Onig lind verlas: vrLHI'sche UnIoerfitSIr-vuch. und Lleindruckerel R. fange in Sietzen. Sdjriftleftnng und Seschüstrftelle: Schnlltratze 7. 2!nna.)me von Bnjeigcn für die Tagesnummer bis zum Nachmitlag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20”, mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Tkynot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein undfür denAn» zeigenteil i.D. Th.Kümmel sämtlich in (Siegen. Ericheini täglich, außer Sonntags und Feienogs Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanschlüfse unter Samm-lnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen, poftscheckkonto: gronffun am Main 11686. Kr. H9 Erstes Blaff 183. Jahrgang Dienstag, 23. Mai (933 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Amerika, der Konsultativpakt und die Freiheit der Meere. Berlin, 23. Mai. (ERB.-Funkspruch.) Die Erklärung des amerikanischen Hauptdelegiertcn auf der Abrüstungskonferenz ist dort von entscheidender über den Rahmen der Konferenz hinausgehender Bedeutung, wo sie die Roosevelt-Botschaft vom 16. Mai ergänzt, nämlich auf dem Gebiete der Frie» denssicherung. Roosevelt hatte in seiner Botschaft in dieser Hinsicht einen neuen feierlichen Nichtangriffspakt angeregt, der nicht nur die bisherigen Patte Kriegsführung und Gewaltanwendung, sondern schon die Entsendung von Truppen außerhalb der Landesgrenzen verbieten soll. Norman Davis ist im Auftrage Roosevelts gestern noch einen Schritt weiter gegangen, indem er die Bereitschaft der Bereinigten Staaten zur Teilnahme an einem sogenannten Li o n s u l a t i v p a k t erklärte. Amerika würde sich in diesem Pakt verpflichten, im Falle einer Kriegsgefahr mit den anderen Nationen in einen Gedankenaustausch einzutreten. Es würde also auch für den Fall eines europäischen Konfliktes grundsätzlich auf das Recht verzichten, sich für desinteressiert zu erklären. Es würde also beispielsweise, wie dies schon im chinesisch-japanischen Konflikt geschehen ist, mit den im Völkerbundsrat vereinigten Mächten im Falle eines Konfliktes in Beratungen über die besten Mittel zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung des Friedens eintreten, ohne sich jedoch jetzt schon irgendwie hinsichtlich der Konsequenzen zu binden, die c2 für sein eigenes Verhalten aus diesen Beratungen gegebenen Falles zu ziehen hätte. Norman Davis sagt ausdrücklich: „Für den Fall, daß die anderen Nationen einen Staat des Angriffes oder der Dertragsverletzung schuldig bezeichneten oder gegen ihn Maßregeln ergriffen, würde Amerika, wenn es mit dem Urteil einverstanden ist, sich jeden Borgehens enthalten, daß das Kollektivvorgehen der betreffenden Länder zum Zwecke der Wiederherstellung des Friedens vereiteln könnte." Diese Erklärung, deren Wirksamwerden von dem Erfolg der Abrüstungskonferenz ab- hängt, ist ein wichtiger Fortschritt des Völkerrechtes, der die beiden Seemächte England und Amerika vor allem in der Frage der Freiheit der Meere, die Amerika bisher aus einem absoluten Begriff verteidigt hat, in eine Linie bringt. Amerika ist nach der Erklärung Norman Davis bereit, bei einem internationalen Konflikt auf den Grundsatz der Meeresfreiheit zu verzichten, d. h. durch Blockade oder andere militärische oder wirtschaftliche Maßnahmen gegen einen dritten Staat seinen eigenen Handel beschränken zu lassen, freilich unter der doppelten Doraussehung, daß es mit dem Spruch gegen den sogenannten Angreiferstaat einverstanden ist und daß die Maßnahmen gegen diesen Staat nach amerikanischer Auffassung der Wiederher st ellung des F r i e d »n s und nicht etwa anderen egoistischen Zwecken diene. „ DasEcho inparis undLondon Die englischen Blätter bezeichnen einmütig die Erklärungen von Norman Davis und die Zurückziehung der deutschen Abänderungsvorschläge zum britischen Konventionsentwurf als großen Fortschritt Sic suchen jetzt schon den voraussichtlichen französischen Einwendungen mit dem Hinweis auf die Größe der amerikanischen Zugeständnisse zu begegnen. ..Times" unterstreicht vor allem die Bedeutung, die die Davis-Erklärung für das Problem der „Freiheit der Meere" und der Neutralität habe. Die Schwenkung der amerikanischen Politik erleichtere das Vorgehen gegen Vertragsbrüchige. Die französische Presse nimmt die Erklärungen des amerikanischen Delegierten mit etwas gemischten Gefühlen auf. Havas äußert sich noch am optimistischsten, wenn sic erklärt, daß die Ausführungen Norman Davis einer günstigen Entwickelung den Weg bahnen. „Journal" aber schreibt, Amerika könne weder seine Entschlußfreiheit veräußern, noch positive Verpflichtungen in der Frage der Sanktionen übernehmen. Völlig ablehnend ist Herve in der „Victoire". Er ruft der Erklärung Norman Davis ein Nein entgegen und behauptet, daß die „Genfer Farce" zur Tragödie zu werden drohe. Auch „Echo de Paris" bleibt ablehnend. Es zieht aus den Genfer Verhandlungen den Schluß, daß Frankreich auf keinen Fall seine nationale Verteidigung gegenüber Deutschland und Italien schwächen dürfe. Die „Ere Nouvelle" erklärt rundweg: Wir werden nur so weit in der effektiven Abrüstung gehen, als man uns effektive Sicherheiten gewährt. Frankreich und der Viermächtepakt. Paris, 22. Mai. (WTB.) Die Agentur Havas erklärt, daß man in maßgebenden französischen Kreisen die in Rom geführten Verhandlungen als eine interessante Episode ansehe, wobei es sich nur um die Erforschung der verschiedenen durch den Paktplan aufgerollten Probleme handele. Mussolini habe seinerzeit deutsche und französische Gegenvorschläge erhalten, die jetzt miteinander verglichen würden, um es Mussolini zu erlauben, einen Text auszuarbeiten, der geeignet sei, die Zustimmung der leitenden Männer in Berlin, London und Paris zu finden. In Paris seien bisher neue römische Vorschläge als Antwort auf das letzte französische Memorandum nicht engegangen. Es sei also verfrüht, von einer ofifiziellen Annahme durch die Mächte zu sprechen, obgleich sich allerdings die Verhandlungen in einem Sinne entwickelten, der zu der Hoffnung aus eine endgültige Annahme ermutige. Amerika befriedigt. Ein erster Schritt zur Wiederherstellung der Stabilität. Washington, 22. Mai. (WTB.) Staatssekretär Hüll begrüßte im Namen des gesamten Kabinetts die in Nom erzielte Förderung des Viermächtepaktcs und erklärte, die Genfer Konferenz habe nunmehr definitiv eine Wendung zum Guten genommen. Amerika habe England und insbesondere Frankreich nunmehr endlich die Eicherheitsgarantien gegeben. nach denen diese Mächte andauernd Wir wiederholen den Aufruf, den Reichskanzler Adolf Hiller am Abend des ersten Feiertags der nationalen Arbeit erließ: Ein denkwürdiger Tag ist vorüber, der erste Feiertag der nationalen Arbeit. 3n überwältigenden, noch nie dagewesenen Kundgebungen hat sich das deutsche voll zur Ehrung der deutschen Arbeit und des deutschen Arbeitertums bekannt. Heber ganz Deutschland hin hat dieses wunderbare Bekenntnis in tausendfachen Demonstrationen ergreifenden Ausdruck gefunden. Aber dieser historische Tag darf nicht Vorbeigehen, ohne daß der elementare Gefühlsausbruch des Volkes auch einen bleibenden Ausdruck findet, und ohne daß dieses ideale Bekenntnis auch feinen materiellen Niederschlag in einer Leistung der Dankbarkeit findet. Sieben deutsche Bergarbeiter, Angehörige des Arbeiterslandes, dem das Los der härtesten Arbeit zugefallen ist, find am Vorabend des 1. ZTZai einem furchtbaren Unglück jum Opfer gefallen und auf dem Felde der Arbeit geblieben. Witwen und Waisen find ihrer Ernährer beraubt worden. Der Tod dieser Helden soll der ganzen Nation der Anlaß sein, eine Stiftung zu errichten, aus der von jeht an allen Soldaten der Arbeit, die auf dem Felde des Kampfes um das tägliche Brot fallen, die ausreichende Der- 9er Kanzler-Besuch im Der Kanzler wohnt einem Racht- gesecht der Kriegsflotte bei. Der erste Tag des Besuches des Reichskanzlers bei der deutschen Flotte schloß mit einem manöver- mäßigen Nachtgefecht zweier Verbände. Die Schiffe gingen dann in der Kieler Bucht vor Anker. Dienstag früh wurden die Vorführungen mit einem Fliegerabwehrschießen d e s K r e u- zers „Leipzig", auf dem sich wieder sämtliche Gäste oerjammelt hatten, fortgesetzt. Große Scheiben, die von Flugzeugen der Holtenauer Seeflugstation geschleppt wurden, bildeten das Ziel. Dann ging der Reichskanzler und seine Begleiter an Bord des Kreuzers „Deutschland", um hier kurze Vorträge des leitenden Ingenieurs zu hören. Nach einer Besichtigung des Schiffes kehrte der Kanzler auf die „Leipzig" zurück. Die Verbände rüsteten sich dann zu der großen Vorbeifahrt, die den Abschluß des Flottenbesuches der Reichsregierung bilden wird. Gegen mittag traf die Flotte nach Beendigung der Manöoerübungen wieder vor Kiel ein. Als Kreuzer „Leipzig", auf dem sich der Reichskanzler und die Mitglieder der Reichsregierung befanden, den Friedrichsorter Leuchtturm erreicht hatte, brachten die Kieler Wassersportvereine dem Kanzler ihren Dank und ihre Ehrerbietung durch eine Huldigungsfahrt zum Ausdruck. Die Segelboote, die sich in der Heikendorfer Bucht angesammelt hatten, segelten, über die Toppen geflaggt, in Kiellinie dem einfahrenden Geschwader entgegen und dippten beim Passieren der „Leipzig" die flaggen. Die Ruder - und Kanuvereine wurden nach einer Fahrt entlang dem Hindenburgufer von einem Motorboot der Reichsmarine in die Nähe der „Leipzig" geführt, wo auch sie den Kanzler begrüßten. — Nach dem Einlaufen der Schaffe, dem an den Ufern und aus Booten aller Art Tausende beiwohnten, fand an Bord des Flottenflaggschiffes „Schleswig-Holstein" ein gemeinsames Mittagsmahl statt, das noch einmal alle Gäste der Reichsmarine mit den Gastgebern vereinte. Der Kanzler trat sodann mit seiner Begleitung die Rückreise nach Berlin im Flugzeug an. Den Abschluß der Flottenübungen bildete eine Dorbeifahrt aller an diesem Tage in Kiel zusammengezogenen Seestreitkräfte am Kreuzer „Leipzig", auf dem der Reichskanzler, der Dr^kanzler, die Reichsminister von Blomberg, Göring und Dr. Goebbels, der Chef der Marineleitung und die übrigen Gäste der Reichsmarine versammelt waren. Zahlreiche Schaulustige hatten sich auf Dampfern , und Segelbooten eingefunben, um dem imposanten militärischen Schauspiel beizuwohnen. Ueber der • verlangten, und nun gebe es für Frankreich keinerlei Entschuldigung mehr, nicht abzurüsten. „Cvening Post" sagt, die Nachricht von den römischen Paktbesprechungen sei so unerwartet erfreulich, daß man beinahe zögern müsse, sie zu glauben. Mit dieser zehnjährigen Garantie und der Gleichstellung in der Bcwassnungsfrage für die nächsten fünf Jahre, womit die Haupt- quelle der deutschen Mißstimmung beseitigt worden sei. hätten die Abrüstungsund Wirtschastskonserenzen weit bessere Erfolgchancen. als man für möglich gehalten habe. Die römischen Paktbesprechungen erschienen als der erste gesunde, weitgehende und feste Schritt für die Wiederherstellung der Welt- stabilität. Eie seien die erste gute internationale Aussicht auf Hoffnung. Vertrauen und Verständigung. forgung ihrer Familien gewährleistet wird. Es darf nicht mehr vorkommen, daß in Zukunft solche Opfer der Arbeit auf die knappen Leistungen der öffentlichen Fürsorge angewiesen sind. Ls ist vielmehr eine Ehrenpflicht aller Deutschen, insbesondere aber der begüterten unter ihnen, hier ihr Bestes und Möglichstes zu tun. Ich rufe hiermit zur Errichtung einer Stiftung für die Opfer der Arbeit auf. Aus ihr sollen in Zukunft die Hinterbliebenen aller deutschen Arbeiter, die in ihrem Berufe tödlich