Montag, 23. Oktober 1933 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Nr. 248 Zweites Blatt i: Lokattennm an den Brandstätten im Reichstag ‘llbaum Unterbliebenen; ib. Lang. >33. y,3Uhr. ir mein innigst- ager und Onkel 1 ii*f rftte*- lalto”. der seine Kundschaft itt fürstlichen Häusern hatte, und der in seinem Sohn Johann Caspar Goethe höher hinaus wollte. Daraus wurde dann auch „Seiner Römisch-Kaiserlichen Majestät Wirklicher Rat". Johann Wolfgang von Goethe als Künstler und Mensch ist nicht zu denken ohne diesen Ausstieg der Familie. Wir sehen aber nicht nur deutschen Bürgerstolz der Vergangenheit in den Ahnentafeln. Wir sehen in ihnen auch Bilder deutscher Zerrissenheit. Deutsche nahmen Kriegsdienste in fremden Staaten. Familien wurden aus neuen Boden verschlagen. Wieder nur ein Beispiel: Unter den Vorfahren des Grafen Zeppelin befindet sich Susanna Mitz, die um 1660 Emanuel So ein, Rittmeister in schwedischen Diensten heiratete. Deren Tochter Ursula heiratete einen Schweizer Apotheker. Von den weiteren Nachkommen heiratete dann 1789 Henriette Madelaine Passavant den Baron d'Hogguer, einen französischen Feldmarschall, und Graf Zeppelin ritt dann als deren Nachkomme 1870 die erste große Patrouille als Reiteroffizier besonders aufschlußreich. Es sollten hier nur einige Beispiel angeführt werden, um zu zeigen, wie Ahnentafeln wirklich gelesen werden sollten. Familienkunde treiben, heißt Kraft aus dem Volkstum schöpfen, Familienkunde treiben, das heißt, daß jeder Einzelne sich seines Blutanteils an der Geschichte des deutschen Volkes bewußt wird, die Bindungen erkennt, die seine Sippe und ihn mit der Vergangenheit verknüpfen und die eine Verantwortung für die Zukunft be- Rahmen viel entschiedener betrieben werden als bisher. Dieses Streben nach Gemeinschaftsarbeit wird nach und nach alle Unterrichtsabteilungen durchdringen und mit einem neuen lebendigeren Geiste erfüllen müssen. Denn nur auf diese Weise kann auch von der Seite des Künstlers her einer neuen Volksmusikkultur vorgearbeitet werden. Daß dann von der anderen Seite, vom Volke, noch Vieles zu tun bleibt, ist selbstverständlich. Denn nicht nur der Künstler, sondern auch das Volk muß künftig anders zur Musik erzogen werden. Die hier erwachsenden Aufgaben müssen in der Volksschule und der höheren' Schule gelöst werden, jedoch wird voraussichtlich die Hochschule für Musik künftig auch hierbei nicht ganz ohne Einfluß bleiben. Wenn die bevorstehende Vereinigung der Akademie für Kirchen- und Schulmusik mit ihr erfolgt sein wird, wird die Totalität der höheren musikalischen Er- ziehung in ihre Obhut gegeben sein. Bei der Erziehung der S ch u l m u s i k e r wird sie dann ihr Teil dazu beitragen können, daß auch bei der musikalischen Erziehung des Volkes in der Schule ein neuer Geist einkehrt, der uns dem Gesamtziel näher bringt. um sich vor Bedrückungen zu retten, sich an den in Regensburg tagenden Reichstag gewandt, der — ein treffliches Bild deutscher Zwietracht — in eine evangelische und in eine katholische Hälfte zerfiel. Die Abordnung gelangte gar nicht nach Regensburg, sondern wurde gefangenaesetzt. Es folgte das Emigrationspatent des Erzbischofs von Regensburg, das zur Folge hatte, daß Taufende das Land verließen. Planlos wanderten die Salzburger zunächst aus, bis Friedrich Wilhelm I. von Preußen ihnen sein Land öffnete. Die Ahnenlisten verraten aber auch, wie und wo deutsche Kultur wuchs und wurde. Soldatenfamilien gab es vor allem in Mecklenburg, in Pommern, in der Mark, in Niedersachsen und in Schlesien. Bayern ist reich an Malerfamilien, Schwaben an Familien von Aerzten. Musikalische Begabung schreibt Professor Günther besonders der dina- rischen Rasse zu. Im Norden gab es weniger Musik als im sangesfreudigen Süden. Es darf erinnert werden an den alten Satz: Frisia non cantat — der Friese singt nicht. Aber in Nürnberg, da wurde gesungen. Wer sich in Ahnenlisten vertieft — das Beispiel Goethes hat es ja schon gezeigt —, der wird auch erkennen, daß geniale Menschen nicht gleich Meteoren plötzlich vom Sternenzelte fallen. Das Schicksal der Musikantenfamilie Bach ist hier Hochfchulnacbrichten. Die hessische Staatsregierung veröffentlichte mit dem Datum des 20. Oktober die Verfassung für die Technische Hochschule in Darmstadt, die sich im wesentlichen an die bereits veröffentlichte Verfassung für die Landesuniversität Gießen an- ^Der^ao. Professor für Hygiene und Bakteriologie an der Universität Frankfurt a. M., Dr. Hugo Braun, hat einen Ruf als Ordinarius für Bak- teriologie an die Universität Istanbul (Türkei) erhalten und angenommen. Links- Das Gericht an der Stelle im Reichstag, an der van der Lubbe während des Verbrechens feine Kleidungsstücke niederlegte. — Rechts: van der Lubbe (in der oberen Reihe stehend) wird in den Reichstags-Plenarsaal geführt. tthcattf kw,_ wenn ich ,0I „ mich verpflichte- n seufzte: üuguffe. Sie meinen es güÄ. A mehr viel vvn der 6oft>/ W stellen, vertragen. Eg kW r wieder darum, daß man mit) net. ehrte lebhaft ab. rrtschung folgt.) iritiM o’1.. j.tjnfl- Don der Sippenkunde zur Volkskunde Ahnentafeln als Geschichtsbilder. Von Karl Brammer. Lehr out eMU rckrkibtM,/'m, *9nrbinei 5 “flfflöC0MUh fiatfit: j-udwiM-^ fähig oder nicht würdig erweist, den hohen Beruf des