Nr. 275 Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 23. November 1935 Erschein! I üg Md), außer fconntaqs und (Veiertag» Beilagen. Die DDuftrtertt (Bießener Jamihenblättei tzeimaiimBild DieScholl» Monarr Bezugspreis: MU 4 'Beilagen NM 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Iustellgediihk . --25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höhere, Gewalt fiernfpren (Bienen Das Ende der Einkreisung. Von Otto Corbach In der französischen Kammer hat Ministerpräsident Sarraut versichert, daß die Diplomatie seines Landes das Wort „Einkreisung" nicht kenne und daß ihr nichts ferner liege, als dem neuen Deutschland gegenüber mit einer entsprechenden Politik etwas zu tun haben zu wollen. In Wirklichkeit hatte das Versailler Diktat keinen andern Zweck als die Einkreisung Deutschlands, die den Weltkrieg heraufbeschwor, in einem Gefrierzustande zu erhalten, und für die Pariser Außenpolitik gab es seitdem keine wichtigere Aufgabe, als den weltpolitischen Kräften entgegenzuwirken, die nach und nach die Eispackung auftauten, die die deutsche Niederlage verewigen sollte. Wenn man heute am Quai d'Orsay jegliche neuerliche Absicht, Deutschland einkreifen zu wollen, leugnet, so erinnert das an die Fabel vom Fuchs und den sauren Trauben. Es hat nur eine alte, seit der Vorkriegszeit ununterbrochen fortbestehende Einkreisung ihr Ende gefunden Die Voraussetzungen entsprachen einer einmaligen nachhaltigen weltpolitischen Konstellation, deren Ueberwindung nach der Abkehr des neuen Deutschland vom Völkerbunde und der Abrüstungskonferenz dadurch für alle Welt deutlich zum Ausdruck kam, daß die internationalen Rückwirkungen für die deutsche Freiheit eher aünstig als ungünstig ausfielen. Auch Orkane deutschfeindlicher Propaganda konnten an dem Wandel der Verhältnisse seit 1914 nichts mehr ändern. Damals konnten in allen Erdteilen Kräfte gegen Deutschland in Bewegung gesetzt werden; heute sind in allen Erdteilen Vorgänge im Zuge, die solche Kräfte binden und zugleich immer mehr europäische Kräfte für weltpolitische Zwecke in Anspruch nehmen. Nach dem russisch-japanischen Kriege jubilierte die Pariser Presse über eine „Rückkehr Rußlands nach Europ a". In den maßgebenden russischen Kreisen empfand man keinerlei Bedürfnis, sich an Japan für die empfangenen Schläge zu rächen; man wollte sich durch Erfolge in der europäischen Politik dafür schadlos halten. „Wie das ritterliche Japan Rußland im Osten besiegt hat", schrieb das Organ des zaristischen Kriegsministeriums, der „Russkij Invalid", „so wird Rußland alle seine Gegner Im Westen Überwinden." England wurde es dadurch leicht gemacht, sich in das russisch-französische Bündnis durch eine Entente mit Rußland einzuschalten und es in den Dienst der Einkreisungs-Diplomatie König Eduards zu stellen. England hatte im zweiten Bündnisverträge mit Japan dieses für den Schutz seiner asiatischen Besitzungen und Interessen verpflichtet, und konnte daraufhin seine Seestreitkräfte vorwiegend zur „Wacht in der Nordsee" zusammenziehen. Da Japan im Frieden von Portsmouth dank der russenfreundlichen Haltung der angelsächsischen Mächte keine Kriegsentschädigung durchzusetzen vermochte, blieb es in so starker finanzieller Abhängigkeit von England, daß es sich auf dessen Geheiß zu einer Abänderung des zweiten Bündnisvertrages in dem Sinne bereit erklären mußte, daß er sich nicht gegen eine Macht, mit der England einen Schiedsvertrag abgeschlossen habe, d. h. gegen Amerika richten dürfe. Dieser Liebesdienst sicherte England die „wohlwollende Neutralität' A m e r i f a‘s für den Fall europäischer Verwicklungen. Unter so günstigen weltpolitischen Umständen konnte- man in London in Seelenruhe abwarten, bis durch irgendwelchen Zufall ein Funke in den auf dem Kontinent aufgehäuften Zundstost fliegen und irgendwelche Verfehlung, die Deutschland in der Notwehr gegen das Völkerrecht begeben mochte, das seebeherrschende Albion als traditionellen Beschützer internationaler „Gerechtigkeit" auf den Plan rufen würde. Jene für die feindlichen Nachbarn Deutschlands günstigen weltpolitischen Umstände haben sich heute fast in das Gegenteil verkehrt. Rußland muß sich aus Europa zurückziehen und nach Asien „zurückkehren", wo Japan sich in den Besitz aller strategischen Stellungen setzt, die es braucht, um im gegebenen Augenblick die Sowjetmacht vom Stillen Ozean abschneiden zu können. Zugleich fühlt sich Japan zur See stark genug, um abwechselnd jede der angelsächsischen Mächte herauszufordern. Es ist richtig, daß Amerika und Eng land allen Grund hatten, gerade im Hinblick au die Lage im Fernen Osten Frankreich bei guter Laune zu erhalten, und burdjaus begreiflich, daß die französische Forderung nach einer einseitig gegen Deutschland gerichteten Rüstungskontrolle von England wie van Amerika zunächst unterstützt wurde. Indem das neue Deutschland aber daraufhin dem Völkerbund und der Abrüstungskonferenz entschlossen den Rücken kehrte, brachte es die ancr sächsischen Machte in die Zwangslage, gegenüber der öffentlichen Meinung ihrer Länder Farbe zu bekennen, ob sie der französischen Freundschaft zuliebe im Ernstfälle neue Verantwortlichkeiten für den Lauf fon> tin"ntaleuropäischer Ereignisse Übernehmen wollten, und da zeigte es sich, daß trotz aller deutsch-feind- lirfrn Stimmungen bei den englisch lp^^en Völkern eine unüberwindliche .Abneigung gegen jegliche abermalige Verwicklung in kontinentaleuropäische Händel zum Durdfbruch g l°Gewiß 'braucht England Frankreichs wohlwollende Neutralität, um seine überseeischen Interessen nachdrücklich gegen japanischen Uebermut wahrnehmen zu können, und Amerika ist nach wie vor begierig, die Verantwortung für die Verteidigung der ..Zivilisation" d. h. angelsächsischer Weltherrschaft gegen die gelbe Gefahr mit den Vettern an der andern S»ite des Atlantik teilen zu können. Man kannte sich deshalb vorstellen, daß im Busen angelsächsischer Staatsmänner die pazifistische Tugend einen Auf welcher Plattform können Deutschland und Frankreich sich verständigen? Es gibt keinen (Streitfall in Europa, der einen Krieg rechtfertigen könnte.—Welche zusätzliche Sicherheit wünscht Frankreich?