr, dos in seiner ursprünglichen Bedeutung Menschenleben zerstörend wirken kann? Man hat als Argument gegen die Arbeitsdienstpflicht angeführt, daß bei ihr die D i s z i p l i n gefördert würde, und daß die Arbeiterkolonnen in geschlossenen Formationen antreten müßten. Da die Arbeitsdienstpflicht als ein erzieherisches Moment zu werten ist, ist es wohl selbstverständlich, daß bei einer größeren Anzahl Iugendlicher, und darum handelt es sich, Disziplin herrschen muß, weil sonst keine Möglichkeit besteht, auf erzieherischer Grundlage die jungen Menschen zu erfassen. Dasselbe gilt für die geschlossenen Formationen, die nur dann in Erscheinung treten, wenn es sich darum handelt, zur oder von der Arbeitsstätte geführt zu werden. Man führt von gegnerischer Seite an, daß man den erzieherischen Zweck auch im freiwilligen Arbeitsdienst verfolgen könnte. Dies ist jedoch nicht richtig, weil im freiwilligen Arbeitsdienst heute meist jene Elemente zu finden sind, die von vornherein staatsaufbauend und staatsbejahend sind. Um aber jene jungen Leute, die bolschewistischen Einflüssen zugänglich sind und gerade einer autoritären Führung bedürfen, er- fassen zu können, ist cs nötig, die gesamte Jugend eines Jahrganges pflichtmäßig zu erfassen, um dann auf sie in der Arbeitsdienstpflicht dergestalt erzieherisch wirken zu können, daß man den jungen Menschen klar macht, daß Arbeit und Opfer, und sei es auch nur körperlicher Art, Lebensaufgabe des Menschen sei. Der Beschluß des Effektiv-Ausschusses gegen die Arbeitsdienpflicht spricht dem Menschlichkeitsgefühle Hohn, verkennt voll und ganz, wie das Ausland überhaupt, die tatsächliche Lage in Deurschland. Das Ausland weiß nicht, daß hier auf Gedeih und Verderb für die ganze Welt einKampfgegenden Marxismus geführt wird, und will nicht ein- sehen, daß, wenn Deutschland nicht Herr über den Marxismus wird, einst die ganze Welt unrettbar dem Kommunismus verfallen muß. Jeder Schlag, der von den Gegnern des nationalen Deutschland gegen dieses geführt wird, unterstützt indirekt die Ausbreitung des Bolschewismus. Unser Appell zur Bernunst und Einsicht geht demnach a n j e n e E l e- mente in der Welt, die nicht von chauvinistischen Haßgefühlen befanden sind, sondern wirklich aufbauend im Sinne jener Verständigung zwischen den Völkern wirken wollen, die dahin zielt, daß alle Völker, und nicht zuletzt Deutschland, in voller Gleichberechtigung zueinander stehen. Deutscher Proteststurm in Genf gegen die „roten Fliegers (B c n f, 26. Juni. (IDIB.) Das Völkerbunds- f e r r e t ar i a t teilt mit, daß aus Deutschland nahezu 7 0 Telegramme eingetroffen seien, in denen gegen die lieberfliegung deuI- idjen Gebietes durch fremdeFlugzeuge auf das entschiedenste protestiert und um Schaffung eines ausreichenden Luftschutzes für Deutschland ersucht wird. Die Telegramme stammen aus vielen großen Städten, Organisationen, Handelskammern ufro., aus allen Teilen des Reiches. Oie Ankurbelung der Weltwirtschaft. Oie Grundprobleme der Londoner Konferenz. — Hebung des Preisuweaus, Stärkung der Kaufkraft, Arbeitsbeschaffung, internationale Verschuldung. London, 26. Iuni. (TU.) Schahkanzler Chamberlain gab vor dem Währungsaus- schuh eine Erklärung über das Problem der Ber- schuldung ab. Bevor die internationalen Anleihen wieder ausgenommen werden könnten, seien neben der Wiederherstellung des Vertrauens in die innere Stabilität Europas auch gewisse zusätzliche Sicherungen notwendig. Dies ergäbe sich aus ucn Erfahrungen der letzten zehn Iahre, in denen oft eine unkluge Anlcihepoltiik verfolgt worden sei. Eine Zerstörung des Vertrauens und der Preissturz hätten zu den gegenwärtigen Schwierigkeiten mancher Schuldnerländer geführt. Man müsse Verständnis für die Schwierigkeiten der Schuldnerstaaten haben, besonders derjenigen, deren Hauptreichtumsqucllen die Dodcnerzeug- nisse sind. Wenn die Schuldnerstaaten eine innere Finanzpolitik verfolgten, die ihren Kredit auf dem Weltmarkt ungünstig beeinflusse, so könnten dadurch leicht die Bemühungen zum normalen Arbeiten des weltwirtschaftlichen Systems gefährdet werden. • Eine allgemeine Preishebung könne die Lage sehr leicht zugunsten der Schuldnerstaaten beeinflussen. Auf der anderen Seite müsse man erkennen, daß in einigen Fällen zeitweilige Berichtigungen notwendig seien, um fron Schuldnern bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen soweit wie möglich beizustehen. Diese Berichtigungen könnten sich aber je nach der besonderen Lage ändern. Allgemeine Grundsätze könnten auf sie nicht angewandt werden. Cs fei Aur Wiedergesundung der internationalen Kreditgewährung unbedingt notwendig, daß Gläubiger- und Schuldnerländer vollen Aufschluß über ihre jeweilige wirtschaftliche Lage geben, damit die Kapitalanleger über die Sicherheit ihrer Anlagen ausreichend orientiert wären. Auch die Auflegung von Anleihen müsse der Kontrolle der Gläubiger- und Schuldnerländer unterworfen werden. Der ungarische Vorschlag über die Schaffung einer großen inte rnationalen Organisation, die über alle Kreditfragen zu verhandeln hätte, scheine reichlich verwickelt zu fein. Besser wäre es, wenn alle Staaten selb st Kredit k ö r p e r sch a f t e n ins Leben riesen, die dann zu gemeinsamen Sitzungen zusammenkämen. Ieder Versuch aber, eine einzige internationale Korporation zu schaffen, sei wegen der Verschiedenartigkeit der Bedingungen zu mißbilligen. Amerikas Auffassung. Nach Chamberlain sprach der amerikanische Senator Coucens, der unter Erwähnung der deutschen Erklärungen auf der Weltwirtschafts- tonferenz auf die Uebereinstimmung zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Standpunkt hinwies, daß innere Sanierungsmaßnahmen den internationalen Maßnahmen vorausgehen sollten. Er glaube, wie dies auch von der deutschen Abordnung betont wurde, nicht, daß eine Preisgebung allein durch eine Währungsaktion zustandegbracht werden könne oder daß die wirtschaftliche Erholung nur von einer Preishebung abhänge. Die Struktur der Verschuldung müsse geändert werden. Obwohl er mit vielem, was Chamberlain sagte, übereinstimme, müsse er doch sagen, daß die Schuldenlasten erleichtert werden müßten. Die Gläubiger und Schuldner müssen den Tatsachen ins Gesicht sehen und sich über eine Schuldenabmachung einigen. Amerika sei mit gutem Beispiel voran- gegangen und habe das größte Arbeitsbeschaffungs- Programm der Welt in Angriff genommen. Wenn eine 2ßiebererl)olun$ kommen solle, dann müsse es zunächst Arbeit geben, eine erhöhte Nachfrage für Rohstoffe und einen erhöhten Verbrauch. Andere Industriestaaten sollten ähnliche Maßnahmen wie Amerika zur Wiederbelebung des Verbrauches und der Nachfrage ergreifen. Man stehe vor einer Epoche, während der die Negierung die Führung im Wirtschafts- leben übernehmen müsse, damit die privaten Unternehmer wieder die gleichen Funktionen übernehmen könnten, die sie auch früher ausgeübt hätten. Erhöhte Nachfrage nach Rohstoffen biete mehr Aussicht auf Gesundung der Weltwirtschaft als ein Abbau der Zollsätze für Fertigwaren, in denen Staaten hochgradig konkurrieren. Die ^Beratungen der Weltwirtschaftskonferenz werden in dieser Woche in der Hauptsache unter Ausschluß der Öffentlichkeit vor sich gehen. Sensationelle Entwicklungen sind kaum zu erwarten. Wenn die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen hinreichend gediehen sind, werden die entsprechenden Entschließungen den öffentlichen Voll- itzungen der Ausschüsse und schließlich der Vollkon- crenz zugeleitet werden. Amtliche britische Kreise ind mit den Fortschritten der Beratungen zufrie- den, zumal die Konferenz das gegenwärtige Stadium eine Woche früher erreicht hat, als man erwartete. Die Verwaltungsbehörde der Londoner City hatte die Delegierten der Weltwirtschaftskonferenz heute abend zu einem Festmahl geladen, an dem die Vertreter von 66 Staaten teilnahmen. In seiner Erwiderung auf den Trinkspruch des Lordmayors sagte der belgische Delegierte Hymans u. a.: Wir wissen alle, w i e viel Verantwortung auf unseren Schultern liegt, und daß unsere Pflicht, ja in gewisser Weise sogar unsere Ehre uns die Notwendigkeit auferlcgt, zu einer endgültigen Lösung der uns gestellten Ausgaben zu gelangen. Zweijährige Bewährungsfrist für neue Mitglieder der NGDAp. Vorher feine Berechtigung zum Tragen des Braunhemdes. Berlin, 27. 3uni. (OB.) Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht folgende .Verfügung der Reichsleitung der R S D A P.: Rach dem 30. Januar 1933 erfolgten zahlreich: Reuanmeldungen zur NSDAP. Da eine Gewähr für d i e unbedingte .Zuverlässigkeit der neuhinzugekommenen Mitglieder im nationalsozialistischen Sinne nicht mehr gegeben ist, wird verfügt: Mitglieder der RSDAP., die nach dem 30. Januar 1933 ihren Beitritt erklärt haben, werden einer zweijährigen B e - Währungszeit unterworfen. Erst nach Ablauf dieser Zeit wird ihnen an Stelle der Mitgliedskarte das Mitgliedsbuch als Zeichen der endgültigen Ausnahme in die Bewegung ausgehändigt, sofern sie sich bewährt haben. vor ihrer endgültigen Ausnahme steht ihnen nicht das Recht zu, das Braunhemd zu tragen. Ausnahmen können nur in außergewöhnlichen Fällen seitens der Reichsleitung auf Antrag der zuständigen (Bauleitung genehmigt werden, von dieser Regelung werden nicht berührt die für die SA. und SS. betroffenen besonderen Bestimmungen. Die Verfügung tritt am 1. 