Mittwoch, 22.MärzOZZ 183. Jahrgang Deutscher Märzsiurm Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmitlag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 n-m Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20"., mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und kür den Anzeigenteil i. D.Th.Kümmel sämtlich in (ßieien. (NS.) zum zweiten und dritten Vizepräsidenten gewählt. Ebenfalls durch Zuruf wurde die Wahl der Schriftführer vollzogen, zu denen neben Nationalsozialisten zwei Deutschnationale, ein Abgeordneter des Zentrums und einer der BVP. angehören. Nachdem so in einer knappen Viertelstunde die Konstituierung des neuen Reichstages durchgesührt war, erklärte Reichstagspräsident Göring: Meine Damen und Herren, meine Kameraden! Durch ein furchtbares Verbrechen sind wir gezwungen worden, aus dem Hause, das einst dem deutschen Volke erbaut war, auszuziehen. Sie alle wissen, daß dieses Attentat nur eine Folgeerscheinung jener Jahrzehnte währenden Hetze gegen Reich. Volk und Staat gewesen ist- Dieses Attentat sollte ein Signal fein, um in Deutschland Anarchie und Chaos entstehen zu lassen in einem Augenblick, da die ersten Ansätze zu einem Wiederaufbau des Reiches angebrochen waxen. Meine Damen und Herren, meine Kameraden! Wir stehen in einer großen Zeit. In wenigen Wochen hat die heilige Flamme der nationalen Revolution das deutsche Volk ergriffen. Der Herr Reichspräsident hat dem deutschen Vvlk die Frage gestellt, ob es gewillt sei, Hintes die Männer der nationalen Erhebung zu treten, die sein Vertrauen mit der Führung des deutschen Volkes beauftragt hat.' Eine überwältigende Mehrheit hat sich hinter diesen Beschluß gestellt, eine Mehrheit, tojfe sie bisher die deutsche Parlamentsgeschichte noch nicht gekannt hat. Ein einziges Aufslammen dieser nationalen Welle, diese heiße Begeisterung hat das deutsche Volk ergriffen, und hat nun gezeigt, daß Schluß sein soll mit jener Vergangenheit, die wir durch 14 Jahre hindurch bekämpft haben. Eine neue Volksvertretung ist entstanden, die zum ersten Male ohne parlamentarischen Kuhhandel, ohne Parteiinteressen, ohne all das, was bisher die deutsche Volksvertretung in den Augen des eigenen Volkes herabgesetzt hat, arbeiten und des deutschen Volkes Schicksal bessern will. Es ist vielleicht ein eigenartiges Vorzeichen, das wir alle als ein gutes Omen betrachten wollen, daß heute am 21. Mär; der Reichstag eröffnet wird. Ls mag vielleicht nicht allen von Ihnen bekannt fein, daß ebenfalls an einem 21. März ein Deutscher Reichstag eröffnet wurde, und zwar der erste Deutsche Reichstag im Jahre 1871 durch Bismarck, der an diesem Tage zum erstenmal die deutschen Stämme vereinigt sah. Rehmen wir dies als ein günstiges Vorzeichen für die deutsche Arbeit. Die Einheit des Er) chemt täglich,außer Sonntags und Feiertags. Betlagen: Die Illustrierte Giestener Familienblatter Heimat m Bilb Die Scholle Monatr-Bezugrprelr: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsorechanfchlüsfe unter Sammelnummer 2251. Anschrift lür Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: fironlfiirt am Dia in 11686. sen. Aus Vorschlag des Aba. Dr. Frick (RS.) wird dann durch Zuruf mit Stimmenmehrheit der bisherige Präsident Göring wiederum zum Reichstagspräsidenten gewählt. Durch Zuruf wurde weiter als erster Vizepräsident der Abg. Esser (Ztr.) einstimmig, bei Stimmenthaltung der ~ 1 '• ' (Dntl.) und Zörner Volkes, sein einheitliches Fühlen und Denken in allen Schicksalssragen der deutschen Ration muß wiederhergestellt werden. Wir danken deshalb an dieser Stelle dem Mann, der vor 14 Jahren es unternommen hat, mitten im Zusammenbruch, im Chaos und in schwärzester Rächt den Glauben neuaufzurichten an ein kommendes Reich, den Glauben und die Hoffnung, daß Deutschland doch nicht verloren sein kann, solange noch ein Mann der Tat selbst an die Zukunft glaubt. In mühevoller und schwerer Arbeit, in einem gewaltigen Ringen gegen Terror und Unterdrückung hat sich diese Bewegung durchgesetzt. Von sieben Mann ist sie angestiegen aus Hunderttausende, bis Millionen ergriffen wurden von diesem Feuer und von der Hoffnung und dem Glauben, daß Deutschland noch einmal werde auferstehen können. Der neue Reichstag, der nun wieder das Reich aufbauen will in alter Größe, in alter Würde, Ehre und Freiheit, hat zurückgefunden zu der Stätte, von der einst Preußen und von Preußen Deutschland ausgegangen ist. (Beifall.) wir sind zurückgegangen nach Potsdam und haben damit bewiesen, daß der Geist von Potsdam in Zukunft auch uns erfüllen soll. Dieser Geist hat nichts zu tun mit Kasernenhofton, sondern er bedeutet Pflicht, Disziplin, Arbeit und Sauberkeit. Die nationale Revolution ist noch nicht vollendet, sie schreitet weiter fort, um zu vollenden, was vollendet werden muß zum Segen unseres Volkes. Meine Damen und Herren, liebe Kameraden! Sie sehen heute im Deutschen Reichstage neue Embleme. Jede Zeit und jedes Volk wählt sich die Embleme, unter denen es kämpfen, arbeiten und ausbauen will. Ich stehe nicht an, zu erklären, daß wir einem gütigen Schicksal danken dasür. daß cs in einem Augenblick. da über Deutschland nicht mehr Ehre und Freiheit regierte, sondern Schmach und Schande, daß es damals die ruhmreiche schwarzweihrote Fahne eingehüllt hat, um andere Embleme zu schaffen. Ich betone aber: Richt wir sind es gewesen, die das vergangene Emblem Schwarzrotgelb beschmutzt haben, nicht wir haben diese Fahne zerstört, es waren vielmehr die selbst, die sie geschaffen haben. (Zustimmung.) Hätte man im Jahre 1918, im Augenblick der größten Rot und Verzweiflung, damals die Fahne Schwarzrotgelb uns gebracht als das Zeichen des absq/uten Festhaltens an deutscher Größe und Ehre, hätte man sie uns gebracht als das letzte Zeichen der äußersten Kraftanspannung, wir hätten dieses Zeichen dankbar geehrt und getragen. Man hat es uns aber aufgezwungen als ein Wir wissen, daß die nationale Hochstimmung, die dieser Märzsturm wie einen deutschen Dom über uns gewölbt hat, nicht der einzige Inhalt unseres Seins bleiben kann. Wir wissen, daß der graue Werktag schon morgen anbricht, wir wissen, daß dieser graue Werktag noch harte Arbeit und harte Prüfungen bringt Aber wir wissen auch, daß wir alles auf uns nehmen, weil wir als Ziel diel nationale Freiheit und die soziale und geistige Gesittung des ganzen Volkes I vor uns haben. An diesem Ziel hat es uns I bisher gefehlt, denn die vierzehn Jahre waren angefüllt mit häßlichen und widrigen Parter- I kämpfen, aus denen eine Entartung der Gesittung sich zu entwickeln drohte, der wir nicht nur I als Staat, sondern auch als Volk unterlegen wären. Wer heute darüber nachsinnt, wie weit die Vollmachten, die die nationale Reichsregierung für die Wiederauf-.ichtung des deutschen Volks- staates braucht, mit der Weimarer Verfassung übereinstimmen, wer sich darüber Sorgen macht, daß diese oder jene Errungenschaften des unheilvollen Rovemberumsturzes verloren gehen könn- | tcn. der hat das Brausen des deutschen März- , sturms nicht begriffen. In einer Zeit, in der Millionen deutsche Volksgenossen leiden und entbehren müssen, kommt es nicht darauf an, die Verfassung von Weimar zu retten, sondern darauf. durch eine sinnvolle Gestaltung des deutschen Lebens und der deutschen Wirtschast Arbeit und Brot zu schaffen. z . . Cs liegt wahrhaft symbolische Bedeutung bann, daß in dem weihevollen Raum der Potsdamer Garnisonkirche der Reichspräsident den Manen Friedrichs des Großen die Huldigung darbrachte. In dem großen König verkörpert sich unser deutsches Schicksal, das nur auf sich gestellt ist, das nur der eigenen Kraft vertrauen kann, aber auch ganz im Besitz dieser Kraft sein muß. Der große König und seine Zeit sind der Hintergrund, vor den die deutsche Gegenwart gestellt ist. nicht um als Schatten gegen Licht zu wirken, sondern um den starken und stolzen Geist in sich übergehen zu lassen, der an feine Bestimmung und an seinen endlichen Sieg glaubt. Rur die Verbundenheit mit dem größten und stärksten Geist deutscher Geschichte kann die Kleinmut verscheuchen, kann den Zweifel bannen, die beide so viel Tlnheil in der Vergangenheit angerichtet haben. Das deutsche Volk hat heute keinen Grund, sich darauf zu besinnen, daß es jahrhundertelang nur als Volk der Dichter und Denker galt- Durch Träume, durch gestaltende Einbildungskraft werden wir den nationalen Ausbruch nicht zum Siege führen, sondern nur durch die Tat, die von einem Willen beseelt und beschwingt ist, der Deutschland heißt. seststehe. _ Abg. Vogel (soz.) beantragt die Freilas- sungder inHast befindlichen 1 2 s o z i a l- demokratiichen Abgeordneten. Auf Vorschlag des Abg. Minister Dr Frick (NS.) wurde ohne Debatte einstimmig die Ueberroeijung dieses Antrages an den Geschäftsordnungsausschuß beschlos- Der ne epuntt des Staatsaktes: Reichspräsident von Hindenburg verliest in der Garnisonkirche feine Botschaft. Hinter dem Reichspräsidenten Reichs- kanzler HUler und Reichstagspräsident Göring; in der Reihe rechts vom Reichspräsidenten u. a. die Minister Freiherr von Neurath, Frick, Schwerin, Hugenberg, dahinter die Chefs der Heeres- und der Marineleitung. Linken dievAbg. Graes General-Anzeiger für Oberhessen Tirv« vnd üerlog: BrütjlW Ilntvnfitäwvuch- und Stcinöruderei B. Lange in Sieben. Schrift,-itung und S-fchäst-Nell-: S^ut^ra^e 7 Die erste Sitzung des neuen Reichstags. Nicht nur das ganze deutsche Volk hat am 21. März I K Minister Göring wieder zum Präsidenten gewählt. - Huldigung des Parlaments für den Ä w* w Reichskanzler. - Die neuen Embleme. vorgetragene Kundgebung des Reichskanzlers ge- bruch de^Natlo?nicht ein"'AN ^'Selbstüberhebung, Bei dicht besetztem Saal und vollen Tribünen sondern e i n W e r k d e r S e l b st b e s i n n u n g ist, eröffnet Reichstagspräsident G o r i n g um zu der es sich in harien Leidensjahren hat dLrch- 17.15 Ahr. d i e erste Sitzung des neuen rmaen müllen Daß ein Volk von 65 Millionen, das Re i ch s t a g e s. Vorher hatten sich die Adge im Herzen Europas wohnt, das eine Geschichte hinter ordneten grüßend vor, den Sitzen erhoben afe ich hat die reich ist an Höhen und Diesen, die aber Reichskanzler Adolf $i Her in SA-Uniform in ihrer Gesamtheit eine Leistung darstellt, die dem den Saal betrat unb Jemen Abgeordne enplatz Geschlecht der Lebenden gebietet, das Erbe der einnahm. Auch bie übrigen Regierungsmitglieder Vater zu wahren, um es den Enkeln und nehmen zunächst in ben Dechen ^lbgeord- Sölmen wieder in Glanz und Herrlichkeit zu über neten Platz, da bei der konstituierenden ersten liefern - daß ein Volk von dieser Straft, von dieser Sitzung des Reichstages .