Hr. 277 Drittes Blatt (Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Samstag, 25. November (955 al? den Kameraden in Zeit und Ewigkeit. Wir | theater Gießen das Schauspiel: sind Les Herrn und darum sind wir in diesem Leben Karl Lerbs unter der Spie dazu da, unseres Herrn Liebe auf Erden durch unser Tun zu beweisen. Es ist ein runder schneeweißer Kieselstein, den vergräbt es nachts in die Erde, und zuletzt pflanzt es noch einen Baum darüber, damit er das Herz behüte und mit seinen Wurzeln festhalte. , , 3a, und nun hat das Mädchen also kein Herz Phantasie, daß ihm unversehens I mehr in ber Brust, nun muß doch alles gut sein. Das vergrabene Herz. Bon K H Waggerl. Das ist die Geschichte von dem Mädchen, das fein Herz vergraben hat. Wirklich, ein Mädchen, ganz allein in der Welt, ganz arm und verlassen. Wozu trage ich dieses Herz mit mir herum, denkt das Mädchen, es klopft und liegt mir wund in der Brust, ich habe nur Kummer von meinem Herzen. Und bann geht es also hinaus und sucht einen Stein auf dem Felde, du sollst mein Herz sein, sagt das Mädchen. Es geschieht dann, daß nachts jemand an das Haus kommt und klopft, ein fremder Mensch. Oder viel- lelcht ist es der Bruder, doch, vielleicht hatte das Mädchen noch einen Bruder in der Fremde der ist jetzt heimgekehrt und will bleiben, das Herz hätte es wissen müssen. Wer das Herz ist vergraben, und darum geht der Bruder wieder und wandert traurig fort in die fremde Welt. 3m andern 3ahr ist es eine Frau, die abends am Brunnen vor dem Hause sitzt, das Gesicht in der Hand verbirgt und weint! 3ch bin deine Schwester, sagt sie, sei barmherzig! Das Mädchen läuft in der Nacht auf das Feld und fragt den Baum, fragt den Stein in der Tiefe hift es die Schwester? Aber das Herz ist zu tief oer-' graben, es schweigt auch dieses Mal. Geh wieder sagt das Mädchen zur Frau am Brunnen. Ich kenne dich nicht. Und das Haus bleibt lange leer. Die Vögel ziehen alle fort, sogar die Blumen am Fenster verwelken, das Mädchen sieht mit toten Augen zu, wie ringsumher alles stirbt. Sie ist verflucht, meinen die Manner. Nein, sie hat kein Herz im Leibe, sagen die Frauen, die es besser wissen. Aber einmal im Frühling ist es so weit, daß der Baum auf dem Felde zu blühen anfängt, und da geht ein junger Mensch vorbei, der sieht den Baum, wie er blüht, weiß und rot und über und über Und darum tritt der junge Mensch an das Fenster des Mädchens, um zu fragen. Wie kommt das, fragt er, warum blüht nur dieser einzige Saum auf dem Felde und alle anderen sind kahl? Und warum hast du so traurige Augen, bist du verflucht? Das Mädchen schweigt. Der junge Mensch hat nach dem Baum gefragt, nach ihrem Herzen unter dem Baum, das rührt sie seltsam an. Sie kann ihn nicht bitten, daß er bleibe, aber sie sieht nicht gern, daß er geht. 3n der folgenden Nacht kommt der junge^Mensch wieder an das Fenster. 3ch liebe dich, sagt er jetzt unb lächelt ihr zu. 3a, du gefällst mir, mit deinem blühenden Baum! Allein das Mädchen kann ihm auch dieses Mal nichts antworten, es ist das Herz, das die Worte gibt, und das Herz liegt begraben. Das Mädchen borf den Schritt des Fremden in der Nacht verhallen. Geh nicht fort, denkt das Mädchen, verlaß mich nicht! Vielleicht ist alles gut, der Baum blüht ja doch. Komm wieder, vielleicht ist mein Herz noch nicht tot, wenn er so blühen tonn! Der Hess. Evang. pfarrverem an den Reichsbischof. Angesichts der von dem Studienassessor Dr. Krause (Berlin) gehauenen, den Bekenntnis- grunblagen der Evangelischen Kirche widersprechenden Rede, auf die eine bedeutsame öffentliche (Er- Marung des Reichsbischofs folgte, sind aus allen Teuen des Reiches zahlreiche Zustimmungserklärungen bei dem