3uli 1933 in Kraft. Ls wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß ein unberechtigtes Tragen des Braunhemdes strafbar ist. Die Verfügung bezweckt keine Degradierung der neu zur Bewegung gekommenen Mitglieder, unter denen sich eine große Anzahl befindet, die nicht der Konjunktur folgend, fondern aus innerer Ueöerjeugung sich heute zur Freiheitsbewegung des deutschen Volkes bekennen, auf Grund der Erfolge des Führers als Kanzler. Die Verfügung soll lediglich etwa nach der Machtergreifung in die NSDAP, gesandten Provokateuren die Arbeit erschweren, sowie die Geschlossenheit und Schlagkrastder Bewegung auch sürdie Zukunst sichern. Der kleine Konvent der Deutschen Arbeitsfront. Berlin, 26. Juni. (TU.) Wie der „Zeitungsdienst" meldet, hat der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. L e y, die Berufungen in den Kleinen Ardeitskonoent der Deutschen Arbeitsfront vorläufig abgeschlossen, so daß dem Konvent nunmehr angc- hören: Dr. Ley, Schmeer, Schuhmann, Forster, Muchow, Dr. Frauendorfer, Biallas, Ghodes, Brinkmann, Müller, Peppier, Otto, Klapper, Dr. Waae- ner, Dr. von Renteln, Marwitz, Dr. Lorenz, Dr. Albrecht, Zeleny, Wild, Dr. Brauweiler, Röttgen und Dr. Erdmann. — Ferner hat der Führer der Deutschen Arbeitsfront den Gauleiter des Gaues Essen der NSDAP., Joses Terbooen, und den (flau- betriebszellenleiter Iuh 1 itz in bea Großen Konvent der Deutschen Arbeitsfront berufen. Ein Volk — ein Reich. Riesenkundgebung für das Deutschtum im Wiener Stadion. Wien, 25. Juni. (CNB ) Daß die Sache des Deutschtums in Oesterreich in besten Händen ist und daß die Hetzer die Verbundenheit Oesterreichs mit dem Reich nicht zerreißen können, bewies der Jugendturntag des Deutschen Turn- bundcs im Wiener Stadion. Das Stadion, das 60 000 Zuschauer faßt, war bis auf den legten Platz gefüllt. 12 000 Jugendturner legten Zeugnis dafür ab, daß neben der körperlichen Ertüchtigung auch die Pflege des deutschen Wesens nicht zu kurz kommt. Das ergab sich aus der s p o n- tonen Huldigung für Deutschland, die in den letzten Strophen des Jugend-Weiheliedes erfaßt wird: „Frisch und fromm, froh und frei, des Volks bewußt und der Heimat treu, bauen wir mit Herz und Hand unser einig Vaterland." Der Jubel- sturm wiederholte sich immer wieder und das Deutschlandlied wurde angestimmt. Den Höhepunkt erreichte die Begeisterung bei dem Sonnenwendfestspiel, das in vier Bildern einen kurzen Abriß der Geschichte des Deutschtums in Oesterreich in der Vorkriegs- und Nachkriegszeit gab. Auch beim zweiten Bild „der österreichische Soldat" brauste großer Jubel im Stadion auf, der sich wiederholte, als im Schlußbild dargestellt wurde, wie sich das deutsche Volk seiner großen Vergangenheit erinnert und aus Jahns Vermächtnis neuen Lebensmut schöpft. Von drei Seiten zogen die Turner mit brennenden Fackeln in das Stadion und bildeten auf dem grünen Rajen das aus den vier „F" bestehende Wappen der österreichischen Turner. Bei dem Ab- marsch der Turner wurden sie mit nicht endenwollenden Heilrufen begrüßt und immer wieder das Deutschlandlied gesungen. Auch auf dem Heimweg der Massen hört man immer wieder völkische Lieder und Heilrufe auf Deutschland und Hitler. Noch dem Turnerfest im_Stabion kam es von feiten der Teilnehmer in der Stadt- und Stra- | ßenbahn zu mehrfachen Kundgebungen, wobei Parteiparolen gerufen wurden. Die Polizei nahm 30 Verhaftungen vor. Oie Auswirkung der Grenzsperre für Tirol. Wirtschaftliche Katastrophe, die Kdlge der Tollfutz-Polilik. Innsbruck, 25. Iuni. (CAB.) Der Tiroler Anzeiger, das Organ »der Christlich-Sozialen in Tirol, veröffentlicht Die Forderungen, die der Landesverband der Gewerbeverbände u n d G e we rb e ge n o s sen s cha f ten für Tirol dem Bundeskanzleramt und dem Finanzministerium als Notstandsmaßnahmen unterbreitet hat. Einleitend wird ausgeführt, daß die Sperre der Grenze durch die Einführung der Einreisegebühr von 1 000 Mark sich für die gesamte Tiroler Wirtschaft, die mit dem Fremdenverkehr eng verbunden sei, geradezu katastrophal auswirke. Ein weiteres Andauern dieses Zustandes würde im Sommer z u unabsehbaren Folgen führen. Aus allen Landesteilen erhöben sich schon jetzt e r s ch ü t - ternde Hilferufe der Handels- und Gewerbetreibenden, die durch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise ohnehin in ihrer Widerstandskraft geschwächt seien und durch das Ausbleiben des Zustromes der reichsdeutschen Sommergäste um die Hoffnung auf Bettung ihrer Existenz gebracht würden. Es folgen dann die Forderungen, die vor allem Stundung der Steuern, Nachlaß von Steuerrückständen, Stundung von hypothekaririschen Zinsen usw. betreffen. Groß angelegter Werbefeldzug für das Handwerk. Berlin, 26. Juni. (Vd;.) Besprechungen zwischen dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und der Presse- und Propagandastelle des Reichsstandes und des Reichsverbandes des deutschen Handwerks haben ergeben, daß in kürzester Zeit eine ganz spezielle Werbeaktion für das deutsche Handwerk in Angriff genommen wird. In Arbeitsdienstlagern, Fach-, Berufs-, Gewerbe- und Fortbildungsschulen werden z. B. Lichtbilderoorträge gehalten werden, die die kulturhistorische Entwicklung und den ethischen Wert des deutschen Hand- werksstandes beleuchten werden, um vor allem d i e deutsche Jugend wieder für das Handwerk zu interessieren, daneben aber auch das Verständnis für die Kleinkunst des Handwerks zu wecken. Das Ziel all dieser Bestrebungen ist, das deutsche Handwerk wieder zu der großen Blüte einer vergangenen glorreichen' Epoche zurückzuführen, was nur durch die Wiedergewinnung des Interesses und der Achtung des Volkes vor der Handwerkskunst möglich ist. Das Handwerk begrüßt es außerordentlich, daß seinen Interessen ein so reiches Verständnis seitens des Ministeriums für Dolksaufklärung und Propaganda entgegengebracht wird. Das Handwerk ist ein sehr wichtiges Glied der deutschen Gesamtwirtschast, umfaßt es doch 1,25 Millionen Handwerksbetriebe mit Meistern, Gesellen und Lehrlingen und mit sechs bis acht Millionen Angehörigen. Führertagung der deutschen Architekten und Ingenieure. Am Samstag und Sonntag sand in Weimar eine Führertagung der deustchen Architekten und Ingenieure statt, an der die Amtswalter des Kampfbundes Deutscher Architekten und Ingenieure sowie Vertreter des Reichsbundes Deutscher Technik teilnahmen. In einer öffentlichen Kundgebung in der Weimarhalle sprachen Diplomingenieur Feder und Pros. S ch u 1 z e - N a u m b u r g vor etwa 12<>0 Teilnehmern aus dem ganzen Reich. Gottfried Feder wies darauf hin, daß es keine Technik im politisch- luftleeren Raum gebe, fondern es bedürfe ernster Erziehung der Ingenieure zur nationalsozialistischen WeltanschauunH. ferner solle die Organisation des geistigen Prinzips in der Technik eine der vornehmsten Aufgaben des Kampfbundes Deutscher Architekten und Ingeniure sein. Zum Schluß unterstrich er die Notwendigkeit der zentralen Arbeitsbeschaffung durch den Staat, die durch den Bau von Fernstraßen begonnen worden sei. Prof. Schulze-Naumburg sprach über „Zcitgebundene und blutgebundene Kunst". Zeitgebunden und blutgebunden, so führte er aus. beleuchten unmittelbar die Gegnerschaft zweier Weltanschauungen: Den von der Umwelt her eindringenden Kräften steht gegenüber der Mensch mit seinen körperlichen und geistigen Anlagen: Die Nasse. Niemals kann der Künstler frei im Raume schweben. Unsere zukünftige deutsche Kunst wird das Wunschbild unseres Führers durchdringen und sie so prägen, daß sie ihre höchste Weihe durch die Herausbildung ihres rassischen Zielbildes erlangt. — An den Volkskanzler Adolf Hitler wurde am Schluß der Kundgebung ein Begrüßungstelegramm gesandt. Nie Aktion gegen die Bayrische Bolkspartei. München, 26. Juni. (WTB.) Der Polizei- pressebericht meldet: Wie schon berichtet wurde, hat die bayerische Politische Polizei vor einigen Tagen bei den Funktionären der Bayerischen Volkspartei Haussuchungen v o r genommen, da der begründete Verdacht bestand, daß die BVP. in eng st er Fühlung mit der Dollfuß-Regierung und der Heimatwehr in Oe st erreich stehe, und daß sie für das Verbot der NSDAP, in Oe st erreich mit verantwortlich sei. Bei den Haussuchungen wurde umfangreiches Material gefunden. Aus Grund der Ergebnisse der vorläufig gesichteten Schriften sah sich die bayerische Politische Polizei genötigt, die Festnahme der Reichs-. und Landtagsabgeordneten der BVP. fo- wie weiterer wichtiger Funktionäre in ganz Bayern anzuordnen. Die Aktion gegen den politischen Katholizismus hat eindeutig den Beweis erbracht, daß es diesen Kreisen mit ihren Beteuerungen, sich restlos hinter die nationale Regierung zu stellen und am Neuaufbau Deutschlands mitzuarbeiten, in k e i n e r Weise e r n st ist. Die Untersuchungen haben vielmehr ergeben, daß der politische Katholizismus bestrebt ist, in jeder Weise die Anordnungen der Negierung zu sabotieren und ihr sogar entgegenzuarbeiten. Es steht fest, daß diese Kreise jede Gelegenheit, insbesondere sich etwa ergebende politische Krisen dazu ausnutzen werden, ihre verlorene Machtstellung wiederzugewinnen. Es ist ferner festgestellt worden, daß Versammlungsverbote umgangen und daß verbotene Wehrorganisationen illegal weitergeführt werden. Es wurden Nachrichten durch Herausgabe illegaler Zeitungen systematisch verbreitet, wodurch der Greuelpropa- g a n d a und der Verbreitung unrichtiger Meldungen Keller und Tor geöffnet sind. Die Angehörigen der Bayernwach t wurden aufge- fordert, dcmStahlhelm beizutreten, nicht etwa um diese Organisation zu stärken, mit der sie sich ja ideologisch in keiner Weise verbunden fühlen, sondern um diese Organisation zu durchsetzen und dann als Sprungbrett für ihre politischen Machtgelüste zu benutzen. Unter den in München in Schutzhaft genommenen BVP.