Nr.98 Kvüvausgabe 185. Jahrgang Donnerstag, 27.April (935 Eri cheini täglich, augei Sonnioqs und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Biegener Familienblätter Heimat mBild Die Scholle Monalr-Vezugrprelr: Mit 4 ‘Beilagen NM 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. §ernsk»rechanschlitfle unter Sammelnummer 2251. Amchrist für Drahtnach» richten Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: fironlfurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn'ck und Verlag: vrühl'fche Univerfitäls-Buch- und Steinömdcrei R. Lanze in Giehen. Zchriflleitung und Geschäftsstelle: Zchulltraße 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsciinig; für Ne» Klameanzeigen von 70 mm Breite o5 Reichspfennig, Platzvorschrist 20v , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Tcrantwonlid) für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein unb^ürbcn9In» zeigentcil i.D.Th.Kümmel sämtlich tn (Liegen. Deutschland als Hüter der abendländischen Kultur. Ein ernster Appell des Vizekanzlers von Papen an das Ausland. — Oer Vizekanzler wirbt um ein besseres Verständnis für die nationale Erhebung Deutschlands. Berlin, 26. April. (WTB.) Der Dizekanz- ler empfing heute das in Deutschland wohlbekannte Mitglied des englischen Oberhauses, Lord Newton, mit dem er sich über alle aktuellen politischen Fragen unterhielt. Wie wir hören, unterstrich der Vizekanzler hierbei das wiederholte Bekenntnis des Reichskanzlers zum Frieden, das leider von einem Teil der englischen Presse der Oessentlichkeit vorenthalten worden sei. Deutschland brauche den Frieden mehr als jede andere Nation der Welt, denn ihm habe der Krieg und die unsinnigen Friedensverträge d i e härtesten Wunden geschlagen. Die Welt fei vermutlich heute zu der Einsicht gelangt, das; das wirtschaftliche Chaos, dem man in vielen Ländern hilflos gegenüberstehe, nur eine Folge des politischen und wirtschaft- lichern Irrsinns der Nachkriegsregelungen sei. Wenn diese Erkenntnis leider auch sehr spät erst Platz gegrisken habe, so fei sie doch noch nicht zu spät gekommen, um die verantwortlichen Staatsmänner endlich zu der Erkenntnis auszureisten, das; es ihre P,licht sei, diesen Zusammenhängen Rechnung zu tragen. Alle Schrille, die dazu dienen können, das zerrüttete Vertrauen der Welt wieder hcrzustellen, feien zu begrüßen. Aus diesem Grunde habe Deutschland den Vorschlag eines Viermächtepaktes in der Fassung Mussolinis aufrichtig begrüßt, und es sei vollkommen unverständlich, wenn ein europäischer Staatsmann sagen könne, ein solcher Pakt werde nur einen Rückschritt bedeuten. Ls sei im Gegenteil höchste Zeit, dass die großen europäischen Nationen die Regelung ihrer Fragen initiativ in die Hände nähmen. Deutschland habe in den kehlen Monaten der Gesamtheit der Welt einen historischen Dienst geleistet, dessen Gröhe erst später begriffen werde. Es habe als das von dem politischen und wirtschaftlichen Verfall in seinem sozialen Fundament am meisten bedrohte Land seine letzten Energien zusam menge rissen, um dem drohenden Bolschewismus zu entgehen. Alle wirischafll:chen und geistigen Potenzen habe es aufgerufen zum Kamps gegen diese Pestseuche. Damit habe es einen Ansteck u n g s h e r d beseitigt, der für alle Nachbarländer die größten Gefahren in sich barg. Die zeitgeschichtliche Cäsur dieser Tage werde aber im Auslande anscheinend nicht nur nicht begriffen, sondern sie werde zum Anlaß genommen, um eine unerhörte Hetze gegen Deutschland zu infaeniften. Man scheue sich nicht, sogar von der Möglichkeit eines Präventivkrieges gegen Deutschland zu sprechen, weil man fürchte, daß die innere Wiedergeburt unserer Nation das mitteleuropäische Kraftfeld verändern werde. Das Geraune von einem Präventivkrieg fei nicht nur ein verbrechen gegen Deutschland und gegen die europäische Mission, die Deutschland in diesem Augenblick erfülle — es jei vielmehr ein unerhörtes verbrechen gegen den Bestand der gesamten abendländischen Kultur. Die deutsche Reichsregierung werde jede notwendige Maßregel ergreifen, um der Weltöffentlichkeit klar zu machen, woher und aus welchen Motiven solche finsteren Pläne gegen den Welt srieden kämen, und sie würde oon sich aus die rigorosesten Maßnahmen treffen, um jede Möglichkeit a u s z u s ch l i e ß c n , die fremden Mächten A n l a ß zur Verwirklichung solcher finsteren Pläne bieten könnte. — Die innerstaatliche Neuordnung Deutschlands sei eine vollkommen interne Angelegenheit, die das durch Verträge und freundschaftliche Abmachungen feftgelegte Verhältnis zu anderen Ländern nicht berühre. Der Reichskanzler habe bei mehreren Gelegenheiten betont, daß für ein großes und selbstbewußtes Volk die W i e - der Herstellung der vollen So^iverä- nität nach innen und außen eine Selbstverständlichkeit fei. Das Ziel der deutschen Politik fei die Verwirklichung der vollen Rechtsgleichheit auf friedlichem Wege. Wer der deutschen Reichsregierung andere Tendenzen unterschiebe, handele also nicht nur gegen den guten Glauben, sondern untergrabe die Aertrauensbasis, auf der allein das neue Europa aufgebaut werden könne. Ein Aufklärungsvorlrag in London. London, 26. April. (WTB.) Der Londoner Vertreter des „Völkischen Beobachters" Dr. T h o ft hielt im Unterhaus vor einer Anzahl von Parlamentsmitgliedern aller Parteien sowie Pressevertretern einen Vortrag über „Die wahre Haltung Deutschlands gegenüber der jüdischen Rasse". Er befaßte sich eingangs mit dem großen Z u st r o m von Juden nach Deutschland während desKrieges und nachher und schilderte, wie die Männer, die nach der Auslösung der deutschen Armee nach Hause zurückkehrten, ihre Arbeitsplätze in Händen oon Juden gesunden hätten, die aus Polen gekommen und nicht in das Heer ein- getreten seien. Nicht nur die Kontrolle der Banken und der Presse, sondern auch der Kinos, Theaters, Literatur und Justiz sei von den Juden ergriffen worden. Was immer man vorn Antisemitismus sagen möge, so könne man nicht die deutsche Regierung tadeln, wenn sie in diesen Zeiten der Arbeitslosigkeit in er st er Linie für das deutsche Volk und nicht für Fremde sorge. Dr. Thost betonte, daß 400 Nationalsozialisten von Kommunisten getötet worden seien und daß die KPD. in Deutschland mit den Verbrechern der Groß-Städte im Bunde stehe. Sich den Greuelberichten zuwendend, bemerkte er, er bezweifele, ob es je in der ganzen Welt eine Revolution gegeben habe, die s o unblutig gewesen sei wie die deutsche. Er habe niemals, weder in Berlin, noch in Hamburg Grausamkeiten gegen Juden gesehen. Dr. Thost drückte die Hoffnung aus, daß Deutschland bald die Periode der Revolution hinter sich haben werde und daß die in England durch die antideutsche Propaganda hervorgerusene Stimmung bald verschwinden werde. Oie Vorbereitungen zur Maiseier auf Sern Tempeihoser Feld. Berlin, 26.4 Für den Tag der nationalen Arbeit hat Berlin auf dem Tempelhofer Feld große Vorbereitungen getroffen. Die 'Bauarbeiten auf dem Tempelhofer Feld sind inzwischen soweit gediehen, daß man bereits einen allgemeinen Eindruck von dem gewaltigen Rahmen der Veranstaltung gewinnt, vie rund 1000 Kubikmeter Bauholz für den Bau der Tribünenanlagen sind bereits zum größten Teil verbunden und aufgerichtet. Täglich sind rund 2 4 0 Zimmerleute beschäftigt, außerdem arbeiten 270 Leute an dem Aufstellen der 200 Beleuchtungsmasten, am Verlegen der Kabel und Freileitungen und den sonstigen technischen Anlagen. Die 32 Meter hohen Gittermaste für die Riesenfahnen hinter der Regierungstribüne und dem Fahnenberg werden zur Zeit aufgerichtet. Ein starkes Polizeiaufgebot bewacht in Zusammenarbeit mit der Hilfspolizei und der SA. das Feld Tag und Nacht, damit eine vollkommene Betriebssicherheit gewährleistet wird. Inzwischen ist bereits der größte Teil der oerfügbaren Tribünenkarten abge - setzt und der Aufmarsch der Formationen geregelt. Nur das umfangreiche, bis ins kleinste durchdachte Netz der elektrotechnischen Anlagen macht es möglich, die Millionen Massen der Besucher zu unmittelbaren Teilnehmern an der Feierlichkeit zu machen: Etwa 90 Lautsprecher sind aus dem Gelände verteilt. Für die Stromversorgung zur Beleuchtung des Feldes und der Fahnengruppe errichtet die Bewag zwei Hochspannungsstationen oon zusammen 1 Million Watt. Von hier aus werden sowohl die 40 0 Beleuchtung s- scheinwerfer auf dem Aufmarschselde, wie auch die 150 Scheinwerfer auf den Tribünen und die Groß-Scheinwerser mit Strom versorgt. Ein ausgedehnter Sicherheitsdienst wird am Abend des 1. Mai arbeiten. Die Polizei erhält einen besonderen Beobachtungsturm neben der Tribüne.. Das Rote Kreuz in Zusammenarbeit mit dem Rettungsamt der Stadt Berlin richtet am 1. Mai vier Hauptrettungsstellen und sieben Rettungs- stützpunktc ein. Um auf schnellstem Wege überall Hilfe bringen zu können, unterhält die Rote Kreuz- Mannschaft einen ständigen Patrouillendienst auf dem gesamten Gelände. Das Feuerwerk am Schluß des Festes wird mit seiner 400 Meter-Frontlänge den gewaltigen Abschluß für den nationalen Feiertag der deutschen Arbeit bilden. Etwa 50 Pyrotechniker, die durch eine eigene Telefonleitung miteinander und mit ihrer Befehlszentrale verbunden sind, bedienen die 20 Fronten. Ueber 600 Abschußmörser für Bomben bis zum Kaliber von 25 Zentimeter werden eingebaut. Der Aufmarsch zur Kundgebung auf dem Tempelhofer Feld. Rechtzeitige Anmeldung wichtig! Berlin, 26. April. (WTB.) Zur Kundgebung auf dem Tcmpelhofer Feld am 1. Mai, dem Tag der nationalen Arbeit, marschieren die Angehörigen der NSLO. und Gewerkschaften, der politischen, Wehr- und Sportverbände, der Innungen, vereine und dergleichen aus den bereits veröffentlichten Anmarschstrecken geschlossen ;um Tempelhoser Feld. Die Beteiligung eines jeden ist nationale Pflicht. Um über den Umfang des Aufmarsches den erforderlichen Ueberblick zu gewinnen und um die notwendigen Maßnahmen treffen zu können, ist es erforderlich, daß jeder Teilnehmer sich bei der untersten Einheit der Organisation feines Wohnbezirks oder seiner Organisation überhaupt meldet. Diese Stellen geben die Beteiligungsstärke bis spätestens Freitag, 28. April, 12 Uhr, der nächsten übergeordneten Einheit weiter, die wiederum die Tcilnchmerzaht dem Bezirksleiter der NSBO. (Anschristen und Fernsprechanschlüst'e durch presse bereits bekannt- gemacht) bis Freitag, 28. April, 18 Uhr, ju melden haben, verbände, die nicht den Stadtbezirken entsprechend organisiert sind, melden an den Bezirksleiter des NSBO.