Künstlers auszuüben, wird vorn weiteren Studium ausgeschlossen werden. Dem Künstler wird in der kommenden kulturellen Neuordnung weit mehr und in viel tieferem Sinne als bisher eine Füh - rerstellung zukommen, die nur dem wahrhaft Berufenen ausgeliefert werden darf. Was nun die innere Umgestaltung der Ausbildung anlangt, so wird es unsere Hauptsorge sein müssen, die jungen werdenden Künstler schon frühzeitig an den Gedanken und die Praxis des G e - meinfchaftsmufizierens heranzuführen. Die Ausbildung der persönlichen Anlagen, also die Ausbildung als Sänger, als Pianist, als Geiger usw. muß natürlich auch künftig im Mittelpunkt stehen, schon mit Rücksicht auf das Leistungsprinzip, von dem nichts abgehandelt werden darf. Aber die foliftifche Ausbildung darf künftig nicht mehr so einseitig betrieben werden, daß schon der junge Werdende und wieviel mehr dann der fertige Künstler! — den Blick für das Ganze der Musikkultur völlig verliert und nur noch die egoistischen Interessen seines Instrumentes im Auge hat Diese Isolierung des Solisten, an der unser Musikleben lange genug gekrankt hat, ist mit dem Gedanken einer Volksmusikkultur gänzlich unvereinbar: denn dieser will nicht nur das Volk und die Musik einen, sondern auch das Volk und den fünfter. Dieser Ge- meinschaftsgedanke wird also künftig in der Erziehung der Musiker eine bedeutende Rolle spielen müssen. ... , _ .. Das Chorsingen ist eine ideale Form musikalischen Gemeinschaftsdienstes: es erzieht zur Disziplin, zur Unterordnung, es führt zum gemein- famen Erleben der größten Meisterwerke und fuhrt heraus aus der Podiumseitelkeit, der gerabe der junge Künstler so leicht verfällt. Deshalb ist beispielsweise von nun an die Mitwirkung im Berliner Hochschulchor für alle Hochschüler Pflicht, ausgenommen die noch in der Ausbildung begriffenen Gefangstudierenden, die später in einem Solisten- ^-cappella-Chor ihre chorische Erziehung erhalten werden. ... . Für die Instrumentalisten ist von ähnlicher Wichtigkeit die gemeinsame Arbeit in den Hochjchul- orchestern und in der Kammermusik. Das Kon- ze r t or chest e r soll zu einem Musikkörper erzogen, nicht in dem Sinne, daß es brillieren soll, sondern im Hinblick auf eine systematisch durchgeführte Orchesterdisziplin und Orchesterkultur. Die begabtesten Schüler werden zu einem K a mm e r - o r ch e st e r vereinigt werden, das sich dem Dienste an der vorklassischen Musik widmen soll. Daneben wird die Pflege der Kammermusik im kleineren Oie Zerstörung einer Grabbe-Legende. Bisher hat man nach der Darstellung der maßgebenden Bibliographen geglaubt, daß der tragische Wendepunkt im Leben des genialen Dramatikers Grabbe, seine Entlassung aus dem Amt des Auditeurs bei der Fürstlich Lippischen Regierung, durch die Härte und Böswilligkeit der Beamten veranlaßt worden sei. Besonders spielte eine Unterredung dabei eine Rolle, die Grabbe mit seinem Vorgesetzten, dem Regierungsrat v. Meyen, gehabt haben sollte und bei der dieser sein ungeschicktes Benehmen ausnutzte, um ihn zur Einreichung des Entlässungsgesuches zu veranlassen. Daß es sich dabei um eine Legende handelt, weist Dr. Alfred Bergmann in den „Preußischen Jahrbüchern" aus den bisher unbenutzten Auditeurs-Akten des Lippischen Landesarchivs nach. Es zeigt sich, daß Grabbe, der durch seine unglücklichen Eheverhältnisse und durch die Arbeit an seinem „Hannibal" immer mehr an der ordnungsgemäßen Erledigung feiner Amtsgeschäfte gehindert wurde, und eine immer größere Verwirrung einreißen ließ, aus freiem Willen dazu kam, zunächst einen halbjährigen Urlaub zu beantragen und daß von Meyen ihn dabei in der sachlichsten und verständnisvollsten Art unterstützte, mit großer Geduld die Schwächen und Launen des Dichters ertrug und das Eigen- Erziehung zur Volksmusik. Von Professor Or. Zrih Stein, Direktor der siaatl. akad. Hochschule für Musik, Äerlin-Miarlottendurg. . Zu den kulturellen Aufgaben, die sich der neue Staat gesetzt hat, gehört auch die organische Neubildung der Grundlagen und Formen, auf und in denen sich das musikalische Leben des Volkes vollziehen soll. An die Stelle der zum großen Teil überlebten Formen des „Konzertbetriebes", wie sie sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet haben, soll allmählich eine breit gelagerte Volksmusik- tultur treten, an ber a 11 e Schichten des Volkes entweder tätig ober boch minbeftens oerftänbnis» voll empfangenb teilnehmen sollen. Dieses Hochziel, bas natürlich nicht von heute auf morgen zu erreichen fein wirb, schafft u. a. auch oeränberte Voraussetzungen für ben Berufsmusiker unb Künstler, der einerseits seine führenbe Stellung im Ganzen der Musikkultur behalten soll, anbererfeits aber wesentlich anbere Blickpunkte als bisher finben muß, wenn er sich bem Organismus einer Volks- Musikkultur sinnvoll einorbnen will. Für bie staatliche akabemische Hochschule für Musik, bie erste unb ridjtunggebenbe 2Iusbilbungsftätte bes Reiches, ergeben sich baraus neue erzieherische Aufgaben, bie im Laufe ber nächsten Jahre in einer Neugestaltung fcer Lehrpläne unb ber Unterrichtsformen ihren Liieberfchlag finben werben. Es ist zuvörberft zu betonen, baß unabhängig »on ben neu eintretenoen Notwenbigkeiten nach wie tor bas Leistungsp inzip beherrschend im Storbergrunbe ber Erziehungsarbeit