—Keine Rückkehr nach Genf, aber Verhandlungen mit jedem, der mit Deutschland sprechen will. Em Kanzler-Interview. Der Führer wiederholt seine Bereitschaft zu einer friedlichen Verständigung mit rankrcich. Paris, 22. Noo. (WTB.) „Matin" veröffentlicht den Inhalt einer Unterredung, die der Außenpolitiker des französischen Wirtschaftsblattes „L'Jn- ormation" d e Brinon mit Reichskanzler Adolf Hitler gehabt hat. Brinon hebt die zwanglose herzliche Aufnahme durch den Reichskanzler hervor, der im Gegensatz zu anderen Staatsmännern jedes Zeremoniell und jedes Jnfzenesetzen vermeide, dessen inneres Feuer aber belebend zum Ausdruck komme. Der Reichskanzler habe erklärt, daß feine Einstellung stets die gleiche fei. Er wünsche d i e Aussprache und Verständigung, weil er darin d i e Garantie für den Frieden erblicke. Er wolle, daß dieser wahrhafte Friede zwischen loyalen Gegnern geschlossen werde. Er habe dies wiederholt erklärt, aber man habe ihm immer nur mit mißtrauischen Worten geantwortet. Sein Wille habe sich jedod; nicht gewandelt. „Ich glaube" — so erklärte der Reichskanzler —, „daß das Ergebnis der Volksab ft i m m u n g meinem Wunsch neue Sraf t gibt. Wenn früher Strefemann ober Brüning verhandelten, fo konnten sie sich nicht darauf berufen, daß das deutsche Volk hinter ihnen stehe. Ich aber h a b e ganz Deutschland! Ich habe dem Volke nicht verheimlicht, was ich wollte. Das Volk hat meine Politik gebilligt." Das Gespräch fei dann auf das deutsch-französische Problem übergegangen. Adolf Hitler, fo schreibt de Brinon, glaube an die Notwendigkeit einer deutsch-französischen Verständigung. , , v Ich habe die Ueberzeugung. so habe der Reichskanzler erklärt, daß, wenn die Frage des Saargebietes, das deutsches Land ist, einmal geregelt ist, nichts Deutschland und Frankreich in Gegensatz zu einander bringen kann. Elsaß-Loth ringen ist feine Streitfrage. Aber wie lange noch wird man wiederholen müssen, daß wir weder absorbieren wollen, was nicht zu uns gehört, noch daß wir uns von irgend jemand lieben taffen wollen, der uns nicht liebt! In Europa besteht nicht ein einziger Streitfall, der einen K r i e g r e ch t s e r t i g t. Alles läßt sich zwischen den Regierungen der Völker regeln, wenn sie das Gefühl ihrer Ehre und ihrer Verantwortlichkeit besitzen. Es gibt ein von vaterländischem Geist beseeltes Polen und ein nicht weniger an seinen Traditionen hängendes Deutschland. Zwischen ihnen bestehen Differenzen und Reibungspunkte, die auf einen schlechten Vertrag zurückgehen aber nichts, was wert wäre, kostbares Blut zu vergießen; denn es sind immer die besten, die auf'den Schlachtfeldern fallen. Deshalb ist zwischen Deutschland und Polen ein gutnachbarliches Abkommen möglich. Man beleidigt mich, wenn man weiterhin erklärt, daß Id) den Krieg will. Sollte ich wahnwitzig fein? Den Stieg? Et würde keine Regelung bringen, sondern nur die Weltlage v e r f ch l i m m e r n. Er würde das Ende unserer Rassen bedeuten, die Eliten sind, und in der Folge der Zeiten würde man sehen wie Asien sich aus unserem Kontinent festsetzt und d e r V o 1 s ch e w i s m u s triumphiert. Wie sollte ich einen Krieg wünschen, während doch d i e F o l g e n d e s l e h t e n Kriegesnoch auf uns la st en, und sich noch 30 oder 40 Jahre lang fühlbar machen werden? Ich denke nicht für die Gegenwart, sondern ich denke an die Zukunft. Ich habe vor mir eine lange innerpolitische Arbeit. Ich habe dem Volke den Begriff seiner Ehre wiedergegeben. Ich will ihm auch die Lebensfreude wieder schenken. Wir bekämpfen das Elend. Schon haben wir die Arbeitslosigkeit zurückgedrängt. Aber ich will Besseres leisten! Ich werde noch Jahre brauchen, um dahin zu gelangen. Glauben Sie, daß ich meine Arbeit durch einen neuen Krieg zunichte machen will? Der Berichterstatter wies in diesem Zusammenhang auf die äußere Aufmachung hin, die man inDeutschland findet: Die Freude an der Verherrlichung der Kraft. Der Reichskanzler habe darauf erwidert, daß Deutschland fähigseinmüsse, sich zu verteidigen. Sein Programm taffe sich folgendermaßen präzisieren: Keinen Deutschen für einen neuen Krieg; aber für die Verteidigung feines Vaterlandes das gesamte Volk. Wenn die Jugend in Deutschland in Reih' und Glied marschiere, wenn sie die gleiche Kleidung trage, so deshalb, weil sie die neue Ordnung und ihre Garantie verkörpere. Das Gespräch wandte sich sodann den Mitteln zu, durch die das deutsch-französische Problem bereinigt werden könnte. Der Reichskanzler führte nach der Schilderung de Brinons aus: Wie kann die Verständigung zwischen gleichberech- tigten Nachbarländern verwirklicht werden? Mein Vaterland ist nicht eine zweitrangige Nation, sondern eine große Nation, der man eine unerträgliche Behandlung aufgezwungen hat. Wenn Frankreich feine Sicherheit darauf aufzubauen gedenke, daß es Deutschland unmöglich sei, sich zu verteidigen, dann ist nichts zu machen; denn die Zeiten, in denen das möglich war, sind zu Ende. Deutschland zu jedem Verteidigungsbündnis bereit. Wenn Frankreich aber- seine Sicherheit i n einem Abkommen finden will, bin ich bereit, alles anzuhären, alles zu begreifen, alles zu unternehmen. Man weih ziemlich genau, worin die von Deutschland geforderte Gleichheit besieht. Moralisch handelt es sich um ein absolut gleiches Recht. Die praktische Durchführung kann etappenweise erfolgen, und man kann über die Einzelheiten verhandeln. Aber man sagt mir: (Bereif}, Gleichheit, jedoch keine Gleichheit ohne Gegenleistung. Welche Gegenleistung? Man müßte enölich den Inhalt des französischen Wortes Sicherheit kennen!" Auf den Hinweis de Brinons, in Frankreich möchte man auch die Gewißheit haben, daß nach endgültiger Regelung der Differenzen nicht neue Schwierigkeiten auftauchen, erwiderte der Kanzler: „Ich allein entscheide über die Politik Deutschlands, und wenn ich mein Wort gebe, dann bin ich gewohnt,-es z u halten. Was ist also noch notwendig? Ich habe keinen Thron geerbt, ich habe aber eine Lehre aufrechterhalten. Ich bin ein Mensch, der handelt, und der feine Verantwortung übernimmt. I ch bürge mit meiner Person für das Volk, das ich führe, und das mir die Kraft gibt. Aber sprechen wir von der französischen Sicherheit! Wenn man mir sagen würde, was ich für sie tun kann, würde ich es gern tun, wenn es sich nicht um eine llnehre oder um eine Drohung für mein Land handelte. Ein englischer Journalist hat geschrieben, daß man zur Beruhigung Europas eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich herbeiführen und Frankreich die ; u f ä h l i ch e 5 i - cherheiteinesverteidigungsbünd- nisfes mit England geben müsse. Wenn es sich um ein derartiges Bündnis handelt, will ich es gern unterschreiben; denn ich habe keineswegs die Absicht, meinen Nachbarn anzugreifen. Polen sieht das jetzt ein. aber weil Polen östlicher liegt als Frankreich, kennt es uns besser!" Auf die Frage, ob Deutschland nach Genf zu» rückkehren werde, habe der Reichskanzler, wie de Brinon berichtet, geantwortet: „Als ich Genf verließ, habe ich eine notwendige Handlung vollzogen, und ich glaube, zur Klärung der Lage beigetragen zu haben. W i r werden nicht nach Genf zurückkehren. Der Völkerbund ist ein internationales Parlament, in dem die Mächtegruppen t m Gegensatz zueinander stehen. Die Mißverständnisse sind dort verschärft worden, anstatt gelöst zu werden. Ich bin ft e t s bereit, und ich habe das bewiesen, Verhandlungen mit einer Regierung aufzunehmen, die mit mir sprechen will." De Brinon zog aus seiner Unterredung mit dem Reichskanzler den Schluß, daß das Urteil des englischen Journalisten Ward Price zutrifft, der auf Grund einer Unterredung mit dem Reichskanzler von dessen Aufrichtigkeit überzeugt wurde. Oos Pariser Echo. Paris, 22. Nov (AU.) Die Unterredung des Führers mit de Brinon hat hier ein starkes Echo gefunden. Die Tatsache, daß der Führer zum ersten Male einen französischen Pressevertreter empfangen hat, wird besonders unterstrichen. Allerdings hindert das gewisse chauvinistische Blätter nicht, ihre bekannten Verdächtigungen zu wiederholen. „V o l o n t ö" beglückwünscht de Brinon und den „Matin", daß sie den Mut aufgebracht haben, die kategorischen, präzisen, klaren Ausführungen des Reichskanzlers zugunsten des Friedens und der Annäherung beider Länder, die bisher von dem größten Teil der französischen