Nr. 144 Erstes Blatt 185. Jahrgang Freitag, 25.)uni 1935 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Gerüchte um eine Neuordnung im Donauraum Oie Auffassung in Berlin richtete sich deshalb in den oergangi mer mehr gegendieKleineE lenen Jahren im- ; n t e n t e, deren Wien, 22 Juni. (WTB.) Der Landesleiter der NSDAP. Oesterreichs, Proksch, nimmt in einem Ausruf zu dem Verbot der nationalsozialistischen Bewegung durch die Regierung Doll» fuß Stellung. Die Führung der RSDAP Oesterreichs, so heißt es darin, habe niemals anders, als mit legalen Mitteln ge- kämpst und niemals Gewalttaten veranlagt oder gebilligt. Das gelte auch für die Gewalttaten der letzten Tage, für die die ÄSDAP. jede Verantwortung adle h n e. Die geistigen Urheber und Lehtverant» wortlichen an diesen Taten sind daher auch nicht in den Reihen der RSDAP. zu suchen, sondern Daseinszweck gerade die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Zustandes ist. Schon seit Jahren hat Italien in dem durch den Vertrag von Trianon verstümmelten Ungarn einen Stützpunkt seiner Bal- kanpolitik; doch hat eine Reihe von Zwischenfällen, PoMfd)e(ffonio: zronkfurl am Main 11686. vrvtk ottö Verlag : vrühl'sche Univerfilälr-Vuch- und Steinörudcrei B. Dange in Gießen. 8christletrung und Geschäftrftelle: Zchulftraße 7 Annahme von Lnzeige» für die lagtsnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, ausmärt» 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorschrist 20', mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein undfürdenAn- zeigenteil L D. Th.Kümmel sämtlich in Biesten Die für Donnerstagabend im Berliner Grüne- waldstadion angesetzte Sonnenwendfeier, bei der Reichsminister Dr. Goebbels eine programmatische Rede halten wollte, ist wegen der ungünstigen Witterung aufFreitag,den3 0. Juni.oer- schoben worden. auf der Hermannshöhe der Leiter des außenpolitischen Amtes der NSDAP., Alfred Rosenberg, die Flammenrede hielt. Nach einem geschichtlichen Ucberblick über die großen Linien der Ostpolitik in den letzten Jahrhunderten führte er aus: Die Schicksalsoerbundenheit werde stark genug sein, auch die Ostsee einmal in den Lebensraum einzuschalten, der von Niedersachsen bis nach Upsala reiche. Aber wir müssen verlangen, daß diese jungen Staaten der großen deutschen Nation so gegenüberstehen, wie es die deutsche Na- tion zu fordern berechtigt sei. Das Geschehen unserer Tage werde beherrscht von einem Gedanken: Deutschland! In diesem Gedanken lebten wir. Diesen Gedanken wollen wir alle wahren und diesem Gedanken wollen wir unsere Kraft opfern in Freiheit und Einigkeit. In diesem Gedanken werden wir kämpfen. Wir glauben, daß er nicht nur eine politische Staatsidee verkörpert, sondern eine freie Kulturseele darstellt, und daß die Erkenntnis dieser Kulturseele immer weiter getragen wird. Mehr als für den Gedanken Deutschland zu kämpfen, kann auch Gott von uns nicht verlangen. Während der Rode sanken langsam die hohen Feuerstöße zusammen. Die Menge sang zum Schluß das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied. Erfche«n> tägltd), außei Sonntags und feiertags Beilagen. Die Illustrier!, Biestener FamilienbläNer Heimat >m Bild Die Scholl, $onat$:Be$ugsprel$: JJlU 4 ‘Beilagen RM 1.9b Ohne Illustriert, 1 80 Zustellgebühr . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höhere, Gewalt, Hernforechanschlusse anter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger »iefoen. vielmehr im Schoße jener Regierung, die schamlos genug war oder ist, die Angehörigen der großen deutschen Freiheitsbewegung aller Zeiten m i t denniedrigstenMitteln derSchikane, Provokation und Gewalt so lange zu unterdrücken, bis ihr dann aus den zwangsläufig erfolgten und vorausberechneten Empörungsausbrüchen junger Fanatiker die Handhabe gegeben schien, zu ihrem Verbot, in dem sie das letzte Mittel zu ihrer eigenen Rettung sieht. Die Partei ist verboten, jede Betätigung für sie oder in ihrem Sinne ist unter drakonische Strafe gestellt. Ich enthebe daher formell und öffentlich Oesterreich und Ungarn hinarbeiten, wurden heute in dem internationalen Kreis von Politikern, den die Weltwirtschastskonferenz in London zu- sammengeführl hat, ziemlich lebhaft erörtert. An englischer amtlicher Stelle steht man diesen Projekten offenbar recht ablehnend gegenüber. Von dieser Seite ist man bereits den Gerüchten entgegengetreten, als ob die britische Regierung bereits zu verstehen gegeben habe, daß sie gegen eine Wiederherstellung der Habsburger Monarchie in veränderter Form nichts einzuwenden habe. Oie Kleine Entente stark beunruhigt. „Lieber den Anschluß." London, 22. Juni. (TU.) Die Rachricht, daß Frankreich eine Unterstützung des italienischen Planes für einen engeren Zusammenschluß von Oesterreich und Ungarn gutheiße, hat in den Abordnungen der Kleinen Entente eine ungeheure Aufregung hervorgerufen. Ohre Vertreter traten am Mittwochabend zu einer Sitzung in London zusammen und erwogen die Lage, ganz besonders auch von dem Gesichtspunkt aus, daß Italien letzten Endes sich für dieWieder- herstellung der Monarchie der Habsburger einsehe. Vene sch will nunmehr in Paris eine Gegenmine legen und Da- ladier von seinen Plänen abbringen. F r a n i - Vertraue« aus 1SZ jähriger enger Verbundenheit mit allen Volksschichten der Heimat ist die freie Grundlage der Anhänglichkeit und Treue zu deinem Heimatblatt dem Gießener Anzeiger wie die Angelegenheit von Szent Gotthard im Jahre 1928 und von Hirtenberg im Frühjahr 1933 gezeigt, wie behindert Italien durch die räumliche Trennung von Ungarn ist. Der Weg nach Ungarn und überhaupt zu einer tiefen Politik auf dem nördlichen Balkan führt über Oe ft er- reich. Die Wiederher st ellung einer engen Union zwischen den Äernlanben und der alten Donaumonarchie, die eine starke Anziehungskraft nach Süden ausüben würde, ist daher das italienische Ziel, das mit der Politik Frankreichs und noch mehr mit derjenigen der Kleinen Entente inWiderspruch steht. Man muß abwarten, wieweit Frankreich, das neuerdings auf ein gutes Verhältnis zu Italien besonderes Gewicht legt, den italienischen Wünschen entgegen kommen wird, die es als verkappten Anschluß, zugleich aber auch als ein Mittel zur Verhinderung des eigentlichen Anschlusses betrachtet. Leiftunse« im Dienste von Heimat und Vaterland auf allen Gebieten des öffentlichen Tedens, der Kultur, Kunst und Wissenschaft sind vornehme Werber deines Heimatblattes des Gießener Anzeigers Diese Entschließung stellt einen Ersatz für den früheren amerikanischen Vorschlag einer lOpro- 3 e n t i g e n Herabsetzung der Zölle dar, der vorige Woche von der amerikanischen Delegation wieder zurückgezogen worden war. Pessimismus in Frankreich. Paris, 23.3uni. (WTB.-Funkfpruch.) Der Anhalt der amerikanischen Rote über die Währungsfrage wird von der französischen Presse pessimistisch beurteilt. Man spricht daher von der Möglichkeit einer Vertagung der Konferenz bis Oktober. Der in London weilende Auhenpolitiker des »Echo de Paris" schreibt, der Weltwirtschaft sei durch die amerikanische Erklärung ein tödlicher Schlag versetzt worden. Auch »Matin" nennt die Lage aussichtslos. könnten die Aussichten der Konferenz nur recht trübe werden, weil den Verhandlungen die p r a k - tische Grundlage fehlt, ohne die keine greifbaren Ergebnisse erzielt werden können. Ein neuer amerikanischer Vorschlag zur Beseitigung der Handelsschranken. London, 22. Juni. (WTB.) Staatssekretär H u 11 legte im Namen der amerikanischen Delegation dem Wirtschaftsausschuß der Weltwirtschaftskonferenz eine Entschließung für die schrittweise Herabsetzung und Beseitigung künstlicher Handelsschranken vor. In der Entschließung wird gesagt: Aufnahme oder Fortsetzung einer Politik des extremen Wirtschaftsnationalismus und weiterer Erhöhung der Handelsschranken mit Diskriminierungen sind gegen bas gemein (ame Interesse. Einfuhrverbote, Kontingente und andere willkürliche Beschränkungen sollen völlig und rasch beseitigt werden. Zollschranken sollen so rasch wie möglich durch zweiseitige oder vielseitige Vereinbarungen auf einen Stand herabgesetzt werden, auf dem der Handel in normaler Weise funktionieren kann. Es ist dafür zu sorgen, daß in den Vereinbarungen keine B e - stimmungen enthalten sind, die zwar jedem Vertragschließenden Vorteile gewähren, aber un- . günftige Wirkungen auf den Welthan- del als Ganzes ausüben. 1 Ein italienischer Vorstoß gegen die Kleine Entente. — Restauration der österreich-ungarischen Donaumonarchie? — Die französische Sphinx beginnt im Gießener Anzeiger ein neues vornan werk in täglichen Fortsetzungen Neu hinzutretende Besteller erhallen den Gletzenev Anzeiger einschließlich seiner eigenen Beilagen Gießener Familienblätter Heimat im Bild Oie Scholle kostenlos bis zum Monatsende, dann zum Bezugspreis von 3WT 1.80 für den Monat nebst 25 Pfennig für Trägerlohn Der wahlfreie Äezug der Illustrierten "des Gießener Anzeigers die iniMng mit anderen deutschen Heimat, blättern von Berlin aus herausgegeben wird, stellt sich auf 15 Pfennig monatlich Berlin, 22. Juni. (ERB.) In Berlin wird zu diesen Erörterungen über die politische Zukunft des Donauraumes folgendes erklärt: Die italienischen Pläne sind schon lange kein Geheimnis mehr. Italien fühlt sich als Erbe der Balkan-Inter- essen der alten Donaumonarchie, deren Gegnerschaft zu Serbien sich in verschärfter Form in dem gespannten italienisch-südslawischen Verhältnis fortsetzt. Wenn Jtcklien von Revisionen spricht, meinfr es vor allem territoriale Veränderungen an der Küste und imHinterland des Adriatischen Meeres, und seine Politik Gonnenwendfeier an der Ostfeekufie. Berlin, 22. Juni. (TU.) Die Ostkundgebungen in Lübeck-Travemünde fanden am Mittwochabend mit einer großen Flammenrede Alfred Rosenbergs ihren Abschluß. Auf ein Leuchtraketensignal vom Flugzeug aus flammten an der ganzen O st - seeküste Mecklenburgs bis hinauf ins schleswig. holsteinfche Gebiet 500 Holzstöße auf. Zehntaufende von Zuschauem waren zum Test von weit her nach Travemünde gekommen, wo ReueUeberraschung in London Amerika lehnt sofortige Währungsstabilisierung ab. £ o n b o n, 22. Juni. (TU.) Die Sensation auf der Weltwirtschaftskonferenz war am Donnerstag eine Erklärung der amerikanischen Abordnung, daß nach Auffassung der Regierung der vereinigten Staaten die Vorschläge für eine zeitweilige de-facto-IDäIjrungsftabilificrung verfrüht seien. Den Erörterungen über diesen Plan habe man eine ju große Bedeutung beigelegt. Amerika begründet diese Ausfassung damit, daß seine Anstrengungen zur Hebung der preise der wichtigste Beitrag sei, den sie leisten könne, und daß alles, was diesen Bemühungen hinderlich sei, für die Konferenz von vornherein eine schädlichewirkung haben würde, da ein unmittelbares Einvernehmen in der Frage der Stabilisierung nicht vorhanden sei. Die amerikanische Regierung habe bereits eine Entschließung jugunften einer endgültigen Stabilisierung der Devisen, die nicht ft a b i l seien, eingebracht und ihre Unterstühung den Maßnahmen zur Wiederherstellung einer den Rationen angepaßten währungs- und Finanzpolitik angedeihen lassen, um der Wirtschaftstätigkeit einen Anreiz zu geben und die preise zu erhöhen. Gedrückte (Stimmung. London, 22. Juni. (TU.) Die ablehnende Hal- tung Amerikas gegen eine sofortige zeitweilige Wäh- rungsstabilisierung wirkte niederschmetternd auf die allgemeine Stimmung in der Konferenz, obwohl die amerikanische Erklärung keineswegs unerwartet kam. Macdonald, der von den amerikanischen Absichten schon vorher Kenntnis erhalten hatte, hatte schleunigst das Bureau der Konferenz zu einer Sitzung