Nr. 70 Irstes Blatt 183. Jahrgang Donnerstag, 23. März 1933 (Er|d)etnt l äglich, außer fconniags unb ßeiertags Beilagen: Die Illustrierte Die neuer ftamilienblatter Heimat m Bild Die Scholle Monat» bezugrvreiL: Tiit 4 ‘Beilagen NM 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. §ernfvrechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. Anlchrist für Drahtnachrichten rinzeiarr Liehen, pobschecktonto: ftonlfurt am Main 11686. GktzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Crrd tfitb verleg: vrühl'sche UniveifitSlr-vuch- und Steinöruderei H tanie in Gietzei. Zchriftieituny und (BefchiftsWe: 7. Annahme van Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höbe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Gange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und^ürdenAn- zeigenteil i.D.Th.Kümmel sämtlich »n (Biegen. Landnöten. Am 18. Juni 1919 hat Clemenceau Deutschland eine Rote überreichen lassen, in der es u. a. h^ß, daß Deutschlands Versagen aus dem Gebiete der kolonialen Zivilisation zu deutlich zutage getreten sei, als daß die alliierten und assoziierten Mächte ihre Hand zu einem zweiten Versuch bieten und die Verantwortung bajur übernehmen könnten. Außerdem hätten es_ diese Mächte für notwendig erachtet, ihre eigene sicher, beit und den Frieden der Welt gegen einen nult- torischen Imperialismus zu sichern, der darauf ausgegangen wäre, sich Stützpunkte zu schassen, um gegenüber den anderen Mächten eine Politik der Ginmischung und der Einschüchterung zu verfolgen. Damals war Deutschland so schwach, daß sein Protest ungehört verhallte. Nur die Wissenden konnten den ganzen Hohn und die abgriindiye Bosheit dieses Schriftstückes ermessen, und es existieren in deut- scheu Schreibtischen Briese, die damals von Eng- ländern und Amerikanern, die die deutsche Kulturarbeit in Afrika, in Asien und aus den Sübfeebesttzungen des Reiches aus eigener Anschauung kannten, an deutsche Kolonial- Pioniere gerichtet hallen, in denen der Protest gegen die Verunglimpfung Deutschlands heftigen Ausdruck fand. E-S ist ja keine üebertrclbung, daß Deutsch- lanö auch auf kolonisatorischem Gebiet an der Spitze der weißen Rationen marschierte, als der Krieg ausbrach. Hunderte Millionen deutschen Kapitals waren in Liebersee angelegt worden. Die Behandlung der sarb.gen Menschen war mu ft er gültig uno unlersch.ed sich prinzipiell von der der Franzosen uno -uelgLcr. Die Kongogreuel stnd n.chc von Deutschen verübt worden! Ader nicht nur die Pslanzungen, die Hygiene,chen tom- r.cytungen, der bis ins Kleinste pratt^che Bau der Studie, n.chc nur die üuechooen, oie angewandt wurden, um die Eingeborenen zu stetiger und sauberer Arbeit zu erziehen, nein, nicht nur das zeugte für Deui,chiand und den Ernst, m.t dem es ieiner Kocon^al-Misiwn nachgiNg, sondern auch die Menschen, die in seine Hnno gegeben waren. Der S.eg der Entente ve» fr«..te s.e aus oeu^chen „Fesiecn'. Aber sie tour- den n.chc müde, m.c Wonne an die,e Fesseln zu Deinen, ^eyr acs ein vrit.,cher Gouverneur hat in den letzten wahren AegertzuuplliNge avzufer- t.gcn getzuoc, die fragten, wann öie beut- 1 ü) e n Herren wieder juruatämen. ist mau mu uec -.LUioiuiumge yau» fu„eu gegangen, und hat damit dem Ansehen Ul toeiuen -aaife entfu^cioenue cajlage ver>etzi. Menn ane Kolonien dec noeisten yeuce m n.eyr Over mt.iuei reooiuiiouaiem <>u|tanu be- fuwen, dann ist das nur eine böige ver Koco- niuipropaguudu ucl vm.cixlc. —lugii^j, dag soc^-e (Mdrinie.ignnge dem Anlap zu uec -z^ue des iran* jviii^tii ..uiviuuiirtiiUiieL» uütcuut out ue.ii ‘^LOLU|iungö*i)au+'iauö|iyU|j zug.uit^eiugcn. is' e Hoffnungen London 22. Mc rz. (X TD.) Der Minister- pr äs ident und d.r A u u < n m i n i ft e r sind wieder in London eingetroffen. Mac- tonalb erLärte Zeitungsvertretcrn, die ihn nach den Ergebnissen seiner Reise frugen: „Wir haben der Sache Europas einen sehr wichtigen Dienst geleistet, und wir werden weiter Erfolg haben." „Daily Telegraph" erklärt, die internationale Atmosphäre habe sich seit dem Besuch Mac- dona ds in Rum entschieden gebessert. 3m übrigen sei cs klar, daß man dabei keineswegs an eine gewaltsame Aenderung der Friedensverträge denke, so sehr Mussolini auch von der Aotwendigkeit einer Revision überzeugt sei. Auch die Behauptung, Frankreich werde einen solchen Pakt nicht prüsen, entbehre jeder Begründung. Frankreich habe durch die neue Orientierung der europäischen Politik zu viel zu gewinnen und habe ein viel zu großes 3ntcreffe daran, einen gegen Frankreich gerichteten Zusammenschluß anderer Mächte zu verhindern. Auch liege ihm die 3öoe des Friedens zu sehr am Herzen, als cs einen Vorschlag wie ucn des italienischen Regierungschefs leichthin beiseite schieben könne. Optimismus in Rom. Rom, 22. März. (TU.) Die italienische Presse betont, daß die Mitteilung über die Pariser Besprechungen Mussolinis diesranzösischeBe- reiftoilligteit zurMitarbeit am Plane Mussolinis bedeute. Besonders optimistisch äußert sich G a y d a im halbamtlichen »Giornale b'3ta- lia". Er findet, daß die Wendung in der Pariser Mitteilung, die vom Rahmen und Geist des Völkerbundes spricht, int Grunde gar nicht im Widerspruch mit der Auffassung Mussolinis stehe, der gefordert habe, daß das Revisionsproblem auf dem Boden des Völkerbundes gelöst werden müsse. Die Pariser Mitteilung scheine also einen bemerkenswerten Fortschritt zu der in Rom begonnenen wertvollen Arbeit darzu- ftelleru Was die Opposition der Kleinen Entente und der anderen mit Frankreich alliierten Länder betreffe, so handele es sich hier vor allem um eine Prestigefrage. 3n den Grundproblemen, die diese Länder betreffen, müßten sie Vertrauen in das Verantwortungsgefühl aller vier Großmächte fetzen und in das loyale Funktionieren des Mussoliniplanes, der keine Vergewaltigung vorsehe und daher auch jeder der vier Großmächte gestattet, zugleich mit den eigenen auch die vernünftig aufgelegten 3n- tereffen der Freunde zu vertreten. Die Kleine Entente wird vorgeschoben. Sranfreid) putscht in Genf zum Widerstand. Paris, 23. Mär;. (1DIB. Junffpcudj.) Die wachsende Opposition gegen den Mu,sottnl-Plan eines viermächlepaktes in Frankreich wird in den Betrachtungen der Blatter stark heraucgearbeitel. Um sich für diese Opposition auch die nölige physiologische Unterstützung der breiten Masse zu sichern, bemüht man sich jetzt, die widerstände zu betonen, die Polen und die kleine Entente gegen den Plan hätten, der den Großmächten eine politische Vormachtstellung sichere. Polen und die kleine Entente sollen angeblich in Gens eine kleine Palasi- revolulion veranslaltel haben. Aach dem „Echo de Paris" Hal Außenminister Paul-Boncour deshalb schleunigst den Referenten für Völkerbundsangelegenheit am Qual d'Orsay, wafsigli, mit dem Auftrag nach Genf geschickt, die Vertreter der kleinen Entente zu beruhigen. „Matin" meldel, die Beunruhigung namentlich der kleinen Entente habe bereits gestern beseitigt werden können, wenigstens was die Haltung Frankreichs gegenüber den „Statuten des Friedensklubs" anlange. Dagegen behauptet „Echo de Paris", das die Außenpolitik der Regierung energisch bekämpft, Massigli habe die Vertreter der französischen Alliierten in Genf nicht überzeugen können. Sie alle seien der Ansicht, daß eine Zustimmung Frankreichs zum Vertragcentwurs Tiiuffolinis der Kündigung der zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei, Rumänien und Südslawien bestehenden vertrage gleich tarne, eine Auffassung, der auch Polen beipflichte, wenn Frankreichs Einstellung ihren Erwartungen nicht entsprechen sollte, dürfte man, fo schließt das Blatt feine Meldung, auf eine tiefgreifende Aenderung in der Leitung ihrer Außenpolitik gefaßt sein. Polen lamentiert über den „Großmachtkonzern". Frankreich wird in Äcnr sc nc Freunde an ei u*r Seite finden. Warschau, 22. März. (WTB.) Das Ergebnis der Besprechungen in Rom wird von der polnischen Presse mit Bestimmtheit abgelehnt. Die römischen Einfälle — |o schreibt das Blatt der polnischen Regierung Gazeta Polska — seien der Versuch, eine europäische Oligarchie aufzu- ziehen. Eine solche Oligarchie müsse sich, um mit Erfolg arbeiten zu können, auf Zwang stühen. Von polnischer Seite werde der Versuch, den Völkerbund durch ein neues Staatengebilde zu ersetzen, m i t kritischer Ruhe beurteilt. Der .Krakauer Kurie r" betont, daß Warschau gegen alle Versuche der Großmächte sei, ihren Willen den Heineren Nationan aufzuzwingen. Der Zwang führe nicht zum Aufbau des Friedens, sondern zum Chaos. Alle Großmachtkonzerne, die den Grundsatz der Gleichberechtigung aller Staaten, wie er im Völkerbund gelte, außer Acht