Montag. 23.Zanuar 1935 183. Jahrgang Nr. 19 Erstes Matt Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmitiag vorher. Preis iür I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig! für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20° , mehr. Chefredakteur Dt. Fr»edr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und ^ür "en Anzeigenteil i. D.Th.Kümmel fämtlich m Biegen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen prvtf vn» »erlog: vrLHI'Iche Uninerfi'Str-vuch. und Stetnörnderei B. Sange in Sietzen. Sdjriftleitung an» Seschäftritelle: Schnlttratze 1. Ericheini täglich, äuget Lonniaqs und feiertags Beilogen; D,e ODuftrierte Eiegener Familienblotter Heimat m Bild Die Scholl» monats-Beiugsprets: Mt 4 Beilagen R9.1 1.95 Ohne Illustrierte . I 80 Zustellgebühr . . -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. /iernfvrechanschlüfse vnter Sammelnummer 2251. Anichrift iür Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Jronffwrt om Woin 11686. Weitere Ausschreitungen int Reich. Zusammenstöße auch in Köln und in Augsburg. sich bei einem kommunistischenDemonstra- l i o n s z u g , der von der Polizei aufgelöst werden muhte, als Rädelsführer betätigt. Der dritte Tote, ein 27 Jahre alter Arbeiter, hatte pollzeibeamte tätlich angegriffen. Ausschreitungen in Augsburg Schleicher beim Reichspräsidenten. verlin, 23. Jan. (1DIB.) Der Herr Reichspräsident empfing heute vormittag Herrn Reichskanzler von Schleicher zum vortrog über die politische Lage und den Staad des Arbeitsbefchafsungsprogramms. Wefiel-Gedenkfeier im Sportpalast. B e r l i n, 22. Ian. (TU.) Am Sonntagabend fand |m Berliner Sportpalast eine Horst-Wessel- Gedenkfeier statt. Zwischen Hauptmann Röhm und Prinz August Wilhelm hatten die Mutter und die Schwester Wessels Plast genommen. Minutenlange Heilrufe begrüßten Hitler, als er im Saale erschien. Nach dem Bortrag des Trauermarsches aus „Götterdämmerung" ergriff der Führer der Berliner SA., Graf Helldorf, das Wort. Er führte aus, die Nationalsozialisten erfülle es mit besonderem Stolz, dah in der Zentrale des roten Berlin ihre Lieder und der Marschschritt der SA.-Kolonnen erschallt seien. Wenn es gelungen sei, schwere Verluste zu vermeiden, so sei das zunächst der eisernen Manneszucht der SA. zu verdanken, außerdem aber auch der Berliner Schutzpolizei. Gras Helldorf sprach die Mahnung aus, den gefallenen SA. Mannern nachzueifern. w Nach der Ouvertüre zu Richard Wagners „Rienzi ergriff Hitler das Wort. Es müsse etwas Gewaltiges fein, so führte er u. a. aus, das ein Volk so aufwühle, wie wir es jetzt erlebten. Es gehe um die Generalreinigung des deutschen Lebens. Die Se= bensführung des deutschen Volkes sei bedroht durch die Lebenshaltung. Aus diesem Zwiespalt fei ein Ringen entstanden, an dem bald dos ganze deutsche Volk teilnehmen werde. Der Geist der Toten, die für die nationalsozialistische Idee gefallen seien, lebe ewig. Ohne sie, ohne ihr Opfer könne die Bewegung nicht das fein, was sie fei. Der Kampf habe Opfer gefordert, der Kampf gehe weiter. Schlägereien in der Nacht zum Moniaa Berlin, 23. Jan. (ERB. Funkfpruch.) In Der Nacht zum Montag tarn es in vecichiedenen Stadtteilen Berlins zu Zusammenstößen zw ichcn Nationalsozialisten und Som- m uni ft en. 2m Tl»rden der Stadl entwickelte sich zw schen NSDAP.- und K ^D.-Anhängern eine Schlägerei. Füns Nationalsozialisten und sieben Kommunisten wurden festgenommen. 6m SA-Wann war am Kopf erheblich Der e.st worden. In Reinickendorf wurden zwei NSDAP.» Angehörige von Kommunisten Überfällen und durch Messerstiche le cht verletzt. 3n Steglitz kam es gegen 2 Uhr morgens au einer Schlägerei zwischen uniformierten Nationalsozialisten und KPD -Leuten. Ein NSDAP.- Wann wurde leicht verletzt. Zwei Kommunisten und zwei NSDAP.-Leute wurden festgenommen. Französischer Schwindel. Paris, 22.Jan. (TU.) In Zusammenhang mit den Vorfällen anläßlich der nationalsozialistischen Kundgebung in Berlin am Sonntag gibt der Berliner Sonderberichterstatter des „Paris s o i r“ feinem Blatt eine sensationell aufgemachte ^Meldung, in der unter der Ueberschrift „Blutige Schlä- fereien in Berlin" von Hunderten von Ver- e tz t e n und über 10 Toten die Rede ist. Der Adolf Hitler bet der Gedentvedc am Grabe- Horst-Wessels B ■ z*v. i r. X • X 4V Berichterstatter des Blattes hat ferner P h a n- t a f i e in einer Weife freien Lauf gelassen, daß man sich bei der Lektüre des Berichtes in die russischen Revolutionsjahre verseht sieht. Barrikadenkämpfe wechseln mit Sturmangriffen auf das Karl-Liebknecht-Haus ab, aus dem abwechselnd die Polizei von den Kommunisten und die Kommunisten von der Polizei vertrieben werden. Der „Rote Tag", so schließt bas- Blatt feine Ausführungen, werde wahrscheinlich den Auftakt zu noch viel schlimmeren Ereignissen darstellen. Kommunistische Unruhen in Köln Köln, 22. 2an. (WTB.) 3n den heutigen Nachmittagsstunden rotteten sich in Köln an mehreren Stellen kommunistischeingestellte E l e m e n t e zu unfriedlichen Kundgebungen zusammen. 3n wiederholten Fällen muhten Polizeibeamte gegen die Kundgeber einschrecken. Die Beamten wurden hierbei mit Steinen, Briketts usw. beworsen und tätlich angegriffen.. Besonders harten Widerstand fanden die Beamten in Köln-Ehrenfeld, wo sich etwa 800 Personen angesammelt hatten. Zur Ab- wehr der Angriffe waren die Beamten gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, hierbei wurden zwei als radikale Kommunisten bekannte Personen erheblich und zwei weitere leicht verletzt. Die Verletzten wurden in Krankenanstalten übergeführt. Mehrere Polizerbeamte | wurden leicht verletzt. Abends entstanden in der Altstadt nahe beim Neumarkt abermals Tlnruhen, die diesmal einen noch ernsteren Charakter trugen. Da das Betreten des Viertels in der 11. Abendstunde verboten wurde, waren Einzelheiten noch nicht zu erfahren. Fest steht, daß dreiSchwer- verletzte in ein Hospital geschafft worden sind. Gegenwärtig durchfahren Aeberfallwagen das Viertel, beleuchten mit Scheinwerfer die Häuser und fordern zum Schließen der Fenster aus, widrigenfalls geschossen würde. An den Straßenecken des von den Anruhen heimgesuchten Viertels stehen Rottentommunistischer Elemente. Nach dem Polizeibericht wurde ein Heber- fallkommando, das die Ansammlung auflösen wollte, von der Menge beschossen. Die Beamten sahen sich gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Hierbei wurden vier Personen verletzt, die in das Bürgerhospital eingeliefert wurden. Drei Todesopfer. Köln, 23. 3an. (WTB. Funkspruch.) Bei den gestrigen kommunistischen Demonstra- klonen wurden im ganzen acht Teilnehmer verletzt. Drei von ihnen sind ihren schweren Verletzungen erlegen. Bei den Toten handelt es sich nm einen 20jährigen Schleifer, der durch einen Bauchschuß getötet wurde; er war Oester- reicher und lebte bei seinen Ettern in Köln. Der zweite durch einen Lungenschuh tätlich verletzte ist ein 30jätjriger Schuhmacher. Velde hatten 40 Festnahmen. Augsburg, 23. Jan. (WTB. Funkspruch.) In der Wertach-Vorstadt versammelten sich am Sonntag trotz des Umzugsverbotes Kommunisten, die durch die Straßen zogen. Als den Deinonftranten Polizei entgegentrat, die die Menge mit Gummiknüppeln zerstreuen wollte, kam es zu A n g r i f • f e n auf die Polizei, so daß das Ueberfall- kommando alarmiert werden muhte, das die Demonstranten auseinandertrieb. Später sammelten sich immer wieder kleinere Trupps an. Erst in der Nacht konnte die Ruhe wieder vollständig hergestellt werden. Vierzig Personen wurden fest- genommen. Landeskirchenwahlen in Thüringen. Weimar, 23. Ian. (TU.) Am Sonntag fanden in Thüringen die Wahlen zum Landeskirchentag statt. Während bisher im Landeskirchentag der liberale Volkskirchenbund und der konservative Christliche Vvlksbund führten, hat das neue Ergebnis eine grundlegende Veränderung gebracht. Die Gruppe der D e u t- fchen Christen, die weltanschaulich den N a - tionalsozialisten nahesteht, vereinigte von rund 228 000 abgegebenen Stimmen 67 700 Stimmen auf sich. Der Christliche Volksbund folgt mit rund 48 600 Stimmen, während der Volks- kirchenbund an dritter Stelle mit rund 44000 Stimmen steht. Der Einigungsbund für Reformatorisches Christentum erhielt rund 39000Stimmen. Die religiösenSozialisten sind von 19 000 auf 27 500 Stimmen angewachsen. Die Wahlbeteiligung war bei den diesmaligen Wahlen wesentlich stärker, als früher. Diesmal wurden runb 228 000 Stimmen abgegeben gegenüber 186 000 beim letzten Wahlgang vor 6 Jahren. Die stärkere Wahlbeteiligung ist auf die P o l i t i f i e r u n g d e r Kirchenwahl zurückzuführen. Die Mandate verteilen sich auf die einzelnen Gruppen wie folgt: Mandate: 1926: Thüringischer Volkskirchenbund 