Nr. 145 Erstes Blatt (83. Jahrgang Donnerstag, 22. Mi (933 Erschein« tflgltd), außer Sonntag» und Jetertag» Beilagen; Vie Illustrierte (BieRenex Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholle monati’Beingsprels: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illusttiert» . 1.80 Zustellgebühr . , -.25 Auch bet Nichterscheinen oon «nzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 5ernsprechanlchlUsfe anter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Kranlfurt am Main 11686. Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drutf und Verlag: Vrühl'sche UntversttSlr-vuch- und Zteindruckerei EL Lange tn Glehen. 5chnf1Iettung und Seschäftrstelle: Schulftrafse 7. Annahme oon Anzeigen für die lagesnummer bis jum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrift 20", mehr. Chefredakteur Dr. 5riebt. Wllh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Ted Ernst Dlurnschein und für denAn- geigenteil i. V.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Die Aktion gegen die deutschnationalen Kampfringe Das Echo der Berliner presse. Berlin, 22.3unL (ERB.) Eine Anzahl Berliner Morgenblätter nimmt zu den politischen Dorgängen des gestrigen TogeS Stellung und äußert sich über die Bedeutung der Eingliederung des Stahlhelms in die RSDAP. und der Aktion gegen die Kampffront der Deutschnationalen Front. Der .Völkische Beobachter" begrüßt die Eingliederung des Stahlhelms in die nationalsozialistische Bewegung als einen entscheidenden Schritt im Interesse einer einheitlichen Marschroute. Sie trage dem berechtigten Führungsanspruch der RSDAP. Rechnung und erkenne die Rotwendigkeit einer Entwicklung an, in der nur die stärkste Kraft als Träger und Garant einer einheitlichen politischen Linie, der sich alle anderen nationalen Kräfte zum Wohle des ganzen einfügten, die Aufgaben der Zukunft meistern und das Leben der Ration gewährleisten kann. DaS Verbot der Kampfringorganisationen nennt das Blatt notwendig. Die Kampfoerbände der nationalen Revolution seien die SA., die SS. und der Stahlhelm, die ihren Kampfgeist und damit ihre Existenzberechtigung zu einer Zeit bewährt hätten, in der es noch keine deutschnationalen Kampfringe gegeben habe. Was aus den Kreisen der deutschen Jugend, der deutschen Arbeiterschaft, der deutschen Dauern und der deutschen Angestellten für die nationalen Kampf- Organisationen zu erfassen gewesen fei, das sei in jahrelanger, zäher unermüdlicher Arbeit von SA., SS. und Stahlhelm gesammelt worden. Was bis heute nicht in diese Organisationen hereingekommen sei, das werde auch durch den Beitritt zum deutschnationalen Kampfring nicht mehr für die nationale Sache erobert. Der nat. > soz. „Angriff" betont, daß die Aktion weder überraschend noch auch nur einen Augenblick zu früh komme. Sie stelle den notwendigen und organischen Ab- fchluh einer Entwicklungsepoche im Spiegel der nationalsozialistischen Revolution dar. Die Kampfringe seien letzter sichbarer Ueberreft der unseligen Parteienanhäusung gewesen und als solcher naturgemäß der Auflösung verfallen, denn die nationalsozialistische Revolution bedeute Ablösung der Parteiherrschaft durch ein Volksführerregime. Unverständlich sei es daher, dass die Deutschnationalen Kampfringe ihr zahlenmäßig bedeutsames Anwachsen erst nach dem Umschwung erfuhren. Mit allen verfügbaren Kräften sei diese Parteiorganisation geradezu u n • mäßig aufgeblasen worden. Die Frage sei akut geworden: Gegen wen wollte der Kampfring eigentlich kämpfen? Die Frage sei in dem Augenblick beantwortet worden, da man feststellte, daß die Kampfringe Zuflucht oon Hunderten, ja Tausenden ehemaliger marxistischer Terroristen geworden seien. Die Riederschlagung und Ausrottung des Marxismus, so führte der „Angriff" weiter aus, ist unsere Aufgabe. Wir haben sie als notwendig erkannt und auch unverzüglich begonnen. ilnö wir lassen uns bei dieser Arbeit von niemand ins Handwerk pfuschen. Denn daß wir unser Handwerk verstehen, wird kaum jemand zu bestreiten wagen. In diesem Zuge werden rücksichtslos alle Mause- löchcr ausgeräuchert, in die sich der Marxismus verkrochen hat. Für diese Arbeit werden uns auch die deutschnationalen Kampfringführer einst dankbar sein, denn wenn ihnen die marxistische Welle im eigenen Haus erst über den Kopf geschlagen wäre, dann hätte es keine Rettung für sie mehr gegeben. Die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz schreibt u. a.: Die Auslösung des „Deutschnationalen Kampfringes", deren Be- rechtigung nach den vorliegenden Erfahrungen nicht bestritten werden kann, liegt durchaus auf der Linie der innerpolitischen Entwicklung des neuen Staates. Die Regierung hat mit dieser Maßnahme gezeigt, daß sie ihren Kampf gegen den Marxis- m u s zu führen entschlossen ist, wo auch immer sie ihn findet und daß sie nicht gewillt ist, kommunistische Umtriebe, gleichviel welcher Art, im neuen Deutschland zu dulden. Es ist selbstversländ- lich, daß die Auflösung des „Deutschnationalen Kampfringes" sich keineswegs gegen die Deutschnationale Front , überhaupt richtet, obwohl sie von einer gewissen Verantwortlichkeit nicht ohne weiteres freizusprechen ist. Nur dadurch, daß von dieser Seite der sonderbaren Tätigkeit des „Kampfringes" nicht rechtzeitig ein Riegel vorgeschoben ist, wurde der Eingriff der Staatsgewalt überhaupt notwendig. Die marxistischen Elemente, die glauben, in Deutschland weiterhin ihr verbrecherisches Treiben fortsetzen zu können, mögen wissen, daß sie unerbittlich aus ihren Schlupfwin - kein hervorgeholt werden, und daß ihnen rückschtslos das Handwerk gelegt wird, unter welcher Tarnung sie es auch erneut aufzunehmen versuchen. Die „D A Z." führt aus, in Zukunft werden sich die Kampforganisationen der NSDAP., o2L, Stahlhelm und SS. nur insoweit unterscheiden, wie vergleichsweise die einzelnen Truppengattungen eines einer Fahne folgenden und auf den Befehl eines Führers hörenden Heeres. Die „K r e uzz e i t u n g" schreibt, die Sehnsucht weitester nationaler Kreise hat damit ihre Erfüllung gefunden. Die beiden Bewegungen, die unmittelbar nach dem Zusammenbruch von 1918 im Norden und im Süden Banner unbeugsamen nationalen Willens aufpflanzten und den Kamps gegen den Bolschewismus und Defaitismus führten, find nunmehr endgültig vereint. Seite an Seite werden sie nunmehr unter der politischen Führung Adolf Hitlers ihren Kampf weiter tragen bis zur vollen Verwirklichung des neuen Deutschlands. Der „B ö r s e n k u r i e r" meint, daß die Auflösung der Kampfringe und die Säuberung des Stahlhelms die erwartete Klärung verworrener Verhältnisse bedeute. Es sei eine Reinigungsaktion und zugleich die Möglichkeit, gute Kräfte, die in diesem Ring gesessen hatten, für wirkliche und zweckmäßige 2lrbeit frei zu machen, die mehr der Zu- fünft als der Vergangenheit gehöre. Auch die Partei- politischen Verhältnisse bedürfen in der Zeit des totalen Staates einer Aenderung, die wohl nicht ausbleiben werde. — Die „V o s s i f ch e Zeitung" weist darauf hin, daß der Stahlhelm bisher stärker die unpolitische Linie betone, während die SA. und SS. ausgesprochen politische Kampfoerbände dar- stellten. Nunmehr werde alles in die eine Front ein- geordnet: zur Sicherung der Schlagkraft der nationalsozialistischen Revolution. Es sei klar, daß die Zentralisierung der Gewalt und die Zusammenfas. sung aller für den Aufbau im Inneren in Frage kommenden Kräfte das unmittelbare Ziel der Regierung sei. Daß mit anderen in der gleichen Richtung liegenden Maßnahmen für die nächste Zeit zu rechnen sei, darüber könne kein Zweifel sein. Umfassendes Verbot in Baden. Karlsruhe, 21. Juni. (WTB.) Die Pressestelle beim Staatsministerium teilt mit: Auf Grund der Berordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 werden die Deutschnationalen Kampfringe, die Kamps staffeln junger Deutschnationaler, der Bismarck- bund, der Iungdeutsche Orden, der Wehrwolf und die Dcutsch-Dölkische Freiheitspartei einschließlich ihrer Hilfs- und Rebenorganisationen ausgelöst und ihre Vermögen beschlagnahmt. — § 2. Wer nach der Auflösung noch einer der aufgelösten und verbotenen Organisationen angehört, sie fördert oder unterstüht oder einen organisatorischen Zusammenschluß weiter aufrecht erhält, wird nach § 4 der oben angeführten Verordnung mit Gefängnis nicht unter einem Monat oder mit Geldstrafe von 150 bis 15 000 Mark bestraft. Zungdo, Wehrwolf und Tannenbergbund in Braunschweig verboten. Braunschweig, 21. Juni. (WTB., Der braunschweigische Minister des Innern hat mit sofortiger Wirkung sämtliche in Braunschweig bestehenden Landes-, Bezirks- und Ortsgruppen des Iungdeutschen Ordens des Wehrwolfs und des Tannenbergbundes aufgelöst. Die Wiedererrichtung der Gruppen ist verboten. Probleme der Wellwirlschaflslonferenz. Kreditverbilligung und Hebung des Preisniveaus. London, 21. Juni. (WTB.) Den Standpunkt der deutschen Delegation in der Frage der Kredit- und Preispolitik legte im Zweiten Monetären Ausschuß Dr. Docke von der Reichsbank in längeren Ausführungen dar. Er bezweifelte, ob es ratsam sei, grundsätzlich das Währungssystem eines Landes zu ändern zum Zwecke einer künstlichen und zeitweisen Erhöhung des Preisniveaus, die an sich zu begrüßen wäre. Der Schwerpunkt des Preisproblems liege seiner Ansicht nach a u f dem wirtschaftlichen Gebiet. Wenn wir die Kaufkraft der Welt heben können, wird das Preisproblem sich selbst in natürlicher Weise regeln- Wir wollen keine künstliche Kaufkraft mit dem Hintergründe neuer Schuldenlasten und neuer Insolvenzen, sondern wahre und solide Kaufkraft. Vertrauen ist die Grundlage internationalen und nationalen Kredites. internationalen und nationalen Handels und Geschäftswesens. Riemals können wir Vertrauen durch künstliche Mittel herbeiführen, besonders nicht durch die Schaffung neuer Schulden. Die meisten Probleme der Wirtschaftskrise lassen sich zurückführen auf das Problem der Rentabilität von Einzelunternehmen. Bei Vergrößerung des Kredites dürfen wir nicht vergessen, daß es unerläßlich ist, die Rentabilität der Einzelunternehmen wieder herzu st eilen. Wir wünschen keine Deflation. Kredit soll jedem gesunden Geschäft, der Produktion, dem Handel und der Wirtschaft gegeben werden. Wir wünschen das Wirtschaftsleben zu ermutigen und es auf der Grundlage einer gesunden Politik auf jedem Gebiete, und besonders auf dem monetären Gebiet auszubauen. Dem Ehamberlain'schen Antrag auf Verfolgung einer billigen Geldpolitik zum Zweck einer Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus, widersprachen auch B a ch m a n n (Schweiz), Beneduce (Italien) und am deutlichsten Bonnet (Frankreich), dessen Ausführungen gipfelten darin, daß einer Erhöhung des Preisniveaus die politische Sicherung und die Sicherung der Wäh- rungen vorangehen müßten. Denn nur dann könnten mit zurückkehrendem Vertrauen die Hortungstendenzen aufhören. Seine Ausführungen suchten ferner die Ehamberlain'sche Auffassung zu widerlegen, daß eine Politik der Geldoerbilligung allein zu einer Belebung der Wirtschaft führen würde. Als Illustration erinnerte er an die billigen Geldsätze, die nach 1928 und 1929 vorherrschend gewesen seien und trotzdem keine wirkliche Erholung bewirkt hätten. Die Fesseln der Handelspolitik. London, 21. Juni. (WTB.) Der erste 11 n- terausschuß des Wirtschaftsausschusses hielt heute nachmittag unter dem Vorsitz des Bürgermeisters von Hamburg, Krogmann, hinter verschlossenen Türen seine erste Sitzung ab, in der Fragen der Handelspolitik erörtert wurden. Der britische Delegierte legte einen Entschließungsentwurf vor, der u. a. folgende Anregungen enthält: Clearing- und Tauschabkommen sollen so weit wie möglich beseitigt werden, auch Einfuhrbeschränkungen sollen beseitigt werden, jedoch mit Ausnahme der international anerkannten. Es sollte ein klarer Unterschied zwischen Cinsuhrkontingenten, die willkürlich von den einführenden Ländern als zusätzliche Schutzmaßnahme für ihre Produzenten festgesetzt werden, und solchen Produktions- und Marktkontingenten gemacht werden, die auf Grund internationaler Abkommen zur Erhöhung der Preise auserlegt wurden. Die etappenweise Abschaffung der ersteren sei von größter Bedeutung. In einem Vorschlag des Vorsitzenden Krogmann wird auf die Rotwendigkeit einer Abschaffung der Einfuhrverbote und Beschränkungen hingewiesen. Jedoch wird betont, daß eine gewisse Zeit zur Erzielung dieser Er- gebnisse eingeräumt werden müsse. Der Antrag empfiehlt daher die Annahme zeitlich begrenzter Maßnahmen, die während einer Uebergangs- periode zur Anwendung kommen sollen. Der schweizerische Delegierte setzte sich dafür ein, die Abschaffung der Einfuhrbeschränkungen durch bilaterale Verträge zu erstreben, da ein Kollektivabkommen unmöglich erscheine. Weitere Anträge wurden von Polen und Rorwegen unterbreitet. Der Kamps gegen die ASSAp. in Oesterreich. Ein Polizeibericht über die Wiener Anschläge. Unbewiesene Behauptungen über Verbindung der Täter mit reichsdcutschcn Kreisen Wien, 21. Juni. (CNB.) Der heute veröffentlichte erste Polizeibericht über die Wiener Bombenanschläge wird auch von der Polizei nur als ein vorläufiger Teilberichl bezeichnet, dem Ende der Woche erst ein Gesamtbericht folgen solle. Außer zahlreichen Lücken und Unsicherheiten fallen im Bericht die mehrfachen Hinweise auf, daß nähere Angaben noch nicht veröffentlicht werden können. Der Anschlag auf das H a u s „H a k" soll diesem Bericht zufolge von dem Kraftwagenführer Otto Zowonek, der sich selbst der Polizei stellte, gemeinschaftlich mit mehreren anderen ausgeführt worden fein. Einer davon, ein Ernst Happach sei SS.