Nr. 147 Erstes Blast 185. Zahrgang Dienstag, 27.Juni 1955 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dmrf und Verlag: vrühl'fche Universtfälr-Vuch' und Steinörutfcrei R. Lange in Giehen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Nnjelae» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag Dort)et, Preis für | mm HSHe Sr Anzeigen von 27 mm reite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20° , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwonlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für denAn» zeigenteil i. D.TH.Kümmel iämtlich in Biegen Lrlchetn» tügltch, autzei Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert» Siegener Familienblättei Heimat >m Bild Die Scholl» Monals-Vezogspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne IlluftrieNe . 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. $emfprcd)an|d)lüfle anter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siegen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Vorstoß und Auswirkung Von Waldemar Bonsels, Lapri. Es ist verhängnisvoll für den heutigen deutschen Menschen, daß er leichter zur Kritik neigt als zur Prüfung, schneller zur Einschätzung als ?ur Gelassenheit ruhigen Erlebens, eine Einstel- ung, die aus dem Drang der Hot verständlich wird, aber im Grunde nicht deutsch ist, sondern übernommen. TIebernommen durch Einflüsse fremdstämmigen Bluts, geronnener Erkenntnisse und eines anders gearteten Intellekts. Hierüber ist gesprochen worden. 3m Grunde bezeichnet es die deutsche Art nicht. Der deutschen Gemüts- beschafsenheit und der germanischen Statur eignen Aufmerksamleit. Erlebniswille, Andacht und Ehrfurcht, Aum mindesten eine wache Sorgfalt der Empfänglichkeit und eher zu viel Bereitschaft der Zustimmung, dem Fremden und Heuen gegenüber, als zu wenig. Da waren nun, um vorn Allgemeinen zu einem besonderen Fall zu kommen, die Bücher- Autodafes der deutschen Studentenschaften und ihre Verbrennungslisten, ein lautes kritisches Dachanal. 3ch sitze hier, nicht ohne besonderen Grund, in einer Wildnis von Zuschriften, die mich zu einem flammenden Protest ausfordern: Der Ungeist verdränge den Geist, deutsche Kulturgüter seien in Gefahr, das Mit- telalter kehre zurück. Genau das Gegenteil werde ich tun. Zunächst handelte es sich bei diesen Maßnahmen jugendlicher Gemüter nicht um Kritik allein, sondern um eine Proklamation, um eine symbolische Handlung, um eine Kundgebung der Heraufdrängenden, das Echte, Wahre und Erhabene hoch zu stellen und das nichtige und Schädliche in der Literatur zu verdammen. 3ch fand diesen ersten Vorstoß der Studentenschaft, sich einmal ernstlich mit der schönen Literatur auseinander- zusetzen etwas zu stürmisch, aber von Huhen. Gewiß, das Hakenkreuz ist ein Wahrzeichen der. neuen deutschen Freiheit geworden, aber nicht alles was deutsch ist, ist ein Hakenkreuz. Zum anderen ist diese schwarze Liste der verfehmten Dichter und Schriftsteller jetzt durch eine gemeinsame Zusammenarbeit des Vorstands des Dör- senvereins deutscher Buchhändler und des Kampfbundes für deutsche Kultur revidiert worden. Das Kapitol scheint gerettet. Ich greife diesen nicht allzu wesentlichen Fall heraus, um an ihm deutlich zu machen, wie solche Vorgänge sich auf ihrem Wege von oben nach unten und wieder zurück, auf ihrem Wege von unten nach oben, AU entwickeln pflegen, und die voreilige Kultur-Todesangst einen Hexensabbat!) von Jntrigue und Beängstigungen Hervorrufen kann. Aber hiermit ist ein Thema berührt, das heute latent und öffentlich weite Kreise ernstlich beschäftigt, bewegt und besorgt macht. Es sind die deutlichen, die immer wiederkehrenden Begleiterscheinungen, die anfänglich die Durchführung eines neuen Willens und einer entschlossenen Tat von oben her, in den unteren Instanzen der Verwaltung und des Volkslebens auszulösen pflegen. Der Vorstoß der völkischen und politischen Neuordnung war ungeheuer, die Umwälzung rasch und von beispielloser Entschlossenheit. Dabei ohne blutige Kämpfe und, was nicht deutlich genug ins Gedächt- nie zurückgerufen werden kann,. ohne persönliche Rachsucht oder willkürliche Vergeltung von oben her. Adolf Hitlers Kampfesdrohungen im Ansturm klangen böse und gefährlich, mit der übernommenen Macht zeigte der Reichskanzler Sachlichkeit und Maß, die die Welt zu Staunen und Bewunderung zwanaen. Es gab feine Macht, die ihn hätte hindern können, harte Vergeltung für ein Unmaß von Verdächtigungen, Schmähungen und Erniedrigungen zu nehmen, die seinen mutigen Weg stellenweise in Kotgruben verwandelt haben. Es geschah nicht. Um so wichtiger erscheint mir der Appellan feine Gefolgschaften an den Abhängen und in den Niederungen der Auswirkung, daß ihr'Verhalten jetzt keine Atmosphäre schaffen möge, in der sich Unwille gegen die Regierung erhebt. Die Gefahr ist groß. Deutschland ist noch im Zustande einer schweren seelischen und völkiichen Er- holungsbedärftigkeit. Es herrschen große Not, Armut, Verbitterung und hohe Verwundbarkeit. Diesem Zustand der Gemüter ist der patriotische Kitsch so aufreizend und unerträglich, wie die Gewissenlosigkeit des Denunziantentums, Gedankenlosigkeit und Willkür im Zu- griff, und Roheit in der Proklamation erbittern, und die Anmaßung läßt dort zögern, wo tätige Zustimmung erst zur wahren Volksgemeinschaft führt. Strenge läßt sich mit Güte vereinigen und Entschlossenheit mit Geduld. Man ermißt vielleicht in den Regionen der ersten Auswirkung immer noch nicht einsichtsvoll genug, daß das gewaltige Welttheater einer Dolksumwandlung keine Drehbühne hat. Es handelt sich am Aussaat und Wachstum. Es gibt nicht mehr viele Deutsche, die an der Hochherzigkeit der Gesinnung und an der Kraft des Kanzlers und seines Stabes zweifeln. Was es bei solchen Dorbildern für seine geistigen und politischen Mitarbeiter zu wecken gilt, sind Freiwilligkeit undOpferbereitschaft. An diese Kräfte appelliert man aber nicht dadurch, daß man sie von anderen fordert, sondern indem man sie an sich selber erfüllt. Hur und allein dadurch wird im völkischen Gemeinschaftsgewese jener Druck vermieden, der bis zur Zerstörung der Arbeitsfreudigkeit führen kann. Gute Gesinnung und Eifer allein tun es nicht, denn der Eiferer muß sich mit Andacht empor« und mit Humor hinabwenden, wenn er fruchtbar Soll die Abrüstungskonferenz erneut verschleppt werden? Frankreich will der Entscheidung ausweichen. — Werden Amerika und England nachqeben? Pa r i 5, 26. Juni. (TU.) Der französische Außen- minifter Paul-Boncour hat nach einem Besuch des Präsidenten Henderson auch den britischen Unterstaatssekretär Eden empfangen. Die Bespre- chung galt der Abrüstungskonferenz. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß nun sowohl England w i e Frankreich und wahrschein- lich auch die Vereinigten Staaten eine Vertagung der Abrüstungsverhand- lungen befürworten werden. Für Frank- reich handele es sich lediglich darum, eine Formel zu finden, um Deutschland z u verhindern in der Zwischenzeit (eine Handlungsfrei, beit in Rüstungsfragen wieder zu gewinnen. Deutschland könne erklären, daß es sich bei der Vertagung um ein Manöver handele, um die parktische Verwirklichung der Gleichberechtigung hinauszuziehen und die allgemeine Verwirrung benutzen, um die Wiederaufrüstung mit Nachdruck durchzuführen. Die Blätter sind für eine Vertagung, machen sich aber auch die Folgen klar. Z. D. schreibt das „Echo de Paris", man stehe vor der Wahl, entweder die Abrüstungskonferenz zu vertagen oder sie zugrunde gehen zu lassen. Wenn Henderson die sofortige zweite Lesung des Dorentwurfes vorschlage, dann laufe er Gefahr, daß die Konferenz zugrunde gehe. Er müsse also eine Dertagung bis zum 15. Oktober oder, um den Deutschen entgegenzukommen, bis zum 15. August Vorschlägen. Hm den Schwierigkeiten auszuweichen, habe man nun in Genfer Kreisen angeregt, eine „ e r ft e zweite Lesung" vorzunehmen, oder eine Debatte über die nebensächlichen Punkte zu beginnen, damit während dieser Zeit die Delegierten noch in ihrer abwartenden Haltung verharren können. Diesem Dorschlag werde sich Henderson wohl anschliehen, meint das Blatt. Am heutigen Dienstag sollten nach den bisherigen Dispositionen die Arbeiten der Abrüstungskonferenz in Gens fortgesetzt werden. Die deutsche Delegation i st zur Stelle und Deutschland ist an der Fortsetzung der Abrüstungsoerhandlungen schon deshalb bejonbers stark interessiert, weil gerade auf dem Gebiete der Abrüstung klargestellt wird, daß die anderen Mächte, vor allem Frankreich, bisher nicht gewillt waren, ihrerseits den Versailler Vertrag zu erfüllen und ihre Rüstungen einzuschränken, obwohl Deutschland durch das Diktat von Versailles gezwungen wurde, b i s aufs äußerste abzurüsten. Es geht beson- ders auf der Abrüstungskonferenz um Deutschlands Gleichberechtigung. Wenn jetzt verlautet, daß Henderson aus Gründen der englischen Außenpolitik auf anderen Gebieten in Paris und Gens für eine Vertagung der Abrüstungsverhandlungen eintrete, so muß bei aller Freundschaft Deutschlands für England eine solche Hinausschiebung der Klärung einer wesentlichen Frage den einmütigen Protest des deutschen Volkes finden. Deutschland wird und kann sich einem solchen Vertagungs- antrag nicht anschliehen, man wird abwar. wirken will. Hntcr Humor verstehe ich nun freilich kein gedankenloses Lächeln unter Tränen oder einen leichtherzigen Hang zum Scherzen, sondern Humor ist die willkürlich angenommene, versöhnende Geste des überlegenen Menschen, dem Macht gegeben ist der Hn- zulänglichkeit alles Irdischen und seinen Mitmenschen gegenüber. Humor erleichtert den Heberblick aus den Derwirrungen des Gewöhnlichen und der Schwäche zu den Lichtquellen des Wesentlichen. 