Presse e n t ft e (11 worden seien, den Franzosen näherzubringen. So werde ein Gegengewicht geschaffen, gegen die völ- i lig unerklärliche Initiative des „Petit Parisien", der Dokumente veröffentlicht, deren Echtheit nicht bewiesen worden sei und nicht bewiesen werden könne und die nur eines bezwecken, d i e einzige Lösungzu verzögern, wenn nicht zu verhin- fdimeren Kampf gegen die Versuchung zu bestehen hätte, kontinental europäische Verwicklungen entfachen zu helfen, damit Frankreid) alle Hande voll zu tun bekäme. Doch selbst solche mc.ch'avellistische Neigungen würden nicht nur jebe Absicht, sich an tontinentaleuropäifdjen Abenteuern aktiv zu beteiligen, aiisschließen, sondern sogar bedingen, bi e Wiberstänbe gegen bie militärische Vorherrschaft Frankreichs auf bem europäischen Festlanbe zu steigern. Jebenfalls hat Roosevelt bereits offen zugegeben, daß in ben nächsten fünfzig Jahren kein Amerikaner bazu gebracht werben könnte, nneber auf einem europäischen Kriegsschauplätze zu kämpfen. Aus maßgebenben kanadischen unb südafrikanischen Kreisen ist ben ßonboner Machthabern deutlich zu verstehen gegeben worden, daß die Dominions eher aus dem Verbände des britischen Weltreiches ausscheiden als sich noch einmal dazu mißbrauchen lassen würden, Frankreichs Kastanien aus dem Feuer holen zu helfen. Gewiß würde das kontinentaleuropaische Bündnissystem Frankreichs allein genügen, das neue Deut chland unter fortgesetzt steigenden Druck zu setzen, aber Polen und bie Staaten b er Kleinen Entente haben aus bitteren (Erfahrungen gelernt, daß sie sich an ihrer finanziellen Abhängigkeit von Paris zu verbluten brohen, wenn ihnen nicht fceunbschastliche Beziehungen zu ihren Nachbarn, vor allem zu Deutschlanb unb Italien, neue Möglichkeiten, Zinsen unb Amortisationen zu zahlen, erschließen, um so mehr, ba Frankreich für sie als Käufer eine immer geringere Rolle spielt. Trotz ber gönnerhaften Zustimmung, bie der Pariser „Temps" Polen wegen seiner eigenmächtigen Verstänbigung mit Deutschlanb über eine gegenseitige Erklärung für ben Grunbfatz ber „Nicht- Gewaltanwenbung" spendete, beweist dieser Vorgang, wie wenig verläßliche Werkzeuge für eine deutschfeindliche Politik Frankreichs dessen östliche Vasallen heute bedeuten. Daran kann aud) die französisch-russische Annäherung wenig ändern; denn die nunmehr vollzogene Anerkennung der Sowjets durch die Vereinigten Staaten verpflichtet den Kreml, nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch zur Entlastung der amerikanischen Seemacht entschiedener als bisher Japan die Stirn zu bieten. Freilich nutzt Deutschland wie irgendeinem Lande eine günstige weltpolitische Konstellation auf lange Sicht nur insoweit, wie es sich ihrer würdig zu erweisen versteht. Der Weltkrieg hätte das deutsche Volk nicht in einer so verhängnisvollen internationalen Lage überraschen können, wenn seine nach- bismarckschen Staatsmänner jederzeit gewußt hätten, was sie wollen konnten, unb entschlossen gewesen wären, bie sich ihnen bietenben Möglichkeiten wahrzunehmen. Es genügt in ber internationalen Politik nicht, den Anspruch auf volle Gleichberechtigung zu erheben, man muß auch wissen wozu. Eine gewisse Mahnung sowohl zur Wachsamkeit wie zur Entfaltung weltpolitischer Talente ist in der Ankündigung des Präsidenten Roosevelt enthalten, die amerikanischen Seestreitkräfte im Frühjahr wieder gleichmäßig auf den Stillen ’inb Atlantischen Ozean zu verteilen. Das beweist, daß die Washingtoner Regierung zum mihbeften oor- übergehenb bie ihr, burch Rußlanb im Fernen Osten gewährleistete Entlastung zu einer stärkeren Willensentfaltung gegenüber Europa auszunützen gebenft. Es ist eine ber wichtigsten Aufgaben ber Diplomatie bes neuen Deutfchlanbs, bafür zu sorgen, baß biesem barous eher Vorteil als Nachteil erwächst unb baß sich roeber in Conbon noch in Washington bie Auffassung entwickeln kann, als hätte bas Angelsachsentum im ganzen mehr von einer Nachgieoigkeit gegenüber Deutschlanb, als gegenüber Japan zu riskieren. Es kommt eben gerabe in ber Politik im Sinne Nietzsches nicht auf bas „frei wovon", fonbern auf das „frei wozu" an. v-rn, r? - ? tn,vi;::ge deutfch-französifche Annähe- run<; |, vr. fön „D.uuri' schreib!, wenn Hitler ausführe, daß 3t? roj em. Konferenz nichts geregelt werde und die $31 klage nur o'rfchl-chtert werden könnte, müsse jeder diese uffenfunbige Wahrheit unterschreiben. Wenn man nun beiderseits den Frieden wolle, sei es dann unzulässig, sonderbar und unanständig, daß man sich offen unter vier Augen sage, wie man sich die Verwirklichung und die Erhaltung des Friedens denke? „3ourn£e Industrielle" schreibt, der Appell Hit- lers zu einer direkten deutsch-französischen Aus» spräche werde präziser und die französische Negierung werde binnen kurzem eine Entscheidung zu treffen haben, die von großen Folgen sein könne. Der „Amt du P e u p l e" begrüßt den Gedanken einer deutsch-französischen Aussprache, verurteilt die Chloroformierung der öffentlichen Meinung durch angebliche Enthüllungen, wie die des „Petit Pari» fien", ist ober der Ansicht, daß eine fruchtbringende direkte Aussprache erst möglich sein werde, wenn in Frankreich mit dem jetzigen So st em aufgeräumt und hier ein Mann auftrete, der in würdiger Weise mit Hitler verhandeln könne. — Die „Liberte ist der Ansicht, daß der Führer in erster Linie versuche, in Frankreich für die von ihm gewünschten Verhandlungen Stimmung zu machen. andernfalls hätte er die Erklärungen unmittelbar dem französischen Botschafter in Berlin abgeben können. „Paris midi" stellt gewisie Ausführungen des Kanzlers der letzten Rede des üorfigenben des Finanzausschusses des Senats, Eaillaur. gegenüber. Tie Gedankengönge der beiden Männer, so schreibt das Blatt, träfen sich in der Feststellung, daß ein neuer Krieg den Untergang der europäischenZivilisation bedeuten würde. Es gebe, nachdem der Führer die Türe für (Bem endgültig geschlossen habe nur zwei Lösungen, ent- weder Deutschland zur Achtung vor den Verträgen unter Anrufung des Artikels 213 des Versailler Vertrages zurückzuführen, oder die von Hitler gewünsch- ten direkten Besprechungen anzubahnen. Ein großer Teil der übrigen Pariser Presse, und darunter vor allem „Echo de Paris", „Figaros „Populaire" nimmt das Interview lediglich zum Anlaß, um erneut gegen eine deutsch-französische ißerjtänbiguna zu hetzen. In ihrer Hilflosigkeit gegenüber den klaren Ausführungen des Kanzlers, an denen ihre sonst so erfolgreiche Umbeutungsfunft scheitert, klammern diese Blätter sich an die vom „Petit Parisien" veröffentlichten kümmerlichen Dokumente. Keines der 3um Ueberdruß wiederholten Argumente scheint ihnen zu fadenscheinig ober zu überholt, um nicht dazu zu dienen, die aufrichtige deutsche Friedenskundgebung als Täuschungsmanöver, Machtstreben usw. hinzustellen. Oie Abrüstungskonferenz vertagt sich bis Ende Januar. (Line ftompromifhormd Hendersons vermeidet den offenen Zw.st. Genf, 22. Jloo. (III.) Das Präsidium der Abrüstungskonferenz hol am Mittwoch beschlossen, den h a u p i a u s s ch u ß der Konferenz, der zum 4. Dezember einberufen war, bis Ende Januar 1 9 3 4 1 u vertagen. In der Zwischenzeit sollen diplomalischeverhandlungen zur Ueber- rolnbung der grundsätzlichen. Gegensätze