^.H^^?H^emab die Leistung leben wi 1 l und leben muß, das ist Regierung sich als unbeteihgt betrachtet. Die fein heiliges und unzerstörbares Recht. Das if» der Mitglieder der Regierung, soweit sie ° tiefste Sinn des Ausbruchs der Nation, das ist das tionalsozialisten angehoren, waren ebenso w be? oierÄn di- °.b D°u.,ch.°nd- tieffte Er- — -b°n d«m K°°°np-N^-N meörigung der Geschichte angehore . ®er Kronprinz winkte seinem Bruder, dem na- Dieser Aufbruch der Nation darf m seiner Wider- tio„alsozialistischen Abgeordneten Prinz August standskraft nicht erlahmen, darf das deutsche Wilhelm grüßend zu. Hinter dem Präsidenten- Volk nicht gleichgültig werden lassen, weil seine Ge- ” n Stelle des Reichsadlers schicke bewährten Händen anvertraut sind. Der nativ- cin qco^cg schwarzes Hakenkreuz im nalc Wille muß s i ch jede n_ lag er neu ern, weißen Kreis aus rotem Grunde an- biö dieser Wille wieder einen Staat ausgerichtet hat, ^e^S und links davon wird das in dem nur Deutsche von deutscher Gesinnung woh- Hakenkreuz von schwarzweiß roten Fah- nen, der nach außen wieder das ist, was der wirkliche nen umrahmt. Von den Stühlen an der Ausdruck der deutschen Größe und Lebensgeltung OgiernngseftraDe werden fünf Stühle beiß. Das Kaiserreich war der Friede, aber es war die wundert, die als die einzigen überlebenden aus unheilvolle Tragik der deutschen Geschichte, daß das &cm cRcidjgtagäbran&e gerettet wor- deutsche Volk sich den Nationalstaat erst schassen sind und im neuen Reichstag wieder Oluf» konnte, als dies die anderen Völker schon vor einem f^llung gesunden haben. Jahrhundert und früher getan hatten. Das böse Erbe fciner Eröffnungsansprache wies Präsident deutscher Vergangenheit, die Kleinstaaterei, wurde Göring daraus hin, daß nach einem Aeltestenrats- zwar im Bismarck Reich aufgelöst, aber d i e le- befdjluß die erste Sitzung nicht mehr von einem Al- b e n b i g e innere Einheit, die sich auf den terspräfibenten, sondern durchdenvorheram- nationalen Willen gründete, mußte erst in harter irrenden Präsidenten zu leiten sei. Er be- Leidenszeit heranreifen rief als Schriftführer zwei Nationalsozialisten, Diese Leidenszeit begann im Kriege, den einen Deutschnationalen und ein Zentrumsmitglied. Deutschland nicht gewollt hat, in den es hinein- Bon dem früher üblichen Namensaufruf wurde 'Ab- getreben tourbc aus dem das deutsche Volk zwar stand genommen, da nach den Einzeichnungslisten geschlagen herauslam, aus dem es aber noch immer | &Cr Abgeordneten die Beschlußfähigkeit des Hauses Die gewaltige lleberlicferung des Bismarck-- Re ches herüberrettete. Hm dieses herrliche Erbe wären wir beinahe betrogen worden, denn der Versuch, das deutsche Volk durch eine Staatsform zu entmachten, die dem inneren Wesen gerade des deutschen Volkes in allen seinen Ständen widersprach, ist an der nationalen Urkraft des deutschen Lebenswillens zerbrochen. m.6ysvühaussave Sietzemr Anzeiger ........... WWW ÄS - Zeichen der Unterwerfung, der Schande und der Ehrlosigkeit. Wir haben darum dieses Zeichen in einem Qlugenblid oblegen müssen, als ein neues Deutschland anbrach. Und nun haben wir dieses neue Deutschlaod vermählt mit dec alten ruhmreichen Fahne, unter der zwei Millionen Deutsche ihr Leben als Opfer für Deutschlands Größe gegeben haben. Wir haben diese alte Fahne vereint mit jenem Siegeszeichen, das 14 Jahre uns in Jlof und Kampf vorangeflattert ist. Dieses Zeichen hat die alten Farben behalten, aber mitten hinein in das leuchtende weiß sehen wir das alte, uralte Zeichen unserer Vorväter, das doch ewig neu und verjüngend ist. das Sonneuzeichen als Zeichen des Aufstieges, als Zeichen der Ehre. So sind diese beiden Fahnen jetzt vermählt, und ich bin glücklich, als Präsident diesen Reichstag eröffnen zu dürfen unter diesen siegreichen Zeichen, die somit jetzt über Deutschland wehen sollen (Beifall). Roch zittert in uns das nach, was die Vorsehung uns Heute vormittag erleben lief). Ich glaube, keiner, der dort draußen an jener ruhmreichen Stätte war, wird jemals in seinem Leben vergessen, was er do^ gehört, geschaut und erlebt hat. Es war doch wohl das Erschütterndste und am tiefsten Bewegende. als der greise Feldmarschall in die Gruft jener Könige hineintrat, die einst ebenfalls ein am Boden liegendes Preußen zur Weltmacht gestaltet hatten. Wir danken aber auch unserem Doltskanzler, daß er heute draußen an dieser Stätte Worte gefunden hat, wie sie sonst vielleicht kein Deutscher zu finden vermag, Worte, die bis ins Innerste unserer Seele gedrungen sind und die uns erst klarlegten, in welch gewaltiger Zeit wir leben und welche gewaltigen Aufgaben wir vor uns haben. Herr Reichskanzler, ich danke Ihnen — die Abgeordneten der Regierungsparteien erheben sich bei diesen Worten von den Sitzen — im Ramen all’ der Millionen, die am 5. März hinter Sie getreten sind, daß Sie heute das Wort zu uns gesprochen haben: Deutschland wird seine Ehre zurückgegebenl Ehre und Freiheit sind die Unterpfänder, aus denen allein ein Volk aufbauen kann. Wir geloben Jhner in dieser Stunde: Der Reichstag der nationalen Erhebung wird hinter S i e treten in seiner Mehrheit, in seinen besten Teilen, und er gelobt Ihnen. Ihr ungeheuer schweres Amt mittragen zu helfen. v reiheit und Ehre sollen von dieser Stunde ab das Fundament des kommenden Deutschland sein. Der Reichstagspräsident schloß seine Rede mit einem Heil!-Rus, der von den Mitgliedern der nationalsozialistischen Fraktion dreimal ausgenommen wurde. Langanhaltender Beifall der Regierungsparteien folgte der Rede. Der Reichstagspräsident schloß darauf die erste Sitzung und beraumte die nächste Sitzung auf Donnerstag, 14 Uhr, an mit dcr Tagesordnung: Aendcrung der Geschäftsordnung. Erklärung der Reichsregierung und erste und zweite Beratung des Initiativantrages über das Ermächtigungsgesetz. Reichskanzler Hitler verabschiedete sich durch Handschlag von den Abgeordneten Lihmann und Göring und verlieh dann unter stürmischen Heill- Rufen seiner Freunde den Sitzungssaal. Die Mehrheit für das Ermächtigungsgesetz Die Entscheidung des Zentrums. Berlin, 21. März. (Eigene Meldung.) Die Eröffnung des neuen Reichstages ist vom Re chstagspräsidenten Göring m.t einer Straffheit durchgeführt worden, die alles um stündliche Beiwerk beiseite schob, das sonst die ersten Sitzungen eines neuen Reichstages zur Qual werden ließ. Das Ereignis der Sitzung war die programmatische Rede des Reichstagspräsidenten mit der spontanen H u l d i -, g u n g , die die Mehrheit des Parlaments dem Reichskanzler Adolf Hitler darbrachte. Im übrigen ist die Rede des Präsidenten Göring in lleberleitung der politischen Linie, die beim Staatsakt in der Garnisonkirche begonnen wurde, in das Gebiet der praktischen Arbeit. Sie wird fortgeführt werden und chren parlamentarischen Schluhpunkt in dem Ermächtigungsgesetz finden, das dem Reichstag vorliegt. Man rechnet damit, daß das Ermächtigungsgesetz bereits in der Donnertagssitzung des Reichstages verabschiedet wird. Eine Verschleppung der Schlußabstimmung wäre nur dann zu erwarten, wenn die Sozialdemokraten gegen die sofortige Vornahme der dritten Lesung Einspruch erheben würden. Dann mühte ein, Zeitraum von 24 Stunden zwischengeschaltet werden. An diese Möglichkeit aber glaubt man angesichts der ganzen Stimmung in parlamentarischen Kreisen nicht. So ist denn anzunehmen, dah das Ermächtigungsgesetz schon am Donnerstag Tatsache werden wird. Unentschieden ist freilich noch die Haltung des Zentrums. Die Zentrumsfraktion wird erst am Mittwoch ihre Entscheidung treffen. Es heißt, daß morgen vormittag auch noch ein neuer Besuch des Prälaten Koas beim Reichskanzler stattfinden wird. In parlamentarischen Kreisen ist man sich durchaus tlar darüber, dah dieEntscheidung für das Zentrum überaus schwer ist. Man zweifelt aber nicht daran, dah die Fraktion ihren Mitgliedern die Abstimmung freigeben wird, und dah damit die Zweidrittelmehrheit gesichert ist, an der den Regierungsparteien in den befreundeten Gruppen ohnehin nur etwa 15 Stimmen fehlen. Wenn das Ermächtigungsgesetz angenommen ist, wird sich der Reichstag aus längere Sicht vertagen, und die Reichsregierung wird von der Basis dieses Gesetzes aus ihre Arbeit in großzügiger Form fortsetzen. Vor allem stehen eine Reihe wichtiger wirtschaftlicherMah- nahmen dicht bevor. 