verunglückt sind, unter- sfüht werden. Diese Stiftung kann nicht groß genug sein. Sie muh ein sichtbares Symbol der Ehrfurcht des deutschen Volkes vor der nationalen Arbeit und ein Denkmal der unzerreißbaren Gemeinschaft aller Klassen und Stände untereinander werden. Spenden für diese Stiftung können auf das Konto: „Stiftung für die Opfer der Arbeit" bei der Reichs- Kredit-Gesellschaft, Berlin w. 8, Konto-Nr. III b 49, eingezahlt werden. Die Verwendung der Mittel wird von einem Lhrenausschuh bestimmt, der sich aus folgenden Personen zusammenseht: Walter Schumann, Friß Thyssen, Dr. Lmit Georg von S t a u h. Der Reichskanzler: gez. Adolf Hitler. MMiegshasen Riel. Kieler Bucht, dem Schauplatz der Vorbeifahrt, lag prächtiger Sonnenschein. Die in Kiel liegenden auf« gefahrenen Schiffe, deren Besatzungen an Deck in Paradeaufstellung mit der Front zur „Leipzig" angetreten waren, wurden vom Flaggschiff des Flottenchefs, Vizeadmiral G la di sch, dem Linienschiff „Schleswig-Holstein", geführt, es folgten die Linienschiffe „Schlesien" mit dem Befehlshaber der Linienschiffe Commodore Bastian an Bord und „Hessen". Ihnen schloß sich das dem Flottenoerband noch nicht zugeteilte Panzerschiff „Deutschland" an. Es folgte Kreuzer „Karlsruhe". Den großen Einheiten reihten sich sodann die kleinen Verbände an. Der ersten Torpedobootsflottille mit neun Booten folgte die zweite mit sieben Schiffen. Anschließend die Minensuchhauptflottille mit fünf Booten, den Abschluß bildete eine große Anzahl von Spezialschiffen und kleineren Fahrzeugen der Reichsmarine. Nach der Vorbeifahrt, die eine halbe Stunde in Anspruch nahm, setzte sich die „Leipzig" mit hoher Fahrt an die Spitze des Geschwaders, um es in den Kieler Hafen zurückzuführen. Die Heimat huldigt dem Reichsstatthalter. Reichsstatthalter Sprenger in derSüdPsalz. Oberhausen, 22. Mai. (WSN.) Am Sonntag stattete der Reichsstatthalter von Hessen, Jakob Sprenger, seiner Heimatgemcinde Oberhausen bei Bergzabern in der Pfalz einen Besuch ab. Reichsstatthalter Sprenger wurde im Jahre 1884 als Sohn eines Land- wirtsehcpaarcs in Oberhausen geboren. Schon sehr früh kam er, der die Postbeamtenlaufbahn eingeschlagen hatte, nach Frankfurt- Der Empfang in seiner Heimatgemeinde gestaltete sich zu einer großartigen Huldigung. Die ganze Gemeinde feierte begeistert ihren Eobn. In mehreren Wagen kam der Reichsstatthalter in Begleitung seines Stabes in Oberhausen an. Eine große Menschenmenge auch aus den umliegenden Ortschaften und aus Bergzabern, sowie vier Stürme SA. erwarteten den Reichsstatthalter am Ortseingang. Mit Musik ging es ins Dorf hinein, wo am Kriegerdenkmal eine Feier stattfand. Von der Gauleitung der NSDAP, waren erschienen Gauleiter B ü r d e l, Reichstagsabgeordneter Selzncr Landtagsabgeordneter Liebel und SA.-Oberführer Schwihgebel. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP, begrüßte den Reichsstatthalter und überreichte ihm im Auftrage der Gemeinde den DieStistungsürdieOpserderArbeit Oer Aufruf des Reichskanzlers Adolf Hitler. Ehrenbürgerbrief in Form eines Gemäldes. das sein Vaterhaus zeigte. Reichsstatthalter Sprenger dankte für die Ehrung und den herzlichen Empfang und legte am Kriegerdenkmal einen Kranz nieder. Unter besonderer Würdigung des Grenzgebietes Süd- Pfalz entwarf der Reichsstatthalter ein Bild von der nationalen Revolution, die sich auch zum Ziel gesetzt habe, den Bauer wieder zur Scholle zurückzuführen. Er überreichte dem ersten Bürgermeister zum Andenken an feinen Besuch und zum Dank für die Ehrung ein Di Id Adolf Hitlers und fein eigenes Bild. Der Reichsstatthalter fuhr im Laufe des Nachmittags mit seinem Gefolge nach Bergzabern und besuchte noch einige Orte der Südpfalz. Abends gab die Bevölkerung Oberhausens ihm zu Ehren einen Fackelzug. Der Prozeß Gereke. Berlin, 20. Mai. (TU.) Im Gereke-Prozeß erklärte als erster Zeuge Ministerialrat Schellen u. a., daß Dr. Gereke es mit der Wahrheit nicht genau genommen habe. Wichtige Besprechungen Dr. (Beretes hätten meist darin bestanden, daß er auf die Rennbahn hinausging. Freigang habe sich in unbedingter Hörigkeit von Dr. Gereke befunden. Das Gefühl, daß etwas nicht stimmt, habe er schon gehabt, als Dr. Gereke Reichskommissar wurde. Im Februar sei dann Freigang erregt zu ihm gekommen und habe erklärt, daß er ihm als Vertreter Dr. Gerckes alles sagen müsse. In Gegenwart von Biir- germeister Lange habe er dann seine Aussage wie- verholt und schriftlich niedergelegt. Der Zeuge Bürgermeister Lange erklärte, es sei richtig, daß Dr. Gereke nicht zur Nechcn- schastlegung über den Ertrag der großen Umlage verpflichtet gewesen sei. Die Umlage sei auch als besondere Gratifikation für Gerekes erfolgreiche Gründungsarbeit gedacht getoejen. Der Zeuge bestätigte, daß Dr. Gereke keinerlei persönlichen Auswand getrieben, sondern geradezu bedürfnislos gelebt habe. Der Zeuge bestreitet entschieden die Behauptung des Angeklagten, daß die Verbandszeitschrift um die Wende des Jahres 1924 bis 1925 zum persönlichen Eigentum Dr. Gerekes gemacht worden sei. Die Zeitschrift sei selbstverständlich Eigentum des Verbandes geblieben. auch dann, als sie aus taktischen Gründen einer G. m. b. H. übergeben wurde. Dr. Gereke sei als Treuhänder des Verbandes betrachtet worden. Er habe niemals gehört, daß die Zeitschrift große Tleberschüsse abwerfe. Hätte er davon Kenntnis gehabt, hätte er die Ue&er- schüsse für den Verband in Anspruch genommen. Der Zeuge ist der Tlebcrzeugung, daß der Verband in der Frage der Zeitschrift von Anfang an getäuscht worden sei, mindestens aber von dem Zeitpunkt ab. als sich Ueber- schüsse ergaben, von denen die Derbandsleitung nichts erfahren habe. Die 69jährige Mutter des Angeklagten wurde heute vernommen. Sie erklärte, daß ihr Sohn das Gut Prestel geradezu ausgepowert habe. Alles was irgendwie zu Geld zu machen war, sei zu Geld gemacht und dem Verbände gegeben worden. Aus die Frage des Staatsan. waltes, ob Dr. Gereke Rennpferde gehalten habe, erwiderte die Zeugin lächelnd: „Wir hatten eine Mutterstute, die mit ihren Fohlen mitten unter den Ochsen und Küh^n stand. Im vorigen Jahre sind allerdings aus dieser bescheidenen Zucht zwei Pferde gelaufen, die in Berlin bei einem Trainer standen." Der Vorsitzende des Ausschusses für die Hinden- burgwahl, Geheimrat D u i s b e r g erklärte, daß er ebenso wie die anderen Mitglieder des überparteilichen Ausschusses in seinen Kreisen gesammelt und persönlich etwa 500 bi$ 600 000 Mark zusammenge- bracht habe. Was im ganzen eingegangen sei, darüber sei wenig gesprochen worden, weil auch die Geldgeber die Sache diskret behandelt wissen wollten. Als der Vorsitzende dann feststellte, es seien ungefähr sechs Millionen gewesen, erklärte der Zeuge, auf soviel hätte er nie gerechnet und erfahre das heute zum er st en M a L Der Arbeitsausschuß, dem Dr. Gereke Vorstand, habe die Vollmacht gehabt, die ihm überwiesenen Gelder für die Zwecke derHinden- burgwahl zu verwenden. Er wäre — so führte der Zeuge weiter aus — nicht damit einoer- standen gewesen, daß aus diesen Mitteln Gelder für die Preußenwahlen oder für andere politische Zwecke verwendet wurden. Der ehemalige Führer der Deutschnationalen Volkspartei und spätere Führer der Volkskonser- vatioen Graf Westarp erklärte als Zeuge, daß Dr Gereke zur Verwertung der Gelder selbstoer- stündlich weitgehende Vollmachten bekommen habe. Der unmittelbare Zweck der Geldsamm- lung sei die Reichspräsidentenwahl gewesen. Der Arbeitsausschuß habe jedoch die Ansicht vertreten, daß man dann weiter danach streben müsse, die Präsidialgewalt des Reichspräsidenten so zu stärken, damit auf diese Weise die natio- nalen Kreise nach einem Zusammenschluß die Macht übernehmen könnten. Darum, erklärte der Zeuge, könne er das dem angeklagt?n Dr. Gereke zum Vorwurf gemachte Verfahren nicht verurteilen. Zur Erreichung eines politischen Zweckes müsse man manch- mal Wege gehen, die mit den streng formal-juristischen Bestimmungen nicht immer übereinstimmten. Wenn Dr. Gereke aus den für die Hindenburgwahl gesammelten Geldern größere Summen zur Erreichung der vorher gekennzeichneten weiteren poli- Kschen Zwecke benutzte, so habe das ganz im Sinne der Hindenburgwähler von Rechts gelegen. Der als Zeuge vernommene Verleger Krey er- klärte, er sei bei den Verhandlungen über die Der- schmelzung seiner eigenen Zeitschrift „Die Landgemeinde mit dem Organ des Landgemeindeverbandes davon ausgegangen, daß die neue einheitliche Zeitschrift nicht das persönliche Eigentum von Dr. Gereke, sondern Verbands- eigentum sein sollte und daß Dr. Gereke in der G. m. b. j). lediglich a l s Treuhänder des Verbandes sitzen sollte. Das gehe -auch aus dem Vertragstext hervor. Der nächste Zeuge Bürgermeister Sporkost gehörte feit Gründung des Landgemeindever- bandes dem Gesamtvorstand als Bertreter einer Industriegemeinde an. Er bekundet: Ich habe Dr. Gereke ausdrücklichlich gefragt, ob er nicht aus dem Verlag der Berbandszeitschrift Bezüge habe. Dr. Gereke hat ausdrücklich erklärt, er hatte nicht einen Pfennig aus dem Verlag rlr»mcn" Gesamtvorstand ist niemals beschlossen worden, die Zeitung Herrn Dr. Gereke zu übereignen. Dr. Gereke hat niemals gesagt, daß die Zeitung sein Privateigentum sei, sonst hätte sicher der Gesamtvorstand dagegen prote- Angeklagte erklärte die Aussagen des Zeugen für absolut unrichtig. Der Zeuge Sporkost sagte sodann in großer Erregung: Damit wollen Sie doch sagen, daß ich diese meine Aussage wider besseren Wissens gemacht, also einen Meineid geleistet hätte. Das ist eine Gemeinheit, Herr Dr. Gereke. Als ich von Ihrer Verhaftung hörte, habe ich zu meinem Gott gebetet daß er Sie und Ihre Mutter stärken möge, weil ich von Ihrer Unschuld überzeugt war. Erst hier in Berlin habe ich dann in der Vorstandssitzung zu meinem Entsetzen gehört, wie die Sachen wirklich lagen. Ich bleibe bei dem, was ich unter meinem Eid gesagt habe. Das Bauerntum unter dem Zeichen des Fortschrittes. Don Dr. Walter Darrs, Präsidenten des Deutschen Landwirtschaffsrats. Wenn einmal dem Geschichtsschreiber die Aufgabe zufällt, über die politische Entwicklungsgeschichte der Nachkriegszeit zu schreiben, so wird er dem Weg des deutschen Bauerntums dabei einen ganz besonders breiten Raum widmen müssen. Alle Stände haben in der Verfallszeit der verflossenen 14 Jahre unsagbar gelitten und unerhörte Opfer bringen müssen. Aber das Bauerntum ist doch unter der Herrschaft liberalistisch-marxistischer Machthaber das Stiefkind überhaupt gewesen. Die Wirtschaftspolitik — wenn man davon überhaupt sprechen darf — wurde fast ausschließlich auf dem Rücken des Bauern gemacht, und wo man zum Scheine cin- greifen wollte, handelte es sich um völlig unzulängliche Maßnahmen, die niemals bas Uebel a n der Wurzel packten und vor der Oeffentlichkeit noch als die berüchtigten „Subventionen" für die Landwirtschaft erklärt wurden. So hat man jahrelang von der Rückständigkeit des deutschen Bauern gesprochen, der nur aus Steuerngeldern und anderen öffentlichen Mitteln erhalten werden könne und sozusagen auf dem Rücken der übrigen Volksgenossen lebe. In der Tat 'ar der Niedergang der Landwirtschaft aber keine Folge von Rückständigkeit, sondern das Ergebnis einer Wirtschaftspolitik, die in der Erhaltung des Bauerntums, also der Grundlage der Nation, niemals ihre Aufgabe sehen wollte. Das muß mit aller Deutlichkeit vor der Oeffentlichkeit immer wieder unterstrichen werden, wenn die Lage der Landwirtschaft zur Rede steht. Der Bauer draußen