-Mitgliedern befinden sich der ehemalige Staatsrat Fritz Schäffer, der Bayern- wacht-Führer v. Lex, der Generalsekretär der BVP. Dr. Pfeiffer, Stimmer, F ü r st Karl o. W r e d e , Baron Hirsch v. Planegg und Dr. Hundhammer. In Bamberg wurde der Führer der Reichstagsfraktion der BVP. Prälat Leicht ebenfalls feftgenommen. Dr'e Evangelische Kirche Preußens unter kommissarischer Verwaltung. Ein weiterer Erlaß des 6taatskommissars. Berlin, 26.3unt (WTB.) Der Staatskommissar für die Evangelische Kirche in Preußen Jaeger gibt folgenden Erlaß bekannt: 1. Für die Abwendung des bolschewistischen Chaos schulden wir Gott und seinem Werkzeug Adolf Hitler Dank. Nur das Bestehen der Nation ermöglicht das Bestehen einer Kirche. 2. Die heute bei mir versammelten, gestern ernannten Bevollmächtigten der evangelischen Kirchenprovinzen und Landeskirchen in Preußen sind beauftragt, die Neubildung der aufgelösten gewählten kirchlichen Vertretungen im Hinblick auf das Ziel einer Deutschen Evangelischen Kirche durchzuführen. Gleichzeitig übertrage ich auf diese Be- rollmächtigten sämtliche Befugnisse aller aus den gewählten kirchlichen Vertretungen hervorgegangenen Ausschüsse. In Zweifelsfällen entscheidet mein Bevollmächtigter. 3. Wit sofortiger Wirkung beurlaube ich den Generalsuperintendenten der Kurmark D. Dibelius. Eme Erklärung der evan eüschen Kirchenleilung. Berlin, 24. Juni. (TU.) Von amtlicher kirchlicher Seite wird mitgeteilt: Die in Eisenach als Vertreter der Altpreuhischen Kirche anwesenden Mitglieder des Kirchensenats haben in einem Telegramm an den Kultusminister gegen den bisher nicht substantiierten Vorwurf des preußischen Kultusministers, daß die evangelische Kirche der Altpreuhischen Union den Rechtsboden verlassen habe, und gegen die daraus hergeleiteten Folgerungen feierlich Tonfilm: „SA.-Rann Brand." Lichtspielhaus. Der Film „Blutendes Deutschland", der vor einiger Zeit an dieser Stelle ausführlich besprochen wurde, gab im objektiven Bildbericht einen historischen Aufriß der Entwicklung der nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland seit dem Kriegsende. Der Film „SA.-Mann Brand", der erst in den letzten Tagen in Gegenwart des Reichskanzlers Adolf Hitler und des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels in Berlin seine Uraufführung erlebte, und den wir gestern auch hier in Gießen gesehen haben, ist der erste nationalsozialistische Spielfilm. Was der Film „Blutendes Deutschland" als historisch entwickelten Ausschnitt aus der deutschen Zeitgeschichte in großen Zügen — in Einzelbildern, Massenszenen und Reden — vermittelte, wird hier als „Ein Lebensbild aus unseren Tagen" in einer geschlossenen Spielhandluna geschildert, jo zwar, daß hier wie dort der innige Zusammenhang mit einer von jedem Besucher persönlich und intensiv miterlebten deutschen Gegenwart vom ersten bis zum .letzten Bild gewahrt bleibt. Die außerordentliche, gleichsam mit Händen zu greifende Aktualität des Stoffes, die Begeisterung für die nationalsozialistische Idee, aus der heraus der Film geschrieben und gedreht wurde, und seine für die Bewegung werbende Wirkung sind kennzeichnend für das Wesen dieses jüngsten Werkes der Bayerischen Filmgesellschaft in München. Die Handlung führt sofort und ohne Umschweife in die Dinge hinein, die hier behandelt werden: in .ein großstädtisches Kommunistenviertel, in dem die junge, noch von allen Seiten bedrohte und verfolgte Bewegung des Nationalsozialismus um Tod und Leben kämpft — für ihre Idee, für ihren Führer und für ein neues Deutschland. Vorkämpfer auf diesem winzigen Teilabschnitt der inneren Front ist der SA.-Mann Fritz Brand, ein junger Arbeiter im Geiste und nach dem Vorbild Horst Wessels. In den Sorgen, Nöten und Kämpfen dieses jungen Mannes und seiner vorerst noch kleinen Gefolgschaft von Kameraden und Gesinnungsgenossen spiegelt sich die Bewegung, die wir in den letzten Jahren und Monaten in Deutschland haben entstehen, wachsen und groß werden sehen — bis zum siegreichen Durchbruch und zur endgültigen Machtergreifung. In einer lebendig und fließend abrollenden Handlung, in einer schnellen Folge realistisch zupackender Szenen wird hier ein Schauspiel gezeigt, das wir Verwahrung eingelegt. Der Evangelische Oberkirchenrat hat sich diesem Schritt angeschlossen. Da nicht ersichtlich ist, aus welchen Bestimmungen des Staatsvertrages mit den evangelischen Kirchen oder irgendeines in Frage kommenden Gesetzes eine Begründung dieses Vorwurfes hergeleitet werden kann, hat der Evangelische Oberkirchenrat den Minister um B e - gründung seiner Rechtsauffassung gebeten. Gleichzeitig hat der Evangelische Oberkirchenrat auf Artikel 12 des Staatsvertrages hingewiesen, in dem die Vertragspartner sich verpflichtet haben, etwa zwischen ihnen entstehende Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung einer Bestimmung des Staatsvertrages auf freundschaftliche Weise zu beseitigen. Nie Gründe für die Einsetzung des Giaatskommisfars. Berlin, 26. Juni. (TU.) Das Preußische Kultusministerium teilt zur Einsetzung des Kirchenkommissars folgendes mit: In den letzten Monaten und Wochen machte sich in steigendem Maße im Kirchenvolk der evangelischen Landeskirchen Preußens eine erhebliche Unruhe und Verwirrung bemerkbar. Diese geht in ihren Ursachen zunächst darauf zurück, daß die Kirchenbehörden dem in den letzten Kirchenwahlen deutlich zutage getretenen Willen des Kirchenvolkes keine Rechnung tragen. Die notwendige Folge war eine starke Spannung zwischen weiten Teilen des Kirchenvolkes und der Kirchenbehörde. Dies trat anläßlich der Frage der S ch a ffung einer R e i ch s k i r ch e und eines Reichsbischofs nach dem nationalen Umschwung besonders klar zutage und steigerte die Zerrissenheit im Kirchenvolke erheblich. Es dürfte noch in Erinnerung sein, daß es sogar zu Störungen von Gottesdiensten kam. Das preußische Kultusministerium, das di^er Entwicklung nur mit Sorge folgen konnte, hat alle kennen, das man in seinen Einzelheiten in Dutzenden von Zeitungen nachlesen und sich wiederholen kann als lebendige und miterlebte Wirklichkeit. Es sind unsere eigenen Dinge, nah und gegenwärtig, die da vorüberziehen; das gibt dem Film seine unmittelbare und zündende Wirkung. Scharf sind die feindlichen Fronten abgegrenzt, die Verkehrslokale und die Wohnqartiere der Nationalsozialisten und der Kommunisten. Die Gegenspieler, SA.-Führer und kommunistischer Drahtzieher, werden samt den Trägern einer vermittelnden Zwischen- Handlung und den mit sicherem Blick aus dem Alltag herausgehobenen Episodenfiguren in plastischen Gestalten lebendig. Unheimlich die nächtlichen Schießereien, die Feuerüberfälle der Kommune, die Versuche, den nationalsozialistischen Sturmführer unschädlich zu machen und ins gegnerische Lager herüberzuziehen. Dramatische Höhepunkte: die Aushebung des kommunstischen Waffenlagers, die Erschießung des Hitlerjungen Erich Löhner und zuletzt der mächtige Fackelzug der siegreichen Nationalsozialisten. Mit diesem AuÄlang mündet die Filmhandlung unmittelbar in die jüngste Vergangenheit ein. Der Regisseur Franz Seitz, bisher nur mit der Inszenierung von Lustspielen bekannt geworden, war hier zum ersten Mal vor eine ernsthafte Aufgabe gestellt, und er ist damit auf eine Art und Weise fertig geworden, die ihm alle Ehre macht. Obwohl er sich nicht scheut, gelegentlich komische Pointen und heitere Episoden einzulegen (die auch ihre Wirkung keineswegs verfehlten). Er hat erkannt, worauf es hier ankam: ein lebendiges Bild aus unserer Zeit zu geben; die Umwelt, die Stimmung, die. Gestalten zu erfassen und sichtbar werden zu lassen; in einem Ausschnitt, der als typisch gelten kann, ein Bild jener aus kleinen Anfängen mächtig anschwellenden Bewegung zu geben, die heute Schicksal und Zukunft unseres Volkes in Händen hält. Von den Darstellern sind uns nur wenige aus früheren Filmen vertraut; unter den seither unbekannten ist Heinz Klingenberg als Brand an erster Stelle zu nennen: ein begeisterter junger Mensch, besessen vom Glauben an seine Idee und den Sieg seiner Sache, Führer und Vorkämpfer auf fast verlorenem Posten, Pionier des Dritten Reichs, aufrecht und unerschütterlich. Max Weydner gibt mit scharfer Eharakterzeichnung den wichtigsten Gegenspieler, den Sowjetagenten Turrow. Eine vorzügliche Leistung: Otto Wernicke, den wir früher schon hier gesehen haben, als Vater Brand. Sehr frisch und herzhaft Rolf W e n k h a u s als Hitler- Das Staatsbegräbnis für die ermordeten Köpem'cker SM.-Männer. Reichsminister Goebbels spricht am Grabe. Berlin. 