stattfinden. In welcher Richtung und auf welcher Grundlage diese Verhandlungen verlaufen sollen und von welcher Seite die Initiative dazu ergriffen werde, wird in der Entschließung nicht gesagt. e In der Sitzung des Präsidiums, die hinter verschlossenen Türen stattfand, wurde der Vertagungs- deschluß in derForm eines Berichtes des Präsidenten Henderson vorgelegt. Henderson weist darin auf die letzten diplomatischen Besprechungen mit den Vertretern Frankreich, Italiens, Englands und der Vereinigten Staaten sowie dem Generalberichterstatter der Konferenz hin, in denen die gegenwärtigen Schwierigkeiten und Gefahren eingehend erörtert worden seien. Es sei anerkannt worden, daß die gegenwärtigen Gegensätze in den verschiedenen bedeutungs- vollen politischen Fragen zu tiefgehend seien, als daß irgendwelche Hoffnungen auf einen erfolgreichen Ausgavg einer Aussprache im Hauolausschuß beständen Daher habe sich die Not- Wendigkeit der Vertagung des Hauptausschusses zwangsläufig ergeben. Es sei vorgeschlagen worden, oaß gleichzeitig mit den Arbeiten der Abrüstungs- konseren., parallellaufende ergänzende Verhandlungen zwischen den einzelnen Staaten auf diplomatischem Wege ftattfinben. Es sei ebenfalls angeregt worden, daß die Regierungen den Prä- (identen über ihre Anstrengungen auf dem laufenden halten und ihm für die endgültigen Ergeb- nifse Bericht er statten sollten, daß er nach Beratung mit dem Vizepräsidenten, dem Berichter- itatter, dem Generalsekretär des Völkerbundes und 'em Präsidenten der technischen Komitees entichei- den könne, in welchem Maße die Arbeiten der Ausschüsse inzwischen weiter fortgesetzt werden sollen. Diese Kompromißformel Hendersons wurde zur allgemeinen Ueberraschung stillschweigend vom Prä- fibium ohne jebe weitere Erklärungen angenommen. Rach kaum zehn Minuten war die Sitzung bereits zu Ende. Weder Paul - Boncour noch die Vertreter Englands ober Italiens gaben irgenb welche Erklärungen ab. Die noch am Dienstag verbreitete Meinung, daß Panl-Boncvur eine grundsätzliche Erklärung abgeben würde, war lediglich eine Drohung. Man erklärt, das auffallende Stillschweigen der Vertreter der Großmächte sei darauf zurückzufüh- ren, daß eine Auslegung der Kompromißformel durch Paul-Boncour unvermeidlich zur völlig entgegengesetzten Auslegung der Vertreter Englands und Italiens geführt hätte. • Henderson und Simon haben mit ihren Bemühungen um die Wiederbelebung der Genfer Konferenz keinen Erfolg gehabt. So erwünscht es der englischen Politik gewesen märe, die gesamten Abrüstungsverhandlungen wieder auf das Genfer Gleis zu schieben, und dadurch einer unmittelbaren Verantwortung aus dem Wege zu gehen, so wenig konnte sich der englische Vertreter in Gens der lat- siiche verschließen, daß in Abwesenheit Deutschlands und gegen den Willen Italiens nicht mit Nutzen weiterverhandelt werden konnte. Der Weggang Deutsch- lands aus Genf brauchte an sich die Konferenz nicht lahmzulegen: wenn es den anderen Mächten mit der Abrüstung e r n ft war, konnten sie sich über die von ihnen zu ergreifenden Maßnahmen verständigen. Es war aber vorauszusehen, daß die größte Militärmacht des Kontinents, Frankreich, unter diesen Umständen sich minbefteng ebenso in Gens verhalten würde wie bisher. In der italienischen Presse wurde in den letzten Tagen mit Recht festgestellt, daß die Genfer Methode die vorhandenen Gegensätze nicht mildere, ondern im Gegenteil verschärfe. Diese Aus- assung, zu der sich Italien nach einigen Wochen I >er Zurückhaltung nun auch bekennt, hat in Genf chlietzlich den Ausschlag gegeben. Es ist eine bezeichnende Ironie der Entwicklung, daß in diesem Endstadium der Abrüstungskonferenz nur noch Frankreich als das am w e n i g ft e n abrüstungwillige Land sich Erfolg von der Fortsetzung der Genfer Arbeiten versprochen hat. Aber her fron- zöfische Widerstand hat wohl im ganzen Verlauf der Konferenz ein positives Ergebnis, nicht aber bas unrühmliche Ende verhindern können. Der gestrige Beschluß des Büros bedeutet tatsächlich die Vertagung sine die, die die Mächte nach den Tagen des Austritts Deutschlands noch einmütig abgelehnt hatten. Der Zusammenbruch der Abrüstungskonferenz, das hat sich durch die Vorgänge der letzten Wochen klar erwiesen, ist ausschließlich auf die Gegensätze der hochgerüsteten Mächte untereinander zurückzuführen. Der Abrüstungsgebanke an sich ist damit aber selbstverständlich nicht erledigt, nur die Methode seiner Verwirklichung ist geändert und der Kreis der Verhandelnden verkleinert worden. Die diskrete Arbeit der Diploma- ten hat sich gegenüber dem Genfer System der öffentlichen Massenversammlungen als der zweckmäßigere Weg zu einem positiven Ergebnis erwiesen. Das Interview des Reichskanzlers im „Motin" ist ein neuer Beweis für das starke Interesse und den ernsten Erfolgswillen Deutschlands. Die üblichen Mißdeutungs- und Abschwächungsoersuche, die ein Teil der französischen Presse auch jetzt nicht unterlassen kann, überheben die verantwortlichen Kreise in Frankreich wie in England nicht der Pficht, ihrerseits in dem gleichen Geiste des Friedens und der Gerechtigkeit für die Verständigung zu arbeiten. Oie Berlegenheitslöiung. London, 23. Nov. (WTB. Funkspruch.) Zur Abrüstungsfrage sagt „Preß Association", es werde ein Gedankenaustausch durch die Botschafter und durch Noten erwartet, aber es sci auch möglich, daß die britische Regierung einen Vertreter mit der Sondermission betrauen werde, die Hauptbesprechung der interessierten Mächte einschließlich Deutschland zu besuchen. „Times" schreibt, es werde täglich deutlicher, daß kein wesentlicher Fortschritt in der Abrüstungssrage möglich sei, bevor die Fragen der Vertrags- r e d i f l 0 n furchtlos so ober so geregelt wären. Solange Deutschlanbs Wünsche nur mit einem Nein beantwortet würden, könne keine Entspannung in Europa erwartet werden. Die britische Regierung habe wiederholt ihre Unvoreingenommenheit in der Frage des Ersatzes des Diktatfriedens durch einen Verhand - lungsfrieden gezeigt und die italienische Regierung sei noch freimütiger zur Revision eingetreten. Es sei begreiflich, daß Mussolini die Der- Handlungen nicht nur von der Abrüstungskonferenz, sondern auch vom Völkerbund loszulösen wünsche. Für die Anwendung des Vier- mächtepaktes spreche, daß Deutschland dazugeh ö r e -, dagegen, daß die am stärksten an der Re o i fi0nsfragc interessierten Länder (gemeint sind Polen und die Kleine Entente) unmöglich Entscheidungen annehmen könnten, die ohne sie getroffen werden. „Times" nimmt dann den Völkerbund gegen die „äußerst bedauerlichen Angriffe" in Schutz, die jetzt im Gange seien und erklärt, die britische Regierung st ehe noch immer mit F e st i g k e i 1 hinter Dem Völkerbund. Sir John Simon habe geholfen, die Verhandlungen des Büros zu einem harmonischen Abschluß zu bringen. Er habe den Weg für diplomatische Derhandlun- gen vorbereitet und die britische Regierung von gewissen Verpflichtungen befreit, die sie vielleicht bei den kommenden internationalen Verhandlungen in ihrer Bewegungsfreiheit hemmen könnten. Oie deutschen Wanderer bekennen sich einmütig zur Außenrolitik des Kanz'ers Die vom Vogelsberger Höhenklub mitgeleill wirb, Hal der R e i ch s f ü h r e r der deutschen Gebirgs- und