wünscht keine Wohltätigkeitspfennige, sondern verlangt nur sein Lebensrecht! Die 3 9. Wanderausstellung der Deutschen L a n d w i r t s ch a f t s - Gesellschaft, di jtzt nach langen Jahren wieder einmal in der Reichshauptstadt stattfindet, ist in ihrem gewaltigen Aufbau und in ihren Leistungen, die dort von der Landwirtschaft vor den Augen der gesamten Oeffent- lickkeit zur Schau gestellt werden, die beste Widerlegung für die anmaßende Unterstellung von der „Rückständigkeit des deutschen Bauern". Hier sieht man einmal zusammenfassend, welch ungeheure Leistungen trotz der Schwierigkeiten, trotz der Hemmnisse der vergangenen Jahre ruf allen Gebieten der Landwirtschaft, der Vervollkommnung der Bodenbearbeitung, der Saatzucht, der Pferde-, Rindvieh-, Schweine- und Schafzucht, der Milchwirtschaft, der Erzeugung von Markenware, des Gartenbaues, der Forstwirtschaft usw. geleistet worden sind. Was hier zur Schau gestellt wird, kann getrost als Beispiel in der ganzen Welt gelten und alle die Bauern, die aus deutschen Provinzen und Gauen in der Woche vom 20. bis 28. Mai in der Reichshauptstadt zusammenströmen, können mit einem Gefühl des inneren Stolzes auf diese große Wanderausstellung der DLG. blicken, die schließlich eine Leistungsschau des deutschen Bauern selbst ist. Eine neue Zeit ist in Deutschland angebrochen. War der deutsche Bauer in der Vergangenheit das Stiefkind aller wirtschaftspolitischen Maßnahmen, so ist die Erhaltung seiner Existenz in Deutschland unter der Füohrung Adolf Hitlers nunmehr i,n d e n Mittelpunkt alles Handelns getreten. Das nicht um die Bevorzugung eines Standes willen, sondern in der klaren Erkenntnis, daß Deutschland auf die Dauer nur wird bestehen können, wenn die Nation einstarkesBauerntum besitzt und jeder einzelne von uns den tiefen Sinn des Gedankens von B l u t u n d B o d e n in sich ausgenommen und erfaßt hat. Adolf Hitler sagte vor den Vertretern der deutschen Bauern vor kurzem: „Daß ein Volk ohne Städter bestehen konnte, wissen wir aus der Geschichte. Daß es ohne Bauern bestehen könnte, ist unmöglich." Damit hat der Führer die Bedeutung des Bauern am treffendsten gekennzeichnet. Aus der provinzialhaupistadt. „Erwandere dir dein Vaterland!" Don Direktor H. Werner, Frankfurt a. M. „Erwandere dir dein Vaterland", das ist der Leitgedanke, der am Himmelfahrtstag bei 20 großen Kundgebungen in fast allen deutschen Gauen zugrunde liegt. Veranstaltet vom Reichsverband der deutschen Gebirgs- und Wandervereine, treffen sich viele tausende Wanderer und Wanderinnen: In Sigmaringen die Schwaben, die Badischen und die Württembergischen Schwarzwaldvereine. In M a r b u r g die Hessischen, Waldecker und Oberhessischen Gebirgsvereine. Auf der Heidelkoppe die Glaher, mährischen und sudetendeutschen Wanderer. Auf dem Streuberg die Vogtländer. Auf dem Rohkopf die Werratalvereine. In Mannheim Odenwaldklub, Pfalz, nördlicher Schwarzwald und Schwäbische Alb. In Alzenau a. d. Kahl Spessartler, Rhön, Vogelsberger lund nördlicher Odenwald. Auf dem Oechsen bei Vacha Thüringer Wald-, Rhön- und Knüllgebirgsvereine. In Stolpen die Vereine der Sächsischen Schweiz und die Lusatia. Am Anna- turm bei Deister die Hannoveraner und die Egge» Gebirgsvereine. Auf der Augustusburg die Erz- gebirgsrereine. Im Schloßpark des Dorfes Buch die märkischen Wandervereine. In den Harburger Wäldern die norddeutschen Wanderer. Ar- tal und Eifel treffen sich auf dem Steinerbevg an der Ahr, Mosel und Hochwald und Hunsrück in Burgen an der Mosel. Die Ortsgruppen der Sauerländischen Gebirgsvereine, des Riesengebirgsverbandes, des Rennsteigvereins, die Vereine des Riesengebirges, der Saarwald und der Verein linker Riederrhein unternehmen Einzelwanderungen, um für die Schönheiten der deutschen Heimat und dessen Gröhe zu werben. Der Zweck des Reichsverbandes bei diesen Sternwanderungen ist, die Menschen aus kleinlichem Denken herauszureihen und durch die Liebe zur herrlichen Ratur zu einem Geschlecht heranzuziehen, das feste Wurzeln in dem Boden der Heimat hat. And wer mit hinauswandert, der wird auch bald Ehrfurcht vor der Herrlichkeit der Ratur — vor den Tieren des Waldes, den Pflanzen und Blumen und all den Einrichtungen der Wandervereine, wie Wegezeichen, Ruhebänken, Quellen usw. haben, sie schützen und lieben lernen. Auch diese Veranstaltungen am Himmelfahrtstage sollen der Wandersache neue Freunde gewinnen zum Ruhen jedes Einzelnen und zum Segen für Volk und Vaterland. Schon vor vielen Iahren waren es naturbegeisterte Männer, welche die deutschen Wandervereine gründeten, welche sich zur Aufgabe machten, all die Schönheiten unseres Vaterlandes zu er» schließen, ilnö so ist es auch noch heute, viele haben die Treue gehalten, eine stattliche Zahl schart sich um den Reichsverband der deutschen Gebirgs- und Wandervereine, und doch muh das deutsche Wandern noch mehr Allgemeingut des deutschen Volkes werden, besonders heute, wo unser Volk müde vom ewigen Parteigezänk, sich in überwältigender Einmütigkeit zusammengeschlossen hat. um das Reich neu aufzubauen. Deshalb heißt am Himmelfahrtstag die Losung: „M assen heraus!" Heraus aus dem dumpfen Häusermeer der Großstadt — heraus aus der Werkstatt und Fabriken — hinweg von dem Druck der Steinwüsten — hinaus in Gottes freie Ratur — hinaus in die heilende Sonne... Schlageter-Ehrung durch die Studentenschaft. Vom Hauptamt für Volksaufklärung und Werbung der Gießener Studentenschaft wird uns mitgeteilt: Die Gießener Studentenschaft wird das Andenken Albert Leo Schlageters in einer Gedenkfeier im Gießener Stadttheater mit einer Ansprache des Hauptamtsleiters für politische Erziehung Bernhard Edler von Graeve am kommenden Freitagabend, dem Tage der 10. Wiederkehr der Ermordung Schlageters durch die Franzosen in der Heide bei Düsseldorf, ehren. Anschließend wird das Schauspiel von Hanns Iohst „Schlageter" zur Aufführung kommen. Die Studenten haben zu dieser Vorstellung, wie auch zu den Wiederholungsvorstell'ingen auf allen Theaterplätzen im Vorverkauf 50 Prozent Preisermäßigung. Eine weitere Gedenkfeier zu Ehren Schlageters wird von der Studentenschaft nicht veranstaltet werden. Einweihung des Ruheplatzes der Altersvereinigung 1882/1932. Am Sonntag fand unter starker Beteiligung die Einweihung des 50er-Gedenkplayes 1 882/1 9 32 statt, der am eigentlichen Lud- wigsbrunnen hergerichtet wurde und wesentlich zur Verschönerung der Umgebung des Schisfenbergs beiträgt. Zur Herstellung der Anlage, deren Leitung Architekt L. Wehrum oblag, waren wesentliche Erdbewegungen notwendig; der bei dem früheren Zustand vorhandene Wassertümpel wurde beseitigt, der Brunnen zurückverlegt und dadurch ein großer, freier Platz geschaffen, der, mit Kies bestreut, Daum für etwa 203 Personen bietet. Der Brunnen wurde neu gefaßt; das hierzu errichtete Mauerwerk aus Ratursteinen, die in nächster Dähe des Platzes gesammelt wurden, bildet zusammen mit der angelegten Steintreppe ein malerisches Bild. Zur Verschönerung der Anlage erfolgten Anpflanzungen, wozu die Bäume und Sträucher teilweise aus dem Forstgarten zur Verfügung gestellt wurden. Außerdem wurden einige stabile Eichenholzbänke, teilweise mit Tischen, aufgestellt, von denen eine die Heimat- bereinigung Schiffenberg, eine andere Hotelbesitzer Klingler stiftete. Inmitten des Platzes ist eine Roteiche gepflanzt. Die gesamte Anlage wird durch das Grün des Waldes in harmonischer Weise umrahmt. „ e ~ Bei der Weihe des Platzes begrüßte der Vorsitzende der Altersvereinigung, K. Di er la mm. nach einem Musikvortrag „Das ist der Tag des Herrn" die Erschienenen und wies auf die Bedeutung des Tages hin. Der Vertreter der Forstbehörde, Oberforstmeister R i c o l a u s, der gleich- zeitig als Vorsitzender der Heimatvereinigung Schiffenberg sprach, gab in eindrucksvollen Worten seiner Freude über das gute Gelingen der Herrichtung der Anlage, die eine Zierde des Waldes bildet, Ausdruck. Er übergab den Platz der Vereinigung zur regen Benutzung. Architekt L. W e h r u m, der Erbauer der Anlage, entwarf zunächst ein Bild über die Entstehung der Anlage und ihre Ausgestaltung, um dann besonders aller Mitarbeiter zu gedenken. Er übergab die Anlage dem Vorsitzenden der Altersvereinigung zur Betreuung; dieser dankte der Forstbehörde für die Ueberlaffung des Platzes, dem Bauleiter für die Herrichtung und den Mitarbeitern für die tatkräftige Unterstützung bei der Herstellung der Anlage. — Hierauf sprach Kl Schäfer einen von Alterskameraden P. Schäfer verfaßten Prolog, der sowohl bezüglich des Textes, wie auch der Vortragsweise der Weihe ein besonderes Gepräge verlieh. Die Fest- und Weiherede hielt Alterskamerad Herrn. Kirchner, der zunächst auf die Aufgaben der Altersvereinigungen hinwies und u. a. ausführte, daß echter Kameradschaftsgeist sich auf die Dauer in fröhlicher Runde stärken und vertiefen könne. In richtiger Erkenntnis dieses Amstandes habe die Vereinigung diese Anlage geschaffen, dem Müden zur Ruh, dem Wanderer zur Rast. Die angepflanzte Eiche als Sinnbild der Kraft, Stärke und des gesegneten Wachstums solle spätere Generationen auf die Bestrebungen der Vereinigung Hinweisen, andererseits aber auch ein Vorbild zur Stärkung und Festigung der echten Kameradschaft fein. Es sei für die Vereinigung eine besondere Freude, daß die Schaffung dieses Platzes in die Zeit der nationalen Erhebung falle; hoffentlich werde unser schwergeprüftes deutsches Volk unter feiner jetzigen Führung bald den lange ersehnten Aufstieg erleben. Mit dem Deutschlandlied wurde der Weiheakt beschlossen. Die folgende Rachfeier hielt die Festteilnehmer noch stundenlang in bester Stimmung beisammen. Daten für Dienstag, 23. Mar 1498: Der Reformator Girolamo Saoonarola in Florenz verbrannt. — 1707: Der Naturforscher Karl d. Linus zu Rashult in Schweden geb. — 1838: Der Geograph Alfred Kirchhoff in Erfurt geb. — 1886: Der Geschichtsforscher Leopold v. Ranke in Berlin gest. — 1906: Der norwegische Dramatiker Henrik Ibsen in Kristiania gest. Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 23. Mai. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Landbutter 130, Kochbutter HO. Matte 20 bis 25 Pf. das Pfund. Käse 5 bis 10. Eier, inländische, 8 Ps. das Stück, Wirsing, grün, neuer, 20, Rote Rüben 10, Spinat 10 bis 15, Spargel 35 bis 55, Erbsen 35 bis 50. Tomaten 60. Zwiebeln 15, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln, alte, 3, neue 14 bis 18, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 40 bis 60, Obstmus 40 bis 45, Rüsse 60, Iunge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80 Pf. das Pfund, Tauben 40 bis 60, Blumenkohl 40 bis 60, Salat 10 bis 15, ©alatgurfeir 30 bis 45, Ober-Kohlrabi 15, Lauch 5, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 25 Pf. das Stück, Gelbe Rüben, neue, 18, Radieschen 8 bis 10 Pf. das Bund. Kartoffeln, alte, 2,30 Mk. per Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 20 bis gegen 23 ilfjr, „Schlageter". — Oberhessischer Kunstverein: Turmhaus am Brandplah, 15 bis 17 Ahr, Ausstellung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der Feldherrn- hügel" und „Mein Freund der Millionär". — Aus dem Stadttheater bü ro wird uns geschrieben: Heute abend 32. und letzte Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Anter der Spielleitung von Intendant Dr. Rolf P r a s ch kommt Hanns Iohsts Schauspiel „Schlageter" erstmalig zur Aufführung. Die Titelrolle spielt Iochen Hauer. Es wirken ferner mit Frau Auguste Prasch-Grevenberg. Ehrenmitglied des Meininger Landestheaters, in der Rolle der Frau Thiemann; Ludwig Cinfmann vom Reußischen Theater Gera in der Rolle des Burschen Peter. Oberspielleiter Peter F a s s o 11 als Exzellenz General T. Weiter wirken mit Beatrice Doering; folgende Herren: Dieten, ©ggemann, Förderer. Geiger, Hamel, Heyser, Hub, Kühne, Michel, Vieren, Volck, Wahlen. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 Ahr bis gegen 23 Ahr. — Die 31. Abonnementsvorstellung am Mittwoch fällt am Mittwoch, 24. Mai, wegen der Bespielung des Kurtheaters Bad-Rauheim aus und wird daher ausnahmsweise auf Samstag, 27. Mai, 19.30 Ahr verlegt, mit der letzten Aufführung der Operette: „Liselott". Es gelten für diese letzte Operettenvorstellung der Spielzeit 1932/33 ermäßigte Operettenpreise. Ende 22.30 Ahr. * **HefsenbeiderdiesjährigenVDA. - Tagung. Der hessische VDA. wird in stattlicher Abordnung mit den deutschen Brüdern und Schwestern aus Ost und West, Nord und Süd, bei der diesjährigen VDA.-Tagung in Klagenfurt zusammen- kommen. 170 Jugendliche und 40 Erwachsene werden am Donnerstag, 1. Juni, den Sonderzug besteigen, der sie nach Süden führt, großen Erlebnissen, erhebenden Stunden entgegen. Weitere 30 Erwachsene werden in einem Autobus schon 48 Stunden früher die Fahrt zur „Heerschau der Deutschen" antreten. Die Zahl der Anmeldungen wächst noch täglich. Wer noch die Möglichkeit hat, die Tage von Kärnten mitzumachen, melde sich rasche st ens bei dem hessischen Fahrtleiter, Studienrat Dr. Simon- Offenbach, Kaiserstraße 31. ** Zu der Schießerei in Trais-Horloff, über die wir schon gestern kurz berichteten, wird uns vom Polizeiamt Gießen noch mitgeteilt, daß es sich bei dem Vorfall um die tragische Zuspitzung eines schon länger bestehenden schweren Konfliktes zwischen dem verheirateten Arbeiter Ph. und dem ebenfalls verheirateten Schlosser W. handelt. PH. hatte den Verdacht, daß unerlaubte Beziehungen zwischen seiner yrau und W., der ein Verwandter der Frau ist, bestünden. Deswegen war es früher schon wiederholt zu Konflikten zwischen PH. und W. gekommen, bei denen PH. von seinem Gegner arg bedrängt wurde, so daß er sich zu seinem Schutze eine Schußwaffe besorgte. Am Sonntagabend glaubte PH., seine Frau in seinem Hause wieder in der Gesellschaft des W. zu sehen. Während er vom Holzschuppen aus die beiden auf der Treppe sitzenden Leute beobachtete, entstand ein Denkt an die „Stiftung für Opfer der Arbeit"! Einzahlungen an Reichskredilgesellschafk Berlin W 8, Behrensstraße 21/22, sowie auf deren Reichsbankgirokonto und deren Postscheckkonto Berlin 120 unter Angabe der Kontobezeichnung: „Stiftung für Opfer der Arbeit". Geräusch, durch das W. zum Nachsehen veranlaßt wurde, wobei er dann wieder mit Ph. in eine tätliche Auseinandersetzung geriet. Dabei will PI), von seinem Gegner zu Boden geschlagen worden sein und in dieser Lage zu seinem Schutze von der Schußwaffe Gebrauch gemacht haben. W. erhielt drei Schüsse in die Brust und einen leichteren Schuß in das Kinn. Er wurde dem Krankenhaus in Hungen zugeführt. Lebensgefahr soll nicht bestehen. Ph. befindet sich in Hungen in Hast. Die polizeilichen Ermittlungen sind noch im Gange. Amtsgericht Gießen. Ein früher in Gießen wohnhafter Landwirt hat von einem Viehhändler im April v. I. 7 Kühe für 3745 Mk. auf Kredit gekauft. Der Verkäufer behielt sich das Eigentumsrecht an den Kühen vor, der Käufer zahlte 1200 Mk. an. "Trotz des Eigentumsvorbehalts verkaufte dieser 2 Kühe mit erheblichen Verlusten weiter. Den Erlös sandte er gleichzeitig mit anderen Abschlagszahlungen an den Gläubiger, dessen Gesamtforderung aber bis heute noch nicht getilgt ist. Er will zu dem Weiterverkauf gezwungen, aber auch berechtigt gewesen sein, weil die beiden Kühe tuderkelverdächtig bzw. krank, aber auch mit Fehlern behaftet und im Stall nicht mehr zu halten gewesen seien, auch hätten sie von den anderen Tieren getrennt werden müssen, sie hätten täglich an Wert verloren; fraglos habe ihm beim Weiterverkauf das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit gefehlt. Der Angeklagte war fein ausgesprochener Landwirt und wenig mit landwirtschaftlichen Geschäften, namentlich Käufen, vertraut. Er behauptet, bestimmt angenommen zu haben, ein Verkäufer müsse selbstverständlich unter solchen Umständen mit dem Weiterverkauf der Tiere einverstanden fein. Diese Angaben waren nicht zu widerlegen. Sie erscheinen vielmehr auf Grund der geschilderten Verhältnisse glaubhaft. Wenn aber der Weiterverkauf in dem vermuteten Einverständnis des Verkäufers erfolgt ist, dann war die Zueignung keine rechtswidrige und keine Unterschlagung, dessen der Käufer der sieben Kühe angeklagt war. Urteil: Freisprechung. Ein Metzger in einem Nachbarort war der Ueber- tretung gesetzlicher Bestimmungen, die Schlachtvieh- und Fleischbeschau betreffend, beschuldigt, da er ein Schwein geschlachtet haben sollte, das vor und nach der Schlachtung amtlich nicht untersucht worden sei. Er wurde auch für schuldig befunden, aber nur zu einer geringen ©elbftrafe verurteilt, da es sich nur um eine mißverständliche Auslegung der einschlägigen Gesetzesstelle handelte. Seine Verteidigung, dahingehend, er habe nur eine Hausschlachtung Dorgenornmen, seine Schlachtkonzession habe er längst abgemeldet und mit dem Fleisch, das er noch auf Bestellung an seine Kunden verkaufe, werde er durch einen Gießener Metzger beliefert, nützte ihm nichts. Er hätte den Beweis dafür erbringen müssen, daß er keinen Fleischhandel und kein Ladengeschäft mehr betreibe. Dieser gelang ihm aber nicht; er war vielmehr als Fleischhändler im Sinne des Art. 2 Abs. 3 des hessischen Gesetzes, die Trichinenschau betr., anzusehen und zu bestrafen. Zudem wurden in seinem Laden noch Pökelfleisch und Wurstreste vorgefunden, die offensichtlich zum Verkauf bestimmt waren. Äriefkaften der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) E. M. in Gießen. Die Explosion der Troisdorfer Munitionsfabrik ereignete sich nach Rückfragen, die wir an unterrichteter Stelle vornahmen, im Januar 1917. Wettervoraussage. Der hohe Druck im Vörden bewirkt in fast ganz Deutschland östliche Winde, so daß trockene, kontinentale Luft zufließt und zur Fortdauer der Schönwetterlage führt. Aussichten für Mittwoch: Meist heiter, sehr warm und trocken. Aussichten für Donnerstag: Fortdauer der Schönwetterlage. Lufttemperaturen am 22. Mai: mittags 22,5 Grad Celsius, abends 15,8 Grad; am 23. Mai: morgens 12,6 Grad. Maximum 23,2 Grad, Minimum 8,2 Grad. Sonnenscheindauer lll/2 Stunden. Erdtemperaturen in zehn Zentimeter Tiefe am 22. Mai: abends 25,3 Grad, am 23. Mai: morgens 16,1 Grad Celsius. Heutige Wasserwärme der Lahn: 18 Grad Celsius. Zur Herstellung der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahnpaste werden nur die anerkannt besten Rohstoffe verarbeitet. Chlorodont, morgens und vor allem abends benutzt: fatten tieft REEMTSMA die itzt: »ng if'! ”ft Berlin ten Reidjs. Berlin 120 •Wong fit in. anbmirf hat 7 Kühe für iuftr behielt or, der Stau- ntumsDorbf blichen 8er- ichzeitig mit äubiger, dej- och nicht gegangen, l die beiden >er auch mit hr zu halten mieren lie- 1 täglich an Weiterver- leit gefehlt, r Landwirt chäflen, na- !t, bestimmt nüffe selbst- t dem Der- , Diese An- e erscheinen Verhältnisse auf in dem iifers erfolgt swidrige und er der fieben iprechung. ar der Heber- Schlachtvieh- gf, da er ein vor und nach )t worden sei. aber nur zu urteilt, da es uilegung der Seine Bertei- > .hausschlach' ffion habe er das er noch ife, werde er , näßte ihm igen müssen, Ladengeschäft idjt; er war des Art. 2 richinenfäM lern wurden a Wurfttesie auf bestimmt tion. Ölidjteit der t Troisdorf i Aücisragcn, Mah-nca. «n Die Einheit -es Erzieherstandes im AS.-Lehrerbund. Von Kreisschulrat Dr. Henß-Gießen. oeranlay n eine töt- 11 Dh. von n sein und -chußwasse Sd)ü|je in dos Rinn, rugefuhrt. mbtl sich in lungen sind wirkt in a» dal! trocken^ jortöauer der : Weist 5tag: 3®* •--'S* Mit. Weren , • Han- lubte der em 'egen war 1 wischen »" seinem S 6 H- lm eonn. ,em i)oui« >en. M . J auJ dn Iftanb tin einheitlichen großen Ziel. Ich betrachte es aber als eine große Gefahr für die Verwirklichung und Durchsetzung unserer Idee des einheitlichen Erzieher st andes, wenn die Verbände — auch unter einem anderen Namen — in irgendeiner ^orm weiter und nebenher bestehen bleiben sollten. 3d) sage sogar: Wer das heute noch wünscht und erstrebt, der zeigt damit, daß er die 3 d e e d e s N a - tionalsozialismus und des einheitlichen Erzieherstandes als einen Teil dieser 3dee ihrem We- sen nach nicht begriffen hat und dieser Weltanschauung innerlich fremd und ablehnend gegenübersteht. Es gilt heule nicht, einen Stand zu erhalten, sondern die Nation. Wer diesem Streben sich entgegenstellt, den betrachten wir als Feind unserer Bewegung, und den werden wir vernichten. Denn als Nationalsozialisten betrachten wir uns auch im NS. -Lehrerbund nicht als die Vertreter eines Standes, sondern als die Sachwalter der Nation. Darum wollen wir keine „Gemeinschaft der Philologen", auch keine „Gemeinschaft der Dolksschullehrer", keine „Gemeinschaft der Kindergärtnerinnen" und auch keine „Gemeinschaft der Schulaufsichtsbeamten", sondern wir wollen die „Gemeinschaft der Erzieher" am großen Werk der Erziehung, und wir wollen diese Gemeinschaft und nur diese Gemeinschaft, weil sie sich im Hinblick auf das Ziel als die einzig richtige erweist. Weil das Ziel der Erziehung ein ganzheitliches ist, so ist jedes Teilgebiet eingebettet in das Ganze der Erziehung und muß in seinem Verflochtensein mit allen anderen Gebieten betrachtet werden. Darum ist es ein 3rrtum und entspricht der liberalistischen Geisteshaltung, wenn der Philo- löge glaubt, die höhere Schule sei nur eine Angelegenheit der „Gemeinschaft der Philologen" (lies: des Philologenoereins), und nur er habe sich mit diesem Kulturinstitut der Nation und seinen Aufgaben zu befassen. Sdjemm sagte in Leipzig: „3ede Schule, die nicht Volksschule ist, erkennen wir nicht an, und werden die Operation ungesäumt vornehmen". Das soll doch wohl heißen, daß auch die höhere Schule Volksschule z u sein hat, damit als eine Bolksangelegenheit zu betrachten ist und somit auch als eine Angelegenheit des ganzen Erzieherstandes und des ganzen Volkes anzusprechen ist. Der NS-Lehrerbund ist keine Slandesorgani- sation und lehnt es ab, als Lrzieherverband sich mit standespolilischen Fragen zu beschäftigen. Er ist in feiner Organifationsform ausgerichtet auf das Ganze der Erziehung und wird auch in feiner Arbeit stets diesen Gesichtspunkt zur Geltung bringen. Die Arbeitsgemeinschaften, die im Rahmen des NS.- Lehrerdundes gebildet werden, sind nach diesem Ge- sichtspunkt gebildet und zusammengestellt. Sie sollen die Grundgedanken nationalsozialistischer Weltanschauung auch in der Erziehung zum Durchbruch bringen und sollen die Möglichkeiten der Verankerung dieser 3deen im Erziehungssystem klären und fördern. Ein Grundgedanke nationalsozialistischer Weltanschauung und alles völkischen Lebens ist der Heimatgedanke in seiner räumlichen und seelischen Bedeutung. Eine „Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde und Heimatforschung" soll die Möglichkeiten der Auswirkung dieses Gedanken für jede Art von Schule und für jedes Unterrichtsfach bearbeiten. 