-Bezirkes, in dessen Bezirk sie mitantreten wollen. Neuordnung in der SWHeim-Zundessührung. Nach Ausscheiden OüsterbergS übernimmt Minister Seldte allein die Führung. Berlin, 26. April. (TU.) Am Mittwoch gegen 16.30 Uhr erschien im Bundesamt des Stahlhelm der Landesführer Groß-Berlin des Stahlhelm, Major a. D. von Stephani, und übergab dem zweiten Bundessührer, Oberstleutnant a. D. Düsterberg, im Auftrage des erste n B undesführers folgendes Schreiben: An die Kameraden! Herrn Oberstleutnant a. D- Düsterberg! Herrn Major v-Stephani! Ich entbinde den zweiten Bundesführer, Oberstleutnant Düsterberg, von seinen Amtspflichten und ordne an, daß er sich jeder Tätigkeit im Stahlhelm zu enthalten hat. Mit der Llebermittlung und Durchführung dieses Befehls beauftrage ich persönlich den Landessührer von Groß-Berlin, den Kameraden von Stevhani. Front Heil! gez. Franz S e l d t c.“ Der zw^le Bundesführer, Oberstleutnannt Düsterberg, nahm von dieser Mitteilung Kenntnis und richtete an den Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, folgenden Abschiedsgruß: „Gezwungen, lege ich um der Zukunft des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, Willen, dem ich seit November 1919 in Ehren angehört habe, meine sämtlichen Aemter nieder. Ich ermahne alle Kameraden, die dem Stahlhelm in 14 ernsten Jahren bis zuletzt die Treue hielten, diese vorbildliche Treue auch ferner dem Vaterlande zu halten und sich, wie ich, ohne Vorbehalt der politischen Führung des Reichskanzlers Hitler zu unterstellen. Wie bisher, lehne ich auch in Zukunft jede Versorgung im Staatsdienst ab. Das letzte Front-Heil! Berlin, 26. April 1933. gez. D ü st e r b e r g." Eine bundesamttiche Erklärung des Stahlhelms. Berlin, 26. April. (WTB.) vom Bundesamt des Stahlhelms wird folgende bundesamtliche Er k l ä r u n g abgegeben: Um die Einigkeit der Führung und die Geschlossenheit des Einsatzes des Stahlhelms, Bund der Front- soldaten, für den großen Kampf um die Zukunft, die Freiheit und die Einigkeit des neuen Deutschlands zu sichern, hat sich der Erste Bundesführer des Stahlhelms, Kamerad Reichsminister Fran; S elöte, entschlossen, die Führung des Bundes allein in d i e Hand zu nehmen. Die notwendigen Regelungen erfolgten durch Stahl- helm-Dien st befehle. Der bisherige zweite Bundesführer des Stahlhelms, Kamerad Oberstleutnant a. O. D ü st e r b e r g, teilte der presse mit, daß er seine sämtlichen Aemter im Stahlhelm niedergelegt hat. Oie Gründe für das Ausscheiden Oüsterbergs. Magdeburg. 26. April. (Sil.) Das Mitglied des Bundesvorstandes, Rechtsanwalt Dr. Schape - Magdeburg, teilte dem Vertreter der Telegraphen-ilnion auf Grund einer fernmündlichen ilnterhaltung mit Reichsminister Seldte auf Befragen mit, bereits seit mehreren Monaten hätten sowohl der Führer Seldte als auch die Landesführer des Stahlhelm die Ansicht vertreten. daß die Führung des Bundes einheitlich fern müsse. Düfterberg sollte seinen Posten als zweiter Bundessührer ausgeben, um wieder Landessührer für Mitteldeutschland zu werden. Die Gründe hierfür hätten in den Verhandlungen über die Stellung des Stahlhelms in der nationalen Bewegung gelegen. Bei diesen Verhandlungen habe die Person D ü fl e r <* bergs naturgemäß Schwierigkeiten geboten, auch mit Rücksicht auf den Ariergrundsatz im Gesetz zur Wiederb.r- stellung des Berufsbcamtcntums. Es sei selbstverständlich. daß ein Bundessührer des Stahlhelm nicht eine Ausnahmestellung sür sich in Anspruch nehmen könne. Alle diele Gesichtspunkte habe der 1. Bundessührer seit mehreren Wochen dem zweiten Bundessührer mehrfach vorgestellt und Düsterberg sei wiederholt gebeten worden, sein Amt zur Verfügung zu stellen, was er jedoch stets ab gelehnt habe. Er habe auch weiterhin Reden gehalten, die mit der Stellung der Bundesführung des Stahlhelms nicht überein stimmten. Am Dienstag habe Düsterberg nun an alle Landesführer im Stahlhelm ein Rundschreiben gerichtet, in dem er u. a. zum Ausdruck gebracht habe, daß der 1. Bundessührer ihn erneut zur Amtsniederlegung aufgefordert habe und daß Seldte in „feinem satzungswidrigen Verhalten von einigen Landesführern und Bundesvorstandsmitgliedern aus persönlichen Gründen hierin unterstützt worden" sei. Aus Grund dieses Rundschreibens habe dann der 1. Bundesführer am M.ttwcchnachm.ttag d.e Amtsenthebung vorgenommen. Oer Beginn des kirchlichen Nesormwerkes Ein Aufruf der Äirchenführcr. Berlin, 26. April. (TU.) Der Präsident des deutschen evangelischen Kirchenausschusies, D. Staple r, der lutherische Landesbischof D. M ahra r c n s und der reformierte Studiendirektor Pastor Hesse, die auf Grund weitgehender Vollmachten mit der Durchführung des kirchlichen Reformwerks beauftragt worden find, wenden sich mit folgender Kundgebung an die Öffentlichkeit: „Am heutigen Tage haben wir auf Grund weitgehender Vollmachten des Deutschen evangelischen Ä i r ch e n a u s s ch n s - ses als der gemeinsamen Vertretung sämtlicher evangelischen .Kirchen Deutschlands die Neugestaltung des deutschen evangelischen Kirchentums i n Angriff genommen. Mit voller Freudigkeit gehen wir entschlossen ans Werk. Eine mächtige nationale Bewegung hat unser deutsches Volk ergriffen und emporgehoben. Eine umfassende Neugestaltung des Reiches in der erwachten deutschen Nation schasst sich Raum. Zu dieser Wende der Geschichte sprechen wir ein dankbares Ja. Gott hat sie uns geschenkt. Ihm sei die Ehre. In Gottes Wort gebunden, erkennen wir in dem großen Geschehen unserer Tage einen neuen Auftrag unseres Herrn an seine Kirche. Es geht um die Verkündung von dem lebendigen Gott, der uns geschaffen hat und der uns noch erhält und regiert, von dem Herrn und Heiland, Jesus Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist, von dem heiligen Geist, der allein wahren Glauben und rechte Erneuerung schafft. Es geht um eine gegenwärtig-lebendige Bezeugung der reformatorischen Bekenntnisse, es geht um die Neuordnung der Kirche aus den unvergänglichen Kräften dieser auf Gottes Wort gegründeten Bekenntnisse. Große und schwere Verantwortung liegt auf uns, verpflichtet unserer Kirche, verbunden unserem Volk rufen wir alle auf, in fester Geschlossenheit zu uns zu stehen. Jeder trage unsere Last in Fürbitte und Gebet. Gott ist unsere Zuversicht und Stärke." Oie Erneuerung der Rechtsordnung. Tr. Frank zum Rcichskommissar ernannt. München, 26. April. (TU.) Wie die „NSK." erfährt, ist die Ernennung des bayerischen Justizministers Dr. Frank zum Reichs komm is- sar für die Gleichschaltung der Justiz in den Ländern und für die Erneuerung der Rechtsordnung vom Neichspräsidenten vollzogen worden. Minister Dr. Frank hat sich bereits zur Besprechung nach Berlin begeben. Damit sind nunmehr, so schreibt die „NSK." weiter, die wesentlichsten Aufgaben der Neugestaltung des deutschen Rechtslebens einem Manne übergeben worden, der selbst in jahrelanger Arbeit für diesen Neubau sich eingesetzt hat. In diesem Sinne ist die vom Reichsjustizminister vorgeschla- gene Ernennung Dr. Franks auch als eine Auszeichnung dieses nationalsozialistischen Kämpfers und feines Wollens zu werten. Dr. Frank werde feine Aufgabe darin sehen, innerhalb der von Adolf Hitler durchgeführten grandiosen Umgestaltung des gesamten deutschen Lebens auf dem Gebiete des Rechtes den Willen des Führers und Kanzlers zu vollziehen. Reichskommissar Dr. Frank wird für die absolute U e b e r - einftimmung der Rechtsentwicklung und der politischen Entwicklung in Deutschland der verantwortliche Mitarbeiter der Reichsregierung fein. Er wird im engsten Einvernehmen mit den ßänberminlfterien die Gleichschaltung der Länder auf dem Gebiete der Justiz regeln und dafür sorgen, daß die vom Reichsrecht aufgeworfenen Fragen in ganz Deutschland in einheitlicher Weife geregelt werden. Ein Verhandlungs- ausschuß aus den Justizministern Bayerns, Preußens und Sachsens wird für alle Justizverwaltungen die notwendigen Verhandlungen führen und ein lebendiges Bindeglied zwischen den Reichsstellen und der Länderpraxis darstellen. Es wird daher in Zukunft in allen aroßen gesetzgeberischen Fragen nur einheitliche Ausführungsbestim- mungcn und Durchführungsregelun- gen für das ganze Deutsche Reich geben. Weitere große Aufgaben werden dem Reichsjustizkommissar im Aufbau der Gerichts- organisation und der Personalpolitik gestellt sein. Im vollsten Einvernehmen mit dem Reichsjustizministerium wird der Reichsjustizkommissar auch auf dem Gebiete der Reichsreform im Sinne der allgemeinen Zielrichtung der deutschen Entwicklung die notwendigen Arbeiten durchführen. Das deutsch-niederländische Wirtschaftsabkommen. Berlin, 26. April. (ERB.) lieber die in den deutsch-niederländischen WirtschaftsbesprechuEn erzielte Einigung wird folgendes mitgeteilt: Reichsminister Dr. Hugenberg ist bei den Verhandlungen davon ausgegangen, den notwendigen Ausgleich zwischen den Interessen der Landwirtschaft und der E x p o r t i n d u st r i e zu finden. Das Abkommen sichert der deutschen Landwirtschaft den notwendigen Schutz auch weiterhin zu, läßt aber andererseits der niederländischen Wirtschaft die Möglichkeit zur Einfuhr, die sich auf dem deutschen Markte bei Berücksichtigung von Angebot und Nachfrage ergibt. Der Fehler der früheren Handelspolitik, wahllos Zollsätze langfristig zu binden, ist vermieden worden. Nur da, wo ein Einfuhrbedürfnis noch anerkannt werden kann, sind Zugeständnisse gemacht worden. Aber auch in diesen Fällen ist durch zweckmäßig gestaltete Kontingentierung sowie durch Vereinbarungen über Preissicherungen dafür Sorge getroffen worden, daß die notwendige Organisation des Absatzes deutscher Waren durch die Einfuhr nicht beeinträchtigt werden kann. Damit ist tx»r erste Beweis erbracht, daß eine zweckmäßig geführte Handelspolitik sehr wohl die deutschen Ausfuhrmöglichkeiten erhalt und steigert, ohnedie notwendige Kräftigung des Binnenmarktes zu gefährden. Dieses Abkommen zeigt, daß ein für die Weltwirtschaft so bedeutsames Land, wie die Riederlande, BertrauenindieEnt- Wicklung des neuen Deutschland hat. Die Reichsregierung wird auf diesem Wege einer vernünftigen Reuordnung der Handelspolitik zielbewußt weiter fortschreiten. Ein wichtiges Verhandlungsergebnis ist ferner, daß der Zinssatz, den die Riederländische Staatsbank dem bei ihr für die deutsche Industrie eingeräumten Rohstoffkredit zu Grunde legt, mit Wirkung vom 1. Iuli 1933 von 51/2 a u f 4 Prozent herabgesetzt werden'soll. Diese Zinsgestaltung ist der Beginn einer Verwirklichung der seit langer Zeit von Minister Hugenberg verfolgten Bestrebungen, das international für Deutschland geltende Zinsniveau wesentlich herabzudrücken. Reichskanzler £ fier Ehrenbürger von München. München, 26. Apr'.l. (TU.) Der neue Münchener Stadtrat trat am Mittwochnachmittag zu ferner ersten Einung zusammen. Der kommissarische Erste Bürgermeister F i e h l e r wurde mit 37 von 43 abgegebenen Stimmen zum Ersten ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. Im Laufe der Sitzung schlug Bürgermeister Fiehler vor, den Reichskanzler Adolf Hitler und dcn Reichsstatthaller General Ritter von Epp das