Herrn Reichsbischof eingelaufen Auch der Hessische Evangelische Psarr- o e r e i n hat es für seine Pflicht gehalten, hier nicht zu schweigen, .und hat an den Herrn Reichs- blschof folgendes Schreiben gerichtet: „Zu Ihrer Kundgebung vom 15. November über Die Treue zu Schrift und Bekenntnis stehen wir Unterzeichneten im Namen des Hessischen Pfarr- oereins in heißem Dank und unwandelbarer Gefolgschaft. Für den Vorstand des Hessischen Pfarrvereins: gez. Widmann, Vorsitzender, Dekan unb erster Pfarrer zu Schotten. gez. K n o b t, Schriftführer, Pfarrer zu Offenbach." ,U-3oot 116." Aus bem Stabttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Sonntag, 26. November, kommt im Stabt- DeutscheZugend amTotensonntag Bekenntnis eines Gießener H.tlerjungen. -------- —Ir.„: „U-Boot 116" von Karl Lerbs unter ber Spielleitung von Kurt Lupke erstmalig zur Aufführung. Die 3ntenbanz gleicht mit bieser Erstaufführung ben Spielplan bem ernsten Charakter bes Totensonntags an. Wir erleben bie Wiebergeburt bes nationalen Gebankens in einer Dichtung ohne Hurrastimmung unb ohne Phrase. Dieses deutsche Helbenlieb ist eines ber aufwühlenbsten Dramen bes Zeittheaters. Lerbs übernimmt mit ber Dramatisierung ber Tobesfahrt des letzten von ben 1918-Meuterern nicht besetzten freien U-Bootes bie vornehmste Aufgabe ber Bühne, das heldische Geschehen als Erschütterung, Reinigung und Aufrichtung darzustellen. Ihm wird der Opfertod ber Männer vom U-Boot 116 „erschüt- fernbes, zutiefst packenbes, emporweisenbes Sinn- bilb: 3nbegriff einer Gemeinschaft von Männern, die ihre Bestimmung zu Ende benfen, ihren Willen zur fugenlosen Einheit oerbinben, ihren Gemein- schaftsgebanken zur Tat werben lassen". Der Dichter formte einen Stoff, bem eine wahre Begebenheit ,3u Grunbe liegt, mit starker Gestaltungskraft zu einer von jeher tenbenziösen Entgleisung freien Einheitlichkeit. Dieses beutsche Helbenlieb, bas „Grabmal ber unbekannten U-Boot-Besatzung" enthält bie kategorische Forberung: „Das Leben bem Vaterlanbe , ein beutsches Stück, wie unser Volk es braucht. Zur Feier bes Tages wirb bei Dieser Erstausführung am Totensonntag bas Orchester bes Stabttheaters unter Leitung von Kapellmeister Cuj6 bie Ouvertüre zu dem Trauerspiel: „Hamlet" von E. Bach zu Gehör bringen. Die Aus Der provinzialhauptftaDt. Heute und die Ewigkeit. Don Superintendent £ic. ^orrmann. Ein Tag im Fahre ist den Toten frei. Der Totensonntag i|t’s. Das ist wenig — einer von den vielen -tagen bes langen Jahres, nur ein Tag, um all unserer Toten uno all ihrer Liede zu gedenken Aber wenn Dieser eine Tag, den wir mitten im rauichenben Leben unseren Toten widmen auch viel zu wenig ist, um ihrer recht zu gedenken, so wollen wir diesen einen Tag doch remt begehen damit er werde ein Tag lebendigen Geoenkens an uniere Toten und damit ein Tag des Lebens für uns selber. 1 So gedenken wir unserer Toten. Ob wir sie erst in diesem Fahre zur Ruhe betten mußten, oder ob mir scyon manches Fahr einsam wandern — cn diesem Tage brechen alte Wunden auf, wird der bricht wieder bejonöers bitter und schwer zu tragen, [ließen wieder die Tränen der Dantbarteit für aüe Lieve, die sie uns schenkten und durch die sie unser Leden einst so reich machten. Wir gedenken an diesem Tage erneut auch in heißer Dankbarkeit unserer toten Helden, die, auf öen Lippen und im Herzen das heilige Wort „Deutschland", für dieses Deutschland im großen xriege [ielen. Und wir gedenken der anderen Helden, die ,ich opferten Jahr für Fahr, um die nationale Erhebung vorzubereiten und durch ihr Opfer Deutschland aus der Nacht der Schande in das Morgenrot neuer Freiheit unb Große zu führen. Gottlob, daß wir heute um biefe Helden