Nr. 72 SvühaussaVe 183. Jahrgang Samstag, 25. März (933 Erlchelni täglich.außer Sonniags und 2Eierlays, »tilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat m Bild Die Scholle Monats Vezvgrprelr: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen voi einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 5ernsorechanschlüfie unterSammelnummer 2251. Anschrisl sür Drohtnach» richtens Lnzelyer Liehen. poflschecktonlo: JiTonlfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen rn’d tritt verleg: vrühl'sche UniveisitSlr-vllch' und Ztelndruckerel R. tarne in Gietzei. Zchriftleitnng und SeschZftz^telle: SW’traM 7. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 55 Reichspfennig, Platzvorschrift 2011 , mehr. Chesredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyr.ot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und 'ür denAn- zeigenteil i.D. TH.Kümmel sämtlich in (ßie ;en. Oer römische Pakt. Außenpolitische Umschau. Don Dr.Oltotzoehsch,n ö. Prof, der Geschicke an d r nioerfifät Berlin 3n bcr großen Rede des Reichskanzlers Adolf Hitler am Potsdamer Tage steht zur Außenpolitik b:r machtvolle Sah: „5>er Weit gegenüber wollen wir, die Opfer des Krieges von einst ermessend, ousrichtige Freunde sein eines Friedens, der endlich die Wunden heilen soll, unter denen alle leiden". Unzweideutig ist so der Wille der nationalen Re- gicrung zu einer Friedenspolitik ausgesprochen, die zunächst in sich schließt aber die deutschen Forderungen nach Gleichberechtigung in der Rüstung und nach Sicherung friedlicher Revision der Friedensverträge. 3n dieser Linie läuft nun die große Aktion, die M a c d o n a l d im Bunde mit Mussolini oder (vielleicht kann man es auch umgekehrt ausdrücken) Mussolini im Bunde mit Mac- donald in Gang gebracht hat. Aeuherlich ist die 3nitiative von M a c d o - n a l d ausgegangen, der gleichzeitig in Gens und in Rom sich der Gefahr entgegenstellte, daß die Abrüstungskonferenz scheiterte und damit unmittelbare Gefahren für den europäischen Frieden aufstiegen. 3n der etwas improvisierenden Art, die ihm eigen ist, hat der englische Ministerpräsident auf zwei Geleisen begonnen. 3n Gens legte er einen neuen A b r ü st ung s-Konven- tiionsentwurf mit einer großen Rede am 16. März vor. Er ist präzis, gut abgewogen, und enthält auch den Artikel 53 des ersten Konven- tionsentwurses nicht, der für Deutschland die Annahme des ganzen ausschloh. Dafür bestimmt er, daß die Konvention zusammen mit späteren Abmachungen die e nt sprechen de nTeileder Pariser Friedensverträge ersetzen soll. Der Entwurf stellt ein vollständiges Abkommen in 93 Artikeln auf allen Rüstungsgebieten dar und im Unterschied vom ersten Entwurf und über ihn hinausgehcnd, schlägt er auch b e st i m m t e , ^Ziffern für die Heeresbestände und die Dc- Xjränlung des Kriegsmaterials vor. Er gliedert sich in: Sicherheit, Abrüstung, Rach- richtenaustausch, chemischer Krieg, ständige Abrüstungskommission. Die Sicherheit sucht er in einem „Konsultativpakt" der Mächte des Kellogg- paktes, mit dem eine Art neuer Bölkerbund entstünde. Für die Abrüstung nimmt er den französischen Gedanken der Heercsorganisation, der M i - liz - Armee, für das kontinentale Europa auf. Für Deutschland wird dabei die Zahl von 203 C00 Mann in Aufsicht genommen: es würde in E u - r o p a (die überseeischen Truppen sind besonders gerechnet) darin Frankreich, Polen und der Tschechoslowakei zahlenmäßig glcichstehen. Doch sind alle Ziffern nur Anregungen. Artillerie und Tanks sollen auf bestimmte Grenzen herabgesetzt, alles davon Abweichende in einiger Zeit zerstört werden. Der Bombenabwurf aus der Luft wird verboten. Zahl und Art der Militärflugzeuge werden festgelegt, herabgesetzt, doch f e h l t a n dieser Stelle Deutschland, das also wohl Militärflugzeuge nicht bekommen soll. Der chemische Krieg ist verboten. Das Abkommen soll auf fünf 3ahre gelten. Wie weit es für Deutschland annehmbar ist, ist noch zu prüfen. 3m Augenblick ist der Vorschlag mehr nur schätzbares Ma- tcricl. d:r h'n er d r r ö m i s ch e n Zusammenkunft vom 18. bis 20. März zwischen Macdonald und Mussolini weit zurücktrttt. Hier trafen nicht nur die beiden Staatsmänner und nicht nur die beiden Großmächte zusammen, sondern auch zwei Befriedungs- oder Sicherheitspläne. Der Plan Macdonalds ist durch jenen kurzen Sah bezeichnet. Mussolini ober hatte schon in seiner Rede in Turin anläßlich der zehnjährigen Feier des Faschismus erklärt, daß ihm ein Zusammenschluß der vier europäischen Großmächte (Deutschland, England, Frankreich, 3talien) als das beste Mittel erscheine, und er hat dafür einen eigenen Pakt ausgearbeitet und vorgeschlagen. Dieser neue Patt von Rom" ist im Wortlaut nvch nicht bekannt. Auch die Korrcspondenteü-Mitteilungen sind nicht vollständig. Offenbar soll der Pakt auf zehn 3ahre zunächst von den vier Großmächten geschloffen, aber auch anderen zugänglich werden, einen Richtangriffspakt im Kellogg-Sinne wiederholen und die beiden springenden Punkte: Gleichberechtigung derBesicgten in Rüstungsfragen und Revision der Friedensverträge gemäß Völker- bundspakt verpflichtend festlegen. Daneben ist wohl auch an die Kolonialfrage gedacht. Mussolini will die Entscheidung über Europa in die Großmächte Verlag rn, wobei uns die Bezeichnung »Westmächte" w:der sachlich zutreffend noch für Deutschland vorteilhaft und richtig erscheint. Das wäre gegenüber dem Völkerbünde ein Wiedererstehen nicht der Mächtegruppierungen vor dem Kriege — durchaus nicht, das ist auch nicht Mussolinis Absicht — sondern das, was man früher in der großen Politik das „europäische Konzert" nannte. Die Frage für Deutschland ist, ob dieser Vier- mächtcblock zustande kommt. Das hängt von Frankreich und von Deutschland ab. England und 3talien haben sich geeinigt. Macdo- nald kommt in seinem Abrüstungsentwurf den italienischen Anregungen weithin entgegen, versucht so zwischen Frankreich und 3talien zu vermitteln und dann auch zwischen Deutschland und Frankreich. 3n dieser Vermittlungsaktion liegt zugleich die Schwäche des Gedankens in unserem Sinne. Sie bindet nämlich die beiden vor- Umfassende Neuordnung der Fettwirischast. Beschränkung der Margarine-Erzeugung auf 60 Prozent der vorjährigen. — Monopol sür Oele und Jette.-Fetiverbiiligungskarten für die minderbemittelte Bevölkerung. Berlin, 24.März. (TU.) Amtlich. Der große Plan für die Ordnung der Fettwirtschaft ist nunmehr in Kraft gesetzt worden. Die schritt- weise Verwirklichung des Planes wird zu einer Gesundung der unerträglich gewordenen Lebensbedingungen auf dem Lande, daraus folgend zur Erschließung neuer Arbeitsmöglichkeiten in alten Wirtschaftszweigen führen, die auf die Dauer das Maß jeder künstlichen Arbeitsbeschaffung überschreitet und schließlich auch neue Möglichkeiten f ü r eine aktive Außenhandelspolitik eröffnet. Der Plan selbst geht von der Erkenntnis aus, daß die deutsche Fetlprobukt'on (Buller, Schmalz, Talg ufro.) in stärkstem Maße unter dem Druck der Einfuhr ausländischer Felle jeglicher Art stehl. Ausland- f e 11 soll deshalb vom deutschen Marli zurück- gebrängt und durch deutsche Fette erseht werden. Insbesondere wird die Erzen- gungvonMargarine.die fast ausschließlich aus ausländischen Rohstoffen hergestellt wird, und deren Probuklionsstätten zu einem fefjr erheblichen Teil im Besitz internationalen Finanzkapitals sind, auf 60 v. h. des bisherigen Umfangs beschränkt. In der gleichen Weise wird gegen alle für die Margarine in Frage kommenden Lrsahfelte vorgegangen. Auf diesem Wege wird Raum für die hochwertigen deutschen Fette, wie Butler und Schmalz, geschaffen. Zur Sicherung dieses Zieles wird nach bcr Art des Maismonopols ein Monopol für Oele und Felle errichtet. Ferner werden Oelfrüdjte, Oelfämereien und Oelkuchen in das bestehende Maismonopol einbezogen. Line Berteuerung der Oelkuchen wird bei den gegenwärtigen Milch- und Butterpreisen nicht erfolgen. Außerdem enthält das Gesetz noch besondere Ermäcytigungen zur Regelung der Her - stellung von Margarine und das Recht in die Preisgestaltung der Margarine einzugreifen, einen Lieferzwang bestimmter Sorten zu verordnen usw. Diese letzten Bestimmungen dürften jedoch im wesentlichen vorbeugenden Charakter haben und bei loyalem Verhalten der Margarineindustrie wenig zur Anwendung gelangen. Schließlich wird eine Ermächtigung zur Einführung eines Verwendungszwanges von inländischem Talg bei der Herstellung von Seifen geschafften. Für die Landwirtschaft, deren vollständige Unrentabilität bei den derzeitigen Preisen weitgehend die Ursache unserer Wirtschaftsnot ist, ergibt sich die Bedeutung des Fettmarktes aus seinem maßgeblichen Einfluß auf alle Agrarpreise. Die Getreidepreise lassen sich nicht halten, wenn ausländische Futtermittel, wie bisher unbeschränkt und zu Weltmarktpreisen hereinkommen. Eine Erhöhung der Futtermittelpreise ist aber bei dem heutigen Tiefstand der Milchpreise nicht möglich. Der Milchpreis wird wiederum durch den Futterpreis und dieser wieder durch die Einfuhr an Auslandcfett, insbesondere durch den Preis des in großen Mengen zur Margarineerzeugung verwandten Walfischtrans bestimmt. Der Fettpreis beeinflußt auch über das Schmalz den Schweineireis, über den Talg den Rinderpreis usw., ). h. das gesamte Gebäude unserer Landwirtschaft teht und fällt mit der Fettverwertung. Der nunmehr einsetzende Generalangriff gegen die Aus- lanbefette packt also *bie Not unserer Bauern a n ihrer Wurzel an. Den Verbrauchern werden keine untragbaren Opfer jugemufet Für die von der Rot besonders schwer (Betroffenen wird gleichzeitig wärtsstrcbcnden Partner, 3talicn und Deutschland. Das Bedenkliche dabei ist nicht die Bindung an den Kcllogg-Pakt, sondern die ganz offenbar in Aussicht genommene Erneuerunz der Bindung an die Locarno-Verträge und die Bindung derRevision. Letztere nicht an sich, aber so belastet durch die Verbindung mit dem Völlerbund, daß zum mindesten die Hoffnungen nicht groß sind, daraus werde viel werden. Eine Bindung in militärischer Bez ehung liegt, wie betont, natürlich unter der Voraussetzung im deutschen Sinne, daß sie absolut gleich zu gleich erfolgt. Macdonald sprach mit Mussolini und sodann mit den französischen Staatsmännern. D e u ts ch - land scheint lau.end informiert worden zu fein, aber verhandelt mit ihm im Sinne eines Entschlusses oder Richtentschlusses ist noch nicht worden. Wir sind natürlich nach allen Erfahrungen mißtrauisch. Die drei Mächte gehen zunächst ohne Deutschland vor, Macdonalds Abrüstungs- Plan kommt zwar 3talien entgegen, aber Deutschland nicht ausreichend, während Frankreichs Standpunkt fast auf allen Gebieten berücksichtigt ist. Würden, was wir nicht wissen, dieser Pakt von Rom und Macdonalds neuer A b r ü - stungs - Entwurf von vornherein miteinander völlig verbunden, so entstünde im ganzen eine eine umfassende Aktion zur Verbilligung der Felle eingeleitet durch Ausgabe von F e 11 - oerbllligungstarten. Um die hierfür erforderlichen Mittel zu beschaffen, sollen die Margarine- und deren Lrsahfelle einer Ausgleichsabgabe von 25 Pf. je Pfund unterworfen werden. Dadurch wird gleichzeitig verhindert, daß die durch die vorgesehenen Maßnahmen einlrelende Verteuerung der Margarine, kunstspeiseselle ufro. der Margarineindu- ftrie zugulekommt. — Die notleidenden Teile des Volkes werden ihren Fetlbedarf also auch in Zukunft im wesentlichen z u den bisherigen Preisen decken können. Irn übrigen war der Rückgang der Fellpreife in den letzten Iahren wesentlich stärker als die Verminderung der Einkommen un erer Bevölkerung. Die Fettpreise gingen um mehr als 50 Prozent, die Einkommen seit dem Höchststand nach den (Ermittlungen des Institutes für Konjunkturforschung dagegen nur um 26 bis 34 v. h., die gebundenen Preise (ftartellpreife) sogar nur um 18 Prozent zurück. Die getroffennen Entscheidungen sind auch wehrpolitisch von besond rer Bedeutung. 