Donnerstag, 26. Januar 1933 183. Jahrgang Nr. 22 Erstes Blatt QUsgt. e6er|e(. ifie Kreuzer „Köln" auf derAaßrt nach Madras. Der Kreuzer ..Köln" hat am Mittwoch Alexandrien verlassen. Während der achttägigen Anwesenheit des Schiffes wurde der Kommandant, Frcgattmkap.tLn Schniewind. in Kairo vom König von Aegypten in Audienz empfangen. Dec Besuch des Schisses begegnete bei der Be- völlecung lebhaftem Interesse. ^Kreuzer „Köln" befindet sich zur Zeit aus der Fahrt nach Madras, wo das Schiff am 8. Februar eintreffen Wird. 3nna)me von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- klamean-,eigen von 70 mm Breite 35 Neichspsennig, Playvorschrift 20“, mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und^ür^enAn- zeigenteil i.D. Th. Kümmel sämtlich in (Siegen. n hört«, et ltid)l unb bif .■50 D.f). tanwtrtt ■ginn btr V die im Anleihen r waren ,13 v.h. HMuih t datz je< 45fl 06: 1 waren her. All- ihe 9,10, in 10,25. harpener nn 61,50, 0.75, Senft 96,75, rtann 50, Siemens Schlachtschiffe vor den Philippinen kreuzten, und daß mit ihrem Eingrefien zu rechnen fei. Prinz Heinrich von Preußen als Kommandeur der deutschen Flotte werde die Amerikaner im Zaum halten. Ebenso wie in Kuba war auch in den Philippinen unter Führung des philippinischen Patrioten Aguinaldo der Aufruhr gegen die spanische Herrschaft ausgebrochen. Die spanischen Generalkapitäne versuchten vergeblich, die Revolte in blutigen Kämpfen zu unterdrücken. Wenn nun die Rebellen durch die amerikanische Flotte unterstützt wurden, so muhte sich die Lage bedenklich zuspihen. Aber auch über den Ernst der Lage in Manila war sich die große R7asse der Spanier nicht klar, man meinte, die spanischen Kreuzer würden die amerikanischen Kriegsschiffe, die keine Truppen zu landen wagten, bald vertreiben. Es war im volkstümlichene „Teatro de la Zar- zucla". Rach einer Posse wurde allabendlich unler dem Beifall der Zuschauer ein Spott- stück auf die Bereinigten Staaten auf- geführt. Ein täppischer Riese, der als Onkel Sam autstaffiect war, ein Sternenbanner schwang und prahlerische Reifen hielt, wurde von einem flinken Spanier im Torerohut am Bart gezupft. Er bekam nach jeder Rede eine Ohrfeige, wurde ausgelacht, versuchte sich vergeblich zu wehren, fiel schließlich der Sänge nach hin und schlug sich die Rase blutig. Das primitive Stück paßte gut zu den primitiven Zuschauern, die diese Bor- stellung ganz in der Ordnung fanden. Ilm so erstaunter war man. als plötzlich mitten in der Farce der Borhang herabgelassen wurde. Der Direktor erklärte von der Rampe, es seien schlechte Rachrichten eingetroffen und die Polizei habe die Fortsetzung des Stückes ver- bo en. Erstaunen, Empörung. Tlnruhe bemächtigte sich aller ... das Ahnen eines Trauerspieles lag in oer Lust. Auf der Straße verkündeten bereits Extrablätter, daß die spanischeFlotte vor Cavite geschlagen sei und daß Manila nicht mehr verteidigt werden könnte. Auch vom Kriegsschauplatz in Kuba waren böse Gerüchte im Umlauf, die Reste des spanischen Weltreiches brachen unter den Schlägen der Rordamerikaner zusammen. ihris' »e’tmber jet, W die als» Mitunter* tfenbet* ifammen h geria* Aufrecht- leien. Die Arbeits- L Sa die 1 entfällt, Inen Deen, ifttung Krisen- 4 Handl- nüber bet >bt sich st' beitslvsen- sorge, zu- ia1. rbdbm J eine hallen, ar wo. Dell, ■onstai. 1’8 06- tonnit Der. tf,<6 *41 14,3« ,6’u I6S.W $ 77.6« Kg J4,ü Icbeits- Ende 2o- aang um J ist. Sie betrug am barunter iber 7192 Die Zäher ist von nf 7527 in ■ 1932 zu- Die Schuldendebatte beginnt Berlin. 26. Jan. (CRB.-Funlfpruch) Der grundsätzlichen Ankündigung in dem Kommunique vom 19. Januar über die Aussprache Hoover- Roosevelt sind rasch die Taten gefolgt: England und die übrigen nicht säumigen Schuldner Amerikas, d. h. alle mitAusnahme Frankreichs. Polens und Belgiens, sind in den letzten Tagen zu Berhandlungcn in der Zeit nach dem 4. März eingeladen worden. Die Antwort Englands liegt bereits vor. Entscheidend in ihr ist die Erklärung, daß bei den eng- lisch-amcr.konischen Besprechungen über Wirtschaftsfragen wohl ein Gedankenaustausch gepflogen, aber keinerlei Ent sch e i d u n g getroffen werden kann, ehe die W c l t - Wirtschaftskonferenz in Anwesenheit aller dazu eingeladenen Staaten zusammengetreten ist. Wenn England in dieser Weise die Bedeutung der geplanten Weltwirtschaslslonserenz, zu deren Prä, iden.en gerade eben M a c d o n a l d bestimmt worden ist, nicht verkennen lassen will, so liegt darin mehr als nur eine Prestigefrage, es ist vor allem das Bestreben, die für England lebens"eichtigen Fragen wie Goldwährung. Rem rzugszölle u. dgl. nicht unter dem Druck rein finanzieller Erwägungen entscheiden zu müssen. Bei den englisch-amerikanischen Derhand- lungcn wäre eine Festlegung Englands aus vielleicht beträchtliche Zugeständnisse an Amerika zu erwarten, während die Ergebnisse einer vielseitigen Konferenz meist so verklausuliert sind, daß sie den Regierungen praktisch eine sehr große Handlungsfreiheit lassen. Interessant und gleichfalls von dem Wunsch nach Erweiterung des Kreises der Derhandlungs- teilnehmer bestimmt ist die englische Anregung an Amerika, auch Frankreich im März heranzuziehen. Diese auf Grund des Lausanner Dertrauensabkommens gemachte Anregung dürfte freilich den sachlichen Gegensatz zwischen dem amerikanischen und französischen Standpunkt nicht überbrücken. Frankreich halt vorläufig an feiner These von der Berbindung zwischen Kriegsschulden und Reparationen fest und fühlt sich sehr sicher in dem Bewußt- -fein, dah eine endgültige Entscheidung ohne Frankreich nicht getroffen werden könne. Hoover fordert Rückkehr zur Goldwährung. Tie (*teqenkiftunfl der europäischen Lchuldncrstaat-n. Washington, 25. Jan. (IDIB.) Präsident Hoover hat im Weihen Haus die Erklärung abgegeben, er betrachte eine allgemeine Rückkehr zum Goldstandard als einzige Rettung aus dem gegenwärtigen Prozeß der „Degeneration der Weltwirtschaft". Jn den letzten vier oder fünf Monaten habe sich die Tatsache, dah viele Staaten von der Goldwährung abgegangen seien, in Amerika durch erhöhte Einfuhr billiger Aus- landprodukte fühlbar gemocht. Dieses Dumping schädige die amerikanische Landwirtschaft und den amerikanischen Arbeiter so stark, dah Mah- nahmen dagegen getroffen werden mühten. Amerika könnte sich zwar durch erhöhte Zölle schützen, ober das wurde nur bedeuten, dah auch die vereinigten Staaten sich an der wahnsinnigen Jagd der letzten 18 Monate beteiligten, innerhalb deren Europa sich ständig mit höheren Zollmauern umgeben und mit-Kontingenten eingeschnurt habe. Die Jolge sei ein immer weiterer Rückgang des Absatzes und eine allmähliche Erdrosselung des Lebens im Dirtschaslskorper der Welt gewesen. Rur sofortige Rückkehr zur Goldwährung könne die Welt vom wirtschaftlichen Selbstmord retten. Die europäischen Schuldner st aalen, erklärte der Präsident weiter, hätten zur Zeit Verhandlungen mit Amerika mit dem Gegenstand einer Revision der Kriegsschuldenfrage begonnen. Amerika verlange als Gegenleistung, dah eben diese Staaten durch Stabilisierung der Wellwährung zur Stabilisierung der Wirtschaft beitrügen. Wenn die europäischen Staaten diese Forderung erfüllten, so würden die Preise auf dem Weltmarkt alsbald st eigen. Sollten sie sich dagegen ablehnend verhalten, so würde ein Zollkrieg beginnen, der d i e g a n , e weit ruinieren mühte. Die Lage sei äugtr- ordentlich ernst. Er hoffe dringend, dah Eng a..o und die übrigen Länder mit entwerteter Wahrung sich dieser Lrcenntnis nicht verschiiehen. polnisches Alpdrücken. liegen einen Block der Großmächte. Warschau, 25. Jan. (CNB.) Ein vom „Journal de Geneve" aus London gemeldeter angeblicher Plan zur Schaffung eines B i c r - M ä ch t e - Blockes, dem England, Deutschland, Frantreich und Italien angeboren sollen, wird von der Regierungspresse zum Anlaß genommen, um den Ge danken einer Hegemonie der Großmächte entschieden ab 3 u 1 e b n e n. Das Matt der polnischen Regie rung, „Gazclta Polska", schreibt in einem ßeitaufjau, der angebliche Versuch Großbritanniens, eine Oligarchie einiger großen Mächte zu schaffen, könne als Trugbild bezeichnet werden. Da.- Werkzeug, das die Versuche zur Schaffung dieser Herrschaft weniger verhindere, bestehe in der Gestalt -—nö6 s Ä Ä iS SS s 1 1.SI i 81-64 0,881 1 0,241 5.58 ; 13-01 Lrlcheini tägltd), außer Sonntags und Feiertag» Betlagen: Die Illustrierte (Bieuener Famittenblalter Heimat m, Bild Die Scholle monatJ:Bejng$orets: Dktt 4 Beilagen RTst 1.95 Dbne Illustrierte . 1 80 Zustellgebühr . . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. zernsprechanschlüsse anter Summe Inummer 2251. Anlchrisl lür Drahtnachrichten Anzeiger Siehe«. Popscheckkonto: fronlsr rl am Main 11686. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! • Madrid, Januar 1933. Bor nun fast 35 Jahren brach der Krieg zwischen den Bereinigten Staaten von Nordamerika und Spanien aus. Das amerikanische Kriegsschiff „Maine" war im Hafen von Havana d ur ch eine Explosion versenkt toorben, deren Entstehung niemals aufgeklärt wurde. Aber Washington machte die Madrider Regierung Dafür verantwortlich, alle Erklärungen und Berhand- lungen wurden zurückgewiesen und Nordamerika» Nische Rough-Rider landeten in Kuba, machten mit den Rebel.en gemeinsame Sache und griffen die spanischen Truppen an. Amerikanische Kriegsschiffe zwangen die schwachen spanischen Kreuzer, sich in den Hafen von Santiago zurückzuziehen. 3n Madrid herrschte Empörung, die Menge wogte über die Puerto del Sol und versuchte den Prunkpalast der Equitable an der Ealle Alcala zu stürmen, auf dem die nordamerikanische Fahne wehte. Eine Kriegser.läruna war noch nicht er- folj. die Königin Regenkin M a r i a , h r i st i n a hatte sich mit der dringenden Bitte nach Berlin, London und Wien gewandt, im Konflikt zu vermitteln, es war zu spät, am Abend traf die Kriegserklärung in Madrid ern, und nun wurde der Polizeischutz von der Ezu.tab.e zurückgezogen. Der Alcalde von Madrid, Agutlera, stellte sich an die Spitze der tobenden Menge, hielt eine Ansprache und holte die amerikanische Flagge vom Gebäude herunter, die zerrissen und mit Füßen getreten wurde. Die Kirchen wurden geöffnet und für den Sieg gebetet. Zwischen Spanien und den Bereinigten Staaten liegt der Atlantische Ozean deshalb füllten sich die Spanier auf ihrem Festlande auch nicht direkt durch die Schrecken des Krieges bedroht, der in den fernen Kolonien, m Kuba und Puerto Rico ausgcfochten werden muhte man unterschätzte die Macht Rordamerikas, man sprach vom Krämervolk jenseits des Meeres, das nur dank den spanischen Konquistadoren und Ent- deckern eine Eristenzberechtlgung erhalten habe, und das nicht bestehen würde, hatten nicht die Könige von Kastilien Amerika erst aus dem Richts" hervorgcholt. „Esos ,Yanquees‘ son un pueblo atrevido e ingrato" (diese .TZanquees sind ein freches und undankbares Bolk) meinte der einfache Mann auf der Straße kopfschüttelnd, „nun, man wird es ihnen schon zeigen". Die Regierung allerdings war keineswegs opt-mistifch und die ihr nahestehende Presse gab sich in vorsichtigen Artikeln Mühe, das Bolk über den Ernst des Krieges aufzuklären. Aber wie das auch in anderen Ländern geschieht, wurden fast nur Siegesnachrichten veröffentlicht. Da plötzlich hieß es, dah auch vor Manila amerikanische Kriegsschiffe aufgetaucht seien und den Hafen blockierten, beruhigend wurde hinzugefügt. dah deutsche unb englische einer Verschmelzung und Unterwerfung unter die rassenfremden Eroberer. Es spielten vielmehr manche Fäden nach Tokio herüber, da man in Japan die rassenverwandte kulturelle asiatische Vormacht sieht, die einst auch über das Schicksal der Philippinen entscheiden wird. Die Handelskreise, die direkt von der amerikanischen Besetzung profitieren, sind über die ihnen geschenkte Unabhängigkeit weniger erfreut und dürften gegen sie Protest einlegen, der allerdings nur eine platonische Bedeutung haben würde, da Senat und Kongreß in Washington ihren Beschluß kaum einer Revision unterziehen werden. Der Philippinenarchipel besteht aus etwa 7000 Inseln, von denen einige ein nur winziges Ausmaß haben. Die Bevölkerung beträgt 12,5 Millionen auf einer Fläche von rund 300 000 Quadratkilometern. Die Philippiner sind keine einheitliche Rasse, obwohl alle mehr oder weniger malayisches Blut aufweisen, oft stark mit chinesischem vermischt. Es gibt Inseln, deren Bewohner noch im primitiven Zustand dahinleben und nicht die geringste Absicht zeigen, sich nach amerikanischem Muster zivilisieren zu lassen. Die Städte, namentlich Manila, sind gepflegt. Großstädtischer Luxus wird in ihnen entfaltet und die eingeborene Oberschicht steht auf der Höhe der Kultur. Was in den zehn Jahren, die die Philippinen noch unter amerikanischer Verwaltung bleiben, geschehen wird, läßt sich schwer im voraus sagen, das hängt von der Entwicklung der Vorgänge im Fernen Osten ab. Japans Vorstoß auf Peking läßt, falls er durchgeführt wird, Kriegswolken im Fernen Osten sich zusammenballen. Werden die Vereinigten Staaten auch weiter zur Seite stehen und Zuschauer bleiben? Papierene Proteste haben ihren Wert verloren, Genfer Beschlüsse des Völkerbundes sind Zeugnisse der Ohnmacht. Es ist unwahrscheinlich, daß im Laufe dieser 10-Iahresfrist nicht gewaltsame Verschiebungen der Machtverhältnisse im Stillen Ozean ftattfinben. Die Philippinen sind bestimmt, dabei eine bedeutsame Rolle zu spielen. Man darf nicht übersehen, daß sie ein Ziel der japanischen Expan- stonspolitik und ein Brückenpfeiler auf dem japanischen Wege nach Süden sind. WieGpam'en di'ephilippinen verlor Erinnerungen an Kriegslage in Madrid. Don unserem v. Gss.-Berichterstatter. Präsident Hoover hatte gegen die vom Kongreß I beschl fene Unabhängigkeitserklarung der Philippinen sein Beto eingelegt. Er befürchtete nicht mit Tlnrscht, daß die an Bodenschätzen so reiche Inselgruppe eine leichte Beute der japanischen Expansionspolitik werden könne und daß dadurch im Stillen Ozean schwerwie- gende Berwickluugen und 'Verschiebungen ftatt- finden müßten. Kongreß und Senat haben sich den Gründen des Präsidenten verschlossen und haben das Beto mit der erforderlichen 3/,-Mehr- heit überstimmt. Rach 10 Jahren müssen sich die Amerikaner aus dem Inselarchipel zuruck- ziehen und die Philippinen sich selbst über« lassen. Trotzdem der Freiheitswech,el demnach auf recht lange Sicht ausgestellt ist, so ist die Llnabhängigkeitsertlärung an sich doch eine so bedeutende politische Tatsache, daß durch sie allein die diplomatischen und Machtinteressen derMächte am Pazifik berührt und verschoben werden. Als im Oktober 1930 ein Aufstand auf der Insel Formosa ausbrach, der von den Japanern nicht ohne Mühe unterdrückt wurde, sah man in dieser Revolte nicht nur eine inner- japanische Angelegenheit, sondern maß ihr eine weitere Bedeutung bei. Man nannte Formosa „den japanischen Brücken Pfeiler" zu d e n P h i l i p p i n e n. den ersten auf dem Wege nach Australien. Für Japan, das als Mandats- Herr auch die früheren deutschen Besitzungen in der Südfee — Marianen-, Karolinen-, Palau- und Marschallinfein — verwaltet, ist Formosa zweifelsohne ein wichtiger Stützpunkt für die eigene Geltung im Stillen Ozean, darüber hinaus aber ist die Brückenpfeilereigenschaft Formosas eine der Hoffnungen Japans für die Zukunft. Es gilt, den zweiten Brückenbogen von Formosa nach den Philippinen herüberzuschlagen, und von dort nach den Mandatsinseln, in denen Zapan festen Fuß gefaßt hat und die es, selbst wenn es den Völkerbund verlassen sollte, schwerlich wieder räumen wird, ist es nicht mehr weit. Obwohl die Bereinigten Staaten in den Philippinen eine Flottenbasis besitzen, ist man in den leitenden Kreisen von Washington doch weit davon entfernt, in dem entgegenen Besitz einen archimedischen Punkt für eigene kriegerische Pläne im Fernen Osten zu sehen. Auf der Washingtoner Abrüstungskonferenz im Jahre 1921 verzichtete die Union auf die Anlegung neuer Befestigungen auf den Philippinen und auf der Londoner Flottenkonferenz fanden Besprechungen zwischen den japanischen und nordamerikanischen Delegierten über eine Reutralisierung Der Inselgruppe statt, die aber keine greifbaren Resultate brachten. -Nordamerika wäre von einer großen Sorge befreit, wenn es Sicherheiten gegen eine