3m Augenblick ist noch nicht zu erkennen, ob sie durch Aotverordnung oder schon auf Grund der Ermächtigung getroffen werden. ReichSmmister a. O. Hennes verhaftet. Berlin, 21. März. (WTB.) Der frühere Deichsminister Dr. Hermes wurde heute auf Grund eines Haftbefehls des Llntersuchungs- richters fest genommen und ins Unter» suchungsgefängnis Moabit eingeliefert. Gegen Hermes wurde Haftbefehl erlassen, da Fluchtverdacht und Verdunkelungsgefahr vorliegt. Dr. Hermes wird vorgeworfen, dah er in seiner Eigenschaft als Präsident der Deutschen Ehristlichen Bauernvereine einen Betrag von nahezu ein c r Million Mark von 3,5 Millionen Mark, die zur Rationalisierung der den deutschen christlichen Bauernvereinen angegliederten landwirtschaftlichen Genossenschaften bestimmt toarer^ in Verfolgung wirtschaftspolitischer Ziele z u m A n - kauf von Grund st ücken verwe nde t habe. In dieser Verwendung der Gelder erblickt die Staatsanwaltschaft eine untreue Handlung. Da es sich bei dem Betrag um über- schüssiqe Gelder handelte, hätte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft dieser Betrag an die Preuhen- kassc zurückgeleitet werden müssen. Reichskanzler Hitler verliest die Regierungserklärung. Oer Ausklang des Nationalfeiertags. Ein Riesenfackelzug in der Reichshauptstadt. Berlin, 21. März. (TU.) In Erwartung des Fackelzuges hatten sich schon von 18 Uhr abends ungeheuere Menschenmassen ins Innere der Stadt begeben. Um 19 Uhr war die Straße Unter den Linden, die Wilhelmstraße, alle Seitenstraßen, der Platz zwischen Brandenburger Tor und Tiergarten, die Friedrich-Ebert- Straße in ihrer ganzen Ausdehnung, der Potsdamer Platz, von einer ungeheueren nach vielen hunderttausenden zählenden Menschenmenge angefüllt. Jeder Verkehr war lahmgelegt. Kein Mensch konnte sich mehr von der Stelle rühren. Trotzdem brachten alle Verkehrsmittel ununterbrochen weitere Tausende und Zehntausende in das Stadtinnere. In den Straßenbahnen, den Ö-Bahnzügen, den Vorort-, Stadt- und Ringbahnen landen die Menschen keinen Platz mehr. Die Bahnhöfe waren schwarz voll Menschen, die alle hofften, den Fackelzug mitansehen zu können. Um 19.30 Uhr setzte s i ch der Zug in Bewegung. SA., SS., Stahlhelm, Abteilungen des Kampfbundes junger Deutschnationaler des Kyff- hüujerbundes, des BDA. und die studentischen Korporationen bildeten einen unübersehbaren Zug, in dem zahlreiche Fahnen und Wimpel mitge- sührt wurden. An der Spitze der SA marschierte der SA.-Sturm 33 dessen früherer Führer M a i k o w s k i vor wenigen Monaten in Charlotten« bürg von Kommunisten erschossen wurde. Auch der SA-Sturrn24 (Kreuzberg), der zwei Mitglieder durch Mordtaten politischer Gegner verloren hat, hatte einen Ehrenplatz im Zuge gefunden. Ueberall wurde der Fackelzug von der Menschenmenge begeistert begrüßt. Immer wieder erschollen laute Heil- und ßochruse, und beim Borbeiziehen der Fahnen wurden die Hände zum Hitlergruß ausgestreckt und die Häupter entblößt Rur mit Mühe gelang es der Polizei, die Zuschauermengen zurückzuhalten und den Weg freizuyalten. Ueberall, wo die Musik das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied spielte, sang die Menge begeistert mit. Gegen 20.30 Uhr erreichte die Spitze den P I n tz an der Staatsoper. Hier durchbrachen die Zuschauer die Absperrungen, so daß der Zug ins Stocken geriet. Nachdem es mit Mühe gelungen war, wieder Platz für den Fackelzug zu schaffen, zogen die endlosen Reihen weiter, vorbei am Ehrenmal, das übrigens schon während des ganzen Tages das Ziel ungezählter Tausender gewesen war. Immer erneut wurden die Fahnen und die einzel- nen Abteilungen des Fackelzuges jubelnd begrüßt. Die Zuschauermenge schien inzwischen noch gewachsen zu sein. Soweit das Auge blickte, standen die Menschen Kopf an Kopf. Die Jugend hatte sich auf Bäumen und Laternenmasten gute Plätze gesichert. Geradezu lebensgefährlich war das Gedränge insbesondere auch am Potsdamer Platz und den angrenzenden Straßen. Als der Fackelzug hier anlangte, stürmte die begeisterte Meng: plötzlich das Columbus-Haus, einen großen Geschäftsne'ubau am Potsdamer Platz, um die langen Fensterreihen des unteren Stockwerks zu besetzen. Schutzpolizei und Hilfspolizei hatten große Mühe, das Haus zu räumen. Als auch an anderen Stellen des Platzes die polizeilichen Absperrungen durchbrochen wurden, bildeten llch spontan Sperrketten aus S A.-L euten und Z u s ch a ue r n, die den Verkehr einigermaßen aufrechtzuerhalten suchten. In allen Straßen, die der Zug dann passierte, das gleiche Bild der freudigen Anteilnahme und Begeisterung. Stundenlang währte der Fackelzug. bis er schließlich am Wittenbergplatz sein Ende fand. Aber noch lange Zeit hielten die Massen auf den Straßen aus, um den Abmarsch der einzelnen Verbände zu sehen und bis in die Rachtstunden hinein ertönten Marschmusik und der Gleichschritt der Formationen durch Berlin. Die Beteiligung der Bevölkerung übertraf alles, was man bisher bei großen Volksfeiern in Berlin erlebt hat. Richt einmal bei den Kaiser-Geburtstagsfeiern, dem großen Ereignis der Vorkriegszeit, sah man solche Menschenmassen unterwegs. Es ist unmöglich die Zahl der Zuschauer auch nur annähernd zu schätzen. Man hatte jedenfalls den Eindruck, als wenn die ganze Viermillionen stadt auf den Beinen war. So "toat auch der Abschluß dieses denkwürdigen Tages wirklich eine Angelegenheit des ganzen Volkes. Von Zwischenfällen ist bis zum späten Abend nichts bekannt geworden. Die Kestaufführung in her Giaatsoper. Berlin, 21. Mürz. (WTB.) In der Staatsoper, in der heute abend auf Anordnung dec Reichsregierung zur Feier der Reichstagseröffnung Wagners „M e i st e r s i n g e r" gegeben wurden, herrschte das Braun der SA. und das Schwarz der SS. und das Blau der Schutzpolizei vor. Eine seitliche Stimmung lag über dem weiten Raum. Zu Beginn der Vorstellung hatte unbemerkt Reichskanzler Hitler gemeinsam mit Reichsinnenminister Dr. Frick die große Mittelloge betreten. In der Pause wurden dem Kanzler große Ovationen dargebracht. Während des zweiten Aktes ist in brauner SA.-Uniform Reichstagspräsident Göring erschienen. Ebenso sieht man in der Loge den Reichsarbeitsminister S e l d t e, den Reichsju- justizminister Dr. Gürtner und den Reichsverkehrsminister Elz von Rübenach. Kurz danach erscheint Reichsminister Dr. Goebbels mit Gattin und dann in Begleitung seiner Familie Vizekanzler v. Papen, ebenfalls umjubelt von der Begeisterung der Massen. Auch die übrigen Reichsminister fuhren vor. Um Mitternacht endete die Festoorstellung unter riesigem Beifall und mit zahlreichen Hervorrufen. Ganz besonders lebhaft war der Beifall, den der Reichskanzler und die Reichsregierung spendeten. Unter Heilrufen der Operbesucher, unter denen sich mehrere hundert Reichstagsabgeordnete befanden, verließen der Reichskanzler, der Vizekanzler und die übrigen Reichsminister die große Mittelloge und begaben sich zu ihren Wagen, draußen stauten sich noch immer die Menschenmassen, um Hitler und seine Minister zu sehen. Als der Reichskanzler seinen Wagen bestieg, rauschte noch einmal wie eine Brandung eine Welle von Heil-Rufen über den Platz. Erst lange nach Mitternacht lichteten sich die Menschenmengen. Noch nach 1 Uhr herrschte regstes Leben und Treiben Unter den Linden und in der Innenstadt Kleine politische Nachrichten. Der Polizeipräsident in Berlin hat den Reichskanzlerplatz in Adolf-Hitler- Platz umbenannt. Die Hugo-Preuh-Brücke am Lehrter Bahnhof heißt ab sofort Admiral Scheer-Drücke. * Der Kommissar für das preußische Ministerium des Innern Reichsminister Göring hat angeordnet, dah der unter dem schwarzroten System umbcnannte Platz dec Republik in Berlin entsprechend der großen Tradition Preußen-Deutschland wieder den Ramen Königs-Platz erhält. ‘ Drei neue Verordnungen. Berlin, 21.März. (CNB.) Wie wir erfahren, hat die Reichsregierung zwei Verordnungen beschlossen, die dem Herrn Reichspräsidenten zur Unterschrift vorgelegt werden. Amnestiegefeh. Die Reichsregierung ist bei diesem Gesetz von dem Gesichtspunkt ausgegangen, daß für Verstöße der vergangenen Zeit, die a u s b e st e m W o 11 e n f ü r das Wohldes Reiches begangen worden sind, auf eine strafrechtliche Sühne oerzich - t e t werden kann, in dem festen Vertrauen, daß der G e i st d e r D i s z i p l i n, an den der Reichskanzler am 12. März appelliert hat, die sicherste Grundlage sürdieAchtungvor den Gesetzen bildet. Strafen, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung als rechtskräftig erkannt und noch nicht verbüßt sind, werden e r ( a f,f e n. Der Straferlaß erstreckt sich auf Nebenstrasen und Sicherungsrnaß- nahrnen, soweit sie noch nicht vollstreckt sind, auf gesetzliche Nebenfolgen, auf rückständige Geldbußen, die an die Kassen des Reiches oder der Länder fließen, und auf rückständige Kosten. Wenn auf Einziehung oder Unbrauchbarmachung erkannt ist, so behält es dabei sein Bewenden. Anhängige Verfahren werden eingestellt, wenn die Tat vor dem 21. März dieses Jahres begangen i ft, neue Verfahren werden nicht eingeleitet. Fallt nur ein Teil einer Gesamtstrafe unter diese Amnestie, so wird nur dieser Teil erlassen. AbwehrheimtückischerAngriffe gegen die Regierung der nationalen Erhebung. Wer eine Uniform eines Verbandes, der hinter der Regierung der nationalen Erhebung steht, im Besitz hat, ohne Mitglied des Verbandes oder sonstwie befugt zu sein, wird mit Gefängnis bis zu zwei Jähren bestraft. Wer die Uniform oder ein die Mitgliedschaft kennzeichnendes A b z e i ch e n eines 'Verbandes der im vorigen Absatz bezeichneten Art, ohne Mitglied des Verbandes zu sein, trägt, wird mit Gefängnis nicht unter einem Monat bestraft. Wer eine strafbare Handlung gegen Personen oder Sachen begeht oder androht und dabei, ohne Mitglied des Verbandes zu sein, die Uniform oder ein die Mitgliedschaft kennzeichnendes Abzeichen eines Verbandes der im § 1 bezeichneten Art tragt oder mit sich führt, wird mit Zuchthaus. bei mlldernden Umständen mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten bestraft. Ist die Tat in der Absicht begangen, einen Aufruhr oder in der Bevölkerung Angst oder Schrecken zu erregen oder dem Deutschen Reiche außenpolitische Schwierigkeiten zu bereiten, so