26.3uni. (TH.) Am Montagnachmittag erfolgte in Köpenick das feierliche Staatsbegräbnis für die von marxistischer Mörderhand gefallenen SA. - Männer Robert Gleuel und Walter Apel. Die Feierlichkeiten gingen unter gewaltiger Anteilnahme der nationalen Verbände und der Bevölkerung im Beisein einer großen Zahl von Vertretern der höchsten staatlichen Stellen vor sich. Nach Heber* führung vom Köpenicker Krankenhaus wurden die mit der Hakenkreuzflagge und den Mühen der Gefallenen bedeckten Särge im Saal des im Köpenicker Stadtteil Hhlenhorst gelegenen Sturmlokals aufgebahrt, wo eine ergreifende Totenfeier stattfand. Sechs Sturmkameraden der Gefallenen und zwei Polizeibeamte hielten neben der Standarte und der Sturmfahne die Totenwacht. Zwischen Lorbeerbäumen leuchteten die Bildnisse der beiden SA.- Männer hervr. Neben den Angehörigen waren zu der Feier die Bertreter der Regierung und Behörden, die Sturmkameraden der Ermordeten, die Führer der SA. und der in gewaltiger Zahl teilnehmenden Verbände, die sich auf dem nahen Sportplatz gesammelt hatten, erschienen. An der Spitze Rcichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Göbbels. Pfarrer Kessel hob in seiner Gedenkrede hervor, daß ein gemeinsames Band diese beiden Toten mit den Gefallenen von Lgngemarck verbinde. 3n dem Geist hingebender Treue, so schloß er, die diese Männer bis zum Tode beseelte, bekennen wir uns in dieser Stunde des bitteren Abschieds zu dem Ruf, zu dem sie sich so oft bekannt haben: Die Fahne hoch! Harmoninm- spiel und Chorgesänge umrahmten die schlichte Feier. Dann setzte sich unter Trommelwirbel und mit Trauermusik der gewaltige Zug in Bewegung zum Friedhof. Eine unübersehbare Fülle herrlicher Kranzspenden wurde mitgeführt. Schweigend und mit erhobener Hand standen die Massen zu beiden Seiten des langen Weges, der durch ganz Köpenick zur Friedhof führte. Voran schritten SA. und SS., Abordnungen der Polizei im Stahlhelm, zahlreicher anderer nationaler Vereinigungen, der 3ugendverbände und der Fachschaften aus staatlichen und privaten Behörden. Den weit über 100 umflorten Fahneir die geschlossen im Zuge mitgeführt wurden, folgte« zu Fuß die Bertreter der staatlichen Behörden mit Reichsminister Dr. Goebbels an der Spitze. Unter anderen sah man den Berliner Polizeipräsidenten v. L e v e h o w, den SA.-Gruppen« sichrer Berlin-Brandenburg E r n st, den SS.* Gruppenführer-OstMinisterialdirektor D a l u e g e, Oberführer Prinz August Wilhelm. An der Gruft auf dem Köpenicker Friedhofs hielt Reichsminister Dr. Goebbels eine von tiefer innerer Bewegung getragene Rede, die eine zornerfüllte Kampfansage an die Feinde des Vaterlandes war und mit der Erklärung schloß: „Wir werden das Reich halten und wir werden die Feinde der Nation in den Staub werfen. Wir werden keine Gnade kennen, wenn es um Deutschland geht. So erhebt die Fahnen und schwört cs an dem Grabe der Toten: ,Wir wollen das Wort nicht brechen, nicht Buben werden gleich, wollen predigen und sprechen von unserm Deutschen Reichs." Beim Spielen des Liedes vom Guten Kameraden wurden drei Ehrensalven über der offenen Gruft abgegeben. Zahllose Kränke wurden dann niedergelegt, so daß die Gruft bald in ein Meer von Blumen und Blüten gebettet war. Der Vorbeimarsch der Teilnehmer des riesigen Trauergefolges an der Gruft nahm mehrere Stunden in Anspruch und endete erst beim Einbruch der Dunkelheit. — 3m Anschluß an die Beisetzungsfeier begab sich die SA. zurMord- st e l l e am Dahlwiherplatz, wo eine Gedächtniskundgebung stattfond. Gleichzeitig wurden der Dahlwitzer Platz in Robert-Gleuel-Platz und die Alte Dahlwitzer Straße in Walter- Apel-Straße umbenannt. Ein drittel- SA.-Mann a!s Opfer des Köpenicker Lteberfalles gestorben. Berlin, 27. Juni. (CRB.-Aunkspruch.) Der bei dem köpenicker JeuerüberfaU auf SA.-Leule schwer verletzte 52L-2Hnnn klein ist heute früh im ktan- kenhaus seinen Verletzungen erlegen. Damit erhöht sich die Zahl der bei dem ruchlosen lleberfall getöteten SA. Leute auf drei. Reichsminister Dr. Goebbels hatte dem nunmehr Verstorbenen noch gestern im Krankenhaus einen Besuch abgeffattef. trotzdem in Ansehung der Freiheit der Kirche niemals irgendwie eingegriffen. Diese Lage wurde von Grund auf geändert, als der Kirchensenat der evangelischen Landeskirche der Al t - P r e u h i s ch e n Union vor wenigen Tagen an Stelle des zurückgetretenen Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrats Kapier, einen Kommiss ar zum Nachfolger einsetzte, ohne sich um den Staat im geringsten zu kümmern. Damit war eine offene beabsichtigte Verletzung des Artikels? des Konkordats vom 11. Mai 1931 mit dem preußischen Staat vollzogen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auch Die Bestellung eines Vertreters auf Grund des Konkordats nicht ohne vorherige Zustimmung des preußischen Staates vorgenommen werden konnte, um so mehr, als gerade dieser Vertreter vielleicht die wichtigsten Aufgaben zu erfüllen hat, die jemals einem Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrats oblagen. Diese offene Kampfansage der Kirchenbehörden fügte der Verwirrung, und der Zerrissenheit im Kirchenvolk nun auch noch einen Bruch der Beziehungen zwischen der Kirchenverwaltung und dem Staate hinzu. Die schleppende und sich widersprechende Erledigung der Kirchenfrage, die sich aus dem Bruch des Konkordats ergebende Tatsache, daß die Träger der Kirchenoerwaltung dem neuen Staat zum Teil durchaus widerstrebend gegenüberstanden, gefährdete die von der nationalen Negierung soeben geschaffene Volksgemeinschaft aufs ernsthafteste. Der preußische Staat sah sich daher i n einem Notstand, demgegenüber jedes längere Zögern verhängnisvoll geworden wäre. Der Eingriff des preußischen Kultusministers Rust, d. h. die Bestellung eines Staatskommissars, b e z i e h t l i ch - lediglich auf die Fragen der irdiscyen kirchlichen Organisation und deren Verhältnis zum Staat. Das Eigenleben und die Eigengesetzlichleit der Kirche, des Glaubens und des Bekenntnisses werden dadurch in keiner Weise berührt. Damit ist auch ausgesprochen, daß eine sogenannte Staatskirche in jeder Form abgelehnt wird. Der für die Herstellung der Ordnung und der geregelten Beziehungen zwischen der Kirchenverwaltung und dem Staats eingesetzte Kommissar hat daher eine vorübergehende Aufgabe, die gelöst ist, wenn das innere Gleichgewicht innerhalb der Kirche geordnete Beziehungen zum Staat wiederherge- stellt hat. Dem entschlossenen zielbewußten und doch Maßvollen Eingreifen des preußischen Kultusministers R u st und des von ihm beauftragten Staatskommissars Jäger ist zu danken, daß d i e drohende Spaltung zwischen Kirche und Staat und die Verwirrung und Zerrissenheit im Kirchenvolk überwunden ist. Die unablässig beim preußischen Kultusministerium einlaufenden z u - stimmenden Telegramme aus allen Bevölkerungskreisen beweisen, daß das Volk eher als mancher kirchliche Verwaltungsbeamte begriffen hat, daß das chriflliche Evangelium sich dort am freiesten wird entfalten' können, wo die Kirche in offenen und geregelten Beziehungen zum Staate lebt. junge. Eine Reihe gut und knapp umriffener Gestalten: Vera Liessem (Anni), Hedda Lembach (Frau Löhner), Elise A u l i n g e r (Frau Brand) und Joe Stöckel (Huber). * Zur Erstaufführung hatte das Lichtspielhaus eine außergewöhnlich stark besuchte Festvor- stellung veranstaltet, zu der eine größere Anzahl von Ehrengästen geladen und erschienen waren. Die gesamte SA.-Kapelle der Standarte 116 unter Leitung von Kapellmeister N i e b e r g a 11 bereicherte die Vortragsfolge der Festoorstellung mit einer Reihe schneidig zu Gehör gebrachter Märsche, die herzlichen Beifall fanden. Als Bühneneinlage sah man eine von Oskar Sauer verfaßte und dargestellte melodramatische Soloszene „Der Novemberverbrecher", als Auftakt ferner einen von Walter B e ft für „SA.-Mann Prand" verfaßten Prolog, der von Pg. Richter wirkungsvoll zu Gehör gebracht wurde; beide Darbietungen fanden ebenfalls lebhaften Anklang. Im Beiprogramm gab es (anläßlich der Luftfahrt-Werbe-Woche) den Flieger- Film „Hochstraßen der Luft"; die Wochenschau und ein Vorspann für den neuen Ufa-Kriminalfilm „Eine Tür geht auf" rundeten das vielseitige Festprogramm ab. Die Erstausführung des Tonfilms „SA.-Mann Brand" war der stärkste Erfola, den das Lichtspielhaus seit langem zu verzeichnen hatte; das neue Programm dürste eine Woche lang volle Häuser machen. ' —r— Erkennt das Tier seine eigene Stimme? Daß der Mensch seine eigene Sprache im Grammophon nur in seltenen Fällen wiedererkennt. ist kürzlich durch Untersuchungen gezeigt worden. Wie ist es beim Tier? Auf diese Frage antwortet der bekannte Münchener Tierpsychologe Prof. Bastian Schmid in einem Aufsatz der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau-. Eine bekannte Tatsache ist es ja, daß Tiere die Stimme ihrer Artgenossen und auch die anderer Arten erkennen. Ein Hund unterscheidet die Stimme eines lieben Spielgenossen von der eines ihm feindlichen Hundes, auch wenn er keinen von beiden sehen kann Ja, selbst die Sprache einer Katze, mit der er sich gut verträgt, vermag er von der einer fremden, ihm verhaßten auseinanderzuhalten. Prof. Schmid hat nun zunächst das Verhalten der Tiere beobachtet, wenn sie die Stimmen anderer Tiere im Grammophon hören. Dabei wurde, wenn es sich um Tiere mit ausgeprägtem Geruchsinn handelte, das Abhören in einem andern als dem Aufnahnteraum vorgenommen, damit der tierische Hörer ausnahmslos nur noch durch den Gehörsinn an das andere, nicht mehr vorhandene Wesen erinnert wurde. Das klagende Miauen einer Katze wurde z. B. einem kahenfeindlichen Foxterrier vorgeführt, der sofort in jene Erregung geriet, wie