ließen, seien von vornherein zum Mißerfolg verurteilt. In Paris werde man sich sicher bemühen, den „römischen Club" nach Gens zu verletzen. In Genf sei jedoch Frankreich von feinen Freundenumgeben, während es in Rom vereinsamt fei. Gegenwärtig gewinne die Politik Polens gegenüber Sowjetrußland an Bedeutung. Man könne annehmen, daß der Nichtantzriffspakt nur die Grundlage darstelle für eine weitere Annäherung zwischen Warschau und Moskau. Man könne auch mit einer Festigung der Beziehungen zwischen Warschau, Belgrad, Prag und Bukarest rechnen. Weder Prag noch Belgrad würden erlauben, daß irgend ein fremder Wille über ihr Leben entscheide. Für eine solche Operation fei Polen am allerwenigsten geeignet. Das kalte Blut Marsch a u s sei die beste Antwort auf die „wahnwitzigen Einfälle des römischen Clubs". Die deuisch-russischen Beziehungen. Moskau über c ne Erklärung Gö.ings brsriedistt. Moskau, 22. März. (TU.) Die russischen politischen Kreise haben mit großem 3nteresse d i e Erklärung des Relchsministers Göring gegenüber einem Vertreter des Amsterdamer „Telegraaf" über die deutsch-russischen Beziehungen entgegengenommen. Diese Erklärung wird als er st er Schritt zur Entspannung der deutsch-russischen Bezie- Daß die englische Presse aufschäumt, ist zu verstehen, ebenso auch, daß sie vielleicht l..cht ganz unrecht hat, wenn sie die Verhaftung daraus zurückführt, daß die Sowjetregierung roieoer einmal Manöver braucht, um die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung auf außenpolitische Dinge abza- lenken. Daß der sozialistische Aufbau ins Stocken geraten ist, ist kein Geheimnis weder in Sowjelruß- land noch im Ausland. Der Bevölkerung in Somjet» rußland stehen zweifellos noch sehr harte Prüfungen bevor, von denen auch die Sowjetregierung nicht weiß, ob sie ruhig ertragen werden ober nicht. Aber das Mittel, der Bevölkerung vorzuführen, daß J>ie imperialistischen und kapitalistischen Feinde der Sowjet-Union noch immer am Werke seien, den glanzvollen Aufbau des Sozialismus zu stören, hat sich fooft bewährt, daß es auch diesmal wieder angewandt wird. Prozesse gegen Staatsfeinde sind in den letzten Jahren in Sowjetrußland an der Tagesordnung gewesen, wobei die Verhandlung außerhalb Sowjetrußlands niemand davon überzeugte, daß die Angeklagten alle die Verbrechen begangen hätten, deren sie angeklagt waren. Litwinow hat in Aussicht gestellt, der Prozeß gegen die englischen Ingenieure würde bald steigen, aber es fragt sich noch, ob England sich diese Herausforderung gefallen lassen wird. Englands Ansehen im Rahen und Fernen Osten würde dadurch sicher nicht erhöht. Intervention des DizekanzlefS beim Zürsterzbifchof von Breslau. Berlin, 22. März. (ERD.) Anläßlich der Beerdigung eines in Beuthen (OS.) verstorbenen SA.-Mannes hatte der dortige Prälat Weisung erhalten, sich des Grabgeleites zu enthalten, da geschlossenen Parteiformationen kein Zutritt zur Kirche gewährt werden sollte. Der Oberbürgermeister von Beutchrn wandte sich telegraphisch an den Vizekanzler v. Pa- p e n um tu.iterDention beim Fürsterzbischof von Breslau. Dieser 3ntervenlion ist es zu danken, daß die Beerdigung mit allen kirchlichen Ehren ftattfanb. Der Oberbürgermeister von Beuthen sandle folgendes Danltelegramm an den Vizekanzler: „Herzlichen Dank für die erfolgreiche 3ntervention. Beerdigung fand mit Grabgcleite und Grabrede statt, was Auftakt war, daß Rationalfeier in geschloffener Einheit verlief. Erzbischöfliche Genehmigung ist von der Gesamtbevölkerung außerordentlich begrüßt und dankbar empfunden worden". Wechsel tm Präsidium des Reichslandbundes. Berlin, 22. März. (ERB.) Auf der Bun- dcsvorstandssihung des Reichslandbundes in Berlin legte Bauerngutsbesiher Bethge sein Amt als Präsident des Reichslandbundes nieder. Graf Kalckreuth schlug den westfälischen Bauerngutsbesitzer und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten M e i n b e r g zum Rachfolger von Präsident Bethge vor. Die Wahl erfolgte einstimmil durch Zuruf. Zur politischen Lage wurde von dem Bundesvorstand des Reichslandbundes einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es il a. heißt' Der Reichslandbund ist stolz darauf, alles in seinen Kräften und Möglichkeiten Liegende beigetragen zu haben zur Herbeiführung des Sieges der nationalen Revolution. Gr steht geschlossen bereit, das unter der Führung von Reichskanzler Adolf Hitler begonnene Rettungswerk der Ration auszubauen und zu schützen. Als die alle Teile des Vaterlandes umfassende freie Kampsorganisation des deutschen Dauern im neuen Reich will der Reichslandbund das Landvolk sämtlicher deutschen Stämme und Gaue in sich sammeln. Durch Zusammenschluß aller die deutsche Scholle bearbeitenden und bewahrenden Volksgenossen soll die deutsche Landwirtschaft zur tragenden berufs ständischen Säule im Reubau des deutschen Rational st aates auf- gerichtet werden. 3um Gedächtnis des Alten Kaisers. Berlin, 22. März. (TU.) Am Mittwoch legte dir deutschnallonale Rcichstagsabgeordnete Frau Anna-Grete Lehmann im Auftrage ihrer Fraktion am Denkmal Kaiser Wilhelms 1. im Rundteil der Wandelhalle des Reichstags einen Kranz mit schwarzweißroter Schleife nieder. Abgeordneter Dr. E v e r l i n g hielt dabei eine kurze Ansprache, in der er ausführte: „Der Parlamentarismus ist ausgebrannt, aber unser alter Herrscher ist in diesem Hause stehen geblieben. Der Parlamentarismus ist nicht mehr. Des Kaisers aber haben wir immer gedacht, besonders in dieser Zeit, in der wir dem neuen schwarzweißroten Kaiserreich entgegengehen." Rach Abschluß der Eröffnungssitzung des Preußischen Landtages begab sich die deutsch- nationale Fraktion geschlossen nach C h a r- lottcnburg und legte im Mausoleum Kaiser Wilhelms I. anläßlich seines Geburtstages am 22. März einen Kranz mit schwarzweißroter und schwarzweiher Schleife nieder. V A >:'$S V ^W’": s- «** W'-rW? '* MH-d- $ WMDDH 4 V't. * 0 Prä'sideni Göring eröffnet die erste ^eichstagssitzung. Ser Festakt in der Berliner Staatsoper. Hungen ausgelegt. Es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß sich das Verhältnis zwischen den beiden Ländern bald wieder in normalen Bahnen bewegen wird. Reichsministcr Goring hatte dem Vertreter des Amsterdamer „Telegraaf" auf dessen Frage, wie es um die deutsch-russischen Beziehungen stehe, dem Blatt zufolge wörtlich erklärt: „Unser Vertilgungsfeldzug gegen den Kommunismus in Deutschland hat mit den deutsch-russischen Beziehungen nichts zu tun. Ich bin fest davon überzeugt, daß sie ebenso freundschaftlich bleiben werden, wie in den vergangenen Jahren. Es geht uns nichts an. was in Rußland geschieht, und cs geht Rußland nichts an, was in Deutschland vorgcht." Heute noch Grmä'chtiaunssaesetz Im Kroll-Gebäude trat am Donnerstagmittag der Acltestenrat des Reichstags zusammen. Auf Anregung des Zentrums wurde einstimmig beschlossen, nach der Regierungserklärung des Reichskanzlers Hitler eine Unterbrechung der heutigen Reichstagssihung eintreten zu lassen. Da die Regierung aber Bedenken gegen eine Vertagung der Abstimmung auf morgen hatte, so kam man überein, die Sihungspause nur etwa drei Stunden, nämlich bis 18 Uhr dauern zu lassen. Die Fraktionen erklärten sich damit einverstanden, daß dann heute abend gegen ei ne dritte Lesung des Ermächtigungsgesetzes kein Widerspruch erhoben wird, so daß das Gesetz noch heute verabschiedet werden kann. Der Reichstag würde sich dann sofort auf längere Zeit vertagen. Neuregelung des Gewerkschastswesens Im Reichsarbeitsministerium ist ein Entwurf für die Reuregelung des Gewerkschaftswesens ausgearbeitet worden. Der Entwurf liegt bereits dem Reichskabinett vor. konnte jedoch vom Kabinett noch nicht verabschiedet werden. Sofort noch Beendigung der kurzen Reichstagsperiode durfte jedoch das Kabinett zusammentreten, um die neue Verordnung über das Gewerkschaftswesen endgültig fertiZzustellen. Das Ziel der Regierung dürfte in erster Linie sein, die großen Organisationen der Arbeitnehmer von jeder Einflußnahme durch marxistische Parteien zu befreien. Es würde dann der bcrufsständische Gedanke in der Gewerk- schaftsorganisation hcrvortreten, während jede parteipolitische Einflußnahme ausgrschaltet werden würde. Danach scheint es als sicher, daß der Entwurf u. a. die Vorschrift enthalten wird, daß Gewerkschaftsfunktionäre nicht gleichzeitig Funktionäre in der Sozial- demokratischenPartei sein können. Namhafte Führer der Freien Gewerkschaften würden demnach vor die Wahl gestellt werden, ob sie auf ihr Reichstagsmandat innerhalb der SPD. oder aber auf ihre gewerkschaftliche Führerstellung verzichten wollen, sofern nicht überhaupt von der