im feld- grauen und im braunen Kleid nicht mehr zu trauern brauchen, als waren sie umsonst gefallen! Wir ha- den es erlebt unb dürfen es immer wieder neu erleben, wie die heilige Saat ihres Sterbens reifte unö reift zur heiligen Ernte, die beschlossen ist in Dem einen großen Wort „Volksgemeinschaft". Aber Himer unseren Toten sehen wir das Antlitz des Todes selber. Wie rasch zerbricht vor bieie.n gewaltigen Herrscher menschliche Größe, wie jäh sinkt vor dem Schnitter Tod menschliches Glück dahin! Gott sei Dank!, auch tiefstes Menschenleid geht einmal unter im lobe. Vorüber, vorüber, das ist die schmerzlich-schöne Melodie aus dem Munde des Todes. Aber diese Melodie ist ja nicht Wahrheit. Mit dem Tode ist ja gar nicht alles aus, so sagt uns gerade am Totensonntag mit Gewißheit eine innere Stimme. Hinter dem Tode blickt die Ewigkeit uns an. Und was wird aus uns und unserem armen Leben, was wird aus deinem und meinem „Heute" in der Ewigkeit? Denn aus der Ewigkeit sieht Gott, der Herr der Ewigkeit, auf uns hernieder. Sein heiliges Auge steht an diesem Tage ganz besonders ernst auf uns. Unb es ist gut, wenn wir wenigstens an diesem Tage das große Erschrecken lernen vor dem ewigen Gottesauge und die wichtigste Frage stellen: Wie kommt mein Meines Heute unb bie große Ewigkeit in bie rechte Verbindung zu- einander? ö 0 Es tft eine Verbindung geschaffen zwischen unserem Heute und der Ewigkeit. Wir haben Gewißheit über jenes unbekannte Land. Wohl stehen wir am Strand dieser Zeit, unb unser Auge, so sehr es sich anftrengt, sieht fein jenseitiges Ufer. Da aber werfen bie Wellen zu unseren Füsten eine Frucht ans Land, wie sie noch niemand auf Erden fal). Nun steht uns fest: Jenseits des Meeres liegt ein ander Land, in dem diese Frucht gewachsen ist. Sie ist uns Bote und Bürge des unbekannten Landes. Dieser Bote unb Bürge aus der Ewigkeit heißt Jesus Christus. Er hat bem Tode die Macht genommen unb das Leben unb damit ein unvergänglich Wesen ans Licht gebracht und uns die Ewigkeit entschleiert als das Land ber göttlichen Liebe unb des ewigen Lebens. Durch und mit Jesus Christus wirb unser Heute in dieser Erkenntnis gelebt als ein Leben, dessen Schwerpunkt im ewigen Leben ruht. Ader gerade darum wird es gelebt als ein Leben ber Liebe ganz für bie Menschen, bie mit uns auf bem Wege zur Ewigkeit finb. Unsere Beziehungen zueinander müssen geheiligt werden durch die Liebe, die den Lebensgefährten mit dem Blick ber Ewigkeit anschaut Erstaufführung ist zu ermäßigten Preisen und dauert von 19.30 bis 21.30 Uhr. LS Jahre Buchhandlung pilgermission G eßen. Am heutigen Samstag, 25. November, kann dis Buchhandlung Der Pilgermission in Gießen auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. Von dem im Mai 1927 verstorbenen Stadtmissionar Friedrich Herrmann am 25. November 1908 gegründet, hatte die Buchhandlung ihr erstes (3e- schäftslokcll in dem Hause Kreuzplatz 6. Der Tat- kraft des Gründers gelang es, mancherlei Schwie. rigteiten des jungen Unternehmens glücklich zu überwinden und der Buchhandlung einen guten Aufstieg zu ermöglichen. Dabei kam Herrmann wnd der jungen Buchhandlung zustatten, daß es in unserer Stadt bis zu jener Zeit keine Buchhand- lung gab, die Taschenbibeln und Testamente in Auswahl, sowie ernste christliche Literatur auf den Büchermarkt brachte. Schon zwei Jahre später mußte der Arbeitsraum der Buchhandlung durch die Inanspruchnahme eines größeren Lokales im Neuenweg 10 erweitert werden. Missionar Herrmann hatte es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, Männer mit dem Evangelium und mit guten christlichen Schriften von Haus zu Haus zu schicken, wegen Mangel an geeigneten Kräften mußte er