einberufen, in der über die neuentftanbene Luge beraten wurde. Er hatte außerdem eine Reihe von Einzelbesprechungen, darunter mit dem amerikanischen Staatssekretär Eox und dem französischen Finanzminister Bonnet, der nach Veröffentlichung der Erklärung geheimnisvoll sagte: „Sehr gut". Die Amerikaner rechnen es sich zum Verdienst an, eine klare Lage geschaffen zu hoben. Die Engländer betrachten die Lage ernst und geben zu verstehen, daß die Verhandlungen im Wahrungs- ausschuß keine Fortschritte machen tonnen, ehe nicht der amerikanische Unterstaatssekretär Molley in London eintrifft. In französischen Kreisen hört man bereits das Wort: Dies gibt der Kon- ferenz den Todesstoß!" Deutscherseits wird es natürlich bedauert, daß die Aussichten auf eine baldige Währungsstabilisierung geschwunden sind Man habe sie als die unbedingt notwendige Voraussetzung für die Regelung aller anderen Fragen einschließlich der wirtschaftlichen angesehen. Sollten die Amerikaner, wie es ziemlich sicher zu sein scheint, auf ihrem ablehnenden Standpunkt verharren, so reich, sagt der diplomatische Mitarbeiter de« Daiü; Telegraph" würde jede andere Lösung der Donaufrage, ausgenommen den Anschluß Oe st erreichs an Deutschland, gutgeheißen. Die Kleine Entente möchte aber lieber den Anschluß, als die Wiederherstellung der österreichisch-ungarischen Monarchie sehen. Wegen deS Anschlusses, so sagte ein Vertreter der Kleinen Entente würde diese kaum zum Kriege gegen Deutschland schreiten, aber sie würde sofort mobilisieren, sobald der Versuch zur Wiederherstellung der Donau-Monarchie gemacht würde." Ungarn dementiert. Budapest, 22. Juni. (WTB.) Gegenüber den in den letzten Tagen in der ausländischen Presse erschienenen Mitteilungen über eine Habsburg- Restauration, eine österreichisch-unga- rische Personalunion und über ähnliche Dinge wird von kompetenter ungarischer Stelle auf die Parlamentsrede des Ministerpräsidenten @ ö rn- bös verwiesen, worin er erklärte, daß die Königsfrage nicht aktuell, die Personalunion aber unerwünscht ist. In maßgeben- den politischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß diese Auffassung des Ministerpräsidenten von der öffentlichen Meinung des ganzen Landes geteilt wird. Eben deshalb werden die im Auslande aufgetauchten Sensationsmeldungen in das Land der Märchen verwiesen. Die Weilersühnmg des Kampfes gegen SMnß Ein Aufruf des Landesleiters der österreichischen NSDAP. Paris, 22. Juni. (TU.) Am Donnerstag finden, wie der „Paris midi" ankündigt, am Quai d'Orsay wichtige politische Verhandlungen statt. Paul-Voncour wird dort den tschechischen Außenminister Venesch, den südslawischen Außenminister Ieftitsch und den Hnterstaats- sekrelär des italienischen Außenministeriums, S u v i ch , empsangen. Es handelt sich um Verhandlungen über den Plan einer österreichisch-ungarischen Monarchie, der nach dem Pariser Mittagsblatt von Mussolini unterstützt wird und dem England und gewisse französische Kreise wohlwollend gegenüberstehen sollen. Die Minister der Kleinen Entente werden jedoch dem französischen Außenminister auseinandersetzen, daß ihrer Ansicht nach der Plan eines österreichisch-ungarischen Blockes ebenso ob- zu 1 ehnen ist wie der Anschluß. Paul-Boncour soll versuchen, den beiden Außenministern der Kleinen Entente aufklärende und beruhigende Erklärungen abzugeben, und sie darauf aufmerksam machen, daß es sich lediglich darum handele, die zwischen den Donauländern bestehenden (wirtschaftlichen, nicht politischen) Bindungen zu starken. Vom Quai d'Orsay wird erklärt, daß es sich bei der Meldung des „Paris midi" um eine glatte Erfindung handele. Der größte Teil der genannten Persönlichkeiten b e s i n d e sich nicht in Paris- — Der dem Außenministerium nahestehende „Temps" veröffentlicht außerdem folgende Mitteilung: Zu dem Plan einer österreichisch-ungarischen Union erklärt man an zuständiger Stelle nachdrücklichst, daß die Gerüchte, nach denen ein solcher Plan gegenwärtig Gegenstand von Verhandlungen zwischen der französischen Regierung und Vertretern der Kleinen Entente bilde, aus einem völligen Irrtum beruhe. Soweit die amtliche Stellungnahme. Immerhin steht fest, daß der südslawische Außenminister seit Mittwoch abend in Paris weilt, daß Paul- Boncour am Mittwoch den rumänischen Gesandten und am Donnerstag den Apostolischen Runtius und den tschechischen Gesandten empfangen hat, und daß der tschecho- slowakische Außenminister B e n e s ch am Samstag in der französischen Hauptstadt erwartet wird. Es ist daher verständlich, daß man in französischen politischen Kreisen das heutige amtliche Dementi mit Mißtrauen aufnimmt. „Diese Dementis', so schreibt das „Journal des Debats", erinnern an die Ableugnungen zu Beginn der Verhandlungen um den Viererpakt. Wahr ist, daß der italienische Plan vorhanden ist und daß die wichtigsten Regierungen Kenntnis von ihm haben. Die Erregung, bie er in Greifen der Kleinen Entente hervorgerufen hat, steht ebenso wenig außer Zweifel. Man muß wünschen, daß die französische Regierung sich nicht auseinengefährlichenWegeinlassen wird. Auf alle Fälle vermittelt sie durch die Verneinung vorhandener Tatsachen nicht den Eindruck, daß sie Widerstand zu leisten beabsichtigt. Leider gibt es allzuoft eine halbamtliche Wahr- peil und eine nackte und einfache Wahrheit." Der „Paris Soir" schreibt: In unterrichteten Kreisen fei man der Ansicht, daß die einzig mögliche Lösung der mitteleuropäischen Frage in der Verwirklichung eines wirtschaftlichen Abkommens liege, das alle Donau st aaten umfasse England zurückhaltend. London, 22. Juni. (ERB.) Die plötzlich in Umlauf gekommenen Gerüchte über Projekte, die auf einen engeren Zusammenschluß zwischen Uhr. SoiMtof "dtagsabgr. ron hi«, ein bt- ■ und Funktionär ermittelt und i° len d« °n \8aR ?tr- ’ d. h tn, wilder. Hi. K" 'UMoren ‘immer i,’ Är,Uti ;'ttoQgen von Uandamate. S1 an den Tua ^am|t gibt, bt> 5? Summen ba. [b und mar 2°dter Liebig. A.deni etaail ^utzhaft gt. erlaufSpieise tour: entungäaltion ta n des Teschäste- i der Durchschnitts richtsjahr um ein: Dorjahre getvesn nn- und Verlust. jf ietriebserlöS do: mit dem Dorjah'i DOOO M jutüd- 170 M Gewinn, etoinn von 399 87) ’ teilung einer Divi- f die Stammaktie t auf die Torzugt- - mi. Sie Abendböri hezu absolut«' , iet Kundschaft, not gendwie bemerken , Sich Slagnatü: dafür [ein, daß d<: ibsbörfen jum Trq t r cd)lufo meift a!> . um 1 Prozent °M Mn 0,25 ProzerM t war überwi«, ! waren iJleubefih r iod) bröckelten eiet t ab. Am Auslan> d Mexikaner gut? lftslosigkeit traten i inöerungen nach k ■ . im Nahmen eint V 11,70, Altbesitz | 62,50, Schutz«»'« | Sold'Mexicaner 6r 1 jchsbank 143,50, ( Salzdetfurth hl/ > 62.50, MG. 23,25, Ardä nent Heidelberg i 47, Licht & Goldschmidt 49, N 1 62 bis 61, W1* >. Lloyd Grimberg. » M I 36t Ä* , 13 S* L 1‘ö IM»« “ alle Führer und Amtswalter der NSDAP. (Hitler-Bewegung) Oesterreichs ihrer Aemter und entbinde alle Parteimitglieder ihrer bisherigen Verpflichtungen im Sinne der Vereinssatzungen. Die Bewegung aber lebt, und zwar nie so stirk wie in dieser Stunde. Der Kampf, der nun beginnt, wird sich auf jener Ebene bewegen, auf welche die Regierung Dollfuß selber ihn verwiesen hat und wird sich jener Formen und Mittel bedienen, die zur Erreichung des Zieles notwendig sind und geeignet erscheinen. Das Ziel ist der Sturz der Regierung Dollfuß und die Befreiung Oesterreichs aus Den Händen des ehrvergessenen und oolksverräte» rischen Klüngels, der gegenwärtig im Dienste der Feinde des deutschen Volkes seine Gewaltherrschaft ausübt. Eine Regierung, die sich zum bezahl- ten Büttel erniedrigt, begibt sich jeden Anspruches auf eine moralische und rechtliche Würdigung ihrer Taten. Eine Regierung, die selber unausgefetzt die Verfassung bricht, und nur daourch sich überhaupt am Leben erhält, hat das Recht verwirkt, ihre Gegner zur Achtung der Verfassung anzuhalten. Eine Regierung, die ihre eigenen Gesetze mit Füßen tritt, darf sich nicht beklagen, wenn das Volk jede Achtung vor dem Gesetz verliert und danach handelt. Die Organisation des Kampfes in seiner neuen Form ist in vollem Gange. In den nächsten Tagen bereits werden die Vorbereitungen beendet sein und die nötigen Bekanntmachungen erfolgen. Schwere Ausschreitungen in Krems. Anhänger der NSDAP, vogelfrei. Wien, 22. Juni. (TU.) In Krems a. d. Donau ist es in der Nacht zu Donnerstag zu schweren Ruhestörungen gekommen, die von Wehrmännern des Bundesheeres verübt wurden, denen sich auch frühere Angehörige des sozialdemokratisch ' republikanischen Schutzbundes angeschlossen hatten. Unter der Menge befand sich auch in Uniofrm der Major des Bundesheeres Zotti, der Führer der Kremser Ortsgruppe des unter christlich-sozialem Einfluß stehenden Wehr- bundes, der Standesorganisation der Wehrmänner. Die Menge versuchte, ein nationalsoziali- stisches Verkehrslokal zu {türmen, ein Gasthaus, dessen Schild „Zum Dritten Reich" schon seit einigen Tagen auf Anordnung der Bezirkshauptmannschaft verhängt sein muß. Ebenso wurde ein Sturm auf das Geschäft eines verhafteten SA.-Führers versucht. Die gegen die Demonstranten eingesetzte Gendarmerie erroies sich als zu schwach. Die Demonstranten sammelten sich wieder an anderen Stellen und überfielen Nationalsozialisten, die vielfach nieder- geschlagen und mit Füßen getreten wurden. Erst, als die Alarmkompanie der Garnison eingesetzt wurde, gelang es, die randalierenden Wehr- männer in die Kaserne zurückzudrängen. In der Druckerei Faber in Krems, die eine Reihe verbreiteter und angesehener Lokalblätter her- ausgibt, ist eine Abteilung von 12 Mann Infanterie einquartiert worden. Die Kanzlei der Verlagsdruckerei in S t. P ö l t e n ist versiegelt worden. Dadurch ist das Erscheinen der Blätter unmöglich gemocht, obwohl gegen sie ein Verbot nicht verhängt worden ist. Der journalistische Leiter und Mitbesitzers des Unternehmens, Dr. Herbert Faber, befindet sich seit der Polizeiaktion gegen die Nationalsozialisten im Wiener Landgericht in Haft. „Lleberschreitmia der Notwehr." Wien, 22. Juni. (WTB.) Nach zweitägiger Verhandlung wurde in Graz heute der Prozeß gegen den Techniker Karl Fischer, einen Sozialdemokraten, zu Ende geführt. Fischer hatte im Streit mit einer Klebekolonne einen 21 a» tionalsozialisten erschossen. Da die Geschworenen die Hauptfrage auf Totschlag verneinten, wurde Fischer nur wegen Heberschreitung der Notwehr zu der erstaunlich milden Strafe von fünf Monaten strengen Arrest mit drei Jahren Bewährungsfrist verurteilt. Haussuchungen in der Pfalz. Neustadt a. d. H., 22. Juni. (WSN.) Bei verschiedenen Mitgliedern der Bayerischen V o l ks° Partei wurden Haussuchungen gehalten, so u. a. bei der Kreisgeschäftsstelle der Partei und bei dem Reichstagsabgeordneten Geheimrat Dr. Bayers- d ö r f e r. Bei letzterem soll verschiedenes Material der Bayerischen Volkspartei-Korrespondenz b e - schlagnahmt worden sein, während — wie man hört — die Durchsuchungen bei der Kreisgeschäfts- stelle, die über zwei Stunden in Anspruch nahm, ergebnislos verlief. Auch in Landau wurden bei führenden Persönlichkeiten der Bayerischen Volks- Partei und des Zentrums sowie in den Geschäftsräumen des „Rheinpfälzers" Haussuchungen wegen vermuteter Beziehungen zu den Christlich-Sozialen Oesterreichs oorgenommen Der Vorsitzende der BVP. Landau, Studienrat Haas, wurde für die Dauer der Haussuchung festgenommen. Das beschlagnahmte Material wird zur Zeit gesichtet. Oie Aktion gegen die SpO. in den Parlamenten. Berlin, 23. Juni. (VDZ. Funkspruch.) In Ausführung des Betätigungsverbotes gegen die SPD. ist die entsprechende Aktion im Reichstage, Preußi- schen Landtag und Preußischen Staatsrat eingeleitet worden. An sämtliche Sozialdemokraten sind in den genannten Häusern Aufforderungen ergangen, unverzüglich ihre Freifahrtkarten zurückzu- senden. Die sofortige Diätensperre für die sozialdemokratischen Abgeordneten bedeutet einen nicht unbeträchtlichen materiellen Gewinn für die Staatskasse, der allein bei der sozialdemokratischen Reichs- tags- und preußischen Landtagsfraktion mit 1411200 Reichsmark im Jahre zu errechnen ist. Eine Anweisung der Präsidenten ist zu erwarten, wonach sozialdemokratische Abgeordnete die Pariamentsgebäude nicht mehr betreten dürfen. Eine Ludwig-Müller-Spende der Deutschen Christen. Berlin, 22. Juni. (TU.) Wie der „Zeitungsdienst" mitteilt, hat der Reichsleiter der Glaubens- bewegung der Deutschen Christen D. Hassen- felber folgenden Aufruf erlassen: Der Wehrkreis- Pfarrer Müller feiert am 23. Juni seinen 50. Geburtstag. Ich weiß, daß ihm keine größere Freude bereitet werden kann, als daß man d i e Kampffront stärkt. Ich rufe daher alle Ge- finnungsfreunde auf, sich an einer Ludwig- Müller-Spende zu beteiligen und bitte Zah- lungen, die die Kampffront der Deutschen Christen stärken können, auf mein Postscheckkonto Berlin 154185 zu überweisen. Der Ausnahmezustand über Krems Doppelposten vor dem Gebäude der „Landzeitung"in Krems, die verboten wurde Berliner Blätter zum Betätigungsverbot für die GpO. B e r l i n, 23. Ium. (CNB.l Eine ganze 2en. 