ist die Strafe Zuchthaus nicht unter drei Jahren oder lebenslängliches Zuchthaus. In besonders schweren Fällen kann auf Todes strafe erkannt werden. Aach diesen Vorschriften kann ein Deutscher auch dann verfolgt werden, wenn er die Tat im Auslande begangen hat. Wer vorsätzlich eine unwahre oder gröblich entstellte Behauptung tat- sächlicherArtauf stellt oderve rbrei - t e t, die geeignet ist, das Wohl des Reiches oder eines Landes oder das Ansehen der Reichsregierung oder einer Landesregierung oder der hinter diesen Regierungen stehenden Parteien oder Verbände schwer zu schädigen, wird, soweit nicht in anderen Vorschris- ten eine schwerere Strafe angedroht ist, mit Gefängnis bis zu zwei Jahren, und wenn er die Behauptung öffentlich aufstellt oder verbreitet, mit Gefängnis nicht unter dreiMonaten bestraft. Ist durch die Tat ein schwerer Schaden für das Reich oder das Land entstanden, so kann auf Zuchthaus erkannt werden. Wer die Tat grob fahrläs- sig begeht, wird mit Gefängnis bis zu drei Monaten oder mit Geldstrafe bestraft. Wer die Mitgliedschaft eines Verbandes erschlichen hat, gilt nicht als Mitglied des Verbandes im Sinne dieser Verordnung. Diediidung vonSondergerichten Ferner wird die Reichsregierung eine Verordnung erlassen über die Bildung von. Sondergerichten. Im § 1 wird bestimmt, dah für den Bezirk eines jeden Oberlandesgerichtes ein Sonüergericht gebildet wird, daß diese Sondergerichte Gerichte des Landes sind, und dah die Landesjustizverwaltungen den Sitz der Sondergerichte bestimmen. § 2 grenzt die Zuständigkeit der Sondergerichte ab, die sich auf die in der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe von Staat und Volk vom 28. Februar 1933 und in der vom Herrn Reichspräsidenten noch zu unterzeichnenden Verordnung zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung der nationalen Bewegung bezeichneten Verbrechen und Vergehen bezieht, soweit nicht die Zuständigkeit des Deichsgerichtes oder der Oberlandesgerichte begründet ist. Die weiteren Paragraphen befassen sich mit Kommunalwahlen auch in Hessen? Die Vertreter detz Hessischen Ttädtetages bei Staatsprüiidcot Dr. Weiner. WSR. Darmstadt. 21. März. Staatspräsident Dr. Werner empfing gestern nachmittag die Vertreter des Hessischen Städtetages. Der Oberbürgermeister von Worms, Rahn, beglückwünschte den Staatspräsidenten im Ramen des Hessischen Städtetags und gab seiner Befriedigung über den Sieg der nationalen Idee Ausdruck. Im weiteren Verlauf der Aussprache wies er auf die große Rot der hessischen Städte hin mit der Bitte, der Staatspräsident möge dieser Rot seine besondere Beachtung angedeihen lassen. Der Bürgermeister von Friedberg, Dr. S e h d . unterstrich d i e R o t w e nd i g k e i t der Reuwahlen der Stadträte und kommunalen Körperschaften. Staatspräsident Dr. Werner dankte den Vertretern des Hessischen Städtetags für ihre Glückwünsche und erklärte, da er die Rot der hessischen Städte und Gemeinden genau kenne, werde er sie nach Möglichkeit zu beheben suchen. An Stelle von Reuwah- len werde Wohl ein anderer Weg ge » funden werden können, eine neue Zusammensetzung der Kommunalvertretungen im Verhältnis der Stimmzahlen des 5. März zu erreichen. Oer nationale Feiertag in Gießen. die Festakt der Garnison und der Wehwerbände nicht anders zu Tippmann, Hamel und Die gefällig abgerundete, musikalisch und szenisch wohltemperierte Aufführung war ein Produkt der verständnisvoll auseinander abgestimmten Arbeit des bewährten Operettenregie-Kollektivs. Herr W r e ö e besorgte eine schmissige und nuancenreiche Inszenierung; Kapellmeister Walter Woehl leitete das Orchester und sand eine lohnende Aufgabe in der Interpretation der dankbaren Partitur; Herr Daulke hatte die Tanzregie, er betreute die Parade seiner sechs schottisch-karierten Girls und steuerte selber einen modernen Step-Tanz als Einlage bei; die Herren Löffler (Bühnenbild), Keim (Beleuchtung) und Huber (Kostüme) statteten das Werkchen liebenswürdig aus. Das Reisebureau, die kleine Bar am Wannsee und das Schlußbild dürfen als besonders gut gelungen notiert werden. Die Darstellung stand auf dem gleichen erfreulichen Riveau. Herr F i e r m e n t sang den Hartenau mit grobem Einsatz; im Spiel angenehm reserviert, stimmlich, besonders im ersten Art, fast in anspruchsvollerem Rahmen, als man es bei einer zeitgenössischen Operette gewohnt ist. — Herrn W r e d e sah man als Schwarzenberg^ mit einem leicht parodistischen Einschlag, übrigens gewandt und gleichmäßig sicher im Dialog wie in den gesanglichen und tänzerischen Erkursionen dieser Partie. Besonders lustig geriet das Terzett Beling-Wrede-Bruck im Mittelakt. Mit der komischen Person des Reisebureau- dircktors Homann wußte Herr B r u ck die Leute recht witzig zum Lachen zu bringen- — Kühnes Regierungsrat wirkte in dieser Umgebung schon fast ein wenig zu seriös; eigentlich eine Luftspielfigur. — In kleineren Aufgaben machten sich die Damen Wielander, Walther-Lederer, Schubert-Jüngling und die Herren Siete n, 3 o Id, Eggemann verdient. — teilzunehmen. Der Zutritt zum Kasernenhof war für jedermann offen. Eine riesige, nach Tausenden zahlende Menschenmenge postierte sich auf dem großen Kasernenhofe in vielfacher Tiefengliederung. Die Flure und Fenster der Kasernengebaude waren für die Besucher gleichfalls zum Aufenthalt sreigcgeben und von vielen Hunderten Kopf an Kopf beseht. Die militärischen Gebäude zeigten zum ersten Male wieder seit langen Jahren die ehrwürdigen Fahnen Schwarzweihrot mit dem Eisernen Kreuz, die künftig über unserem betoun- dernswerten Reichsheer flattern werden. Das fest- liebe Bild wurde verschönt durch leuchtenden Früh- jahrs-Eonnenschein, der den leider reichlich kalten Sturmwind leichter ertragen lieh. Auf dem Kaserneuhofe waren in einem weiten offenen Viereck unser Bataillon, die staatliche Polizei mit der Hilfspolizei, die SS-, 581. und der Stahlhelm aufmarschiert. Jetzt liegt diese Zeit hinter uns wie ein langer schwerer Traum, aus dem wir nun erwacht find, und wir knüpfen wieder an an das, was wir in den ersten Kriegsjahren erlebten, da die Kirchen sich füllten und unser deutsches Volk ein betendes Volk war. Darum kommt, mir wollen wieder zu dem Herrn unferm Gott. Seine Kirche ist nicht bloß dazu da, um besonders feierliche Stunden im Leben des Volks und des einzelnen festlich zu verbrämen, sie hat die größere Aufgabe, allen ohne Ausnahme das ewige Wort des allmächtigen Gottes zu verkündigen, von dessen Annahme oder Verwerfung auch für ganze Völker das Heil oder Unheil abhängt. Darum: „Kommt, wir wollen wieder zu dem Herrn". Wir wollen uns nicht länger von Menschen in die Irre führen lassen, sondern Gott die Ehre geben, seinem Willen uns unterwerfen, sein Wort die Richtschnur sein lassen im Leben des Staates und im Leben jedes einzelnen. Wir wollen sein Antlitz suchen, wenn wir sein Wort hören in unseren Gottesdiensten, und wenn wir es lesen daheim in unserer Bibel. Er befiehlt, wir gehorchen. Er redet, wir sprechen: „Rede Herr, dein Knecht hört". Wenn dieses Gelöbnis der Treue die Antwort unseres Volkes auf Gottes gnädige Hilfe ist, wenn wir alle es wahr machen: „Kommt, wir wollen wieder zu dem Herrn", dann beginnt wirklich heute_________ Heimat und Wett. Von GrnfI Wiechert. Wenn ich mit meinem Bater abends aus dem Walde ging, nach Hause, blieb ich bei den letzten Pilzen ftef^n und fragte, wann sie nach Hause gingen. Sie könnten nicht gehen, sagte mein Bater. Sie seien zu Hause, wo sie ständen. Ich verstand das nicht. Die Bögel flogen in ihre Bester, die Ache zogen in ihr Bett, der kleinste Käfer barg sich in seinem dunklen, warmen Hans. Sie aber hatten kein Dach über dem Kopf, als den großen Waldesraum und das Gewölbe der Sterne, und manchmal deckte ich heimlich ein Tuch über sie, damit sie zu Hause wären in der dunklen Rächt. Täglich ging ich zu ihnen. Ich sah, daß ihre Kinder um sie wuchsen, klein, ftiH, mit Hüten, die viel zu groß für sie waren. Auch sie hatten kein Zuhause, der Regen schlug ans sie nieder. Schnecken fraßen an ihrer Wehrlosigkeit, und vor dem ersten Schnee waren sie verfallen, und ihre kleinen Leichen lagen überall auf dem Moos. Ich bin geneigt, zu lächeln über den Kinderschmerz und es würde doch nicht richtig sein, denn das erste, große, ganz umfassende Gefühl des Kindes war das Heimatgefühl, und ihm schien verloren und ausgestoßen, was ohne Heimat war. Llnd das Kind selbst? Wir alle, als wir klein waren, mit zu großen Hüten, hatten wir mehr über uns als einen dunklen Waldessaum und ein Gewölbe hoher Sterne? Da war das Antlitz der Mutter, das uns Sonne, Mond und Sterne war, da war das Wunder der Lampe am stillen Abend, der Winkel am Ofen und ein paar Wände, die ihn begrenzten. Hub weiter war nichts, älnd zur Rächt deckte man vielleicht ein Tuch über unser Gesicht, damit wir „ju Haufe" wären. Das im kleinen Kreise Kriechende waren wir, das nicht Wandernde, das Hilflose, das vor einem Käfer schrie. So klein war unsere Welt, so eng wie die eines jungen Tieres, wie jener kleinen Gesellen mit den großen Hüten, die immer verzaubert aussahen, gebannt, nicht zu erlösen. ^lnd heute sind wir die Herren der Welt. Der Raum ist unser, und die Zeit ist unser. Wir stehen in den Museen, die Zeit bricht auf, und unsere Hand kann rückwärts tasten bis zu den Zeiten der Aeghpter und Babylonier. Wir stehen in den Sternwarten, der Raum bricht auf, und unser Auge kann hinaustaften bis an die Ewigkeit des Orion-Rebels. „Amerika", sagt jemand. und vor unserem Bewußtsein steigt gehorsam die Welt empor, die ehemals eine „neue Welt" war. Steigt empor, zusammengesetzt aus Oie Bevölkerung ver oberhessischen Provinzialhauptstadt feiert mit Begeisterung die nationale