-Mann. Der Fall mit dem Iuweliergeschäft Futter w e i t sei noch so wenig klargestellt, daß Einzelheiten noch nicht gebracht werden könnten, trotzdem wird im Bericht behauptet, daß reichsdeutsche Nationalsozialisten in einem großen Minerva- Wagen mit Berliner Kennzeichen nach Wien gekommen seien und mit dem Führer der Wiener SS. Besprechungen über Bombenanschläge abgehalten hätten. Der Anschlag auf das Cas 6 „Produktenbörse" sei dem Poli^eibericht zufolge von einem gewissen Ziegler, der SS.-Schar- sührer sein soll, besohlen worden. Ziegler sei flüchtig. Ein spät abends ausgegebener zweiter B e - richt enthüll noch die Behauptung, daß im Besitz eines der verhafteten SS.-Männer ein Plan einer Wiener Kaserne gefunden wurde. Der Plan habe zur Vorbereitung eines Wiffenraubes dienen sollen. Die erbeuteten Gewehre sollten einer SS.-Stassel übergeben werden. Zum Schluß wird in dem Bericht behauptet, es fei als sicher nnzuneh- men, daß die Anschläge nach einem vorher bestimmten Plan durchgeführt wurden, und daß sie a u f ö i e Anstiftung ausländischer National- sozia 1 isten zurückzuführen seien. Ein neuer Gewaltakt vor der Tür. Ten Abgeordneten der NSDAP, sollen die Mandate entzogen werden. Wien, 21. Juni. (WTB.) In Kreisen der Regierung beschäftigt man sich mit den Mandaten der Abgeordneten der RSDAP. Diese werden auf Grund der Verfassung zu Recht aus- geübt, da das Verbot der Tätigkeit der RSDAP. die Mandate nicht betrifft. Man will scheinbar den Mandataren der RSDAP. die Ausübung ihrer Pflichten und Rechte unmöglich machen. Es verlautet, daß die verschiedenen Landtage verfassungsändernd^ Beschlüsse fassen wollen, wodurch die nach den Ergebnissen der Wahlen auf die RSDAP. entfallenden Mandate für ungültig erklärt werden sollen. Die dadurch frei werdenden Mandate sollen ohne Berücksichtigung der seinerzeit für die RSDAP. abgegebenen Stimmen neu aufgeteilt werden. Durch ein solches Vorgehen würden die nationalsozialistischen Abgeordneten nicht nur ihre Mandate in den Landtagen und Gemeinderäten, sondern auch im BundeSrat verlieren, da sich der BundeSrat aus Vertretern der Länder zusammenseyt. plant Oesterreich Verringerung der Einfuhr aus Deutschland? Wien, 21. Juni (WTB.) Die vsterreichiscke Regierung beabsichtigt, die Einfuhr aus Deutschland beträchtlich zu verringern. Innenminister Schumy hpt ein Komitee von Fachleuten eingesetzt, das alle Einzelheiten des Handelsverkehrs mit Deutschland studieren soll. Ueber die bisherigen Ergebnisse der Beratungen dieses Komitees weiß die „Stunde" zu berichten, daß oon der Bildung einer Ausgleichskasse Ab st and genommen worden sei, daß aber Oesterreich unbedingt auf einer Verringerung des übergroßen Passiv-Saldos seiner Handelsbilanz mit Deutschland bestehen müsse. Oesterreich denke dabei keineswegs an Vergeltungsmaßnahmen, sondern hätte auch bei ungetrübten politischen Beziehungen, vor allem aus De visen-Rücksichten, den gegenwärtigen handelspolitischen Zustand gegenüber Deutschland revidieren müssen. ©er Reichssiand der deutschen Industrie. Reichskommissar Dr. Wagcner an Urupp und Uoettgcn. Berlin, 21. Ium. (CNB.) Der Reichskommis- sar und Leiter des Wirtschaftspolitischen Annes der NSDAP., Dr W a g e n e r, hat an die Vorsitzenden des Reichsverbondes der deutschen Industrie und der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, die Herren Dr. Krupp von Bohlen- Halbach-Essen und Dr. K o e 11 g e n - Berlin, folgendes Schreiben gerichtet: „Ich danke Ihnen für die Mitteilung, daß der Reichsoerband der deutschen Industrie und die Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände sich zum Reichs st and der deutschen Indu- strie zusammengeschlossen haben und nehme gerne davon Kenntnis, daß die Arbeit des neuen „Reichsstandes der deutschen Industrie" auf der Grundlage und Anerkennung des Gedankens positiver und leistungsooller Gemeinschaftsarbeit aller in der Produktion tätigen Menschen beruhen wird. Auf diesen Teil dieser Erklärung lege ich ganz besonderen Wert. Es sind eigentlich nicht die bisherigen deutschen Arbeitgeberverbände und der bisherige Reichsoerband der deutschen Industrie, die den industriellen Reichsstand innerhalb der berufsständischen Gesamtordnung der deutschen Wirtschaft bilden können, da sie ja nur die Vertretungen des Unternehmerteils der Industrie umfassen. Ich begrüße es aber, daß der Reichsoerband der deutschen In- dustrie und die Bereinigung der deutschen Arbeit- geberoerbände sich durch den neuen Zusammenschluß bereit erklären, ihren bisherigen Charak- ter abzulegen und durch die Beteiligung aller in der Produktion tätigen Menschen dasjenige neue Gebilde aufzuoauen, das der nationalsozialistischen Weltanschauung entspricht. Insbesondere lege ich Wert daraus, öffentlich zu erklären, und ich habe hierüber auch dem Führer Meldung erstattet, daß bei der gemeinschaftlichen Sitzung am 19. d. M. für die Durchführung des ständischen Aufbaues der Industrie dahingehend endgültige Einigung erzielt wurde und daß noch in diesem Monat die Bildung der bezirklichen Fachgruppen und der Landesfachverbänoe unter Einbeziehung von Unternehmer-, Angestellten- und Arbeitervertretung durchgeführt wird, so daß der Aufbau des Reichsstandes der deutschen Industrie mit seinen Kammern und Reichsfachverbänden dann innerhalb kurzer Zeit beendet werden kann. Erst wenn der deutsche Arbeiter sieht, daß die industriellen Unternehmervereinigungen die Reuschaffung von Verbänden und Vertretungen durchgeführt haben, in denen auch er, ebenso wie der Angestellte, seiner langjährigen Forderung entsprechend, vertreten ist. sind für ihn die letzten Grundlagen der marxistischen Gedankenwelt beseitigt und er gewinnt den Glauben an eine wirkliche Volksgemeinschaft, die allein ihm Arbeit und Brot sichern kann- Ich bitte die Herren Dor- sitzenden daher nochmals, von ihrer Seite darauf hinzuwirken, daß die in der Sitzung vom 19. d. M. endgültig geklärten Mahnahmen für den Neuaufbau des Standes der Industrie mit größter Beschleunigung durchgeführt werden. Der Kampf -er „Deutschen Christen". Berlin, 21.3unu (VDZ. Funkspruch.) Auf einer Kulturausschuhsitzung der Glaubensbewegung „Deutsche Christen" wies der Reichskultur- referent Bierschwale darauf hin, dah der Reichskanzler es abgelehnt habe, den bisher genannten Reichsbischof D. von Dodel - s chwingh zu empfangen, solange nicht klar sei, ob das Kirchenvolk hinter dem Reichsbischof stehe. Die Glaubensbewegung habe nun die Aufgabe, das evangelische Kirchenvolk in ganz Deutschland aufzuklären. Am Dienstag fänden in Berlin 19 Massenversammlungen statt mit dem Thema „Wer soll Reichsbischof werden?". Derartige Kundgebungen würden über das ganze Reich bis in das kleinste Dorf gehen. Erst wenn so das Kirchenvolk aufgeklärt sei, werde die Frage nach der Persönlichkeit des kommenden Bischofes gestellt. Für den Kampf der „Deutschen Christen" sei ein großes Aktionsprogramm in Vorbereitung. Die von den „Deutschen Christen" geführten k i r° chenpolitischen Ausschüsse der deut- schen Sender würden in kurzer Frist nach Berlin berufen, um Richtlinien für ihre Arbeit zu erhalten. An dem von der Glaubensbewegung am 10. November d. 3. durchzuführenden „Reichs- Lüth e r - T a g" würden Gottesdienste, Schulfeiern, Kundgebungen, Theater- und Filmaufführungen, Rundfunkdarbietungcn usw. im ganzen Reichsgebiet in den Dienst der Sache gestellt. Der Evangelische Bund habe sich entschlossen, sich den Feiern der Glautzknsbewegung anzuschließen. Es werde ein besonderer Ehrenausschuß gebildet, in den sich die führenden Männer von Staat und Kirche eingliedern würden. Der „Reichs-Luther- Tag" soll ein Ausmaß erhalten, wie es die Welt seit Luther um den Namen dieses Reformators noch nicht erlebt habe. Die Hanptveranstaltungen würden stattfinden in Mansfeld, Eisleben, Wittenberg, Eisenach, Speyer, Worms, Augsburg, Berlin, Hamburg usw. Ausland stellen der „Deutschen Christen" beständen bereits im Sudetendeutschland, in Deutschösterreich, in Estland und Ungarn. LleberleitungderSA.undGG.-Zlieger- stürme in den deutschen Lustsportverband Berlin, 21. Juni. (TU.) Mittwochoormittag hat der Reichslustfahrtminister, Ministerpräsident Göring, die Führer der SA. und SS.-Flieger- Jtürme sowie die Landesgrupoenführer des Deutschen Luftsportverbandes im Rrichsluftfahrtministe' rium empfangen. Der Zweck des Empfanges war die Ueberleitung der SA. - und SS. - Flieger ft ürme in den deutschen Luft- fportDerbanb. Aus diesem Anlaß richtete der Rcichsluftfahrtminister Göring einen Aufruf an die deutschen Flieger, in dem es u. a. heißt: „Der Führer hat angeordnet, alle Kräfte der deutschen Luftfahrt einheitlich z u s a m m e n zu f a s- s e n. Ich bin daher mit dem Stabschef der SA. und dem Reichsführer der SS. übereingekommen, diese Kräfte im Rahmen des deutschen Luftsportoerbandes zusammenzufasten. Sie werden dort den Grundstock neuer Fliegerstürme bilden. Es gilt, der Zersplitterung in der deutschen Sportfliegerei ein Ende zu bereiten. Die Männer der SA.- und SS.-Fliegerstürme sind in erster Linie berufen, den Geist der Einheit und Zielbewußtsein, durch den die nationalsozialistische Bewegung groß geworden ist, im DLV. zu verbreiten und zu festigen. Uebernabme der Geschäfte durch den neuen Danziger Senat. Danzig, 21. Juni. (WTB.) Die neuen Danziger Senatoren haben heute vormittag ihre Dienstgeschäfte übernommen. Der Senatspräsident Dr. Rauschning erledigte die offiziellen Staatsbesuche u. a. bei dem deutschen Generalkonsul 5 r f) r n. o. Therman n, dem Völkerbundskommissar Rosti na sowie dem diplomatischen Vertreter Polens, Minister P a p e e. Zu Ehren der neuen Regierung fand eine Zierliche Flaggenparade statt. Innensenator Greiser legte ein Treuebekenntnis zu den alten ruhmreichen Farben des Reiches und den neuen Bannern der nationalsozialistischen Revolution ab. Unter den Klängen des Präsentiermarsches wurden auf allen im Hafen liegenden Danziaer und reichsdeutschen Schiffen die deutsche Flagge auf Vormast, die Danziger Flagge an der Gaffel und die nationalso- z i a l i st i s ch e Freiheitsfahne als Gösch gesetzt. Der Senat hat dem Dolkstag das Ermächtigung s g e f e tz unterbreitet Die Vorlage enthält u. a. die Möglichkeit zur Aenderung der Wahlae- etze, Neuregelung der Beamtenverhältnisse und An- steichung an die deutschen Dienstbezüge, Bekämp- ung der antireligiösen Propaganda, Aenderung des Sozialversicherungswesens und Einführung der Arbeitsdienstpflicht. Das Ermächtigungsgesetz ist bis zum 30. Juni 1937 befristet. Aus aller Welt. Neuer Vorstand des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. In seiner letzten Vorstandssitzung wählte der Deutsche Akademische Austauschdienst, Berlin, die kulturpolitische Zentralorganisation Deutschlands auf akademischem Gebiet, General E w y l d von M a s s o w , zu seinem Präsidenten. Der neue Vorstand setzt sich zusammen aus je einem Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Reichsinnenministeriums und des preußischen Kultusministeriums, zu denen der Leiter des Wirtschaftspolitischen Amtes der NSDAP. Dr. h. c. W a g e n e r , staatskom- tniffar Ernst Röhm, der Vorsitzende des Vereins für das Deutschtum im Auslande Dr. Hans S t e i - n a ch e r sowie der Vorsitzende des Verbandes deutscher Hochschulen hinzutreten. In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Studentenschaft die ful- turpolitischen Aufgaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes zukünftig noch wesentlich zu verbreitern, war der Grundgedanke, den der Leiter des Akademischen Austauschdienstes Dr. Adolf Morsbach in der Dorstandssitzung zum Ausdruck brachte. Lin 17jähriger ZHutlermörbcr verhaftet. 