Besitz- ergreifung Der Philippinen Durch Die Japaner erlangen könnte. Wenn kein bewaffneter Zusammenstoß, wie ihn Die Entwicklung Der Dinge im ManDschureikonslikt befürchten lassen, zwischen Den im Fernen Osten interessierten Mächten statt- finDet, so Dürfte Japan kaum darauf ausgehen, die Philippinen durch einen Handstreich zu besetzen, eine langsame Durchdringung und Kolonisation mit feiner überschüssigen Bevölkerung, eine friedliche I a p a n i s i e r u n g der Philippinen würde Tokio vorläufig genügen. Man würde in Den Philippinen ebenso einen Schattenstaat wie Mandschukuo entstehen lassen, über Den sich Das japanische Danner schützend ausbreitet. Nach Dem unglücklichen Kriege mit Amerika mußte Spanien im Jahre 1898 Die Philippinen an die Vereinigten Staaten gegen eine Entschädigung von 83 Millionen Dollar abtreten. Der Führer Der Philippinischen Freiheitsbewegung. t>er lange Jahre gegen Den spanischen Generalgouoerneur gekämpft hatte. Aguinaldo, erklärte Die unabhängige Philippinische Republik, er wurde aber von Den amerikanischen LanDungstruppen besiegt und im Jahre 1901 gefangen genommen. Seitdem sind die Philippinen unumstrittener amerikanischer Kolonial- besitz. Washington hat nie recht gewußt, was es mit Den Inseln anfangen sollte. Seit nun schon 25 Jahren wurde mit mehr oder weniger Regelmäßigkeit von einem Test des Kongresses der Wunsch ausgesprochen, dieses ferngelegene Besitztum abzustoßen. In einer Reihe von Magazinen setzte der nicht unbekannte amerikanische Publizist Henry L o d g e auseinander, daß das Interesse der Vereinigten Staaten an den Philippinen nur ein negatives sei. Amerika könne den Besitz dieser großen und für die Machtverhältnisse im Pazifik wichtigen Inselgruppe keiner anderen Macht gönnen, die bereits durch starken Besitz im Stillen Ozean perfreten ist. Fielen sie in die Hände von Japan, so würde Tokio auf em geschlossenes Reich von Sachalin bis zum '2Iequator blicken können unb geriete in die unmittelbare Jfau^ darschaft mit England, mit den Niederlanden und mit den Vereinigten Staaten. Es bleibe nur eine Möglichkeit, man gebe die Philippinen den Deutsch e n als Kolonie, dadurch wären alle Gefahren beseitigt. Abgesehen davon, daß Berlin dieses Danaergeschenk kaum annehmen dürfte, ist der Vorschlag von Henry Lodge niemals ernstlich erwogen worden. . . Um Das Kolonialoroblern Der Philippinen spielt schon feit Jahren ein Krieg im Dunklen. In Manila arbeitet Die philippinische U n a b h ä n g i g t e i t s - beroegung umgeben von einem Netz entgegengesetzter Drahtzieher, die zum Teil in den Vereinigten Staaten sitzen. Den amerikanischen Zucker- F ö n i g e n sind die Philippinen ein Dorn im Auge. Mehr als X der philippinischen Ausfuhr entfällt auf Rohrzucker, Manilahanf und Tabakwaren. Im letzten Jahre wurden 750 000 Tonnen Zucker zollfrei aus Manila nach den Vereinigten Staaten eingeführt und Die Preisgestaltung sehr zum Schaden der in Kuba interessierten Großunternehmer und Konzerne dadurch gedrückt. Die westlichen Provinzen, namentlich Kalifornien, wehren sich vergeblich gegen die unbehinderte farbige Einwanderung der Philippiner, die ohne daß gegen sie die Emwandersperre angewandt werden könnte, sich in den Städten und auf dem Lande niederlassen und durch ihre Anspruchslosigkeit die Preise drücken. Die Gewerkschaften und die einflußreiche „American Federation of Labour“ verlangen dringend die Ausstoßung der Philippinen aus der Union, um die farbige Einwanderung zu stoppen. Das Bedürfnis der Rassenabsonderung ist stärker, als alle Gründe weltpolitischer Ueberlegungen. Während ihrer mehr als 30jährigen Verwaltung der Philippinen haben die nordamerikanischen Gouverneure, zuerst General Wood, dann Stimson, der spätere Außenminister und der frühere Kriegssekretär Dwight Davis sehr viel für die kulturelle unb wirtschaftliche Entwicklung der Inseln aetan. Straßen unb Häfen würben gebaut, Eisenbahnen angelegt, Erböllager erschlossen unb ber Plantagenbau erweitert. Jn Manila werben alljährlich runb fünf Mil lionen Registertonnen exportiert unb importiert. Die meisten Elektrizitätswerke, Fabriken unb Verkehrswege verbauten ihr Entstehen amerikanischen Unternehmern, das Nachrichtenwesen ist von den Amc- rilanern organisiert. Trotz alledem behauptet die philippinische Intelligenz ihr Eigenleben, das kulturell auf spanische Ueberlieferungen zurückgreift. Die Umgangssprache Der gebildeten Filipinos ist nicht das Englische, sondern das Spanische. Die von Den Benediktinern gegründete spanische Universitär von San Thomas, Die als eine der besten im Fernen Osten gilt, ist spanisch geblieben, unb wenn bie Jugend der gebildeten Filipinos in den Amerikanern auch nicht den Feind sieht, so hütet sie sich Doch vor Japans Brücke über den Pazifik. Oie Zukunft der Philippinen nach der Erklärung ihrer Unabhängigkeit von LIGA Don E. von llngern-Siernberg. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn'ck vrid verloa: vrühl'sche Unlveifitäls-Vuch- und Steinöruderei R. tarne in Gieren. Zchriftleltung und Grschiftsyelle: 7. 1 Sapii) feilen rotrfagt n Spit( des Völkerbundes. Man könne ihn für eine maskierte Oligarchie hallen, aber selbst die Maske verpflichte noch zu etwas. Abgesehen von den genannten vier Großmächten gebe es doch noch Am e - r i k a, Japan und Sowjetrußland. Ls gebe auch Polen, das an allen europäischen Angelegenheiten sehr interessiert und gleichzeitig g e - nugend stark sei, um seinem Willen Achtung zu verschaffen. Ein anderes Regierungsblatt, „Expreß Poranny", nennt den Gedanken, daß sich England, Frankreich, Deutschland und Italien Hegemonierechte anmaßen wollen, schauderhaft. Einer derartigen Konzeption werde Polen niemals zustimmen. Mini- ster Beck sei in Genf. Er sei jetzt verpflichtet, festzustellen, daß Polen niemals die Entstehung eines Trustes von Weltschiedsrichtern dulden werde. Warum man Deutschland Ll-Boote gönnt Wir sind überrascht, in einer gerade nicht deutichfreundlichen englischen Zeitung einen Beitrag zu falben, der uns das Recht zum Führen der äl°Doot°Waffe zuspricht. Gerade die Engländer haben sich bisher immer hetg gegen die^lnterseeboote gewandt, sie haben bei jeder sich bietenden Gelegenheit die A b s ch a f f u n g dieser Waffe gefordert und auch 1918 mit besonderer L ebe die deutsche Llntersee- bootflotte ze.stört Aber inzwischen haben sie umgelernt. Sie haben längst erkannt, daß es eine grenzenlose Dummheit war, überhaupt in den Krieg einzutreten, sie sind auch ehrlich genug, anzuerkennen, daß sie sich mit der restlosen Knebelung und Entwaffnung Deutschlands den denkbar schlechte st en Dien st geleistet haben. Wohl ist die ihnen verhaßte deutsche Flotte von den Weltmeeren verschwunden, dafür haben sich aber die Amerikaner und, was ihnen be- soi.de .s auf die Rerven fällt, auch die Franzoien eine Riesenflotte zugelegt. Es versteht sich von selbst, daß die ihnen unbequemen Seemächte auch über eine große Anzahl Unterseeboote verfügen. Rur die Verschiebung des Kräfteverhältnisses zuungunsten der Engländer hat auch den „Daily Tele- graph" veranlaßt, uns das Recht, U-CBoote zu bauen, zuzusprechen. Die Aeußerung der eng. lischen Zeitung gibt haargenau die Einstellung dec britischen Admiralität wieder, die allen Grund hat, ihre Kräfte für eine Ausbalancierung des Gleichgewichts zur See einzusetzen. 3ft Deutschland erst wieder einmal im Besitz von UnterfeeboDten, so überlegen die Engländer, dann wirkt sich das praktisch als Entlastung Großbritanniens vom französischen Druck aus. Vielleicht ist aber der „Daily Telegraph" so freundlich, uns au verraten, wo wir die Summen hernehmen sollen, die für den Dau einer auch nur für den engeren Küstenschutz ausreichenden Ll-Doot-Flotte nötig find. Oie Landtagswahlen inZrland Starke Wahlbeteiligung. — Ergebnis erst am Samstag. Dublin, 25. Januar. (TU.) Die irischen Land- tagswahlen am Dienstag wiesen eine bisher noch nie dagewesene Rekordbeteiligung auf. Schätzungsweise erschienen rund 85 Prozent der Wählerschaft an der Llrne gegenüber etwa 70 Prozent bei den letzten Wahlen. In vielen Fällen wurden Kranke und Invaliden auf Tragbahren zur Urne gebracht. Ein Zeichen für den Fanatismus vieler Wähler waren bei der diesmaligen Wahl die zahlreichen Fälschungen von S t i m m s ch e i n e n. Z. D. wurden die Stimmzettel von Personen gefunden, die seit mehreren Jahren tot sind. In anderen Fällen mußten Wühler bei ihrer Ankunft im Wahllokal feststellen, daß bereits Stimmscheine mit ihren Ra- meN abgegeben worden waren. Die Fälschungen wurden in der Hauptsache von Frauen vorgenorn- men. Auch die Komik kam bei den Wahlen nicht zu kurz: ganz Irland lachte über einen Vorfall in Roscommon. Dort konnten verschiedene bejahrtere Wähler ihre Kleider nicht finden. Eie waren, wie sich später herausstellte, von jungen Leuten versteckt worden, die dafür sorgen wollten, daß die Gegenpartei nicht zuviel Stimmen erhielt. Ein alter Mann, der ebenfalls seine Kleider vermißte, lieh sich dadurch nicht einschüchtern, sondern wanderte ohne Hosen zum W a h l l o k a l, obwohl es sehr kalt war und ließ sich erst durch alarmierte Verwandte mit Gewalt nach Hause bringen. Bisher liegen nur einige Teilergebnisse der Wahlen zum irischen Landtag vor, das Gesamtergebnis wird voraussichtlich erst am Samstag bekanntgegeben werden können, weil es sich um eine Proportionalwahl handelt. Um 2.40 Uhr war der Stand der Parteien wie folgt, de Dalera 17, Cosgrape 7, Unabhängige 4, Arbeiterpartei 1. Kleine politische Nachrichten. Der ehemalige Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, Heirnannsberg, wurde zum 1. Vorsitzenden des Verbandes preußischer Polizeibeamter gewählt. * Die Internationale Konferenz für die Einführung der 40 stündigen Ar- beitswoche, die etwas mehr als zwei Wochen gedauert hat, ist abgeschlossen worden. Der ßanbesorpanijator bes Faschistischen Verbands in Mähren, iDZajor a.D. Rudolf Uvira, dem nach- gewiesen wurde, daß er von dem Ueberfall auf die Brunner Kaserne Kenntnis hatte, würbe verhaftet. Auch andere Personen, die von Oer Vorbereitung des (Überfalls Kenntnis hatten, wurden verhaftet oder verhört. * Nach einer Mitteilung des paraguayischen Kriegsministeriums haben sich die bolivianischen Truppen in ziemlicher Unordnung und unter Zurücklassung von 190 Toten aus dem Gebiet von Fort Ayala zu rückgezogen. Aus aller Welt. Der Rhein an der Loreley zugefroren. Wie aus St. Goarshausen gemeldet wird, ist das starke Treibeis des Rheins an der Loreley ins Stocken gekommen. Schwere Cisblöcke schoben sich über- und untereinander. Bald war die ganze Breite des Rheins völlig mit Eis bedeckt. In der Mitte des Eises liegt das holländische Schiff „Duiswyk", das seine Fahrt nicht mehr 1 sortsehen und auch den nächsten Schuhhafen nicht mehr erreichen konnte. Der Hafen in St. Goarshausen sowie der in St. Goar sind bereits mit schutzsuchenden Schiffen überfüllt. Grohfeuer in einer chemischen Fabrik In den i^h misch.n unb Fa b.nfabiife > v nB i & Co. in Hamburg bracy ein Feuer aus. bas halb einen außerorbentlich großen Umfang annahm. In kurzer Zeit waren die gesamten Warenvorräte an Lacken, Farben, Teer und Salpeter vernichtet. Mehrfach waren überaus starke Expl o s i o n e n zu vernehmen. Die Feuerwehr ging mit sechs Zügen und insgesamt 18 Rohren gegen den Brand vor. Rach einstündiger Tätigkeit hatte sie das Feuer in ihrer Gewalt. Da es gelang, das Maschinenhaus und die Fabrikgebäude au retten, erleidet der Betrieb keine Unterbrechung. Als Ursache des Brandes vermutet man Selbstentzündung. Explosion einer Puloermühle. — Zwei Tote. In der Pulverfabrik Wolff & Co. in Bomlitz bei Lüneburg ereignete sich eine schwere Explosion. Eine der dortigen Pulvermühlen flog auf. Zwei Arbeiter wurden sofort getötet. Die Detonation war kilometerweit zu hören. Da die einzigen Zeugen der Explosion tot sind, und die Anlage — eines der durch Erdwälle voneinander getrennten kleinen Magazine — zerstört ist, wird sich die Ursache kaum feststellen lassen. Grubenexplosion. — Lin Toter, ein Schwerverletzter. 3m Grubenbetrieb der Gewerkschaft Bauten- berg bei Siegen gerieten zwei Bergleute beim Bohren auf einen steckengebliebenen Sprengschuh, der explodierte. Ein Bergmann wurde au der Stelle getötet, der andere erlitt furcht- baie Verletzungen: u. a. büßte er da« Au en- licht ein. RaubüberfaU in Oldenburg. In einer der letzten Rächte wurde auf dem Bahnhof in Oldenburg von zwei maskierten und mit Pist. len bewaffneten Männern ein Raub- überfall auf zwei Postbeamte verübt Die Täter schossen einen der Beamten nieder und hielten den anderen mit der Waffe in Schach. Sie raubtrn die etwa 20 Kilogramm schwere Kiste, in der 8200 Mk. in Scheinen und Silber- gelb enthalten waren. Die Täter find unerkannt entkommen. In Eis erstarrt das ganze Schiff. jfc > - ZNS lllt MM So vom Eis verzaubert laufen jetzt die Schiffe in die Häfen der Nord- und Ostseeküste ein. Die Seeleute sind um ihren Dienst zwischen Eiszapfen und pfeifenden Winden nicht zu beneiden. Das Letzte muß aus den Motoren herausgeholt werden, um das Schiff in langsamster Fahrt durch das Eis in den Heimathafen zurückzubringen. Aus der Provinzialhauptstadt. Dogeinng und Wildmarte. Don Ernst Holzel. Das Bestreben, durch Kennzeichnen von Zugvögeln zur Klärung der mancherlei Probleme zu gelangen, die sich dem denkenden Naturbeobachter alljährlich immer wieder aufdrängen, ist älter als meist angenommen wird. So wurden nach Prof. Thiene- mann, dem Begründer der Vogelwarte Rossitten, 1477 Versuche mit der Kennzeichung von Schwalben unternommen. Da sie mit untauglichen Mitteln erfolgten, blieben sie ohne Resultat. Erst um die Jahrhundertwende erfuhr diese Art der biologischen Forschung neuen Antrieb durch den Dänen Morten- fe n, dessen Verfahren, Vögel durch Fußringe mit Namen der Ausgabestelle der Ringe und laufender Nummer zu bezeichnen, auf alle Kulturländer übertragen wurde. Hervorragenden Anteil an der Entschleierung mancher Fragen haben die deutschen Vogelwarten Rossitten und Helgoland. 1903 hat Thienemann damit begonnen, und seitdem sind bis zum Ende bes Jahres 1931 mit Rossittener Ringen in Deutschland 168 648 und mit Helgoländer Ringen 262 892 Vögel beringt worden. Mit der Zahl der Geringer stieg auch die Zahl der Rückmeldungen in erfreulicher Weise. Sie beträgt etwa 2 bis 3 o. H. und hat bereits viele wertvolle Einblicke in Fragen des Vogelzuges und der Vogelbiologie tun lassen. In einem Rundschreiben an ihre Geringer bittet die Station Helgoland, immer wieder auf ihre Tätigkeit in der Oesfentlichkeit hinzuweisen, da sonst die Gefahr oorliegt, baß manche wertvolle Rückmelbung durch Unkenntnis bes Finders eines Ringvogels unterbleibt. Das Beispiel ber Ornithologen hat bie Anregung zum Kennzeichen von Säugetieren gegeben. Speziell ben Jäger interessieren aus praktischen Grünben viele Fragen aus bem Leben seines Wilbes, bie er ohne Hilfsmittel nicht beantworten kann. Dahin gehört z. B. bie Frage ber Standorttreue, des Alters, der Geweihbildung u. a. Daher ging im Jahre 1904 von bem „Vater ber Wildmarken", dem damals mecklenburaischen Forstmeister GrafBernstorff, heute in Angenrod bei Alsfeld, die Anregung aus, Wild durch Ohrmarken zu kennzeichnen, wie sie ähnlich auch in ber Tierzucht verwenbet werben. Der Allgemeine deutsche Jagdschutzverein nahm bie Anregung auf. Viele Kälber, Kitze und Hasen sind seit- dem gezeichnet worden. Nun, nachdem ein reicheres Rückmeldungsmaterial vorliegt, erfolgte eine erste gründlichere Auswertung, deren Ergebnisse auch über den Jäger kreis hinaus wenigstens in dem Punkte der Standortsveränderung den naturwissenschaftlich Interessierten zu Beobachtungen anregen dürften. In ber jagblichen Praxis spielt bie Frage ber „Wilbwanberungen" mitunter eine große Rolle, zumal wenn sie als Erklärung für ben geringen Bestaub eines zu stark besagten Reviers bienen soll. Was sagt barüber die Wildmarkenforschung? Be- Sinnen wir mit dem Rehwild. 