aber diesen Plan bald wieder aufgeben. Unermüdlich arbeitete er Dennoch an seinem Werke weiter, wobei er sich auch besonders der Blättermission widmete. Er gründete zu diesem Zwecke das anfangs monatlich erscheinende Evangelisationsblatt „Aufwärts", um damit denen, die kein Gotteswort mehr hörten, die Botschaft des Heilands nahezubringen. Dieses Blatt fand in der evangelischen Welt starken Anklang, so daß es im Jahre 1928 in einer Auflage von über 40 000 und heute mit über 50 000 Stück erscheint. In Verbindung mit dieser Verlagsarbeit nahm die Buchhandlung der Pilgermission immer mehr an Wirkung in die Tiefe und in Die Breite ZU, woDurch es notroenDig wurde, im Jahre 1919 das Geschäftshaus Plockstraße 4 käuflich zu er- werben und im gleichen Jahre dort den Brunnen- Verlag der Buchhandlung Pilgermission anzugliedern. Von der Ausdehnung der Arbeit dieser Buchhandlung erhält man einen eindrucksvollen Begriff, wenn man hört, daß die im Verlag der Buchhand- lung der Pilgermission erschienenen Bücher der Dora Rappard bisher in einer Gesamtauflage von über 300 000 Exemplaren erschienen sind und das Werk „Zündel, Johann Christoph Blumhardt" in über 50 000 Exemplaren herausgebracht wurde. Weite Kreise der evangelischen Bevölkerung in Oberhessen und in den benachbarten preußischen Kreise, Darüber hinaus aber auch im Reiche haben aus der segensreichen Arbeit der Buchhandlung der Pilgermission großen inneren Gewinn verzeichnen Dürfen, der am heutigen Jubiläumstage der Buchhandlung ein dankbares Gedenken rechtfertigt. NG-Kriegsopferversorgung, Am Totensonntag, 11 Uhr, findet auf dem Ehren- nedhof eine stille Gedenkfeier für die Gefallenen tatt. Die Mitglieder ersuche ich um rege Betelli- 9un9- gez. M ö ll, Ortsgruppenobmann. SN Volkewohlsahrt Ortsgruppe Gießen-Süd. Die Ortsgruppe Gießen-Süd der NSV. häll an olgenDen Tagen Sprechstunden in Angelegen» heuen des Winterhilfswerkes: Montags, Mittwochs und Freitags von 17 bis 19 Uhr im Hotel Hopfeld, Eingang zum Saal Wetzlarer Weg. völlig zwecklos, in den Wohnungen irgendwelcher Amtswalter vorzusprechen. Auch das Ein- reichen mehrerer Anträge von ein und derselben iserfon oder Familie bedeutet unnütze Arbeitsbelastung und wird Dem Antragsteller keinesfalls bevorzugte ErleDigung feiner Sache sichern. Gleichzeitig bittet Die Ortsgruppe nochmals um lechweise Uederlassung einer gebrauchten Schreibmaschine, sowie eines Schreibmaschinentisches und eines Schrankes. Heil Hitler! __________gez.: F r i e D e l, Orfsgruppenroalter Die Fahrt Des Tauchbootes,,U B116". 23on Karl Lerbs. Zur Aufführung des Schauspiels „U-Boot 116" wird uns vom Stadttheater die folgende Einführung des Verfassers zur Verfügung gestellt, her unseren Lesern bereits aus zahlreichen Beiträgen im Feuilleton bekannt ist. Dus Tauchboot „U B 116", geführt vom Kapitänleutnant E m s m a n n, ist, obzwar Sinnbild, keine Erfindung: Es fuhr zu Beginn der Revolution gegen öie Engländer, und es ging unter. Sinnbild, sage 'eh; erschütterndes, zutiefst packendes, emporweisendes Sinnbild. Inbegriff einer Gemeinschaft von Männern, die ihre Bestimmung zu Ende denken, ihren Willen zur fugenlosen Einheit verbinden, ihren Gemeinschaftsgedanken zur Tat werden lassen. Sie bezahlen diese Verwirklichung einer Idee mit dem Tode — wollen sie mit dem Tode bezahlen, um durch diese letzte Folgerung zu beweisen, was ein klnr erkannter und einheitlich gewollter Gemein- schaftsgebanke vermag: nämlich über die verständliche Ichsucht des einzelnen hinaus aufzuwachsen zur Größte eines fortwirkenden und fortzeugenden Sym- bols. Wägen, aber dann wagen: erkennen, aber Dann handeln; nicht wieder den gemeinschaftlichen Willen zerfasern lassen vom