3n einem Cafe am Anhalter Bahnhof in Berlin fiel dem Geschäftsführer dieser Lage ein gut angezogener junger Mann auf, der nach dem Genuß von zwei Flaschen Sekt stark angetrunken war und in diesem Zustand seine teure .goldene Llhr mit Füßen trat. Der Geschäftsführer benachrichtigte die Kriminalpolizei, die den Verdächtigen festnahm. Auf dem Polizeipräsidium stellte sich heraus, daß es sich um den 17jährigen Paul Schumann, gebürtig aus Sumiswald, Kanton Bern, handelt, der von den Schweizer Behörden laut Polizeifunk wegen Mordes an s ein er Mutter gesucht wird. Der verstorbene Vater des Schumann war Besitzer des Bahnhofshotels in Emmesmatt, der Sohn wohnte mit seiner Mutter in Bolken in der Schweiz, wo er den Mord begangen hat. Nach dem Morde ist Schumann unter Mitnahme einer großen Geldsumme nach Berlin gefahren. Er nahm sich hier unter falschem Namen ein Zimmer im Eden-Hotel. Er unterhielt einen ausgedehnten Verkehr mit Frauen. Brand im Eßlinger kommunistischen Waldheim. Das auf dem Eichberg gelegene Eßlinger Waldheim, in dem früher die Kommunisten ihre Unterkunft hatten, ist in Flammen aufgegangen. Das Waldheim war vor längerer Zeit von der Polizei beschlagnahmt worden und hatte kurze Zeit der SA. als Unterkunft gedient. Dann wurde es polizeilich versiegelt. Es liegt zweifellos Brandstiftung vor. Ob von kommunistischer Seite, steht noch nicht fest. Halb geleerte Petroleumflaschen wurden von der SA., SS. und dem Stahlhelm gefunden. Die Eßlinger Feuerwehr rückte mit allen Löschmitteln an, stand jedoch dem Brand infolge Wassermangels völlig machtlos gegenüber, da die Brandstifter das Wasser vorher abgelassen hatten. Die Polizei nahm unter den Zuschauern Massen- verhaftungen vor. Aus der Zahl der Verhafteten wurden 60 Jungkommunisten herausgegriffen. Die sollen in das Konzentrationslager auf dem Heuberg gebracht werden. Der Brand ist vermutlich durch zwei Brandbomben gelegt worden, denn unmittelbar nach dem Aufflammen des Feuers wurden zwei kräftige Detonationen gehört. SPD-Angehöriger schießt auf SA. Als am Mittwochabend SA.-Leute in der alten Dahlwitzer Straße in Köpenick eine Durchsuchung vornehmen wollten, schoß der 23jährige SPD.-Angehörige Anton Schmaus von der Wohnungstür aus auf die SA.-Leute. Ein S A.- Mann und eine Zivilperson wurden getötet, zw e i SA.-Leute schwer verletzt. Der Täter konnte fest genommen werden. Der Prozeß um Rosemarie Boddin. 3m Prozeß gegen Frau Martha Boddin wegen der Mordversuche gegen ihre kleine Tochter Rosemarie kam es in der letzten Verhandlung zu einem dramatischen Zwischenfall. Als Zeugin rief der Vorsitzende eine Frau Wentzel aus Marienburg auf. Diese Frau ist die Mutter der Angeklagten Martha Boddin. Sie sieht aber ihre Tochter, die sie gleich nach der Geburt weggegeben hatte, zum ersten Male wieder. Martha Boddin hat ihre Mutter niemals vorher kennen gelernt. Die Begegnung wirkte auf die alte Frau Wentzel so stark, daß sie am Zeugentisch einen Ohnmachtsanfall erlitt, während gleichzeitig Frau Boddin in Schreikrämpfe ausbrach und durch den Justizwachtmeister aus dem Gerichtssaal in das Gefängnis zurückgeführt werden mußte. ' % Eisenbahnunglück in Bulgarien. — Sechs Tote, 13 Schwerverletzte. In Bulgarien ereignete sich auf der Strecke Tup- niza—Radomir eine Eifenbahnkatastrophe, die sechs Tote und 13 Verwundete forderte. In einem Tunnel stieß ein Personenzug mit einer Kipplore zusammen; die Lore kam aus der entgegengesetzten Richtung mit 20 Arbeitern, die zur Arbeit fuhren. Der Zusammenstoß war unvermeidlich, da sich die Lore mit den Arbeitern in voller Fahrt befand. Die Namen der Toten sind noch unbekannt. Die Verwundeten sind fast durchweg hoffnungslos verletzt. Die Behörden haben die Untersuchung eingeleitet. Bauernunrufjen in Galizien. — Zehn Tote. Aus Mittelgalizien werden schwere Bauern- Unruhen gemeldet. 3n dieser Gegend soll schon seit längerer Zeit eine starke 3 n v a s i o n von Kommuni st en zu bemerken gewesen fein. Die aufgehetzte Bevölkerung holzte die Privatforsten ab und plünderte die Geschäfte. Bei Nockowa und Medyka kam es zu Schießereien, weil die Bevölkerung die festgenom- menen Führer befreien wollte. 3nsgesamt sind neun Bauern getötet worden, mehrere erhielten Verletzungen. Sechs Polizisten sind durch Steinwürfe und Schüsse verletzt worden. Einer von ihnen ist gestorben. Kleine politische Nachrichten. Wie der Zeitungsdienst erfährt, hat dieDeut- sche Arbeitsfront der Hitler-Spende für die Opfer der Arbeit 100 000 Mark durch die Arbeiterbank überwiesen. * Reichswart D. Stange hat als Führer der gesamten evangelischen Jugend Deutschlands dem Bevollmächtigten des Reichskanzlers, Wehrkreispfarrer Müller, den wärmsten Dank dafür ausgesprochen, daß er durch eine bindende Zusage des neuen Reichsjugendsührers Baldur v. Schirach die Weiterarbeit der evangelischen Jugendverbände eindeutig sichergestellt hat. Dadurch sind die Vereinbarungen zwischen der Führung der evangelischen Jugendverbande und dem Reichsjugendführer erneut bestätigt. * Mit Rücksicht auf die Llmgestaltung der Kirchenleitung bei der kommenden Verfassungsrevision hat der Kirchensenat der Altpreußischen Kirche beschlossen, die Stelle des Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates bis auf weiteres kommissarisch durch den rheinischen Generalsuperintendenten Dr. Stol- t e n h o f f verwalten zu lassen. Reichsminister Dr. F r i cf hat die Gauleiterin der NS.-Frauenschast, Gau Düsseldorf, Frau Hanna Sieber, als Referentin für Frauen- fragen in bas Reichsministerium des Innern berufen. Frau Sieber hat insbesondere den Auftrag erhalten, die verschiedenen Frauen verbände zu einer Reichsarbeitsgemeinschaft Deutscher Frauenverbände zusammenzuschließen. * Vor seiner Abreise nach Berlin empfing der Reichsauhenminister Freiherr v. Neurath im Dorchester-Hotel die Besuche des italienischen Botschafters G r a n d i und des rumänischen Außenministers Titulescu. Aus der Provinzialhauptstadt. Heute — nicht morgen! Das Mögliche soll der Entschluß Beherzt sogleich beim Schopfe fassen, Er will es dann nicht fahren lassen, Und wirket weiter, weil er muß. Jeder Tag bringt uns neue Aufgaben, neue Aufträge. Schon auf dem Frühstückstisch liegt der Dienstbefehl für die nächsten zwölf Stunden. Und was die Morgenstunde noch nicht wußte, vergißt der Mittag sicher nicht. Da bringt die Post ein Ausrufezeichen, oder der Kalender erinnert an sein Recht, das Telephon klingelt und bestimmt aus weiter Ferne Aufgaben in nächster Nähe. Der Hausfrau winken die Küchen- gcister oder die Keilerkobolde: in acht Tagen ist Geburtstag. Kuchen wollen auf den Tisch, und alles will vorbereitet sein. Man weiß, die Zeit geht immer schneller, als man denkt, und gewöhnlich lassen sich die Notwendigkeiten des Tages nicht übers Knie brechen. „... aber von heut auf morgen läßt sich das .Ding schon drehen'." Aha, die Rede ist gefährlich. Was schon von heut auf morgen verschoben wird, gerät auf die lange Bank, und wie peinlich es sich zu Zeiten auf diesem Brett der bequemen Ausreden und Verschleppungstechnik sitzt, weih jeder, der schon in „Druck" kam. Ach, wir haben schon noch Zeit, immer langsam voran, die Arbeit läuft uns nicht davon, wird schon noch werden! Wir kennen diese schönen Formeln selbstsicherer Gefälligkeit, wir wissen aber auch, daß diese Stegreifritter oft genug vom Stengel fallen, und nachher hört man die andere Seite: ach, hätte ich doch ..., ach, wär' ich doch! Llnd doch, wie einfach und ruhig läßt sich Arbeit und Pflicht erledigen, wenn man dem guten alten Wort folgt: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!" Allzu lange aufbewahrt, wird schließlich das Ziel sauer, die Lust müde, und das Ende vom Lied ist immer dasselbe: Lieber stürzung, Hast, -Unfertigfcit, Schluderei und Achselzucken oder peinliches Lächeln derer, die darunter leiden müssen. Also: frisch ans Werk, zugepackt! Die Arbeit geht nochmal so schnell, wenn ihr die Ehre sofortiger Bedienung entgegengebracht wird. Lind gelingt sie auf den ersten Anhieb mal nicht, dann ist noch immer genügend Zeit da, sich zu überlegen, um in glücklicherer Stunde ganze Arbeit zu schaffen. Die Zeit ist ein feines Musikinstrument, man muß verstehen, auf ihm in Ruhe zu spielen. Wer das kann, ist ein Künstler. 3hm gibt die Zeit mehr als dem andern, der nur im Galopp über sie hinjagt. Dem Kenner und Künstler der Zeit schenkt sich doppelte Zeit, doppelte Freude, doppeltes Leben! Sofort getan, ist doppelter Erfolg und halbe Mühe! Kornblumen. Von alters her war die blaue Kornblume eine der Lieblingsblumen des finnigen, gemütvollen Menschen Schon bei den alten Griechen stand sie in hohem Ansehen als die Priesterin im großen Volk der Aehren, wo sie unter den körnergeschwellten Aehren des Roggens fröhlich blüht und empor- schaut zu den Höhen des azurblauen Himmels als ein frommes Bild der Heiterkeit und des zuversichtlichen Glaubens, und noch heute wird die Kornblume geliebt, gesucht und gepflückt von den Kindern. „Windet zum Kranze die goldenen Aehren, flechtet auch blaue Cyanen hinein!" singt der unsterbliche Schiller. Für die Kornblume, die zu den Flockenblumen und zur großen Familie der Kompositen gehört, hat sich der Naturfreund immer interessiert, dagegen hat sich der Gartenfreund nur wenig um sie be- kümmert. Man vergißt es, daß sie in den ©arten- formen auch ein Schmuck der Gärten ist. Hauptsächlich ist es die Farbe, das reine Blau der Blumenkrone, wie es in der ganzen Blumenwelt nur noch selten vorkommt, die sie zur Lieblingsblume der Blumenfreunde macht. Es tritt aber eine störende Eigenschaft hervor, wenn der Kornblumenstrauß im Zimmer im Wasser steht. Bald wechselt hier und dort eine Blüte den Farbenschmuck, der in ein wenig schönes Weiß übergeht und den ganzen Strauß verunziert, bis beim Verwelken alle Blüten diese Farbe annehmen. Nicht selten findet man aber auch im Kornfelde etliche Kornblumen von grauweißer, aber auch solche von tief oiolettblauer Farbe, noch seltener ist die gefüllte Kornblume anzutreffen. Bei ihr haben die Scheibenblüten gleich den Randblüten eine trichterförmige Gestalt mit mehrfach gespaltenem Saum. Hier ist uns ein Wink gegeben; daß die Kornblumen nicht gerade fest auf dem ihnen verliehenen himmlischen Blau bestehen, sondern auch einem andersfarbigen Kleide nicht abgeneigt sind, daß sie variieren. Und so sind denn Gartenblumen in rein weißer Farbe, in tief dunkelblauer, violetter, rosa und gelber Farbe, niedrige und hohe gefüllte und wohlriechende durch die Züchtung entstanden. Daß übrigens die Kornblume des Feldes auch einen feinen, angenehmen Duft entwickelt, wird wenig beachtet. Mit dem Niedersinken der goldenen Aehren bei der Ernte ijt auch die Herrlichkeit der Kornblume vorbei, bis sie in den späten Herbsttagen noch einmal ersteht. Auch das wird wenig beachtet. Auf den Stoppelrübenfeldern, auf denen vorher die Kornähren ragten, verblüht die zweite Aussaat der Kornblumen. Stehen sie hier auch nur vereinzelt, so läßt sich dort doch schon mancher Strauß pflücken, der an die Pracht des Sommers erinnert. Und doch auch nicht, die Blumen sind anders, schöner, duftender, geradezu idealer. Das Blau ist in der kühlen Herbstluft dunkler und doch leuchtender, eine wunderbare Farbe, auch die Form ist vollkommener, edler. Und so verdient die herbstliche Kornblume das Lob hervorragender Schönheit und Lieblichkeit. Und gerade dies späte Blühen macht sie für den ©arten wertvoll, die Selbftausfaat auf dem Felde zeigt den Weg, wie die Aussaat geschehen kann. Ihr Blühen ist an keine Zeit gebunden, je nach der Aussaat kann sie von Juni ab bis zu den ersten Frösten im Spätherbst den ©arten schmücken. Auf den Rabatten, besonders bei gemischten Gruppen, auch auf kleinen Rundbeeten für sich allein ist die Kornblume am Platze. Daß sie ein vorzügliches, langstieliges Material zur Füllung von Vasen gibt, dient ihr zur besonderen Empfehlung. Auch der Bienenzüchter weiß die Kornblume zu schätzen, denn der um die Zeit der Kornblumenblüte eingetragene Honig ist ihm besonders wertvoll. Darum kann sie auch mit gutem Erfolg in der Nähe des Bienenstandes in reicher Menge ausgesät werden, und wenn die Aussaat so eingerichtet wird, daß die Blütezeit in eine Zeit fällt, in der es den fleißigen Immen an reichlicher Nahrung fehlt, bann zeigt sich der Wert dieser echten Sonnenblume auch in hervorragender Weise nach dieser Seite hin. So ist denn diese Volksblume mit Recht der Gunst der Gartenfreunde zu empfehlen. Gr. Oie neuen Köttommissionen im Kreise Gießen. Der Kreistag des Kreises Gießen hat gestern folgende Neubesetzung der Körkommissionen im Kreise Gießen beschlossen: Für Fleckvieh (S i m m e n t a I e r):l. Mitglieder: Heinrich Görlach, Ober-Hörgern, Ludwig Barner, Röthges, Karl Köhler IV., Langsdorf, Karl Faber II., Leihgestern. — 2. E r s a tz m i t g l i e - der: Bürgermeister Müller, Ober-Hörgern, Bürgermeister Knauß, Stangenrod, Ludw. Schmidt, Langsdorf, Wilhelm Jung V., Leihgestern. Für Vogelsberger: 1. Mitglieder: Hermann Velten jun., Göbelnrod, Balthasar Philipp 3, Steinberg bei Gießen, Hermann Von-Eiff, ©rünberg, Heinrich Harbach VIII, ©roßen-Buseck. 