sie nur die Anwesenheit von Katzen in ihm Hervorrufen konnte, obwohl er lediglich durch das Ohr an sie erinnert wurde. Unter stürmischem Gebell sprang er in großen Sähen durch den Raum, und als er zufällig den Schalltrichter entdeckte, wollte er sich in diesen stürzen. Eine Katze hörte im Grammophon den klagenden Ton einer Artgenossin; sie fah sich ruckartig um, horchte gespannt auf und begann Dann in derselben Weise in Den Apparat hineinzumiauen. Manche Hähne brechen in ein lebhaftes Gackern aus, wenn Die vom Legen kommende Henne ihr bekanntes Gegacker ertönen läßt. Ein solches Hennen-Gackern wurde nun ausgenommen und Dann im Apparat einem Hahn zu Gehör gebracht. Kaurn hatte er Die ersten Laute vernommen, so begann er auf seine Weise zu gackern, und es war sehr lustig, wie Die Henne im Apparat und Der Hahn auf Dem Hose um Die Wette ihre Töne vernehmen ließen. Rach all Diesen Beobachtungen unterliegt es keinem Zweifel, Daß Die Tiere Die Sprache anDerer Tiere und besonders ihrer Genossen im Grammophon erkennen. Erkennen sie aber auch ihre eigene? Das untersuchte Der Gelehrte durch folgende Experimente: Er nahm von einem Wachhund Bell-Laute auf, Die men mit „Anschlagenbezeichnet. Dann wurde der Hund in einen andern Qxaum gebracht und hörte nun seine Stimme in dem ersten Zimmer. Sichtlich betroffen, sah er sich erstaunt nach der Herkunft der Laute um und begann dann scharf zu bellen, aber in einer ganz andern Art als im Grammophon, mehr so, wie Hunde einen Eindringling empfangen. Ein junger Brull-Affe Durfte ebenfalls vor Dem Grammophon ferne eigene Stimme hören. Auch er war sehr er- ftaunt. Dann sing er zunächst leise zu brummen und bald zu brüllen an, aber in ganz anderer Art als das eigene Phonogramm. Das Affenkind lief aufgeregt im Raum umher, um nach Der Schall-Quelle 3U suchen. Nach etwa Drei Minuten wurde es ru* f)iger, versuchte ähnliche Laute hervorzubringen, wie sie von Der Platte kamen, und blieb Dann bis jum Schluß der Vorführung bei dieser Lautart. Man hatte den deutlichen Eindruck, daß der Brüll- Affe mit Dem unsichtbaren Tier gewissermaßen „mit* fingen wollte. Das Verhalten aller Tiere, Die ge- prüft wurden, ergab, daß sie Die eigene Stimme im Grammophon nicht erkennen. Aus der Provinzialhauptstadt. Pensionäre mit Nebenerwerb. wie WSTl. meldet, veröffentlicht Gauleiter Sprenger folgenden Aufruf: „Ls muh erwartet werden, daß Pensionäre mit ausreichender Versorgung von sich au» bereit sind, aus Nebenbeschäftigung zu verzichten, um damit Volksgenossen Platz zu machen, die seit Jahren vergeben» aus Beschäftigung warten, wenn Pensionäre so verantwortungslos der volksgemeinschasl gegenüber sind, die» zu unterlassen, so erwarte ich, daß da» Unternehmertum seinerseits entsprechend handelt. Es ist ein Zeichen größter Unmoral, sich billige Arbeitskräfte aus Kosten der Allgemeinheit durch Einstellung gutgeslellter Pensionäre zu verschossen. Auch in dieser Angelegenheit wird eine genaue Prüfung stattsinden. und ich schrecke nicht davor zurück, durch die presse dem Volke entsprechende Ausklärung zu geben." Warnung vor unberechtigten „Verhaftungen^ Die Staatspresse st elle Darmstadt teilt mit: Ls besieht Anlaß darauf hinzuweisen, daß Verhaftungen nur von Organen der ordentlichen Polizei oorgenommen werden dürfen. Auch Angehörige der hilsspolizei dürfen nur gemeinsam mit Beamten der ordentlichen Polizei tätig werden. wer — ohne Polizeibeamter zu sein — einen anderen „verhaftet", macht sich wegen Irelheit»- beraubung und wegen Anmaßung von Amtsgewalt strafbar. Die Staatsautorität erfordert schärfste» Einschreiten gegen diese Eigenmächtigkeiten. Die Betroffenen werden ausdrücklich ausgefordert, Strafanzeige zu erstatten. Gez.: Dr. B e st. Tagung der RG.-Aerzte in Giehen 2Im Sonntag tagte der ÄS. -Aerztebund Oberhessen-Äord im Hotel Viktoria zu Giehen. Bezirks-Obmann Pg. Dr. Kranz begrüßte die erschienenen Mitglieder und Gäste und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Versammlung eine noch größere Beteiligung erkennen lasse, als die ebenfalls sehr gut besuchte vorhergehende. 3m Hinblick auf die Fülle des Stoffe- ließ er den angekündigten ersten Vortrag ausfa len und sprach kurz über die „Verpflichtung des Einzelnen auf rassehygieni ch:m Gebiet der Volksgemeinschaft gegenüber". Das Arbeitsfeld, auf dem der Einzelne diese Verpflichtung erfüllen könne, liege in seiner Familie, seiner Sippe und darüber hinaus in seinem Geschlecht. Hier könne er mithelsen, erblich Hochwertige zu fördern und Minderwertige auszumerzen. Aus den Ausführungen ging ferner hervor, daß der Einzelne und der erblich Wertvolle dem Volksganzen gegenüber nicht nur eine große Verantwortung habe, sondern auch die stolze Pflicht der Fortzeugung einer ausreichenden Kinderzahl. Zweck und Ziel der R a s s e n h y g i e n e sei die Ausartung des deutschen Volkes, d H. die Hebung der Vo.kszahl und des Volkswcrtes. Voraussetzung z :r Erlangung dieses Zieles ist und wird bleiben die Verständnis- und verantwortungsvolle Mithilfe des Einzelnen und der Wi.le des gesamten deutschen Volkes zum Leben und zur Gesundung. Anschließend sprach Pg. Dr. Lorenz über RaM und Kunst". An Hand von reichem Dil- oermaterial wurden die Beziehungen zwischen der durch die Erbmasse bedingten Persönlichkeit des schassenden Künstlers zu seinem Kunstwerke in großen Zügen entwickelt. Nordische Weite gepaart mit Strenge der Form seien die leitenden Kräfte nordischer Kunstgestaltung: als allein schöpfe rische Rasse trete in der Kunstgeschichte die n o r d i s ch e Rasse auf. die Werke ton Ewigkeitswert schasse: die anderen Rassen bedingten lediglich durch mehr oder weniger große Einschläge im schaffenden Künstler Abwandlung in Form und Gestaltung des Kunstwerks. Alle stilistischen Unterschiede einzelner Schulen einer Kunstepoche seien durch rassische Verschiedenheit des Meisters bedingt, wöbe« auch der Umwelt ein merkbarer, aber geringer Einfluß zukomme. Zukünftige kunsthistorische Forschung werde nicht mehr an der Rassenfrage vorbeigehen dürfen. Durch einige prägnante Beispiele aus der sogenannten ,modernen Kunst" wurde der grauenhafte Kulturtiefstand der Jetztzeit gezeigt, in der rassische Entartung und der Untermensch über alles Edle und Erhebende triumphierte. 3n allerletzter Minute sei das deutsche Volk durch den genialen Führer vom Abgrund zurückgerisien und damit eine jahrtausendalte Kultur gerettet. Die Geschichte wird Adolf Hitler einst als den Retter des Abendlandes vor RassenchaoS und Kulturverfall in ihre ewigen Annalen eintragen. Der Vortrag fand größtes Interesse und verdienten Beifall. 3m zweiten Teil der Tagung, an dem nur die Mitglieder teilnahmen, tour den organisatorische Fragen behandelt. Zum Schluß brachte der Dezirls-Öbmann ein „Sieg-Heil" aus den Führer aus. *• Schulpersonalie. Dem Lehrer Adolf Weisel zu Grünberg wurde mit sofortiger Wirkung die ehrenamtliche Leitung der Volksschule Grünberg (Kreis Gießen) übertragen. *• Der „T a g der deutschen I u g e n i>", der in den Volksschulen, in den Berufsschulen, wie auch in der höheren Schulen unserer Stadt begangen wurde, vereinigte am toamstaguormitlag die Schülerinnen und Schüler zu kurzen Feiern, in denen An. sprachen gehalten wurden, in denen sich die Redner insbesondere mit dem Sinn des Tages der Sonnenwende befaßten. Gleichzeitig wurde auch die Bedeutung der nationalen Bewegung für das deutsche Volk und für das Vaterland Umrissen. Dor den versam- meiten Schülern wurden jeweils auf den Schulen die Fahnen des alten ruhmreichen Deutschlands und die Hakenkreuzfahnen gehißt, während Lehrer und Schüler gemeinsam das Deutschland- und das Horst- Wessel-Lied sangen. Der restiiche Vormittag war dem Spiel und der Unterhaltung gewidmet, man mußte sich dabei aber auf den Kreis des Schulhofs beschränken, da wegen der ungünstigen Wetterlage die ursprünglich vorgesehene große Zusammenkunft auf dem Trieb abgesagt worden war. *• Deutscher Techniker-Verband. Am Samstagabend sand — wie man uns mitteilt — im Gewerkschaftshaule die Gründung der Ortsgruppe Gießen des „Deutschen Techniker-Verbandes" statt. Gauleiter Dilling, Frankfurt a. M., sprach über das Thema: „Der Deutsche Techniker-Dcrband in der NSA." Seine Ausführungen wurden von den Versammelten mit großem Interesse ausgenommen. Er wies in seinem Vortrag besonders darauf hin, daß gemäß dem Willen unseres Führers Reichskanzler Adolf Hitler, kein Deutscher in den neuen Berufs- und Standesverbönden fehlen dürfe. Erst als Angehöriger eines Berufsverbandes erwerbe man sich die deutschen Bürger- und Ehrenrechte. Wer bis zum 1. Juli 1933 sich nicht freiwillig in den Dienst der großen Sache stelle, den werde man mit gleichen Pflichten belasten, ohne irgendwelche Rechte dafür in Anspruch nehmen zu können. Pg. Dilling schloß seine Ausführungen, indem er dem Wunsche Ausdruck gab: kein deutscher Techniker, Chemiker und Bergbauangestellter lasse sich zwingen, seinem Berufsverbande anzugehören, sondern alle sollten durch freiwilligen Beitritt am Wiederaufbau des Deutschen Reiches mitarbeiten. Warum Lustfahrt-Werbewoche? II. „Das deutsche Volk muß ein Volk von Fliegern werden". Diese Worte richtet Reichsminister für Luftfahrt Göring in erster Linie an die deutsche Jugend. Jahrelang lasten die Fesseln des Versailler Vertrags auf Deutschland, am schmerzlichsten empfunden von der