3n vielem Sinne gibt es ßeute, die Humor haben, mit denen aber deshalb durchaus noch nicht zu scherzen ist, wie etwa die Engländer als Politiker. Oeffentliche Kritik behält darüber geduldete Gültigkeit; wenn nichts es beweist, so tut es dieser Aussatz. Es ist nicht richtig, daß man heute in Deutschland seine Gedanken nicht äußern darf. Es ist aber für die Regierung von ungeheurer Wichtigkeit, vorläufig mit Strenge daraus zu achten, daß nicht unter dem Deckmantel selbst wohlwollender Kritik die heimliche 3n- t r i g u c einsetzt. Diese Gefahr übersehen selten Leute richtig, die mit Dingen der öffentlichen Wirkung und Gegenwirkung nicht vertraut sind- Man kann nicht zugleich nach einer rettenden Faust der Ordnung und einer allgemeinen Freiheitlichkeit für Meinung und Handlung schreien. Alle Magier der großen Umgestaltung, gleichviel auf welchem Gebiet, sehen zuerst allein und nur das Ziel. Erst mit dem Rückblick nach dem Erfolg flammen die Wahrzeichen der Rachsicht und der Zugeständnisse auf. Aber wehe dem Sieger, der zuvor seine Position nicht gefestigt hat. Es ist erstaunlich und beglückend zu erleben, in wie reichem Maße zum Beispiel das italienische Dolk gerade diese heroischen Elemente des deutschen Aufstiegs zu neuem Selbst- bcwuhtsein miterlebt und bewundert. Freilich bleiben den Augen des Fernstehenden die Zwie- spältc der Heufügung im Kleinen erspart, aber manche kleinmütige und zögernde Seele, im Schatten der neuen Hochburg Deutschlands, könnte sich hier festigen. len müssen, wie die deutsche Delegation diesen Standpunkt begründet und was geschehen wird, wenn Deutschland etwa überstimmt werden sollte. Was sagt man in England? London, 27. 3uni. (WT2. Funkspruch.) Die Blätter erwarten, daß die heutige Wiederaufnahme der Abrüstungsbesprechungen im Bureau der Genfer Konferenz zu einer Dertagung b i s Oktober führen werde. Der Genfer Korrespondent der „Morning Post" kennzeichnet die Lage folgendermaßen: Die Abrüstungskonferenz ist 17 Monate mühselig am Leben gehalten worden; aber die Kur von Vertagungen und die Diät von Plänen und Konventionen haben ihr nicht zur Gesundheit verhalfen. — Der Genfer Korrespondent der ,Times" sagt: Hier herrscht die Empfindung, daß ein Vorschlag, die Konferenz zu vertagen, bis eine „günftigereßage“ geschaffen ist, angesichts der überstarken nationalistischen Tendenzen einiger Länder katastrophale Folgen haben kann. Der Genser Korrespondent des „Daily Telegraph" sagt, Henderson sei in niedergeschlagener Stimmung Aurückgekehrt. Er habe erklärt, sein Besuch in London habe keinen wirklichen Erfolg gehabt. Für den Augenblick halte et inoffizielle Verhandlungen für die einzig mögliche Methode. Der Korrespondent fügt hinzu, in Genf herrsche bittere Enttäuschung, es werde in gutunterrichteten Kreisen geglaubt, daß Hendersons Aeuherung d a s E n d e derAbrüstungskonserenz bedeuten könne. Llm die Ostchinesische Bahn. Oie Konferenz zum Verkauf der russischen Anteile beginnt. Tokio, 26. Juni. (TU.) Die mandschurisch- sowjetrussische Konferenz über den Verlaus der Nordmaydschurischen Eisenbahn wurde am Sonntag im Amtstzebäude des stellvertretenden Außenministers Schigernitsu eröffnet. Bekanntlich haben sich die Russen zum Verkauf ihres Anteils an der Nordmandschurischen Eisenbahn schon vor geraumer Zeit erboten. In japanischen politischen Kreisen hofft man, daß die politische Lage im Fernen Osten für den Fall eines Vertragsabschlusses zwischen Sowjetrußland und Mandschukuos eine Besserung erfahren werde. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auch die Frage des rollenden Materials, das die Sowjetrussen m den letzten Wochen auf ihr Gebiet geschafft haben, zur Sprache kommen wird. Die japanische Regierung war durch den Staatssekretär Schigernitsu, die mandschurische durch den stellvertretenden Außenminister O k a s ch i, die Sowjetunion durch den Botschafter in Tokio, Jurenew, vertreten. Japans Außenminister U t s ch i ö a erklärte, daß Japan der rufsischen Anregung über den Verkauf der chinesischen Ostbahn zugeftimmt habe und sprach die Hoffnung aus, daß von russischer Seite praktische Vorschläge gemacht werden. Der russische Botschafter erwiderte, daß er bevollmächtigt sei, über den Verkauf der chinesischen Ostbahn zu verhandeln und daß die Sowjetunion immer bestrebt gewesen sei, den Frieden im Fernen Osten zu fordern Der mandschurische Vertreter Okaschi betonte, daß der mandschurische Staat bereit sei, die chine- sische Ostbahn zu übernehmen und sprach die Hoffnung aus, daß Rußland keine Forderungen stellen werde, die die Arbeit der Konferenz er- fchweren könnten. • Die Tatsache dieser Verhandlungen, die unter japanischer „Vermittlung“ und trotz des wiederholten Protestes des befreundeten Chinas stattfinden, zeigt, wie sehr sich Rußland in Ostasien das Gesetz des Handelns von 3apan aufzwingen lassen muh. Obwohl die Bahn für Rußland als direkte Verbindung nach der Seefestung Wladiwostok politisch und wirtschaftlich von größter Bedeutung ist, fieht es sich zum Verkauf gezwungen und verhandelt nur noch I über den Preis. Trotzdem muß es angesichts der fortdauernden „Provokationen örtlicher japanischer Stellen" damit rechnen, daß jederzeit neue ernstere Verwicklungen in Ostasien entstehen können, denen es bei unsicheren Verhältnissen an seiner europäischen Grenze mit noch größerer Besorgnis entgegensehen müßte. Oie britisch-russischen Beziehungen. Litwinow im Auswärtigen Amt. London, 26. 3uni (WTB.) Die angekündigte Unterteilung zwischen dem russischen Außen- kornrnissar Litwinow und dem englischen Staatssekretär des Aeuheren Sir 3ohn Simon hat heute im Foreign Office statt- gefunden. Die Blätter geben der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß die in Ausficht genommene neue Zusammenkunft einen Fortschritt bringen werde. „QRorning Post" berichtet, der Staatssekretär des Aeuheren habe eit ärt. die beiden in Moskau gefangen gehaltenen 3ngenieure muhten zunächst wohlbehalten in England eintreffen, worauf dann das Einfuhrverbot fofort aufgehoben und die Erörterung des Handelsabkommens wieder ausgenommen würde. Litwinow seinerseits habe verlangt, daß beide Schritte, die Freilassung der 3ngenieure und die Aushebung des Einfuhrverbotes gleichzeitig erfolgen sollten. Hindenburg hat den Nobelpreis verdient. Tcr Vorschlag einer norwegischen Zeitung Oslo, 26. 3uni. (TU.) Die angesehene norwegische Zeitung „2TI orgenaoifen“ in Bergen schlägt Hindenburg für den Friedensnobelpreis vor. „Hindenburg mühte", so schreibt die Zeitung, „den Preis schon vor mehreren Jahren bekommen haben. 3n dem (Ltjaos, das draußen in der Weit herrscht, ist er der einzige feste und zuverlässige Punkt gewesen. Er war die größte, edel sie und sympa- thi-'chste Persönlichkeit des weltkrie- g e 5 und während der Nachkriegsjahre hat er einen Rang höher gestanden als alle anderen Leute — an welches Land man auch denken mag. Der Friedensnobelpreis wurde au Ansehen gewinnen, wenn er Hindenburg zuerteilt würde. Mussolini sollte ihn nächstes Jahr bekommen." — Während der literarische und die wissenschaftlichen Nobelpreise von den schwedischen Akademien verliehen werden, liegt die Entscheidung über den Friedensnobelpreis bekanntlich beim norwegischen Reichstag. Kieme politische Nachrichten. Der Führer der Deutschen Arbeitsfront hat verfügt, daß die bisher getrennten Aemter für Tariffragen und Sozialfragen zu - sammengelegt werden. Das neue Amt, zu dessen Leiter P e p p l e r bestellt wurde, hat den Hamen »Amt für Sozialpolitik“. Der Leiter der Organisation der Deutschen Arbeitsfront Pg. M u ch o w erläßt folgenden Aufruf: Alle kleineren Verbände und Vereinigungen von Arbeitern und Angestellten, die noch nicht in den beiden großen Gesamtverbänden der Arbeiter und Angestellten in der Deutschen Arbeitsfront zu- sammengefaht sind, müssen sich innerhalb acht Tagen beim Organisationsamt der Deutschen Arbeitsfront, Berlin SW. 19, Märkisches Ufer 34, melde n. Der Meldung müssen die notwendigen Unterlagen über Mitgliederstand und sonstiges Wissenswerte beigefügt werden. Sie erhalten alsdann vom Organisationsamt Mitteilung, in welchen Verband sie sich e i nz u g l ledern haben. 