'emfommtn ?o,,«0Men btr Körben Den>oten ist, kewn Berufe, "^enberuslich °"n °us diese n ^'rtschahs- "kit dies nicht 'mteinloininen geller Berhall- ammen eines ^steigt. che dem Dop. stoßen gegen evolution und mm werden bestand ihre« WM und nehmen, hbinder- und lung gemacht, lend geringem . um Ärbeits- ewerbezweigen lbstverständlich instellung von »ergehend, der selbftverständ- > Gesellen in chästsbelebung sgesordnt, ein zu richten und . in unterbleiben, und Gewerbe- auch diese mit- Arbeiter einju- lassen, schädigen und den geord- sind dem Kon- ranffurt a. M., 't im Dieder- burd) quer darüber ziehen und lustige Lampions dran- hängen und mit ein paar Freunden eine richtige . „italienische Nacht" feiern. Du kannst dich während deines Urlaubs eingehend mit den Kaninchen be- schäftigen, die du in einer Balkonecke untergebracht hast, und du kannst, wenn dich die Neugier plagen .-sollte, vom Balkon aus leichter in die Fenster deines Nachbarn ober deines Gegenüber schauen, das ist ja immer jo schrecklich interessant! Bist du aber nicht Besitzer eines Balkons, dann brauchst du nicht gleich den Kops hängen zu lassen. Rucke deinen Tisch so weit wie möglich ans offene Fenster, stelle drei Blumentöpfe auf das Fensterbrett, wenn du dann noch das Glück hast, daß die Sonne zu dir hereinscheint, dann brauchst du deine Phantasie gar nicht so sehr anzustrengen, um zu fühlen: hier läßt es sich auch ganz gut erholen! ReichSstatthalter Sprenger in Gießen. und Echusterwerkzeug ist stets die Ahle. Uri ist ewig der Schweizer Kanton; Lie ist immer der nordische Dichter. Als Blutsverwandter gilt meistens der Sohn, Werkzeug zum Füllen bedeutet Trichter. Kleine Fabrikstadt in Baden heißt Oos; russische Halbinsel immer Kola; Schicksal, Bestimmung, erklärt man mit Los, französischer Schriftsteller mit Zola. Kampfbahn Arena und Baumteil hast Ast, Leergewicht Tara, Gebetsschluß Amen. Eines nur hab' ich nicht ganz erfaßt, worauf die Rätseloerfertiger kamen: Ich rate und rate, zerbrech' mir den Kopf, „Zierde der Frauen" seh' ich geschrieben und finde als Lösung tatsächlich: ,Lopfl" — Da ist der Verstand mir stehen geblieben. M. A. Lustschuh tut not! Im Rahmen des ersten Informationskursus über den zivilen Luftschutz fand am Mittwochabend der letzte Vortrag statt. Der Redner, Regierungs-Medi- zinalral Dr. Korturn, sprach über das Thema: „Erste Hilfe und sanitäre Maßnahmen beim zivilen Luftschutz". Der Vortragende machte interessante Ausführungen, zu denen gleichzeitig die Gasschutz- fleräte praktisch vorgeführt wurden. Im Anschluß an den Vortrag fand eine Sitzung in Gemeinschaft mit den Rektoren der hiesigen Volksschulen statt, in der man sich über die Möglichkeiten der Aus- Wertung der im Informationskursus vermittelten Kenntnisse in den Schulen beschäftigte. Mit dieser Sitzung fand der Informationskursus feinen Abschluß. Weitere Jnformationskurse für andere Be« rufsgruppen sollen demnächst stattsinden. Polizeibericht. nW mann eren Äsern eint WldjrÜiNe- früher in W ls eine stattliche schaffen hat Titel „Der Weg von hellernmn id schönen Dee- vielfältigen vor n erfüllte Segen- che Zukunft. teijenbe -1"“ n.n dies geraubt un» o werden von in wirtlich" •» eich ausgefponn ' sss bieten. |el*h I ,8« »«" ,sS neben. zer eMl'Än» toit " jti«! „«'M"» einen 7. An die „Oberhessische DolkSzeitung" in Dietzen werden noch fortgesetzt von Behörden und Privat- Personen Ersuchen um Veröffentlichungen in der Zeitung gerichtet, die jedoch keinerlei Berücksichtigung finden können, da das Vermögen der ..Oberhessischen Volkszeitung" beschlagnahmt und die Geschäftsstelle polizeilich geschlossen und versiegelt ist. Es wird daher gebeten, von weiteren Ersuchen Abstand zu nehmen. Bei den in 6er Stadt und im Kreis Dietzen durchgeführten Maßnahmen gegen die Kampf» gemeinschaft revolutionärer Rationalsozialisten „Schwarze Front" (Oho Etraßer-Bcwegung) wurden durch die Kriminalpolizei und Gendarmerie wichtige Schriftstücke, Rundschreiben aus neuester Zeit und verbotene Broschüren vorgefunden und beschlagnahmt. Aus dem beschlagnahmten Material ist die staatsfeindliche und gefährliche Einstellung der „Schwarzen Front" ersichtlich. Ein junger Mann aus Giehen, der «ls Vertrauensmann und Werber für die „Schwarze Front" tätig war, wurde in Schutzhaft genommen. Infolge der Auflösung des „Grobdeutschen VundeS" wurde schriftliches und sonstiges Material sichergestellt und das Bankkonto gesperrt. Der Fuhrmann Albert G a t h , geboren am 22.8.1907 zu Wetzlar, wohnhaft in Gießen, wurde wegen Beleidigung des Herrn Reichskanzlers feft genommen und der Staatsanwaltschaft zuge- sührt. Gath wurde unter Haftbefehl gestellt. Ein Kaufmann aus Dieben, der erhebliche Vorstrafen erlitten hat, hatte es verstanden, als Mitglied dem Stahlhelm in Frankfurt a. M. beizutreten. Bei seiner Anwesenheit in Giehen wurde er in Schutzhaft genommen und seine Aniformstücke beschlagnahmt. 3n das Konzentrationslager Osthofen wurden wegen antinationaler Betätigung aus der Stadt And dem Kreis Giehen acht Kommunisten Äberführt. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Ober- hessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: 20.15 Ufjr im Zoologischen Institut, Bahnhofstraße 841, Vortrag mit Lichtbildern. „Neueres über den Fein- t»au der tierischen Gewebe". — Lichtspielhaus, Bahn- hofstraße: „An heiligen Wassern". — Sie Frauengruppe des VDA. hält am Dienstag, 27. Juni, im Gasthaus Hindenburg eine Mitglieder- und Werbeoersammlung ab, in der 5rau M. Eger unb Herr Dr. Reusch über die lagung des VDA. in Passau (mit Lichtbildern) sprechen werden. Auf die heutige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht. •* Evangelisch-kirchliche Personalie. Durch die Evangelische ^irchenregierung wurde der Pfarrer Gustav Weißgerder zu Bingenheim auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober ab in den Ruhestand versetzt. ** Eine Achtzigjährige Heute feiert Frau Johanna Kahle, wohnhaft Wetzlarer Weg 11, ihren 80. Geburtstag. ** Beschleunigter Personenzug hält in Dutenhofen. Der beschleunigt verkehrende Personenzug 402 Gießen—Koblenz hält ab Sonntag, 25. Juni, täglich auch in Dutenhofen. Der Zug geht in Gießen um 8.06 Uhr ab, trifft um 8.11 Uhr in Dutenhofen ein und fährt um 8.12 Uhr weiter. ** (Ein langgesuchter Schwindler verhaftet. Der heutige Polizeibericht meldet: Seit 1931 wurde der 28 Jahre alle Vertreter Karl Staut F i ft e r aus Oldisleben (Kreis Sondershausen) wegen Unterschlagungen, Urkundenfälschung und Betrugs von der Slaatsanwaltschasl in Leipzig gesucht. Der Schwindler hatte feine Festnahme bisher dadurch hinausgezögert, daß er immer nur in kleinen Ortschaften und bei Privatleuten Wohnung nahm, ohne sich polizeilich anzumelden. In Gießen hatte er das gleiche Verfahren angewandt, jedoch wurde die Kriminalpolizei auf ihn aufmerksam gemacht, die dann bei Prüfung seiner Personalien entdeckte, daß sie den langgesuchten Schwindler vor sich hatte. Kreis Friedberg. WSR. Bab-Rauheim. 22. Juni. Der Stadtrat hatte kürzlich einen Deschlub gefaßt, wonach städtischen Beamten, Angestellten und Arbeitern da- Vermieten an Kurgäste nicht mehr gestattet war. Die staatliche Kurverwaltung und das Polizeiamt haben jetzt für ihre Beamten und Angestellten ebenfalls ein entsprechendes Verbot erlassen, nachdem die NSDAP, mit einer solchen Anregung an sie herangetreten war. Man hofft durch diese Maßnahmen daS einheimische Dermietgewerbe in seinem schweren Existenzkampf zu stützen. Reichsstatthalter (Spftnger besichtigt Mainzer Betriebe. WSR. Mainz. 21. Juni. ReichSstatthalter Sprenger traf am Dienstagvormittag 11 rihr hier ein, um zuerst der Erdal-Fabrik einen Besuch abzustatten. Der Begrüßung deS ReichS- statthalters im Empfangsraum der Werke durch die Direktion folgte ein Rundgang durch die Räume deS Betriebes. Rach der Besichtigung hielt Reichsstatthalter Sprenger an die Belegschaft eine kurze Ansprache, in der er ausführte, daß er selten einen Betrieb besichtigt habe, der in so weitgehendem Mähe ein in sich abgeschlossenes wirtschaftliches Ganzes darstelle. Er wandte sich gegen eine systemlose und inS Userlose gesteigerte Mechanisierung der Betriebe und deS allgemeinen Lebens überhaupt. Die sinnlose Mechanisierung sei zu einem nicht geringen Teile an der heutigen schlechten Lage schuld. Deutsche Arbeitskraft und deutscher Arbeitswille seien das einzige, was uns aus den letzten Jahren geblieben sei, und diese würden uns auch wieder emporführen. Sein dreifaches ,Sieg-Heil" galt dem Dolkskanzler Adolf Hitler. Direktor Harnischmacher dankte dem Reichsstalthalter für seine Ausführungen und brachte auf das deutsche Vaterland und den Reichsstatthalter ein dreifaches „Sieg-Heil" aus. Um 16.30 Uhr erschien der Reichs st att- Halter mit Begleitung zur Besichtigung in der Sektkellerei Kupferberg. An den Besuch des Dismarckzimmers und die Eintragung in das Gästebuch schloß sich eine Besichtigung des Betriebes. Auf der Kupferbergterrasse, vor dem am Hause angebrachten Bildnis Bismarcks, das mit Girlanden und Hakenkreuzfahnen geschmückt war, begrüßte Ehr. Ad. Kupferberg den Reichsstatthalter in Anwesenheit der Belegschaft und zahlreicher Zuschauer. Der Redner machte den hohen Gast auf die Röte der Sektindustrie aufmerksam und bat ihn, sowohl im Ramen seiner Firma, als auch als Vorsitzender des Gesamtverbandes deutscher Sektkellereien, die Bemühungen dieser Industrie um eine steuerliche Entlastung zu unterstützen. Er gedachte des Kanzlers Bismarck, der zu Beginn des deutsch- französischen Krieges im Hause der Firma Kupferberg weilte, und bezeichnete Reichskanzler Hitler als einen zweiten Bismarck, der Deutschland ebenfalls vor dem Verfall und vor dem Bolschewismus bewahrte. Seine Rede klang in einem dreifachen Sieg-Heil auf das Vaterland, seinen großen Kanzler und Reichsstatthalter Sprenger aus. Reichsstatthalter Sprenger betonte in seiner Ansprache, daß man in dem Betrieb der Firma Kupferberg ein Stück Rationalsozialismus sehe. Rur wenn der Deutsche Arbeit habe, sei auch Deutschland geholfen. Der Aufbau der Arbeit habe mit der politischen Machtergreifung Hitlers begonnen, und dieser wolle die Existenzmöglichkeit des gesamten deutschen Volkes sichern. Doch sei hierzu die Einigkeit des gesamten Volkes notwendig, die große Volksgemeinschaft ohne Ansehen der Person- Der Reichsstatthalter schloß mit einem dreifachen Sieg- Heil auf den Führer Adolf Hitler. Sodann sprachen noch ein Mitglied des Betriebsrats, der REBO und ein Arbeiter der Firma, worauf Etaatskommissar und stellvertretender Oberbürgermeister Dr. Barth dem Reichsstatthalter den herzlichen Dank der Stadt Mainz und der Bevölkerung für seinen Besuch zum Ausdruck brachte. Musikstücke einer SA.