Jnfusorienstreit der Einzelwünsche; nicht reden — tun. ms!?'" grauer Tag. Gebe und leer die Landschaft, •alles Leben verschwunden, keine Blume, kein Blatt, nichts mehr. Nur der Herbstwind streicht über die Felder. Er ist jetzt her Beherrscher Der Natur q- D°5 T?Sen noch lebte, alles ist jetzt tot. Der -too ist über das Land gegangen; wo seine Senfe btntraf, da vernichtete sie Leben, da kehrte Das Sterben em. So ist es Sonntag geworden. Einer jener kurzen, kalten, nebligen Novembersonntaae. ein Sonntag, der dem Tode voll und ganz gehört. ,,T o t e n f o n n t a g." Es paart sich das Sterben Draußen in der Natur mit dem Gedenken an die, welche ernst genau so lebten wie wir, am Leben Freude hatten, und die heute unter der Erde ruhen, wahrend der Herbstwind über ihre Gräber streicht. Unsere Zeit, die erfüllt ist von Hast und Eile, ge- Denft an diesem Tage ihrer Toten. Wenn am Sams- taa noch Die RaDer Der Fabriken ihr herrliches Lied gesungen haben, wenn der Handwerker bis zum (paten Samstagabend seiner Arbeit nachgegangen ist, so liegt heute, am Tage der Toten, über all Dem jo etwas unsagbar Müdes, etwas Fremdes. Die Toten regieren. Wenn dann die Glocken mahnen und ihr Klang über das öde Land hinschwingt. Dann beschäftigen wir Menschen uns mit her Vergangenheit. Dann denken wir zurück an unsere eitern, an unsere Geschwister, an Angehörige unb an alle bte Menschen, bie uns einst nahestanben. Wir sehen sie im Geiste vor uns, so wie sie gelebt unb gewirkt haben. Unsere Gebanken gehen weiter, gehen von ben Menschen, bie uns nahestanben, zu benen, bie für uns alle gelebt unb gestorben finb. Manche Mutter weint über bem Silbe ihres gefallenen Sohnes ober Eheaatten bittere Tränen. Als Volk, als einiges beutsches Volk gehenfen wir ber Wegbereiter unseres heutigen Deutschlanb, gebenfen her Hunberte von Helben, bie ihr Leben freubig für bas Dritte Reich gegeben haben. Vor unseren Augen ersteht bie Felbherrnhalle in München. Wir gehen still zu ihren Grabern, schmücken ihre Ruhestätten unb roanbern still nach Hause. Immer noch verkünben bie Glocken ben Tag ber Toten. Immer noch streicht ber Herbstwinb über bie oben Felber. Immer noch liegt biefe feierliche Stille über bem Lanb. »Ihr Toten, bie ihr uns einst nahestandet, ihr, bie wr euer Leben für Deutschlanb im Weltkriege geopfert habt, ihr, bie ihr für bie beutsche Freiheitsbewegung gefallen seib, unb alle ihr anberen Toten, pabt einst gelebt unb habt mit biefem Leben einen Lebenszweck erfüllt." Das ist es, weshalb wir geboren finb, weshalb exfüüeri aUPt leben, baß wir biefen Lebenszweck ,,Jhr seid gestorben an ber Erfüllung biefes eures Lebenszweckes, seib Märtyrer geworden für uns, für euer Volk. Unb wenn ihr nun heute über uns regiert, so sei bies eine Mahnung für uns Es ift ganz gleich, ob ihr braußen im Felbe für Deutsch- lanb geftorben seib, ob ihr für bie beutsche Frei- heitsbewegung euer Leben ließet, ob euch ber Tod m hohem Alter ereilte. Das alles ist ganz gleich. Ihr habt gelebt, habt in biefem Leben euere Pflicht getan, habt ben Sinn eueres Lebens erfüllt. Unb Deshalb gehört euch bieser graue Novembertag. An biefem Tage sollt ihr uns mahnen, sollt uns auf- rütteln, sollt uns Lebenbe an ben Sinn unseres Lebens erinnern. Ihr Toten habt uns ein Erbe hinterlassen. So stehen wir jungen Menschen, mir, bie beutsche Jugenb, heute vor euch und sehen als euer Erde ein einiges Deutsches Reich. Wir sind aus ber ungeheueren Verantwortung bewußt, bie mir emst zu übernehmen haben, wenn man bas Reich in unsere Hände legt. Dieser Zeitpunkt liegt noch in weiter Ferne. Wenn einst aber die Geschicke bes beutschen Vaterlanbes in unseren Hänben liegen, bann wollen wir unsere