2. E r s a tz m itglieder : Direktor Landwirtschaftsrat Trautmann, ©rünberg, Wilh. Hofmann, Großen-Linden, Karl Rock I, Quecfborn, Friedr. Ludw. Reuschling, Heuchelheim bei Gießen. Für Schweine: Ludw. Konr. Luh, Lang- Göns; Heinr. Knauß, Stangenrod. Für Ziegen: Heinrich Münster, Hattenrod; Ludwig Scheid, Großen-Buseck. Daten für Donnerstag, 22.Juni. 1767: Der Staatsmann Wilhelm v. Humboldt in Potsdam geboren (gestorben 1835); 1831: Der Admiral Maximilian Graf v. Spee in Kopenhagen geboren (gestorben 1914); 1919: Gründung der LIniversität Köln a. Rh. Gießener Wochcumarktpreife. • Gießen, 22.3uni. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Landbutter 120 Pfennig, Süßrahmbutter 130 bis 135, Kochbutter 90 bis 100, Matte 25, Wirsing (grün) 12 bis 15, Zwiebeln 12, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 10, Mischgemüfe 10. Bohnen (grün) 30 bis 35, Spargel 20 bis 40, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 50 bis 55 Kartoffeln (alte) 3 (proZtr.2,50 bis 3Mk.) (neue) 12, Rhabarber 8 bis 10, Kirschen 25 bis 30, Stachelbeeren 15 bis -20, Erdbeeren 30 bis 45, junge Hähne 90 bis 100, Suppenhühner 70 bis 80 Pfennig pro Pfund; Tauben 50 bis 60, Eier (inländische) 8,5 bis 9, Käse 4 bis 10, Blumenkohl 10 bis 60, Salatgurken 25 bis 40, Salat 5 b. 10, Oberkohlrabi 5 b. 10, Rettich 10 b. 15 Pfennig pro Stück; Radieschen 5 bis 10, Rüben (gelbe) 10 bis 12, (rote) 15 Pf. pro Bund. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „An heiligen. Wassern" mit Karin Hardt. * ** Weßlarer Ehrung des Mini st er- Präsidenten Göring. Zu dem Bericht des Wolff-Bureaus über die Fahrt des Ministerpräsidenten Göring durch Hessen-Nassau teilt uns die Firma M. Henfoldt & Söhne, Wetzlar, mit, daß dem Herrn Ministerpräsidenten im Auftrag der nationalsozialistischen Arbeiterschaft und der Geschäftsleitung der Firma durch Herrn Dr. H e n s o l d t jun. ein Fernglas überreicht wurde. ** Straßensperrungsnachricht, mitgeteilt vom Oberhess. Automobil-Club E. V. (A. v. D.) Gießen: Die Sperre auf der Provinzialstraßenstrecke Gießen — Heuchelheim wird ab 25. Juni aufgehoben. " Volkszählung. 3n einer Bekanntmachung der Bürgermeisterei im heutigen Anzeigenteil werden diejenigen Einwohner, die noch keinen Zählbogen erhalten haben, oder deren Zählbogen noch nicht abgeholt worden ist, gebeten, dies der zuständigen Stelle mitzuteilen. Auf die Bekanntmachung sei besonders hingewiesen. ** Listensammlung des VDA. Der Volksbund für das Deutschtum im Ausland, dessen von der Behörde genehmigte Werbewoche im Bereich des Landesverbandes Hessen zur Zeit im Gange ist, macht hiermit die Oeffentlichkeit darauf aufmerksam, daß jugendliche Sammler, die ihnen nicht persönlich bekannt sind, abzuweisen sind, um so das mit Recht beanstandete Lieberlaufenwerden zu verhindern. Die 3ugend ist ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht worden, daß sie nur bei Verwandten und Bekannten eine Gabe erbitten dürfen und daß dabei der kleinste Pfennigbetrag gern entgegengenommen wird. Den Charakter einer allgemeinen Haussammlung soll die Veranstaltung keinesfalls haben. Cs soll weniger Wert auf die Höhe des Ergebnisses und der Beiträge, als auf die Zahl der Sammler und Spender gelegt werden. ** Sommerurlaubstarten an biß chif ührt. 0 ft f e e. An ben Fahrkartenschaltern von etwa 120 ber wichtigsten deutschen Eisenbahnstationen werben in biejem Jahre mieber vorn 1. Juni an auch Som- merurlaubsfarten nach ben Ostseebäbern Swine- münde, Ahlbeck, Heringsborf, Bansin, Zinnowitz, Rügen mit Göhren, Sellin, Binz unb Saßnitz ausgegeben, bie wahlweise für Eisenbahn ober Schiff gültig finb. Diese Durchgangskarten gelten ebenso 60 Tage wie bte Bahn-Sornrnerurlaubskarten; ihre Preise liegen etwa auf ber gleichen Höhe. Um auch benjenigen Ostseereisenben, deren Reiseweg unterhalb ber 200-Kilornetergrenze der Sommerurlaubs- karte liegt, eine verbilligte Reisemöglichkeit zu cha - fen, haben bie Stettiner Dampfschjffsgesell cha t I. F. Braeunlich unb bie Sroinemünber Dampf chif • fahrts-AG. im Lokalverkehr ab Stettin gleichfalls Rückfahrkarten mit 25 v. H. Ermäßigung einge ührt. Auf bie heutige Anzeige fei besonders 'hingewiesen. Wettervoraussage. Im Nordosten ballt sich wohl allmählich hoher Druck auf, doch wirken flache Störungen mit verschiedenartiger Luftzufuhr immer noch ungünstig auf ben Witterungscharakter ein. Da bie Luftfeuchtigkeit in ber Atmosphäre ziemlich hoch ist, ist immer noch Regen zu erwarten, wobei sich auch lokale Gewitterstörungen auslösen. Die Temperaturen werden etwas höhere Werte erhalten als seither. Vorhersage für Freitag: Teils wolkig, teils aufheiternd, zeitweise noch Regen mit lokalen Gewitterstörungen, im ganzen etwas wärmer. Vorhersage für Samstag: Ruhigeres, doch noch nicht ganz beständiges Wetter. Lufttemperaturen. Am 21. Juni: mittags 19 Grab Celsius, abends 14,5 Grab; am 22. Juni: morgens 13,4 Grab; Maximum 19,8 Grab, Minimum 12 Grab; Niederschläge 9,5 mm; Sonnenscheindauer 2K Stunden. — Srbtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 21. Juni: abends 18,9 Grad; am 22. Juni: morgens 15,2 Grab Celsius. Deutsche Arbeiter protestieren gegen den Genfer Gewaltakt. Gtarke Vertrauenskundgebung der Gießener Arbeiter für die deutsche Arbeiter-Abordnung. Gestern fanden im ganzen Deutschen Reich Protestkundgebungen wegen des Verhaltens der Inter- nationalen Arbeitskonferenz gegenüber unserer beut- schen Abordnung statt. Die von der hiesigen Kreisleitung der 916230. einberusene Kundgebung war, trotz der zur Einoe- rufung zur Verfügung stehenden kurzen Zett, autzrr- ordentlich stark besucht Vie Volksholle, in der die Veranstaltung slatt- fand, war bis aus den letzten platz beseht, die Galerien teilweise sogar überfüllt. Rach einer kurzen Begrüßung der Erschienenen durch den kiesigen Kreisleiter der 91630., Wagner, sprach zunächst der Adjutant des Kreisleiters, Zung der in seiner einführenden Ansprache u. a. folgendes ausführte: 2m Iayre 1914 zog das deutsche f)eer in den Krieg, um das Vaterland zu verteidigen. Es habe damals keine Parteien, keine Standesunterschiede gegeben, das ganze deutsche Volk sei vereint gewesen. Durch die Wühlarbeit der Marristen sei diese Front durchbrochen worden» Ein unbekannter Soldat, der für seine Heimat zu kämpfen und auch zu sterben bereit war, sei nach dem Diktat von Der- sailles hinausgegangen zu den Marxisten, um ihnen zu beweisen, was sie zerstört und vernichtet haben. Mit nur wenigen Getreuen habe dieser unbekannte 6oldat Adolf Hitler eine Millionenbewegung geschaffen. Ohne ihn wäre der Bolschewismus längst da. Lr habe dem deutschen Volk die Kraft zum Diederausstieg gegeben, habe die deutsche Dolfs- geineinschosl geschaffen. Der Marxismus schlafe, aber er sei noch nicht tot, Adolf Hitler werde dafür sorgen, daß er restlos vernichtet werde. Dem deutschen Volk solle gegeben werden, was ihm gehöre: ein neues Deutschland durch Adolf Hitler! — Sodann sprach GewerkschastskommlfsasBartholomäuS Als bestimmt worden sei, daß diese Protestversammlung stattfinden solle, bestanden Bedenken, ob im Hinblick auf die zur Einberufung zur Verfügung stehende kurze Zeit ein entsprechender Besuch der Veranstaltung gewährleistet sei. Es habe sich aber auch diesmal wieder bewahrheitet, daß, wenn Adolf Hitler oder das deutsche Vaterland rufe. Gießen sich nicht versage. Unsere Gegner wollten nicht verstehen, warum das nationale Deutschland gegen das Verhalten der Internationale protestiere. Wir müßten aber die Interessen der deutschen Arbeiterschaft, mit der die Internationale 14 Jahre Echindluder getrieben habe, vertreten. Wir seien uns des Vorstoßes der Vertreter der Internationale bewußt gewesen, man habe aber nicht geglaubt, daß letztere ihre eigenen Grundsätze umstoben würden. Man wolle die Arbeitnehmer eines öb-vlillionen- Volkes ausschalten. Ein französischer Vertreter der Genfer Arbeitskonserenz spreche der Leitung der RSBO. daS Recht ab, die deutschen Arbeitnehmer zu vertreten: die Freien Gewerkschasten hätten aber das Recht. 100 Prozent der deutschen Arbeiter aus der Internationalen Arbeitskonse- renz zu vertreten, für sich als selbstverständlich in Anspruch genommen, obwohl sie selbst in der Blütezeit der Gewerkschaften nur 75 Prozent der Arbeiter. 1923/24 nur 48 bis 50 Prozent zu Mitgliedern zählten. Die Freien Gewerkschaften, die im Mai dieses Jahres nut 30 Prozent der deutschen Arbeiterschaft als zahlende Mitglieder ausweisen konnten, hätten seit dieser Zeit unter nationalsozialistischer Führung eine starke Zunahme an Mitgliedern zu verzeichnen Man verbitte sich, daß ein französischer Marxist, ohne die Verhältnisse zu kennen, Lügen in die Mett sehe und bas Recht des deutschen Arbeiters zu schmälern suche. Der Führer der deutschen Arbeitnehmerabordnung, Dr. Ley, finde volle Zustimmung, wenn er sich dagegen wehre, daß man den deutschen Arbeiter entrechten und beleidigen wolle. Er sage mit Recht zu den Gegnern: »Ihr habt wohl noch die Macht, aber die Zeit, wo ihr den deutschen Arbeiter beleidigt, ist vorbei!" (Lebhaster Beifall.) Während die deutschen Vertreter bisher in 11 Ausschüssen zugelassen gewesen seien, habe man sie diesmal nur in 3 Ausschüssen zugelassen. Bei den wichtigen Problemen des Weltexportes, bei Besprechung der sozialen Aufgaben und bei Regelung der Arbeitszeit sei Deutschland ausgeschaltet. Die deutsche Abordnung habe mit Recht die weitere Mitarbeit abgelehnt, solange die Gleich- be-echtigung nicht gewahrt sei. Sie könne versichert fein, daß diese ihre Haltung voll gebilligt werde. DaS Wort werde Wirklichkeit: „Riemais ging Deutschland zugrunde, wenn eS einig war." Man könne machen in Genf, was man wolle, die deutsche Einigkeit sei ein Fels, an dem alles Fremde zerschellen werde. (Starker Deifalll) Nachdem der Versammlungsleiter noch bekannt gegeben hatte, daß an die Arbeitnehmerleitung in Berlin ein Telegramm abgesandt werde, in dem schärfster Protest gegen die beleibigende vehanblung ber deutschen Aborbnung eingelegt und deren Verhalten voll gebilligt wird, sprach Geh. Kat Prof. Or. Olt noch kurz über die Vorgänge in Genf und über die frühere Behandlung der deutschen Arbeitnehmerschaft durch die Internationale. Der Redner kam dann noch auf das Versailler Diktat, insbesondere auf die Kriegsschuldlüge zu sprechen, um dann noch darauf hinzuweisen, daß Deutschland auf dem Gebiet der Kunst, Wissenschaft und der Kultur vorbildlich gewirkt habe. Deutschland brauche sich deshalb nicht an die Wand drücken zu lassem Die Internationale brauche unS, wenn sie etwas Vernünftiges beschließen wolle. Rach einem Schlußwort des Versammlungsleiters, der ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf das Vaterland und den Reichskanzler Adolf Hitler ausbrachte, fand die eindrucksvolle Kundgebung mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes ihren Abschluß. ' Tagung des RG.Lehrerbundes. Der NS.-Lehrerbund (Bezirk Gießen-Stabt und Land, Bezirk Lollar) hielt gestern nachmittag im CafL Ebel eine Versammlung ab. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Tagung wurde von bem Kreisobmann des NS.