Nr. 119 Srühausgabe 185. Jahrgang Dienstag, 25. Mai 1955 Erschein, täglich, autzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienbiälter Heimat im Bild - Die Schalle Monat, Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen van einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hentfvrechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. MtzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Dnid und Verlag: vrühl'sche U«lverst1ä1r-Vuch- unö Steinöruderei K Lange in Gießen. §christleitnng und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer "bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re» lilameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Gange. Derantworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. fS.Ihnriot; für den übrigen Teil Lrnst Diumschein undfür denAn- zeigenteil i.D. Th. Kümmel sämtlich in (Biegen. Amerika nimmt den Macdonatd-ptan an 9er deutsche Standpunkt zur Erklärung Davis' 2l u g e n b l i ck Das Ende der Konferenz düngen erreicht. endgültiger Entschei ©er amerikanische Sondergesandte fordert wirksame Abrüstung durch Abschaffung der An° gnffswaffen. — Entschiedene Stellungnahme gegen die französische Politik der Winkelzüge- Gens, 22. Mai. (SU.) Die bedeutsame, vom Sonderbotschafter Rorman Davis vor der Abrüstungskonferenz verlesene Erklärung der amerikanischen Regierung wird in maßgebenden deutschen Kreisen begrüßt. Man erkennt daraus, daß nunmehr die amerikanische Regierung auf die schwergerü steten Staaten stärksten Druck ausübt. um sic zu einer entscheidenden Herabsetzung der Rüstungen und zu einer völligen Ab- fchasfung der Angrisfswaffen zu veranlassen. Rach deutscher Auffassung hat sich die amerikanische Regierung auf dem Abrüstungsgebiet in direktem Gegensatz zu der bisherigen französischen Abrüstungspolitik gestellt, vor allem da die vereinigten Staaten die Abrüstung eindeutig entsprechend der deutschen Auffassung als entscheidende Voraussetzung der allgemeinen Sicherheit bezeichnen. Außerdem hat die amerikanische Regierung die von Frankreich geforderten Sicherheilsgarantien jetzt gegeben. Auf der anderen Seite ist nicht zu verkennen, daß die amerikanische Erklärung über das Maß der Herabsetzung der Rüstungen den für die deutsche DerteidigungunerläßlichenRüstungs- st and unklar läßt, indem sie wiederholt von den für das Mindestmaß der nationalen Verteidigung notwendigen Rüstungen, sowie von der Herabsetzung der Rüstungen „ungefähr" auf das Versailler Niveau spricht. Von deutscher Seite wird daher in den jetzt beginnenden entscheidenden vertraulichen Besprechungen mit den Außenministern der Großmächte der Standpunkt mit aller Entschiedenheit vertreten werden, daß D e u k s ch l a n d keinerlei Verteidigungswaffen mehr verboten werden können, die den übrigen Mächten ertaubt bleiben. Gegenüber dem stimmungsmäßigen Umschwung zu Gunsten Deutschlands, der in allen Reden zum Ausdruck kommt, durch den aber zweifellos Deutschland nun noch zu einem weiteren Nachgeben beeinflußt werden soll, wird auf deutscher Seite ausdrücklich betont, daß die Retchsregierung bisher keineswegs den englischen Abrüstungsplan uneingeschränkt angenommen habe. Deutschland verlange auch keine Wiederaufrüstung, sondern fordere ledig- lich die gleichen Verteidigungswaffen für sich, die andere Staaten zur Sicherung ihrer nationalen Verteidigung fordern. Die Bereitwilligkeit Deutschlands, im abge- rüfteten Zustand zu verharren, hängt also von dem Maß und der Intensität der Abrüstung der anderen Staaten ab. Sollten die Maßnahmen hierfür nicht in dem gewünschten Maße ausfallen. dann würde Deutschland natürlich verlangen müssen, mit gleichem Maß gemessen zu werden. 3n leitenden amerikanischen Kreisen wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Erklärung des Sonderbotschafters Rorman Davis eine Berücksichtigung der deutschen grundsätzlichen Forderungen bezweckte und daß selbstverständlich die endgültige Festsetzung des für die deutsche nationale Vertei- Digung unerläßlichen Rüstungsstandes nunmehr in den einzelnen diplomatisc^in Verhandlungen erfolgen müsse. Zwei Meinungen im amerikanischen Kongreß. Washington, 23. Mai. (SU.) 3n Kreisen des amerikanischen Kongresses wird der von Davis in Genf bekanntgegebenen Roosevelt-Doktrin eine ganz verschiedene Auslegung gegeben. Zum Seil sieht man in ihr die Aufgabe der traditionellen amerikanischen Richteinmischungspolitik, andererseits aber erklärt man, daß die Bereinigten Staaten zwar bereit wären, im Falle eines drohenden Krieges mit den anderen Mächten zusammenzutreten, um den angreifenden Staat festzustellen, es ihnen aber f r e i st ü n d e, den übrigen Mächten nicht zuzustim- m e n, oder sich den gegen den angreifenden Staat beschlossenen Maßnahmen anzuschliehen. 3n diesem Zusammenhang wird von der anderen Richtung daraus hingewiesen, daß es für die amerikanische Regierung praktisch unmög - l i ch sein würde, sich wohl an den Verhandlungen zur Feststellung des Angreifers zu beteiligen, sich danach aber zurück- z u z i e h e n. Senator Lewis- Illinois erklärte, daß die amerikanische Regierung sich wohl volle Handlungsfreiheit bewahre, daß die Roosevelt-Doktrin aber praktisch auf eine Zusammenfassung der Sieger ft aaten hinauslaufe, um die Früchte des Versailler Vertrages zu verewigen. Der Farmer-Senator S h i p st e a d - Minnesota äußerte sich ähnlich. Die Roosevelt-Doktrin sei ein Thema, in das die Vereinigten Staaten verstrickt werden sollten, um an der Erhaltung des Versailler Vertrages mitzuwirken. Die vorgesehenen Konsultativverhandlungen könnten dazu führen, daß den Bereinigten Staaten unter Frie- densvorspiegelungen die Tür zum Eintritt in den nach ft en Krieg geöffnet würde. Annahme des englischenAbrüstungs- planes zu bringen, falls die übrigen Mächte die gleiche Haltung einnchmen würden. Die italienische Regierung sehe sich jedoch veranlaßt, gewisse Vorbchaltcr zum englischen Plan anzumelden. Der englische Außenminister Simon, der jetzt, wie die meisten Redner, die Reichskanzler- Rede und die Annahme des englischen Abrüstungsplanes durch die Retchsregierung ausdrücklich unterstrich, sprach der italienischen Regierung seine Befriedigung über die weitgehende Unterstützung der englischen Abrüstungspolitik aus. Rach den Erklärungen der Großmächte sei jetzt die Hoffnung auf eine allgemeine Annahme des englischen Abrüstungsplanes durchaus gerechtfertigt. Simon unterstrich sodann nachdrücklich, die Erklärung des Reichskanzlers Hitler und die anschließenden Ausführungen Nado 1 nys seien von großer Bedeutung, da nunmehr auch Deutschland den englischen Plan nicht nur als Verhandlungs- grunblage, sondern als Grundlage der gesamten künftigen Regelung angenommen habe. Simon beantragte, um die Derhandlun- !en möglichst schnell zum Abschluß zu bringen, so- ort in die artikelweise Durchberatung des englischen Ibrüstungsabkommens einzutreten. Unter großer Spannung gab sodann Paul- Doncour eine Erklärung ab. in der er die traditionelle französische Sicherheitsund Abrüstungspolitik uneingeschränkt aufrechterhielt. Gegenüber den ©er Eindruck in England. London, 22.Mai. (TU.) Die Erklärung des amerikanischen Sonderbotschafters Norman D a • ois hat in Londoner diplomatischen Kreisen sehr großes Aussehen erregt. Allgemein besteht der Eindruck, daß die amerikanischen Zugeständnisse und Zusagen viel weiter gehen, als man erwartet hatte. Nach englischer Auffassung dürften die amerikanischen Erklärung^ für Deutschland genügende Garantie bieten, daß mit der A b r u st u n g wirklich Ern st gemacht werden soll. Dies müsse beruhigend auf Deutschland wirken und dazu beitragen, in Deutschland wieder das Vertrauen zu den Vertragsgegnern aufzubauen, das nach den langen Jahren der einseitigen Abrüstung völlig geschwunden war. Hinsichtlich der Rückwirkungen auf Frankreich ist man in London der Ansicht, daß die amerikanische Erklärung den französischen Sicherheitswünschen soweit entgegenkommt, wie dies praktisch überhaupt möglich ist. Für Frankreich sei damit der Boden der Sicherheit gegeben, der es ihm ermöglichen sollte, den englischen Plan nunmehr anzunehmen und die Abrüstung dementsprechend durchzusühren. Ob allerdings Japan sich mit der Definition des Angreifers einverstanden erklären werde, sei abzuwarten. würde unvermeidlich die wirtschaftliche Wiederbe- lebung zurückwerfen. Die Rü st ungen müssen jetzt aufeinreinesVerteidigungsniveau zurückgeführt werden. Rorman Davis führte sodann die besonders auf dem Abrüstungsgcbiet weit leichtere Lage der Bereinigten Staaten gegenüber den großen politischen Schwierigkeiten Europas an und hob dann die Bereitschaft der Bereinigten Staaten hervor, die Rüstungen auf ein Mindestmaß herabzuschen, an der Organisierung des Friedens mitzuwirken und ein System der Rüstungskontrolle anzunehmen. Rorman Davis unterstrich insbesondere die Bereitschaft des Präsidenten auf völlige Abschaffung der schweren Angriffswaffen. Durch keine andere Maßnahme würde so sicher die Kriegsgefahr ausgeschaltet, als gerade dyrch die Abschaffung der außerordentlich kostspieligen und gefährlichen Angriffswafsen. Die amerikanische Regierung nehme daher den englischen Abrüstungsplan an. Bei einem künftigen Konflikt werde als Angreifer derjenige Staat am einfachsten festgestellt werden können, dessen Sruppen unter Bruch der Verträge ein fremdes Gebiet beseht hätten. Rorman Davis sagte sodann mit großem Rach- druck, daß gegenwärtig der Abrüstung zwei Haupthindernisse entgegenständen: 1. Die Furcht, daß Deutschland die Absicht habe, wieder aufzurüsten; 2. die Weigerung der schwergerüsteten europäischen Staaten, in der gegenwärtigen Weltlage einen wahrhaften Schritt in der Richtung der Abrüstung zu tun. Mit erhobener Stimme rief Rorman Davis sodann aus: Wenn im gegenwärtig entscheidenden Augenblick ein Staat es ablehnt, konkrete Beweise für seine friedlichen Absichten zu geben, und auf feinem Recht zum Wiederauf rüst en besteht, selbst wenn andere Mächte bedeutungsvolle und wirksame Ab- rüstungsmahnahmen ergreifen, bann wird der größte Seil der Verantwortung für den erfolglosen Ausgang der Konferenz mit den sich daraus ergebenden unübersehbaren Folgen dieser Ration zur Last fallen. Es fei unmöglich, das Abrüstungsproblem zu lösen, wenn eine Ration darauf bestehe, wieder aufzurüsten, während die anderen Rationen a b r ü ft e t e n. Die unvermeidliche Folge wäre nur die Wiederaufnahme des Wettrüstens. Die amerikanische Regierung habe volles Verständnis für bestimmte politische Schwierigkeiten, die die übrigen europäischen Mächte an der Herabsetzung der Rüstungen hinderten. „wir erkennen das legitime Recht jedes Staates auf Aufrechterhaltung feiner Sicherheit an. Iedoch find wir tief davon durchdrungen, daß auf die Dauer eine Sicherheit besser durch eine kontrollierte Abrüstung gesichert werden kann, wie sie durch fortgesetzte, in Etappen durchgeführte Senkung der Rüstungen der schwerge- rüsteten Staaten auf das in den Friedensoerträgen vorgesehene Maß zu erreichen ist. Dor einigen Tagen sind auf der Konferenz bei Behandlung des englischen Planes sehr ernste Schwierigkeiten entstanden. Seitdem hat sich die Lage wirksam gebessert. Die kürzliche Rede des deutschen Reichskanzlers vor dem Reichstag hat Einzelheiten über die Haltung und die Politik Deutschlands auf dem Abrüstungsgebiet verschafft; sie ist dadurch, daß Deutschland gleichzeitig die Botschaft des Präsidenten Roosevelt angenommen hat. sehr nutzbringend gewesen. Diese Rede sowie die Erklärung des Botschafters Radolny über den englischen Abkommcnsentwurf als Grundlage des künftigen Abrüstungsabkommens hat die Lage so geändert, daß wir nun von neuem den Plan mit der Hoffnung durchberaten können, zu einem Ergebnis zu gelangen. Um die Erörterung wieder auf das konkrete Problem der Tagesordnung zurückzuführen. nehme die amerikanische Abordnung das Kapitel über das Material an. Es sei zu hoffen, daß die anderen Abordnungen hiermit einverstanden seien und daß somit der Weg frei sei für eine unverzügliche Entscheidung über alle konkreten Vorschläge dieses Kapitels. ©ie Stellung der Andern. Tcharfer französisch-amerikanischer (Gegensatz. 