145 Stück Rehwild, ie gezeichnet waren, tarnen zur Strecke. Die Hälfte davon war von dem Ort ber Zeichnung nicht mehr als 1 Kilometer entfernt, weitere 15 v. H. innerhalb eines Gebietes von 3 Kilometer. Es blieben zwei Drittel aller Stücke in dem engeren Gebiete, in bem sie gesetzt worben waren. Der Rest unternahm allerdings z. T. recht beträchtliche Wanderungen. So wurde eine in Mecklenburg gezeichnete Ricke in einer Entfernung von 220 Kilometer Luftlinie in der Provinz Sachsen im Alter von VA Jahren gestreckt. Andere legten 60 und 90 Kilometer zurück und fanden in breiten Strömen, oder in Gebirgen bis zu 1500 Meter Höhe kein Hindernis. Aber im großen und ganzen ist das Reh danach ftanbortstreuer als vielfach, besonders bezüglich der Böcke, angenommen wurde. Und nun der Hase! Hier ist das Bild wesentlich anders. Nur ein Viertel aller Hasen wurde in der Nähe ber Zeichnungsstelle gestreckt. Der Hase, ber ja auch sonst von seinen Läufen sehr ausgiebig Gebrauch zu machen pflegt, legte in kurzer Zeit ganz erstaunliche Entfernungen zurück. So würbe einer nach einem Vierteljahr in 180 km Entfernung w,?> bergefunben, ein anberer hatte 175 km hinter sich gebracht! Auch hier bildeten Flüsse, wie Rhein, Elbe, Ober, keinen Hinberungsgrunb. Ein anderer Mümmelmann dagegen wurde im ehrwürdigen Alter von 6% Jahren (wie mag der gut geschmeckt haben!) nur 4 km entfernt erlegt. Bei den Hasen darf nicht übersehen werden, daß die meisten gezeichneten Hasen als alte Hasen gelegentlich eines Hasenaus- setzens in hasenarme Reviere gezeichnet wurden, und dak> diese „Böhmen" ober Ungarn" nichts an bie neue Heimat banb. Jebensalls zeigt auch bieses Ergebnis, baß bas Hasenaussetzen eine sehr zweifelhafte Sache ist, durch die man sich nur zu leicht Seuchen ins Revier holt und schließlich noch Gefahr läuft, daß bie teuren Löffelmänner sich in alle Winde verkrümeln. Es ist schon richtig, daß entgegen aller „Bl'itauffrischungspropaganba" bas weibmännijche unb schonenbe Belagen bes Hafens das beste Ausfetzen barstellt! Es ist natürlich bringenb zu wünschen, baß derartige Wilbmarkierungen in verstärktem Maße er* folgen. Wissenschaft und Jägerei sind die Nutznießer davon. In ben kommenben Monaten sollte jeher Weibmann Wilbmarken bes ADJV. (Zeichnungen burch Patentknöpfe u. ä. finb Unsinn unb zwecklos!) stets im Jagbrock mit sich führen. Denn bie Gelegenheit zum Zeichnen eines Satzes Junghasen ober eines Kitzes bietet sich meist nur zufällig, aber nicht, wenn man es gerabe wünscht. Fehlt aber bann bie Wild- marke, bann ist bie Gelegenheit auf Nirnmerwieber- kehr meist verpaßt. Wilbmarken liefert bas General- fefretariat bes ADJV. in Berlin ober ber „Hubertus" Gießen. Tagung ber oberhessischen Krauenvereine. Der erste Arbeitstag der Oberhessischen evangelisch - kirchlichen Frauen- vereine, die sich im Vereinshaus der Inneren Mission zusammengefunden haben, begann am Mittwochvormittag mit einer Andacht, gehalten von Dekan G u ß m a n n (Kirchberg-Lollar). An Hand der Geschichte vom kananäischen Weib führte er aus, daß unsere heutige Rotzeit eine Prüfungszeit Gottes darstelle, der uns zurufe: Halte ein in deinem Tun und Treiben — Halte an im Gebet — Halte aus in dem, was dir auf- erlegt ist. Sodann hielt Pfarrer Bremmer. Klein- Linden, einen Vortrag über das Thema: ,®er i st dein R ä ch st e r ?" Der Redner führte u. a. aus: Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter zeige, daß wir nicht Scheinchristen, sondern Tatchristen sein müßten. In der gegenwärtigen Zeit sei alten, die sich Christen nennen, Gelegenheit geboten, den notleidenden Rächsten zu erkennen, und dann mit der Tat zu helfen. (Win- ternvthilsel) Mit der äußeren Betreuung müsse auch eine innere Betreuung Hand in Hand gehen, und gerade die Frauenvereine seien in erster Linie berufen, Hilfe zu leisten. Aus dem Gebot, Gott und den Rächsten zu lieben, gehe hervor, daß jeder für seinen Mitmenschen, ohne älnter- schied der Konfession, des Standes und der Partei in der Rot verantwortlich sei, einer tnüjfe des anderen Last tragen, sonst könne es nicht besser werden in unserem Volke. Gar oft genüge schon ein einfacher Liebesdienst, unseres Rächsten Schicksal zu erleichtern. Organisieren lasse sich allerdings ein solches Liebeswerk nicht, dazu müßten sich die Menschen aus ihrem Inneren heraus getrieben fühlen. — Ein« lebhafte Aussprache und der Dank der Vorsitzenden, Frau Heraeus, Offenbach, mit der Aufforderung, die angeschlagenen Saiten während der Tagung weiter klingen zu lassen, beendeten die Dormittagsarbeit. Am Rachmittag behandelte die Vecbandsvor- fitzende, Frau Heraeus, das Thema i e Stellung der Frau im öffentlichen und Berufsiebe n“. Die Rednerin sagte u. a.: Allenthalben ertöne heute der Ruf, die Frau gehöre nicht ins öffentliche und Berufsleben. Die Hauptaufgabe der Frau sei allerdings immer noch die Mütterlichkeit und Mutterschaft. Leider seien sich aber heute ungezählte Frauen der Verantwortung, die sie mit einer Ehe auf sich nehmen, nicht mehr voll bewußt, sonst könnten nicht 40 v. H. aller Ehen kinderlos bleiben unb nicht 345 von Tausend geschieden werden. So nötig es sei, in vielen Berufen die Frauen im Interesse der arbeitslosen Familienväter aus- Auscheiden, so unmöglich sei es doch, in allen Berufen auf die Mith lse der Frau zu verzichten. Man denke an die Erfolge der Lehrerin in der Mädchenscyule, an das segensreiche Wirken einer Frauenärztin, an die schwierige Arbeit einer Juristin und an die aufopfernde Tätigkeit der Fürsorgebeamtin. Diese Berufe könnten durch männliche Kräfte nicht so erseht werden, wie es weibliche Eigenart erfordere. Auch im politischen Leben, so bei der Aufstellung verschiedener Gesetze, sei es erwünscht, den Rat der Frau zu hören. Gerade die angeführten Berufe ergeben den Beweis, daß die Frau auch in den Beruf und ins öffentliche Leben hineingehöre. — An der anschließenden regen Aussprache beteiligten sich Dekan Gußmann, Frl. Wahrendorf Alsbach a. d. Bergstraße), die Geschäftsführer des Hessischen Hauptverbandes u. a. Am Abend versammelten sich die VereinSvor- stände noch einmal um vereinstechnische Fragen zu behandeln. Gretzener Wochenmarktpreise. * Gießen, 25. Ian. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmartt: Süßrahmbutter 110 bis 120 Pf., Landbutter 100 bis 110, Kochbutter 80 bis 90. Matte 20 bis 25, Wirsing (gelb) 8 bis 10, (grün) 15, Weißkraut 7 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 25, älnterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25, Feldsalat 150, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3 (pro Ztr. 2,50 Mk.), Aepfel 18 bis 30. Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 45, Rüsse 35 bis 40, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhüher 60 bis 80 Pfennig pro Pfund: Tauben 40 bis 60, Eier 11, Blumenkohl 40 bis 60, Endivien 15 bis 25, Lauch 5 bis 10. Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30, Käse 5 bis 10 Pfennig pro Stück. Bornotrzen. — lagestalenber für Donnerstag: Goethe-Bund: 20 Uhr, Neue Aula, Dichterabend: Erwin Guida Kolbenheyer. — Hapsfrauenberatung: 16 bis 18 Uhr, Kirchenplatz 2, Backvorführungen von Baisers. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Tarzan". — Astoria-Lichtjpiele, Seltersweg: „Der Hexer". — DieVortragsgemeinschaftGoethe- Bund, Kaufmännischer Verein unb Ge - werbeverein schreibt uns: Für ben vierten Vor- tragsabenb dieses Winters ist ber bekannte Tier- schriflsteller Paul Eipper zu einem Lichtbilder- oortrag über „Meine Freundschaft mit Tieren" ein- gelaben worben. Eipper spricht so fesselnb über seine Tiere, die auf ber Lichtbildleinwanb oorüberziehen, daß jeder Besucher sie liebgewinnt, mit ihnen fühlt unb ihre Tierseele empfinbet. Vortrag unb Licht- bilber werben auch befunben, mit welcher Oebulb unb Ruhe, mit wieviel Liebe unb Verstänbnis es erst gelungen ist, zu fast allen Tieren in bieses innige Freundschaftsverhältnis zu kommen. (Siehe heutige Anzeigen — *21 u 8 der Zeit des spätantiken Zauberwesens." Der Verein der Freunde des humanistischen Gymnasiums veranstaltet in Gemeinschaft mit der Altertumswissenschaftlichen Fachschaft am Montag, 30. Ianuar, 2030 Uhr, im Studentenhaus einen Lichtbildervortrag. Pros. Dr. Preisendanz ^Karlsruhe) spricht über das Thema »Aus der Welt des spätantiken Zauberwesens". Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen. ** Drennhvlzversteigerung der Stadt Gießen. Bei der gestrigen Drennholz- versteigerung in den Waldungen der Stadt Gießen (Försterei Hochwart) wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Buchenscheiter 1. Klasse 9,40 Mk. per Raummeter, 2. Kl. 7,20 Mk., Eichenscheiter 1. Kl. 7 Mk., 2. Kl. 5,40 Mk., Buchenknüppel 7,40 Mk., Eichenknüppel 5 Mk., Duchen- ftode 5,20 Mk., Hainbuchenreisig 2. Kl. 15 Mk. per 100 Wellen, Buchenreisig 3. Kl. 12 Mk., Birkenreisig 12 Mk. per, 100 Wellen. *• Anmeldung der Abc-Schützen. Da- Stadtschulamt macht in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß am Dienstag, 31. Januar (für Knaben), und am Mittwoch. 1. Februar (für Mädchen) die Anmeldung der schulpflichtigen Kinder zu erfolgen hat. Ein weiterer Termin für die Schul« aufnahme findet nicht statt. Interessenten mögen die Bekanntmachung beachten. ** Seinen Verletzungen erlegen. Der Arbeiter Heinrich Menz von Lumda, der am Samstag unmittelbar vor Grünberg auf der Landstraße nach Mücke vom Fahrrad gestürzt war und mit einem schweren Schädelbruch besinnungslos in die Chirurgische Klinik eingeliefert wurde, ist heute früh, ohne das Bewußtsein wieder- erlangt zu haben, gestorben. Obechessen. neuere Löscherläuterte die hiesige D e - sein Winter- von Lehrer Bilder. * । »in In Berlin tagte zum erstenmal das olympische Drganifatirnstomitee, das die Vorbereitung und Durch- führung der Olympischen Spiele 1936 zu leiten hat. — Don rechts nach links: Exzellenz Lewa Id, 1. Vorsitzender: der Oberbürgermeister der Reichshauptstadt Dr. Sa hm, 2. Vorsitzender: Dr. Liebrecht, der Berliner Olympia-Kommissar. Schwimm-Meisterschaften der Gießener Studenten. Im gut besuchten Dolksbad trug gestern abend die Universität ihre diesjährigen Schwimm-Meisterschaften aus. Während die Cin- zelkcnkurrenzen recht gute Besetzung aufwiesen, waren für die Staffeln nur wenige Mannschaften gemeldet. Es wurden teilweise recht gute Leistungen gezeigt. So erreichte Braun (Alemannia) mit 1:12,3 für sechs Bahnen im Freistil eine sehr gute Zeit und blieb somit schnellster Schwimmer. Besondere Erwähnung verdienen auch die Gebrüder Meyer, die fast bei allen Wettbewerben unter den Siegern anzutreffen waren. 3n den Staffeln blieb die Burschenschaft Alemannia durchweg Sieger. Die Studentinnen zeigten sich in den Staffeln ihren Gegnerinnen vom Turnlehrerinnenfeminar der Aliceschule nicht ge- tocchfen. Das Kunst- und Scherzspringen, sowie ein von kombinierten Mannschaften ausgetragenes Wasserballspiel wurden mit viel Beifall aufgenommen. Die Ergebnisse im einzelnen folgen. Sportverein 1920 Heuchelheim. Heuchelheim I — Dieseck 1 3:1 (1:0). Die Gäste, die nur mit neun Mann antraten, hielten trotzdem das Spiel offen und kamen öfters in bedrohliche Rähe des Tores des Gastgebers. Das verdiente Ehrentor blieb ihnen jedoch bis eine Minute vor Schluß versagt. Don den Einheimischen erwartete man bessere Leistungen. 3m Sturm klappte es nur in der ersten halben Stunde des Spiels. Auch die Abwehr der Der- teiDigung konnte nicht überzeugen. Rur die Läuferreihe hielt sich gut. D. f. K Lich. Lieh I — Steinbach I 0:2. 3n erbittertem Kampfe gelang eS den Gästen, die Rasenspieler knapp mit 2: 0 Toren zu schlagen. Den glücklichen Sieg haben die Steinbacher Dem Licher Sturm zu verdanken, der mit Ausnahme des Linksaußen nicht die geringste Durchschlagskraft besaß. Das Spiel selbst war mit Ausnahme der ersten 30 Minuten und der letzten Diertel- stunde, in denen die Rasenspieler sehr überlegen spielten, ausgeglichen. 3n der 30. Minute kamen die Gäste durch unglückliches Abwehrspiel des linken Läufers zum ersten und 2 Minuten vor Schluß durch einen Handelfmeter zum zweiten Tor. Wettervoraussage. Der hohe Druck baut sich bei uns langsam ab. Gleichzeitig verlagert sich sein Kern südöstlich nach den Donauländern. Dementsprechend findet auch eine Verschiebung des Temperaturbildes statt. Im Hern- gebiet lagen die Werte noch über 20 Grad unter Null, wahrend durch Einwirkung der Störungstätigkeit über Skandinavien Temperaturanstieg bis in Gefrierpunktnähe erfolgte. Für Mittel- und Süddeutschland ist zunächst keine Umgestaltung der Wetterlage zu erwarten, Denn die aus dem hoch aus- fließende Lust dürfte ihren Einfluß noch bis dorthm erstrecken, wobei gleichzeitig der schon bestehende Kälteherd in Tallagen frosterhaltend wirkt. Aussichten für Freitag: Auf den Bergen Frostabschwächung, sonst unverändert kalt, dunstig und wolkig mit Aufklaren, trocken. Aussichten für Samstag: Weitere Abschwächung des Frostes auf den Bergen, aber auch im Flachlande leichter Rückgang wahrscheinlich, zeitweise stärkere Bewölkung und Dunstbildung. Lufttemperaturen am 25. Januar: mittags — 7,1 Grad Celsius, abends —11,9 Grad: am 26 Januar: morgens —11,1 Grad. Maximum —7 Grad, Minimum —12,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. Januar: abends — 4,4 Grad; am 26. Januar: morgens —5,6 Grad Celsius. — Son- nenscheindauer 7% Stunden. Raube Haut: Penaten-Creme 4» Apotheken und Drogerien AM OJO, 055, 1.10 MMWlWWM Vornan von Gert Nothberg. (Urheberschutz durch T. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.) 12 Fortsetzung Nachdruck verboten. Doktor Lansing war eingetreten, mit stummer Rührung blickte er auf das junge Geschöpf, dem sein Können ein so reiches Glück brachte. Pia sah ihn, ging schnell auf ihn zu, weinte laut. „Herr Doktor, ewig bin ich in Ihrer Schuld. Verzeihen Sie mir, dah ich so wenig Zutrauen zu Ihrem Plan hatte." Ihre dunkelblauen Augen sahen ihn durch Tränen an, ihre kleinen Hände umklammerten in überquellender Dankbarkeit die seinen. Er aber wußte in diesem Augenblick, wie sehr sie gelt t:n unter ihrem ilnglüd. Und er sah liebevoll in die schimmernden Augen. Seine Wünsche regten sich wieder. Der Druck seiner Hand war warm und herzlich. Seine Stimme klang weich. „Ich freue mich ganz besonders, daß gerade ich es bin, der Ihnen helfen durfte, mein gnädiges Fräulein." — Pia sah ihn an, und da wußte sie, was der Mann fühlte, dem sie so viel verdankte. Und dem sie nicht das geben konnte, was er verdiente. Doktor Lansing sagte: „Ietzt aber dort in den Liegestuhl! — der kleine Patient mutet sich sonst zu viel zu." Lächelnd ließ Pia es geschehen, dah er sie zum Liegestuhl führte und schnell hineinschob. Er setzte sich noch ein Diertelstündchen zu ihr und plauderte mit ihr. Dann ging er, da am Rachmittag ein neuer Patient eingeliefert worden war, ein Baumeister, der durch einen Fehltritt auf dem Gerüst in die Tiefe gestürzt war und nach dem er noch sehen wollte. Mit einem fröhlichen Gruß schritt er zur Tür. Pia saß sinnend da. Die Schwester hatte das Zimmer verlassen, um den Damen ein Plauderstündchen zu ermöglichen. Frau Horlinger sagte leise: „Liebe Pia, Doktor Lansing liebt Sie. Haben Sie es noch nicht bemerkt?" Pia lächelte versonnen. Dann sagte sie: „3a. vielleicht haben Sie recht, liebe Frau Horlinger, doch ich werde ihm nun nicht so danken können, tote er es sich wünscht." „Er ist ein sehr sympathischer Mensch. So viel ich bemerkt habe, sind fast alle Schwestern mehr oder weniger in ihn verschossen." Pia sagte: „Ja, er ist gewiß ein liebenswerter Mensch, doch ich —“ Sie brach ob, blickte in die Ferne, sah Harry von Acherns hohe Figur, seine dunklen, leidenschaftlichen Augen, hörte seine tiefe, warme Stimme und dachte erschauernd: „Mit dieser Liebe im Herzen diesen Mann belügen. der mir soviel gegeben hat?" Und da kam ihr plötzlich e n seltsamer Gedanke. Wie sonderbar, rätselhaft war doch die Liebe! Dem sie eine traurige Kindheit und Iugend verdankte, der ihr früher nur weh getan hatte, der schuld war an ihrem jahrelangen Leiden, den liebte sie mit einer Kraft, die sie nie für möglich gehalten hätte! Und der, der ihr jetzt die frohe Iugend schenkte, der sein reiches Können für sie eingesetzt hatte, dem konnte sie nichts fein! Waren das nicht Irrwege, die die Liebe ging? Pia lehnte müde den Kopf zurück. Ihre Augen schlossen sich. Frau Horlinger setzte sich nebeln sie, und ihr kamen eigenartige Gedanken. Wenn Pia eher geheilt worden wäre, ob dann Harry von Achern nicht doch dem blonden Mädchen mehr Beachtung geschenkt hätte? Pia liebte ihn, das wußte die alte erfahrene Dame ja längst. Und sie war wirklich schön und anmutig, die kleine Pia. Frau Horlinger dachte an die verwöhnte junge Frau Harry von Acherns. Die alte Dame wehrte den schwarzen Gedanken, die da immer wieder kommen wollten. Warum war sie nur so fest überzeugt, daß mit der jungen Frau kein Glück nach Achern kam? Ganz in diesen Gedanken versunken, fuhr sie erschrocken zusammen, als Pias leise, klare Stimme ihr Ohr traf: „Liebe, gute Frau Horlinger, ob es Sünde ist, mit einer großen Liebe im Herzen einen anderen Mann zu heiraten, den man nicht liebt, dem man aber in tiefster Seele dankbar ist?" Frau Horlinger streichelte Pias Hande. Die Beantwortung dieser Frage legte ihr eine große Verantwortung auf. Dennoch sagte sie fest: „Es ist keine Sünde, wenn der betreffende Mann es weih. Er wird sicher alles tun, um die Liebe der geliebten Frau zu erringen. Es ist vielleicht auch das beste Mittel, über eine Unglück iche Liebe hinwegzu'ommen. An wen dachten Sie bei Ihrer Frage, liebe Pia?" „An — ich meinte nur so. Aber es muß doch furchtbar schwer fein, ein Leben lang an einer solchen Liebe zu kranken." „3a, schwer ist es Wohl." Die alte Dame sagte es ganz leise und versonnen. Pia schwieg. Die Tage tarnen und gingen. Ein sonniger Herbsttag reihte sich an den anderen. Doktor Lansing sagte an einem dieser Tage: „Run habe ich nichts mehr zu tun. Ich habe mich noch nie im Leben über eine gelungene Operation so gefreut wie In diesem Falle. Ich bin stolz, dah ich Ihnen helfen durfte. Wenn Sie nach Achern wollen, steht dem nichts mehr im Wege." Pia erschrak. Sie hätte gewünscht, daß sie noch recht lange hier bleiben dürfe. Doch einmal muhte sie ja doch fort von hier. Sie dankte ihm noch einmal herzlich für seine Mühe und Aufopferung. Er lächelte und nahm ihre Hand mit warmem Druck in die seine. „Sie waren gern hier? Hier, wo man Sie so quälte?