Reichsregierung vorgeschrieben wird, daß die leitenden Positionen der Freien Gewerkschaftsorganisation neu beseht werden müssen. An der Spitze der so entpolitisierten Gewerkschaftsbewegung würde einStaatskommissar treten, dem von seiner hohen Warte aus die Verbindung der Interessen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber, also die Wahrnehmung der Belange der gesamten Volkswirtschaft, leichter fallen würde. Der Vorstand des ADGD. gibt eine Erklärung bekannt, in der u. a. gesagt wird, daß die Gewerkschaften durchaus bereit seien, auch über das Gebiet der Lohn- und Arbeitsbedingungen hinaus dauernd mit den Llnternehmer- organisationen zusammenzuwirken. Eine st a a t - l i ch e Aufsicht über solche Gemeinschaftsarbeit könne ihr durchaus förderlich sein, ihren Wert erhöhen und ihre Durchführung erleichtern. In politischer Hinsicht könne die Aufgabe der Gewerkschaften nur darin bestehen, die berechtigten Wünsche der Arbeiterschaft der Regierung und Gesetzgebung zuzuleiten sowie der Regierung und dem Parlament mit ihren Erfahrungen dienlich zu sein. Die Gewerkschaften beanspruchten für sich keinMonoPol. Lieber der Form der Organisation stehe die Wahrung der Arbeiterinteressen. Eine wahre Gewerkschast könne sich aber nur auf freiwilligen Zusammenschluß der Mitglieder gründen. Sie müsse von den Llnternehmern ebenso wie von den politischen Parteien unabhängig sein. Die Erklärung ist dem Reichskanzler übermittelt worden. Austritt der Gewerkschast deutscher Eisenbahner aus dem Deutschen Beamtenbund. Berlin, 22. März. (ERD.) Die Gewerkschast deutscher Eisenbahner e. D. teilt mit: „Die ch r i st - chich - nationale Gewerkschaft deutscher Eisenbahner e. V., die mit ihrer Beamtensäule im Jahre 1926 dem Deutschen Beamtenbund beitrat, erklärte mit dem 21. März d. I ihren Austritt aus dem DBB. Schon feit Jahr und Tag hat die GdE. immer wieder Veranlassung gehabt, mit der Politik des Deutschen Beamtenbundes unzufrieden zu sein. Nachdem nun der DBB., namentlich in der letzten Zeit, einer immer größeren Passivität verfiel und sich als unfähig erwiesen hat, nicht nur personell sondern vor allen Dingen auch geistig sich der Entwicklung anzupassen, hat die GdE. die einzig mögliche Konsequenz des sofortigen Austritts gezogen." politischer Mord im Grünewald. Berlin, 22. März. (ENB.) Am Dienstagnachmittag fanden Spaziergänger in einer Fichtenschonung im Grünewald einen seiner Kleidung nach dem ArbeDerstand angehörenden Mann tot auf. Der Tote zeigte mehrere Schußverletzungen Er trägt das Hoheitsabzeichen der NSDAP, und eine dunkelblaue Schirmmütze mit braunem Kinnriemen. Legitimationspapiere wurden nicht gefunden. Die Nachfor- Auf Veranlassung der Reichsregierung fand in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin als Abschluß der Feierlichkeiten anläßlich der Reichstagseröffnung eine Aufführung von Richard Wagners „Meistersinger" unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler als Festvorstellung 'statt. Dem dritten Akt wohnte die Reichsregierung bei. Unser Bild zeigt in der großen Mittelloge des ersten chungen der Kriminalpolizei haben ergeben, daß es ich um den 16 Jahre alten Fritz Imme aus Zehlen- )orf handelt. Imme war bis vor etwa zwei Wochen noch in der kommuni st ischen Jugend. Dann trat, er aber zur NSDAP, über und wollte sich der Hitlerjugend anschließen. Seine früheren Genossen bedrohten ihn mehrfach und trachteten dem Jungen nach dem Leben. Landtagspräsident Jung zum Oberbürgermeister von Mainz ernannt. Worms, 23. März. (TU.) Der Präsident des hessischen Landtages, der nat.-soz. Abgeordnete Rechtsanwalt Jung in Worms, ist am Donnerstag vom Innenminister zum Oberbürgermeister von Mainz ernannt worden. Das Mainzer BefremngSdenkmal abgeriffen. Mainz, 23.März. (TU.) Das Befreiungsdenkmal, das wegen der Art seiner figürlichen Darstellung (große nackte Frauengestalt) bei der Mainzer Bevölkerung viel fach Anstoß erregte und Ranges von links nach rechts in der ersten Reihe den Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath, Reichskanzler Adolf Hitler, Frau von Neurath, Reichsverkehrsminister Freiherrn Eltz von Rübenach, Frau Eltz von Rübenach, Neichsminister Göring. In der zweiten Reihe u. a. Staatssekretär Dr. Meißner, Frau von Papen und Vizekanzler von Papen. erst kürzlich wieder zu einer Beschwerde der Kirchen- bchörden führte, ist am Donnerstagvormittag a b - getragen worden. Das Denkmal wird v o r e r st nicht wieder aufgestellt. Kleine politische Nachrichten. Der Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Bürgermeister Dr. Markert, und der bremische Vertreter beim Reich, Dr. Rudolf Firle, teilten dem Reichskanzler mit, daß Bremen beschlossen habe, ihm die Ehrenbürgerrechte zu verleihen. Der Reichskanzler gab seiner aufrichtigen Freude darüber Ausdruck und sagte zu, einer Einladung des Senats zur Lieber- re,chung i)rr ^.hrcnbürgerurkunde in Bremen Folge zu leisten. Generaldirektor Lehmann vom Hauptoerband deutscher Krankenkassen e. V. ist in Schutzhaft genommen worden. Lehmann ist Mitglied der SPD. * Der Reichsminister des Innern hat auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe von Volk und Staat vom 23. Februar 1933 die Landesregierungen ersucht, die Vorbereitung und Veranstaltung kommunistischer und sozial demokratischer.»Jugendweihen" zu verbieten. * Der Professor der Chemie an der Technischen Hochschule Braunschweig Dr. Lüning wurde durch Stahlhelmhilfspolizei / e st - genommen und in Llntersuchungshaft abge- führt. Wie verlautet, war bei Aushebung einer Geheimdruckerei wichtiges Adressenmaterial gefundeß worden, das Prof. Lüning, der Mitglied der Friedensgesellschaft ist, erheblich belastete. * Präsident Roosevelt unterzeichnete am Mittwoch die vom Kongreß angenommene Vorlage, nach der künftig der Ausschank von 3,2prozen- tigem Bier, leichten Weinen usw. erlaubt ist. Der Ausschans der zugelasienen alkoholischen Getränke beginnt am 7. April d. I. Eine AntikorrnplionsverorD- nung für Die Gemeindeverwaltungen in Preußen. Berlin, 23. März. (TLl.) Amtlich. Das Preußische Staatsministerium (Kommissare des Reiches) hat eine Verordnung zur Behe- bungvonMihständeninder gemeindlichen Verwaltung beschlossen, durch die in der Vergangenheit beobachtete Korruptionserscheinungen unmöglich ge macht werden sollen. Das Gemeindeverfassungsrecht der Vorkriegszeit enthielt eine Reihe von Vorschriften, die eine von unsachlichen Einflüssen möglich st freie Willensbildung in den gemeindlichen Körperschaften sicherstellen sollten. Diese Vorschriften hatten im wesentlichen den Ausschluß gewisser Personen von der Mitgliedschaft in den gemeindlichen Körperschaften weg en ihrer Amtsstellung oder deswegen zum Ziel, well sie als Verwandte und Verschwägerte nicht die hinreichende Gewähr für eine völlig unparteiische Mitwirkung boten. Diese Vorschriften sind anfangs 1919 beseitigt worden. Da sich in der Folgezeit erwiesen hat. daß die infolge des Fortfalles dieser Vorschriften eingetretene Mitwirkung persönlich interessierter oder gebundener Persönlichkeiten sich sowohl in bezug auf die Lauterkeit, wie die Sparsamkeit der gemeindlichen Verwaltungen ungünstig ausgewirkt hat, sieht die Verordnung dem Grundgedanken nach die Wiederher st ellung dieser früheren Vorschriften des Gemeindeverfassungsrechtes in einer den heutigen Verhältnissen angepahten Form vor. Darüber hinaus sind die Vorschriften, welche Mitglieder der Vertretungskörperschaften bei Jn- teressenkollision von der Beratung und Abstimmung ausschlossen, verschärft worden. Ferner wird den Vorsitzenden gemeindlicher Der- tretungskörperschaften ein unmittelbares Recht zum Ausschluß von Mitgliedern der Vertretungskörperschaften bei grober Llngebühr oder wiederholtenZu- widerhandlungen gegen die zur Aufrechterhaltung der Ordnung erlassenen Bestimmungen gegeben und schließlich find die Vorschriften über die Verschwiegenheit von Mitgliedern der Vertretungsrörperschaften gemeindli^er Ausschüsse usw. durch die Androhung von Ordnungsstrafen und des Ausschlusses von den Sitzungen verschärft worden. Ans aller Wett. Einbürgerung von 60 000 assyrischen Christen in Persien. „Daily Telegraph" meldet, daß die persische Regierung sich aus Gründen der Menschlichkeit bereit erklärt habe, den im Irak lebenden 60 000 assyrischen Christen die Ansiedlung auf persischem Gebiet zu gestatten. Diese Assyrer hatten während des Krieges gemeinsame Sache mit den Alliierten gemacht und sich aus Kurdistan nach russischem Gebiet durchgeschlagen. Sie wurden dann unter britischem Schuh nach dem Irak gebracht und sind im Wilajet Mossul angesiedelt worden. Da aber die neue Irakregierung