Danderoereine, Ministerpräsident a. D. Dr. Werner (Darmstadt), im Namen der im Reichsverband deutscher (ßebirgs- und Wandervereine zusammengeschlossenen 300 000 Wanderer an den Herrn Reichskanzler unter dem 28. Oktober folgendes Schreiben gerichtet: „Der Reichsoerband der deutschen Gebirgs- und Wandervereine, der Hunderttausende von Mitgliedern und Freunden zählt, stellt sich getreu feiner nationalen Ucberlieferung und volksdeutschen Sendung geschlossen und unerschütterlich hinter die Politik de» Führers der Deutschen. Möchte ein starkes und freies Reich die Frucht starker Führerpolitik fein! In diesem Sinne ein «Irisch aus!" und heil Hitler! (Ergebenft Dr. Werner, Reichsführer der deutschen Gebirgs- und wanderoereine. Deutscher Protest gegen neue Morxistenhehe in Belgien. Brüssel, 22. Nov. (CNB) In Belgien zeichnet ich eine neue Welle marxistischer 21 n - jriffe gegen das n a 11 0 n a 11 0 3 I a I i ■ tische Deutschland ab. Im ganzen Lande werden illustrierte Flugschriften verteilt. In Antwerpen wird in einer auf tiefstem Niveau stehenden Reklame die Vorführung eines gegen bas heutige Deutschland gerichteten Theater- st ü ck e s angepriesen. Das Stück ist selbst nach dem Eingeständnis der sozialistischen Presse literarisch minberroertig. Den Gipfel der Verhetzung erreicht jedoch die Inanspruchnahme des belgischen Rundfunks für Boykottpropaganda seitens der sozialistischen Partei Belgiens. Die deutsche Gesandtschaft hat gegen diese Vorgänge energisch Verwahrung bei Der belgischen Regierung eingelegt und insbesondere die Abstellung des Mißbrauches verlangt, der mit dem unter staatlicher Kontrolle flehenden Rundfunk getrieben wirb, unb der geeignet ist, eine Störung der deutsch-belgischen Beziehungen zu verursachen. Oie Verfolgung der Nationalsozialisten . in Oesterreich. Wien, 23. Nov (WTB.) Die Verfolgungen der österreichifchen Nationalsozialisten durch die Behörden nehmen ihren Fortgang. In Krems a. D. wurde Oberleutnant Ehr ist i a n , der sich im Weltkriege als Flieger besonder» ausgezeichnet hat. wegen an- geblicher Betätigung für die NSDAP, mit Arrest b e st r a f t. — In Vorarlberg sind nach einer amtlichen Etattstik seit dem 1. August d. I. 1 13 Personen wegen parteipolitischer ‘Betätigung mit flrreftftrafen unb Geldbußen bestraft roor. den. Hierbei handelt es sich fast ohne Ausnahme um Nationalsozialisten Bei einem Fluchlver» f u ch aus dem Konzentrationslager Wöllersdorf wurde ein Nationalsozialist e r • schossen. Der Grenz Übertritt von Vorarlberg in die benachbarten Schweizer Manione ist, ba die österreichischen Behörden verbotene Aus- reisen von Oesterreich nach Deutschland vermuten, jetzt an eine Bestätigung des zuständigen Gendarmeriekommanbos gebunden. Die 2Iufent- Haltserlaubnis für die Schweiz ist auf drei Tage befristet worden. Oer Rechtsruck in Spanien. Madrid, 22. Nov. (CNB.) Das rechtsstehende Diatt ABC veröffentlicht an Hand seiner besonderen Informationen eine Liste der bisher von den verschiedenen. Parteien errungenen Sitze. Die Rechtskandidaten haben danach 194 Sitze erobert, nämlich: Agrarier 69, Union der Rechten 40, Spanische (Erneuerung 18, Volksaktion 34, Traditionalisten 11, Nationalisten 10, Unabhängige 5, Katalanische Liga 4, Regionale der Rechten von Valencia 2, Regionalisten 1. Auf die Republi - kaner entfallen insgesamt 110 Sitze: Ra- dikale 62, Konservativ 13, liberale Demokraten 9, Gruppe Esguerra (Katalanier) 6, Gruppe Drga 6, republikanische Aktion 5, radikale Sozialisten 4, Republikaner der Mitte 1, Fortschrittler 1, Gruppe „im Dienst der Republik" 2. Auf die Sozialisten entfallen 38 Sitze und auf die Kommunisten 1 Sitz. Der Innenminister soll der Presse erklärt haben, daß die Wahlergebnisie deshalb nicht vorlägen, weil anscheinend Unregelmäßigkeiten bei der Wahl vorgekommen seien. Eine Untersuchung sei im Gange unb nötigenfalls würbe mit Strafen eingeschritten werden. Die Sozialisten behaupten, daß die Wahl ihrer Kandidaten in Madrid nicht angefochten werden könne unb baß sie einen zweiten Wahlgang verhinbern würben. Der Vollzugsausschuß bes Allgemeinen Arbeiter- oerbanbes foll bereits Vorkehrungen hierfür getroffen haben. 3nfereffierte$ Scho in Frankreich Ter Führer der spanischen Rechtsparteien für eine Regierung der Mitte. Paris, 22. N00. (TU.) Das Ergebnis ber spanischen Wahlen hat in der französischen Oeffent- lichkeit kein geringes Aufsehen erreat. In den Besprechungen der französischen Presse findet man wiederholt die besorgte Frage, ob d i e spanische Republik etwa in Gefahr sei. Der Durchschnitt der Blätter gibt daraus zunächst eine beruhigende Antwort. Nicht uninteressant ist eine Nutzanwendung, die die radikalsozialistische „Repu- blique" für die französische Innenpolitik gibt. Das Blatt erinnert daran, daß der Sieg der Rechten in Spanien unmöglich geworden wäre, wenn die Linke einig gewesen wäre. In Italien habe die Uneinigkeit ber Linksparteien zur Diktatur geführt: in Deutschland desgleichen. Die Spal- , tung der spanischen Linksparteien habe der Repu- I blik einen schweren Stoß versetzt. Der Führer ber bei ben spanischen Wahlen sieg- reichen Rechtspartei, Gil R o b l e s , hat einem Ber- tretet bes Journal“ gesagt, ber Ausgang der Wahl sei eine Folge der Religionsverfol- 9,u,n9en und der Haltung der Sozialisten. Er, Gil Nobles, strebe keine Diktatur der Reichsporicicn an. Es müßte vielmehr eine Regierung ber Mitte gebildet werden, die einen zu plötzlichen Ucbergang von links nach rechts vermeide. (Eine Übergangszeit müsse eine wirkliche Rechts- regierung oorbereiten. (Sarraufs Kamps um Die Flnanzsanierung. Tie Krisenstimmnng verstärkt sich. Paris, 21. Nov. (WTB) Heute nachmittag begann die Kammer die Beratung ber Finanzierungsgesetze ber Regierung Sarraut. Budgctminisler Gar- dey betonte, baß auch von ben Beamten ein Opfer zum allgemeinen Wohl gefordert werden müsse. Der sozialistische Abgeordnete Frossard erklärte, die Re- ßierung sei im Begriff, gegenüber den Beamten setzt die gleichen Fehler zu begehen, wie man sie früher gegenüber den Gewerkschaften begangen fyabe. Die radikalen Regierungen seien an ihren Finanzgesetzentwürfen gescheitert. Sozialistische Regierungen hätten sich als unmöglich herausgestellt. Eine Linkskartellregierung werde erst möglich (ein, wenn f i ch die Linksparteien auf ein Progra mm geeinigt hätten. Mangels einer durchführbaren politischen Lösung der Frage der Regierungsstabilität würde die Parlamentsauflösung eine Art Appell an das Land dar- stellen. Das Schicksal des Kabinetts Sarraut wirb nicht fonberlich optimistisch beurteilt. Es gibt politische Kreise, bis ben Sturz der Regierung für unvermeidlich halten. „Das Schicksal des Kabinetts ist besiegelt", schreibt u. a. „Midi". „Die einzige Hoffnung besteht darin, daß Sarraut die notwendige Energie aufbringt, um wenigstens in Schönheit zu sterben. Um die finanztechnische Debatte kümmert man sich nicht mehr, die Debatte erhält eine politische Wendung: für ober gegen die Beamten, für ober gegen die Deflation, für ober gegen ben Senat. Dem Kabinett Sarraut werden bereits Kampfersprihen verabfolgt. Encr- gische und klardenkende Persönlichkeiten müssen uns aus dieser Verlegenheit, die bald gefährlich werden kann, befreien." Seit acht Zähren im ilrwald verschollen. Aus der Suche nach alter indianischer Städtetultur im brasilianischen Urwald verschwunden. — Dominikaner wollen Oberst Fawcett aufgefunden haben. Das britische Auswärtige Amt hat soeben auf diplomatischem Wege durch die Botschaften von Italien und Brasilien höchst erstaunliche Nachrichten über den Verbleib des seit 1925 verschollenen englischen Forschungsreisenden Oberst Fawcett und seiner Begleiter erhalten. Die Londoner Geographische Gesellschaft, die Fawcctt seiner Zeit die Mittel für feine Expedition zur Verfügung gestellt hatte, und die Familie des Obersten, seine Frau und ein Bruder, sind sofort in Kenntnis gesetzt worden. Es schweben bereits Verhandlungen über eine Hilfsexpedition. H- P. Fawcett ist ein durch viele Reisen im Amazonengebiet bekannter Forscher. Er besitzt unter anderen die Foundation-Medaille, die höchste Auszeichnung ber Londoner Geographischen Gesellschaft. 