Pflicht tun, angesichts eurer Taten, angesichts ber ungeheuren Verantwortung, bie wir übernommen haben. Unb genau so wie ihr eure Pflicht tatet, wie ihr ben Sinn, ben Zweck eures Lebens erfüllt habt, genau so wollen auch wir unsere Pflicht tun." So ist ber Tag ber Toten zugleich ein Tag ber Jugenb. „Wenn wir, ihr Toten, einst auch zu euch gehören, bann wollen wir euch Rechenschaft ablegen über bas Erbe, bas ihr uns hinterlassen habt. Unb bann wollen wir gemeinsam vor unseren Richter treten unb über uns unb unser Werk Gericht halten lassen." Ein grauer Tag. Debe unb leer bie Felher. Nur Der Herbstwinb streicht über bas Lanb... A. R. Unb in ber zweiten Nacht wartet bas Mäbchen gar nicht mehr auf ben flopfenben Finger, sie läuft auf bas Felb unb kniet hin unb gräbt mit ben ganben in ber Erbe, sucht unb gräbt. Aber ber ®aum gibt bas Herz nicht zurück, o nein. Er hält es fest mit allen feinen Wurzeln. Unb so kommt ber frembe Mann zum letzten Male in ber brüten Nacht. Er klopft gar nicht mehr — ich gehe jetzt! ruft er laut bunt) bas Fenster Du hast kein Herz im Leibe, sagt er, unb bein Baum hat abgebluht! Nein, bleibe hoch! ruft bas Mäbchen in seiner Angst, aber ber Mann hört es nicht mehr. steht auf bem Felbe vor bem Baum unb schneidet einen Zweig heraus, einen Stock für den Weg, weil er doch seine Liebe verlassen unb wan- öern muß. Unb nun springt plötzlich ein Brunnen ■ölut aus bem Saum, o mein Gott, ein breiter Brunnen Blut! Darüber erschrickt ber Mann, unb er läuft zurück m bas Haus. Was ist bas, will er sagen bein Baum blutet ja, sieh her! Aber bas Mäbchen lieat schon still unb weiß auf feinem Bett. Er schnitt nur einen Stock für bie Wanberschaft aus ihrem Baum, ba rann ihr ganzes Herzblut in bas Gras Ja, still und tot, das ist bie Geschichte von Dem Mäbchen, bas fein Herz vergrub. Ieiischrifien. Im Auftrage bes Reichsluftschutzbunbes erscheint eine neue große illustrierte Zeitschrift„D i e en Schülerinnen der Aliceschule und des Fröbel- eminars alle möglichen Kleidungsstücke zur Vor- ührung gebracht unb zwar in jener Ordnung, wie ie Im Ablauf eines Tages getragen werden. So sah man Kleidung für den frühen Morgen, für den Vormittag, zweckmäßige Kleidung für die Küche, Nachmittagskleider, Kostüme, Kostümmäntel, Mäntel, Hauskleider, Schürzen, Röcke und Blusen, Strick- oullover, schließlich Abendkleider unb Schlafanzüge, Die in einer recht originellen Parade gezeigt wurden. Auch Sportkleidung durfte nicht fehlen. Die einzelnen Vorführungen wurden durch gesangliche Darbietungen von Schülerinnen des Fröbelseminars abgelöst, so daß sich den Besuchern immer wieder neue Eindrücke boten. Mit großer Freude wurden turnerische Vorführungen ausgenommen. Reigen in einfachen Formen gefielen gut. Da» Fröbelseminar bereicherte das Programm durch einige improvisierte Kinderspiele, die aller- liebst bargeboten wurden und die Kinder mit großer Freude bei der <5adje sahen. Den Höhepunkt und Abschluß der glänzend gelungenen Veranstaltung bildete eine Märchenspiel, das die Kinder symbolisch als die Bringer von Fröhlichkeit und Freude scheinen ließ. Einleitende Erzählung, schöne Dekoration, Gesang unb Reigenspiel unb musikalische Be- fGeltung — das alles von den Mädchen des Fröbel- eminars selbst ausgedacht — gaben diesem Märchenspiel da» Gepräge. Die gesamte Veranstaltung ist von den Mädchen der beiden Instituten unter Der Leitung ihrer Lehrerinnen bestritten worden. Alles hotten die Mädchen mit einfachen Mitteln selbst gefertigt unb dadurch ihre Freude an dieser Art des Schaffens bewiesen, gleichzeitig erkannte man aber auch, daß die beiden Schulen eine Arbeit leisten, die mehr und mehr in die Breite wirken wird. Die