Ehr enbür gerrech t de r Landeshauptstadt zu verleihen. DerStadt- rat trat diesem Vorschläge bei. Die Sozialdemokraten waren nicht im Saale anwesend. Ferner beschloß der Stadtrat, daß die B r i e n n e r Straße vom Odeonsplah bis zum Königsplah in Adolf - Hitler - Straße umbenannt wird, Heue Msmaßnahmen für die Landwirischast. Berlin, 26. April. (WTB.) Die Reichs regierung hat auf Vorschlag von Relchsminister Dr. Hugenberg weitere für die Landwirtschaft bedeutsame Maßnahmen beschlossen. Es handelt sich dabei 1. um ein Gesetz zur Senkung der Gebühren and en Vieh - und Fleischmär k l e n und zur Vereinheitlichung des Votierungswesens an diesen Märkten, um die Ermächtigung für das Reich, den Schluß- scheinzwang im ganzen Reichsgebiet einzuführen. Diese Maßnahmen dienen vor allem der bäuerlichen Viehwirtschaft; 2. um ein Gesetz zur Versorgung des wein-, Obst-, Gemüse- und hop- seubaues und der Forstwirtschaft mit Schädlingsbekämpfungsmitteln und Hopfebindematerial; 3. um neue Maßnahmen über die Zwangs- verwallung landwirtschaftlicher Grund st ücke, den Vollstreckungs- schuh für Pächter und die Ausdehnung des Vollstreckungsschuhes auf Landarbeiter- eigenheime. Die Gebühren der Schlachtviehmärkte. Schlachthäuser und Fleischgroßmärkte liegen überwiegend um 30 bis 60 Prozent, in einigen Fällen sogar um 100 Prozent und mehr über dem Vorkriegsstand. Durch das neue Gesetz wird infolgedessen festgelegt, daß sämtliche Gebühren für die Schlachthausbenutzung die entstehenden Unkosten nicht übersteigen dürfen. Einer Verbesserung des für den gesamten Viehabsatz außerordnetllch wichtigen Preisnotierungswesens an den Viehmärkten dient ferner die nunmehr der Reichsregierung erteilte Ermächtigung, im gesamten Reichsgebiet den Schlußscheinzwang einzuführen. Zur Sicherung der Versorgung von Forstwirtschaft. Wein-, Obst-, Gemüse- und Hopfenbau mit Schädlingsbekämpfungsmitteln und Hopfenbindematerial wird ferner durch Gesetz das Früchtepfandrecht zur Sicherung der notwendigen Kreditierung in gleicher Weise eingeführt, wie dies bei Düngemitteln und Original-Saatgut bereits früher geschehen ist. Die Einführung des Früchtepfandrechtes ist ebenso wie bei Düngemitteln auf die Ernte des Iahres 1933, bei Forstschädlingsbekämpfungsmitteln auf den anfallenden Holzeinschlag in dem vom 1. April 1933 bis 31. März 1934 l ufenden F. rstwirtschaftsjahr beschränkt. Das Gesetz über die Zwangsverwaltung landwirtschaftlicher Betriebe ver- folgt besonders das Ziel, die entstehenden Kosten der Zwangsverwaltung geringzuhal- t e n. Deshalb ist grundsätzlich der landwirtschaftliche Betriebsinhaber zum Zwangsverwalter zu bestellen. Außerdem legt das Gesetz fest, daß im Falle der Zwangsverwaltung eines landwirtschaftlichen Betriebes der Schuldner Anspruch auf Gewährung des notwendigen Lebensunterhaltes für sich und seine Familie hat. Landarbeiter - Eigenheime genießen in Zukunft ohne Rücksicht auf die Größe des zugehörigen oder zugepachteten Ackerlandes den Vollstreckungsschutz. Bei Zwangsversteigerungen von Landarbeiter-Eigenheimen in letzter Zeit erteilte, aber noch nicht rechtskräftige Zuschläge werden aufgehoben. Die Verordnung findet auch für noch anhängige Zwangsvollstreckungen Anwendung. weil das Wirken Adolf Hillers mit diesem Stra- | ßenzug eng verbunden ist. Tagung der nationalsozialistischen Führerschaft in Berlin. B e r I i n, 26. April. (WTB.) Wie die Reichspressestelle der RSDAP. mitteilt, f. nd heute im Reichstagspräsidentenpalais unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Göring, eine Zusammenkunft der preußischen Gauleiter der RSDAP., der höheren SA.° und SS.-Führer mit dem Stabschef Röhm an der Spitze, der führenden politischen Funktionäre der Partei, sowie der Schriftleitungen der nationalsozialistischen Presse in Preußen statt, zu der auch Adolf Hitler, Dr. Goebbels und zahlreiche der NSDAP, angehörende Länderminister erschienen waren. Die Tagung, auf der nach zweistündiger Rede des Ministerpräsidenten Göring Adolf Hitler das Wort zu richtunggebenden, politischen Ausführungen nahm, trug parteiinternen Charakter. Im Anschluß begrüßte der Führer die ebenfalls im Deichstagspräsidentenpalais versammelten nationalsozialistischen Mitglieder des Preußischen Staatsrates, die vom Fraktionsführer Sprenger, M. d. R., vorgestellt wurden. Oankielegramm des Reichsministers Or. Goebbels an die Stadt Rheydt. Berlin, 26. April. (TU.) Reichsminister Dr. Goebbels sandte auf seinem Heimfluge nach Berlin an den Oberbürgermeister in Rheydt folgendes Telegramm: Von Bord der „D 1297“. — „Auf dem Heimflug nach Berlin kehren meine Gedanken tiefbewegt und dankerfüllt in unsere liebe Vaterstadt zurück. Der ganzen Bürgerschaft von Rheydt unsere Grüße und unsere guten Wünsche und heißen Dank für den so herzlichen Empfang. Cs wird mir immer unvergeßlich bleiben. Der Himmel segne unser Volk und Reich. Gott allezeit mit Rheydt. gez.: Reichsminister Dr. Goebbels.“ Kleine politische Nachrichten. Der Reichskanzler hat den Vertreter der Bischofskonferenz, den Bischof von Osnabrück Dr. Wilhelm Berning und den Generalvikar und Domprobst Prälat Dr- Stein- mann zur Aussprache über schwebende Kirchenfragen empfangen. Die Deutsche Dolkspartei Dill, Lahn, Westerwald (ehemaliger Dillkreis, ehemaliger Kreis Biedenkopf, Oberwesterwald- kreis und Kreis Westerburg) hat in einer Versammlung der Vertrauensmänner und Mitglieder beschlossen, die Organisation der DDP. au f- zulösen und den Mitgliedern den Anschluß an die RSDAP. zu empfehlen. Rachdem die Reichsregierung der Regierungskommission des Saargebiets mitgeteilt hat, daß gegenwärtig die schwarzweißrote Fahne und die Hakenkreuzflagge als die deutschen Rationalflaggen anzusehen sind, wird das Verbot dieser Flaggen auf gehoben. Die schwebenden Strafverfahren, die in der Zeit anhängig gemacht worden sind, in welcher das Hissen dieser Flaggen im Saargebiet ungesetzlich war, werden eingestellt. Im „Reichsanzeiger" wird die Liste der zur Vertretung vor dem Reichspatentamt vorläufig zugelassenen Patentanwälte veröffentlicht. Die in die Liste nicht aufgenommenen Patentanwälte dürfen neue Vertretungen vor dem Reichspatentamt nicht übernehmen. Die laufenden Vertretungen sind bis zum 30. September 1933 wieder zu lösen. Die Liste nennt Anwälte u. a. auch in Gießen, Darmstadt, Frankfurt a. OK., Kassel, Offenbach a. M., Wiesbaden. Im Zusammenhang mit den Vorgängen bei der Gründung der Görreshaus AG- Köln ist auch der Vorsitzende der rheinischen Zentrumspartei Iustizrat Dr. Moennig verhaftet worden, ebenso wie der ehemalige Direktor der Deutschen Bank in Köln Dr. Brüning. Der Vorsitzende der Reichstagsfraktion des Zentrums, Dr. Perlitius, ist von seinem Amte als Landwirtschaftsschuldirektor in Glatz von der Riederschlesischen Landwirtschaftskammer beurlaubt worden. Oberlandesgerichtspräsident Dr. Anz-Kassel hat mit Rücksicht auf die bei der Iustiz erforderliche Gleichschaltung feine Beurlaubung beantragt. Die Entscheidung des Ministers ist noch nicht eingetroffen. Kunst und Wiffenschaft. Reichsminister Dr. Goebbels in Reubabelsberg. — Lin Ralionalpreis für den besten deutschen Film. Am Mittwochabend stattete Reichsminister Dr. Goebbels den Ufa-Ateliers in Neubabelsberg einen Besuch ab. Die Besichtigung umfaßte die gesamten technischen Betriebe. Die NSBO.-Betriebszelle Neubabelsberg, sowie Abgesandte der NSBO.- Betriebszellen Ufa-Zentrale und Tempelhof hatten sich in der Nordhalle der neuen Tonfilmanlagen versammelt. Reichsminister Dr. Goebbels hielt hier eine kurze Rede. Es sei behauptet worden, daß durch die Tatsache der nationalen Revolution Unruhe in das Filmschaffen gekommen sei. Demgegenüber fordere er alle Filmschaffenden auf, diesen Gerüchten auf das schärfste entgegenzutreten, da gerade die Männer der deutschen Revolution der deutschen Filmproduktion ganz neue und große ethische Impulse gegeben haben. Man könne versichert sein, daß er aus tiefstem und begeistertem Herzen der Fürsorger der deutschen Filmschaffenden sei; Voraussetzung dieses Filmschaffens sei allerdings die völlige Gleichschaltung mit den Ideen des neuen Staates. Er werde jedem nationalsozialistisch denkenden Menschen sicher nichts Neues sagen: daß nunmehr die Blütezeit des deutschen Filmschaffens heraufziehe. Bereits heute könne er verraten, daß am 1. Mai für das kommende Jahr ein Nationalpreis für den besten deutschen Film ausgesetzt werde. Geheimrat Professor Dr. Deyerle f. Im Schwabinger Krankenhaus ist in einer der letzten Nächte der ordentliche Professor für deutsches Privatrecht an der Universität München, Geh. Hofrat Dr. Konrad B e y e r l e, im 60. Lebensjahr gestorben. Er gehörte mehrere Jahre dem Reichstag als Mitglied der Bayerischen Volkspartei an. Ein Greifswalder Unioersitälsprofefsor in Untersuchungshaft. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurde der Universitätsprofessor Dr. Braun in Untersuchungshaft genommen. Näheres muß im Interesse der Untersuchung der Oeffentlichkeit noch oorenthal- ten werden. Bereits am Dienstag hat die Greifswalder Studentenschaft verlangt, daß Dr. Braun im Interesse des Ansehens des Lehrkörpers seine Vorlesungstätigkeit ein stellt, da gegen ihn ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwallschaft schwebt. Morgen beginnen wir in den Familienblättern mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romans unter dem Titel Die Dame mit dem Otterpelz Das ist die spannende Geschichte eines abenteuerlichen Kriminalfalles, geschrieben von Caren, einer begabten deutschen Schriftstellerin, deren Selbstporträt heute im Feuilleton erscheint (Soren stellt sich vor. Oie Verfasserin unseres neuen Romans „Oie Dame mi Cem Oiterpelz" Arn Freitag beginnt in den Familienblättern ein großer spannender Kriminalroman: „Die Dame mit dem O 11 e r p e l z" von Caren. Mein Geburtsjahr möchte ich vorsichtshalber verschweigen, für den Fall, daß ich in zehn Jahren genötigt sein sollte, es zu ändern. Immer besser, etwaigen Einstimmigkeiten rechtzeitig vorzubeugen! Ich habe in Straßburg im Elsaß das Licht der Welt erblickt. Vom Vater her bin ich in der Camargue beheimatet, im Lande des Mistral und der Zigeuner, wo meine Großmutter ein Landgut besaß und alljährlich aus chrer stattlichen Rinderzucht die Corrida in Arles und Rimes mit Stieren belieferte. Mein Vater hat seine fruchtbare Heimat schon mit achtzehn Iähren verlassen und in Straßburg eine Fabrik gegründet, um ein paar Iahre später eine deutsche Professorentochter zu heiraten, die mir ihre deutsche Tüchtigkeit und ihre Grundsätze vererbt hat. Hm meine Erziehung haben sich mit mäßigem Erfolg die Schwestern vom „Bonpasteur“ in Straßburg bemüht. Später wurde ich nach Darmstadt verpflanzt und sollte auf Wunsch meiner Mutter, der die Pädagogik im Blut lag, mein