wehrfähigen deutschen Jugend, ganz de- sonders aber von denen, deren Herz an der deut- schen Fliegerei hängt. Der Wille nach freier Betätigung in der Luftfahrt glaubte man durch Verträge ausschalten und zum Ersterben bringen zu können. Deutschland mußte nach dem Kriege sämtliche Luftfahrzeuge abliefern oder von Grund auf zerstören, Militärflugzeuge sind heute noch verboten, das Reichsheer darf nur eine ganz geringe Anzahl von Flugzeugführern haben. Der Bau von Zivilflugzeugen war Deutschland zunächst überhaupt verboten, bann den sogenannten „Begriffsbestimmungen" unterworfen: Die Flugzeuge durften nur eine geringe Gipfelhöhe und Steigfähigkeit, Flugzeug- motore nur eine geringe Motorenstärke haben. Man glaubte, die Drosselung sei so stark, daß die deutsche Luftfahrt aus der Welt verschwände. Aber alle Maßnahmen haben nicht erreicht, deutschen Geist zu töten, im Volke lebten fort die Taten der großen Flieger aus dem Weltkriege. In friedlichem Wettbewerb, mit beschränkten geldlichen und technischen Mitteln hat Deutschland trotz altem seine Luftfahrt ausgebaut und die anderen mit seinem Zleih, seiner Arbeitskraft und seinem willen zur Tat überflügelt. Deutsche Flugzeuge sind heute wieder führend in der Welt, die Leistungen deutscher Flieger, sei es im Motor- oder Segelflug, in der ganzen Welt anerkannt. Was in jahrelangem Ringen unter den schwersten außenpolitischen Bindungen, unter den innerpolitischen Hemmungen des Systems der Nachkriegszeit, das auf internationales Denken eingestellt war und in harten Kämpfen, die für die meisten Außenstehenden nicht erkennbar in Erscheinung getreten sind, für die deutsche Luftfahrt erreicht worden ist, darf im neuen nationalen Deutschland nicht verloren gehen! Es gilt, das schwer Erkämpfte weiter auszubauen und in erster Linie ist es die deutsche Jugend, die ihren Drang nach vaterländischer und wehrhafter Betätigung in die Tat umsetzen kann. „Das deutsche Bolt muß ein Bott von Jlicgern werden". Das Wort des Mannes, der heute an der Spitze der deutschen Luftfahrt steht, kann unserer Jugend nicht oft genug eingeprägt werden. Jeder deutsche Junge soll es sich zur Richtschnur seiner sportlichen Betätigung nehmen und es soll in ihm immer wieder die Lust und Liebe zur deutschen Fliegerei wecken. Es ist eine feststehende Tatsache, daß kein Sport so viel ernsthafte Hingabe der Einzelpersönlichkeit erfordert, wie der Flugsport. Wer nicht den nötigen Ernst mitbringt und nicht sein ganzes Können und seine ganze Persönlichkeit einzusetzen im Stande ist, um etwas Besonderes zu leisten, der soll lieber von vornherein von fliegerischer Betätigung absehen. Die deutsche Fliegerei braucht Männer mit hohem Verantwortungsgefühl, die an sich selbst scharfe Kritik üben, in gleicher Weise beim Motor- wie beim Segelflug, sie verlangt treue Kameradschaft, mit der sich jeder restlos für den anderen einsetzt. Nicht zuletzt ist es aber auch erforderlich, daß diejenigen, die Flugsport treiben, eine eiferne Disziplin zu wahren wissen. Eine freiwillige Unterordnung unter den Willen des Führers, eine genaue Ausführung der von ihm gegebenen Anordnungen ist eine zwingende Notwendigkeit, wenn ein hohes Ziel erreicht werden fe«. Die Erkenntnis des Nutzens des Sports ist heute in allen Kreisen anerkannt, nur Wenige stehen noch abseits. Daß der Sport aber gerade für unser deutsches Volk eine ganz besondere und zwingende Notwendigkeit ist, muß deshalb noch einmal besonders betont werden, weil Deutschland eine allgemeine Wehrpflicht nicht haben darf. Die rein sportliche Betätigung birgt allerdings die große Gefahr in sich, daß die geistige Betätigung in den Hintergrund gedrängt werden kann. Der Flugsport kann jedoch für sich die Tatsache in Anspruch nehmen, daß die Gefahr des Einseitigwerdens bei ihm nicht in Frage kommt, da hochwertige Leistungen nur dann erzielt werden können, wenn der Sporttreibende eng mit seinem Sportgerät verbunden ist. Derjenige, der Flugsport treibt, wird ohne weiteres angeregt, sich nicht nur sportlich zu betätigen, sondern auch über die technischen Grundsätze des Fliegens, über die Wetter- und Windverhältnisse, über Orientierungs- Möglichkeiten . und anderes mehr nachzudenken. Er muß lernen, kleinere Schäden und Motorstörungen selbst aus eigener Kraft zu beheben und sich fein Sportgerät, wie besonders beim Segelflug, selbst unter eigener Verantwortung herzustellen Technisches Schaffen, Oualiläls-Handarbeil, wif- fenschaftliche» Denken und sportliche Betätigung müssen eng zusammen wirken. Wie aber läßt sich der Gedanke, daß die Ausübung des Flugsports eine nationale Pflichtaufgabe ist, in die Tat umsetzen? Schöne Worte über den Wert der Fliegerei genügen nicht, nur Taten können zum Ziele führen. Zweifellos erscheint auf den ersten Blick die Ausübung des Flugsports wesentlich schwieriger wie die Betätigung bei anderen Sportarten, da er höhere geldliche Anforderungen an den einzelnen zu stellen scheint. Gerade in Zeiten schlechter Wirtschaftslage spielt aber die geldliche Frage leider eine ausjchlag- geltende Rolle. Deutschland ist nicht in der Lage, junae Leute auf Staatskosten als Flugzeugführer ausbilden ui lassen, wie Länder mit einem hoch entwickelten Militärflugwesen. Aber je schwieriger die Lage ist, um so mehr besteht ein Ansporn, sie zu meistern. Die Fesseln des Versailler Vertrags haben uns einen neuen Weg gewiesen und den Bau von Leicht- flugzeugen und Segelflugzeugen in den Vordergrund gestellt. Der Segelflugsport bietet jedem die Gelegenheit, sich in der Fliegerei zu betätigen. Diese Sportart kann schon allein deshalb mit dem Aufwand geringster Mittel betrieben werden, weil das Sportgerät — das Segelflugzeug oder der Gleiter — von den Sporttreibenden selbst gebaut wird, ohne daß allzu große Ausgaben für Baumaterialien oder für Betriebskosten bestehen. Der Eigenbau von Segelflugjcüger) ich gleichzeitig auch ein gutes Gr- Aietjungsmittci. Derjenige, der an dem Bau Des Segelflugzeuges mitgearbeitet hat, lernt bas Flugzeug so am besten kennen, er wird am besten den Wert der ausgewendeten 'Arbeit schätzen lernen, das Sportgerät um so pfleglicher behandeln und auch Zutrauen zu ihm haben. Nur der, der beim Bau intensive Arbeit geleistet hat, darf an den Freu- den des Fliegens teilnehmen. Denen, die sich beim Segelflugsport besonders ausgezeichnet und sich bewährt haben, winkt als besonderer Preis und als Anerkennung die Möglichkeit, später als Flugzeug- sichrer auf Motormafchincn ausgebildet zu werben Der Zusammenschluß aller Luftfahrt treibenden Verbände in dem auf Veranlassung von Reichsminister Göring neu gegründeten Deutschen Lustsport- Verband begründet die hoffnungsvolle Aussicht, daß der Zweck des Verbands, eine starke deutsche Luftfahrt zu schaffen, verwirklicht wirb. Mit den Mitteln, die bisher von den einzelnen Lustsport treibenden Verbänden getrennt für eigene Zwecke verwendet wurden, läßt sich gemeinschaftlich wefentlich mehr erreichen. Jede Nebeneinanderarbeit wird in Zukunft verschwinden, kostspielige mehrfache Verwaltungsapparate werden überflüssig. Durch die Zusammenfassung wird alten Kreisen und Schichten unsere» Botte» die Mögllch- feil gegeben, Flugsport zu treiben. Keiner braucht mehr beiseite zu stehen. Für die deutsche Jugend ist es eine vaterländische Pflicht, sich aktiv am Flugsport zu beteiligen, jeher national gesinnte Deutsche gehört in die für ihn zuständige Ortsgruppe des Deutschen Lustsport-Verbandes. Die verständnisvolle Mithilfe des ganzen Volkes ist Vor- ausjetzung für die Schaffung einer starken nationalen deutschen Luftfahrt. Das deutsche Volk von der lebenswichtigen Bedeutung der Luftfahrt zu überzeugen und es zu tätiger Mitarbeit zu gewinnen, das ist Zweck und Sinn der Deutschen Luftfahrt-Werbe- woche! Der Weg durch die Hölle. Oie Unterzeichnung des Diktates von Versailles. — Ein Augenzeugenbericht aus den Schicksalstagen des deutschen Volkes. Don Rolf Brandt. I. Tragisches Vorspiel. Am 28. 3uni 1919 begann mit der iln- terzeichnung des „Friedens" - Vertrages von Versailles der Weg durch die Hölle, den das deutsche Volk in schwerster Rot gehen mußte. Wir nehmen Gelegenheit, zu diesem Tage aus dem soeben im 10. Tausend erschienenen Buche von Rolf Brandt „2)er Weg durch die Hölle" (Brunnen-Verlag, Willi Bischofs, Berlin, broschiert 3,75 Mt, Leinen geb. 5 Mk.). das nachstehende Kapitel abzudrucken. Rolf Brandt, der als Berichterstatter an der Unterzeichnung teil* nahm, schildert in seinem Buch Menschen und Probleme. 3atrigen und Zufälle in dramatischer Höchstform der damaligen Aitua- lität. Diese sieben Kapitel stellen nicht etwa eine dem Ablauf der Zeit entsprechende Er- eignisschilderung dar, sondern jedes hat für sich ein geschloffenes Problem zum Mittelpunkt: jedes Kapitel hat seinen eigenen künstlerischen Aufbau, feine eigene Spannung und feinen eigenen geistigen Abschluß. Durch diese Form der schriftstellerischen Gestaltung erreicht der Autor, daß man Kapitel für Kapitel mit immer neuer Anteilnahme wie gcfchlosfene Schickfals- dramen liest. ... Am 20. 3uni überreicht Drockdorfs- Rantzau sein Abschiedsgesuch: „Sie Verhandlungen in Weimar haben mich überzeugt, daß Gründe der inneren Politik, besonders die überwiegende Auffassung von dem seelischen Zustand unseres schwergeprüften Volkes, es für die Regierung unmöglich erscheinen lassen, den Einsatz zu wagen, ohne den ich mein Spiel nicht gewinnen kann. Und es war — davon bin ich überzeugt — kein leichtfertiges Vabanquespiel. Es setzte nur Festigkeit und Selbstvertrauen voraus. 