3m Hauptausschuh der Abrüstungskonferenz gaben in der großen politischen Aussprache die Vertreter der Großmächte kurze Erklärungen ab Der Kabinettsches Mussolinis, Botschafter Baron A1 o i s i. brachte die außerordentliche Befriedigung der italienischen Regierung über die Roosevelt-Botschaft zum Ausdruck und betonte die weitgehende Uebereinftimmung zwischen der amerikanischen und der italienischen Auffassung. Die Abschaffung der schweren Angriffswaffen werde die wirksamste Garantie für die Unverletzbarkeit der Grenzen darstellen. Die italienische Regierung sei bereit, große Opfer in der uneingeschränkten ist jetzt in Aussicht. Sämtliche Rationen der Welt müssen jetzt zeigen, ob sie die Absicht haben, die fortschreitende Abrüstung herbeizuführen, oder ^u dem Vor - kriegsshstem der unbegrenzten Rüstungen des internationalen Verdachts und der Furcht zurückzukehren. Rach dem Abschluß des Weltkrieges waren die Völker übereingekommen, ihre bisherige Rüsiungspoiitik endgültig aufzugeben. Diese neue Auffassung wurde sodann als eine Grundlage der Friedensver- träge erklärt. Zur Durchführung wurde bestimmt. daß die besiegten Staaten e n f- ro a f f n e t werden sollten. Gleichzeitig verpflichteten sich die siegreichen Völker freiwillig zur Herabsetzung ihrer Rüstungen. Ls wäre jedoch weder gerecht noch weise, noch war es ursprünglich vorgesehen, daß die mitteleuropäischen Staaten für immer auf dem Rüftungs- gebiet unter einem besonderen Regime verblieben. Ls war stets eine Pflicht der übrigen Unterzeichnermächte der Friedensocrträge, ihre Rüstungen in Etappen auf ein mit den verteidigungsbedürfnissen zu vereinbarendes Mindestmaß herabzusehen. Obwohl die Vereinigten Staaten durch diese Verträge nicht gebunden sind, so ist es doch der SÖHl e des amerikanischen Volkes, mit den übrigen Mächten gemeinsam über die Herabsetzung der Rüstungen auf ein derartiges Mindestmaß zu beraten. Die amerikanische Regierung ist jetzt entschlossen, ihren Einfluß einzusetzen, um zu einem derartigen Ergebnis nicht durch theoretische Erklärungen, sondern durch eine entscheidende fortschreitende Herabsetzung der Rüstungen und durch internationale Abkommen zu gelangen. Jede Verzögerung dieser Entscheidung ist in der gegenwärtigen Lage außerordentlich ernst. Sämtliche Mächte der Welt müßen jetzt das von ihnen 19 19 übernommene A b - rüstungssystem durchführen oder die Welt muh jetzt offen zugeben, daß nunmehr das Wettrüsten wieder einsetze. Dann würde jedoch der ganze 1918 so mühsam ausgearbeitete Mechanismus zusammenbrechen und die Entwicklung würde einem neuen Weltkrieg zutrei- ben. Ein Zusammenbruch der Abrüstungskonferenz eindeutigen Vorschlägen von amerikanischer Seite auf Abschaffung der schweren Angriffswaffen versuchte Paul-Boncour, der offensichtlich die 3 s o - Nerung Frankreichs fürchtet und in letzter Stunde für die Durchsetzung des französischen Standpunktes kämpft, wiederum die Sicherheitsfrage als das entscheidende Kapitel der Abrüstung hinzustellen und machte von der Behandlung dieser Frage die endgültige Stellungnahme Frankreichs zu praktischen Abrüstungs- maßnahmcn abhängig. Paul-Boncour beantragte sodann, die Verhandlungen mit der artikelweisen Durchberatung des ersten Teils des englischen AbrüstungsplancS über die Sicherheit zu beginnen. Ucber den französischen Vorschlag entspann sich eine längere Geschäftsordnungsdebatte. Rorman Davis lehnte zum allgemeinen Erstaunen den französischen Vorschlag mit großer Entschiedenheit ab. Lr betonte, daß die Roosevelt- Botschaft bereits genügend Klarheit über die amerikanische Beteiligung auf dem Sicherheitsgebiet geschaffen habe, so daß die europäischen Mächte sich außerhalb der ofsiizeUen Sitzungen direkt über die Regelung der Sicherheitsfrage zu einigen hätten und deshalb der haupfaus- schuh nicht weiter Zeit mit der Behandlung der Sicherheitsfrage zu vergeuden brauche. Norman Davis beantragte in direktem Gegen- fatzzu dem franz öfifchen Vorschlag, sofort in die artikelweise Durchberatung des englischen Planes über die materielle Abrüstung einzulrelen. Präsident Henderson sah sich angesichts dieser offen zutage tretenden Gegensätze zwischen der französischen und der amerikanischen Auffassung gezwungen, die Sitzung abzubrechen und das Präsidium der Konferenz am Dienstag vormittag einzuberufen. Die Sitzung wurde unter dem allgemeinen Eindruck der französisch-amerikanischen Spannung auf Dienstagnachmittag vertagt. Genf, 22. Mai. (TU.) Der amerikanische Sonderbotschafter Norman Davis gab heute im Hauptausschuß der Abrüstungskonfe- renz die angekundigte und mit größter Spannung erwartete Erklärung der amerikanischen Regierung über ihre endgültige Stellungnahme zum Abrüstungs - und Sicherheitsproblem bekannt. Er verlas eine schriftliche Erklärung, die praktisch alsdieAufgabederbisherigen amerikanischen Neutralitätspolitik bewertet wird. 1. Die amerikanische Regierung ist bereit, aus dem Lbrüftungsgebiet soweit zu gehen, wie irgendein anderer Staat. Das Endziel muh die Herabsetzung der Rüstungen „ungefähr" auf das in den Frledensverträgen festgefetzte 2N a h fein, d. h., Herabsetzung der Rüstungen durch fortschreitende Etappen so schnell wie möglich bis zu dem Riveau der für innere Polizeizwecke notwendigen Truppen. 2. Die amerikanische Regierung ist als Beitrag zur Organisation des Friedens bereit, in einem Konfliktsfall mit den übrigen Mächten in Beratungen darüber einzutreten, ob der Friede bedroht ist. Falls die übrigen Rationen nach eingehenden Beratungen beschließen, daß ein Staat den Frieden durch Bruch der internationalen Verpflichtungen gefährdet hat und falls sodann eine Aebereinstimmung zwischen den übrigen Mächten über den als schuldigen und verantwortlichen Angreifer erfolgt, verpflichtet fich die amerikanische Regierung, sich jeder Handlung zu enthalten, die das gemeinsame Vorgehen der übrigen Mächte zur Wiederherstellung des Friedens gefährden könnte. 3. Die amerikanische Regierung erklärt sich bereif, zu einer gemeinsamen automatischen ständigen Kontrolle der Rüstungen durch einen ständigen Abrüstungsausschuß. 4. Das endgültige Ziel muß nach Auffassung der amerikanischen Regierung die vollständige Durchführung der Abrüstung in Etappen fein, jedoch muh der entscheidende er sie Schrill sofort ergriffen werden. Der amerikanische Sonderbotschafter Rorman Davis führte in seiner großen politischen Erklärung u. a. folgendes aus: Die Botschaft des Präsidenten Roosevelts ist von der dringenden Rotwendigkeit eines sofortigen entscheidendenDor- gehens zur Lösung der von den beiden Konferenzen jetzt zu behandelnden Probleme veranlaßt. Die Abrüstungskonferenz hat jetzt den Der Reichskanzler bei der Reichsmarine. Hitler über sein Ziel: ein Deutschland der Ehre und Freiheit! Kiel. 22. Mai. (WTB.) Auf dem weiten Hofe der Wiker Kaserne hatten in Erwartung des Besuches des Reichskanzlers Hitler sämtliche Kieler Landmarineteile, sowie Abordnungen der Schiffe und Bootsverbände mit Gewehr Paradeaufstellung genommen. Als gegen 11.15 Uhr der Kanzler vom Flugplatz kommend eintraf, erstattete ihm unter präsentiertem Gewehr der Stationschef Bizeadmiral Albrecht Meldung, worauf der Kanzler unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front der aufmarschierten Truppen abschritt. In seiner Begleitung befanden sich neben den Flaggoffizieren des Standortes Kiel der Reichswehrmini ft er und der Chef der M a r i n e l e i t u n g. Rach dem Abschreiten der Front hielt der Kanzler vom China-Denkmal aus eine Ansprache an die Truppe. Der Reichskanzler ging dabei von der Revolution des November 1918 aus, die dem Kampf der Stände und Klassen untereinander ausgerufen und uns in einem anschließenden 14jährigen Kampf zugrunde gerichtet habe. Der Kanzler sprach dann von der neuen Erhebung, die jetzt den Frieden Deutschlands proklamiert habe. Es sei eine neue Gemeinschaft entstanden, die alle umfassen werde, die guten Willens seien. „In dieser Gemeinschaft — so erklärte der Reichskanzler — liegt keine Drohung gegen die übrige Welt. Dir wollen den Frieden vielleicht mehr als alle anderen, denn wir brauchen ihn. um Brot für unsere Millionen arbeitslosen Volksgenossen zu schaffen. Aber der Friede wird immer nur dem gegeben, der des Friedens würdig ist. würdig ist aber nur das Volk, das die Empfindung sich erhält für die Notwendigkeit der Ehre und der Freiheit. 3n diesem Sinne proklamiert diese deutsche Erhebung das Ringen für die deutsche Freiheit und Gleichberechtigung in der Welt. Soldaten der Reichsmarine! Sie selbst haben große Traditionen zu wahren. Rur wenige Jahrzehnte haben dem alten Deutschland zur Ausbildung seiner Wehr zur Verfügung ge-- standen. Diese Jahrzehnte sind von ihm benutzt worden, um das ganze deutsche Volk mit Stolz auf seine Blauen Jacken sehen zu lassen. Dann kam die Zeit der Demütigung. Und .nun Ijat Deutschland sich wieder gefunden, um der deutschen Arbeit den Weg zur Freiheit zu bahnen. In diesem Sinne begrüße ich unsere deutsche Flotte. Wenn diese Flotte auch Hein ist. so sieht doch ganz Deutschland mit Freude auf sie. Denn sie ist der sichtbarste Repräsentant des deutschen Ehrbegriffes und der deutschen Gel- tungdraußen in derWelt. Vergessen Sie draußen nie. daß sie ein Stück von Deutschland ist. wie auch Deutschland sie nicht vergißt. Die deutsche Reichsregierung ist nach kiel gekommen, um diese unsere deutsche Flotte zu begrüßen. Aber dieser Besuch ist gleich ein Bekenntnis: So groß unsere Sehnsucht noch dem Frieden ist, so groß ist aber auch unsere Entschlossenheit, dem deutschen Volk das gleiche Recht und seine Freiheit wieder zurückzugewinnen. In dielem Entschluß begrüßen wir unser deutsches Volk mit dem Gelöbnis, diesen Kampf als Vermächtnis unserer Generation durchzuführen, so lange, bis wieder ersteht ein Deutschland der Ehre und F r e i h e i t.