Wende 2ck. Marz ck9o3 Eindrucksvolle Kundgebung der Garnison und der Bürgerschafi. - Ein beispielloser, gewaltiger Fackelzug. Helm Aufstellung zum ^eldgottesdienst. Das Musikkorps unter Leitung von Obermusik- rneister Krauße leitete die gottesdienstliche Feier in feiner Weise mit dem Cargo von Händel ein. Anschließend spielte sie einen Vers des Chorals „Ohm danket alle Gott". Hierauf sprach der evangelische Etandortpfarrer Landeskirchenrai Ausfeld. Er legte seiner Predigt das Wort Hosea 6, 1: „Kommt wir wollen wieder zu dem Herrn" zugrunde. In der Predigt sagte er u. a. In dieser Stunde versammeln sich die gewählten Vertreter des deutschen Volkes in der Kirche, die mit den stolzesten Erinnerungen der alten preußischen Armee verknüpft ist, über der Gruft des Königs, der des Staates erster Diener fein wollte, dessen hohes Pflichtbewußtsein dem preußischen Staat sein Gepräge gegeben hat und Der Besuch war (wie gestern erwarten) schwach; die Aufnahme sehr freub sich. hth. fonal Gelegenheit gegeben werde, an den Feiern in der Mittagsstunde teilzunehmen, aber auch zu dem Zwecke, dah dem denkwürdigen Tage wenigstens zu einem Teile ein sonntäglicher Anstrich gegeben werden konnte. Bereits vor dieser Anordnung der Regierung war in einigen Unternehmungen durch die Initiative .ihrer Leitung 1 freiwillig dem festlichen Charatter des Tages Rechnung getragen worden. So wurde in dem Hauptbetrieb der Tabakfabrik Georg Philipp Gail AG. und in den Gailschen Tonwerken von H.30 bis 13.30 Uhr die Arbeit unterbrochen. Das Personal versammelte sich in einem Raume der Betriebe und hörte dort durch Lautsprecher die Uebertragung der Feierlichkeiten in Potsdam. Heber 300 Personen konnten auf diese Weise in den beiden Gailschen BetriebenDhrenzeuge des geschichtlichen Vorganges fein. 3n den Filialbetrieben der Fa. Gail wurde die Mrbeit in der Mittagsstunde eingestellt, der Rest des Tages galt als Sonntag. Ferner hatte die Zigarrenfabrik Julius Holtmann G. m. b. H. ihren Betrieb geschlossen und die Angestellten am Rachmittag beurlaubt. Um die Mittagsstunde wurde der rege Verkehr in den Straßen immer stärker. Eine wahre Völierwanderung setzte nach der Reuen Kaserne ein. Zu Fuß und auf Fahrzeugen, sowie mit der Straßenbahn strebten Tausende der Kaserne zu, um dort an dem Der denkwürdige nationale Feiertag am gestrigen 21 März aus Anlaß der seierlichen Eröffnung deS neuen Reichstages fand auch in unserer Stadt begeisterten, vieltaufendstimmigen Widerhall. Rachdem noch am Montagabend Sturm und Regen wenig erfreuliche Aussichten auf den Festtag eröffnet hatten, strahlte der Morgen des gelingen Tages nach einem Wetterumschlag wahrend der Rächt in schönstem Frühlingssonnenlicht. Die Straßen zeigten schon vom frühen Morgen ab reichen Schmuck durch schwarzweihrote und durch Hakenkreuzfahnen, *ber auch durch die rotweißen hessischen Landesfarben. Erfreulicherweise war in so großem Ausmaß geflaggt worden, wie noch nie zuvor seit dem Kriege. In allen Straßen sah man den leuchtenden Fahnenschmuck, vielfach mehrere Fahnen an einem Haus Ueberall wollte ntan dadurch sichtbar seine Freude über den Durchbruch be« nationalen Gedankens und die entscheidende Wende in der deutschen Reichsführung zum Ausdruck bringen. Die Behörden hatten Sonntagsdienst. Die Schu- len waren geschlossen. Um den feierlichen Charakter des Tages noch zu erhöhen, hatte die nationale hessische Regierung noch am Montagabend angeordnet, dah die Geschäfte in der Zeit von 11 bis 15 Uhr schliehen sollten, damit dem Per- tausend Vorstellungen und Begriffen, gelernt, gelesen, erfahren, Landschaften, Menschen, Sprache, Geschichte, Vergangenheit und Zukunst. Die Erde gehört uns, das Meer, die Luft, der Aether, die Unendlichkeit. Wir haben die Welt erobert, jeder einzelne von uns. „Heim" bedeutet im Sanskrit die Wohnung, im Litauischen den Bauernhof, im Gotischen das Dorf. Und „Welt" bedeutet das Mannesalter, das Menschenalter, das All. Ungeheure Spannung, die zwischen den beiden Begriffen sich dehnt. Summe aller Menschheitswege, vom dämmernden Wandel des Kin- derlebens bis zum unendlichen All. Summe alles Suchens und Sehnens, aller Mühe und Wagnis, aller Opfer und Hingabe, alles Blutes, aller Tränen, aller Triumphe. Im Mutterleibe begonnen wie die Frucht aller Kreatur, dumpf, nicht wissend, ahnungslos, „selbstlos", und nun lächelnd über die Schmerzen und Träume der Kindheit, der Ratur sich entreißend, der Zeit und ihren Gesetzen, dem Raum und seinen Bindungen, hin- ausgeschleudert über die kleinen Brüder in Pflanze und Tier, ausgezogen wie Saul, uni seine Eselin zu suchen, und heimkehrend mit einer Königskrone. Vom Pfahlbürger zum Weltbürger, vom Höhlenbewohner zum Herrn des Aethers, von der Stummheit des Tierblickes zum Lächeln, zur Träne, zur Anbetung. Heimkeh- rend? 3a, wohin? Wo ist das Schloß, in dem man uns den Mantel von den Schultern lost, wo das Kissen, auf das wir unsere Krone zur Rächt legen können, wo die Hand, die ein Tuch über unser Gesicht deckt, damit wir „Zuhause" sind? Ein König ohne Krone ist ein schmerzliches Bild, aber ein König, der seine Krone nicht von der etimc nehmen kann, ist ein verzweifeltes Bild. Gibt es nicht ein Kirchenlied: „Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh?". Ist auch dies ein Kinderlied, des milden Lächelns wert, der spielerischen Erinnerung? Oder pocht es leise, wie der Ruf eines Schicksals? Mahnt es, dah wir bezahlen müssen für das, was wir gewannen, in Treuen und gerecht, wie in Gotteshaushalt bezahlt werden muh? Das Glück mit den Tränen, das Leben mit dem Tode, die Welt mit der Heimat? Rein, wir wollen nicht zurückweichen, auch nicht vor diesem Preise. Und wenn wir es auch wollten, wir können es nicht. So wenig wie eine Speiche im donnernden Rade anhalten kann, weil ihr vor dem Kommenden graut. Aber wir können es ein wenig bedenken. Auch an der Schwelle der „Welt", des Alls, können wir ein wenig die Schuhe ausziehen, wie wir als Kinder vor de« Schwelle der Heimat taten. eine neue Zeit für unser Volk, eine Zeil de» Heils und des Segens. Darum laßt uns ihn, an dessen Segen alles gelegen ist, bitten: Sprich Ja zu unseren Taten, hilf selbst das Bette raten, Den Anfang, Mitt' und Ende, Ach Herr zum Besten wende. Amen. Anschließend spielte die Militärkapelle „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" von Beethoven, 'sodann sprach der katholische Standortgeistliche Pfarrer £>r. HemmeS. Seiner Predigt schickte er als Losung die Worte des 18. Psalms voraus: Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, was seine Hände können, macht kund das Firmament. Es raunt ein Tag dem nächsten Botschaft zu. und eine Nacht vermeldet es der andern. Ihr Schall geht hinaus in die ganze Wett, bis an die Grenzen der Erde dringt ihr Laut. Dem Sonnenball wies (Gott) ein Ruhezeit im Meere an; er tritt hervor wie aus dem Brautgemach ein Bräutigam, und freut sich einem Helden gleich, die Bahn zu laufen. Von einem End des Himmels ist sein Ausgang, und bis zum fernsten Ende reicht fein Umlauf; und nichts kann sich entziehen seiner Glut. Kameraden! In dieser weihevollen Stunde weilen unsre Gedanken und Herzen an der bedeutungsvolle,n Stätte, an der die Führer des Reiches, nachdem sie den Beistand des unsichtbaren obersten Führers an gerufen, die lleberschrift aus eines neues Blatt der deutschen Geschichte setzen. Der Sturmschritt der Zeil eilt voran, ein Neues wird. Aber dieses Neue erhebt sich auf der Grundlage des soliden Alten. Des ist uns Bürge das Banner Schwarzweißrot. Die alten bewährten Tugenden fallen von neuem aufblühen und Zucht, Ordnung und Wohlstand verkünden. Fest und treu, nach alter Weise, ein Vorbild fei= nem Volke, steht der deutsche Soldat. Er hat die Welt erfüllt mit seinem Ruhme. Freund und Feind, ob willig oder widerwillig,^mußten in Achtung sich neigen vor dem deutschen Soldaten, und s o f o I [’s bleiben! Es ist nicht nötig, daß man viel von den alten Soldatentugenden redet, sie müssen in die Knochen hinein. Wo immer einer einem Soldaten begegnet, da sollte die Achtung in ihm aufzucken vor dem gewapp- neten Mann des Volkes, der in unerschütterlichem Gehorsam bis aufs Blut unsre gerechte Sache zu seiner eignen macht. Kameraden? höchste Wertschätzung des Berufes, als des Vermächtnisses der gefallenen Helden. Einsatz und Hingabe aller Leibes- und Seelenkräfte, auf Grund vaterländisch-religiöser Gesinnung, das fei das Gelöbnis, das wir am heutigen Tag mit dem schönsten und tiefsten aller Gebete, dem Vater Unser, zum Himmel schicken: Vater Unser ... Mit dem Niederländischen Dankgebet, von der Militärkapelle gespielt, sand der Feldgottesdienst seinen Abschluß. Rach einer kurzen Pause begann unter großer Spannung der vieltausendköpfigen Zuschauermenge die Parade. Aus das Kommando des Hauptmanns v o n i Stockhausen präsentierten die Kompanien, > während die Wehrverbände in strammer mili- : tärischer Haltung verharrten. Unter den Klängen i des Präsentiermarsches schritt der Bataillonskommandeur die Front der Truppe, der Polizei und eine Anzahl höhere Beamte der Justizbehörde, den Kreisleiter der RSDAP.. Landtagsabgeordneten Dr. Harth (Allendorf a. d. Lda.) und viele andere. Das ganze Bild machte bei dem klaren Frühlingswetter und dem leuchtenden Sonnenschein einen festlichen Eindruck. Gegen 11.40 Ahr gab der Führer der Parade- aufstellung, Hauptmann von Stockhausen vom Stabe unseres Bataillons, das Kommando „Stillgestanden!". Während die Front in militärischer Straffheit stand, meldete Hauptmann von Stockhausen dem herannahenden Dataillons- Kommandeur, Major von Wachter, das Bataillon und die Wehrverbände zum Feldgottesdienst und zur Parade. Der Kommandeur grüßte zunächst die Ehrengäste und nahm