10 Christlicher Volksbund 11 Einigungsb. für ref. Kirchentum 8 Bund religiöser Sozialisten 7 Deutsche Christen 15 21 21 13 7 3 Zusammen 51 65 Meine politische Nachrichten. An einem Herzschlag ft a r b in der vergangenen Nacht Dompropst Prof. Dr. Johannes Lin ne- b o r n in Paderborn Der Verstorbene war Mitglied des Preußischen Landtages und hat sich als solcher um das Zustandekommen des preußischen Konkordats besonders bemüht. Wie die TU. erfährt, hat der kürzlich abgefetzte Führer der SA. - Gruppe Franken, Stegmann, feine Mols Hitler gegenüber abgegebene Loyalitätserklärung zurückgezogen. Er ist aus der NS DA P. ausgetreten und hat fick dem von einem großen Teil der fränkischen SA. gebildeten Freikorps Franken angefchlosfen. Adolf Hitler hat seinerseits Stegmann aus der NSDAP, ausgeschlossen und erklärt, er und alle, die ihm (Stegmann) folgten und damit aus der Partei ausschieden, würden niemals wieder in die NSDAP, ausgenommen. Berittene Polizei patrouilliert vor dem Karl-Liebtnecht-Haus, sei dlk lei , erlr boi ( w * f w ■ ; -X ' Polizisten mit Karabinern riegeln den Bülowplatz ab, 1 WM, -M., *- Li wx. i|M FS. fv u\ Gewerkschaftsführer bei Hindenburg. Berichterstattung über die Arbeiternot. — Vorschläge der Gewerkschaften. Berlin, 21. Januar. (WTB.) Der Herr Reichspräsident empfing heute als Vertreter des Bundesvorstandes des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Allgemeinen Freien Ange- stelltenbundes die Herren Lei Part, Grahmann, Eggert und S t ä h r zur Entgegennahme eines Berichts über die Rotlage in der Arbeiterschaft Deutschlands und gleichzeitig von Vorschlägen auf wirtschaftlichem, handelspolitischem und sozialem Gebiet. Der Inhalt ihrer Darlegungen gipfelte in den nachfolgenden Vorschlägen: 1. (Eine großzügige Arbeitsbeschaffung durch die öffentliche Hand. Die bisherigen Maßnahmen müssen erheblich erweitert werden. 2. Durchführung einer der Produktionstechnik an- gepaßten Arbeitszeitverkürzung, die jedoch nicht zu weiteren (Einkommensminderungen führen darf. 3. Erhaltung und Steigerung der deutschen Aus- fuhr. 4. Wiederaufbau der Massenkaufkraft und der so- Berlin, 22. Januar. (VDZ.) Wie das Nachrichtenbureau des VDZ. in parlamentarischen Kreisen erfährt, wird in dieser Woche der Reichstag neben seinen Ausschußarbeiten vor allem eine Reihe bedeutsamer Verhandlungen „hinter den Kulissen" führen, die sich mit der Frage der Erweiterung oder Um- gestaltung der Reichsregierung beschäftigen. In nationalsozialistischen Kreisen wird erklärt, daß Adolf Hitler auch in dieser Woche noch in Berlin bleiben, daß aber vermutlich von den Rationalsozialisten eine Initiative in der Frage der Regierungsbesprechun- pcn nicht ausgehcn werde. Man nimmt deshalb in parlamentarischen Kreisen an, daß das Zentrum mit den in Frage kommenden Fraktionen der Rationalsozialisten, der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und der Bayerischen Volkspartei Fühlung nehmen wird. Es scheint, als ob diese Besprechungen bereits zu Anfang der Woche in Gang kommen werden, denn die Zentrumsfraktion des Reichstages ist bereits für den kommenden Donnerstagnachmittag einberufen worden. Die Zentrumsfraktion rechnet damit, daß in dieser Fraktionssitzung sich l a n g- wierige und grundsätzliche Auseinandersetzungen über die Regierungsgestaltung im Reiche ergeben werden, denn die Fraktion hat schon jetzt verfügt, daß ihre Beratungen nicht am Donnerstag beendet, sondern am Freitag fortgesetzt werden sollen. Die Reihe der Fraktionssitzungen wird schon am Montag, 23. Ja- nuar, durch den Zusammentritt der deutsch- nationalen Reichstagsfraktion eröffnet. Am Dienstag, 2L Januar, wird auch die Bayerische Volkspartei eine Fraktions- fitzung veranstalten. Sitzung des sozialdemokratischen Zrakiionsvorstandes. Berlin, 21. Jan. (VDZ.) Wie das Nachrichten- bureau des VDZ. meldet, fand am Samstag im Reichstag eine Sitzung des Fraktionsoor- standes der SPD. statt. Heber das Ergebnis wird parteioffiztell mitgeteilt: „Der Fraktionsoorstand beschäftigte sich am Samstag mit der Lage, die durch die erneute V e r • schleppung der Einber ufuna des Reichstags durch die Nationalsozialistische Partei entstanden ist. Es wurde beschlossen, die Gesamt- fraktion für Montag, 30. Januar, ein- zuberufen." Eine Rede Papens. Magdebura, 21. Ian. (CNB.) Auf einer Reichsgründungsfeier des Stahlhelms sprach Reichskanzler a.D. von Papen. Seine Rede bewegte sich in den Gedankenaangen seiner Ausfüh- rungen in Halle und Berlin. Papen wandte sich auch hier gegen den Vorwurf, er sein ein Knecht der Unternehmer und des Finanzkapitals. „Dazu sage ich", so erklärte von Papen wörtlich, „ich gehöre innerlich keiner deutschen Partei an. Mein Herz gehört einzig und allein meinem Lande. Ich hasse vor allem das internationale anonyme Großkapital, das zwischen den Ländern hin- und hergeschoben wird." „Die Konzern - und Trustbildungen", so erklärte er weiter, „seien ein Krebsschaden für das allgemeine Wohl und reiffüreinegrunb- süßliche Reform. Ebenso hasse er die klassen- kämpferislye Front des Unternehmertums und der Gewerkschaften. Der neue Staat werde nur mit dem deutschen Hand- und Kopfarbeiter gemeinsam aufgebaut werden können. Keine Zeit sei zu verlieren, den Zusammenschluß des deutschen Volkes zu vollziehen. Göring gegen Schleicher. Dresden, 22. Ian. (TU.) In einer Kundgebung der Dresdener NSDAP, sprach am Sonntag Reichstagspräsident Göring. Er charakterisierte vor allem die Stellungnahme der NSDAP, zur Regierung Schleicher. Eine entscheidende Besserung unserer Lage, so führte er u. a. aus, könne niemals von einem materiellen System kommen. Statt eines Reichsbankneubaues solle man dem deutschen Volk lieber die Freiheit, statt Straßenbauten die Ehre und statt Wohlfahrt und Almosen das Recht auf Arbeit wieder geben. wenn sich die lehlen fiabinette gerühmt hallen, das System bekämpft zu haben, fo fei dazu zu bemerken, daß dieses System noch nicht aus- gerottet fei Bei jedem Regierungswechsel seien dem Volk riesige Versprechungen gemacht worden und jedesmal sei die Enttäuschung um so größer gewesen. Göring bezeichnete Brüning als den Kanzler der Jrrun- gen, Papen als den Kanzler der Wirrungen und Schleicher als den Kanzler der Mischungen und Beimischungen. Zum Siedlungs- und Arbeitsbeschaffungsprogramm bemerkte Göring, man dürfe zialen Leistungen mit dem Ziel der Schaffung eines umfaßfähigen Binnenmarktes. Bei der später im Ausschuß des ADGD. folgenden Erörterung des Themas „Die Gewerkschaften im politischen Meinungskampf" erklärte der Vorsitzende Grahmann u. a., die Unter* redung der Führer des ADGB. mit dem Reichswehrminister v. Schleicher wenige Tage vor seiner Ernennung zum Reichskanzler habe nur den einen Zweck gehabt, die sozialpolitischen und wirtschaftspolitischen Forderungen der Gewerkschaften zu vertreten. Um die Arbeiterschaft zu vertreten, würden die Gewerkschaften auf eine solche A r t der Fühlungnahme nie verzichten können. L e i p a r t fügte den Aus- führungen Grahmanns, um die Haltung der Gewerkschaften zur gegenwärtigen Regierung zu charakterisieren, noch hinzu: „Die Gewerkschaften stehen zu jeder Regierung in Opposition, wie immer sie zusammengeseht ist. Denn die Gewerkschaften werden noch für lange Zeit nur Forderungen an die Regierung zu richten haben!" nichts Neues schaffen und dabei Bestehendes zugrunde gehen lassen. Man müsse vor allen Dingen die notwendigen weltanschaulichen, wirtschaftlichen und außenpolitischen Voraussetzungen für die Siedlung schaffen. Wen jetzt für die Behebung der Not des Volkes keine Mittel mehr vorhanden feien, fo fei darauf hinzuweisen, daß jahrelang Tribute in Höhe von Milliarden gezahlt worden seien. Göring verwahrte sich dann gegen den Vorwurf, als Reichstagspräsident den Parlamentarismus gerettet zu haben. Allerdings habe er den Kampf für die Achte des Volkes, gegen die Anmaßung einer Regierung ausgenommen. Die nationalsozialistische Bewegung Prag. 22. Ian. (WTB.) Vor der Kaserne des in der Brünner Vorstadt C i d e n i z e stationierten Infanterieregiments Rr. 43 hatten sich heute etwa 50 junge Leute aus der Llmgebung Brünns angesammelt, die in die Kaserne einzudringen versuchten. Zwischen dem Militär und den Angreifern kam es zu einer Schießerei, bei der einer der Demonstranten getötet und mehrere andere verwundet wurden. Lieber den Vorgang erfährt deS Tschechoslowakische Preßbüro von maßgebender Seite folgendes : Ein Oberleutnant der Reserve, namens K o b z i n e k aus Königsfeld, der in Brünn durch sein exaltiertes und abenteuerliches Auftreten bekannt ist, trat in den letzten Tagen mit einigen faschistisch gesinnten Personen aus der Llmgebung von Brünn in Verbindung. Durch die