3n folge der falschen Agrarpolitik der letzten 14 3ahre deckt die deutsche Landwirtschaft unseren Fettbe- dars nur noch z u e t w a 4 0 v. H. Diese Abhängigkeit findet eine weitere Verstärkung darin, daß die deutsche Buttererzeugung mit einem Verbrauch von 2,3 Millionen Tonnen eingesührter Futtermittel zu einem erheblichen Teil a u f ausländischer Futterbasis beruht. Unsere Ahängigkeit in der Fettversorgung vom Auslande ist mit einer 3ahreseinfuhr von fast 700 Millionen Reichsmark gegenwärtig so ungeheuer, daß im Ernstfälle unser Volk binnen kurzer Zeit in schwerste Rot gebracht werden könnte. Das neue Fettprogramm wird auch hier Wandel schassen. Das Vorgehen gegen die Fett« einfuhr trifft zum weitaus überwiegenden Teile Länder, denen gegenüber unsere Handelsbilanz stark passiv ist. • Staatssekretär vonRohr erklärte zu der Reuregelung der Fettwirtschaft: Gastwirtschaften, die mit Margarine kochen und braten, müssen dies in Zukunft a u f ihren Speisekarten vermerken. Was die Verbilligung der Fette für die minderbemittelte Bevölkerung anbetrifft, so erhält jeder Käufer einen Gutschein, Den er beim Kauf von Fett in Zahlung geben kann. Die Steuer hat nicht den Sinn, die Margarine zu verteuern, fonbem der minderbemittelten Devö I • kerung die Verteuerung möglichst wenig fühlbar zu machen. Die Kontingentierung und die Zvllerhöhung treten am Montag in Kraft. Die Steuerbestimmungen werden erst in etwa drei bis vier Wochen erlassen. Gleichzeitig mit diesen Bestimmungen wird auch das sogenannte „Fett- g e l d" herausgegeben. Die Grenze für die Bezieher dieses Fettgeldes wird der Reichswirtschaftsminister festsehen. Zollerhöhungen für Margarine. Berlin, 24.März. (ERB.) Rach einer im heutigen Reichsanzeiger veröffentlichten Verordnung wird der Zoll für Margarine usw. von 30 auf 75 Mark je Doppelzentner erhöht, der Zollsatz von 63 Mark nach dem Obertarif entfällt damit. Der Zoll sür M a r g a r i n e- käse usw. erfährt gleichfalls eine Erhöhung von 130 auf 75 Mark je Doppelzentner. Der Zollsatz für Kun st speisefett beträgt in Zukunst 75 Mark anstatt bisher 12,50 Mark. Die Verordnung tritt mit dem 29. März 1933 in Kraft, Die nächsten Arbeiten der nationalen Regierung. Oie Kabinettssihung. Tie Ne oidnu g des Gcwerkschaflswesens noch nicht spruchrci,. Berlin, 24.März. (TU.Amll.) DasReichskabinell beschäftigte sich in feiner heutigen Sitzung zunächst mit der politischen La g e. Rachbern Reichs- minifter Dr. hugenberg namens ber übrigen ka- binetlsmitglieber bem Herrn Reichskanzler für bas einbrucksvolle unb erfolgreiche Auftreten im Reichstage gebankt Halle, berichtete Reichsinnen- minifter Dr. Frick über bie in Vorbereitung be- finblichen innerpolilifchen Aufgaben, zu benen u. a. eine Gleichschaltung in ben Cänber- unb S t a b t p a r l a m e n t e n mit bem Reichstag gehören wirb. Die Aufgaben bes bisherigen Reichskommiffars für Arbeitsbeschaffung übernehmen bie beteiligten Refforts, bis eine enbgültige Reuregelung erfolgt ist. Die auf bcr Tagesorbnung stehenben sozialpolitischen Fragen, insbesonbere bie Reu- geftaltung bes G e w e r k f ch a s 1 s w e s e n s konnten noch nicht zum Abschluß gebracht werben. * 3n der Oefsentlichkeit ist ja in der letzten Zeit viel die Rede von der Monopolstellung der drei G e w e r k s ch a f t s r i ch t u n g e n gewesen, die in allen sozialen Fragen bisher den Ausschlag gaben. Don Bedeutung ist dieser Einfluß vor allem bei den Schlichtungsausschüssen, den Arbeitsgerichten, den Arbeitsnachweisen, den Wahlen in der Sozialversicherung, den Vertretungen der Arbeitnehmerschaft im Reichswirtschaftsrat, im Reichskohlenrat und im Reichskalirat. Einer Reuregelung werden auch d i e Wahlen z u den Betriebsräten unterzogen werden. Die Monopolstellung der Gewerkschaften lieb bisher andere Arbeitnehmervertretungen nicht aufkommen. Ramentlich handelt es sich um nationale Arbeitnehmervereinigungen, die nationalsozialistischen Betriebszellen und die Stahlhelm-Selbsthilfe. Die Reuordnung wird die Gleichstellung auch dieser anderen Gruppen bringen, damit zunächst eine Uebcrgangsregelung herbeigeführt wird, durch die die endgültige Klärung des gesamten Gewerkschafts- und Sozialwesens sinngemäß vorbereitet wird. Neuordnung des Krastverkehrswesens. Berlin, 24. März. (WTB.) Die Leitung der Kraftverkehrsabteilung im Reichsverkehrsministerium hat der Reichsverlchrsminister dem' Ministerialdirektor D.-3ng. e. h. Brandenburg übertragen. Damit wird eine Zentralstelle für daS ganze Reich geschaffen, die die Zusammenfassung und Förderung der gesamten 3nteres en des Kraftverkehrswesens zum Zweck hat. Alle Fragen, die das Automobilwefen betreffen, werden einheitlich von der neuen Stelle bearbeitet: Richt nur der Kraftwagen als solcher, vielmehr Gesetze und Verordnungen, Gestaltung der Automobilsteuer, Versicherungs- we'en Garagenproblem. Wegegestaltung, technische, sportliche und wissenschaftliche Förderung des Kraftfahrwesens und schließlich das große wenig erwünschte »fertige Tatsache", der Deutschland gegenüber gestellt würde. Daß Polen schon darüber unruhig ist, ist nicht so wichtig, auch, was Amerika dazu sagt, kommt erst in zweiter Linie. Die Hauptsache ist, daß England und3talien ve.ftrchten, durch den Genfer Rehel hindurchzustoßen, zu einer neuen, sehr ernsthaft gemeinten Friedensorganisation. Unb Genf hat es sich selber zuzuschrciben, daß damit die Leitung ihm aus der Hand genommen wirb. Dem entspricht es, daß auf Vorschlag des Präsidenten und unter Zustimmung Deutschlands die Abrüstungskonferenz bis zum 26. April, also bis nach Oftern, vertagt wird. Die Verhandlungen verlegen sich in ein neues Gremium der Viermächte und sollen in ihm die Meinungen dieser Vier in Übereinstimmung bringen. Es ist nur logisch, daß, so gut Macdonald mit Mussolini und mit Frankreich sprach, die direkte Fühlung zwischen dem deutschen Reichskanzler und Mussolini Wohl bald hergestellt wird. Die Aufgabe für die deutsche Diplomatie ist freilich sehr schwierig. Man denke sich nur das schon vorliegende Material scharf durch unter den Gesichtspunkten: wirkliche deutsche Gleichberechtigung, Locarno, Anschluß Oesterreichs, Westmächte, unb man sieht, wie viele Fallen auf diesem Wege liegen oder liegen können. 3n jedem Falle aber ist ein neues Kapitel der großen Politik über Genf hinaus damit eröffnet. Die Lage wird dadurch erleichtert, daß Polen, unter Druck des VLl».erbundsrates, die Verstärkung seiner Besatzung auf der Westerplatte zurückgezogen hat. Der Standpunkt Danzigs hat einen vollen Erfolg erzielt. Ferner schlägt im» Augenblick derfernöstlicheKonflikt nicht irgendwie bedenklich in die europäische Politik herein. 3apan wird im Geheimen Rat unter Vorsitz des Kaisers am 27. März den Austritt beschließen, der ja erst nach zwei 3ahren, wenn die Satzung so lange besteht, Krast erhielte. Es will freilich dabei die Mandatsgebiete in der Südsce annektieren, aber diese Frage ist im Augenblick auch noch nicht dringend. Rehmen wir dazu die sehr klare und unzweideutige Aeuherung des Reichsministers Göring über die deutsch- russischen Beziehungen und deren Ausnahme in Moskau, so ist im ganzen drinnen unb draußen das Feld frei für eine energische deutsche Außenpolitik, konzentriert auf die beiden zentralen Forderungen der Rüstungs-Gleichberechtigung und der Friedensvertrags-Revision. Mögen die diplomatischen Kräfte, die Deutschland dafür einsetzt, darin zu vollem Erfolge kommen! Problem der Beseitigung deS Kampfes zwischenEisenbahn undKraftwagen. Gerade unter dem letzten Gesichtspunkt ist zu begrüßen, daß der Kraftverkehr im Reichsverkehrs- ministerium bleibt, denn dadurch wird die Einheitlichkeit der künftigen Verkehrsentwickelung besonders gewährleistet. Entlastung der Hochschulen. Eine Verein »arung der Länder über die VerminderungdcsAl.drangeszumLtndi m Berlin. 24. März. (WTB.) Amtlich. 3m Zentralblatt für die Llnterrichtsverwaltung in Preußen erscheint folgende Vereinbarung der Länder wegen Regelung des Zuganges der Abiturienten zu den Hochschulen: Angesichts der großen Zahl der Abiturienten, der Heberfüllung der Hochschulen und des akademischen Arbeitsmarktes werden die Hnterrichts- verwaltungen von Ostern 19 3 3 ab folgende Regelung des Zuganges der Abiturienten zu den Hochschulen übere.nstimmend durchführen: 1. Die Prüfungskommission jeder Schule stellt für jeden einzelnen Abiturienten aktenmäßig fest, ob ihm nach seinen menschlichen und geistigen Anlagen, seinen Reigungen und Leistungen vom Hochschulstudium abzuraten ist. 2. Die Schulleitung teilt den Erziehungsberechtigten solcher Abiturienten, denen vom Studium abgeraten ist, diese Entscheidung mit. 3. Die höhere Schule teilt der Hochschule auf Anfordern die von der Prüfungskommission getrogene Entscheidung mit. Anderen Stellen darf diese Entscheidung nicht bekanntgegeben werden. 4. Auf Schulfremde finden die Vorschriften der Ziffern 1 bis 3 entsprechende Anwendung. 5. Wer trotz des Abratens ein Hochschulstudium ergreift, kann nicht damit rechnen, irgendwelche Studienvergünstigun- g e n zu erhalten. 6. Es ist damit zu rechnen, daß die Eignung derjenigen Abiturienten, denen vom Hochschulstudium abgeraten worden ist, im Laufe der ersten drei Semester nachgeprüft und daß diese Rachprüfung bei allen weiteren Prüfungen und bei der Zulassung zu Seminaren und Hebungen gewertet wird. Der Kommissar des Reiches für das preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung bemerkt dazu u. a. noch folgendes: Die preußische Hnterrichtsverwaltung hat dieser Vereinbarung der Länder zugestimmt, durch die der übermäßige Andrang der Abiturienten zum Hochschulstudium einge- dämmt werden soll. Wenn auch den für ein Hochschulstudium nicht besonders geeigneten Abiturienten der Besuch einer Hochschule nicht verwehrt werden solle, so müßten diese Abiturienten doch mit allem Ernst auf die wahrscheinlichen nachteiligen Folgen einer dem widersprechenden Wahl eines akademischen Berufes hingewiesen werden. Auflösung der Wehrver- bände in Bayern. Nur LS-, SA. i nd S ahlhelm bleiben. München, 24. März. (TH.) Der kommissarische bayrische Innenminister Adolf Wagner hat eine Verordnung erlassen, wonach sämtliche sogenannten Wehrverbände außer der SA., der SS. und dem Stahlhelm sofort aufzulösen sind. Sie haben alle in ihr.m Besitz befindlichen Waffen nebst Munition den örtlichen Sonderkommissaren des obersten SA.