-Lehrerbunbes, Kreisschulrat Dr. H e n ß, geleitet. Er begrüßte die Kolleginnen unb Kollegen und gab bekannt, baß and) ber NS. -Lehrerbunb eine Fahne beschafft habe, bie bemnächst geweiht werben solle. Er machte ferner auf zwei Fachschriften auf- merksam, bie sebem Kollegen zur Lektüre empfohlen würben Er wies auf Die Werbewoche für bas Deutschtum im Ausland unb beren Bedeutung hin unb verlas einen Aufruf zur Mithilfe an ber Arbeit bes Dolksbundes für bas Deutschtum Im Ausland. Gleichzeitig forderte er zur nationalen Pflichterfüllung in diesem Sinne auf. Die Spenden für den Dolksbund für bas Deutschtum im Auslanbe sollten nicht an den Kreis- lchulrat, sondern auf das Konto 5979 der Bezirks- svarkaffle überwiesen werden. Zum Schluß referierte Kreisschulrat Dr. Henß noch über die verschiedenen Bekleidungsvorschriften im NS.-Lehrerbund. — Anschließend hielt Llniversitätsprofestor Or. Junk-Gießen einen Vortrag über den „Faschismus in Italien". Man brauche, so führte er u. a. aus, in Deutschland nicht auf fremde Vorbilder zu sehen, interessant feien aber vergleiche zwischen Deutschland unb Italien. Der Faschismus in Italien sei nur aus ber Vorkriegszeit heraus zu verstehen. In Italien habe Diel Not geherrscht, ber Bauer lebte kärglich, das Handwerk habe sich in einem für uns unvorstellbarem Zustande befunben, ber Arbeiter sei ausgebeutet worden, viele Italiener seien in Deutschland zur Arbeit gewesen. In Großstädten habe es ein Heer von Obdachlosen gegeben, unb ber mora- tische Zustanb bes Volkes habe sehr zu wünschen übrig gelassen. Für ben Bildungsstand seien 50 o. H. Analphabeten bezeichnend gewesen. Die Schulpflicht fei nicht sehr streng gehandhabt worden. Die Ursache dieser Verfallserscheinungen fei das demokratisch.liberalistische System in Italien aewesen. Marxismus habe sich breitmachen können, fei sehr radikaler Natur gewesen unb der Arbeiter sei systematisch verhetzt worden. Der Faschismus habe Wandel geschaffen. Die Bewegung fei nach dem Kriege von Mussolini aus dem Kreise der heimkehrenden Soldaten aufgebaut worden. Die Tendenz war antidemokratisch, der Wahlspruch laute: „Bescheidenheit, ^Lauterkeit, Dpferfinn!" Bald habe Mussolini der Demokratie das Todesurteil sprechen können. Im Oktober 1922 erfolgte dann der Marsch auf Rom, Mussolini habe die Macht ergreifen können, sei Führer geworden und die Faschisten zu einer staatlichen Miliz. Ein offizielles Programm habe nicht Vorgelegen. Die Erziehung der Miliz habe durch zehn sehr strenge Gebote ihre Richtlinien erholten. Absoluter Gehorsam sei die wesentlichste Forderung. Der Staat nehme die Erziehung der Jugend in seinem Sinne als Recht für sich in Anspruch. Das Führerprinzip fei das herrschende. So wurde bas Volk auf eine völlig andere, sozialere Stufe gestellt. Das Privateigentum fei nicht angegriffen, es fei aber verpflichtet, am Produktionsprozeß innerhalb der nationalen wirtschaft teilzunehmen. Kapital unb Arbeit seien gleichberechtigt. Bei allen seinen Maßnahmen habe es Mussolini ausgezeichnet verstauben, bas Interesse bes italienischen Menschen bem Staat zu sichern. Sein großartigstes Werk sei die „Verfassung der Arbeit", in der die Grundzüge des Arbeitsrechtes feftgelegt sind. Jede Arbeit genieße Schutz, jede Arbeit müsse dem Staate dienen. Beispielgebend wirke Mussolini auf dem Gebiete der Förderung der Landwirtschaft. Auf dem Gebiete der Erziehung fei ungeheure Arbeit geleistet worden. Die schule fei patriotisch und religiös, vaterländische Geschichte unb faschistische Staats- lehrer ftünben im Lorbergrund. Mussolinis größte politische Tat sei die Versöhnung mit dem Vatikan aewesen. Die Erfolge des großen Staatsmannes seien allenthalben erkennbar. Zwischen dem italie Nischen Faschismus unb bem beutfchen Nationalsozialismus fei zwar manche verwandte Linie, es fei aber noch mancher Unterschied festzustellen. Erfreulich sei es, daß die Verbindung zwischen Deutschland und Italien ausgenommen worden sei und freundlich gepflegt werbe. (Lebhafter Beifall.) Kreisschulrat Or. Henß sprach hierauf über das Thema „RS. - Lehrer- bund undErziehergemeinschaf t". Jede Tagung, die der RS.-Lehrerbund bisher abgehalten habe, stand jeweils im Zeichen großer Ereignisse. Die Derfammlung, die heute stattfinde, stehe im Zeichen Der großen Tagung in Magdeburg, in der die Erziehergemeinschaft gegründet worden sei. Die Tagung habe die Erzieher in Deutschland einheitlich zusammengefaßt. Es be- Sinne mit diesem Tage eine neue Zeit auch in er deutschen Lehrerschaft. Die Gegenwart fei bestimmt von hochbcdeutfamen Ereignissen. Man lebe in einer Zeit der Entscheidungen, und jeder müsse sich glücklich schätzen, der an der Gestaltung der deutschen Zukunft in dieser entscheidenden Zeit mitwirken könne. Run seien neue Kräfte entbunden worden, aber es gelte auch, viel Verantwortung zu tragen. Der deutsche Lehrer stehe inmitten des entscheidenden Geschehens und habe eine höchst bedeutsame Stellung. Er müsse unter allen Umständen die Zeit zu begreifen versuchen, müsse begreifen, um was es gehe. Der deutsche Lehrer müsse den Sehnsuchtsschrei bes deutschen Volkes hören, den Ruf zur Volk- werdung, denn Volkwcrdung sei das richtunggebende Wort unserer Zeit. Der Erzieher dürfe nicht mehr abseits stehen. Man müsse sich aber davor hüten, persönlichen Vorteil in den Vordergrund stellen zu wollen. SS gehe jetzt nicht um Gehaltserhöhungen, oder gar um Beförderungen. Der Blick dürfe nicht auf das Materielle, sondern müsse auf das Ideelle gerichtet sein. Das Ganze dürfe nicht aus dem Auge verloren werden. Die große Zeit müsse ein große- Geschlecht finden. Der Lehrer habe seine große Aufgabe darin, den Hintergrund mit ju bauen für ben Fortbestandder Ration. Der RS.-Lehrerbund sei nun selbst Volk und Staat unb bestimme sein Los. das deutsche Los. Der Rattonalsozialismus sei durch viel Kampf gegangen, aus Kleinem groß geworden, habe viel Gegnerschaft gefunden und viel Spott über sich ergehen lassen massen. SS habe eine Zeit gegeben, da seien von Prosessoren Fragen gestellt worden, über die man heule lache. Der Rationalsozialismus habe die Zweifel der Gelehrten widerlegt. Roch stünde heute mancher Studienrat und mancher Lehrer abseits, weil er glaube, schlauer zu sein als jene, die in vorderer Linie mitkämpften. Verschiedentlich werde noch gegen den RS.-Lehrerbund gewühlt, aber die Zeit fei vorbei, in der man gegen den RS.-Lehrerbund ernsthast opponieren könne. Endlich sei es an ber Zeil, daß auch ber Standesdünkel in Fortfall komme, denn die nationalsozialistische Revolution bedeute eine soziale Revolution. Auch in einer Maske werde sich heute niemand mehr behaupten können. Alle Bemühungen einer bestimmten Standesschicht, die Darauf hinauslaufen, eine Machtposition zu halten, würden vergeblich sein. Reben Dem RS. -Lehrer- bunb gebe e s nichts anderes. Der Staat müsse vollständig nationalsozia- l i st i s ch lein, der ursprüngliche Gedanke Dürfe nicht verwässert werden. Mit einem „Heil- Hitler!" und einem Abzeichen allein fei es nicht getan, denn man wolle eine grundlegende Revolution. Standesdünkel und vor allem Klassenkamps Dürften sich nicht wieder breit- machen. Im RS -Lchrerbund müsse sich von der Kindergärtnerin bis zum älniversitätsprofessor alles finden. Der R S. «J’c hrerbund müsse zu einem Repräsentanten des Staates werden. Der Lehrer habe dazu beizutragen, daß nationale Ideale verwirklicht werden. Es müßten aus diesem Grund Arbeitsgemeinschaften gebildet werden, deren Leiter Sachkenner und zuverlässige Rationalsozialisten fein müssen. Die Arbeitsgemeinschaft für Volksbildung müsse wahre Volksbildung bis in die letzte Hütte tragen- Zeder müsse auf feine weise Mitarbeiter werden. Ls dürfe keine Drohnen geben. Dabei dürfe aber nicht bas große Ganze aus bem Auge verloren werben, wer sich von bieser Arbeit für ben Staat unb bas volksganze ausschließe, ben kenne auch der Staat nicht mehr. Alles Tun habe nur dann Ginn, wenn es Beziehung zu Gott und zum Volke habe. In Magdeburg sei ein Eid geleistet worden, der gehalten werden müsse bis zum Letzten. Jeder müsse mitmarschieren. Die Zeit sei gigantisch groß, und man rechne nicht mehr nur mit Jahren. Man freue sich Der Einigung im Gr- zieherstande. Dank gebühre aber Dem Führer Adolf Hitler, dessen einigende Tat Die Möglichkeit zum Reuaufbau unseres Volkes schuf. (Stärkster Beifall.) Lehrer Aebeling- Gießen sprach als Dritter ReDner. Im vergangenen Staat, so führte er u. a. aus, habe man das Nebeneinander verschiedener Parteien gestattet. Unklarheit und Ziellosigkeit des Wollens seien die Folge gewesen. Dieser Unklarheit sei das kulturelle und völkische Leben zum Opfer gefallen. Der JlS.-Staaf siehe im Zeichen des verantwortlichen Führers. Die Sicherung des Lebens des Volkes sei bas Ziel. Der Nationalsozialismus kenne nur einen einzigen Willen. Die Lehrerschaft habe im Der- ganaenen Staat unter Der Verschiedenheit Der Geisteshaltung IciDen müssen. Denn jeder habe sich willkürlich organisieren können. Der deutsche Lehrer habe nur c i n Ziel, und zwar dem deutschen Volke zu dienen. Der Erzieher habe sich in vergangener Zeit oftmals daraus beschränkt, in Der IugenD nur einen gewissen Abschnitt menschlichen LebenS zu sehen und die Erfüllung eines bestimmten Pensums angestrebt. Das fei in völkischem Sinne unzureichend. Es müsse aus die Zukunst deS ganzen Volkes gesehen werden. Nun frage sich, waS sich au- dem Gegebenen (Dem Schüler) zum Sollenden entwickeln werde. Zunächst sei des Schülers äußere Erscheinung gegeben. Es sei unschwer zu beurteilen. Schwieriger sei die Erfassung der geistigen Person. In dieser Hinsicht sei der Lehrer auf sich selbst gestellt. Noch schwerer sei aber die Beurteilung des Seelischen im Kinde. Da- Kind erschließe sich Den Eltern leichter, als Dem an sich Doch sremden Lehrer. Nun sei es aber für Den NS.-Staat wichtig, Die Dreiheit: „Körper. Geist, Seele", im Kinde zu erfassen, das Rassische zu erfüllen, daS ja das Bestimmende sei. Raste sei nicht nur etwas äußerliches. Wenn gegenseitiges Verständnis herrschen solle, müßten Lehrer und Schüler einer Rasse sein. Das Ziel sei die Gewährleistung des völkischen Lebens. Volk sei etwas ganz organisches, bas sich aus der Gemeinschaft, aus ber Familie entwickele. Familie iei nicht nur wirtschaftliche, sondern auch göttliche Gemeinschaft. Zerschlagenes Familienleben bedeute zerschlagenes Volk. Völkeroersöhnung sei zwar erstrebenswert, Völker müßten aber erst erstehen. Die Volkwerdung in Deutschland müsse sich ooll- enden. Dabei habe der Erzieher genau so zu arbeiten, wie der schöpferische Mensch. Das Ziel müsse klar vor seinem Auge sein. Das Bild des deutschen Volkstums müste sich darstellen, wie das eines Domes. Die Jugend sei der edeleste Baustoff. Deshalb fei die Arbeit bes Erziehers zukunstsbcstim- tnenb. Jeder müsse sich an seiner Stelle einfügen. Jedes Volk müffle sich aufbauen aus seiner Rasse, bas deutsche aus der nordisch-germanischen. Dem Schüler müsse aber auch die Arbeit an sich selbst nahegelegt werben. Lehrer und Schüler mühten geistesmäßig gleichgeschaltet werden. Jedes Menschen Wert sei bestimmt nach dem, was er der Gemeinschaft gu geben habe, fei es ber Familie, ober einem größeren Kreise. Der Charakter des Menschen im Dienste des Volkes sei aus- schlaggebend. Der Unterricht müsse gleichzeitig Erziehung sein. Das gelte besonders für Religion, Deutsch und Geschichte. Religion sei hervorragendes erzieherisches Unterrichtsfach. Der Deutsch- unterricht müsse mit der Sprache, die Geschichte mit lebendiger deutscher Vergangenheit auf das engste vertraut machen. Der Unterricht an sich solle mit- helfen, ben deutfchen Menschen zu bilden. Gott, Volk, Vaterland sei ber Dreiklang, ein hohes Ziel im Interesse der Eingliederung ber deutschen Jugend in die Zukunft des Volkes. Es sei schwer, diesen Dreiklang dem Kinde völlig vertraut zu machen, aber es müffle trotzdem hin- ?geführt werden, es müßten ihm Brücken zum Ber- tändnis dieser großen Einheiten gebaut werden. Der Erzieher selbst müsse Vorbild fein. Jeder Erzieher müsse vor allem Christ sein. Deutschland könne nur leben, wen jedes Kind sein Können in ben Dreiklang „Gott-Volk-Vaterland" stelle. (Lebhafter Beifall.) Zum Schluß brachte Kreisschulrat Dr. H e n ß aus den Führer Adolf Hitler und bas deutsche Vaterland ein dreifaches „Sieg-Heil!" aus, in das die Versammlungsteilnehmer lebhaft einstimmten. Das Horst-Wessel-Lieb wurde sodann gemeinsam gesungen. Obecheffen. LS Jahre Männergesangverein „Harmonie" Rödgen. r Rödgen, 20.Juni. Linser Dorf prangte in diesen Tagen im Festtagsschmuck. Ehrenpforten waren an Den Dorfeingängen auf gestellt worden, Girlanden und Fahnen schmückten Die Häuser. Der Gesangverein „Harmonie" hatte alles wohl vorbereitet, um sein 25jähriges Vereinsjubiläum in_ Gemeinschaft mit zahlreichen gelaDenen auswärtigen Vereinen, seinem Druderverein „Concordia" und der Gemeinde feiern zu können. Am Samstagmittag regnete es tüchtig, doch konnte gegen 21 älhr ein Fackelzug durchs Dorf gehen und danach der Festkommers beginnen. Eisenbahnbetriebsassistent Ludwig Rocker begrüßte die Gäste, insbesondere den Gesangverein „Teutonia", Heuchelheim, der schon eingetroffen war. Gesang und Ansprachen wechselten nun und versöhnten schnell mit dem Wettergott. Herr D o l k m a n n vom Gesangverein „Teutonia", Heuchelheim, und Herr E h e l- müller vom Gesangverein „Concordia", hier, überreichten je einen Fahnennagel. Dann wurden 17 verdiente Mitglieder deS Vereins, die ihn haben gründen helfen, zu Ehrenmitgliedern ernannt und bekamen Ehrenurkunden überreicht. Es sind dieS die Herren Hch. Balser XII., Christoph B elfer, Karl Hahn, Wilhelm Inderthal. Ernst Inderthal, Wilhelm Kraushaar, Ioh. Klos. Kaspar Jost, Georg Mandler. Hch. Rocker. K. Rocker. Karl Rühl, Wilh. 6teie, Ludw. Schwalb. Wilh. Schwalb, L. Seipp und L. Wächter. Herr Ernst Inder t Hal dankte für die Ehrung und versprach, dem Verein weiterhin die Treue zu halten. Als Anerkennung für seine erfolgreiche Wirksamkeit als Chordirigent wurde Herrn C o u r t h s , Gießen, ein Blumengebinde übergeben. Der Sonntag, ber eigentliche Festtag, ließ sich besser an; bas Gewölk lichtete sich. Um 9 Uhr war F e st g o 11 e s b i e n ft oerbunben mit ber Ehrung der im Krieg gefallenen Sangesbrüber. Pfarrer Bönning sprach über ben inneren Wert Des Gesanges für ben einzelnen Menschen unb bie Gesamtheit unb suchte eine Harmonie zwischen Leib unb trreub zu finben. Zum Schlußwort las er bic Namen ber Gefallenen vor: Hch. Lubw. Schlapp, Wilh. Jnberthal, Wilh. Wagner, Karl Hch. Balser, Ferbinanb Schwalb unb Ludwig S t e i n m ü 11 e r. Geschlossen marschierten nun bie Sänger auf ben Friebhof, wo Herr Nock er einen Kranz am Kriegerehrenmal niederlegte. Nachbem in der Mittagszeit bie Gastvereine ab- geholt worben waren, (teilte sich um 14 Uhr ber Fest z u g auf. Neben den Ehrenjungfrauen unb ben beiden hiesigen Gesangvereinen nahmen daran teil: Germonia-Vurkhardsselden, Heiterkeit-Annerod, Heiterkeit-Gr. Buseck, Eintracht-Steinbach, Teutonia- Heuchelheim, Sängerluft-Dppenrob, Harmonie-Reis- kirchen, Jugendfreund-Steinberg, Sänaerkranz-Gr. Buseck, Sängervereinigung-Grünberg, Alten-Buseck, Wieseck unb Gesangverein Eintracht-Hausen. Auf dem Festplatz entwickelte sich bald frohes Treiben. Herr Ludwig Rocker begrüßte auch hier wieder die Festversammlung. Fräulein Emma Stein- m ü 11 e r überreichte für die Ehrenjungfrauen unter herzlichen Wünschen für das fernere Gedeihen des Vereins eine prachtvoll gestickte Fahnenschleife. Dann boten die Vereine in buntem Wechsel ihre Lieder und Chöre. Es war wieder einmal Gelegenheit gegeben, zu hören und zu sehen, welche inten- fine, gediegene Arbeit in unseren Männergesang, vereinen um Gießen geleistet wird und welche Er- folge erzielt werden können, wenn Dirigenten mb Sänger von gleicher Liebe zum Gesang, aber auch von gleichem Pflichteifer befeelt sind. Chorleiter unb Sänger bes festgebenden Vereins sind darin ein Muster. Bei aller Liebe unb Freube zur Sanges» fünft, bei allem fröhlichen Schaffen herrscht eine jeweils selbst auferlegte glänzende Disziplin, durch die es möglich geworden ist, daß sich ber Verein feit ber Uebernahme der Leitung durch He^rn Courths in steter Aufwärtsentwicklung befindet. Der Verein darf stolz auf seine 25 Jahre zurück- blicken, denn die Gründer hatten es nicht leicht, sich durchzusetzen. Er Darf aber auch hoffnungsfroh in die Zukunft blicken, denn Der Erfolg lockt zu neuer Kraftentfaltung. SPO.-Orisgruppe löst sich auf. Lauterbach, 21. Juni. (WSN.) Die Ortsgruppe Lauterbach Der Sozialdemokrati- Ichen Partei hat eine öffentliche Erklärung abgegeben, nach der sie sich m i t s o f o r t i g e r W i r - Fung aufgelöft Hot. ^NIVEA* CREME oder aber? NIVEA* ÖL Amtsverkündigungen aus den oberhessischen Kreisen 2. 3. 4. 353 A 3. 4. 5. Saufen Sie alles, was Sie für Ihren Haushalt brauchen, stets in hygieniUem Leüiqchan. Darm find Sie gut bedient. In jeder Packung ein .Sparschnitt", mit dem Sie doppelt so viel aus dem Bogen heraus- öütf^aften: Der schönste und beste Gelee- glaS-De^hkch nun auch besonders billig! J. B. Häuser Am Oswaldsgarten Gießen-Ruf 2145/2146 Holzwnrmlod vernichtet alle Holzwürmer Flasche^—.90 Cennamia-Drogerie Carl Seibel Franklurter Sir. 39 Kreis Gießen. Hauptkörung 1933. Die diesjährigen Hauptkörungen finden statt in den zum Dienstbezirk des Kreisveterinäramts Gießen gehörigen Gemeinden an folgenden Tagen: 4078C 1. Mittwoch. 28. Juni: Gießen 8.30 Uhr, Annerod 9.45 Uhr, Heuchelheim 11.30 Uhr, Klein-Linden 13 Uhr, Allendorf 14 Uhr, Großen-Linden 15 Uhr. Holzheim 10 Uhr, Dorf-Gill 11 Uhr, Eberstadt 12.30 Uhr, Ober-Hörgern 14 Uhr. In den zum Dienstbezirk der Amlsvete- rinärarztstelle Gießen gehörigen Gemeinden an folgenden Tagen: 1. Montag. 3. Juli: Hausen 8.30 Uhr, Garbenteich 9 Uhr, Oppenrod 10 Uhr, Albach 11 Uhr, Birklar 12.30 Uhr, Muschenheim 13.30 Uhr, Bettenhausen 14.30 Uhr, Langsdorf 15.30 Uhr. 2. Dienstag. 4. Juli: Nonnenroth 8.45 Uhr. Billingen 10 Uhr, Langd 11 Uhr. Rodheim 12 Uhr, Rabertshausen 13 Uhr, Steinheim 14.30 Uhr, Trais-Hor- die Freiheitsfeuer der —.....----- - die Blicke erhoben zum sternenbesaten Firmament, das in ewiger Klarheit ihren Schwur erhört: „Für Freiheit und Vaterland!" Don allen Bergen, des. schlesischen Hügellandes lodern in der Nacht'^des ,17. März die Freiheitsfeuer. Dumpf rollt das Echo der Böllerschüsse in den Tälern. w* Schweigend ist die Dorfgemeinde zu feierlichem Gelöbnis um den Baron von Löbau versammelt. Mit starker Stimme verliest er die kraftvollen Worte des königlichen Aufrufes: „... welche Opfer auch von einzelnen gefordert werden mögen, sie wiegen die heiligen Güter nicht auf, für die wir sie hingeben, für die wir streiten und siegen müssen, wenn wir nicht aufhören wollen, Preußen und Deutsche zu sein. Es ist der letzte, entscheidende Kampf, den wir bestehen für unsere Existenz, unsere Unabhängigkeit, unseren Wohlstand, keinen anderen Ausweg gibt es, als einen ehrenvollen Frieden oder einen ruhmvollen Untergang. Auch diesem würdet ihr getrost entgegengehen um der Ehre willen, weil ehrlos der Preuße und der Deutsche nicht zu leben vermag. Allein wir dürfen mit Zuversicht vertrauen: Gott und unser fester Wille werden unserer gerechten Sache den Sieg verleihen, mit ihm einen sicheren, glorreichen Frieden und die Wiederkehr einer glücklichen Zeit. Hochauf lodert die Flamme, die zischend aus dem Holzstoß mit ihrem Glutschein den nachtdunklen 4068 D TORPEDO und ERIKA Kleinschreibmaschinen schon für monatlich RM. 10.- Niederhausen&Co. Selterswegll, erst. Stock von Kleider-Köhler. Bekanntmachung. Einwohner, welche Zählbogen für die Volks-, Berufs- und Betriebszählung am 16. Juni 1933 nicht erhalten haben oder deren Zählbogen nicht abgehott wurden, werden ersucht, dies alsbald hierher — Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Rr. 13, Erdgeschoß — mitzuteilen. 407 IC Gießen, den 21. Juni 1933. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Or. Seib. der Sachse Jean und der Amtmann Günther — alle in der schwarzen Uniform. Baron von Löbau und Hauptmann Döllnitz tragen die Waffenröcke ihres Stammregiments, das in Breslau auf seinen Marschbefehl wartet. Links und rechts vom AUar, in den Seitenbänken und auf den Emporen stehen dicht gedrängt Frauen und Kinder. Auf allen Gesichtern liegt der heilige Ernst der Stunde. Maria von Löbau sitzt still in dem Herrschasts- gestühl. So wie sie haben manche ihrer Vorfahren gesessen, als die Männer ausziehen mußten in sturmbewegter Zeit für die Freiheit ihres Vaterlandes. Eine sanfte Ruhe ist in ihr, eine Klarheit des Denkens und Fühlens, die alles Bittere und Schwere in ergebene Stille wandelt. Sie weiß, daß ihr Herz nie mehr einsam sein wird, auch im Tode nicht. Joachim gehört ihr, für immer ... Leise verklingt das Orgelspiel durch den weiten Raum. Weiches Frühlingssonnenlicht sollt durch die hohen Fenster auf die Stufen des Altars. Pfarrer Krantz spricht mit Inbrunst und Klarheit zu seiner Gemeinde, zu den Männern, die bereit sind, ihr Leben einzusetzen für das eine Ziel, das endlich gekommen ist: Freiheit! „Barmherziger Gott und Herr! Du hast Großes an uns getan, daß du unser Vaterland berufst um ein freies und würdiges Dasein, in welchem wir dein Werk fördern können, zu kämpfen. Verleihe nun weiter Heil und Gnade. Der Sieg kommt von dir, und wir wissen wohl, daß wir in starkem Glauben von dir Heil und Segen für die Waffen unseres Königs und seiner Bundesgenossen erflehen dürfen, weil uns. fast dein Reich in Gefahr zu schweben scheint, Und die edelsten Gaben, die uns vergangene Jahrhunderte erworben haben, wenn diese Anstrengungen vergeblich wären. Wie du auch das Glück des Krieges magst wenden, daß uns nur seine Segnungen nicht entgehen! Daß jeder geläutert werde und gefördert am inwendigen Menschen, daß jeder, wieviel oder wie wenig es sei, tue, was er kann! Daß wir alle gestärkt werden in der Zuversicht zu dir und in dem Gehorsam gegen deinen Willen, der bis in den Tod geht, wie der Gehorsam deines Sohnes. Amen." Run spricht er das Vaterunser. Und segnet die Waffen. Auf den gezogenen Degen schwören die Manner den Treueid: „Wir schwören: Wir alle geben für Freiheit, Glauben und Vaterland Gut und Blut! Wir wollen siegen oder sterben!" Präludierend fällt die Orgel ein und geht über in den machtvollen Kantus der Freiheit: Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten! In heroischer Einfalt, aus der Tiefe ihres Herzens, singt die Gemeinde: Männer, Greise, Frauen, Kinder ... _ Ihre Augen suchen das kerzenumslammte Kruzifix, ihre Stimmen flehen: Herr — mach uns frei! Döllnitz und Maria von Löbau halten in mutiger Kraft und stolzer Zuversicht ihre Blicke auf das schmerzerfüllte Antlitz des Heilandes, dessen Zuge mahnen: „Seid getreu bis in den Tod!" — Ende. — Samstag, 24. Juni, abends 8'/»Uhr »oeiD Monats-Versammlung im „Hess. Hof " Wir bitten uns. Mitglied, dringend, z. erschein. Der Vorstand» Feierliches Glockengeläut klingt über Dorf Löbau. In der alten Kirche ist die ganze Gemeinde versammelt. Portal und Chor sind mit frischem Tannen- grün geschmückt, der Altar erstrahlt im schlichten Glanz der brennenden Kerzen. Pfarrer Krantz segnet die Freiwilligen ein. Dort stehen sie, Mann an Mann in den Kirchen- bänken, in Wehr und Waffen. Keiner fehlt. Alle Bauern sind dem Rufe gefolgt, alle wollen helfen, ihr Land, ihre Scholle frei zu machen für immer. Neben der wuchtigen Gestalt des Schmiedes Wem- per steht Karl von Löbau als Lützower und mit ihm loff 15.30 Uhr. Mittwoch, 5. Juli: Utphe 9 Uhr, Obbornhofen 10 Uhr, Bellersheim 11 Uhr, Inheiden 12 Uhr, Hungen 13 Uhr. Donnerstag. 6. Juli: Rödgen 8.30 Uhr, Trohe 9.15 Uhr, Alten-Buseck 10.15 Uhr, Bersrod 11.15 Uhr, Beuern 13 Uhr, Climbach 14 Uhr, Allertshausen 15 Uhr. Freitag, 7. Juli: Steinbach 8.30 Uhr, Lich 9.45 Uhr, Hattenrod 11.15 Uhr, Burkhardsfelden 12.45 Uhr, Reiskirchen 14 Uhr, Großen-Bufeck 15.15 Uhr. Kalt essenl Auf einem Splrltue- Gaakocher können Sie es warm machen und auch kochen. Ueberall, wo das Gas fehlt, können Sie mit dem Spiritus - Gaskocher kochen. Er lat billig. Sie bekommen schon einen v. Mk.1.60an bei für die einfache Packung .Einmach-Leüophan"MN Blau-Orang,, ©tmfrn SB für die Doppelpackung . Einmach - Cellophan' mit dem Blau-Oravg». ©treten,- außerdem vermehrter Inhalt I Alleinstehend.Dame (Lehrerin i.R.) sucht ab 1. Oktober eine 3-Zimmer-Wolin. in gutem Hause. Schrift!. Angeb. u. 03780a.d.Gieß.Anz. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Hungen für 1933 Rj. liegt von Freitag, den 23. Juni 1933, bis einschließlich Donnerstag, den 29. Juni 1933, auf unserem Amtszimmer zur Einsicht offen. Innerhalb dieser Frist können bei uns Einwendungen schriftlich oder mündlich zu Protokoll vorgebracht werden. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker herangezoge nwerden. Hungen, den 21. Juni 1933. 