“ Rach dem Gesang des Deutschlandliedes begab sich der Kanzler nach dem Offiziersheim, wo ihm vom Stationschef die Kommandeure der Kieler Truppenteile vorgestellt wurden. Während _ des Essens im Osfiziersheim, an dem der Reichskanzler und die Herren seiner Begleitung teil- nahmen, gedachte der Chef der Marineleitung Admiral Dr. h. c. Raeder nach herzlichen Worten der Begrüßung an den Kanzler und die übrigen Mitglieder der Reichsregierung, die am heutigen Tage als Gäste der Reichsmarine in Kiel weilten, des Oberbefehlshabers der Wehrmacht Generalfeldmarschalls v. Hindenburg und schloß mit einem dreifachen Hurra auf den Kanzler des deutschen Volkes. Anschließend begab sich der Kanzler durch em Spalier der Fähnriche der Marine- und Artillerieschule nach dem Hafen, um sich mit dem Chefboot auf dem F l o 11 e n f l a g g s ch i f f „Schleswig-Holstein" einzuschiffen. Der gesamte Flottenverband stand klar zum Auslaufen aus dem Kieler Hafen mit dem Spitzenboot „Schleswig-Holstein" querab von Wiker Mole. Als der Kanzler sich an Bord der „Schleswig- Holstein" begab, wurde auf Kreuzer „Leipzig", auf dem der Reichskanzler während seines Kieler Aufenthaltes Wohnung nehmen wird, die Reichsdienstflagge gesetzt und mit 19 Schuß salutiert. Unmittelbar darauf lief die Flotte aus dem Kieler Hafen zu Hebungen in See, während sich am hindenburgdamm laufende von Kielern eingefunden hatten, die dem imposanten militärischen Schauspiel zusahen. Reichskanzler Adolf Hitler wohnte auf dem Flottenflaggschiff in der Kieler Bucht einem gefechtsmäßigen Schießen des Li- n i e n s ch i f f e s „S ch l e s w i g - H o l st e i n". mit schwerer und mittlerer Artillerie bei. Das ferngelenkte Zielschiff .,Zähringen" diente als Ziel. Der Kanzler und die Herren seiner Begleitung begaben sich sodann an Bord der dritten Torpedobootsflotille. der sogenannten Raubtierklasse, die aus den Torpedobooten „Tiger", „Iltis", „Wolf" und „Jaguar" besteht. Es wurde ein Torpedo-Tag-Weitschiehen gegen Linienschiffe und Kreuzer vorgeführt. Rach Abschluß der Hebungen gingen die Gäste an Bord der Wohnschiffe. Der Kanzler Adolf Hitler, der Vizekanzler v. P a p e n, Reichswehrminister v. D l o m b e r g, Luftfahrtminister G o e r i n g und der Chef der Warineleitung Admiral Dr. Raeder nahmen auf dem Kreuzer „Leipzig" Wohnung. Reichsminister Dr. Goebbels bezog mit seinem Adjutanten, dem Prinzen Friedrich ChristianvonSchaumburg- Lippe, Kajüten auf der „Schleswig-Holstein", während die übrigen Herren sich an Bord der Linienschiffe „Schlesien" und „Hessen" und des Kreuzers „Königsberg" begaben. Am Abend werden die Schiffe eine Reche von Rachtmanövern aussühren. Oie Neugestattung des Kyffhäuserbundes. Die Borstände mindestens zur Hälfte Nalionalsozialiste Berlin, 22. Mai. (CNB.) Der Deutsche Reichskriegerbund „Ky ff Häuser", der 30 000 Kriegervereine mit drei Millionen Mitgliedern umfaßt, hat nunmehr auch in der Besetzung seiner Dor stände den Erfordernissen der natio- nalsozialistischen Revolution Rechnung getragen. Auf dem Kyffhäuser kamen am Sonntag die Vertreter aller deutschen Kriegerverbände zu. einer außerordentlichen Tagung zusammen, an der als Vertreter des Wehrpolitischen Amts der NSDAP. Oberstleutnant a. D. Sichting teilnahm. Der Führer des Kyffhäuser - Bundes General der Artillerie a. D. v. Horn, gab eine Führeranordnung bekannt, wonach die Bundesleitung von jetzt an ausschließlich in der Hande des Bundespräsidenten liegt, dem zwei Stellvertreter beigeordnet sind. Bei der Zusammensetzung aller Vorstände soll der nationalsozialistische Einfluß dadurch zur Geltung kommen, daß mindestens die Hälfte der Vor- standsmitglieder der NSDAP, angehören, insbesondere die Führer und ihre Stellvertreter. Alle Vorstandsmitglieder müssen Weltkriegsteilnehmer gewesen sein. M a r x i st e n dürfen nicht M i tg l i e d e r des Kyffhäuser-Bun- des sein. Ferner soll für sämtliche Kriegervereinsmitglieder eine Einheitskleidung eingeführt werden. Wie Kapitän Klaus schneeweiße Haare bekam. Von Hans ORiebau. „Meine Herren", sagte Kapitän Klaus und lieh sich das siebte Glas vor die Rase sehen, „wir sind hier allens Fahrensleut un wissen, was Windstärke 10 heißt, un was ein Taifun is un Kap Hom un so, abers das sage ich euch: Das Schlimmste, was da so passiert, das passiert nich auf See, sondern an Land!" „Ra, na", schüttelte Steuermann Harms den Kopf, „das glaubst du doch wohl selbst nicht!" „Oh bitte", fuhr Kapitän Klaus fort, „un ob ich das glaub'! Allens, was so auf See passiert, hat Hand und Fuß. Man geht über Bord, oder man geht nich über Bord. Das Schiff sackt weg oder -sackt nich weg. Man kriegt eine Spiere auf’n Kopf, oder man kriegt keine Spiere auf’n Kopf. An Land aber" — Kapitän Klaus kratzte sich den Kops. „Denn man to", rief der Stammtisch. Denn wenn Kapitän Klaus sich den Kopf kratzte — das wußten alle —, hatte er eine Geschichte im Lancierrohr. „Tjä", fing Kapitän Klaus an, „das war also in Island. Unser Schiff, die „Josephina", lag vor Reykjavik vor Anker. Die Ordergüter waren noch nicht da, un wir hatten drei Tage Zeit, uns das Land zu besehen. Ich war damals zweiter Steuermann, un am liebsten wäre ich überhaupt nich von Bord gegangen. Grotjan aber, der Käpt'n, war 'n Bergsteiger, wie er im Buche steht. Er sah sich vonner Reeling aus den Thornlaksberg an, holte den Rucksack außer Kajüte un sagte: .Kommen Sie, Klaus, wir wollen mal sehen, wie die Luft da oben im Gebirge is.' Was sollte ich tun? Ich zog meine genagelten Stiefel an, band mir den Brotbeutel um, steckte zwei Flaschen Rum von meiner Sorte ein, un zwei Stunden später gingen wir, Käpt'n Grotjan un ich, den Felsweg rauf, der von Reykjavik direktemang auf’n Thornlaksberg führt." Klaus machte eine Pause, trank den Grog aus und winkte nach dem nächsten Glas. „Tja", fuhr er fort, „also bat war natürlich mitt'n im Sommer. Die Sonne schien heiß, un der Weg war steil wie die Fockwanten. ,Re', sagte ich. als wir so vier Meilen unterwegs waren, «Käpt'n Grotjan, allens was recht is, ich kann nich mehr. Ich seh' mich hier an die Ecke un wart', bis Sie wieder zurück sind.' Grotjan guckte mich an, Wien Schulmeister seinen schlechtesten Schüler anguckte un überlegte. «Meinetwegen', brummte er, und bann ging er allein weiter, ben Thornlaksberg rauf Aber ich setzte mich auf einen Felsblock, packte die Rumbudbel aus un wartete. Cs war elf Uhr. Um eins, kalkulierte ich, is er oben, um brei ober vier muß er toieber hier sein. Aber es, würbe brei, un es würbe vier, un Käpt'n Grotjan war immer noch nich zurück. Um sechs kommt ein Mann mit ein paar Schafen vorbei. ,He', rufe ich, «haben Sie nich meinen Käpt'N gesehen? Re blaue Jacke hat er an un vier golbene Streifen um bie Aermel. Er is hier auf'n Berg rauf/ Der Mann reiht bie Augen auf. «Auf ben Thornlaksberg?', fragt er, ,ba werben Sie Wohl lange auf ihn warten müssen.' Ich wußte nich, was ich dazu sagen sollte. Als aber Käpt'n Grotjan um sieben Uhr noch nich da war, ging ich ’n Stück zurück bis zum letzten Blockhaus von Reykjavik- «Hören Sie', sagte ich zu der Frau, die da im Garten grub, «da is jemand auf’n Thornlaksberg rauf un noch immer nich zurück.' ,Oh', rief die Frau un machte ein Gesicht, als wenn der Blitz eingeschlagen hätt', «auf den Thornlaksberg?' Un der Briefträger, der gerade Post brachte, drehte sich um, guckte mich on, wackelte mit dem Kops un flüsterte: «Da brauchen Sie gar nich länger mehr zu warten, mein Herr'." Kapitän Klaus rührte in seinem Glas. „Das andere is kurz erzählt", fuhr er fort. „Aus der Frau und aus dem vertrottelten Briefträger konnte ich kein Wort mehr herauskriegen. Ich ging wieder bergauf un setzte mich auf den Felsblock, auf dem ich vorher gesessen hatte. Cs war langst dunkel, un als es wieder hell wurde, saß ich noch immer un wartete. So eine Rächt aber, meine Sperren, hab' ich mein Lebtag noch nich durchgemacht. Da is das auf'n Schiff doch was anners. Da sieht man, was passiert, un da weiß man, was passieren kann. Hier aber wußte ich nichts. War Grotjan inne Felsspalte gefallen? War er den Abhang runtergerutscht? Lag er irgendwo und rief um Hilfe? War er verwundet? Ober tot? Schneeweiße Haare, meine Herren, hab' ich in dieser Rächt gekriegt!" „Ra, na?“ murmelte der Stammtisch. „Mittags um elf“ — Klaus wischte sich den alle Fahnen sollen vorbehaltlich der Genehmigung durch den Reichskanzler ein Fahnenband mildem Hakenkreuz führen. Die Vertreter nahmen mit großer Begeisterung den Führererlaß entgegen und versprachen, ihrem soldatischen Geist entsprechend, pflichttreue Gefolgschaft- ____________ Lord Lloyd über die neue deutsche Politik. „Hitler hat Gröhes für Deutschland und für Europa getan." London, 22. Mai. (WTD.) In einem Aussatz im „Sundah Expreß" meint der vormalige Oberkommissar für Aegypten und den Sudan Lord Lloyd, wenn Deutschland Europa hinsichtlich seiner künftigen Pläne beruhigen wolle, müsse es von jetzt ab auf außenpolitische Abenteuer verzichten. Man dürfe aber nicht vergessen, daß Hitler und seine Leute bereits Großes für Deutschland getan hätten. Hitler habe bie beutsche Ration in einem Maße geeinigt, wie es keinem früheren Kanzler gelungen sei. Er habe sich die Treue und Achtung seiner Landsleute derartig gesichert, daß bei richtiger Ausnutzung bie künftigen Verhandlungen zwischen ben europäischen Staatsmännern sehr erleichtert werden würden. Ein eiserner K a n z l e r an der Spitze eines einigen Volkes sei besser als ein vom Parteihader zerrissenes Parlament. Aber Hitler habe nicht nur Großes für Deutschland getan, sondern für ganz Europa, indem er der Ausbreitung des Kommunismus nach Westen Einhalt geboten habe. Ohne Hitler würbe der Kommunismus ganz Deutschland bis zu den Ufern des Rheins überrannt und beherrscht haben. Oie Neuorganisation im Zachzeitschriftenwesen. Berlin, 22. Mai. (WTB.) Amtlich wird mitgeteilt: Infolge der Neuordnung und Gleichschaltung sind in einzelnen Fachoerbänden Bestrebungen in Erscheinung getreten, an die Stelle bestehender Fachzeitschriften ein einziges Fachorgan — auch auf dem Wege über ein Zwangsabonnement einzurichten. Mit Beziehung auf die hohen materiellen und ideellen Werte, die hier auf dem Spiele stehen, und mit Rücksicht darauf, daß derartige Entscheidungen unter keinen Umständen im Handumdrehen getroffen werden können, ersucht das Reichsmini ft erium für Volks- auftlärung und Propaganda alle in Frage kommenden Stellen, derartige Bestrebungen vorläufig e i nz u ste 11 e n. Das Reichsministerium für Dalksaufklärung und Propaganda hat bereits von sich aus Schritte unternommen, um im Einvernehmen mit den dafür zuständigen amtlichen und fachlichen Stellen in der Neuorganisation des deutschen Zeitschriftenwesens den Erfordernis- | e n der neuen Zeit Rechnung zu tragen. Aus aller Wett. Ausgleich von Zeitverlust im Ausbildungsgang für Mitglieder nationaler verbände. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, hat der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung nach reiflicher Prüfung der Frage davon abgesehen, Prüfungserleichterungen für die Mitglieder der anerkannten nationalen Verbände einzuführen. Er wird jedoch darauf hinwirken, daß der von ihnen wie von den Teilnehmern am Freiwilligen Werkdienst in ihrem Ausbildungsgang erlittene Zeitverlust bei Gelegenheit der beruflichen Anstellung ausgeglichen werden wird. Falsche Kriminalbeamte beschlagnahmen Juwelen. Bei einer Witwe in Wilmersdorf erschienen vier Männer, die sich als Kriminalbeamte aus- gaben und erklärten, daß sie den Auftrag hätten, alle Vermögenswerte zu beschlagnahmen, da der erst kürzlich verstorbene Ehemann der alten Dame bei Lebzeiten umfangreiche Devisen- schiebungen begangen hätte. Sie durchsuchten die Wohnung, ordneten die Gegenstände im Eßzim- Schweih von der Stirn — „ging ich endlich zurück in die Stadt un an Bord. Ich wollte ein paar Leute holen, un dann mußten wir ja woll Käpt'n Grotjan suchen. Kaum aber bin ich am Fallreep hoch, wer steht da un lacht? Käpt'n Grotjan! Ich denk', ich seh' ein Gespenst. «Käpt’n!', ruf' ich, «wo kommen Sie hierher?' «Wo schall ick hier woll Herkommen', lacht Grotjan weiter, «vonnem Thornlaksberg natürlich.' «Aber Käpt'n', flüstere ich, «bat is ja woll Hexerei. Ich hab' doch gewartet, vierundzwanzig Stunden lang, un ich weih genau. Sie sind vor meinen Augen auf’n Thornlaksberg geklettert un--' .Ganz recht', grinst Grotjan un schlägt mich auf bie Schulter, ,un auf ber anberen Seite bin ich toieber heruntergeklettert.'" Der Stammtisch lächelte. „Ra, ja", zuckte Steuermann Harms bie Achsel, „warum erzählst, bu uns bas? Das alles war boch nicht so schlimm wie damals, als euch bei Kap Horn der Großmast über Bord ging ober bei Aden, wo bir ber Hai auf das Dordeck sprang! Unb' babei kann man boch eigentlich wirklich keine weihen Haare kriegen!" „Rich so schlimm?", schlug Klaus auf ben Tisch, „un keine Weißen Haare soll man babei kriegen? Die Hauptsache, meine Herren, kommt ja noch: Die beiben Duddel Rum im Brotbeutel hatt' mir doch Käpt’n Grotjan, der Filou, hinterrücks ausgegossen un mit labbrigem chinesischen Tee gefüllt!" Zwei Lustspielfilme. Das Lichtspielhaus zeigt seit gestern ein Doppelprogramm. „Der F e l d h e r r n h ü g e l " heißt die Verfilmung eines bekannten unb über viele Bühnen gegangenen Lustspiels, welches das populäre Thema „Liebe und Trompetenblasen" in ein österreichisches Vorkriegsmilieu einkleidet und mit allerlei handfesten unb wirkungsvollen Kommißspäßen aufwartet. Die Regie von Eugen Thiele entwickelt bas im Mittelpunkt ber komplizierten Ereignisse stehende k. unb k. Korpsmanöver mit erstaunlich großzügigen Mitteln. Aus dem umfangreichen Ensemble heben sich einige vertraute Namen heraus: Ivan P e t r o v i ch, Betty B i r d, Elga Brink, Fritz S p i r a , Hansi Arnstädt und Fritz Steiner spielen die erste Geige unb verhelfen dem Stück zu einem heiteren Publikumserfolg. — Szenen- mer unb trugen sie säuberlich In ein Notizbuch ein. Diese Eintragungen ließen sie sich bann von ber alten Dame noch unterzeichnen. Nachbem sie ihr aufgetragen hatten, sich in ber Wohnung zur Verfügung ber Polizei zu halten, entfernten fie s i ch. Sie hatten Juwelen für etwa 30 000 RM. und für 12 000 RM. Bargelb erbeutet. Als währenb ber nächsten Stunden nach dem Besuch ber „Kriminalbeamten" keine weitere polizeiliche Benachrichtigung erfolgte, schöpfte bie alte Dame Verdacht, setzte sich mit dem Polizeipräsidium in Verbindung, wodurch bann das ganze Schwindelmanöver zutage kam. Das Mannheimer Frank-Denkmal entfernt Das vom ehemaligen Reichsbanner zur Erinnerung an den gefallenen sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Frank in Mannheim errichtete Denkmal, welches vor einiger Zeit von unbekannten Tätern demoliert morden war, ist jetzt im Auftrage ber Stabtverwallung unter polizeilicher Aufsicht abmontiert unb bas Fundament eingeebnet morden. Henry Barmat aus Holland ausgeroiefen. Wie bereits aus Amsterdam gemeldet, sollten die Gebrüder Julius und Henry B a r m a t als unerwünschte Ausländer Holland spätestens am 22. Mai verlassen. Während Henry Barmat nunmehr dem. Ausweisungsbefehl nachgekommen ist, ist Julius Barmat lein Fristaufschub gewährt worden. Schwere Zuchthausstrafe wegen verbrechens gegen bas Spionagegesetz. Das Oberlandesgericht Breslau verurteilte ben Sdjneibermeifter Foitzik, ben Kaufmannssohn Johann Smolka unb den Handlungsgehilfen Georg Smolka wegen vollendeten Verbrechens gegen ben Paragraph 1 Absatz 2 des Spionagegesetzes Zu12JahrenZuchthaus und 10 Jahren Ehr- vertust bzw. 7 Jahren Zuchthaus unb 5 Jahren Ehrverlust bzw. 2 Jahren Zuchthaus unb 5 Jahren Ehrverlust. Der Schneiderlehrling Berlik erhielt wegen versuchten Verbrechens gegen ben Paragraphen 1 Absatz 2 des Spionagegesetzes 3 Jahre Gefängnis unb Marie Foitzik, bie Tochter des Erstgenannten, wegen Beihilfe zum versuchten Verbrechen gegen ben Paragraphen 3 bes Spionage- gefetzes 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. 1172 Tfchecha- fronen, die bie brei Angeklagten insgesamt erhalten hatten, wurden eingezogen. Familiendrama in Bayern. Der 25jährige Schreiner O e r t e l in Bayreuth wurde dieser Tage von Rachbarn mit brennenden Kleidern im Hofe seines Anwesens angetroffen. Obwohl ihm schnellstens ärztliche Hilfe zuteil wurde, erlag Oertel bald ben erlittenen schweren Brandwunden. In der Wohnung fand man die 23jährige Frau des Verstorbenen mit Würgemalen am Halse t o t auf. Auf dem Tisch stand eine offene Spiritusflasche. Alles scheint darauf hinzudeuten, daß Oertel seine Frau ermordet und dann auf diese grauenhafte Weise der Selbstverbrennung den Tod gesucht hat. Die Sezierung der Leichen ist angeorbnet Kunst und Wissenschaft. Schuhverbanb Deutscher Schriftsteller e. V. Die im Gau Rhein-Main des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller e. D. versammelten deutschen Schriftsteller haben in einer außerordentlichen Tagung Stellung zu den jüngsten politischen Ereignissen genommen und an die Spitze ihrer Standesorganisation den zum Ehrenvorsitzenden des Gau Rhein-Main ernannten bekannten Pädagogen Prof. Dr. Ernst K r i e ck gestellt. Zum 1. Vorsitzenden des Gaus Rhein- Main wurde Schriftsteller Franz F. Geis, zum 1. Schriftführer Wilhelm Fronemann, zum Schatzmeister Wilhelm Arntz (sämtlich Frankfurt a. M), gewählt. Als Beisitzer sind tätig: Th. Mülhause - Vogeler und Emerich Reeck (Frankfurt), sowie Rikolaus Schwarzkopf (Darmstadt). Zweck des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller ist: Schutz, Vertretung und Förderung der wirtschaftlichen, rechtlichen und geizigen Berufsinteressen seiner Mitglieder. Als Vorbedingung des Eintritts fordert der Schuhverband von seinen Mitgliedern in Form einer schriftlichen Erklärung das klare Bekenntnis zur deutschen Kulturgemeinschaft in Wort und Tat. wechsel aus der beschaulichen Vorkriegszeit in bie Gegenwart, vom habsburgischen Manöoerfelb ins moderne Bankgeschäft und ein monbänes Seebad: Hermann Thimig gibt hier eine neuerliche Vorstellung auf einem Schauplatz unb in einer Situation, in denen er schon des öfteren seine komischen Talente entfaltete. Hier ist er ein kleiner Angestellter unb tolpatschiger Habenichts, ber nach einer Pechsträhne unseliger Mißverständnisse unb alberner Zufälle die große Chance seines Lebens findet unb mit einem Schlage als Hans im Glück unb großmächtiger Direktor in den nämlichen Bankpalast einzieht, in dem seine fatale Laufbahn kümmerlich und hoffnungslos genug begann. Liselotte S ch a a ck, Maria Meißner, Olga Limburg, Tiebtke unb Biensfeldt werben neben Thimig von ber Regie (Behrenbt) geschickt unb treffsicher eingesetzt. Das Ganze heißt „Mein Freunb, ber Millionär" und findet ebenfalls freundlichen Anklang. Schwedische Anekdote. Der schwedische Dichter Karl Bellmann stand bei seinem König Gustav HL in besonderer Gunst. Der geniale Dichter, der gleichzeitig ein äußerst tüchtiger Geschäftsmann war, wurde stets in unmittelbarer Rähe des Königs beschäftigt. Durch seine Absonderlichkeiten hatte Dell- mann jedoch einst seine Gunst verscherzt und durfte die königlichen Gemächer nicht mehr betreten. Dennoch arbeitete er weiter für den König, und zwar in seiner eigenen Wohnung. Bellmann, der seine Sünden bereits bereute unb gern seine Stellung beim König wiedererlangt hätte, beschloß nun eine List, die alles wieder gut machen sollte. Durch Bediente hatte er in Erfahrung gebracht, wann der König das nächste Mal bei seiner Wohnung, bie im Erdgeschoß lag, vorbeireiten würbe. Als der König auch wirklich zur bestimmten Stunde an bem Hause vorüberkam, erstaunte er nicht wenig über das seltsame Bild, das sich ihm darbot. Dor dem Fenster der Bellmannschen Wohnung war eine Leiter aufgestellt, auf der ein Barbier stand und den Dichter, der seinen Kopf zum Fenster heraussteckte, rasierte. „Was bedeutet das, Dellmann?" rief der König feinem Hofbich- ter zu. „Mein Barbier ist in Ungnade gefallen, Ew. Majestät!" erwiderte Bellmann. „Er darf meine Schwelle nicht mehr betreten; ich kann aber ohne ben Kerl nicht fertig werben!" — Der König, ber diese Anspielung verstand, mußte lachen, und der Dichter gelangte durch seine List wieder in seine Gunst. Genossenschaststaglmg in Vad-Aauheim. Verschmelzung dreier Revisionsverbände. — Für Berufung Dr. Wageners zum ^eichswirifchastsminister. WSV. Bad-Rauheim, 21. Mai. Der ® e nossens chaftszwectver band Hessen- Mittelrhein, in dem die drei RcvlswnS- verbände Wiesbaden. Kassel und Darmstadt zu einer Revisionsgemcinschaft zusammengeschlossen sind, die rund 200 Kredit-, Waren» und Bau- genvssenschasten umfaßt, hielt Freitag und Samstag hier seinen dritten DerbandStag ab. In den ordentlichen Generalversammlungen der drei Verbände am Freitagvormittag wurde die endgültige Verschmelzung zu einem einheitlichen Verbände .Genossenschaftsverband Hessen-Mittelrhein (Schulze Delitzsch) e. V." mit dem Sitz in Wiesbaden beschlossen. Zum geschäftssührenden Vorstandsmitglied des Gesamtverbandes wurde Derbandsdircktor Frankenbach. Wiesbaden, gewählt. Stellvertreter wurden die Direktoren Let schert, Kassel, Raiß, Groß-Gerau, und Laux. Limburg. Vach einem Vegrüßungsabend am Freitag begannen Gamstagmorgen im großen Bühnensaal des Kurhauses die Hauptverhandlungen. Der- bandsdirektor Frankenbach gab zunächst Kenntnis von einer Entschließung der Anwaltschaft und des Ausschusses des Deutschen Genossenschaf tS-Verbandes, wonach die gewerblichen Genossenschaften sich geschlossen hinter die Regierung stellen und sich eins wissen mit den wirtschaftspolitischen Aufgaben de» Staates, wie sie Hitler in seiner Erklärung vom 1. TNai umrissen hat. Der Derbandstag stimmte der Entschließung zu. Vach Begrühungsworten der behördlichen Vertreter überbrachte der Präsident des Rcichsver- bandes des deutschen Handwerks, preußischer Landtagsabgeordneter Schmidt (Wiesbaden), die Grüße des Reichsverbandes, wobei er betonte, bei dem berufsständischen Aufbau des Staates werde auch den Genossenschaften der ihnen ge- bührende Platz eingeräumt werden. Professor Dr. Schmidt vom Institut für Genossenschaftswesen an der Llniversität Frankfurt a. M. wies u. a. auf die gleichen Ziele hin. die die genossenschaftlich« Bewegung und die nationale Regierung verfolgen. 