1925 begab er sich auf eine neue Reise nach dem noch wenig erforschten Ouellge- biet bes lingu im Inneren bet brasilianischen Zentralprovinz Matto Grosso. Er war nur von feinem Sohn unb einem brüten Manne Raleigh Rummel begleitet. Als alter Walbläufer wußte er, daß man nur mit einer kleinen Schar hoffen durste, das Vertrauen der sehr schwierigen Jndianerstämme im Innern bes Landes zu gewinnen. Außer ben deutschen Forschern von ben Steinen unb Koch- Grünberg waren kaum je Europäer so tief in bie grüne Hölle bes tropischen Brasiliens eingebrungen. Phantastische Gerüchte knüpften sich an seinen Zug. Die Reste großer Stähle mit marmornen Palästen unb Tempeln sollte er im blaugrünen Dämmerschatten der Urwälder entdeckt haben. Er sollte Kulturen aufgefunden haben, die sowohl an Alter al» an Großartigkeit die Kulturzentren ber allen Welt in Mesopotamien unb Aegypten bei weitem übertrafen. Weihe hochgewachsene Menschen mit strahlenden blauen Augen sollten noch jetzt uralte Geheimnisse hüten. Abenteurer und Goldsucher berichteten über ein geheimnisvolle» blaues Licht, das von Zeil zu Zeit aus den Ruinen alter Paläste durch das Dunkel de» Walde» strahle. Ungeheure Schätze an Gold und Edelsteinen sollten hier vergraben sein, noch au» der Zeit stammend, bevor selbst die Inka in Peru herrschten. Fawcett selbst scheint in der Tat gehofft zu haben, hier wirklich uratte Kulturreste finden zu können. Im Juni 1925 kamen bie letzten Nachrichten von ihm, erst aus Bakairi Post Im Quell- gebiet bes linguftromes unb bann von einem weiter landeinwärts gelegenen Lager, wo er feine eingeborenen Führer verabschiedete. Seitdem ward es füll Nur die Sage bemächtigte sich des Forschers. Er sollte die weihen Indianer wirklich gefunden haben unb von ihnen gefangengehalten werden, damit er sie nicht verriete 1927 wollte man ihn in Diamantine, weit westlich vom lingu, gesehen haben. 1928 brachte der amerikanische Reisende Dyott angeblich authentische Nachrichten über seinen Tod. Akoique, ein Häuptling der wilden, menschfresserischen Ananque-Jndianer, sollte ihn am Kuluenne, einem Quellsluß des lingu, ermordet haben. Dyotts Berichte erschienen um so glaubwürdiger, als er Gegenstände mitbrachte. Die sicher Fawcett gehört hatten. 3m Sommer diese» Jahre» erschien dann da» Bud) von lex harding in deutscher Sprache. Auch er wollte auf Spuren dc» verschollenen Obersten gestoßen feirt und brachte genaue Berichte von Augenzeugen, die der Opferung von Fawcett und seiner Begleiter an ben Ufern de» Rio da» Moria», dem Todcsslusse. durch wilde Indianer miterlebt Haden wollten. Und genau an derselben Stelle, tausend Kilometer landcinwärl» von einer Linie, die nord- südlich von Bahia nach Rio de Janeiro zieht, soll Fawcett jetzt lebend gefunden worden fein! Italienische Dominikanermönche, die am Rande de» Urwaldes ihre Riederlassung haben, sollen sich mit ihm in Verbindung gesetzt und Botschaften von ihm erhalten haben. In London legt man diesen Nachrichten große Bedeutung bei unb scheint sie für glaubwürdig zu halten. Aber es wird ein großes Geheimnis darum gemacht. Näheres ist an keiner Stelle zu erfahren. Der Präsident der Londoner Geographischen Gesellschaft, Sir Percy Cox, hat auf Anfragen nur bestätigt, daß Nachrichten angekommen sind. Aber man müßte alle Nachforschungen mit der größten Heimlichkeit und Vorsicht veranstalten, da, wenn die Forscher noch am Leben sein sollten, sie doch in sehr großer Gefahr schwebten. Die» fleht in merkwürdigem Gegensatz zu einem anderen Gerücht, daß I 0 bn Fawcett, der Sohn des Obersten, die Tochter des Oberhäuplling» der dortigen Stämme geheiratet haben soll und selbst die Häuptlingswürde bekleide. _ Jedenfalls bietet ber Fall Fawcett noch Rätsel genug, unb es gibt auch jetzt noch Leute genug, die den Forscher für tot hallen und da» Gerücht von seiner Aufsindung Ins Reich der Sage verweisen. Nur seine Frau Hal stets behauptet, er wäre noch am Leben und stände in telepathischem verkehr mit ihr. Protest gegen Roosevelts InflationS« Politik. Washington, 22. Nov. (WTB. Reuter.) Der Fincmzberaler bes Schatzamtes Sprague ist zu« rückgetreten. In einem Brief an den Präsi- benten Roosevelt begründet er seinen Entschluß damit, daß er sich z u der gegenwärtig befolgten Finanzpolitik in grundsätz- Iichem Gegensatz befinde. Die einzige Möglichkeit, gegen den Strom zu kämpfen, der das Land in eine unbegrenzte Inflation hineintrage, liege darin, die öffentliche Mei- nuny dagegen mobil zu machen und zu organisieren. Weil er zu einer derartigen Bewe- ?ung das Seine beitragen wolle, verlasse er einen P o st e n. Er sei fest davon überzeugt, dah eine Politik der Dollarentwertung durch Goldankäufe im Auslande keineswegs zu einer schnellen Erhöhung der Warenpreise führen werde. Präsident Roosevelt hat das Rücktrittsgesuch angenommen, ohne sich dazu zu äußern. Ein Lehrauftrag für Geschichte und Wesen des Nationalsozialismus. Darmstadt, 22. Nov. (WSN.) Das Staats» prefseamt teilt mit: Dem Leiter der Reichspropagandastelle Hessen, Pg. Trefz, ist durch das Hessische Staatsministerium, Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst, und Volkstum ein Lehrauftrag in der Technischen Hochschule Darmstadt über „Geschichte und Wesen des Nationalsozialismus" erteilt worden. — Bei dieser Gelegenheit kann darauf hingewiesen werden, daß Pg. Trefz der erste Schulungsleiter war, der an höheren Lehranstalten politische Schulungskurse eingerichtet hat. Auflösung des „Studentenkamps- bundes Deutsche Christen^. Berlin, 22. Nov. (TU.) Die Deutsche Stuben- tenschaft teilt mit: Der Führer der Deutschen Studentenschaft Dr. S t ä b e l, hat angeordnet, daß auf allen Hochschulen des Reiches der „Studentenkampfbund Deutsche Christen" a u f g e l ü st wird, da er eine der einheitlichen Linie der Studentenschaft zuwiderlaufende Sonderpolitik getrieben hat. Das Vermögen des Studentenkampfbundes fällt der Glaubensbewegung „Deutsche C h r i st e n" zu. Die fachliche theologische Arbeit der Studentenschaften wird ausschließlich von den theologischen Fachschaften geleistet werden. Reichsbaudarlehen für Eigenheime. Berlin, 16. Nov. (WTB.) Das Reich fördert bekanntlich den Eigenheimbau durch Gewährung von sog. Reichsbaudarlehen. Diese Reichsbaudarlehen können Baulustige erhalten, wenn sie über Eigenkapital i n H ö h e v o n 3 0 P r o