stehen wirb. Nach meiner Meinung sollen sogar bie Anforbe- rangen in Richtung auf bie Leistung noch weit riachbrücklicher vertreten werben, als es in ber letzten Zeit ber Fall war. Denn barin ist schon einer jener Gesichtspunkte zu erblicken, bie von bem Ziel einer Volksmusikkultur neu aufgeworfen werben. Diese Volkskultur soll alle Volksgenossen, soweit ie auch nur bescheibene Anlagen mitbringen, er- assen. Zum K ü n ft l e r b e r u f in biefer Kulturgemeinschaft barf aber nur ber zugelassen werben, ler bie einbeutige Begabung unb auch bie menschliche Eignung bazu mitbringt. Deshalb wirb künftig schon bei ben Aufnahmeprüfungen eine schärfere Auslese wirksam werben, unb auch im Verlaufe der Ausbilbuna wirb jebe Gelegenheit wahrgenommen werden, um die Entwicklung der künstlerischen Anlagen und der menschlichen Haltung der Studierenden zu überprüfen. Wer sich dabei als nicht In den letzten Monaten hat sich die Zahl bereinigen Deutschen, bie F a m 11 i e n k u n b e unb Sippenforschung betreiben, gewaltig gesteigert. Das ist ganz gewiß eine erfreuliche Fest- strllung, aber sie zwingt auch bazu, baß bie Bedeutung ber Familienkunde in ihrem wirklichen Wert erkannt werden muh. Vor allem dies: Es kommt nicht darauf an, einen Ahnenrekord zu brechen, die Jagd nach den alten Urkunden darf nie bie alleinige Triebfeber bes Forschens sein. Wichtiger ist bie Verarbeitung ber gewonnenen Erkenntnisse. Notwenbig ist, aus ben Feststellungen Typisches zu erkennen unb joroeit bas möglich ist, Lebensgesetze baraus abzuleiten. Wer jetzt feubale Vorfahren sammeln würbe, wie man Reklamemarken sammelt, ist noch nicht xeif zur Sippenforschung. Nicht auf Verwanbt- fchasten mit Berühmtheit kommt es an, sonbern darauf, zu erkennen, wie jebe Sippe ihre A u f - gäbe im Werben bes Volkes erfüllte. Ahnentafeln sinb Ausschnitte aus ber Geschichte bes Volkes, fo wollen sie gelesen unb gewertet werben. Wie sehr Blut- unb Nassenreinheit von Bebeutung für bie Geschichte bes Volkes sinb, das zeigt bie Geschichte ber Herrscherfamilien. Dr. Prinz von Isenburg hat in biesem Zusammenhang auf ben häufigen Wechsel ber deutschen Herrscherfamilien hingewiesen. So regierten die deutschen Kaiser- und Königs- familien bis zur Renaissance nur jeweils einige Generationen lang. In der Regel waren die ersten Herrscher von bedeutenden Anlagen, dann ließ die psychische und physische Gestaltungskraft nach. So begannen die Karolinger mit Pippin und Karl dem Großen und endeten mit Ludwig dem Kinde, die Sachsen mit Heinrich I. und schlossen mit Otto III., dessen Mutter Theophano von Byzanz jede Rassen- unb Bluteinheit zersprengte. Die uneinheitliche Gestalt Friebrichs II. finbet Ihre Lösung in bem sizilischen Erbgut seiner Mutter Konstanze, ber Tochter bes Königs Roger II. von Sizilien unb ber Urenkelin bes Tankreb von Haute- Dille. Der internationale Charakter bes späteren Habsburger braucht uns bann nicht mehr zu rounbern, wenn wir hören, wieviel verschiedenen Stämmen und Rassen beispielsweise die acht Urgroßeltern Kaiser Maximilians I. angehört haben: Oesterreich, Visconti, Masowien, Litauen, Portugal, Lancaster, Mragonien und Kastilien. Ahnentafeln vermitteln nicht nur historische Erkenntnisse allein. Die Erkundungsmöglichkeiten mit Hilfe der Familienkunde werden heute auch von namhaften Soziologen und Volkswirtschaftlern anerkannt. Die Familienkunde weist täglich und stünd- Glich nach, daß es zwar eine Auf- und Abbewegung im Leben des Volkes in allen Generationen gibt, aber keine fchickfalsgebundene Klaf - ^ sengegensätzlichkeit. Beispiele beweisen das. Ein Vorfahre des späteren Kriegsministers von Roon, Andreas W e s ch e l, entkam der Bartholomäusnacht in Paris und wurde schlichter Buchdrucker in Frankfurt — der gegenwärtige Chef des Protokolls im Auswärtigen Amt, Graf Satten- doch, hatte als Vorfahren einen Hutkrämer, Wilh. Voß, der 1637 in Köln lebte. Das wird niemand ? als einen dunklen Punkt in der Ahnenlifte be- Vi werten, sondern nur als ein Zeichen der 53er- ' bunbenbeit aller Schichten. Vom Aufsteigen bes Bürgertums in seiner besten Form berichtet Goethes Ahnentafel. Da ist ber : Stammvater Hans Goethe, ben ber Pastor von Berka noch einen rotzigen Bauern schilt, weil er ihm ben Zehnten verweigerte. Sein Sohn ist ein ehrbarer Hanbwerksmeister, Hans Christian Goethe, der neben bem Hammer bes Hufschmiebes auch fchon bie Feber zu führen wußte. Die nächste Generation sieht bann ben Damenschneiber Goethe, gegen Frankreich. So manche beutsche Ahnentafeln schilbern ein- brucksvoll bie Zeiten beutscher Not. Salzburgische Familien im befonberen können baoon erzählen. Im vorigen Jahre würbe im beutschen Osten bie Erinnerung an bie 1732 bort eingeroanberten Salzburger wachgerufen, bie um ihres Glaubens willen . unu uu ihre schöne Heimat verlassen mußten. Sie hatten, | beuten. Großzügige Arbeitsbeschaffung der Duoerusschen Eisenwerke. Auf eine Rundfrage der Handelskammer Wetzlar wegen der Beschäftigungsmöglichkeiten während des Winters hat die Leitung der Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar am 20.Oktober folgende Antwort über ihr Arbeitsbeschaf« fungsprogramm erteilt: „Während alljährlich um diese Jahreszeit, bedingt durch das Nachlassen der Bautätigkeit,_ Arbeiterentlassungen größeren Stils