3m Mittelpunkt der Tagung stand ein Referat von Dr. Lang. Berlin, dem Anwalt des Deutschen Genossenschaftsverbandes, über das Thema: „Wirtschaftliche Lage und Stellung der Genossenschaften im nationalen Staat". Der Redner gab dabei der Ansicht Ausdruck, daß eine der Hauptursachen der jetzigen wirtschaftlichen Krisenzeiten der ungeheure Zinsendienst sei, und daß die von Hugenberg geplante Entschuldung für die Landwirtschaft auf das schärfste abgelehnt werden müsse, weil es sich um die einseitige Bevorzugung eines Berufsstandes cchne Rücksicht auf die andern Berufe handele. Line Entschuldung könne nur gleichmäßig für die gefamte Wirtschaft vorgenommen werden. Durch das Zinsproblem allein könne jedoch die wirtschaftliche Krise nicht beendet werden, es sei auch notweudig, von der ungeheuren Schuldenlast dem Ausland gegenüber herunterzukommen. Die Genossenschaften selbst bezeichnete der Redner als nationalwirtschaftliche Einrichtungen von allergrößter Bedeutung, was er auf Grund eines Lieberblicks über die Entwicklung des Schulze- Delitzsch'schen Genossenschaftswesens näher erläuterte. Anschließend sprach Direktor K o r t h a u s, Berlin. Anwalt des Deutschen Genossenschaftsverbandes. über Schulze-Delitzsch und sein Werk, wobei er ein interessantes Lebensbild des Schöpfers des Genossenschaftswesens, dessen Todestag sich in diesem Jahre zum 50 Wale jährte, entwarf. Es wurde beschlossen, an den Reichspräsidenten, uen Reichskanzler und den preußischen Ministerpräsidenten folgende Telegramme zu senden: „Der Genossenschaftsverband Hessen - Mittelrhein, Sitz Wiesbaden, begrüßt auf einer zu Bad-Rauheim stattgefundenen Tagung, die von etwa 400 Genossenschaftlern besucht ist. die wirtschaftspolitischen Verordnungen des Reichskommissars für die Wirtschaft. Dr. W a g e n e r, und bittet um seine Berufung zur Führung der Wirtschaft im Reiche, sowie ferner des Herrn von Rcnteln zur Führung der Wirtschaft in Preußen " Aus der Vrovinzialhauptstadt. Am 26. Mai Flaggen aus Vollmast in Hessen. WSN. Ministerpräsident Dr. Werner erläßt folgende Bekanntmachung: Zur Ehrung von Leo Sch läge ter setzen am Freitag, dem 26. Mai, aus Anlaß der zehnjährigen Wiederkehr des Tages, an dem dieser deutsche Held fein Leben für die Befreiung der Nheinlande geopfert hat, sämtliche staatlichen und gemeindlichen Behörden die schwarzweißrote Flagge und die Hakenkreuzfahne auf V o l l m a st. Verbot marxistischer Organisationen in Hessen. WSV. Der Staatslommisfar für das Polizeiwesen Dr. Best erläßt folgendes Verbot: Aüf Grund des Paragraphen 1 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 werden folgende marxistische Organisationen mit sofortiger Wirkung verboten und aufgelöst: Kommunistische Frauenbewegung, Kommunistische Baucrnorganisation. Volkshilfe mit Bestattungsfürsorge 3nteressengemeinschaft für Arbeiterkultur. Antifaschistische Garde, Gemeinschaft proletarischer Freidenker Deutschlands, sowie Serbest alter der Gemeinschaft proletarischer iDenier Deutschlands, Sozialistischer Iugend- band. Sozialistische Arbeiter-Jugend. Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde (Rote Falken). Deutscher Arbeiter-Schachbund, Deutscher Arbeiter-Keglerbund, Arbeiter-Schüyenbund. Wer sich an einer der aufgelösten Organisationen als Mitglied beteiligt, oder sie auf andere Weise unterstützt, oder den organisatorischen Zusammenhalt weiter aufrechterhält, wird nach § 4 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutz von Volt und Staat vom 28. Febr. 1933 bestraft. Das Vermögen der aufgelösten Orgayfationen wird zugunsten des Landes beschlagnahmt und ein» gezogen. Oie Entwicklung der Butterpreise. Zu der stellenweise entstandenen Vervosität über die Entwicklung der Butterpreise wird vom Bureau des Preisüberwachungskommissars darauf hingewiesen. daß bei einer Votierung von 1.20 Mk. für das Pfund Butter im Großhandel die Gestehungskosten des Einzelhandels vor der Berechnung des Gewinnzuschloges, d. h. Verpackung. Trairsport. Versicherung usw., zehn Pfennige betragen. Der Preisüberwachungskom» missar rechnet dazu mit einer Verdienstspanne von 12 bis 14 Prozent. Das würde einen Gesamt» preis im Einzelhandel von 1,45 bis 1,5 0 Mk. bedeuten. Schon vor 14 Tagen hat der Reichskommissar für Preisüberwachung in einem Rundschreiben an die Länderregierungcn daraus hingewiesen. daß ungerechtfertigten Preissteigerungen entgegengetreten werden muh und vor allem keine Erhöhung der Derdienstspanne zugelassen werden darf. • •* Heimatvereinigung Schiffen- berg. Unter dem Vorsitz von Kaufmann W e i- d i g. Gießen, fand am Samstagnachmittag im Heimatfoal des Schisfenbcrgs eine Sitzung des Festausschusses statt, die sich mit der Ausgestaltung des „Festes der Jugend", das am 18. Iuni auf dem Schiffenberg gefeiert werden soll, befaßte. Vach gemeinsamem Marsch aller Kinder zum Hof des Echiffenberg wird zunächst ein Massenchor der Schüler der um den Schiffenberg liegenden Ortschaften vorgetragen. Die anschließende Festansprache hat der Vorsitzende der Heimatvereinigung. Oberforstmeister V i c o l a u s . übernommen. Vach einem weiteren Massenchor und dem von den Mädchenchören Hausen und Klein-Linden dorgetragenen „Echiffenberglied" werden sich die einzelnen Schulen und Jugendbünde an Einzeldarbietungen mit Reigen, Tänzen. Freiübungen. Bodenturnen und Ehorgesang beteiligen Sämtliche am Fest teilnehmenden Kinder werden gegen Unfall versichert. Zum Ordnungsdienst sollen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Watzenborn-Steinberg und zum Sanitätsdienst die dortige Sanitätskolonne gebeten werden. Man rechnet bei günstigem Wetter mit einem Besuch von 2500 bis 3000 Personen. •• Bezirks-Lehrerverein Gießen- Land. Der Bezirk Gieheir-Land des Rational- sozialistischen Lehrerbundes hielt am Eamstag- nachmittag im Hotel Köhler seine erste Versamm- lung ab. Lehrer Siegfried, Großen-Linden, der Führer des Ve 's. begrüßte zunächst die stark besuchte Dersan. :ng und führte dann u. a. aus, daß der demokratische Staat mit seinen Fehlern und Schwächen nun durch einen starken nationalen Staat abgelöst worden sei. Wir hätten auch die Erstarkung des Reiches im 3nnem durch eine Reichsresorm erleben dürfen, ohne daß große Verhandlungen nötig gewesen seien. Der größte Fehler der Verfassung von Weimar sei gewesen, daß man glaubte, Gott im Staatsregiment ausschalten zu können. Der Geist von Potsdam verlange Pfiichtbewußtsein, Ordnung und Sauberkeit: wir müßten diesem Geist, dem Geist eines Friedrichs des Großen und eines Fichte, folgen durch Vot und Tod zum Sieg. Anschließend an seine Ausführungen nahm der Vorsitzende noch Anmeldungen zum VSLB. entgegen und gab bekannt, daß trie Lehrer in einzelnen Arbeitsgemeinschaften innerhalb der Bezirke zur Mitarbeit aufgefordert werden. Der Besuch der an jedem dritten Samstag im Monat stattfindenden Bezirksversammlung sei Pflicht aller Mitglieder. Den Lehrern ständen in der Betreuung der Dienstpflichtigen in den Arbeitslagern neue Aufgaben bevor. 3n der Geschichte mühten diesen jungen Menschen unsere großen. Männer als Vorbilder gezeigt werden, ferner müßten sie in politischer Gegenwartskunde die Ereignisse unserer Zeit, Rüstungsfragen der Gegenwart und ähnliche Gebiete kennen lernen; im Gesang seien die Dienstpflichtigen mit unfern alten Volks- und Soldatenliedern vertraut zu machen. Die beamtenpolitische Vertretung im Beamtenbund erfolge durch ein Drei-Männerkollegium. Für die Lesestunde in unseren Schulen seien bei Mangel an geeignetem Material Lesebogen, vom VSLD. bearbeitet, zu verwenden. Die 2Jitglicbfd)aft beim Hessischen Tierschutzverein sei allen Lehrern warm empfohlen. Mit dem Gesang des Horst-Wessel» Liedes wurde die erste Versammlung des Bezirksvereins geschlossen. Eine Diebesbande onsgehoben. WSN. Mainz, 22. Mai. Die Kriminalpolizei machte heute nähere Mitteilungen über die erfolgreiche Aushebung einer vielköpfigen Diebes- und Näuberbanüe in Mainz. Danach sind bis jetzt acht Personen festgenommen worden, und zwar der Schreiner Eugen Greul, der Kaufmann Martin Gnad, der Händler Heinrich Schneiders, der Arbeiter Rudolf Anfpach, sämtlich aus Main^, ferner der Metzger Johann Eifler aus Mainz- Koftheim, der Schleifer Johannes Karl Roßtäuscher aus Frankfurt a. Tt., der Kutscher Wilhelm Behrens, genannt „Roter Fritz", aus Frankfurt a. M. und der Arbeiter Martin Bien aus Frankfurt-Sostenheim. Das Diebesgut ist in einem Raum des Polizeiamts auf gebaut, mit dessen zahlreichen Beständen man beinahe ein Warenhaus eröffnen könnte. Hunderte Paare Schuhe und Reitstiefel, Schreibmaschinen, Fahrräder, Radioapparate, Lebensmittel von der Dauerwurst bis zum Schweineschmalz, Liköre und Schnäpse aller Art — jetzt allerdings meist leergetrunkene Flaschen —, Kleidungsstücke und Stoffe. Waffen und Werkzeuge und viele andere Gegenstände im Wert von tausenden von Mark waren von der Bande in der Zeit von Mitte Dezember bisMitte Mai erbeutet worden. Das Hau^t der Bande, Gnad, hatte sich eben mit feiner Familie fertig- gemacht, um Mainz zu verlassen, als die Polizei zugriff. Der Händler Schneiders stellte fein Auto, das er gekauft, aber nicht bezahlt hatte, zum Trans- pari der Diebesbeute zur Verfügung. Er ließ es nachts auf der Straße stehen, um nicht in der Ga rage aufzufallen, wenn er den Wagen zu außerge- »ähnlichen Zeiten herausholen würde. Die Einbrüche wurden in der Regel in der Zeit von 3 bis 5 Uhr morgens verübt. Die Einbrecher gingen in der Weife vor, daß sie die Türen durch das Herausbohren des Schlosses öffneten und zunächst die elektrischen Leitungen durchschnitten, um sich vor Ueberraschungen zu sichern. Sie waren bei ihrer „Arbeit" ftets mit Revolvern und P i st o » len bewaffnet. Alle Personen, die von den genannten acht Feftgenommenen etwas gekauft haben, wollen sich bei der Kriminalpolizei Mainz oder bei der nächsten Polizeistelle melden, da sie sonst sich der Gefahr aussegen, sich der Hehlerei schuldig zu machen. Zuwiderhandlungen werden nachdrücklichst verfolgt werden. Spuk im Pergamon-Museum. Unpolitischer Brief aus der Heichshauptstadt. Don Max Lenz. 2n diesen Tagen beginnt im Pergamon- Museum in Berlin die Aufführung der Gluckschen „Iphigenie in Aulis". Seit Wochen finden vor dem großen Pergamon- Altar die Proben statt. Es ist später Abend. Die MuseumSinsel liegt im tiefsten