-Fuhre:s abzuliefern. Wer nach dem 31. März noch einer der aufzulösenden Garnisonen an gehört, unterliegt der Bestrafung. Amtlich wird dazu mitgeteilt, oah Verbände aus der ehemaligen Einwohnerwehrzeit nunmehr ihre Zeit gekommen glaubten, unter der Sonne der nationalen Revolution neu zu erblühen. Trotz abgegebener T.euvers cherungen känneeine Lebensnotwendigkeit für sie nicht erkannt werden. Die Regierung stehe nicht an, einen Teil von ihnen, insbesondere ihren Kämpfern Dank und Anerkennung für ihr vaterländisches Wirken in der Vergangenheit zu sagen. Jedoch müsse heute an Stelle der Zersplitterung die Einheit treten. Ein Reuausziehen längst abbaureifer Vereine komme nicht in Frage. Jeder deutsche Mann und Kämpfer gehöre heute in die S A., dort müsse er für Volk und Vaterland Wirkern Reben der SA. und SS. stehe lediglich der Stahlhelm als Kampfverband der nationalen Front. Das Ermächtigungsgesetz in Kraft. Berlin, 24. März. (DDZ.) Das vom Reichstag und vom Reichsrat mit verfass u n g s ä n d e r n d e r Mehrheit angenommene Ermächtigungsgesetz für die Regierung der nationalen Erhebung ist noch am Freitagfrüh vorn Reichspräsidentenunter- zeichnet, am Freitag spät abends in der Gesetzsammlung abgedruckt worden und damit i n Kraft gesetzt. Staatsrechtlich ist damit vor allen Dingen die wichtige Aenderung herbeigeführt worden, daß die Regierung nicht nur ohne Reichstag und Reichsrat Gesetze schaffen und in Kraft setzen kann, sondern daß sie auch nicht der Hnterschrift des Reichspräsidenten für die Vollziehung von Gesetzen bedarf. 3ur Verhaftung Gerekes. Berlin, 24. März. (TU.) Die deutschnationale Pressestelle teilt u. a. mit: „Durch Presseoeröffent- lichungen anläßlich der Verhaftung Dr. Gerekes wird der Eindruck erweckt, als ob Dr. Gereke der Deutschnationalen Volkspartei angehört. Demgegenüber ist festzustellen, daß Dr. (9e- reke im Zusammenhang mit der Umgestaltung der DNDP., die später zur Wahl Hugenbergs als Parteiführer führte, aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgeschieden ist. Dr. Gereke ist dann zur Landvolkpartei übergetreten, in der er eine maßgebende Rolle spielle, und als deren Abaeordneter er 1930 in den Reichstag kam. Das Auslandsecho der Kanzlerrede. Das neue Klima. Tas fas^.iftische Echo der Hitler-Nede. Rom, 24. März. (TH.) Die „Tribuna“ faßt ihre Berichte über die Regierungserklärung Hitlers im Reichstag und über die außenpolitische Rede Macdonalds im Hnterhause unter den Heberschriften zusammen: „Die italienische Geschichte wird zur europäischen Geschichte. — Am selben Tage, an dem vor 14 3 ahrett Mussolini die faschistischen Kampfbünde gründete, erkennt Macdonald im Hnterhaus, und Hitler im Reichstag die Politik Mussolinis als grundlegende Voraussetzung für eine neue europäische Gemeinschaft an. Auch Macdonald trage in seiner politischen Persönlichkeit das Zeichen der Erneuerung, das der Faschismus vorweg genommen und angekündigt habe, als er noch zu Hnrecht als eine ausschließlich italienische Erscheinung betrachtet worden sei. Macdonald habe sich von dem Klassenegoismus seiner Partei losgelöst und gebe einem Kabinett von Konservativen und den letzten Liberalen sein Gepräge. 3m Reichstag des neuen Deutschlands habe der Reichskanzler Hitler, der Führer einer Bewegung, die als Zeichen deS Glaubens den Arm auf römische Art hebe, den festen Vorsatz ausgesprochen, sich im Rainen der gefährdeten europäischen Kultur aus dem üblen Klima desMißtrauensundHasses zu erheben, um an das Werk des Wiederaufbaues des Friedens heranzugehen, dessen Grundlage im Wussoliniplan bestehe. Sogar in jenem Frankreich, das sich noch in der Selbsttäuschung einer unweigerlich zum Krige führenden Politik befinde, kündige sich das „neue Klima" an. Aufhorchen in Paris. Paris, 24. März. (WTB. Funkspruch.) Zu der gestrigen Rede des Reichskanzlers bemerkt „Petit Parisien", die programmatischen Ausführungen des Reichskanzlers hätten nur sehr entfernt dem geglichen, was der Propagandist Hitler noch vor nicht allzulanger Zeit verkündet habe. Dies müsse man feststellen und zur Kenntnis nehmen. Was aber der Ausdruck „Ausgleich" wirklich bedeute, werde Frankreich erst an dem Tage wissen, an dem die deutsche Diplomatie ihre Karten offen aufdecken werde. Das katholisch-demokratische Blatt „L'Aube" hält die Forderung nach Gleichberechtigung Deutschlands für richtig. Es sei auch nicht weiter überraschend, wenn der Reichskanzler vielleicht übertriebene Forderungen nach einer radikalen und allgemeinen Abrüstung der modernen Völker erhebe. Der Wille, gute Beziehungen zu allen Mächten, sei es auch die Sowjetunion, zu unterhalten, und der Wunsch, mit Frankreich die schwebenden Fragen zu regeln, seien aber doch ein Beweis dafür, daß der Kanzler sich u m einen Ausgleich bemühe. Diese Tatsache sei wohl dazu angetan, die streng orthodoxen Marxisten etwas aus dem Gleichgewicht zu bringen. „Homme Libre" knüpft an die Ausführungen des Reichskanzlers zu den Besprechungen in Rom an und erklärt, der deutsche Regierungschef habe die wenigen Punkte aufgehellt, die der fron* zösifchen Öffentlichkeit, obwohl sie einen T.ilder Zusammenhänge dieser Besprechungen durchschaut habe, dunkel geblieben seien. Das Blatt glaubt aus den Ausführungen des Kanzlers entnehmen zu können, daß London undRom in vollem Einvernehmen mit Berlin gehandelt hätten. Dieser Vorgang stelle eine ernste Warnung für Paris dar. Durch Hitlers Ausführungen werde volles Licht auf die „Verschwö- run'g von Rom" geworfen. Frankreich habe nicht mehr das Recht, nicht verstehen zu wollen. Das nativnalistische Cotyblatt „Figaro" meint zwar, es sei in der Kanzlerrede viel vom Frieden gesprochen worden, hält sich aber zu der Bemerkung für befugt, daß es sich dabei nur um einen Frieden unter deutscher Hegemonie handeln werde. Das Blatt des Ministerpräsidenten, die radikale „R 6 p u b I i q u e", schreibt u. a.: In der Rede des Reichskanzlers Hitler sei der Wunsch nach einer Verständigung und nach Verhandlungen mit Frankreich zum Ausdruck gekommen. Diese Tatsache dürfte um so weniger vernachlässigt werden, als gleichzeitig eine eigene Initiative der italienischen Presse fcstzustcllen sei und Ministerpräsident Gömbäs den Friedenswillen Ungarns bekundet habe. Die Nachrichten aus Washington ließen die Annahme zu, daß ein Schuldmoratorium bewilligt werden konnte, wenn ein Wirtschaftsabkommen ausgearbeitet fei. Schwierigkeiten blieben zwar bestehen, aber d i e Atmosphäre fei wieder f o geworben, daß man atmen könnte. Die Stunde fei also gekommen, wo man handeln müsse. Es gälte, diese Windstille auszunützen. Eme (stimme aus der Schweiz. Berlin, 24. März. (WTB.) In der Gazette de Lausanne schreibt Prof. Rossier: Wird das von der Reichsregierung eingeleitete Unternehmen Erfolg haben? Das ist eine Frage, über die die Zukunft entscheiden wird. Wir haben in der Tat allen Vorteil davon, im Herzen Europas an Stelle eines aufgewühlten und unzufriedenen Volkes ein solches in glücklichen und wohlhabenden Verhältnissen zu sehen. Angesichts der gegenseitigen Abhängigkeit aller ökonomischen Bedingungen wird das Wiederaufblühen Deutschlands für den ganzen Kontinent nur heilsame Wirkungen haben. Freilich sind noch zahlreiche Hindernisse zu überwinden. Käpten Ktaus hat ein böses Däumchen. Don Hans Jtiebau, Die Geschichten, die letzten Freitagabend am Stammtisch in For ns.'eas T)dd.;hall erzählt wurden, waren ungewöhnlicher als je. Linstown, seit zwei 3ahren Vertreter von Lloyds, früher aber Wcllsischfängerkapitän, hatte berichtet und beschworen, dah sie damals, als die „Herbetta" vier 3ahre im Eis eingefroren war, pflanzenfressende Eisbären im Laderaum gezüchtet und sie spater für tausend Mark das Stück an Hagenbeck verlaust hätten. Hnd Schadenluk, Steuermann vom Eeeschlepper „Falke", hatte — ohne mit der Wimper zu zucken — erzählt, was sie vor zwei 3ahren mit einem Fischkutter auf der Weser erlebt hatten. Der Fischlutter, den Schadenluk im Schlepp hatte, war bis oben hin voll von lebenden Aalen gewesen. Hnterwegs war Windstärke 10 aufge» kommen. Die Trossen — was sollten sie auch anders machen? — rissen, und der Fischkutter sank. „Tagelang haben wir gesucht", hatte Schadenluk gejagt, ..aber der Kutter war — trotzdem wir genau wußten, wo er abgesackt war — nicht zu finden. Fünf Monate später kam ein Telegramm aus Südamerika. Der Kutter war in der Santa-Rosa-Bai bei Maccapo geborgen." Am Stammtisch hatten sie dagesessen, als wenn sie alle einen Schlag vor den Kops bekommen hätten. .Santa-Rosa-Bai?' flüsterte Linstown. „wie kommt ein gesunkener Kutter von der Weser nach Südamerika?" „Ganz einfach", räusperte sich Steuermann Schadenluk, „der Kutter war — hab' ich es nicht gesagt ? — voll von lebenden Aalen. Alle Aale aber schwimmen — da gibt es gar nichts zu lachen, meine Herren - zur Laichzeit nach Südamerika. Hnd weil sie nun alle zusammen im Laderaum waren unb nicht raus konnten, da haben sie" — Steuermann Schadenluk fing an, sich den Hinterkopf zu kratzen — „da haben sie eben den Kutter mitgenommen." 3n diesem Augenblick hatte Kap'tän Klaus eingegriffen. „Re, Kinners", sagte er, „allens was recht is. Aber so was von Aalen hab' ich mein Lebtag nich gesehen. 3ch bün für Wahrheit, Herr Steuermann Schadenluk, un da wir grade von Maccapo reden, will ich euch jetzt erzählen, wie ich, der beste Schwimmer Donner Handelsmarine, in der Santa-Rosa-Bai um ein Haar ertrunken bün. Abers ich sage euch" — Kap'tän Klaus legte die Faust auf den Tisch — .all bat, waS ich erzähl', is — dreimal Ehrenwort auf große Fahrt! — wahr und wahrhaftig so passiert. „Denn man to", nickte Steuermann Harms. Schadenluk aber konnte es sich nicht verkneifen und sagte: „3n der Santa-Rosa-Bai, Käpten Klaus, da sind so um zehntausend Haie herum. Da braucht man erst gar nicht zu ertrinken, da wird man gefressen." Kap'tän Klaus rührte in seinem Grogglas. ..Hn ich', hob er die Stimme, „bün in der Santa- Rosa-Bai nicht beinahe gefressen, sondern beinahe ertrunken. Herr Steuermann Schadenlur!" „Man los!" rief Harms. »Tjä", murmelte Klaus, „ich weiß gar nich recht, wo ich nun anfangen soll. 3.)r müßt wissen, toenn ich mehr als zehn Glas getrunken hab', un ich geh' zu Bett, dann fang' ich an zu träumen. 2ch träum' aber nich wie sonst un wie sich das gehört, sondern, während ich träum’ weih ich ganz genau: All bat, was da nun so Passiert, is ein Traum! 3ch brauch' mich bann bloß mit ber Faust in den Magen zu stoßen, un ich wach' auf.“ „Kenne ich", nickte Steuermann Harms. „So hab' ich früher auch oft geträumt.“ „Das is ganz spassig", fuhr Kap'tän Klaus fort, „ich maa)’ dann im Traum Sachen, die man so im Leben nich macht. 3ch schlag da Schaufensterscheiben ein, tneif’ die vornehmen jungen Damen, die auf der Straße herumlaufen, daß sie quietschen, alarmier' die Feuerwehr un ziehe den Schutzleuten die Helme über die Ohren. Hn toenn ich es denn doch mit ber Angst krieg', un der Traum toirfr immer schlimmer, un ich komm' ins Gefängnis ober so, dann stoß' jch mich einfach mit der Faust in den Bauch un denn —“ „QHan to", wurde der Stammtisch ungeduldig. „Du sängst ja schon wieder von vorn an.“ ,.Tjä", nickte Kap'tän Klaus. „Also, was ich denn sagen wollte: Das war in der Santa-Rosa- 2aL Die „Anna-Alberta" lag da auf der Reede von Maccapo vor Anker. Cs war abends um neun un nach dem dreizehnten Grog. 3ch lag auf dem Liegestuhl an Deck, un dann schlief ich cm, un dann träumt’ ich. 3hr wißt ja nun Bescheid. 