Lehrerinnenexamen machen. Gott hat den deutschen Rachwuchs davor bewahrt, indem er mich mit noch nicht fünfzehn Iahren auf den gloriosen Einsall brachte, meinen ersten Roman zu schreiben, der in einem Dresdner Verlag in Buchform erschien, in allen Buchhandlungen Darmstadts mit meinem Bild und dem Vermerk „Verfasserin geht hier zur Schule" versehen, auslag und mir das Mißtrauen meiner Lehrer eintrug, so daß ich schon binnen kurzem genötigt war, mich nach einer anderen Zukunft als der teuer Lehrerin umzusehen. Das war im Augenblick nicht gerade leicht für mich, denn von der Schriftstellerei hatte ich vorläufig genug. Ich fand, daß eine künstlerische Tällgkeit, die mit soviel Ohrfeigen verbunden war, wie ich sie damals für mein Erstlingswerk von meiner Mutter bekam, denn doch kein geeigneter Beruf für mich sei. Ich wandte mich also ziemlich enttäuscht von dieser unerfreulichen Kunstgattung ab und einer andern Muse zu — der Schauspielkunst. Ein bekannter Theatermann entdeckte mein Talent, und eh' ich mich dessen versah, war ich bei der Bühne. Ich habe fast zehn Iahre lang in Graz und Wien und an den Münchener Kammerspielen das jugendliche Charakterfach gespielt. Ich habe immer die Kunst geliebt, aber nie so recht — das Theater. Reisen war von jeher meine Passion. Ich bin schon von Kindheit an viel gereist, habe eine Menge Schönes von der Welt gesehen, Frankreich, Italien, Griechenland und fast den ganzen Balkan. Man bekommt zuletzt immer das, was man wirklich will, und ich glaube, ich habe es bekommen. Als ich vor ein paar Iahren heiratete, habe ich das Theater aufgegeben, um meinem armen Mann nicht durch Star-Launen das Leben zu verbittern. Weil ich aber ganz unmöglich auf die Dauer ohne irgendeine künstlerische Betätigung sein kann, habe ich -- eigentlich bloß so für mich — wieder ein bißchen zu schreiben begonnen und gleich mit den ersten schüchternen Versuchen bei den Redaktionen mit kleineren Arbeiten, Humoresken, Satiren und Grotesken zumeist, überraschende Erfolge erzielt. Bald war ich ständige Mitarbeiterin bei einer Reihe von führenden Blättern, bis ich mich in den letzten zwei Iahren hauptsächlich auf Romane verlegt habe, um meine Begabung an einem größeren Format zu messen. Wenn den Lesern meine Arbeiten nur halb so viel Spaß machen, wie mir das Schreiben, werde ich sehr froh sein. Und so hoffe ich denn, daß mein lehtgewählter Beruf — oder besser gesagt, mein wiedererwählter, — mich nicht mehr enttäuscht. Oder mir doch wenigstens keine Ohrfeigen mehr einbringt! ... Caren. Italienische Pfadfinder. Besuch im Lager der Balilla. In keinem anderen Lande hat die Pfadfinderbewegung unter der Iugend einen so schnellen und mächtigen Aufschwung genommen wie in dem Italien Mussolinis. Hier ist sie fest eingegliedert in das ganze Erziehungssystem, und es ist daher kein Wunder, daß sie heute bereits über 3,5 Millionen Knaben und Mädchen umfaßt, wenngleich der Beitritt freiwillig ist Lord B a d e n - P o w e l l, der Schöpfer der Psadfinderbewegung, hat bei feinem letzten Aufenthalt in Italien sich eingehend mit dieser Entwicklung beschäftigt und schildert seine Eindrücke, die ihn mit hoher Bewunderung für die Organisation erfüllt haben, in einem Londoner Blatt. Die Balilla — wie sie sich nach ihrem jugendlichen Heldenvorbild von Genua nennt — ist in | drei Gruppen gegliedert: die eigentliche Balilla, die Knaben und Mädchen im Alter von 8 bis 1 13 Jahren umfaßt, die Avanguardisti, das ist die Abteilung der 14- bis 18jährigen, und die Cadetti, der die 18° bis 20jährigen zugehören. Bei feinem Eintritt in die letzte Gruppe wird der junge Italiener mit feierlichen Zeremonien, zu denen auch die Verleihung eines Gewehrs zählt, in die freiwillige Miliz eingereiht. ' Zwei Iahre später empfängt er im Heer seine letzte militärische Ausbildung innerhalb von 18 Monaten. Die Uniform, die die jugendlichen Pfadfinder tragen, übt mit ihren unterscheidenden Abzeichen natürlich eine lebhafte Anziehungskraft auf alle Kinder- und Iünglingsherzen aus. Sie hat ihren hohen erzieherischen Wert durch die äußere Aufhebung aller sozialen Unterschiede und durch die Weckung des Gefühls der Eingliederung in ein Ganzes. Sie besteht für die Jugendlichen aus einem schwarzen glatten Hemd, blauem Halstuch sowie grau-grünen kurzen Hosen und Strümpfen. Die Kosten für die Uniform muß jeder selbst tragen; dadurch wird in ihm von früh ab das Bewußtsein erweckt, daß er für sich selbst sorgen muh und nicht Geschenke vom Staat erwarten darf. Großes Gewicht wird auf alle körperlichenUebungen und auf die Kräftigung der Gesundheit gelegt, doch wird auch hier, wie bei dem übrigen Unterricht, den Neigungen des einzelnen unbehinderte Entfaltung gewährt. Spiele in freier Luft, wie Fußball, Baseball, Hockey, nehmen im Erziehungsplan einen ebenso breiten Raum ein wie Wettkämpfe im Schwimmen oder in athletischen Sportarten. Aber auch jede Handgeschicklichkeit und jedes Steckenpferd kann in den Freistunden nach Schulschluh sich ausleben. Sonntags werden große Paraden abgehalten. Ein typisches Iugendlager, das Baden-Powell in einer italienischen Provinzstadt besichtigte und das rund 80 000 Mitglieder ausbildete, umfaßt Abteilungen für Leibesübung, militärische Ausbildung zu Lande und zur See, sowie eine den weiblichen Pfadfindern vorbehaltene Gruppe. Das ganz modern eingerichtete Gebäude enthält auch eine wohlausgestattete ärztliche Klinik mit Laboratorien für Röntgen- und ultraviolette Strahlenbehandlung, sowie Abteilungen für Zahn-, Ohren-, Augen-, Hals- und Rasenleiden. Ueber jeden Knaben und jedes Mädchen wird ein ärztliches Journal geführt. Regelmäßige Untersuchungen stellen den Gesundheitszustand fest, um, wenn es nötig ist, die Kinder an dia See oder in die Berge zu verschicken, wo Erholungsbedürftige in Heimen untergebracht werden können. Werkstätten für Rundfunk- und elektrische Bastler sind ebenso vorhanden, wie der Freund des Automobilfahrens, des Zeichnens oder Modellierens alles Rötige für diese Betätigungen vorfindet. Ein Gleitflugzeug wie ein Aeroplan in voller Gröhe stehen den künftigen Fliegern zur praktischen Hebung zur Verfügung. Ein Theater und ein grohes Kincr_^ehlen ebensowenig wie weiträumige Schlafsäle für durchreisende Gruppen der Balilla, die auch über zahlreiche Turnplätze in der Stadt und in den ländlichen Teilen der Provinz verfügt. Die Zahl dieser ländlichen Turnplätze beträgt 3763 in Italien. Die Offiziere der Balilla werden sowohl nach ihrer körperlichen Eignung wie nach ihrem Verständnis für die jugendliche Psyche ausgewählt. Aus dem Forum Mussolini in Morn ist eine neue Bildungsstätte entstanden, in der 400 künftige Offiziere der Balilla im Alter von 18 bis 25 Iahren in einem zweijährigen Kursus ausgebildet werden. Ihre Studienfächer umfassen u. a. Psychologie, nationale Geschichte, körperliche Ertüchtigung, die Kunst, ein Lager auf- Zuschlägen, und militärische Ausbildung. All die jungen, kräftigen Männer, die hier herangebildet werden, sind durchdrungen von dem Bewußtsein ihrer hohen Berufung, dem Vaterlande an wichtiger Stelle zu dienen, indem sie mitwirken dürfen an dem Aufbau einer neuen kraftvollen und geeinten Ration. O. M. Wo gibt es die meisten Erfinder? Bis zu einem gewissen Grade kann man die Erfindertätigkeit in einem Lande nach der Anzahl der erteilten Patente messen. Für das Iahr 1932 wurde soeben eine amtliche Liste veröffentlicht, die alle Patente aufzählt, wie sie von den Kulturstaaten der Welt ausgetellt wurden. Unter diesen Ländern sind nur allerdings einige, die jedes Patent ohne besondere Vorprüfung erteilen. Es bleibt den Interessierten überlassen, gegen die Erteilung Einspruch zu erheben, wenn eigene Patentrechte durch die Reugewährung verletzt worden sind oder verletzt werden könnten. Die meisten Länder veranstalten jedoch, wie beispielsweise Deutschland, erst eine gründliche Vorprüfung, ehe sie das Patent erteilen. In den Vereinigten Staaten von Rordamerika wurden 79 981 Patente beantragt und 52 161 erteilt. In Deutschland wurden 25 846 Anträge genehmigt, aber 72 688 Patenle waren nachgesucht worden. Frankreich erteilte ohne Vorprüfung 24 000 Patente, England genehmigte 21 949 von insgesamt 36117 Anträgen. Ohne Prüfung erteilten Italien 10 907, Belgien 9 072 und die Schweiz 7 384 Patente. Rach Prüfung bewilligten Oesterreich 5 300, Japan 4 318, die Tschechoslowakei 3 650 und Australien 3 041 Patente. Ser Tag der Nationalen Arbeit in Gießen. Unter dem Vorsitz des Kreisleiters der. NSDAP. Abg Dr. Harth fand gestern abend im Sitzungssaale des Kreisamtes eine Besprechung der Kreisleitung der NSDAP, mit den Vertretern der Behörden über die Vestal- I tung desTages der nationalen Arbeit am l. Nlai in Giehen statt. Kreisleiter Dr. Harth wies einleitend daraus hin. bah es sich an diesem Tage um eine von der NSDAP, veranstaltete Feier handelt, bei der den deutschen Arbeitern der Stirn und der Faust Gelegenheit gegeben wird, ihre Verbundenheit als deutsche Arbeiter irn nationalen Deutschland zu zeigen. Sodann machte der Kreis-Propagandaleiter Hopfenmueller Mitteilung von dem nachstehenden vorläufigen Programm: 7 Uhr: Decken. 9 Uhr: hissen dec Hakenkreuzfahnen auf den Betrieben, verbunden mit Ansprachen. Anschließend Abmarsch der Belegschaften unter Dorantritt der JtSBO. zum candgraf-PHUipp-platz. 10 Uhr: Jdbgottcsöienff: „wir treten zum Beten“, Choral (IHilitärrapeUe). Predigt: Pfarrer Lenz. „Die Himmel nit)- tnen des Ewigen Ehre“, Choral (Zfiili- törtapelle). predigt: Dr. hemme». „Ich bete an die Macht der Liebe“. kurze Pause. 11 Uhr. Am gleichen Ort: weihe der Fahnen der JISBO. Weiherede: pg. Hermann Wagner, Kreisleiter der 2TSBO. 12—13 Uhr: Platzkonzert am Hitler-Wall (noch nicht bestimmt). 