Vorspiegelung, es handele sich um den Schutz einer faschistischen Versammlung, gelang es ihm, etwa 50 Personen zur Absahrt in zwei Autobussen nach Brünn zu bewegen. Heute gegen 0.30 Llhr überredete Kob- zinek in einer Schlucht vor Brünn die Teilnehmer an dieser Expedition, zu einem Angriff auf die Kaserne des Infanterieregiments Rr. 43 in dem Brünner Vorort Cidenize. Einige Teilnehmer dieses Llnternehmens erkletterten die Hintermauer der Kaserne, und es gelang ihnen, durch List die Wache am Haupttor zu entwaffnen. Auf ein Alarm^eichen trat den Abenteurern Militär und Polizei ent* geg en. Rach kurzem Geplänkel wurden die Angreifer unschädlich gemacht. Alle, die in die' Kaserne eingedrungen waren, wurden v e r h a f - t e t, die übrigen ergriffen nach den ersten Schüssen die Flucht. Während des Geplänkels wurde Hochzeit in Stolberg. Am Sonntag fand in Stolberg am Harz die Hochzeit des Fürsten Wolf Heinrich au Stolberg-Stolberg m t Fräulein Irma Er - fett, der Tochter eines Magdeburger Magistratsbeamten, statt. Von der Verwandtschaft des Fürsten nahm nur die Schwester, Prinzessin Imagina, an der Hochzeit teil. Die Häuser der Stadt waren während der Festtage mit Tannengrün, Fahnen und Transparenten reich geschmückt. Am Samstagabend brachte die Cinwohnerschast von Stolberg und der ganzen Grafschaft dem jungen Paar einen Fackelzug dar, der auf dem Dose des Schlosses endete. Während der dort gewechselten Ansprachen wurde auf den Höhen der Llmgebung e.n Feuerwerk abgebrannt. 2n später Rachtstunde vereinigte sich die Bürgerschaft zu einem ilmtrunf, den der Bräutigam gespendet hatte. Sämtlichen Llnter- stühung-empiänzern Stolbergs wurde eineGeld- spende aüsbezahlt. Am Sonntag fand zunächst die standesamtliche Trauung und anschließend in der Schloßkapelle die Einsegnung des jungen Paares durch Domprediger Richter, Berlin, statt. Am Rachm ttag reiste das fürstliche Paar nach Suddeutschland ab. Schwere Wasserrohrbrüche in Eharlottenburg. In Eharlottenburg ereigneten sich mehrere schwere Wasserrohrbrüche. Das Wasser riß die Straßendecke auf und überschwemmte einen Teil der Berliner Straße und der anliegenden Straßen derart, daß jeglicher Verkehr unmöglich wurde. Die Straßenbahn- und Auto- buslin en muhtm umg:leitet werden. Der Druck und die Stärke des herausströmenden Wassers liehen erst nach, als das Hauptrohr abgestellt werden konnte. Der zweite VvG.-Rauber verhaftet. Die Berliner Kriminalpolizei hat jetzt auch den zweiten der an der Beraubung des BVG.-Geld- transports im September o. I. beteiligten Räuber, fei Deutschlands letztes Aufgebot. Wenn dies ver- nidjtet werde, würde der Bolschewismus herrschen. wenn Hitler das große Ziel erstrebe, ein neues Deutschland zu schaffen, könne er nicht bei Pa- pen oder Schleicher als Vizekanzler eintreten. Es gehe um das Letzte, deshalb müsse Hitler an die Front kommen und Schleicher verschwinden. Seldte Über die Aufgabe unserer Zeit. Frankfurt a.M., 22. Ian. (TL1.) Bei der am Sonntag begonnenen Schulungstagung des Stahlhelms, der auch Prinz Wilhelm von Preußen beiwohnte, sprach u. a. auch der Bundesführer Franz Seldte. Er gedachte zunächst des 18. Januar und führte dann aus: Aus der heutigen Rot Der Deutschen gebe es nur Dann eine Rettung, wenn das deutsche Volk selbst diese Heilung wolle. keine echte Führung dürfe den sozialen Zug verkennen, der durch die dculfche Welt unserer Zeit gehl. Schuf Bismarck den Staat, fo hätten wir die Ration zu schaffen. Das sei die Aufgabe der Frontgeneration. So wie Brandend -t'i das Herz Deutschlands sei, so sei das Frontsoldatentum das Herz des deutschen Volkes. Wenn der Reich-Kanzler von Schleicher sich zur allgemeinen Arbeit s d i e n st p f l i ch t als höchster deutscher Volksschule bekenne, so begrüße der Stahlhelm das und sage diesem deutschen Manne seinen herz'ichen Dank D^s Dr'tH'e Soldatentum sei unsterblich, unzerstörbar, wichtigstes und edel- stes Deutschs ßeuensgut. Immer stche als höchstes Gut des deutschen Volkes opferbereit sein Soldatentum, sein Frontgeist, der Stahlhelmgeist. Der Stahlhelm, seine Art, sein Denken und sein Tun seien noch auf lange Zeit hinaus in Deutschland absolut notwendig. Rur mit dem Geiste edelster Volksgemeinschaft gebe es eine neue deutsche Zukunft. Rur aus diesem Geist könne das Deutschland eigener Prägung geschasien werden. Der Redner schloß mit einem Glückauf für das Entscheidungs- jahr 1933. ein Angreifer in den Kops getroffen und verschied auf dem Transport ins Krankenhaus. Ferner wurden zwei Arbeitslose verwundet: einer erhielt einen Schuß ins Bein, das ihm amputiert werden mußte. Auf Seiten des Militärs gab es einen Schwer- und einen Leichtverwundeten. 2m Zusammenhang mit dem Lieberfall hat die DoliAeidirektion in Prag Haussuchungen bei früheren Mitgliedern der safchistischen Bewegung, und zwar bei 70 Personen, u. a. auch bei dem Führer der tschechischen Faschisten, Rudolf G a j d a, vorgenommen. Cs wurde reichlich Material vorgefunden, das geprüft wird. Die Llntersuchung wird fortgesetzt. Außerdem wurden bei zahlreichen Personen in der Umgebung Brünns, die der Teilnahme an dem Lieberfall verdächtig sind, ebenfalls Haussuchungen vorgenommen. Der Anstifter des Lieberfalls, der 30jährige Reserve- Oberleutnant Kobzinek, konnte bisher noch nicht verhaftet werden. Er sowie einer der Hauptmittäter sind flüchtig und werden steckbrieflich verfolgt. Bisher, wurden 35 Teilnehmer an dem Angriff fest genommen. Gajda verhaftet. Prag, 23. Ian. (WTB. Funkspruch.) In S a st i n in der Slowakei wurde in der Rächt zum Montag der ehemalige General der tsche- choflowak.schen Wehrmacht, Rudolf G a j d a, der Führer der tschechoslowakischen Faschist enbewegung, im Zusammenhang mit dem gestrigen Brünner Putschversuch verhaftet- Es liegt der begründete Verdacht vor, daß Gajda von dem Plane des Rädelsführers von Brünn, des Oberleutnants dec Reserve Wladislaus K o b z i n e k, gewußt hat. nämlich den Kraftwagenführer Krebs, f e ft genommen. Die Polizei war Krebs bereits seit einigen Tagen auf der Spur. Sie stellte fest, daß in der Sebastianstraße eine blaue Horchlirnousine gestohlen worden war und hatte Anhaltspunkte dafür, daß Krebs der Dieb war. Die Polizeibeamten sichteten verschiedentlich den gestohlenen Wagen. Das Netz zog sich bann immer enger um Krebs zusammen. Als er nachts vor dem Hause Stealiher Str. 57 vorfuhr, um seine kranke Mutter zu besuchen, wurde er festgenommen Krebs hat bereits gestanden, an dem Raub beteiligt gewejen zu fein. Die Fahndung nach den drei noch flüchtigen Räubern wird fortgesetzt. Man nimmt an, daß auch sie sich noch in Berlin verborgen halten. Die in Haft befindliche Frau des Krebs ist freigelassen worden- Kraftwagenführer nledergeschosfen und beraubt. Ein dreister Raubüberfall wurde im Gelsenkirchener Stadtteil Horst-Süd verübt. Als der Kraftwagen einer Lebensmittelgroßhandlung vor der dortigen Zweigstelle hielt, sprangen plötzlich zwei Burschen mit dem Rufe .Hände hochl" auf den 'Kraftwagenführer und den Beifahrer zu. Einer der Räuber verletzte den Kraftwagen- sührer durch einen Bauchschuß lebensgefährlich. Die beiden Räuber und ein weiterer Helfershelfer sprangen in den Kraftwagen und fuhren davon. In Buer liehen fie den Wagen, der be- triebsunsäh-'-' -'"worden war, im S'.ich und flohen über die Felder in den Fürstenberger Wald, nachdem sie sicy die in Dem Kraftwagen liegende Aktentasche mit etwa 3000 Mark Bargeld angeeignet hatten. Die Suche der Polizei nach den Räubern blieb erfolglos. Schwere Gcippe-Lpldemle auch in Frankreich. Die Grippe-Epidemie, die nunmehr auch in Frankreich um sich greift, hat besonders in den nordfranzösischen Provinzen große Teile der Bevölkerung befallen. In den großen Verwaltungen, den Kasernen und den Schulen sind teilweise über 60 v. H. der Angestellten» Soldaten Sie Woche her parieiverhandluiMli. Gibt das Zentrum den Anstoß? Putschversuch in der Tschechoslowakei. Sturm auf eine Kaserne in Brünn. Aus aller Welt. ober Schüler an Grippe erkrankt. In Ranch wurden die höheren Schulen vorläufig für eine Woche geschlossen. (Ein furchtloses Brautpaar. In London sand dieser Tage Die standesamtliche Trauung von Montague R o r m a n n, dem 61jährigen Gouverneur der Bank von England, und Priscilla Werstborne, einem 33,ährigen Mitglied des Londoner Stadtrates, statt. Hm der großen Menschenmenge zu entgehen, die daS frischgebackene Ehepaar begrüßen wollte, verließen Montague Ro-man und Frau das Standesamt über eine Hintertreppe, wobei sie ein Leichenschauhaus zu durchqueren hatten Die Vermählung Normans Hot in ganz England größtes Aufsehen erregt, da der Gouverneur allgemein als ein „ewiger Junggeselle" galt. Todessprung aus Sensationslust. Ein