3m Rahmen der Reichsaktion gegen die Sozialdemokratische Partei wurde der ehemalige braunschweigische Ministerpräsident und frühere sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Rechtsanwalt Dr. 3asper in Schutzhaft genommen. Auf Veranlassung der württembergischen Politischen Polizei sind aus dem Schutzhaft- lagerHeuoerg wiederum 193 politisch« Schuh- Hastgefangene entlassen worden. Infolge der Vereinheitlichung der kommunalen Spitzem erbände zum Deutschen Gemeindelag scheidet der bisherige geschäftsführende Präsident des Deutschen und des Preußischen Landkreistages, Landrat a. D. Dr. Baron v. Stempel, aus seiner bisherigen Stellung aus. um in den Reichs- oder Staatsdienst zurückzukehren. Die amerikanische Postverwaltung hat verfügt, daß auf Postsendungen die Anbringung von Siegelmarken, die zum Boykott deutscher Waren auffordern, u n z u l ä f s i g ist. * 3n Berlin traf der Direktor der Zivilluftfahrt vom italienischen Luftministerium, Dr. M o l - fese, ein, zur Fortführung der Besprechungen, die seinerzeit durch den Besuch des Reichsluftfahrtministers Göring in Rom eingeleitet wurden. Das Ziel ist die weitere Ausgestaltung der deutsch-italienischen Luftverkehrsbeziehungen. Auch die Giaatspartei aus -en Parlamenten ausgeschlossen. Berlin, 27.Juni. (VDZ. Funkspruch.) Gemäß den preußischen Ausführungsbestimmungen zu dem Betätigungsverbot der SPD. fallen darunter auch alle Mitglieder des Reichstages, des Landtages, des Staatsrates, die auf Grund von Wahlvor- schlügen der Sozialdemokratischen Partei gewählt worden sind. Da die st a a t s p a r t e i l i ch e n Mitglieder des Reichstags und Preußischen Landtags gemäß dem Wahlabkommen zwischen Staatspartei und SPD. tatsächlich auf sozialdemokratischen Listen in die Parlamente gewählt worden sind, hat der Präsident des Preußischen Landtags, Justizminister K e r r l, daher angeordnet, daß auch die drei staatsparteilichen Abgeordneten, der frühere Handelsminister Dr. Schreiber und die Abgeordneten Nuschle und Frau Professor Hartwig die Mitteilung erhalten, daß sie ihre Abgeordnetenausweise zurückzugeben haben, keine Diäten mehr bekommen, und daß ihnen der Zutritt zum Landtagsgebäude verboten ist. Es ist anzunehmen, daß in dieser Weise das Betätigungsverbot auch auf die fünf staatparteilichen Reichstagsabgeordneten ausgedehnt werden wird. Dagegen dürfte noch nicht geklärt sein, ob auch eine Vermögensbeschlagnahme erfolgen kann, da die grundlegende Verordnung lediglich bon einem Vorgehen gegen die SPD. spricht. Oie Innere Mission unter kommissarischer Führung. Berlin, 26. Juni. (TU.) Das neuernannte Kommissariat für Innere Mission bringt folgende Ausführungen zur Veröffentlichung: »Der Herr Bevollmächtigte des Reichskanzlers für die Angelegenheiten der evangelischen Kirche und der Herr Kommissar für sämtliche evangelischen Landeskirchen Preußens haben uns z u k o m m i s - sarisch en Bevollmächtigten für den Zentralausschuh für die InnereMis- s i o n und die ihm angeschlossenen Verbände und Anstalten ernannt. Der Inneren Mission erwachsen im neuen Deutschland schwerwiegende neue Aufgaben. Wir fordern darum alle dem Zentralausschuh für Innere Mission angeschlossenen Stellen der Inneren Mission (Ausschüsse, Vereine, Verbände, Anstalten u. dgl.) aus, unter unserer Führung ihren evangelischen Dienst im Volk mit Ernst und Freudigkeit zu tun. Die Geschäfte werden bis zur kommenden Reuordnung in bisheriger Weise weitergeführt. Wir sind uns der schweren Verantwortung, die uns auferlegt ist, voll bewußt. Wir werden unseren Auftrag erfüllen als Treuhänder unseres Herrn Iesu Christi. Berlin, 25. Iuni. gez. Themel. gez. S ch i r m a ch e r." Gleichschaltung der evangelischen Arbeitnehmer-Verbände. Berlin, 26. Juni. (TU.) Der Bevollmächtigte der Deutschen Arbeitsfront für die evangelischen Arbeitnehmeroerbände und staatliche Bevollmächtigte für die Innere Mission, Sozialpfarrer Themel, und der kirchliche Bevollmächtigte für die evangelischen Arbeitnehmerverbände, Pfarrer Knüppel, haben folgende Anordnungen getroffen: 1. Die staatlichen Bevollmächtigten für die Innere Mission: Hierdurch ernennen wir Herrn Pfarrer Herbert K n ü p p e l-Magdeburg zum kommissarischen Bevollmächtigten des Reichsoerbandes EvangelischerArbeitnehmerverbände und seiner sämtlichen angeschlossenen Organisationen, Verbände und Einrichtungen. 2. An die Mitglieder der E. A. V.: Die nationalsozialistische Revolution ist in ihren zweiten Abschnitt eingetreten. Sie fügt die freien Verbände des geistigen und kirchlichen Lebens in die Einheit der neuerwachten Volksgemeinschaft und der neuzubauenden deutschen evangelischen Kirche ein. Die E. A. V.° Bewegung (die im Reichsverband Evangelischer Arbeitnehmerverbände Deutschlands ^usammenge- schlossenen Evangelischen Arbeitervereine, evangelischen Arbeiterinnenvereine, Evangelische Gesellenvereine) hat daran teil. Die Mitglieder in den einzelnen Gliederungen schließen sich selbstverständlich der für ihren Berus zuständigen Gruppe der Deutschen Arbeitsfront a n. (Nähere Anweisungen folgen.) Die Landesverbände bzw. Ortsgruppen bleiben vorläufig bestehen. Sie treiben ihre gesinnungsbildende Arbeit weiter unter Führung der G l a u b e n s b e w e - gung Deutsche Christen. Auch der Arbeiter des neuen Deutschlands braucht die Lebenskräfte des Evangeliums. Wir erwarten, daß das Bekenntnis zum neuen Staat und zur neuen Kirche in die Tat umgesetzt wird. Kunst und Wissenschaft. Veränderungen im Reichsarchiv. Die Oberreichsarchivräte Professor Dr. Veit Valentin, Professor Dr. Ludwig Berg- sträher und Reichsarchivrat Professor Dr. Martin H o b o h m sind in den Ruhestand versetzt worden. Ehrensenat im Reichsverband Deutscher Schriftsteller. Im Reichsverband Deutscher Schriftsteller wurde ein Ehrensenat gebildet. Als erste Mitglieder wurden Walter B l o e m , Rudolf P r e s b e r, Heinrich S o h n r e h , Fedor von Zobeltih, Ah von R h y n, Oberregierungsrat Dr. G l a - senapp, Ricarda Huch, Agnes Miegel, Ina Seidel, Lulu von Straus undTor- netz und Hermann Stehr ernannt. Wettervoraussage. Die Luftdruckoerteilung hat sich kaum geändert. Im Grenzgebiet zwischen den Störungen im Nord- osten und dem hohen Druck im Westen liegen weitere ozeanische Luftmassen südwärts, so daß das Wetter noch keine Beständigkeit erhält. Wenn auch zwischen- durch Aufheiterung einfetzt, so kommt es doch wieder zum Aufzug von Bewölkung, wobei auch einzelne Schauer niedergehen, die mitunter von Gewitterstörungen begleitet sind. Die Temperaturen nehmen immer noch keine sommerlichen Werte an. Vorhersage für Mittwoch: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, mäßig warm und noch einzelne Schauer. Vorhersage für Donnerstag: Keine wesentliche Aenderung. Lufttemperaturen. Am 26.Iuni, mittags: 21,2 Grad Cels., abends: 15,8 Grad Cels - am 27. Iuni, morgens: 13,2 Grad Cels. Maximum 22,3 Grad, Minimum: 12,6 Grad. Sonnenscheindauer: 9’/2 Stunden. Halle die Treue ,, . deinem angestammten Heimatblatt! 'Zn Treue hat auch zu dir und zu deinen Vorfahren der G-eßener Anzeiger gestanden durch beinahe zwei Jahrhunderte hindurch! Erneut sind wir zu dieser Erinnerung gezwungen infolge des Vorgehens von Zeilungswerbern, die einen starken Druck ausüben, um die Bezieher des Gießener Anzeigers zur Abbestellung zu veranlassen. Wie diese auch anderwärts hervorgetretenen Mißstände von der großen nationalsozialistischen presse beurteilt werden, ergibt sich aus nachstehender Erklärung, bie der „Völkische Beobachter" und der „Angriff" veröffentlicht hatten. Verlag Pes Gießener Anzeigers. Verschiedene Beschwerden über Abonnenten-Werber, die versuchen, durch unlautere Methoden bei der Werbung von Abonnenten unsere Zeitungen in Mißkredit zu bringen, veranlassen die unterzeichneten Verlage zu folgender Erklärung: „Wir lehnen es als unvereinbar mit dem Ansehen unserer Zeitung ab, neue Abonnenten durch Anwendung von irgendwelchen Drohungen über eventuelle Folgen bei einer Absage werben zu lassen. Die für uns tätigen Werber sind angewiesen, ihre Tätigkeit für unsere Zeitungen ausschließlich nach rein kaufmännischen Gesichtspunkten auszuüben. Wir bitten unsere Leser und Parteifreunde, uns in jedem Fall davon zu verständigen, wenn Werber ihre Befugnisse überschreiten." „Völkischer Beobachter" - „Angriff". Aus der Provinzialhauptstadt. Siebenschläferiag. Der Siebenschläfertag, der seit den Zeiten Karls des Großen auf den 27. Iuni festgelegt ist, geht in seinem Ursprung auf eine Legende zurück, die mit dem Volksglauben und damit der Bedeutung dieses Tages für das Wetter der darauffolgenden sieben Wochen, außer der Siebenzahl, eigentlich nichts gemein hat. Der 3u» sammenhang der Siebenzahl, und daher auch ihre Heiliggeltung, besteht schon seit den Babyloniern, die bekanntlich gute Astronomen waren und die siebentägige Dauer der einzelnen Mondphasen festgestellt hatten. Die Legende um den Siebenschläfertag weiß von sieben jungen Männern zu berichten, die während der Christenoerfolgungen unter Kaiser Decius, um das Jahr 250 n. Chr., nachdem.sie mutig Zeugnis für ihren Glauben abgelegt hatten, aus der Stadt Ephesus flohen und sich in einer nahen Höhle verbargen. Sie wurden jedoch aufgespürt, und der Kaiser ließ den Eingang vermauern. Sie kamen aber nicht um, sondern erwachten unter Kaiser Theodisius II., nach einem todähnlichen Schlaf von beinahe 200 Jahren wieder, um vor diesem Herrscher, der ein eifriger Bekämpfet des Heidentums war, und dem Bischof Martin von Ephesus erneut für den christlichen Glauben zu zeugen und wieder zu entschlummern, bis zu dem Tag ihrer Verklärung beim Jüngsten Gericht. Zu Kaiser Karls Zeiten wollte der Gelehrte Rabanus Maurus den Tag des Erwachens und Wiedereinschlafens als den 27. Juni erforscht haben. Soweit die Legende, die teilweise auf einen vorchristlichen Ursprung in Vorderasien zurückgeführt wird. Daß sich nach alter Bauernregel am Siebenschläfertag das Wetter der kommenden sieben Wochen offenbart, hat den tatsächlichen Kern längerer Beobachtungen für sich, die gezeigt hatten, daß erfahrungsgemäß