3n dieser Arbeitsgemeinschaft sitzt der Universitötspro- feffor neben dem Volksschullehrer und dem Studienrat, verbunden durch das gemeinsame 3ntereffe a n einem Arbeitsgebiet, das im Dienste der gesamten Volkserziehung steht. Das ist keine Atomisierung, sondern eine Bereiche- rung, das ist Synthese, gegenseitige Befruchtung. Nicht der Stand darf die Menschen zusammen- bringen, sondern eine gemeinsame Sache, die auf ein übergeordnetes Ziel, Volk oder Gott, ganzheitlich ausgerichtet ist. Oder ist nicht in einer „Arbeitsgemeinschaft für Landschulfragen" neben dem Volksschullehrer auch der Pfarrer, oder die Kindergärtnerin zur Mitarbeit berufen? Und wenn es sich in einer Arbeitsgemein, schäft für Fragen des höheren Schulwesens" um die Fragen der Begabung, von Vererbung und Anlagen, der Auslese, von den Beziehungen der Volksschule zur höheren Schule, von Vorbildung und Beruf, der Berechtigungsfrage, der Lehrerbildung, von Schul- und Hochschulreform u. a. m. handelt, sollte das den Volksschullehrer, den Berufsschullehrer, den Hochschullehrer gar nichts angehen, sondern nur den Philologen? Die Unfruchtbarkeit in der Arbeit der bisherigen Standesorganisationen für die Entwicklung der Erziehungsidee und des Erziehungssystems im volklichen Sinne liegt gerade darin, daß solche Fragen, wenn sie überhaupt behandelt wurden, stets nur vorn einseitigen st andespolitischen Gesichtspunkt aus betrachtet und vorgetragen rour- den, nicht das 3ntereffe der Nation im Vordergründe stand. Und sollte schließlich in einer „2Irbeitsgemem- schäft für deutsches Christentum" im Rahmen des NS.-Lehrerbundes nicht neben dem Pfarrer jede Gruppe von Erziehern und Lehrern vertreten sein? Die Arbeit in solchen Arbeitsgemeinschaften wird viel erfolgreicher sein als das bisherige Nebeneinander und Gegeneinander in den einzelnen Standesorganisationen. Arbeitsgemeinschaften sind darum stets nach umfassenden und übergeordneten Gesichtspunkten zu bilden, niemals darf darin ein gewisses Spezialistentum als Selbstzweck sich herausbilden. Darum lehne ich es auch im Rahmen des NS.- Lehrerbundes ab, eine „Gemeinschaft der Philo- logen" oder eine „Gemeinschaft der Volksschullehrer" zu bilden, weil das doch wieder verkappte Standesorganisationen wären, weil das keine übergeordneten, nach unserer 3dee ausgerichteten Sachgebiete sind, darum keinen Sinn haben. Nur wer die 3dee des Nationalsozialismus noch nicht begriffen hat, der kann heute noch solche Forderungen erheben. Wir haben im NS.-Lehrerbund die Arbeit im vorgezeichneten Sinne ausgenommen, wer mitarbeiten will in diesem Sinne, ist uns Herz- l i ch willkommen, wer abwartet und abseits steht, wer noch hofft auf seine Standesorganisation, dem geht die „Gemeinschaft eines Standes" über die Gemeinschaft der Erzieher, der stellt sich außerhalb der großen Erziehergemeinschaft und damit abseits von dem großen in Leipzig proklamierten einheitlichen Erziehergedanken. Mit dem lag von Leipzig, dem „Potsdam der Erziehung", ist eine alte Sehnsucht der Lehrerschaft zur Tat geworden, die im politischen Geschehen der letzten Zeit ihre Parallele in der Reichsreform findet. Und so wie hier ein für allemal der S p u k d e r Maingrenze verschwunden fein dürfte, so werden und müßen auch in der Erziehung alle Grenzen, die durch die Standesunlerschiede auf» gerichtet waren, verschwinden und sich alle Er- Zieher zusammenfinden zu der gemeinsamen Arbeit, Die unter der großen Parole „Volk und Gott" steht. Wenn es um dieses hohe 3deal geht, dann ist es gleichgültig, welche Art von Schule der Lehrer Zu betreuen hat, es ist auch gleichgültig für diese Erzieherorganisation, welchen Bildungsgang ein Lehrer durchgemacht hat, denn es ist ja nicht das StandeÄnteresfe, das zufamnlenführt, sondern das große auf Volk und Gott ausgerichtete Ziel der Erziehung. Das Ziel der Erziehung ist ein ganzheitliches, und darum muß auch das Derk der Erziehung ganzheitlich in Angriff genommen werden. Das bedingt wiederum, daß auch die Drganifa- tion der Erzieher, als die Zusammenfassung der Arbeiter am Werk der Erziehung, ganzheitlich ausgerichtet fein muß, d. h. daß im großen 916.- Lehrerbund als der einheitlichen Organisation des Erzieherstandes alle Arten von Erziehern, von der Kindergärtnerin und Hortnerin bis zum Unioer- fitätsorofessor, sich zusammenfinden müssen zu gemeinsamer Arbeit. Das ist heute in gewissem Umfang schon der Fall. Nachdem bereits in Leipzig viele Bezirks-, Kreis» und Landesoereine, große Teile der Philologenverbände und viele andere Lehrerorganisationen ihre Einordnung in die große einheitliche deutsche Erziehergemeinschaft zum Ausdruck gebracht hatten, ist Der NS. - Lehrerbund inzwischen durch ein ge- wattiges Anschwellen der Mitgliederzahl zu einer machtvollen Organisation geworden. Ganze Verbände haben sich aufgelöst, und ihre Mitglieder sind in den NS.-Lehrerbund eingetreten. Bei vielen Verbänden bandelt es sich heute nur noch um die rein formale Ueberfüfjrung nach den vereins- gejetzlichen Bestimmungen. Es entspricht aber andererseits auch durchaus der Geisteshaltung, gewisser Verbände und ihrer bisherigen Führer, und es ist interessant, Das heute zu beobachten, wenn man da mit aller Macht danach strebt, doch in irgend einer Form Die alte „wertvolle" (Gehaltszulagen, Kinder- Zuschlag, Beförderungsfragen!) Standesorganisation zu erhalten. Man sucht nach neuen Namen, da das alte Wort „Verein" nicht mehr so recht in die neue Zeit paßt, und redet von „Gemeinschaft" Interessengemeinschaft!). Man sucht nach Aeußerungen führender Männer, die den Gedanken einer Erhaltung der Standesorganisation in irgend einer Form doch noch zulassen könnten und freut sich, wenn die organisatorische Einigung hier und da doch nicht so rasch verwirklicht wird und aus Schwierigkeiten stößt. Man verschweigt entgegengesetzte Aeußerungen führender Männer und verurteilt Diejenigen, die die Notwendigkeiten erkannt haben und sie klipp und klar aussprechen. Die Geisteshaltung solcher Verbände und Führer erinnert uns an die Geisteshaltung Derjenigen, Die noch vor dem 5. März zwar auch von „Volksgemeinschaft" redeten, dem sichtbaren Werden der Volksgemeinschaft in der großen nationalen Freiheitsbewegung aber innerlich ablehnend und fremd gegenüberstanden. Dir betrachten es nicht als eine Gefahr, wenn die alten Standesorganisationen zerschlagen werden, sondern als eine Befreiung des Lczieher- flandes von den liberalistischen Fesseln der Vergangenheit und als die Erfüllung einer allen Erziehersehnsucht der Besten des Erzieherstandes. Man vergleich« den „Ausruf an Deutschlands Lehrer" aus dem Jahre 1848 zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Lchrervercins, in dem es heißt: „Das deutsche Volk ist erwacht. Neues, frisches Leben pulst in seinen Adern. Don dem russischen Winde der Memel bis zu den französischen Wellenschlägen der Mosel vernehmen wir den Auf nach einem einigen Deutschland. Was Jahrhunderte vergeblich ersehnt worden ist, das soll jetzt ins Leben treten. Die Pauls- kirch« in Frankfurt will das Gebäude der deutschen Einheit und Freiheit gründen. Aber was würde der herrlichste Dau nützen, wenn nicht der rechte Geist in ihm lebte. Diesen rechten Geist im Volke zu wecken, wo er schläft, wo er in falsch« Dahnen sich verirrt, das ist die Aufgabe der deutschen Dolkserziehung, die größtenteils in den Händen der deutschen Lehrer liegt. Diese aber vermögen ihre Ausgabe, wie sie die Gegenwart hinstellt, nur dann entsprechend zu lösen, wenn sie sich für diesen großen Zweck vereinigen.... Jede Art von Schulen schloß sich mit ihren Lehrern von allen anderen Arten geflissentlich ab. Fremd oder hochmütig sahen sich die Arbeiter gegenseitig an, weil sie an verschiedenen Stockwerken der Dolkserziehung arbeiteten. Die Männer, welche hoch oben die Kuppel wölbten, mochten das Werk derer, welche tief unten den Grund legten, nicht anerkennen, und die, welch« aus dem mittleren Stockwerke heraussahen, fühlten zwar, daß es noch ein Stockwerk über ihnen gab, aber sie dankten doch Gott, daß sie über diejenigen hinwegsehen konnten, welche unter ihnen tagewerkten. So darf es, so kann es nicht bleiben, wenn der Ruf nach einem einigen, starken deutschen Dolke eine Wahrheit werden foIL Jener alte Geist muß zuerst aus dem Lehrkörper hinausgetrieben werden, und ein neuer Geist muß in ihn einziehen, daß er dann zur Feier eines steten Pfingstfestes auf das deutsche Dolk ausströme.... Deutsch« Lehrer und ÄugenDerzieher! An euch alle, die ihr an der Bildung der deutschen Äugend arbeitet: ob ihr Dem Kindlein in der Dewahranstalt die ersten Leute feiner Muttersprache lehrt, oder ob ihr mit eurem gereiften Zöglinge Den Homer und Cicero lest, ob ihr Dem Knaben Das Abc aufschließt, ober ob ihr Den Äüngling in Die heiligen Hallen Der Wissenschaft einführt, ob Gelehrte ober Derufsmänner bilDct, ob ihr römisch- ober Deutsch-katholisch euch nennt, wir treiben e i n Werk. Laßt es uns in Einheit treiben, Damit es geDeihe! Laßt uns zusammen- treten zu Dem Allgemeinen Deutschen Lehrerverein." Eine Atomisierung tritt Dadurch nicht ein, Atomisierung war Das Wesen unD Kennzeichen der bisherigen liberal Demokratischen Verbände, sondern ein Aufbau in einem einheitlichen großen Rahmen, auf einer neuen Grundlage und unter einem Den Stoff fürs neue Sommerkleid von iF WMerthw i MÄZ Herrlich ist's draußen! Versicherungen — □ Prospekte und Auskünfte bereitwilligste Mitarbeiter überall gesucht 441 V Zu haben in den einschlägigen Geschäften, im men Sie deshalb zu 3469 A OPhtMnterhoff Kreuzplatz 9 mieten. 03180 2950 A SÜSSIGKEITEN! Milch-Schokoladefiguren loogTfi. 20 Fußleidenden 3454 A gegen Barzahlung: 3459D Tortenböden Rolle ä 6 Stück 27 FÜR ÖEN AUSFLUG! 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Paraguay hat, indem es Bolivien offen den Krieg erklärte, an den Tatsachen nichts geändert, schon seit langem stehen sich die Armeen der beiden Staaten im Chaco feindlich gegenüber, Schlachten werden ge- scylagen, Tausende von Toten bedecken den Hr- waldboden, und sowohl in Asuncion, als auch in La Paz werden tagtägliche Kriegsberichte veröffentlicht und Siegesfeiern veranstaltet, und doch hat die offizielle Kriegserklärung, der der Präsident von Paraguay Dr. Ayala unter dem Jubel dec Bevölkerung gegen Bolivien schleuderte, sowohl auf dem amerikanischen Kontinent, als auch in Europa Aufsehen und in den Kreisen der Diplomatie Verwirrung erregt. Der Völkerbund ist in Hebereinstimmung mit seinen Satzungen zum Einschreiten verpflichtet, und die Gefahr liegt nahe, daß er ebenso wie im japanisch-chinesischen Konflikt, der nicht den amtlichen Stempel eines Krieges trägt, versagen und wieder einmal seine Ohnmacht offenbar werden lassen wird. In einer zu diesem Zweck einberufenen außerordentlichen Sitzung des Völkerbundsrates wurden Telegramme an Bolivien und an Paraguay mit der Aufforderung, die Feindseligkeiten einzustellen, gerichtet. Wenn die Depesche, wie angenommen wird, wirkungslos bleibt, so ist der Völkerbund verpflichtet, den Artikel 16 des Paktes in Anwendung zu bringen, der die Anwendung der wirtschaftlichen und finanziellen D l o ck a d e und den Abbruch aller Beziehungen mit einem Staate verlangt, der den Krieg begonnen hat. Wie aber könnte der Völkerbund im Herzen Südamerikas seine Autorität zur Geltung bringen? Man weiß in Genf, daß die Voten und Depeschen, die nach Asuncion und La Paz gesandt werden, nur ein geringes moralisches Gewicht und im übrigen nicht viel mehr Wert, als das Papier, auf dem sie geschrieben sind, besitzen. Argentinien, das durch seine Grenze mit Paraguay und durch die Beherrschung des La Plata-Stromes, am ehesten aus Paraguay einen Druck ausüben könnte, ist nicht Mitglied des