junger Mann, der von der 72 Meter hohen Spitze des Turmes einer Eisenbahnbrücke in das Wasser des Königinhafens in Rotterdam sprang, um die kürzlich gemeldete gleichartige Leistung eines anderen jungen Mannes zu überbieten, büßte seine Tollkühnheit mit dem Tode. Der Körper überschlug sich nach dem Absprung mehrere Male und verschwand vor den Augen der entsetzten Zuschauermenge im Wasser, ohne wieder auhu- tauchen. Erst nach geraumer Zeit konnte der Leichnam des Verunglückten, der unter anderem einen Schädelbruch aufwies, geborgen werden. — Trotz des unglücklichen Ausganges dieses Abenteuers versuchte darauf ein anderer junger Mann den Sprung auszuführen, um eine^B ette zu gewinnen. Er wurde von der Polizei aber an seinem Vorhaben gehindert und vom Turm herabgeholt. Kunst und Wissenschaft. John Galsworthy schwer erkrankt. Der im vorigen Jahre mit dem Nobelpreis ausgezeichnete 65jährige engt schr Dichter John Galsworthy ist schwer erkrankt. Sein Zustand soll sehr bedenklich fein. De tsch Auszeichnung für einen griechischen Dichter. Der deutsche Gesandte in Athen, Dr. Eifenlohr, besuchte dieser Tage den griechischen Dichter Kostis Palamas und überreichte ihm die Goethe-Medaille. Aus der Provinpalhauptstadt. Weltflieger von Gronau spricht in Gießen. Wie wir zuverlässig^ hören, wird der Weltflieger Wolfgang von Gronau, der am 10. Ro- vember vorigen Jahres von seinem großen Fluge um die Erde zurückkehrte, am Sonntag, 5. Februar, im hiesigen Stadttheater sprechen. Vereine und Verbände seien besonder- aufmerksam gemacht, insbesondere mit dem Hinweis darauf, bei der Disposition über Veranstaltungen auf den Besuch des Weltfliegers und seinen Vortrag soweit wie möglich Rücksicht zu nehmen. Rückblick und Ausblick des »Hubertus-. Die Jahreshauptversammlung des .Hubertus", Verein weidgerechter Jäger. Sitz Gießen, fand, wie man uns berichtet, bei gutem Besuch am Samstag im Hotel .Hindenburg" statt. Einleitend gab der 1. Vorsitzende, August Pascoe (Dutenhofen) einen Lieberblick über den Verlauf oes vergangenen Iagdjahres, das auf dem Gebiete der Riederjagd viele Enttäuschungen brachte. Er erstattete sodann den Jahresbericht des Vorstandes über die Vereinstätigkeit, der wiederum von reger und vielseitiger Arbeit für das Weidwerk im allgemeinen und die Interessen der Mitglieder im besonderen zu berichten wußte. Reben der Belehrung und Beratung der Mitglieder durch zahlreiche Vorträge in den Monatsversammlunaen wurde die Ausbildung im Schießen ebenfö wie die Zucht und Prüfung des deutschen Gebrauchshundes gefördert. Mit allen maßgebenden Vereinen der hessischen Jägerei und der benachbarten preußischen Gebiete wurden freundschaftliche Beziehungen unterhalten, die zur Grundlage der Zusammen arbeit in wichtigen Fragen dienten. Auch den Behörden gegenüber konnte der Verein wiederholt die Interessen der Jagd vertreten. Zwischen der Fach- und Lagespresse und dem Verein bestanden rege Beziehungen. Der Erfolg der Arbeit war, daß im Gegensatz zu dem heute üblichen Mitgliederschwund in anderen Vereinen die Mitgliederzahl stieg. Besonders wurde auf die außerordentlich vorteilhafte Iagdhaftpflichtversicherung hingewiesen, die den Mitgliedern zur Verfügung steht, und vor allem an die nicht zwangsversicherten staatlichen Forstbeamten die dringende Mahnung gerichtet, von ihr Gebrauch zu machen, da ein unglücklicher Zufall auch den sichersten Schützen in die schwerste wirtschaftliche Rot bringen kann. Der vom Schatzmeister, Regierungsrat Freiherr Schenck von Schweinsberg, erstattete Kassenbericht gab erfreulicherweise ein günstiges Bild, das eine Herabsetzung des Jahresbeitrages bei gleichen Leistungen gestattete. Mit der Entlastung des Vorstandes verband Fabrikant Ludwig Rinn im (Hamen der Mitglieder den Dank für die uneigennützige und erfolgreiche Arbeit des Vorstandes. Das Arbeitsprogramm für bad neue Jahr bewegt sich in bewährten Dahnen. Die Wahlen brachten keine Veränderungen. Sechs Mitglieder konnten für erfolgreiche Werbetätigkeit mit Prämien in Gestalt von Fasanen für ihre Reviere ausgezeichnet werden. Damit verband der Vorstand den Wunsch, daß das Aussehen von Fasanen auch darüber hinaus noch von anderen Mitgliedern durchgeführt werden möge. Das Verhalten gewisser Revierinhaber, die zwar für die Einbürgerung des Fasans selbst nichts tun, aber den Aufbau der Fasanenbestände durch Hennenabschutz zu .fordern" suchen, wurde gebührend aus der Versammlung heraus beleuchtet. Wegen der Beschickung der Kölner Ausstellung des Reichsjagdbundes und deren eventuellen gemeinsamen Besuch machte der Vorstand seine Organisationsvorfchläge. Es wurden dann noch viele Fragen des Jagdschutzes, der Wildhege im Frühjahr, der Iagdwaffen u. a. besprochen. Nach dem geschäftlichen Teil sprach Dr. Karl Rudolf Fischer vom Forstzoologischen Institut der Universität über „Vorkommen und Lebensweise des Uhus und seine Einbürg e r u n g s o e r s u ch e in Deutschland, insbesondere im Vogelsberg". Im Rahmen des hochinteressanten Vortrags, der demnächst an anderer Stelle der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird, berichtete der Redner über das ein» ö r b e « e n «ad«. Gießen, den ri. Januar 1933 LudwigSplah 8 Llsmarckstr. 16 0485 \KJC D EX CDRUCKSACHE nCnDEBrtNwtoOfMtN n Didjler. Eisen« n Dichter ihm die t Dell« nlO.Olo- üwhrn im Sonn« der ihre« besonder- dem Hin« • r Deran- igers und ichicht zu !~X Bei 'Unbehagen 1 J und Schme/^enJ, Verantwortlich für Politik: 3 D • Ernst Blum 1 chein 8/40 PS. 351A Opel- Limousine in tadelloser Verfassung sehr vreisw. Ctiel, Gienen Frankfurter Str.r>2 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiin Albert Nees Lim Nees, geb. Müller Vermählte r, hohen >n das ln9, um 9 eines > bühte Körper 16'M ^schien c Quhu« inte der anderen, en lver« s diese- Junger pttt, ober an mherab« obelpreiS « 2ohn Sein 6rüne Heringe und Seefische treffen täglich irisch ein; heutiger Preis lPfd.l6-4,3Pfd.454 5 Pfund 70 4. Schellfische i.Ausschn.Pfd.4o-) Kabeljau i.Auöschn. Nordscew.Pf.4r>) Filet, starke „Fifi" .Pfd.ff8-- Die Fische werden genutzt geliei. srrv k Koch NaWer Blänsbnrg 15,Tel.3S12 [Verschiedenes! Welche Firma gibt arbeitslosem jungen TchlofferGelegenh., sich Kenntnis«e m elektrisch. Arbeiten anzueign/ohneVer- gütung). Schr.Ang. u.0476 a.d. GießÄ. Evangel. Frauenverein Versammlung der 6'ießener und Oberhessischen Fraucn-Vereine Fre:tag, den 27. Januar, nachm. 3 Uhr, im Caf6 Leib. Walltorstraße 38: Filmvorführung „Der große Strom“ mit Einführung von sieD Pfarrer Llc. Hermenau, Potsdam ^aint. iS 5 .der. «ton. Mel. öt» H ^°b'ks "em ali icrto*. Huber« Jäger. i)tei, bei ,Hindew> »rsitzrude, leaerblid igdichres, siele Ent« dann den Vereins« nelseitiger n und die :n zu be« und 2e« Vorträge die AuS« ucht und es gcföt« der hes« reuhischen ziehungcn Zusammen Auch den i wieder« Zwischen lerein be« ,er Arbeit > üblichen die Mit- M vor« herung ZersügMS oangsvu- dringende m machen, ■ sichersten Dt brin- ljcrungsrat berg, er- rweise em .S2ah^ ittete- Mst wd Mitglieder >rsolgre-che asneua Hnen-Dw en. Le4s serbE isanen tur das 2lu^ s noch v°" eben * - die M >lbst nlch^ 'Ae dilrib ■ beleuchie^ lildbege u" • ?S! «KZ «es Wirtschaft. Frankfurt still und freundlicher. F r a n k f u r t a. M., 23. Ian. (WTD.) Draht- Meldung.) Zu Beginn einer für die innerpolitische Weiterentwicklung entscheidenden Woche herrschte an der Dürfe wieder etwas stärkere Zurückhaltung, zumal Anregungen fehl- ten und auch das Publikum nur sehr Herne Orders an den Markt gelegt hatte. Die Stimmung war nach dem relativ ruhigen Verlauf der gestrigen Demonstration in Derlin nicht unfreund- lich. Das Kursniveau zeigte eher kleine Avancen, die bei einigen Speztalwerten bis §u 1 Prozent, im übrigen 0,25 bis 0,50 Prozent betrugen. Das Geschäft beschränkte sich fast ausschließlich auf die Kulisse und war sehr klein. Im Vordergründe des Interesses standen wieder Montanwerte, wobei erneut Reprivatisierungsgerüchte für das Gelsenkirchenpaket des Reiches von Anregung waren. Es eröffneten Gelsenkirchen 1,75 Prozent, Buderus unter mehrfachen Schwankungen schließlich 2 Prozent, und die übrigen Werte bis zu 1 Prozent fester. Am Chemiemarkt eröffneten IG. mit 104 Prozent knapp behauptet und bröckelten später 0,25 Prozent ab. Scheideanstalt waren dagegen weiter befestigt und 0.75 Prozent hoher. Deutsche Erdöl waren mit 89,50 Prozent unverändert. Don Elektrowerten kamen Siemens gegen den Wochen- schluh (Derlin schloß wesentlich höher) 3,50 Prozent fester zur Notiz, AEG., Dekula und Ges- fürel waren gut behauptet. Sonst lagen Holzmann und Aschaffenburger Zellstoff je 0,25 Prozent höher, Zellstoff Waldhos, Aku und Deutsche Atlanten Telegraf waren unverändert, dagegen