ihnen das Bürgerrecht verweigert hgbe und ihre jetzigen Wohnstätten ungesund seien, hätten sie die Erlaubnis erbeten und erhalten, sich auf dem Gebiet des Schahs niederzulassen. In Persien sei ihnen das volle Bürgerrecht und volle politische und religiöse Freiheit zugesichert worden. „Daily Telegraph" fügt hinzu, es handele sich bei diesen Assyrern um Angehörige der ältesten organisierten Kirche der Christenheit überhaupt. Brandkatastrophe in Staßfurt. — Acht Schwerverletzte. Im Pfannenraum der Malchowschen Dachpappenfabrik in Staßfurt brach ein Brand aus. der sich mit ungeheurer Schnelligkeit verbreitete. Die Feuerwehren aus Staßfurt, „ Leopoldshall und Llmgebung eilten zur Brandstätte; Arbeitsdienst. SA. und SS. besorgten den Absperrungsdienst. Während die Flammen bekämpft wurden, stieg eine riesige Stichflamme auf. Eine gewaltige Explosion folgte. Der Branddirektor der Leopoldshaller Feuerwehr, drei Feuerwehrleute und zwei Arbeiter trugen schwere Brandwunden davon. In den Krankenhäusern liegen außerdem noch zwei Schwerverletzte und acht Leichtverletzte. Erst nach mehreren Stunden gelang es, das Feuer so weit zu bannen, daß man an das Ablöschen des Gedäudes gehen konnte. In den Krankenhäusern spielten sich erschütternde Szenen ab. Nur mit Mühe gelang es. die Angehörigen der Verletzten zu beruhigen. Der Brand ist durch das Lleöerkochen einer Teerpfanne entstanden. Die Löscharbeiten wurden durch Wassermangel erschwert. Aufsehen erregender Spionage-Prozeß gegen einen englischen Offizier. „Er verkaufte sein Vaterland für 50 Pfund oder mehr" — so lautet die Anklage gegen den «« stehgßutKe (liaßffätl PFEILRING LANOLIN-SEIFE englischen Leutnant Valllie - Stewart in dem berühmten Srasorth - Hochländer - Regiment; der Offizier steht im Mittelpunkt der jetzt eröffneten Kriegsgerichtsverhandlung, die die Sensation der Londoner Presse bildet. Briefe aus Berlin, unterzeichnet ,Marie Luise", und Mitteilungen des Leutnants an einen gewissen »Otto Waldemar Obst" in Berlin, die verlesen wurden, erhöhen das Interesse der Oefsentlichkeit an dem Prozeß. Richt weniger als zehn Anklagen werden gegen den Leutnant vorgebracht, deren jede eine Verurteilung zu 14 Jahren Gefängnis nach sich ziehen kann. So wird er bes^rutdigt, in Berlin oder anderswo 1932 in Verbindung mit Otto Waldemar Obst Angaben über Organisation, Tanks, Panzerwagen, Panzerzugausrüstung, Gewehrmodelle und Organisation von Tankbrigaden des englischen Heeres gemacht zu haben. Weiter soll er in oder bei dem englische Truppenübungsplatz Aldershot Informationen über moderne Kriegsausrüstung, Ausbildung von Tankbataillonen gesammelt und an Otto Waldemar Obst aus Berlin Informationen übermittelt haben, die für den Gegner nützlich sein können. Der Klage zufolge enthielt ein Brief der ,Marie Luise" zehn Fünfpfundnoten. Im Besitz des Leutnants wurden laut Anklage auch die vergrößerten Photographien eines Heerestanks gefunden. Bei einem Teil der Verhandlungen dürfte wahrscheinlich die Oeffent» lichkeit ausgeschlossen werden. TcrZcichnerPaulSimmel tot aufgefundcn. Berlin, 23 März. (CRB. Funkspruch.) In seiner Charlottenburger Wohnung wurde heute morgen der bekannte Karikaturist und Kunstmaler Paul Simmel tot aufgefunden. Man vermutet, daß er in einem Zustande feelisch^e Depression Selbstmord begangen hat, indem er Schlafmittel in größerer Menge zu sich nahm. Aus der Provinzialhauptstadt. Speisezettel unter der Lupe. Aus acht Lehrbüchern über vernunftgemäße Ernährung habe ich eriannt, daß es ebenso lustig w:e I töricht ist, sich auf irgendeine Kost fcstzulegen. Die Lehren der einzelnen Speisezettel-Apostel werden nur deshalb so leidenschaftlich oertündet. weil es sich immer um ein reines Geschäft handelt. Man betrache nur das von den einzelnen Lehren empfohlene Frühstück. Einer empfiehlt schwarzen Kaffee, dazu hundert Gramm Weizenbrot mit Sirup und Butter. Ein anderer jagt, daß Kaffee und Tee unweigerlich den baldigen Tod herbeiführen und empfiehlt ein Schleim- füppchen, sieben halbe Walnüsse und eine Banane. Das ist kein Witz, sondern eine Tatsache. Ein Dritter jagt, daß Weißbrot am Morgen lebensgefährlich ist, und daß lediglich gerostetes Schwarzbrot gegessen werden darf. Er gestattet zum Frühstück auch Fleisch, Eier, Fisch oder Käse, die Eiweißstoffe enthalten. Ein Bierter wiederum warnt dringend vor allen Eiweißstoffen im Hinblick auf drohende Gicht und beschwort die Menschheit, die von ihm hergcstcllten Frühstückskeks zu verzehren, in denen die notwendigen Säuren und der stärkehaltige Aufbauzucker wohlberechnet vorhanden seien. Ein anderer wieder, dessen Lehren und Bücher viel beachtet werden, schreibt folgendes Frühstück vor: Zwei weichgekochte Eier werden mit je einem Eßlöffel Kleie, Milch und Honig verrührt. Bei diesem Brei hat man sicher das Gefühl, einen Tennisball zu verschlucken, aber der Erfinder verspricht dafür ein langes Leben und milde Verdauung. Mit diesen Kleinigkeiten hat sich der Unfug aber keineswegs ausgerast. Fetzt kommen die Kalorien an die Reihe: Ein Kind im Alter von 6 bis 8 Jahren muß täglich 1493 Kalorien zugeführt bekommen, während ein Möbelpacker, wie es heißt, 3929 dieser Einheiten schlucken muß. Dps wird in den Ernährungsbüchern nun in einer Form vorgeschrieben, die bei Nichtbefolgung vorzeitiges Dahinsiechen androht. Da haben drei Feigen 100 Kalorien; eine Kartoffel gleichfalls 100; wobei die Größe dieser Feldfrucht anscheinend keine Nolle spielt; eine Banane 75; sieben halbe Walnüsse 100, ein Ei 75, 100 Gramm Schellfisch 73; 100 Gramm Gans 489 und 250 Gramm Butter 779. Es können auch 778 fein. Der ganze Unfug ist aber aus der Behandlung des Durstes ersichtiich: Ein Glas Wasser wird da ?um Ausgangspunkt und zu umfassenden Studien ür verschiedene Ratschläge gemacht. Nur wenige sagen, daß man ein Glas Wasser trinken soll, wenn man das Gefühl hat, eines trinken au wollen, — also, wenn man durstig ist. Das ist alsch. Man soll nicht trinken, wenn man durstig ist, andern eine halbe Stunde vor dem Essen. Andere inben das lebensgefährlich und ordnen an. eine Viertelstunde nach dem Essen zu trinken! Andere empfehlen mindestens zwei Liter Wasser im Tag, aber gekocht, bitte sehr! Und ein ganz Schlauer stebt aus dem Standpunkt, daß man nicht trinken soll, wenn man durstig ist, sondern immer eine halbe Stunde vorher! Alle diese Geschäftemacherei wird aufhören, wenn die Menschen durch Arbeit und Brot wieder richtig -ihren Hunger stillen können Es kommt weniger darauf an, daß der Möbelpacker 3929 Kalorien erhält, als daß er Möbel zu packen hat und daß ihm feine Frau nach getaner Arbeit ein gutes und kräftiges Essen auf den Tisch stellen kann. M. Ausdehnung des Verbots über das betäubungslo^e Schlachten. In den unter dem 20. März erlassenen Durchführungsbestimmungen zur Verordnung über das Schlachten von Tieren vom 17. März 1933 wird vom Minister des Innern bestimmt: Das Betäuben ist durchzuführen: 1. bei Pferden. Großvieh und Schweinen vermittels Ku- gelschuh- oder Bolzenschuh-Apparats oder auf elektrischem Wege. Eine Betäubung durch Kcpf- fchlag oder Genickstich ist ab 1. April 1933 verboten; 2. bei Kleinvieh (Kälber. Schafe, Ziegen) kann neben den genannten Apparaten auch der Kopsschlag in Anw n.ung k.m.nen un e: der Voraussetzung, daß derfeloe fachmännis^) ausgeführt wird. Das Verbot betäubungslosen Schlachtens wird auch auf Geflügel jeglicher Art ausgedehnt. Diese Vorschriften beziehen sich auf alle gewerblichen und auf alle Hausschlachtungen. Ausnahmen können nicht gestattet werden. Verbilligte Sommerreisen ab -1. Mai. Die Reichsbahn beabsichtigt auch in diesem Jahr wieder die Einführung der verbilligten Urlaubskarten mit großzügigen und weitgehenden Erleichterungen. Die Entscheidung fällt wahrscheinlich noch im Laufe dieser Woche, spätestens in der Sitzung des Verwaltungsrates am 27. und 28. März. Man Plant und rechnet, der „Deutschen Zeitung" zufolge, bestimmt mit der Einführung der Urlaubskarten mit 20 v. H. Fahrpreisermäßigung vom 1. Mai bis 31. Oktober. Die Geltungsdauer (zwei Monate) soll unverändert bleiben, dagegen wird die Sperrfrist aus sieben Tage herabgesetzt werden. Außerdem soll eine Fahrtunterbrechung auf der Hinreise gestattet werden. Gietzcner ^ochenmarttpreifc. * Gießen, 23. März. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 110 Pfennig das Pfund, Landbutter 100, Kochbutter 80, Matte 20 bis 25, Wirsing (gelb) 15, (grün) 20 bis 25, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut, Gelbe Rüben, je 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Anter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 18, Feldsalat 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3. Aepsel 20 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Obslmus 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Rüsse 40; Tauben 40 bis 50 Pfennig das Stück. Käse 5 bis 10, Eier 7, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 20 bis 25, Endivien 10 bis 2o, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30. Taici^ für tonne siaq, 23. März 1918; Litauen erklärt sich als selbständigen Staat; — 1924: der Kolonialpolitiker Joachim Graf von Pfeil in Friedersdorf gestorben; — 1929: der Komponist Anton Beer-Waibrunn in München gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Technische Rothilfe e. V., 20.15 Ahr, Studentenheim, Leihgesterner Weg^ öffentliche Werbeversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Rebell". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: »Scamvolo, ein Kind der Straße". — Aus dem S t a d t t h e a t e r b u r e a u wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, von 20 bis 23 Ahr, erste Wiederholung der Operette „Glückliche Reise" von Künnecke. Spielleitung: Paul W r e d e- 24. Vorstellung im Freitag- Abonnement. Operettenpreise. — Sonntag zum letztenmal die Operettenrevue „Im weißen Rößl" zu Leinen Operettenpreisen. Anwiderruflich letzte Aufführung! — Das Schauspiel „Vor Sonnenuntergang" von Gerhart Hauptmann wird am Dienst g, '28. März, zur nächsten Aufführung kommen. — Als nächste Reuinszenierung kommt am Freitag. 31. März, das Schauspiel „Die Räuber" von Schiller unter Peter F a s s o t s Spielleitung zur Aufführung. — Der Deutsch-Oe st erreichische Al- penverein, Sektion Oberhessen, veranstaltet am Samstag, 25. März, 20.30 Uhr, im Singsaal des Realgymnasiums einen Lichtbilder-Vvrtrag. Regierungsrat Dr. G r e t s ch m a n n - Darmstadt wird über seine Erlebnisse in den Bergen sprechen. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. — E i n häusliches Schülerkonzert zum Besten der Anstalt Bethel veranstaltet Frl. Amalie Holzapfel am Samstag, 25. Htärz, 16 Uhr, und am Sonntag, 26. März, 11 Uhr, im Hause Frankfurter Straße 12. Zur Aufführung gelangen Werke von Bach, Beethoven, Mendelssohn, Chopin, Schuhmann, Reger u|ro. Auf dif heutige Anzeige fei be- fonders aufmerkfam gemacht. •• Letzte '„R öhl"-Ausführung im Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Wie überall an allen Bühnen, an denen die Operettenrevue „Im weißen Rößl" zur Aufführung kam und dieses Stück zum Schlager der Spielzeit wurde, gibt es doch auch für diese Beliebtheit einen Abschied. Die Intendanz muß ber irrigen Meinung Vieler Theaterfreunde cnigec^ntretcn, daß noch einige Aufführungen folgen würden. Da die von der Firma Iosef Blecker, Münster i. W., gelieferte kostürnliche Ausstattung unbedingt zurück- gesandt werden muß, ist die „Rößl"-Aufsührung um Sonntag, 26. Marz, 18.30 Ahr, unwiderruflich zum letztenmal. ** Beurlaubung des Oberstaats- a n w a l t s D r. M a y. Wie aus Dürmstadt berichtet wird, ist der Oberstaatsanwalt in Darrn- staot Dr. May auf fein Rachsuchen vom Iustiz- m.nisterium beurlaubt worden. *• Weitere Beurlauoungen bei der Polizei. Der Etaatslommissar für das Polizeiwesen in Hessen hat mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres beurlaubt: Polizeioberleutnant Stock, Pclizeioberwachtrneister Arzt, Polizeioberwachtmeister Hillenbrand, Po.i.eiooer- Wachtmeister Häuser, Poli^eiwacytmeiste^ Krämer I., sämtlich in Offenbach, Polizeioberleutnant Knieriem in Darmstadt, Gendar- meriefommiffar Köhler, Polizeilo.nmissar Hau, Polizeioberwa^tmeister Ernst Münk in Gießen, Gendarmerie-Hauptwacytmeister Busch in Reiskirchen, Gendarmerie Hauptwachtmeister Halbgewachs und Polizeiyauptwacht- meitler O b st e r in Worms. ** Gießener Frühjahrsmesse. Vom Sonntag, 2ö. März, bis einschließlich Sonntag, 2. April, findet au* Oswaldsgarten die diesjährige Frühjahrsmesse statt. Der Frühjcchrsmarct ist auch in diesem Iahre als Schau- und Verlausr- markt beabsichtigt. Der Unterhaltung werden wieder zahlreiche Schaugeschäfte, Auto-Leibstfahrer, Karussells, Steile Wand, Hippodrom, Hexenschaukel, Lachtempel, Affenschau, Kasperltheater und vieles anderes mehr dienen. Marklzeit ist von 14 bis 22 Ahr, an Sonntagen von 14 bis 22.30 Ahr. Auf die heutige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht. ** Schwerer Verkehrsunfall. In der Rähe der Iohannesburg auf der Marburger Straße ereignete sich gestern gegen 20.30 Ahr ein schwerer Verkehrsunfall. Der 30s5hrige Reisevertreter Emil Fichtner, wohnhaft in Gießen, Licher Straße, der sich auf der Fahrt von Lollar nach Gießen befand, fuhr beim Aeberholen eines Autos mit seinem Kleincraftwagen so heftig gegen einen Daum, daß der Wagen fast völlig zerstört wurde. Fichtner erlitt dabei eine schwere Bauchve.letzung und e.ne Ko,.fVerletzung, die seine sofortige Aeberführung in die Chirurgische Klinik nötig machten. Rach der ersten ärztlichen Hilfeleistung wurde der Verunglückte in einem Privatkraftwagen nach der Klinik gebracht und noch in der Rächt einet Operation unterworfen. Der Zustand des "t>eöauem8toerten Mannes ist ernst. •* Weidmannsheil. Fabrikant Iulius R a 11 m a n n in Gießen schoß gestern abend die erste Schnepfe im Gießener Siadiwald. •• Schont b i e Hecken? Verkohlter Rasen und Brandplatten in vem mit Hecken umsäumten Feldrain machen den naturliebenden Wanderer stutz.g. Das Rborennen der Weg- und Ackergehölze kann vom Standpunkt des Vogelschutzes aus nicht genug mißbilligt werden. Zahlreichen Buschbrutern, wie Grasmücken, Weidenlaub- vögeln, Rohrsängern, Amse.n, Hansl.ngen, Gimpeln und Rachtigallen wird die Ristgelegenheit in unserem ohnehin schon heckenarmen Lande bedeutend verringert und erschwert. Die Folge davon ist ein Abwandern der nützlichen Heckensingvögel und ein damit verbundenes starres Zunehmen schädlicher Raupen, wie des Ringelspinners, Daumweihlings und der Gespinstmotte. Die Aufforderung: „Schont die Hecken!" sollte auch wegen der mit dem Abbrennen verbundenen Gefahr eines Wald- oder Heidebrandes beachtet und erfüllt werden. ** „Die Erbtante lammt". Auf Beran- laffung des Union-Brikett vertreibenden Handels fand gestern abend im Cafe Leib eine Reklame-Veranstaltung für Union-Brikett statt. Zunächst hörte man von einer Hausfrau das Notwendigste über rationelle Küchenführung, über Kohlenverbrauch, über die richtige Auswertung des Feuerungsmaterials ufro. Gleichzeitig bereitete die Vortragende auf den zur Verfügung stehenden Herden einige Gerichte, Kuchen wurden gebacken und fo eine glückliche Verbindung von Theorie und Praxis geschaffen, die die zahlreichen Zuhörerinnen mit großer Aufmerksamkeit folgen ließ. Schließlich gelangte ein kleines Theaterstück jur Ausführung, das nur von zwei leiblichen und einigen imaginären Personen (im Telefon) gespielt wurde. Die lustige Handlung, die einige ulkige Verwechslungen und viel Situationskomik brachte, diente indirekt der Reklame, und so konnte man auch während des Theaterstückes einiges über die praktische Verwendung der Union-Briketts, über richtige Feuerung und andere einschlägige Dinge hören. Die Verteilung von Kostproben regte die Stimmung an. Zum Schluß fand die Verlosung eines Zimmerofens und einer An johl Trostpreise statt. Die Preise wurden zum Teil sofort verteitt. Oie deutsche Bauwirtschast im Jahre 1932. Rach einer Veröffentlichung der Deutschen Dau- und Bodcnbank AG.. Berlin, und der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten AG.. Berlin, wird ausgeführt, daß die seit längerem beobachteten Etrukturwandlungen auf dem Gebiete des Wohnungsbaues sich im Iahre 1932 verschärft haben. Die Schrumpfung der Bauproduktion hot sich in schnellerem Tempo als in dev industriellen Gesamterzeugung vol.zogen. Gegenüber 11 Prozent im Iahre 1920 umfaßte der Wert der Bauproduktion im Iahre 1932 kaum mehr als 6 Prozent der Industrieerzeugung. Der absolute Wert der baugewerblichcn Produktion habe sich im Iahre 1929 von 8.9 Milliarden auf etwa 4 Milliarden im Iahre 1931 und schätzungsweise 2.1 Milliarden Mark im Iahre darauf vermindert. Der Tiefbau konnte sich unter dem Einfluß von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen mit 900 Millionen Mark annähernd den Vorjahresstand behaupten. Im Wohnungsbau hat sich der Rückgang noch schneller als in der Gesamtproduktion vollzogen. Ein beträchtlicher Wohnungsbedarf hatte demgegenüber infolge der Massenarbeitslosigkeit nicht die entsprechende Rachfrage zur Folge. Insgesamt wird die Zahl der in Deutschland 1932 errichteten Wohnungen auf etwa 120 000 geschätzt gegen 251 701 im Iahre 1931 und einer durchschnittlichen Iahresleistung von wenig über 330 000 in