bei uns üblich waren, haben wir uns in diesem Jahre entschlossen, im Vertrauen auf dasArbeitsbeschaffunasprogramm der öffentlichen Hand und um auch unsererseits dis Bestrebungen der Regierung auf Beseitigung der Arbeitslosigkeit nach Kräften zu unterstützen, die durch Neueinstellungen im Laufe dieses Jahres ganz wesentlich vermehrte Gesamt- belegschaft den Winter über in Arbeit zu halten. Am 1. Oktober d.J. beschäftigten mir 3966 Angestellte und Arbeiter, das ist gegenüber dem 1. Januar d. I. einMehrvonl052Per- sonen. Jnfoslge dieses Beschlusses rechnen wir bis zum 31. März n.J. mit einem Lagerzugang im Verkaufswerte von über 2 000 000 Mark. Werden somit erhebliche Mittel gebunden, so hoffen wir doch im Laufe des nächsten Jahres diese Bestände m den Verbrauch üb erführen zu können. Weiterhin prüfen wir zur Zeit die Möglichkeit, die Jnstandhaltungsarbeiten auf un- seren Wer kenin erweitertem Umfange auch während ber Wintermonate zu betreiben, für welchen Zweck wir nicht unerhebliche Beträge, ebenfalls im Interesse ber Arbeitsbeschaffung, auszugeben gebenken." Dekorateur-, Sattler- und Tapezier- Gewerbe im berussständischen Aufbau. Frankfurt a. M., 20.Okt. Im Meistersaal bes Hanbwerkerhauses in Frankfurt a. M. tagte nach ber oorbilblid) verlaufenen Verbands-Hauptversammlung in Offenbach zum ersten Male ber Hessische und Hefsen-Nasfauische ßanbesoerbanb für bas Dekorateur-, Sattler- unb Tapezier-Gewerbe. Die denkwürdige Sitzung als Zeichen der Schaffung einer einheitlichen Front ber organisatorischen Glieberung des Dekorateur-, Sattler- unb Tapeziergewerbes in bem Rhein-Main-Wirtschaftsgebiet stand unter Leitung des 1. Verbanbsfuhrers, Sattlermeister Ludwig Gottwald (Reinheim). In den Aussprachen kam übereinstimmend zum Ausdruck, baß in gemeinsamer Arbeit eine berufs- stänbische Vertretung geschaffen werden solle, die das gesamte Rhein-Main-Wirtschaftsgebiet umfaßt, um namentlich ben heffen-nafsauischen Innungen die Anschlußmöglichkeit an den Landesverband zu geben, zumal es nicht bem Wunsche bes Reichsstanbes bes beutschen Hanbwerks entspricht, daß Sonberoerbände neu gebilbet werben. Es galt bie Sattler-Innung Groß-Frankfurt in ben ßanbesoerbanb einzuführen unb ben Beitritt bes Lanbesverbanbes selbst zum Reichsverband für das Sattler- und Tapeziergewerbe zu vollziehen, worüber der Präsident des Reichsver- banbes seiner Freube besonderen Ausdruck verlieh. Insbesondere wurde festgestellt, daß es nicht gelte, lediglich eine Organisation aufzuziehen, sondern daß im Vordergrund der ernstliche Wille steht, ben Mitgliedern Arbeit zu bringen und ihre wirtschaftlichen Belange tatkräftig zu vertreten. Bereits im Verlauf der Sitzung wurde von dem Reichsverband ein Auftrag zugesagt und dessen Ausführung in den Einzel- Hellen besprochen, um damit die ehrliche Absicht des Zufammenschlußgedankens unter praktischen Beweis zu stellen. Neben den organisatorischen Fragen, wobei man insbesondere auch die Verschmelzung ber beiden Reichsfachoerbände forderte, wurden wichtige interne Berufsangelegenheiten behandelt, die durch die Teilnahme des Reichsverbandspräfidenten an der Ansprache eine tiefgründige Behandlung erfuhren. Aus- schnitte über die zukünftigen Aufgaben des Verbandes gab Geschäftsführer Schwerer (Darmstadt). . h »3. Clt tümlidje feiner Begabung mit in Rechnung fetzte. Grabbe war von Anfang an entschlossen, sein Amt nach Ablauf des Urlaubs nicht wieder anzutretenz er fühlte, daß das Höchste, was er befaß, fein Dichtertum, auf dem Spiele stand, und um dieses beftenteils zu retten, war er bereit, alles zu opfern, feinen bürgerlichen Beruf, Ehe und Heimat. Das Abschiedsgesuch, das er am 15. Februar 1834 an den Fürsten von Lippe richtete, lautete: „Mein Fürst! Ich bitte um meinen Abschied. Ein schlechter Diener will ich nicht sein. Unff, mein Fürst, denken Sie gar nicht, ich vergäße je Ihrer Huld. Mehr darf ich nicht sagen." „Der Bericht, den von Meyen dazu verfaßte, beginnt mit den Worten: „Der Auditeur Grabbe ist krank an Leib und Seele und Rücksichten der Billigkeit scheinen es wo nicht zu fordern, doch zu entschuldigen, daß man seinen ge- mütskranken Zustand bei Beurteilung des höchsten Orts überreichten Abschiedsgesuch in Betracht ziehe." Grabbe erhielt bann zunächst einen Urlaub. Er dankt von Meyen dafür in einem Brief, in dem es heißt: „Gereizt, ungesund bin ich, mein Geist ist aber kräftiger als je... Ich überlasse Ihnen alles, und glauben Sie, es geht mir wie Indien, Meeren. Je heiterer ich scheine, so tiefer ist der Urgrund und mein Schmerz." Interessant ist es, daß Grabbe, der sich auf Grund der Schlachtszenen in feinen Dichtungen für einen geborenen Soldaten und Feldherrn hielt, vorbehalten möchte, daß er nur noch beim Felddienst verwendet werde und mit den Truppen in den Krieg ziehen könne. Er wollte Detmold verlassen, weil er fürchtete, dort als Mensch und vor allem als Dichter unrettbar zu versinken. Als ihm nach dem Urlaub die Entlassung bewilligt wurde, war er darüber glücklich und erleichtert. Von einer Ueberrumpelung durch die Regierung kann keine Rede sein, und wenn er selbst die Geschichte einer Unterredung mit vvn Menen erfand, so war das eine Mystifikation seiner Gattin, „die tollste Tragikomödie, welche er je in Szene gesetzt hat". ’lntm c fei. & U 6,1 »n bi, lug ‘‘Wi Hoben- K. , " leicht ein 'jU nn oic in • • »'!