-Kapelle und der gemeinsame Gesang des Horst-Wessel-Liedes und deS Deutschlandliedes umrahmten die eindrucksvolle Feier. Gründung des Gaues Heften des Gastwirie-EinheitsverbandeS. WSR. Darmstadt, 22.3uni. Zur Gründungsversammlung des Gaues Hessen im Reichseinheitsverband des Deutschen G a st st ä 11 e n g e w e r b e s e. D. hatten sich heute etwa 800 hessische Gastwirte im Städtischen Saalbau eingefunden. Gauleiter Döring- Darmstadt begrüßte die stattliche Versammlung und namentlich als Ehrengäste Ministerialrat Hechler als Vertreter der hessischen Staats- tegierung, Regierungsrat Blümers vom StreiS- amt, Regierungsrat Schäfer von der Hessischen Handelskammer, und als Vertreter der Reichsleitung des Gaststätten - Gewerbes Direktor Gei st Hard, Berlin, und Müller, Mainz. Den Zweck der Gaugründung legten dann die beiden Vertreter der Reichsleitung dar. 3n seinem Hauptreferat behandelte Direktor Geist- h a r d die bisherige erfolgreiche Aufbauarbeit des Einheitsverbandes zum Wohle des Gaststättengewerbes. Rach Begrüßungsansprachen von Ministerialrat Hechler im Ramen der Ehrengäste und Gauleiter Wolf, Kassel, nahm Gauleiter Döring die Verpflichtung der Mitglieder der neuen Gauleitung vor. Sein Sieg- Heil galt dem Reichspräsidenten und dem Führer Reichskanzler Wolf Hitler. Die Versammlung sang zum Schluß das Horst-Wessel-Lied. Wettervoraussage. Die Reihe der Störungen ist noch nicht beendet. Wahrend sich zur Zeit ein Wirbel über Rorddeutschland bewegt und kühle Ozeanluft nach Deutschland vorschiebt, naht vom Atlantik bereits ein neues Fallgebiet heran. Die Wetterlage geht somit noch keiner Beständigkeit entgegen, wenn auch der zwischen beiden Störungen sich ausbildende höhere Druck eine kurze Besserung bewirkt. Vorhersage für Samstag: weiterhin wolkiges und ziemlich kühles Wetter mit einzelnen Niederschlägen. Lufttemperaturen am 22. Juni, mittags 18,4 Grad Celsius, abends 14,3 Grad; am 23. Juni: morgens 13,4 Grad. Maximum 19,3 Grad, Minimum 10,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Juni: abends 18,6 Grad; am 23. Juni: morgens 15,1 Grad. — Niederschläge 0,9 mm. — Sonnen- scheindauer 1% Stunden. Der Arbeitsdienst in der Forstwirtschaft. Tagung der Zorstbezirksgruppe Alsfeld. Alsfeld, 22.3unL Am Dienstag fand im „Deutschen HauS" zu Alsfeld die erste diesjährige Tagung der ForstbezirkSgruppe Alsfeld statt, an der 35 Forstverwaltungsbeamte und -Anwärter teilnahmen. Außerdem waren Vertreter der Ministerialforstabteilung sowie der Vorsitzende der ForstbezirkSgruppe Gießen anwesend. Forstmeister Rausch, Romrod, der Vorsitzende der ForstbezirkSgruppe, wies in seinen Begrüßungsworten auf die Dichtigkeit des Arbeitsdienstes gerade für die Forstwirtschaft hin, da Wohl im Walde die größte Mögsichkeit Aur Beschaffung nutzbringender Arbeit vorhanden fei. Sodann sprach Forstmeister Dr. Barth, Grebenau, über: „Arbeitsbeschaffung in der Forstwirtschaft". Den Ausführungen sei folgendes entnommen: Die Arbeitsmöglichkeiten im Walde sind durch die dauernde Kreditbeschränkung, die ihrerseits eine Folge der finanziellen Rotlage deS Senates ist, ständig vermindert worden. So kam eS, daß gerade im Vogelsberg die Rot der sonst einen wesentlichen Teil des Jahres im Walde beschäftigten Arbeiter und Kleinbauern dauernd im Steigen begriffen war. Andererseits konnten notwendige Arbeiten aus Geldmangel nicht ausgeführt werden. Durch den freiwilligen Arbeitsdienst und die Rotstandsarbeit konnte ein großer Teil der Arbeitslosen wieder einer geregelten Beschäftigung zugeführt werden. Die Forstämter der ForstbezirkSgruppe Alsfeld umfassen eine Fläche von rund 36 000 Hektar Staatswald und 9000 Hektar Gemeindewald. 3n diesen Zahlen sind die Privatwaldungen nicht einbegriffen. 3 m Wege der Rotstandsarbeit wurden auf dieser Fläche im 3ahre 1932/33 für Staats- und Gemeindewald zusammen durchgeführt: Chaussierungen — 7 Kilometer, Planierungen — 2 Kilometer. Durch den Freiwilligen Arbeitsdienst wurden ausgebaut: Chaussierungen = g Kilometer, Planierungen — 17 Kilometer. Durch die von dem Herrn Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung für das Land Hessen angeregte Landesplanung sind an Arbeiten für die nächsten 10 3ahre im Bereich der Forstbezirks- gruppe vorgesehen: 3m Staatswald: 194 Kilometer Chaussierungen mit einem Kostenaufwand von 1 500 000 Mark und 218 Kilometer Planierungen mit einem Kostenaufwand von 360 000 Mark. 3m Gemeindewald: 65 Kilometer Chaussierungen mit einem Kostenaufwand von rd. 1 000 000 Mk., und 20 Kilometer Planierungen mit einem Kostenaufwand von 38 000 Mk. Von diesen Beträgen werden rd. ein Drittel der Staatskasse zur Last fallen, während der Rest von der ReichS- versicherungsanstalt für Arbeitslosenfürsorge aufgebracht wird. Auf die Frage der Arbeitsform und ihre Anwendungsgebiete eingehend, führte der Vortragende weiterhin aus: Oberster Grundsatz muh sein, sämtliche Arbeiten, die mit ordentlichen Mitteln auszuführen sind, haben den Waldarbeitern und Waldarbeiterinnen zu verbleiben, nur zusätzliche Arbeiten dürfen im Arbeitsdienst oder im Wege der Rotstandsarbeit ausgeführt werden. Außerdem können nicht alle Arbeiten im Walde durch ungelernte Arbeiter gemacht werden, sondern müssen den Facharbeitern erhalten bleiben, wie z. B. der Fällungs- und Kulturbetrieb. \ Wie schon aus der im Rahmen der Landesplanung aufgestellten Berechnung hervorgeht, dürften also die im Wege des Arbeitsdienstes auszufüh- renden Arbeiten sich hauptsächlich auf den Wegebau und außerdem auf Drainagearbeiten und Gewinnung der Waldnebennutzungen (Zapfenemte und Grassamengewinnung) bestehen. Ursprünglich konnte jeder Stempelberechtigte ohne Altersgrenze am Arbeitsdienst teilnehmen. Seit 1932 jedoch können nur noch Jugendliche unter 25 Jahren beschäftigt werden. 'Ab 1. Oktober 1933 ist mit der Einführung der allgemeinen Arbeils« dienstpflicht und der Einberufung des ersten Jahrgangs zu rechnen. Der volkswirtschaftliche Nutzen der im Arbeitsdienst durchgeführten Arbeiten wird nicht immer mathematisch klar vor Augen liegen. Eine sichere Amortisation der aufgewandten Kapitalien ist ohne weiteres klar bei Melioration von Wiesen und Oedland usw. Häufig wird sich jedoch der wirtschaftliche Effekt indirekt auswirken, z. B. beim Ausbau des Waldwegenetzes durch Steigerung der Holzpreise, sowie geringere Abnutzung und Verschleiß bei Benutzung der Wege. Größer aber noch als die rein volkswirtschaftlichen Folgen der geleisteten Arbeit wird der Einfluß in moralischer Beziehung durch Beschäftigung der seither arbeitslosen Jugend für Deutschlands Zukunft sein. Forstmeister Rausch dankte dem Vortragenden für seine interessanten Ausführungen und eröffnete die Diskussion. Allgemein wurde der Wunsch geäußert, bei dem Herrn Reichskommissar für Arbeils- beschaffung dahin zu wirken, daß die Amtsvorstände her Forstämter als Bezirkskommissare für eine einheitliche Durchführung der Landesplanung in ihrem Amtsbezirk sorgen sollten. Außerdem kam zum Ausdruck, daß sämtliche Anwesenden von der Notwendigkeit überzeugt und fest entschlossen sind, jeder an seinem Teile zur Behebung der Arbeitslosigkeit im Sinne der nationalen Regierung beizutragen. Obecheffen. Veränderungen im Niddaer Gemeinderai. kß Ridda, 22. 3uni. 3m hiesigen Gemeinderat ist die Vertretung der RSDAP. durch Uebertritt eines EPD.-Der- treters zur RSDAP. von acht auf neun Sitze angewachfen. Die RSDAP. hat nunmehr von insgesamt 12 Gemeinderatssihen neun inne. Zwei Sitze werden zur Zeit noch von Vertretern der SPD. versehen (nach der neuesten Anordnung der Reichsregierung werden auch diese Mandate jetzt annulliert D. Red.), ein auf die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot seinerzeit entfallendes Mandat ist unbesetzt. Schwimmbad-Einweihung in Nidda. CD Nidda, 22. Juni. Das hiesige neuerbaute Schwimmbad, das mit allen Neuerungen aus« gestattet ist, wirb am kommenden Sonntag ein- geweiht Die Veranstaltung wird eine besondere Note durch schwimmsportliche Wett« kämpfe erhalten, zu denen Gießener, Frankfurter, Marburger und Friedberger Schwimmer ihre Mitwirkung zugesagt haben. Die feierliche Eröffnung des Schwimmbades wird sich also gleichzeitig zu einem interessanten sportlichen Ereignis gehalten. Mit der Herstellung des Bades ist einem lang- gehegten Wunsche der Bevölkerung Rechnung getragen worden. Das Bad dürfte eines der schönsten in Oberhessen sein. Die Kosten werden ungefähr 22 000 Mark betragen. Im Gegensatz zu anderen Bädern, die in Oberhessen erbaut wurden, darf die Niddaer Anlage immer noch als billig betrachtet werden, denn dank einiger hochherziger Zuwendungen konnte manche Ausgabe erfpart werden. So waren u. a. für das Gelände keine Aufwendungen zu machen, ein erheblicher Teil des Baumaterials wurde durch das Bafaltwerk I. Nia el-Ober- Widdersheim gestiftet. Die Arbeiten wurden zum großen Teil durch den freiwilligen Arbeitsdienst ausgeführt, so daß sich auch die Kosten für die Arbeitsleistung in mäßigen Grenzen hielten. Die Eröffnungsfeier wird auch auf den Rundfunk übertragen. Das Bad wird nach der Beendigung der offiziellen Feier dem Badebetrieb übergeben. Weibliches Arbeitsdienstlager in Laubach. □ Laubach. 22. 3unt 3m hiesigen Land - heim Steimer ist ein weiblichas Arbeitsdienstlager von dem Verein zur Förderung des Freiwilligen Arbeitsdienstes eingerichtet worden, das jetzt eingeweiht wurde. Die Lagerführerin Fräulein Reuerburg begrüßte nach einem von der Laubachrr Musikkapelle gespielten Marsch die erschienenen Gäste. Die Ansprache zur Flaggenhissung hielt Ortsgruppenführer Kaufmann Pott. Frau Direktor Steimer hielt einen lehrreichen Vortrag über Frauenarbeit, von der Zeit des Weltkrieges ausgehend bis zu den gegenwärtigen Verhältnissen. Hiernach fand eine Besichttaung des schön eingerichteten Lagers statt. Reichsmlnister Dr. Goebbels hatte anläßlich der Einweihung des Lagers an das Haus Steimer, in dem er im 3uni vorigen 3ahres für mehrere Tage Aufenthalt genommen hatte, ein besonderes Glückwunschtelegramm geschickt. Landkreis Gicsten. X W i e f e cf, 22. Juni. Mit Heinrich Lepper. Eisenbahnarbeiter i. R., wurde heute der legte Veteran des Krieges 1870/71 unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde zu Grabe getragen. Unter Trauermusik der Kapelle M a n k wurde bei präsentiertem Gewehr der Sarg von vier SA -Männern in den Leichenwagen gehoben. Eine Abteilung SA. und der neugebildete Krieger- verein mit der alten Fahne gingen dem Wagen cor- aus. In seiner Leichenrede über Psalm 143,5, 6: »Ich gedenke an die vorige Zeit", schilderte der Ortsgeistliche im Blick auf die Schicksale des Vaterlandes in der Lebensspanne des Entschlafenen 1848 bis 1933 die Kruste, die diesen letzten Zeugen aus aller Zeit wertvoll machten. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP., Beigeordneter K. Euler, widmete im Namen der braunen Kameraden dem Entschlafenen einen warmen Abschiedsgruß. Tiefbewegt hörte man von Professor Dr. K r a e m e r = Gießen, der im Namen der Kriegerkameradschaft Hassia sprach, daß für den Heimgegangenen am Morgen des Be« gräbnistages das Ehrenkreuz des Hassiaverbandes eingetroffen fei, das er am Schluß seines Nachrufs den Angehörigen mit der Ehrenurkunde überreichte.