den Jahren von 1923 b.s 1930. Die Zahl der Tauerlaubnisse fiel um 56,7 Prozent, die der Daub:ginne um 42 Prozent und die der Bauvollendungen um 45,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Oberhessen. Neue Ehrung des hessischen Staatspräsidenten. WER. Butzbach, 22. März. Rachdem die Stadt Butzbach vor kurzem den neuen hessischen Staatspräsidenten Dr. Werner zum Ehrenbürger ernannt hat, beschloß jetzt der Lehrkörper der hiesigen Weidig-Oberrealschule, in dankbarer Anerkennung des langjährigen Wirkens von Professor Dr. Werner als Lehrer an dieser Anstalt, ihn dadurch zu ehren, daß die Schule künftig Weidig-Werner-Schule benannt werden soll. Staatspräsident Dr. Werner, der eine Abordnung des Lehrkörpers der Schule unter Führung von Oberstudiendirektor Dr. B i n z e l empfing, die ihm diesen Beschluß des Lehrkörpers vortrug und um seine Zustimmung bat, hat sein Einverständnis zu dieser Ambenennung gegeben. HilsSpolizei-Verpflichtung in Grünberg. + ® r ü n b e r g , 22. März. Hier fand am Dienstagnachmittag die Verpflichtung der SA. als Hilfspolizei statt. Zu diesem Zwecke war die SA. auf dem Marktplatz angetreten. Es erschien der Staatskommissar für das Polizeiwesen, Dr. B e st, in dessen Begleitung sich u. a. Regierungsrat Grein vom Kreisamt Gießen und der Kreisleiter der RSDAP. Abg. Dr. Harth, besanden. Rach einer Ansprache, in der er auf die Bedeutung der Hilfspolizei hinwies und die Verordnung über ihre Einrichtung bekannt gab, nahm er die Verpflichtung der SA. durch Handschlag vor. Mit einem Hinweis auf die Bedeutung des Tages von Potsdam schloß er mit einem Sieg Heilt auf den Führer des neuen Reiches. Niddaer Dank. △ TU i b b a, 21. März. Die diesjährige Gene- ralbcrfammiung der Riddaer Dank wurde in der ..Krone" abgehalten. Aus dem von Danlvor- stand Hermann o e u m erstatteten Iahresbericht I war ein Geschäftsumsah von 14 Millionen, statt 17 Millionen im Vorjahr, zu ersehen. Die Ar- fachen dieses Rückgangs liegen in der allgemeinen Abnahme des Geldverkehrs infolge der Defla- tionserscheinungen im Sommer, sowie in der Herabsetzung des Zinsfußes. Verluste hat die Dank nicht erlitten. Der Reingewinn betrug 6797 Mark gegen 13 747 Mark im vorigen Iahre. Einen bedeutenden Ausgabeposten des Instituts bilden die Stevern, die wieder 1800 Mark mehr erforderten. Die Versammlung genehmigte die Rechnung und beschloß, den Reingewinn wie folgt zu verwenden. Den Aktionären an Dividende 7 Proz. mit 2876,60 Mark, Aeberweisung zum Aufwertungsstock 500 Mark, desgleichen zum Reservefonds 2000 Mark; Zuwendung dem Verein Krankenpflege hier 100 Mark und dem Gewerbeverein Ridda für die Gewerbeschule 100 Mark. Abschreibung auf Immobilien 367,42 Mark und den Rest mit 853,30 Mk. auf neue Rechnung zu übertragen. Rach den g.schlichen Destimmungen muhte der seitherige AuFichtsrat in Gesamtheit zurücktreten, er wurde aber mit großer Mehrheit wiedergewählt. Landkreis Gießen. z. Rödgen, 21. März. Die Gesangsab- teilung des Turnvereins 18 62 zuWie- seck gab am Sonntagnachmittag in Wagners Saalbau ein Konzert. Die Sangerschar, etwa 40 Männer, brachten in der Hauptsache Volkslieder von Silcher, Hanemann, Zöllner, Moldenauer u. a., aber auch einige Kunstchore zu Gehör. Die Lieder wurden trefflich wiedergegeben und zeugten von guter Schulung. Das Programm wurde bereichert durch ein Streichquartett der Herren Otto Dender, (1. Violine); Rudolf Loh (2. Violine), Karl Rabenau (Viola), Dr. Hillenchrand (Cello); das u. a. eine Beet- hovensche Komposition meisterhaft interpretierte. In der Pause begrüßte der Vereinsvorsitzende. Herr Säubert, die Zuhörer und richtete Worte der Anerkennung und Dankbarkeit an den Dereinsdirigenten Karl E tz e l m ü 11 e r von hier, dem zu Ehren dieses Konzert veranstaltet worden sei. Die Veranstaltung fand einen feinsinnigen Abschluß mit Haydns Variationen über das Deutschlandlied. < Burkhardsfelden, 21. März. Am Samstag fand in der Gastwirtschaft von Hinter Wwe. die Generalversammlung der Spar-, Kredit-, Bezugs - und Absatz-Genossenschaft Burkhardsfelden statt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Chr. Arnold IV., gedachte zunächst der Verdienste des verstorbenen Mitbegründers und erstmaligen Rechners Heinrich Becker. Direktor A l b a ch X. erstattete den Geschäftsbericht und gab die Iahresrechnung und die Bilanz für 1932 bekannt, die einen Gesamtumsatz von 268 548 Mk. auswies. Der Reingewinn beträgt 745,78 Mk.. der nach Verteilung einer lOprozentigen Dividende den Reserven überwiesen wurde. Die Mitgliederzahl betrug am Schlüsse des Geschäftsjahres 107. Dem Vorstand und dem Aufsichtsrat wurde einstimmig Entlastung erteilt. Die Ersatzwahl zum Vorstand ergab die Wiederwahl des seitherigen Direktor- Hch. Alb ach X. Von den ausscheidenden Aufsichtsratsmitgliedern. Hch. G o t t w a l z und Karl Haas 1., wurde ersterer wiedergewählt. An Stelle von K. Haas I. wurde Wilh. Dal- ser VIII. von Oppenrod gewählt. Zum Schlüsse referierten Bürgermeister Albach und Genossen- schaftsrechner L a u n s p a ch über Sleuergutscheine. 4- Reiskirchen. 21. März. Die durch den Wegzug des früheren Feuerwehrkommandanten notwendig gewordene Reuwahl fand dieser Tage statt. Die Wahl fiel auf Herrn Heinrich Damm. Kreis Büdingen. WSR. Büdingen. 22. März. In dem benachbarten Ort Mittelgründau, in dem die Kommunisten zahlreiche Angehörige hatten, wurde jetzt der dortige Kommunistenführer Pfannmüller, der beim Erscheinen der Gendarmerie anfänglich die Flucht ergriff, aber doch nach kurzer Verfolgung gefaßt werden konnte, verhaftet und in das hiesige Gefängnis eingeliefert. Bei dem Verhafteten wurde belastendes Material gefunden. Wettervoraussage. Das umfangreiche Hochdruckgebiet mit feinem Kern über der Ostsee wird zunächst das schöne Wetter erhalten. An feiner Südseite flieht kontinentale Luft nach Deutschland, so daß bei überwiegend hei» terem Himmel die Temperaturgegenfätze zwischen Tag und Nacht bestehen bleiben. Tiefdruckstörungen im Westen, wie auch über dem Balkan dürften jedoch mit der Zeit die Hochdruckwetterlaye gefährden und zu Dunst- und Wolkenbildungen fuhren. Aussichten für Freitag: Äeist heiter und trocken, nachts noch kalt, tagsüber weitere Erwärmung. Aussichten für Samstag: Stellenweise Dunstbildung und leicht bewölkt, trocken. ttircbfiche Jiochncbfen. Evangelische Gemeinden. Freitag, den 24. März. Kapelle des Allen Friedhofs. 18 Uhr: Passions» andacht; Pfr. Lenz. — Pelruskapelle. 20: Passions» andacht; Psarrassistent Knell. katholische Gemeinden. Freitag, den 24. März. ' Gießen. 20.15 Uhr: Fastenpredigt. Samstag, den 25. März. Gießen. 9.30 Uhr: Gelegenheit, bei einem fremden Priester zu beichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 25. März. Vorabend 6.30 Uhr; morgens 9; abends 6.55 und 7.35 Uhr. Israelitische Religionsgesellschask. Sabbatfeier den 25. März. Freitag abend 6 20 Uhr; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 7.35. — Wochentags: morgens 7; abends 6 Uhr.________ Seim Kaffeekochen ist die Hauptsache eine gute stasseewürzel Darum nehme man immer Mühlen Wie sie ihn bezwang Dnamdlroman von3 Schneiver-Ioerstl. llrdeberrechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau i. 5. 30 Fortsetzung. Nachdruck verboten« Nina räumte aufgeregt in den Schubladen und sah die Kleider durch, die in dem Schranke hingen. „Die Signora hat nichts mit sich genommen. Selbst die Robe, die sie am Abend getragen hat, ist hier." Sie hielt dabei das pastellblaue Seidengewand hoch, welches Stephanie zum Abendtisch übergeworfen hatte. Dann schrie sie plötzlich auf: „Das Badetrikot fehlt. — Ach Signore, nun brauchen Sie sich nicht mehr zu ängstigen. Madame hat noch ein Bad genommen." — Förmlich erleichtert machte sie sich daran, '-die Kleider wieder in den Schrank zurückzuräumen und die Schubladen wieder zu schließen. Das war ein ordentlicher Schreck gewesen, und sie begriff den Signore, daß er fahl im Gesicht und mit wankenden Füßen aus dem Zimmer taumelte. Es würde ein kleines Donnerwetter geben und dann liebten sie sich wieder. Ach ja, man liebte sich immer wieder. Sie dachte dabei an ihren Pedro, und wie heiß der sie immer in die Arme schloß, wenn man im Zank auseinanbergegangen und dann des Sonntags wieder zusammengetroffen war. Das mußte so sein, sonst bekam man sich satt mit der Zeit. Ach, und es war gefährlich, sich satt zu bekommen. Unten knallte jetzt die Gartentüre ins Schloß. Vielleicht war sie jetzt zurück. Aber es war Jörg gewesen, der sie in die Angeln geschleudert hatte. In seinen leichten Hausschuhen, den Rock geöffnet, übersprang er die Straße und lief den Strand entlang. Die Hände vor dem