dann mi: Hauptmann von Stockhausen, dem Adjutanten Oberleutnant Breithaupt, Polizeimajor Hofmann, als Kommandeur der Schutzpolizei, Etandarken-Adjutant M ü n ? e r und Sturmbannführer Rickel als Führer der SA. bzw. SS., Dr. Dehne! und Kaufmann Petri vom Stahl- Frl. Deling als Monika Brink: eine richtige, ihrem beweglichen Temperament angemeffene, ihren vielseitigen Begabungen entgegenkommende, mit allerlei drolligen Pointen ausgestattete Operettenfigur. Frl. Flemming spielte die Lona in wirksamem Kontrast etwas opernmähig-hoch- dramatisch; gesanglich hatte sie mit dem Chanson von der wirllichen Freundin ihre beste Szene. Gießener Gtadtthearer. Eduard Künncle: „Glück-iche Reise". Das Motto zu dieser Operette in drei Akten (sieben Bildern) von Ulaj Bertuch und Kurt Schwabach erscheint während der Ouvertüre in Gestatt einer auf die Leinwand projizierten Zeitungsanzeige: zwei Ausländsdeutsche auf einer schrecklich einsamen und trostlosen südamerikanischen Farm suchen, vom Tropenkoller und vom Heimweh nach der alten Heimit gequält, mit zwei netten jungen Mädels wenigstens brieflicherweise übers große Wasser hinweg in Verbindung zu treten. Ein glücklicher Zufall gibt ihnen nach langer Zeit die Möglichkeit zur Heb erfahrt nach Deutschland. Aber erst als fie hier glücklich gelandet sind, werden sie gewahr, in was für ein Abenteuer sie sich eingelassen haben, und was für Schwierigkeiten sich einer paarweisen Rückkehr auf ihre gottverlassene Farm am Amazonas (da wohnen unsere Ahnen und schmeißen mit Bananen) ihnen bevorstchen. * Was sich an Zwischenfällen und Überraschungen während ihrer Brautschau in Deutschland alles ereignet, bis sich die vier seligen Hochzeitsreisenden an Bord begeben und gemeinsam in See stechen können, macht den eigentlichen Inhalt des Librettos aus, das sich stellenweise toie ein ganz seriöses Sprechstück gebärdet und jeben- falls unter Verzicht auf die konventionellen Mn» gereimtbeiten und den holden ilnfinn des durchschnittlichen Operettenschemas die Fabel nut allerlei netten Einfällen auszuftatten und zum heiteren Finale zu steuern versteht. • Die Vertonung stammt von Eduard K ü n n e l e, einem der Erfolgreichsten aus der jüngeren Operettengeneration. Seine Partitur ist ihrer ganzen Anlage und der Welodienführung nach, oyne in der Instrumentation übertrieben modern zu wirken, dem etwas exotischen Einschlag der romantischen Handlung, vor allem in der rhhth- ' mischen Akzentuierung, nicht ungeschickt angepaßt. Der Komponist scheint überdies den Ehrgeiz gehabt zu haben, mit feiner Musik nicht bloß die obligate Begleitung zur Dühnenhandlung zu geben; er macht sich, zumal im letzten Zwischenakt, auf eine nicht einmal unsympathische Art ein bißchen selbständig; einige lautmalerische Effekte, die den Leuten immer Spaß machen, ergaben sich zwanglos und gewissermaßen unter der Hand. Ursache, den Allmächttgen au Preisen, der Herzen der Menschen lenkt wie die Wasserbäche und der es gnädig gefügt hat, daß wir diese so lange ersehnte und so heiß erflehte Wendung in der Geschichte unseres Volkes erleben dursten. Darum sprechen wir: „Kommt wir wollen wieder zu dem Herrn, dem allein die Ehre gebührt." Große politische Ereignisie sind — das zeigt die Geschichte — nur dann der Beginn einer neuen besseren Zeit, wenn sie sich verbinden mit einer Rückkehr zu Gott und seiner Kirche zu dem Glauben unserer Väter, die es einst in den Stürmen der Freiheitskriege gelernt haben, zu bekennen: „Wer ist ein Mann? Wer beten kann und Gott dem Herrn vertraut." Was hat unser Volk gelernt im großen Krieg, den wir durchlebt haben? Wenn man heute zurück- schaut auf die Welle religiöser Begeisterung in den ersten Kriegsjahren und auf den Abfall der letzten 15 Jahre, dann muß man sich sagen: Vielleicht hat Gott uns diese Jahre des Niedergangs geschickt, um uns zu zeigen, wohin ein großes und mächtiges Volk kommt, wenn es feinen Gott verläßt, wenn es wandelt im Rate der Gottlosen, wenn es tritt auf den Weg der Sünder und sitzt, da die Spötter sitzen. dessen Siege den Grund gelegt haben zu der Größe und Macht Preußens und damit zu der Gröhe und Macht Deutschlands. Es ist nicht zufällig, daß der neue Reichstag heute dort zufarnmentritt, in einem Gotteshause. Ls ist ein Bekenntnis zu einem neuen Deutschland, das wieder ein christliches Deutschland fein will, wie es das alte Reich war, dessen stolze Farben Schwarzweißrot uns wieder grüßen von euren Kokarden und von unseren Fahnen, ein Deutschland, das die Ketten derer zerrissen hat, die Gott und sein Evangelium aus dem gesamten Leden unseres Volkes, aus der Gefehgebung, aus der Schule, aus dem ganzen öffentlichen Leben ausfchalten wollten. Da haben wir wohl alle Ursache, den Choral zu singen, der einst nach heiß erkämpftem Sieg über das Schlachtfeld von Leuthen klang: „Run danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden." An der Ost- und an der Südseite des weiten Platzes standen die Kompanien unseres Datall- lons. unmittelbar anschließend waren auf der Westseite die Schutzpolizei und Hllfspolizei unter Führung von Polizeimajor Hofmann, die SA. und SS. unter Führung des Standarten-Adjutan- ten M ü n k e r und der Stahlhelm BdF. unter Führung von Dr. Dehner aufmarschiert. Die Truppen und die Wehrverbände wurden von der riesigen Menschenmasse dicht umsäumt. An der offenen (nördlichen) Seite des Vierecks waren der Altar und die Kanzel für den Feldgottesdienst in militärischer Art hergerichtet, ferner hatten hier die Ehrengäste, Mitglieder der militärischen Ver» eine, Kriegsbeschädigte und eine weitere große Menschenmenge Aufstellung genommen. Unter den Ehrengästen bemerkte man den früheren Kommandeur unserer Garnison, Generalmajor a. D. Fritz, ferner eine Reihe alter Offiziere, Se. Magnifizenz den Rettor der Landesumversitat Pros. Dr. Ieß, Regierungsrat Grein, als» Vertreter des Äreisamtes und der Provinzialdi- 1 rcltion, Polizeidirektor Dr. Kayher, Bürger» . meister Dr. Seib als Vertreter der Stadt Gießen, | der Wehrverbände ab. Hierauf hörte man folgende Ansprache des Majors von Wachter: In dieser Mittagsstunde stehen im ganzen Deutschen Reich Wehrmacht und Polizei, Wehrverbände mit SA. und SS. in feierlicher Aufstellung, um auctf heute ihren Willen zu bekunden, stets die starken Stützen des Reichs zu sein, die sichtbaren Träger der Wehrkraft und des Wehrwillens. Mit ihnen zusammen stehen in unwandelbarer Treue die Vertreter der Behörden und darüber hinaus die vielen ungezählten Deutschen, die dieser Feierstunde nicht fernbleiben wollten. Sn diesen Minuten, während wir hier unter präsentiertem Gewehr stehen, während über deutsche Lande und deutsche Meere die Batterien des Reichsheeres und sämtliche Schlachtschiffe Salut schießen, schreitet der greise, ehrwürdige Feldmarschall-Reichspräsident zur Gruft der beiden großen Preußcnkönige, um an ihren Sarkophagen einen Lorbeerkranz niederzulegen, nicht nur als Zeichen der Verehrung, sondern auch zum Zeichen dafür, daß die pflichtauffassungen und die Tugenden dieser beiden königlichen Herrscher dem vom Volke gewählten Führer Vorbild und Richtlinie sein sollen, um uns, das Volk, wieder emporzuheben aus dem Sumpf der sittlichen, geistigen und wirtschaftlichen Verelendung der letzten Jahre und es einer neuen, einer deutschen Zukunft entgegenzuführen. Unsere Aufgabe ist es, jeder an seiner Stelle, aber da mit seiner ganzen Kraft, mit dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit mitzuarbeiten, mitzuwirken in deutscher Treue, mit blinder Treue, mit opferbereitem Gehorsam. Wir, die Wehrmacht und alle Verbände, die den Wehrwillen aus ihr Banner geschrieben und deren Jugend wir hoffentlich bald in unseren Reihen sehen werden, wir sind das Schwert in der Hand des Führers. Aber der Klang dieses Schwertes ist nur hell und rein, wenn jeder sich freudig und willig einschmieden läßt in den ehernen Stahl. Jede Stelle mit Eigenwillen oder Sonderwünschen wird zur Scharte, wenn das Schwert einstmals zum Schlage ausholen sollte. Wir alle, die wir hier in Reih und Glied stehen, sind vorn gleichen Stofs, wir alle sind beseelt vom gleichen Opfersinn für die Farben Schwarzweißrot. für die Millioneü ihr höchstes, das Leben, geopfert haben. Für uns sind diese Farben eng verwoben und verflochten mit zwei schwarzen Kreuzen, dem Eisernen Kreuz hier oben auf den Gebäuden, dem Hakenkreuz hier in der Paradeaufstellung: beide Kreuze sind Zeichen st o l z e r, s e l b st - bewußter vaterländischer Gesinnung. beide erstanden in Zeiten tiefster deutscher Rot. Mit Liebe haben wir Soldaten stets auf das Eiserne Kreuz in unserer Kriegsflagge gesehen, das Zeichen einer stolzen Vergangenheit, das mahnende Sinnbild einer hohen Tradition, die wir mit heißem Herzen gepflegt haben auch zu Zeiten, als cs vielfach üblich war, über Vergangenes und Gewesenes zu lächeln. Mit Freude sehen wir auf das Hakenkreuz, das. Kreuz, das Millionen und Abermillionen entfacht hat zu glühender Liebe und flammender Begeisterung fürs Vaterland. Die Kräfte, die diese beiden Kreuze ausstrahlen, haben sich zusammengefunden, sie wurden die in dieser Wucht kaum, je gekannte geeinte nationale Kraft. Diese geeinte nationale Kraft gibt unseren Führern, dem Präsidenten und dem Kanzler des Reiches, die Möglichkeit, im Innern wieder auszubauen, nach außen die deutsche Stimme wieder in die Waagschale im Kreis der Völker zu werfen. Die deutsche Stimme wiegt wieder? Die Zeiten sind endgültig vorbei, wo über unser Schicksal entschieden wurde, ohne uns überhaupt zu fragen. Die geeinte nationale Kraft entscheidet über Deutschlands Zukunft. So ist es unsere heilige Pflicht, dafür zu sorgen, daß sie nie erlahme. Es ist unsere heilige Pflicht, sie zu nähren mit