>«< y ,r Nnun, i, 'n. ounbm? fr1 W '"Wn Bingen * '*”6 ’Unb'«< fi/^,'2 ?'r «tarn lÄS her PM» mV WWWWM E tt to ftw R M 1 N n 1 L i I a ( 2 i !' 1. e 9 I d* bi tr Ql Z m A K D ve ar ur ft i k sü d>- dc vo CH .'N fol ml bei 1>U bl i nci oör blii M. roui war Bri UNS ben eher nun ist t Dric ben, licht öJ.-fpor/ Simultanspiel gegen den deutschen Schachmeister. Der Schachklub Gießen hatte für ben Freitagabend zu einer außerordentlichen Veranstaltung eingeladen. Der Deutsche Schachmeister B r i n l - mann (Kiel) weilte in Gießen und hatte sich bereit erklärt, gegen die Mitglieder und Gäste des Gießener Schachklubs ein Simultanspiel auszutragen. Die Veranstaltung war sehr gut oesucht. Es sanden sich aus dem Äreis der Anwesenden nicht weniger denn 26 Spieler, die im friedlichen Wettkampf am Schachbrett in den Wettbewerb mit dem Schachmeister traten. Der Führer des Schochklubs, Dr. Gerhard, hieß die Teilnehmer, besonders aber den Schachmeister willkommen. Der Schachmeister nahm dann sofort den Kamps aus, der über drei Stunden in Anspruch nahm. Rasch ging Schach- meister Brinkmann von Brett zu Brett, rasch folgten feine Entschlüsse, Zug um Zug entwickelten sich aus den 26 Brettern die Kampfe, die vom Schachmeister mit großer Sicherheit geführt und zum grögten Teil in ihrem Verlauf auch bestimmt wurden. Mit großem Interesse waren alle beteiligt und auch die Zuschauer, deren eine stattliche Anzahl erschienen war, folgten den Partien mit großer Aufmerksamkeit. Dabei blieb immer noch Zeit zu manchem Scherzwort zwischen dem Schachmeister und den Spielern. Don den 26 ausgetragenen Par- tien konnte der Schachmeister 21 gewinnen, drei endeten Remis, und zwei wurden von ihm verlo- ren. In die Erfolge teilten sich folgende Herren: Gewonnen: Studienreferendar Knoll fKelsterbacher Schachoerein), Herr Scheffer (Schachklub Gießen). Remis: Lehrer Stumpf (Garbenteich), Professor W e i ß g e r b e r und Dr. Gerhard (sämtlich Schachklub Gießen). Die Veranstaltung nahm einen sehr harmonischen Verlauf. Das Spiel gegen den Schachmeister dürfte manchem der Gießener Schachspieler wertvolle Anregungen vermittelt haben. Graf von Beroldingen gestorben. In München starb in der Nacht zum Samstag Egon Graf von Beroldingen an einer im Verlauf eines Gallenblasenleidens aufgetretenen Leukämie. Graf von Beroldingen war feit acht Jahren Direktor des Flughafens Frankfurt a. M. und erster Vorsitzender Der Frankfurter Sportgemeinde Eintracht. Er stammt aus Ludwigsburg, das Stammschloß der Familie von Beroldingen steht in der Schweiz am Vierwaldstätter See. Graf von Beroldingen, der im 48. Lebensjahr stand, war tm Kriege Rittmeister und Flieger- offizier, zuletzt Major und Kommandeur des Fluglagers Böblingen bei Stuttgart. Deutschlands Meisterturner in Wiesbaden. Zwölf der besten Stunftturner der Deutschen Turnerschaft, unter ihnen die drei Ersten aus dem Zwölfkampf beim Deutschen Turnfest in Stuttgart, der Sieger Krötzsch (Neurössen) pnd die beiden Zweiten Winter (Frankfurt) und Sandrock (Langenfeld) sowie der deutsche Kunstturnmeister Frey (Bad Kreuznach), bestritten am Samstag- abend und Sonntagnachmittag tm Saale des Wiesbadener Kurhauses ein großes Schauturnen. Gezeigt wurden Kürübungen am Darren, Pferd und Reck sowie Freiübungen. Die Meister des Turnens waren an beiden Tagen in ihrem Element. Die zahlreichen Zuschauer bekamen ganz erstklassige Proben deulichen Geräteturnens zu sehen und karg- ten auch nicht mit Beifall. Der Turn'esksiegcr Krötzich war nur am Sonntag an den Darbietungen beteiligt, so daß die Vorstellung am zweiten Tage ein besonderes Gepräge erhielt. Die llebunaen sianden unter Leitung des Männerturnwartes Der DI., Direktor Martin Schneider (Leipzig). Der neue Gauführer des Gaues XIII der DI., Sommer (Speyer), hielt am Samstagabend im Rahmen der Vorführungen eine Begrüßungsansprache. Das Programm wurde durch Darbietungen Wiesbadener Turnerinnen ergänzt. (Sarnera bleibt Weltmeister. Paollno über 15 Runden nach Punkten geschlagen. Wegen der großen Hitze, die jetzt noch in Italien herrscht, mußte der Beginn des Weltmeisterschaftskampfes zwischen dem Verteidiger Primo (Kamera- Primo Camera. Italien und dem Spanier Paolino Uczudun um einige Stunden verlegt werden. Erft gegen 19.30 Uhr begann im Park der Villa Borghese zu Rom der Kampf, der mit einem knappen Sieg des italienischen Titelhalters endete. Zunächst war bas Treffen ziemlich ausgeglichen, erst nach und nach setzte sich die körperliche Ueberlegenheit des italienischen Riesen durch. Der spanische Holzfäller war aber nicht kleinzukriegen und steckte alle noch so schweren Brocken ein. Von der Hörte des Spaniers zeugt am besten die Tatsache, daß sich der Italiener in Der neunten Runde bei einem dramatischen Schlagwechsel bre rechte Hanb brach. Irohbem kämpfte ber Italiener weiter unb kam nach Ablauf ber 15 Runben zu einem oerbienten Punktsieg. Der Sieg bes Titelhalters konnte nicht fonber- lief) überzeugen. Fußball des Sonntags. Oie Ergebnisse der BezirksNaffe. 