der Sommersonnenwende auch eine Wende der Witterung zu folgen pflegt. Auch daß ein solcher Wetterumschlag gewöhnlich anhält, haben die Herren Laubfrösche im Laufe der Jahrhunderte herausbekommen und mit der Siebenzahl ihren Vers auf den 27. Juni gemacht. Sicher haben sie mit ihren Voraussagen manchmal ins Schwarze getroffen, und diese Zufälle wurden dann zur Kalenderregel. Und weshalb sollte nicht auch ein Laubfrosch einmal das Korn finden, das vom Sprichwort sonst dem blinden Huhn vorbehalten ist? Kig. Psarrer-Schulungslebrgang der Theologischen Fakultät Gießen. Im Studentenheim eröffnete gestern nachmittag Professor D. Dr. Cordier, Gießen, den Pfarrer- Schulungs-Lehrgang mit einer Ansprache: So wie Offiziere die Front verlassen, um in gemeinsamer Aussprache zu beraten, was zu tun, zu erörtern, wie die Stimmung in der Front sei, so soU der Lehrgang die Pfarrer sammeln zur Besinnung auf Volkstum und Staat. Sein Gruß galt besonders H.'iun Superintendenten D. Wagner, sein Dant der Kirchenbehörde für die gewährte finanzielle Beihilfe. Diesen Dank gab der Vertreter des Landeskirchenamts an die Theologische Fakultät zurück. Im ersten Vortrag behandelte Prof. D. Born- kämm „Rasse und Volk bei Martin Luther". Der Redner führte u. a. aus: Der volkhaft bestimmte Mensch ist für Luther ein Stück Natur mit einem Gesetz in sich und über sich, dem Evangelium verkündigt werden soll. Luther stand im Aufbruch einer Zeit starken völkischen Erwachens. Die Germanen werden im Zusamenstoß mit den Männern ihrer Rasse bewußt; in der Stauferzeit (Walter von der Vogelweide) wacht das gemeindeutsche Gefühl wieder auf. Mit den Romfahrten der Kaiser löst sich immer mehr das Volkstum vom Kaisertum. Bei den deutschen Humanisten war viel schwärmerische Nei- aung für das Kaisertum. Karl V. schied sich in Worms 1521 von der deutschen Volksbewegung, Hutten machte Arminius zum ersten deutschen Volkshelden, das Kaisertum enttäuschte vollkommen. In den ersten deutschen Volksliedern kommt nun der Ton: „Frisch auf du deutsche Nation". In den Nationen der Konzilien und in den Landsmannschaften der Universitäten bekommt das völkische Gefühl Gestalt. Luthers Schrift an den christlichen Adel deutscher Nation zeigt das Volk noch mehr als eine Vielheit von Menschen. Er machte sich viel Gedanken um das deutsche Volk wegen seiner Uneinigkeit; er sah in ihm die Macht des Saufteufels. Von den deutschen Dialekten schätzte er besonders den hessischen; er beobachtete sehr sein die einzelnen Stämme. Rasse tritt ihm entgegen im Romanen, im Türken und im Juden. Die Schrift „Daß Jesus Christus ein Jude sei", fordert zur Judenmission auf und verlangt ihnen geaenüber christliche Liebe (1523). Seine Hoffnungen hier erfüllen sich nicht und 1536 wird das Judentum aus dem Kurfürstentum Sachsen ausge- wiesen. Im „Brief wider die Sabbater" und „Wider die Juden und ihre Lügen" macht er einen scharfen Schnitt, um diesen und jenen noch zu retten. Der beste Rat wäre, wenn sie wieder in ihr Land zögen. Schmähbücher auf Christus und die Christen taten das ihre, so daß Luther in Eisleben noch drei Tage vor seinem Tod alle „Gemeinschaft und Geduld mit den Lästerern unseres lieben Heilands und Wucherern" ablehnt; erst den Bekehrten gehört Brüderlichkeit. Ihre Zahlenkabbalistik ist ihm wie die Sakramentspraxis Roms Lästerung Gottes, gegen die die Obrigkeit einzuschreiten habe. Luthers Ziel ist „scharfe Barmherzigkeit", nicht Rache. Vom Grundgefühl der Volksgemeinschaft her baut sich Luther seinen Gedanken vom Staat auf; der Staat ist ein Stück Schöpfung. Die Stände (Vater, Mutter, Knecht, Obrigkeit usw.) sind göttliche Stände. Volk ist ein Stück Ratur, Obrigkeit ist zweite Schöpfung. Luther ist nicht Anhänger eines Raturrechts. Staat und Christenheit treffen sich, wo beide das Volksgeseh verkündigen; es gibt ein völkisches Evangelium, soweit es antwortet auf ein völkisches Gesetz, wie auch ein allgemeines Evangelium für ein allgemeines Gesetz. Eine lebhafte Besprechung half zu weiterer Klärung. Im kleineren Kreis wurde abends die kirchliche Lage erörtert. Ehrensingen des Lahntalsängerbundes in Marburg. Aus Anlaß des 70jähr. Bestehens des Männergesangvereins „Liedertafel" Marburg hielt am 25. der Lahntalsängerbund ein Ehrensingen ab. Rund 1200 Sänger aus 22 Bundesvereinen, die teils per Sonderzug aus Gießen, teils mit Autobussen in Marburg eingetroffen waren, füllten vormittags den großen Stadtsaal, wo jeder Verein einen selbstgewählten Chor zum Vortrag brachte. Mit den großen Chören der Vereine aus Marburg, Kirchhain, Wetzlar, Gießen usw. wetteiferten oie kleineren aus Butzbach, Bad-Rauheim, Grünberg usw., um die schönsten Perlen aus dem deutschen Liederschatz zu Gehör zu bringen. Allgemein können die Leistungen der Chöre dahingehend beurteilt werden, daß das deutsche Lied in dem nunmehr 73 Iahre bestehenden Lahntalsängerbund eine seiner besten Pflegestätten besitzt. Am frühen Rachmittag versammelten sich die Sänger auf dem Marktplatz zu einer großen nationalen Kundgebung, bei der Bürgermeister Voß für die Stadt Marburg, Dr. Walz im Ramen der nationalsozialistischen Kreisleitung, Dr. Wendler, Bad-Rauheim, für den Hessischen Sängerbund, und Bundesvorsitzender Gengnagel, Grünberg, für den Lahntalsängerbund sprachen. Aus allen Ansprachen, die von Massenchören und Musikvorträgen der Marburger Deichswehrkapelle umrahmt waren, war zu entnehmen, daß die deutsche Sängerschaft freudig mit ins neue Reich marschiert, nachdem sie in den vergangenen 14 Iahren durch das'deutsche Lied die Herzen zukunftsfreudig und wach erhielt. Bei dem anschließenden gemütlichen Zusammensein konnten noch viele Sänger für langjährige Sängertätigkeit durch Verleihung von Ehrennadeln geehrt werden. Kifchenbaumeist^r Baurat Ludwig Hofmann gestorben. Eine im Regierungsbezirk Wiesbaden und weit darüber hinaus auch in Gießen bekannte Persönlichkeit, Kirchenbaumeister und Baurat Ludwig H o f m a n n, ist im Alter von 71 Iahren in Herborn verstorben. Auf dem Gebiete der Kirchenbaukunst war der Verstorbene eine sehr geschätzte Persönlichkeit. Lieber 150 evangelische Gotteshäuser verdanken ihm die architektonische Gestaltung. Sein letztes bedeutungsvolles Betätigungsfeld fand Baurat Hofmann beim großen Schloßumbau m Herborn. Durch seinen wertvollen Rat war es möglich, das Herborner Schloß als eines der ganz wenigen Beispiele für eine noch heute in allen wesentlichen Teilen erhaltene Burganlage des Mittelalters zu erhalten. Dadurch wurde der Bestand des Herborner Schlosses wieder für einige Jahrhunderte gesichert. Ieht befindet sich bekanntlich tm Herborner Schloß das Evangelische Predigerseminar für Rassau. Auch an der Gestaltung öffentlicher Baulichkeiten wgr Baurat Hofmann wiederholt maßgeblich beteiligt, so u. a beim Bau des Bahnhofsgebäudes in Gießen. Stellt Hausgehilfinnen ein! mühungen, Die Reichsregierung hat in Fortsetzung ihrer Bemühungen, um eine Entlastung des freien Arbeitsmarktes durch Mehreinstellungen von Hausgehilfinnen zu erreichen, verordnet, daß außer dem Wegfall der Beiträge zur Arbeits- osenoerslcherung und der Ermäßigung der Bei- trage für die Invalidenversicherung auch die Arbeits- lofenhilfe fortfallt und jede Hausgehilfin gleich einem minderiahrigen Kinde in Bezug auf die Einkommensteuer anzurechnen ist. Mit diesen neuen Bestimmungen wird erreicht, oatz minftestens die gesamten Soziallasten, die für eine Hausgehilfin zu tragen sind, gedeckt, und daß darüber hinaus auch noch in einzelnen Fällen ein Teil des Barlohns mitgetragen wird. Unter diesen Umständen wird der erstrebte Erfolg der Reichs- regierung, mindestens 200 000 junge Mädchen als Haugehilfinnen zusätzlich unterzubringen, zweifellos erreicht werden. OasNS.-ReichS-Symphonie Orchester in Gießen. Das Nationalsozialistische Reichs-Symphonie-Or- chester, das bereits vor einiger Zeit in Gießen ein Gastspiel gab, wird am kommenden Sonntag, 2. Juli, 20.30 Uhr, in der hiesigen Volkshalle unter der Leitung von Kapellmeister Adam wiederum ein großes Konzert geben. Zur Aufführung gelangen die 4. Symphonie in Es-Dur von Anton Bruckner, die Ouvertüre zu „Oberon" von Carl Maria von Weber und die Ballettsuite von Mar R e - g e r. Vor Beginn des Konzertes wird der Äeichs» Statthalter in Hessen, (Bauleiter Sprenger, eine Ansprache halten. „Arzt und Volk." Vortrag vor Gießener Aerzlen und Klinikern. Am Montag, 3. Juli, wird der Leiter des neuen Aufklärungsamtes für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege bei der deutschen Aerzteschaft, Dr. med. W. Groß, vor der Gießener Klinikerschaft und der gesamten Aerzteschaft einen Vortrag halten über „Arzt und Volk". Dr. Groß (im Bild), der 1904 in Kassel geboren ist und seine Jugend in Posen verlebte, wo er Gelegenheit hatte, die völkischen Kämpfe des Grenzlandes von klein auf zu verfolgen, um später nach Niedersachsen zu übersiedeln, hat sich politisch bereits früh betätigt. Seit dem Herbst 1922 gehört er aktiv der NSDAP, an, zunächst als Medizinstudent und später als Assistent in (Böttingen und Braunschweig. Seit Juli 1932 ist er in der Reichsleitung der NSDAP, und Anfang Mai 1933 zum Leiter des Aufklärungsamtes berufen, das im engsten Einvernehmen mit dem Reichsministerium des Innern und dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda arbeitet. Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 27. Iuni. 'Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Landbutter 120 Pfennig. Kochbutter 103, Matte 25, Wirsing (grün) 12, Weißkraut 10 bis 15, Spinat 15, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 30 bis 40, Spargel 20 bis 45, Erbsen 20, Mischgemüse 10, Zwiebeln 12, Tomaten 40 bis 50, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln (alte) 3,5 (Ztr. 2,50 bis 3 Mk.), (neue) 10, Kirschen 25 bis 35, Stachelbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 30 bis 45, Suppenhühner 70 bis 80, junge Hähne 90 bis 100 Pfennig pro Pfund; Tauben 50 bis 60, Eier (inländische) 8,5 bis 9, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 4 bis 10, Salatgurken 20 bis 35, Einmachgurken 8 Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Käse 4 bis 10 Pf. pro Stück; gelbe Rüben 15, rote Rüben 15, Radieschen 5 bis 10 Pf. pro Bd. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag: Frauengruppe VDA., 20 Ähr, Gasthaus „Hindenburg", Mitglieder- und Werbeversammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „SA.-Mann Brand". ♦ ** Flaggen auf H a l b m a st! Die Bürgermeisterei Gießen fordert im heutigen Anzeigenteil die Einwohnerschaft auf, sich dem Vorgehen der Behörden anzuschließen und am morgigen Mittwoch, 28. Januar, zum Zeichen der Ablehnung des vor 14 Jahren beschlossenen Diktats von Versailles auf Halbmast zu flaggen. Auf die Bekanntmachung sei besonders aufmerksam gemacht. ** .Die Sprechstunden beim Ministerium für Kultus und Bildungs- wesen. Der Hessische Minister für Kultus und Bildungswefen weist in einem Schreiben an die Direktoren und Leiter der höheren Schulen und der gewerblichen Änterrichtsanstalten, sowie an die Staht- und Kreisschulämter erneut darauf hin, daß Besuche in seinem Ministerium nur an Amtstagen zu erfolgen haben. In diesem Schreiben heißt es weiter: Rach meiner seitherigen Beobachtung habe ich allerdings feststellen müssen, daß diese Anordnung nicht streng genug eingehalten wird. Infolge der starken Inanspruchnahme meiner selbst und meiner Mitarbeiter erwarte ich, daß alle Besuche und persönlichen Rücksprachen auf ein Mindestmaß beschränkt wer- den und ordne an, daß ab 1. Iuli 1933 nur noch der Mittwoch als Amtstag gilt, und zwar in der Zeit zwischen 9 und 13 Ähr. ** Der „Tag des Deutschen Liedes". Der Tag des Deutschen Liedes, der inzwischen zu einer schönen und begrüßenswerten Sitte geworden ist, wurde auch am vergangenen Sonntag in unserer Staöt in der bisher üblichen Form begangen. In Der letzten Vormittagsstunde sammelten sich die Sänger der hiesigen Vereine auf verschiedenen Plätzen der Stadt und brachten unter der Leitung ihrer Dirigenten schöne alte Volkslieder zu Gehör. Die Bevölkerung nahm regen Anteil und nahm die Gesangsdarbietungen sehr freundlich auf. Der Bauerscye Gesangverein sang unter der Leitung von Universitäts-Musikdirektor Professor Dr. T e m e s - v a rt)„ vor der Universität, die Gesangvereine „Hei- terkeit" und „Liederkranz" fangen unter der Leitung ihres Dirigenten Musiklehrer Schüttler in der Johannesstraße, unmittelbar an der Einmündung der Plackstraße, und der Gesangverein „Concordia^ (Leitung Musiklehrer Groß, Wieseck) hatte auf dem Lindenplatz Aufstellung genommen, um einige L'eder zu Gehör zu bringen. Der Tag des Deutschen Liedes trug sicherlich dazu bei, schönes altes Volks- gut im Lied in manchem der Zuhörer wieder lebendig werden zu lassen. Kundgebung der Kriegsopfer. Am Sonntagnachmittag fand in der Turnhalle eine von der Nationalsozialistischen Deutschen Kriegsopferoersorgung einberufene Versammlung statt. Nach einigen flotten Militärmärschen der Reichswehrkapelle und der Be- grüßung durch Kreisobmann Papen (Gießen) sprach zunächst der Landesführer des Kyffhäuser- Bundes, Freund (Darmstadt). Er bemerkte einleitend, daß der restlose Zusammenschluß der Kriegs- opserorganisationen in einem unter nationalsozialistischer Führung stehenden Reichsverband in Kürze erfolgen werde. In seinem Vortrag betonte der Redner zunächst die innige Kameradschaft der Frontsoldaten während des Weltkrieges. Es sei aber ein Schandfleck für das deutsche Volk, daß es im entscheidenden Moment in der Heimat Männer gegeben habe, die das Internationale über das Nationale gestellt haben. Die Kriegsbeschädigten haben seit Beendigung des Krieges daran gedacht, daß der Leichtbeschädigte leer ausgehen würde. Die Kriegsopferorganisationen mußten in den letzten Jahren schwere Kämpfe führen. Ttun dürfe man mit dem vollen Verständnis der Reichsregierung für die Belange der Kriegsopfer rechnen. Allerdings fei Geduld und vertrauen zur jetzigen Regierung notwendig. Es fei zunächst eine Umstellung und genaue Prüfung der Finanzverhältnisse des Reiches erforber- sich. Der Redner kommt sodann auf die Tätigkeit der Untersuchungsstellen zu sprechen und betont, daß die Klagen nicht gaiu unberechtigt gewesen seien. Der Arzt sei wohl an den Buchstaben des (Be- setzes gebunden, es käme aber auf den Geist an, in dem die Bestimmungen durchgeführt würden. Nie dürfe vergessen werden, was draußen im Felde geleistet worden sei. Der zweite Redner, Landtagsabgeordneter Z i e flirr (Darmstadt) sprach vom deutschen Soldatentum, das in der Seele eines Marxisten nicht zu finden sei. Deshalb sei auch von dort eine wesentliche Unterstützung der Belange der Kriegsopfer nicht zu erwarten gewesen. Der Redner erwähnte dann die Frauenarbeit während des Krieges und betonte, daß dieses stille Heldentum ebenbürtig sei dem Hel- bentum der Frontsoldaten. In seinen weiteren Ausführungen wies der Redner auf die nationale Er- Hebung hin und betonte, daß das Führerprinzip auch in der Kriegsopferbewegung durchgeführt werden muffe. Es gehe nicht an, daß Forderungen gestellt würden, die nicht erfüllt werben könnten, denn es gehe nicht um das Einzelschicksal, sondern um das Schicksal des deutschen Volkes. Die Versorgung der kriegsopser sei keine Staatsangelegenheit, sondern Sache der gesamten Nation. Die Kriegsopfer wollten nicht bedauert fein, sie kämpften um Achtung und Ehrfurcht. Für die Schwerbeschädigten werbe ausreichende Versorgung geforbert, die Leichtbeschädigten müßten kleinliche Wünsche zurückstellen. Die Versorgung derselben erfolge auf anderer Grundlage wie seither, z. B. durch Bevorzugung bei Vergebung von Stellen, durch Sieblungsmöglichkeiten und Errichtung von Eigenheimen durch den Staat sowie Bevorzugung kriegsbeschädigter Gewerbetreibender bei Vergebung von Arbeiten. Der Redner erläuterte bann in großen Züaen bie neue Heeresversorgung, die an stelle der Kriegsopferoersorgungsgesetze treten solle; er sprach weiter von der Bedeutung der Arbeits- dienstpflicht für die Jugenderziehung und erwähnte, daß die nationalsozialistische Kriegsopferorganisation nicht nur die Belange der Kriegsopfer vertrete, sondern auch am Aufbau des neuen Deutschland mit- helfen wolle. Nach dem gemeinsamen Gesang des Horst-Wessel- Liedes sprach Kreisleiter Papen noch das Schlußwort, in dem er der Gefallenen des Weltkrieges und der Opfer der nationalsozialistisch^ Freiheitsbewegung gedachte. Nachdem die Musik bas Lied vom guten Kameraden gespielt hatte, brachte der Redner ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf den Reichskanzler Adolf Hitler und den Reichspräsidenten von Hindenburg aus. Mit dem Gesang des Deutschlandliedes fand die eindrucksvolle Kundgebung ihren Abschluß. Tag der Jugend und (Sonnwendfeiern auf dem Lande. Lleberall in den Ortschaften der Provinz wurden am Samstag und am Sonntag auf den Hügeln und Hängen, auf den Bergen und nahe den Dörfern und Städten Sonnwendfeuer abgebrannt. Die Bevölkerung nahm überall regsten Anteil und in den meisten Ortschaften begab man sich in geschlossenen Zügen, an denen in erster Linie die Organisationen der nationalsozialistischen Bewegung, insbesondere aber die Zugendgruppen. sowie auch die Vereine beteiligt waren, zu den Festplayen. 3n Ansprachen wurde der Sinn des Ta^s der Sonnenwende hevvorgehoben. Gleichzeitig wurde der nationalen Erhebung gedacht und ihre tiefe Bedeutung für die Gegenwart und die Zukunft unseres Vaterlandes umrissen. Die Führer des Reiches, der ehrwürdige Reichspräsident von Hindenburg und der Volkstanzler Adolf Hitler wurden durch man« ches begeistert aufgenommene „Sieg-Heil!" geehrt, während die Flammen zum dunkel ver- fiangcncn Rachthimmel emporloderten. Die ®e- angvereine verschönten die Feiern mit vaterländischen Liedvorträgen. Das Deutschland- und das Horst-Wesscl-Licd erklang vielfach an den Abenden des Samstag und des Sonntags aus vielen Kehlen. Der Tag der Jugend wurde am Samstag- Vormittag in den Schulen festlich begangen. Vor den versammelten Klassen wurden unter dem Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel- Liedes die schwarz-weih-roten Fahnen und die Hakenkreuzflaggen gehißt, während von Rlitgsie- dem des Lehrkörpers auf den Sinn des Tages hingewiesen wurde. Die Kinder fanden sich dann zu gemeinsamen Spielen zusammen. Gedicht- und Gesangsvorträge, allerlei Spiele und Aufführungen verschönten und ergänzten sowohl die Feiern zum Tag der Äugend, wie auch die Feiern der Sonnenwende. Leider litten die Veranstaltungen fast durchweg unter der schlechten Witterung. In Anbetracht der Fülle der uns vorliegenden Berichte aus Oberhessen und den angrenzenden preußischen Gebieten, in Anbetracht auch des nahezu überall gleichgearteten Verlaufs der Feiern des Iugenbtages und der Sonnenwende, ferner mit Rücksicht auf den uns nur beschränkt zur Verfügung stehenden Raum, nicht zuletzt aber auch, um keine der Ortschaften in irgendwelcher Form zu benachteiligen, müssen wir es uns versagen, auf die Feiern in den Orten unseres Verbreitungsgebietes im einzelnen einzugehen. Schweres Segelflugzeugunglück bei Mainz. Mainz, 25. 