15 Uhr: Festzug. Antreten ab 14 Uhr in Stein- stratze und Werner-Wall (Korbanlage). Der weg des Zuges wird noch befannt- gegeben. Anschließend Kundgebung vor der Dolkshalle auf dem Trieb. Rede: pg. Dr. Wagner, M. d. R. 19 .30 Uhr: Deutsche 2H a Lf e i e r in der Dolkshalle, Konzert der Reichswehrkapelle, Gesangsvorträge eines großen Chors der Gießener Gesangvereine. Uebertragung der Kundgebung auf dem Tempeihoser Feld in Berlin, Rede des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler. Ansprache: pg. Hermann Wagner, Kreisleiter der J15B0. Gießen. Oie Aussprache fand in den erläuternden Bemerkungen von Herrn h o p s e ii m u e I l e r ihr Fundament. Zusammenfassend ist (evtl. Aenderungen Vorbehalten) zu bemerken: Das Wecken wird von dem Spielmannszug der SA. ausgeführt. Das hissen der hakenkreuzfahnen erfolgt vor allem aus den großen Betrieben wie Gaswerk, Elektrizitätswerk, Bänninger usw., in denen nationalsozialistische Belriebszellcnorgani- sationen bestehen, oder Nationalsozialisten maßgeblich an der Leitung der Betriebe beteiligt sind, damit verbunden sind kurze Ansprachen der Betriebs- oder Werkleiter. Nach dem hissen der Fahnen erfolgt der Abmarsch zum Landgras.Philipp-Platz zum Feldgottes- dienst. Dieser wird etwa s Stunde dauern. Anschließend folgt auf dem Landgraf-Philipp- Platz die Weihe der Fahnen der NSBO. Diese Feier schließt mit dem Gesang des Deutschland-Liedes und des horst'Wessel-Liedes. Zum Festzug um 15 Uhr wird in der Stein- stroße und angrenzenden Straßen Aufstellung genommen: die Spitze an der Marburger Straße. Näheres hierüber wird die Kreisleitung der NSDAP, noch bekanntgeben. An dem Festzug werden schätzungsweise 6000 Menschen teilnehmen. Es wird Wert darauf gelegt, daß auch die Arbeitgeber inmitten der Arbeitnehmer ihrer Betriebe mitmarschieren, um dadurch die Verbundenheit am gemeinsamen Werk zu bekunden. Aus dem Trieb wird in großem Kreise ausmarichicrt, dann wird der Staatskommissar für die hessische Lanwirtschaft, Reichstagasabgeordneter Dr. Wagner die Festansprache halten. Der gemeinsame Gesang des Deutschland-Liebes und des Horst-Wessel-Liedes wird die Feier beenden. Der Abmarsch erfolgt in aufgelöster Ordnung. Üm 19.30 Uhr beginnt in der Volkshalle die Deutsche Maifeier, in deren Mittelpunkt die Uebertragung der Kundgebung auf dem Tem- pelhoser Feld in Berlin mit der Rede des Führers. Reichskanzlers Adolf Hitler stehen wird. Die Rede des Führers wird durch Lautsprecher auch nach außen zum Platz vor der Dolkshalle übertragen. Uebcr eine große Reihe von Einzelfragen wurde in der umfangreichen Aussprache, an Der sich zahlreiche Herren beteiligten, Klarheit erzielt. Näheres hierüber werben die Mitteilungen der Kreisleitung der NSDAP, als der Veranstalterin in den nächsten beiden Tagen noch bekanntgeben. Unseren Lesern möchten wir heute schon empfehlen, auf diese Mitteilungen besonders zu achten. Eine gewisse Menge frisches Grün aus den städtischen Waldungen zum Schmuck der Häuser wird durch die Kreisleitung der NSDAP, verfügbar fein. Die Zeit der Abgabe wird noch bekanntgegeben. Die fruchtbare Sitzung wurde von Kreisleiter Dr. h a r t h mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, in das die Versammlung stehend kräftig einstimmte, geschlossen. Teilnahme von Vereinen am Tag der Nationalen Arbeit. Die Kreisleitung der NSDAP. Dietz e n teilt mit: Am Donnerstag, 27. April, 18 Uhr, findet im Sitzungssaal des Stadthauses, Bergstraße 20, eine Besprechung statt, die die Teilnahme von Vereinen jeglicher Art, Innungen usw. am Festzug am 1. M a i zum Gegenstand hat. Die in Betracht kommenden Vereinigungen werden um die Entsendung je eines Vertreters ersucht. 9er Derkehrsbnnb Oberhessen inüahre 1932. Reliefkarte von Oberheffen. — Rege FremdenverlehrSwerbung. In dem Tätigkeitsbericht des Vorstandes des Verkehrsbundes Oberhessen über das Geschäftsjahr 1932, der — wie schon kurz berichtet — in der ordentlichen Hauptversammlung am 24. April erstattet wurde, wird u. a. mitgeteilt: Im Mittelpunkt der Arbeit des geschästsfüh- renben Vorstandes des Verkehrsbundes Oberhessen während des Geschäftsjahres 1932 stand die Herausgabe der Reliefkarte von Oberheffen. Eine Sonderkommission, die unter der Leitung des 2. Bundesvorsihenden, Herrn Bürgermeister Dr. Vö Ising-Alsfeld, zur Bearbeitung der Reliefkarte eingesetzt war, hat im Laufe des Berichtsjahres in einer großen Zahl von Sitzungen eifrig und gut gearbeitet. Dabei wurde die Eonderlommission von dem geschäftsführenden Vorstand in regster Weise unterstützt, ferner auch durch den Vorstand des Hessischen Ver- kehrsverbandes in Darmstadt weitgehend gefördert. Die Hauptlast der Arbeit lag aus den Schultern des Konnnissionsvorsiyenden, Herrn Bürgermeister Dr. D ö l f i n g • Alsfeld. Der geschäftsführende Vorstand nimmt nunmehr, nachdem die Reliefkarte im Druck ist und in wenigen Tagen der Oeffentlichkeit übergeben werden kann, gerne Veranlassung, Herrn Bürgermeister Dr. D ö l s i n g und der Reliefkarten-Kommission, aber auch dem Vorstand des Hessischen Der- kehrsverbandes herzlichsten Dank auszusprechen für die mühsame und wertvolle Arbeit im Interesse der Provinz Oberhessen. Die Reliefkarten- Kommission und insbesondere ihr Vorsitzender haben sich durch die hingebungsvolle Arbeit an diesem großen Werk ein bleibendes Verdienst ct- worben. Aufrichtiger Dank ist auch dafür auszusprechen. daß aus den Mitteln des Hessischen Staates eine Beihilfe von 2000 Mark zur Herausgabe der Reliefkarte zur Verfügung gestellt wurde. Erst durch diese staatliche Unterstützung, die eine finanzielle SondeU.istung der Mitgliedsiörper- schaften des Verkehrsbundes Oberhessen und eine besondere Leistung der Dundeskasse zur unerläßlichen Voraussetzung hatte, ist es möglich geworden, das große Werbemittel der Reliefkarte unserer Provinz zur Verfügung zu stellen. Dir erhoffen von diesem Werbemittel, das auf Bahnhöfen, in Derkehrsbüros, Auskunftsstellen für Fremdenverkehr ufro. aufgehängt werden soll, daneben aber auch gegen ein geringes Entgelt an private Interessenten zum Dersand an Freunde und Bekannte abgegeben wird, eine neue starke Förderung des Fremdenverkehrs in der Provinz Oberhesfcn und damit eine wirt- schaftliche Stärkung der oberhessifchen Bevölkerung. Die Reliefkarte von Oberhessen bildet auch eine wertvolle Ergänzung zu den Reliefkarten von Starkenburg und Rheinhessen und damit eine Vollendung der plastischen Bilddarstellung des Hessenlandes. Die guten Erfolge, die mit der früheren Herausgabe der Reliefkarten von Starkenburg und Rheinhes'en gemacht wurden und die ein Ansporn für unser Werk waren, dürften sicherlich in nicht allzu ferner Zeit auch für die Provinz Oberhessen in Erscheinung treten. Oie Werbung durch Zeitungsanzeigen, die wir im Verlaufe des Jahres 1931 mit gutem Erfolge durchsührten, wurde im Berichtsjahre unterlassen, um die Geldmittel der Bundeskasse in möglichst weitgehendem Ausmaß zur Finanzierung der Reliefkarte bereit zu halten. Durch diesen Entschluß verzichtete der Vorstand bewußt auf einen Teil seiner Werbemittel, um ein größeres Werbeunternehmen auf lange Sicht hinaus finanziell möglich zu machen. Dieser Verzicht hatte zur Folge, daß im Berichtsjahr die Nachfrage aus den Kreisen der Reiseinteressenten nach unserem Werbematerial einen gewißen Rückgang gegenüber den Vorjahren mit Zeitungswerbung erlitt. Aus dieser Beobachtung muh die Schlußfolgerung gezogen werden, daß nunmehr nach dem Erscheinen der Reliefkarte die Werbung durch Zeitungsanzeigen in den bisher als besondere Interessengebiete festge- stellten Bezirken nach Maßgabe unserer Geldmittel wieder aufgenommen werden muß. Seit einigen Monaten hat sich eine neue Werbemöglichkeit gezeigt, die für die Tätigkeit des^Ver- kehrsbundes Oberhessen zur Förderung des Fremdenverkehrs in unserer schönen Provinz sofort nutzbar gemacht wurde. Wagners Korrespondenz-Büro (Filiale von Wolffs Telegrophen-Büro) in Frankfurt a. M. hat einen Heimat-Bilderdienst eingerichtet, der sich die Verbreitung von Bildmaterial aus dem Arbeitsbezirk dieses Büros durch die Presse zur Aufgabe gemacht hat. Da die Provinz Oberhessen zu diesem Arbeitsbezirk gehört, wurde aus dein Bildmaterial des Aerkehrsbundes Oberhessen und von einer Anzahl Mitoliedsstädte, sowie von gemeinnützig gesinnten Freunden unserer Bundesarbeit eine ganze Anzahl guter Photos dem Büro zur Verfügung gestellt, damit die Preise in geeigneten Fällen mit Matern von diesen Bildern versehen werden. Den Verkehrsverbänden und -Vereinen bietet sich hierdurch die Möglichkeit, durch Hergabe guten Bildmaterials das Publikum auf die Besonderheiten und Schönheiten der engeren Heimat aufmerksam zu machen. Der Vorstand hat seine Mitwirkung für dieses Arbeitsgebiet bereitwilligst zuge- saot und nach besten Kräften bisher zur Tat werden lassen. Es wird auch weiterhin eine vordringliche Aufgabe fein müßen, dieses Gebiet der Werbemöglichkeit mit aller Kraft zu betreuen. Eine umfassende Werbung durch Bildmaterial hat der Vorstand auch dadurch in die Wege geleitet, daß er feine Mitarbeit an einem Bildhest von Oberheffen das von der Univcrsurn-Verlagsanstalt G m. b. H Berlin ohne Kosten für den Verkchrsbund Obcr- hessen herausgegeben wird, bereitwilligst zur Verfügung stellte. Der Vorstand hat in Gemeinschaft mit einer Anzahl Mitgliedsstädte gutes Bildmaterial geliefert. Dabei wurde ebenfalls von Freunden der Dundesarbeit in uneigennütziger Weise eine Anzahl Bilder hergcgcbcn, wofür den Stiftern der gebührende Dank zum Ausdruck gebracht wurde. Auch von diesem Werk darf eine beachtenswerte Förderung der oberhessifchen Interessen erwartet werden. Natürlich hat sich der Vorstand des Verkehrs» bundes Oberhessen auch für die Bildausstattung des vom Hessischen Derkehrsverband herausgc- gebenen Heffenkalenders für 1933 stark interessiert. Die Herstellung von Druck- stocken für dieses Kalenderwerk wurde zu einem Teil aus Mitteln des Verkehrsbundes Oberhessen finanziert- Als erfreuliches Ergebnis kann verzeichnet werden, daß der Hessenkalender 1933 weitaus mehr Bilder von Ober hessen enthält, als die früheren Hessenkalender. Da dieses Druckwerk vom hessischen Derkehrsverband die weikeske Derbreitung erfährt, kann auch hierdurch eine gute Werbung für unsere Provinz erwartet werden. Dem Hessischen Verkehrsbund gebührt dankbare Anerkennung für die vorbildliche Arbeit, die er mit dem Helsenkalender für das ganze Hessenland und insbesondere auch für die Provinz Oberhessen wieder geleistet hat. Im Berichtsjahr waren auf Anregung des Hessischen Verkehrsverbandes auch Bemühungen im Gange, den Rundfunk für den Dienst der Werbung für dasHessenland nutzbar zu machen. Cs wurde die Veranstaltung eines HeffenabendS durch den Rundfunk vorgeschlagen, bei dem durch kurze Vorträge von berufener Seite, durch unterhaltende Darbietungen volkskundlicher und landsmannschaftlicher Eigenart usw- das Interesse für das Hessenland unter den Rundfunkhörern geweckt bzw. verstärkt werden sollte. Der geschäftsführende Vorstand des Verkehrsbundes Oberhessen hat die Anregung des Hessischen Verkehrsverbandes sofort aufgenommen, von sich aus für den Bereich des Ver- . kehrsbundes Oberbe.fen alle erforderlichen Schritte getan und vor allem als guten Kenner Oberhessens und der landsmannschaftlichen Eigenart des oberhessischen Volkstums Herrn Amtsgerichtsrat Gros in Gießen um die Ausarbeitung eines Rundfunkvortrages gebeten. Herr Amtsgerichtsrat Gros hat dieser Bitte in bereitwilligster Weise entsprochen. Der Verkehrs- bund Oberhessen ist ihm dafür zu herzlichem Dank verpflichtet. Der Vortrag des Herrn Amtsgerichtsrat Gros und weiteres zur Auswahl geeignetes Material für den Hessenabend wurde an die Leitung des Rundfunks weitergegeben. Leider ist vom Rundfunk aus bisher noch nichts weiter geschehen, auf wiederholte Anfrage