1900 Gießen — Marburg 1:0 (1:0). Ockershausen — Steinberg 3:2 (0:1). Wetzlar — Grohkarben 2:0 (0:0). Die I a b e II e ber Bezirksklasse im Bezirk Gießen weist nach ben Spielen des gestrigen Sonntags fol- genben Stanb aus: Ockershausen 1900 Gießen Spiele 6 4 Gew. Unentsch. Bert Punkte 3 2 1 2 2 0 7:5 6:2 Spv. Wetzlar 4 3 0 1 6:2 Groß-Karben 5 2 2 1 6:4 Bad-Nauheim 4 2 1 1 5:3 Germania Mar 5:3 bürg 4 2 1 1 Steinberg 5 1 2 2 4:6 BfB. Gießen 5 1 1 3 3:7 SB. Lollar 2 0 0 2 0:4 BfR. Butzbach 3 0 0 3 0:6 19OOt£igo) gegen Germania Marburg (Liga) 1:0(1:0) Die beiben Punkte, bie bie Spieloereinigung aus diesem Spiele buchen konnte, waren reichlich mühselig errungen unb wären ben Blauweißen saft entglitten, wenn ihnen nicht ein Handelfmeter zu Hilfe gekommen wäre. Allerdings hätte das Ergebnis auch 2:0 lauten können, ja sogar müssen, denn ber Schiebsnchter erkannte ein einwanbfreies Tor nicht an. Das Spiel selbst war nicht uninteressant, wenn man auch (auf beiben Seiten) bessere Leistungen erwartet hatte. Der Spielverlauf brachte zunächst stürmische Angriffe bei stetig wachsenbem Tempo. Wahrenb ber ganzen ersten Halbzeit würbe bas Spiel außer- ordentlich schnell geführt unb brachte im Wechsel ber Angriffe interessante Kampsmomente. 1900 sicherte sich eine leichte Felbüberlegenheit von Anfang an, ab, wie leiber schon so oft, würbe sie ober konnte sie nicht ausaenützt werden. Alle aufopfernde Aufbauarbeit ber Läuferreihe lief sich in ber Stürmerreihe tot. Heilmann war ber treibenbe Geist. In ber 15. Minute würbe ber Ball knapp über dos Tor gejagt, bie Marburger waren aber eine Minute spater auch nicht geschickter. '23alb barauf standen bie Blauweißen wieder günstig, ein Bombenschuß von Lust landete aber an Der Latte. Ein stürmischer Angriff ber 1900er folgte nun, aber in dem Hin unb Her vor bem Tor ber eifrig vcr- teibigenben Gäste kam keiner ber Blauweißen recht zum Schuß. Die Marburger waren in der Verteidigung zäh und unermüdlich und machten es ben Stürmern ber Spielvereinigung sehr schwer, sich burchzusehen. In ber 30. Minute entwickelte sich wieder eine heftige Kampfszene vor bem Gästetor, aber in ber allgemeinen Aufregung kam man wieder nicht zum befreienden Torschuß. Ein scharfer Schuß auf das Tor wurde vom Marburger Tormann (der übrigens ganz ausgezeichnet hielt) glan- flenb abgewebrt Erft in ber 3* Minute brach der Bann. (Jin Handelfmeter wurde von Bromw glatt Derro?nbelt, obwohl ihn bie Marburger burch ein plötzlich erhobenes Iirdianergeheul irre zu machen versuchten. Unter allgemeinem Gelächter ging ber Ball aber sicher in bas Netz. Nach bem Seitenwechsel flaute bas Spiel etwas ab. Die Mannschaften hatten sich in ber ersten Spielhälfte sehr ausgegeben. Zwar ging ber Ball nach wie vor flott hin unb her, aber zu ben stürmischen Angriffen ber ersten Halbzeit kam es nicht mehr. Der weitere Kampf spielte sich meist in ber Spielfelbmitte ab, zäh wurde gekämpft, viel kombiniert unb zwar auf beiben Seiten, ber Erfolg war aber gleich Null. Die wenigen Bälle, bie auf bie. Tore gingen, würben von ben Hütern sicher gehalten. Nur einmal würbe ber Marburger Tormann burch einen Ball von Grünewalb überrascht, ber haarscharf an ber Latte vorbei in bas Netz ging. Eine nicht ganz verstänbliche Entscheibung bes Schiebsrichters versagte bem Tor bie Anerkennung. Gegen Schluß bes Spieles vergab Luft freistehenb eine Chance, inbem er weit Daneben- schoß. Insgesamt waren bie Blauweißen etwas besser, Tormann, Verteidiger unb Läuferreihe ohne Tadel. Leiber floppte es im Sturm wieder nicht Das Ergebnis hätte sonst anders gelautet. Die Marburger waren technisch nicht schlecht aber sehr unklar und unsicher in ihrer Kombinationsarbeit. Das Spiel wurde sehr fair geführt. Der Schiedsrichter konnte wenig befriedigen. Die zweite Elf der Spieloereinigung spielte auf eigenem Platze gegen die 2. Mannschaft von Collar unentschieden 2:2. Die Schüler verloren gegen die Schüler von Watzenborn-Steinberg mit 0:1 Toren. GauUga - Verbandsspiele im Gau XII (Nordbesten). Aus ber großen Zahl ber überrafthenben Ergebnisse, bie ber Sonntag im Gau Xll (Norbhessen) brachte, ist besonders die Niederlage von Hanau 93 gegen Hessen Hersfeld mit 1:2 (1:2) zu erwähnen. Aber auch sonst gab es Verblüffendes genug. Der VfB. Friedberg tarn gegen Herrnannia Kassel nur zu einem knappen 4:*-(3:l=)Sieg, Borussia Fulda besiegte den Spielverein Kassel nur 2:1 (2:1), und mit 7:3 (5:2) war Kurhessen Marburg über Sport Kastel siegreich. SC. 03 Kassel schlug Kurhesten Kassel 3:1 (2:0). Spiele Tore Punkte Hanau 93 6 20:5 10:4 VfB. Friedberg 7 19:13 10:4 SC. 03 Kassel 6 14:9 9:3 Kurhesten Kassel 6 18:11 8:4 Borussia Fulda 6 11:8 8:4 Hessen Hersfeld 6 7:7 7:5 Spielverein Kassel 5 7:9 4:6 Kurhesten Marburg. 5 15:19 2:8 Sport Kastel 6 7:26 2:10 Herrnannia Staffel 6 7:18 0:12 Aus anderen Gauen. In Sonern blieb München 60 durch einen 2:0-6ieg über ASN Nürnberg vorne, während die Augsburger Schwaben im 1:2-Spiel gegen Schweinfurt 05 ihre ersten Punkte einbüßten und nun mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen müllen. — Württembergs Tabellenführer ist weiter Union I Böckingen. Die Leute aus ber Heilbronner Vorstadt besiegten diesmal den SC. Stuttgart mit 2:1. Unerwartet hoch fiel der 5:0-Sieg der Stuttgarter Kickers über den SSV. Ulm aus. — In Baden trafen beim Spiel KFD. — FFC. bie beiden Tabellenersten zusammen. Da sie sich mit einem 2:2 trennten, so haben sie ihre Posittonen gehalten, ber KFD. führt immer noch mit zwei Punkten Vorsprung. Die Sensation bes Tages wirb aus Dresben ge- melbet, wo ber DSC. feinen alten Rivalen Guts Muths mit nicht weniger als 7:0 Treffern schlug. Unerwartet kam auch bie 1,3-Nieberlage, bie sich ber HSV. zuhause im Kampf gegen Holstein Kiel holte. Handball der Sp.