auf denen Llnterschriften von Genossen standen, I deren Echtheit von diesen bestritten wurde. Der Angellagte bestreitet jede Verfehlung. Lieber den Verbleib der Gelder und der fehlenden Ware kann er keine bestimmte Auskunft geben, er vermutet, daß der eine oder andere Angestellte ihn geschädigt habe. Zwecks Aufklärung der Sache hat sich die Vernehmung eines großen Zeugenaufgebotes als notwendig erwiesen, außerdem ist ein Schriftsachverständiger und ein Duchsachver- ständiger zugezogen. Die bisher vernommenen Zeugen, Mitglieder der Genossenschaft, bekunden meistens, daß sie an den Angeklagten die Gelder bezahlt hätten. Der Schriftsachverständige, der die bestrittenen Delege eingehend geprüft hat, ist der Lieberzeugung, daß die beiden Mitglieder der Genossenschaft, deren Llnlerschi-ift die Delege tragen, diese Llnterschriften bestimmt nicht'geleistet haben, daß aber alles dafür spricht, daß die gefälschten Linterschriften von der Hand des Angeklagten herrühren, was dieser entschieden in Abrede stellt. Infolge der vorgerückten Stunde wurde am Freitagabend die Weiterverhandlung auf nächsten Mittwoch vertagt. Sprengstoffdiebfiahl in Marburg. H Marburg, 22. Ian. In einer der letzten ; Nächte wurde das in einem Berggarten außerhalb der Stadt gelegene S p r e n g st o f f m a g a z i n einer hiesigen Firma erbrochen. Die einsame Lage des Magazins gestattete es den Dieben, in aller Ruhe die durch mehrere Türen gut gesicherten Eingänge des Magazins zu öffnen und Spreng- material beiseite zu schaffen. Erst gestern, als die Firma ihrem Magazin Sprengstoff entnehmen wollte, wurde der Diebstahl bemerkt. Die Polizei fahndet eifrig nach den Tätern. Mahnung. Die Zahlung der für den Monat Dezember 1932 rückständigen Beitrage zur Krankenkasse, Arbeitslosenversicherung und die Abgabe zur Arbeitslosenhilfe wird nut Frist bis zum 31. Januar 1933 gemahnt. Nach diesem Termin erfolgt Kosten- berechnung und Zwangsbeitreibung. Samstags können Einzahlungen nicht getätigt werden. 520V Gießen, den 21. Januar 1933. Allg. Ortskrankenkasse Lietzen-Land. Nutz- und Brennholzversteigerung Montag, den 30. d. M-, norm. 9 Uhr, im Gasthaus „Zur deutschen Eiche" in Klein-Linden aus den Forstorten Tann« acker, Fuchsbau, Stempelschlag, Rehloch, Hexenbusch, Tiefental und Wüstung der Försterei Großen-Linden: 521V Ruhscheiter: Fichte II. Kl. (3 m lang) 16,5 rm; Ruhknüppel: Fichte II. Kl. (3 m lang) 27,1 rm. Scheiter, rm: 1 Hainbuche, 20 Eiche sgesp.), 164 Kiefer I Kl., 0,6 II. Kl., 1,3 Weymouthskiefer, 44 Fichte I Kl., 19 II. Sri.; Knüppel, rm; 35 Eiche, 24 Kiefer, 35 Fichte I. Kl-, 6 II-Kl. -. Stammreisig. 100 wellen: Buche 4, Kiefer 5, Wey« mouthskiefer 1; Astreisig, 100 ID dl en: Eiche 11, Kiefer 17, Fichte 30; Schlag« reisig: Fichte 700 Wellen (taxiert); Stöcke, rm: 24 Fichte I. Kl., 2 II. ÄL Vom Brennholz kommen die blau unter« strichenen Nummern nicht zum Ausgebot. Es wird vorherige Besichtigung des Holzes empfohlen. Gießen, den 20. Januar 1933. Hessisches Forstamt Schiffenberg. Nicolaus. ________ Sechs Satire Förderung des Volkssports Abschluß einer bedeutsamen Vorbereitung des Wehrwillens. erfuhren am Schiffahrtsaktienmarkt Norddeutscher Lloyd eine Abschwächung um 1 Prozent. Deutsche Anleihen eröffneten bei ruhigem Geschäft uneinheitlich. Altbesih mit plu» 0,13 Prozent, Neubesitz minuS 0,13 Prozent, späte Reichs- schuldbuchforderungcn pluS 0,25 Prozent. Stcchl- vereinsbonds und Reichsbahnvorzugsaktien blichen etwa behauptet. Von Auslanoswerten waren Türken erneut 0,25 bis 0,50 Prozent höher, 4pro- zentige Einheitsrumänen waren etwa gehalten. Im Freiverkehr lagen Serben weiter fest, Talonserben zu 3,50 Prozent plu» 0,75 Prozent. 1909er Serben zu 6,75 Prozent plus 0,65 Prozent. 21m Psandbriefmarkt blieben die Kurse meist unverändert, teilweise ergaben sich Erhöhungen von V* bis % Prozent. Deutsche Anleihen und spate Reichsschuldbuchforderungen lagen im Verlaufe meist schwächer, und zwar Neubesitz Alt« bcsitz % und späte Schuldbücher % Prozent. Am Aktienmarkt kamen noch einige anfangs nicht notierte Werte meist höher zur Notiz, so Daimler, Reichsbank und Süddeutsche Zucker mit bis plus 1 Prozent, dagegen Lahmeyer, Schuckcrt mit minus y, Prozent. In der zweiten Börsenstunde bröckelten die Kurse infolge der Geschäftsstille und einer g e • wissen Unsicherheit allgemein von K bis % Prozent ab. Nur Siemens blieben fest, wobei man auf die in Kürze stattsindende Bilanzsitzung ver- wies. Tagesgeld war zu 3% Prozent unverändert. Frankfurter «chlachtvtehmarkt. Frankfurt a. M., 23. Jan. Auftrieb: 1508 Rinder, Darunter 360 Ochsen, 126 Bullen, 510 Kühe, 416 Färsen; 682 Kälber, llu Schafe, 4016 Schweine. Es kosteten: Ochsen, vollfleischige, ausgemästete, hoch- stens Schlachtwerts, jüngere 24 bis 27, ältere 21 bis 23, sonstige vollfleischige, jüngere 18 bis 20 URL; Bullen, jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 26,sonstige vollfleischige oder ausgemastete 20 bis 23 Mark; Kühe, jüngere, vollfleischige, hock» (ten Schlachtwerts 21 bis 23 Mark, sonstige vollst, oder ausgemästete 18 bis 20, fleischige 15 bis 17, gering genährte 12 bis 14 Mark; Färsen, vollst , ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 26 bis 28, voll« »: 23 bis 25, fleischige 20 bis 22 ML; Kälber, ast- und Saugkälber 31 bis 35, mit«. Mast- und Saugkälber 26 bis 30, geringe Kälber 21 dis 25 Mark; Schafe, Mastlämmer und jüngere Most- hämmel, Weidemast 24 bis 27, mittlere Mastlam« mer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 21 bis 23 Mark; vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 37 bis 39, von etwa 200 bis 240 Pfund 37 bis 40, von etwa 160 bis 200 Pfund 36 bis 39, fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 34 bis 37 Mark. — Marktverlauf: Rinder schleppend, Ueberftanb, Kälber und Schafe mittelmäßig, geräumt, Schweine mittelmäßig, aps« verkauft. Frankfurter Getreidebörse. F r a n k f u r t a. M.. 23. Ian. (WTD. Draht- melduna.) Die Getreidebörse verkehrte infolge des schleppenden Mehlabsahes in seh r still e r Haltung. Obwohl die Mühlen zum Teil die Preise ermäßigt hatten, war die Llnternehmungs- lust außerordentlich gering, so daß selbst das kleine Angebot auf die Preise etwas drückte. Haser und Gerste waren außerordentlich still. Futtermittel waren, begünstigt durch das anhaltende Frostwetter, etwas lebhafter und um 0,15 bis 0,25 Mk. fester. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs 199 bis 200, Roggen 162,50, Sommergerste für Brauzwecke 130 bis 132,50, Hafer,inländischer 130 bis 135, Weizenmehl, südd. Spezial 0 28 bis 29, niederrheinisches 28 bis 29, Roggenmehl 22,25 dis 23,25, Weizenkleie 7,40 bis 7,50, Roggenkleie 7,85 bis 8, Soyaschrot 10,30 bis 10,75, Palmkuchen 8,65 bis 8,75, Erdnußkuchen 12,25 bis 12,50, Heu, jüdd., gut, gesund, trocken 4,60 bis 4,80, Weizen und Roggenstroh drahtge« preßt 2,25 dis 2,50, gebündelt 2,25 dis 2,50, Treber, getrocknet 10,75 dis 10,85 Mark. Wettervoraussage. Der hohe Luftdruck hat sich weiter erhalten und läßt das starke Frostwetter zunächst fortbestehen, wenn auch von Island her milde Luft nach Skandinavien fließt, habet dort den hohen Luftdruck abbaut und Frostmilderung verursacht. Bei der über Deutschland herrschenden Nord- bis Nordostwindströ« mung besteht weiterhin die Möglichkeit zu verein- gelten Schneefällen, die aber nicht in größeren Mengen auftreten. Aussichten für Dienstag: Dewolkt und auf klarend, noch strenger Frost, nur vereinzelt leichter Schneefall. Lufttemperaturen am 22. Januar: mittags —4,5 Grad Celsius, abends —7,0 Grad; am 23. Januar: morgens — 9,1 Grad. Maximum — 2,0 Grad, Minimum —10,0 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Januar: abends —3,1 Grad; am 23. Januar: morgens — 5,4 Grad Celsius. Am Samstagnachmittag versammelten sich Im Offizierheim zu Gießen zahlreiche Vertreter von Ortsgruppen bes Verbandes zur rung d e s Volkssportes in und Nassau, um in gemeinsamer Beratungsarbeit die Tätigkeit dieses Verbandes abzuschließen. Vertreten waren neben der Ortsgruppe Gießen noch Ortsgruppen aus der Provinz Oberheffen, aus dem Lahn- und Dillgebiet und aus dem Maingau. Der Vorsitzende des Vorstandes, Bankdirektor Grießbauer, Gießen, leitete die Beratungen mit geschäftlichen Mitteilungen ein, denen sich der Bericht des Rechners, Privatier Schwan, Gießen, und der Bericht des Vertreters des Kuratoriums, Verlagsbuchhändler Dr. Töpelmann, Gießen, über das Ergebnis der Rechnungsprüfung anschlos- fen. Die Rechnungsablage des Rechners wies einen guten Stand der finanziellen Verhältnisse des Verbandes aus, der Rechnungsprüfer hatte gegen die Rechnungsführung nichts zu Erinnern. Daraufhin wurde der Rechnungsabschluß genehmigt. Hierauf beschäftigte