des Hessischen Verkehrsverbandes und des Aerkehrsbundes Oberhessen wurde vielmehr der Bescheid gegeben, die Veranstaltung werde voraussichtlich im Mai 1933 durchgeführt werden. Wir können heute nur der Hoffnung und der Forderung Ausdruck geben, daß nunmehr vom Rundfunk die Deranffaltung auf die Dor- tragsfolge gesetzt und baldmöglichst durchgeführt werden möge. damit sie noch zu einem Zeitpunkt an die Rundfunk. Hörer herangetragen wird, der fur die Fremdenvcr» kehrswerbung erjolgveriprcchend ist. 3m Berichtsjahr sind wiederholt von Mitglieds- städten und vom gcschäftsführcnden Vorstand Wünsche an die Reichsbahndircktion Frankfurt a. M. herangetragen worden. Zum größten Teil handelte cs sich dabei um Fahrplanangelegenheiten, Sonn- tagskartenausgabc und um die Lchafsung von guten Verbindungen für den Ausslugsverkebr. Leider ist diesen Wünschen, die a. T. von den Städten direkt vorgebracht und von dem geschäftssührendcn Vorstand nachdrücklichst unterstützt wurden, zum größten Teil nicht der erhoffte Erfolg beschiedcn gewesen. Unter Hinweis auf die Finanzlage der Reichsbahn verhielt sich die Reichsbahndircktion Frankfurt a. M. den Wünschen gegenüber in den meisten Fällen ablehnend. Ferner hatte der geschäftsführende Vorstand im Lause des Winters bei den Reichsvahndirektionen Frankfurt a. M. und Mainz die Veranstaltung von sogenannten „Fahrten ins Blaue“ nach Städten in Oberhessen angeregt. Beide Reichsbahndirektionen erklärten sich bereit, unsere Anregung vorzumerken und gegeben falls vom Frühjahr 1933 ab zu verwirklichen. Da nunmehr die Zeit der Ausflüge und der Gesellschaftsfahrten heranrückt, wird die nächste Ausgabe des Vorstandes fein, bei den Reichsbahndirektionen Frankfurt a. 111. und Mainz erneut Schritte zu unternehmen, um derartige Fahrten nach Oberhessen zustandezubringen und dadurch der Wirtschaft in Oberhessen soweit wie möglich Auftrieb zu verschaffen. Eine größere Fahrplankonferenz unter Leitung der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. fand am 11. April 1933 im Sitzungssaal der Industrie und Handelskammer Gießen statt. Der Konferenz lag der Fahrplanentwurf der Reichsbahn für 1933 34 mit den von dem 1. Vorsitzenden des Hessi schen Verkehrsverbandes, Herrn Dr. R o e f c n c r, und den vom Verkehrsbund Oberhessen unterbreiteten Vorschlägen zugrunde. Der Verkchrsbund Oberhessen war auf dieser Konferenz durch den ersten Bundesvorsitzenden und den Bundesschriftführer vertreten. Das Ergebnis der Konferenz hinterließ bei uns leider unerfüllte Wünsche, für die trotz energischen Eintretens zu unserem Bedauern keine positive Entscheidung zu erzielen war. (Das Ergebnis der Konferenz wurde in der Hauptversammlung — wie schon berichtet — mündlich bargelegt und erläutert.) Oas Gesamtergebnis. In der Gesamtheit betrachtet ist festzustellen, daß das Berichtsjahr 1932 für den geschästsführenden Vorstand, wie auch für die Mitglieder der Reliefkarten-Kommission außerordentlich umfangreiche Arbeit gebracht hat, der sich alle Kräfte stets gerne unterzogen haben. Es konnten erfreuliche Fortschritte in der Dcr- kehrswerbearbeit gemacht werden, dennoch bleibt noch viel zu tun, um der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung unserer Provinz auch von der Seite der Derkehrswerbung her die Dege zu ebnen. Zum Schluß fei noch dem Hessischen Verkehrsverband in Darmstadt, sowie allen staatlichen und den Gemeindebehörden herzlicher Dank ausgesprochen für die wertvolle Förderung, die sic der Arbeit des Derkehrsbundes Oberhessen allezeit angedeihen ließen. Sie Geschichte eines berühmten Liebesromans. Zur Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen Liszt und der Gräfin d'Agoult. Es ist gerade ein Jahrhundert her, daß der berühmteste Liebesroman jener Zeit seinen Anfang nahm, nämlich die Beziehung von Franz Liszt zu der Gräfin Marie d ' A g o u 11. Bis vor kurzem kannte man Einzelheiten dieses Romans nur aus den Angaben dritter und aus einzelnen Aeußerun- gen Liszts. Balzac hat in dichterischer Umhüllung dieses Verhältnisses in seinem Roman „Beatrix" gestaltet. Vor einiaen Jahren erschienen dann die Memoiren der Gräfin, die auch ins Deutsche übertragen wurden. Doch das erste und einzige authentische Zeugnis wird uns erst jetzt bargeboten burch bie Veröffentlichung bes Briefwechsels ber beiben Liebenden aus den Jahren 1833 bis 1840, bie von bem Enkelsohn Liszts' und ber Gräfin, Daniel Olli- vier, bem Sohn ihrer älteftep Tochter Blanbine, besorgt würbe. Ollivier klagt in ber Einleitung über bie zahlreichen Lücken bes Briefwechsels, ber sich in großer Unorbnung unb ziemlich schlechtem Zustanbe fanb. Die Rücksicht auf seine Großeltern mag noch manche anbere Beschränkungen veranlaßt haben. Im ganzen aber wirb hier zum erstenmal ber Schleier von biefem romantischen Bunbe gezogen, ber bie bamalige Gesellschaft in so große Aufregung versetzte, unb nicht minder wertvoll sind diese Schreiben daburcy, baß sie ein Helles Licht auf bie geistigen Kreise Europas in ber ersten Hälfte bes 19. Jahr- hunberts werfen. Schritt für Schritt kann man den Aufstieg unb bie Entfaltung bes Genies Liszt verfolgen. Er war 23 Jahre att unb schon ein weltbekannter Virtuose, als er bie 28jährige Gräfin d'Agoult kennenlernte. Sie war bie Tochter bes Grafen F l a v i g n y , eines früheren Pagen der Königin Marie Antoinette, ber als Emigrant währenb ber Revolution in Frankfurt lebte unb hier bie Tochter bes bekannten Bankiers Bethmann, Marie Elisabeth, heiratete. Die Tochter war also Französin vom Vater her unb Deutsche burch bie Mutter. Aus ihrer frühen Kinbheit erinnerte sie sich noch an Goethe: bann war sie in Frankreich aufgezogen worben. Durch ihre Ehe mit bem 20 Jahre älteren Kavallerie-Obersten Charles d'Agoult trat bie schöne, reiche unb geistvolle Frau in bie ersten Kreise ber Pariser Gesellschaft ein. Die Begegnung mit Liszt würbe ihr Schicksal, bas sie aus äußerem Glanz in Elenb, Leiben unb Schmach führte. Die ersten Briefe, bie aus bem Jahre 1833 stammen, zeugen von ber Stärke «mb Leidenschaft ihrer Gefühle. Das Jahr darauf erleidet Marie den ungeheuren Schmerz, ihr Töchterchen Louison zu verlieren. Sie halt dies für eine Strafe für ihre sünde, und ihre Zärtlichkeit wird dadurch noch vertieft. Liszt schreibt ihr: „Du hast während dieser beiden Tagen beständig an mich gedacht sagst Du mir. Du hast an mich gedacht am Bett Louises. Gestern, heute ... Verzeihe, arme unb verzweifelte Mutter, biesen Hinweis auf das, was an Lebendigstem, Intimstem unb Mächtigstem an bem Sterbebett Deiner Tochter in unfern Seelen unb Körpern wohnt." Sechs Monate später verläßt Marie ihre beiden Kinder, ihren Gatten, ihren Reichtum unb ihre hohe Stellung, um mit Liszt nach Genf zu fliehen. Ein ungeheurer Skanbal wirb baburch entfesselt. Sie hat alles geopfert, um bem, ben sie liebt, ben Weg zum höchsten Künstlertum zu bahnen. Liszt widmet sich an ber Genfer Akabemie bem Unterricht unb seinem musikalischen Schassen. Doch das mitgenommene Geld ist erschöpft, bie Not klopft an ihre Tür. Enbe bes Jahres wirb Blanbine geboren Liszt ist gezwungen, seine Konzerte unb Prioatstunben roieber aufzunehmen. Sein unstetes Virtuosenleben beginnt roieber unb bamit bie Verführung burch schöne Frauen, bie sich um ben verwöhnten Liebling drängen. Die beiben kehren nach Paris zurück: bie junge Frau lebt bei George Sanb in Nohant, währenb Liszt seinen Wettkampf mit bem berühmten Pia nisten T h a ( b e r g ausficht, ber so ungeheures Aussehen erregt. Eine zweite Tochter wird geboren, Cosima, bie spätere Gattin Bülows unb Wagners. Die furchtbaren Uederschwemmungen in Ungarn treiben Liszt nach Wien, wo er mit wenigen Konzerten 25 000 Gulden für seine Landsleute erspielt. Die Anstrengungen machen ihn krank. Marie ruft ihn verzweifelt nach Venedig. Sie reifen in Italien. Ein drittes Kind, der früh verstorbene Daniel, wird geboren. Die Gräfin ahnt die Untreue ihres Geliebten. Sie schreibt ihm: „Das dauert nun fünf Jahre, und es ist vielleicht genug, laß mich von Dir gehen. Wenn Du mich rufst, werde ich wiederkehren. Ich werde niemals mehr jemanden lieben, ober warum fall ich Dich einer Liebe berauben, die vielleicht für Dich eine' neue Quelle des Lebens werden kann? Augenblicklich herrscht ein Zwang zwischen uns, und ich fürchte, daß bas er stickte Bedürfnis schlimme Spuren hinterläßt, inbem es in uns eine moralische Krankheit hervorruft. Man darf nichts hindern, was eine größere Entfaltung Deiner Fähigkeiten bringt." Liszt widerspricht mit Feuer, und Die Beziehung geht weiter. Unterdessen reist er wieder von Ort zu Ort, trifft sich mit Marie vorübergehend in einem verlassenen Kloster bei dem Städtchen Nonnenwerth, läßt sie bann in Paris zurück, wo sie ihre Familie roieberfiebt unb in einem Kreis von Schöngeistern verkehrt. Immer tätig für ben Ruhm Liszts. Man munkelt baoon, daß auch sie eine andere Verbindung eingegangen sei, nennt den Namen des englischen Dichters Bul- roer unb anbere. Liszt aesteht ihr von Debenburg aus eine Untreue ein. Sieben sie sich noch? Man weiß es nicht. Aber bie Briefe werben weniger zärtlich, zeigen eine beutliche Entfrembung. Als Marie sich bei einer weiteren Begegnung in London oer nachlässig! sieht, kehrt sie krank unb verzweifelt nach Hause zurück. ,^3ch kann in diesem Augenblick unb wahrscheinlich für immer nichts anberes tun, als völlig allein zu leben", schreibt sie an Liszt. Dieser erroibert: „Eine Fülle von Gebanken bewegt mich unb beunruhigt mich. Werbe ich zu Dir sprechen können? Ich weiß es nicht, aber vielleicht, unb wirb bann noch einmal mein Wort Dich verführen" Leb wohl, ich bin nicht verzweifelt" Das sind bie letzten Worte biefes einzigartigen Briefwechsels, Buntes Allerlei. Oer wildeste Hund der Welt. Es gibt Hunde, die so gefährlich sind, daß sie bei uns in Europa nur in zoologischen Gärten gezeigt werden. Als die wildesten Hunde der Welt gelten die tibetanischen Bulldoggen, von denen jetzt vier Stück in den englischen Zoo von Whipsnade gelangt sind. Diese Bulldoggen sind zwar gelegentlich schon früher nach Europa ein- geführt worden, aber noch niemals ist es gelungen, sie bei uns zu Haustieren zu machen; sie übertreffen in ihren Raubtier-Instinkten sogar noch den kanadischen Schlittenhund, der schon ein halber Wolf ist. In ihrer Heimat Tibet aber wird ihre Stärke und Wildheit sehr hoch geschäht, und sie werden dort vielfach als Wachthunde benutzt. Damit ist aber keine Domestizierung verbunden, sondern sie sind nur wilde Tiere, die an der Leine gehalten werden. Schon in früher Jugend werden sie in Ketten gelegt, und niemals werden sie von diesen befreit. Die Verwendung der Bulldoggen schildert ein Reisender, der kürzlich Tibet besucht hat: „Sie sind an der Tür des Hauses festgemacht und lassen nur Personen, die sie