Dunkel. Rieselnder Regen läßt die wenigen dort ausgestellten Straßenlampen noch düsterer erscheinen. Größte Ruhe herrscht. Ader plötzllch wird es lebendig: zahlreiche Menschen verschwinden durch eine Vebenpsortc, gehen hinter dem Gebäude der Alten 'ilationalga- lerie vorbei und stehen auf einmal vor einer hell erleuchteten Treppe, dem Ausgang zum Pergamon-Altar. Die Museumsbesucher haben, wie an jedem Tag, schon am frühen Vachmittag das Feld räumen müssen. In der Zwischenzeit wurde der Altarsaal Bertoanbelt: in das Sinnbild klassischen Griechentums drang die Gegenwart ein und krempelte alles um. Der Boden wurde mit einem roten Teppich belegt. An den Wänden spannte man Dutzende von Metern weihen Stoffes auf — zur Besserung der Tonwiedergabe. Etwa siebenhundert Stühle wurden in Reih und Glied gebracht: sie sind für die Besucher der Vorstellung von „Iphigenie in Aulis" bestimmt. Am Fuße des Altars ist eine kleine Erhöhung gebaut Dort nehmen die Musiker Platz. Am Pult des Kapellmeisters erkennt man bald ©lernend Schmalstich (später kommt Max von Schillings hinzu). In der Mitte der sonst frei liegenden Stufen ist ein kleiner Vorbau errichtet. Gr stört gar nicht und fällt vielleicht nicht einmal als fremd auf — wenn man nicht eben durch einen Zufall darin verborgen den Zusprecher merkte. In den Veben- räumen wimmelt es von Sprechenden; es dauert nicht lange, dann treten daraus die Mitwirkenden hervor. Seltsame Stimmung kommt auf. Man erblickt Griechenknaben und Griechenmädchen, doch wie sehen sie aus! Oreft — fein Varne wird bald ins Ohr gesungen — zum Beispiel trägt unter seinem Panzer ein Oberhemd aus unseren Tagen aufgestülpt. Aus der Schule wissen wir noch, daß die Alten ihre Beine nicht bedeckten oder höchstens durch ein blech artiges Beinkleid schützten; dieser hier hat aber gebügelte Hosen an und Schuhe wie jeder andere Mensch aus unseren Tagen, sogar mit Gamaschen darüber. Andere gehen panzerNirrend umher; auf ihrem Kopf tragen sie einen Helm mit einem blauweißen Schweif ( ob es Bayern sind?), einige haben sich auch mit Schweifen in anderen deutschen Landesfarben geschmückt. Woraus man ersieht, daß es die Griechen auch nicht besser gemacht haben als wir. Wenn man die Jünglinge auf den Stufen und den Umgängen des Altars nicht braucht, treten sie zur Seite und öffnen ihre Butterbrotpakete. Welche Verwandlung ist dagegen erst mit den Frauen vor sich gegangen! Von hinten erblickt man sie in Pelzen und Mänteln, deren Herkunft durchaus nicht griechisch ist. Aber ihr Antlitz zieren Locken, ein heutzutage ungewohnter Anblick. Sie legen die Lieberkleider ab und stehen nun in wallenden Gewändern da. In den Händen haben sie Zithern und Schalmeien, sie tanzen und bewegen sich und singen auch manchmal, je nach dem, wie es ihnen die Oper Glucks (in der Bearbeitung Richard Wagners) vorschreibk, beziehungsweise die Spielleiterin Frau Erna Sonera anordnet. Sie sind „Volk". Die Musik spiekr — und oft gibt es kleine, bei Proben unausbleibliche Meinungsverfchiedenhei- tcn. Aus den Stufen des Altars entwickelt sich die Tragödie der Iphigenie — aber sie hat ja ein „happy end“ Die Göttin verzeiht und verzichtet auf ihr Opfer; in Frieden können Bruder und Schwester davonziehen. „Happy end“: stimmt, wir sind ja in der Gegenwart. Rings im Raum sind die aus den Filmhallen so wohl bekannten Jupiterlampen — Jupiter bei Iphigenie?, wie sinnreich -- ausgerüstet, bereit, ihr starkes Licht aus den Altar au ergießen. Immer wieder, wenn man den Blick dorthin wendet, beobachtet man seltsame Vorgänge. Unter den nach griechischer Art gekleideten Männern und Frauen taucht auch einmal eine Dame in Rot auf; Kleid und Hut bestimmt Erzeugnisse heutiger Modistinnen. Sie singt, daß wir aufhorchen und uns an die Zeiten erinnern, wo wir im einstigen Kaiserlichen Opernhaus Unter den Linden ihr zujubelten, es ist Erna D e n e r a, die auf der Probe für Margarete Arndt-Ober einspringen muß. Reben uns steht ein Mann mit einem listig- spitzbübischen Gesicht. Er könnte einem Shakespeare-Lustspiel entstammen. Was will er hier? Seine Kleidung sticht ebenfalls von unserer ab kein Wunder: er ist der Vachtwächter des Pergamon-Saales, sicher zu dieser Stunde nicht derartigen Lebens am heiligen Altar gewöhnt. Wenn sie unbeschäftigt sind, gehen die alten Griechen umher und sehen sich die Postkarten vom Museum an; es stört niemanden, daß die „Dekoration" nicht fertig ist; und sie wird es nie werden. Der Pergamon-Altar hat gelitten, man muß ihn so nehmen, wie er uns überliefert ist — in seiner Schönheit diesmal noch unterstrichen durch die Vorgänge auf seinen Stufen... Schach-Ecke. Problem Nr. 343. Don E. R. von Frankenstein, London. Weiß 8 Steine: Kf8; Del; La2; Sd6; Bc3, d5, i3, g5. Schwarz 5 Steine: Ke5; Lg6; Beb, d7, f4. Weiß zieht und fetzt in drei Zügen matt. Problem Nr. 344. Don ft. Leih, Steinbrück. Weiß 7 Steine: Kh2; Db5; Se7; Bc2, d3, g4, h3. Schwarz 8 Steine: K14; Tab; La8; Bd7, e3, e5, ö, g5. Weiß zieht und fetzt in zwei Zügen matt Partie Nr. 246. Diener Partie. Im Bayerischen Meisterturnier zu München, Juli 1932 gespielt. weiß: Dr. St. Schwarz: Dr. T. 1. e2 — e4, e7 — e5. 2. S bl — c3, Sg8 — 16. 3. f2 — k4. (Einen nachhaltigen Angriff gewährt hier die alte Fortsetzung 3. g3, nebst 4. Lg2, 5. Se2 usw.) 3.___, d7 — d5. 4. t4 X e5, St6 X e4. 5. Ddl — l3, Sb8 — c6. 6. Lfl — b5. (Falls sofort 6 S X e4 so erst 6. ..., Sd4!) 6. ..Se4 X c3. 7. b2 X c3, Dd8 - h4 +. 8. g2 — g3, Dh4 — e4 +. 9. Df3 X e4, d5 X e4. 10. Lb5 X c6 +, b7 X cti. 11. Sgl — e2, Lf8 — e7. (Schwarz plant ein wohldurchdächtes Bauernopfer, nämlich: 12. Tfl, 0 — 0. 13. Tf4, 16! usw.) 12. Se2 — d4, Lc8 — d7. 13. Tal — bl, 0 — 0. 14. ThI — fl. (Die weiße Stellung krankt an der exponierten Königsstellung, den Besitz der b-Linie muß Weiß bald an den Nachziehenden abtreten.) 14. ..., Ta8 — b8. 15. Tbl X b8. Tf8 X b8. 16. Sd4 — b3, Tb8 — b5. 17. Tc3 — c4, Tb5 X e5. 18. Lei — b2. Te5 — h5. 19. Tfl — f2, Ld7 — e6. 20. Sb3 — d4, Le6 X c4. 21. Sd4 X cb, Le7 — d6. 22. Tf2 - g2. (Um der hübschen Drohung 22. ..., L X g3! 23. h X g3, Thl + nebst matt, zu begegnen.) 22. .... Th5 — b5. 23. Lb2 — d4, e4 — e3! (Der Entscheidungszug, der die Partie auf hübsche Art beschließt) 24. d2 X e3. (Es drohte Matt auf bl.) 24. .. ., Fb5 — bl +. 25. Kel — d2. Lc4 — d5. 26. Tg2 — f2, Ld5 X cb. (Aufgegeben.) Lösung des Problems 7lr. 341. L.N. de Pong. 1. Dhl — dl!, Kb5 — c6. 2. Ddl X d5 +!, beliebig. 3. Lg4 — 13 oder — d7 matt. 1.....Kb5 — a6. 2. Ddl X b3, beliebig. 3. Lg4 — e2 oder Db3 X c4 matt 1.....Kb5 X a4. 2. Ddl X d5, beliebig. 3. Lg4 — d7 matt. 1. ..., g5 — d4. 2. Ddl X d4 ufro. Lösung des Problems 342. C. Dun Ham. 1. Lc5 — a7! usw. , . , Oie Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedaktionStisch. Falsch geraten. Der berühmte Mediziner Robert Koch war eines Tages eifrig in feinem neuen Laboratorium im neuen Hygienischen Institut beschäftigt. Um ihn herum standen olle möglichen Retorten und Gläser mit cherniscken und bakteriologischen Präparaten. Da erhielt Koch den Besuch eines befreundeten Kollegen aus dem Auslände, der seine Arbeit mit regem Interesse verfolgte. Kochs Aufmerksamkeit war besonders auf ein Gefäß gerichtet, das ganz in Dampf und Rauch gehüllt war. „Raten Sie, was ich in diesem Tops koche", sagte Koch. Der Gast fing an, die ganze Skala der Mikroorganismen aufzuzählen: .Kugelbakterien?" „Nein." „Kettenkokken?" „Nein." „Spirochäten?" „Nein." „Dann kann ich es nicht erraten." „Würft che n , lautete die Antwort. Der Hund. „Sagen Sie mal, was ist das eigentlich für ein Hund? Ist das ein Rattenfänger oder ein Affenpinscher?" „Weiß auch nicht genau. Ratten fängt er, ob er auch Affen pinscht, kann ich nicht sogen." kaum. In dos Lazarett wird ein Mann eingeliefert, der bei einem Zusammenstoß zwischen einer Bierfuhre und einem Mietauto schwer verletzt worden ist. Der schuldige Ehausfeur wird in Haft genommen, die Staatsanwaltschaft nimmt sich der Sache an. Arn folgenden Tag ruft der die Angelegenheit bearbeitende Staatsanwalt bei dem Lazarett an und teilt mit, daß die Sektion der Leiche auf nachmittags fünf Uhr anberaumt fei. Der Chefarzt wogt zu widersprechen: „Herr Staatsanwalt, ich glaube kaum, daß sich das machen läßt — der Mann ist nämlich noch gar nicht töt!" IJlufifer. Hans von Bülow, wahrscheinlich der bissigste aller Musiker, die bisher gelebt haben, sagte einmal zu einer jungen Dame, die ihm soeben am Flügel oorgefpielt hatte: „Sie sollten an bet Nahmaschine arbeiten, gnädiges Fräulein, niemand tritt so regelmäßig die Pedale wie Sie!" Max Reger spielte einst das „Forellenquintett" von Schubert. Eine musikliebende Dame fand an dem vollendeten Spiel Regers solchen Gefallen, daß sie dem Komponisten Tags darauf einige Forellen ins Hous schickte. Reger nahm dieses „ideenoerbin- dende" Geschenk dankbar an und ließ die Dome in einem Anerkennungsschreiben über die Dualität der Fische wissen, daß er in seinem nächsten Konzert das ^Ochsenmenuett" von H a y d n zu Gehör bringen werde. SJ.-fpor/ Handbatt-Großkampf. 1900 — MTB. 5:4 (3:4). .®in Lokalkampf, wie er im Handball im Hinblick auf Spannung und Güte der gezeigten Leistungen in Gießen wohl noch nicht ausgetragen worden war! Beide Vereine hatten ihre besten Vertretungen aufgeboten. 1900 erschien wie an- gekündigt mit Enders: Virkenstoci, Fischer: Vlann, Hoffmann, Schwalm: Wolf, Hamann, Betz, Steines und Schott. MTV. war vertreten durch Lott: Volkmann, Sehb: Schüler, Salz, Ploch: Schott, 2l. Schmidt, Seipp, H. Schmidt, Krämer. Es war kaum eine Minute vergangen, als die Männerturner schon durch scharf geworfenen Strafball in Führung gegangen waren. Aber drei Minuten später vermochten die Plahbesiher auf dieselbe Art auszugleichcn (Betz). Es machte sich nun, insbesondere bei den 1900ern, eine starke Nervosität bemerkbar. Sichere Välle wurden knapp neben den Pfosten gesetzt. Ein gut vorgetragener Angriff des MTD.-Sturms fand die 1900er Deckung nicht ganz auf dem Posten, und schon hatte A. Schmidt durch scharfen Wurf den Ball ins Netz befördert. Die gute Zusammenarbeit der Spielvereinigungsleute hielt weiterhin an und wurde schließlich durch gut angebrachten Schrägwurf von W. S ch o t t mit einem Erfolg belohnt. Etwas überraschend kam daher, daß der MTV. kurz vor Halbzeit zu einem vierten Tor gelangte. Der Torschütze war Krämer. Die zweite Spielhälste fing verheißungsvoll für die 1900er an. Vom Wiederanwurf an kam ihr Sturm gut durch, und Betz setzte aus einigen Entfernung einen scharfen Ball in die linke untere Torecke. Die Blauweißen kamen nun besser zur ©ntfaltung. Hamann wurde gut freigespielt und stellte den Ausgleich her. Fritz Wolf, der mit Schott den Außenposten getauscht hat, kam jetzt auch besser zur Geltung. Ihm war es vergönnt, das Siegestor zu erzielen. Schiedsrichter Weber -Wetzlar amtierte korrekt. Zur Mannschaftskritik ist zu sagen, daß 1900 die bessere Elf im Feld hatte. Sowohl im Spielaufbau, als auch im Zerstören waren sie den Gästen über. Das Schluhdreieck arbeitete mit ganzer Aufmerksamkeit und Sicherheit. Einen nicht unwesentlichen Anteil am Siege hat auch die Läuferreihe. Ganz erstaunlich in seiner Arbeitsleistung der Mittelläufer Hoffmann. In der Mtv.