Völkerbundes, und die anderen südamerikanischen Vepubliken sind gleichsalls wenig geneigt, sich vom fernen Genf ihre Lebensinteressen berührende Vorschriften machen zu lassen. Auch in Washington würde man eine europäische Einmischung in amerikanische Strei- tiakeiten voraussichtlich ab lehn en. Auf der Monroe-Doktrin fußend, maßen sich die Vereinigten Staaten eine Art von Protektorat über die lateinamerikanischen Staaten an und haben diese Anschauung gegen den Protest der Eüdamerikaner auf den panamerikanischen Kongressen recht unverhüllt zur Sprache gebracht. Im Staatsdepartement von Washington erklärte der paraguayische Gesandte, Bordenave, daß Paraguay eine Veu- tralitätscrklärung Argentiniens und Chiles erwarte, und daß von einer Blockade keine Rede sein könne. Der Paranastrom werde auch in Kriegszeiten, wie die Verträge es vorsehen, für die Hfcrstaaten nicht gesperrt werden können, zumal da die brasilianischen Anwohner von der Lebensmittelzufuhr nicht abgeschnitten wer- Äwöii Lin vaterländischerRoman vonHansVietzke Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau. 5. Fortsetzung Nachdruck verboten! Lasgsam tastet der zu Boden gesenkte Blick der Französin suchend in das Antlitz der deutschen Frau. Sie ahnte den schneidenden Haß, der sie erwartete, als sie ihre Heimat verließ. Aber jetzt erst weiß sie ganz, daß einst von Preußen das Schwert eines furchtbar rächenden Schicksals wird in das Herz ihres Vaterlandes gestoßen werden, das Europa, von preußischem Denken entflammt, Frankreichs Macht zersprengen wird. Ihre Seele bangt um das Geschick ihres Bater- landes. Ihr Herz zittert bei dem Gedanken, daß Rens wieder von ihrer Seite gerissen wird in die blutige Bahn der kommenden Entscheidung, in den Donner der Kanonen, die Europas Schicksal diktieren. Alles Trennende fällt, als sie unter dem Zwang des Augenblickes rückhaltlos ihr Innerstes preisgibt. „Baronesse — wer leidet furchtbarer unter dem unabwendbaren Schicksal dieser grausamen Zeit, als wir Frauen? Jahre habe ich hingegeben, die reinstes Glück hätten bedeuten können, wenn dieser Krieg nicht wäre! Jahre des Wartens, des Bangens, Jahre enttäuschter Hoffnung! Als einen Krüppel finde ich den Mann wieder, dem meine ganze Liebe gilt. Aus meiner Heimat bin ich, ihn wiederzusehen, in ein Land geeilt, das^uns haßt! Und hier muß ich warten — an seiner Seite auf die Stunde warten — die ihn in Krieg und Tod zurückruft." Jeanette läßt ihren Tränen freien Lauf. Sie muh sprechen, muß ihr ganzes Herz offenbaren. Maria hat sich erhoben. Mit leisen Schritten geht sie auf die weinende Frau zu, deren Schicksal auch das ihre ist. „Madame — auch ich bange stündlich um einen Menschen, der mir das Kostbarste bedeutet, das es für eine Frau auf Erden geben kann." Die Blicke der beiden treffen sich, sie ruhen fest ineinander. „Es ist Ihr Retter — Madame .. ." Ein weher Zug steht in Marias Gesicht. Jeanette aber richtet sich auf an den zarten Worten, die ihr Trost sind. Das Gefühl des verfolgenden Halses, der bedrückenden Einsamkeit, weicht erwachender Hoffnung. Maria deutet hinüber zu dem Bild ihres gefallenen Bruders. „Wir wissen um die Grausamkeit des Todes! Ich kenne die Tage furchbaren Bangens, die quälende Ungewißheit, bis ein unabwendbares Geschick das Entsetzliche zur Wahrheit voll Leid und Trä- Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Dienstag, 2?. Mai (933 den könnten, andererseits nehme Paraguay an, daß Argentinien nach der Veutralitätserklärung keine Waffen» und Munitionstransporte auf der Bahnlinie Buenos Aires—La Paz mehr zulassen werde. Auf die Einwendung des Staatssekretärs White, daß Paraguay den Vertrag von Paris unterschrieben und sich verpflichtet habe, eine Vermittlung im Streite zuzulassen, erwiderte der Gesandte, daß Paraguay auch nach der Kriegserklärung eine Vermittlung anderer Mächte begrüßen würde, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß man sein Vaterland nicht zwingen wolle, auf die ihm durch den Vertrag Ruth ford-Hayes zugesprochenen Gebiete (d. h. auf den strittigen Teil des nördlichen Chaco) zu verzichten. Paraguay würde es vorziehen. als Staat von der Landkarte zu verschwinden, denn einem ungerechten Frieden zuzustimmen. Ebensowenig wie Paraguay ist Bolivien geneigt. seinG Ansprüche auf den nördlichen Chaco aufzugebcn, es stützt sich dabei auf vergilbte Dokumente aus der Zeit der spanischen Dize- könige. deren juristischer Wert nach dem vor etwa 60 Iahren abgeschlossenen Vertrag Rutherford Hayes angezweifelt werden kann. Bolivien hat mit Chile Sonderverträge über die unbehinderte Benutzung der Häfen von Antofagasta und Arica abgeschlossen, sowie über den „unter allen Umständen" freien Transitverkehr, die diese Häfen durch die Eisenbahnlinie nach La Paz verbinden. Bolivien hat ferner von den Vereinigten Staaten eine Anleihe für Waffenankäufe erhalten. und sehr bedeutende nordamerikanische Waffen- und Munitionstransporte sind kürzlich in Arica gelöscht worden. Ferner hat Bolivien die gemeinsame Grenze mit Peru am Titicacasee, über den Dampfer verkehren. Dort läßt sich eine Kontrolle der Waffenzusuhr schwerlich durchführen. Das panamerikanische Komitee in Washington hat bisher vergeblich im Chaco- konflikt vermittelt, auch die Vermittlungsaktion Argentiniens und Chiles, die nach der Zu- sammenkunft des argentinischen Außenministers Saavedra-Lamas und des chilenischen Außenministers Cruchoga in Mendoza aktive Formen angenommen hatte, blieb erfolglos, so ist denn kaum anzunehmen, daß der Völkerbund in Gens einen Stillstand der Feindseligkeiten erzwingen wird. Die Kriegserklärung hat, wie Telegramme berichten, allgemein kriegerische Begeisterung hervorgerufen: die Präsidenten Ayala (Paraguay) und Salamanca (Bolivien) haben vom Balkon des Regierungspalastes Ansprachen an das Volk gehalten und ausgefordert, den letzten Blutstropfen für den Ruhm und die Ehre des Vaterlandes und der gerechten Sache zu opfern. Die Entschlossenheit, bis zum äußersten zu kämpfen, spiegelt sich in allen Regierungsmaßnahmen wider. Wenn man bedenkt, mit welcher bewunderungswürdiger Tapferkeit sich das kleine Paraguay in den sechziger Iahren des vorigen Jahr- Hunderts unter seinem Diktator Lopez gegen die Hebermacht Brasiliens, Argentiniens und Aruguay wehrte, bis fast keine Männer mehr im Lande blieben, so ist zu befürchten, daß auch jetzt der Chacokrieg noch unabsehbare Blutsopfer fordern wird. Linier dem Oanebrog. Oer Stachel Nordschleswig. — 3n britischen Fangarmen. — Britische Hoffnungen. Oer Grönland-Frieden. Don unserem E. Vachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Kopenhagen, im Mai. Als Zaungäste oder höchstens stille Teilhaber des großen Weltgeschehens haben sich die Dänen durch Jahrzehnte von jeder außenpolitischen Aktivität ferngehalten, und nur der dänische Hof war, infolge seiner verwandtschaftlichen Beziehungen, während dieser Zeit nicht ohne Einfluß auf die europäische Entwicklung. Hm die Jahrhundertwende und bis zum Weltkrieg gab es hier oben so gut wie gar keine Erschütterungen und selbst die „Schleswig-Frage" wurde mehr oder weniger abwartend behandelt, d. h. den dänischgesinnten Vordschleswigern überlassen. Vach dem deutschen Zusammenbruch tauchte das Problem jedoch plötzlich als Aahziel wieder auf und verdichtete sich zu jener — Deutschland gegenüber nichts weniger als loyalen — Aktion des Außenministers Scavenius bei der Entente. Mit diesem halb freiwilligen und halb erzwungenen Schritt trat die damalige Kopenhagener Regierung aus ihrer Reserve heraus und schuf eine Lage, die ihren Vachfolgerinnen bis auf den heutigen Tag viel zu schaffen macht. Es gibt gute Dänen, die den 28. Vovember 1918, vom Standpunkt allen „Hnheils" betrachten. Selbstverständlich werden solche Empfindungen nicht öffentlich geäußert, doch erinnert man sich auch hier manchmal der Tatsache, daß Dänemark damals jede direkte Verhandlung mit Deutschland ganz einfach verboten wurde. Die schleswiger Grenzfrage erhielt ihre eigenen Artikel im Versailler Machtspruch. v. ^.-Berichterstatter. Zunächst glaubten die Dänen das unverhofft große Geschenk aus den Händen der „Sieger" dankbar annehmen und die eigenen Hände in Hnschuld waschen zu können. Gewissen, professionellen Deutschenfeinden, wie etwa dem Hetzer Franz von Jessen, war das Geschenk sogar noch nicht groß genug, da sie auch das kerndeutsche Flensburg und womöglich ganz Schleswig schlucken wollten. Heute „will es allerdings niemand gewesen sein" und man wäre vielleicht froh, sich mit dem Versailler Diktat nicht gar so eng verbunden zu haben. Ein Diktat ist kein Dauerzustand und auch zwischen Deutschland und Dänemark kgnn nur direkte freundschaftliche Verständigung die Reibungen beseitigen. Zunächst verschanzt man sich allerdings hinter der Versailler „Entscheidung" und macht sowohl die „Heiligkeit der Verträge" wie das Selbstbestimmungsrecht der Völker geltend. Ebenso hält man an der Behauptung fest, daß Vordschleswig nicht durch einen Gewaltakt in einer Zeit deutscher Wehrlosigkeit, sondern durch den Willen der Bevölkerung an Dänemark gefallen sei. Gerade in diesen Tagen widmet die Kopenhagener Presse der Grenzfrage und den nordschleswiger Kundgebungen spaltenlange Artikel. Was man jedoch stets verschwieg, ist die Tatsache, daß die en bloc-Abstimmung in Vordschleswig — unter dem „Schuh" englisch- französischer Bajonette — dem Begriff der Selbstbestimmung in keiner Weise gerecht wurde. Kein dänisches Blatt scheint sich des Hm- standes zu erinnern, daß in dieser ersten Zone nen werden läßt. Maria ergreift in tiefem Ernst die Hand Jeannettes. „Wir wollen versuchen, daß sich unsere Herzen über Haß und Not zueinander finden. Schmerzen erdulden, Not lindern, Leid tragen helfen, ist Frauenamt — in kampfumtobter Zeit." Ein warmer Sonnenstrahl steht im Zimmer, umhaucht zärtlich die schlanken Gestalten der Frauen. Symbol der Liebe ... Zur gleichen Zeit sitzt im Arbeitszimmer des Hauptmanns Lefevre der französische Zivilkommissar Nambeaux. Der schwere, gotische Schreibtisch zwischen den beiden Männern ist mit Akten und Papieren bedeckt, die der Beamte aus Glogau mitgebracht hat. Nambeaux spricht mit kalter, leidenschaftsloser Stimme. In den langen Jahren, in denen er im Dienst der geheimen französischen Polizei steht, hat er gelernt, mit tückischer Sachlichkeit Dinge zu sagen, die andern Leben und Eigentum kosten. „Herr Hauptmann, das Oberkommando in Glogau hat mich beauftragt. Ihnen mitzuteilen, daß die Ergebnisse der Requisitionen in Ihrem Machtbereich bisher als gänzlich unzulänglich betrachtet werden müssen." Nambeaux sieht scheinbar gelangweilt auf seine spitzen, dürren Finger, während er mit halber Stimme zu Lefevre roeiterfpridjt: „Die Kommandantur will zunächst von unliebsamen Weiterungen, in Ihrem Interesse, Herr Hauptmann" — hier verstärkt sich die Stimme — „absehen, jedoch dürfte die Frist zur Erlangung der erforderlichen Mindestgrenze sich nicht länger als über einen Zeitraum von weiteren zwei Wochen erstrecken." Der Kommissar macht eine Pause, die den Hauptmann zwingt, zu anworten: „Ich habe dem Oberkommando wiederholt geschrieben, Monsieur Nambeaux, daß der Kreis Löbau auf das äußerste erschöpft ist und ich ohnehin täglich den offenen Aufruhr der Bevölkerung erwarte." Nambeaux' Augen werden klein und tückisch. Seine' Stimme aber bleibt, trotz aller Gereiztheit, näselnd sanft. „Dann bauchen Sie Gewalt, Herr Hauptmann! Das dürfte, mit Erlaubnis", er macht eine ironische, leichte Verbeugung gegen Lefevre, „die