unserem Gut, mit unserem Blut! ilnfer ganzes Denken und Fühlen kenne immer nur unser Vaterland! Das sei unser Gelübde in dieser Feierstunde, in der die nationale Erhebung des Voltes durch die deutschen Führer ihre Krönung erfährt durch den Staatsakt in der Garnisonkirche zu Potsdam. Diesem Gelübde verleihen wir Ausdruck durch den Ruf: Unser heißgeliebtes deutsches Vaterland Hurra! * __ , Begeistert stimmten die Truppen, die Wehrverbände und die riesige Menschenmenge in den dreimaligen Hurra-Ruf ein. Hieraus wurde unter den Klängen der Militärkapelle gemeinsam das Deutschlandlied gesungen. Oer Vorbeimarsch der Truppen und der Wehrverbände. Rach der Ansprache des Kommandeurs formierten sich die Kompanien, die Polizei und Hilfspolizei, die SS., SA. und der Stahlhelm zum Vorbeimarsch vor dem Dataillonskomman- deur. Auf dessen Einladung nahmen die Ehrengäste in seiner unmittelbaren Rähe Aufstellung, um hier Zeuge des eindrucksvollen Geschehens zu sein. Sn schneidiger Weise, in prächtigem Paradeschritt marschierten die Kompanieü in Zügen vor ihrem Kommandeur vorüber. Trefflich und in guter Marschdisziplin folgten ihnen die Schutzpolizei und die Hilfspolizei, anschließend die Wehrverbände. Es war ein denkwürdiges Erlebnis, dessen Zeuge die riesige Zuschauermenge hier wurde, und ein überzeugender Beweis für die Stärke des hohen nationalen Schwungs, der nun wieder nach langen Sahren des Riederbruchs zu neuem, opferbereiten Wirken ans Tageslicht gekommen ist und in dem Vorbeimarsch unserer Gießener Wehrmacht und der nationalen Verbände sichtbaren Ausdruck fand. Mit diesem Erlebnis fand die erhebende Feier auf dem Ka- sernenhof ihren Abschluß. Unter den Klängen der Militärmusik rückte kurz darauf die 3. Kompanie unter Führung ihres Ch^fs, Hauptmann Caesar, in Begleitung einer riesigen Menge von der Reuen Kaserne zur Zeughauskaserne ab. Die SS., SA. und der Stahlhelm schlossen sich von der Kaserne aus diesem Marsche an, um unterwigs nach ihren Standorten abzuschwenken. Militärische Platzmusik. Von 18 bis 19 Ahr gab unsere Militärkapelle unter Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e auf der Südanlage ein Platzkonzert, das von einer großey Menschenmenge besucht war. Die schneidigen Weisen der Militärmusik sanden mit Recht allenthalben lebhafte Anerkennung und wurden zu einer guten Aeberlei- tung zu dem großen Erlebnis, das unsere Bürgerschaft in einzigartiger Weise am Abend hatte. Oer Fackelzug. Cs ist schwer, alles das in Worte zu fassen, was gestern abend vor und bei dem Fackelzug an innerem Erleben zu verzeichnen war. Zunächst eines: Der Wettergott, der den Rachmittag durch häufige Regenschauer gründlich verdarb, hatte Einsicht und für den Abend ein Wetter beschert, das eine ungestörte Durchführung des Fackelzuaes ermöglichte: über dem festlichen Bild unserer Straßen leuchteten sogar die Gestirne des Himmels. Damit war die Vorbedingung für einen guten und freudigen Abschluß des nationalen Festtages gegeben. 3n den Straßen herrschte schon von 19 Uhr ab Großbetrieb. Immer mehr famm Lc< ,idie Menschenmassen an. Allmählich wurde die Menge immer noch größer. Sn den Marschstraßen von der Marburger Straße ab stellten sich Kopf an Kopf Tausende zu beiden Seiten der Fahrbahnen aus und gaben damit einen wunderbaren Rahmen für das grandiose Bild, das sich etwa eine Stunde später allenthalben in den Marschstraßen des Fackelzuges entrollte. Der Zug stellte sich mit der Spitze an der Ecke Marburger Straße Steinstraße auf. Sn dichten Kolonnen standen die Formationen der Zugteilnehmer. An der Spitze war die SS. zu sehen. Erfreulicherweise unmittelbar hinter ihr, also zur Eröffnung des Fackelzuges, als Repräsentantin der Gießener Garnison die Militärkapelle unter Leitung von Obermusikmei- ster K r a u ß e. Anschließend folgten die Formationen der SA., dann die weiteren Gruppen der RSDAP. Bei der großen Fülle der Teilnehmer ist es unmöglich, jede einzelne Organisation oder Gruppe registrierend hier zu vermerken. Als Gesamtbild sei gekennzeichnet, daß es wohl keinen Verein oder Verband, die der neuen Staatsführung Gefolgschaft leistet, gegeben hat, der sich gestern abend ausgeschlossen hätte Ohne eine Organisation zurücksehen zu wollen erwähnen wir als Beispiele für die Vielseitigkeit der Zusammensetzung des Fackelzuges nur folgendes: Man sah neben den schon erwähnten Organisationen die Studentenschaft in Wichs mit ihren Fahnen, die Lurnerschalt, den Stahlhelm, den Sungdeutschen Orden, viele Vertreter und Beamte aller Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, von der Spitze angesangen bis zum letzten Mitarbeiter: Vertretungen des Handwerks mit ihren ehrwürdigen Fahnen; die Sportvereine aller Arten, selbstverständlich auch die verschiedenen Militärvereine. Die Polizei marschierte unter Führung ihrer obersten Beamten mit zwei großen Hakenkreuzfahnen und Hakenkreuzarmbinden geschlossen mzt. Die Beamtenschaft unseres Bahnhofs, der Reichspost, des Zollamts und die Straßenbahner waren als geschlossene starke Gruppen, z.T. mit Fahnen, ebenfalls besonders bemerkenswert. Weiter sah man erfreulicherweise die Sagend in zahlreichen Organisationen und auch in Schulklassen, Frauengruppen der verschiedensten Organisationen, sogar die Reiterei war durch eine Abordnung des Reitervereins beritten im Zuge vertreten. Sehr zahlreich waren die Pfadfinder und artverwandte Organisationen, kurzum die gesamte bün- dische Sugend, erschienen. Den Schluß des Zuges bildeten die beiden Gießener Feuerwehren. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz hatte sich selbstverständlich wieder in opferbereiter Weise selbstlos in den Dienst der guten Sache gestellt und begleitete den Zug ebenso wie eine Anzahl Feuerwehrleute, die zur Sicherung bei etwaigen Anfällen sogleich zur Stelle waren. Erfreulicherweise ging aber alles glatt vorüber. Die Aufstellung des Zuges reichte von der Ecke Steinftcaße 2Tiarburger Straße trotz enger Gruppierung der Organisationen bis weit in die IDeftanlage hinein. Ein prächtiges Bild hatte man dort schon, als die Fackeln entzündet wurden. Der Marsch begann gegen 21 Uhr. Er ging durch die Marburger Straße, Wall- torstraße, Lindenplatz, Kirchenplatz, Marktplatz, Marktstraße, Bahnhofstraße, Liebigstraße, Frankfurter Straße, Seltersweg, Neuenweg, Gartenstraße, Lud- wigsplatz, Kaiserallee zum Trieb. Aus dieser Strecke bot sich ein wunderbares und unvergleichliches Bild. Nach mehrfachen Beobachtungen, die mit unseren eigenen Wahrnehmungen übereinstimmen, war die Spitze des Zuges schon in der'Liebigstraße angelangt, als sich die Feuerwehr als Schluß auf der Westanlage eben in Bewegung fetzte. Schätzungsweise haben an dem Fackelzug etwa 5000 Personen leilgenommen. Grandios war der Anblick, den man bei langgestreckten Straßenteilen auf die unübersehbare wandelnde Feuerschlange hatte. Ueberall begrüßte die Bevölkerung durch herzliche Zurufe, zum Teil durch lebhaftes Händeklatschen einzelne Gruppen oder Verbände des Zuges. Daß die Gießener Bevölkerung fast vollkommen und zu vielen Tausenden die Marschstraßen besetzt hatte, konnten wir daraus schließen, daß beim Passieren von einigen durch den Zug nicht berührten Straßen meist unbeleuchtete Wohnungsfenster zu sehen waren und auf den Straßen geradezu Todesstille herrschte. Die Begeisterung führte sogar dazu, daß vor dem Stadttheater eine ganze Anzahl Personeir erschienen, die die Theatervorstellung veranlaßt hatten, um sich das unvergeßliche Schauspiel dieses Zuges anzusehen. Aebrigens war das Stadttheater an diesem einzigartigen Abend na- türl'.ch sehr schlecht besetzt. Auf dem Trieb fand der Fackelzug, dem in Gießen bisher etwas Gleichartiges oder annähernd Aehnllches überhaupt nicht zur Seite zu fetzen ist, seinen Abschluß. In weitem und mehrfach in der Tiefe gegliedertem Viereck marschierten die Zugteilnehmer mit ihren Fackeln auf. Ein herrlicher Anblick, die Tausende von brennenden Fackeln in der dunklen Nacht zu sehen. Rundherum eine unübersehbare, riesige Menschenmenge. Immer und immer wieder — obwohl schon etwa ein Drittel des Zuges vor uns auf dem Trieb angekommen war — beobachteten wir neue wechselvolle und interessante Bilder der anmarschierenden Organisationen. Musik und Spielleute sorgten auf dem ganzen Wege für flottes Tempo und auf dem Trieb für schneidigen Anmarsch. Vielfach erklang froher Liedergesang. Rach länger Zeit des Vorbeimarsches kam endlich die Feuerwehr als Schlußteil an. 3m Handumdrehen hatte sich der riesige Kreis geschlossen. And nun sand die beim Einmarsch aller Organisationen unermüdlich spielende Militärkapelle eine kurze Atempause. Gleich darauf spielte sie die drei Verse des Deutschlandliedes als gemeinsames nationales Bekenntnis. Mächtig klang der Gesang der Tausende von Menschen zum nächtlichen Himmel empor. Hierauf brachte der Kreisleiter der RSDAP.. Landtagsabgeordneter Dr. Harth, ein begeistert aufgenommenes dreifaches Sieg-Heil auf den Führer des Dritten Reiches, Reichskanzler Adolf H i t- l e r aus. Anschließend sang die Menge unter Begleitung der Militärkapelle das Horst-Wessel- Lied. Begeistert wurde sodann dreimal in die von Major a. D. Hanneken ausgebrachten Hurra-Rufe auf den Feldmarschall-Reichspräsidenten von Hindenburg eingestimmt. Damit hatte die Kundgebung, die für jeden Teilnehmer unvergeßlich bleiben wird, ihren Abschluß gefunden. 