3uni. Heute nachmittag ereignete sich auf dem Flugplatz Großer Sand ein schweres Segelflugzeugunglück. Als der bekannte 26jährige Segelflieger Hans O 11 aus Mainz-Gustavsburg mit dem 22jährigen Segelflieger Paul D r eite n b a ch aus der Kostheimer Siedlung einen Autowindenstart untemahm, überschlug sich plötzlich aus bis jetzt noch unbekannter Ursache da- mit dem Ra men .Mainzer Bub" bezeichnete Segelflugzeug in einer ungefähren Höhe von 40 bis 60 Metern und stürzte ab. Das Flugzeug wurde vollkommen zertrümmert. Die beiden schwerverletz^m Flieger wurden sofort ins Krankenhaus gebracht, wo Breitenbach bald nach seiner Einlieferung starb. Die Verletzungen Otts sind derart, daß mit seinem Ableben gerechnet wird. Die Kriminalpolizei fand sich sofort an der Unfall Stelle ein und befaßte sich mit den notwendigen Feststellungen. Schweres Motorradunglück durch einen Hund. Schotten, 26. Juni. (WSN.) Der Schindler- meister Konrad Wolf aus Meiches kam auf einer Geschästsfahrt mit seinem Motorrad dadurch schwer zum 5tun, daß ihm ein Hund in das fahrende Motorrad sprang und ihn mit der Maschine ummarf. Er erlitt dabei erhebliche DerletzungenamKopfe, an den Armen und Beinen und mußte in bewußtlosem Zustande von einem schnell herbeigerufenen Arzt nach seiner Wohnung gebracht werden. Taten für den 27. Juni. 1848: gestorben der Schriftsteller Heinrich Zschogge auf Blumenhalde in der Schweiz (geboren 1771). — 1856: gestorben Joseph Meyer, Gründer des Bibliographischen Instituts in Hildburghausen (geboren 1796). — 1880: geboren die Schriftstellerin Keller in Puscambia. — 1919: gestorben der rumänische Staatsmann Peter Earp in Tzibaneschti (geboren 1837). — 1923: gestorben der Schriftsteller Päül Schreckenbach in Klitzschen bei Torgau (geboren 1866). G. A Sport. Tisch-Tennis der Sp.-Vg. 1900. TTC. Frankfurt.west I — 1900 I 8:7. Erwartungsgemäß kannte sich die 1. Tischtennismannschaft der Spieloereinigung 1900 gegen den TTC. Frankfurt-West nicht durchsetzen und unterlag knapp mit 8:7 Punkten. Die recht gut spielenden Gießener lieferten den Frankfurtern, die durch den Düsseldorfer Spitzenspieler Ulrich und die beiden besten Spieler des Frankfurter IB.-Sportverein und des Tennisklubs Forfthausstraße wertvollen Zuwachs erfahren haben, äußerst hartnäckige Kämpfe. Nach den Einzelspielen führte 1900 sogar 6:4, da aber von den 5 Doppelspielen 4 von den Frankfurtern, die hier besser eingespielt waren, gewonnen wurden, blieben die Gastgeber im Gesamtergebnis glückliche Sieger. Nachstehend die Ergebnisse (Frankfurt jeweils zuerst genannt): Einzel: Schäfer -- Dietrich 21:15, 21:8, 21:18; Ulrich — Beil 21:15, 10:21, 21:19, 12:21, 18:21; Neuland — Gebhard 22:24, 20:22, 22:20, 19:21; Kapphan — Reichel 16:21, 12:21, 13:21; Kleiner — Berger 11:21, 15:21, 22:20, 14:21; Jung — Petsch 21:7, 21:18, 21:6; Deneke — Jung 21:9, 21:19, 21:12; Kurz — Arzbächer 18:21, 19:21, 21:6, 21:16, 16:21; Schott — Gros 13:21, 16:21, 17:21; Raith — Fr. Hauser 21:16, 21:18, 18:21, 21:17. Doppel: Ulrich-Jung — Dietrich-Iung 19:21, 21:18, 21:17, 22:20; Deneke-Neuland — Gebhard- Berger 26:28, 17:21, 21:18, 26:24, 21:11; Schäfer- Kleiner — Beil-Reichel 12:21, 18:21, 21:18, 21:18, 21:18; Kapphan-Raith — Gros-Petsch 22:24, 19:21, 21:19, 21:18, 14:21; Raith-Schott — Fr. Hauser- Arzbächer 16:21, 21:17, 21:14, 22:20. Das Turnier gegen den IB.-Sportverein Frankfurt mußte ausfallen. Wirtschaft. Rmdermarll in Gießen. Auf dem heutigen Rinder- (Nutzvieh-) Markt in Gießen standen 817 Stück Großvieh, 191 Fresser und 228 Kälber zum Verkauf. Es kosteten Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 320 dis 370 Mark, 2. Qualität 180 bis 240 Mark, 3 Qualität 110 bis 140 Mark; Echlachtkühe a) 130 bis 250 Mark, b) 50 bis 120 Mark, Rinder, 34- bi» jährig, 50 bi» 110 Mark ,%• bis 2jährig 70 bis 160 Mark, tragend 150 bis 300 Mark; Kälber, das Pfund Lebendgewicht 20 bis 28 Pf. Ausgesuchte Tiere über Notiz. — Marktverlauf: schleppend, Uebcrstand. Frankfurt fester. Frankfurt a.M., 27.Juni. (WTB. Drahfrnel- dung.) Die freundliche Stimmung, die schon am gestrigen Abend eingesetzt hatte, war auch an der heutigen Mittagsbörse zu bemerken. Da das Geschäft noch keine größeren Ausmaße annahm, genügten einige wenige Kauforders, um das Kurs- Denkt an die „Stifiung für Opfer der Arbeit"! Einzahlungen an Reichskreditgesellschasl Berlin W 8, Behrensstraße 21/22, sowie aus beten Reich»- bankgirokonlo und deren Postscheckkonto Berlin 120 unter Angabe der Kontobezeichnung: „Stiftung für Opfer der Arbeit". niveau um bis zu 1 v. H. steigen zu lasten, zumal nur wenige Verkaufsaufträge Vorlagen. Recht wirksam war auch die neuerliche Festigung an den Aus- landbörsen; besonders die festere Verfassung der Warenmärkte war viel beachtet. Im Vordergrund standen Montanwerte, die teils in Reaktion auf die Einbußen während der Angelegenheit der Stahloer- cinsobligationen, teils im Hinblick auf die Arbeits- befdjaffung und die Beruhigung über das Rusten- geschäft wieder anzuziehen beginnen. Die Gewinne gingen jedoch nicht über den allgemeinen Rahmen hinaus. Durch größere Erholungen fielen lediglich Rheinekektro Mannheim (je 1,5 v. H.) und Aku (1,65 v. H.) auf, während Hapag 0,40 v. H., Metall- gesellfchaft und Schuckert je 0,5 o. H. und Siemens 1 v. H. nachgaben. Norddeutsche Lloyd lagen 0,13 v. H. höher. Im Verlaufe blieb die freundliche Verfassung bei kleinem Geschäft erhalten. Zur Anregung trug bei, daß man sich heute früh in Lon- don wieder gegen eine Abkehr vom Goldstandard in den in Frage kommenden Ländern ausgesprochen hat. — Am Rentenmarkt lagen Deutsche An- leihen etwas vernachlässigt, später konnten Altbesitz den kleinen Anfangsverlust wieder einholen. Neubesitz schwankten etwas unter dem Vortagsniveau. Schutzgebiete waren etwa unverändert, ebenso Reichsschuldbuchforderungen. Stahloereinbonds blieben behauptet. Von fremden Werten war einiger Umsatz in Türken, Rumänen und Mexikanern zu bemerken, von denen letztere etwa 0,13 vH. bester lagen. Am Pfandbriefmarkt hatten die Werte der Rheinischen Hypotheken-Bank eine kleine Besserung zu verzeichnen. Sonstige Werte blieben etwa unverändert. Verantwortlich für Lokales, Provinz, Wirtschaft und Sport: I. V.: H. L. Neune r. *1790 4175 C Wleseck, den 27. Juni 1933. 4186D Apparats Vermietungen | Mark^äbzugF IIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIi Motorrad Sonuenstraße 31 CREME MOUSON Nach schweren Leiden entschlief sanft gestern vormittag 10.30 Uhr unsere herzensgute, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin, Gote und Tante schiff'^Zabrgenäbt, mit Garantieschein das Hautpflegemittel mit Tiefenwirkung glättet und verjüngt unreine, gerötete Haut. In tiefer Trauer: Familie Karl Wilhelm Familie Heinrich Peter Becker Behörden anzuschließen. Gießen, den 26.3uni 1933. Bürgermeisterei Gießen. 0r. Keller. (Münster!. Raste) siebtz.Verknus beim Gründern. Pfcrdc- Versjchcr. -Verein, (Kriinbera (Hessen). Ausk. bd). Direktor Schäfer od. Teles. 6 Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 28. Juni, nachmittag 2 Uhr, vom Sterbehause, Kirchstraße 9, aus statt mit Bnd, gedeckter Veranda, 1-2 Zirn. in d. Mansarde und Zubehör zum 1.10. zu vermieten. «i«iD Bleichstraße 24. IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHI Ein. z. Landwirtsch. I?amentabrr^guf Bekanntmachung. Zum Zeichen der Ablehnung des vor 14 Zähren beschlossenen Diktats von Versailles und zum Ausdruck der Trauer, daß das deutsche Volk noch immer unter dem harten Druck dieses Diktats sieht, setzen am Mittwoch, dem 28. Juni 1933, alle staatlichen und gemeindlichen Behörden die schwarz-weißrote Zahne und die Hakenkreuzstagge auf Halbmast. Mr bitten die Bürgerschaft, sich dem Vorgehen der für Mk. 100.- gegen | bar zu verkauf, osms I Wo?sagtd.Gieß.A.I s . zu verk. ossss Unser lieber Kamerad Herr Friedrich Wömer Leutnant d. L. a. D. und Inhaber des E. K. u. a. O. ist verschieden. Wir werden dem tapferen und bewährten Mitkämpfer ein treues Andenken bewahren. Gießen, den 27. Juni 1933. Die Offiziervereinigung L.LR. 116. I. A.: Dr. W. Hey mann. Frau Elisabethe Wilhelm geb. Schäfer im Alter von 79 Jahren. Neubau Familienb., 5 Zim., Küche, Bad, Gart., bestgeeign. f. Zahnarzt ufro. i. gr. Ort b. Wetzlar (1700 Einrv.) zu vermiet. Näb. t. d. Geichst. d. Gieß. Anz. 03822 iiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Schöne 5-Zimmer Wohn, mit allem Zubehör im Südviertel ver 1. August zu verrn. Schr. Ang. u. 03894 a.d.Gietzen. Anzeig. IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIHIIIII verkäuflich. «sei Fr. Böcker Crednerstraße 24. Motorrad 350 cem, mit erhalt., Schrifll.Anaeb.unt. 03888 a.d.Gß.Anz. Nähmaschine Naumann, Rund- BestL-Zim.-Wobn. rn >Zentralbei; .Bad, (i)riedrichstraße)zw. Schr. Ang. u. 03878 a.d. Gieß.Anzeiger. 