einfachste Sache der Welt sein. Wir sind im Krieg — Sentiments find hier überflüssig!" Lefevre sieht den Kommissar an, so wie man einen Gegner mißt, dessen Kräfte noch Geheimnis sind. Der Offizier weiß: Die Beamten der Armeepolizei haben schon manchen Kameraden um Ehre und Stellung gebracht. Sie sind bei Freund und Feind die bestgehaßten Menschen. Hauptmann Lefevre erhebt sich. „Ich werde mein Möglichstes tun, Herr Kommissar! Aber ich lehne jede Verantwortung für kommende Dinge strikte ab." Die schmale, zähe Gestalt Nambeaux' schnellt vom Sessel auf und steht unbeweglich gegen das tiefe Dunkel der holzgetäfelten Wand. „Die Verantwortung, Herr Hauptmann, tragen wir! Von Ihnen ist uns nichts weiter erwünscht, als tätige Mitarbeit im Sinne unserer obersten Behörde." Ein greller Sonnenstrahl zuckt durch die trüben Butzenscheiben der alten Fenster und läßt für einen Augenblick das abgezehrte, gelbe Gesicht des Kom» missars gespenstisch aufleuchten. „Seien Sie versichert, daß wir uns über die Schwierigkeit Ihrer Aufgabe in vollem Umfange im klaren sind. Aber, wenn ich aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung auf diesem speziellen Posten sprechen darf, so ist es immer von neuem erstaunlich, was der eiserne Wille und Spürsinn eines tätigen Beamten für reiche Schätze zu Nutz und Frommen seines Vaterlandes, aus einem scheinbar noch so ausgemergelten Volke zu holen in der Lage ist " ' . Nambeaux langt seine Akten vom Tisch und wendet sich zum Gehen. „Tätigsein, Herr Hauptmann, das ist die ganze Kunst! Die Gewalt ist das Zauberwort, das auch das verschlossenste Sesam zu öffnen vermag." Er reicht Lefevre lässig die kalte Hand, mit dem sichtlichen Bemühen eines verbindlichen Lächelns. „Ich werde jedenfalls, um uns unliebsame Weiterungen zu ersparen, Herr Hauptmann, dem Oberkommando von dem Versprechen Ihres künftigen, energischen Durchgreifens Meldung machen. Ich hoffe, damit ganz in Ihrem Sinne zu handeln." Ohne Antwort und Gruß abzuwarten, verläßt der Kommissar das Arbeitszimmer. • Als eine Stunde später Baron von Löbau und Hauptmann Döllnitz nach scharfem Ritt, der sie auf Umwegen, um Spuren zu verlöschen, aus dem Forsthaus im Eulengrund nach Löbau zurückbringt, auf dem Schloßhof eintreffen, bittet die Ordonnanz Lefevres den „Herrn Bankier Möbius" zu einer kurzen Unterredung in das Arbeitszimmer des französischen Hauptmanns. Kurz nach dem Weggänge des Kommissars Ram- beaux, hat Lefevre eine für ihn gerade in diesem Augenblick äußerst peinliche Entdeckung machen müssen. Als er sich an die Durchsicht amtlicher Akten setzte, die der Kommissar aus Glogau mitgebracht hat, fand er unter anderen auch den Steckbrief des preußischen Hauptmanns und geheimen Kuriers des Freiherrn vom Stein, Joachim Döllnitz, bei dessen Studium er feststellen mußte, daß der Kurier kein anderer ist, als der Lebensretter seiner Frau, der vermeintliche Bankier Möbius, den ihm Jeannette heute morgen stolz vorn Fenster ihres Boudoirs aus zeigte, als Döllnitz mit dem Baron nach dem Eulengrund ritt nicht weniger als 41 Gemeinden zum Teil sehr beträchtliche deutsche Mehrheiten aufweisen, unb daß z B. Tondern zwangsmäßig zu Dänemark geschlagen wurde, obgleich 76 Prozent aller Stimmzettel f ü r Deutschland in die Hrnen fielen. Ebenso spricht man nur widerwillig von der schweren wirtschaftlichen Vot - I a g e Vordschleswigs. die in erster Linie auf die Zerreißung Schleswigs und nur zu geringem Teil auf die allgemeine Krise zurückzusühren ist. Ihres historischen Hinterlandes und natürlichen Absatzgebietes beraubt, kann die Wirtschaft sich nicht erholen, wodurch die nordschleswiger Frage zu einem Problem der Selbsterhaltung wird. ES braucht hier kaum wiederholt zu werden, daß die deutsche Vation dem dänischen Vachbarn gegenüber gar nicht an Gewalt denkt und sich nichts besseres wünscht, als friedliche Verständigung und gute Beziehungen. Jedoch nur die Trennung von Versailles und ein gütliches Hebereinkommen zwischen den beiden blutsverwandten nordischen Völkern kann die von „dritter Hand" geschlagene Wunde heilen und das Vertrauen wieder ganz Herstellen. Die brennende Frage nach einem Absatzmarkt f ü r i h r e l a n d w i r t s ch a f t l i ch e n Erzeugnisse hat die Dänen geradezu HalS über Kopf England in die Arme getrieben. Die zunächst freundschaftliche Hmarmung droht allerdings auf die Dauer schmerzhaft zu werden und es fehlt hier nicht an warnenden Stimmen. Einsichtige Geschäftskreise erklären, mit einer gewissen Bitterkeit, daß Dänemark seine Valuta an daS Jnselceich „verschachert" habe und von der britischen Handelspolitik gründlich ausgenutzt werde. Auch das letzte, noch nicht veröfsentlichte Handelsabkommen enthalte schwere Bedingungen in bezug auf die dänische Abnahmepflicht an Kohle, Stahl, Eisen ufto. Bei schärferer Beobachtung gewinnt man den Eindruck, daß die Engländer mit großer Zielsicherheit darauf ausgehen, Dänemark wirtschaftlich dem Imperium anzugliedern. Die scherzhaft gebrauchte Wendung von der „neuesten britischen Kolonie" ist nicht ganz ohne Beigeschmack. Auch die Erteilung des großen Brückenbau-Auftrages (Falster—Seeland» an die englische Firma Dorman, Cong & Co. ärgert diejenigen dänischen Hnternehmungen, die dabei übergangen wurden. Im April ist nun der zwischen Dänemark und Vorwegen bestehende Grönland-Konflikt beigelegt worden. Vach dem Prestigeerfolg im Haag zeigte sich hier eine unerwartet starke nationale Begeisterungsfähigkeit, die besonders die dänische Jugend ergriff. Obgleich Grönland in jedem Sinne eine „kalte Angelegenheit" ist, hatte der Streit die Gemüter doch stark erhitzt und damit eine fast übertriebene außenpolitische Bedeutung gewonnen. Man warf den Vorwegern vor, an Der grönländischen Küste mit Gift und anderen Mitteln „Raubfang" zu treiben und die dänischen Interessen dadurch empfindlich zu schädigen. Vach dem Haager HrteUsspruch hat es keinen Sinn mehr, sich mit der Rechtsfrage zu befassen. Sie ist praktisch entschieden und von beiden Staaten anerkannt worden. Der Danebrog flattert wieder über den beiden Küstengebieten und anstatt der fünf norwegischen Beamten sind dänische in die geräumten Hütten eingezogen. Die norwegischen Funkstationen werden abgebaut und durch dänische erseht. Der Hebergang aus einer Souveränität in die andere hat sich also an Ort und Stelle leichi und schmerzlos vollzogen, und es fragt sich, ob die Eingeborenen jenes nordischen Eislandes viel von der „Hmwälzung" gemerkt haben. Unablässig hat er In der letzten Stunde die Frage erwogen: Soll er seiner Frau sagen, wem sie ihr Leben zu verdanken hat? Jeannette machte zu dieser Zeit gerade ihren Besuch bei der Baronesse, um ihren Lebensretter von seinen Freunden für das ihm zu Ehren zu veranstaltende Diner frei zu bekommen. Lefevre hat sich zu dem Entschluß durchgerungen, das Geheimnis dieser verhängnisvollen Wahrheit für sich zu behalten und den preußischen Haupt- mann zu sich zu rufen, um die Sache unter vier Augen abzumachen. Ahnungslos folgt Döllnitz der Ordonnanz. „Ich habe Sie zu mir bitten lassen, Monsieur," beginnt Lefevre in merkwürdig kühlem Ton, der Döllnitz aufhorchen läßt, „um eine Angelegenheit zu regeln, bei der ich hoffe, in Ihnen einen Mann von Ehre zu finden, der zu schweigen weiß!" „Herr Hauptmann — ich bürge mit meiner Ehre, soweit es sich um Dinge handelt .. Lefevre schneidet ihm das Wort ab: „Kommen wir zur Sache — Hauptmann Döllnitz ..." Döllnitz springt auf und unterbricht den Gegner schroff: „Sie irren — mein Herr! Mein Name ist Möbius — ich bitte sich zu bedienen. Er wirft feinen Paß vor die Hände des französischen Offiziers. Lefevre macht eine nervöse Geste. „Lassen wir doch das Bersteckspiel, Herr Hauptmann--der Paß ist falsch!" Er langt nach dem Steckbrief, den er Döllnitz hinüberreicht. „Die französische Geheimpolizei irrt sich nicht!" Der preußische Kurier lieft seine Personalbeschreibung, die in allen Teiley auf das genaueste stimmt. Tausend Pistolen sind auf feinen Kopf gesetzt —• tot oder lebendig. Mechanisch fährt feine Hand nach der Waffe im Gürtel. „Bleiben wir sachlich, Herr Hauptmann", sagt Lefevre mit abgewandtem Blick. „Ich stehe in Ihrer Schuld: Sie haben das Leben meiner Frau gerettet — jetzt schenke ich Ihnen das Ihrige! Unsere Rechnung ist glatt." Mannhaft sucht Lefevres Blick den seines Gegners. „Ich weiß, ich handle gegen meine Pflicht als Offizier meiner Armee, deshalb nahm ich Ihr Wort, als das eines Mannes von Ehre!" Die Stimme des Franzosen wird hart und schnei- dend: „Ihre Zeit ist kurz bemessen, Herr Haupt- mann! Ich muß Sie ersuchen, sofort, auf das schnellste, mein Dienstgebiet zu verlassen." Er reicht Döllnitz militärisch straff die Hand. „Ich rechne auf Ihr Wort! Ein zweites Mal, Herr Hauptmann, muß ich anders handeln. Ich hoffe, wir haben uns verstanden." Wortlos verläßt Döllnitz das Zimmer. Dumpf fällt die eichene Tür ins schloß. Draußen verhallen die Schritte. (Fortsetzung folgt) Obecheffen. KommunalpolitischeSausBad-Nauheim WEN. Bad-Nauheim, 21. Mai. 3n der letzten Stadtratssitzung wurde der städtische Voranschlag für 1 933 mit den Stimmen der nationalsozialistischen Mehrheit ohne Aussprache en b I o c angenommen. Er schließt mit rund 1,6 Mill. Mark ab. Die von der Verwaltung eingesetzte Bürgersteuer kommt nicht zur Erhebung. Der hierdurch entstehende Ausfall, sowie der übrige Fehlbetrag wurden durch Kürzungen auf der Ausgabenseite, sowie durch Einstellung eines Rechnungsrestes aus dem Jahre 1932 ausgeglichen. Ferner nahm der Stadtrat eine Reihe von nationalsozialistischen Anträgen an. Ein Antrag setzt das Jahresgehalt Les Bürgermeisters auf höchstens 8400 Mark und das der sonstigen akademischen Beamten auf höchstens 7200 Mark fest und gleicht die Gehälter der mittleren und gehobenen Beamten diesen Summen entsprechend an. Ein anderer verbietet Nebenbeschäftigungen von Beamten, Angestellten, Arbeitern und Pensionären der Stadt, soweit sie in einem festen Gehalts- bzw. Lohnverhältnis stehen, und von deren Ehefrauen und weiblichen Familienangehörigen. Ausgenommen sind Tätigkeiten rein künstlerischer oder wissenschaftlicher Art. Als Nebenbeschäftigung gilt auch das Vermieten von Zimmern an Kurfremde und Durchreisende. Der Bürgermeister wurde beauftragt, mit der Reichs- und Landesregierung Verhandlungen auszunehmen mit dem Ziel, daß das Vermieten von Zimmern durch Reichs- und Law- desbeamte ebenfalls unterbunden wird. Einweihung des Nauheimer Johannisberg Restaurants. WSR. Bad-Rauheim, 21. Mai. Freitagvormittag wurde das mit einem Kostenaufwand von 170000 Mark erbaute neue Restaurant auf dem Johannisberg, einer historischen Stätte aus der Römerzeit, mit einem schlichten Eröffnungsakt seiner Bestimmung übergeben. Erbauer des Restaurants, das an die Stelle eines den Erfordernissen der Jetztzeit seit Jahrzehnten nicht mehr entsprechenden alten Baues trat, ist Regierungsbaurat Metzger, Friedberg. Für die hessische Staatsregierung sprachen Generaldirektor Meier, Bad-Rauheim und Ministerialrat Dr. Meller, Darmstadt. Letzterer betonte die Gastfreundlichkeit des deutschen Volkes und gab in Verbindung mit der gegenwärtig für Bad-Rauheim hinsichtlich des Besuchs von Ausländern noch unbefriedigenden Frequenz der Zuversicht Ausdruck, daß nach der letzten bedeutsamen Rede des deutschen Reichskanzlers das Ausland bald von seinem Irrwahn geheilt sein und seine Einwohner wieder zahlreicher als bisher nach Deutschland und damit auch nach Bad- Nauheim zurückkehren würden. Landkreis Gicken. X Wiefeck, 22. Mai. Gestern abend gastierte hier die RS. - Kampfbühne Gießen mit dem Schauspiel „Erst dann wird Deutschland frei" im vollbesetzten Saal von Gastwirt Braun. Die Aufführung gestaltete sich für die Wiesecker Bevölkerung zu einem großen Erlebnis, denn die Darsteller waren mit viel Ernst um die Wiedergabe bemüht. Starker Beifall dankte wiederholt den Mitwirkenden und rief den Autor, Gewerkschaftskommissar Bartholomäus, Gießen, auf die Bühne, der in eindringlichen Worten die Zuhörer auf die ungeheuere Gefahr, von der das Stück einen kleinen Ausschnitt zeigte, hinwies und die durch das Mithelfen aller Deutschbewußten wohl für immer als beseitigt gilt. Den Mitwirkenden A. Ausfelder, Kurt Richter, Luise Decker, Thea Petri, K. Stadi, L. Dörr und K. E s ch k e gebührt Dank für die vorzügliche Darstellung. Mit dem Deutschland- und dem Horst-Wessel-Lied schloß der schöne Abend. * Großen-Buseck, 22. Mai. Am Samstagabend hielt der Gesangverein „Sängerkranz" in seinem Vereinslokal Wagner eine stark besuchte Versammlung ab. Der erste Vorsitzende Wilh. Seipp wies auf die nationale Erhebung hin, der sich auch der Gesangverein „Sängerkronz" untergeordnet habe. Zum Zwecke der Gleichschaltung legte hierauf der Gesamtvorstand seine Acmter nieder. Der Kreiskampfbundführer Schimmel, der die Gleichschaltung oornahm, betonte in seiner Ansprache, daß die Gleichschaltung im Sinne der Reichsregierung auch bei den Gesangvereinen durchgeführt werden müsse. Der seicherige Vorsitzende, SA.