3ch träumte, daß ich in der Gig saß un mich nach bet Stabt rüber rudern ließ. .Schöner Traums bacht. ich und freute mich ordentlich, -letzt w:ll ich mal Maccapo auf den Kopf stellen? Kamn bun ich an Land, kommt da der Lotse Alegro aus mich zu. Alegro, müßt ihr wissen, hat ein Gesicht, daß es jedem Fahrensmann in den Fausten juckt. Komm, alter Zunge', sagte ich un hielt mich nich lange bei ber Vorrebe auf. Hn schon lag Alegro, der Lotse, knockout hinter dem Zollschuhpen. Fünf Minuten später war ich in der „City of Antwerp“, wo ich immer hin- gehe, toenn ich in Maccapo an Land gehe. .Whisky?' flötete die Senhora hinter der Dar. „Whisky, jawoll", rief ich, „aber Gnade euch Gott, wenn es wieder der verfluchte brasllianische Tapto.a-Schnaps is!" Die Senhora schenkte ein. 3ch Probierte. Es war, wieder der verfluchte Tapio:a-Schnaps. Die Flasche knallte gegen die Decke, der Bartisch fiel um. 3rgenb jemand packte mich. 3ch aber — 3hc müßt wissen, wenn ich träum’, hab ich immer ein Schießeisen zur Hand — ziehe memen Revolver, drücke ein paarmal ab, un es wird muckLmäuschenstill. „Zwanzig Conto!", rief ich. „Her damit! Hm so viel habt 3hr mich in fünf 3ahcen mit Eurem falschen Whisky bet o en.“ Die Senhora wirft mir die Scheine, schmutzige b a-ne Lappen, herüber. „Feiner Traum", denk' ich, stecke das Geld ein un geh' weiter. Aus der Straße halte ich ein Auto an. „Grand- Hotel". befehle ich. „Parioval". schreit der Chauffeur, ..das hier ist kein Taxi, das ist der Wagen des Vizegouverneurs." „Grade to*8 ich brauche", lache ich. ziehe mein Schießer,cn, u t wir fahren zum Grand-Hotel. „Hnd oist du nun beinahe ertrunken^', fragte Steuermann Harms. ..^inen Augenblick“, fuhr Kap'tän Klaus fort. „3m Grand-Hotel hat es natürlich auch Krach gegeben. Den Direktor hab' ich die Treppe runtergeschmissen. Den französischen Konsul hab' ich gebeten, das Großkreuz ber Ehrenlegion ab- zubinden un in die Schiissll mit ber Remoladen- fauce $u legen, un a.s da in endlich die Polizei — gleich acht Mann aus einmal — kam. dacht' ich: „So, nun is es genug.“ Wie ich aber die Faust balle, um mich vor den Magen zu stoßen, packt mia.) ein Polizist von hinten. 3ch reiße mich los, und — ob ich w ll ober nich — ich muß laufen. 3d) renne die Treppe hinunter, spring' burd) ein Fenster, bann über bie Gartenterrasse, ncfjme ein Fahrrad, das da steht, und schon bün kch toicber im Hafen. Da liegt auch meine Gig un — wie sich bas für einen anständigen Traum gehört — die beiden Matrosen sind auch noch da. un fünf Minuten später bün ich an Bord. -Jetzt tvird es aber Zeit", überlege ich un balle jum zweiten Male bie Faust, um endlich mal wieder aufzuwachen. „Halt stop", sagt da Michel- sen, der zweite Offizier un hält meinen Arm fest. „3a) glaube, Käpt'n, Sie nehmen erst mal ein) Dad. Es ist schon alles fertig.“ „Komisch", denk ich, „warum kommt immer etwas dazwischen, toenn ich aufwachen will? Hn bann Oer Widerhall in Polen. Berlin, 24. März. (TU.) Die Regierungserklärung Hillers wirb von ber Warschauer Presse fast durchweg in inhaltsreichen Angaben veröffentlicht. Der große Ginbrud, ben bie Rebe in Polen hervor- gerufen hat, ist nicht zu verkennen. Die offiziöse „Gazctta Polska" hebt bie Tatsache hervor, daß Hitler über P o l e n«n ichts gesagt habe. Der nationalbemokratische „Kurier Warszawski" sagt, bas erste Auftreten Hillers als Reichskanzler im Reichstag habe gezeigt, baß Hitler nicht nur ein agitatorischer Redner sei. Die gestrige Reichstagssitzung fei ein imposanter A k t ber bereits vollzogenen Einigung bes Volkes. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident empfing das neugewählte Präsidium des Reichstages, ben Reichstagspräsidenten Göring und die Vizepräsidenten Esser, Graef-Thüringen und Zörner, ferner den deutschen Gesandten in Bern Adolf Müller, und den Präsidenten des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg, Krogmann, ber von dem hamburgischen Staatsrat Ahrens und bem Gesandten Hamburgs in Berlin E i f f e begleitet war. • Der Deutsche Rundfunk überträgt auf allen Sendern heute, Samstag, von 19.20 bis 19.55 Hhr, nochmals die Aufnahmeder Debatte r e d e, die Reichskanzler Hitler am Donnerstagabend im Reichstag gehalten hat. Der Oberbürgermeister ber Stadt Kassel, Dr. Stadler, ist von seinem Amte zurückgetreten. Die Stelle des Oberbürgermeisters wird nicht neu besetzt. Vielmehr wirb Bürgermeister Dr. Lahrn e y e r die Geschäfte übernehmen. Ferner soll die Sperrung der Pension für den ehemaligen Oberbürgermeister Philipp Scheidemann veranlaßt werden. * Der ehemalige preußische 3nnenminister Severin g, der vor dem Reichstag zu Vernehmungen festgenommen worben war, ist toiebec auf freien Fuß gesetzt worden, muß sich aber zur weiteren Verfügung der Behörde halten. * Der Kasseler Rechtsanwalt und nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Dr. Roland Freister ist zum Ministerialdirektor im preußischen 3ustizministerium ernannt worden. Kunst und Wissenschaft. Professor Max v. Schilliogs übernimmt die Leitung ber Städtischen Oper in Berlin. Zwischen dem Berliner Oberbürgermeister Dr. Sahm und Professor Max v. Schillings sanden Verhandlungen über die He^ernahme der Leitung der Städtischen Oper inChar- lotienburg (an Stelle von Professor Kall Ebert) statt. Da eine grundsätzliche Einigung erzielt worden ist, kann mit einer endgültigen Heber* nähme der Leitung für die nächsten Tage gerechnet werden. Jnlendantenwechfel an den württembergischen Landestheatern. Der Generalintenbant ber Württembergischen Lanbestheoter in Stuttgart, Albert K e h m, ist von seinem Posten zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger wurde ber bisherige stellvertretende Intendant Der Berliner Städtischen Oper, Otto Krauß, ernannt — Der neu ernannte Generalintendant ist 1890 in Heilbronn geboren. Nach dem Kriege, den Krauß als Offizier bis zum Schluß mitmachte, begann er feine Laufbahn als Regisseur am Stadttheater in Heilbronn. Von dort kam er als Opernregisseur nach Rostock, weiterhin nach Nürnberg und Karlsruhe. Von dort wurde er vor vier Jahren nach Berlin berufen. Er ist Mitglied der NSDAP, und gehört feit Jahren dem „Kampfbund für deutsche Kultur" an. zieh ich mich aus un steig in die Badewanne." Der Stammtisch räkelte sich. „Langweilige Geschichte“, rief Steuermann Echadenluk, „was soll man mit son'm dusseligen Traum anfangen ?“ „Einen Augenblick", hob Kap'tän Klaus die Hand. „Also ich steig auf die Badewanne. Aber wie ich zum drittenmal die Faust ballen will, fallen mir doch mit einem Mal die Augen zu, un ich schlaf ein.“ „3a. und —T fragte Steuermann HarmS. „Als ich wieder auswachte", fuhr Kap'tän Klaus fort, „hat mich der Steward beim Wickel, un ich spucke Was,er aus Wund un Rase." „Hm Gottes Willen, Herr Kapitän", sagt der Steward, „beinahe waren Sie ertrunken!" 3ch stieg aus der Badewanne un wußte nich: Träum ich noch, ober bin ich schon wach? Aber da sah ich mein Zeug liegen. Ein Aerrnel war von de- 3ade gerissen, un aüs der Tasche guckten die schmutzigen braunen Kontoscheine, die mir die Senhora in der „City of Antwerp" gegeben hatte. „Also denn", denke ich, nehme meine Faust un stoß sie mir in den Magen. „Cs tat bannig weh, meine Herren" — Kapll n Klaus seufzte — „aber auf^ewacht bin ich nich ..." „Hnd die ganze Fahrt nach ber Stadt —T* rief Steuermann Harms. „Die ganze Fahrt nach ber Stabt", sagte Kap'tän Klaus, und seine Stimme sank zu einem Flüstern herab, „hatte ich überhaupt nich geträumt, un am nächsten Morgen is bann wirklich und wahrhaftig die Polizei gekommen." „Haha", lachte der Stammtisch, bah die Gläser klirrten. Rur Steuermann Schadenluk war nicht zufrieden. „Was ist das für ein Hnfinn', schüttelte er ben Kopf. „Sie troll.cn erzählen, wie Sie beinahe in der Santa-—osa-Boi, wo es mehr Haifische als Was.er gibt, ertrunken sind, und nun war es nur eine Badewanne!" „Aber meine Herren", sagte Kap'tän Klaus, „was wollt ihr denn? Die „Anna-Alberta" — mit ber Badewanne an Bord — lag doch in ber Santa-Rosa-Bail" tiocbfdnilnadiricbten. Auf ben Lehrstuhl der Augenheilkunde an ber llni- oersität Rostock ist Professor Dr. Wilhelm E o in - berg in Berlin berufen worben: er hat bereits seine Ernennung zum Ordinarius erhalten. Der Tübinger Extraorbinarius Professor Dr. von Freyberg hat einen Ruf auf ben Lehrstuhl für Mineralogie unb Geologie an der Universität Erlangen erhallen. Aus der Provinzialhauptstadt Feuers. Kreis Alsfeld. ©Jt.-rSpOTt Nationale Feiern in der Provinz imd national* ’A» Dr. Roland erialdire!tvr im ernannt tooröen. Mast. immf die Leitung Berün. smgermika Dr. ■ v. Schillings i lle^rnahme der i Oper in Chai' floiÄtclßbetl) Cmigmz erzielt idgültigen Hebet* Ochsten Tage ge- ?/ nbeitijeatera. LürttembertzWn t Krhm.ist von seinem Rachsolaer ibe Intendant Der Lrauß, ernannt endant ist 1890 in Kriege, den Kraug lmachle, begann er m S!ad»heater in ils Dpernrcgi||eur mberg und Aarts« ■ Jahren nach Lev NSDAP, und ge« und für deutsche auf allen Jon 19.20 bis Uebet®e< 'Ä’Het am fallen hat. tobt Stand, Dr. “ Müägetreten. toub nicht neu elfter Dr. Lah, 'en- Ferner soll 'st für den ehe. Itbb Scheide» emmnister 6e- °g zu Derneh. nr. ist wieder :n, muf) sich aber >vrde halten. dichten, ä- b > Ä? 'S y habe, S idittn Bl. die Cßabetnannt »Langwellige ®ej denluk, .nxj fon n anfangen r ib'tän Klaus bu Babewanne. W» -aust ballen wlll. 11 die Augen zu. -iid b-im D» Lund un iapitän", M . »rtnwlen! m- »- ®“6rf KÄ & |Ä »*« Antwerp a f J& I* - j"i« »t-dt -V E L S.- erzlh^ ^chr Bau vo unb -trunkn luw’ inne!“ siaus. S-- teilung mit Spielrnannszug von Geilshausen br- teiligte sich ebenfalls AL der Zug auf dem Hainberg Leim Dorf anlam, b.annie ein großes Freuden,euer. Plärrer Thorn hielt die Festrede und schloß mit einem Hoch auf das Vcller- land. worauf das Deut.chiandiied erLang. Der Vorsitzende des Kriegervererns gedachte d-r neuen Regierung und schloß mit einem Heil auf die neue Staatsfüh.ung. Aach dem Horst-Wessel- Lied wurde am Kriegerdenkmal unter Leitung der SA. der Rüttlr-Schwur gesprochen. Eine A a ch s e i e r sand im Saale Delling statt. Dort wechselten Musikvortrage von der Kapelle Schweitzer mit Vortragen von Schülern und jungen Mädchen, sowie vaterländischen Liedern miteinander ab. Kamerad Bott gedachte der Kameradschaft in den Vereinen, sowie im offent- liehen Leben, wies auf die Rotwendigkeit der Einigkeit hin und schloß mit einem dreifachen Hurra auf das Vaterland ch Obbornhofen, 22. März. Aus Anlaß der Eröffnung des neuen Reichstages fand hier am Dienstagabend eine große nationale Kundgebung statt. Ein Fackelzug, an dem die SA. und sämtliche Ortsoereine teilnahmen, bewegte sich unter Dorantritt der Turnermusik nach dem Schulhofe. Hier begrüßte Bürgermeister Lammen die 23er« sammelten und hielt eine vaterländische Rede, die in einem dreifachen Hoch auf den Reichspräsidenten von Hindenburg, Reichskanzler Hitler und den hessischen Staatspräsidenten Dr. Werner ausklang. Die Menge stimmte begeistert ein. Der Gesangverein „Frohsinn" (Leitung R. Glockengießer) versct) Inte mit zwei gut vorgetragenen Liedern die Feier. Diese fand mit dem Deutschland» und dem Horst-Wessel-Lied ihren Abschluß. U Aonnenroth. 22. März. Am Samstag fand im. Dathause eine Schulfeier statt, an der sich die ganze Gemeinde beteiligte. Der Gesangverein .Liederkranz" eröffnete die Feierstunde mit einem Lied, die Schuler warteten mit einem Sprechchor auf und Lehrer Muller hielt eine längere Ansprache. Er forderte alle zu tatkräftiger Mitarbeit auf und schloß mit einem Hoch auf den Leichspräsidenten, auf den Reichskanzler Deutschlandliedes. Am Schlüße forderte SA.