- Nach der Ehrensalve schloß die Trauerfeier mit dem Lied „3d) hall einen Kameraden". <>o Langsdorf, 22. Juni. Die Dolkszäh- lung führte hier zu folgenden Ergebnissen: In 221 Haushaltungen wohnen 946 Einwohner, 451 männliche, 495 weibliche. Das Ueberroiegen des weiblichen Elementes hat zwei Gründe: erstlich dient hier eine größere Anzahl auswärtiger Mägde, so- bann ist die Zahl der Witwen größer als die der Witwer. Landwirtschaftliche Betriebe sind 140 vor- Händen von den kleinsten mit 2 Morgen bis zu 89 Morgen. Es überwiegen bei weitem die kleinen Betriebe. 23 gewerbliche Unternehmungen sind vorhanden. Dem Glaubensbekenntnis nach verteilt sich die Einwohnerschaft folgendermaßen: 890 Evangelische, 15 Römisch-Katholische, 18 Neu-Apostolische, 23 Israeliten. Die Beoölkerungszahl ist sich gegenüber der Zählungen von 1925 fast ganz gleichgeblieben. ZMMMMkM Roman von Helma von Hellermann. (Nachdruck verboten.) 1. Kapitel. „Katja, Katja — sieh nur, wie schön!" Die alte Dienerin, die soeben am anderen Fenster des großen Schlafgemachs die schweren gelbseiüenen Vorhänge zurückzog, wandte sich um. „Unser Seelchen wird sich erkälten und ist kaum gesund", meinte sie, besorgt herbeieilend, „so vorn warmen 23eff mit bloßen Füßen ans Fenster ..." Aber das zwölfjährige Mädchen, das im weißen Nachthemd im Erker stand, schüttelte lachend den Kopf, legte einen Arm um den Hals der alten Frau und wies mit der Rechten hinaus. „Sieh nur, wie der Schnee glitzert, Katia — es muß die ganze Nacht geschneit haben! Wie weih und schön alles aussieht, und wie herrlich die Sonne scheint! Ach, ich bin so froh ..." Die Kleine breitete plötzlich beide Arme aus und stieß einen hellen Iubellaut hervor. Es war auch wahrlich ein herrlicher Tag. Aus tiefblauem Himmel strahlte die Sonne herab auf die schneeverhüllte Stadt, die in ihrer weißglitzernden Pracht etwas von märchenhafter Unwirklichkeit hatte. Von den zwiebelförmigen Türmen der vielen Kirchen ragten die goldenen Kreuze wie funkelnde Lichtspeere gen Himmel. Gedämpft klang das Geläut einer vorüberfahrenden Troika herauf: lustig bimmelten die Glöckchen am Geschirr der drei prächtigen Rappen, die ein herrschaftlicher Kutscher in hoher Astrachanmütze und Pelzmantel gewandt und kraftvoll lenkte. Zwei Offiziere saßen im offenen Gefährt, in ernstes Gespräch vertieft, sahen aber beide im Vorbeifahren am Hause empor und grüßten lachend das kleine Mädchen, das, von Katjas sorgenden Händen mit einem wattierten Kimono umhüllt, ihnen in lebhafter Freude des Erkennens zuwinkte. > „Ist mein Vögelchen denn schon auf, daß ich es so fröhlich zwitschern höre", fragte eine klangvolle Stimme hinter der Kleinen, die herumfuhr und stracks in die weitgeöffneten Arme der Mutter lief. „Eben fuhr Onkel Gregor vorbei", berichtete die kleine Wera eifrig, „mit Onkel Sascha zusammen, und dann folgte ein zweiter Schlitten mit lauter Koffern. Gewiß muß er wieder fort. „Schade", meinte sie bedauernd, „er spielte so fein mit mir und brachte immer so feine Bonbons! Er geht auch gar nicht gern, glaub' ich, denn er sah furchtbar ernst und böse aus. Erst als er mich sah, lachte er und winkte. Er wollte halten lassen, aber Onkel Sascha schüttelte den Kopf und sagte was und legte die Hand auf seinen Arm. Da ließ er weiterfahren." Die schlanke blonde Frau wandte sich ab, legte unbewußt die Hand aufs Herz und sah Himmler auf die schneebedeckte Straße, als könne sie noch einen Gruß des Mannes erhaschen, dessen Lippen gestern abend abschiednehmend auf den ihren geruht. Sie fühlte es in abgrundtiefer Hoffnungslosigkeit: Es gab kein Wiedersehen. — „Gregor Gregorowitjch ist an die Front zurückgekehrt", sagte sie leise, mit weit in die Ferne schauendem Blick, „wir wollen beten, daß es bald Frieden gibt." „Ja", nickte Wera eifrig, „und dann fahren wir wieder nach Deutschland zurück — nicht wahr, Ma- minka? Ich freue mich schon auf die feine lange Reise und--" Sie stockte, betrachtete die Mutter. Ganz groß und andächtig wurden die schwarzen Augen, die dem zarten, hellhäutigen Kindergesicht mit den goldflimmernden Locken einen besonderen Reiz verliehen. „Wie schön du bist, Maminka", flüsterte sie, als fürchte sie sich, die Stille zu stören, „gerade so schön wie das Bild der heiligen Gottesmutter von Kasan, das Großmama uns in Petersburg zeigte — nein, noch viel, viel schöner!" Gräfin Wettern fuhr aus ihrer Gedankenversunkenheit zusammen. Sie zog ihr Töchterchen an sich und schloß den Kindermund mit einem Kuß. „Närrchen, du", lächelte sie, zärtlich über das noch etwas schmale Gesicht ihres soeben von schwerer Diphtheritis genesenen Kindes streichelnd, „willst mich wohl eitel machen, hm? Ist das Bad fertig, Katja? Schön. Nun beeile dich, Liebes. Wenn es windstill bleibt, darfst du vor Tisch eine kleine Schlittenfahrt mit mir machen: der Arzt hat es erlaubt. Und heute abend kommt Kolja an, seine Ferien haben begonnen." Die schwarzen Augen, die Wera van der Großmutter und dem vor einigen Jahren verstorbenen Vater geerbt, strahlten wie dunkle Sterne. Glückselig lachte sie die Msttler an, die in ihrer zarten, lichtblonden Schönheit wie die verkörperte Verheißung des herrlichen Tages vor ihr stand. Sie war wieder genesen, durfte ausfahren, Kolja kam ... In allen Poren pochte das Blut, lachte und lockte das Leben. „Du Unband, willst du dich wohl betragen", lachte die Gräfin, schnell von der Schwelle des weißgekachelten Badezimmers zurückweichend, da Wera übermütig mit flachen Händen aufs Wasser schlug, „wir haben den Bösewicht zu sehr verwöhnt, Katja. Das sollte Onkel Gregor sehen .. Rrrrr! Ein rasselnder Lärm verschlang plötzlich die Stimme der Mutter. Was war denn das für ein Nebel im Raum, man konnte ja nichts mehr sehen. Rrrrrr----! Wera Wettern fuhr empor. Sie lag im Bett. Um sie schwarze Nacht, nur durch die schlechtschließende Jalousie sickerte ein Strahl trüb-gelblichen Laternenlichtes. Auf dem Nachttisch raffelte der Wecker. Mechanisch griff sie danach und steckte ihn unter das Federbett. Hockte dann, die Arme um die hochgezogenen Knie geschlungen, auf dem schmalen, harten Lager und starrte ins Dunkel. UeberaU im Hause regte es sich. Schritte polterten in der Wohnung über ihr, eine Tür wurde zu- geworsen. Mama, ihr Zimmer, die Sonne — war ja alles nur ein Traum gewesen, nur ein Traum ... Der Kopf des Mädchens sank herab. Ein trockenes Schluchzen schüttelte den ganzen Körper wie im Krampf. Mama, die Zarte, Zärtliche; Kolja, der geliebte Unband mit dem lachenden Frohsinn sorgloser Jugend: Großmama, das Haus in Moskau, in dem schon fünf Generationen Freud und Leid erlebt — tot, vorbei. Auf ewig vorbei ... Irgendwo schlug eine Uhr. Das Schluchzen verstummte jäh. Wera Wettern hob das Haupt. Im Treppenflur Stimmen, Lachen — ein scheltender Nachruf. Die eben noch bebenden Sippen preßten sich zu schmaler Linie. Was galten Träume in dieser Welt grausamer Wirklichkeiten? Vergessen mußte man, nur der Gegenwart leben. Sie kam zu spät ins Geschäft! Das Mädchen sprang aus dem Bett, zündete das Gaslicht an und begann sich in fieberhafter Haft zu waschen und anzukleiden. Ein Schnürsenkel riß. Auch das noch! Kaum vermochten die zitternden Finger die zerfransten Enden zusammenzuknoten, so peitschte die Unrast. Zum Frühstück langte es nicht mehr. Schnell ein Schluck des abends zuvor bereiteten Kaffees aus der Thermosflasche — die Brötchen mußten warten. Hut, Mantel, Handschuhe, Tasche — gottlob lagen sie bereit. Das Haus war still, die Treppe leer, als Wera Wettern sie betrat. Die andern berufstätigen Menschen in der großen Mietkaserne waren schon alle fort. Zwischen den hohen Häuserreihen brütete der schwarzgraue Nebel eines nassen Wintermorgens, der zögernd und unlustig gen Osten heraufdäm- merte. An einzelnen Geschäften wurden schon die Läden hochgezogen, kreischend und knarrend rollte die Holzwand empor. Lastkraftwagen ratterten vorüber. Schwer zog ein stämmiges Pferdgespann an einem vollbeladenen Kohlenwagen, dessen Kutscher soeben gähnend den Mund aufriß und dann mit lautem Fluch den Kragen seines Mantels hochklappte. Die Luft war von einer eisigen, durchdringenden Kälte und doch seltsam unfrisch. Im Laufschritt hatte das Mädchen die nächste Haltestelle der Autobuslinie erreicht. Nichts zu sehen. Von der nahen Andreaskirche begann es dröhnend zu schlagen, langsam, unerbittlich. Achtmal. Wenn sie auch den nun heranratternden Bus benützte, die Jagd war vergeblich gewesen: sie kam zu spät! Aufseufzend sank Wera Wettern auf den leeren Eckplatz des nur spärlich besetzten Wagens und reichte dem Schaffner mechanisch die Karte hin. Aber kein noch so tiefes Atemholen vermochte den Druck zu lösen, der sich mit Zentnerlast auf ihre Brust gesenkt. Zu schrecklich war das Erwachen ge« wesen. Wieder stand das Gesicht der Mutter vor ihr, wie sie neben der alten Dienerin im sonnenüberfluteten Zimmer stand, ein schwermütiges Lächeln im schönen Gesicht. Zum Greifen deutlich und nahe — und war doch zwölf Jahre seit jenem Tag, dem letzten glücklichen ihrer Kindheit. Im Paradies war sie gewesen: was dann kam, war Hölle. Angst, Armut und endlose Not. Und dennoch lebte sie, konnte sie noch (eben! Wozu eigentlich? Die Augen schließen — versinken im tiefen, wohligen Frieden des Nicht- mehrseins . . . „Königsplatz!" Mit einem Ruck hielt der Wagen. Das Mädchen, das ganz in sich zusammengesnnken dagehockt, fuhr auf. Hinter zwei sicy lebhaft unterhaltenden Herren stieg sie aus und ging mit matt schleppenden Schritten die breite Straße hinauf, die schon reger Großstadtverkehr durchflutete. Wie doch im Leben alles vom Zufall abhing! Oder war es Fügung? Hätte Großmama damals nicht krank darniedergelegen, wäre vielleicht die Flucht aus Rußland geglückt. Daß Mama bei der Schwiegermutter blieb, war selbstverständlich. Eine Wettern verließ den Posten nicht, auf den sie gestellt. Deswegen trug wohl auch sie ihr Leben roeiter, Fahnenflucht war feige. Ein elegantes Privatauto glitt leise an der Grübelnden vorüber und hielt vor der Deutschen Bank, deren Tore soeben geöffnet wurden. Stahlbeschläge funkelten auf kostbarem Holz. Die Tür flog auf, ein Herr stieg aus, wandte sich an den Chauffeur mit irgendeiner Weisung. Aufrecht ragte die hohe Gestalt neben dem hellen Wagen. „So etwa sah Onkel Gregor von hinten aus", fuhr es Wera durch den Sinn, „so trug er den Kopf, so breit waren seine Schultern, so schmal die Hüften. Gregor Gregorowitsch, den seine Soldaten einen Tag nach dem Abschied in Moskau getötet..." Im Umdrehen gewahrte der Herr das nahende Mädchen, dessen Blick gedankenversunken an ihm hing, und das sich nun, erschrocken über das fremde Gesicht, jäh abwandte. Um Gott, sie war ja kein Kind in Moskau mehr, war eine Verkäuferin, die zum zweiten Male in dieser Woche zu spät kam zum Dienst . . . Sie begann zu laufen. Der Fremde aber, der im Begriff gewesen, ein Notizbuch aus der Brusttasche zu ziehen, als er Wera gewahrte, hielt in der halben Bewegung inne und starrte der Davoneilenden nach, eine tiefe Falte zwischen den dichten Brauen, die sich in ungläubigem Staunen zusammengezogen. Das große Waren- haus da an der Ecke — in einem Seitenportal ver- schwand sie. (Fortsetzung folr' ' Gerda Hublitz Reinhard Bepperling geben ihre Verlobung bekannt Friedensstraße 41 Wilhelmstraße 49 Gießen, den 23. Juni 1933 . .TtTTTtlt ■r.rittitn Illi????!?!! Sonntag, 25. Juni 1933, abends 8 Uhr Deutscher Abend des SA-Flieger-Ersatz-Trupps Gießen und Oberhessen unter Protektorat des Reichsministers Göring verbunden mit Flugzeug-Taufe Es spricht Reichsstatthalter Sprenger Die gesamte Reichswehrkapelle unter persönlicher Leitung von Obermusikmeisler Krauße Der Deutsche Abend findet nicht auf der Liebigshöhe, sondern In der Volkshalle statt Programme dienen als Einlaßkarte 40950 Eintritt 50 Pf. - SA., SS., Reichswehr u. Erwerbslose 30 Pf. Frauengruppe VDA. Einladung zur Milieder- und WerheversammlM Bericht über die Tagung des VDA. in Passau mit Lichtbildern Vortragende: Frau M. Eger, Herr Dr. Keusch am Dienstag, den 27. Juni, abends 8 Uhr Gasthaus Hindenburg 4 82D Eintritt 20 Pf. Eintritt 20 Pf. Die Vorsitzenden aller Gießener Frauenvereine werden ge beten, ihre Mitglieder zur Teilnahme aufzufordern. Studenten heraus! Studenten können Geld 4o83v verdienen. Offerten unter F. C. 231 an Budol! Blosse, Frankfurt Main. MMecbDiker! Ingenieure, Chemiker, Steiger, techn. Angestellte bei Behörden werden hierdurch aufgefordert, zu der am Samstag, dem 24. Juni 1933, abends 8..To Uhr, im €lewerkschaftshaus, Schanzenstraße, stattfindenden Versammlung zu erscheinen. Es spricht Pr. Gauleiter Dilling, Frankfurt/M., über: Oer Denlsche Tecbnikerverband in der NS1 Erscheinen ist Pflicht! «saD LA,: Dr. Rudolf Coburger. EISO Betten Schlafzirn, Pobter, Stahl- malr.an jeden, Tellz. Kat.fr. EbeumöDelfabrlk Suhl/Th. | Vermietungen! Schöne 5-Zimmer-Woling. inruhig. Läget Nähe der Universität) ab 1. August zu vermieten. Schr. Ang. u.03801a.Gieß.Anz. HwmoetH Von der Schönheit der deutschen Heimat und von ihrer Erhaltung und Pflege berichten in Bild und Wort die folgenden herrlichen Bücher: Waldweben.Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern. 150 eigene Naturaufnahmen aus dem Tier- und Pflanzenleben des heimatlichen Waldes mit EinfBhrungsfext von K. Gerhard und O. Wolff.....Leinen RM 4.80 Norderoog. 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Heute schildert der Bericht aus Sonder- bürg dre durch die Versailler Grenzziehung besonders tragischen Verhältnisse an der deutsch-dänischen Grenze. Das Versailler Diktat entriß uns an allen Grenzen des deutschen Siedlungsgebietes wertvollstes Volkstum. 3n Sudetendeutschland, Posen, Westpreußen, in Danzig, Südtirol, in Eupen-Malmedy, im Elsaß und im Saargebiet ist eine deutsche Irredenta entbrannt, kämpfen unerlöste deutsche Brüder um ihre Wiedervereinigung mit dem Mutterland oder um ihre staatliche und kulturelle Autonomie. ileberall ist es ein Kampf, der nicht nur zwischen Nation und Nation. Volk und Volk, Sprache und Sprache geführt wird, sondern in dem es sich um ein verzweifeltes Wehren der höheren, nordisch- bestimmten Nasse gegen Niederrassen handelt. Es kann deshalb für uns Deutsche in all den genannten Gebieten keinerlei Kompromißlösung geben. An der äußersten deutschen Nordfront, i n Schleswig, vollzieht sich der Grenzlandkamps in anderen Formen. Hier kämpfen nicht Deutsche und Welsche, Deutsche und Slawen, geschieden gleichmäßig durch Nasse, Religion, Kultur und Sprache gegeneinander, sondern hier wurde ein deutsches Gebiet einem stammverwandten Volle, Dänemark, zugeteilt. In Schleswig mühen sich Deutschtum und Dänen- tum um eine durchweg nordische Bevölkerung, deren Aufgabe es niemals fein kann, Zankapfel zwischen zwei Staaten zu werden, die sich seit 100 Jahren anstrengen, in Anwendung der völlig liberalen Nationalstaatstheorie Zwangsdänen und Zwangspreußen zu erziehen, sondern die gewissermaßen eine natürliche Brücke zwischen den nahverwandten Deutschen und Dänen, ja zwischen Deutschland und dem ganzen germanischen Norden zu übernehmen. Selbstverständlich bleibt dies vorläufig eine Forderung auf weite Sicht, die aber, wie die Einigung Deutschlands zu den Aufgaben des Bismarckifchen Deutschland gehörte, zu den Großzielen des neuen Reiches gehören wird. Der Idealforderung steht die Wirklich, leit im Wege. Lind die Wirklichkeit ist im abgetretenen und nicht abgetretenen Schleswig bitter genug. Das Versailler Diktat hat auch hier Recht in Unrecht verwandelt. Denn die Abstimmung, die in der ersten Zone insgesamt vorgenommen wurde, nahm auf kerndeutsche Städte und Gemeinden keine Rücksicht. Dazu kam, daß die etwa 220 000 Bewohner des abgetretenen Gebietes ihre Stimme für Deutschland oder Dänemark in einem Augenblick schwerster deutscher Not abzugeben hatten, in dem sie den dänischen Versprechungen besonders zugäng- lich waren. Nachdem die sogenannte Option das schleswigsche Deutschtum sehr guter Kräfte beraubte (Beamte, Lehrer usw., die sich von ihrem Posten zurückzogen und unbeabsichtigt die Not in Deutschland durch ihren Zuzug vermehren halfen», gibt es im abgetretenen Schleswig heute noch etwa 20 Prozent ausgesprochene Deutsche, etwa 35 bis 40 Prozent ausgesprochene Dänen und etwa 40 Prozent Unentfdjiebene. Um diese wird der Kamps von beiden Seiten geführt. Seine Formen sind durchweg anständig und vornehm und halten sich nach Möglichkeit frei von persönlichen Verdächtigungen und Gehässigkeiten. Rassisch, religiös und sprachlich bestehen kaum Unterschiede, und die Hinneigung zu Deutschland oder Dänemark geht oft mitten durch die Familie, ohne die natürlichen Bande zu zerreißen. Wer heute Schleswig bereist, dem bietet sich ein trostloses Bild von langsamer Verarmung und wirtschaftlichem R ü d g a n g , entstanden durch die Zerreißung von Gebieten, die auseinander angewiesen find. Besonders stark wird dieser Eindruck im Herzstück Schleswigs, in der Flensburger Förde, und in der Stadt Flensburg selbst. Der Flensburger Hasen ist verödet, die uns auf Grund des Zriedensverlrages zu bauen aufgezwungenen Lagerhallen und Anlagen liegen unbenutzt. Das gesamte Schleswig bildete eine landwirtschaftliche Einheit, welche die Städte Hamburg. Lübeck. Kiel und teilweise Berlin versorgte. Im deutschen Teil Schleswigs ist die Landwirt- schast nun überall dort verschuldet, wo sie sich einseitig auf Viehzucht beschränkte, da sie gegen die Preise aus dem Osten Deutschlands und aus Liebersee nicht konkurrieren kann. Noch erheblich trauriger geht es der fast rein bäuerlichen Q3e- völkerung des abgetretenen Gebietes. 2hr ist durch die Zollgesehe und die Grenzziehung das voll- und industriereiche nordwestdeutsche Abnehmerland vollkommen abgeschnitten. Dänemark selbst hat so gut wie gar keine Industrie und lebt von der Ausfuhr feiner allerdings äußerst hoch entwickelten Landwirtschaft. Der Hauptabnehmer ist England, dem auch die politische Sympathie der Reichsdänen gehört. Selbst dänisch gesinnte Kreise des abgetretenen Schleswig befassen sich unter dem Drucke dieser Wirtschaftsnot mit einer schleswigschen Autonomie. um das Absatzgebiet im Süden von Schleswig-Holstein zurückzugewinnen. Die große Masse der Bevölkerung zu beiden Seiten der Grenze steht den eigentlichen Volkstumskämpfen pastio gegenüber. Man empfindet zu wenig die Llnterschiede. um jene Leidenschaftlichkeit in den Kamps zu bringen, die an der Ost- und Westgrenze Deutschlands die Herzen bewegt. Auf dänischer Seite sind am unversöhnlichsten die chauvinistischen Kreise, die schon vor dem Kriege mit Frankreich sympathisierten und einen sanatischen Deutschenhaß betätigen. Sie werden unterstützt von den nach Schleswig versetzten reichsdänischen Beamten und Le h r e r n , die zu dem ausgesprochenen Zwecke der Dänisierung hergekommen sind. Durch den Besitz der tatsächlichen Macht, besonders in der Schule und durch die bessere politische Schulung der Dänen sind diese in der Vorhand. Aus deutscher Seite sind es fast nur Beamte, Lehrer und Pastoren, die einen aktiven Kampf für die Erhaltung des deutschen Volkstums führen. Die großen deutschen Verbände sind zusammengeschlossen und stehen unter der geistigen Führung des deutschen Abgeordneten im dänischen Folkething (Reichstag», Pastor Schmidt- W o d d e r. Eine Anzahl deutscher Iugendbünde, wie Wandervogel und Pfadfinder, unterstützen den aktiven deutschen Kampf. Entscheidende Bedeutung für diesen Kampf besitzt die Schule. Zwar richten die Dänen dort deutschsprachige Volksschulen ein, wo 20 Prozent der Eltern, die 10 Kinder vertreten, oder wo die Eltern von mehr als 24 Kindern es verlangen. Diese Schulen sind jedoch lediglich Sprach-, und keine Gesinnungsschulen. Da das Deutschtum nur erhalten werden kann, wenn der Nachwuchs bewußt deutsch erzogen wird, bemüht man sich, aus privaten Mitteln deutsche Privat-, Mittel- und Realschulen einzurichten. Dor dem großen Endziel, Nordschleswig zur Brücke zum Dündnisblock der nordischen Staaten zu machen, darf also die erste Aufgabe, die Selbstbehauptung des deutschen Volkstums, nicht vernachlässigt werden Denn Deutschland kann die von seinem Volkskanzler Adolf Hitler angekündigte Lieberwindung des liberalen Nationalstaatsgedankens und der utopischen Paneuropaidee nur durchführen, wenn es keinen Teil seines verstreuten Volkstums im Stich läßt. Ohne Rückhalt in einem starken und wehrhaften Staate und in einem auch jenseits der Versailler Grenzen selbstbewußten und kulturell gesicherten Volkstums müßte jede germanische Eemeinschastsidee verschwommen erscheinen oder als Zeichen der Schwache aufgelegt werden. Der Nationa.sozialismus und das völkische Erwachen Deutschlands hat zweisellos in Dänemark weniger Verständnis gefunden, als in Schweden oder in Flandern Dennoch muß anerkannt werden, daß der dänische Staat sich bisher an den von Frankreich inspirierten diplomatischen Feindseligkeiten gegen das neue Deutschland nicht beteiligt hat. Eine dänische nationa.sozialistische Bewegung dagegen ist über Kopenhagen noch nicht hinausgekommen Nur hier, im abgetretenen N o r d s ch l e s w i g, haben die Deutschen sich überall in nationalsozialistischen Ortsgruppen zusammengeschlossen. die immer mehr in den Vordergrund des Kampfes um die Erhaltung des Deutschtums treten. Die Stimmung der Reichsdänen jedoch ist einstweilen wenig deutschfreundlich. Das haben die Kämpfe des 19. Jahrhunderts und die Feindbundpropaganda zuwege gebracht- Diele der deutschen Touristen haben durch ihr anmaßendes Auftreten dem deutschen Ansehen geschadet Deshalb wäre gerade gegenüber Dänemark eine wirksame deutsche Kulturpropaganda am Platze. Nordschleswig müßte die natürliche Aufgabe zufallen, die „Brücke zum Norden" zu werden. Denn in allen Völkern und Staaten deS Nordens wird man sich im Laufe deS' nächsten Jahrzehnts darüber klar werden, daß sich der asiatische Bolschewismus und der französisch- imperialistische Westen zum Dernichtungskampf auf deutschem Boden vorbereiten Die Der- ftänbigung der in Rasse und Kultur, in Sprache und ©edentum verwandten Völker des Norden-, die einen Untergang Deutschlands mit ihrer Russi- sizierung bezahlen müßten, ist vor der drohenden Gefahr dringlicher als ein liberalistisches Gezänk um die Staatshoheit über verwandte und schicksalsmäßig auseinander angewiesene VolkStümer. Oie deutsche Antwort an Genf. Oer Protest der deutschen Arbeiterschaft gegen die Beleidigung ihrer Führer. Links: Die riesige Protestoersammlung im Berliner Lustgarten. — Rechts: Dr. Ley. der Führer der Deutschen Arbeitsfront und der deutschen Delegation auf der Genfer Konferenz, spricht zur Versammlung. L- * K ■ * Reichsstatthalter Sprenger spricht vor Beamtenfachschasten. „Alles mit dem Volke für das Dolk!^ Darmstadt, 23. Juni. (WSN.) Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich heute abend die feierliche Weihe der Fahnen der natio« nalsozialistischen Beamtenfach schaf- ten auf dem Marienplatz in Darmstadt. Da die Kundgebung auch vom Wetter begünstigt war, batten sich Tausende von Einwohnern der Landeshauptstadt eingefunden. Aus dem Marienplatz waren etwa 2000 Beamte, davon 1500 aus dem Kreise Darmstadt, sowie den Kreisen Offenbach, Bensheim, Heppenheim und Groß-Gerau mit 28 Fahnen aus- marschiert. Die Beamtenschaften waren gegliedert nach allgemeine Landesverwaltung, Reichsbahn, sonstige Landesoerwaltung, Körperschaften des öffentlichen Rechts, Reichszollverwaltung, Justizverwaltung, Forstverwaltung, Reichsversorgungs- amt, Rekchspost ufw. Die 20 neuen Fahnen waren in der Mitte des weiten Platzes ausgestellt. Rach der Ankunft des Reichsstatthalters in Hessen und Gauleiters Jakob Sprenger, des hessischen Minifterpräsidenten Prof. Dr. Werner, des Po- lizeidirektors Dr. Ivers und des Kreisleiters Zürtz, meldete Landtagsabgeordneter Claß die Beamtenschaften als angetreten Rach der Begrüßungsansprache durch den Landtagspräsidenten Dr. Müller, der den Gauleiter, den das Ver- Begegnung mit Max Zungnilkel. Don Emil Baader. In der französischen Stadt Charleville bin ich während des Krieges, im Sommer 1917, Max Iungnickel begegnet. Er war. nach einer schweren Verwundung in Rußland, bei der Char- leviller Feldpressestette beschäftigt. Diese war in einem schönen alten Schloß untergebracht. Ich fragte >rach dem Dichter. Ich hatte Glück. Gerade ging der Dienst zu Ende. Iungnickel erschien. Er hatte Llnteroffiziersrang. Ich war Kanonier. Aber er duzte mich- kameradschaftlich. Er schüttelte mir herzhaft wie einem alten Freunde die Hand. Fröhlich plaudernd schlenderten wir durch die Gassen der fremden Stadt. Wir aßen gemeinsam im „Deutschen Haus" zu Abend. „Ich kann es mir leisten, einen Kanonier einmal ordentlich zu füttern." Lind er erzählte, wie übel eS ihm in Rußland ergangen war: eine Kugel hatte ihn getroffen, er brach zusammen, er galt für tot. Er ward tot gemeldet. Lind da er doch wieder zum Leben erstand, war er mit einem Male berühmt. Zeitungen und Zeitschriften wollten Beiträge von ihm haben. Rach dem Abendessen gingen wir zusammen — ins Kino! Cs kam Iungnickel darauf an. zu beobachten, mit welchen Mitteln der Film Spannung erzeugt; Iungnickel war damals selbst mit dramatischen Arbeiten beschäftigt. So trafen wir uns fast Abend für Abend. Es gab weite Wanderungen, der Maas entlang, in den blauen Abend hinein. Es war unvergeßlich schön, zwei deutsche Schwärmer in Feindesland. Iungnickel erzählte und erzählte. Am liebsten sprach er von seiner jungen blonden Frau, und wie er sie kennengelernt hatte. Don seiner Dachstube nahe den Sternen. Don der Kinderwiege, auf die er ein rotes Herz gemalt hatte. Don vornehmen Leuten in Berlin, die den plötzlich berühmt gewordenen jungen Dichter einluden zu sich. Da ich ihn nach seinem liebsten Gedichte fragte, zitierte er mir fein köstliches Iunigedicht: Blau springen auf die Flieder herz en. Süß brennen die Kastanienkerzen, Lind eine alte Linde schneit. Ein großer Turm summt einen späten Psalter, Lind wie ein Himmelsfähnchen fliegt ein Falter Durch eingefchlafne Sommerherrlichkeit. W i c Iungnickel diese Derse in den Abend hineinsprach. das werde ich nie vergessen. Eines Tages fuhr der Dichter auf Urlaub nach Berlin zu seiner jungen Frau. Als er zurückkam, war ich nicht mehr in Charleville. Ich war zu meiner Batterie zurückgekehrt. Da flogen, wie luftige Dögel, kleine blaue Feldpostbriefe, von Charleville nach dem Qlrgonnen- wald, wo unsere Geschütze standen. Einmal schrieb Iungnickel ein Brieflein aus Brügge; da stand darin: „Hier ist es wunderschön. Man möchte sich gleich auf die Straße hinfetzen und anfangen zu dichten." Lind nun, lieber Max Iungnickel, Kamerad aus ferner Kriegszeit, komm einmal aus der großen Stadt in den Odenwald. Ich wohne in einer kleinen Spitzwegstadt, welche Dir gefallen wird. Komm laß uns wieder einmal plaudern von unteren Wanderungen längs den Ufern eines großen Stromes in fremdem Landl Eine $rou im dunkelsten Afrika. Nach einem zweijährigen Aufenthalt im dun- keiften Teile des dunklen Erdteils, bei dem sie Afrika vom westlichsten bis zum östlichsten Punlte durchquerte und eine Strecke von mehr als 8000 km za- rücklegte, ist eine zarte hellblonde Dame, die (Sahin des Forfchungsreiienden Thomas Glower, Kitty Glover, nut ihrem Manne nach London zurück- gekehrt. Sie bringt ein Paar erwachsene Leoparden aus dem atrifanifdjen Urwald mit, sowie eine große Menge seltener Fische und Reptilien, die in mit Alkohol gefüllten Flaschen sich besinden. Frau Glover hat ungewöhnliche Entbehrungen und Gefahren durchgemacht, die an die Körper- und Willenskraft die stärksten Anforderungen stellten. Fieber und Ruhr lauerten in den von der Sonne heiß gekochten Sümpfen, durch die sie zogen; ihr Wasiervorrat wurde ihnen in der Rubischen Wüste gestohlen, und die Eingeborenen von Somali-Land lauerten ihnen auf und suchten sie zu töten. Frau Glover, die seit zwei Jahren zum ersten Mal wieder Damenkleidung trägt und versucht, ihrem wildgewachsenen Schopf eine moderne Frisur anzugewöhnen, kann trotz aller üblen Erfahrungen die Sehnsucht nach dem Urwald nicht verbergen. .Wer einmal den Ruf der Wildnis vernommen, wer, umringt von Getahren. in steter Rer- venspannung seine Tage verbracht, dem erscheinen baU) alle Genüße schal, die das Leben der Großstadt bietet Wir werden wahrscheinlich in einigen Mo- naten nach Tibesti, 1200 km nördlich vorn Tschad- See zurückkehren, um uns dort niederzulassen. Die Eingeborenen sind dort ein seltsames und anheim- liches Volk, aber trotz der schlechten Erlebnisie, die ich mit ihnen hatte, möchte ich sie näher kennenlernen. Diese Menschen sind sehr blutgierig und geraten in Verzückungs-Zustände durch ein Erregungsmittel namens .Bat", das sie zu sich nehmen. Einer dieser Amok-Läufer drang eines Nachts in unser Lager ein und schlug mich nieder, bevor man ihn packen konnte, aber das macht nichts." Die Expedition, die Frau Glover mit ihrem Mann unternahm, war in erster Linie wiftenfchastlichen Zwecken gewidmet, und die Ausbeute auf ihrem Marfch durch den dunklen Erdteil von Senegal nach Somali-Land, bei dem sie viele taufende Kilometer von Urwald und Sumpf auf völlig ungebahnten Pfaden zurückzulegen hatten, war sehr beträchtlich. Eie reiften in einem besonders dafür eingerichteten Wagen, besten Teile auseinandergenommen und zu einer Drücke beim Überqueren von Bächen und Sumpfen zusammengesetzt werden können. Auch einen sehr interessanten.Tonfilm" haben sie mitgebracht. Neben seltenen Fischen, Reptilien mnd Skeletten für das Britische Museum werden sie der englischen Geographischen Gesellschaft eine Karte des Nordwest-Teils der Somali-Land- Wüste übermitteln. .Die Leoparden, die wir bald nach dem Antritt unterer Reise als ganz junge Tiere singen," erzählte Frau Glover, .sind unterdesten mächtig herangewachsen. Sie sind mit uns sehr freundlich und friedlich, weil sie an uns gewöhnt sind. Aber tonst sind sie höchst gefährliche Tiere und wir werden sie in einem Zoologischen Garten unterbringen müssen. Der schlimmste Teil der Reise war die Überquerung des Kap-Sees, die innerhalb von 12 Tagen in einem offenen Boot mit einem Dutzend eingeborener Ruderer erfolgte. Keine Minute war man unbeobachtet, und eine ungeheure Hitze machte den Aufenthalt fast unerträglich. Wir wurden bet lebendigem Leibe von Moskitos angefreffen und dadurch fast bis zum Wahnsinn geveinigt. Schlimm war auch die Reise durch die Wüste nach Timbuktu, als die Kulis in einer einzigen Nacht in einer wahren Orgie des Durstes unseren ganzen Wasiervorrat austranken. Ich war so schwach vor Durst, daß ich das Wasier aus dem Kühler unseres Wagens tränt, das wir schon einige Tage lang als Waschwasser benutzt hatten. Ich war danach tagelang krank... “ Ein berühmter Panzerwagen. Die amerikanische Polizei zeigt jetzt dem Publikum den Panzerwagen, in dem A l C a p o n e seine „Geschäftsreisen" zu machen pflegte. Es ist ein großer Cadillac-Wagen, der 60 Zentner wiegt und trotzdem eine Geschwindigkeit von 180 Kilometern in der Stunde entfalten kann Der Wagen ist vollständig kugelsicher gepanzert, und die Fensterscheiben find aus 4 Zentimetet dickem, fplittersicherem Glas. Ein Geheimfach unter dem Sih enthielt Waffen aller Art. Das Hinterfenster des Autos diente als Schießscharte für ein Maschinengewehr. Dieses Maschinengewehr war für gewöhnlich in einem großen Geigenkasten versteckt. Das Auto ist mit einer Sirene versehen, die den gleichen Ton hat wic die Sirenen der Polizei. Auch ein erstklassiger Rundfunkempfänger war vorhanden. Zeitschriften. Die Münchener Monatsschrift „Die Kunst" (Derlag F. Druckmann, München), führt im Iuni-Heft in einem Leitauffatz, der dem Gedenken zu Brahms 100. Geburtstag gewidmet ist. in die wechselseitigen Beziehungen Max Klingers zu Johannes Brahms ein. Wir er- kennen die tiefe künstlerische Musikalität, die in Klingers Schaffen mitwirkte und bei Brahms den Sinn des Musikers für die Meisterwerke der bildenden Künste. Ausgesuchte Reproduktionen Klinger'scher Werke geben dieser Abhandlung einen bildlichen Rahmen. Es folgt anläßlich der ersten umfassenden, vom Kamps- bund für deutsche Kultur veranstalteten Ausstellung von Werken des deutschen Malers Paul Baum eine ebenfalls reich mit Bildern versehene Einführung in dessen künstlerisches Schaffen. Aus der Architektur und Wohnkunst werden uns neue Bauten des Frankfurter Architekten Rudloff vorgeführt. Dem schönen Garten im rauhen Klima, wie es für die meisten unserer deutschen Gärten zutrifft, gilt der nächste reich bebilderte Aufsatz. Dem gut bürgerlichen Wohnanspruch dient der kombinierte Wohn-Eßraum, der uns in Entwürfen führender Wohnungs- fünftler gezeigt wird. trauen des Führers auf den Platz des Reichsstatthalters gestellt habe, bat, die Weihe der Fahnen vorzunehmen, nahm MichSstaithalier und Gauleiter Sprenger das Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. darauf hinwies, daß-der Beamte von vornherein dazu berufen war, den Fahnen des Bolkstums, den Fahnen Adolf Hitlers zu folgen. 1918 sei der Beamte in die 3rre gegangen. Wenn der deutsche Beamte damals seiner Pflicht nachgekommen wäre, als das Danner der Zersetzung aufgerollt wurde, t>enn wäre es unter einer zielbewuhten Führung möglich gewesen, das Derbrechen von 1918 zu verhindern. Daß dies nicht geschehen sei, dafür gebe es nur eine Entschuldigung: Die Besten aus der Beamtenschaft waren draußen gefallen, oder fie waren noch nicht aus dem Schützengraben zurückgekehrt. Trotz der Anwendung der brutalsten Machtmittel durch die Machthaber des vergangenen Systems konnte aber der Zug der Beamtenschaft zum Nationalsozialismus nicht untergraben werden. Damals habe er die Organisation der Beamtenschaft in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei so aufgebaut, daß die damaligen Machthaber sich nicht hindurchfinden konnten. Bei der Machtübernahme durch Adolf Hitler habe er vor den Führer hintreten und stolz sagen können, daß bis in die letzte Aktenstube Vorsorge dafür getroffen sei, dah von niemandem mehr der neue Staat sabotiert werden könne. Heute sei der Marxismus überwunden und damit auch das drückende Gefühl der Unfreiheit. Der Wiederaufbau werde noch lange dauern. Nicht das Parteibuch, nicht besondere verwandschaftliche Beziehungen werden die Eingangspforte in das Beamtentum öffnen, sondern nur Charakter, Leistungsfähigkeit und Können. Die Säuberungsaktion dauere in ganz Deutschland noch an und hier mühten wir hart bleiben. Hier gebe es kein Nachgeben und keine Zweifel. Wenn Adolf Hitler seine große Aufgabe erfüllen wolle, das deutsche Volk wieder frei und geachtet in der Welt zu machen, dann brauche er dazu alle Stände, den Erwerbsstand, den Nährstand, den Wehrstand und noch einen besonderen Stand im deutschen Dolke, nämlich