-Dg. 1900 Die erste Handballelf weilte zum ersten Pflichtspiel in Hachenburg und mußte Dort eine Niederlage von 2:4 Toren hinnehmen. Die 2. Handballmann- schäft spielte gegen bie Mannschaft bes Id. Beuern und gewann mit 14:4 Toren. Kurze Sportnotizen. Im Interesse einer einheitlichen Schießlport- Organisation hat sich das Nationalsozialistische Schießsportkartell aufgelöst und seine Einzelmitglie- der sowie die ihm angeschlossenen Organisationen dem Deutschen Schießsport-Verband zugeführt. Norditalien schlug Branbenburg bei einem Fußball-Freundschaftskamps in Berlin vor 35 000 Zuschauern knapp mit 1:0 (1:0). Branbenburg B besiegte Pommern mit 5:1. Nach einem 23jährigen Bestehen löste sich ber Deutsche Hockey-Bund bei seinem Bundestag am Sonntag im Berliner Haus ber Deutschen Presse als felbftänbige Organisation auf. Der Deutsche Hockey-Bund bleibt als Fachsäule im „Deutschen Tennis- unb Hockey-Berband" jeboch weiter bestehen. Olympiasieger Oscar Friman ist in Biborg, wo er als Ringkampflehrer tätig war, im Alter von 40 Jahren mitten in feiner Lehrtätigkeit einem Herzschlag erlegen. Friman gehörte zu ben besten Slmateurringern der Wett, wurde in Antwerpen und Buris Olympiasieger und gewann zehn Jahre hintereinander die finnische Meisterschaft. Der International Board, die Regelkommission für ben gesamten Fußballsport, hält feine nächste Sitzung im Anschluß an bie Fußball- Weltmeisterschaft am 2. Juni in Cannes ab. Deutschland-Belgien 8:1 (2:0). Nach 20 langen Jahren spielte Deutschlands Fuß- ball-National-Els zum ersten Male wieder gegen Belgien. Zu diesem Ereignis hatten sich im Duisburger Stadion etwa 30 000 Zuschauer eingefunden. Die mannhaften: Die beiden Mannschaften traten in folgenden Aufstellungen an: Deutschland: Buchloh (Speldorf); Hundt (Essen), Busch (Duisburg); Janes, Bender, Bräuer (alle Fortuna Düsseldorf); Albrecht, Wigold (Fortuna Düsseldorf), Hohmann, Rasselnberg (beide VfL. Benrath), Kobierski (Fortuna Düsseldorf). Belgien: Braet (Brügge); Debefen (Antwerpen), Smellinck (St. Gilloise); van Ingelgem (Brüssel), Hellemans (Mecheln), Declercq (Antwerpen; Torffsch (Brüssel), Voorhof (Liersche SÄ.), Lamoot (Brüssel), Sapes (Brügge). Weydijch (Brüssel). — Als Schiedsrichter amtierte zur vollen Zu- friebenheit ber bekannte Schwebe Otto O l s o n. Oas Spiel vor her Pause ließ bereits bie technische unb taktische Ueberlegenheit ber beutschen Mannschaft klar erkennen. Die Deutschen gingen sofort zum Angriff über unb fanben sich gut zusammen. Die Kombinationen bes beutschen Sturmes würben sehr schön oorgetragen. Mit ber Zeit tauten aber auch bie Gäste etwas auf. Ihre schnellen Flügel kamen einigemale sehr gefährlich vor bas Tor Buchlohs, doch zeigte sich bie- fer sehr sicher. In ber 20. Minute fiel bann ber erste Treffer für Deutschland Rasselnberg schloß einen Angriff ber linken Seite mit unhaltbarem Schuß ab. Schon neun Minuten später kam bann Hohmann mit einem zweiten beutschen Tor zum Zuge. Aoch sechs deutsche Tore . . . Nach bem Wechsel übernahm unsere Mannschaft sofort wieder das Kommando. Die Stürmer, die vorher ziemlich oft auf bie bekannte Abseitstaktik ber Belgier hereingefallen waren, stellten sich nun bebeutenb bester und machten dadurch den Belgiern die Abwehr immer schwerer. Die beiden Flügel Albrecht unb Kobierski wurden von Bender mil Bällen geradezu gefüttert. Der Lohn blieb nicht aus. Schon in ber brüten Minute konnte Wigold einen von Braet zu kurz abgewehrten Ball im Nackschuß zum britten Treffer verwanbeln. Vom Wieoeranstoß weg kombinierte sich ber deutsch« Sturm wieder sehr schön durch und Hohmann konnte Braet erneut schlagen; 4:0 für Deutschland. Daraufhin wurden unsere Spieler haushoch überlegen. Die Belgier bekamen fast keinen Ball mehr an die Beine. Die achte Spielminute brachte bereit» bas 5:0. Diesmal war Albrecht ber Torschütze. Bet ben Belgiern machte sich eine immer größere Depression bemerkbar. Eine schöne Einzellesttung von Kobierski führte burch Wigold zum sechsten Tor. Bald darauf lenkte Hohmann zum siebten Treffer ein. Die Belgier versuchten noch einmal mit aller Macht bas Ergebnis zu verbessern, vergeblich. Fünf Minuten vor Schluß würbe Hohmann von einem Ball in ber Magengrube berart heftig getroffen, baß er ohnmächtig vom Platz getragen werben mußte. Auch mit nur vier Stürmern blieb unsere Mannschaft klar überlegen. Drei Minuten vor bem Abpfiff schraubte Kobierski bas Ergebnis auf 8:0. Man wartete bereits auf ben Schlußpfiff, als bem Belgier Lamoot noch ein Durchbruch und barmt ber Ehrentreffer gelang. Kurze Kritik. Deutschlanb hat hoch gesiegt. Unsere Mannschaft war um Klassen besser. Im Zusammenspiel, in ber Technik unb Ballbehanblung, in ber Schnelligkeit unb im Ideenreichtum. Die Belgier hatten Dem kaum etwas Gleichwertiges entgeaenzusetzen, ihre Spielauffassung war primüioer uno ihr technisches Können nicht ausgebilbet genug. Die Mannschaft mußte sich daher in der Hauptsache mit der Verteidigung abgeben Im Gesamten haben die enttäuscht, man hatte mehr erwartet. Obecheffen. Stadtratssihung in Buhbach. pb. Butzbach, 21. Oft. In ber jüngsten Stabtratssitzung wurde folgendes beschloßen: Zur Schlichtung des zwischen der Stabt Butzbach unb ber Provinz Oberhessen bestehenden Streites über bie Strompreise ist vom Hessischen Staatsministerium ber Direktor bes Elektrizitätswerkes Rheinhessen AG. in Worms, Dipl.