“ Sie schüttelte den blonden Kops. „(Sie wissen es besser. Rie kann ich Ihnen vergelten, was Sie an mir getan haben." Zum ersten Male fiel es Pia schwer aufs Herz, dah Harry von Achern auch das noch würde bezahlen müssen. Almosen, immer Almosen — und jetzt war es ja doppelt bitter, diese Almosen von ihm anzunehmen. Lansings Stimme klang an ihr Ohr: „Es gäbe einen Weg, um hier bleiben zu können, gnädiges Fräulein. Ich liebe Sie, und ich wäre der glücklichste Mensch, wenn Sie sich entschliehen könnten, meine Frau zu werden." Ganz ruhig und fest klangen die Worte. Run wartete er. Wie würde sie sich entschlichen? Er wuhte ja, daß sie Achern liebte und aus diesem Grunde die Heimkehr fürchtete. Pias liebes Gesicht war sehr blaß, als sie sagte: „Ich mühte mich glücklich schätzen, die Frau eines solchen Mannes werden zu können: doch es wäre ein Unrecht an Ihnen, denn ich habe einen anderen lieb.“ Ihre schlichte Aufrichtigkeit entzückte ihn — trotz aller Enttäuschung. Er sah sie an, und sie senkte die Augen vor diesem Blick. Die ganze große Liebe des gereiften, ernsten Mannes lag darin. Er sagte jetzt leise, eindringlich: „Ich kann warten. Sie sollen sich nicht heute und morgen entscheiden. Aber wenn Sie mich eines Tages brauchen, dann rufen Sie mich." Mit impulsivem Cntschluh reichte sie ihm ihre Hände. „Ich nehme die Bedenkzeit an. Und nochmals meinen herzlichsten Dank für das, was^Sie an mir taten.“ Pia reifte heim. Doktor Lansing brachte sie zum Bahnhof, winkte ihr nach, und Pias Weihes Tuch flatterte noch lange aus dem Fenster. Lansing hatte ein wehes Gefühl im Herzen. Es war wie eine Ahnung, dah die junge Mädchenblüte doch für ihn verloren war. Reuntes Kapitel. Pia Eichendorff weilte nun wieder in Achern. Es war kurz vor Weihnachten, und es gab natürlich alle Hände voll zu tun. Edelgarde kümmerte sich um nichts. Sie lag meistens auf dem Ruhebett und las. Diese Winterwochen auf dem Lande waren dem verwöhnten Grohstadtlind entsetzlich. Achern widmete sich ihr, soviel er konnte, doch ihn erwarteten täglich soundsoviel Pflichten, daß er eben doch nicht immer bei ihr sein konnte. Er war gut und nachsichtig gegen ihre zuweilen ausbrechenden Launen, weil er sich vorgenommen hatte, ein gutes Verhältnis in seiner Ehe herzustellen. Pia bekam er nur beim Essen zu Gesicht. Sie wirkte still und bescheiden im Hintergrund. Sie ging jetzt schlank und graziös dahin. Achern hatte ihre Hände mit schmerzhaftem Druck in die seinen genommen, als sie vor Wochen aus Lansings Behandlung zurückgekehrt war. Und als sie scheu in seine Augen sah, da wuhte sie, was für eine Last ihm durch ihre Herstellung von der Seele genommen worden war. Und sie hatte ängstlich in feinem Gesicht geforscht. War er glücklich geworden?" „Liebe Pia, es hat sich hier nichts geändert, du hast nach wie vor hier in Achern deine Heimat, in der du dich wohlfühlen sollst. Weiht du das, Pia?" Sie hatte genickt. „Ich weih es, Harry." Und bei dieser Antwort hatte Pia an die unfreundlichen Blicke und Worte Edelgardes gedacht. Pia machte sich nützlich, wo es irgend ging. Sie vertrat die junge Schloßfrau, die sich um nichts kümmerte, und hielt ihr so jeden Tadel, der sie doch vielleicht einmal von den Lippen ihres Mannes getroffen hätte, fern. Pia fühlte nur manchmal, wenn sie sich überanstrengte, eine kleine Schwäche im Bein: doch das gab sich, sobald sie sich ausruhte. Ihre tiefe Dankbarkeit gehörte dem Mann, der ihr durch feine ärztliche Kunst soviel Gutes getan. Rur eins hatte sie immer wieder bedrückt: die Rechnung würde hoch gewesen fein für den Aufenthalt im Sanatorium. Aber Harry hatte auf ihre ängstliche Frage nur ernst gesagt: „Das soll dich nicht drücken, Pia. Erstens ist es mir eine große Erleichterung meines Gewissens, dah du wieder gesund bist. Zweitens hat Doktor Lansing eine lächerlich niedrige Rechnung aufgesetzt, und drittens wirst du selbst bald reich sein. Also sprich nicht mehr davon." Pia hatte über diese Worte nachgegrübelt. Sie selbst bald reich? Hatte der Pflegevater ihr vielleicht gar etwas vermacht, und sie erhielt ihr Erbe, wenn sie einundzwanzig Iahre alt war? Gewiß, das würde es sein. Pia faltete die kleinen Hände. Dann wollte sie fortgehen von Achern! Es war so übermenschlich schwer, zu sehen, wie Edel- §arde so gedankenlos die Liebe dieses Mannes esah. Pia hatte keine Ahnung, wie tief enttäuscht Harry von Achern bereits war, dah er längst wußte, was er an Edelgarde besah. Edelgarde hatte gleich die ersten Wochen eine umfangreiche Aenderung des Schlosses, vielmehr der Einrichtung vorgenommen. Achern hatte es nicht zugeben wollen, denn er hing an den alten, kostbaren, stilechten Möbeln. Doch Edelgarde hatte ihn aus- gelacht. „Puh, Harry, wie unmodern! Das kannst du mir nicht zumuten. Fort mit dem alten Gerümpel! Wir verkaufet^ alles, da kommt noch ein anständiges Stück Geld dabei heraus." (Fortsetzung folgt.) s ar a>A.ssvaiJLERi L lei ber ST. Schis» 5«cP 383 D 5. Vers 581 A 42?A 584D sind neu. 585 D 5790 her der Kriminalfilm noch nicht gekannt. und reichhaltig es Beiprogramm Jg. Schnittbohnen ViDose w, 4?, 72, und SAF-Sparmarken nur 40 Pfennig 10 Lot in schönen Melangen 571 a Mainzlar b. Giefcen. am 25. Januar 1933 40 54 62 30 72 50 95 1.- Linsen gutkochend 2 Pfund 35 Knackwurststck.M.iooo15 Die Hausandacht findet am Samstagfrüh, dem 28, Januar, um 10 Uhr, und die feierliche Einäscherung am gleichen Tage, nachmittags um 16 Uhr, statt. Bei Abnahme von 1 Pfund sogar noch 10% Rabatt! Gemüse-Erbsen..... Junge Erbsen......... Karotten geschnitten..... 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Es wurde durch diesen Erlaß mit erfreulicher Eindeutigkeit klargestellt, daß nicht daran gedacht werde, in das Eigenleben der bestehenden Bünde der Jugend im Interesse einer neuen staatliche» Jugendorganisation einzugreifen. oo bheb schließlich nur ein Trümmerfeld von Denkschriften aller möglichen großen und kleineren Gruppen zurück, während Pie zähe, aufbauende Arbeit, wie sie die Iugendbünde schon immer der öffentlichen Diskussion oorgezogen hatten, weiter ihren Weg An der deutschen Ostgrenze Oie seelische Not der Grenzmark. Don Ewald Bvchberaer nahm. . v. r _ Trotzdem lohnt es, noch einmal auf diese Vor- ; gänge zurückzuschauen. Steht doch sowohl hinter den Maßnahmen der Reichsregierung auf dem Gebiete der Jugendarbeit, wie auch hinter jenen bewegten Diskussionen etwas, was der Aufmerksamkeit ja der warmen Sympathie aller Staatsbürger wert ist. Jene Wandlung, die sich in den vergangenen Jahren für die Kundigen langsam anbahnte, ist heute deutlich vor aller Augen: em neuer Wille der Iugendbünde zum Staate! Einer jener Oberstudiendirektoren, die mit ihrer Prima ein wirkliches Vertrauensverhältnis haben , und darum wissen, was in den jungen Köpfen vorgeht, drückte es gesprächsweise neulich einmal so aus, daß er sagte, der Wille zum D i e n st am Volksganzen sei in der jungen Generation heute wieder neu erwacht, es gehen ihr gar nicht so sehr um Parteipolitik, die zeitweilig die jungen Köpfe vorzeitig heiß machte, auch nicht um die Fragen ihrer künftigen Lebensstellung, sondern es Ei vielmehr eine Art Einsatzbereitschaft ü r das Ganze in ihnen lebendig. Soweit die ugenbbünbe in Frage kommen, trifft diese Beob- achtung weithin auch auf bie Kreise ber werktätigen Iungmannschaft zu, während es daneben selbstverständlich heute wie immer einen erheblichen Prozentsatz junger Menschen gibt, die in den Tag hineinleben, ober in Stumpfsinn versinken. Auch wenn man sich vor jebei llebertreibung hütet, wirb man sagen dürfen, baß der Freiwillige Arbeitsdienst seinen überraschenden äußeren Aufschwung nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen erlebt hat, sondern daß dahinter durchaus auch etwas von jenem eben gekennzeichneten Dienstwillen ber jungen Generation steht. Die unmittelbare Erfahrung von mehr als zweihunbert Einsätzen im Freiwilligen Arbeitsdienst, die das evangelische Iungmännerwerk Deutschlands aufweist, hat gelehrt, daß gerade dort, wo das Lager In der geschlossenen Form einer völligen Lebensgemeinschaft und getragen von einem Sern hündisch zusammengeschlossener Jugend burchgetuyrt wird, trotz aller unvermeidlichen Härten des Dienstes der Wille zum Einsatz für das Ganze stark mitspricht. Daraus folgt Dann freilich auch daß hier gebieterischer als sonst beim Ablauf der Arbeitsdienstzeit die Frage „Was nun7 auf- taucht und ganz unabweisbar z u r S l e d l un g hindrängt. Es würde eine unverantwortliche Vergeudung besten jungen Wollens innerhalb unseres Volkes bedeuten, wenn hier nicht bald neue Möglichkeiten erschlossen werden, mögen sie auch noch so primitiver Art fein. Anderseits ist gerade an diesem Beispiel nicht zu verkennen, daß neben der Gebundenheit welt- anschaulichcr oder sonstiger Gesinnung wie sie hinter den großen Jugendbünden steht. Die Freiwilligkeit des Einsatzes ein wesentlicher Faktor für das Gelingen war. Es ist Federmann und Mücke sitzen in der Straßenbahn. Mücke liest die Zeitung. „Du", fragt er. »was ist das eigentlich: Generalnenner?" „Das will ich dir erklären", sagt Jedermann. „Erstens heißt es nicht General Renner, sondern General Renner. HnD zweitens ist es kein General, sondern ein früherer österreichischer Bundeskanzler." e Mücke ist bei Federmann zu Besuch. Jedermann schenkt Rotwein ein. „Diesen 'Wein", sagt er, habe ich spottbillig auf einer Auktion gekauft. Was, meinst du, kostet die Flasche 7' Mücke probiert den Wein. „Hm", murmelt er, .vier Mark?" . „Menschenskind", fährt Federmann auf, „Du hast ja keine Ahnung von Rotwein. Das ist ein 1911er Latour, Schloßabzug." Ra ja", probiert Mücke von neuem. „Sechs Mark 7' „Ha!" lacht FeDermann auf, „Reunzehnhundert- elfer ist im Handel kaum mehr zu haben. HnD Schloßabzug schon gar nicht. HnD Latour überhaupt nicht." „Zehn Mark', sagt Mücke. „Zehn Mark7' nickt FeDermann, „das wäre immerhin ein Preis." u „HnD was hast du nun wirklich bezahlt { fragt Mücke. „Drei Mark fünfzig", sagt Federmann. Jedermann. Don Hans Nieban. Federmann hat einen Steinbutt gekauft. „Was kostet er denn?" fragt Mücke. „Eine Mark fünfzig das Pfund, sagt AeDer- „Diel zu teuer“, schüttelt Mücke den Kopf , vor einem halben Jahr haben wir doch bei demselben Händler das Pfund für fünfundneunzig Pfennig gekauft." „Habe ich dem Mann auch gesagt' , nickt Federmann, „aber davon hatte er keinen mehr Da. Federmann und Mücke sitzen in der Eisenbahn. Der Zug hält. „Guck' mal“, ruft Mücke, „zwei Mädchen! Hoffentlich kommen sie in unser-Abteil." ” „Kleinigkeit", sagt FeDermann, ich brauche Den I Mädchen nur in Die Augen zu sehen, ihnen mm« nen Willen aufzuzwingen, und sie steigen be- I stimmt bei uns ein." „Also los", lächelt Mücke. FeDermann öffnet Das Fenster und guckt Den Mädchen in Die Augen. Die Mädchen stutzen, bleiben stehen und steigen in da- Abteil. „Siehst du wohl", flüstert FeDermann. „Fabelhaft", nickt Mücke. In Diesem Augenblick kommt der Schaffner. „Meine Herren, Das geht aber nicht .sagt er. „Sie müssen das Frauen ab teil sofort verlassen." Jedermann hat geangelt. Drei Stün^n lang ohne Erfolg. Dann aber hat er einen Fisch gefangen, der ist siebzig Zentimeter lang und sechs Pfund schwer. ... . „Donnerwetter", staunt Mücke, „was ist Denn das für ein Fisch?" . ^Aber bitte sehr", fährt Federmann fort. „Der Mann, Der Die ganze Zeit neben nur 5^^ hat es, als er den Fisch sah, ausdrücklich gesagt." Federmann ist bestohlen toortem. Jedermann men. ..dies- Fläche «ognaf Batest Eigen- tum. Woran erkennen Sie sie wieder < „2In Den Drei Sternen", sagt Jedermann. Aber erlauben Sie mal", lächelt der Richer, ich zum Beispiel habe zu Hause auch eine Flasche Kognak mit drei Sternen." Mir sehlen auch", sagt FeDermann, „mir fehlen auch zwei Kaschen Kognak." 16000 Kilometer zu pserde. Es ist ein ergreifender Gedanke, daß gerade in unfern Tagen, in denen das Pferd, Der treue Gefährte Der Menschheit Durch so manche Jahr- taufcnDe, immer mehr Durch Maschinen ersetzt toirD, eine bisher unerreichte Leistung Der Reiterkunst vollbracht toorDen ist. Die Geschichte dieser Tat von außerordentlicher Ausdauer unD höchstem Mut wird in einfacher und anschaulicher Weise von dem Dollbringer, dem Schweizer A. F. Tschif- f e l h , in seinem in London erschienenen Buch „Dom südlichen Kreuz zum Polarstern" erzählt. Die eigentlichen Helden dieses Reit-Rekordes sind zwei Pferde. Mancha und Gaio, die „zu den Hnsterblichen des Pferdegeschlechtes gehören". Was er getan hat, faßt Tschifsely in den schlichten Worten zusammen: „Ich ritt gegen 16 000 Kilometer in zweieinhalb Jahren. Don Argentinien wandte ich mich nördlich, überritt eine wüste Gebirgskette von 5000 Meter, kam dann durch dampfende Hrwälder über den Jstmus von Panama, durch Mittelafrika und Mexiko. bis nach den Dereinigten Staaten. Ich erreichte Washington mit denselben beiden Pferden, mit Denen ich losgeritten war, zwei Ponys, Die beim Beginn Des Rittes 15 unD 16 Jahre alt waren." Zweimal reifte Tschifsely auf kurze Strecken mit seinen bei* Den PferDen zu Wasser: öfters muhte er auch auf feinen eigenen Füßen klettern ober waten, aber im allgemeinen machte er Den riesigen Weg doch auf Dem Rücken Der Pferde und durchquerte mit ihnen Argentinien, Bolivien, Peru, Ecuador (Solombia, Panama, Costarica. San Salvador, Guatemala, Mexiko und die Bereinigten Staaten. Jedes Gebiet stellte ihm besondere Hindernisse entgegen: Höhen von mehr als 5000 Meter, Wüsten, Sümpfe, Hrwälder, reihende Ströme, Treibsand, der ifrn mit fortzog,_ Abgründe und Schluchten und, besonders gefährlich, schwankende Brücken, die über sie hinführten. Hn- ter den Menschen, denen er begegnete, mit Denen er freunDlich oDcr feindlich verkehrte, waren Indianer, Räuber, Revolutionäre, Beamte und Führer. Man erfährt aus diesem knappen Bericht die seltsamsten Dinge, so z. B. dah es in Mexiko einen besonderen Tanz für alte Frauen gibt. Die beiden Heroen dieser Reiter-Odyssee, Mancha und Gato, sind zwei argentinische Pferde, und um Die hervorragenDen Eigenschaften Dieser Rasse zu zeigen, unternahm Tschifsely seinen Ritt Durch elf CänDer. Er hebt hervor, Dah Die Tiere von spanischem Vollblut abstammen, das Damals Das Beste in Europa war, als es nach SüDamerika eingefüfrrt tourDe, wo es bis zur Entdeckung Durch Die Europäer keine Pserde gab. Die beiden Ponys, früher das Eigentum eines patagonischen Häuptlings, waren vollkommen toilD, als sie eines Morgens zu Tschiffelh nach Buenos Aires gebracht wurden. Sie sind jetzt 21 und 22 Jahre alt unD haben sich Die Zeit