-Mann Ehrhard Dinges zum Eintritt in die SA. auf. Y Gedern. 22. März. Der Tag der Reichs- tagscröffnung wurde auch in unserer Stadt würdig begangen. Dor dem Schulhause waren zwei Lautsprecher ausgestellt, um allen Einwohnern die Möglichkeit des Miterlebens der historischen Stunde zu geben. Der große Platz war dicht mit Menschen besetzt, als Bürgermeister Müller auf den großen geschichtlichen Augenblick aufmerksam machte. Jedermann erlebte die Feierstunde in Potsdam mit. Am Abend bewegte sich ein großer Fackelzug durch die Sttaßen der Stadt. Eine stattliche Menschenmenge sammelte sich vor dem Schulhause. Die Vereine waren geschlossen mit ihren Fahnen erschienen. Die REDAP. mit ihren Gruppen, die Gemeindevertretung und das Arbeitsdienstlager waren vollzählig zur Stelle. Stadtkapelle und Gesangverein „Liederkranz" umrahmten die Ansprachen von Ortsgruppenleiter A. K l e i n, Lehrer Schäfer. Burkhards, Karl Ger lach III. und Bürgermeister Müller. Alle Leden waren erfüllt von der festen Zuversicht, daß nach den 14 wahren des Aiederganges wieder eine Zeit des Ausstieges kommen werde. * Steinberg bei Gedern. 22. März. Gestern abend bewegte sich ein Fackelzug unter Beteiligung der ganzen Gemeinde durch tue Straßen unseres Dors es nach einer Anhöhe, wo ein 5euer abgebrannt wurde. Lehrer P r e u s ch wies in zündender Ansprache quf die schwere Arbeit hin, die der neuen Legierung harrt. Seine Lede gipfelte im Ausdruck des Vertrauens zu den neuen Männern, daß sie diese Arbeit meistern werden. Unter dem Gelöbnis treuer Mitarbeit galt sein Hoch dem Leichskanzler Adols Hitler, dem Leichspräsidenten von Hindenburg und dem geliebten deutschen Vaterland. Aach dem Gesang des Deutschlandliedes verbrachte die Gemeinde noch eine frohe Stunde im Scheine des lodernden bücher — und mit Schaudern wendet man sich fort, um feiste Aufmerksamkeit anderen Dingen zuzuwenden- 3n diesem Augenblick tritt gewöhnlich „er“ selbst ein, begrüßt seine Besucher und mit den Worten: ..Bitte nehmen Eie Platz, meine Herren (!)“, beginnt der unvermeidlich stereotype Dialog: „Ra, haben Sie sich nun tüchtig ausgeschlafen?" —„Danke, ja!“ — (Zu einem der Besucher gewandt): „Was wollen Sie eigentlich werden?“ — „Mediziner!“ — „Aba, ein sehr schöner Beruf." — (Zu dem anderen): „Lind Sie?" — „Jurist!" — „So so, na Sie studieren doch wohl hier in Gießen?" — 3m Chor: „Vorerst ja!" Von hier aus schlängelt sich bann die Unterhaltung. je nach Gemüt, Talent und Fach (!) des Lehrers eine Viertelstunde lang fort, wobei natürlich nicht immer über uninteressante Dinge gesprochen wird: aber im Hinblick auf die Situation ist man eifrig bemüht, einen Grund zum schnellen Verschwinden zu finden. „3a, nun müssen wir aber gehen. Cs ist schon spät." — „Also, meine Herren, viel Glück denn für die Zukunft! Lassen Sie sich mal Wiedersehen!“ — Händedruck! — Daus! — Gott sei Dank! — Und nun beginnt der so oft deklamierte „Ernst des Lebens". L. H. Bornotizen. — Aus dem Etadttheater-Bureau wird uns geschrieben: Morgen. 18.30 Uhr. un- widerruf! ch die l:tzte Aufführung der Operetten» ^evue „3m weißen Roßl' unter der Spielleitung von Heinrich Hub. musikalische ßei.unj von Kapellmeister Woehl. choreographiicye Leitung von Ballettmeister Däulke in der 3nszenierung und Besetzung der Erstausführung. Ende: 21.30 Uhr. Vorzugsgutscheine haben Gültigkeit, kleine Operetten-Preise. — Der Wochenspielplan trägt in besonderem Maße der Werbewoche Rechnung und zeigt reichhaltige Abwechslung. Um die auswärttgen Besucher der Werbewoche auch für die Veranstaltungen des Theaters zu interessieren, gewährt die 3ntendanz den auswärtigen Theaterbesuchern zu allen Wochentags-Vorstellungen 20 Prozent Preisermäßigung auf allen Plätzen. Fahrkarte oder sonstige Ausweise sind an der Kasse beim Lösen der Karie vorzulegen. Am Dienstag. 28. März (25. Vorstellung im Dienstag-Abonnement) das Alterswerk des deutschen D.cytcrs Gerhart Hauptmann „Vor Sonnenuntergang" unter der Spielleitung des 3ntendanten und mit 3ntendant Dr. Rolf P rasch in der Rolle des Geheimrat Claußen. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 23 Uhr. — Mittwoch. 29. März (24. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement), die Operetten-Aeuheit „Glückliche Leise“ von Künnecke. Spielleitung Paul W r e b e. Operetten-Preise. Spieldauer von 19.30 bis 22.30 Uhr. — Freitag. 31. Wärz (25. Vorstellung im Freitag-Abonnement). Unter der Spielleitung von Oberspielleiter Peter F a s s o 11 kommt in völliger neuer 3nszenierung in dieser Spielzeit zum erstenmal Friedrich Schillers fünfaktiges Schauspiel „Die Räuber" zur Aufführung. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 23 Uhr. — Samstag, 1. April, 20 Uhr, Volksvorstellung mit der Ltjien Ausführung des Schwankes „Da stimmt was nicht", von Franz Arnold. Spielleitung: Heinrich H u v. Die Vorstellung ist außer Abonnement zu Heinen Preisen. Ende: 22 Uhr. Sonntags spielten früher einmal eine nicht unbedeutende Rolle, sind in letzter Zeit aber etwas zurückgefallen und verloren zum Beispiel gegen die 2. Mannschaft der Spieloereinigung 1900 mit hohem Resultat. Die DfBer sollten das Spiel für sich ent» scheiden können, zudem sie gegen Steinberg gut ab» schneiden konnten und dabei eine gute Leistung zeigten. Ein spannendes Spiel sollte trotzdem zu erwarten sein, denn die Gäste verstehen zu kämpfen, wenn auch ihre technischen Fähigkeiten nicht denen der Grünweißen entsprechen. Die 3. Mannschaft bestreitet ein Verbandsspiel gegen die 1. Elf von Steinbach und sollte den Kampf für sich entscheiden können. Das Spiel findet auf dem Waldsportplatz statt. Die I.Iugeick» spiett ebenfalls hier und zwar gegen die 1. Jugend des DfR, Lich. Handball im Gan Hessen (O. T.) Lützellinden I — Utto. Gießen I und II komb. Die beiden Mannschaften treffen sich am Sonntag in Lützellinden zu einem fälligen Rückspiel. Der Ausgang des Spieles wird sehr davon abhängen, welche Mannschaft die Gießener Turner stellen. Man erhofft in jedem Fall einen spannenden Kampf. Waldlaufmeislerschasten des STV. in Obbornhofen. Der dem ADT. angehörige Südwestdeut- sche Turn-Verband, der die Gaue Main- Rod, Lahn-Dünsberg und den Wetterau-Gau umfaßt, trägt am Sonntag die diesjährigen Waldlaufmeisterschaften in Obbornhofen aus. Ausgeschrieben sind folgende Wettbewerbe: Klasse 1: Einzellauf: Klasse 2: Mannschastslaus (beide für Turner über 18 3ahre). Die Läuse werden gleichzeitig als Meisterschaft des Wet- tcrau-GauLs gewertet. Die Strecke führt aber 7520 Meter. Klasse 3: 3unioren (über 18 3ahre 5000 Meter. Klasse 4: Mannschaftslauf. Klasse 5: 3ugendklasse (16 bis 18 3ahre) 3500 Meter. Klasse 6: Mannschaftslauf. Klasse 7: 3ugendllase (14 b s 16 3ahre) 2500 Meter. Klasse 8: Mannschaftslauf. Arbeiter-Turn- und Gvoribund. Am Samstag findet in Wißmar bet diesjährige ’ Frühjahrswaldlauf statt. Das Meldeergebnis ist sehr gut. Cs sind vorgesehen: 1500-Meter-Laus aller Sparten über 18 3ahre (Einzellauf). 1500-Meter-Lauf aller Sparten (3ugend), 5000-Meter-Lauf aller Sparten (über 18 3 ab re),. 1520-Meter-Mannschaf^slauf (über 18 3abre), Fußballer- und 1000-Meter-Wann- schaftsmpf der 3ugeird-Fuhballer. sowie 4x50» Meter-Staffel für Sportlerinnen über und unter 18 3ahren. 3m Anschluß daran findet ein Fußball- werbespiel zweier Dezirksmannschaften. und zwar einer Kreisklasse- gegen die erste Bezirks-^ klassemannschaft, statt. Es dürste mit einem spannenden Spiri zu rechnen fein. 22uluS-Zeit. Die Schulzeit ist für die Abiturienten bereits ; zu Ende. 3m allgemeinen weiß der Mulus — ] d welch' sinnvolle Bezeichnung, denn man ist we- , bet Pferd noch Esel — wenig mit seiner freien Zeit anzusangen. Vor allen Dingen schläft er sich • einmal gründlich von den Strapazen des Examens aus. Das Schönste ist dabei, daß man nach solchem Schlaf niemals wieder mit dem Gesühl erwacht: ach, wenn die paar schönen Ferientage vorüber sind, geht die Penne wieder los! Olein, wohl weiß man, daß nach diesen Ferien wieder Arbeit kommt, aber das, was nun kommt, ist etwas vollkommen Aeues. Man wird zwar wieder die Schulbank drücken, aber dafür lebt man in der Sphäre der „akademischen Freiheit" — oder man geht inS Geschäft, sofern es bei den heutigen Verhältnisfen geglückt ist, eine Stelle zu finden. Abgesehen von recht viel Schlafen, Essen und Spazierengehen, hat der Mulus noch zwei wichtige BescAstigungen. Cr verkauft seine tuten Schulbücher iunb macht feinen Lehrern Abschiedsbesuche. 3eden Morgen zur Pausenzeit, die dem alten „Pennäler", so gern er sie auch vergessen möchte, doch noch söhr geläufig ist. erscheinen ein paar Abiturienten mit so dicken Mappen, wie sie sie während der ganzen Schulzeit nicht mitgebracht haben. Kein Wunder — sie enthalten ja säst sämtliche Schulbücher, die man nun an den Mann zu bringen sucht. Heute sind Schulbücher ein begehrter Gegenstand, denn alle El- | tern sind froh, wenn sie billig zu diesen Dingen kommen können. 3n den Gängen der ehrwürdigen Stätte der Weisheit wickelt sich nun ein leb- Haftes Feilschen und Handeln ab. Mancher zeigt hierbei große Geschicklichkeit, andere werden gräßlich übers Ohr gehauen. 3m Grunde entbehrt aber dieser rein geschäftliche Akt des ..BücherverlloppenS“ jedes Pennälerhaften Reizes. ganz entgegen jenen Szenen, die sich oft bei den psllchtmäßigen Abschiedsbesuchen ereignen. Oft sind sie heiteren Charakters, besonders, wenn mehrere Schüler zusammengehen, vor allem aber zeigt sich hier der richtige Charakter des Mulus (der „weder — noch" ist). Zwar hat man das geistige Reifezeugnis erhalten, bei diesen konventionellen Gelegenheiten jedoch, wie es Abschiedsbesuche eben sind, sieht man oft noch einige Gestalten, die nie wissen, wo sie mit ihren Armen und Beinen hin sollen, wenn sie dem gestrengen Herrn Studienrat gegenüberstehen — oder sitzen. Häufig sieht man Tanzstunden-Verbeugungen nd dergleichen Unausgeglichenheiten, die wohl später, sei es im Privatleben oder in der Verbindung des jungen Studenten beseitigt werden. Anders sieht es der Mulus. Cs ist Sitten seinem Lehrer nach bestandenem „Abitur" einen Abschiedsbesuch zu machen. Folglich verabredet man sich zu zweit oder zu brüt, zieht einen guten Anzug an und geht eines schönen Sonntagsmorgens darauf los. Unterwegs schon bereitet man sich auf den bevorsteheitden Besuch vor. Man kennt die Eigenheiten eines jeden „Paukers" genau und malt sich schon im voraus die Situationen aus. die sich bet diesem Absch.edS- be'uch werden ergeben können. Wan ist meist schon in ..Stimmung", wenn man an das sonntäglich verschlossene Tor des Lehrers kommt. Man schellt. Oben schaut jemand zum Fenster hinaus und rüst: „Der Herr Studienrat ist nicht zuhause!" Pech gehabt! — Beim nächsten geht es ähnlich. ..Der Herr Studienrat macht einen Aussiug!" Merkwürdig diese Wanderlust! Erst ist man böse daß man vor jeder Tür wieder unverrichteter Sache abziehen muß, dann faßt man die Angelegenheit mit Humor auf. zum Schluß, wenn man nämlich schon einige „Besuche" hinter sich hat, erkennt man den großen Vortell, niemand angetroffen zu haben. ... Und zu allerletzt sch iehllch erkundigt man sich angelegentlich st vor jedem Besuch, wann dieser oder jener Herr nicht zu Hause sein könnte. — Aber ich will weitererzählen. Beim dritten hat man Glück. Wan wird ins Zimmer geführt. Aha! — hier also, an diesem Schreibtisch wurden einst unsere Hefte korrigiert, hier steht noch die tote Tinte, das dort sind ja seine Schul- -ce. Homberg. 