4073D Hessische Bürgermeisterei Hungen. Fendt. WKW (Ein vaterländischerRoman vonHansVietzke Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau. (Schluß.) Der alte Tobias hat auf der Lauer gelegen: Sobald der letzte Franzose im Torbogen verschwunden war, hat er die Tür zum Turmzimmer aufgerissen. Die Gefangenen sind frei! Karl von Löbau umarmt die alte treue Seele. Der Baron stürmt die Treppen herauf, der Schmied Jochen Wemper rennt in den Hof hinunter, wo Frau und Kind warten. Döllnitz eilt zu Maria. Es ist eine freudige Hast, wie seit Jahren nicht mehr so hoch gestimmt: Sie sind ja frei — frei — alle! Döllnitz steht vor Maria. Sie richtet sich in ihren Kissen auf. Ihre Hände suchen die seinen, wortloses Glück im Herzen. Marias Augen sagen: „Ich habe es gewußt — Joachim!" Da stürzt er in die Knie vor der geliebten Frau und bedeckt ihr Gesicht mit heißen Küssen. Auf dem schimmernden Leinen liegt das Herz von Bernstein und Gold: Traum und Hoffnung wurden Glaube und Erfüllung ... 20. Frühlingsstürme durchbrausen das Land. In allen Tälern, auf allen Höhen, in Stadt und Dorf künden Glocken den Aufstand der Freiheit. Das Volk steht auf — der Sturm bricht los! Dichterworte werden zu Prophetenstimmen: Die Feuer sind entglommen Auf Bergen nah und fern, Ha, Windsbraut, fei willkommen, Willkommen Sturm des Herrn! O zeuch durch unsre Felder Und reinige das Land, Durch unsre Tannenwälder, Du Sturm, von Gott gesandt!... Deutschland marschiert! Die Stunde ist da: Das Land ist aufgestanden — Ein herrlich Osterfest — Ist frei von Sklaoenbanden, Die hielten nicht mehr fest. Beschritten ist der Grenze Geweihter Zauberkreis, Richt mehr um Eichenkränze Ficht Jüngling nun und Greis. Run gilt es um das Leben, Es gilt ums höchste Gut, Wir setzen dran, wir geben Mit Freuden unser Blut ... Hell und kühn sind die Blicke, das Wort ist frei, gereckt sind die Gestalten, gestrafft die Sehnen. Die Waffen wandern aus düsterem Versteck in den Glanz der Sonne: Deutschlands Männer sind bereit! Lichtspielhaus • Gießen Ab heute Donnerstag Karin Hardt (noch rühmlichst bekannt aus „8 Mädels im Boot“ und die blonde Christel) in: In den ersten Märztagen haben die letzten Besatzungen preußisches Land verlassen. Umsonst schreibt Napoleon von Paris aus an Eugen Beau- harnais, Vizekönig von Italien, nach Berlin in einem Brief vom 5. März: „Bleiben Sie in Berlin, solange Sie können. Statuieren Sie Exempel strengster Disziplin. Bei der geringsten Aufsässigkeit einer preußischen Stadt, eines preußischen Dorfes, laßen Sie dieselben in Brand stecken - selbst Berlin, wenn es sich schlecht benimmt!" Alle Gewalt war umsonst! Schon am 4. März räumen die Franzosen Berlin. In Eilmärschen bringen sich die Truppen in Sicherheit vor den oordnn- aenden russischen Regimentern, die am U~. Berlin beferen. IG, ist fein galten mehr. Di- Er- eignisse folgen Schlag auf Schlag. Am 16. Marz erscheint die offizielle Kriegserklärung Preußens an Frankreich. Der alte Volksheld Blücher wird mit dem Oberbefehl betraut, fein Draufgängergeift wird den Sie- aeswillen der Truppen beflügeln. Ihm zur Seite stehen die erprobten Generale Scharnhorst als Chef des Generalstabes und Gneifenau als Generalquartiermeister. Alte Soldaten voll Tapferkeit, Klugheit und zäher Hingabe. Ganz Preußen steht hinter ihnen voll tiefstem Vertrauen — sie werden ihrem Vaterland, ganz Deutschland werden sie die Freiheit bringen. Nicht Preußens Sache allein ist dieser kommende Kamps — ganz Deutschland wird aus- stehen, um seine Freiheit wieder zu erlangen Mahnend weist Ernst Moritz Arndts Aufruf m die Zukunft. Nicht Bayern, nicht Braunschweiger, nicht Hanno- veraner, nicht Hessen, nicht Holsteiner nicht Mecklenburger, nicht Oesterreicher, nicht Pfälzer, nicht Preußen, nicht Sachsen, nicht Schwaben, nicht West- fälinger, nicht ihr, die ihr sonst Freie Reichsstadter hießet oder wäret: Alles, was sich Deutsche nennen barf — nicht gegeneinander, sondern: Deutsche für Deutsche! . MANA aus heutiger Sufubr Pr. Schellfische und Kabeljau ff. Goldbarsche frisch.Filets Psd.45-) Heuemoll.-Oerlnge Stück 10 u 15 Rich. Gruaewälfl Bahnhofstr.27(os7ss An heiligen Wassern nach dem weltbekannten Boman von J. C. Heer und weitere HauptroUen: H. A. v. Schlettow, Ed. v. Winterstein. — Ein Film voll dramatischer Spannung, aus der Schweizer Alpenwelt, vom Sieg der Liebe, die sich stärker erweist, als alle Widerstände der Menschen und der grausamen Natur. «oeaC Dazu gutes Beiprogramm und die Ü!a-Ton-Woche. Jugendliche haben Zutritt! a. last. Haare, Leberfleck, Muttermale, Narben. 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Die Kommission wird gleichzeitig eine Besichtigung der Stallungen, Sprungplätze und aller mit der Haltung und Pflege der Faseltiere zusammenhängenden Einrichtungen vornehmen. Diejenigen Tierbesitzer, welche gelegentlich der Haupkörung Faseltiere ankören lassen wollen, haben diesbezügliche Anträge umgehend an die Vorsitzenden der Kreiskörkommission, Ober-Veterinärrat Dr. Monnard, Gießen, und Veterinärrat Dr. Schneider, Gießen, zu richten. Die Ankörung erfolgt kostenlos. * Die Neubesetzung der Stelle des Jeuer- visitators des S. Bezirks. Nachdem der bisherige Feueroisitator Friedrich Dietz zu Utphe aus Gesundheitsrücksichten gebeten hat, ihn von seinen Amtspflichten zu entbinden, ist die Neubesetzung der Feuervisitatorenstelle für den 8. Bezirk erforderlich geworden. Der Bezirk umfaßt die Orte: Bellersheim, Hungen, Inheiden, Obbornhofen, Trais-Horloff und Utphe. Maurermeister oder sonstige geeignete Bewerber, die in dem vorgenannten Bezirk ihren Wohnsitz haben und beabsichtigen, sich um Uebertragung der Stelle zu bewerben, wollen ihre Gesuche unter Anschluß von Zeugnissen über etwa bestandene Prüfungen und ihre 'seitherige Beschäftigung bis zum 5. Juli 1933 bei dem Kreisamt Gießen einreichen. Wer nimmt balbgft.einig. Möbelstücke als Verfracht mitnachBenz- heim a.d.B.Angeb. n ach Lndwlgstr, 44 p. Dröhnend verklingt der Hohenfriedberger Marsch Im Lustgarten zu Berlin vor dem Königlichen Schloß sind die preußischen Regimenter des Generals Porck vom Feldprediger eingesegnet worden. Die alten frlderizianischen Fahnen ragen in die sonnige Helle des Märztages. Mann an Mann stehen die Truppen, ganz Berlin ist auf den Beinen, ihren Auszug zu sehen. . , , Die kurze, gedrungene Gestalt Yorcks betritt den Feldaltar. Tiefe Stille wird auf dem weiten Platz. Des Generals graue soldatische Augen gehen einen Moment prüfend über die Regimenter, dann schallt voll und klar seine Stimme: „Kameraden! Drei Tugenden sind des Soldaten höchster Ruhm: Tapferkeit, Ausdauer, Manneszucht! Von uns aber, die wir in den Kampf für eine heilige Sache ziehen, erwartet das Vaterland noch etwas Höheres: ein edles, menschliches Betragen selbst gegen den Feind." Sein Wort wird hart und zwingend: „... von diesem Augenblick an gehört keinem von uns mehr das Leden: keiner soll darauf rechnen, das Ende des Kampfes erleben zu wollen: er sei freudig bereit, sein Leben dahinzugeben für das Vaterland und den König!" , . _ Der General wendet sich zu seinem Leibregiment: Soldaten! Jetzt geht's in den Kampf! Ihr sollt mich an eurer Spitze sehen, tut eure Pflicht! Ich schwöre euch, mich sieht ein unglückliches Vaterland nicht wieder!" Einen Moment noch halten die Augen des Generals das Regiment umfaßt, als wolle er den stummen Schwur der Herzen hören. Da tritt spontan der alte Oberst Horn, der Kommandeur des Leib- reqiments, auf Yorck zu. Er umarmt feinen General. Mit bebender Stimme leistet er den Schwur unverbrüchlicher Treue: „Das geloben auch wir! Ich und das Leibregiment und das ganze Korps werden dem Beispiel unseres Generals folgen." „Das soll ein Wort fein!" Eine rauhe Soldatenstimme ruft es aus den Reihen des Regiments, und wie ein Donner hallt das Gelöbnis aus allen Kehlen wider: „Das soll ein Wort sein!" Himmel erhellt. Don den anderen Bergen im weiten Rund grüßen die Freiheitsfeuer der Kameraden. Sie alle haben 5-ß-Zimmer-Wohnung m.Badf.bald gesucht Schrift!. Ang. unt. 03787 a. d. G. A. Ki.Hlnterh.3-4-Z.au ch revaraturbed. z. m. ges.3-Z.-Whg.vorh. Off.u. 03770 a.G.A. Enbahn-ta Giefeen. Den Mitgl. zur gefl. Kenntnis, daß unsere Sonderzüge am 25.Juni u.2.Juli n. Nüdesh. wie folgt verk.: Gieß, ab 8.37, Nüdesh. an 11.10; Nüdesh. ab 18.40, Gießen an 21.11. Vorbest.a.Mittagess. z.verbill. 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J*n in 1 & chen, bHoj Nr. f^3 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffeni Donnerstag, 22 Jun! p-33 Amema enwmi Europa. Don Otto Eorbach Die öffentliche Meinung, die Volksvertretung und die leitenden Staatsmänner in den Vereinigten Staaten suchten sich nach dem großen Krieae a u f s ich f e l b ft zurückzuziehen, um iede unmittelbare und tatkräftige Anteilnahme an außer- amerikanischen Angelegenheiten abzulehnen, solange nicht bestimmte Voraussetzungen für ihre Mitwirkung erfüllt waren Eine solche Haltung nahm man dem Fernen Osten gegenüber weniger freiwillig als unfreiwillig, aber Europa gegenüber bewußt ein; denn man wollte gerade deswegen innerhalb des atlantischen Kultur- kreises ohne eigene Mitverantwortlichkeit ein säuerndes Kräftegleichgewicht sich wiederherstellen lassen, um sich desto freier a I s pazisische Macht regen und rechtzeitig in die sich anbahnenden bedeutsamen Enticheidungen in den zukunftsreichen fernöstlichen Randländern des Pazifik eingreifen zu können. Man bedachte dabei nicht, daß Amerikas Beteiligung am Weltkriege für feine traditionelle Bedeutung als eine „neue" Welt einen Sündenfall barstellte, der sich nicht wiedergut machen liefe, weil er die Geschicke des Volkes der Vereinigten Staaten dauernd an die feiner Stammländer kettete Gewiß hatte den maßgebenden Kreisen in Den Vereinigten Staaten bei ihrer Politik während des großen Krieges nichts ferner gelegen, als irgend etwas zu unternehmen, was sie dauernd in die Händel der „alten" Welt verwickeln mußte. Sie wollten im Gegenteil von dieser erst recht u n • abhängig werden, sich aber dennoch ihre Oe- solgschast für künftige weltpolitische Verwicklungen im Fernen Osten sichern Hartnäckig schloß das Yankeetum die Augen gegenüber allen Anzeichen, daß sich ein mit seinem weltumfassenden Inter- essen zu vereinbarendes dauerhastes Verhältnis zu Europa nicht ohne eine immer engere machtpoli- tische Verflechtung zwischen „neuer" und „alter" Welt erzielen lasse Wohl mußten die eure- päischen Staatsmänner zunächst wohl oder übel versuchen, ohne amerikanische unmittelbare Mitwirkung mit der Verwirrung, in die der große Krieg alte internationalen Beziehungen gestürzt hatte, fertig zu werden, aber früher oder später mußte die Donquichotterie, womit die amerikanische Nachkrieasdiplomatie jahrelang weltpolitische und weltwirtschaftliche Schwierigkeiten mit aufgeroärm- ten kosmopolitischen Ideen aus dem achtzehnten Jahrhundert zu überwinden suchte, im eigenen Lande zu einer Wirtschastskatastrophe führen, wie sie der Börsenkrach im Winter 1929 einleitete Außerordentlich langsam besannen sich die süh- renben Kreise in der Union auf ihre neuen Beziehungen zur Außenwelt, aber noch immer ist der schmerzhafte Prozeß ihrer Heilung von einem überlebten „Isolationismus" nicht beendet Präsident Roosevelt hatte sein Amt mit dem reumütigen Bekenntnis angetreten, daß die Union der übrigen Welt mit dem bösen Beispiel eines „nationalen Wirtschaftsegoismus" oorangegangen fei und nun die moralische Pflicht habe, auch mit der Rückkehr äh weltwirtschaftlicher Vernunft, zu dem Prinzip des „Leben und Lebenlassens" den Anfang zu machen Und doch erleben wir augenblicklich unter seiner Verwaltung auss neue wahre Orgien wirtschaftspolitischer nationaler Selbstsucht, die den auffeimenben guten Willen zu ersprießlicher internationaler Zusammenarbeit zu ersticken drohen Man bars sich aber nicht barüber täuschen, baß es sich hierbei mehr um eine schein- bare als eine wirkliche Reaktion gegen ben vom Präsibenten Roosevelt bekundeten Willen zur Preisgabe des alten starren isolatvnistischen Systems handelt, daß das Inflationsgeieß. die Farmbill und der Rational Recovery Act, durch den die Grundlagen für eine weitgehende Kartellierung der ame rikanischen Industrie und für ein Riesenprogramm der Regierung zur Ankurbelung der Wirtschaft geschasst wurden, zwangsläufig die notwendigen Voraussetzungen für eine großzügige weltwirtschaftliche Initiative, besonders