gesamte Nachmittags-Unterhaltung wird mit vollständigem Programm heute wiederholt. Die Ausstellung wird bis 20 Uhr geöffnet gehalten, so daß jedermann Gelegenheit geboten ist, die Arbeiten her beiden Schulen eingehend zu betrachten. ßanbbutter 1,35 bi» 1,40, Kochbutter 1,20 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische 15 bis 16, Wirsing, das Pfund 8 bis 12, Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 10, Gelbe Rüben 8 bis 10, Note Rüben 10, Spinat 12 bis 15, Römisch- kohl 10, Unterkohlrabi 6 bis 7, Grünkohl 12 dis 15, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 80 Pf. bis 1 Mk., Zwiebeln 8bis 10, Meerrettich 25 bis 50, Schwarzwurzeln 20 bis 25, Kürbis 6 bis 8, Kartoffeln, das Pfund 3 bis 3H Pf., der Zentner 2,50 bis 2,80 Mk., Aepfel, das Pfund 10 bis 18 Pf, Birnen 10 bis 15, Nüffe 40 bis 60, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 75, Suppenhühner 60 bis 65, Gänse 60 bis 70, Blumenkohl, das Stück 25 bis 50, Endivien 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 5 bis 25 Pf. Freiwillige Gailsche Feuerwehr Gießen Man berichtet uns: Nach Beendigung des Sommerhalbjahres, In dem die Mannschaften der Feuerwehr im Praktischen ausgebildet werden, verwendet die Freiwillige Gailsche Feuerwehr die Zeit im Winterhalbjahr dazu, die Wehrleute im Theoretischen zu schulen. Am vergangenen Montag fand im Saale ihres ältesten Feuerwehrkameraden Jean Arnold (Schipkapaß) die zweite Monatsversammlung statt. Der 1. Kommandant Münch begrüßte die sehr zahlreich erschienenen Kameraden, u. a. auch den Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier, der zugleich 2. Kommandant der Wehr ist. Hierauf hielt das Vorstandsmitglied Brclther einen Vortrag über das Thema „Luftschutz". Der Redner führte u. a. aus: Gegen die Gefahren von Luftangriffen wurden früher keine Vorkehrun- a ii getroffen. Dank unserer heutigen Regierung hat man in den letzten Monaten den passiven L'Nlschutz organisiert und für Aufklärung gesorgt. Dies ist nicht zuletzt das Verdienst des Luftfahrtministers Göring, der bekanntlich im Weltkrieg ein bedeutender Kampfflieger war Durch das Diktat von Versailles ist uns Deutschen jegliche Abwehr durch Flugzeuae, Kanonen ufro. unterlagt, so daß uns nur der passive Luftschutz übrig bleibt, um die deutsche Bevölkerung einigermaßen gegenüber den Luftangriffen der Feinde mit ihren bekannten Rüstungen nach dem Kriege zu schützen. Das Reich kann den gesamten Luftschutz nicht übernehmen. Daher teilt man den Luftschutz in zivilen Luftschutz, d i. Schutz der zivilen Bevölkerung ufro., und In industriellen Luftschutz, d i. Schutz der wichtigen industriellen Betriebe und W"rke. Den zivilen Luftschutz übernimmt die Verwaltung durch die Polizei, Feuerwehr, Sanitätskolonne und Technische Nothilfe. Man hat einen großen Drga- nisatlonsplan ausgestellt, der die Tätigkeit und den Einsatz der einzelnen Formationen, das Verhalten d-r Bevölkerung und die Alarmierung regelt. Den Selbstschutz vorbereiten helfen, muß jedem Deutschen zur Pflicht gemacht werden In jedem Hause müssen gegen Einsturz durch Bombenabwurf Schutzräume hergerichtet werden. Ferner müssen Löschmittel bereitgestellt sein, Verbandstoffe und sonstige Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Die industriellen Verbände haben Richtlinien über die Durchführung des organisierten industriellen Luftschutzes erlassen Jeder Deutsche muß wissen, daß unsere Feinde die verichiedenortigsten Bombech hcrftellen, so z. B. leichte Bomben (Brandbomben), die bis zu 2000 Stuck in einem Flugzeug befördert und obgeworfen werden können und schwere Bomben fSprengbomben), die o(t ein Gewicht bi» zu 1 800 Kilogramm haben. Wenn ein