-Mann Wilh. Seipp II., übernahm wieder die Führung des Vereins und bestimmte den neuen Vorstand in folgender Zusammensetzung: 2. Vorsitzender Wich. M e l i o r, 1. Vorstand Wilh. Drehwald, 2. Vorstand Wich. Pfeiffer X., Schriftführer Ferd. Damm, Rechner Ludw. Scheid, Kontrolleur Ludw. Wagner X., Beisitzer Karl Mootz und Reinh. Wagner. Der Vorsitzende ermahnte die Sänger, weiterhin treu zur Fahne zu stehen und den Männergesang, sowie das deutsche Lied zu pflegen. Zum Schluß brachte er ein „Sieg- Heil" auf die Reichsregierung aus. Anschließend wurden noch einige Lieder unter Leitung des Chordirigenten K. Nicolai vorgetragen. Mit dem Gesang des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes fand die eindrucksvolle Versammlung ihren Abschluß. * Großen-Buseck, 22. Mai. Diefer Tage fand aus Anlaß der Gleischaltung des hiesigen Turnvereins im Sinne des Führers der Deutschen Turnerschast im Saale des Gastwirts Brück eine eindrucksvolle vaterländische Kundgebung statt, an der sich die Einwohnerschaft recht zahlreich beteiligte. Auf der Bühne des festlich geschmückten Saales waren die Bilder der Führer aufgestellt, umgeben von den Fahnen des neuen Deutschland, des Hessenlandes und des Vereins. Nach einem gut oorgetragenen Konzertstück des Posaunenchors, der in dankenswerter Weise mitwirkte, marschierten die Turner und Zöglinge unter den Klängen eines Turnermarsches ein und nahmen vor der Bühne Aufstellung. Der seitherige 1. Sprecher Größer begrüßte die Anwesenden und wies auf den Sinn und Zweck der vorzunehmenden Gleichschaltung hin. Hierauf ergriff Gauoberturnwart Paul das Wort zu einer Ansprache, in der er ganz besonders die Wesensgemeinschaft der Turnerschaft mit dem neuen Deutschland unterstrich. Die Turnersckaft kämpfe schon seit ihrem Bestehen für die gleichen Ziele, die erst von der nationalen Revolution erreicht werden sollten. Er empfahl den Mitgliedern Größer als Führer, der einstimmig gewählt wurde. Der neue Führer dankte für das Vertrauen und wies auf die Bedeutung des Turnens im nationalen Staat hin. Seine Worte-klangen aus in einem Treugelöbnis zum nationalen Staat und zur Turnsache. Er verpflichtete hierauf in den Turnrat: Wilhelm Schneider als stellvertretenden Führer und Dietmar!, Wilhelm Stephan als Oberturnwart und Wehrturnwart, Wilhelm Damm als Geschäftsführer und Werbewart und Karl Hens als Schatzmeister. Nachdem der Posaunenchor unter Leitung von H. Nicolai noch einige Konzertstücke vorgetragen hatte, wurde die Feier mit dem gemeinsam gesungenen Deutschland- und dem Horst- Wessel-Lied geschlossen. z Grotzen-Linden, 22.Mai. In der jüngsten Gemeinderatssihung wurden aus Vorschlag der NSDAP. Ludwig Dern IV., Dr. Speck und von der Gemeindevertretung Weißbindermeister Wilhelm Schmidt und Kaufmann Gg. T e x t o r einstimmig mit den Stimmen der SPD. als Schulvorstand gewählt. Als Vertreter der hiesigen Gemeinde für die Mitgliederversammlung der Bezirkssparkasse Gießen wurde Bürgermeister Lang gewählt. Der Ain- trag auf Beschäftigung von Wohlfahrtsempfängern in der Gemeinde und älnterstühungen wurden vertagt. Kreis Friedberg. Q Gambach, 22. Mai. Am Sonntag wurde beim Frühjahrsbezirkstag des Hassiabezirks Butzbach—Bad-Rauheim in Treis-Münzenverg den beiden Mitgliedern des hiesigen Kriegervereins Karl Theodor Bernhard (der vor kurzem seinen 83. Geburtstag feierte) und Herr Karl Bolleri. (der am kommenden Sonntag seinen 82. Geburtstag begeht), vom Bezirksvorsitzenden Amtsgerichtsdirektor Dr. Stumpf, Friedberg, im Auftrage des Präsidiums der Kriegerkameradschaft Hassia die Hassia-Ehrenmünze für treue Verdienste im Kriegervereinswesen ver- liehnr. Preußen. Kreis Wetzlar. ch G l e i b e r g, 22. Mai. Ein übler Bubenstreich versetzte am Sonntagmittag die Einwohner unseres Dorfes in Erregung. Aus der bekannten, mehrere hundert Jahre alten Dorf- linde — neben der Burg die Hauptzierde Gleibergs — quollen gegen 14 Llhr aus den Astlöchern dichte Rauchwolken. Von bis jetzt unbekannten Tätern war in einer Oeffnung am Fuße des Stammes mit Papier und Zigarettenschachteln ein Feuer entzün- d e t worden, das im Innern des hohlen Baumes zu brennen begann und sich, gleichsam wie in einem glühenden Kamin mit starkem Luftdurchzug, rasch weiter entwickelte. Der glücklicherweise zufällig in der Nähe weilende Brandmeister der hiesigen Pflichtfeuerwehr, Kaufmann K. Leib legte sofort mit Hilfe einiger Feuerwehrleute eine Schlauchleitung, so daß schon nach wenigen Minuten die Bekämpfung des Brandes einsehte. Die unteren Oeffnungen wurden mit Erde geschlossen und durch die Astlöcher Wasser gespritzt. Rach ungefähr einstündiger Arbeit war das Feuer gelöscht. Man hofft, daß die Brandbeschädigungen der weiteren Lebensfähigkeit des Baumes nicht hinderlich sind. Cs gebührt K. Leib und seinen Helfern Dank, daß sie durch ihr rasches Handeln der Vernichtung der schönen, unter Naturschutz stehenden Linde verhindern konnten. Die polizeilichen Nachforschungen nach den Tätern sind im Gange. * Rodheim a. d. Bieber, 22. Mai. Die Bruderschaft Biebertal des Jungdeutschen Ordens hat dem Gemeinderat Rodheim zwei Anträge zur Beschlußfassung unterbreitet, in denen die Schaffung eines S ch l a - geter-Plahes und die Anpflanzung einer Schlageter-Eiche, sowie die Benennung einer durch den Freiwilligen Arbeitsdienst unter jungdeutscher Führung ausgebauten Straße (entlang der Gailschen Mauer) in.Hindenburg- Straße" erbeten wird. G. A.-Gport. Iungfliegertreffen aus der Wasserkuppe. Fulda und die Rhön werden an den beiden Pfingsttagen im Zeichen des Flugsports stehen. Wie nunmehr feststeht, wird am ersten Pfingstfeiertag auf der Wasserkuppe ein Jungfliegertreffen ftattfinben, zu dem eine Reihe prominenter Segelflieger erwartet wird. Am zweiten Pfingsttag wird auf dem alten Fuldaer Exerzierplatz, etwa eine Stunde von Fulda entfernt, ein Großflugtag stattfinden, den der Nationalsozialistische Fliegerbund veranstaltet, und zu dem einige Tausend SA.-Leute aus dem ganzen Bezirk Kassel erwartet werden. Man spricht auch vom Erscheinen des Ministerpräsidenten Göring, der jedoch seine endgültige Zusage noch nicht gegeben hat. Fest steht jedoch schon, daß an der Flugveranstaltung u. a. der bekannte Kunstflieger Übet teilnehmen wird. Bei diesem Anlaß wird auch das Andenken an den im vorigen Jahr auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Segelflieger Günther G r ö n h o f f besonders geehrt werden. Wirtschaft. Frankfurt freundlich. Frankfurt a. M., 23. Mai. (WDB. Drahtmeldung.) Bei fehlenden Anregungen und nur sehr geringer Publikumsbeteiligung eröffnete die heutige Mittagsbörse in sehr stiller Haltung und ohne ausgesprochene Tendenz. Die ersten Notierungen zeigten bei kleinem Umsatz feine einheitliche Gestaltung, die Veränderungen hielten sich jedoch in engen Grenzen. Die Grundstimmung war als freundlich zu bezeichnen, obschon aus Genf keine neue Mitteilung von Anregung vorlag und auch die bevorstehende Einigung in der Währungsstabilisierung ohne Einfluß blieb. Nach den ersten Kursen zeigten die Notierungen überwiegend Ansätze zu einer leichten Befestigung, und auch die Umsatztätigkeit war zeitweilig etwas größer. Am Chemiemarkt gaben die Kurse anfangs durchweg bis zu 1 v. H. nach, dagegen eröffneten Elektrowerte meist 0,50 v. H. freundlicher, nur AEG. und Licht & Kraft blieben knapp gehalten. Montanwerte tendierten ausgesprochen uneinheitlich, über 0,50 bis 1 v. H. gingen indessen die Veränderungen nicht hinaus. Von Einzelwerten lagen Süddeutsche Zucker etwa 2 v. H. schwächer, während Akkumulatoren ihre Erholung um 2 v. H. fortsetzten. Auf den Nebenmärkten betrugen die Gewinne und Verluste nur Bruchteile eines Prozentes. Sckiffahrtspapiere eröffneten auf die dicht vor dem Abschluß stehenden Verhandlungen über Gesundung und Neuordnung in der deutschen Schiffahrt bis zu 0,50 v. H. freundlicher. Am Rentenmarkt herrschte ebenfalls nahezu Geschäftsftille. Deutsche Anleihen gaben bis zu V* Prozent nach. Dagegen tendierten auch heute wieder öprozentige Stahlverein-Bonds in fester Haltung, ebenso lagen Reichsbahnvorzugsaktien bei Eröffnung % Prozent höher. Am Pfandbriefmarkt blieben die Kurse bei sehr ruhigem Geschäft meist unverändert. Liquidationspfandbriefe lagen teilweise fester, dagegen Kommunalobligationen verschiedentlich etwas leichter. Staatsrenten und Stadtanleihen tendierten ruhig. Von fremden Werten lagen Anatolier Eisenbahn matt und 1% Prozent schwächer. Im Verlaufe fanden sehr lebhafte Umsätze in Schiffahrtsaktien statt, Hapag stiegen um 2 Prozent und Norddeutscher Lloyd um 2% Prozent. Auch auf den übrigen Marktgebieten ergaben sich überwiegend Befestigungen um durchschnittlich %" bis 1 Prozent. IG. gewannen 2 Prozent, doch war die Umsatztätigkeit nicht nennenswert großer. Am Rentenmarkt stiegen Stahloerein-Bonds um insgesamt 2 Prozent, ebenso konnten sich Deutsche Anleihen auf das Abendbörsenniveau erholen. Tages- geld war weiter leicht und gu 3% Prozent unverändert. Nindermarki in Gießen. Aus dem heutigen Rinder-Nutzviehmarkt standen 770 Stück Großvieh, 166 Fresser und 192 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 340 bis 380 Mk., 2. Qualität 210 bis 270 Mk., 3. Qualität 115 bis 150 Mk.: Schlachtkühe a) 130 bis 250 Mk., b) 50 bis 130 Mk.: Rinder 1/2» bis 3/4jä()rig 50 bis 120 Mk., bis 2jährig 70 bis 170 Mk., tragend 180 bis 320 Mk.: Kälber das Pfund Lebendgewicht 28 bis 36 Pf. Marktverlauf: Vormarkt lebhaft, später abflauend. IBxul'llDltiyngen.fuc Mew u.fB6ue Zur Haus-Trinkkur: Badeschriften durch die Niederlage in Gießern Jean Weisel, Sonnenstraße 6, Telephon 3888 und durch die Kurverwaltung Bad Wildungen. bei Nierenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker, 1932: 17200 Badegäste «728 v preiswert und elegant, als fußgerechter Schuh bekannt. IferfanAsfelfei Fußleidenden steht jederzeit besondere ausgebildete fachkundige Bedienung kostenlos zur Verfügung 3455 A Bei Kopfschmerzen Rheuma-Muskel-u. 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