Der Ruhe, Die ihnen gegönnt toirD, wohl verDient. Sie leben auf einer Die Tochter des bei ber „Titanic"-Katastrophe ums Leben gekommenen Millionärs I. I. A st o r , bie in erster Ehe mit bem russischen Fürsten Obolensky verheiratet war unb sich bann in bem amerikanischen „Trennungsparabies“ Reno scheiben ließ, hat sich soeben mit bem jungen Raimunb von Hoss- mansthal, bem Sohn Des verstorbenen österreichischen Dichters, oermählD____________ Grenze an Den Deutschen BrüDem verüben. Jeden Tag, ohne Hebertreibung, gibt es neue Radel- stiche, die niemals vernarben und die die Bitterkeit dieses Lebens immer fühlbarer, immer lastender machen. — Zu derselben Zeit laufen in Der Grenzmark Die Deutschen Bauernsohne ohne Arbeit umher, D.e Arbeitslager haben, auch Das zeigt sich hier in Der Grenzmark, nur beschränkte Bedeutung. Seit JahrhunDerten haben Die Deutschen Bauern im Osten Das Bewußtsein gehabt. Die Waffe zu tragen. unD Dieses Bewußtsein machte sie stark. Jetzt haben Die Bauernsöhne keine Beschäftigung und sie sind Schwächlinge, wenn einmal dec Feind ins Land kommen sollte. Wo ist der Führer, der sie zur Miliz zusammenruft? Wo ist das i n der Gesinnung starke und mächtige Deutschland, an das sich der deutsche Osten lehnen könnte? Roch stehen mehrere alte Burgen in ber Grenzmark. seit mehr als tausend Jahren. Sie wurden zwischen Deutschen unb Polen immer wieber um- kämpft, erobert, zerstört unb wieber aufgebaut. Diese Burgen finb ein Symbol bafür, baß ber Kampf im Osten, ber Iahrtausenbe bauerte, noch nicht beendet ist. Aber die Menschen im deutschen Osten fühlen sich heute nicht kräftig, um bei neuem Kampfe Deutschland zu verteidigen. Es fehlt ihnen vor allem bie Masse ber Ueberzeugung. Unb bas ist ihre größte Rot ... Schöffengericht Gießen. * G i c ß e n 25. Ian. Der Rechner ber Spar- und Darlehnskasse Ohmtal, gegen den das Sch issengericht bereits in ber vorigen Woche an brei Tagen Derbanbelte, wurde heute nach bem Abschluß ber Verhandlungen in später Abendstunde wegen fortgesetzter Unterschlagungen in Tateinheit mit einem Vergehen gegen das Genossenschaftsgesetz und wegen schwerer Urkundenfälschung zu einer Gesamtstrafe von sechs Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 100 Mark evll. 10 Tage Gefängnis verurteilt. schönen „Estancia" im Süden der Provinz von Buenos Aires, und. so schreibt ihr Reiter und Freund, „während ich diese Zeilen zu Papier bringe, kann ich sie über die weite Ebene hin- galoppieren sehen, bis sie in der Ferne der Pampas meinem Blick entschwinden . . .“ Ein vielbegehrter Filmstar. Der bekannte amerikanische Fvrschungsreisende und Meisterphvtograph Martin Johnson hat von seiner letzten großen Expedition zu den Zwergvölkern des Jtun-Maldes in Afrika einen Tonfilm „Congorilla" mitgebracht und außerdem feine Abenteuer in einem Buch beschrieben. 3m Mittelpunkt des Films und des Buches steht Der schwarze Filmstar Edinnje, ein kohlschwarze« Zwergenmädchen von vollendetem Körperbau und großen mimischen Talenten, das grimmige Kämpfe entfesselte. Die kleine Schöne hatte ein dramatisches Leben hinter sich: sie war schon in zartem Alter von einem Reger entführt und in seinem Hause festgehalten worden, entwischte ihm jedoch und war zu Den Zwergen zurückgekehrt. Die Reger wollten aber aus Dieses Mädchen nicht verzichten und schleppten sie mehrmals mit roher Gewalt fort. Es war ihr aber immer gelungen, sich aus den Händen Der Reger loszumachen. Eines Tages waren Martin Johnson unD feine Frau Osa mit Den Aufnahmen mit ihren 500 Zwergen! pielern beschäftigt, als plötzlich ein mächtiger Wilder, nur mit einem Leopardensell be- kleidet und mit Bogen und Pfeilen bewaffnet, im Lager auftauchte und Edinnje wegzuschleppen versuchte. 2m Ru waren alle Zwerge, die eben noch vor Der Kamera tätig gewesen waren, bewaffnet und verjagten Den Eindringling. Aber an einem Der nächsten Tage tarn Der hartnäckige Reger mit einem Dutzend kriegerischer Genossen wieder und versuchte von neuem, sich Edinnjes zu bemächtigen. Run war Die Gefahr für Die kleinen Leute groß, aber Johnson toanDte sich schleunigst an einen ihm befreunDeten schwarzen Sjüubtling, Der mit seinen Mannen die fremden Reger aus Dem Lager vertrieb. Die Eindringlinge mußten auf das schöne Zwergenmädchen, das sie schon ergriffen hatten, um es wegzu- schleppen, verzichten, und den Kampfplatz fluchtartig verlassen. Runmehr konnte Die Diva des Hrwaldes ihre Reize ohne weitere Störungen Dem Film zur Verfügung stellen. Wirtschaft. Berlin start zurückhaltend. Berlin. 26. San. (WTD. Funkspruch.) 2ln der heutigen Börse herrschte eine aufoeror* deutlich starke Zurückhaltung, nicht nur von seiten des Publikums, sondern auch der Spekulation. Maßgebend hierfür war die noch immer nicht geklarte innerpolitische Lage. Trotzdem konnte die Grundstimmung nicht als unfreundlich bezeichnet werden, denn es herrschte die Ansicht vor, daß sich der Reichstag voraussichtlich bis Ende Mai vertagen wird, so daß also die Re- Sierung bis dahin ohne Hemmnisse ihr Programm uvchführen kann. Man sieht daher mit Spannung der morgigen Aeltestenratssihung entgegen. Die sonst vorliegenden Rachrichten waren eher günstiger Ratur. So konnten sich an der gestrigen Reuyorker Börse allgemein Kursbefestigungen bis zu 2 Dollar durchsetzen, in der gestrigen Derwaltungsratssihung der Reichsbahn wurden die Aussichten für die Zukunft ziemlich zuversichtlich beurteilt, auch aus der Schiffahrt liegen ermutigende Rachrichten vor, und nicht zuletzt hat sich das Geschäft bei der IG^-Farben in fast sämtlichen Abteilungen beleben können. Die Kurse zeigten je nach Dorliegen von Kaufoder Derkaufsorders 'Besserungen bzw. Abschläge bis zu 0,75 Prozent. Ueberwiegend schwächer war der Montanmarkt, da der weitere Rückgang der Gelsenkirchenaktien bis auf 59 verstimmte. Den stärksten Rückgang an der heutigen Börse hatten Rhein. Braunkohlen aufzuweisen, die bei geringstem Umsatz um 3,25 Prozent zurückgingen. Farben waren gehalten, Siemens, die man vorbörslich weiter fester taxiert hatte, gaben 0,50 Prozent nach. Allgemeine Lokalbahn konnten sich bei kleinster Rachfrage um 2 Prozent befestigen, und auch Otavi zogen um 1 Prozent an, dagegen gaben Deutsche Atlanten 1,25 Prozent nach. Die Rentenmärkte zeigten nur wenig Ver- änderungen gegen gestern. Alt- und Reubesih waren etwas schwächer, das Geschäft war auch hier ganz gering. Pfandbriefe taxierte man zunächst ziemlich unverändert, gleichfalls behaupteten sich Reichsschuldbuchforderungen auf ihrem gestrigen Schlußniveau. 3m Verlaufe schrumpfte das Geschäft noch stärker zusammen, und es ergaben sich eher kleine Rückgänge. 3m späteren Verlaufe wurde es, ausgehend von Contigummi, die 2 Prozent anzogen, sowie von Schiffahrtswerten, Farben und Siemens, etwas lebhafter und fester. Am Geldmarkt hat sich mit dem Herannahen des Ultimos die Lage natürlich weiter angespannt, doch blieben die Sätze immer noch unverändert, d. h. 4,38 bzw. 4,25 Proz. an der unteren Grenze für Tagesgeld. Dem vorliegenden Angebot am Privatoiskontmarkt stand kleine Rachfrage gegenüber. Wenn auch das Geschäft in Reichswechseln per 25. April und Reichsschahanweisungen per 17.3uli sehr gering war, so hielt doch die Rachfrage an. Frankfurt zurückhaliend/über freundlich. Frankfurt a. M., 26. Jan. (WTB. Drahtmcl- düng.) Die Börse eröffnete auch heute in großer Geschäfts st ille, da die Kulisse und das Publikum im Hinblick auf die innerpolitische Situation, die zwar etwas günstiger, aber noch als reichlich ungeklärt angesehen wird, Zurückhaltung an den Tag legte. Die Unruhen in Dresden waren nicht für eine Tendenzbesserung angetan, die Grundstimmung konnte jedoch als freundlich bezeichnet werden, da die Festigkeit Wallstreets etwas Anregung bot. Die Kursgestaltung war nicht ganz einheitlich, bei zögernder Feststellung überwogen jedoch meist Besserungen von 0,25 bis 0,75 o. $). Einige Spe^ialwerte wie Eontigummi, Zellstoff Waldhof und Süddeutsche Zucker lagen darüber hinaus bis zu 2 v. H. fester. Am Ehcmicmarkt eröffneten IG. mit 106 o. H. gegen die Abendbörse 0,75 o. H. höher, Metallgesellschaft lagen unverändert, während Scheideanstatt, Deutsche Erdöl und Rütgerswerke bis zu 0,50 o. H. nachgaben. Bon Elektrowerten kamen AEG. m:t 30,75 v. H. unverändert, aber rein nominell zur Notiz. Bekula und Lahmeyer waren von 0,50 bis 0,75 o. S). höher, Siemens und von Nebenwerten Lechwerke blieben behauptet. Am Montanmartt gaben Gelsenkirchen auf Glattstellungen 0,50 o. H. nach, wogegen Buderus und Mannesmann 0,50 v. H. anzogen und Rheinstahl, sowie Stahlverein unverändert einsetzten. Bon Kupferwerten kamen Otavi- Minen 1 Mark höher zur Notiz. Leicht gebessert waren noch Reichsbankanteile. Schisfahrtsaktien und Deutsche Linoleum mit plus 0 25 bis 0,50 v. H. Gebrüder Iunghans lagen mit 93,50 v. H. bei kleinem Umsatz behauptet. Deutsche Anleihen und späte Reichsschuldbuchforderungen hatten nur sehr kleines Geschäft und bröckelten bis zu 0,25 v. H. ab. Altbesitz 68,75 v. S)., Neubesitz 9 v. H. und späte Schuldbücher 79,25 v. Sy Festverzinsliche Werte lagen ebenfalls fast geschäftslos und meist unverändert. Stadtanleihen und 3ndustrieobligationen hatten nur sehr kleines Geschäft zu meist behaupteten Kursen. .Don fremden Werten lagen 4prozentipe Einhritsrumä- ncn mit 5,80 Prozent etwas Häher, auch Anatolier lagen weiter fest. Die fast vollkommene Stagnation führte im Verlaufe auf Abgaben der Kulisse meist zu Abschwächungen von 0,25 bis 0,75 Prozent, nur Schiffahrtswerte waren im gleichen Ausmaß höher, wobei relativ günstige Ausführungen in der Presse über die Lage in dev Schiffahrt anregten. Tagesgeld war zu 3,25 Prozent unverändert und weiter leicht. Frankfurter Schlachtvichmarkt. Frankfurt a. M., 26. San. Auftrieb : Rinder 95, Kälber 984, Schafe 369, Schweine 584 Stück. Es notierten: Kälber. Beste Mastrind Saugkälber 32 bis 36, mittlere Mast- und Saugkälber 27 bis 31, geringe Kälber 22 bis 26. Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemastl 21 bis 23, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 18 bis 20, fleischiges Echafvieh 14 bis 17. Schweine. Vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 36 bis 38, von etwa 200 bis 240 Pfund 36 bis 39. von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 35 bis 38. Marktverkauf: Auf allen Marktgebieten mittelmäßig, ausverkauft. Kirche und Schule. Landkreis Gießen. * Kle in-Linden, 24. San. Sn der vorigen Woche fanden allabendlich in unserer Kleinkinderschule religiöse Vorträge statt, die i in dem Hauptthema gipfelten: „Was ist das Leben?" Me Vorträge, die von Prediger Meng (Großen-Linden) gehalten wurden, waren aus Klein-Linden und den umliegenden Ortschaften stark besucht. Gesangschöre der Gemeinschaften von Atlendorf a. d. Lahn, Großen-Linden und Leihgestern trugen zur Ausschmückung der Abende bei. Der hiesigen Kleinkinderschule wurden als LInterstühung 21 Mk. aus den eingegangenen Opfern überwiesen. Kunst und Wissenschaft. Die Rotlage der wissenschaftlichen Zeitschriften. Der Verband der deutschen Hochschulen und die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Verleger haben gemeinsam eine Eingabe an die Finanz» und Kultusminister sämtlicher deutschen Länder gerichtet, in der es u.a. heißt: Die schwere wirtschaftliche Rotlage in Deutschland hat eine außerordentlich betrübliche Rückwirkung auch auf die wissenschaftliche Forschung und ihre literarische Auswertung ausgeübt. Durch die sehr starke Kürzung der Kulturetats, die zum Teil fast einer Streichung der Etats für Beschaffung neuer Literatur gleichkommt, ist ein Zustand eingetreten, der es den wissenschaftlichen Snftituten unmöglich macht, sich die nötige Literatur zu beschaffen, andererseits aber dem wissenschaftlichen Verlag die Veröffentlichung wissenschaftlicher Forschungen durch Zeitschriften so sehr erschwert, daß das Fortbestehen einer großen Anzahl wissenschaftlicher Zeitschriften gefährdet erscheint. Die Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, die seit ihrer Begründung in segensreichster Weise in zahlreichen Rotfällen eingegriffen hat, ist durch starke Kürzung ihres eigenen Etats hierzu auch nicht mehr in genügendem Maße im Stande. — Die Weltgeltung des deutschen Ramens beruht nicht zum kleinsten Teile auch auf den Leistungen der deutschen wissenschaftlichen Forschung. Diese in ihren Arbeitsmöglichkeiten zu beeinträchtigen, ist ein bedenklicher Schritt. Zu diesen Arbeitsmöglichkeiten gehört aber das Vorhandensein und die Leistungsfähigkeit der wissenschaftlichen Zeitschriften. Der Verband der deutschen Hochschulen und die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Verleger erachten es für ihre Pflicht, darauf Ijimutoeifcn, daß die gegenwärtige Kürzung der Kulturetats nicht mehr tragbar erscheint und eine Abhilfe dringend erforderlich ist. Möge sie ein» treten, ehe es zu spät ist, und vielleicht zahlreiche wissenschaftliche Zeitschriften, die ehemals der Stolz der deutschen Wissenschaft waren, und die bis jetzt nur noch mit allerschwersten Opfern sei» tens des wissenschaftlichen Verlages durchgehalten werden, zugrunde gegangen sind. Vezirksschöffengerichl Gießen. Gießen, 25. Jan. Eine entgleiste Existenz stand in der Person eines achtundzwanzigjährigen „Architekten" vor Gericht. So nennt sich der Angeklagte, weil er einmal Architektur studiert hat. Er habe dazu „die Berechtigung", denn der Titel fei nicht geschützt. Als Sohn angesehener Eltern hatte er in Hannover studiert, war aber „bummer Streiche" wegen, wie er angibt, aus seiner Verbindung ausgeschlossen worden und mit seiner Familie zerfallen. Zunächst schwindelte er sich bei früheren Bundesbrüdern durch, trieb sich dann in der Welt herum und wurde mehrfach wegen Betrügereien verurteilt, zuletzt in Halle zu 6 Monaten Gefängnis. Nach feiner Entlassung hat er wieder an verschiedenen Orten, darunter in Gießen, Betrügereien verübt und sich Geldbeträge, allerdings nie höhe Beträge, erschwindelt. Er trat als Werkstudent auf, ließ sich zur Beschaffung von Arbeitskleidern und -gerat Darlehen geben, trat aber seine Stelle nicht an. Er war im wesentlichen geständig. Die Strafe lautete auf lOMonatcGefängnis. Unter Ausschluß der Oesfentlichkeit wurde eine Putzfrau voy- hier wegen Kuppelei, begangen an ihrer Tochter, zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Sie bestritt das Vergehen. Die Beweisaufnahme ergab aber das Gegenteil. Von der Anklage der schweren Urkundenfälschung wurde ein Landwirt aus Rendel frei- gesprochen. Es wurde ihm zur Last gelegt, eine Quittung durch einen Zusatz verfälscht zu haben. Er bestritt dies, und der als Zeuge vernommene 'Aussteller der Quittung gab heute an, es fei möglich, daß der Zusatz schon vor der Unterschrift dci- gestanden habe. Eingesandt. lFür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Liebe hessische SkafoenbauDcrroallung! Auf großen Teilen der Straße Gießen—Wißmar haben Sie das so schwierige Problem „Schaffung erstklassiger Straßen mit geringen Ankosten", „glänzend" gelöst. Der Wißmarer Bevölkerung wäre es aber viel lieber gewesen, wenn Sie diesen „glänzenden" Lösungsversuch in einer anderen Gegend gemacht hätten, vielleicht dort, wo sich die Füchse „Gute Rächt" fagen, oder in irgendeinem Sumpfgebiet. Sm letzteren hätte dann wenigstens eine solche Straße von der Umgebung nicht abgcstochen. Vielleicht sind wir Wißmarer aber auch nicht genau über die Bestimmung und den Zweck der veränderten Straße orientiert. Sollte hier vielleicht ein Straßenmustergarten angelegt werden, oder soll dieser Straßenzustand den Wißmarern auf dem Wege nach Gießen Einhalt gebieten? Wir wissen es nicht! Aber ein jeglicher, ob Auto- und Motorradfahrer, ob Radfahrer oder Fuhrwerlsbesiher, — alle fragen sich: Wie ist so etwas möglich? Wie kann eine Straße, die in einem Einigerrnahenzustand war, so verunstaltet werden? Wie kann man nur eine Straße zu einer Gefahr für Menschen und Vieh machen? Warum werden nur seit Monaten die Strahengrabenexkremente über eine festgründige Straßendecke geworfen? Wir wissen es nicht! Sollte diese Straßenverunstaltung eine neue Art Strahenverbesserung sein? Wir verzichten! Wir geben Shnen aber den guten Rat: Lassen Sie bitte das gute Alte! — Entleeren Sie die Straßengräben wohin Sie sollen, — nur nicht auf unsere Straße! H. F. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 28. Januar. Dor^ abend: 5 Uhr; morgens 9; Predigt; abends 5.20 und 6 Uhr. Israelitische Religionsgesellschast. Sabbatfeier den 28. Januar. Freitag abend 4.45 Uhr; Samstag vormittag 8,30; Predigt; nachmittags 5.20; Sabbat- ausgang 6. — Wochengottesdienst: morgens 7; abends 4.30 Uhr. Rauhe Haut ? iöft schnell und | vW'SSv** zuverlässig; "CREME MOUSON Bekanntmachung. Die Anmeldung bet mit Beginn des neuen Schuljahrs (24. April 1933) schulpflichtig werdenden Kinder hat zu erfolgen: 1. für alle Knaben: Dienstag, den 31. 3a- nuar 1933, 9 bis 11 Uhr, in der pe- ftalozzischule, Nordanlage 8; 2. für alle Mädchen: Mittwoch, den 1. Februar 1933, 9 bi» 11 Uhr, in der Schillerschule, Schillerstraße 8. Bei der Anmeldung ist der Impfschein und hei auswärts geborenen Kindern auch der Geburtsschein vorzulegen. Die Schulpflicht besteht für alle Kinder, die bis zum 1. Mai 1933 das 6. Lebensjahr vollendet haben. Es können jedoch zu derselben Zeit auch solche Kinder angemeldet werden, die bis zum 30. September 1933 das 6. Lebensjahr vollenden, und die geistig und leiblich ais schulreif erkannt werden. Lin weiterer Termin für bie Schutauf- nahme findet nicht statt. 578D Gießen, den 25. Januar 1933. Stadtschulamt. I. V.: Fischer. Vortrags-Gemeinschaft: Goethe-Bund, KautmännischerVerein und Gewerbeverein Lichtbildervortrag PAUL EIPPER Meine Freundschaft mit Tieren 1. Sonntag, den 29. Januar 1933, abends 8 Uhr, Aula, für Goethebund und angeschlosscne Verbünde. Bundesmitglieder bis 3 numerierte Platzkarten frei. Verbände Eintritt 60 Pfennig. Gutschein Nummer 8, Challier. Nichtmitglieder Reichsmark 1.50 u. 1.—. Studenten 40 Pfennig Asta. 2. Montag, den 30. Januar 1933, abends 8 Uhr, Aula, für Kaufmännischer Verein und Gewerbeverein. Mitglieder 3 Plätze frei gegen KontroU-Abschnitt 4Saal- eingang. Nichtmitglieder und Studenten wie oben.m»d Montag, den 30. Januar, abends 8L0 Uhr, im Studentenhaus, Leihgestern er Weg Lichtbildervortrag von Professor Dr. Preisende nr aus Karlsruhe: Aus der Welt des spät* antiken Zauberwesens Eintritt frei. 570 D Verein der Freude des AlterlumiwlueeusehalUiche humanistischen Gymnasiums. Fachschaft. Neu! oszo Neu! Flüssiges Silber Versilberungsmittel für alle Metalle. ^Routiniert. Alleinvertreter gesucht. Verdienst 2—300°/L>. Postlagerkarte 204 Frankturt/M. 1.—. Sauberes, orbentl. Mdchen i. Geschaftshaushalt gesucht. Schr. Ang. unt. 565d a.d.G.A. umn., annano. oei? Mädchen für vormitt, gesucht. Vorstell.zw.2u.5U. 1 Steinstraße 58 lll. Stellengesuche Tuanigeo alt. Rädchen selbständig in Küche u.Haus, suchtStell. z. 1. Jebr. Schriftl. Ang.u.0532 a.d.G.A. Eckladen mit 1 oder 2 Kontoren ab 1. März zu vermieten. 0526 Mietgesuche Cr. 3—4-Zimm.Wolin. mit Zubeh. v. ält. Ehep. gesucht. 5-Z.- Tauschwobn. vorh. Schriftl. Ang. unt. 0528 a. d. Gß. Anz. | Verkäufe | Billig zu verkaufen: NeiiMAneliMl. 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Januar 1933 568 A Großer Schlager für die Kreppeizeit: Weizenmehl „Edelmarke“........1 Pfund statt 25 nur 24 H Weizenmehl „Rheinstern“........1 Pfund statt 24 nur 22 H Weizenmehl „Spezial 0“..........1 Pfund statt 21 nur 20 H Weizenmehl „Blütenmehl“..................1 Pfund 17 H Kokosfett.......................Vi Tafel statt 30 nur 28 H Margarine..................................1 Pfund 25 H Margarine.........................Va Pfund 40 und 32 H Weiter empfehlen wir stets frisch gerösteten Kaffee nur beste Mischungen ....*/4 Pfund 80, 75, 70, SO und 50 H Warenabgabe nur an Mitglieder! Konsumverein Gießen u.Umgegend e.G.m.b.H. den Wal und der Verarbeitung des Wals. 5800 Bin hochinteressanter Film, den jeder Natur* n. Tierfreund sehen muß! Kleine Preise RM. 0.50 bis 1.40, Kinder RM.0.30 bis 0.70 Lichtspielhaus B Knr Sonntag, den 29. Januar 1933,11.16 Uhr vormittags: Kulturfilm-FrühvorsSellung H Ein Groß - Tierfilm Roah - Roah i Der Schrei der Sehnsucht aufgenomen von der Süd-Georglen-Expeditlon, vor den Toren des Südpols | Tier- u. Vogel weit Süd-Georgiens, mit dem wunder- I vollsten Vogel dersüdl. Meere,demWander-Albatros, I weiter sehen wir Esel-, Schopf- und Königspinguine, MM Seelöwen, See-Elefanten, den seltenen See-Leopard. I Bilder von dem primitiven Robinsonleben der Ex- SH pedition. Herrliche Aufnahmen von der Jagd auf Sonder-Angebot 582d diese Woche la Rindfleisch..........Pfd. 60 -9) la Rindsmettwurst,bes.gut z. nn Koch.f.Hülsenfrüchtesupp.,Pfd. DU Metzgerei Jakob Friedrichstraße -Telephon 4346 !ns9Ä St re Sitz Mecklenb, • Strel. Staatl anerk. Hochbau, Tielbu. Stahl- u. Betonbau, Maschinenbau, Elektro-, Rugz.-, Äulob.- v Helzungstcchn. Progr. frei. FUEGERSCHULE Verschiedene, sehr gut erhaltene Fahrzeuge 353a t-nnHS-PS-Onel sehr preiswert. Opel, Giehen, ! Frankfurter Sir. 52. 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Hal sue -Medery Ml" c niähigle' Sültigke Sehns am ton Haus - führt i -mit 2 Kohl' mann ■ Süden. cM.ei brachtet der die Augen der D jene $ geheuer Geivohi Film i Man fi rische < lichen - nicht zu Einfalt Jas ' im Ar Hal gelt dibe.til sich da 30 aus Lands; iDO P w - >.b Jflfo ft der Niet ( ’w 3) em Dir, Canb sicher ’oten Aus der Provinzialhauptstadt war alle sich nur jetzt sind, den Menschen noch nicht als ihren Feind zu betrachten. So vermochte der Kameramann schöne Bilder aufzunehmen von jenem munteren Vogelvolk. das in vielen Dingen menschliche Ge- pslogenheiten nachzuahmen scheint. Man beachte die gestrige Anzeige. Manne ins Gesicht sehen, ober allmählich hat sie sich an die neue Freiheit gewöhnt und ist mit unbedecktem Antlitz in London eingetrofsen. Es ist eine schöne Frau von etwa 50 Jahren, die stets in dem indischen ..Sari" erscheint, einem lan- Buntes Allerlei. Nach 40 Jahren ohne Schleier. Die Gattin eine- indischen Fürsten, die AornoNzen. — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute, 16. Vorstellung im Freitag-Abonnement zu gewöhnlichen Preisen. Crst- auf ührung des Lustsf-i [8 „2 2 uncnt chieden", von -Wilhelm Li^tenb'.rger. Spielleitung K Heyfer. — Die Solotänzer Aenne und Mitly Reih, Gustav Blank vom Hessischen Landesthcater Darmstadt veianstolten am morgigen Samstag einen „Tanz-Abend". Das Programm bringt »Tänze aus drei Jahrhunderten". Die für diesen Abend entworfenen Kostüme stammen von der Modearchitektin Clly Büttner. Dieses Tanzgastspiel ist außer Abonnement und zu kleinen Preisen. Dauer von 20.15 Uhr bis 22.15 Uhr. — Die Intendanz hat für Sonntag. 29. Januar, 18.30 Uhr, eine Wiederholung der Operetten-Aevue: „Im weihen Rößl" angcsetzt als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Operettenpreisen. Borzugskarten haben Gültigkeit. Ende nach 21.30 Uhr. — „Roah - Roah - Der Schrei der Sehnsucht" betitelt sich der Kulturfilm, der am kommenden Sonntagvormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße gezeigt wird. Der Film führt in die Breiten des Südlichen Eismeeres. Mit Walfischfängern machten sich Dr. Ludwig Kohl-Lars en, seine Frau und der Kamera» mann Albert Benitz auf den Weg nach dem Süden, stießen vor bis an das ewige Cis. erfüll.en wifser.fhastl che Forschungsaufgaben und brachten dabei auch einen Film mit nach Hause, der die Tierwelt des antarktischen Gebietes vor Augen stellt. Man Wohnt vor der Leinwand der Walfischjagd bei. besucht die See-Elcsanten, jene Biesen, die über 5 Meter lang und ungeheuer schwer werden, belauscht sie bei ihren Gewohnheiten und in ihrem Familienleben. Der Film zeigt auch die Vogelwelt dieser Breiten. Man sieht die schwarzen Sturmsegler, die räuberische Slua. den wundervollen Segler der südlichen Mee.e den großen Wanderalbakros und nicht zuletzt auch die Pinguine, die in sorgloser Einfalt ihren Tag verbringen und harmlos genug 40 Jahre hindurch in der Öffentlichkeit hinter einem dichten Schleier zeigte, hat . den großen Schritt getan, ihr Gesicht von dieser Bermummung zu befreien. Cs ist die Begum Sahiba von Khairpur, die zum erstenmal Indien verlassen hat. um ihren Sohn, den Thronerben des Staates, auf seiner Reise nach England zu begleiten. Die Fürstin reiste mit dem Prinzen, der auch von seiner jungen Frau begleitet wird, von Bombay dicht verschleiert ab und hielt sich in strenger Abgeschlossenheit in ihrer Kabine, bis das Schiss Aeapel erreichte. Als man hier an Land ging, lieh sie sich überreden, zum erstenmal in der Oessentlichkeit sich von dem Schleier zu trennen. Sie w^- erst sehr scheu und wollte keinem Die beiden Wärmflaschen Trauriges Abenteuer einer winterlichen Nordlandfahrt. Don Axel Nudolph. und dadurch der Kochkunst der Feldküchenleutc ____ Ehre macht. Dos gleiche anerkennende Urteil hörten wir auch von einer Anzahl junger Leute, die wir mit bestem Appetit ihre Mahlzeit verzehren sahen. Anschließend an die Mittagspause folgte gestellter Soldatenkoch tätig. Mehrere junge Mädchen sind im Freiwilligen Arbeitsdienst mit Kartoffelschälen, Gemüseputzen und anderen Hilfs- arbeiten der Küche beschäftigt. Das Essen wird vom Koch in Behältern von etwa 10 Liter Inhalt nach dem Speiseraum gebracht und dort tijchweise — an jedem Tisch sitzt immer eine Gemeinschaft von etwa 10 Monn — von den Jugendlichen selbst ausgetei't. Obwohl die Speisung ycstem zum erstenmal durchgeführt wurde, funktionierte der Organisationsapparat bereits reibungslos. Ein Beamter des Städtischen Wohlfahrtsamts führt die Aufsicht. Die Ausschußmitglieder nahmen Gelegenheit, gestern eine kleine Kostprobe des Essens zu genießen, um sich auch über die Qualität der Speise ein Urteil bilden zu können. Ucbcreinftimmenb wurde fcstgestcllt, daß da, Essen ausgezeichnet und schmackhaft zuber ei lei DasIugend-Notwerk in Gießen Eröffnung mit 270 Jugendlichen. Das Aotwerk der deutschen Jugend im Arbeitsamtsmeldebezirk Gießen hat gestern seine Tätigkeit zur Betreuung junger arbeitsloser Menschen begonnen. Bis jetzt haben sich dazu 270 Jugendliche gemeldet, von denen 30 aus Gießen, die übrigen aus den benachbarten Landorten stammen. Es handelt sich dabei, wie schon mehrfach beriefet, um die berufliche, geistige und sportliche Betreuung in Verbindung mit täglicher kostenloser Verabreichung eines kräftigen, warmen Mittagesfens. Das Hilsswerk bezweckt, die jungen Menschen über die schwerste Zeit des Winters hinüberzu- b.ingcn, bis ihnen im Freiwilligen Arbeitsdienst oder durch andere Aröeitöbeschafsungsmaßnah- men wieder eine wirtschaftliche Grundlage ge- bo en werden kann. Zu der Crössnung. die in der Volkshalle als Ort der Speisung erfolgte, hatten sich der Werbe- und Sammelausschuß der Gießener Winternothilfe. Mitglieder der anderen Ausschüsse dieses gemeinnützigen Werkes, Stadtratsmitglieder, ein Vertret:r unseres Bataillons und eine Anzahl weiterer Damen und Herren des öf entliehen Lebens, insbesondere der Wohlfahrts- pi lege cingesunden. Die Schützlinge des Hilfs- werls waren gleichfalls in großer Zahl erschienen. Bürgermeister Dr Se b-Gießen als Vorsitzender des Hilfsausschusses für den Arbritsamtsbezirk Gießen dankte in seiner Eröffnungsansprache zunächst allen Spendern, die sich in den Dienst der guten Sache gestellt und sie für die nächste Zeit ermöglicht haben, bc- sonderen Dank stattete er dem Gießener Ba- taillon ab, das eine Feldküche für die Bereitung des Mittagessens zur Verfügung gestellt und dadurch die Einrichtung sehr erleichtert hat. Dann sagte er u. a. weiter: Stabt und Laub haben einmütig und bereitwillig sich zu umfangreichen Spenden bereit erklärt. Wenn auch die bisherigen Spenden die Eröffnung der Speisung ermöglichten, so sind doch tyoch weit mehr Spenden erforderlich, um die Speisung in den vorgesehenen 8 bis 10 Wochen durcysühren zu tonnen. Ich hoffe aber daß die einmütige Opferbereitschaft von Stadt und Land das erleichtern wird. Jeder, der geben kann, muh die innere Pflicht in sich fühlen, gerade unserer notleidenden Jugend als der kommenden Generation, als der Zukunft unseres Volkes, nach besten Kräften zu Helsen. In diesem Sinne wünsche ich dem Jugcnd-Bot- werk einen vollen Erfolg. Syndikus Münch-Gießen als Vorsitzender des gesamten oberhesf.schenBot- Werts der Jugend wandte sich dann m einer Ansprache an die jungen Leute, in der er u. a. sagte: wir Weiteren, die wir uns in den Dienst des Bolwerkes gestellt haben, wollen Ihnen helfen. Wir wollen Sie nicht bedauern und wollen Ihnen keine Hoffnungen machen, die sich nicht erfüllen las en. Mit beiden ist Ihnen nicht gedient. Sie wistm. daß unser Vaterland, finanziell ausgewogen, pol.tisch und wirtschaftlich gehemmt, einen schweren Kampf um seine Existenz kämpft. Immer großer ist der Kreis der Hilfsbedürftigen geworden, immer geringer die Zahl derjenigen die hetfen können. Wenn trotzdem das Botwerk der deutschen Jugend durchgeführt werden kann, dann 'st das eine Tat. auf die wir stolz fern können. wir haben von allen Seiten, von Stabt und Land Hilfe bekommen. (Ein Volk, das in einer solchen Notlage den willen zu helfen nicht verloren hat, hat berechtigte Hoffnung auf den Wiederaufstieg. Dis dahin müssen wir uns durchschlagen, so gut «s geht, und so ist das Botwerk auch nur em Behelf. Wir können unser Ziel nicht zu weit stecken. Aber es ist keine Svielerci. es ist eine gen Stück Stofs, das um den Körper gewunden wird. ..Ich bin tief ergriffen von den neuen Eindrücken. die mir die Welt ohne Schleier bietet" so erklärte sie. ..Ich bewundere die Sauberkeit der Londoner Straßen und kann lange vor den Schaufenstern stehen, in denen eine solche Fülle der wundervollsten Dinge vereinigt sind. Ich bin aber nicht der Ansicht, daß Frauen mit den Männern in jeder Tätigkeit wetteifern können, dazu sind ihre Anlagen und Eigenschaften nach meiner Meinung zu verschieden." EinantikeöTheater-FoyerauSgegraben Die Entdeckung einer großen Hinterbühne an der Stätte der altspanischen Stadt Merida bedeutet den Abschluß einer Reih« von Grabungen, die dort seit 1910 stattgefunden haben Die Heber- refte des hier freigelegten Theaters gehören zu den besterhaltenen der Welt. Die ncuauf- gefunbene Hinterbühne wird von einer 75 Meter langen bedeckten Kolonnade aus blauem und weißem Marmor umschlossen: sie wurde für Proben sowie als Aufenthaltsort für die Zuschauer während der Pause benutzt, stellt also die älteste Form des Theater-Foyers dar. Innerhalb dieser Säulenhalle befinden sich die Beste eines Gartens, der mit Statuen und Marrnorsihen geschmückt war. Durch ein Betzwerk von Marmorröhren wurde der Garten bewässert. Die Anlage erinnert an das Theater des Pompejus in Born. Merida, das als Siedlung für Kriegsveteranen im Jahre 25 v. Ehr. von Kaiser Augustus gegründet worden war. wurde bann bie Hauptstadt von Lusitanien und die Vorgängerin der spanischen Hauptstadt Madrid. Ausonius spricht von ihr als -von der neuntgrößten Stabt ber Welt. In Borwegen gibt es wunbervolle FjorbS unb kosende Wasserfälle, die in ihrer unberührte', Batur viel schöner sind als ber gepriesene Bia- gara. Außerdem gibt es in Borwegen einen wundervollen Aquavit. Mag es bahingestellt bleiben, ob ich hauptsächlich wegen ber ersteren oder wegen des letzteren das alte Sagaland besuchte. Daß ich nicht nur wegen des Aquavits Borwegen bereiste, erhellt schon aus ber Tatsache. daß ich von Daten am Hardangerfjord aus auch nach dem Bachbarland Schweden fuhr. Denn in Schweden gibt e3 bekanntlich infolge gewisser Gesche keinen Branntwein oder doch nur hintenherum zu wahnsinnigen Preisen. Ich habe von je zur Opposition geneigt. Also machte ich meine Bordlandsahrt nicht im Sommer, sondern mitten im Winter. Wo steht auch ge- schriebcn, daß man nur im Somme* das nordische Land besuchen soll? Höchstens in den Programmen der Dampferlinien, weil die im Winter keine Bordlandreisen veranstalten. Ich finde Borwegen im Winter schön, wenn der weiße Mantel um Dovrefjeld hängt unb ber Rauhreif in den Wäldern tausend bizarre Märchengestalten hervorzaubert. Dann kann einem sogar die Freude widerfahren, daß man hier und da, außer Deutsch und Englisch auch ein paar Brocken der norwegischen Sprache zu hören bekommt. Bcttürlich gibt es auch im Winter Eisenbahnzüge in Borwcgen, deren Maschinen mit riesigen Schneepflügen ausgerüstet sind und die sich einen Weg durch die weißen Massen bahnen. Aber immer stilvoll Zu einem Winker in Borwegen gehört eine Schlittenfahrt mit Pferdeschnauoen und Schelleng.läuk. So reifte ich denn von