Flugzeuggeschwader eine Anzahl derartiger Bomben abroirft. kann man sich vorstellen, welche unheilvolle Wirkungen diese verursachen und wenn dann noch eine große Anzahl Gasbomben zur Erpkosion gebracht werden Der Schutz gegen Bomben, die mit Gas oder gosöhnllchcn Kampfstoffen gefüllt sind, ist leichter und mit wesentlich erhöhter Aussicht auf Erfolg durchzuführen, wenn es sich nur um Abwurf von Gasbomben handelt. Man schafft Schutzräume für Sammelschutz, Gasschutzgeräte für Einzelschutz, Raumlüfter, lieber- brurfregclung, ßufterncucrung, gasdichten Abschluß usw. Die Ausgaben für die Vorbereitung derartiger Luftabwehrmaßnahmen der einzelnen Organisationen, insbesondere auch für die Feuerwehren, find groß. Die gesamte Bevölkerung muß hierbei mltheifen, damit sie einigermaßen gegen heimtückische Angriffe unserer Feinde geschützt werden kann. Dem Vortragenden wurde für seine interessanten Ausführungen reicher Beifall gezollt. Den Ausführungen des Herrn Architekt Brclther, der Luftschutzwart der Gälischen Werke ist, folgte eine rege Aussprache. Der 1. Kommandant dankte dem Vortragenden für seinen Vortrag und schloß die Versammlung mit einem dreifachen Sieg-Heil aüf unseren Volks- kanzler Adolf Hitler. Vornotizcn. — Tageskalender f ü r 6a m » t a g: Stadt- thcatcr, 20 bis 22.30 Uhr, „Am Himmel Europas". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Verdun". — Aftoria-Lichtfpiele, Seltersweg, „Abenteuer auf dem Meeresgrund". — Bienenzüchteroerein, 15.30 Uhr, Hauotoertreteroersammlung des Hauptvereins, Ho- tel Restaurant „Hindenburg". — Alice-Schule einschließlich Fröbel Seminar, EasS Leid, Ausstellung: 14.30 bis 16.30 Uhr Kinderbelustigungen-, ab 16 30 Uhr Vorführungen. — Tageskalender für Sonntag: Stabt- theater, 19.30 bis 21.30 Uhr „U-Boot 116". — Goethe-Bund, 20 Uhr. Neue Aula, Gedenkstunde für Daul Ernst. — Physiologisches Institut, 11.30 Uhr, öffentlicher Vortrag von Pros. Dr. Bürker über „Die Funktionen des Nervensystems". — Turmhaus am Brandolatz. 11 bis 13.30 Uhr, 1. Kunstausstellung des Reichskartells der bildenden Künste. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Irn Zeichen des Kreuzes". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg, „Abenteuer auf dem Meeresgrund". — Aus dem Stabttbeaterbüro wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr Deutsche Bühne Reihe 2 Grade Mitqliedsnummern: ..Am Himmel Europas" Schauloiel von Schwenzen-Malina Sviel- leltung: Anton Neuhaus. Ende gegen 22.30 Uhr. — Sonntag, 26 November, Erstaufführung des Schguspiels: „O-Boot 116" von Karl Lerbs: Spiel- Irituna Kurt Lübk e. Außer Abonnement, ermäßigte Preise. Svieldauer von 19.30 bis 21 30 Uhr. — D;-'nstag, 28. November, 9. Vorstellung im Dicns- too-Ahonnement Erstaufführung de» Schaulnjels: ..Der Strom" von Mar Halbe. Spielleitung: Anton Neuhaus. Gewöhnliche Preise Svieldauer von 20 bi« 22 Uhr. — Mittwoch, 29. November. 8 Vorstellung im Mittwoch-Abonnement: „U-Boot 116" Schauloiel von Karl Lerbs. Spielleitung: Kurt L ü v k e. Gewöhnliche Prelle. Svieldauer von 20 bis 22 Uhr. — Freitag, 1. Dezember, 9. Vorstellung Im Freitag Abonnement: „Der Traum der Vilma Kelemen", Gesellschastskomöbie von Franz Molnar: Spielleitung Intendant König Gewöhnliche Preise Spieldauer von 20 bis 22,30 Uhr — Samstag, 2 Dezember, Deutsche Bühne Reihe 2: Gerade Mitgliedsnummern (1 Dezembervvrstellung der Sam»- taasabonnenten) das Volksstück' „Wenn der Hahn kräht" von Auaust Hinrich». Svielleitung- Anton Neuhaus Svieldauer von 20 bi» 22 Uhr — Der Goethe-Bund bittet un», an dieser Stelle nochmal« auf hie am morgigen Totensonntag Onftfinbmhe G'henkltunhe für ben großen deutschen Dichter Paul Ernst hinutrorifen und die 0