genau kennen, eintreten. Wenn ein Fremder der Tür zu nahe kommt, dann springen sie ihm mit einem einzigen Satz an die Kehle, und er ist geliefert." Ihr Leben lang so an die Kette gelegt und durch viele Generationen zur Wildheit gezüchtet, haben diese Hunde ein überaus mißtrauisches und heimtückisches Wesen, aber es dürfte durchaus möglich sein, die tibetanische Bulldogge unter andern Verhältnissen in einen friedlichen Bürger des Hundereiches zu verwandeln, der freundlichere Seiten zeigt. Cs sind schöne große Tiere, die dem Reufundländer ähneln; sie haben aber ein dichtes schwarzbraunes, schwarzes oder rotes Fell von samtartigem Glanz; der Schweif ist über dem Rücken geringelt. Kein anderer Hund der Welt kann es mit ihnen an Stärke aufnehmen; sie tragen bei all ihrer Wildheit eine gewisse gravitätische Würde zur Schau, wie wenn sie etwas von ihrem uralten Stammbaum ahnten. Die tibetanische Bulldogge gehört zu den ältesten Hunden, von denen wir wissen und wird schon auf Bildwerken aus der Zeit um 640 v. Ehr. dargestellt. Diese Bulldogge ist zwar die interessanteste Hundeart Tibets, aber nicht die einzige, die Besonderheiten aufweist. Roch älter als die Bulldogge dürfte der tibetanische Wachtelhund sein, ein entzückendes Schohtier mit langem seidigen, lichtbraunen Fell, der nur von den reichen Bewohnern des Landes gehalten wird. Diese niedlichen Tiere sind ebenso klug wie lustig, haben aber viel von ihrer ursprünglichen Lebendigkeit verloren, da sie in den Häusern als Kostbarkeit gehalten werden und nicht frei herumlaufen, sondern im Freien stets getragen werden. Etwas größer ist der Lhagas- Terrier, der eine Verwandtschaft mit dem Schäferhund aufweist, aber einen andern, ' buschigen Schweif besitzt. Ein Lustspiel zum Gtuhlzerbrechen. Ein Mißgeschick, das kürzlich den Besucher eines Pariser Theaters ereilte, hat eine Gerichtsverhandlung zur Folge gehabt, die große Belustigung hervorricf. Ein gewisser Bonventure wohnte der Aufführung eines Lustspiels bei, dessen Witze eine solche Lachsalve bei ihm auslösten, dah die dadurch verursachte Erschütterung seines Körpers zum Zusammenbruch des Stuhles führte, auf dem er saß. Als er sich nach diesem jähen Zwischenfall aufrichtete. bemerkte er, daß ein hervorstehender Ragel an dem allzu leichten Stuhl in seinen Unaussprechlichen einen starken Riß angerichtet hatte. Als ein bescheidener Mann und in angenehmer Erinnerung an das Vergnügen, das ihm trotz allem der Theaterbesuch bereitet hatte, verlangte er von der Direktion nichts weiter als die Lieferung eines neuen Beinkleides und verzichtete auf Schadens- ersahansprüche wegen des erlittenen Schreckens. Doch der Theaterdirektor wollte auch diese billige Forderung nicht erfüllen, sondern machte seinerseits Anspruch auf die Zahlung von 60 Mark. So hoch bezifferte er den Schaden, der ihm dadurch erwachsen sei, daß die Aufführung infolge des Zwischenfalls kurze Zeit unterbrochen, werden mußte. Er begründete das vor Gericht damit, daß Besucher, bei denen zu heftige körperliche Erschütterungen durch das Stück ausgelöst würden, die Folgen selbst tragen müßten. Der Richter war aber nicht der Ansicht, er stellte fest, daß das Gelächter des Klägers als ein durchaus zulässiges Zeichen seines Beifalls aufzufassen sei, und wies deshalb den Direktor mit seiner Gegenklage ab; dagegen verurteilte er ihn dazu, dem Kläger ein neues Beinkleid zu liefern. Der Direktor hat aber gelobt, künftighin nur „lachfeste" Sitze im Zuschauerraum zu dulden. Spielvepeimgtrng 1900 Gießen. 1900 AI — VfB. Friedberg AI 4:1 (3:0). Die Gäste gefielen durch ihr sauberes Zusammenspiel, waren aber zu wenig auf Erfolg eingestellt. 1900 war schneller, wuchtiger und erzielte so in der 1. Halbzeit drei verdiente Tore. Nach der Pause war Friedberg anfangs stark überlegen, vermochte aber von den gebotenen Chancen nur eine auszu- nntzen. Der Plotzverein ging nun wieder aus sich heraus und erhöhte auf 4:1. 1900 Schüler — Heuchelheim Schüler 2:2 (1:2). 3n der 1. Halbzeit hatten beide Mannschaften gleich viel vom Spiel, der Gast etwas mehr Glück. Trotzdem 1900 nach der Pause stark überlegen war, langte es nicht mehr zum Sieg, sondern nur zum Ausgleich. Handball. SA. 11/116 gegen 1900 5:8 (1:4). Der Sieg der ersten Mannschaft der Spielvereinigung war nicht so sicher errungen, als man dem Ergebnis nach schließen könnte. Die SA.° Mannschaft hatte sich überraschend schnell gefunden und war ein hartnäckiger Gegner. Aus dem ursprünglich vorgesehenen Trainingsspiel wurde ein ausgesprochenes Kampfspiel. Die Mannschaft der Spielvereinigung siegte verdient und zwar auf Grund der besseren Balltechnik' überlegener Kombination, auf Grund von Bor- teilen, die die Rationalsozialisten durch erhöhten Eifer auszugleichen suchten. Der Kampf wurde p.PJ1 2lrifang bis zum Ende in flottem Tempo geführt. 1900 war im Feldspiel überlegen, aber auch die SA. trug manchen sehr gefährlichen Angriff vor. Schon in der ersten Minute eröffnete Betz (1903) den Torreigen. Bald stand das Spiel 0 4 für die Spielvereinigung. Es sah nach einer hohen Riederlage der SA. aus. Es kam aber anders SA. fand sich allmählich. In der Verteidigung wurde dem Sturm des Gegners energischer Widerstand geboten. 1900 hatte es manchmal sehr schwer, sich durchzukämpfen. Für die SA. schoß Barth das erste Tor. Mit dem Halbzeitergebnis von 1:4 für die Spielvereinigung wurden die Seiten gewechselt. KO) erhöhte zunächst auf 1:5, dann aber kamen die Gegner auf und schossen in kurzen Abständen zwei Tore. Durch Strafwurf erhöhte Betz auf 3:6. In unverändert scharfem Kampf fügte Hamann für ISO) ein weiteres Tor an. SA. holte abermals einen Treffer auf. Kurz darauf fiel das achte Tor für 190), denen die Rationalsozialisten einen fünften Treffer entgegensetzten. Das fesselnde Spiel wurde sehr fair ausgetragen. In Reih (1846) hatte das Spiel einen unbestechlichen Leiter. FC Teutonia^ Watzenborn-Steinberg Teutonia I — Ockershausen I 4:4 (2:3). Die Watzenborn-Steinberger hatten sich eine sehr kampfkräftige Mannschaft verpflichtet: die I. toon Ockershausen. Die zahlreichen Zuschauer wurden nicht enttäuscht. Ockershausen stellte eine sehr schnelle Mannschaft, die durch genaues Zuspiel und raumgreifendes Flügelspiel gefiel. Die Teutonen bestanden in Ehren. Flottes Tempo bestimmte den Kampf von Anfang an. Die Gäste waren zuerst erfolgreich aber im Gegenzug glich der Halblinke der Gastgeber aus. Die Gäste waren verdutzt, setzten alles ein und führten wenig später mit 3:1 Toren. Das schien jvyen 3p genügen. In der Folge aber gaben die Platzbeiiher den Ton an, aber der Sturm vergab die besten Gelegenheiten. Kurz vor der Pause verkürzte der Halblinke auf 2:4. Auch in der zweiten Hälfte hatten die Gastgeber mehr vom Spiel. Zwar erhöhte Ockershausen auf 2:4, die Watzenborn-Steinberger hatten jedoch stets gün- stige Torchancen, deren zwei schließlich auch durch den Halbrechten und durch den linken Läufer mit prächtigen Schüssen ausgenüht wurden. Die rest- lichen 8 Minuten brachten noch einen hinreißenden Endspurt, der aber am Anentschieden nichts mehr andern konnte. Der Kampf wurde sehr ritterlich geführt. Der Schiedsrichter Michel, Gießen, leitete einwandfrei. Die Schüler gewannen gegen Klein-Lindens Schüler mit 2:1 Toren. Sportabteilung des Tv. Wieseck. Dukenhofen I — wieseck I 1:2 (0:0). Die 1. Elf des Tv. Wieseck weilte am Sonntag in Dutenhofen, um gegen die 1. des Platzbesitzers das fällige Verbandsjpiel auszutragen. Wieseck trat mit drei Mann Ersatz, die Gastgeber komplett an. Die Mannschaften lieferten sich einen hartnäckigen Kampf. Wieseck gewann verdient. Die erste Halbzeit sah Dutenhofen überlegen, der Gäste Hintermannschaft verhinderte aber jeden Erfolg. Wiesecks Tormann war ausgezeichnet. Torlos ging es in die Pause. Die zweite Halbzeit stand im Zeichen der Gäste. Sie liefen zu ausgezeichneter Form auf. Trotzdem kam Dutenhofen in der 31. Minute durch Fernschuß zum ersten Erfolg. Wieseck hatte bald gleichgezogen und kaum fünf Minuten später brach der Rechtsaußen durch und sicherte seiner Mannschaft durch entschlossenen Schuß den verdienten Sieg. Die Schüler siegten gegen VfB.-Schüler mit 1:0. Handball der Sp.-Dg. 1900. TV. Pohl-Göns I — 1900 I 4:8 (1:6). In Pohl-Göns trafen die 1900er auf den erwartet schweren Gegner. Sie vermochten jedoch fast während des ganzen Spiels zu dominieren und einen klaren Sieg zu erringen. Die Spieloereinigungsmannschaft war in allen Teilen gut besetzt, besonders gut ließ sich der neue Halbrechte an, der allein fünf Tore auf sein Konto brachte. Der Gastgeber hatte eine sehr stabile Mannschaft im Feld, in der Mittelläufer und Torwart heroorragten. Letzterer entwickelte allerdings verschiedentlich viel Glück. Pohl-Göns II — 1900 II 6:6 (2:4). Einen scharfen Kampf fochten auch die zweiten Garnituren aus. Nachdem die 1900er zu Halbzeit in Front gelegen hatten, kamen nach dem Seitenwechsel die Turner a^f und erzielten einen Vorsprung von einem Tor. Fast mit dem Schlußpfiff glichen die Gießener aus. Handball im Lahn-Oiinsberg-Gan. Tv. Albach steigt in die Gauklasse auf. Im letzten Aufstiegsspiel (Albach—Rordeck) zeigte der Platzbesitzer gegen die ersatzgeschwächten Gäste nicht die Leistungen der letzten Spiele. Der Angriff nützt die gut vorgetragenen Durchbrüche nicht aus. Diele Bälle gingen an die Latte. In der ersten Halbzeit war Albach stark überlegen, der Sturm erzielte aber nur 4 Tore. Rach dem Wechsel erhöhte der Meister auf 5:0, ließ dann aber nach. Die Gäste kamen auf, erzielten aber nur das Ehrentor. Krofdorf I — Ahbach I 7:7. Die Mannschaft der Plahbesiher die durch Spielerzuwanderung an Stärke gewonnen hat, war ein schwerer Gegner und trotzte der bestimmt nicht schwachen Mannschaft der Gäste ein Anentschieden ab. Wirtschaft. Sronffurfer Abendbörse freundlich. Frankfurt a. M., 26. April. An der Abendbörse herrschte auf die Diskussionen über die zukünftige wirtschaftspolitische Führung in Preußen und im Hinblick auf die schwächere Eröffnung Reuyorks gewisse Zurückhaltung, so daß nur kleine Amsähe zu verzeichnen waren. Die Grundstimmung blieb jedoch freundlich, zumal man die Rachrichten aus Washington als etwas günstiger ansah. Die Berliner Schlußkurse, die z. T. etwas niedriger als die der hiesigen Börse la^en, blieben gut behauptet. Etwas Interesse bestand für Montanwerte und IG.-Farben. -am Rentenmarkte konzentrierte sich das wenige Geschäft in der Hauptsache auf die Schutzgebietsanleihe, die gegen heute mittag um 0,25 Prozent anzvg, und nach dem Kurs weiter gesucht blieb. Andere Renten lagen vernachlässigt; Altbesitz kamen gegen den erholten Berliner Schluß 20 Pf. niedriger zur Rotiz. Aktien lagen im Verlauf still und unverändert, lediglich IG.