3n vollkommener Ordnung rückten die Kolonnen dann nach der Stadt ab, begleitet von der riesigen Menschenmenge. photographische Aufnahmen von der Feier auf dem Hof? der Neuen S.aferne sind seit heute früh im Bilderkasten an unserem Geschäftshaus zu sehen. Unsere Mitbürger seien besonders darauf hingewiesen. Was hist Du dem Buche schuldig? Zum Tag des Buches: 22. März. Bon Or. Johannes Günther. Was bist du dem Buche schuldig? — Oh, du bist sehr verwöhnt, mein Lieber. Denn meistens wird die Frage umgekehrt gestellt: was ist das Buch dir schuldig? Der Autor hat es schwer, sich beim Schreiben auf seine Arbeit zu sammeln. Er möchte ganz für das Wesentliche seines Stoffes da sein, aber es mischt sich viel Anderes ein: die Wünsche der Leserschaft. Die „Wünsche", die er ja eigentlich gar nicht kennt und gar nicht kennen kann, die ihm aber als undeutliche Aeußerungen, meistens in Form verneinender Vorwürfe vom Verleger, vom Buchhändler zugetragen werden und die sich in ihm dann fcstsetzen als Wahnvorstellungen, als „Komplexe", wie man heute sagt, die ihn aber mehr beirren als fördern. Laß mich diese „Komplexe" nur einmal für ein paar Augenblicke heraufbeschwören: „Spannend soll das Buch sein — und es soll doch nicht so an die Nerven gehen, daß man dabei nicht auf der Chaiselongue liegen könnte. „Etwas Besonderes" soll das Buch sein, — aber die Grundfesten des Hergebrachten, auf denen man garantiert sicher wohnt, darf es nicht erschüttern. Geistreich und witzig soll der Verfasser fein, er soll Satire riskieren, — aber fein Stand will sich beleidigt fühlen. Gesinnung soll bas Buch an den Tag legen — aber wehe, wenn irgend- ein Leser sagt: es ist nicht meine Gesinnung. Das Buch soll der Zeit entsprechen, es soll ein „Zeitbuch" sein — und doch wiegen einige Weise ihre Häupter und sagen: wir wollen Bücher, die nicht der Zeit verhaftet sind, sondern der Ewigkeit dienen (und ihnen möchte das Gewissen des Schriftstellers recht geben). Das Buch soll umfangreich sein, man will etwas in der Hand haben für sein Geld — jedoch allzuviel Geld kann und will man nicht anlegen, darum darf die Seitenzahl übers vierte Hundert nicht hinausgehen. Ein schlicht eingebundenes Buch wird nicht gekauft, es „geht" nicht. Die „Ausstattung" muß „erstklassig" sein. Bestes Papier. Sorgsam gewählte Lettern (die Fachausdrücke, ich möchte fast sagen: die Kosenamen, für die Schrifttypen sind den Bezeichnungen verwandt, welche die Meistersinger ihren Liederweisen gaben, als da waren „Rosmarin-Weis", „hohe Firmamentweis" usw.). Und elegant soll der Einband fein, wirkungsvoll das Umschlagpapier — aber was ist „elegant" und was „wirkt"? All' das soll dir das Buch schuldig sein. Zugegeben. Aber du kannst es dann dem guten Geiste des Buches nicht verübeln, wenn er sich auch einmal zum Worte meldet und ausspricht, was d u als Leser i h m schuldig bist. Das Buch, das aus hohem Sehnen und Wollen, ich möchte fast sagen: mit heiligender Kraft, geschrieben, „gedichtet" worden ist — ich denke im Folgenden an Werke der erzählenden und lyrischen Poesie — ein solches Buch hat den Anspruch darauf, von dir in einer Stunde der Sammlung, ich könnte wohl auch sagen: der Andacht, in die Hand genommen zu werden. Zu guter Zeit mußt du lesen. Das Buch muß dich irgendwie bereit finden. Das Buch ist nicht bloß dazu da, daß du dich aus ihm über einen Stoff, über einen Geschehnis- Ablauf „orientierst", daß du es „verschlingst". Du mußt wahrhaftig lesen. Lies langsam, lies Wort um Wort. Lies laut Das Wort, geschrieben, gedruckt, ist der Note gleich, die im Notenheft ein verwunschenes Leben führt, .bis der Sänger, der Musiker, sie zum Klange erlöst. Das gedruckte Wort ist, wie es da schwarz auf weiß steht, nur erst eine Notiz, ein Erinnerungsmittel, nur erst etwas Unfertiges, Vorläufiges. Es will und muß unbedingt ausgesprochen werden — dann zeigt sich sein Wert, dann wird die Schönheit offenbar, die der Dichter meinte, als er das Wort schrieb. Fürchte dich nicht, in deinem Zimmer für dich laut zu lesen. Nimm es gern auf dich, wenn Leute, die dich belauschen, dich um deines „seltsamen" Tuns willen einen Narren nennen. Noch besser aber, du lieft gemeinsam mit andern. Es ist eine schöne Bewegung, die sich für Hausmusik einsetzt. Es lohnte sich ebensosehr, zur Bildung von Lesegemeinschaften, im Familien-, im FreundesKreise aufzurufen. — Wir wollen nicht die gräßliche Gepflogenheit, ein Buch mit dem Ablauf seines Erscheinungsjahrs aus der Mode kommen zu lassen, mitmachen. Gegenwärtig ist es ja so (und ist schon eine der wichtigsten „Tatsachen" für die verlegerische Kalkulation): ein Buch muß in einem Fahre abgesetzt und ausverkauft sein — denn im nächsten Jahre ist, wenigstens mit der bisherigen Auflage, kein Geschäft mehr damit zu machen, inf nächsten Jahr sucht das Publikum auf den Tischen der Sortimentsbuchhandlungen nach neuen Büchern. Das ist traurig! Immer die Gier nach Neuem! Nein: der Leser sollte zu guten Büchern immer wieder zurückkehren, bei ihnen immer wieder das Wunder des Klangwerdens erleben und: sein eigenes Ausdrucksvermögen an ihnen bilden. Wenn du einen Gedanken, ein kurzes Geschehen bei einem guten Schriftsteller besonders lebendig und eindringlich gestaltet findest, bann klappe, nachdem du gelesen hast, bas Buch zu, nimm Feber und Papier ünb versuche ben Inhalt des Gelesenen, sy gut wie du es kannst, niederzuschreibön, und dann nimm bas Buch roieber vor unb vergleiche bein Geschriebenes mit bem Gebrückten — nicht, um bich burchaus zu beschämen, aber um zu erkennen, wie man einen Gebauten, ein Geschehen zum Ausbruck bringt, in welcher Hinsicht bu es hättest besser machen können und müssen; und du bekommst bei solchen Erwägungen auch eine Ahnung von bem, was „dichten", was Worte künstlerisch behandeln heißt. Das sind Stilübungen, die reichen Ertrag bieten, wenn man sie mit geduldigem Streben wiederholt. Die gewonnenen stilistischen Standpunkte bieten dir allmählich auch einen Maßstab zur Beurteilung von Büchern, die dir begegnen, also auch zum Erkennen minderwertiger Literatur. Wenn du dir über ein Buch eine gegründete, reiflich erarbeitete Meinung gebildet yast (oder, wenn du mit einem Buch ober einem Teil des Buckes, gleichfalls nach reiflichem Durchdenken, „nicht fertig wirst", das heißt: vor Rätseln stehst), dann suche Anschluß und Klärung bei andern. Diese Notwendigkeit würde dir leichter gemacht, wenn du bereits in einer Lesegemeinschaft ständest. Mit einem Gespräch über Bücher wendet ihr wohltuend den Klatsch ab. Empfiehl ein Buch, das dir gefallen hat. Immerhin dränge deinen Geschmack keinem anderen auf; sei auch zurückhaltend damit, vor Büchern zu „warnen", die du glaubst verurteilen zu müssen. Dann freilich, wenn cs dich unwiderstehlich zum Bekenntnis treibt, predige getrost und mit ganzem Einsatz: dafür ober dagegen! Man soll Bücher nicht verleihen — davon werden Dichter unb Buchhändler nicht satt —, man soll zum Kauf veranlassen: das ist zwiefach beherzigenswert in einer Zeit, wo (es ist bitter zu hören) um wirtschaftlicher Not willen Ausgaben für geistige Güter gestrichen werden aus dem Etat des Einzelnen und der Gesamtheit. Von dem, was du also Dem Dichter „schuldig" bist, wird er nicht „satt". Seine Bitte ist ideell. Das rechne ihm hoch an und erfülle sie! ---------- -------- .... .......... "3 ©Ji.-'fpOTt .Waldlauf im Lahn -Oünsberg Gau. Anter starker Veteiligung führte am vergangenen Sonntag der Lahn-Dünsberg-Gau feinen diesjährigen Frühjahrs-Waldlauf durch. Die Veranstaltung wurde von Turnverein Launsbach ausgerichtet. Sieger in der 3ugendunterstuse (2000 Meter) wurde Karl B e ch t h o l d - Launsbach, Zeit 9:04,5 Min. 3n der Jugend-Oberstufe (3000 Meter) sicherte sich L. Dender - Garbenheim in 12:22,5 Minuten den Sieg. 3n der Klasse der Handballer (3000 Meter) wurde K. Psass - Launsbach Erster. 3n der Klasse der Aktiven, die über 5000 Meter zu starten hatte, wurde Karl Bremer- Erda erster Sieger. Ausführlicher Bericht folgt. Flugsport 1933 im Flughafen Gießen. Nachdem bereits im Jahre 1932 die Sportluftfahrt auf dem Flugplatz Gießen erfreuliche Fortschritte gemacht hat, scheint das Jahr 1933 neuen Auftrieb der Luftfahrt Oberhessens zu bringen. Ende vorigen Jahres waren in Gießen fünf Flugzeuge beheimatet. Es waren die Flugzeuge D 1866 und D 2249 der Südwestdeutschen Sportflieger - Vereinigung, die Klemm-Maschine D 2119 des Vereins für Luftfahrt Wetzlar, das Schulflugzeug D 1638 der Fliegergruppe Polytechnikum Friedberg und der Doppeldecker D 2249 des Sportfliegers Erbprinz Otto z u Hohenfolms-Lich. In den letzten Wochen trafen drei weitere ^Flugzeuge ein, die endgültig auf dem Flugplatz Gießen stationiert wurden, und zwar Das Flugzeug Caspar 32 D 1145, das Lbunstflugzeug BFW. D 1858, (Eigentümer Fluglehrer Maier, Gießen), unb der Doppeldecker D 492, Typ Dietrich DP Ila, der Fliegergruppe Friedberg. Da weiter in diesen Tagen die Fliegergruppe Friedberg noch ein Flugzeug, Typ Klemm L 26, zu Schulzwecken erhält, besteht der Flugzeugpark nunmehr aus neun Motorflugzeugen, zu denen sich noch einige Segelflugzeuge gesellen. Reger Flugbetrieb herrscht zur Zeit auf dem Flughafen, da die Fliegergruppe Friedberg einen Schulungskursus durchführt und die Südwestdeutsche Sportfliegeroereinigung Trainingsflüge erledigt und Rundflüge über Gießen nach Bedarf ausführt. Verbandsspiel-Ergebuiffe aus dem Gau Gießen-Wehlar. Bezirkskiassel (Gruppe Lahn): Wetzlarer SV. — Ockershausen 5:1 (2:0). Bezirksklasse II: Aßlar — Ehringshausen 6:0 (3:0); Bissenberg — SV. Wetzlar II 6:1 (2:1); SC. Wehlar-Riedergirmes — Weilburg 4:1 (3:0); Steinberg — VfB. Gießen II 2:1 (1:0); Lollar — Ettingshausen, für Lollar gewonnen. Ehringshausen verzichtet auf Spiel und Punkte. Gauklassel: Aßlar II — Werdorf 1:2 (0:0). Heuchelheim — Lieh 1:0 (0:0); Wieseck gegen 1900 Gießen III 2:6 (2:3); Grohen-Buseck gegen Stembach 0:3 (0:0); Rieder-Weisel — Garbenteich 4:4 (3:2); Butzbach II — Dutenhofen 6:2 (3:1). Gauklasse II: Allendorf II — Leun, für Leun gewonnen; Weickartshain — Flensungen U. für Weickartshain gewonnen.