in der Richtung auf Europa, herbeisühren werden, mögen diese Maßnahmen auch mit noch so krampfhaften Bemühungen verknüpft lein, damit zur traditionellen alten Isolierung zurückzukehren Die wahrhaft revolutionären Vorgänge im amerikanischen Wirtschaftsleben werden im Auslande aus ähnlichen Ur fachen falsch beurteilt, wie die entsprechenden Vorgänge im neuen Deutschland In Wirklichkeit ist ein neues Gemeinschaftsgefühl der abendländischen Kulturmenschheit in der Bildung begriffen, das sich naturgemäß in erster Linie innerhalb der einzelnen Volksgemeinschaften ausdrücken muß, wobei die notwendige scharf ausgeprägte Gegensätzlichkeit zu allen überkommenen internationalen Ideologien leicht den salschen Eindruck erweckt, als handle es sich um eine gegen internationale Verständigung überhaupt gerichtete Bewegung Die Psychologie des Amerikaners, der Damals ben Atlantik überquerte, um an ber Seite der „Alliierten" für die „Zivilisation" zu kämpfen, am „Kriege zur Ueberroinbung des Krieges" teilzu- nehmen, die „Welt reis für die Demokratie" zu machen, war nicht sehr verschieden von der Psychologie europäischer „Konquistadoren", die die Länder der „neuen" Welt „entdeckten" Entdecken und Erobern waren Damals fast gleichartige 'Begriffe Ein Entdecker „kam sah und siegte , denn die Wilden" bei denen es sich in Wirklichkeit zum Teil um hochentwickelte alte Kulturvölker handelte, hatten der europäischen Kriegstechnik, so unvollkommen sie Damals auch war, nichts gleichartiges gegenüberzustellen. Der europäische Einwanderer hatte es bei Der Entwicklung eigener Staatswesen in ber neuen Welt unb ber Ausbreitung feiner Herrschaft fast nur mit bem Widerstanbe von Farbigen und Mischlingen zu tun, sobald Die Kriege zwischen europäischen Mächten aufhörten, auf amerikanischem Boden mit ausgekochten zu werben, und viel von dem Bewußtsein göttergleicher Erhabenheit, das sich im Yankee gegenüber allem nicht als ebenbürtig anerkannten Volkstum aus amerikanischer Erbe entwickelte, ging mit über in feinen diplomatischen Verkehr mit europäischen wie asiatischen Ländern. So kam es, daß man nach dem großen Kriege Die erzielte materielle Ueberlegen- Seit über die „alte" Welt ohne große Anstrengungen in eine politische unb kulturelle glaubte um- münzen zu können Durch bittere Enttäuschungen ist man aber inzwischen darüber belehrt worben, daß sich mit reiner ..Dollar-Diplomatie" auf bem alten geschichtlichen Boden Europas wenig erreichen, Dafe sich dort nicht wie in manchen lateinamerikanischen Ländern geldwirtschaftliche Abhängigkeit ohne weiteres in politische umroanbeln läßt. ztmerita in durch Die Rachknegsentwicktung allmählich in Die Zwangslage versetzt worden, D i e europäische Wirklichkeit zu entdecken, um sich mit ihr auseinanderzusetzen Das Rach- kriegseuropa wurde von Amerika mit geschaffen unb kann nur unter seiner bauernben Mitarbeit unb Mitverantwortlichkeit fortbestehen Ohne Amerikas wohlwollende Neutralität unb unbegrenzte Krebitsähigkeit zugunsten ber Gegner Der Mittelmächte hätte Der große Krieg wahrscheinlich kein Jahr bauern können, er wäre Europa als Gesamtheit bann entsprechen!) „billiger" zu stehen gekommen, so baß bie aus ihm entstehenben Schul- benprobleme von ihm allein hätten gelöst werben können Finanzpolitisch würbe Amerika ja gcrabe burch bieje Sachlage gezwungen, bie Neu- tralitätsmasfe fallen zu lassen unb mit Waffengewalt in ben Krieg einzugreifen, weil bie Den Alliierten gewährten Kredite die Niederlage Deutschlands als Sicherheit oorausfetzten Nun trafen aber, als man Deutschland zu einer Kolonie für Das Finanzkapital Der Sicgerftaaten gemacht hatte, für ein ersprießliches Funktionieren Des neuen Tributsystems alle Die Voraussetzungen nicht zu, die in Der Vergangenheit Die SchulDsklaoerei farbiger Völker für ben Ausfuhrinbustrialismus ka- pitaliftif^er Staaten fruchtbar gestalteten, inbem sie sie mit billigen Rohstossen oerforgten. Auf Dem Weltmarkt Der Nachkriegszeit enlftanD ralch ein Ueberangebot an Rohstoffen wie Fertigwaren, so daß Deutschland wie alle stark verschuldeten Staaten nur durch immer neue auswärtige Anleihen zahlungsfähig erhalten werden konnte Der Welt- glaubigcr Ameriki mußte dem schlechten Gelde. das er in Europa stecken hatte, immer mehr gutes nachwerfen und sich fchliefelich Rechenschaft darüber zu geben beginnen, daß er, um sich am Weltkriege nicht zum eigenen ocfeaDen beteiligt zu haben, bie wirtschaftliche Erholung ber Besiegten zu seiner eigenen o a d) e machen sollte Europa braucht Amerika, um seine Krise zu überwinden, aber Amerika braucht s a st noch dringender Europa, um sein verlorenes inneres Gleichgewicht wiederherzustcllen unb ben ihm vom Fernen Osten her brohenben Gefahren bie otirn bieten zu können. Es ist babei, das ihm völlig entfremdete Europa zu entdecken und kann Dabei nur bie alte Heimat feiner weißen Herrenrasse mieberfinben, in Der Die Quellen seiner Kraft liegen Die Vernunft für eine neue gerechte Regelung europäisch-amerikanischer Beziehungen ist auch in Amerika auf Dem Marsche, mag sie auch hüben wie | Drüben noch einen weiten Weg zurückzulegen haben. 9er Staatsbesuch des Königs vom Zrak in London. Die Fahrt in Der Galakutsche zum Buckingham-Palast. Im Fond des Wagens links König Feisal, rechts König Georg. Auf den Rücksitzen der Prinz von Wales (links) unb fein Bruber, ber Herzog von York. 3m deutschen Kaffeeland am Kilimandscharo Don Or. Paul Rohrbach Boloti-Pslanzung, Ende Mai 33. Bor mir liegt der Prospekt einer deutschen Jtaffeefirma, in dem der edle Kaffee angepriesen wird, .der in der englischen Kolonie Kenya am Fuß des Kilimandscharo" wächst Dies Durcheinander ist typisch für die Der- kehrten Borstellungen, die, noch kein halbes Menschenalter nach dem Derlust unserer Kolonien, i m heutigen Deutschland über unseren alten asrikanifchen Besitz im Schwange gehen. 'Der Kilimandscharo liegt nicht im englischen Kenya-Gebiet, sondern im einstigen Deutsch-Ost- a f r i k a , das die Engländer heute das Tanga n y i k a - Territorium nennen. Bis zum Friedensdiktat lernte es jedes deutsche Schulkind, daß der Kilimandscharo mit seinen 6000 Metern, seiner mächtigen Schneehaube und seinen Gletschern - er liegt saft unter dem Aequator - der höchste Berg aus deutschem Boden fei. Und da erlebt man, daß ein so edles, hochwertiges Produkt deutscher Arbeit am Fuß dieses Bergriesen a 1 s englische Ware in die Welt hinausgerufen wird! Seit einigen Lagen bewege ich mich unter Den deutschen Kasfeepslanzem, die dem Areal nach ein Drittel, dem Werte und der Gute ihres Kaffees nach erheblich mehr von dem Erzeugnis der hiesigen Plantagen auf ihr Konto buchen können. Im Ansangsstadium unserer ostasrika- nischen Wirtschaft glaubte man, der verwitterte Gneis von Usambara sei der beste Kaffeeboden. Dann überzeugte man sich, daß der vulkanische Boden am Kilimandscharo und Meru weit besser ist. Bis zum Kriege umgab schon ein breitet Gürtel von Kaffeepflanzungen den Fuß der beiden Berge. 3m Friedensschluß wurde auch hier alles restlos den deutschen Besitzern geraubt. Seit sieben Jahren sind die Deutschen wiedergekommen und haben teils alte deutsche Pflanzungen zurückgekauft, teils neue angelegt. Bor einigen Jahren noch gab es glänzende Preise und guten Verdienst. Dann setzte die große Krise ein, und gegenwärtig ist es kaum noch möglich, Unkosten und Zinsen herauszuwirtschaften, denn nur wenige Pflanzungen konnten ganz mit eigenem Kapital ohne fremdes Geld gegründet und zum Ertrag gebracht werden. Wie in Tanga unb Nieber-Usambara burch Sisal- Hanf, so fährt man am Kilimandscharo ringsum durch Kaffee. Die Lava- unb Tufsbecke, bie Der Krater Des Kilimanbfcharo ringsum über ein Gebiet fast so groß wie Holstein ergossen hat, ist bis in große Tiefe zu einer fruchtbaren Dunkelbraunen Erbe verwittert. Ganz oben, jinter Dem Schneegipfel, liegen weite Stein- unb Schlackenfelder, Dann folgt abwärts eine eigentümliche Vegetation von baumartiger Erika unb ähnlichen Gewächsen, unb bann bie Urwalbzone. Der untere Teil bes Urroalbgelänbes, etwa in der Höhenlage zwischen 1000 bis 1600 Meter, ist ber eigentliche Kaffeeboden. Aehnlich steht es beim kleineren Bruder des Kilimandscharo, bem Meru. Man hat ben Walb fort- geschlagen, ben Boben gereinigt unb bie Kaffee- bäumchen eingepflanzt. Vom brüten Jahr ab tragen sie volle Frucht, ein bis anberthald Pfunb pro Baum. Es sinb rote Kirschen mit süßem Fleisch, in jeber sitzen zwei Bohnen, beren Herauspräparie- rung aus ben oerschiebenen Hüllen eine ziemlich schwierige Sache ist. Man läßt bie Bäumchen nicht hoher als etwa mannshoch wachsen, bamit man sie bequem abernten kann. Eigentliche Großpflanzun- gen gibt es nicht Die meisten sinb zwischen 40 unb 100 Hektar groß. Vom Hektar kommen normaler- weise zwolfhundert bis fiinfzehnhunbert Pfunb Kaffee, in besonders günstigen Jahren auch bas Doppelte, unb selbst noch mehr Damit ist bei nicht gar zu schlechter Preisen eine behagliche Existenz (keine luxuriöse Lebensführung!) gesichert. Ich habe viele Saffeelänber besucht: bie brasilianischen Kafseestaaten, Mittelamerika, Mexiko, Java, aber nach meiner Erfahrung gibt es auf ber ganzen Welt nur einen einzigen Kaffee, ber sich mit bem vorn Kilimanbfcharo messen kann, unb bas ist Der von Costa Rica, bem kleinen mittel- amerikanischen Staat, bicht an ber ßanbenge von Panama Aus Den großen Kaffeeauktionen wirb er mit einigen Pfennigen pro Pfunb höher bewertet, als Der aus Den hiesigen Pflanzungsgebieten. Leiber, unb bas mag ein Anlaß zu jener verkehrten Reklame fein, von ber ich oben sprach, geht ber Kilimanbscharokaffee sämtlich nach Lonbon unb wirb dort von Den englischen Kaffeeimporteuren als Kenyakaffee, zusammen mit Dem wirklichen KenyaproDukt. klassifiziert. Erst über Lonbon kommt er nach Deutschland, jo baß ber englische Zwijchen- hänbler seinen Verbienst vorwegnimmt. Die Bohne ist jo edel unb zugleich so kräftig, baß man sie in Deutschland meist nur zu Mischungen verwendet. Ihr Geschmack im Aufguß hat eine leichte, feine Säure, wie sie Dem echten süDarabischen Kaffee eignet Der wirkliche Kenner schätzt diese Eigentümlichkeit besonders, wenn man nicht an sie gewöhnt ist, befremdet sie zuerst etwas. Es wäre nichts weiter nötig, als daß sich eine oder einige Firmen imdeutschenKaffee- großhandel dazu verstehen, die hiesigen deutschen Pflanzer für ihre Ernte zu bevor s ch u s s e n. Englische Unternehmer tun das, aber sie verlangen dafür restlose Ablieferung der Ernte. Natürlich müßte erst eine Zwischenstelle geschaffen werden, um durch die Bevorschussung den direkten Export des Kilimandscharokafsees nach Deutschland zu sichern. Der Fortfall des hohen Dermittlungsrerdienstes der Londoner 3mpor- teure und Erorteure würde den schwer kämpfenden deutschen Pflanzern einen merklich besseren Preis sichern. Sollte es im neuen Deutschland nicht möglich fein, den Landsleuten in Afrika diese Hilfe zu leisten? Es ist ein Vergnügen, durch solch eine sauber gehaltene und bewirtschaftete Pflanzung zu gehen und sich vom Besitzer die Kultur erklären zu lassen. Soviel Liebe und persönliche Pflege, mit Schneiden, Säubern, Hacken, Bewässern bringt überhaupt nur ein Deutscher auf. Kein Engländer ist als Kaffeepflanzer in diesem Etil denkbar. Immer fühle ich mich hier an den Stolz und das Selbstgefühl erinnert, mit dem der deutsche Gutsbesitzer und Bauer den Gast durch sein Weizenfeld, seine Rübenpflanzung, seinen Kleeschlag sühri und ihm zeigt: DaS habe ich mit meiner Hände Arbeit aus dem Boden der mir gehört, mit Gottes Hilfe herauSgeboltl Ob Kaffeepslanzer in Afrika, ob Bauer in der Heimat — wo der Deutsche ein Stück Boden sein eigen nennt, d a nimmt er es in treue Hände. Zu jedem Baum, zu jedem Halm bat er ein eigenes Verhältnis, liebt ihn und betreut ihn. Kein Romane, kein Slawe, kein Angelsachse macht ihm dies nach. Darum kann auch niemand soviel Investierungs- und Betriebskapital durch Arbeit und Pflege ersetzen, wie der Deutsche. Man lebt bescheiden auf den Pflanzungen, Alkohol und selbst Tabak sind wegen der Schwere der Zeit zu seltenen Genüssen geworden. Mancher Pflanzer, der seinen Gästen noch eine Flasche Bier oder einen Whisky-Soda vorsetzen könnte, tut es darum nicht, weil er sich sagt: Mein Nachbar ist dazu nicht imstande, und er würde auf« hören, mich zu besuchen, weil er meine Bewirtung nicht erwidern kann! Aber Mut und Hofs« nun‘ i Kleln-Auto Ew