- Farben zogen 0,25 Prozent an. Reubesihanleihe 13,40, Altbesihanleihe 73, Schutzgebietsanleihe 8,50 (Rachbörse 8,65), bproz. innere Mexikaner 4,91, 4proz. Zolltürken 5,65, Reichsbank 137,25, Buderus 75,50, Harpener 104,25, Klöcknerwerke 65,50, Rheinstahl 91,50, Stahlverein 46, Bekula 110,50, AEG. 29,25, Deutsche Erdöl 117,75, Conti- Gummi 158,50, IG.-Farben 142,50 bis 142,75, Gesfürel 93,50, Holzmann 56,50, Rütgerswerke 52.91, Rordd. Lloyd 20,39, Reichsbahn-VA. 100,75, Schöfferhof-Dinding 162. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 26. April. An der heutigen Getreidebörse setzte sich die am Montag begonnene Befestigung auf Teilgebieten fort, das Geschäft hat indessen keine stärkere Belebung erfahren. Gefragt blieb weiterhin Weizen seitens der rheinischen Grohmühlen, auch zu Zwecken der Eosinierung sanden einige Käufe statt. Der Weizenpreis konnte sich um 2,50 Mk. per Tonne befestigen, wogegen Roggen ruhig lag. Auch Sommergerste für Brauzwecke begegnet zur Zeit nur wenig Interesse, während Hafer etwas beachtet war. Das Angebot hielt sich infolge der Zurückhaltung der Landwirtschaft in engen Grenzen. Die Mehlofferten für Weizenmehl wurden seitens der süddeutschen Mühlen um 25 Pf. je 100 Kilogramm erhöht, der Absatz blseb allerdings weiterhin schleppend. Am Kraftfuttermittelmarkt hielt di. Rachfrage für ölhaltige Futtermittel an, besonders aus Ostpreußen lagen einige Anfragen vor. Die Preise hierfür waren bis zu 0,50 Mk. je Doppelzentner fester, ebenso konnten sich Mühlenabfälle um 10 bis 15 Pf. erhöhen. Cs notierte (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mk.: Weizen 215,00, Roggen 172,50 bis 173,50, Sommergerste 180,00, Hafer 146,00 bis 150,00, Weizenmehl südd. und niederrhein. Spez. 0 mit Austauschweizen 30,15 bis 31,50, Roggenmehl 60- prozentige Ausmahlung 23,25 bis 24,75, Weizenkleie 7,50, Roggenkleie 8,50. In Handelsklassenware fanden keine Abschlüsse statt. Weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit. Oer neueste Ausweis der Reichsanstalt. Berlin, 25. April. (WTB.) Nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung für die Zeit vom 1. bis 15. April ist die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen in der ersten Aprilhälfte weiter gesunken. Sie verminderte sich um rund 69 000 auf rund 5 530 000. Vom Höchststand der winterlichen Arbeitslosigkeit ist bis Mitte April eine En Haftung um rund 518 000, oder um 8,6 o.H. eingetreten, gegenüber einer vorjährigen Entlastung von nur 195 000 oder 3,2 v. H. Die Stärke des bisherigen arbeitsmarktlichen Auftriebs geht auch daraus hervor, daß nach den Ergebnissen der Krankenkassen- mitgliederftatistik für den gleichen Zeitraum die Zahl der Beschäftigten um über 600 000 zugenommen hat. Die Besserung in der Verichtszeil ist im wesent. lichen in den Auhenberufen zu verzeichnen, die durch die Arbeitsbcschasfungsmaßnahmen der Regierung eine wichtige Stühe erhielten. Die Entwicklung in den übrigen Berufen war uneinheitlich. Die Entlastung hat sich jedoch nicht in der gleichen Stärke wie in der zweiten Märzhälfte durchgesetzt. Dies wird darauf zurückzuführen fein, daß erfahrungsgemäß kurz vor den Dfterfeiertagen Neu- einstellungen von Arbeitskräften zurü-gestellt werden. Außerdem find die Abgänge in Arbeit durch Neuzugänge vielfach überdeckt. Stärker als die Zahl der Arbeitslosen überhaupt ging die Zahl der hauptunterftühungs- empfänger in der Arbeitslosenversicherung und krisenfürsorge zurück. Der Abgang betrug hier 148 000 oder 6,9 v. H. Die stärkere Abnahme der Unterstützungsempfänger innerhalb der Oefamtberoegung der Arbeitslosenzahl ist ein weiteres Zeichen dafür, daß Neumeldungen zum Dftertermin die Abgänge in Arbeit teilweise überdeckt haben. Am 15. April waren noch rund 2 017 000 Hauptünterstützungsempfänger in der Ar- beitslosenversicherung^nnd Krisenfürsorge vorhanden. Davon entfielen 580 000 auf die Arbeitslosenversicherung und rund 1 437 000 auf die Krisenfürsorge. Zahlen über den Bestand an Wohlfahrtserwerbslosen liegen für die Monatsmitte nicht vor. Die aus Mitteln der Reichsanftalt geförderten Notstandsarbeiten sind in verstärktem Ausmaße in Angriff genommen worden. Die Zahl der hierbei beschäftigten Notstandsarbeiter betrug Ende März 88 000, eine weitere Zunahme ist inzwischen eingetreten. Kurszettel -er Berliner un- Frankfurter Börse. Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe bet zuletzt beschlossenen Dividende an. — Relchsbankdiskont 4 o H Lombardzinsfuß 5 o. H. »ranlnm a. M. Serlm Schluß« lurs Schluß!. Abend- börsc Schluß» turs Schluß!. Ulilfaq, böcsr Oafum 25.4. 26.4. 25.4. 26.4. 8% Deutsche RcichSanleihe v. 1921 85,25 ?5 4 84,9 97,5 1,65 85 97,5 81,65 6% el)em.7% Dl. Reichsanl. v. 1929 5%% Boung-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablos.-Schuld mH 97,9 82,5 9M 82,5 Auslos.-Rechlen ....... Desgl. ohne AuSlos.-Rechte...... 6% cbem.8% Hess. Bolksstaat 1929 73,25 13,35 73 13,4 72,6 13,05 73,2 13,35 truckzahlb 102%) .... 83,75 83 Oberhessen Provinz.Anleihe mit — 83 Auslos.-Rechlen Deutsche Komm. Sammelab l.Än — — leihe Serie! mil Auslos.-Rechlen 68 68 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank 67 Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Banl 88,5 87,5 — — Goldvfe. 16 unkündbar bis 1936 V/1% cüem. 4>/.% Franks. Hop. *• Bank.Liau..Psandbriese ..... 6*/2% ehem. 4'/2% Rheinische 89,5 89,9 - — Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe. . 6% ehem. 8% Pr. Londespfand 90,5 89,75 - — briefansiall, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. LandeSpsand 89,5 — 89,9 — briefanftalt. Pfandbriefe 81 10 89,75 89,75 - — <% Oeslerreichische Golvrenle.... _ 14,2 4,20% Oeslerreichische Silberrente __ _ 4% Ungarische Goldrente ______ __ _ 4% Ungarische Slaalsrenle v. 1910 — _ 4Vi% desgl von 1913 . . — _ 5% obgeil. Goldmexikaner von 99 8,25 7,5 1 75 7,6 5,6 5,5 5,55 5,4 9,75 4,5 97,5 4% Türkische Zollanieihe von 1911 5,6 5,65 5 fi <% Türkische Bagdadbahn-Anleih- Eerie I 4% desgl. Serie II ....... 6% Numän. vereinh. Rente v. 1903 5,62 5,6 5,5 5,65 5,65 5.5 5,6 5,65 5,55 9,75 4,5 27.5 4Vr%Rumän.vereinh.Rentev.l913 9,75 9 9 4% Rumänische vereinh. Rente .. 8%% «ualolter.............. 4,75 4,7 Datum lyrantiun u. ui. Berlin Schlußkurs 25.4. Schluß!. Abend, börie 26.4. Schluß» !urs 25-4. Schluß!. Mittag. börse 26.4. Hamdurg-Ämerika-Pakei ..... Hamburg-Südam. Dampfschiff. Hansa Dampfschiff........... Norddeutscher Lloyd .........0 A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 Commerz, und Privat-Bank... 0 Deutsche Bank und Disronto- Gesellschast................o Dresdner Bank..............o ReichSbank ....... i A.E.G....................... Elekrr. Lieferungsgesellschaft... 5 Licht und Kraft ............ g Felten & Guilleaume ........o Gesellschaft für Elektrische Unter. nehmungen .......... 4 Rheinische Elektrizität ........5 Schlickert L Co..............0 Siemens & Halske............. Labmeyer L Co................ «udeniL ............. 0 Deutsche Erdöl .............. Gelsenkirchener............... Harpener ........... y Eisen-Köln-Neuessen.. 0 Ilse Bergbau ... 7 3Uf Bergbau Genüsse....... 7 Iklvcknerwerke ...........0 Manneomann-Röhren.... 0 Manvselder Bergbau ........0 Lberschles. Kokowerte...... 0 Phönix Bergbau _______0 Rheinische Braunkohlen ......10 »beinstabl ................. 20 20,75 51 96,5 53 68 61,5 137,5 30,4 88,5 106 68,25 93,75 94,25 106 165 137,5 73,5 118 69,75 103 176 '16,75 64,5 77 31,5 47 309,5 93,25 20 20,4 51,25 96,25 53 67 61 137,25 29,25 89 106 68 93,5 94,5 105,5 162,5 130 75,5 117,75 68,75 104,25 178 118 65,5 76 31 47 209 91,5 20,13 32,5 20,9 52,25 96,5 53 68 61,5 137,25 30,25 88 105,5 68 92,9 94,5 105,25 164 130,5 73 117,25 69 101,25 75,5 117 64,25 76,5 30,13 79,75 48.5 208 93,5 19,9 42 33 20,5 51,4 96,25 52,75 67 61,25 137,65 28,9 90,5 105,9 67,25 93,5 94,75 104,75 163,5 130 75,5 118,4 68.5 103,75 76,75 177 117,9 65,13 76 30 80,75 46,4 208,25 92 Sranffurt a.M Berlin Echluß» kurs Schluß!. Abend» börs- Schlußkurs Schluß!. Mlliag« börie Datum 25.4. 25.4. 25.4. 26.4. Bereinigte Stahlwerke.... ... u 46 46 46,9 45,9 Otavi Minen ............ ... 0 19,5 19,5 19,5 19,13 Kaliwerke Aschersleben..... ... 6 143,5 144,5 143,5 145 Kaliwerke Westeregeln..... Kaliwerke SalzdetsurH .... ... 6 ... 9 143,25 206 146 204,5 144 205 146,5 204,5 3 G. Farben-Jndustrte ... ... 7 144,65 142,75 144,5 142,25 Scheideansialt............ ...10 174 173 Goldschmidt ............. ... 0 58,65 59 59 58,75 Rütgeröwerke ........... ... 0 54 52,9 53,4 53,25 Metallgeiellschaft.......... ... 0 37,75 37,75 37,25 37,5 Philipp Holzmann........ ... 0 58 56,5 58 56,75 Zementwerk Heidelberg ... Tementwerk Karlstadt...... ... 4 ... 0 73 72 72 Wayß & Freytag ......... ... 0 — - - Schultheis Payenhofer..... ... 0 — 131.5 133,25 37,5 Aku tAllgemeine Kunstseide) ... 0 38 ,38 37.75 Bemberg ............... ... 0 49 49 50,5 53,75 26,13 Zellstost Waldhof......... ... 0 52,5 54 53.25 Zellstoss Aschaffenburg .... ... 0 26,5 26 26,75 Dessauer GaS ........... Daimler Motoren......... Deutsche Linoleum ....... Orenstein L Koppel ....... Leonhard Tietz........... ... 7 ... 0 ... 0 ... 0 ... 6 35,25 40,25 27,75 34,5 40.5 26 111 35,25 40 48,5 27,25 112,75 34,75 41,75 48,25 26,25 Ehade................... ...12 146,75 148 147 148,75 Gritzner ................. Mainkraftwerke Höchst a.«. ::: 21 32,5 71 721 32,5 Süddeutscher Zucker ...... ... s| 173,75 -I 175 > 175 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2TL 25. April 26. Apt il Amtliche Notierung Amtliche Nolieruna weit- <5ric Geld 1 Brie Helsingiors. Wien...... 6,513 45,45 6,527 45,55 6,424 45,45 6,436 45,55 Prag...... 12,70 12,72 12,70 12,72 Budapest .. Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland ... 171,53 171,87 171,33 171,67 Oslo ..... 75,17 75,33 74,18 74,32 Kopenhagen 65,83 65,97 64,69 64,81 Stockholm.. 76,02 76,18 75,17 75,33 London.... 14,76 14,80 14,48 14,59 Buenos Atre- 0,853 0,857 0,853 0,857 Neunork... 3,816 3,854 3,846 3,854 Brüssel.... 59,39 59,51 59,19 59,31 Italien.... 22,09 22,13 22,08 22,12 Parts ..... 16,76 16,80 16,64 16,68 Schweiz... 82,37 82,53 82,17 82,33 Spanien... 36,36 36.44 36,36 36.44 Danzig.... 83,42 83,58 83,17 83,33 Japan...... 0,899 0,901 0,899 0,901 Rio de Ian. 0,239 0,241 0,239 0.241 Jugoslawien Lissabon.... 5,195 13,49 5,205 13,51 5,195 13,29 5,205 13,31 Banknoten. Serkin, 267Äpr« Geld Brief Amertlanüche Noten.............. 3,80 59,03 64.3- 14,44 16,60 170,96 22,06 74,00 2,46 75,00 81,99 36,23 3,82 59,27 64,58 14,50 16,66 171,64 22,14 74,30 2,48 75,30 82,31 36,37 Belgische Noten.................. Dänische Noten ................. Englische Noten ................. Französische Noten............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, i 10O Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Ungarische Roten................