-Mannschaft glänzte Lott durch feine Paraden. In der zweiten Halbzeit war er etwas nervös, allerdings bekam er auch mehr zu tun, als fein Gegenüber. Das Verteidigerpaar arbeitete gut. Die Läuferreihe, die einen äußerst schweren Stand hatte, gab sich zwar alle Mühe, wurde aber oft überlaufen. Im Sturm war jeder einzelne Mann schußkräftig und gefährlich. Zu geschlossenen Aktionen kam es jedoch bei dem schnellen Dazwischenfahren der 1900er Hintermannschaft nicht sehr viel. 1900 II — 2Mv. II 3:8 (1:3). Das Spiel der zweiten Mannschaften sah die Mtver als verdienten Sieger. Die Elf war in allen Teilen besser besetzt. 1900s Hintermannschaft, insbesondere der Torwart, schlug sich zwar recht wacker, der Sturm spielte jedoch zu primitiv, um ein günstigeres Ergebnis herauszuholen. Auf beiden Seiten wurden viel Fehler gemacht. Der Schiedsrichter (Ca- pello, Wetzlar) war nicht immer auf der Höhe. Vom weißen Sport. Gießener Tennis-Club 1922 schlägt hersfeld vlau-weiß 7:2. Der Gießener Tennis-Club hatte am Sonntag den Hersfelder Tennis-Club Blau-Weiß auf den Platzen hinter dem Schützenhaus zu Gast. Es wurde die dritte Runde der Medenspiele ausgetragen, die Gießen mit 7:2 Punkten, 14:6 Sätzen und 102:75 Spielen gewann. In den Einzel-Spielen siegten Dr. Fischer und v. Grolman in 3 Sätzen nach Kampf, während Dr. S ch o p p e r, K. Fischer und Dr. Dönges glatte Ergebnisse erzielten. Hersfeld konnte ein Einzel und das 3. Herrendoppel gewinnen, die beiden ersten Herrendoppel waren eine sichere Sache für Gießen. „Rund um Schotten." Das Sporlereignis am 2. Pfingflfeierlag. Das Motorradrennen „Rund um Schotten" am 2. Pfingstfeiertag verspricht auch dieses Jahr wieder die größte motorsportliche Veranstaltung Süd- und Westdeutschlands zu werden. Der erste Meldeschluß zum Meisterschaftslauf zeigt wieder eine glänzende Beteiligung aller hervorragenden deutschen Fahrer. Es liegen bereits über 90 Nennungen vor. eine Anzahk, die schon jetzt die vorjährige glänzende Besetzung übersteigt. Die 100 werden somit weitaus überschritten werden. Zum Nennen der Seitenwagenfahrer liegen allein über 20 Meldungen vor, so daß also auch hier ein ganz außergewöhnlicher Sport zu erwarten ist. Nachdem der große Preis von Deutschland vom Nürburgring nach der Avus verlegt wurde, wird „Rund um Schotten" in diesem Jahre das größte Motorradrennen Süd- und Westdeutschlands werden. Ein Vezirkslumsest im Zeichen des Wehrsports. SA., Stahlhelm und Turner marschieren gemeinsam. Das Bezirksturnfest des 5. Bezirks im Turngau Hessen (DT.), das am Sonntag in Friedberg unter stärkster Beteiligung zur Durchführung kam, stand im Zeichen der nationalen Erneuerung. Waren die Veranstaltungen der Deutschen Turnerschaft schon immer und besonders auch in der Nachkriegszeit durch eine bewußt vaterländische Note ausgezeichnet, so trug das Turnen in Friedberg in besonderem Maße ein nationales Gepräge. Turnvater Jahn hätte seine helle Freude an dem Ausmaße und Aufbau des Festes gehabt, das erstmals die Brudervereine aus dem Gau Wetterau (bisher Allgem. Deutscher Tbd.) im Verband der DT. sah, und das darüber hinaus auch SA. und Stahlhelm in den erstmals in dieser Art durchgeführten Wehrsport-Kämpfen mit den Turnern zu gemeinsamer Arbeit zusammenführte. Einen eindrucksvollen Auftakt zu dem eigentlichen Bezirksfeste bildete am Samstagabend ein Mannschastskampf im Kunstturnen der über 1200 Zuschauer in der festlich geschmückten „Neithalle" für das deutsche Geräteturnen lebhaft begeisterte. Tv. 1860 Bad-Nauheim, Tgm. Friedberg und Tv. Lang-Göns hatten ihre Sechser-Mannschaften sorgfältig ausgewählt und zeigten in den Leistungen, daß das Turnen am Gerät immer noch die hohe Schule des Mutes und der Willensbildung und damit ein wesentliches Stück deutscher Wehrertüchtigung ist. Es wurde am Barren, Pferd und Neck geturnt; dazu kam für jeden Berein eine Mannschaftsfreiübung. Von 570 theoretisch erreichbaren Punkten brachte es Tv. 1860 Bad-Nauheim auf 459 und wurde damit verdient Sieger. Es folgte Tgm. Friedberg mit 431 Punkten und — als beachtliche Leistung eines ländlichen Vereins — Tv. Lang-Göns mit 422 Punkten. Beste Ein - zelt urner unter den 18 Teilnehmern waren: W. Sinnwell, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 86 P.; Heinr. Dechent, Tgm. Friedberg, 83 P.; Fritz Nies, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 77 P-: W. Dreier, Tv. Lang-Göns, und C. N o l d, Tgm. Friedberg, je 73 Punkte. Ansprachen, Turnerlieder, Deutschlandlied und Horst-Wessel-Lied führte zu vaterländischer Hochstimmung. Begeisterten Widerhall in der großen Festgemeinde fanden die „Gut-Heil!"-Grüße, die der Deutschen Turnerschaft, dem deutschen Daterlande und seinen großen Führern v. Hindenburg und Adolf Hitler galten. Den Gruß des Bezirks an die Gäste des Abends entbot Bezirksvertreter Studienrat Thierolf (Friedberg), er hieß besonders Gauoberturnwart Pa u l (Gießen) willkommen, dem er die Leitung des Wettkampfes übertrug. Seitens der Gauführung sprach 2. Gauvertreter Schneider (Butzbach), der Büraermeister Dr. S e y d , Standartenführer Forst- asjessor Schäfer (Butzbach) und den Stahlhelmführer Oberleutnant Kunze (Friedberg) herzlichst begrüßte und die auch die Deutschen außerhalb der Reichsgrenzen umfassende Volkstumsarbeit der D. T. treffend würdigte. Die Siegerverkündigung nahm Gauoberturnwart Paul vor, der die Turnerschaft als einen Hort deutschen Volkstums und deutscher Dolksertüchtigung und als eine Gemeinschaft pries, deren in jahrzehntelanger Arbeit geschaffenes Kulturgut für alle Zeiten erhalten werden müsse. Das Bezirksiurnen wurde am Sonntag früh auf dem Platz der Berg- kaserne mit einem Feldgottesdienst eröffnet, bei dem Pfarrer Lic. Sengnagel die inhaltsreiche Predigt hielt. Anschließe>nd traten in 23 Riegen Turner, Turnerinnen und Schüler unter Leitung von Bezirksturnwart Lang (Lang-Göns) zu den volkstümlichen Mehrkämpfen an. Gleichzeitig begannen die Wehrsportkämpfe. Die Abwicklung aller ÄSeltkämpfe mit ihren insgesamt etwa 700 Teilnehmern, davon 340 im Wehrsport, stellte an die Bezirksleitung und die Turngemeinde Friedberg hohe Anforderungen. Dank guter Organisation verliefen alle Wettbewerbe aber reibungslos, und es hat sich ergeben, daß die Aufnahme des Wehrsports in das turnerische Arbeitsfeld die Probe in jeder Hinsicht bestanden hat. Gauobertumwart Paul nahm Gelegenheit, das einträchtige Zusammenarbeiten zwischen Wehrverbänden und Turnerschaft als vorbildlich für die anderen Bezirke des Gaues zu bezeichnen. Am Nachmittag marschierten in einem stattlichen Werbeumzug SA., Stahlhelm und Turner in geschlossener Einheit durch die festlich geschmückte Stadt, überall freudig begrüßt. Auf dem Platz der Bergkaserne sprach der neue Gauführer des Gaues Hessen, Dr. Rau (Butzbach), vor de» aufmarschierten Vereinen und Verbänden herzliche Worte der Begrüßung mit besonderem Dank an SA. und Stahlhelm, daß sie sich gemeinsam mit der Turnerschaft zu der vaterländischen Kundgebung zusammengefunden. Redner fand inhaltreiche Worte eines freudigen und begeisterten Bekenntnisses der allezeit für die vaterländischen Bestrebungen eingetretenen Turner zu dem Dolkskanzler Adolf Hitler. Im Geiste Jahns und Hitlers werde die Deutsche Turnerschaft freudig mitarbeiten an der Erneuerung des Vaterlandes nach dem alten Turnerwillen: Für Einheit, Freiheit und Vaterland! Begeistert wurde das „Gut Heil!" auf das deutsche Vaterland ausgenommen. Eindrucksvolle turnerische Bilder boten bann die Stuttgarter Freiübungen, die von Turnern und Turnerinnen unter Musikbegleitung recht gut aus- gesührt wurden. Lebhaftem Interesse begegnete auch der Start zu dem Gepäckmarsch, der 70 SA.- Leute, Stahlhelmer und Turner mit einer Belastung von 25 Pfund über eine Strecke von 8 Kilometer führte. Verschiedene Staffelläufe und Langstreckenläufe vervollständigten die abwechslungsreiche turnerische Darbietungsfolge. Als Abschluß der „turnerischen Arbeit im Gewände der Freude" nahm ©auoberturnmart P a u l die Siegerverkündigung vor, die in ein begeistert aufgenommenes „Gut Heil" auf die Führer im Reiche, von Hindenburg und Adolf Hitler, und den DT.-Führer Dr. Neuendorff und mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes ausklang. (Ergebnisse folgen!) $ür Brettenarbeii und Wehrturnen. Line Neuregelung des DT.-lvetkkampfbelriebs. Der Dberturnmart der Deutschen Turnerschaft, Steding-Bremen, hat für den Wettkampsbetrieb der DT. neue Bestimmungen erlassen, die für die einzelnen Vereine und Aktiven stark einschneidende Wirkungen haben dürften. So wird beispielsweise der Wettkampfverkehr zu Gunsten der Breitenarbeit und des Wehrturnens st a r k eingeschränkt. Pflichtspiele im Handball, Fußball usw. dürfen nur noch einmal im Monat und zwar am ersten Sonntag stattfinden. Weitergehende Ausscheidungsspiele sind nur dreimal im Kalenderhalb jahr gestattet. Jeder dritte Sonntag im Monat ist grundsätzlich vom Wettkampf freizuhalten und dem Wehrturnen zu widmen. Bemerkenswert ist ferner, daß die bisher nur in einem Spezialfach tätigen Mitglieder der Vereine (Spieler, Schwimmer, Dolks- turn'er, Fechter, Wasserfahrer usw.) verpflichtet werden sollen, sich wöchentlich mindestens einmal am allgemeinen Turnbetrieb zu beteiligen. Dom nächsten Jahre an dürfen sich an Wettkämpfen und Wettspielen nur noch Turner beteiligen, die auch am Wehrturnen teilnehmen und von 1936 ab werden Turner von 19 bis 25 Jahren nur dann zu Wettkämpfen zugelassen, die ihr Pflicht-Durnjahr abgeleistet haben oder sich darin befinden. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen Wirtschaft. Frankfurt befestigt. Frankfurt a. M.. 22. Mai. (WTB. Drahtmeldung.) Durch die bevorstehende Annahme des von Mussolini vorgeschlagenen Viermächtepaktes hat die außenpolitische Situation eine weitere Entspannung erfahren und die Aussichten für die demnächst beginnende Weltwirtschaftskonferenz sind wieder günstiger geworden. Die erste Börse der neuen Woche reagierte darauf mit einer befestigten Tendenz. da die Kulisse zu einigen Käufen schritt. Da jedoch die Kundschaft nur in geringem Umfange Order gegeben hatte, bewegte sich die älm- satztätigkeit in engen Grenzen. Gegenüber der Wochenschlußbörse ergaben sich bei Eröffnung des heutigen Berkehrs durchschnittliche Erhöhungen bis zu 1 Prozent, Spezialwerte darüber hinaus bis zu 2 Prozent und mehr. Lebhaftes Geschäft verzeichneten am Chemiemarkt IG. (plus 2 Prozent) und Scheideanstalt (plus 3 Prozent). Deutsche Erdöl setzten 1,75 Prozent fester ein. Am Montanmarkt standen neben Har- pener und Nheinstahl mit je plus 2,50 Prozent noch Jlse-Bergbau-Genüsse mit plus 3,25 Prozent im Mittelpunkt des Interesses. Die übrigen Werte dieses Marktes hatten Besserungen von 1 bis 1,50 Prozent. Am Elektromarkt Werte wie Bekula und Gesfürel je 2 Prozent höher, Elektro Mannheim wurden 1 Prozent niedriger taxiert. Fest lagen noch Contigummi mit plus 1,50 Prozept und Kaliaktien mit plus 1 bis 2,50 Prozent. Auf den Nebenmärkten war die Kursgestaltung nicht ganz einheitlich, die Veränderungen hielten sich aber im Nahmen von 1 Prozent. Auch auf den Rentenmärkten herrschte festere Tendenz. Von Deutschen Anleihen gewannen Altbesih 1 und Neubesih 0,25 Proz. Späte Reichsschuldbuchforderungen zogen bei kleinem Umsatz 0,25 Prozent an. Sehr fest lagen 6prozentige Stahlvereinbonds, die zunächst 0,50 Prozent und im Verlause 2 Prozent gewannen, während Deutsche Anleihen späterhin kaum mehr verändert waren. Der Pfandbriefmarkt lag sehr ruhig bei zum Teil nur knapp behaupteten Kursen. Von Staatsanleihen lagen Hessen Volksstaat von 1928 im Angebot und mit 75 um 2,50 Prozent niedriger. Stadtanleihen tendierten sehr still. Don fremden Werten waren Türken und Rumänen behauptet. An den Aktienmärkten konnten sich die Kurse im Verlaufe um 1 Prozent erhöhen, das Geschäft war aber außerordentlich still, zumal fcon der Kundschaft keine neuen Orders eingetroffen waren. Der Geldmarkt war leicht, Tagesgeld stellte sich auf unverändert 3,25 Prozent. Sranffurfer Abendbörse sehr still. Frankfurt a. M., 22. Mai. Die Abendbörse verkehrte infolge Fehlens neuer Kundenorders in sehr stiller Haltung. Die Kurse waren im Vergleich zum Berliner Schluß meist nur knapp gehalten, doch war die Grundstimmung im Hinblick auf die ent- spanntere außenpolitische Situation durchaus weiter freundlich. Mit großem Interesse erwartet man die heutigen Ausführungen Mussolinis über den Vier- mächte-Pakt. Zunächst kamen an den Aktienmärkten überhaupt nur IG.-Farben mit minus Yi Prozent und am Rentenmarkt die Altbefitzanleihe mit 76-6, Prozent zur Notiz. Im Verlaufe ergaben sich keine Veränderungen von Belang. Lediglich die heute in Berlin schwach veranlagten Accumulatvren zogen um 1 Prozent auf 17554 Prozent an, und auch für AKU. zeigte sich auf Grund der festen Tendenz in Amsterdam einiges Interesse. Neubesitzanleihe 12.80, Altbesitzanleihe 76%, Schutzgebietsanleihe 7,80, 6proz.Stahl- verein-Bonds 67, Reichsbahn-VA. 96,50, Dresdner Bank 54.50, Reichsbank 128, Gelsenkirchen 65, Har- pener 97.25, Mannesmann 76.50, Phönix 44.25, Stahlverein 43.50, AKU. 38%, AEG. 26, Betula 112.50, Conti Gummi 143, Scheideanstalt 169.50, Licht u. Kraft 114.50, JG.-Farben 131.50, Holzmann 58, Lahmeyer 123.50, Hapag 18.50, Lloyd 19.50. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M.. 22. Mai. Das Geschäft war zum Wochenbeginn recht ruhig. Das Angebot blieb zwar weiter gering, die Nachfrage war aber infolge des schleppenden Mehlabsatzes auch sehr vorsichtig. Am M e h l m a r k t war Roggenmehl besser beachtet als Weizenmehl, indem nur die notwendigsten Dedarfskäufe dorgenommen werden. Für Kraftfuttermittel war die Haltung stetig bei unveränderten Preisen bis auf Sohaschrot, das schwächer tendierte. Mühlennachprodukte lagen bei unveränderten Preisen etwas ruhiger. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mk.: Weizen 215,00 bis 214,00, Roggen 172,50 bis 174,00, Hafer 148,50 bis 152,50, Weizenmehl südd. und Niederrhein. Spcz. 0 mit Austauschweizen 30,80 bis 32,00, Roggenmehl 60proz. Ausmahlung 23,75 bis 25,25, Weizenkleie 7,75 bis 7,80. Roggenkleie 8,70 bis 8,75, Sohaschrot 9,75 bis 10,40, Palmkuchen 9,50 bis 9,75, Erdnuhkuchen 12,00 bis 12,25, Treber 11,50 bis 11,75, Heu 4,30 bis 4,50, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreht oder gebündelt 2,20. Kartoffeln: Speisekartoffeln Industrie hies. Gegend 1,55 bis 1,60 Mk. per 50 Kilogramm bei Waggonbezug. Tendenz: ruhig. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskoni 4 o. H., Lornbardzinsfuß 5 o. H. Jranhuri u. J)l. Berlin Schluß- kurS Schluß!. Abend- bürte Gchluß- kurS Schloßt. Mittag- börse Datum 20»5. 22-5. 20.5. 22.5. 6% Deutsche IHctrfieaniettje o. iftn 85,2 85,2 85,25] 85,5 6% efjem.7% Di.ReichsanI. v. 1929 90,65 90,65 91 91 5l/t% Doung-Anlcihe hon 1930 .. 85 86,5 85 87 Deutsche Anl.-Ablös-Schuld mb AuSlos.-Rechten ............. 76 76,9 76,4 76,9 Tcsgl. ohne AuSlos.-Rechte..... 12,75 12,8 12,75 12,95 6% ehern. 8% Heft, «ol'cftaat 1929 lrückzahlb. 102°/»)........... 79 79 78,5 78 Oberheften Provin,.Anleihe ml AuSlos.-Rechten ............ 68 70 — 6% Hess. Landesbank Darmstadl Gold R. 12.......... 82,5 83 82/5 &y3% Heft. Landes Hnpotheken- bank Darmstadt Liqui...... 85,75 85,75 — — Deutsche Komm. Sammclab l.An leibe Sertel mit AuSlos.-Rechten 69 70 69 69,9 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Banl Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 84 84 — —• 6% ehern. 7% Franks. Hvp.-Ban' Goldpse. IG unkündbar bt« 1936 83,75 83,5 — 6%% ehern. 4’/2% Franks. Hyp. Bank-Liqu.-Psandbriese ..... 85,75 85 —- 6’/,% ehern. 4>/z% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpfc. ... 87 85,75 — — 6% ehern. 8% Pr. Landespfand brlefanstalt. Pfandbriefe R. 19 83,5 84 33,5 83,75 6% ehern. 7% Pr. Landespsand brtesanstalt. Pfandbriefe R. 1<‘ 84 84 — 84,5 Verrechnungskurs.......... 85,3 85,3 85,3 85,3 4% Oesterreichische Goldrenle. . — 15,75 15 15,75 4,20% Oesterreichische Silbcrrentc — —— 1,15 — 4°; Ungarlfdie Goldrenle....... — —- — 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 — — — 4V2% hr'ßl non 1913.......... ■... _ — 6% 'öbg'esb Goldmerikaner von 99 8 7,75 8,1 8,13 4% Türkische Zoll anleihe von 1911 6,4 6,4 6,5 6,55 4% Türkische Bagdadbahn-Anleih 6,4 6,4 6,5 Frankfurt a.M. Berlin Schluß- kurS Echlußt. Abend- börse Schluß- kurS Schluß!. Mittag- börse Datum 20.5. 22-5. 20.5. 22.5. 4% deSgl. Serie II ............ 6,3 6,3 6,45 6,4 6% Rumän. vercinh. Rente v. 1903 5,9 5,7 — 5,8 4^-%Rilman.vcreinh.Rcntev.l913 10,9 10,75 10,9 10,65 4% Rumänische vercinh. Rente .. 4,85 4,8 4,7 4,75 8%% Anatolier .............. — 30,75 31,25 30,4 Hamburg-Amerika-Paket ..... i 18,5 18,5 18,4 18,5 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 — — 39 32 Hansa Dampfschiff........... 0 — —— — Norddeutscher Lloyd .........0 19,25 19,5 18,9 19,5 A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 59,25 54 54,4 54,5 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 93,5 94,5 94 95,25 Commerz- und Prival-Bank ... 0 50,25 50,75 50,75 50,75 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................o 55,5 55 55,5 55 Dresdner Bank..............0 55 54,5 50 54,5 Retchsbank ................. 3 127,5 128 128,25 128,5 D.E.G..................... 1 95 75 9A 75 75 Elektr. LieseriingSgesellschaft... k 100 97',75 100 Licht und Kraft .............t 114 114,5 114,5 114,5 Felten & Guilleaume ........0 67 67,5 67,45 67,25 Gesellschaft für Elektrische Unter- nehmungen............... 1 91 93,5 92,5 93,13 Rheinische Elektrizität .......i 5 96,5 95,5 97 95,75 Schuckert &(£o..............0 107 109 106,75 108,5 Siemens & HalSke........... - 156,5 159 156 159,5 LahmeyerLEo. .............10 122 123,5 120 124 Buderus ...................> 77,75 79,5 78 79,5 Deutsche Erdöl .............4 112,5 115 112,75 114,65 Gelsenkirchener..............0 64.5 65 Harvener...................0 94,5 97.25 94 75 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen.. 0 75,75 °77?9 Ilse Bergbau ...............7 — — 147 150 Ilse Bergbau Genüsse........ 7 112,5 115,75 114,5 115.75 filodnenucrte ..............0 62 62 61,9 62,13 Mannesmann.Rohren....... G 75,5 76,5 75,4 76,75 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurS Gchlußk. Abendbörse Schluß- lurS Gchlußk. Miltag- börse Datum 20.5. 22.5. 20.5. 22.5. Manstelver Bergbau...... ... 0 — — 26,5 26,5 Kokswerke ............... ... 0 — — 85,75 86,4 Phönir Bergbau.......... ... 0 44,5 44,25 44 44,25 Rheinische Braunkohlen ... ...io 190 193 190 195 Rbeinstabl ............... ... 0 91,5 — 91,25 93,5 Vereinigte Stahlwerke..... ... 0 43 43,5 43,13 44 Olavi Minen ............ ... 0 18 18,25 17,9 17,25 Kaliwerke Aschersleben..... ... c 127,5 127,75 130,5 Kaliwerke Westeregeln..... ... 6 130 — 129 132 Kaliwerke Salzdetfurth .... ... P 180 — 179 181,5 I G. Farben-Industrie .... ... 7 130 131,5 130 132 Scheideanslalt............ ...10 168 169,5 Goldschmidt ............. ... 0 52 53,5 52 53,75 Rütgerswcrkc............ ... 0 57,25 57 57 57 Metallgesellschaft.......... ... < 36,5 36,75 36,13 36,75 Phtlivv Holzmann........ Zementwerk Heidelberg ... ... 0 58,5 58 58,13 58,5 ... 4 81,75 82 Cemeniwerk Karlstadt...... ... 0 — — Schultheis Pahenhoser..... ... 0 _ _ 122,75 127,25 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 37,75 38,65 37,13 38,65 Bemberg................ ... 0 46,25 47,75 47 47,5 Zellstoff Waldhof......... ... 0 53 53,25 52,5 53,25 Zellstoff Aschaffenburg .... ... 0 24,13 24,5 24,4 24,13 Dessauer Gar............ ... 7 — 108,75 111 Daimler Motoren......... ... 0 31,5 31,75 31,75 31,5 Deutsche Linoleum ....... ... 0 49,5 49 47,5 49 Lrenstcin L Koppel ....... ... 0 49,5 51,25 Leonhard Tietz........... ... 6 23 — 22,75 23,75 Chade................... ...12 169 — 171,75 171,5 Arihner......... 28,5 28,5 28,75 Matnkrastwerke Höchst a.M. 69 67 _ Süddeutscher Zucker ...... ... b 158 — 159 — Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 20. Mai 22. Ma! Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld I Brie' Geld Brie' Helstngsors. 6,294 6,306 6,294 6,306 Wien...... 45,70 45,80 45,95 46,05 Prag...... 12,67 12,69 . 12,64 12,66 Budapest ... — —— — Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland .... 169,63 169,97 170,03 170,37 Oslo....... 72,43 72,57 72,43 72,57 Kopenhagen. 63,64 63,76 63,64 63,76 Stockholm... 73,08 73,22 73,18 74,32 London ..... 14,285 14,325 14,265 14,305 Buenos Aires 0,853 0,857 0,853 0,857 Neunork .... 3,691 3.699 3,671 3,679 Brüssel_____ 58,69 58,81 58,69 58,81 Italien..... 21,98 22,02 21,98 22,02 Paris..... 16,57 16,61 16,60 16,64 Schweiz ... 81,27 81,43 81,37 81,53 Spanien.... 36,06 36,14 36,06 36,14 Danzig.... 82,32 82,48 82,37 82.53 Japan...... 0,869 0,871 0,869 0,871 Rio de Jan. 0,239 0,241 0,239 0,241 Itmoslalvien 5,195 5,205 5,195 5,205 Lissabon... 12,99 13,01 12,99 13,01 Banknoten. Berlin, 22.Mal Geld Brief Amerikanische Noten.............. 3,635 3,655 Belgische Noten.................. 58,53 58,77 Dänische Noten ................. 63,27 63,53 Englische Noten ................. 14,225 14.285 Französische Noten............... 16,56 16,62 Holländische Noten.............. 169,66 170,34 Italienische Noten................ Norwegisch- Noten ............ 21,86 72,26 21,94 72,54 Deutsch Oesterreich, 1 100 Schillina Rumänische Noten............... 2,46 2,48 Schwedische Noten............... 73,00 73,30 Schweizer Noten................ Spanische Noten................. 81,19 35,93 81,51 36,07 Ungarische Noten................