Mund gehöhlt schickte er seine Stimme in das Brausen. „Stephanie!" Sah das Zwecklose seines Rufens ein und trommelte den Bootsverleiher heraus, der sie am Abend ein Stück ins Meer gefahren hatte. „Dio!" fluchte der Alle. ,Hetzt nachts um eins. Kostet die dreifache Taxe!" „Die zehnfache!" versprach Merlin. Der Grauhaarige sah ihn an, nickte und sperrte die Türe zum Bootshaus auf. Das Geknarre ihrer verrosteten Angeln rief feinen zwanzigjährigen Sohn aus dem Hause. Er schien sofort zu begreifen, um was es sich handelte: „Sie ist keine zehn Meter von hier hineingesprungen." „Eine Dame im Badetrikot?" stieß Merlin heraus. „Ja, ja!" „Und du hast sie nicht herausgeholl, du Maulesel du!" empörte sich der Alte. Der Bursche zeigte alle Zähne. „Ich stand bei der Ninetta. Gerade als ich ihr Buona netta sagte, höre ichs aufklatschen. — Dachte ichs, daß die Signora nicht mehr leben wollte? — Bei der Madonna, ich hätte sie zurückgehott" Er half dem Vater das schwere Doot aus der Hütte ziehen, daß es wie ein dunkler Wal gegen den Landungssteg stieß. „Wohin?" knurrte der Alle. Seine rissige Hand zeigte über die mondberieselte, gischtende Fläche. „Immer das Gleiche: erst streitet man sich! Dann will man sich wieder haben." Und in Merlins verzweifeltes Gesicht sehend, meinte er freundlicher: „Steigen Sie ein, Signore. In einer Stunde ist es hell. — Schwimmt sie gut?" „Besser als ein Mann!" „Va bene! Dann ist es gut!" und Hans Jörgs verständnislosen Blick auffangend, sagte er gelassen: „Ein richtiger Schwimmer ertrinkt nicht so leicht. — Auch das Ertrinken muh man können, Signore!" Hans Jorg hatte das Empfinden, daß der Alte ihn trösten wollte und sprach nicht mehr dagegen. Er wußte ja: Stephanie hatte den Tod gesucht und alle, die ihn ehrlich suchten, hatten ihn immer noch gefunden. Der junge Bursche schob mit einem kräftigen Ruck das Fahrzeug der ersten Welle entgegen. Sie nahm das Boot im Spiele auf und trug es mit sich fort, dem offenen Meere zu. Der Wind strich in leichter Brise West-Nordwest. „Ganz lau", sagte der Graubart, als ihm bei einer scharfen Wendung ein Sprühregen ins Gesicht fuhr. „Gibt noch ein Wetter heut zum Mittagessen." Merlin suchte mit starren Augen die schimmernde Fläche ab. Jede Welle erregte seine Aufmerksamkeit. Wie war doch ihr Trikot gewesen? — Blau ober gelb? Er wußte es nicht mehr. Unb so belanglos bas auch war, es gab feinen Gedanken eine gewisse Ablenkung. Er strengte sich an, die Farbe wieder ins Gedächtnis zu bekommen. Zuletzt gaukelten ihm seine Sinne ein vergißmeinnichlähnlichös Blau vor, fast übereinstimmend mit dem, wie es das Meer bei Capri trug. Es hatte sich kein Unterton bareingemengt. Er stieß einen leisen Ruf aus, aber es war nur eine Boje, bie weit draußen im Licht bes erwachenden Morgens heranzuschwimmen schien. Den Mund zu einer schmalen Linie verengt, saß er wieder reglos. Rosa Wölkchen kletterten am Horizonte auf und schlüpften wieder darunter hinab. Sie hatten einen welchen Schimmer in diele Symphonie von Blau geworfen und ließen am Rand des Himmels einen rötlichen Streifen zurück. Der Graubart schien aus nichts als sein Steuer zu achten, aber als Merlin ihn fester ins Auge nahm, machte er bie Entdeckung, daß er scharfen Blickes die endlose Wasserfläche hinauf- und hinuntersuchte. Und plötzlich änderte er den Zickzackkurs, den er bisher genommen hatte unb schlug eine schnurgerade, nach Osten führende Linie ein. „Wohin?" Es war das erste Wort, das Hans Jörg sprach. Sein Gesicht hing müde über die Brust unb die Augen tränten von dem angestrengten Sehen. Mit der Linken zeigte der Schiffer nach einem winzig dunklen Punkte, der ihnen entgegen- geschwommen kam. „Marina del Mario. Früher haben ein paar Hütten dort gestanden. Aber seit sich das Fischen nicht mehr lohnt, sind sie ohne Bewohner. Nicht eine, die noch ganz ist. Aber es geht eine Strömung dort vorüber, die schwemmt die Toten an. Ihrer sechzig im Jahre oder mehr. Es gibt immer wieder welche, die vor dem Leben auskneifen. Im Monat einmal kommt ein Regierungsboot, holl sie herein unb bringt sie auf den Friedhof nach Ostia."— Unb als Jörg nichts ermieberte, sagte er etwas lauter: „Auf Marina bei Mario halte ich jetzt zu. — Vielleicht — bann wollen wir umkehren." Merlins Augen starrten bem näherkommenben Punkt entgegen und öffneten sich immer mehr, als müßte er, wenn er sie ganz weit auftat, das sehen, was ihm den gräßlichsten Augenblick seines Lebens bringen würde. Immer noch schoß das Boot geradeaus. Die Wellen zischten an ihm empor. Es warf jede von ihnen kurzweg zur Seite unb bahnte sich den Weg mitten durch sie hindurch. „Wir müssen ein Stück herumfahren, man kann nicht überall lanben", sagte der Alte unb zog einen großen Bogen um bie Ostseite ber Insel. Sie schien tatsächlich unbewohnt zu sein. Schilf wucherte in Mannshöhe unb ber Kahn mußte sich förmlich hinein- bohren, bis unter ihm endlich Sand knirschte. Merlin stieg über angeschwemmtes Holz, sank bis über bie Knöchel in eine schlammige Mulde, zog den Fuß hoch unb' gewann enblich festeren Boden. „Ich warte hier", sagte ber Alte. „Mitgehen kann ich nicht. Es reißt mir sonst bas Fahrzeug weg. Ist eine ganz verfluchte Strömung, die da um bie Marina zieht. — Aber fehlgehen gibt es hier ja nicht. Die paar hundert Quadratmeter find rach abgelaufen. Bleiben Sie nur immer hübsch außen herum. In einer halben Stunde können Sie wieder da fein. — Wenns aber sein sollte —, daß Sie mich brauchen", er sah dabei geflissentlich an Merlin vorüber, „bann rufen Sie. Ich komme bann schon! — Solange wird der Kasten hier schon stehenbleiben!" Merlin nickte unb setzte die Füße schleppenden Ganges in Bewegung. Ueberall, wo er bintral. riefelte Sand ab. Der Wind hatte groteske Figuren aus ihm geformt unb zum Teile wieber über beit Haufen geweht. Das Lachen einer Möwe ließ ihn zusammensahren. Sie zogen mit breitem Flügelschlag über ihn hinweg und haschten sich gegenseitig. Aus ber einen war plötzlich ein Dutzend geworden. Er hatte sie auftzeschreckt. Er ging jetzt vorsichtig, gesenkten Hauptes, als müsse er acht haben, daß er keinen, den das Meer hier herausgeworfen hatte, wie der Schiffer berichtete, mit dem Fuße stieß. Aber er hatte noch keine Leiche zu Gesicht bekommen. Möglich auch, daß das Regierungsboot erst kürzlich hier gewesen war und Ernte gehalten hatte. Dennoch ging ein fortwährendes Rinnen und Rieseln über seinen Körper. Irgendeine unbestimmte Ahnung sagte ihm, daß er Stephanie hier nicht finden würde. Sie mußte, wo anders fein. — Aber wo? — Hierher wurden die Toten getrieben, hatte ber Alle gesagt. Aber das Meer war verschwiegen und konnte es nicht auch erst nach Tagen oder Wochen fein Opfer herausgeben? — Eine ungeheure Mutlosigkeit ergriff ihn. Sie war so stark, daß er sich auf einen angeschwemmten Balken halbverfaulten Holzes niederließ unb für Minuten nichts zu denken vermochte. Wieder waren es bie Möwen, bie ihn aufschreckten. Frech, wie das ihre Art ist, zogen sie Schleifen und Kreise um ihn. Ihr Kreischen dünkte ihm wie Hohn. Er konnte es nicht mehr hören. Mit demselben schleppenden Schritt, mit bem er gegangen mar, kehrte er vierzig Minuten sväter nach dem Boot zurück. Der Alte verlor kein Wort unb half ihm über den Rand. Der Wellenschlag war ungemütlich unb die Strömung riß unb zerrte. Als er es wieder fahrbereit gemacht hatte, sagte er gutmütig: „Hab ichs nicht gesagt: auch das Ertrinken muß man können. — Einmal ist ein Florentiner bei Ostia ins Meer gesprungen. Va bene! Ersäufen wollte er sich, der Esel unb hat nicht bedacht, daß er als Dauerschwimmer schon zweimal den Preis von Rom gekriegt hat. Er mochte sich untertauchen wie er wollte. Immer kam er wieder hoch. Ecco! — Das Ende? — Daß er da, wo er hineinsprang, wieder an Land gestiegen ist. Er Haffs kein zweitesmal versucht." Merlin hielt- nur den Kopf gesenkt. Was hätte er auch erwidern sollen? Der Alte meinte es gut. Die Hände zwischen den Knien hängend, saß er unb wehrte ber Verzweiflung, die immer schwärzer über ihn hereinbrach. (Schluß folgt). DER 2111 C Stück 25 Stück 45 Stück 30 FeineToiletteseife Frischgewicht. . 8r22 Deuta-Seif entlocken.. .«-^^.>>-,^32 Pfund 40 0182.1 folgendes Mobiliar: 2117V 2 große Rollen 28 Toilette-Pepier S & F-Sparmarken auf alle WarenI | Verkäufe Empfehlungen Selbe Kernseife 2 Stück je 300 gr Frischgew. 27 Weiße Kernseife groß. 