« Ing. Radtke, als Sachverständiger ernannt worden. Der Sachverständige verlangt vor (Einleitung der Verhandlung die Unterzeichnung eines Reverses, wonach bie Stabt Butzbach verpflichtet wirb, die von ihm zu fäUenbe Entscheibung als rechtsverbind- lich anzuerkennen. Der Stabtrat genehmigt die Ausstellung des Reverses. Zur Errichtung eines Schwimmbades hat die Stabt an ber sogenannten „Kleinen Bach" Gelände erworben. Die von ber Spülgasse zum Gamdacher Weg führenbe Saugasse ist somit überflüssig geworben unb soll in ben Bereich bes Schwimmbabes einbezogen werben. Es wirb beschlossen, bie Saugaste als öffentlichen Weg aufzuheben. Der Stabtrat beschloß am 19. Mai d. I., bei allen Einkäufen nur ortsansässige deut- sche Gewerbetreibenbe arischer Abstammung zu berücksichtigen. Nach einem Erlaß bes Herrn Reichswirtschaftsministers unb bes Herrn hessischen Mini- fterpräftbenten barf ber Grundsatz: „Gemeinnutz Seht vor Eigennutz" nicht an die Grenzen unb nteressen einzelner Stäbte ober ßänber gebunben werben, da dies zu schweren Schädigungen der Ge- samtwiNschaft führen würde, wenn jede Stabt unb jedes Land den Grundsatz vertreten wolle,^daß künftig ihr Bedarf nur von Firmen ihrer Stadt oder ihres Landes gedeckt werben bürfe. Den beiben Erlassen gemäß beschließt ber Stabtrat, seinen Beschluß vom 19. Mai, insoweit ber Einkauf nur bei ortsansässigen Firmen vorgenommen werden barf, wieder aufzuheben Weiterhin beschließt der Stabtrat, die Bürgersteuer für 1934 in gleicher Höhe wie im laufen- den Jahr, d. i. 500 v. H. des Reichssatzes, zu erheben. Landkrets bhcßcn £ Wieje ck, 21. Okt. Gestern abend fand eine Sitzung des Gemeinderats statt. Der Beitritt der Gemeinde zum Reichsumschuldungs- verband wurde beschlossen. Die vom Kreisamt oorgeschlagenen Aenderungen der Realsteuersätze wurden wie folgt genehmigt: für land- und forstwirtschaftlich genutztes Gelände von 70,4 auf 70,5 von 100 Mark Steuerwert, Gewerbekapital von 83 auf 87,5 und beim Oeroerbeertraa von 285,2 auf 285. Um die werteschaffcnde Arbeitslosensür- sorge zu betreiben, wurde beschlossen, auch In der Gemeinde Wieseck eine Anzahl Notftandsar- beiten ausführen zu lassen. Ein Erichen des Landeskirchenamtes, wonach die Gemeinde beim Orgelspiel bei Trauungen zwei Fünftel ber Kosten übernehmen sollte, wurde vorn Gemeinderat abgelehnt. ch. Harbach, 22. Okt. Dieser Tage ereignete sich 1 auf ber Straße Harbach—Grünberg ein schwerer Unglücksfall. Der Arbeiter K Münch aus Harbach stürzte infolge Bruches ber Gabel feines Fahrrades so unglücklich auf bie Straße, bah er mit einer Gehirnerschütterung bewußtlos liegen blieb. Durch ein Auto wurde er In feine Wohnung verbracht. 4 Londorf, 22. Okt. Der Elektro-Installateur Wilhelm Pfeiff von hier stürzte, während er mit dem Verlegen einer Hochspannungsleitung beschäftigt war, von einem ber etwa acht Meter hohen Masten ab, da ihm ber Haltegürtei gerissen war. Der Verunglückte erlitt wie burch ein Wunder -um Glück nur leichtere Verletzungen. Mreid Zricdverg. 3 Münzenberg, 22. Okt. Bor einigen Tagen lief in unserer Gemeinde als In einer ber ersten unseres Hesjenlanbes ber Film „Reichsparteitag 1933 ber NSDAP, zu Nürnberg." Den Münzenberger Teilnehmern gab der Film eine lebendige Wiederholung des gewaltigen Erlebniste» und den übrigen Zuschauern, die von hier, Trais- Münzenberg, Wohnbach und Rockenberg herbeigeeift waren, einen starken Eindruck jener imposanten läge der deutschen Freiheitsbewegung. Zu Beginn lief ein lehrreicher Erziehungsfilm für Haus und Schule unb zum Ende ein geschichtlicher Film „Moskau in Flammen", ber den Untergang des herrschsüchtigen Franzosenkaisers Napoleon L in Rußland und des deutschen Volkes Freiheitsbews» gung vor 100 Jahren zeigte. Stützpunktleiter Metzger schloß mit einem kurzen Schlußwort und einem „Heil" auf Volk unb Führer. Der Besuch von feiten Münzenbergs hätte bester fein können. Nachmittags liefen bie Filme vor ber Schuljugenb. Beide Veranstaltungen fanden Im Gasthaus ,Lum Löwen" statt. Kreis -Ilsfeld. ss Grebenau, 21. Okt. Die Mechanisch« Kleiderfabrik Georg Dietrich Bücking, Alsfeld, bie ihren hiesigen Betrieb in letzter Zeit vergrößert hot, beschäftigt gegenwärtig über 80 Personen. Da zur Zeit überwiegend Frauen und Mädchen in Arbeit stehen, will bte Firma durch Verbeste- rung und Vereinfachung ber Maschinen dazu übergehen, nur Männer zu beschäftigen, um damit dem Willen der Reichsregierung Rechnung zu tragen Zur Zeit werden Männer abends nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit angelernt, die in nächster Zeit, sobald bie erforderlichen Maschinen ausgestellt sind, zur Einstellung kommen. Preußen. Kreis Marburg. 0 Fronhaufen, 20. Okt. Bei der Sammlung für die Winterhilfe wurden in unserer Gemeinde etwa 340 Zentner Kartoffel, 84,25 Zentner Roggen und 1200 Mark Bargeld gezeichnet.________ evremuuii&cn der Redaktion. 11.30 blt 12.30 Ahr. 16 bis 17 Uhr. SanutN nachmittag geschlossen.