z e n t des Bau - und Bodenwertes verfügen. Sofern der Bewerber bereits eine schuldenfreie Parzelle besitzt, wird der Wert dieses Grundstückes auf das Eigenkapital angerechnet. Anträge auf Reichsbaudarlehen, die zu günstigen Bedingungen gegeben werden und als erste oder zweite Hypothek einzutragen sind, müssen an die von den Ländern bestimmten Stellen gerichtet werden. In Betracht kommen hierfür in erster Linie die Gemeindeoorstände und die Landrats- ömter. Um die Bautätigkeit auch im Winter möglichst aufrechtzuerhalten, hat der Reichsarbeitsminister dieser Tage in einem Runderlaß die b e - schleun ' gte Bearbeitung oller Anträge auf Reichsbaudarlehen und eine großzügige Auslegung der Bestimmungen angeordnet. Kleine politische Nachrichten. Dem ständigen Getreideausschuß teilte Mussolini mit, daß die Brotgetreideernte des Lahres 1933 bei einer Anbaufläche von 5085934 Hektar 81 003 200 Zentner betragen habe. Die Durchschnittserzeugung von 15,9 Zentner je Hektar ist die h ö ch st e, die die Geschichte der italienischen Landwirtschaft bisher verzeichnet habe. Die „Getreideschlacht" habe also zu einem vollständigen Erfolg geführt. Das dänische Folkething erteilte mit 124 gegen die beiden kommunistischen Stimmen die Erlaubnis, ein gerichtliches Verfahren gegen den kommunistischen Folkething-Abgeordneten Axel Larsen wegen Verhöhnung einer fremden Macht einzuleiten. Larsen hatte in einer Versammlung in Apenrade eine Hakenkreuzfahne zerrissen und sie eine „Mörderflagge" genannt. * Das lettländische Parlament hat mit 57 gegen 23 Stimmen entsprechend einer Forderung der Regierung beschlossen, die Immunität der kommuni st ischen Fraktion aufzuheben. Die sieben Kommunisten, die beschuldigt sind, eine die Sicherheit des Staates untergrabende Tätigkeit entfaltet zu haben, wurden sofort nach Schluß der Sitzung verhaftet. * Bei der ' Unterhausnachwahl in Rotland und Stamford erzielte der konservative Kandidat mit einer Mehrheit von nur 1787 Stimmen einen äußerst knappen Sieg über seinen arbeiterparteilichen Gegner. Der konservative Lord Wil- loughby erhielt 14 605 Stimmen gegenüber 19 086 bei den letzten Wahlen. Der Sozialist Gray vereinigte 12 818 Stimmen auf sich gegenüber früher 7446. ♦ Zwischen Polen und Italien soll ein Vertrag auf Lieferung v»nl,6Millionen Tonnen ostoberschlefischer Kohle an Italien abgeschlossen worden sein. Italien soll sich seinerseits verpflichtet haben, zwei Handelsschiffe für die polnische Handelsmarine zu bauen. Die Lieferzeit der Kohle soll sich auf vier Jahre erstrecken. Die norwegische Regierung hat ein Einfuhrverbot für polnische Kohle erlassen, da Norwegen auf Grund des Handelsvertra- ges mit England künftig gezwungen sei, 70 v. H. es gesamten Kohlenbedarfs aus England zu beziehen. Im Yokohama ist das erste Mutterschiff für Unterseeboote erbaut worden, das eine Wasserverdrängung von 10 000 Tonnen hat und mit vier Fliegerabwehrgeschützen und sieben zwölfzölli- gen Geschützen ausgerüstet ist. Das Schiff ist in sieben Monaten erbaut worden und soll das modernste Kriegsschiff der japanischen Marine sein. Aus aller IRelt Eine Weimarer Tagung der Gloubensbewegung „Deutsche Christen". Ln Weimar findet am 23. und 24. November 1933 eine Herbsttagung der Glaubensbewegung statt, an der sämtliche Landesleiter, Gauobleute und Referenten der Reichsleitung und Gaue teilzunehmen haben. Die Tagung steht unter Leitung des Reichsleiters, Bischof Hossenfelder, und sieht u. a. folgende Referate vor: Bischof Peter: „Ziel und Front im volksmissionarischen Kampf"; Dr. Vorbildliche Neugestaltung der Berliner Gemälde-Galerie. MW» MM» ‘--'■s-'Mz Blick in einen Saal des Kaiser-Friedrich-Museums in Berlin, das völlig umgestaltet wurde. Die Grundsätze, nach denen man bei der Neuaufhängung der Bilder verfuhr, dürften für das Mujeums- wefen der ganzen Welt als vorbildlich gelten. Für denjenigen, der historisch interessiert ist, wurde eine genaue kunstwissenschaftliche Ordnung innegehalten, während gleichzeitig alle Ueberfüllung vermieden wurde, so daß jedes Bild vom Besucher yi aller Ruhe genossen werden kann. Die Geeschlange spukt wieder! Angst und Schrecken an der schottischen Küste. In Schottland soll, wie dort allgemein bekannt ist, ein seltsames Ungeheuer aufgetaucht sein, das seit Monaten die Bewohner der schottischen Küste in Angst und Schrecken versetzt. Die Schotten neigen an und für sich zum Aberglauben, und ihre Phantasie überbietet sich in Schauergeschichten über Aussehen des seltsamen Ungeheuers. Ein Augenzeuge berichtete, daß er das Untier gesehen habe, als es etwas im Maul trug, das wie ein Lamm aussah. Nach andern Berichten soll das Untier einen gebuckelten Rücken haben, von dunkler Hautfarbe sein mit „A u g e n , die wie Scheinwerfer a u f l e u ch t e n". Die Wissenschaft wurde natürlich schon längst alarmiert und es wurde versucht, eine natürliche Erklärung für die seltsame Erscheinung zu finden, die die Bewohner gesichtet haben wollen. Jetzt schreibt der naturwissenschaftliche Mitarbeiter einer englischen Wochenschrift, er sei der Meinung, daß das Tier nicht nur wie ein Walfisch aussieht, sondern auch ein Walfisch ist, wahrscheinlich handle es sich um ein noch nicht erwachsenes Exemplar des weißen Wals, dessen Farbe schiefergrau ist. Es sei natürlich auch möglich, daß es sich um einen andern Vertreter der Gattung der Delphine handelt Das Tier, das hier in Frage kommt, dürfte, wenn es überhaupt existiert, auf der Suche nach einem neuen Aufenthaltsplatz für feine Artgenossen sein. Man darf dabei erwähnen, daß vor rund einem Jahr ein Beluga in dem Fjord von Stirling gefangen wurde. Aber im Ganzen wird sein Auftreten in schottischen Gewässern nur in acht Fällen erwähnt. Wahrscheinlich handelt es sich aber bei dem jetzt beobachteten Ungeheuer um einen Schnabelwal, dessen Vorderteil weiß ist. Das Tier kann man gut beobachten, weil es von Zeit zu Zeit zur Atmung an die Wasseroberfläche kommt. Schon immer hat es erwachsene Menschen gegeben, die sich einredeten, ein Ungeheuer gesehen zu haben, dessen Existenz unmöglich ist. Man braucht nicht an die Drachen und Kentauren der alten Zeit zu erinnern, sondern hat nur nötig, die englischen Blätter früherer Jahrgänge nachzuschlagen. Im Jahre 1882 berichtete der Rektor M u n r o in Schottland, er habe eine Meerfrau mit Fisch- sch wa n z auf einer Klippe sitzen sehen. Munro war Lehrer der Zoologie, seine Schilderung wurde daher vollkommen ernst genommen, in der „Times" abgedruckt und in „Fachkreisen" lebhaft erörtert. Kurz darauf kam aus Kapstadt die Nachricht, eine Meerfrau fei von Fischern gefangen genommen worden, aber gestorben, als man sie im Netz hatte. Die Fischer hätten sie in S a l z gelegt, um sie zu präparieren. Sie wurde als ein schwarzhaariges Wesen mit Paviankopf beschrieben. Bis zur Brust sei sie Mensch, der Körper aber gleiche einem Fisch, an den Seiten und auf dem Rücken habe sie große Flossen. Der Unterkörper sei fischartig mit Schuppen bewachsen und laufe in einen gespaltenen Schwanz aus. Die Sensation in London war ungeheuer, denn man vermutete, daß es sich um dieselbe Meerfrau handelte, die der schottische Rektor gesehen haben wollte. Man kann sich die Spannung der Bevölkerung denken, als die Meerfrau in einem