22. März. Der Tag der Er- öffnung des neuen Reichstags wurde auch in unserer Stadt mit einer überwältigenden Kundgebung begangen. 1500 Menschen, darunter auch Bewohner der umliegenden Ortschaften, hatten sich dem Aufmarsch angeschlossen, der sich mit einer großen Anzahl von Fackeln und Lampions vollzog und unter den Klängen der Hornberger 621* Kapelle dem Festplah zustrebte, wo zunächst unter dem Schein des Freudenfeuers der Gesangverein „Frauenlob" ein Lied zu Gehör brachte. Daraus feierte im Damen der RSDAP. Herr Geißer den Sieg der (Regierung am 5. März und hob dabei u. a. hervor, daß Deutschland unter einem wahrhaft überragenden Führer unüberwindlich sei. Die Rede klang in einem Hoch auf das deutsche Vaterland aus. Darauf fang noch der Mannergesangverein ein patriotisches Chorlied. Wit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes nahm die Feier am Festplatz ihr Ende. Sodann formierte sich der Zug zum Rückmarsch nach dem Marktplatz, wo Bürgermeister S ch w e i d e r nach einem von beiden Vereinen gelungenen Lied an die Zeit des Weltkrieges erinnerte unb auf die große geschichtliche Bedeutung hinwies, die in der Terbinbung der beiden überragenden Persönlichkeiten Hindenburg und Hitler liege. Mit einem „Hoch" aus beide und dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes wurde der Tag beschlossen Landkreis (tirften. Da. Großen-Buseck. 23.März. Aus Anlaß der Eröffnung des Reichstages vewegte sich in später Abendstunde ein großer Fackelzug durch unter Dorf. Der Posaunenchor und das Trommlerkorps der Freiw. Feuerwehr stellten die Marschmusik. An dem Zug beteiligten sich fast sämtliche Vereine, die Schulkindes und eine stattliche Zahl der sonstigen Ort-ein» wohnec. Auf dem Anaer hiett Karl Hahn eine begeisternde Ansprache, der das Horst-Wessel-Lied und das Deutschlandlied, von einer großen Menschenmenge begeistert gesungen, folgten. Bei einer Schlußfeier im Saale des Gastwirts Wllh. Wagner, mäh» renb der K. Hahn nochmals das Wort ergriff, er» freute der Posaunenchor durch flott gespielte Märsche. <5 Allendor s a. d. L d a., 24. März. Am Dienstagabeno fand aus Anrah der ^r.nnung des neuen Reichstages hier eine Feier statt. Gegen 19 Uhr bewegte sich ein imposanter F a ck e I z u g durch die Straßen der Stadt. Unter Vorantritt des Epielmannszuges der SA. nahmen an diesem Zuge die gesamte SA., die SA-Re- serve. die Hillerjugend, der Kriegerverein, der Echützenverein. der Turnverein 1907, der Reiter- Verein, der Mannergesangverein und die Schulkinder teil. Besonders fiel es auf, daß in dem Reiterverein ein alter Herr, der Landwirt Christoph Keil von hier, ein gedienter Reitersmann, in strammer Haltung mitritt- Nachdem der Zug in der Warktstraße angekommen war, sprachen der Kreisleüer der DSDAP. Dr. Harth. Bürgermeister Schneider und Lehrer Strack. Der M n. er Gesangverein (Leitung: Lehrer Schmidt. Kesselbach) versch nte mit zwei Liedern die Feier. Mit dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied fand die Feier ihren Abschluß.' Während der Feier wurde auf der H.he nach Climbach zu ein mächtiges Freudenfeuer abgebrannt wr Odenhaufen, 24. März. Den Tag der Deichstagsert-ffnung feierte auch unsere Gemeinde. Am Abend wurde beim Pfarr- und Schulhaus em Fackelzug aufgestellt, an dem die Schule, Krieger- und Gesangverein, sowie die ganze Devollerung tellnahm. Eine EA-Ab- Svielvepemigung 1900 Gießen. $<£,. Ockershausen I — Spieloereinigung 1900 I. Das ursprüngl ch vorgesehene Spiel der ersten Mannschaft der Ep'.elvereinigung gegen d.e erste Cls von Eerman'.a Fulda gelangt nicht zum Austrag, da Fulda durch den Verband anderweitig vcrpsiichtet wurde. Die erste Elf der Dlauweihen trägt nunmehr am morgigen Sonntag das voraus«.chllich letzte Derbandsspiel gegen die erste Mannschaft von Ockershausen aus. Das Spiel hat als Verbandssp'.el keinerlei Bedeutung mehr, denn d'.e Entscheidunz ist ja gefallen. Bestenfalls kann sich für die Spielvereinigung die Tabellen- position verbessern oder — verschlechtern. Das letztere dürfte anzunehme nsein, denn die junge Vertretung der Spielvereinigung wird auch in Ockershausen nur sehr schwer einen Siegerringen können, nachdem der Lokalgegner in hartem Kampfe auf dem geiährl chen Boden von Ockers- Hausen mit 2:0 sicher das kürzere Ende zog. Für die Mannschaft der Dlauweihen wird das Spiel eine Härteprobe bedeuten. Man erwartet ein ehrenvolles Ergebnis. Die Spiellereinigung wird voraussichllich mit der Mannschaft des Vorform- ta^s anlrrien. Die zweite Mannschaft hat in Lollar gegen die erste Mannschaft des Plahvereins zum Derbandsspiel anzutreten. Für die Gießener wird es schwer fein, einen Sieg zu erringen, da sie ihren Ep'.elerverlust (an die erste Elf des Vereins) noch nicht ganz ausg.e.chen kann. Für Lollar ist das Spiel von großer Wichtigkeit. Gewinnen die Gastgeber, so bedeutet das für sie die Meisterschaft der 2. Bezirisllafse. Bei einem Unentsch eben werden weitere Spiele notwendig, da Lollar dann mit „Teutonia" Watzenborn- Steinberg punktgleich steht. Die dritte Elf tritt auf eigenem Platze gegen Butzbachs zweite Mannschaft an. Auch hier handell es sich um ein Verbandsspiel. Der Ausgang des Kampfes ist nicht vorherzusagerr. Die inerte Mannschaft hat am Sonntag gegen eine kombinierte Mannschaft von Saubringen anzutreten. Iugendspiele. 1900 äl — SD. Wetzlar AI. Die Gäste stellen eine schnelle und kräftige Mannschaft, so das) e.n spannender Kamps zu erwarten ist. Da 1900 diesmal wieder komplett antreten wird, erwartet man sie, wie im Vorspiel, als Sieger. 1 9 00 All — Wieseck. Dicsis Rüaspiel dürsten d'.e Dlauweihen wohl für sich entscheiden, wenn sie das Spiel ernst nehmen. 19 00 Schüler —Heuchelheim Die Kleinsten erwarten die neuaufgestellte Schülermannschaft aus Heuchelheim. DfB. Gießen. VfL. 0 — Laubach L Die Liga des Vereins für Bewegunasspiele ist morgen nachmittag spielfrei. Auf dem Waldspori- platz empfängt die 2. Mannschaft die 1. Elf von Teu- tonia Laubach zum Derbandsspiel. Die Gäste des Adolf Hiller tmb die neue Regierung. Das ! Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied been- ' beten die Feier. Kreis Schotten. c. Schotten, 22. März. Am Rationalfeier, tag war tagsüber die Turnhalle geöffnet, Lautsprecher waren darin angebracht, die die Feiern im Reich und in Potsdam Wiedergaben. Abends fand ein Fackelzug aller Vereine und Verbände durch die Straßen der Stadt statt. Daran schloß sich eine machtvolle Kundgebung in der Turnhalle unter Mitwirkung des Wusllvereins und Sängerchores. Dr. K o p i t s ch begrüßte die Riesenversamnllung, Kreisleiter W. K r o m m von der RSDAP. sprach über die Hitlerbewegung. Die inhalwolle Festrede hielt Bürgermeister Wengel, der besonders unsere heutigen Rationalhelden, die Symbole von Alt- und Reu- deutschland Hindenburg und Hitler feierte. Wit einem feierlichen Gedenken an die in der Hitlerbewegung gefallenen SA-Leute wurde die eindrucksvolle Kundgebung geschlossen. 4 Rainrod, 22. März. Am EamStag hielten unsere beiden Schulklassen auS Anlaß der Wahl von Pros. Dr. Werner zum Staatspräsidenten ihre Feier ab. Abends stellten sich die Schuler am Echulhause zu einem Fackelzug auf, dem sich die SA, die SA-Reserve, die Hitlerjugend, die Frauenschast, die Eltern der Schüler und viele Mitbürger anschlossen. Der Zug bewegte sich nach dem Schlörb'schen Saale. Hier begrüßte Bürgermeister D e ch e r t die Teilnehmer. Die Lehrer Deubel und L e h m e r ermahnten, sich zum neuen deutschen Reich und seinen Führern in Liebe und Treue zu befennen. Die Schüler trugen abwechselnd vaterländische Gedichte und Lieder vor, der Gesangverein fang einige patriotische Chöre, der Hillerjunge Walter H e r n b a ch forderte die noch fernstehenden Kameraden zum (Sintritt in die Hitlerjugend auf. — Am Dienstagabend bewegte sich ein stattlicher Fackelzug sämtlicher Vereine des Dorfes, von der SA, der EA-Reserve, der Hillerjugend, der Frauenschaft und vielen Einwohnern gebildet, nach dem hochgelegenen Eisenlüppel. Hier wurde ein mächtiger Hollhaufen angezündet. Der Musikverein (Leitung: Rechner Seibel) eröffnete die Feier mit Chorälen und V ater land sliedern. Bürgermeister D e ch e r t hielt eine Ansprache, in der er der Wichtigkeit des Tages gedachte und ein Hoch auf die Führung des neuen Deutschlands ausbrachte. Es kamen dann noch Musikstücke und Lieder durch den Gesangverein zu Gehör- außerdem erklangen bekannte Freiheitslieder. W. Straub hielt ebenfalls eine Ansprache. ch Glashütten, 23.März. Die nationale 5 e i e r am 21. März wurde hier durch einen großen Fackelzug eröffnet, der sich nach dem ,Kirschbäum» chen" bewegte. Hier wurde ein Holzstoß entzündet. Bürgermeister Dinges begrüßte die zahlreich Erschienenen und gab seiner Freude über die Einmütigkeit des ganzen Dorfes Ausdruck. Lehrer I u - dersleben behandelte in seiner Ansprache die Entwicklung des nationalen Gedankens. Sein Hoch galt dem Reichskanzler Adolf Hitler, dem Erneuerer der nationalen Idee. Nachdem der Gesangverein „Sängerlust-Eintracht" unter Leitung von Lehrer L e h m e r einen vaterländischen Chor vor- getragen hatte, deklamierte Herr Heinrich Schmidt ein passendes Gedicht. Rach einem zweiten Lied- oortrag des Gesangvereins sprach Lehrer L e h m e r in längeren Ausführungen über die nationale Feier in Potsdam. Daran schloß sich der Gesang des ** Persona 1 ie. In den Vorstand der Dresdner Bank in Gießen ist Herr Direttor Otto Zeltmann von der Filiale Duisburg eingetreten. ** Anonyme Zuschriften wandern in den Papterkorb. Der Fachbearbeiter im Kultusministerium für Theaterwesen, Musikpflege, bildende Künste, Volkstumsangelegenheiten usw., Dr. K u 1 z, we.st nachdrücklich darauf hin (wegen der zahlreich einlaufenden anonymen Schreiben), daß in Zukunft nur noch Schreiben mit sachlich begründetem Inhalt und voller Anschrift und Namensnennung des Verfassers Aussicht auf Berücksichtigung und Bearbeitung haben. Anonyme Briefe wandern in Zukunft in den Papierkorb. ** Besuchszeiten der Museen. Die Museen und Sammlungen im Alten und Neuen Schloß sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet. Geschichten aus aller Welt Wirtschaft dem schönen Jägerliede — auch gar nicht la-han-ge, da lief dem Jäger eine fette Wildsau vor die Flinte! seiner Beute auf den Heimweg. Aber leider Gottes sollte der Arme mit seiner Sau niemals zu Hause ankommen: den Schluß der traurigen Jagdgeschichte hat uns ein Waldhüter erzählt. Der war nämlich auf seinem Kontrollgang an einem tiefen Wildbach vorbeigekommen und hatte dort im Wasser ein Wildschwein liegen sehen. Außerdem Blutspuren am Ufer. „Aha?" hatte sich da der Waldhüter sofort gesagt: „Wieder einmal Wilderer am Werke gewesen! Schwein angeschossen! ... Ausgerissen ... An der Tränke verendet und ersoffen ..Vorsichtig war der Waldhüter das steile Ufer herabgeklettert, um das Tier ans Land zu ziehen. Wer beschreibt sein Entsetzen, als er unter der toten Wildsau den ihm wohlbekannten, aber ebenfalls ertrunkenen Prezsmar sand! Der Rätsels Lösung war einfach: Der Schütze hatte sich das tote, schwere Schwein auf den Rücken geladen gehabt, die Vorderbeine über seine Schultern und unter dem Hals zusammengebunden gehabt, war ausgerutscht, in den Bach gefallen, hatte sich das Bein gebrochen und war von dem toten Schwein regelrecht ersäuft worden! Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Das Getreidegeschäft ist nach den größeren Bewegungen in den letzten Wochen ruhiger geworden. Sn der abgelaufenen Woche war die älmsatztätigkeit am Frankfurter Markt sogar ausgesprochen gering; es fehlte dem Markte an Anregungen. Auch das Mehlgeschäft bot kaum einen Anreiz für Neuanschaffungen von Brotgetreide. Zwar wurden hier und da kleine Mengen gekauft, im ganzen blieb das Geschäft aber klein. Anderseits kam auch nur kleines Angebot an die Märkte. Nennenswerte Pre'.sverschiebungen traten nicht ein. Der Weizenmarkt hat durch die Hühner- weizenaktion zwar einen gewissen Impuls erfahren, größere Arnfähe fanden bei kleinen Preisschwankungen aber nicht statt. Die Notierung stellte sich auf 210 bis 211 (gegen 212,50 bis 210 in der Vorwoche) Mark per Tonne. Der Roggenmarkt verkehrte in stetiger Tendenz; der Preis blieb mit 174 Mark per Tonne gegen die Vorwoche unverändert. Am Hafer markt war die Marktlage gut stetig. Das Angebot ist mäßig, die Nachfrage etwa befriedigend. Im Vergleich gegen die Vorwoche stellte sich der Preis mit 145 bis 147,50 Mark per Tonne unverändert. Gerste verzeichnete nur sehr schleppendes Geschäft. Sowohl Vrau- als auch Futterware gaben im Preise leicht nach. Vraugerste notierte mit 180 b's 181 um 1,50 Mark schwächer. Futtergerste war zu 168,50 bis 171,50 Mark per Tonne an- geboten. Das M e h l g e s ch a f t beschränkte sich nur auf Abrufe für den lausenden Bedarf. Je 100 Kilogramm in Mark notierte i: Weizenmehl, südd. und niederrhein. Spez. 0, 30,50 bis 31,50, Roggenmehl, 60proz. Ausmahlung, 23,75 bis 24,50. Der Futtermittelabsatz gestaltete sich bei nahezu unveränderten Preisen sehr ruhig. Lediglich sofort lieferbare Ware war etwas gefragt, während für die späteren Termine kaum Interesse bestand. Weizenkleie 7,90, Roggenkleie 8,40 biS 8.50, Soyoschrot 10,15 bis 10,75, Palmkuchen 9,25, Crdnußkuchen 11,80 bis 12, Treber 12,20 Mark je 100 Kilogramm. Am Kartoffelmarkt neigten die Preise infolge des reichlichen Angebots leicht nach unten. Industriekartoffeln hiesiger Gegend 1,65 Mark per 50 Kilogramm bei Waggonbezug. Wochenbericht ootn Frankfurter Scblacbtviebmarkt Am Frankfurter Schlachtviehmarkt war das Geschäft etwas belebter, von einer größeren Geschäftstätigkeit kann aber noch nicht gesprochen werden. Preismäßig schloß die abgelausene Woche meist mit Besserungen. Am Schweine markt waren noch keine Anzeichen einer Besserung zu bemerken, obwohl die Beschickung mit 5025 um 131 Tiere geringer war. Der Handel war ruhig bis schleppend, so daß Llcberstand verblieb. Die Preise ließen etwa 3 Mk. nach. Am Rindermarkt zogen die Preise durchweg um 1 bis 2 Mk. an. Rach ruhigem Handes wurde der Auftrieb von 1428 (gegen 1493) Stück ausverkauft. Trotz der erhöhten Zufuhr verlief das Geschäft am Kälbermarkt durchaus zufriedenstellend; es machen sich offenbar bereits saisonmäßige Einflüsse bemerkbar. Die Preise lagen um 2 bis 3 Mk. über denen der Vorwoche. Am S ch a f m a r k t setzte sich die Verringerung der Beschickung fort; die Tiere werden jetzt wieder in verstärktem Maße auf Weidemast gestellt. Der Austrieb betrug 178 (gegen 260) Stück. Roch regem Geschäft ergaben sich Erhöhungen von 2 Mk.; der Markt wurde geräumt. Frankfurter Abendbörse weitere Abbröckelungen. Frankfurt a. M., 2j.März. Die Abendbörse verehrte mangels Anregungen in sehr ruhiger Haltung. Die Kulisse zeigte Weiler Glatt- stellungsbedürsnis, zumal auch von der Kundschaft kleine Verkäufe vorgenommen wurden. Gegen die z. T. schon lehr schwachen Berliner Schlußkurse betrugen die Rückgänge durchschnittlich 0,50 bis 0,75 Prozent. IG.-Farben gaben um 1 .Proz. nach. Im Verlaufe bröckelten die Kurse bei anhaltend kleinem Geschäft erneut von 0,25 bis 0,50 Prozent ab. Auch am Rentenmarkt herrschte nahezu Um» sahlosigkeit. Neubcsih eröffneten mit 13,83 etwa behauptet. Altbesitz waren eher etwas erholt, während Schu'zgeb'ete und Reichsschuldbuchforderungen im Angebot lagen. Neubesitz 13,83 bis 13 80, AlibeNh 79,C0, Schulg biete 9 27, Rcichsbank 151, Gelsenkirchen 69, Phönir 47, Stahlverein 46,50 bis 46, Betula 118, Scheideanstalt 171, Licht & Kraft 104,50, IG.-Farben 131,25 bis 130 83. Ges- fürel 95, Schuckert 98,50, Hapag 22,25, Norddeutscher Lloyd 23,63. Der FaU Neumann. Darmstadt, 24. März. (WSN.) Der Vorstand des Hessischen Landesverbandes zur Bekämpfung der Tuberkulose (Heilstättenverein) trat hier zusammen, um über die durch das Äbl.Ven des seitherigen Vor- s'ch:nd n Pr sidrnt Dr. Neumann für den Landesverband entstandene xrage zu beraten. An Hand des bei der Revision durch das Reichst Versicherungsamt aufgenommenen Protokolls wurde festgestellt, daß Präsident Neumann eine Schuld in Hohe von 28 842,40 Mark bei der Darmstadter Dolksbank aus dem Konto der Landes- Versicherungsanstalt hat abdecken lassen. Die von ihm als Gegenwert dem Heilstättenverein gegebenen Wertpapiere hatten im Augenblick der Transaktion am 24. August 1931 einen Wert von etwa 1 0 0 0 0 Mark. Nach dem Berkaus der Wertpapiere wird der Schaden des Heilstättenvereins infolge der inzwischen erfolgten Kurssteigerung der Wertpapiere noch ungefähr 1 0 0 0 0 Mark betragen. Die Witwe des verstorbettvn Präsidenten Neumann hat diese Schuld schriftlich anerkannt und bereits 4000 Mark davon in bar abgetragen. Weder der stellvertretende Vorsitzende, noch die Vorstandsmitglieder des Heilstättenvereins hatten Kenntnis von diesem geseh- und verfassungswidrigen Verfahren des Präsidenten Neumann. Der Vorstand des Heilstättenvereins faßte den Beschluß, das von der Landesversicherungsanstalt Hessen gewährte Darlehen in H.'he von 20 000 Mark so schnell wie möglich zurückzuzahlen und ferner durch organisatorische Aenderungen die Wiederholung derartiger Geschehnisse unmöglich zu machen. Zu diesem Zweck soll insbesondere die bisher bestehende Personalunion im Vorsitz der Landesversicherungsan st a l t und des Heilstättenvereins aufgehoben werden. Geländespiel der „Hasska^-Zugend. <£ Steinbach, 24. März. Am kommenden Sonntag findet südlich von Steinbach in der Gegend zwischen Lich, Eberstadt, Holzheim, Grüningen und Garbenteich ein größeres Geländespiel der „H a f s i a" - I ug e n d der Bezirke Gießen, Grün- berg, Alsfeld, Butzbach, Lich und Hungen statt. Hieran werden sich auch Abteilungen der Hitler- Juge.nd, des Stahlhelm und der Reiteroer e i n e aus Butzbach und Umgebung beteiligen. Man rechnet mit einer Teilnahme von etwa 400 Mann. Führer der roten Partei ist JAF. Glaub- Reiskirchen, Führer der Blauen JAF. Wisbach- Münster. Die Leitung liegt in Händen von Bez.-JF. Oberleutnant a. D. Bon Hard in Gießen. An das Geländespiel schließt sich ein Biwack an, bei dem die Stahlhelmkapelle Steinbach Platzkonzert veranstaltet. und südländische Baume sollen hier wachsen. Rur ihr Rauschen soll die Stille und den Frieden unterbrechen. Sogar das uralte Franziskanerkloster wird von der Räumung nicht ausgenommen. Es fügt sich aber so gut in das Landschaftsbild ein, daß man nur das Mädchenpensionat, das sich jetzt in dem Hause befindet, entfernt und dann das Kloster abriegelt und verfallen läßt. Die Ehrung Dantes geht über alle anderen nationalen Erinnerungen hinweg. Das Denkmal, das man Garibaldi am Piazza Lante errichtete, wird entfernt und irgendwo anders wieder aufgestellt. Nur der Rizetti-Palast, wo Byron lebte, wird stehen bleiben. Man erwägt sogar, diesen Palast zu restaurieren. All diese Veränderungen, die Abbrüche, die Neubauten, die Entschädigungen bezahlt die italienische Regierung. Der Tod des Wilderers. (ht) Bukarest. Diese Geschichte hätte Herr Johann Peter Hebel erfunden oder Edgar Allan Poe gedichtet haben können ... die grausig-groteske Geschichte vom toten Wildschwein, die sicherlich auch Gustav Meyrink zu einer Spukgeschichte erster Klasse begeistert haben würde. In einer Gemeinde mit dem melodischen Namen Gyergyossentmiklos hat sich diese Geschichte zugetragen: auch dort haben die Fleischpreise infolge der Wirtschaftskrise besonders stark angezogen, so daß die Wilddieberei in nie geahnter Blüte steht. Zu den Jägern auf eigene Faust und fremde Rechnung gehörte nun auch ein gewisser Prezsmar, der eines Tages die Flinte auf den Rücken nahm und „in den Wald spazieren ging ... ja ... ju ... ja ... ju spa- zieeeeren ging", und es dauerte — genau wie in Sie „umlegen" und ausweiden war das Werk von | wenigen Augenblicken. Hocherfreut lud sich der j Mann die Sau auf den Rücken und machte sich mit Williams gehörte, mußte er sich selbst aburteilen. Er tat das auch in sachlichster Form. In Gegenwart zweier Heiliger und des einzigen Zeugen, eröffnete er die Sitzung, stellte seine Personalien fest, ließ den Zeugen den Sachverhalt erzählen und — verurteilte sich selbst zu 12 Schilling Geldstrafe, die er sofort ^Älltitia, die Göttin der Gerechtigkeit, soll während dieses Vorgangs leise, aber nicht unfreundlich, gelächelt haben ... Der Asse und der Papagei. 1. — Paris. Der Unterstaatssekretär B. im französischen Handelsministerium ist nicht nur Junggeselle sondern darüber hinaus auch so etwas wie ein Lebemann und außerdem noch Tierfreund. Man wird sehen, was sich aus einer solchen Konstellation entwickeln kann. B. bewohnt eine reizende Junggesellenwoh- nung in der Nähe der Champs Elysees, die ihm von einer Haushälterin in Ordnung gehalten wird. Da die Haushälterin sich nur tagsüber in der Wohnung aufhält, ist der einzige Hausgenosse von B. em Papagei, den er sich vor Jahren aus den Kolonien mitgebracht hatte. Mit der Zeit hat sich zwischen den beiden ein gewisses Freundschaftsverhältnis heraus- gcbildet, das von feiten des Papageis vorwiegend mit den Worten „Ein scharmanter Abend" bezeugt wurde. Wesentlich mehr vermag der Papagei nicht zu sagen, aber diese Feststellung hat er wohl des öfteren von seinem heimkehrenden Herrn gehört. Zu seinem Unglück schenkte ein Freund Herrn B. kürzlich einen zweiten Hausgenossen, nämlich einen kleinen Affin. Auch der Affe wurde in einem Käfig untergebracht, und obwohl die beiden Tiere sich von vornherein mißtrauisch beäugten, ahnte, niemand etwas von der bevorstehenden Katastrophe. Desto größer war die Ueberraschung des Unterstaatssekretärs, als er eines späten Abends heimkehrte und sah, was sich inzwischen ereignet hatte. Der Affe war aus dem Käfig entwichen, hatte die Käfigtür des Papageis geöffnet, und die Folge war eine heftige Rauferei zwischen den beiden Tieren gewesen. Der Affe lag erschöpft in einem Sessel, und der Papagei hockte ziemlich gerupft und ängstlich mit den Flügeln schlagend in der äußersten Ecke seines Käfigs. Und krächzte seinem ebenso überraschten wie erschütterten Herrn die Worte entgegen: „Ein scharmanter Abend, ein scharmanter Abend" ... Schweigen um Tantes Gi ab. (hk) Mailand. Dantes Grab kommt nun in jene Zone der Ruhe, des ewigen Friedens, die man in feinsinniger Weise als die wundervollste Ehrung des großen italienischen Dichters sich ausgedacht hatte. Mussolini sprach ein letztes Machtwort. Und in Ravenna wird Frieden sein ... Kein Verkehrsfahrzeug wird die Ruhe des Grabes des großen Dichters stören, die Via Dante und die Via Guida Novalla werden frei fein von