3ch habe das Vertrauen in mich selbst und habe trotz allem das Vertrauen zum deutschen Volke nicht verloren .. Erzberaer hat das Zentrum beschwatzt, jetzt wirft er auch die Sozialdemokraten um, die noch zwei Tage vorher einen Aufruf erlassen haben: „Wenn dieser Friede Gesetz wird, so müssen weite Kreise des deutschen Volkes auf der Straße betteln gehen", — wie sie im 3ahve 1933 es auch wirklich tun. Ein Mann kennt die Soldaten. Wenn der Gedanke der Volkserhebung zur Flamme emporschlagen soll, dann müßte diese Flamme von der Fugend, in der in diesen Stunden der neue deutsche Rationalismus gewonnen wird, getragen werden. Der preußische Kriegsminister R e i n h a r d t, der noch etwas von der Seele der 3ugend weiß, veranlaßt den Reichswehrminister Roske, die Führer der Freikorps und der im Osten auf gestellten Truppenr erbände über ihre Meinung zu befragen. Am 17. 3uni findet in Kolberg die Aussprache zwischen Generallcldmarschall von Hindenburg und seinem Generalquartiermeister General G r o e n e r, statt. Groener ist für die Annahme der Bedingungen von Versailles .Deutschland verfügt zur Zeit über etwa 350 000 einsatz- bereite Soldaten. Sie genügen, um Polen niederzuwerfen. Sie find nicht imstande, den Vormarsch der Ententemillionen aufzuhalten oder auch nur im Tempo zu vermindere Bestimmte Kreise, die dem Widerstandszentrum um General Reinhardt nahe stehen, tragen sich mit dem Gedanken, gemeinsam mit Sowjetrußland den Kampf gegen die Entente aufnehmen zu können... Die nüchterne realpolitische Beurteilung der Oefamtlagc zwingt jedoch zur Erkenntnis, daß die Geschichte eines Volkes Abschnitte kennt, in denen die Selbstaufopferung für das Gebot der Ehre dem Selbstmord gleicht.. Lieber Sllav als tot. Hindenburg dankt fast wortlos. 3hn halt allein sein Glaube an Gott aufrecht. Er fühlt anders als Groener. Lange nach Mitternacht schreibt er mit feiner großen, klaren Handschrift: „Großes Hauptquartier, den 17. 3uni 1919. Wir find bei Wiederaufnahme der Feindseligkeiten militärisch in der Lage, im Osten die Provinz Posen zurückzuerobern und unsere Grenzen zu halten. 3m Westen können wir bei einem ernsten Angriff unserer Gegner angesichts der zahlenmäßigen Ucberlegenfjeit der Entente und deren Möglichkeit, uns auf beiden Flügeln zu umfassen, kaum auf Erfolg rechnen. Ein günstiger Ausgang der Gesamtoperation ist daher sehr fraglich, aber ich muß als Soldat den ehrenvollen Untergang einem schmählichen Frieden vorziehen, von Hindenburg." Roste ist mit Groener nun für die Unterzeichnung deS Friedens. Er mißtraut gründlich — aber wahrscheinlich falsch — den Kräften dieses Volkes. 3n Weimar geben die Parteien, außer sich vor der Angst der Verantwortung, widersinnige Parolen aus. DaS Zentrum erklärt, daß man nur „unter Vorbehalt unterzeichnen" könne: unter Ablehnung der sogenannten „Ehrenpunkte", das heißt der Auslieferung von Beschuldigten an alliierte Kriegsgerichte. Schon lautet die Frage nicht mehr — es ist wie ein Taschenfpielerkunst- stück, das man getrieben hat: „Unterzeichnen oder R i ch t u n t e r z e i ch ne n?" fondem: „M i t oder ohne Vorbehalt?" Schon diese Fragestellung muß auf die Gegner in Paris den Eindruck machen, und die Herren Haugenin und Hesnard sorgen dafür, daß dieser Eindruck nach Paris gelangt, daß die Nationalversammlung von dem Geist entschlossenen politischen Widerstandes weit entfernt ist. Schon am Abend des 20. 3uni meldet der Professor aus Berlin telephonisch vom Hotel Adlon: „D eutschland wird unterschreiben, bedingungslos. Richt nachgeben." Am vierten Tage bildet Gustav Bauer, der Darmat-Dauer, das neue Kabinett: die Weimarer Koalition, Sozialdemokratie und Zentrum. Am 22. 3uni, in der Mittagsstunde, tritt die Rationalversammlung zu der historischen Sitzung zusammen, in der die Abstimmung über den Friedensvertrag vorgenommen werden soll. Auf den Ministerbänken, zur Rechten des Präsidenten Fehrenbach, fitzt das neue Reichskabinett. Man ist bereit und entschlossen, bedingungslos nachzugeben. Man hat innerlich auch die letzte feige Formel über Bord geworfen. Gustav Bauer, schwer, massiv, kühl, Typ des vollgefressenen, von Darmat ausgehaltenen Parteibonzen, schreitet zum Rednerpult. Er sagt: „Wir erklären offen, daß wir nicht aus innerer Ueberzeugung beistimmen, vielmehr unter Vorbehalt. Daher wird die Vollmacht zur Unterzeichnung lauten: »Die Regierung der deutschen Republik ist bereit, den Friedensvertrag zu unterzeichnen, ohne jedoch damit anzuerkennen, daß das deutsche Volk der Urheber des Krieges sei und ohne eine Verpflichtung nach Artikel 227 bis 230 des Friedensvertrages au übernehmen"." Paul Code hält für die Sozialdemokraten eine lange Rede mit Deklamationen und Vorbehalten, ober der entscheidende Sah ist eben: „Rach kurzer Frist müßten wir uns bedingungslos unterwerfen und einen Frieden unterschreiben, der noch schärfer werden würde. Wenn wir aus diesen Erwägungen die Annahme des Friedensvertrages billigen...“ Groeber läßt den wallenden grauen Bart flattern und beteuert — kein Wort geht später in Erfüllung: „Die Unterzeichnung bedeutet die Befreiung der Kriegsgefangenen, die Beendigung der Blockade, die Möglichkeit des wirtschaftlichen Wiederaufbaues..." Er sagt aber auch: „Unsere Zustimmung findet eine unüberschreitbare Grenze in der Rücksicht auf die Ehre des deutschen Volkes." Rach seiner Rede muh eigentlich wenigstens die Ablehnung der „Ehrenpunkte" statt- finden. Für die Deutschnationalen spricht Gras P o - sadowsky. Er führt alle Gründe an, die für die Ablehnung sprechen. Seine Trauer erschüttert. Professor Kahl für die Deutsche Vollspartei: „Wir würden uns ehrlos machen." Die Versammlung ist sichtlich nervös geworden. 3m Hause herrscht eine drückende Schwüle. Fehrenbach und ein paar geschickte Zentrumsleute und Sozialdemokraten schieben — es gibt keinen anderen Ausdruck — inzwischen die notwendige Abstimmung, die auf legalem Wege, wie aus den Worten Groebers hervorgeht, nicht zu erreichen ist. Der Schlußantrag ist in einer gemeinsamen Resolution des Zentrums und der Sozialdemokratie eingebracht worden: „Die Rationalversammlung billigt die Haltung der Regierung in der Frage der Unterzeichnung des Friedensvertrages." Während der Sitzung wird die Resolution abgeändert und lautet nunmehr: »Die Rationalversammlung ist mit der Unterzeichnung des Friedensvorschlages einverstanden." Mit vor Empörung bebender Stimme weist der alte Abgeordnete der Rechten, Schultz- Bromberg, auf diese Veränderung hin. Fehrenbach geht darüber hinweg. Er nimmt die Abstimmung vor, — niemand weih eigentlich, worüber er abstimmt. Mit 237 gegen 138 Stimmen wird das Einverständnis mit der Unterzeichnung deS Vertrages ausgesprochen. Am Spätnachmittag strömen die Abgeordneten ins Freie, und sie leben ihr Leben in Weimar weiter, sitzen des Abends in den Gasthäusern und des Rachmittags in den Cafes. Vor dem Denkmal Goethes und Schillers aber ist Deutschlands Ehre, Deutschlands Ansehen und Wohlstand begraben; nicht die deutsche Zukunst.... (Fortsetzung folgt] Sonnwendfeier der deuffchen Zngend in Gießen. Hitler-Jugend, Hitler-Jungvolk vom Stamm der Chatten und der Bund deutscher Mädchen in Gießen hielten am Samstagbend ihre Sonnwendfeier ab. Das regnerische Wetter konnte der Begeisterung der Jugend keinen Abbruch tun. Mit Gesang begaben sicb die Gruppen zum Oswaldsgarten, der Zug wurde zusommengestellt, die Fackeln entzündet und unter den Klängen einer SA.-Kapelle bewegte sich der stattliche Fackelzug durch eine Reihe von Straßen der Stadt nach der Bolkshalle, zum Trieb. Die Bevölkerung nahm stärksten Anteil. Der Regen hatte inzwischen aufgehört, so daß die Feier wohl im Freien (wenn auch nicht am Eulenkopf, so doch an der Bolkshalle) stattfinden konnte. In großem Kreis sam- nielte sich die Jugeno mit ihren brennenden Fackeln und lauschte den Worten des Redners, kreisschulral Dr. henh, der in eindringender Weise auf den Sinn der Feier für die Jugend unserer Gegenwart hinwies. Wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht habe, so führte er u. a. aus, dann seien die Vorfahren hinausgezogen auf die Berge, das Sonnwendfeuer zu entflammen, zu dem jeder sein Teil Holz beigetragen habe. Da seien im Hause die Feuer gelöscht worden. Auf dem Berge aber habe man im Scheine der Flammen alte Lieder gesungen und sich zum Schluß ein brennendes Scheit mit nach Hause genommen, um das Feuer im Herd erneut damit zu entfachen. Im Bewußtsein der Abhängigkeit von der Natur sei unseren Vorfahren der Tag der Sonnenwende ein bedeutsamer Tag gewesen. Auch in uns sei in dieser Zeit ein Feuer entzündet worden: durch Adolf Hitler! Mit den Feuern des Abends solle das Feuer des Führers in vielen Herzen entzündet werden. Die diesjährige Sonnenwende müsse Zeilen- und Geisteswende sein. Eine Zeit liege hinter uns, in der alles, was deutsch gewesen sei, zerschlagen wurde. Mit Schmerz gedenke man des Tages, da dem deutschen Vaterland die Fesseln von Versailles auferlegt worden seien. Adolf Hitler habe nun neuen Mut und neue Hoffnung gegeben. Ueberaü, wo noch ein Funke deutscher Volksgemeinschaft glimmte, sei der Funke neu zur Flamme entfacht worden. Mit Adolf Hitler fei ein Mann aus der Dunkelheit getreten, der die Heimatliebe heiß im Herzen trage. Er habe den hellen Edelstein im Herzen eines jeden wahrhaft deutschen Mannes gesehen. So nur habe er den Brand der deutschen Freiheitsbewegung entzünden können. Das neue Prinzip ringe nun nach neuen formen, nach neuem Sinn und nach neuem Inhalt. 