Londoner Caföhaus zur Schau gestellt wurde. Viel später deckte der Re- klamekönig Barn um den Schwindel auf: Man hatte einen Affenkopf mit einem See- löwenleibund einem Haifischschwanz so geschickt zusammengesetzt, daß die Ansatzstellen fast nicht zu sehen waren. Barnum reiste mit dieser Abnormität durch die ganze Welt, bis das Schaustück von Motten so zerfressen war, daß es weder einen guten noch einen glaubhaften Eindruck mehr machte. W i e n e f e : „Die Ortsgruppen im volksmiffiona- rifchen Kampf": Pfarrer Kintzel: „Neue Mittel und Wege für die volksmifsionarifche Werbung"; Pfarrer Rehm: „Der deutsche Christ als nationalsozialistischer Vorkämpfer". Den Höhepunkt der Tagung bildet ein Vortrag des Reichsleiters, Kirchenminister Hossenfelder, in welchem dieser grundlegende Erklärungen für die weitere Arbeit der Glaubensbewegung geben wird. Ein Gedenkste n für Otto Merz. Am Bußtag vormittag kamen auf der Avus die Freunde und Kameraden von Otto Merz zusammen, um hier an der Stätte seines tragischen Todes einen Gedenkstein zu weihen. Otto Merz, der erfolgreiche deutsche Automobilrennfahrer, der in der ganzen Welt unzählige Siege errang, verunglückte vor einem halben Jahr, am 19. Mai, bei einer Vorbereitungsfahrt zu dem großen Avusrennen. Der Gedenkstein, ein Findling von etwa 1,50 Meter Höhe, steht irt unmittelbarer Nähe der Unglücksstelle, etwa 3'/r Kilometer von der Nordschieise der Avus entfernt. Vor dem Gedenkstein hatten sich außer der Frau des Toten, seinem 7jährigen Töchterchen auch Vertreter des Reichswehr- und Reichsoerkehrsministeriums, die Führer der Motorsportoerbände, der Automobil- wirtschaft und die Rennfahrer Burgaller, Simons und Hans von Stuck eingefunden. Eine Motorftaffel der SA. und eine Staffel des NSKK., dem der Tote angehörte, hatten in langer Front Aufstellung genommen. Der Chef des Kraftfahrwesens der SA. und Führer des NSKK-, Obergruppenführer Major Hühnlein, hielt die Gedenkrede, in der er das Leben des Sportmannes Otto Merz und vor allem feine großen Erfolge bei internationalen und nationalen Automobilrennen würdigte. Unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden fiel dann die Hülle des Gedenksteins, der die Inschrift trägt: „Am 19. Mai 1933 fiel hier Im Sportkampf um Öen deutschen (e hoifrn. baß u huu dcitr^t. llcrfld-bnu unb £ktclüt bir feimiüftc PfUmcntrtH in immer weitere $1 reite binein»u trogen * CtUlftmeine Deutsche Ixbrerjeitungj verlangen Sie das bebilderte Serbeblatt! OaS Derk kann durch jede Suchhanblung bezogen werben. Hugo Bermübler Verlag Vertin, kichierfclde | Vermietungen o» ;>i ui Hu'* - xvoun. (U’rfe Seltcrvmcfl) PIockftrasie2, für ge- werbl. Zwecke ober Praxis bef. geeignet, ver bald zu vermiet, '•lob. A. Becker. Kep- leritr.9,161.3804.21* WegzugSbalb. billige 4 Zimm »Wohnung (1. 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Sonbheim in Gießen: Durch Gesellschafter- beschluß vorn 11. Oktober 1933 ist die offene Handelsgesellschaft aufgelöst und in Liquidation getreten. Liquidator ist Rechtsanwalt vr. Carl Kinzenbach in Gießen, v) Bei der Firma S. Iojevh zu Gießen.- Die dem Ernst Joseph in Gießen erteilte Prokura ist infolge Widerrufs erloschen, c) Bei der Firma Radio-Gesellschaft DipL-3ng. DJ. Brinkmann & Camp. in Gießen: Die Firma ist geändert in Heinrich Brinkmann, Radiogejellschaft, Gießen. Inhaber ist Hein- rich Brinkmann, Ingenieur in Gießen. Die Firma „Ing. Heinrich Brinkmann, Inge- nieurbüro" ist ausgeschieden. Die Ueber- nähme der seither im Betriebe des Geschäfts begründeten Forderungen und Verbindlichkeiten ist ausgeschlossen worden. Als weiterer persönlich haftender Gesellschafter ist Johann Heinrich Rams, Elektro- Ingenieur in Gießen eingetreten. Die offene Handelsgesellschaft hat am 27. September begonnen. Am 27. Oktober 1933 bei der Firma vr. DJolfgang Meyer, norm. August Frees- fd;e Universitäts-Luch- unb Kunsthandlung, 3nh. Kurl holderer in Gießen. Die Firma ist geändert in: Kurt Holderer Universitäts- Buchhandlung norm. August Frees, Gießen. Am 30 Oktober: a) die Firma Schuhhaus Darre vorm. Boltina, Inhaber Cd- munb Darre, Gießen. Inhaber ist der Kaufmann Edmund Uarnf in Gießen, b) Lei der Firma h. Lublinski in Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 14. November 1933 die Firma Richard Sommer in Klein-Linden. Inhaber ist der Kaufmann Richard Sommer in Klein-Linden. Am 16. November 1933: a) bei der Firma Christian 2nbcrthal in Gießen: Die Pro- kura des Wilhelm Best in Gießen ist er- losdien, b) Bei der Firma Herz & Co in Gießtn: Die Firma ist erloschen. Am 18. November 1933 bei der Firma Salomon ZTlont in Gießen: Die tfirma wird von Amts wegen gelöscht. Gießen, den 20. November 1933. hessisches Amtsgericht. Wissenschaftliche Werke Brühl'schen Druckerei Kauft nurheim Fachgärlnemnil iiitatota liegest#™ Blumen, Kränze 7,180 Sträube sowie Kreuze besonders Jetzt zum Totenfest! BeziittDDDe Gleben LRelchsverband des deutschen Gartenbaues. - Verband deutscher Btumepoesduillsinhaber. lollsWip IiiswW wegen Anlöabe meines Geschäfts zu bedeul.berabfieselzten Preisen Versäumen Sie diene günstige Gelegenheit nicht, Koffer in Hart platte, Vulkanfiber und la Leder, sow. Damcntanchen und Lederwaren aller Art bei mir einzudecken. Seltersweg 67 7mD KYW4ÄU5W TECHNIKUM BAD PRANKÜUUUSOt Amtsverkündigungen aus den oberhessischen und preußischen Kreisen. Kreis Büdingen. Das Kreisamt Büdingen weist darauf hin, daß für den Totensonntag (26. November 1933) Genehmigungen zu öffentlichen Tanzbelustigungen nicht erteilt werden. Ebenso sind für den 1. Weihnachts- fciertag sowie für dessen Vorabend vffent- liche Lustbarkeiten untersagt. 7119C Nicht zu beanstanden sind an diesen Tagen theatralische Ausführungen und Konzerte aller Art, wenn die Darbietungen ernsten und belehrenden Inhalts sind und der besonderen Bedeutung und Weihe der Festtage angepaßt werden. Zugelassen sind auch rein sportliche Veranstaltungen, die ohne öffentliche Umzüge oder Musik statt- finden. Kreis Wetzlar. Die diesjährige Hauptversammlung des Vichvcrsicherungs-Vereins für den kreis Wetzlar, zu der alle Vereinsmitglieder hiermit eingeladen sind, findet am Donnerstag, dem 7. Dezember 1933 vormittags 11 Uhr in der „Alten Post" Hierselbst statt. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über den Gang und die Lage des Geschäfts und sonstige Mitteilungen. 2. Vortrag der Iahresrechnung für 1932/33 und Entlastung der Iahresrechnung für 1931'32 3. Ernennung von Mitgliedern des ver- wattungsrats und oon deren Stellvertretern. Winterthur Unfall-, Haftpflicht-, Auto-, Kaution»-, Einbruch-Diebstahl-, Lebens-, Renten-, Kinder-, Aussteuer-, Studiengeld« Versicherungen Prospekte und Auskünfte bereitwilligste Subdjrektion Frankfurt a.M. OoethestraBe 30 Telephon 23 247 Mitarbeiter überall gesucht Jg. Ghevaar sucht 1—2 flcincdimmcr mit Küche ob. zwei Leerzimmer. Schr. Ang.u.06662 a.GA. [ Stellenangebote Tüchtiges Tagesmaddien mit nur guten Zeugnissen zum 1. Dezember gesucht.»—« SUicemtraße 34 p. [Stellengesuche] AeltereS, tüchtiges Mädchen sucht Stelle bei einzeln -Herrn o.Dame. ^diriftl. Sing. unt. 06651 an d. G. St. Verkäufe | Eirx Betten Sctlafzlm, Pol-ur. MaJil Buurun *den,Teii. Kai.tr. 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