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Sein Hauptarbeitsgebiet bilden soziale Ethik und innere Mission. brachten ein Gedicht zum Vortrag und legten einen Ftchtenkronz mit Schneeglöckchen und schwarzwciß- rotcc Schleife nieder. Eine Minute stillen Gedenkens war den Gefallenen gewidmet. Sodann marschierte man zum Saalbau Hengst. Eine große Zahl Männer und Frauen hatte sich angeschlossen. Lieder und Gedichtvorträge der oberen Klassen und des Beethovenschen „Die Himmel rühmen", von Herrn Kruger gesungen, leiteten die Feier ein. Die Rede des Schulleiters Metzler gipfelte in der Forderung, sich in die nationale Front einzureihen und durch treueste Pflichterfüllung mitzuarbeiten an dem hohen Ziel unserer Führer Hindenburg und Hitler an der inneren und äußeren Befreiung unseres Volkes. Kreis Wetzlar. K r o f d o r f. 22. März. Die hiesige Schule hielt am Tage der feierlichen Reichstagseröffnung im Mohschen Saale eine Feier ab, bei der die Kinder im Beisein zahlreicher Erwachsener die Rundfunkübertragung aus der Potsdamer Garnisonkirche hörten. Mittags läuteten die Glocken, am Abend versammelten sich Hunderte von vaterländisch gesinnten Männern und Frauen und die Jugend, sowie die auf nationalem Boden stehenden Ortsvereine auf „den Stühlen", um von hier, unter Borantritt der hiesigen Musikkapelle und der SA., in einem Fackelzug das Dorf zu durchziehen. An einem in hohen Flammen lodernden Reisighaufen endete der Zug. Die Menschenmenge, in der man neben den Vertretern der Behörden und neben dem Lehrerkollegium auch Auswärtige sah, lauschte dem von der Kapelle intonierten Choral: „Großer Gott, wir loben dich" und anschließend einem Lied des Gesangvereins „Germania". Dann sprach ein nationalsozialistischer Redner über die Bedeutung des Tages. Das Lied vom guten Kameraden, das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied beschlossen die stimmungsvolle Feier. ' Wrtzmar, 22. März. Anläßlich der Reichs- tagserösfnung sand gestern abend durch unseren Ort ein gewaltiger Fackelzug statt, an dem sich der größte Teil der Wißmarer Bevölkerung beteiligte: insbesondere schloßen sich an die ^Freiwillige Feucrw^h. m.t Trommlerkorps, derTurn- verein „Gut Heil" und der Bauernverein. Die Gemeinde hatte genügend Holz zur Verfügung gestellt, so daß ein großes Feuer auf der Wißmarer Anhöhe abgebrannt werden konnte. Die offizielle Ansprache wurde von Lehrer Schnorr in eindrucksvoller Weise gehalten, Rektor G ö r - n e r t sprach im Ramen der Schule einige Worte an die Eltern und Kinder. Die hiesigen Mitglieder der RSDAP. haben eifrig zur Verschönerung der Feier sehr viel beigetragen. Anschließend sand noch eine schlichte Feier im Wolfschen Saale statt, bei welcher nochmals Lehrer Schnorr einige ermahnende Worte an die Wißmarer Bevölkerung richtete. Das Horst- Wessel- und das Deutschlandlied wurden gesungen. Für Wißmar war diese Feier ein voller Erfolg, der seinen Riederschlag darin fand, daß eine stattliche Zahl Einwohner der RSDAP. als Mitglieder beitraten. _________ Wirtschaft. Berlin zuerst mott dann erholt. Berlin, 23.März. (WTD. Funkspruch.) Obwohl die Kursverluste zu Beginn der heutigen Börse meist noch über die des gestrigen Frankfurter Abendvertehrs hinausgingen, war die Anfangsstimmung nicht einmal als schwach zu bezeichnen. Dem herauskommenden Material stand auf niedrigerem Riveau nämlich auch schon wieder Kaufinteresse der Kundschaft gegenüber, und oas Realisationsbedürfnis war an sich nicht übermäßig. 2m großen und ganzen scheint das Publikum doch an seinem Besitz festhalten zu wollen. Stärker gedrückt waren eigentlich nur die in den letzten Tagen bevorzugten Papiere. So verloren Bremer Wolle, Goldschmidt, Polyphon, Lahmeyer und die Kaliwerte bis zu 4,50 Prozent. Letztere blieben von einer gemeldeten Geschäftsbelebung bei Salzdetfurth und von einer angeblichen Besserung der Absatzlage in der Kaliindustrie unbeeinflußt. Ebenso profitierten Kunst» seideakticn nicht von der günstigen Entwicklung des deutschen Kunstseide-Außenhandels. Größere Glattstellungen erfolgten noch in Montanwerken, von denen die führenden Papiere bis zu 2,75 Prozent nachgaben. Rach Erledigung der Orders zur Anfangsnotiz setzte sich bei allerdings ruhigem Geschäft dann auch ziemlich allgemein eine Erholung durch, die ihren Ausgang von den Standardwerten (Farben, Siemens und Reichsbank) nahm. Bei letzteren regte der günstige Abschluß der Golddiskontbank an. Auch die variabel gehandelten Autowerke der Berliner Börse, | unter Führung von Bayern Motoren, fanden im I Verlaufe lebhafte Beachtung, wobei angebliche Pläne bei der Reuregelung der Kraftfahrzeug---- steuer, deutsche Wagen zu bevorzugen, einen Stimulus bildeten. Auch am Rentenmarkt wurde es nach schwächerer Eröffnung wieder fester. Deutsche Anleihen konnten ihre Anfangsverluste teilweise wieder ausholen. Auch Reichsschuldbuchforderungen waren im Verlaufe wieder ziemlich gut erholt. Reichsbahnvorzugsakticn tonnten die Parigrenze behaupten. Jndustrieobligvtionen büßten bis zu 1 Prozent ein. Am Markte der Goldpfandbriefe war das Geschäft ruhiger. Von Auslandsrenten fielen Lissabonner Stadtanleihe mit einem Verlust von V» Prozent auf. t Am Geldmarkt erfuhren die Satze auch heute keine Veränderungen. Auf Grund weiterer Lllti- movorbereitungen hielt das Wechselangebot, allerdings in erträglichen Grenzen, an. Eine gewisse Rachsrage war ebenfalls wieder vorhanden. Schatzanweisungen und Reichswechsel hatten zu alten Bedingungen wieder nur geringes Geschäft. Frankfurt schwächer. F r a n k f u r t, 23. März. (WTB. Drahtmeldung.) Die heutige Börse eröffnete im Anschluß an die Abendbörse mit weiteren kleinen Realisationen sowohl der Kundschaft als auch der Kulisse. Die Abweichungen hielten sich dabei aber in engen Grenzen, zumal das herauskommende Angebot ziemlich schlank Aufnahme fand. Das Geschäft war recht klein. Die Kulisse bekundete auf Grund der wieder schwächeren Auslandsmeldungen und der mehr in den Vordergrund getretenen innerpolitischen Lage einige Zurückhaltung, wenngleich man mit einer schnellen Lösung der momentanen Schwierigkeiten rechnet. Die Grundstimmung konnte man daher als recht wider- standsfähig bezeichnen. Bei Beginn der Börse betrugen die durchschnittlichen Rückgänge von 0,50 bis 1 ü. Sy Lediglich Kaliaktien, die gestern abend nicht zur Notiz kamen, lagen schwächer und zwar verloren Westeregeln 5 v. Sy, Aschersleben 4,50 v. Sy und Salzdetfurth 3,75 d. Sy Ferner waren einige in den letzten Tagen stark gestiegenen Spezialwerte wie Lahmeyer, Deutsche Erdöl, Zement Heidelberg, AG. für Verkehrswesen, Gelsenkirchen und Ilse Bergbau Genüsse von 2,50 bis 3 ö. Sy niedriger. Auch einige Montanwerke, so Klöcknerwerke, Mannesmann und Rheinstahl, büßten bis zu 1 v. H. ein. IG. und die übrigen Chemiewerte verloren bis zu 1 v. H. Elektropapiere tendierten uneinheitlich bei kleinen Veränderungen. Lediglich Lechwerke Augsburg lagen mit plus 2,75 v. H. recht fest. Schiffahrts» aktien waren gehalten. An den übrigen Marktgebieten hielten sich die Abweichungen in dem erwähnten Rahmen. Gut behauptet waren Süddeutsch« Zucker, Plku und Licht und Kraft. Nach den ersten Kursen wurde die Stimmung etwas fester. Anregend war die Erhöhung der Golddiskontbank-Dioidende. Die Kulisse schritt zu kleinen Rückkäufen, wöbet Reichsbank mit plus 2,50 o. Sy im Vordergrund standen und sich Hoffnungen auf eine unveränderte Dividende bemerkbar machen. Am Rentenmarkt gaben Deutsche Anleihen und späte Reichsschuldbuchforderungen zunächst bis zu 0 50 o. Sy nach, später traten aber auch hier leichte Erhöhungen ein. Von Industrieobligationen verloren Stahloereinbonds 0,75 v. Sy, dagegen waren 6proz. Salzmannobligationen mit Plus-Plus-Zeichen erschienen. Deutsche Anleihen und späte Reichsschuldbuchsorderungen eröffneten zunächst etwas schwächer, waren aber später wieder erholt, besonders Reu- besihanleihe, die um 1,25, auf 13 Prozent anzog. Auch Schutzgebiete konnten sich über das Riveau von gestern erheben. Tagesgeld blieb mit 3,5 Prozent unverändert. Franlsurter SchlachLvrehm?.rkt. Frankfurt a. M., 23. März. Auftrieb: 143 Rinder, 953 Kälber, 104 Schafe, 638 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 39 bis 43 Mk., mittlere Mast- und Saugkälber 34 bis 38, geringe Kälber 27 bis 31. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Mast- hämmel (Weidemast) 26 bis 29, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 22 bis 25. — Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 200 bis 300 Pfund Lebendgewicht 35 bis 38, von etwa 160 bis 200 Pfund 34 bis 37 Mk. — Marktverlouf: Kälber und Schafe geräumt: Schweine schleppend, geringer Lieberstand. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag gefchlofskn. Erfahrene Hausfrauen kochen guten Kaffee wirklich billig, weil sie Mühlen Franck, die gute Kaffeewürze, dazu verwenden. 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