Sälen aus über Haukelisäter und zur schwedischen Grenze im Schlitten. Hm das Romantische nut dem Prosaischen, das Angenehme mit dem Rütz- lieben zu verbinden, versuchte ich mich als Amateur-Schmuggler und füllte in einem unbewachten Augenblick vor der Abfahrt die beiden Wärmflaschen mit bestem norwegischen Aquavit. Ein hastiger, mißtrauischer Blick. Bein, Jon Peerson, der biedere Kutscher, der eben die Pferde anschirrt, hat nichts gemerkt. Die Flaschen liegen wohlverstaut unter der warmen Pelzdecke. Los geht die Fahrt. Hnd was für eine! Diese nickenden, schnaubenden Pferdetöpfe, dieses melodische GellinAl, das ist doch was anderes als die ewige Autoraserei. Wie Selma Lagerlöfs Gösta Berling fühle ich mich. Gösta Berling, der im Schlitten die schöne Gräfin Dohna über ben Löfden entführt. Greif aus, Don Juan, mein Rappe! Ich habe zwar keine Gräfin im Schlitten, aber ich entführe immerhin einige Liter von Borwcgcns köstlichstem Bationalgetränk über die Grenze unb muß. wie nach heulenden Wölfen, nach beutegierigen Grenzbeamten Ausschau halten. Ob es gelingt? Zwei Tage dauert bie Fahrt burch bie Wunder- volle Winterwelt. Dann ist die Grenze erreicht. Ein blau-gelber Schlagbaum, ein Holzhäuschen im Schuhe des Tannenwaldes. Aus verschneiten Fenstern flieht warmes, trauliches Lampenlicht. So gar nichts von Amtswürbe unb Strenge. Hier können keine bösen Menschen wohnen. Ich fühle bie Partie schon gewonnen. Hnb ich täusche mich auch nicht. Der Grenzbeamte, ber in seinem biden Pelz wie ein Bär aussieht, kommt bebacht- sam aus seiner Höhle gekrochen unb prüft beim Schein der Schlittenlaternen meinen Pah. Allein Ordnung. „Wünscht der Herr etwas auszuruhen? Wir haben einen gut geheizten Warteraum und ein sehr empfehlenswertes Smörgas» bord" Allerdings, das lockt. Auch Jon Peerson wird schöne Tat. die etwas wertvolles in sich birgt. Hnb so richte ich bie Qlufforberung an Sie, tun Sie Ihr Bestes, gehen Sic mit bem Willen an das Botwerk heran, aus bem wenigen und aus ber gemeinsamen Arbeit, bie Sie verrichten, einen möglichst hohen Gewinn bavonzutragen. Heben Sie in körperlicher, geistiger unb handwerklicher Beziehung, was Ihnen das Botwerk bietet. Heben Sie bie Kameradschaftlichkeit, ein- anber zu helfen in Selbstdisziplin unb Unfer- orbnung. Sie bienen barin sich selbst, Sie dienen anderen ,unb in der Arbeit an sich bienen Sie ber Gemeinsamkeit unb bem Vaterlanb. In diesem Sinne fordere ich Sie auf, mit mir einzustimmen in den Ruf: „Hnser deutsches Vaterland es lebe hoch!" E.ne Beratung des Hilfsausschuffes schloß sich der Eröffnung des Notwerks an. Mancherlei Fragen ber weiteren Sicherstellung ber Fürsorgearbeit waren Gegenstanb ber Aussprache. Insbesondere trat allseitig bie Ueberzcugung zutage, baß weitere Lebensmittel- unb Gelbspenben bringenb notwenbig finb, wenn bas Rotwerk zum Besten ber hilfsbedürftigen Jugend aus Stabt unb Lanb für bie bisher vorgesehene Dauer sicher- gestellt werben soll. Erfreulicherweise konnte Bürgermeister Dr. Seid bereits zahlreiche Spenden betanntgeben. Ohne bie Wichtigkeit ber einzelnen Beisteuern verkennen zu wollen, sei hier bie Spenbe ber Geineinben Watzenborn-Steinberg als besonbers hervor- ragenb unb bankenswert verzeichnet. In tiefen beiben Orten würben bank ber eifrigen Werbearbeit des dortigen Bürgermeisters Schäfer unb bank der sozialen unb jugendfreundlichen Aufgeschlossenheit ber Ortsbevölkerung u. a. ein ganzes ausgeschlachtetes Schwein, 40 Zentner Kartoffeln, große Mengen Bohnen unb andere Lebensmittel kostenlos gegeben. Mit ber Metzgerinnung Gießen würbe vereinbart, baß sie bas fertige Fleisch zu bem außerorbentlich günstigen Preise von 48 Pf. für bas Pfund liefert; werben für bas Notwerk Schweine gestiftet, so werben diese von der Metzgerinnung gegen fertiges Fleisch eingctauscht. Zahlreiche weitere Spenden von Privaten unb Geschäftsinhabern haben weiter zur Versorgung ber Vorratskammer beigetragen. Damit ist's aber noch nicht genug, weitere Spenben sind dringend erwünscht! Der Speisezettel. Man besprach weiterhin ben Küchenzett e st Am gestrigen Donnerstag gab es Linsensuppe mit Würstchen und Brot. Am heutigen Freitag wirb Bohnen- suppe mit Schweinefleisch verabreicht. Für ben morgigen Samstag ist Graupensuppe mit 'Juno- unb Schweinefleisch vorgesehen. Der °Pe,fe3ct‘ t e l für bie n ä ch st e Woche sieht vor: Montag: Erbsensuppe mit Schweinefleisch: Dienstag: Gemüsesuppe mit Rindfleisch, Mittwoch: Kartoffelmuse mit Bratwurst; Donnerstag: Reisbrei mit Dbftbei- laae; Freitag: Bohnensuppe mit Schweinefleisch; Samstag: Linsensuppe mit Würstchen unb Brot. Die Arbeitsausschüsse. Weiter würben b r e i A u s s ch ü s s e zur Bearbei- tunq von Spezialaufgaben eingesetzt: em 2B e r b e - unb Sammel ausschutz (Vorsitzender: Vermal- tunqsamtmann Seiner), ber sich um die Bcschas- funa von Lebensmitteln, insbesondere burch epen- ben, bemühen soll, mit bieser Tätigkeit würbe ber Werbe- unb Sammelausschuß ber Gießener Winternothilfe beauftragt; ein K ü ch e n a u s s ch u ß , dem außer bem Vorsitzenden, Verwaltungsamtmann Keiner nur Damen angehören; ein Finanzausschuß (Dorsitzenber: Bürgermeister Dr. S e i b). Zum Schluß würben noch einige kleinere organisatorische Fragen erörtert. Öie erste Speisung. Die Ausschußmitglieber wohnten nach ber Beratung ber e r ft e n Speisung ber jungen ßeuie als Beobachter bei. Man nahm ben Küchenbetrieb, wie auch ben im westlichen Teil ber Dolkshalle durch Bretterwänbe abgeteilten unb burch Ofen- Heizung erwärmten Speiseraum in Augenschein. An ber Felbküche sind ein Zivilkoch unb ein samt ber Feldküche vom Bataillon kostenlos zur Verfügung ein Abendbrot willkommen fein. Aber — erst die Zollrevision. Ich steh« neben ben dampfenden Pferden, während der Beamte gewissenhaft die Pelzdecken zurückschlägt und das Innere des Schlittens zu durchsuchen beginnt. Ein Tasten im matten Lichterschein, ein paar rasche Blicke. Dann ist's überstanden. „Danke", meint der Beamte, an die Pelzmütze greifend, und dann mit höflichem Bedauern. „Der Herr kommt wohl weit her? Die Wärmflaschen sind ja schon ganz kalt geworden." „Ja, wir kommen heute von Haukalisäter". gleite ich schnell über die verfängliche Anspielung hinweg und trage meinen Koffer in das Amtszimmer. Auch hier nur eine kurze, oberflächliche Hntersuchung. Dann fitzen wir friedlich und vertraut beisammen um den wohlgedeckten Smör- gaastisch im Wirtshauszimmer, von dessen Wand ein Bild aus Schwedens Großzeit herabschaut: „Oerncn bares öfer Gränsen", die Leiche Karl XII., des Heldentönigs, wird auf einer Bahre über die Grenze getragen. Liebe Menschen, diese schwedischen Zollbeamten. Zuvorkommend, höflich, heiter. Fast hatte ich Lust, ihnen einen guten, norwegischen Aquav't einzuschenken. Aber es sind immerhin Beamte. Man soll sie nicht in Versuchung führen. Bach zwei gemütlichen Stunden brechen wir auf. Jon Peerson ist ein vorbildlicher Kutscher. Er hat inzwischen die Pferde gefüttert, die verschneiten Decken geschüttelt und angewärmt. Also der Mann kriegt von mir ein Ertra-Trmkgeld, wenn wir in S. ankommen. Drei Stunden später, um elf Hhr abends, halten wir glücklich vor dem Gasthof in dem schwedischen Städtchen, von wo aus ich morgen mit der Vahn weiter nach Stockholm will. Auch hier hat der Wirt noch einen guten Imbiß bereit. Aber jetzt erst mal — hm, etwas kalt ist mir doch geworden, bei der abendlichen, schnellen Schlittenfahrt. Also erst mal einen guten Schnaps. Jon Peersons blauer Base wird er auch gut tun. Ion bekommt den Auftrag, die Wärmflaschen aus dem Schlitten zu holen, sieht mich erstaunt an, aber geht ohne Widerrede oder Frage. Ich reibe mir im Vorgefühl des Genusses die Hände. So ein siegreich durch den Zoll geschmuggelter Aqua- vit schmeckt doppelt so gut. Hnd das verdutzte Gesicht des braven Peerson, wenn ich ihm einen aus der Wärmflasche einschenke, das gibt dem Spaß erst die richtige Würze. Aha! Da ist der Gute ja mit den Flaschen. Behutsam nehme ich ihm die eine ab und — ja, was — ist — denn — ? Wieso sind denn die Flaschen warm? Wirklich und wahrhaftig warm? Rasch schenke ich ein Glas voll und führe es zum Munde? Aquavit? Keine Spur! Wasser ist das, lauwarmes Wasser und sonst nichts. Meine Augen suchen den Kutscher, der verwundert meinem Tun zusieht. „Peerson. haben Sie — haben Sie irgend etwas mit den Wärmflaschen gemacht?" Verwundertes Kopfschütteln. Ich werde dringlicher. „Die Wahrheit, Peerson! Haben Sie wirklich nicht die Flaschen angerührt, seit wir von Hau- talifäler abgefahren sind?' Run nickt er eifrig mit dem schweren Kopfe. „Doch, Herr, das habe ich natürlich. Oben am Grenzhaus. Da waren die Wärmflaschen doch ganz kalt geworden und da habe ich natürlich..." „Was haben Sie da?!" „Ba, da habe ich das falte Wasser auSgegossen und frisches heißes Wasser aufgefüllt." Treuherzig unb verständnislos sieht Jon Peerson mir in die Augen. Ich aber sehe mich gebrochen auf den nächsten Stuhl. Farvell. du guter, norwegischer Aquavtt? •• Studentische Abendandacht. Heute, 20 Hhr, findet in der Kapelle des Alten Fried- Hoses eine studentische Abendandacht statt. Auch Bichtangehörige der Hniberfität sind dazu eingeladen. •• Preußisch-Süddeutsche Klassen- lotterte. Die Erneuerung der Lose zu der Hauptziehung hat planmäßig spätestens bis zum 1. Februar, 18 Hhr, bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie-Einnahme zu geschehen. Die Beachtung dieser Frist wird zur Vermeidung von Bachteilen dringend empfohlen. * Postfcheckverkehr statt ® e l b b riefträger. Von der Reichspost wird uns geschrieben: Der vorteilhafteste Weg der Geld- Übermittlung durch die Post ist der Postscheck- ve.kebr. Wer ein Postscheckkonto hat, kann völlig gebührenfrei auf ein anderes Postscheckkonto überweisen und außerdem noch dem Empfänger gebührenfrei eine Mitteilung auf dem Abschnitt zu ommen lassen. Wer kein Postscheckkonto hat, bedient sich zur Zahlung an einen Postscheckkunden der blauen Zahlkarte, die wesentlich billiger ist als eine Postanweisung und auch auf dem Abschnitt Gelegenheit zu gebührenfreien Mitteilungen an den Empfänger bietet. Jeder Inhaber eines Postschecktontos füllte diese Bummer seines Kontos und das Postscheckamt, das es führt, seinen Bekannten. Geschäftsfreunden und Kunden mitteilen, am zweckmäßigsten durch deutlichen Aufdruck auf seinen Briefbogen und Rechnungen. Durch ausgiebige Benutzung des Post- scheckverkehrs würden auch die tion_ den Geld- brieiträgern zuzustellenden Geldbeträge toefent- licy vermindert werden und demzufolge wird auch der Anreiz zu ihrer Beraubung sinken. Die Grippe-Epidemie in Frankfurt. Frankfurt a. M., 26. Jan. (WSN.) Die Grippeepidemie hat hier eine weitere Verschärfung erfahren. In die Krankenhäuser werden fortgesetzt Grippekranke einqcüefert. Es ist bereits Vorsorge getroffen, Notkrankenhäuser ein zurichten. Die «trahenbahn hat wegen der starken .Krankmeldungen des Personals eine Bctriebsein schränkung vornehmen müssen. In einer Konferenz der städtischen Schulbehörden mit dem Stadtgesundheitsamt ist beschlossen worden, sämtliche Frankfurter Schulen von Freitag, 27. Ja nuar, an zu schließen. Der Wiederbeginn der Schulen ist vorläufig auf Montag, 6. Februar, festgesetzt worden. Die Horte und Kindergärten sollen , vorläufig geöffnet bleiben. Auch die Kinderspeisung wird einstweilen aufrecht erhalten. Für besonders bedürftige Kinder werden Wärmehallen in den ein 1 zelnen Stadtteilen, errichtet. gestern die erste Betreuungstätigkeit. Von nun ab wird sich täglich das Notwerk für die Jugendlichen aus Gießen und Umgegend in der oben angedeuteten Weife abwickeln. Jeder unterstütze das Werk durch Geld- und Lebensmittelspenden! 9J.Jpor< Vordem Deutschen Turnfest in Stuttgari Gleichzeitig das größte deutsche Schwimmerlreffen. Die Deutsche Turnerschaft hat es innerhalb eines Jahrzehnts verstanden, in ihren Reihen das Schwimmen zu einem hochwichtigen Zweige der tu.r.e.i chen Ücbungägejictc zu entwickeln- Fleißig geübt und gepflegt hat sie das Schwimmen schon länger. Auf ihren Gau° und Kreisfesten sind sch an Iah.zch.'.te vorher schwimmerische Wcü- kämpfe durchgeführt worden. Ruch auf dem Deutschen Turnfest 1903 in Frankfurt und 1913 in Leipzig war bereits das Schwimmen in die große turnerische Wrtttampsfolge eingerciht worden. Aber erst einige Iahre nach dem Kriege hat man begonnen, in der gesamten DT. an einem ziel- bewußten und planmäßigen Aufbau des Turnerschwimmens zu arbeiten. Heute gibt cs kaum einen Dere n in der DT- mit Schwimmgelegenheit, der nicht seinen Schwimmwart hat. Darüber hinaus sind viele geeignete und gut ausgebildete Führer als.Schwimmwarte in den Gauen und Kreisen der DT- an der Arbeit. Heute ist das Turnerichwimmen ein gewaltiges Glied in der Kelte der turnerischen Hebungszwcige. und die Turnerschwimmerschaft hat in den etwa 4500 Turnvereinen, die die Pflege des Schwimmens in ihr Aufgabengebiet genommen haben, im letzten Jahre die Zahl von 300 000 Mitgliedern über- schritten. Diese Zahl bringt zum Ausdruck, daß man es bei der DT- nicht nur mit dem größten Weltverband für Leibesübungen ganz allgemein, sondern auch mit dem stärksten Schwimmverband zu tun hat. Wenn zur Zeit die Leistungen der DT.-Schwimmer im Sportschwimmen noch nicht an die der Schwimmerverbände heranreichen, so liegt das darin begründet, daß in der DT. als höchstes Gebot Drcitenarbeit und Pflege des volkstümlichen Schwimmens gilt. Immerhin hat üch aus der hunderttausendlöpfigen Wenge der Turncrschwimmcr auch schon eine hohe Zahl von Wettkampfschwimmern herausgeschält. die in den lebten Jahren mit fortdauernden Leistungsver- beiserungen aufgewartet haben. Wie man in der DT- in der Leichtathletik bereits den Anschluß an die Höchstleistungen der Sportler gefunden hat, so «::den die Wettkampfschwimmer in der Turne.sch oft auch in den nächsten Iahren mit ih.ea Leistungen langsam an die Bestleistungen der Berbandsschwimmer herankommen. Schon für den Winter haben sich die DT -Schwimmer, die sich auf einigen großen Hallenschwimmfesten treffen werden, viel vorgenommen. Diese Hallenwett- lämpse werden bereits als Vorbereitung für die Meisterschaften angesehen, die in Verbindung mit dem 15. Deutschen Turnfest in Stuttgart durch- ge'ührt werden und die bisher gewaltigste Kundgebung für das Turnerschwimmen zu werden versprechen. Sieben Wasserballänderkämpfe 1933. Der Aufbau der deutschen Wasserball-Rationalmannschaft erfolgt schon in diesem Jahre nach neuen Gesichtspunkten. Von der Erkenntnis ausgehend. daß nur schwere und harte Prüfungen die Spielstarke einer Mannschaft heben können, sind für dieses Jahr nicht wengier als sieben Länderspiele, und zwar ■ je zwei gegen Holland und England sowie weitere Begegnungen mit Frankreich, Ungarn und der Tschechoslowakei abgeschlossen worden. Aufgabe des Wasserball- wartes der DSV., Ernst Hofmann- Nürnberg, ist es, die durch das Ausscheiden von Erich Rademacher. Benecke und Cordes in der Rat'.onalmannschaft entstandenen Lücken wieder auszufüllen. Wer von den jüngeren Spielern zur Ucbcrnahme der verwaisten Posten berufen wird, steht noch nicht genau fest, lediglich der Kölner Heiko Schwartz hot bereits Aufnahme in die ..Deutsche Sieben" als Sturmführer gefunden. Anerkannter Schwimmrekord. Der von Fritz T r e n s ch e l (Stern Leipzig) am 11. Januar in Leipzig aufgestellte Curoparekord über 400 Meter Rücken mit 5:44,8 ist jetzt vom Deutschen Schwimm-Verband offiziell als deut- ser Rekord anerkannt worden. Die Bestätigung des Europarekordes durch den internationalen Schwimm-Verband steht noch aus. Schiedsrichter fordern Polizeischuh. In Breslau war es in letzter Zeit wiederholt zu schweren tätlichen Angriffen auf die Schiedsrichter von Fußballspielen gekommen. In einer Resolution haben nun die Schiedsrichter für alle Spiele ausreichenden Polizeischutz gefordert. Spiele, die diesen Schutz nicht haben, sollen nicht angepfiffen werden. Kälte veranlaßt Spielabsagen. Wegen der anhaltenden Kälte, unter der die Beschaffenheit der Spielplätze sehr leidet, ist am kommenden Sonntag in Süddeutschland mit dem Ausfall der Endspiele SpVg. Fürth — Bayern München und München 1860 — Phönix Ludwigshafen zu rechnen. In Berlin wurden bereits am Donnerstag alle für den Sonntag angesetzten Bezirksligaspiele abgesagt. Süddeutsche Nugby-Meifferschast. Endspiel-Verlegung notwendig. Das für den 29. Januar nach Stuttgart angesetzte Endspiel um die süddeutsche Rugby-Meisterschaft zwischen dem Stuttgart-Eannstatter RE. (Süd- kreisrneister) und dem Mainkreismeister Frankfurter TB. 1860 mußte wegen der anhaltenden starken Kälte auf den 5. Februar verlegt werden. Westdeutsche Hochschulmeisterschast im Fußball. In Münster standen sich am Mittwoch im Rundenspiel um die westdeutsche Hochschulmeisterschaft im Fußball Vie Mannschaften der Universitäten von Münster und Bonn gegenüber. Bonn siegte erst in der Verlängerung recht glücklich mit 1:0. Ergebnisse der Schwimmeisterschafien der Gießener Studenten. Studenten. Freistil (6 Dahnen): 1. Braun, Alemannia 1.12,3 Min.: 2. Kaiser, Merowingia 1.14 Min.; 3. Meyer. Bernw. 