1 Zimmer mit Küche im 3. Stock in beff. Hause i. d. Stadt an kinderl.Ebevaarsos. zu verrn. Schr.Ang. u. 03895 a.d. G.A. Ein z. Landwirtsch.s-r-^.E geeignetes miD erhalten Pferd Altersvereinigung 1879 — 1929 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsre Mitglieder vom Ableben unsres lieben Alterskameraden Friedrich Wörner in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Mittwoch,28. Juni. nachm.2Uhr,auf dem Neuen Friedhof statt. Wir bitten um vollzähLBeteiligung.Der Vorstand _________________________________________________________________4184 \> Garage 13. Weinert K.-G., Gießen zu vermieten • Neuenweg 9, Fernruf 3615 mit und ohne Wagenpflege. Groß-Garage Am Aulweg. | Mietgesuche | Zum 1. Oktober 5-Zimnißr-Wolin. gesucht (2 Pers.). Anaeb.m.Preisang. u.03890a.Gieh.Anz. Zum 1.10.wird von vünktlich zahlendem Dauermieter mit kl. Familie 4-5Z.-W0M Öt.Schr.Ang.u. q.rnGietz.Anz. Moderne MM. mit Zubeb., im Ost- viertel, v. 1.10. ges. Schritt!. Ang. unt. 4153D a. d. G. A. 2-Zimmer-WohooDg in gutem Hause von ruhiger Dtteterin z. 1. Oktober gesucht. 2christl.Angeb.unt. 03887a.d.Gteß.Anz. Sichere Dame sucht 2-Zimm.Wolinß. mit abgeschlossenem Korridor. Schriftl.Anaeb.uut. 4174va.d.Gieß.Anz. Billige Schlafstelle zum 1.7.33 gesucht. Schriftl.Anyeb.unt. 03882a .d.Gieh.Anz. Stellengesuche] S Mädchen vom Lande sucht Stellung im Haushalt bei guter Behandlung gegen geringe Vergütung. Schr. Ang. u. 03880 a.d.Gieß.Anzeiger. Drucksachen Dereinöariikel Girlanden — Laternen — Tanzabzeichen fÜT festliche Veranstaltungen. 4188V Grubensand für Maurer- u. Welfablndergeschäfte prompt und allerbilligst m11d C. Rübsamen, Fernruf ZbS? Mittwoch, den 28. Juni 1933, nachmittags 2 Ahr, versteigere ich dahier, Neuenweg Jlr. 28. „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung.- 4180D 1. Schreibtische, Kleider- und Weißzeug- schränke, Warenschränke, 1 Waschkommode, 1 Konsolschrank, 1 Bettstelle, Tische, Sofas, Klub und Rohrsessel, Trumeauspiegel, Chaiselongues, Piani- nos, 1 Schreibsekretär, 1 Büfett, 1 Kredenz, 1 Zeiß-Bücherschrank, 1 Gewehr- schrank, 1 Kassenschrank, Vertikos, 1 Regulator, Truhen, Grammophone, Radioapparate mit Lautsprecher, Registrierkassen, Nähmaschinen, Schrew- Maschinen, 2 Schnellwaagen, 1 Photo- graphion, 1 Dauerwellenapparat, 1 Holznagelmaschine, 1 Doppelmaschine, 1 Schrotmühle mit Riemenscheibe, 1 Typendrucker mit Elektromotor, 1 elektrischen Motor mit Schleifmaschine, 3 Elektromotoren, 200 Mistbeetfenster, 12 Paar Schnürschäfte, Zimmerteppiche, Kristallschalen, Sahnenservice, 1 Nickelkorb, 1 Saftkanne, 1 Bronzefigur, 15 Flaschen Anfiodol und (Finne, Sigella- und Ocedar-Mope, Weißbinderbürstep und Anstreichpinsel. 2. Mn Ort und Stelle (Bekanntgabe in obigem Lokal): 2 Kohlenwagen, 1 zweirädrigen Handwagen, 4 Warenschränke, 1 Ladentheke mit Ausstellungskaften, 2 Schäftestepp, maschinen, 1 Ausputzmaschine, 1 Personenwagen (Wanderer Schönau, 40 PS). Junker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 Illi Unsichtbare Hosenträger Henenmofleü-Richter, Neaen Mae 3 3. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Telephon 3627. 4173D Sport-u Reisewochen 4178C den. versetzbar 32ooV Städtisches Tiefbauamt: Oraner Ferner: 4188A 7teilig komplett Sporthose, kurz Ä g. Sportpullover g DU Sportgürtel ■ - Drogerie Aus tausenden Bekleidungsstücken können Sie wählen I 4177 A FranzVogt&Co. I Seltersweg 44, Ruf 2464. Pf. Ullstein- u.Vogue-Scnnitte am Schnittmusterstand bietet — solange Vorrat — besonders preisgünstig an Sportstrümpfe Sportkrawatte 70 cm breit, in nur ganz modernen Ringel- und Tupfen-Mustern, gute haltbare Kleiderware, Mtr. Sportsakko Sporthose, lang Wieder zeigt KÜHLER in aktueller Weise ilie zweckmäßigste u. schönste Bekleidung! Ein Beispiel: Volks-Sportanzug (von Kopf bis Fuß) TORPEDO und ERIKA Kleinschreibmaschinen schon für monatlich RM. 10.- Niederhausen&Co. Seltersweg 17, erst. Stock von Kleider-Köhler. 3294u llllllllllllllllllllllllllllllllllll Wochenendhäuser, Schuppen,Fahrradständer, zerleg-und Fenster Nr. 1: Motorsport (schnellste u. elegant. 500-ccm-Tourenmaschine) Fenster Nr. 2: Rasensport (Tennis und Hockey) Fenster Nr. 3: Flugsport (Zeppelin und Do. X) Fenster Nr. 4: Fußballsport (Länder-Wettkampf) Salicyl, Einmachhilfe, Cellophan, Salicylpapier; Weinhefen in reinen Kulturen für die Obstweinbereitung; Korbflaschen, Korken, Korkniaschinen, Schwefel in Stangen. Sommerhosen, Knickerbocker u. Breeches. Sommerröcke, Janker, Klubjacken, Reiseanzüge, Reisemäntel, Wettermäntel, Sportanzüge. Bekleidung für Motor- u. Rasensport, Wanderbekleidung usw. Eine solch prächtige Auswahl, wie sie bei uns geboten wird, finden Sie nicht so leicht wieder. Also---ein Sportler - ein Sportgönner - ein Reisefreudiger geht zu Angebote auf bei uns erhältlichem Vordruck find vor dem Verdingungstermin am Einmachzeit! Die Erdbeeren und Kirschen sind jetzt reif, in einigen Tagen kommen noch Johannisbeeren und Stachelbeeren hinzu. Die Zeit des Einmachens hat begonnen und es muß für den Winter gesorgt werden. Im Winter wird durch das Einmachen im Sommer manche Mark gespart, deshalb muß jede Hausfrau die Zeit des Keifens ausnützen und tüchtig einkochen. Wir beraten Sie hierbei gerne und empfehlen zum Einmachen diese bewährten Hilfsmittel: Opekta und Frutapekf. flüssig und in Pulver, die bewährten Gelatiniermittel für Gelees, Marmeladen usw.; Zucker, rotgefiirbt, zum Einmachen von Erdbeeren, damit diese die schöne rote Farbe behalten; Welnsteinsiiure u. Zitronensiinre für die Saftbereitung. Wer zieht partettböden ab? Anaebote umgehend aN 4187Ü Spörhase Stemstrahe 39. Nowack Gießen, Seltersweg 81 Mercedes u. andere Markenschreibmaschinen z. günstigsten Bedingungen. I197A Die wundervollen, satten Farben der holländischen Meister erstrahlten in der milden Helle zu einem Glanz ohnegleichen und erquickten die Augen, die so lange Häßlichkeit geschaut. Lange saß Wera Wettern vor der Sixtinischen Madonna, in träumendes Schauen versunken. Die Gedanken verdämmerten sacht, während ihre Augen die unsagbar hoheitsoolle Lieblichkeit der jungfräulichen Heilandsmutter, den geheimnistiefen Blick des süßen Knaben auf ihrem Arm, in sich hineintranken. Längst war die Mittagszeit vorüber, als Wera Wettern, noch halb traumbefangen, die Galerie verließ und, einem jähen Impuls nachgebend, ein in der Näh^ gelegenes elegantes Restaurant aufsuchte. Zu dieser Stunde waren die schönen, mit historischen Möbeln ausgestatteten Räume fast leer, was dem ruhebedürftigen Mädchen gerade recht war. An einem kleinen Erkertisch saß sie, sah zum Fenster, auf dessen Sims rote Alpenveilchen glühten, hinaus auf die eisbedeckten Wasser der Elbe und träumte mit in sich gekehrtem Blick weiter von der Welt unvergänglicher Schönheit, in der sie eben geweilt. Erst als der Kellner nahte, die Suppe aus der silbernen Tasse in den Teller goß, erwachte sie. Wie wohl das tat, an einem gutgedeckten Tisch zu sitzen, lautlos und gewandt bedient zu werden! Gern hätte sie Rheinwein getrunken, seine funkelnde Bernsteinhelle hätte gut zur Festlichkeit dieses seltenen Tages gepaßt, doch sie wagte es nicht. Nur ein Kännchen duftenden Mokkas gönnte sie sich während des Blätterns in den Heften, die der Kellner aufmerksam herbeigetragen. Sie schob die Hefte beiseite, zahlte und ging. Nicht traurig werden, nicht nachdenken, sonst floh der Tag erschreckt davon-- Ich bin müde, dachte sie, gewaltsam die Schwere abschüttelnd, die sich auf ihr Herz zu senken drohte. Neue Abwechslung tat not. Vor einem Kino drängten sich die Menschen. Sie ließ sich mit hineinfchieben, löste eine Karte, saß im rotgoldleuchtenden Raum, der sich bald verdunkelte. Musik irgendwo — Bilder erschienen auf der weißen Leinwand, Stimmen sprachen, sangen. Irgendeine lustige Liebesgeschichte spielte sich ab. Lachen flatterte empor aus dem Zuschauerraum, in dem sich Kopf an Kopf mit heißen Wangen und glänzenden 'Augen drängte. Alle erfüllte die gleiche Sehnsucht nach Liebe, Glück, Freiheit, nach einem bißchen Sonne. „Ich sehe mir nur noch Stücke mit einem happy end an", bemerkte eine Stimme hinter Wera, „vom Gegenteil kriegt man im täglichen Leben schon übergenug zu spüren." „Das stimmt", seufzte eine andere. „Haben Sie schon gehört: Man munkelt von Stillegung der Bittner-Werke. Da roäryi wieder an die zweitausend Arbeiter brotlos." „Ja, ja, ich weiß schon. Mein Schwiegersohn sitzt im Betriebsrat. Furchtbare Zeiten sind das." (Fortsetzung fol^ Ein Bad erfrischt gerade in den heißenTagen. Baden macht gesund. Daher muß jetzt eine Badewanne Ins Haus. Diese und auch Sitz-, Fuß- und Kinder- Badewannen sind billig bei J.B.Häuser Am Oswaldsgarten Gießen - Ruf 2145/2146 _______________________________________4175 o Bekanntmachung. Die zur Herstellung des Straßendammes der Posener Straße erforderliche Erdanfuhr soll auf Grund der Reichsverdingungsordnung öffentlich vergeben wer- Aoman von Helma von Hellermann. börse, die ste in der Handtasche fest an ihre Brust hielt, wirklich verlorengegangen wäre? Nicht auszudenken! Sie enthielt ihre gesamte Barschaft. Dor kurzem hatte Wera ein Paar Strümpfe von ihren Habseligkeiten vermißt, bald darauf ein Taschentuch. Dann fehlten zwei Mark, die, sie wußte es genau, in der Seite des Geldtäschchens gewesen waren. Schublade und Schrank schlossen schlecht, waren leicht zu öffnen. Ein