allem Tageslärm. Alle Gebäude gegenüber der Piazza Byron werden geräumt und abgebrochen. Blumen (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Erzietzungspro b leme. rt. — Neuyork. Frau X., die Gattin eines nicht unbekannten Neu- yorker Rechtsanwalts, hält sich für eine hervorragende Erzieherin. Allerdings dürfte sie selbst so ziemlich die Einzige sein, die dieser Ansicht ist; sogar ihr eigener Mann ist wesentlich anderer Meinung. Man keimt im Freundeskreise des Ehepaares diese ewige Meinungsverschiedenheit, und es gibt Spötter, die das Gespräch mit Vorliebe auf Erziehungsprobleme bringen, um eine Auseinandersetzung zwischen den beiden Ehegatten zu provozieren Meist verlaufen diese Auseinandersetzungen zwar recht liebenswürdig, aber immerhin so, daß die Zuhörer ganz gut auf ihre Kosten kommen. Es gibt schon eine ganze Reihe von Anekdoten, die man sich über das Erziehungsproblem im Hause X. erzählt. Folgende kleine Geschichte soll Herr X. selbst erzählt haben, als seine Frau wieder einmal auf ihr Erziehungstalent pochte. Eines Abends horte er aus dem Kinderzimmer ein wildes Gebrüll, das überhaupt kein Ende nehmen wollte. Schließlich ging er bein_(9e- brüll nach und fand seinen kleinen vierjährigen Sohn ununterbrochen schreiend im Bett lugen. „Warum brüllst du so?" fragte er das Kind. „Damit der Hund kommt", war die Antwort. „Was für» ein Hund denn?" fragte der erstaunte Vater weiter. „Mutti hat gesagt, wenn ich nicht aufhöre zu schreien, dann käme ein großer schwarzer Hund mit ganz roten Augen zu mir — ich schreie schon immerzu, aber der Hund will nicht kommen." Der wilde Mann. sö. — Kopenhagen. Herr Birger H., bisher unbescholtener Kopenhagener Bürger, erklärte eines Tages der Post seiner Vaterstadt den Krieg. Angefangen hat der Fall vor über einem Jahr mit einer kleinen Meinungsverschiedenheit, die er wegen einer Nachnahmesendung mit feinem zuständigen Postamt hatte. Aus diesem bescheidenen Anlaß entwickelte sich ein Prozeß, seinerseits wegen Schadenersatz, auf Seiten der Post wegen Beamtenbeleidigung. Nötigung und Androhung von Gewalttätigkeiten. Das Kriegsbeil war ausgegraben. Es sollte nicht mehr zur Ruhe kommen. Herr H. scheute weder Mühe noch Kosten. Er schickt zum Beispiel sich selbst eine aus den Angeln gehobene Zimmertür als Muster ohne Wert zu (nach den dänischen Postgesetzen ist dies zulässig). Natürlich verweigert er, wenn der keuchende Bote mit der Riesenfracht an seinem Ziel angelangt ist, die Annahme. Diese Tür geht also an den Absender zurück — an Herrn H. selbst. Der macht zum zweiten Mal einen Heidenspektakel und fragt, wie oft er es denn erklären solle, daß er dieses Ding nicht haben will. Und nun kann die Post graue Haare bekommen, was sie mit der herrenlosen Tür (2,10 Meter hoch, 1,20 Meter breit) anfangen soll. Zur heißen Sommerszeit schickte er ein postlagerndes Paket mit frischen Seefischen an das feindliche Amt. Nach zwei Tagen erfüllte ein wenig erfreulicher Geruch das ganze Gebäude. Der Postmeister sah sich gezwungen, das Paket zu öffnen pnd seinen Inhalt zu entfernen. Prompt erschien Herr H. und verlangte Schadenersatz wegen unerlaubter Aneignung fremden Gutes. Da er diesen Schadenersatz nicht erhielt, sann er auf Rache. Seitdem schickt er zahllosen wildfremden Menschen die unerquicklichsten Dinge in geschlossenen Briefen zu, die auf der Rückseite Oie Privatadresse sämtlicher Beamter der fraglichen Poststation tragen. In den Sendungen befinden sich tote Kanarienvögel und lebende Frösche, eng zusammengerollte Stahlstäbe, die beim Deffnen des Briefes auseinanderschnellen — in einem Fall sogar sechs Wanzen in Seidenpapier. Anbei liegen Zettel mit den sinnlosesten Beschimpfungen, mit wüsten Ehrenkränkungen. Unvorsichtigerweise hatte Herr Birger H. die Mehrzahl von ihnen mit der Hand geschrieben, wodurch die Sache ans Tageslicht kam. Denn die Post, bei der es natürlich Beschwerden hagelte, war gleich auf den Verdacht gekommen, daß ihr alter Freund die Hände im Spiel hatte. Nun wird es zu einem neuerlichen Prozeß kommen. Nicht ausgeschlossen, daß eine Reihe der besten dänischen Psychiater dabei ein entscheidendes Wort mitsprechen werden. Vermutlich wird man Herrn H. auf längere Zeit in eine Gummizelle sperren. Ta lächelt Justitia. a. London. Vielleicht hätte sich dieser Vorfall nur in England ereignen fünften. Hier wurde er jedenfalls nicht als Scherz, sondern als ernsthafte Angelegenheit betrachtet, und alle loben die Gerechtigkeit des Richters Williams in B. über alle Maßen. Richter Williams ließ eines Abends fein Auto unerleuchtet auf der Straße stehen. Ein Polizist erstattet Anzeige gegen den unbekannten Besitzer, und da der Fall zu dem Betätigungsfeld des Richters Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben Die Hohe öet zuletzt beichlossenen Dividende an. — Retchsbankdtskont 4 o H Lombardzinsfuß 5 v H. Hrannun a. JJl £ernn Schluß« kurs Schlup!. Abendhöri Schluß» lurS Schluß!. Mittag« bö. se 'Datum 23-3. 24.3 23.3- 24-3- 6% Deunche tftetchMnieibe v. lü2i 86 86 86 85.25 6% ehern.7% Tt. Weicheanl. ü. 1929 98,5 98,5 98,4 98.5 5V2% Donng-Anleibe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablöl.schuld mit öluslos.-Rechten..... 87,13 87.5 87.4 86.75 79,5 79,5 78 75 80.13 Desgl. ohne Auslos.-Rechte .... 13,9 13,8 13 14,45 6% ehern. 8% Heil. Bolksstaat 1929 (rückzahlb 102%) 85,5 84,1- 85,25 Cbetfjcflen Provinz-Anleihe mi Auslol.-Rechten 76 76 Deutsche Komin Sammelab I.An leihe Geriet ml, Ausloj.-Rechten 76 25 76 75,5 77 6% ehern. 8% rttanff. Hnv.-Bant Goldpse 15 unfünobar bie 1935 52,25 92 6% ehern. 7% ftranlf Hnp.-Ban! Goldvse tß unkündbar bi« 1936 62 — y/2% ehern V/2% Frankl Hyp. Bank-Llau. Psonbbriese 1,5 91 5 6Vi% ehern. 4V2% Rheinische Hyp.-Bank-Liau.-Gotbpse. 1,75 91,5 — 6% ehern. 8% Pr VanoeSpfanb briefanftalt, Pfandbriefe R 19 91,5 91,5 91.5 91.5 6% ehern 7% Pr Landespsand briefanftalt, Pfandbriefe R tf- 91,5 91,5 4% Oefterretchllthe ffiolBrente 1'2,75 13,25 - — 4,20% Lesterreichllche Gilbenente 4% Ungarische Goldrente — 1,25 .35 — — — — 4% Uiiflartiche Gtaatorente v. 1910 — — — — 4yz% vesgl von 1913 — — * 6% abfleft. Goldmexltaner von 99 6,25 6,4 —- 6,4 4% lürfikhe Zollanleihe von 1911 -.35 5 3 5,4 5,35 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Gerte 1 ......... — 5,9 6,05 5,9 4% vesgl. Gerte II ........... 6 5,9 6,13 6 6% Rumän. vereint). Rente v. 1903 7 7,4 7,45 7,75 4y, "/oRuman.veretnh.Rentev. 1913 — — 10,65 11 4% Rumänische vereint). Rente • 6,15 6,25 6,2 6,25 8%% Anatolier............... 25,25 25,5 25,5 : 25,3 .vianbur. u. mi. tierun Schlußkurs Ech-ußl. Abend- börfe Schlußkurs Schlußk Mittag- hörte Datum 23-3. 94.3- 23-3 24.3- Hamvurg-Amenta-Paket ..... Hamburg-Südam. Dampfschiff - 23,4 22,25 22,9 22,75 0 — — 45,75 45 Hansa Tamvsschlsf ... ....... 0 — — 36,5 38 Norddeutscher Lloyd ......... 0 '4^41 23,65 24 23,75 A G. für BetkehrLwesen Akt. .. 0 56 56,5 '4,9 56.75 Berliner Handelsgesellschaft.1.. 4 98,5 99,25 — 98,5 Commerz- und Prtoat-Bank... Deutsche Bank und Dlscont» 0 53.5 3-5 3 75 53,75 Gesellschaft................ 0 70,5 70 70,25 70 Dresdner Bank.............. 0 61,75 61,75 61,75 61,75 Reichsbank ................. 1 153.75 151 152/ 151,4 A.E.G..................... 0 38 35 37,25 35,13 Gleftr. Liefeningsgefestschaft .. 6 88 90,5 89 89 Licht und Kraft ... 6 106 104,5 105 105.5 zelten L Guilleaume . ... GeielUchaft für Elektrische Unter- 0 64,5 6h 69,5 65,9 nehmungen ........ 4 96 95 95/ 95,5 Rheinische Elektrizität ........ 5 101 101 101 — Gchudert & ISo ........... v iOC,65 98,5 100,25 100 Siemens & Halske ........... f 155 154 155 155 Cahmeuer &tto.............. 10 135 137,75 135 135 Buderus ................... 0 62 61,5 60 61,5 Deutsche Erdöl ............. 4 104 104 103,75 103,9 Gelsenkirchener ............. v 70,5 69 64,65 69 75 Harvener ............... ( 95 95,5 94,25 94,75 Hoeich Eilen—Köln-Reuellen.. 0 —- — 70,25 71,13 Ilse Bergbau .......... 167 — Iise Bergbau Genüsse........ 1 116 119 H6.5 115 Älötfnerröerie ........ ( >4,5 65,5 63,4 64,25 Mannesmann-Röhren........ ( 76 75 74.4 75.9 Mansselder Bergbau......... 0 29,75 29,5 30 Cbcrfchlet. Kokswerke......... c — 91,5 82,5 Phönir Bergbau............ 0 47 47 16,5 47,5 Rheinische Braunkohlen ...... 10 206 206,5 205 207 Rheinstahl.................. 0 87,5 86,5 86,5 87 Srattffurt a.M Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- böri- Sch uß» turS Schluß!. Mi lag» hör e Datum 23-3 24-3- 23-3. 24.3. Bereinigte Stahlwerke........ u 47.25 46 46 46,65 Ltavi Minen ............... 0 18 18,75 17,9 18 Kaliwerke Aschersleben........ 6 — 139,75 138 138,5 Kaliwerke Westeregeln....... 6 135 140 138 140 Kaliwerke Salzdetfurth...... 6 205,5 204 204,25 205 3 G. Iarben-Jndustrie...... 7 133 130,9 132,75 132,25 GcheiCeanftalt.............. 10 173 171 — — Goldschmidt .............. 0 55 — 55,75 58,25 Rütgerswerke .............. 0 .4,5 54.5 53,4 55,4 Metallgesellschaft............ c 41 40,5 40.75 41 Phlllvv Holzmann.......... 0 58 - 58 59 Zementwerk Heidelberg ..... 4 72 73 — —— Zementwerk Karlstadt........ O — — — Watch & Drehtag .......... O >,25 6,3 — — Schultheis Payenhofer....... O — _ 116,5 116,5 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O 37.5 39 37 39,5 Bemberg ....... 0 48.5 50 48 50.75 Rellftofl Waldhof ......... 0 .8,25 7,25 ■>7,5 57.75 Zellstoff Afchaffenburg ...... 0 28 28 29 Dessauer Gas ........... 7 — — H7,75 118,5 Daimler Motoren........... C 8,75 27,75 28,75 28,75 Deutsche Linoleum ........ C 44,75 43,13 45 Crenftein & fioppel ----- C — 1,13 52,5 Leonhard Tietz........... 6 32,5 33 32,25 33,75 Sbabe.................... .12 129 127,5 128.5 128 Griyner................... O 1 ö7 I 36,25 36,9 ! _________________ Malnktasiwerke Höchst a.Vi. .. 4 77,5 : 77,1 - — Süddeutscher Zucker ........ 8 1 162 1 162 1 160 161 Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a 2H. 23- März 24-März ■ Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld | Brie Geld Brie Helsingtor^.. 6,354 6,366 6,344 6,356 Wien...... 48.45 48,55 48,45 48,55 Prag....... —- — — — Budapest ... «— -- — —— Sofia ..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland .... 169,08 169,42 169,03 169,37 csio ...... 73,58 73,72 73,63 73,77 Kopenhagen. 64,04 64,16 64,09 64.21 Stockholm... 76,07 76,23 76,02 76,18 London ..... 14,37 14,41 14,38 14.42 Buenos Aires ,318 0,822 0,818 0,822 Neunori .... 4,193 4,201 4,186 4.194 Brüssel .... 58,49 58,61 58,44 58.56 Italien.... 21,57 21,61 21 55 21.59 Paris ..... 16,47 16,51 16,465 16,505 Schweiz ... 80,92 81,08 80,87 81,03 Spanien... 35,26 35,34 35,26 35,34 Danzig ... 82,02 82,18 82,02 82,18 Japan .... ,89 > 0,901 0,899 0,901 Rio oe Ian. 0,239 0,241 5,355 0,239 0,241 Jugoslawien 5,345 5,2:5 5,305 Lissabon.. 13,09 >3,11 13,09 13,11 Banknoten. Berlin, 24-Mürz 1 (rielb Brie- Amerikanische Noten...... 4,17 4,19 Belgische Noten ........ 58.28 58,52 Dänische Noten ......... 63,72 63, 8 Englische Noten ......... 14,34 14,40 Iranzöstsche Noten....... 16/25 16,485 Holländische Noten....... -68.66 69.34 Italienische Noten........ 21.53 21.61 Norwegische Noten ...... .... 73,45 73,75 Deutsch Oesterreich, b 1OO Schilling — —— Rumänische Noten ....... 2,46 2,48 Schwedische Noten....... 75,85 76,15 Schweizer Noten......... 80,69 81,01 Spanische Noten......... 35,13 35,27 Ungarische Roten ........ —