man sich mit dem Antrag des Vorstandes auf Auflösung des 2 e r - b a n d e s. Der Vorsitzende betonte, die Auslösung erfolge nur deshalb, weil die Destre- bungen des Verbandes zur Weckung und Stärkung des Wehrwillens und des Wehrsportes mittlerweile durch die Reichsorganisatlon, das Reichskuratorium, übernommen worden seien und ein Nebeneinander der Arbeit nicht im Interesse der Sache liege. Anschließend gab der technische Leiter der Verbandsarbeit. Oberst a.D. Kock. Gießen, einen Lieberblick über die Entstehungsgeschichte des Verbandes und den erfolgreichen Verlauf seiner Arbeit. Der Verband wurde am 9. Juli 1927 gegründet und hatte sich die Förderung des Volkssports im Sinne der Wehrertüchtigung unserer Jugend in Hessen und Nassau zur Aufgabe gemacht. Anschließend an den Dericht des technischen Leiters wies der Vorsitzende rückblickend auf mancherlei Schwierigkeiten hin, die bei der Organisation der Verbandsarbeit zu überwinden waren, die aber doch dank opferfreudiger und hingebender Mitarbeit zahlreicher Männer, die von der hohen nationalen Aufgabe der Verbandstätigkeit sich durchdrungen sühlten. das Werk nicht beeinträchtigen konnten. Im Verbandsgebiet wurden 22 Ortsgruppen gegründet, die rege, zum Tell sogar vorbildlich arbeiteten. Die Arbeit des Verbandes erstreckte fuf) auf die Förderung jeglicher Art von Volkssport, die mit der Wehrcrtüchtigung unserer Jugend in Zusammenhang gebracht werden konnte; insbesondere wurden die Sportschulen in Landau und Oershausen eingerichtet und mit Llmsicht geführt. ferner das Kleinkaliberschießen, der Reit-, Fahr- und Flugsport usw. kräftig gefördert. Durch die Opserbereitschast zahlreicher privater Spen- Schöffengericht Gießen. • Gießen, 22. Jan. Arn Mittwoch begann die Verhandlung in einer umfangreichen Strafsache gegen den langjährigen Rechner einer ländlichen Spar- und Darlehnskasse, die außer der Vermittlung von Spar- und Darlehensgeschäften auch den Dezug landwirtschaftlicher Betriebsstoffe und den Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse für die Genossen vermittelte. Der Rechner ist der Unterschlagung, der schweren Llrkunden- sälschung und eines Vergehens gegen das Genossenschaftsgesetz angeklagt. Nachdem mehrere Jahre keine Schuldanerkenntnisse an die Genossen versandt worden waren, der Rechner _aud) die wiederholt verlangte Vorlage der Bücher zwecks Nachprüfung immer wieder hinausschob, wurden Ende 1930 "durch den Vorstand und Auf- sichtsrat sämtliche Bücher und Delege an die Landesgenosscnschaft nach Darmstadt zwecks Postenweiser Revision gesandt. Diese ergab einen Fehlbetrag von mehreren tausend Mark. Zahlreiche Einnahmen, über die die Genossen Empfangsbescheinigungen vorlegten, waren nicht verbucht, in der Kasse fehlten diese Gelder. Der Verbleib eines Teils der Ware, die die Genossenschaft bezogen hatte, konnte nicht nachgewiesen werden. Es fanden sich einige Ausgabebelege,. Bestreben des Bereinsmitgliedes Graf Georg 5rteb- rid] zu Solms-Laubach. dem Uhu, der einzigen Groß- eule Deutschlands, die wie anderwärts meist auch im Vogelsberg ausgerottet worden ist, wieder eine Freistatt zu bieten. Nachdem alle Voraussetzungen dafür feit Erscheinen des hessischen Naturschutzgesetzes und durch einen besonderen Ministerialerlaß erfüllt finb kann nunmehr bie Verwirklichung beginnen. Dem Wunsche bes Instituts, wie auch bes Grafen Solms, den Einbürgerungsoersuch ideell zu unter- stützen und sich durch Aufklärung und in anderer Meise für den Schutz des „Königs der Nacht ein« »usctzen, wird der Verein gern seiner allgemeinen Einstellung zum Naturschutz entsprechend gerecht werben unb ebenso wie bie ..vberhessisch. Gesell «chaft für Natur- unb Heilkunbe , für die Professor Dr. Henneberg sprach, sich an einemAufruf an die Oefsentlichkeit beteiligen. Dr. F > s ch e r mürbe für feinen heroorragenben Vortrag herzlicher Dank zuteil. Dom Jäger, her bas Gamswild des Hoch- gedirges nur in der Theorie kannte und zur Aams brunft Ende November in das Revier Es früheren Hubertusmitgliedes fuhr, um dort «men sehr guten Bock auf die schwarze Decke zu legen plauder^ unter dem Thema „Aus Bartgams m Tiro Mitglied Hammermann jun. m hochinteressanter und bunwrDotkr JBeife. S° H»rte I«fl« MS lung einen verheißungsvollen Auftakt für die Arbeit im Jahre 1933. Vornotizen — Tageskalender für Montag: Licht- soielhaus, Bahnhofstraße: „Kiki und „Liebe und Weltrekord". e * Der Winter ist da! Seit Samstag hat die Wetterlage bei uns einen scharfen Umschwung erfahren. Es ist sehr kalt geworden, unb auch her Schnee hat sich eingestellt. In Gießen unb in ben in tet Ebene gelegenen oberhessischen Gebietsteilen ist allerdings nur wenig Schnee vorhanden da- gegen wird uns heute früh vom Hoherodskopf mit- geteilt, daß dort feit Samstag 5 Zentimeter Neu- schnee gefallen sind und der Schnee etwa 10 Zentimeter hoch, im Walde noch etwas höher liegt. Sport- Möglichkeit ist vorhanden. •• Staatspolitische Dortragsver- anstaltung. Auf Veranlassung des Kreis- amtcs Gießen findet am kommenden Mittwoch, 25 Januar, im Eafä Leib eine Dortragsveran- ftaltung der Reichszentrale für Heimatdienst statt, au der insbesondere die Dürgermeister, Gendar- merie-Deamte und Lehrer des Kreises eingeladen sind. Cs werden drei Vorträge gehalten. Als erster Redner spricht Dr. W. S ch u l z, Kreuztal, über das Thema »DaS französische und das deutsche Wehrsystem", Dr. F. N i s s e n . Assistent im Wirtschaftswissenschaftlichen Institut oerllni- versität Frankfurt a. M. behandelt daS Thema .Was tut der deutschen Landwirtschaft not? .Als dritter Redner hält Dr. F. König (Gießen) einen Vortrag über .Wir Deutsche und der mitteleuropäische Raum". " Derlängnisvoller Sturz vom Fahrrad. Der 47jährige Arbeiter Heinrich Menz von Lumda stürzte am Samstag gegen 14 Llhr mit seinem Fahrrad auf der Landstraße in der Nähe von Grünberg so unglücklich, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt und nach der ersten Hilfeleistung durch Dr. Schnabel (Grünberg) von der Freiwilligen Sanitätskolonne Gießen in die Chirurgische Klinik gebracht werden mußte. Der Verunglückte hat das Bewußtsein noch nicht wiedererlangt. Er liegt in sehr ernstem Zustande darnieder. der konnten für diese vaterländische Aufbauarbeit ansehnliche Geldmittel verfügbar gemacht werden. Alle Mitarbeiter fanden bei diesem Wirken eine schön« Tätigkeit, die nicht auf die Erzielung äußerer Anerkennung eingestellt war. sondern die Befriedigung in stiller, zielbewuhter Arbeit schaffte. Für diese wertvolle Mitarbeit dankte der Vorsitzende allen Helfern; besonders herzlichen Dank stattete er der .eigentlichen Seele des Ganzen". Oberst a. D. K o ck, ab, ferner Herrn Privatier Schwan, der als sorgsamer Schatzmeister seines Amtes waltete, weiter Der- lagc-buchhändler Dr. Töpelmann, dem Vorstand des Kuratoriums, und der fleißigen Korrespondentin und Protokollführerin Frl. Eisen- Hardt. Wenn heute die Frage ousgeworsen werde, warum gerade jetzt die Arbeit des 'Verbandes eingestellt werden solle, wo der Gedanke des Wehrwillens und des Ausbaues unserer Wehrmacht festere und greifbarere Gestalt annehme, so laute die Antwort auf diese Frage, daß gerade deshalb der Verband sich auflöse, weil nach der Vorarbeit im engen Kreis« nunmehr bei der Arbeit der vom Reich geschaffenen Organisation kein Platz mehr für einen räumlich begrenzten Verband bestehe. Das Ziel des Verbandes sei erreicht, der Zweck sei erfüllt! Die Versammlung verschloß sich nicht der Berechtigung biefes Stanbpunktes unb erklärte sich einstimmig mit ber Auflösung bes Verbanbes ein- verstauben. Es würbe jebodj ber Wunsch geäußert, baß bas Reichskuratorium für bie staatliche Jugenb- pflege barauf Bebacht nehmen möchte, auch in Zu- kunst im Bezirke bes Verbanbes bie Bestrebungen Sur Wehrhaftmachung unserer Jugenb mit Eifer zu brbern. Der ansehnliche SJermögensbeftanb bes krbanbes soll, nach einer Ermächtigung bes Dor- stanbes, für biefe Zwecke zur Verfügung gestellt werben. Im Anschluß an bie geschäftliche Versammlung blieben bie Teilnehmer noch einige Zeit gesellig beisammen. Bei bieser Gelegenheit würbe ber um bie Dolkssportbewegung in Hessen unb Nassau hochvcr- biente technische Leiter ber Verbanbsarbeit, Oberst a. D. K o ck, Gießen, vom Dorsitzenben im Namen bes Verbanbes burch bie Ueberreichung einer kleinen Statue, einen Steinbock als Ebelwild bes Hochgebirges darstellend, ausgezeichnet; gleichzeitig wurde vom Vorsitzenden mit herzlichen Worten der vorbildlichen Wirksamkeit des verehrungswürdigen Reichs- Präsidenten, Generalfeldmarschalls von Hindenburg und des deutschen Vaterlandes gedacht. Oberst a. D. Kock dankte dem Vorstande und dem Verband herzlich für die erwiesene Ehrung und betonte dabei ben hohen ibeeüen Wert der Derbands- arbeit zum Besten der Jugend und zum Wohle des Vaterlandes. Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung A, wurde eingetragen: 529D Am 27. Dezember 1932 bei ber Firma Sappe & Co., Gießener (Bummiroaren- brit in Gießen: Die Prokura bes Julius Kögler in Gießen ist erloschen, bem Hanb- lungsgehilfen Ebgar Platho in Gießen ist Prokura erteilt, derart, daß derselbe mit dem weiteren Prokuristen der Firma Konstantin Klein in Gießen oder mit einem Gesellschafter bie Gesellschaft vertreten kann. Am 2. Januar 1933 bei ber Firma Hermann Neumann & Cie. in Gießen: Hermann Neumann in Offenbach ist aus ber Firma ausgeschieben. Als neue persönlich haftenbe Gesellschafter sind eingetreten: 1. Firma Konzentration AG. Sozialdemokratische Druckerei- und Serlagsbetriebe in Berlin SW 68; 2. Wilhelm Widmann, Par- teisekretär in Offenbach am Main. Am 12. Januar 1933 bei der Firma Hugo Hellwig & Co. in Gießen: Geschäft nebst Firma ist auf Hugo Hellwig Witwe, Anna Helene Elisabeth geb. Wachenschwan in Gießen als Alleimnhaberin überge- gangen Dem Kaufmann Heinrich Wachenschwan in Gießen ist Prokura erteilt Gießen, den 20. Januar 1933. Hessische« Amtsgericht. . < ’ Bausirauenherato Kirchenplatz 2 Donnerstag, den 26. Januar nachmittags von 4—6 Uhr MmkMM v. Baisers mit Kaüeestuode 523p Lagd-Derpachlung. Am Freilag, dem 27. Januar, nachmik- tags 3 llhr, soll in der Wirtschaft Kretsch- mar die Jagd in der Gemarkung Atzenhain (bestehend aus zirka 738 Hektar Feld und 30 Hektar Wald) auf weitere sechs Jahre verpachtet werden. 532D Hessische Bürgermeisterei Atzenhain. Erb. i tyas bcutälvrte SfandaftdpJuyicüurt \ und unschädliche, ifausniittel 1 In eilen Apotheken efhSItfich tum Pfeile von U RM. 0.89. 1.30,138. Nix e*t mit dem Namen* tug aut jede# Packung Nachdruck verboten. S ftortfcfcung Queckborn, den 21. Januar 1933. siaD Die Beerdigung findet Dienstag, 24. Januar, nachmittags Vi3 Uhr statt. Gießen, 23. Januar 1933. C479 Gießen, Lieh, Ober-Mörlen, den 23 Januar 1933. Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Vermietungen Die Beerdigung findet Dienstag, den 24. Januar, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. 04iW Urwald-Male Lollar, 21 Januar 1933. Die Beerdigung findet Montag, 23. Januar, nachm. um 2 Uhr statt. 526 D in Schreibmaschinen bei 13 4ZimmerhaHSl G«-Stiefel I Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen Größe 42, fast neu, m. Gart. u. bezieht). Niederhausen Vermählungsanzelgen Seltersweg 17,1. Stock v. 04 n illllllllllllllllllllllllliillllUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIillllllH Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Elisabeth Schneider und Ludwig Helm. Die Trauerfeier findet am Dienstag, dem 24. Januar, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Qualität „Drowe“ von der brasilianischenRegierung analysiert. — Dieser Tee gibt Ihnen Gewähr für die beste Sorte, die im Handel ist. Mat6 ist ein unübertreffliches Mittel gegen Harnsäure und übt der tägliche Genuß des Tees eine wohltuende Wirkung auf die Tätigkeit der Blase u. Niere aus. Magenleidenden ist der tägliche Genuß des Tees, statt chin. Tee und Kaffee, sm empfehlen. BestesVorbeugungsmittel gegen die gefürchtete Zuckerkrankheit M-uJZinw- Woiinungen zu vermiet, durch Wohnongsoachweis Schaumberger 4 Sohn M77 Ludwigstr 30 Statt jeder besonderen Anzeige, hiermit allen, die ihn kannten, die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Schwiegervater und Großvater Heinrich Stein, Heizer i. R. am 19. Jan. im 75. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Im Namen der Hinterbliebenen: Marie Stein Wwe. Gießen (Lonystr. 20), den 23. Januar 1933. Die Beisetzung fand auf Wunsch des Heimgegangenen in der Stille statt. mm zerriß. Aber Pia ist ja schuldlos. Sie soll nicht unter meinem Haß leiden, wie es ihre Mutter mutzte." Harry von Achern sah in das alte, von furchtbarem, seelischem Leid zerwühlte Gesicht. Ein tiefes Mitleid war in ihm, trotzdem er nicht einmal wutzte, wie dieser Mann einst um eine Frau gelitten. Herr von Hohenbrück klingelte. Der Diener erschien. „Wilhelm, eine Flasche links aus der Ecke mit der grünen Marke", sagte er. Der Diener machte grohe Augen und ging eilig davon. Bald kam er zurück, auf einem goldenen Tablett die Flasche und zwei herrliche alte Römer. Mit liebenswürdiger Grandezza reichte der alte Herr seinem jungen Gast das Glas. Man hätte jetzt nur noch schwer den bösartigen, verbissenen Mann wiedererkannt, der er doch all die Jahre her gewesen war. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Friedrich Schön. Stadttheater Gießen. D1S- Tienstag, 24. Jan., 20 bis geg. 22.30: Gastsviel oesCurt- Götz-Ensembles Außer Abonnement ermäß.Overett.-Pr. Abonn.u-Rundfunk- hörer Ermäßigung Dr. med. Siob Prätorius Facharzt f.Chirurgie und Frauenleiden. Ein Geschichte ohne Politik, nach alten ab. aut.Mot. neuerzählt d. Curt Götz. NEDA-Früchtewürfel das reine Naturprodukt ein Darmreinigungsmittel Keine Gewöhnung.stets gleich gute Wirkung auch bei tägl. Gebrauch. 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Heidelbach im Alter von 75 Jahren in die Ewigkeit abzurufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Paul Kühr und Liesel Kühr, geb. Geifc. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe Frau Elisabeth Schön geb. Frank gestern abend 10% Uhr plötzlich und unerwartet im Alter von 80 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Als Harry von Achern nach Hause ging, kreuzten seltsame Gedanken hinter seiner Stirn. Pia war nun reicher als er! Sie brauchte sein Geld nicht mehr, und es gab nun nichts, womit er sein furchtbares Unrecht von einst je wieder gutmachen konnte. So war für Pia doch noch alles so geworden, wie es der Dater einst gewünscht hatte. Was würde sie dazu sagen, wenn sie es einst erfuhr? Achern war ganz zufrieden, dah Pia einstweilen noch nichts erfahren und in Achern bleiben sollte. Sie machte ihm Sorgen. Blaß war sie ja immer gewesen, doch in letzter Zeit war es ihm ganz besonders ausgefallen. Ob sie sich krank fühlte? Er hatte sich in letzter Zeit so wenig um sie gekümmert. Seine Gedanken erfüllte das schöne, glutäugige Mädchen, das seine Braut war, ganz und gar, so dah er an die kleine, blonde Pia kaum noch gedacht hatte. Und auch jetzt schweiften seine Gedanken weg zu Cdelgarde. In wenigen Wochen war seine Hochzeit! Er dachte an diesen Tag wie an eine Erlösung. Und doch war auch wieder etwas in ihm, was ihn unruhig machte. Er war einmal ganz unerwartet nach Gollwern hinübergeritten, weil er Sehnsucht nach Edelgarde hatte. Da kam er gerade dazu, wie sie mit der Hundepeitsche auf eine Schar Kinder einschlug, die in dem zu Gollwern gehörigen Wald Beeren sammelten. Er war sehr unangenehm birührt gewesen, denn er stand sich mit allen Leuten ringsum auf das Beste, und er hatte durch einen einzigen Blick festgesteNt, dah es Kinder aus Dorf Achern waren. Unangenehmer hätte sich also die zukünftige junge Herrin von Achern nicht einführen können, denn natürlich kannten die Kinder sie auch. Achern begrühte seine Braut und sagte zu den Kindern: „Geht hinüber auf Achernsches Gebiet, das habe ich freigegeben für euch." Die Kinder gingen. Achern sah ihnen nach, dann sagte er: „Das war unklug von dir, Edel. Ich habe mit den Leuten stets verträglich gelebt. Was hattest du für einen Grund, die Kinder zu schlagen?" Sie lachte. „Gott, hab' dich doch nicht so. Was ist schon dabei, wenn die mal Prügel bekommen? Ich werde es nicht w'-eder tun. Wenn ich in Achern bin, dann schenke ich ihnen mal Schokolade." Sie sah entzückend aus, wie sie so mit schies- nicht kannte. Aber der wuhte alles, so muhte er doch wohl froh sein, datz er gekommen war. Hohenbrück bot ihm die Hand. „Verzeihen Sie mir, ich war etwas überrascht. Bun danke ich Ihnen aber doch, datz Sie so liebenswürdig waren, selbst zu kommen. Sie sprachen von Ihrer Pflegeschwester Pia. Ist das — vielleicht ist — das mein Enkelkind?" „Iawohl, Herr von Hohenbrück. Pia ist das Kind Ihrer toten Tochter untz des Malers Eichendorfs. Sie lebte bis zu ihrem vierzehnten Lebensjahr in Achern und kam dann in e.n Pensionat. Seit ihrer Rückkehr lebt sie wieder in Achern." Der alte Herr legte die Hand über die Augen, fragte langsam: „Ist Pia — dunkel?" „Rein, Pia ist goldblond", sagte Achern, eim- germahen verwundert über diese Frage. Die Stimme des alten Herrn klang an sein Ohr. „Ich will alles gutmachen, was Sie an ihr getan haben." Harry von Achern zuckte zusammen. Seme Schuld erstand in nie gesehener Grötze. Hastig griff er nach der Hand des alten Herrn. „Sie sind nichts schuldig — den Achern nichts." Und er erzählte, datz Pia durch