3n der Jugend seien alle Gedanken lebendig geworden, die schon vor und nach dem Kriege die deutsche vaterländische Jugend in der Jugendbewegung erfüllt habe. Faustbatt-Meisterschasten des Miiteirheingaues. In Bad Kreuznach gelangten am Sonntag die Meisterschaften des Mittelrheingauss im Faustball l^rder Betrieb an die Konzerngesellschaft in Heidelberg verpachtet sei und die Einnahmen nur aus Pachtsummen bestünden. Man hoffe, daß die Zementindustrie durch die Stra- ßenbauprojekte eine bessere Beschäftigungsmöglichkeit fänden. Der Verlust aus 1932 von 24 545 Mark wird mit dem Verlustvortrag aus 1931 mit insgesamt 30 956 Mk. weiter vorgetragen. Bei Cement Marienstein wird einschl. 84 632 Mk. Vortrag aus 1931 ein Verlust von 171601 Mk. vorgetragen. Bei Cement Burglengenfeld kommt ein Verlust von 14 105 zum Vortrag. Die Cement Münsingen trägt einschl. 19 375 Mk. Vortrag einen Verlust von 25 434 Mk. vor. Frankfurter Abendbörse freundlich. Frankfurt a. M, 26. Juni. Die Abendbörse reagierte auf die feste Verfassung an den Auslandbörsen mit durchgängig freundlicher Stimmung. Auch der ReichsbaNkansweis mit der wieder gestiegenen Deckung trug zu der Befestigung bei. Das Geschäft war allerdings recht klein, immerhin war einiges Interesse für Montanwerke vorhanden, von denen Mannesmann und Har- Pener gut behauptet lagen. Bekula gewannen 0,38 Prozent und Aku auf festere Amsterdamer Meldung nahezu 1 Prozent. Auch der Rentenmarkt war freundlich gestimmt: deutsche Anleihen zogen um Bruchteile eines Prozentes an. Don Industrie-Obligationen lagen Stahlverein-Bonds gut gehalten. Jrn Verlaufe blieb die freundliche Grundstimmung erhalten, nennenswerte Kursveränderungen traten nicht ein. Am Kassamarkte waren JG.-Chemie Basel und Felten bis zu 1,5 Proz. fester. 5,5proz. Poung-Anleihe 77, Neubesitz 11,45, Altbesihan- leihe 76,25, Stahlverein-Bonds 56, Dedibank 57,25, Reichsbank 141, Gelsenkirchen 58,25, Har- pener 98,50, Klöcknerwerke 53,25, Mamresnrann 65,25 bis 65,50, Phönix 36,63, Stahlverein 36,63, Laurahütte 16,75, Akkumulatoren 175,25, Aku: 39,13, AEG. 23, Bekula 112, Chade 189, Cement Heidelbarg 80, IG.»Chemie 150, Conti-Gummi 157,50, Daimler 29,38, Licht L Kraft 104, JG.- Farben 128,50, Felten - Einheit 51,50, Gesfürel 88,50, Holzmann o4,50, Lahmayer 121,25, Mainkraft 64,50, Metallgesellschaft 60,50, Schuckert 105, Siemens 163, Waldhof 46, Reichs bahn-Vor- züge 99, Hapag 16,50, Rordd. Lloyd 16,75. Verantwortlich für Lokales, Provinz, Wirtschaft und Sport: I. V.: H. L. N e u n e r. 9.4.'fpor/ Wirtschaft. Jraniiuii u. •Berlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. furt furi börfc Oatum 24-6. '6.6 24.6. | '6.6. 15,75 16,5 68 81 81,5 84,5 84,4 50,5 126 128,75 67,5 67,5 0 Neichsbonk 81,75 81,75 81,5 Philivv Holzmann o| Zementwerk Heidelberg d Eemennverk Karlstadt.........o| 54,5 83,25 0 83,25 82,75 in 25,5 25 ”1 152,13 I 152 5 0 H. 83 86 27,5 45,5 76,25 11,45 16,5 42,5 116,5 53.25 65.5 57,25 46,5 141 20,5 189 45,5 58,9 60 6 0 21,25 88,5 103 48,5 57,5 47 140 16,75 45,5 90,5 50,25 57,25 46,5 141,5 io 0 0 >0,5 185 128,5 170,75 45,25 58,5 60,5 29,4 47 3,053 169,67 72,07 63,91 73,72 14,345 0,932 3,388 59,01 22,20 16,63 81,58 35,49 82,43 0,896 0,231 5,205 13,04 68,75 110 58,25 98,5 23 87 104 51,5 118,5 51 60 i 23,25 87,5 103,5 49 54,5 80 79 88 97,25 103,5 162,25 121.5 88,5 98 105 163 121,25 88,5 97,5 104 163 120,75 16 26 22 16,65 45,5 90,5 50,75 39,13 45,75 46 20,4 84,13 89,75 78 86,75 97,5 102 161,13 122 57,75 47 141 69,25 110 57,75 98,25 64 154 15,75 27,5 24,5 16,5 44 91,25 50.75 24,5 64,5 152,5 83 82,5 | 82,75 i 21,5 87,25 100,25 48 52,5 I 79 79 I 21,25 45 44 21,5 Ä.E.G E>eNr. LIeferungSgesellschäft '' Licht und Kraft ............. stellen & Gui'leaume GeleUfchafl für Elektrische Untä> nehmungen............... Rheinische Elektrizität ' Schuckert &(£o.............. Siemens & Halske..........’ Lahmeher L Co...........’’’ 4% Lesterreichilche Goldrente... 4,20% Oeslerreichtsche Silberrenb 4% Ungarische Goldrente ...... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4y,% desgl. von 1918......... 6% 'abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollauleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbabn-Aniech' Serie I................... Helsingsors. Wien...... Drag...... Budapest ... Sofia..... Holland .... Oslo...... Kopenhagen. Stockholm.. London..... Buenos Aires Neuyork .... Brüssel..... Italien..... Paris Schweiz... Spanien.... T anzig.... Japan..... Rio de Ian. Jugoslawien Lissabon... 44,5 55,5 60 84 90 77,5 83,25 86 119 38,25 46,5 45,5 20,5 108,65 29,75 46 43,5 20,5 189 126 171 45,5 55 59,5 .7 G. starben.Industrtc Scheideanstalt........ Goldschmidt RütgerSwerke Metallgelellschaft 74,75 10,8 118 38 45 43,5 21 109,75 27,65 46 42,5 20,5 186,5 6,336 47,05 12,56 Grchner................. Mainkraftwerke Höchst a.M. Süddeutscher Zucker 16 1,2 6,5 5,5 5,4 9,9 6,275 68,75 i 107,25 | 55,25 97,75 i 61,5 i 1,25 6,65 5,6 5,6 | 10,3 I 6,25 I 6,9 | 68,5 j 107,5 54,25 ■ 97,75 Buderus , Deutsche Erdöl ............’ 4 Gelsenkirchener..............0 Harpcner...................0 Hoesch Eisen —«öin-Neueklen.. 0 Ilse Bergbau .............. 7 filfe Bergbau Genüsse 7 «löcfncrtverfc .......... o Mcmnesmann-Nöhre».......’ , Schluß- Schluß'. - Abend» Hamburg-Amerika-Pake, 1 Hamburg.Südam. Dampsschiss. 0 Hansa Dampsschiss........... 0 Norddeutscher Lloyd 0 Si.®. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft.. .. 4 Commerz- und Privat-Bank... 0 Deutsche Bank und DiLconto- Gesellschaft.. Dresdner Bank (5.d?lu6, NK börse 6% Teunchc Netweanieche v. 192, 6% ehem.7% Dt.ReichSanl. v. 1929 6%% Doung-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablöi.-Schuld mi> AuSIos.-Rechten ........... DeSgl. ohne Auslos..Rechte 6% ebem. 8% Hess. Bolkrstaat 192t (rückzahlb. 102%) ........... Oberhessen Provinz-Anleihe mi Auslos.-Rechten ............ 6% Hess. Landesbank Darmstadt Gold R. 12 5*/«% Hess. Landes Hypothekenbank Darmstadt Ligni Deutsche Komm. Sainmclab l.An leche Seriel mit Auslos.-Rechten 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Aam Goldpse. 15 unkündbar bis 193: 6% ehern. 7% Franls Hyp.-Bon Goldpse. 16 unkündbar bis 1939 V/t% ehern. V/t% yranks. Hyp. Bank-Ligu.-Psandbriefe ..... V/i% ehern. 4Vt% Rheinische Hyp.-Bank.Ltgu..Goldvse. ... 6% ebem. 8% Pr. LandeSpsand vriefanstall, Pfandbriefe R. 19 6% ebem. 7% Pr. LandeSpsand brieianstalt Pfandbriefe 8L 11 Verrechnungskurs Schultheis Patzenhofer 0 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 Bemberg...................g Zellstoff Waldhof 0 Zellstoff Aschaffenburg 0 Dessauer Gas ...............7 Daimler Motoren 0 Deutsche gjnolcutn ..........0 CrenMini Koppel ..........0 Leonhard Tietz g Chade......................12 Kurszettel der Berliner un» Frankfurter Börse — ^°Pleren ""öefiihrten Ziffern geben Oie Höhe Der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskon» 4 0. H 117.25 । 116,75 51,5 52,9 62 I 65,25 Franlfur- a.M. Berlin Schluß- furt Echlußl. Abend« böri" Schluß- furt Schluß!. Miiiag- bSrle Datum 24-6. 26-6- 24-6. 26.6. 4% desgl. Serie II ............' 5% Rumäii. vereinh. Rente v. 1903 4i4%Rumün.vereinh.Rentev.l913 1% Rumänische vereinh. Rente . 3%% Anatolier .............. 6,5 5,5 10 4,8 28 6,525 5,5 9,85 4,65 28 6,6 5,5 10 4,7 28,13 6,65 10 4,7 28 Jrantiun a. 2)1. Scrlln Schluß- fürs Schluß!. Abendbörse Schluß- fürs Schlußk. Minaa« börse Datum 24.6. 26.6. 24.6. 26.6. Mansselver Bergbau .. .......0 23.9 23 23 23 Kokswerte........... .......0 — 73,25 76,25 Phönix Bergbau...... .......0 34,5 36,65 34,5 36,25 Rheinische Braunkohlen ......10 206 208 205,75 208 Rheinstabl ...... ......c> 89 90,25 88,75 90^25 Bereinigte Stahlwerke. Otavi Minen ........ ......0 ......0 34 17 36,65 17 34 16,9 36,13 16,75 120 Kaliwerke Aschersleben. ......6 120,5 121,5 120 Kaliwerke Westeregeln . Kaliwerke Salzdetfurth ......6 ......P 122,5 168,5 122 121 168,25 121 167 24. Juni 26. Juni Amtliche Notierung .65 5,5 10 9.9 6,2 1 6,2 6,13 | 6,2 6,334 46,95 12,54 6,346 47,05 12,96 6,324 46,95 12,54 3,047 3,053 3,047 166.33 169.67 169,33 71.93 72,07 71,93 63,84 63,96 63,79 73,68 73,82 73,58 14,32 14,36 14,305 0,928 0,932 0,928 3,397 3,403 3,382 58,94 59,06 58,89 22,15 22,19 22,16 16,60 16,64 16,59 81,32 81,48 81,42 35,31 35,39 35,41 82,32 82,48 82,27 0,894 0,896 0,894 0.229 0,231 0,229 5,195 5,205 5,195 13,03 13,05 13.02 Vanknoten. Berlin, 26.Juni Geld »rief AmerUanlsche Roten............. 3,345 3,365 Belgische Noten.................. 58,73 58 97 Dänische Noten ................ 63,47 63 73 Englische Noten ................. Iranzösische Noten............... 14,265 16,55 168,96 14,325 16.61 169,64 Holländische Noten............... Italienische Noten................ 22,04 71,76 22,12 72 04 Norwegische Noten .............. Teuttch Oesterreich, 1 100 Schilling Rumänische Noten.............. Schwedische Noten............... Schweizer Noten................ 73,40 81,24 35,28 73,70 81,56 35,42 Spanische Noten.............. Ungarische Raren ................