das deutsche Beamtentum. Niemals mehr darf sich der Beamte als etwas Besonderes, oder über die anderen erhaben fühlen. Alles mit dem Volke für das Volk. So entrollt nun die Fahnen zum Zeichen der Kameradschaft, dah sie hineinleuchten in die hoffnungsvolle Gegenwart und den Weg weifen in eine bessere Zukunft. Landtagspröffdent Or. Müller dankte dem Reichsstatthalter und schloh mit dem Kommando: „Die Fahnen hoch I" und einem dreifachen Sieg-Heil aus Adolf Hitler. Die aufmarschierten Beamten und die Zuschauer, die das große Diereck auf dem Marienplah umlagerten, sangen dann begeistert das Horst-Wessel-Lied. Anschließend formierten sich die Beamtenschaften zu einem Zug durch die Hauptstraßen der Stadt zum Saalbau. Dort endete die Kundgebung mit einem kameradschaftlichen Beisammensein. men, nichtarische Künstler zu beschäftigen. Es sei eine Frage der Selbstdisziplin insbesondere des einzelnen national- und rassebewuhten Menschen, solche Theater zu besuchen oder nicht. Staatskommissar Hinkel ging dann auf die besonders schwierigen Theaterverhältnifse in Berlin ein. _ Zur Steuerung der Erwerbslosigkeit bei Sängern, Schauspielern und Musikern werde eine Neugliederung und ein Ausbau des Wandertheaterwesens in Angriff genommen werden. Die verschiedenen Provinzbühnen würden eine Art Doppelbesetzung erhalten, damit sie stärker die kleinen Ortschaften ihres Bereiches bespielen können. Daneben würden eigene Wandertheater-Ensembles geschaffen werden. Man werde Schulen und Organisationen heranziehen, um den Besuch zu gewährleisten. Die kunstfreundliche Einstellung der Regierung, besonders des Reichskanzlers Adolf Hitler, bietet die Gewähr, daß alles getan werde, um dem deutschen Theater neues Blut zuzuführen. Befürchtungen, daß die Etatsmittel für die Bühnen noch mehr verknappt würden, feien unnötig. Natürlich werde das Sparsamkeitsprinzip herrschen. Staatssekretär Hinkel schloh seine Ausführungen mit der Versicherung, daß alle maßgeblichen Stellen ton der Lebensnotwendigkeit des deutschen Theaters als eines bedeutenden Kulturträgers und Erziehunasfaktors überzeugt sein. Das Ziel gehe dahin, die deutschen Bühnen wieder zu national- religiösen Kulturstätten zu machen. Dillkreis. WSN. Dillenburg, 22. Juni. Die Vertretung der Gemeinde Niederweidbach hat beschlossen, für den Fall einer Auf lös ung des Kreises Dillenburg dahingehend vorstellig zu werden, dah die Gemeinde nicht mehr im Verbände des früheren Kreises Biedenkopf verbleibt, sondern dem alten Dillkreis einverleibt wird. Auch die Vertretung der Gemeinde Bischoffen hat sich in gleichem Sinne ausgesprochen. G. A.-Gpori. Oie Führer der deutschen Sportverbände ernannt. Reichssportkommissar von Tschammer und Osten gab am Donnerstagvormittag gelegentlich eines Prefsetees im Berliner „Haus der deutschen Presse" bekannt, wen er zu Führern der Sportverbände ernannt hat. Reichsführer des deutschen Sports ist Gruppenführer von Tschammer und Osten. Mitglieder des Reichsführerringes sind: Direktor Professor Dr. Neuendorff, Berlin, (Deutscher Turnverband): Kriminalrat Linnemann, (Berlin, (Deutscher Fuhballverband): Dr. Ritter v. H a 11 (Deutscher Leichtathletikverband): Führer des Schwerathletikverbandes noch nicht ernannt; Georg Hax, Berlin, (Deutscher Schwimmverband): Dr. Schomburgk, Leipzig, (Deutscher Tennis- und Hockehverband): Paul Schluck, Wernigerode, (Deutscher Kegel- und Billardverband): Erwin H a ch m a n n, Berlin, (Deutscher Winter- sportverband); General a. D. Herrgott, Berlin, (Deutscher Schiehsportverbano); Kapi.aweulnant a. D Jasper, Berlin, (Deutscher Wassersportverband): Führer des WanderverbandeS noch nicht ernannt : Führer des Radsportverbandes noch nicht ernannt; Sie Heugeflalhing des deutschen Theaterwesens. Siaatskommissar Hinkel über die künftigen Aufgaben unserer Bühnen. Berlin, 21. Juni. (TU.) Staatskommissar Hinkel äußerte sich in einer Unterredung mit einem Pressevertreter über die schwere Krisis der deutschen Theater und über die Bemühungen der nationalen Regierung, das Theater als wichtige Bildungs- und Kulturstätte wieder lebensfähig zu machen. Einleitend bemerkte er, daß der neugegründete Theaterausschuß vor attenf dafür zu sorgen habe, daß an der Spitze der öffentlich- rechtlichen Bühnen Preußens Persönlichkeiten ständen, die eine Führung dieser Kultur ft ät» ten im Sinne der Regierung gewährleisteten. Künftig werde es, nach Begutachtung des Preußischen Theaterausschusses, dem die Prüfung aller staatlichen und städtischen Theaterfragen nach sachlichen und personellen Gesichtspunkten obliege, der Zustimmung des preußischen Ministervräsiden- ten bzw. des preußischen Kultusministers oedürfen, ehe Verträge mit leitenden Persönlichkeiten Rechtsverbindlichkeit erlangten. Staatskommissar Hinkel sprach dann über die be- absichtigten Maßnahmen, um das deutsche Theater wieder existenzfähig zu machen. Eine wesentliche Rolle werde hierbei die neue Besucherorganisation „Deutsche Bühne" spielen. Den Mitgliedern dieser Organisation wie auch den Angehörigen der übrigen nationalsozialistischen Organisationen, werde es zur national-kulturellen Ehrenpflicht gemacht werden, die Theater zu besuchen. Es werde scharf darauf geachtet werden, daß diejenigen, die sich den Theaterbesuch leisten können, dies auch wirklich tun. Es werde eine großzügige Werbe- und Erziehungsaktion unter Heranziehung der Dich- tcrakademie. der Kulturorganisationen, des Rundfunks und der Presse einsetzen, um die leben- digste Verbindung zwischen Dolk und Kunst herzustellen. Bei Feststellung der Spielpläne gebühre den K l a s s i k e r n der erste Platz; man werde aber auch junge Autoren zu Worte kommen lassen, die in einer weltanschaulich anders eingestellten Zeit in den Hintergrund gedrängt worden seien. Natürlich denke man nicht daran, alle Werke ausländischer Dichter und Komponisten zu verbannen und sich kulturell von der Welt abzuriegeln. Daß Shakespeare, Moliöre, Rostand, Ibsen, Björnson oder Tolstoi von deutschen Bühnen verschwinden würden, sei ebenso undenkbar, wie eine Ausschaltung von Verdi, Rossini, Puccini, Bizet, Tschaikowsky. Alle kulturell werwolle, bodenverwurzelte Kunst werde gepflegt werden. Gegen Ueberfremdung allerdings würden wir uns zu wehren haben; der deutschen Kunst gebühre im deutschen Theater die erste Stelle. Wir seien auch keine Philister, um Einwendungen dagegen zu erheben, daß neben der ernsten Kunst auch die leichtere Musik gepflegt werde, da das Theater neben seiner erzieherischen und bildenden Mission auch geistige ®rbau= ung und Erholung bieten solle. Was die Einstellung zu nichtdeutschen Künstlern angehe, so würden an den behördlich-kontrollierten und verwalteten Bühnen grundsätzlich arische Künstler beschäftigt werden. Jüdischen Künstlern sei die Betätigung nur nach Maßgabe der im Bearntengeseh festgelegten Bestimmungen gestattet. Diese gesetzliche Regelung bilde auch für die städtischen Theater die Richtschnur. Natürlich könnten freischaffende ausländische Künstler in Deutschland gastieren: maßgebend werde hierbei fein, wie der betreffende Staat sich deutscher Kunst und deutschen Künstlern gegenüber einstelle. Privattheatern bleibe es unbenomObergruppenführer Major a.D. Hühnlein, München, (Deutscher Kraftfahrverband): Stadtarzt Dr. Bartels, Berlin, (Deutscher Sportärzteverband); Lehrer Berendes, Berlin, (Deutscher Sportlehrerverband); Dr. D o 11 m a n n, Berlin, (Deutscher Sport- presseverband). In seiner Ansprache an d i e Sportpresse sagte von Tschammer und Osten, eine gesunde und aufbauende Kritik sei ihm sehr erwünscht, aber aus scharfer Kritik müsse zumindest eine gewisse Disziplin sprechen, deren Untergrund das Zeichen zur positiven Mitarbeit ist. Er bitte die Sportpresse, an der guten Sache nach Kräften mitzuarbeiten. Die Vorbereitungen zur Olympiade 1936 seien jetzt in Angriff genommen worden, nachdem die Unterlagen für die materielle Sicherstellung der Vorbereitungen zum größten Teil geschaffen worden sind. Alle Dienststellen des Reiches brächten den Spielen das größte Interesse entgegen. Es sei zu hoffen, daß der Reichsfinanzminister dem deutschen Sport bei der Bewältigung der großen Aufgabe feine Hilfe zuteil werden lasse. Mitte der nächsten Woche werde der Führerring zum erstenmal zusammen- treten, bann seien die ersten Beschlüsse zu erwarten über die Frage der marxistischen Sportverbände, die Iugendfrage bezüglich Erziehung in- und außerhalb der Schule usw. Ein deutscher Sportfonds soll geschaffen werden, um den Aufbau des Sports sicherzustellen. Bei allen Veranstaltungen wird ein »Sportgroschen" in Höhe von 5 bis 20 Pfennig erhoben. Der preußische Ministerpräsident hat eine Olympia- Lotterie genehmigt, um Mittel für die Vorbereitung auf 1936 bereitzustellen. irtschafi. Frankfurt schwächer. Frankfurt a. M., 23. Juni. (WTB.-Draht- Meldung.) Die heute vorliegenden Nachrichten hatten weiter eine abschwächende Wirkung. Die noch ungeklärte Lage hinsichtlich der Dollarstabilisierung und eine wenig freundliche Beurteilung der Lage in London ließen Publikum und Kulisse mit Verkäufen erscheinen. Das Geschäft hielt sich aber in engen Grenzen. Andererseits zeigte eine Reihe von Spezialwerten Widerstandskraft. So waren IG., Reichsbank und Bekula behauptet und Scherdean- statt zogen sogar 2,50 Prozent an, da das Publikum im Betätigungsfeld der Gesellschaft anscheinend eine Sicherung gegen mögliche Verluste sieht. Recht matt lagen Montanaktien, wo sich die Befürchtungen wegen der Eingänge aus dem Russengeschäft auswirkten und 1,50 verloren. Elektropapiere zeigten auf Realisationen hin geringe Einbußen, nur Licht & Kraft gaben 2,50 und Siemens 1 Prozent nach. Schiffahrtswerte verloren bis zu % Prozent. Ein anderer Teil der Standardwerte hatte merkliche Verluste aufzuweisen, so Goldschmidt 2%, Metallgesellschaft und Deutsche Erdöl bis 1,25 Prozent. Don sonstigen Werten fiel Zellstoff Waldhof mit einem Verlust von 2 Prozent und Deutsche Linoleum mit einem solchen von 2% Prozent auf. Der Rentenmarkt litt unter den Entscheidungen bei Stahlverein, deren Bonds im Verlaufe um 5,50 Prozent nachgaben. Ferner büßten Deutschen Anleihen bis % Prozent ein und auch Ausländer lagen durchschnittlich bis 0,50 Prozent gedrückt. Im Verlaufe bröckelten die Kurse ziemlich allgemein um 0,50 bis 1 Prozent ab; so gingen z. B. IG. auf 12t Prozent zurück. Auch Der Pfandbriefmarkt hatte durchweg Angebot aufzuweisen und fast sämtliche Werte gingen 0,50 bis 1 Prozent zurück. Stadtanleihen lagen ebenfalls im Angebot, Ausländer waren durch- weg 0,50 Prozent gedrückt. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben, treusorgenden Mann, unseren guten Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Schwager Herrn Wilhelm Konrad im Alter von 63 Jahren nach kurzem, geduldig ertragenem Leiden zu sich zu nehmen. Im Namen aller trauernd Hinterbliebenen: Elisabeth Konrad, geb. Samm Großen-Buseck, den 22. Juni 1933. Beerdigung: Samstag, den 24. Juni, nachmittags 2 Uhr. » 940 In meinem Mö&el-Ausverkauf sind noch einige Küchen Schlafzimmer Speisezimmer Herrenzimmer usw. weit unter Preis abzugeben. B. Vetter, Möbelwerkstätte Wiesenstra&e 4 408i Hühneraugen löst vom Zeh! Hühneraugen sehn dich an, Hühneraugen tun dir weh, ,Hühnerauaen-Lebewohl*M JO _K)\ M v \ 1®' •) Gegen Hühneraugen und Hornhaut Blechdose (8 Pflaster) 68 Pfg. in Apotheken und Drogerien. Z Swher zu haben ? Med.-Drog. Hans Hindenonrg, H. Elges, Sei- tersweg 68a; Löwen-Drog. W. Kllblnger Nil., Seliersweg Cfl; H.Noll,Lndwigsplatz-u.Nen- stadt-Drog.; Germania-Drog, C. Seibel, Frkf. Str. 39; 0. 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