seine Schuld schwer beschädigt sei. Datz er sie als Iunge gehabt und datz er von Achern fort mutzte, als das Unglück geschah. Schweigend satz der alte Herr vor ihm. Aufmerksam las er in den straffen Zügen des braunen Männergesichts. Er las deutlich die Reue über diesen Jugendstreich, der einem blühenden Menschenkinde so viel kostete. Er drückte die kraftvolle Hand, die noch immer um die seine lag, und sagte leise: „Wir haben beide eine grohe Schuld auf uns geladen. Die arme kleine Pia! Run Weitz ich wenigstens, wo sie ist. Hierherkommen soll sie nicht. Es würde ihr hier nicht gefallen. Lauter altes Zeug, lauter alte Menschen. Aber ihr Erbe soll sie einst ungeschmälert erhalten. Das ist alles, was ich Wilk Wer ist ihr Vormund?" „Der Rechtsbeistand meines verstorbenen Vaters." Hohenbrück sann eine Weile vor sich hin. Dann hob er den Kopf, sah Achern forschend an, fragte: „Kann Pia noch lckhger in Achern bleiben?" „Gewiß, vorläufig weitz sie ja noch nicht einmal, dah Sie ihr Großvater sind. Mein Vater hat Pia ganz und gar Tochterrechte in Achern zugesprochen. Sie weiß nur, daß ihre Mutter starb und daß sie deshalb im Schloß Achern Aufnahme fand. Sie sollte nicht beunruhigt werden." Wieder schwieg Hohenbrück. Rach einer langen Pause fragte er: „Hat Ihr Herr Vater etwa davon gesprochen, daß man in der Umgebung wußte, wer die am Wege gefundene Tote in Wahrheit war?" „Rein, Herr von Hohenbrück. Vater hat sogar meiner Mutter und mir gegenüber das Geheimnis gewahrt. Rur als ich Herr von Achern war, da erhielt ich wie aus dem Ienseits noch einen Brief meines Vaters, den er bei seinem Rotar hinterlegt hatte und worin er mir nun alles erklärte." Herr von Hohenbrück nickte zufrieden. Dann sagte er: „Vorläufig soll alles bleiben, wie es ist. Ich muß mich an den Gedanken gewöhnen, daß noch ein Rachkomme der Frau lebt, die mir das Leben Eines Tages meldete Wilhelm mit versteinertem Gesicht, genau mit dem Gesicht, mit dem er vor vielen Jahren schon einmal das gleiche gemeldet hatte: _ . „Herr von Achern bittet den gnädigen Herrn um eine dringende Unterredung." Heute aber sah der Herr den Diener nicht an, als ob er ihm an den Kragen springen wolle: heute wand er sich nicht, ehe er den Besucher empfing, sondern er sagte nur hastig: „Ditte Herrn von Achern in den Salon, Wilhelm, und dann hilf mir schnell, ich will mich umkleiden." _ . , Harry von Achern ging draußen auf und ab. Ein seltsamer Empfang war das, das muhte man schon sagen. Einen Besucher hier am Tor warten zu lassen! Aber wahrscheinlich wurde hier überhaupt nie jemand hereingelassen, — die Dienerschaft kannte es nicht anders. Seine Gedanken gingen zu dem Briefe, den er in der Tasche trug. Herr von Hohenbrück hatte diesen Brief an den toten Vater gerichtet, denn er bezog sich mit seinen Zeilen auf den damaligen Besuch. Also konnte nur der Dater gemeint sein. Und deswegen war er nach hier gekommen, um den Sachverhalt auf das genaueste klären zu können. Der alte Hohenbrück wollte plötzlich wissen, wo man das Kind der verstorbenen Frau Eichendorff damals untergebracht hatte — Pia! Die kleine Pia sollte wohl jetzt gar noch ihr Recht erhalten? Wie gut für sie. Ein weiches, warmes Empfinden war in ihm, wenn er an sie dachte. Unö, nie durfte sie ganz aus seinem Leben gehen, sie gehörte mit hinein. — Der Diener kam zurück, meldete ihm, daß Herr von Hohenbrück sich über den Besuch freue, und Herr von Achern möchte die Güte haben, einen Augenblick im Salon zu warten. So folgte Achern dem alten Diener, der ihn führte, und dabei sah er mit heimlichem Entzücken das Rosenparadies. Dann stand er oben in dem Salon, der mit kostbaren, alten Empiremöbeln ausgestattet war. Ein altes, wertvolles Gemälde fesselte ihn, und er überhörte den Eintritt des alten Herrn, der ihn ganz entgeistert anstarrte. Achern verbeugte sich tief. Hohenbrück stand im feierlichen schwarzen Anzug vor ihm und fragte scharf: „Man hatte mir Herrn von Achern gemeldet. Wie soll ich das verstehen? Eie sind doch nicht Herr von Achern?" Wieder verbeugte sich Harry von Achern. „Verzeihung, — ich bin doch Herr von Achern, der derzeitige Herr von Schloß Achern. Mein Vater verstarb vor einigen Iahren. Durch Ihre Zurückgezogenheit erfuhren Sie nichts davon. Doch mein Vater hat mir alles eröffnet, was meine Pflegeschwester Pia anbetrifft. Um das alles genau erörtern zu können, kam ich persönlich", sagte er. r Etwas hilflos blickte der alte Herr auf den jungen, hochgewachsenen Mann. Er hatte den alten Herrn von Achern erwartet, und nun stand dieser elegante Mann vor ihm, den er gelegtem Kops vor ihm stand und zu ihm empor- sah. Cs trieb ihn, sie zu küssen, dennoch sagte er: „Ich nehme deine Worte, so etwas nicht wieder zu tun, ernst. Edel. Es sind arme Kinder, die zum Teil die mühsam gesammelten Beeren an Händler verkaufen. Den du schlugst, ist der Sohn einer Witwe, er hilft seiner Mutter in jeder Weise, der kleine, schwächliche Kerl." Edelgarde stand plötzlich stolz vor ihm. Die scherzhafte Zerknirschung der ausgezankten Sünderin ließ sie beiseite. „Ich bin nicht gewöhnt, daß man um eine belanglose Sache so viel Aufhebens macht. Ich werde es meinem Dater sagen, er mag der Mutter des Iungen Geld geben, — und fertig!" Mißmutig wandte sie sich ab. Achern strich sich über die Stirn. Er sagte nichts mehr. Aber etwas war seit jenem Tage zwischen sie getreten. Und auch heute dachte er daran. Er war sehr feinfühlig in solchen Dingen. Ein peinlicher Eindruck lieh sich nicht so leicht in ihm verwischen. Sie hatte ihm da eine Seite ihres Wesens gezeigt, die ihn abstieß. Mit grausamer Deutlichkeit erkannte er, daß der Glanz, den er um die Geliebte gewoben, zerstob, dah er eine Enttäuschung erlebt hatte. Siebentes Kapitel. Pia war sehr erstaunt, als sie eines Tages den Desuch Doktor Lansings erhielt. Alles, was aus Gollwern kam, verursachte ihr Herzklopfen. Cs war eine eigene Unruhe in ihr. Es war ihr, als müsse auch jetzt etwas aus Gollwern kockmen, was Herzeleid nach Schloß Achern brächte. Davor zitterte sie. Heimlich hatte sie in Harrys Zügen geforscht. Er sah gar nicht mehr so glücklich aus, wie die erste Zeit, als er mit Edelgarde verlobt war. Pia schalt sich selbst und ihre Schwarzseherei, höhnte sich und dachte: „Weil ich ihn liebe, weil ich ihn der leidenschaftlichen Cdelgarde nicht gönne, nur deshalb kommen mir die schwarzen Gedanken." Aber sie konnte es nicht ändern, daß diese Gedanken eben immer wieder tarnen. Und jetzt dachte sie auch, dah Lansing ein Unglücksbote sein müsse. Rasch sah sie an dem weihen Kleid hinab, das sie trug. Sie wollte sich nicht erst umziehen. Was lag denn auch daran, ob sie einfach oder vornehm aussah? Ihr Gebrechen konnte kein elegantes Kleid hinwegtäuschen. So ging sie nach einer Weile hinüber, wo Doktor Lansing wartete. „Herzlich willkommen. Herr Doktor! Ditte, nehmen Sie doch Platz. 3d) hoffe, daß es etwas Gutes ist, was Sie nach Achern führt." Sie sagte es mit ihrer ruhigen, warmen, hellen Stimme, die Lansing so liebte. Ehrerbietig küßte er^ihr die Hand. Dann saßen sie sich gegenüber, und Lansing sprach von ein paar Richtigkeiten, ehe er zu dem eigentlichen Zweck seines Kommens griff. Aber dann sagte er es ihr doch: er wolle versuchen, das Knie zu heilen oder doch wenigstens das Gebrechen zu verringern. Pia lächelte schwach. „Ach, Herr Doktor, das würde wenig Zweck haben. Cs ist doch wohl zu lange her. Ich habe mich nun auch daran gewöhnt: mir würde es vielleicht nicht einmal gefallen, wenn ich plötzlich damit tanzen und springen müßte", sagte sie dann mit dem Versuch, die Sache ins Humorvolle zu wenden. (Fortsetzung folgt.) Todesanzeige. Heute abend 8V< Uhr entschlief sanft, nach langem schweren Leiden mein geliebter Mann, mein treusorgender Vater, unser lieber Sohn, Schwiegersohn, Binder, Schwager, Pate und Onkel Herr Ludwig Herzberger VH. Steuersekretär im blühenden Alter von 37 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Auguste Herzberger, geb. Sames. 2 Zimmer, unmöbl. o.möbl.,m.kl.Küche i. gut. Hause an Untermieter zu verm. Einz. Dame beoor- zugt.Astcrweg 39 I, Eae Nordnnl. 0475 | Mietgesuche | 4 5 Zimm.-Wohn. für 1. Avril gesucht. Vermittler verbeten Schrift!. Angeb. mit Preisang. u. 530D an den Gieß. Anz. | Stellenangebote) Sauberes, tlicht ges «lötobett gesucht. Neustadt 38 SMlslMWWlM Vornan von Gert Rothberg. (Urheberschutz durch C. Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.) wÄj die Drogerie, die Ihr ™yrr Vertrauen verdient. MllWWWN m.gutenZeugnissen fürKücheundHaus- halt v. 1- Febr. ges. FranSiepmandStanun Goetheür. 23. «78 Absolut zuverl. MiWWeil das kochen k-, nicht unt.24Jahr.,m.gut. 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