1.17 Min. Dru st schwimmen (6 Bahnen): 1. Meyer, D. 1.33,8 Min.; 1. Heusel, Merowingia 1.33,8 Min.; 2. Meyer, Rolf 1.34 Min.; 3. Lenz 1.35,4 Min. Streckentauchen (2 Bahnen): 1. Staedtel 25.1 Sek.; 2. Grünberg, Alem. 27.5 Sek. Kun st springen: 1. Meyer, B. 110,6 P.: 2. Hagen 91,5 P.; 3. Preis, Arminia 90,1 P.; 4. Meyer, R. 83,4 P. Dreikampf (6 Dahnen Kleiderschwimmen, zweimal Tieftauchen, 1 Dahn Etreckentauchen): 1. Meyer, B. 5 P.; 2. Meyer, B. 7 P.; 3. Kirschbaum, Wing. 11 P.; 4. Lenz, 12 P.; 5. Preiß, Arminia 14 P. Studentinnen. Freistil (2 Dahnen): 1. Lenhard. Univ. 25.6; 2. Dietrich. Ts. 26. Streckentauchen (1 Bahn): 1. Vogel, Ts. 14 Sek.; 2. Herzog, Univ. 14,8 Sek.; 3. Sohnemann, Ts. 15,2 Sek. Staffeln. Drust (4x2 Bahnen): 1. Alemannia 1.46,3 Min.; 2. Chattia 1.47,6 Min.; 3. Darmstadtia 1.50,2 Min. Lagen (4x2 Bahnen): 1. Alemannia 1.37,1 Min.; 2. Darmstadtia 1.45,6 Win.; 3. Chattia 1.46,4 Win. Freistil (4x2 Bahnen): 1. Alemannia 1.29,4 Min.; 2. Chattia 1.33,8 Min.; 3. Darmstadtia 1.34,3 Min. Studentinnen: Brust (3x2 Bahnen): 1. Ts. 1.35,4 Min.; 2. Univ. 2.08 Win, — Lagen (3X2 Bahnen): 1. Ts. 1.31,9 Win.; 2. Univ. 1.49 Win. Kurze Sporinotizeu. Zur Europameisterschaft im Eishockey, die am 16. Februar in Prag beginnt, haben bisher 12 europäische Mannschaften gemeldet. England hat endgültig abgesagt und auch die Verhandlungen mit den Massachusetts Rangers und den Edmonton Superiors sind noch zu keinem Abschluß gekommen. Dr. Peltzer erhielt vor einigen Tagen das silberne Sportabzeichen, nachdem er seit mehr als zehn Iahren schon Inhaber des bronzenen Abzeichens ist. Der Radball-Welt in ei st er Wanderlust Frankfurt nahm an einem Werbetag in Rheydt teil und konnte sich dort sowohl in den Rasen- als auch in den Saalspielen erfolgreich durchsetzen. Die Frankfurter konnten ihre acht ausgetragenen Spiele sämtlich gewinnen. * Die Straßenfahrer Buse, Stapel und Thierbach werden in der kommenden Saison an verschiedenen italienischen Straßenrennen teilnehmen. In2 8StundenvonBerlinnachMonte Carlo, diese ausgezeichnete Leistung vollbrachten Kappler-Gernsbach und Otto-Berlin bei der jetzt beendeten Sternfahrt unter offizieller Kontrolle. • Paolino, der aus Amerika zurückgekehrte Schwergewichtler, bestritt seinen ersten Kampf auf europäischem Boden in Barcelona und besiegte den Italiener Bergamos in der ersten Runde durch k. o. 4i Zum Davispokalkampf haben bis jetzt 29 Rationen gemeldet. Schöffengericht Gießen. • Gießen, 25. Ian. Rach mehrtägiger Verhandlung wurde gestern, wie wir bereits kurz berichteten, die Verhandlung gegen den Rechner einer Spar- und Darlehnskasse zu Ende geführt. Bei der Vernehmung weiterer Mitglieder der Genossenschaft ergab sich, daß einige von ihnen Gelder auch an Angestellte des Rechners bezahlt hatten. Diese, als Zeugen vernommen, bekundeten unter ihrem Eide, daß sie sämtliches Geld sofort an den Angeklagten restlos abgeliefert haben. Ein Vorstandsmitglied belastete den Angeklagten schwer. Rach dessen Ansicht hatte der Angeklagte sich absichtlich bemüht, die Mitglieder über ihre bei der Kasse geführten Konten im Unklaren zu lassen, die Beschlüsse des Aufsichtsrats und des Vorstandes habe der Rechner nie ausgeführt, er habe es meisterhaft verstanden, die wiederholt verlangten Revisionen und die Vorlage der Kassenbücher und Belege hinauszuschieben. Durch den Tuchsachverständigen wurde ein Fehlbetrag von nahezu 3400 Mk. errechnet, Beträge, die von dem Angeklagten persönlich vereinnahmt, aber nicht verbucht und damit auch nicht in die Kasse gekommen waren. Heber den Verbleib dieses Geldes wußte der Angeklagte keine Angaben zu machen, er fand nur die Erklärung, er habe das Geld nicht. Die Staatsanwaltschaft hielt auf Grund längerer Ausführungen den Teweis für zweifelsfrei erbracht, daß der Angeklagte den Fehlbetrag fick rechtswidrig zugeeignet und durch sein Verhalten absichtlich zum Rachteil der Genossenschaft gehandelt habe. Außerdem hielt sie den Angeklagten einer schweren Hrkundensälschung für schuldig, da einwandfrei nachgewiesen sei, daß die beiden bei der Revision vorgelegten Ausgabebelege über mehrere hundert Mart von dem Angeklagten gefälscht worden wären, um durch Buchungsmanöver den wahren Kassenbestand zu verschleiern. Die Verteidigung bezweifelte, daß ein lückenloser Indizienbeweis geführt wäre, das Beweis- ergebnis reiche zu einer Bestrafung nicht aus. Es handele sich nur um eine grobe fahrlässige Schädigung der Genossenschaft. Wie wir schon mitteilten, wurde der Angeklagte der schweren Hrkundensälschung, der Hnterschla- gung und der Zuwiderhandlung gegen das Ge- nossenschaftsgeseh für schuldig befunden und zu 6 Monaten Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe, evtl, weiteren 10 Tagen Gefängnis verurteilt. Es wurde berücksichtigt, daß der Angeklagte den der Genossenschaft entstandenen Schaden durch hypothekarische Belastung seines Grundbesitzes zu einem großen Teil wieder gutge- macht hat. Wirtschaft. Oer neue Leiter von Hapag-Lloyd. Bremen, 26. Ian. Am 26. Ianuar fand eine gemeinsame Sitzung der identischen Aufsichtsräte der Hamburg - Amerika - Linie und des Rorddeutschen Lloyd statt, in der dem verstorbenen Geheimrat Dr. Cuno warme Worte der Dankbarkeit gewidmet wurden. Cs wurde be- schiessen, drei Herren zu stellvertretenden Vorstandsmitgliedern zu ernennen und den Vorsitz in den Sitzungen des Vorstandes der Hamburg- Amerika-Linie Herrn Marius Böger zu übertragen. Oer Abschluß der Berliner Handelsgesellschaft für 1932. Berlin, 26. Jan. (WTB.) Der Derwal- tungsrat der Berliner Hande Isaesell- schäft hat auf Antrag der Geschäftsinhaber beschlossen,^ vorbehaltlich der Genehmigung durch die Generalversammlung die Dividende aus dem Reingewinn von 2,09 (im Vorjahre 1,55) Millionen Mark auf das Kommandit-Kapital von 28 Millionen Mark auf 5 Prozent (i m V o r- jahre 4 Prozent) festzusetzen und die verbleibenden 692 309 (im Vorjahre 425 011) Mark auf neue Rechnung vorzutragen. Der Cinnahmerückgang aus Zinsen, Wechseln, Devisen und Provisionen (minus rund 1,30 Will. Mark) hängt mit dem kleineren Geschäft, vor allem mit der Herabsetzung der Zinsmarge und dem Aussall des Devisengeschäftes zusammen. Der Gewinn aus dem Wertpapier- und Kon- sortialgeschäft überstieg die ausgewiesenen 1 Mill. Mark, der nicht ausgewiesene Teil wurde für Rückstellungen usw. verwandt. Zu den internen Abschreibungen und Rückstellungen treten noch solche sachgemäßer Ratur von 1,50 (2,50) Mill. Mark. In der erheblichen Steigerung des Bestandes an unverzinslichen Schahanweisungen und Steuergutscheinen liegt eine Erklärung für die Verbesserung der Liquiditätsziffer. Die Verminderung d r Rostroguthabcn bei Bank n und Tank- firmen ist auf die Geschästsschrumpfung im ganzen, aber auch auf die Verringerung der Guthaben bei ausländischen Danken infolge Verschlechterung der Zinsverhältnisse zurückzuführen. Das Aufhören der Termingeschäfte macht sich in dem Rückgang der Reports und Lombards gegen börsenmäßige Wertpapiere bemerkbar. Die Verminderung der Posten „eigene Wertpapiere, Konsortialbeteiligungen und dauernde Beteiligungen" auf 19,1 (22,3) Mill, erklärt sich aus der Realisierung besonders von Schahanweisungen des Reiches und der Länder, sowie der teilweisen Verwertung bestimmter Konsortialbeteiligungen; die Steigerung des Postens „sonstige börsengängige Wertpapiere" ist auf die höheren Dörsen- kurse per Ende 1932 gegenüber Ende 1931 zurückzuführen. Rach Auffassung der Bankleitung bedeutet die Bilanz einen nennenswerten Fortschritt zur Wiederherstellung normaler Verhältnisse im Bankgeschäft. Es besteht wieder die Möglichkeit, die Aktivität der Passivität anzupassen und bei eingeschränktem Geschäft die Liquidität sogar zu erhöhen. In der Wiederbelebung des Effekten- und Konsortialgeschäftes sieht die Bankleitung ein besonders erfreuliches Ergebnis. * Frühbezugsvergünstigung für Superphosphat. Wi t Rücksicht auf das wider Erwarten verspätete Zustandekommen der Reichsausfallgarantie hat die deutsche Superphosphatindustrie im Interesse ihrer Abnehmer, den Abruftermin für Januar-Lieferungen vom 25. d. M. auf den 31. Januar 1933 verlegt. Alic Abrufe, welche bis zu diesem Tage eingehen, werden zu den für Januar festgesetzten Frühbezugsvergünstigungen ausgeführt. * Die TeilrückzLhlung der Frankfurter Schatzanweisungen gesichert. Die zweite Versammlung der Inhaber Frankfurter Schatzanweisungen hatte bekanntlich einen Vorschlag des Gläubigervertreters angenommen, nach dem eine Teilrückzahlung von 10 Prozent der umlaufenden Schahanweisungen bis zum 1. Februar 1932 erfolgen sollte. Die Verhandlungen über die Beschaffung der hierfür notwendi- gen Airla 2,8 Millionen Mark sind nunmehr mit Erfolg abgeschlossen worden, und zwar stellen der preußische Staat (dieser mit Rücksicht auf die Breslauer Schuld an Frankfurt) und das Emissionskonsortium den Betrag je etwa zur Hälfte zur Verfügung. Während es sich beim Staat um ein bis Ablauf der Stundungsfrist am 30. September 1934 gewährtes Darlehen handelt, ist der von den Banken gewährte Kredit in vierteljährlichen Etappen innerhalb der Laufzeit der Stundung rückzahlbar. Die lOprozentige Teilrück- zahlung am 1. Februar ist demnach als gesichert anzusehen. Frankfurter Abendtörse zurückhaltend. Frankfurt a. M., 26. Ian. Die Abendbörse hatte im Hinblick auf die bevorstehende inner- politische Entscheidung nur sehr geringes Geschäft, da allgemein Zurückhaltung bekundet wurde. Don den festeren Reuyorker Eröffnungskursen ging keine Anregung aus. Die Stimmung war zwar nicht unfreundlich, aber recht unsicher. Im Vergleich zum Berliner Schluß lagen die Kurse etwas behauptet. ID-Farben setzten mit 105,5 v. H. etwas höher ein, gingen dann auf 105,25 v. H. zurück und bröckelten im Verlause bis auf 104,90 v. H. ab, wobei Gerüchte über innerpolitische Schwierigkeiten verstimmten. Die Haltung wurde allgemein etwas schwächer. Deutsche Anleihen und der übrige Rentenmarkt lagen ebenfalls sehr still, aber meist unverändert. Alt- und Reubesitzanleche sowie späte Schuld» buchforderungen (etwa 78,5 v. H.) gaben aber später nach. Altbesihanleihe 63.75, Reubesih 8,80, Schutzgebiete 6 5, Reick sb.nk 158,5, Buderus 47 60, Gelsenkirchen 58,5 bis 58,25, AEG. 29,75, IG- Farben 105,5 bis 105, Siemens 126, Südd. Zucker 142,5, Hapag 18,13. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt bejchlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H. Lombardzinsfuß 5 v. H. $raniiun a. JJI. ätrui. Schlug- tu re tächlusl. Bbend- bürf Schluß- :urs (Schluß! Mittag, böft ■Datum 25 1. 26.1» 25.1. 26.1. 6% Deuticke ?Kcidi5anietbe v. 1921 80,5 80,3 80,4 80,65 6% cbem.7% Ti.Reichsanl. v. 1929 95,5 95,5 — 95,9 5yz% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablöl.-Sckuld mr 83 82,75 83,5 83 Auslo,.-Rechten ........ Tesgl. ohne Aurlos.»Reckte...... 6% ebem.8% -heil. Bolkeslaat 1929 68,9 68,75 69 68,8 9,1 8,65 9,1 8,75 (rüdtablb 102%)...... Lberhessen Provinz. Anleihe mp 78.5 77,75 79 78,25 Au-ioi.-Recklen Deutsche Komm. Sammelnd l.An 67 67 — — leihe Seriel mitAurlos.-Reckten 6% ehern. 8% firanff. Hnp.-Bant 63 62,7 63 63 Goldpse. >5 unlünobar bis 1935 6% ehern. 7% Franks Hyp.-Ban! 86,75 86,75 — — Kolbvfe IK unkündbar bli 1936 5yz% eben, 4!'2% Franks. Hyp. Bank-Liau.-Psandbrtese ..... 5>/r% ehern. 4‘/2% Rheinische 86,5 86.75 — — 87,25 87,25 — — Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpie. C% ebem. 8% Pr. Landespfand 87,5 87 — — btiefanfialt, Bsandbriese R. 19 6% ehern. 7% Pr. Landespfand 85,5 85,5 85,4 85,25 btiefanftali. Plandbrieie R 1« 85 85 — — 4% Cefterreiditidie CBolDrcnte... 4,20% ^österreichische Silberrenti — — _ 1,4 1,4 1,35 1,4 1% Ungarische Kvldrente ... 4% Ungariscke Siaaictente o. 1910 — — — 4'/r% desgl von 191.3 — — — — 5% abflefi. (Hoiomerifanei von 99 6,7 6,65 6,8 6,9 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn »Anleihe 5,05 4,9 5 5 Serie I 5,6 5,5 5,55 5,55 d% desgl. Serie 11 ............ 5.6 5.5 5,65 5,5 5% Ruman. veceinh/Rente v. 1903 7 6,8 6.8 4<4%Rumän.vereinh.Rentev.lS13 10,75 10,65 10,65 10,9 4% Rumänische vereinh. Rente -. 5,775 1 5,85 5,35 5,9 25,13 8%% Anatolier.............. 23,75 23,75 23,8 • an ui .. -.. oen.a Schlußkurs Sch.ußk. Abend« bö'ie Schluß« furd Scklußk. Mittag« börse Datum 25-1» 26.1. 25.1. 26-1. Hamburg.Ämerila-Palei ..... 17,75 13,13 17,4 18.4 Hamburg.Südam. Damotschiss. 0 —> / - 42.5 44.5 Hansa Tampfschiss........... 0 —— — 31 30 Norddeutscher Lloyd ......... ü 18 18,65 17,75 18,5 A.W. für Verkehrswesen Akt. .. ü 43 43,5 43,13 43,5 Berliner HandelSgeiellsckaft.... 4 96 96 96 96,5 Commerz» und Privat-Bank... 0 53 53 53,5 53,5 Deutsche Bank und Di-ronto» Gesellschaft................ 0 72,75 72,75 72,75 72,75 Dresdner Bank.............. 0 61,75 61,75 61,75 61,75 Reichsbank ................. 1 159,5 158,5 159,5 153,5 A.E.G...................... 0 30,75 29,75 30.9 30,13 Elektr. LieserungSgesellschaft ... ä 81 80 80 80 Licht un v.(traft ....... 6 96.75 96,5 95,25 95,5 Felten & («uUleaume ........ 0 56,5 56,5 57 56,5 Gesellschaft für Elektrische Unter. nehmungen............... 4 80,5 80,25 80,9 80,25 Rheinische Elektrizität ........ 5 98,5 99 98,75 99 Gdiuaert &(So.............. 0 88 89 88.25 87.9 Siemens & HalLle........... c 127 126 127,5 126 Labmever LCo.............. 10 118.25 120 118 119.5 Buderus ................... f 47,75 47,65 47,5 47,13 Deu ticke (rtbßl ............. 4 88,5 88,5 88,75 87,75 Gelsenkirchener ............. 0 60,5 58.25 59,75 58,5 Harvener ................ c 83,5 —- 83 81.75 Hoeick Eilen—Söln-Neueisen.. 0 — — 53,65 52,5 3He Bergbau ........... 7 — — 146 145 alle Bergbau Oenüfle........ 7 100,5 101 101 101,75 Rlbdnerroerte .............. t 46,5 45,5 46,25 45.65 Mannesmann-Röhren........ 0 61,5 60,5 61,5 61,13 Monokel der Bergbau......... C 25,5 24.75 25,13 25,13 Cberidilef. Kokswerke......... c —— — 70 70 l'bönir Bergbau.............. c 34,5 34 34,25 34 Rheinische Braunkohlen ...... 10 190 188 190,25 188,5 Nhewstahl.................. 0 73,5 73,5 73,5 73 IVranflun a.271. Berlin Schluß» furd Schlug:. Abend« bdri Sch uß« hird Schlugt. Mi lag. höre Datum 25.1. 26.1. 25-1. 26.1» Bereinigte Statuierte........ Otavi Minen ............... u 34,25 33,5 34,13 33,65 0 16,25 16,75 15,75 16,5 Kaliwerke Aschersleben........ 6 113,5 114 114,5 114,75 Kaliwerke Westeregeln........ 6 117 117 116,5 116,5 Kaliwerke Salzdetfurth....... v 173,5 173 173 172,5 3 CJ. Färben-Industrie....... 7 105,25 105 105,9 105,25 Sckeideanftalt............... 10 154.75 153,25 — — Goldsckmidt ................ 0 38,5 38 38,4 37,75 Rütgerswerke ............... 0 42,75 42,5 12,75, 42,75 Metallgefellfchast............. 0 37,5 37,75 38 38 Philipp Holzmann........... 0 50 49,25 50,13 49,5 Zementwerk Heidelberg ...... 4 52 52 — — Lementwerk Karlstadt......... 0 — — — Waytz & tzreytag ............ 0 4,65 4,5 4,5 4,5 Sckultheiü Payenhofer....... 0 _ 103 102,25 2llu «Allgemeine Kunstseide) .. 0 36,5 36,5 36 36,5 Bemberg ............. 0 44,5 44,5 45 44.25 Zellstofi Waldhof ........... 0 51 51,25 50 50.75 Zellstoff Aschaffenburg ...... 0 28,5 27,25 28 Dessauer GaS .......... 7 — 111,9 112,25 Daimler Motoren........... 0 21,5 21,5 21,4 21,25 Deutsche Linoleum ......... 0 39,25 39.25 39,5 39 Crenfteln & Koppel -........ 0 41,25 40,65 Leonhard Dich............. 6 43 43 43.5 43,25 Thade ..................... 13 — 139,75 140 Gritzner ................... Mainkraftwerke Höchst a.W. 0 81 31,6 I 3t 31,65 70 — — Süddeutscher Zucker ........ 8 I 141 142,5 1 142 141,5 Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a M 25-3