Sparkassenbuch lohnte sich kaum für die paar mühsam Woche für Woche zurückgelegten Notgroschen, auch gab es keinen sicheren Aufbewahrungsort dafür. Da hatte Wera das Geld in die alte Lederbörse getan und unter dem Kleid stets bei sich um den Hals getragen. Nachts lag der kleine Schatz unter ihrem Kopfkissen. Aber heute früh hatte sie in der Erregung des verspäteten Erwachens, noch ganz unter dem Bann des traurigsüßen Traumes vergessen, die Börse umzuhängen und sie schnell in die Handtasche gestopft, um das Versäumte im Geschäft nachzuholen. Und nun hätte ihr Leichtsinn sie beinahe um alles gebracht. Beim Gedanken daran zitterten ihr noch alle Glieder. Ein heißes Gefühl der Dankbarkeit gegen den Fremden wallte in ihr auf, dessen Ehrlichkeit sie vor dem Schlimmsten bewahrt. Wie hatte er eigentlich ausgesehen — alt, jung, schön, häßlich? Sie' wußte es nicht, sah nur ein Paar kluge, gütige Augen vor sich. Es mußte ein guter Mensch gewesen sein — wie leicht hätte er im Schutz des achtlos hin- und herflutenden Gedränges die kleine Börse aufheben und behalten können! Vielleicht war er wohlbestall- teter Beamter oder Angestellter. Nein, da hätte er wohl schwerlich Muße, um elf Uhr vormittags im Automatenrestaurant Zeitung zu lesen. Er las die Stellungsangebote, durchfuhr es Wera plötzlich, er tat, was ich hätte tun müssen! Eine Woche Urlaub?! Keinen Tag durfte sie sich gönnen — ^sechsundvierzig Mark standen zwischen ihr und dem Nichts, sechsundvierzig Mark, die groschenweise erübrigt worden waren von einem Wochenlohn, der kaum zum nötigsten Lebensunterhalt gelangt. Ach, einen Tag, einen einzigen Tag die graue Gegenwart vergessen, dem Gedanken an die holde, glückübersonnte Vergangenheit leben, in der Sorge, Armut, Not unverstandene Begriffe gewesen. Die Sehnsucht war größer als die Angst vor dem Morgen. Wera Wettern hielt inne im ziellosen Dahinhasten, überlegte, wandte dann den Schritt in stille Seitenstraßen und stand bald darauf im feierlichen Schweigen der Gemäldegalerie. Langsam stieg sie die weißleuchtende Helle der Marmortreppen empor, wanderte, mehr erfühlend als betrachtend, durch die hohen Räume, deren Ruhe nur selten von Menschenschritt oder -stimme unterbrochen wurde. Es war der Tag des höchsten Eintrittspreises, und die Leute sparten. Und diese Beispiele: Sommer-Anzüge Modelle aus unserem Modeheft 38.“ 48.- 58.- m. Garantie Solche Anzüge sind im Schnitt u. Inder Ausstattung so schön wieder teuerste Maßanzug. Sie dürfen es wagen als Anspruchsvoller, einen solchen Anzug von uns zu tragen. Verlust für mich gewesen!" Ihre Stimme vibrierte leicht. v , „Sann freue ich mich doppelt, Sie davor bewahrt zu haben." Aus schmalem, etwas blassem Gesicht sahen kluge, blaue Augen sie freundlich an. Aber der Schreck war so groß gewesen, daß Wera seine Worte kaum hörte. „ . „Ich danke Ihnen nochmals sehr. Em Neigen des Kopfes. Der Fremde verbeugte sich, tiefer als üblich vor einer Unbekannten. Er trat hinter Wera auf die Straße, ging, halb unbewußt, ein Stuck hinter ihr her. Ohne sich umzusehen, schritt sie schnell dahin. Da hielt der Mann inne. Was wollte er denn — das war kein Mädchen, der man folgte. Vom Zufall zusammengeführt und wieder auseinandergetrieben. Wer mochte sie sein? Er sah ihr nach, bis sie im Gewühl verschwunden war. Ihm war, als müsse er die Hand ausstrecken, um etwas Holdes zu halten, dessen Nähe ihn eben gestreift. 4. Kapitel. Ohne die Gedanken des ihr nachblickenden Man- nes zu ahnen, eilte Wera Wettern weiter. Zu Häupten schimmerte es golden zwischen den zerrissen dahinjagenden Wolken, hier und da leuchtete schon ein Stückchen blauer Himmel wie glückliche Verheißung hernieder. Aber die Menschen sahen es nicht. Keiner blieb stehen, um sich an der wachsenden Helle zu freuen, kein Lächeln begrüßte das Licht. Sie hatten keine Zeit, mußten eilen, jagen, bafc sie nicht zu spät ans Ziel kamen, mußten berechnen, wie heute die Einnahme sein würde, planen, wie sie die Konkurrenz schlagen, die Gläubiger Hinhalten konnten. Aus den meisten Schaufenstern schrien grellfar- bene Plakate ihre Ausoerkaufsangebote in die Welt, „zu noch nie dagewesenen Schleuderpreisen". Lautsprecher lockten mit dem neuesten Schlager zum Kauf, an den Seiten der dahinratternden Bahnen und Wagen pries fußhohe Bemalung die unübertreffliche'Güte einer Zahnpasta, einer Schokolade, überboten einander in origineller Reklame für ihre Spezialware. Ueberalf ein Anbieten, ein Ueberbie- ten, ein Loben und Versprechen, hinter dessen marktschreierischer Front die Sorge lauerte und ihre Zwillingsschwester, die Angst. Hart war das Leben geworden, erschreckend hart. Wer nicht Schritt halten konnte, wer fiel, wurde erbarmungslos mit Füßen getreten. Wera Wettern, die sich vorhin gedankenlos von der Menge hatte treiben lassen, die mit Wollust die kalte Frische in ihre lufthungrigen Lungen eingesogen, mit blanken 2lugen sich des bunten (Betriebes und ihrer Freiheit gefreut, sah plötzlich mit hellseherischer Deutlichkeit die Peitsche, die das scheinbar so frohgeschäftige Gewühl vorwärts trieb, immer schneller: die Not ums tägliche Brot. Und sie hatte es gewagt, von süßem Nichtstun zu träumen! Wie, wenn die kleine, schäbige LederGardine« Neulieferungen, Abänderungen u. Aufhängen durch geübte Fachleute Gebt. SeelbM, wim-w 20 6rsu- u. Weißkalk K Bausackkalk Düngerkalk zmid vom Lahnkalkwerk Albshausen beste Qualität zu billig. Preisen C. Rübsamen, Fernruf 3669. MAfifils Ciinnen GLuaMatoroare HvB ü NsV wH B wohlschmeckend• ausgiebig• billig• Jtehrals30Sorten „Im Altefeld" Garten oder Grundstück zu pachten oder zu kaufen gesucht.Sckr. Angeboteunt.03892 a.d. Gießen.Anzeig. Wissenschaftliche Werke a.läst..Haare, Leberfleck, Muttermale, Narben. PickebSom- merspross.usw. entf. UNt.Gar. f.immer. 12 Jahre Praxis Berta Gulden Svrechst. .Freitag. Gießen, Hindonbnrg- wall 15 03309 9-7 Uhr durchgehend. Achenbach- Garagen Oyle Schuhe hoben= t im Schuh-Haus längere Lebensdauer./ - - - . . Weidemann selterweg 59 Montag, dem 3. 3uli 1933 vormittags 10 Uhr verschlossen, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bei uns abzugeben. Zuschlagsfrist zwei Wochen. Gießen, den 26. Juni 1933. Ein stetes Kommen und Gegen ringsum, unaufhörlich tappten Schritte auf dem Holzboden, Stimmen juminten, zu einem Laut vermengt wie das Gespräch in einem Bienenkorb. Es roch nach Kaffee, Bier und Fifch. Das junge Mädchen war fertig, raffte seine Pakete und diversen Taschen zusammen und ging mit einem flüchtigen „’n Tag". Ein älterer Mann nahm grußlos ihren Platz ein. Er schmatzte laut beim Essen, goß seinen Kaffee in die Untertasse und zurück in die Tasse und trank dann in schlürfenden Zügen. Angewidert wandte Wera sich ab, eine kleine Unmutsfalte zwischen den Brauen. Sie begegnete just dem Blick eines jungen Mannes am Nebentisch, der leise lächelnd ihr Gegenüber betrachtete und errötete. Hoffentlich merkt er, daß der und ich nicht zusam- mengehören, dachte sie. Sie setzte sich unwillkürlich gerader, hob das Kinn ein wenig, und merkte, ohne hinzusehen, daß der Blick des Fremden nun interessiert auf ihr ruhte. Er hatte die Zeitung gelesen, las scheinbar weiter, aber immer wieder schweiften seine Augen verstoh- ley über den Rand des Blattes hinweg zu dem blonden Mädchen nebenan, dessen hellhäutiges, feines Gesicht sich aus dem einfachen schwarzen Mantel wie eine zarte Blüte erhob. Sie hatte den Kragen geöffnet und zurückgeschlagen. Weiß leuchtete der freigetragene Hals über einem jener dunklen Wollkleidchen, wie man sie zu Hunderten für wenige Mark im Ausverkauf erstand. Trotzdem haftete der ganzen Erscheinung nichts von billiger Eleganz an; im Gegenteil, sie wirkte auffallend vornehm. „Zweifellos eine Dame", stellte der heimliche Betrachter fest — und sah blitzschnell woanders hin, denn Wera rüstete zum Aufbruch. Sie schloß den Mantel, zog die Handschuhe an, griff nach ihrer Tasche und erhob sich. Im Begriff, durch die Drehtür hinauszugehen, zuckte sie zusammen. Jemand hatte ihren Arm berührt. Sie wandte sich hastig um. Der Fremde vom Nebentisch stand vor ihr. Wieder steilte sich die kleine Falte zwischen den feinen Brauen. Wollte er sitz etwa ansprechen? Eine angenehme Stimme sagte: „Verzeihung, meine Gnädigste, Sie haben eben Ihre Geldbörse fallen lassen, sie glitt Ihnen beim Aufstehen vom Schoß." Nun erst sah Wera, daß der junge Mann ihr etwas entgegenhielt. „Ach Gott, meine Börse —" In heißem Schreck griff sie nach dem braunen Lederportemonnaie. „Tausend Dank, mein Herr. Das wäre ein harter Wiederaufnahme der Praxis am 28. Juni 1933 Dr.md.Cort Mover Facharzt für innere Krankheiten (Röntgendiagnostik) Gießen, Liebigstraße 3 KOHLER Das Haus der guten Qualitäten Gießen • Seltersweg 17 Hier finden Sie Verständnis für die volkstümliche Sportbewegung der Gegenwart und Zukunft. Sehen Sie sich um, wie überall auf Willenskraftund Gesundheit trainiert wird ... und machen auch Sie sich widerstandsfähiger! Wer richtige Kleidung trägt, zeigt sich als fortschrittlicher Mensch. Er gewinnt dadurch Selbstvertrauen und kommt vorwärts. Was wir In diesen Wochen zum Verkauf stellen, sind Spitzenleistungen, die nicht Überboten werden können. t v ci svwuar 3230V — Gebr. Achenbach GmbH., WeidenauSieg Postfach 150. Selenik- ca. UW Meter Druck lüllM i illüMII III ■■■IIIIIIM.....I